flbenöausgabe Nr. 592 4- 42. Jahrgang Ausgabe g Nr. 195 Bczugsbcdinzungen und Anzeigenpreis« find in der Morgcnauezade angegeben «edaNion: Sw. öS, Lindenslcatze 3 Fernsprecher: VSahoff 292— 295 I«l..Udresse:SoziaIvem»rra» verlla rw Devlinev Volksblatt (lO Pfennig) Donnerstag 20. August 1025 Berlag und Anzeigenabteilung T«rch!lft»,«it»-S Uhr Verleger: vorroarl». Verlag»SmbH. Verlin Sw. 0«.«»denstrab- 3 Fernsprecher: vdahoff 2506-2507 Zentralorgan der 8ozialdemokrati leben Partei Deutfcblande Justizministerium und Staatsanwaltsthast. Erklärung des Ministeriums auf deutschnationale Angriffe. Die nun schon hinlänglich bekannten Geldgeber der deutschnationalen Bureaus zur Verleumdung der Sozialdemokratie und zur Verwertung ge- st 0 h l e n e r Akten, die B a c m« i st e r und Leopold, haben in der gestern Abend ausgegebenen Rechtspresse ein« Reih« neuer Beschuldigungen gegen das Justizministerium und gegen den Leiter der Berliner Kriminalpolizei erhoben. Gegenüber dieser Beschuldigungen erhäst der Amtliche Preu- hische Pressedienst vom preußischen Justizministerium folgende Er- ktärung: .Die wiederholte Behauptung, daß das Justizministerium in die Sachen Sklarz, Barmat und K u t i s k e r unter Partei- politischem Druck eingegriffen habe, sowie die Behauptung, daß die Neubestellung der staatsanwastschaftlichen Sachbearbeiter für die Sache Kutisker nach Ausscheiden des Gerichtsassessors Caspar? unter irgendwelchen illegalen Einflüssen gestanden habe, ist unrichtig. Die Bestellung dieser Sachbearbeiter ist nach dem überein st immen- den Vorschlag der General st aatsanwälte beim Kammergericht und beim Landgericht I erfolgt. Ob hie Angaben über telephonische und mündliche Gespräche von Staatsanwällen mit Kutisker richtig sind, ist dem Justizministerium nicht bekannt: es wird geprüft werdem Es ist ferner unrichtig, daß Ministerialrat Kuhnt bei seiner Erklärung gegenüber dem Untersuchungsausschuß des Landtages das Schlußgutachten über den Sektionsbefund des Dr. chöfle planmäßig zurückgehalten* habe. Ministerialrat Kuhnt hat vielmehr in seinem Vortrag, den er in der ersten Sjtzung des Untersuchungsausschusses als Regierungskommissar weisungsgemäß gehalten hat, nach dem stenographischen Protokoll(Sp. 25 ff.) eine kurze Uebersicht nicht bloß über den InHall der vorläufigen Gut- achten der Obduzenten und des chemischen Sachverständigen, sondern auch über das Ergebnis, zu dem das Schlußgutachten Hinsicht- lich der objektiven Todesursache gelangt, gegeben und folgendes hinzugefügt: „Ich habe nur über die objektive Todesursache vor- getragen und habe alles andere weggelassen. Ich bille, nach dieser Richtung kein Mißverständnis aufkommen zu lasten. Ich habe mich jedes Urteils über die subjektive Todesursache entHallen. Ich habe auch das, was über die subjektive Todesursache in dem einen Gutachten entHallen ist, nicht vorgelesen. Ich glaube, damst auch den Wünschen der Mitglieder des Ausschusses entsprochen zu haben, weil die Ermittlungen nach dieser Richtung hin nicht abgeschlossen sind. Mit Rücksicht aus die Ausführungen des Abg. Dr. Wester hebe ich noch einmal zur Vermeidung falscher Schlüsse hervor, daß die Ermittlungen über die subjektwe Todesursache noch nicht abgeschlossen sind, vielmehr noch schweben.* Ministerialrat Kuhnt hat auch den denmächst vernommenen B e- amten der Staatsanwaltschaft vor ihrer Vernehmung durch den. Untersuchungsausschuß nicht befohlen, das Gutachten zu verschweigen. Die Sache verhüll sich vielmehr so, daß den Be- omten die nach dem Gesetz erforderliche Genehmigung zur Aussage bezüglich solcher Fragen nicht ertellt worden ist, die das schwebende Verfahren gegen Barmat und Genosten betrafen und daß weiterhin im Justizministerium beschlossen worden ist, daß, wenn etwa die Vernehmung dieser Zeugen sich, was nach dem Be- fchluß des Ausschusses über ihre Vernehmung nicht anzu- nehmen war und auch nicht eingetreten ist, auch auf andere schwebende Verfahren, insbesondere auf das Todes» ermittlungsverfahren, erstrecken sollte, dann die Aussagegenehmigung auch noch insoweit verweigert werden solle. Die Staatsanwaltschaft I. Wir erhalten folgende Zuschrift: V Die Enthüllungen des„Vorwärts* über die Staatsanwaltschaft T hoben zugleich die überaus auffällige und beschämende Tatsache ent- hüllt, daß eine ihrem Wesen nach zur Aufklärung und Straf- Verfolgung bestimmte Behörde in ihrem eigenen Be- reich und Wirkungskreis von privater Seite selbst aufgeklärt und von ihrem' eigenen Hilfsorgan, der Kriminalpolizei, verfolgt werden muß. Das ist in der Geschichte der preußischen Justizverwaltung noch nicht dagewesen Es wäre zur Zeit der wilhelminischen Iustizmmister auch nicht möglich gewesen. Damals genügte bei der straffen Zucht in allen, insbesondere den politisch und bureautrattsch organisierten Der- waltungen ein Sttrnrunzeln des Vorgesetzten, um Entgleisungen zu verhüten. Wehe dem unglücklichen Staatsanwalt, der etwa unter Beseler es gewagt hätte, eine Aktion zu unternehmen, von der er nur annehmen konnte, daß sie„oben* nicht genehm war. Er hätte sich andern Tags in Posemukel wiedergefunden. Denn die Staats- anwaltschaft i st keine unabhängige Behörde. sondern jeder ihrer Beamten ist zum unbedingten Gehör- s a m seinen Vorgesetzten gegenüber verpflichtet. Sie war in wil- hclminischer Zell gewissermaßen eine militärische Behörde. Als ich 1913 Assessor bei der Staatsanwaltschaft I war und wegen eines Etnstellungsbescheides in einen Konflikt mit dem stellvertretenden Ab- leilungsvorfteher geriet, mußte ich mir sagen lassen:„Sie haben sich zu fügen, wir sind hier ganz militäris ch*.(worauf ich sobald als möglich abging, denn ich bin Antimilitarist). Der da- malige Chef der Staatsanwaltschaft I, Oberstaatsanwall Ehr es- z s i n s k i, ein äußerst energischer Herr, sah seinen Beamten scharf auf die Finger uni> paßte genau auf, daß ihm nichts Wesentliches entging. Sein Vorzimmer war stets voll von Dezernenten, die außer zum Abteilungsvorsteher auch zu ihm zum Vortrag mußt»», und wie oft bin ich leise schimpfend aus dem überfüllten Vorzimmer pneder zu meiner Arbett fortgerannt, um«s zu anderer Zett oa» neuem— so manches Mal wieder erfolglos— zu versuchen. Geht man von diesen historischen Tatsachen aus, so sind zweierlei Möglichkeiten: entweder es ist noch so wie früher— dann müssen die Handlungen der Staatsanwälte in den Barmat-, Kutisker-, Höfte- Affären von den leitenden Beamten: Ober- und General- staatsanwalt gebilligt sein, und diese leitenden Beamten wären mitverantwortlich für ihre Untergebenen: oder aber die Aufsicht ist nicht mehr so scharf wie früher— dann haben diese lettenden Beamten, insbesondere der Ches, eben versagt. In beiden Fällen aber müssen diese Aufsichtspersonen die Konsequenzen des verfehllen und Aegernis erregenden Verhallens ihrer Unter- organe tragen, und man darf letztere nicht als Sündenböcke in die Wüste schicken. Mit anderen Worten: Hier tft die Verantwortlichkeit der Chefs engagiert. Wer, wie ich, die Dorkriegszuftände der Berliner Staatsanwaltschaften kennt, dem ist es ganz unverständlich, wie hier junge Dezernenten ohne genügende Aufsicht und Kontrolle auf Reisen geschickt, in die Luft losgelassen und auch sonst ganz selbständig verwandt werden konnten, noch dazu in Angelegenheiten. die dem Staatswohl abträglich waren. In den Weihnachts- und Neujahrstagen haben Staatsanwälle und Richter mit Hochdruck gearbeitet, das ist bisher unerhört in der Geschichte der Justizverwallung. Es muß überhaupt einmal gesagt werden, daß die Republik zu ihrem eigenen Schutz«ner. gischer darauf achten muß, daß nicht von ihren eigenen Beamten Per- fahren eingeleitet werden, die ihrem Ansehen abttäglich sind. Die Justizverwaltung ist gesetzlich berechtigt, die Staatsanwalt- schaft im Staatsinteresse zu instruieren und von einem Der- fahren abzuhalten. Hier hotte sie zu prüfen, ob es politisch zweck- mäßig war, überhaupt ein Verfahren einzuleiten oder es über eine gewisse Grenze hinaus nicht auszudehnen. Ueberhaupt muß man sagen, daß die Staatsanwallschast I wiederholl— im militärischen Sinne—„aufgefallen* ist. Da war der Herr Zumbroich, beinahe Minister des seligen Kapp, jetzt wohlgelittener Staqtsanwall in Frankfurt am Main, da ist noch der vom„Vorwärts* vor einigen Jahren so heftig befehdete Abteilungsvorsteher Oberstaatsanwall von Elaufewitz, da war, wenn ich nicht irre, der Staatsanwalt G u t j a h r, da las man von einem „zwiebelnden Staatsanwalt* Duden, und da ist schließlich das Gras der Herren, die ihren dem republikanischen Richterbund an- gehörigen Kollegen so behandelten, daß er zu einem anderen Staat ging. Alles in allem: bei der Staatsanwallschast I fehlt die energische Faust, die im Sinne der Republik Ordnung schafft. Amtsgerichtsrat Dr. Scholz. Der Internationale Kongreß. Vorbereitungen in Marseille. Alarseille. 20. August.(Eigener Drahtbericht.) In der ganzen Arbetterschast der Well findet in diesen Tagen der Ruf Marseille einen besonderen Widerhall. Das Parlament der Arbeitervertteter aus der ganzen Welt tritt hier zu ernsten Beratungen zusammen. Die Organisation eines solchen Kongresses setzt natürlich umfang- reiche Vorbereitungen voraus. Unseren Parteifreunden in Marseille ist es unter großen Opfern gelungen, den gestellten Aufgaben voll gerecht zu werden. Sie vermochten die schwierigen organisatorischen Leistungen mtt Unterstützung der in den Hauptämtern mit Sozialisten besetzten Stadtverwallung zu allgemeiner Zufriedenheit zu erledigen. Selten dürfte es ein schöneres Tagungslokal geben, als es jetzt dem Internationalen Kongreß in der Marseille? Stadtholle durch den zuständigen Magisttat zur Verfügung gestellt worden ist. In einem wunderbaren Park, unmittelbar an der Peripherie der Stadt ge- legen, lenkt das große stattliche Gebäude schon aus der Ferne die Aufmerksamkeit des fremden Besuchers auf sich. Heute schon grüßen von den Zinnen des Daches die roten Fahnen, und vor dem Eingang des großen Parkes verkündet ein in drei Sprachen ge- haltenes Transparent, wer hier zu ernster Arbeit versammelt ist. Die eigentliche Tckgung wird am Sonnabend nachmittag eröffnet. Schon ist ein großer Teil der Delegierten eingetroffen: der Hauptteil wird für Freitag erwartet. Die bereits anwesenden sind vorzüglich untergebracht. Restlos sind bereits die Vertreter der Exekutive versammelt. Sie traten am Mittwoch nachmittag zur geschäftlichen Vorbereitung des Kongresses zusammen. Reben dem Sekretär des Bureaus Friedrich Adler sah man Hermann Müller. Otto Wels und Crispien, Otto Bauer, Renaudel, Leon Blum, Henderson, de Brouckere, Berger(Amerika) u. a. Auch aus Ru- mänien und Polen sind Vertteter erschienen. Die Arbett des Kongresses wird sich wahrscheinlich so vollziehen. daß die Lormittage den Kommissionssitzungen und nur die Nach- Mittage den Plenarberatungen gewidmet werden dürften. Die franzöftfthen Schulöenverhanölungen. Caillaux fährt nach London. Pari». 20. August.(MTB.) Zur Reise Caillaux' nach London erfährt die Agentur Havas, daß Caillaux sich mehrer« Tage in London aufhallen wird. Die Besprechungen werden sich aber nicht allein auf die interalliierten Schulden, sondern auch auf allerhand finanzielle und wirtschaftliche Einzelfragen erstrecken. Entgegen Presseoeröfsentlichungen ist mtt der Möglichkeit einer baldigen Rück- kehr der französischen Sachverständigen, die vor einiger Zeit in London waren, nicht zu rechnen. Uebrigens ist ein definttiver Be- fchluß bezüglich der Verhandlungen mit Amerika und der Persön- lichleiten, die mit der Führung dieser Verhandlung« beauftragt werden jolleu» noch«cht gefaßt �owche»'''U" voröerasiatische Konflikte. Trusenaufstand und Moffulkonflikt. Von Dr. Artasche» Abeghia». Durch den Aufstand der Drusen und infolge des Wiederaustauchens der Mossulsrage tritt der arabischvorderasiatische Orient wieder in den Bordergrund des allge» meinen Interesses. Die Franzosen, die sich seit längerer Zeit in MaroNo in einem schweren Konflikt mit den Risleuten befinden, sind nun in einen zweiten Kolonialkonslikt geraten, dessen Schauplatz das Gebiet Hauran in Syrien ist. Die Schwierigkeiten sind hier so ernst, daß französische Truppen aus Beirut, die für Marokko bestimmt waren, nach Hauran abtransportiert werden mußten. Painlev6 hat vor kurzem vor Prefleverttetern als Ursache des Syrerausstandes angegeben, daß in der Familie des Sultans Atroch, des Führers der Drusenstämme, ein Konflikt zwischen den franzosenfreundüchen Elementen und den Anhängern der Unabhängigkeit ausgebrochen sei, und daß eine zur Wieder- Herstellung der Ordnung entsandte Kolonne von bewaffneten Ansständisck''--" Insständischen umzingelt und angegriffen wurde. Diese An- gaben sind offenbar einseitig. Schon die Tatsache, daß Syrien im Laufe der Jahre überhaupt nicht zur Ruhe kam, ist ein Beweis dafür, daß die Hauptursache auch des jetzt ausge- brochenen Konflikts in der imperialistischen Kolonialpolitik zu suchen ist. Die Völker des Orients, mögen sie auch noch so rück- ständig sein, wollen nicht gegen ihren Willen von Fremden regiert und wirtschaftlich ausgebeutet werden. Seit 1861 gehört Syrien, namentlich das Küstenland L i b a n o n. zu der Einflußsphäre Frankreichs. Auf der Kon- ferenz von San Remo(1920) erhielt Frankreich das Mandat über dieses Land. Später wurde es als Bundesstaat organi- siert und besteht jetzt aus den autonomen Staaten von Groß- Libanon mit dem Zentrum Beirut, ferner aus Allcppo, Da- maskus und dem Drusenstaate Hauran. Dieser Staat, ein kleines Gebirgsland von etwa 10 000 Quadratkilometern Flächeninhalt und 100 000 Einwohnern, das sich südlich von Damaskus ausdehnt, ist der Schauplatz der gegenwärtigen Er- eignisse in Syrien. Das Schicksal Syriens und seiper Völker steht während der letzten Jahre unter dem Zeichen der Rivalität zwischen Frank- reich. England und der Türkei einerseits und dem der inner- syrischen Feindseligkeiten andererseits. Am Ende des Weltkrieges war Syrien von englischen Truppen besetzt. Erst nach längeren Auseinandersetzttngen mit England gelang es der französischen Diplomatie, ihre„histo- rischen Rechte* auf dieses Gebiet geltend zu machen. Nach- dem die Engländer sich Palästina, Transjordanien und Meso- potamien gesichert hatten, zeigten sie sich geneigt, Syrien zu räumen und es den Franzosen zu übergeben. Bald darauf be- setzten diese auch Kilikien mit der erstklassigen Hafenstadt Alexandrette. Man kann indes nicht behaupten, daß die Rivalität Frank- reichs und Englands auf syrischem Boden ein Ende gefunden hat. Die englische Diplomatie hegt immer noch den geheimen Wunsch, festen Fuß in Syrien zu fassen. Schon ein Blick aus die politische Karte macht die Bedeutung Syriens für das britische Weltreich klar. Dies um so mehr, als die Bagdad- und die Hedschasbahn, diese wichtigsten Verbindungslinien zu den englischen Einflußgebieten, durch Syrien lausen. Nicht umsonst werden von Zeit zu Zeit in Frankreich Stimmen laut, daß Syrien ein wunder Punkt am Leibe der französischen Kolonialmacht sei, den man sehr sorgsam behandeln müsse. Syrien stellt andererseits ein Streitobjekt zwischen Frankreich und der Türkei dar. Um sich die Freundschaft der Türkei zu sichern und einen anti- britischen Machtsaktor an der Grenze Syriens zu schaffen, schloß der französische Gesandte Franklin Bouillon im Oktober 1921 mit der Angoraregierung einen Vertrag, kraft dessen bald darauf die Franzosen Kilikien räumten und es den Türken übergaben. Die Franzosen behielten nur die Hafen- stadt Alexandrette und das Hinterland. Seitdem bildet die Bagdadbahn die Grenze zwischen Syrien und der Türkei. Diese erhebt jedoch weitere Ansprüche auf die nördlichen Grenz- gebiete Syriens und verlangt fortdauernd die Revision der syrisch-türkischen Grenze. Unlängst reiste Franklin Bouillon wieder nach der Türkei, und es ist sehr wahrscheinlich, daß dabei ein neues Abkommen zustande gekommen ist. Um ihre Ziele in Syrien zu erreichen, verschmäht die Angoraregierung auch andere Mittel nicht, unter denen die Aufhetzung der mohammedanischen Elemente Syriens gegen Frankreich eines der erfolgreichsten zu sein scheint. Andererseits tun die französischen Besatzungsorgane das ihrige, uin die Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen Völkerschaften und Religionsgemeinschaften aufrechtzuerhal- ten und zu verschärfen. Die Losung:„Teile und herrsche!" findet auch in Syrien Anwendung. Es kann freilich auch nicht in Abrede gestellt werden, daß die Franzosen im Laufe der Jahre für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes viel geleistet haben. Ihr Einfluß stützt sich hauptsächlich auf die M a r o n i t e n, die christüche Grundbevölkerung Libanons, die seit 1861 eine Selbstverwal- tung besitzt. Die Mohammedaner dagegen, namentlich die D r u s e n, die schon 1861 zum großen Teil die frühere Heimat im Libanon verlassen mußten, sind Frankreich feindlich gesinnt. Aber nicht nur die Drusen, auch die meisten Syrer sind freiheit- lich gesinnt. Lange Jahre haben sie gegen das türkische Joch und für die Selbständigkeit ihres Landes gekämpft. Die volle �.Freiheit und die Unabhängigkeit ist das Ziel, das die Syrer Ugegellwärüg anstreben.. I Die M o s s u l f r a g e stellk ein anderes KcmfMtsobjekt im nahen Orient dar. Hier sind England und die T ü r k e i die streitenden Partner. Sie hatten die Entscheidung der Streit- frage dem Völkerbunde übertragen, der sie im September norigen Jahres einer speziellen Mossulkommission überwies. Diese hat vom Januar bis April dieses Jahres an Ort und Stelle die Angelegenheit studiert und vor kurzem die Ergeb- nisse ihrer Arbeiten in einem Bericht dem Völkerbünde unter- breitet, dessen Sekretariat ihn nun in Form eines Buches ver- öffentlicht hat. Die bevorstehende September-Session des Völkerbundes wird sich mit dieser Frage befassen. Augenscheinlich sind weder die Engländer noch die Türken mit den Schlußfolgerungen der Völkerbundskommission zu- frieden. Die englische und namentlich die türkische Presse greifen den Bericht heftig an. Dieser lehnt nämlich den tür- tischen Vorschlag einer Volksabstimmung im Mossulgebiet ab. Andererseits aber hält er die Angliederung des strittigen Ge- bietes an das Jrakgebiet nur in dem Falle für möglich, wenn es 25 Jahre unter dem Mandat des Völkerbundes bleibt und wenn die Kurden eine völlige Selbstverwaltung erhalten. Andernfalls solle es der Türkei zurückgegeben werden. Sollte sich aber der Völkerbund für eine Teilung des Mofsulgebietes entschließen, so müsse die Grenze dem Flußlauf des kleinen Sab folgen, d. h. die Stadt Mofsul und der größte Teil des Gebietes müsse der Türkei überlassen werden. Die englische Presse lehnt indes die Einmischung der Kommission in die politische Seite der Streitfrage ab, da dies nicht zu ihrer Auf- gäbe gehöre. In der Tat ist die Mossulfrage höchst kompsiziert und harrt noch ihrer rationellen Lösung. Ethnographisch betrachtet ist das Mossulgebiet weder türkisch, noch arabisch-irakisch, sondern— wie auch die Völkerbundskommission festgestellt hat— vorzugsweise kurdisch. Von der Gesamtbevölkerung, die auf 800 000 geschätzt wird, entfallen auf die Kurden nicht weniger als 500 000, während die Araber 160 000 und die Türken nur 40 000 zählen. Den Rest bilden Nestorianer, Juden u. a. Es handelt sich hier also hauptsächlich um die kurdische Frage, was meist vergessen wird, wenn man über die Mossulfrage spricht. Gerade weil das Mossulgebiet kuxdisch ist, wollen die Türken es um jeden Preis wieder im Rahmen ihres Reiches haben, denn die Mehrzahl der Kurden lebt in den an Mossul angrenzenden Gebieten der Türkei: Diarbekir, Hekkiari und Bitlis. Die Türken haben große Angst vor der Wiederaufrollung der kurdischen Frage durch die Engländer. Diese haben immer die Gründung eines ganz oder halb unabhängigen kurdischen Staates begünstigt. Der Vertrag von Stores setzt die Möglichkeit des autonomen Kur- distan voraus. Auch gegenwärtig haben die Engländer diesen Plan nicht aufgegeben. Der letzte Aufstand in Kurdistan war ein Beweis dafür, daß auch die Kurden die Selbständigkeit ihres Landes mit aller Kraft anstreben. Es handelt sich also tatsächlich nicht allein um das kurdische Mossulgebiet in Mesopotamien, sondern auch um die benach- karten kurdischen Gebiete auf dem Territorium der Türkei, die leicht für sie verlorengehen würden, wenn das selbständige Kurdistan eine Tatsache wird. Die Gesamtzahl der Kurden ist keineswegs gering: sie beläuft sich auf zirka 21/2 Millionen. Die Zukunft der Kurden und Kurdistans ist es, die die Türken beunruhigt. Vor einiger Zeit schrieb ein türkisches Blatt: „Mit der Loslösung Mosiuls von der Türkei wird das kurdische Element in zwei Teile geteilt, was auch an sich eine Gefahr für uns darstellt." Anläßlich des letzten Berichtes!�r Völkerbundskommission spricht die türkische Presse noch offener aus, daß sie das Mossulgebiet für sich oerlangt, und daß andern- falls ein Krieg entscheiden müsse. So gewinnt die Mossulfrage nicht nur unter dem Gesichts- punkte der wirtschaftlichen Interessen(die Oelfrage!) und der strategischen Lage(die Bagdadbahn!), sondern auch unter dem des Nationalitätenproblems in der Türkei eine eminent weit- politische Bedeutung, die über den Rahmen Vorderasiens hinausreicht. Der neue Schulgeift. Erbauliches aus amtlichen Schulberichten. Der demokratische Landtagsabgeordncte Dr. B 0 h n e r, selbst Leiter eines Magdeburger Lyzeums, erzählt in der „Vossischen Zeitung" über das antirepublikanische T r e i b e n an den höheren Schulen Dinge, die selbst in unserer an Ueberraschungen übersättigten Zeit zu überraschen geeignet sind. Dieses Jahr, sagt Bohner, war am 11. August wohl überall geflaggt: es war ja ein deutschnationaler Innenminister, der die Beflaggung befohlen hatte. Die Republik stürzt nicht zu- stimmen, wenn einmal die Flagge fehlt. Wenn aher ein Republi- kaner in dem festen Gefühl, daß ein großes Volt sich selbst in einem Sinnbild erkennen will, und daß daher die Republik überall dort ihre Fahnen zeigen muß, wo früher das Kaiserbild hing, die ab- sichtliche Nichtbeflaggung rügt und beim Landrat wegen der Beflaggung vorstellig wird, dann dürfen ihm jüngere, nichtan- gestellte Kollegen im Konferenzzimmer ungestraft den Gruß verweigern. Einen Schutz findet er nicht. Man wird am 11. August dieses Jahres in Betzdorf wohl auch das Deutschlandlied gesungen haben. In früheren Jahren sang man an der dortigen höheren Schule nach dein Deutschlandhoch nur:„Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?" Das Deutsch- l a n d l i e d war ja durch Friedrich Ebert„v e r w e i h t". Die Ortspresse drang dann auf das Deutschlandlied. Immerhin, beim ossiziellen Fackelzug anläßlich der Jubelfeier des Gymnasiums in Merseburg diesen Zull war sogar das Ehrhardtlied die Ralionalhymue: wenigstens wiederholte die Festkapelle es immer wieder.... Parteipolitische Pereine sind den Schülern verboten. Das Mi- nisterium wird keine Liste solcher Pereine zusammenstellen; es muß dies den einzelnen Anstalten überlassen bleiben. Aber man faßt sich an den Kopf, wenn man im Jahresbericht eines großen staatlichen Gymnasiums der Provinz Sachsen liest: „Auch anderwärts betätigen sich eine große Anzahl von Schülern in Dereinen, hauptsächlich sportlicher Art", folgen 9 Sportklubs, Bismarckbund. Zungstahlhelm. Zungdeusichcr Orden. Tierschntzver- ein. Kennt man die parteipolitische Tätigkeit des Jungdeutschen Ordens so wenig, oder ist es ein Ironiker, der ihn mit Absicht neben den Tierschutzverein stellt? An der Oberrealschule in Deißensels(Saale) gelten diese Per- eine sogar als Schülervereine. Der eben ausgegebene ge- druckte Jahresbericht oerkündet: „Aus dem Dercinsleben berichten die Obmänner der Schüler- vereine: 1. Die Deutsche Jungenschaft. 2. Adler und Falken. Z. I u n g d 0(Jungdeutscher Orden). 4. W e r w 0 l f." Was sagt der Direktor zu dem Jungdobericht? Rur ein Satz: „Wir beteiligten uns an sämtlichen„Deutschen Tagen in und um. Weißenfels." Weiß er nichts von dem Charakter dieser mit Düsterberg-Hochs auf den Kaiser schließenden Deutschen Tage, lebt er in Mitteldeutschland und weiß nichts von dem Hitzegrad des politischen Lebens in Mitteldeutschland? Den Iverwols hat die Behörde für Schüler verboten. An der Weißen- felser Oberrealschule berichtet der Obmann des Werwolss: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, neben anderen vaterländischen Tugenden Kameradschastlichkeit, Gehorsam, Selb- ständigkeit, besonders auch den mitikärifchen Geist in der Zugend wachzuhalten und zu pflegen. Zu diesem Zwecke fand allwöchent- lich eine Bachtübung und jeden Monat eine größere Hebung mehrerer Ortsgruppen statt. Um den Geist des Werwolf ins Volk zu tragen, veranstalteten wir einen Werbeabend. Der Bund nahm an vielen auswärtigen und einheimischen vater- löndischen Tagen teil." Man muß sich, so schließt Dr. Bohner seine Mitteilun- gen, über die Schülervereine an dieser Schule nicht wundern, wenn der Jahresbericht mehrfach auch sonst die Ab- neigung gegen die neue Zeit betont. Gemäß den Bestim- mungen des Ministeriums existiert auch in Weißenfels ein Schulausschuß zur Vorberatung der SchulangÄege», heiten. Kurz und bündig berichtet der Jahresbericht: „Die neue Behörde, der Schulausschuß, hat für uns keine Bedeutung. Er wird sehr selten einberufen, die wichtigsten, die Schule betreffenden Maßnahmen werden ihm nicht oorge- legt, an die Beschlüsse, die er etwa faßt, ist niemand gebunden." Der Leser begreift: diesen Schulausschuß hat uns auch diese verfluchte Republik gebracht, aber wir hier pfeifen auf ihn, Und alles das wird inamtlichenSchulberichtenge, druckt und auch republikanischen Eltern ins Haus geschickt, Scheinkampf gegen üie Teuerung. Die Heuchelei der Regierung. Die Nachrichten über die beabsichtigte Aufhebung der letzten noch bestehenden notwirtschaftlichen Verordnungen, dar» unter auch der Verordnungen über die Preistreibereien und die Preisprüfungs stellen haben die Regierung zu einem lendenlahmen Dementi veranlaßt. Das Reichskabinett behauptet, es habe selber zu den Vorlagen an den Reichsrat noch keine Stellung genommen. Es ist schon möglich, daß diese Angaben in dieser Form richtig sind. Damit ist aber noch gar nichts Positives über die Absichten der Reichsregierung gesagt. Tatsache ist, daß das Reichsernährungs- Ministerium, offenbar in Verfolg seiner eigentlichen Auf» gaben, seit Monaten auf die Beseitigung aller wirtschaftlichen Notverordnungen hindrängt und unter gar keinen Umständen von einer Aufrechterhaltung der Preisprüfungsstellen etwas wissen will. Das Reichsernährungsministerium sieht seine Aufgabe nicht etwa darin, die Ernährung der Bevölke» rung sicherzustellen, sondern den parteipolitischen Aus» fassungen des Reichs ernährungsmini st ers und der Deutschnationalen zum Durchbruch zu ver- helfen. Die Organe der deutschen Landwirtschast haben zwar eine marktschreierische Reklame organisiert, um die Schuld der ungeheuerlichen Preistreibereien, namentlich auf dem Fleischmarkt, von s i ch abzuwälzen und sie anderen, den Händlern und Fleischern, in die Schuhe zu schieben. Gleich- zeitig unterstützen die Organe der Landwirtschaft aber alle Schritte des Ernährungsministers auf gänzliche Aufhebung der Preisprüfungsstellen. Offenbar rechnen die Herrschaften damit, daß dann ihre an den Säulen Berlins angeschlagenen vollkommen willkürlich zusammengestellten Zahlen, die ihre Schuldlosigkeit an der Fleischteuerung beweisen sollen, nicht so leicht mit amtlicher Autorität zu widerlegen sind. Durch diese Stellungnahme des deutschnationalen Reichsernährungs» Ministers ist die Entscheidung des Reichskabinetts vorweg sichergestellt. Es kommt hinzu, daß die Auffassung des Er- nöhrungsministeriums selbstverständlich den Gerichten, die in diesem Fall besonders hellhörig sind, längst bekannt ist. In- folgedessen finden Verurteilungen durch die Gerichte auf Grund der strittigen Verordnungen überhaupt nicht mehr statt. Di« Untersuchungen der Preisprüsungsstellen, die namenttich auf Veranlassung des Berliner Polizeipräsidenten die Schöneberger Stelle mit großer Gründlichkeit in die Hand genommen hat, sind deshalb von vornherein zur Wirkungs- losigkeit verurteilt. Ohne die Möglichkeit von Zwangs- maßnahmen bleiben die Prüfungsstellen ein Heft ohne Klinge. Die bisherigen Untersuchungen hoben bereits ein» wandfrei ergeben, daß eine mindestens 20prozentige Ueberteuerung der Kleinhandelsfleischpreise vorhanden ist. die wirtschaftlich n i ch t zu rechtfertigen ist. Wenn die Re» gierung jetzt andeutet, als ob sie die Preisprüfungsstellen vielleicht doch noch am Leben lassen will, so ist das eitel Heuchc» lei. Sie selber hat dafür gesorgt, daß in Zukunft die Gefrier- fleischcinfuhr auf ein Minimum beschränkt wird, sie lzat die Zollgesetzgebung durchgeführt, um die Preise hochzuhalten. Sie hat deshalb kein Recht, über die Folgen ihrer Politik zu jammern. Sie sollte lieber ehrlich sein und zugeben, daß die katastrophal sich entwickelnde Teuerung eineFolgeihrer bewußtaufTeuerungderJnlandspreiseein» gestellten Wirtschaftspolitik ist. Die Schaumweinöame von Koblenz. Eine cheinische Denkmalskomödie. In Koblenz am„Deutschen Eck", wo Mosel und Rhein sich ver- wählen, steht das Riesendenkmal Wilhelm» des Ersten. Mit seinen pompösen Quadern, effektvollen Ornamenten und herausfordernden Bosen ist es ein echtes Kind des bronzenen Hohenzollerntums, das ein Stück feiner Siegesallee an diesen heroischen Platz versprengt;. Nun aber besitzt Koblenz«in zweites Denkmal. Und das wird, scheint es, viel berühmter werden als die kaiserliche Apotheose. Denn dieses neue Monument ist in keusche weihe Laken gehüllt. Es ist ein verschleiertes Bild unerhörter plastischer Sensationen, dessen Reize von Koblenzer Schupotempclwächlern behütet werden. Kurz, es ist ein Denkmal, das vielleicht nie von den Augen gewöhn- licher Lebender geschaut werden kann, und wie eine steinerne Legende siebt es im festlichen Borhofe der R e i ch s a u s st e l üi n g «De u t sch c r W e i n", die vor kurzem zu Koblenz eröffnet wurde. Es ist ein„deutsches Weindenkmal". Die Vereinigten Wein- gutsbesitzcr, G. m. b. H., schenkte» es der Stadt, auf daß es in Ver- bindung mit der Ausstellungseröfsnung feierlich vor den geladenen Korporationen enthüllt werden sollte. An den vier Seiten eines mit beziehungsreichen Spruchbändern geschmückten mächtigen Blocks stehen vier symbolische Gestalten. Da ist der„Bater Rhein", der den Rheinwein darstellt, die Lenden von Rebstöcken umgürtet. Dy steht eine„minnigc, schlanke, liebliche Jungfrau", wie es in der Festschrift heißt, die den Moselwein kennzeichnet. Ein junger Bursche— das ist der Iungwein Aber an der vierten Seite, da steht sie, die •schöne, die an allem schuld ist, die mit lässiger Hand selig da» Gewand herabgleiten läßt, die verführerische Schaumwein-. d a m e. Sie ist die Heldin der nun folgenden Komödie. Die städtischen Behörden von Koblenz nahmen zuerst das Ge- schenk, ein Werk des begabten Münchener Bildhauers H e n s e l- mann, mit herzlichem Dank an. Der Oberbürgermeister Dr. Russell billigle begeistert alle Pläne, die ihm vorgelegt wurden. Zwei Koblenzer Stadbauräe wurden noch München zur Begutachtung der Arbeit ins Atelier des Künstlers qcfnndt. Sie- wurde offiziell abgenommen, nach Koblenz transportiert und bewundert, und man bereitete eine Eni- hüllung vor, die der Ausstellung Weihe, Würde und Glanz geben iolltc..ras Denkmal wurde in dem amtlichen Führer gepriesen, mit reizenden?lbbildungen auf Kunstdruckpapier, und die deutschen Zeitungen erhielten Mitteilungen von dem in Aussicht stehenden künstlerischen Ereignis. Doch— da kam der Umschwung. Die Geistlichkeit entdeckte„sittliche Gefahren". Man wollte die Gläubigen cier Diözesen vor dem Besuche der Ausstellung warnen, wenn die schlimme Schaumweindame mit solch frechen, spitzen Brüsten auf die in alten zuchtigen Gebräuchen wohlerfahrenen rheinischen Wein- freunde herabsehen dürfte. Eine Stadtverordnetenversammlung stritt an einem heißen Augusttage bis tief in die Nacht hinein um die plastischen Details und faßte mit einer Stimme Mehrheit den Bc- Ichluß, das.lenkmal nicht zu enthüllen. Da stand es nun, im„Ehrenhof", als die Ausstellungsgäste erschienen. Und so kam es. daß man von dem verhüllten Denkmal mehr sprach, als von der ganzen Ausstellung. Aber nun entzündet sich der rheinische Dolkszorn. Mehrere Male haben die Ausstellungsbesucher einen Sturm auf die weiß« Leinwand unternommen und unter Huronengebrüll die Scham des deutschen Weindenkmals entblößt. Nun steht ein Fähnlein Schutz- leute davor und droht den unbeugsamen Rheinländern mit der Waffe, falls sie es noch einmal wagen sollten..... Und die Aus« stcllungsleitung richtet energische Briefe an die Schenker, den Stein der Anstößigkeiten sofort zu entfernen. Aber Schlimmeres kann noch kommen! In einer in Koblenz verbreiteten Druckschrift wird die Verwaltung auf die Gefahr aus- merksam gemacht, die dadurch entsteht,„daß das Blut der Rheinländer entfacht wird durch die Darbietung der guten Weine in den Wirtschaften des der Ausstellung an- gegliederten Weindorfes und daneben durch die Ver- deckungdesDenkmals....." Ja, das rheinische Mädchen entflammt beim rheinischen Wein die Sinne auch dann, wenn es aus Stein ist! Und noch weiß niemand, ob diese rheinische Denk- malskomödic in Liebfrauenmilch oder in Drachenblut ertränkt werden wird. Rhenanus. der Sieg öer Revue. Der Siegeslauf des jüngsten Kindes der Musen, der Revue, läßt sich nicht mehr aufhalten. Trotz aller Anfeindungen durch die Literarischen, die den Geist vermitteln, durch die Gemütvollen, deren Herz leer bleibt, und durch die Moralisten, denen die Revue empörend pikant vorkommt. Sie haben alle recht, die Literarischen, die Gemüt- vollen und die Moralisten, aber auch die Revucmacher. Ueber Ver- stand, Seele und bürgerliche Wohlanständigkeit haben die Sinne den Sieg errungen. Vor dem Admiralspalast stauten sich die Automobile, und eine dicke Menschenmauer bildete sozusagen Spalier vor der Welt der Eleganz, die ins Theater promenierte. Berlin merkt, hier ist was los. Das ist auch ganz richtig. Die neue Haller-Reoue „Achtung! Welle 5 9 5" ist dos Großartigste an Pracht- entfaltung, was man in Berlin je gesehen hat. Nicht weniger als 6l> Bilder hoben Hermann Haller, Rideamus und Willi W 0 l f f zusammengestellt und durch eine lose Handlung mitein- ander verknüpft. Die pompöse Kostbarkeit der meisten dieser Bilder überwältigt. Eine prunkende Märchenwelt tut sich da auf: unzählige Frauen, teils unbesorgt und freigebig die Schönheit ihrer Formen zeigend, teils mit verschwenderischer Pracht gekleidet, Gefunkel blitzender Steine, ein Duftmeer von Licht, Seide, Federn, Gold und Silber, und das olles von erlesenstem Geschmack. Wenn diese Revue ihren Weg macht, dann ist es das Verdienst der feinsinnigen Kunftgewerbler. Paul Leni, Marco Montedoro, Ladis- laus Czettel, Gesmar, Brunelleschi, Erte, Du- m 0 n t haben die leuchtenden Dekorationen, die reichen Vorhänge, die sieghaften Kostüme geschaffen. In der Sinfonie von Licht. Farbe und Glanz vergißt man gern, daß der Witz der Autoren diesmal nur bescheiden knistert, daß mehr Aktualität von nöten wäre, daß die weiblichen Solorollen mit A l i c e H e ch y und G e r t i K u t- s ch e r a für den Riesenraum nur unzureichend besetzt und daß die eingelegten Varietenummern nicht immer die erstklassigsten sind. EndjaMogoul zum Beispiel hat nur zwei Vorzüge: Sie kommt angeblich aus dem Palacetheater in Paris und hat— wirklich mal was Originelles— sich als Hauptkleidungsstück einen Brillanten in den Bauchnobel geklemmt. Sonst vollführt sie auf der Bühne walzende Sprünge, die nur ein Harmloser als Tanz auffassen kann. Das wird besonders deutlich, wenn man die unvergleichlichen Tiller-Girls sieht. Die Tiller- Girls sind Rhythmus, Schwung, Zartheit und Grazie. Die sechzehn Frauen schweben wie ein Körper über die Bühne. Eine vrachtvolle Schule von Exaktheit und Duft. Der nie verlegene Max Ehrlich führt ein Brillantfeuerwerk nach neuesten Witzen vor und Kurt Lilien assistiert ihm dabei als kesser Berliner Jungs. Den besten Titel für die Revue hat Herrn Haller Walter Bramme vorweggenommen.„Tausend süße Beinchen" wäre ein treffenderer und schlagenderer Titel gewesen, als sein„Achtung'. Welle 505"._ Dgr. Moderne russische Bauerndichter. Die russische Kritik nimmt in steigendem Maße Stellung gegen eine größere Gruppe von Dichtern, die in ihren Arbeiten revolutionäre Gedanken zum Ausdruck bringen und ihre» Mangel an Talent und Schulung durch Häufung reoolu- tionärer Schlaoworte und Betonung ihrer radikalen Gesinnung zu effetzen suchen. Sowohl die Theaterkritiker als auch die Buchkritiker beklagen diese Erscheinung. Ja sogar die Filmkritik beschwer! sich darüber, daß für das Filmdrama eine Schablone entstanden sei, nach der immer wieder gearbeitet werde: auf der einen Seite wird die schwelgende und verderbte Bourgeoisie darg-stellt, auf der anderen «eite das iugendfrische strebende Proletariol. welches dann im lerzten Akt den Sieg erringt. Soeben ist in Petersourg eine große Sainni- lung von Gedichten erschienen, deren Verfasser sämtlich Baliern aus verschiedenen Dörfern sind. In einem Vorwort hat derlßerlag auch hier wiederum auf die agitatorische Kraft und revolutionäre Ge- sinnung der Dichter hingewiesen, welche die sprachlichen Unebenheiten und den Bildungsmangel der Verfasser gutmachten. In einer Kritik der„Prawda" wird dem indessen energisch widersprochen. Der Kritiker erkennt die Gesinnung der verschiedenen Poeten als gut bolschewistisch an, meint ober, daß die agitatorische Kraft dieser Verse, welche der Verlag so sehr herausstreiche, sich bedeutend mehr geltend machen würde, wenn sich auch künstlerische Kraft ihr zugesellt hätte. Man leb- doch jetzt nicht mehr im efften Jahr der Revolution, und es liege kein Grund vor, sich am hilflosen Gestammel nur deswegen zu erfreuen, weil die betreffenden Verfasser bäuerlicher Abstammung seien. Der ganze Gedichtband wirke äußerst eintönig und die Ver- fafser hätten in künstlerischer Hinsicht noch sehr viel zu lernen. Auch mehrere dramatische Erzeugnisse von russischen Dichtern der aller- neuesten Schule haben in letzter Zeit eine ähnlich jcharfe Kritik er- fahren. «eoeralnwsikdlrektor Erich Kleiber, der eingeladen war, in diese« Herbst einen ZytluZ von 12 Konzerten in Buenos Aires zu dirigieren, konnte dem Ruf keine Folge geben, da er angesichts der Aufgaben, die an der StaatSopcr vorliegen, nicht.abkömmlich war. Er!ch weiaerl spricht am Freitag, den 21. August, abend; 8 Uhr, im .Reuen Buchladen", AuaSburger Straße 33, über„Reue politische und unpolitische Satire'. Antritt srei. Da» Opereltevhao» am Schisfbauerdamm sübrt ab 1. September de» Namen„Theater am Schiffbauerdamm'. DaS Theater wird mit seinem neuen Namen mit dem Lustspiel„Lady Fanny und die Dienstbotcnjrage- von Ferome K Jereme im September eröffnet. Kommunistischer Zerfall. Tie mitteldeutsche„Hochburg" waukt. Wir brachten vor einixen Tagen Mitteilungen aus dem kam- munistischen Sumpf, die die Zerfollserscheinungen in der KPD. in besonders krasser Weise beleuchteten. Der Triumph bolschewistischer Kampfestaktik war bekanntlich der Ueberfoll des kommunistischen Redakteurs W i s k o w auf den Herausgeber des.Mitteldeutschen Echo", den Stadtverordneten Kürbs, den er dabei mißhandelte, zu Boden warf und den fast Sechzigjährigen mit Fußtritten in den Unterleib recaliertc. Der Sozialdemokratische Pressedienst erhält dazu folgende Zuschrift: ..Wie ich aus dem„Vorwärts" ersehe, hat der Sozialdemo- kratische Pressedienst über den Streit, den ich als Herausgeber des „Mitteldeurschen Echo" mit der Produktiogenossenschast in Halle um die Unabhängigkeit meines Blattes führe, einen längeren Bericht gebracht, der mehrere Ungenauigkeiten enthielt, von denen ich wenig- stcns eine richtigstellen möchte. Unter anderem wird dort behauptet. ich sei aus der Kommunistischen Partei ausgeschlosien worden. Das trifft nicht zu, da ich noch niemals Mitglied der KPD. gewesen bin. Woraus es mir ankommt, ist lediglich, das bisher von dem Redakteur Finkclmeier gelestete Blatt dem Terror der Kommu- nistifchen Partei, die einen Druck auf die Pro- duktivgenossenschaft ausübt, zu entreißen. gez. Earl Kürbs. Halle a. d. S." Wir geben der Zuschrift gern Raum, da sie uns Gelegenheit gibt, einmal einen Blick in den kommunistischen Porteibetrieb zu werfen. Die KPD. leidet bekannllich Mangel an Mitgliedern. Ver- antivortungsgefühl, Intelligenz und vor ollem an G e l d. Es ist em offenes Geheimnis, daß der größte Teil der auf ollen möglichen obskuren Konferenzen als in wundervoller Blüte bezeichneten kam- munistischen Parteiunternehmungen sich in übler Lage befinden, da die früher reichlicher fließenden Russengelder abgedrosselt wurden. weil sowohl in der KPD.-Zentrale als auch bei den provinziellen Unterstäben der KPD. damit wüstester Unfug getrieben worden war. So fehlt aus dem letzten Jahre in der KPD.-Zentrale e i n Betrog, der allein an die hunderttausend Dollar h e r a n r e i ch t. die die Z. Internationale durch ihre Exekutive hotte überweisen lasten. Das Geld ist futsch, und die Partei quält sich trübselig mit dem Verschleiß der zur zurückgebliebenen Moste ge- hörigen unverwertbaren Waren ab. Zur �Zusammenballung" der übriggebliebenen Kräfte Hot die KPD. nun bekanntlich die sog. ,.P e u o a g" gegründet, eine zur Papier- und Materioloersorgung dienende Gesellschaft, die ollen Eingeweihten als oberfaule Gründung bekannt ist, zu der man jedes noch einigermaßen gehende Partei» xeschäft erst mit Gewast zwingen mußte. Als letzte lehnte den Bei- tritt die Hallesche Produktiogenossenschast ab. in der sicheren Erkenntnis, daß der Beitritt nichts anderes bedeute, als daß die Zentrale die letzten Groschen der mitteldeutschen Kommunisten restlos zu ihren dunklen Zwecken zur Verfügung habe. Alles Cirenenlocken der Rosenbaum, Ruth Fischer, Scholem scheiterte an der Abwehr der Geschäftsführer K r o h und P l ö t t n e r in Holle. Beiden ist es schlecht ergangen. Man läßt sie durch die Tscheka als die Verfasser der bislang an die SPD.-Presse gelangten Berichte verdächtigen. Plöttner hotdieFluchtindieKonsum- bewegung angetreten: Krohs Widerstand hat man dadurch aus« geschaltet, daß man zwei bekannte Kriecher aus Hall« nach Berlin anforderte, wo sie in Krohs Abwesenheit von den Fischer-Scholem beschwatzt und zur Abgabe der Beitrittserklärung zur notleidenden .Peuvag" geködert wurden. Rupprecht fürchtet sich vor Sängern. Aus dem Reich französischer Bajonette in die Maschinen- gewehre der Rupertus-Repubttt. In der königlich bayerischen Republik ist mit dem reinrastigen Hitler-Rummel der sogenannte»national« Gedanke" keines- wegs auch erloschen. Er betätigt sich vielmehr nach bojuwarischer Art. Nicht mehr wie früher in einer solennen Kirchweihrauferei, londern den„Zeichen der Zest" entsprechend, am»Deutschen Tag' mit Tschingbumm und Trara, meistens unter Sicherung durch ein drohend in Stellung gebrachtes Schutzpolizeiaufgebot— gegen den„inneren Feind". Das mußten kürzlich auch Arbeiter- s ä n g e r aus Mainz in dem äußerlich so friedlich anmutenden Aschafsenburg erfahren. lieber das Ergebnis des Besuches dieser Sänger, die aus dem besetzten Gebiet kamen, um einer Einladung ihrer Aschasfenburger Sangesbrüder zu folgen, berichtet die demokratische»Frankfurter Zeitung": »Der Aschasfenburger Sonntag war längst für Zwecke reser- viert, die mit dem besetzten Gebiet auch schon gar nichts zu tun haben. Ein nationalistisch aufgemachter Iägertog fand statt: Prinz Rupprecht, der von Fest zu Fest eilende, völlig un- eigennützig-leutselige Herr, war eingetroffen: der Stahlhelm aus Frankfurt und Darmstadt ließ es sich nicht nehmen, im Zuge mitzumgrschiercn und in den Straßen Aschaffenburgs zu parodieren. Als aber die harmlosen Sangesbrüder aus Mainz am Bahnhof eintrafen, war ein Zug Landespolizei mit drei leichten Maschinengewehren aufmarschiert: der»könig- liche" Stadtkommissar verbot ausdrücklich, mit Musik durch die Stadt zu marschieren. Fünf Sicherheitsorgane umschwärmten dauernd den Borstand des Aschasfenburger Vereins, der sich zur Begrüßung am Bahnhof eingefunden hotte. Die V o l k s ch o r- länger aus Mainz waren völlig verdutzt: sie hatten qe- glaubt, dem Anblsck der französischen Uniformen zu entgehen und ins friedliche unbesetzte Deutschland zu fahren: nun zeigten ihnen die Maschinengewehrrohre, wie wenig daran fehlte, daß man sie über den Hausen geschossen hätte. Als üe schüchtern die ungastliche Stadt betreten hotten, schickt« der Komniandeur der Landespolizei einige Leute auf den Bahnhof, um festzustellen, ob sie olle den Bahnhof verlassen hatten. So war eindeutig festgestellt, daß«» �ausschließlich Aufgabe der Landespolizei in Aschafsenburg ist, die nationalistischen Gäste und»Seine Majestät" vor den„Angriffen" republikanisch und staatstreu ge- sinnter Sänger aus dem besetzten Gebiet zu schützen." Ja— Arbeitersängcr aus dem industriellen Norden oder vom Rhein, die kann ein echter Bayer nicht vettragen. Da regt sich sein durch eine stumpfsinnige Preßpolemik stark unter Dampf gehaltenes bajuwarisches Blut. Dos Land der»Fremdenlogis", der Hotels und Pensionen kann zur Not noch das Trinkgeld jüdischer Bankiers vertragen, aber„F a b r i k e r" und Droleten— aus dem besetzten Gebiet? Her mit dem Maschinen- gewehrt Es lebe kupertus re�I Die Sö'rse zu üen Lohnkämpfen. Die Börse eröffnete heute in freundlicher Verfassung. Dies war in der Hauptsache auf markllechnische Gründe zurück- zuführen, denn es scheint jetzt die ernsthaft« Absicht zu bestehen, gegen säumige Esfektenliefcranten energisch vorzugehen. Gegenüber diesen borsentechnischcn Momenten spielten äußere Einflüsse kaum eine Rolle, so daß die umfangreichen Arbeiterkündigungen in der sächjisch-thüringischen Textilindustrie(200 000 Mann für Anfang September) und die auch anderwärts entflammenden Lohn- kämpfe wirkungslos blieben. Tägliches Geld 7X bis 9, Monatsgeld 10 K bis 11 X Pro»., die neue ßunkausstellung. Im Funkhaus am Kaiserdamm fand gestern eine Besprechung über die neue Funkausstellung, die Anfang September er- öffnet werden soll, zwischen Vertretern des Berliner Messeamtes, der Presse und des Verbandes der Radioindustrie statt. Die Re- ferenten führten ungefähr aus: Die Dczembcr-Ausstellung des vorigen Jahres war ein großer Erfolg, sie übertraf an Besucher- und Ausstellerzahl bei weitem die Veranstallungen gleicher Art in New Park und Chicago, und man erwartet auch von der neuen Ausstellung dasselbe Resultat: bestimmt rechnet man damit, daß sie die Sensation des Herbstes werden wird. Vor allem verfolgt die neue Ausstellung den Zweck, das Absatzgebiet zu er- w e i t e r n. Der Dezember-Ausstellung ist es zu verdanken, daß die Teilnehmerzahl des Rundfunks im Januar und Februar um 100 000 stieg. Schon damals beschloß man, in jedem Jahr eine große Aus- stellung zu veranstalten als wirksamstes �Zropagandamittel. Aller- d:ngs bereitet die Art der Propaganda Schwierigkeiten. Die Aus- stellung ist keine Schaustellung, sie soll die akustischen Wirkungen demonstrieren, eine sinnfällige Beziehung von Funk- gerät und Wirkung herstellen. Die Vorträge, die bei der vorjährigen Ausstellung von Fachleuten gehalten wurden und besonders die Be- Ziehungen des Rundfunks zu den kulturellen Gebieten betonten, fanden wenig Interesse und fallen deshalb in diesem Jahre fort. Als besserer Ersatz wird dafür die„Berliner Funkstunde" in den Dienst der Ausstellung treten. Dem Besucher wird das ganze Mysterium der Funkangelegenheit enthüllt werden, vor seinen Augen werden Schauspieler und Sänger in die Aufnahmeapparate sprechen. Einen besonderen Anziehungspunkt wird auch diesmal die Aus- stellung der Deutschen Reichspost bieten. Der Aufbau einer kompletten S e n d e st a t i o n mit Aufnahmeraum, Verstärker- räum, Sender usw. soll die Möglichkeit geben, den technischen Vor- gang in seiner Arbeitsweise kennenzulernen. Außerdem wird die Reichspost ein Laboratorium einrichten, in dem der Besucher Ge- legenheit findet, bestimmte Experimente selbst auszuführen und da- durch in den Geist der Funktechnik einzudringen. Für die Auf- führungen in dieser Zeit sind bereits Künstler wie Iadlowker, Brons- geest, Transky, Adalbert und Senta Söneland engagiert. Das starke Bedürfnis der Industrie für die Ausstellung zeigt sich darin, daß die gesamte Ausstellungsfläche, die dem Vorjahr gegen- über bedeutend vergrößert wurde, bereits feit Wochen vergeben ist. Lungenkranke in Kellerwohnungen. »Kein ZMnh zum Wohnungswechsel". Das ganze Wohnungselend Berlins und überhaupt der Groß- städte illustrieren am deutlichsten die Kellerwohnungen, die meistens dunkel, feucht und im höchsten Grade gesundheitsschädlich sind. Ge- sunde Menschen müssen bei jahrelangem Wohnen in diesen Räumen unbedingt krank werden, und bei Leidenden bedeuten sie eine schnelle Abkürzung der Krankheit. Wenn heute auch der Wohnungs- befchaifung große Schwierigkeiten im Wege stehen, so müssen die Wohnungsämter unter ollen Umständen' Rücksicht auf Leidende nehmen und ihr langweiliges Verfahren nach bestem Willen abzu- kürzen suchen. Sicherlich gibt es noch schlimmere Kellerwohnungen als die in der Julius st raße 43 von Neukölln. Aber trotzdem dieser Keller, der sich Wohnung nennt, Schimmelpilzanlagen nur in bescheidener Zahl aufweisen kann, bleibt er für Kinder und Kranke eine tod- bringende Angelegenheit. Der Keller wird von einem Ehepaar mit einem vierjährigen Kinde bewohnt, er wurde vor fünf Iahren dem Ehepaar als vorübergehende Unterkunft angewiesen, aber nichts ist seitdem geschehen in der Beschaffung einer anderen Wohnung, und der Mann ist schwer lungenkrank. Immer wieder wurde er vertröstet. Inzwischen verschlimmerte sich seine Krankheit, ein weiterer Aufenthalt in dem Wohnkeller erwies sich als unmöglich: der Mann mußte feine Tätigkeit aufgeben und nach einem Krankenlager von neun Wochen in die Lungenheilstätte Beelitz gehen. Noch vier Monaten wurde er entlassen, und der Chefarzt gab ihm eine Dringlichkeitsbescheinigung mit, daß er eine hygienisch einwandfrei« Wohnung brauche, im anderen Falle würde die Kur nutzlos gewesen sein. Ein neuer Antrag auf Wohnungszuweisung an die Lungenfürsorge Neukölln wurde mit dem Bemerken abgelehnt, daß kein Anlaß zum Wohnungswechsel vorlöge, da das Lungenleiden noch nicht ansteckend sei. Eine mehr als merkwürdige Auffassung! der Morö in Germenöorf. Eine falsche Spur. Gestern abend war das Gerücht verbreitet, daß der Mörder von Germendorf gefaßt fei. Dieses Gerücht hat sich leider nicht bestätigt. Es liegen ihm folgende Tatsachen zugrunde: In Kremmen hatte sich an einer versteckten Stelle im Gebüsch ein Mann anscheinend seiner Kleidung entledigt. Dieser Vorgang war von Leuten beobachtet worden, und eine entsprechende Mesdung war der Mord- kommission in Germendorf zugegangen. Die sofort angestellten Nachforschungen ergaben, daß der Mann aus dem Gebüsch in einer Herberge gewesen war und sich dort M. genannt hatte. Jetzt galt es, M. zu suchen, und bald hatte man ihn in einem Wirtshaus entdeckt. Es stellte sich heraus, daß er gar nicht in der Herberge gewesen war, für die Tat nicht in Frage kommen konnte und der Mann aus dem Gebüsch zufällig den Namen M. angegeben hatte. Die Suche wurde fortgesetzt, und endlich gelang es, den Mann aus dem Gebüsch zu finden. Es ist ein L a n d st r e i ch e r, beim Fechten hatte er ein Hemd geschenkt erhatten und an der versteckten Stelle einen Wäschewechsel vorgenommen. Auch er kann nicht der Täter sein, da er ein einwandfreiem Alibi beibringen konnte. Das Messer, mit dem Emil Lohmeyer erschlagen worden ist, ist ein sogenanntes Knicker- oder Schalmesser, wie' es zum Abschälen von Baumrind« gebraucht wird. Es hat auf beiden Seiten Holz- griffe, von denen' der eine gelockert ist. Es steht noch nicht fest, ob dieses Messer Eigentum des Ermordeten war, oder ob es der Mörder bei sich gehabt hat. Daß es die Mordwaffe war, geht daraus her- vor, daß die Scharten der Klinge an den Schädelknochen ent- sprechende Verletzungen zurückgelassen haben. Die Nachforschungen der Mordkommission werden unermüdlich fottgesetzt. Der Landjäger als Ruhestörer.' Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich lag mit meiner Frau und mit meinem«injährigen Kind vergangenen Donnerstag zur Erholung am Ufer der Löcknitz. Auf den Löcknitzwiesen suchen und finden tausende Großstädter täglich Erholung durch Sonnen-, Luft- und Wasserbäder. Die Wiesen, welche einen kurzen Grasbestand haben, sind Privatbesitz. Kein Schild, kein Hinweis macht darauf aufmerksam, daß der Aufenthalt hier nicht gestattet ist. Gegen K4 Uhr des genannten Tages— ich war gerode mit meinem Paddelboot die Löcknitz entlang gefahren, während meine Frau die Landschaft photographierte und mein Kind im Wagen schlief— erschien auf der die Wiese umgebenden Böschung der Landjäger Wenzel aus Erkner, Wilhelmstraße. Mit donnern- der Stimme schrie er meine Frön an:„Hören Sie mal, wissen Sie, daß Sie sich strafbar gemacht haben?" Da weder meine Frau noch ich ahnten, daß der' Beamte uns meinte, antwortete keiner von uns. Der Beamte wiederHolle darauf die Frage nochmal und noch lauter. Wir verneinten nun feine Frage und baten um Auf. klärung. Ich stieg inzwischen aus meinem Boot aus. Auch mein An- blick, wie ich als Schwerkriegsbeschädigter auf c i n e>n Bein(mein anderes Bein Hab« ich für dasselbe Vaterlind geopfert, dessen Beamter mich hier in unerhörter Weise behandelte!)»ersuchle, zu dem radaumachenden Landjäger zu hopsen, machte leinen Ein- druck auf den Beamten: er befahl uns in derselben Tonart wie bisher, sofort die Wies« zu räumen. Meine Einwände, laß doch täglich undgegenwärtig hunderte und Sonntags noch größer- Menscheiftnassen an derselben Stelle lagern, daß weiter die Wiese Privatbesitz und durch keinerlei Aushang kenntlich gemacht fei, daß das Betreten verboten ist und daß noch niemand etwas dazu gesagt Hobe, fruchtete bei diesem Hüter der Gesetze nichts. Er bestand auf der Ausführung feines»Befehls". Da ich mit Vernunftgründen diesem Allmächtigen nicht beikommen konnte, mußte ich mich seiner Macht fügen und fing an, immer noch auf meinem einenBeinhop- send, meine Sachen in das Boot zu packen, was naturgemäß nicht so schnell ging. Der Landjäger ging schließlich weiter, kehrte aber um: sein Ton hatte sich merklich gebessert:„Na, Herrschaften. Sie haben ja noch nicht geräumt," woraus ich ihm erwiderte, daß ich doch beim Einpacken sei und er doch wohl einsehen müßte, daß ich mich nicht schneller bewegen könne. Hierauf oerfiel er wieder in den früheren überlauten Kasernenhoston und verlangte von meiner Frau und mir die Personalien. Ein Herr, der durch den von dem Landjäger verursachten Spektakel herbeigekommen war, bot ihn, auf mich als Schwerkriegsbeschädigten etwas Rücksicht nehmen zu wollen: auch er wurde angebrüllt und mit scharfem Blick von oben bis unten gemessen. Als der Herr nun seinerseits diesen Blick erwiderte, fühtte sich der Landjäger bedroht und zog seinen Revolver, entsicherte ihn und legte auf den Herrn a n. Nunmehr mußten wir, da der Landjäger uns sonst ver- haften wollte, unsere Adressen angeben, was auch bereitwilligst geschah. Ich konnte nicht umhin, dem Landjäger zu sagen, daß er eine„Heldentat" vollbracht habe. Wenn es schon fraglich ist, ob der Landjäger oerpflichtet und berechtigt war, die im Privatbesitz befindlichen Wiesen vor dem Be- treten„Unbefugter" zu schützen, so hätte er doch mindestens seine Anweisungen in einer Form vorbringen können, die weder den Schwerkriegsbeschädigten noch auch die anderen Beteiligten so sehr verletzte. Das Anschlagen der Dienstwaffe auf friedliche Ausflügler ist ein Mißbrauch der Dienstgewalt, mit dem sich die vorgesetzte Behörde des Landjägers zu beschäftigen haben wird. Wo bleibt öas Gefrierfleisch? Mangelhafte Kontrolle der Behörden. In den letzten Tagen war wiederum festzustellen, daß trog reger Nachfrage nur geringe Mengen von Gefrier- fleisch in den Ladenfleischereien zu haben waren. Diese Erscheinung machte sich angesichts der fortwährenden Preis- steigerungen für Inlandfleisch um so unangenehmer be- merkbar. Seitens der zuständigen Ministerien wurde uns mitgeteilt, daß nach Ansicht der Behörden Gefrierfleisch offenbar in großen Mengen zurückgehalten wird. Die Einsuhren in den beiden letzten Monaten waren stärker als im Mai, doch habe man den Verdacht, daß bei weitem nicht soviel Ware in den Klein- Handel gelangt, als nötig und vor allem möglich wäre. Trotz alle- dem sind bestimmte Angaben nach dieser Richtung nicht zu machen. da statistische Unterlagen weder im Reichsernährungsministerium noch an anderen Stellen vorhanden sind. Da nach Ansicht von Fachleuten jedoch mit einem Preisnachlaß für deutsches Fleisch in naher Zukunft nicht zu rechnen ist, wäre es Aufgabe der mit der Einfuhr von Gefrierfleisch betrauten Stellen, dafür zu sorgen, daß dieses billige Fleisch nach Möglichkeit nicht in die Kühl- Häuser, sondern in den Kleinhandel zum Verkauf gelangt. Immer wieder öranöstistungen. Zum drillen Male innerhalb weniger Tage. Die Brandstiftungen häufen sich in der letzten Zeit wieder in erschreckendem Maße. Zum dritten Male innerhalb weniger Tage stand in der A l l e r st r a ß e in Neukölln ein Dachstuhl in Flammen. In allen Fällen ergab sich zweifelsfrei Brand- st i f t u n g als Ursach«. Leider kommen den Brandstiftern die Bödenverhältnisse in der Großstadt sehr zustatten. Allerlei Haus- gerümpel und die ausgetrockneten Holzocrschläge geben ein leicht- brennbares Material her, an dem die angelegten Brände reiche Nahrung finden. Sie verursachen nicht nur den Hausbesitzern, sondern auch den Bewohnern der oberen Etagen großen Schaden. so daß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln versucht werden muß, den Brandstistern das Handwerk zu legen. Ganz merkwürdiger- weise treten die Dachstuhlbrände immer zum Ausgang des Sommers zu auf. Heute früh um 6 Uhr stand der ausgedehnte Dachstuhl des Eck- Hauses Aller- und Hermann st raße in hellen Flammen. Brand st ifter hatten die Bodenräume an allen Ecken und Enden angezündet: das Feuer fand an dem Bodengerümpel der Haus- bewohner und an den Bretterverschlägen der Bodenkammern so reichliche Nahrung, daß die Feuerwehr Mittelfeuer an alle Wachen melden ließ. Branddirektor Podsczieck ließ sofort mit fünf Schlauchleitungen über die vollständig verqualmten Treppen und über mechanische Leitern vorgehen. Erst nach geraumer Zeit gelang die Ablöschung des Brandes. Die Wohnungen der oberen Geschosse haben durch Wasser st ark gelitten. Von dem Brandstifter fehlt jede Spur. ver Zllm.Schmiede" wird zurzeit täglich vor aus verkauftem Hause in den Strom-Lichtspielen in Moabit, Sttomstratze, gegeben. Da der Film sllr die arbeitende Bevölkerung von größtem Interesse ist. weil er ge- werkschastliche und soziale Forderungen vertritt, ist der Besuch de« Film« .Schmiede" jedem zu cmpsehlen. Schwere Unwetterschäden im Bayerischen Wald. Der Waldbestand im Bayerischen Walde, einer der prächtigsten und urwüchsigsten der deutschen Waldwirtschaft, hat, wie sich erst jetzt herausstellt, infolge der letzten Unwetter furchtbar gelitten. Annähernd 200 000 Kubikmeter Holz, darunter die schönsten Bestände, sind von dem Orkan geknickt oder entwurzelt worden. Schrecklich hat der Orkan in Klingenbrunn gehaust. Die ganze Gegend bietet ein Bild der Zerstörung. Nach einer vorläusigen Schätzung sind dort 160 000 Kubikmeter Holz vom Sturme gefällt worden. Zu einer wahren K a t a st r o p h e hat sich der Sturm in der Umgebung von Holz lirchen aus* gewachsen. Dort liegen 100jährige Baumriesen in einem unübersehbaren Wirrwarr durcheinander. Fachleute schätzen den bier vernichteten Baumbestand auf 60000 Kubikmeter. Während der Un« Wetterkatastrophe kamen auch mehrfach Brände zum Ausbruch, die durch Blitzschlag hervorgerufen waren und auch Menschenleben forderten. Brand der Ausstellung in Grenoble. „Petit Parisien" meldet aus Grenoble, daß gestern abend 11 Uhr in der Grenobler Ausstellung durch Blitz- schlag Feuer ausbrach, das rasch großen Umfang annahm. Ein Teil der Stände der Forstabteilung und zwei weitere Paläste stehen in Flammen. Der Schaden beläust sich nach Havas auf mehrere Millionen, nach dem»New-Porker Herald" auf 10 Mi!» lionen Francs. Nach einer weiteren Meldung ist es gegen 1114 Uhr nachts gelungen, das Feuer einzudämmen. Der Aus- stellungsraum für Fremdenverkehr und der Transportpalast sind vollkommen vernichtet. Es standen darin besonders Flugzeuge, Automobile, elektrische Apparate, Seidenerzeugnisse aus Lyon und eine Sammlung von Fellen für die Handschuhmacherei. Die onge- stellte Untersuchung bestätigte, daß es sich um einen Blitz handelt. der in einem elektrischen Transformator eingeschlagen ist und das Zeltdach in Brand setzte.__ Hroß-Serliner parteinachrichten. 1».«teii Paukow: Kreitaa den Zt. Anquit.">/, Uhr. Kreisdelegiertenversommlunq bei Meier,„Tllrilsche» Zelt". Bre'.testratz- 14. Zuvasozialisten, Prenzlauer Berg: Heute S Uhr im Jugendheim, Daiulger Straße SI tBaracken) Bortrag be» Genossen Otto Bach:»Der deuifch« Arbeiter i» den Internationale." Die Anklagebank. Ablehnung eines Borsitzenden. Bor Eintritt in die Verhandlung tam es fürzlich in der großen Straffammer des Landgerichts I zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Borsigenden Landgerichtsdirettor Wachler und dem Verteidiger Rechtsanwalt Theodor Liebknecht. Der Angeflagte, Justizobersekretär Alfred S. hatte gegen ein Urteil des Schöffengerichts Berlin- Mitte Berufung eingelegt und nahm, wie in der ersten Verhandlung, neben seinem Verteidiger vor der Anflagebant Platz. Der Vorsitzende nimmt daran Anstoß und fordert S. auf, in den Raum der Anflagebant einzutreten. Rechtsanmalt Liebknecht legt sofort Vermahrung dagegen ein, indem er darauf hinweist, daß sein Mandant ein bisher völlig unbescholtener rauf hinweist, daß sein Mandant ein bisher völlig unbescholtener Mann in einer angesehenen Stellung sei. Eine neue Verfügung be ftimme doch, daß nur Untersuchungsgefangene auf der Anflagebant Blaz nehmen müßten. Sonst pflege man Ungeschuldigten höchstens in ganz außerordentlichen Fällen diesen Plaz anzuweisen. Der Vor fizende glaubt sich nun auf seine alleinige Bolizeigemalt in diesem Saale berufen zu müssen und betont, daß seinen Anordnungen unbedingt Folge geleistet werden müsse. Dem ihm ins Wort fallenden Berteidiger stellt Landgerichtsdirektor Wachler anheim, feine Konsequenzen zu ziehen. Rechtsanwalt Liebknecht tut dies und lehnt den Vorsigenden wegen Befangenheit ab. Nur die beiden Laienrichter verbleiben, die drei Berufsrichter verlaffen darauf den Saal. Während dieser Zeit fügt sich der Angeflagte und betritt die Anklagebant. Jetzt wird guter Rat teuer, denn zur Beschlußfaffung über den Ablehnungsantrag muß ein anderer Richter hinzugezogen worden in Moabit aber find Gerichtsferien! Schließlich ist es doch möglich, der neue Gerichtshof tritt zufammen und lehnt den Antroa ab. Landgerichtsdirektor Bachler bleibt also Vorsitzender und die Berhandlung beginnt-1 Begen Amtsunterschlagung und unbefugten Waffenbefizes ist der Justizoberfefretär S. zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Hiergegen hatte er Berufung eingelegt. Seine Jagdleidenschaft hat dem Angeklagten einen bösen Streich gespielt. Als vor längerer Zeit feinent Dezernat 131 ein beschlagnahmtes Jagdgewehr überwiesen wurde, suchte sich S. unter allen Umständen den Befiz der Flinte zu verschaffen. Er fragt zunächst seinen Bor gesetzten, wie er dazu kommen fönne. Dieser verweist ihn auf den Instanzenweg, gibt ihm aber gleichzeitig den guten Rat, die Finger davon zu laffen. S. läßt nicht locker und nimmt das Gewehr mit in feine Steglizer Wohnung, wo es eines Tages beschlagnahmt wurde. Der Angeklagte fucht sich damit herauszureden, er habe die Rückgabe nur vergessen, weil er die Jagdflinte einem Büchsenmacher zur Be gutachtung übergeben hätte. Kurze Zeit darauf erscheint S. nach Dienstschluß bei dem alten Pförtner Bindel im Kriminalgericht und fucht unter dem falschen Namen Enge in die Diensträume zu kommen. Der Pförtner folgt ihm aber und beobachtet, wie sich der Angeklagte in fnieender Haltung an seinem Aftenständer zu tun macht. Später wurden die Gerichtsaften über das beschlagnahmte Gemehr an dieser Stelle aufgefunden. Wahrscheinlich wollte fie S. beiseite bringen. Nachdem noch einmal eingehend die doch recht belastenden Umstände durch die Beweisaufnahme festgestellt wurden, tam das Gericht zur Berwerfung der Berufung. Gewerbehygienische Ausstellung in Essen. Am 13. September wird in Essen die erste deutsche gewerbehygienische Fachausstellung Gesundheit und Arbeit", die non der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene" zusammen mit der Stadt Essen veranstaltet wird, eröffnet. Die Ausstellung soll in ausgewählten Gruppen wichtige Fragen der gewerblichen Hygiene und Unfallverhütung behandeln. Der Ausstellungsplan zeigt u. a. folgende Gruppen: Atem- und Augenschutz, Beleuchtungshygiene, Staub und Entstaubung, Temperatur und Feuchtigkeit, Unfallschuz an Mafchinen, Unfallsichere Werkzeuge, Echutz gegen elektrische Unfälle, Unfallschutz im Bauwesen, Hygiene und Unfallverhütung im Bergbau und Hüttenwesen, Unfallverhütungsbildpropaganda, Erste Hilfe, Gesetzlicher Arbeiterschutz, Betriebswohlfahrt, Arbeitswirtschaft und Arbeitseignung. Sport. Treptower Ubendrennen. " Gewerkschaftsbewegung Leistung und Löhne. In der Monaisschrift des amerikanischen Arbeitsamts veröffentlicht der Arbeitsminister der Vereinigten Staaten von Nordamerika, James J. Davis, einen Artikel über„ Leistung und Löhne in den Vereinigten Staaten", der für uns gerade deshalb besonderes Interesse hat, weil die deutschen Unternehmer die Welt glauben machen wollen, man fönne die Produktion durch herabfegung der Löhne und Verlängerung der Arbeitsleistungsteigern. Davis beginnt mit einem Hymnus auf sein Land, wo felbft Dinge, die wir hier als veraltet ansehen, als geradezu munderbare Methoden oder Maschinen erscheinen, wenn wir sie mit dem Besten in anderen Orten vergleichen". Allein in der ameritanischen Industrie werden jezt jährlich Baren im Werte von über 60 milliarden Dollar hergestellt. Seit 1921 ist ihr Wert um 38½ Broz gestiegen, die gezahlten Löhne nahmen um 34 Broz zu. Berechnet man nur die durch die Verarbeitung des Rohmaterials neu geschaffenen Werte, so findet man, daß diese um 41 Broz. gestiegen sind, während die Zahl der Lohnarbeiter nur um 26 Pro 3. und die gezahlte 2ohnsumme nur um 34 Proz. zunahm. Es zeigt sich also, daß die Arbeitsleistung, das Land als Ganzes genommen, immer größer wird, trotz der Steigerung der Löhne und der Verkürzung der Arbeitszeit- oder gerade deswegen. Zu denselben Ergebnissen tommt man, menn man Leistung und folgende Beispiele: Söhne in einzelnen Fällen untersucht. Davis gibt dafür In einer Schuhfabrit in Neuengland, wo die Löhne seit 1916 um 48,5 Proz. gestiegen sind, stieg die Arbeitsleistung, an der Förderung pro Mannstunde gerechnet, um 25,1 Proz. Diese Steigerung der Leistung, die als Stoßauffänger wirft, hat einen sehr merklichen Teil der Lohnerhöhung wettgemacht. In diesem Be= triebe maren 1916 1 Stunde 42 Minuten von der Arbeitszeit eines Mannes erforderlich, um ein paar Schuhe herzustellen. Heute beansprucht dies 54 Minuten. Im Jahre 1891 erforderte es 14 bis 16 Stunden von der Arbeitszeit eines Mannes, um eine englische Tonne( 1016) Kilogramm Roheisen herzustellen. Heute erfordert es im öftlichen Bezirk 2 Stunden und 18 minuten, während es in Pittsburg und Chilago 1 Stunde und 54 Minuten und in den Süd- und Golfflaaten 4 Stunden und 30 Minuten erfordert. Die Aften des Arbeitsstatistischen Amts zeigen( aus der Ziegelindustrie), daß in einem Betrieb, wo 13 Mannstunden erforderlich waren, um 1000 Ziegel herzustellen, die Arbeitskosten pro 1000, obwohl dieser Betrieb nur 17 Cents die Stunde zahlte, größer waren, als in einem anderen Betrieb, der 79 Cents die Stunde zahlte. Eine Lohnsteigerung von 13 Proz. erfolgte in dem Betrieb, der 79 Cents die Stunde zahlte, und der Kerl, der 17 Cents zahlte, sieht sich jetzt nach Einwanderern, nach Merikanern um, so daß seine Arbeitskosten für 1000 Ziegel wahrscheinlich noch fteigen werden. Der amerikanische Arbeitsminister fommt zu dem Schluß, daß die Barple des amerikanischen Unternehmers auf der ganzen Linie erhöhte Leistung sein müßte erhöhte Leistung sein müßte erhöhte Leistung lieber, als Herab. drüdung von Lohnfäßen". Diese erhöhte Leistung soll auch nicht burch Berlängerung der Arbeitszeit erreicht werden, sondern durch Berbesserung der Arbeitsmethoden. Die Die deutschen Unternehmer wollen den umgekehrten Weg gehen; fie behaupten, bessere Leistungen fönnten nur durch Berlängerung ter Arbeitszeit und durch verkürzten Lohn erreicht werden. polkswirtschaftliche Lehre ebenso wie die industrielle Praxis zeigt, daß dieser Weg in die Irre führen muß. Es wird die Aufgabe der Arbeiter sein, durch ihre Gewertschaften dafür zu sorgen, daß alle Berfuche, die Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands ned meiter zu verschlechtern, verhindert werden. Wäre es aber nicht an der Zeit, daß der deutsche Arbeitsminister ebenso eindringlich zu den Unternehmern spricht, wie sein Kollege in den Bereinigten Staaten? Einigung im Berliner Mühlengewerbe. Die Mühlenarbeiter haben heute beschlossen, den Einigungsporichlag anzunehmen und die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Das bisherige Lohnabkommen lief noch bis zum 23. September. Erreicht wurde eine wöchentliche Zulage von 4 Mart, rüfwirkend ab 16. Juli, für alle männlichen Arbeiter, und von 2,50 Mart für Frauen. für Frauen. Die Bochenlöhne betragen nunmehr für gelernte Arbeiter 43,50 Mart, für Ungelernte 37,75 Mart, und für Frauen 25 Mart. Die Streifenden werden wieder eingestellt, MaßregeUrabstimmung in den Bauschlossereien. Das angefündigte Programm des gestrigen Renntages der Ireptomer Bahn hatte seine Wirkung nicht verfehlt und die Berliner Sportgemeinde zahlreich erscheinen laffen. Das inter. nationale Fliegertreffen, das 5 Läufe vorsah und in feiner bekanntgemachten Zusammenstellung hübsche Rampfesmomente erwarten ließ, enttäuschte dadurch, daß man die ursprüngliche Zu fammensetzung der einzelnen Läufe änderte, und zwar so, daß die deutschen Vertreter gegenüber der ausländischen Klasse nun über haupt feine Chance mehr hatten. Im 1. 2 auf siegte moestoeps gegen Gottfried, im 2. Lauf Kaufmann gegen Lorenz, der auch im 3. Lauf durch einen schönen Sięg Gottfrieds ges schlagen wurde. Der junge deutsche Meister hielt sich auch im 4. Lauf recht tapfer gegen Kaufmann, der dank seines fabellungen finden nicht statt. haften Antrittvermögens einfach gewinnen mußte. Den 5. Lauf holte sich wieder moestoeps gegen Lorenz. Im Treffen Moesfoeps- Kaufmann erhielt der holländer eine einwandfreie Niederlage beigebracht. Im Gesamtresultat murde Kaufmann Sieger mit 6 P. vor Moestoeps 5 B., Gottfried 4 P. und Lorenz 3 P. Im Preis von Köpenid", einem Dauerrennen über 20 Kilometer, siegte Wittig, der das ganze Rennen hindurch führte, in 14,2 Sef.( Reford!) vor Möller( 10), Bauer( 220) und Miquel 18 Minuten ( 3510 Meter zurüd, Defekt). Beim Anschlußnehmen im Robl Memorial( 2 Läufe, 30 und 50 Kilometer) rutschte Wittigs Schrittmacher Gedam fe in der Kurve ab, blieb jedoch erfreulicher weise unverlegt, fonnte aber wegen Beschädigung des Motors die Führung nicht weiter ausüben. Bittig fuhr nun hinter Schulz und konnte rein gar nichts mehr ausrichtert. Den Lauf über 30 Kilometer fuhr der fleine Charlottenburger Bauer zum Sieg in 27 min. 35 Sef.( Reford!) vor Miquel( 15), Wittig( 190) und Möller( 480 Meter zurüd). Den Lauf über 50 kilo meter gewann Miquel( 79,985), der troß seiner nicht unerheblichen Verlegungen, die er fürzlich bei einem Sturz hinnehmen mußte, ein bravouröses Rennen fuhr, vor Wittig( 79,430), Bauer ( 79,390) und Möller( 77,360 Kilometer gefahren, Defekt: Lentstangenbruch!). Erwähnt sei noch das Verfolgungsrennen Kaufmann Moestoeps gegen Gottfried Lorenz, das den Sieg der Deutschen brachte, jedoch mit Sport herzlich menig zu tun hatte! = Berliner ElektrikerGenossenschaft SCHUTZ MARKE angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Quittungs Rabalt Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel u Reklamemarken fernet seit 45 Jahren dls Spezialitat Conrad Müller Schkeuditz Leipzig Ausführung sämtl. Reparaturen Magen Preiswerte, gediegene Arbeit leibende nehmen die echten Reichels Faemorrhoiden fichere Magentropfen, bas Hilfe erprobte Rezept M. 1burch Myrobalanum. Benimmt schnell u. 2,50. Jn Drogerien Schmerz, Entzündung und Schwellung. Apotheken, fonft bei Nur äußerlich anzuwenden. M. 2,50 Bo in Otto Reichel, Berlin 43 Drogenh. nicht erhältlich bei Otto Reichel, SO. Eisenbahnftr. 4, Berlin 43 SD., Cifenbahnstraße 4. In überfüllter Branchenversammlung der Bau-, Geldschrank und Möbelschlosser am Mittwoch berichtete Fuchs vom Metallarbeiterverband über die mit dem Schußverband Berliner Schloffe reien und vor dem Schlichtungsausschus gepflogenen Verhandlungen. Am 30. Juli war auf Beschluß der Branchenversammlung der beum 40 Bf. in allen Gruppen und die Erhöhung der Kostgeld. stehende Tarifvertrag gekündigt, eine Erhöhung der Löhne fäge für Lehrlinge um 50 Proz. gefordert worden. Der Schutzverband erklärte in einem Schreiben, daß die Unternehmer zwar zu Berhandlungen bereit seien, die Forderungen aber in aller Schärffter Form ablehnen müßten. Die Verhandlungen verliefen infolgedessen ergebnislos. Der Schlichtungsausschuß wurde angerufen, der am 18. Auguſt unter Borfiz des Gewerberats Körner Die„ Uniform" bei Auguft Scherl. Ein junger Hilfsarbeiter der Firma Scherl trug bei der Arbeit den Sportanzug der sozialistischen Arbeiterjugend. Sieben Wochen konnte der junge Mann in dieser Kleidung seine Arbeit verrichten, ohne daß jemand daran Anstoß nahm. Dann entdeckte ein höherer Angestellter der Firma die ozialistische Uniform" und die Folge war, daß der Träger derselben gekündigt und entlassen wurde. Der Betriebsrat focht der Vorsitzende der Kammer meinte, das Tragen der fraglichen die Entlaffung beim Gewerbegericht als unbillige Härte an. Auch Uniform" fönnte ohne vorhergegangene Berwarnung wohl nicht als ausreichender Entlassungsgrund angesehen werden. Der Ver= treter der Firma fagte dagegen, das Tragen politischer Abzeichen im Betriebe müsse untersagt werden, weil es zu Reibereien unter den Arbeitern führen fönnte. Am allerwenigsten dürfe in einem ausgesprochen rechtsgerichteten Betriebe jemand geduldet werden, der„ eine fozialistische Uniform" trage. Die Parteien einigten sich schließlich dahin, daß der Entlaffene eine Entschädigung von 20 m. erhält. nicht gesehen. Der Manchester anzug, der von einem Teil Eine Uniform" der sozialistischen Arbeiterjugend haben wir noch der Arbeiterjugend getragen wird, ist meder eine Uniform, noch gar eine sozialistische. Offenbar ist er es in den Augen der Rechtsgerichteten", sobald die Abzeichennadel der„ SAJ" daran stedt. Anstößigkeiten wohl doch noch dazu übergehen müssen, die Uniform Die Firma Scherl wird zur Vermeidung solcher nadelipizen ihrer Radfahrer allgemein in ihrem Betriebe einzuführen. Einigung in der München- Gladbacher Textilindustrie. M.- Gladbach, 20. Auguft.( BTB.) Die erneuten Berständigungsverhandlungen zwischen den Bertretern der vereinigten Arbeitgeber verbände der Textilindudstrie von M.- Gladbach, Rheydt und Um gebung und den Vertretern der Gewerkschaften dauerten gestern mit furzer Unterbrechung von 10 Uhr vormittags bis nach 10 Uhr abends. Es tam schließlich eine Einigung dahin zustande, daß die Aussperrung der 40 000 Zegtilarbeiter permieden wird. Die Arbeitgeberverbände nehmen die Kündigung zurüd. Der für verbindlich erklärte Schiedsspruch. der eine sechsprozentige Lohnerhöhung vorsieht, wird beiderseits innegehalten werden. Anmerkung der Redaktion: Betanntlich hatte der Syndikus der Arbeitgeber direkt aufgefordert, den verbindlich erklärten Schieds spruch zu mißachten. Dadurch war der Streit unnötigerweise verlängert worden. Solidaritätsstreit für die Baukangestellten. Marseille, 20. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Briefträger, die Arbeiter der Straßenbahn und des Schlachthauses, sowie das Zivilpersonal der militärischen Betriebe haben aus Solidarität mit den streifenden Bantangestellten die Arbeit niedergelegt. Der Metallarbeiterstreit in Polen. Warschau, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die 3ens tralfommission der Gemertschaften hat fich bereit erflärt, zur Unterstügung der seit einer Woche streitenden 25 000 me ta 11 arbeifer, menn nötig, den Generalstreit u proflamieren. Die bisherigen Berhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern verliefen ergebnislos. Die Metallarbeiter haben ihre ursprüngliche Forderung nach einer Lohnerhöhung von 50 auf 30 Proz. herabgefeht. Die Arbeitgeber wollen nur 5 Broz. bewilligen. In Memel trat die Belegschaft der Riftenfabrik Ehmeru. Co. in den Streif. Die jugendlichen Arbeiter werden ganz besonders gering entlohnt. Verbandstag des Verkehrsbundes. Im weiteren Berlauf der Berhandlung nahm der Berbandstag einstimmig eine Entschließung an, die scharfften Protest erhebt gegen die ungeheure Belastung, die eine arbeiterfeindliche Regierung und die parlamentarische Mehrheit der bürgerlichen Barteien durch die Annahme der Steuer. und 3ollgesete auf die Schultern der arbeitenden Massen des deutschen Boltes geladen habe. In diesen Gesezen seien faft restlos die Wünsche der Unternehmervereinigungen erfüllt worden. Den scharfften Rampf jagt der Bundestag der reaktionären Polifit der Unternehmer an, die ihre Angriffe auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der neu belasteten Werteschaffer fortführten und den Arbeitern, Angestellten und Beamten nicht nur den Achtstundentag, sondern auch einiger. maßen ausreichende Löhne und Gehälter verweigerten. Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in Deutschland bleibe den Gewerkschaften fein anderer Weg, als durch einen scharfen wirtschaftlichen Rampf die Interessen der Arbeiter, Angestellten und Beamten wahrzunehmen und ihre Lebensrechte zu verteidigen. In einer weiteren Entschließung wird festgestellt, daß die im Art. 165 der Reichsver fajfung den Arbeitnehmern garantierten Rechte auf gleichberechtigte Mitwirkung in allen für die Regelung der Wirtfchaft errichteten Körperschaften nicht erfüllt feien. Der Bundestag fordert von der Regierung, daß sie umgehend die im Art. 165 vorgesehenen schafft und daß endlich der definitive Reichswirtschafts Handels-, Industrie- und Landwirtschaftskammera rat und die Bezirkswirtschaftsräte eingerichtet werden. Eine lezte Entschließung wendet sich gegen die Haltung der Genossenschaften in der Frage der tariflichen Be. ahlung ihrer Arbeiter und Angestellten. Ueber„ Das neue Arbeitsrecht" sprach Dr. Iserlandeinen Schiedsspruch fällte. Den ungelernten Arbeitern werden barin mur unwesentliche Zugeständnisse gemacht und die Akkord: Grundprinzipien ausgewirft: Bolschewismus und Demokratie. Die Berlin. Im neuen Arbeitsrecht, führte er aus, hätten fich zwei arbeiter der Geldschranfindustrie gegenüber den Lohnarbeitern Berwirklichung der follettiven Demokratie bedeuten heute die Lariserheblich benachteiligt. In der Diskussion wurde auch die verträge. Man dürfe allerdings die follettive Demokratie der Wirtlange Tarifdauer bis zum 15. November bemängelt, ebenso die Abschaft nicht mit der politischen verwechseln. Eine Bedingung für ihre ficht der Unternehmer, die jetzt gezahlten übertariflichen Löhne auf Aufrechterhaltung sei der Achtstundentag. die Tarifzulage anzurechnen. Die Bersammlung lehnte ein. stimmig den Schiedsspruch ab und beschloß, daß heute, Donnerstag, in den Betrieben eine Streitabstimmung vor genommen werden soll. Es ist damit zu rechnen, daß der Streik am Freitag beginnen wird. Und geht einmal das Geld zur Neige kauf auf Kredit bei 2 Mark Arthur Scheige wöchentl Garderobe für Damen und Herren $> Gardinen Wäsche Teppiche fertige Betten $ Pelzwaren schon eingetroffen. Oberschönewelde, Slemensstraße 14 Zweiggeschäft: Moabit, Erasmusstraße 1 Möbelabteilung im Hauptgeschäft. Berantwortlich für Bolitik: Craft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Kr. Eklorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Kris Karstadt; Anzeigen Th. Glode: fämtlich in Berlin. 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