Abendausgabe Nr. ZHH* 42. Jahrgang Msgabe B Nr. 145 B-zugsbidlngungin und Anzeigenpreis« sind in der Morgenausgabe angegeben BebotHon: SEJ. es, Linden strab« 3 Zernsprecher: vdahosf 292— 293 lel.-Adress»: Sozioldemokra» Berlin Devlinev VolKsblstt ZcntruXorgan der Sozialdcmohratifchen Partei Deutfchlands (19 Pfennig) Sonnabenü 22. August 1425 Verlag und Anzeigenabteilni,� Geschäftszeit s— b Uhr verlegerivorwarks-verlag verlin Sw. SS, Lindenstrahe Z Zernsprecher: OSnhoss 2393-2307 Srianös Note in Herlin. Ucberreichnng erst am Montag. Nachdem bereits gestern offiziös aus Paris gemeldet worden war, daß die französische Antwort auf den deutschen Paktoorschlag und auf seine Ergänzung infolge der ersten französischen Antwort übermorgen, Montag, der deutschen Reichsregierung übergeben werde, bestätigt heute auch die Reichsregierung diese Ankündigung. Wenn aber in der Havas-Meldung die Veröffentlichung der Note erst für Freitag angekündigt worden ist, so hält man in Berlin eine solche Frist zwischen Ueberreichung und Veröffentlichung für viel zu lang, da man die deutsche Oeffentlichkeit nicht so viele Tage in Ungewißheit lassen könne. Es wird auch be- tont, daß der Zeitpunkt der Veröffentlichung selbstverständlich zwischen den Alliierten und Deutschland vereinbart werden müsse, nicht aber einseitig von Paris aus festgesetzt werden könne. Man hofft, den Wortlaut am Mittwoch bekannt- geben zu können. Was die verschiedenen Voraussagungen des Inhalts der Note anbelangt, so steht die Reichsregierung auf dem Stand- punkt, daß ein deutsches Interesse am Sicherheitspakt natürlich nicht bestehen würde, wenn er alliierten Staaten die Möglich- keit belassen würde, auf Grund irgendwelcher juristischer Kon- struktionen gewaltsam gegen das wehrlose Deutschland vor- gehen zu können, wie das z. B. bei der Ruhrbesetzung der Fall war. Gerade das Bestreben, die Wiederholung derartiger Gewaltakte für die Zukunft auszuschließen, hat"den Anlaß zu dem deutschen Sicherheitsoorschlag überhaupt gegeben. Vorkonferenz in Genf. SteNungnahme der Oststaaten zum(Sarantiepakt. Gens. 22. August.(Eigener Drahtbericht.) Unmittelbar vor der Tagung des Völkerbundes wird in Gens eine Konserenz der Außenminister der baltischen Staaten und Polens stattsindsn, um z» dem Garantiepokt eine einheitliche Stellungnahme herbeizuführen. Der Marokkokrieg geht weiter. Militaristische Trompeteustöste. Paris, 22. August.(WTB.) Die Zurückberufung der Agenten für eventuelle Verhandlungen mit Abgesandten Abd et Krims wird vom Temps als eine Klärung der Lage begrüßt. Es handele sich jetzt nicht mehr darum, so schreibt das Blatt, mit dem Rif-Slbenteurer zu verhandeln, es heiße jetzt, ihn bekämpfen und endgültig nieder- zuzwingen. Abd el Krims Weigerung, die in Madrid ausgearbeiteten Friedsnsbedingungen kennen zu lernen, beweise, daß er den Krieg fortsetzen will. Niemand habe jetzt mehr ein Interesse daran, diese Bedingungen kennen zu lernen, denn die Lage werde eine vollkommen andere sein, sobald Abd el Krim durch Waffengewalt gezwungen werde, sich auf Gnade oder Ungnade zu ergeben. Für das Ansehen Frankreichs in der Welt, für die Sicherung seines Ein- flusses und seiner zivilisatorischen Arbeit in Marokko, gebe es keine andere Lösung als die der N i e d e r z w i n g u n g Abd e l Krims. Das chinesische Wespennest. Englische Verstimmung über die japanisch-chinesische Verständigung. London. 22. August.(TU.) Nach Meldungen aus Schanghai ist das Abkommen über die Wiederaufnahme der Arbeit in den jcpanischen Betrieben von einer Kommission der japanischen Handelskammern in China und von den Bevollmächtigten der chine- fischen Handelskammern unterzeichnet worden. In englischen Kreisen hat das Vorgehen Japans, das sich hinter dem Rücken Englands mit China verständigt hat, stärke Verstimmung hervor- gerufen. Die Londoner Presse nimmt scharf gegen Japan Stellung. Nussisch-chinesische Spannung. Paris, 22. August.(WTB.) Nach einer Meldung des„Temps" aus Charbin soll zwischen der chinesischen Bevölkerung und den russischen Einwohnern eine zunehmende Spannung be- obachtet werden können. Die örtliche chinesische Presse erhebe gegen die Eisenbahnverwaltung von Ostchina die Beschuldigung, für Sowjetrußland Propaganda zu treiben. Die chinesischen Behörden sollen unter Androhung strenger Strafen den Umlauf russischen Geldes untersagt haben. Karachan geht in Urlaub. Peking, 22. August.(WTB.) Der Botschafter der Sowjet- republik Karachan wird aus Gesundheitsrücksichten einen zwei- monatigen Urlaub antreten und in einigen Tagen nach Moskau ab- reisen. Der Boykott beginnt. London. 22. August.(Eigener Drahlberichl.) 2m Hasen von Hongkong liegt feit Donnerstag der britische Handel vollständig brach. Der Boykott hat begonnen und wird mit strenger Konsequenz durchgeführt. Die 1DD Millionen üer Rentenbank. Eine amtliche Erwiderung. Am Anschluß an einen begründeten Angriff, den der Ab- geordnete Gen. Dr. Hertz in einer der letzten Reichstagssitzungen gegen die Reichsregierung unternommen hat, wird in einem Teil der Presse die Auffassung vertreten, das Reich habe der neugegründeten Rentenbant-Kreditanstalt ein Geschenk von 100 Millionen Reichsmark gemacht und damit der Landwirtschaft neben dem Zollschutz eine bedeutende Vergünstigung gewährt: das Geschenk soll darin bestehen, daß das Reich sich verpflichtet hat, der Rentenbank die ,/it des DiskoMgewinnes aus der privaten Kreditgewährung zu ersetzen, die die Rentenbank nach dem Gefetze an die Reichsbank ab- zuführen hat. Dazu wird dem WTB. auf Anfrage mitgeteilt: Die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Reich und der Rentenbank bildet eine einheitliche Aktion: es geht nicht an, eine einzelne Leistung des Reichs herauszugreifen und als Geschenk hinzustellen, die Gegenleistungen aber unberücksichtigt zu lasten. Die Regelung ist nämlich in folgender Weise geschehen: Der langfristige Kredit des Reichs bei der Renten- bank wird von 1100 auf 1200 Millionen RM. erhöht: die Deutsche Rentenbank erläßt dem Reich die Hälfte dieser Schuld. Die andere Hälfte hat das Reich in 10 gleichen Jahresraten von je 60 Millionen zum Zwecke der Tilgung des Umlaufs an Renten- bankscheinen zu zahlen. Die vertragsmäßige Verzinsung der Schuld wird vom 1. Oktober 1924 an erlassen. Das Reich über- nimmt die Abführung der s i e b e n Z e h n t e l des Diskont- gewinne? an die Reichsbank.(Dieser Diskontgewinn wird sich unter dem Betrage der vorerwähnten Kreditcrhöhung durch die Deutsche Rentenbant von 100 Millionen halten.) Es war anfangs beabsichtigt, die interne Auseinandersetzung in das Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenban Scheinen eufzunehmen. das Organisationskomitee verlangte jedoch die Streichung aller darauf bezüglichen Bestimmungen, da sie nicht unmittelbar mit den vom Sachverständigenplan verlangten wöhrungpolitischen Maßnahmen zusammenhingen Es wurde des- halb vorgesehen, die Auseinandersetzung neben dem Gesetze durch einen Vertrag zwischen dem Reiche, der Rcichsbank und der Rentenbank zu regeln. Der Inhalt dieses Vertrages war, wenn er auch erst später end- gültig schriftlich niedergelegt wurde, bereits im ersten Halbjahr 1924, also lange vor der Einbringung des Liquidierungsgcsetzes. vereinbart worden. Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß die vertragliche Auscin- andersetzung mit der Gründung der Rentenbant-Kreditanstalt und mit den soeben erlassenen Steuer- und Zollgesetzen nicht das mindeste zu tun hat, sondern zeitlich lange zurückliegt. Nicht nur die Z i n s l o s i g k e i t des langfristigen Kredits, jvradern auch die ans dem Liquidierungsgesetz ersichtliche Erhöhung des langfristigen Kredits um 100 Millionen RM. ist durch das Vertragsabkommen erreicht worden— ganz abgesehen davon, daß die finanzielle Auswirkung aus der erwähnten Eieben-Zchntel- Zahlung für das Reich in einem anderen Lichte erscheint, wenn man die hierauf bezüglichen Einzelbestimmungen, deren Erläuterung hier zu weit führen würde, beachtet. Die Behauptung, daß das Reich der Rentenbank ein Geschenk gemacht habe, ist durchaus unzutref- fend, die Angelegenheit wird im übrigen demnächst im Haushalts- ausschuß des Reichstages in allen Einzelheiten aufgeklärt werden. * Es wird sich noch im Haushaltsausschuß Gelegenheit bieten, auf die Angelegenheit zurückzukommen. Fe st zuhalten bleibt, daß das Reich auch hier genau wie im 700-Millionen-Geschenk an die Ruhrindustrie über einen großen Betrag aus den freien Ein- nahmen verfügt hat, ohne den Reichstag eine Stellungnahme dazu zu ermöglichen! Inwieweit die Leistung des Reiches durch eine Gegenleistung der Rentenbank aufgewogen wird, das bedarf noch eingehender Prüfung. Der internationale Kongreß. Die Frauenkonferenz. Marseille, 22. August.(Eigener Drahtbericht.) Auf der Kon- ferenz sind 14 Länder, mit 46 Delegierten anwesend. Die deutsche Delegation ist besonders stark. Im Austrag der Exekutive begrüßte Hermann Müller die Tagung. Er wies vor allem darauf hin, wie unerläßlich für die sozialistische Bewegung die Arbeit unter den Frauen sei. Nur im Zusammenwirken mit den Frauen sei das sozialistische Endziel zu erreichen. Genosse Popp. Wien schilderte die Tätigkeit.er Frauen in den vergangenen zwei Jahren und ersuchte mit Rücksicht auf die kurze Tagungszeit von dem gewohnten münd- lichen Bericht Abstand zu nehmen und sich mit dem schriftlichen Be- richt zu begnügen. Es folgte die Konstituierung des Bureaus, dem Genossin I u ch a c z als Vorsitzende und Genossin Wurm als Schriftführerin angehören. In der Vormittagssitzung wurde ferner die deutsche Entschließung über die Methoden zur Organisation sozialistischer Frauen vorgelegt. In der Begründung fordert Ge- nossin I u ch a c z die Bildung eines internationalen Frauenkomitees und die Eingliederung der Frauen in eine gemeinsame internationale Organisation._ 3n Wien hat die Polizei eine für Sonnabend nachmittag an- beraumte kommunistische Massenversammlung mit einer Tagesordnung gegen die zionistisch-christliche Ausbeuterfront und geqen Hakenkreuz und Faschismus mit Rücksicht auf die gegen- wärtig herrschende Eeunruhigung� sowie wegen der nunmehr heute nachmittag unter der Devise»Wiener Volkstag" statt- finde« den völkischen Kundgebungen verboten. Ein Schlußstrich. Der Kinderglauhe an Stinnes ist tot. Die ,T)eutsche Allgemeine Zeitung", das Hausorgan der Familie Stinnes, ist verkauft worden. Der Betrag, um den sie in den Besitz eines anderen großkapitalistischen Kon- sortiums übergegangen ist, fällt gegenüber der Summe der Verpflichtungen des Stinneskonzerns und dem Wert der übri- gen von der Liquidation erfaßten Stinnes-Objekte nicht ins Gewicht. Rein wirtschaftlich gesehen, handelt es sich dabei nur um ein Teilgeschäft der Stinnes-Liquidation. Aber eine Zeitung ist mehr als ein reines Erwerbsunternehmen. Wer sie kauft, erwirbt nicht nur Gebäude und Maschinen, Papier- Vorräte und Jnserententreis, Abonnenten und eine Redaktion, wenn sich die Redaktion mit verkaufen läßt— er erreicht zugleich Einfluß. Einfluß auf die Köpfe der Leser, Einfluß im Chor der Gesamtstimme der Presse, Einfluß im politischen Leben, Macht. Und wer sie verkauft, der verliert das alles. Es ist ein Kapitel für sich, daß Einfluß und Macht durch die Presse zur Handelsware geworden find, daß man für drei Millionen bar auf den Tisch das alles kaufen kann. Die Zeitung als verkäufliche Gesinnungsfabrik ist ein boshaftes Zerrbild des Idealbilds, das sich jeder aufrechte und unab- hängige Schriftsteller von der politischen Presse machen muß, wenn sein Beruf nicht Prostitution sein soll. Wir haben zu einem Zeitpunkt, als die Geschichte auftauchte, daß die „Deutsche Allgemeine Zeitung" feil sei, mit aller Schärfe be- tont, daß die Tatsache, daß eine Zeitung, ein Sprachrohr der öffentlichen Meinung, feil sei, ein Stück der Schande unserer Tage sei. Die Redaktion, um deren Zeitung— darf man denn überhaupt sagen, daß es ihre Zeitung war?— der Handel ging, hat sich nicht empört gegen diesen Gedanken. Sie hat es vorgezogen, sich hinter der Ausrede zu verschanzen, die Mitteilungen über den beabsichttgten Verkauf seien Klatsch — das Haus Stinnes denke nicht an den Verkauf. Heute erläßt diese Redaktion die Erklärung, es fei ihr versichert worden, daß die politische Haltung des Blattes bei einem Besitzwechsel nicht geändert werde. Sie werde„i m Bewußtsein gegenüber dernation a'en Auf- gäbe der D.A.Z." ihr Verhalten von der Durchführung dieser Absichten abhängig machen. Diese Redaktion bat im Verlauf der Geschichte der„D.A.Z." unter der Aera Stinnes erfahren, daß nicht sie die politische Haltung der Zeitung bestimmte, sondern die Tatsache, daß das Haus Stinnes Eigentümer der Zeitung war, Sie hat erlebt, daß der Besitzer nicht nur über die Haltung der Zeitung, sondern auch über die Zusammensetzung des Re- daktionsstabes entschied. Wir haben immer, wenn diese Tatsache öffentlich festgestellt wurde, von dieser Redaktion die Verteidigung gehört, daß der Besitzer der Zeitung sich der politischen Direktive enthalten habe. Aber es gibt Tatsachen, die nur zu deutlich zeigen, daß diese Zeitung ein Instrument der Hauspolitik des Besitzers, nicht ein In- strument einer unabhängigen Redaktion war. Wir denken dabei an den unverantwortlichen Vorstoß der„Deutschen All- gemeinen Zeitung" gegen den Kredit des Reiches und die Wechfelunterfchrift der Regierung Wirth seinen Vorstoß, der in eben dem Zeitpunkt erfolgte, als es um die V e r m e i- dung der Ruhrbesetzung ging. Damals wurde ein Höhepunkt des Kampfes der Stinnesfchen Interesientennolitik gegen die Politik der Reichsregierung erreicht. War das die „nationale Aufgabe der D.A.Z."? War dieser freche Vorstoß, auf den die Regierung empört mit dem Verbot antwortete, nicht ein Ausfluß der politischen Direktiven des Besitzers? Oder hatte sich die Redaktion der D.A.Z. so sehr in die Feinheiten der Stinnesschcn Hauspolitik eingefühlt, daß sie an diesem Zeitpunkt, auf Tag und Stunde peinlich genau abgepaßt, ohne Anregung durch den Besitzer von selbst funktionierte? Diese Redaktion geht mit der Zeitung an den neuen Be- sitzc-r über. In dieser Tatsache liegt das stärkste Symbol des Zusammenbruchs des Hauses Stinnes, zugleich das stärkste Symbol des Zusammenbruchs der Stinnes- i d e o l o g i e. Der Verlust an politischem Einfluß und Prestige, der in diesem Verkauf zum Ausdruck kommt, mag für die Führer des Hauses Stinnes besonders schmerzlich sein— für die Oeffentlichkeit symbolisiert er die politiscl)e und ideologische Bedeutung, die dem Zusammenbruch des Sttnnes-Konzerns zukommt. Es war das Merkmal der Stinnes-Idcologie, daß sich die Stinnessche Hauspolitik als nationale Politik drapierte. Sie benutzte die geitttge Verwirrung, die die politischen Krisen, die Krisen der Wirtschaft und der Wähning in der Nachkriegszeit hervorgerufen hatten, um für die Kreise, die jede politische und grundsätzliche Orientiening verloren hatten, einen Götzen der Macht zu errichten, an den die irrcmden Geister sich an- klammern sollten. Die Stinnessche Hauspolitik hat, als sie sich der»Deutschen Allgemeinen Zeitung" bemächtigte, eine Re- daktion herangezogen, die diese geistige Verwirrung selbst in sich trug und darum prädestiniert war, in den Dienst der Aus- breitung der Stinnes-Jdeologie zu treten. Sie gewann Männer, die die Entwicklung eines autoritären Unter- nehmerftaates aus innerer konservativer und machtpolitischer Grundhaltung bejahten und als Fortenwicklung der sozio- listischen Gedanken anzupreisen wagten, Männer, deren Ge- sinnung labile Konjunkturgesinnung war, die zu jenem niede- ren Typ des Schriftstellers gehörten, der es nicht als seine Aufgabe ansieht, von großen Grundsätzen ausgehend seiner Zeit den Puls zu fühlen und der Oeffentlichkeit die großen Entwicklungslinien und die treibenden Kräfte zu zeigen, fon- dern der im seichten Gewässer unklarer Ideologien mit- plätschert und auf jede neu auftretend« politische und soziale Anziehungskraft reagiert. deren Seite eine hierdurch sich mittelbar ergebende, aber auch| Oeffentlichkeit gegen das Vorgehen des Oberreichsunmittelbar hervorgetretene Begünstigung der schwarzrotgoldenen anwalts Front macht. Mit solchen mittelalterlichen Parteien durch entgegenkommendes Verhalten, Durchlassen von Methoden wird Deutschland sich in der Welt kein Ansehen Hergängen, bei denen Beanstandung üblich war, oder gar un- verschaffen. mittelbares Eintreten durch Anregungen, oder gar rednerische oder schriftliche Ausführungen dartut. gez. Bachem. Diese Redaktion wurde zur journalistischen Verbünderin der Irrlehren, die alle Phasen der Stinnesschen Hauspolitik begleiteten. Sie hat die Auffassung vertreten, daß Stinnes der Retter der Wirtschaft sei. Sie hat das Stinnessche Inflationsgeschäft als ein Stück Sozialismus gepriesen. Sie hat mit Stinnes gegen die rechtzeitige Ordnung der deutschen Finanzen und der deutschen Währung gekämpft. Sie hat mit Wir bitten unsere Lefer um Nachsicht: Es ist auch tins Stinnes Anschammgen vertreten, deren Kerngedante es war, schwer gefallen, den Inhalt dieses gewaltigen Sazes von daß die Inflation ein Segen für Deutschland sei. Sie hat mit| 28 Druckzeilen auch nur einigermaßen zu begreifen. Es geht Stinnes den Kurs der deutschen Außenpolitik zu durchkreuzen| aus ihm hervor, wenn wir ihn recht verstehen, daß versucht, als die Politik der Verständigung und der Erfüllung der Schreiber bemüht ist, Material gegen die repus den Stinnesschen Expansionsplänen, die auf den fortschreiten- blitanischen Parteien zu sammeln, indem er angebden Verfall der Währung aufgebaut waren, im Wege war. liche Begünstigungen der Reichsfarben Dor den Sie hat sich mit Stinnes zur Politik der Erfüllung gewandt, schwarzweißroten Parteifarben durch die Besagungsals Stinnes aus der Erfüllung ein Riesengeschäft für sich zu behörden im Westen feststellen will. Zu welchem demagogimachen gedachte. Sie hat der sozialen Bedrohung der Ar- fchen Zweck eine solche Sammlung erfolgt, braucht nicht erst beiterschaft, dem Raub des Achtstundentages das Wort ge- erwähnt zu werden, redet. Alles unter der Parole: das autoritäre Unternehmertum, Hugo Stinnes wird euch herrlichen Zeiten entgegenführen. Das war ihre ,, nationale Aufgabe", und diese nationale Aufgabe war bald so, bald anders je nachdem es den Wechselfällen der wirtschaftlichen politischen Spekulationen des Besizers der Deutschen Allgemeinen Zeitung" entsprach. Von dieser nationalen Aufgabe" ist nach dem Sturze des Gößen Stinnes nichts übrig geblieben als ein feichter, grundsazloser, nach rechts tendierender Nationalliberalismus. Der Kinderglaube an die heilbringende Kraft des autoritativen Wirtschaftsführers ist dahin. Die aufgeblasenen Theorien und Spekulationen, die wie ein Nebel die unheilvolle Tätigkeit des Hauses Stinnes umgaben, find verflogen. Aber die Redaktion, die sie wälzte, ist geblieben. Sie hat eine neue Ideologie bitter nötig fie hat fie fich zugelegt in Geftalt eines fraft- und wesenlosen Nationalliberalismus: In den Ozean schifft mit tausend Masten der Jüngling. Stil auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis. Der Befihübergang der Deutschen Allgemeinen Zeitung" ist ein markanter Schlußstrich. Die Stimmes- Ideologie ist tot. Bachem, der Deutschnationale. " Ein Beispiel ,, deutschnationaler Pflichterfüllung. Das Berliner Tageblatt" ist in der Lage, folgendes Schreiben, das den Briefkopf des preußischen Landtags trägt, zu veröffentlichen: Berlin SB 11, Prinz- Albrecht- Straße 5, den 14. Juf 1925. An die Barteileitung der Deutsch nationalen Boltspartei 3. Hd. des Herrn Professor Dr. Meyer, M. d. L. durch Herrn Geheimrat v. Jacobi. Berlin SW. 11, Bernburger Straße 24-25. Im Anschluß an mein Schreiben vom 9. Juni 1925, das an die Hauptgeschäftsstelle 3. H. von Herrn Professor Meyer gerichtet war und an die Uebersendung eines Durchschlags eines Schreibens von mir an den volksparteilichen Abgeordneten Brüninghaus, Bitte um Material über Unterstützung von schwarzrotgoldenen Parteien durch Besagungsmächte, oder mindestens die Erleichterung der Arbeit dieser im Gegensatz zu den schwarzweißroten Bar. teien enthielt, auf das Schreiben der Parteileitung vom 18. Juni 1925 Nr. 10692/93/94 v.3./Dr. gez. v. Jacobi, und unter Bezugnahme auf die Rücksprache von heute mit Herrn Geheimrat v. Jacobi, erläuterte ich meine Bitte dahin, daß es sich um einen auf Beranlassung der Hauptgeschäftsstelle durch die Landesverbände im besetzten Gebiet von den Ortsgruppen und Vertrauensleuten zu erbittenden Stoff handelt, der einerseits die schon vor der Reichspräsidentenwahl, insbesondere aber bei ihr durch die Organe der Besagungsmächte, und zwar durch allgemeine Anordnungen oder einzelnen Berfügungen hervorgetretenen Behinderung der Werbetätigkeit der schwarzweißroten Parteien materiell und formell darstellt, insbesondere durch Bersammlungsverbote oder Einschränkungen, Drohungen oder Forderungen bei der Erteilung der Erlaubnis, Zeitungsverbote, Berbote der Verwendung der üb. lichen Parteifennzeichen und ähnliche Eingriffe und auf der anSymphonie der Nacht. " Bon Karl Sudert. I. Allegro. Von den Hitlerbaum, Werwölfen und anderen Strauchdieben, die zu suchen ich ausging, war nichts mehr zu finden. Der Schreck ob des Landesverrates war ihnen wohl zu stark in die Glieder gefahren. Aus der Wilhelma" drangen aber wie immer, bis zur nächsten Straßenede hörbar, teutsche Trompeten- und Posaunentöne heraus, lieblich begleitet von den himmlischen Klängen einer arg mißhandelten Paule. Ihr Dröhnen war vergleichbar mit dem ehernen Schritt des in Walhall einziehenden Schwedenfliegers. Mein Freund behauptete, die Baute tlänge genau so, wie damals der durch das Hinfallen Ludendorffs auf das Münchener Straßenpflaster erzeugte Knall. II Allegretto quasi andante. Weil ich das Gesuchte nicht gefunden hatte, machte ich mich wieder auf den Heimweg und schlenderte die Tauenzienstraße entlang. Es war furz vor der Polizeiſtunde. Die Luft war jetzt ziemlich rein und würzig, also für diese Gegend ein immerhin ziemlich seltener Borfall. Ueber die Dächer der Häuser 30g das lezte Biertel des Mondes seine Bahn geisterhaft gelb erleuchtet. Das Klingeln der Straßenbahn war seltener geworden; die ungetümen Autobusse flogen schneller vorbei als am Tage, denn sie hatten freiere Fahrt. Das Gefnatter der flinken Motorräder zerriß nicht mehr so oft, dafür aber desto nachhaltiger die Nacht. Die Lichtreklamen erloschen. Müde war die Laufschrift am Wittenbergplaz und hatte sich schon zur Ruhe begeben. Vorbei huschten noch die Mädchen, die keine Heimat mehr haben. Aus ihrer Unterhaltung hörte ich ein par Brocken: Bom Hunger, vom Etel, von glänzendem Flitter, und vergessen darüber doch nicht ihr trauriges Geschäft. Auf dem Wittenbergplatz steht ein Gesangverein. Er fommt von einer Feier oder Ueberungsstunde oder sonstwo her und singt hier noch schnell eines seiner Lieder in die Nacht da naht die Polizei und treibt die Singenden auseinander; denn Ordnung muß ja schließtreibt die Singenden auseinander; denn Ordnung muß ja schließ lich sein. III. Adagio. An der nächsten Straßenede verweilte ich noch einen Augenblid. Die Straßenbahnen nach dem Westen waren stark gefüllt, die Omnibusse nicht minder. Autodroschten flikten vorüber dieje und jene im Fonds erleuchtet, die meisten dunkel. Pärchen jaßen darin und fuhren in die Nacht wohin? Oft wissen es die Mädel wohl selbst nicht, bis sie eines Tages merken, daß ein Aschermittwoch über sie gekommen ist. Brummend schlug die Uhr der Gedächtnisfirche. Es war, als verspürte ich davon ein Erzittern der Luft; und dann ging ich nach Hause. In meinem Zimmer stand ich noch einmal am offenen Fenster. Die Dächer der Hinterhäuser hoben sich schemenhaft vom Nachthimmel ab. Der alte Baum auf dem Nachbarhofe ließ seine weltenden Blätter rauschen, und aus dem geöffneten Fenster eines Schlafzimmers drang das Schnarchen eines tief Schlummernden. Die Haustür wurde geschlossen. Ueber den Hof ging mit schwerem Schritt zur Hintertreppe ein fleiner" Genießer, bie Bosdertreppe aber erstieg ein großer". Bald zeigte fich in Wichtig aber ist folgendes: Dieser Bachem ist nicht etwa Angestellter des KKK.- Bureaus der Leopold und Bacmeister, sondern preußischer Regierungsrat, der noch immer in Amt und Würden ist, neben den Landtagsdiäten fein Gehalt bezieht, jedoch, wie das„ Berliner Tageblatt" fest= ftellt, feit vier Jahren feinen Dienst verrich tet! Der Beamte, der zum Abgeordneten gewählt wird, hat das Recht, Urlaub aus seinem Amte zu nehmen, ohne daß ihm deswegen eine Schwierigkeit gemacht werden darf. Er hat aber nicht etwa die Pflicht, auch während der Parlamentsferien fein Amt zu schwänzen, vielmehr darf er sich getroſten Mutes zum Dienst melden. Herr Bach em aber, der Vertreter einer Partei, die„ altpreußische Beamtentradition" angeblich wieder zu Ehren bringen will, macht von feinem Urlaubsrecht so ausgiebigen Gebrauch, daß seine Beziehungen zur Behörde nur noch im Empfang des Monatsgehalts und der Diäten bestehen. Seine übrige Zeit füllt er augenscheinlich aus, um Material gegen die Reichsfarben zu fammeln und sich im Schreiben langstiliger Briefe zu üben. Wenn die Deutschnationalen wieder über die Beseitigung der Fachbeamten und über die Politisierung des Beamtentums zetern, wird man sie an Herrn Bachem erinnern. Es gibt aber doch wohl noch mehr Beamte der Republik, die als Abgeordnete der antirepublikanischen Parteien fungieren. haben die auch ein so starkes Urlaubsbedürfnis, wie Bachem? Berechtigter Protest. Der Verfolgungskurs gegen die Schriftsteller. Der Vorstand des Schuhverbandes Deutscher Schrift steller mit der Unterschrift des bekannten demokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Theodor Heuß sendet uns die nachfolgende Erklärung mit der Bitte um Aufnahme: Johannes R. Becher wurde soeben vom Oberreichsanwalt wegen der Veröffentlichung eines Gedichtbuches verhaftet, der Rezitator Gärtner verfiel wegen des Vortrags radikaler Berse schwerer Gefängnisstrafe, eine Reihe von Büchern sind eben erst um der Gesinnung ihrer Berfasser willen beschlagnahmt worden. Der SDS. sieht in diesen Ereignissen Vorzeichen einer neu heraufziehenden Aera, in der die deutsche Republik geistige Angriffe mit ungeistiger Härte niederschlägt. Ohne den Schußperband Deutscher Schriftsteller im einzelnen sowohl auf den literarischen Wert wie auf die Tendenz der Schriften festlegen zu wollen, appelliert er an die maßgebenden Behörden, biefem unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen: er ruft die Deffentfichkeit zur Wachfamfeit und zur Gegenwehr auf. " Delirium." Der Dauerzwift in der KPD. Der„ Roten Fahne" ist es offenbar sehr unangenehm, daß wir gelegentlich in die internen Vorgänge der Kommunistenpartei hineinleuchten. Anstatt sachlich irgendetwas zu erwidern, verfällt fie, wie gewöhnlich, nur in eine wüste Schimpferei. Unsere Angaben über die Zustände in der mitteldeutschen Hochburg der KPD. sollen vollkommen erfunden sein. Dabei lesen wir heute im Mitteldeutschen Echo" eine lange Erklärung des Redakteurs Karl Kürbs, die in allen Einzelheiten eine Bestätigung unserer Angaben ist. Wir geben aus dieser Erklärung nur einige Stellen, weil sie den Kampf der Kommunisten untereinander drastisch beleuchten. Herr Kürbs schreibt: 2. Durch diese mir aufgezwungene Situation sah ich mich nicht veranlaßt, mich mit dem Redakteur Wistom auseinanderzusehen. Ich griff erst ein, als die Leitung des Blattes in einer Weise geführt wurde, die mit den von mir bisher vertretenen Interessen der Arbeiterschaft unvereinbar geworden waren. 3. Was die Ausführungen über das Erscheinen der Polizei drei Viertelstunden nach meiner Anwesenheit auf der Redaktion, wo ich gegen den Artikel Bruno Vogels:„ Der Oberst" protestierte, bedeuten soll, ist mir unerklärlich; oder will Herr Wistow damit dreift behaupten, ich sei der Denunziant, der die Polizei aufmertfam gemacht habe? Dazu ist mein Name bei der Arbeiterschaft zu gut bekannt und dafür bürgt meine Bergangenheit in der Arbeiterbewegung. 4. Welch Geisteskind Herr Wiskow ist und welche bodenlose Gemeinheit oder grenzenlose Unwissenheit aus ihm spricht, beweist am besten die Tatsache, daß er eine einstweilige Verfügung, also eine rein zivilrechtliche Angelegenheit, mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, der ich das" Mitteldeutche Echo" denunziert haben soll, verwechselt. Vielleicht entsinnt sich Herr Wistow, daß er es war, der vor dem Zivilgericht umgekehrt die alte Redaktion unter der Leitung des Res dakteurs Finkelmeier beschuldigte und nachzuweisen versuchte, daß sie für den Bürgerkrieg und für die Selbsthilfe der Arbeiterschaft( wie schrecklich!) eingetreten sei. 6. Zu dem tätlichen Angriff des Herrn Wiston auf mich, erfläre ich folgendes: Herr Wistow bezeichnete mich, indem er mich mit dem alten Rautsty(!) verglich, als einen Lumpen. Ich erwidere ihm hierauf, daß er dann ein noch größerer Lump sei. Darauf schlug Herr Bistom mich mit der Fauft ins Gesicht und trat nach mir. Die Arbeiterschaft wird folche fchlagenden" Politiker nach Gebühr einzuschätzen wiffen." Bielleicht ist diese Erklärung des Herrn Rürbs, aus der wir nur Einzelheiten gegeben haben, auch nur eine Erfindung unseres Deliriums". Immerhin, so intelligent, wie die Redaktion der Roten Fahne", sind wir noch nicht, daß wir sogar die Honorarfäße erraten fönnen, die sie zu zahlen pflegt. Nur kann die„ Rote Fahne" beruhigt sein: wenn wir sie angeben, dann pflegen unsere Angaben zu stimmen! Darin besteht überhaupt der Unterschied zwischen uns und der„ Roten Fahne". Herbstübungen in Thüringen. Die Reichswehr will neutral sein. Weimar, 22. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In einer Konferenz der thüringischen Bresse wurde von einem Offizier der 5. Division unter Hinweis auf die kommenden Herbstübungen Der Schutzverband stellt den betreffenden Autoren seinen Bei erklärt, daß die Reichswehr nichts mit politisch rechts= stand zur Verfügung; er hat in einer Eingabe an das Reichsgerichteten ehemaligen Offizieren zu tun habe. Von einer Einiuftigministerium und den Oberreichsanwalt energischen Einspruch berufung oder Zulassung solcher Offiziere zur kommenden Her b st= erhoben und um sofortige Einstellung der anhängigen übung fönne also feine Rede sein. Die Reichswehr sei in jeder Berfahren ersucht." Diese Stellungnahme des Schuhverbandes Deutscher Schriftsteller entspricht vollständig der Haltung, die wir gegen den Standal diefer Verhaftung eingenommen haben. Hoffent lich bewirkt dieser Protest, daß endlich die gesamte ihren Wohnungen Licht es erlosch Eine Rududsuhr schlug die zweite Schwanden Wolten hüllten fie ein nieder. alles war wieder schwarz. Stunde. Die Sterne vers leichter Regen rieselte herIV. Finale. Der Mann aus dem Hinterhause hatte nicht mehr lange Zeit zum Schlafen. Die Pflicht zur Arbeit rief energisch, und doch hätte er gern noch weitergeruht. Wir begegneten uns am Morgen, und er erzählte mir von seinem geftrigen Bergnügen, und wie lustig es war. Und von seinem schweren Kopf erzählte er auch. Das Schlafzimmer des Mannes im Borderhause war um diese Zeit aber noch dicht verhängt. Erdbeben- Prognose. In den Schilderungen von Erdbeben wird häufig erwähnt, daß Tiere vor Eintritt des Naturereignisses unruhig werden, zittern, aus ihren Schlupfwinkeln hervorkommen und sich so auffällig benehmen, daß man daraus das Nahen der Katastrophe vorher fehen kann. Eine Erklärung für dieses Verhalten der Tiere läßt sich nur durch exakte Beobachtungen gewinnen. Von größter Bedeutung ist nun eine Selbstbeobachtung, die der Stadtbibliothekar von Algier, Cornes, gemacht hat, und über die er ausführlich in einer Aufzeichnung berichtet, die in der Umschau" wiedergegeben wird. Es handelt sich um das Erdbeben vom 5. November 1924, das etwa 75 Kilometer im Umkreis von Algier zu spüren war. Cornet arbeitete an diesem Tage gegen vier Uhr nachmittags in der Stadtbibliothek. Dabei fiel ihm auf, daß ihn ein plögliches Frösteln überfiel trog der sehr warmen Temperatur; auch eine nervöse Verstimmung machte sich geltend. Als mir der Kopf dabei schwer wurde, dachte ich daran, daß das bei elektromagnetischen Schwankungen, wie fie Gewittern oder einem Stiroffo vorausgehen, immer der Fall ist. Gegen fünf Uhr nahm aber der Schmerz immer meür zu und äußerte sich als bohrende Neuralgic in der linken Schläfe und Augenhöhle. An solchen Kopfschmerzen ruhe, und schließlich eine echte Erregung. Das Furchtgefühl nahm leide ich aber fonft nie. Es folgte dann eine Art Angstgefühl, Underart zu, daß ich meine Arbeit aufgeben mußte. Ich erhob mich und trat auf den Balkon hinaus, der auf die Bai von Algier geht. Jch bin wohl hauptsächlich deswegen hinausgegangen, um freier atmen zu können. Der eigenartige Anblick der Landschaft setzte mich in Erstaunen. Es war schönes Wetter, windstill, dabei ein eigentümlich gelbliches Licht; eine Art Schleier breitete sich über die Gegend, der aber nicht von Nebel verursacht wurde, denn die Luft war sehr trocken. itber all die aufgezählten Phänomene teinerlei Gedanken gemacht. Bis zu diesem Augenblick hatte ich mir bligartig das Wort Ratatinsma"( Erdumwälzung) auf. In diesem Doch gerade, wie ich auf den Balton hinaustrat, tauchte in mir Sinne hatte augenscheinlich das Gehirn die gewonnenen Eindrüde verarbeitet. Ich ging ins Zimmer zurück und rief einen Freund, der im Nachbarjaal arbeitete. Ich führte ihn auf den Balkon und und sagte:„ Sehen Sie sich den Ausdruck der Landschaft an: mir werden vielleicht ein Erdbeben bekommen." Ich muß hier ausdrücklich betorten, daß ich noch nie ein Erdbeben miterlebt hatte. Etwa lich betonen, daß ich noch nie ein Erdbeben miterlebt hatte. Etwa zwei Stunden später, als Cornet bereits zu Hause in feiner Hinsicht eine politisch neutrale auf dem Boden der Reichsverfaffung stehende Truppe, die nicht daran denke, die durch den Friedensvertrag gezogenen Grenzen hinsichtlich der Bewaffnung und Ausrüstung zu überschreiten. Die Herbstübungen fänden vom 10. bis 15. September zwischen Rudolstadt- Arnstadt und Erfurt statt. Wohnung war, brach dann das Erdbeben los. Nach seiner Beobachtung ist es nicht etwa das Erdbeben, was das Tier oder feinfühlige Menschen vorher wahrnehmen, sondern das elektromagnetische Gewitter, das dem Erdbeben so oft vorangeht. Dieses Phänomen ist es", schreibt er, das von den Tieren empfunden wird. Nur das elettromagnetische Gewitter hat sich fühlbar geltend gemacht. Das eigentliche Erdbeben ging ohne jeden Eindruck auf den Organismus vorüber. Aehnliche Wahrnehmungen haben außer mir noch drei andere Personen gemacht." Perlenfischerei in schottischen Flüssen. In den Flüssen des schot. tischen Hochlandes sind Perlen im Werte von mehreren Hundert Pfund gefunden worden. Die Fischer wollen sich nun zu einer Verwertungsgesellschaft zusammenschließen, um die Berlenfischerei organi fiert zu betreiben. Dies ist im übrigen schon in früheren Jahrhun 1355 das Perlenmonopol in den schottischen Flüssen verpachtete. derten der Fall gewesen, so zur Zeit Karls II., der bereits im Jahre Es ist bemerkenswert, daß ein Deutscher, Morih Unger, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wieder auf den Wert der schottischen Perlen hinwies; doch gelang es ihm nicht, für eine großzügige Ausbeutung die nötigen Kapitalien zusammenzubringen. Was ein Kriegsschiff koftet. Der Finanzminister der Admiralität, Mr. Davidson, hat in Erwiderung einer Anfrage des Arbeitersozialisten C. Wilson im Unterhause schriftlich folgende Zahlen angegeben: Ein Schlachtschiff neuesten Typs foftet einschließlich der Munition, Torpedos usw. 7 Millionen Pfund Sterling( 140 Millionen Mark). Hiervon entfallen 2,3 millonen auf die Arbeit und 2,1 Millionen auf das Material, der Rest auf Gewinne und Etablissementstoften, wie Mieten, Steuern und andere Abgaben, Beleuchtung, Kraft und Erhaltung usw. Die Kosten eines Schlachtfreuzers belaufen sich auf sechs Millionen Pfund, davon annähernd auf 2,7 für Arbeit, also 500 000 Pfund Sterling mehr wie bei einem Schlachtschiff, und 1,6 millionen auf Material Die entsprechenden Ziffern für einen modernen Leichten Kreuzer belaufen sich auf 2 Millionen, 900 000 und 600 000 Pfund Sterling, die für einen und die für ein modernes Unterseeboot endlich auf 400 000, 180 000 neuzeitlichen Berstörer auf 325 000, 145 000, 98 000 fund Sterling, und 120 000 Pfund Sterling. Der größte Dieselmotor der Welt. Eine Dieselmaschine, die jezt auf einer Hamburger Werft erbaut wird, ist die größte ihrer Art auf der Welt. E ist eine doppelt wirkende 9-3ylinder- 3weitattmaschine; der Zylinder beträgt 86 Bentimeter, die Huphöhe 150 Bentimeter und die Umdrehungszahl 93%. Gegenüber der bisherigen höchsten Zylinderleistung von 1000 PS wird hier eine Leistung von 1670 PS pro 3ylinder erreicht, und die Gesamtleistung des Motors beträgt 15 000 PS, während sie bisher nicht über 8000 PS hinausging. Die Maschine ist als Antrieb eines Drehstromgenerators von 10 000 Kilowatt für die Hamburgischen Elektrizitätswerte bestimmt. Erstaufführungen der Woche. Montag: balia Theater: Anne. marie; Sonnabend: Metropol Theater: Madame Angot. Amundsen hat sein Polarflugzeug an England vertauft für eine Flug flug mit einer Dorniermaschine auszuführen, um das Gebiet zwischen Spit expedition nach der Südsee. Er plant, im nächsten Sommer einen Polar bergen und Alaska zu erforschen. Ein Vielseitiger. Unsere Notiz über den sehr vielseitigen Herrn Dr. Stürmer, ben tommunistischen Böllischen oder auch völkischen Kommunisten, lam gerade zur richtigen Zeit. Am selben Abend erschien nämlich in der„ Deutschen Zeitung" ein Aufsatz dieses interessanten Beitgenossen. Unsere Notiz hatte den Herrn veranlaßt, uns eine Art Berichtigung zu senden, die wir zum Abdruck bringen, weil sie in Wirklichkeit das bestätigt, was wir geschrieben haben. Herr Dr. Stürmer schreibt uns: Die Notiz ,, Ein Bielseitiger! Bald Sowjetstern - bald Hafentreuz" in Nr. 388 des Borwärts" ist ge eignet, den Eindrud zu ermeden, als ob ich eine unehren hafte Doppelrolle zwischen fommunistischen und nationalen Kreisen gespielt hätte. Ich erkläre hierzu: 1. Meine vorübergehenden Beziehungen zur KPD.( Sommer 1920 bis Frühjahr 1921, nach welcher Zeit ich überhaupt feinerlei, auch nur lose Fühlung mit deutschen fommunistischen Kreisen gehabt habe) dienten ausschließlich der Unterstüßung der außer europäischen Politit Sowjetrußlands gegen den englisch franzöfifchen Imperialismus. Ich habe niemals versucht, die Rolle eines ,, Arbeitervertreters" zu spielen, mich zu spielen, mich organisatorisch organisatorisch propagandistisch in kommunistischen Kreisen überhaupt niemals betätigt und meine einzigen Veröffentlichungen in der gesamten Linkspresse sind die„ Explorator" gezeichneten, von proletarischen Tendenzen völlig freien Artitel in der Roten Fahne" über asiatische Fragen gewesen. 2. Nachdem ich im März d. I. aus Gründen nationaler Ehre meine Mitarbeit an der außereuropäischen Politik der Front der unterdrückten Nationen" des Sowjetrussischen Außenministeriums hatte auffagen müssen, habe ich mit Ausnahme meines. S." gezeichneten Artikels Deutschland und Sowjetrußland" in der ,, Kreuzzeitung" vom 14. 6. 25 nur unter voller Namensnennung in der Rechtspresse mitgearbeitet. Der Inhalt meiner Artikel schließt jede Doppelrolle völlig aus. 19. August 1925. Dr. Hermann Stürmer. Bon anderer Seite wird uns über diesen Herrn noch folgendes mitgeteilt: „ Der frühere Beamte der russischen Botschaft und jetzige „ Der frühere Beamte der russischen Botschaft und jezige außenpolitische Mitarbeiter der Deutschen Zeitung" und des Deutschen Tageblatts", über den Dienstag abend im " Borwärts" berichtet wurde, scheint eine noch viel mert würdigere Gestalt zu sein, als aus der Meldung des Vorwärts" hervorging. Stürmer ist nicht irgendein gbeliebiger Sowjetangestellter gewesen, sondern hatte sehr wichtige Funktionen, unter anderem war er Mitglied der Delegation der Sowjetrepublik auf der Lausanner Orient. tonferenz, auf ber Worowiti ermordet wurde. Stürmer war während des Attentats in unmittel: barer Nähe Worowitis. Wenn man bedenkt, daß der gleiche Stürmer heute Führer völkischer Sturmtrupps ift, so ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß Stürmer bei jenem Anlaß eine furchtbare Doppelrolle spielte und nur des halb Eingang bei den Kommunisten suchte, um den Interessen der Hakenkreuzler beffer dienen zu können. Daß er aber sein Ziel erreichen und sogar in der allerheiligsten Sowjetdiplomatie eine bedeutende Rolle spielen fonnte, ist für die Zustände im bolschewistischen Lager mehr als fennzeichnend." Ob der hier ausgesprochene Verdacht zu recht erhoben wird, wissen wir nicht. Die Rolle des Herrn Dr. Stürmer ist aber bestimmt nicht so eindeutig, wie er sie selber darstellt. Wir denken wenigftens, daß damit das Charakterbild dieses Mitarbeiters der " Deutschen Zeitung" und der„ Kreuz- Zeitung" für Arbeiter zur Genüge gezeichnet ist. Wir können über ihn die Akten schließen. Wäre seine Rolle ehrlich gespielt, dann würde sich nur an einem neuen Beispiel die enge Verwandtschaft von Hafentreuz und Sowjet ftern neu erweisen. Zentrums- Monarchisten. Aus Dresden wird uns geschrieben: Rürzlich war in Schirgiswalde fächsischer Ratholitentag. Das Städtchen ist im vorigen Jahre berühmt" geworden dadurch, daß es gegen den republikanischen Bürgermeister He ßlein einen Feld zug fondergleichen führte, aus dem allerdings der Bürgermeister glänzend gerechtfertigt hervorging, während den Reaktionären immerhin sein Abbau gelungen war. Bei dem Katholikentag erschien auch die Prinzessin Mathilde von Sachsen neben der„ Erlaucht" dem Grafen Schönburg- Glauchau und einem böhmischen Durchlauchtigen. Im Garten des bischöflichen Schlosses fand Festgottesdienst statt. Danach zeigte sich die bejahrte und behaarte Brinzessin an cinem der Schloßfenster. Unten ging mit cinigen Anhängern der Rechtsanwalt Dr. Taden aus Leipzig vorbei. Der Mann gehört der sächsischen Zentrumspartei an, hat es aber gleichzeitig fertiggebracht, Artikel für das Organ des deutschnationalen Ratholitenausschusses zu schreiben. Die fächsische Zentrumspartei nimmt anscheinend keinen Anstoß daran. Als der Herr Rechtsanwalt nun die Prinzessin am Fenster erblickte, zudte es ihm in allen Monarchistengliedern. Er stand stramm, schwenkte den Hut und rief: Ihre königliche Hoheit, Prinzessin Mathilde von Sachsen, lebe hoch!" Ein großer Teil der Katholikentagsbesucher war sprachlos, eine kleine Schar stimmte in den Ruf ein, und die Prinzessin dankte„ bewegt" für die Dvation. In den katholischen Kreisen Dresdens sind die Sachen viel besprochen, weil besonders die ron außerhalb gelonimenen, den einfachen Boltsschichten angehörenden Besucher diese monarchistische Kundgebung als schwere ProDotation empfunden haben. Immerhin beleuchtet dieser Borgang gewisse Verhältnisse, die sich ja vor allem auch jetzt im Zentrum wiederspiegeln. Bezeichnend war auch, daß auch aus dem Dache des Hauptlokals des Katholikentages eine schwarzweißrote Fahne heraushing, ohne daß dies von der Leitung des Katholiken tages beanstandet wurde. Es erscheint notwendig, daran zu erinnern, daß die Prinzessin Mathilde von Sachsen zu den Leuten fürstlichen Geblütes gehörte, die sich am 9. November 1918 verkrochen hatten. Jetzt kommt diese Gesellschaft wieder hervor, und diese frühere Prinzessin ließ in Schirgiswalde an der Seite des Bischofs von Meißen den Festzug des Katholikentages„ huldvoll" an sich vorbeimarschieren. Politisches Attentat. Auf den Gouverneur der Insel Marti. nique( Mittelamerika) ist am Freitag ein Attentat verübt worden. In der Hauptstadt Fort de France wurden auf ihn, gerade als er im Begriff war auf See zu gehen, vier Revolverschüsse abgegeben, die ihn schwer verletzten. Der 24. Weltfriedensfongreß wir am 2. September in Baris feierlich eröffnet werden. Das, Programm fieht fünf Bolligungen bor. Wie verlautet, wird die Teilnahme aus Deutschland und England besonders zahlreich sein. Ein Pariser Schwindel. Das französische Kriegsministerium gibt bekannt, daß awet Personen jüngst behauptet hätten, fie feien Bei Beginn der Feindseligkeiten mit Deutschland gefangen gefegt und erft fürlich aus einer deutschen Feftung freigelaffen worden. Die Untersuchung bat ergeben, daß es sich um Schwindler dandelt. Diejenigen Familien, die Angehörige vermissen, werden aufgefordert, sich nicht durch derlei Leute, die bas Mitleid ausbeuten, täuschen zu lassen. Rundfahrt. durch die Straßen. Borne steht ein schwißender Mann und erläutert Ein unwahrscheinlich langes, gelb lackiertes Automobil tutet sich mit heiserer Stimme den verträumten Infaffen die Sehenswürdig teiten Berlins. Berlin hat sehr viele Sehenswürdigkeiten, sogar Rinotheater und Bantinstitute rechnen dazu, von den mehr oder minder geschmackvollen Denkmälern gar nicht zu reden, jedenfalls steht alles sauber in dem Sehenswürdigkeitenverzeichnis, das jeder Teilnehmer in die Hand gedrückt erhält. Mag man über das Schnellzugstempo lachen, mit dem alles erledigt wird, ein besucher wenigstens annähernd ein Bild von der Größe Berlins, Moment vermitteln diese Fahrten doch, sie geben dem Provinz fie zeigen, aus welchen entgegengesetzten Elementen diese Stadt besteht, fie vermitteln eine Ahnung von der Seele Berlins. Diese Fremdenautomobile, ewig befpöttelt und faritiert, erhalten nun eine Konkurrenz. Das Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin hat mit der Straßenbahn ein Abkommen geschlossen, das darauf geht, den Fremden für einen verhältnismäßig niebrigen Breis eine Rundfahrt durch Berlin im Straßenbahn magen zu bieten. Die Fahrt beginnt am Leipziger Blah", sie geht dann durch die„ Leipziger Straße" über den Dönhoffsplay" zum„ Spittelmarkt" und in das alte Geschäftsviertel. Am Sonntag -nur Sonntags finden zuerst die Fahrten statt liegen die Geschäftsstraßen tot und verlassen da, hier tann der Frembe die sonderbare Stimmung erleben, die in diesen leeren Straßen lastet, über diesen Häusern, die über und über mit Reklameschildern bedeckt find, und in denen sich am Sonntag fast kein Mensch aufhält. Melancholie einer gestorbenen Geschäftsstadt. Ueber Alerander plag"," Hackescher Markt" und„ Neue Promenade" nähert man sich Die Straßenbahn fährt nun einen Bogen, am Gendarmenmarft und dem dekorativen Berlin, dem Berlin der Museen und Theater. Schloßplay vorbei, und wendet sich nach dem Norden. Die Straßen vollzieht sich der Wandel. Der Asphalt hört auf, und die Häuser verlieren ihr repräsentatives Aussehen, nicht plöblich, ganz allmählich erhalten immer mehr das Geficht billiger Mietstasernen, es fehlt die große Linie, die Fassade wird von Balkonen und Gipsnachahmungen antifer Statuen zerrissen, der Stuck bröckelt von den Wänden, schreiende Reklamen verwirren noch mehr die Front der Häuser. Die Fahrt geht durch Oranienburger Straße"," Chauffeestraße" und Invalidenstraße", am Lehrter Bahnhof vorbei nach Moabit. Auch hier dieselben verlogenen Fassaden der Häuser, aber es fehlen die Reklamen, die in den nördlichen Geschäftsstraßen Berlins den Häusern das Aussehen billiger Kulissen geben. Die Straßen find hier ruhiger, geordneter. Ueber die Moltke- Brücke erreicht die Bahn den Königsplay, der Fremde darf über den Reichstag staunen, die edlen Linien des Brandenburger Tors bewundern und auf der Fahrt durch den Tiergarten vor den 3udergüssen der Siegesallee zusammenschauern. Dann tommt Charlottenburg, auch hier derselbe Wechsel wie in Berlin. In der Berliner Straße" der monumentale Bau der Technischen Hochschule", am" nie" die Blocks großer Hotels und moderner Wohnhäuser, alles ohne dekorative Zierrate, allein vom Rüglichkeitsstandpuntt entworfen und ausgeführt, und in der„ Spandauer Straße" wieder die alten, überladenen Mietsfasernen, die ohne Rücksicht auf Hygiene, allein vom Gewinnerstandpunkt errichtet wurden. Dann fährt die Bahn südwärts, über den Stuttgarter Plaz mit seinem gichtbrüchigen Bahnhof nach Wilmersdorf, nach dem neuen, modernen Berlin, nach dem Berlin der reichen Leute, durch ruhige, gepflegte Straßen und über schön angelegte Bläge:„ Olivaer Play"," Brager Plaz". Und noch einmal berührt, die Fahrt das alte Charlottenburg am Nollendorffplak" und in der Kleiststraße" und endet schließlich an der Kaiser- WilhelmGedächtniskirche. Und die ganze Fahrt foftet 4,50 Mart ein= fchließlich eines Mittagessens im Pschorr- Bräu an der Tauenzienstraße und eines Besuches des 3oologischen Gartens. Gefinnungstüchtigkeit. Terrasse des Romanischen Cafés". Es ist fünf Uhr nachmittags. Auf dem Plaß beherrscht neben dem beliebten regen Leben auch ein echt arisch aussehender junger Mann mit Bindjade und Hakenkreuz die Situation; er trägt ein Bildnis Friedpreist er es als sein eigenes deutsches Kunstwerk an, im Knopfloch richs des Großen mit sich spazieren. Jedem Borübergehenden hat er zierlich eine schwarz- weiß- rote Fahne mit dazugehörigem Stil untergebracht. Mit unentwegt blau- blizenden Augen nähert er sich der Balluftrabe des Cafés. Sein sicherer Blick hat sofort einige Fremdländische entdeckt, er steuert auf sie zu und offeriert mit Donnerstimme feinen preußischen König für zehn Mart. Der nicht arische Herr, der das Bild eingehend prüft, steht auf dem Boden der republikanischen Tatsachen, er erklärt dem kriegerisch dreinblickenden Teutssohn, er werde das Bild faufen, wenn die schwarzweiß- rote Fahne und das Hakenkreuz verschwinden würden. Der junge Held wirft einen prüfenden Blid auf den Herrn, den anderen auf die Straße. Borsichtig entfernt er die Marten feiner Ueberzeugung und strect verlangend die Hand aus, doch der Herr lächelt ihn liebenswürdig an und meint, daß der junge Mann Entwicklungsmöglichkeiten zu einem vernünftigen Menschen beherberge. Jeder Zoll Verachtung für welsche, fremdraffige Tüde, entfernt sich der junge Held. Still befestigt er seine für Augenblicke verlorene Gesinnung an seiner Windjacke, er, ein echter, überzeugungstreuer, junger Mann, dem sein Glaube für nichts feil ist. Aber hat der andere auch forrekt gehandelt? Zum Mord in Germendorf. Auf die Zeitungsnotizen und die Bekanntmachung an den Anschlagfäulen sind bei der Mordkommission verschiedene Mitteilungen, die alle im einzelnen genau nachgeprüft werden, eingegangen. So ift von einer Seite gemeldet worden, daß in der Nacht von SonnMann gesehen worden ist, der über und über mit Blut tag zu Montag in Oranienburg ein betruntener besudelt war. Dieser Mann hat sich in der Richtung nach Berlin entfernt. Er soll etwa 30 Jahre alt gewesen sein, 1,60-1,65 Meter groß, hatte schwarzes Haar, einen fleinen geſtuzten Schnurrbart und auf der rechten Wange eine fleine Narbe. Bekleidet war er mit einem alten Gehrod, einer gestreiften Hose und einem dunklen Schlapphut. Ob er für die Tat in Frage fommt, fann vorläufig Schlapphut. Ob er für die Tat in Frage tommt, fann vorläufig natürlich nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es besteht die Möglich feit, daß der Mann sich in der Trunkenheit blutende Berlegungen zugezogen hat. Wieder ein Verkehrsunfall in Treptow. Treptower Chaussee in der Nähe der Bartstraße den InEin Privatauto überfuhr am Freitag abend auf der genieur Sommermeyer aus der Bouchéstraße und die Stenotypistin fchreiten wollten. Sommermeyer erlitt eine schwere Gehirnerschütte Helene Kampf aus der Kiefholzstraße, als diese den Fahrdamm überung, die Rampf erhebliche Kopfverlegungen und einen Bruch des rechten Unterfchenkels. Beide wurden in das Urbanfrankenhaus gebracht. Der Autoraferei in Treptow, schon lange von den Einwohnern beklagt, sollte doch endlich einmal energisch zuleibe gegangen werden. Einen gefährlichen Kinderfreund sucht zurzeit die Kriminalpolizei. Gestern nachmittag loďte ein etwa 20jähriger Mann ein 3½ Jahre altes Mädchen in der Albrechtstr. 10 zu Stegt an fich heran, verschwand mit dem Rinde im Keller und verging fich dort in schwerster Weise an ihm. Als auf das Geschrei des Kindes dessen ältere Schwester herbeitam, bestieg der Unhold schleunigst sein Rad, das er auf dem Hofe hatte stehen lassen, und fuhr davon. Vermutlich ist es derselbe Mensch, der gestern vormittag am Althofplay in Steglig versucht hatte, sich an spielende Kinder heranzumachen. Sein Borhaben wurde dort aber durch einige Frauen, von denen er sich beobachtet glaubte, verhindert. Kleine Diebe. Die Hehler werden für schuldig erachtet. Bor dem erweiterten Schöffengericht Lichtenbera mußte eine Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen, die wegen ihrer teilweise schlechten Bezahlung auf ihren Arbeitsstätten stahlen, zu tauft hatten, auf der Anklagebant Platz nehmen. ſammen mit den Hehlern, an die sie die gestohlenen Sachen verIn dem vorliegenden Fall muß berücksichtigt werden, daß die Leute aus bitterster Not heraus sich an fremdem Eigentum vergriffen hatten. Die bestohlenen Firmen gehören fämtlich Bum Berband Berliner Metallindustrieller, der natürlich nichts Eiligeres zu tun hatte, als die Leute vor den Kadi zu schleppen. Die" geschädigten" Firmen sind u. a. Anilinfabrik AEG., Siemens ist eine Arbeiterin T., die bei der Metallhütte als Lageristin mit u. Halske, Stralauer Glashütte und Metallhütte A.-G. Angeklagt einem Monatsgehalt von 68( achtundsechzig) Mark angestellt war. Sie hatte von diesem Gelde zwei Geschwister und eine faſt erblindete Mutter zu ernähren, und in ihrer Not hatte sie ihrer Firma einigemal Blei entwendet. Ebenso entwendeten drei Klempner, die in angegebenen Betrieben arbeiteten, Metall. Außerdem ein Arbeiter und eine Arbeiterin. Ein Kriegsinvalide hatte Lötzinn entwendet und das Zinn in seinem künstlichen Bein verborgen. Es gut. Als Hehler war angeklagt der Produktenhändlerr Emil Sturmhandelte sich jedesmal nur um geringe Mengen Diebeshövel, der sich aber im Hintergrund hielt und seine Leute hatte. Die Arbeiter und Arbeiterinnen hatten das entwendete Gut an eine verkauft. Mehrmals hatten sie kleine Mengen dort ab. Frau Soberle, eine Frau Dabrunst und einen gewissen Friz Kundi gelegt. Von diesen Händlern wiederum ließ Sturmhövel als der für 25 Mark in der Woche auf Anordnung feines Chefs mit einem Großmetallhändler abholen, und zwar durch einen Kaufmann Förster, Fuhrwert das Metall abholen mußte. Das Gericht belegte die Diebe wurden streng bestraft. So erhielten Frau Soberle und mit verhältnismäßig niedrigen Geldstrafen. Nur die Hehler Frau Dabrunst je 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus, Kundi 3 Wochen Gefängnis und der Kaufmann Forster ein Jahr Zuchthaus; alle find bisher völlig unbestrafte Leute. Sturmhövel wurde auf Kosten der Staatstaffe freigesprochen, gewälzt, der nun für die 25 Mart, die er in der Woche für seine die ganze Schwere des Urteils wurde auf seinen Auffäufer abTätigkeit bekam, auf ein Jahr ins Zuchthaus wandern foll! Die Familientragödie in der Fürstenberger Straße. Die Suche nach dem flüchtigen Händler Otto Thal murde Don der Kriminalpolizei die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. In feinem der Lokale, in denen er sonst verkehrte, wurde er ermittelt. Heute früh erhielt sein Sohn einen Brief von ihm, der auf dem wirtin der Frau Thal, daß fie das Zustandekommen einer Boftamt R 40 aufgegeben war. In ihm beschuldigt er die Berföhnung zwischen ihm und seiner Frau verhindert habe. Dann nimmt er Abschied von seinem Sohne, so daß man annehmen muß, daß Thal die Absicht hat, sich das Leben zu nehmen. Weiter wurde festgestellt, daß er, nachdem er die Schüsse auf seine Frau abgegeben hatte, in der allgemeinen Aufregung noch einmal unbemerkt in die Wohnung zurückgekehrt, hier seinen Revolver neu geladen hat und dann geflüchtet ist. Frau Thal hat, wie die Handschuß erhalten. Ihr Zustand ist immer noch lebensgefährlich. ärztliche Unterfuchung ergeben hat, brei Kopfschüsse und einen Schlägerei zwischen Bismarckbündlern und Kommunisten. Am Freitag abend gegen 11 Uhr gerieten Mitglieder des Bismardbundes, Ortsgruppe Richthofen, die in einem Lokal in der Borsigstraße eine Sigung abgehalten hatten, auf dem Nachhausemege mit etwa 30 Kommunisten aneinander. Die Kommunisten rissen den Bismärdern die Abzeichen ab. Polizeibeamte trennten die streitenden Parteien, zerstreuten die Kommunisten und geleiteten die Bismardbundler als wohlwollende und fürsorgliche Beschützer nach Hause. Die freigeistigen Berbände in der deutschen Republik haben für den 2. und 3. September in Berlin eine Kirchenaustrittspropaganda vorbereitet. Aus diesem Grunde werden die Funktionäre der SPD. gebeten, diese beiden Lage von Parteiperanstaltun= gen möglichst frei zu halten. In der Treptow- Sternwarte läuft der Film„ Das große weiße Schweigen Todesfahrt Kapitän Scotts zum Südbol", am Sonnabend, abends 8 Uhr, Sonntag um 4, 6 und 8 Uhr fotie Dienstag, abends 8 Uhr. Am Sonnabend, 29. Auguft, abends 8 Uhr, und Sonntag um' 4, 6 und 8 Uhr wird der Film Bild und Mensch im Gebirgsschnee" und ein farbiger Film„ Bali, Tropenpracht vorgeführt. Mit dem großen Fernrohr werden täglich be obachtet: von 2 bis 6, Uhr Venus, von 6%, bis 7%, Uhr ein Fir- oder Doppelstern, von 7%, bis 11 Uhr der Jupiter und der Mond. Eine Sängerfahrt nach Enchen veranstaltet heute, Sonnabend, und morgen, Sonntag, der Sozialdemokratische Männerchor Friedrichshain", Treffpunkt: Sonnabend abend 7 1hr Stettiner Bahnhof( Fernbahn). Alle Sangesbrüder müffen fich beteiligen, Der Film über die Reichsverfaffungsfeier vom Sonntag, den 9. August, in Treptow, läuft nun auch in Copenid und zwar in den Filmstern Lichtspielen, Friedrichshagener Straße 1. Reichstagung und Fachausstellung der Graveure und Ziseleure, Anlaßlich des 50 jährigen Bestehens der Reichs- sowie der Berliner Organisation findet eine Jubiläumstagung des Deutschen Graveur- und 8iseleurbundes bom 22. bis 25. Auguft in der Berliner Handwertstammer ftatt. Mit der Tagung verbunden ist eine Fachaus. tellung von Gravier, Bifelier- und lunstgewerblichen Emaillierarbeiten ber Graveur Zwangsinnung Berlin, welche fite Intereffenten und Bublikum bei freiem Eintritt vom 22. bis 28. Auguft geöffnet ist und ebenfalls in der Berliner Handwerkstammer, Teltower Straße 1-4 stattfindet. Besuchszeit 10 bis 6 Uhr; Sonntags 10 bis 2 Uhr. Die Jubiläumsfestfeier findet am 23. Auguft abends 8 Uhr im Festsaal der Berliner Handwerkskammer statt. Opfer ausftrömender Gase. In einem Aufenthaltsraum in dem Walzwert der Phönig bei Duisburg wurden in der letzten Nacht 2 Arbeiter tot aufgefunden. Die ärztliche Feststellung ergab Gasvergiftung. Anscheinend hatten sich die beiden Arbeiter in dem Raum zur Ruhe niedergelegt und wurden durch ausströmende Gase betäubt und getötet. Tödlicher Abffurz eines Bergführers in den Alpen. In den Alpen stürzte der 60jährige Bergführer Martin Brugger aus Sölden ab, der 2 Frauen aus der Zuckerhütt führte und von einem Stein getroffen wurde und betäubt abftürzte, wobei er eine der Touristinnen mit sich riß. Das Seil. verfing sich jedoch an einem Felsblock, so daß die Touristin von dem weiteren Absturz bewahrt blieb. Dem Führer selbst wurde die Hirnschale eingedrückt. Theater der Woche. 1 Bom 23. August bis 31. August 1925. Schiller- Theater: Annemarie. Die Komödie: Madame Bonivard. Leffing- Theater: Regenbogen. Große Boltsoper im Theater des Westens: Wiener Blut. Renaissance- Theater: Totenbana. Deutsches Künstler- Theater: Fauteuil 47. Komödienhaus: Der lekte Auß. Berliner Theater: Anne- Liefe von Deffau. Trianon- Theater: Am Teetisch. Theater in ber Komman bantenstraße: Der Better aus Dingsda. Romische Oper: Das hat die Welt noch nicht geseh'n. Metropol- Theater: 25. bis 28. geschloffen; ab 29. Mamfell Angot. Operettenhaus am Schiffbauerbamm: Der eine Ruppler( Se chien qui rapporte). Thalia Theater: Uichi. Theater am Rollendorfplag: Die hellblauen Schwestern. Kleines Theater: Die schöne Melusine. Stofe Schloßpart Theater Steglih: Wie die Alten, fungen. Theater: Der große Berrug. Raßno- Theater: Der tühne Schwimmer, Theater im Admirals. Scala: Internationales Varieté. Wintergarten: Internationales Barieté. 23. 90. Wiener Bhut Große Bollsaper im Theater bes Beltens: palaft: Achtung, Welle 505. Rachmittagsbortellungen. Gewerkschaftsbewegung Die Bauunternehmer wollen noch nicht bauen. Die letzten Einigungsverhandlungen über die Lohnstreitig. teiten, ganz abgesehen von den übrigen Differenzen, sind gescheitert, hauptsächlich daran gescheitert, daß die Hilfsarbeiter und die Tiefbauarbeiter leer ausgehen, den Leibriemen enger schnallen sollten. Die Arbeitgebervereinigungspolitik ließ feine Aufbesserung Noch am Abend des 20. August verbreitete die TU. eine Mel dung mit der Ueberschrift: der Hilfsarbeiterlöhne zu. " „ Die Aussperrung im deutschen Baugewerbe befchloffen." Die Meldung lautete:" Der deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat heute in einer Sondersitzung beschlossen, am 29. Auguft die Gesamtaussperrung in ganz Deutschland in Kraft treten zu lassen. Das Reichsarbeitsministerium hat zwar die Parteien noch mals zu Freitag geladen, doch besteht wenig Aussicht auf eine Berständigung. Die Scharfmacher im Unternehmerlager wußten also schon vorher, daß es zu feiner Verständigung fommt, daß die Bauarbeiter sich ihren Bedingungen nicht unterwerfen fonnten. Es ist trotzdem nicht zu hoffen, daß nun die Angriffe gegen die Bauarbeiter unterbleiben, die ihnen die Schuld zuschieben, daß nicht meitergebaut werden kann. Doch ist nunmehr noch deutlicher erkennbar, daß derartige Angriffe unberechtigt sind, die Unternehmer es sind, die die Bautätigkeit stillegen. Die Bauunternehmer leben davon, daß die Bauarbeiter bauen. Die Löhne, die sie zahlen, nehmen sie nicht aus ihrer Tasche. Die Bauauftraggeber müssen sie zahlen. Auch eine Lohnzulage zahlen die Bauunternehmer nicht aus ihrer Tasche; sie sehen sie den Auftraggebern auf die Rechnung, mit einem Zuschlag für sich. Der Schaden, der den meisten Auftraggebern erwächst, ist weit größer als etwa die Verteuerung durch eine Lohnerhöhung nach den ersten Schiedssprüchen. Die Bauunternehmer wissen das. Sie wissen auch, woran sie mit ihrer Arbeiterschaft find. Wenn sie trotzdem nach wochenlanger Arbeitseinstellung die Gelegenheit zur Berständigung ungenügt lassen und nun wie fie längst an gedroht versuchen wollen, auf dem Umwege der Aussperrung die Bautätigkeit wieder in Gang zu bringen, dann stedt etwas anderes dahinter. Das ist kein Geheimnis mehr. Die Ber. einigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat ein Interesse daran, die Löhne der Bausaisonarbeiter selbst nominell nicht höher tommen zu lassen. Die Bauunternehmer, die ohnehin zum Teil schon die finanzielle Hilfe dieser Kreise in Anspruch nehmen mußten, vertreten in diesem Streit nicht mehr thre eigenen Intereffen, fie haben die Lohnpolitit der Arbeitgebervereinigung zu vertreten. Die Abwehr der Bauarbeiter ist damit nicht mehr nur Sache der Bauarbeiter, sie ist jur Sache der Gesamtheit der organisierten Arbeitnehmerschaft in ganz Deutschland geworden. Die einsichtigen Unternehmer, die die Forderungen her Bauarbeiter anerkannt und bewilligt haben, oder die fie bewilligen möchten, werden mit allen Mitteln daran gehindert werden; wenn alles nichts hilft, durch material. Iperré. Die fleinen und mittleren Unternehmer werden in diesem Rampfe aufgerieben, zum Borteil der großen Baugeschäfte. Am 28. Auguft soll die Generalaussperrung beginnen. Dieser Generalaussperrung setzen wir die Generalhilfe für Dieser Generalaussperrung setzen wir die Generalhilfe für die Bauarbeiter entgegen. Solidarität ist Trumpf! Zum Konflikt bei der Reichsbahn. Wie uns mitgeteilt wird, haben die heutigen Besprechungen der vertragschließenden Eisenbahnerorganisationen zu dem Ergebnis geführt, daß der Reichsarbeitsminister ersucht werden soll, das Schlichtungsverfahren einzuleiten. Die vertragschließenden Organisationen haben sich mit folgendem Schreiben an den Reichsarbeitsminister gewandt: Berlin, den 22. Auguft 1925. Betr.: Einleitung des Schlichtungsverfahrens. Die Verhandlungen über eine Lohnerhöhung, die auf Grund der Kündigung der Lohnbestimmungen des Reichslohntarifvertrages zum 31. August d. 3. zwischen der Hauptverwaltung der deutschen Reichsbahngesellschaft und den vertragschließenden Organisationen stattgefunden haben, sind gestern, den 21. August 1925, ergebnislos abgebrochen worden. Die unterzeichneten vertragschließenden Organisationen ersuchen nunmehr auf Grund der Verordnung über das Schlichtungswefen vom 30. Oftober 1923, Artikel I§ 5 Biffer 1, den Herrn Reichsarbeitsminister, möglichst bald einen Schlichter zu bestellen. Die unterzeichneten Organisationen behalten sich vor, dem Schlichter ihre Forderungen mündlich vorzutragen. ( Unterschriften.) Es ist selbstverständlich, daß die Eisenbahner feine Möglichkeit ungenügt laffen, auf dem Wege der Verhandlungen zu einer fried lichen Einigung zu fommen. Es hängt wesentlich von der Stellung nahme der Reichsbahngesellschaft ab, ob es dazu tommt. Das anmutige Multiplikationsspiel, wenn ein Arbeiter 12 Pf. Zulage betommt, dann macht dies für so und soviele Arbeiter 144 Millionen ans, ist zu sehr abgegriffen, um noch Einbrud zu machen. Rund 175 000 Arbeitslose in Polen. Warschau, 21. Auguft.( TU.) Die Zahl der Arbeitslosen betrug laut amtlicher Statistit am 15. August in ganz Bolen 174 729. Am stärksten ist die Zahl der Arbeitslosen in Oberschlesien gestiegen. UHL Für Feinraucher 00000000000 „ Die Beamten fressen das Volk." verhältnisse ist dringend geboten. Zurzeit aber fehlen dem Reich, den Ländern und den Gemeinden die Geldmittel dazu; einer zweiten InJedesmal, wenn sich die Beamtenspitzenorganisationen wegen flation würde die Beamtenschaft unbedingt unterliegen. Man muß einer Neuregelung der Beamtenbesoldung in Verhandlungen mit der nun sagt Herr Allefotte auf seiten der Beamtenschaft gerecht Regierung befinden, sezt in der abhängigen Rechtspresse eine sein und erkennen, daß, wenn trotzdem eine schematische gleichmäßige offene oder verstedte ege gegen die Beamten ein. Es ist Erhöhung der Bezüge von Beamten der Gruppen 1 bis 6 gefordert noch gar nicht so lange her, daß die Beamtenorganisationen die Fest- wird, das einmal eine Verstimmung unter den unberücksichtigt gestellung trafen, daß das Signal hierzu aus dem Reichs. laffenen Beamten, zum andern aber auch bei den durch die Steuern finanzminifterium selbst tam. Fast für jede neue Steuer ganz gewaltig wirtschaftlich gedrückten Personen hervorrufen muß, denn die Kreise in den freien Wirtschaftsbetrieben fagen sich niit Jahren werden ganz systematisch die Beamten und die übrigen be viel geringeren Einkommen als das der Beamten, auch der Gruppen mußten die Beamten als Prügelknaben herhalten. Seit gutem Grunde, daß es Millionen Menschen im Volke gibt mit einem pölterungstreise aufeinandergehetzt, indem man den Arbeitern und 1 bis 6.„ Die Wirtschaft", heißt es weiter, dürfe erwarten, daß Angestellten wie auch der übrigen Bevölkerung die Lage der Be- auch die Beamtenschaft in dieser Zeit der bitteren Not für amten von der glänzendsten Seite zeigt. Selbst die Wirtschafts- den wirtschaftlichen Wiederaufstieg des deutschen Volkes auch einrichtungen der Beamtenorganisationen mußten dazu herhalten, noch eine Zeitlang Opfer auf sich nimmt. Und diese Kreise der freien die Geschäftsleute gegen die Beamten mobil zu machen. Der 3wed Berufe finden es unverständlich, daß die Beamten in dieser Zeit der dieser Hetze liegt klar zutage: Es soll eine Atmosphäre des Bedrängnis immer von neuem nur wünsche durch ihre Spigenorganisationen vortragen lassen: einheitliche Unmuts gegen die Beamten geschaffen werden, die es der Festsetzung eines Wochendienstleistungsmaßes von 48 Stunden, Regierung und den Rechtsparteien ermöglicht, ihre unsoziale Be- Neuregelung" des Urlaubs, Einrichtung einer durchgehenden Tagessoldungspolitit gegenüber den unteren und mittleren Be- dienſtleistung u. a. m. Wenn z. B. der Beamte einen Jahresurlaub amten fortzusetzen und damit das allgemeine Lohnniveau niedrig bekommt bis zu 7 Wochen, der selbständige Handwerksmeister und zu halten. Wie weit diese Heze bereits gediehen ist, zeigten einige Raufmann, sowie Arbeiter, Angestellte und Direktoren einen ganz Artikel der deutschnationalen Bauernbunds erheblich fürzeren Urlaub zu nehmen gezwungen sind bzw. befompreffe in Württemberg, der Schwäbischen Tages- men, ein Unterschied krassester Form also in die Erscheinung tritt, zeitung" und" Der Schwäbische Landmann", von denen dann muß das übel wirfen. Wenn weiter Beamtenspitzenorganisader eine die bezeichnende Ueberschrift trug:„ Die Beamten tarif, und dabei eine Unkenntnis der Verhältnisse bekunden und tionen scharf Stellung nehmen gegen Steuergesehe und 3oll. fressen das Volk". fich offensichtlich außerstande zeigen, die richtigen Relationen zu ziehen, dann muß das die Kluft zwischen den Angehörigen der freien Berufe und der Beamtenschaft vergrößern; dann muß das die vor Jahren sichtbar gewordene Steigerung der Sympathien weiter Bolts. freise für die Beamtenschaft immer schärfer in das Begenteil verfehren.... In diesen Artikeln des deutschnationalen Schriftleiters Körner jun. wird allen Ernstes die Forderung erhoben, den Be amten das aktive und passive Wahlrecht zu nehmen, um den„ unheilvollen Einfluß der Beamten im Par lament zu beseitigen und den Parteien zu ersparen, fernerhin Rüdsicht auf die fünf bis sechs Millionen Wählerstimmen der Beamten und ihrer Familien zu nehmen. In einer gemeinsamen Erklärung erhoben sämtliche Spitzenorganisationen der Beamten gegen diese wüste eze schärfsten Protest und forderten die Parteien auf, zu diesen Angriffen klar Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme liegt jetzt vor. Die„ Bet o"( Beamten- Korrespondenz) hat bei den verschiedenen Parteien eine Rundfrage veranstaltet, deren Ergebnis nach mancher Richtung hin interessant ist. Während sich von der Kommunistischen Partei Deutschlands die Abgeordnete Frau Arendsee auf die Erklärung beschränkte, „ fie verweise auf die Haltung ihrer Partei in Beamtenfragen und feze voraus, daß der Beamtenschaft der Kampf der kommúniſtischen Fraftion, im besonderen der Kampf um die Besserstellung der unteren Beamtengruppen bekannt ist," gab von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands unser Genosse Reichstagsabgeordneter Roßmann folgende Erklärung ab: " Die Angriffe, die in der württembergischen Bauernbundspresse gegen die Beamtenschaft erhoben worden sind, fönnen nur einer vollkommenen Berständnislosigkeit gegenüber der Bedeutung und den Aufgaben entspringen, die das Beamtentum im Staate und in den Selbstverwaltungskörperschaften der Gegenwart zu erfüllen hat. Die Tatsache, daß eine solche Verständnislosigkeit überhaupt besteht und sich öffentlich Geltung verschaffen kann, hat mich mehr erschüttert als der Angriff selbst, gegen den die Beamten sich wohl zu wehren wissen werden. Ich bin erstaunt, daß solche Aeußerungen einer unpersöhnlichen Beamtenfeindlichkeit aus der Presse einer Partei fommen, die auf ihre Anlehnung an die sogenannten staatserhaltenden Parteien als Retter immer sehr stolz gewesen sind. Zur Ehre des Bauernstandes möchte ich übrigens annehmen, daß viele Landwirte sich trotz dieser Angriffe dieselbe vor urteilslofe Haltung gegenüber den Beamten bewahren, zu der sich Obwohl man der deutschen Arbeiterschaft im monarchistischen Obrigdie angeblich statsfeindliche Arbeiterschaft längst durchgerungen hat. teitsstaate manchen Anlaß gegeben hat, die Rolle des Berufsbeamten tums mißzuverstehen, steht sie heute zu den berechtigten Forderungen der Beamten, namentlich der unteren und der mittleren, als ob es sich um ihre eigene Sache handelt. Wer wie ich als Leiter einer Berwaltung mit mehreren hundert Beamten den materiellen und feelischen Druck beobachtet hat, der in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf der Beamtenschaft lastete, und wer da weiß, wie flein auch für die große Mehrzahl der Beamten das Stück täglichen Brotes ist, das Bedauern über diese Angriffe und haltlosen Uebertreibungen Ausein verarmtes Bolt zu bieten vermag, der kann nur seinem lebhaften brud geben." Von der Deutsch- demokratischen Partei liegen längere Ausführungen des Abg. Otto Schuldt- Steglitz vor, in denen diese Angriffe auf dieselbe Quelle zurückgeführt werden, aus denen die berüchtigte" Dentschrift" stammt und aus der die Reichsregierung die Argumente für ihre ablehnende Haltung gegenüber den Forde rungen der unteren Besoldungsgruppen schöpfte der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände. Die Deutsche Volkspartei ließ durch Herrn Reichstagsabgeordne ten Morath erklären: " Diese Angriffe sind so widerlich und unfachlich, daß man den Verfasser durch eine längere Widerlegung nur zur Bedeutung bringen mürde. Es ist ganz selbstverständlich, daß auch meine Partei von einer folchen Pressepolitit weit abrückt.". Während alle Parteien von diesen Angriffen gegen die Beamten abrückten und der Vertreter der Deutschnationalen erklärte, daß er fich mit seinem Parteifreunde( dem Berfasser der Hezartikel) direkt in Verbindung setzen wolle, nahm der Vertreter des Zentrums, Abgeordneter Alle fotte, ein gehobener mittlerer Beamter", eine Stellungnahme ein, aus der sich die Erklärung für manche unverständliche Handlungen des Zentrums seit der letzten Reichstagswahl ergibt. Seine Ausführungen verdienen in den weitesten Beamtenfreisen bekannt zu werden. Herr Allefotte erflärt u. a.: Die Beamten befinden sich allgemein augenblicklich in einer schwierigen Lage, insbesondere aber die Beamten der unteren und mittleren Besoldungsgruppen. Eine Neuregelung der BesoldungsEs erübrigt sich gegenüber einer solchen Stellungnahme eines Arbeitnehmervertreters jedes Wort der Erwiderung. Die Beamtenorganisationen und ihre Presse werden wohl Gelegenheit nehmen, sich mit diesem Berteidiger nadtester Pro= fitinteressen in der Maske des christlichen Bes amtenfreundes etwas näher zu beschäftigen. Für die gefamte Beamtenschaft ergibt sich aber aus diesem Feldzug gegen fie eine heilsame Lehre, die sie hoffentlich bei den nächsten Wahlen beherzigen wird. Sport. Vom Segelflug mit Hilfsmotor. Die Gruppe II der Ausschreibungen betrifft den Segelflug mit Hilfsmotoren. Weiter ist durch den„ Luftrat" erneut der Brinz- Heinrich- Rhön- Wanderpreis" der Lüfte für 1925 ausge schrieben worden. Prinz Heinrich hat diesen Preis demjenigen Segelflugzeug mit Hilfsmotor zugedacht, das in jeder Beziehung deutschen Ursprungs ist. Dieser Preis fonnte vergangenes Jahr nicht ausgeflogen werden, weil der deutsche Motor damals fehlte. In der Zwischenzeit flog Botsch in 34 Stunden am 29. Dezember 1924 500 Kilometer weit. Die Wertung geschah damals nach Formeln, und ich glaube, daß bei völliger Würdigung und Anerfennung aller Fehler und Ungerechtigkeiten, die eine Formelwertung stets enthalten wird, in diesem Falle wohl alles einig war, daß Botsch der Preisträger war. Nun fam Roffitten: Segelflugzeug mit Hilfsmotor. Erfolge naren nicht zu verzeichnen, weil sich alles für den B3.- Flug vorbereitete. Ueber die Erfahrungen aus dieser Kraftprobe gehen die Urteile noch auseinander. Sie werden insofern ein ungleiches Bild ergeben, als die Behandlung der Motoren während des Fluges selber ungleich war. Große Fabriken hatten für ihre Flugzeuge etwa notgelandeten Flugzeug das nötige nach, was sich nicht jede Instandseßungskolonnen verteilt, schoben selbst mit Flugzeug dem Fabrit, geschweige denn ein einzelner leisten fann, da die Unkosten ungeheuer groß sind. Es sei daher erinnert, daß, bei den ersten Prinz- Heinrich- Flügen wenigstens, in den Begleitautos für jedes Flugzeug nur das vorgeschriebene Material unter Aufsicht und Verantwortung eines Unparteiischen mitgeführt werden durfte, so daß die Grundlage für alle Teilnehmer gleich war. Zum Rhön- Wettbewerb haben mit Hilfsmotor gemeldet: 1. Espenlaub, Espenlaub 7, 3% PS Vittoria- Motor; 2. A la flieg, Darmstadt, Planfegler Karl der Große", 30 PS Haacke; 3. Niederrheinischer Verein für Luftfahrt, Verein für Luftfahrt,„ Erperiment", 4,5 PS Jlo; 4. Niederrheinischer Verein für Luftfahrt, Liliput", 7,5 PS Jlo. Espenlaubs Motor- Maschine fonnte aus technischen Gründen von der Technischen Kommission nicht zugelassen werden. Daß die Akaflieg( Akademische Fliegergruppe der Technischen Hochschule) Darmstadt bei ihren wirklich so beschränkten Geldmitteln fich einen Motor zugelegt hat, ist sehr erfreulich, aber 30 PS find zu start. Das ist dann doch fein Segelflugzeug mit Hilfsmotor mehr, sondern schon ein Leichtflugzeug. In England ist ein Zweisiger mit dieser Motorstärke schon das gegebene Luftauto für Sport und Privatluftverkehr. Es bleibt von den Gemeldeten also nur noch übrig:„ Experiment" und" Liliput" mit ihren Jlo- Motoren. Von diesen beiden ist bis jetzt nur Experiment" eingetroffen, geflogen ist auch diese Maschine noch nicht, obwohl wir bereits zehn Tage vor Wettbewerbsende stehen. Dabei muß bekannt werden, daß gerade der Sport mit diesem Hilfsmotor- Segelflugzeug so herrlich sein tönnte wie ehedem. Der Motor gestattet überall zu starten und zu landen, man läßt sich heben bis zu jenen Windschichten, wo man die richtigen Windrichtungen findet, die es gestatten, auf das Ziel hinzusegeln. Flugzeug zugesprochen, welches nach Start mit oder ohne MotorDie Ausschreibungen besagen:" Der Preis wird dem fraft einen Segelflug mit stillgelegtem Motor von mindestens 15 Minuten Dauer im Bereich der Wasserkuppe ausführt, darauf den Motor anstellt, sich 10 Kilometer von der Startstelle entfernt und nach der Wassertuppe zurückfliegt." Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68. Lindenstrake 3. Sochfeine Coronas: Berliner Elektriker- Teilzahlung HUNDE Genossenschaft angeach dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. 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