Nr. 399 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 204 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich 8 Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzbanb für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Suremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied Tung und Kleingarten sowie ber Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille geile 80 Pfennig. Reklamezeite 5,-Reichsmart. Kleine Anzeigen das fettgebrucie Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erfte Mort 15 Bfennig. fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgefchäft, Berlin GB 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet non 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachan. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 25. August 1925 Der Papierkrieg gegen die Teuerung. Sihung des Reichskabinetts. Richtlinien der Verbände. Den Unternehmern scheint es nur der ganze Zwed und Sinn der, Preissenkung zu sein, die Berantwortung für die jetzt im Gang befindliche Teuerung von sich auf die Arbeiterschaft abzuwälzen. Daher diefer fortwährende Hinweis auf die angebliche Notwendigkeit, Lohnbewegungen zu verhindern! Das ganze. Manöver ist außerordentlich durchfichtig. Man hat es vor wenigen Jahren solange angewandt, bis das Brot 500 000 000 000 m. toftete. Die Arbeiterschaft hat keine Luft mehr, es noch einmal bis dahin fommen zu lassen, ohne ihren Anspruch auf den Ertrag ihrer Arbeit sichergestellt zu haben. Die Gefah: einer Inflation besteht nicht mehr. Dagegen besteht die andere Gefahr, daß das Unternehmertum die wirtschaftlichen Stampfmittel der Inflationspolitik gegen die Arbeiterschaft aufs neue anwendet. Dem wird die Arbeiterschaft einen Riegel vorzuschieben wissen und sie tann das mit um fo größerem Recht, als sie in Erkenntnis dieser Gefahren der Zölle mit ihrer ganzen Kraft gegen die Bollvorlage angekämpft hat und bei den Sachwaltern der Industrie mir taube Ohren fand. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Botschetonio: Berlin 37 588 Bankonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballstr. 65; Diskonto- Gesenschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3. Wen betrügt man? Soll die Paktpolitik sabotiert werden? Die Erwiderung der Alliierten auf die deutsche Antwortnote ist gestern dem deutschen Außenministerium überreicht Auslandes und über eine offiziöse englische Mitteilung über den Inhalt befannt geworden ist, läßt den Schluß zu, daß das Stadium des Notenwechsels zu Ende geht und das Stadium der mündlichen Erörterungen herannaht. In dieser Situation erfordert es das Interesse Deutschlands und das Ansehen der deutschen Führung der Außenpolitit, daß keinerlei Anlaß zum Zweifel an der Ehrlichkeit der deutschen Politik gegeben wird. Die letzte deutsche Note hat die ausdrückliche Zustimmung aller Parteien erhalten, die an der Reichsregierung beteiligt sind. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat im Plenum des Reichstags die von der Regierung Luther- Stresemann eingeschlagene Sicherheitspakt- Politik gebilligt. Die Erklärungen des deutschnationalen Fraktionsführers Graf West arp haben diese ZuStimmung unterstrichen. Zu allem Ueberfluß hat die Deutschnationale Boltspartei an ihre Presse und an ihre Organifationen Richtlinien für die Behandlung der Sicherheitsfrage" verschickt, in denen eindeutig erklärt wird, daß die deutsche Antwortnote, die ausdrücklich am Grundgedanken des deutschen Vorschlages, und also auch an dem Angebot des Berzichtes auf Elsaß- Lothringen festhält, ein Att des Gesamtkabinetts sei, dem die Deutschnatio= naten mit voller Berantwortung zustimmen. Heute, Dienstag vormittag, treten die an der Wirtschaftspolitik| fondern schießen bereits in die Höhe, noch ehe die Zölle in Kraft worden. Was bisher auf dem Wege über die Presse des des Reiches interessierten Minister, der sogenannte Reichs getreten sind. ernährungsminister, deffen Vorgehen die Hauptschuld an der Teuerung zuzuschreiben ist, der Reichsarbeitsminister und der Reichswirtschaftsminister mit ReichsLanzler Dr. Luther zu einer Besprechung zufammen, um die pomphaft angekündigte Preissenfung zu beraten. Wie sich diese Breissenkungsaktion in den Köpfen der Industriellen ausmalt, tarüber sind unsere Leser bereits unterrichtet. Man glaubt in diesen Kreisen offenbar, die Teuerung to treden zu fönnen. Benigstens muß man zu diesem Ergebnis fommen nach der reichlich sonderbaren Mitteilung, die der Reichsverband der Deutschen Industrie am letzten Sonnabend über seine Beratungen veröffentlichte. Inzwischen sind auch andere große Wirtschaftsverbände mit Kundgebungen zur Teuerung an die Deffentlichkeit getreten. Der Deutsche Industrie- und Handelstag, die Spigen organisation der deutschen Handelskammern, hat am 21. Auguft ein Rundschreiben an die angeschlossenen Organisationen gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß die Festigung der Rechts grundlagen für die Wirtschaft die Regelung der Aufmer tungsfrage, die Steuerreform und der Zolltarif den geplanten Preisabbau erleichtern. Nüßlich sei es, den Preisstand und die Entwicklungsgründe objektiv festzustellen. Diese Forderung steht in traffem Gegensatz zu der Absicht der Reichsregie rung, die Preisprüfungsstellen abzubauen. Im einzelnen menden sich die Richtlinien der Handelstammern gegen die ungesunde Ueberspannung des Kartellwesens und gegen die starte Besetzung des Handelsapparates, der preisvertcuernd wirft, fomie schließlich gegen die gleitenden Preise. Interessant ist die folgende Bemerkung, die übrigens mit ganz ähnlichen Worten schon in der Veröffentlichung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und der Arbeitgeberverbände enthalten war: Bei der engen Verflechtung von Preis- und Lohnftand wird darauf hingewiesen, daß durch umfassende und vorgreifende Lohnerhöhungen die Erreichung des Ziels, zu einer Preis ermäßigung und Steigerung des Reallohns zu tommen, auf die es wirtschaftlich allein ankommt, von vornherein vereitelt würde. Das ist der Pferdefuß der ganzen Preisabbauafiion. Man hat die Zölle eingeführt, um die Preise zu steigern. Nachdem die Zollvorlage Gesez geworden ist sie ist in Nr. 40 des Reichs gefegblattes veröffentlicht ist das durch ihre Wirkung zu erwartende Preisniveau die Rechtsgrundlage, auf die sich die Arbeiterschaft bei ihren 2ohnfämpfen ftüßen muß. Die Warenpreise fümmern sich nicht einmal um die Rechtsgrundlage, Die Note übergeben. Veröffentlichung auf Wunsch Briands erst Freitag. Amtlich wird gemeldet: Der französische Botschafter hat Montag nachmittag um 5 Uhr dem Reichsminister des Auswärtigen die französische Antwortnote in der Sicherheitsfrage übergeben. Die Note mird zunächst im Auswärtigen Amt übersetzt. Das Reichskabinett tritt Dienstag vor= mittag um 11 Uhr zu einer Sigung zusammen, in der es voraussichtlich zu einer Besprechung der Note fommen wird. Die Note fann mit Rücksicht auf den von der französischen Regierung ausgesprochenen Wunsch erst am Freitag vormittag veröffentlicht werden, und zwar gleich zeitig in Berlin und den anderen Hauptstädten. Es wird ganz interessant sein, zu beobachten, ob nicht vielleicht die Pariser Bresse die Note früher als vereinbart, wenn auch„ inoffiziell, indistret, informativ" veröffentlichen wird. Die Krise des Zentrums. Austritte aus der Berliner Zentrumspartei. Aus Zentrumstreifen wird uns geschrieben: In einer stürmisch verlaufenen Delegiertenversammlung des Brovinzverbandes der Windthorstbünde Berlin Branden burg im Gesellenhaus am Sonnabend, den 22. August, erklärte die Mehrheit der Delegierten der einzelnen Bünde, daß fie aus Gewissens. gründen die Politit des Zentrums nicht mehr mit. machen könnten und daher ihren Austritt aus der Zen. trumspartei pollzögen. 3wei Vorstandsmitglieder des Gaues haben aus diesem Grunde bereits ihre Aemter niedergelegt. Es ist anzunehmen, daß der Entschluß der Berliner Windthorstbünde sich auch im Reiche auswirken wird, da die Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Reichstagung der Windthorsibünde in Wein. garten- Friedrichshafen und mit der Verständnislosigkeit des einzigen dort anwesenden Reichstagsabgeordneten Joos sehr start ist. Jeden falls ist durch den Tod des Berliner Abg. Dr. Beusch und durch das Borgehen der Berliner Bindthorstbünde sowie schließlich durch die auf Die Dauer unerträglichen Zustände in her Germania" die Berliner Großhandel und Preissenkungsaktion. Der Zentralverbane des des Deutschen Groß handels hat in einer Erklärung die Maßnahmen der Reichsregie rung gegen Kartelle und deren Uebergriffe gebilligt und seine Mitglieder dringend aufgefordert, die Ermäßigung der Umsatzsteuer auf 1 Prozent bei ihrer Breistaltulation zum Ausdruck zu bringen. Der Verband warnt außerdem vor einer spekulativen Ausnutzung der autonomen Zölle, die demnächst in Kraft treten, da diese voraussichtlich durch die Handelsverträge wieder ermäßigt werden müssen.„ Die Berbraucherschaft muß deshalb dringend davor gewarnt werben, über stürzte Wareneintäufe zu tätigen." Diefe Warnung ist berechtigt. Unter dem Einbrud mancher retlamebaften Anpreisungen hat sich des Publikums an manchen Stellen bereits eine Raufpsychose bemächtigt, wie man sie nur in der Inflationszeit tannte. Die Kaufpsychose hätte aber nicht einfeten tönnen, wenn nicht durch das Zollgesetz der Aus gangsspunkt für derartige frampfartige Bewegungen des Warenmarties, eine tünstliche und durch die Produktion nicht gerechtfertigte Teuerung geschaffen worden wäre. Ein Volt, das diese Dinge mehr als fünf Jahre hindurch am eigenen Leibe erfahren hat, wird durch papiernes 3ureden nicht davon abzubringen fein, aus einer gegebenen Marktlage die notwendig erscheinenden Schlüffe zu ziehen. Zentrumspartei in eine schwere Krifis geraten, und es wird start bezweifelt, ob der Nachfolger des Abgeordneten Beusch, der Kaufmann Schönborn, in der Lage sein wird, die Krise und den 3u sammenbruch zu meistern. Caillaux in London. Die franzöfifchen Kriegsschulden. Paris, 24. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Heute, Montag, war in London die erste Unterredung zwischen den Finanzministern Caillaur und Churchill über die Regelung der französischen Schulden an England. Nach Londoner Meldungen beabsichtigt Caillaug, bereits am Mittwoch oder Donnerstag wieder in Paris einzutreffen. Die Forderungen Englands, offenbar um die englische Regierung französische Presse ergeht sich in Entrüstung über die hohen einzuschüchtern(?). Der Grundton dieser Auslaffungen ist, daß, falls England auf seinen Forderungen beharren sollte, Frankreich lieber auf den Abschluß eines Abkommens verzichten würde, als Verpflichtungen zu übernehmen, die seine finanzielle und wirtschaftliche Lage ernstlich gefährden tönnten. Man ist sich andererseits im Paris darüber klar, daß die Regelung der Schulden die unbedingte Voraussetzung zur Sanierung der franzöfifchen Finanzen und Währung ist. Einmal fann ein endgültiger Haushaltsplan erst dann aufgestellt werden, wenn die Zahlungen, die Frant reich für seine auswärtigen Schulden zu leisten haben wird, end gültig feststehen, und ferner fann eine Stabilisierung der Währung ohne englische und amerikanische Hilfe nicht durchgeführt werden. Die amerikanischen Banten weigern sich aber, Frankreich neue Kredite einzuräumen, solange feine Schulden an England nicht geregelt sind. Trotzdem werden in Paris die Aussichten, bald zu einer Einigung zu gelangen, nicht allzu günstig beurteilt. England besteht auf Zahlung. " Bei dieser Sachlage mußte die Deffentlichkeit annehmen, daß die deutschnationale Parteiführung und die deutschnationale Reichstagsfraktion in ihrer großen Mehrheit einen Schlußstrich unter die Politif des Ausweichens, des Abfeitsftebens, des Gichdrückens von der Verantwortung gezogen hätten. Nach so flarer Uebernahme der Verantwortung war nicht nur eine Politit des Hinhaltens durch die Deutschnationalen unmöglich geworden, sondern Herr Schiele fonnte auch teine Briefe mehr schreiben, in denen er sich für ununterrichtet und unschuldig erklärte, und die deutschnationale Bresse fonnte nicht mehr gut nach dem Staatsgerichtshof für den Außenminister rufen. Der Schluß, den die Deffentlichkeit aus dem Verhalten der Deutschnationalen ziehen mußte, war, daß sie den Gedanken akzeptiert hätten, daß in der Zwangslage Deutschlands diese Sicherheitspolitit, die den Verzicht auf Elsaß- Lothringen einschließt, das fleinere llebel sei. Auf diesem Gedanken basiert die Außenpolitik der Regierung Luther, und die Innehaltung dieser Außenpolitik ist die Grundlage ihrer Eristenz. Es war zu erwarten, daß in der deutschnationalen Parteiorganisation heftige Stimmen gegen den Kurs der Außenpolitif laut merden würden, wenn die Sicherheitsverhandfungen in ein Stadium eintreten würden, in dem die Mög lichkeit eines erfolgreichen Abschlusses sichtbar würde. Der Außenminister selbst und seine Barteifreunde haben ein Aufflammen der Opposition in den Organisationen der stärksten Regierungspartei erwartet. Sie haben porbeugend eine deutliche Mahnung an die Adresse der Deutschnationalen gerichtet und mit dem äußersten Mittel der Sprengung der Regierungs foalition gedroht. Sie sind dabei jedoch, wie es scheint, von der Voraussetzung ausgegangen, daß die Parteiführung der Deutschnationalen bei der übernommenen Berantwortung beharren und am Ende der Verhandlungen auch ihre Unterschrift unter einen Bertrag setzen würde, der den Verzicht auf Elsaß- Lothringen enthält. Entscheidungen über das Fortschreiten auf der von der ReichsNun erhebt sich eben in dem Augenblic, wo es neue regierung betretenen außenpolitischen Linie gilt die Frage, ob die lebernahme der Berantwortung durch die Deutsch nationalen ehrlich war, oder ob sie nur eine tattische Finte darstellte, um den Bruch der Regierungskoalition vor dem Zustandekommen der Zollvorlage zu vermeiden. Diese Frage muß aufgeworfen werden, da das ,, Deutsche Tageblatt" eine vertrauliche Entschließung eines deutschnationalen Landesverbandes veröffentlicht, die die Politit der deutschnationalen Parteiführung im Lichte der 3 weideutigteit und Unehrlichkeit zeigt. Wir geben diese Entschließung weiter unten wieder. Diese Entschließung stellt fest: die deutschnationale Parteiführung hat den deutschnationalen Organisationen erklärt, daß einem Vertrag auf der Grundlage des in der letzten deutschen Note wiederholten Angebots weder die deutschnationalen Minister noch die deutschnationale Reichstagsfrattion ihre Zustimmung geben würden. Im Plenum des Reichstags und in ihren Richtlinien aber hat die deutschnationale Parteiführung erklärt, daß sie dem in der Note enthaltenen Angebot mit voller Berantwortung zustimmt. London, 24. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der„ Daily Tele graph" betont, England verlange nur, was es an Kapitalzinjen nach den Bereinigten Staaten abzuführen habe. Mehrfach seien bereits Schuldnerstaaten die Beträge um die Hälfte ab gefchrieben worden. Die„ Daily News" weisen darauf hin, daß der englische Steuerzahler ungemein höher belastet sei als Des weiteren läßt die Erklärung erkennen, daß die der franzöfifche.„ Morning Post" schreibt, Großbritannien habe deutschnationale Barteiführung ihre politische Haltung zur Amerika gegenüber seine Zahlungspflicht anerkannt, und zwar in der Höhe von 37 Millionen Bfund. Annullierungen könnten daher Sicherheitspolitik den Organisationen gegenüber auf die in Zutunft nicht mehr vorgenommen werden. Die Situation Formel gebracht hat: wir machen mit, um den Sicher Englands sei wegen der andauernden großen Arbeitslosigkeit fehrheitspatt zu verhindern. Im Reichstag hat Graf schwierig. Das müßten die Schuldnerstaaten unbedingt einseheniestarp erflärt, daß seine Kraftion den ernstlichen Willen zur Mitarbeit am Zustandekommen| wesentliche Erleichterungen des Bersailler Diktats und anderer Ber.| eine Ausgleichung der Gegensätze auf einer mittleren Linie, des Sicherheitspatts habe. träge brächte, nur faktische Wendungen, um zurzeit den Bruch der etwa der der bekannten Düsseldorfer Resolution, ermöglichen Koalition zu vermeiden. soll. Es scheint, als ob diese Versuche gescheitert sind. Es erhebt sich die Frage: men betrügt man hier? Eine Frage, die angesichts der deutschnationalen Politit seit einem Jahre immer wieder gestellt werden mußte. Betrügt die deutschnationale Parteiführung ihre Organisationen, oder betrügt sie die Parteien, die mit ihr geminsam in der Reichsregierung vertreten find? Sind ihre Versicherungen gegen über den deutschnationalen Parteiorganisationen nur Manöver, um in Ruhe die grundsätzliche Schwenfung in den großen Fragen der Außenpolitik durchführen zu können? Oder find ihre feierlichen Versicherungen im Reichstag- und wahrscheinlich auch in der Regierung-nur tattische Schachzüge, um desto sicherer die Außenpolitik der Reichsregierung durch freuzen zu können? Wen betrügt man? Oder foll man glauben, daß die deutschnationale Parteiführung sich alle Möglichkeiten offenhalten will, um sich im entscheidenden Augenblick auf die eine wie auf die andere Seite werfen zu können? Der Jahrestag des 29. August, des Umfalls der Deutschnationalen bei der Abstimmung über die DamesGeseze, naht heran. Damals hat die deutschnationale Partet führung noch zwei Tage vor ihrem Umfall sich vor dem Lande und vor ihren Organisationen start gemacht. Herr Hergt sprach am 27. August sein: Hier stehe ich, ich fann nicht anders!", um am 29. August anders zu können. Es scheint, daß die Herren Windler, Schiele und West arp eine neue Auflage dieser Komödie vorbereiten. Damals aber waren die Deutschnationalen nicht belastet mit Verantwortung. Damals standen sie in der Opposition. Heute sind sie Regierungspartei, und haben die volle Berantwortung für die wichtigste außenpolitische Aktion der Reichs regierung übernommen. Heute haben sie eine Politik der 3weideutigkeit nicht nur mit ihren Wählern abzumachen wenn die Deffentlichkeit, nicht nur in Deutschland, erkennt, daß bei ihnen ein Wort kein Wort ist, so gefährden sie die Attion einer Regierung, der sie selbst angehören, so fördern sie die für Deutschland verderbliche Meinung, daß man internationalen Zusicherungen der deutschen Regierung nicht vertrauen fönne. Es muß darum volle Klarheit herrschen, wenn die Regierung Luther über die Fortführung des Sicherheitsgedanfens verhandelt: ist es der Regierung in ihrer Gesamtheit ernst mit dem Willen zum Zustandekommen des Sicher heitspatts? Ist die deutschnationale Parteiführung gewillt, zu ihrer öffentlichen Uebernahme der Berantwortung zu stehen auch gegen eine angedrohte Parteirevolte? Will fie die Konsequenzen aus dem 29. August 1924 ziehen? Mit einem Wort: Ist die Regierung Luther auch nicht betrogen von der deutschnationalen Parteiführung oder sind nur die deutschnationalen Wähler und Organisationen betrogen? Die Versicherungen von Westarp und Schiele. Die Entschließung eines deutschnationalen Landesver bandes, die das ,, Deutsche Tageblatt" mitteilt, lautet: " Der Erweiterte Borstand des Landesverbandes hat in feiner die allgemeine politische Lage, insbesondere die Sicherheits Sizung am 6. August 1925, in der alle Kreisvereine vertreten waren, frage, einer eingehenden Erörterung unterzogen. Der Borstand ist gewillt, den bestimmten Versiche rungen des Herrn Parteiführers Dr. Windler, des Herrn Innenminifters Schiele und des Herrn Fraktionsvorfihenden Graf Weftarp in der letzten Parteivorstandssihung vom 27. Juni 1925 zu vertrauen, wonach ein Sicherheitspatt, in dem auf deutsches Land und deutsches Bolf freiwillig Verzicht geleiftet wird, mit den Stimmen deutschnationaler Minister und Abgeordneter nicht zum Abschluß tommt. Der Vorstand sieht deshalb in den Erklärungen des Herrn Fratfionsvorsitzenden Graf Westarp im Reichstag, wonach bei der deutsch nationalen Frattion der ernstliche Wille zur Mitarbeit am Zustande tommen des Sicherheitspafts vorhanden ist, wenn dieser ganz Vaterländische" Festspiele. Eine unliterarische Betrachtung, angestellt im Freistaat Bayern. Die vaterländischen Festspiele vermehren sich in Bayern in dem felben Maße, als die Zahl der militärischen Vereinigungen zunimmt. Jedesmal mit der Erzeugung einer neuen Ortsgruppe steht auch ein bis dato unbekannter nationaler Dichter auf. Das ist keineswegs feltsam. Denn jede Ortsgruppe feiert Jubiläen. Jubiläen aber find dazu da, daß sie angedichtet werden. Sachlundige Schäzung gibt den Reichtum Bayerns an patriotischen Stücken der Nachkriegszeit mit zwölfhundert an. Ich glaube aber, daß es mehr sind. Gleichviel: auch zwölfhundert ist eine schöne Zahl. Alle diese Stücke tennenzulernen, war selbst in Bayern nur dem Kronprinzen Ruprecht und dem Berichterstatter der Bayerischen Staatszeitung" vergönnt. ,, Echtes Dichtertum", glühendste Baterlandsliebe“ und„ mannhaftefte Gesinnung", wie wir fie gerade jeßt so notwendig brauchen", hat die vaterländische Presse allen diesen Festspielen nach gerühmt. Nie hat sie unterlassen, Autor und Mitwirkende als bedeutende Künstler zu feiern und zu behaupten, daß die Wirkungen der Aufführung den Wiederaufstieg der Nation erheblich beschleunigen Die letztere Behauptung hat mir feine Ruhe gelaffen, und so habe ich denn rund ein halb Dugend Vorstellungen mitangesehen und ein halb Dugend Terte eingehend durchstudiert. Ich muß gestehen, daß es schließlich zwei Stücke auch getan hätten. Denn alle in Bayern gespielten vaterländischen Festspiele laffen sich bequem in zwei Klaffen würden. einteilen. Diese unterscheiden sich voneinander allerdings ganz bedeutend in ihrem Schlußeffekt. Meist tennt man den Ausgang gleich in der ersten Szene daran, daß in dem einen Fall ein Anhänger des Hauses Wittelsbach, in dem anderen Fall aber ein Anhänger des Hauses Botan die Hauptrolle spielt. Dementsprechend ist auch die Weltanschauung des Autors und seiner Kraftgestalten entweder eigenstaat lich- katholisch oder pangermanisch- heidnisch. Gleich ist in allen Fällen der dramatische Aufbau. Er stellt eine gut gelungene Kreuzung von Karl Mayscher Erfindungsgabe und Marlittscher Gemütshygiene bar. Dem anfänglichen Triumph des Schlechten( Sozialistischen, Pazifistischen, Welschen, Semitischen) folgt stets am Schluß der gottgewollte Sieg des Guten ( Nationalen, Militärischen, Katholischen, Antisemitischen). Bedeutende dichterische Einfälle sind bei solchem dramatischen Gerüst naturgemäß nicht selten. In einem Stüd betete Siegfried zu Christus. In einer anderen Aufführung verschenfte ein völfischer Abliger an Kriegsinvaliden nicht nur den Grundbesiz seiner Eltern, sondern auch den feiner Berwandten, ohne diese vorher zu fragen. Nichts ist selbstverständlicher, als daß die Besizer später( auf der Bühne) ihre Enteignung freudig begrüßten Bei einem dritten Stück glaubte ich es zunächst mit einer Parodie auf Wagnersche Opernterte zu tun zu haben. In jedem zweiten Bers faman Worte wie„ urtümlich" ,,, truggespinstig", urdrängend" und ,, unentbunden" vor. Schließlich wurde garder Treueid, den die Mit großer Besorgnis hat aber der Vorstand des Landes. verbandes die Agitation wahrgenommen, die die gesamte inte schon aus dieser Haltung der Deutschnationalen gezogen hat, und die im Reichstag der Sozialdemokrat Breitscheid ohne Widerspruch dahin fennzeichnete, daß mit dieser Note und den Ertlärungen des Grafen Westarp der tüdhaltlose Berzicht auf ElsaßCothringen mit Zustimmung der Deutschnationalen ausgesprochen sei. Der Vorstand des Landesverbandes hat auch um beswillen wegen der eingeschlagenen Tattit große Besorgnis, weil es ja nicht von den deutschnationalen Mitgliedern des Rabinetts allein abhängt, ob der Sicherheitspaft unter Berzicht auf Elsaß- Lothringen zustande fommt oder nicht. Fraglos besteht bei dem Urheber des Angebots, Herrn Außenminister Stresemann, der feste wille, deuffches Bolt und Land gegen ein Phantom von Sicherheitspatt zu verkaufen. Bei Fortführung der Verhandlungen auf bisheriger Bei Fortführung der Verhandlungen auf bisheriger Grundlage mit den Deutschnationalen und Bereitwilligkeit der Entente, einen solchen Batt abzuschließen, tann man fich taum vorstellen, wie die Deutsch nationalen zum Schluß das Bustandekommen sollten verhindern fönnen, wenn es sich dann nur noch um die eine oder andere Bedingung, und nicht nur um die grundsätzliche Frage der Preisgabe deutschen Landes und deutschen Boltes, handelt. Das Odium, das sich die Partei dann bei geschickter Fragestellung auflädt, wird viel größer sein, als wenn sie von vornherein die grundsätzliche Frage des Berzichts ver. neint hätte. Es ist auch nicht schwer, vorauszusagen, daß mit solcher Entmidlung der Reim des Zwiespalts in die Frattion und Partei gelegt wäre, denn sicherlich wird es deutschnationale Abgeordnete und Bertreter dann geben, die im Hinblick auf in Aussicht gestellte Milderungen des Versailler Vertrags, und anderseits angedrohte Berschärfungen, von zwei llebeln bas 2othringen, wenn auch schweren Herzens, mitmachen. fleinere wählen und den Verzicht auf Elsaß • bie Stimmung im Lande, die Parteiinstanzen in feinem Augenblick Der Vorstand des Landesverbandes möchte aber, geftüßt auf barüber im unflaren lassen, daß für den Landesverband Inhalt ist ja ein Sicherheitspatt mit Frankreich gar nicht denkbar ein fretwilliger Berzicht auf Elsaß- Lothringen und mit anderem daß sich nach Auffassung des Landesverbandes..... alle Teile der aus grundsäßlichen Erwägungen unmöglich ist, und Bartei, die etwa später anderer Ansicht werden sollten, ohne weiteres außerhalb des Rahmens und im Widerspruch mit den Grundsätzen der DNBP. setzen und daraus die notwendige Folgerung Verschweigen der Gegenfäße und eine nochmalige Ueberbrückung des Austritts aus der Partei ziehen müssen. Ein würde dann von uns nicht mitgemacht werden." Der Austritt Dr. Wirths. Lebhafte Besprechung in allen Lagern. Der Austritt Dr. Births aus der Zentrumsfraktion ist fast allen politischen Kreisen überraschend gekommen. Wenn selbstverständlich auch die scharfen Gegensäge innerhalb der Zentrumsfraktion allgemein bekannt gewesen sind, so Schritt diese Gegensätze nach außen hin in so ungewöhnlicher konnte man doch nicht erwarten, daß so bald ein so auffälliger Form dokumentieren würde. Der Schritt Dr. Wirths ist haupt fächlich durch das Verhalten der Zentrumsfrattion in der entscheidenden Reichstagssigung bei der dritten Lesung der Zollvorlage veranlaßt worden, wo das Zentrum trotz seiner nach außen hin reservierten Haltung gegenüber der Regierung Dr. Luther die Vergewaltigung der Minderheit durch Annahme des Geschäftsordningsantrages der ReBirth seinen Austritt aus der Reichstagsfraktion ankündigt, gierungsparteien ermöglichte. Das Schreiben, mit dem Dr. liegt, wie man jetzt erfährt, schon seit einigen Tagen vor. Der Parteivorstand hat eine sofortige Beröffentlichung bisher verParteivorsband hat eine sofortige Beröffentlichung bisher verhindert, um einer Vermittlungsaftion Raum zu geben, die Flotte ihrem Bolte gebrochen hat", vorgeführt und von jüdischen Händlern versteigert! Stürmischer Beifall des Publitums. Biologisch gehen die vaterländischen Festspiele in Bayern auf 3wei Menschenflaffen zurück: auf den dichterisch hochbegabten Stand monarchistischer Provinzredakteure und den ansehnlichen, philologisch durchtrainierten Stamm pensionierter arischer Gymnasialprofefforen. Die Festspiele der ersten Kategorie sind meist weißblau, die der letzteren meist schwarzweißrot gestrichen. Ohne Uebertreibung tann gesagt werden, daß da und dort in der Provinz die Pensionie rung von Gymnasialprofessoren geradezu das Signal zu wahrhaft vulkanischen Ausbrüchen dichterischer Leidenschaft gibt. Nicht immer aber ist es ein allzu starkes Selbstvertrauen, das harmlose Verleger- Redakteure und patriotische Philologen zu nationalen Dichtern reifen läßt. Mitunter tommt es auch vor, daß einer durch die feltsam hohe Meinung seiner Mitbürger sich plöglich in eine Dichterrolle gedrängt sieht, der er sich selbst faum gewachsen fühlt. So muß es wohl vor ungefähr einem halben Jahr einem Münchener Lehrer gegangen sein, dessen Festspielmanuskript ich in einer Segerei liegen fah: über und über bebedt und beflebt mit Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitten, deren vaterländische Reime der Autor mit nicht gringerem Feingefühl feiner eigenen Dichtung geschicht einzuverleiben verstand. Daß er dabei die Quellenangabe vergaß, hat ihm wohl niemand übel genommen. meines Heimatlandes sehr tolerant geworden. So tolerant, wie ich Seit solchen Einblicken bin ich gegen die vaterländischen Festspiele mich schließlich schon von jeher gegenüber der medizinischen Wissen schaft der Kirgifen und der politischen Anschauungswelt junger Werwölfe verhalten habe. Nicht immer ist es eben ein Denkprozeß, sondern die Geringschätzung der Dentfähigkeit der Mitbürger, die den Brobuften mensch lichen Betätigungsdranges auf dieser Welt freundliche Aufnahme und dankbare Anerkennung sichert. Rudolf Roeßler. Marseille. Marseille, 22. Auguft. Marseille: der Name flingt wie Sonnenjubel Sonne im Winter wie im Sommer! Draußen, wenn man in der Trambahn die Corniche entlang fährt, strahlt blauer Himmel über einem, lacht blauestes Meer vor einem: man vergißt den dicken, weißgrauen Staub unter den Füßen und läßt so viel Helle, so viel leuchtende Farbe in sich einströmen. Die fahlen Berge, die den Hafen von Marseille gegen gefährliche Winde schüßen, sehen aus, als ob fie vor Millionen Jahren von ewiger Sonne ausgebrannt seien: graublau, wie fteingewordene Elefanten. Ausgetrocknet, ausgesaugt von unerfättlichem Himmels. feuer, sieht auch das trozige, weißgelbliche Felsengewirr aus, an dem man vorbeifährt, ehe der aus dem Norden dem Meer zufauchende Bug in den Bahnhof einfährt, der tot oben liegt, im Sonnen brand... In den Straßen und auf den Boulevards der Stadt aber ist ein Gewimmel und Farbengetobe, das durch seinen Rhythmus und in der Harmonie an den Drient erinnert. Noch ist das Handwerk in Marseille nicht von den Straßen, nicht von den öffentlichen Plägen verbannt! Hufschmiede, Küfer, Schuhmacher arbeiten unter freiem | Allgemein wird versichert, daß Wirth nicht die Absicht habe, innerhalb der Zentrums partei sich abseits zu stellen, und daß sein Schreiben erst als der Anfang intensiver Auseinandersehungen zu betrachten sei. Wirth hat sich am Montag von Marienbad, wo er wegen seines Herzleidens zur Kur weilte, nach Stuttgart begeben. Am schärf sten werden die Auseinandersetzungen wahrscheinlich in Wirths engerer Heimat sein, wo er im badischen Zentrum einen starten Einfluß ausübt. Dort steht ihm der offizielle Führer der Zentrums- Reichstagsfraktion, Konrad Fehrenbach, gegen über, dem im Zentrum vorgeworfen wird, daß er sich bei der Verabschiedung der Steuer- und Zollgesetze von Luther glatt habe ein wideln lassen. Jedenfalls deuten alle Anzeichen darauf hin, daß die Auseinandersetzungen in den Zentrumsfreifen in den nächsten Wochen und Monaten um fo lebhafter werden, als sowohl die Reichstagspolitik, mie auch die Verhältnisse in Preußen das Zentrum vor die Notwendigkeit stellen werden, sich wenigstens für absehbare Zeit nach der einen oder der anderen Richtung hin zu entscheiden. Births eingehend. Während die Rechtspresse so tut, als ob Die gesamte Berliner Presse tommentiert das Vorgehen sie an eine besondere Wirkung dieses Schrittes nicht glaube und als ob die Entwicklung des Zentrums durch die Ereignisse der letzten Monate in ihrem Sinne gesichert sei, ist die demofratische Presse durchaus der Ueberzeugung, daß die übergroße Mehrheit der Zentrumswähler mit der augenblicklichen Politit der Reichstagsfraktion des Zentrums nicht zufrieden sei. Die Fürsorgeunterstützung der Sozialrentner Verhandlungen zwecks Kostentragung der Gleichstellung mit den Kleinrentnern. Die von der Sozialdemokratie geforderte Gleichstellung der Sozialrentner mit den Kleinrentnern, zn deren Gunsten bekanntlich in das Aufwertungsgesetz die Bestimmung fam, wonach von den Einnahmen aus aufgewerteten Kapitalien ein Betrag bis zu 22,50 M. im Monat bei der Für= tros des Protestes des Reichsrats verwirklicht zu werden. sorgeunterstützung nicht angerechnet werden darf, scheint nun Obwohl der Reichstag auf Grund eines fozialdemokratischen Antrages in seiner Schlußigung den Einspruch des Reichsrates mit 271 gegen 77 Stimmen zurückgewiefen hatte, wurde kurz danach im Reichsrat erklärt, die Länder feien zu ihrem Bedauern aus Mangel an Mitteln die Frage abermals angeschnitten; dabei hat der Vertreter Preußens nicht imstande, den Reichstagsbeschluß durchzuführen. Wie wir hören, sind zur Beilegung des Streites jetzt zwischen ben beteiligten Ressorts Berhandlungen im Gange, die Mittel und Wege ausfindig machen sollen, um die durch die Gleichstellung verursachte Belastung den Gemeinden abzunehmen. Bisher hatte das Reich feinen Fingerzeig gegeben, wie die Gemeinden entlastet werden sollen. Es besteht begründete Hoffnung, daß die Verhandlungen zu einem pofitiven Resultat führen und die Gleichstellung der Sozialrentner mit den Kleinrentnern sicherstellen. Elsaß- Lothringen. Bon Antonomie nach wie vor keine Spur. Paris, 24. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Im Laufe der legten Tage hat in Paris der Ministerpräsident mit elias- lothringischen Barlamentariern verhandelt; es ergaben sich über die Bildung des neuen Beratenden Aussouffes für Elfaßder Wahl der parlamentarischen Delegierten für diesen Beratenden Lothringen Meinungsverschiedenheiten insofern, als die efiaßLothringischen Parlamentarier für sich das ausschließliche Recht Ausschuß in Anspruch nahmen. Der Ministerpräsident hat insoweit ein Bugeständnis gemacht, als er ihnen das alleinige Recht der ab Ibarkeit in diesen Ausschuß zugestanden hat. Himmel. Niemand findet es wunderlich, daß auf der Avenue Gam betta, die man passiert, wenn man vom Bahnhof herunter gegen den alten Hafen bummelt, unter einer der herrlichen schattenspendenden Platanen, von denen es tausende in Marseille gibt, ein ehrbarer Schneider die Hosen des Nachbarn flickt. Niemand findet es überraschend, daß der fleine Kabyle mit dem roten Fez und der vers welften Haut am hellen Mittag, mit einem Sad voll Knochen auf dem Budel, fich vor eins der vornehmsten Cafés auf der Cannebière fezt und seinen„ Cock" trintt!... Die Sonne gleicht Gegensäge aus, und im Schatten finden sich alle Klassen. Die Cannebière: Der Stolz Marseilles! In ganz Frankreich fagt man: ,, Il est de la Cannebière", nicht: ,, Il est de Marseille". Troßdem ist's im Grunde nur ein breiter Boulevard mit vielen Hotels, wie man sie in allen Großstädten findet, und vielen Ge= schäften, die denen aller anderen Orte gleichen. Aber auf der Cannebière treffen sich alltäglich, allnächtlich die Raffen der ganzen Welt! Bor den Cafés der Cannebière werden weltpolitische Bläne und Mordtaten mit der gleichen Heiterfeit ausgeflügelt. Daneben steht die Marseiller Polizei, die weiße Tropenhelme trägt. Aber was die Cannebiére wirklich eigenartig macht, ist, daß sie in den alten Hafen mündet. Da liegen zwei Welten beieinander. Hier berühren sich Bergangenheit und Gegenwart, Meer und Land, Schiff, Trambahn und Auto in lebenaufbrausender Einheit. Zivilisation und mitten in Marseille liegende Hafen. Die Phäaten, An die hundert Hektar umfaßt dieser am Rande der europäischen von denen es heißt, daß fie die erste Niederlassung begründeten, die Phönizier, die nach ihnen tamen, die Römer Pompejus und Julius Cäsar, der ein halbes Jahrhundert vor Chriftus die Stadt, die sich auf die Seite des Pompejus gestellt hatte, zur Strafe im Sturm nahm, fie fannten ihn schon, diesen Hafen ebenso alle die, die später famen, die Mauren, die Sarazenen und die Nordischen. Sie schäßten seine mindstille Lage, seine tiefen Wasser und seine Erde. Heute, im Jahre 1925, sind noch die Spuren der jahrtausendalten Geschichte dieser vielumworbenen Stadt zu sehen: nicht nur im Gemäuer der alten Schlupfwinkelgaffen, auch auf den Gefichtern der Menschen. Die Sonne härtet die Falten. Allen Stürmen, allen Angriffen hat Marseille getroßt In Sonne und Arbeit hat es immer wieder Auferstehungen gefeiert. Das mag Symbol fein für den zweiten Weltkongreß, den die in Hamburg nach den Zusammenbrüchen des Krieges neuaufgebaute fozialistische Internationale hier abhält. Marseille nach Hamburg! Sonnenstreben nach organisatorischer Arbeit! Französischer Enthusiasmus und deutsche Bähigkeit! Die Internationale fonnte feinen besseren Ort für ihren diesjährigen Rongreß wählen. Der fichechi che Maler Hynois ift in Prag im Alter von 71 Jahren akademie und war ein Schüler Feuerbachs. Einen bedeutenden Einfluß geftorben. Als gebürtiger Wiener besuchte er die dortige Maler auf sein Birken nahm fein Bariser Aufenthalt. Die fünstlerische Aus schmüdung des Prager Nationaltheaters, zum Teil auch der Wiener Hok oper ist sein Wert. Hynois war Professor der Prager Kunstakademie. Die Ausflellung von Gemälden alfer Meister in der Akademie am franzöfifchen und spanischen Schulen des 15. bis 18. Jahrhunderts ber Barifer Blah, in der die deutschen, niederländischen, italienischen, englischen, treten find, lann nur noch bis zum Ende dieses Monats geöffnet bleiben. F Internationale Krieöenssicherung. Marseiller Kongretzrede Hillquitts- Amerika. ZNarsellle, 24. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Jnter- nationale Sozialistentongreß führte am Montag in kurzer Vor- mittagssitzung die Plenarberatung über die Sicherung des Friedens zu Ende, ch i l l q u i t t- Amerika hielt ein Referat, das sich mit dem Verhältnis der amerikanischen Arbeiter zu den asiatischen und europäischen Problemen beschäftigt, ohne aber auf die Ursachen der bisherigen Schwierigkeiten einzugehen und politische Konsequenzen vom amerikanischen Standpunkt aus zu ziehen, chillquitt stellte fest, daß die Konsolidierung des Friedens ohne Mithilfe Amerikas nicht zu erzielen sei. Die amerikanische Arbeiterschaft wird nach seiner Erklärung die Arbeiter aller Länder in ihrem Streben nach Sicherheit unter st ützem Soweit eine Lösung des Sicherheit?- Problems zwischen den europäischen Regierungen in Frage kommt, schloß sich Hillquitt den Auffassungen der deutschen, französischen und englischen Delegationen an. Auch er betrachtet es als eine Aufgabe der internationalen Arbeiterbewegung, die bestehenden(Be- fahren durch Propaganda und Unterstützung aller Bestrebungen, die die schiedsgerichtliche Beilegung aller Konflikte zum Ziele haben, zu fördern. An Stelle des Kopitalismus müsse wirtschaftliche Zusammenarbeit und internationale Solidarität treten. Anschließend traten die Kommissionen zusammen. Die Kom- Mission zur tkrörsernng de» Washingkoner Abkommens hat ihre Arbeiten bereit» beendet und das Ergebnis in einer längeren Entschließung niedergelegt. Sie fordert für alle Staaten, die den Inhalt des Washingtoner Abkommens nicht ausführen, K o n t r o l l- o r g a n e. Außerdem wird die grundsätzliche Festsetzung des Acht- stundentages auch für Seeleute und Landarbeiter ver- langt. Die parlamentarischen Vertretungen der sozialistischen Par- teien werden verpflichtet, bei jeder Gelegenheit und auf jede mögliche Weise in ihren Parlamenten für die R a t i f i t a t i o n des Abkommens einzutreten. Ueberstunden sollen grundsätzlich abgelehnt werden. Schließlich erinnert die Entschließung daran, daß jeder Staat, der den Versailler Vertrag unterschrieben hat, verpflichtet ist, den Achtstundentag durch Gesetz zu verwirklichen. Die internationale ßrauenkonferenz. Heber die dem Kongreß vorausgegangene internationale sozio- listisch« Frauenkonferenz haben bereits zwei von uns veröffentlichte Telegramme kurz berichtet: Dem uns jetzt vorliegenden ausführ» lichen Bericht entnehmen wir zur Ergänzung noch das folgende: Auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz waren 14 Länder durch 46 Delegierte oertreten. Die Exekutive hatte zur Begrüßung die Genossen Hermann Müller, Hillquit, Bracke, Cramp und Wielbaut entsandt. Hermann Müller gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß auch die männlichen Genosien sich bewußt seien, wie unerläßlich für die sozialistiche Bewegung die Erfassung der Frauen durch den sozialistischen Geist sei. Nur im engsten Zusammenwirken der Frauen mit den Männern könne das sozialistische Endziel verwirklicht werden. Auch die anderen Vertreter der Exekutive setzten sich für die volleGleichberechtigungder Frauen ein und wünschten den Arbeiten der Konserenz im Interesse der gesamten Bewegung besten Erfolg. In knopppen Worten schilderte Adelheid Popp-Wien die Arbeit der Korrespondentinnen in den vergangenen zwei Jahren, die zu einer besseren Verständigung und zur Förderung der Frauenbewegung innerhalb der sozialistischen Parteien der ver- schiedenen Länder geführt hat. Es folgt die Konstituierung des Bureaus, in dem die deutsche Partei durch Marie Juchacz als Vorsitzende und Math i l d e Wurm als Schriftführerin oertreten ist. Zunächst übernimmt Genossin Philips- England das Präsidium. Sie schlägt vor, zuerst eine von der englischen Delegation vorgelegte Entschließung über die Frage des Krieges und der internationalen Verteilung der Nahrungsmittel zur Debatte zu stellen. Ein Teil der Delegierten war der Auffasiung, daß die Frage des Krieges die Gesamt- bewegung betreffe und darum nur vom Kongreß behandelt werden dürfe. Andere machten dagegen geltend, daß gerade die Kriegs- frage wesentlich für die Frauen sei. Schließlich einigte man sich auf lleberweisung der englischen Resolution an eine Kommission, in die für Deutschland die Genossin Bohm-Schuch entsandt wurde. Ein Hauptgegenstand der Verhandlung war die von einer vor- bereitenden Kommission vorgelegte Entschließung über die Methoden der Organisation der sozialistischen grauen. Genossin Juchacz hob in ihrer Begründung hervor, die Gleich- stellung'der Geschlechter erfordere nicht nur die Gewährung des gleichen Wahlrechts an die Frauen, sondern auch ihre Gleichstellung im bürgerlichen Recht, im Eherecht und in der Möglich- keit für die Frauen, auch nach der Heirat selbst ihre nationalen Zugehörigkeit zu wählen. Die Gleichberechtigung schließt ferner die Foiderung nach Gleichstellung der ehelichen init den unehe- lichen Kindern ein. Wir müssen in allen Staaten das Recht der Frau auf Berufsarbeit und besonderen Schutz der Mutter und des Kindes verlangen. Dem theoretischen Bekenntnis zur Gleichberechtigung ist dadurch p lisch Ausdruck zu geben, daß die Internationale sich mit der Bild,.. lg eines internationalen Frauenkomitees cinverstanoen erklärt. In der Entschließung wird das Internationale Sekretariat u. a. ersucht, die Vcrwaltungsarbeit für die internationale Frauenbewegung zu organisieren. Damit ist zum Ausdruck gebracht, daß die Antragsteller eine Sonderorganisattzon für die sozialistischen Frauen nicht erstreben. als Aerztin, die das Elend der arbeitenden verheirateten Frau kennt, die Frau noch schwerer zur Erkenntnis ihrer Klassenlage gelangt als der Mann. Die Erklärung dafür ist im wesentlichen, daß die Frau durch ihre Aufgabe im Haushalt den Klasienkampf in ihrer eigenen Arbeit nicht so spürt wie der Mann. Eine polnische Genossin forderte auf Grund ihrer Erfahrung als Aerztin, die das Elend der arbeitenden verheirateten Frau kennt. besonderen Schutz für Mutter und Kind. Da sie sich für den Sozial- lohn einsetzte, trat ihr die Genossin Wurm, wie schon gemeldet, ent- schieden entgegen. Sie schlug im Namen der deutschen Delegation vor, daß dos einzusetznde internationale Frauenkomitee beauftragt werde, die Frauenkonferenz nicht nur alle zwei Jahre zusammen- zuberufen. Die Frauenkonferenz müsse, wie beispielsweise im Falke von Kriegsgefahr, häufiger zusammentreten, im übrigen jeweils zu gleicher Zeit mit dem internationalen Kongreß. Erst die geistige Um- stellung der Frau könne den Erfolg der sozialistischen Arbeit gewähr» leisten. Ein kleines Zwischenspiel gab e« noch, als die belgische Ge- nossin wegen ihrer Haltung zur Frage des Frauenwahlrechts ange» griffen wurde. Genossin S p a a k- Belgien erklärte die Situation im belgischen Parlamem und wies darauf hin, daß der Frauenwahl- rechtsvorschlag der Katholiken nur ein politische» M a- n ö o e r ist, um die Sozialisten aus der Regierung zu drängen. Nur um dieses politische Manöver zu durchkreuzen, haben die belgischen Genossen nicht für das Frauenwahlrecht gestimmt. Inzwischen beendete die Kommission zur Beratung der Resolution über die Kriegsfrage ihre Arbeit. Da die Genossin Philips-Enaland den französischen Genossinnen vorgeworfen hatte, daß sie keine eigene Aktion gegen den Marokkokrieg unternommen hätten, erwidert ihr Genossin Saumoneau, daß eine Notwendigkeit für eine solche gesonderte Frauenakticn gegen den Marokkokrieg nicht bestand, weil die Haltung der gesamten französischen sozialisttschen Partei einwandfrei ist. Es folgte die einstimmig« Annahme folgender Entschließung: Die Verwirklichung des Sozialismu» fordert die Erweckung der Masten, damit sie bei der Neugestaltung der Gesellschaft aktiv mit- arbeiten. Diese Masten werden sowohl von den Frauen wie von den Männern gebildet. Deswegen ist es von grundlegender Bedeutung, daß die sozialistischen Parteien aller Länder ihr Möglichstes tun, um die Organisierung der Frauen in der sozialistischen Arbeiter- bewegung zu unterstützen. Um dieses Ziel zu erreichen, soll jede sozialistische Partei die restlose Befreiung der Frau als eine der wichtigsten Aufgaben ihrer Politik betrachten. Die Be- freiung der Frau erfordert die volle politische Gleichberechtigung von Mann und Frau, insbesondere das gleiche aktive und passive Wahlrecht ohne Rücksicht aus Familienstand und Erwerbsbedürftig- kett, wie es die Männer verfassungsmäßig besitzen. Die sozialistischen Parteien verpflichten sich, die gesetzliche Gleich- stellung von Mann und Frau im Eherecht, in der Staatszugehörig- keit, bei der Verheiratung und die Gleichstellung der unehelichen Kinder mit den ehelichen nach den Grundsätzen eine» humanen Menschenrcchts zu fordern sowie für die volle wirtschaftlich« Gleich- berechtigung der Frau einzutreten. Die sozialistische Bewegung muß aus diesen Gründen die Dedürfniste der Frauen in ihrer Politik ebenso berücksichtigen wie die der Männer. Um das zu können, muß die sozialistische Bewegung in allen Ländern die Organisierung der Frauen fördern. So soll es möglich werden, die Lösung der sozialen Frauenprobleme selbst zu diskutieren und zu fördern. Die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft hat die Frauen in der gleichen sozialen und kulturellen Abhängigkeit gelassen, so daß ihre politische und wirtschaftliche Stellung schwächer ist als die des Mannes, trotzdem die Pflichten und Lasten der Mutterschaft eine besondere Fürsorge und einen besonderen Schutz für die Frau ersor- dern würden. Die sozialistische Bewegung muß deshalb alle Schutz- maßnahmen, welche die Arbeiter und besoirders die Arbeiterinnen notwendig haben, fordern, um das Wohlergehen der Mütter und Kinder zu sichern. Die Konferenz erklärt in Anbetracht besten, da das Interesse der großen Masse der Frauen in erster Linie ihrem Heim und ihren Kindern gilt, wird sie der Sozialismus zuerst dadurch er- fasten, daß sie itz ihm vor allem ein Mittel sehen, sie vor Krieg und Verelendung zu schuhen. Deshalb fordert die Konferenz alle sozialistischen Parteien auf, ihren Kampf gegen den Krieg zu verstärken, von welcher Seite er immer komnien mag, und die Mittel zu prüfen, durch die die Teuerung am erfolgreichsten bekämpft und die internationale Wirtschaftspolitik im Sinne einer sozialistischen Entwicklung geführt werden kann. Um eine Verständigung über die Ziele und Methoden unter den Genossinnen der verschiedenen Länder zu ermöglichen, soll ein intcr- nationales beratendes Frauen tomitee bestellt werden, das aus Vertreterinnen der Frauen gebildet wird und dessen Aufgabe die Unterstützung der Exekutive der sozialistischen Arbeiterinternationale und die Organisation von Konserenzen, die immer im Anschluß an die Kansecenz der Internationale stattfinden soll, ist. Dieses Komitee soll auf der gleichen Basis aufgebaut sein wie das Komitee der SAI. und soll jedes Iahrmindestens ein- m a l zusammenberufen werden. Die Verwaltungsarbeit der sozio- listischcn Frauenorganisationcn soll vom Internationalen Sekretariat der SAI. durchgeführt werden. Mit der Annahme dieser Entschließung waren die Arbelten der Konferenz beendet. Genossin Juchacz schloß die Tagung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Internationale. Paul frtelroü. Zu seinem 75. Geburtstag. In seiner stillen Gelehrtenstube in Steglitz feiert heute Genoste Paul Axelrod, einer der Gründer der russischen Sozialdemo- kratte und ihr anerkanntes geistiges Haupt, seinen 75. Geburtstag. Ein Leben unermüdlicher Arbeit, opferreichen Wirkens für die Arbeiterklasse liegt hinter ihm. Doch ebenso leidenschaftlich wie vor einem halben Jahrhundert, wo er sich als Jüngling in den rcvolu- tionären Kampf stürzte, nimmt er heute noch Anteil an der russischen Parteibewegung wie an dem Wirten der internationalen Sozial- demokratie. Eine große, einheitliche Linie zieht sich durch dieses Leben von dem Zettpunkte an, wo Axelrod aus der Hölle bitterster Armut, aus der Enge des Proletarierdaseins im rustisch-jüdischen Ghetto sich emporrang zur aktiven Teilnahme am revolutionären Befreiungs- kämpf, der in den 6l)er Iahren in Rußland einsetzte. Axelrod machte alle Phasen dieser Bewegung durch: zuerst Propagandist des Sozia- lismus im Sinne der damaligen„Volkstümler*, dann Anarcho-Kom- munist, Bakunist, schließlich, nach dem Zusammenbruch der damali- gen Bewegung und seiner Flucht ins Ausland, einer der Gründer der„Gruppe der Befreiung der Arbeit'(1883), der ersten russischen Organisation, die die geistigen Grundlagen für die russische sozial- demokratische Bewegung schuf und bahnbrechend für die Ideen des Marxismus in Rußland wirkte. War von den Mitgliedern dieser Gruppe P l e ch a n o w führend auf philosophischem, ökonomischem und soziologischem Gebiete, so galt Axelrod mit seiner tiefen Kenntnis der internationalen Arbeiterbewegung als Meist er der politische n Taktik und Orga- n i s a t i o n. Feind jeder Schablone, aufs tiesste verwurzelt mit der Praxi» der westeuropäischen Arbeiterbewegung, wandte er die Methoden des marxistischen Denkens, die er wie kaum ein anderer zu handhaben versteht, auf die komplizierten Fragen der russischen Entwicklung und der Arbeiterbewegung an. Seiner Gedankenschärfe, seiner Unbeugsamkeit, seiner konsequenten politischen Führung ist es vor allen Dingen zuzuschreiben, daß sich die sozialdemokratische Arbeiterbewegung in Rußland durch alle Fährniste und zeitweiligen Abirrungen hindurchfand und zu einem bedeutenden Faktor der soziaNstischen Internationale wurde. Die enge Verwurzelung Axelrods mit der proletarischen Masten- bewegung, deren Psyche er meisterhaft erfaßt, sein tiefes Verständnis für die Gesetze der sozialen und polittschen Entwicklung machten ihn schon frühzeitig zu einem begeisterten Anhänger der d e u t s ch e n sozialdemokratischen Bewegung, deren Formen und Inhalt er nach Rußland zu verpflanzen bestrebt war. Nicht im Sinne einer schablonenhaften Nachahmung, sondern im Sinne der Europäisierung der russischen Arbeiterbewegung, der Entwicklung der proletarischen Welttätigkeit, der Verknüpfung der Arbeiterbewegung mit den poki- tischen Bewegungen auch der anderen Gesellschaftsklasten. Diese Einstellung Axelrods, die eng verknüpft ist mit seiner grundlegenden Austastung vom demokratischen Sozialismus, brachte ihn schon früh in ein«n scharfen Gegensatz zum Bolschewi». mus, der sich, als Erb« des Bakunismus der 7<)er Jahr«, am Anfang des Jahrhundert» unter der Führung Lenins in der russischen Arbeiterbewegung bemerkbar machte. Prophetischen Blickes hat Axelrod schon damals die Entwicklung dieser Bewegung vorausgesagt und auf die Gefahren hingewiesen, die der russischen wie der inter- nationalen Arbeiterbewegung von einem Siege dieser Entartungs- erscheinung des Sozialismus drohten. Wie in dieser Frage, so auch in allen anderen ging Axelrod nie von den engbegrenzten Interessen der russischen Bewegung allein au». Für ihn ist dies« vielmehr nur ein Bestandteil der großen internationalen Bewegung des Proletariats, in der er mit Leib und Seele wurzelt. Wie er in der russischen Bewegung stets als Ex- ponent des„Europäertums' gegenüber der Rückständigkeit des asiatisch-tatarischen Sozialismus auftrat, so wirkt er auch in der Inter- nattonale fortgesetzt für einen engeren geistigen und organisatori- schen Zusammenschluß der einzelnen nationalen Bewegungen, für ein geschlosseneres Vorgehen, für«ine größere Aktivität auf allen Gebieten der internationalen Politik. Diese Eigenschaften Axelrods machen ihn besonders teuer für das russische wie für das internationale Proletariat. An seinem 75. Geburtstage begrüßen wir ihn nicht nur als einen der Gründer und Führer der russischen Sozialdemokratie, fondern als inter- nationalenSozialisten, der durch ein Leben rastloser Arbeit eiwiesen hat, daß es für ihn keine nationalen Grenzen innerhalb des Proletariats gibt. Grönung in Preußen. Minister Teverinz über die Pflichten der Kreisblätter. In zwei Kleinen Anfragen im Preußischen Landtag wurde um Auskunft über das Wesen der„Republikanischen Beschwerdestelle' ersucht, insbesondere, ob sie amtlichen oder privaten Charakter tragen, ferner, ob es mit der Freiheit der Presse zu vereinbaren sei, daß oppositionelle Aeußerungen„als gegen die„Hoheit und Sicher- heit der Republik gerichtet' von der Beschwerdestelle der Behörde angezeigt und von dieser daraufhin amtlich verfolgt werden. Im Zusammenhang hiermit wurde in beiden Anfragen die Verfügung des Landrats des Kreises Gummersbach vom 12. Mai d. Is. er- wähnt, in der der.Gummersbacher Zeitung' das weitere Führen der Bezeichnung„Amtliches Kreisblatt für den Kreis Gummersbach' verboten wurde, in der zweiten Anfrage wurde auf die durch das Innenministerium angeordnete Prüfung der Frage, ob eine der anderen im dortigen Kreise erscheinenden Zeitungen Strafanzeige wegen unlauteren Wettbewerbs zu erstatten beabsichtige, hingewiesen und die Ansicht ausgesprochen, daß sich dies nicht mit der Stellung des Ministeriums vertrage. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, führt der Preußische Minister des Innern in Beantwortung der ersten An- frage u. a. aus, daß die Republikanische Beschwerdestelle ein pri- vater eingetragener Verein ist. In der Antwort auf die weitere Anfrage wird gesagt, daß es der Beschwerdestelle wie jeder Privatperson oder jedem Verein unbenommen bleibt. Beschwer- den bei den zuständigen Behörden anzubringen, deren Nachprüfung nach den gleichen Gesichtspunkten, erfolge, die für die Prüfung der Eingaben anderer Beschwerdeführer maßgebend sind. Nach dem Bericht des Landrats in Gummersbach führt die .Gummersbacher Zettung' die Bezeichnung„Amtliche» Kreisblatt für den Kreis Gummersbach', obwohl diese Bezeichnung den Tat- fachen nicht enstpricht. Da die Klarstellung der tatsächlichen Lage im öffentlichen Interesse geboten ist. hat der Minister den Landrat angewiesen, der„Gummersbacher Zeitung' die Führung dieser Be- Zeichnung zu untersagen. Die angeordnete Prüfung der Frage, ob eine der anderen im Kreise Gummersbach erscheinenden Zeitungen Strafanzeige wegen unlauteren Wettbewerbs zu erstatten beab- sichtige, bezweckte keinerlei Einwirkung auf diese Zeitungen, war viel- mehr lediglich eine für die weiteren Maßnahmen des Ministers praktisch bedeutsame tatsächliche Feststellung. Wörtlich schließt der Minister des Innern sodann: „Im übrigen bemerke ich. daß ich es für meine Pflicht halte. Mnachsichtlich gegen diejenigen„Amtlichen Kreisblätter' vorzu- gehen, die, anstatt die Politik der Staatsregierung zu vertreten— was eine sachliche Kritik an einzelnen Re- gierungsmaßnahmen nicht ausschließt— die Staatsregie- rung in gehässiger und beleidigender Weise herabsetzen.'_ Günstiges Geschästsergebnis üer Reichsbahn Dem Reichstage ist der Bericht über die Betriebsverwaltung und Verkehrsleistungen der Reichsbahn in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni und über die Geschäftsergebnisse in der Zeit vom März bis Mal zugegangen. Aus der Uebersicht geht hervor, daß die Reichs- bahn in den Monaten März bis Mai an Einnahmen insgesamt 1 139 106 009 M. erzielte, denen Ausgaben von insgesamt 966674 000 Mark gegenüberstehen. Die Reichsbahttverwaltung bemerkt dazu: Obgleich der Eisenbahnbetrieb im Monat März 1925 nicht un- bedeutenden Störungen durch Teilstreiks und ungünstige Witterungeverhältnisse ausgesetzt war, sind die Ein- nahmen im allgemeinen nicht hinter den Ansätzen des Voranschlags zurückgeblieben. Im Personenverkehr haben die am 1. April und 1. Mai 1925 vorgenommenen Tariferhöhungen sowie der Orts- verkehr das Ergebnis günstig beeinflußt. Die aufgekommenen Er- trägniste haben ausgereicht, um die gegenüber dem Voranschläge ver- hältniemäßig stärker angefallenen Personalausgaben und die hier- nach entsprechend eingeschränkten sachlichen Ausgaben zu bestreiten. Auch konnten die notwendigen Aufwendungen für werbende An- lagen aus den Einnahmen gedeckt werden. Aus dem verbliebenen Reinüberschuß werden die planmäßigen Rückstellungen für die kommende Verzinsung der Reparationsschuldverschreibungen und die Ansammlung der gesetzllch vorgeschriebenen Ausgleichsrücklage vor» genommen. Die am 1. September 1925 fällige zweite Re- parationsrate mit 100 Millionen Goldmark ist bereits sichergestellt. Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen der Einnahmen kann damit gerechnet werden, daß die Gasamtwirtschast der Reichsbahn im Geschäftsjahr 1925 planmäßig verläuft. Immer- hin mahnt die allgemeine Wirtschaftslage und die damit zusammen- hängende Verkehrsentwicklung zu besonderer Vorsicht auf dem Ge- samtgebiete der Ausgaben. Dies gilt sowohl für Bauten und Be- schaffungen, wie für die Stellungnahme zu Lohn- und Gehalts- fragen. Die Eisenbahn arbeiter werden aus diesem offiziös zurechtgestutzten Kommunique mit Recht den Schluß ziehen, daß die Eisenbahn durchaus in der Lag« ist, die von ihnen gestellten Forderungen zu bewilligen. Das Wirtschaftsergebnis der Eisenbahn ist derart, daß trotz relativ ungünstiger Verhältnisse ein ganz erheblicher Ueberschuß erzielt werden konnte. Um so dringender muß der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß der Reichs- arbeitsminister bei seinen Bemühungen um die Herstellung eines Ausgleichs zwischen Reichsbahnverwallung und Eisen- bahnarbeitern sich nicht einseitig von dem Standpunkt der Reichsbahndirektion beeinflussen läßt, die chrerseits wieder ganz unter dem Einfluß der lediglich im Interesse der Privat» Wirtschaft orientierten Auffichtsratsmehrheit steht. Die Mörder de» anglo-ägyptlschen General« Stack sind in Kairo gehängt worden— jeder 40 Minuten nach dem anderen. (England scheint Bulgarien als Lehrmeister anzuerkennen.) Siner der Verurteilten, Dr. Mansur, mußt« gewaltsam zum Galgen geschleppt werden. Gewerkschaftsbewegung Die Löhne in Berlin. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund führt eine Statistit über die tariflich festgesetzten Zeitlöhne. Die Erhebungen erstrecken sich auf die Tariflöhne männlicher Vollarbeiter von 44 Berufen in 50 deutschen Städten. Die Ergebnisse werden vierteljährlich in der Gemertschafts- Zeitung" veröffentlicht. Die jüngste Uebersicht zeigt die Löhne, die am Ende des Monats Juni 1925 galten. Für Berlin ergaben sich Löhne von 56 Pf. die Stunde bis zu 1,40 Mark. Den niedrigsten Stundenlohn hatten die ungelernten Arbeiter der Metallindustrie aufzuweisen. Es handelt sich hier um Mindestlöhne, zu denen meist Affordausgleichs- und Qualitätszuschläge kommen. An zweitlegter Stelle stehen die unge lernten Eisenbahnarbeiter mit 58 Pf. Der nächstniedrigste Lohn, der für Ungelernte in der Papierherstellung galt, war 65 Pf. Den höchsten Stundenlohn hatten die Stuftateure mit 1,45 M. aufzuweisen. Im Baugewerbe, dessen Eigenschaft als Saison gewerbe bei der Lohnbemessung eine Rolle spielt, werden durch gehend die höchsten Löhne gezahlt. Den zweithöchsten Stundenlohn bezogen die Töpfer mit 1,40 m., die jedoch in Städten wie Bielefeld, Bremen, Crefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Solingen 1,50 M. Tariflohn hatten. In ziemlichem Abstand folgen die Steinmetzen und die Glaser mit 1,25 M. Die Maschinist en im Baugewerbe standen auf 1,20 m., während die Maler und die Maurer 1,15 M. Stundenlohn bezogen. Der Lohn der Maurer ging nur in Stuttgart mit 1,20 m. und in Hamburg mit 1,22 M. über den Berliner Lohnjay hinaus. Die Bauhilfsarbeiter hatten einen Lohnfaz von 90 Pf. aufzuweisen, der an anderen Orten 92 und 95 Pf. betrug, in Bielefeld 1 M. und in Hamburg 1,04 m. Die Erd- und Tiefbauarbeiter haben 72 Pf. Tarifftundenlohn. Für Klempner in Berlin war der Tarif 1,20 M. Außer den bereits genannten Gruppen fommt feine andere darüber hinaus. Die Böttcher befamen 1,10 m. Die ihnen folgende nächsthöhere Gruppe waren die Kupferschmiede mit 1,02 M. und die Tapezierer mit 1 M. Bis zu 96 Bf. hatten es die Buchdrucker und die Buchbinder gebracht, die Möbeltischler auf 95 Bf., ein Saz, der auch für Gärtner galt. Bäcker, Brauer und Maßschneider standen auf 90 f. In den Städtischen Werken betrug der Tarifftundenlohn für Handwerker und für die über 24 Jahre alten Arbeiter der Elektrizitätsmerte je 81 Bf. Die Maschinisten in der chemischen Industrie standen mit 86 Pf. den Loh- und Chromgerbern gleich. Die Speditionsarbeiter hatten 85 Bf., die gelernten Mühlenarbeiter, die Facharbeiter der Süßwarenindustrie und der Lederwarenindustrie 82 Pf. In der Kartonnagenbranche war der Tarif jazz für Facharbeiter 80 Pf. Bon Hilfsarbeitern außer dem Baugewerbe hatten die im Buchdruckgewerbe den höchsten Saz mit 84 Bf. aufzuweisen. Hinter ihnen rangieren die Handwerker bei der Reichsbahn mit 77 Bf., die mit den Handelsarbeitern gleich stehen. In Brauereibetrieben standen die Ungelernten auf 76 Bf., in den Mühlen auf 70 Bf., während die Facharbeiter in der Schuhindustrie sich mit 66 Pf. begnügen mußten, mit einem Pfennig mehr als die Ungelernten in der Bapierherstellung bezogen. Die Weber der Tertil industrie haben einen Affordgarantie- bzw. Durchschnittslohn von 73 Pf. Die Ungelernten in der Süßwarenindustrie standen mit 71 Pf. um 4 Bf. über dem Lohn der Gemeindearbeiter mit 67 Bf. " Der für Berlin sich ergebende Durchschnittsstunden John von 91 Pf. ist wesentlich beeinflußt durch die höheren Löhne von etwa 12 der 45 Berufsgruppen. Hamburg übertrifft diesen Durchschnitt um 3 Pf. Der Durchschnittslohn aus 25 Orten war 81 Pf. Aber auch dieser Durchschnittslohn steht über dem allgemeinen Niveau der Tariflöhne, da er aus den Spizenlöhnen und den meist für größere Städte genannten Lohnangaben errechnet wurde. An Realwert stehen die ganzen Löhne natürlich weit hinter den Lohnsägen der Vorkriegszeit zurück. Die Postgewerkschaft. Die Allgemeine Deutsche Postgewerkschaft, Bezirk Berlin, hielt am 23. August in Haverlands Festfälen einen außerordentlichen Bezirkgewerffchaftstag ab. Das Referat über die tom mende Einheitsorganisation aller im Postbetrieb Beschäftigten und den Zusammenschluß mit der Abteilung Post und Telegraphie im Deutschen Verkehrsbund hielt der Kollege Uhr. Derselbe berichtete auch über den Verbandstag des Deutschen Berkehrsbundes in München, wo die einstimmige Buftimmung zu dem Sagungsentwurf zwecks Vereinigung der beiden Organisationen erfolgte. Die Ausführungen des Referenten fanden bei den Delegierten volle Anerkennung. Der Ertraft des Referats ist in der folgenden, einstimmig angenommenen Entschließung niedergelegt: ,, Die auf dem außerordentlichen Bezirksgewerkschaftstag GroßBerlin versammelten Delegierten der ADP. begrüßen die Gründung der Einheitsorganisation in der Deutschen Reichspost. Angesichts der wirtschaftlichen wie rechtlichen Not aller Arbeit nehmer und Beamtengruppen der Reichsbetriebe kann nur die geschlossene Arbeitsfront aller im Post- und Telegraphenbetriebe Be schäftigten im Benehmen mit den anderen Arbeitnehmern wirkliche Abhilfe durch Aenderung des kapitalistischen Wirtschaftsrechts schaffen. Bir Versammelten verpflichten uns, durch den Zusammenschluß aller Kopf- und Handarbeiter die Klassenkampffront herstellen zu helfen. Von Groß- Berlin wurden folgende Kollegen als Delegierte zum Gewerkschaftstag gewählt: Sachert, Siebert, May Noad, Frl. Ried, Rörber, Neubauer, Paul Müller, Kestner, Jetschmann, Rau, Siegel, Baulmann, Otto Kurz, Pfarr und Gottschling. Lohnverhandlungen bei der Reichspost. Die Lohnverhandlungen zwischen der Reichspost und den Or ganisationen der Post- und Telegraphenarbeiter finden am 27. Auguft statt. Gegenüber den Löhnen der Privatindustrie und bei Berückfichtigung der immer weiter fieigenden Teuerung ist ein Plus von 12 Pf. pro Stunde das Mindeste, was die Organisationen fordern müssen. Burde es sich led guch um die eigentlichen Boſt arbeiter handeln, dann könnte auch eine höhere Forderung leicht bewilligt werden; denn die Reichspoft hat genügend Geid; bei ihr hat das erste Quartal des Rechnungsjahres( April- Juli) den Bor. Erschöpfte Nerven, ihre Kräftigung und Wiederauffrischung. Für alle Vorgänge und alles harmonische zu fammenarbeiten der Organe im menschlichen Körper sind die Nerven von der allergrößten Bedeutung. Arbeit wie Genuß, die doch beide das Menschenleben regieren und gestalten, verlangen Kraft und Leistung der Nerven, Frische des Geistes und des Körpers, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit, ein frohes Gemüt, jeibst ein guter Appe tit- das alles find Folge und Aeußerung wahr das alles find Folge und Aeußerung wahr haft gesunder Nerven. Ihre Gesundheit aber hängt eng zusammen mit der Ernährung des Körpers. Nervengesundheit ist legten Endes die Lösung eines Ernährungsgeheimnisses. anschlag eingebracht. Bei Telegraph und Funt ist das nicht der I Fall. Selbstverständlich muß aber die Lohnerhöhung für die Post wie für die Telegraphen und Funk arbeiter zugleich erfolgen. Auch bei der Lohnbewegung der Boft- und Telegraphenarbeiter foll allem Anschein nach das gleiche Berstedspiel getrieben werden mie bisher bei den Lohnbewegungen der Eisenbahner. Man will dem Arbeiter nichts geben, weil man angeblich dem, Beamten nichts geben kann, und die Aufbesserung hier, eine Besoldungserhöhung dort nach sich ziehen muß. Nun hat sich der Reichstag bis zum November vertagt, und die Luther- Regierung denkt natürlich nicht daran, über den Kopf des Reichstages hinweg den Beamten etwas zu geben. So etwas macht sie nur, wenn es sich um Millionen geschenke an die Ruhrindustriellen handelt. Gilt es, den unteren Becmten zu helfen, dann ist die Luther- Regierung pedantisch, genau und forrekt. Das beliebte Versteckspielen dürfte diesmal seinen 3wed verfehlen, denn die Arbeiter denken nicht daran, mit der Lohnaufbefferung bis zum Herbst zu warten. Engelhardt- Brauerei und Bauarbeiterstreik! Einen eigentümlichen Standpunkt nimmt die Engelhardt Brauerei zum Streit der Berliner Bauarbeiter ein. In der Abte ilung Stralau wurden bis zum Ausbruch des Streits größere Maurerarbeiten durch einen Unternehmer unter Aufsicht eines Poliers ausgeführt. Nachdem die Maurer in den Streit geArbeitseinstellung Maurer vom Arbeitsnachweis der treten waren, wurde versucht, durch Umgehung der sonst üblichen Brauereien zu verlangen. Diesen Arbeitern wurde ein Stundenlohn von 1,50 m. versprochen. Den betreffenden Maurern wurde nun von Arbeitern des Betriebes nach Feierabend beim Haustruntausgeben die Unwürdigkeit ihres Tuns flargelegt. Die Brauerei hat daraufhin einen ihrer Arbeiter fristlos entlassen. Der betreffende Arbeiter flagte wegen seiner unberechtigten Entlassung beim Gewerbegericht auf Bezahlung der Kündigungs frist. Beim Sühnetermin am Montag, den 24. August, wurde den Barteien anheim gegeben, fich zu einigen. Wird feine Einigung erzielt, muß ein Kammertermin anberaumt. Ein Teil der Maurer hat inzwischen die Arbeitsstelle bereits wieder verlassen, weil ihnen nicht der versprochene Lohn, sondern nur der Tariflohn der Braueretarbeiter mit 89 Pf. die Stunde gezahlt wurde. Reklame auf Kosten der Angestellten. Aus Angestelltenkreisen wird uns geschreiben: Eine Berliner Tageszeitung brachte vor einiger Zeit das Bild des Zigaretten fabrikanten Eugen Garbaty mit der Anmerkung: Der befannte Großindustrielle und Sportfreund ist auch der Stifter des Goldpokals für die internationale Radfernfahrt Zürich- Berlin." Wir haben an und für sich nichts dagegen einzuwenden, daß die Firma Garbaty durch die Spendung eines Goldpofals Reflame zuwenden, wenn der sogenannte Großindustrielle, Herr Eugen für ihre Zigaretten macht; wir hätten auch nichts dagegen einGarbaty, auf diese Weise nach gesellschaftlichen Aspirationen trachtet. Wir mehren uns aber dagegen, daß, wie in diesem Falle, die Firma soiche Retlame auf Rosten ihrer An gestellten betreibt. Zur selben Zeit, da sich Herr Eugen Garbaty als Sportfreund und Gönner bewundern ließ, wurden hälter um 15 bis 40 Pro 3. gekürzt, wobei man den Angesämtlichen Angestellten der Firma Garbaty die Ge stellten ihr Einverständnis abnötigte, unter Androhung der Ent Taifung. Berücksichtigt man, daß die Firma bei einem Bersonalbestand von annähernd 200 Angestellten durch diese Aktion den Angestellten einen Monatsbetrag von etwa 4000 bis 4500 art entzogen hat, dann erscheint der Stifter und Menschen. freund in einem anderen Licht. Würde man die bei der Firma Garbaty gezahlten Gehälter mit denen der Angestellten anderer Zigarettenfirmen, 3. B. in Dresden oder München, vergleichen, so würde sich so viel erübrigt, um sich noch öfter in dieser Weise als Sportfreund ergeben, daß Herr Garhaty allein durch seine Gehaltsersparungen so viel erübrigt, um sich noch öfter in dieser Weise als Sportfreund bewundern zu lassen. Jm Lohnffreit der Aachener Nabelindustrie hat der Schlichter zu Dienstag vormittag eine 3wangsverhandlung einberufen, da die Arbeitgeber den beiden bis jetzt angefeßten Schlich tungsverhandlungen ferngeblieben waren. Die Betriebe der Aachener Nadelindustrie ruhen jetzt schon nahezu sechs Wochen Verbandstag der Holzarbeiter. Stuttgart, 22. Auguft.( Eigener Bericht.) Der letzte Sigungstag des Verbandstages der Holzarbeiter brachte ein Referat des Jugendfekretärs des Verbandes über die gewertschaftliche Jugendarbeit. Timm gab einen Ueberblick über die Entwicklung der gewerkschaftlichen Jugendbewegung. Unter den alten Verhältnissen waren nur geringe Möglichkeiten, die Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren zu erfassen, da bis Kriegsende in den Tarijen des Verbandes die Löhne der Jugendlichen feine Regelung fanden. Bei Kriegsende waren erst 2675 Jugendliche im Verband organisiert. Die tarifliche Lohnregelung für die Jugendlichen vom 16. Lebensjahre ab nach dem Kriege brachte cin starkes Anschwellen der jugendlichen Mitglieder. Als 1919 beschlossen wurde, die Lehrlinge als ordentliche Mitglieder aufzunehmen, betrug die Zahl der Jugendlichen im Verband bereits 13 878, 1922 über 30 000, 1923 einschließlich der weiblichen 35 385. Dann fegte eine rückläufige Bewegung ein, so daß 1924 nur mehr 20 000 Jugendliche organisiert waren. Seitdem ist wieder ein zusammengefaßt in einem Jugendfekretariat, dem weit über 100 Juneuer Aufschwung zu verzeichnen. Die Jugendarbeit ist gendabteilungen angeschlosser find. Die vornehmste Aufgabe ist die wirtschaftliche Interessenvertretung. Diese ist besonders schwierig bei den Lehrlingen. Trog langwieriger Verhandlungen find bis heute feine tariflichen Vereinbarungen für Lehrlinge erreicht. Der Reichs tag soll sich noch in diesem Jahr mit einem Gesezentwurf beschäf tigen, der die berufliche Ausbildung der Jugendlichen regeit und auf Anregungen des ADGV. zurückgeht. Die Durchführung des Gesetzes wird den Gewerkschaften eine Reihe von wichtigen Funktionen übertragen. Wichtige wirtschaftliche Aufgaben der gewertschaftlichen Jugendarbeit liegen auf dem Gebiet der Rostgeldfrage, der Be. rufsberatung und der Ferienregelung. Gegenüber der ablehnenden Haltung der Innungen ist eine enge Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den Berufsberatungsämtern notwendig. Für die Jugendlichen von 14 bis 16 Jahren werden drei Wochen Ferien gefordert, für die von 16 bis 18 Jahren zwei Wochen, während jezt nur drei Tage gewährt werden. Diese Forderungen hat sich die ganze orgonisierte deutsche Jugend zu eigen gemacht. Neben der wirtschaftlichen Interessenvertretung der Lehrlinge ist besonderes Gewicht auf die berufliche Ausbildung zu legen. Darüber hinaus beanspruchen die Jugendherbergsbewegung und die Jugendwanderbewegung besondere Förderung durch die Gewerkschaften. Auch soll die Jugend mit der geistigen Kultur der Gewerkschaften befanntgemacht werden. Besonders schwierig sind die erzieherischen Aufgaben der Jugendbewegung. Ihre Bewältigung stellt besondere Anforderungen an die Jugendleiter. Er muß die innere Berbundenheit mit der Jugend haben, sie zur Mitarbeit heranziehen, ihrer Begeisterungsfähigkeit Inhalt geben, lie nicht nur verstehen, sondern auch leiten können. Dazu braucht er ein festes pädagogisches Fundament. sogenannten neutralen bürgerlichen und konfeffionellen Verbänden. Besonderes Augenmert verdient die starke Beteiligung an den Jungdeutschlandbund 150 000, der evangelische Verband für die weib. So zählt die Deutsche Turnerschaft 400 000 jugendliche Mitglieder, der liche Jugend 200 000, die evangelischen Jungmännerbünde 170 000, der Verband katholischer Jungmännervereine 300 000, die fatholischen Jungfrauenvereine 500 000 Mitglieder. Wir müssen diese Jugendlichen im Interesse unseres wirtschaftlichen Kampfes und unseres sozialistischen Zieles zu gewinnen suchen. Gegenüber den Bersuchen der Meister, die Lehrlinge aus dem Verband herauszuholen, waren die Bemühungen des Verbandes, fic zu erhalten, bisher stets von Erfolg getrönt, wenn auch einmal erst mit Hilfe gerichtlicher Entscheidung. Während die Meister gewohnt find, das Lehrlingswesen als ihre eigenste Domäne zu betrachten, fämpfen wir mit aller Entschiedenheit um das Prinzip: Anerkennung Starke Erregung unter den Eisenbahnern. der Gleichberechtigung von Meister und Geselle Arbeitgeber und Effen, 24. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Arbeitnehmer Der Deutsche Arbeitnehmer bei der Ausbildung des Nachwuchses. Dieses Eisenbahnerberband teilt mit: Im Industriegebiet Brinzip wird sich gegen alle Widerstände durchsetzen. hat die Ablehnung der von den Gewerkschaften der Eisenbahner geforderten allgemeinen Lohnerhöhung durch die Reichsbahnhauptverwaltung in Verbindung mit der Ablehnung einer Erhöhung der Beträge der unteren Besoldungsgruppen der Reichs bahnbeamten eine starte Erregung ausgelöst. In großen Bersammlungen der Ortsbereiche Dortmund, Effen, wanne, Bochum, Duisburg und Hamm wurde von den Gewert Versammlungen der Ortsbereiche Dortmund, Effen, Wanne, schaftsvorständen beschlossen, an der Forderung einer die Breisbildung ausgleichenden allgemeinen Erhöhung der Bezilge unbedingt festzuhalten. Die Gewerkschaftsfunktionäre hoffen, daß es ihnen trog der großen Erregung gelingen wird, den Ausbruch von Streifattionen vorläufig zu verhindern. In der Aussprache wies ein Kollege aus Ostpreußen auf die Gefahr der vaterländischen Verbände hin. Hier erzwingen die Meister unter Drohungen und 3wang den Beitritt der Lehrlinge zu diesen vaterländischen Verbänden. Während sie die Lehrlinge mit allen Mitteln dem Verband fernzuhalten suchen, haben sie merf nichts einzuwenden. würdigerweise gegen ihre Zugehörigkeit zur Kommunistischen Jugend Knoll vom ADGB. wies auf den starken Drang nach gewerffchaftlicher Mitarbeit hin, der auf der Hamburger Jugendtagung zum Ausdrud gekommen ist. Das Problem der Gewinnung der Jugend ist ein geistiges, die Jugend will Vorbilder, Führer mit Autorität. In einer vom Verbandstag einstimmig angenommenen EntRückgang der industriellen Frauenarbeit in Schweden. schließung des Referenten wird auf die Wichtigkeit der gewertschaftJAV. Nach dem Bericht des Handelsministeriums für 1928 bat lichen Jugendarbeit und die Notwendigkeit der Unterstützung ihrer jich die Zahl der Industriearbeiter von 326 221 im Jahre stehen, sollen die Veranstaltungen allgemeiner Art mit den am Bildungsbestrebungen hingewiesen. Wo örtliche Jugendkarteile be 1922 auf 358 083 im Jahre 1928 erhöht. Die Gesamtzahl Kartell beteiligten Gewerkschaften getroffen werden. Von den gesetzder 1923 beschäftigten Frauen betrug 66 903; babon waren 56 975 Erwachsene und 9928 unter 21 Jahren. Gegenüber dem Gesetzes über die berufliche Ausbildung Jugendlicher unter Berüc gebenden Körperschaften wird die beschleunigte Verabschiedung des Vorjahre hat die Zahl der erwachsenen frauen im Berichtigung der von den Gewerkschaften aufgestellten Forderungen hältnis zur Zahl der Männer einen leichten Rüdgang aufzuweisen. In der Textil- und Bekleidungsindustrie find 72,8 Proz. der Gesamtzahl der beschäftigten Personen Frauen, in den Schokolade und Konfitürenfabriken 83,2 Proz., in den Tabakfabriken 80,6 Proz. und in den Karton- und anderen Papierfabriken 78,1 Proz. Erfolgreiche Verhandlungen im belgischen Streit. verlangt. Deutscher Baugewerksbund. Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe ber Buker. Morgen, Mittwoch, vormittag, 10 Uhr, Residenafestfäle, Landsberger Straße 31, Mitgliederversammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Rontrollstempel erhalten die Rollegen in der Bersammlung. Die Fachgruppenleitung. Berantwortlich für Bolitik: Erüft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ektorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag B. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet und Gonftiges: Fris Karstadt: Anzeigen Th. Glode: fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68. Sindenstraße 3. Siera 1 Beilage und Unterhaltung und Wien". Warum quälen sie sich länger? Brüffel, 24. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die offiziellen Berhandlungen des sozialistischen Arbeitsministers zur Lösung des Konfliktes in der Metallindustrie stehen unmittelbar vor einem Erfolg. Die Bertreter der Arbeitgeber haben im Brinzip den Borfchlag der Arbeitnehmer angenommen, wonach die ersten sechs Streif. tage mit einem Abzug von 2 Broz. bezahlt werden sollen. Unmittelbar follen die vor dem Streif gezahlten Löhne erhöht und bis zum 1. April 1926 stabilisiert werden.( Die Unternehmer woll. ten ursprünglich die Löhne um 10 Proz. kürzen.) Im März foll eine werden in furzer Zeit dauernd behoben mit Ruilos Blasen-, Nieren- und Gallensteinleiden, selbst veraltete, paritätische Kommission eine neue Prüfung der Lage vornehmen. höchstwahrscheinlich wird der Streit in der nächsten Woche mit einem Knoblauchsaft. Verlangen Sie gratis Druckschriften Erfolg der Arbeiter beendigt werden. von Ruilos G. m. b. H., Köpenid, Tel. 904. Biomalz mit Lecithin, gende Kraftgefühl, das frischere Aussehen, die Anzeichen der Berjüngung legen Zeugnis davon ab, wie tiefgreifend der Nervennährstoff auf das Wohlbefinden des ganzen Körpers zu wirfen permag. Quälende Sorgen, förperliche und geistige| machen, und das geschieht durch richtige Ber.| anfechtbar. Es ist restlos verdaulich. Das steiHeberanstrengung, Schlaflosigkeit und manch' an wendung von derer Kummer des irdischen Lebens reizen und erschöpfen die Nerven vor der Zeit. Nervöse Be. erschöpfen die Nerven vor der Zeit. Nervöse Be- einer Nerven- Nahrung von denkbar größter Bollschwerden aller Art stellen sich ein. Mattigkeits- tommenheit. Biomalz mit Lecithin ist durch deutgefühl, Arbeitsunlust, Ausgeregtheit und Reizbar. iches Reich spatent gefeglich geschützt, und feit, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und derlei lebel mehr folgen sich und wechseln sich ab. eine Erfindung ermöglicht die völlige Aufnahme des Lecithinstoffes in die Säfte, die die Nerven Bald macht sich ihr ernähren, zu gleicher Zeit mit dem Einsegen der träftigenden Wirkung des Biomalzes auf den gelangen Stoffwechselversuchen in der chemischen Jamten Körper. Biomalz mit Lecithin ist in Abteilung des Rudolf Birchow Krankenhauses forgfältig untersucht und hat sich mehrere Jahre hindurch in der ärztlichen Pragis bewährt. Es hat feine Feuerprobe in jeder Prü fung überstanden und ist wissenschaftlich unzerstörender Einfluß auf das Aeußere geltend. Das Gesicht erhält eine nervöje Prägung, leidende Züge, den Ausdruck des Gequältjeins. die unvermeidlichen vorzeitigen Alterserscheinungen. Will man nun etwas Energisches tun, dann sollte man mit einer Nerven Nähr und Auffrischungsmethode ganze Arbeit Breis einer Dose Biomalz 1,90 mt., mit Lecithin 5,- Mr., mit Eisen( zur Stärkung für Blutarme und Bleichsüchtige) 2,20 Mt., mit Kalt Neu: Biomalz- Schofolade je 100- Grammextra( zur Stärkung für Lungenleidende) 2,50 Mr. Tafel 60 Pf. und Biomalz- Bonbons, bestes Linderungsmittel bei Husten und Heiferteit, vorzüglicher Geschmack, je Beutel 30 Pf. fachen fostenfrei von Gebrüder Paters mann, Teltow- Berlin 10. Drud Str. 399 42. Jahrgang Zum Gedenken. 1. Beilage des Vorwärts Es gibt faum eine Stelle in unserem deutschen Vaterland, wo fich nicht auf Befehl der unterschiedlichen Landesväter Bäter nennt der deutsche Sprachgebrauch auch noch diese von wildem Egoismus zerfressenen Kerle deutsche Männer, oft genug unter gütiger Mithilfe von Russen, Schweden, Franzosen, ihr Blut versprigt hätten. Es gibt demzufolge auch kaum einen Tag im Jahr, an dem nicht irgendwo einmal ein Treffen, ein Gefecht, ein Schar mügel, ein Ueberfall, ein Kampf, eine Schlacht stattgefunden hätte. Bei der notorischen Berrohung der Völlischen ist es tein Wunder, menn sie jetzt alle diese längst vergessenen Schlachten und Kämpfe, bei denen unendlich viel Blut vergossen, unendlich viel Beh und Leid entstanden, zum Anlaß fröhlicher und feucht- fröhlicher Gedenkfeiern machen. Vor einer Woche halfen die Musikkapellen der Reichswehr zu irgendeinem unklaren Wohltätigkeitszwed in Potsdam den Tag von der Schlacht von St. Privat feiern. Die vereinigten völlischen Horden, die sich zum Teil in Koftime werfen, die der Reichswehr absichtlich täuschend ähnlich nachgebildet sind, hingegen fanden am gestrigen Sonntag feinen besseren Anlaß zur Betätigung ihrer völkischen Gesinnung, als in den Rieselfeldern den Tag von Großbeeren zu feiern, an dem vor genau 112 Jahren, am 23. August 1813, die sogenannten Berbündeten über die sogenannten Franzosen fiegten. Sehen wir einmal furz zu, ob die Bölkischen Ursache haben, den Tag zu feiern. Bekanntlich standen sich bei Großbeeren die französische" Armee unter Dudinot der Nordarmee und Verbündeten unter Bernadotte gegenüber. So[ test man es furz und bündig in ben Schullesebüchern. Verschwiegen wird aber vielfach, daß die französische Armee aus zwei sächsischen, einer bayerischen und einer toürttembergischen Division bestand, während der Rest von Franzosen gebildet wurde. Die Armee der Verbündeten wiederum bestand aus Preußen, Schweden und Russen. Großbeeren gegenüber stand von dieser Armee der Berbündeten das III. Korps unter Bülow, das nur aus Preußen bestand, während die Russen und Schweden bei Ruhlsdorf standen. Als die Preußen auf Großbeeren losgingen, stellte ihnen der französische General die sächsische Division v. Sahr in Großbeeren selbst und bei Großbeeren die gleichfalls sächsische Division v. Lecocq entgegen. Und wenn bei Großbeeren die preußische Landwehr das Gewehr umfehrte und auf die Franzosen", wie man ihnen vorgelogen hatten, einhieben, so baten und jammerten diese Franzosen auf gut Deutsch um Gnade: Tut uns nichts, wir sind ja Gachsen", ein Ausruf, der geschichtsnotorisch durch Rehtwisch, Tagebuch eines Freiwilligen, über liefert worden ist. Und wenn bei Großbeeren Blut geflossen ist, so war es in der Hauptsache preußisches und sächsisches Blut, also deutsches Blut. Deutsche zerfleischten sich dort. Diesem Bruder mord hat man in Großbeeren nicht ein, sondern gleich zwei Dentmäler gefeßt. Diesem Brudermord haben jahrelang patriotische Feiern gegolten. Diesem Brudermorden, Deutsche gegen Deutsche, galt also wieder einmal die Feier der Böltischen. Sie wollen das fleine Deutsch land, in dem Preußen gegen das übrige Deutschland steht. Das Reichsbanner aber will das in all seinen Stämmen brüderlich geeinte Groß- Deutschland, das erhabenste wahrhaft nationale Ziel, das denkbar ist. Was aber mögen die völkischen Berbände im Freistaat Sachsen sagen, daß die preußischen Berliner Bölkischen die blutigen Verluste der Sachsen von 1813 auch heute noch feiern? " In einem glich allerdings der Großbeerener Tag von 1925 dem von 1813 aufs Haar: Der Himmel vergoß Ströme und Tränen über so viel deutsche Torheit. Kampf mit einem Schwerverbrecher. Einen schweren Kampf hatten zwei Kriminalbeamte mit einem Schwerverbrecher zu bestehen. Schon seit längerer Zeit tauchte in Goldwaren Juwelengeschäften ein jüngerer Mann auf, der Schmud stücke und Gold- und Silbersachen zum Kauf anbot. Am Sonnabend nun gelang es einer Streife der Kriminalpolizei, den Gesuchten in einem Juwelengeschäft anzutreffen, wo er sich als ein Schneider meister Werner Kirstein mit richtigen Papieren auswies. Da aber verschiedenes noch nicht geflärt war, sollte er den Kriminalbeamten 16] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Neberfeßung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Ich fühlte mich wieder vereinsamt. Mutter war eine fremde Dame, bei der ich mich nicht sicher fühlte. Ob ich Samuelsen beffer leiden tönnte? Bielleicht doch? Der Milchjunge fam wieder angerüdt. Du Idiot!" fagte er langsam und höhnisch. Sch sah von ihm fort, denn seine Augen waren hart und böse. ,, Laß ihn doch laufen!" sagte ein anderer Junge. Er hatte einen flachen Schädel und eingefallene Schläfen. Wie fannst du denn so einen verteilen wollen!" Der Milchjunge ging trotzdem auf mich zu und gab mir einen Buff mit der Schulter, so daß ich gegen den Wagen flog und mich an der Kante stieß. Wenn ich dich das nächstemal sehe, sett's etwas, daß dir der Arsch raucht, aber diesmal werde ich dich noch laufen laffen!" zischte er und alle anderen grinsten, aber ich war entfegt. Das eine unanständige Wort, das er mit der größten Selbstverständlichkeit gesagt hatte, verlieh seiner Erscheinung eine unmenschliche Kraft. Ich zitterte, weil ich mit ihm in einer Straße wohnen sollte. war. auf das Polizeirevler folgen. Statt der Aufforderung Folge zu leiften, rief er plöblich: Sie werden mich nicht verhaften!", griff blizschnell in die dem Rommiffar abgewandte Manteltasche und riß einen Revolver heraus. Den vereinten Kräften der Beamten gelang es, dem verzweifelt fämpfenden den Revolver zu entwinden und ihn zu fesseln. Im Polizeipräsidium verweigerte er jede Ausund ihn zu feffeln. Im Polizeipräsidium verweigerte er jede Aussage und erflärte, fich nicht mehr auf seinen Namen befinnen zu tönnen. Bei einer Durchsuchung seiner Sachen fand man einen Bettel, auf dem in einer Art Geheimschrift eine Adresse angegeben „ Urban- Manteufelstraße". Die Beamten fanden hier, daß ein Mann Die Schrift wurde entziffert und ergab mun den Namen namens Urban in einer Rellerwohnung ein Zimmer abgemietet hatte. Wie sich herausstellte, erkannte der Wohnungsinhaber seinen Mieter Urban in dem verhafteten angeblichen Kirstein wieder. Die Durchsuchung dieses Zimmers förderte ein ganzes Warenlager gestohlener Gegenstände zutage, Schmucksachen aller Art in Gold und Silber, filberne Rennpreise u. bgl. Die Bielseitigkeit der vorgefundenen Sachen läßt darauf schließen, daß der Berhaftete Mitglied oder Anführer einer weitverzweigten Diebes- und RäuberBetschau, Müllrose und Arnswalde, heimsuchte. bande war, die hauptsächlich Provinzstädte, wie Rottbus, Guben, dienst entlarvte ihn gestern als einen 28 Jahre alten Gärtner Willi Der Erfennungs Lurcia aus Rottbus. Er hatte schon 6 Jahre Zuchthaus zu ver büßen und war Mitte Mai d. I. aus der Strafanstalt in Sonnen. burg entwichen. Halb verhungert. in Das Schidfal einer höheren Tochter". Die Näherin B. wurde so meldet der Polizeibericht ihrer Wohnung in Weißensee, Gustav- Adolf- Straße 143, von Polizeibeamten halb verhungert aufgefunden. Das Schicksal der 41 jährigen unverehelichten B. ist das Schidfal vieler. Die Eltern waren einst vermögend. Die Tochter mußte die hohe Schule besuchen. Sie lernte feine Arbeit tennen. Mit einem reichen Offizier sollte fie eine gute Partie machen. Doch aus dem Verhältnis wurde nichts. Der Vater starb. Die Grundstücke wurden verkauft. Da tam die Inflation. Die respettable Summe Geldes schmolz zu einem Nichts zusammen. Bor Gram und Sorgen starb die Mutter. Da stand die Tochter, die nichts gelernt hatte, allein ba. Sie lernte nähen, um fich über Wasser zu halten. Vor drei Monaten wurde fie arbeitslos. Woher nun Geld zum notdürftigen Lebensunterhalt nehmen? Sie blieb die Miete schuldig. ging fie betteln. Vor einigen Wochen wurde sie von einer In fernen Stadtteilen, um von feinen Bekannten gesehen zu werden, rantheit überrascht. Gesicht und Hände wurden vom Aus schlag bedeckt. Sie tonnte sich auf der Straße nicht mehr sehen laffen. Sie schloß sich darauf ein und ließ niemand in die Wohnung. Mitleidige Hausbewohner benachrichtigten die Polizei. Diese hielt sich nicht für zuständig. Auf erneutes Drängen der Anwohner schickte das Wohlfahrtsamt einen Armenvorsteher. schickte das Wohlfahrtsamt einen Armenvorsteher. Unverrichteter Dinge mußte dieser wieder umtehren. Die Kranke war nicht zu Endlich, nachdem wieder Tage vergangen waren, erschienen zwei bewegen, die Tür zu öffnen. Aehnlich erging es dem Armenarzt bewegen, die Tür zu öffnen. Aehnlich erging es dem Armenarzt. Beamte und öffneten gewaltsam die Wohnung. Ein Stelett wanfte ihnen entgegen. Ein pestilenzartiger Geruch betäubte zunächst die Eindringenden. Der anwesende Kreisarzt stellte Aus. fat fest und betonte, daß es sich um eine gemeingefähr liche Geistestrante handele. Einige Minuten später war die Unglückliche auf dem Bege nach Buch Besichtigung der Bekleidungsmeffe. Gestern nachmittag besuchten Vertreter der Behörden und aus wärtigen Konsulate die zweite Berliner Bekleidungsmeffe. In einer furzen Begrüßungsrede betonte Dr. Schid die große wirtschaftliche. Bedeutung dieser Messe für die Berliner Geschäftswelt. Er brachte zum Ausdruck, daß fast alle beteiligten Kreise die Hoffnung hätten, das daniederliegende Geschäft würde sich durch diese Messe heben. Leider scheint dieser Wunsch nicht in Erfüllung zu gehen. Die Messe mies bis heute mittag 12 Uhr die große Besucherzahl von 5000 auf. Aber es waren in der Hauptsache Neugierige unb wenig Interessenten. Selbst in den Nachmittagsstunden herrschte por manchen Ständen ein lebensgefährliches Gedränge. Besonders beliebt scheint die Reklameausstellung zu sein. Doch überall stehen die Verkäufer unbeschäftigt herum. Bielleicht bringen die letzten Tage noch eine Hebung des Geschäfts. Bis jetzt ist nur festzustellen, daß billige Damenwäsche, Ronfettion und Belzimitation Abgang gefunden haben. Lupusartitel liegen bagegen faft tot gehüpfe war so blödsinnig, daß mir der Kopf brummte und ich die Augen schließen mußte. Nein, ich konnte die Straße nicht leiden. Sie war viel zu lang und die Häufer waren viel zu einförmig und es fuhren viel zu viele Wagen in ihr. Nun mußt du nach oben!" sagte Samuelfen, der mit einem Binffaß, das mit allem möglichen Kleintram voll gepact war, angeschleppt fam. Sein Blid wurde jedesmal, wenn er mich ansah, unsicher. | Dienstag, 25. August 1925 Die Sorgen der Charlottenburger Wasserwerke. Die Dividendenlieferanten in der Charlottenburger Wasserwerts A.-G. scheinen einigermaßen betrübt in die Zukunft zu schauen. Sie sehen mit einem Male Himmel und Hölle in Bewegung, um die Deffentlichkeit zu ihren Gunsten zu beeinflussen. In der Berliner Presse erscheinen jezt dauernd Notizen, die von der großen Besorgnis( auf einmall) der Charlottenburger Werke um die Wasserversorgung in Steglig und Schöneberg zeugen. mit dem Berliner Magistrat habe abbrechen müssen wegen allzu Es wird mitgeteilt, daß die Privatgesellschaft die Verhandlungen großer Gemeinheit der Stommunalrafftes im Roten Hause. Dort will man unter feinen Umständen den Bertrag, der allein in Stegliz und Schöneberg der Privatgesellschaft ganz erhebliche Gewinne auf Rosten der Einwohner bisher garantiert hatte, verlängern. Um die Aufmerksamkeit von der eigenen Schuld abzulenten, werden die größten Märchen in Umlauf gefeßt. So hat man offerbar einem Redakteur der„ Boffischen Zeitung" ble Weisheit aufgebunden, das Privatunternehmen tönne nicht so billig arbeiten wie die städtischen Werfe, weil es unter der Laft der Abgaben zusammenbreche. Nicht weniger als 24 Prozent( 1) der Einnahmen gingen dort auf Steuern. Das ist natürlicher grotester Unfug. Selbstverständlich sind die Pripatgesellschaften höher mit Steuern belastet als das städtische Unternehmen. Der Unterschied wird aber im schlimmsten Falle 2 bis 3 Pfennig pro Rubikmeter ausmachen. Dabet beträgt die Preisdifferenz mindestens 6 Pfennig und ist bei den Eigenhäusern und Siedlungsbauten ganz erheblich höher, well hier der Sag von 30 Pfennigen erhoben wird, und qußerdem eine Mindestgebühr hinzukommt. Das ganze Gejammere der Charlottenburger Werte, denen sich die ganze bürgerliche Presse selbstver ständlich fofort zur Verfügung stellt, rührt einzig und allein daher, daß der Privatgesellschaft die Felle wegschwimmen. Die Stadt wird die Bersorgung in Schöneberg und Steglig elber übernehmen und wird dann ihren billigen Tarif einführen. Es wird dann Sache der Privatgesellschaft sein, sich auf dem Reft threr Herrlichteiet einzurichten. Die Bluff- Politit, mit der fie jetzt auf die Deffentlichkeit zu wirken sucht, mag für ganz Dumme berechnet sein. Wir wollen nicht bestreiten, daß es solche unter den Lesern der Rechtspresse gibt. Irgend jemand, der mit der Entscheidung über biese Dinge zu tun hat, wird sie damit nicht im geringften beeinflussen. Reichsbanner- Fahnenweihe in Lübben. bie Fahnenweihe de Reichbanners Schwarz- Rot- Gold ein imposantes Libben im Spreewald bot am Sonnabend und Sonntag durch Bild. Mehr als 5000 Kameraden waren nach dort geeilt, um der deutschen Republit ein Treuegelöbnis abzulegen. Sonntag fand trotz strömenden Regens die Fahnenweihe auf dem Marktplatz ftatt. Die auswärtigen Rameraden wurden burch eine zündende Ansprache des Rettors Raed Lübben begrüßt. Die Weihe der Fahne wurde durch den Landtagsabgeordneten Kameraden Ruchte- Berlin vorgenommen. Ramerad Schneider vom Gauvorstand Berlinund des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert. Ein Vorfall ver Brandenburg gebachte der toten Republikaner Erzberger, Rathenau dient noch besondere Beachtung: Aus der Reichswehrtaserne hing eine schwarzweißrote Fahne. ftellvertretenden Kommandeur wurde auf eine Beschwerde hin eine ftrenge Untersuchung und Bestrafung des Schuldigen zugesichert. Nicht minder beachtenswert aber ist die Feststellung, daß aus den Fenstern der Kaserne, oon Reichswehrsoldaten gesungen, das schöne, republitanischen Reichswehrsoldaten besonders gut anftehende Lied: aten treuz am Stahlhelm" erflang. Bom Die Sonntagsfonderzüge der Reichsbahn. Nachdem leghin die Reichsbahndirektion Berlin einen Sonntags fonderzug nach Thale( Harz) verfehren ließ, ging am letzten Sonntag ein Sonderzug nach Hamburg, der von nicht weniger als 1200 Personen besetzt war. Nach einer fünfstündigen Bahn fahrt waren die Teilnehmer gegen 4412 Uhr vormittags in Ham burg angekommen, wo sie von den Führern des Hamburger Frem benverkehrsvereins in Obhut genommen und durch die Hauptverkehrs straßen der alten Hansestadt geführt wurden. Der Weg führte zum Hafen, von wo aus Hafenrundfahrten unternommen wurden. Dann ging es natürlich auch zu Hagenbed nach Stellingen. Die Berliner hatten somit günstige Gelegenheit, die reiche Tierschau, die so mustergültig geordnet ift, tennenzulernen. Auch die Böllerschau wurde rege besucht. Allzu schnell verrann die zur Verfügung stehende Beit. Mit Sonderwagen der Hamburger die breite, schwere Stirn, die fleischige Nase und der große, graue Bart. Bel diesem Bilde blieb, ich stehen. Ich konnte es nicht recht leiden, aber es beruhigte mich und ich nannte es Bater. Es stand so deutlich vor mir, daß ich es noch sehen kann. Es war mir, als ob ich wirklich einen Bater hätte, und was Mutter erzählte, hatte auf einmal tein Interesse mehr für mich. Ich hatte ihn gesehen und das hatte ich mir, gerade gewünscht. Der leere, moltige Raum, den das Wort Bater mir stets hervorgerufen hatte, war verschwunden. Oben in der Wohnung schob Mutter mit den Betten herum. Jedes Geräusch, jedes Fußgescharre und jeder Schlag mehr. Mutter hörte auf zu erzählen, und ich fing an, in der Ich wurde deshalb unruhig und zeigte fein Interesse dröhnten, weil die Zimmer noch nicht in Ordnung waren. Samuelsen tüßte Mutter auf die Bade und verab- ohmung umherzulaufen. Es war ein Rorridor ba, den ich Samuelsen tüßte Mutter auf die Bade und verab- absolut rauf und runter laufen mußte, bis mein Körper jedes schiedete sich. Er mintte mir zu, was mir noch niemals vorher mal gegen die Wand flatschte. Und alle Schranktüren in der passiert war, und ich winkte eifrig wieder. Tür führte auf die steile Hintertreppe hinaus. Küche mußten geöffnet und wieder zugeknallt werden. Eine Als er gegangen war, fant Mutter auf einem Stuhl zu fammen. Sei fönnte nicht mehr, sagte sie und mit dem größten Widerwillen ließ sie die Blide im Zimmer umhergleiten. gar nichts, wenn er mein Bater wird." Ich kann Samuelsen gut leiben," sagte ich.„ Es schadet „ Du fannst Samuelfen leiden?" fragte Mutter überrascht Du bist doch ein launisches Herrchen. Du gleichft deinem Bater. Den einen Tag willst du das und den nächsten Tag was anderes, so war er auch." Augenblicklich lief ich sie runter. Ich tam an vergitterte Fenster mit Aussicht auf viele Höfe und Zäume und die Rüdseiten verschiedener Häuser. Unten im Hofe bemerkte ich den Milchjungen, der mit den Ellenbogen gegen die Pumpe gelehnt stand und Sigaretten rauchte. Das tat er also auch. Er fonnte wohl alles. Und eben so schnell, wie ich auf den Hof gekommen war, verschwand ich wieder. In wilder Angst lief ich die stellen Treppen bis ganz hinauf zum vierten Stock und brachte mich drinnen in der Wohnung in Sicherheit. Aus allen Phantasien von Karma und Farben, aus allem Wolfe, die mich rings umgab; aber es führte ein langer Gang Die Zeit verging so langsam, weil ich feinen hier tannte. Ich Hochmut, stürzte ich hernieder in eine Welt, wo es ftant. Alles fant in mir zusammen und gleichsam gedemütigt schlich ich zur Haustür hin. Die Jungen standen mit den Händen in den Hosentaschen und grinsten über mich, und ich fühlte, daß ich mit Mitteln geschlagen worden war, die ich selbst nicht benutzen fonnte. Als ich auf den Sankt Annaplatz ging, um zu verfuchen, ob ich wie Jesus war, hatte ich Ejnar getroffen, und als ich die Farben hinter mir fühlte, die schmuzig grünen, aber auch die klaren roten mit einem Rad in der Mitte, hatte ich einen Milchjungen getroffen, und das waren beides Mächte, denen gegenüber ich mich nicht behaupten fonnte. Meine Hände maren ja bloß schwach. Ich setzte mich innen auf die Treppe, aber so, daß ich den Möbelwagen im Auge behielt. Drüben auf der anderen Seite der Straße war ein Fenster mit einem Kanarienvogel im Bauer und fein hin- und herIch stand plötzlich ganz steif und ftterte grabeaus, ohne irgend etwas Bestimmtes zu sehen. Ich fuchte nach meinem Bater und es war, als ob ich in eine Wolte sähe, eine graue mit Wolfenwänden und einer Wolkendede hindurch, und sehr, sehr flein und da, ganz unten im Gang war Bater. wenn ich mich ganz an's Ende dieses Ganges dachte, war ich er war Vater? Wie sah er aus? Aber es war nur eine Wolkenwand. so Erzähle von Vater," sagte ich. Bater war sehr arm und er wohnte in einer Manfarbe, wie Remy," erzählte Mutter. ,, Nein, das tat Bater nicht. Vater hatte teine Läufe!" Nein, nein, nein, Waldemarchen. Man hat doch teine Läufe, wenn man in einer Mansarde wohnt." ,, Nein, wirklich?" Erft gegen Abend wagte ich mich wieder auf die Treppe. streifte wieder unruhig herum. Das Haus mußte ich kennen lernen, wenn bloß der Milchjunge nicht gewesen wäre, hätte ich mich schon längst in allen Boden- und Kellergängen und im Hofe zurechtgefunden. Im Hofe unten war es leer. Hause in die Höhe, das so seltsam lebendig im Mondschein Ich ging über den duntien Platz und starrte an dem dastand. Alle Bretterzäune waren dunkel und sahen aus, als ob fie weich und tief wären. Einige Wäscheleinen hingen wie schwarze Striche über meinem Kopf. Da hörte ich ein Scharren mit dem Fuß. Ich sah nach Nein. Vater hatte viele Bücher und er lernte aus ihnen einer anderen Küchentür hin und da saß ein Junge und schob allen. Er wollte Prediger werden." ,, So wie Pastor Estesen?" Ja." Und in dem langen Boltengang tauchte jetzt Paftor Estefens Gesicht auf, der große Kopf mit dem tahlen Schädel den Fuß vor und zurück. Ich ging in feine Nähe, denn der Hof war so groß und leer. Eine Zeitlang stand ich still und starrte ihn an. Er war fleiner als ich und ich hätte ihn gut unterfriegen tönnen. ( Fortfegung folgt.) Straßenbahn, die für in mb Rudbeförderung gttm Bahnhof bereit ftanden, ging es zum Hauptbahnhof und gegen 7 Uhr abends perließ der Berliner Sonderzug Hamburg. Die Fahrt tostete einschließlich Mittagessen, Führungen, Straßenbahn, Hafenrundfahrten ' fm. 18,80 m. Die Reichsbahndirektion Berlin beabsichtigt ferner bei ausreichender Besetzung am Sonntag, den 30. August, einen Sonntagsfonderzug 4. Klasse von Berlin Stettiner Bahnhof nach Sminemünde verkehren zu laffen. Abfahrt Stettiner Bahnhof 6,45 vormittags, Ankunft in Swinemünde 10,15; Rückfahrt Swinemünde Hauptbahnhof ab 7,23 nachmittags, Antunt in Berlin 11,04. Der Fahrpreis beträgt für Hin- und Rückfahrt 9 M. Der Fahrfartenverkauf beginnt am Mittwoch, den 26. August, bei der Fahrfartenausgabe Stettiner Bahnhof und bei folgenden Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhof, Friedrichstraße, Wertheim, Kaufhaus des Westens, Hapag, Unter den Linden 8 und Reisebureau Unter den Linden 57/58. Wie einer Verbrecher bleibt. Niemand kann helfen. Ein 23jähriger vor dem Einzelrichter. Gesichtsausdrud, Körper, Haltung, Bewegung, Stimme die eines 18jährigen. Er ist an einem Hause hinaufgeklettert, hat die Jalousie hochgehoben, das Fenster ausgehoben, ist ins Zimmer eingedrungen, hat dies und jenes mitgenommen, ist ertappt und verhaftet worden. Erst von 10 Tagen hat er das Lehrter Gefängnis verlassen. Wegen vorzüglicher Führung durfte er den Bosten des Korridorreinigers befleiden. Ein Jahr und fünf Monate hatte er da zugebracht. Während der ganzen Zeit hatte er fein einziges Mal feiner Mutter nach Hause geschrieben, weil er nicht früher von sich hören laffen wollte, ehe er nicht wieder in geordnete Verhältnisse gekommen fei. Sie hatte ihn während der letzten Strafe von einem Jahr 8 Monaten in Hannover fortdauernd unterstützt und er hatte das Gefängnis in der festen Absicht verlassen, die Bahn des Verbrechens nicht mehr zu betreten. Beging aber bald darauf einen Einbruchsdiebstahl bei einem ihm bekannten Kommerzienrat. Weshalb er überhaupt auf die Bahn des Verbrechens gekommen sei? Nach dem Verlassen des Gefängnisses hat er sich an die Gefangenenfürsorge gewandt. Er erhielt Essengeld. Der Herr, der mit ihm gesprochen, schien ihm aber nicht genügend freundlich. Da ging er nicht mehr hin. Auf dem Arbeitsnachweis für taufmännische Angestellte erklärte man ihm, daß bei seinen Borstrafen feine Bewerbung aussichtslos sei. In der Gormannstraße war nichts an Arbeit zu finden. Er hatte weder Obdach noch Essen, da beging er den Diebstahl. Es wurden bei ihm Abschrif ten von Gedichten von Schiller, Goethe, Shakespeare usw. gefunden. Ein Aufsaz„ eber die Prostitution, ihre volkswirtschaftliche Bedeutung und Moral" er hatte. ihn niedergeschrieben. Stenogramme, nicht abgeschickte Briefe an die Mutter und Befannte; einen Brief an einen Herrn, den er bestohlen hatte und den er nun um Unterstügung bat; er mollte ihm seine gestohlenen Sachen herbei schaffen; verschiedene andere Manuskripte. Ein eigentümliches Seelenleben offenbart sich in diesen Schriftstücken eines 23jährigen mit der Entwidlung eines 17jährigen. Staatsanwalt und Richter fennten sich nicht entschließen, die Gerichtssache so ohne weiteres auszutragen. Die Sache wird vertagt, zur weiteren Feststellung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten. 3st dem Angeflagten damit geholfen? Im Prinzip ist gegen dieses Verfahren nichts einzuwenden. Aber werden denn nicht täglich Fälle abgeurteilt, in denen die persönlichen Verhältnisse noch weniger flar auf der Hand liegen als in diesem? Und müßte man diese Gerichtssachen nicht aus gleichen Gründen vertagen? Was dieser junge Mensch braucht, ist wahrhafte Hilfe nach Berlassen des Gefängnisfes, nicht bureaumäßige Abfertigung in der Gefangenenfürsorge, die weder über Mittel noch über freiwillige Helfer verfügt. Ein klassisches Beispiel dafür, wie Verbrecher rückfällig werden! Todessturz auf der Avus. Gestern abend gegen 6 Uhr fanden Passanten etwa in der Mitte der Abus- Bahn im Grunewald den 23 jährigen Bäckermeister Ratt vom Charlottenburger Ufer 58 mit gebrochenem Ge nid und schweren Kopfwunden tot auf. Er lag einige Meter von einem Motorrad entfernt. Nach Ansicht des Aufsichtspersonals muß ein 8ujammenstoß mit einem anderen Fahrzeug, wahrscheinlich einem Automobil stattgefunden haben. Die diesbezüglichen Nachforschungen find bisher erfolglos geblieben. zimmer nimmt. In der dortigen Brtvat forft aften fogar die taatlichen Landjäger darauf, daß der Befizer der Forst zu feiner Privatsteuer für das Zeltaufschlagen fommt. Und nun, meine Herren, Ihre Namen, aber die richtigen", so lautete die höfliche, aber bestimmte Aufforderung des Landjägers, der acht Tage später zwei Strafmandate mit je zehn Mart und eines mit sechs Mart folgten. Man fühlt sich veranlaßt, die Angelegenheit für einen schlechten Scherz zu halten. Weil sie aber doch wahr ist, muß festgestellt werden, daß staatliche Polizeibeamte es als ihre Aufgabe ansehen, den Privatbefizer eines Forstes dabei zu unterstützen, daß sein Eigentum nicht von„ Unbefugten" betreten und belagert wird. * In diesem Zusammenhang interessiert auch eine Mitteilung, die uns fürzlich zuging:„ Ein mir bekannter Motorbootbefizer wollte sein Boot durch den Teltomer Stich fanal nach der Havel bringen. Ich hatte die Absicht, ebenfalls mit meinem kleinen Ruderfahn für zwei Personen durch den Kanal nach der Havel zu fahren und bat ihn, mich durch den Kanal ins Schlepptau zu nehmen, was er auch tat. An der Abgabenstelle Baumschulenweg ging er ins Bureau, um die Abgabe zu entrichten. Er fam zurück mit zwei Scheinen( Quittungen), und jezt kommt das Merkwürdige: Für das Motorboot bezahlte er 3 M., für meinen kleinen Handtahn 4 M. Ich ging zu dem Beamten und bat um Aufklärung. Er sagte mir, daß die Verwaltung ein Monopol auf Trei. deln( Schleppen) hätte; wenn ich aber rudere, dann fostet es nur 1 M. Ich habe mir das Geld zurückgeben lassen und auf die Fahrt verzichtet. Die Verwaltung hat doch weder Kosten noch Arbeit, also warum eine so rigorose Verfügung? Für unsere Herbstjugendweihen im Gr. Schauspielhaus werden noch Anmeldungen unter gleichzeitiger Bezahlung der Einschreibegebühr von 50 Pf. in den nachstehenden Annahmestellen aufgenommen. geöffnet von 9 bis 4 Uhr, Mittwochs und Freitags von 9 bis 7 Uhr; S. Joseph, " Jugendfekretariat Groß- Berlin, G. 68, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 Treppen, NW. 21, Wilhelmshavener Str. 48; A. Sönisch. N. 65, Miller- und Utrechter Strake; B. Kroll, N. 65, Utrechter Etr. 21; M. Hoffmann, N. 58, 2nchener Straße 8( Rest.); A. Lorenz, N. 58, Gleimstr. 56; D. Obft, N. 39, Aderstr. 174; R. Andersson, N. 31, Stralsunder Str. 19; S. Fischer, N. 20, Bastianstr. 7; Landsberger V. Dölz, NO. 55, Jmmanueltirchstr. 24; W. Güde, 90. 18, Allee 45 1; R. Melle, O. 34, Petersburger Plak 4; Borwärts"-Spedition, D., Martusftr. 36; M. Warimann, O. 34, Königsberger Str. 37( Photolaben); 2. Wittschuk, D. 34, Petersburger Str. 5( Reft.); J. Petře, GO. 36, Glogauer ( Reft.); Straße 30, vorn 4 Tr.; P. Lier, GO. 26, Naunnnftr. Borwärts". Spedition Lausiker Plak 14/15; Gerth, N. 113, Greifenhagener Str. 22; B. Gallas, Baumschulenweg, Schraderstr. 16 III; B. Sak, Treptow, Harzer Straße 117 III; A. Rekler, Treptow, Graegstr. 50; E. Riege, Lichterfelde- Ost, Lorenzstr. 15; R. Schönwetter, Lichterfelde- W., Händelplag 5: F. Samburg, Steglik, Schloßffr. 103; S. Krüger, Steglig, Giemensstr. 76;. Stubidy, Steglik. Ringstr. 7( Grth. III): G. Felgentreu, Bantwig, Charlottenstr. 34; W. Rönsch, Lankwik. Kaiser- Wilhelm- Str. 122a; Frau Ungerer, Wilmersdorf, Sanauer Str. 43( Siedlung): Frau Klawitter, Schöneberg, Apostel- Paulus Straße 7: A. Vetrie, Schöneberg, Ebersstr. 70; Paul Rathmann, Schöneberg. Feurigstr. 37. Für Charlottenburg am Sonntag, den 20. September, im Schiller- Theater: 3. Sinrichsen. Charlottenburg, Bayreuther Str. 25a; D. Horftig, N. 87, Sidingenftr. 58: F. Schmidt, Charlottenburg, Nofinenstr. 4( Baden); G. Ragen. ftein, Charlottenburg, Niebuhrstr. 61;„ Borwärts"-Spedition, Charlottenburg, Kaiserdamm 102, Gartenhaus I. Für Pankow und 19. Kreis am Sonntag, den 20. Geptember, Aula des Enzeums Görschstr. 42: Konfum- Berkaufsstelle Bankow, Berliner Str. 47: Konfum- Berkaufsstelle Pankom, Wollantstr. 102; Ronsum- Berkaufsstelle Niederschönhausen, Kaiser- Wilhelm- Str. 79; Konsum- Verkaufsstelle Niederschönhausen, Raiferweg 60. Beşirfsbildungsausschuß Groß- Berlin. Bier Große Feftionzerte 1925/26. Internationale Boltstänge und Volkslieder. Mitwirkende: Das Ballett und erste Solisten der Staatsoper. Abonnementspreis für alle vier Veranstaltungen 4 Mart. Alle wichtigen Beftimmungen enthalten die Zeichnungslisten. Die Listen liegen aus: Bei den Mitgliedern der Kreis- und Abteilungs- Bildungsausschüsse, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, Tabatvertrieb GFG., Inselstr. 6, Verband der Graphischen Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5,. Schmidt, N 39, Tegeler Straße 31, Job. Moranz, NO, Danziger Str 46, IV, Buchhandlung Bor märts, Lindenstraße 2. im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Linden straße 3, 2. of II, 8immer 8/9. Ebert Reliefs nach dem Entwurf des Künstlers Gerstenberg. Elfenbein getönt 1,60 M., dunlelgetönt 1,80 m. bro Stfid. Zu haben im Bezirksbildungsausschuß, Lindenstraße 3. Befichtigung und Rauf im Bezirksbildungsausschuß. Ende Auguft werden ie Abonnementstarten für die Konzerte ausgegeben. Wir bitten dm rechtzeitige Rückgabe der Zeichnungslisten. Die August 8eituchriften des Büchertreises find erschienen. Die Juriffische Sprechstunde findet bis auf weiteres täglich außer Sonnabends von 5-7 Uhr statt. Sonnabends geschtoisen. 18. 61. 7hr Mitgeberverfamming bef Miller, heck. Bec Dom Bezirkstag. Ref.: Gen. Urich. 20. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Wende, Roloulez. 147. 21. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Schraderhus, Malplaque ftraße 14/16. 27. Abt. 72 Uhr wichtige Sigung der Parteifunktionäre bet Bogbanomi Sonnenburger Str. 1. 32. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung in Schmidts Festfälen, Frucht straße 36. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkstag. 2. Stellungnahme zur Stadt- und Bezirksverordnetenwahl. 33. Abt. Bünklich 7 Uhr Mitgliederversammlung Schulaula Hohenlohestraße. Vortrag des Gen. Jonas: Bericht vom Bezirkstag. 2. Tätigkeitsbericht der Stadt- und Bezirksverordnetenfraktion. Ref.: Gen. Gutekunft. Auf stellung der Kandidaten. 84. Abt. 7% Uhr in den Comeniusfestsälen, Memeler Str. 67. Bortrag des Gen. Bubliẞ: Die kommenden Stadtverordnetenwahlen. 35. Abt. 72 Uhr bei Neumann, Samariterſtr. 12, Mitgliederversammlung. Bortrag des Gen. Bengsch: Die kommenden Stadt- und Bezirksverordneten wahlen.. 36. Abt. 7½ Uhr Schulaula Straßmannstraße Mitgliederversammlung. Be richt der Bezirks- und Stadtverordneten. Aufstellung der Kandidaten. 38. Abt. 7 Uhr bei Schmidt, Fruchtstr. 36a, Mitgliederdversammlung. Bortrag des Gen. Stadtv. Kreuziger: Kommunalpolitik. Mitgliedsbücher mit bringen. 39. Abt. 6 Uhr Funktionärfisung. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Juristischen Sprechstunde. Vortrag des Gen. Stadtv. Schweikardt: Die tommenden Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. 40. Abt. 8 Uhr bei Schmidt, Teltower Str. 18, Mitgliederversammlung. Thema: Die kommenden Stadt- und Bezrtsverordnetenwahlen. Referen ten: Gen. Dr. Witte und Gen. Stadtrat Conrad. Aufstellung der Ran didaten. 41. Abt. 7% Uhr in den Blücherfälen, Blücherftr. 61. Thema: Die Stadt und Bezirksverordnetenwahlen. Referenten: Genoffin Grumbach und Gen. Kossatz. 42. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung in den Blücherfälen, Blüderstr. 61. Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen. Referent: Gen. Bruhns. 43. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Stabe, Fichteftr. 29. Bortrag des Bürgermeisters Dr. Rahle über: Rommunalpolitische Fragen und die Stadt und Bezirksverordnetenwahlen. 45. Abt. 7 Uhr Schulaula Forster Ede Reichenberger Straße, Mitglieder versammlung. Bortrag des Gen. Szielinski: Wohnungspolitit. 47. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung Lokal Südost", Waldemarstr. 75. Stellungnahme zu den Kommunalwahlen. Berichterstatter: Gen. Hezschold. Robinson und Lier. Wahlen zum Kreis- und Bezirkstag. Charlottenburg. 56. bt. 7 Uhr Abteilungsversammlung Solgendorffftr. 20. Vortrag über die kommenden Stadtverordnetenwahlen und Bericht vom . Bezirkstag. Ref.: Gen. Simon Ragenstein. 57. Abt. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Thunad, Wielandstr. 4. Bericht vom Bezirtstag. 2. Die Sozialdemokratie in der Kommune. Ref.: Gen. Horlig. Aufstellung der Kandidaten. 8 Uhr Mitgliederversammlung Ratsteller Gesellschaftssimmer. Die Sozialdemokratie und die Berliner Kommunalpolitik". Ref.: Een. Dr. Lohmann. 83. t. Zu der am Mittwoch stattfindenden Kreisvertretersizung in Bank wis, Raiser- Wilhelm- Straße, Restaurant Lehmann, des 12. Areises haben alle bisherigen Delegierten zu erscheinen. Die Mandate erhalten sie am Saaleingang. 81. Abt. Friebenan verordnetenwahl. Reukölln. 89. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung Rottbufer Damm Ged Bürknerstraße. Vortrag des Gen. Dr. Silberstein über: Rommunalpolitit. 2. Aufstellung der Kandidaten zu den Bezirks- und Stadtverordneten mahlen. 90. Abt. 8 Uhr Abteilungsversammlung Anabenmittelschule Donaustr. 120. Vortrag des Gen. Paul Feller: Die Tätigkeit der Bezirks und Stadtverordnetenfraktion. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Stadt95. Abt. 7% Uhr außerordentliche Abteilungsver sammlung bei Lausch, Hermannstr. 199. Aufstellung der Randidaten zu den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. Die Bezirksführer laden ein. 97. Abt. 7½ Uhr Abteilungsversammlung in der Rindl- Brauerei, Sermannstr. 214/219. Bortrag des Gen. Bürgermeister Rarl Leid über die ..Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion". 2. Aufftellung der Randidaten. Sichtenberg 115. Abt. 7% Uhr Funktionärfißung bei Lohan, Jung-, Ede Uderstraße. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. Die Kreisvertre ter müssen auch erscheinen. 116. Abt. 8 Uhr bei Murr, Neue Bahnhofftraße 28, Funktionärkonferenz. 128/130. Abt. Bankow. 7 Uhr Jugendheim Breite Str. 82, Mitgliederverfamm lung. Tagesordnung: Die kommenden Stadtverordnetenwahlen. Heiners dorf: 8 Uhr Sigung im Restaurant von Barann. 1. Bericht von der Kreiskonferens. 2. Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen, Ref.: Gen. Loesner. 131. Abt. Ricberschönhausen. 7½ Uhr Mitgliederversammlung Lokal ,, Bilhelmshof", Raiser- Wilhelm- Straße. Tagesordnung: Bericht vom Bezirks parteitag. 2. Stellungnahme zu den Stadt- und Bezirksverordneten wahlen. Die Bezirksführer Laden ein. 134. Abt. Buch. 8 Uhr bei Göpfert am Bahnhof Mitgliederversammlung. Bortrag der Stadtv. Genoffin Niedqer: Kommunalpolitik. 136. Abt. Reinickendorf- Oft. 7½ Uhr Abteilungsversammlung im Schützenhaus, Reinidendorf, Reftdenaftr. 1. 137. Abt. Reinidendorf- West. 8 Uhr Mitgliederversammlung Boltshaus, Scharnmeberstr. 114. Die Bezirksführer laden ein. Aufstellung der Kandidaten zur Stadt- und Bezirksverordnetenwahl. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 26. August: 108. Abt. Röpenid. Nachmittag Frauentaffee bei Schulz, Bahnhofftr. 43. * 44. Abt. Donnerstag, 27. Auguft, 7% Uhr, bei Ewald, Stalther Str. 126, außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die Bedeutung Der Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. Ref.: Gen. Eichberg. 2. Aufftellung der Kandidaten. Bericht vom Bezirkstag. Jugendveranstaltungen. Die Uebungsabende für Gymnastik unter Zeitung von Bifa Albrecht werben Lindenstraße 3. Das Schicksal des Dampfers Emil Kirdorf. Stinnes- Linien eingelaufenen Telegramm des Kapitans des Dampfers mieder aufgenommen. Beginu heute, Dienstag, um 7 Uhr im Jugendheim, Hamburg, 24. August. Nach einem bei der Direktion der Emil Kirdorf besteht für die Passagiere und die Mannschaft des Dampfers teine Gefahr mehr. Das Schiff, das sich bei Absendung der Depesche am Sonntag mittag auf 8 Grad nördlicher Breite und 54 Grad östlicher Länge, alio etwa auf der Söhe der Regrobai( italisch- Somaliland) befand, wird von einem englischen Dampfer begleitet. Der Kapitän spricht in einer Meldung die Hoffnung aus, binnen furzem das Feuer, das in der Kopra Ladung reiche und gefährliche Bericht vom Reichsjugendtag Hamburg". Neukölln V: Jugendheim Schierke. Nahrung findet, unter Kontrolle zu bekommen. Neuer Roheitsakt der Schwarzweißroten. Ein schwarzweißrotes Turnfest am Sonntag hat den Mut der Nationalisten in Golben nahe Lübben start schwellen lassen. Von der Bannerweihe in Lübben zurüdkehrende Lastautos des Reichsbanners wurden wie üblich angepöbelt. Um das Weiterfahren unmöglich zu machen, schlug ein Hüne von Gestalt mit einem schweren Hitlerstod auf einen der Chauffeure Ios, worauf ihm Arbeiterfäufte eine gehörige Tracht Brügel verabfolgten. Die entfliehenden Helden erstatteten dann An eige bei der Polizei wegen Ueberfalle, und prompt hielt die benachrichtigte Berliner Kriminalpolizei in Tempelhof in der Nacht sämtliche Autos mit Reichsbannerleuten längere Zeit Sinsendungen für diese Rubrik sind fe ft. Daß die Polizei den Verdrehungen rechts gerichteter Rohlinge ftets ein williges Ohr leiht, sollte nun endlich einmal aufhören. Eine einträgliche Brandstätte. Daß dem strupellofen Rapital jedes, auch das traurigste Mittel, gut genug ist, um schmählich Profit aus ihm zu schinden, ist durch zahllose Beispiele zu sehr erläutert, um bei neuen traffen Fällen be jondere Berwunderung zu erregen. Vor uns liegt eine Ankündigung der Sylter Dampfschiffahrtsgesellschaft A. G., die dazu aufruft, die günstige Gelegenheit, die schreckliche Brandtatastrophe von Norddorf auf Anrum( das Ambronenhaus und 11 Wohnhäuser niedergebrannt)" wahrzunehmen. Ein unglaublich bedenkenloser Synismus, der aus dieser Ankündigung spricht, Nun also los! Ihr Amüsement suchenden Saisonbesucher von Westerland, die ihr Euch auf die schweren Strapazen des vergnügungsreichen Winters in Kursalons, in der Fortrottdiele oder beim Strandflirt trainiert, mußt die günstige Gelegenheit! Eine neue Attraktion wissen die rührigen Unterhaltungsfachleute dem gelangweilten Bublifum nedisch vorzusehene. Originalität verbürgt! Die Pikanterie des grufligen Unterhaltungsthemas möchte den Reiz der Bergnügungsfahrt sehr erhöhen. Für die Hungernden und Abgebrannten von Norddorf aber wird der Anblick der luftigen Westerländer Badegesellschaft mit Opernguder und Kamera ein ganz besonderer Spaß und ein Trost für die Zukunft sein. = Teure Erholung. Wir hatten in der Morgenausgabe des ,, Borwärts" vom 6. d. M. unter der Ueberschrift hohenzollern- Repp" auf die Brandschagung von Naturliebhabern, die sich in den zum Hoffammergut gehörigen Forsten ein Zelt aufbauen, hingewiesen. Daß es fich nicht um einen vereinzelten Fall gehandelt hat, beweist uns eine Zuschrift, in der uns mitgeteilt wird, daß in der Dubrow, am Schmölde See von dem dort amtierenden Oberförster die gleiche Bragis geübt wird. Auch in diesem Falle hatte der Zeltbefizer einen Beltschein, der für das ganze Jahr 2 M. foftet. Es half ihm aber alles nichts, er mußte einen neuen lösen, der den gleichen Betrag toftete, aber nur für drei Tage galt. Die Ausbeutung erholung suchender Großstädter durch die Hoffammer" scheint ein einträg liches Geschäft zu sein. Aber nicht nur Privatforstbeamte betreiben die Zeltscheinjägerei. Bon einem Leser unseres Blattes werden wir gebeten, zeltbesigende Naturfreunde darauf aufmerksam zu machen, daß auch am Stol. zenhagener See, in der Nähe von andlig, das Beltaufschlagen jo teuer werden tann, als menn man sich ein Hotel Parteinachrichten Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, zu richten. & Kreis Arenzberg. Die Delesiertenfarten zur Areisvertreterverfammlung tönnen beim Genossen Schweifarbt abgeholt werden. Heute, Dienstag, den 25. August: Mittwoch 13. t. 8 hr bei Lausch, Bredomstr. 85, Funktionärkonferens. 7 Uhr im Artushof, Berleberger Str., Abteilungsversammlung. Tages ordnung: 1 Bericht über die Tätigkeit der Bezirksverordnetenfrattion. Ref.: Gen. Schröder. Aufstellung der Sandidaten zu den Stadt- und Beairksverordnetenmahlen. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr fortfehung der Funktionärversammlung bei Niendorf, Chauffceftr. 19. Jungsozialisten. 1 Sjön Heute, Dienstag, den 25. August, 7% Uhr: Hauser Borstadt I: Schule Sbfenftr. 17. Bortrag: Ruffifche Revolution. Webbing- Norb: Schule Müllerstr. 48. Bortrag: Rollfragen". Prenzlauer Borstadt: Jugendheim Danziger Str. 23. Bortrag: Proletariat und Dichtung". Weften: Baugewerksschule Rurfürstenstr. 141. Bortag: ,, Rapitalismus und Sozialismus"( Fortfekung). Mariendorf: Alte Schule, Dorfstr. 7. Bortrag: weck und Ziele der SAJ." Steglig I: Jugendheim Albrechtstr. 47. straße 44. Bortrag: Gottesglaube und Vernunft". Rosenthal: Schule Schillerstraße. Aussprache über Gewerkschaftsfragen. Bankow: Jugendheim Breite Straße 32. Bortrag: ,, Wir und die Rommunisten". Jugendheim Grünauer Str. 5. Bortral:„ Jugend und Sozialismus. Ropenid: Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastianftr. 87/38, Sof 2 St. Kamerabschaft Tiergarten. Mittwoch abend 7 Uhr Bahnhof Tier garten zum Spaziergang in Bannerkleidung. Anmeldung nach Fürstenwalde. Kameradschaft Brenzlauer Berg. Sämtliche Spielleute milfsen am Mittwoch abend 8 Uhr bei Hoffmann, Lnchener Str. 8, antreten. Snftru mente sind mitzubringen." Kameradschaft Steglik. Donnerstag Turnen und Mannschaftsiibungen aller aktiven Kameraden. Sug- und Gruppenführer milfsen erscheinen. Kameradschaft Treptow. Sonntag, 30. Auguft, früh 7 Uhr, Antreten der Fürstenwalder Teilnehmer an der Wiener Brüde. Angehörige tönnen teilnehmen. Fahrpreis 2, M. Das Geld muß bis zum 29. Auguft beim Rameraden Reßler abgegeben sein. Gefechinen sämtlicher Kameraben Rameradschaft Lichtenberg nebst Untergruppen. Mittwoch, 26. Auguft, 7 Uhr, Borstandssikung bei Krüger. Sämtliche Untergruppen milfen vertreten sein. Die passiven Mitglieder werden noch besonders darauf aufmertfam gemacht, daß am Sonntag, 30. Auguft, unser republikanisches Strandfest bei Schonert am Rummelsburger See stattfindet. Bollzähliges Er scheinen Pflicht. Donnerstag, 27. Auguft, 7% Uhr Antreten der gesamten Kameradschaft bei Rrilger zweds Einteilung zum Sonntag. Sämtliche Mitglieder, auch die passiven, haben zu erscheinen. Die Gruppenführer laden ein. Ehrenpflicht. Gruppe Süben: 7% Uhr Juristische Sprechstunde, Lindenftraße 3, Bortrag des Gen. Br. Neumann: Utopisten einst und jekt". Gäste willkommen. Mitgliederversammlungen am Mittwoch, den 26. August: 8. bt. 7 Uhr bei Gründer, Schwerinstr. 13, Mitgliederversammlung. Bortrag des Stadtverordneten Gen. Clajus: Unfere Tätigkeit in der Rommune und die kommenden Wahlen". 2 Aufstellung der Kandidaten. 9. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Artushof, Berleberger Str. 26. Bortrag des Gen. Julius Bethge:„ Die tommenden Stadt- und Bezirks. verordnetenwahlen". 2. Bericht vom Bezirkstag. Kreisvertreterwasen. Die Bezirksführer rechnen ab. 10. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung, Schule Alt- Moabit 23. Bortrag des Gen. Stadrat Zimmermann: ,, Die kommenden Stadtverordnetenwahlen". 11. Abt. 7 Uhr bei Berger, Levezow- Ede Jagowstraße. Vortrag des Gen. Ermin Barth: Der Rollkampf im Reichstag". 12. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung bei Schmidt, Wiclefftr. 17. Stellung. nahme zu den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. 14. Abt. 8 Uhr wichtige Abteilungsversammlung Schule Buttbufer Str. 3. ,, Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen". Ref.: Stadtverorneter Gen. Bachert, M. d. L. 15. Abt. 7 Uhr bei Goldbach, Vinetaplas 7, Mitgliederversammlung. Thema: Die Auswirkung der Zollvorlage auf die Arbeiterschaft". Ref.: Gen. Richter, M. d. L. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 25. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Literarische Stunde( Frank Thieß: Der Leibhaftige"). 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Völkerkunde. Prof. Dr. Georg Wegener:„ China, Land und Leute. 2. Vortrag. Die Bevölkerung Chinas". 8.30 Uhr abends: Friedrich Vortrag: Theodor Kappstein. Rezitation: Paul Bildt. 9.35 Uhr Nietzsche. Zur Feier des 25jährigen Todestages. Einleitender abends: Anton Rubinstein: Sonate( Hermann Spitz, Bratsche, und Bruno Seidler- Winkler, Klavier). 10 Uhr abends: Dritte Bekannt gabe der neuesten Tagesnachrichten Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen. Dienstag, 25. Auguft, im Realgenmnafuum Oberschöneweide: Bortrag: Geistige und seelische Unterschiede awischen Knaben und Mädchen.( Frau Oberschulrat Dr. Wegscheider.) Deutsch österreichische Liebertafel zu Berlin, gegründet 1910, übt jeben Dienstag um 8 Uhr im Vereinsheim, City- Sotel, Dresdener Str. 52. Gäste herzlich willkommen. Sport. Graffin Weltmeister! Am Sonntag fand in Amsterdam der Endlauf um die Weltmeisterschaft der Dauerfahrer über 100 km statt. Die vier Teilnehmer für den Endlauf waren, tie bereits mitgeteilt, Graisin( Frankreich), Linart( Belgien), Sérés( Frankreich) und Snoek( Holland). Der Lauf brachte den glatten Sieg des Franzosen Grassin bor Snoet, Sérés und Linart. heutigen Dienstagabend 6 Uhr vor sich. Die am Sonntag verregneten Rennen der Olympiabahn gehen nun am Die Bis"( Vereinigte Uebungsfälten jüdischer Sportverbände) veranstaltet zugunsten der Errichtung eines Sportplages für die angeschlossenen Sportberbände am Sonntag, den 30. August 1925, auf dem Sportplag des BSC in der Ciceroftraße ihr 2. Werbesportfest. Zu den athletischen Wettkämpfess liegen insgesamt über 300 Meldungen aus Berlin und auswärts vor. Für Deutschland: Deftlich der Doer ziemlich heiter, font tribe unb well Wefter für Berfin and Amgegend: Bewölft und regnerisch. Kühler.erbreiteter Regen Arbeiter Sport Was lehrt die Olympiade? Die 1. Internationale Arbeiter- Olympiade bot des Gehenswerten auf dem großen Stadiongelände Frankfurts so viel, daß selbst der eifrigfte Beobachter immer nur ein Teilbild des Ganzen gewinnen fonnte. An zehn bis zwölf Stellen wurde oft zu gleicher Zeit ein Bild der verschiedenartigsten Körperfultur gezeigt, und dann strömte wieder die Masse aller Sparten und Länder zu jenen imposanten Darbietungen der Gesamtheit zusammen, die in dem Festzug, den Massenfreiübungen usw. ihren schönsten Ausklang fanden. Der größte Erfolg des Festes war die Harmonie der Nationen, das Gefühl, ein Volk von Arbeitsbrüdern zu sein mit dem Ziel der internationalen Solidarität. In zweiter Linie wird der Erfolg der Olympiade darin bestehen, aus den Erfahrungen dieses Festes die praktischen Nuganwendungen für die Zukunft zu ziehen. Als lehrreichster Teil in diesem Sinne muß zweifellos der Systemwettstreit" bezeichnet werden. Auf der Olympiade war den Ländern die Aufgabe gestellt, ihr Turn- und Sportfyftem zur Darstellung zu bringen. Dieser Systemwettstreit, von Aerzten und Technikern gewertet, hat bei dieser ersten Probe freilich noch nicht ganz den erwarteten Erfolg gebracht, weil einige Länder nicht eine Uebersicht ihrer gesamten Uebungsarten gaben, sondern gut eingeübte Stunstgruppen zur Vorführung brachten. Die Aerzte beurteilten die Männerübungen der Deutschen als ausgezeichnet, da sie eine vorzügliche Durchbildung des ganzen Körpers gewährleisten( neue Gymnastik). Die Frauenübungen der Deutschen fanden besonderes ob, da sie einen systematischen Wechsel zwischen Kraft-, EntspannungsSchwung- und Schönheitsübungen, zwischen turnerischen und rein ästhetischen Motiven mit viel Beweglichfeit enthalten. Als sehr gut murden auch die Männerübungen der Tschechen bezeichnet, doch murde die zu starte Betätigung der Muskeln und das Fehlen von Entspannungsübungen moniert. Die Männerübungen der Finnen wurden als gut, aber zu anstrengend beurteilt, ferner sollen mehr Atemübungen eingeschaltet werden. Die Belgier( Männer, Blamen) zeigten gute Uebungen, aber noch das starre militärische System mit furzen Anstrengungen und langen Bausen, ohne Entspannung. Die Bekleidung ist nicht einwandfrei( Trifothemd, enganliegende lange dunkle Hose und schwarze Kappe auf dem Kopf). Die Frauenübungen Finnlands fonnten nur als genügend bewertet werden, da Bewegungsübungen ohne förperliche Durcharbeitung gezeigt wurden. Auch die unzweckmäßige Kleidung wurde moniert. Zwei Männermannschaften der Belgier zeigten schwedische Uebungen( sehr gut) und deutsches Turnen( gut). Dieser Systemwettstreit hat großes Interesse gefunden, daß eine Wiederholung in verbesserter Form auf der nächsten Olympiade nur gewünscht werden kann. Bei den leichtathletischen Wetttämpfen waren die Finnen ( Männer) allen anderen in Technik und Tattit meit überlegen. Sie hatten Trainer zur Stelle, woran es in Deutschland faft ganz fehlt. Auch die strenge Enthaltsamkeit von Alkohol und Nikotin hat zum Erfolg sicher beigetragen. Deutschland fonnte nur in zwei leichtathle tischen Konkurrenzen siegen( Schleuderballwerfen und Gehen), weil hier die finnische Konkurrenz fehlte. Bei den Sportlerinnen waren die Deutschen dagegen an erster Stelle, was der starten Propaganda für den weiblichen Sport in Deutschland zugeschrieben merden muß. Eine Ausnahme machten die Wurffonkurrenzen, bei denen die finnischen und lettischen Sportlerinnen ihre Ueberlegenheit zeigten. Daraus darf geschlossen werden, daß die deutschen Genoffin nen bei der nächsten Olympiade auch auf den anderen Gebieten eine schärfere Konkurrenz haben werden. liegten die Deutschen über die Finnen mit 2: 0, auf beiden Seiten wurde ein ideales Musterspiel vorgeführt, das die große Zuschauer. menge bis zum Schluß in Spannung hielt. " Augenblid, wo eine ungeheure Nahrungsmittelverteuerung einbracht. Es gilt, dem Sozialismus nicht allein durch Worte zu dienen, treten soll, wäre das Mittel des Schnapsbontotts äußerst ange sondern durch Taten. Der Kampf gegen den Altohol ist aber Sozia lismus der Lat. Die Lügen der Einheitsfrontler. Abwehr der verleumdeten ausländischen Sportsgenoffen. Jugend: Dienstag und Scotteg 8-10: Rudben: Dienstag und feettag 8% br: Frauen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr: Mädchen: Mouring und Donnerstag 7-8% Ubr. Sportplak: Lichtenberg, Normannen- Ruscheftraße. Bezirk Norben II. Turnhallen: Männer, Knaben und Mädchen: Schönfließer Str. 7; Frauen: Sonnenburger Str. 22; Jugendliche: Driesener Str. 20. Männer: Dienstag und Freitag 8-10 Uhr; Jugend: Montag und Donners tag 7-9 Uhr; Knaben: Dienstag und Freitag 7-8% Uhr; Frauen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr; Mädchen: Montag 7-8% Uhr, Donnerstag 6-8 Ubc. Sportplag: Niederschönhausen, Bismarcftr. 44( Thiele); Spielplag: Städtischer Blah Schönhauser Allee. Bezirk Often. Turnhalle: Straßmannftraße 6; Mädchen: Rigaer Str. 8. Männer: Freitag 8-10 Uhr; Jugend: Dienstag und Freitag 8-10 Uhr; Knaben: Dienstag und Freitag 6-8 Uhr; Frauen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr; Mädchen: Montag und Donners tag 6-8 Uhr. Bezirk Bedding. Turnhalle: Pantstr. 19( Lessing- Gymnasium); ube: Jugend: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr; Knaben: Dienstag und Jugendabteilung: Bant, Ede Wiesenstraße; 2. Mädchenabteilung: Müller, Ede Triftstraße. Männer: Freitag 84-10 Uhr; Sportabend: Dienstag 8-10 Freitag 6-8 Uhr: Frauen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr; 1. Mädchen: Montag und Donnerstag 6-8 Uhr; 2. Mädchen: Montag und Mittwoch 6% 8% Uhr. Sportplag: Städtischer Sportplag Reinidendorf- West( Reinidendorfer Stadion); Spielplag: Buchholz, An der Löffelbrücke. Bezirk Südoften. Turnhalle: Männer, Jugendliche und Knaben: Forster, Ede Reichen benger Straße; Frauen und Mädchen: Glogauer Straße. Männer: Dienstag 8-10 Uhr: Jugend: Dienstag 8-10 Uhr; Knaben: Dienstag 6-8 Uhr, Freitag 6-7 Uhr: Frauen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr; Mädchen: Montag und Donnerstag 6-8 Uhr. Sportplak: Wiefe 5 und Am Urban. Bezirk Weften. Männer, Frauen und Jugendliche: Dienstag 8-10 Uhr Culmstr. 15, Donnerstag 8-10 Uhr Elsholz-, Ede Ballasstraße; Anaben: Dienstag 6-8 Uhr Culmftr. 15; Mädchen: Donnerstag 6-8 Uhr Culmstr. 15. Sportplag: Städti Bezirk Sentrum. b 1. Geptember in der Turnhalle Gartenstraße 106. Fußball. Endspiel im Stralau- Turnier. Die Arbeiterolympiade in Frankfurt a. M. haben die Herrschaften der Roten( fommunistischen) Sportinternationale" zum Anlaß genommen, in der Roten Fahne" über die ausländischen Arbeitersportler allerlei unwahrheiten und Berleum- scher Spielplaz Kakbachstraße bungen zu verbreiten. Die wahren Absichten waren mur zu gut ertennbar: Man benutzte die Gelegenheit, die verhaßte Luzerner Internationale wieder einmal zu entlarven, um die Vorschriften Mostaus zu erfüllen. Nunmehr haben sich die finnischen und lettischen Sportgenoffen, ble von der Roten Fahne besonders ftebevoll bedacht wurden, mit einem Schreiben an den Vorstand des deutschen Arbeiterturn- und Sportbundes" gewandt, das wir den deutschen Arbeitersportlern im Wortlaut zuführen wollen: Lettland,&. August 1925. Arbeiter- Turn- und Sportbund Leipzig, Fichtestraße 36. Berter Genoffe! ein Hertha 22 und Stralau gegenüber. Mit dem Anstoß Am Freitag standen fich die beiden ersten Mannschaften von Don Hertha entwickelt sich sofort ein scharfer Kampf, bet dem die Torwarte des öfteren eingreifen müffen. Ein schneller Durchbruch des Mittelstürmers von Stralau tann der Torwart gerade noch zur Ece ablenfen, die jedoch nicht verwandelt werden tann. Auch Hertha versucht durch Lintsaußen durchzubrechen, aber entweder ist es der Torwart oder die Verteidigung, die jeden Angriff abwehren. Erst in der 42. Minute gelingt es dem fleinen Halblinfen von Stralau, nach gutem Zuspiel seinem Verein die Führung zu geben. Nach der Pause greift Hertha" flott an. Nach 5 Mimuten sendet der Mittelstürmer unhaltbar zum Ausgleich ein. Dadurch wird das Spiel noch aufgeregter; das macht sich in der Hauptsache bei Stralau bemerfbar. Fünf Meter vor dem Tor schießt der Mittelstürmer in der Aufregung den Ball über die Latte. Hertha" tommt jetzt nur noch selten in die Nähe des Stralauer Lores und beschränkt sich auf die Verteidigung. An Im Besiz Ihres Schreibens vom 4. Auguft habe ich Ihnen mit zuteilen, daß der Olympiabericht der Roten Fahne eine infame Lüge it. Riemals haben die lettländischen oder die finnländischen Genossen sich geweigert, unter den schwarzrot goldenen Fahnen zu starten. Im Gegentell haben unsere Genoffen jedesmal, als fie in Frankfurt eine Reichsbannerabteilung mit der Fahne der deutschen Republit vorbeimarschieren fahen, diese Fahne gegrüßt. Biele von unseren Genossen haben von deutschen Genoffen die Reichsbannerabzeichen getauscht und trugen mit Freude diese schwarzratgoldenen Ab- griff auf Angriff macht der Sturm der Stralauer, aber der Torzeichen. Ueberhaupt haben wir teine Abneigung gegen die Fahnen der Republit, und wir selbst( die Finnen und Letten) haben auf unseren Kostümen die Fahnen der Republiken Finnlands und Lettlands. Des weiteren ist in Betracht zu nehmen, daß die Mehrzahl der finnischen und alle lettischen Olympiateilnehmer mit glieder der Sozialdemokratischen Arbeiter. partet unserer Länder sind und schon deshalb nichts Gemeinjames mit irgendwelchen Protestaktionen gegen die Fahnen der Republit haben fönnen. Im Namen unseres Bundes bitte ich Sie, werter Genoffe, in Ihrer Presse gegen den Bericht der„ Roten Fahne energisch protestieren zu wollen. Mit Frei Heil! Arbeitersport- und Schutzbund Lettlands. Bruno Kalnit. Dor Diefe Feststellung ist für die Anhänger der Roten Sportinter rationale" noch niederschmetternder, wenn man weiß, daß die Ber treter der RSI in Frankfurt a. M. nichts unversucht gelaffen haben, um mit Bertretern anderer Länder Berbindungen zu bekommen, bei denen fie aber derbe Abfuhren einsteden mußten. Am treffendsten war die Antwort der jugoslawischen Genossen, die bereits 14 Tagen im Arbeitersport des Borwärts" mitgeteilt wurde. Die ganze Angelegenheit beweist wieder einmal, daß den Mostauern nichts, aber auch gar nichts an der Einheit der Arbeitersportbewegung gelegen fft. Die Einheit ist übrigens längst in der„ Luzerner Internationale" burchgeführt; der Rummel, der von den Kommunisten mit Hilfe ihrer sagenhaften Roten Sportinternationale" gemacht wird, erweist sich in jeder Phase als ein Wiederbelebungsverfuch eines toten tommunistischen Barteltörpers. Die Entschieden helt, mit der die ausländischen Genossen die Moskauer Sendlinge abfallen ließen, follte auch für andere Luzernsportler vorbildlich sein. mittelstürmers von Stralau geht gegen den Pfosten. wart scheint unschlagbar zu sein. Ein scharfer Schuß des In der gebener Ball wird vom Halbrechten aus der Luft ins Tor be25. Minute geht Lintsaußen schnell durch. Sein zur Mitte gefördert. Stralau" versucht den Vorsprung zu erhöhen, während Hertha" den Ausgleich herbeiführen will. Scharfe Schüsse be nichts mehr. Stralau hat somit das Turnier gewonnen. tommen beide Torwarte zu halten. Am Resultat ändert sich jedoch * Weitere Refultate: Fichte- Nord gegen Borwärts. Hennigsdorf 0: 3; zweite Mannschaften 0: 1 Borussia- Reinidendorf gegen Britannia 1: 1; zweite Mannschaften 0: 5. Hertha 22 L. gegen Stralau Ib 1: 5. Stralau Jugend gegen Brandenburg 02 2: 1; Stralau II Jugend gegen Lichtenberg I 2 Jugend 0: 2 Stralau I. Schüler gegen Wilmersdorf L Schüler 3: 0; zweite Schülermannschaften 3: 0. Straßenlauf der Leichtathletik- Bereinigung am 20. September. Ausfdyrefbarng! A. Sauptstaffel: 7,5 Kilometer, 15 Säufer. Start: Bahnhof Friedrichsfelde. Stel: Bandsberger Plaz. A, B, C und D Vereine. B. Rleine Staffel: fitr Schwimmer, Spieler und Turner. 8,6 Kilometer, D. Schüler und 10 Läufer. Start: Bahnhof Frankfurter Allee. Beim Fußballspiel In allen Ländern fezt nun die Besprechung ber Olympiade ein. Nicht mit Unrecht führt wohl die Wiener Arbeiter Beitung die Erfolge der Finnen auf die Totalabstinenz und strenge Diät( fie hatten eine eigene Küche in Frankfurt) zurüd. Die Belgier halten im Oktober ihren 1. leichtathletischen Kongreß ab, auf dem die Lehren der Olympiade besprochen werden sollen. Auf dem internationalen Kongreß der Luzerner Arbeitersport- Internationale in Paris wird gleichfalls dieses Thema im Vordergrund der Erörterungen stehen. In Deutschland wird der Bundestag 1926 die gemachten Erfahrungen eingehend erörtern, damit die nächste Olympiade in vier Jahren mit noch größerem Erfolge abgehalten werden fann Alkohol und Olympiade. Austritt aus Fichte. Man fchreibt uns von unterrichteter Seite: Meter. Start: Landsberger Allee Ede Petersburger Straße. C. Frauenstaffel: 10 × 100 Schülerinnen: wie C.- Einzeltonturrenzen: 7,5 Kilometer. Start: Bahnhof Friedrichsfelde. E. Einzellauf für Männer. F. Einzellauf für ältere Sportler ( ab Jahrgang 95). G. Gehen. Siel fire alle Ronkurrenzen: Landsberger Blag. Stredenführung wie Sauptstaffel. Staffeln A und B beliebiger Wechsel. Gesonderte Jugendstaffeln werden nicht ausgetragen. Stredenplan und AusA 3 M., B 2 0,50 Seit Die Verhältnisse im Turn- und Sportverein Fichte" haben sich in der legten Belt so zugespitzt, daß es anders als tommunistisch Dentenden unmöglich geworden ift, meiter Mitglied des Vereins bleiben zu tönnen. Den Bereinstinderturnwart wählte man nur wegen seiner politischen Einstellung nicht wieder, trotzdem man feinen Erjaz für ihn gefunden hatte. Eine auf der legten Vereinsversammlung angenommene Resolution besagt, daß die Frankfurter Olympiade eine bürgerliche Veranstaltung war. Die bei der Lieste- Angelegenheit dem Bunde gegebenen Bersprechungen wurden nicht gehalten. Die offizielle Begrüßung des Roten Front tämpferbundes bei der 35- Jahr- Feier von Fichte" und der Dant für die geleistete Unterstützung durch den 1. Techniker des TurnDereins zeigt deutlich bie eingeschlagene Richtung. Man hatte auch nichts dagegen einzuwenden, daß der ausgeschlossene Bruno Lieste, jetzt Sanitäter", an den Freiübungen bei diesem Fest teilnahm. Die Mitglieder, die sich am festzuge nicht beteiligten, wurden von einer Gruppe des Vereins kurzerhand aus. geschlossen, während sie durch die Resolution einer anderen Gruppe moralisch nicht mehr als Genossen" betrachtet werden. Diese Resolution fand auch vom Vorstand des Vereins feinen Widerspruch. Im Turnverein also genau wie in der Rommunistischen Partei: Wer nicht pariert, fliegt." Arbeitersportler, die ihr noch eine elgene Meinung habt, tömmt ihr es mit eurer Ehre vereinbaren, weiter dem Turn- und Sportverein Fichte" anzugehören? Der jegige Zustand fordert etne flare Stellungnahme. In Borstehendem ist aufgezeigt, daß es unmöglich ist, in Fichte im Sinne der Arbeitersportbewegung zu arbeiten. Wir fordern daher alle Sportgenoffinnen und Genoffen auf, die letzte Konsequenz zu ziehen und überzutreten zu einem Verein, dem es an erster Stelle barum zu tun ist, dem Proletariat gesunde Menschen zuzuführen. Arbettereltern! Auch ihr habt die Berpflichtung, eure Kinder mur in Vereine zu schiden, in denen Rörperpflege Hauptzmed iſt, ohne dabei die sozialistischen Ziele zu vergeffen. Das heiße Better während der Olympiadetage in Frankfurt fteß befürchten, daß der Alkoholkonfum Dimen ungeahnte fionen annehmen würde. Wind und Regen brachten ein wenig Abi..hlung und minderten den Altoholtonfum um ein wesentliches herab; ob das gleiche auch die Abstinentenagitation erreicht hat, erScheint zweifelhaft. Letztere war auch mehr auf Frankfurter Lokal verhältniffe, als auf die Internationale Arbeiter- Olympiade zuge fchynitten. Allerdings zog sich gleich am Eingang des Stadions über den breiten Weg ein weißer Leinwandstreifen mit dem Will fommengruß:„ Sporter, meidet den Alkohol Die Ausstellung des Abstinentenbundes war gut besucht, nicht aber der intereffante Bortrag des Gen. Dr. Juliusburger, sodaß noch nach träglich über ihn berichtet werden soll. Dr. Juliusburger betonte eingangs feines Referates die Einheit von Körper und Seele, die gerade im Sport ihren höchsten Ausdruck erhält. Es gilt alles zu vermeiden, das geeignet wäre, diese Einheit zu stören. Dies tut aber der Alkohol. Unter feiner Wirkung find teine höchstleistungen zu er zielen, höchstens Scheinleistungen Seinen schlimmen Einfluß auf die geistigen Fähigkeiten, felbft bel mittleren toholmengen, seine todbringende Wirkung selbst bei ganz geringen Quantitäten in verschiedenen Fabrikationen find durch die For schungen der Kraepelinfchen Schule schon seit langem dargetan. Ift denn aber auch der Alkoholismus in geringen Mengen verwerflich, widerspricht er der sozialistischen Auffaffung? Nach der sozialistischen Auffassung ist das Individuum Träger der überindividuellen Idee. Cin Glas Bier oder Wein stützt die Trinffitte, der Tausende zum Opfer fallen, stützt das Alkoholkapital, trägt dazu bei, daß unge heure Geldsummen, anstatt zum Wohl der Volksgenossen zu dienen, auf Alkohol draufgehen. Das Alfoholtapital tann nur bei ber Un mäßigteit gedeihen. Im Rampfe gegen das Alkoholfapital, bem die Presse in weitestem Maße zur Verfügung steht, genügt deshalb ft ble Stätte, die jedem Gelegenheit gibt, ohne Rücksicht auf Bartet nicht allein Aufklärung. Es handelt sich darum, es zur Strecke zuzugehörigkeit sich im Sinne der Arbeitersportbewegung zu betätigen." bringen. Dies ist nur möglich durch Alkoholverbot. Man muß dem verstorbenen Wiener Genossen Abler, der erst im reifen Alter Abstinent geworden war, beipflichten, wenn er sagte:„ Mit dem Glafe Wasser in der Hand allein kann man den Gegner bezwingen." Die sozialdemokratische Partei müsse den Kampf gegen den Alkohol und das Alkoholfapital auf ihre Fahne schreiben. Gerade im Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin" Uebungsstätten der Freien Turnerschaft. Bezirk Süden. Turnhalle Boedhftr. 17/20. Männer: Dienstag 8-10 Uhr; Jugend: Mittwoch und Freitag 8-10 Uhr; Anaben: Mittwoch und Freitag 68 Uhr: Frauen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr; Mädchen: Montag und Donnerstag 6-8 Uhr. Sportplag: Städtischer Sportplag Am Urban. Bezirk Rorden 1. Turnhalle Graunstr. 12. Männer: Freitag 8-10 Uhr; Dixin führungsbestimmungen gehen jebem Berein nach Meldung pl. Startgeld: geld und namentlicher Meldung von Kampfrichtern und ebungen mit Giarttember an Billi Starka, Bin.- Tempelhof, Ningbahnstr. 49. Konriften werein Die Naturfreunde"( Zentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Die Geschäftsstelle der Ortsgruppe ift jeht unter Humboldt Nr. 9168 telephonisch erreichbar. Es steht noch eine Anzahl Beitungen Der Naturfreund" au Werbezweden zur Verfügung. Abteilungen, welche davon Gebrauch machen wollen, fönnen fich die Beitungen abholen. Abt. Wedding. Dienstag, 25. Auguft ,. im Seim Lütticher Str. 48, Bortrag des Genoffen J. Serlinger über ,, Gottlose. Lyrit". Gäste willkommen! Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch, Punkt 7 Uhr, Vereins- Vierteljahresversammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 25. Der Turnbetrieb fällt an diesem Abend aus. Die Rinderabteilungen schließen um 7 Uhr. 31. Auguft, 8 Uhr, Sufammenturnen der geübteren Turnerinnen, Turnhalle Montag, Straßmannftr. 6. Ausschreibung. Sportverein Moabit. Der Meldeschluß für das Sportfest ift am 1. September. Auf mehrfachen Wunsch wird nody ein 200- meter- Laufen Rinder zahlen tein Startgeld. für Männer eingefügt, für Schüler und Schülerinnen eine 4 × 100- meter- Stafette. Deutscher Metallarbeiter- Berband Hente, Dienstag, den 25. August, Bericht der Bertrauensleute. 3. Ber fchaftshauses, Engelufer 24/25: Jeder Lehrling muß unbedingt nachm. 5 Uhr, im Saal 1 des Gewert- schiedenes. Branchenversammlung pflichtet, jeben Lehrling zur Berjamin ng der Metalldrücker und Polierer au schicken. Tagesordnung: 1. Bortrag: Die Achtung! Zigarettenmaschinenangelegenheiten und Bericht. Berführer u. Betriebshandwerker! Situation im Baugewerbe". 2. Branchenfchiedenes. Der Wichtigkelt ber Tagesordnung ent- Donnerstag, den 27. August, nachfprechend find alle Berufskollegen ver- mittags 5 Uhr, im Parterresaal des pflicht zu erscheinen. Verbandshauses, Linienftr. 83/85: Bau-, Geldschrank- und Möbelschlosser! mittwoch, den 26. August, abends 7 2hr, im Parterresaal des Berbandshauses, Linienfte. 83/85: Branchenversammlung Branchenversammlung Bersammlung betanntgegeben. Die Tagesordnung wird in der Achtung! Rohrleger und Helfer! Tagesordnung: Bericht über Donnerstag, den 27.Auguft. abends unsere Sohnbewegung. 7.Uhr, im großen Saal des Gemertschaftshauses, Engelufer 24/25: räte ber Betriebe treffen fich am selben Branchenversammlung Die Vertrauenslente n. Betriebs Tage um 5 Uhr im Barterrefaal. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Donnerstag, den 27. Auguft, nach mittags 5 Uhr, im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer: Versammlung sämtlicher Metalldrücker- Lehrlinge. Tagesordnung: 1. Vortrag. Tagesordnung: 1. Bericht über ben gegenwärtigen Stand unserer Tarif Branchenangelegenheiten. und Lohnbewegung. 2. Berbands- und Mitgliedsbuch legitimiert! In Anbetracht der gegenwärtigen Ber hältnisse in unserem Gewerbe ist Erscheinen aller Kollegen unbedingt notwendig. Die Ortsverwaltung. Henkel's Seifenpulver Ein Seifenpulver wie es sein soll fettreich und von höchster Wasch- al kraft. Die große Ergiebigkeit dieses Seifenpulvers sichert sparsamstes Waschen. Für Maschinenwäsche hervorragend geeignet. Wirtschaft Baugewinne. Ein Beitrag zur Frage der Dividendenbildung. Es fann nicht oft genug betont werden, daß die Dividende und und demgemäß auch die Dividendenlosigkeit durchaus nicht ohne weiteres ausweift, wieviel ein Unternehmen ver. dient, oder daß es Verluste gehabt hat. # Die Dividende ist immer nur ein Teil des Reinge minnes gewesen, und der Reingewinn ist ein Teil des Roh oder Bruttogewinnes. Von den Betriebseinnahmen sezt das kaufmännisch richtig geleitete Unternehmen vor allem seine mehr oder weniger umfangreichen Abschreibungen ab.( Die stillen Reserven werden gebildet, bevor der Rohgewinn ausgewiesen wird!) Neben den Abschreibungen werden aus dem Rohgewinn die Steuern und sozialen Abgaben gedeckt. Was dann übrig bleibt, das ist der fogenannte Reingewinn. Aus diesem Reingeminn werden die Vorzugsdividende, die Tantiemen und Gratifitationen gezahlt, Sonder. überweisungen vorgenommen usw., ebenso entstammt der manchmal recht beträchliche Vortrag auf das neue Jahr aus dem Reingewinn. Im übrigen wird auch ein Teil des Reingewinnes als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. fightszatmitglteber 63000 m., und an die übrigen lettenben Beamten( Direktoren, Prokuristen ufm.) 140000 m. Tantie. men und Gratifitationen verteilt worden. Von dem ver. bleibenden Rest des Reingewinnes konnten dann die Aktionäre Immerhin noch 15 Broz. Dividende erhalten! In der Generalversammlung dieser Aktiengesellschaft betonte die Geschäftsleitung ausdrücklich, daß in dem Erträgnis des Jahres 1924 feine Gewinne aus den riesenhaften und besonders günstigen Auslandsaufträgen enthalten seien! Danach ist also das angeblich so traurig daniederliegende Inlandsgeschäft des Jahres 1924 doch nicht ganz so unrentabel gewesen als es im allgemeinen immer hingestellt wird. Als zweites Beispiel sei hier aus der Baubranche noch auf die Ed. 3üblin u. Co. A. G., Stuttgart, hingewiesen. Die Züblin A.-G. hat Ende 1924 beschlossen, the Goldkapital von 450 000 m. auf 850 000 m. zu erhöhen. Es ist erstaunlich, wie ist. Die jungen Aktien sind in diesem Frühjahr von den alten reibungslos diese Erhöhung um nahezu 100 Broz. vor sich gegangen Aftionären mit 5 Proz. über den Nominalwert( 1) übernommen und bezahlt worden. Bei einem Vergleich des Jahresabschlusses mit der Bolb. Goldmarteröffnungsbilanz, bei einem Vergleich also, der die Beit vom 1. Januar 1924 bis 31. Dezember 1924 umspannt, ergeben fich verblüffende Feststellungen. Im übrigen hat die Züblin A.-G. im vergangenen Jahre aus ihren laufenden Einnahmen auch noch die sämtlichen Attien einer Betonwerte 2. G. erworben. Die Züblin A.-G. vermochte während des Jahres 1924 ihre Liegenschaften um den Betrag von rund 100 000 m. zu vergrößern; Was wir hier eben schilderten, das ist der Normalfall, gewisser. ihre Mobilien, Maschinen und Geräte, ihre Vorräte an Materialien und ihre Guthaben stiegen sämtlich ganz erheblich. Es gibt über maßen die übliche Form, nach der, in jedem einzelnen Fall ver schieden, die Aktiengesellschaften schon immer, entsprechend ihren haupt faum einen Attivposten der Bilanz, der sich bei dieser Gesell. speziellen Bedürfnissen und ihrer sonstigen Einstellung zum Aktionärschaft im vergangenen Jahre nicht erheblich verbessert hätte. Dabei und zur Dividende, die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung find aus dem Gewinn rund 15 Broz. des vorjährigen Aktienkapitals gestalteten. an Abschreibungen möglich geworden. Der dann verbliebene Nach der Stabilisierung ist es üblich geworden, jo weit als Reingewinn in Höhe von 77 000 m. hat den Aktionären außerdem irgendmöglich auf Dividendenauszahlung überhaupt noch 12 Pro 3. Dividende eingebracht. zu verzichten! Die Gründe dazu sind von sehr verschiedener Art. Es gibt Aktiengesellschaften, die aus wirtschaftlichen Gesichts. punkten meinen, es sei besser, den Reingewinn im Betrieb zu be halten, als ihn irgendwelchen rein spekulativ eingestellten, völlig be triebsfremden Aktionären zufließen zu lassen. Andere Aktiengesellschaften so gut wie den beiden, die hier näher untersucht wurden, schaftsleitungen sind wieder der Auffassung, daß es heute nun mal zum fapitalistisch guten Ton gehöre, teine Dividende zu verteilen und flagen. Außerdem treibt das den Steuereinnehmer leichter aus dem Hause und Dividendenlosigkeit bremst die Begehr lichkeit der Arbeiter." Sicher gibt es auch eine ganze Reihe Unternehmen, denen es wirklich schlecht geht man braucht nur an die Stinnes- Automobil A.-G. zu denken. Aber ebenso richtig ist es, daß es eine erhebliche Anzahl von Aktiengesellschaften gibt, die auch im vergangenen, wirtschaftlich sicher nicht einfachen Jahr recht gut verdient haben. Wir nehmen heute zwei Abschlüsse aus dem Bauge. werbe zur näheren Betrachtung als Beispiel. Die Julius Berger Tiefbau A.-G., Berlin, ist tein unbekanntes Bauunternehmen. Ihr Firmenschild ist überall in Deutschland, ja in ganz Europa zu finden. " Die Julius Berger Tiefbau A.-G. hat im Geschäftsjahr 1924 ganz beachtliche Abschreibungen auf Maschinen, Geräte, Erfaßteile und Betriebsstoffe aus dem normalen Betriebsgewinn zu machen vermocht. Dabei war das Unternehmen am Jahresabschluß 1924 ohne Bankschulden, ja es hatte sogar ein Bantguthaben in Höhe von 830 000 m., diefes Konto war ganz erheblich höher als jelbft 1913 ( 553 000 m.) Am 1. Januar 1924 betrug es fogar nur 98 000 m.: Die Julius Berger 2.-G. hat im Jahre 1924 1,6 Millionen M. Roheinnahme gehabt. Davon sind die Untoften, die Steuern und die Abschreibungen( 592 000 m. oder rund 17% Broz. des gesamten Aftientapitals!) gebedt worden. So verblieb ein Reingewinn Don 764 000 m. Aus diesem Reingewinn sind an die Auf. Wie entstehen, wie vergehen Hämorrhoiden? Hämorrhoiden find ein quälendes Leiden des Afters und seiner Umgebung. Sie entstehen burch Blutftauungen, durch Druck auf den Maft. darm, durch Anhäufung von Rot bei Stuhlver stopfung, sehr häufig bei Schwangerschaften und figender Lebensweise. Hämorrhoiden sind Knoten im unteren Teil des Darmes oder um die Afteröffnung herum, und treten beim Stuhlgang her. aus. Bei stärkeren Anstrengungen plagen fie leicht, wobei mehr ober minder starte Blutungen auftreten. Die Knoten find immer unangenehm, da sie ftändig juden und besonders beim Stuhlgang Schmerzen verursachen. Die Blutungen fönnen zu erheblicher Blutarmut führen. Bei un Bon der Reise zurüd Sanitätsrat Allerfeinste NaturButter.. 2.10 Dr. Paul Marcuse Qualität 1.90 R., Brunnenstr. 126 127 III. Qualität 1.80 Wegner, Berlin SO Mariannenstr 34. MÖBEL Reklameangebote, erstklassige Fabrikate. Auf Wunsch Teilzahlung ohne Preisaufschlag Kompl.Schlafzimmer M. 450.- 550.- 600.-w. Speisezimmer, 480.- 540.- 650.Herrenzimmer, 475.- 545.- 625.Küchen und Einzelmöbel äusserst preiswert Möbelhaus Gottlieb nur Rosenthaler Straße 54. Gegr. 1875 Die Ernährung und damit die Gesundheit ist gestört, wenn so MAGEN wichtige Organe wie Magen und Darm erkrankt sind. Besserung bringt der Gebrauch einer Dr.med. Henschel& Co. Haustrinkkur Hat Bestandteile: Sal. therm. Kissingen, fact. 2,0, Homburg, fact. 1,0, Pyrmont, fact 1,0, fiant tabl. Verlangen Sie in allen Apotheken und Drogerien unsere kostenlose Broschüre! Dr. med. A. HENSCHEL& Co., L... A., Bertin No 43 Selbstverständlich geht es ebensowenig allen Bau- Attiengesellals es auch sonst in der Industrie schlecht rentierende Betriebe gibt Aber man sollte über der ewigen 3urschaustellung der leitegesellschaften doch nicht vergessen, daß es daneben und dahinter auch noch recht rentable Aktiengesellschaften gibt, die faum noch wissen, wo sie mit ihrem Fettpolster hinsollen. Kurt Heinig. Getreideeinfuhrschein ab 1. Januar 1926. In der Zwischenzeit Gutscheine. Die Berordnung über Einführung des Getreideeinfuhr ich eines liegt bereits dem Reichsrat vor, der in seiner Mittwoch sigung darüber beraten wird. Der Termin der Einführung ist auf Anraten des Finanzministeriums auf den 1. Januar 1926 festgelegt worden. Es soll vermieden werden, daß Auslandsgetreide, das in den letzten Monaten in erheblichen Mengen( nament lich Mehl) eingeführt wurde, durch Wiederausfuhr den Besitzern Einfuhrscheine verschafft. Um aber das Einfuhrscheinsystem mit dem 1. Ottober 1925 in Geltung zu bringen, wird it. ,, Konj.- Korr." ein Gutschein einge führt werden, der auf verzollt eingeführtes Auslandsgetreide ausgestellt wird. Bei Ausfuhr von Getreide tommt eine Gewährung des eigentlichen Einfuhrscheines nur dann in Frage, wenn gleichzeitig der neue Gutschein, lautend über die entsprechende unter 3oll eingeführte Menge Getreide, vorgelegt wird. Borausiekuna ist hierfür, daß der Gutschein wie später der Einfuhrschein börsenmäßig als Wertpapier zmedmäßiger Behandlung und erst recht bei Vernachlässigung fönnen biese Knoten pereitern und damit zu Mastdarmfisteln und tiefen Einriffen Anlaß geben. Berinnt das Blut aber in den Hämorrhoiden, so fönnen Gerinsel durch den Blut. strom in andere Blutgefäße ver. schleppt werden und dort zu lebens. gefährlichen Verstopfungen führen. Um solchen Folgen vorzubeugen, muß für genügende Sauberfeit der erfranften Teile, für ihre Desinfektion und möglichste Ausheilung gesorgt werden. Hierzu benugt man täglich nach guter Baschung am besten eine geeignete Salbe, bie gleichzeitig Linderung der Schmerzen und Schrumpfung der Knoten bewirkt. Das oft unerträgliche Jucken verschwindet dann von allein. Aber auch die gänzliche Beseitigung der Hämor. rhoiden ist ohne Operation durch ent. sprechende Behandlung möglich, und zwar wird gehandelt wird. Gutscheine werben naturgemäß erst für Getreibe, bas nach dem 1. September 1925 eingeführt wird, vergeben, so daß frühestens mit dem geschäftlichen Ingangfommen, bas sich wiederum für Gutscheine von Ost nach West, für Einfuhrscheine später dann von West nach Ost vollziehen wird, zum 1. Oftober b. I. gerechnet werden kann. Der Stand der Stinnes- Liquidation. Seit einigen Wochen bestand( abgesehen von den Differenzen mit Dr. Edmund Stinnes) auch eine peinliche Spannung zwischen dem Bankenkonsortium und der Familie Stinnes. Die Tatsache dieses gespannten Verhältnisses beeinflußte naturgemäß den Fortgang der Liquidation des Konzerns in mehrfacher Hinsicht ungünstig. In den letzten Tagen haben die beteiligten Kreise, offenbar unter der Einwirkung des Reichsbantpräsidenten, der sich das Patronat über die Stützungsangelegenheit sehr angelegen sein läßt, erneut Beratungen über die möglichst reibungslose Fortführung der Liquidierung aufgenommen, und es ist zu erwarten, daß nunmehr alle in letzter Zeit erwogenen ungünstigen Möglichfeiten ausgeschaltet find. Vor allem ist, wie die Konjunktur- Kor respondenz" von gut unterrichteter Seite erfährt, mit der Gefahr eines Konturses oder einer Geschäftsaufsicht nicht mehr zu rechnen. Voraussichtlich werden die Banten ihre Kredithilfe über den ursprünglich in Aussicht genommenen Dezembertermin hinaus noch weiter gewähren. Der Reichsbantpräsident wird wahrscheinlich im Herbst nach Amerita reifen, um dort Besprechungen zu führen, die in engem Zusammenhange mit der endgültigen Abwicklung der StinnesAngelegenheit stehen. Die Berhandlungen zwischen den Banken und der Familie Stinnes dauern an, insbesondere dürfte demnächst die Frage entschieden werden, welche Unternehmungen der Familie belaffen werden sollen. Sehr vereinfacht hat sich die Angelegenheit dadurch, daß eine größere Anzahl kleinerer Gläubiger befriedigt werden fonnte, so daß an den Verhandlungen nur noch ein fleiner Kreis erster Banffirmen beteiligt ist. werden. Neue Handhabung der Kartellverordnung. Das Kartellgericht hat die Entscheidung gefällt, daß auf Grund des§ 10 der Kartellberordnung auch der Einzelhändler von sich aus den Antrag stellen kann, aus dem Preisawang entlassen zu Reichsarbeitsministerium angewandt werden, wenn es das AlgeBisher konnte der genannte Paragraph nur vom meinwohl erforderte. Man wird in der fünftigen Möglichkeit von solchen Initiativanträgen der Einzelhändler ein Mittel erblicken dürfen, das gewisse Auswüchse des Kartellwesens schärfer als bisher anfaßt. Inforrektheiten bei einer Stadtbant. Die Magdeburger Stadtbant hatte durch verfehlte Kreditgeschäfte erhebliche Ber. I uste erlitten, die sich, wie wir hören, auf 2½ Millionen Mart beziffern sollen. Der zur Prüfung dieser Angelegenheit eingesetzte Untersuchungsausschuß legte in der Stadtverordnetenversammlung einen Schlußbericht vor. Darin wird u. a. festgestellt, daß kaum ein Debettonto fehlerlos behandelt worden ist. Ber fchiedentlich wurde nicht einmal darauf Rücksicht genommen, ob es sich bei den Geschäften, die durch Kreditgewährung gestützt wurden, um wirtschaftlich notwendige Geschäfte handelte In einigen Fällen wurden Kredite, die schon vor einem Jahre bewilligt wurden, er st iegt, als eine Revision in Aussicht stand, dem Vorstand zur Genehmigung vorgelegt. Der Bericht sagt dann, daß es vor. aussichtlich möglich sein werde, die Hälfte der Berluste durch die Gefchäftsgewinne von 1923 und 1924 somie vom ersten Vierteljahr 1925 auszugleichen. In der Stadtverordnetenversammlung Magdeburgs wurde entgegen völkischen Berleumdungsversuchen felbft von Rechtsparteilern festgestellt, daß Oberbürgermeister Beims an den Inforrektheiten der Bant völlig schuldlos ist. hierfür die vorschriftsmäßige Anwen dung von humidon empfohlen. Der praktische Arzt Dr. med. Ch. in Ber lin. schreibt über Humidon": „ Dant meiner Tätigkeit in einem der größten Geschäftshäuser Berlins standen mir alle Hämorrhoidenkranken in diesem Hause für meine Beob. achtungen zur Verfügung. Da mir die Bestand. teile des„ Humidon" Präparates befannt sind, mußte ich dasselbe schon theoretisch für ein gutes Hämorrhoidenmittel halten, und die von mir erzielten Erfolge entsprechen durchaus meinen Erwartungen. " Humidon" hat durchschlagenden Erfolg. Es scheint mir, daß humidon" anderen Mitteln be= sonders durch die Schnelligkeit feiner Wirkung überlegen ist. Ich werde weiterhin humidon" den Vorzug geben." Die Patienten schreiben: „ Es muß anerkannt werden, daß„ Humidon" tatsächlich das Mittel gegen Hämorrhoiden ist. Am 21. August entschlief sanft unser geliebter Vater, Bruder, Großvater und Urgroßvater, der Geheime Kommerzienrat Eugen Gutmann im 86. Lebensjahre. München- Harlaching, Hochleite 19 Toa miss Lili Orsini- Baroni Toinon Freifrau von Essen Herbert M. Gutmann Kurt Gutmann Max L. Gutmann Fritz B. Gutmann S. Exzellenz Luca Orsini- Baroni Daisy Gutmann geb. v. Frankenberg Helen Gutmann geb. van Vliet Louise Gutmann geb. von Landau Helene Duttenhofer geb. Gutmann sowie neun Enkel und ein Urenkel. Die Gedächtnisfeier findet am Mittwoch, den 26. August 1925, nachmittags 5 Uhr, in der Dresdner Bank Berlin, Eingang Französische Straße 35/36, statt. Es erzeugt mit seiner fofort einfegenden Heil traft geradezu Wunder! Meinem Arzt habe ich glückstrahlend das Mittel gepriesen und zur Berordnung anempfohlen. Alfred D., Dresden." So urtellen Aerzte und Patienten, die„ Humibon" benutzt haben, und große Mengen von Anerkennungsschreiben liegen vor. Die Versandapothefe 3um weißen Kreuz schickt jedem völlig fostenlos eine ausreichende Probe Humidon", damit er sich von der unüber troffenen Wirkung dieser Salbe schon bei einmaliger Anwendung überzeugen fann. Gleich zeitig wird eine ärztliche Aufklärungsschrift über Entstehung, Behandlung und Beseitigung von Hämorrhoiden überfandt. Verlangen Sie fofort auf einer einfachen Postkarte eine Gratisprobe Humidon" und schreiben Sie noch heute, ehe Sie es vergessen, an die humidon" B. m. b. 5., Berlin Ms. 8, Block 15. Nach Gottes unerforschlichem Rat schluß verschieb am 22. August 1925, frith 5 Uhr, mein lieber, guter Mann Julius Lange im Alter von 66 Jahren Dies zeigt schmerzerfüllt an Antonie Lange geb. Maultzsch. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 26.. nachm. 3 Uhr, vom Trauer hause, Neukölln, Herrfurthstr. 20, auf dem Thomasfriedhofe statt. RopfAleiderFilz- u ZierLäufe Wanzen Schwaben Heimchen Ratten beseitigt nur sofort unter Garantie Eckolda ,, A"„ B“„ C“„ D“„ E" 3u haben in Apotheken und Drogerien. Generalvertreter Paul Bremer, Berlin NO 35 Christburger Str. 3. Tel. Humboldt 1568 6x1-7 So rechnet din kluge Wafffron denn auf 6. Gutscheine erhält sie Schleich's SchaumfeeSeifenpulver gratis! Jedes Paket Schaumcher enthält 1 Gutschein CHEMISCHE FABRIK SCHLEICH GMBH BERLIN NW6 Dienstag 25. August 1925 Unterhaltung und Wissen „ Uebermensch" und Sozialismus. ( 3u Nietsches 25. Todestag.) Bon John Schikowski.*) Bon der Welt- und Lebensanschauung Friedrich Nietzsches zu der des Sozialismus scheint kein Weg und keine Brücke zu führen. Aber wie die Aristokratie im höheren und edleren Sinne, das heißt die Führerschaft der Tüchtigsten, schließlich nichts anderes ist, als das lehte Ergebnis der Demokratie, und wie die sozialistische Ord. nung der wirtschaftlichen Dinge am Ende doch nur dem stolzen Wettfampfe um des Lebens höchste Güter die Wege ebnen soll, so laufen auch zwischen dem aristokratischen Individualismus Nießsches und den Grundsägen der sozialistischen Demokratie mannigfache Ber bindungsfäden hinüber und herüber, und auf verschiedenen, oft weltenweit voneinander abführenden Pfaden leiten sie beide zu dem selben legten Ziele: Eine höhere Kultur und ein neues Menschengeschlecht zu schaffen ist beider Ideal. Nietzsches Philosophie geht von der naturwissenschaftlichen Entmicklungslehre aus. Wie aus den niederen Tiergattungen allmäh lich höhere Arten entstanden sind, so soll aus dem heute lebenden Menschengeschlecht, das noch keineswegs den Abschluß der Ent wicklung bedeutet, eine vollkommenere Spezies, der Uebermensch, hervorgehen. Und wie die Beredelung im Tierreich durch Auswahl der lebensfähigeren Individuen, durch Besiegung und leberwindung der Schwächeren durch die Stärkeren, sich vollzogen hat, so soll auch der Kampf, der„ jauchzende Wettstreit", der Hebel zur Schöpfung des Uebermenschen werden. soll. Anstatt die überreiche Fülle der Tüchtigen, die heute durch ein widriges Geschick in den Niederungen des Proletariats ungenugt verkommen, emporzuführen und fähig zu machen zum Wettkampf der Geister, anstatt den unendlichen Schatz an fulturellen Kräften zu heben, der ringsum begraben liegt, will Nietzsche mit der Handvoll Besitzender, die vielleicht durch einen glücklichen Zufall heute oben auf der Welle treiben, das neue Zeitalter begründen, den neuen Menschen schaffen. Er weist die Millionen und Abermillionen Mitarbeiter zurück, die vielleicht in einem Jahrzehnt das vollbringen würden, wozu sonst Jahrhunderte nicht ausreichten, und will nur Die heute anerkannte Moral, die in den Anschauungen des Christentums wurzelt, hemmt so sagt Nietzsche den natur. gemäßen Fortschritt in der Entwicklung des Menschengeschlechts. Indem sie befiehlt, den Schwachen zu schonen, lähmt sie die Tatfraft des Starken und betrügt ihn um seine natürlichen Rechte. An Stelle diefer christlichen„ Sklavenmoral", die in einer Zeit der Dekadenz, des geistigen und törperlichen Niederganges, entstanden ist, und von der die aufstrebenden, zukunftfrohen Völker nichts wiffen und nichts wußten, seht nun Nietzsche die Herrenmoral". Sie lehrt den Egoismus in seiner radikalsten und zugleich edelsten Gestalt. Sich selbst soll das Individuum durchsetzen, seine eigenen mannigfachen Qualitäten zu möglichster Vollkommenheit entfalten, ohne Rücksicht auf die Tendenzen und Intereffen der andern. Aber nicht zur Befriedigung niederer Triebe des einzelnen darf dieser Egoismus führen, sondern er soll lediglich als Mittel zu den höchsten und reinsten Zwecken dienen. Härte gegen die Mitmenschen, aber vor allem Härte gegen sich selbst Overlangt die Herrenmoral. Ge schont darf nichts und niemand werden. Es gilt ja die Zukunft des Menschengeschlechts, die Schöpfung des liebermenschen da müssen alle andern Rüd- und Nachsichten schweigen. Das Mitleid Der einzelnen gegen die einzelnen bringt, indem es die Schwachen bevorzugt und dadurch die Starken benachteiligt, die Gattung als Ganzes herunter. Darum sind wir aus Mitleid mit der Gattung und deren Zukunft zur Härte gegen die einzelnen verpflichtet. Nur aus dem Kreise der Tüchtigen, der Großen und Starten tann das neue Geschlecht der Uebermenschen sich bilden; die Schwachen und Kleinen sind untauglich für diese höchste Aufgabe der Menschheit. Der Uebermensch die Begründung eines goldenen Zeitalters durch die Schöpfung neuer, vollkommener Menschen ift ein Ge danke von bezaubernder Gewalt, ein Biel, fo hoch und rein, wie es feine Moraltheorie und feine Religion der Welt dem Menschen. geschlecht jemals erwiesen hat. Und doch welch verworrene Irr wege follen uns zu diesem Ziele führen! Unsere Sklavenmoral, sagt Niezsche, das Mitleid, die christliche Nächstenliebe, ist schuld daran, daß der Entwicklung unseres Geschlechtes bis heute der höhere Flug versagt blieb. Aber wo, fragen wir, wo herrscht denn diese Stlavenmoral? Wo ist denn das Christentum mit den Gebaten der Nächsten- und Feindesliebe jemals ein wirksamer Fattor im realen Leben gewesen? Ist es nicht vielmehr der Trieb des einzelnen, fich und feine individuellen Interessen durchzusetzen, find es nicht vielmehr die egoistischen Instinkte, die überall und zu allen Zeiten als die mächtigsten Triebfedern im Leben des einzelnen und im Leben der Völker erscheinen und erschienen? Das mit so stolzer Emphase verkündete fittliche Boſtulat Niegsches ist nichts als ein uraltes Naturgefeß, das ewig galt und ewig wirksam war. Nicht eine Moral der Zukunft hat Nietzsche geschaffen, sondern er hat nur die Marimen, die für die Praxis des Lebens bestanden, solange es cinen Kampf ums Dasein gibt, als Sittenlehre todifiziert. Luther in Nöten. WIRTSCHAFINAISE TEUERUNG VER She OZZI CHUT Die Luft ist dick, das Wetter scheint nicht heiter, Und eine miese Krisenbrise weht. Hier stehe ich bei meinem Zollpaket! Wer aber schafft mir einen Blizableiter? Beilage des Vorwärts Der alte Timm. Bon Joachim Günther. Der alte Timm stirbt. Vor fünf Minuten ist der Armenarzt fortgegangen, das ist ein höflicher Mann, der immer bedauernd die Schultern hochzieht und bedächtig den Kopf wiegt; feine Patienten belästigt er nicht zulange mit seiner Gegenwart. Wie soll er auch helfen? Große Kuren darf er nicht verordnen, und mit den paar Beruhigungspillen ist nicht viel auszurichten; außerdem hat er stets große Eile, denn es warten viele Krante auf ihn, ach so viele angstvolle Augen, unruhig fladernd, mit letzter Hoffnung sich an ihn flammernd und er wiegt bedächtig den Kopf, tneift die Augen hinter der schwarzgeränderten Brille zufammen, zieht die Schultern hoch, spricht stets dieselben tröstenden Worte und geht mit ernstem Gruße davon. In der ärmlichen Stube mit der stodfleckigen Tapete, dem wadeligen Tisch, der schmalen Bettstelle und dem blinden Spiel llegt der alte Timm in einem alten Stuhle am offenen Fenster, fein Atem pfeift durch die matten Lungen, seine mageren Hände, auf denen die Adern wie dicke, blaue Schnüre liegen, tasten hilflos über die Armlehnen, seine erloschenen Augen suchen das Stückchen Himmel über den grauen, verrußten Hofmauern und folgen den feinen, weißen Wolken, die wie Schwäne auf blauen Wassern dahinziehen so war's vor dreißig Jahren und so wird's bleiben, wenn er schon längst begraben und vergessen ist. Vor dreißig Jahren! Was war er da für ein Kerl gewesen! Keine Arbeit zu schwer, kein Weg zu weit, er hatte geschafft für drei, und kaum für einen verdient, jung war er damals gewesen und hoffnungsfroh. Zum Donner wetter! er mußte es schaffen! Hatte die Zähne zusammengebisfen und sich ins Geschirr gelegt, daß es fast zerriß, von Woche zu Woche, Don Jahr zu Jahr hatte er gehofft, daß seine mühselige Arbeit Frucht tragen sollte daß er endlich aus diesen öden, grauen Mauern mit dem winzigen Stückchen Himmelblau darüber hinaus könnte, heraus aus der düsteren Enge, die wie ein finsteres Gebirge auf der Brust lastete, wenn die schwarzen Schneewolfen das bißchen Licht Stahlen oder graufeuchter Nebel, den ftidigen Qualm der Fabriken, die schlechte Luft aus all den Fenstern ringsum in den engen Schacht drückte, daß einem das Atmen zur Qual wurde er hatte gehofft aber mit jedem Jahre etwas weniger, feine junge Frau war blaß und schmal geworden, ihre luftigen, hellen Augen hatten nach und nach den Glanz verloren, ihr frohes Lachen flang immer seltener, bis sie beide still wurden, kaum noch sprachen, nie mehr lachten dreißig Jahre Tag für Tag diefelben grauen Mauern, dreißig Jahre voll Entbehrungen, enttäuschter Hoffnungen machen stumm! Nun war das Leben zu Ende, trostlos wie es begonnen hatte. Er sehnt fich nicht mehr nach Schäzen und den eitlen Genüssen der großen Weilt da draußen, nein, nur Ruhe will er haben, ein paar Jahre in Frieden, ohne Sorgen irgendwo unter grünen Bäumen mit einem Gärtchen und milder Abendsonne für sich und seine arme Frau, die draußen in der engen Küche sich abplagt und mit ihren geschwollenen Füßen bis in die Nacht hinein am Waschsaß steht. diejenigen als Berufene anerkennen, die ein Zufall in seine joziale nicht etwa in seine moralische oder intellektuelle Nachbarschaft gerückt hat. Er ist der zünftige deutsche Universitätsprofessor, der nur denjenigen in die Falkultät hineinlassen will, der das Verdienst hat, mit einem der Herren Kollegen verwandt oder verschwägert zu fein. Der alte Timm fährt stöhnend mit der matten Hand über die schmerzenden Augen, wenn er wenigstens in Frieden sterben tönnte! Aber was soll aus ihr werden, wenn er nicht mehr ist? Sie wird an der Ecke sizen und betteln, wenn sie nicht mehr arbeiten Pann er schluchzt das sind die Früchte seiner ganzen Arbeit! Nicht das Recht oder das Unrecht wollen wir dabei wägen, sondern nur auf die furchtbare, zwed- und finnlose Verschwendung von Kräften hinweisen, die das Resultat des Nietzscheschen Prinzips sein muß. Dieses Resultat hat Nietzsche vorausgesehen, und es bekümmerte ihn nicht. Den Kampf ums Dasein in der Natur hatte er sich zur Richtschnur genommen: hart und verschwenderisch wie die Natur will er und seine Lehre sein. Leider aber übersah er dabei, daß das Menschengeschlecht sich heute nicht mehr im Naturzustande befindet, daß der Mensch, der in einem Kulturlande geboren wird, feineswegs seine natürlichen Kräfte nach Neigung und Fähig teit gebrauchen darf, sondern von tausend Schranken umgeben ift, die, das Produkt einer langen, im Sinne Niegsches naturwidrigen Entwicklung, den einen hemmen, während sie den andern schüßen. Hätte Nietzsche wirklich die harte und verschwenderische Natur sich als Richtschnur dienen lassen, so müßte er zuerst den Ümsturz alles heute Bestehenden proklamieren und dann auf der freigewordenen Bahn den„ jauchzenden Wettstreit" anheben lassen. Er wäre dann vielleicht ein Herold des Anarchismus geworden. Der Wille zur Macht und die Lust am Wettstreit leben in jedem. Sie brauchen weder erst geschaffen noch gestärkt zu werden. Die Aufgabe unserer Zeit und aller Zeiten ist es vor allem, die Bedingungen des Kampfes so zu ordnen, daß auch wirklich die Tüchtig ften und Würdigsten als Sieger hervorgehen. Als die erste Be bingung aber erscheint die Gleichheit der Waffen. Gleichheit der Waffen nicht das Resultat einer autofratischen und naturfeindlichen Nivellierung, sondern Gleichheit der Waffen im Sinne des je rach individuellen Fähigkeiten und Neigungen besten Rüstzeuges für jeden. Diese erſte und in jedem Sinne vornehmste Bedingung hat Nietzsche ignoriert. Daß aus Mangel an notwendigem Rüftzeug heute nur ein kleiner Bruchteil der Berufenen an dem Wettstreit teilnehmen kann, fümmert ihn nicht. Absichtlich oder unabfichtlich übersieht er die materiellen Grundlagen der Erscheinungen, mit denen sich sein Denken beschäftigt. Daß der Mensch, um sich fünstlerisch, wissenschaftlich usw. zu betätigen, zunächst leben und sein Leben erhalten muß, ist dem Scharfblick dieses weltfremden Weltweisen entgangen. Ueber die wirtschaftlichen Elemente der sozialen Ordnung oder Unordnung schwingt sich seine Philosophie mit fühnem Salto mortale hinweg. Er denkt und fühlt in einer Gesellschaft, die aus Rentiers besteht; und aus dem Rentierſtande träumt er, werden die Adels- und Uebermenschen hervorgehen, die des sonnige Reich der Zukunft zu erbauen berufen sind. Der jauch zende Wettstreit, meint er, werde eine heilsame Auslese zur Folge haben, er werde die Schwachen, die Spießer und Philister, hinwegspülen und die Starken zu Herrschern machen. Aber sind es denn wirklich die Berufenen, die in diesem Wettkampf eintreten? Wo wird die erste und folgenschwerste Auslese gehalten? Nicht auf dem Felde der geistigen, sondern auf dem der wirtschaftlichen Rämpfe. Wer hier Sieger geblieben ist, der allein wird zur engeren Konkurrenz um die Schöpfung des llebermenschen zugelaffen, der allein darf an dem jauchzenden Wettstreit teilnehmemn, aus dem die neue Adelsspezies hervorgehen soll. Aber haben die, die im wirtschaftlichen Kampf sich auszeichneten, durch Glück oder auch durch Tüchtigkeit sich auszeichneten, dadurch auch die Befähigung nachgewiesen, Träger und mehrer der Kultur, Stammväter eines neuen, ftolzeren Geschlechts zu sein? Würden nicht, wenn wirtschaftlich alles so bliebe, wie es heute ist, am Ende der Schieber, Fer glückliche Spekulant, der strupellose Börsenjobber die Ahnherren des Nietzscheschen lebermenschen werden? Eine unheilvolle Auslese ist bereits gehalten. Nach einem fulturfeindlichen Prinzip, dem des wirtschaftlichen Fauftrechts, find die Besizenden von den Nichtbesitzenden nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell geschieden. Nur der Besitzende vermag fich Bildung zu erwerben, und nur der Gebildete vermag alle Früchte der Kultur sich zu eigen zu machen, nur der Gebildete darf in den Wettstreit eintreten, aus dem eine neuere, höhere Kultur erwachsen *) Aus Stürmer gegen das Philistertum"( Verfag von J. H. W. Die Nachf., Berlin 1925). und die, denen er seine beste Kraft geopfert, sigen behaglich in weichen Sesseln und werfen in einer luftigen Nacht in den Schmutz, was ihm das Sterben leicht machen könnte, ihm die Sorge nähme um die alte Frau; draußen in der Küche. Er wendet den Blick zu dem Bild an der Wand. Ja, menn der noch lebte! er hätte es sicher geschafft! Sein Sohn. Bei Martinpuich liegt er verschüttet, vermobert in irgendeinem Unterstande der alte Schmerz schüttelt wieder den kranken Mann, als wären nicht schon piele Jahre darüber hingegangen, zitternd taftet er sich zu dem Bilde, drückt die melken Lippen auf das talte Glas; plößlich bricht er zusammen, bestürzt eilt seine Frau herbei, wirft sich weinend über den Toten, dessen Hände trampfhaft das Bild seines Sohnes, feiner legten Hoffnung, umschließen. Aber Nietzsche hat die letzten Konsequenzen seiner Lehre nicht gezogen. Er, der ultrarevolutionäre Geist, der keine Autorität anerkannte, an allen überkommenen Wahrheiten und Weisheiten zweifelte, an allem Angestammten rüttelte und den Menschengeist von, manchem Jahrtausende alten Vorurteil befreite: er hat vor dem morschen Gözenbild der kapitalistischen Wirtschaftsordnung haltgemacht und hat dadurch seine Philosophie in unendliche Widersprüche verwickelt und ihren Wert, wenn man die praktischen Kon fequenzen betrachtet, faft auf das Niveau eines Kuriosums herab gedrückt. Denn, darf man eine Lehre noch ernst nehmen, die am Ende des 19. Jahrhunderts es unternahm, die menschliche Gesell schaft zu vervollkommnen, und dabei die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Gesellschaft unberücksichtigt ließ? Am märkischen Fließ. Nicht die trüben Wiesengräben find gemeini, die, zu beiden Seiten mit je einer Reihe Erlen geziert, überall unsere Wiesen durchschlängeln, sondern flarfließende Bäche, und deren haben wir nur eine bescheidene Anzahl in der näheren Umgebung. Landschaftlich eines der schönsten dieser Fließe", wie man sie bei uns Dorfe Eggersdorf unweit Bahnhof Strausberg durch Wald, Bruch nennt, ist das Eggersdorfer Mühlenfließ, das sich zwischen dem und Wiesen gegen das bekannte Waldwirtshaus„ Hungriger Wolf" und darüber hinaus in den Bösee windet. Und doch ist auch Niezsche einer der Vorarbeiter gewesen, die, wenn auch wider Willen, dem Sozialismus die Wege bahnten. Von dem einst so stolzen Bau der bürgerlichen Welt- und Lebensanschauung bröckelt Stein um Stein, und Nietsches starter fritischer Hammer hat manche festgefügte Mauer eingeschlagen. und die Zeit wird kommen, wo seine und unsere Ideale mehr und mehr versöhnt erscheinen. Diese Zeit wird kommen mit dem Siege des revolutionären Broletariats, as dessen Schoß die neue Kultur und der neue Mensch hervorgehen werden, mit dem Siege der großen gefnechteten Maffe, die Niezsche so ehrlich haßte und verachtete, und die dennoch berufen ist, einst die Verwirklichung seiner Träume herbeizuführen. und hält sich auf schmalen Fußpfaden ständig nach rechts, um in Man verläßt gleich hinter Eggersdorf die breite Waldstraße möglichster Nähe des Fließes weiter zu wandern. Hier soll man aber nicht eigentlich wandern, sondern faft Schritt für Schritt schlendern, den Weg felbft als das Ziel nehmen und sich mit der Natur anfreunden. Denn eine Begetation, so pflanzenreich und so üppig, wie sie anderwärts um Berlin nur an wenigen Stellen erreicht wird, umfängt uns im Schatten der Erlen, Hajeln, Weißbuchen, Ebereschen, Birken, Eichen und anderer Gehölze, die sich zu unseren Häupten in ein grünes Gewirre verschränken. Zu unseren Füßen ist der Pfad grün überwachsen. Von Gras und Kraut, von Vergißmeinnicht, Glockenblumen, wildem Thymian und vielen anderen Gewächsen, die nicht bloß den Botaniker feffeln. Keine Spur von märkischem Sande. Wo der Boden sichtbar wird, besteht er in der Regel aus feuchtem, schwarzem Humus, der eine ganz andere Lebewelt ernährt, als der trockene Boden des Kiefernwaldes. Bald legt das schlängelnde Fließ durch eine Wendung eine Sumpfwiese zwischen sich und den Wald, bald läßt eine neue Schwenkung uns sein Ufer ereichen. Besonders in der Nähe des genannten Lotales ist das der Fall. Hier strömt der Bach klar über steinigen Boden, unter Seerosenblättern hinweg. Fischchen fligen scharenweise im Sonnenschein durch die Buchten, grüne Frösche flatschen ins Wasser, das sonderbare Insektenvoll der Wassertreter huscht mit fadendünnen Beinen über den Spiegel und ftahlblaue Libellen, die Schwalben unter den Injetten, jagen fleineres Fluggetier. Wir verhalten uns unbeweglich und verschwinden so aus dem Wahrnehmungsfreije der uns umgebenden Welt, die wir nun be lauschen können, wie sie unbefangen in und außerhalb des Wassers ihr Wesen treibt. Es summt und piept und raschelt und krabbelt rings um uns herum. Und immer von neuem feffelt uns das Gaufeln der Schmetterlinge, die von den zierlichen fleinen Bläulingen bis zu den großen Faltern unser Staunen über ihre unbeschreiblichen Zeichnungen und Farbentöne, über diese unbenennbare ,, Kunstrichtung" im Gemälde der Natur, nicht zur Ruhe fommen läßt. Da setzt sich solch ein Falter auf eine Blüte, schlägt langsam die Flügel auf und zu und weist uns abwechselnd die ganz verschiedene Färbung der Ober- und Unterfeite. Warum? Der Falter weiß es so wenig wie wir. Die Natur gibt Rätsel auf und schweigt. Auf solchem Posten, solcher Rast, fann man sein Banderziel vergessen und stundenlang, mit sich und der Natur allein, das Leben eines winzig fleinen Ausschnitts im Au belauschen, in den nichts, aber auch gar nichts von der nahen Großstadt störend eingreift. 2.2. Korbmöbel! Sonderangebot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Monbijouplatz 12, Hof part. Nähe Hackescher Markt Zahlungserleichterung Telephon: Alexander 4112 Theater, Lichtspiele usw. agen Staats- Theater Opernhaus 8 U.; La Traviata Opernhaus am Königsplatz Geschlossen Schauspielhaus 8 Uhr: Brand im Opernhaus Schiller- Theat. Operettenspielzeit 8 Uhr Lessing- Th. Tägl. 8 Uhr: Die neue Revue leibende nehmen die echten Reichels Magentropfen, das erprobte Rezept M. 1u. 2,50. 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