Ur. 133. Erschilnt täglich außer Montag«. PreiZ pränumerando: Viertel- iährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Psg. frei In'S HauS. Einzelne Nummer 8 Psg. Sonntags-Nummer mit illuilr. Sonntags-Beilage„Neue Welt"10Pfg. Post-Abonnement: 5,30Mf. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für da? übrige Ausland 3Mr. pr.Monat. Stngetr. in der Post-Zeitung«-PreiSlift« für I89ä unter Nr. 712«. 12. Jahrg. JnferttonS-Tebühr beträgt für die fünfgefpaltene Petitzetls oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist au Wochen- tage» bis 7 Uhr Abends, an Sonn- uiid Festtagen biS s Uhr Vor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Ur. lSliz. Telegramm-Adresse: „KolialdemoKrat Kerlin!' Verliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: LV.lS. Aeuth-Straße 2. Der Evangelisch-soziale Kongreß. Wiederum hat eine Zusammenkunft des sogenannten „Evangelisch- sozialen Kongresses" stattgeflinden. Es mar die sechste und Erfurt war der Ort ihrer Tagung. Gegründet wurde der Kongreß im Jahre 1890, als die berühmten kaiserlichen Februarerlasse erschienen waren(die aber bis heute noch zum größten Theil ihrer Erfüllung harren) und als das Sozialistengesetz so gründlich abgewirth- schaftet hatte, so daß wohl oder. übel andere Wege eingeschlagen werden mußten, wenn anders man der Sozialdemokratie das Wasser abgraben wollte. Und unserer Partei das Wasser abzugraben, das war der vornehmste Zweck, als die Stocker und Weber und Genossen an die Gründung des„Evan- gclisch-sozialen Kongresses" gingen. Die Stöcker'sche „christlich-soziale Arbeiterpartei" hatte niemals recht auf die Beine kommen wollen; so mußte man die von oben herab- wehende sozialpolitische Strömung, die damals noch Erfolg zu versprechen schien, benutzen, um mit dem Evangelium in der Faust„christliche" Arbeiterfreuudlich- keit zu betreiben,— natürlich nur so weit, um die be- stehende Staats- und sGesellschastsorduung, und die be- stehenden Herrschaslsverhältnisse der Großbourgeoisie, der Btonarchie und des Pfaffcnthums, die mau von der schon danials ständig zunehmenden Sozialdemokratie arg gefährdet glaubte, zu schützen und zu erhalten. Man mußte versuchen, das Proletariat zufrieden zu niachen, es von der Sozialdemokratie ab- und zum Evangelium zurückzuführen; und zu diesem Zwecke war es unerläßlich nöthig, auch einige sozial- politische Forderungen in das Programm aufzunehmen. Von der„Forderung" auf dem Papier des Programms bis zur energischen„Forderung" in der praktischen Politik war dann ja noch ein weiter Weg, und ein noch weiterer bei unseren politischen Machtverhältnissen bis zur„Erfüllung" der Forderungen. So konnte man es denn ruhig wagen mit einigen be- scheidenen Forderungen. Und in diesem Sinne brachten denn die Führer der Bewegung den ersten„Evangelisch-sozialen Kongreß" in Berlin im Jahre 1890 zusammen. Daß von Anfang an auch Leute ver Händen waren und bis zur Stunde vorhanden sind, denen es ernst war mit der Verwirklichung christlicher Sozialpolitik, soll nicht geleugnet werden; aber ihr Einfluß ist nicht entfernt im stände gewesen, den Geist spezifischer Sozialistenbekämpfung aus den evangelisch- sozialen Reihen zu bannen. Wie köstlich ist doch dieser Geist erst wieder zur Er- schcinung gekommen bei den Verhandlungen des Gesammt- ausschnsses der„evangelisch-sozialen Arbeitervereine", die dem„Evangelisch-sozialen Kongreß" vorausgingen und welche „Arbeitervereine" mit dem Kongreß der Organisation, wie dem Zweck, wie dem Geist, wie den leitenden Persönlichkeiten nach vollständig identisch sind! Um alles in der Welt gern wollte man es durchsetzen, daß als Zweck der evangelisch- sozialen Arbeitervereine aufgestellt werde„Kampf gegen die Jfeittllefmr. INachdrua eivßclen.) KerUner Marztage. � Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. „Gratulire, mein lieber Neffe," versetzte die Hofdame mit verständnißvollenl Lächeln—„für das weitere laß niich sorgen." Aber Axel war nicht der Mann, der sich auf einen einzigen Trumpf verließ. Der Gedanke, Hermann Rechberg zu denunziren, wollte ihm nicht aus dem Sinn. Er fand es empörend, daß ein Offizier sich zu so gemeingefährlichen Grundsätzen bekannte, wie Rechberg es gethan; nach Axel's Ueberzeugung konnte dem Angeber nur Lohn und An- erkennung erwarten. Nur war da ein peinlicher Um- stand, der ihn noch zögern ließ: die Kameraden von der Linie, die in Berlin die militärischen Institute be- suchten, hingen mit großer Liebe an den Artille- risten, und bei den Offizieren der Garde, die mit Geringschätzung auf jeden Mann von der Linie herabsehen, war Axel seiner Sache noch nicht ganz sicher. Jedenfalls konnte er bei diesem Spiel ebenso leicht verlieren, wie ge- Winnen. Da wußte er sich etwas Besseres, Aussichlsvollercs: einen kleinen Putsch in Berlin, niit einem blutigen Angriff auf den Pöbel! Das war so etwas nach Herrn Axel's Herzen! Da würde sich auch für den si mpleu Linien- lienteuant irgend eine Gelegenheit finden, seine heilige Pflicht gegen das Vaterland zu erfüllen und seinen Degen mit dem Blute der Empörer zu färben. Und es müßte wirklich mit dem Teufel zugehen, wenn der Lieutenant v. Pilgram bei solcher Gelegenheit nicht bemerkt werden sollte. Irrlehren der Sozialdemokratie". Und nur mit größter Aiühe konnte es durchgesetzt werden, daß hinzugefügt wurde, „und gegen alle arbeiterfeindlichen Bestrebungen". Die Stellung zur Sozialdemokratie beherrschte vollständig die Debatten des Ausschusses der evangelisch-sozialen Arbeitervereine und des „Evangelisch-sozialenKongresses",und es muß konstatirt werden, daß der Geist des„Entgegentretens", der Sozialdemokratie nämlich, durchaus in der Majorität war, wenngleich sich auch einige Männer des„Entgegenkommens" fanden. Was die Verhandlungen des diesmaligen„Evangelisch sozialen Kongresses" speziell betrifft, so wurden im wesent lichen drei größere Vorträge gehalten. Ein naturwissen- schastlicher, ein sozialpolitischer im engeren Sinne und einer über die Frauenfrage. Den Naturwissenschaft- lichen hielt ein schweizerischer Professor der Theologie, Dr. Furrer. Er sprach über das Thema„Tie moderne Naturwissenschaft und die soziale Bewegung der Gegen- wart". Der Vortrag hat in- nnd außerhalb des Kongresses sehr wenig befriedigt. Den natnrwissen- schaftlich Gebildeten war er zu muckerisch uud den Muckern zu ketzerisch. Und in der That war der Vortrag nicht ge- hauen und nicht gestochen. Der erste Theil war darwinistisch, der zweite bemühte sich zu beweisen, daß auch die Religion eine sehr schöne Sache wäre. In der sich an- schließenden Diskussion fand Herr Pfarrer N a u- m a n n, daß es nur eine religiöse, niemals eine sozial- demokratische Ethik geben könne,— während es doch längst erwiesen ist, daß die Sittlichkeit nicht auf der Ne- ligion aufgebaut zu sein braucht, ja daß alle Morallehren ihre Ursache nicht in religiösen Lehren, sondern in sozialen Zu- ständen haben.— Altmeister Slöckcr verniißte in dem Vortrag einen Hinweis ans den„persönlichen Schöpfer", und ein anderes Wort hatte unangenehm an sein Ohr geschlagen, das von den„niederen Vettern". Nun, möge er; es ist gut, daß man heute nicht mehr auf„Stöcker'sche Natur- Wissenschaft" angewiesen ist. Darauf sprach der Geheime Regierungsrath v. Massow, der sich auch durch ein christlich-soziales Buch bekannter gemacht hat, über„die sozialen Aufgaben des Staates als Arbeitgeber". Er legte seinem Vortrage die folgenden Leit- sätze zu gründe, die zwar sehr anfechtbar und ungenügend sind, aber einigen christlich- sozialen Herren doch noch zu radikal waren: I. Der Staat darf, wenn er fiskalische Arbeit vergiebt oder Arbeiter selbst beschäftigt, nicht außer acht lassen, daß die Menschen, welche bei seinen Unternehmern und bei ihm selbst in Arbeit flehen, Söhne des Vaterlandes sind, die er mit großen Kosten und vieler Muhe heranzubilden bestrebt gewesen ist. Er hat deshalb die Pflicht, daraus zu achten, daß das, was Schule und Heer ge- pflanzt und entwickelt haben, nicht im späteren Arbeits- leben verkommt und verdorrt. H. Ter Staat hat deshalb nicht nur für das materielle Gedeihen(menschenwürdige Wohnung, ausreichenden Lohn, angemessene Arbeitszeit u. s. w.), sondern auch für das sittliche Wohlbefinden seiner Arbeiter Sorge zu tragen, nnd sich nicht nur an den desfalsigen Bestrebungen Ha, wie er dieses plebejische Gesindel haßte, das da be- hauptete, auch Mensch zu sein! Jawohl, Mensch, aber doch nur Mensch in dem Sinne, daß sie gut genug waren, dem wahren Menschen, dem Aristokraten, den Schmutz des Lebens vom Leibe zu halten, und— die Reize ihrer Töchter als schuldigen Tribut darzubringen. Für die Töchter des Volkes hatte Axel nun cinnial eine ganz besondere Schwäche. Wenn er so an die kleine Verkäuferin Tora in dem Leckner- schcn Handschuhladen dachte, dann war er nahe daran, uni dieses hübschen Kindes willen dem Pöbel seine Existenz zu vergeben. O, wenn sie nur ein klein wenig Revolution machen wollten— welche Lust wäre es, im Blute der„Kanaille" zu schwelgen und sich an den Küssen ihrer Töchter zu er- götzcn! V-it der ganzen brutalen Verzweiflung des ruinirten Adelssprößliugs, der die verwünschte Möglichkeit vor sich ficht, selbst in die große, breite Masse der„nichtsbedeutcnden" Existenzen hinabzusinken, klammerte er sich an die leise schimmernde Aussicht, sich auf dem Rücken dieses Volkes wieder zu den Höhen des Lebens empor zu schlvingen. Das Herz von Hoffnungen geschwellt, beschloß der viel- versprechende Revolutionsspekulant, sich zur Feier des Tages etwas ganz Besonderes anzuthun. Er begab sich in die Re- stauration des Hotel de Rome und bestellte ein auserlesenes Gabelfrühstück mit einer Flasche voni Besten. Mit der be- dächtigen Lüsternheit des einsam schmausenden Raubthieres genoß er das leckere Mahl. Dann bezahlte er seine Zeche, nahm seinen Hut nnd begab sich von neuem auf die von der warmen Frühlingssoune beschienene Promenade. Jetzt war's ihm recht behaglich zu Muthe— bis auf das unbequeme Gefühl, daß sein Beutel leer war. Aber auch dafür wußte sein kecker Lieutenantssinn Rath. „Ach was", sagte er sich nach kurzer Ucbcrleguug, „wollen auf Freund Lcckner Attacke eröffnen. Kann nur höchst ehrenvoll sein für den Plebejer!" Kjrpedittoit: SW. 19, AeutK-Straße S. anderer(Arbeitgeber, Vereine u. f. w.) zu betheiligcn sondern auf allen diesen Gebieten selbst mustergiltig und vor- bildlich voranzugehen. III. Der Slaat hat als solcher und als der größte Arbeitgeber auch die Verpflichtung, der Arbeitslosig- keit entgegenzuwirken.— Wenngleich ein uneingeschränktes Recht auf Arbeit in dem Sinne, daß jedem auf Verlangen Arbeit gegen ausreichenden Lohn zu theil werden muß, nicht anerkannt werden kann, so muß es doch als die sittliche Pflicht eines ge- ordneten Gemeinwesens erachtet werden, dahin zu wirken, daß jedem gegen seinen Willen arbeitslos Gewordenen und auf Erwerb seines Lebensunterhalts durch Arbeit Ange- wiesenen die Möglichkeit gewährt wird, sich ein beschsdenes Obdach und die nothdürstige Tageskost gegen Arbeit ohne Baar- lohn zu verdienen. Diese Wohlthat darf den unbeschollenen Arbeitslosen um so weniger versagt werden, da der Staat dem- jenigen, der die Strafgesetze übertritt, Obdach, Beschäftigung und Arbeit auf Staatskosten gewährt. Ten Glanzpunkt der diesnialigen Tagung des Kongresses bildete die Aufwerfung der F r a u c n f r a g e, über welches „weltgeschichtliche Ereigniß" im„Vorwärts" schon berichtet worden ist. Eine Frau G n a u k ans Berlin sprach über „die soziale Lage der Frauen", zum theil in ganz ver- nünftiger Weise; und diese Thatsache hat nun das grenzen- lose Entzücken aller Evangelisch- Sozialen erweckt. Der liberale Theologe Professor Harnack aus Berlin, äußerte nach dem Referat: Der heutige Tag ist nicht nur ein Freudentag für den Kon- greß, sondern auch ein Gedenktag für die evangelische Kirche. Denn was sich heute hier ereignet hat, ist nicht geschehen, so lange es eine evangelische Kirche giebt. Und der berühmte Kathedersozialist Prof. Ad. Wagner meinte, ivie schon berichtet, naiv: Der heutige Tag ist auch epochemachend sür unser ganzes öffentliches Leben, denn er hat gezeigt, wie vorzüglich eine Frau die Frauenfrage behandeln kann. Der Berichterstatter des„Volks" aber geräth ob der Thatsache, daß eine Frau über die F r a u e n s r a g c ge- sprochen hat, in den hellsten Enthusiasmus, der in folgenden Worten ausklingt: In meinem allerdings noch nicht übermäßig langen Leben kann ich mich nur weniger Stunden erinnern, die dieser an die Seite gestellt werden konnten. Fieberhast schlugen nieine Pulse vor freudiger Erregung, sodaß es ein rein physisches Bedürfniß war, der Erregung am Schlüsse durch begeisterten Beifall Ausdruck zu verschaffen. Es war der Triumph einer großen Idee, die Geburtsstunde einer neuen Bewegung, der man beiwohnen durfte. Wie mir, ging es vielen anderen, und nicht blos jungen Leuten, sondern erfahrenen Männer» mit gereiftem Verstand. Tie„Leitsätze", die diesem Vortrag der Frau Gnauk zu gründe lagen, und die gemeinsam mit dem Kor- rcferenten S t ö ck e r ausgearbeitet waren, sind folgende: I. Die Jraneufrage, ans der modernen Entwickelimg, be- sonders aus der Umgestaltung des sozialen und Erwerbslebens, sowie aus der Aufdeckung der dabei hervorgetretenen Mißstände entsprungen, sucht Mittel zur Abstellung derselben behufs Gründung des Volkskörpers und der Volksseele. In ihrem Verlauf hat sie die gesammte Stellung der Frau im häuslichen und ösfent- Und dann kam ihm„das hübsche kleine Biest", die Tora, in den Sinn.' „Zwei Fliegen mit einer Klappe", dachte er schmun- zelnd und schritt über den Fahrdamm nach dem Leckner- schen Laden. X. Der Handschuhladen von Ludwig Immanuel Leckner erfreute sich bei der eleganten Herrenwelt von Berlin einer ganz besonderen Beliebtheit. Die Lcckncr'schen Artikel— neben Handschuhen uud Kravattcn auch alle sonstigen Be- darssgcgcnstände, die zur leiblichen Ausrüstung eines wahrhaft noblen, der gemeinen Arbeit entrückten Erdgeborenen männ- lichen Geschlechts gehören— kamen nach dem übereinstim- Menden Urtheil der Berliner goldenen Jugend an Güte den direkt von Paris bezogenen Erzeugnissen vollkommen gleich. Ganz besonders aber pries man in den Kreisen der jungen Lebe- weit die reizenden Verkäuferinnen, mit denen Ludwig Immanuel Lcckner seinen Laden stets zu dckoriren wußte. Er verstand es meisterhaft, die bübschcsten Lärvchen in den bürgerlichen Stadttheilen da drüben hinter der Spree herauszufinden nnd der vornehmen Herrenwelt der Residenz zu präseutircn. Er machte glänzende Geschäfte mit Hilfe dieser frischen Mädchenblumen. Alte Exzellenzen kamen eigens zu dem Zweck zu ihm, um sich von irgend einer dieser Schönen den Handschuh zuknöpfen zu lassen, und gaben um dieses bescheidenen Vergnügens willen gern für irgend einen Tand, den sie gar nicht einmal brauchten, ihren Thaler hin. Ein reicher junger Graf, der später unter Kuratel gestellt wurde, hatte durch ein ganzes Jahr jeden Tag ein Paar von den besten Glacehandschuhen gekauft, um nur mit der braunen Florieda, einer der berühmtesten Leckner'schen Schönheiten, ein paar Worte wechseln zu können. Ludivig Immanuel Leckner hätte auch längst durch seine vornehmen Verbindungen den Hoflicferauteutitcl, das lichn, Leben einer gr,in�'5tzsichjen Erörterung unterzogen. 2.(Sine größere Anzahl von Frauen aller Stände, besonders der gebildet«», von der EvMlluug ihrer natürlichen Aufgabe ans- geschlossen, leidet au dein Mangel befriedigender Thätigkeit oder alisreichenden Eriveribes; die unabhängigen fordern deshalb mit recht pflichtmäßigen Lebensinhalt, die un- versorgten genügenden Lebensunterhalt. Die nnverheiratheten Frauen der unteren StÄide dagegen stehen durch ihre persönliche Betheiligung am Erwerbsleben vielfach in Ge- fahr, dem häuslichen Berufe entfremdet zu werden. 3. Als ein geeigneter Weg zur Befeitigumg dieser Schwierigkeiten kann die von einem Theil der Frauenbewegung, besonders im Auslande und in der Sozialdemokratie gefoä>erte völlig soziale und politische G'I e i ch st e lik.u n g der beiden Geschlechter und die dadurch bedingte freie Konkurrenz auf allen Gebieten nicht angesehen werden. Vielmehr ist die Bewahrung und Ausbildung der durch Natur und Geschichte gegebenen Eigenthümlichkeit von Mann und Weib die vornehmste Bedingung zur Lösung ihrer Kultnraufgabcn; die beiden Geschlechter sind gleichwerthtg, nicht gleichartig. 4. Tie Frauenfrage ist Vorzugs- weise eine B i l d um gsfr a g e und hat als solche gemäß den Anforderungen der Gegenwart neue Wege einzuschlagen. In höheren und unteren Ständen ist die Fra» für die Stellung der Hausfrau besser vorzirbereiteu. Zugleich ist— und zwar auch staatlicherserts— Sorge. zu tragen, daß unverheirathete Frauen in Fachschulen für pflegende und gewerbliche Thätigkeit, in höheren Schulen strr den ärztlichen und Lehrerinnen- beruf gründlich vorgebildet werden können. S. Als wirth- schaftliche Frage hat die Frauenfrage eine bessere Ver- sorgung der Frauen zu erstreben, geeignete Berussarten für dieselben zu1 pflegen, neue Erwerbsquellen aufzusuchen, lieber- lastung zu verhindern, dem Familienleben die Thätigkeit der Mutter zu erhalten. 6. Ms soziale Frage hat die Frauenfrage die religiösen rmd sittlichen Kräfte der Frauenwelt für die Er- Neuerung der Gesellschaft im Einklang mit dem lebendigen Christenlhum richtig einzuordnen und zu stärken. Den Frauen sind gesetzliche Organisationen zum Zweck der Förderung ihrer Angelegenheiten zu gewähren. 7. Als Rechtssrage soll die Frauen- frage, ohne den EnianzipationsgeMsten zu dienen und die Einheit des christlichen Hauses wie des deutschen Familienlebens zu gefährden, die unverheirathete Frau vor dem Mißbrauch ihrer Arbeitsstcllung, die verhcirathrte vor dem Mißbrauch der ehe- herrlichen Gervalt wirksam zu schützen suchen. 8. Die Frauen- frage ist auch eine Mär werfrage. Die Männer sollen durch sreudige Gründung des Familienlebens, durch gesetzgeberische Förderung des weiblichen Erwerbs, durch persönliche Antheil- nahnie an der Hebung rmd Besserung der weiblichen Stellung ihre Pflicht erfüllen. Dem Faniilienvater sollte bei der Ab- Messung der politischen Rechte wie der Steuern ein Vorzug zu gewähren sein. Im Rahmen dieses Referats kann an diesen Ans- stellungen keine Kritik geübt werden; daß sie aber eines- therls völlig schief, anderntheils gmiz nngenngend sind, weiß jeder, der sich auch nur einigermaßen mit der Franenfragc beschäftigt hat. Und das ist das größte Ereigniß in der evcntgelischen Christenheit seit Luther's Auftreten! Arme evanAelische Christenheit!— &»§ waren die VerhandlunZen des evangelisch-sozialen Kongresses. In dieser Meise hat man wieder einmal in„Z&beüerwohl" gemacht.— Mögen sie nur ruhig weiter arbeiten. Wir wollen ihnen das Wasser nicht trüben,— aber sie werden es uns auch nicht trüben. Es wäre traurig, wenn die Arbeiter keine besseren und keine energischeren Vertreter ihrer Interessen hätten, als es die „Christen" vom Evangelisch- sozialen Kongreß sind. Zum größten Thekl sind es Auguren, die mit ihrem christlichen Sozialisnms bewußterniaßen die Geschäfte der bestehenden „Ordnung" besorgen, zum kleineren Theil sind es Phantasten, die es für möglich halten, mit den Auguren im Bunde wirkliche SrgialpÄiük zu treiben, und die, wenn sie es mit ihrem„RadAalismns" zu arg treiben, einfach„abgesägt" werden, wie es zum theÜ ja schon geschehen ist. Tie einen können urch die anderen wollen gar nicht wirklich Helsen. Summa simmiarnm: Tje Arbeiter müssen sozialdenio- kraiisch bleiben, wenn sie, auch im Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung, ihre Lage einigerniaßen verbessern wollen, — und sie werden sozialdemokratisch bleiben. Und daß sie es bleiben werden, dafür zum Schluß noch das klassische Zengniß der„Krenz-Zcitnug", die von den Bestrebungen des Evairgelisch-svzialen Kongresses„realpolitisch" schreibt: Wir sind reaip olltisch ginug angelegt, um zu glauben, daß der Wimsch auf Zlirückgeivinnuiig der Industriearbeiter ein ziemlich„frommer" ist. Es kommt heutzutage wesentlich darauf an, die noch„gesund" gebliebenen Volkserhabene Ziel seiner Wünsche, erlangt, wenn nicht vor etlichen Jahren eine häßliche Geschichte passirt wäre, die auf lange Zeit hin seine Hoffnungen trüben sollte. Eine Rotte von vornehme« Rowdies, größtentheils Gardeoffiziere, von denen der geringste den Freiherrntitel trug, hatte sich uneingeladen in eine geschlossene Bürgergesellschaft einge- drängt und die harmlosen Theilnehmer derselben durch ihr unflüthiaes Benehmen im Tanzvergnügen gestört. Mit un- Glaublicher Rohheit hatten sie die anweseirden jungen Mädchen belästigt und ihre bürgerlichen Begleiter ver- höhnt. Eine in dem Leckner'schen Laden als Direktrice angestellte Dame war ganz besonders den Angrissen der adeligen Wüstlruge ausgesetzt gewesen. Als nun gar ein zu dieser Rotte gehörender, bei Hofe sehr beliebter Prinz aus einem regierenden deutschen Hause sich erfrechte, dem Bräutigam dieser Derne ein Glas Wein Über den Kops zu gießen, da brach der Sturm des Unwillens unter den Herren der Gesellschaft los, und die adeligen Rücken machten die Bekanntschaft bürgerlicher Fäuste und hölzerner Stuhl- beine in so ausgiebiger Weise, daß den vornchnien Herren Hören nnd Sehen verging. Der Skandal hatte in Berlin ein gewaltiges Aufsehen erregt. Der militärische Adel knirschte vor Wuth über die Frechheit der bürgerlichen Kanaille, und die Schönen des Hofes jammerten über das zerbrochene Nasenbein des hübschen Prinzen, während die Berliner Bürgerschaft im stillen über die den Hochgeborenen ertheilte Lektion frohlockte. Eine jähe fclnft zwischen den beiden Ständen hatte sich aufgethan, die sich mit den Jahren erweitern und die Gegensätze grell hervortreten lassen sollte. Herr Lcckner, der seine Direktrice sofort entlassen hatte, war in dem Zeitungsbericht über den unerhörten Skandal mit Namen genannt worden, und das genügte, um ihn für längere Zeit bei seiner vornehmen Kundschaft in Ungnade fallen zu lassen. Allmälig war es ihm jedoch gelungen, die jungen Herren wieder heranzuziehen, wozu namenltich der umstand wesentlich beitrug, daß er die Zahl seiner Mamsellen unter gleichzeitiger Herabsetzung ihrer Hunger- löhne nahezu verdoppelte und bei den Keckheiten, welche die „goldene Jugend" sich gegen dieselben herausnahm, nun- mehr statt cincs Auges gleich alle beide zudrückte. (Fortsetzung so�gt.) kreise, also im wesentlichen den ländlichen Kleinbauern- und Arbeiterfland, die treugebliebenen städtischen Handiverkerkreise vor der Infektion durch den sozialdemokratischen Bazillus zu schützen. Wenn wir das fertig bringen, haben wir mehr erreicht, als wenn wir dem Phantom nachjagen, wie die sozialdemokrati- schen Industriearbeiter zu bekehren seien. Der Sperling in der Hand ist uns lieber als die Taube auf dem Dache. Gewiß soll der Staat auch für die Industriearbeiter sorgen, aber zunächst für die Stände, welche wirksam auf das Wohl des Landes be- dacht sind: die Bauern und Handwerker. Die Aufgabe des Evangelisch- sozialen Kongresses erscheint uns heute nicht so wichtig, als die des Bnndes der Landwirthe und der Hand- werker-Vereinigungcn. Das wichtigste ist, das Bestehende zu erhalten. Und selbst danlit scheint es schon bedenklich zu wackeln.— Internationaler Kergarbeiter- Paris, 7. Juni. Vierter Verhandlungstag. Die Frage des Achtstundentages hat nebst einem Theil des dritten fast den ganzen vierten Verhandlnngstag in Anspruch ge- nommen, dessen Präsident Genosse Bunte war. Wie auf allen früheren Kongressen waren es auch diesmal wieder die Delegirten der Grubenarbeiter von Dnrham und Northumberland, die sich wie der erste beste Aves Guyot gegen jede gesetzliche Arbeitszeit ausgesprochen haben. Sie sind eben in der glücklichen Lage, einen 7>Mü»digen Arbeitstag zu haben und erklären sich darum gegen jede Staaisintervention. Ihnen zufolge ist die Selbsthilfe das probateste Mittel. Dabei vergessen sie aber regelmäßig anzugeben, daß, während sie blas 7>/l Stunden arbeiten, die mit ihnen beschäftigten Jungen einen Arbeitstag von 9 und 10 Stunden haben, was ihnen indeß diesmal ziem- lich scharf vorgehalten wurde. Wie bei allen Anpreisern der Selbsthilfe liegt auch ihrem Vorgehen ein gutes Stück Eigen- nutz zu gründe. Sie fürchten nämlich, daß, wenn das Gesetz einen achtstündigen Arbeitstag vorschriebe, sie um eine halbe Stunde länger zu arbeiten Härten. In der Hoffnuug.ihnen diese Furchtzubenehmen, erklärte B a s ly, der als erster das Wort zu diesen, Punkt der Tagesordnung erhielt, daß der gesetzliche Achtstundentag nicht bedeute, daß acht Stunden gearbeitet werden»lüsse, sonder» nur, daß nicht mehr als acht Stunden gearbeitet werden dürfe, daß somit der Arbeitstag im Maxiwu in acht Stunden zu betragen habe. In diesem Sinne habe er auch in seinem in der Kammer eingebrachte» diesbeziig- licheu Gesetzentwurf ausgesprochen, daß die tägliche Arbeitsdaucr, Ein- und Ausfahrt inbegriffen, nicht acht Stunden„übersteigen" dürfe. Bei dieser Gelegenheit weist er gleich»ach, daß der von der Miners Federation vorgelegte Antrag mit dem französischen insofern übereinstimmt, als beide den gesetzlichen Achtstundentag, Ein- und Aussahrt inbegriffen, für alle unter Tage beschäftigten Bergarbeiter verlangen, nur daß der französische An- trag die über Tage beschästigten Arbeiter mit einschließt, nnd er bittet, für denselben als einen Znsatzantrag zu stimmen, um ihn mit desto größerem Nachdruck in der Kammer vcrtheidigen zu können. Abrahams unterstützt diesen Antrag. Wenn ich nicht irre, ist dies der erste Bergarbeiter-Kongrcß, wo ein englischer Telegirtcr dafür eintritt, daß der Achtstundentag ebensowohl für die über Tage wie unter Tage beschäftigten Arbeiter gelten soll. Und es hat in diesem Falle umsomehr Bedeutung, als der Delegirte der Grubenarbeiter von Südwales zugleich Mitglied des englischen Parlaments ist. Er halte, sagte Abrahams, die Einbeziehung der über Tage beschäftigten Arbeiter für um so nolhwendigcr, als immer mehr Land- arbeitcr dem Bergbau zuströmen, die zuerst über Tage zu arbeiten beginnen,»m dann allmälig, wenn sie einige Kenntniß von der Bergarbcit haben, in die Grube zu steigen, wo sie dann nichts dagegen haben, ebenso lange swie über Tage zu arbeiten und so den eigentlichen Grubenarbeitern Konkurrenz machen. Durch einen gesetzlichen Achtstundentag auch für die über Tage beschäftigten Arbeitcr würde diese Konkurrenz bedeutend geschwächt werden. C o w e y, Delegirter von Dorkshire, sagt, daß alle Trabes UnionS dafür seien, daß den Grubenarbeitern der Achtstundentag gegeben werde und hält eS für geboten, von allen Parlaments- kandidaten zu verlangen, daß sie den Achtstundentag in ihr Wahl- Programm aufnehmen. Man würde dann im nächsten Parlament eine Masse von sowohl liberalen wie konservativen Mitgliedern finde», die dafür eintreten würden. Nur meint? er, daß die Ausdehnung des Achtstundentages ans die Arbeiter über Tage, das ganze Gesetz in Frage stellen würde, und er will darum, wenn er nicht das ganze Schwein haben kann, wenigstens die Borsten haben. Bailey(Nottingham) wendet sich besonders gegen die Delegirten von Dnrham nnd Northumberland. Wenn es mittels der gewerkschaftlichen Organisation viel leichter sei, den Acht- stundentag zu verwirklichen und die Miners' Union gar so stark ist, wie kommt es dann, fragt er, daß sie den Achtstundentag nicht für die jungen Leute errungen haben, die dort 9 und 19 Stunden arbeiten. Sei aber für die Erwachsenen ein Acht- stundentag anzustreben, so noch mehr für die jungen Leute, und er finde es sonderbar, daß, während selbst Grubenbesitzer im Parlament für den Achtstundentag stimmten— Redner zitirt deren zwei— es Vertreter von Grubenarbeitern giebt, die da- gegen gestimmt haben. B o y l e(Northumberland) und H o u s e(Dnrham) sprechen gegen die gesetzliche Verkürzung der Arbeilszeit nno gebrauchen dabei dieselben»nzntreffeuden Beweise, deren sick ihre Kollegen R. Aonng und John Johnson bereits auf dem Berliner Kongreß bedient hatten. Wenn die Arbeiter, sagte dabei House, nur die Hälfte von dem für die gewerksck aftliche Gntwickelung verwendet hätten, was sie in politischen Kämpfen vergeudet haben, dann hätten sie den Achtstundentag schon längst erlangt. Genosse Horn, der namens der deutschen Delegation sprach, ist in einer sehr wirksamen, besonders von den Franzosen und Belgiern mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Rede mit den Gegnern des gesetzlichen Achtstundentages sehr scharf ins Gericht gegangen, die ihm gleich den Pfaffen vorkämen, die heimlich Wein trinken nnd öffentlich Maffer predigen. Es sei ihm die Zornesrölhe ins Gesicht gestiegen, als er die Argumente hörte, die gegen den gesetzlichen Achlstimdentag ins Feld geführt wurden. Er finde es unmenschlicb, während man selbst blos 7Ve Stunden arbeite, die Jungen 9 und 19 Stunden arbeiten zu lassen. Er hoffe indeß, daß sie sich noch eines besseren besinne» werdtn und von ihrem bisher eingenommenen Standpunkt abgehe», weil sie sonst für gefährlicher gehalten werden müßten als die offenen Gegner, da sie als Vertreter von Arbeitern in Wirklichkeit nur dem Ausbeuterthuin Vorspanndienste leisteten. Sie würden nur allzu sehr Wölfen in Schafspelzen gleichen. Er weist sodann nach, daß, wenn die deutschen Bergarbeiter nicht aus Solidaritätsgefühl, das sie mit den Arbeitern aller Länder ver- bindet, für de» gesetzlichen Achtstundentag für alle innerhalb und außerhalb der Gruben beschästigten Arbeiter einträten, sie dies schon im eigenen Interesse thnn müßten, da bei ihnen in Deutsch- land eine der Arbeitermaßregclungen darin bestehe, die Untertag- Arbeiter zur Uebertagarbeir zu stellen. Ferner dürfe man nicht vergessen, in welcher Stellung sich die Gewerkschaften den Behörden gegenüber befinden und wie sehr sie allen möglichen Ver- folgnngen ausgesetzt sind. So sei erst jüngst in Sachsen eine Grubengewerkschafl behördlich ausgelöst und deren Kasse mit Beschlag belegt worden. Und da kehre man sich gegen die politische Thätigkeit der Arbeiter und weise sie ausschlicßlich ans das gewerkschastliche Gebiet, während es offen liegt, daß, sollen die Arbeiter zu ihrem Rechts gelangen, die Errmgung der poli- tischen Macht ihre erste Aufgabe zu sein hat. Schließlich wendet er sich noch an die Vertreter der Miners' Federation und ver- langt, daß sie sich in der Frage des Achtstundentages und Ueber- tagarbeit nicht wie bisher neutral verhalte� sondern entweder für oder dagegen stimmen sollen. Und da sie sich bisher nicht berechtigt glaubten, dagegen zu stimmen, sollen sie nun dafür stimmen und so ihren kontinentalen Brüdern anstatt eines Fingers die ganze Hand reichen. Als letzter Redner in dieser Frage erhalt Stanley das Wort, der die Delegirten von Dnrham und Northumberland fragt, wozu sie, wenn sie blos für die gewerkschaftliche und gegen die politische Aktion seien, dann eigentlich 3 Abgeordnete im Parka- mente zu sitzen hätten? Und wenn Boyle klagte, daß mit dem Achtstundentag die Landarbeiter noch mehr dem Bergbau zu- strömen würden, so habe er darauf nur zu erwidern, wenn die? ein gar so großes Uebel sei, dann müßten sie nur dahin wirken, daß die Bergleute die längste Arbeitszeit und die kürzesten Löhne haben und die Zuströmung der Landarbeiter werde dann aus- hören. ES wird sodann zur Abstimmung geschritten, und zwar zu- erst über den gesetzlichen Achtstundentag für alle unter Tage beschäftigten Arbeiter. Das Ergebniß ist, daß die deutsche», französischen und belgischen Delegirten einstimmig dafür und von den englischen Delegirten bloß die von D u r h a m und Northumberland dagegen sind, d. h. 96 999 Stiinnien aegen 872 999, Bei der Abstimmung über den Achtstundenlag für die. über Tage beschäftigten Bergarbeiter ist die Abstimmung die gleiche. Tie Miners' Föderation hat also diesmal dafür gestimmt, waS mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommen wird. poltfirrfje AebevNrl,». Berlin, 10. Juni. Antonienhiitte ivar im verflossenen Jahre der Schau- platz von Unruhen der polnischen Bergarbeiterbevölkerung, welche zu ivenig geschult ist, um die Handhabung des Ver- sammlungsrechtes durch die Behörden zu verstehen. Zahl- reiche Strafen wurden verhängt, die Arbeiterschaft kani zur Ruhe des Friedhofes, die großen Zechen- bcsitzer aber konnten ungestört weiter ausbeuten, sie hatten nichts mehr zu fürchten, denn die Inspektion der Bergbetriebe wird lange nicht so ernst genommen wie die Durchführung der Polizeibestimmungen über das Versammlungsrecht. Vielleicht wäre das umgekehrte das vortheilhaftere, dann würden so schreckliche Unglücksfälle, wie einer heute aus Antonienhütte gemeldet wird, leichter vermieden werden: Aus Antonienhütte meldet die„Breslauer Morgen- Zeitung": Tie dem Grafen Hugo v. Hcnckel-Donners- mark gehörende Steinkohlciigrnbe„Segen Gottes" ist in Brand gerathen. Vo» 400, nach anderen Mittheilungcn 300 nnd 000 eingefahrenen Berg- lentcn sind bisher 40 in Sicherheit gebracht worden. Patriotismus nnd Dividenden. Unser Partei- Organ, die„Schwäbische Tagwacht" schreibt: „Die vereinigten Köln-Roltweiler Pulverfabriken haben im Jahre 1894 so viel erübrigt, daß sie unter ihre Aktionäre 2 145 999 M. als Dividende vertheilen können. Die wenigen Herren des Ausstchlsraths und des Vorstandes, lauter Gegner der alles theilenden Sozialdemokratie, sind in der angenehmen Lage, weitere 313 312 M. unter sich zu vertheilen, während für den Pensions- nnd Unterstützungsfonds 69 999 M. übrig geblieben sind. Außer diesen zur Verlheilung gelangten großen Summen hat die Gesellschaft bis zum 31. Dezember 1894 den horrenden Betrag von 7 926 943,72 M. an Abschreibungen verrechnet. An- gesichls solcher ohne Arbeit erzielten Einnahmen ist es begreiflich, daß diese Leute mit dem Bestand der gegenwärtigen Gesellschafts- ordnung und nut jeder Vermehrung des Militarismus von ganzem Herzen einverstanden sind." Diese Köln-Rottweiler Pulverfabriken haben sich vor Jahr und Tag zu einem einzigen Unternehmen vereinigt, das jetzt durch das Privilegium der Pulverfabrikation für die neuen Rcpetirgewchre und Geschütze das Deutsche Reich plündert und schröpft. Die gestellten Preise sind Monopolpreise und sind die größten Aktionäre sehr bekannte Persönlichkeiten, von denen auch m e h r e r e i in ,d e u t s ch e n R e i ch s t a g sitzen und, wie sich von selbst ver steht, die eifrigsten Vertheidiger jeder neuen Militärvorlage s i n d. Der Patriotismus unserer Bourgeoisie hat in der Regel einen sehr materiellen Hintergrund.— Ter Herzog von Lanenburg hat mit dem Bunde der Landwirthe am letzten Sonntag Frenndschastsver- sicherungeu ausgetauscht. Daß der ExreichSkanzler dabei andere Register als am 1. April aufzog, versteht sich bei seiner Vielseitigkeit von selbst. Er bedachte die Minister mit einigen Liebenswürdigkeiten, die, wenn sie ans sozial- demokratischem Mnnde kämen, von einem oder dem andern Staatsanwalt eingehender Beachtung vielleicht für werch gefunden wären. Zur Benrtheilnng Bismarck's sind folgende Sätze ans seiner Rede der Erwähnung Werth: Er könne seinen konservativen FraktionS- genösse» jetzt nur rächen, bei den Wahlen mehr als bisher auf dieAertrelung der agrarischen Interessen zu sehen und nicht solche Angeordnete zu wählen. deren Interessen in Berlin bei den Leuten ohne Halm und ohne Ar liegen.(Große Heiterkeit.) Auch werde er nie einen, Kandidaten seine Stimme geben, der den Wunsch hege, Minister zu werden(große Heiterkeit), denn dann liegt dessen Interesse nur in der Ebnung und Verfolgung seiner Karriere. Er— Fürst Bismarck— würde sich auch die Frau des Kandidaten ansehen, die mit nach Berlin geht. Habe dieselbe ein Bedürsniß, in Berlin zu wohnen nnd dort eine gesellschaftliche Rolle zu spielen, so würde er de» Mann auch nicht wählen.(Heiterkeit.)„Wählen wir also keinen Streber", so fuhr der Fürst fort,„sondern Leute von unserem Fleisch und Blut, die denselben Regen sühle», unter dem wir naß werden und sich über denselben Sonnenschein freuen, unter dem unser Korn gedeiht. Halte nwirfe st anderJnteressen» Vertretung, und setzen wie der Gesetz macherei ohne Halm und Ar den Kriegsruf entgegen: Für H a l in und für Ar! Wir müsse» z u s a ni m e u h a l t e n gegen die Drohneu, die uns regieren, aber nichls produziren �als Gesetze, und das reicht nicht. Jeder Staats- Minister müßte eine Toinäne haben, von deren Ertrag er zu leben hätte(Große Heiterkeit), dann würde er mehr für die Land- wirthschaft bedacht sein." Der Fürst schloß seine Rede mit einem Hoch auf den Kaiser, den größten Grundbesitzer, den berechtigten»nd verpflichteten Schutzherrn der Landwirthschaft und aller produktiven Stände. Wenn ein früherer Reichskanzler in so schroffer Weise den Jnteressenstandpnnkt der kleinen Schicht der Großgrund- bcsitzer betont, ist es doch wahrlich erstaunlich, daß dieselben Eroßgrnndbesitzer und vor allem der Herzog von Lanenburg selbst die Stirne haben, den Arbeitern die Wahrung ihrer Klasseninteressen zu verübeln. Den Schein der politischen Moral halten unsere Gegner nun auch schon für einen LlixuS. Die Vorkämpfer der Monarchie werden nun nach Bismarck's Rede den schönen Vers: „Und der König absolut, Wenn er unseren Willen thut" künftig so zu variiren haben: „Hoch der König, wenn er thut Was der Junker hält für gut." Schwarze Listen von prenstischen Polizeibehörden. Einige Polizeibehörden annzipiren das von den beute- gierigen Agrariern und Konsorten lebhaft ersehnte neue Ausnahmegesetz. Der Zufall weht uns ein Formular auf den Redaktionstisch, nach dem diese Behörden Führungs- atteste ausstellen. Das unter einem Ausnahmegesetz vielleicht erklärliche gedruckte Formular lautet wörtlich: Stadt-Polizeiverwaltung. FührungS-Attest. Auf grund amllicher Ermittelungen wird auf Ansuchen behuss........... hierdurch stempelsrei bescheinigt, daß d... am..ten.... 18.. zu.... Kreis.... Regierungs- bezirk...... geborene.......... in hiesiger Stadt sich aufgehalten hat seit... Geburt... Uebcr... Person und Führung ist Nachtheiliges hier nicht zur Kenntniß gelangt, auch hat... n i ck) t an sozial- den, akratischen Bestrebungen theil genommen, bestraft ist... soweit hier bekannt geworden nicht. Stadt'Polizei-Verwaltung. Vor dem Gesetz sind alle Preußen gleich, sagt die von den Beamten beschworene Verfassung. Sind Sozialdemokraten keine Bürger? Und wenn nicht: warum sind sie der Militärpflicht unterworfen, Herr von Köller? Vri der Berathnng des Jnstizetatö im Württemberg i s ch e n Landlag drückte der Berichterstatter Haußmann den Wunsch aus, es möge die Oberstaatsauwaltschast angewiesen werde», daß einem a u g e k l a g t e n Redakteur nur an s e in emWohnsitz der Prozeß zu machen sei und be- gründete diese» Wunsch damit, daß von Norden her sich eine andere Praxis ausgebildet habe. Der Justizminister Dr. v. Faber konnte sich aber für diese selbstverständliche Forderung nicht be- sonders erwärmen, sondern schloß sich de» Ausführungen des nationallibcralc» Abgeordneten Reichsgerichts« Raths a. D. v. G e ß an, welcher meinte, eine Beleidigung durch die Presse werde nicht nur am Erscheinungsort, sondern auch am Ver- breilungsort ausgeübt. Er(der Justizminister) nehme daher Abstand, die Staatsannätte anzuweisen, ihre Klagen nur am Erscheinungsort anjubringen. Er erlasse immer nur ungern Weisungen a» die Staatsanwaltschaft. —• Damit wäre also der staalsanwaltschaftlichen Willkür durch ministerielle Erlaub n iß Thür und Thor geöffnet.— Eine Wahlrechts- Temonstration, bei der auch Blut geflossen ist, wird aus W i e n geineldet. Da wir im Augenblicke ohne direkte Nachrichten sind, beschränken wir uns auf die Reproduktion der Depeschen. Wolff's Bureau berichtet das folgende: Sonnlag Vormittag versammelten sich gegen 4000 Arbeiter in verschiedenen Gasthäusern des PraterS. Im Gasthause zum Tivoli wollte Abgeordneter Pernerstorfer eine Rede halten, das Lokal wurde jedoch durch die Polizei geräumt. Hierauf begaben sich die Arbeiter in ein anderes Wirlhshaus, wo trotz des Ver- bols des Polizeikoiumissars die Ansprachen fortgesetzt werden sollten. Ei» Agitator, der in demonstralive Rufe ausbrach, wurde von der Sicherheitswache verhaftet und zum Polizeikommissariat abgeführt. Unterwegs versuchten die Arbeiter, den Verhafteten zu befreien und bewarfen die berittenen Wach- leute mit Steinen. Die Wachleute zerstreute» hierauf die Menge mit flacher Kinge und drängten sie schrittweise aus dem Praler hinaus. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgerommen. Tie Arbeitergruppen zogen sodann in der Richtung gegen das Parlamentsgebäude, veiter, um vor den,- selben Ztuudgebungen zu veranstalten. Die Polizei hielt jedoch das Gebäude besetzt und zerstreute die Menge. Bei den Sonntag Nachmittag im Prater stattgehabten Arbeiternnruhcn wurden 19 Personen verhaftet, welche dem Landcsaerichte eingeliefert wurden. ES wurden 4 Wachleute, jedoch keine Arbeiter, verletzt. Herold's Bureau versendet die folgenden Depeschen: Sonntag Vormittag haben sich trotz des polizeilichen Verbots. im Prater und an anderen Orlen Arbeitermeetings abzu- hallen, tausende von Arbeitern im Prater eingesrurden. Tie zahlreich aufgebotenen Polizeimannschasren forderten die Arbeiter zum Auseinaudergeden auf, welchen. Befehle jedoch nicht nach- gekommen wurde. Bei einer abermalinen Anfsorderung wurde die Polizei mit Sleinwürsen und Stockhiebe» lraktirt, und erst, als die Wachmannschaften nrit aller Energie vorgingen, gelang es, die Arbeiter zu zerstreuen. Im Innern der Stadt fanden jedoch neue Ansammlungen statt, so daß es daselbst eben- falls zu einem Rencontre zwischen den Dcnionslranlen und der Polizei kam. Eine besonders zahlreiche Ansammlung fand vor dem Hause des Ministerpräsidiums statt; der Polizei aber ist es gelungen, die daselbst beabsichtigte Temonstration im Keime zu ersticken. Tie Sradt beflndel sich in nicht geringer Aufregung wegen der heute eventuell noch zu er- wartenden Vorgänge. Um zede Temonstration zu verhindern, streifen starke Kavallerie-Palrcuillen und Schutzleute zu Fuße und zu Pferde durch die Straßen der Stadt. Aus Wien wird heute ferner gemeldet: In der heutigen Sitzung des Abgeortnetenhanses wies der Abg. Pacak ans die gestrige Besetzung des At geordneten- Hanfes durch die Polizei hin und fragte, ob das Repräsentanlen- Haus zu einer Polizeiwachlstube gemacht werden solle. Ter Präsident erwidcrie, er wisse nichts davon, daß Wachmänner sich im Saale oder den Wandelgängen befunden hätten. Nichtig sei, daß eine große Anzahl Wachleute in der Nähe des Abgeordnetenhauses aufgestellt worden sei, um das Haus vor dem etwaiger, Erndringnr der Volk- menge zu schötzcu, was doch jedermann nur billige» könne. Die Vorkehrnngen der Polizei müßten nmfomehr Billigung finden, als erst kürzlich ein Fenster des Hanfes durch einen Sleinwnrf zertrümmert worden fei. Ter Adgeort riete Steiner wurde wegen seiner Zwifchcnrnse zur Ordnung gerufen. Taraus trat das Haus in die Tages- ordiuing ein.— Tas italienische Parlament ist versammelt, es wurde heute durch eine T h r o n r e d e eröffnet, die ganz das Gepräge crispiuischen Geistes trägt. Die Bedeutung der Wahlen wird gefälscht, die Finanzen werden günstiger dargestellt als sie sind, die das Volk bewegenden Fragen ignorirt, die Vcrlktzuirg der Verfasiung wird nicht einmal beschönigt. Und die üblichen Phrasen fehlen nicht. Wir heben aus derselben die folgenden Stellen hervor: „Die Orgarrisirung der Frirarrze» wird nochmals de» ersten und hauptsächlichsten Gegenstand der Beralhung bilden. Die in der ersten Scssionsperrode eingebrachten und angenommenen Gesetz- entwürfe hatten allerdings die Wirkung, daß der Staats- kredit gehoben wurde, und trugen dazu bei, den Ausfall zwischen den jährlichen Einnahmen und Ausgaben in wirtsamer Weise zu verringern; allein die Befestigung des Budgets ist durch die- selben noch nicht vollkonrmcn erzielt. Angesichts der Dringlichkeit ausreichender Abhilfe hat deshalb weine Regierung einige Verfügungen getroffen, welche»nverzüglich die von ihrer soforligeu Anwendung erwarteten budgeinren Erfolge über die Vorschläge hinaus ergeben � haben. Diese Bersügnngen wurden alsbald der Sanktion deS Parlaments unterbreitet, und werden Ihnen neuerdings vorgelegt werden, damit Sie über dieselben jenes Urtheil fälle», welches mit vollem Rechte Ihrer Autorität vorbehalten ist. Allein das wirkliche Gleichgewicht im Staatshaushalte wird nur dadurch hergestellt werden können, daß die Ausgaben in den engster, Grenzen gehalten werden, welche die unabweislichen Bedürfnisse der verschiedenen Zweige des öffentlichen Dienstes noch erleiden können." Noch eine Verantwortlichkeit ruht in gleicher Weise auf allen Gutgesinnten, noch ein Werk giebt es, zu dem wir alle berufen sind, es ist der s o z i a l e Friede. Meine Regierung mußte diese» Friede» als Hüterin der Ordnung durch die Gewalt auf- recht hallen; sie stimmt jedoch mit mir darin überein. daß der Anwendimg der Gewalt die des Wohlwollens unter Mitbürgern vorzuziehen sei, und da den repressiven Maßregeln die Gnade gefolgt ist und in noch aus- gedehnterem Maße folgen wird, sobald durch die wiederhergestellte Ordnung die Bürgschaft auch der ohne Zrvang erhaltenden Stabilität gegeben ist, so rechne ich darauf, daß ein wirksanier Einfluß aus die unbewußt Handelnden und die Irregeleiteten geübt werden wird durch die Gesetzgebung, welche dem Grundsatze der Brüderlichkeit(!) unter den Menschen immer höhere thatsächliche Bedeutung zu bieten bestimmt ist; nach dieser Rich- tung wird auch die erzieherische Sendung der Schule wirksanr sein. Ich habe, wie Sie wisse», den Ruhm»reiner Regierung in der Verbesserung des Looses der Bedürftigen(!) gesucht." Hierauf wird die Nothwendigkeit der Reform des Finauzweseus der Kommunen betont. Es heißt dann weiter in der Thronrede: „Gleichzeitig mit den erwähnten finanziellen Entwürfen werden Jhuen andere Vorschläge verschiedener Natur zugeherr, die ich gleichfalls Ihrer Aufmerksamkeit empfehle. Die oberste Bürgschaft jeder bürgerliche» Gesellschaft ist eine sichere, rasche, für alle gleiche und über aller, st ehende Justiz. Meine Regierung wird Ihnen sohir, einige Aenderungen der zur Zert in krast stehenden Gesetze vorschlagen, welche darauf abzielen, daß den Einrichtungen der Rechlspflcge einen besseren Schutz der Privatrechte und der öffentlichen Ruhe sichern. Jeder Staatsbürger, auch wenn er ein hohes Amt bekleidet, soll berufen werden können, über seine Handlungen unter der Herrschast des allgemein verbind- lichen Gesetzes Rechenschast abzulegen. Es liegt uns daher ob, und es werden Ihnen bezügliche Vorschläge zugehen, der Kompetenz der Gerichte nicht nur für die untergeordneten Rairgstnserr sondern auch durch in höheren Graden des öffentlichen Dieirsles stehende Personen begangene Handlunge» klarer als bisher zu regeln." „Mit aufrichtiger Genuglhuung konflatire ich die Herzlich- keit der Beziehungen, welche zwischen anderen Völkern und uns, zwischen meiner Regierung und den auswärtigen Regierunge» bestehen. Europa a t h m e t Frieden auch durch unseren Willen, nrrd kein Mißtrauen, kein Verdacht ruht mehr auf unsere» Absichten." „Die Organisation der italienischen Besitzungen in Afrika, welche wir im Zusammenhange mit der Lage und den allgemeinen Interessen des Volkes betrachten, wird, so wie bisher auch weiterhin den Gegenstand der urrermüdliche» Sorge meiner Regierung bilden. Weil entfernt, eine Politik der Aden- leuer zu rvollen, streben wir in Wirklichkeit danach, unseren Stellungen dauernde Sicherheit zu verschaffen; insbesondere werden unsere Bemühungen darauf gerichtet sein, allmälig die finanzielle Unabhängigkeil der Kolonie vom Mutlerlande vor- zubereiten." „Wir gehen der Feier des ersten Jubiläums Italiens im drillen R o m enlgegen, jenem ewigen Rom, in welchem meinem Valer vergönnt war, die unzertrennbare nationale Einheit zu krönen."— Tie„Vossische Zeitung" wird jetzt viel zu thun be- komiuen, sie Kalte bisher schon im Interesse der italieinschen Renten und der an dem guten Kurse derselben sehr inter- essirten Deutschen Baut und aus Rücksicht auf Herrn Dr. Siemens mit einer bei ihrem Alter sonst uugewohnten Lebhaftigkeit tagaus tagen, im Schweiße ihres Angesichts, übereifriger fast noch als das würdige„Berliner Tageblatt" den Mohren Crispi reingewaschen und alle seine Gegner mit Koth zu bewerfen gesucht. Sie findet für jede Be- schuldigung gegen Crispi, die ihr bei ciuenr konservativen deutschen Staatsmanire sehr belastend erscheinen würden, tausend Entschuldiguugsgrüude. Sie giebt den Ordensschacher Crispr's zu, leugnet nicht seine Beziehungen»uit Cornelius Herz, bestreitet nicht, daß er unter den Bourbvnen Slellenschacher getrieben hat, aber was bedeutet das alles gegenüber der Gefahr, daß die ilalienrschcir Ncriteri um 10 pCt. zurückgehen könnte». Die „Vossische Zeitung" weiß für alle diese Beschrildiglingeir Crispr's so warme Cirlschuldiguugen, daß die ganze Behren- und Thier- garteustraße ihr Dank weiß. Aber sie thut auch ein übriges, sie wascht Crispi nicht blas ireirr, sie beschmutzt auch dessen Gegner Cavallotti ebenso wie die Sozialisten, sie beschuldigt diese an dem Attentate gegen den heute seinen Wunden erlegeuen radikalen Deputirleri Ferrari die Schuld zu tragen, obgleich es erwiese, r ist, daß der Mörder ein Mazzirrist, aber kein Sozialist war. Nun wird jeder Tag Beschuldigungen gegen Crispi bringen, die von der Tribüne des itaUeuischen Parlamentes ihren Weg ins Ausland machen rvcrdcrr, die etwa Crrspi's Sturz herbersühren könnten und da zittert altes, was sein Geld in italreiirschen Renten angelegt hat, da droht die Bilanz der Deutschen Bank zu leiden, da herßt es, alles daran setzen, die öffentliche Meinung zu be- lügen, da muß die würdige Tante Boß aus dem Posten stehen und alle Schandthaten Crrspi's in herrliche Großthatcn umdichteu. Ein schweres Geschäft! Aber was thut man nicht alles für die Deutsche Bau!!— DaS neue klerikale Schulgesetz in Belgien seht die völlige Gleichheit d e r K t o st e r s ch U l e» und der Sta a lösch ulen fest und weist die Hälfte des Schuletats den ersteren zu. Ter U n t e r r i ch t s n, i>r, st er S ch o t l a e r t äußerte kürzlich vor seiricii Wählern, man müsse die völlige Beseitigung des staatlichen Schulwesens an- streben. Die so stark sich entwickelnde belgische Sozialdemokratie wird schon dafür sorge», daß die Bäume des Klerikalismus nicht allzu hoch misschiebeii.— Russtand errichtet eine dauernde Gesaridschaft beim päpst» lichen Sruhle.— Eine russische Kohlenstation in der Nähe deS Nord- ostsee-KanalS soll auf der dänischen Insel Chrisliansö errichtet werden. Es Handell sich bei der geringen Entfernung russischer Häfen wohl weniger um eine Kohlenstation als um einen rralegischen Stützpunkt.— Die armenische ffrage hat zu einer türkischen Ministcrkrisis geführr. Bon dein neuen Großvczir Said Pascha, der übrigens bis jetzt Minister des Auswärligen war, gilt als sicher, daß er noch mehr unter russischem Eirrfluffe stehe wie sein Vorgänger. Die„Daily News" erhalten von ibrem Spezial- Kor- respondenlt» aus Müsch über Kars vom 3. d. M. die nachfolgende Tepesede: Tie anucmsche Unlersuchuiigskoinmissiv» wurde am 31. Mai geschlossen. Die europäischen Telegirter, waren schließlich genöthigt, den türkischen Kommiffaren zu erklären, daß sie nichts mehr mit ihnen zu thun haben könnten. Der Bericht, welchen die türkischen Kommissare vorlegen werden, werds lediglich ein Gewebe von Entstellungen sein- sie hätten ihre Un- redlrchkeit zur Schau getragen und offen Bestechungen und Ein- schüchterungen ausgeübt; ihr Vorgehen sei durch die höchste Stelle in Konstantin opel unterstützt und gutgeheißen worden.— CubanischeS. Einem in Jacksorrville(Vereinigte Staaten) erscheinende» Blatte zufolge soll der britische Schooner„Mary Jane" mit 500 Freibeutern an Bord letzten Mittwoch im Tau eines Schleppers von Key West nach Euba abgegangen sein. Der in New-Iork weilende Heransgeber einer Cubanischen Zeitung theilte mir, daß die von Key West abgegangenen Frei- beuter ein Expeditionskorps von 280 Mann auf Euba gelandet haben.— Auf Samoa dauern trotz der Interventionen der Mächte die Unruhen fort.— Pru'leiuariivitftfeit- Von der Agitation. Ueber den Stand der sozialistischen Bewegurrg unter der, Polen wird uns geschrieben: Trotzdem die gegnerischen polnischen Zeitungerr noch vor kurzem erklärt haben, daß bei de» polnischen Arbeitern kein Feld für die sozial- demokratische» Lehren vorhanden sei, ist es doch in verhältrriß- mäßig kurzer Zeit, wenn auch unter sehr schwierigen Verhält- nisten, der polnische» sozialdemokratischen Partei gelungen, Vereine in Berlin, Harnbirrg, Bremen, Rixdorf, Charloitenburg, Weißensee rc. ins Leben z» rufen, und es stehe» noch mehrere solche Vereinsgründungen irr Aussicht. So fand am 19. Mai in Frankfurt a. O. eine öffentliche Versammlung statt, irr der die Statuten eines polnisch- sozialdemokratischen Arbeiter- Bilduirgsvereirrs«»stimmig angeriominen wurden. In der Sitzung des Vereins an, 26. Mai haben sich bereits 20 Personen als Mitglieder aufnehmen lassen. Auch in, Posenschen und in Schlesien, wo die Behörden oft mit anderer Elle messen, als im übrigen Preußen, indem sie keinen sozialdemokratischen Verein dulden, weshalb dort ausnahmslos das Vertrauens- männersystem eingeführt ist, ist es gelungen, in einigen Orten, wie in Posen, Gnesen, Ostrowo, Jnowrazlarv, Organisationen in Form von Lesevereinen zu gründen, wo den Mitgliedern polnisch-sozialdemokratische Schriften zum Studium dargeboten werden. Da es nicht möglich ist, in den polnischen Gegen- den direkt, d. h. in öffentlichen Versammlungen, Vereinen:c. jc., für unsere Ideen zu agiliren, so hat sich die polnische Partei entschlossen, ihr Hauptaugenmerk auf die in deutsche n Gegenden weilenden polnische» Arbeiter zu legen. Sie hat damit sehr gute Resultate erzielt, denn so mancher hier nur zeitweise sich aufhaltende Pole hat schon heute in seiner Heiinath das sozialdemokratische„Gift" unter seinen Brüdern fleißig ausgestreut. Nur Geduld und Ausdauer, und auch in dem siiistersten Winkel rvird Licht werden! Von Be- dei.turrg für die polnische Agitation wäre eS nun, wenn jeder deutsche Genoffe, der Gelegenheit hat, mit einem polnischen Arbeiter zusammen zu arbeite», diesen auf die polni« sehen sozialdemokratischen Vereine aufmerksam machen und ihn zum Beilritt veranlassen würde. Ferner sollte jeder Genosse den polnischen Arbeiter brüderlich behandeln lind in ihm das Ve- wußtseir, zu erwecken suchen, daß er nur durch Organisation für sich und seine Brüder in seiner Heimath ein erträglicheres Loos herbeiführen kann und daß er sich dann nicht mehr genöthigt sehen wird, sich von Kapitaliftc» und Junkern als Kuli aus- beuten zu lassen. Auch wäre es am Platze, der polnisch-sozial- demokratischen Partei, die ihren Sitz in Berlin hat, bei ihrer Agitation hilfreich zur Hand zu gehen. Zu diesen, Zwecke wäre nothweudig, daß sich die Vertrauenspersouer, jener Kreise, wo es polnische Arbeiter giebt. mit polnischem Agitationsmaterial ver- sehen, das jederzeit auf Verlangen die Redaktion der „ G a z e t a R o b o t n i c z a" in Berlin 0., Airdreasstr. 78b, in beliebiger Anzahl versendet. Reichstags- Abgeordneter Liebknecht ist auf einer Agitationsreise in, nördliche» Bayern begriffen. In Erlangen. H.e r s b r u ck in der sränkischen Schweiz und in Nürnberg hat er bereits Versammlungen abgehalten. Versammlungen in anderen Orten werden folgen und den, Sozialismus wiederum Zuwachs an Anhängern bringen. Reichstags-Abgeordneter G e h r i s ch berichtete neulich wieder in seinem vogtländische» Wahlkreise über die Thätigkeit des Reichstags. In P a b st l e i l h e n war die Versammlung aus vielen Orten des Vogtlandes besucht, selbst aus Böhmen nrrd Bayern waren Leute herübergekommen. Auch in P o s s e ck sprach der genannte Redner vor vielen Zuhörern. Als NeichStagSkandidat für de» Wahlkreis Dortmund ist Dr. L ü t g e n a u aufgestellt. Bei der GemeinderathSwahl in Soiiiieberg i. Th. wurde„ach mehrjähriger Pause wieder ein Soziaidcmokrat, und zwar der Parteigenosse Wehdel, tzeivühlt. Er bckain 330 Stimmen. Die drei anderen Kandrdaten unserer Partei blieben mit 193, 220 und 255 Stimmen in der Minorität gegen- über den bürgerliche», die 340 bis 379 Etiuimen auf sich ver- einigten. Ter Stuttgarter Liederkranz beharrt nun doch ans seinem früheren Beschluß, der Sozialdemokratie die Lokalitäten der Liederhalle zur Benutzung zu verweigern, trotzdem der Ober- Bürgermerster sich eifrig benn'iht hat, zu vermitteln. Die Stritt- garler Arbeiter werden deshalb im Lause dieser Woche in einer Volksversarirmlniig über weiter zu ergrcrfende Maßnahme» gegen die Liederhallen-Gcsellschaft berathschlagen. Todtenliste der Partei. In Bayreuth ist der Partei- genösse Christof Schreiner gestorben. Polizeilich, Gerichtliches ze. — Gegen de» Parteigenossen Schippet ist ein Prozeß anhängig, weil er im„Sozialdemokrat" die Vorgesetzten der deutschen Armee beleidigt haben soll. Ter Strasarrlrag ist vorn preußische» Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff namens der deutschen Armee gestellt. Der Prozeß sollte am gestrigen Montag in Berlin verhandelt werden. Da aber das Gericht bis zum Abend von einem Schülermißhandlungs-Prozeß irr Anspruch gerromme» war, so wurde der Termin vertagt. — Redakteursfrenden. In allen gegen den Gen offen Herbert in Stettin aiihäirgigen Prozessen ist jetzt schleimigst Termin anberarimt worden. Am 14. und 15. d. M. kommen vor der» Schöffengericht Privalklagen zur Verhandlung, zur» 2. Juli ist vor dem Landgericht Termin anberaumt, um die Sache wegen angeblicher Beleidigung des Magdeburger Staatsanwalts Maizier, die schon drei Jahr« lang schwebt und sorgsam im Auge behalten wurde, damit sie ja nicht verjähre, zu erledigen. 50 M. Geldstrafe hat derParteigenosseH u th, Redakteur der„Thüringer Tribüne" in Erfurt, wegen Beleidigung des Amtsvorstehers Roller von Ilversgehofen zu zahlen. Unser Ge- noffe halte eine Notiz der„Nordhausener Zeitung" abgedruckt, in welcher gesagt war, daß der Amtsvorsteher eine Prostiluirten- steiler vorgeschlagen hätte. Der Gerichtshof erachtete de» Beweis in, wesentlichen für erbracht, fand jedoch eine Beleidigung in der Behauptimg, daß Nöllcr eine reichliche Einnahme versprochen hätte, während der Gerichtshof aus der Verhandlung die lieber- zerigung gewonnen hat, daß Nöller dieses Versprechen nicht gegeben, vielmehr nur die Prostiluirten habe abhalten wollen. — S ä ch s i s ch e s. Der Volksbildrings- Verein in Ober- lungwitz ist ausgelöst worden, weil er als eine Fortsetzung des früheren aufgelösten Vereins angesehen wnrde. Der Bor- steher des in, vorigen Jahre ausgelöste» Vereins soll in dem jetzt ausgelösten zweiter Vorsitzender sern und Vorturner, derselbe GesanMeiter soll da sein und dieselben Notenbücher: das sind, wie der Chemnitzer„Beobachter" schreibt, die Gründe, die für die Auslösung angegeben waren. Gegen die Maßregel wird Be- schiverdo erhoben werden. — In Würzen hatte das Schöffengericht den Redakteur K ö h r e wegen Beleidigung des Stadtraths Dr. Krippendorf zu K Wochen Freiheitsstrafe verurkheilt. Köhre's Berufung wurde vom Leipziger Landgericht zurückgewiesen. Aber auch die Staats nnwaltschaft hatte mit ihrer Berufung kein Glück. Sie wollte den Preßsünder nicht weniger als 3>/2 Monate ins Gesängniß gesetzt wissen nnd hatte dazu noch seine sofortige Verhaftung verlangt. — Wegen eines in der„Nepszava" veröffentlichten Artikels über den Hod-Mezö'Vasarhelyer Sozialiftenprozeß wurde in Budapest der Parteigenosse Hugo Großmann von den Geschworenen der Zlufreizung zum Klassenhaß und der Verherv lichung von gerichtlich Verurtheilten und von strafbaren Hanfr luugen einstimmig schuldig erklärt, worauf der Gerichtshof den Angeklagten zu vier Monaten Gesängniß nnd öv Gulden Geld strafe verurtheilte. — I» B u d a p e st hatte die Polizei eine zu Freitag angesetzt gewesene Versammlung, in der Stellung zu der Török'schen An gelegenhcit genommen werde» sollte, untersagt. Dem Publikum war das Verbot unbekannt. Es fanden sich deshalb vor dem b* treffenden Lokale viele Leute ein, um der Versammlung bei zuwohnen. Zwischen ihnen und der zahlreich aufgebotenen Polizei kam es nun durch die Schuld der letzteren zu Auftritten, wie sie in solchem Falle nicht nur in Ungarn vorzukommen pflegen. Neun Arbeiter wurden dabei verhaftet; davon sind bereits 7 zu je 10 fl. oder einem Tag Arrest vernrtheilt. Gegen die übrigen beiden soll wegen angeblicher Widersetzlichkeit gegen die Behörde ein extra hochnothpeinliches Strafverfahren eingeleitet werden Anstatt der 10 Versamuilnngen, die, wie schon früher gemeldet, am Sonntag in Sachen Töröl's abgehalten werden sollten, haben nach einer Wolff'schen Depesche 8 stattgefuudeu und von diesen wurde eine ausgelöst._ Soziale Durch die«eschäftigung billigerer russischer und ga- lizischer Laudarbeiter haben die edlen„nothleidenden" Agrarier Ostelbiens die Gefahr dcr Einschleppnng der Cholera gesteigert. Ihre chevalereske Nucksichtslosigkeit hat sie natürlich nicht ans den Gedanken kommen lassen, selber dafür zn sorgen, daß bei dem Transport nnd der Unterbringung der freniden Ar beiter nichts versäumt werde, um die fürchterliche Seuche von Deutschland sernzuhallcn. Vermnlhlich aus diesem Grunde mag sich der Regierungspräsident von Potsdam veranlaßt gesehen haben, die ihn, untergebenen Behörden darauf hinzuweisen, im Hinblick auf die Gefahr der Einschleppung der Cholera und der Entstehung anderer gefährlicher Krankheiten besondere Ausmerk samkeit den sanitären� Verhältnissen bei dem Transporte und der Unlerbringung der zugelassenen ausländischen Arbeiter zuzuwenden. Ucber die zufolge dieser Anordnungen von den Aufsichtsbehörden getroffenen Maßregeln, sowie über die Erfahrungen, die mit den ausländischen Arbeitern gemacht worden sind, soll dem Re- gierungspräsidcnteii bis zum I. Dezember d. I. Bericht erstattet werden. Einen lobenStverihen Beschlnsi hat die Amtshauptmann- schaft Zwickau gefaßt, indem sie allen Genieinden ihres Be- zirks, die ein zum Baden geeignetes Gewässer besitzen, die Ver- pflichtung anferlegte, auf Gemeindekofien öffentliche Bade- platze einzurichten. Ganz im Geiste des mecklenburgischen FendalstnntS bewegt sich folgende Verordnung, die der Magistrat der mecklenburgischen Stadt S ch w aa n erlassen hat:„Den G e seilen, Lehrlingen und Dienstboten ist das Betreten des Lindenbruchs sowie des Turnplatzes abends nach S Uhr an Werklagen verboten". Der Erlaß dieses bürgerlichen Ausnahme- gesetzes hat darin seinen Grund, daß die Aulagen des Linden- bruchs wiedorholt von roher Hand beschädigt worden sind, u. a. sollen einige junge Fichten abgeschnitten worden sein. Für solchen Frevel, der leider auch in anderen Orten Deutschlands ost genug vorkommt, niacht man in Schwann die Arbeiterschaft verantwortlich, gerade als ob die Bourgeoisie, namentlich deren „goldene Jugend", so zweifelsohne wäre, daß man ihr die in Rede stehende Nichtswürdigkeit unmöglich zutrauen könnte. Ge l w vl% rrfJ a J 1 Ii dj ef». Achtung Hutmacher Berlins! Wie uns aus Dresden mitgetheilt wird, befinden sich die dortigen Kollegen in größeren Lohn- difserenzen mit den Fabrikanten. Um nun unseren Dresdener Kollege» zum Siege zu verhelfen, ersuchen wir alle in der Hut- brauche Beschäftigten, dringend, den Zuzug nach Dresden fern zu halten nnd die durch Agenten in hiesigen Lokalblättern an- gebotene Arbeit unbeachtet zu lassen. Denn nur durch festes Zusammenhalten und Ausübung des Solidaritätsgesühls ist im Kampfe gegen das Kapital auf Erfolg zu rechnen. Friedrichsfelde. Der Streik der Korbmacher richtet sich zur Zeit nur noch gegen die Firma Z w e r n e r. Der Inhaber derselben sucht auf jede Weise Ersatz für die Ausständigen herau- zuziehen. Es ist also von seilen der Kollegen die größte Auf- merkfamkeit erforderlich, wenn nicht die gerechte Sache der Streikenden geschädigt werden soll. Die in, allgemeinen gute Haltung der Kollegen am Orte wird auch Zwenier gegenüber zum Siege fuhren, vorausgesetzt, daß Zuzug unbedingt fern gehalten wird. AuS Halle wird uns gemeldet, daß die B ö t t ch e r des Herrn K u ck e l t am Sonnabend einen vollständigen Sieg errungen hätten. Tie übrigen Meister würden voraussichtlich auch bald bewilligen. Der Wagnerstreik in Nürnberg ist noch nicht beendet, wie gegnerische Blätter melden, sondern es hat erst die Hälfte der Meister die Arbeitersorderungen bewilligt. Ter Zuzug ist also nach wie vor fernzuhalten. Ebenso von Dachdeckern nach Mainz. Die Nachricht der bürgerlichen Presse, daß der Streik zu Ende sei, war gleichfalls falsch. Es sind nur Verhandlunge» angeknüpft, die hoffentlich günstig verlausen, aber noch nicht zum Abschluß gekommen sind. In Fürth streiken, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, 150 Arbeiter und 150 Arbeiterinnen des Kompositions- und S ch l a g m e t a l l- G e w e r b e s. Sie verlangen Erhöhung des Lohnes. In Fürth haben die Arbeiter und Arbeiterinnen der Fei n- metalls ch lägereien die Arbeit eingestellt, mn aus diese Weise eine Erhöhung ihres mageren Einkommens zu erreichen. Die Metallschläger Wiens habensihre Forderungen in allen bis auf drei Werkstätten— die von Langhamm er, Piftschak und R a t h s a m— durchgesetzt, ohne daß in den übrigen Werk- flälten ein Streik nöthig gewesen wäre. Die Zlrbeiter der drei genannten Geschäfte haben die Arbeit niedergelegt, weshalb um Vermeidung des Zuzugs ersucht wird. Kürschnerei-Arbeiter werden ersucht, von der Pelzwaaren- sabrik von G e o r g Szuchanek in Wien kein Eugagenient anzunehmen, da dort das ganze Personal wegen des Auftretens des Werkführers gekündigt hat. Ueber den Leipziger Manrerstreik, zu dessen vollständig siegreichem Ausgang nach wie vor st r e n g st e Vermeidung des Zuzuges»öthig ist, wird berichtet, daß wieder 57 Maurer den Stundenlohn von 45 Pf. bewilligt bekommen haben und so- mit rund 660 Mann zu der neuen Bedingung arbeiten. Um die Erringung des Sieges zu erleichtern, sind� aufs.neueZ 65 Aus- ständige abgereist, während durch Niederlegung der Arbeit in dem Vorort'Paunsdorf 14 Mann zur Zahl der in Leipzig und Umgegend gebliebenen Streikenden hinzukamen. Gestern, am Montag, wollten die Mitglieder des sogenannten„Arbeitgeber'l Bundes alle Bauplätze schließen, wenn die Streikenden nicht die Bedingung: 42 Pf. Minimal-, 45 Pf. Maximallohn, annehmen würden. Ob die Unternehmer, nachdem die Streikenden am Sonnabend das Festhalten am 45 Pf. Stundenlohn beschlossen. ihren Beschluß ausgeführt haben oder nicht, darüber ist uns zur Stunde noch nichts bekannt. Heute Vormittag halten die aus ständigen Maurer wieder eine Versanimlung im Pantheon ab. Neber den Postbeamtenstreik in Budapest berichtet der Telegraph, der Staatssekretär Voeroes habe am Sonnlag einer aus 30 Nlann bestehenden Deputation der Postbeamten ver fprochen. den größten Theil der Forderungen der Ausständigen zu bewilligen. Der Dienst sei deshalb am Montag wieder au genommen worden. Nach einer andern Depesche, die das Wolff'sche Bureau von einem„besonderen Korrespondenten" bekam, soll der Streik dadurch beendet worden sein, daß den Zurückkehrenden Straf losigkeit zugesichert wurde und die Regierung versprach, die Be schwerdeschrist einer Prüfung zu unterziehen. Bemerkt sei noch, daß die Postvermaltung zum Ersatz der Streikenden Postbedienstete aus der Provinz und Soldaten ver wendet hatte. Ueber die bisherige Lage der Budapester Briefträger theilt die Wiener„Arbciter-Zeitung" mit: Sie erhalten 25 fl. Monats geholt und die Kleidung vom Staat. Infolge des am gestrengten Dienstes giebt es kaum Briefträger, die nicht husten und an Herzklopsen leiden. Das Treppensteigen richtet sie eben zu gründe, dafür aber ist der Staat geivissenlos genug, die Armen weder gegen Krankheit noch gegen Invalidität zu schützen. Alle anderen Arbeiter müssen seit dem Jahre 1891 gegen Krankheit versichert sein. Wenn der Brief träger länger als ein Jahr krank ist, setzt ihn der Staat an die Luft. Die Kleiderlieferuna durch den Staat hat auch einen Haken. Die Winterkleider erhalten sie gewöhnlich im Sommer, während die Sommerkleider im Winter verlheilt werden Am 1. April sollten die Briefträger ihre Sommerkleider erhalten. jetzt ist anfangs Juni, und die armen Teufel laufen noch immer in Winterkleidern herum, die sie statt im November in der Regel erst im Februar erhalten. AuS Brüssel wird gemeldet, daß am Sonntag zwei große Versammlungen der Z i e g e l a r b e i t e r den allgemeinen Streik erklärt hätten. Gecilftks-jkeiknua. Genosse Knoll, der dieser Tage wegen seiner Schilderung des Eisbeinessens voni hiesigen Landgericht verurtheilte Preß- sünder, theilt uns mit. daß er mit Vornamen nicht, wie von uns gemeldet, Wilhelm, sondern Alexander heiße Die Frage nach der politischen Gesinnung vor Gericht. Durch Gerichtsbeschluß war der Antrag des Verlheidigers. einen Zeugen darüber zu befragen,„ob der Angeklagte Sozial demokrat sei", als unzulässig abgelehnt worden. Auf Revision hob das Reichsgericht das Urtheil der Vorinstanz auf. In den Gründen des llrtheils vom 13. September 1894(Entscheidungen des R.-G. in Straff. Bd. XXVI S. 70) heißt es:„Allerdings sind Zeugen im Strafverfahren, wie aus dem Zusammenhang der§§ 52 bis 54, 67—68 Str.-Pr.-O. hervorgeht, zunächst nur verpflichtet,"über Thatsachen Auskunft zn geben, welche Gegenstand ihrer Wahr- nehmungen gewesen sind, wobei es indeß keinen Unterschied niacht, ob sie die betreffenden Thatsachen unvermittelt wahrgenommen oder mittels Benutzung eines Erfahrungssatzes erkannt haben. Streitig ist dagegen, ob und inwieweit Zeugen verpflichtet sind, auch Meinungen und Vermuthungen mitzutheilen, nnd ob ihnen dahin zielende Fragen überhaupt vorzulegen sind. Hierauf braucht indeß nicht näher eingegangen zu werden, denn im vor- liegenden Falle war von dem Vertheidiger Auskunft über eine Thatsache verlangt. Aus welchem Grunde das Gericht hierin anderer Ansicht gewesen ist, läßt sich aus dem Beschlüsse nicht ersehen. Es scheint, als ob das Gericht in der gestellten Frage ein Verlangen nach Auskunft über den Ruf des Angeklagten gefunden hat; allein einerseits hätte selbst dann die Ablehnung nicht erfolgen dürfen, und andererseits würde das Gericht von einer unzutreffenden Ansicht ausgegangen sein. Denn der Ruf, den eine Person ge- meßt, ihr Leumund, ist eine Thatsache, deren Wissenschaft durch sinnliche Wahrnehmung(Hören) erlangt werden kann, so daß eine Frage hierüber zweifellos zulässig ist und beantwortet werden muß... uud sodann ist die Zugehörigkeit einer Person zu einer politischen Partei ebenfalls eine Thatsache, und zwar eine solche, die an und für sich den Ruf der Person nicht be- rührt, wenn sie auch je nach den Beziehungen, welche in Frage stehen, bei der Beurtheilung dieser Person vo» erheblichein Jnter- esse sein kann. Die vorgelegte Frage läßt sich mithin weder als ungeeignet, noch als nicht zur Sache gehörig ansehen, und daher verstößt der beanstandete Beschluß gegen die ZZ 239, 240 Straf- prozeß-Ordnuug.." Die bekannte Ttrafsaehe gegen den Stadtverordneten Julius Riemer gelangte am Montag vor der siebenten Straf- lammer des Landgerichts I zur Verhandlung. Angeklagt sind: der Kaufmann Julius Riemer, der Redakteur Ernst G r ü t t e f i e n nnd der Redakteur Fritz Engel. Herr Riemer wird beschuldigt, durch eine am 14. llitärz in der Stadtverordneten- Versamnilnng gehaltene Rede den Oberlehrer Dr. E v e r s, den Gymnasialdirektor Dr. Vogel und das Provinzial- Schulkollegium beleidigt zu haben. Herr G r ü tt e f i e« hat ani 15. Marz im„Berk. Tageblatt" einen den Vorfall behandelnden Artikel unter dem Titel „Brnnnenvergiftung" veröffentlicht, Herr Engel wird wegen eines am 3. April veröffentlichten Artikels unter den: Titel„Raphael Goldschmidt" zur Verantwortung gezogen.— Die Angeklagten werden durch die Rechtsanwälte Sachs, M o s s e und Justiz- rath Kleinholz vertheidigt. Bekanntlich hatte, als am 14. März in der Stadtverordneten-Versanimlung der Etat der Gymnasien und Siealgymnasien zur Berathung stand, das Wort ergriffen und ausgeführt, daß der Oberlehrer Dr. Evers von der Königstädtischen Realsehule seine Pflicht nicht erfülle. Derselbe gebe lateinischen Unterricht, habe aber von Oktober bis Neujahr kein Extemporale schreiben lassen und von Oktober bis Januar ein Exerzitium nicht korrigirt. Ferner habe Herr Dr. Evers im Geschichtsunterricht gesagt:„Die Juden dürfen nicht dieselben Rechte haben nie die Christen, denn die Inden ind ein eingewandertes Volk." Ter Redner hatte daran die Be- merkung geknüpft, daß auf diese Weise ans den Schulen Zucht- chulen für Antisemiten werden müßten. Ferner hatte Herr siiemer bemerkt: der Direktor Dr. Vogel habe einmal beim Unterricht in den oberen Klassen ausgeführt:„in unserer Kirche mache sich jetzt eine Richtung breit, welche das Symbolum leugne; eine solche Richtung müsse aus der Kirche ausgeschlossen werden". Herr Riemer begleitete diese Darlegung mit der Bemerkung:„Das sei nicht der Geist des Christenthums, sondern der Geist des Hasses." Schließlich wird Herrn Riemer noch zum Vorwurf gemacht, daß er in jener Rede gesagt habe:„eine Beschwerve beim Provinzial-Schulkollegium sei fruchtlos und habe gar keinen Zweck!"— Der Angeklagte R i e ni e r giebt auf Befragen des Vorsitzenden zu, daß zwei seiner Söhne die Königstädtische Realschule besucht haben. Im Jahre 1894 sei er zum Direktor Dr. Vogel gegangen und habe gefragt, ob es nicht angemessen sei, die Söhne, die nicht recht vor- wärtS kamen, lieber auf lateinlose Schule zu bringen. Dies wurde bejaht und die Söhne wurden ausgeschult. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Voigt macht den Angeklagten darauf auf- merksam, daß er bei dieser Gelegenheit dem Direkior noch ge- dankt und kein Wort von den angeblichen Verfehlungen des Dr. Evers gesagt habe. Der Angeklagte giebt dies zu und meint, daß eine solche Klage beim Direktor keinen Zweck gehabt habe. Was die Bemerkung über daS Provinzial-Schulkollegium betrifft, so habe«r dieses keineswegs beleidigen wollen.— Der Präsident stellt aus den Akten fest, daß Herr Riemer sich bei dem Provinzial« Schulkollegium vor 5 Jahren über den Oberlehrer Dr. Heutig wegen übergroßer Anwendung des Züchtigungsrechts beschwere habe. Er habe darin vom Provinzial-Schulkollegium recht be- kommen, denn dieses habe Herrn Dr. Heutig, nachdem es ihm wegen Anwendung des Züchtigungsrechts mehrfach Rügen ertheilt hatte, das Züchtigungsrecht überhaupt entzogen und ihn in eine Strafe von 50 Mark genommen. Der Angeklagte Riemer erklärt, daß er vom Provinzial-Schulkollegium erst nach längerer Zeit überhaupt eine Antwort habe erhalten können. Die Schritte des Provinzial-Schulkollegiums haben Herrn Dr. Heutig noch keineswegs vom Hauen abgehalten, er schlage vielmehr ruhig weiter und die Eltern schickten ihre Kinder mit Angst und Sorge in die Schule. Nur in diesem Sinne habe er seine Be- merkung über das Provinzial- Schulkollegium gemacht. Die be, haupteten Bemerkungen des Dr. Evers über die Juden seien von diesem thatsächlich gemacht worden, ebenso die Bemerkungen des Direktors Dr. Vogel über die Leugner des Symbolums. Sein ältester Sohn sei wiederholt nach Hause gekommen und habe sich damit abgequält, daß Dr. Vogel ihm im Religionsunterricht so vieles anderes sage als sein Prediger Prof. Scholz. Er seinerseits sei der Meinung, daß solche religiöse Streitfragen ebenso wenig wie die poli- tischen in der Schule gehören uud daß er als Vater zweier Schüler des Königstädtischen Realgymnasiums, sowie als Vertreter der Stadt unter dem Schutze des s 103 das habe sagen dürfen, was er gesagt hat.— In dem dem Angeklagten Grüttefeien zur Last fallenden Artikel„Brunnenvergiftung,, konimen Ausdrücke wie „Gemülhsrohheit".„antisemitischer Agitator" zc. vor. An- geklagter G r ü t t e f i e n bemerkt, daß er für den Artikel nicht verantwortlich sei, weil er an jenen Tagen nachweislich an Influenza erkrankt, seine redaktionelle Thätigkeit aufgegeben hatte. Eventuell würde er bei geführtem Wahrheitsbeweise die gewählten Ausdrücke für berechtigt halten.— Angekl. Engel giebt zu, bei einer Besprechung einer Erzählung„Raphael Goldschmidt" darauf hingewiesen zu haben, daß die dort geschilderten Leiden eines jungen jüdischen Schülers aus einer höheren Lehranstalt und das daselbst enthaltene Bild eines antisemitischen Eiferers leider der Wahrheit nicht entbehre, wie Vorgänge in der Stadt- verordneten- Versammlung erwiesen haben. Angeklagter Engel bestreitet, den Dr. Evers habe beleidigen zu wollen. Aus der Zeugenvernehmung ist folgendes von Interesse: Auf Antrag der Verlheidigung wird Dir. Vogel noch über den Fall Heutig befragt. Er selbst habe den Angeklagten Riemer aufgeredet, über dre Mißhandlung seines Sohnes bei dem Pro- vinzial- Schulkollegium Beschwerde zu führen. Dr. Heutig sei ein etwas nervöser Herr, der in bezug auf Anwendung des Züchtigungsrechts schon wiederholt zu Klagen Veranlassung gegeben hatte. Er habe deshalb gewünscht, daß diesem einmal eine ernste Warnung zu theil würde. Also gerade aus sei» Be- treiben sei dem Dr. Heutig die fchr empfindliche Disziplinar- strafe zu theil geworden und das Provinzial-Schulkollegium habe durchaus nichts verfehlt. Uebrigens sei die Mißhandlung nicht so ungeheuerlich gewesen, daß sie zur Amtsentlassung des Dr. Heutig hätte führen sollen. Ter Knabe habe eben einige blutrünstige Striemen gehabt, die in wenigen Tagen verschioiniden waren.— Rechtsanwalt Sachs: So harmlos hat der Zeuge bei seiner Eingabe an das Provinzial-Schulkollegieim die Mißhandlungen doch nicht dargestellt. Da hat" er von der Häufigkeit der Ausschreitungen und von widerwärtigen chimpfworten gesprochen und betont, daß Dr. Heutig gegen ausdrücklich ihm erthcilte amtliche Befehle gehandelt habe.— Auch der Angeklagte Riemer und dessen Ehefrau be- Haupte», daß es sich um recht>arge Mißhai�lungen gehandelt und Direktor Vogel dies seinerzeit auch anerkannt habe.— Zeuge Direktor Vogel: Er müsse bemerken, daß Dr. Heutig einer der vorzüglichsten Lehrer der Anstalt sei, der wegen seiner jovialen burschikosen Manier und wegen der ihm eigenen Art, die Tinge nicht so genau zu nehmen, von seinen Schülern hoch verehrt werde.— Einen wenig sympathischen Eindruck macht der als- dann als Zeuge vorgerufene 15jährige Wilhelm Marcus, der äußerst selbstbewußt auftritt und noch ehe ihm gesagt worden. worüber er sich äußern solle, bekundet: Dr. Evers habe einmal gesagt,„Ihr müßt aufpassen, wie der Teufel auf die Inden". Die Aeußernng, die er sofort seinen: Vater mitgetheilt, sei in der Oberquinta gefallen, er habe sie als Beleidigung des Judenthums aufgefaßt. Tr. Evers bestreitet mit aller Entschiedenheit, jenials eine derartige Aeußeruug gelhan zu haben, nnd der Vor- itzende hält es dem Zeugen als auffällig vor, daß er alles andere vergessen und nur jene Aeußeruug behalten haben will. Der Zeuge bleibt aber bei seiner Behauptung.— Ein 5kauf- mann W ernicke erzählt: Sein Sohn habe beim Ge- chichtsunterricht in der Tertia einmal einen Vortrag über Friedrich den Großen balten müssen und als er dabei dessen freiheitliche Einrichtungen hervorhob, habe der Lehrer— er glaube, daß es Dr. Evers gewesen— zu dem Schüler gesagt:„Du quatschst ja auch schon wie Dein Alter!" Er habe nämlich in den Versammlungen, die seinerzeit Dr. Eveis mit Piekcnbach bei Mohrmann abgehalten, einen entgegengesetzten politischen Standpunkt vertreten. Auch diese Beschuldigung weist Tr. E. mit Entrüstung zurück. Er kenne de» Zeugen aar nicht und könne deshalb sich gar nicht in der behaupteten Weise geäußert haben.— Nach dem Zeugnisse eines 18 jährigen Zeugen Bern dt soll Dr. E. einmal gesagt haben, daß die Invalid!- täts- Gesetze der armen. Bevölkerung zum Segen gereichen, die reichen Juden aber das Znstandekommen der Gesetze ver- hindern wollten. Auf wiederholtes Borhallen erklärt der Zeuge, daß er doch glaube, es sei von reichen Inden bei dieser Gelegen- heit die Rede gewesen.— Dr. Evers erklärt, daß es seine Pflicht sei, die Schüler auch auf solche Erscheinungen, wie die Jnvaliditätsgesetze, hinznweisen. Da habe er allerdings gesagt. daß dieselben ein Segen seien und es auffallend sei, daß gerade die Partei der Leute, für welche die Gesetze bestimmt seien, den» clben feindlich gegenüberstehen. Von reichen Inden habe er dabei nicht gesprochen. Nach Vernehmung zahlreicher Zeugen beantragte der Staatsanwalt die Ladung verschiedener Zeugen, darunter des Prof. Heinrichs, mehrerer Unterprimaner und des Rabbiners Dr. C o n e r, um über die wirklichen Verhältnisse ans der Schule noch weiterhin Auskunft zu ertheiken. Das von den Belaftnngszeugen entrollte Bild leide doch an starker Einseitigkeit. — Der Gerichtshof glaubte, diesen: Antrage entsprechen zu sollen nnd setzte deshalb zur Fortsetzung der Verhandlungen Termin auf Freitag Mittag 1 Uhr an. Die sämmtlichen Zeugen — auch die Fanulienangehörigen des Slngcklagten Riemer"— wurden vereidigt. Vepvsckten. Wolff'S Tclegraphen-Bnrean. 10. Inn:. Die Nachricht von der Abreise von den: Alexianerkloster Mariaberg ist des NN- Nachen, Bruders Heinrich begründet. Wien, 10. Juni. Nach authentischer Feststellung ist die Explosion im Johannschachte zu Karwin durch unvorsichtige Handhabung der Keilhaue eines Häuers verursacht worden, Schwer verletzt wurden zwei Häuer. Rom, 10. Juni. Bei der Eröffnung des Parlaments waren zahlreiche Senatoren nnd fast sämmtliche Deputirte anwesend. Bei der Eidesleistung waren nur die Sozialiften abwesend, während auch mehrere radikale Deputirte. darunter Cavalotti. den Eid leisteten. Die seinerzeit von: Kriegsgerichte verurtheilten De- putirten Bosco, Barbato und De Feliee wurden nicht zur Eide?- leistung aufgerufen, weil sie wegen ihrer Berurtheilung nicht wählbar sind. Slthen, 10. Juni. Das Kabinet hat seine Entlassung gc- geficn; der König beauftragte Theodore Delyannis mit der Neu- bildung des Kabir.ets. Berantivortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, LW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage, Beilage zum„Vorwärts" Berliner VolNIatt. Uv. 133. Dienstag, den 11. Juni 1893. IZ. Jahrg. Uulmles. Unser Parteigenosse Znbeil ist von einem schweren Mißgeschick betroffen worden. Bereits einige Tage vor Pfingsten stellten sich bei ihm Krankheitserscheinungen ein, die von de» Aerzten als Blinddarmentzündung diagnostizirt wurden. Das Leiden nahm derart zn, daß unser braver Genosse gestern in eine Heilanstalt gebracht werden mußte. Die Parteigen ossenschaft wird mit uns den Wunsch hegen, daß Zubeil dort die gesuchte Heilung finden und bald wieder völlig zum Kampse für die Cache des Proletariats, der er mit Eifer und Treue gedient, ge- rüstet sein möge. Zn gunsten der Arbeiter-BildnngSschuke wird am Donnerstag im Lokale von Keller, Koppenstr. 29, eine Ver- s a m m l u n g abgehalten werde», in der Frau Klara Zetkin über folgendes Thema refcriren wird:„Was haben die römischen Frauen für die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts ge- than?"'Aus diese Versammlung, wie auf die Bestrebungen de? Arbeiter-Bildungsschule überhaupt feien die Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins aufmerksam gemacht. In manchen von der Schule gepflegten Unterrichtsfächern wäre noch eine größere Schülerzahl erwünscht, den Parteigenossen, die sich in sozial- wiffenschaftlichen Gegenständen unterrichten wollen, ist Gelegen- heil geboten, sich unter der Leitung von tüchtigen Lehrkräften heranzubilden. Wie der Vorstandsbericht des letzten Jahres dar- legt, hat die Arbeiter-Bildungsschule wiederum einen Abschnitt arbeitsvoller Thätigkeit hinter sich; möge ihr Bestreben von den Pnrteigenoffen lebhajt unterstützt werden, eingedenk des Spruches: Wissen ist Macht! Achtung, Partekgenossen in NdlerShof! Am nächsten Mittwoch, den IL. Juni, findet vormittags von 9 bis 10�4 Uhr im Restaurant Leopold die Stichwahl zur Gemeinde- v e r t r e tu n g statt. Durch die Machenschaften der Gegner ist es den Arbeitern zum großen Theil unmöglich geworden, sich an der Hauptwahl zu betheiligcn. Umsomehr erfordert es aber die Ehre der Parteigenossen, daraus acht zn geben, daß die bisher innegehabten Sitze bei der Stichwahl nicht wieder verloren gehen, und wir erwarten daher, daß die Arbeiterschaft unseres Ortes allen Hindernissen zum Trotz ihre Pflicht thun und unseren Kandidaten Hermann S ch i nr a n s k y und Ferdinand Büttner zum Siege verhelfen wird. Parteigenossen! Jede Arbeiterstimme rst wichtig, thut daher Mann für Mann Eure Pflicht, damit das Ansehen der Partei in Adlershos erhalten und erhöht werde. Der Vertrauensmann. Zu der am Freitag stattfindenden PernfSzSfjsung erläßt der Magistrat folgende Bekanntmachung: Ans grund des Reichsgesctzes vom 8. April 1895 findet am 14. Juni d. I. eine Erhebung der Verufsverhällnisse der Be völkerung des Deutschen Reiches, verbunden mit einer Erhebung der landwirtbschaftlichen und gewerblichen Betriebe statt. Die persönliche Ansführung des Zählungsgeschäftes wird hier, wie bei den früheren VolKzählunge», durch Gemeindebeamte und andere zur Beihilfe bereite Einwohner als Zählungs- Revisoren (Zähler) bewirkt werden. Bis zum 13. Juni mittags werden den Haushaltungs- Bor- ständen, sowie den Einzelnlcbenden, welche eine besondere Wohnung inne haben, die Zählbogen, sowie die etwa erforder- lichen Gewerbekarten zugestellt werden, welche nach Maßgabe der Anleitung gewissenhafl auszufüllen und vom 14. Juni mittags ab dem mit der Abholung und sofortige» Prüfung beauftragten Zähler einzuhändigen sind. Wir richten an die Einwohner Berlins mit Hinweisung auf den wichtigen Zweck die dringende Aufforderung, der genauen .und vollständigen Ausfüllung der ihnen zugestellten Formulare die größte Sorgfalt zuzuwenden, auch den mit Ausführung des Zählgeschäftes beauftragten und sich legitimirendcn Herren Zählern jede Auskunft zu crtheilen, deren dieselben zur Er- füllung ihres Auftrages bedürfen. Zu diesem BeHufe wohnt den Zählern die Eigenschaft öffentlicher Beamten bei. Die Vorsteher der Haushaltungen, die Hauscigenthümer bczw. Verwalter und Vizcwirthe ersuchen wir insbesondere, dem Zählungsgeschäft in jeder Weise förderlich zu sein. Wie die gesammte Bürgerschaft die Zählung bei den früheren Volkszählungen durch freundliches Entgegenkommen wesentlich er- leichtert hat, so dürfen wir auch diesmal auf gleiche Willfährigkeit und dainit auch auf die gleiche glückliche Ausführung rechnen. Wer die an ihn gerichteten Fragen wissentlich wahrheits- widrig beantwortet oder diejenigen Angaben zu machen sich weigert, welche ihm nach dein oben bezeichneten Reichsgesetze und den zur Ausführung desselben erlassenen und bekannt ge- niackten Vorschriften obliegen, unterliegt einer Geldstrafe bis zu 30 M.(§ 5 des Reichsgesetzes vom 8. April 1895.) Von dem Miith, den die städtische Schuldeputation in gewissen Fällen an den Tag legt, giebt folgende Zeitungs- Meldung Kunde: Ter Mißgriff eineS städtischen Rektors, der einer jüdischen Gcmeindeschullehrerin aushilfsweise den Unterricht in der christ- lichen Religion übertrug, ist für die jüdischen Lehrerinnen ver- hängnißvoll geworden. Auf eine Anfrage einer bereits seit einem halben Jahre als Hospitantin zugelassenen jüdischen Lehrerin ist dieser der folgende Bescheid zugegangen: „Nachdem daS königliche Provinzial> Schulkollegium angeordnet hat. daß die Verwendung jüdischer Lehr- kräfte zur Aushilfe auf diejenigen Fälle zu beschränken sei, in denen es sich um die Erlheilung des jüdischen Rcligions- Unterrichts handelt, ist die Aussicht aus honorirte Beschäftigung im städtischen Dienst für Sie bis auf weiteres so gering ge- worden, daß wir Ihnen den Rath crtheilen müssen, vom Hospitiren an den Gemeindeschulen Abstand zu nehme». Berlin, 6. Juni 1895. Die Städtische Schuldeputation." Es wäre doch ein starkes Stück, wenn die„Rassenfrage" in der Schule fortan eine derartige Rolle spielen sollte. Hoffentlich findet sich in der Sladtverordneten-Vcrsammlung eine Gelegenheit, das Verhalten der Schuldeputation zur Sprache zu bringen. AuS dem antisemitischen Lager. Das Germanenthum der beiden sich befehdenden Richtüugen des„reinen" Anti- semitismus, der dentsch-sozialen und der freiheitlichen Gruppe, zeigt sich vorwiegend in der mehr als groben Art, mit der sich die feindlichen Brüder gegenseitig die Wahrheit sagen. Der Ton macht hier die Musik. Die Lorbeeren, welche die Ahlwardtischen mit ihrem jüngst ausgebreiteten, aus lauter bunten Lappen zusammengeflickten Programm zu ernten hoffen, lassen die Lieber- niannschen nun nicht mehr schlafen: jetzt wollen sie durchaus auch so etwas wie ein Programm haben. Germane Ahlwardt begrüßt sie deshalb mit folgenden Schmeichclworte», die er in seinem„Volksrecht" vom Stapel läßt:„Die deutschsoziale Reformpartei will nun auch endlich ihr eigenes Pro- gramm haben; die Mischmasch-Partei-Dokloren wollen mit einem neuen Papier-Einheits-Brei(!) dem kranken Mittelstande helfen, ob allerdings die Politik der kleinen Mittelchen den weiteren Verfall aufhalten wird, ist füglich sehr zu bezweifeln. So wie die Verhältnisse bisher gediehen sind, können nur noch durchgreifende Reformen Rettung bringen. Zu solcher Erkenntniß werden sich jedoch die verzopften Zwillinge, Deutschsoziale und Reformer, in ihrer rückschrittlichen Beschränktheit gleich ihrem konservativen Namensvetter nicht mehr cmporringen können. Diese Quacksalber kuriren solange an einem kranken Gliede herum, bis der ganze Volkskörper durchseucht ist." In diesem gemüthvollen Tone geht es weiter. Es ist begreiflich, daß den „Reformern" vor der Programmberathung graut. Die einstige Leuchte ihrer bunt zusammengewürfelten Partei. der große Ahlwardt ist ihnen zuvorgekommen und hat alle die hübschen Sachen, mit denen sie zu krebsen gedachten, ihnen vor der Nase weggeschnappt und seinem modifizirten Bundschuh- progranim einverleibt. Wie wenig die Ahlwardtianer übrigens auch die Bedeutung eines Parteiprogramms erfaßt haben, geht daraus hervor, daß sie einen wichtigen Paragraphen, der auf dem Parteitage angenommen wurde:„Daß der Bruch des Eheversprechens hart bestraft und den un- ehelichen Kindern volles Erbrecht zugesichert werden soll", gar nicht in das jetzt veröffentlichte neue Programm aufgenommen haben.— Herr Böckel hat sich von der Berathung des Parteiprogramms streng ferngehalten; wie Eingeweihte wissen wollen, will er sich nächstens von seinem Kumpan Ahlwardt los- machen und auf eigene Faust eine ganz neue, wirklich und wahr- haftig radikale Antisemitenpartei gründen.— So sieht's bei den Anti's aus, die nach ihrer Versicherung einzig und allein im stände sind, die Sozialdemokratie zu überwinden. Von den Zuständen» welche sich beim Sonntags- verkehr auf der Stadl- und Ringbahn herausgebildet haben, giebt folgende Meldung ein anschauliches Bild: Als undurch- führbar erwies sich eine Anordnung, welche seitens der Stadt- und Ringbahn-Direktion probeweise am gestrigen Sonntag ge- troffen war. Die Statiousbeamten auf'Bahnhof Grunewald waren angewiesen worden, am gestrigen Abend eine Uebersüllung der Koupees in keinem Falle zuzulassen, resp. nach Möglichkeil dafür zu sorge», daß nicht mehr als 19 Personen in einem Wagenabtheil Platz nahmen. Die strikte Durchführung dieser Ordre war aber nicht möglich; dieselbe wurde bei einem Zuge bewerkstelligt, hatte aber zur Folge, daß zwei nachfolgende Züge von den zurückgebliebene» Menschenmassen angefüllt, ja überfüllt wurden, so daß i» jedem Koupee 16—29 Personen saßen und standen. Da die Probe nicht geglückt war, so mußten die Beamten dem üblichen sonntäglichen Massenandrang stattgeben, und es ging jede Uebersicht über die Zahl der Einsteigenden verloren. Ohne Brunnen ist die Station Hohen-Neuendorf an der Nordbahn. Dieser Mangel macht sich namentlich gegen- wärtig an Sonntagen empfindlich bemerkbar, wo hunderte von Ausflüglern an diesem Ort absteigen. Auf eine entsprechende Frage, die an den Stationsbeamten gerichtet war. erhielt ein Parteigenosse dieser Tage die tröstliche Auskunft, daß, trotzdem vor Jahren schon eine Verfügung vom Eisenbahnininistcr er- lassen sei, wonach aus jedem Bahnhof ein leicht auffindbarer Brunnen vorhanden sein sollte, man in Hohen-Neuendorf immer noch vergeblich auf die Errichtung eines solchen warte. Ob man auch so saumselig wäre, wenn Hohen-Neuendorf an der Pols- damer Bahn oder in sonst einer fashionablen Gegend läge? Ter Rkxdorfcr Wochenmarkt, der an der Kreuzung der Berliner- und Bergstraße abgehalten und von vielen Berlinern, Händlern sowohl wie Käufern, letztere namentlich aus der Gegend der Hasenhaide, besucht wird, soll aufgehoben werden. Ein hierauf gerichteter Antrag ist in der Genieinde- Vertretung ein- gebracht worden. Für daS Hasenhaide-Viertel dürfte übrigens eine Markthalle ein Bedürfniß sein. Der Männergesangverei« HilaritaS theilt unS zu der aus Pankow eingegangenen Meldung, wonach er sein Vergnügen in einem boykottirten Lokal abgehalten habe, berichtigend mit, daß er die betreffenden Räumlichkeiten nur auf einige Zeit zum Zwecke der Agitation besucht habe; das Vergnügen selber sei in dem einzigen freien Lokal in Nicder-Schönhausen gefeiert worden. Noblesse im Reiche dcS Herrn Thielen. Ungleiche Ver- Hältnisse bestehen für die Beamten der verschiedenen Behörden bezüglich der militärischen Hebungen. Die noch nicht fest an- gestellten Beamten der Post- und Telegraphenverwaltung z. B. er- halte» für die Zeit, während sie üben, ihre Dienstbezüge unver- kürzt weiter. Bei der Eisenbahnverwaltung dagegen verlieren die Beamten, die sich in der gleiche» Lage befinden, ihre Bezüge gänzlich. Sie sind lediglich auf die Unterstützungen angewiesen, die ihre Familien nach den neueren gesetzlichen Bestimmungen allgemein erhalten. Diese Beamten werden durch eine solche Un- gleichheit um so härter getroffen, als ein Landwehrman» bei der Uebuug mit der gewöhnlichen Soldatenlöhnung selbstverständlich nicht auskommen kann, also jeden Tag aus seiner Tasche zu- legen muß. Arbeiterrifiko auf der Bahnstrecke. Todtgefahren wurde am Sonnabend Morgen der Hilfsbremser Hannemann aus Berlin beim Rangiren eines Güterzuges aus dem Bahnhofe in Klausdorf. Bei den KIrchenbanten in der Hasenhaide ist am ver- gangenen Freitag ein Mann schwer verunglückt. Der 37 jährige Arbeiter Hermann Eggert aus der Pankstraße Nr. 51 a siel et»a vier Stockwerke hoch vom Baugerüste herunter und erlitt einen schweren Bruch des Beckens. Der Verunglückte wurde in die königliche Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Er lebt noch, und die Aerzte hoffen, ihn wieder herstellen zu können. Aus Verzweiflung hat sich im Norden der Stadt ein junger Artist, Max H., der in der Borsigstr. 32 wohnte, erschossen. Der Mann hatte bei einem Unfälle einen dauernden schweren Schaden an den Sprachorganen davongetragen und war seitdem vergeblich bemüht, eine Anstellung zu bekommen. Als ihm alles fehlschlug, und Aussicht auf Besserung des Leidens kaum noch vorhanden war, wurde er lebcnsübcrdrüssig und griff am Sonn- abend zum Revolver. Mit zerschmettertem Schädel fanden in der Nacht vom Sonntag zum Montag Vorübergehende den Bildhauer Julius Pohl vor dem Hause Zossenerstr. 5 auf der Straße liegend auf. Pohl, ei» Mann von 28 Jahre», wohnte in diesem Hause vier Treppen hoch. Nachbarsleute, die nach� Hause kamen, wollen ihn spät abends noch bei offenem Fenster in einem nach der Straße gelegenen Zimmer sitzen gesehen haben.� Gegen Mitter- nacht ist er dann aus dem Fenster auf den Bürgersteig herab- gestürzt und auf der Stelle verstorben. Ob ein Selbstmord vor- liegt oder ob der Bildhauer vielleicht in der Schlaftrunken- heit verunglückt ist, ließ sich nicht feststellen. Unter lautem Knall platzte am Sonntag früh gegen 7Vz Uhr einem Tampfstraßenbahnwagen. der nach dem Nollendorfplatze zu fuhr, an der Ecke der Maaßenstraße und des Winterfeldt- platzes das Siederohr, das mit Wasser und Dampf gefüllt war. Im Nu war der ganze Wagen in Dampf gehüllt, sodaß er gar nicht mehr zu sehen war. Nachdem sich der Dampf verzogen hatte, sah man jedoch, daß alle Mitfahrer mit ddem bloßen Schrecken davongekommen waren. Die Erschütterung war so heftig gewesen, daß der im Zylinder vorn auf der Maschine vorräthig gehaltene Koaks in der ganzen Umgebung der Unfallstelle umhergestreut lag. Die Ma- schine mußte außer Betrieb gestellt und durch eine andere ersetzt werden, nachdem ein folgender Straßenwagen sie nach dem Nollendorfplatze gestoßen hatte. Aufscheu erregt im Kottbuser Viertel die Verhaftung des Nestaurateurs Lott wegen Sittlichkeitsverbrechens. Lott betrieb gemeinsam mit seinem Bruder seit Jahren am Kott- buser Damm, Ecke der Urbanstraße, ein Destillationsgeschäft und eine Schankwirthschaft. Der Bruder war vor kurzem erkrankt und hatte sich zur Erholung zunächst zn Verwandten nach Friedrichshagen und von dort zu feinen Eltern in die Provinz begeben. Dort ist er am Sonnabend früh gestorben. Bald nach- her, am selben Nachmittag, wurde der hiesige Bruder, ein Mann von 29 Jahren, von der Kriminalpolizei wegen Sittlichkeitg» Verbrechens festgenommen. Es wird ihm zur Last gelegt, sich mit der I3jährigen Tochter eines Posamentiers M. aus Rixdors wiederholt vergangen zu haben. Lott suchte die Sache dadurch todt zu machen, daß er den Eltern des Kindes Geld anbot; diese wiesen jedoch das Anerbieten zurück und machten Anzeige. Das Polizeipräsidium ist von einem neuen Todesfall betroffen worden. Der Chef der Schifffahris-Polizei, Polizei- Hauptmann Schilling ist an» Sonntag gestorben. Ein sehr trauriger Unfall hat die Familie des Schuh- machers Herrmann aus der Greisswaldcrstr. 37 betroffen. Als Frau H. am Sonntag Morgen um 7Vs Uhr an das Bett trat, in dem ihre erst zwei Monate alten Zwillingskinder Martha und Klara schliefen, fand sie beide erstickt vor. Die Kleinen waren bis über die Köpfe in das Bett eingesunken und hatten gemein- sam, wie sie erst vor kurzem in das Leben eingetreten waren, es zur selben Zeit wieder verlassen. Die Kinder waren durch die Betten erstickt worden. Entsetzliche Folgen hatte für ein lljalzriges Mädchen ein Unglücksfall, welcher sich gestern Nachmittag in der Prinzenstraße ereignete. Tie 8jährige Tochter der Kaufmann H enn i g' scheu Eheleute befand sich in Begleitung der Eltern auf einem Pferde- bahnwagen der Linie Demminerstraße— Kreuzbera, den sie an der Ecke der Prinzen- imd Dresdenerstraße verlassen wollte. Die Kleine eilte den Eltern voraus, sprang links von dem Perron ans das Nachbargeleise, auf welchem ein Ringbahnwagen vorbei- rollte. Die H. wurde zu Boden gerissen und die Räder gingen dem Mädchen über den rechten Oberschenkel hinweg, der buch- stäblich vom Körper abgetrennt wurde. Nachdem ein zufällig des Weges kommender Arzt durch Anlegung eines Nvthvcrbandes die Gefahr einer Verblutung beseitigt, wurde das Kind nach dem Krankenhause Bethanien überführt.j Gesperrt ist für Fuhrwerke und Reiter seit gestern die Grünstraßen-Brücke. Polizeibericht. Am 3. d. M. früh wurde in dem Keller eines Hauses in der Rüdersdorferstraße ein Mann erhängl vorgefunden. Gegen Mittag erschoß sich ein Mann in seiner Wohnung, in der Borsigstraße.— An der Ecke der Mark- grasen- und Schützenstraße wurde ein Arbeiter und in dcr Linienstraße ein Mädchen überfahren und beide wurden erheblich verletzt.— Nachmittags wurde in der Nähe tier Triststraße die Leiche eines neugeborenen Kindes aus dem Kanal gezogen.— In der Andreasftraße siel ein vierjähriger Knabe aus dem offenen Küchenfenster aus den Hof hinaus und starb bald darauf an den erlittenen Verletzungen.— Am 9. d. M. morgens wurden die sieben Wochen alten Zwillingstöchter eimcs in der Greifswalderstraße wohnhaften Handwerkers im Bette todt aufgesunde». Anscheinend sind sie zu dicht zugedeckt gewesev. und erstickt.— In der Prinzenstraße gerieth abends ein achtjäHriges Mädchen beim Absteigen von einem Pferdebahnwagen unt-er die Pferde eines entgegenkommenden Pferdebahnwagcns und ivurde durch Huftritte an beiden Beinen erheblich verletzt.— In der Nacht zum 19. d. Mts. stürzte sich ein Mann av.s dem Fenster seiner im vierten Stockwerk in der Zossenerstrciße be- legcnen Wohnung auf den Bürgersteig hinab und fand>.,nf der Stelle seinen Tod.— Auf dem Hofe eines Grundstücks in der Gebhardstraße wurde ein Schuhmacher mit zwei Stichwunden in der Brust, die er sich mit einem Taschenmesser bei gebracht hatte, angetroffen und nach dem Krankenhause gebracht.— Am 9. d. M. morgcnS brach in einer Werkstatt in der Mauerstraße Feuer aus, durch das werthvolle Bilder, Maschinen zc. zerstört wurden. Außerdem fanden am 3. und 9. d. M. 12»«.erhebliche Brände statt. WitternligSuberficht vom 10. Juni ISOS. Wetter-Prognose fiir Dienstag, 11. Jnni 1803. Sehr warmes und schwüles Wetter mit meistens nur schwachen südlichen Winden und zunehmender Bewölkung und Gewitterregen; nachher etwas kühler. Berliner Wetterbureau. Vevlstnntluttgsn. Eine öffentliche Verfammlnna der tManrer fand am Sonntag Vormittag in Cohn's Festsälen statt. Nachdem zum Vertrauensmann für den Norden Beiersdorf gewählt war. trat man in den Hauptgegenstand der Tagesordnung ein: Der Streik der Leipziger Maurer. Dcr Vorsitzende ti edler hob in seinem Referat hervor, daß die Nothlage die eranlassung zur Arbeitsniederlegung gewesen sei und daß eine Unterstützung der Leipziger Kollegen nach jeder Richtung hin um so mehr am Platze wäre, als Berlin nur große Vortheile von einem siegreich beendeten Kampfe haben könne. In dcr Diskussion pflichtete man dem Referenten durch- weg bei; Metzle. Knöppchen und B e h r c n d traten leb- hast für ausreichend materielle Unterstützung der Streikenden ein und ermahnten die Anwesenden, unter allen Umständen für Fern- Haltung des Zuzuges zu agitiren. B e h r e n d beantragte, die im Besitz der Vertrauensleute befindlichen flüssigen Gelder sofort nach Leipzig abzuführen und Listen für den Streik ans alle» Bauten zirkuliren zu lassen. Nachstehende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die öffentliche Versammlung der Maurer Berlins erklärt sich mit den streikenden Maurern Leipzigs solidarisch. Weiter giebt die Versammlung die Erklärung ab, jeden Streik, bei dem es sich NM eire Lohnforderung oder ttw Verkürzung der NrbeitAzeit dandelt, uiornlisch und materiell zu unterstützen. Diese Unter- stützungen sind nur auf die für den Generalfonds der Berliner Maurer zirkulircnden Listen zu zeichnen. Die Versammlung be- schließt außerdem, 200 M. aus diesem Fonds sofort nach Leipzig abzusenden." Metzle regte an, die Lohnfrage auch für Berlin einmal wieder zur Debatte zu stellen. Die Versammelten stimmten dem zu; die Vertrauensleute wurden beaustragt, in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung einzuberufen, in welcher die Frage einer Lohnbewegung diskutirt werden soll. Die Zahlstelle Berlin I des Zentralverbandes der Maurer Teutschlands hielt am Sonntag eine Versammlung ab, welche sich hauptsächlich fmit den in verschiedenen Städten ausgebrochenen Streiks beschäftigte. Vor allem wurde der Leipziger Maurer gedacht und beschlossen, zum Zwecke der Unter- stütz», lg Sainmellisten auszugeben, und an sämmtlichc Kollegen, gleich, ob sie der Organisation angehören, oder ihr fern stehen, die Bitte zu richten, sich diese Listen spätestens am Donnerstag an den ver- schiedenen Hilfskassirerslellen, sowie von der örtlichen Verwaltungab- zuholen. Die gesammelten Gelder sind an den zweiten Haupt- kassirer, August Lehmann, abzuliefern. Die Kollegen wurden ausgefordert, schnell zu helfen und zu bedenken, daß über kurz oder lang an sie selber die Pflicht herantreten könnte, den Kamps aufzunehmen. Zum Schluß wurde angeregt, zum 17. d. M. eine öffentliche Putzerversammlung im Luisenstädtischcn Konzerthaus, Alte Jakob- strafte 37, abzuhalten. Spandau. Eine gut besuchte öffentliche Versammlung säiunitlicher in den hiesigen königlichen Fabriken beschäftigten Arbeiter beschäftigte sich am Freitag den 31. Mai mit einem Antrage der Stadtverordneten der dritten Abtheilung, welcher dahin ging, den Magistrat zu ersuchen, bciin Kriegsministcrium Schritte zu thun, um die drohenden Massenentlassungen durch Abschaffung der Ucberstundenarbeil und Verkürzung der Arbeits- zeit zu verhindern. Nach den Ausführungen des Neferenten Stadlverordneten Schröer sind zur Zeit beschäftigt: in der Artillerie-Werkstatt.. ca. 370 Arbeiter „„ Geschützgießerei....„ 1700„ „„ Gcwehrfabrik....„ 1300„ „„ Munitionsfabrik..., 870„ „„ Feuerwerkslaboratorium.„ 1700„ „„ Pulverfabrik.....„ AG5 Sa. OSJOö Arbeiter Die Arbeitszeit beträgt gegenwärtig durchgehend 10 Stunden täglich. Wie sehr die Zahl der in den königlichen Fabriken be- schäftigteli Arbeiter in den einzelnen Jahren schwankt, davon geben einige� vorgebrachte Zahlen ein lehrreiches Bild. Hiernach führt die Hälfte der beschäsiigten Arbeiter ein wahres Wander- leben von einer isirbeitsstätte zur anderen. Um das doppelte und dreifache schwillt da in einem Jahre die Zahl der Arbeiter an, um im nächsten Jahre vielleicht bis unter die Hälfte zu sinken. Es waren beschäftigt: In der G e w e h r f a b r i k: 1835 ca. 1000, 1386 ca. 2200, 1887 ca. 1900, 1888 ca. 1200, 1389 ca. 1900, 1890 ca. 3000, 1891 ca. 1300, 1892 ca. 900, 1893 ca. 1100, 1894 ca. 1300 Arbeiter. In der A r t i l le ri e w er k st a t t: I.April 1888 1588, April 1889 1824, 1. April 1890 783, 1. April 1891 1006, 1. April 1892 997, 1. April 1893 1316, 1. April 1894 620, 25. Mai 1895 870 Arbeiter. In der Munitionsfabrik hat die Anzahl der weiblichen Arbeiter zugenommen von ca. 600 im Jahre 1878 bis zu ca. 25100 im Jahre 1894. Es sind dort jetzt beschäftigt bei ca. 870 mcbnnlichen ca. 2500 weibliche Arbeiter. Seit 1894 sind bis jetzt inssgesammt in allen Fabriken entlaffen resp. gekündigt ca. 1100 männliche Arbeiters Eine Verkürzung der Arbeitszeit um nur 1 Stunde würde säwtntliche Kündigungen unnöthig machen und eine Verkürzung um Stunden allen schon Entlassenen wieder Arbeit und Ver- dienst verschaffen. Hlerkürzung der Arbeitszeit fanden in einzelnen Fabriken früher schon statt. So wurde in der Gcwehrfabrik die tägliche Arbeits- zeit herabgesetzt im Jahre 1688 auf 7 Stunden, im Jahre 189l auf 5, 6 und 7 Stunden, um, wenn wieder reichliche Bestellungen einliefen, auf die alte Höhe zurückgeführt zu werden. Warum sollten denn jetzt also nicht die Arbeiter ihren Mitarbeitern zur Liebe für eine allgemeine Verkürzung in a l l e n Fabriken eintreten, abgesehen von allen sonstigen Vortheilen, die eine Verkürzung der Ar- beitszeit mit sich bringt. In solchen Branchen, die ununterbrochenen Betrieb erforderten, könnten ebenfalls durch Einführung des drei- maligen Schichtwechsels von je 3 Stunden an stelle des jetzigen zweimaligen Schichtwechsels von je 12 Stunden Verbesserungen herbeigeführt werden Seit Jahresfrist statten die 3 stündige Arbeitszeit aus ähnlichen Erwägungen ein- schon ist in den englischen Marlne-Werk- geführt worden; dort kommt diese Wohlthar ca. 40 000 Arbeitern zu gute. In der Diskussion erklärten sich die meisten Redner mit dem Vorgehen der Arbeitervertreter und deren Antrag einverstanden. Nur einige besonders Vorsichtige wünschten zwar dasselbe, bezweifelten aber, daß bei dem hier ausgebildeten Akkordsystem die Maßregel den erwünschten Erfolg haben würde. Es müßte gleichzeitig auf Abschaffung der Akkordarbeit gedrungen werden. Außerdem müßte mit der vorgeschlagenen Maßregel auch eine Erhöhung des Stundenlohnes gefordert werden; bei den niedrigen Durchschnittslöhnen könnten die meisten ihre Familie nicht mehr ernähren, wenn ihnen der Verdienst nner Stunde täglich oder noch mehr entgehen würde. Letzteres ist übrigens ein interessantes Eingeständniß von einer Seite, welche bis dahin die Arbciterfürsorge des Militärfiskus bis über den grünen Klee gelobt hat. Nach einem Schlußwort des Nefe- iE e. n.) Uhr, im zustimmende Resolution einstimmig an. Neuerdings zirkulirt hier unter der Arbeiterschaft das Gc- rächt, daß im Kriegsminifterinm und bei den hiesigen Direktionen lebhafte Verhandlungen gepflogen werden und ihrem Abschluß entgegengehen. nach welchen die Einführung des Acht- st u n d e» t a g e s in den hiesigen Waffensabriken nahe be- vorsteht. Zret« vetetnignng der(yravrurr,(Cifclem'e etc. Dienstag, den 11. Juni, abcndS 8!j Uhr, Oranienstr. bi: Versammlung. Tagesordnung: Wie erweitern wir die Biblioiher und den Arbeitsnachweis. Zlntionalr Iiansniiinuischc Kranken- und Klerbrkahi«. Bureau: O. Holzmarltstr. 87. Dienstag, den 11. Juni, abends ex Restaurant Stichlet, Neue Grünstr. 88; VorstandS-Sihung und Aufnahme neuer Mitglieder. JivUeitcr-jJiibimcerchKl«. Dienstag Abend von rij-ess Uhr: Settüte Uhr: Nvrdschnie, Müllerstratze 179a: Voltsthumliche Medizin (Die Ziranlheilcn der Proletarier mit deionderer Berückstchtigung der Berufs- Irantdriten). E u d o st s ch u l e, Waldemarstratze IS: Slallonalätonomte (praltische). Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theilnchiner, Tauten und Herren, jeder Zell aufgenommen. Vet.'u»iMjkes: Tie Niitcvsuchung des Handelsamtcs über da?„Elbe"- UnglLtt wurde am Montag, wie ans London berichtet wird, wieder aufgenommen. Ter Auwalt Aspinall crllärtc, der„Norddeutsche Lloyd" sei bereit, zwei Zeugen vorzuführen, nämlich den dritten Osfizicr und den Ober-Jngenieur. außerdem auch den Mann vom Ausguck, sobald derselbe von der Chinareise zurückgekehrt sein werde. Der Steuermann bcr„Crathie", Craig, wiederholte seine frühere Aussage, daß er zur Zeit des Zusammenstoßes sich nicht von der Kommandobrücke nach der Kambüse begeben hätte. Er habe die grünen Lichter der„Elbe" 3 oder 4 englische Meilen entfernt bemerkt. Kurz vor dem Zusammenstoß habe die„Eibe", um einem Fischerboot aus- znweichcn, nach Steuerbord gedreht. Er fügte hinzu, daß sein Augenlicht gut sei. I» Wien stürzte am Sonnabend in der Bellariastraße ein Scrpollet-Dampswagcn mit einem Tramwaywagen zusammen, wobei 5 Personen durch Herabspringen von dem letzteren leicht verletzt wurden. Getödtel wurde niemand. In Lnibach erfolgte am Montag 8 Uhr 35 Miiiuten früh ein starker 4 Sekunden anhaltender Erdstoß mit vibrirender Be- wegung. Es herrschte eine allgemeine Panik. Tie Bevölkerung verließ die Häuser. Die Fabrikarbeiter stellten die Arbeit ein und der Schulunterricht wurde unterbrochen. Leichte Beschädi- gungen wurden an verschiedenen Gebäuden konstatirt. Der Erd- stoß wurde gleichzeitig in Stein verspürt. Auch aus anderen Orten liegen Meldungen über Erdstöße vor. So fand in Trieft am Montag Morgen gegen 3 Uhr ein leichtes Erdbeben statt. Eine gleiche Meldung liegt aus G r a d i s k a vor. In Bologna wurde früh 2 Uhr 50 Min. ein leichter Erdstoß verspürt, in B e r o n a ein sehr starker. Meldungen über Unwetter und Wolkcnbrüche liegen auch heute in erheblicher Fülle vor. Wir registriren die wichtigsten Berichte:..... Salzburg, 10. Juni. Bei einem Wolkenbruch m Glauegg wurden am Sonnabend zwei erwachsene Mädchen von der Fluch wegqerissen und ertranken..„ � � Wiener Neustadt, 10. Juni. Bei den am 5. und 6. d. M. über die Gemeinden Schwarzenbach, Schlatten und Hochwolkers- dorf niedergegangenen Wolkenbruchen wurden Häuser, Straßen und Brücken weggerissen. In Schwarzenbach sind 16 Häuser zer- stört, 12 Menschen sind ums Leben gekommen, viel Vieh ging verloren. Felder und Wiesen sind durch Schlamm und Geröll auf Jahre hinaus verdorben. Die ohnedies armen GebirgS« gemeinden sind in schwere Nolhlage gerathen. Ter Schaden in Schwarzenbach wird auf 450 000, in Hochwolkersdorf auf 30 000, und in Schlatten auf 90 000 Gulden geschätzt. Militär ist zur Hilfeleistung entsendet. Eme Aktion wegen Steuernachlasses und Veranstaltung einer ösfentlichen Sammlung wurde eingeleitet. T e m e s v a r. 9. Juni. Ein heftiger Wolkenbrnch hat gestern auch die hiesige Umgegend heimgeflicht. Wähtend eines zugleich uiedergegaugeuen Gewitters fuhr ein Blitz in eine beim Bau einer Bahn beschäftigte Arbeiterkolonne, mobei ein Baupolicr getödtet wurde. Drei Jngeuieure, welche sich in der unmittelbaren Nähe des Unglücklichen befanden, sind unverletzt geblieben. O e d e n b u r g, 3. Juni. Ter Wolkenbrnch in Kobersdorf hat 42 Menschenleben erfordert, 30 Personen werden noch ver- mißt. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt und die Bewohner dadurch obdachlos geworden, so daß große Roth herrscht. Belgrad, 9. Juni. Bei dem gestern niedergegangenen Wolkenbruche schlug der Blitz unmittelbar neben dem auf dem Wege nach seinem Landgute in Toptschider befindlichen Minister des Auswärtigen Bogicevie ein und tödtcte einen Mann. Bogicevic wurde leicht an der Stirn berührt, erholte sich jedoch bald. Auch in das Landhaus des Ministers fuhr ein Blitzschlag nieder und beschädigte das Gemäuer. Rom, 9. Juni. In der Provinz Lecco wurden gestern Abend große Strecken des Gebietes von Motola durch einen furchter- lichen Cyclon verwüstet. Der angerichtete Schaden wird aus eine Million Lire geschätzt. Menschenleben sind nicht zu beklagen. AuS Mährisch- Ostra» wird vom Sonntag berichtet: Heute früh fand im Karvincr Grubenrevier eine Explonon schlagender Wetter statt, durch welche ein Arbeiter schioer und drei leichter verletzt wurden; einige Arbeiter erlitten Kontusionen. Die Entstehungsitrsache ist unbekannt. Ein großes Schadenfeuer hat Freitag in der Gemeinde Mereny(Ungarn) 320 Häuser eingeäschert, mehrere Personen sind in den Flammen umgekommen. Es herrscht großes Elend unter der Bevölkerung. Wir sittlichen Europäer entsetzen nnS über die Jmmoralität der Mnhamedaner. Tie Muhamedaner aber, die nach Europa kommen, entsetzen sich über die zivilisirte Jmmoralität, die auf allen Gassen herumläuft und die Frauen der gebildetsten und höchsten Stände sich schamlos eniblößen läßt. So war neulich der Sohn des Emirs von Afghanistau bei einer englischen Gräfin(Dwead- rnouth) eingeladen, fand aber die Ladies so— nackt, daß er bat, sich wieder enlscriie» zu dürfen; und daß er seitdem keine Eiiiladuiig mehr annimmt, ohne sich vorher vergewissert zu haben, daß es sich nicht um öffentliche Fleischausstellungen handelt. Natürlich wird der keusche Muhamedaner von den frommen sittenstrengen Engländerinnen weiblich verspottet. Wir brauchen nicht zu sagen, daß cZ nur die Weiber der„besten Gesell» schaft" sind, die auf solche Weise ihre körperlichen Reize aller Welt präsenttrcn— die vornehmste Welt, und natür- lich auch die niederste, die Halbwelt und Viertel- und Hundertstel- Welt. Der Drawing Room(Gesellschaftszimmer) und das Bordell unterscheiden sich in dieser Beziehung nur durch deu größeren oder geringeren Werth des Schmucks, den die Damen da tragen, wo sie nichts anderes zu zeigen haben. Für detiJnhalt der Inserate über nimmt d>ie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. DiemKag, den 11. Juni. Krrliuev Theater. kckacUmö Sans- Gene. Ueno« Tliimter. Tata-Toto. Achillrr-Tlkeater. Die Neuvermählten. Ein Diener zweier Herren. Aleranderplah- Theater. jMaria Magdalena. National- Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Theater Unter den Linden. Miß Helyett. Friedrich. Wilhelmstädt. Theater. Kouzert-Park. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Kational-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Heute u. folgende Tage, abds. 7'/, Uhr: Nytlkl!» Mi! fcillt Fmitll oder Eine sliisttlilse b'iqßkii!»!!. Großes romantisches Drama in 5 Akten von y. V/ills und Harntlioren. Nationaitheafer- Garten■ Großes Konzert it. Spezialitäten-Vorstellung. Mwpkik BÄ». Posse in 5 Akten von Ed. Jakobsohn. Nanny.. Frl. Henny Schmid. Fettweiß. Martin Kettner. Kassenöffimng 5 Uhr. Anfang 0 Uhr. O b« sa n i a Anstalt für volkstüümliclie Naturkunde. AmLandes-AussUilungspark (Lehrter Bahnhof). GeSffnet von 5— 10 Uhr» Täglich Vorstellung Im vissenscbaK- llchen Theater. Käherea die Anschlagzettel. Sehiller-Thealer. (Waiiner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Die Uen- vermiihlten.— Gin Diener noeirr Herren. Mittwoch» abends 6 Uhr: Zopf und Schwert. Donnerstag, abends 8 Uhr: Dielte«» vermählte». Gin Diener zweier Herren. Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Di« Hochzeitsreise. Flattrrsucht. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zopf und Schwert. I�SiivksItaaSIen* Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal): Täglich: Kmorißislhe Soiree MAMgldeutsctien Quartett- HUl U u. Couplet-Sänfler Hoffmann, Wolfs, Führmann, Walde, Horst, Betz u. Frische. Anfang 8 Uhr. Entreo 30 Pf. Rescrvirter Platz 50 Pf. Sosnlags: Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf., ab 9 Uhr 30 Pf. Victoria-Brauerei Lüizowflraste 111—113 Täglich außer Sonnabends Garten resp. Saal: ?oiree der altbeliedten Stettiner nger (Hleysel, Pietro, Britton. Sieidl, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Für die Wochentage Vorverkauf 40 Pf., Familienbilletsl M.(siehe Plakate). Stein wechselndes Programm! Jeden Sonntag und Donnerstag: de, Softes: TlIIjl»ljlskll. Für Vereine nnd Versammlungen: Saal für 100 Personen und Vereinszimmer vom 15. Juni ab zu vergeben. Adalbertstraße 51, Hof, Quergebäude, im Handwirkerverein der Lvuisenstadt. Id93b Kausfsann's Variete. Königstr., Kolonnaden. SömekWne. (Bei ungünstigem Wetter im Theatersaal). ßMgrWer WM der Neumann- Büemchen's LnWtt Säupt. Kenmann, Wilh. Wolö, HorvAth, Sipner, Lemke, Feldow und Ledennann. Auf. 8 Uhr. Entree 50 Pf. Neu! Der Neu! Fiohl (La Puce.) osse von Wilh. Wolff. t is zum piepe« j" Passage-Panopticn. Täglich: Rettung aus Feuersgstahr durch die Ketttmehr Destillation, volle Konzession, leb- hafte Gegend, zu verkaufen. Näheres Krautstr. 2. 1553b UoBksgarten (ehem. Wcimann's Volkagarten) Gesundbrunnen. Kadstr. 50. Direktion: Uaz Samst. Dienstag und Mitlwoch: Auftreten der Yi'jxinal-IexÄS-doivbox�rouiie. Szenen aus dem wilden Westen Nord- Amerika'?. Die besten Reiter und Lassowerfer der Prairie mit ihren wilden Pferden Baoking Bronchos. Auftreten der Cowboy■ Troupe um 9 Uhr bei elektrischer Beleuchtung. Vor und nach dem Auftreten der Cewhoy-Tronpe: Concert, Spezialitäten- u. Theater-Vorstellung. Entree 30 Pf. Rcservirter Platz 50 Pf. Kassenöffnung 5 Uhr. Ansang 6 Uyr. Sie ßtjt los, hie Biihezeit! folks-Badeanstalt Kisdorf, Canner Chaussee. Der Unterzeichnete empfiehlt den ge- ehrten Einwohnern von Ripdorf und Umgegend seine renovirte Badeanstalt für Herren und Damen mit Schwimm- bassin. Man kann billig abonniren, auch werden Schwimmschüler ange- nommen. Schöner Aufenthalt im schattigen Garten. Vier Kegelbahnen, Schießbude, Kraftmesser und Schaukel steben zur Verfügung. Jeden Sonntag im Garten: Große Spezialitäten- und Theater-Vorstellnng von renommirten Künstlern. Im Saale: IGT- Großer Kall. Auch können Familien Kaffee kochen. Mein Lokal steht den geehrten Innungen sowie den Vereinen unent- geltlich zur Verfügung. 25601- Hochachtungsvoll A. Stolxenburg- Castan's Panoptikum. Das Bärenveib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weililictie Eitelkeit. FrieM-Willi&itnstädtisGtier! Concert-Park 25/26 Chausseestraße 25/26. Sensations-Nnttnner! Pikante Gallerte. Modell-Schönheiten. Feenhaste Tableaux. Rlesen-?rograinm 30 Nummern der Berliner Favorit Blum, Schwächer. Chansonetten-) f) A Soubretten- ffPUllß Sängerinnen. jHvlWV/. Mittwoch: Die pikante Französin'WS II um Diva. W. Noaok's Sommer-Thea iery Krunueustr. 10. Tä glich: Concert, Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung. Dir plKfMf Ml. Ausstattungs-Operette v. Anton Arno. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag nnd Donnerstag Im Saale: GrOSSOr Ball. Miell-BlMttl Friedrichshaia (KSnigsthor). Heute Dienstag: Grosses Dlilitär- Frei-Kouzerl. Progr. unentgeltlich. Die am 3. d. M. im Lokale des ierrn Klingeuberg gegen Herrn Maciejewski ausgestoßene» Be- leidigungen nehme ich" hiermit zurück und erkläre denselben für einen Ehren- mann. ISoSh I. Rietze. Donnerstag, den 13. Juni 1895; Gr. Volksversammlung im Liililt m Keiler, ftopppt. 2!l, ZN gunsteu der Arbeiter-Kiidnngsschnlr. Tages-Ordnung: l. Vortrag der Genossin KIsra Zetkin über:„Ma« haben die römische» Frauen für die Gleichberechtigung de» weiblichen Gr- schlecht« getha»?" 2. Diskussion. 63/13 Die Versammlung am Dienstag mußte deshalb anf Donnerstag ver- schoben werden, weil die Referentin nicht zugegen sein konnte. Die Genossinnen und Genossen werden daher ersucht, am obigen Tage zahlreich zu erscheinen. Oer Einbemfep, Sozialdemokrat! scher Mahl verein fnr den 3. Kerl. Reichotags-Mahlkreis. ZBIT Versammlung Dienstag, den 11. Juni, abends 8>/s Uhr, bei Knoke, Grenadierstraß« 33. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Otto btatbep übet:»Die Pläne der Reaktion". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 282/4 Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Versammlungen am Dienstag, den 11. Juni, abends 3'/- Uhr, für Kloadit, Perlebergerstr. 13 im Viktoria- Salon. Tages-Ordnung: Die Lage der arbeitenden Klassen. Referent: Genosse vr. Bentier. Vereinsangelegenheiten. Fragekasten. LodvudallserVorstsSt. Schneider's Salon, Belforterstr. 15. Tages-Ordnung: Deutsche Zustände zur Zeit der französischen Renolntion. Ref.: Schristsleller I. Zchnlz. Vereinsangelegenheiten. Fragekasten. 3u3 17 Der Vorstand. Gewerb egerichts-Beisitzer! Versammlung der Arbeitnehmer am Zilittwoch, 12. Juni, abends»/s9 Uhr, Louis,»städtische» Konzertha««, Alle Jakobstr. 37. Tages-Ordnung: Lohnschwindler und gelehrte Gerichte— unter besonderer Berücksichtigung der Praxis des Gewerbegerichts und des hiesigen Landgerichts gegenüber Bau- schwindlern und gegenüber Akkordardeilern(Putzern, Bauanschlcigern u. f. w.) Referent Genosse Arthur Stadthage». 139 1 Es wird dringend gebeten, daß jeder Beisitzer erscheint. I. 91.: Alwin Körbten, Skalitzerstr. 63—64. Tmin her Arbeitemm an VuNrulk-Zchnehreßen. Mittwoch, den IT. Inni, abends 8�/2 Uhr: Außerordentliche General- Uersauiminug im Lokale des Herrn Sokneidei-, Anurnstrahe lö, Tages-Ordnung: 1. Statutenänderung. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung haben nur Mitglieder Zutritt.!S49b Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Vorstand. Dts-V�ilmepsdoi*?. Oeffcntliche Versaninilm für Frauen und Manner Mittwoch, den IS. Inni, abends ö llhr, in Kliugenberg'» Uolksgarten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Naturheilkundigen Herrn Gtto Vrnndmann über: Natur- Heilkunde und Mcdizinheilkunde. Was ist Krankheit? Wie entstehen Krankheilen und wie heilen wir Krankheiten ohne Arznei, z. B. Magen- und Darmleiden? 84/16 2. Diskussion sowie Beantwortung von Fragen durch den Referenten. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. I. A.: Der Glnbernfer. Tcutschcr Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Verlrlllltllsnitillller-Versllmmsllllg sör Am«hü M-Lße« Donnerstag, den 13. Juni, abrndv 8>/e Uhr, bei vold, Groye Fraubfurterstrastr 133. Tagesordnung: Arbeits- und Lohnverhältniffe der verschiedenen Werkstellen. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich durch Vertrauensmänner sich vertreten zu lassen. Die Versammlung wird pnnkt 81 a Uhr eröffnet. 212 7 Di« Ortoverwaltung. Ausstellung Italien in Bertin. Donnerstag, den 13. Juni: ElSteF gFOSSBr ElltkWg. Programm: I. Maestro Gatti's Sersaglieri Orchester II. Concerl der Kapelle des lZarde-Hnsaren-Liegiments aus Potsdam, unter Leitung des Slabstrompelers Herrn Hamm. III. Auftreten des Chors des teatro filodramatico aus Hailand unter Leitung des Haestro Donizetti. IV. Maestro Gialdo Gialdini mit seinem am 130 Musiker verstärkten Symphonie- Orchester. SMF* Erste Aufführung des poii_ Maestro Gialdini komponirten Festmarsches „Eviva Girmania". V. Während des ganzen Nachmittags und Abends: Concert der 22 neapolitanischen Gesang- nnd Tanztrappen. Austrete» der berühmte» Tarantella. Tanzerinnen unter Leitung des Haestro Maranno. Neu einstndirt:„Das Fest der Hobistianen", komische Balletpantomime. VI. UV Grosse venetianische Preis-Ruder- Regatta ans dem Canala grande. MlH(Beginn abends 7 Uhr.) VII. Abends von 8—11 Uhr: Große Festvorstellung des teatro americano. Während des ganzen Tages: Vorführung des neu erfundenen Edison'schen Kiuetoscop und der gewerblichen italienischen Ansstellnng(u. a. zu besichtigen: Seidenspinnerei, Slrohflechterei). Abends: Grosser Gondel-Korso, Produktionen der neapolitanischen Perlenfischer. Grande Illusion„Astarte". Volksszenen aus dem italienischen Leben. Entree I Mark. W Heute: Große Vorstellung. Gialdini- Symphonie- Concert sowie Auftreten sämmtlicher italienischer Künstlertruppen. Die italienische Gewerbe-9lns' ellung ist bis 12 Uhr abends geöffnet. Entree 06 Pf. Unserm Freund und Kollegen Richard Böuicke zu seinem 30. Wiegenfeste die besten Glückwünsche. P. R. A. M. Sch. M. F. Todes Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann Emil Dürre, Ne- staurateur, Stendalerstr. 6, am 9. Juni nach viermonatlichem Leiden sanft entschlafe» ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den l I.Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Johannis- Kirchhofs in Plötzensee aus statt. Die trauernde Wittwe 1558b E. Dürre. Allen Genossen die traurige Nach- richt, daß meine Frau Auguste Hecke, geb. Opitz, am 9. Juni plötz- lich verstorben ist. Tie Beerdigung findet von der Leichenhalle des Emmans-Kirchhofes am 11.,»achni. 4 Uhr, statt. Der trauernde Gatte 1557b Gottlleh Hocke. Todes-Nnzeige. Heute früh 5 Uhr verschied plötzlich am Gehirnschlag mein innigst geliebterMann, unser lieber Vater, Bruder und Schwager, der Restaurateur Heinrich Kraßt Admiralstr. 26, im 47. Lebensjahre. Dies zeigen tiefdetrudt an Frau Harle Kraft, geb. Peters, nebst Kindern. Berlin, den 9. Juni 1895. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 12. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobikirchhoses(Hermann- straße) aus statt. 15475 Tanksagung. 1554b Für die Belheiligung nnd die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters seitens der Freunde, Bekannten und Kollegen, sagen wir hiermit unser» herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen Ww. Wollenberg nebst. Kindern. Unterzeichneter, der eigene Betten sowie einige Möbel für ein kleines Zimmer besitzt, wünscht bei einem in der Invaliden-, Garten-, Berg- oder Ackerstraße wohnenden Genossen vom 1. Juli d. I. ab unter bill. Beding. in Wohnung und Kost w. zu treten. Gefäll. Off. mit Preisangabe werden baldigst erbeten. Ib93b I. Ed. Pehmler, Hussitenstraße 53. 4 Tr. links. Ans Anlaß meiner 25jährigen Thätig- keit in der Firma M. Protze» u. Sohn(Stralau) sind mir von feiten meiner Herren Chefs, der Herren Buch- Halter, sowie von meinen Kollegen große Ehrenbezeugungen in Wort nnd That zu theil geworden. Es ist mir unmöglich, einem jeden der Herren persönlich meinen herzlichsten Dank ab zustatten. Ich thue es hierdurch mit der Bitte, ihn gütigst annehmen zu wollen Berlin, 8. Juni 1895. 1551ck A. Richard. Die Beleidigung gegen Frau Lütke nehme ich zurück. 1502b Frau Hering, Fruchtstraße 17. Blumenhandlung P. Abromeit, Klucherstraste 09, Berlin SW, 55472* Kränze, Bonqnets, Topfgewächse, Gnirlanden n. s. w. Billigste(Markthallen-) Preise bei ge- schmackvoller Ausführung. teHjfiintoki«. BstmOlg. Robert Meyer, Nr 2. Mariannenstrahe Nr. 2. NB. Um häufigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. ArdkitsWjize Unerreicht billig!!! ardinen • und Store» in weiß und creme, engl. Tüll, Schweizer und Spachtel von 1 Al. LS Ft. an. litte Düchler. Berlin C., Königstr. 26, Kio5ir.tr. Aufforderung. Bitte dringend den Herrn pp. wer mir am 17./3. 95 Ab. zwischen 7—9 Uhr, Lohringerstr. 19, in dem Schanklokal von Daverkow zur Seite stand, um seine werthe Adresse, und bitte ihn, mir auch als Zeuge zur Seite stehen zu wollen. Kosten:c. erstatte gern zurück. Unannehmlichkeiten stehen keinerseits«bevor. Näh. Krausenstr. 45 bei Destillateur Schulz. 1556b Aleranderplatz-Thealer Alexanderstr. 40. Heute, Dienstag, den 11. Juni 1895: Eitseiithle-Cltßsjjtel ttttter Leitting von Julius Türk. Mitwirkende: Klara Drucker(Lcssing- Theater), Agnes Mernev (Schiller-Theater), Klaudiu« Merte»(Lessing-Theater), Schmidt-Kaßlrr (Deutsches Volkstheater in München), Oskar Wagner(Berliner Theater), Juli»» Wessel«(Deutsches Theater). Maria Magiialkne. Ein bürgerliches Tranerspiel in drei Akten von Fr. Hebbel. Anfang abends 8 Uhr. Killet» i 60 Pf. vorher;» de» Zahlstellen der„Freien Uolksbuhne". Norden, Emst Beyer, Zigarren- Handlung, Veteranenstraße 13; B. Helmert, Zigarren- Handlung, Diedenhofenerstraße 3; H. Winkelmann, Zigarren-Handlung, Ackerstr. 154; Emil Dlecke, Restaurateur, Lothringerstraße 67; Ä. Hinze, Zigarren-Handlung, Pankstr. 14a; Hermann Vogel, Zigarren- Handlung, Demminerstr. 62. Nordosten, Franz Kiemeyer, Zigarren-Handlung, Weberstraße 19; H. Mamlock(fr. Gumpel), Zigarren-Handlung, Barnim- straße 42. Osten, F. Wilke, Restaurateur, Ändreasstr. 26• Max Käthe, tigarren-Handlung, Koppenstr. 90; E. Böhl, Restaurateur, Frankfurter Allee 74. lldosten; E. Arndt, Zigarren- Handlung, Skalitzerstraße 197; G. Böhlert, Zigarren-Handlung, Manannenstr. 5; L. Tolksdor!, Gastwirth, Sorauerstr. 17; 6. Bloh, Zigarren-Handlung, Köpnickerstr. 39a; C. Hoch, Zigarren-Handlung, Piicklerstr. 53. Süden, J. Gädicke, Zigarren- Handlung, Gräfestr. 93; G. Schulz, Zigarren- Handlung, Admiralstr. 49a; W. Börner, Zigarren- Handlung. Ritterstr. 15; H. Baake, Buchhandlung, City-Passage, Dresdenerstraße 52/53. Südwesten, A. Ochs, Zigarren-Handlung, Lindenstr. 59; J. Windthorst, Zigarren-HaNdlung. Jnnkerstr. 1; Albert Böttger, Zigarren- Handlung, Zoffenerstr. 21. Westen: A. Faller, Restaurateur, Pallasstr. 16; 0. Bohrend, Restaurateur, Blumenthalstr. 5. Nordiwesten(Moabit): W. Reddemann, Pritzwalckerstraße 3. Centrum, Albert Eöwenberg, Zigarren-Handluna, Neue Schönhauserstr. 18; F. Borsch, Zigarren-Handlung, Gipsstr. 5; Bruno Scheithauer, Musilalien-Handlung, Rosenthalerstr. 64; H. Jertz, Gr. Frankfurtersir. 132. Nur für Damen. 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Zwirn. 292/11 Sämmtliche Kameraden werden er- sucht, im Interesse ihrer selbst, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, ihre Arbeitskraft unentgeltlich hinzugeben, die Arbeit dort zu meiden. Der Nertraurnoman» der Zimmerer Berlins«. Umgeg. TWge Barolkvergliliitt siildell iilliierniie VesGftipg bei A. Hechtenliacä, GMWsllbrik Stendal. Parteigenosse, verheirathet, seit l. Mai v. I. ohne Arbeit, bittet um Beschäftigung jeder Art. Angebote bitte unter 6. A. bei der Exped. d. Bl. niederzulegen. lö4Sb Kartonarbeiterinuen, geübte, verl. I. Schwandt, Neue Jakobftr. 6. DV" Tüchtige selbständige Kunstschmiede sowie ein Werkzeugmacher finden dauernde Stellung bei Ed. WS, M23' Tempelhofer User 10. Ulättevinnen i�b aus Steh- u. Umlegekragen beschäftigt dauernd Felix Karpe, Blumenstr. 70. Homöopathie und Natnrheil- Methode. 1550b Gute Krankenbehandlung. O. Schulze, Piicklerstr. 10 I. Verheirath. Leuten, die im Besitz von 150 bis 200 M. sind, ivird sicherer Zroterwerv nachgewiesen durch 88/29 1.. 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Grosser Ball."WW Anfang 6 Uhr. Entree: Herren 50 Pf., Damen 30 Pf. Billets sind zu haben in allen Zahlstellen der Maurer und in den mit Plakaten belegten Lokalen. Ferner bei den nachstehenden Vorstandsmit- gliedern: H a n i s ch. Nostizstr. 40, Hof 4 Tr.; F ü r st e n b e r g. Puttbuser- straße 43, Qg. 2 Tr.; P f i st e r, Friedrichöfelderstr. 9 bei Dalske; West- phal, Oderbergerstr. 10 bei Metzle; Gensch, Barnimstr. 20 vorn 2 Tr- W egener, Frankfurter Allee 102; Arn hold. Königsbergerstraße 13- N e u m a n n, Kleine Markusstr. 10; Pfeil, Arndtstr. 11; I s m a r. Lehrter- straße 9; B i e l i ck e, Thaerstraße 9; K i l m a n n. Swinemünderstraße 49; Arendt. Rixdorf, Ziethenstr. 60, 2Tr.: Mattul, Kassirer, Barnimstr. 35. Um recht zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Uerew zur Wahrung der Interessen der Manrer KerUns und Umgegend. Dvtttterftag, IS. Juni, abends 8'/- Uhr, Roscnthalerstr. S8: Ordentlidie Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen.Jahn, 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Um recht zahlreichen Besuch dieser Versammlung ersucht _ Der Vorstand. Grosse Dampfer- Nachtpartie, verbunden mit Sommes*naGhts»Ball, arrangirt vom Fachverein der Stoekarbeiter Berlins am Konnabrnd, den 29. Inn», nach dem herrlich am Wasser gelegenen Etablissement der Korussta-Krauerei. Großartiges Arrangement, u. a. grosse Lestpolonail'e im feenhaft erleuchteten Garten mit Lrncrwerk. Am Morgen großes Kaffeekochen, Frühkonzert u. s. w. Abfahrt von Jannowitzbrücke(Restaurant Herold) mit Musik um ViS Uhr abends mit dem neuen, gegen jede Mitternng grschiidte» Dampfer der GefeUfchaft Tiomcr ie Co. Billets k 75 Pf. sind zu haben bei R. Popig, Müuchebergerstr. 22; G.Liebenow, Dresdenerstr. 57; H. Pluntke, Naunynstr. 37; H. Crotz, Elsasser- straße 4; Th. Mendt, Köpnickerstr. 8a, H. r. 2 Tr., sowie bei den Vertrauens- leute» der Werkstätten. Werkstätten, die noch keine Billets haben, können solch« Dienstag, den 11. Juni, abends SV, Uhr, im Restaurant Deter, Holz- marktstraße 3, in Empfang nehmen. Billetverkauf nur bis Dienstag, den 25. Juni. 229�13___ Da» Komitee. ine, die am 30. Juni beim Waldfest der „Neuen Freien VolksbQhne" mitwirken wollen, werden um gefl schriftliche Offerte an Schacffer, Wienerstraße 68, 80., gebeten. 68/6 Carl Schindler Likör- ja. Fabrik. Chausseestr. 55. jy Amt HI. 8917. empfiehlt und liefert nur gute Fabrikate Möbel- Kanfgelegenheit bietet sich Brautleuten:c. im Möbelspeicher, 1721L Rosentbaler» Strasse 13, I. Daselbst stehen täglich zum Verkauf: neue gediegene Möbel zu außergeivöhn- lich dilligen Preisen, gebrauchte und verliehen gewesene Möbel zu wahr- haften Spottpreisen. Theilzahlung ge� stattet. Kleiderschränke 15, Küchen spinde, Kommoden 12, Sophas 15, Bettstellen mit Matratzen 18 Mark, Nußbaum-Kleiderschräuke, Vertikows 30, Stühle 3, Muschelspinden 40, Tru- meaux 65, Paueelsophas 75, Plüsch- garnituren 60 Mark. Herren-Schreib- tische, Schreibsekretäre, Büffets, Kou- liffentische, Spiegel, alles staunend billig. Gekaufte Möbel können auf meinem Lagerspeicher bis April k o st e n f r e i lagern und werden durch eigene Gc- spanne transportirt und aufgestellt. RenWmirteße Bezilgsisütlle für Fachverein der Stellmacher Berlins «nd Umgegend. Tonnabettd, IT. Juni, in Noack's Festsälen, Brnnnenstr.IO: IxFOSses Sommes*fest verbuMn mit Anfang 6 Uhr. theilnehmen, Konzert nnil Speziillitliten-Zorßeilnng. Intree 30 Pf. Herreu, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 nach.— Die Kaffee kiiche ist von 4 Uhr an geöffnet. 215�8 Kiflets sind zu haben bei Brüß, Lothringerstr. 41; Geißler, Veteranenstr. 4- B öhl, �Frankfurter Allee 74; Saß, Markgrafenstr. 102; Gleinert, Müllerstr. 7a. Das Komitee. ZelltlMrbllllh ßentscher Textilnrbeiter nnil-Arlititerinnen. Filiale> Kerli». Sonntag, denlö. Inni, in Keller's Festsälen«.Garten, Koppenstr. 29: IV. Sliflnngsiesl, bestehend in Vokal- UDÄ InstrumkutAl- Lgueert, unter Mitwirkung des Gesangvereins„Rbeingold"(M. des Arb.-S.-B), des Volkshumoristen Herrn Stiirnpel sowie Austreten des Turnvereins„Fiobte". Die Musik wird von Zivil- Berussmusikern ausgeführt. m*,, c„f.. im großen Saale. Herren, welche daran theil- Von 6 Uhr ab: R»dc9Ei nehmen, zahlen 50 Pf. nach. Die Kasseeküche steht von 3 Uhr ab zur Verfügung. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Bei ungünstiger Witterung finden Konzert und Vorstellung im großen Saale statt. Billets sind bei den Hilfskassirern und in allen mit Plakat belegten Handlungen zu haben.— Anfang 4 Uhr. Gntror 30 Pf. 248/3 Um zahlreichen Besuch bittet_ Das Komitee. In Plasehen und in Pässern. Fabriken und Merkstiitten erhalten Mirdervrrkänfer-preife. IM Export-Weissliier- Brauerei A. Seidler Schöneberg— Berlin W. Sedanatr. 73-75 n. 82. Louis Ehrentiers Am Molkcnmarkt No>' (früher Annenstr. 16) empf.'Frsundsn u. Bekannten sein lVei88- n. 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