Abendausgabe Nr. 400 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 197 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Dienstag 25. August 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeige abteilung: Geschäftszeit-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Bekämpft die Teuerung! Taten statt großer Worte. Die Preissenfungsaktion des Herrn Dr. Luther, die per 1. Oftober d. J. in Kraft treten soll, befindet sich immer noch im Stadium der Beratungen und Erwägungen. Was die Reichsregierung und die Berbände bisher zur Breis abbauaktion zu sagen wußten, wirkt so, als ob man einen Krieg mit geschriebenem oder gedrudtem Papier gegen eine Preisbildung zu führen suchte, die sich um die Elabotate von Syndici ebensowenig fümmert wie um diejenigen von Geheimräten. Die Arbeiterschaft könnte an diesem ganzen Treiben achtlos vorübergehen, wenn nicht ihr eigenes wohl von der Preisbildung und von der Gestaltung des Reallohnes in ge radezu entscheidender Weise abhinge und wenn es nicht Mittel gäbe, einer unbegründet starten Teuerung entgegenzutreten. Tatsächlich find die meisten Industriezölle sogenannte autonome" 3ölle. Sie werden und sollen auf die Dauer nicht in Kraft bleiben, fie sind vielmehr dazu bestimmt, durch Handelsverträge her abgefegt zu werden. Es ist vollkommen unnük, eine solche Herabsetzung von den Getreidezöllen zu erwarten, denn hier besteht eine bindende Abrede innerhalb der Parteien des Rechtsblocks, die dahingeht, diese Bollsäge nicht zu ermäßigen. Auch die Mindest zölle auf Fleisch und Vieh sind ja dant der intensiven Tätigkeit der Deutschnationalen in der Zollgesetzgebung des Reiches Derankert". Dagegen find alle anderen Zölle nur für eine Uebergangszeit berechnet und es wäre der denkbar schwerste Fehler, wenn das Breisniveau sich auf diese Hochschutzölle einstellen würde. Um zu wissen, wie man dem entgegentreten fann, müßte einmal eine scharfe Preistontrolle unter Mitwirkung der Verbraucher aufrechterhalten werden. Der Abbau der Preis prüfungs. stellen wäre ebenso wie die Beseitigung der Wuchergesetzgebung im gegenwärtigen Augenblick ein Verbrechen an der Volkswirtschaft. Auch die geplanten Eingriffe in die Bragis der Kartelle und deren Preis- und Lieferungsbedingungen fönnte einigen Erfolg versprechen, wenn sie nicht nur auf dem Papier stehen bleiben. Weiter erwartet die Deffentlichkeit, daß die geplante Ermäßigung der Umsatzsteuer unverzüglich in einer Senkung der Preise zu Tage tritt. Bekanntlich blieb die letzte Reform der Um jazzsteuer ohne jede Wirkung auf das Preisniveau. Wenn die Regierung es wirklich ernst mit ihrer Preissenkung meint, soll sie doch einmal die vielen Eingaben der Unternehmerverbände veröffent lichen, in denen die Auswirkungen der Umsatzsteuer auf den Preis dargelegt werden, damit die Deffentlichkeit einmal ein flares Bild darüber bekommt, in welchem Maße eigentlich der Preis durch die Ermäßigung der Umsatzsteuer zu fenten ist. Es dürfte sehr leicht sein, daß eine objektive Stelle wie das Reichsstatistische Amt periodisch eine Zusammenstellung über die Entwicklung der Erzeuger-, Großhandels- und Kleinhandelspreise seit dem Kriege publiziert. Wenn diese Publitation in den Tages. zeitungen an hervorragender Stelle wiedergegeben würde, so dürfte sie eine„ Räuferkontrolle" der Preise ermöglichen. Aehn liche Wege würden sich gegenüber dem Leistungswucher, der durch ein zünstlerisches Innungswesen gefördert wird, empfehlen. Auch auf dem Gebiete des Submissions wesens müssen wir schnell zu gesetzlichen Maßnahmen kommen, damit einer Preistreiberei ein Ende gemacht wird, die zum Himmel schreit. Die sozialistische Regierung in Norwegen sieht z. B. in dem Entwurf eines Gesetzes betreffend Kontrolle von Konturrenzeinschränkung und Preismißbrauch eine Bestimmung vor, darüber Auskunft zu geben, ob er sich irgendwie über Preis und Bedingungen mit anderen Unternehmern verständigt hat. Eine. ähnliche Maßnahme wäre unbedingt für Deutschland erforderlich. Dieses sind einige Wege. Es ist Pflicht, auf sie hinzuweisen, Dieses sind einige Wege. Es ist Pflicht, auf sie hinzuweisen. da die Arbeiterschaft ein Interesse daran hat, daß sie beschritten werden. Auf die Lohnkampftaktit aber fönnen die ganzen Pläne der Regierung feinen Einfluß ausüben, wenn nicht die Borbedingung der Lohntämpfe und der Teuerung beseitigt wird, und diese ist das Bollgefeg. * Unsere ganzen Kartellverträge wimmeln noch von Kondi. tionen, bie echte Blüten der Inflationszeit sind und mit ihren Hamburg, 25. Auguft.( WTB.) Das Anziehen der Preise Risitozuschlägen Berteuerungsfattoren ersten Ranges bar wichtiger Lebensmittel hat auch in Hamburg Beachtung der stellen. Bir verweisen nur auf die verschiedensten Bereinigungen Behörden gefunden. Die Deputation für Handel, Schiff der Martenfabrikanten, die tatsächlich, wie ja die Berfahrt und Gewerbe fezte zusammen mit den Wirtschaftsöffentlichungen der Kartellstelle der sozialdemokratischen Reichs- tammern einen Ausschuß zur Prüfung des Umfangs und der tagsfraktion des öfteren nachgewiesen haben, auf die Preisbildung Ursache der Teuerung ein. Die erste Ausschußfizung, bei der mit und den Detailhändler einen unerhörten Terror ausüben, um ihre Eefremden festgestellt wurde, daß die geladenen Mitarbeiter übersetzten Preise zu halten und durchzusetzen. Es ist auch nachgerade aus der Detaillisten und Gewerbetammer nicht an der Zeit, daß man sich ernstlich mit dem Bantenkartell erschienen waren,(!) befaßte sich mit der Kartellfrage, der beschäftigt, um endlich mit den Wucherzinsen und Wucher. Brüfung der hiesigen Marktverhältnisse und insbesondere mit den provisionen Schluß zu machen. Dabei wäre es durchaus af Fleisch, Gemüse- und Milchpreisen. gebracht, wenn die Reichsregierung in Verbindung mit der Reichsbant Mittel und Wege suchen wollte, um die gegenwärtige Bertrauensfrise in der Wirtschaft zu beenden. Diese Krise resultiert daraus, daß gewisse Firmen, trotzdem sie zahlungsfähig sind, Zahlungsunfähigkeit vortäuschen und eben gar nicht oder nur stockend zahlen. Wie es heißt, soll auf die Reichsbank eingewirft werden, daß sie nur solchen Verbänden oder Firmen Kre- heitsfrage zur kenntnis genommen und grundfäßlich erörtert. dite gewährt, die ihren Zahlungsverpflichtungen pünftlich nach tommen. Weiter denkt man daran, Möglichkeiten zu schaffen, um die Einklagung von Verzugszinsen schneller zu ermöglichen. Zweifelhaft ist, ob man hier nicht zu drastischeren Mitteln greifen muß, um die Bereinigung in der Produktion und im Handel zu fördern. Geradezu lächerlich aber ist es, wenn eine halb. amtliche Mitteilung die Sache so darstellen will, als wenn es mög-. lich wäre, bei einer Fernhaltung der billigeren Ware des Auslandes im Inland eine ausreichende Konkurrenz zur Niedrighaltung der Preise herzustellen. Diese Auffassung strogt geradezu von Weltfremdheit in einem Lande, in dem das Kartellwesen so hoch entwickelt ist wie in Deutschland. Nun gibt es eine ganze Reihe von Waren, bei denen es mit der Einführung der 3ölle gar nicht eilig ist, weil die heute eingeführten Roh. stoffe und Halbfabrikate infolge einer langwierigen Berarbeitung erst nach vielen Monaten sich im Preise des Fertigfabritats aus zudrücken pflegen. Die Schuhe, die im nächsten Frühjahr zum Berkauf kommen werden, enthalten alle noch zollfrei eingeführtes Leder. Aehnliche Beispiele tann man in der Textilindustrie finden. Bei gutem Willen müßte es möglich sein, die Infraft. segung der Zölle für solche Waren, die zum Teil für die Lebenshaltung der breiten Massen von großer Bedeutung sind, noch um einige Monate hinauszuschieben, zumal die im 3oll. gesetz enthaltene Ermächtigung an die Reichsregierung dieser dazu das Recht gibt. Damit würde auch dem ungehemmten Treiben der Kartelle ein Hindernis entgegengestellt; diese könnten sich nicht mehr beliebig austoben. Unsinnig aber ist es, zu glauben, daß die Induftrieverbände auf die Möglichkeit einer Preiserhöhung ver zichten werden, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Schließlich gehört in den Rahmen einer Preisregulierung die Beseitigung jener gesetzlichen Bestimmungen, die nur eine Prämie für den unfähigen und zahlungsfaulen Unter nehmer barstellen. Das ist vor allem die geradezu berüchtigte Geschäftsaufsichtsverordnung, die bewirkt hat, daß noch heute, in der Beit größter Kredit- und Kapitalnot Millionen und aber Millionen Marf nicht aus den Warenbeständen herausgezogen werden können, die heute von Tausenden von zahlungsunfähigen Firmen festgehalten werden. Kabinettsberatungen. Amtlich wird gemeldet: lauf der französischen Antwortnote über die SicherIn der heutigen Sigung des Reichskabinetts wurde der Wortder übrigen Angelegenheiten der heutigen Tagesordnung, insDie Einzelberatung findet morgen nachmittag statt. Die Beratung besondere auch der Maßnahmen betr. die Preisbildung, dauert noch an. Das Sanktionsgebiet befreit. Abmarsch der letzten Besatzungstruppen. Düsseldorf, 25. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Kurz vor 9 Uhr wurde heute vormittag vor dem Schloß Jägerhof eine feierliche Parade der französischen Befahung veranstaltet, bei der nach einer Ansprache des kommandierenden Generals die Trikolore heruntergeholt wurde. Unmittelbar darauf setzten fich die franzöfifchen Truppen, und zwar das Infanterieregiment 163 und die Kavalleriebrigade 21 in Bewegung und rückten über die Rheinbrücke in Richtung Ober- Caffel aus Düsseldorf ab. Die militärische Räumung Düsseldorfs war damit am Dienstag vormittag um 9,45 Uhr vollzogen. Der Abzug der Truppen fand bei trübem Wetter und unter völliger Teilnahmslosigkeit der Becölferung ohne Zwischenfall statt. Duisburg, 25. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Diensfag vormittag um 9,20 Uhr ist das belgische Infanterieregiment 14 aus Duisburg in Richtung Homberg abgerüdt. Die militärische Räumung Duisburgs war 9,30 beendet. Das bisher in Duisburg stationierte belgische Infanterieregiment ist in Homberg nach Crefeld verladen worden, wo das Regiment vorläufig verbleibt. Die bisher in Crefeld liegenden belgischen Truppen find im Laufe des Dienstag vormittag nach Belgien abtransportiert worden. Die Räumung Duisburgs vollzog fich ohne Zwischenfall. Das gesamte Santtionsgebiet gilt ab mitternacht befahungsfrei. Der Tag der Befreiung wird um 12 Uhr nachts mit Glodengeläute von sämtlichen Kirchtürmen des befreiten Gebietes begrüßt werden. Berichtigung. In unserer heutigen Morgenausgabe hat sich in die Meldung über die Austritte aus der Berliner Zentrumspartei ein bedauerlicher Druckfehler eingeschlichen. Es ist darin die Rede während der Reichstagsabgeordnete Groß gemeint ist. Der Ab. von der Verständnislosigkeit des Reichstagsabgeordneten Joos, geordnete Joos gehört bekanntlich zum linken Flügel des Sentrums. Vergessen oder...? Bergebliches Warten auf Rentenerhöhung. Von August Karsten. Die Witwen und Waisen, die aus der Invalidenauch sie die Steigerungsbeträge zu ihren Renten versicherung Rente beziehen, rechnen immer noch damit, daß erhalten, die seit dem 1. April 1925 in Kraft getreten sind. Die Witwen und Waisen warten leider ver= gebens! Das Gesetz, das im März d. J. im Reichstage zur Beratung stand, erhielt seine Fassung durch einen Antrag der Regierungsparteien. Dieser Antrag berücksichtigte nur in ganz verschwindendem Maße die Forderungen der Sozialdemokraten, die den Wünschen der Invalidenrentner Rechnung tragen sollten. Das von den Regierungsparteien ge= machte Gesez sieht Steigerungsbeträge zu den Renten vor für die Beiträge, die bis zum 30. September 1921 und nach dem 31. Dezember 1923 geleistet sind. teien haben aber dabei gesagt, daß auch die am 1. April d. 3. Die Regierungsparlaufenden Invaliden-, Kranken- und Altersrenten die Steigerungsfäße bekommen. Damit haben sie die Witwen und Waisen, deren Renten am 1. April d. J. schon liefen, von dem Bezuge der Steigerungsbeträge aus= geschlossen. Lediglich jene Witwen und Waisen, deren Renten ab 1. April 1925 festgesetzt werden, haben ein Anrecht auf Steigerungssäge für Beiträge, die der Verstorbene in früheren Jahren geleistet hat. Die Witwen und Waisen, deren Renten vor dem 1. April beträgt unter Berücksichtigung der Rentenänderung ab 1925 festgesetzt sind, erhalten lediglich den Grundbetrag. Dieser 1. August 1925 für die Witwen 8,40+ 6 Mt. Reichszuschuß zufchuß= 10 Mart pro Monat. Durch dieses Gesetz ist eine = 14,40 Mart und für die Waisen 7 und 3 Mart Reichsvöllig ungerechte Trennung eingeführt. Die Witwen, deren Rente am 31. März 1925 festgestellt ist, erhalten keine Steigerungsbeträge, die beispielsweise bei 1000 Bochenbeiträgen in der höchsten Klasse für die Witwen 4,20 Mart monatlich betragen würden. Die Witwen aber, deren Rente am 1. April 1925, also einen Tag später, festgesetzt ist, würden diese betragen würden. Die Witwen aber, deren Rente am 1. April Steigerungsbeträge erhalten. Als mit der Schaffung der Reichsversicherungsordnung die Witwen- und Waisenrente eingeführt wurde, wurden diejenigen Witwen und Waisen Dom Rentenbezuge ausgeschlossen, deren Mann resp. Bater nach dem Jahre 1911 feinen Beitrag mehr geleistet hat, meil er entweder bereits gestorben oder schon Invalide gewesen ist. Noch heute gibt es eine ganze Anzahl Witwen, die wegen dieser Bestimmung nicht in den Genuß einer Kente kommen. Jm fozialpolitischen Ausschuß des Reichstages wurde wiederholt dieser Zustand allseitig als unerwünscht bezeichnet. Diese Witwen wurden dann in der Fürsorge dadurch bevorzugt, daß man sie zu den Kleinreninern zählte. Jetzt ist nun für einen meit größeren Kreis als damals ein neues Unrecht geschaffen. Ein weiterer Fall trasfer Ungerechtigkeit ist bei der letzten Aenderung der Invalidenversicherung eingetreten. Bekanntlich sind die Renten ab 1. August d. J. auf Grund von Anträgen der Sozialdemo= Invalidenrente, 2,40 Mart für die Witwenrente und 2 Mark fraten erhöht. Die Erhöhung beträgt 4 Mart für die für die Baisenrente monotlich, außerdem 20 Prozent stait 31. Dezember 1923 und 4,50( von 3 auf 7,50 Mark) für das 10 Prozent Steigerungsbetrag für Beiträge nach dem das Kindergeld. Diese Rentenerhöhung kam dadurch zustande. daß die Sozialdemokraten bei der Beratung der Angestelltenversicherung verlangten, in dieses Gesetz auch gleichzeitig die Invalidenrente mit einzubeziehen. Bei der sehr überhafteten Beratung im Ausschuß wurde die Schaffung einer Bestim mung außer acht gelassen über das Inkrafttreten der neuen Bezüge aus der Invalidenversicherung. Als im sozialpolitischen Ausschuß der schriftlich vorliegende Bericht festgestellt wurde, wurde der Fehler entdeckt. Die Regierung haite dann auch bereits einen Antrag zur Hand. Dieser Antrag lag den Barteien nicht vor. Barteien nicht vor. Die Parteivertreter hatten lediglich die Gelegenheit, sich den Antrag von der Regierung zum Durch lesen auszubitten. Bei den vorher stattgefundenen Berhandlungen waren die entscheidenden Aenderungen festgestellt und es war nicht anzunehmen, daß durch Infraftsetzungsbeftimmungen die vorher festgestellten Beschliffe wieder aufgehoben werden. Das ist aber tatsächlich geschehen. soweit das Kindergeld in Frage kommt. Nach der von der Regierung vorgeschlagenen Fassung erhalten das erhöhte Kindergeld nur diejenigen Rentenempiänger, deren Rente nach dem 31. Juli 1925 festgesetzt wird. Da= durch ist die große Masse der Invalidenrentner, die heute Rente beziehen, einfach um diese Erhöhung ge= prellt Im Unterausschuß des Reichstagsausschusses, in dem über die Rentenänderung beraten wurde, erklärte der Regierungsvertreter Dr. Grieser, daß das Reichsarbeitsministerium mit dem sozialdemokratischen Antrage einver standen sei, der das Kindergeld in der Invalidenversiche rung in gleicher Höhe festgesetzt wie in der Angestelltenverficherung, weil er feinen Unterschied machen wolle zwischen Arbeiterkindern und Kindern der Angestellten. Die Rentenempfänger aus der Angestelltenversicherung betommen aber nach dem neuen Gefeß die erhöhte Kinderzulage, auch wenn die Rente vor dem 1. August 1925 festgesekt ist! Dr. Grieser erklärte weiter im Ausschuß, daß die Erhöhung würde. Dabei konnte er nur von der Tatsache ausachen, dz des Kindergeldes etwa 27 Millionen Mart im Jahre Fetragen alle Rentenempfänger die erhöhte Kinderzulage erhalten. Er rechnete, daß auf 3 Renten eine Kinderzulage entfällt. Diese Rechnung konnte er nur aufmachen, wenn er 1 500 000 Ren- tenempfänger, das ist die tatsächlich vorhandene Zahl, an- nahm. Wenn er nur Renten, die nach dem 31. Juli 1925 festgestellt werden, annahm, konnte er niemals zu der Zahl von 27 Millionen Mark kommen, dann hätte er nicht einmal eine Million Mark herausrechnen können. Durch diese Be- stimmung ist jetzt auch hier e in e D i ffere n zi er un g ge- schaffen, die geradezu skandalös wirkt. Wenn ein Arbeiter mit 4 Kindern am 31. Juli 1925 Invalide wurde, erhält er unter Außerachtlassung etwaiger Steigerungs- betrage 32 Mark monalliche Rente. Ist er aber einen Tag später Invalide geworden, so erhält er unter Außerachtlassung etwaiger Steigerungsbeträge 50 Mark monatliche Rente. Mehr als 500 000 Invaliden sind durch die in das Gesetz hineingeschmuggelte Bestimmung um die erhöhte Kinderzulage gebracht. Es ist ganz selbstverständlich, daß die sozialdemokratische Partei diese skandalösen Ungerechtigkeiten zu beseitigen ver- suchen wird. Die erste sich bietende Gelegenheit im Reichstage wird dazu benutzt werden müssen, wenn nicht die Regierung schon vorher Mittel und Wege findet, um diese vom Reichs- tage nicht gewollte Bestimmung zu beseitigen. Deutjchnationale Ehrlichkeit. Sie lugen �«ur- i« den Organisationen. Die Veröffentlichung der Entschließung eines deutschnakio- len Landesverbandes hat eine Erklärung der deutschnationalen Parteiführung hervorgerufen. Diese Auslassung wiederholt den Wortlaut der Erklärung, die Graf W e st a r p namens der deutschnationalen Reichstagsfrattion am 22. Juli im Reichstag abgegeben hat, um die verantwortliche Mitarbeit der Deutschnationalen an der Sicherheitspolitik anzukündigen, und fügt hinzu: „Es ist selbstverständlich, daß diese Frattionsertläruug nicht lediglich tattische Wendungen enthält, sondern durchaus ernst und sachlich gemeint ist.' Es ist doch zum Jauchzen, daß eine große Partei, die stärkste Regierungspartei, Erklärungen darüber abgeben muH, welche ihrer Erklärungen ernst und sachlich gemeint sind, und welche nicht! Run weih man also, daß die deutschnationale Parteiführung wünscht, daß diese Erklärung im Reichstag für ernst und sachlich gemeint gehalten wird. Der Schluß dar- aus ist, daß die andere Erklärung, die von W i n k l e r, W e st a r p und Schiele gegenüber den Organisationen, nicht„einst und sachlich gemeint' war. Die deutschnationale Parteiführung wünscht der Oeffentlichkeit mitzutellen, daß sie im Reichstag ehrlich ist, m den Organisationen aber nicht. Wir haben selten eine so offene, so freimütige, so frisch hemmungslos abgegebene Erklärung von den Deutschnatio- nalen gehört. Da gehört doch Mut dazu, frischweg zu erklären: „ich, doppelzüngig, ich lüge? Ich lüge doch nur in meiner Parteiorganisation!' fius üer KKK.-VerleumüerZentrale. Sie suchen nach einem„Verräter". Die langen Erklärungen der Bacmeister-Leopold, Geld- geber für die Auswertung gestohlener Akten und die Ver- leumdung sozialdemokratischer Führer, pflegen gemeinhin gleichzeitig in der gesamten Rechtspresse abgeblitzt zu werden. Man ist deshalb erstaunt, wenn man eine neue Erklärung des Bacmeister nur in einem einzigen Blatte findet, das der Ver- leumdungszentrale dienstbar ist. Nur im„Deutschen Tage- blatt' findet man folgende Zuschrift Bacmeisters: „Nachdem wir durch staatsanwaltliche Vernehmungen in Sachen gegen Knall und Genossen bestimmt in Erfahrung gebracht haben, daß den unmittelbaren Anlaß zu den Durchsuchungen bei den Herren Knall, Kußmann und Caspary eine eidesstattlich abge- geben« umfangreiche Anzeige des Schriftstellers Woss. gang Breithaupr gebildet hat, läßt sich die Meinung nicht mehr Sie. Von Max Bernardi. Ich liebe sie über alle Maßen. Sie ist meine Freude, Wonne, Augenweide. Meist bestimme ich ein Rendezvous in irgend einem füllen Eafe. Oft begegne ich ihr aber auch ans der Straße, erkenn« sie w dichtestem Gewühl an ihrem entzückenden Kleid, ihrem reizenden Hütchen. Und manchmal lehnt sie ganz bescheiden an meiner Haustür, geduldig wartend, daß ich ihr öffne. Und da ist sie mir am will- kommensten. Im eigenen Heim sie besitzen zu dürfen ist höchste Seligkeit. Aber es ist oft schwierig— besonders wenn man schon Weib und Kind hat. Aber ich nehme sie rasch bei der Hand und geleite sie ganz leise in mein stilles Kämmerlein. Weit beug ich mich über ihr rauschendes Kleid, atme den fremden Dürft und lasss die Flut ihrer Rede jubelnden Herzens über mich er- gehen. Ach, sie ist so vielseitig, klug, geschickt, verschmitzt— behalt immer Recht, auch im Unrecht.-- Immer wieder zwingt sie mich ihren sprudelnden Worten zu lauschen. Wehl kaum daß sie mich zu Worte kommen läßt! Und sie oersteht zu sprechen: Hohe Politik, innen und außen, von links und von rechts und von allen Seiten— sie lobt und schimpft, schmiedet selbst Pläne häuserhoch— bis sie wie aus Widerwillen einen kühnen, dicken Strich unter all das politische Gezanke zieht. Don Kunst und Wissenschast plaudert sie weiter, immer unter- haltsam und liebenswürdig, von Musik und Theater, neuen Büchern. Sie weiß eben alles. In einem Atem erzählt sie von alter und neuer Welt, vom Nord- und Südpol, als gäbe es keine Entfernungen mehr. Sie weiß was Schweinefett in Chicago kostet und Rum in Jamaika. Sie weiß, daß die Kartoffel teuerer werden und daß das Fleisch längst schon zu teuer ist. Sie beginnt vom Alltag zu plauschen, von bösen Nachbarn, Ehr- abschneidern, schrecklichen Frauenspersonen und scheußlichem Diebes- gesindel. Dann lädt sie mich zu Musik und Tanz einl Es gibt kein Ge- schöpf, das in seiner Selbstlosigkeit und Sorge um mein Wohl ihr gleich kommen könnte. Gute Kapitalsanlagen und noch ander« für mich so unschätzbare Dinge empfiehlt sie mir. Allerdings, wenn ich sie dann nicht ernstlich verabschiede, über- schreitet sie in ihrer Besorgtheit gar leicht die Grenzen der Höflichkeit. Da will sie mir plötzlich Doppelschlafzimmer mit und ohne Matratze«, Motorräder, Staubsauger, Zahngebisse, Flechtensalbe und aufrecht erhalten, daß der Kaufmann Kranz diese Anzeige beim „Vorwärts' hinterlegt hat. Wolfgang B r e i t h a u p t sst der Ver- fasser des Buches„Volksvergistung von 1914 b i s 1918': er hat als solcher der Sozialdemokratie einen schweren Schlag versetzt. Welche Motive ihn veranlaßt haben, seine An- zeige gegen das Ausklärungsbureau des Herrn Knoll einzureichen und damit zunächst als Verräter zu erscheinen, läßt sich zur- zeit nicht feststellen, da B. von Berlin abwesend ist.' Es scheint fast so, als wolle Bacmeister mit dieser Ver- lautbarung auf den Busch schlagen, ob nicht jemand dahinter sitzt. Noch vor roerrigen Tagen veröffentlichte der Inhaber des KKK.-Buroaus, Knoll-Kluge-Klausing, eine Verdächtigung gegen einen anderen Beteiligten an jener Zentrale, in der u. a. über den erwähnten Kaufmann Kranz folgendermaßen geurteill wird: „Er trat an nationale Kresse heran, triefend von nationaler Gesinnung und Reinigungsbedürfnis, selbstlos bis in die Knochen, nachdem er sich einen Berg von Akleu aus den Deutschen werken verschafft halle, von denen er ehrenwörtlich versicherte, daß er sie im Altpapierhandel erworben habe. Nachdem Kranz bereits erhebliche Vorteile aus der Aklenverweriung in naiionalea Kreisen gezogen hatte, wußte-r sich bedeutsame Teile dieser Akten zurück- z u b e s ch a f f e n. um sie in allen möglichen politischen Lagern, von den Deulschvölkischen bis zu den Kommunisten, zum Verkauf anzubieten. Während er so den an sich berechtigten Feldzug gegen die Deusschen Werke zu seineu Gunsten auszuschlachten wußte, bemühte er sich gleichzeitig, gemeinsam mil seinem Freunde, dem angeblichen Großkaufmann Klackow, erhebliche Werte aus den Beständen der von ihm selbst so schwer beschuldigten Deusschen Werke nach Argen- timen zn verschieben. Nach Scheitern dieses„Geschäfts' und einiger Erpressungsversuche, die er bei mir und anderen Per- sonen machte, kehrte er zu seiner alten Liebe zurück. Er ver- kaufte alles, was er in nationalen Kreisen erfahren hatte oder glaubte erfahren zn haben, an den„Vorwärts.'. Ergebnis: Die Aktion des Berliner Polizeipräsidiums gegen die Staatsanwälte und die Haussuchung bei mir.' Zu dieser Beschuldigung eines hervorragend„nationalen' Gewährsmannes schreibt uns der sogenannte Kaufmann Fritz Kranz, Berlin-Friedenau, Lauterstr. 27, er habe das be- wußte Aktenmaterial niemals der Deutschjiationalen Par- tei zum Kauf angeboten, sondern„angeblich national denkende Leute'(wörtlich!) hätten e i n Geschäft daraus machen wollen! Weiter schreibt Kranz: „Richtig ist, daß ich von nationalen Kreisen des öfteren sogar schriftlich gebeten wurde, meine Kennt- nisse und Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Der KKK.-Hlann drängte sich unter Benutzung der unlautersten Millel dazwischen, um die Arbeiten, welche ohne Rücksicht aus Parlet. Person und Konfession durchgeführt werden sollten, zu sabotieren.' Richtig ist, daß Kluge-Knoll-Klausing mit meiner und anderer Leute Kenntnisse unter großer Wichtigtue- rei und Prahlen mit feiner Verbindung zur Staatsanwaltschaft hausieren ging. Richtig ist weiter, daß die Akten, wie die mir bei meiner als Zeugen stattgehabten Vernehmung vorgelegten B e- schlagnah m eoerfügung besagt, seinerzeit von der Staatsanwaltschaft unter Aktenzeichen des Barmatprozesses im Büro Knoll und seinem Freunde beschlagnahmt wurden. Merkwürdigist.daßdieAktenn ich t m e h r v o r- Händen sind. Kranz bestreitet weiter, daß er erhebliche Werte aus Be- ständen der Deuffche Werte nach Argentinien verschoben habe und fährt dann fort: �Erlogen ist die Behauptung des Kwge-Knoll-Klausing oder wie er sonst noch heißt, betreffs der E r p r e s s u n g. Im Gegenteil, wahr sst, daß kluge sich mit Gewalt in den Besitz des Materials gesetzt hat und die Veschlagnahmeoerfügung von der Staatsanwalt- schafi veranlagte, um sich persönliche Vorteile �zu verschassen.' Die Herrschaften, die solange miteinander an der „Reinigung Deutschlands' gearbeitet haben, schätzen sich Hühneraugenpflaster empfehlen oder mich mit Gewalt zu Lersiche- rungs- und Inseratenvertretungen zwingen. Fruchtet dies nicht, so versucht sie noch mit aller List mir meine allen Hadern und Flaschen herauszulocken oder mir ein älteres Mädchen mit ein oder zwei Kindern— Ehe nicht ausgeschlossen— anzuhängen. Und da verlasse ich sie und stürze reuevoll zu Weib und Kind. „Jetzt hast du wieder eine Stunde über deiner dummen Zeitung gesessen,' sagt dann immer meine Frau voll Vorwurf. Aber morgen tue ich es doch wieder! Auf Wiederseheul Roch innner Sommcrtheater. Unsere Berliner Theater herrlich- kell steht auf unsicheren Füßen, und wenn man wirklich einmal eine Aufführung mit Halleluja begrüßen kann, so darf man sicher sein, daß sie nach der fünfundzwanzigsten Wieberholung dem duld- (amen Publikum in dritter Besetzung gezeigt wird. Denn die „Stars' find hall keine Fixsterne, sondern Planeten am Theater- Himmel: und die zweiten Kräfte werden meist— um bei kosmischen Vergleichen zu bleiben— Sternschnuppen, weil sie Planetenehrgeiz haben und sich durchaus fortbewegen wollen, statt uns friedlich und freundlich als Fixsternlein zu leuchten. Bloß die.Dritten' bleiben uns treu.— Es geht auch anders. Draußen vor den Toren Berlins gibt es ein Theaterchen, das tatsächlich über ein anständiges Ensemble verfügt, das vermutlich keine„Star'gagen bekommt und sogar tüchtig arbeiten muß. Denn das Schloß varktheater in Steglitz liegt doch eben„j. w. d.': die meisten-Berliner scheuen den wellen Weg, und sein Stammpublikum ist ziemlich eng begrenzt und will häufig neues sehen. Das mag auch das Theater zu einer Ein- stellung führen, die künstlerisch recht anfechtbar ist, sich vom wirt- schaftlichen Standpunkt aus aber als ganz zweckmäßig erweisen mag. Ob das allerdings nicht auch anders ginge? Denn oft darf das Schloßparktheater so überlebte Schmarren wie Karl Riemanns „Wie die Alten jungen* nicht bringen, wenn es nicht auf das Niveau eines Lokaltheaters herabsinken will: und das wäre schade.— Die Schauspieler, die sich mit diesem Lustspiel, das wirt- lich an unserer Generalion ganz und gar vorbeiredet, abfinden mußten, gaben sich alle Mühe. So retteten sie, wa» zu retten war. Mit den pathetischen Stellen, an denen dieses Annelise-von-Dessau- Stück reich ist, konnten sie freilich nichts anfangen: hier wurde im schönsten Sinne deklamiert, für Kenner wirtlich ein Genuß. Bloß schade, daß man aus Wohlerzogenheit nicht lachen durfte: die Schau- spieler halten es sicher gern getan. Man darf ihnen dieses Kom- pliment schon machen, weil sie im übrigen wirklich was können. Vor allem Elly Arndt als ausgezeichnete Dessauer Hökerin sei genannt, ferner Maria Demelius, Joseph Lorandt, W.E. Ritterfeld, Otto Matthies, CläreHansing- Hauptmann und Erwin Blegel, der auch die Regie führte. «— z. Gabriele d'AnnunzIos„Tokenzimmer'. Daß sich Gabriele dAnnunzio in der der Witwe des Professor Thode gehörenden Villa am Gardasee häuslich eingerichtet hat, wissen wir aus den Berichten von Karin Michaelis, die sein Benehmen vor aller Well an den Pranger stellte. Aber der Dichter ist ensschlossen, m diesem schönen also gegenseitig außerordentlich hoch, wie aus diesen freundschaftlichen Beschimppfungen hervorgeht. Wir haben keinen Grund, uns in diesen Streit der„Reiniger' unter- einander einzumischen. Aber die Frage wird an die S t a a t s- a n w a l t s ch a f t zu richten sein: WosinddievonKuß- mann beschlagnahmten Akten der Deutschen Werke geblieben? Es handelte sich nicht um Kleinig- keilen, sondern um drei große Kisten mit Schloß und Schlüsseln. Sie enthielten unseres Wissens nicht weniger als 30 Bände, von denen einzelne mehrere hundert Seiten starke Mappen umfassen. Was hat Kuß- mann getan, um die von ihm„sichergestellten" Akten vor der weiteren Berhökerung zu retten? Die Behauptung, daß es sich um zum Einstampfen be- stimmte? Altmaterial handele, ist in ihrer Schwindel- h a f t i g k e i t ohne weiteres zu erkennen. Es ist selbstver- ständlich, daß weder bei den Deutschen Werken, noch bei der Reichstreuhandgesellschaft, noch beim Reichsverwertungs- amt, noch im Reichsschatzministerium, aus denen diese Akten zum Teil stammen sollen, ganze zusammenhängende Aktenbündel zum Verkauf an Altpapier- Händler gelangen könnten. Richtig ist aber, daß besagter Kranz längere Zeit bei allen diesen Behör- den, insbesondere auch bei den Deutschen Werken, a n g e- stellt gewesen ist und Ermittelungen anzustellen hatte in jener Zeit, als der Verdacht, Reichswerte zu verschieben, fast auf jederman lastete, der mit diesen Behörden in irgend eine Beziehung kam. Es ist zweifellos, daß Kranz mit den Akten dien st lich zu tun gehabt hat, und merkwürdig ist es, daß gerade diese Akten zum Gegenstand des Han- dels und Schachers in„nationalen" Kreisen gemacht wurden. Eine weitere Frage: Der deutfchnationale Reichsfinanzminister v. Schlieben, dem heute die Reste des ehemaligen Reichsschatzamts unterstellt sind, hat wohl gar kein Interesse daran, diese g e st o h- l e n e n und in seinen Parteikreifen von Hand zu Hand gehenden Akten wieder zu erlangen? Oder sollte er nicht durch eine einfache Anfrage bei der Staatsanwaltschaft fessstellen lassen können, wo die Akten geblieben sind? Und sollte er nicht von Amtswegen die Wiedsrbeschaffung der Akten fordern dürfen? Wenn jetzt Dacmeffter den Versuch macht, an Stelle des Kranz den gleichfalls beteiligten Breithaupt als„Ver- räter" abzustempeln, so dürfen wir daran erinnern, daß d i e- ser BreTthaupt, augenscheinlich im Saide jener „national en' Kreise, fein auch von Bacmeister er- wähntes Buch über den Dolchstoß fabriziert hat. Ein Buch, das Oberfinanzrat Bang in der„Deutschen Zeitung' als ein besonders„wertvolles Buch' bezeichnete, und das von der gesamten Rechtspresse als ein vernichtender Schlag gegen die Sozialdemokratie ausgegeben wurde. Jetzt ist dieser Breithaupt, der Bermchter der Sozial- demokrasse, plötzlich unauffindlich geworden? Zu welchem Zwecke? Man hat ja oft schon erlebt, daß Zeugenplötz- lich verschwinden mußten, besonders wenn es sich um Angelegenhessen der„Reiniger Deusschlands' handelte. Warum haben die Bacmeister-Leopold den Ehrenmann Bresshaupt verschwinden lassen, da er doch in der Vernichtlina der Sozialdemokrasse so glänzende Fähigkeiten erwies? Verstaatlichung, wie ste nicht fein soll. Prag. 25. August.(WTB.) Das sschechoflowakifche Staats- bodenamt hat den Marienbader Kurbetrieb nunmehr in Zwangs- Verwaltung übernommen, ohne den Eigentümer, das deutsche Prämonftratenserstift Tepl, hiervon rechtzeitig zu verständigen. In Abwesenheit des gesetzlichen Vertreters des Eigentümers wurden von dem neu eingesetzten tschechischen Zwangsverwaller Gelder und Amtsräume übernommen und der deutsche Oberdirektor abgesetzt. Die Zwangsoerwaltung wird bis zur Uebernahme der beschlag- nahmten Objekte durch den Staat dauern. Die Erregung unter der deutschen Bevölkerung, die chren Arbeitsplatz gefährdet steht, ist groß. Besitztum nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben, und da er olles, selbst seinen künftigen Tod, dazu benutzt, um Aufsehen zu erre- gen und Reklame zu machen, so hat er sich ein„Sterbezimmer' in der Villa eingerichtet, dessen Ausstattung in gewissen römischen Blättern ausführlich beschrieben wird. Das„Sterbezimmer' heißt mich das.Limmer des Aussätzigen', well es ein eindruckvolle« Ge- mälde enthüll, auf dem der heilige Franz dargestellt ist, wie er einen Aussätzigen umarmt. Die Wände dieses Zimmers sind mit Malereien ausgestattet, die Diejenigen Ding« darstellen, die der Dichter in seinem Leben am meisten geliebt': ein Pferd, ein Hetz- Hund, ein Flugzeug, ein Schwert, die zehnte Muse', die die Kraft verkörpert, ein loderndes Feuer, eine Orgel und eine Frau. Während die Wände des Sterbezimmers den ssdischen Freuden gewidmet sind. sind an der Decke Malereien angebracht, die auf das Christentum und das Jenseits hinweisen. Hier ist nämlich ein großes Kreuz darge- stellt, umgeben von den Sinnbildern des Leidens Christi. Das Bett des Zimmers ist so schmal, daß es wie ein Sarg aussteht. Es ist ' nur mit einer Decke versehen, die aus Leder gefertigt und mit goldenen Ornamenten geschmückt ist. Vielleicht stirbt der„göttliche Gabriele' hierauf für besonders Bevorzugte Probe, um ihnen zu zeigen, wie ein italienischer Held das Leben, das für ihn nur Gelegenheit zu immer neuen Posen war, auch mit einer letzten glanzvollen ver- lassen soll. Zwei Lokomotivführer auf den französischen Schnellzügen. Die Unfälle auf den französischen Eisenbahnen, die sich neuerdings in erschreckender Weise hausen, haben dem Arbeitsminister Laval Anlaß zu einer Verfügung gegeben, die bestimmt, daß fortan auf den Lokomotiven der Züge, die lange Strecken mit erhöhter Schnelligkeit durchfahren, neben dem Lokomotivführer und Heizer noch ein zweiter Lokomotivführer Dienst tun soll. Diesem zweiten Führer wird die Aufgabe zufallen, dt« Schnelligkeit des Zuges be- ständig zu überwachen und seine Aufmerksamkeit den gefährlichen Punkten der Strecke, wie Straßenüberführungen. Kreuzungen und Kurven zuzuwenden. Außerdem soll er dem gesamten Signolwesen besondere Aufmerksamkeit widmen. Die kanzfeindNche Geistlichkeit. Der Erzbischof v'Donnell. das Oberhaupt der irischen katholischen Kirche, hat seinen Bannsirahl gegen die modernen Tänze geschleudert und die Geistlichen seiner Diözöse angewiesen, alle Männer und Frauen vom Gottesdienst aus- zuschließen, die die öffentlichen Tanzlokale besuchen. Die Geistlichen predigen jeden Sonntag gegen die Tänze und die moderne Frauen- kleidung: sie befehlen den Eltern, Kinde? aus dem Hause zu jagen, die nicht das Tanzen aufgeben."3$ ss16,'"6 Tochter lieber tot als tanzen sehen,' sagte der Reo. W. 3. Nicholson.„Die modernen Tänze und Kleider oerderben die Menschen, und e» ist besser, daß einige wenige zugrunde gehen, als daß das ganze Polt verdirbt.' Die Große verliner»m>st«ll«og am Lehrter Bahuhos wird am Somitag, den 30. August, geschlossen. Das Lesiingmuscum eröffnet Donnerstag sein 16. Vortragejahr wieder mit einem Goelhc-Abend. Paul Alsred Melbach spricht über»Aoetbe und Herzog Karl August-, zur Erinnerung an Goethe» Einzug w Weimar vor ISO Jahren. Margarethe Verqh-Steingraeber fing» Goethelieder in Kompontionen de» Weimarer Kreise«. A« g lüget Prot. Hermami Springer. 1 Ansang 8 Ubr. Einti.tt(rei. Wittelsbach und Hohenzollern. Die Kronprinzen" fennen sich nicht. Aus München meldet das Wolffsche Bureau: Das Kabinett des ehemaligen Kronprinzen Rupprecht von Bayern teilt mit, daß die seit einiger Zeit aufgetauchten Gerüchte über eine Zusammenkunft des deutschen und des baye= rischen Kronprinzen auf dem Schlosse Mondsee des Grafen Almeida sowie alle an diese angebliche Zusammenkunft gefünpften Kombinationen aus der Luft gegriffen find. Kronprinz Rupprecht war, wie es in der Mitteilung heißt, nicht in Mondsee. Er hat den deutschen Kroprinzen seit dessen Besuch in München im Oftober 1924, überhaupt nicht mehr gesehen. Diese Meldung des bayerisch- kronprinzlichen„ Kabinetts" fo etwas muß natürlich ein Erkronprinz haben von Interesse, als sie wieder bestätigt, daß Wittelsbach und Hohenist höchstens insofern zollern nicht zusammenkommen. Dieser Konkurrenzneid ist halt stärker als die monarchistische Interessensolidarität. Die Zentrumskrise. Das Opfer. Im Straßenbahnwagen sind die Sigpläge besetzt, auf dem ficht gelangweilt durch das Fenster oder betrachtet sein Gegenüber, Hinterperron stehen einige Leute in malerischen Stellungen. Man einige betreiben mühsame Unterhaltung. Auf einer Haltestelle steigt eine ältere Frau ein, fie sieht müde und abgearbeitet aus und bleibt nicht anständigerweise auf dem Hinterperron stehen, sie schiebt sich in den Wagen und sucht einen Gipplag. Blößlich ändert sich die Gemütsverfassung der Fahrgäste. Die Straßen scheinen hoch interefsant geworden zu sein, die Leute an den Fenstern starren sie wie hypnotifiert an, unternehmen auch nicht die geringste Wendung des Stopfes, für sie besteht nur noch das Straßenbild, das sie magnetisch fegnet hat, erinnern sich an die Existenz einer Zeitung in ihrer anzieht. Andere, bie nicht das Schicksal mit einem Fensterplatz geTasche und vertiefen sich die Welt vergeffend darin. Die ältere Frau hat sich noch weiter in den Wagen geschoben, fie steht jetzt bei den beiden Leuten, die vorhin mühsam an einer Unterhaltung arbeiteten, boch plöglich scheint sie der göttliche Funke berührt zu haben, sie Dr. Wirths Freunde über seinen Schritt. reden mit einem hinreißenden Schwung, der jebem Demagogen Ehre Köln, 25. Auguft.( Mtb.) Zu der Erklärung des Reichstags- Augen. In dem Straßenbahnwagen herrscht eine Atmosphäre von machen würde und starren sich dabei unentwegt in ihre treuen abgeordneten Dr. Wirth wird der. ,, Kölnischen Boltszeitung" mit Energieentfaltung. Jeder bildet eine Welt für sich und nimmt von geteilt: Obwohl Dr. Wirth in den letzten Tagen mehrfach in den anderen feine Notiz mehr. Ein junges Mädchen sammelt ihre Frattionsberatungen von der Gründung einer neuen 3en Glieder zusammen und macht einen Versuch aufzustehen, doch in trumspartei oder einer ähnlichen Angelegenheit gesprochen hat, diesem Augenblic schnellt ein Herr aus seiner Bersuntenheit auf, fommt sein Schritt den Parteifreunden im Ruhrgebiet übergreift nach einem nicht vorhandenen Hut auf dem Kopf und bietet raschend. Wenn der Gedante des sozialen und republikanischen der Frau seinen Blag an. Ganz rot ist der Herr angeZentrums, von dem Dr. Wirth spricht, irgendwo lebendige und kräfti- laufen, Straße und Zeitung haben von diesem Augenblick an ihre ge Wurzeln besitzt, dann ist es der Fall in unserem Gebiet, wo die hypnotische Kraft auf die anderen verloren. Man sammelt alle chriftlich gesinnten Maffen der Berg, und Hüttenarbei- Beiftesträfte auf den opferfreudigen Herrn, manche blicken zu ihm ter, die sich politisch zur Zentrumspartei bekennen, die soziale und empor wie zu einem Erlöser, andere behandeln ihn in ihrem Innern republikanische Idee innerhalb der Partei geradezu verförpern. In als läftigen Streitbrecher. Der Herr weiß selbst nicht, wie er zu führenden Kreisen der Partei des Industriegebiets hört man heute feinem Entschluß gekommen ist, er verfucht noch eine würdige Bose besonders in Kreisen, die der Arbeiterschaft naheftehen, leb- einzunehmen, aber der Berfuch scheitert. Er fühlt sich fürchterlich haftes Bedauern darüber, daß Dr. Wirth gerade mit jenen, die bis geniert. Seine Ohren find bereits rot geworden. Er tastet sich durch zum letzten Schritt gerade mehr oder weniger an seiner Seite stan- den Wagen ins Freie, trotzdem er erst ein Drittel der Fahrt zurüdden und eine Einstellung aufweisen, die der seinigen sehr nahe gelegt hat. Im Wagen herrscht Entspannung. Man läßt wieder die tommt, nicht Fühlung nahm, ehe er seinen schwerwiegenden Schritt Blide frei umherschweifen und packt die überflüffigen Zeitungen fort, tat. Man hätte feinen Augenblick gezögert, ihm dringend da bis sich auf der nächsten Haltestelle das Spiel wiederholt. Don abzuraten. Nach der Ansicht dieser Kreise lähmt Dr. Wirth die Wirkung der ihm innewohnenden Stoßkraft durch seinen Schritt ganz außerordentlich. Wenn das Ausscheiden Dr. Wirths Folgen nach fich zieht, dann ist es vor allem die, daß die Bertretung der Ideen, als deren Exponent sich Dr. Wirth vor allem betrachtet, durch sein Ausscheiden aus der Reichstagsfraktion eine uner wartete Schwächung erfährt. Man ist hier der Auffaffung, daß die Erklärung Dr. Wirths nur verständlich ist im Zusammenhang mit seinem förperlichen Leiden, das seine Berbitte rung vermehrt und ihn schon seit einiger Zeit aus den Reihen seiner Freunde fernhält. Der Marokkokrieg geht weiter. Große Töne Primo de Riveras. Paris, 25. Auguft.( WTB.) Das„ Journal" berichtet aus Madrid, daß General Primo de Rivera gestern abend einen wichtigen Generalrat leitete. Am Schluß gab er den Preffevertretern eine Erklärung ab, in der er u. a. gejagt haben foll: Man muß jetzt alle Maßnahmen ergreifen, um endgültig endgültig das Maroffoproblem zu lösen und sich gegen jede neue Ueberraschung zu sichern. Dazu ist es notwendig, daß Spanien alle geeigneten Maßnahmen ergreift. So wird es uns gelingen, daß Ansehen Abd el Krims zu erschüttern. Wenn die Rifleute erst einmal in das Gebirge zurädgedrängt sind, werden sie, sobald fie den Migerfolg ihres Führers feftftellen, ihn alsbald verlaffen. 3rant reich und Spanien werden gleichzeitig Operatio nen vornehmen. Während Frankreich die Stämme zurüdhält, die etwa Abd el Krim Hilfe bringen wollen, werden wir auf dem eigenen Gebiet gegen Abd el Krim vorgehen. Wir werden so die wichtigen Stämme der Bokoja und der Gomara zum Abfall von Abd el Krim bringen. Sodann werden wir die Berbindung zwischen den spanischen und den französischen Linien in Drael Ajen ficherstellen, dadurch werden unsere Operationen am Luffosfluß vervollständigt werden. Durch die Beherrschung der Wege, die für die Lebensmittelversorgung der Rifleute notwendig sind, werden wir die Rifleute, die, einmal abgeschlossen, teinen Drud mehr auf andere Stämme ausüben tönnen, dazu zwingen, fich zu unterwerfen. Das wird dann der letzte Stoß für den Aufstand fein. Unsere Offenfivvorbereitungen find bereits beendet. Ich nehme an, daß die Offensive in etwa zehn Tagen wird beginnen fönnen. Deutsch- polnische Wirtschaftsbeziehungen. Gerüchte über Wiederaufnahme der Handelsvertrags. verhandlungen. Kattowitz, 25. Auguft.( mtb.) Am 27. Auguſt ſoll eine Ab ordnung der polnischen Regierung in Rattowig eintreffen, um mit Bertretern der Industrie Oftoberschlesiens über die von Polen einzunehmende Haltung bei der bevorstehenden Wiederaufnahme der deutsch- polnischen Handelsvertragsverhand. fungen zu beraten. Es find auch andere Anzeichen dafür vor handen, daß die polnische Regierung Vorbereitungen für die Erzielung eines Abschlusses bei diesen Verhandlungen trifft. Diese Haltung dürfte weniger durch die Rücksicht auf die seit Abbruch der Handelsbeziehungen zu Deutschlands immer fritischer gewordene Lage der oftoberschlesischen Industrie eingegeben sein, als durch die schwere Sorge, die die fortwährende Abwärtsbewegung des 31oty Kurses der Regierung bereitet. Wenn auch die Handelsbilanz für die Monate Juli und Auguft sich nicht unerheblich günstiger gestalten dürfte, als für die früheren Monate, weil die Einfuhr von Getreide und Mehl fortfällt und die ersten Eingänge für die Ausfuhr des polnischen Getreideüberschusses in dieser Bilanz erscheinen dürften, so ist doch damit wenig geholfen, weil alle anderen für die Ausfuhr arbeitenden Wirtschaftsbetriebe nicht nur durch den Handels. frieg mit Deutschland, sondern auch durch die infolge der maßlosen Erschwerung der Einfuhr nach Bolen herbeigeführte Verschlechterung der Handelsbeziehungen nach dem übrigen Ausland sehr schwer Der stürzende Zloty. leiden. Warschau, 25. Auguft.( Mtb.) Der fatastrophale Sturz des Zloty in der vergangenen Woche hat die polnische Regierung zu neuen Maßnahmen veranlaßt. Es sollen noch weitere Importbeschränkungen durchgeführt werden. Eine Erhöhung der Preisgebühr von 250 auf 500 3loty ist vorgesehen. Bulgarenverhaffungen in Paris. Wegen des Anschlages auf den Präsidenten der bulgarischen Kammer sind mehrere Bulgaren in Paris verhaftet worden. Ein jarisches Marinegeheimarchio ist in der Wohnung des Marimentaisters aus der Barenzeit, Admirals Grigorewitsch, gefunden worden. Der Tote im Friedrichshain. Nur ein Selbstmord? Zur Aufklärung eines Leichenfundes wurde heute früh die Morbtommiffion nach dem Friedrichshain gerufen. Gegen 2% Uhr benachrichtigte ein Passant eine Schupopatrouille am Königstor, daß er auf einer Bant im Friedrichshain einen toten Mann gefunden habe. Die Beamten begaben sich in Begleitung des Mannes zu der Bant und fanden hier seine Angaben bestätigt. Ein Arzt stellte fest, daß der Tote einen Schuß in die Herzgegend erhalten hatte. hr, abeiner Aula, jedenfalls in der Zeit von nachmittags 5-7 gehalten. Weitere Auskunft erteilt der Borsitzende, Genosse Karl Schulz, Charlottenburg, Kirchstraße 33( Tel. Wilhelm 8894) Die Pfarrersvilla in Zehlendorf. sich außerordentlich über unseren Bericht geärgert, in dem wir von Das Evangelische Konsistorium der Mart Brandenburg" hat der Erhöhung der Kirchensteuer um die Hälfte Mitteilung gemacht haben. In dem Tonfall einer vorgefekten Behörde geruht das hohe Konfiftorium uns mitzuteilen, daß die Berliner Stadtfynode die Erhöhung des Einkommensteuerzuschlags nicht turgethand", fonbern ,, nach eingehender Borbereitung", bazu noch in öffentlicher Beratung beschlossen habe. Auch habe das preußische Gesamtben Borwurf mangelnder Aufficht machen. Das haben wir nun staatsministerium diesen Beschluß genehmigt und das Konſiſtorium findet es leichtfertig, daß wir dem preußischen Staatsministerium allerdings nicht getan. Wir haben nur festgestellt, daß der Natur der Sache nach eine solche Aufsicht mangelhaft sein muß. Im übrigen stelle man sich einmal vor, das preußische Staatsministerium verweigere die Genehmigung. Was für ein Geschrei würde die kämpfe rische Kirche dann in Berlin erheben. Die Verweigerung der Ge nehmigung würde selbstverständlich als ein ganz gemeiner Angriff auf die Kirche hingestellt werden. Es ist vollkommen richtig, wenn wir sagen, daß die Finanzen der Kirche sich unter Ausschluß der ftändig über ihre Finanzen Mitteilungen herausgeben, erfährt man Deffentlichkeit entwideln. Während Reich, Staat und Gemeinde Steuerbruds ihre Steuern ich lantmegum 50 Pro3. erhöht. von der Kirche nur die Tatsachen, daß sie in einer Zeit härtesten Das hohe Konsistorium bestreitet die Richtigkeit unserer Zahlen, hütet fich aber, selbst genaue Ziffern anzugeben! Daß die Finanzgebarung der Kirche nicht immer einwandfrei ist, erhellt ganz eindeutig aus einem Bericht, der der Bossischen Zeitung" zugegangen ist. In diesem Bericht heißt es wörtlich: Das stille Zehlendorf ist entbrannt, es hat seinen Fall". Ein großer Teil der evangelischen Bürgerschaft ist unwillig über den Kirchenrat, der als Dienstwohnung für einen Pfarrer eine Billa zum Preise von 75 000 m. erworben hat. Tatsächlich ist das für eine Kirchengemeinde, die beständig auf die herrschende große Not hinweist und von jedem ein Scherflein zu deren Linderung erbittet, eine erhebliche Summe. Zehlendorf hat drei Pfarrer, und infolge der großen Ausdehnung des Bezirks soll nun ein vierter angestellt werden. Bei diefer Gelegenheit hat der Kirchenrat eine Billa für den zweiten Pfarrer in der Nähe der Pauluskirche erworben, um dann die freiwerdende bisherige Mietswohnung dieses Geistlichen, dem neuen Pfarrer zur Verfügung zu stellen. Viele Zehlendorfer bezeichnen das als einen unerhörten Lurus. Einmal sei die Billa höchstens 55 000 m. wert, was Architekten festgestellt hätten, überbies habe der Kirchenrat den wesentlichsten Teil der Kaufsumme gegen hohe Zinsen borgen müssen. Die Billa toste die Kirche jährlich 7000 bis 8000 m., eine Summe, für die man im Bezirk zwei bis drei Dienstwohnungen haben fönne. Böse Zungen behaupten, daß man dem zweiten Pfarrer nur ein besonderes Entgegenkommen zeigen wollte, weil er vor längerer Zeit nicht zum ersten Geistlichen des Bezirks gewählt wurde. Die höheren Reichs- und Staatsbeamten erhielten nur 1600 M. Wohnungsgeld. Die Kirchensteuerzahler hätten feine Veranlassung, das Bier- oder Fünffache für die Pfarrerwohnung aufzubringen. Jedenfalls ist der Friede im Zehlendorfer Bürgerleben gestört. Bei den nächsten Kirchenwahlen wird's heiß hergehen. die Kreise, die sich gar nicht genug über die Verschwendungssucht Angesichts einer solchen Finanzwirtschaft find wir neugierig, ob der Gemeinden entrüften fönnen und die jede, z. B. vom Berliner Magistrat für die Bevölkerung unternommene Attion betritteln, den Mut finden werden, gegen die Finanzmißwirtschaft, die hier zutage tritt, Front zu machen. Um 15 Broz. der Einkommensteuer haben bei den Verhandlungen über den Finanzausgleich stattgefunden, die faft zu einer Regierungstrife geführt hätten. Die monatelange Kämpfe zwischen der Reichsregierung und den Ländern Kirche verfügt über solche Summen geräuschtos, ohne daß irgendeine Stimme aus der sogenannten ,, Wirtschaft" sich dagegen erhebt. Damit nicht genug: An allen Eden und Enden versuchen die Bertreter der Kirche von der Gemeinde für ihre besonderen Zwede Geld zu erhalten. Man wird sich den Zehlendorfer Fall jedenfalls merfen müssen, wenn im Rathaus neue Anträge auf Unterstützungen kommen. Ein besonders merkwürdiger Umstand ist der, daß der Schuß wohl das Hemd, nicht aber die zugeknöpfte Wefte und den ebenfalls zugeknöpften Rock durchlöchert hat. Ferner wurde bei dem Toten feine Waffe gefunden. Alles dies läßt einen Selbstmord zweifelhaft erscheinen, und aus diesem Grunde wurde die Morbkommission alarmiert. Die Bant, auf der der Tote gefunden wurde, steht im nordöstlichen Teil des Friedrichshain in der Nähe der Unterkunftshütte am Spielplag. Der Mann war halb nach rechts übergefunten. Seine Hosen zeigten, an den Unterschenkeln ErdKnien gelegen hat. Die Untersuchung durch den Gerichtsarzt spuren, die darauf hindeuten, daß er allem Anfcheine nach auf den tung eingebrungen ist, am Rückgrat abwärts geglitten und Dr. Ripper ergab, daß das Geschoß in magerechter Rich bann steden geblieben ist. Die Mündung der Waffe ist unmittelbar auf den Körper oufgelegt worden. Die Art des Schusses ist typisch für einen Selbstmord. Wie gesagt, sprechen aber das Fehlen der Waffe und das mit Erde beschmutzte Beinkleid wieder dagegen. Durch Papiere, die bei dem Toten gefunden wurden, konnte feftgeftellt werden, daß es sich um einen 22 Jahre alten Arbeiter Georg Rohde handelt. Die angegebene Wohnung in einer Kolonie der Landsberger Allee ist nach den bisherigen Ermittlungen nicht richtig. Wie weiter festgestellt wurde, war er seit dem 22. Auguft in der Brauerei am Friedrichshain als Flaschenspüler beschäftigt. Inzwischen hatten die ausgesandten Beamten auch schon Zeugen ermittelt, nach deren Aussagen gestern Nacht um 1% Uhr niemand auf der Bant gefeffen hat. Etwaige Fußspuren, die darauf hinweisen würden, daß der Mann von Fremden auf die Bank getragen worden ist, find ebenfalls nicht mehr zu erkennen, da der gegen 2% Uhr einsehende Regen fie verwischt hat. Mitteilungen, die dazu beitragen fönnen, den geheimnisvollen Leichenjund aufzuflären, fchäftswelt die Möglichkeit zu geben, ihre Injerate, Blakate usw. vor Pers nimmt die Mordkommission in der Magazinstraße entgegen. Ehetragödie eines 73 jährigen. Ein aufregender Borfall spielte sich heute früh um 5% Uhr in der Juftusftraße in Reinidendorf ab. Hier wohnt im Hauje Nr. 54 der 73 Jahre alte Kaufmann Eduard Grundel mit feiner 53 Jahre alten Frau. Das Ehepaar betreibt schon seit vielen Jahren ein Gemüse- Engrosgeschäft. Die Hauptarbeit in diesem Ge fchäft leiftete die Frau, während Gründel, dem auch das Haus gehört, fich fast ausschließlich um die Verwaltung des Grundstücks fümmerte. Seit ungefähr 20 Jahren war der Mann von einer geradezu tranthaften Eifersucht. Die Art des Geschäftes brachte es mit sich, daß bie tüchtige Frau zu ihren Lieferanten und Gründel jedesmal von neuem. Er fonnte und wollte nicht einsehen, Kunden höflich und freundlich sein mußte. Darüber erzürnte sich daß seine Eifersucht völlig unbegründet war. In der vergangenen Nacht wurde, wie immer, auf dem Grundstück der Wagen zur Jahrt nach der Halle fertig gemacht. Um 5 Uhr fuhr der Kutscher ab. Eine halbe Stunde später machte fich Frau Gründel, wie immer, auf den Weg, um mit der Straßenbahn in die Halle nachzufahren. Vor dem Hause Nr. 56 rief er feine Frau an und gab, als fle den Der alte Gründel folgte ihr nach einem Auftritt auf die Straße. Kopf nach ihm wandte, einen Schuß auf fie ab. Die Kugel verlegte fie an der Wange, aber nicht lebensgefährlich. Gründel selbst tötete sich darauf durch einen Schuß in die rechte Schläfe. anderen Städten An alle Gefang frennde! Der im Jahre 1919 gegründete Männerchor harmonie Charlottenburg hat in einer Anzahl von Konzerten in der Hochschule für Mufit, in Schulaulen, auf öffentlichen Plähen, in Frankfurt a. D., Belzig, Deffau( Anhalt) usw. fowie durch die Mitwirtung bei Parteiveranstaltungen in GroßBerlin Beugnis davon abgelegt, daß die Pflege des Chorgefanges und des Volksliedes zu seiner Hauptaufgabe gehört. Dem Chor ist Dom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung im März 1924 für seine tonzertlichen Beranstaltungen die Gemeinnüßigkeit zuerkannt worden. Um die bisherigen Erfolge weiter auszubauen, und um für den so notwendigen Nachwuchs zu sorgen, soll ihm ein Rinder- und Jugendchor angegliedert werden. Den Jugendlichen soll Gelegenheit gegeben werden, unter fachkundiger Leitung ben in der Schule erhaltenen Unterricht nußbrinaend anzurenden, um fie dann in späteren Jahren geschult in die Chöre der Er wachsenen überzuleiten. In Frage kommen Mädchen und Knaben im Alter von acht Jahren aufwärts. Die Uebungsstunden werden nach Erledigung der notwendigen Borarbeiten wöchentlich einmal in „ Kaffenpatienten und ärztliches Berufegeheimnis." Professor mit Bezug auf unsere Beröffentlichung unter dieser Ueberschrift Dr. Adolf Gutmann, Landsberger Straße 66/67, ersucht uns, mitzuteilen: Bährend meiner Urlaubsreise veröffentlichte im GroßBerliner Aerzteblatt" ohne mein Wissen und ohne vorher bei mir anzufragen mein Vertreter die Krankengeschichte einer Patientin. Hieraus ist zu ersehen, daß ich an dem ganzen unerquicklichen Borgang vollkommen unbeteiligt bin." Juferafen- Borprüfungsstelle. Die Zentrale zur Bekämpfung unfauteren Wettbewerbs e. B., Berlin- Schöneberg, Wartburgstraße 48, hat, um der Geöffentlichung in den Zeitungen oder an den Geschäftslokalen auf ihre Zuläifigfeit nachprüfen zu lassen und fie hierdurch vor Weiterungen zu bes wahren, eine uferaten Borbrüfungsstelle errichtet. Die Nachprüfung erfolgt für Mitglieder fostenlos, während von Nichtmitgliedern ein geringer Unloftenbeitrag erhoben wird. Englisch und Franzöfifch. Anfang September beginnen neue Anfängerfurfe( für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse) für Erwachsene( Abendunterricht) und für Kinder Nachmittagsunterricht) bei Genosin eß, Berlin W 50, Spichernitr. 16, Gartenbaus 3 Tr.( Untergrundbhi. Nürnberger Pias). Teiljederzeit beitreten. Anmeldungen am Dienstag, den 25., Mittwoch, den 26., und Donnerstag, den 27. September, von 4-8 Uhr abends. Die Anmel bung fann auch schriftlich erfolgen. Nette Anfängerfurie in Englisch beginnen im September für Berlin SO, NW und W( Charl.). Fortgefchrittenere werden in bestehende Sturfe aufgenommen. Auskunft und Anmeldung mündlich( 24. bis 31. Mutauit, abends 7-8 Uhr) oder schriftlich beim Gen. Unitower, Berlin W 57, Kurfürstenffr. 21/22, It. Stfl. II. nehmer mit Bortenninissen lönnen den bestehenden Mittel- bzw. Oberlursen Deutsche Soldatengräber in Plymouth. Ein englischer Parteigen offe in Plymouth teilt uns mit, daß folgende Gräber dort verstorbener deutscher Kriegsgefangenen auf dem Efford- Friedhof in Plymouth in gutem Zustand erhalten sind: gestorben 14. 6. 1919 R. J. Koerner W. Woolf D. Heß E. Bohrich R. Help Karl Heffe Karl Bouhl Sergeant H. Schiffmann( Feldartl.) 15. 6. 1919 " 16. 6. 1919 " " 16. 6. 1919 23. 6. 1919 11. 6. 1919 " 9. 11. 1919 " 16. 9. 1918 " Der Plymouther Genosse schließt seinen Brief mit dem Anerbieten, Anfragen über diese Gräber zu beantworten, und mit folgendem Sat: Ich bin einer von denen, die genötigt waren, am legten Weltkrieg für den Imperialismus teilzunehmen, sehr zu meinem Schmerz und gegen meinen Willen". Seine Adreffe ist: Edward B. Rumbot, Plymouth, 4 A Armolds Point, England. Groß- Berliner Parteinachrichten. 82. bt. Steglig. Nach Beendigung der Ferien finden mmmehr die Kinderspiele wieber regelmäßig alle Dienstage von 3 bis 6 Uhr statt. Eltern, sendet eure Rinder. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 94. Abt. Neukölln. Conntag, den 28. Auguft, verstarb unfer Genoffe Julins Lange, Serrfurthstr. 20. Die Beerdigung findet am Wettwoch, den 26. Auguſt, nadm. 3 Uhe, vom Trauerhause nach dem Thomasfriedhof, Hermannstraße, statt. Gewerkschaftsbewegung Die Bauunternehmer kündigen die Aussperrung an. Die BS.- Korrespondenz meldet: Ein Beweis dafür, wie ernst die Lage von Arbeitgeberseite im Baugewerbe angesehen wird, ist die Tatsache, daß man sämtliche Maßnahmen für die Generalaussperrung getroffen hat, die auch durch den neuesten Schritt des Reicharbeitsministeriums nicht ausgesetzt worden sind. Falls es nicht in letzter Stunde noch zu einer Einigung tommt, werden am Freitag etwa 600 000 Bauarbeiter in Deutschland entlassen werden. Wir werden ja ſehen, ob die Unternehmer den Versuch machen werden, ihre Drohung zu verwirklichen: Daß sie mit dieser Drohung auf die Bauarbeiter gar feinen Eindruck machen, wissen sie. Kann die Reichsbahn höhere Löhne zahlen? Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, Bezirk Sachsen, schreibt uns: Die Hauptverwaltung der Reichsbahn verbreitet wieder die Deffentlichkeit irreführende und die Eisenbahnerschaft unnötig erregende Nachrichten, wonach eine Lohnerhöhung automatisch eine Erhöhung der Tariffäge nach sich ziehen müsse. Es erhebt sich also die Frage, ob eine Erhöhung der Gehälter und Löhne der Reichsbahnangestellten auch ohne Tariffteigerung möglich ist. Zur Abdeckung der Reparationsschuld hat die Reichsbahngesellschaft für das vom 1. Oftober 1924 bis 1. Oktober 1925 laufende Rechnungsjahr die Summe von 398 Millionen Reichsmart bereitstellen müssen. 200 Millionen sind davon als Zahlung vorgesehen. 198 Millionen müssen als Rücklage für das Rechnungsjahr 1925/26 bereitgestellt werden. Wie stellt sich nun die Betriebsrechnung in dem letzten Halbjahr ohne Berücksichtigung der Reparationsverpflichtungen dar? Im März betrugen die Bruttoeinnahmen der Reichsbahngesellschaft 360 449 000 m. An Ausgaben stehen dem gegenüber 333 722 000 m., so daß sich also für März ein Ueberschuß von 26,727 Millionen Mart ergibt. Im April gestaltete sich das Rechnungsbild noch günstiger. Die Bruttoeinnahme betrug 388 645 000 Mart, der eine Ausgabenziffer von 318 396 000 m. gegenüberstand. Mithin verblieb ein Ueberschuß von 70,249 Millionen Mart. Eine weitere Besserung, die zum Teil bereits auf die zehnprozentige Erhöhung der Personentarife zurückzuführen ist, brachte der Monat Mai. Die Bruttoeinnahmen betrugen 390 012 000 m., denen 314-556 000 m. Ausgaben gegenüberstehen, woraus sich ein leberschuß von 75,456 Millionen Marf ergibt. Für den Monat Juni liegen bis jetzt nur die Einnahmeziffern vor, die wiederum günsti= ger als die Maiziffern sind. Die Bruttoeinnahmen betrugen 390 642 000 M. Durch die Erhöhung der Personentarife ab 1. Mai d. J. um 10 Proz. erzielte die Reichsbahngesellschaft auf einen Kilometer Betriebslänge für den Personenverkehr eine Mehreinnahme von 189 m. Insgesamt stieg die Einnahme der Reichsbahngesellschaft aus dem Personenverkehr von 118 316 000 m. im April auf 127 963 000 m. im Mai, oder um 9.647 Millionen Mart. Demgegenüber steht eine Mehrausgabe von 2 823 954 M. im Mai gegen April, die auf die Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde bei einem Belegschaftsstand Don 402 700 Mann und einer Stundenleistung von 234 im Monat zurückzuführen ist. Es verblieb der Reichsbahngesellschaft aus der zehnprozentigen Personentariferhöhung, die auf Grund der LohnSteigerung im Mai erfolgte, ein Reingewinnn von 6 823 046 M. im Monat Mai. Legt man nun diesen Status zugrunde, zieht man nicht den Beamten- und Angestelltenabbau in Betracht, der nach wie vor von der Reichsbahngesellschaft radikal betrieben wird, so würde troß einer meiteren Lohnerhöhung im Mai um 5 Pfennige pro Stunde( also auf insgesamt 8 Pf.), die der Gesellschaft eine Mehrausgabe von 4711 290 m. im Monat bringen würde, immer noch ein Reingewinn pon 2 111 756 m. aus der Tariferhöhung im Mai übrigbleiben. Da bei ist nicht berücksichtigt, daß die Einnahmen der Reichsbahn auch im Monat Juli eine fortschreitende Verbesserung erfahren haben. Sie betrugen in der Zeit vom 1. bis 9. Juli durchschnittlich 17,5 Millionen Mark brutto pro Tag, in der Zeit vom 10. bis 16. Juli durchschnittlich 16,9 millionen brutto pro Tag und in der Zeit vom 17. bis 23. Juli durchschnittlich 18,4 millionen brutto pro Tag. Auch darf niemals vergessen werden, daß vor kurzer Zeit bei der Reichsbahn die Gütertariffäße herabgesetzt wurden und dadurch ein Einnahmeverlust von 300 millionen Mart eintrat. Man wollte angeblich zur allgemeinen Preisherabfegung beitragen. Aber der Industrie fiel es gar nicht ein, darauf zu reagieren, sondern diese ftedte die 300 millionen felbst ein. Das gesamte faufende Bublifum fonnte troß diefer Maßnahme bis heute eine fortlaufende Teuerung verspüren. ben Unternehmern abgelehnt worden. Ebenfalls die vom Holzarbeiterverband beantragte Berbindlichkettserklärung. Es besteht tein Zweifel darüber, daß hinter der Ablehnung durch die Privatbetriebe der BBMI. steht, da er an den niedrigen Löhnen dieser Gruppe ein begreifliches Intereſſe hat. Für diese Annahme spricht auch die auf die vom Metallfartell eingereichte Forderung von 1,05 m. Tariflohn und 25 Proz. Leistungszulage für qualifizierte Lohntischler vom VBMJ. ergangene Antwort, daß er wohl Berhandlungen grundsäßlich nicht ablehne, sich aber feinen Erfolg davon verspreche. Der Holzarbeiterverband hat nun durch das Metallfartell noch einmal den VBMI. bringend um Verhandlungen ersucht. Eine außerordentliche Funktionärversammlung am Montagabend, in der Bicht über diese Dinge berichtete, nahm zu der Angelegenheit Stellung. Nach eingehender Diskussion wurde folgender Antrag einstimmig angenommen:" Wenn im Verlauf dieser Woche in Verhandlungen den Holzarbeitern tein Entgegenkommen gezeigt wird, beauftragt die Funktionärversammlung die Verwaltung, zu anderen Rampfmaßnahmen zu greifen. Eventuelle Anträge der Betriebe sind dann an die Ortsverwaltung zu richten." Es liegt nunmehr beim BBMI., den drohenden Konflikt zu verhindern. Die Situation ist jedenfalls außerordentlich ernst. Die ohnmächtige KPD. Die Kommunisten schreien fortgesetzt nach Verbreiterung der Rampffront", nach Generasstreit und„ revolutionärer" Attion. Steht aber eine Arbeitergruppe im Kampf, dann sind die Bolschewisten nur fähig, fie nat leeren Phrasen zu füttern. Irgendeine wirksame Unterstützungsaktion, die es den Arbeitern ermöglicht, gegen die Unternehmer auch wirklich zu kämpfen, vermag die geSomte KPD. samt ihrer JAH. nicht zu organisieren. Davon wissen bei dem gegenwärtigen hartnäckigen Kampf im Baugewerbe insbesondere die fich fälschlich ausgeschlossen" nennenden Bauarbeiter ein Lied zu fingen. Ihre aus unlauterer Konfurrenz möglichst niedrig gehaltenen Beiträge gehen drauf zur furrenz möglichst niedrig gehaltenen Beiträge gehen drauf zur Unterhaltung des Verwaltungsapparates. Geht es einmal zum Kampf, dann muß sofort der Klingelbeutel geschwungen werden. Es ist begreiflich, daß die Arbeiterschaft fich weigert, auf fommunistische Sammellisten zu zeichnen. Man weiß aus alter Erfahrung, daß den Streifenden meist nur ein geringer Teil der gesammelten Beträge zukommt, der Hauptteil in die kommunistischen Parteikassen verschwindet. Im übrigen ist die Arbeiterschaft der Ansicht, daß die KPD. fich nicht in die Führung von Wirtschaftskämpfen einzumischen hat, die Ausgabe von Sammellisten Sache der Gewerkschaften ist. Die Rote Fahne" versucht für die kommunistische Pleite im Bauarbeiterkampf den ADGB. verantwortlich zu machen. Sie fragt, was dieser zur Unterstützung der Bauarbeiter tun will. Sie meint nämlich die Ausgeschlossenen". So ist's richtig! Erst lockt man die Arbeiter aus den Gemertschaften heraus, verspricht ihnen das Sowjetparadies, wenn fie sich felbständig" machen, und wenn dann die Pleite da ist, ruft man nach dem ADGB. Im übrigen wissen die Bauarbeiter, daß die Mitglieder des Baugewerksbundes nach wie vor die volle Streitunter stützung erhalten, dank der finanziellen guten Fundierung der Organisation und dank der Opferwilligkeit der in Arbeit stehenden Bauarbeiter. Sie haben also eine Hilfsaktion des ADGB. nicht notwendig. Das gleiche fann von den anderen freien Gewert schaften gesagt werden. Was aber die Ausgeschlossenen" betrifft, so ist für diese allein die KPD. verantwortlich und zuftändig. Die irregeführten Ausgeschlossenen" erfahren jetzt am eigenen Leibe, wessen die KPD. fähig ist. Sie können Vergleiche anstellen zwischen ihrer Lage und der der verratenen" Mitglieder des Baugewertsbundes und dann feststellen, wer in Wirklich teit verraten ist. Ein Lehrgang für Werkmeister. In der staatlichen Wirtschaftsschule in Düsseldorf beginnt ein besonderer Kursus für die Mitglieder des Deutschen Werkmeisterverbandes( Siz Düsseldorf). Die Zahl der Teilnehmer aus allen Gebieten Deutschlands beträgt 45. Der Kursus dauert bei vollem Tagesunterricht 14 Tage. Für die Mitarbeit sind neben den haupt amtlichen Dozenten der Wirtschaftsschule eine Reihe hervorragender Fachleute gewonnen. Die neuesten Fragen auf dem Gebiete der Wirtschaft, der Sozialpolitik und des Arbeitsrechts tommen zur Behandlung. " Einmütige Ablehnung der Bergarbeiter. Effen, 25. Auguft.( WTB.) Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, haben die vier Bergarbeiterverbände an den Reichskommissar Mehlich ein gemeinsames Schreiben gerichtet, in dem sie den am 19. Auguft gefällten Lohnschiedsspruch ein mütig ab. lehnen. Fortdauer des französischen Bankbeamtenstreiks. aus Paris, 25. Auguft.( TU.) Der Bantbeamtenstreit dauert in unverminderter Heftigkeit an. Die Zahl der Streitenden erreichte heute eine Rekordziffer. Nichts läßt darauf schließen, daß der Streif bald zu Ende geht. Zudem fließen den Bankbeamten seit einigen Tagen aus den Kassen der Gewerkschaften und nationalen Sammlungen erhebliche Beträge zu. Der sozialistische Bürgermeister von Bordeaux, der Abgeordnete Marquert, hat an die Bürgermeister größerer Städte wie Lille, Orleans, Marfeille ein Schreiben gerichtet, in welchem er vorschlägt, daß die Bürgermeister eine Abordnung zu dem Ministerpräsidenten entsenden mit der Bitte, in dem Streit zu intervenieren. Trohender Generalftreik in der polnischen Metallindustrie Warschau, 25. August.( TU.) Die Schlichtungsversuche im Metallarbeiterstreit sind als ergebnislos abgebrochen worden. Der Ausbruch des Generalstreits wird nunmehr bereits Mittwoch erwartet. Auch die faschistischen Gewerkschaften müssen kämpfen. Mailand, 25. Auguft.( TU.) Die Folgen der Inflation machen fich in Italien in jüngster Zeit mehr und mehr durch Lohntämpfe bemerkbar, so daß der Ministerpräsident in die Lohnfämpfe eingreifen mußte. Er besprach sich längere Zeit mit dem Präsidenten des Allgemeinen Industriellenverban= des und ferner mit dem Leiter der faschistischen Gewert schaften. Dieser erklärte, daß seine Organisation einen Feldzug auf Lohnerhöhung einleiten wolle, der infolge der Lira- Entwertung und der Einführung der Getreide. 3ölle notwendig geworden sei. Sport. 15. Borkampftag im Ulap. Die gestrigen Kämpfe wurden wieder nach amerikanischem System ausgetragen, wonach nur ein t. o. Sieg entscheidet. Im Weltergewicht fämpfte Striesel ( Berlin) gegen Karl van Seeveren( Berlin). Es hagelte Haten und Schwinger, da aber nur mit 8 Unzen Handschuhen und weichen Bandagen gefämpft wurde, langte es nicht zu einem Niederschlag. Es dürfte überhaupt sehr schwer sein, mit weichen Bandagen in 4 Runden bei ungefähr ebenbürtigem Gegner einen f. o. Sieg her beizuführen. Die Gegner trennten sich unentschieden. Im Leicht. gewicht traf Otto Griese( Berlin) auf den sehr flinken und harten Schläger Charlie Häder( Berlin). Der Kampf wurde von Häder, der das Tempo angab, 4 Runden durch flott geführt. Mehrmals landete Häcker bei seinem Gegner rechte Schwinger, die diesen aber nicht zu erschüttern vermochten. Griese gab hin und wieder gut zurüd, war im allgemeinen aber zu schwerfällig und dem gelenfigen Häder gegenüber dadurch sehr im Nachteil. Da kein Niederschlag erfolgte, endete auch dieser Kampf unentschieden. Borkampf Samson- Breifenfträter. Der große Entscheidungskampf zwischen Samson und Breitenflräter findet nunmehr bestimmt in Berlin statt. Der Termin für die bedeutendste Begegnung ist auf den 11. September feftgefekt. Ueber den Kampsplaz schweben noch Verhandlungen, weil die ursprüngliche Idee, den großen Stampf in einer Freiluftarena stattfinden zu lassen, wegen der damit ver bundenen Abhängigkeit vom Wetter, fallen gelaffen wird. Goldenes Rad am Mittwoch in Treptow. Ermutigt durch den Erfolg, den Treptow am letzten Renntag zu verzeichnen hatte, wartet die Direktion für tommenden Mittwoch von Neuem mit einem großen Programm auf. An diesem Tage wird das Klassische große unb letne goldene Rad ausgefahren werden. 8u dem großen goldenen Rad sollen vier der zurzeit besten deutschen und ausländischen Steher berangezogen werden. als Erster wurde a wall verpflichtet, welcher in Amsterdam nur durch Bech aus dem Borlauf ausgeschieden ist. Als 8weiter fommt wieder Miquel hinzu, welcher am Mittwoch trok seiner noch nicht verheilten Wunden ein prachtvolles Rennen fuhr. Mit dem fleinen goldenen Rad will die Direktion eine Neuerung einführen, indem dieses Rennen, das über 10 und 20 km geht, hinter Leitmotoren, bie speziell für die Treptower Bahn gebaut wurden, gefahren wird. Hierzu werden fünf Fahrer verpflichtet, die sämtlich von bekannten Treptower Schrittmachern geführt werden sollen. Die Rennen beginnen diesmal um 7%, Uhr. Berantwortlich für Bolitik: Eraft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Verlagsanstalt Vaul Singer u. Co.. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitit behandelt Dr. Berger- Bochum" Fragen der Schwerindustrie", Dr. Halasi Heidelberg Fragen der Weltwirtschaft", Dr. Schlünz- Düsseldorf Die Rationalisierungsbestrebungen der deutschen Wirtschaft", Kurt Seinig- Berlin Fragen der Handelspolitit", Dr. Kempten- Düffeldorf" Der Stand unserer Handelspolitit", Dr. Seelbach- Düsseldorf " Die wirtschaftliche und soziale Lage in England". Auf dem Gebiete der Sozialpolitik spricht Universitätsprofessor Dr. Kumpmann über Staat und Sozialpolitik", Reichs- und Staatskommissar Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruceret Mehlich über Schlichtungswesen", Rechtsanwalt Dr. Abel- Essen über" Reichsunfallversicherung", Landesrat Dr. Schellmann- Düsselüber Kollektives Arbeitsrecht", Verwaltungsdirektor Lohmar- Köln dorf über Invalidenversicherung", E. Kroll- Düsseldorf über Angeftelltenversicherung", Landesrat Gerlach- Düsseldorf über„ Kriegsbe. schädigter- und Hinterbliebenenfürsorge". Außerdem geht Dr. Langenberg- Düsseldorf auf die neuesten Fragen auf dem Gebiete der Ent- in hotechnik, W. Herschel- Düsseldorf auf dem Gebiete des Berfassungswesens ein. Eine Reihe von Besichtigungen unter fachmännischer Führung z. B. die Besichtigung einer Gießerei nach amerikanischem Muster, des Duisburger Hafens und eine Wanderung nach der Müngstner Brüde sollen die Studien durch reiche Anschauungen ergänzen. Der Preffe werden über die jetzigen Mindest- und Höchstlöhne falsche Angaben gemacht, die der Richtigstellung bedürfen. Nach dem mit der Reichsbahngesellschaft abgeschlossenen Lohntarife sind im Wirtschaftsgebiete II( Sachsen) folgende Mindest- und Höchst föhne zurzeit maßgebend. Ortsklasse A pro Stunde 21 bis 71 Pf., Ortstlaffe B 20 bis 70 Pf., Ortstlaffe C 19 bis 69 Pf., Ortsftlasse D 18 bis 68 Pf., Ortsklasse E 17 bis 67 Pf. für ledige 16- bis 24jährige Arbeiter. Berheiratete erhalten 3 Pf. pro Stunde mehr und für je 1 Kind auch 3 Pf. Ortslohnzulagen werden mir für etwa acht in Ortsklasse A gelegenen Orten in Sachsen gezahlt. Die Reichs bahngesellschaft hat es selbst in der Hand, durch angemessenes gegenkommen den Betrieb vor Erschütterungen zu bewahren. Die Lohnbewegung der Modelltischler. Wie wir bereits am Sonnabend mitteilten, herrscht in den Kreisen der in der Metallindustrie und den privaten Modellbetrieben beschäftigten Modelltischler eine starte Unzufriedenheit darüber, daß die Berdienste der in dieser Industrie Beschäftigten weit hinter denen der in der Holzindustrie Beschäftigten zurückbleiben. Der am 7. Auguft für die Modelltischler der privaten Modellbetriebe gefällte Schiedsspruch, der die Löhne ungefähr denen der Holzindustrie anglich und von den Arbeitern angenommen wurde, ist von Der Deutsche Wertmeister- Verband hat sich stets eingehend mit den Bildungsaufgaben seiner Mitglieder befaßt. Die neuere Entwidlung der Technit, die moderne Betriebsorganisation, die ratio. nclle Durchdringung unseres gesamten Lebens in Verbindung mit der gegenwärtigen großen Wirtschaftskrise und der damit zusammen hängenden sozialen Umwälzung zwingen den Werkmeister von heute dazu, fich mit all diesen Fragen eingehend auseinanderzusetzen. Ersatzlose und Rauflose a zur jetzigen Hauptziehung der Preußischen Staatslotterie find noch zu haben in der Lotterie Einnahme von Karl Gehrie Berlin W., Potsdamer Str. 3, am Potsdamer Platz Nollendorf 428, 429. SCHUTZ MARKE Outtungs- Rabdit Conrad Müller BOO Bestellungen auf Lose erster Klasse werden schon jegt entgegen genommen. Haben Sie Wanzen? 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