Nr. 401 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 205 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig. monatio B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. Iung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart. Aleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( auläffia zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche bas erfte Mort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buc Staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SB 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet non 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönboff 292-295 Berlag: Dönhoff 2306-2507 Mittwoch, den 26. August 1925 Polen wieder abgewiesen. Erst vom Korridorschiedsgericht, jetzt vom Weltschiedsgericht. Haag, 25. Auguft.( WTB.) Im großen Rechtssaal des Friedenspalastes wurde heute mittag in öffentlicher Sigung die Entscheidung des Ständigen Internationalen Gerichtshofs im deutsch- polnischen Streitfall bezüglich bestimmter deutscher Interessen in Polnisch- Oberschlefien bekanntgegeben. Der Sihung wohnten zahlreiche Diplomaten, darunter auch der deutsche und der polnische Gesandte, bel. In der Entscheidung selbst weist der Gerichtshof in dreißig Seiten langen Rechtsausführungen die polnische Einrede der Unzuständigkeit des ständigen Internationalen Gerichtshofes zurüd, erklärt das deutsche Rechtserfuchen als formell berechtigt und behält sich vor, demnächst in der Hauptsache zu verhandeln. Zugleich beauftragt das Gericht seinen Präsidenten. gemäß Artikel 33 des Gerichtsfiatuts die Termine für die Einreichung der Anträge und Ausführungen der Parteien für das weitere schriftliche Berfahren festzusetzen. Die Sitzung hatte 1% Stunden Dauer. = in Polen hatte behauptet, das Kaltstickstoffwerk Chorzom Ostoberschlesien sei deutsches Reichseigentum • und falle daher dem polnischen Staat zu. Deutschland betonte demgegenüber, daß die Chorzower Fabrik Privateigentum, also nicht zu„ liquidieren" fei. Ferner hatte Polen im Wider spruch zum Genfer Abkommen zwölf deutsche Grundbesitzer in Oftoberschlesien enteignet. Gemäß dem Genfer Abkommen, das von Bolen und Deutschland unter den Auspizien des Völkerbundes" geschlossen wurde, flagte Deutschland gegen Polen beim Haager Schiedsgericht auf Unterlassung dieser Liquidierungen". Dasselbe Bolen aber, das mit Deutschland die Zuständigkeit diefes Schiedsgerichts vereinbart hatte, wendete nun Un zuständigkeit ein. Jetzt ist es damit abgewiesen worden, wie erst vor wenigen Tagen vom Danziger Korridor- Schiedsgericht mit seinem Ansprruch, den Durchgangsgüterverkehr Deutschland- Baltikum zu kontrollieren, zu unterbinden, d. h. zu Polnischer Kriegshafenbau. schikanieren. Rafa, 25. Auguft.( Mtb.) Ilustrowany Kurjer Codzienny" („ Der tägliche illustr. Kurier") schreibt, daß der Ausbau des Gdinger Hafens von Standalen stroke. Gdingens Wasserturm sei immer noch ohne Wasser, und die aus deutscher Zeit an Ordnung gewöhnten Kafsuben seien daher empört. Der Grundstein zum Bahnhof sei schon 1923 gelegt, und erst jetzt sei er Zu allem bereit... Sogar zur Unterzeichnung des freiwilligen Verzichts. Die Richtlinien für die Behandlung des Sicherungsproblems, die der deutschnationalen Bresse von ihrer Parteis leitung vorsorglich zugestellt worden sind, üben schon ihre Wirkung aus. Sogar die Deutsche Zeitung", die sonst die ,, völkischen Belange" gegen deutschnationale Taktik zu vertreten hatte, ist schon firre gemacht worden. Sie vermag zwischen der Erklärung der Westarp und Schiele in der Sigung der Landesverbände am 27. Juni und der Rede Bestarps im Reichstag am 22. Juli feinen nennenswerten Unterschied zu finden. Denn, so versichert sie ernsthaft, die Gerechitgfeit erfordert festzustellen, daß zwischen dem 27. Juni und dem 22. Juli vier Wochen liegen"! Und vier Wochen lang so ist die stillschweigende Folgerung, fann doch unmöglich ein deutschnationales Versprechen gehalten werden! Um die Sache ganz verständlich zu machen, versichert die ,, Deutsche Zeitung", die Sozialdemokratie habe doch auch den Bertrag von Versailles bekämpft und ihn trotzdem unterschrieben. Das gleiche Recht müsse die Deutschnationale Partei für sich in Anspruch nehmen.... Die Deutschnationalen sind also schon so weit, daß sie den freiwilligen Verzicht auf Elsaß- Lothringen und Eupen- Malmedy unterzeichnen wollen, nachdem die Sozial. demokratie wegen ihrer erzwungenen Unterschrift durch lange Jahre auf das Schamloseste verleumdet worden ist, nachdem die durch solche Berleumdungen aufgeftachelten völlifchen Jünglinge Erzberger gefilled" und Rathenau er mordet haben, nachdem ihr Attentat auf Scheidemann nur durch einen Susall ohne Erfolg blieb! Jetzt wollen die Deutschnationalen freiwillig leiften, was gezwungen geleistet zu haben sie der Sozialdemokratie als todwürdiges Verbrechen angetreidet hatten. Aber leisten werden sie, froß der Bersprechungen, die der Landesorganifation gegeben wurden! unter Dach gebracht, und zwar mache er den Eindrud einer großen Scheune. Das habe jogar der Eisenbahnminister Tiszta zu geben müssen. Daher sei es jetzt notwendig geworden, daß man Umbau vornimmt. Im übrigen sei der Bahnhof überhaupt zu das Dach des Bahnhofs wieder herunterreißt und einen flein für Gdingen. Als besonderes Ruriofum bezeichnet das Blatt die Tatsache, daß man nach Orhöft eine Chauffee gebaut habe, wobei man jedoch das Hafenbeden, das noch weiter aus gebaut werden sollte, vergaß, so daß man jetzt die Chauffee wieder aufreiße. Das Blatt schreibt wörtlich:„ Unsere un fähige Protektionswirtschaft hat nur riesige Ausgaben verursacht. 3war gab es mehrere Bauleiter, aber feiner war seiner Aufgabe gewachsen, teiner wußte, welche Kredite für den Bau in Ausficht gestellt waren und welche Summen bereits verausgabt waren. Was sagt Warschau dazu? Was schreibt denn Warschau soviel von ber übermäßigen Arbeit an dem musterhaften Ausbau Gdingens?" Der Saar- Absolutismus. Ein Appell an die Sozialistische Internationale. Saarbrüden, 25. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Sozialdemokratische Partei des Saargebietes hat an den in Marseille tagenden Internationalen Sozialistentongreß folgendes Telegramm gerichtet: " Die Saarländische Sozialdemokratie lenkt die Aufmerksamkeit des Kongresses auf das vom Böllerbund verwaltete Saargebiet. Hier herrscht ein von der Regierungstommiffion im Einvernehmen mit dem Völkerbund verordnetes Bahlrecht, das einem großen Teil der Bevölkerung die Wählbarkeit zum Saarparlament vorent hält. Das Parlamentswahlrecht ist zu einem Privileg der im Saargebiet Geborenen geworden. Der Landesrat( Saarparlament) hat nur das Recht der Begutachtung. Die Abgeordneten genießen teine 3mmunität. Wir bitten den Kongreß, eine Delegation Gaargebiet zu lenken und dahin zu wirken, daß diesem einzigen zu beauftragen, in allen Ländern die Aufmerksamkeit auf das Berwaltungsgebiet des Völkerbundes ein wirkliches de motra. tisches Regime gegeben wird." Zeitungsverbot. Saarbrüden, 25. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierungskommiffion hat das völkische Revolverblättchen Der Saar deutsche für einen Monat verboten wegen Verleun: tung der Regierung und Berhetzung der Bevölkerung. Donnerstag früh veröffentlicht wird. Ferner wird darauf hingewiesen, daß Frankreich es im Gegensatz zu dem in Deutsch land aufgetretenen Bestreben, die Verhandlungen möglichst zu be fchleunigen, nicht für ratiam erachte, das Sicherheitsproblem bereits bei der kommenden Böllerbundstagung in Genf zur Er örterung zu bringen. Die Proklamation. Wie die Regierung den Preisabbau machen will. Die Reichsregierung hat der Bresse eine Reihe von Mitteilungen über ihre beabsichtigte Preissenfung gemacht. Wie unseren Lesern schon bekannt ist, geht der Plan in seinen großen Zügen dahin, die Wirkung der Herabseßung der Umsatzsteuer auf das Breisniveau herbeizuführen und obendrein zu verhindern, daß die Preise sich ganz und gar auf das hohe Niveau der hohen autonomen Zölle einstellen, zumal diese durch, die Handelsverträge wieder abgebaut werden sollen. Die bisherigen Beschlüsse des Kabinetts sollen nun durch verschärfte Anwendung der bereits bestehenden Kartellverordnung bewirken, daß die Ueberbleibsel der Inflation aus den Preis, Lieferungs- und Zahlungsbedin gungen der Kartelle beseitigt werden. So erwünscht ein derartiges Vorgehen ist, so wenig wird es geeignet sein, eine Preissenkung herbeizuführen, im besten Falle wird erreicht werden, daß die Preise nicht noch weit stärker anziehen, als es ohnehin durch die Zollvorlage gegeben ist. Sehr viel Birkung scheint man allerdings in Regierungsfreisen von der psychologischen Wirkung solcher Maßnahmen auf die Kartelle und auf die Käufer zu erwarten. Es wäre ja beffer, wenn man die Wirtschaft nicht mit Psychologie, sondern mit wirtschaftspolitischen Methoden behandeln würde. soweit man sehen kann, zu der Preissenfungsaktion vollkommen Das Reichsernährungsministerium verhält sich, soweit man sehen fann, zu der Preissenfungsattion vollkommen passiv. Dieses Amt konnte bisher noch feine Mitteilungen über positive Schritte zur Breissenkung machen. Schon daran müßte der bombastisch angekündigte Preisabbau scheitern. Das Berhalten des Ernährungsministeriums ist aber durchaus erflärlich, da ja dieses Amt sich am stärksten für die 3 ölle eingesetzt hat, ein wirksamer Preisabbau ohne Zoll aber unmöglich ist. Man fann nicht gleichzeitig die fremde Konkurrenz fernhalten und die inländtParis, 25. August.( Eigener Drahtbericht.) Bon zuständiger ichen Preise senten. So wird der ganze Blan in sich zusammenStelle in Paris wird bestätigt, daß die franzöfifche Note anbrechen müssen wegen der rein politisch- landbündlerischen Einstellung Deutschland am Mittwoch abend der Presse mitgeteilt und des Ernährungsministeriums. Früherer Notenabdruck. Schon Donnerstag. 1 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonta: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten and Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3. Zentrumskrise. Einberufung eines Zentrumsparteitages gefordert. Die Folgen der Zollwucherpolitik der Mehrheitsparteien des Reichstags treten zutage: wirtschaftlich und politisch. Die Teuerung fteigt. Sie beunruhigt nicht nur die Massen des Volfes, deren Einkommen und Lebenshaltung fie verkürzt, sondern auch die Bäter der hohen Preise. Die Regierung Preisniveaus in Deutschland abzielte, fühlt sich durch das rasche Luther, deren Wirtschaftspolitik auf die Erhöhung des Tempo der Teuerung bedroht. Sie fürchtet die psychologische Rückwirkung der wachsenden Teuerung, und hat deshalb eine Ablenkungsaktion eingeleitet. Sie ruft zum Rampf gegen die Teuerung, und es ist eine auffällige Erscheinung, daß es gerade die Presse der Mehrheitsparteien des Reichstags, und darunter gerade die Brotwucherpresse vom Schlage der Hugenberg- Zeitungen ist, die am lautesten und sensationellsten die Preissenkungsaktion der Reichsregierung anpreist. mit aller Schärfe betont werden: Die Leuerungswelle, die wir Gegenüber diesem politischen Ablenkungsmanöver mu erleben, ist nicht die Wirkung unerkannter und unbeeinflußbarer wirtschaftlicher Ursachen, die automatisch wirken. Sie ist feine Elementarerscheinung, die man wie ein Schicksal hinnehmen müßte. Diese Teuerung ist bewußt und fünftlich herbeigeführt. Es ist eine gewollte Teuerung. Sie ist die Folge der Zoll- und Wirtschaftspolitik der Rechtsregierung. Die Aktion dieser Regierung gegen die Teuerung soll von den wahren Ursachen und der Frage der Berantwortung ablenten. Ihr 3wed ist in erster Linie nicht ein wirtschaftlicher, sondern ein politischer. Sie soll den Barteien, die die Berantwortung für die verfehlte Zoll- und Birtfchaftspolitik tragen, die Ueberwindung der Empörung der betroffenen Boltsmaffen erleichtern. Die Absichten der Reichsregierung, mit ihrer Preisfenfungsaktion von der Frage der Verantwortung der Mehrheitsparteien abzulenten, find jedoch heute schon gescheitert. Der Austritt Wirths aus der Reichstagsfraktion des drohende wirtschaftliche Situation aufgerollt. Der Streit der Zentrums hat die Frage nach der Verantwortung für die Gegensäge in der Zentrumspartei wird offen. Ist die Teuerung die unmittelbare wirtschaftliche Folge der Zollpolitik der Mehrheitsparteien des Reichstags, so ist die Erschütte= rung des Gefüges der Zentrumspartei die unmittelbare politische Folge. Das Zentrum hat sich nicht ungestraft zum Bundesgenossen der Brotwucherer gemacht und nicht ungestraft aftip an der Vergewaltigung der parlamentarischen Minderheit teilgenommen. Es bezahlt seine Schwenfung ins Lager der agrarischen und großkapitalistischen Intereffenpolitiker mit dem Berlufte der inneren Geschlossenheit. Die Frage nach der Verantwortung wird nicht nur im Kampfe der Opposition gegen die Mehrheitsparteien des Reichstages aufgeworfen, sie wird innerhalb der Zentrumspartei selbst aus getragen. Das Echo, das der Austritt Wirths hervorgerufen hat, zeigt, wie tiefgehend die Meinungsverschiedenheiten im Zentrum find, und wie groß die Spannungen zwischen den miteinander ringenden Kräften. Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, Herr Fehrenbach, hat als Antwort auf das Austrittsschreiben Wirths an die Fraktionsmitglieder und die prominenten Zentrumsführer im Lande ein Schreiben gerichtet, das eine Verteidigungsschrift für den Rechtsturs im Zentrum ift. Dies Schreiben fagt mehr, als es vielleicht sagen wollte. Soweit es persönliche Verteidigung des Frattionsvorsitzenden des Zentrums ist, zeugt es von grotester Kurzsichtigkeit gegenüber den Wirkun gen der Zollvorlage. Herr Fehrenbach verteidigt seine aktive Teilnahme an der Vergewaltigung der Minderheit mit dem Argument, daß die Mehrheit des Reichstages nicht über den 17. August hinaus zusammenzuhalten gewesen wäre. Er denkt nur an eine taftisch parlamentarische Situation, wo es in Wahrheit darum ging, die Politit der gewollten Teuerung zu verhindern. Soweit es sich in dem Schreiben Fehrenbach s um die Verteidigung der Zentrumspolitik handelt, vertritt er eine formal- politische Auffaffung, die die Frage nach dem fozialen Inhalt der Zentrumspolitit völlig außer acht läßt. Er schreibt als Antwort auf den Austritt Wirths: „ Dieser tief bedauerliche Schritt mar vorauszusehen; er war von Herrn Wirth in der Fraktion im Verlaufe des letzten Jahres drei oder viermal angekündigt worden. Eine so inten= five 3usammenarbeit mit der Rechten, wie sie die großen Gefeßgebungswerte: Aufwertung, Steuer und 3 o11 erforderten, war für ihn, der von der Rechten so ungerecht und maßlos angegriffen worden war, untragbar. Die Frattion ist bei der Bildung des Kabinetts Luther den Weg der Zu sammenarbeit mit der Rechten gegangen und mußte ihn gehen, nachdem die Wahlen deren Reihen verstärkt hatten und nachdem die Deutsche Volkspartei sich einer Mitarbeit in der bisherigen Arbeitsgemeinschaft entzogen hatte.. ,, Ein Beharren in der Berbindung mit der Linten hätte dem Zentrum auch die größten Gefahren gebracht. Sie wurde felbft in den Zeiten nach dem Umfturz, wo fie Im Interesse des Vaterlandes bei der negierenden Haltung der Rechten eine absolute Notwendigkeit war, von vielen sogenannten Intellet- tuellen nicht'verstanden und angefeindet. Ein Festlegen nach der linken Seite auch bei veränderten Verhältnissen hätte eine wettere E n t s r e.m d u n g zur Folge gehabt." „Ich resümiere: Die politische Haltung der Zsntrmmfraktion war korrekt, entsprach den Traditionen der Zentrumspartei, dieslchnienacheinerb.estimmtenRichtungfürimmer f e st l e g e n l i eß. und hat in den drei großen Gesetzgebungswertcn bei allen ihnen anhaftenden Mängeln eine verdienstvolle Arbeit geleistet und hat ihre Ideen in gewissem Umfange in dieselben hin- einzuarbeiten verstanden." Diese Antwort zeichnet mit großer Schärfe den politischen Riß, der durch das Zentrum geht. Auf der einen Seite die firäfte, denen die Zusammenarbeit mit der Linken nicht nur das Ergebnis einer vorübergehenden Konstellation, sondern ein Ausfluß demokratischer und sozialer G e- s i n n u n g ist, auf der anderen Seite jene formale politische Tradition, deren politisches A und O die Behauptung der politischen Mittelstellung des Zentrums ist, und die aus Furcht vor einer dauernden Linksorientierung sich der Rechten in die Arme geworfen haben. Allein.diese Gegensätzlichkeit genügt noch nicht, um die schwere Krise zu verstehen, in der das Zentrum sich befindet. Herr Fehrenbach möchte die Haltung W i r t h s als politisches Ressentiment aus der Zeit seines Kampfes gegen die Mordpropaganda der extremen Rechten erklären. Aber es handelt sich nicht um Ressentiment, und auch nicht um poli- tische Formalien: es handelt sich ganz einfach darum, daß in der Zentrumspartei die G r o ß i n d u st r i e l l e n und die Großagrarier die Führung an sich gerissen haben, daß die Zentrumspartci die Interessen ihrer Arbeiterwähler den Interessen des Großbesitzes geopfert hat. Es handelt sich darum, daß unter dieser Führung das Zentrum die Verant- wortung für die unsoziale Politik der Rechtsparteien mit über- nommen hat, als deren erstes Ergebnis wir die Teuerung erleben. Herr Fehrenbach unterstreicht diese Verantwor- tung noch einmal und verteidigt diese Haltung: Herr Wirth ist um dieser Haltung willen aus der Rcichstagsfraktion des Zentrums ausgeschieden. Es ist die soziale Spannung zwischen den Arbeitern, den kleinen Leuten, den Massen der Vcr- braucher in den Reihen des Zentrums und den Großinter- essenten, die die Schärfe des inneren Kampfes in der Zentrumspartei erklärt. Der Streit geht im Zentrum nicht nur um die formelle politische Orientierung, es steht Interesse f legen Interesse. Es scheint, daß die Grundlage einer gemein- amen Gesinnung, die politisch den Interessengegensatz über- Krücken könnte, in dem Augenblick zusammengebrochen ist, als das Interesse des Eroßbesitzes sich entscheidend in den Border- grund geschoben hat. Die Krise von heute erschüttert das innere Gefüge der Zentrumspartei. Für eine Partei, die um der Verschieden- h�it der sozialen Zugehörigkeit ihrer Anhänger willen die Taktik des Laoierens zwischen den großen sozialen Gegensätzen zum Prinzip erhoben hat, muß eine entschiedene Stellung- nähme zu einer sozial so einschneidenden und nach so einseiti- gen Interessen orientierten Wirtschaftspolitik, wie es die Po- litik der gewollten Teuerung der Rechtsparteien ist, von er- schüttternder und nachhaltigerer Wirkung sein als selbst eine Entscheidung für die Rechte im Kampf um Preußen. Eine Krise mit solchem Ausgangspunkt kann zu einer Probe auf die Existenzfähigkeit des Zentrums werden. Wir glauben, daß auch die Männer des rechten Zentrums sich darüber klar find. Es war Herr Stegerwald, und mir unterstreichen den Zusammenhang noch einmal, der als erster nach der Ablenrungsaktio.n gegen die Teuerung gerufen hat— ein Versuch, durch Ablenkung über die großen Gegensätze hinwegzukommen. Aber es scheint, daß der Kampf im Zentrum schon so offen und so scharf ge- führt wird, daß eine Ablenkung nichts mehr fruchtet. Die „Germania" fordert den Austrag der Gegensätze auf einem außerordentlichen Parteitag des Zentrums: .............................. w«!— Die Kuh Ses kaiserlichen Hauses. Im Archiv einer russischen Behörde wnrde folgendes Dokument gefunden, das hier wörtlich wiedergegeben wird: Chef des Zioilkabinetts Ihrer Majestät, der Kaiserin Zarin Alexandra Fjodorowna, Sekretär Ihrer Majestät und Verwalter der Angelegenheiten der Allerhöchsten Kinder Ihrer Kaiserlichen Majestäten. 7. April 1912, Nr. 3113, Petersburg, Winterpalais. An S. Hochwohlgeboren A. I. Dubrowin. Sehr geehrter Herr Alexander Iwanowitschl Ihre Majestät, die Kaiserin Zarin Alexandra Fjodorowna geruhten nach alleruntertänigster Unterbreitung Ihres Gesuche», daß den MitgNedern der Iaroslawer Sektion des„Russischen Volksbundes" gestattet werde, für die Allerhöchsten Töchter Ihrer Majestäten eine Kuh anherzusenden, gnädigst zu befehlen, den Miialiedern genannter Sektion im Namen Ihrer Majestät auf- richtigsten Dank auszusprechen für ihre Absicht, Ihren Kaiserlichen Majestäten«ine Kuh zu senden, welch selbe Ihre Majestät gnädigst anzunehmen belieben. Ich habe die Ehre, Sie ergebenst zu er- suchen, diesen Befehl der Kaiserin den Mitgliedern genannter Settisn zur Kenntnis m bringen. Zugteich habe ich die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß diese Kuh— wie das auch bei der im verflossenen Jahre Seiner Kaiserlichen Majestät, dem Thronfolger Zejarewitsch dar- gebrachten Kuh der Fall war— vor der Anhersendung selbiger zu ihrer Allerhöchsten Bestimmung einer gründlichen tierärztlichen Unterstichung zu unterziehen und das Resultat dieser dem Vorstand der Schloßoerwaltung von Zarskoje Selo, Generalmajor Peschkow, mitzuteilen ist, von dem Sie dann Mitteilung über Zeitpunkt und Art der Zustellung der Kuh erhalten werden. Ich habe die Ehre, Sie ergebenst zu ersuchen, vor der Ab- sendung der Kuh mir und Generalmajor Peschkow von ihren Qualitäten, ihrer Herkunft und auch darüber Mitteilung zu machen, in wessen Begleitung die Kuh hergeschickt werden wird. Nehmen Sie die Versicherung meiner usw. usw. gez. Graf Rostowzew. Doktor Dubrowin antwortete dem„Sekretär Ihrer Majestät", daß die Kuh von einem Edelmann erworben wurde und am 22. April mit Schnellzug in Begleitung von drei würdigen, treuen kaiserlichen Untertanen zugestellt werden würde. Die Erkundigungen, die der vorsichtige Graf Rostowzew bei dem Iaroslawer Gendarmerieoberst einzog, ergaben, daß über die Personen, die die Kuh ihrer allerhöchsten Bestimmung zuführen sollten, nichts Nachteiliges bekannt sei und keinerlei Ver- dacht gegen sie bestehe. Doch sei einer von ihnen in den Listen der örtlichen Epavchialverwaltung als uneheliches Kind eingetragen. Da wurde der Sekretär Ihrer Kaiserlichen Majestät stutzig: ist eine solche lasterhaste,„außerhalb des Gesetzes" geborene Persönlich- keit überhaupt würdig, die Schwelle der Zarenresidenz zu betreten. und würde dadurch nicht die unantastbare Reinheit des Monarchen beschmutzt werden? Er richtete aus diesem Anlaß au den Regierung»- „Die Vorgänge in der Zentrumspartei, die zahlreichen Auseinandersetzungen grundsätzlicher und prak- tisch- politischer Art in der Zentrumspreise haben inzwischen eine solche Spannung erfahren, daß die E i n b e- rufung eines außerordentlichen Parteitages unseres Erachtens nicht mehr zu umgehen ist. Es muß festgestellt werden, ob di« Zentrumspartei in den aktuellen Fragen der deutschen Politik wieder zu einer einheitlichen Willenskundgebung kommen kann: es muß auch mit aller Offenheit und Rück- Haltlosigkeit und auch mit der sachlichen Nüchternheit, die allein verlorene» Vertrauen wiederge- Winnen kann, untersucht werden, ob die Haltung der Zen- t r u m s f r a k t i o n in den letzten Monaten das Vertrauen der Zentrumswählerschaft besitzt oder nicht. Ge- wiß gibt es Zahlreiche, die von solcher Aussprache nicht mehr viel erwarten und denen, wie man es mitunter bedauernd aussprechen hört, die bei solchen Veranstaltungen nur zu gern angewandten Regiekünste geschickter Taktiker unangenehm sind. Aber das darf nicht hindern, jenen ordnungsgemäßen Weg zu versuchen, um die verlorene Einheitlichkeit und Zielfestigkeit des Parteiwillens zurück- Zugewinnen. Wir möchten glauben, daß dem Gros der Reichstags- fraktion einerseits und Dr. Wirth andererseits nichts erwünschter sein könnte, als eine Vertretung ihrer Auffassungen vor dieser jetzt allein zuständigen Versammlung, auf deren guten Ausgang wir alles Vertrauen setzen." Diesmal geht die Krise im Zentrum um die Frage der Verantwortung für Rechtskurs, verfehlte Wirtschaftspolitik und Teuerung. Mag diese Krise enden wie sie will— es liegt im Wesen dieses Parteigebildes, daß sie, solange es in der heutigen Form existiert, wiederkehren muß, so oft das Zentrum gezwungen ist. im Kampf um den sozialen Inhalt der deutschen Politik eindeutig Stellung zu nehmen. vie Spaltung in den Winöthorft-öünöen. Die„Germania" veröffentlicht eine Zuschrift des Vorsitzenden der Berliner Windthorstbiinde, die es aufs schärfste mißbilligt, daß Teilnehmer der Sitzung dem„Vorwärts" einen Bericht gegeben haben. Im übrigen bestätigt diese Zuschrift die Tatsache, daß verschieden« Teilnehmer, darunter zwei Vorstandsmit- g l i s d e r, die ihr Amt niederlegten, erklärten, nicht weiter tn der Organisation mitarbeiten zu können. Sanken unü Preisabbau. Ei« Vorstost gegen den Reichsarbeitsminister. Mitten in den allgemeinen Ankündigungen der Reichs- regierung, daß man einen Preisabbau machen wolle, platzt eine interessante Auseinandersetzung zwischen dem Zentral» verband des deutschen Bank- und Bankiergewer» b e s und dem Reichsarbeitsminister Brauns. Letzterer hatte in einer Rede vor den Christlichen Metallarbeitern u. a. ausgeführt: „Wenn die Banken dieses Ziel(die Behauptung ihrer Festigkeit) zu erreichen suchen, indem sie einseitig auf dem Boden von Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt und auf dem Boden r ü ck s i ch t s- lose st er Ausnutzung ihrer Monopol st«llung vor- gehen, so ist das wirtschaftlich, sozialpolitisch und allgemein politisch unerträglich. Obwohl die monopolistische Zinsbildung der Danken eine ganz unbestreitbare und auch von Wissenschaftern wie Prof. Beckmann festgestellte Tatsache ist, geriet der Zentraloer- band über die Aeußerung des Reichsarbeitsministers Brauns in helle Empörung. Er bezeichnet diese Fest- stellungen als eine Kampfansage. Sie sei falsch, denn einmal seien es nicht die privaten, sondern die ö f f e n t l i ch e n Banken, di« hohe Zinsgewinne nähmen. Bisher freilich wußte man nur, daß die Reichsbank für ihre Wechsel-Kredite 9 Proz. nimmt, während keine Privatbank zu einem ähnlichen Zinsfuß Geld ausleiht. Schließlich gibt der Zentralverband zu, daß auch feine Banken hohe Zinsen nehmen. Aber sie tun das„nur", weil ihnen die Gewinne aus dem Emissions- fenat eine Anfrage, ob nicht unehelich Geborene hin- sichtlich des Zutrittes ins Palais mit Juden gleich zu st eilen seien. Der Senat antwortete in vertrau- licher Mitteilung, daß die Reichsgesetze hierüber keine bestimmten Angaben enthielten, und daß im Einzelfalle festgestellt werden müsse, ob betreffender Bittsteller als Kind die orthodoxe Taufe und in den letzten fünf Jahren das heilige Abendmahl empfangen habe. Das beste ober sei, die Entscheidung der Frage dem tcuserlichcn Ermessen zu überlassen.— Schließlich kam Rostowzew der glückliche Gedanke, den unehelichen Bundesgenossen durch«inen„im Gesetze" geborenen zu ersetzen. Doch nun rebellierte der erster« und richtete an Dubrowin folgenden Brief: „Ich bin tief gekränkt, daß man mich von der Kuh entfernen will. Ich kann doch nichts dafür, daß ich von einer Jung- frau geboren bin. Dagegen wird Ihnen bekannt sein, daß ich seit 1995 unter Lebensgefahr an elf Pogromen teilnahm und sogar speziell zu nationalen Zwecken nach Odessa, Minsk, Berditschew, Tschernigow usw. abkommandiert wurde, im Besitze einer Medaille„für eifrigen Dienst" und Ehrenbürger bin...." Die nationalen Verdienste des Ehrenbürgers wurden vom Grafen Rostowzew selbstverständlich der nötigen Aufmerksamkeit ge- würdigt, er wandte sich«in zweites Mal an den Senat, der es nicht unterließ,„entsprechende Anordnungen zu treffen". Der Ehrenbürger geleitete die Kuh ins Palais. In der hierbei der Kaiserin überreichten Bittschrift wurde Ihre Majestät gebeten, dieses Präsent von dem sie restlos liebenden Volke in Empfang zu nehmen. Der Ehrenbürger erhielt ein Dankesschreiben und fünf Rubel aus den Händen der Kaiserin, was aber das Volk anbelangt — nun, das Volk hat ja, wie bekannt, seine restlose Liebe für den Thron bewiesen und Im Jahre 1917 den letzten Punkt unter diese Geschichte gesetzt._ Mitkelalkerllcher Sleinfund in der Weser. Daß auf dem Meeresgrund so mancher kostbare Schatz im Rumpf gesunkener Schiffe ruht, ist allgemein bekannt. Daß aber nach Hunderten von Jahren in deiji Bett eines Flußarmes ein ganzes Schiff mit ge- wastigen Quadersteinen gefunden wird, dürfte einzigartig dastehen. In einem jetzt.toten Arme der Weser in der Nähe der Stadt Verden waren im Sommer 1923 bei der Kiesentna.hme deutlich die Umrisse eines alten Lastsckiifies zutage getreten, das etwa 15 bis 16 Meter lang und etwa 3 Meter breit mit mächtigen Sandsteinquadern be- laden war. Durch Hochwasser der Weser ist das Schiff dann wieder „versunken", und in diesem Jahre ist infolge des niedrigen Wasser- standes der Weser dos Schiff bei der Kiesentnahme soweit frei gelegt worden,, daß durch die Studienkommission des Verdener Heimatbundes'bereits mehrere der mächtigen aus Obernkirchencr Sandstein bestehenden Quadern aus dem Schiff geborgen werden konnten. Die Steine sind äußerst sauber bearbeitet und mit ver- schiedenen Steinmetzabzeichen versehen. Die Ladung des gesunkenen Schiffes muß entweder für Bremen oder Verden bestimmt gewesen sein. Mutmaßlich ist das Schiff mit seiner Ladung vor etwa 459 Jahren gesunken. Die größte?ost der welk wird zu Anfang des nächsten Jahres in London eröffnet werden. Es ist das gewaltige Postgebäude von Mount Pleassant, das jetzt seiner Vollendung entgegen geht. und Effektengeschäft fehlen, und um nicht von den gestiegenen Steuern und Unkosten aufgefressen zu werden. Diese Logik ist zwar seltsam. Denn wenn jeder Berufs- stand so verfahren wollte, den verringerten Umsatz durch erhöhten Nutzen„auszugleichen", so könnte unsere Industrie bald ihre Betriebe zumachen. Dann wäre ein Preisab- bau überhaupt ausgeschlossen. Daß die Banken sich— wenn auch etwas widerwillig— zu diesem Prinzip bekennen, zeigt nur, daß sie nicht beabsichtigen, auf ihre Gewinne zu verzichten oder ihre Betriebe auf die ver- ringerten Umsätze umzustellen. Und sie können sogar gute Gründe für ihr Geschäftsprinzip geltend machen. Denn wer wollte ihnen verdenken, daß sie das ihnen durch die heutige Lage des Geldmarktes gegebene natürliche Mo- nopol ungenützt lassen, wenn die Reichsregierung mit dem Zollgesetz weiten Kreisen der Industrie und der Landwirtschaft sogar künstlich eine Monopolstellung schafft? Jedenfalls ist der Angriff der Bonken gegen den Reichs- arbeitsminister zugleich eine Antwort cm die Regierung Luther, die jetzt die Preisabbauparole ausgegeben hat. Hier ist die erste große Erwerbsgruppe, die auf eine sachliche Fest- stellung mst lautem Protest antwortet. Wir werden das noch öfter erleben. Und das ist nicht zu verwundern. Denn die ganze„Aktion" trägt so sehr den Stempel der inneren Unwahrhaftigkeit cm sich, daß sie von den wenigsten Geschäfts- leuten ernst genommen werden wird. Deutschnationales Warenhaus. Waffen-Preiskurant für nationale Verbände. Ein tüchtiger Geschäftsmann weiß sich der Konjunk- tur anzupassen und seine Kunden zu beliefern, so toll ihre Ansprüche auch geworden sind. Nach dem Aschenbecher aus dem Granat- zünder und dem Führungsring als Damenarmband, nach diesen sinnigen Produkten einer geschäftstüchtigen.Kriegs".Jndustr!e ist durch die„völkische Welle" eine Bedarfsartikel- Jndu- strie für den„Bürgerkrieg" befruchtet worden. Wenigstens weist der Preiskurant der offiziellen Liefer st elle nationaler Verbände", Heimschutz-Lieserungsgcsellschast m. b. H., Berlin SW 68, Charlottenstraß« 18, auf derartige Aspirationen der deutschnationalen Jugend hin. Doch Geschäft sst Geschäft und die Aufmachung der„völkischen Preisliste" muß dem Geschmack des Kunden Rechnung tragen! Auf der Titelseite des Preiskurants prangt ein mächtiges eisernes Kreuz, in dem die Firma im Kleindruck versichert, daß sie „nur gute Qualitäten in guter Verarbeitung" zu liefern gedenke, und zwar an ihren hochverehrten Kundenkreis: Stahlhelm, Wer- wolf, Iungdo, Landbund, Wiking. Jungdeutschlandbund, Iungsturm, Bismarckjugend und Kysshäuserbund. Und dann folgt die Preisliste. Zuerst harmlos und auf da» Soldatenspielen berechnet: Iungdeutschlandstiefel. rühmlichst bekannte Qualitätsarbeit, wasserdicht, in schwarz oder braun, 18 Mk., Iagdrucksäcke mit Gummieinlage(für militärische Säuglinge?) 12 Mk., Militärtrinkbecher 79 Pf. Doch schon wird man deutlicher:.Lederknüttel mit Blei- köpf 1,39 Mk.,„Sipostahlruten", bräuniert, 1,69 Mk., Jagd- nicker, feine Stahlklinge mit Lederscheide, extra Qualität, 6 Mk„ Pionteräxte, neu(für Fememörder und Angerstein-Schwär- mer?), 119 Zentimeter lang. 3,59 Mk. Dann(für Rathenau-Mörder und Dersammlungssprenger?) „Selbstladepistolen", Mauser, Sauer, Walther, Modell IV», DWM., 9 Schuß, 49 Mk., sowie„Leichte Kara- b i n e r", mit tadelloser Schußleistung und gezogenem Lauf (?), Geco Rr. 19, Luxusausführung, 25 Mk. Für wessen Knochen und Weichteile sind diese„vaterländischen" Schlag- und Schußwaffen? Für den„äußeren Feind" reicht's sicher nicht ganz zu mit der Geco-Sportbüchfe und der Pionieraxt und der Sipostahlrute? Oder sollten die Verzicht- ler um Stresemann und Schiele, die Verantwortlichen für den„fluchwürdigen Sicherheitspakt" mit dem.Wischstrick" zu 15 Pf. und dem preiswerten„Waffenöl", das Pfund zu einer Mark, ausgewischt und eingeölt werden? Die Bauten umfassen einen Raum von 659 Ar: sie sind mit allen neuesten Vorrichtungen ausgerüstet, und von ihnen führt ein Röhrensystem zu der neuen elektrischen Rohrpost, die 89 Fuß unter der Erde läuft. Mit dieser Rohrpost werden nur Pakete und Briese befördert, und zwar ist ein Zwei-Minuten-Dienst gevlant, durch den die Postsachen in der kürzesten Zell nach den Londoner Hauptpostämiern und den Bahnstationen gebracht werden. Man hofft, durch die Verwendung der neuen Rohrpost den Straßenverkehr von zahlreichen Postgefährten zu entlasten. Diese größte Post der Welt wird imstande sein, im Jahre 1 Milliarde Briefe und 69 Millionen Pakete zu befördern. Spahllngers Tuberkuloseserum. Prof. Henry Spahlinger von der Universität Genf hat bereits vor längerer Zeit ein Serum er» funden, das angeblich geeignet ist, selbst in vorgeschrittenen Fallen von Tuberkulose außerordentlich günstige Heilwirkungen zu erzielen. Einwandfrei erprobt konnte das Mittel bisher allerdings noch nicht werden, da Prof. Spahlinger aus Furcht, daß ihm seine Idee ge- stöhlen werden könnte, die Zusammensetzung des Mittels nicht bc- kanntgeben will, während andererseits die Aerzte, an die er sich zwecks Nachprüfung der Heilwirkung des Serums gewandt hat, den Standpunkt einnehmen müssen, das Serum, solange es von Professor Spahlinger als Geheimmittel beachtet wird, von vornherein abzu- lehnen Einen anderen Standpunkt kann und darf ein gewissen- hafter Arzt nicht einnehmen, denn es geht natürlich nichl an. bei der Behandlung von Kranken Mittel zu verwenden, über deren Beschaffenheit und Zussmmensetzung ungenaue oder gar überhaupt keine Angaben vorliegen. Neuerdings sind nun zwischen Professor Spahlinger und dem englischen Gesundheitsministerium VerHand- lungen in Fluß gekommen, die auf amtliche Nachprüfung der Heil- Wirkung des neuen Tuberkuloseserums abzielen. Ob die Verhand- lungen von Erfolg gekrönt sein werden, steht allerdings noch dahin, denn Spahlinger hat auch den Beamten der obersten englischen Medizinalbebörde gegenüber den Schleier de? Gebeimnisses, mit dem er sein Mittel zu umgeben liebt, bisher nicht gelüftet. Ska-tekheater. JmSchausbielhanS am Kendarmenmarlt wirb T i ch e ch o w Z i'ulllpikl„Der Bär- norbrnitet. DleieZ gebt ,u- gleich mit Shaw?„Wrohex Kaldarira" erstmalig In Jzette und ift delehl mit Lucie MannSeim, Max Schreck und Jakob TicMIe. der in de, Rolle de? Smirnoff sein Cngagemcnl an den Slaatpchen Schaufvielbäusern antritt. Regie: Jürgen Fehling. Das Bübnenbild'iir die Reueinkiiidierung von Schillers.Jungfrau von Lrleans- im Staatlichen Schillerthealer am 81. d. M. ftomml von Emil P i r ch a n. Der.Bund freier W«o1chen- veronsialtel eine Reibe von Vortrags- abendcn im Haeckei-Saal de« Prruh. Inslitu!« iür Sexualw.sscnlchasten Bcetbovenstr. 3.«m 29. d. M. liest PaulineNard i'auS Karl Krau»' .Die letzten Tage der Meisschljeil-; am. 4. Sepiemdcr spricht Dr. med. Hans Kraaz über.Aber? tauben und Geichäst in der Medisin": am 14. September spricht Adols«och über.fsreie L ebe odcrAwanasebe?-: am 29. September sprechen E r w i n'L a e s I t q und A d o I s Koch über .Kymnastckshstem oder sreie Kestaliung der Körpcrbildung?-— Tie Vor- träge beginnen um«>/, Ubr abends. Unkotlenbeitrag sür jeden Abend 50 Pf., Jugendliche 40 Pf., Mitglieder de» Bunde» steier Menschen 30 Pf. Pllgerstaüstlk. Aus Mrund der Ausgab« der Eifenbabnbilletts wird die Zahl der in der ersten Hätsle de« Heiligen Jahre» nach Rom Gepilgerten auf über eine halbe Million geschätzt. Internationaler Mchtstunöentampf. Vollsitzung des Marseiller Kongreffes. Marseille. LS. August.(Eigener Drahtbericht.) Die dritte Dollsitzung des Internationalen Sozialistenkongresses gestallete sich zu einem einmütigen Bekenntnis für den Kampf um den Acht- st u n d e n t a g. Die Haltung Deutschlands und Englands zu dieser Frage stand im Mittelpunkt der Beratungen. Auf sie berufen sich alle anderen reaktionären Regierungen, die einer Rati» fikation der Washingtoner Konvention ablehnend gegenüberstehen, und solange diese Staaten nicht ratifizieren, dürfte vorläufig der Achtstundentag nicht überall Wirklichkeit werden. Es ist deshalb zu verstehen, wenn die Vertreter der kleinen Länder insbesondere an die deutsche und englische Arbeiterschaft appellieren, ent- schieden für den Achtstundentag zu kämpfen. Zu Beginn der Sitzung genehmigte der Kongreß den Bericht der Mandatsprüfungskommission, den Cri spien erstattete. Auf Dorschlag Bracke- Frankreich wurde beschlosien, dem russischen Genossen Paul Axelrod in Berlin zum 75. Geburtstag die herz- lichsten Glückwünsche des Kongresses zu übermitteln. Als Referent über die Frage der Arbeitszeit verwies Tom Shaw zunächst darauf,- daß der Achtstundentag bereits im Bersailler Der- trag vorgeschrieben ist. Es ist bezeichnend, daß die Sieger- mächte bis auf das Letzte auf der Durchführung dieses Vertrages bestehen, aber nicht bei dem einzigen Vorteil, den dieser Bertrag den Arbeitern bringt! Die englische Regierung hatte sich erst kürzlich gegenüber der Parlamentsfraktion der Labour Party aus- drückllch geweigert, die Washingtoner Konvention zu ratifizieren, und seitdem sie am Ruder ist, hat das hoffnungsvolle Er- gebnis der Berner Konferenz der Arbeitsmtnister die gegenteilige Auslegung erfahren, von der, die ihr zugedacht war. Shaw betrachtet weiter die internationale Propaganda für den Achtstundentag unter Führung des Internationalen Gewerk- s ch a f t s b u n d e s als die Boraussetzung für das glückliche Ende des großen Kampfes um eine sozial gerechte und gesundheit- lich notwendige Arbeitszeit. Dieser Kampf soll gleichzeitig für die Handelsangestellten, Seeleute und landwirtschaftlichen Arbeiter ge- führt werden, denen bis jetzt aus der Washingtoner Konvention ein Recht auf den Achtstundentag nicht zugesichert ist. Abschließend benutzte Shaw die Gelegenheit, den Führern der internationalen Arbeiterschaft anläßlich seines Abschieds aus dem Sekretariat der Internationale seinen herzlichen Dank für die Ihm zuteil gewordene Unterstützung auszusprechen. Lebhafter Beifall dankte ihm für das, was er für die internationale Arbeiterbewegung als deren Sekretär während zweier Jahr« geleistet hat. Den Ausführungen Shaws schloß sich eine kurze Debatte an, m der Habermann für die tschechoslowakische Delegation ein« inter- nationale Propaganda um die einheitliche Führung des Kampfes um den Achtstundentag für erforderlich erklärte. Besonder« Ach- tung verdienen die Worte des belgischen Gewerkschaftsführers Mertens. Er hält es für erforderlich, schon in der kommenden Woche den Regierungen der einzelnen Länder unter Ausnutzung aller Mittel ihre in Washington eingegangenen Derpflichtungen ins Gedächtnis zurückzurufen. Sein Wunsch ist, daß bereits im No< vcmber die wieder zusammentretenden Parlaments mtt Unter- stützung der Gewerkschaften des betreffenden Landes eine parlamen- tarischs Aktion für die Ratssikation der Washingtoner Konvention einleiten. Er wünscht das, weil sich nach seiner Ansicht die Be- strebung«n großer Länderregierungen, der Arbeiterschaft nicht ohne Zwang die geforderte Arbeitszeit zu gewähren, schließ'ich zu einer Gefahr für die sozialen Gesetze auswirken, wo es selche gibt und wo der Achtstundentag erworben ist. Die Gegenwart bestätige diese Auffassung! Es zeige sich schon heute, daß sich in gewissen Ländern, die den Achtstundentag eingeführt haben, Gegenströmun- gen unter der Begründung geltend machen, daß die angrenzenden Länder immer noch eine längere Arbeitszeit gestatten und infolge- dcssen die Wirtschaft des eigenen Landes b.«droht ist. Auch in Belgien, dessen sozialistischer Arbeitsminister dem Parlament in- zwischen einen Gesetzentwurf zur Ratifikation der Washingtoner Konvention ohne jede Voraussetzung oder Bedingung vorgelegt hat, gehen die reaktionären Arbettgeber mit jenen Argnnienten gegen den Achtstundentag hausieren, wie sie heute z. B. in der Tschecho- slowakci an der Tagesordnung und in Deutschland täglich in jedem A critgeberblatt zu lesen sind. Aus Solidarität gegenüber den Arbeitern, die sich den Acht- stundentag erkämpft haben, will Mertens deshalb eine große inter, parlamentarische Aktion und eine außerparlamentarische Handlung durch die dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossenen sieben Millionen Arbeitnehmer aller Länder eingeleitet wissen. Be- merkenswert war in diesem Zusammenhang die Mitteilung des belgischen Arbeiterführers, daß schon in allernächster Zeit eine Kon- ferenz der Arbeitsininister von England, Deutschland, Frankreich und Belgien, wahrscheinlich in Genf, stattfinden solle. Er forderte aus diesem Grunde die einzelnen Delegationen aus, dafür zu sorgen. daß während dieser Konserenz die Ratifikation nicht noch mehr sa- dotiert werde als bisher schon geschehen. Der eigentlich« Sinn der Besprechungen solle nämlich nicht in einer Vereinbarung zur all. gemeinen Durchführung des Achtstundentages, sondern in der Er- örterung darüber bestehen, wie die Annahm« der Washingtoner Konvention verhindert werden kann. Als Mertens seine Aus- führungen beendet hatte, zollt« ihm der belgische Außen- minister, der am Vormittag in Marseille eingetroffen way lebhaften Beifall. Den Schluß der Tagung bildeten kurze Ausführungen eives polnischen und eines österreichischen Bertreter» rlber den Stand der Arbeiterbewegung in ihren Ländern. Dann wurde die Entschließung über den Achtstundentag einstimmig angenowmeu. Die letzte Plenarsitzung findet am Mittwoch um Z Ahr nachmittags statt. Arbeitslosigkeit unö Sachlelsiuagea. Varls, 25. August.(TU.) Im Songreßausschuß für die Arbeitslosenfrage wandte sich die englische Delegatton gegen die Deutsch- land auferlegten Sachleistungen, Naturalleistungen, die der H a u p t- land auferlegten Sachleistungen, die der Hauptgrund der Ar- beitslosigkeit in England feien. Es wurde ein Antrag des deutschen Delegierten D i ß m a n n» der seststeltt, daß die Arbeitslosigkeit. durch die aus den Verträgen stammenden ungelösten Problems verschärft worden ist. angenommen. West- unö Gstfragen im /tassihuß. V. Seh. Marseille, 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Gestern nachmittag tagte die Kommission für die W e st f r a g«.n. die speziell die Paktfrage behandell. Die Diskussion, an der namentlich Breitscheid, Renaudel, Otto Bauer und Pierard(Belgien) teil- nahmen, hinterließ den Eindruck, daß eine Einigung Verhältnis» mäßig leicht sein dürfte, da di* Engländer fast allein iin kühler Stellungnahme zum Patt bleibest, während die Franzosen und die Deutschen bis auf einige Nuancen miteinander konform gehen. Es wurde eine Untertommission gebildet, die au« den bisherigen Hauptreferenten Buxton, Hilferding, Blum und Hillhuitt. sowie Otto Bauer, Engberg und Renaudel besteht.— Scho/eriger dürste die Einigung in der Ostsragen-Kommission werden, in der die verschiedenen Parteien Rußlands, der Tfchechosltwafei. Polens und des Balkan« auf eine gemeinsame Resolution verpflichtet werden sollen. die Stimmenverteilung. Marseille. 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Nach Beschluß der Exekutive oerteilen sich die 312 Stimmen, auf dem Kongreß folgendermaßen auf die vertretenen Läulder: England 40, Deutschland 4 0, Frankreich 25. Belgken 17, Italien 16, Schweden 13, Dänemark 12, Vereinigte Sfvaten 11, Holland II. Ungarn 10. Die kleinen Länder bzw. Parteien, wo in einem Staat mehrere bestehen(Nachsolgestaaten!) haben je vier, drei, zwei oder auch nur eine Stimme. Internationale öer sozialistischen Lehrer. Brüssel. 26. August.(Eigener Drabtberichu) Der Internationale Kongreß der Lehrergewerkswaiien begann s/ine Arbeit am Diens- tag im Brüsseler BoltshauS. Verlrclen sind Deutschland, Frankreich. England, Deutschösterreich, Italien, Rußland, Jygo- jlawien, Portugal und Belgien. Vor Eiirrrrtt in die Tagesordnung nahm der Kongreß einstimmig eine Sympaihie- Kundgebung sür die streikenden Metallarbeiter und Buchbinder Belgiens und die fraiizönschen Bankangestellten an. Außerdem beschloß der Kongreß, den Streikenden auch maierielle Hilfe anzubieten. die Räumung am Rhein. Ter Sieg der Vernunft. Die Räumung des Sanktionsgebiets von Düsseldorf und Duisburg bedeutet als Einlösung eines dem verftändigungs- bereiten Deutschland gegebenen Versprechens einen moralischen Sieg der Republik. Noch wenige Tage vor dem Abzug der Franzosen und Belgier konnte man in.nationalen' Kreisen mit bangem Hoffen Zweifel über den endgülligen Vollzug des Rück- marsthbesehls aussprechen hören. Wenn man auch die zurückhaltende und beherrschte Haltung der Besatzungstruppen gerade in der aller- letzten Zeit anerkennen muß— als eine Folge der politischen Reu- orientierung Frankreichs vom 11. Mai o. I.—, so ist eben doch ein okkupiertes Land okkupiertes Land, und Kriegsgerichte, Truppenpolizei und militärische Verwallungsmethoden sind wohl nirgends geeignet, den Arbeitssrieden und die Schaffensfreude zu erhöhen, besonders in einem ausgepowerten und seelisch nieder- gedrückten Land. Die Besatzung von Duisburg und Düsseldorf betrug zunächst wenige tausend Mann. Mit der zum Ruhrkrieg führenden zu- nehmenden Spannung wurde sie schließlich auf 20 000— 30 000 Mann erhöht. Die Stadtverwaltungen hatten keine leichte Aufgabe mtt der Unterbringung solcher Truppenmassen auf diesem engen Raum. Anfang 1925 waren z. B. in Düsseldorf noch besetzt: 7 Kasernen, 20 Schulen. 12 Turnhallen, 14 Fa- b r i k e n und eine große Zahl von Gebäuden der städtischen und staatlichen Verwaltung. In 5000 Quartieren und 40 Prioathäusern, die vom Giebel bis zum Keller abgetreten werden mußten, waren die Offiziere, Unteroffiziere und Verwaltungsbeamte unter- gebracht. Als sich die Stadt weigerte, eine neue Kaserne zu bauen, wurde als.Sanktion' die Turnhalle, der Zoologisch« Garten, der Kunstpalast und der größte Test des Regie- rungsgebäudes besetzt. Diese Eingriffe in die Selbstverwaltung der durch Besotzungstruppen belegten rheinländischen Gemeinden stellen zweifellos den dunkelsten Punkt des ganzen Besatzungsregimes dar. Die Handhabe dazu liefert das Rheinlandabkommen, das im An- schluß an das Londoner Abkommen einiger grundlegender Aende- rungen bedurft hätte. Dieses Rheinlandabkommen ist ja seinerzeit abgeschlossen worden unter dem Druck eines übermächtigen Besatzungsheeres mtt den Methoden einer Gewaltpolitik, die heutzu- tage glücklicherweise doch als ein überwundener Standpunkt hinter uns liegt. Dazu besteht das Gremium der Kommission aus einem Franzosen, einem Belgier und einem Engländer, der in allen grundsätzlichen Fragen von seinen beiden Kollegen über- stimmt wttt». Dawes-Abkommen und Sicherheitspart vertragen ein derartiges Instrument, das lediglich auf der Allmacht des .Stadtkommandanten' basiert, nicht mehr. Ebenso wäre die Amuestierung der von den Kriegsgerichten in Düsieldorf und Duisburg Verurteilten als ein Akt der Loyalität und des Der- ständigungswillens von selten der Bevölkerung dankbar empfunden worden. Die Mitnahme dieser Sündenböcke aus der Zett des Ruhr- kämpfe» und der Inflation durch die Truppentelle zeigt aber wieder einmal, wie die große Geste der hohen Politik, die über den Ab- marsch der Truppen entschied, im Stillen sabotiert wird durch den gehässigen Feldwebelgeist der Militärs. Die Räumung Düsieldarfs bedeutet vor allem den Abbau eines ehemals so wichtigen Vorpostens der französischen nationalistischen Offiziersclique, die von hier aus ganz offen gegen den �berkommissar' Ttrard und die Rheinlandkommission konspirierte. Ludendorff, Tirpitz und Bauer in graublauer Uniform am Rhein. Dieselbe Elique, ob sie nun von Osten nach Westen oder von Westen nach Osten über den Rhein hinüberagiert und politisiert! Ihr Werk war die Politik der Reitpeitsche und der.g e- panzerten Faust', mit der der Marschall Degoutte den hohen Zivilbeamten der Rheinlandtommission und der Ministerien in Paris, selbst unter H e r r i o t» Präsidentschaft noch, die eigentliche Gewalt über da» Rheinland entriß— zur höheren Ehre des Hasses zwischen den Nationen und der Verewigung ihres Handwerks. Diese Gespenster sind nun glücklicherweise verslogen von Düsseldorf, dieser mehrjährigen Zentrale einer französischen Haß- polttik am Rhein. Die deutsche Arbeiterschaft hat ollen Grund, sich über das Ende dieser nun glücklich überwundenen Periode am wichtigsten Berkehrspunkt zwischen Ruhr und Rhein zu freuen. Die Proletarier des größten Binnenhafens des Kontinents waren es, die, bodenständig durch ihre Besitzlosigkeit und ihrer Hände Arbeit, die Opfer in erster Linie zu tragen hatten, die jede militärische Besetzung mit sich bringt. Ihre Opferbereit- schaft und ihr stilles Heldentum waren es, die über die undankbare Arbett eines W i r t h und R a t h e n a u, über die Nervenprobe einer vernunftgemäßen Derständigungpolitik hinweg den Tag reifen ließen, der ihnen die Freiheit brachte— auf Grund des sieg- haften Gedankens vom neuen Völkerrecht! Ruprecht in Würzburg. Verlegung der monarchistischen Propaganda nach Nordbayern. München. 26. August(Eigener Drahtbericht). Der ehemalig« bayerische Kronprinz Ruprecht hat seit einiger Zeit den Schauplatz seiner monarchistischen Propagandatätigkeit sür Baherntreue zum angestammten Hause Wittelsbach nach Franken verlegt und läßt sich in dem angestammten Altbayern durch seinen Sohn, den 19jShrigen.Erbprinzen' Albrecht und seinen Bruder Alfons der« treten. In Franken krönt Ruprecht durch sein Erscheinen zahlreiche Krieger- und Schützenfeste und besucht sogar Waisenhäuser, wobei die Waisenlinder vor ihm antreten und die Regierungsbeamten der bayerischen Republik ihn beglückt begrüßen. Um sich dieser Tätig- keit noch bester widmen zu können, will Ruprecht jetzt, wie der .Fränkische Kurier' zu berichten weih, im Winter im Würz- burger Schloß.residieren', das viele Besucher Süddeutschlands als eine der schönsten deutschen Barockbauten kennen. Die Reaktion in Thüringen. Abbau deS Selbstverwaltungsrechts der tScmeiuden. Weimar, 26. August.«Eigener Drahibericht.) Die thüringische Regierung will die.Reform' dex Landesgesctzgebung in ihrem Sinne weiter fortsetzen. Sie wird dem Landtag bei seinem Zu- sammcntritt Gesetzernwürse zu einer S t o a t S v e r w a l tu n g S- o r d n u n g und einer Gemeinde- und Kreisordnung vorlegen. Die vor Monaien erfolgten Abänderungen der Gemeinde- und KreiSordnung beftiedigten die Regierungsparteien keineswegs, man rrägt sich pstlmehr mit der Absicht, die Selbstverwal- tung der thüringischen Gemeinden weiter einzuschränken. Da bisher nichts Nähere» über den neuen Entwurf einer Gemeinde- und KreiSordnung bekannt geworden ist, kann nicht gesagt werden. ob das von den NechtSparieien gewünschte Zweikammersystem in den Gemeinden eingeführt werden soll. 5ri ed«a»miele la Lübeck. Der Senat der Freien Stadt Lübeck hat al» erste« deutsche« Land die Miete ab 1. September aus 100 Proz. FriedenSmiet e festgesetzt. Frankreichs Schulüen. Geringe Aussichten auf Einigung. Paris. 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Die in Paris vor- liegenden Nachrichten über die Londoner Verhandlungen zwischen Caillaux und Churchill zur Regelung der französischen Schulden lassen erkennen, daß die Aussichten auf eine baldige Einigung sehr g e r i n g sind. Nach dem„Paris Soir' ist es wahrscheinlich, daß die beiden Finanzminister sich auf einen Meinungsaustausch beschränken: die endgültige Regelung werde auf später verschoben werden. Das Blatt weist daraus hin, daß die Regelung der französischen Schulden an England eng zusammenhängt mit einem franzostsch-a merikanischen Schuldcnabkommen. Infolge- dessen könne zwischen Frankreich und England keine Abmachung zustandekommen vor einer Regelung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten. Eine in London herausgegebene offizielle Mitteilung stellt fest, daß die Verhandlungen eincn.normalen Verlaus' genommen haben. Di« Hauptfrage sei die Festsetzung der französischen Jahres- Zahlungen sowohl aus den eigenen Mitteln, als auch in der Form der Ueberweisung aus den Eingängen des D a w e s- P l a n e s. England wolle diese Ueberweisungen auf ein Mindestmaß be- schränken, während Frankreich bestrebt sei, die Zahlungen, die das französische Schatzamt zu leisten hatte, so gering wie mög- lich zu gestalten. Die Unterhaltung Caillaux' mit dem Präsidenten der Bank von England, Montague Norman, habe sich auf die Möglichkeit einer Abänderung des zwischen Frankreich und der Bank von England 1923 abgeschlossenen Abkommens über die Rege- lung der sogenannten kommerziellen Schuld bezogen. Die Rückzahlung dieser Schuld von 1300 Millionen Goldfranken wurde in diesem Abkommen auf die Zett von 1924 bis 1930 festgesetzt. Das Bestreben des französischen Finanzministers ginge dahin, die Rück- Zahlung der kommerziellen Schuld auf eine längere Zeitdauer auszudebnen, um auf diese Weise versügbare Mittel zur Rückzahlung der Kriegsschuld zu erhalten. Am Abend: Aussichten gebessert. London, 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Nachdem die Londoner Presse zu Beginn der Verhandlungen Churchill-Caillaux das französische Angebot von 200 Millionen Goldmark übereinstimmend als indiskutabel bezeichnet hatte, übte sie seitdem größte Zurückhaltung. Die Folge dieser musterhaften Disziplin ist allerdings, daß in London die Kommentare und Meldungen der Pariser Presse vorherrschen, deren Einstellung gegenüber der britischen Forderung in England unverkennbar Miß» st i m m u n g hervorgerufen hat. Man hat den Eindruck, daß 360 Millionen Goldmart jährlicher Zahlungen Frankreichs die unterste, für Großbritannien annehmbare Grenze darstellt und daß ein größeres Entgegenkommen Ehurchills auf schärfste G e g- n e r s ch a s t in und außerhalb des Parlaments stoßen würde. Wäh- rend die Morgenpresse om Dienstag durchaus pessimistisch eine Eini- gung zwischen Caillaux für unwahrscheinlich hielt, herrschte am Abend auf Grund der Besprechungen, die tagsüber Caillaux mit dem Tou- oerneur der Bank von England, mit Mac Kenna und Ehur-bill gehabt hat, der Eindruck vor, daß Frankreich der englischen Forderung weiter entgegenkomme als erwartet wurde. Auch die V e r- s ch i e b u n g der Abreise Caillaux' auf Mittwoch bzw. Donnerstag wird allgemein günstig beurteilt. Awifchenfälle in Paris. Polizeiangriff auf streikende Bankbeamte. Paris, 25. August.(MTB.)-Heute nachmittag baben sich an zwei Stellen der Stadt Paris sehr schwere Zwischenfälle ereignet. An der Untergrundstation Barbes und auf dem Boulevard de la Chapolle wurden Bankbeamte, die gerade aus einer Versammlung kamen, von Polizeibeamten ohne vorherige Warnung mit blanker Waffe angegriffen. Dabei sind mehrere strei- kende Bankbeamte, darunter auch Frauen, oerletzt worden. Auf Grund dieser Vorgänge begab sich abends eine Abordnung des Zentralstreikkomitees der Bankbeamten zur Polizeipräfektur und protestierte gegen diese Zwischenfälle. Auf der Polizeipräfektur gab man die Zusicherung, daß derartige Zwischenfäll« sich nicht wiederholen würden und daß die Schuldigen bestraf würden. Neues Aufflammen in Sprien. üonstantlnopel, 25. August.(Eigener Drahtbericht.) Ganz Syrien ist fest Sonntag infieberhafterAufregung. Die türkischtn Zeitungen bezeichnen den bisherigen Stillstand als eineNuhe vor dem Sturm. Nach arabischen Quellen breitet sich der Drusenauf- stand immer mehr aus. Eine grohaugelegteOffensiveder Eingeborenenstämme wird täglich«.rwartet. Zn Peking haben die chinesischen Angestellten der englische« Gesandtschaft den Streik beendet. Der Kampf im Baugewerbe. Die Unternehmer fordern Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs. " Nach einem Bericht im gestrigen Abendblatt der Bossischen| Aussperrung noch eine gewisse Bemäntelung zu finden. Wohl wäre Zeitung hat der Reichsarbeitsminister am Montag mit der Spigen noch jezt Zeit zur Verständigung, allein auf der Unterorganisation der Arbeitgeberverbände des Baugewerbes Fühlung nehmerseite fehlt der Wille hierzu in einem so hohen Maße, daß genommen. Er habe auch versucht, die Arbeitnehmer und auch diese Gelegenheit wieder verpaßt wird. Die Arbeitgeber nochmals an den Verhandlungstisch zu bringen. Hierzu Herrschaften wollen sich den Anschein geben, als hätten sie alle Jei bemerkt, daß weder die Spizenorganisationen der Einigungsmöglichkeiten des Schlichtungsverfahrens benutzt. Arbeitnehmer des Baugewerbes, der Baugewerksbund, noch eine andere freigemerfschaftliche Organi sation des Baugewerbes zu Verhandlungen am Montag herangezogen wurden. Der Reichsarbeitsminister hat entweder zunächst nur mit den Vertretern der Arbeitgeberverbände verhandelt oder aber mit der christlichen Bauarbeiterorganisation. Bon einem direkten Eingreifen des Reichstanzlers ift teine Rede. Sie führte auch taum zu irgendeinem Ergebnis, da die Bauarbeiter fich für die beabsichtigte Preisabbauaktion, deren Erfolg nach allen bisherigen Erfahrungen mehr als zweifelhaft ist, nichts taufen tönnen. Rebenbei bemerkt, der Preis abbau" wirft in Verbindung mit den neuen Zöllen bereits seine Schatten voraus in Gestalt tagtäglicher Preissteigerungen. Die Fleischpreise insbesondere fteigen immer höher. Die Interessenten bauen erft turmhoch die Breise auf, um dann, wenn sie gedrängt werden, ein Endchen davon abzubauen und mit dem Preisabbau" zu prahlen. Nach dem erwähnten Bericht haben die Besprechungen des Reichsarbeitsministers zu dem Ergebnis geführt, daß die Arbeitgeber doch noch die Berbindlichkeits. erflärung des von den Arbeitnehmern rundweg abgelehnten Schiedsspruchs durch den Reichsarbeitsminister beantragten". Es sei aber noch sehr zweifelhaft, ob diese Verbindlichfeitserklärung ausgesprochen wird, da die neue Tarifpolitit des Reichsarbeitsministeriums möglichst vermeiden will, amtlich durch Verbindlichkeitserklärung von Gesamtschiedssprüchen in die großen Wirtschaftsfämpfe einzugreifen und dadurch eine Einigung zu erzwingen, die für die Gesamtwirt schaft Nachteile nach sich zieht". Tatsache ist, daß die Arbeitgeber die Berbindlich: Aeitserklärung des total verfehlten Schiedsspruches beantragt haben. Nach einer anderen Quelle sollen bereits am Donners= tag nachmittag die Besprechungen über diesen Antrag mit den Parteien erfolgen. Da nach dem ganzen bisherigen Berhalten der Scharfmacher im Baugewerbe und ihrer Hintermänner nicht damit zu rechnen ist, daß sie diese Berhandlungen zu dem 3wede angebahnt haben, um etwa noch in letter Minute durch geeignete Borschläge eine Ginigung mit ihren Arbeitern herbeizuführen, da schließlich die Arbeitgebervertreter selber nicht ernstlich auf eine Verbindlich teitserklärung rechnen, bleibt nur die Erklärung, daß sie ein tattisches Manöver beabsichtigen, um für die Durchführung ihres Die streikenden Bauarbeiter. In der Generalversammlung der Bauarbeiter am Dienstag Dormittag im Gewerkschaftshaus berichtete Drügemüller vom Baugewertsbud über die Streitlage. Er gab einleitend einen Bericht über die Entwicklung des Kampfes. Nachdem die Unter nehmer vor dem Schlichter Wissell Verhandlungen abgelehnt hatten, wurde die Umstellung der Kampftatiit beschloffen. Dieser Beschluß der Gesamtstreifleitung hat sich als richtig erwiesen. Durch den Beschluß wurden gleichzeitig die Inter: effen der Allgemeinheit gewahrt. Wenn trotz dieses Vorgehens der Berliner Bauarbeiter die Bautätigkeit nicht wieder voll in Gang tam, fa liegt das ausschließlich an der hartnäckigen Haltung der Unternehmer, die durch ihren Aussperrungsbeschluß am 7. Auguft die Möglichkeit der Fortführung der Arbeit unterbunden haben. Das muß ausdrücklich festgestellt werden, weil jeht die Bauarbeiter den Sünden bod abgeben sollen für den Schaden, der durch den Streit verursacht wird. Die wiederholten Verhandlungen beim Reichsarbeitsminister fönnen mur als eine Verhöhnung der Bauarbeiterschaft gemertet werden. Die dort gemachten Zugeständnisse der Unternehmer maren gleich Null. Unter diesen Umständen mußten die Berhandlungen scheitern. Auch hierfür trifft die Verantwortung allein die Unternehmer. Am 29. August soll die Aussperrung auf ganz Deutsch land ausgedehnt werden. Die Bauarbeiter sehen diesem Vorhaben mit Ruhe entgegen. Den Unternehmern ist zuzutrauen, daß sie fich dabei über bestehende Verträge hinwegsehen werden. Bundes vorstand und Beirat haben sich mit dieser Möglichkeit beschäftigt und die dazu erforderlichen Maßnahmen vorbereitet. Der Vereinsvorstand hat die Ueberzeugung, daß die Beschlüsse der Zentralleitung von der Mitgliedschaft einmütig gebilligt werden. Dem Bernichtungswillen her Unternehmer gilt es, die ganze Kraft entgegenzufezen.( Lebhafte Zustimmung.) Die Generalversamlung nahm dann ohne Debatte einstimmig folgende Entschließung an: Wohl selten ist ein Schiedsspruch derart mißlungen als der lehte Schiedsspruch für das Baugewerbe. Eine Verbindlichkeitserklärung dieses Schiedsspruches müßte das ganze Schlichtungsverfahren bei der Arbeiterschaft derart diskreditieren, daß die Folgen nicht absehbar sind. Eine andere Wirkung könnte eine Verbindlichkeitserklärung nicht haben. Sie ist in diesem Falle einfach unmöglich und wäre nicht nur zwedlos, sondern geradezu schädlich. Wenn die Bernunft in diesem Streit auch nur zu bescheidener Geltung kommen fönnte, dann müßten die Bauunternehmer sich sagen, daß die Hörigkeit, in die sie sich beim Unternehmertum der Industrie begeben haben, für sie zu nichts führt. Das Baugewerbe ift nun einmal Saisongewerbe. Die Bauunternehmer sollten ihr Gewerbe beffer kennen, als die Syndizis der übrigen Unternehmer organisationen. Selbst in dem für die Bauunternehmer günstigsten Falle, daß es ihnen nach wochenlanger Aussperrung gelingen würde, die Bauarbeiter niederzuringen, was hätten sie erreicht? Die Bauperiode verstreicht und im Winter, wo die Bauarbeiter sich ohne Arbeit behelfen müssen, fönnen sie auch ohne Tarif auskommen. 3m Frühjahr aber, bei Beginn der neuen Bauperiode, müßte das gleiche Spiel von vorn beginnen, zumal die jetzt monatelang ohne Arbeitseinkommen lebenden Bauarbeiter zum Aufholen gezwungen wären, um die ihren Haushalten entstandenen Schäden wieder auszugleichen. Wenn aber der Bauarbeiter all jährlich wochenlang aussehen muß wegen der Witterungseinflüffe und obendrein weitere Wochen um ausreichenden Lohn kämpfen muß, dann wird die Berufsflucht größer und die Zahl der sich zur Erlernung eines derart unsicheren Berufes meldenden jungen Leute geringer werden. Bozu aber von Bernunft reden, wo der, machtwille der Scharfmacher im Arbeitgebervereinigungslager den Ausschlag gibt? Kommt mit eurer Aussperrung, thr Herren! Wenn euch, die ihr von Verantwortlichkeit trieft, das Allgemeininteresse an der Bautätigkeit so wenig gilt, fönnen die Bauar beiter daran nichts ändern. Sie fürchten die Aussperrung nicht, die mur die Aussperrer selber zu fürchten haben. Sie sind im Verein mit der Gesamtheit der deutschen Arbeitnehmerschaft gerüstet. Haltung des Vereinsvorstandes und des Hauptporstandes bei den Nachverhandlungen im Reichsarbeitsminifterium am 21. August. Sie billigt ebenso uneingeschränkt die Beschlüsse des Bundesbeirats vom 18. Auguft. Die Generalversammlung erwartet von den in Arbeit stehenden Kollegen aller Fachgruppen, daß fie die Leistung der erforderlichen Kampfbeiträge als eine Ehrenpflicht ansehen und danach handeln. Die ganze Kraft und Solidarität muß jezt der Organisafion gehören. Jeder Kollege tue seine Pflicht!" Mit einem Hoch auf die Solidarität schloß die Versammlung. ,, Die verdammte Republik!" Der Arbeiter Hermann Wegener, Marienburger Str. 33, wurde Str. 12 entlassen. Die Aushändigung der Entlassungsam 1. August von der Firma C. E. Alfred Pardon, Baruther papiere wurde mehrfach verweigert, fodaß Wegener auf Anraten seiner Organisation, des Deutschen Baugewertsbundes, polibeiliche Hilfe zur Erlangung seiner Papiere in Anspruch nehmen wollte. Auf dem zuständigen 101. Bolizeirevier, Gnei senau Ede Baerwaldstraße, wurde ihm die polizeiliche Hilfe mit folgenden Worten verweigert:„ Seit unserer schönen, neuen Republit hat die Polizei damit nichts zu tun, das ist Sache des Gewerbegerichts." Sur Sache felbst wird dem Mann empfohlen, sich den§ 1425 der in Bezug auf die Reichsversicherungsordnung anzusehen, wo Quittungstarte folgendes gesagt wird: Niemand darf eine Quittungskarte wider den Willen des Inhabes zurückbehalten. Wer Karten dieser Vorschrift zuwider zurückbehält, ist dem Berechtigten für Nachteile hieraus verantwortlich. Die Ortspolizeibehörde nimmt die Karte ab und händigt sie dem Berechtigten aus." Dieser Paragraph ist auch auf der Rüdseite jeder Quittungstarte abgedruckt und müßte auch einem Bolizeibeamten bekannt sein. Hier „ Die Generalversammlung billigt uneingeschränkt die| ist der Polizei ihre Pflicht flipp und flar vorgeschrieben. Mas mun die Aeußerung dieses für den öffentlichen Dienst sowohl aus Mangel an Sachkenntnis wie aus solchem an Selbstbeherrschung offenbar ungeeigneter Beamten betrifft, wäre zu wünschen, daß die Leute auf solchem Posten beffer belehrt würden. Die Republif fönnen sie mit derart unnüßen Redensorten nicht belei digen, menn auch die Republik teinen Staat mit ihnen machen kann. Auein sie haben feinen Anspruch darauf, ihr Amt zu mißbrauchen, um fich mit Versuchen zur Verächtlichmachung der Republik abzuplagen. Schlichtungsverhandlungen über die Eisenbahnerlöhne. Als Schlichter für die Verhandlungen zur Beilegung des Lohnfonflittes zwischen der Reichsbahngesellschaft und den Eisenbahnerorganisationen, die sich am Sonnabend an den Reichsarbeitsminister um Vermittlung gewandt haben, ist der frühere Oberbürgermeister von Lichtenberg, 3iethen, bestellt worden. Die Vorbesprechungen für die Schlichtungsverhandlungen finden Donnerstag vormittag 11 Uhr im Reichsarbeitsministerium statt. Lohnbewegung in den Zeiß- Werken in Jena. Weimar, 25. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter schaft der beiden Betriebe von Zeiß und von Schott in Jena ist in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Verbindlichsteitserklärung eines Schiedsspruches, der eine Lohnerhöhung von 5 Proz. ab 15. August borjah, ist abgelehnt worden. Die Firmen boten daraufhin ab 1. September 2 Broz, ab 1. Oftober iveitere 2 Broz. Zuschlag, so daß sich die bestehende 11 prozentige Zeuerungszulage auf 15 Proz. erhöhen würde. Die Löhne sollen dann bis zum 31. Dezember nicht mehr steigen. Die Betriebs. versammlungen beiber Werle beschlossen am Mittwoch eine Ur abstimmung über das Angebot vorzunehmen. Im Falle der Ablehnung muß mit einem Sireit gerechnet werden. Die Union tritt zum Bergarbeiterverband über. Bochum, 25. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Bergarbeiterverband teilt mit: Bekanntlich haben schon in der Borwoche auf Wunsch der Leitung der Bergbau- Union mit dem Vorstand des Bergarbeiterverbandes Verhandlungen über den Eintritt der Mitglieder der Union in den Bergarbeiterverband stattgefunden. Der Gesamtvorstand des Bergarbeiterverbandes hat am 23. August zu dieser Frage Stellung genommen und Richtlinien aufgestellt, die für den Uebertritt der Mitglieder der Union zum Berband maßgebend sein sollen. In diesen Richtlinien ist den wünschen der Union weitgehendst entgegengetommen. Am gestrigen Dienstag fand erneut eine Besprechung zwischen den Bertretern der Union und des Bergarbeiter verbandes statt. Da völlige Uebereinstimmung erzielt wurde, so fann mitgeteilt werden, daß der Uebertritt der Mitglieder der Union zum Bergarbeiterverband bis zum 19. September in den einzelnen Verbandszahlstellen erfolgt sein muß. Nach dem 19. September fönnen nur noch Neuaufnahmen in Frage fommen. lleber früher Ausgeschlos fene wird nach den Bestimmungen des Berbandsstatuts verfahren; diese Bestimmung soll loyal angewandt werden und auf Antrag der Zahlstelle wird der Verbandsvorstand über die Wiederaufnahme entscheiden. Ebenso loyal foll in folchen Fällen, wo die Zahlstellen und Geschäftsstellen des Berbandes gegen den Uebertritt einzelner Mitglieder der Union etwas einzuwenden haben, verfahren werden. Auch in diesen Fällen ist die Entscheidung des Verbandsvorstandes anzurufen. Ausdrücklich wird bestimmt, daß die übertretenden Mitglieder der Union das Verbandsstatut und die Generalversammlungsbeschlüsse anerkennen. Beisitzer der Arbeitsfammer, zum Berggewerbegericht, Knappschaftsältefte und Betriebsratsmitglieder bleiben in ihren Funktionen. Schließlich ergeht der Appell an alle Mitglieder der Union und des Verbandes, den llebertritt in tameradschaft: lichem Geifte zu vollziehen und durch gemeinschaftliche Arbeit und Agitation den legten Bergmann dem Ber bande zuzuführen. Den Geschäftsstellen und Zahlstellen des Verbandes werden nähere Anweisungen zugehen. Berbanb ber Raler unb Sadterez. Am Freitag, 28. Auguft, 7 Uhr, im Rofenthaler Sof Rofenthaler Str. 11/12, Mitglieder versammlung. Bortrag von Schott, Schwerin, über Solz und Marmormalerei. Berbandsangelegenheiten. Regen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Achtung, Bezirksamt Arenzberg! Am Donnerstag, 27. Auguft, 7% Uhr, bei Bielec, Dieffenbachftr. 76, Bersammlung aller SPD.Arbeiter, Angestellten und-Beamten. Bortrag des Gen. Ruben über: Wege zu einer fozialen Kommunalpolitit". Aussprache. Rahlzeichen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Wetter für Berlin und Umgegend: Bunächst bewölkt mit einzelnen leichten Regenschauern und etwas Abfühlung, später zeitweise aufklarend. Für Deutschland: Veränderliches, etwas fühleres Wetter, vielfach leichte Regenschauer. Berantwortlich für Bolitik: Eenk Renter; Birtschaft: Artur Sateruns; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eklorn; Feuilleton: Dr. John Schilawski; Lokales und Sonstiges: Fris Rarftabt; Anzeigen Th. Glode;( ämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Boul Ginger u. Co. Berlin S. 68 Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". Mufilaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andieasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch. Extra billige Angebote! Einsegnungsanzüge Serie I aus blauem, starkem Cheviot, ein- u. zweireihig, Gr. 38/43 27.-, Gr. 11 u. 12 25.Serie II aus blauem Cheviot, besserer Qualit., 1- u. 2reihig, Gr. 38-43 30.-. Gr. 11-12 28Serie III aus blauem kammgarnartigen. Cheviot, 1- u. 2reihig, Gr. 38-43 36.-, Gr. 11-12 33.Serie IV aus blauem kammgarnartigem und Marengo- Cheviot besserer Qualität, zweireihig ,. Gr. 38-43 40.-, Gr. 11 und 12 36.Ersatz für Maß Smokinganzüge mit Seidenspiegel, a. best. 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Wo immer ein Raum zur Verfügung steht, der die Abmesiung einer Berliner guten Stube um einiges übertrifft, hat der findige Wirt eine Tanzdiele geschaffen, die sich nach der billigen Tapet« und dem Schmuck mit künstlerischen Blumen als Flieder-, Rosen-, Veilchen-Diele anpreist. 3a den kleinen Städten in der Vorortzone und den dazwischen liegenden Dörfern gibt es eine Unmenge solcher .Dielen', die sicher am Sonntag, häufig aber auch Sonnabend«, gut gefüllt sind. Daß die alten Dorfwirtshäuser meist bessere Räume haben, als die Gasthöfe und Restaurants, die sich solche Dielen zuge- legt haben, soll betont werden: hier kann man von Sälen sprechen, die nicht nur für das Tanzen dienen, sondern den Rahmen für alle Festlichkeiten abgeben, die die dörfliche Bevölkerung im Lauf« des Jahres veranstaltet. Meist wird Eintrittsgeld erhoben, 1 Mark pro Person— was für eine Familie: Vater und Mutter, zwei Töchter, einen Sohn und einen Kurmocher immerhin«ine ganz hübsche Aus. gäbe ausmacht. Man sieht daher selten die Ansiandsmütter und Väter im Tanzsaal: sie bleiben im kühlen Garten und Wersen zu- weilen einen Blick durch dar offene Fenster oder die Saaltür. Wer tanzt! Die Schar der Stammgäste ist doch die größere, als die der zufällig Vorbeikommenden. Die Klag« der Soldaten im Feld«, daß während des Krieges die Heimat tanze— sie hätten da« historische Wort hinzufügen können: auf einem Vulkan— ist damals wirkungslos geblieben: die männliche Jugend, die so rasch dem Tode ent- gegengehen konnte, und der weibliche Teil, der in harter Arbeit Geld verdiente, sahen im Helteren Lebensgenuß da» einzig Wahre. Und so ist e» geblieben, trotz aller Not der Zeit. Dt« jungen Mädchen, betrachten es als das Recht ihrer Jugend, eine oder zwei halbe Nächte auf dem Tanzboden zu oerbringen— die einzige Gelegeuhell. sofern nicht Sportinlerefseu vorliegen, mit jungen Männer« zu- sammenzukommen. Vielfach dem Elternhaus« entfernt, in die freud» lose Umgebung einer billigen möblierten Stube verbannt, geben sie sich der Tanzlust hin, und man wird nicht pharisäerhast über diesen Rechtsanspruch urteilen können. Wenn sie nicht vom.Kavalier' eingeladen sind, zahlen sie selber ihr Einirilisgeld und osl auch ihre Getränke— mehr Sorge machen Tanzkleid und Schuhe: da muß an anderen Dingen, die meist auf dem Bildungsgebiet liegen, gefvort werden, um stets in freudiger Frische erscheinen zu können. Und wie sieht da» männliche Quartier aus? Meist stehen die Herren in den Pausen zusammengeballt in der Nähe des Schanktisches, um dem feuchten Element möglichst nah« zu sein. Mit Eifer strebt die Jünglingsjchar den Vorbildern nach, die die hohe Schneiderschule aufstellt. Da» Ideal ist die Kopie des Botschasisattachö»— glatt rasiert, kurz geschoren(neuerdings macht ein über die vordere Hälfte des Kopfes sich erstreckender, stehengebliebener Haarstreif den Ein- druck de» Skalpiertseins)— der Rock auf Taille geschneidert, die Hosen über Schnabelhalbschuhe hoch aufgeschlagen, so stürzen sie sich siegesbewußt in den Kamps um die Gunst der Tänzerinnen. Neben der Jugend fehlen aber auch die älteren Semester nicht. Sie sind nicht mit dem Gedanken an den„Schwoof' gekommen, aber jetzt. wo Fiedel und Klavier locken, zuckt es auch in den alten Beinen. Sie beschwichtigen ihr Gewissen mit der hygienischen Formel.na. da kann man um ein paar Pfund leichter werden' und mischen sich unter die Jugend. Aesthetische Gemüter zucken mitleidig die Achseln über die Versuche, bei den modernen Tänzen die nötige Grazie an den Tag zu legen. So sind die Alten meist auf sich angewiesen und die Frauen schwenken sich gegenseitig herum, da den Männern schon nach den ersten Runden vielflich die Puste ausgegangen ist. Wie maa tanzt. Etliche Jahre vor dem Kriege erregte die leidenschaftttche Be- wegung, welche die bisher üblichen Tänze zu Schiebe- und Wackdl- tänzen ausarten ließ, die behördlichen Bedenken und den Widerspruch der äschetischen Genuß im Tanzen Suchenden. Die noch stellenweise anzutreffenden Plakate:.Schiebe- und Wackeltänze verboten' sind Rest« aus jener Zeit, die den Pariser Cancan und die Münchener Franyois« mit Berliner Schnoddrigkeit vereinen wollte. Auch heute spricht man ja von Schiebetänzen und beklagt den Fortfall der Walzer, aber die jetzt modernen Lelbesbewegungen haben an Stelle des Furioso ein Pianissimo gesetzt: das feierliche, fast sakramentale Schreiten gibt ausschließlich solchen Naturen, die auch das Hehrste in den Schmutz zu ziehen sich bemühen, Gelegenheit zu Verstößen gegen dt« Sitte. Und man muß es dem jetzigen Publikum rühmend nach- lagen: wo solche Rowdys einzeln und paarweis« auftreten, werden sie an die Luft gesetzt. Der Walzer hat noch immer sein« Dasein»- berechtigung, wenn auch viele Tanzpaare einfache schiebend« Schritt« an Stelle des himmlischen Walzcrwiegens ausführen. Es scheint sich aber neuerdings eine Reaktion gegen die mehr gymnastischen Uebungen als einem Tanzen gleichenden Modetänze anzubahnen. Eine» hat die moderne Art zu ihren Gunsten zu buchen: jenes Außer- atemkommen und in Schweißgeraten, das die alte Zeit auswies, ist heute nicht zu bemerken. Die Vorteile des Nichtschwitzens sind Eirößer, als es auf den ersten Blick erscheint: gesundheitlich und inanziell. Das erster« bedarf keinerlei Erläuterung— hinsichtlich es zweiten Punktes bedenke man, daß Kleider und Wäsche geschont werden. Daß es an komisch wirkenden Tanzpaaren nie fehlt, die au» der Freiheit der Tanzbewegunpen neue ungeahnt« Finessen herausholen wollen, Ist begreiflich! Man sieht wohl welch«, hie sich nach dem Lorbilde jener bezahlten Tänzer der Pariser öfsenttichen Bälle bald in einem.Tanz auf derselben Stelle', bald in schwindel- erregenden Wendungen gefallen und mit den freien Armen dl» unglaublichsten Windflügelfiguren beschreiben. Aber es sind dies Ausnahmen, und zwar meisten» auseinander abgestimmte Paare, die sich etwa» Besseres als das Gros dünken. * Linnen kurzem kst der Saal in eine Rauchwolke gehüllt, die mit der reinen und lauen Abendlust draußen im Gatten in schärfstem Konttast steht. Da» Bild ruft unwillkürlich eine andere Lorstellung wach: die geschlossene Wirkung der Epottspiel«, bei denen junge Mädchen mit Sportkollegen in kameradschaftlichen Lettehr tteten. Edler Wettelfer herrscht in der Schar, und jeder Tttumph van Gewandthett und disziplinierter Kraft wird neidlos anerkannt. Für den Voltsfreund ist die Wahl nicht schwer: die Nächte auf dem elek- tttsch erleuchteten Tanzboden verblassen vor dem fröhlichen Reigen in der frischen, sonnendurchleuchteten Natur. Aeuderuoge« im Strahenbahnverkehr. Die Gleis« der früheren Teltower Kreisbahnen werden zurzeit für normalspurigen Betrieb umge- baut, um diese Strecken dann an das Berliner Liniennetz anzu- schließen. Nachdem der Umbau zunächst eines Gleises auf dem Hindenburgdamm in Lichterfelde erfolgt ist, wird vom 25. d. M. ob die Linie 56 von Steglitz, Lichterfelder Chaussee, über Händel- platz und Hindenburgdamm bis Ecke Drakestraße(Wiesenbaude) weitergeführt. Gleichzeitig muß mit der Umwandlung des Schmal- spurbetriebes in Vollspurbettteb aus dem Hindenburgdamm die Linie 46 eingezogen werden. Dafür wird auf der Linie 42, Bahnhos Steglitz— Bahnhof Lichterfelde-Ost— Bahnhof Lichtcrfelde- West an Stelle des 2