Nr. 405 42. Jahrg. Ausgabe A Nr. 207 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Areusband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. Lung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialbemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Pfennia ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Bfennig, febes weitere Wert 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. fbaben zählen für amei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin G 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr frith bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 28. August 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftelten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Boftschecktonto: Berlin 37 536 Gebt Lohn- nicht Worte! Preisabbanaktion und Arbeiterschaft. wird dabei zu spüren bekommen, daß die großen Massen des Voltes sich nicht zum Spielball einer unfähigen und anmaßenden Gruppe von Großkapitalisten machen lassen werden. Ein Dokument der Schande!" Urteil des Stegerwald- Blattes über die Unternehmer. Mehr als eine Million Arbeitnehmer steht im schwersten einen Abbau jener Sozialpolitik für sanierungsreife Unter-| ihre Stellungnahme gegen die Arbeiterschaft abfenten will, Kampf um ihr Recht auf Leben. Die Teuerung, die entnehmer, die schon seit langem die Quelle unwirtschaftlicher gegen den Warnungen und Protesten der Arbeitervertreter Rapitalvergeudung und-festhaltung in unrentablen Betrieben, durch das Zollgeseß bewußt und vorsäglich herbeigeführt Warenlägern usw. ist. Werden diese Zusagen innegehalten, wurde, zwang zu diesem Kampf. Noch fann man nicht ab- wird ferner der Eingriff in das überspannte Kartellrecht mit sehen, wie er entschieden wird. Not und Erbitterung breiter der notwendigen Energie vorgenommen wir zweifeln Boltskreise begehrt auf gegen die unfähige und planlose Birt- daran, so werden die Konkurse zunehmen, die jetzt unwirtfchaftsführung einer großkapitalistischen Herrentaste, die keine schaftlich verwendeten Kapitalien und Kredite zu produttiveren. Rücksicht auf die sozialen Pflichten fennt, die den monopolisti- 3wecken frei werden. Dann wird es auch eine Weile lang einen schen Wirtschaftsgeist in Krieg und Inflation hochgezüchtet hat Stillstand, vielleicht sogar an einzelnen Stellen einen Abbau und jetzt sich den Konsequenzen ihrer Taten mit windigen der Preise geben. Nußen davon aber hat nur der, der dann Ausflüchten zu entziehen sucht. Dies ist der ganze Sinn Geld hat. Große Kreise der Arbeiterschaft werden es aber zu der programmatischen Erklärung, mit der die Spizenorgani- diefm Zeitpunkt deshalb nicht haben, weil eine derartige sationen der Wirtschaft, angefangen von de rVereinigung der frisenhafte Entwicklung sich auf dem Rücken der Konsumenten Deutschen Arbeitgeberverbände bis zur Hauptgemeinschaft des pollzieht, weil sie immer von einer steigenden Arbeitslosigkeit deutschen Einzelhandels, ihre Stellungnahme zum Bauarbeiter begleitet ist. Die Arbeiter selbst werden einen solchen Preistampf fennzeichnete. Und die Regierung? Sie fühlt sich als Angestellter dieser Verbände. Sie hat in ihrer Steuer- und Zollgesezgebung den Boden für die jetzt schwebenden Auseinanderjegungen geschaffen. Sie hat die Preise in die Höhe schnellen laffen. Sie hat gewußt, daß es so fommen würde und mußte. Weil sie es gewußt hat, deshalb hat sie schon bei der Begründung des Zollgefeßes die ,, Preisfentungsaftion" in Aussicht gestellt, deren Reklame in schreiendem Widerspruch zu ihrer Qualität steht. Die Regierung selbst schäßt sie ein als das, was der ganze Rummel wert ist. Sie beschließt ein paar Maßnahmen und fährt in die Ferien. Luther, Neuhaus, v., Schlieben und selbst der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns haben gerade in dem Augenblick, in dem das arbeitende Bolk die schweren Folgen ihrer voltsfeindlichen Wirtschaftspolitik zu spüren bekommt, der Reichshauptstadt den Rücken gekehrt. Sie sind über die ganze Sache, über Teuerung und Lohnkämpfe, über Volksnot und-verzweiflung erhaben. Der Kampf der Bauarbeiter. Um Mitternacht noch kein Verhandlungsergebnis. In der gestrigen Verhandlung im Reichsarbeitsministe. rium über den Antrag der Bauunternehmer, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären, tam es zunächst zu nochmaligen ffundenlangen Besprechungen über die Lohnfrage. Es wurde ein Unterausschuß eingefeht. Wiederholt zogen sich beide Parteien zu Sonderbesprechungen über das neue Angebot der Unternehmer zurüd. Um Mitternacht waren die Verhandlungen noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis gediehen. Die Verhandlungen gestalteten sich außerordentlich schwierig. Die Unternehmer zeigten ein sehr geringes Entgegenkommen. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß die Verhandlungen noch weit in die Morgenstunden andauern werden. stillstand mit Arbeitslosigkeit zu bezahlen haben. Und es ist bezeichnend, daß man den Mut zu einer solchen Zuspigung der Krise findet, nicht aber gleichzeitig Vorkehrungsder Krise findet, nicht aber gleichzeitig Borfehrungs maßnahmen trifft, um ihre sozialen Begleitwirkungen abzuschwächen. Wo ist für diesen Fall das Programm zur Vergebung öffentlicher Arbeiten und zur Ausführung von Notstandsarbeiten? Mittel dazu sollten doch aus den großen Mittel dazu sollten doch aus den großen leberschüssen der Reichskasse abgezweigt werden können, die ja zum größten Teil aus den Taschen der Berbraucher stam men! Das Programm ist nicht da, und der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns ist in Ferien. Was sie hinterlassen haben, das stand in der gestern von uns angekündigten Regierungserklärung. Die Kabinettsbeschlüsse, die sich auf den Preisabbau beziehen, find rasch gefennzeichnet. Sie entsprechen den Erwartungen, die wir von Anfang an der Aktion entgegengebracht haben. Soweit die Maßnahmen nützlich sind, handelt es sich um Dinge, die vor einem Jahr und früher fällig waren, die aber damals unterlassen wurden. Doch auch diese nüzlichen Maßnahmen haben einen eng begrenzten Wirkungsgrad. Sie fönnen die Preispanif, die jetzt im Anschluß an das Infraft treten der Zölle droht, aufhalten. Sie fönnen aber nie mals die Teuerungsfattoren ausschalten, die durch das Zollgesetz geschaffen und in den letzten Preiserhöhungen bereits wirksam geworden sind. Will man das den Arbeitern nicht glauben, so soll man getrost die Leute fragen, die den eingangs erwähnten Aufruf mit unterschrieben Die Borahnung der Krise ist es auch, die den Unterhaben und die als privatkapitalistische Unternehmer dem Ber- nehmern des Bau- und Textilgewerbes den Mut gibt, den brauch am nächsten stehen. Die Hauptgemeinschaft des Deut- starken Mann zu spielen. Ein Streit ist für diese Kreise ein schen Einzelhandels hat gestern in einer Pressekonferenz durch Moratorium; fie brauchen ihren Kreditverpflichtungen nicht berufene Führer ihres Gewerbezweiges erklären lassen, daß oder doch mur in gedämpftem Tempo nachzukommen. Eine ein Preisabbau von der ganzen Aktion nicht zu erwarten ist, zeitweilige Stillegung ganzer Industrien durch Aussperrung sondern höchstens eine Stabilisierung des Preisniveaus. läßt sie hoffen, daß man an vielen Stellen wieder Beit geDiese Leute wissen, warum sie, auf die Gefahr der Anfein- winnt. Die Textilindustrie kann den im Winter wachsenden dung durch alle übrigen Unternehmergruppen, den Mut Warenbedarf, kann die schleppenden Zahlungseingänge abzu einer solchen Erklärung finden. Denn sie sollen so war warten, um die Produktion mit einer wie sie denkt aus vielen Regierungstommentaren herauszulesen zusam durch Hunger zur Arbeitsfreude erzogenen Arbeiterschaft wie men mit den Arbeitern für den Fehlschlag der von vorn- der aufzunehmen. Aehnlich sind die Kalkulationen anderer herein zur Aussichtslosigkeit verurteilten, weil unwahrhaftigen Gruppen. Im letzten Wesen ist dieser Kampf wie alle bis Berbilligungskampagne verantwortlich gemacht wer- herigen Lohnfämpfe eine Machtfrage. Die Unternehmer schei den. Die angeblich mittelstandsfreundliche Presse der Deutsch- nen sich auch nicht durch ihre Niederlage im Holzgewerbe benationalen hilft der Regierung bei diesem durchsichtigen Mano- lehren lassen zu wollen, wie weit der Kampfeswille und der ver. So sehr wir Mißstände in der Warenverteilung zu jeder Opfermut der großen organisierten Arbeitermassen geht, wenn Beit bekämpft haben, so unsinnig ist es, jetzt das letzte diefer Machtkampf heraufbeschworen wird. Glied in der tapitalistischen Warenverteilung für die Folgen einer Rollpolitt verantwortlich zu machen, die den Preis und Kartellschutz der Produzenten zur nationalen Aufgabe proklamiert hat. Alsp an einen Preisabbau, der infolge dieser Regierungsmaßnahmen eintreten fönnte, ist nicht zu denken. Eher ift es möglich, daß die durch die Bollvorlage bereits genährten Krisensymptome am Warenmarkt zur offenen Krise fich ent wideln, und daß dann vorübergehend die Preise durch Konkurse und Zusammenbrüche in Handel und Produktion geworfen werden. Die Regierung selbst arbeitet auf die volfs wirtschaftlich notwendige und gesunde Reinigungskrise hin, indem sie in ihr Berbilligungsprogramm" den Abbau der Geschäftsaufsichtsordnung einbezogen hat. Denn das bedeutet Sie die Unternehmer haben ihre Zölle. Die Arbeiterschaft hat deren Wirkung, die Teuerung, zu spüren bekommen. Ihr Kampf geht um eine gerechte Sache, darum nämlich, den Re allohn der Vorkriegszeit wiederherzustellen, die furchtbaren Verluste der Arbeiterhaushaltungen in der Inflationszeit auszugleichen und durch eine Heraufsetzung des allgemeinen Lohnniveaus erst den inneren Markt zu schaffen, der den Boll Lauf der deutschen Wirtschaft und damit die Herabsetzung der Produktionskosten ermöglichen soll. Ein solcher Kampf wird nicht durch papierne Regierungsversprechungen beigelegt. Er muß ausgekämpft werden. Die Regierung, die mit ihrer Preisabbauattion" nur von der Berantwortung für die Ursachen des Kampfes und für Die von Adam Stegerwald begründete und von ihm noch heute start beeinflußte Tageszeitung der Christlichen Gewerkschaften ,,, Der Deutsche", ist über die im letzten Abendblatt besprochene Rundgebung der Unternehmerverbände aufs höchste entrüstet. Das Blatt bezeichnet die Kundgebung als den Generalangriff der Arbeit= geber" und sagt dazu folgende bittere Wahrheiten: " Diese Kundgebung ist für das deutsche Unternehmertum ein Dokument der Schande. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger, als um eine großangelegte Jrreführung der Deffentlichkeit, es handelt sich darum, durch eine tendenziös unrichtige Darstellung der Lage im Baugewerbe der gesamten Arbeitnehmerschaft die Möglichkeit, höhere Löhne zu erlangen, zu entziehen. Schon vor dem Kriege waren die Löhne der Bauarbeiter in Berücksichtigung des Saisoncharakters des Gewerbes so, daß eine förmliche Flucht aus dem Baugewerbe statifand. Nachwuchs für das Gewerbe war ebenfalls nicht zu erhalten. Er. innert muß an die vielfachen Bestrebungen werden, dem Mangel an qualifizierten Arbeitern im Baugewerbe Einhalt zu tun. Troß dieser Knappheit an Arbeitern weisen die Löhne der Bauarbeiter feine Ueberspannung auf. Wo die Löhne mehr stiegen Existenzmöglichkeit gestatteten. Im allgemeinen bewegen sich auch die als die Teuerungsziffer, handelt es sich um Löhne, die einfach keine erhöhten Bauarbeiterlöhne unter dem Real einkommen der Bortriegszeit, zumal auch die Arbeitszeitverkürzung in Rechnung zu stellen ist. Auch die in Großstädten vereinzelt anzutreffenden hohen Attordlöhne von Spezialarbeitsgruppen weisen teine höhere Steigerung auf als die Lebenshaltungsinderziffer. Maßgeblich für die Bemessung der Löhne soll allerdings die Leistung sein. Trotzdem die Borkriegsreallöhne im allgemeinen nicht erreicht sind, ist die Leistung der Bauarbeiter erheblich gefiegen. man sehe sich nur auf den Bauten um. Da wird nicht mehr gearbeitet, sondern geschuftet. Vielfach ist Akkordarbeit die Regel. Die Revolutionspsychose mit ihrer Arbeitsunlust ist längst überwunden. Bären die vereinten Arbeitgeber, die sich so gegen die angeblich hohen Bauarbeiterlöhne entrüften, von dem ehrlichen Willen getragen, die Wahrheit zu ermitteln, so hätten sie sich daran geben müssen, die Lohnuntoften am Baupreis festzustellen. Heute sind die Cohnunkoften im Verhältnis zum Preis erheblich niedriger wie in der Borkriegszeit. Wenn trotzdem die Baupreise die Gesamtteuerung um 40 Prozent übersteigen, so tragen dafür die Verantwortung die Grundstücksspetulanten, die Preispolitik der Rartelle, der Biegeleien, ber Staltbrennereien, ber 3ementfabriten, der Holzhändler usw. Hier liegen die wirklichen Ursachen der Teuerung auf dem Baumarkte. Die vereinten Arbeitgeberverbände handeln volkswirtschaftlich verantwortungslos... Die Einheitsfront der Unternehmer zur Niedrighaltung der Arbeiterlöhne ruft die Einheitsfront der Arbeiterschaft auf. Wenn schon das christliche Blatt Stegerwalds zu einem so schweren Verdammungsurteil über die Haltung des Unternehmertums tommt, was glauben die Herren wohl, wie ihr Pronunziamento auf die Millionen Arbeiter wirkt, die nicht zur Fahne Stegerwalds schwören? Die Rundgebung der Unternehmerverbände ist mehr als ein ,, Dokument der Schande". Es ist die unverhüllte Bro= tlamation des Klassentampfes von oben. Während unzählige Soldfedern in Betrieb sind, um der Sozialdemofratie die Klassentampftheorie als Verbrechen anzufreiden, üben die Unternehmerverbände falten Blutes die Klassenfampfpragis. Wir beklagen uns nicht darüber, wir stellen nur die Tatsache fest, um die Heuchelei jener anzunageln, die bei dem Gedanken an den„ Klassenkampf" schon in bombensichere Unterstände friechen möchten. Die Unternehmerverbände von den Banten über Industrie und Handwert zum Groß und Kleinhandel stehen in Einheitsfront gegen die Bauarbeiter und damit gegen die gesamte organi fierte Arbeiter sch a ft. Raum jemals ist die Klaffenscheidung flarer hervorgetreten, als in diesem Aufmarsch! Inzwischen können Wohnungen verfallen und Neubauten weiter ftilliegen, tönnen Ungezählte weiter auf eine Wohn und Schlafgelegenheit warten, können öffentliche Bauten nicht vollendet werden— das Unternehmertum befiehlt es so, weil es sich in seinem kapitalistischen Profitstreben gestört und gehindert sieht! Die machtlose Regierung. Gewerkschafter über die Teuerungsaktiou. Gestern, Donnerstag, fand«ine Besprechung zwischen den Spitzengewertschaft«n und der Regierung über die Verbilligungsattion statt. Der ADGB. war durch die Genossen K n o l l, S p l i e d t, Eggert, Dr. A r o n, der AfA-Bund -durch den Genossen Schweitzer, die chirsch-Dunckerschen durch L e m m e r und die Christlichen durch Brost vertreten. Von der Regierung nahmen Staatssekretär Trendelenburg und Ministerialdirektor Dr. Schäffer an der Besprechung teil. Dr. Schäsfer legt« in großen Zügen das Verbilligungsprogramm der Regierung dar und betonte hinsichtlich der Lohnforderungen der Gewerkschaften, daß es durchaus nicht in ihrem Interesse läge, wenn eine Senkung der autonomen Zölle in den Handelsvertragsverhandlungen durch Lohnforderungen der Gewerkschaften, die an und für sich die Preispolitik der Regierung durchkreuzen müßten, verhindert würde. Die vertretenen Spitzenorganisationen nahmen sodann Stellung zu den Ausführungen der Regierung. Ihre Darlegungen bewegten sich durchweg auf der gleichen Linie und gingen dahin, daß man der Regierung den guten Willen zur Preissenkung nicht absprechen , könne, daß man aber nicht an ihre Macht und an ihre Fähigkeit glaube, das verbilligungsprogramm durchzuführen. U. a. wies Genosse Eggert in längeren Ausführungen auf die Preisverbilligungsaktion der Regierung Luther im Herbst 1924 hin. Es waren von der Regierung damals sehr wichtige Maßnahmen, wie die Verminderung der Umsatzsteuer, Frachtermäßigungen, Er« höhung der Wirtschaftstredite und Verlängerung der Umlaufzeit von Warenwchescln ergriffen worden. Eine Auswirkung auf die Preise hat sich nicht gezeigt, weil das Unternehmer» tum mit Preissteigerungen bewußt den Absichten der Regierung entgegengewirkt hat. Das fei eine bittere Lehre für die Gewerkschaften gewesen. Wenn sie jetzt der Regierung den guten Willen nicht absprechen, können die Gewerkschaften aber nicht an ihre Macht glauben, die Preise zu senken. Denn in den WIrtschasiskreisen habe Eigennutz und Eigensucht eine Atmosphäre geschaffen, in der die Reglerungsmaßnahmen keinen Raum haben. Auf Grund der Erfahrungen mit der letzten.Preis- senkungsaktion find die Gewerkschaften zu der Klarheit gekommen, daß nur rücksichtslose Lohnkämpfe auf das Kartell- und Preisunwesen bereinigend wirken können. Angesichts der neuen Bestrebungen der Regierung können und wollen sie ihre Lohn- sorderungen nicht abstoppen. Das ist schon aus dem Grunde nicht möglich, weil die Lohnforderungen der Gewerkschaften nicht die kommende Teuerung im Auge haben, sondern nur für die in den letzten Wochen und Monaten eingetretene Teuerung einen Ausgleich schaffen wollen. Den Ausführungen Eggerts pflichteten die anwesenden Gewerk- schaftsvertreter in jeder Hinsicht bei. Damit hatte die Sitzung ihr Ende erreicht. Die Gewerkschaften haben ohne jede Enttäuschung die Sitzung verlassen, da sie der Aktion der Regierung von Anfang an ohne jede Hoffnung entgegengesehen haben. Die Krise im Zentrum." Westfälische Zentrnmsarbeiter und der Austritt WirthS. Münster i. M.. 27. August.(Eigener D rahtb e ri chk.) Der Austritt Dr. Wirths aus der Reichstagsfraktion des Zentrums hat in den Kreisen der christlich organisierten Arbeiter Westfalens großes Aufsehen erregt. Bezeichnend ist, daß dip gesamte Zentrums- presse Nordwestdeutschlands, an der Spitze die münsterschen Organe, die Sache nur kurz berichten, im übrigen aber völlig totschweigen. Es erscheint das verständlich, wenn man sich daran erinnert, daß Erzberger, als er wenige Monate vor seiner Ermordung hier redete, von der gleichen rechtsstehenden Zentrumspresse wie ein Abtrünniger behandelt wurde. Die Arbeiterschaft des Zentrums und weite Teile Dubiels Tos. von Hermann£. Schaeser. Der Morgen sah grau ins Zimmer. Dubiel erhob sich leise vom Lager. Frau und Kinder schliefen noch... Was hatten sie mit seiner Tat zu schaffen. Ueber Nacht war sein Entschluß gereift. Was konnte das Leben ihm, dem Enttäuschten, Ermüdeten, noch bringen? Darum fort von hier. Schnell. Ein« Reise wollte er antreten. Ohne Wiederkehr... Er sah auf das Schrönkchen. Es schimmerte schwach im Morgen- lichte. Darin war sein Trost: �gua Toffana. Ein Totenkops, väterlicher Freund, Trostbringer, Bote einer besseren Welt, grüßte von dem Aiikett:„Komme zu mir! Ruhe hast du bei mir," winkt« er freundlich. In drei Stunden wirkte das Mittel. Eine kurze bleierne Schwere, dann war es aus.� Plötzlich. Dubiel dachte mit Wonne- schauern daran und seufzte tief auf. Man fuhr in der Diligence des freundlich winkenden schwarzen Kopfes über Stock und Stein, geräuschlos im Siebenmcilenflug... Dubiel setzte das Glas an den Mund. Ein tiefer, tiefer Schluck'! Tief atmete er auf, wischie den Mund und stellte die halb geleerte Flasche auf den Tisch. Noch einmal überflog sein Auge das Zimmer, haftete an den Betten der schlafenden Frau und der Kinder. Dann ging er... Drei Stunden noch. Er wollte die aufgehende Sonne sehen, noch einmas die blanken, hellroten Kiefernstämme in purpurner Morgenglut... und sich dann irgendwo in der Sonne hinlegen mit offenen, zum Himmel gerichteten Augen, steigenden Lerchen über den Hügeln, stoßendem Wind in schwer wogendem Heidekraut. Er fuhr mit der Elektrischen hinaus. Noch war es früh. Nir- gends Menschen ringsum. Er sah die Endstation liegen. Bon hier war es eine Viertelstunde bis in die Heide. Eine bleierne Schwer» kroch die Beine hinauf. Kaum konnte er die Füße noch heben. Da» Herz schlug vernehmlich.„A.qua Toffana", ging's durch Dubiels Sinn.„Sollte das Mittel schon jetzt wirken? Unwahrscheinlich." Der Wagen hielt. Mit Mühe stieg Dubiel aus. Flammend stieg die Sonne über den Kiefernwäldern empor. Lerchen stiegen kletternd in die Morgenlust. Rosa Atlaswolken verschwebten. Da! Lärm. Aus dem Gasthause der Endstation traten Leute. Sie lzatten die Nacht durchpokuliert. Sie wankten unsicheren Schritts. Schwebende Ungetüme, Höhlenmenschen, verwildert. „Pack dich," schrie ein wankender Fallstaf Dubiel an. Er wollte weichen. Lastende Schwere in Füßen und Beinen. Ungestüm schlagendes Herz. ,.�gua Toffana", raste es in Dubiels Hirn. �Lie angewurzelt stand er. „Jesusgreifer," brüllte der trunkene Dicke,„willst du Platz machen." � Seine Faust fuhr Dubiel ins Genick, wuchtig und schwer. Dubiel taumelte. der mittleren und unteren Beamtenschaft begrüßen den Schritt Dr. Wirths. Das Borgehen Wirths wird auf die innere Entwicklung im Zentrum auch hier, wo es vom rechten Flügel beherrscht wird, nicht ohne Folgen bleiben. Eine rheinische Stimme. Köln, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Aus- tritt Dr. Wirths aus der Zentrumsfraktion wird van der kleineren Zentrumspresse der Städte und Industriezentren des Rheinlandes, wo sie besonders in Arbeiterkreisen ihre Verbreitung hat, doch wesentlich bedenklicher beurteilt, als in der großen Zentru.nspresse oder bei den Blättern, die in ländlichen Kreisen erscheinen. Das Organ der Kölner Zentrumspartei, die„Rheinische Volts- wacht", bringt in ihrer Donnerstag-Abendausgabe einen sehr be- merkenswerten Artikel, überschrieben:"Ein offenes Wort zum Schritte Dr. Wirths". In diesem Artikel wird u. a. gesagt:„Die in weiten Zentrumskreisen bestehenden Bedenken und Besorgnisse, denen Dr. Wirth demonstratio Ausdruck gab. erscheinen uns beson- ders nach den Vorkommnissen bei der Derabschiedung der Zoll- und Steuergesetze, berechtigt... Der Schritt Dr. Wirths ist ein Wetterzeichen, gleichviel, ob sich nachweisen läßt, daß die Be- sorgnisie Wirths ungerechtfertigt find oder nicht..." Zu der Er- klärung Fehrenbachs schreibt das Blatt:„Ob sie geeignet ist, als durchschlagende Rechtfertigung der Fraktionshallung beruhigend zu wirken? Uns bewegen manche Zweifel. Es ist besser, sie aus- zusprechen, als sie zu verschweigen.... Es ist nicht allgemeine Ueberzeugüng in der Zentrumswählerschaft, daß die Fraktion den Weg der Zusammenarbeit mit der Rechten so gehen mußte, wie sie ihn gewählt hat... Jedenfalls würde eine Zentrumsfraktion ohne jede Bindung im Reichskabinett, und mag sie mit noch so vielen vorbehaltsreichen Erklärungen eingegangen worden fein, in ihren Entschließungen freier gewesen sein, als wir es bislang dem Kabinett Luther und den Rechtsparteien gegenüber waren... Diele Zen- trumswähler sehen eben in dem Beugen unter das Antreiben Dr. Luthers und unter die Drohung der Rechten in der Zollfrage einen Mangel an Entschlossenheit der Fraktion als Folge ihrer Bindung nach rechts. Das hat verstimmt und bedenklich gemacht. Sollte es nicht auch Dr. Wirths bedauerlichem Entschluß die letzten Impulse gegeben haben? Die Frage liegt nahe.... Das entsprechende Mißtrauen gegen rechts ist durch Erscheinungen im deutschen Wirt- schaftsleben und in der deutschnationalen Agitation im unbesetzten Gebiet vollauf gerechtfertigt..." Hoffnungen der Bayerischen Volkspartei. München, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Austritt Dr. Wirths aus der Zentrumsfraktion stärkt die Hoffnung der Bayerischen Voltspartei, wieder den seit langem g>- wünschten Anschluß an das Zentrum zu finden. Die Presse der Bayerischen Volkspartei hält im ollgemeinen zwar mit ihren Aeuße- rungen noch zurück, um nicht durch vorzeitigen Jubel die Entwick- lung zu stören. Nur der„Bayerische Kurier" stellt bereits am Donnerstag mit Genugtuung fest, daß gerade jene Persönlichkeit jetzt den Bruch mit dem Zentrum vollzogen habe, die der Exponent einer Richtung sei, deren Politik zur Lösung der Arbeitsgemeinschaft zwischen Zentrum und Bayerischer Volkspartei geführt habe. Deutschnationale Rückzugskanonaüe. Der Zusammenbruch der nationalistischen Demagogie. Die„De liifs-ch* Zeitung" litzsert eine Rückzugs- kanonade, die den Marsch der Deutschnationalen von der Po- fitik der„natictiaten OpoMtion" über die Annahme der Dawes-Gesetze züitt' Sicherheitspakt mit dem ewigen Verzicht auf Elfaß-Lothringen decken soll. Die„D e u t s ch e Z e i t u n g" polemisiert gegen die„Stresemannsche Staatskunst", die sie mit folgenden Sätzen zeichnet: „Erst Annahme des Dawes-Planes(Regelung der Ent- schädigungsoerpflichtung durch Sondervertrag), sodann Annahme des Sicherheitspaktes(Regelung der Grenzfragen durch Sondervertrag), sodann Annahme der Bedingungen der letzten Entwaffnung? note(Regelung der Abrüstung Deutschlands durch Sondervertrag), sodann Abkommen über die Rhein- Ein Schutzmann kam um die Ecke. Er wollte Ordnung schaffen. Die Trunkenen brüllten ihm Hohn. Der Schutzmann zog seinen Säbel und drang auf den Dicken ein, der Dubiel am Halse gefaßt hatte. Da eine plötzliche Wendung, der Dicke duckte sich, und die Spitze des Säbels fuhr in Dubiels Brust. Ein Blutstrahl sprang auf, seine Augeu irrlichterten weit zu den Kiesernstämmen... Dubiels Tod beschäftigte die Gerichte. Wer war schuldig an seinem Ende? „Der Tod ist durch Vergiftung infolge Genusses von'.Mua Toffana eingetreten," führte der Hausarzt aus.„Es ist der sonst gesunden Konstitution des Berftorbenen zuzuschreiben, daß er nach dem Genuß des Giftes, welches im allgemeinen schon nach einigen Minuten tödlich wirkt, noch fast zwei Stunden lebte und in die Heide hinausfahren konnte." Da trat der Kreisarzt an den Tisch und erklärt«:„Der Der- storbene hatte, nachdem er das Gift fast zwei Stunden im Körper hatt�, den Genuß von.Agua Toffana überwunden. Als Todesursache ist räch meiner Ansicht einzig und allein der nom Bäckermeister Braun ausgeführte Faustjchlag anzusehen, de: ein: Verletzung der Wirbelsäule bervorrief,.'ndtt.i durch die gewultsome Veychiebung der Knorpe' eine Beschädiguiig des R'Hemuarks eintrat." Der Kreisarzt sah geringschätzig auf den Hausarzt herab. Der Gerichtsarzt trat der Ansicht des Kreisarztes schroff ent- gegen. Er schlug feine Augen wie ein Geier in die Menge der Zu- höhrer: „Weder die Vergiftung durch Mua Toffana, noch die Verletzung der Wirbelsäule, die mein Herr Kollege als Chirurg erheblich über- lchätzt, haben den Tod vermfacht. Dieser ist einzig und allein auf den Säbclstich in die Lunge zurückzuführen." Der Richter rutschte unruhig auf seinem Sitze. Er winkte dem Direktor des Pathologischen Instituts. Unnahbar trat dieser vor den Borsitzenden, faltete sein Manuskript auseinander:„Als Todes. Ursache kommen die beiden Berletztungen wegen ihrer Gerinzsügig« keit nicht in Betracht. Aber auch die Vergiftung durch>gua Toffana muß ausgeschieden werden." Er hielt inne. Er kostete die Wirkung seiner Behauptung aus. Gewichtig fuhr er fort:„Der Tod ist durch die Hodgkinsche Krankheit eingetreten, die eine Systemerkrankung der Lymphdrüsen und der Milz ist. Die pathologisch-anatomische Uiüersuchung einer exzidierten Drüse ergab, daß es sich um eine Lymphogranulomatose handelte. Auch die Schwellung der submaxillaren und submentalen Drüsen sowie die beiderseitige Schwellung der Inguinal- und der Cubital- drüscn lassen auf die Hodgkinsche Krankheit schließen." Es wurde unruhig im Cerichtsfaale. Der Vorsitzende schloß für eine Vierielstunde die Aerhandlung. Dubiel aber ruhte sanft und still in seinem Grobe, über da» Windstöße durch schwer wogendes Heidekraut fuhren. lande(Regelung der Kontrolle durch Sondervertrag), schließlich Eintritt in den Völkerbund(Regelung aller anderen Fragen des Versailler Diktats durch Sondervertrag)— vielleicht sollen diese Sonderverträge auch in anderer Reihenfolge zustande- kommen. Ganz zum Schluß jedenfalls erst kommt die Kriegs- s ch u l d f r a g e. Wenn dann alles andere vorher geregelt ist, dann werden die Gegner sagen:„Also gut, ihr seid nicht allein schuld, sondern es haben alle ein bißchen schuld. Dann wollen wir einmal den Versailler Vertrag in den Punkten, die noch nicht durch Sonderverträge geregelt sind, einer Nachprüfung unterziehen." Dann sind nämlich schon alle Punkte des Versailler Vertrages im Sinne des Vertrages durch Sonderadkommen, die mit der Kriegsschuldfrage nichts zu tun haben, geregelt. Also: „C st Regelung der Kriegsschuldsragc!" heißt die Parole der natio- nalen Opposition, dann wollen wir über andere Dinge weiterreden." Soweit ist also die„Deutsche Zeitung" schon. Es be- deutet in Wirklichkeit bereits den vollständigen Verzicht auf eine eigene„nationale Politik", wenn selbst die„Deutsche Zeitung" den Plänen Stresemanns nichts anderes entgegen- zusetzen weiß als die Forderung:„Erst Regelung der Kriegs- schuldfrage, dann wollen wir über andere Dinge weiterreden." Diese Rückzugskanonade deckt die Tatsache, daß die Demagogie der„nationalen Opposition" völlig zusammengebrochen ist. herzlich schlecht._ Reichswehrleutnant gegen Reichsfiagge. Gewalt gegen eine Frau. In Kassel hat sich während der B« r f a s s u n g» t a g e ein Vorfall ereignet, der ein bezeichnendes Licht auf die geistige Ver- fassung gewisser Reichswehroffiziere wirst. Im Wacht- gebäude der Reiterkaserne erschien in einer Prioatwohnung am 19. August abends der Leutnant von Rogister und verlangte die Entfernung von drei Fähnchen in den Reichs- färben, die am Fenster am Blumenbrett angebracht waren. Sein Verlangen begründete er mit dem Bestehen einer Verfügung, nach der in der Kasernen nur die Reichskriegsslagge gezeigt werden dürfe. Am anderen Morgen, am Morgen des Verfassungstages, wurde das Fenster mit zehn Fähnchen in den' Reichsfarben ge- schmückt. Daraufhin erschien der Herr Leutnant in Begleitung eines Gefreiten zum zweiten Male, um die B e s e i t i g u n g der verhaßten Fähnchen zu erzwingen. Trotz der ausdrücklichen Aufforderung, die Wohnung nicht zu betreten, ging er mit Gewalt gegen die Hausfrau vor und beseitigte sämtlich« Fähn- ch e n. Selbstverständlich sind an sogenannten„Deutschen Tagen", bei der Wahl des Reichspräsidenten usw. von anderen Zivilpersonen der Kaserne die Fenster mit schwarzweißroten Fähnchen geschmückt worden, ohne daß irgend jemand dagegen einschritt. Das Vorgehen dieses ehrenwerten Leutnants der Reichswehr qualifiziert sich als glatter Hausfriedensbruch. Davon abgesehen ist es aber eine Schmach, daß unter den Offizieren der Reichswehr Herren wie dieser Leutnant Rogister unter körperlicher Gewalt- anwendung gegen eine Frau in dieser Weise vorgehen. Wir sind sehr neugierig, zu erfahren, ob etwa die Vorgesetzten des Herrn Leutnants zu diesem Vorgehen Auftrag erteilt haben, oder ob sie es decken. Die Amnestie in Sachsen. Erlast einer Notverordnung. Dresden, 27. August.(WTB.) Amtlich wird gemeldet: Das Ge- samtmlnisterium hat in seiner gestrigen Sitzung im Wege der N p l-' Verordnung eine sofort in Kraft tretende Amnestie für politische Straftaten im UmfangedesReichs amnesti«- g e s e tz e s vom 17. d. M. beschlossen. Im übrigen ist aber sür die bei sächsischen Gerichten anhängig gewordenen politischen Strafsachen auf Grund der Landtagsbelchlüsse vom 12. März und der Landtags- Verhandlungen vom 7. Juli bereits in weitgehend st em Maße durch Einzelverfügung Straferlaß gewährt war- den. Sachsen hat damit schon vor der Reichsamnestie Maßnahmen vorweggenommen, die in anderen Ländern jetzt im Wege der Gesetz- xebung getroffen werden. Verprovianlicrung Londons durch Flugzeuge. Demnächst wer- den die Londoner Märkte mit Milch, Eiern und frischem Gemüse durch einen regelrechten Flugdienst versorgt werden, und zwar mit Hilfe von Spezialflugzeugcn, die besonders große Warenmengen befördern können. Die eiste derartige Linie wird die großen Meiereisn von Jersey mit der Hauptstadt verbinden. Die Waren kommen dann bereits zwei Stunden nach der Absendung in London zum Verkauf. Ein englische» Vauernlheaier. Eine eigenartige Theatergesell- schaft, deren Leiter der bekannte englische Bühnenschriststeller Lord Dunsany ist, hat sich in dem Dorf Shoreham in der Grafschaft Kent gebildet. Die Theatertruppe, die in diesem Sommer verschiedentlich im Park der Besitzung Dunsanys und auch sonst im Freien Shake- speares„Sommernachtslraum" ausführte, ist vollständig aus den Dorfbewohnern zusammengesetzt. Lord Dunsany hat mit den Bauern seines Dorfes die Rollen eingeübt, und so wird z. B. der Theseus von dem Schlächter, der Zettel von einem Kutscher, der Puck von einem Schulmädchen gespielt. Auch die Kostüme und Dekorationen sind in dem Dorfe angefertigt, und es herrscht bei allen Mitgliedern des Bauerntheaters große Begeisterung, die an dem Erfolg ihre» Spiels einen wesentlichen Anteil hat. Nach dem Sommernacht»- träum werden die Bauern ein lustiges, seit mehr als 299 Iahren nicht mehr gespieltes Stück eines anderen Dichters der Elisabethani- schen Zeit aufführen, nämlich Dekkers Komödie„Der Feiertag des Schusters". Fünf Milliarden Mark für Anzeigen. Amerika ist bekanntlich das Land der Retlame, und die alte Welt beginnt erst allmählich, die Formen der Werbung nachzuahmen, die man in den Bsr- einigten Staaten ausgebildet hat. Unter diesen Mitteln steht die Anzeige noch wie vor an erster Stelle, wird aber in einem Umfang und mit einem Nachdruck verwertet, die bei uns ganz unbekannt sind. Nach den neuesten Berechnungen, die New Parker Blätter veröffentlichen, schätzt man die jährliche Anzeigenrechnung der Vereinigten Staaten auf 1)4 Milliarden Dollar, also auf mehr al» S Milliarden Mark._ ««dich Inisfeier für August 5lramm. Am MittwoS, den 2. September, abends T'/j Ubr, beginnt in der Kunstausstellung„Der Sturm" die Reihe der Swrmabende mit emer Gedächtnisfeier für den führenden expressioniftilchen Dichter August Stramm, der am 1. September ISIS in Rußland gefallen ist. Rezitation seiner Sauvtwerle: Rudolf Blümner. Vortrag: Lothar Schreher, Musik: Hcrwarl Waiden. vi« veutscheu au der Spitze der Ilobelpreislräger. Räch dem Bericht deS RobelfondSkomiteeS sind in den Jahren 1991—1924 Vreiie im Gesamt- betrage von 13 8KK 670 Kronen verteilt worden. Der RobelsondS belauft sich jetzt aus 39 KSK 597 Kronen. Unter den NobelvreiSIrägern steht Deutich- land mit 26 Preisen an der Spitze aller Staaten. Frankreich find 21, England 14, Amerika 9. Schweden 7, Dänemark und Holland je 6, der Schweiz 5, Oesterreich, Belgien. Norwegen und Italien je 4, Spanien 3. Polen 2 und Rußland wie Indien je ein Preis in den Jahren 1991—1924 zugesallen.' Bahnärztekongreß ln Wiesbaden. Der„Verband Deutscher Babnärzte" hält aus Einladung deS Magistrat» seinen 13. VerbandStag in der Zeit vom 2. bis 5. September in Wiesbaden ab. Nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen kann aus die Teilnahme von über 1999 Aerzten au» allen Teilen Deutschlands gerechnet werden. Außenminister tzergt? Ter Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses als Aus- leger des Regierungstommentars. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichs- tags, der Abgeordnet« ch e r g t, hat an die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, daß er den Auswärtigen Ausschuß nicht einzuberufen gedenke. Dieser Entschluß wird ausführlich begründet. Die Begründung, die Herr Hergt liefert, ist eine deutschnationale Auslegung der amtlichen Veröffentlichungen. Man kann aus dieser Begründung die Absicht herauslesen, die weiteren Ver- Handlungen über den Sicherheitspatt dilatorisch zu behandeln. Sie lautet: Vor dem Auseinandergehen des Reichstages war mir aus dem Auswärtigen Ausschuß von verschiedenen Seiten nahegelegt worden, den Ausschuß sofort zusammenzuberufen, sobald eine grundsätzliche Entscheidung der Regierung zur Sicher- heits- und Völkerbundsfrage bevorstände, zu der recht- -eitig Stellung zu nehmen der Ausschuß verfassungsmäßig berufen sei. Nach der heutigen amtlichen Verlautbarung der Regierung, zu der am 24. d. M. überreichten französischen Note darf festgestellt werden, daß die deutsche Antwortnote wiederum nur den Charakter einer Zwischennote trägt und die deutsche Regierung zunächst noch eine weiter« Klärung der grundsätzlichen Fragen für nötig hält, daß die Entsendung des deutschen Sachverständigen zu der Konferenz der Rechtssachverständigen lediglich informatorische Bedeutung hat, ohne daß die Instruktion des deutschen Vertreters über die Erörterung der rein juristischen und technischen Seite der Angelegenheit hinausgeht und ohne daß eine Festlegung der die politische Verantwortung tragenden Instanzen bei dieser Konferenz nach irgendwelcher Richtung erfolgen könnte, daß ferner durch den Zusatz„etwaiger" die Frag« künf- tiger Verhandlungen— offenbar auch ihrer äußeren Form nach— ausdrücklich noch offen gehalten ist und daß end- lich in der Sache selbst die deutsche Regierung den von ihr in der Note vom 24. Juli d. I. eingenommenen Standpunkt aufrecht er- hält, wi« dies durch den allgemeinen Hinweis auf diese Note und wiederholte Einzelhinweise auf ihren Inhalt klar zu ersehen ist. Unter diesen Umständen wird m. E. durch die deutsche Antwortnote grundsätzlich an der bisherigen Sach- und Rechtslage nichts geändert und ich glaube deshalb, zur Zeit auf ein« Einberufung des Auswärtigen Ausschusses verzichten zu sollen. Dieser Brief ist ein Eingriff in die schwebenden Verhand- lungen, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann. Es steht den Deuffchnationalen frei, als Regierungspartei ihre Parteiauslegung gegen die Regierungspolitk zu lancieren, man wird sich dann mit dieser Regierungspartei auseinander- setzen. Ein anderes ist es, wenn Herr H e r g t als Vor» fitzenderdes Auswärtigen Ausschusses sich an- maßt, eine authentische Interpretation der Regierungs- auffasfungen zu geben. Er greift damit nicht nur in die schwebenden Verhandlungen eigenmächtig, ohne Auftrag des Parlamentsausschusses im deutschnationalen Parteiinteresse ein, er verletzt zugleich die Rechte der Mitglieder des Aus- wärtigen Ausschusses, die er bevormunden will. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses ist nicht der Außenminister. Seine Auslegung ist alles andere als authentisch, zumal sie von dem Mann gegeben wird, der am ZY. August 1924 anders tonnte, als er am 27. August 1924 stierlich geschworen hatte._ Die öeutscheEmpfangsbestätigung überreicht Paris. 27. August.(MTB.) Der deutsche Botschafter v. Hoetsch hat heute abend(5,30 Uhr dem französischen Außenminister Briand die deutsche Antwort aus die kürzliche französische Demarche in Berlin in der Sicherheitsfrag« überreicht. Die Antwort, die sehr kurz i>t und knapp eine Seite umfaßt, wird am Sonnabend früh in Berlin und Paris zur Veröffentlichung gelangen. Paris. 27. August(Eigener Drahtbericht). Don französischer zu- ständiger Seit« wird mitgeteilt, daß die deutsche Not« in sehr liebenswürdigem Ton gehalten sei und den französischen Dorschlag einer Konferenz juristischer Sachverständiger annehme. Diese Konserenz werde voraussichtlich in den ersten Septembertagen in London beginnen. Die Drusen im vormarsth. Kritische Lage der Franzosen. pari». 27. August.(Eig. Drahtber.). Nach englischen Meldungen ist die Lage in Syrien für die Franzosen sehr kritisch. Die französischen Truppen hätten mehrere Stellungen aufgeben müssen, zwei im Norden von Damaskus, ein« dritte bei Esra. Außerdem sei die französisch« Gendarmerie bei Ghotta, 3 Klm. süd- lich von Damaskus, durch die Angriffe der Drusen gezwungen worden, sich in die Stadt zurückzuziehen. Mit den Drusen hätten sich ehemalig« türkische Offizier« sowie die Beduinen vereinigt und versucht, die französischen Verbindungen zu unter- brechen. Die Kämpfe seien sehr heftig gewesen und zahlreiche Franzosen seien verwundet worden, darunter der Kommandant der algerischen Artillerie. Französische Verstärkungen von 3000 Mann sollen bereits in Beirut angekomemn und weiter« 7000 Mann unter- wegs sein. In Anschluß an einen Ministerrat am Donnerstag vormittag erklärte der Ministerpräsident, daß er keinerlei Nachrichten aus Syrien erhallen habe. Die englischen Meldungen seien über- trieben und e n t st e l l t. Es sei sehr wohl möglich, daß sich einige Beduinen ib der Hoffnung auf Beute mit den Drusen zu- sammengetan hätten, doch könne kein« Rede von einem festen Bündnis zwischen Beduinen und Aufständischen sein. Kanton im Aufruhr. Offener Kampf zwischen Fremden und Chinesen. condon. 27. August.(TU.) Nach einer kurzen Meldung aus Hongkong ist gestern in der Stadt Kanton der osseae Kampf zwischen Chinesen und fremden ausgebrochen. Einzelheiten fehlen noch.__ hindenburg gehl nicht ,u Ludendorff Di« Nachricht, daß der Reichspräsident dem General Ludendorff einen Besuch abstatten wolle, wird dementiert. DI« parlamentarischen Arbeiten im preußischen Landtag nehmen nach der Somm-rpaus- am kommenden Montag wieder ihren An- fang mit einer Tagung des Hauptausschusses, der nachmittags um 2 Uhr zusammentritt und dann laufend den Etat erledigen will. Der Ausschuß wird sich zunächst mit dem Etat des Kultusministeriums beschästigen. Zn Schanghai hat etwa ein Viertel der Arbeiter der japanischen Baumwollspinnerei die Arbeit wiederaufgenommen. Die französisch, russischen wirtschastsverhaodlungea kommen wieder in Gang. Painlcve und Briand haben deshalb den Sowjet- botschafter Krasiin und den Abg. Dalbiez empfangen. Internationale unö Völkerfrieöen. Entschließungen deS Marseiller Kongresses. Marseille, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß der Sozialistischen Internationale hat am Donnerstagabend die Re- solution, auf die sich die Westfragen-Ksmmission nach tagelangen Diskussionen geeinigt hatte, e i n st i m m i g angenommen. Sie er- klärt einleitend, daß der wirtschaftlich« Konkurrenzkampf des Kapitalismus in den einzelnen Ländern eine der Hauptursachen der Kriegsgefahr sei, insbesondere die rivalisierenden kämpfenden Wirtschaftssysteme, die bald durch Privategoismu» und ein auf die Spitze getriebenes Schutzzollsystem, bald durch die Methode des Dumping die Welt balkanisieren und Arbeitslosigkeit, Steigerung der Lebenshaltungskosten. Unstabilität der Währung mit allen wirt- schaftlichen und finanziellen Krisen zur Folge haben müssen. Einzig und allein der Sozialismus sei in der Lage, diesem chaotischen Zu- stand ein Ende zu machen. Der zweite Absatz der Resolution präzisiert die Stellung der ZnlernaNonale zum Völkerbund. Er führt u. a. aus, daß gewiss« Bestimmungen der Friedens- vertrüge und die ungenügende oder schlechte Lösung einzelner Probleme, besonders der Frage der Minderheiten, eine starke Gefahr für den Frieden bedeuten, da bedauer- licherweise die staatlichen Hoheitswachen nicht die E i n s ch r ä n- k u n g erfahren hätten, die die Solidarität der Völker erfordere. Trotzdem habe die in der Internationale vereinigte Arbeiterschaft die Gründung des Völkerbundes gutgeheißen, aber sie seh« sich zu der Erklärung genötigt, daß dieser seine Mission erst dann erfüllen kann, wenn alle Länder mit völlig gleichen Rechten und Pflichten ihm angehören. Aus diesem Grund wünsche die Inter- nationale, daß die Bestimmungen des Artikels 19, die eine Re- oision der Friedensverträge vorsehen, präzisiert und wirk- s a m gemacht werden. Sie wünschen ferner, daß die wirtschaftliche Organisation des Völkerbundes in einen besonderen Rat für internationale Kollektivwirtschaft umgewandelt wird und daß dazu die gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen der Arbeiter herangezogen werden. Alle Konflikte ohne Ausnahme einschließlich der die Auslegung und Durchführung der Friedensverträge betreffenden, müßten künftighin einem obligatorischen Schiedsverfahren unterworfen und es müßte ausdrücklich festgelegt werden, daß kriegerische Aktionen nur in Abwehr eines Kampfes(wohl Angriffs? Red.) oder auf Grund eines besonderen Beschlusses des Völkerbundes zu- lässig seien. Ein Staat, der nach der Ablehnung eines Schieds- Verfahrens oder einer schiedsgerichtlichen Enffcheidung seine Zuflucht zum Kriege nehme, sei>>hne weiteres als Angreifer zu betrachten. Angeregt wird weiter die Einberufung einer Konferenz durch den Völkerbund zur Durchführung der allgemeinen Abrüstung. Der dritte Absatz beschäftigt sich mit dem Genfer Protokoll und dem separaten Garantievertrog. Er erinnert an die auf den Kongressen der Organisationen in England, Deutschland, Belgien und Frankreich gefaßten Entschließungen, in denen die augenblicklich zwischen den Mächten bestehenden Schwierigkeiten als Folge der Nichtannahme des Genfer Protokolls erklärt werden. Das jetzt in Aussicht genommene separate Sicherheitsabkommen sei nuvollkommen. denn es entHalle keinerlei verpsllchlung zur all- gemeinen Abrüstung. Die Internationale verlangt, daß dieser Vertrag keinerlei Ge- h e i m k l a u s e l enthält, daß die darin festgelegten Garantien auf Gegenseitigkeit beruhen, daß er unter Kontrolle des Völkerbundes gestellt wird und keine Spitze gegen eine andere Macht oder eine Mächtegruppe hat. Denn es muß unter allen Umständen vermieden werden, daß dieser Vertrag zur Wiederherstellung eines falschen Gleichgewichts zwischen den Mächten führte, und daß die eine oder andere dieser Mächte aus diesem Vertrage für sich das Recht ableiten könne, eigenmächtig Sanktionen außerhalb der in der Satzung des Völkerbundes vorgesehenen Fälle anzuwenden. Da der von Deutschland vorgeschlagene Pakt in seiner endgültigen Form noch nicht vorliegt, muß die Internationale sich eines Urteils darüber enthalten. Die Resolution schlägt vor, daß sofort nach Veröffentlichung des endgültigen Textes die Parteien der beteiligten Länder zusammen mit dem Exekutivkomitee zu einer Konferenz zusammentreten, um darüber zu beraten. Alle gegenwärtigen Schwierigkeiten könnten verhältnismäßig leicht über- wunden werden, wenn Deutschland erst Mitglied des Völkerbundes sei, da dann Verletzungen des Friedensver- träges, die als feindselige Handlung angesehen werden könnten, nur auf Grund eines gemeinsamen Beschlusses des Völkerbundes kon- statiert werden könnten. Zluch die von Deutschland und Rußland gegen Artikel 16 geltend gemachten Bedenken würden gegen- st a n d s l o s werden, sobald beide Mächte dem Völkerbund an- gehörten. Die Kommission hat außerdem ein« Resolution zu den Vorgängen in Marokko angenommen, die auf das schärfste gegen das Blutvergießen pro- t e st i e r t und von den beteiligten Mächten eine entscheidende Aktion zur Wiederher st ellung de» Friedens ver- langt. Der Friede müsse geschlassen werden auf der Grundlage der Anerkennung der Unabhängigkeit de» Rif» und der von Frankreich und Spanien bereits prinzipiell zugesagten B e- r i ch t i g u n g der Grenzen, die für die wirtschaftlich« Ent- Wicklung des Rifs unbedingt notwendig sei. Der Fried« selbst und der neu zu gründende Staat in Nordaftika soll unter die Kontrolle de» Völkerbundes gestellt werden. Marseille, 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Der zweite Kongreß der sozialistischen Internationale hat am Donnerstag in vorgerückter Abendstunde einen Abschluß gefunden, der alles in allem vielleicht nicht alle Delegationen befriedigt und doch in seinen Entschließungen zu den großen weltpolitischen Problemen den einigen Willen und ein festes Ziel erkennen läßt. Be- sonders der letzte Tag mit seinen Beratungen über die West- und Ostprobleme gab ein leuchtendes Beispiel der Stärke der erst vor wenigen Jahren wiedererstandenen Arbeiterinternational« und von dem in ihr vorherrschenden Willen, trotz aller Meinungsverschieden. heiten über die Methoden politischer Handlungsweise doch ein End- ergebnis im Auge zu halten. Ganz besonders schwierig gestalteten sich die Verhandlungen der Kommission, die das Ost Problem mit der russischen Frage behandelten. Aber auch hier konnte schließlich eine E i n i g u n g.erzielt werden. Ihr Ergebnis ist in einer Entschließung niedergelegt, die zunächst auf die drohenden Kriegsgefahren in Osteuropa hinweist. Gedacht ist hier u. a. an die nationalistischen, revolutionären Bewegungen in Ehina und Indien und den mohammedanischen Ländern, deren Regierungen zu einer aggressiven Politik gegen die Union der Sowjetrepubliken drängen(?). Diese wiederum nährt die Illusion, daß die Be- freiung der Arbeiter durch Bajonette siegreicher roter Armeen er- rungen werden könne und daß es eines neuen Weltkrieges bedürfe, um die Weltrevolution herbeizuführen. Die Eni- fchließung stellt fest, daß die Internationale rückhaltlos für das Recht der neuentstandenen Staaten aus freie, unabhängige Existenz eintritt. Sie erklärt mit großem Nachdruck, als Pflicht aller sozia- listischen Parteien, jede gegen die Sowjetunion gerichtet o g g r e s- f i v e Politik zu bekämpfen und die Herstellung friedlicher poli- tischer Beziehungen mit der Sowjetunion zu fördern. Gleichzeitig verlangt der Internationale Kongreß die Herstellung voller poli- tischer und gewerkschaftlicher Freiheit in der Sowjetunion und fordert das russische Volk auf, sich ebenfalls jeder aggres- siven und annexionistischen Politik der Sowjets sowie jeder Pro- paganda zu widersetzen, die auf gewaltsame Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Völker abzielt. Ferner erklärt die Internationale, daß sie mit großem Nachdruck die Bestrebungen der sozialistischen Parteien der Sowjetföderation nach Demo- kratisierung des Regimes der Sowjetunion und Herstellung der politischen Freiheit fördere. Für die arbeitenden Volksmassen der chinesischen, in- d i s ch e n und mohammedanischen Welt sollen alle sozialistt- schen Parteien immer wieder das S e l b st b est i m m u n g s r e ch t gegenüber den imperialistischen Mächten fordern. Im �übrigen ver- sichert die Internationale den chinesischen Arbeitern ihr« volle Soli- darität und fordert insbesondere für China die Aufhebung des fremden Druckes, die Beseitigung des Systems der Konzessionen und die sofortige Einführung moderner Arbeiterschutzgesetze. Endlich wird das Selbstbestimmungsrecht für alle Minderheiten gefordert und auf das schärfst« die in verschiedenen Ländern, inbesondere in Bulgarien, wütende Gewalt, und Terrorherrschast verurteilt. Mit der Annahme auch dieser Entschließung durch die Kom« Mission war der zufriedenstellende Verlauf des letzten Verhandlung?- tages gesichert. Er brachte am Vormittag ein kurzes Referat Frie- brich Adlers über Aenderung der Satzungen und organisatorische Fragen. In der Diskussion machte Grumbach. Paris Vorschläge für«ine bessere Verbindung zwischen den einzelnen sozialistischen Parteien und Parlomentsgruppen wie für das Pressewesen. Jede Partei soll ein besonderes internationales Sekretariat einrichten und die einzelnen Delegationen nach dem Muster der deutschen Partei sich Pressebureaus schaffen. Die vorgeschlagenen Satzungs- änderungen werden einstimmig angenommen. Sie besagen, daß der Kongreß mindestens alle drei Jahre tagen soll und auf Beschluß der Exekutive jederzeit einberufen werden kann. Vor- läufig ist die nächste internationale Tagung ohne feste Bestimmung des Tagungsortes für 1927 vorgesehen. Am Nachmittag berichtete W i b a u t- Holland über das oben gemeldete Beratungsergebnis der Westfragen-Kommission. Auch die englische Delegation schließt sich dieser Lösung unter grundsätzlicher Wahrung ihres Standpunktes zum Genfer Protokoll an. Henderson betonte das ausdrücklich und sprach seine Genugtuung über die erzielte Einigung aus. Ihm dankte B r e i t s ch e i d, indem er vor allem darauf hin. wies, daß es Pflicht aller Delegationen sei, heute nicht mehr zu sagen und zu fordern, als was sie morgen durchführen und ver- antworten können. Er zog einen Trennungsstrich zwischen den im Rahmen der praktischen Politik bestehenden Möglichkeiten und jener Politik, die nur auf Prinzipien beruht, ohne die auch im kapitalistischen Staat vorhandenen Wege zur schrittweisen Durchfühning unserer Ziele ausnutzen. Breitscheid fand den spon- tanen Beifall der französischen wie der deutschen Delegation, als er hter den Schotten Dollan daran erinnerte, daß den deutschen Sozial- demokraten nichts lieber wäre, als eine Annullierung der Friedens- vertrüge von heute auf morgen. Aber was bedeutet, so fragte Breit- scheid, diese Forderung mit Rücksicht auf die tatsächlichen Der- Hältnisse? Leider bleibt ihm Dollan die Antwort schuldig. �aillaux' Erfolg in London. Ab l»30 zahlt Frankreich 12,5 Millionen Pfund jährlich. London. 27. August.(Eigener Drohtbericht.) Caillaux ist es in London gelungen, die englischen Forderungen auf 1 2 14 M i l> lionen Pfund im Jahr herunterzudrücken. Außerdem hat Frankreich ein Teilmoratorium bis 1930 erzielt, damit es seine Schulden bei der Bant von England decken kann. Di« englische Presse ist über diese Verständigung zwischen Churchill und Caillaux sehr verstimmt: ein solches Opfer könne England sich heute nicht leisten.„Daily Expreß" sagt. Caillaux sei der erfolgreichste Unterhändler der Welt, während Churchill sich äußerst schwach gezeigt habe. Im gleichen Sinne äußert sich auch„Daily Telegraph". Nur die„Mvrning Post" drückt Befriedigung über die Verständigung aus: Caillaux und Churchill seien zu beglückwünschen für das, was sie erreicht hätten. Caillaux ist Donnerstag früh nach Paris abgereist.' Er erklärte auf dem Bahnhof noch Preheoertretern. daß er mit pem Ergebnis seiner Londoner Reise zufrieden sei. Er würde um 7 Uhr abends in Paris erwartet, um 9 Uhr hat er die Ergebnisse dem Kabinettsrat unterbreitet. Paris. 27. August.(Eigener Drahtbericht.) Wenn e» Caillaux auch nicht gelungen ist, ein endgültiges Abkommen über die Rückzahlung der Schulden an England zustandezubringen, so ist er doch mit Churchill zu einer Einigung über gewisse Grundsätze für die endgültige Regelung gelangt. Aus einem gemeinsamen englijch-französischen amtlichen Bericht geht hervor, daß Eng- land seine ursprüngliche Forderung von 20 Millionen Pfund aus 12,5 Millionen jährlicher Zahlung herabgesetzt Hai. Diese Jahres- Zahlungen bat Frankreich England durch 62 Jahre zu leisten. Auch ein teilwcises Moratorium bis zum Jahre 1930 sei Frankreich zuge- standen. Der Betrag von 12,5 Millionen Pfund müsse jedoch von Frankreich selbständig ausgebracht werden: der Gedanke, einen Teil der französischen Schuld an England durch Ueberweisung der französischen Einnahmen aus dem Dawes-Plan zu tilgen, ist also fallengelassen worden. Um aus andere Weise die fran- zösischen Zahlungen mit' den Eingängen aus dem Dawes-Plan in Verbindung zu bringen, hat Caillaux gefordert, daß Frankreich unter keinen Umständen an seine Alliierten mehr zu zahlen haben soll, als es von Deutschland empfange. Darauf ist aber England nicht eingegangen. Dagegen scheint England geneigt zu sein, dem Ver- langen Frankreich? zuzustimmen, eine Unterbrechung der Zahlungen für den Fall des Sinkens der französischen W ä h- r u n g eintreten zu lassen. England hat allerdings sein Zugeständnis an die Bedingung geknüpft, daß Frankreich sich A m e r i k a g e g e n- über nicht entgegenkommender zeige. Mit anderen Worten: da die französische Schuld an Amerika um etwa 50 Proz. größer ist als die an England, wird England nur in dem Fall eine Iahreszahlung von 12,5 Millionen Pfund zugestehen, daß Frankreich an die Vereinigten Staaten nicht mehr al» 19 Millionen Pfund zu zahlen hat. Gewerkschaftsbewegung Die neue Mauer. In der Zeit, da die Bauarbeiter streiften, ist im Regierungs- und Unternehmerlager gebaut worden. Eine Art chinesischer Mauer sperrte die Einfuhr billiger Lebensmittel ab und das Schlußstüd dieser Mauer foll der Arbeitnehmerschaft den Weg versperren, ihre Löhne den gesteigerten Lebensmittelpreisen anzupassen. Dafür verheißen uns Regierung und Unternehmer einen Preis abbau. Die Lohnbewegung bei der Reichsbahn. Die Berhandlungen gescheitert: ging jedoch dahin, daß mit Südficht auf die wirtschaftliche Lage im oberbayerischen Rohlenbergbau" von einer ohnerhöhung abgesehen wird und daß im September die bisherige Lohnregelung in Geltung bleibt. Für Ende September sind neue Berhandlungen vorgesehen. " Abbau aber nicht der Preise. Der Lohntampf der Reichsbahnarbeiter tam am geftrigen Donnerstag vormittag ebenfalls vor dem Reichsarbeitsministerium zum Austrag. Die Eisenbahner haben eine Aufbesserung der Löhne um 12 Pfennige für die Stunde gefordert, um dadurch die Steigerung der Lebenshaltungskosten abzugelten. Da die Vor- Köln, 27. August.( Eigener Drahtbericht.) Auf der Grube besprechungen zu feinem Resultat geführt hatten, trat unter Vorsitz Concordia- Nord im Kreise Euskirchen wurden 69 Arbeiter von Dr. 3iethen der Schlichtungsausschuß zusammen. Die Ber gelündigt. Ebenso erhielten auf Grube Hubertus" 75 Artreter der Reichsbahn hatten eine allgemeine Lohnerhöhung beiter ihre Kündigung, Diese Massenfündigungen haben begreifabgelehnt mit der Begründung, daß die Reichsbahnverwaltung licherweise in der Bevölkerung große Besorgnisse hervorgerufen. nicht über die dafür erforderlichen Mittel verfüge, und daß eine Scheint doch das Vorgehen der Unternehmer umso unverständlicher, ohnerhöhung für die Reichsbahnarbeiter eine Tariferhöhung wenn man bedenkt, daß die Braunkohlengruben einen Folge müsse. sei, zweifeln müssen, dann ist er derart, daß die Arbeitnehmer als Ron Teuerung nicht geleugnet werden fönne, der Reichsbahndirektion die geradezu hervorragenden Abfas zu verzeichnen haben. Sollte es wirklich zu einem Preisabbau kommen, woran wir nach allen bisherigen Erfahrungen mit allen ähnlichen Aktionen fumenten herzlich wenig davon gewahren. Bis jetzt haben wir ledig lich mit der Tatsache zu rechnen, daß die Interessenten sich mit ihren Preisen auf einen gewissen Abbau einrichten, d. h. ihre Preise weiter erhöhen, um sie hinterher, wenn es durchaus nicht anders geht, um einen Teil der erneuten Steigerung herabzusetzen. Dieses erprobte Spiel ist auch insofern gefährlich für die Arbeitnehmer, als der etwa erfolgende sogenannte Preisabbau, um dessen Vorteile die Konjumenten schon von vornherein betrogen sind, als Deckmantel benützt wird zu Lohnkürzungen. " Zur Lohnbewegung in den Zeiß- Werken. Weimar, 27. August.( Eigener Drahtbericht). Die Urs abstimmung in den Zeiß- Werken und bei der Firma Schott u. Co. in Jena batte folgendes Ergebnis: Für den Streif stimmten bei Beiß 77 Proz. der Drganisierten und 60 Proz. der Unorganisierten. Bei Schott stimmten 60 Proz. der Organisierten und 51 Broz. der Unorganisierten für den Streit. Eine Gewerk fchaftsversammlung am Montag wird über den Abschluß der Bewegung beschließen. Der Metallarbeiterstreit in Belgien beendet. Notwendigkeit für die Lohnerhöhung in dem geforderten Ausmaße nicht ersichtlich. Von den Bertretern der Eisenbahner- Tarifgewert schaften wird demgegenüber ausgeführt, daß die Reichsbahndirektion dazu die Mittel habe, was schon daraus hervorgehe, daß sie die Die Gewerkschaftsgar nicht gewünschte Leistungszulage gäbe. vertreter bestritten die Berechnungen der Reichsbahnverwaltung und widerlegten die Behauptung, die Reichsbahn habe 50 Millionen M. monatlich für Reparationszahlungen aufzubringen. Von den Gewertschaftsvertretern wurde betont, daß die Reichsbahn in dem laufenden Geschäftsjahr in der Zeit vom 1. Oftober 1924 bis 30. SeptemTatsache ist, daß die vor Monaten vereinbarten Löhne heute nicht ber 1925 insgesamt nur 400 Millionen M. Reparationsbeträge zu mehr ausreichen, um die damals dafür zu habenden Lebensmittel zahlen habe, was eine Monatsrate von 27 bis 28 Millionen M. Kann die Regierung, zu erwerben. kann das Unternehmertum ausmache. Außerdem wurde noch darauf hingewiesen, daß die Einnahmen der Reichsbahn sowohl im Personen, als auch irgendeine Garantie dafür geben, daß ein Maßanzug zum Beispiel, Güterverkehr recht gut seien, wenn auch anerkannt würde, daß der vor dem Kriege um 55 bis 65 Mark zu haben war und jezt minder Verkehr zu Anfang und Mitte des Jahres stets etwas nach destens das Doppelte toftet, nach Durchführung der Preisabbauaktion, lasse. Die Bertreter der Reichsbahndirektion verschlag am Donnerstag vormittag durch Vermittlung des Arbeitstrog des Zollwuchers billiger zu haben sein wird und nicht noch harrten jedoch auf ihrem ablehnenden Stand wesentlich teuerer werden wird als heute? Wenn wir von Lebenspunkt bezüglich einer allgemeinen Lohnerhöhung und schlumittelpreisen sprechen, so sind darunter die Preise für sämtliche gen ihrerseits nur eine Aenderung der Ortslohnzulagen Lebensbedürfnisse zu verstehen, wozu natürlich auch Wäsche, Beklei- für die Minderheit des Personals vor, womit fich jedoch die Berdung, furzum all das gehört, was zur normalen Lebenshaltung der treter der Eisenbahnergewerkschaften nicht zufriedengaben. Arbeitnehmerschaft notwendig ist. Der Schlichtungsausschuß trat darauf zusammen, um einen Schieds. Spruch zu fällen. Der Preisabbau isi teine Tatsache, Tatsache ist die Preissteigerung, mit der der einzelne Arbeitnehmerhaushalt zu rechnen hat. Und diese Tatsache zwingt die von der Hand in dem Mund lebenden Arbeiter, Angestellten und unteren Beamten, gegen die entstandene Berkümmerung ihrer Lebenshaltung, in der das Fleisch zum Beispiel mehr und mehr verschwunden ist, sich zu wehren, einen Ausgleich zu fordern. Angenommen, das Un ternehmertum hätte wirklich nicht die Absicht, den Reallohn herabzudrücken, es glaubte an den Erfolg der Preisabbaualtion und setzte sich dafür ein. Was läge dann näher, zunächst eine Einis gung über die Lohnforderungen herbeizuführen, einer Lohnerhöhung mit dem Vorbehalt zuzustimmen, daß sobald der Lebenshaltungsinder um eine gewisse Punktzahl gesunken ist, eine entsprechende Lohnfürzung folgt. Dieser Vorbehalt, die sogenannte Sicherungstlaufel, ist in verschiedenen Lohnabkommen fest gelegt. Das Unternehmertum aber hat der 3ollmauer, das Baradeftüd des Preisabbaues eingefügt, um sich gegen einen Ausgleich zwischen den alten Löhnen und den neuen Preisen dahinter zu verschanzen. Wenn dieselben Kreise, die den 3ollplänen zur Durchführung verholfen haben, uns mit der Ver. heißung eines Preisabbaus abspeisen wollen, dann müssen wir schon fragen, zu welchem 3wed denn eigentlich die 3ollattion unternommen wurde. Ihre Auswirkungen treffen doch nur die Masse der kleinen Verbraucher. Ohne Rücksicht darauf wurde sie beschlossen und nun sollen wir cr= warten, daß wir durch einen Preisabbau davor geschützt werden, von denselben Interessentenfreisen, die die Borte: le der neuen Zölle für sich einziehen wollen. Die deutsche Arbeit nehmerschaft hat während der Inflationszeit zuviel Erfahrungen erkaufen müssen, als daß sie sich den Lurus solchen Köhlerglaubens leisten könnte. Die neue Mauer, hinter der sich das gesamte Unternehmertum mit dem ganzen ihm verfügbaren Apparat in der Regierung und in der Presse gegen die notwendigen 2ohn forrerungen der Arbeitnehmer verschanzt, ist recht leicht aufgebaut, doch die Verteidigung ist start. Die Arbeitnehmerschaft kann der Einladung nicht folgen, sich mit dahinter zu stellen. Sie käme derart ins Gedränge, daß ihr kein Ausweg mehr bliebe. Sie muß die Mauer berennen, ihren notgedrungenen Forde rungen Geltung verschaffen. Sie selber muß die Stärkung der Kauffraft ihrer Löhne herbeiführen, die das Unternehmertum in seinem Rechtfer tigungsversuch verheißt. Die Steigerung und Berbillis gung der Produktion können sich die Unternehmer nur vorstellen durch Berlängerung der Arbeitszeit und herab sezung der Löhne. So wollen die Unternehmer eine Stärkung Der Kaufkraft herbeiführen. Die Rolle des Ratgebers der Arbeit nehmerschaft sollte das Unternehmertum nicht spielen wollen, nach dem es in seiner wirklichen Rolle seit Jahrzehnten bekannt ist und sich erst jetzt wieder so deutlich darin zeigt. Das Versteckspiel ist mißlungen, die durchsichtige Schutzmauer muß niedergelegt werden. Auch die Reichspoft verweigert Lohnzulagen. Heute Fortsetzung der Berhandlungen. Die Lohnverhandlungen zwischen den Bostarbeiter- Organisationen und der Reichspostverwaltung haben am Donnerstag noch zu feinem Resultat geführt. Die Verwaltung wei gerte sich bis jezt, irgendwelche Zugeständnisse zu machen und fam schließlich mit dem Verschleppungsoor schlag, in acht bis zehn Tagen weiter zu verhandeln. Demgegenüber bestanden die Bertreter der Organisationen auf einer raschen und klaren Entscheidung; fie forderten, daß die Reichspoſt. verwaltung angesichts der Teuerung fofort positive 3usagen machen müsse. Die Verhandlungen wurden schließlich in später Stunde ohne Resultat abgebrochen und auf Freitag vor= mittag vertagt. Also auch bei der Reichspost ein verabredeter, planmäßiger Widerstand gegen jede Lohnerhöhung. In der 11. Stunde wurden die Verhandlungen wegen der Lohn erhöhung der Eisenbahnarbeiter dadurch zu einem jahen Ab schluß gebracht, daß nach stürmischen Auseinander. fegungen die Arbeitnehmerbeisiger des Schieds gerichts unter Protest den Saal verließen, da sie sich mit der Berhandlungsführung durch den Vorsitzenden, Oberbürgermeister a. D. Dr. Ziethen, nicht einver standen erklären fonnten. Wie verlautet, sahen sie in der Berhandlungsführung eine Bevorzugung der Arbeitgeber vertreter. Wie wir hören, werden sich die Gewerkschaften weitere Schritte vorbehalten. Der Rest des Schiedsgerichts beriet dann noch über die Frage, ob man eventuell trog der Abwesenheit der Arbeitnehmervertreter einen Schiedsspruch fällen fönnte. Dr. 3iethen ist der frühere freifonservative Abgeordnete im ehemaligen Dreiflaffenhaus. Keine Gehaltserhöhung im Bankgewerbe. Nach dem Schiedsspruch nicht vor November. Im Reichsarbeitsministerium wurde am Donnerstag am Schluß der Berhandlungen zur Beilegung des Lohntonflitts im Bankgewerbe folgender Schiedsspruch gefällt: Die zurzeit geltende Gehaltsregelung bleibt bis zum 31 Ottober 1925 in zait. Die Barteien treten am 15. Oftober 1925 zu Berhandlungen über eine weitere Regelung der Gehälter zusammen. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 7. Sep: tember 1925. Dieser Schiedsspruch stellt eine geradezu unglaubliche Heraus forderung an die Banfangestellten dar. Man fieht hier ganz deutlich, daß das Reichsarbeitsministerium vom Rabinett inftruiert worden ist, jede Lohnerhöhung zu unterbinden. Nachdem Schwerindustrie und Großagrarier ihre Zölle waltsam hervorgerufene Lohnbewegung ebenso gewaltsam abgewürgt in der Tasche haben, soll die durch die Zoll- und Steuergeseze gewerden. Mit Hungerlöhnen wollen Reichsregierung und Unternehmertum die Teuerungswelle abdämmen, obwohl jedes Kind weiß, daß dieser Versuch mißlingen muß und die den Arbeitnehmern brutal zugemuteten Opfer umsonst und zwecklos find. Sogar die Vertreter des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes haben bei den Verhandlungen deutlich zu verstehen gegeben, daß fie das Gerede über den Preis abbau für Schwindel halten. Unternehmer und Reichsarbeitsministerium scheinen übrigens völlig vergessen zu haben, daß es sich bei den jeßigen Lohnbewegungen doch nicht um eine Art Vorbeugung gegen die zu erwartenden Teuerungswellen handelt, sondern um einen Ausgleich der bereits bestehenden Differenz zwischen Preisen und RealeinfomUnter men. Das Realeintommen ist doch durch die Teuerung der letzten Wochen bereits um 25 Prozent gefunten. diesen Umständen ist es nur eine Selbstverständlichkeit, wenn die Bankangestellten diesen unglaublichen Schiedsspruch ablehnen. Die„ Vorsicht" der Bauunternehmer. Weimar, 27. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Arbeitgeber. verband für das Baugewerbe in Thüringen hat Richtlinien für die bevorstehende Aussperrung der Bauarbeiter herausgegeben, nach denen die Belegschaften am Sonnabend, den 29. August, zu entlassen sind, nachdem ihnen am Freitag von der Aussperrung Mitteilung gemacht worden ist. In den Richtlinien heißt es, daß die ausgesperrten Arbeiter fofort namentlich dem Ortsverbandsvor sizenden zu melden sind, der die Liste dem zuständigen öffentlichen Arbeitsnachweis einreicht, damit keine unterstügung an die ausgesperrten Arbeiter ge zahlt werde. Die„ einheitliche Linie". Keine Lohnerhöhung im Bergbau Oberbayerns. München, 27. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Für den ober. Bayerischen Kohlenbergbau fanden am Donnerstag vor dem Landesschlichter Berhandlungen über die Forderung der Gewerkschaften auf eine Lohnerhöhung von 25 Proz. statt. Der Schiedsspruch Brüffel, 27. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem Dreiviertel der streifenden Metallarbeiter, Belgiens den vom Vorstand des Metallarbeiterverbandes ausgearbeiteten Vorschlag zur Beilegung des Konflittes gebilligt hatten, wurde dieser Vorminifters offiziell an die Unternehmer der Metallindustrie weitergeleitet. Die Unternehmer haben diesen Vorschlag ange= nommen, so daß die Arbeit überall am Montag, den 31. August, wieder aufgenommen wird und ein wochenlanger Streit größten Ausmaßes fein Ende findet. Dieser Ausgang des Kampfes bedeutet einen schönen Sieg für die 60 000 Metallarbeiter. die ihren Lohn zu behaupten, die beabsichtigte Lohnfürzung der Unternehmer zu vereiteln gewußt haben. Dieses Ergebnis wird ohne Zweifel eine günftige Rückwirkung ausüben auf den Streit der Hüttenindustrie, an dem noch 15 000 Arbeiter beteiligt sind. Zum Streik der Bankangestellten in Frankreich. Paris, 27. August. Der Arbeitsminister 2 a val hat heute vor mittag das Streitfomitee der Bankbeamten empfangen und befanntgegeben, daß die Bedingungen, die er bisher bei den Bankdirektoren durchgesezt habe, von einer raschen Lösung des Konfliktes abhängig seien, jede Berzögerung der Entscheidung schließe die Gefahr in sich, alles wieder in Frage zu stellen. Die Re gierung appelliere an beide Parteien dringend, eine rasche Verständigung herbeizuführen, die sowohl vom nationalen Standpunkt mie auch vom Standpunkte der beiden Parteien so nötig sei. Die Gewerkschaften in der Schweiz. = Der schweizerische Gewerkschaftsbund veröffentlicht seinen Be= richt für das Jahr 1924. Nach dem Bericht verminderte sich die Zahl der dem Gewerkschaftsbund angeschlossenen Or ganisationen von 19 im Jahre 1923 auf 18 im Jahre 1924. Die Zahl der Mitglieder blieb mit 151502 fast unverändert gegenüber 151 401 im Jahre 1923. Interessant ist auch die Berteilung der einzelneu Gewerkschaftsmitglieder auf die verschiedenen Kantone. An erster Stelle steht Bern mit 34 597, dann folgen die anderen Kantone: Zürich mit 30 370, Bajel Stabt 14 263, Neufchatel 11 823, Aargau 8736, St. Gallen 8132, Baub 6961, Solothurn 6009, Teffin 4584, Genf 4553. Thurs gau 4422, Luzern 3922, Appenzell 3427, Graubünden 2181, Schaffhausen 2066, Basel- Land 1146, Walis 1207, Freiburg 1054, Uri 608, Bug 565, Glarus 555, Schwyz 476, Nidwalden 46. Die Einnahmen der Gewerkschaften beliefen sich auf 8078 630 Frant gegen 8330 528 im Jahre 1923. Die Ausgaben betrugen 6 858 943 gegen 6777 346 im Jahre 1923. Das Vermögen des Gewerkschaftsbundes stieg von 9898 185 auf 12 287 275 Frank. An Unterstützung für Streifende wurden 844 325 Frant ausgezahlt. Deutscher Solzarbeiterverband, Berwaltungsstelle Berlin. Berfammlung der Funktionäre der Rammindustrie Freitag, 28. August, nachmittags 5 Uhr, Arbeitslosensaal, Rungeftr. 30. Erscheinen dringend erforderlich. Die Ortsverwaltung. Sentralverband der Maschinisten nb Seizer sowie Berufsgenossen Deutschlands, Geschäftsstelle Groß- Berlin. Morgen, Sonnabend. vormittags 10 Uhr, im Gaal 3 bes Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, Bersammlung aller im Streit befindlichen Baumaschinisten, Seizer und Metallarbeiter. Bericht über den Stand des Streits im Baugewerbe. Jeber Rollege hat die Pflicht, pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Karte legitimiert. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Bolitik: Eruft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Conftiges: Frik Rarftabt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Die echten holländischen POLAK ajo ap PUDDINGE In heissen Sommerstunden Wird Polak's Pudding munden. ze DER ELEGANTE SCHUH MARKE SALAM NDER SALAMANDER Nr. 405 ♦ 42. Jahrgang 7. Seilage ües vorwärts Ireitag, 2S. August 1025 Gesetze können selbst dann, wenn sie ihren Opfern etwas Menschliches gewähren wollen, neue Qual heraufbeschwören. »Wohltat wird Plage"'— sagt der Dichter, der zugleich ein Jurist war, und hätte er in unseren Tagen gelebt und gewirkt, wo in Sekunden Ruf vom Schalten und Walten der Justiz aller Zonen und Länder um den Erdball fliegt— nein, dann hätte er auch kein stärkeres Wort finden können als das berühmte: „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage, Weh dir, daß du ein Enkel bist. Vom Rechte, das mit uns geboren ist, Von dem ist leider nie die Frage." Vernunst als Unsinn haben wir in den letzten Zeiten, da die Menschen zu entdecken schienen, was eine Untersuchungshaft ist, und sich scheu mit ihrem Wesen zu beschäftigen begannen, in zentnerweise lastendem und belastendem Material kennen gelernt— wenden wir uns heute der„Plage Wohltat" zu, die im Schlagwort Bewährungs- frist zu fassen und greifbar vorzuführen ist. Was ist Sewährungsfrist! Wenn einer den größten Teil seiner Etrase abgesessen und »sich gul geführt" hat, kann er sie bekommen, ebenso wenn er ver- urteilt ist und� mildernde Umstände oder der Charakter des Ver- urteilten den Strasvollzug als unverdient hart erscheinen lassen. In diesem letzten Falle sehen wir einen der seltenen Lichtblicke unserer dritte soll ihm bedingt erlassen werden. Ein Jahr noch— und der Gefangene wäre frei, und niemand hätte mehr das Recht, seinen Lebenskreis zu trüben oder zu stören. Nun kommt die„Wohltat": das eine Jahr wird erlassen, die Zeit der Möglichkeit und Zulässig- keil des Strafvollzuges aber wird um eine Reihe von Zähren erweitert! Während drei oder fünf Jahren darf das Opfer der Wohltat sich nichts zuschulden kommen lassen, sonst muß es zu einer neuen auch noch die ganze alte Strafe absitzen. Das ist„Be- währungssrist". aber der eine Uebelstand der Zeitheraussetzung ist nur ein Glied in einer wahren Welt von Plagen, deren behutsames und ängstliches Tragen manchmal und sogar sehr oft auf die Seele des zu Bewährungsfrist Verurteilten geradezu verheerend wirkt. Jeder Aufenthaltswechsel muß sofort der zuständigen Staatsanwalt- schaft mitgeteilt werden. Diese setzt sich wieder mit der Polizei des neuen Aufenthaltsortes in Verbindung,— und das Spiel kann be- ginnen. Der unheimliche Nieter. „Es hat Jemand nach Ihnen gefragt, spricht die gestern noch so freundliche Hausfrau in seltsam trockenem Ton zum neuen Mieter. „Er wollle wissen, wann Sie nach Hause kommen, ob Sie die Nächte über manchmal wegbleiben— es ist mir recht unangenehm." Der Mieter wird bleich, er weiß was los ist. Man wird wieder- kommen, und an der Arbeitsstelle wird man es ebenso machen. Und richtig: eines Tages bittet die Wirtin(es ist gerade kein rechtes Bitten) den Gast, sich nach einer anderen Wohnung umzusehen, denn die Scherereien mit der Polizei seien zu unangenehm— und außerdem könne man sich denken, daß es peinlich sei, einen Fremden im Hause zu haben, von dem man nicht weiß, was mit ihm los sei. So drückt man sich mit Worten herum, aber es ist mehr als dcullich. Verbrecher! Und ein armer Teufel, den man eben mit Freiheit „beglückte", beginnt diese zu verfluchen. Bewährungsfrist, ein fl/\ Eine alltägliche Szene: Die Bitte um Bewährungsfrist. Gnadenakt, ist kaum etwas anderes als Stellung unter Polizeiaufsicht. und wenn man bedenkt, daß meist kranke, seelisch zusammen- gebrochene Häftlinge damit bedacht werden, so kann man die unhejl- vollen Folgen einigermaßen ermessen. Das verkommen. Wer längere Zeit, vielleicht Jahre über der Freiheit beraubt, das heißt ohne jede Selbständigkeit des Willens und des Handelns war, ausgenommen die erzwungene Arbeitsleistung im Dienste wahren Freibeutertums, der kann sich nicht plötzlich und unser- mittelt im Elend der Freiheit zurechtfinden. Was aber soll nun gar ein Beurlaubter des Gefängnisses machen, ein Freiheitsberechtigtcr auf Widerruf? Bei allem, was er unternimmt. Zukunfchoffen, mühselig Schritt für Schritt an Wirklichkeit klammernd, spottet der Gedanke, daß alles doch umsonst sei, daß jeder Tag wieder mit Kerkerschlüsseln klappern könne— und das lähmt die einen, und die anderen jagt es ins Gefängnis zurück, wozu man aber erst durch eine ungesellschaftliche Handlung den Befähigungsnachweis erbringen muß. Aber von Herzen der Freiheit froh ist wohl noch kein Einziger geworden, der mit der Fußkette„Bewährungsfrist" in die Wüste des Sorgens und Verachtetwerdens gejagt wurde. Wehe dem jungen Menschen und jedem, der nicht als verlorener Sohn die Verzeihung und die helfende Güte eines Vaters finden kann und unter fremden Menschen Freiheit suchen muß! Unter„ehrbaren" Menschen zu wohnen, verwehrt dem Bewährungskandidaten die fleißige Rachsrage der Polizei. Ob er will oder nicht, er gerät in das große Heer derer. die keinen festen Wohnsitz, keine Dauerwohnung, weder Heimat noch Heim haben und die man nach Belieben wie Tiere im Käfig im Gefangenenwagen nach dem Polizeipräsidium schaffen kann. Er ehört zu denen, die jeder Polizist geringschätzig behandeln oder elbst schlagen darf. Er ist Gefährte der Ausgestoßenen, die man mit Fußtritten und Flüchen in die Zelle jagt, wenn einer nicht schnell genug zu gehen scheint, ist beigesellt den Rudeln Wild, aus die man Treib- und Hetzjagden veranstaltet. So eingeschätzt und behandelt sollen sich armseligste Wesen„bewähren", sollen sich selbst zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft erziehen— man glaubt, daß noch Gutes in ihnen lebt, nachdem man es jahrelang in dumpfer Zelle ersticken ließ, gibt sie frei, und sieht doch nur das Delikt an ihnen. Armer Kerl, dem die Galle überläuft, wenn Menschen ihn schlimmer als einen Hund behandeln— wie rasch sind die drei Monate beisammen, die er braucht, um auch den Rest seiner alten Strafe absitzen zu müssen, nein, zu— dürfen, denn diesem Verenden auf der Straße ist ein Scheinleben hinter Gittern immer noch vorzuziehen. Das verachletwerden bildet oft den Verbrecher aus Troß heran, denn es ist seelisch leichter zu tragen, ein Verbrecher zu sein als im Ringen nach Läuterung und Reinheit doch nur als Entarteter, als Schädling, als ein Tier unter Menschen zu gelten. Staatliche Reform. Wohl stehen wir heute am Anfang eines Kampfes gegen die Unmöglichkeiten des Strafvollzugs, aber weil das Gebiet zu gewaltig ist und in seiner Unübersehbarkeit keine Punkte zu erfolgreichem An- griff auf das Ganze erkennen läßt, so müssen alle Kreise, die als kämpfende Helfer in Betracht kommen, jede Gelegenheit wahrnehmen und ergreifen, um gefährdeten Volksangehörigen beizuspringen und Unheil im Keim zu ersticken. Im Falle der Bewährungsfrist ist dies nicht allzuschwer, denn hier kann und muß der Staat selbst ändern. ohne das man von einer Umwälzung sprechen könnte. Bewährungs- frist Gefangenen zu geben, die schon eine lange Strafe Himer sich hoben, ist widersinnig. Hier kommt nur Begnadigung in Be- tracht, es kann auch bedingte Begnadigung sein— aber auch diese dürfte niemals den zeitlichen Kreis der Vollstreckungsmäglichkeit über die Strafdauer selbst verlängern. Ein politischer Gefangener, um nur ein Beispiel zu nennen, wurde Anfang 1019 verurteilt, nach drei Jahren, also Beginn 1922 nach„Verbllßung" der Hälfte der Strafe mit Bewährungsfrist entlassen, und diese läuft bis 1927, während die Strafe selbst beim Absitzen zwei Jahre vorher erledigt gewesen wäre. Zwei Jahre dauert das seelische Martyrium länger.> Würde also ein unglücklicher Zufall noch kurz vor Toresschluß— 1927 die Strafvollstreckung eintreten lassen, so hätten wir bei einer Strafe von sechs Iahren einen elfjährigen Spielraum— etwas reichlich, aber auch reich genug, um den heutigen Unfug der Be- Währungsfrist zu beleuchten. Gelingt es uns, durch Wort und Tat, durch Ausklärung und Hilfe Angehörige des Volkes vor den Toren der Kerker zu bewahren und die Zahl der Gefängnisse und Zuchthäuser zu verringern, so schaffen wir eine der sichersten Grundlagen des freien Volkes, des Das unbegreifliche Ich. ISf./ Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristeasen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Was sollten die Anderen mit ihm? Warum sollte er das Unverständliche, was sein innerstes Ich bildete, zu Ansichten und festen Lebensanschauungen umformen? Doch wenn er allein war, konnte ihm dieses Gleiten Angst verursachen. Er wußte wohl, daß er es genoß, wenn er mit den anderen im Klub zusammen war; es blieb stets ein Genuß für ihn, ein anderer zu sein, als er eigentlich war. Aber wenn er sich allein befand, konnte er darauf verfallen, über sich nachzugrübeln. Vielleicht war es ein vergebliches Bemühen, ein Rückfall in eine alte, schlechte Gewohnheit: doch was half es? Er konnte zuweilen rasend über dieses Gleiten werden und es Mangel an Persönlichkeit, ja Feigheit, nennen. Aber dann durchforschte er sich noch gründlicher und tröstete sich. Weshalb sollte es Feigheit sein? Er wich einfach aus, und wenn er dies tat, lieferte er damit doch nicht fein Selbst aus. Und dann setzte er sich ans Fenster, sah auf das chinesische Dach herunter, das sich wie eine Wäscheleine bog. und ent- leerte sich von Ansichten, und allem, was einzwängt. In der Schule wuchs Jesus Christus noch eine Zeit lang m meinen Augen. Ich habe in mir noch die Erinnerung an ein paar gewaltige Offenbarungen bewahrt. Auf den barm- herzigen Samariter besinne ich mich besonders deutlich, denn ich war krank, als die Lehrerin davon erzählte, und als ich wieder in di"' Schule kam, verwirrte es mich, daß meine Kameraden darin überhört wurden. Wie es zugehen kann, baß dieses Gleichnis in meiner Erinnerung denselben rötlichen. porösen Glanz hat, der von einer weißen Mauer bei Sonnen- Untergang ausströmen kann, verstehe ich nicht. Aber das war der letzte Abglanz der großen Erscheinung, «in Sonnenuntergangsglanz, bevor sie als Schullehrerstoff verging. Jesus wurde etwas, was ich auswendig konnte. genau so wie ich wußlc. wieviel Zähne der Hund hatte. Ln der siebenten Klasse schloß ich mich an keinen meiner Kameraden an. Zusällig saß ich neben einem rundköpfigen Jungen, der Harald hieß: doch ich verachtete runde Köpfe. Eine Zeit lang wußte er mich durch verschiedene Fingerkunst- stücke zu fesseln. Mit seiner Schreibfedsr zeichnete er ein Gesicht ohne Bart aus den Nagel seines Zeigefingers und ein Gesicht mit Bart auf den nächsten Nagel. Dann legte er den Zeigefinger auf den Tisch und sagte:»Ich kann zaubern!" hob die Hand schnell hoch und ließ den anderen Finger vor- kommen.„Siehst du, jetzt hat er einen Bart!" triumphierte er. Er konnte auch ein« Glocke mit einem Klöppel machen und ein Puppentheater, beides mit den Händen. Und er konnte mit der einen Hand vor und zurück über den Tisch gleiten, während die andere lotrecht auf und nieder ging: aber er hatte einen runden Kopf, und als ich ihm die Kunststücke ab- gesehen hatte, ließ ich ihn vollkommen fallen. Er war besiegt. In der fünften Klasse kam jedoch ein finnischer Junge zu uns. Wenn er den Mund auftat und in seiner singenden Aussprache vorlas, wanden wir uns vor Lachen: aber als der singende Tonsall verschwand und er kopenhagenerisch wie mir anderen las, sing ich an, ihn zu beachten. Er hatte ein längliches Gesicht mit einer langen, schmalen Nase und hieß Sejr. Er war interessanter als Harald. Eines Tages, als wir aus der Schule kamen, sief eine Schar von uns zu einem Zigarrenhändler herüber. Die Mutigsten gingen herein und kauften Zigaretten, und ich spähte durch die Türscheibe nach ihnen. Da standen meine Kameraden und streckten den Bauch vor, wenn sie dicke Rauchwolken ins Lokal pafften. Einige von ihnen zündeten in der Streichholzschachtel Feuer an und reichten das brennende Streichholz, das sie hinter der hohlen Hand beschützten, ob- gleich kein Zug im Laden war, den anderen hin. Und der große Ehrhardt stemmte die Ellenbogen auf den Ladentisch und sprach mit dem Besitzer. Voller Ehrfurcht und Schrecken sah ich, wie meine Altersgenossen sich wie die Erwachsenen gebürdeten. Da guckte ich zur Seite und sah Sejr mit dem werßen Hals. Er stierte auch hinein. „Rauchst du nicht?" ftagte ich. „Nein, ich will nichts tun, wonach man sich brechen muß," antwortete er,„und ich darf es auch nicht." „Glaubst du. daß Rauch gut schmeckt?" „Nein." Die Tür wurde aufgerissen und Ehrhardt kam an der Spitze der anderen heraus. „So'n Glimmstengel tut gut!" bemerkte er.„willst du euch ein paar Züge machen, du kannst es gem." ,N«in, ich will nicht." antwortet« ich.' „Willst du. da eine haben?" Sejr schüttelt mit dem Kopf. »Ihr beiden Affen, ihr traut euch bloß nicht! Habt ihr Angst vor einer Tracht Prügel? Aber nun sollt ihr grade, zum Donnerwetter!" Di« anderen brüllten laut los: aber wir beide fingen an wie die Verrückten fortzulaufen. Die ganze Bande setzte uns noch. „Sie müssen einen Zug tun, sie müssen!" Aber da sie gleichzeittg auch die Zigaretten in Brand halten mußten, verloren sie rasch den Atem, und wir kamen weit draußen bei Faelleden in Sicherheit. Wir mäßigten unseren Lauf und liefen in langsamem Trab um die Husaren- kaseme herum. Endlich bekamen wir wieder Luft und fingen gleich- mäßig an zu atmen. »Wo wohnst du. Sejr?" »Auf dem Nordre Frihavnsvej." »Kann man � da gut spielen?" „Ja, das kannst du glauben. Es wird an so vielen Stellen unten auf dem Strandboulevard gebaut, und es sind so viele Bretter und Schuppen da. Aber ich traue mich nicht mehr." »Hast du Angst vor den Maurem?" fragte ich. „Ja. auch: ober vor denen kann ich fortlaufen. Es— es ist ein Toter in einem der Schuppen." Es lief mir kalt über den Rücken. „Habt ihr einen toten Mann gefunden?" „Nein, das nicht: aber es wohnt ein lebendiger Toter in einem der Schuppen. Er ist gelb und hat einen Totenkops und einer Masse Zähne, und er hat gelbe Rippen." Wir gingen schweigend eine Zeit lang. Ich konnte ihn immer noch pusten hören nach dem Lauf. »Sejr, hast du ihn gesehen?" „lind ob ich das habe. Es stand ein Brett an dem Schuppen, so daß wir immer vom Dach herunter in's Gras rutschen konnten. Und im Dach war ein Loch, Und dadrin ist er, der Tote." „Hast du ihn selbst gesehen, ganz richttg gesehen?" ftagte ich eifrig. „Ja, ich steckte ein Bein in das Loch, und da kam er plötzlich hervor und packte das Bein. Er hielt fest, sage ich dir, und ganz langsam zog er den Fuß an den Mund und Wollt« herembechen. Ich hatte Stieftl an,"(Forts, folgt.) freien Staates des neuen, völlig erneuten Staates. Denn| daß wir dem alten ,, Bewährungsfrist" gegeben haben, das wissen wir ganz gut. Es ist nur eine Frage, ob er sie leichter einhalten wird als die armen Opfer der Justiz deren Geschenke zuweilen für den einzelnen Beglückten" ebenso gefahrvoll sein können wie das be. rühmte hölzerne Roß, zu Sterben und Verderben einem unfeligen Volke von klugen und tugendhaften Männern eines anderen geschenkt... Ist denn nicht auch die Amnestie ein Geschent an das Bolk? Wohl dem, der sich darüber freuen fann, er muß eine unendlich bescheidene Seele besigen! Die Preisteuerung. Der Kleinhandel als Prügelfnabe der Regierung. In mehrfachen Auslassungen zur Preisverbilligungsaktion hatte die Regierung es so dargestellt, als ob der Einzelhandel den Hauptanteil an der Schuld für die Preiserhöhungen trage. In der letzten Zeit sind die Regierung und die mit ihr in Verbindung stehenden wirtschaftlichen Organisationen dazu übergegangen, auch die 2ohn. forderungen der Arbeiter für die teuren Preise mit der= antwortlich zu machen. Diesen Angriffen gegenüber hielt die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels es für erforderlich, der Presse Informationen über ihre Ansichten zur Preisverbilligungsaktion zu geben. Mit uns ist der Einzelhandel der Ansicht, daß die ganze Verbilligungsattion nichts weiter ist, als ein Ablenfungsmanöver, das nur dazu dienen soll, die wirklichen Ursachen der Teuerung zu verschleiern. Eine Preisverbilligungsaftion in dem Sinne, wie fie die Regierung anstrebt, tann nach Ansicht des Einzelhandels überhaupt feinen Erfolg zeitigen, es fann fich hächstens darum handeln, die Preise auf der bisherigen Höhe zu halten und nicht weiter steigen zu lassen. Die ein zelnen Redner des Abends aus den verschiedensten Gebieten des Einzelhandels, besonders des Lebensmittelhandels, vor allen Dingen aber der Leiter der Versammlung, Heinrich Grün feld, wiesen darauf hin, daß es vertehrt wäre, irgend welche Hoffnungen auf die Herabsetzung der Umsatzsteuer zu richten. Der Handel hat sich mit aller Schärfe gegen die Hochschuß zölle gewandt, da hohe Zölle hohe Preise bedingen. Es wäre verfehrt, so führte Herr Grünfeld aus, wenn die Angst vor hohen Breisen zu Hamsterkäufen führen würde, die natürlich im Sinne einer Verteuerung wirken müßten. Mit niedrigeren Zöllen wäre eine Berbilligungsaktion möglich geweien, mit hohen Zöllen auf feinen Fall, da man die Wirkung der Bollerhöhungen ja noch gar nicht übersehen fann. Es war interessant, daß ein anderer Redner, der Geschäftsführer des Verhandes deutscher Waren und Kaufhäuser, Herr Bach, Ausführungen machte, daß heute schon die Zölle in den Preisen einberechnet feien, und daß diese Einberechnung zum Teil eine Verteuerung der Waren herbeigeführt habe. Es sei zu be fürchten, so führte dieser Redner aus, daß, wenn die Zollfäße in Kraft treten, noch einmal eine Einrechnung in den Preis und damit eine weitere Berfeuerung erfolgt. Was die Wirkungen der Verringerung der Umsatzsteuer anbetrifft, so mache die Berringerung der Umfagsteuer bei einem Einkauf von 25 m. pro Woche ganze 12% Pf. aus. Sehr zu begrüßen sei es, daß die Regierung das schärfste Vorgehen gegen Kartelle und Konventionen in Aussicht gestellt habe, und sehr notwendig sei es, daß auch die Einfuhrstellen aufgehoben würden. Jedenfalls lassen die Darlegungen feinen Augenblick im Zweifel darüber, daß der Einzelhandel fein 3utrauen zu der Verbilligungsaktion der Regierung hat und, wie die Dinge liegen, auch kein Zutrauen haben tann. Der Kampf um die Wasserwerke. Verhandlungen beim Oberpräsidenten. Bei dem Oberpräsidenten Dr. Maier fand gestern die bereits angekündigte Besprechung zwischen der Stadt Berlin und den Charlottenburger Wasserwerten statt. Zu der Besprechung war von der Londespolizeibehörde der Polizeivize präsident Dr. Friedensburg erschienen. Die Bertretung der Stadt Berlin war geführt vom Oberbürgermeister Böß und dem Stadtrat Genossen Schlichting. Gegenstand der Verhandlung war die zukünftige Sicherstellung der Wasserlieferung im Bereiche der Charlottenburger Wasserwerte. noch in Chemnitz, Zwickau, Nürnberg und Braunschweig tonzertieren, I nennt, die erotischen Tierkarawanen oder die 40 Löwen und Tiger, um dann am 3. September wieder in Graz einzutreffen. Das Reichswehrministerium ersucht uns zu unserer Kritik über das Fehlen einer Empfangsabordnung( bei der Ankunft der Desterreicher), mitzuteilen, daß, entgegen der Verabredung mit wehrministerium nicht mitgeteilt worden ist. Der vorgesehene dem Leiter der Tournee, die Ankunftszeit der Musiker dem ReichsEmpfang fonnte aus diesem Grunde nicht stattfinden. Der Pascha von Saarmund. ,, Auf dem Lande nimmt man so etwas nicht so tragisch!" In einer Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht in Potsdam tamen Dinge von dem prinzlichen Rittergut Saarmund zur Sprache, die man allenfalls noch im fernsten Hinterpommern oder im junterlichen Mecklenburg, nicht aber unmitelbar vor den Toren Berlins für möglich gehalten hätte. Sie enthält aber auch gleichzeitig in der Auffassung des Gerichts eine fo unglaublich geringe Einschäzung der Ehre der weiblichen Landarbeiter, daß ein empörter Protest aus diesen Kreisen nicht ausbleiben wird. Angeklagt war der unter der Administration eines Herrn mar Matthen wegen Sittlichkeitsverbrechens aus v. Eberstein auf dem Rittergut Saarmund arbeitende Hofmeister § 176 Abs. 2( begangen an einer Geistestranten), ferner aus§ 177 und wegen tätlicher Beleidigung. Die Mutter der 19jährigen geiftestranten Gutsarbeiterin war als Nebentlägerin 3u gelaffen. Die Arbeiterinnen auf Rittergut Saarmund hatten schwer unter den Nachstellungen des brutalen Hofmeisters zu leiden. Waren sie ihm nicht willig, drohte er mit Entlassung. 3wei von ihnen waren einmal aus Angst vom Häckselboden auf die Erde gesprungen. Beschwerden liefen bei dem Gutsper. walter Herrn v. Eberstein ein, aber es geschah nichts. Da ließ das geistesschwache Mädchen Ida R. einmal die Aeußerung zu den Gutsarbeitern fallen:„ Wenn Wachtmeister kommt, ich Wachtmeister alles sagen." Das brachte den Stein ins Rollen. Und nun erschien diese junge Arbeiterin als Zeugin vor Gericht. Er. schütternd war ihre Vernehmung. In zwei Monaten er. wartet sie von dem Angeklagten ein Kind, ist sich dessen aber nicht im geringsten bewußt. Mit blöden Augen sieht sie in den Saal hinein; sie hat keinerlei Verständnis für die Wichtigkeit des Eides und bleibt daher unvereidigt. Irgendein Arzt aus der Saarmunder Gegend bezeichnet sie als geistig minderwertig. Man entnimmt ihren Antworten, daß der Angeklagte sich mit Gewalt auf dem Rornboden an ihr pergangen hat. Der zweite Fall betrifft die 25jährige Gutsarbeiterin Anna G. Dieser Zeugin hatte der Angeklagte gedroht, sie soofrt zu entlassen, wenn sie ihm nicht zu Willen sei. Er hat ihr beide hände festgehalten und auf dem Kornboden entstand ein Ringen, dem Mädchen gelang es aber, zu entkommen. Als das Mädchen zu Herrn v. Eberstein ging und sich darüber beschwerte, meinte der Herr Administrator:" Einer glaube ich nicht, da müssen schon mehr fommen. Die als Zeugen geladenen Gutsarbeiter befunden das Treiben des Angeklagten unter Eid, den sie als wüstling und Rohling bezeichnen. Die Arbeiter fonnten nicht verstehen, daß die Vorgänge so lange vertuscht wurden, denn seit längerer Zeit waren schon Anzeigen darüber gemacht worden. Der Angeklagte ist, nachdem ein worden. neuer Administrator auf Saarmund eingezogen, sofort entlassen Der Staatsanwalt beantragte im Falle des geistesschwachen Mädchens ein Jahr vier Monate Gefängnis unter Bubilligung mil. Der Staatsanwalt beantragte im Falle des geiftesschwachen bernder Umstände und im Falle der zweiten Arbeiterin eine Freider Ansicht, daß die Geistesshmache ganz gut fich hätte sprechung. Das Gericht faßte die Sache umgekehrt auf; es war der Ansicht, daß die Geistes ich mache ganz gut sich hätte wehren können. Es schien aber doch ein gewisses Cinverständnis vorhanden gewesen zu sein und demzufolge fam das Gericht zu einer Freisprechung. Dagegen hielt das Gericht im Falle der 25jährigen Arbeiterin eine versucht Notzucht für vor liegend und erkannte mit Rücksicht darauf, daß derartige werden, unter Bubilligung mildernder Umstände auf sechs Monate Sachen auf dem Lande nicht so tragisch genommen Gefängnis. Obendrein werden dem Angeklagten noch vier Monate Etrafausseßung gewährt, so daß er nur zwei davon zu verbüßen braucht. Der Anwalt der Nebentlägerin wird sofort gegen das Urteil Einspruch erheben. Die gesetzliche Miete für September. Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, friff in der gefeßlichen Miete für den Monat September 1925 gegenüber dem Bormonat teine enderung ein. Es bleibt bei dem Auguftfah in Höhe von 82 bezw. 78 Proz. Interessantes von der kommenden Funkausstellung. Eröffnungsvorstellung im Zirkus Krone. die Elefanten, die Vollblüter oder die Seelöwen, die blendenden Lufturner am Trapez, die Akrobaten oder die Evolutionen am schwankenden Mast 120 einzelne Programmnummern-, dies alles wirkt ja nur in seiner Fülle; die oft ganz außerordentliche Ganzen dar. Die Regie dieser Massen ist fabelhaft, die Einordnung Einzelleistung stellt manchmal nur einen kaum bemerkbaren Teil des in das begrenzte Aufgabengebiet bewundernswert. Zum Schluß gibt's eine Heg auf einer Rennbahn, die alle drei Manegen umfaßt, ein Bacchanal der auf Rädern und Pferdebeinen Rasenden. Friedliche Demonstrationen. Eine Aussprache der Verbände im Polizeipräsidium. Unter dem Vorsitz des Polizeivizepräsidenten Dr. Friedens. burg fand gestern nachmittag im Polizeipräsidium eine Besprechung mit Bertretern der Verbände( vom Stahlhelm bis zum Roten Fronttämpferbund), der Gewertschaften und Parteien über die Regelung von Demonstra tionen statt. Der Zweck der Aussprache war, bei fünftigen Demonstrationen Zusammenstöße und Störungen von Ruhe und Ordnung nach Möglichkeit zu vermeiden. auf hin, daß die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und In der Einleitung der Aussprache wies Dr. Friedenburg dardie Sicherheit des friedlichen Bürgers durch polizeiliche Maßnahmen allein nicht gewährleistet werden könne, sondern daß es dazu auch des guten Willens der Organisationen und der ge= [ amten Bevölkerung bedürfe. Daß Zustände, wie man sie in den letzten Wochen erlebt habe, außerordentlich beschämend seien und den guten Ruf Berlins in der Provinz und auch im Auslande außerordentlich schadeten, werde wohl jeder unterschiedslos anerkennen. Besonders beklagte der Redner, daß sogar Blut geflossen sei. Alle Bemühungen und Anstrengungen der Polizei hätten leider nicht ausgereicht, diese bedauerlichen Vorfälle zu verhindern. Bei dieser Gelegenheit zollte Dr. Friedensburg allen Mitgliedern der Polizei für ihre bewiesene Pflichterfüllung und Unparteilichkeit vollste Anerkennung, und gab der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß alle Teile der Schuhpolizei den ernsten Willen haben, unparteiisch der Allgemeinheit zu dienen und die Bevölkerung zu schützen. Deshalb habe sie aber auch die Pflicht, der Wiederkehr der gesetzlosen Zustände fünftig mit allen ihr irgend zu Gebote stehenden Mitteln vorzubeugen und sei sich hierüber der freudigen Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der Bevöl terung bewußt. Im einzelnen stellte Dr. Friedensburg zwei Fragen zur Erörterung: Einmal, ob nicht im Wege gewisser Verkehrspolizeilicher Abmachungen eine Gewähr für die künftige Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung geschaffen werden könne. Es ist bereits durch die Breffe bekannt geworden, daß der Polizeipräsident erwägt, die Verkehrsstraßen erster und zweiter Ord nung für Demonftrationen zu sperren, wobei evtl. das Kreuzen dieser Straßen auf Antrag gestattet ist. Zum Anderen regte der Polizeipräsident an, fünftig grundfäßlich auf das Tragen Don Stöden bei Demonstrationen zu verzichten. Die Aussprache gestaltete sich recht lebhaft, und obwohl von ver diums geltend gemacht wurden, ließ sich doch erkennen, daß der Wille, schiedenen Seiten Bedenken gegen die Borschläge des Polizeipräfi. eine Wiederholung der Vorfälle der letzten Wochen zu verhindern, bei allen Beteiligten vorhanden war. Dr. Friedensburg stellte dies am Schlusse der Aussprache mit Befriedigung fest und versicherte, daß die zuständigen Stellen die ganze Materie noch einmal eingehend prüfen und dabei die vorgetragenen Anregungen im Rahmen des Möglichen berücksichtigen werden.nome Genoffe Dtto Stuboll, Rheinsberget Str. 34, felert heute den Tag feines Eintritts in die Partei und die Gewerkschaft vor 25 Jahren. 18 Jahre ist er Bezirksführer. Die Juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres täglich, außer Sonnabends, von 5-7 Uhr statt. Sonnabends geschloffen. Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik find Berlin 6B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sot, 2 Trev. rechts, au richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Spenden für die Tombola find bis fpätestens Die Sonnabend beim Genoffen Moranz, Danziger Str. 46, abzugeben. Fahnen der Abteilungen müssen bis spätestens Gonnabend vormittag 10 Uhr beim Gen. Auguft im Saalbau Friedrichshain abgegeben werden. 7. Kreis Charlottenburg. Rinderfreunde! Bei schönem Wetter Sonnabend nachmittag 3 Uhr Treffpunkt Luisenplak zum Baden in der Jungfern heide. Bei schlechtem Wetter Baden im Jugendheim Rosinenstraße. 11. Kreis Schöneberg. Heute, Freitag, pünktlich 8 Uhr, Sigung des er weiterten Kreisvorstandes bei König, Feurig. Ede Prinz- Georg- Straße. Der Kreisvertretertag findet nicht Freitag, den 11., sondern Donners. tag, ben 10. September, im Wilhelmshof ſtatt. 17. Rreis Lichtenberg. Das Reichsbanner bes Rreises veranstaltet am Sonntag, 30. Auguft, bei Schonert in Stralau ein republikanisches Strandfeft, verbunden mit einer Nagelung des Kameradschaftsbanners. Die Genossen werden gebeten, fich daran zu beteiligen. Heute, Freitag, den 28. August: teiligung Weinmeisterstr. 16/17. Gruppe Norden: Die Mitglieder beteiligen fich heute abend gefchloffen an der Bevanstaltung der Gruppe Mitte, Wein meisterftr. 16/17. Anfang 8 Uhr. Gruppe Lantwig: Pünktlich 8 Uhr Restaurant Sportede", Raifer- Wilhelm- Straße. Bortrag der Genoffin Maraun: Kirche und Staat in Defterreich". Morgen, Sonnabend, den 29. Auguft: Der Vertreter der Werte gab wenig befriedigende Er flärungen ab. Er versteifte sich hinter dem Rechtsstandpunkt, wonach die Gesellschaft nicht gezwungen werden könnte, ihr Rohrneh in den Bezirken Schöneberg und Stegliz an die Stadt Berlin zu verkaufen. Ohne dieses Rohrnez tönnte aber die Stadt nichts unternehmen. Seine ganzen Ausführungen waren beherrscht von der Sorge um die Erhaltung der Dividende. Er erklärte, Auf der 2. Großen Deutschen Funfausstellung in Berlin, die vom daß die Herausnahme so großer Teile wie Schöneberg und Steglitz 4. bis 13. September im Hause der Funkindustrie am Kaiserdamm aus dem Versorgungsgebiet feiner Gesellschaft die Lebensfähigkeit stattfindet, wird die Deutsche Reichspoft eine vollständige lies Rentabilität beeinträchtigen würde. Statt einer Sendeanlage aufbauen. Das Telegraphentechnische ReichsBerhandlung nur über diese beiden Teilgebiete zöge er amt wird einen Versuchsraum einrichten, in dem die Auseine Generalauseinandersetzung mit der Stadt über das Gesamt stellungsbefucher Experimente selbst ausführen gebiet seiner Gesellschaft vor. Oberbürgermeister Böß erflärte fönnen. Der Deutsche Funktechnische Verband zeigt eine Sonderdemgegenüber, daß die Stadt zu langwierigen Verhandlungen jetzt ausstellung von selbst gebauten Empfangsgeräten, feine Zeit mehr habe. Die Stadtverwaltung sei ihren Einwohnern und die Berliner Funkstunde wird an den Nachmittagen Gartengegenüber verpflichtet, dafür zu sorgen, daß ein zusammen. tonzerte, an den Abenden Sendespiele, Opern und Ronzerte verbruch der Wasserlieferung wie in den letzten Monaten anstalten, die aus dem Vortragssaal im Hause der Funfindustrie auf units am Richtbilbervortrag ber Rinderfreunde mitte in der Siulaula sich nicht wieder ereigne. Die Stadt habe deshalb be den Berliner Sender übertragen werden. gonnen, ihre Brunnengalerien erheblich zu erweitern. Sie habe ferner Maßnahmen getroffen, um in fürzester Frist eine Haupt. rohrleitung nach Schöneberg und Steglig zu ver legen. Auch sei es auf die Dauer ein unhaltbarer Zustand, daß in derselben Stadtgemeinde zwei verschiedene Wassertarife eriſtierten, wodurch ein Teil der Bevölkerung viel schlechter gestellt sei als der andere. Die Stadt sei fest entschloffen, die Verforgung der beiden Bezirke in die eigene Hand zu nehmen. Entweder man verständigte sich in Güte, oder die Stadt würde ungerzüglich zur Verlegung eines neuen eigenen Rohrnetes in den beiden Stadtteilen fchreifen. Das letztere hätte zur Folge, daß die Char. lottenburger Wasserwerke ihr vorhandenes altes Rohrnet kostenlos herausnehmen müßte. Es herrschte auf allen Seiten fein Zweifel darüber, daß eine solche Maßnahme voltswirtschaftlich widerfinnig wäre. Der Oberpräsident forderte schließlich beide Parteien auf, über eine Verständigung weiter zu verhandeln, etwa auf der Grundlage die von der Stadt vorgeschlagen war daß die Charlottenburger Gesellschaft ihr Rohrney in Schöneberg und Steglitz an die Stadt verkaufe, und daß die Stadt noch während vier Jahren bestimmte Wassermengen von der Charlottenburger Gesellschaft bezöge. Der Oberpräsident ließ durchblicken, daß er den Standpunkt der Stadt Berlin für durchaus gerechtfertigt halte und daß er auch die Interessen der Charlottenburger Attionäre für am besten gewahrt hielte, wenn beide Parteien sich auf der vorgeschlagenen Linie einigen würden. Abreise der österreichischen Militärmusiker. Gestern nachmittag trat die österreichische Militärkapelle der Alpenjäger des Regiments Steiermark Nr. 10 ihre Weiterreise nach Dresden, wo sie gleichfalls zwei Tage fonzertieren wird, an. Den größten Erfolg dürften die Militärmusiker in Bremen gehabt haben, wo die Anteilnahme des Publifums an den Darbietungen unvergleichlich groß gewesen sein soll. Immerhin war in Berlin an beiden Tagen der Besuch der Veranstaltungen sehr gut, obgleich die Ankunft und Anwesenheit der Musiker reichlich spät bekannt geworden war. Auf dem Anhalter Bahnhof hatten sich zum Abschied Bertreter der österreichischen Kolonie, des österreichischen Klubs Jowie als Vertreter des Polizeipräsidenten Major von Raven eingefunden, die den Abreisenden gute Fahrt wünschten. Nach dem Dresdener Gastspiel. werden die Militärmusiter des Bundesheeres 54. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärsigung bei Fischer, Cauerstr. 20/21. 105. Abt. Ablershof. 8 Uhr im Feuerwehrdienstgebäude, Geldhowstr. 4, it gliederversammlung. Tagesordnung: Bericht des Genoffen Lehmann über die Bezirksverordnetenfraktion". 2. Aufstellung der Randidaten. 3. Ver fchiedenes. der Funktionäre und Kreisversammlungsbelegierten. Stellungnahme zur Stabt und Bezirksverordnetenwahl. 119. Abt. 8 Uhr außerordentliche Sigung der Funktionäre bei Mene, Rittergut. Ede Möllendorfstraße. Tagesordnung: Aufstellung der Randidaten zur Stadtverordnetenwahl. Die artistische und zoolgische Riesenschau des Zirkus Krone, die ihre Beltstadt auf dem ehemaligen Ererzierplatz an der Schöneinen unendlichen Strom von Zuschauern in den Norden Berlins. hauser Allee errichtet hat, loďte am ersten ihrer Spielabende Die Polizei mußte absperren und den„ Berkehr regeln", als ob es sich um eine Massendemonstration handelte. Zur festgesetzten Zeit der gesamte Aufbau der Zeltstadt hatte sich in knapp 24 Stunden voll. Sichtenberg. 117. Abt. 7½ Uhr bei Gundlach, Kant. Ede Leffingſtraße, Sigung wideln in Buntheit und augenblendender Fülle. Jede Manege hat zogen begann das Programm in den drei Manegen fich abzuihre Artisten und ihr Publifum. In allen Manegen geht zur gleichen Beit derselbe Att vor sich, im Tempo und in den Maßen glänzend aufeinander eingespielt. Wer den Blick von der Manege ablenkt, die ihm am nächsten liegt, erhascht einen Wirbel von Bewegung, der als Gesamtbild etwas Berückendes hat man versteht, warum dieser Zyklop von Zirkus in Amerika geschaffen wurde, wo die erste Schaustellung in Ueberschriften. Ob man die Reit- und Dreſsuratte Seite der Zeitungen fast nur aus Ueberschriften besteht; dies ist eine Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 28. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(, Etwas von der Hochzeitsfeier"). 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagsunterhaltung. 7-7.35 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr deen und ihre Pflege". 7.25 Uhr abends:( Hochschulkurse). Ababends: Abteilung Gartenbau. Burmeister- Beyrodt: Die Orchiteilung Literatur. Dr. Franz Leppmann: Das deutsche Drama im 19. Jahrhundert". 2. Vortrag Chr. Dietrich Grabbe, Georg Büchner". 8 Uhr abends: Dr. Waldemar von Olshausen:" Der junge Goethe und Herder". 8.30 Uhr abends: Der fröhliche Goethe ( zur Feier seines Geburtstages). 1. Beethoven: Aus Elf Wiener Tänze". 2. Rezitation( Theodor Loos). 3. Beethoven: Fortsetzung Seidler- Winkler). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten aus Elf Wiener Tänze"( Berliner Funkorchester. Dirigent: Bruno Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst 10.30 Uhr abends: Experimentalvortrag versuche ferner Stationen. des Herrn Prof. Dr. Gustav Leithäuser: Drahtlose EmpfangsJungsozialisten. 89. Abt. Neukölln. Sonntag, 30. August, Familienausflug nach Faltenhorst. Treffpunkt vorm. 9 Uhr Görliker Bahnhof. Nachzügler nach Faltenhorst. Gruppe Tiergarten: Nächste Zusammenkunft: Montag, 31. Auguft, abends 8 Uhr, im Jugendheim Wiclefstraße, Ede Bremer Straße. Jungfozialisten und Bartei". Gäste willkommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 47. Abt. Genoffe Wassili Wernetind, Waldemarstr. 61, ift verstorben. Einäscherung Sonnabend, 29. Auguft, nachm. 4 Uhr, in Baumschulenweg. Jugendveranstaltungen. 1 Sonnabend, 29. Auguft, Borshenden- Ronferenza pünktlich abends 7½ Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 3. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Butritt. Heute, Freitag, den 28. Auguft, abends 71 Uhr: Achtung, Abteilungstaffierer! Seute von 5-7 Uhr Abrechnung der Bettoagsmarken. Moabit I: Siemensstrade 20. Bortrag: ,, Entwidlung der Technit". Moabit II: Gemeindeschule ant Stephanplag. Vortrag: Unfer Wandern". Rorboften I: Neue Rönigftr. 21. Diskussion: Geruelle Fragen ber Jugend". Rosenthaler Borstadt: Landsgemeindehaus. Sophienstr. 21, 2. Sof. Bortrag: Jugendpflege und recht". Often. Stralauer Biertel: Goklerfte. 61. Bortvag: ,, Einführung in die Maltunft". Warschauer Biertel: Tilfiter Str. 4. Vortrag:„ Bub und Mädel"( Schluß). Charlottenburg: Rosinenftr. 4 I. Distussion: Unsere Winterarbeit". Schöneberg 1: Rubens Ede Hauptstraße. Bortrag: Goethe und das Broletariat". Steglik II: Holsteinische Str. 3. Vortrag: Selbsterziehung". Baumschulen weg: Ernstftraße 16. Bortrag: Begetarismus". Falkenberg: Am Falkenberg 117. Vortrag: Das Rartenlesen". Neu- Lichtenberg: Bestalozzi- Lnzeum, ring Lotal Rosfad, Sauptstr. 71. Glasbrennerabend. Albert- Str. 44. Vortrag: ,, Geschichte der Mark Brandenburg". Buchholz: meinbeschule Blankenburger Str. 69/70, Beichenfaat. Ricbe: schönhausen: GeSumot" Bortrag: Berliner Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater 8 Opernhaus Uhr Lessing- Th 72 Fledermaus Opernhaus am Königsplatz Geschlossen Schauspielhaus Goethes Geburtstg 8 Uhr: Faust. I. Schiller- Theat. Operettenspielzeit 8 Uhr Annemarie Nymgau Operette von Jean Gilbert u. Robert Gilbert mit Dora Leffler - Spira- BaseltHeidemann Diegelmann- Hiller Kuthan- Ledebour Die neue Revue Regenbogen Uhr Kleines Th 8 Die schöne Melusine Uhr Trianon- Th 8 Am Teetisch Eröffnungsvorstellungen der Hellmer- Bühnen Lessing- Th. 11. Sept. Götz m. Wegener: Kleines Th. 3. Sept. Besser als Früher m. Maria Orska Trianon- Th. 1. Sept. SCALA FrauLohengrin 8 ԵՈՒ Internat. Varieté Sonntag 330 zu ermäß. Preisen das volle Progr. Täglich 84 Uhr 2. Woche HALLER REVUE 1925/26 .. ACHTUNG! WELLE mit Gisela Werbezirk: BarnowskyBühnen. Eröffnungs- Vorst. Theater in der Königgrätz.Str. Dienst. 1.Sept 7 U. Wie es Ench gefällt Komödienhaus Freit. 4 Sept. 7 U Margarine von Georg Kaiser Die Tribüne Freit. 11. Sept. 7 U Zurück zu Methusalem v. Bernard Shaw 8 Uhr: Residenz- Th 505!" Die Koblanks THEATER ADMIRALI PALAST Mark 2,- bis 16, Sonntag 2 Vorstellungen 2 3 u 8 Uhr Volksstck. m.Musik Vorzeig. d. Anzeige zahlen nur halbe Kassenpr. von 50 Pf. an RIESEN WALHALLA KRONE am Rosentaler Tor Ab Sonnabend, 29. August: Mal was anderes Die lustige Ausstattungs- Revue in 25 Bildern von Alfred Berg. Carl Bretschneider Musik von Paul Hühn mit Lotte Werkmeister Agni Wilke Lambertz- Paulsen Robert Steidl Georges Blanvalet u. S. W. 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Dienst. 7/ 2öfientlich Generalprob Mittwoch 8 Uhr: Eröffnungs- Vorst. Lothringer Str. 37. Die dreiaktig. Posse Der kithne Schwimmer dazu das humorvolle Jubiläums- Programm Tägl. 8 Uhr Jugendfreunde Rose- Theater Thalia- Th. Montag, 31. Aug Neueinstudierung 8: Annemarie Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der kleine Kuppler Deutsches Künstler- Theater 8 Uhr Fauteuil 47 Lustspiel 81/4: Der gr. Betrug Gartenbühne: 5%, U: Bunter Teil 73/4: Das Schwarzwaldmädel APOLLO 8 U. Theater 8U. 12 VarietéSensationen Kleine Eintrittspr. nachmittags 2, Uhr Schönhauser Allee- Hochbahnh. Danziger Str. Haupteingang Rudolf- Mosse- Str. Telephon: Humboldt 99 Täglich 8 Sonnabends) auch 4 abends Uhr Sonntags Uhr Gigantische Circus- Spiele 120 Sensationen 120 Neu: Circus- Rennbahn ZOO 10-7 geöffnet. Indianerdorf 500 exot. Tiere, täglich von Konz.: 2Kapell. Raubtierfütt. 11U.vorm. A. Wertheim, an d. CircusVorverkauf kassen ab 10 Uhr vormitt. Nachm. Kinder b. 12 Jah. halbe Preise! 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U.a.: D. urkomische Sums 196427 199651 202233 202515 225520 229303 235370 249353 255038 258829 264412 266381 269011 272512 152 Gewinne zu 300 M. 11218 15426 18810 21795 32186 34218 34443 37813 41135 51865 60643 60650 63420 67776 68078 68504 84622 86151 86741 88732 91322 99718 106799 111483 114394 114709 121415 124306 126501 127060 129031 129729 129898 131266 135564 138033 142712 144980 146424 151658 154506 154529 158786 171037 179603 180877 183926 184789 184880 202241 202731 203127 204899 205130 206402 206605 211010 212542 215925 218981 222690 228850 230726 238618 239827 243724 250985 252210 256665 258243 260769 261172 267143 270279 271762 273560 Dr Scholl tes hilft Jhnen sicher Millionen von Menschen wurde schon wirksam geholfen. Dr. Scholl's Fusspflege- System hat für alle Fussleiden wirklich Individuell angepasste Heilbehelfe. In Millionen von Fällen auch schwerster Art- hat sich Dr. Scholl's Fusspflege System bestens bewährt. 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Immerhin ist diese Stelle des Friedhofs mit am besuchtesten, und man sollte meinen, es wäre ein Friedhofsinspektor da, der sich um die Ordnung zu kümmern hätte. Aber Unkrauthaufen liegen umher und verpesten die Luft, die Wasserstellen machen den Eindruck schmutziger Sümpfe. Wozu braucht der Bezirk dann einen Gartendirektor? Die Bewohner des Bezirks haben aber noch andere Schmerzen. Sie fragen vor allem: o bleibt die Gemeindeschule für Lank wit, die so dringend nötig ist? Will man sie mit dem fehl geschlagenen Plan des Verwaltungsgebäudes etwa auch begraben? Sie fragen ferner: Wo bleibt der Plan für das neue, längst dringend nötige Armenhaus? hat das Hochbauamt endlich einmal Zeit, auch an diese Arbeit zu denken? Sie fragen aber auch: Wie denkt sich das Bezirksamt nun die Unterbringung der Berufsschule, welche mit ihren 2000 Schülern in fünf verschiedenen Gebäuden hausen muß, eine Qual. für Lehrer und Schüler? Will man auch diesen Plan schlafen lassen, nur weil das Verwaltungsgebäude nicht durchzubringen war? Hätten die bürgerlichen Mitglieder des Bezirksparlaments auf den Rat unserer Fraktion gehört, dann hätte fich der Magistrat nicht ohne weiteres über diese dringend nötigen Bedürfnisse unseres Bezirks hinwegsegen fönnen. So hat man unverständlicherweise das Verwaltungsgebäude, welches noch gar nicht so dringend nötig ist, in den Vordergrund geschoben und hat offenbar mit dessen Ablehnung auch die nötigen Schulbauten fallen lassen. Die Bevölkerung, in diesem Falle die Wähler, werden am 25. Oktober daran denken müssen. daß es die sozialdemokratische Fraktion war, die für alle die genannten Bedürfnisse rechtzeitig fich eingesetzt hat, und daß es die bürgerlichen Vertreter aller Parteien waren, die diesen Fragen im höchsten Grade verständnisios gegenüber gestanden haben. Die Wähler werden berufen sein, den bürgerlichen Parteien und den Kommunisten, die sich an der Arbeit niemals beteiligt haben, sondern nur zum Abbau des sozialdemokratischen Stadtrats erschienen, die Antwort und die Quittung zu geben. * Bezugnehmend auf unseren Artikel im„ Borwärts" vom Sonntag, betitelt Schwarz- Weiß Rot in Steglig", erhalten mir folgende Zuschrift: STADT BEILAGE DES rung unseres Genossen, ihm doch unbekümmert darum, ob eine Genehmigung notwendig sei oder nicht, den Erlaubnisschein aus zustellen, wurde abgelehnt. Er möge eben später noch einmal nach fragen, die letzten Worte im Flugblatt betr. Hindenburg erregen Anstoß usw. Am Montag endlich, also nach acht Tagen, erhielten wir unsere Flugblätter zurück. Unser Genosse erhielt einen Erlaubnisschein, giltig bis 31. August, und durfte dafür eine Mark zahlen. Natürlich war die Rentenauszahlung längst erledigt und damit wohl der Zweck der Beschlagnahme erreicht. Bei einer Veranstaltung des Rechtsblods in Stegliz anläßlich der Hindenburgwahl gebrauchte eine Größe der Volkspartei folgende Worte:„ Wir in Stegliz werden als der Hort der Reaktion bezeichnet, aber wir sind stolz darauf und hoffen, daß wir es immer bleiben werden. Wir werden den Herrschaften bei der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl die Antwort darauf geben. Am 25. Oktober ist Abrechnung. 15. Bezirk Treptow. RK VORWARTS werden zeigen, wer ihr seid: Die Steigbügelhalter der Reaktion." Nach dieser gründlichen Abfuhr stimmte auch die KPD. geschlossen für unseren Antrag, denselben Antrag, den sie 10 Minuten vorher in Grund und Boden wünschten. Gegen die Behandlung eines weiteren Dringlichkeitsantrages unserer Fraktion auf Neubau einer Gemeindeschule im Ortsteil Johannisthal erhoben Deutschnationale und Volksparteiler Einspruch mit der Begründung, daß diese Angelegenheit nicht dringlich sei. Genosse Dr. Herz wieder Stadtrat in Spandau. Endgültige Entscheidung des Kammergerichts. Wie erinnerlich, war der Stadtrat und stellvertretende Bürgermeister von Spandau, Genosse Dr. Herz, von der Bezirksverordnetenversammlung abgebaut worden. Dieser Abbau wurde seinerzeit durch Kammergerichtsentscheidung aufgehoben. Nicht genug mit dieser Blamage machte man in Spandau den Versuch, dem Recht ein Schnippchen zu schlagen, indem man den Abbau Dr. Herz' mit neuer Begründung noch einmal beschloß. Aber auch dieser Versuch erlitt ebenso Schiffbruch, denn der Kommunal, Beamtenabbau- Ausschuß beim Kammergericht hat unter den 17. August d. I. folgenden Spruch gefällt: Auf den Einspruch des Stadtrats und stellvertretenden Bürgermeisters Dr. Herz ist dessen abermalige Bersetzung in den einstweiligen Ruhestand aufgehoben. An Kosten des Verfahrens ist eine von der Stadt Berlin zu entrichtende Gebühr von 200 Reichsmart erhoben. Gründe: Auf den Beschluß des unterzeichneten Ausschusses vom 15. Januar 1925, durch welchen der erstmalige Abbau des Beschwerdeführers wegen Verlegung des§ 21 der Breußischen Abbauverordnung aufgehoben worden ist, wird Bezug genommen. Die für den früheren Abbau maßgeb. lichen Gründe, wie sie in der Begründung des unterzeichneten lichen Abbau ihre Bedeutung nicht verloren. Es iſt zu Ausschusses dargelegt und gewürdigt sind, haben auch für den neuerberücksichtigen, daß die Auswahl durch politische und fonfessionelle Gründe nicht bedingt, sondern nur beeinflußt zu sein braucht. Nun liegt auf der Hand, daß der zweite mit dem ersten Abbau in Zusammenhang steht, sonst wäre der zweite nicht dem ersten unmittelbar und ohne daß der Versuch einer weiteren Verwendung des Beschwerdeführers gemacht wäre, gefolgt. Borsigende Genosse Strieder eine Antwort des ProvinzialschulIn der Bezirksversammlung am 26. August gab der follegiums bekannt, die auf die Anfragen der SPD. und Demofraten wegen verschiedener Vorgänge in den höheren Schulen bei sich, die Angegriffenen als unschuldslämmer hinzustellen. der Reichspräsidentenwahl eingegangen ist. Die Antwort bemüht Auf den in der vorigen Sigung gestellten Antrag unserer. Fraktion, das brachlicgende Staatsgelände zwischen Niederschöneweide und Adlershof volkswirtschaftlich auszunuzen, wurde vom Bezirksamt mitgeteilt, daß dieses Gelände vorläufig auf die Dauer von 20 Jahren an Kleingärtner verpachtet wird. Die Kommunisten hatten einen Antrag gestellt, von der Reichsregierung die Amnestie zu fordern. Die Regie zwischen dem kommunistischen Redner und den hinbestellten Tribünenbesuchern flappte äußerst schlecht. Es fehlte empert verlas eine Erklärung unserer Fraktion zu diesem Ansogar der„ lebhafte" Beifall der Abkommandierten". Genosse trag. Schlagend wies er nach, daß die KPD. auf diesem wie auf allen Gebieten nicht zu ihren Worten stehe. Erst treibt man die Arbeiter der Klassenjustiz in die Arme, und nachher verhindert man direkte Verbesserungen der Amnestievorlage. Die SPD. arbeitet an den Stellen für eine bessere Amnestie, die dafür zuständig sind. Gegen die Stimmen der Antragsteller wurde der Antrag abge lehnt. Eine Vorlage, das Grundstück Wilhelminenhofstr. 80/81 lichen Marktes zu erwerben, wurde einstimmig angein Oberschöneweide zum Zwecke der Errichtung eines öffent- hieraus ergibt sich: Wäre der erste Abbau politisch und konfessionell nommen. Das Bezirksamt ist bemüht, innerhalb des Bezirkes den Wohnungsneubau zu fördern, und empfiehlt aus diesem Grunde, ein Grundstück in der Hoffmannstraße in Treptow zu ver diesem Grundstück vorhandenen Kleingärtner entsprechend finanziell taufen. Bürgermeister Genosse Grunom erflärt, daß die auf abgefunden werden und ihnen neues Kleingartenland nachgewiesen wird. Die Kommunisten hatten in Anbetracht der gutbesetzten Tribüne ihr warmes Herz für die Kleingärtner entdeckt und motivierten ihre Ablehnung damit, daß nur ein Einfamilienhaus errichtet wird. Wenn eine große Miettajerne gebaut würde, Vertreter gab dann könnte für den Berkauf entschließen. Ein demokratischer Daß die Polizei auch anders kann, wenn es sich um sozial: demokratische Flugblattverbreiter handelt, möge folgender Fall illustrieren. Wie in ganz Groß- Berlin, so wollten auch wir in Stegli uns der Aufgabe unterziehen, den alten Leuten beim Empfang ihrer färglichen Rente unser legtes Flug blatt, welches den Betrug der Regierungsparteien bei der Aufwertung ins rechte Licht rückte, zu verteilen. Unser arbeitsloser Genosse poſtiert sich also auf dem Hofe des Hauses Schloßstraße 36, das zum Rathaus Steglig gehört, vor dem Aufgang, welchen die alten Leute passieren müssen. Irgend welche Störungen fonnte er hier unter feinen Umständen verursachen. 1% Stunden konnte er hier ungestört Flug blätter verteilen, die gern abgenommen und gelesen wurden. Schließ lich erscheint ein Beamter und weist ihn vom Hof. Unser Genossen einem Dringlichkeitsantrag forderte unsere Fraktion, unverzüglich verteilt also seine Flugblätter auf der Straße vor dem Eingang des Hauses weiter. Nach ganz kurzer Zeit erscheint die Polizei, Flug blattverbreiter und Flugblätter wandern zur Wache. Es wird ihm erflärt: nach einer Verordnung aus dem Jahre 1852 habe er sich strafbar gemacht, er müsse die Genehmigung zur Verteilung derselben einholen, im übrigen wird ihm ein Strafmandat angedroht. Die Flugblätter werden beschlagnahmt. Unser Genosse verlangt also einen Erlaubnisschein. Am nächsten Tage wird ihm erflärt, er möge in zwei Tagen wiederkommen, der Regierungsrat weiß es auch nicht, man müsse erst in Berlin anfragen. Die FordeZum 10 Ultimo Verwunderung darüber Ausdruck, daß die KPD. sich für den Bau von Mietfasernen einsetze. Genosse Lempert betente, es femme darauf an, neue Wohnungen erstehen zu lassen und der Kleingartenbewegung zu helfen. Da es sich um ein Gelände an einer baureifen Straße handelt, die Be- und Entwässerung aufmeist, muß jeder Einsichtige dem Verkaufe zustimmen. Die SPD. hätte für die Kleingärtner schon gesorgt durch die Bereitstellung des großen Geländes zwischen Adlershof und Niederschöneweide; dort können 500 Kleingärtner angesiedelt werden. Ein Antrag unserer Fraktion, das Finanzamt Oberspree von Berlin- Alexander platz nach dem Bezirk zu verlegen, wurde einstimmig angenommen. geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um im Bezirk genügende Berfaufsstellen zum Vertrieb des Gefrierfleisches sicher zustellen. Ein Kommunist sprach sich namens der KPD. gegen den Antrag aus, weil dieser nur gestellt sei, damit die Arbeiter doch nichts bekommen sollen. Die SPD. sei schuld an den neuen Steuern und Zöllen." Genosse a ß leuchtete den Kommunisten gehörig heim. Seht euch eure Arbeit im Berliner Stadtparlament an," sagte er ihnen, Beseitigung der Arbeitermehrheit im Magistrat, der Abbau Bauljens, Wahl eines deutschvolksparteilichen Bürgermeisters alles ist euer Werk. Die kommenden Stadtverordnetenwahlen 6 artikel aber die richtigen Damen- Spangenschuhe Herren- Schnürstiefel echt schwarz Chevreau, elegante Form, echter Louis XV.- Absatz 9.90 schwarz Rindbox, moderne halbrunde Form, weiss gedoppelt.. beeinflußt, muß es auch der zweite sein, und es entfällt aus dieser Erwägung die Bedeutung des sonst vielleicht in Betracht kommenden Vorbringens, das Verhalten des Beschwerdeführers in dem Berfahren vor dem unterzeichnetn Ausschuß hätte eine gemeinsame Weiterarbeit mit ihm unmöglich gemacht und den Grund zu seinem zweiten Abbau gebildet. Abgesehen davon sind die Ausführungen des Beschwerdeführers in diesem Verfahren in Wahrnehmung berechtigter Interessen erfolgt und müssen unter diesem Gesichtspunkt gewürdigt werden. Die neuerliche Bersehung des Be schwerdeführers wäre daher wiederum wegen Berlegung des§ 21 der Preußischen Abbauverordnung aufzuheben. Ob nach dieser Abfuhr die Spandauer Reaktionäre noch ein Drittes Mal ihr Heil und einen Abbau versuchen werden, muß das hingestellt bleiben. Jedenfalls wird auch ein dritter Abbau mit dem ersten und zweiten in Zusammenhang stehen und daher rechtsunwirksam bleiben. Das Wenden von Fahrzeugen auf der Straße. 1 Troß wiederholter Hinweise durch die Presse werden die Bestimmungen über das Wenden von Fahrzeugen in den Straßen Berlins häufig nicht beachtet. Die Polizeibeamten sind daher erneut angewiesen worden, im Interesse einer ordnungsmäßigen Abwicke lung des Verkehrs auf die Innehaltung der bestehenden Bestimmun gen zu achten und Uebertretungen vom 1. September ab zur Anzeige zu bringen, nachdem bisher lediglich Berwarnungen der Fahrer erfolgt find. Nach den Bestimmungen der Straßenordnung ist das Wenden von Fahrzeugen in den Verkehrsstraßen erster Ordnung unter allen Umständen untersagt. In allen anderen Straßen ist das Wenden ebenfalls verboten, sofern es nicht in einem einzigen Wendebogen ausführbar ist. Dieser Hin-. weis bezieht sich in erster Linie auf die Automobile, die durch ihr Hin- und Herfahren über die Straßenbreite, um zum Wenden zu kommen, oft den Verkehr lahm legen. 1050 Damen- Lack- Spangen- und Herren- Lack- Schnürschuhe -Schnürschuhe halbspitze Form, moderner Absatz 1150 mente Verarbeitung Form, 1650 moderne halbspitze elegante Damen- Lack- Spangenschuhe Kinder- Oesen- u. Agraffenauch mit grau Soutachever12.50 50 stiefel la Rindbox, guter Schulstiefel, Gr. 31-35 6,25, Gr. 27-30 550 zierung, chicer Komtessabsatz Peiser Nr. 405 42. Jahrgang Wirtschaft 2. Beilage des Vorwärts = Jsteine zweite Kapitalumstellung notwendig? Durch die Goldbilanzverordnung wurden die deutschen Aktiengesellschaften zu einer Umstellung ihres Attien fapitals gezwungen. Diese Umstellung erfolgte bei den verschiedenen Unternehmungen nach durchaus verschiedenen Grundsägen. Biele Gesellschaften ließen sich bei der Bewertung ihres Vermögens noch stark von der Meinung leiten, daß der An lagewert ihrer Grundstücke, Bauten und Maschinen den Bilanzmert bestimmen müsse. Andere betonten von vornherein den Gedanken, der in der fapitalistischen Wirtschaft der allein richtige ist, daß die zu erwartende Rente den Vermögenswert bestimmen müsse. Meinungsverschiedenheiten konnten sich dabei in der verschiedensten Richtung ergeben. Die schwierige Lage des deutschen Geld- und Kapitalmarktes hat die Zinsfäße enorm hinaufgeschraubt. Sollten nun die jetzigen hohen Zinssäge den Maßstab der fünftigen Rente und damit des Kapitalwertes der Unternehmungen abgeben? In diesem Falle fonnte sich später herausstellen, daß der Kapitalwert zu niedrig angenommen worden ist, daß also später Ropitalsverwässerungen vorgenommen werden mußten. Getzte man aber einen niedrigeren Zinssatz ein, so wie er vielleicht in späteren Jahren auch in Deutschland wieder zu erwarten ist, so mußte man damit rechnen, daß die Aktien der Unternehmungen auf Jahre hin aus unterbewertet würden und daß damit die Beschaffung Schwierigkeit bei der Schäzung der zu erwartenden Rente selbst bot die Tatsache, daß die gesamte Wirtschaft infolge der Schwächung der Kaufkraft der breiten Massen einerseits und der Ueberfättigung der deutschen Produktion und des Handels mit Betriebsanlagen, den Umfaz für den einzelnen Betrieb für absehbare Zeit start verringern mußten. Weiter fam hinzu, daß die Knappheit an Betriebskapital und die Notwendigkeit, Betriebsmittel zu hohen Zinssäzen hereinzunehmen, das Rentabilitätsergebnis beeinträchtigen mußte. nachdem ob die einzelne Firma diese verschiedenen Momente berücksichtigte, mußte die Kapitalsumstellung verschieden ausfallen. Die Tatsache, daß sehr viele deutsche Unternehmungen und unter ihnen fogar sehr große überhaupt feine Dividende für das laufende Geschäftsjahr ausschütten, zeigt, daß in zahlreichen Fällen die Kapitalumstellung in einer zu optimistischen Weise vorgenommen worden ist. Das wird sogar auf die Mehrzahl der Goldumstellungen zutreffen, da bisher nur wenige Unternehmungen Dividenden verteilen, die in einer Höhe von etwa 10-12 Pro3. dem heutigen Stand der Zinssäge in Deutschland angepaßt find. Unter diesen Umständen ist es fein Wunder, daß die Kapitals. umstellung der einzelnen Unternehmungen jede Einheitlichkeit vermissen läßt, daß schon seit längerem von der Notwendigkeit einer neuen Umstellung viel geredet und geschrieben wird und daß in einzelnen Fällen, wie beim Baroper Walzwert, diese neue Um stellung bereits eingeleitet ist. Es lohnt daher, die bisherige Kapitalsumstellung der deutschen Unternehmungen nach den verschiedenen Gewerbezweigen sich vor Augen zu führen. Sie ist in der nach ſtehenden graphischen Darstellung veranschaulicht. neuen Kapitals fünstlich erschwert wurde. Eine weitere Die Kapitalumstellung der deutschen Unternehmungen Chemische Ind. 240% Ges.f.Gas, Petroll 180% Bergwerke, Hüttenl 170% Textil, Bekleidung! 160% Brauereien 150% Handelsges., Warenh Lederindustrie 140% Sonst Transport- Unt Getränke- Industriel In% Metallw. Maschinen 130% Nahrungs- Genußm.l zum Kali( Freiverk.) Elektr. Werke Hotels, Restaurants Industrie d.Steme Wasser u.Eiswerkel Speditionsges. Druckereien Zeitung Holzindustrie Papier, Pappe, Cell. Z Vorkriegskapital 120% August 1925 102% 94% Stand 183% Versicherungsges. 63% Bau-, Terrainges. 153% Schiffahrt 45% 36% Banken Vorkriegskapital 100% 11 Je Bei dieser Darstellung sind auf Grund von einer Erhebung. die Dr. Oskar Goetz fürzlich im Berliner Tageblatt" veröffentlichte, die an der Berliner Börse amtlich notierten Unternehmungen berüd fichtigt, von denen allein 224 auf die Metall- und Maschinenindustrie entfallen. Auf einzelne Gewerbezweige kommen naturgemäß nur MONDAMIN Haselnuss PUDDING ganz wenige Papiere, so z. B. bei Hotels und Restaurants 2, bei Speditionsgesellschaften, Handelsgesellschaften, Warenhäusern je 3 Papiere in Betracht, bei den übrigen Branchen handelt es sich um größere Gruppen, deren Zahl zwischen 5 und 78 schwankt. Das Gesamtergebnis ist, daß sich das Vorkriegskapital und das Nach. friegstapital 1: 1,1 verhalten, ein Bild, das jedenfalls nicht so pessimistisch ist, wie es zuweilen von kapitalistischer Seite dargestellt wird. Die Graphik zeigt, daß eine ganze Reihe von Aktiengesellschaften ihr Vermögen und dessen Ertragsfähigkeit relativ viel höher einschäzen als etwa die Höhe der zu zahlenden Löhne: Der Goldmert des Kapitals wird auch unter Berücksichtigung des erhöhten Preisniveaus, in der Chemie, bei Bergwerken und in einer Reihe von Konsumindustrien nicht geringer eingeschätzt als in der Borfriegszeit. Die Börse ist über diese Bewertung, wie die niedrigen Kurse zeigen, freilich anderer Meinung. Korrekturen" des Deutschen Landwirtschaftsrats. Wir haben schon wiederholt Gelegenheit gehabt, uns mit der Berschuldungsstatistik zu befassen, die der Deutsche der Agrarenquetekommission des Landwirtschaftsrat Handelspolitischen Ausschusses des Reichstags vorgelegt hatte. Inzwischen sind die Anlagen zum Protokoll der Agrarenquete er. schienen, die diese Statistik zur Verschuldung der Landwirtschaft enthalten. Bemerkenswerterweise weichen aber in einigen Fällen die Zahlen in der gebrudten Statistik von mission vorgelegt worden waren, ohne daß dies in der Drucksache denen der hektographierten Bogen ab, die der Agrarenquetekom: irgendwie fenntlich gemacht worden wäre. Es handelt sich hierbei um die Belastung der Landwirtschaft durch die Hypothekenaufwertung. Ursprünglich waren angegeben worden als auf wertungspflichtig pro Hektar für die Kammerbezirke M. 588.- jetzt hingegen M. 452.Ostpreußen Pommern Grenzmark Brandenburg Prov. Sachsen 470.390." • •" " 446. 1103." " " 360." 294.W 332." 683." Das Bemerkenswerte dabei ist zunächst, daß solche Korrekturen ausschließlich in Provinzen vorherrschenden Großgrund besiges notwendig waren. Besonders seltsam liegt der Fall bei Pommern; für Pommern war nämlich ursprünglich behauptet worden, daß der aufwertungspflichtige Betrag größer sei als die Vorkriegsverschuldung, weil nach der Behauptung des Sachverständigen des Deutschen Landwirtschaftsrats Herrn Dr. Fensch die pommerschen Landwirte während der Kriegszeit in so hohem Maße neue Hypotheken aufgenommen hätten, um Kriegsanleihe zu zeichnen. Der pommersche Nimbus ist also geschwunden, und die Erklärung" des Herrn Dr. Fensch kann jetzt wohl als überflüssig beiseite gelegt werden. Wer garantiert nun aber, daß auch jetzt diese Statistit, deren sonstige Mängel ja bereits bekannt sind, nicht noch Rechen fehler enthält? Wenn nämlich die Irrtümer, die der Druck jezt berichtigt hat, nicht absichtlich gemacht wurden, können sie nur als Rechenfehler erklärt werden. Vielleicht schickt der DLR. Herrn Dr. Fensch und die übrigen Herren, die an dieser Statistik mitgewirkt haben, noch einmal auf die Schulbank, damit sie die einfachsten Rechenoperationen nun erst wirklich einmal lernen. Denn das wird der Deutsche Landwirtschaftsrat doch nicht wünschen, daß infolge von Rechenfehlern die Verschuldung des oftelbischen Großgrundbesizes vor parlamentarischen Ausschüssen falsch dargestellt wird. Wichtiger aber als die Irrtümer" und ihre reichlich verspätete Korrektur ist vielleicht die Tatsache, daß hier offiziellpor= gelegte Dokumente in der offiziellen Drudausgabe nicht so abgedruckt werden, wie sie der Kommission vorgelegen haben. Das tommt einer Fälschung ziemlich nahe. Nichts wäre dagegen einzuwenden, wenn die Statistiken so abgedruckt worden wären, wie sie der Kommission vorgelegen haben, und dann in einer Anmerkung die Fehler berichtigt worden wären; jetzt aber wird durch die Korrektur, die stillschweigend vorgenommen worden ist, ein Teil der Verhandlungen unverständlich, und außerdem die Tatsache der Unzuverlässigkeit der Sachverständigen des DLR., die sich bei dieser Gelegenheit gezeigt hat, verwischt. Die Besorgung der Drucklegung dieser Anlagen, weist auch noch einige andere Eigentümlichkeiten auf. Eine Denkschrift des Fachverbandes für Fleischversorgung, die zu den Aften eingereicht worden war, ist nicht abgedruckt. Ebenso ist der Abdruck einer Zusammenstellung der Ergebnisse der Reichswirtschaftsratsverhandlungen unter systematischen Gesichtspunkten, auf die der Vorsitzende im Verlauf der Enquete selbst hingewiesen hat, wie auch noch aus den Protokollen ersichtlich, unterblieben. Es scheint, als ob hier eine bestimmte Auslese stattgefunden hat. Jedenfalls ist klar, daß all dies nicht hätte geschehen tönnen, wenn man sich etwas besser klargemacht hätte, wie wichtig eine Enquete dieser Art ist, statt sie mehr oder weniger als eine Dekoration zur Berheimlichung der Unfachlichkeit der Zollargumente zu benutzen. Charakteristisch ist übrigens, daß die korrigierten" Berschuldungsstatistiken des DLR. das einzige Material darstellen, das von den 3ollanhängern der Kommission vorgelegt worden ist. Sie hatten es eben nicht nötig, da ihre Forderungen nicht von sachlichen, sondern von politischen Vorausfegungen ausgingen. Die dänische Arbeiter- Kohlenimport- Genossenschaft. Die bürgerliche Presse in Deutschland hat sich vor kurzem in sensationeller Weise mit der dänischen Arbeiter Rohlenimport Genossenschaft( Arbeidernes Braenselsforretning) beschäftigt. Dazu schreibt unser Kopenhagener Mitarbeiter: Die Arbeiter Kohlenimport- Genossenschaft wurde im Jahre 1916 von den dänischen Gewerkschaften und der dänischen Sozialdemofratie gegründet. Während der Hochtonjunktur der Kriegsjahre war fie der Haupt importeur deutscher Kohlen nach Dänemart. Nach dem Kriege schlug die Ronjunktur um. Mit zunehmen und die Brivatkohlengeschäfte traten immer mehr und mehr als dem Angebot auf dem Weltkohlenmarkt fielen auch die Kohlenpreise Ronkurrenz hervor. Es zeigte sich auch im großen und ganzen, daß die Genossenschaft zu groß angelegt war. Die Lage der Genoffenschaft verschlimmerte sich während des letzten milden Haselnüsse im Pudding Freitag, 28. August 1925 Winters. Es ergaben sich Verluste, durch die die Genossenschaft start bei den Banken verschuldete. Um sich zu halten, mußte das Unternehmen nunmehr eine enge Verbindung mit der englischen Rohiengroßfirma Charrington eingehen. Die Details Kohlengenossenschaft wird nur bekanntgegeben, daß ihm von der dieses Uebereinkommens sind unbekannt. Von der Leitung der englischen Firma ein größerer Warenkredit eingeräumt sei. Jedoch läßt die Tatsache, daß der bisherige Leiter der Genossenschaft, der seinerzeit von den Gewerkschaften und der Partei gewählte Gemertschafter Kiefer zurücktreten mußte und sein Nachfolger ein bisheriger höherer Angestellter der englischen Firma ist, feinen Zweifel, daß die englische großkapitalistische Firma bis zu einem gewissen Grad die dänische Arbeitergenossenschaft unter ihre Kontrolle gebracht hat. Wie weit diese Entwicklung auch die Arbeiter bank, deren dieser personell eng verbunden war, berührt, ist im Augenblid noch Hauptaktionär die Arbeiter- Kohlengenossenschaft ist und die mit nicht zu übersehen. In Deutschland intereffiert an dieser Entwicklung vor allem die Tatsache, daß das englische Rohlenkapital auf dem besten Wege ist, sich den dänischen Kohlenmarkt, der ihm durch den Krieg verloren gegangen war, wieder zu erobern. Außer der Arbeiter- Kohlengenossenschaft hat das englische Kohlenkapital vor furzem auch den Hauptteil der Aktien der größten dänischen Kohlenimportfirma, der Danfte Kultompanie" in seine Hände gebracht. Wie sich aus den Einfuhrziffern des letzten Jahres ergibt, ist der deutsche Kohlenerport nach Dänemark dann auch start zurückgegangen. Wesentlich ist nur noch die Einfuhr von deutschem Rots nach Dänemark. schaften mit Privatfirmen entrüstet. Das zu tun heißt die Struktur Böllig abmegig ist es aber, wenn die bürgerliche Presse in Deutschland und Dänemark sich über die Verbindung von Genoffendes dänischen Wirtschaftslebens eben nicht kennen. Berbindungen zwischen Genossenschaften und Privatfirmen sind im dänischen Genossenschaftswesen, sowohl innerhalb der Bauerngenossenschaften wie innerhalb der Arbeitergenossenschaften schon immer gang und gäbe gewesen, oft leider mit dem Endresultat, daß das Privatkapital die Genossenschaft vollständig schluckte. Daraus hat jede Genossenschaftsbewegung ihre Lehren zu ziehen. Die Entwicklung in der deutschen Arbeitergenossenschaftsbewegung bestätigt nur, daß der von ihr eingeschlagene Weg der Angliederung von produktiven Eigenbetrieben an die Genossenschaft und nicht der der Anlehnung an Privatkapital beschritten werden muß, wenn die Arbeiterschaft der Gemeinwirtschaft nähet kommen will. Bauern als Sparer und Kreditnehmer. Nach dem Zentralblatt des Deutschen Landwirtschaftsrats hat die Badische Bauernbank joeben ihren Geschäftsbericht für das Jahr 1924 veröffentlicht. Der Gesamtumsa im Jahre 1924 betrug 822 Millionen Marf gegenüber 52 Millionen Mark im letzten Friedensjahr. Im Jahre 1924 war bei den S pareinlagen ein Nettozugang von über 4 Millionen Mart zu verzeichnen. Ueber die Bant wurden ca. 4. Millionen Reichsmart Kredit den ländlichen Kreditvereinen zugeführt. Es ergibt sich also, daß die Kredithergabe und die Spareinlagenzunahme sich die Wage halten. Ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so günstiges Bild ergaben die Berichte über die rheinischen Bauernfrebitgenossenschaften, über die wir seinerzeit berichteten. Man wird diese Entwicklung als einen Beweis der von uns wiederholt festgestellten Tatsache betrachten können, daß die Notlage der Landwirtschaft selbst für das Jahr 1924 von den Interessenten ungeheuerlich übertrieben dargestellt worden ist, nur um die 3ölle unter Dach und Fach zu bringen. Junehmender Weltverbrauch und Verknappung von Kupfer. 3u den Verhältnissen am Kupfermarkte, die wir in unserer letzten weltwirtschaftlichen Rundschau furz beleuchtet haben, äußert sich ein bekannter englischer Spezialist: Der gegenwärtige Kupferverbrauch wird bis zum Ende des Jahres der Minimalproduktion aller Kupferminen die Wage halten. Der Weltfupferverbrauch war im Jahre 1923 um 22 Broz. höher als im Jahre 1922, und für das Jahr 1924 fann man eine neue Erhöhung von 12 Broz. gegenüber 1923 feststellen. Nach den Statistiken, die bis jetzt bereits veröffentlicht worden sind, ergibt sich, daß der Konsum in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres auf einen Mehrverbrauch Don 175000 Tonnen im ganzen Jahre 1925 mehr als im vergangenen schließen läßt. Unter diesen Umständen wird die gesamte Produktion noch vor Ende des Jahres 1925 absorbiert werden. Am Ende der letzten Woche ist der Preis für Kupfer auf der New Yorker Metallbörse auf 15 Cents gestiegen. Dies ist der höchste Preis, den das Metall seit dem Januar d. Is. erreicht hat. Man glaubt aber, daß der Höhepunkt noch nicht erreicht ift. Auch ein Beitrag zum Preisabbau. Damit der Zweck der lebung auch in der Deffentlichkeit klar zu Tage tritt, hat der neugegründete Aluminium Walzwerfverband, wie aus fei. nen neuen Preislisten ersichtlich ist, die Blech- und Rondenpreise durch we gerhöht. Die Erhöhungen, die ein besonderes Kapitel zu der Frage der Berbilligungsaftion bilden, betragen durchweg 10 bis 12 Prozent. Verhandlungen um einen Kredit in Höhe von 8 Millionen Mt. einDie Linke- Hofmann- Werte sind mit der Stadt Breslau in getreten. Es sollen bei der Linke- Hofmann A.-G. ausländische Aufträge größeren Umfangs vorliegen, für die bis jeẞt feine Anzahlung geleistet worden ist. Danach wird es sich um einen sogenannten Anfurbelungskredit handeln. An der Börse, wo die Nachricht zum Teil verstimmend wirkte, wurden die Ver handlungen lebhaft erörtert. Abstoßung der Nordstern- Bant. Das noch im Besitz der Nordstern- Versicherungsgruppe befindliche Aktienpaket der NordsternBank ist zu 108 Proz. von dem holländischen Baron von der werden in„ von der Heydt- Bank". Heydt erwerben worden. Der Name der Bank wird umgeändert die Bedeutende Ausdehnung des indischen Baumwollbaus. Nach einem Kabel- Telegramm der„ Textil- Woche" aus Indien fommt erste Berechnung der Baumwollanbaufläche für die Saison 1925/26 auf die Rekordzahl von 16 204 000 Acres, verglichen mit 12 741 000 Acres im gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, d. h. es ist von einem Jahre zum anderen eine Zunahme von etwa 30 Pro 3. in dem mit Baumwolle bepflanzten Areal festzustellen. Die indische Regierung bemüht fich außerdem lebhaft, die Qualität der englischen Baumwolle zu verbessern. Wetter für Berlin und Umgegend: Etwas fühler, meist bewölkt, vereinzelt etwas Regen. Für Deutschland: Im Norden strichweise Regen, im Süden vielfach heiter. sind etwas Neuartiges. Der herzhafte Geschmack der unter der Südsonne gereiften Haselnüsse gibt dieser bisher einzigartig dastehenden Puddingart einen eigenen Reiz. Jeder Puddingfreund und Feinschmecker schwört auf diesen MONDAMIN- FEINKOST- PUDDING Soziale Statistik. Die Gesundheitsverhältniffe der Bergarbeiter. Professor Dr. Bruno Heymann und Dr. Karl Freuden berg haben Ende Juli eine gründliche statistische Untersuchung der Gesundheitsverhältnisse und der Sterblichkeit der Bergleute im Ruhrgebiet der Deffentlichkeit übergeben.*) Solche Arbeiten sind, menn fie nicht oberflächlich durchgeführt werden, von eben so großer prattischer Bedeutung wie von wissenschaftlichem Interesse. In einer Zeit, in der immer mehr die Fürsorge für die verschieden artigsten Notstände von der Allgemeinheit übernommen wird, ist eine möglichst genaue Kenntnis der besonderen Nöte jeder einzelnen Gruppe erforderlich. Sie allein ermöglicht ein gerechtes Abwägen der Unterstüßungs- und Selbsthilfeorganisationen, die für die verschiedenen Gruppen geschaffen oder ausgebaut werden müssen. In England, dem klassischen Land für statistische Teiluntersuchungen, haben solche Arbeiten häufig den Anstoß zu Hilfs. maßnahmen gegeben. Auch in Deutschland hatten wir in letzter Zeit einen Erfolg auf ähnlicher Grundlage zu verzeichnen. Die große Untersuchung des Textilarbeiterverbandes über die besonders ungünstigen Arbeitsbedingungen der schwangeren Textilarbeiterinnen hatte den Erlaß besonderer Schutzbestimmungen für diese Arbeiterinnengruppe zur Folge. Diefe Schutzbestimmungen sind zwar noch recht bescheiden. Sie müssen aber als Anfang zu umfaffenderen Maßnahmen begrüßt werden. Ob das vorliegende Buch von ähnlicher Wirkung sein wird, ab es genug Widerhall in der öffentlichen Meinung finden wird, um verschiedene notwendige Verbesserungen in den Arbeitsverhält nissen der Bergleute durchzusetzen, das bleibt abzuwarten. Anlaß genug wäre dazu vorhanden. Besonders sind es die hohen Anfallziffern der Bergleute, die ja im allgemeinen bekannt sind, und die doch immer wieder einen Schreden einjagen, wenn man nicht mechanisch die langen Zahlenreihen durchlieft, sondern mit der Lektüre auch die Vorstellung von all dem Schmerz, dem Elend und Jammer verbindet, der mit den zahllosen Unfällen der Bergarbeiter verknüpft ist. Mehr als ein Drittel aller Todesfälle von Bergleuten sind auf Unfälle zurüdzuführen. Besonders die Hauer und Schlepper werden oft von Unfällen betroffen. Bor dem Krieg verunglückten jährlich ungefähr ein Biertel dieser Arbeiter. gruppen. Während des Krieges war die Unfallhäufigkeit sogar noch etwas größer. Nach dem Krieg fanten die Zahlen etwas. Aber auch noch im Jahr 1922, mit dem die Statistit abschließt, haben 12 Broz. aller Hauer und 20 Proz. aller Schlepper einen Unfall erlitten. Gliedert man die verunglückten Bergarbeiter nach einzelnen Altersgruppen aus, so zeigt sich, daß die Hauptopfer von den Jugendlichen gebracht werden. Bon je 1000 im Jahre 1921 verunglückten Bergarbeitern standen im Alter bis zu 20 Jahren 20 bis 30 Jahren. 30 40 40 50 über 50 Jabre 9 208,5 112,6 89,4 115,1 98,6 Unfälle mit tödlichem Ausgang sind dagegen häufiger bei den mittleren und höheren Altersgruppen als bei den Jugendlichen. Es ift anzunehmen, daß die große Zahl nicht sehr schwerer Unfälle der Jugendlichen mit der größeren beruflichen Unerfahrenheit dieser Gruppe zusammenhängt. Es wäre dringend zu wünschen, daß durch die im letzten Jahr auch in Deutschland in Angriff genommene Unfallverhütungspropaganda hier eine Besserung er zielt wird. Bielleicht wäre es zwedmäßig, jedes Wert zu verpflichten, über die Unfälle im eigenen Betrieb die Belegschaft unverzüglich zu informieren und gleichzeitig eine furze Schilderung des Herganges zu geben. Unfälle, die auf der eigenen Arbeitsstelle, im bekannten Kollegenkreis vorkommen, hinterlassen auf die Mitarbeiter sicher einen stärkeren Eindrud, als noch so eindrucksvolle, aber unpersönlichere Hinweise. Werbe- Sport- Fest in Oberschöneweide. Am stärksten ft im Berhältnis ble Zunahme der Geschlechts. Arensben( 150). Canter. Benton 08 1- B1( 10,00); C lau 1- Alemannia 1( 10,00); Atreuzberg 1- Bernau 1( 10,30); RBC. 2- Bernau 2 frankheiten unter den Jugendlichen unter 20 Jahren. Im( BI. Kreuzberg 9,30); NBC. 1- Sparta 1( 9,30); Britannia 1-868. 221( 9,30); Jahre 1921 wurden von je 10 000 Bergarbeitern der betreffenden Tasdorf 1- Richterswalde 1( 11,00). Altersklasse wegen Gonorrhöe frant gemeldet: unter 20 Jahren 57,4, zwischen 20 und 30 Jahren 65,5. Auch unter den Berheirateten haben die Geschelchtskrankheiten, wenn auch nicht ganz in gleichem glied des AABD., Berlin- Oberschöneweibe, ein großes Werbe- Sport- Fest im Maße wie bei den Unverheirateten, zugenommen. Trotz dieser großen Zahl von Geschlechtskrankheiten unter den Bergleuten muß festgestellt werden, daß die Erkrankungszahl der Bergarbeiter etwa dem Durchschnitt in anderen ländlichen und kleinstädtischen Bezirken des Reiches entspricht. Die Erkrankungsziffer in den Großstädten ist noch um ein vielfaches höher. Die Sterblichteit der Bergarbeiter ifttroßdem für diesen bis zum Beruf eine besondere Auslese durch den Arzt stattfindet 40. Lebensjahr höher als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Die große Zahl der tödlichen Unfälle wird daran die Hauptschuld tragen. Als Material für die in dem Buche enthaltenen Angaben diente die Statistik des allgemeinen Knappschaftsvereins zu Bochum. Sie umfaßt ungefähr 20 Bergreviere mit rund 300 Einzelbetrieben und damit eine Belegschaft von mehr als einer halben Million im Jahre 1922. Das bedeutet also die bei weitem größere Hälfte aller Bergarbeiter Deutschlands. Die Durcharbeitung der Statistiken über die Krankheits- und Sterblichkeitsverhältnisse der Bergarbeiter ist von geradezu mustergültiger Gründlichkeit und Objektivität. Am Sonntag, 30. Auguft, veranstaltet der Sportklub ,, Sturm" e. B., Mite Bürgergarten Johannisthal. Als Einleitung erfolgt um 1 Uhr ein Stafetten. lauf 10 × 200 Meter. Start Bahnhof Niederschöneweide, Ziel Oberschöneweide, Rathenaustraße. An diesem Stafettenlauf beteiligen sich mehrere Bruder. vereine. Um 12 Uhr findet der Festzug vom Riel aus nach dem Festlokal Während und und humoristischen Vorführungen finden Ringlämpfe ftatt. Bürgergarten Johannisthal statt. Außer Box, Jiu- Jitſu- Kämpfen, artiſtiſchen nach der Vorstellung großer Ball. Bezirkssport in Köpenid. Er Am Sonntag, 30. Auguft, veranstaltet das Bezirkskartell des 16. Bezirkes, also alle Eport- und Aulturvereine von Röpenid, Friedrichshagen, Grünau, Das Bohnsdorf und Eid walde, ein Werbespottfeft, auf dem Eichesportplag. reichhaltige Brogramm umfaßt alle Sportarten wie Leichtathletit, Schwimmen, Turnen, Radfahren, Fußball und Schachspiel. Die Wettkämpfe werden durch einen Straßenlauf Quer durch Röpenid" eröffnet. Der Straßenlauf beginnt um 1 Uhr 30. Start in der Grünauer Straße Ede Glienider Straße. führt über den Köllnischen Blaz- Schloßstraße- Lange Brüde- Bahnhofstraße Friedrichshagener Straße mit Durchschwimmen der Spree hinter dem Rabelmert Vogel zum Eichesportplag. Die Laufftrede teilen fich 8 Läufer, 1 Radfahrer und 1 Schwimmer. Zur gleichen Reit wird sich ein Festzug der Teilnehmer in Sportkleidung mit Musik durch Köpenid bewegen. Auf der Kampfbahn des Eichesportplages gehen dann die Wettkämpfe vor fich. Den Abschluß bildet ein Fußballspiel der beiden alten Rivalen BFB.- Rövenid gegen Astania- Röpenid. Borverkauftarten sind bei E. Reichert, Müggelheimer Str. 51a, zum Preise von 0,50 M. zu haben. Kreisschule Arbeiter- Turn- und Sport- Bund, 1. Kreis. Alle Vereine und Abteilungen werden ersucht, geeignete Genofsinnen und Genossen in die Rreisschule zu entsenden. Uebungslokale und Reiten: Jung- Mädchen- Klasse Dienstag 7-9, Schöneberg, Colonnenstr. 22/23, Uhlandſchule; Männer- und Jugendklasse Montag 8-10, Treptow, Bouchestraße, Gemeindeschule; Knaben#laffe Montag 6-8, Treptow, Bouchéstraße, Gemeindeschule: Mädchenklasse Donnerstag 6-8, Treptow, Bouchestraße, Gemeindeschule. Der Beitrag, welcher von den Bereinen zu zahlen ist, beträgt pro Monat und Schüler: Rinder 20 Bf., Jugend 20 Bf., Männer und Jung- Mädchen 50 Pf. Alle Anfragen die Kreisschule betreffend find zu rien an Karl Rienbaum, Berlin 60, Das gleiche kann man nicht in allen Fällen behaupten von den ersten beiden Kapiteln über die 3usammenfegung und über die Lebensbedingungen der Belegschaften. Dort fehlen bei den Zahlen über das Förderungsergebnis getrennte Berechnungen unter Ausschaltung des durch die Inflation start angeschwollenen Beamtenheeres. Die dumme Behauptung der Bergaufsichtsbeamten, Raunnnſtr. 6. daß die Verkürzung der Arbeitszeit und die hohen Löhne(!) die jugendlichen Bergarbeiter zu Erzessen verführten, wird fritiklos übernommen. Ebenso trititlos wird der Rüdgang der Leistungsfähigkeit der Bergarbeiter in den ersten Jahren nach dem Krieg in Berbindung mit der Lohnhöhe gebracht und daran die Behauptung geknüpft, daß eine Hebung des Lohnniveaus nicht leistungsfördernd wirte. Es ist schade, daß der Wert der sonst so gründlichen Arbeit durch die Wiedergabe so oberflächlicher Behauptungen verringert wird. Eine Neubearbeitung der beiden ersten Kapitel würde dem Buch bei einer weiteren Auflage, die ihm trotz allem zu wünschen ist, von Vorteil sein. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 87/38, Sof 2 St. Ramerabschaft Tiergarten. Fahrt nach Fürstenwalde Sonnabend abend 6,43 Uhye ab Bahnhof Roo. Nachzügler Sonntag früh 7.14 Uhr. Friedrichshain. Montag, 31. Auguft, 7% Uhr, Bersammlung der Jugend gruppe im Jugendheim, Tilsiter Str. 4. Uhr Kreuzberg. Heute abend treten die Rameraden auf der Fontanepromenade an. Aurzer Ummarsch ohne Fahnen. Neukölln- Brig. Gonntag, 30. Auguft, früh 7 Uhr, 1. und 2. Bug am Bolizeipräsidium, Raiser- Friedrich Ede Erfstraße, Antreten zur Autofahrt nach Fürstenwalde. Treffpunkt aller anderen Rüge früh 7 Uhr Görliger Bahnhof, Eingang Fernbahnhof. Baumschulenweg. Heute abend 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Borgmann, Baumschulen str. 89. Sonntag, 30. Auguft, Autofahrt nach Fürstenwalde. Abfahrt 7% Uhr Restaurant Borgmann. Fahrgeld spätestens bis Freitag in der Mitgliederversammlung au entrichten. Ober- Rieberschöneweide und Johannisthal. Sonntag, 30. August, 12,50 Uhr, Antreten Spreeftraße, Lokal Büthel, zur Teilnahme an dem Werbe. fportumzug. Röpenid und Untergruppen. Gonntag, 30. Auguft, vormittags 9,35 Uhr, Abfahrt Bahnhof Röpenid, 9,42 Uhr Bahnhof Friedrichshagen, zur Fahrt nach Fürstenwalde, mit Tambourkorps. Fahnen mitbringen. Fahrgeld 1,80 m. Rameraden, die fich an der Fahrt nach Fürstenwalde nicht be. teiligten, treffen fich Sonntag, 30. Auguft, mittags 12% Uhr, Bahnhof Röpe. nid aur Fahrt nach Lichtenberg. Lichtenberg nebst Untergruppen. Sonntag, Schonert ant 30 Auguft, nachmittags, 3. Uhr, im Beranigungsport, non Rummelsburger Gee Republikanisches Strandfeft: Borträge, Tans und Ueber. raschungen. Eintritt 50 Pf.. Republikaner willkommen. Gonntag, 80. Auguft, nachmittags 2 Uhr, Antreten der gesamten Rameradschaft het Krüger zur Abholung der Fahnen. Reinidendorf. Für die Spielleute bleibt der Uebungsabend am Freitag beftehen. Die Spielleute nehmen nicht an der Rameradschaftsvollversammlung teil. Eichwalbe. Freitag, 28. Auguft, 8 Uhr, Bollversammlung. Erscheinen aller dringend notwendig. Arbeiter- Rabis- Rlub, Bezirk Neukölln. Rilischule, 7% Uhr. Das Löten bes Rabio- Baftler- Röhren- Apparats". Gäste willkommen. Bubbhistisches Saus Berlin- Frohnau. Mittwoch, 2. September, 8 Uhr, Bortrag über Buddhismus und Fragebeantwortung. Sörwillige find milltommen. Sozialbemokratischer Mänerchor Friedrichshain. Der Chor beteiligt sich am Gonntag, 30. Auguft, an dem Familienausflug des Rreifes Friedrichshain. Treffpunkt Gonntag vormittag 9 Uhr Bahnhof Rahnsdorf( Nordfeite). Leitung: Sonntag um 9 Uhr zur Ausschußigung im Lobal Schlesische Heimat", Neue Gangesbruder Erich Hensel. Achtung! Die Borstandsmitglieder find am Friedrichstraße 1. Arbeitersport. Fußball am Sonntag. Bon zwei Berufstrantheiten der Bergarbeiter, dem Mugenzittern und der Wurmtranfheit, zeigen die Statistiken des Buches das Bild einer günstigen Entwicklung. Das Augenzittern fommt besonders häufig bei den Hauern vor. Es ist auf den bei schlechter Beleuchtung fortwährend nach oben gerichteten Blick zurückzuführen. Dabei werden Augenmuskeln überanstrengt, die im allgemeinen nur selten gebraucht werden. Von der Wurmfrankheit wurden Bergleute besonders häufig betroffen, weil der sie verursachende Hakenwurm am beften in der feuchtwarmen Atmosphäre gedeiht, in der die Bergleute ihr Wert verrichten müssen. Die Krankheit wird leicht übertragen und hat sehr schwere Blutarmut, die früher oft zum Tode führte, zur Folge. Sie ist ebenso mie das Augenzittern in den letzten Jahren sehr zurückgegangen. Krankheiten, die hervorgerufen oder gefördert werden durch den schroffen Temperaturwechsel, dem die Üntertagearbeiter eft aus. gesezt sind, kommen bei den Bergarbeitern sehr häufig vor. Krant. heit und Sterblichkeit der Bergleute stehen über dem Durchschnitt der Reichsbevölkerung bei: Lungenentzündung, Rheumatis. mus und Nierentrantheiten. Bermutlich infolge diefer Erkrankungen und infolge der schweren förperlichen Arbeit sind auch Herzleiden bei Bergarbeitern häufiger als bei anderen Bestraße. Leipzig- Kleinzschocher und die Vereinsmannschaft völkerungsgruppen. Die Statistit der Geschlechtstrantheiten ist von besonderem Interesse, weil auf diesem Gebiet wichtige hygienische Aufgaben in den nächsten Monaten erfüllt werden müssen. Dafür liegen menig zuverläffige Statiftiten über die Zahl der Erkrankungen vor, und jede neue Arbeit wird deshalb die Grundlagen zur Bekämpfung diefer Boltsgeißel verbessern. Die beiden wichtigsten Geschlechtstrankheiten, Syphilis und Gonorrhöe, haben bei den Bergarbeitern nicht nur im Krieg sehr zugenommen. Biel stärker noch ist die Runahme beider Krankheiten in den ersten Jahren nach dem Krieg. Bon je 10 000 Bergarbeitern erfrankten an Syphilis im Jahre 1907 1913 1920 1921 1922 4,7 10,6 21,5 10,8 8,5 an Gonorrhoe 9,1 19,0 33,9 40,7 25,0 Brofessor Dr. Bruno Heymann und Dr. Karl Freudenberg: Morbidität und Mortalität der Ruhrbergleute. Berlag Baedecer, Effen. 200 Seiten. Preis 8 Mart. ENVER BEY WHW anläßlich der 25- Jahrfeier der Freien Turnerschaft LichtenbergAm Sonnabend nachmittag 26 Uhr finden in Lichtenberg Friedrichsfelde" vier Werbe- Fußballspiele statt. Auf dem Sportplatz in der Rynaftstraße( Stralau Rummelsburg) stehen sich Finsterwalde und Lichtenberg I gegeneüber. In der Normannenstraße( Wagnerplaz) treffen sich in Hertha 22 und Lichtenberg II zwei alte Rivalen. Brandenburg 02 und Friedrichsfelde, Schloßstraße. Am Sonntag nachmittag 5 Uhr ist Lichtenberg III spielen auf dem Gemeindesportplaz in Großtampftag im Lichtenberger Stadion, Herzbergvon Lichtenberg sind die Gegner. Lichtenberg wird sich sehr anstrengen müssen, um gegen die Leipziger bestehen zu können. Spiele am 30. Auguft. Bezirk Norden. 1. Mannschaften. Anfang 5 Uhr. Abt. A. A. Bankow ACB. 24; Adler 12- Helvetia; Teutonia- Bernau; Nordista- Belten; BrigBittoria; Fichte- Gesundbrunnen- Hertha; Minerva Elstal; Rauen Fichte.Nord: Wader 20; Heegermühle- Adler 08. Abt. B. Borwärts- Alemannia; UnionFr. Spandau 25- Pankow 08( Spandauer Stadion). Amateure; Briefelang Arminia; Sanfa- Birkenwerder; Staaten Siemensstadt; Abt. C. EinigkeitSportverein 22- Tegel 24; Bittenau- Spandau 03.-2. Mannschaften. Anfang 3,15 Uhr. Abt. A. AT. Bankow- AGB. 24; Adler 12- Helvetia; TeutoniaBernau Ruszczynski; Nordiska- Belten; Brik- Backer 20; Heegermühle-Adler 08. Abt. B. Borwärts Alemannia; Union- Biktoria; Fichte- GesundbrunnenSertha: Minerva- Elstal; Nauen- Fichte- Nord; Fr. Spandau 25- Pankow 08 ( Spandauer Stadion). Abt. C. Einigkeit- Amateure; Brieselang- Arminia; Sanfa- Birkenwerder; Eintracht I Markee Alemannia 3; Wittenau- Buster hausen 1. 3. Mannschaften. Anfang 1,30 Uhr. Teutonia- Bernau; Norbista- Belten; Minerva- Arminia; Selvetia- Abler 08( 3,00). Bezirk Süd weft. 1. Mannschaften. Anfang 5,00 Uhr. Abt. A. Woltersdorf- Romames; Luday I- Reukölln; BC. Moabit- Stealin: Brandenburg- Kreuzberg: 8BC. Berolina. Abt. B. Wilmersdorf- Hertha; Frisch- Auf- Charlottenburg: RGB.- Bittoria; Rüftig- Borwärts Stern. Abt. C. Potsdam Trebbin; NBC.- Jüterbog: Britannia Schmargendorf: Ludau III- MSC.; Teltow- Fuß ballring. 2. Mannschaften. Anfang 3,15 Uhr. Abt. A. BoltersdorfRomames: Ludau I- Neukölln; BC. Moabit Steglis: Brandenburg- Kreuzberg; Abt. B. Wilmersdorf- Hertha: Frisch Auf Charlottenburg; RBC.- Berolina. Rüftig- Vorwärts- Stern. Abt. C. Botsdam- Brandenburg 4; NBC.- Jüter bog: Teltow- Fußballring; Rüftig- Borwärts 3- MGC.( 1,30); Brandenburg 3ENVER BEY 1 Arbeiter Rabfahrer- Bund ,, Solidarität, Ortsgruppe Berlin unb Umgegend. Touren für Gonntag, 30. Auguft. 1. Abt.: 5 Uhr Magfee, 8 Uhr Großes. Fenster, desgl. 124 1. Start Bülowftr. 55. 2. Abt.: 29. nachm. 5½ Uhr Gr.- Schönebed, 30. frith 4 Uhr Dölln- See. Start Dieffenbachstr. 36.- 3. Abt.: - 4. Abt.: Früh 6 Uhr Herzfelde- Liebenberger See. Start Laufizer Plak. 29. 6 Uhr abends Rallienchen, 30. 5 Uhr früh ebenda. Start Webermicfe. 5. Abt.: 29. 9 Uhr abends und 30. 5 Uhr früh Eberswalde, 12 Uhr Bernau Waldkater. Start Landsberger Blak. 6. Abt.: 6 und 12 Uhr Borgsdorf. Start Ropenhagener Str. 26. 7. bt.: 29. 5 Uhr abends Spreewald, 30. 5 und 12 Uhr Lehniksee. Start Rolonieftr. 147. 9. Abt.: 29. abends 8 Uhr Alofter Chorin, 30. 6 Uhr frith Biesenthal. Start Schulstr. 114. 10. Abt.: 6 Uhr früh Werlsce, 12 Uhr Müggelhort. Start Comeniusplag. 11. Abt.: 5 Uhr früh Stolzenhagener See. Start Sochstr. 13. 12. Abt. Motorradfahrer: 8 Uhr früh Lehnikfee. Start Pantow, Berliner Ede MühlenStraße. Ortsgr. Reukölln: 6 Uhr früh Stienissee. Start 1. Abt. Sergbergplak, 2. Abt. Bahnhof Sermannstraße. Ortsgr. Baumschulen weg: 6 Uhr früh Friedrichsthal. Start Bahnhof. Ortsgr. Schöneberg: 6 Uhr früh Alofter Lehnin, 2 Uhr Zehlendorf Hörede. Start Stubenrauchstraße. Drts. gruppe Lichtenberg: Sportfeft im Stadion Lichtenberg. Start 12 Uhr Trave. plak. Ortsgr. Bantom: 6% Uhr früh Alter Freund. Start Floraftr. 24. Ortsgr. Schönhausen: 29. abends 6% Uhr Freienwalde. Start Schönhauser Allee Ede Bornholmer Straße. Ortsgruppe Tegel: 1 Uhr nachmittags Eichftädt. Start Schlieperstr. 64. Berliner Arbeiter Schachklub, Abt. Lichterfelde- Sankwik. Dienstag, 1. Sep. tember, 28 Uhr, Beginn des 1. Abteilungs- Turniers. Das Stärkeverhältnis der Teilnehmer verspricht einige interessante und spannende Rämpfe. Der Spielabend findet jeden Dienstag in Raftums Feftfälen, Bäkestr. 7, statt. Gäste find jederzeit willkommen. Bogabteilung des Sportklubs ,, Zurich 02". Die Trainingsabende der Ab teilung find jest jeden Montag und Donnerstag von 8-10 Uhr in der Turnhalle Bromberger Str. 13/14( Rähe Stadtbahnhof Barschauer Straße). Sämtliche Trainingsgeräte modernster Art stehen aur Verfügung, und erst Flaffige Trainer gemährleisten eine gute Ausbildung. Anmeldung von Inter effenten jederzeit an den Uebungsabenden in der Turnhalle oder in der Vereinsgeschäftsstelle, Erich Merlou. Berlin GO 33, Cuornftr. 3. vorn III. Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Bien), Abt. Wedding. Sonabend, 29. August, Arbeitsfahrt nach dem Landheim Kremmen. Abfahrt Stettiner Borortbahnhof 8,30. Fahrkarte 4. Rlaffe bis Rremmen lösen. Geschäftliche Mitteilungen. Wir vermeifen auf die laufend in unferem Blatt erscheinende Annonce über Obermeyers Serba- Seife, bie nit, nur als ein ausgezeichnetes Seilmittel bei Sautertrantungen( Hautausschlägen, Flechten u. bal.), sondern auch aur Befeitigung fleinerer, nur als Schönheitsfehler anzusehenber Hautübel( Pickeln, Miteffer, Sommerfproffen u. dal.) fich feit Jahrzehnten vorzüglich bewährt hat. Trok diefer ihrer außergewöhnlichen Seilwirkung ist die Serba- Seife auch eine hochfeine Toilettenfeife. Biele Hausfrauen wiffen es noch nicht, daß die Mondamin- Gesellschaft neben dem seit Jahren bewährten und in jebem Saushalt unentbehrlich ge wordenen Mondamin neuerdings auch Mondamin- Badpulver und Mondamin Buddingpulver herstellt. Beides find Qualitätsprodukte, die in nichts dem Úrerzeugnis nachstehen. Die Borzüge des Mondamin- Badpulver finb unbedingt auverlässiges Treiben des Teiges unter Vermeidung jedes Beigeschmades. Mondamin- Puddingpulver, gebrauchsfertig in den Sorten Banille, Mandel, Himbeer, Ritrone und Schokolade, ermöglichen auf einfache und schnelle Weife die Rubereitung feinster Süßfpeifen. Für die Sonntags- und Feiertagsküche werden die Mondomin- Feinkost- Buddinapulver( Matronen, Saselnuß-, Moftqund Delikates- Budding) bevorzugt. Die Mondamin- Gesellschaft Heilbronn und Berlin- Charlottenburg 2, Herberstraße 16, versendet auf Wunsch an jedermann toftenlos ein Rochbüchlein. L Schweigen ist Gold denkt manche Frau, wenn man sie fragt, womit sie ihr prachtvolles Haar pflegt. Sie will ihr Geheimnis nicht preisgeben. Trifft man sie aber zufällig beim Einkauf ihres Kopfwaschmittels, so kann man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß sie ein Päckchen„ Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" verlangt. Prachtvolles Haar erreicht man eben nur durch den ständigen Gebrauch von Schaumpon. Dies ist zwar eine alte Binsen weisheit, man kann sie aber nicht oft genug wiederholen, damit Alle, die es angeht, vor Schaden und unnötigen Geldausgaben bewahrt bleiben. Verlangen Sie daher beim Kauf nur das oben genannte Fabrikat, kurz gesagt ,, SchwarzkopfSchaumpon", und achten Sie auf die Schutzmarke ,, Schwarzer Kopf" Mujifaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musilerverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Rönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2.Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefuch. GOLD TULA Ireltag 2S. August 1925 Änterhalwng unö �Vissen Settage ües vorwärts /lus schweren Tagen. 3j Ernstes und Heileres von Adolph Hoffmann. (Schluß.) Ich faß wie auf glühenden Kohlen und beobachtete den Zeiger der Wanduhr, der ruhelos, wie mir schien, im Eiltempo vorwärts rückte. Um?»8 Uhr läutete die Wohnunasglocke. Klopfenden Herzens ging ich zur Tür und— mir fiel ein Stein vom Herzen— Genosse Bios stand vor mir.„Aber!" kam es vorwurfsvoll von meinen Lippe». „Ja," sagte Blas,„feit vor halb sieben bin ich von Hause fort. Es war keine Kleinigkeit, die Sprgel, die sich wie Kletten anhefteten, abzuschütteln. Ich durfte sie doch nicht mit hierher bringen." Es war keine Zeit zu langen Auseinandersetzungen, denn jeden Augenblick konnte der Königlich Preußische Stoßvogel geflogen konimen. Ich machte also mit einem besonders pfiffigen Gesicht den Kleiderschrank auf, um dem Genossen Blos meine nächtliche Er- leuchtung vorzuführen. Unbeschreiblich war sein Gesicht, als er in den Schrank sah. „Ja, Genosse Hofsmann, wie haben Sie sich das gedacht?" und schon war er im Schrank, um mit Kopfeslänge oben rauszukieken. Der Schrank krachte in allen Fugen, besonders der Boden. Und hätte Genosse Blos nicht im nächsten Augenblick den einen Fuß wieder im Zimmer gehabt, wären vielleicht oben der Kopf und unten die Füße verschwunden. „Nein, lieber Freund," so geht's nicht," sagte Blos, die Woh- nung relognoszierend.„Die Kammertür geht nach innen auf. Ich Helle mich, bis Sie ihn zum Sitzen gebracht haben, hinter die Tür. Oeffnet er dieselbe, so ficht er in das Zimmer und ich werde durch- lie Tür verdeckt. So wird es hoffentlich gehen. Wenn nur das Kind nicht munter wird und uns einen Streich spielt." In diesem Augenblick klingelte es. „Das ist er," sagte ich leise und ging langsamen Schritts zur Wohnungstür. Der Fuchs im Eisen. „Kriminalkommissar" Weinert stand vor derselben und trat ohne Aufforderung ein. In meiner Erregtheit war ich sogar so unhöflich, voran in die Stube zu gehen. Erst als ich sah, daß Blos verschwun- den und die Kammertür angelehnt war, fand ich meine Ruhe wieder. Hut und Stock hatte Blos mitgenommen, aber seine brennende Zigarre lag auf dem Tisch. Ich, der Nichtraucher, mußte also die „Giftnudel" weiterrauchen! Der Kriminelle zeigte entgegen meinen Befürchtungen keinerlei Interesse für meine Wohnung und nahm auf meine Aufforderung auf dem Stuhl vor der Kammertür Platz, während ich mich auf dos Sofa setzte. Man muß es dem Herrn Kommissar lassen, er ging ohne viel Umstände auf sein Ziel los. „Herr Hoffmann, Sie wissen, um was es sich handelt. Mein Beamter, hat Sie von allem unterrichtet. Wir können uns also jede Einleitung sparen." „Sie suchen Spitzel." „So dürfen Sie das nicht auffassen. Wir wissen Ihren Wert zu schätzen und denken nicht daran, Sie als gewöhnlichen Kundschafter zu benutzen. Es wird bei Ihnen liegen, sich bei uns unentbehrlich zu machen. Sie wären nicht der erste, der, wenn er sich befähigt er- wiesen, als' Beamter in fest« Position tritt."• „Sie verlangen also nicht nur, daß ich Lump werde, sondern mir damit Geld verdiene, daß ich das Bertrauen meiner Freund« täusche, Verrat übe und sie ans Messer liefere." „Sie befinden sich in einem doppelten Irrtum," entgejjnete Weinert.„Erstens fassen wir unseren Beruf als nützlich,«taat und Ordnung erhaltend auf. Zweitens liegt uns gar nichts daran, diesen oder jenen oimen Schächer, der den„Züricher" verbreitet, oder mal an einer Zusammenkunst teilnimmt, ins Gefängnis oder zur Aus- Weisung zu bringen. Was wir von Ihnen verlangen, ist höheres. Wir wollen über das Innenleben der ganzen. Partei informiert sein, von ihren Dorbereltungen und Unternehmungen vorher unterrichtet werden." „Da kommen Sie bei mir an ein« falsche Adresse." Lächelnd wehrte er ob.„Wir sind sehr gut unterrichtet, denn Sie glauben gar nicht, wo wir alles unsere Beobachter haben und— welche Leure in unseren Diensten stehen, so daß wir einen durch den anderen kontrollieren." „Das kann ich mir nicht denken," warf ich ein.„Der Schritt vom ehrlichen Menschen zum verräterischen Lumpen ist doch nicht so leicht." „Sie würden diese Tätigkeit nicht mit solchen Worten bezeichnen, wenn Sie wüßten, wer uns alles bedient. Nicht wenige Ihrer Be- kannten"— sagte er langsam, jedes Wort hervorhebend. „Das ist nicht wahr, fuhr ich auf. „Erregen Sie sich nicht. Lassen Sie sich gesagt sein: JSBir haben unsere Vertrauensleute in allen Kreisen und Parteien." „Das soll also heißen," fuhr ich dazwischen,„alle sind bestechlich?" „Wenn Sie das so bezeichnen," entgegnete er,„ist auch Eugen Richter bestechlich." „Eugen Richter?" stieß ich in namenloser Empörung hervor.— Ich hotte gewiß für den sanatischen Bekämpfer der Sozialdemokratie nichts übrig, ober diese Behauptung ging doch über olles. Ich wollte Gewißheit haben und sagte:„Wenn Sie mir das beweisen könnten, dann--* Ich zögerte. Weinert langte seine Brieftasche heraus und suchte darin.— Sagte dann nach einer Pause anscheinend vergeblichen Suchens: „Hm, bedauere, die Beweise dafür nicht bei mir zu haben. Sie werden aber sehr bald selbst erjahren und einsehen, was für Leute--" Mein betretenes Schweigen wohl für Zögern haltend, fuhr er fort:„Sehen Sie, wir wollen Sie wirklich nicht als gewöhnlichen Zuträger haben, sondern als einen wertvollen Mitarbeiter, der es selbst in Händen hat, durch Geschicklichkeit und Vorsicht sich uneinbehr- lich zu machen und es zum angestellten Beamten zu bringen. Vor- ficht ist natürlich eine der Hauptbedingungcn. Das erreiche» wir zuerst, wenn wir nur äußerst selten und dann an Orten, wo Ihre Genossen uns nicht sehen, zusammenkommen. Sonst aber unter einer zu verabredenden Chiffre nur schriftlich postlagernd verkehren." Da ich noch immer nichts erwiderte, sagte er:„Sie sollen ohne jede Leistung zwanzig Mark pro Woche er- hallen und für jede Mitteilung besonders hono- riert werden. Es liegt also ganz an Ihrem Eifer und Ihrer Geschicklichkeit, wieviel Sie verdienen wollen." Er glaubte wohl seinen Worten mehr Nachdruck geben zu können, indem er das Portemonnaie zog. ein Zwanzigmarlstück herausnahm, es zwischen den Fingern spielen ließ und langsam sagte:„Ich bin bereit, Ihnen die ersten zwanzig Mark zu zahlen. möchte aber zuvor um eine kleine Mitteilung bitten." Blos und ich hatten bei der Vorbesprechung im Reichstag vcrab- redet, die Situation nicht so weit kommen zu lassen, daß ich Geld annehmen mußte. Es war aber auch mit meiner mühselig bewahrten Ruhe vorbei. Ich schob den aus Rollen gehenden ovalen Tisch vor mir weg, sprang auf und platzte in schroffstem Tone heraus: „Ich Hobe Ihnen nur die Mitteilung zu machen, daß Sie recht naiv auf meine Falle eingegangen sind." Weinert war entsetzt aufgesprungen� Neben ihm ging die Tür auf und zu seinem Schrecken trat Wilhelm Blos mit den Worten heraus: „Darf ich Ihnen vielleicht auch eine Mitteilung machen?" Aus der Küchentür kam der nach Weinert erschienene Galanterie- warenhändler, der von dort den„Spitzelwerber" beobachtet hatte, mit den Worten:„Euren Morgen, Herr Kommissar! Schon so früh in staotserhaltender Tätigkeit? Der Herr„Kommissar" hatte sich rückwärts bis an das Bett meiner Tochter konzentriert und stützte sich, da ihm die Deine schlotterten, mit beiden Armen darauf, die Finger resp.-Nägel so in dasselbe einkrampfend, daß er diese„Eindrücke" dauernd zurückließ. Ich stellte die Herren vor: Herr Kriminalkommissar Weinert, Herr Reichstagsabgeordneter Wilhelm Blos, Herr Galanteriewaren- Händler--- Mit einer abwehrenden Handbewegung stieß Weinert leichen- blaß die Woite hervor:„Ich kenne, ich kenne!" und erhob hilflos bittend beide Hände gegen Blos, indem er stammelte:„Herr Abge- der streikenöe öauunternehmer. ordneter— Sie werden verstehen— begreifen— ich habe auch Familie— Ich— ich bitte um Diskretion." Genoife Wilhelm Blos erwiderte, jedes Wort scharf betonend: „Ich verstehe sehr gut, hoffentlich Sie auch.— Sie schonen unsere Familien nicht, wir haben keine Ursache, Ihre zu schonen.— Diesmal kämpfen wir mit gleichen Waffen.— Das werden auch Sie begreifen!" Indem ich auf die Tür zeigte, sagte ich:„Und nun, Herr Kam- missar, sind Sie wohl so freundlich und machen meine Tür von draußen zu. Merken Sie sich ein tür alle Mal: Ein Sozialdemo- trat ist nie Derräkcr und' ein Verräter' ist nie ein Sozialdemokrat gewesen. Hinaus!" Der Entlarvte zitterte vor ohnmächtiger Wut und Angst wie Espenlaub, ging wie ein Krebs rückwärts durch die ganze Küche bis zur Ireppentür, wahrscheinlich aus Angst, noch eine anständige „Reinigung" zu erhalten, indem er unter fortwährenden Bücklingen zu lächeln versuchte, aber nur eine ganz verzerrte Visage zeigte. Sowie er die Tür hinter sich zu hatte, rast« er die vier Treppen hinunter und Roß und Reiter sah ich erst nach langen Jahren in Magdeburg als wirklichen Kommissar wieder. Genosse Wilhelm Blos fixierte das Erlebnis sofort schriftlich und gab eine Notiz für die Presse auf. Um aber das erst lurze Zeit be- ttehends„Berliner B o l k s b l a t t" nicht durch Verbot zu ge- fährden, erschien die Notiz zuerst in der damals noch demokratischen lPhilipp-Lenzmannsche Richtung).Volkszeitung" unter der Stich- marke: „Ein Geheemer in Nöten." Genosse Blos hatte recht behalten, als er beim Abschied sagte: „Genosse Hofsmann, sehen Sie sich jetzt doppelt vor. Wenn der erst zur Besinnung kommt, wird er mit allen Mitteln sich rächen." Doch davon ein andermal. Die Lustigen von Weimar. (Zu Goethes Geburtstaq am 28. August.) Die Anekdote ist das standhafteste Denkmal, das der Witz der Berühmcheit fetzt. Ihr zähes Leben schreibt sich daher, daß sie in eindringlichster, kürzester Form das Charakterbild des Menschen gibt. Es ist ganz sicher, daß ein großer Teil der Nachwelt von den großen und erhabenen Dingen, die ein Führer der Menschheit vollbracht hat. fast nichts mehr weiß, und daß sein Name den meisten Menschen leerer Schall wäre, lebte er nicht in einer Anekdote fort, die un- sterblich ist. Wenn sie eine wirkliche, echte Anekdote ist, das will sagen: ein knapp umrissenes Charakterbild, so ist sie immer wahr, auch wenn sie etwas erzählt, was sich nie und nimmer ereignet Hot. Man kann getrost behaupten, so sagt Karl Escher in einem hübschen Bändchen Goethe-Anekdoten, die unter dem Titel„Die Lustigen von Weimar" rechtzeitig zum diesjährigen Geburtstag des Dichterfürsten im Edwin-Runge-Verlag erschienen sind, und dennoch haben sie eine innere Wahrheit. Sie haben sich an das Leben eines Menschen kristallisiert, sind gleichsam ein Stück des Lebens selbst geworden. Ihr Held ist dahingegangen, seine Taten und seine Werke sind ver- blaßt, die Anekdote ist geblieben. In ihr lebt er weiter. Esthers Büchlein stellt in der unübersehbaren Menge der Goethe- Literatur ein Unikum dar: es ist die Frucht einer jahrelangen Sammlertätigkeit, die Blüten pflückte, wo sie welche fand. So brauchen wir aus diesem Strauß nur etliche der Blüten herauszu- ziehen, um ihren Helden lebendig vor unserem inneren Auge erstehen zu lassen. * 1808 beauftragte Goethe seinen Schwager Schlosser, die Streichung seines Bürgerrechts in der Stadt Frankfurt am Main zu beantragen, weil er von diesem Recht weiter keinen Nutzen habe, sondern dafür nur städtische Steuern zahlen müsse. Schlosser machte den Vorschlag, dem grüßten Sohn der Stadt Frankfurt da» Ehren- bürgerdiplom zu verleihen, fand aber keine Gegenliebe bei den Vätern der Stadt. Goethes Name wurde vielmehr aus dem Bürger- buche gelöscht. Noch am 80. Geburtstage Goethes, also zwanzig Jahre später, hatten die Stadträte nicht vergessen, daß Goethe sich aus materiellen Gründen von seinem Bürgertum der Stadt sreige- macht hatte. Aus einem ihm zu Ehren in seiner Vaterstadt gege- denen Festessen wurde auf den achtzigjährigen Goethe von einem Mitglied des Magistrats dieser Trinkspruch ausgebracht: „Uizs bleibt der Frankfurter Goethe teuer, Zahlt er auch keine Einkommensteuer." Ein Dichter aus dem Berliner Romantikertreise, der Goethe in Weimar besuchte, bat den Dichter des Faust beim Abschied um ein Andenken. Goethe nahm eine neue Feder, tauchte sie ein und schrieb ein paar Zeilen. Dann gab er dem Berliner Romantiker— nicht etwa das beschriebene Blatt, sondern die Feder. Der Romantiker steckte die Feder lachend in die Tasche und sagte zu Goethes größter Verblüffung:„Exzellenz, warum nicht lieber eine vollständige Gans?" -» Ottilie von Goethe berichtete früh am Morgen ihrem greisen Schwiegervater, daß bei einem Ball am gestrigen Abend die polnische Sängerin Fräulein von____ ska höchst unangenehm aufgefallen sei, weil sie in unschicklichster Weise eine Mazurka getanzt habe. Der alte Goethe sah mit unerschütterlicher Ruhe auf seinen Frühstück- tisch.„So," murmelte er,„in der Tat? Wie tanzte sie denn?"— „Die Röcke flogen ihr um die Knie, und sie selber dehnte und be- wegte sich beinahe mänadenhaft. Es war ein rechter Skandal."— Der greise Dichter zog mit einem Ruck sein« Weste zurecht, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und sagte voll stiller Traurigkeit:„Wie schade, daß ich nicht dabei gewesen bin." » Als Johannes Falk noch der Weimarer Elegant und Satiren- dichter war, äußerte er sich einmal in Goethes Gegenwart höchst ab- fällig über den alten Zelter, Goethes sehr verehrten Intimus. Er bemäkelte feine wenig salonmäßigen Manieren und schloß mit den Worten:„Was soll man denn zu einem Menschen sagen, der aus den Fußboden spuckt?"—„Was soll man zu mir sagen," fragte Goethe schwer geärgert und senkte hohnvoll die Mundwinkel,„ich spucke auf euch alle!" «- Bei einem Besuch der Saline zu Sulza fiel Goethe der junge Sohn des Salineninspektors auf, der sich dem Rundgang angc- schlössen hatte. Beim Abschied unterhielt sich Goethe mit dem ausge- weckten Jüngling und fragte ihn schließlich:„Weißt Du denn auch, wer ich bin?"—„Jawohl, der Dichter Goethe."' Da aber rief voller Entsetzen der Salineninspektor aus:„Du dummer Junge, das wäre was Rechtes! Geheimrat ist der Herr!" künstliche Erzeugung üer Vinterfärbung. Die Winterfärbung der Tiere, die in unseren Regionen zumeist in einer schwärzlichen Färbung besteht, ist zweifellos eine Schutz- maßnahm«, da in der Winterlandschaft bei uns ein schmutziges Schwarz so häufig-ist, daß eine dunkle Farbe einen gewissen Der- steckwert besitzt, lieber die Entstehungsursache dieser Färbung war bisher wenig bekannt. Nunmehr aber ist es Dr. Walthcr Schultz ge- lungen, durch Versuche den Nachweis zu erbringen, daß Kälte als direkt auf die Haut wirkender Einfluß die Ursache des Wmterschwarz bei manchen Säugetieren ist. Ueber diese für die Biologie und die Vererbungslehre wichtigen Experimente berichtet er in einem Auf- satz der„Umschau". Zunächst verwendete er als Versuchstiere sog. Russenkaninchen, eine am ganzen Körper mit Ausnahme der Ohren, der Füße, der Nase und des Schwanzes reinweiße Kaninchenrasse. Hielt er die Tiere nach der Abzupfung der weißen Haare sehr warm, so wuchs nur weißes Haar: zupfte er dieses gleich wieder aus und brachte das Tier in Frost, so wurde das nun wachsende Haar schwarz. Licht blieb ohne Einfluß. Es gelang ihm auf diese Weise, weiß und schwarz getigerte Kaninchen zu erzeugen, indem er gewisse Stellen der Haut der Kälte aussetzte und andere nicht. Es ergab sich. daß in diesem Falle das Winterschwarz der Säugetiere willkürlich erzeugt und beseitigt werden kann und das experimentell die auf die Häut direkt wirkende Kälte als Ursache de» Wmterschwarz nach-- zuweisen ist. Noch ähnlicher den in der Natur vorkommenden Fällen der Winterschwarzsärbung waren die Versuche an einer gelben sch'warzgipfligen Kaninchenrasse, den Thüringer Kaninchen, bei denen eine sehr weitgehende Nachahmung der Winterdunklung des Reh- fclles erzielt wurde. Auch hier ließ sich durch Kälte, und zwar durch direkte Kältewirkung aus die Haut eine Winterdunklung erzeugen, aus der man auf einen ähnlichen Vorgang bei der Wintersärbung des Rehs schließen kann. Schultz erzeugte auch an Hühnern im Winter Gelbverlust und Schwarzvermehrung. Seine Versuche sind von Kaninchenzüchtern bestätigt und im Moskauer Zoologischen Garten auf Polartiere ausgedehnt worden. kalenöerreform ües Völkerbundes. Schon in srüheren Iahren wurde verschiedentlich vorgeschlagen, die Zahl der Tage eines Monats auf 28 festzusetzen. Die über- fälligen Tage sollten zu einem dreizehnten Monat vereinigt werden. Aber all diese Vorschläge führten zu keinem positiven Ergebnis, da Kirche und Oeffentlichkeit an der heil'gen uralten Zwölszahl un- bedingt festhielten und auch die Geschäftswelt die zunächst sicher eintretende Verwirrung fürchtete. Interessant ist es nun zu hören, daß sich der Völkerbund zurzeit mit Kalenderresormgedanke» be- schästigt und er scheint es eilig zu haben: denn es liegt ihm schon ein vollständig ausgearbeitetes Schema vor, das wir nachstehend angeben: Jetziger Kalender 1.— 23. Januar 24. Januar— 25. Februar 26. Februar— 25. März 26. März— 22. April 28. April— 20. Mar 2l. Mai— 17. Juni 18. Juni— 15. Juli 16. Juli— 12. August 13. August— 9. September 10. Seprember— 7. Oltober 8. Okiober— 4. November 6. November— 2. Dezember 3. Dezember— 31. Dezember Zwischen dem Juni, der zehn Tage früher beginnen soll, und dem Juli wird also der neue Monat Sol, der Sonnenmonat, ein- gefügt. Praktischen Wert hat diese geplante Zeitordnung vielleicht für die Geschäftswelt, während sie die übrigen Menschen als störend empfinden werden, da vor allem durch diesen neuen Kalender die Jahreszeiten ziemlich durcheinander gebracht werden. Historisch ge- richteten Menschen wird er schweres Kops zerbrechen bereiten: denn durch ihn kommen sie mit der Berechnung und Feier geschichtlicher Gedenktage in arge Verlegenheit. Abergläubischen Menschen aber wird er gar nur noch Unglücksjahre bringen; denn die künftigen Jahre sollen au; dreizehn Monaten bestehen. Die Tauben von San Marco. Jeder Besucher Venedigs kennt die Tauben, die zur Freude des Publikums den Marcusplatz be- Völkern. Es sind Nachkommen jener Tiere, die in alter Zeit am Palmsonntag während der prunkhosten Osterprozession vom Turm der Marcuskirche aus in Frecheit gesetzt wurden. In dem Augen- blick, in dem dos„Gloria" angestimmt wurde, wurden die Tauben freigelassen und gleichzeitig Olivenzweige unter die Menge geworfen. Da die Tauben und Zweige als Glücksbringer galten, so gab sich jeder Mühe, eine Taube zu sangen oder einen der herabfallenden Zweige zu erhaschen. Nur wenige der scheuen Tiere konnten sich dieser Jagd entziehen. Die eingesangenen Tauben wurden dann an, Ostersonn'tag geschlachtet. Trotz der Jagd gelang es aber immer einigen Tauben, sich den Nachstellungen zu entziehen. Die der Per- iolgung entgangenen Tiere suchten in Nischen und Ecken d« Kirche und der Paläste am Platz Unterkunft und nisteten hier. Die Nach- kommen dieser geretteten Tauben bilden heute die Tiere, die. aus dem Marcusplatz ihr Spiel treiben. Zukünftiger Kalender Januar Februar März Apnl Mai Juni S o l Juli August September Oktober November Dezember Hermann Billige Lebensmittel Tietz Mengenabgabe vorbehalten Frisches Fleisch Pfand Hammelvorderfleisch Pid. 72PL. Hammelrücken ........... Pfund 78PL Kalbskamm........ Kalbskeulen. Schweineschinken und Blatt, Schweinekamm und Schuft, Kassler 90PL. Pfand 106 Pfand 125 ....... Pfand 135 Pfand 130 ********* Eisbein ohne Spitzbein. Ptand 80PL Schweineköpfe epokelt, Pid. 36PL Schweinenieren frisch, and 86P. Ochsengemüsefleisch 54PL Pa. Ochsenbacken gefroren, Pid. 56. 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Die Einäfcherung findet am Sonn abend, den 29. Auguft, mittags 12 Uhr im Krematorium Gerichtstraße, statt. Allgemeine Ortstrantentaffe für den Stadtbezirk Copenid. Bu ben ausgeschriebenen Wahlen für den Ausschuß der Raffe ift seitens ber Arbeitgeber und der Bersicherten bis zum friftgemäßen Termin nur je ein Wahlvor fchlag eingegangen. Gemäß§8 der Wahl orbnung gelten daher die Bewerber auf den Listen als gewählt und find bie angefegten Wahltermine für die Arbeitgeber und für die Versicherten hiermit aufgehoben. Det von den Arbeitgebern eingereichte Wahlvorschlag( 20 Bertreter) beginnt mit dem Ramen Reglaff, Raufmann, und endigt mit bem Namen Abolf Jahn, Ratstellerwirt, sowie 40 Ersagvertreter, an fangend mit dem Ramen Artur Gühne, Klempnermeister, unb endigenb mit bem Namen Alegander Gabriel, Wäschereis befizer. Der von ben Berficherten eingereichte Wahlvorschlag( 40 Bertreter) beginnt mit dem Namen Wilhelm Burgmann, Metall arbeiter, und endigt mit dem Namen Gustau Aurth, Bootsbauer, fomie 80 Er fagvertreter, anfangenb mit dem Namen Hans Przybilla, Dreher, und enbigenb mit dem Namen Rudolf Langbein, Druder. Die beiden Listen der nunmehr ge wählten Vertreter fönnen im Raffenlokal während der Dienststunden eingesehen werben. Etwaige Einsprüche find innerhalb einer Woche, vom Tage biefer Bekanntmachung an gerechnet, bei dem Borstand ber Raffe oder bei dem Bersicherungsamt in Berlin Cöpenick einzureichen. Berlin- Copenid, den 25. Auguft 1925. Der Borstand. Friedrich Murden, Schriftführer. Otto Nidel, Borsigender. KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße SCHUTZ MARKE Quittungs- Rabatt u.Reklamemarken Kertiof self 45 Jahren dis Spezialität Conrad Müller Schkeuditz Ne Leipziga Pland 145 100 ....... Stück von an 30P. 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