Nr. 407 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 208 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( aulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worbe. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 29. August 1925 Auf dem Wege zu Paktverhandlungen Die Antwort der Reichsregierung.- Montag Juristenkonferenz in London. Die der französischen Regierung am 27. August überreichte Antwort der deutschen Regierung hat folgenden Wortlaut: Die Deutsche Regierung beehrt sich, den Empfang der franzöfifchen Note vom 24. Auguft zu bestätigen. Die am Schluß der französischen Note ausgesprochene Ansicht, daß eine Fortsetzung des Notenwechsels kaum geeignet wäre, zu einer weiteren klärung der mit dem Abschluß eines Sicherheitspattes zufammenhängenden Fragen zu führen, wird von der Deutschen Regierung, die dem Wunsch nach möglichster Beschleunigung der Erörterungen in der Note vom 20. Juli auch ihrerseits Ausdruck gegeben hatte, durchaus geteilt. Die Deutsche Regierung begrüßt deshalb die von Seiner Exzellenz dem französischen Herrn Botschafter mündlich mitgeteilte Anregung, daß die juristischen Sachverständigen Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und Großbritanniens möglichst bald zusammentreffen, um dem deutschen Sachverständigen Gelegenheit zu geben, fich von den Ansichten der Alliierten Regierungen über die juristische und technische Seite der zur Erörterung stehenden Probleme zu unterrichten. Unter diesen Umständen glaubt die Deutsche Regierung, nachdem sie ihren Standpunkt zu einer Reihe der wichtigsten Fragen in der Note vom 20. Juli dargelegt hat, von einer weiteren schrift lichen Erläuterung dieses Standpunktes und von einer Die Stinnes- Sanierung. Ein Bericht des Stühungskonsortiums. Der Stand der Liquidation. Das Stübungsfonsortium der Stinnes- Unternehmungen veröffentlicht einen Bericht über die bisher durchgeführten Maßnahmen, der den Stand der Liquidation und die Abfichten der Banken eingehend beleuchtet. Wir heben daraus folgende Mitteilungen hervor: Die Liquidation ist bis zu einem gewissen Abschluß gelangt insofern, als bisher diejenigen Aktien abgestoßen worden sind, deren Unternehmungen in der nächsten Zeit feine oder doch nur geringe Erträge versprechen. Ein großer Teil der Gläubiger fonnte aus dem Erlös der bisherigen Verkäufe abgefunden werden, so daß das Stüßungskonsortium sich umorganisieren kann. Von den bisher beteiligten Banken bleiben nur noch die Darmstädter, die Deutsche Bank und die Disconto- Gesellschaft in dem verkleinerten • Stügungskonsortium, hinzu tritt die Dresdner Bank. Das Interesse dieser Banken am Konzern wird mit 35 Millionen Mart angegeben. Der von der Seehandlung gewährte Kredit wird zurüdgezahlt. Aufgabe des verfleinerten Stützungsfomitees bleibt die Verwertung der noch vorhandenen Masse, die insgesamt mit 140 Millionen Mark angegeben wird. Ihr stehen an Schulden ca. 112 Millionen Mark und an Bürgschaften 8 mil. lionen Mart gegenüber. Man erwartet bereits eine wesentliche Erleichterung der Lage von den Eingängen, die noch aus der Liquidation besonders des Eisengeschäfts und aus anderen Forderungen zu erwarten sind. Eine besondere Rolle spielt bei der Abwicklung das erhebliche Kapital, das in den Kohleninteressen des Stinnes- Konzerns stedt und das nur sehr schwer zu realisieren ist. Deshalb sollen die daran beteiligten Firmen zu einer neuen Kohlenhandels A. G. mit einem Kapital von 25 Millionen Mark zusammengefaßt werden, in die außer Grundstücken, Gebäuden und Handelsbetrieben die Stinnes- Flotte mit 42 000 Tonnen Rheinschiffen und 50 000 Tonnen Seeschiffen, Hafenanlagen und Umschlagplätze, sowie Beteiligungen eingebracht werden. Die Gesellschaft soll außerdem die Aftienmehrkeit des Mülheimer Bergwerkvereins erhalten und ein Vorkaufsrecht auf die Zeche Mathias Stinnes. Ob und inwieweit die Familie Stinnes einen Anteil an diesen Werten erhält, wird sich nach der Tilgung der Verbindlichkeiten ergeben. Mit großem Nachdruck betonen die Banken, daß sie die Abwicklung nicht aus Gewinninteressen, sondern nur aus volks. wirtschaftlichen Gründen unternommen haben. Gewinne seien bei den Berkäufen überhaupt nicht erzielt, ebenfalls nicht Propi fionen und wahrscheinlich wird man auch auf die vom Garantie fomitee ausbedungene Provision von 1,6 Millionen verzichten. Die drei schon bisher an der Stügung beteiligten Großbanken sprechen diesen Verzicht schon jetzt bedingungslos aus. Schließlich wird festgestellt, daß die Aktienverkäufe unter Zustimmung der Vertreter des Hauses Stinnes und ihrer beauftragten Geschäftsfreunde erfolgt sind. Die Stinnes- Sanierung ist damit in ihr letztes Stadium getreten. Schon jetzt wird erkenntlich, daß für das Familienvermögen nur noch wenig übrig bleiben wird. Bon einem Stinnes- Konzern fann heute nicht mehr die Rede sein. | Stellungnahme zu den Ausführungen der französischen Nole jetzt absehen zu sollen. Die Verhandlungen der juristischen Sachverständigen. London, 28. Auguft.( WTB.) Der Amtliche Britische Funtdienst meldet: Die Verhandlungen zwischen den Rechtssachverständigen der deutschen, belgischen, französischen und britischen Außenministerien werden am Montag in London beginnen. Die Länder werden wie folgt vertreten sein: Gaus- Deutschland, Rollin- Belgien, Fromage of- Frankreich und Sir Cecil Hurst- Großbritannien. Der 3wed der Zusammenkunft ist, den deutschen Sachverständigen von den Ansichten der Alliierten über die rechtliche und technische Seite der Probleme in Kenntnis zu sehen, die in dem vorgeschlagenen Sicherheitspakt enthalten find. Hier herricht allgemeine Befriedigung darüber, daß nunmehr die Verhandlungen durch Notenwechsel zwischen den in Frage tommenden Regierungen beendet find, und man glaubt zuversichtlich, daß diese Zusammenkunft technischer Berater eine baldige konferenz der Außenminister am runden Tisch zur Folge haben wird. Die deutsche Antwortnote in Brüssel. Brüffel, 28. August.( WTB.) Der deutsche Gesandte hat Außenminister Bandervelde den Tegt der deutschen Antwort auf die letzte französische Note mitgeteilt. Der Marokkokrieg. Zunehmende Opposition in Frankreich. Paris, 28. Auguft.( WTB.) Der Generalrat des De partements Indres et Loire hat zu den Ereignissen ia Marotto Stellung genommen und sich gegen jede Art von Eroberung und für einen baldigen Frieden ausgesprochen. Es ist zu wünschen, daß die Regierung gleichzeilig mit der Verteidigung der Frankreich auf Grund der internationalen Verträge übertragenen Gebiete die Friedensbedingungen für Abd el trim verbinde, um diesem die Verantwortung für den Krieg zu überlassen und die ganze Welt von den friedfertigen Absichten Frankreichs zu überzeugen. Kritische Lage in Syrien. Gerüchte über die Eroberung von Damaskus. London, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Nach einer bisher unbestätigten Meldung sollen die Drusen Damastus erobert haben. Die französischen Truppen hätten sich mit schweren VerIuften zurückgezogen. Die Lage in Syrien wird immer fritischer für die Franzosen. Es haben sich jetzt endgültig die Beduinen und die nationalistischen Araber auf die Seite der Drusen gestellt. Paris, 28. Auguft.( WTB.) Wie„ New York Herald" aus London berichtet, stellen Telegramme aus Jerusalem und Stairo, die gestern eingetroffen sind, die Lage in Syrien weiter als fritisch dar. Berichte aus syrischer Quelle besagen, daß die antifranzösische Agitation start um sich greife und daß die Beduinen und arabischen Nationalisten, die mit den Drusen gemeinsame Sache machten, die Franzosen bis an die Tore von Damaskus verfolgt hätten. Die Franzosen und die französischfreundliche Bevölkerung hätten die Stadt geräumt und in Hauran und Aleppo herrsche Panik. China und die Mächte. Gemeinsamer Schritt der Mächte in Peking. peting, 28. Auguft.( WTB.) Das diplomatische Korps hat fich über den Text einer kollektivnote geeinigt, die als Antwort auf die Note der chinesischen Regierung vom 24. Juni abgesandt werden foll. Die Note wird die Politik der Mächte bezüglich Chinas darlegen und deren Bereitwilligkeit erklären, daß in Washington fefigelegte Programm einer Tariffonferenz, die am 26. Oktober in Pefing zusammentreten soll, auszuführen sowie die Konffifuierung einer Kommission zur Beratung der erterritorialen Rechte zu genehmigen. Die Note wird, wie verlautet, ferner die chinesische Regierung an ihre Verantwortlichkeiten in bezug auf die Aufrechterhaltung der Ordnung in China erinnern. Aufstand in Kanton. New York, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Aus Kanton wird gemeldet, daß die bolichemistischen Wampoa- Kadetten die Stadt überrumpelt und hunderte von Beamten der füdchinesischen Regierung festgenommen haben, die an der Ermordung des Finanz. minifters Ciaofschunghoi beteiligt sein sollen. Die Kadetten sind im Befik der strategisch wichtigsten Punkte der Stadt; in verschiedenen Stadtteilen ist bereits Artillerie aufgefahren, welche die Injel Honan anzugreifen beabsichtigt. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. 29. August. Von den Dawesgesehen zum Sicherheitspakt. Heute vor einem Jahr, am 29. August 1924, wurden die Dames- Gesetze im Reichstag mit den Stimmen der Hälfte der deutschnationalen Reichstagsfraktion angenommen. Die Politik der nationalen Demagogie erlebte einen frachenden Zu sammenbruch. Die Form, in der die deutschnationalen Führer und mit ihnen die Hälfte ihrer Fraktion die Kapitulation vor der Politik ihrer politischen Gegner vollzog, wird weder aus dem Gedächtnis der Zeitgenossen, noch aus dem Gedächtnis fommender Generationen verschwinden. Sie hatten bis zur letzten Stunde festgehalten an der Fiktion wütender GegnerSchaft gegen die Außenpolitik der republikanischen Regierungen. Noch am 25. August hatte Herr Hergt im Plenum des Reichstags erklärt: Wir gehen unseren Weg, wie unser Gewissen ihn vorschreibt. Ich möchte beinahe sagen: Hier stehe ich, ich tann nicht anders. Wenn wir um Einfluß in Ländern und um Regierungsfize hätten buhlen wollen, hätten wir unsere Ueberzeugung jegt leicht ändern fönnen. Aber wir verzichten darauf, um unseres Idealismus willen." Diese zur Schau getragene Intransigenz in letzter Stunde ließ die Kapitulation der Deutschnationalen vor der republikanischen Außenpolitik nur noch fraffer und in den Augen ihrer Anhänger noch schimpflicher erscheinen. Diese Rapitulation war der Zusammenbruch der deutschnationalen Politik, die sie seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages verfolgt hatte. Sie hatten gegen die Politik der Bersöhnung und der Berständigung die Politik der sogenannten„ nationalen Oppofition" gestellt eine Politif der hehenden demagogischen Phrase, die in unreifen und unklaren Köpfen jene Mordgefinnung gegen die Führer der republikanischen Politik hervorrief, denen Erzberger und Rathenau zum Opfer gefallen sind. Die Mordheze hat die Außenpolitik der Berständigung und der Versöhnung so wenig töten fönnen, daß am 29. August 1924 die Deutschnationalen die Linie überfition von der Außenpolitik der republikanischen Regierungen schritten, die grundsäßlich die Politik der nationalen Oppogetrennt hatte. Die Annahme der Dawes- Gesetze mit den Stimmen der Deutschnationalen, die Kapitulation der Deutschnationalen vor dem Gedanken der Verständigung war ein ungeheurer Erfolg der Sozialdemokratie. Sie hatte diese Politif eingeleitet, sie hatte als erste die Annahme des Dames- Gutachtens gefordert, um auf dem Wege über die wirtschaftliche Verständigung zu einer politischen Verständigung und zur Herstellung eines wahren Friedens in Europa zu gelangen. Gegen sie und ihre außenpolitischen Forderungen brandete der Haß der Deutschnationalen empor. Die Kapitulation der Deutschnationalen vor den sozialdemokratischen außenpolitischen Forderungen am 29. August 1924 war ein Triumph ihrer Politik. Die Deutschnationalen gingen mit Dawes nach Damastus. Nach diesem Schritt gab es für sie kein Zurück mehr. Die wirtschaftliche Verständigung zog mit einer Notwendigkeit die politische Verständigung nach sich. Die Regierung, in der die Deutschnationalen als stärkste Regierungspartei vertreten sind, hat die Konsequenzen aus der Annahme der Dawes- Gesetze ziehen müssen. Sie hat die Politif des Sicherheitspattes eingeleitet und steht heute vor dem 3wang, die Folgerungen aus ihren eigenen Vorschlägen zu ziehen. Abschluß eines Sicher heitspattes, der die durch den Vertrag von Versailles im Besten gezogene Grenze auf ewig garantiert: Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund! werden, wie sie am 29. August 1924 für die Dawes- Gesetze Die Deutschnationalen sind diesen Weg mitgegangen. Sie stimmten, ihre Unterschrift unter den endgültigen Ver zicht auf Elsaß- Lothringen fezen. Aber sie sind viel mehr geschleift worden, als daß sie gegangen sind. Sie haben sich nicht als Staatsmänner mit Würde vor der ehernen Notwendigkeit dem Zwange der deutschen Lage gefügt. Sie find dem Gange der deutschen Außenpolitik fläffend nachgefolgt. Die Angst vor der Verantwortung, die Angst vor den eigenen Parteigenossen hat ihr stetiges Zurückweichen vor den inneren Notwendigkeiten der deutschen Außenpolitik den Zeitgenoffen als ein unwürdiges Schauspiel erscheinen lassen. Sie haben sich den Verzicht auf das, was sie ihren nationalen Idealismus nannten, Stüd für Stück abfaufen und bezahlen lassen mit politischen und wirtschaftlichen Sondervorteilen auf Kosten der Gesamtheit des Volkes. Sie haben aus der Kapitulation einer großen Partei vor den inneren Notwendigfeiten der geschichtlichen Entwicklung, die eine Tragödie hätte sein können, ein Geschäft gemacht. Am 30. August 1924, einen Tag nach der Kapitulation der Deutschnationalen, legte die Regierung dem Reichstage zum ersten Male die 3ollvorlage vor. Der Kampf um die Lastenverteilung, die Politik des Bürgerblods begann. Zwischen ihrem Beginn und ihrer Vollendung lagen die Dezemberwahlen. Die Deutschnationalen, die die Grundgedanten ihrer Partei preisgegeben hatten, vermochten dank einer bedenkenlosen Aufwertungsdemagogie auf Kosten der j Inflationsopfer noch einmal ihre Stellung zu behaupten. Die| Regierung Luther, in der die Schutzzollinteressenten die Führung an sich riffen, zahlte auf Kosten des deutschen Volkes den Deutschnationalen den Kaufpreis für ihren Umfall am 29. Auguft. Das Zentrum, das bis dahin als Mittelpartei zwischen der Linken und den Parteien der Rechten gestanden hatte, wurde immer fester in den Block der Zollinteressenten, den großen Bürgerblod hineingezogen, der die Lasten des Dames- Planes den Massen der arbeitenden Bevölkerung auferlegt hat. Was am 30. August 1924 dem werdenden Bürgerblock nicht gelang, das hat er im Laufe des Jahres 1925 vollendet. Er hat die Steuerreform zu Lasten der arbeitenden Massen durchgeführt. Er hat die Schuzzollvorlage angenommen, die nicht nur das Bolt be drückt, sondern auch die Wirtschaft in eine schwere Krise wirft. Die Parteien des Bürgerblocks und voran die Deutschnationalen, die ihren ,, nationalen Jdealismus" verkauft haben für Ministersize und Schutzölle, mögen heute, ein Jahr nach der außenpolitischen Kapitulation der Deutschnationalen glauben, daß sie einen Triumph der Politik des Bürgerblocks erfochten haben. Am 30. August 1924 schrieben wir: " Am Ende der Bürgerblockexperimente steht der Zusammen bruch der bürgerlichen Politit in Deutschland, die 3er. fehung der Mittelparteien und ein neuer gewaltiger Aufstieg der deutschen Sozialdemokratie." Noch sind wir mitten in der Aera des Bürgerblods, aber die Politik diefes Blocks hat den Höhepunkt bereits überSchritten. Sie hat im Parlament den Sieg davongetragen über die Opposition. Sie fonnte ihn nur verwirklichen durch die brutale Vergewaltigung der verfassungsmäßigen Rechte der parlamentarischen Opposition. Aber heute schon beginnt der parlamentarische Sieg des Bürgerblocks zur Niederlage der deutschen Wirtschaft zu werden. Es graut der Regierung des Zollwuchers und den Parteien des Bürgerblocks vor den Folgen der Politik, die sie selbst heraufbeschworen haben! Ihre schwächlichen Bersuche, mit fleinen Mittelchen die Krise zu bannen, die sie herbeigeführt haben, sind der Beginn des Zusammenbruchs der Politik des Bürgertums in Deutschland. Das Geschick der Mittelpartei aber, die sich den Plänen der Zollintereffenten und Bürgerblödlern dienstbar gemacht hatte, bestätigt, was wir vor einem Jahr voraussahen. Im 3entrum erhebt sich die Rebellion gegen den Kurs des Bürgerblocks, gegen die Führung der Zentrumspartei durch die Großindustriellen und Großagrarier. Die Rapitulation der Deutschnationalen am 29. August 1924 war ein Triumph der sozialdemokratischen Außen= politit. Die Sozialdemokratische Partei wird im Rampf gegen die Parteien des Bürgerblods und der gewollten Teue= rung zu dem Siege ihrer außenpolitischen Ideen den Triumph über die bürgerliche Politik in Deutschland hinzufügen! Die Gärung im Zentrum. Erregte Preffedebatten. Der Austritt des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Wirth aus der Reichstagsfraktion des Zentrums wirkt immer noch in Form von erregten Pressedebatten in den Zentrumsblättern nach. Dr. Births Kanzlerschaft, der wütende Haß der Nationalisten, feine schwere Krantheit und anderes wirkten zusammen, um den Streit um den einstigen Kanzler zu einer großen Aktion innerhalb des Zentrums aus zugestalten und die Einberufung des Parteitages in greifbare Nähe zu rüden. So schreibt die Schlesische Volkszeitung", eines der Zentrumsorgane, die sich durch ihre große Refer viertheit gegenüber den Linksparteien und vor allem gegen über der Arbeiterschaft auszeichnen: Schlesien schuldet Dr. Wirth noch besonderen Dant. Ohne ihn ohne die ausgeprägt soziale Persönlichkeit des Kanzlers wäre Geliebte Landschaft. Bon Walther G. Dschilewski. Der geöffnete Mund der Erde dampfte; es war August. Gorgias Baldus lief durch die Sonne und warf sich in den heißen Sand, der die Haut rissig machte. Hier fühlte man ganz, daß es Sommer war. Stein Segel stand am Himmel. In den leeren Wasserlöchern of roch es faul und holzig. Alles war still. Nur aus den fernen Wolken floß der Abend, eine dunkle, bläulich- schimmernde Krone aus Eicheln und Laub. Drunten im Tal, das wie eine Schale in das Erdreich gehängt mar, brodelte die Stadt. Gorgias war müde vom warmen Korn. Den ganzen Tag fochten die Aepfel und Weinhänge; der Mittag lag wie eine zerborstene Landstraße in dem niederhängenden Staub und schlief. Nur träge reifte das bronzene Horn am Himmel. Wind? Wo war Wind: mit Regen geädert und schön geführt wie eine Braut? Der Blik legt sich wie ein Schwert über uns alles ist Erde. Gorgias jagte sich, daß man kein Mensch sein dürfte und kein Krieger der Zeit, um jetzt sterben zu wollen. Es gibt keinen Wunsch mehr, wenn man die Luft trinken darf wie einen scharfen Schnaps. Brand! Feuer riechen können wie ein Tier und sich ins Fleisch der Erde saugen dann wird man Mensch. * Erlebnis spricht. War es nicht mehr, als sich gestern abend die Es ist nicht genug damit gefagt, wenn man nur von einem Luft zu Feuer rieb und der gläserne Himmel, der ins Blut gespannt war, mit lautem Knall zerbrach? Die Scherben dufteten dann warm. Das Herz war ein Kornfeld: wie ein brennendes Schiff jagte es in die beginnende, mit Sternen benagelte Nacht. Leute, die wenig Saft in den Adern haben und nicht, wenn es an der Zeit ist, untergehen können, mögen uns vergessen. Die Natur vergißt uns nie. Sie ist mehr als ein optisches Farbenspiel von Alabaster, Türkis, Blau und Opal; wir würden der holdesten Göttin Natur Gewalt antun, wenn wir verleugnen würden, was uns glücklich macht. Aber das Fabriktor ist schmal und es geht fein Wind hindurch. Gorgias mußte lachen, wenn er an den Bortier, dachte, und daß der Sommer hineinwollte, da doch der Herr Direktor es verboten hat. Del wird niemals Honig auch wenn es draußen dampft. Man kann eben nicht Laubwerf in den Fabriksaal stellen und behaupten, daß es uns erlöst. Wird man denn sozial um eines Blumentopfs wegen?! Der Stern entspringt der Hand des Himmels, menn es heißt, Schlaf zu säen; der Stern, den wir uns in banger Nacht erdachten, zerspringt, wenn es in den Rädern freischt Rauch und Nichts. finden sollen. Es müsse einmal gesagt werden, daß der Generalfeldmarschall seinen getreuen Generalquartiermeister gerade in ent scheidenden Augenblicken bedenklich im Stich gelassen habe. Das Blatt erinnert an den 26. Oktober 1918, jenen schwarzen Tag", an dem der Feldmarschall nicht die Entschlußkraft aufgebracht habe, in dem Augenblic, in dem Ludendorff vom Kaiser verabschiedet worden sei, entschlossen die Kabinettsfrage zu stellen. Eine historische Schicksalsstunde sei so ungenügt vorübergegangen. Der 28. August 1925 werde leider auch für die Entwicklung des persönlichen Ber hältnisses zwischen Ludendorff und Hindenburg einen betrüblichen Wendepunkt darstellen. der Abstimmungskampf, der gegen einen Korfanty größtenteils zu| gegen den ehemaligen Mitarbeiter habe Ausbruc einem sozialen wurde, in dem wichtigsten Industriegebiet weniger gut ausgefallen. Ohne Wirth hätten die Insurgenten die Korfanty linie erreicht und nie mehr herausgegeben. Und wenn Wirth heute noch manchmal von engstirnigen Menschen für den Verlust eines Teiles von Oberschlesien verantwortlich gemacht wird, so beweist das nur, was einem lieben Publikum im unpolitischen Deutsch land alles geboten werden darf. Wirth war auch der erste, der uns draußen wieder Freunde schuf, die auch etwas für Deutschland zu tug wagten; General Smuts z. B. war auch Wirths persönlicher Freund.. Die Kritit, die eine Natur wie Birth auch in eigenen Kreisen erfuhr( feine Mitarbeit an demokratischen Blättern, seine bis zur Einseitigkeit in manchen Wirtschafts- und Fragen der Innenpolitif gesteigerte Entschiedenheit, die mitunter auch über die traditionelle Zusammensetzung der Partei aus allen Ständen hinwegging, seine Festlegung in der Reichsbannerfrage usw.) hielt sich jedoch in der Deffentlichkeit immer in dem Rahmen, den die Parteigemein. schaft und die Achtung vor dem überragenden Führer in der Außenpolitit gebot. Um so schmerzlicher muß der jezige Schritt Dr. Wirths be rühren, der von seinen vielen Berehrern im Lande, die treu zum Zentrum stehen, nur mit Trauer und Bedauern aufgenommen werden fann.“ Und dann geht das Blatt dazu über, dieses Bedauern" weiter zu formulieren, das letzten Endes nicht zu einer erfolg reichen Gegenoffensive gegen Wirth, sondern zu einem Kompromiß führen soll: die demokratisch aufgebaute Parteiorganisation biete genug Gelegenheit, Meinungsverschiedenbeiten innerhalb der Partei auszutragen. Wenn schon die Blätter des rechten 3entrums flügels sich zu einer eingehenden Würdigung des Falles Birth" gezwungen fehen, fo widmen die Lintsorgane der Partei ihrem einstig unbestrittenen Führer lange Leit auffäge, die meistens in der Forderung nach einer sofortigen Revision der parlamentarischen Taktik der Partei gipfeln. So schreibt das„ Düsseldorfer Tageblatt" u. a.: ,, Der Austritt Dr. Births aus der Zentrumsfraktion des Reichs tages wird zweifellos das Signal zu einer tiefgehenden, scharfen Auseinandersetzung innerhalb der Zentrumspartei geben. Wir stehen nicht an, unsere Zufriedenheit damit auszusprechen, daß es zu einer solchen Auseinandersetzung fommt. Es wird Zeit, daß wir wieder eine einige und geschlossene Partei werden. Dazu ist es nötig, daß über gewisse Grundelemente des Programms und der Politik der Partei Einigkeit unter unseren Anhängern und innerhalb der Reichstagsfraktion besteht. Diese Klarheit und Einigkeit sind zurzeit nicht vorhanden, und darin liegt der Grund, warum die Zentrumsfraktion ihre alte Führerstellung und Schlagkraft nicht mehr besitzt." So hat also der Austritt Dr. Wirths aus der Zentrumsfraktion den Gärungsprozeß innerhalb der Zentrumspartei wesentlich gefördert. Ludendorff grollt. = Der dementierte Präsidentenbesuch. München, 28. Auguſt( Eigener Drahtbericht). Die Absage des Besuches Hindenburgs bei Ludendorff, den ein Ber liner Dementi als überhaupt nie beabsichtigt hinstellen wollte, hat Ludendorff so tief verstimmt, daß er dem„ Bölkischen Kurier" ohne Rücksicht auf seinen ehemaligen Chef die ganze Vorgeschichte des Besuches erzählen läßt. Danach ist die An regung zu dem Besuch nicht von Ludendorff, sondern von Hin denburg felbst ausgegangen, der vor Wochen in einem Brief an Ludendorff angefragt haben soll, ob dieser mit einem Besuch gelegentlich der Münchener Reise des Reichspräsidenten einverstanden sei. Ludendorff habe geantwortet, daß er sich über den Befuch freuen werde und den Tag von Tannenberg( 28. August) vorgeschlagen, um so jeden politischen Anschein der Zusammenkunft von vornherein zu vermeiden. Ludendorff, der sich in seiner Ver stimmung zum ersten Male ziemlich offenherzig über Hindenburg äußert, läßt den Böllischen Kurier" aussprechen, daß in dem Be such zweifellos auch ein Gefühl der Dankbarkeit Gorgias fragte mich oft, ob wir nicht mehr sein sollten, als nur der Auftrag unserer Zeit. Damit meinte er nicht das Bergessen der Not, die uns arbeiten und fämpfen heißt; ich weiß, ein Berringern unserer Pflicht ist Feigheit, und Sünde ist es, nichts zu tun. Wissen mir aber um dieses Tägliche: so fommen wir doch näher! sollten uns an den heiligen Franz von Assisi erinnern, dem das Bir Reh gut war und die Hand zur Krippe wurde: abendlich und fromm. Die Tauben flogen um seine Stirn und mag Moos und Quarz die umgor ihn. Frühe dunkeln: Käfer nisteten in seinem Mantel und blaues Licht Sagt alle, ift es nicht groß, eins zu werden mit dem Wind, Osten nach Westen mit fristallenem Korn? der. von Süden nach Norden fährt mit Del und Balmenholz, von Krieger sollen wir sein, mit Fahnen und dunklen Hörnern; die Gesetze der Erde sind müde mer ruft ein neues Wort? Ruf ist ein Lobgesang, wenn wir der Landschaft dienen und gut Hirten werden wir sein auf diesem einsamen Stern; aber unser sind, Dankende, Glühende, Brüderliche, erntend auf braunem Ader Bolt! Eine Puppentheater- Ausstellung. Eine Ausstellung, die das jetzt in London eröffnet worden. Sie ist ein Zeichen für die reizvolle Gebiet des Puppen- und Marionettentheaters umfaßt, ist wachsende Vorliebe für diese primitive Form der Bühne, die ja auch bei uns eine reiche Meubelebung erfahren hat. In seinem einleiten, den Vortrag sagte G. K. Chersterton bei der Eröffnung, daß die Puppenbühne nach seiner Ansicht die vollendetste Form des Theaters feiner Bersönlichkeit beseelen könne. Es hat sich in England eine darstelle, weil hier der Regisseur das Drama ganz einheitlich mit Buppentheater- Gesellschaft gebildet, die sich die Vorbereitung dieser Miniaturbühnen zur Unterhaltung, zur Erziehung und auch als Brobebühne für das wirkliche Theater zur Aufgabe gemacht hat. halten, und in der Ausstellung finden täglich zwei Vorstellungen Es werden Vorträge über Puppen- und Marionettenbühnen geDon Puppenspielen statt. 3ahlreiche Mustertheater sind hier zu fehen, darunter die Bühne des ältesten noch lebenden englischen Puppenspielers, des Mr. B. Pollad. Puppen- und Marionettenfiguren aus den verschiedensten Zeiten und Ländern erregen besonderes Intereffe. Darunter befinden sich die charatteristischen Figuren des altenglischen Puppentheaters sowie die grotesten Marionetten des javanischen Schattentheaters. Erleichterungen von Arbeiten in starter Hike. Englische Bergarbeiter, die bei einer Temperatur von 38 Grad Celsius arbeiten mußten, erschlafften sehr rasch und befamen oft sogar Krämpfe. Dies besserte sich, sobald sie Wasser tranken, in dem etwa 2 Gramm Salz je Liter gelöst waren. Ebenso bewährte sich Abbrausen mit enthielt. Dr. Haldane erklärt die günstige Wirkung des Salzes Salzwasser, das etwas mehr als einen Kaffeelöffel Salz je Liter folgendermaßen: Die starte Schweißabsonderung bei der Arbeit in heißer Luft nimmt einen außergewöhnlich großen Teil des KochAber wer einmal durch das Klirren des Grafes hindurch die falzes, das ja immer im Schweiß vorhanden ist, aus dem Körper Erde wachsen hörte, wird ahnen, was ich meine. mit. Diese Salzentziehung verursacht den Eindrud der Müdigkeit 1 wird Thüringen gegen den Völkerbund. Der Größenwahn im Ordnungsblock. Weimar, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Die rechtsstehende thüringische Regierung beliebt seit jeher möglichst merkwürdige Stellungnahmen zu den wichtigsten politischen Fragen der Reichspolitik. Bei der Abstimmung im Reichsrat über das Dames- Gutachten vor einem Jahr erklärte der Vertreter Thüringens, seine Regierung sei noch zu feinem Beschluß gekommen, er fönne deshalb weder für noch gegen die Annahme stimmen. Eine Haltung, die der Partei Halb und Halb würdig entsprach. Jetzt ist wieder ein entsprechender, die Regierung fennzeichnender Fall zu verzeichnen. In einer Klei nen Anfrage hatte vor einiger Zeit Genosse Rieß bemängelt, daß ein Vertreter des Kreisdirektors in Weimar auf dem Abgeord. netentag der Krieger- und Militärvereine in schar= fer Form gegen den Eintritt Deutschlands in den Bölferbund gesprochen hat. Auf diese Anfrage antwortete nun Innenminister Dr. Sattler: Herr Baron v. Groß hat als Bertreter des Kreisdirettors in Weimar an dem Abgeordnetentag des Kyffhäuserbundes teilgenommen. Er hat dabei neben allgemeinen Ausführun gen auch erwähnt, daß diejenigen, die dem Eintritt in den Bölkerbund das Wort redeten, den wirtschaftlichen Nutzen dieses Schrittes überschäßten. Denn bisher hätten sich Franzosen und Engländer auf Kosten der deutschen Bevölkerung geeinigt. Auch werde über sehen, daß der Eintritt eine Kriegsdienstpflicht für den Völkerbund nach sich ziehen könnte, was alten deutschen Soldaten untragbar erscheine. Gegen diese Ausführungen haben wir nichts einzuwenden. Es ist nur bedauerlich, daß diese Erkenntnis sich noch nicht allgemein durchgesetzt hat, und daß Teile unseres Boltes sich auch jezt noch für den bedingungslosen Eintritt in den Völkerbund aussprechen." Wird Skoblewski ausgetauscht? Ein offiziöses Dementi. Die Bossische Zeitung" hatte gestern gemeldet, daß der Aus. tausch der drei im Tschefaprozeß zum Tode verurteilten Kommunisten Neumann, Poege und Stoblewski gegen die in Moskau verurteilten deutschen Studenten in greifbare Nähe gerückt sei. Die Telegraphen- Union erfährt hierzu an zuständiger Stelle, daß gegenwärtig lediglich das Gnadengesuch Stoblemitis geprüft werde. Irgendwelche Verhandlungen mit amtlichen russischen Stellen über den Austausch der drei verurteilten Kommunisten gegen die deutschen Studenten in Moskau seien bisher nicht geführt worden. Eduard Bernsteins Befinden. Zu unserer Freude fönnen wir mitteilen, daß das Befinden des Genossen Eduard Bernstein fich wesentlich gebessert hat und au Befürchtungen ernsterer Art feinerlei Anlaß bietet. Genosse Bernstein nimmt persönlich reges Interesse an allen Angelegenheiten, aber er bedarf dringend der Ruhe. Es ist deshalb zu empfehlen, von beabsichtigten Besuchen, die sehr zahlreich angemeldet sind, vor= läufig abzusehen. Um so schneller wird die Wiederherstellung der Gesundheit unseres alten Freundes eintreten können. und Abspannung. Die Verwendung, von falzhaltiger Flüssigkeit, die dem Körper das Salz in dem Maße wieder zuführt, in dem es ihm entzogen wird, verhindert dann schädliche Wirkungen. Bekämpfung des Verbrechens durch Suggestionsreklame. Chitago in Amerika wird es wegen seiner Refordkriminalität " Crimeville" genannt hat sich auf ein echt amerikanisches Mittel verlegt, um die Atmosphäre des Verbrecherfums zu klären, die sich 3. B. fürzlich im feierlichen Begräbnis für den König der Chitagoer Unterwelt", an dem Hunderte von Berbrechern teilnahmen, zeigte: auf die Suggestionsreklame! Neben Zigarettenreklamen, Seifenauch zu lesen sein:„ Du kannst nicht gewinnen!" anpreifungen usw. wird fünftig in den Trams, Hochbahnen. usw. - gedruckt über dem Bild eines zum Galgen geführten Mannes oder:„ Siebentausend Polizisten haben geschworen, Dich tot oder lebend zu fassen!" Oder auch:„ Du wirst jeden Hemmschuh verlieren! Ein fleiner Fehltritt bedeutet Joliet!"( Gefängnis.) Gegen diese Präventiv" Bragis Reklame für die Fähigkeiten der Polizei werde nicht überzeugenb wird von Kriminalisten und Reklamepsychologen eingewendet, daß sie nur die fämpferischen Instinkte der Verbrecherwelt stacheln werde. wirken, wenn diese Ueberzeugung nicht auf andere Weise hergestellt werde. Auch Amerika schafft neuen Brennffoff. Dem„ New Herald" anfolge foll es den Ingenieuren mehrerer großer amerikanischer ftoff zu erzeugen, der aus der Kohle auf der Grundlage von Benzol Betroleumfirmen gelungen sein, einen neuen synthetischen Brenngewonnen wird. Dieses neue Produkt soll berufen sein, eine umwälzende Aenderung auf dem Gebiete des Automobilbaues herbeizuführen. Der neue Motor, der dadurch erforderlich wird, nähert sich haben erflärt, daß das Gas in die Zylinder mit sehr viel größerer mehr als alle anderen Motore mit innerer Verbrennung dem Dampfniotor. Die Techniker, die damit bereits Bersuche anftellten, Kompression, als bei den gewöhnlichen Automobilmotoren eintritt und ohne jede Explosion mie Dampf entweicht. Der neue Brennftoff soll in großen Mengen hergestellt und in ganz Amerika verbreitet werden. Opernhauses, Charlottenburg, Bismardstraße 34-37, ist bis einſchließlich Die Ausstellung Berliner Kunft 1925" im Saalbant des Deutschen 8. September verlängert worden. Frih Busch wurde eingeladen, im Januar 1926 bei einer deutschen Dyernstagione in Barcelona„ Tristan" und" Parsifal" fowie eine Reihe von Sinfoniekonzerten zu dirigieren. Er hat das Angebot mit Rüdficht auf feine Dresdner Tätigkeit aber ablehnen müssen. Adolphe Briffon, der Theaterberichterstatter des Temps" und Gründer der Annales politiques et litteraires", ist im Alter von 59 Jahren in Baris gestorben. Zur Berliefung der Heimatfunde gibt das Reichsamt für Randesaufnahme Lichtbilderreiben auf Grund der amtlichen Karten heraus, von denen bisher die Serien„ Das deutsche Dorf" und" Die deutsche Stadt" erschienen meden und zu ihrem näheren Kennenlernen anregen sollen. Besonders sind. Es werden darin charatteristische Dorf und Städtebilder geboten, die gemeinsam mit Erläuterungsheften die Liebe zur deutschen Heimat Material für Vorträge uſw. größere Verbände wie Bildungsausschüsse erhalten dadurch wertvolles Reichstartenftelle, Berlin NW 40, Moltkestr. 5, zu beziehen, die auf Wunsch Die Lichtbilderreihen find direkt von der auch kostenlos ausführliche Verzeichnisse der Lichtbilder versendet. Der Eiöeshelfer Knoll-Kußmanns. „Ein zuckersüßes Brüderchen in der Tat!" Der bekannte K n o l l- K l u g e> K l a u s i n g, der das Lureau zur Verwertung gestohlener Akten und zur Verleumdung der Sozialdemokratie, des Zentrums und der Demo» traten leitete, um die Wahl Hindenburgs erfolgreich zu propagieren, ist durch unsere Berösfentlichungen über den Betrieb seines Bureaus in begreifliche Verlegenheit geraten. Das durch die Haussuchungen in seinem Bureau, wie bei den Staatsanwalts- assessoren K u ß m a n n und C a s p a r y vorbereitete Untersuchungs- verfahren ist ihm augenscheinlich so unangenehm geworden, daß er sich den bekannten deutschnationalen Verteidiger völkischer Putschisten, Rechtsanwalt Dr. Paul Bloch, zu seinem Verteidiger bestellt hat. Dieser Herr beginnt seine Tätigkeit mit der Veröffentlichung einer Eingabe an die Staatsanwaltschaft. Ein bekanntes Berliner Korre- spondenzbureau ist in der Lage, diese Eingabe als den„Beginn einer sensationellen Wendung" in dem Verfahren gegen Kuhmann und Genossen auszuposaunen. Es wird in ihr eine von uns längst erwartete Tatsache bekannt- gegeben. Der sogenannte Schriftsteller Wolfgang Breit- Haupt, der im Austroge und unter wesentlicher Förderung natio- nalistischer Kreise letzthin eine als„vernichtender Schlag gegen die Sozialdemokratie" verherrlichte Broschüre über den„Dolchstoß" herausgegeben hat, hat sich nach den Mitteilungen des Herrn Bloch bei ihm gemeldet und versichert, daß das ganze Verfahren gegen Kußmann und Genossen auf eine eidesstattliche Versiche- r u n g zurückzuführen sei, die Breithaupt vor dem Justizrat Wert- Hauer abgegeben habe. Breithaupt erzählt dem deutschnationalen Verteidiger allerhand Geschichten über Geldforderungen, die er gestellt und Z a h l un g c n, die er erhalten haben will. Aus dem Schriftsatz des Herrn Bloch geht hervor, daß Breithaupt für die eidesstattliche Versicherung die Kleinigkeit von S0 000 Mark gefordert hat und für angemessen hielt. Erhalten haben will er aber nur einen geringen Bruchteil davon, nämlich rund 1500 Mark. Wir sind nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Ziffern nachzu- prüfen, haben auch gar keine Neigung dazu. Es ist aber zweifellos, daß man dem Herrn Breithaupt mit feinen Forderungen die Tür gewiesen hätte, wenn er lediglich ein„Erklärung" und selbst eine eidesstattliche hätte abgeben wollen. Aber Herr Breithaupt brachte mehr als das, nämlich eine ganze Reihe von Briefen und sonstige Urkunden, deren Echtheit nicht bezweifelt werden konnte und die seinen eigenen Angaben erst einiges Gewicht verliehen. Einige von diesen Briefen haben wir bereits veröffentlicht. Andere werden zur geeigneten. Zeit folgen. Diese Dokumente in Verbindung mit den Angaben Breithaupts, die durch eides st attliche Versicherung des Iourna- l i st e n M ü h l b e r g gestützt wurden, machten die Angaben Breit- Haupts über die politische Skandalfabrik deutsch- nationaler Agitatoren auch für weitere Kreise wertvoll. Leuchteten sie doch hinein in ein Netz von Intrigen, in ein System von Beeinflussung der deutschnationalen Presse und in die Skrupellosigkeit, mit der die H i n d e n b u r g- Agitatoren für die Wahl des jetzigen Reichspräsidenten am Werke waren. Daß dabei auch die Staätsanwaltsassessoren Kuß- mann und Easpary eine Rolle spielten, war nur ein Nebenmoment in dem ganzen Getriebe. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Fliegerstaatsonwalt und dem deutschnationolen Verleumdungsbureau konnte ohnehin vermutet werden. Im übrigen wird hoffentlich die eingeleitete Untersuchung nicht im Sande verlausen. sondern recht bald durch öffentliche Verhan)dlung vor Ge- richt ihren Abschluß finden. Anderenfalls müßte em parlamentarischer Untersuchungsausschuß sich auch dieser Fragen annehmen, besonders, da dieselben Kräfte, die die Barmat-Affäre zu einer publizistischen Hetze benutzten, neuerdings ihre Angriffe gegen das preußische Justizmini st erium, dem ein Zentrumsabgeordneter vorsteht, zu richten pflegen. Wolfgang B r e i t h a u p t, der während des Krieges als Deser- teur im Auslande lebte, dort Artikel gegen Deutschland in der in der Schweiz erscheinenden„Freien Zeitung" veröffentlichte, nach Deutschland zurückgekehrt aber Vertrauensmann der Deutschnationalen in dem erwähnten Verleumdungsbureau geworden ist, und seine Broschüre über den Dolchstoß schrieb, dieser Wolfgang Breithaupt hat jetzt dem Rechtsanwalt Bloch heilig ver- sichert, seine in der eidesstattlichen Erklärung niedergelegten An- gaben seien sämtlich unwahr oder st a r k e n t st e l l t! Er stelle sogar die erhaltenen 1500 Mark zur Verfügung derjenigen, die sie ihm gegeben, und Herr Bloch fügt hinzu, daß er die letztere An- gäbe b e st ä t i g e n könne. Breithaupt war unmittelbar nach dem Beginn der Veröffentlichungen verschwunden, und zwar, wie sich jetzt herausstellt, nach Holland. Er hat, wie Bloch mitteilt, die Absicht, in wenigen Tagen wieder nach Holland abzureisen. Es wird daher dringend notwendig fein, diesen deutschnationalen Ver- trauensmann baldigst bei der Staatsanwaltschaft fest- zuhalten, damit er nicht im entscheidenden Augenblick wieder verschwunden ist. Dem Herrn Bloch hat er erzählt, durch die Abgabe seiner eides- stattlichen Versicherung habe er die Sozialdemokratie nur aufs neue als Freundin„politischer Korruption" bloßstellen wollen, die nicht einmal vor Zeugenkauf zurückschrecke. Tatsächlich liegen die Dinge wahrscheinlich umgekehrt. Da Breithaupt bei der Sozialdemokratie oder was er dafür hielt nicht auf seine Rechnung ge- kommen ist, da ihm die erwarteten 80 000 M. nicht zugeflossen sind, stellt er sich wieder den Deutschnationolen zur Verfügung, bei denen er wahrscheinlich nicht zu Unrecht zahlungsfähigere und zahlungswilligere Kräfte vermutet. Vielleicht haben ihm diese auch schon die 1500 Mark ausgehändigt, damit er sie wieder „zur Verfügung" stellen kann. Klingende Münze könnt« ihn vielleicht auch veranlassen, ein neues kleines„Eidchen" zu schwören, besonders wenn ihm dann die Möglichkeit offen steht, rechtzeitig ins Ausland zu verduften. Der große Chefredakteur der„Kreuz- zeitung" Freiherr von Hammer st ein wird ihm dabei wohl als Musterbild vorschweben. Eine unglaubliche Verfügung. Rcgierungsprüfidium und Rcchtsorganisationen. Dortmund, 28. Auust.(Eigener Drahtbericht.) Eine fast un- glaublich klingende Verfügung hat der Vertreter des Regierung?- Präsidenten von Arnsberg. Freiherr von H o u w a l d, an die Polizeiorgane des Regierungsbezirkes erlassen, die besonders Geltung haben soll für das besetzt gewesene Gebiet. Diese Verfügung stelll so ziemlich das tollste dar, was man innerpolitisch im geräumten Gebiet bisher erlebt hat. Die Verfügung, die sich gegen Terrorakte des Reichsbanners wendet, hat folgenden Wortlaut: „Nach Abzug der Entcnte-Truppen haben sich die Zusammen- stöße zwischen Angehörigen der Rechtsorganisotionen, des Reichs- banners, sowie des Roten Frontkämpferbundes in auffälliger Weise gehäuft. Der Grund hierfür dürfte darin zu suchen sein, daß bisher unter dem Druck der fremden Besatzung die Rechts- organisationen nicht in die Erscheinung traten. Nach dem Abzug versuchten anscheinend diejenigen Organisationen, die unter der Besatzung weniger zu leiden hatten, die Mitgliederwerbung der anderen Organisationen mit allen Mitteln, auch des Terrors, zu verhindern. Ich ersuche, gegen derartiges Treiben mit allen zu Gebote stehenden polizeilichen Mitteln einzuschreiten." Freiherr von Houwald scheint keine Ahnung davon zu haben, daß seit Abzug der Besatzungstruppen die Angehörigen der Rechts- organisationen auf Lastautos von Stadt zu Stadt fahren und einen Terror aus der Straße ausüben, gegen den sich mit steigender Er- regung auch weiteste Kreise des Bürgertums wenden. Tägliche ll-berfälle auf Angehörige der republikanischen Organisationen sind in allen Städten des geräumten Gebietes an der Tagesordnung. Umso unverständlicher ist es, wie der Vertreter des� Regierungs- vräsidenten zu einer so unglaublichen Verfügung kommen konnte. Die republikanischen Kreise der geräumten Gebiete verlangen von dem Regierungspräsidenten und dem Minister des Innern eine u n v e r- zügliche Nachprüfung des Materials, das zu dieser Verfügung geführt hat. Sie sind der Ueberzeugung, daß das Re- gierungspräsidium einer ebenso falschen wie gerissenen Berichterstat- tung der Rechtsparteien zum Opfer gefallen ist. Die Amerika-Kredite. 5kei'ne günstigen Anösichten für deutsche Wirtschaftskredite. Ein zurzeit in Deutschland weilender prominenter Vertreter der amerikanischen Finanzwelt machte der„Konjunkturkorrespondenz" folgende Mitteilungen über die derzeitigen Aussichten für die Unterbringung deutscher Wirtschastskredite in den Vereinigten Staaten: „Amerikas Stellungnahme gegenüber Krediten für die deutsche Wirtschaft muß von zwei Gesichtspunkten betrachtet werden, nämlich dem der Banken und Emissionshäuser, die die Anleihen aus den Markt bringen, und dem des Mannes„in der Straße", der die Anleihen zeichnet und kauft. Die führenden Banken und Emissionshäuser in New Park, Boston, Chikago und Philadelphia stellen sich wohlwollend zu Krediten auf lange, sowie auch kurze Sicht für den gesunden Teil der deutschen Wirtschafi. Ferner sind die amerikanischen Groß- danken über deutsche Wirtschostsverhältnisse sehr gut informiert und missen genau, wer in Deutschland kreditfähig ist und wer nicht. Wenn es also nur von der amerikanischen Ho ch f i n a n z abhinge, würde die gesunde deutsche Industrie ohne Schwierigkeiten weitere laufende Kredite aus Amerika erhalten. Der Mann„in der Straße" spielt aber bei solchen Kre- diten die Hauptrolle, denn vor allen Dingen bei langfristigen Obligationskrediten muß jede Anleihe einen Mißerfolg haben. Kknn er keine Kauflust zeigt. Run ist der Mann„in der Straße" i» Amerika in bezug auf ausländische Anleihen«in äußerst konser- nativer Mensch. So unternehmungslustig er bei rein amerikanischen Finanzunternehmungen ist, so zurückhaltend ist er, wenn es sich um Kredite für das Ausland handelt. Seit der Inflationszeit hat der Amerikaner, gewissermaßen mit Recht, deutsche Kreditgesuch« mit Verdacht betrachtet. Die Stabilisierung der Mark, das Dawes-Abkommcn und die Dawes- Anleihe hoben allerdings Deutschlands Ansehen und Kredit bei ihm gehoben, aber er legt sein Geld noch lange nicht so gern in deutschen Wertpapieren an, wie er es vor dem Kriege tat.„Einmal gebissen, zweimal scheu" ist die Losung der amerikanischen Kleintapitalisten. Es kommt nun hinzu, daß die Schwierigkeiten der letzten Monate im 5)ause S t i n n e s dem amerikanischen Mann„in der Straße" gar nicht imponiert haben. Der, amerikanische Bankier sieht in dem Sichzusammenziehen und in der Ko n s o l i d i e r u n g bei Stinnes einen löblichen und anerkennenswerten Schritt zur G e- sundung der deutschen Wirtschaft. Der Durchschnitts- nmerikaner, auf den es bei Anleihen ankommt, und der Stinnes und Krupp als den Rockefell« und den Carnegie Deutschlands betrachtet hat, ist durch die Affäre Stinnes, und vor allen Dingen die neuer- lichen Schwierigkeiten der Aga-Werke. stark stutzig"geworden. Er sagt sich:„Wenn die Weltfirma Stinnes so krank ist, muh es bei der übrigen deutschen Wirtschaft noch schlechter aussehen. Ich werde lieber die Finger von deutschen Obligationen lassen," Und keine Propaganda seitens der amerikanischen Banken und Emissionshäuser kann diesen seinen Standpunkt wesentlich ändern. Zu diesem allen kommt noch hinzu, daß der amerikanische Geldmarkt für die nächste Zeit st a r k in Anspruch ge- nommen ist. Belgien hat seine Schulden an Amerika fundiert und will daraus hin, nach Ratifikation des Vertrages, einen langfristigen Kredit von etwa 50 Millionen Dollar in Amerika aufnehmen. Frankreich wird auch demnächst endlich seine Amerikaschuldcn fundieren und«inen dementsprechenden Kredit zu erhalten ver- suchen. Italien hat einen ähnlichen Schritt schon angefangen und wird ihn bald weiterführen, auch in der Hoffnung, eine Anleihe in Amerika aufnehmen zu können. Und der Amerikaner, reich, wie er im Durchschnitt ist, ist doch nicht fähig, die ganze Welt zu kaufen." Es sieht also momentan nicht günstig aus für lang- fristige deutsche Wirtschastskredite in Amerika. Jedenfalls werden nur I o l che deutschen Industrien Kredite erhalten, die einen erst- klassigen internationalen Ruf genießen und die über enge Bank- und Wirtschaftsbeziehungen in Amerika verfügen. Rembourskredite, die ein reines Bankgeschäft sind und den Mann „in der Straße" gar nicht in Anspruch nehmen, werden von der gesunden deutschen Wirtschast nach wie vor und zu den üblichen Bedingungen in Amerika zu erhalten sein. tzochverratsprozeß Maslow. Prozehbeginn am 1. September. Leipzig, 28. August.(MTB.) Am 1. September beginnt vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik(Feriensenat) ein Hochverratsprozeß gegen den Schriftsteller M a s l o w au» Berlin. Lichtenberg sowie gegen den Redakteur Schuhmacher au« Berlin und mehrere Mitangeklagte. Die Anklage lautet auf H o ch v e r r a t, Verbrechen gegen das Republikschutzgesetz und Vergehen gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 21. Juli 1923. Die Derteidi- gung liegt in den Händen der Rechtsanwäll« Dr. Wolff-Düfseldorf und Dr. Kun Rosenfeld-Berlin. Als Zeugen sind u. a. die aus dem Tschekaprozch bekannten Schriftsetzer Neumann. König und Poege geladen. Den Vorsitz führt Rcichsgerichtsrat Lorenz. Für die Ver- Handlung sind zwei bis drei Tage in Aussicht genommen. Die Meldungen Berliner Blätter, daß der Prozeß gegen die Zentrale der KPD. jetzt bereits beginnt, trifft nicht zu. Dieser Prozeh ist fgr den 1-t. November angesetzt und dürste bis zur Weihnachtspause erledigt werden. Erzberger-Geüentfeier. Am Grabmal Erzbergers in Bieberach, auf dem die schlichten Worte stehen:„Gestorben für seine Ueberzeugung", hielt die Ortsgruppe Ulm des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold eine würdige Gedenkfeier ob. Mehrere hundert Reichs- bannerleute hotten nach Arbeitsschluß im Ertrazug die Fahrt nach Bieberach angetreten, wo eine riesige Menschenmenge die Reichs- bannerabteilung erwartete. An, Grabe Erzbergers, wo feit Mittag eine Ehrenwache des Reichsbanners Aufstellung genommen hatte. bildeten die Vereine mit ihren Fahnen Spalier und schlössen sich mit dem Reichsbanner zu einem offenen Viereck zusammen. Ein Fciergesang des Lolkschors Ulm leitete den Trauerakt ein. Dann sprach der Reichsbanner- Gouvorsitzende aus Stuttgart, der den Menschen und Politiker Erzberger eingehend würdigte. Er wies darauf hin, daß die Reichs- und Landesbehörden es Jahr für Jahr versäumt hätten, sich um die Schmückung des Grabes am Todestage Erzbergers zu bekümmern. Hier sei das Reichsbanner eingesprungen, um eine Ehrenschuld des neuen Staates nachzuholen, die Erzberger verdient hätte wie vielleicht kein anderer Reichsminister der letzten Zeit. Während der Niederlegung des Kranzes mit schwarzrotgoldener Schleife senkten sich von neuem die Reichsbannersahnen über dem Grobe, und im Kampflied, dem„Tord Foleson" klang die würdige Feier, der unter anderem auch die Brüder de» Ermordeten bei- wohnten, aus._ Einseitige Ruhrentschäüigungen. Im Frühjahr d. I. hatte der Allgemeine freie Ange- st e l l t e n b u n d in Verhandlungen mit dem Reichsarbeitsministe- rium verlangt, daß den durch die Ruhraktion geschädigten A n- gestellten ein gesetzlicher Anspruch auf Entschädi- gung gewährt werden soll, und er hatte es damals ausdrücklich bekämpft, daß etwa nach dem Verlangen der christlichen Angestellten- verbände diesen Reichsmittel zur Verfügung gegeben werden. Die weiteren Verhandlungen sind durch den sogenannten Gesamtver- band Deutscher Angestelltengewerkschaften, d. h. durch den Deutsch- nationalen Handlungsgehilsenverband erschwert und verschleppt worden, bis schließlich das Reichsarbeitsministerium im Juni erklärte, in der Sache nichts tun zu können, es fei nunmehr das Reichsministerium für die besetzten Gebiete zuständig. Die Vorschläge des Af?l-Bundes sollten diesem Ministerium übermittelt werden, doch war in den ganzen Wochen nichts mehr über die Angelegenheit zu hören. In der den christlichen Gewerkschaften nahestehenden Preffe wird nunmehr mitgeteilt, daß am 10. August eine Besprechung des Ministeriums für die besetzten Gebiete mit dem erwähnten christlichen Gesamtverband stattgefunden Hot und die weitere Erledigung durch das Finanzministerium zu erwarten sei. Der A f A- B u n d hat sofort eine dringliche Be- s ch w e r d e beim Reichsministerium für die besetzten Gebiete da- gegen erhoben, daß in dieser Angelegenheit wiederum nur mit den christlichen Gewerkschaften verhandett wird, während man die ande- ren Richtungen ausschaltet. Die Reichsregierung wird zu diesen Vorwürfen nicht schweigen können und sie würde gut daran tun. so schnell wie möglich in einer gemeinsamen Beratung mit allen Richtungen der Gewerkschaften eine einwandfrei- legale Regelung der Ruhrentschädigungen an die Arbeitnehmer zu sichern. Saarland und Völkerbund. Forderungen der saarländischen Gewerkschaften und der Sozialdemokratie. An der kommenden Völkerbundstogung werden als Vertreter der saarländischen Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei die Genossen Bretter und Schäfer teilnehmen. Ihre Reise gilt dem Zweck, in unmittelbarer Aussprach« mit den führenden Männern des Rates die Wünsche der arbeitenden Saar- beoölkerung zum Ausdruck zu bringen. Gemäß dem vom Löl- kcrbundsrat im letzten Juni gegebenen Versprechen, daß ob März 1926 der Vorsitz in der Regierungskommission des Saargebiets auf ein anderes Mitglied der Kommission übertragen werden soll, werden unsere beiden Genossen verlangen, daß Herr Rault, gegen deffsn Amtstätigkeit sich die gesamte Saarbevölkerung einmütig auflehnt, nicht wieder zum Präsidenten gewählt wird. Sie werden ferner kategorisch verlangen, daß dem Saar- Parlament, dem sogenannten Landesrat, endlich ein M i t b e st i m- mungsrecht an den Verwaltungsgeschäften zugestanden wird. Der Londesrat hatte bislang nur ein Vorschlagsrecht, das in den meisten Fällen von der Regierungskommission völlig ignoriert wird. Außerdem wird die Verleihung des aktiven und passiven Wahlrechts an sämtliche Bewohner des Saar- gebietes verlangt werden. Bisher haben nur die im Saargebiet selbst geborenen Bewohner das passive Wahlrecht, während all« Zu- gezogenen nicht zu Mitgliedern des Landesrats gewählt werden können. Das bedeutet naturgemäß eins besonders schwere Beein- trächtigung der Arbeiter de» Saargebietcs, die zum großen Teil aus den übrigen Teilen Deutschlands seinerzeit eingewandert sind. Die beiden Delegierten werden dann schließlich noch mit allem Nachdruck den Abzug des französischen Militärs aus dem Saargebiet verlangen. Sie werden sich bei diesen wie bei den anderen Punkten ihres Programms auf das persönliche Versprechen B r i a n d s und B e n e s ch s berufen, die bei der Ratstagung im März zwei anderen Delegierten von Gewerkschaft und sozial- demokratischer Partei des Saargobietes Berücksichtigung und Cr- süllung der gleichen, damals auch vorgebrachten Wünsche auf da» Bestimmteste zugesichert haben. Reichsüeutscher Sesuch in(desterreich. Umfaffende Empfangsvorbereitungen. Wien, 28. August.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag nach» mittag hat sich eine Abordnung der Wiener Ortsgruppe des Oester- reich-deutschen Volksbundes, die sich aus Delegierten aller Parteien zusammensetzt, nach Passau begeben, um an der Grenze die Reich»- deutschen Gäste, die am Samstag unter Führung des Reichstags- Präsidenten Löbe nach Wien kommen, zu begrüßen. Die deutschen Gäste werden außerdem auf ihrer Fahrt donauabwärts in Ober- österreich von Vertretern aller Parteien begrüßt werden. Abend» um �8 Uhr findet die Ankunft im Wiener Donauhafen statt, wo ein feierlicher Empfang bereitet werden wird. Die große Kund- gebung für den Anschluß Deutschösterreichs, die mit der eigentlichen Begrüßung der reichsdeutschen Gäste verbunden fein wird, erfolgt am Sonntag vormittag in der Vorhalle des Wiener Rathauses. Zu dieser Kundgebunq werden sich vor allem die Arbeiter, aber auch zahlreiche Mitglieder der bürgerlichen Parteien einfinden. Großöeutscher verkehr. Vertreter der österreichischen Postgewerkschaft und der großen deutschen Postnerbände, u. a. der D« u t s ch e V e r- kehrsbund, traten am 28. August in Berlin zusammen, um zur Frage der Werbung für den Zusammenschluß Deutsch- ö st erreich? und Deutschlands Stellung zu nehmen. Es wurde beschlossen. Ansang Oktober d. I. große öffentliche Kundgebungen des Post- und Telegraphenperfonals in Wien und Berlin zu veranstalten. Mit der Vorbereitung wurde ein engerer Ausschuh betraut.*' Gewerkschaftsbewegung Der Textilarbeiterkampf in Sachsen. Der Lohntampf in der sächsischen Textilindustrie, in dessen Verlauf nunmehr 200 000 Arbeiterinnen und Arbeiter mit Aussperrung bedroht sind, selbst in Gebieten, für die rechtsgültige Tarif. verträge bestehen, dreht sich eigentlich nur noch um eine Kleinigkeit, nämlich darum, daß die Unternehmer die Arbeitnehmer mit ihren Löhnen bis zum 26. März 1926 binden wollen. Das ist in Wirklichkeit ein ganz unerhörtes Anfinnen, da die Unternehmer mindestens ebensogut wie die Arbeitnehmer wissen, daß wir feinen Preisabbau, sondern eine weitere Preissteigerung bekommen werden. Eine derart lange Festlegung wäre schließlich annehm bar, wenn durch eine Sicherungsklausel den Tertilarbeitern eine gewise Garantie dafür geboten würde, daß bei weiterer Anziehung der Preisschraube die Löhne der Steigerung folgten. Ohne diese Garantie ist die Zumutung, die Löhne bis zum 26. März 1926 festzulegen, eine Falle, in die die Textilarbeiterschaft nicht hincintappen kann. Die Unternehmer wollen die von ihnen bewilligte Lohnzulage von 10 Proz. als Sped benutzen, um Dumme zu finden. Die Spigenlöhne in Sachsen betragen für die Spinner 50 bis 60 Pf. und für die Weber 40 bis 52 Pf. pro Stunde. In diesem Zusammenhang dürfte der Lohnftand in der Berliner Textilindustrie interessieren. Stundenlöhne in der Berliner Textilindustrie April 1924 und 1925 Stundenlöhne in Pfennig N35-38 S 44-47 männlich 1924 1925 128-31 32-35 №39-42 47-51 Gelernte Ungelernte weiblich e i t e r N45-50 N 55-61 Gehobene gelernte Facharbeiter A r b Auch die zweite graphische Darstellung über den Lohnanteil in der deutschen Textilindustrie ist beachtenswert, zumal, da er mit dem Lohnanteil der Vorkriegszeit in Vergleich gestellt ist. Hier fällt zunächst der wesentliche Rückgang des Lohnanteils in der Baumwollspinnerei ins Auge, der von 63 Proz. im Jahre 1913 63% Der Lohnanteil in der deutschen Textilindustrie 1913 und 1924 Nach dem Ergebnis der Textilenquete 1913 1994 49.7% 36.9% 30% 29% 27% 22.8% 19.8% 18.3% 15% Baumwoll- Färberei spinnerei Seiden- Hemden- Herrenfärberei fabrikation konfektion auf 42,7 Broz. im Jahre 1924 gesunken war. Durchweg ist der Lohnanteil am Produkt gegen den Stand vom Jahre 1913 gefunken. In der Färberei um nahezu 10 Proz., in der Seidenfärberei um 7,2 Proz. Das Bild läßt gleich den Bilanzen der Attiengesellschaften der Textilindustrie erkennen, daß diese sich in günstiger Lage befindet und eine Erpressung des Verzichts auf Lohnzulage, ohne Rücksicht auf Lebensmittelteuerung, durch die angedrohte Aussperrung nicht nötig hätte, wenn nicht die Profitfucht im Spiele wäre. Die Behauptung der Unternehmer, sie hätten mit dem Zugeständnis einer 10 prozentigen Lohnerhöhung die Wirkung einer voraussichtlichen Teuerung abgegolten, läßt zwar darauf schließen, daß fie in ihrer Voraussicht sich auf alle Fälle sichern wollen, nicht aber, daß sie das Ausmaß der Lebenshaltungsverteuerung durch die Zölle jetzt schon voraussehen. * Leipzig, 28. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitagnachmittag fand in Leipzig eine stark besuchte Funktionärversammlung der Textilarbeiter Mittel- und Westsachsens sowie Thüringens statt, um Stellung zu nehmen zu dem am 25. August vom Reichsarbeitsministerium gefällten gefällten Schiedsspruch. Wintler Dresden erstattete Bericht über die Schlichtungsverhandlungen im Reichsarbeitsministerium, wobei folgender Schiedsspruch gefällt worden war: „ Die tariflichen Grundlöhne in sämtlichen Tarifgemeinschaften, soweit sie in Anlage 1 des Arbeitgeberantrages vom 16. Juli 1925 namentlich aufgeführt sind, werden ab 11. Jufi durchweg um 10 Proz. erhöht mit der Maßgabe, daß die Affordarbeiter und -arbeiterinnen bei einem Affordverdienst von 10 bis 20 Pro3. über den neuen Akkordrichtsaz 8 Proz., von 20 bis 30 Broz. über den Atfordrichtjazz 6 Proz. und von 30 bis 40 Proz. über den neuen Utfordrichtjazz 4 Broz. Zuschlag erhalten. Von 40 Broz. über den neuen Akkordrichtjazz an tritt eine weitere Erhöhung nicht ein. Diese Regelung gilt bis auf weiteres und ist erstmalig für den 5. März 1926 mit dreiwöchiger Frist fündbar. Alle anderen Berbände zahlten Winkler wandte sich in schärffter Weise gegen die Meldungen| einziger Verband 522 971 m. An Unterstützung in Sterbefällen gewährte der der bürgerlichen Presse, die berichtet hatte, daß der Schiedsspruch nicht 5. mit Mehrheit angenommen worden sei. Die Annahme des Schieds. Zentralverband 85 090 m., der G. d. A. nur 59 625 M., D. H. V. und V. w. A. nichts Für Aufklärungsarbeit unter den spruches erfolgte gegen die Stimmen der Arbeitnehmer. Die Verſammlung protestierte aufs schärffte gegen die Annahme des Angestellten wandte der Zentralverband der Angestellten die Summe von 5 006 463 M. auf, der G. d. 2. 4 283 153 m., D. H. V. und Schiedsspruches. Die Textilarbeiterschaft ist nicht gewillt, sich B. w. A. nur 3 968 253 m. bzw. 165 312 m. Für den gewerf. ihm zu unterwerfen. Getragen vom Gesamtwillen der Textilarbeiter, schaftlichen Kampf gab der Zentralverband der Angestellten Funktionäre einstimmig den lehnten die Schieds an Streif- und Gemaßregeltenunterstützung die Summe 5 356 014 m. aus. Ihm folgt in weitem Abstand der G. d. 2. mit spruch a b. nur 384 226 M., der B. w. 2. mit nur 42 294 m. und der D. H. V. mit nichts. Don Wenn auch die Zahlen von 1921 überholt sind, so zeugen sie doch recht für die Bedeutung der einzelnen Verbände. Sie zeigen vor allem die starke Ueberlegenheit des Zentralverbandes der Angestellten, der in Bezug auf die Leistungen an seine Mitglieder wie im gewerkschaftlichen Kampf die Führung hatte. Erklärung des Schlichters für den Bezirk Westfalen. Dortmund, 28. Auguſt( TU.) Der Schlichter für den Bezirk Westfalen, Reichs- und Staatskommissar Mehlig, übergibt der Eine Reihe von Industrieverbänden, darunter die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, hat in der Preſſe eine Rundgebung zur Aussperrung im Baugewerbe veröffentlicht, in der folgende Behauptung aufgestellt wird: In manchen Bezirken, besonders im rheinisch- westfälischen Industriebezirk, führten übermäßige Lohnerhöhungen durch den Schlichter dazu, daß die Bautätigkeit stillgelegt werden mußte. Die Lohnverhandlungen bei der Reichspoft. Bei den am 27. und 28. August zwischen dem Reichspoftministerium und den Tariforganisationen stattgefundenen Lohnverhandlungen, an denen zeitweilig auch ein Vertreter des Reichswirtschaftsmit dem Angebot auf Erhöhung der Ortslohn= ministeriums beteiligt war, ist es zu feiner Einigung gekommen. zulagen in einzelnen Bezirken vermochten sich die Vertreter der Arbeitnehmer nicht abzufinden, weil dadurch der allgemein zu verzeichnenden Teuerung in feiner Weise Rechnung getragen werde. Die in allen Bezirken gleichmäßig vorhandene Notlage der Arbeiter der Deutschen Reichspost wurde auch von Re- Bresse folgende Erklärung: gierungsseite durchaus nicht bestritten. In einer von beiden Tariforganisationen formulierten Erklärung wurde u. a. den Breissenfungsabsichten der Regierung gegenüber das schärfste Mißtrauen ausgesprochen. Ferner wurde erklärt, daß die auf zoll- und steuerpolitischem Gebiet erlassenen Gesezesbestimmungen ohne weiteres, besonders aber in bezug auf die Lebensmittel, verteuernd wirken würden. Ferner weisen die Tariforganisationen auf die ungeheure Erregung hin, die durch die Lohnpolitit der Regierung, der Reichsbahn und der privaten Arbeitgeberver bände geschaffen worden sei. Die Verhandlungen wurden schließlich als einstweilen ergebnislos vertagt. Als neuer Verhandlungstermin ist der 4. September in Aussicht genommen. Die Tariforganisationen sprachen die bestimmte Erwartung aus, daß es dem Reichspostministerium bis dahin gelänge, unter Brüfung aller mit der notwendigen Lohnerhöhung zusammen hängenden Fragen die Vorbedingungen für eine annehmbare Aufbesserung der Bezüge zu schaffen. Für den Fall, daß der von den Arbeitern erwartete Erfolg der Lohnbewegung ausbleibe, lehnten die Tariforganisationen unter ausdrücklichem Borbehalt der Aufnahme aller geeigneten Schritte jegliche Verantwortung ab. Es fällt schwer, feine Satire zu schreiben, wenn man sich das abgefartete Spiel zwischen Reichsregierung und Unternehmertum gegenüber der Lohnbewegung der Reichs: und Staatsarbeiter näher ansieht. Die Reichspoftverwaltung erkennt die Notlage der Postarbeiter an; aber die Reichsregierung hat Richtlinien für die Abdrosselung der Lohnbeme= gung gegeben, über die die Reichspostverwaltung nicht hinausgehen darf. Was kann sie also schließlich den Arbeitervertretern anderes sagen als die billige Redensart, sie sollten abwarten, was aus dem Preisabbau wird. Unterdessen will die Reichspostverwaltung sich mit allen beteiligten Ressorts in Verbindung setzen, um irgendeinen Weg zur Lohnverbesserung ausfindig zu machen. Ein geradezu grotestes Romödienspiel! Das Allerschönste darin ist die Berufung der Reichsstellen auf die Drohung der Arbeitgeber: sie würden die Preisabbauaktion nicht unterstützen, wenn die Reichsregierung höhere Löhne bei der Reichspost, Reichsbahn usw. zulasse und damit indirekt die Arbeitgeber zu höheren Löhnen in der Industrie zwinge. Auch die Reichsbahnbeamten rühren sich. Wie wir hören, sind auch die Eisenbahnbeamtenorganisationen am Donnerstag zusammengetreten, um zur Gehaltsfrage Stellung zu nehmen. In den Reihen der Reichsbahnbeamten herrscht eine tarte Erregung. Bekanntlich sind die Gehaftsforderungen der Spizenorganisationen von der Reichsregie: rung zurüdgewiesen worden mit der Begründung, daß die Reichsbahngesellschaft jedwede Besol dungserhöhung ablehne. Die Eisenbahnerorganisationen hatten deshalb am 12. August mit der Reichsbahnhauptverwaltung eine Besprechung gehabt, die jedoch ergebnislos verlaufen ist. Die Organisationen forderten daher im Anschluß eine Besprechung mit dem Generaldirektor selbst. Diese Besprechung hat bis heute nicht stattgefunden. Als Grund für die Verzögerung führt die Reichsbahnhauptverwaltung an, daß Herr Deser noch frant sei. Die Organisationen haben sich nunmehr an den Stellvertreter des Generaldirektors, Dorpmüller, gewandt. Achtung, Former und Kernmacher! Seit dem 26. Juni, also seit 10 Wochen, befindet sich die Belegschaft der Armaturenfabrik Weich brodt u. Friedrich, Rottbuser Damm 75, wegen Lohndifferenzen im Streit. Die Verhandlungen, die geführt worden sind, sind an der Hartnäckigkeit der Firmenleitung gescheitert. Bei der letzten Verhandlung bot die Firma der Organisation sogar an, in die Maßregelung von 22 Arbeitern einzuwilligen. Der Kampf geht in verschärftem Maße weiter. Die Firmenleitung versucht nun mit allen Mitteln, ihre Artikel in anderen Betrieben in Teilarbeit unterzubringen. In Frage kommen hauptsächlich Metallgießereien. Wir ersuchen daher alle Former und Kernmacher, überhaupt alie in Metallgießereien beschäftigten Kollegen, auf ihnen fremd erscheinende Gas- und Wasserarmaturen besonders zu achten und in Fällen, wo ihnen diese Artikel als nicht zu ihrem Betrieb gehörend erscheinen, sofort bei uns im Bureau, Berlin, 2inienſtr. 83/85, Mitteilung zu machen. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Der Streit im Schriftgießereigewerbe geht weiter. Eine Funktionärsizung der Schriftgießer am Sonnabend befaßte fich mit dem Angebot der Unternehmer, das diese bei der Schlichtungsverhandlung im Reichsarbeitsministerium am 26. Auguft weil die Streifenden„ nach Bedarf" wiedereingestellt, das heißt also gemacht haben. Das Angebot war schon deshalb unannehmbar, zum Teil gemaßregelt werden sollten. Die Funktionäre beschlossen einstimmig, das Angebot abzulehnen und den Kampf weiterzuführen. Der Streit erstreckt sich auf folgende Betriebe: 5. Berthold, Belle- Alliance- Straße 88, Gurich, Gneisenaustraße 27, W. Wöllmer, Friedrichstraße 226, und Gebrüder Arndt, Friedrichstraße 16. Arbeiter, übt Soli= darität! Aus der Angestelltenbewegung. Der 3. d. 2. an der Spitze. Das Jahrbuch der Berufsverbände bringt eine Reihe interessanter Zahlen. Greifen wir die Ziffern, die die Ange= stelltenverbände betreffen, heraus, so ergibt sich für das Jahr 1921, das letzte von der Erhebung erfaßte Jahr, folgendes Bild: Der Mitgliederzahl nach steht der Zentralverband der oliedern. Ihm folgen der Reihe nach der G. d. A. mit 307 357, Angestellten an der Spitze der Verbände mit 313 080 Mitder D. H. B. mit 264 367 und der V. w. A. mit 107 853 Mitgiedern. Was die Leistungen der Berbände anbetrifft, die aus den Beiträgen unmittelbar wieder an die Mitglieder zurückfließen, so steht auch hier der Zentralverband der Angestellten an erster Stelle. Für die Opfer der Wirtschaftskrise nach dem verlorenen Krieg, die stellenlosen Angestellten, zahlte der Zentralverband der Angestellten an Stellenlofenunterstügung 1169 760 m. aufwendete; dann der D. H. V. mit 243 025 M. und der V. w. A. Shm folgt in weitem Abstand der G. d. A., der dafür nur 402 556 Wt. mit 48 297 M. An Krantenunterstügung ohne besondere Beitragsleistung zahlte der 3 niralverband an seine Mitglieder als Dazu ist folgendes zu erklären: 1. Für die Schlichtung von Gesamtstreitigkeiten in Rheinland und Westfalen kommt nicht der Schlichter für den Bezirk Westfalen, sondern der Schlichter für den Bezirk Köln in Betracht. 2. Die gegenwärtigen Löhne im Baugewerbe sind weder durch einen Schiedsspruch des Schlichters für Westfalen noch des Schlichters für das Rheinland zustandegekommen, sie sind vielmehr in freier Vereinbarung zwischen den beteiligten Arbeitgeberverbänden und den Bauarbeiterorganisationen in einer Berhandlung in Berlin abgeschlossen worden. Ein vom zuständigen Schlichter unterbreiteter Lohnvorschlag wurde dabei ganz erheblich überschritten. Damit entfallen die an die falsche Behauptung geknüpften Schlußfolgerungen. Keine Einigung in der Aachener Nadelindustrie. Aachen, 28. August.( TU.) Die Arbeiterschaft der Aachener Nadelindustrie, die den Vorschlag des Schlichtungsausschusses in vier Versammlungen abgelehnt hatte, gibt jetzt in einer Erklärung bekannt, daß sie am 31. Auguft die Arbeit nicht wieder aufnehmen wird. Die Erklärung ist vom christlichen und Deutschen Metallarbeiterverband wie von den Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften unterzeichnet worden. Ueber die Stellungnahme der Arbeitgeber zum Einigungsvorschlag ist noch nichts bekannt. Gewerkschaftskongreß und Einheitsfront in Frankreich. genommen habe. Der Paris, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem der Kongreß des Allgemeinen Französischen Gewerkschaftsbundes( CGT.) am Donnerstag eine Abordnung der kommunistischen Gewertschaften über die Vereinigung der beiden Gewerkschaftsorganisationen angehört hatte, ging er am Freitag zur Erörte rung des tommunistischen Vorschlages über. Sekretär des Gewerkschaftsbundes, Genosse Jouhaur, legte den Standpunkt des Vorstandes dar. Man werfe den Gewerkschaften por, so führte er aus, die russische Revolution ungenügend zu verteidigen. Die Russen versündigten sich aber an dem Wohle der Arbeiterklasse, wenn fie, wie bisher, die französischen Arbei ter in zwei feindliche Lager spalteten. Der Franzöſiſche Gewerkschaftsbund habe stets zugunsten der russischen Revolution gehandelt und es sei zum Teil seinem Wirken zu verdanken, daß Frankreich die diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrußland aufDie Russen müßten verstehen, daß kein Grundjag höher stehe als der der Freiheit. Man sei bereit, die russischen Gewerkschaften in die Am sterdamer Gewerkschaftsinternationale aufzunehmen, unter der Vorbedingung, daß sie deren Sagungen befolgten. Die Kommunisten hätten den Vorschlag gemacht, ihre Gewerkschaftsorganisation mit dem Gewerkschaftsbund zu einem Verband zusammenzulegen. Die erste Bedingung hierzu wäre die Auflösung des Gewerkschaftsbundes; dem fönne man in feinem Falle zustimmen. Wenn die Kommunisten auf die Dauer von 3 Monaten ihren Verleumdungsfeldzug gegen die freien Gewerkschaften einstellen könnten, so wäre eine Einigung möglich, aber nur im Rahmen der gegenwärtigen Organisation des Gewerkschaftsbundes. Der Kongreß wählte darauf eine Kom mission von 12 Mitgliedern, die einen Bericht über diese Frage ausarbeiten soll. Bergarbeiterstreik in den Vereinigten Staaten. New York, 28. August.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem die Berhandlungen zwischen den Grubenarbeitern und Grubenbefizern ergebnislos verlaufen find, hat der Vorsitzende der amerikanischen Bergarbeiter- Organisation die Streifparole für den 1. September ausgegeben. Die Hamburger Hafenarbeiter haben dem neuen Lohnabkommen nach einer längeren Aussprache am Donnerstag zugestimmt. bekanntzumachen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Sonnabend, den 29. August, vormittags 9 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus, großer Saal, eine wichtige Generalversammlung ftatt. Tagesordnung: Bericht von den Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium Wir ersuchen feden Kollegen bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Besondere Einladung erfolgt nicht. Des weiteren wird ersucht, die Auszahlung der Streifunterstügung auf Sonnabend nachmittag zu verlegen, damit jedem Generalversammlungsdelegierten die Möglichkeit an der Versammlung teilzunehmen, gegeben ist. Die Kollegen haben sich heute noch im Streitlofal zu er.. fundigen, zu welcher Zeit die Auszahlung vorgenommen wird. Der Vereinsvorstand. Bangewerksbund, Gewerkschaft Berlin, Fachgruppe der Buger. Morgen, Sonntag, vormittag 10 Uhr, in den Residenz- Festfälen, Landsberger Str. 31, Mitgliederversammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt. gegeben. Die Obleute der Bezirke werden ersucht, dieses in den Streitlokalen Die Fachgruppenleitung. Morgen, Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe Stud. und Gipsban. Sonntag, vormittag 10 Uhr, im ,, Dresdner Rasino", Dresdner Str. 96, Mitgliederversammlung. Bericht über die Einigungsverhandlungen im Baugewerbe. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dieses kein Zutritt. Die Bezirksobleute werden ersucht, die Versammlung in den Bezirksstreitlokalen bekanntzugeben. Die Gruppenleitung. Musikinstrumentenarbeiter! Heute, Sonnabend, nachmittag 3 Uhr Ber trauensmännerversammlung in den Andreas Festfälen, Andreasstr. Stellungnahme zum Schiedsspruch im Lohnstreit der Berliner Musikinstrumentenindustrie. Die Branchenkommission tritt im selben Lokal eine halbe Stunde früher zusammen. Die Vertrauensmännerversammlung am Mittwoch, 2. Geptember, fällt aus. Sattlerverband. Lehrlingsabteilung. Morgen, Sonntag, Partie nach Strausberg- Rüdersdorf. Treffpunkt 7 Uhr 10 Min. Haupteingang Schlesischer Bahnhof. 21. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Entorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Komet Freilau gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch! Nr. 407 ♦ 42. Jahrgang !♦ Seilage öes Vorwärts SonnabettS, 20. August 1025 wie märkisthe Kleinstädte aussehen: seinem Neffen Emil Busch wurde der Betrieb an die jetzt dem Groß- gefchäst dienende Stätte in der Berliner Straße verlegt: zwei Gedenktafeln am Haufe belehren über die beiden Begründer der Rathenower optischen Industrie. Die Geschicke der Stadt vor 1700 waren die üblichen der märkischen Städte: auf der Haoelinsel, die eine Wendenburg trug, machte sich die Niederlassung der Deutschen breit, die auf der Höhe der Insel die St.-Marien-Andreas-Kirche > erbauten. Otto mit dem Pfeil gab 1295 der Niederlassung da? Stadtrecht, er und sein Nachfolger, Markgraf Waldemar, statteten sie mit Landbesitz und dem 7000 Morgen großen Stadtforst aus. 2m Dreißigjährigen Kriege stark mitgenommen, begann die Stadt unter Friedrich Wilhelm I. sich zu erholen, da dieser Soldatensreund für sein Lcibkarabinierregiment die Neustadt begründete. Diese füllt jetzt die ganze Fläche zwischen dem Bahnhof und der Altstadt. An dem guten Willen der Rathcnower, sich dank- bar zu zeigen, ist nicht zu zweifeln, da sie. als ihr Patriotismus sie trieb, den Großen Kurfürsten 1738 ein Denkmal zu setzen, auf der Hauptinschristtafel eine Huldigung für den Gamaschenkönig mit ein- flochten und so„zwei Fliegen mit einer Klappe" schlugen. Neustaöt and filtftaöt. Mit einem kurzen Haken vom Bahnhof ausgehend, führt die Bahnhofstraße— rechts das Amtsgericht, links die Resterkaserne (jetzt mit einem Regiment Kavallerie belegt)— zum Kaiser-Wilhelm- Plag, über dessen Anlagen hinweg man das moderne gotische Kreishaus erblickt, 1893— 1895 von Franz Schmechten erbaut und von den Lokalchronisten als„Ehrendcnkmal der Rathenower Baustein- industrie" bezeichnet. Dem heutigen Geschmack kommt es furchtbar kitschig vor: eine Monumentalwirkung geht von dem unruhigen Portalbau nicht aus. Dort, wo die Bahnhofstraße auf den Ploi; mündet, ist jetzt das Duncker- Denkmol aufgestellt worden, das früher am Äirchplatz stand. Links einbiegend, führt uns die Dunckerstraße an den Monumentalbau der größten optischen Fabrik weiter ins Innere der Neustadt: wir gelangen zur Post, dann in der Berliner Straße an dem Duncker-Busch-Hause und dem Neustädtischen Rat- Die stark befahrene Strecke Berlin— Stendal— Hanno. ver führt zunächst durch flaches, mehr oder minder fruchtbares Land, nur bei Rathenow, wo der Uebergang über die Havel statt- findet, ist der Charakter der Landschaft weniger eintönig. Wälder und bewaldete Kuppen werden sichtbar und bilden den Abschluß zu dem Bilde weiter Wiesengründe und im Sonnenlicht blitzender Wasserflächen. Bon den Schnellzügen halten allerdings nur wenige in Rathenow, aber neben der Hauptstrecke bieten Kleinbahnlinien nach Brandenburg a. d. H., Neustadt a. d. D. und Paulinenaue— Nauen bequemen Zugang von allen Seiten. Bor dem Kriege war Rathenow in dreifacher Hinsicht berühmt: als Sitz einer ausgedehnten optischen Industrie und als Herstellungsort der Rathenower Mauer- steine. Die Staüt Oer öriUen. Natürlich ist dies nicht buchstäblich zu nehmen: denn nicht nur Brillen, sondern alle Gegenstände unserer hochentwickelten optischen Industrie: Operngläser, Ferngläser, Mikroskope, Linsen sür andere wissenschaftliche Apparate, Schiffslaternen und Leuchtfeuer usw. wurden erzeugt. Nahezu 200 Betriebe sind vorhanden, in denen etwa 6000 Arbeiter, davon ein Viertel weibliche, beschäftigt sind. Zwei große Zlktiengesellschasten nehmen hiervon die Hälfte in An- spruch. Die kleinen Fabriken arbeiten meist für einen bestimmten Abnehmer: ein großer Teil treibt neben der Herstellung auch Groß- Handel. Aber neben den eigenen Werten, die diese Industrie schafft — aus Glas im Werte von 12 Mark holt sie beim Mikroskopbau einen Wert von 1900 Mark heraus—, wirkt sie auch noch befruchtend aus andere gewerbliche Tätigkeit: Lederetuifabriken, Hornsabriken sind entstanden: Maschinenfabriken stellen die notwendigen Werk- zeugmaschinen her, und eine rege Banktätigkeit ist ebenfalls«ine Folge der hohe Werte schaffenden Deredlungsarbeit. Da diese nawr- gemäß mehr Anforderungen an die Intelligenz, als an die mechanische Kraft stellt, ist auch die soziale Stellung des Arbeiters eine besiere als in sogenannten Fabrikstädten. Mit Vergnügen liest man in der demokratischen„Rathenower Zeitung" das Programm des Arbeiter- kultur- und Sportkartells Rathenow für die Veranstaltungen des Reichsarbeftersporttages: da fehlen neben Schwimmen und Turnen nicht Konzerte. Aufführungen, Volkstänze, freier Schachverkehr. Und die Fsstkarte für die über zwei Abende und einen Sonntag sich erstreckenden Veranstaltungen kostet nur 20 Pfennig. Großstädtisches Leben spürt man in der Hauptstraße der Stadt, ohne den fatalen Anblick hoher Mietskasernen zu haben. Leider hat sich bei den Bauten, die die aufstrebende Stadt entstehen ließ, ein ästhetischer Sinn vielfach nicht betätigt, und der auf einer Höhe aufgeführte Bismarck-Turm zählt zu den geschmacklosesten Werken dieser Art. Prächtiger Baumschmuck— namentlich Linden— entschädigt und verdeckt manches Unschöne. JXü» üer Vergangenheit. Rathenow hat zwei historische Moment«: IS. Juni 1675, da Derfslinger in den Mauern der Stadt ein schwedisches Regiment überrumpelte und dadurch die Vereinigung der beiden in Havelberg und Brandenburg a. d. H. stehenden schwedischen Truppenkörper vereitelte, eine Tat, die den darauf folgenden Sieg bei Fehrbellin ermöglichte,— und 1800, in welchem Jahre die„Königlich privi- legierte optische Industrieanstaft" begründet wurde. Und zwar durch den Prediger August Duncker, der damals zusammen mit seinem Dater das Pfarramt versah und den gemeinsam erhaltenen Sold durch diese Tat aufbessern wollte. Mit Hilfe eines von einem Amtsbruder erhaltenen Darlehen» begann nun im pfarrhaufe mit Kriegs- invalide» und Soldatenwaisen da» Schleifen von Brillen. Unter Scbleusenkanal In Rathenow. f* rsten. Jenseits der Brücke noch geringe Reste der einstigen llniwallung. Die Steinstraße führt zum Markt, der eigentlich keiner ist, sondern sich nur als verbreiterte Straße darstellt. Hier das alte, unschöne Rothaus, jetzt Sitz des Finanzamtes. Links zur Kirche emporsteigend. steht man bald vor dem prunklosen, aber gut gegliederten, stattlichen Bau, der im 16. Jahrhundert ans der alten romanischen Basilika gotisch umgestaltet wurde. Der 77 Meter hohe Wcstturm ist im Jahre 1801 errichtet worden. Im Inneren hat man die frühere weiße Tünche beseitigt und durch teilweife Färbung der Steine eine warme Stimmung erzeugt. Auch die stark dekorativ wirkende Kanzel fügt sich gut in das Gesamtbild ein. Vom Rathaus führt die Havelstroße in der bisherigen Richtung zum Havcltor, das aber köine architektonische Bedeutung mehr hat: auch hier noch einige Mauerreste. Dann über die Lange Brücke auf Promenadcnweg ziir Das unbegreifliche Ich. 20i Geschichte einer Jugend. Roman von Tom krisiensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) „Er wollte dich beißen? Und du hast gesehen, wie er aussah?" „Ja, er hatte keine Augen. Bloß zwei Höhlen. Und ich schrie. Aber dann kamen die anderen und zogen und zogen, und die Hand, eine Totenhand mit langen Fingern, kam ganz mit aus dem Loch heraus. Du kannst dir denken, wie gräßlich das war. Dann ließ er los, und wir liefen aus Leibeskräften." „Du traust dich nicht mehr dahin?" Sejr schüttelte den Kops. Wir waren an die Ecke der Straße gekommen, wo ich wohnte. „Da unten wohne ich. Lebewohl; aber wollen wir nicht Freunde sein?" Er nickte und so wurden wir Freunde. Ich hing sehr an ihm, denn er erlebte mehr als ich. Seine Erzählungen erweiterten und vertieften die Welt, ober machten mein eigenes Ich klein und arm. Selbst meine Fähigkeit, etwas zu erleben, verlor seine Stärk«, schien mir, und des- halb mar ich ihm als Zuhörer verfallen. Ich fragte ihn recht anspruchsvoll aus und verlangte immer mehr von ihm. Er sollte etwas erleben, das war das. was die Grundlage unserer Freundschaft bildete....�„ Im Hause erzählte ich von Sesr. Ich nahm chn auch mit nach oben, und Mutter konnte ihn gut leiden. „Er ist aber ein kleiner Schwindelmcyer!" sagte sie. als er gegangen war. Sie saß am Fenster und nähte Hüte für Geschäfte. Ihre Augen blinzelten nervös und überanstrengt. „Nein, das ist er nicht. Er hat selbst den Toten gesehen, und er ist die Treppen heraufgekommen und hat geklingelt. Sejr hat selber aufgemacht; aber dann kam sein Vater und da ist er weggelaufen." „Das redet er dir bloß vor."....._. Aber ich blieb unerschütterlich. Ich hing mehr an Se,r als je. Ich brachte ihn immer weiter nach Haufe. Ich sah, «o er wohnte. Es war ein weißes Haus, und ein paar Bäume standen in der Nähe. Ich war mit oben und lernte se'ue Brüder kennen, dünne, blasse Jungen, die mit Eifer und Phantasie spielten. Ach, wenn ich doch Sejr wäre, dachte ich oft. Als ich zu feinem Geburtstag eingeladen wurde, ging ich voll gespannter Erwartung hin. Große Erlebnisse mußten mir bevorstehen. Vielleicht würde ich selbst den Toten treffen und würde durch und durch geschüttelt werden und nur mit knapper Not entschlüpfen können. Wir spielten Versteck und stürmten über Boden- und Kellergänge. Besonders war da ein dunkler, winkliger Keller. und als ich den entdeckt hatte, versteckt« ich mich darin. Dunkel und mit zwei Ausgängen, das war das Richtige! Einige der anderen versteckten sich auch hier unten. Wir konnten einander nicht sehen. Unversehens ftieß man an etwas Weiches und konnte abfühlen, wer es war. Wir waren still, um uns nicht zu verraten. Wenn wir dann im Keller- hals auftauchten und mit den Augen blinzelten wegen des starken Tageslichts, konnten wir uns verwundert ansehen, als ob wir vergessen hätten, wie wir eigentlich aussahen. Aber als etwa ein« Stunde vergangen war, sahen wir Sejr gegen ein eisernes Gitter im Hofe gelehnt stehen. Er stand vornübergebeugt und es war etwas los. was er uns nicht erzählen wollte. Wir scharten uns langsam um ihn. Das Spiel hörte von selbst auf; und wir starrten unruhig auf uns und ihn. „Habt ihr nichts unten im Gang gesehen?" fragt« er ganz leise. Nein, keiner von uns hatte etwas gesehen! „Doch, hinten, wo der Gang um die Ecke geht, steht ein« Tür noch einem Kohlenkeller nur angelehnt, und da ist es ein ganz klein bißchen heller." Ja, das stimmte, wir tonnten uns darauf besinnen. „Da lag ein Mann. Er log auf der Erde. Ich konnte deutlich fein Gesicht sehen. Er drehte es mir zu. Habt ihr es nicht gesehen?" Wir wurden alle zusammen blaß. In meiner Angst griff ich um das eiserne Geläpder und starrte auf das weiße Haus, das so unheimlich war. und wenn ich meinen Eindruck von dem Haus, so, wie es in meiner Erinnerung lebt, ausdrücken wollte, so würden bleiche, durchsichtige Mauern mit Fenstern und ein dunkler Gang unten, der deutlich wie eine Ader unter der Haut hervortrat, sich am besten damit decken. Wir waren wie zersplittert und verlangten nach einer Kraft, die größer als unsere eigen« war. Keiner von uns wagte es. in den Keller herunterzugehen; doch trotzdem lag die Erscheinung, die nur Sejr gesehen hatte, in uns und quälte uns mit ihrer Umvirklichkeit. Wir erlebten das Entsetzen. ohne daß es Form annahm, es war kern bestimmtes Bild, vor dem wir ängstlich zurückwichen. Wir liefen nach oben und erzählten Sejrs Eltern alles. Wir drängten uns um fernen Vater, einen grauhaarigen Mann, der in einem Schaukelstuhl am Fenster saß und in unserer Aufregung nahm einer dem andern das Wort aus dem Mund. Der Vater ftagte uns aus und lachte über uns. Wo wir das denn gesehen hätten? Und Sejr mußte das Ganze noch einmal erzählen. Die Worte kamen langsam aus ihm heraus, und er sah müde aus. „Ihr seid eigenttich viel zu groß, um noch solchen Unsinn zu glauben: aber jetzt werde ich mal selbst runtergehen und nachsehen", antwortete der Vater und stand auf. Ich ging an Sejrs Seite, der andauernd gradeaus sah. Ich blickte ihn die ganze Zeit an. Er war es ja, der das Ganze erlebt hatte. Und dann konzentrierten sich alle meine G-e- danken auf ein kleines Loch, was er in der Schläfe hatte, ein winziges Locl war. ach, das in die Haut ging und ganz unten dunkel Wir gingen hinter dem Vater in den Keller herunter und fingen an, ihn zu untersuchen. Wir öffneten die Türe zum Kohlenkeller und der Bater steckte ein Stteichholz an, so daß wir sehen konnten, daß nichts da war. „Er muß mittlerweise nach oben gelausen sein", sagte Sejr. Aber selbst nach dieser beruhigenden Untersuchung war die Geburtstagsstimmung verdorben. Alle neuen Spiele wurden immer wieder abgebrochen und wir konnten nicht mehr recht was miteinander anfangen. Wir rotteten uns zu- sammen und drückten uns in den Stuben herum, als ob wir nicht ganz begreifen konnten, daß wir in Sicherheit waren. Sejr ging auf fein Zimmer. Bevor es dunkel wurde, brachen wir auf, und ich ging durch einige Quersttaßen noch Hause. Ich war unruhig: aber obgleich die in unserem Hause gesagt hatten, daß da unten in den Querstraßen ein paar Jungen wohnten, die alle verprü- gelten, die sie zu fassen kriegten, ging ich doch da entlang. Ich dachte immer an den Mann unten im Keller. Da hörte ich eine Stimme aus einem Torweg rufen: „Da ist er!" und ich vernahm wie ein Paar Hvlzfchuhe in««» auf die Steine geworfen wurden. Es durckMckte mich und ich fing schleunigst an fortzulaufen. Ein einziges Mal sah H mim um. Ja, sie liefen mir nach. Sie setzten in rasender Fahrt auf Strümpfen �hinterher. Wie viele es waren, darüber ickr wurde ich«tr nicht klar (Fortsetzun, hohen Brücke, die den Haupthavelarm überbrückt, und gleich darauf kommt man zum Schleusenkanal, der für die Havelschiffahrt die Fahrstraße bildet.' Diese Flußbilder, die Rathenow bildet, sind reiz- voll und laden zum Verweilen ein. Bei der Kursürstenstatus liegen die Vergnügungsdampfer, am Haveltor die Fischerkähne, von denen aus junge Mädchen sich mit der lebendigen Ware versehen, indessen eine Schar Enten im Wasser ihre Tauchertünste zeigt, und überall weite Aussicht, reine Luft, grüne Bäume..... -i- Eine Stadt wie Rathenow mit einer intelligenten Arbeiterschaft ist trotz des ländlichen Einschlags nicht dem.agrarifch-nationalen" Zauber erlegen— 6800 sozialdemokratische und 2700 demokratische Stimmen wurden bei der letzten Reichstagswahl abgegeben, während die reaktionären Parteien keine 5000 aufweisen. Von der Teil- nähme an dem belebenden Sport haben wir schon gesprochen: namentlich der Wassersport ist durch die gegebenen Verhältnisie sehr begünstigt. Ein Apollotheater enthält freilich nur ein Kino, aber im Gesellschaftshause finden doch Theaterveranstaltungen statt, so von der Ostdeutschen Landestheatergesellschaft. Die wirtschaftlichen Ver- Hältnisse in der optischen Industrie sind zurzeit nicht die günstigsten, da die amerikanische Konkurrenz stark zu spüren ist. Aber trotzdem hat man kein Verlangen nach Zollschutz— der Inlandsabsatz wird durch die Verarmung des Volkes nicht begünstigt. Das freimütige Gesicht einer von so ausgesprochen agrarischen Kräften umgebenen Stadt hat etwas Beglückendes. /lussthreier wiöer Villen. Zeitungshändler sind Leute, die sehr, sehr still halten müssen. Sie müssen loben und Ansichten hinausposaunen, die sie nie zu ihren eigenen machen würden, nur um möglichst viel der Zeitungsware loszuwerden. Da steht z. B. einer im Westen an sehr belebter Ecke des Kurfürstendamm mit einem Pappschild um den hals, eng wie ein mittelalterlicher Stehkragen, auf dem in fetter Druckschrift der Namen einer agrarnationalen Tageszeitung steht. Dieser Mann ruft» in Pausen von ca. 10— 15 Sekunden den Titel des Blattes, das er bedient, bedienen muß. Er schreit es wie klagend mit heiserer, gebrochener Stimme, von nachmittags drei bis in die tiefe Nacht hinein, wenn die letzten offiziellen Lichter der Weltstadt verlöschen. Der Zeitungshändler— ich kenne ihn zufällig— ist ein kleiner Mann, der draußen im Norden eine oerräucherte Hinterhaus- mansarde sein heim nennt. Er hat eine Frau und drei Kinder im Alter von 9— 13 Iahren, die in die Schule gehen. Das Einkommen der Familie ist ungewöhnlich kläglich. In aufreibendster Arbeit er- zielt der Zeitungsverküufer einen Wochendurchschnittsverdienst von 18 Mark. Kürzlich habe ich ihn lange Zeit beobachtet. Er schrie sein Blatt in die nächtig werdende Straße hinaus, schrill und seltsam gedehnt, und zum sensationellen Anreiz fügte er, wie man es ihm wohl gelehrt, hinzu:.Die segensreichen Auswirkungen der Zölle!" Es klang zerrissen und wie ein Schrei von unsäglicher Pein. Der Arme weiß ja nur zu gut, was dieser anreizende Triumphschrei für ihn bedeutet. Er weiß, daß er eine verfallene Mansardenwohnung im schmutzigen Hinterhaus hat, daß drei Kinder hungern, und eine vergrämte Frau. Daß die Brotpreise anziehen werden, und immer notvoller der würgende Ring der Agrar- regierung, die fünf und die Millionen anderer umschließen wird, eng und immer enger— bis es eben nicht mehr geht. Er weiß, daß ein jeder Schrei ein Faustschlag ist ins eigene Gesicht und in das dornenvolle Antlitz seines Volkes. Aber zu Hause warten sie auf Brot. Und so ruft er von nachmittags drei bis in die späte Nacht hinein:.Die segensreichen Auswirkungen der Zölle!" Wie üie /Ilten sungen... Unbefugtes Tragen militärischer Uniformen. Unter den Rowdy- und Radautruppen, die zur Verstärkung eines nationalistischen Rummels in Leipzig ausrückten, befanden sich, wie gewöhnlich, nicht Wenige, die zur Weihe des Tages sich in alte militärische Uniform gesteckt hatten. Was schert es sie, die jungen Leute, daß das Gesetz zum Schutz der Republik vom 21. August 1922 das unbefugte Tragen von Uniformen mit der Mindeststrafe von einem Monat Gefängnis bedroht. Gesetze der Republik sind ja dazu da, um umgangen zu werden. Wie sollte man ihnen auch Respekt verschaffen. Nur hin und wieder finden sich Richter, die republikanisch genug sind, um diese Gesetze mit aller Schärfe anzuwenden. Da standen vor einigen Tagen vor dem Einzelrichter zwei obdachlose W e r w ö l f e, die sich unbesugterwcise mit M a t r os e n u n i s o r m e n nusstsfsiert hatten, dumm und feige, wie es Wcrwölfen ziemt. Sie versuchten mit tausend Ausflüchten die Uniform abzuleugnen. Der eine meinte, er habe ja nur ein militärisches Band mit einer schwarzweißroten Kokarde auf der Mütze gehabt. Zudem sei es ja st e t s ü b l i ch gewesen, in m i l i- tärischer Uniform zu d e u t s ch n a t i o n a l e n mili- tärischen Festlichkeiten zu erschein.« n. Er Hab« ja auch nichts anderes getan, als die Herren Offizere rlpd Generäle. Der junge Mensch war bereits für unbefugtes Uniformtragen zu drei Tagen Haft veruneilt worden. Der andere wollte nur„blanke Knöpfe" an seinem Matrosenanzug gehabt haben. Und diese habe er sich ja sofort nach der Verhaftung im Revier abgetrennt.-Sein� Mütze schmückte das Band des Front- banns. Auf seinem Rockärmel hatte er das rote Band mit den Hakenkreuz und zwei goldene Ecken mit dem Stern. Alle Aus- flüchte halben aber den jungen Herren nichts. Die Sache wurde ver- tagt, zwecks Feststellung, inwieweit ihr Aufzug als militärisch gelten konnte. Beide blieben in Haft als obdachlos und flucht- verdächtig. Polizei gegen riickfichtslose Radfahrer. Gegen rücksichtslose Radfahrer soll nunmehr nach einem Erlaß «« Polizeipräsidenten, der soeben den Schutzpolizeibeamten bekannt- kl�rben worden ist. siharf vorgegangen werden. Insbesondere sollen dieienigen Radfahrer, die sich mit der einen Hand an Kraft- oder anderen Fahrzeugen fe st halten und mitziehen lassen, zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden: denn gerade ouf dwse Unsitte ist ein großer Teil der Straßenunfälle zurück. Zufuhren. Ebenso sollen auch ausnahmslos alle Radfahrer fest- gestellt werden, die Kinder auf dem Rade mitführen, die sie vor sich auf die Lenkstange setzen, hierdurch wird die Lenkfähigkeit des Rades derartig herabgesetzt, daß ein rechtzeitiges Ausweichen nicht erfolgen kann und die Fußgänger in größte Gefahr geraten. Ausstellung über Schrifiknnde. .!?*'' der Erfindung der Stahlfeder haben sich die Bedingungen tfr. 4!, 3 von Grund auf geändert. Das rein Persönlich«, da» Künstlerische und Dekorative der Schrift verschwand in kurzer Zeit und machte lener„N o r m a l s ch r i s t" Platz, die entweder un- permnlich oder schwer leserlich, auf jeden Fall aber durch das spitze Schreiblnstrument einen Charakter erhielt, der mit dem Wesen unserer Schrift nicht ,n Einklang zu bringen ist. An eine dekorative Verwendung der Schrift war bald nicht mehr zu denken und auch die Druckschrift hatte bald jedes dekorative Moment verloren. Der Versuch, das Verlorengegangene durch die sogenannte Rundschrift zu ersetzen, war verdienstvoll, konnte jedoch nichts helfen. Erst um die Jahrhundertwende gab es den Umschwung, der zu der Schriftresorm führte, die heute weiteste Kreise zieht und auch ein überaus wichtiger Faktor jeder Schulreform geworden ist. Man sing an. die Teckw'k des Schreibens früherer Jahrhunderte zu studieren, fand die Schreib- instrumente, Schreibhölzer, Spateln usw. und war vor die Aufgabe gestellt, die Wirkung dieser Schreibzeuge aus die Schreibfeder zu übertragen. Es entstand die„Kunstschriftfeder". Eine A u s st e l- lung des Verlags für Schriftkunde und Schrift- Unterricht in den Räumen der Buch- und Kunsthandlung Reuß u. Pollak, Meineckestr. 1, ist insofern verdienstvoll, als sie den Zu- sammenhang alter Schreibweise und Technik mit neuen Schreib- instrumenten verdeutlicht und zugleich einen guten Ueberblick über die Literatur, di esich mit der Technik des Schreibens befaßt, gibt. Der Besuch sei allen„Schriftbeflissenen" und namentlich Lehrenden empfohlen. Am ersten Abend der Ausstellung hielt der bekannte Schriftkünstler Georg Wagner einen einleitenden Vortrag. Großfeuer in Spandau. Em.Feuerwehrmann schwer verletzt. Großfeuer kam am Freitag nachmittag in Spandau- Hakenfelde, Rauchstr. 52/54, in den ausgedehnten Räumen der Chemischen R o h m a t e r i a l i e n- G e s e l l s ch a s t Rund u. C o. zum Ausbruch. Als di« Spandauer Feuerwehren an der entferntliegenden Brandstelle eintrafen, schlugen die Flammen schon mächtig, von Oelen und Teerprodukten genährt, aus den Fabrik- räumen empor. Die Feuerwehr griff deshalb gleich mit Motor- spritzen an. Nach mehrstündigem Wassergeben gelang es, die immer wieder neu emporlodernden Flammen auf die Fabrikräume zu be- schränken. Der Feuerwehrmann Kraft erlitt schwere Ver- l e tz u n g e n durch einen herab st ürzenden Schorn st ein- aufsatz, der das Dach durchschlug. Mehrere andere Feuerwehr- leute und Arbeit« kamen mit leichten Verletzungen und Erkran- kungen der Atmungsorgane durch die ganz abnorme Hitze und Oualmentwicklung davon. Der Schaden soll erheblich sein. Es sind eine Menge Vorräte vernichtet. Einige von diesen konnten nicht init Wasser gelöscht werden, so daß man Sand zu Hilfe nehmen mußte, andere strahlten eine unausstehliche Hitze aus, die so groß war, daß der Mörtel von den Mauern in ziemlicher Entfernung sich in feines Pulver verwandelte und jede Bindekraft verlor. Nach Angaben des Dettiebsleiters ist der Brand durch Ueberkochen eines Teerkessels mit 10 000 Kilogramm Inhalt entstanden. Alle Bemühungen, diesen Kesselbrand zu löschen, waren vergeblich. Die Feuerwehr mußte dabei in nächst« Nähe lagernde Vorräte an Benzin in Fässern und von Dachpappe in vielen Rollen schützen. Auch eine chemische Fabrik in etwa 50 Meter Entfernung schwebte in großer Gefahr, konnte aber geschützt werden. Die Brandstelle war stundenlang von einer großen Menge umlagert, obwohl der dicke Qualm sich üb« die ganze Gegend lagerte. Erst in später Nachtstunde rückte die Wehr wieder ab. Gefährliche Zeugenaussage«. Freispruch in der Berufungsinstanz. Der Meineid gilt als eines der schwersten Verbrechen! Und mit Recht! Er kann unschuldige Menschenleben vernichten, kann wirklich Schuldige ihr« verdienten Strafe entziehen! Zuchthaus- strafe, die ja als Mindestmaß 1 Jahr voraussieht, gilt als di« gesetzliche M i n d e st st r a s e für d«artig schwerwiegende Ver- fehlungen. Wie unverantwortlich leichtsinnig trotz jedesmaliger Belehrung manch« Zeugen dennoch mit ihrer eid- lichen Aussage umgehen, mag nachstehende Berufungsverhandlung vor d« Ferienstrafkammer des Landg«ichts III beweisen. Eine Frau Pfau aus d« schönen Umgebung des Lietzensees hat auf dem Treppenflur ihres Haufes sonderbare Wahrnehmungen gemacht. Durch das Gucklochihrer Wohnungstür hat sie den hilfspostschoffner Richard Sch. bei Begehung eines schweren Amtsvergehens beobachtet. In der ersten Verhandlung vor dem großen Schöffengericht Charlottenburg hat diese Frau b e- schworen, daß der Briefträg« Sch. wiederholt am Flurfenster einige Briefe aus sein« Tasche nahm, diese leicht anklopfte, gegen das Licht hielt und dann gesondert wieder zurücklegte. Zweimal habe sie das selbst und in noch zwei anderen Fällen in Gegenwart ihrer Kinder einwandfrei festgestellt! Der Hilfspostschaffner, ein bisher unbescholtener Mann, wurde daraufhin wegen Amtsunterschlagung in vier Fällen zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Bild der heutigen Berufungsverhandlung ist ein gänzlich anderes! Der Verteidiger des Angeklagten hatte eingehende Ermittelungen über die Person der Zeugin angestellt. Das Resultat war geradezu niederschmetternd. Frau Pfau gilt in ihrem Haus« und ihrer nächsten Umgebung als eine durchaus phantastische Persön- lichkeit, die in fast pathologischer Veranlagung die ge- ringsten Ursachen zu den unglaublichsten Tatsachen ent- stellt. Also auf das Zeugnis einer doch zweifellos krankhaften Frau wurde ein unbestrafter Mensch seines Amtes enthoben und zu einer empfindlichen Gefängnisstrafe verurteilt. Die weiteren Feststellungen, daß dem Sch. auch nicht eine einzige tatsäch- l i ch e Unterschlagung nachgewiesen werden konnte, führte heute zu der völligen Freisprechung des Angeklagten! Sch. war h i l f s Postschaffner, hat also sicher auf An- st e l l u n g gearbeitet. Die beobachteten Untersuchungen d« Briese hatte er schon in der ersten Verhandlung glaubwürdig damit erklärt, daß es sich um amtliche Postsachen handelte, denen er die Zu- stellungsurkonde, die bekanntlich nach Unterschrift des Empfängers wieder in dem Besitz des Beamten bleibt, ent- nommen habe!— Bleibt nun die Freisprechung di« einzige Genugtuung des schwer Geschädigten, setzt man ihn wieder in seine Stellung ein und— was wäre überhaupt aus diesem Angeklagten geworden, wenn ersichkeineuVerteidiger hätte leisten können—!? Vierte Brandstiftung in der Mühlenstraste. Die Mühlenstraße scheint das Dorado eines oder mehr«« Brandstifter geworden zu sein, denn innerhalb weniger Wochen hat es jetzt in der vergangenen Nacht dort zum vier- tenmal gebrannt, und zwar in einem Haus, das, wie merk- würdig«weise auch die übrigen vom Brand heimgesuchten Häuser, dem Komerzienrat Reinecke in Firma David Francke Söhne ge- hört. Die Bewohner der Mllhlenstraße befinden sich infolge der dauernden Brandstiftungen in großer Aufregung und achten auf Frauen, die sich dort in erheblicher Zahl blicken lassen. Als die 2. Kompagnie an der Brandstelle ankam, stand der D a ch st u h l de» B orderhauses Mühlen st roße 56 schon in sol- cher Ausdehnung in Flammen, daß sofort mit mehreren Schlauchleitungen tüchtig gelöscht werden mußte. Es gelang aber innerhalb zwei Stunden des Feuer» vollständig Herr zu werden und dabei festzustellen, daß drei künstlich vorgerichtete größere Brandherde vorhanden waren. Die Kriminal- Polizei war zur Stelle. Bisher waren indes alle Ihre Bemühungen ergebnislos. Wenn die Hausbewohner nicht selbst zur Festnahme der Brandstifter energisch« als bisher beitragen, werden wohl kaum die Brandstiftungen abnehmen. Das KuncZfunkproxramm. Lonnndenck. den 29. August Außer den üblichen Tagesprogramms 4.50 Uhr nachm.: Frit» Badioke; Heibst»r»ndaram?«n in di» Mark. 1. Vertrag: Schannütaelsoe und Umjrebnnjr 8—8 50 Uhr abends: NachmittaRsbonzert der Berliner Funkkapelle. Leitnno-- Konzertmeister Ferdy Kaullman. 7 Uhr abends: Sanitätsrat Dr Paul Frank: Metlinnisch-hyRienische Plauderei. 7.50 Uhr abends- Esperanto. 8.30 Uhr abends: Otto Rentter singt! Die Berliner Funkkapelle spielt lustige Weisen. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachriohten, Zeitansaee. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.50-12 Uhr abends: Tanzmusik. vie rätselhaften Spiegel. Geheimnisvolle Postsendungen, die der Empfänger nicht kennt. Die Aufklärung geheimnisvoller Postsendungen beschäftigt zur- zeit die Berliner Kriminalpolizei. 2n Abständen von etwa vier Wochen gingen einem Herrn Gustav Recke in Stettin Kisten zu, die rechteckige und ovale Facettespiegel enthielten. Der Empfänger, der nichts von einer Bestellung solcher Spiegel wußte, ersah aus der Begleitadresse, daß ein Diplom-Jngenieur Walter Busch in Berlin N. 113, Islandstt. 2, der Ablender sein sollte. Auf seine Anfrage teilte ihm jedoch der Ingenieur mit. daß er in keinem Zusammenhang mit den Postsendungen st e h e, und daß offenbar sein Name mißbraucht worden sei Herr Busch«stattete darauf Anzeige bei der Kriminalpolizei und übergab ihr zwei der Postabschnitte, die die Daten 20. 5. 25 und 26. 6. 25 tragen. 2n beiden Fällen wurden die Kisten auf dem Berliner Postamt SW. 68, Ecke Ritter- und Lindenstraße, nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr aufgegeben. Jede Kiste hatte ein Gewicht von etwa 40 Pfund und enthiell ungefähr 2 0 0 S p i e g e i Die rechteckigen sind 5,8 mal 7,8 Zentimeter groß. Alle sind ohne Einfassung und in verschiedenen Farben getönt. Sie weisen Diamantschliff und teil- weise Sternschliff auf und haben am Rand eine Blumenoerzierung. Die Ausführung der Spiegel deutet auf gute Handarbeit. Da ein solcher Facettespiegel im Großhandel einen Preis von etwa 2,50 M. erzielt, so stellt der Inhalt der Kisten einen nicht geringen Wert dar. Der geheimnisvolle Absender tonnte bisher noch nicht ermittell werden. Man nimmt aber an, daß die Spiegel irgendwo entweder gestohlen oder unterschlagen worden sind. Personen, die über den Absender oder über den Auflieferer der Kisten auf dem Postamt SW. 63 zu der angegebenen Zeit etwas wissen, werden ersucht, ihre Wahrnehmungen dem 1. Kriminalbezirk des Polizei- amts Tiergarten, Telephon Moabit 1414, mitzuteilen, hier lieft auch«in Musterspiegel zur Besichtigung aus. Ein rabiater Motorradfahrer. Gestern vormittag gegen 11 Uhr fuhr ein Motorradfahrer mit feinem Beiwagen an der Haltestelle der Straßenbahn Wilhelmsufer, Eck« Invalidenstraße. vorbei und versuchte, entgegen den bestehenden Vorschriften, zwischen der haltenden Straßenbahn und einem Auto der Interalliierten Mllttärkcntrollkommisston durchzufahren, wahrend die Fahrgäste der Straßenbahn ein- und ausstiegen. Dabei fuhr das Kraftrad in die Menschenmenge hinein und verletzte den Handels- Vertreter Ernst Röder aus der Elberfelder Straße, indem es ihn am Fuße streifte. Auch die übrigen Fohrgäste wurden durch das vorschriftswidrige Fahren des Kraftradfahrers erheblich ge- fährdet. In der darauffolgenden Auseinandersetzung zwischen dem Führer des Personenautos und dem Kraftradfahrer erhiest der erster« von dem Kraftradfahrer mit einem scharfen Gegenstand einen Schlag gegen den Kopf. In der sich daraus entwickelnden allgemeinen Schlägerei wurde auch der Führer des Motorrades verletzt._ Steigende Not! In d« Zeit vom 1. bis 15. August d. I. ist die Zahl der hauptunter st ützungsempfänger in der Erwerbs- losenfürsorge von 197 000 auf 208 000, d. h. um rund 5% Proz., gestiegen. Im einzelnen hat die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger von 176 000 auf 186 000 zugenommen, die der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger Hot sich nicht nennenswert geändert. Die Zahl der Zuschlagsempfänger(unter- stützungsberechtigten Angehörigen von hauptunterstützungsempfän- gern) ist von 251 000 auf 265 000 gestiegen. GefLnguisstrafe für Ausschreitungen im Rausch. Schlimme Folgen hatte ein Bierabend, den lürzlidi ein 24jähriger Schweizer Paul Treppense mit einigen Bekannten in einem Lokal am Görlitz« Bahnhof veranstaltete. Die Freunde trennten sich schließlich und jeder ging nach Hauie. Dem Treppense kam langsam eine Droschke entgegen. In seinem alkoholischen Unverstand hielt er da« Pferd an. entriß dem 72jährigen Kutsch« die Zügel und warf den alten Mann vom Bock auf die Straße, wobei sich dieser Verletzungen zuzog. Gerade wollte der Täler noch den Mantel des Kutschers sich aneignen, al» Polizei- beamte ihn ergriffen und abführten. Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt nicht weniger als 1'/, Jahre Gefängnis wegen ver- suchten Raubes. Es wurde jedoch angenommen, daß der Täter, der ja den Mantel aar nicht gebrauchen konnte, in betrunkenem Zustande den Kutscher ohne Ueberlegung angegriffen habe. Deshalb lautete da» Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung auf zwei Monate Gefängnis._ Auslandshilfe für die vertriebene« Optanten. Der Deutsche Zentralausschuß für die Aiislandshilfe teilt dem Preußischen Ministerium deS Innern mit, daß das(Zentral Comiftee for the relief of distress in Qermany and Austria in New JOotl 1000 Kisten Lebensmittel im W«te von 10000 Dollar für die aus Polen verdrängten bedürftigen Optanten im Lager Schneidemühl zur Verfügung gestellt hat. Diese Kisten sollen auch anderen Optanten, die das Lager schon verlassen haben, zugute kommen. Diese hochherzige Spende des Komitees, das schon oft in großzügiger Weise die Not in Deutschland hat lindern helfen, zeigt, daß das Schicksal der durch die rigorosen polnischen Maß- nahmen von Haus und Hof vertriebenen Deutschen auch in weitesten Kreisen des Auslandes Teilnahme erweckt. Eine Mutter sucht ihren Sühn! Als im Weltkriege der Waffenstillstand zwischen Deutschland und Rußland geschlossen wurde, marschierten die im Gouvernement K o w n o stationierten deutschen Truppen ab. Ihnen schloß sich in der kleinen Stadt Kädan ein damals etwa 13 Jahr« alter Knabe mit Namen I u d l Kaplan an, der mit seiner Mutter dort wohnte. Di« Mutter wurde durch die jammervollen Verhält- nisse später zur Flucht gezwungen und suchte Zuflucht bei Ver- wandten in Brooklyn(Amerika). Von hier aus richtete sie jetzt an die Berliner Kriminalpolizei die Bitte, ihr bei der Ermittlung ihres jetzt etwa 20 bis 21 Jahre alten Sohnes behilflich zu sein, von dem sie seit seinem Fortgange mit den deutschen Sol- daten nichts mehr gehört hat. Wer über den Aufenthalt des jungen Kaplan etwas weiß, wird ersucht, dies der Vermißtenzentrale beim Berliner Polizeipräsidium mitzuteilen. Rückkehr deulsch«(serienkinder au» Dänemark. Auch in diesem Jahr hatten dänische Pflegeeltern zahlreiche deutsche Kinder wieder nach Dänemark eingeladen. Obwohl die eigentliche hilfs- aktion für Deutschland mit Ende des vorigen Jahres geschlossen wurde, fanden fast 1500 Kinder kostenlosen Aufenthalt in Dänemark, dank der Unterstützung durch die dänischen und deutschen Behörden. Gestern(Freitag) morgen kam der letzt« Trans- port von 300 Kindern aus Dänemark zurück. Das gesunde Aussehen der Kind« brachte zum Ausdruck, wie wertvoll für die Kinder diese Ausspannung gewesen ist. Zu einem billigen Sonnlag-�auefkug nach d« Ostsee bietet sich rnn 30. August nochmals Gelegenheit. Die Reichsbahndirektton in Berlin wird, wie schon gemeldet einen Sonde rzug 4. Klasse nach Swinemünde befördern, de? von Berlin, Stettiner Bahnhof 6.45 vorm. abfährt, in Swinemünde 10.15 eintrifft, von dort 7.23 nachm. zurück- fährt und Berlin um 11.04 erreicht. Der Fahrpreis für hin- und Rückfahrt beträgt nur 9 Mark. Die Fahrkarten sind bei der Fahrkartenausgabe des Stettiner Bahnhofs, in den MTR.- Bureaus Potsdamer Bahnhof, Friedrichstraße, Wertheim, Kaufhaus des Westens, hapag. Unter den Linden 8 und im Reisebureau Unt« den Linden 57/53 erhältlich. Aus dem Leben. Kriminalistische Kleinigkeiten sie beleuchten wie Blihlicht die foziale Misere. Unbedeutende Entgleisungen auf dem Parkett unse rer aufladierten bürgerlichen Gesellschaft werden Tag für Tag beim Einzelrichter registriert und mit Freiheitsberaubung quittiert. Was fann schließlich der Richter dafür? Manchmal fönnte er schon was dafür. Es will fast so scheinen, als mache er von seinem Rechte, Bewährungsfrist zu erteilen, absichtlich allzu selten Gebrauch. Und doch ist sie ein hervorragender Regulator bei der Ungerechtigkeit der Paragraphen. Singen verboten. Er ist 33 Jahre alt, wegen Bettelns, das heißt wegen Singens bereits vorbestraft. Hat sich mit falschem Namen im Polizeibuch eingetragen, als er wieder mal wegen Singens auf dem Hofe ver haftet wurde. Er wird wohl gefürchtet haben, daß seine Borstrafen befannt werden fönnten. Der Fingerabdrud bieses Berbrechers verriet aber feinen wahren Namen. Das Urteil?! Für Singen, intellektuelle Urkundenfälschung usw. eine Woche Haft. Also nicht ohne Gewerbeschein singen! Gepädfragen verboten. Ein etwa Bierzigjähriger, luftig breinschauend, als stände er nicht vor Gericht. Angeklagt, den wilden Dienstmann gespielt zu haben. Ich trage nur von der Straßenbahn und mache beshalb den Dienstmännern feine Konkurrenz." Ein Gewerbeschein fehlt aber. Er arbeitet abends im Rummel, verdient dort aber nicht genug. Leidet an epileptischen Anfällen. Antrag: 20 Mart Geldstrafe. 4 Deutscher Metallarbelter- Verband Achtung! Buchstaben- Klempner! Montag, den 31. Auguft, nachmittags 5% Uhr, im Lotal von Pflug, Mustauer Straße 1( Ede 8eughofstraße): Versammlung aller in den Buchstabenbetrieben beschäftigten Kollegen. Tagesordnung: Die Notwendig teit des Zusammenschlusses der Buchstabenbranche". Es wird ersucht, überall für diese Berfammlung zu werben. Montag, den 31. Auguff, abbs. 7 Uhr, in der Cowen- Brauerei", Badstraße, Ede Hochstraße: Branchenversammlung aller midler und Widlerinnen. Tagesordnung: 1 Die neuen Bollgefege und die Auswirkung für die Arbeiterschaft". 2. Branchenangelegenheiten und Verschiebenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Reger Besuch wird erwartet. Bau-, Geldschrank- und Möbelschlosser! montag, den 31.Auguft, nachm.5Uhr, im Parterrefaal des Berbandshaufes, Linienſtr. 83/85: Tagesordnung: Unsere LohnRann ich nicht bezahlen!" Urteil: 10 mart oder zwei Tage Branchenversammlung Haft. Werden die vier Tage, die ich schon size, angerechnet?" Nein!" Hier wird die Geldstrafe zur Ungerechtigkeit. Sie ist nicht anderes als eine vertappte Haftstrafe. Zechprelleret. Schon einmal wegen Bechprellerei bestraft, arbeitslos, begibt er sich in die Kneipe, läßt sich zweimal Essen vorlegen, fragt bewegung. Die Bertrauensleute der ftreifenben und ausgesperrten Betriebe treffen sich um 4 Uhr im selben Gaal Ohne Mitgliedsbuch ein 8utritt. Die Ortsverwaltung. am Büfett, was er schuldig sei und will verschwinden. Da wird er Auf Teilzahlung gefaßt. Einige Lage Haft als Gerichtsquittung. Ja, ja, es geht auch nicht an, fich auf fremde Rosten zweimal Effen vorfeßen zu lassen. Der Dieb. Ein 37 jähriger Arbeiter, frant geschrieben. Krankengeld erhält er erst am achten Tage, 70 Mart Schulden, die Frau frant, vorbe ftraft. Die erste Strafe im Jahre 1923 verbüßt ein Jahr, das vielen fleinen Leuten verhängnisvoll geworden ist. Die Bergehen waren Hehleret, Unterschlagung, Kuppelei und Diebstahl. Die zehn Tage für den Diebstahl hat er im Juli abgesessen. Jetzt hatte er feinen Pfennig in der Tasche. Laubenkolonie. Ein Kind schaukelt vor der Tür. Er geht hinein in die Laube. Hofft etwas zu essen zu befommen. Niemand ist drin. Auf dem Tische liegt eine Brieftasche und eine Herrenuhr. Er nimmt sie an fich und wird ertappt. Rückfall. diebstahl! Ohne mildernde Umstände ist zwei Jahre Zuchthaus die mindest zulässige Strafe. Bei Anerkennung mildernder Umstände lautet sie auf drei Monate Gefängnis. Das Gericht entläßt fann. In zehn Tagen muß er die Strafe antreten. Möbel einz. Schränke, Bettstellen usw. komplette Zimmereinrichtungen zu billigsten Kassapreisen. Riesenauswahl. Tischlermeister Julius Apelt Mein Name bürgt für gute Arbeit Berlin SO., Adalbertstraße 6. ihn aus der Haft, damit er zu Hause seine Tingelegenheiten ordnen Berliner Elektriker( UOJ Die Unterschlagung. Cin junger Mensch mit ausgesprochener Intelligenz, mit ener gischer, männlicher Gesichtsbildung, 21 Jahre alt, aus dem Elsaß. Erhält durch den Arbeitsnachweis eine Anstellung als Portier mit 20 Mart Wochenlohn. Er ist abgerissen, das Gehalt scheint ihm zu gering.. Er geht am felben Tage mit 27 Mart durch, die er für die Wirtin eintassiert hat. Seitdem find acht Wochen ver. gangen. Er hat eine neue Anstellung gefunden mit 38 Mart Wochen. lohn. Er wurde aber verhaftet und steht nun vor dem Richter. Er bittet um eine Geldstrafe. Der Richter, ist verständig genug, sie zu gewähren. Er wird 40 Mart in monatlichen Raten abzahlen, Basdan Der schwere Diebstahl. Der 29 jährige Werkzeugdreher, noch unbestraft, ebenerft aus dem Krankenhaus entlassen, das Krankengeld noch nicht erhalten, wohnt zusammen mit einem Arbeitskollegen, der Arbeit hat. Schließt in dessen Abwesenheit den Schrant auf und entwendet zwei Anzüge und zwei Uhren. Er behauptet, zum Schrant feinen eignen Schlüssel gebraucht zu haben. Es bleibt die Frage: Schwerer oder einfacher Diebstahl. Der Kollege soll geladen werden. die Sache wird vertagt. Der Angeflagte wird in Haft behalten. Kam es denn wirklich in diesem Falle, wo ein unbestrafter und nicht gefunder Mensch vor dem Richter stand, darauf an, auf welche Weise der Schrank geöffnet wurde? ,, Die Kirche und das arbeitende Volk." " Die Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Verbände der deut schen Republit, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet in der ersten Septemberwoche eine große Anzahl von Werbeversammlungen für sirenaustritt und Beltligteit bes Schulwesens. Am Mittwoch, den 2. September, abends 7, Uhr, finden folgende Bersammlungen statt: Sophienfäle, Sophienstraße 17/18; Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24; Aula, Grünthaler Straße 5; Pharus- Säle, Müllerstraße 142; Cafino- Sale", Babbelallee 15; Rönigsbant, Große Frankfurter Straße 117; Erbes Festfäle, vormals Kitems Festfäle, Hasenheide 13/15; Schöneberg, Lindenpart, Haupt ftraße 13. Am Donnerstag, den 3. September, abends 7, 11hr: Spandau: Roter Adler( fleiner Saal), Potsdamer Straße; Steglig: Albrechts hof, Albrechtstraße( nahe Rathaus). Mariendorf: Aula des Gymnafiums, Kaiser. ftraße, Ede Rathausstraße. Briz: Beders Festfäle, Chauffeestraße. Johannistbal: Bartrestaurant, Stubenrauchstraße 12/13. Bernau: Gesellschaftshaus, Kaisers ftraße. Röntgental: Marg, Barwolfstraße. Lichtenberg: Schwarz, Sommer theater, Möllendorfstraße. Weißenfee: Aula, Boeldpromenade. Bantom: Konzerthaus( Rafinosaal), Breitestr. 24. Reinidendorf- Dft: Ramlows Kastanien wäldchen, Schönbola 14. Reinidendorf- West: Hartmanns Braueret, Scharn weberstraße 101/104. Borsigwalde: Piepers Festfäle, Konradstraße. Am Freitag, den 4. September, abends 7%, Uhr: Behlendorf: Lindenpart, Berliner Straße 8( fleiner Saal). Charlottenburg: Türkisches Belt, Berliner Straße 53. Straßenbahnrundfahrt. Die am letzten Sonntag stattgefundene Straßenbahnrundfahrt durch Berlin hat bei den Teilnehmern außer ordentlichen Beifall gefunden. Das Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin wird fortlaufend jeden Sonntag diese Rundfahrten wiederholen. Ausganspunkt: Leipziger Plaz( Berwaltungs. gebäude der Straßenbahnbetriebs G. m. b. h.) vormittags 11 Uhr. Teilnehmertarten beim Schaffner im Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin, provisorisches Bureau Dessauer Str. 1. Preis 4,50 mt. ( inklusive Mittagessen und Besuch des 300). Refordleistung des Großkraftwerkes Golpa- 3schornewitz. Am gestrigen Tage find durch das Brauntohlen- Großkraftwert Golpa3 hornewit, das bekanntlich Berlin mit elektrischem Fernstrom persorgt, zum ersten Male über 3 Millionen Rilowatt. st un de n mit einer Maschinenleistung von 140 000 Rilowatt erzeugt worden. Dies bedeutet eine technische Weltrekord. leistung, ba fein der öffentlichen Bersorgung dienendes Kraft. mert der Welt eine derartige Tagesleistung bisher aufzuweisen hat. Brandenburgischer Städtetag in Küftrin. Die Parteigenoffen, die als Delegierte am Städtetag teilnehmen, treffen sich zur Vorbesprechung am Donnerstag, den 3. September 1925, nachmittags 6 Uhr, im Restaurant Dilt, Plantagenftr. 58. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, vorm. 11 Uhr, Bappel allee 15, Vortrag des Herrn Dr. K. Sturm: Leben und Arbeit in der Gemeinschaftsschule. Harmonium: Intermezzo( Mascagni). Gäste willkommen. Englische und franzöfifche Sprachkurse. Die Anmeldungen zu den neuen Sprachfurfen der Sprachschule für Proletarier finden vom 1.- 5. September ( täglich von 5-8 Utr cbends) bei Genoffin e B, W. 50, Spichernstr. 16, Gartenhaus 3 Treppen statt.( Untergrundbahnhof Nürnberger Blah). Es werden neue Abendkurse( für Erwachsene) und Nachmittagsturse( für Stinder) eingerichtet. Teilnehmer mit Borkenntnissen tönnen jederzeit Mittel- bezi. Dberlurjen beitreten. Anmeldungen auch schriftlich. Genossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. 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August, verstarb nach langem schweren Leiden der langjährige Leiter des Tarifamtes der Deutschen Buchdrucker, unser Kollege Paul Schliebs im 68. Lebensjahre. Seine Verdienste um die Organisation und die Tarifgemeinschaft sind in aller Gedächtnis. Möge ihm die Erde leicht sein. Ein dauerndes Andenken bewahrt ihm für die Berliner Kollegenschaft. Der Gauvorstand Berlin. Die Beerdigung findet am Montag, den 31. d. M., nachm. 2 Uhr, auf dem Friedhof Berlin- Steglitz, Bergstraße, statt. Typographia! Die Sänger werden ersucht, möglichst zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Opernhaus 6 U.: Die Meistersinger Opernhaus am Königsplatz Geschlossen Schauspielhaus 8 Uhr: Jugend Schiller- Theat. Operettenspielzeit 8 Uhr 8 Uhr Lessing- Th. Metropol- Theater Die letzten Vorstellungen im Berliner Theater Zum 278. Male Anneliese v. Dessau Beginn 745 Uhr Theater am Nollendorfplatz Täglich 72 Uhr Die hellblauen Schwestern Romant von Operette Komische Oper 8 U. 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Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der Stinneskonzern und die Anderen Betrachtungen zur Liquidation des Stinneskonzerns. Jeder, der in den letzten Jahren im Ausland lebte, fonnte| organische Aufbau der deutschen Boltswirtschaft erfahren, daß taum eine Persönlichkeit ein so lebhaftes Intereffe iftauch durch die Schwierigkeiten anderer Unternehmungen, erweckte wie Hugo Stinnes. Die verwegensten Schäzun welche seinem Beispiel gefolgt waren, gestört, und dies muß gen seines phantastischen Reichtums fanden Glauben, nichts auch denjenigen sozialistischen Theoretikern, meistens Kommunisten, was er anpacte, schien unmöglich. Die Nachrichten, welche aus Anlaß zum Nachdenken geben, welche Stinnes als eine„ Lokomotive Deutschland tamen, ließen alle Borstellungen weit hinter sich. Neue der Weltgeschichte" geradezu positiv bejahten. Ideen auf technisch- konstruktivem und organisatorischem Gebiet Die deutsche Arbeiterschaft hat heute allen Anlaß, melancholische wurden ihm zugeschrieben. Bald erschien er schon als der Retter Betrachtungen über diesen Fall anzustellen. Die schwere Krise aus der politischen und wirtschaftlichen Not, schließlich ließ die auf dem Arbeitsmarkt, die wachsenden Schwierigkeiten der Sehnsucht nach dem großen Manne", der unausrottbare Drang zur Lebenshaltung zeigen nur zu deutlich, daß die Arbeiter und Anwahllosen Heldenverehrung sein Bild ins Ungemessene wachsen. Nach gestellten in der Krise schwer geschlagen werden, obzwar sie an dem Zusammenbruch Hitlers, Kahrs und Ludendorffs im November den Früchten der Hochkonjunktur nur geringen Anteil hatten. Es 1923 war er der einzige große Heros, auf dessen Genius man hoffte, wäre wirklich interessant, einmal zu berechnen, wenn das überhaupt dem weite Kreise des deutschen Voltes auch ihr politisches Echickjal möglich ist, wie viele Arbeiter im Dienste von Stinnes anvertraut hätten, wenn er selbstlos und anmaßend genug gewesen standen, und welche Lohnfummen er etwa seit dem Jahre wäre, die politische Führung in Deutschland zu beanspruchen. Welches 1916 bezahlte, und es wäre weiter nicht uninteressant, zu sehen, Glück für Deutschland, daß Stinnes politische Ambitionen in höherem wie weit diese Löhne hinter den normalen FriedensMaße nicht hatte, sondern in einer merkwürdigen Engigkeit Deutsch- löhnen zurückblieben, um zu schäzen, wieviel von seinen lands mit seinen Unternehmungen identifizierte! Unternehmungen er dem Zurückbleiben der Löhne hinter ihrem Deutschland war ihm nur wichtig, um sein Unternehmen aufzubauen, Goldwert verdantt. Dann würde man finden, daß Stinnes, wie ihm die Basis zu liefern. Allerdings sollte das Unternehmen dann alle Inflationsgewinner, ihr Vermögen aus dem Elend der so groß sein, daß es ganz Deutschland umfaßte. Wenn überhaupt Masse und der Vernichtung der fleinen Rentenetwas, so war dieses die Idee", welche allen seinen Handlungen vermögen aufbaute. Ein gigantischer Konzentrationsprozeß, zugrunde lag. welcher besonders in der Zeit schwerer Erschöpfung der ProduttiviUnermeßlich ist der Schaden, den Stinnes gerade tät nur gerechtfertigt werden kann, wenn diese den Unternehmern durch seine Tüchtigteit der deutschen Volkswirtschaft zugefügt hat. geschenkten Kapitalmaffen wirklich entsprechend, das heißt richtig, Die frisenhafte Lage, in welcher wir uns heute befinden, rational verwertet werden. Es zeigt sich aber heute, daß selbst die Schwierigkeiten, Kredite im Auslande für die Flottmachung Stinnes, der als genialer Unternehmer galt, die ihm geschenkten der Unternehmungen zu erhalten, hängen in entscheiden= Möglichkeiten nicht in der richtigen Weise zu nugen dem Maße mit dem Zusammenbruch des Stinnesmußte. Er hat in seiner maßlosen Machtgier das nüchtern solide Konzerns zusammen. Alle diejenigen, welche als freiwillige faufmännische Rechnen vergessen, er hat nationalen Reichtum, den Lobredner unseres wirtschaftlichen Heros um die Bewunderung des zu vermehren er sich brüstete, in der Tat verschleudert, anstatt die Auslandes für Stinnes warben, werden jetzt über die Wirkung ihrer inneren Kräfte des deutschen Wirtschaftskörpers zu steigern. Das Hymnen entsetzt sein. Im Ausland fragt man sich, wie es denn mit ganze deutsche Volt muß heute seine Unternehmer dafür zur Ver den kleineren Unternehmungen stehen könne, wenn selbst das Haus antwortung ziehen, daß sie seine Entbehrungen, feine er Stinnes wirtschaftlich zusammengebrochen sei? zwungene Sparsamteit in der Inflationszeit, die Mot und ben Hunger nicht zu nugen gewußt haben, um aus diesen Opfern ein wirtschaftlich richtiges Gebilde aufzubauen, sondern einen neudeutschen Pruntbau, der in seiner inneren Konstruktion, in seiner Ünwahrheit leider nur zu sehr wilhelminischen Charakter trägt. Darum ist es um so notwendiger, zu betonen, daß gerade der Konzern Stinnes, insbesondere durch die tollkühne Politik, welche nach dem Tode von Hugo Stinnes getrieben wurde, privatwirtschaftlich betrachtet, eine der labilsten Großunternehmungen war. Es geht aber auch nicht an, heute alle Schuld an den falschen Konstruktionen nur den Söhnen zur Last zu legen, welche schließlich die Richtung der Geschäftspolitik fortsetten, die der Vater begonnen hatte, und die nur von dem grenzenlosen Kredit Gebrauch machten, der sich ihnen darbot. Hugo Stinnes hätte schon zu Lebzeiten daran denken müssen, daß eine Inflationsfonjunttur nicht Don emiger Dauer sein tann, daß mit dem Moment der Stabilisierung alle Prämien verschwinden mußten, welche der deutschen Produktion seit dem Jahre 1914 so überreichlich gewährt murden. Die Prämien der Gratiskredite, der Kostenminderung durch bloßen Zeitablauf, der tief reduzierten Löhne mußten in der Stabilisierung verschwinden, und damit mußte der Bedarf nach Betriebskapital ganz außerordentlich steigen. Er mußte wissen, daß die Deflation das Gesicht der Wirtschaftskrise großen Stils zeige. Das Beispiel Desterreichs im Jahre 1922 lag vor uns. Je weiter die Entwertung um sich griff, desto heftiger mußte der Rückschlag in allen denjenigen Unternehmungen sein, deren Rentabilität nur auf der Geldentwertung beruhte. Auf diesen Moment hat aber Hugo Stinnes seine Erben offenbar nicht vor bereitet. Er glaubte fich außerhalb der ökonomischen Geseze stehend, er glaubte vielleicht, daß es bloß auf die Persönlichkeit antomme. Ein mystischer Romantizismus, ein Glaube an Magie in der Welt der Zahlen und Konten, genährt durch das mysteriöse Emporwachsen gigantischer Reichtümer in der Zeit allgemeiner sozialer Berfegung und wachsender Armut. So hat das Unternehmen derer von Stinnes schwere Schuld auch gegenüber der deutschen Wirtschaft auf sich geladen: Wenn heute der deutsche Kaufmann vergebens nach Krediten sucht, um notwendige Importe zu finanzieren, wenn die Banken in einer begreiflichen Vorsicht mit neuen Krediten sparsam sind und die Unternehmungen auf die Hilfe des Auslandes verweisen müssen, diese aber nicht zu erhalten ist, dann müssen alle diese an die Zeiten denten, in denen der Glanz des Namens Stinnes immer heller leuchtete, in denen jeder geächtet wurde, der es wagte, die Richtigkeit seiner Geschäftspolitik zu bezweifeln. In der Tat tamm ja dieser Konzern, wie es fich heute zeigt, die einzige wirtschaftliche Rechtfertigung, welche es für eine Massierung zahlreicher Betriebe geben fann, nicht für sich in Anspruch nehmen: er brachte teine größere Rationalität, fein durchdachtes System, fein Jneinandergreifen aller Glieder, feine gegenseitige Stügung. Die wahllose Zusammenfügung erinnerte nur zu sehr an das Zusammenraffen einer reichen Beute. Die verschwenderisch gewährten Kredite machten jede Erweiterung möglich, und niemand dachte daran, daß in normalen Seiten ein folches Sammelsurium von Betrieben ebensowenig Bestand haben fonnte, als das napoleonische Reich mit seinen auseinanderstrebenden heterogenen Staaten und Völkern. Aber diese Vorwürfe sind vielleicht nicht berechtigt? Vielleicht fonnte niemand anders handeln, als er handelte, vielleicht waren die Anforderungen zu hoch? Diese Frage möchte ich nicht ohne weiteres bejahen, weil ja auch andere Länder die günstigen Bedingungen der Inflationszeit ohne die Erscheinungen der deutschen Mammutfonzentration zeigten. Ich möchte sie insbesondere nicht bejahen für das Haus Stinnes, das alle Möglichkeiten einer rationellen Konstruktion hatte und sich außerdem in weitestem Umfang große Mittel in Devisen flüssig halten- und so für den Zeitpunkt der Stabili fierung wappnen fonnte. Statt dessen hat es große Teile der im Ausland erzielten Gewinne in ausländischen Unternehmungen investiert und sich so der Möglichkeit beraubt. fich jetzt selbst zu helfen. Aber wenn wir selbst die oben gestellte Frage bejahen wollten, was würde es anderes beweisen, als daß der Kapitalismus ein wirt schaftliches System ist, dessen Lenfer feine eigene Maschinerie nicht verstehen, und daß die Unternehmer heute das geringste Recht haben, mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Kapitalbildung niedrige Löhne zu fordern. Denn zunächst müssen sie Rechenschaft darmilliarden getan haben, welche ihnen die Inflation der über ablegen, was sie denn mit den ungezählten legten Jahre in den Schoß warf. Professor E. Lederer, Heidelberg. Die Finanzierung der keramischen Industrie. Uns wird geschrieben: " In der fein und grobkeramischen Industrie dehnt sich der Einfluß des Großtapitals immer mehr aus. Eine der Banken, die den größten Anteil an den Aktiengesellschaften der fein- und grobkeramischen Industrie hat, ist das Banthaus Gebr. Arnhold, Dresden- Berlin, mit feiner Unterabteilung Bant für feramische Industrie". Auch die Bank für Thüringen, vorm. B. M. Strupp in Meiningen, und die Dresdner Bant, die mit dem Banthaus Arnhold die Borzellanindustrie beherrschen, sind mit einigen grobferamischen Unternehmungen ver bunden, aber doch nicht in dem Maße wie Gebr. Arnhold. Dieses Institut ist der Finanzrüdhalt für eine Anzahl Aktiengesellschaften der Porzellan, Steingut-, Ton- und Steinzeug, Steatit- und Magnesia, Kachelofen und zeug, Steatit- und Magnesia, Kachelofen und anderer Industrien. 6 Schon im Jahre 1888 faßte es in der Keramindustrie Fuß, und war durch Umwandlung der Deutschen Tonröhrenfabrik in eine ittiengesellschaft, die den Grundstein zu dem großen feramischen Unternehmen der Deutschen Ton- und Steinzeugwerfe A. G. bildete. 1905 wandelte die genannte Bant die Beltener Ofenfabrik Richard Blumenfeld in eine Aktiengesellschaft um, tam damit in die Kachelofenindustrie, aus der sie sich 1925 noch die Keramik A.-G. in Velten angliederte und somit fast die gesamte Kachelofen und Tonwarenindustrie in Belten beherrscht. So hat sogar Stinnes den gesunden Konzentrationsprozeß, die Entwicklung der deutschen volkswirtschaftlichen Kräfte, die nach dem Kriege so notwendig war, gehemmt. Heute, wo feine Unternehmungen in die verschiedensten Hände kommen, fann Mit der Triptis A.-G. begann Arnhold im Jahre 1896 in der von planmäßiger Gruppierung gar nicht mehr die Rede sein. Der Porzellanindustrie seine Wirksamkeit, die sich im Laufe der 20.0 02. 90 6.9° Sonnabend, 29. August 1925 Jahre auf die Steingutindustrie und die sanitären Tonwaren ausdehnte. Als weitere feramische Gruppe ist die Steatit- und Magnesia industrie zu betrachten, die das Banthaus Arnhold mit der Steatit- und Magnesia A.-G. I. von Schwarz fast restlos beherrscht. Um ein geschlossenes Bild der finanziellen Machtstellung des Bankhauses Gebr. Arnhold zu geben, seien die wichtigsten von ihm fontrollierten Konzerne und Aktiengesellschaften der keramischen Industriegruppen aufgeführt. Die Deutschen Tons und Steinzeugwerte haben außer Rohstofflagern und werken Betriebe in Charlottenburg, Bettenhausen, Krauschwitz, Lugtwiz, Muskau und Freienwalde mit rund 2000 Beschäftigten; sie arbeiten mit einem Aktienkapital von 7165 000 m. Sie sind ferner mit 25 Broz. an einer Braunkohlengrube mit Britettfabrik und Ziegelei mit Gut beteiligt. Weitere Werte ähnlicher Art sind die wick werte in Grenzhausen mit 180 Arbeitern, die Filterfabrik in Garssen, die mit der Triptis M.-G. zusammenhängen, und die Tritonwerke in Hamburg, deren Aktienkapital eine Höhe von 2500 000 m. hat. Das Unternehmen steht mit der Deutschen Steinzeugwarenfabrit in Friedrichsfeld in Interessengemeinschaft, die vornehmlich Kunststeinröhren für Städtekanalisation herstellt. Die Steatit und Magnesiaindustrie A.-G. sett sich aus den Werken in Holenbrunn, Lauf und Nürnberg und den Spedsteingruben in Göpfersgrün zusammen, bei denen insgesamt 2800 Personen tätig sind, der Steatit- Magnesia A.-G. in Berlin- Pankow mit 200 und den Magnesiawerken in Berlin- Weißensee mit 60 Beschäftigten. Das Aktienkapital beträgt 3 250 000 m. Die Beltener Ofenfabrit A.-G. Richard Blumenfeld und die Keramik A.-G. Velten haben zusammen eine Belegschaft von 900 Mann und eigene Tongruben. Das Aktienkapital der Blumenfeld A- G. ist 1097 500 m. Bon den Firmen der Porzellanindustrie werden vom Banthaus Gebr. Arnhold( Bank für keramische Industrie) gestützt: die Aelteite Boltstedter mit 1945 000 m. Attienkapital, Feinsteingutfabrit Rößler mit 1 127 000 m. Attienkapital, C. M. Hutschenreuther mit 3 250 000 M. Attienkapital, die Triptis A.-G. mit 1632 000 m. Aktienkapital und C. Tielsch mit 2 000 000 m. Attienkapital, in deren 19 Werfen insgesamt 7000 bis 7500 Arbeiter und Arbeiterinnen tätig sind. Zu diesen aufgeführten Attiengesellschaften gehören noch: Ein Küchenmöbelbetrieb in Hildburghausen, eine Glanzgoldfabrit, eine Begmatitgrube, eine Maschinenfabrit, die Bahnfabrik Sagonia in Radeberg, Tongruben und Kaolinwerke, und an Auslands= besig zwei Porzellanfabriken in Finnland mit 700 Beschäftigten, eine Porzellanfabrit und Kaolinwerf in Böhmen und eine Lonwarenfabrik in Nordamerika. Bei der„ Keramag" fommen 4 Millionen Mark Aktienkapital in Betracht, von denen wir die Hälfte dem Bankhaus Gebr. Arnhold zurechnen, so daß dieses in der feramischen Industrie seinen Einfluß auf 26 Millionen Mark Attientapital geltend zu machen vermag, außer der Keramik Belten A.-G., den nicht keramischen Betrieben, Gesellschaften und den Auslandsunternehmungen. Die Arbeiterzahl dieser vom Banthaus Gebr. Arnhold, Dresden- Berlin, beeinflußten Unternehmungen läßt sich ungefähr auf rund 14 000 schätzen. Außer den genannten Aktiengesellschaften und Konzernen ist die genannte Bant noch im Aufsichtsrat folgender feramischer Werke Schamotte- und Tonwarenfabrit in Deslau, Deutsche Hume- Röhren vertreten: Ton- und Steinzeugwerfe Richter in Bitterfeld, Annawerf 2-6. in Berlin und Keramische Werte Raschig in Wahren. Aus dieser Darstellung ist zu erkennen, wie groß der Einfluß des Bankhauses auf die keramische Industrie insgesamt geworden ist, aber auch wie mit dem steigenden Einfluß die Konzernbewe= gung wuchs. Nach dem Konzern der Deutschen Ton- und Steinzeugwerfe tam der Hutschenreuther Konzern, danach der SteatitMagnesia- Konzern zustande, und neuerdings ist durch Blumenfeld und die Keramit A.-G. Belten der Weg zu einem weiteren Konzern der Kachelofenindustrie beschritten. Wann und wie er weiter ausgebaut wird, werden die nächsten Jahre lehren. -I. Rüdgang der Genossenschaftsbewegung. Zum erstenmal seit langer Zeit zeigt die Genossenschaftsbewegung im Monat Juli einen bemerkenswerten Rückgang; es sind nämlich mehr Genossenfanden. Aufgelöst wurden 260, neugegründet 243 Genossenschaften. Ichaften zur Auflösung gekommen, als Neugründungen stattDie Entwicklung dieser immerhin höchst bemerkenswerten Erscheinung findet ihre Erklärung darin, daß im Juli allein mehr als mußten, weil sie bislang die Umstellung von Bapiermarkrechnung 100 Genossenschaften für nichtig erflärt werden auf die Goldmarkrechnung noch nicht vorgenommen hatten. Es längst durch die Entwicklung der Inflation ft illgelegt, rechthandelt sich also dabei um Genossenschaften, die praktisch schon lich und statistisch aber immer noch als bestehend gezählt wurden. Die Entwicklung der Kreditgenossenschaften vollzog sich in anderer Linie. 97 Neugründungen stehen 34 Auflösungen gegender Auflösung verfielen, eine größere Anzahl davon im Wege der über, Konsumgenossenschaften wurden 4 neugegründet, während 26 Verschmelzung. In Konkurs gerieten 10 und unter Geschäftsaufsicht 4 Genossenschaften. Schleppender Geschäftsgang in der schlesischen Zemenfindustrie. Der nunmehr beendete neunwöchige Streit im Baugewerbe hat sich deutlich auch auf den Absaß der oberschlesischen Zementindustrie bemerkbar gemacht. Die Hereinnahme neuer Aufträge ist in der letzten Zeit mit nicht geringen Schwierigteiten verbunden gewesen. Für die Herbstmonate ist jedoch, vor allem wegen der zu erwartenden Aufträge aus dem Baugewerbe, mit einer starfen Belebung zu rechnen. Der Export von Zement stockt leider nach wie vor. Sin Pönnun lomon sinhmu... 7.9° 90 8% lagu ehe Sie diese Vereinigung von Preis und Qualität wiederfinden 8. 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Die Reichspost hat neue Bestimmungen über den Unterhaltungsrundfunt erlaffen, um durch weitere Erleichterungen eine noch größere Verbreitung des Rundfunks in allen BevölkerungsDie n kreisen und Landesteilen zu ermöglichen. Die Neuregelung tritt a m 1. September für das unbesezte Reichsgebiet in Kraft, während im besetzten Gebiet trotz aller Bemühungen und Berhandlungen die Einführung des Unterhaltungsrundfunks nach wie vor leider von der Besatzungsbehörde verhindert wird. Auch nach den neuen Bestimmungen ist nach wie vor nur der Inhaber einer besonderen von der Deutschen Reichspoft ausgestellten Genehmigung berechtigt, eine Funkempfangsanlage zur Teilnahme am Unterhaltungsrundfunk zu errichten und zu betreiben; für diese Genehmigung ist eine Gebühr von monatlich 2 RM. zu entrichten. Vorschriften über das zu verwendende Funkgerät bestehen fünftig nur noch insoweit, als andere Funkanlagen sowie die öffentlichen Zweden dienenden Telegraphen- und Fernsprechanlagen nicht gestört werden dürfen. Hiernach darf nunmehr jeder Rundfunkteilnehmer auch ungestempeltes Röhrengerät benugen, was bisher den Inhabern der Audion- Verfuchserlaubnis vorbehalten war. Der Rundfunkteilnehmer darf mit feiner Empfangsanlage den Unterhaltungsrundfunk im engeren Sinn und die„ Nachrichten an Alle" sowie die Wellen der Versuchssender aufnehmen; die Aufnahme sonstigen Funkverkehrs, insbesondere der Sonderdienste wie Presse und Wirtschaftsrundfunk ist verboten, da diese Dienste, die überdies nur für ganz bestimmte engere Kreise von Interesse sind, ihren besonderen Teilnehmern vertraglich vorbehalten sind. Aus den obigen Grundsäßen ergibt sich der Fortfall der bisherigen Bestimmungen hinsichtlich der Erteilung der Audionsversuchserlaubnis, ferner der Bestimmungen, die den Handel und die Herstellung von Funkgerät betreffen. Es ist zu hoffen, daß dies dem Handel eine lebhaftere Berbetätigkeit, namentlich in den bisher nur schmach am Rundfunk beteiligten ländlichen Bezirken ermöglichen wird, um so mehr, als die gerade hier meist erforderlichen Röhrengeräte fünftig ohne Einschränkung von den Rundfunkteilnehmern verwendet werden dürfen. An sonstigen Erleichterungen ist auf die Aufhebung der besonderen Gebühr für öffentliche Vorführungen hinzuweisen; für alle Rundfunkanlagen wird fünftig eine einheitliche Gebühr von 2 RM. erhoben. Die Gebühren werden wie bisher durch die Briefzusteller eingezogen. Jeder Teilnehmer hat ein für allemal zu erklären, ob er die Gebühren vierteljährlich, was die Regel bilden sollte, oder monatlich entrichten will. Die Mindestdauer der Gebührenpflicht von 6 Monaten ist fortgefallen; der Rundfunkteilnehmer fann fünftig durch schriftliche Erklärung seinen Austritt zum Ende eines jeden Kalendervierteljahrs, jedoch spätestens 5 Tage vorher, anmelden. Auf die bisherigen Rundfunkteilnehmer und Inhaber der Audionversuchserlaubnis finden die neuen Bestimmungen Anwendung, ohne daß es eines Umtausches der Genehmigungsurkunden bedarf. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten 5. Kreis Friedrichshain. Sonntag, 30. Auguft, gemeinsamer Ausflug nach Springeberg am Flatenfee. Treffpunkt Sonntag früh 9 Uhr Bahnhof Rahnsdorf( Nordfeite). Ab 1 Uhr Lotal Springeberg bei Woltersdorf. Nachzügler fahren bis Bahnhof Erfner. 10. Areis( Abteilungen 74, 75, 76). Seute, Sonnabenb, 7 Uhr Areisbelegierten. versammlung in Rehlendorf, Mielen, Potsdamer Straße. Tagesordnung: Aufstellung der Kandidaten zu den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. 13. Areis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Treffpunkt zum Waldfest der Soz. Arbeiterjugend" Sonntag nachm. 1½ Uhr Bahnhof Tempelhof. Fahrt nach Behlendorf- Mitte. Marsch zum Fischtalgrund. Die Kinderfreunde beteiligen fich hieran. Treffpunkt. 9% Uhr Berliner Ede Dorfstraße. 18. Kreis Weißensee. Fortsehung der Führung der Kommunalen Rommission durch Einrichtungen des 18. Bezirks. Führung: Gen. Stadtrat Müller. Treffpunkt 9 Uhr vormittags Park. Ede Rennbahnstraße. Bei schlechtem Wetter fällt die Veranstaltung aus. Morgen, Sonntag, den 30. August: 36. Abt. Familienausflug nach Springeberg am Flafenfee. Treffpunkt der Mitglieder mit ihren Familien Sonntag früh 8 Uhr am Schlesischen Bahnhof. Fahrkarten nach Mahlsdorf lösen. 84. Abt. Lankwik. Die Genossen werden ersucht, sich am Waldfeft der ,, Arbeiteringend" in Rehlendorf au beteiligen. Die Teilnehmer werden von 9-13 Uhr am Bahnhof Zehlendorf- Mitte ermartet. Junasozialisten Neukölln. Treffpunkt früh 9 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Fahrt nach den Rauenschen Bergen. 93. Abt. Neukölln. Montag, 81. Auguft, 7½ Uhr bei Wolf, Kirchhof. Ede Wipperstraße, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die Bedeutung der Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. Referent: Genoffe Harnisch, M. d.2. Die Bezirksführer laden hierzu ein. Jugendveranstaltungen. Jugendchor und Gruppe Weißenfee treffen fich morgen, Sonntag, vormittag 8 Uhr pünktlich am Botsdamer Bahnhof vor der Freitreppe zur Fahrt nach den Reiherbergen bei Golm. Borsigendenkonferenz heute, Sonnabend, 29. Auguft, 7½ Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. 3. Ohne Ausweis und Mitgliedstarte fein gutritt. Bildungsausschus und Werbebezirksleiter! Heute, Sonnabend, 5% Uhr, Sigung im Lesezimmer des Jugendheims Lindenstr. 3. Uckrus. Lantwis: 1. Gemeindeschule, Schulstraße. Vorstandssigung beim Genossen Morgen, Sonntag, den 30. Auguft: Faltenberg: Am Falfenberg 117. Lichtbildervortrag, Jugendwandern. Werbebezirk Teltowkanal: Waldfeft in Rehlendorf( Fischtalgrund). Beginn Südwest: 10 Uhr. Nachzügler 143 Uhr am Bahnhof zur Rundgebung. Lindenstr. 3. Fahrt ins Blaue: Treffpunkt 17 Uhr Blücherplag. Das Jugendheim ist abends geöffnet. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 87/38, Sof 2 St. Kameradschaft Tiergarten. Fürstenwaldefahrer 5% Uhr Gozkowsky brücke. Tambourkorps 5 Uhr bei Berger. Friedrichshain. Sonntag, 30. Auguft, nachmittags 2 Uhr, Antreten in Lichtenberg, Türrschmidt. Straße 33, zur Teilnahme am Strandfest der Lichtenberger Romeraden. Trommler und Pfeiferkorps tritt vollzählig an.- Kreuzberg. Sonntag früh 7½ Uhr Treffen der Kameradschaft und des Tambourtorps am Schlesischen Bahnhof, Gidseite, zur Pflichtfahrt nach Fürstenwalde. Fahrgeld hin und aurüd 2, M.- Die für Montag angefündigte Mitgliederversammlung bei Fürstenwalde fahren, treffen sich nachmittags 3 Uhr zum Lichtenberger StrandEwald ist nur für Blod 11. Kameraden, die am Sonntag nicht nach feft bei Schonert am Rummelsburger Gee. Echöneberg- Friedenau. Antreten der Kameradschaft zur Fahrt nach Neuftrelik Sonnabend 5 Uhr Bahnhof Ebersstraße. Nachzügler Stettiner Bahnhof. Abfahrt 6,45 Uhr. Wilmers dorf. Hur Fahrt nach Annahütte steht ein Auto mit Berded zur Verfügung. Abfahrt Punkt 6 Uhr Fehrbelliner Plak. Lichtenberg nebst Untergruppen. Sonntag, 30. August, nachmittags 3 Uhr, im Bergnügungspart von Schonert am Rummelsburger See Republikanisches Strandfeft: Borträge, Tanz und Ueberraschungen. Eintritt 50 Pf. Republikaner willkommen. Pankow nebst Untergruppen. Montag, 31. August, 8 Uhr, Turnen in der Turnhalle Wollant straße. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Wer bis Montag Material Aum Großdeutschen Tag nicht abgeliefert hat, muß diefes voll bezahlen. Gämtliche Mitgliedstarten müssen in Ordnung gebracht werden, da dieselben ab 1. Oktober meds Umtausch eingezogen werben. Wer bis 15. Oktober feine Rarte nicht abgegeben hat, wird nicht mehr als Mitglied geführt. Die Bis"( Bereinigte Uebungsstätten jüdischer Sportverbände) veranstaltet " am Sonntag, 30. Auguft, auf dem Blak bes Berliner Sportklubs ihr 2. Werbe fportfeft. Die Entscheidungskämpfe beginnen um 3 Uhr. Freie Hochschule. Dienstag, 1. Geptember, 84 Uhr, Neue Schönhauser Straße 10, im Vegetarischen Speisehaus. Dr. Stalde: Thema Die neus deutsche Geiftesgeschichte als Schidfalsweg zur menschlichen Freiheit". Mitt woch, 2. September, 8 Uhr, Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/17. Dr. med., jur., phil., dent. Hammer: Freie Diskussion über das Thema: Jugendfünden und Geheimlaster der Knaben und Mädchen". Gäste haben Zutritt! Verband Volksgesundheit, Ortsverein Berlin. Am Sonnabend, 29. August, nachmittags 5 Uhr, Treffpunkt zur Blumentalwanderung am Schlesischen Bahn hof, Wriezener Bahnsteig. Sonntagrückfahrkarte Tiefensee lösen. Nachzügler treffen fich um 8½ Uhr am selben Ort. Schuh- Produktiv- Genossenschaft 1920. Montag, 31. August, 8 Uhr, bef Moor, Lichtenberg, Neue Bahnhofstr. 28, Mitgliederversammlung. dip Arbeitersport. Arbeiter- Sport- Kartell 9. Bezirk. Montag, 31. Auguft. im Turnerheim außerordentliche Generalversammlung. Anfang pünktlich 8 Uhr. Großes Arbeiter- Fußballwettspiel in Neukölln! Etern I( Marienfelde) und Rüftig- Bormärts I( Reukölln) treffen sich am Sonntag, 30. August, zum fälligen Verbandsspiel. Gespielt wird auf dem Städtischen Sportplag in Neukölln, Grenz- Allee, nahe Cimbriaplak. Borher, 3,25 Uhr, Stern II gegen Rüftig. Vorwärts II. Um 1,30 Uhr MGC. II gegen Rüftig- Vorwärts III. Das Jugendfpiel findet um 10 Uhr auf dem Städtischen Sportplag Innstraße statt. Straßenbahnverbindung mit den Linien 11, 15, 47, 52, 95, 98, 148 bis Köllnische Seide oder Grenz- Allee. Sportklub Rüftig- Borwärts 1913, Neuköln, Mitglied der Märkischen Spielvereinigung des 1. Kreises. Sigung der Männermannschaften jeden Freitag abend 8 Uhr, der Jugendmannschaften jeden Mittwoch abend 7½ Uhr im Bereinslokal von Fr. Runge, Nachf. Thormählen, Neukölln, Herkbergstr. 22. Neue Mitglieder werden in den Sizungen aufgenommen. Der Verein veranstaltet am Sonnabend, 5. September, im großen Gaal des Restaurants Karlsgarten, Neukölln, Karlsgartenstraße Ecke Wikmannstraße, ein großes Serbstvergnügen. Anfang 7½ Uhr. Eintritt 1, M. 1. Kreis. Turnersparte. Siguna der Kreistechniker bei Ottmann, Dresdner Straße 105, heute abend 7 Uhr. Bezirksmännerturnwarte find hierdurch gleichfalls eingeladen. Tagesordnung: Veranstaltungen, Vorturnerstunden, Kreisfeft ufm. Arbeiter- Radfahrer- Berein Groß- Berlin. Gonnabend, 29. August, abends 8 Uhr Freienwalde. Sonntag, 30. Auguft. nachmittags 1 Uhr, BiesdorfSüd( Waldfrieden). Start Mariannenplas Ede Waldemarstraße. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 28. Auguft. 1. Rennen: 1. Parillia D.( F. Schulz), 2. Etatshöferin( Weidner jr.), 3. Angora( H. Grube). Zoto: 80: 10. Plat: 19, 14, 13: 10. Ferner liefen: Benedict, Dilemma, Burgritter, Langemann, Armenier, Sylvia Stout, Dolerit. 2. Rennen: 1. Frida Magowan( J. Mills), 2. Manrico( E. Treuherz), 3. Heroitrat( B. Hedert). Toto: 54: 10. Blag: 17, 13, 14: 10. Ferner liefen: Magoman jr., Eitelfried, Lebenskünstler, Edelreis. 3. Rennen: 1. Hochfels( Staubper), 2. Torrero( Hans Schleusener), 3. Königsadler( G. Lautenberger). Toto: 79: 10. Platz: 19, 36, 28: 10. Ferner liefen: Sardanapal, Barmaid, Delos, Natalis, Exzellenz, Interessent, Zumbi, Blaue Adria, Lodung, Handschlag. 4. Rennen: 1. Clematis blaut(. Grube), 2. Baron Alatawah 3. Mary H.( Jauk jr.). Toto: 123: 10. Platz: 16, 19, 13: 10. Ferner liefen: Bechfacel, Ebonit, Rammersänger, Fürst. 5. Rennen: 1. Kronprinz I( W. Nößler), 2. Renz I( Elias), 8. Linsko ( Th. Regli). Toto: 205: 10. Platz: 46, 21, 28: 10. Ferner liefen: Fiskus, Regter Mobilaner, Mädel, Erster Wolfersomer, Bovan, Angriff. 6. Rennen: 1. Fels( J. Mills), 2. Addie( Jauß jr.), 3. Ritthschor ( Knöpnadel jr.). Toto: 36: 10. Blaz: 11, 12, 16: 10. Ferner liefen: Joll, Michelangelo, Feuerwehr, Carleta. 7. Nennen: 1. Cleo Batts( Jauß jr.), 2 Jeffries jr.( W. Lemzer), 3. Peter Harvester( H. Grube). Toto: 39: 10. Plat: 23, 58, 27: 10. Ferner liefen: Sybill, Diagonale, Baron Arworthy, Karl Alexander, Ludmill I, Fenelon, Buchdruder, Importation, Della, Fafner J. 8. Rennen: 1. True For( Jauß jr.), 2. Bechfadel( Knöpnadel jr.), 3. Wildfate( H. Grube). Toto: 17:10. Plag: 13, 18: 10. Ferner liefen: Alpenfer, Heidemann. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Troden und vielfach heiter. Für Deutschland. Im äußersten Nordosten vielfach bewölft. Sonst meist heiter. 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Herrenhosen normalfarbig, mit Ueberschlag, 3 Größen 1.85 Herrengarnitur Beinkleid, mit gutem Satin- Besatz, 3 Größen 5.90 Damenschlupfhosen mit angerauhtem Futter. Jacke und ' இ.டுடுடுடுடுடுடு..... JANDORF Bettwäschestoffe ca. 80 cm • Louisianatuch breit Meter 0.85 Linon.... Kissenbreite Meter 0.98 Linon... Deckbettbreite Meter 1.65 Bett- Satin Kissenbreite, Meter 1.45 Bett- Satin Deckbettbreite, Mtr. 2.45 Bett- Damast Kissenbreite Bett- Damast DeckbettMeter 1.65 breite. Meter 2.65 Lakenstott ca. 145 cm breit, Mtr. 2.25 Lakenstoff Halbleinen, vorzügl. Qualität Meter 2.45 Hemdentuch 0.85 Mako- Imitat 0.98 starkfädige Ware, ca. 50 br., Mtr. besonders schöne Qual., Meter Gardinen Tüllgardinen gee, Meter 0.95 gewebt, volle Breite Gardinen- Mull gepunkt und ca. 115 cm breit Madrasstoffe gestreift, Meter 1.15 dunkelgrundig, ca. 130 cm, Mtr. 2.95 Künstlergardinen gewebter mit Volant Tall Fenster 11.75 Etamin mit Volant, Bettdecken Eber 2 Betten: 8.75 Baumwollwaren 1.65 Rohnessel ca. 80 cm breit. Meter 0.58 Hemdenflanell Bwf, helle Streiten, Mtr. 0.78 Bettzüchen Kissenbreite, Meter 0.95 Rohnessel ca. 140 cm breit Meter 1.58 Inlett glatt und gestre: ft, Kissenbreite Meter 1.65 Inlett glatt und gestreift, Deckbettbreite . Meter 2.75 Belle Alliance- Str. Gr. Frankfurter Str. Brunnenstr. Kottbusser Damm Wilmersdorfer Str. Sonnabenö 29. August? 925 Mnterhalwng unö �Nissen Settage ües vorwärts Der käsig. (Nach den Papieren eines Zuchthäuslers.) Von Max Barchel. Ich wurde auf den Namen Friedrich getauft, aber mein Leben war nicht friedereich. Mein Vater war krank, und das Elend war immer bei uns, schlief mit in den armen Betten, sah und oß mit am Tisch, verließ uns nimmer. Ueber meiner Kindheit steht ein schwarzer Schatten, ein müder, totkronker Mann mit flatterndem, weißem Haar um kahlen Kopf: mein Vater. Der Kopf meines Baters war ein Schlachtfeld. Neunmal wurde er operiert. Die letzte Operation machte ihn halb taub und halb blind. Wir waren sechs Geschwister, sechs hungrige Mäuler, die der Mutter das Brot weg- aßen und doch niemals satt wurden. Man hat das Schicksal sehr oft mit einer Wage verglichen, in deren ewig schwankenden Schalen die Menschheit zwischen Licht und Schatten taumelt, mir erscheint es vielmehr wie eine grausame Leiter, die auf den Leibern von wimmernden Millionen wachst und sie in blutigstes Elend stampft. Da unten leben wir, da unten wimmeln wir, da unten verkümmern wir, und wenn doch einer aus dem Schmutz kommt und mit zitternden Händen die Leiter faßt, da saufen die Peitschen der Gerechtigkeit, denn gerecht sind heute jcne, die oben im Licht stehen und vom Blute jener leben, die leiden und sterben müssen. Ich habe geschrieben, daß der Kopf meines Vaters ein Schlacht- seid war. Ich will nicht die vielen Kriege und Niederlagen auf- zeichnen, die der alte Mann im Leben erlitten hat, ich will nur ein Bild beschwören, das immer vor meine Augen tritt, wenn ich sie schließe, das dunkel blutet, wenn ich meiner Kindheit gedenke. Der Vater war wieder einmal im Krankenhause und hatte nun die neunte Operation überstanden. In der Zeit, als er zwischen Leben und Tod schwebte, starben ihm zwei Kinder. Weil dieser Schlag ihn gefällt hätte, schwieg die Mutter bei ihren Besuchen. Meßt die Tiefe eines Mutterherzens aus, die stumm bleibt, wenn ihre Kinder sterben! Einmol aber konnte der Tod nicht mehr ver- schwiegen werden. Das war an dem Tage, als der Vater nach Hause kam, nach Hause in die kahlen Stuben, in die Totenkammcr seiner Kinder. Der Vater konnte nicht sprechen. Weiße Binden verhüllten den Kopf. Die Begrüßung war stumm. Die Augen der Mutter waren wie Kerkerzellen, in denen die Verzweiflung lauert, die des Vaters aber wie zwei Tiger, die ihre Kinder suchen. „Tot!' schrie die Mutter,„tot, die Kinder sind tot! Alle tot!' als sie die Augen des Vaters sah und stürzt« zusammen. Der Vater war halb taub, aber den Schrei hörte er doch. Seine Augen er- starrten plötzlich, verloren den Glanz, waren nur noch schwarze, kalte Kugeln, die im weißen Gesicht rollten, und plötzlich fiel er lautlos neben die Mutter hin. Er schlug mit dem Kops aus den Fußboden auf. Das Blut sickerte durch die Verbände. Es war grauenvoll. Wir waren noch kleine Rinder und wußten nicht aus und ein, aber Meto, die älteste Schwester, kam rasch zur Besinnung und Holle Hilfe. Aber was ist die Hilfe, die keine Toten lebendig machen und keine Verzweifelten trösten kann? Der Dater lag in hitzigen Fiebern und mußte in das Krankenhaus zurück, die Mutter durfte nicht krank werden, sie mußte ja für uns arbeiten. Und sie hat gearbeitet, sie hat sich abgehetzt und abgemüht. Man müßte ein neues Wort für ihr Heldentum erfinden, ein Wort, das schön und schmerzlich ist wie eine rosenumblühte Dornenkrone. In großen Romanen werden oft die seelischen Schmerzen der reichen Leute beschrieben und die Schriftsteller verwenden viel Mühe, um die Oucllgründe eines tränenreichen Tages, den ihr Held erlebt, aufzudecken. Wenn es hochkommt, sind die Leiden jener Ro- nianfiguren nur hitzige Leidenschaften. Sie zerfielen in schwarze Asche, wenn der Kamps ums Brot, der harte Krieg ums Dasein dazu käme. Ueber meine Mutter werden keine Romane geschrieben, sie war ja nur eine arme Putzfrau auf einem Berliner Gericht. Jeden Morgen halb fünf Uhr begann ihr Tagewerk und dauerte bis in die neunte Stunde abends, die vier Stunden Mittagspause abgerechnet. Rechnet euch aus, wieviel Stunden diese Frau in den 27 Iahren, die sie dem Gericht diente, aus dem schmutzigen Boden liegen mußte, um den Bisten Brot zu verdienen. Ich habe später selbst vor Ge- richt gestanden und weiß, wie schmutzig der Boden ist, über dem die Schreiber und Richter thronen, weiß, wie tödlich die Staub- wölken sind, die aus den Akten aussteigen.... Das war meine Mutter. Sie war wie in einen großen Käfig 57 Jahre lang eingesperrt. Die Angst um das Brot saß ihr wie ein Strick um den Hals. Und wer diesen Strick fühlt, kann nicht lachen und fröhlich fein. Der ist verflucht. Auch in den freien Mittagsstunden mußte die Aermste arbeiten. Wir wohnten in einer Mietskaserne mit drei Höfen und vier Aufgängen. Und die Mutter, die ja beinahe gelernte Putzfrau war, übernahm es in ihrer küm- merlichen Freizeit, diese vier Aufgänge zu säubern. So wuchsen wir auf. Bis zum lZ. Jahre besuchte ich die Schule. Ich habe gut gelernt, aber am besten lernte ich vom Leben. Bald gab es keine Geheimniste mehr für mich. Ein Kinderparadies habe ich nie ge- könnt. Aber Hunger und Armut. Die Gesetze sind von den Menschen gemacht, die niemals ge- hungert haben. Wer immer satt ist, kann leicht ein braver Mensch bleiben. Die Leute mit dem Gesetz in der Hand haben die ungleich verteilte Well zu behüten und zu beschützen. Sie vertreten den Staat, die Gesellschaft. Millionen tief unten im Dunkel, in den Hinterhöfen, in den Spelunken. Gefängnissen und Zuchthäusern haben keine Jugend gehabt. Sie sind darum bestohlen worden. Und nicht nur um die Jugend. Wenn man das erkannt hat. bleibt das Herz nicht mehr ruhig. Da beginnt es zu rasen. In der Jugend gibt es eine Zeit, in der alle unterdrückten Be- Vierden erwachen. Tage, in denen das kleine Herz zwischen Wollust und Entsetzen taumelt. Das ist die Zeit, in der sich das Kind das Vorenthaltene selbst nimmt und stiehlt. Auch ich habe in jener Zeit gestohlen. Ein Freund beredet mich einmal kurz vor Weihnachte». mit ihm in ein Warenhaus zu gehen und von den vollen Tischen Vostkarten zu nehmen. Das tat ich auch und ich fühle jetzt noch die heißen Blutstöße in meiner Hand, als ich die Karten ergriff. Von zu Hause hatte ich einen Kasten gehott. in dem sonst die Messer und Lössel lagen. Jetzt war ich Hausierer mit Postkarten, den Strick um den Hals und verkaufte Postkarten. Das Geld gab ich der Mutter. „Woher hast du das Geld?" fragte sie. 2n ihrer Stimme zitterte Bewunderung und Angst. „Ich habe am Bahnhof Pakete getragen," antwortete ich. Die Mutter freute sich. Ich ließ ihr die Illusion. Die Wahr- hell durfte ich nicht sogen— was ist Wahrheit?—. aber das weiß ich. die Mutter hätte mich selbst dem Gericht angezeigt, aus dem sie den Staub auf dem Fußboden aufwischte. Auch das war Illusion oder Lüge: lieber hungern, aber ehrlich bleiben. Ich kenne viele Menschen, die nicht hungem und nicht ehrlich sind. Die Moral von der Ehrlichkeit ist auch so Gesetz, von den Betrügern für die Be- trogenen gemacht. Damit will ich nicht den Diebstahl verteidigen, er verteidigt oder widerlegt sich selbst, bei den Armen durch das Gefängnis, doch bei den Reichen durch de» Erfolg und das Auto; ich will nur damit sagen, daß meine Mutter noch die Hand küßte, die sie in den Staub der täglichen Arbeit zwang. Als ich zum zweitenmal Karten stehlen wollte, wurde ich er- wischt und angezeigt. Ich bekam einen Verweis. Als das die Mutter erfuhr, schlug sie mich. Ich höre noch ihre wilde Sttmme. hanöel unö Wandel. _ 7_« „Bein, mein Kind. Aleisch ist heukzulage nur noch zum Geldverdienen da—" „Solche Pakete also trägst du?" schrie sie mich an.„Solche Pakete? Wenn der Vater gesund wäre, er schlüge dich tot!" Der Dater war nicht mehr gesund. Er dämmerte nur so hin und starb jeden Tag ein Stück. Gestohlen habe ich in jener Zeit nicht mehr. Von einem Kameraden kaufte ich einmal für den Vater ein Taschenmesser. Das Messer war gestohlen, aber das konnte ich nicht wissen. Als der Kamerad zum zweitenmal Messer stehlen wollte, wurde er gefaßt und verhört. Dabei gab er an, mir ein Messer vertauft zu haben. Und was bis jetzt Tragödie war, wurde zur Komödie: nach einer Verhandlung vor demselben Gericht, auf dem die Mutter die Fußböden auswischte, wurde ich wegen Hehlerei zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt! Am nächsten Tage wischte sie die Tränen auf, die sie bei dem Urteilsspruch geweint hatte. Ich war 13 Jahre alt, als ich zum erstenmal ins Gefängnis kam. Wegen Hehlerei. Was weiß ein Kind von Hehlerei! Die Gesetze müssen von alten Leuten gemacht sein, die ihre Kindheit und Jugend längst vergessen haben. Von dem Tage an war ich ge- zeichnet. Ich habe gelesen, daß früher in Frankreich die Bagnosträs- lingc mit glühendem Eisen gebrandmarkt wurden. Wir leben in einer humanen Zeit. Auch damals schon sprach und schrieb man vom„Zeitalter des Kindes". Das weiß ich gut, jdnen Bagnosträs- lingen n,ag nicht so sehr das Herz gezittert haben, als das Feuer ihr Fleisch röstete, wie mir, als ein grober Wärter mich in die Zelle einschloß. Das Gefängnis bessert nicht. Das Eingesperrtsein niacht böse und verbittert. Vielleicht wäre noch alles gut gewesen, wenn meine Dummcjungenstreiche verständnisvolle Richter gesunden hätten. Das Gefängnis verwirrte und verwilderte mich. Später habe ich die verfluchte Maschine der Justiz noch oft klappern gehört und, wenn auch mit zusammengebissenen Zähnen, ihre Mechanik be- griffen, doch als Kind war ich den Tagen und kalten Nächten hilflos ausgeliefert. Ich fühlte mich unschuldig und war auch unschuldig. Ich hätte es vielleicht velftanden, wenn die Richter mich wegen des ersten Diebstahls verurteilt hätten, ich hätte die eisernen Gitter vor den Fenstern begriffen, die aus den heißen Blutftößen empor- gewachsen wären, aber unschuldig, unschuldig, als Kind den Wärtern ausgeliefert, den Wärtern und dem Gefängnisgeistlichen, der meine „Seele" retten wollte. Auch diese zehn Tage gingen vorüber und ich war frei. Der Vater lag wieder im Krankenhause und stand vor der zehnten Operation. Sie machte ihn blind. Die Mutter weinte und verzieh. Die Kameraden bewunderten oder verachteten mich. Der Lehrer war kühl und abweisend zu mir. Das Leben ging weiter und verwischte die Erinnerung an dos Gefängnis. Ich war ja noch so jung. Wenn auch dos Brot zu Hause knapp war. es war doch Brot und schmeckte gut. Die Mutter ging aufs Gericht und fegte die Fußböden. Der Vater war operiert und blind geworden. Viele Male habe ich über mein Schicksal nachgedacht und glaube, jenem furchtbaren Gesetz auf der Spur zu sein, das mit grausamer Sicherheit diesen und jenen verdirbt und den anderen glücklich macht. Wie man oft beobachten kann, folgt in manchen Tagen ein Unglück dem anderen, in der Fabrik, aus der Eisenbahn, in der Grube, im Krieg, in irgendeiner Familie. Es ist, als häufe sich die Summe allen Unglücks an dem einen Tag und drücke seinen glühenden Stempel auf das Opfer. In jenem höllischen Feuer, mit dem die Bagnosträflinge des Schicksals gebrandmarkt werden, glühte auch mein Eisen und fraß sich in den folgenden Iahren in mein Fleisch. Es gibt keine geborenen Verbrecher. Sie sind immer nur ein Protest gegen die mißratene Gesellschaftsordnung. Der Krieg, der von den sogenannten Verbrechern gegen die Gesellschaft geführt wird. ist ein verlorener Krieg. Wie die Gesellschaft ihr Herz mit Bessemer- stahl gegen das menschliche Elend panzert, also panzert und sichert sie auch ihren erräuberten Besitz mit den Bastionen ihrer Zeit, den Zuchthäusern und Gefängnissen. Ich weiß nicht, ob viele Menschen eine Leidenschaft für das Radfahren haben. Als Knabe war ich ganz verrückt darauf, mit starken Füßen die Pedale zu treten, die Lenkstange in den Fäusten zu halten und mit offener Brust gegen den Wind zu fahren. Als Kind habe ich niemals Märchen gelesen, dazu war unser Hinterhos zu grau und mein Wissen vom Leben zu groß, aber mein erstes Märchen erlebte ich auf dem Fahrrad meines Freundes, als ich durch die blanken Straßen sauste. Mädchen kreischten, alte Leute liefen geschwind nach dem Bürgersteig, Pferde scheuten vor dem hellen Schrei meiner Klingel, ich ahnte, wie frei und beschwingt die Vögel waren, die am Rande der Stadt flatterten. Immer wollte ich rodfahren und sah mich schon als Depeschenbote der Post durch die Straßen fliegen und wichtig« Telegramme austrogen. Ja. ich wollte Depeschenbote werden. Neben unserem Haus war ein Postamt. Vor ihm standen oft die gelben Räder der Boten. Vorn an der Lenkstange glänzte der kaiserliche Adler. Eines Tages kam ich auf die Idee, mit solch einem Rad mit meinem Freund Ernst um die Wette zu fahren. Viele Male fuhr ich mit dem gelben Rad und blieb der Sieger, aber eines Tages wurde ich doch von einem Postbeamten entdeckt. Das Eisen in jenem heißen Feger des Unheils, von dem ich schon ge- sprachen habe, glühte nach meinem Fleisch. Aus dem Lustspiel wurde ein Trauerspiel. Der Postmensch glaubt«, ich wolle sein Rad stehlen und hetzte mir mit großen Sprüngen nach. Ich war ein guter Fahrer und hätte fliehen können, doch ich spiette ja nur, und als ich den schreienden Mann hörte, versagten meine Füße. Noch war Rettung: schnell zurück zur Post, aber da hatte mich der Mensch erreicht und stieß mich vom Rad. „Habe ich dich endlich, du Dieb!" Mein Gesicht muß sonderbor ausgesehen haben, denn plötzllch lachte mein Verfolger. Mtt festem Griff packte er meinen Arm, übergab sein Rad einem Kollegen und schleppte mich zur Polizei. „Da haben wir den Dieb," sagte er. „Nein, nein," antwortete ich schnell,„ich wollte da» Rad nicht stehlen, ich habe mit Ernst nur um die Wette gefahren." »Das kannst du dem Gericht erzählen," sagte der Beamte, der mich vernahm und lachte wie der Postmensch. _(Schluß folgt.) Teer, eine Zauberquelle. Aus der schwarzen, klebrigen und ekligen Masse de» Stein- kvhlenteers, den jeder kennt, werden bekanntlich nicht nur die schönsten Forben der Seidenstoffe, sondern noch viele andere wert- volle und schöne Sachen hergestellt. Die chemische Wisienschast Hot es fertiggebracht, hier wahre Wunder aus dem unscheinbarsten Stosf der bei der Herstellung von Gas aus Kohlen zurückbleibt, hervos» zuzaubern. Professor Hoffmann erfand aus Teer die in der ganz«*, Welt berühmten Anilinfarben, und Professor Liebermonn ergätV« diese Erfindung durch die sogenannten Alizarinsarben. Wenn der schmutzigste Stosf dazu dient, die zartesten und duf- tigsten Farben wie Himmelblau und dos saftige Grün der Wiesen zu liefern, so wird es nicht mebr wundernehmen, daß auch noch andere schreiende Gegensätze in. dem gleichen Stoff enthalten sind. Bekanntlich zeichnet sich Teer sehr unvorteilhaft durch seinen üblen Geruch aus. Und gerade aus diesem übelriechenden Stosf werden fast alle die wunderbaren Wohlgerüch« gewonnen, die wir in unseren Seifen und Parfüms wahrnehmen und die uns als ein Extrakt des Dustes der Blumen erscheinen. Niemand wird wohl ahnen, daß die Dustwolken, die unserer Nase schmeicheln, durch die Kunst der chemischen Auflösung im wissenschaftlichen Laboratorium aus dem stinkenden Eteinkohlenteer gewonnen wurden. Noch eine Reihe anderer, für den täglichen Gebrauch wichtiger Artikel aller Art, deren Ursprung jeder kennen sollte, sind aus dem gleichen Stoff hergestellt. Zum Schutze gegen die Motten wird Naphtalin verwandt. Auch dieses wichtige Schutzmittel entstammt dem Teer. Desgleichen das bekannte Süßmittel Saccharin, das wir alle aus dem Kriege kennen, wo es uns den fehlenden Zucker ersetzte und ein großes Hilfsmittel als Ersatz des Zuckers war. Denn es ist nur ein durch die starke Süßwirkung geeigneter Ersatz. Die wichtigste Eigenschaft des Zuckers, der große Nährgehalt, fehlt ihm. Darum wird" man im allgemeinen den Zucker nicht entbehren dürfen und ihn durch Saccharin ersetzen, denn man würde dadurch dem Körper viele wichtige Baustosfe entziehen. Dogegen ist das Saccharjn für die sogenannten Zuckerkranken, die keinen Zucker genießen dürfen, noch heut ein äußerst wichtiges Mittel zur Milderung ihres Leidens. Saccharin ist übrigens nicht nur dos einzige Heilmtttel, das aus Teer gewonnen wird. Vor einiger Zeit gelang es dem Gelehrten Dr. Knorr, aus Teer ein Präparat zu erzeugen, das gegen Fieber und besonders Kopfschmerzen äußerst wirksam ist. Es ist das den meisten Menschen bekannte Antipyrin, das in der ganzen Welt seinen siegreichen Einzug geholten hat, viel nachgemacht wird, aber in der ursprünglichen Güte des deutschen Fabrikats noch von keinem anderen erreicht, geschweige denn übertroffen wurde. Das berühmte Heil- mittel Phcnazetin entstammt ebenfalls dem Teer. Die größten und längsten Tiere der Welt. Nach den jüngsten Mitteilungen Wolsss ist das größte Tier, das unsere Erde be- wohnt, und gleichzeitig das größte, das je gelebt hat, der Blauwal, dessen gewaltiger Körper eine Länge bis zu 33 Metern erreicht. Das größte Landfäugetier lebte jedoch in früheren Epochen. Es ist das den Nashörnern verwandte Baluchitherium, das, wie auch das größte Reptil, der 22 bis 24 Meter lange Saurier Diplo- doccus cornegei, in einer längst vergangenen Erdperiode gelebt hat. Unter den Fischen der Erde ist der größte ein riesiger, ober trotz seiner Größe eigentlich ganz ungefährlicher Haifisch, dessen wissenschaftlicher Name Rhinodon hypicum lautet. In bezug auf ihre Körperlänge werden jedoch alle diese Tierriesen von Verhältnis- mäßig kleinen Würmern in den Schatten gestellt. So besitzt der in Ziegen und Rindern lebende Bondwurm Monizia expanso eine Länge, die 60 Meter erreichen kann. Ein ganz dünner Meeres- wurm, Linens longissimus, der wie ein zwirnseiner Faden aus- sieht, hat immer noch eine Länge von 10 Metern. Gewaltige Längenmaße besitzt auch die Staatsqualle Physalia arethus, deren Fanofäden bisweilen eine Länge von 3V Metern aufweisen. Von den Pflanzen werden übrigens selbst die längsten aller Tiere weit- aus übertroffen, indem es Meerestonge gibt, wie z. B. den Birnen- tang(Macrocystis pirisera), der bis zu 300 Metern lang wird. Gegen diese Riesen sticht da» kleinste Wirbeltier der Erde ganz erheblich ab. Denn es ist ein winziges, auf den Philippinen leben- des Fischchen, dessen Körper nur 1,2 bis 1,4 Zentimeter lang wird. Mussteuer Woche Wichtig für Brautleute, Hausfrauen, Pensionen, Reftaurateure Hemdentuch Wäschefuch 65 Renforcé 95, Makotin 80cm breit, mittel. PL.0 m breit, bold War Laxon 5 Kein Mako 125 Roger Baru kräftig.. Meter für Linon Bettwäsche 85PL für Linon Bettwäsche Meter 95 Pf. Deckbettbreite Kissenbreite KüchenHandtücher Drell od. Gerstenkorn... 65. 48PM Meter 1.95 RüchenHandtücher Pf. 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