Nr. 41142. Jahrg. Ausgabe A nr. 210 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonparelle. zeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5,- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Bienn ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 1. September 1925 Marokko vor dem Endkampf. Vorbereitungen für eine Entscheidungsschlacht auf beiden Seiten. Paris, 31. Auguft.( Eigener Drahbericht.) Die Borbereifungen für die große Entscheidungsschlacht in Marotto haben auf beiden Seiten begonnen. Die Riffabylen haben als neueste Waffe Kavallerie eingesetzt, die im Verein mit ihrer, Artillerie gegen die Franzosen vorgehen soll. Abd el krim hat seine Propaganda unter den eingeborenen Stämmen verstärkt. In einem Aufruf an seine Unterführer erklärt er, daß er den Widerstand nicht cher aufgeben werde, bis alle feine Leute gefallen feien; ergeben würde er fich nicht. Was gefährdet sei, sei die Religion. Die Kabylen bereiten sich auf einen äußerst energischen Widerstand vor, besondere Truppen werden im Gebrauch des Maschinengewehrs ausgebildet. Voreilige Siegesberichte. erParis, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die französischen Siegesberichte über die Unterwerfung der Branes haben sich als poreilig erwiesen. Es wird aus Fes gemeldet, daß die Häuptlinge des Stammes fich im französischen Quartier eingefunden hätten, um die französischen Friedensbedingungen zu fahren. Diese seien ihnen mitgeteilt worden, und daraufhin hätten sich die Häuptlinge zu ihrem Stamm zurückbegeben. Inzwischen seien aber die Abgesandten Abdel Krims bei dem Stamm eingetroffen und hätten diesen zur Fortsetzung des Widerstandes zu bewegen vermocht. Von den 3000 Familien, die die Brane zählten, hätten sich im ganzen etwa 150 unterworfen. Die übrigen aber, die von den französischen Truppen aus ihrem Gebiet vertrieben worden feien, hätten sich nach Norden zurückgezogen und setzen ihren Widerstand fort. Paris, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Vereinigung der spanischen und französischen Armee in Marokko ist jetzt voll. 30 gen. Die spanische Flotte wird in der nächsten Woche nach Dran in See gehen, um von dort mit der französischen Flotte gemeinsam gegen Alhucemas zu operieren. Zahlreiche Kavallerie ist in Maroffo eingetroffen. Abd el Krim nimmt Umgruppierungen vor. Das Kommando der Westfront hat der Bruder Abd el Krims übernommen. Die Riftruppen verfügen über ausreichende Munitionsbestände. Einer Havasmeldung aus Fes zufolge haben die letzten Opera: tionen des 19. französischen Korps das Ergebnis gehabt, daß 70000 Eingeborene, darunter 7000 Krieger mit ihren Familien und ihren Gütern, wieder unter die französische Herrschaft zurückgekehrt sind. Wie„ Matin" aus Melilla berichtet, ist einer der Hauptführer Abd al Krims, Kheriro, bei den letzten Kämpfen gefallen. Die spanische Zensur bleibt. Madrid, 31. Auguft.( WTB.) Das Direfiorium veröffentlicht eine Mitteilung, in der es heißt: Die Haltung der Presse hat es der Benjur im allgemeinen erlaubt, weniger scharf vorzugehen. Die Beitungen sind in der Lage, alle das Land interessierenden Fragen nach ihrem jeweiligen Standpunkte zu behandeln, vorausgesezt, daß dies mit Takt und Mäßigung geschieht. Die Zensur selbst muß jedoch aufrechterhalten werden, um unvorsichtigkeiten und Indiskretio nen besonders in gewissen wichtigen, die militärische Operation in Maroffo betreffenden Fragen zu vermeiden. Mehrere gungen gegen die Präsidenten und die Regierungen einiger füd Artikel mußten von der Benfur gestrichen werden, da sie Beleidiamerikanischen(?) Länder enthielten. Deutsch- russische Wirtschaftsverhandlungen. nicht zurückbleiben hinter der Schweiz als freiem Boitsfit Abbruch bevorstehend. Ein Schachzug der Sowjet regierung gegen die Sicherheitspolitik. Die Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland gehören zu den schwierigsten Vertragsverhandlungen, die Deutschland zu führen hat. Es handelt sich dabei nicht eigentlich um die Schaffung eines Handelsvertrages im landläufigen Sinne, fondern um eine Reihe von Abkommen, die den Verkehr zwischen zwei verschiedenen Wirtschaftssystemen regeln sollen. Neben dem eigentlichen Wirtschaftsabkommen sollen noch mehrere Sonderabkommen, ein Konsular-, Eisenbahn, Seeschiffahrts, Niederlassungsabkommen geschlossen werden. Die deutsche Regierung beurteilte die Aussichten der Berhand lungen bisher fehr optimistisch. Sie glaubte, daß in den wesentlichsten Fragen die Einigung bereits erzielt jei und rechnete, daß die Verhandlungen in wenigen Wochen abgeschlossen sein würden. Nun ist plötzlich eine Wendung im Verlaufe der Handelsvertragsverhandlungen eingetreten. Nachrichten aus Moskau zufolge hat die Sowjetdelegation eine Reihe von Forderungen gestellt, die sie seit langem fallen gelassen hatte und Zugeständnisse zurückgezogen, die sie längst gemacht hatte. Zugleich sind die Kläffer der Sowjetpresse über die deutsche Handelsdelegation hergefallen. Die veränderte Haltung der russischen Regierung in den Handelsvertragsverhandlungen wird als ein Schachzug gegen die deutsche Sicherheitspolitif bezeichnet. Dieser Schachzug wird mit den unangenehmen Methoden in Szene gefeßt, die bei der Sowjetregierung beliebt sind. Bird diese Haltung beibehalten, so muß mit einem Abbruch der deutsch- russischen Wirtschaftsverhandlungen gerechnet werden. = das fei unsere deutsche Zukunftsaufgabe. Durch den Anschluß Desterreichs an Deutschland müßte bald die jetzige Fünfländerson ferenz zu einer 3 meistaaten fonferenz werden, un darüber hinaus möglichst bald zu unserem sozialistischen Ziele, dem Weltstaate, der Weltrepublik zu gelangen. der Sozialisten in der Schmeis, er 84jährige Genoffe Hermann Bon stürmischer Begeisterung umjubelt, ergriff dann der Neftor Greulich Zürich, das Wort. Er erinnerte an die fájlimmen Seiten des Sozialistengeiezes, an die Zusammenkunft der deutschen und schweizerischen Genossen in yden 1880, wo August Bebel anwesend war und auf dem Nollen, wo Wilhelm Liebknechi an dem Tage sprechen sollte, da man ihn in Berlin zu Grabe trug. mit feltener geistiger Frische, mit fangvolle Climme und vom Greulich ein Bild von der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft Feuer der Idee des Sozialismus durchglüht, entwarf Genosse zur Freiheit und zum Sozialismus. Die Jugend, ermahnte er zu schäzen, was die Alten errungen haben, es vor allem festzuhalten und auszubauen zum Endziel, der freien sozialistischen Gesellschaft. Stürmischer Beifall lohnte den greisen Vorfämpfer. " Nach ihm überbrachte Genosse Dr. Eisler- Graz die Grüße Kundgebungen zu erleben, bei denen sie der gemeinsamen der öfterreichischen Bartei, wobei er ihre Hoffnung aussprach, bald deutschen Republik angehörten. Für die bayerischen Genossen sprach Genosse Saenger- München. Er wies darauf hin, daß der freie Demokratische Staat, den die deutsche Sozialdemokratie 1908 auf gesetzlichem Wege durch den Reichstag schaffen wollte, zehn Jahre später durch den Sturz der monarchischen Herrschaft gekommen ist. Heute müßten sich selbst eine nationalistische Regierung und ein nationalistischer Reichspräsident zu den Grundsägen von Völker italienischen Sozialisten begrüßte Genosse Cecha die Kundverständigung und Bölferfrieden bekennen. Im Namen der gebung. Die Barole der italienischen Arbeiterschaft heißt: Nie wieder Krieg!" und Rampf gegen den Faschimus!" Ob gleich die Regierung Mussolini alle Organisationen der freiheitlich gesinnten Arbeiterschaft unterdrücke, lebe die italienische Sozial demokratie. Eingedent des Wortes: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" rechne das italienische Proletariat auf die Soli Internationale am Bodensee. Die gewaltige Rundgebung war am Vorabend eingeleitet worden Rundgebung der Sozialisten aus den fünf Uferstaaten. durch einen Fa delzug der Arbeiterjugend, und am Sonntag Friedrichshafen, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Eine große früh durch eine Morgenfeier im Freilichttheater. Ihren Abschluß See ar an der zänder am Bodenge beteiligten Kundgebung der sozialistischen Parteien der fünf Länder am Boden fand sie durch einen Demonstrationszug, an dem sich viele see fand am Sonntag hier statt. Zum ersten Male hatte sich die Tausende Gozialisten der fünf Länder am Bodensee beteiligten. Aleine Internationale der Bodenseeuferstaaten zu einer gemeinsamen Besonders fiel die starke Teilnahme der Schweizer und ein und ein Rundgebung 1907 in Konstanz zusammengefunden, zum gemeinsamen italienischer sozialistischer Verein auf. Der Nachmittag ver. Rampf gegen Krieg und Reaktion. Die letzte Beranstaltung vor dem einigte die Teilnehmer bei einem Boltsfeft. Kriege 1913 in Bregenz erhielt ihre Bedeutung dadurch, daß August Bebel furz vor seinem Tode hier noch einmal zu 12 000 Genossen sprach. Jetzt fanden sich in dem herrlichen Freilichttheater am See 3000 Genoffen aus der Schweiz, Deutschösterreich und den reichsdeutschen Ländern am Bodensee ein, um ihren Willen kundzutun zu gemeinsamer Arbeit für die Idee des Sozialismus. Nachdem der Borfigende der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten am Bodensee, Genoffe Groll- Lindau, die Teil nehmer begrüßt hatte, überbrachte Genosse Karl Hildenbrand die Grüße des deutschen Barteivorstandes. Sein Gruß galt befonders der Jugend. Die 3eiten vor und nach dem Kriege vergleichend, hob er hervor, daß die deutsche Republif als Staatsform heute der Schweiz nicht mehr nachsteht. Daß wir auch in der Tat darität der deutschen Arbeiter. Italien und der Garantiepakt. Teilnahme Italiens an der Juristenkonferenz. London, 31. Auguft.( Eigener Drabtbericht.) Da die Teilnahme eines italienischen Sachverständigen, Pilotti, an der Juristenkonferenz erst im legten Augenblid befannt geworden ist, werden die Besprechungen erst morgen beginnen. Eine Bor beiprechung der anderen Delegierten hat am Montag abend stattgefunden. Daß die italienische Regierung fich an den Besprechungen beteiligt, wird als hoffnungsvoll angeichen. Man nimmt stark an, daß an der späteren Zusammenkunft der Außenminister auch Italien teilnehmen wird. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Das neue Arbeitsgerichtsgesetz. Bon Staatsanwalt Marg Heidelberg. Der Gedanke der Arbeitsgerichte hat einen langen Weg bis zu feiner Verwirklichung zu durchlaufen. Der Gesezpierte seiner Art. Es darf furz an seine Vorgänger er entwurf, von dem hier die Rede sein soll, ist bereits der innert werden. Der erste Entwurf tam im Jahre 1921 aus der Mitte des Arbeiterrechtsausschusses, der beim Reichsarbeitsministerium bestellt war. Er begegnete jedoch von vornherein so starkem Widerspruch, daß er nicht als geeignete Grundlage für die weitere Behandlung der Frage betrachtet wurde. Zu Anfang des Jahres 1922 unterbreitete dann das Reichsarbeitsministerium selber den interessierten Kreisen einen Referentenentwurf. Aber auch dieser fand nicht genügend Beifall und mußte wieder in den Schmelztiegel wandern. Daraus ist der Regie= rungentwurf vom Jahre 1923 hervorgegangen, der aber über eine Beratung im Reichswirtschaftsrat nicht hinausfam, da er im Herbst 1923 angesichts der Wirtschaftskatastrophe von der Regierung zurückgezogen wurde. Der Entwurf, der vor wenigen Wochen dem Reichswirtschaftsrat und dem Reichsrat von der Regierung unterbreitet wurde, ist sein Nachfolger. Er ist veröffentlicht im ,, Reichsarbeitsblatt" vom 24. Juli 1925, Nr. 28. Die drei ersten Entwürfe unterschieden sich vor allem durch die Behandlung des äußeren Aufbaues der Arbeitsgerichtsbehörden. Drei Möglichkeiten des Aufbaues sind vorhanden: a) man gliedert die Arbeitsgerichte in den Gesamtrahmender Sozialvermaltungsbehörden ein, b) man verbindet sie und das ist das andere Extrem organisch mit den ordentlichen Gerichten, c) man wählte der Entwurf des Arbeitsrechtsausschusses. Der Refe schafft selbständige von jedem anderen Behördenapparat getrennte Arbeitsgerichte. Die erste Lösung rentenentwurf hat den zweiten Weg beschritten. Von der dritten Möglichkeit schließlich hat, menigstens äußerlich gesehen, der Regierungsentwurf von 1923 Gebrauch gema ht. Der Entwurf von 1925 stimmt in dieser Beziehung mit dem pon 1923 inhaltlich überein. Als Arbeitsgerichtsbehörden sieht er por: die Arbeitsgerichte als erste Instanz, denen die Landesarbeitsgerichte als Berufungs- und das Reichsarbeitsgericht als Revisionsinstanz überge= ordnet sind. den als selbständige Gerichte regelmäßig für den Die Arbeitsgerichte, heißt es in§ 14 des Entwurfs, merBezirk eines Amtsgerichts errichtet. Damit ist scheinbar der Forderung Genüge getan, die aus den Kreisen der Gewerkschaften mit Nachdruck erhoben wurde: die Arbeitsgerichte richtsbarkeit. Diese Forderung ist an sich der Ausdruc sollten unabhängig sein von der ordentlichen Ge= Gerichtsbarkeit, das sie fich in bestimmten Teilen Deutschlands eines Mißtrauensvotums gegen die Richter der ordentlichen durch ihre parteipolitisch einseitig beeinflußte Rechtsprechung in politischen Straffachen zugezogen haben. In der Regel beitsgerichte nur eine scheinbare fein. Es muß hieran cine wird die ausdrücklich ausgesprochene Selbständigkeit der Arallgemeine Bemerkung angefnüpft werden. Es scheint in Deutschland bei Rechtsreformen eine unerfreuliche Uebung zu merden, unpopuläre Neuerungen nicht beim richtigen Namen zu nennen, sondern einen gewissen Etikettenschwindel zu treiben, um die Bolfsmeinung zu beruhigen. So hat man bei der Aenderung der Gerichtsverfassung die Schwurgerichte Berechtigung wiederum mit dem Namen von Schwurgerichten durch große Schöffengerichte ersetzt, diese aber ohne jede innere ausgestattet. Ohne über die Zweckmäßigkeit der Regelung ein Urteil zu fällen, muß doch gegen die Tendenz, die in solcher Verschleierung liegt, gerade mit Rücksicht auf das Ansehen der Justiz und das für sie notwendige Bertrauen des Bolkes 1923, die, soweit der Aufbau der Arbeitsgerichtsbehörden in angegangen werden. Die Begründung zum Entwurf von Betracht tommt, auch noch für den neuen Entwurf Geltung beanspruchen fann, hat ganz unum munden erfläri, daß in der Regel ein 3 ust and herbeigeführt werde, wie er in seiner praktischen Auswirkung sich auch bei der völligen Eingliederung der Arbeitsgerichte in die, ordent liche Gerichtsbarkeit ergeben müßte. Nach dem Entmurf würde auch tatsächlich, da für den Regelfall ein ordent licher Richter als Vorsitzender vorgesehen ist, in den meisten Fällen der Amtsrichter auch der Vorfizende des erst instanzlichen Arbeits gerichts sein. Das Einvernehmen zwischen Landes= justignerwaltung und der obersten Landesbehörde für die Sozialverwaltung bei Bestellung der Arbeitsgerichtsvorsitzenden sinkt hier zu einer wohl bedeutungslosen Formsache herab. Wesentliche Bedeutung hat dieses Erfordernis nur in größeren Orten, mo hauptamtliche Arbeitsgerichtsvorsitzende zu bestellen sind. Auch hier wird indessen die Selbständigkeit dadurch wieder in ihrer Bedeutung gemindert, daß die Dienstaufsicht praftisch Don der Landesjustizver= maltung geführt wird, daß die Borsigenden zum überwiegenden Teil von der Landesjustizverwal t u n g aus den Reihen der ordentlichen Richter ge- stellt werden, und daß die Instanzengerichte völlig in die ordentliche Gerichts barkeit eingegliedert sind. Denn die Landesarbeitsgcrichte werden bei den Landgerichten als Kammern der Landgerichte, das Reichsarbeitsgericht wird in Form eines oder mehrerer Senate des Reichsgerichts ge- bildet. Ich glaube nicht, daß dies der Rechtsprechung der Arbeits- gerichtsbehörden irgendwie Abtrag tut, sondern pflichte in vollem Umfange Radbruch bei, daß auf diese Weise der Geist der Arbeitsgerichte auf unsere gesamte Gerichtsbarkeit übergeleitet werden kann. Wenn im übrigen das der obersten LaniZesbehörde für die Sozialoerwaltung eingeräumte perso nalc Mitbestimmungsrecht nur einigermaßen ernsthaft ge handhabt wird, kann sie eine starke Kontrolle der Tätigkeit der Arbeitsgerichte ausüben und einer unsozialen Rechtsprechung entgegenwirken. Offenbar oertritt man auch im Reichsarbeits- Ministerium diesen Standpunkt. Man soll dann aber auch den M u t haben, sie im Wortlaut des Gesetzentwurfs klar zum Ausdruck kommen zu lassen, und soll nicht den Versuch machen, glauben zu lassen, man schaffe von der ordentlichen Gerichts- barkeit völlig unabhängige Arbeitsgerichte. Daß die Arbeitsgerichte Laienbeisitzer in allen Instanzen erhalten, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und bedarf kaum der Erwähnung. Streitig kann nur sein, auf welche Weise die Laienbeisitzer ausgewählt werden. Hier schlägt der neue Entwurf ein Verfahren vor, das von dem der früheren Entwürfe stark abweicht. Bisher war vorgesehen, daß die Arbeitgeberbeisitzer von den Arbeitgebern, die Arbeit- nehmerbeisitzet von den Arbeitnehmern gewählt werden. Dieses Wahlprinzip ist zugunsten eines eigenartigen Ernennungsverfahrens aufgegeben worden. Die Beisitzer sollen von der höheren Verwaltungsbehörde des Landes, das wäre wohl in Preußen der Regierungspräsident, im Einvernehmen mit dem Präsidenten des Landgerichts auf die Dauer von drei Iahren in angemessenem Verhältnis aus der Vorschlagslisten berufen werden, die von den im Gerichts- bezirk bestehenden wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeit- geber und der Arbeitnehmer eingereicht werden. Eine der- artige Regelung würde aber dem Grundgedanken, auf dem die Arbeitsgerichte aufgebaut werden sollen, dem Bestreben nach Demokratisierung der Gerichtsbarkeit ganz entschieden zuwiderlaufen. Mag die Beteiligung an der Wahl der Beisitzer zu den Kaufmanns- und Gewerbegerichten bisher auch gering gewesen sein, was als Argument gegen das Wahlverfahren angeführt wird, so war doch die Tatsache, daß die Beisitzer aus Wahlen hervorge- gangen waren, ein bedeutsames psychologisches Moment für die Festigung des Vertrauens zu diesen Gerichten. Es ist daher ganz unverständlicki. daß man heute, in einer Zeit sozialer Hochspannung auf diesen ausgleichenden Faktor ver- zichten, und eine Form der Auswahl der Beisitzer einführen will, die durchaus undemokratisch ist. Ich kann mir nicht vor- stellen, daß die Bestimmungen des Entwurfs über die Be- rufung der Arbeitsgerichtsbeisitzer Gesetz werden. Durch die Schaffung der Arbeitsgerichte soll eine mö g- lichst einheitliche Rechtsprechung auf dem Gebiet des Arbeitsrechts angestrebt werden. Um so eigenartiger ist es, daß der Entwurf in außerordentlich weitgehendem Maße Vereinbarungen über den Ausschluß der Arbeitsgerichtsbarkeit zuläßt und damit die grundsätzliche Regelung zu einem guten Teil wieder aufhebt. Es ist nicht einzusehen, weshalb man erst einen ausgedehnten neuen Behördenapparat errichtet, wenn man ihm hinterdrein wichtigste Betätigungsgebiete wieder entziehen will. Man muß sich entschieden dagegen wenden, daß von vornherein die Möglichkeit zu einer Aushöhlung der Tätigkeit der Arbeits- gerichte geschaffen wird. Das wäre dem Ansehen der Arbeits- gerichte außerordentlich abträglich. Ein solcher Ausschluß der Arbeitsgerichtsbarkeit sollte nur in einzelnen ganz besonders geregelten Fällen für zulässig erklärt werden. Die Verfahrensvorschriften des Entwurfs weisen gegenüber früher gewisse Abweichungen auf, die im wesentlichen durch die Angleichung an die inzwischen ge- änderte Zivilprozeßordnung notwendig geworden sind. Be- sonders ist das obligatorische Güteversahren aus der ZPO. übernommen. Im ganzen ist möglichste Beschleu- nigung des Verfahrens angestrebt. Womöglich soll die Ver- Handlung in einem Termin zu Ende gebracht werden. Be- denken bestehen gegen die Höhe der Berufungssumme, die herabgesetzt werden solltp, da sonst dem Arbeiter im allge- meinen überhaupt die zweite Instanz entzogen ist. Eine allgemeine Betrachtung des Entwurfs kann die R e- gelung der Prozeßvertretung nicht unerwähnt lassen. Besonders auffallend ist der völlige Ausschluß der Rechtsanwälte in der ersten Instanz, während die früheren Entwürfe wenigstens bei Sachen mit einem über die Berufs- grenze liegenden Streitwert Rechtsanwälte zulassen wollten. In einer inoffiziellen Aeußerung aus dem Arbeitsministerium wird diese rigorose Regelung vor allem damit begründet, daß durch die Möglichkeit der Betrauung eines Rechtsanwalts mit der Prozeßvertretung vor dem Arbeitsgericht der wohlhaben- den Partei unzweifelhaft eine bessere Prozeßstellung einge- räumt würde als der unbemittelten, wobei noch hinzugefügt wird, daß die wohlhabende Partei nicht in jedem Falle der Arbeitgeber sein würde. Diese Argumentation kann aber nicht standhalten gegenüber dem Einwand, daß Rechtsanwälte als Syndizi doch auftreten können, wodurch sicher eine B e- vorteilung der Arbeitgeberkreise geschassen wird, und daß der Anwalt, der den Prozeßstoff schon sichtet, bevor er an den Richter gelangt, bestimmt das allgemeine Be- streben nach Beschleunigung des Verfahrens unterstützen kann. Schließlich läßt sich der völlige Ausschluß der Anwälte von der ersten Instanz kaum vereinbaren mit dem Anwaltszwang der Berufungs- und Revisionsinstanz. Diese Instanzen können unter Umständen erspart werden, wenn Anwälte schon in der ersten Instanz zugezogen werden. Die Anwaltsfeindlichkeit des Entwurfs erscheint wirklich etwas antiquiert, um nicht zu sagen bureaukratisch und reaktionär. Diese kurze kritische Würdigung des Entwurfs mag ge- nügen, um zu zeigen, daß er noch manche Aenderung wird erfahren müssen, ehe er den Anforderungen einer demo- kratischen und wirklich rechtsvereinheitlichenden Gestaltung entspricht. die Spannungen im Zentrum. Die katholischen Arbeiter gegen den Rechtskurs. Die Zentrumsarbeiter am Rhein und an der Ruhr haben den Austritt des gerade von ihnen hochgeachteten Dr. Wirth aus der Reichstagsfraktion immer noch nicht verwunden, und so ist die Zentrumspartei in die unangenehme Lage versetzt, die vielen Zuschriften und Pressestimmen zum Fall Wirth aus dem Lager der Partei einigermaßen zu beschwichtigen. Dazu läßt die rebellische Parteipresse im Westen nicht locker. So schreibt die„W est deutsche Arbeiter- z e i t u n g", das Verbandsblatt der westdeutschen katholischen Arbeitervereine, das eine Auflage von über 150 OOV Lesern besitzen soll, folgende recht bitter klingende Sätze: „Die Spannungen begannen eigentlich schon im Sommer 1 S 2 4 mit dem Bestreben der Rechtsparteien, die Regierungsstieg« zu erklimmen, und mit der ch i l f s st e l l u n g, die scheinbar einige Zentrumsleute dabei leisteten. Die Spannungen zogen an bei der R e gs e ru n g s b ild u n g unter Luther und er- höhten sich aufs neue, als das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl zeigte, daß Katholiken und sogar Zentrums leute den Volkstandidaten Marx im Stich gelassen hatten, und sie erreichten den Grad der Empörung, als— trog des vielfach betonten wachsamen Mißtrauens— bei der S t e u e r- und Zoll- gesetzgebung die Reichstagsfraktion nicht nur mit der Rechten als sehr bedenklich besteundet erschien, sondern in ihrer Mehrheit sogar auch noch die gewaltsame Ausschaltung der Opposition mitmachte und durch Fehrenbach außerdem auch noch rechtfertigen ließ.— Wir haben volles Berftändnis dafür und be- grüßen es, daß die Fraktionsleitung bemüht ist, Zentrum und Bayc- rischc Volkspartei zusammenzubringen. Zum Katholizismus, den man damit politisch zu fammzln und zu einigen sucht, gehören schließlich aber auch die katholischen Arbeiter We st deutsch- l a n d s! Wirth ist nicht irgend wer. In schwierigster Zeit hat er die Regierung geführt und einen Ausweg aus deutscher Not gesucht und gesunden, der sich als der einzig richtige erwies. Millionen not- bedrückter Herzen haben sich ihm zugewandt. Und wenn er in seinen Massenversammlungen ein Bekenntnis ablegte zur sozialen und demokratischen Republik, fand er jubelnden Beifall. Seit langem schon ist Wirths Name ein Kredit- posten der Zentrumspartei in den breiten Volksschichten. Das alles Hot man in Betracht zu ziehen. Denn darum handelt es sich letzten Endes:— nicht um Wirths Person— sondern ganz einfach um die Partei und ihre Massenanhängerschast in den sozial bedrückten und bewegten Schichten des deutschen Volkes." Es wird der Reichsleitung des Zentrums unmöglich sein, den durch Wirths Austritt aus der Reichstagsfraktion ausgelösten Sturm in der Zentrumsanhängerschaft einfach zu ignorieren. Liquiüation? Ein neuer kommunistischer Mauövrierversuch. Ein Berliner Montagsblatt verbreitet die auffehenerre- gende Meldung, daß die Exekutive der kommunistischen In- ternationale die Zentrale der deutschen Kommu- nistischen Partei abgesetzt und den Rücktritt Ruth Fischers angeordnet habe. Diese Verfügung soll ein Sieg des rechten Flügels in der Exekutive sein, dem hef- tige Auseinandersetzungen zwischen der deutschen Zentrale und der Exekutive voraufgegangen feien. Wir sind nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Meldung im Augenblick nach- zuprüfen. Manche Einzelheiten, die uns über die Entwicklung in der kommunistischen Partei in der letzten Zeit zugegangen könnten für die Richtigkeit dieser Meldung sprechen. Es ist auffallend, daß die„Welt am Abend", die sonst prompt auf jede, die kommunistische Parteipolitik bezügliche Nachricht reagiert, sich in allen Tonarten ausschweigt. Es wird versichert, daß der Kurs der„Ro t e n Fahne" radikal geändert werden und die„W elt am Abend" selbst über- Haupt eingehen soll, weil die Moskauer Politiker keine Lust mehr haben, subventionierte Presseorgane künstlich am Leben zu erhalten. Dem aufmerksamen Beobachter konnte es auch nicht entgehen, daß die„Rote Fahne" vom Standpunkt der engeren kommunistischen Auffassung aus feit Wochen jede Direktion verloren hat. Ein wildes Durcheinander von Parolen, von gemäßigten und radikalen Tendenzen zeigte sich in bunter Reihenfolge. Es war deullich zu spüren, daß jede ein- heitliche Leitung dem Blatt fehlte, wenn man von den ste- reotypen, allmählich recht langweilig gewordenen Schimpfe- reien gegen die Sozialdemokratie absieht. Die„Rote Fahne" wird höchstwahrscheinlich prompt mit einem Dementi antwor- ten. Man wir aber auf die Form dieser Dementis sehr zu achten haben und noch sehr darauf achten, wie in Zukunft die Kommunistische Partei sich verhält. Im übrigen wäre auch durch eine Schwenkung der Ere- kutive zu einer vernünftigeren Politik der Rückgang der kom- munistischen Bewegung in Deutschland nicht aufzuhalten. Die Zeiten sind längst vorbei, wo kommunistische Manöver die Entwicklung der Parteiverhältnisse in der Arbeiterbcwe- gung noch beeinflussen können. Der Kurs geht so eindeu- tig überall auf Konsolidierung in einer großen, durch die Er- fahrung der letzten Jahre geistig gestärkten, einheitlichen sozialdemokratischen Bewegung, daß Moskauer Manövrier- künste immer nur das eine erreichen können: die vollkommene Direktionslosigkeit und Ueberflüssigkeit der KPD. auch dem letzten Arbeiter klar vor Augen führen. August Stramm. Heute vor zehn I-chren, am 1. September 1915, siel der Haupt- mann Stramm als Bataillonsführer bei einem Sturmangriff in Rußland. Die Kameraden an der Front trauerten um einen un- gewöhnlich tüchtigen und tapferen Soldaten. Im Reichspostamt zu Berlin beklagte man den Hingang eines hochbegabten Beamten, dem eine glänzende Laufbahn offen stand. Daß dem deutschen Volt und der deutschen Kultur eine der stärksten Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit entrissen ward, wußten nur wenige. Denn der Dichter August Stramm war ein Wegweiser zu neuen Zielen und daher ein Einsamer gewesen. Zeitlebens war er es gewesen. Schon als Knabe träumte er sich seine eigene Welt. Vergrub sich in mystische Gefühlssphären. Gab naiven Sagen und Legenden dichterische Form. Die fromm katholisch« Mutter wollte einen Priester aus ihm machen. Der strenge evangelische Vater bestimmte ihn für die Beamtenkarriere. Er studierte in Berlin und Halle. Promovierte als Doktor der Philosophie. Wurde Postbeamter. Schuf, selbst von den nächsten Angehörigen nicht verstanden, lyrische und dramatische Werte, ekstatische" Visionen*) und grelle Wirklichkeitsbilder mit starkem sozialen Einschlag. Anlehnung an den damals herrschenden Na- turalismus und an die Neuromantik Maeterlincks. Aber feinerem Ohr vernehmbar erklang schon hier in verborgener geheimnisreicher Tiefe das Rauschen neuer Quellen. Mit elementarer Wucht brachen sie sich Bahn, in mächtig wachsender Füll««in neues Strombett erschließend. Der deutschen Wortkunst war eine neu« Form gefunden. Worin besteht diese neue Form? Ich will es andeutungsweise zu skizzieren versuchen. Wenn wir ein Wort hören, so erscheint vor unserem inneren Blick mehr oder weniger deutlich die Vision des Gegenstandes, den das Wort bezeichnet. Wir hören z. B. das Wort„Baum" und sofort sieht unser geistiges Auge ein unbe- ftimmtes Etwas mit Stamm, Ast, Krone. Zugleich aber schließen sich daran mahr oder weniger zahlreiche gefühlsmäßige Assoziationen, die der Begriff„Baum" in uns auslöst. Wir haben, je nach dem Zusammenhang, in dem das Wort erscheint, die Empfindung der schattigen Kühle, des Wipfelrauschens, der schlanken Biegsamkeit, der knorrigen Wetterhärte, des knospenden Frühlings, des blühenden Sommers, des welkenden Herbstes usw. Man kann sagen, daß sich durch jedes Wort eine fast unbegrenzte Fülle von Empfindungen ausdrücken läßt. Es kommt lediglich auf die richtige Anwendung des Wortes an. Hierzu gesellt sich aber noch die reine Klangwirkung des Wortes. Bei ihr kommt einmal die durch einzelne Wörter gegeben« Nachahmung von Naturlauten in Frage. Sodann aber spielen dabei die meist sehr komplizierten seelischen Schwingungen mit, die durch den Klang der Vokal« und Konsonanten an sich hervorgerufen werden. Man muh dabei zurückgehen auf die �Velemente jeder •) Die in der heutigen Beilage„Unterhaltung und Wissen" zum erstenmal veröffentlichte Dichtung„Der Galgen" stammt aus dieser Frühzoit. Sprache, die lediglich Ausdruck von Empfindungen und Gefühlen waren und noch kein«„Begriffe" kannten. Diese Sprache der Natur war allen lebenden Wesen verständlich. Selbst di« Tiere nahmen und nehmen bis zu einer gewissen Grenze daran teil. Die gleich- gestimmten Saiten der Seele schwingen mit, sobald der verwandte Ton sie trifft. Schon Herder hat darauf hingewiesen:„Das war gleichsam der letzte mütterliche Druck der bildenden Hand der Natur, daß sie allen das Gesetz auf die Welt mitgab: Empfinde nicht für dich allein, sondern dein Gefühl tönel.... Diese Seufzer, diese Tön« sind Sprache. Es gibt also eine Sprache der Empfindung, die unmittelbares Naturgesetz ist... In allen ursprünglichen Sprachen tönen noch Reste dieser Naturtöne." Die rein gefühlsmäßigen Urelemente der Sprache sind indessen durch verstandesmäßige Begriffe verdrängt worden. Die Kunst als solche hat aber mit dem Verstände nichts zu tun. Sie spricht allein zum Gefühl und sehnt sich darum zurück nach jenen elementaren Sprachformen. Weil diese aber unwiederbringlich verloren sind, be- müht sich die neue Wortkunst, aus der heutigen Sprache das für ihre Zwecke herauszuschälen, was seinen gefühlsmäßigen Charakter noch relativ rein bewahrt hat. Und wo dieser Vorrat nicht ausreicht, zögert sie nicht, aus dem Gebiete der Sprach« neue Wortformen selbstschöpferisch zu bilden. Der Schöpfer dieser neuen Wortkunst ist August Stramm. Zwei kleine Gedichte mögen einen Begriff von ihrer Eigenart gebe". Sturmangriff. Aus allen Winkeln gellen Fürchte Wollen Kreisch Peitscht Das Leben Vor Sich Her Den keuchen Tod Die Himmel fetzen. Blinde schlächtert wildum das Entsetzen. Abend. Müde webt Stumpfen dämmert Beten lastet Sonne wundet Schmeichelt Du. In zahlreichen Gedichten und in den Dramen„Erwachen" und„Kräfte" bahnte August Stramm den Weg. In den gran- diesen Schöpfungen„Die Menschheit",„W e l t w« h e",„G e. s ch e h e n" hat er das Ziel erreicht. Jahrelang schuf und rang er Im Verborgenen. Verleger und Bühnenleiter sandten ihm leine Manuskripte zurück. Es ist das große Verdienst von Herwarth Walden, den Wert und die Bedeutung des Einsamen zuerst erkannt zu hoben. In der Zeitschrift„Der Sturm" erschienen die ersten Verse und Dramen. Der„Swrm"-V«rlag veröffentlichte, teils in Einzelausgaben(„D i« Unfruchtbaren",„Sancta Su» sann a",„Du".„T r o p f b l u t"), teils in einer dreibändigen Gesamtausgabe seine Werke. Blöder Hohn beim Publikum und in der Presse. Ein kleiner Kreis von Verehrern. Ein ständig wachsender Kreis junger Dichter, di« in ihm Führer und Vorbild sahen. Rudolf Blümner lieft mit wundervoll nachschöpferischer Kraft Stromms Dichtungen an den Mittwochabenden des Sturw- Der Kreis der Verehrer erweitert sich. Von Max Reinhardt und anderen werden Versuche gemacht, Stramms Dramen auf die Bühne zu bringen. Der Erfolg bleibt aus. Denn noch fehlen der szenischen Kunst die Mittel, Stramms Stil lebendig erstehen zu lassen. Wer wird dieses Werk vollbringen? Die neue Kunst des Sprechchors? In Verbindung mit rhythmischer Einzel- und Gruppen- bcwegung? Eine große Aufgabe von kulturhistorischer Wichtigkeit harrt der Lösung. John Schitowski. cauksprecherlrichier aus Ton. Lautsprechertricht-r. mit denen eine durchaus verzerrungsfreie Klangwiedergabe erzielt werden soll, hat der Lehrer der Keramik am Lewis-Institut in Chicago, William Wilkins, aus Ton hergestellt. Die aus gewöhnlichem Töpferton modellierten Trichter werden 40—60 Stunden im Ofen einer Tem- pen-tur''on jioy Grad gahrenheit ausgesetzt. Nach langsam er- folgter Abkühlung werden sie mit einem Metalloxyd angestrichen. wodurch sie, zum zweitennial in den Ofen gebracht, einen metallijch glanzenden Ucberzug erhalten. Gefahren für die Thüringer Fischerei. Aus verschiedenen Fluß. gebieten Thüringens, so vor allem aus dem Gebiet der Saale, Werra und Ilm, kommen Meldungen über erneute umfangreiche Fisch- sterben. Wie die Untersuchungen ergeben haben, handelt e» sich dies- mal viel weniger um Verseuchung der Flüsse durch giftige Industrie- abwässer oder ähnliche Verunreinigunoen. Vielmehr ist der außer- ordentlich niedrige Wasserstand als Ursache der Fischvernichtung anzu- sehen. Infolge des Wassermangels gerät der Bodenschlamm in Fäulnis und Gärung und entzieht dadurch den Fischen den zum Leben notwendigen Sauerstosf. So treiben zahlreiche erstickte Fische an der Wasseroberfläche der genannten Flüsse. Der Schaden ist vor allem deshalb so groß und wird sich noch auf Jahre hinaus bemerk- bar machen, weil auch ein Teil der Brut der Vernichtung cnheim- gefallen ist. Der im Gebiet der Saale zu verzeichnende Verlust wird gegenwärtig auf 16 000 Mark geschätzt. Für die Wiederherstellung der Sk-Dauls-ftalhedrale In London dte schwere AlterSerscheinnngen aufweist, ist eine freiwillige Sammlung veranstaltet worden, di« bisher eine Summe von mehr als einer halben Million Pfund Sterling ergeben hat. Dieter Setrag ist doppelt so hoch als die Summe, die von Sachverständigen als erforderlich für die Wiederherstellung der berühmten Kirche' erklärt worden ist. Ei»« neue prLsu»g«ord«vug für Unflrjf« tritt am 1. Oktober in Kraft. Die Zahl der für das Studium der Ttcrarzneikunde erforderlichen Seniestcr wird oon acht aus neun erhöbt und die Prüfung darf künftig nur böchflenS einmal wiederbolt werden. Auch di« Kenntnifse in der lateiniichen Svrache müsfen setzt bei der Meldung zur tierärztlichen Vorprülunq ebenio arog wie bei den übrigen reichSgeietzlich geregelten Prüfungen sein. Kür£lu- dierend», die ihr Siudium vor dem l. Oktober 1921 begonnen und ihre Vorprüfung bis zum l. Luit 1925 nach den bisher geltenden Beilimmimacn abgelegt haben, sind besondere UebergangSbcftimmunzen vorgesehen. Die Rußland- Reisenden. Eine Parade Aktion der Berliner Sowjetmisfion. In der Bodbrauerei am Tempelhofer Berg begann gestern abend die von den Kommunisten veranstaltete Schau: stellung der ersten Arbeiter Delegation nach Rußland". Die Delegation, die sich angeblich aus Sozialdemokraten, Kommunisten und„ parteilojen Klassenfämpfern" zusammenseßte, ist jetzt nach Deutschland wieder zurückgekehrt. Sie ist über das Gesehene natürlich des Lobes voll. Man tonnte von den Delegierten alles das erfahren, woran die Sowjetleute in Ruß land ein Interesse haben. Der erste Redner, ein angebliches Mitglied der SPD. aus Chemnitz, war noch gestern ganz entzückt von den leuchtenden Augen der Moskauer Arbeiter beim Eintreffen der Deutschen. Bon allen Lügen, die über Rußland verbreitet worden sind, wäre die über Georgien am größten. In diesem von der Sowjetarmee in schmählichster Weise überfallenen Lande, in dem die Sozialdemotraten bis dahin allein die Regierungsgeschäfte führten, ist nach dem Bericht dieses Delegierten, nach den Kämpfen eine ruhige Entwidlung eingetreten". Die Führer der Abwehrbewegung gegen die russische Invasion befänden sich in der Zitadelle sehr wohl. Man hätte keine Klagen über ihr förperliches Befinden gehört und fie wären auch in bezug auf Gewissens- und Ueberzeugungsfreiheit ohne jeden Zwang! Wer die Berhältnisse in den russischen Gefängnissen, die Ber. felgung aller Andersbentenben, die Unterdrückung und Anebetung der sozialistischen Arbeiterparteien in Rußland auch nur annähernd fennt, ist über die Sorgfalt der Behandlung, die die Delegation bei den politischen Gefangenen feststellen fonnte, mehr als erstaunt. Daß die auf Sowjettoften nach Rußland geschickten deutschen Arbeiter feinen Unterschied zwischen ,, ruhiger Entwicklung" und einer Kirchhofsruhe, wie sie in Georgien jezt herrscht, er fannten, ist wirklich fein gutes Zeugnis für ihre Urteilsfähigkeit. Der dann folgende Redner, angeblich ebenfalls ein Sozial demokrat, betonte, daß er als großer Steptifer nach Rußland gegangen sei, daß er aber die Wahrheit suchen" wollte. Dabei hat ihm die Sowjetregierung nach seiner Meinung in weitestgehendem Maße geholfen. Er hat sogar entdeckt, daß man in Rußland feinen Sozialismus fennt, sondern, daß der Staatsfapitalismus herrsche. Die Wahrheit hat dieser Delegierte allerdings nicht gefunden, nämlich welcher Mittel jich der sogenannte Staatsfapitalismus bedienen muß, um die Wirtschaft auch nur einigermaßen in Gang zu halten. Eine innere Revolution ist jetzt in Rußland nach Ansicht dieses Delegierten nicht möglich, es sei denn, es tame jemand, der den Arbeitern und Bauern mehr gibt als sie gegenmärtig haben. Das ist allerdings nicht sehr günstig über die idealistische Gedankenrichtung der Arbeiter und Bauern geurteilt. Der Delegierte hat dann noch gefunden, daß der Achtstundentag in Rußland grundsäglich(!) anerkannt ist, daß es Urlaub gibt und daß für Verheiratete soziale Bergünstigungen gewährt werden. Ein zur KPD. gehörender dritter Redner, namens Bed aus Jena, hat eines sehr schön gefunden. Die Arbeiter in Deutschland ftrebten immer danach, etwas Besseres zu scheinen; in Rußland will jeder Bourgeois ein Arbeiter sein. Die Moral von der Geschichte: In Rußland gehts den Arbeitern gut! So plätscherte der Strom der Berichterstattungen dahin, ohne daß man etwas von Rußland erfuhr. Ueber Lohn- und Arbeitsbedingungen, über Arbeiterschuh in den Fabriken, über die Tätig. feit der Betriebsräte, sofern solche noch vorhanden sind, über die Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung in Wort und Schrift, über all das erfuhr man nichts! Danach hat fich die Delegation offenbar nicht erfundigt und die Sowjetleute hatten teine Beranlassung, ihnen die Wahrheit darüber zu sagen. So entpuppt sich von selbst auch dieser neueste Trick der Rommunistischen Internationale als eine fomietamtliche Darstel lung russischer Verhältnisse, gegeben diesmal von einer deutschen Arbeiterbelegation", die feinen Anspruch darauf erheben fann, authentisch zu sein. Die Moskauer haben es bisher ängstlich vermieden, Leute nach Rußland hineinzulaffen, die etwas von den Dingen verstanden. Vor allem ist bisher noch immer nicht die Ein- und Durchreise für Sowjetrußland freigegeben. Solange das nicht geschieht, solange nur Auserwählte unter amtlicher Führung ,, reisen dürfen, bleiben die Sowjetherrlichkeiten Botemfiniaden, auch menn mirtlich einzelne fozialdemokratische Arbeiter sich zu fommunistischen Reflamezweden mißbrauchen laffen. Kein Stresemann- Prozeß. Gegen die Rheinische Zeitung" Köln, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die besonders eifrige Kölner Staatsanwaltschaft hatte im vergangenen Frühjahr gegen die Berantwortlichen der Rheinischen Zeitung" eine Reihe Offizial flagen wegen Ministerbeleidigung eingeleitet. Nachdem in dem ersten dieser Beleidigungsprozesse der Reichsminister Stresemann nicht besonders rühmlich abgeschnitten hatte, ist in einem weiteren Falle, der ebenfalls wegen Beleidigung des Herrn Stresemann demnächst zur Borhandlung kommen sollte, das Berfahren gegen den angeklagten Redakteur von der Oberstaatsanwaltschaft plöglich eingestellt worden. Der Krieg in Syrien. Sueida gefallen? Paris, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Chicago Tribune" läßt sich aus Jerusalem melden, daß die Festung Sueida, die seit 14 Tagen von den aufständischen Drusen belagert wurde, gefallen set. Die fleine französische Garnison von 700 Mann, in der Hauptsache Algeriern und Syriern, sei gezwungen gewesen, sich aus Mangel an Munition und Wasser zu ergeben, doch habe sie porher sämtliche Geschüße zerstört. Ein Angriff der Drusen bei Ghazala sei von den französischen Truppen mit Hilfe von Tanks abgewiesen worden. Die Franzosen befänden sich noch im Besize der Eisenbahnlinie Dera- Damaskus. Eine offizielle Bestätigung dieser Meldung bleibt abzuwarten. Neue Vorstöße der Drusen. Paris, 31. August.( TB.) Der Sonderforrespondent des „ Temps" teilt mit, daß nach dem Korrespondenten einer hebräischen Zeitung in Damastus die Versuche, Friedensverhandlungen anzu Inüpfen, gescheitert seien. Die Drusen sollen während der legten zwei Wochen auf Damastus unablässig Bor. stöße unternommen haben. Sie hätten Ali und El Kiswa angegriffen, die von den franzöfifchen Garnisonen hätten geräumt werben müssen. Die Franzosen hätten Dor Alli eine Geldstrafe auferlegt, meil es den Drusen nicht habe Widerstand leiſten tönnen. Eröffnung der Boruntersuchung gegen den Kaufmann Schnapp. Gegen den Kaufmann Rudolf Schnapp, der am Verfassungstage den tödlichen Schuß auf das Mitglied des Frontbanners, Werner Dölle, abgegeben hat, ist jetzt die gerichtliche Boruntersuchung eröffnet worden. Es ist eine große Anzahl von Ent lastungszeugen namhaft gemacht worden. Uebrigens hat Schnapp nach seiner Haftentlassung eine Anzahl Drohbriefe erhalten. Diese Briefe find von der„ Feme" gezeichnet und mit roten hatenfreuzen versehen. Mit der Ermittlung der Urheber dieser Briefe ift augenblidlich die Bolizei beschäftigt. nach der der polnische Ministerpräsident Grabiti am 28. August Ein polnisches Dementi. Die durch Wolff verbreitete Meldung. nor Vertretern der Bresse und Wirtschaft ausgeführt haben soll, Bolen tonne ohne einen Handelsvertrag mit Deutschland nicht be. stehen, und ein Vertrag müsse unter allen Umständen abgeschlossen werden, wird vom polnischen Außenministerium dementiert. Der Kampf der Gewerkschaften. Leiparts Vorstandsbericht auf dem Breslauer Kongreß. Breslau, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Genosse Mertens- Belgien, der im Namen des Internationalen Gewertschaftsbundes und der ausländischen Delegierten den Kongreß begrüßte, wies, auf die vor ihm stehende Büste Laffalles deutend, darauf hin, daß durch dessen Name Breslau auch den Ausländern bekanntgeworden sei. Er erinnerte daran, daß in Deutschland die Gründung der Gewertschaftsinternationale durch den unver geßlichen Carl Legien erfolgt sei. Mertens ging dann auf den Erfolg der deutschen Arbeiterschaft während der Hochkonjunktur nach dem Kriege ein, die vor allem den großen internationalen Sieg des Achtffundentages brachte. In der Wirtschaftskrise, die inzwischen hereingebrochen ist, foll, so führte Mertens weiter aus, die Arbeiterschaft wieder um die Frucht dieses Erfolges gebracht werden. Der Gegenstoß erfolgt international: die Gegner der Arbeiter in Polen verweisen 3. B. auf die verlängerte Arbeitszeit in Deutschland, die in Deutsch: land wiederum erklären den Achtstundentag für Schlesien wegen der polnischen Konkurrenz unmöglich. Dieser internationalen Front müssen wir uns entgegenfeßen. Im Namen der Deutschöfter reicher bat Mertens, die österreichischen Arbeiter, die aus Mangel an Arbeitsgelegenheit in ihrem eigenen Lande ins Ausland tommen, nicht als Lohnbrüder anzusehen; fie feien gute Gewerkschaftler. Mertens schloß seine Rede mit dem Hinweis auf die junge Generation der Arbeiterklasse, deren Breslauer Ber treter am Sonntag eine eindrucksvolle Kundgebung zur Begrüßung des Rongreffes veranlaßt hatten. Diese Jugend werde das Banner zum Siege tragen, das uns allen voranleuchtet.( Starter Beifall.) Eine weitere Begrüßungsansprache hielt der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Berlin, Dona u. Er gab einen Ueber blick über die Leistung der internationalen Arbeitsorganisation und erklärte, daß mit wachsender deutscher Mitarbeit auch der deutsche Einfluß beim Internationalen Arbeitsamt wachsen werde. Lei part dankte diesem Redner, indem er Erleichterung der Mitarbeit der deutschen Gewerkschafter in Genf durch Mitbenugung der deutschen Sprache anregte. Für den AfA- Bund hielt Aufhäuser die Begrüßungsansprache, wobei er unterstrich, daß der Organisationsvertrag von Leipzig aus einer papiernen Bereinbarung zu lebendiger Wirklichfeit geworden ist. Er gelobte treue Waffenbrüderschaft der Angestelltenorganisation mit den Arbeitern auch für alle Zukunft. In ähnlichem Sinne sprach Faltenberg für den Allgemeinen Deut. schen Beamtenbund. Die Beamtenbewegung müsse zwar den besonderen Arbeitsbedingungen der Beamten im einzelnen Rechnung tragen, das fönne aber eine enge Arbeitsgemeinschaft mit den Organisationen der Angestellten und Arbeiter in feiner Weise hindern. Die weitere Borstandswahl ergab als Schriftführer Thiemig ( Fabritarbeiter), Bernhard( Baugewerksbund), Beifert( Befleidungsarbeiter), Alert( Holzarbeiter), Hemmerich( Buchdrucker) und Reichelt( Textilarbeiter). Den Geschäftsbericht des ADGB. erstattete Leipart. Er gab zunächst einen eingehenden Rückblick auf die politische Lage der letzten Jahre, in denen die organisierte Arbeiterschaft einen entschiedenen Kampf gegen die Reaktion für den jungen Staat vor Weimar führen mußte. Wenn es auch nicht gelang, die gesamte Arbeiterschaft an diese Front zu bringen, da die Kommunisten für die politische Aufgabe der lehten Jahre fein Verständnis aufwiesen, so waren doch die Maßnahmen der freien Gewerkschaften nach dem RathenauMord erfolgreich. Die organisierte deutsche Arbeiterschaft bildet heute die Kerntruppe der Republit, dank der Haltung der Gewerkschaften. Es gelang, eine Reihe politischer Forderungen der Ar beiterschaft zum Schuße der Republik durch Gewerkschaftsaktionen durchzusehen. Wenn auch die politische und wirtschaftliche Reaktion heute drohend ihr Haupt erhebt, so ist doch zu verzeichnen, daß die Republik mehr denn je gesichert erscheint. Die Tatsache, daß die Gewerkschaften auch politische Aufgaben übernehmen mußten, hat zu lebhaften Angriffen geführt. Es war den Unternehmern nicht angenehm, daß die Gemertschaften ihre wirtschaftliche Macht mit Hilfe der Sozialdemokratischen Partei auch politisch nugbar machen fonnten. Auch die bürgerliche Wissenschaft, vertreten z. B. Gewerkschaftsarbeit Stellung genommen. Obwohl jedoch neuerdings durch Profeffor Herkner, hat gegen eine derartige Entwicklung der nahmen der Regierung überaus starten Einfluß gewonnen haben, die Unternehmer auf die Gesetzgebung und auf die Verwaltungsmaß findet sich niemand gegen diese Beeinflussung. Aus der sozialpolitischen Arbeit der Gewerkschaften ist besonders die Sorge für die Erwerbslosen hervorzuheben. Der Bundesporstand drängte unaufhörlich auf die Regierung. Arbeitsgelegen heit zu schaffen. Gegen die geplante Aenderung der Arbeitslosen versicherung, wobei lediglich den Arbeitern und Unternehmern die gesamten Rosten auferlegt werden sollten, haben sich die Gemertschaften mit Entschiedenheit gewehrt. Sie drängten auf stärkere Heranziehung des Besizes und einen sozialeren Ausbau der gesamten Steuergefeßgebung. Gemeinsam mit Afa und ADB. murde eine besondere Steuertommiffion eingesetzt. auf Grund deren Arbeiten bereits zu Anfann 1923 die Quellenbesteuerung verlangt und die Erfassung der Sachmerte fowie die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt gefordert wurden. Wären die Vorschläge der Gerverfichaffen damals angenommen worden, dann wäre dem deutschen Bolte das Inflationsjahr 1923 mif feinen grauenvollen Folgen erfpart geblieben. Inzwischen haben die Rechtsparteien neue Steuergeseke angenommen, die gemeinsam mit den 3011 gelegen eine neue furcht. bare Teuerung über das deutsche Bolt bringen. Der Wider stand und Kampfwille der Arbeiterschaft war zu gering, um diese Entwicklung zu verhindern. Bei unserer Gegenmehr werden wir aber fein Mittel außer acht lassen. Der Kampf der Unternehmer und der mit ihnen verbündeten Reichsregierung wendet fich gegen das einzige Gut, das der deutschen Volksmaffe geblieben ist; die Arbeitskraft, die die einzige Quelle für den neuen Bolfswohlstand bilden fann, foll zerstört werden. Soweit hat der„ Retter" es bereits gebracht.( Stürmische Zustimmung.) Frauen und Kinder haben heute nicht mehr genug zu effen. Fleisch und andere Kräftigungsspeisen sind seit Monaten vom Tisch der Arbeiterfamilien verIwunden. Aufgabe der organisierten Arbeiter iſt es, diese Ent. widlung zu erkennen und sich für die schweren Lohnfämpfe der nächsten Monate zu rüsten. Die Verantwortung für das, was fommt, und für die bereits bestehende Verelendung haben nicht mir zu tragen. Die freien Gewerkschaften haben sich niemals davor gescheut, auch berechtigte Wünsche zurückzustellen, menn Staat und Gesellschaft in Gefahr maren. Gerade dieses Bewußtsein gibt uns umso mehr das Recht, auf die Rampfansage der Unternehmer mit aller Entschiedenheit zu antwor ten. Die Reichsregierung hat nichts Entscheidendes getan, um die Not der Arbeiterschaft zu lindern. Die Gewerkschaften haben bereits am Tage der Ruhrbesetzung auf die drohende Verelendung weiter Arbeiterschichten hingewiesen, die Regierung aber tat nichts für Millionengeschenken. Der Reichsarbeitsminister will jetzt noch nicht diese Bolksschichten, sondern unterstüßte nur die Unternehmer mit einsehen, wie sehr er sich über die Wirkung seiner Maßnahmen getäuscht hat. Die Beseitigung des Achtstundentages, die künftliche Niedrighalfung der Löhne haben in feiner Weise eine Steigerung der Produktion bewirkt. Die erwartete Berbilligung der Lebensmittel- und Verbrauchsgegenstände ist nirgends eingetreten. des Arbeitgeberverbandes, der einen 1918 von den Gewerkschaften Leipart polemisierte dann gegen v. Borsig, den Vorsitzenden und den Arbeitgebern an den Rat der Volksbeauftragten gerichteten spielen will, wobei er die inzwischen eingetretene Entwicklung Brief über den Achtstundentag jetzt gegen die Gewerkschaften aus Döllig übersieht. Borfig vergißt, daß der Achtstundentag 1919 bereits international anerkannt wurde. Ob der Achtstundender Haltung der deutschen Regierung ab, die leider bisher durch tag in Europa heute Wirklichkeit wird, hängt zum großen Teil von der Berwirklichung des Washingtoner Abkommens liefert. Der ihr Schwanken den Nachbarländern Gründe zur Verschiebung ADGB. wird mit aller Entschlossenheit für die Durchführung des Achtstundentages eintreten und fein Mittel unversucht lassen, bevor er zur letzten Waffe, dem Volfsentscheid, greift. Zunächst ist raft tariflich den Achtstundentag zu sichern. es aber Aufgabe des gewertschaftlichen Kampfes, aus eigener Leipart griff dann das Wort von der Mobilisierung feinen möglichst häufigen Generalstreit im Simme der Kommunisten der Massen auf. Er will darunter fein Alarmgeschrei und verstehen, sondern erklärte, Mobilisierung der Massen müffe darin bestehen, die gesamte Arbeiterschaft zunächst für die gewerkschaftliche Organisation zu gewinnen. Das Schlagwort von der Einheitsfront habe auch in zahl reichen Anträgen zum Kongreß seinen Niederschlag gefunden. Niemand sei ein treuerer Anhänger der Einheit der gesamten zivilifierten Arbeiterschaft als die deutschen Gewerkschaften, vor allem auch der freigemerfschaftliche Bundesvorstand. Aber die Einheit, die von den Kommunisten verlangt werde, sei eine ganz andere. Nachdem sie zunächst die heftigsten Kämpfe gegen die deutschen freien Gemertschaften geführt und sie als Berräter und Leibgardisten der Bourgeoisie beschimpft hätten, wollten sie jetzt angeblich eng mit ihnen zusammenarbeiten. Sinomjem aber erklärte bereits im Mai 1924 ausdrücklich die Einheitsfront nur für ein taftisches Manöver. Erobert die Mehrheit und wir werden Euch von der Taktik der Einheitsfront befreien rief er seinen Anhängern zu. Teutlicher noch hat Losowsti im April 1925 ausdrücklich betont, daß der Kampf für die Einheitsfront für die Kommunisten nur den 3wed habe, ein größeres Feld für die kommunistische Bewegung zu schaffen, eine Einheitsfront zu erreichen gegen Bourgeoisie und Sozialdemokratie! 3m fommunistischen Sinn stellt die Parole der Einheitsfront nichts anderes dar als die Zertrümmerung der Gewerkschaftseinheit, zumal für Deutschland Losowski noch speziell aufforderte, eine fommunistische Fraktion innerhalb des ADGB. zu organi fieren. Damit ist diese fommunistische Parole gerichtet.( Algemeine Zustimmung.) Im Jahresdurchschnitt bezahlte 1924 jedes Mitglied 19,27 M. Beiträge find dabei die Inflationsnachwirkungen zu berücksichtigen. Trotzdem 10 M. weniger als 1913. Allerdings bleibt viel zu tun übrig. zumal die Forderungen an die Gewertschaften bedeutend gestiegen sind. Es erscheint darum bringend notwendig für alle Verbände, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen und zwar über den Betrag von 1913 hinaus. Besonders hat der Bundesvorstand sich um Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot bemüht, und gemäß einem Leipziger Beschluß die Deutsche Wohnungsfürsorge- Gesellschaft A.-G. für Beamte, Arbeiter und Angestellte ins Leben gerufen. Diefe Ge sellschaft hat die auf fie gefeßten Hoffnungen bisher gerecht fertigt. Auch hat der Bundesvorstand nichts unversucht gelassen, um staatliche Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot durchzusehen. Die Regelung des Schlichtungsmesens, die Sorge für Arbeitsnachweise und Jugendorganisationen, der Bauarbeitersdu wurden in besonderer Weise berücksichtigt. um den Bauarbeiterschuß hat sich Genosse Heinke Berlin besonders verdient gemacht. Leipart spricht ihm den Dank der Gesamtbewegung aus.( Lebhafter Beifall.) Leipart gedenkt auch Adolf nicht mehr am Gewerkschaftsfongreß teilnehmen kann. Leipart dankt Cohens, der in seiner opferreichen Lebensbahn zum erstenmal auch ihm herzlich für treue Mitarbeit.( Lebhafter Beifall.) Die Mitgliederbewegung zeigt nach dem Niedergang infolge der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Jahre bereits neues Anwachsen. Eine besondere Aufgabe bietet die Heranziehung weiblicher Mitarbeiter, da die industrielle EntwickLung eine erstaunliche Zunahme der Arbeiterinnen gezeigt hat, die noch für die Organisation gewonnen werden müssen. Nicht alle Forderungen des Bundesvorstandes fonnten durchgesetzt werden. Wir haben getan, was in unserer Kraft lag. Möge der Kongreß in seinen Beratungen ernst und entschlossen die Grund lage für die kommenden Arbeiten legen, den Gewerkschaftsbund stärken und dadurch Entscheidendes für das Wohl des deutschen Proletariats leisten!( Lebhafter Beifall.) Bor Eröffnung der Debatte wurde festgestellt, daß eine ganze Anzahl von Anträgen zum Geschäftsbericht nicht genügend unter ftüßt find. Bon 43 Anträgen fallen daher 33 unter den Tisch: darunter find tommunistische Anträge auf Herstellung der Einheitsfront", Mißbilligung des Bundesvorstandes, Entsendung von Studienkommissionen nach Rußland usw., Gründung einer Gewerfschaftspartei, Befestigung der Schlichtungsgesetze und Wiederausnahme ausgeschlossener Mitglieder. In der Diskussion berichtet als erster Paul HoffmannSamburg über die Konsumvereine und deren Entwicklung. Troj vieler Hindernisse sei ein neuer Aufffieg der Konsumvereinsbewegung zu verzeichnen. Die vom Bundesvorstand vorgelegte Entschließung, die die Entwic lung der Konsumgenossenschaften begrüßt und ihre Unterstügung durch die organisierte Arbeiterschaft fordert, verdiene einstimmige Annahme. Im gleichen Sinn spricht Lesche für die„ Volks. fürsorge", die ebenfalls die Unterſtügung der organisierten Arbeiterschaft verdiene. arbeiterverbandes gestellten Antrag, der den Bundesvorstand ersucht, Dißmann begründet darauf einen vom Beirat des Metalldie Reichsregierung nochmals zur Einbringung einer Geseges vorlage für den Achtstundentag aufzufordern. Wenn sich die Regierung innerhalb einer bestimmten Frist nicht dazu verstehe, soll eine umfassende Bewegung zugunsten eines Volksentscheids her beigeführt werden. Da die Frage des Achtstundentages den Massen ans Herz gewachsen sei wie feine andere Errungenschaft der deutschen Gewerkschaften, werden auch zahlreiche noch außerhalb der OrganiEr erweiterte diese Betrachtung zu einem Ueberblick über die wirtfationen stehende Arbeiter für den sozialistischen Vorschlag stimmen. schaftliche und politische Lage in Deutschland, die durch die Erfolge der Reaktion charakterisiert werde. Hindenburg und Luther feien nicht nur Symbole für die Macht der Reaktion, sondern verständen ihre Macht positiv und rüdsichtslos auszunuzen. Die Industrieherren feien seit dem Ruhrkrieg von Sieg zu Sieg geschritten. Ihre vorläufigen Haupterfolge lägen in den neuen 3oll und Steuergesehen vor. Jegt versuchen sie aufs neue die Reichsregierung im Sinne ihrer Sonderinteressen zu beeinfluſſen, indem sie ganz wie 1923 über ihre Notlage beweglich flagen. Dißmann fließt mit der Aufforderung an den Rongreß, eine Kampfanfage an die wirtschaftliche und politische Reaktion zu richten, die alle erfolgversprechenden Mittel anzuwenden in Aus ficht stellt. Gewerkschaftsbewegung genommen haben. Er hat den Wunsch, daß es den chinesischen Arbeitern gelingen möge, durch die Begründung einer kräftigen Gewertschaftsbewegung und durch einen ununterbrochenen gewerkschaft lichen Stampf eine Berbesserung ihrer traurigen Lage herbeizuführen. Der JGB. wird jederzeit gerne bereit sein, den chinesischen Arbeitern in diesem Kampfe beizustehen. Trotzdem ist es dem JGB. wegen der ungetlärten Berhältnisse in China, wegen des Mangels ausreichender direkter Informationen, aber auch wegen der wirtschaftlichen Zustände den dem JGB. angeschlossenen Ländern nicht möglich, zurzeit eine internationale finanzielle Hilfsaktion einzuleiten. Den Im Frühjahr 1926 soll nach Sofia eine gewerkschaftliche Balkantonferenz einberufen werden, um die Gewerkschaftsbewegung in Osteuropa zu stärken und die Gewerkschaften der dortigen Länder miteinander in Verbindung zu bringen. gewerkschaftlichen Landeszentralen der benachbarten Länder und den Internationalen Berufsjekretariaten soll anheimgestellt werden, sich auf dieser Konferenz vertreten zu lassen. Die Frage der internationalen finanziellen hilfs. aktion soll auf die Tagesordnung der nächsten Ausschußigung gesetzt werden. Eine Gefte der Reichsbahngesellschaft. Freiwillige, aber unzulängliche Cohnerhöhungen. Die Reichsbahngesellschaft teilt mit: Die Schlichtungsverhand Lungen in dem Lohnstreit zwischen der Deutschen Reichsbahngesell- in schaft und den Gewestfchaften, die sich um die zum 31. Augufi gefündigten Lohnbestimmungen des Tarifvertrages drehen, waren am Donnerstag vergangener Woche dadurch gescheitert, daß die Arbeit nehmer vor der entscheidenden Abstimmung die Verhandlung verließen. Um die Reichsbahnarbeiter nicht unter der Verzögerung des Streits feiden zu loven, hat die Deutsche Reichsbahngesellschaft von fteh aus zum ersten September dieses Jahres alle die Lohnmaznahmen zugunsten ihrer Arbeiter angeordnet, die sie im Rahmen dessen, was nach ihrer Ansicht der Betrieb finanziell tragen kann, durchzuführen fich bei den Verhandlungen bereit erklärt hatte. So treten am 1. September dieses Jahres an einer großen Zahl von Orten und Wirtschaftsgebieten für die Reichsbahnarbeiter zum Teil nicht unwesentliche Lohnerhöhungen ein, wie in Berlin, Groß- Hamburg, Leipzig, Dresden, Chemniz. Zwickau, Münchett, Nürnberg, Augs burg, Würzburg, Groß Frankfurt a. M., Hannover, Bremen, Wesermündung, Ston, Ludwigshafen, Mannheim, Bürttemberg, Baden usw. Für die im Betrieb und Berkehr beschäftigteft Arbeiter wird die Schichtzulage erhöht, die Lohnbezüge einzelner Berufsflaffen, mie mechaniker ufm., werden verbessert. Auch wird die Deutsche Reichsbahngesellschaft voraussichtlich schon am 1. Oftober Dieses Jahres die Rangierzulagen für im Rangierdienst beschäftigte Arbeiter und Beamte wesentlich verbessern. Die ab 1. September dieses Jahres fälligen Mehrbezüge sollen den Arbeitern beim ersten Zahlungstermin gezahlt werden, um sie möglichst bald in den Genuß der ihnen zugedachten Berbesserung zu bringen und um jeden Zweifel daran zu beseitigen, daß der Ablauf des Streites selbst an der Bereitwilligkeit der Deutschen Reichsbahngesellschaft, ihre Zusagen einzulösen, nichts ändert. Zu dieser Abschlagszahlung ist zunächst zu bemerken, daß damit die Hauptverwaltung der Reichsbahn selbst zugesteht, daß die gegenwärtig gültigen Lohnfäge unhaltbar sind. Es ist weiter zu bemerken, daß die von der Reichsregierung unter dem Borgeben eines Preisatbaues ausgegebene Parole der Ab toppung jeder Lohnerhöhung damit von der Reichsbahn selbst durchbrochen wird. Daß die nur teilwei in übrigen ganz und gar unzulänglichen Lohnerhöhungen den Lohnkonflikt, der durch das Verhalten des Vorsitzenden der Schlichtungskammer im Reichsarbeitsministerium eine plögliche Berschärfung erfuhr, nicht aus der Welt geschafft ist, darüber dürfte fich auch die Hauptverwaltung der Reichsbahn nicht im Zweifel sein. Aber vielleicht hofft sie, durch diese Geftè und niel mehr ist es eigentlich nicht beruhigend zu wirken und den Weg freizumachen für ernste Berhandlungen vorausgesetzt, der Bille zu solchen ersten Berhandlungen besteht bei der Hauptverwalhung der Reithsbahn. Vorstandsfihung des JGB. ( 3GB.) An der Gigung vom 17. und 18. August nahmen alle Borstandsmitglieder feil. Unter anderem wurden folgende Befchlüsse gefaßt: g verur= Die friegerischen Greignisse in Maroft orgaben dem Vorstand Beranla jung, auf die bei prilberen Gelegenheiten gefaßten Beschlüsse hinzuweisen, die jede friegerische Handlung teilen, wobei zihen Kolonialkriegen und anderen Kriegen tein Unterschied gematyt murde. Der Vorstand spricht die Hoffnung aus, daß es in Maroffo bald zu einem Friedensschluß fommen wird. Dem Vorschlag des Generalrats der englischen Gewerkschaften entsprechend folf die nächste Ausschußfißung, die sich unter anderem auch mit der Frage Amsterdam- Mostau zu befchäftigen hat, nicht wie begiet war, im Oftober, sondern erst am 4. und 5. Dezember ftattfinden. = Generalversammlung der Eisenbahner. angenommen. Als befoldete Ortsverwaltungsmitglieder wurden gewählt: Winkler als 1. Bevollmächtigter, Schubert als 2. Bevollmächtigter( Beamtenvertreter), Jaser als Kassierer und Beilschmidt als Schriftführer. Mit einem dreifachen Hoch auf die deutsche Arbeiterbewegung und auf den Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands wurde die Generalversammlung geschlossen. Konflikt in der Zigarrenindustrie. Ein schwerer Lohnkonflikt besteht auch in der Zigarrenindustrie. Die Verhandlungen, die in Eisenach stattfanden, führten infolge der Haltung der Unternehmer zu feiner Einigung. Es sind daher schon Streits an verschiedenen Orten ausgebrochen. Auch die Berliner icher Stellung zu den Lohnverhandlungen. Dem allgemeinen Bigarrenarbeiter nahmen nach einem Referat des Gauleiters wunsch auf sofortige Arbeitsniederlegung fonnte nur mit dem Hinweis auf die am fommenden Donnerstag im Reichss arbeitsministerium stattfindenden Schlichtungsverhandlungen be gegnet werden. * Die nächste Vorstandsfizung wird am 8. Oftober stattfinden, der fich am 9. und 10. Oftober eine Konferenz mit den Interdes Lohnfonfliktes in der Zigarrenindustrie hat der vom ReichsBremen, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Zur Schlichtung nationalen Berufsfefretariaten anschließt. arbeitsministerium bestellte Schlichter die Parteien zu Berhandlungen eingeladen, die am 3. September in Berlin stattfinden sollten. Im berechtigten Unmut über die Ablehnung ihrer Lohnforderung haben in einigen Orten Schlesiens. Das hat dem Vorstand der Bezirksdie Zigarrenarbeiter in mehreren Orten die Arbeit eingestellt, so auch gruppe Schlesien des Unternehmerverbandes Veranlassung gegeben, mit der Aussperrung der Tabatarbeiter über ganz Schlesien zu drohen. Am 28. August fand die Generalversammlung der Ortsgruppe Berlin des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands für das 2. Quartal statt. Wintler, der bisher die Geschäfte für den verftorbenen 1. Bevollmächtigten Beeser führte, teilte einleitend mit, baß die Aufgaben dieser Generalversammlung von ganz besonderer Bedeutung sind. Nicht nur die Kölner Beschlüsse müssen voll zur Durchführung kommen, sondern die in der Generalversammlung anLohnkonflikt auch in der Rautabakinduftrie. wesenden Delegierten der früheren RG. müssen nunmehr mit den Bremen, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am 11. Auguft Kollegen des früheren DEV. gemeinsam den Aufbau der Orts fanden in Bad Sachsa Verhandlungen über eine von Nordhäuser gruppe Berfin vollziehen helfen. Von besonderer Wichtigkeit autabatarbeitern eingereichte 20prozentige Lohnerhöhung ist die Anwesenheit einer Studienkommission der österreichischen statt, die aber abgebrochen wurden, weil die Unternehmer die Lage Bruderorganisation unter Leitung des stellvertretenden Reichs- nochmals ftudieren wollten, um festzustellen, ob eine Zulage gemacht obmannes der Eisenbahner, Genossen Winter. werden könne. In Wirklichkeit wollten sie wie einer ihrer BerWinter führte etwa folgendes aus: Bei einem Betrieb, mie die treter qusplauderte feststellen, wie die Verbände der Industrie in Eisenbahn, gehört auch nur eine Organisation der Eisenbahner ihrer Gesamtheit, insbesondere die der Tabakindustrien und die Arunter Zusammenfassung aller Gruppen. Nur das geschlossene beitgeberverbände des Bezirks die wirtschaftliche Lage auffallen, mit anderen Worten, sie wollten ihr Verhalten von den Beschlüssen der Auftreten beim letzten Eisenbahnerstreit ermöglichte es, der österreichischen Verwaltung das Geforderte abzuringen. Er wünscht, anderen Unternehmerorganisationen abhängig machen. Nuamehr haben sie dem Deutschen Tabafarbeiterverband mitgeteilt, daß daß die früheren RG.- Mitglieder tüchtige Mitarbeiter im Einheitsverbande werden. Beamte und Arbeiter haben dieselben feinerlei Berechtigung für eine Lohnerhöhung vorliege und die Forde Lasten und den unerhörten Druck der deutschen Reichsbahnverwaltung abgelehnt worden jei. Daraufhin haben die Arbeite rinnen und Arbeiter der Nordhäuser Tabakindustrie, 1500 an der tung zu tragen, aber diese auch gemein fam abzumehren. Zustände, wie sie in dem deutschen Eisenbahnbetriebe anzutreffen find, 3ahl, die Kündigung eingereicht. wären in Desterreich einfach unmöglich. Er ging dann auf die Eroberung des Achtstundentages ein und seine Rückwärtsentwidelung in Deutschland. Er muß auch von den deutschen Eisenbahnern zurückerobert werden, weil diese Rückwärtsentwickelung sich auch auf andere Länder auswirkt. Winkler. gab dann den Geschäftsbericht und konnte feststellen, daß die Mitgliederbewegung des 2. Quartals fich auf der felben Linie fortbewegt hat wie im 1. Quartal. Er schilderte dann die überall eingetretenen 2ohntämpfe, von denen insbesondere die Eisenbahner nicht verschont bleiben werden, weil die Unternehmer, zu denen auch die Reichsbahnverwaltung zählt, nicht gewillt sind, der Teuerung entsprechend die Eisenbahnerlöhne zu erhöhen. Durch die Vereinigung im Einheitsverband wird die fünftige Arbeit der Orts verwaltung wohl größer und verantwortungsvoller werden, aber das gemeinsame Handeln der Lohn- und Gehaltsempfänger gegenüber der Berwaltung wird diese Arbeit erleichtern helfen. Daß der Einheitsgedante weitere Fortschritte unter den Berliner Eisenbahnern macht, wird dadurch bestätigt, daß in den nächsten Tagen auch die früheren Mitglieder des FEV. zum Einheitsverband zurückt ehren, um wieder gewertschaftliche Arbeit zu leiften. Jajer erstattete Bericht über den gedruckt vorliegenden Raffenbericht. Im allgemeinen fonnte festgestellt werden, daß die Beitragsleistung zufriedenstellend war. Berlangt wurde, daß der bisher erhobene Lokalzuschlag weiterhin bestehen bleibt. Die Generalversammlung beschloß auch demgemäß. Es wurde die Frage geprüft, ob die Ereignisse in China eine internationale jinanzielle Hilfsaktion der Gewertschaften möglich machen. Der GB. bringt selbstverständlich der Entwicklung der Berhäkniffe in Ching, das größte Intereffe entgegen und freut sich, daß die chinesischen Arbeiter anfangen, sich ihrer Menschenrechte be mußt zu werden und daß sie den Kampf gegen ihre Unterdrüder aufren Generaldiskussion wurde der Entwurf in seinen Grundzügen KittelBeilschmidt erstattete Bericht über die im Entwurf vor liegende Statutenänderung, die aus organisatorischen und agitatorischen Gründen notwendig geworden war. Nach einer längeGROSSER Tabakarbeiterstreik in Leipzig. Leipzig, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Tabalarbeiter in Leipzig forderten eine Rohnerhöhung von rund 20 Proz., was jedoch von den Arbeitgebern abgelehnt wurde. Da es zu einer Berständigung nicht kommen fonnte, find seit Sonnabend zirka 1000 Tabatarbeiter in den Ausstand getreten. Zuzug nach Leipzig ist fernzuhalten. Stillgelegte Rechen bringen Geld den Besitzern. Bochum, 31. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Daß auch Zechen des Ruhrgebietes, deren Stillegung bereits beschlossen ist, noch einen Käufer finden, eben deshalb, weil sie stillgelegt werden, zeigte sich jetzt beim Verkauf der Zeche Blankenburg" an der Ruhr. Die bereits gekündigte Belegschaft hatte gehofft, die Zurücknahme der Kündigung zu erreichen. Diese Hoffnung ist zuschanden geworden, da der Käufer der Zeche diese nur erwarb, weil sie stillgelegt wird und er damit in den Besitz ihrer Beteiligung am Kohlensyndikat gelangt. Jm rheinischen Braunkohlenrevier haben die Bergarbeiterver. bände das bestehende Lohnabtommen gefündigt. Sie fordern ab 1. Oktober eine Lohnerhöhung um 35 Proz ( Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen Zh. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Barwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Bissen". " HERBIT- VERKAUF Mengenabgabe Vorbehalten 190 Wait, Gr. 25 PL mehr kleidchenette 5-55 cm lang, was 90 Einknöpfanzüge 2-7 Jahre 675 bestehend aus gestreita Flanell Sporebluse u. Blatt.Cheviothose, 1,66,2Jahre Creñimple griff ei oder Beiden Damen- Strümpfe schwarz u. farb. PL Damen- Strümpfete, Hochferse a. Naht Damen- Striimple grims Mako, deinfidige 75 Qualität Damen- Strümperse and Naht.. Herren- Bouken starkte Ferse und Spitze sende, Doppelschle, 25 software and farbigy yer 75 Welt. 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Wo gibt es eigentlich in Berlin noch eine Straße, in der nicht gebaut und gebuddelt wird, und wo noch eine Straßenbahnlinie, die nicht über soundsoviel Notgleise fahren muß? Die Fahrgäste, die täglich das Bergnügen haben ( oder haben müffen), die Straßenbahn auf derartigen Streden zu benutzen, wiffen ein Klagelied von diesen nervenpeitschenden Fahrien zu singen. Man stelle sich vor: Ganz wahllos herausgegriffen irgendeine Straßenbahnlinie. Ein Stückchen glatte Fahrt, dann ver langjamtes Tempo, vorn ein Aufbäumen des Wagentolosses, und schwerfällig holpert der Triebwagen, den Anhängewagen quietschend nach sich schleifend, auf das Notgleise. Ein satanisches Geschautele. So geht es mitunter oft drei-, vier- oder fünfmal. Gleiserneuerung. Zunächst einmal soll die Straßenbahn zu Worte tommen. Man hat es bei vielen Gelegenheiten schon gehört. Erst der Krieg, Dann der allgemeine Geldmangel. Der Wagenpart fonnte nicht ergänzt werden, die Schienen wurden vernachlässigt, und es fonnie jahrelang nichts zur Behebung der Mängel getan werden. Mit der Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage mußte allmäh fich auch daran gedacht werden, die leidige Verkehrsfrage aufzurollen. Allein im vorigen Jahr wurden etwa 50 kilometer Gleife erneuerf und ausgebessert, und dieselbe Zahl soll auch in diesem Jahre erreicht werden. Hand in Hand mit der Betriebs- und Bauzentrale der Straßenbahn arbeitet die städtische Tiefbaudeputation. In vielen Fällen, von notwendigen Ausnahmen abgesehen, muß sich die Strokeubahm nach den Anordnungen der städtischen Tiefbaudepu tation wichten. Hieraus erklärt sich auch die Inangriffnahme der Gielsenanlagen und Reparaturen an so vielen Stellen der Stadt auf einmal. Die Gleise müssen in einem betriebssicheren Zustand gehalten werden, und gewöhnlich wird eine Linie auf der ganzen Strecke mit nicht mehr als drei Baustellen belastet, was immerhin genug ist. Daß Ringlinien oft von mehr Baustellen betroffen wer ven, ist eine bedauerliche Tatsache, die aber durch verschiedene Ilmstünde oft nicht zu umgehen ist. Zu diesem Zwed hat die Straßenbahut eine übersichtliche Verkehrstarte, auf der sämtliche Linien Des seidmet sind, im Gebrauch; und durch farbige Fähnchen sind darauf bie Baustellen markiert. Durch diese Uebersicht soll verhindert were den, daß eine Linie durch zuviele Baustellen auf einmal belastet wird. Biel Arbeit wird des Nachts geleistet, da der am Tage herrschende Fuhrwerksverkehr die Arbeiten starf behindern würde. Die oft aufgeworfene Frage, warum einzelne Straßenzüge während der Imbauzeit nicht ganz verkehrsstill" gelegt werden fönnen, muß 22] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Aber am Abend bekam ich es mit der Angst; denn die Unruhen auf der Straße hielten an, und, wenn mich meine Mutter einholen schickte, würde ich von den Jungen gefangen werden. Und das Fürchterliche geschah. Samuelsen fam unerwariet zu Besuch, und ich wurde nach Sahne und Kaffeekuchen geschidi. Ich blieb lange mit der Sahnenkanne in der Hand auf der Treppe stehen und spähte nach allen Seiten. Als ich glaubte, daß alles ruhig wäre, wagte ich mich auf die Straße hinaus; doch plötzlich tauchte ein Rudel aus dem Torweg auf. Sie waren auf dem Hof gewesen, um dort nachzusuchen. ,, Da ist er!" rief einer. Ich hatte keine Möglichkeit, ihnen zu entkommen und ging deshalb ganz ruhig auf sie zu. Einer von ihnen, ein blonder Junge mit Kommando stimme, steilte sich mir in den Weg und stützte sich friegerisch auf einen Stod, der länger als er selbst war. ,, Wo willst du hin? Du bist sicher der, den wir faffen wollen?" sagte er lauernd. Ich soll was einholen." ,, Schön; aber sicher bist du der, den mir gesucht haben." Alle anderen Jungen scharten sich zu einem Rudel hinter ihn. Sie hatten sämtlich lange Stöde und jahen unheilvertündend aus. Reiner, von ihnen sprach ein Wort. Ich bin nicht der, den ihr faffen wollt. Ich wohne da," jagte ich und zeigte auf unsere Haustür. Ich habe ihn aus der Türe kommen sehen," murmelte ciner aus der dunkeln Schar. ,, lind der, den ihr fassen wollt, wohnt da drüben!" Ich zeigte auf die Haustür, in die ich hineingelaufen war, als sie mich damals verfolgten. ,, Da wohnt ein Junge im vierten Stod. Er trägt eine Matrosenbluse gerade so wie ich; und er sieht auch ebenso aus; aber er ist ein bißchen größer." Ich war ganz starr im Gesicht und mir schien, daß, menn leider dahin beantwortet werden, daß das wegen unzureichenber Leitungsmöglichkeiten nicht durchführbar ist. Wie es an vielen Stellen der Fall ist, wird nach vollbrachter Nachtarbeit die Baustelle wieder provisorisch zugeschüttet, damit der tagsüber herrschende Berkehr nicht gefährdet wird und sich ungehindert abwidein tann. Die Auffassung, daß hier Arbeiten verkehrt oder nicht ausreichend ausgeführt worden sind, ist irrig, denn es handelt sich tatsächlich um die vor stehend angegebenen Gründe. Das Geräusch, das bei der Nachtarbeit in den erneuerungsbedürftigen Straßen entsteht, hat bei den Bewohnern der anliegenden Häuser schon viel ergernis hervor gerufen. Es wird faum möglich sein, diesem Lebelstand in irgendeiner Art abzuhelfen. Um die Erneuerungsarbeiten reftios durchführen zu fönnen, werden noch viele Jahre notwendig fein. Eine nennenswerte Erfindung auf dem Gebiete des Sprengens der Bementunterlage, auf der die Schienen ruhen, find die elektrisch befriebenen Sprengbohrmaschinen. Diese Maschinen sind vorerst aber nur an morfchen Stellen zu gebrauchen. An widerstandsfähigeren Zementschichten maß der Stahlfeil, von Menschenhand getrieben, Planets Die täglichen Arbeiten an den Schienen. ich lauter spräche, würde meine Stimme anfangen zu zittern, und wollte ich leiser sprechen, würde sie im Halfe ftecken bleiben. ,, Das stimmt, er ist etwas größer," sagte ein Junge mit einem runden Kopf. „ Sieh ihn dir genau an, Dewald," tommandierte der Führer. Oswald trat aus dem Haufen hervor und jah mich an. Ich stand ganz steif, die Sahnentanne vorgeftredt in der unbestimmten Ahnung, daß sie mir einen Anstrich von Unschuld verlieh, und ich fühlte die Furcht nur wie ein imruhiges Gemoge unter einer diden äußeren Schicht. ,, Nein, der hier ift fleiner." ,, Dann laßt ihn laufen," befahl der Anführer, und der ganze Haufe flapperte mit den Stöcken und zog weiter. Aber plötzlich fühlte ich eine wilde Lust, von dem anderen zu erzählen, der gleichfalls ich war. Ich wollte eine ganze Gestalt vor ihnen entstehen lassen, sie verwirren und fie dazu kriegen, etwas nicht Eriftierendem nachzujagen. Ich empfand eine füße Luft, ein anderer zu sein. ,, Er heißt Adolf," sagte ich. ,, Gut," sagte der Anführer, ohne sich umzudrehen. Er hatte nichts mehr mit mir darüber zu sprechen. Als ich mit der Sahne zurückkam, stand der Haufe noch dort; doch er hatte sich vergrößert. ,, Er hat nichts ausgefressen," hörte ich den Anführer sagen ,,, dafür stehe ich ein." Als ich die Treppe heraufging, lächelte ich. Ich hatte eine neue Art, etwas zu erleben, gefunden, die wollte ich Sejr am nächsten Tag mitteilen. Das war was Befferes als Tote und Männer, die im Keller lagen. Es war Hinterlist und Genuß. Am nächsten Tag ging ich hin und sah zu den Fenstern auf, wo Adolf wohnen sollte, der Junge, den ich aus eigen er sein Vater wohl sein könnte und in welche Schule er ginge. Machtvollkommenheit geschaffen hatte, und ich überlegte, was Ich kann mich deutlich auf die drei Fenster mit dem hellen Glanz auf den Scheiben, wie ihn alle Fenster in der oberen Etage hatten, besinnen. Da wohnte Adolf. 6. Waldemar hati öglich für Robert Scotts Geliebte. ein Halblut, die sich Miß May Darling nannte, Interesse gefaßt. Sie war flein und schmalschultrig. Die Züge waren scharf; doch ein langfames Lächeln konnte ihr Gesicht aus dem einer alten Bonersfrau in das eines Kindes verwandeln. Diefe Dienstag, 1. September 1925 in Tätigkeit treten. Zunächst find also die Aussichten für eine Besse rung der Straßenverhältnisse noch sehr gering, denn aus Betriebs. ficherheitsgründen können diese Arbeiten nur allmählich durchgeführt werden. Die Lebensdauer der Schienen. Die Schienen, die heute durch die vielen Neubauten in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt sind, erreichen immer hin ein ziemlich hohes Alter. Vor dem Kriege, als der Flußstahl, aus dem die Schienen bestehen, noch nicht die jeßige Festigkeit hatte, schätzte man die Lebensdauer auf etwa 18 bis 20 Jahre, je nach der Zibnukung bzw. der Dichte der Wagenfolge. Heute liegen die Dinge schon etwas anders. Die Lebensdauer ist mit dem Fortschritt der Technik bedeutend gestiegen. Die Schienen, die heute aus Flußstahl mit einer Festigkeit von 75 bis 85 Kilogramm pro Quadratmillimeter hergestellt werden, sind trotz der erhöhten Abnugung( hervorgerufen durch das Zusammenlegen mehrerer Linien auf einer Strecke) viel widerstandsfähiger. Eine Schiene kann nach der heutigen Materialzufammenjehung die schweren Straßenbahnwagen 22 bis 24 Jahre über sich hinwegrollen laffen. Einen weiteren bedeutenden Fort Ichritt bedeutet die Anwendung des Thermit- Schweißverfahrens zur Aufhebung der Stöße. Früher wurden die Schienen nur durch Laschen verbunden. Heute wird außer der Laschenverbindung der fleine Raum zwischen den Schienen durch das Schweißverfahren ausgefüllt, so daß für eine stoßfreie Fahrt gesorgt ist. Auf vielen Streden hat das Verfahren bereits Anwendung gefunden und sich tadellos bewährt. Das Rattern und Wackeln und das monotone gleichmäßige Klappern, wie man es noch bei Eisenbahnfahrten empfindet, ist dadurch völlig aufgehoben. * Erfreulicher ist die Nachricht, daß der Wagenpark der Berliner Straßenbahn durch die restlose Inbetriebnahme von 500 Anhänge magen( die sogenannten Kanarienvögel", des hellgelben Anstriches wegen) eine große Erweiterung erfahren hat. Vor allen Dingen handelte es fich hier um das Problem der Plazfrage, und endlich hat man nach langen Versuchen und Verbesserungen die neue Wagenart, mit den im Innern des Wagens rot ausgefleideten Sitzplätzen, als Standardtyp angenommen. Gleichfalls sind 500 Triebwagen, bei denen die Plagfrage gleichfalls gut gelöst ist, in Auftrag gegeben worden, von denen seit einigen Tagen bereits einige 20 Wagen im Berfehr stehen. Weitere Wagen folgen von Woche zu Woche in furzen Abständen. Wie auch die laufenden Neueinstellungen an Wagenmaterial zu begrüßen find, werden dennoch die Wünsche vieler Fahrgäste, nach dem Beispiel der Londoner Polizei zu verfahren nämlich eine polizeiliche Bestimmung herbeizuführen, die eine Ueberfüllung der Straßenbahnwagen Derbietet vor der Hand noch unerfüllbar bleiben. Eine Verordnung, die nur so viele Fahr gäfte zulaffen würde, als Sitzpläße vorhanden sind, würde im Eugen blid zu dauernden Exzessen und wahren Straßenkämpfen vor den Wagen führen. Das Platzangebot steht zu der Nachfrage noch im Scharfen Gegensah, der es vor dem Frühjahr kaum ermöglichen wird. an polizeifiche Berordnungen nach Londoner Beispiel zu denten. 53mal vorbestraft! Einer, der das Betrügen nicht lernt. Ein Mensch, dem anscheinend nicht mehr zu helfen ist, stand türzlich in der Berson des erst 35jährigen Karl Melchers vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Bon Beruf Handlungsgehilfe, hatte der Angeklagte aus Unluft zu geregelter Tätigkeit sehr bald versucht, sich durch Betrügereien eine leichtere Einnahmequelle zu verschaffen Nicht weniger als drefundfünfzigmal war er deshalb schon vor bestraft. Er hatte das Bech, meist schon beim Versuch ber Ausführung der Polizei in die Hände zu fallen. Auch diesmal war es ihm wieder fo ergangen. Er hatte versucht, un ete goldene Ringe, die er für 30 Pfennig eingekauft hatte, als edyte mit echten Steinen für 12 Mart pro Stück in den Hani el zu bringen; man sieht, ein ganz einträgliches Geschäft, wenn's Plappt. Er hatte mun dabei das Unglück, gleich in dem ersten Intereffenten für seine billige Ware einem Sachverständigen, nämlich einem Juwelier, zu begegnen, der ihn sofort festnehmen ließ. Also auch diesmal blieb es bei dem Bersuch. Der Vorsitzende gab Melchers den guten Rat, fich doch endlich von der Zwecklosigkeit Jeiner Bemühungen zu überzeugen; mit Rüdficht auf feine Uns Derbefferlichkeit und seine vielen Borstrafen wurde er zu einem Jahr Zuchthaus und 150 M. Geldstrafe bei zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Berwandlung war betörend fchön und konnte ohne äußere Beranlaffung vor fich gehen. Plötzlich saß sie da und sah vor sich hin mit ihren schwarzen Augen; fie lächelte und war jünger als eine Frau. Robert Scott und Waldemar hatten einen Ausflug vera abredet. Waldemar sollte Miß Darling in seinem kleinen Automobil abholen und danach ihn, und sie wollten eine lange Tour bis nach Siccamei machen. Aber als er mit ihr zujammen vor dem Hotel hielt, wo Scott wohnte, kam der Robert Scott war un Bortier mit einem Brief heraus. erwartet abgereift. Sie waren beide sehr überrascht. Miß May war enttäuscht wie ein Rind. Waldemar fühlte ihre asiatischen, dunk. len Augen auf fich ruhen. Ihre dünnen Hände zupften un ruhig an den Spigen ihres Kleides im europäischen Schnitt, das in merkwürdigen Falten sich um ihre jungenhafte Gestalt legte. Man mußte fie in dieser Tracht, die leppigkeit und Fülle versprach, gleichsam suchen. Als er sie fo findlich enttäuscht fah, beschloß Waldemar, die Tour nicht aufzugeben, und die Wirkung feiner Worte überwältigte ihn wie ein plöglicher Regenguß. Sie geriet ganz außer fich. Kleine, gedämpfte Schreie, die so dünn und so hoch im Ton waren, daß ein Europäer fie erst in eine volle Frauenstimme übersehen mußte, um sie zu verstehen, kurze, zahllose Handbewegungen, als riffe fie unsichtbare Blumen aus der Luft und ließe sie zwischen den Fingern wegflattern, und ein Gelächel, eine Prozeffion von inneren Fackeln, die mur für sie felbft brannten. Erft als fie Erlaubnis befam, am Steuer zu fizen, wurde fie ruhig. Sie fuhr wie ein Berrückter; doch ihr Gesicht blieb verschlossen und die Augen blickten groß und unergründlich. Waldemar wurde mehr und mehr von diesem wilden Jungen, der zugleich ein Eeib war, bezaubert. Zuweilen wirfte das jungenhafte in ihren Bewegungen so beruhigend, daß er sich über sie beugte, wie er sich auch über einen Sohn gebeugt hätte; doch plötzlich fonnte eine Bemegung mit dem Körper, ihre zuckenden Schultern, ein unvorhergesehener Stoß mit dem Knie verraten, daß sie eine Frau war, und er fühlte sein Herz in sanfter Unruhe flopfen. Es wurde eine herrliche Fahrt, so herrlich, wie zwei Kinder sie eben erleben können; aber als Waldemar sie am Abend vor ihrem Haus absetzte, war sie verdrießlich, und er fuhr nach Hause, beunruhigt von dem Gedanken eines Erwachsenen. ( Fortfehung folgt.) Rückfällige Diebe. Rückfall" tritt beim dritten Eigentumsverbrechen ein, bei zwei verbüßten Strafen. Werden mildernde Umstände versagt, so ist die Mindeststrafe Zuchthaus nicht unter zwei Jahren. Bei mildernden Umständen fann die Strafe bis zu drei Monaten hinabsteigen. Ge fängnis hilft aber in der Regel ebensowenig wie Zuchthaus. Strafe folgt gewöhnlich auf Strafe. Nicht selten find. es nur fleine Atempausen zwischen zwei Strafen, die dem Rüdfälligen vergönnt werden. Es gibt oft auch ganz besondere Unglückspinsel. Hier einige Beispiele dafür: Der schwere" Junge. Er ist etwa 35 Jahre alt, macht einen intelligenten Eindruck. Erst im Jahre 1922 begann feine„ Diebeslaufbahn". Sie verlief aber stürmisch: er erlitt in dieser kurzen Zeitspanne nicht weniger als fechs Strafen. Die letzte lautete auf zwei Jahre elf Monate. Erst Ende Juli hat er in Bayern das Zuchthaus ver: lossen. Er wurde ausgewiesen; wie er sagt, fam er zerlumpt, abgeriffen, mit 13 Mart in der Tasche in Berlin an. An die Gefangenenfürsorge hat er sich nicht gewandt. Er will eine Stelle angenommen haben, doch soll durch das Finanzamt hier seine Strafe befannt geworden sein. Er wurde entlassen. Berteilte Bettel auf den Straßen. Hatte meber Gelb, Miete zu bezahlen, noch folches, sich etwas zu effen zu kaufen. Er erbrach den Schrank, wo er Quartier hatte und verkaufte die Sachen für 80 Mart. Sie sind dem Hehler wieder abgenommen. Er bittet um Nachsicht, hält eine lange Rede über die Nutzlosigkeit des Gefängnisses, das doch nicht bessere und erhält zwei Jahre Zuchthaus. Er weiß nicht, ob er die Strafe annehmen soll, nimmt sie schließlich doch an. 3wei Jahre elf Monate Zuchthaus, vierzehn Tage Freiheit, zwei Jahre Zuchthaus. Ist das ein Leben? Der Taschendieb. Der Mann ist zwanzig Jahre alt, sieht noch jünger aus. Ein Bole von der Zunft der Taschendiebe. Das Gericht fennt ihn bereits von der letzten Strafe her. Sie ist am 1. März 1924 verhängt worden und lautet auf ein Jahr drei Monate. Bordem hatte er bereits im Jahre 1923 zwei Strafen wegen Taschendiebstahls verbüßt. Erft vor acht Tagen ist er aus dem Polizeipräsidium entlassen worden, in vierzehn Tagen muß er Berlin verlassen. Acht Tage lief er arbeits- und obdachlos in Berlin herum. Unterwegs zum polnischen Konsul, so behauptet er menigstens, versuchte er aber wieder einmal sein Taschendiebeglück. Er versentte seine Hand in die Tasche eines Chauffeurs, der, auf seinem Wagen sigend, fich in das Treiben des Wochenmarktes am Wittenbergplay vertieft hatte. Die Hand wurde gefaßt, und nun beantragt der Staatsanwalt ein Jahr neun Monate Gefängnis." Was sagen Sie dazu?" Ich mache das nicht mehr." Das Urteil: ein Jahr sechs Monate. So darf er in Deutschland bleiben, allerdings im Gefängnis. Die Ladendiebin. 13 Sie meint schon im voraus, ist 24 Jahre alt, hat zu Hause ein Kind und einen Mann, mit dem fie lebt. Seit 1922 geht es schon so: immer wieder waren Hausdiebstähle. Sechs Strafen hat fie bereits verbüßt. Eine fiebente Sache schwebt. Das legtemal mußte fie fich in einem Warenhaus durch ihre Unterschrift ver. pflichten, das Warenhaus nicht mehr zu betreten. Sie hat das Berbot durchbrochen und hat, als sie am Krawattenstand vorbeikam, und sich unbeobachtet glaubte, zwei Schlipse gestohlen. Nun hat sie sich wegen Warenhausdiebstahls und Hausfriedensbruchs zu ver= antworten. Ich will mir ja nichts mehr zuschulden kommen laffen. Ich fann ja nichts dafür." Tränen. Das Urteil: Fünf Monate Gefängnis für Diebstahl, eine Woche für Haus friedensbruch. Das letztemal hatte sie fünf Monate Gefängnis für ein paar gestohlene Hosen bekommen. Im bürgerlichen Leben ist sie Wäscherin. Auch ein Rückfälliger. Er ist vielemale vorbestraft und versucht, 35jährig, als Kutscher ehrlich sein Brot zu verdienen. Das ist aber gar nicht so leicht, wenn man es anders gewohnt ist. So hat er ganze fünf Wagen mit Steinen verschoben. 4000 Steine werden ihm zur Laft gelegt allerdings eine schmere Last. 1600 will er auf sein Gewissen haben.„ Ale Kutscher haben Steine ver. fchoben. Sie liegen noch auf viel mehr Stellen. Ich will fie Ihnen zeigen, wenn ich freigesprochen werde." Der erschienene Fuhrherr, der für den Schaden aufzukommen hat, bittet um Frei laffung des Angeklagten. Dies geschieht. Die Sache wird vertagt. Das neue Strafgesetzbuch will dem Richter die Möglichkeit geben, neben Gefängnis- und Zuchthausstrafen auf langjährige Bewahrung als Sicherheitsmaßnahme gegen gemeingefährliche Berbrecher zu erkennen. Eins von beiden, entweder Gefängnis oder Eicherheismaßnahme. Das eine neben dem anderen erscheint widerfinnig. Das Reichsbanner in Neustrelitz und Fürstenwalde. Eine Stadtverwaltung schmüdi schwarzrotgold. Bum ersten Male hat eine deutsche Stadtverwaltung mit erheb. lichen materiellen Opfern für die Ausschmückung der öffentlichen Gebäude und Pläße aus Anlaß einer Reichsbannerveranstaltung gesorgt. In Neustrelig, wo am Sonntag, den 30. Auguft, unter großer Beteiligung der Bevölkerung und der Kameradschaften aus ben beiden Medlenburg und aus der Provinz Brandenburg die Reichsbannerfahnen von Neustrelitz und Benzlin geweiht wurden, hat die Stadtverwaltung nicht nur die Reichsbannerfameraden offiziell begrüßen lassen, sondern auch das Rathaus in der ganzen Ausdehnung der beiden Straßenfronten mit fchwarzrot goldenen Fahnen und solchen in den Landesfarben geschmückt. Außerdem hat die Stadtverwaltung an den Ausgängen zum Marktplatz und in den Hauptstraßen, sowie am Bahnhof Ehrenpforfen, die mit Girlanden aus Tannengrün verbunden waren, errichten laffen. Die anderen Städte im Deutschen Reich fönnen sich an der Neustrelißer Stadtverwaltung ein Beispiel nehmen, daß sie in der Hauptstadt eines Landes, in der die Reaktion noch auf dem flachen Lande thront, keinerlei Bedenten hatte, ein Fest der größten republitanischen Organisation des Reiches zu verschönern. Den Teilnehmern wird der Eindruck, den sie mitnehmen konnten, und der durch das herzliche und begeisterte Berhalten der Einwohner noch verstärkt wurde, unvergeßlich sein. Die Fest- und Weiherede hielt Genosse Erwin Barth aus Berlin, der unter lauter 3ustimmung der Tausenden von Festteilnehmern besonders auf die Borpostenftellung des Mecklenburger Reichsbanners hinwies. Zentrumsjugend für die Republik. Auch in der Spreestadt Fürstenwalde nahm die Kundgebung des Reichsbanners einen glänzenden Verlauf; es beteiligten fich ungefähr 6000 Rameraden in Bannerkleidung. Bei dem Fadelzug am Sonnabend sprach für den Gauvorstand des Reichs banners Martin Schneider, der, von dem Jahrestag der Unter zeichnung des Dawes Gutachtens ausgehend, das Berhalten der Deutschnationalen in der Regierung scharf geißelte. Bei der Fahnen. weihe am Sonntag sprach nach herzlichen Begrüßungsworten des Bürgermeisters von Fürstenwalde, Genoffe Stoll, Landtage präfi bent Peus Dessau, der sich in einer glänzenden Rede gegen Juntertum und Großgrundbesig wandte. Die 3a hl der Republifaner, so führte er aus, fei zu groß, als daß die Rechtsverbände noch einmal wagen dürften, mit Gewalt gegen die Verfassung vorzugehen. Der Borsigende der Windthorst- Bünde, Kamerad 3 immermann, legte ein in diesem Augenblick besonders bemerkenswertes nachdrückliches Betenntnis der Zentrumsjugend zur Repu blit ab und erwähnte, daß die jungen Zentrumsleute auf ihrer Reise zum Reichsjugendtag in Heidelberg Halt gemacht hätten, um am Grabe Friedrich Eberts einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife niederzulegen. Die nichtswürdige Gefinnung der Rechtsputschisten äußerte sich derart überheblich und provozierend, daß fie die Reichsbannerleute zur energischen und erfolgreichen Abwehr zwangen. Verunglückt oder ermordet? Ein geheimnisvoller Borfall in den Dolomiten. Vor einigen Wochen tam nach Berlin die Nachricht, daß der Bostrat Paul Bennezet aus Berlin bei einer Tour in den Dolomiten abgestürzt und verunglückt sei. Bon der Oberpostdirektion wurde ein Beamter dorthin entsandt und mit genauer Nachforschung beauftragt. Seine Ermittlungen lassen die Möglichkeit eines Un glücksfalles, namentlich eines Absturzes, als sehr zweifelhaft erscheinen. Es besteht vielmehr der dringende Verdacht, daß er das Opfer eines Raubüberfalles geworden ist, und es wird vermutet, daß der Mörder den Leichnam im Gebüsch oder unter Geröll verscharrt hat.. für die Kriminalbeamten Verwendung finden soll. Außer Konzert und sonstige Darbietungen ist ein Preisausschreiben geplant, das auf den friminalpolizeilichen Charakter des Festes hinweisen und die Notwendigkeit eines Zusammenwirtens zwischen Bublifum und Polizei betonen foll. Das Publitum wird aufgefordert, aus der Zahl der Besucher des Lunaparkes drei vorher bestimmte friminalpolizeilich genau beschriebene Personen herauszufinden. AlPreis wird die Gesamtsumme von 1000 Mart ausgesezt. Großfeuer am Kottbuser Damm. 7 Uhr Ein Dachstuhl in Flammen. Brandstiftung. Die Wehren von Neukölln und Briz wurden gegen abends zum Hohenstaufenplay gerufen, wo der Dachstuhl des Hauses Rottbuser Damm 22 in hellen Flammen stand. Der Dachstuhl hat einen Umfang von zirka 10 bis 12 Meter und stand in seiner gefamten Ausdehnung in hellen Flammen. Mit sieben Hydranten rückten die Wehren, die noch von außerhalb liegenden Stationen Suffurs befamen, dem umfangreichen Brand zu Leibe und begannen den Dachboden unter Wasser zu setzen. Oberbrandireitor Gamp war persönlich an der Brandstelle erschienen und leitete die Isolierungs- und Löschmaßnahmen. Die Gefahr war überaus groß, daß die unterliegenden Stockwerke von dem schweren Feuer, das infolge des ungünstigen Windes unerhörte Ausdehnung gewann, ergriffen wurden. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht von dem Brand durch Neukölln verbreitet. Schon in siebenter Abendstunde war die Umgebung der Brandstätte von einem dichten Neugierigenkordon Beamte zu Fuß mußten die Menschenmassen abdrängen, was stürmische Szenen und erregte Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Gegen 8 Uhr war der Brand nach intensivster Tätigkeit isoliert und die Gefahr eines Umfichgreifens des Feuers beseitigt. Der Dachboden ist bis auf den letzten Holzsparren ausgebrannt. Eine Besichtigung der Brandstätte, die die Presse unter Leitung von Oberbranddirektor Bamp vornahm, ließ eine rauchende Trümmerstätte sehen, Schuttlachen, aus denen sich noch glühende verqualmte Balten aufbogen. Fest steht, daß Brandstiftung vorliegt, da das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen zum Ausbruch fam. Ueber die Motive der verbrecherischen Tat, sowie über ihre Urheber tappt man noch völlig im Dunkeln. Das Brandattentat muß mit großer Sorgfalt inszeniert worden sein, denn als die Wehren furz nach dem ersten Alarm anrückten, hatten die Flammen schon den gesamten Komplex ergriffen. Die Löscharbeiten gestalteten sich einigermaßen schwierig, da es fast unmöglich war, dem Brand außer durch Wassermengen mit Beil und Hacke beizukommen, weil die Rauch- und Flammenentwicklung eine eminent starte war. Gegen 8 Uhr schien die Hauptgefahr beseitigt. Irgendwelche Unglücksfälle sind zum Glück nicht zu verzeichnen. Bennezet ist mit seiner Frau am 6. August in Schluderbach ( Karbonin) eingetroffen. Am 7. trat er allein eine Wanderung nach der Dreizinnenhütte an. Von dieser Wanderung ist er nicht zurüd gefehrt. Eine Nachprüfung des Hüttenbuches ergab, daß er dort ebenfalls nicht angelangt ist. Er muß also auf dem Wege dorthin am 7. August umgekommen sein. Das Ehepaar Bennezet hat einige Tage zuvor die Bekanntschaft eines Herrn Latow" oder„ Flaumfäumt. Berittene Schutzpolizei jowie mit Karabinern bewaffnete to w" gemacht. Mit diesem Herrn traf es am 4. August in Bochen stein( Bieve) zusammen und begegnete ihm nochmals am 6. August in Schluderbach. Flatom wollte am selben Tage aus Schluderbach abreisen. Es ist aber möglich, daß er seine Abreise verschoben und mit Bennezet noch eine Verabredung für den 7. August getroffen hat. In diesem Falle würde er imftande sein, über einen etwaigen Unglücksfall Auskunft zu geben. Er wird deshalb bringend ersucht, fich bei der Oberpostdirektion in der Neuen Königstraße in Berlin zu melden. Flatow ist ein Mann von etwa 40 Jahren, der auffallen derweise ganz weißes Haar hat. Er gab an, aus Rostock zu stammen und jetzt in Tempelhof zu wohnen. Außer Flatow tönnen aber auch andere Berliner Touristen dem Bostrat am 7. Auguft auf dem Wege zur Dreizinnenhütte begegnet oder ein Stück Weges mit ihm zusammen gewandert sein. Bennezet war 53 Jahre alt, 1,68 Meter groß, hat blaugraue Augen, graumeliertes Haar und Schnurrbart und trug eine pfefferfarbene Sporthose, ein graues Jadeft, eine graue Weste, einen grauen Hut und schwarze genagelte Militärstiefel. Er führte einen blauen Lodenmantel und einen einfachen Stock bei sich, aber feinen Rucksack. In einem Brustbeutel hatte er 1800 Lire und eine unbekannte Summe in deutschem Gelde. Auf die Ermittlung des Termißten sind von der Familie 500 Mart Belohnung ausgesetzt worden. Alle zweckbienlichen Nachrichten sind an die Oberpostdirektion im Zimmer 441 in der Neuen Königstraße zu richten. Ein gefährlicher Fußbodenbelag. Der Verband deutscher Linoleumfabritanten veranstaltete in einem provisorisch hergerichteten Versuchslaboratorium in dem ehe maligen Passagekaufhaus in der Friedrichstraße eine sehr interessante Vorführung physikalischer und chemischer Versuche. Es handelte sich darum, die Widerstandsfähigkeit des Linoleums und des linoleum artigen Triolins bei Hize und Feuereinwirkung zu zeigen. Die zahlreichen Interessenten, die sich eingefunden hatten, u. a. Vertreter der Reichsbahn, der Post, der Berliner Feuerwehr, des Reichstages usw. waren immerhin erstaunt über die er plosivartige Feuer gefährlichkeit des Triolins, das als Bodenbelag in Gebäuden der Post und Wagen der Reichsbahn seit einiger Zeit Bermendung findet. Triolin wird zum größten Teil aus Schießbaumwolle hergestellt. Die Bersuche, die ausgeführt wurden, gaben den Vertretern der Behörden Anlaß, schwere Bedenken zu äußern gegen eine weitere Verwendung des feuergefährlichen Triolins in feiner jezigen Beschaffenheit. Ohne Partei für das eine oder andere Fabrikat zu nehmen, fann man es begrüßen, daß der Wohlfahrtsminister, das Gesundheitsamt und die Berliner Feuermehr bereits die nötigen Schritte unternommen haben, um die Angelegenheit nochmals einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Unfallfürsorge in den Freibädern. Die Freibäder brauchen mehr Rettungseinrichtungen. Erfreulicherweise hat in den letzten Jahren die Freibade bemegung innerhalb Groß- Berlins erhebliche. Ausdehnung ge= funden, und in den vergangenen heißen Tagen haben sich Tausende und aber Tausende von Menschen in Berliner Gewässern getummelt. Leider ist das Baden im freien Wasser nicht ohne Gefahr, wie die vielen tödlichen Unglücksfälle in diesem Jahre beweisen. Eine gewisse Sicherheit ist nur gegeben in den von fachmännischer Seite geleiteten städtischen Freibädern, mo gegen ein ganz ge= ringes Entgelt die Badenden unter ständiger Aufsicht von geschultem Badepersonal stehen, abgesehen von vielen weiteren Annehm lichkeiten, wie z. B. Gelegenheit zur Einnahme von Erfrischungen, geregelte Garderobenverhältnisse, sauber gehaltene Toiletten, fani täre usw. Im Hilfe städtischen Freibad Wannsee, welches vom Stadtverordneten Genossen Clajus aufgebaut und organisiert wurde, hat sich seit der Uebernahme in die städtische Verwaltung noch fein tödlicher Unglücksfall ereignet. Auch in den anderen städtischen Bädern ist die Unglücksziffer gegenüber den in offenen, jeder Aufsicht entbehrenden Badestellen gering zu nennen, so daß es im eigenen Intereffe der badeluftigen Berliner liegt, die städtischen Freibäder zu benutzen. Der Zentralverband der Freibadvereine", welcher in allen städtischen Freibädern äußerst wertvolle ehrenamtliche Arbeit leiftet, hat sich wiederholt an die städtischen Körperschaften um finan zielle Unterstütung gewandt, um an denjenigen Badestellen, wo sich zwar keine geregelten Freibäder befinden, wohl aber mit glieder der Freibadvereine ihre Belte aufschlagen und auch dem entsprechende Gebühren an die Stadt zahlen, Einrichtungen für die erste Hilfe zu schaffen und so nach Möglichkeit die tödlichen Unglücksfälle auf ein Minimum herabzudrücken. Leider find die Bemühungen wegen Rompetenzstreitigkeiten der einzelnen Berwaltungen ohne Erfolg geblieben. Mangel an finanziellen Mitteln tann nicht in Frage fommen, es bleibt doch die Pflicht der Stadt Berlin, an ihren Gewässern für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. forgen. Wir hoffen. daß fich die städtischen Körperschaften baldigft der Sache annehmen und im nächsten Jahre durch Zusammenfaffung aller Freibäder in einer fach- und tenntnisreichen Hand für die Besserung dieser Dinge sorgt. Sonntagsausflug nach dem Südharz. Für Sonntag, den 6. September, ist eine Sonderzugfahrt in das Kyffhäusergebirge und das Höhlengebiet des Südharzes geplant. Abfahrt Anhalter Bahnhof 6,06 Uhr morgens, an Berga- Kelbra 10,35 Uhr, zurück 7,25 Uhr nachmittags, an Berlin, Anhalter Bahnhof 12,04 Uhr nachts. Es werden der Kyffhäuser und die„ 5) eimfehle", die größte, 2000 Meter lange Höhle Deutschlands, besucht. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt 10,80 m., einschließlich Benuzung der Kyffhäuser- Kleinbahn bis Sittendorf und der Streda BergaKelbra- Uftrungen. Die Tageseinteilung ermöglicht sowohl den Besuch des ,, Kyffhäusers", als auch der ,, Heimtehle". Der Fahrkartenverfauf beginnt mittwoch, 2. September, bei den Fahr. fartenausgaben Anhalter Bahnhof und Lichterfelde- Dft, sowie bet den üblichen Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus. Nähere Angaben enthalten die Befanntmachungen auf den Bahnhöfen GroßBerlins. Die Berliner Kriminalpolizei veranstaltet am Sonnabend, den 5. September, 3 1hr nachmittags, in den Gesamträumen des Lunapartes im Rahmen der sonstigen Veranstaltungen ein Fest, dessen Reinertrag zur Gründung eines Unterstügungsfonds Die Kleingärtner vom Wedding. Ein Häuschen hinter grünen Heden, inmitten blühender Blumenbeete, wo Bäume mit lachenden Früchten gedeihen, dürfte von jeher der Wunsch des Großstadtmenschen, der eingeengt in großen Mietfasernen haust. gewesen sein. Daß die wenigen, die draußen oder unmittelbar am Rand der Millionenstadt ein Stückchen Laubenland oder ein Gärtchen befizen, daran mit sorgender Liebe, aber auch mit wachsender Sorge hängen, ist leicht verständlich. Noch ist der Widerhall der vielen Proteste der Berliner Kleingärtner nicht verflungen, die in berechtigter Abwehr fordern, nicht immer dem Gefühl des Vertriebenwerdens" ausgesetzt zu sein. Die Kleingärtner des Bezirksamts Wedding haben in geradezu musterhafter Weise in den Pharusjälen in der Müllerstraße eine Ausstellung veranstaltet, die wieder einmal zeigt, was Liebe und sorgende Mühe der Kleingärtner zu erreichen vermögen. Die Ausstellung prangt im schwarzrotgoldenen und roten Flaggenschmud, 23 Vereine und mehrere Einzelaussteller standen sich im friedlichen Streit um die zahlreich gespendeten Breise des Bezirksamtes und vieler Privatfirmen gegenüber. Und so sieht man denn Aepfel und Birnen, Kürbisse von erstaunlicher Größe einer davon wiegt 95 Pfund, Gurken, blaue Tomaten, Baprifa und eine Unmenge leuchtender Blumenfelche. Auch die Tierschau ist sehr reichhaltig. Hier gibt es wahre Brachttiere von Kaninchen, Hühnern, Gänsen und Tauben. Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag hielt Herr Reinhold, Vorfizender des Reichsverbandes der Kleingärtner, die Festrede, die Bürgermeister Gen. Leid im Sinne der Kleingärtner beantwortete. Er betonte, daß die Bewegung in ihm einen willigen Fürsprecher finden werde, daß er alles, was in seinen Kräften stehe, zum Wohl der Kleingärtner tun werde. Nicht zuguterletzt schulden wir Städter der Kleingärtnern größten Dant, denn da, wo die Pläge früher Müllabladeftellen dienten und das Stadtbild verunzierten, sind heute musterhafte Gärten, die das Auge erfreuen. Das Kleingartenamt des Bezirks Wedding hat farbenprächtige Dahlien, Sommerblumen und Palmen ausgestellt. Großes Interesse fand die Ausstellung der Biologischen Reichsanstalt Dahlem, die PflanzenSchuh, Schädlingsbekämpfung und Bogelschutz zum Nutzen des Kleingartens bot. „ Dem 25. Oftober," dem Tag der Neuwahlen zur Stadtver ordnetenversammlung und zu den 20 Bezirksversammlungen in Berlin, ist die soeben erschienene Septembernummer der„ Kommunalen Blätter für Groß- Berlin" gewidmet. Der gesamte Inhalt: 3um Wahlkampf, 3um 25. Oftober, Rathausparteien und Sozialversicherung, Kommunale Arbeit in den Be3irfen, bietet reiches Material für den bevorstehenden Wahlkampf und gibt Aufschluß über die fruchtbringende Arbeit der Berliner Sozialdemokratie auf fommunalem Gebiete. Die Kohlenpreiserhöhung wird rüdgängig gemacht. Auf Beranlassung des Reichswirtschaftsministeriums hat der Berliner Briketthandel sich entschlossen, die für den 1. September in Aussicht genommene Rohlenpreiserhöhung nicht in Kraft treten zu lassen. Es bleibt also bei den alten Preisen. o Schweigen ist Gold denkt manche Frau, wenn man sie fragt, womit sie ihr prachtvolles Haar pflegt. Sie will ihr Geheimnis nicht preisgeben. Trifft man sie aber zufällig beim Einkauf ihres Kopfwaschmittels, so kann man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß sie ein Päckchen Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" verlangt. Prachtvolles Haar erreicht man eben nur durch den ständigen Gebrauch von Schaumpon. Dies ist zwar eine alte Binsen weisheit, man kann sie aber nicht oft genug wiederholen, damit Alle, die es angeht, vor Schaden und unnötigen Geldausgaben bewahrt bleiben. Verlangen Sie daher beim Kauf nur das oben genannte Fabrikat, kurz gesagt ,, SchwarzkopfSchaumpon", und achten Sie auf die Schutzmarke ,, Schwarzer Kopf" Arbeiter Sport Wasche Ferienfahrt- Erholungsaufenthalt Erholungsfürsorge. Im Proletariat soweit es nicht durch die Schule der Jugendbewegung ging besteht die Anschauung, daß eine Ferienfahrt eine Bourgeoisangelegenheit ist, die gar nicht in den Kreis proletarischer Betrachtung gezogen werden dürfte, soweit nicht ausreichend Zeit und Geld zur Verfügung" ständen. Es erscheint selbstverständlich, daß ein kürzerer Urlaub, etwa unter acht Tagen, zu Hause verbracht werden muß. Wer für sich selber diese Einstellung hat, mag bei ihr beharren. Widerspruch muß hervorrufen, wenn aus dieser Einstellung heraus Kinder, denen ein vierzehntägiger Erholungs. aufenthalt rermittelt werden fann, zu Hause behalten werden. Ferienfahrten laffen sich gemeinhin so einrichten, daß ihre Kosten über den lebensnotwendigen Tagesverbrauch nur mit dem Fahr. geldbetrag hinausgehen. Die irrige Auffassung, daß man sich auf der Ferienfahrt etwas Besonderes leisten muß, erledigt sich selber durch die praktische Erfahrung tausender Wanderer. Zwischen Schülerwanderungen und Fahrten der Jugendbewegung find nur da Unter schiede zu erkennen, wo Führer der Schülerwanderungen es nicht über sich bringen fönnen, im Stroh" oder in Jugendherbergen zu übernachten. In den deutschen Jugendherbergen werden nicht nur Jugendwanderer aufgenommen, sondern es finden auch ältere Mit glieder des Berbandes für deutsche Jugendherbergen Unterkunft. Die Mitgliedschaft wird bei den Ortsgruppen, in Berlin bei fast allen Berliner Jugendämtern erworben. Der Mitgliederbeitrag beträgt 3,50 M. für das Kalenderjahr. Das Jugendherbergsnet ist in den Wandergebieten so dicht, daß in den bekannten Wandergebieten 14- Tage- Wanderungen von Jugendherberge zu Jugendherberge durchaus möglich sind. Wandergruppen unter verständiger Führung finden auch überall da, wo Jugendherbergen nicht vorhanden oder besetzt" find, allemal erschwingliche Unterkunft. Das Wandern in Gruppen empfiehlt sich schon durch die dadurch mögliche Fahrgeld ersparnis. Jugendmanderer sollten in jedem Fall bemüht sein, eine Behnergruppe" zusammenzubringen und auf einem Fahrschein zu fahren. Aelteren Wanderern ist es durchaus möglich, sowohl an den Ausgangspunkt ihrer Wanderung, wie auch zurück in die Heimat, in Gesellschaftsreisen zu gelangen. Das ist die einzige Möglichkeit, Fahrpreisermäßigung zu erzielen, da die mit großem Geschrei angefündigte 33% prozentige Ermäßigung der Sonderzugfahrten nur die 2. und 3. Klaffe betrifft, und daher für Arbeiterwanderer nichts bedeutet. Doch ist nicht jedes Erholungsbedürftigen Ideal eine Wanderung. Das Festsetzen an einem Ort und Ausflüge in dessen Umgebung ist die gegenwärtig noch beliebtere und bekanntere Erholungsart. Einen geeigneten Erholungsaufenthaltsort aufzufinden, muß dem einzeinen oder dem Gruppenführer überlassen werden. Für Kinder gibt das vom Verein Landaufenthalt für Stadtfinder" herausgegebene Handbuch einige Fingerzeige. Man muß feineswegs in die Ferne fdyweifen. Wie nahe das Gute liegt, beweisen nicht nur Die Ankündigungen märkischer Bäder und Kurorte. Körperschulungsstunden und Wochen auf Jugendgeländen wie Birkenheide, Klapphollthal( Sylt), Blothener Seen, Nedersee, bieten neue, besonders beachtliche Erholungsmöglichkeiten. Der Erholungsaufenthalt für Kinder ist mancherorts auch einem Teil von unbemittelten Kindern zugänglich. Jugendämter und Gesundheitsämter haben Kindererholungsstätten geschaffen, die rege in Anspruch genommen werden. Das ist sehr zu begrüßen. Die Entscheibung über Erholungsbedürftigkeit und die Art des notwendigen Erholungsaufenthalts muß dem Arzt überlassen bleiben. Er muß psychische Momente berücksichtigen. Nicht jedes Kind fann sich in jeder Erholungsstätte erholen. Damit find wir schon bei der Erholungsfürsorge. Sie wirkt sich aber nicht nur in Zuführung Bedürftiger in die Erholungsstätten aus, sondern tritt auch in Erscheinung bei der Bersendung von Stadtfindern in Landstellen, zu Landwirten zum Biehhüten usw., in Schulwanderungen und ähnlichen Maßnahmen. Eine gewisse Bedeutung im Rahmen der Berliner Erholungsfürsorge haben die Außenspielpläge. Ihr reger Besuch beweist am deutlichsten, wie elend die Berliner Proletarier jugend ist. Kartellsportfest in Köpenid. Trotz des ungünstigen Wetters fonnte das Fest durchgeführt werden. Die Einleitung burch den Straßenlauf war eine gute Propaganda. Auf dem Eichesportplatz entwidelte fich balb ein buntbewegtes Bild. Leichtathletik, Radfahren, Turnen, Schwimmen wechselten ab. Den Schluß bildete ein Fußballspiel Astania Röpenid gegen B. G. B. Köpenid, welches nach wechselvollem Spiel B. G. B. Köpenid mit 2: 0 für sich entscheiden fonnte. Resultate: Weitsprung, Frauen: 1. Rafperleand- Grünau 4,53 meter. Weitsprung. Männer( 3 Mann eine Mannschaft): 1. Röpenid 17,23 Meter. Sochsprung, Hochsprung, Männer: 1. Graphentin- Röpenid 1,60 Meier. Franen: 1. Boppe- Röpenid; Balm- Friedrichshagen; Rasperleznd- Grünau 1,20 Meter. Distus, Männer: 1. John- Röpenid 29,07 meter. Speerwerfen, Männer: 1. Graphentin- Röpenid 33,82 meter.- 100 Meter, Schüler: 1. Müller. Röpenid und Schwuchow- Friedrichshagen 13,9. 100 Meter, Schülerinnen: 1. Schulz Röpenid 15 Get. 5000- Meter- Nabfahren: 1. Röbsch( Borwärts) 10: 30,1. 3000 Meter, Männer: 1. Bud- Röpenid 10:32. Sochsprung, Jugend: 1. John- Röpenid 1,60 Meter. Distus, Jugend: 1. John- Köpenid 28,90 Meter. 100 Meter, Männer,& auf A; Bohl- Bohnsdorf 11,6. 2 auf B: 1. Loren Friedrichshagen 11,9. -100 Meter, Franen: 1. Rönig- Röpenid 13,6. Hoch fprung, Schüler: 1. Böttcher- Grünau 1,30 Meter. Stafetten: 10 × 100 Meter, Schülerinnen: 1. Röpenid 2: 28,2. 10X100 Reter, Schüler: 1. Röpe4x100 Meter, Frauen: 1. Röpenid 58,7. nid I 2: 37,6. 4X100 Meter, Jugenb: 1. Grünau 57,6. 4X100 Meter, Männer: 1. Röpenid 48,5. 1500 Meter, Jugend: 1. Gärtner- Friedrichshagen 4: 52,1. Straßenstafette: 1. Ciche- Röpenid 1 9: 21,7; 2. Adlershof( Sportvereinigung), 90 Meter zurütd. Jugendtreffen des 1. Bezirks. In den Gauen, wo es Arbeitersportvereine gibt, regt fich die Jugend. Sie will sich selbst mit Unterstügung älterer Jugend eine Jugendbewegung aufbauen, die allgemein gesagt, die Jugenderziehung selbst in die Hände zu nehmen hätte. Am Sonnabend und Sonntag vergangener Woche gab sich die Jugend des 1. Bezirks am 3ieftfee bei Königswusterhausen ein Stelldichein. Der Sprechchor der Neutöllner rief am Sonntag früh die Jugend zusammen. Kurze Ansprachen der Genossen Siewert, Für und Ladwig mahnten die Jugendlichen, sich auf ihre Kraft zu befinnen und mitzuarbeiten im Emanzipationsfampf des Proletariats. Dem frohen Treiben fele der Wettergott ein frühes Ende. Jugendgenossen! Wenn im nächsten Jahr wieder Bezirksjugendtreffen ist, erscheint noch zahlreicher als diesmal. Fußball. Stern Marienfelde I- Rüftig Vorwärts 1. Am Sonntag standen sich die Vereine zum fälligen Verbandspiel gegenüber." Stern" hat Anstoß und es entwickelt sich gleich ein flottes Spiel. In der 5. Minute erzielt" Stern" durch Halblinks das 1. Tor. Nach Wiederanstoß kommt R. V. gut vor und hält in den nächsten Minuten das Heft in der Hand. Durch unfaires Spiel von Stern" erhält R. B. einen Strafstoß zugesprochen, welcher durch halblinks zum Ausgleich verwandelt wird. Kurze Zeit darauf fann Halbzeit fann R. V. durch Mittelstürmer noch ein Tor buchen, R. V. wieder durch Halblinks die Führung an sich reißen. Nach während" Stern" leer ausgeht, und mit dem Resultat 3: 1 für Nicht so.... Rüstig Vorwäris" trennen sich die Gegner. R. B. II- Stern" H. 7: 1; R. V. III.-M. G. C. III. 1: 1; R. B. 1. Jugend- Berolina 1. Jugend 0: 5. Lernt rudern! Vorher Der Arbeiterrudersport hat, wie alle anderen Sportarten, in den letzten Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen. Freudig tann man feststellen, daß nicht nur einzelne Vereine an Mitgliedern gewonnen haben, sondern daß auch eine erhebliche Anzahl neuer Bereine gegründet wurden. Der erfannte Wert der Arbeitersportbewegung und der Drang nach Licht, Luft und Sonne bei der Jugend haben viel dazu beigetragen. Der Rudersport, zweifellos eine der schönsten und gesündesten Sportarten, wird leider von unserer Jugend nicht genügend beachtet. Ist es nicht besser, sich draußen in der freien Natur zu tummeln und feinen Körper zu stählen, als die menigen freien Stunden, die dem Proletarier zur Verfügung stehen, im Gasthause oder auf dem Tanzboden zu verbringen? Vielfach ist die Meinung verbreitet, daß der Rudersport zu fostspielig fei. Das ist jedoch nicht der Fall. Er ist aber bestimmt billiger, als wenn man Sonntag für Sonntag seine Zerstreuung auf dem Tanzboden oder in den Kneipen sucht. Der Ruderverein Borwärts" Berlin e. V., welcher eine ideal angelegte, im Winter heizbare Baffinruderanlage befigt, beab fichtigt für seine neueingetretenen Mitglieder vom Oftober ab einen Ruderkursus zu veranstalten. Wer also Wert darauf legt, im nächsten Jahre den Rudersport ausüben zu fönnen, melde sich umgehend zur Aufnahme. Die Anmeldung erfolgt entweder schriftlich beim Vorftand, oder persönlich an den Sizungsabenden jeden 1. und 3. Donnerstag jeden Monats im Bootshause, Oberschöneweide ,, Wilhelmstrand. Sie schwindeln aus Prinzip! Bir brachten fürzlich eine Entgegnung der lettischen Arbeiterfportler auf die Lügen der kommunistischen Rubelzeitungen, wonach die lettischen und finnischen Arbeitersportler zur Frankfurter Olympiade fich zweimal geweigert haben, zu starten, bis die schwarzrotgoldenen Fahnen im Stadion beseitigt wären. Nunmehr find wir in der Lage, auch die Antwort der finnischen Sportler unseren Lesern bekanntgeben zu fönnen. Sie schreiben: ... Es tut uns leid, daß man so etwas überhaupt schreiben/ tann; aber das ganze Schreiben muß dem Berdienst der fügenhaften Kommunistenpropaganda zugerechnet werden und gibf deutlich deren niedrige Kampfmethoden wieder.... Es erübrigt sich, noch etwas Weiteres darüber zu schreiben. Die Charakterisierung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Russische Fußballspieler in Deutschland. Zurzeit befindet sich eine russische Fußballmann= fchaft in Deutschland, um gegen verschiedene Vereine des Arbeiterturn und Sportbundes Spiele auszutragen. In Chemnitz und in Dresden sind bereits solche Spiele vor mehr oder weniger Zuschauern vor sich gegangen. Nunmehr hat der Arbeiter= turn- und Sportbund gegen alle Bereine, die bereits Spiele mit der Russenmannschaft ausgetragen haben oder noch austragen werden, das Spielverbot perhängt, bis die am 20. September stattfindende Bundesvorstandsfizung zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen wird. Zu den Spielen selbst ist zu sagen, daß es sich hierbei feineswegs um eine zufällige Erscheinung handelt, sondern um die Anwendung der Heiratstaftit", wie sie von Sinomjew auf dem 5. Kongreß der Kommunistischen Internationale im Juli 1924 für den Kampf gegen die Gewerkschaften festgelegt worden ist, auf die Aebeitersportbewegung. Die Arbeitersportbewe gung, die in Frankfurt a. M. eine so machtvolle Kundgebung auch ohne die kommunistischen Einheitszerstörer gezeitigt hat, trägt die Kraft in fich, sich solcher Disziplinbrecher erwehren zu fönnen. Quer durch den Osten! Diefer Straßenlauf der Leichtathletik- Vereinigung" ist die einzige offiaielle Straßenveranstaltung des ganzen Jahres und ist gedacht als Gegenveranstaltung gegen die vielen kleinen und großen Straßenveranstaltungen der Bürgerlichen. Dieser Lauf, der alljährlich ausgetragen werden soll, tann feinen Werbezwed nur erfüllen, wenn nicht nur alle großen Vereine, sondern auch die fleinsten Abteilungen aller Sparten durch ihre Teilnahme eine über ben gewohnten Rahmen hinausgehende Beranstaltung schaffen. Es gilt am 20. September in aller Deffentlichkeit nicht nur für die Leichtathletik, sondern fite alle im Bund gepflegten Sparten zu demonstrieren. Meldungen zu ben Staffel- und Einzelläufen müssen sofort an Billi Starka, Berlin- Tempelhof, Ringbahnftr. 49, abgegeben werden, da bereits am 4. September Meldeschluß ift. Melbende Bereine aller Sparten geben dorthin Anschriftadressen fowie Winterübungsstätten und Reiten bekannt. Ruderverein ,, Borwärts". Am Sonntag, den 6. Geptember, nachmittags 1 Uhr, findet die diesjährige interne Regatta des Vereins vor dem Bootshaufe, Oberschöneweide, Wilhelmsstrand, statt. Die Sportliche Bereinigung Nord- Oft hat mit einem ihrer populären Siu- Jitsu- Lehrgänge für Anfänger( Jugendliche und Erwachsene) begonnen, uno awar regelmäßig Montags 7 bis 49 Uhr Sporthalle Christburger Str. 7. Bei ben geringen Beitragssägen ist einem jeden die Teilnahme an dem Rurfus möglich. Anmeldungen werden Montags und Donnerstags in den Trainings. ftunden entgegengenommen. Das Training leiten S. Steinte und G. Miethke. mit Luft 8003 sondern so! Original Eckerts Reformator", der befte und billigste Wafchapparat der Welt, wäscht 20 Herrenhemden oder 2.0 Rragen in 6 bis 8 Minuten blühend weiß. Nur 3 Tage Probewaschen in Berlin! Kommen Sie, bitte, am Dienstag, den 1. September 1 " Mittwoch, 2. Donnerst., 3. } in den weißen Gaal der Germania- Prachtsäle Chauffeestraße 110 um 24 Uhr oder zur zweiten Probewaschung um 5 Uhr nachmittags und bringen Sie bitte auf alle Fälle etwas Schmugwäsche mit. Der Apparat foftet Mt. 8.- oder mt. 10.- und ift gleich fäuflich mitzunehmen. Gegen Kostenerlag gebe ich den Apparat 24 Stunden zur Probe und zahle Geld retour, falls nicht entspricht. Eintritt frei! 3. S. 3ngleich wird das Brobewafchen in Schinkels Festfäle, Brüdenstraße 2( Nähe 3annowigbrüde) zur felben Zeit vorgefährt. Sie müssen meine gewaltigen Läger in 4 Etagen sehen, um sich einen Be griff von der Größe meines Unternehmens zu machen. 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Geptember, abends 8 Uhr, außerordentliche Generalversammlung im Bereins total von Dabertow, Lichtenberg, Sagenſtr. 1. Tagesordnung u. a. Die augen. blidliche Lage unferes Vereins. Jedes Mitglied hat zu erscheinen. Wir weisen fchon heute auf unser am Sonntag, den 25. Oktober, stattfindendes Schwimm. feft in der Badeanstalt an der Schillingsbrüde hin. W enn man infolge Leberarbeitung, Krankheit, Nervosität zc. das Bedürfnis nach einer gründlichen Kräftigung und Auffrischung verspürt, dann versuche man das wohlschmeckende Biomalz. Es gibt wohl kein einfacheres, bequemeres und angenehmeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kräftegefühls tritt fast immer eine auffallende Besserung des Aussehens ein. Man fühlt sich geradezu verjüngt. Man verlange nur das echte Biomalz, nichts anderes ngeblich„ Ebensogutes". Achte genau auf das Etikett. Ganz neues System! Brofp. frei. G. 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Werbesportfest des ,, Bis", Bereinigte lebungsstätte jüdischer Sportverbände, einem zahlreich erschienenen Publikum statt. Wenn auch noch sporttechnisch viel nachzuholen ist, kann es die Vereinigung zu etwas bringen. Denn das Material ist da, und nun heißt es vor allen Dingen, im Winter ein großzügiges Hallentraining zu betreiben. lingefähr 400 Teilnehmer, die teils aus Berlin, teils aus Kassel, Glogau, Hannover, Hamburg usw. herbeigeeilt waren, nahmen an dem Fest teil. Der jüdische Turn- und Sportverein Bar Kochba, Berlin, rar in den meisten Rämpfen, die sich auf alle leichtathletischen Uebungsarten erstreckten, siegreich. Andere Vereine machten ihm den Sieg nicht leicht und gingen vereinzelt selbst als Sieger aus. den teils scharf geführten Rämpfen hervor. Bogtämpfe bildeten den Schluß der Veranstaltung auf dem Sportplatz. Die Preisverteilung Das Rundfunkprogramni. Dienstag, den 1. September. Aulier dem üblichen Tagesprogramm: 5-5.45 Uhr abends: Hans Brandt liest aus Reuters Werken. 5.50-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Fordy Kauffman. 7 Uhr abends: Literarische Stunde( Bergsteigerbücher). 7.30-8.05 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). 7.30 Uhr abends: Abteilung Literatur. Dr. Franz Leppmann: Das deutsche Drama im 19. Jahrhundert". 3. Vortrag. Franz Grillparzer". 7.55 Uhr abends: Abteilung Völkerkunde. Dr. Georg Wegener: China. Land und Leute. 3. Vortrag Die chinesische Geschichte. 8.30 Uhr abends: Blasorchester. Dirigent: Kapollmeister Karl Woitschach. 1. Herzer: Hoch Heidecksburg. Marsch. 2. Auber: Ouvertüre zu der Oper Fra Diavolo". 3. Lumbye: Traumbilder. Fantasie. 4. Löwe: Die Uhr, Ballade. 5. Loßner: Waidmanns Lieblingslieder. Potpourri. 6. E. Waldteufel: Ein Sommerabend. Walzer. 7. Rossini: Onvertüre zu der Oper Die diebische Elster. 8. Fucik: Florentiner Marsch. 9. Fétras: Veilchen am Wege. Walzer. 10. Lehnhardt: Die Ehrenwache, Marsch. 10 Uhr abends: Hermann Taurn: Die neuen Bestimmungen auf dem Gebiet des Funkwesens". Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. in Form einer Siegerfeier fand abends in den naheliegenden Parteinachrichten Florafeftsälen in der Johann- Georg- Straße statt. Sportfest auf Lindenhof. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin stets an das Bezirkssetretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, au richten. 1. Arcis Mitte.. Die Gründungsversammlung der Freien Turnerschaft" findet am Mittwoch, den 2. September, statt. 5. Kreis Friedrichshain. 7½ Uhr Funktionärinnensizung bei Rosin, Gubener Straße 19.( Agitation, Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuß muß vertreten sein.) 18. Kreis Weißenfee. Mittwoch, den 2. September, 7% Uhr, in der ,, Borussia", Berliner Allee, Areisgeneralversammlung. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Mittwoch, den 2. September, pünktlich 7% Uhr, Helferfißung im Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Tr. Thema: Unsere Berliner Kinderfreundebewegung". Heute, Dienstag, den 1. September: Janasozialisten. Gruppe Süden: 7% Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Vortrag des Genossen Dr. Engelhardt: Meine Ofterfahrt nach Andalusien und den atlantischen Inseln. Gäste willkommen. Gruppe Lichtenberg: 7% Uhr Gruppenabend im Jugendheim Barkaue. Bericht vom Bezirkstag und von Hamburg. Wichtige Aussprache über Gruppenangelegenheiten und Winterprogramm. Gruppe Schöneberg: 8 Uhr Bunter Abend" auf dem Laubengelände an der Wegstraße. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: 8 Uhr Ausspracheabend im Jugendheim Tempelhof, Lrzeum, Germaniaftr. 4-6. Draußen in Lichtenberg, inmitten schöner Parkanlagen, liegt das Erziehungsheim Lindenhof. Ueber 100 junge Leute haben hier, von den Erziehern, deren hohe Aufgabe es ist, aus den Besserungsbedürftigen brauchbare und tüchtige Menschen heranzubilden und aufs sorgfältigste betreut, eine zweite Heimat gefunden. Das Seim, das von Direktor Blume geleitet wird, der mit großer Liebe an seinem Lebenswert arbeitet, war am Sonntag das Ziel vieler, die an dem alljährlich statfindenden Sportsest der Jungen teilnehmen wollten. Gegen 3 1hr nachmittags zogen die Kämpfer mit einer eigenen Kapelle, die sich hören lassen konnte, auf den naheliegenden Sportplay. Direttor Blume richtete vor Beginn der friedlichen Wettkämpfe einige begrüßende Worte an die Gäste und gab den Platz für die Kämpfer frei. Im Laufen, Kugelstoßen, Hochsprung, Speerwerfen usw. fämpften ,, Lindenhofer" gegen Jungborner". Die legteren gehören zwar auch zum Heim Lindenhof, sind aber wegen Raummangels in einem Gebäude der naheliegenden Anstalt Herzberge untergebracht. Jungborn war nicht nur sem Glück begünstigt, sondern hatte auch in seinen Reihen beffere Rämpfer als Lindenhof. Jungborn holte sich als Sieger mit 47 Buntten gegen 25 Buntte der Lindenhofer den Siegerpreis, der einen aus Bronze bestehende Figur eines Diskuswerfers darstellt. Auch das zum Schluß stattfindende Fußballspiel, das sportlich auf einer unerwarteten Höhe stand, konnten die Jungborner mit 2: 1 für sich buchen und dadurch auch den 2. Preis, eine vom Heim gestiftete Plakette gewinnen. Die Preisverteilung und Siegerverkündung nahm Obermagistratsrat Dr. Knautt vor. Im Heim saßen dann die jungen Leute noch lange bei Kaffee und Kuchen, um sich von den Anstrengungen des Nachmittags zu erholen. Der Tag 104. Abt. Riederschöneweide. 8 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Gizung wird in Erinnerung aller bleiben, die etwas für die Jugend übrig haben. Die Juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres täglich außer Sonnabends von 5 bis 7 Uhr statt. Sonnabends geschlossen. 98919 Berliner Konzerthaus ( Clou) Mauerstr. 82 Die Nachmittagskonzerte bei vollem Orchester und freiem Eintritt beginnen am Mittwoch, den 2. September 1925 Außerdem jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Gesellschaftsabend Tanz Sonntag: Doppelkonzert/ Gesellschaftsabend/ Tenz Entdeckung des NORDPOLS in Groß- Berlin Restaurant Alexanderstraße 46-48 Ecke Neue Königstraße. Berlins neueste Sensation! Ruhiger schlafen So tann ich, nachdem ich mit gutem Erfolge Reichel's Baldrament gebraucht habe. Ich fühle mich viel wohler und ver aden Dinge: haben die Herzfchmerzen nachgelassen und ähnlich schreiben viele bei nervösen Leiden, Schlalefigfeit, Herzichwäche. Nutr Erfolge beweisen. Große Flaiche. 2.50 3x Drogerien und Apotheken erhältlich, fsnit bet Otto Reichel, Berlin 43 SO., Eisenbahnstr. 4. Wer den eehten Traueripenden jeber Art liefert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. 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Neukölln. 6 bis 7% Uhr holen die Bezirkstasfierer oder Bezirksführer wichtiges Material vom Genossen Krüger, Brinz- Handjern- Str. 54, ab. sämtlicher Funktionäre, Beamten- und Betriebsvertrauensleute. Stellung nahme zur Kreisvertreterversammlung. Wahl der Delegierten. 106. Abt. Johannisthal. 7 Uhr bei Schreiner, Friedrichstr. 6, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Dr. v. Ungern- Sternberg: Paneuropa bom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet. " 116. Abt. Lichtenberg. Die beschlossene Mitgliederversammlung findet nicht Mittwoch, den 2., sondern Mittwoch, den 9. September, statt. Seccl. forfiner 6. 17, Britgliederve Lorem: 1. Gir den Stadt- und Ejeren Cencije ctotraz Mener. 2. Aufe 1, cdung der Ronbidaten. 3. Berichte. Frauenvecanstaltung am Milw), den 2. September: 69. Abt. Wilmersdorf. 7% Uhr bei Kroiß, Holsteinische Str. 60, Frauenver jammlung. Vortrag des Genossen Boywod. Genossinnen anderer Abe teilungen als Gäste willkommen. * 33. Abt. Donnerstag, den 3. September, 7½ Uhr, bei ertalla, Hohenloh straße 3, wichtige Besprechung zur Stadtverordneten wahl. Jugendveranstaltungen. Gymnastilfursus heute von 7 Uhr ab im Jugendheim Lindenstr. 3. Hcute, Dienstag, den 1. September, abends 7% Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: Wedding- Nord: Schule Millerstr. 48.- Prenzlauer Vorstadt: Schule Dans Wilmers ziger Str. 23. Senefelder- Biertel: Echule Eberswalder Str. 10. Wanafce: Schule Charlottenstraße. dorf: Jugendheim Hildegarditr. 4. Reutöln IV: Rum Bärwinfe!", Steinbockstr. 10. Röpenie: Jugendheim Grünauer Str. 5. Reinickendorf- Oft: Geebad", Residenzitr. 46. Buchholz: Lotal von Rossack, Hauptstr. 71. Bankow: Jugendheim Breite Str. 32. Matiendorf: Alte Schule, Dorfstr. 7. 1 Schöneberg I: Jugendheim Rubens, Ede Hauptstraße, Vorttag: SAJ. und Kulturentwicklung". Westen: Die Mitglieder treffen sich um 18 Uhr Ballas-, Ede Elshola straße( Augusta- Schule). Näheres dort. Werbebezirk Ostbahn: Jugendheim Dossestr. 22, Funktionärfonferenz. Die Abteilung Nordost II ladet alle Genossen zu einem Werbeabend ang Mittwoch, den 2. September, abends 48 Uhr, nach dem Arnswalder Plag ein, Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand. Wassersportabteilung: Donnerstag, den 3. September, abends 7 Uhr, im Berliner Alubhaus, Ohmstr. 2, Großer Saal, wichtige Mitgliederversammlung, anschließend gemütliches Beisammensein mit Orts. Damen. Aufnahme neuer Mitglieder. Ausweiskarte legitimiert. Kamerads gruppe Rowawes: Die September- Monatsversammlung fällt aus. schaft Prenzlauer Berg, 7. Zug: Mittwoch, den 2. Geptember, abends 8 Uhr, Bollversammlung. Ortsverein Reinickendorf, Untergruppe Dft: Mittwoch, den 2. September, abends 7½ Uhr, bei Bruno Dölschner, Reinidendorf- Ost, Rest denzstraße 53, Untergruppenvollversammlung. Ortsgruppe Zehlendorf: Mittwoch, den 2. September, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung( Appell) bei Schnorre, Botsdamer Straße. Organisationsfragen, Herbstfest am Sonnabend, den 12. September, Jugendfragen, Sportfachen, nächste Beteiligungen. Berein der Freidenker für Feuerbestattung, e. V. Die Zahlstelle With. Wunderlich, Pankow, Vinetaftr. 64, ist geschlossen. Neue Rahlstelle befindet fich beim Genossen Buppe( Restaurant Meyer), Bankow, Mühlenstr. 48. Bahls abend jeden Dienstag und Freitag abend von 5-7 Uhr. Arbeiter- Radio- Klub, c. B., Bezirk Kreuzberg, Ortsgruppe Rottbuser Zor, Donnerstag abend 8 Uhr im Restaurant Wollschläger, Adalbertstr. 21, Experis mentierabend. Die Mitglieder werden gebeten, ihre Apparate mitzubringen, Gäste willkommen, Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma Ar Damitt, Berlin C. 54, Rofenthaler Straße 46-47, unterhält in vier Etagen gewaltige Läger in Herren- und Damenkonfektion, Anaben- und Rinderkleidung, Teppichen, Gardinen, Möbeleinrichtungen und Aleinmöbeln, A. Damitt besteht etwa 50 Jahre und ist in der Tat eine allererfte Einkaufsquelle auf Kredit und gegen bar. Tausende und aber Taufende von Familier haben von dem Kreditsystem Gebrauch gemacht. Der Einkauf bei der Firma A. Damitt, Berlin C. 54, Rosenthaler Str. 46-47, bann nur empfohlen werden, Was ein einziges Jahr vermag! Am 1. September 1924 begann die Ein fithrungsarbeit für die neue Feinkostmargarine Gdwan im Blauband", welche. fich infolge ihrer vorzüglichen Qualität, ihres herrlichen Aromas und des billigen Preises die Gunst der Hausfrauen im Sturm eroberie und bei ihnen begeisterte Aufnahme fand. Die wenigen Hausfrauen, welche Schwan im Blauband" noch nicht fennen, werden guttun, mit einem Bersuch nicht länger zu zögern und sich die damit verknüpften Borteile zu sichern! Vor Jahresfrist wurde die neue Feinkostmargarine ,, Schwan im Blauband" eingeführt. Was sie versprach, hat sie gehalten! Dank ihrer vorzüglichen Eigenschaften hat sie in Hunderttausenden deutscher Haushaltungen Eingang und Anerkennung gefunden! Im zweiten Jahre wird sie ihren alten Ruf befestigen und den grossen Kreis ihrer Anhänger erweitern! Wer sie noch nicht kennt, mache sofort einen Versuch; er wird sich lohnen! Schwan im MARGARINE Blauband Zähne KUDOWA Aeltestes Herzheilbad Schlesien's Auch ausgezeichnete Heilerfolge bei Arterien-, Blut-, Nerven-, Nieren-, Frauen- und rheumat. Krankheiten FRISCH GEKIRNT 1 und 2 Mark. Goldkronen von 8 Mark an. Persönliche fachmännische Behandlung. Wöchentliche Teilzahlung gestattet. B. Wolff, Charlbg., Berliner Str. 110, nahe Wilhelmplatz Berlin 17, Madaistr. 15, Ecke Koppenstraße. Hämorrhoiden? Novosan- Zäpfchen und Pasta bringen Hilfe! Bu beziehen durch alle Apothel. Versand durch Schwan- Apotheke, Dresden N. 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Beilage des Vorwärts Die Beteiligungsziffern der einzelnen Mitglieder des Rheinisch Westfälischen Kohlensynditats, die eben der Deffentlichkeit bekanntgegeben wurden, ergeben in der Addition ein normales Förderungsvolumen von rund 162 Millionen Tonnen. Dagegen basierte noch vor weniger als einem Jahre die Vorgängerin des Synditats, die Aktiengesellschaft Ruhrfohle, auf einer Gesamtbeteiligung von nur 123 Millionen Tonnen für dieselben Mitglieder. Die Steigerung um etwa 32 Prozent hat mit vermehrter Produktions- oder Abfagfähigkeit nichts zu tun, sie ist nur eine rechnerische. Da die Effektiv- Förderung nach Synditatsbeschluß seit 1. Juni nur 45 Prozent der Nominal- Beteiligungen betragen darf, so ist die För dermenge im Ruhrbergbau zurzeit auf monatlich 6 Millionen Tonnen Steinkohlen beschränkt. Zum Vergleich sei erwähnt, daß die gesamten Ruhrbezirks- 3echen im Jahre 1913 rund 114 Millionen Tonnen Steinfohlen förderten, davon entfiel abf die Syndicatszechen ein Anteil von 90 Prozent. Die größen Betriebseinheiten( abgesehen von der ZusammenGew. Rheinpreußen, Gew. Neumühl, Gew. Gibraltar Gew. Mont- Cenis. Gute Hoffnungsbütte Mannesmann Röhrenwerfe Rombacher Hüttenwerke, de Wendel& Co., FriedrichHeinrich Att.- Ges. M • 5256 5 188 5078 5 077 4950 An der Spitze steht der Kohlen- und Eisen- Gigant Gelsenkir chen Deutschlug mit 18 Prozent der Gesamtbeteiligung. Mit Krupp- Phönig, die allein über 11,8 Prozent, mit Gebr. Stumm, die allein über 9 Prozent, mit Rhein. Stahlwerkte, die allein über 6,6 Prozent und mit Harpen, die allein über 6,5 Prozent der Gesamt beteiligung verfügen, tommen mit Gelsenkirchen- Deutschlug bereits mehr als die Hälfte der Ruhrkohlen- Produktion zusammen. Einige wenige wirklich maßgebende Großkapitalisten sind damit einfach be stimmend für die wichtigste deutsche Rohstoff- Produktion. Und nicht weniger bestimmend sind sie vermöge ihrer Wirtschaftsmacht und durch die nationalen", aber in Wirklichkeit nur großkapitalistischen Parteien, in der Politik. Wirkungsbeginn der neuen Zölle. -efaffung von mehreren Betriebseinheiten in Konzernen) stellen zur änderungen in Kraft treten. Auf Grund der ihm in dem Gefeße zu zeit die folgenden dar: Beteiligung Gelsenkirchener Bergwerks- Att.- Ges. Harpener Bergbau- ft.- Ges. Breußische Bergwerts- Direttion Bergwerks- Gesellschaft Hibernia Rhein. Stahlwerfe Att.- Ges. Deutsch Lugembg. Bergw.- Aft.- Ges. Phönig Aft.- Gef. • Klöckner- Werke Akt.- Gef. In 1000 Tonnen Essener Steinkohlen- Bergw.- Att.- Gef. Gutehoffnungsbütte Mannesmannröhrenwerke in Prozent der Gesamtziffer Am 1. September wird eine Reihe der neuen Zollfäge aus dem am 12. Auguft vom Reichstag verabschiedeten Gesetze über Zollgesprochenen Ermächtigung hat der Reichsfinanzminister zu dem angegebenen Termin die 3ölle für Getreide, Mehl, Bieh, frisches Fleisch, Malz und 3uder in Kraft gesetzt. Jm einzelnen werden hauptsächlich folgende Säße demnächst in Kraft treten: Mart pro Doppelzentner bis 21. Juli 1926 ab 31. Juli 1926 3 7 12 138 7,5 9112 5,6 6815 4,2 6 683 4,1 • 6 640 4,1 5875 3,6 Roggen Weizen und Spelz 5663 3,5 Gerste. 5183 8,2 Hafer 5088 8,1 Mala 5 078 3,1 Mehl 5077 3,1 Hafermehl Rindvieh. Diese elf Syndikats- Mitglieder( von 73 insgesamt) verfügen allein über mehr als 45 Prozent der Gesamt- Beteiligung. Diese Massierung der Produktionsmacht in wenigen Werkseinheiten wird aber bei weitem übertrumpft durch die Folgen der Konzernbildung. Diese ist durch die folgende Gruppierung der Einzelwerke mit entsprechender Addition der Einzelbeteiligungen deutlich gemacht. Beteiligung in 1000 Tonnen Gelsenkirchener Bergw.- Att.- Gef., DeutschLuxemburgische Bergw.- ft.- Gef., Gewerkschaft Mathias Stinnes, Bochumer Verein, Mülheimer Bergw. Verein, Gew. Friedrich der Große, Gew. ver. Welheim, Gew. Victoria Mathias, Gew. Graf Beuft, Gew. Friedrich Ernestine, Get. Carolus Magnus, Gew. Neuschölerpad( diese Konzerngruppe ist durch die Liquidation des Stinnes- Konzerns gesprengt worden) 29 215 Krupp, Phönig, Gew. Constantin der Große, Gew. Zollverein, Gew. Emscher Lippe, Gew. ver. Helene und Amalie Essener Steinkohlenberg w., Gebr. Stumm, Effener Bergw. Verein, Gew. Wilhelmine Mewissen, Bergw.. Gei Diergardt, Niederrhein. Bergw., Gew. Victoria, Gew. Prinz Friedrich, Gew. Caroline. Rhein. Stahlwerte, Abler Att.- Gef., Gew. Auguste Victoria, Gew. Admiral, Gew. Heinrich, Get. Gottesfegen, Gew. ver. Trappe, Gew. Blankenburg, Gew. ver. Hammertal. harpener Bergbau, Gew. Bictoria Sinen, Gew. Siebenplaneten Gew. Ewald, Gew. Graf Bismard, Bergw.- Ges. Dahlbusch, Gew. Westfalen, Gew. Hermann, Magdeburger Bergw. Alt.- Gef. Bergbau- Att.- Gef. Lothringen, Gew. König Ludwig, Gew. Graf Schwerin, Bergbau- Att.- Gef. Präfident, Gew. Langenbrahm, Gew. Alte Haase, Bergtv. Gef. Glüdauffegen, Herbeber Steinkohlenbergwerte, Gew. Schürbant Köln- Neuessener Bergw.- Verein, Eisen- und Stahlwert Hoeich 19 187 14 478 10 678 10 479 9 938 8249 7241 Alodner Werle, Gew. Sachfen, Mansfeld Att.- Gef. 7010 Preußische Bergwertsdirettion Bergw.- Ges. Hibernia 6815 6.815 Gew. Friedr. Thyssen, Gew. Lohberg, Gew. Rhein I 6 683 Schafe. Schweine Frisches Fleisch Schweinefleisch. Buder.. 3,50 B 3 6,80 8 10 13 18 14,50 24 21 10 7,50 7 7 12,75 18,75 18,75 18 18 18 45 45 10 Bis auf Zucker handelt es sich hierbei nicht um die endgültigen Zollfäze, sondern um die niedrigen Uebergangssäge, die bis zum 31. Juli 1926 Geltung haben. Mit dem 1. August 1926 werden dann die höheren Säge wirtsam, bis das ganze Gesetz am 31. Juli 1927 mit Ausnahme des§ 9, der die Umfaßfteuer auf 1 Broz. herabsetzt, wieder außer Kraft tritt. Die Preise steigen weiter. Dienstag, 1. September 1925 rung der Genossenschaften fest. Es ist ganz richtig, wenn gesagt wird, die Regierung fönne viel tun, um eine Zusammenarbeit von Erzeugern und Verbrauchern zu erleichtern, wenn man die Umsatzsteuer abschaffe. Es muß immer wieder festgestellt werden, daß seitens der Regierung der Gesamtarbeit der Genossenfchaften viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird; denn sonst wäre es unmöglich, daß heute noch in so großem Maße Kartelle vorhanden wären, die die Genossenschaften nicht nur nicht gleichmäßig wie den übrigen Handel beliefern, sondern entweder eine Belieferung ablehnen, oder aber den Einkaufszentralen der Ge nossenschaften höhere Breise abnehmen. So muß festgestellt werden. daß es für eine Verhinderung der Berteuerung einen Weg gibt, nämlich die Zusammenarbeit der Genossenschaften, und damit diese wirksam werden kann, die Aufhebung der die Genossenschaften zu, unrecht belastenden Umsatzsteuer herbeizuführen. Preiserhöhung für Schuhe. Der Deutsche Freihandelsbund( Frankfurt a. M. schreibt uns: Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die jetzt Gesetz gewordene sogenannte tieine 3ollvorlage unter allen Umständen zu einer Erhöhung des Preisniveaus führen müsse, obwohl aus innen- und außenpolitischen Gründen, insbesondere auch zur Durchführung der Reparationsleistungen, eine Breissenkung unbedingt erforderlich wäre. Legterem Gedanken hat sich auch die Regierung nicht verschlossen. Sie hat mehrfach darauf hingewiesen, daß die zum 1. Ottober eintretende Ermäßigung der Umsatzsteuer auf zwei Drittel ihrer bisherigen Höhe dazu benutzt werden müßte, einen Breisabbau herbeizuführen. Die Möglichkeit eines solchen wurde gleich anfangs nach der Legalisierung der Zollvorlage von allen Einsichtigen als unmöglich bezeichnet; bestenfalls wurde mit der Stabilität gewisser Warenpreise gerechnet. Daß diese Ansicht berechtigt war, beweist u. a. der uns soeben befanntgewordene Bericht an den Handelsminister, den die Schuhindustrie für den Monat August erstattet hat. Darin wird mit flaren Worten gesagt, daß die fortdauernde Steigerung der Lederpreise in Berbindung mit Lohnerhöhung eine Preiserhöhung für die nächste Saison unvermeidlich erscheinen laffe und daß an dieser langzurückgehaltenen(!)„ Anpassung der Berkaufs- an die Gestehungspreise" die Umsatzsteuerermäßigung ohne wesentlichen- d. h. praktisch ohne jeden Einfluß bleiben dürfte. Aus diesem Beispiel, das lediglich symptomatische Bedeutung besitzt, läßt sich erkennen. daß die Preisabbauaktion der Regierung feinen Erfolg haben wird. Die Zollerhöhungen wiegen eben schwerer als die Umsatzsteuerermäßigung. Die Weltschiffahrtskrije. Wie aus Frankreich berichtet wird, hat auch dert die Beschäftigungslosigkeit der Handelsflotte zugenommen. Die Zunahme betrug allein vom 15. April bis 15. Juli mehr als 10 Broz. Der internationale Frachten in der zeigt weiterhin sintende Tendenz. Profeffor Levy teilt mit, daß auf der Basis des Frachtendurchschnitts der Jahre 1898 bis 1913 fich für den Januar 1925 noch eine Ueberteuerung von 33,2 Broz. ergibt, dagegen im Mai nur noch 14,3 Broz. und im Juni jogar nur 6,7 Proz. Da auf der gleichen Basis das Jahr 1913 eine Frachtenerhöhung über den Durchschnitt der genannten Jahre um 16,3 Proz. zeigte, so steht der Frachteninder zurzeit unter Bor friegsstand. Damit ergibt sich aus der internationalen Schiffahrtssituation erneut eine Warnung, Reichsgelder zur Forcierung des Schiffsbaues für deutsche Rechnung herzugeben. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung. Beleuchtung, Bekleidung und Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats August auf 145,0 gegen Reichsbankausweis. Nach dem Ausweis der Reichsbank vomt 143,3 im Bormonat. Sie hat sich sonach um 1,2 Broz. er 22. b. Mts. ließen die Kredit- und Zahlungsmittelansprüche an die. höht. Die Steigerung ist vor allem auf die Erhöhung der Bant in der dritten Augustwoche weiter nach. An Banknoten und Wohnungsmieten zurückzuführen; bei den Ernährungs- Rentenbankscheinen zusammen flossen 143,4 Millionen Mark zur ausgaben Don Fleisch, Reichsbank zurüd. wurden Preissteigerung Der Goldbestand zeigt eine ansehnliche Butter, Milch und Eiern teilweise durch die Berbilligung Vermehrung um 22,7 auf 1137,2 Millionen Mart, die Deckungsdevisen stiegen um 0,7 auf 858,4 Millionen Mart. Inse ven Gemüse und Kartoffeln ausgeglichen. gesamt erhöhten sich die Golddeckungsbestände um 28,4 auf 1495,7 Millionen Mart. Sie deckten den Notenumlauf am 22. d. Mts. zu 65,2% gegen 62% am Ende der Vorwoche, die Deckung durch Gold allein hob sich von 47 auf 49,6% Genossenschaftliche Zusammenarbeit gegen die Ueberteuerung. Bon den verschiedensten Seiten kommen jetzt, bei der theoretischen Erörterung der Preisgestaltung, die Anregungen auf engeres Zufammenarbeiten von Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaften, wie es im Zentralverbande deutscher Konsumvereine schon lange angestrebt wird, nicht mit deffen Schuld ohne befriedigenden Erfolg. Da man aber nun auch in nichtgenossenschaftlichen Kreisen wiederum davon spricht, werden in der Konsumgenossenschaftlichen Rundschau", Nr. 35, vom 29. August, Seite 423, mit Recht noch andere Umstände besonders hervorgehoben, da ist zunächst einmal die ungerechte Umsatzsteuerbelastung der Genossenschaften und ferner die konsumvereinsfeindliche Politit von Kartellen. Ein Umsatz in steuerlichem Sinn ist bei den Genossenschaften nicht vorhanden und trotzdem hält man seitens des Finanzministeriums und des Reichstags immer an der alten UmsatzbesteueGeschäftsaufsicht über die Reiherstiegwerft. Das Gericht hat dem Antrag der Verwaltung der Reiherftiegwerft auf Anordnung der Geschäftsaufsicht stattgegeben. Als Verwalter wurde der beeidigte Bücherrevisor Mühled bestellt. Der vorläufige deutsch- griechische Handelsvertrag ist ratifiziert. Durch das Abkommen wird der Einfuhrzoll für Korinthen griechischen Ursprungs mit Wirkung vom 12. Juni d. J. ab von 24 auf 16 Reichsmart herabgesetzt. Heine Monopolschnäpse mehr. Im Laufe diefes Monats Hat die Reichsmonopolverwaltung die Herstellung von Monopoltrink branntwein eingestellt. 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Das Reichsfinanzministerium ist ja im Kampfe der Luther- Regierung gegen jede Lohnerhöhung der Arbeiter und Beamten schon seit Jahr und Tag der Haupttreiber; es wehrt sich hartnäckig, die von ihm selbst aufgerichtete Sperre gegen die Lohnerhöhung zu durchbrechen. Lohnbewegung in den Kunstschlossereien. Schiedsspruch für die Gemeindearbeiter in Bayern. Das zwischen dem Landesarbeitgeberverband bayerischer Gemeinden und Gemeindeverbände( LAB.) und den Arbeiterorganisationen abgeschlossene Lehnabkommen wurde von den Arbeitnehmern zum 31. Juli gekündigt. Die Parteiverhandlungen sowie die Verhandlungen vor der Bezirksschiedsstelle führten zu feinem Ergebnis. Die Bezirksschiedsstelle fällte einen Schiedsspruch, welcher besagte, daß die jetzigen Löhne bis zum 1. Oftober zu gelten hätten und im September neue Verhandlungen zu führen wären. Dieser Schiedsspruch wurde von den Arbeitnehmern abgelehnt. Es haben Polizeibeamte! Donnerstag, den 3. September, abends 71%, Uhr, in der Bock brauerei, Fidicinstraße: Die im Kunſtgewerbe arbeitenden Mitglieder des Deutschen Gr. öffentl. Polizeibeamten- Bersammlung Metallarbeiterverbandes hielten gestern im Reichenberger Hof Bersammlung ab, um zu den Lohnverhandlungen Stellung zu nehmen. Henschel referierte über das Ergebnis der Verhandlungen. Er wies darauf hin, daß der 31. gefällte Schiedsspruch, der für die Affordarbeiter eine Zulage von 4 Proz. vorsah und für Facharbeiter einen Stundenlohn in der Spitze von 98 Pf., von den Arbeitnehmern zwar angenommen, von den Arbeitgebern aber abgelehnt worden sei. Es sei daraufhin die Verbindlichkeitserklärung dieses Schiedsspruches beantragt worden. Es haben Verhandlungen stattgefunden, in denen die Arbeitgeber sich bereit erklärten, eine Lohnaufbesserung von 4 Proz. sowohl auf den Stundenlohn als auch auf den Akkordlohn zu bewilligen. Zu berücksichtigen sei, daß seit November 1924 feine Verhandlungen wegen Lohnaufbesserungen stattgefunden hätten. Die 4 Proz., die in den meisten Betrieben schon gezahlt werden, genügen den im Kunstgewerbe beschäftigten Metallarbeitern feineswegs. Die Kommission wurde schließlich bes auftragt, neue Verhandlungen einzuleiten. Nach dem Bauarbeiterkampf. Eine Mitgliederversammlung der Stuffateure nahm am Sonntag vormittag im Dresdener Kasino Stellung zu der am 28. August im Reichsarbeitsministerium getroffenen Bereinbarung. Schod als Fachgruppenleiter bezog sich in seinem Bericht hauptfächlich auf die von Silberschmidt in der Generalversammlung am Sonnabend gemachten Ausführungen, deren wesentlichen Inhalt wir schon am Sonntag mitgeteilt haben. In der Diskussion fam ein starker Unwille darüber zum Ausdruck, daß die an den Verhandlungen beteiligten Organisationsvertreter das Abkommen sogleich unterzeichnet haben, ohne erst mit ihren Auftraggebern Rücksprache genommen zu haben. Des weiteren wurde der ungünstige Ablauftermin, das magere materielle Ergebnis und die Nichterfüllung der sozialen Forderungen fritisiert. Einige Redner vertraten sogar den Standpunkt: Los von den Maurern. Nachdem einige andere Redner und dann Schock in seinem Schlußwort diese Ansichten widerlegt hatten, fanden sich die Versammelten betriebsweise zu Besprechungen über die Art der Wiederaufnahme der Arbeit zusammen. Die Sektion der Buyer im Deutschen Baugewerksbund erflärte sich nach einem Referat von Lehnig in einer Versammlung, die sie in den Residenzfestsälen gestern abgehalten hatte und in der scharfe Kritik an dem Einigungsabfommen geübt wurde, schließlich mit diesem Einigungsabkommen einverstanden. Lehnig führte aus. daß der Streik die Organisation start gefestigt habe. Wenn von den Unternehmern die Zahl 600 000 in die Presse lanziert sei, als die Zahl derjenigen, welche für die Aussperrung in Frage kommen, so sei das übertrieben. Es sei das Ziel der Unternehmer, die Lohnabkommen zentral abzuschließen, damit sie alle zu gleicher Zeit ablaufen. Die Verhandlungen über die sozialen Einrichtungen Ing treimüssen zentral geführt werden, und zwar müsse sofort mit den Ber11cial handlungen begonnen werden. Bei dem Abschluß des Einigungsabkommens war für die Gewerkschaftsvertreter vor allem die Tatfache ausschlaggebend, daß eine Reihe von anderen Berufen in Lohnkämpfen steht. 7155 Wie sehen bloß Ihre Hände aus? ges gekh Die schwarzettand ist das Zeichen, Kokona ist der Name unseres Reinigungsmittels für Aluminium, fettige, rußige Töpfe, Ausgußbecken, beschmutzte Türen und andere Sorgenkinder der Hausfrau. Kokona bewirkt ganz nebenbei u selbsttätig während der gröbsten Arbeit an den Händen moderne Schönheitspflege. In d. Erhaltung einer sammetweichen, geschmeidigen Haut liegt das Geheimnis der schönen Frau. Kokona ist f.Aerzte und Pflegepersonal ein unentbehrliches Reinigungsmittel. 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Bahl reichen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Deutscher Holzarbeiterverband, Berwaltungsstelle Berlin. Musikinstrumenten. arbeiter: Die Vertrauensmännerversammlung am Mittwoch, den 2. September, findet doch statt, und zwar um 7 Uhr im Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147. Tagesordnung: Entscheidung über den Schiedsspruch. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Berlin. Branche V, Straßenreinigung und Fuhrpart: Mittwoch nachmittag 5 Uhr im Gaal des Verbandshauses, Johannisftr. 14-15, Bersammlung der Branchenbelegierten der Branche V, Straßenreinigung und Fuhrpark der Bezirke 1 bis 20. Die Branchenleitung. AFA- Mitglieder der Gektion MEW., Charlottenburger Wasserwerke. Mittwoch abend 72 Uhr in Saverlands Fetsälen, Neue Friedrich, Ede Rochstraße, wichtige AF- Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Unfere Forderungen an den neuen Mantel- und Gehaltstarifvertrag. Berschiedenes. Restlose Beteiligung erwarten Butab, DWB., ZDA. Bezirksversammlungen des gb. Mittwoch. Röpenid: Restaurant Autopeter, Köpenid, Berliner Str. 27, Beginn 8 Uhr. 1. Streifzülge durch Holland, England und Frankreich. Referent Rollege Bruno Lache. 2. Berbands und Bezirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Neukölln: Bürgerfäle. Bergstr. 147, Beginn 8 Uhr. 1. Gemeinwirtschaftliche Tagesfragen. Referent denes. Süben- Südwesten: Blüchersäle, Blücherstr. 61, Beginn 8 Uhr. 1. Beruf und Geschlecht. Referentin Kollegin Gertrud Ellert. 2. Verbands- und Beairtsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Deutscher Baugewerksbund. Fachgruppe Tiefban: Mittwoch abend 6% Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 4, Bersammlung der Tiefbauarbeiter. Berband der Maler, Sektion ber Ladierer. Achtung, Ladierer! Donners tag abend 7 Uhr im Gewertschaftshaus, Gaal 5, Engelufer 25, Gektionsver fammlung. Tagesordnung: Bericht von der Delegiertenversammlung. Berbandsangelegenheiten. „ Die Behandlung der Polizeifragen im Preußischen Landtag." Kollege Paul Bange. 2. Berbands- und Bezirksangelegenheiten. 3. Berfchic: Referent: Landtagsabgeordneter Genosse Marcwald- Frankfurt a. M. Außerdem werden sprechen: Die Genoffen Stelling, Schrader, Siering, Winkler, Jens, Albinus und andere. Alle Bolzei beamten, auch die nicht zur Sozialdemokratischen Partei gehörigen, werden hierzu eingeladen. Die Beamtenzentrale der SPD. J. A.: Hermann Wäger. dann am 25. August vor dem bayerischen Landesschlichter Einigungs verhandlungen stattgefunden, die ebenfalls zu feinem Ergebnis führten. Es wurde dann ein Schiedsspruch gefällt, wonach die iezigen Löhne ab 1. September um 8 Broz. erhöht werden, was eine Lohnerhöhung von 4 bis 7 Pf. ergibt. Diese Lohnregelung hat Gültigkeit bis auf weiteres und fann mit einmonatiger Frist erstmalig zum 31. Dezember 1925 gekündigt werden. Sollte jedoch während der Vertragsdauer eine Verschiebung in den Teuerungsverhältnissen eintreten, die sich in einer Veränderung des Reichsinder für den Monat August um mehr als 10 Punkte ausdrüdt, so steht es den Parteien frei, in neuerliche Verhandlungen über die Lohnfeftfegung einzutreten. Die Erklärungsfrist über Annahine oder. Ablehnung des Schiedsspruches ist bis einschließlich 8. September 1925 festgesetzt. Gekündigtes Arbeitszeitabkommen. Köln, 31. August.( Eigener Drahtbericht.) In der Solinger Metallindustrie haben die Gewerkschaften das Arbeitszeitabkommen, das eine 56- Stundenwoche auf Regelleistung vorsah, zum 30. Dezember gekündigt. Textilarbeiteraussperrung in der Tschechoslowakei. Aus Prag wird uns gemeldet: Der Verband der tschechoslowafischen Textilindustriellen hat beschlossen, die Forderung der Arbeitnehmer auf 7-10prozentige Lohnerhöhung abzulehnen und das Ultimatum der Arbeiter mit einer allgemeinen Aussperrung, die am 29. August beginnt, zu beantworten. Im deutschen Textilgebiet und in Brünn sind indessen den Arbeitern im Gegensatz zu diesem Beschluß des Verbandes Teuerungszuschläge bewilligt worden, so daß die Aussperrung aller Boraussicht nach nicht geschlossen wird, durchgeführt werden können. Achtung, Bauarbeiter! Die Auszahlung der Unterstützung für die letzten Streittage erfolgt am Donnerstag dieser Woche in den befannten Bezirkslokalen. In den Bezirken, wo die Streiffarte vor der Auszahlung zwecks Ausstellung der Quittungen abgegeben wurde, muß auch diesmal am Mittwoch abend die Streifkarte im zuständigen Bezirkslofal abgegeben werden. Die Bezirksstreifleiter nehmen am Mittwoch nach Arbeitsschluß die erforderlichen Gelder im Bureau in Empfang. Nach der Auszahlung sind die Streifverzeichnisse und sonstigen Streifmaterialien sofort beim Streifkassierer abzugeben. Deutscher Baugewerksbund. Baugewerkschaft Berlin. 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Auguft 1925 Auf jede gezogene Nummer find awet aleid bobe Ge. winne gefallen, und zwar je einer auf die Lele gleicher Nummer in den beiden Abteilungen 1 and 2 Ohne Gewähr Rachdruck verboten In der Schlußziehung wurden Gewinne über 150 Mk. gezogen Auf Nr. 100501 fielen 2 Prämien von je 500000 M. und 2 Gewinne von je 1000 m. 2 Gewinne zu 10000 m. 55973 2 Gewinne zu 5000 22. 36172 12 Gewinne zu 3000 m. 14427 73719 129233 196349 243070 250229 12 Gewinne zu 2000 2. 43256 113336 134919 141638 181800 259538 26 Gewinne zu 1000 m. 32554 74316 76652 84895 93237 97317 161568 166155 209181 241236 252172 257859 272738 40 Gewinne zu 500 m. 4489 24038 28600 41944 53405 82035 87125 94202 120826 137760 152774 189880 194045 216383 229472 237414 257429 263674 274472 274776 148 Gewinne zu 300 m. 5290 6617 8115 11315 11463 11747 16568 40080 41679 47007 49205 50480 65981 7507) 76480 88444 92287 96399 99957 112653 113786 115075 119814 123751 133291 136052 140793 144338 145841 150904 151501 157696 157885 159037 164740 176269 181003 182061 185699 187711 187712 198780 199288 199786 200231 200706 201211 201873 204198 207182 207851 210809 215230 222735 224003 224816 225055 230085 230561 239578 241939 244524 245037 249407 249988 253845 254105 258778 262507 262777 267250 271203 271346 272244 Rahma 1/2 M nuc 50S buttergleich A geschafft! Das befte Zeugnis von der Welt, Das Rahma" felbft fich ausgeftellt! mit Riefenfchcitten und doch ftät: So bricht fich Bahn die Qualität! Rennen zu Hoppegarten Dienstag, den 1. Sept. nachm. 21%, Uhr Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Bautlempner Achtung! Dienstag, den 1.Septbr., abbs. 7 Uhr, im großen Saal des Verbandshauses, Ciuienfte. 83/85: Versammlung aller in den Jnnungsbetrieben beschäftigten Kollegen. Tagesordnung: 1. Bericht über ben Stand unserer Lohnbewegung. 2. Distuffion. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu biefer Bersammlung zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Mechaniter, Optifer, Uhrmacher, Eicher und Eicherinnen! Donnerstag, 3. September, abends 7 Uhr, im großen Saal des Gewertschaftshauses, Engelufer: Vollversammlung der Gesamtbranche. Tagesordnung: 1. Bortrag 2. Disfuffion. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch mit einem der obigen Berufe versehen legitimiert. Donnerstag. den 3. September, abends 7, Uhr: Jugend- Betriebsdelegiertenkonferenzen für die Bezirke: Norden: JmBerbandshause, Linienſtr. 83/85 ( Jugenheim); Spandan: Freitag, 4. Septbr., abends 7 Uhr, im„ Alten Schügenhaus", Neuen dorfer Straße. Tagesordnung: 1. Wirtschaftlicher Monatsbericht und Betriebsverhältnisse. 2. Bilbungsveranstaltungen und Verfchiedenes. 3. Ausgabe der Mitteilungsblätter. Jeden erften Donnerstag im Monat finden die Jugendkonferenzen ftatt, zu denen eder Betrieb einen Dele gierten entfenden muß Metallschleifer u. Galvaniseure! Donnerstag, den 3. September, uachmittags 5 Uhr, in Ewalds Festfälen, Staliger Straße 126: Außerordentliche E Bertrauensmännerkonferens der Metallschleifer u Galvaniseure. Jeder Betrieb muß vertreten sein. Die Ortsverwaltung. 2002 Dienstag 1. September 1925 Unterhaltung und Wissen Der Galgen. Von Auguft Stramm. ( Aus dem Nachlaß 1906.) Der Sturm! Hoch in den Wolfen winden sich die Kiefern, die dürren Arme reden die geballten Fäuste in grausem Beben gegen Himmel, ohnmächtger Hilfeschrei Gestalt geworden. Die Wolken ziehn in Floren, dumpf grau, schwarz dräuend, in stumpfen Glast, in sicht'gen Ballen, ein Sonnenblick dazwischen strahlt aus Blau! Es heult der Sturm, die Schatten fliegen ohnmächtig recken sich die Kiefernarme! Fest steht der Galgen, wuchtig, breit und schwer, nicht eine Fuge zittert an dem Bau, weit spannt sein starrer Schatten übers Land im scharfen Winkel abgebogen ein durchgeschnittner Fluch! Der Strick im Sturm schwingt pendelnd hin und wieder am harten Holze flappert hohl die Schlinge! Das Weib am Fuß! Die vollen Brüfte nackt und bloß, die Augen gierend aus den grauen Höhlen die kraftdurchtrozten Glieder angespannt, die schwarzen Haare von den Schläfen flutend hinunter auf der Schultern blanke Macht, und auf die prallen Muskeln ihrer Arme. Mit dürren Fingern an den schweren Händen grabet sie zu ihren Füßen Kopf auf Kopf hervor, und schichtet zu die Knochen probend... passend, bis auch die letzte Knochenfaser eingefaßt. Nun stehn sie auf und gehen, reihn sich ein und bange Schatten fallen übers Land am Hals das Galgenzeichen! Nicht fügt der Kopf sich an den Trägerwirbel, er flappert hin und her. und fällt zur Seite... vorn und rückwärts über. Da legt das Weib ihm um den Hals den Kranz aus Moos, wie er auf grauen Schädeln wächst, Sternblümelein und Lorbeer, Efeuranken, wie es emporquillt aus der Modererde.... Nun hält er fest!!!. In langen bangen Reihn ziehn sie dahin, der Sturm umheult fie, peitschet ihr Gebein se und grauses Klappern mischt sich in das Heulen. Im Schatten ihres Galgens ziehn sie hin, fein Schritt darüber, feiner nebenraus, so wenden sie gebannt in seinem Kreis und fehren wieder zu dem Fuß des Galgens vom Sturm gepeitscht Und lockert sich ein Glied so fügt sie's fester, oder reißt es aus, schlägt auch das Ganze nieder unter sich begrabend und fügt ein neues ein.. Ein neu Gebeine in den schwanken Zug. Und lacht dazu,... und streichelt sie, und reißt sie auseinander treibt endlos dieses gleiche grause Spiel, und lacht dazu und weint und singt mit hohler Stimme die im Sturm verflingf, getragen, dumpf wie Grabesraunen, wie Sphärentlang von irgendwo weit über allen Sternen hinaus aus Zeit und Raum aus Leben. Tod, aus Ruh und Regen unfaßbar und unwandelbar, aus mesenlos und uferlos und ewig strömend Unbewegten unendlich Werden.... endlos Sein tonlos und allerfüllend Und alle Sterne singen mit: " Gehenft im Leben, nach dem Tode... Leben!! Das Bürgmal decket euch der grüne Kranz! Baßt es euch nicht? Fügt es sich in meine Zeit und Werden, so schlag ich euch herunter wiederum und setze andere an eure Stelle, ihr modert namenlos mir unterm Fuß, seid ihrs zufrieden? Was weiß ich? Ich zog euch groß an meinen fatten Brüften, Ich nährte mich danach von eurem Fleisch Und eure Knochen schütten mir den Sig. Kommt her zum Spiele!... Was weiß ich?... Bin selbst ein Fezen nur vom Ganzen, mer weiß, mer ob mir ist, ich muß mich fügen... ich hänge euch, wer weiß, wann baumle ich, bin selber namenlos begraben und vergessen, auf meinen Resten thronet... wer weiß ich? Gefällts euch nicht? Ich laß euch Reigen tanzen, bin selbst ein Schatten nur, vielleicht nicht mal im Schattenspiel einft zu verwenden mehr... für wen weiß ich? Zieht und schwankt und schwebt und kehrt, ihr Narren, ich gab mir selbst den Namen, den Namen... Ich!... was soll der Name deuten? doch eure Namen geb ich euch und schleudre euch ins Namenlose mir unterm Fuß, so wie ich will! Kommt her zum Spiel! Nun bist du Christus, und du Sokrates, du fundetest der Sterne mirren Lauf du spürtest nach dem Allgeschehn und Werden du wolltest Schönheit... und du Wahrheit sehaffen.. Fort... marsch, ihr Schatten! Ich gebe euch die Namen, Ich... reih euch ein Ich. lasse leben euch, Werf euch ins Namenlose, Ich. Mutter euch... und euer Henfersknecht! ſo.. wie... Ich... will!! Was will ich? Ich bin ein Stück im Reigen und über meines Galgens Schatten kann ich nicht, fommt her, ihr Narren, wißt ihr vom Spiel den Sinn? Ich bin die Menschheit und mein Siz seid ihr!". Es heult der Sturm, es ziehen die Gebeine... starr steht der Galgen endlos währt das Spiel. Ohnmächtig reden sich die Kiefernarme! LUTHER SCH Durchhalten! 且 th 且 UTZ ZOLL Am Meer. Beilage des Vorwärts Von Walther G. Oschilewsti. Grünumgürtet von den sommerlichen Wäldern, eine blühende Schaumkrone in den Händen der Welt, lag das Meer. Ich kam aus einem kleinen Fischerdorf am Rande der Halbinsel und lief nun die weißbeflaggte Straße hinan, die in den blauen Himmel führte. Um aber wieder an das Meer zu kommen, ging ich oftwärts. Der heiße Sand kniff in die nackten Sohlen. Wie reifes Obst lag die Sonne in den Dünen. Das Gras zerschnitt die Luft in tausend einzelne Teile und bewegt sie leicht. Scharf biß der Salzgeruch im Munde, aber es war schön so. Auch Wind war da, einige Scheffel voll. Die fühle Brise flog über den Strand. Man darf nie müde sein, wenn man ans Meer geht. Hier ist fein Tag, um zu schlafen. Es braust und rauscht. Dja das Meer! Berge sind schön und je dunkler sie sind, desto fühner und erhabener für das furchtlose Herz. Wälder sind füß und berauschend, wenn der Sommer in ihnen rount; felige Inseln des grünen Gottes Pan. Wer aber Laub und Moos nicht liebt, ist kein Mensch. und das Meer! Das leuchtende, Ich liebe Berge und Wälder muscheltönende, kristallene und schiffbefahrene Meer! Hier leuchtet die Nacht wie Bernstein, und der Fisch glänzt; hier tönt die Muschel und ist Gesang im Mastgezweig. Wind, Riesel, Seestern und Bogel gehen auf die Reise. Geheimnisse fliegen dir zu. Das Schiff fährt aus; am Kap zerschellt die Nacht. Es beginnt die Welt. Am Meer. Liegst du am Strand, die Welle spricht: Was ist die Stadt? Eine Steinuhr. Was ist das Leben? Eine Sandwüste. Was ist der Berg? Ein Finger der Welt. Was ist der Wald? Urdunkel der Nacht. Aber was ist eine brausende Woge? Ein Tropfen im großen freien grünumgürteten Meer! Wieviel Blut hat der Mensch? Es ist in vielen Fällen wichtig, die gesamte Blutmenge zu fennen, mit der das Gefäßsystem eines Menschen gefüllt ist; aber einer genauen Bestimmung der gesamten Blutmenge, die im menschlichen Körper freist, stellen sich große Schwierigkeiten entgegen. Nach den üblichen Blutuntersuchungsmethoden läßt sich immer nur angeben, ob ein relativer Reichtum oder Mangel an Blut vorhanden ist, und man muß sich mit der Diagnose der Vollblütigkeit" oder" Blutarmut" begnügen, die recht ungenau und schwankend ist. Diese allgemein angewandten Metho= den vermögen die Frage nicht zu beantworten, wieviel Liter Blut ein Mensch nun eigentlich besitzt. In den physiologischen Lehrbüchern findet man zwar die Angabe, daß ein Dreizehntel oder 7,5 Proz. des Körpergewichts auf das Blut entfällt; aber diese Zahlen wurden an Tieren gewonnen, die man ausbluten ließ, und es ist unmöglich, ein Tier durch einfachen Aderlaß restlos auszu= bluten. Dies Verfahren ist also ungenau; man hat daher andere Methoden anwenden müssen, über die Frizz Laquer in den„ Naturmissenschaften" berichtet. Diese Methoden sind im Gegensatz zu der direkten Ausblutung, die nur beim Tier möglich ist, indirekt und merden am Menschen vorgenommen. Von praktischer Bedeutung find diejenigen Verfahren, bei denen bestimmte, leicht nachweisbare Substanzen in die Blutbahn eingeführt werden, und zwar bedient man sich bestimmter Farbstoffe, so bei der praktischsten Methode, dem Griesbachschen Kongprotverfahren. Cine bestimmte Menge Kongorotlösung wird in die Blutbahn gebracht; nach 4 bis 5 Minu ten ist die Durchmischung so vollständig, daß bei einer fofort entnommenen Blutprobe der Gehalt des Serums an Kongorot folori metrisch festgestellt werden kann. Die Hauptschwierigkeit liegt dann darin, das Verhältnis der Erythrozyten zu der Blutflüssigkeit zu bestimmen, aus dem man die Gesamtblutmenge genau berechnen fann. Daher sind die Durchschnittsmerte, die die verschiedenen Forscher für die Gesamtblutmenge des gesunden Menschen angegeben haben, noch ziemlich verschieden und schwanken zwischen 5 Proz. und 8,3 Broz. Im Mittel aber entsprechen sie genau den bisherigen Angaben, nach denen die Blutmenge 7,5 Proz. des Körpergewichts beträgt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen sind recht beträchtlich; vor allem haben fette Menschen eine verhältnismäßig fleinere Gesamtblutmenge als magere, da dos Fettgewebe nur sehr wenig an der allgemeinen Blutversorgung beteiligt ist. Wein aus Ameisen und andere Genüffe. Nicht nur China ist Durchhalten, Leute, ich werde den Preispegel fchon ein Baradies erotischer Leckerbissen, sondern auch in Südamerika wieder runterkloppen!" Legende. Bon Hans Jüngst. Sie hatten des Menschen Sohn gerichtet. Ein fesselloser Aufruhr von Triumph und Trauer wogte und wirbelte um die drei Kreuze. Und einer schrie hohngellend empor: „ Bist Du Christus, der Sohn Gottes, so steige herab vom Kreuz!" Des Menschensohnes sterbende Sinne fingen diese Worte. Cine letzte Flut von Leben quoll in ihm auf. All sein Eifer, all sein 3orn, all seine verlorene Machtherrlichkeit fie bäumten sich noch einmal zu einer riesenschwarzen. weißzijchenden Woge, sieghaft anzupeitschen gegen dieses Felsgezack von Spott, gegen diese augenlose Felsenstirn von Unverstand. Und des Menschen Sohn wand sich am Kreuze....Steige herab...!" Die Nägelmale flafften weiter und bluteten von neuem. Als sei dieser verelendete Körper zu flein für das lebermaß von Bein, durchraste, durchschüttelte reißend ein siedender Schmerz den schlanken, leidvollen Leib. Wächsern ward er und grünfahl. Kalter Schweiß glänzte auf im Lichte der Fackeln. Die Nägel aber bissen ihr Eisen hartnäckiger ins Holz und wichen um feinen 3oll. Dann sank er zusammen, todwund, todmüde... Bon ferne aber stand Maria Magdalena. Ihre weiten, schwarzen Augen sahen heiß und brennend trocken des Geliebten letztes Ringen und dieses Lebens letzten, verebbenden Krampf. Und er neigte fein Haupt und verschied. Eine mesenlose, tote Nacht mölbte ihr schwarzes Dach. Bernichtende Erschöpfung und Bewußtlosigkeit lastete auf aller Streatur nach diesem Frevel ohne Namen. Auch auf den beiden Wächtern vor den drei kreuzen. Sie gewahrten nicht die dunkle Frauengestalt, die lautlos fam, und vor des Menschensohnes Kreuze in stillem, ersticktem Schmerz niederfniete. Maria Magdalena wachte in dieser Nacht. Ihr heißer, roter Mund, der alle Erdensünden getrunken, ohne zu zittern in einer großen Liebe schmachtend gebebt hatte er fenfte sich lind und weich auf des Geliebten tote Füße und füßte sie. Rüßte die bluterstarrten Wunden innig inbrünstig wild und groß! Küßte eine ganze Menschenseele hinein. Da löfte sich des Gekreuzigten rechter Arm vom schwarzen Stamme. Und sentte sich. Und zog das liebende Weib mächtig an, daß es selig erschauernd emportaumelte. Maria Magdalena lehnte ihr Haupt an den falten, nackten Körper. Sie fühlte eine Hand auf ihrem Haupte weichfie fegnend... warm fann man noch Goumengenüsse auskosten, die dem Europäer einen leichten Schauder hervorrufen. So wird dort der seltsamste Wein getrunken, den es auf der Welt gibt, nämlich der prickelnde Mochileras, durch den man in die lustigste Stimmung gerät. Dieser Wein ist aus zerdrückten Ameisen bereitet, und zwar verwendet man die Hormigas" oder„ Wein- Ameisen", die in ganzen Säden an jedem Marittag zum Verkauf angeboten werden. Diese Ameisen sammein Honig; da die Arbeiter aber nichts zum Aufbewahren des Honigs befizen, so bohren sie andere Ameisen an und füllen sie mit Honig. Aus diesen Honig- Ameisen" wird nun der Wein bereitet, indem man sie zerdrückt, die Flüssigkeit durch ein Seihtuch abtropfen läßt und auf diese Weise den Nektar erhält, der dann zu Wein verarbeitet wird. Brot aus Käfereiern wird in den argentinischen Grenzgebieten von jedem Bäcker verkauft. In manchen Flüffen gibt es Wasserfäfer, die Coriga heißen und in zahllosen Millionen herumschwärmen; sie legen ihre Eier in riesigen Massen auf das Wassergras, das die Eingeborenen zu diesem Zweck abjuchen. Die Eier werden einmal in der Woche gesammelt, in einer Art Brei zufanmengedrückt, mit Honig durchmengt und dann zu einem Brot gebacken, das Hautle" heißt. Reisende, die von diesem Käferbrot gefoftet haben, versichern, daß es von dem feinsten Weißbrot nicht zu unterscheiden sei. Raupen, Eidechsen, Frösche und Stachelschweine gelten in manchen Teilen Südamerikas für große Leckerbissen. Bei ben Ottomoc- Indianern werden Schlamm- und Fischkuchen gegessen, denen man ein herrliches Aroma nachrühmt. Während der Regenzeit, wenn die Flüsse megen ihrer reißenden Strömung nicht befahren werden können und das Fischen daher unmöglich ist, werden diese Ruchen nur aus dem Schlamm bereitet. Ein anderer Stamm lebt von Moskitos, die in Biskuits zusammengepreßt werden und wie Kaviar schmecken sollen. Ein wunderliches Gemengsel ist der ge= wöhnliche Tee, den man in Argentinien erhält; er heißt Verba mate" und wird in den Tiefen der südamerikanischen Urwo: der von herumziehenden Indianern gesammelt. Die Derbablätter merden geröstet, zu Bulver zerrieben und mit kochender Misch oder Weiser rermischt. Auf diese Weise bereitet man das„ Mate", das zu den den großen Vorzug besitzt, feine bösen Wirkungen zu haben, in anregendsten und belebendsten Getränken gehört, die es gibt, und welchen Mengen man es auch genießt. Wie alt ist die Brille? Als die älteste Brillendarstellung ist ein Bild des Thomas von Modena in einem Fresto von 1352 nachgewiesen, das sich in der Safristei der Nikolaus- Kirche von Treviso befindet. Daß aber Brilen schon früher bekannt waren, beweist eine Stelle aus einer Florentiner Handschrift von 1299, die Dr. 2. Bourgecis in seinem soeben erschienenen Buch„ Die Brillen unserer Vorfahren" mitteilt. In diesem Trattato del governo della famiglia" schreibt der Verfasser: Jch bin jetzt bereits so alt geworden, daß ich meder lesen noch schreiben könnte ohne die„ Occhiali" genannten Gläser, die kürzlich zum Segen der armen Greise erfunden worden find, deren Sehkraft schwach ist." Man hat also schon im 13. Jahr hundert Brillen, wahrscheinlich zuerst in Benedig, hergestellt. Theater Lichtfpicie nfw. Volksbühne Th. am Bülowplatz Wiedereröffng.: Dienstag, 1. Sept 7 Uhr: Hamlet Mittwoch, 2. Sept 8 Uhr: Fiesko Staats- Theater Opernhaus 7 Uhr: Rigoletto Opernhaus am Königsplatz 7: Der Freischütz Schauspielhaus 8: Nathan d. Weise Schiller Theater 8 Uhr: Jungfrau v. Orleans. Berliner Theater 745 Uhr z. 282. Male: Anneliese v. Dessau Ab Sonnab, 5. Sept. 7 Uhr: Gastspiel Kammersing. Richard Tanber: Musik. Leitung E. W. Korngold Eine Macht in Venedig Operette v. Johann Strauß, musik. Einrichtg. v.E.Korngold Theater am Rollendorfplatz Täglich 8 Uhr Die hellblanen Schwestern Romant. Operette von Ed. Künneke Täglich 8 Uhr 3. Woche HALLER REVUE 1925/26 ACHTUNG! WELLE 505!" THEAT ADMIRALI. PALAST Mark 2.- bis 16.Neues Theater am Premiere Donnerst., 3. Sept., 7 Uhr: Olly- Polly Residenz- Th. Heute 72: öffentlich. Generalprob. Morgen 7 Uhr: Eröffnungs- Vorst. Jugendfreunde Claire Rommer, Osk. Sabo, Boecklin, Dewis, Emmering, Elzer, Ley, Merkwitz, Semmler Thalia- Th. 8: Annemarie von Jean u. Robert Gilbert Camilla Spira, Paul Heidemann, Dora, Baselt, Diegelmann, Wetelka, Wafan Th. in d. Kommandantenstr. Nur noch 4 Vorst. 8: Vetter a. Dingsda Voranzeige! Theater in der Kommandantenst. 5. Septemb.8 Uhr: neu einstudiert Marie Escher a. G. Anneliese v. Dessau Operette von Koll. SCALA Emmy Sturm Curt Bois Parkettpl.y, 2-12 M Eröffnungsvorstellungen der Hellmer- Bühnen Lessing- Th. Freitag, 11. Sept, 7 Uhr Götz v. Ber lichingen von Goethe Wegener, Höflich, G. Müller, George: Sonnabd., 5. Sept., 7 Uhr Heute Premiere Tarzan I mit Internat. Varieté BarnowskyBühnen. Kleines Theater: Eröffnungs- Vorst. Theater in der Königgrätz.Str. Heute 7 Uhr: Wie es Endh gefalli Besser als früher von Pirandello lmin billigen als Schmalz! Palmin Palmin ist ein absolut reines Syaitafell wit einem Fettgfalt 100% E eignet sich so gut min Schmalz zum Kochen, Braten und Banken. Palmin nur soft in Verfolgailung mit difriftzung Dr Schlinck Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! WALHALLA Rosen7 Uhr: Die lustige Revue Mal was anderes mit Lotte Workmeister- Agal Wilke Lambertz- Faulsen- Bob.Steidl usw. Preis 0,60-4.50. Forv.ab 11 U.ununtbr. 12 WINTO ORIEN Teppich- Reschte verkauft fpottbillige] Bichtig für jebermann! Täglich mer Teppiche, Brücken, Bettvorlagen, Diwan- ben verkauft: Kleiderschränke, Bertitos decken usw. 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Belsen, Alois Florath, Karl Solg, Willi Steinert/ Erich Weinert führt Berliner Spezialitäten vor/ Die beliebte Beilage" Das Lachen von ehedem" bringt Altberliner Karikaturen und Wize/ Das Malheur im 3entrum wird nicht vergeffen/ Parvus Leiermann über Spreedampfer und Barmädchen/ 3illes Göhren- Beitrag liefern wir auf Anforderung in gerahmtem Sonderdruck jedem deutschnationalen Parteibureau gratis/ 3ur dentschen Justiz( was eigentlich in ein Wigblatt nicht gehört oder doch?/ Speisekarten Berliner Restaurants/ Überhaupt durchweg sehr reizvolle Sachen. Lind das alles für 20 pf. Achtung! Morgen Achtung! kommt die Botenfrau! Rauft bei ihr die Berliner Dialekt- Sondernummer und abonniert ..Cachen lints"