Nr.41342. Jaheg Ausgabe A nr. 211 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monafid 3,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Buremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit ber Sonntags beilage Bolt und Beit" mit„ Gied lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: -Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe 10 najdrs sima! Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die etnfpaltige Nonpareille. Reklamezeile 100 Beile 80 Pfennig. 5,- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 25 Bennig ( auläffia awei fettgedruckte Worte). febes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 20 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worie. Samilienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftrake 3, abgegeben werden.. Geöffnet von 8½ Uhr frith bis 5 Uhr nach. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 2. September 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Postschecktonto: Berlin 37 536 Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestelltest und Beamten, Wallstr. 65; Distorto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenfte. 3. Achtstundentag und Lohnsteigerung. Internationale Realpolitik. Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses. Der Gewerkschaftsfongreß in Breslau, über dessen Verhandtungen am Dienstag wir an anderer Stelle berichten, hat folgende Beschlüsse gefaßt: = nachzulassen, sondern ihn ungeschwächt mit allen gewerkschaftlichen Wachtmitteln bis zum endgültigen Siege fortzuführen. Nur eine geschlossene Front der Arbeiterschaft kann den endlichen und beständigen Sieg des Achtstundentages verbürgen. Die Lohnfrage. Zur Entschließung über die Arbeitszeit wird zunächst ein Zusazantrag gegen die Stimmen der Gruppe Dißmann angenommen, der den Bundesvorstand beauftragt, seine Die von den deutschen Unternehmerverbänden verfochtene Lohn Anstrengungen zur Herbeiführung des gesetzlichen Achtstundentages politik führt andauernd zu umfangreichen Lohnfämpfen, die die 311 verstärken, gegebenenfalls unter Anwendung des deutsche Wirtschaft unheilvoll erschüttern. Die Löhne des weitaus Wolfsentscheids. Der Antrag der Metallarbeiter ist dadurch größten Teiles der deutschen Arbeitnehmer erreichen bei weitem erledigt. Der Gesamtantrag des Bundesvorstandes wird nun ein nicht den Realwert der Borkriegslöhne. Ihre Kaufkraft sinkt immer stimmig unter lebhaftem Beifall angenommen. Er lautet: Seit dem im November 1918 mit Zustimmung der Arbeigeber der Reichstagsmehrheit jetzt beschlossenen 301l- und Steuer durchgeführten Achtstundentag durch die Arbeitszeitverord- geseze tritt eine weitere allgemeine Preiserhöhung ein, die nung vom 21. Dezember 1923 der gefeßliche Boden entzogen wurde, durch die Erhöhung der Wohnungsmieten noch verschärft wird. tobt ununterbrochen in der deutschen Wirtschaft der Kampf um die Die hierdurch bedingten Lohnfämpfe müssen in naher Zukunft noch Arbeitszeit. Unter Bruch des von ihnen unterschriebenen Ab- sehr viel umfangreicher und erbitterter werden. fommens vom 15. November 1918 haben nach Aufhebung der Demobilmachungsverordnung die Arbeitgeberverbände fast überall eine rein mechanische Verlängerung der Arbeitszeit betrieben mit dem Vorwand, daß die Mehrarbeit Voraussetzung zur Gesundung der deutschen Wirtschaft sei. Die Erfahrung hat seitdem gezeigt, daß durch die erzwungene Mehrarbeit die Produktivität nicht gesteigert morden ist, weil die Arbeitsintensität nicht steigt mit der verlängerten arbs Arbeitszeit. Das ist durch wissenschaftliche Feststellungen erhärtet, die im Gegenteil nachweisen, daß der günstigste Leistungseffett bei vertürzter Arbeitszeit, insbesondere auch in fontinuierlichen Betrieben durch Einführung des Dreischichtensystems, zu er Bielen war. Der 12. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands steht nach wie vor fest zu der alten sozialpolitischen Forderung der Arbeiterchaft nach dem Achtstundentag. Die Beschränkung der Irbeitszeit auf acht Stunden ist die erste Voraussetzung für sje Hebung der fulturellen und gesundheitlichen Lage der Arbeiter. Der Kongreß stellt daher mit Befriedigung fest, daß es den Gewerkschaften gelungen ist, für mindestens die Hälfte der deutschen Arbeiterschaft den Achistundentag zu erhalten oder zurückzugewinnen. Er bekräftigt den entschlossenen Willen der Gewerkschaften, ihn auch in den Betrieben wiederzuerobern, in denen er zurzeit noch überschritten wird. Da auf die Einsicht in denen er zurzeit noch überschritten wird. Da auf die Einsicht der Arbeitgeber, deren Forderung nach verlängerter Arbeitszeit nur ihren machtpolitischen Bestrebungen und ihrer Gegnerschaft gegen eine freie Entwicklung der Arbeiterklasse entspringt, nicht zu rechnen ist, fordert der Kongreß von der Reichsregierung und dem Reichstag ein beschleunigtes Arbeitszeitgefeh, das die Sicherung des Achtffundentages für die Arbeitnehmer wieder herstellt. Der Kongreß fann leider auf Grund des bisherigen Berhaltens der Regierung von diesem Appell feinen entscheidenden Erfolg erhoffen. Er fordert daher zugleich die Gewerkschaften und die ge= samte Arbeiterschaft auf, in ihrem Kampf um die tarif vertragliche Festlegung des Achtstundentags nicht Kleve geräumt. Als erste Stadt im altbesetzten Gebiet. Cleve, 1. September.( WTB.) Als erste Stadt der nörd lichen seit 1918 bejegten Rheinlandzone ist die Stadt Cleve von den belgischen Besagungstruppen geräumt worden. Die Rajerne wurde heute der Stadtverwaltung übergeben. Es ver blieb eine unsichtbare Besatzung", bestehend aus dem Delegierten und einigen Mann Gendarmerie am Orte. Der Prozeß Maslow. Die Personalien von Maslow. Leipzig, 1. September.( BS.) In der Nachmittagssigung verbreitete der Angeklagte Maslow sich über die Tätigkeit der KPD. vom September bis Oktober 1923. Damals habe eine starke Differenz zwischen der Parteimehrheit und dem linken Berliner Flügel bestanden. Im Verlaufe seiner Darlegungen sprach Maslow über seine Personalien: Ich habe das Dresdener Gymnasium besucht und in Berlin studiert. Ich habe viele Kindereien erzählt, um meinen bürgerlichen Namen im Dunkeln zu lassen. Ich entstamme der Bourgeoisie. Als junger Student las ich deutsche und russische fozialistische Literatur. Während des Krieges war ich in Berlin. Das zaristische Rußland liebte ich nicht, auch das kaiserliche Deutschland war mir nicht übermäßig sympathisch. Ich erkannte sofort, daß der Krieg in feinem Land als ein wahrer Verteidigungskrieg geführt werde. Da famen mir Spartakusbriefe in die Hand und ich fühlte mich sehr stark angezogen und ich wurde Mitglied des Spartafus bundes. Dort nannte ich mich Maslow und auf einer Reise nach Rußland wurde meine Namensänderung formell gestattet. So bin ich zur Arbeiterbewegung gekommen, wie mancher Intellektuelle. Heute bin ich ganz dabei. Ich habe alle Brücken hinter mir abgebrochen. Diese Dummheit der Namensänderung hat mir auch in Rußland Schmierigfeiten gemacht. Man stellte Forschungen an, wer Der Mensch Maslow sei und wie seine Bergangenheit aussah. Benn Sie mich fragen, wie ich zu meiner Position in der Partei gekommen bin, so deshalb, meil meine ganze Kraft, mein ganzes Leben der Partei gehört. Daß ich Emisfär ber Sowjets war, ift infina- Das Die Unternehmer versuchen, den von ihnen systematisch durchgeführten Lohndruck als eine sich zwangsläufig aus der deutschen Wirtschaftslage engebende und für die Arbeitnehmer unausweichliche Konsequenz zu rechtfertigen. Unter dem Vorwand, dem Interesse der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes zu dienen, provozieren die Unternehmer Lohnkämpfe, fcher Waren auf dem Auslandsmarkt zurückzugewinnen. In Berderen Ziel ist, durch niedrige Löhne die Konkurrenzfähigkeit deutteidigung ihrer verhängnisvollen Lohnpolitit tlagen fie unter sprupelloser Beeinflussung der Regierung und der Deffentlichkeit die Gemertschaften an, in einseitiger Interessenvertretung durch uner füllbare Lohnforderungen den Wiederaufbau der deutschen Wirtneuen Inflation fchaft zu verhindern und das Land einer entgegenzutreiben. Der 12. Rongreß der Gewerkschaften Deutschlands erblickt in den Einwänden der Unternehmer das rücksichtslose Streben, völlig einseitig nur die eigenen Interessen zu vertreten. Er erklärt, daß die Fehler und Bersäumnisse, die das Unternehmertum während der Inflationszeit begangen hat, nicht ausgeglichen werden fönnen durch einen weiteren Druck auf die lebendige und arbeitsbereite Bolkskraft, die in der Arbeiterschaft zur Entfaltung drängt. Unter voller Würdigung aller auf der deutschen Wirtschaft ruhenden Lasten gibt der Kongreß dem festen Willen der Gemerk schaften Ausdruck, der Arbeiterschaft, die in den vergangenen Jahren ungezählte Opfer auf sich gnommen hat, eine ange. messene Lebenshaltung zu ermöglichen. Denn die Hebung der Kaufkraft und der Lebenshaltung der breiten Massen ist notwendig und nugbringend für die deutsche Wirtschaft und für das gesamte deutsche Bolt. Rückblick auf den Kongreß V. Sch. Marseille, Ende August. Man hat viel vom Versagen der Zweiten Inter nationale bei Ausbruch des Weltkrieges gesprochen. Der Aus drud durfte nicht ganz zutreffend gewesen sein, denn ein Bersagen sezt voraus, daß die Möglichkeit einer wirksamen Attion tatsächlich vorhanden gewesen wäre. Aber eine nüchterne Nachprüfung der wirklichen Machtverhältnisse in der Zeit bis 1914 muß zu der Erkenntnis führen, daß die politische Mach der Arbeiterklasse in feinem Lande ausreichte, um den Krieg zu verhindern. Trotz dieser oder vielleicht gerade wegen dieser Beschränkung ihres Einfluffes gefiel sich die damalige Inter als wohlklingende, begeisternde, aber doch nur papierne Re nationale in Forderungen und Lösungen, die nicht viel mehr solutionen sein fonnten. Die einzige praktische Möglichkeit, der heraufsteigenden Kriegsgefahr wirksam zu begegnen, die Beteiligung der Sozialisten an der Regierungsmacht in jenen Ländern, wo dies möglich war, hatte sich die Internationale aus prinzipiellen Gründen durch den Amsterdamer Beschluß von 1904 selbst genommen. Der Weltkrieg wäre wahrscheinlich nicht ausgebrochen, wenn nur in einem einzigen der hauptsächlich in Frage kommenden Länder die Sozialisten auf den Gang der Ereignisse mitbestimmenden Ein fluß gehabt hätten. Gerade im Frühjahr 1914 bestand in Frankreich diese Möglichkeit: Jaurès in einem Kabinett Biviani- Maloy- und das Bölfergemezel wäre vermutlich der Menschheit erspart geblieben. Aber Jaurès und sein Freunde durften ja nicht in die Regierung eintreten, weil die Beschlüsse der Internationale es ihnen untersagte, jene Beschlüffe die den Stempel der deutschen Sozialdemokratie trugen, die in der schroffen Opposition gegen den Halbabsolutismus groß geworden war und die natürlich nicht daran denken konnte, ohne Staatsumwälzung an der Regierungsmacht jemals teilzunehmen. Die Internationale der Nachkriegszeil hat von den Erfahrungen feit 1914 gelernt. Ihr Gesicht hai sich ebenso verändert, wie das Geficht der meisten führenden Parteien Europas. Und ebenso wie sich das Verhältnis der deutschen Sozialdemokratie zum Staate in diesen elf Jahren grundlegend geändert hat, weil es ein glattes Unding wäre, dieselbe Haltung der selbstgeschaffenen deutschen Republik gegenüber einzunehmen wie dem Deutschland Wilhelm II., das Preußen Otto Brauns und Severings mit denselben Augen zu betrachten wie das Preußen des Dreitlassenwahlrechts, ebenso hat sich in den Anschauungen der meisten führenden europäischen Arbeiterparteien auf Grund der Kriegs- und Nachkriegserfahrungen eine tattische Wandlung vollzogen. Entweder sie sind als Koalitionsparteien der Regie rungsmacht teilhaftig gewesen, oder sie haben als MinderDenn dieser Lohnkampf ist zugleich ein Kampf um den Anteilheitsregierung unter wohlwollender Neutralität eines Teils der Arbeiterschaft an allen Kulturgütern des des Bürgertums das Ruder allein geführt, oder sie haben durch Der Kongreß ermutigt die Arbeiterschaft, den Kampf um einen gerechten Cohn mit Energie und Ausdauer zu führen. Boltes. Alle Kräfte müssen daher in ihm ver. einigt werden." Gericht beschloß darauf, die überraschenden Angaben Maslows über seine Person sofort nachzuprüfen. R.-A. Dr. Kurt Rosenfeld- Berlin: Ich möchte betonen, daß die gesamten Beschuldigungen Maslows von einem Mann namens Selbiger stammen, der, wie der Herr Staatsanwalt weiß, alles andere als ein klassischer Zeuge ist. Der Präsident ging dann die Anklagepunkte durch. Hierauf wurde die Verhandlung auf Mittwoch früh vertagt. Der preußische Kultusetat. Minister Becker begründet seine Kultur- und Schulpolitik Im Hauptausschuß des Preußischen Landtags, der am Montag mit der Beratung des Haushalts des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung begann, gab gestern Minister Dr. Be der eine zusammenfassende Darstellung seiner Kultur- und Schulpoliti?. zunächst gedachte er mit anerkennenden und ehrenden Worten des verstorbenen Ministers für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung Gen. Haenisch; dann kam er auf den Fall Lessing- Hannover zu sprechen. Er lehnte die gegen Leffing vorgebrachten Angriffe ab und betonte, bei allem Verständnis der Gefühle der rechtsstehenden Studenten dürfe jedoch die studentische Kritit einen Dozenten nicht in seinen verfassungsmäßigen Rechten angreifen und an der Ausübung der Lehrtätigkeit hindern. Mit Wärme setzte sich der Minister für den Ministerialdirektor Kästner ein, der ob feines Festhaltens an der Grundschule scharfen Angriffen von rechts her ausgesetzt war. Zu der wichtigsten Kulturfrage, der Lehrerbildung, die nunmehr fonfeffionalisiert werden soll, schwieg der Minister und ließ fich weder durch den bereits vorausgegangenen Vorstoß des Genossen König, noch durch die Erklärung der Genoffin WegGenoffen König, noch durch die Erklärung der Genoffin Weg. fcheider, daß die Sozialdemokraten unter feinen Umständen sich mit den Plänen des Ministeriums für die kommende Lehrerbildung einverstanden erklären werden, zu einer Stellungnahme veranlaffen. Genoffin Wegschneider befämpfte die Konfeffionalisierung der Lehrerbildung und betonte, daß es andere wirksamere geistige Kräfte für die Einheit der Erziehung gehe als die Ronfeffion. Genoffe Kleinspehn fritisierte die reattionare Einstellung der evangelischen Geistlichkeit, die im Kampf gegen die Republit jeden Salt permiffen Laffe ihre planmäßige Unterstützung bürgerlichen Linksregierungen das Leben ermöglicht und deren Aktion dauernd beeinflußt und kontrolliert. Es gibt gegenwärtig in Europa fast teine einzige sozialistische Partei, die nicht in eine diefer drei Kategorien eingereiht werden kann. Das Allerdings hat sich diese taktische Wandlung in den meiften Parteien nur unter mehr oder minder heftigen Meimungsgegenfägen vollzogen, die zum Teil noch heute ausgetragen werden. Und es war ganz unvermeidlich, daß diese Schwankungen und Zweifel, die eine jede Partei in den letzten Jahren kennen gelernt hat, ihren Widerhall auch auf der Tagung der Internationale in Marseille fanden. wäre bereits auf dem Hamburger Kongreß vor zwei Jahren der Fall gewesen, wenn nicht damals stillschweigendes Einvernehmen darüber geherrscht hätte, das notwendige Werk des Wiederaufbaus einer einigen sozialistischen Internationale durch grundsätzliche Auseinandersehungen nicht von Anfang an zu belaften. Das Borhandensein derartiger Meinungsunterschiede oder gar, um das ominöfe Wort zu gebrauchen, Richtungen, ist eher ein Vorteil als ein Schaden. Denn nichts wäre eintöniger und damit auch steriler als eine Internationale, die vor lauter Gleichförmigkeit der Meinungen jeder an regenden und fruchtbringenden Diskussion bar wäre: es drohte ihr die Gefahr der Stagnation, dieses stärksten Hemmschuhe: der Aktion. Die Hauptsache ist, daß diese Meinungsunterschiede, die in der Natur der Sache und in der Natur der Menschen liegen, im Geifte der Kameradschaftlich fett und im Willen zum gegenseitigen Berständnis mit dem Ziele der Einigung auf einer gemeinsamen Grundlage ausgefochten werden. Und da läßt sich der Sosozialistischen Arbeiterinternationale nach dem Marseiller Kongreß das Zeugnis nicht absprechen, daß sie eine Vereinigung aller sozialistischen Parteien darstellt, die vom Geist der internationalen Solidarität erfüllt sind und die erkannt haben, daß nur durch den Willen der internationalen Berftändigung das Schicksal ber Arbeiterklasse in jedem Lande und in allen Ländern gebessert werden taun. Bor allem in der Behandlung des Hauptpunktes, der auf der Tages ardnung von Marseille stand:„Der Kampf des internatio- nalen Sozialismus für den Frieden" zeigte sich diese Ein- mütigkeit des Wollens, die durch Unterschiede in der Methode nicht gehemmt, sondern belebt wird. Die Internationale konnte in Marseille auf zwei Jahre reicher Erfahrungen seit 5)amburg zurückblicken,«sie konnte aus diesen zwei Jahren, in denen ein so weiter Weg für die Befriedung Europas und für die Wiederannäherung der Völker zurückgelegt wurde, den Wert der praktischen Arbeit auf dem Gebiet der auswärtigen Politik voll ermessen. Oder ist es etwa gar nichts, daß sich der Hamburger Kongreß auf dem Höhepunkt des Nuhrkampfes abspielte, während gerade in den Tagen von Marseille die letzten Be» satzungstruppen aus den Sanktionsgebieten abzogen? Ist es etwa gar nichts, daß sich die Logik der Ersüllungs- und Verständigungspolitik auf deutscher Seite so siegreich durch- gesetzt hat, daß nunmehr sogar eine Rechtsregierung nicht allein das Dawes-Abkommen durchführt,, sondern auch über ein von ihr selbst gemachtes Sicherheitsangebot mit den alliierten Regierungen verhandelt? Ist es gar nichts, daß die starre Ablehnung einer Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, durch das Frankreich Poincarös der Erkenntnis Platz gemacht hat, daß diese Aufnahme eine notwendige Vor- aussetzung für die Sicherung des europäischen Friedens ist? Ist es gar nichts, daß die kurzsichtige Stacheldrahtpolitik der Westmächte gegenüber Sowjetrußland längst preisgegeben und durch die rechtliche Anerkennung der Sowjetregierung er- setzt wurde? Das alles ist im Gegenteil sehr viel, besonders ge- messen an dem Chaos, das die durch den Kapitalismus ent- fesselten nationalistischen Leidenschaften geschaffen harten und besonders auch in Anbetracht des überraschend kurzen Zeitraumes, in dem dieses Chaos überwunden wurde. Ueberwiinden in erster Linie durch die Macht der sozialistischen Parteien in den führenden Ländern Europas, überwunden durch die praktische Arbeit des Hamburger Kongresses und der darauffolgen- den Aktionen der Sozialistischen Internationale. Das ist nämlich die Hauptlehre, auf deren Grundlage der Marfeiller Kongreß beraten und beschließen konnte: der Arbeiterschaft Europas wird nicht gedient, der Friede Europas wird nicht gesichert durch die Ausstellung idealer Forderungen, die nur vom Standpunkt der sozialistischen Doktrin und nur unter der Perspektive unserer Endziele formuliert werden, sondern durch stets wachsamen und stets wachsenden Einfluß der internationalen Arbeiter- k l a s s e auf die Geschicke der einzelnen Länder und der ganzen Welt. Der ungeheure Fortschritt zwischen Hamburg und Marseille ist zum guten Teil das Werk der Regierung Macdonald in England und der von unseren fran- zösischcn Genossen entscheidend beeinflußten Regierung Herriot. Aber die Regierung Herriot hatte den Sturz des nationalen Blocks Poincarös zur Voraussetzung und dieser konnte nur durch ein taktisches Wahlbündnis der französischen Sozialisten mit der bürgerlichen Demokratie er- zielt werden. Vermutlich wären wir heute noch viel weiter auf dem Gebiete der Wiederannäherung der Völker und der Sicherung des Friedens, wenn nicht ein tragisches Geschick es gefügt hätte, daß die Aera Macdonald-Herriot m:t dem Beginn jener Reaktionswelle in Deutschland zu- sammenfiel, die eine Anteilnahme der deutschen Sozialdemo- kratic an der Regierungsgewalt unmöglich machte. ' Realpolitik ist die Parole der SoPalistischen Jnter- nationale. Und deshalb behandelte der SKarfcillcr Kongreß das Problem der Sicherung des Friedens, indem er von den vorhandenen Faktoren ausging: Völkerbund und Pakt- angebet� Freilich: Als sozialistische Internationale hätte man auch ein eigenes Frisdensprogramm entwerfen können. das sicherlich viel schöner und viel idealer gewesen wäre, als die Marseille geborene Resolution. Aber sollte man die pral.kschen Möglichkeiten, die der Völkerbund schon jetzt bietet, einfach ignorieren, weil der Völkerbund ein Produkt Die Freiheit. von Erich h. Krafzik. Das Ter des Frauenecfängniises öffnet einen schmalen Tpalt und licht eine junge Gestalt in die Straße. Dumpf hängt eines Soniincradcnds Großstadtdunst in der heißen Häuserschlucht. Kinder armen. Die Frau tastet mit haltlosen Blicken über dos dämmer- nderlagerte Pflaster. Frei— also wirklich frei... Geneigten Hauptes lchieitot sie unter heimlichen Leidenslasten in den Abend. Da stürzt der Mann, der eine Stunde lang seine Sehnsucht durch die dumpfe Straße trug, über den Damm. f.Erna...!" In ver- balteneni Vertyngen hebt er die Arme der Frau nach.„Erna— du Liebste..." lind die Flau wendet sich, schweigend ein ernstes, kaltes Antlitz aufhebend. Jäh und beklommen erlischt des Mannes Freudenleuchten. Er schluckt verwirrt.„Ach— ich dachte-- du bist's...* stammelt er hilflos, erschreckt von der Starrheit der fremden Leidensmienen. Die Frau jcukt wieder den Kopf.„Nein— ich bin's nicht", sagt sie feiiidselig, kehrt sich ab— macht zwei Schritte, steht— lächelt bitter über die Schulter zurück i„Ich bin's auch. Wir sind es alle, alle... Der Kreis ist min geschlossen. Aber ihr seid ja Männer." Mit verlorener Geste kehrt sie sich ab, taucht ins Dämmer zurück, müde, und gchcmier Schanden Beute. Der Mann stiert blöde der Versunkenen nach. Sein kleine» Hirn sträubt sich schmerzhast gegen den dunklen, lcidvollen Sinn in des Weibes Worten. Er lächelt sinnlos... Geht, immer lächelnd den Kopf schüttelnd, über die Straße zurück in den mussigen Hausflur dem Gesä'.igi'.istore gegenüber. Und wartet auf die Richtige.— Jin späten kühleren Abend saust die Stadt. Ein endloser Laut des Lebens stießt rasch durch die Straßendämme. schäumt an den Häuserusern hoch, verzitterl über dem steinernen Meer in die frühe Rächt. Die Frau aber«reibt durch die Straßen, fremd, mutlos, be- nommcn.— Tiergarten. Das Dunkel fällt still aus den Bäumen über dl« Einsame. Sie kauert sich in den Winkel einer verborgenen Bank. Roch wehrt ihre Jugend einer irgendwo lauernden Berzweislung. Ein Wind stößt raschelnd in die Büsche. Ferner Nachtgesong hoher Stimmen. Ueberall Dunkel, Rasenfeuchte. Verlassenheit... Halt! Da flüstern zwei— müde lauscht sie den verworrenen Lauten. noch. Der Kopf sinkt auf das kühle Eisen der Bank. Müde, miide... Dos ist nun die erste Stacht in der Freiheit. Frei— frei— vogelfrei... Gegen Mitternacht nestelt eine Hand an ihrem Haar. Schlaf- selig taumelt sie hoch, fühlt sich sacht an einen Körper gezogen. Eine Stimme streichelt flüsternd über ihre Wange zum Ohr:„Du bist so ping, du... so allein— hier mußt du"nicht schlafen. Kommst mit zu mir. ja?" Und leiser und heißer:„Ins Bcttchen zu mir, ja...?' Sie steht wie unter tausend schwarzen schlofverlockenden Schleiern. Sie ist den Sommer ja nicht mehr gewohnt, den Sommer unter Bäumen, Blüten. Schlasen. schlafen... zurücksinken in die weichen Arme der Nacht, der Träume. des Verfailler Diktates und weil er in feiner jetzigen Gestalt noch weit entfernt von unseren sozialistischen Idealen ist? Ist es nicht vielmehr die Aufgabe des internationalen Sozialis- mus, alle Kraft daran zu setzen, dieses Instrument zu ver» bessern und im Sinne der sozialistischen Weltanschauung auszugestalten? Das Gleiche gilt für den S i ch e r h e i t s- p a k t, über den gegenwärtig zwischen den Regierungen Europas verhandelt wird. Auch dieser Pakt wird feine Mängel und Nachteile schon deshalb haben, weil er eine Telllösung darstellt, die sogar in mißbräuchlicher Anwendung neue Konfliktgefahren in sich bergen könnte. Vom sozialistischen Standpunkt aus wäre das Genfer Sicherheitsprotokoll vor- zuziehen gewesen, obwohl es doch auch nur unter Mitwirkung bürgerlicher Regierungen zustande gekommen ist. Unsere eng- lischen Genossen, die an diesem Protokoll ein großes Verdienst haben, und die mit Recht darüber empört sind, daß die konser- vative Regierung Baldwin-Ehamberlain dieses Werk mit einer Handbewegung beiseite geschoben hat, hotten in den letzten Monaten aus durchaus erklärlichen Gründen der oppositio- nellen Taktik im eigenen Lande den Sicherheckspakt entschieden bekämpft, indem sie am Genfer Protokoll unentwegt fest- hielten. Es war eines der wichtigsten Ergebnisie des Marfeiller Kongresses, daß die englische Labour-Party, wenn auch erst nach lebhaftem Zureden durch die deutschen, französischen und belgischen Sozialisten diese Haltung revidierte und ihre Unter- stützung dem Sicherheitspakt zusagte unter der Voraussetzung, daß dieser Pakt nur eine Etappe auf dem Wege zur Wieder- aufstellung des Genftr Protokolls sein würde. Es gilt eben für die sozialistische Internationale jede vorhandene Friedenschance auszunützen und mit eigenem Geiste zu befruchten. Die Hauptsache ist, daß man von den sozialistischen Arbeitern verstanden werde, daß nicht in den Massen die Mißdeutung Platz greife, als hätte die politische Führung der Arbeiterllasie bei ihrem Bestreben, greifbare Ergebnisse zu erzielen, das eigene Gesicht verändert und die eigenen Ziele vertuscht. Von kommunistischer Seite wird es an Versuchen nicht fehlen, derartige Verleumdungen zu verbreiten. Sie werden um so geringeren Erfolg haben, sc größer und sichtbarer der Erfolg der Friedenspolitik der Jnter- nationale sein wird. Dieser Erfolg hat allerdings zur Voraus- setzung einmal das Vertrauen der Massen in die Führung, vor ollem aber auch die w a ch s e n d e M a ch t der Partei in jedem einzelnen Lande. Die deutsche Sozialdemokratie kann sich um so mehr zum realpolitischen Kurs der Internationale bekennen, als sie die schlimmsten Zeiten der Mißdeutungen, denen sie in den Jnflationsjahren ausgesetzt war, überraschend gut überstanden hat und sich längst wieder in aufsteigender Linie befindet. Sie wird immer größere Teile der deutschen Arbeiterschaft um sich scharen, die gerade das an ihr am meisten zu schützen gelernt haben: daß sie nämlich in allen politischen Lagen, ob in der Regierung oder in der Oppo- sition, konsequent daraufhin arbeitet, für das Wohl der prole- tarischen Klasse und für den Frieden der Welt praktisch zu wirken! Der Kurs öes Zentrums. Die Arbeiter für Wirth. Die„Germania" teilt mit: „Der Bezirksausschuß der katholischen Arbei- ter vereine von Düsseldorf Stadt und Land nahm in eingehenden Beratungen zu der parteipolitischen Situation Stellung, wie sie durch den Schritt von Dr. Wirth geschaffen worden ist. Die Versammlung nahm einen sehr lebhaften Berlaus. Das Ergebnis einer mehrstündigen Aussprache und Beratung wurde in folgender einmütig gefaßter Entschließung zum Ausdruck gebracht: l. Wir bedauern die Haltung der Reichstags- f r a k t i o n des Zentrums, die einem so aufrechten, hochge- sinnlen Politiker und Parteiführer, wie Dr. Wirth, den unter- nommenen Schritt notwendig erscheinen ließ. Wir haben für das Vorgehen von Dr. Wirth volles Verständnis, weil wir alle der Uebcrzeugung sind, daß die Fraktion namentlich in ihrer „Ach..." murmelt sie seufzend und schlaftrunken, mehr ob. wehrend als auf den heißen Sinn der lockenden Worte eingehend. Widerwillig setzt sie die Füße in da» Dunkel, weiter— weiter. Ein Arm liegt um ihre Hüfte, ein fester begehrlicher Arm. Ein lüsterner Mund atme! an ihrem Ohr süße, gemeine Worte. Die Rocht ist voll Raunen und Kichern— und Freiheit... Irgendwo lauert hinter willigen Türen das gierige Leben. Da« kuppelnde Ruheoerlangen liefert fremder Lust den müden Leib aus. Kissen öffnen ihren seilen Schoß.., Die Freiheit«st eine Bestie! vas Sauhaus Dessau. Das Bauhaus, das von der Stadt Dessau seit dem April d. I. übernommen worden ist, hat inzwischen seine Neuorganisation vor- bereitet. Durch den Umstand, daß dem Leiter und Gründer� des Bauhauses, Wolter Gropius, gleichzeitig die dort bestehenden Fachschulen: Bauschule, Moschinenschule und Handwerkerschule, unter- stellt wurden, hat die bisherige Arbeit des Bauhauses eine wesent- liche fachliche Ergänzung gesunden. Es besteht nun die Möglichkeit. den gesamten Ablauf der Ausbildung einheitlich in demselben In- stckut zu vollziehen. Das Ziel des Bauhauses ist die Ausbildung bildnerisch begabter Menschen zu schöpferischer Gestaltung im Berufsgebiet des Handwerks, der Industrie und des Baufaches. Die Durchbildung aller in Handwerk- licher, technischer und formaler Beziehung mit dem Ziel gemein- samer Arbeit an« Bau dient als einheitliche Grundlage. Die gesamte Ausbildung gipfelt in der für die Praris be- stimmten Versuchsabteilung für Hausbau und Haus- gerät, die mit den erfahrensten und begabtesten Kräften die Her- stellung von Standardmodellen für Handwerk und Industrie, im Bereich des Hausbaus und der izauseinrichtung durch systematische Versuchsarbeit erstrebt. Di- praktischen Ausgaben. Bau einer Wohnhaussiedlung und Neubau des gesamten Instituts, die die Stadt Dessau dem Leiter des Bauhauses gestellt hat. gewährleisten die Verbindung der be- kannten Bauhausideen mit der Praxis. Es ist zu wünschen, daß die verschiedenen technischen und künstlerischen Abteilungen des In- stituts regen Zulauf von Schülern und Mitarbeitern finden werden. Späte Opfer des Gistgaskrieges. In der französischen Stadt Teroille wurde kürzlich, wie sranzösische Blätter melden, eine ganze Familie das Opfer einer höchst ungewöhnlichen Pilzvergiftung. Das Ungewöhnliche des Falles besteht darin, daß die Pilze, deren Ge- nuß so verhängnisvolle Folgen hatte, einer ungiftigen Gattung an- gehörten. Sie waren aber in einem Terrain gewachsen, das im Kriege mir Giftgasbomben belegt worden war, und hatten aus dem"so verseuchten Boden die Giftstosse übernommen. Zu dieser Feststellung ist wenigstens das Untersuchungsomt in Metz gelangt, das die Pilze analysierte. Von den erkrankten Familienangehörigen, die ins Krankenhaus übergeführt werden mußten, sind drei, nämlich Pater, Mutter und das ältelte von vier Kindern, bereits gestorben. während die drei jüngeren Kinder fast hoffnungslos daniederligen Führung in den letzten Monaten den Aufgaben de< Stunde nicht gerecht geworden ist. Das Rechtfertigung», schreiben des Fraktionsoorsigenden Fehrenbach ist uns eine neue B« stätigung dafür. Wir vermissen ausgeschlossene Menschen in den maß» gebenden Instanzen der Fraklion und erwarten, daß der Schritt von Dr. Wirth von allen Parteiinstanzen als Appell zur B e-, sinnung und Umkehr gewertet wird. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß Hp. Wirth durch diesen Schritt der Partei dienen und verhüten wollte, daß sie nachher zwar mit Führern» aber ohne Wähler dasteht. Z. Wir begrüßen die Bemühungen um Verständig g u n g und Einigung, die unter Führung des verdienten Führers der badischen Zentrumspartei, Prälat Schofer, diese oersucht. Jeder Schritt, der zum Erfolg führen kann, muß getan werden, jedoch handelt es sich nicht ausschließlich um eine Sache der badischen Zentrumspartei. Wirth ist mehr als er selber. Er ist auch mehr als badischer Abgeordneter. Er ist ein Symbol des begeisterten republika- nischen sozialen Geistes in der Zentrumspartei. Sein Anhang in der breiten Wählerschaft, namentlich unter den Arbeitern, ist größer, als aus den Verlautbarungen der Presse hervorgeht und wie man sich in maßgebenden Parteiinstanzen eingestehen mag. Darum muß die ganze Angelegenheit in kürzester Frist auf einem außerordentlichen Reichsparteitag, der ja aus techni- scheu Gründen in Südwesten abgehalten werden kann, geklärt werden. Dieser bedeutsame Reichsparteitag muh auf einwandfreier, demokratischer Basis Zustandekommen. Die Vertreter sind auf Bezirksparteitagen zu wählen. Stellenweise noch übliche andere Methoden für die Auswahl der Vertreter haben auszuscheiden. Es geht um das kraftvolle Leben der Partei. Das Zentrum wird auf- richtig sozial sein, oder es wird nicht sein. 3. Wir verkennen nicht die Bedeutung einer Wiedervereinigung aller politisch aktiven Kräfte im deutschen Katholizismus. Diese darf jedoch nicht aus Kosten des demokratischen, sozialen und republitani. schen Gehaltes der Zentrumspartei erfolgen, sonst— das bestättgen uns die Erfahrungen— verliert das Zentrum im Westen das, was es im Süden möglicherweise gewinnen kann. Das Maß dessen, was man der Arbeiterschaft des Westens glaubt bieten zu können, ist gerüttelt voll. Von rechts wird das Zentrum von dem Verlorenen— das bestätigen rechtsstehende Zentrumsanhänger— nicht viel zurückge» winnen. In seiner demokratischen Wählerschaft aber kann noch viel verloren gehen. Und eine weitsichtige Politik der Befriedung Europas kann nur mit den demokratisch, sozial und republikanisch ge» sinnten Volkskreisen gemacht werden. Parteileitung, handele weise!" Polizei gegen Zleischwucher. Androhung schärfster Mittel. Die.mittlere Prcisprüfungsstelle Berlin-Brandenburg beschäftigte sich am Dienstag abermals mit der Fleischpreis st eige- r u n g. Die der Preisprüfungsstelle vorliegenden Kalkulationen wurden vom Vertreter des Preußischen Statistischen Landesamtes als stichhaltig bezeichnet. Weiter führte er aus, daß, wenn man auf diesen Angaben an Hand der von den Ladensleischern gleichzeitig eingereichten Schemakalkulationen eine Nutzenberechnung aufbaue. sich im Durchschnitt beim Rindfleisch eine Bruttooerdienlt- spanne von 26 Prozent und beim Schweinefleisch eiiw solche von 15,4 Proz. ergäbe. Darauf erklärte der Vorsitzende der Preisprüsungsstelle. Dr. Söhner, daß er vom Ladenfleische» g« w e r b e fordern müsse, die Bruttoverdien ft spanne allgemein auf 15 Proz. herabzusetzen. Als die Laden» fleischer dagegen Protest erhoben, erklärten die Vertreter des Preu- ßischen Innenministeriums und des Polizeipräsidiums, mit icharfeii Mitteln gegen den Preisunfug im Fleischergewerbe vorgehen zu müssen. Dazu erfahren wir, daß sich dos Preußische Innen- Ministerium, wenn die Ladenileischer bei ihrer Weigerung beharren, für eine schärfere Anwendung der Preiskontrolle einsetzen wird. Außerdem wird das Polizeipräsidium mit ent- sprechenden Maßnahmen eine Bekämpfung des Fleischwuchers ocv» suchen. Große Funde eine» seltenen Metalls. Osmiridium, eine La» gierung der seltenen Metalle Osmium und Iridium, ist schon früher m Tasmanien gesunden worden. Run wird aus Sydney die Ent- dcckung eines neuen großen Osmiridiumlagers am Adamsfluß in Tasmanien gemeldet. Die Lager sind die reichsten, die bisher dort gesunden wurden. Innerhalb weniger Wochen haben 266 Arbeiter von dem seltenen Metall für 120 000 Mark gefördert. Das Osmiri- dium ist sehr hart und haltbar und wird daher viel zur Herstellung besonders feiner Werkzeuge verwendet. wie Anton Rvbinsteins Leiche verwechselt wurde. In seinen vor kurzem erschienenen, vielfach sehr amüsanten Lebenserinnerungen erzählt der russische Fürst Wolkonsky, der auch eine Zeitlang Inten- dant der Koiserlichen Oper in Petersburg war, und der mit den meisten großen Musikern der Vorkriegszeit in Berührung gekommen ist. einige merkwürdige Erlebnisse mit Anton Rubinstein, den er sehr genau gekannt hat. Der berühmte Klaoieroirtuose war eines Tage» auf einem Landgut zu Besuch. Der Postmeister des benachbarte, Ortes war ein glühender Verehrer des großen Pianisten und selbst Ccllospieler. So wurde er vom Hausherrn eingeladen, mit Rubin- stein zusammen eine Sonate zu spielen. Diese ihm widerkahrene Ehre versetzte den Beamten derart in Aufregung, daß er. als er sich niedergesetzt hatte, um seinen Cellopart zu übernehmen, von einem Herzschlag getroffen auf der Stelle tot umsank. Nur sehr wenig bekannt ist es, daß in Anton Rubinsteins Grob nicht der große Virtuos«, sondern— eine deutsche Baronin beigesetzt ist. Als der Sarg mit seiner Leiche durch die Eisenbahn zum Beisetzungsort übergeführt wurde, geschah eine Verwechslung mit dem Sarg einer deutschen Baronin, die in Riga bestattet werden sollte. Erst in Moskau bemerkte man die Verwechslung: um aber keine» Skandal zu erregen, behielt man das peinliche Geheimnis für sielj, und so wurden die sterblichen Ueberreste der Baronin mit allen Ehren beerdigt, die dem verstorbenen Virtuosen zugedacht wurden, während die Leiche Anton Rubinsteins in Wahrheit auf dem beut- schen Friedhof in Riga unter dem Grabstein der Baronin ruht. Zn den vereinigten Staat« schulen für stete und angewandte Snnfl(vor. malS Hochschule jür die bildenden Künste und UnterrichtS-lnstalt des Kunst. geivcrbeinuleumS) beginnt da» Dinterlemetter am 12. Oktober. Die An. Meldungen beben dalelbst— Zimmer 16— in der Zeit vom 14— 26. Tep. tember von 9-2 Uhr zu erfolgen Hierbei find von den Bewerbern Ar. beiten vorzulegen, die ein Urteil über ihre Bcsähigung und über Art und Umfang der bisher genossenen Vorbildung gestatten. Di- Ausnahmeprüfungen der Abteilung für angewandte Kunst, von deren Ergebnis die zunächst probeweise Ausnahme abhängt, finden vom 5.— 10. Oktober statt In der Adteiluiig für freie Kunst findet anstatt der Prüfung ein Probe. kursuS vom 12.-Zt. O kl ober statt. Anna Pawlowa wird am heutigen Mittwoch bei Kroll ein vollständige» neues Programm tanzen. PaS de Deux. Kalifornische Seidcnviipve. Salz« von Chopin, Ruistscher Tanz van Rubinstcin. Serenade und Syrischer Tanz. Diese» Programm wird am Freitag wiederholt, Donnerstag und Sonn» abend das erste Programm. Die verbreiletste Zeilaug der well. Die sranzäfische Zeitung?e Petit Parisien» teilt mit. datz sie jetzt in einer Auslage von 1 800 000 Cremplarea erscheint. Da» ist die größte Auslage, die bisher jemals eine Zeitung er» reicht bat. Diele« Blatt bat als erstes die von seinem Besitzer Marinoni konstruierte RotationSmaschine verwendet und dadurch alle Konkurreuz geschlagen. Peter Spahn. Der greise Zentrumsführer in Bad Wildungen gestorben. Der Zentrumsabgeordnete Peter Spahn ist in Bad Wildungen, wo er Erholung suchte, im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Beerdigungsfeierlichkeiten finden am Freitag vormittag in Lichtsrfelde statt. Peter Spahn stand an der Spitze des Reichswahloorschlages der Zentrumspartei. Sein Nachfolger im Reichstage ist der Geschäftsführer der Deutschen Windthorstbünde, Studienassessor a. D. Dr. Krone. Der Zentrumsabgeordnete Peter Spahn, der im Alter von 79 Jahren verschieden ist, war einer der letzten Führer seiner Partei, die schon in der H e r o e n- zeit des Zentrums, der Zeit der Windthorst, Schorlemer- Alst, Reichensperger, Franckenstein, Gröber, Trimborn, ihre parlamentarischen Sporen verdient haben. Windthorst, der ungewöhnlich klein von Gestalt war, pflegte den Hochauf- geschossenen Spahn sein Spähnchen zu nennen. Peter Spahn, dessen Wiege in dem reizenden Dörfchen Winkel im Rheingau gestanden hat, schlug die juristische Lauf- bahn ein und war der Reihe nach Amtsrichter, Landrichter, Oberlandesgerichtsrat, Reichsgerichtsrat, Oberlandesgerichts- Präsident. Von 1917 bis zur Revolution war er preußischer Justizminister. In den Iahren von 1882 bis 1898 gehörte er dem Preußischen Abgeordnetenhause, von 1884 an bis zu seinem Ableben mit kurzer Unterbrechung dem Deutschen Reichstag an. In Nekrologen wird dahingegangenen Politikern nicht selten zu Unrecht nachgerühmt, daß sie zwar Gegner, aber keine Feinde gehabt hätten. Für Peter Spahn trifft dieses Wort zu. Die Ehrlichkeit seiner Ueberzeugung und die Liebenswürdigkeit seines Wesens trugen im gleichen Maße dazu bei, daß auch der erbittertste politische Gegner ihm die größte Hochachtung entgegenbrachte. Spahn besaß weder den feinen politischen Instinkt Windt- horsts, noch die Heroorragende Dialektik Gröbers. Seine Stimme mar so leise, dak er sich auf der Rednertribüne nur schwer verständlich machen konnte. Während man sich aber sonst in Parlamenten keine große Mühe gibt, Redner mit unzureichendem Organ anzuhören, und es gemeinhin vorzieht, sich die Zeit, die sie für ihre Ausführungen brauchen, durch Prioatgespräche zu vertreiben, drängte sich, sobald Spahn das Wort ergriff, alles an den Tisch des Hauses, um nichts von dem zu verlieren, was er zu sagen hatte. Das kam in exster Reihe auf Rechnung der ausschlaggebenden Stellung seiner Fraktion. Aber auch die persönlichen Eigenschaften Spahns drückten sich in dieser Wertung seiner Auslassungen aus. Denn er sprach immer klug, beherrschte vermöge seines unge- hsuren Fleißes das Material in allen an das Parlament her- antretenden Fragen vollkommen und war stets von dem Willen beseelt, der Sache der Gerechtigkeit zu dienen. Unver- gessen wird ihm die Unbeugsamkeit bleiben, mit der er im Wahlprüfungsausschuß des alten Reichstages den verächt- lichen Wahlfälschungsprattiken der Großindustriellen und der Großgrundbesitzer entgegentrat. Er rühmte sich gern, daß er durch die erfolgreiche Befürwortung der Vernichtung er- schlichener Wahlen in etwas zur Besserung der politischen Sitten beigetragen habe. In den letzten Monaten war Peter Spahn durch Krankheit von der Teilnahme an den Parla- mentsverhandlungen abgehalten. Wir glauben nicht, daß er es mit feinem Willen, Gerechtigkeit zu üben, im Einklang ge- bracht haben würde, die Opposition bei der Beratung des Zoll- tarifs in einer allen Anstands- und Rechtsbcgrifsen hohnsprechenden Weise zu vergewaltigen. Einen gewissenhafteren Abgeordneten als Peter Spahn wird der Reichstag kaum jemals wieder haben. Obwohl er der parlamentarischen Tätigkeit mit größter Emsigkeit oblag, ertrug er es, im Gegensatz zu allen anderen Abgeordneten, die im Hauptberuf Beamte sind, nicht, während der Sitzungs- Periode seine Berufspflichten zu versäumen. Nach der Ver- sassung ist der Beamte, der durch das Vertrauen des Volkes in das Parlament entsandt wird, kraft Gesetzes beurlaubt. Peter Spahn nahm diesen Urlaub nicht in Anspruch. Als er Oberlandesgerichtspräsident in Frankfurt a. M. war, bestimmte er-zum Sitzungstage des von ihm geleiteten Senates den Montag. An jedem Sonnabend reiste der bereits 7VjähriAe Mann mit dem Nachtzuge nach Frankfurt, um sich am Sonntag für die Sitzung vorzubereiten und sie am Mon- tag zu leiten. Am Montagabend fuhr er dann nach Berlin zurück, um wieder an den Reichstagsverhandlungen teil- zunehmen. Zu wahrer Größe hob sich Peter Spahn nach dem Zu- sammenbruche Deutschlands. Er war ein strenger Autoritär. Seinem unerschütterlichen Glauben an einen gütigen Vater im Himmel, der die Geschicke der Welt leite, entsprach die Ueberzeugung, daß die Obrigkeit, der das Schwert von Gott verliehen fei, Anspruch auf Gehorsam babe, und daß die beste Weltordnung die sei, in der die von Gott eingesetzten Auto- ritäten herrschten und die Volksmassen gehorchten. So war Spahn zu monarchistischer und konservativer Gesinnung ge- langt. Aber so fest er auch in solchen Anschauungen gewurzelt hatte, nach der Katastrophe von 1913 erkannte er klar, daß ein Wiederaufbau Deutschlands nur auf republikanischer und demokratischer Grundlage möglich sei. Und er, der infolge seiner vorsichtigen, zurückhaltenden, patrizischen Art gegen den stürmischen, polternden, kleinbürgerlichen Erzberger eine per- sönliche Abneigung hatte, stellte sich gleichwohl entschlossen an dessen Seite und arbeitete am Bau des neuen Deutschland. Dem tapferen, klugen, vornehmen Manne, dessen Wirken der Tod ein Ziel gesetzt hat, ist allenthalben ein ehrendes An- denken sichert Auch die Sozialdemokratie oerneigt sich vor seinem Sarge.__ Ein Polizeibeamter erschossen. Nächtliche Schiesterei i« Erfurt.- Auch der Schütze lebensgefährlich verwundet. Erfurt 1 September.(MTB.) Bei einer Verhaftung wurde hier heute abend vor der Hauptpost der Leiter der politi- schen Abteilung der Schutzpolizei. Willi Geipel, erschossen. Der Häftling schoß dann auf seine Verfolger und verletzt« einen Justizwachtmeister durch einen Schuß in den Oberschenkel. Dann wurde er von der Kugel eines Polizei- beomten getrosten. Als er keine Möglichkeit zur Flucht sah, brachte er sich einen schweren Bauchschuß bei. Der Häftling wurde lebens- gefährlich verletzt in das Krankenhaus eingeliefert. ver neu er nannte apostolische Runtius für Bayern. Vasallo de Dorre-Große, bat dem Ministerpräsidenten Dr. Held sein Be- gloubigungsschreiben überreicht. wirtfihast ünö Sewertsthasten. Der zweite Tag des Breslauer Kongresses. Der Sioffandrong hat uns gezwungen, in der Dienstagmorgen- ausgäbe den Schluß des Berichts über die Montagssitzung des Kongresses wegzulassen. Er sei hiermit nachgetragen: K r a u ß- Stuttgart(Metallarbeiterverband) spricht über „M assenagitation und Gewerkschaftseinheif. Er glaubt, daß der Bundesvorstand den Druck der Massen außerhalb des Parlaments noch stärker zur Anwendung bringen könne. Aus seine Bemerkungen über Gewerkschaftseinheit bekommt er Zwischen- rufe, worauf er erklärt, man müsse zugeben, daß von den Kommu- nisten Fehler begangen seien, es fei das aber auch von anderer Seite geschehen. Er spricht sich dafür aus, auf einer internationalen Kon- ferenz mit den kommunistischen Gewerkschaften Fühlung zu neh- men. Kommunistische Grundsätze vertritt dann auch Ga Im-Offen- dach(Sattlcrverband), der erklärt, daß die Kommunisten nach der Absetzung eines Teil ihrer Anträge von der Tagesordnung von diesem Kongreß nichts mehr erwarten können.(Lebhafte Zuftim- muna der Mehrheit.) Z i s k a- Berlin(Metallarbeiteroerband) spricht für einen An- trag der Berliner und Düsseldorfer Metallarbeiter und Schuhmacher für schleunige Beseitigung des heutigen Steuersystems, Aufhebung der Zölle sowie Einführung einer neuen starken Besitzbelastung. Zur Durchführung dieser Forderung sei eine Massenaktion not- wendig. Hübsch- Berlin(Textilarbeiteroerband) kritisiert an Hand von Beispielen aus Sachsen die angebliche Unparteilichkeit von Schlich- tern, die wenig Verständnis für die Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter zeigten. S ch ä f e r- Leipzig(Metallarbeiterverband) unterstützt den Antrag Dißmann für den Volksentscheid über den Achtstundentag und macht dem Bundesvorstand den Vorwurf, daß er diese Aktion nicht schon längst durchgeführt habe. Als letzter Diskussionsredner gibt Meyer von der Bant der Arbeiter, Ange st eilten und Beamten einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung dieser neuen Einrichtung der Ar- beiterbewegung, die berufen sei, die Sparkrast der Arbeiter und ihrer Organisationen zu ihren eigenen Gunsten zusammenzufassen. Er bittet, eine Entschließung, die die Unterstützung der Arbeiterbank fordert, möglichst einstimmig anzunehmen. Es folgt ein kurzer Bericht der Mandatsprüfungskommission. 311 Delegierte, die insgesamt 4 500 461 Mitglieder vertreten, sind anwesend. Alle Mandate werden für gültig erklärt. Damit sind die Arbeiten des ersten Tages beendet, Am Dienstagvormittag, über dessen erste Redner wir schon im Abendblatt berichtet haben, nahm die Aussprach« folgenden weiteren Verlans: M a s ch k e- Berlin spricht zur Frage des Berufsausbil- dungsgesetzes und der B e r u f s s ch u l u n g des Nachwuchses. Er verlangt von den gewerkschaftlichen Ortsausschüssen, daß sie sich der Bildungsarbeit und der Jugendarbeit weit mehr als bisher annehmen. Brey- Hannooer(Fabrikarbeiterverband) wendet sich gegen den Antrag der Berliner Metallarbeiter zur Steuersrage, der in unzulässiger Weise die Frage vernachlässige, wie der Staatshaushalt auszugleichen und eine Inflation zu vermeiden sei. Er beantragt Entlastung für Bundesvorstand und Bundesausschuß. U r i ch- Berlin(Mctallarbeitervcrband) tritt für den Antrag der Metallarbeiter auf Volksentscheid ein. K w a s ni k. Berlin(Londarbeiterverband) spricht über die Ab- Wanderung vom Land in die Städte, die in letzter Zeit besonders zunehme und ein Hindernis für die Intensivierung der Landwirt- schafl bilde. Die landwirtschaftlichen Unternehmer schreien nach Zwangsmaßnahmen dagegen, während tatsächlich eine Abhilfe nur darin zu finden lei, daß die Landarbeiter nicht mehr als Arbeiter zweiten Grades beyandett werden. Schleich er- Berlin(Holzarbeiter) findet, daß dem Prinzip des Tarifvertrages in der Praxis oft dessen Inhalt geopfert werde. Es gäbe Grenzen, an denen man Tarifverträge nicht mehr abschließen dürfe, da sie orgonisationszerstörend wirken, wenn sie zu ungünstig sind. Den Achtstundentag hätten die Holzarbeiter durch energische Kämpfe w i e d e r e r o.b e r t. Solche Kämpfe seien wirksamer als die Drohnung mit dem Bolksentscheid, dessen Ausgang nicht ganz sicher feststehe.(Lebhast« Zustimmung.) D ö h r i n g- Berlin(Verkehrsbund) spricht gegen den Metall- arbeiterantrag zur Arbeitszeitfrage und für den Antrag des Bundesvorstandes. Golm- Ossenbach gibt eine.E>nheits"erklärung der wenigen Kommunisten ab. S ch e s s e l- Berlin(Eisenbahnerverband) weist auf das wach- sende Mißtrauen der Arbeiterschaft gegenüber den staatlichen Schlichtungsstellen hin. Die Technische Nothilfe werde bei Fortsall der staatlichen Unterstützung eine Streikbrechergarde der Unter- nchmer allein werden. Die Reichsbahn habe eine entsprechende Organisation gegen Sabotage von Streikenden bereits ausgestellt. Schräder- Berlin(Textilarbeiter) empfiehlt den Bolksent- scheid über den Achtstundentag, hält aber die Begründung des Metallarbeilerontrages für mißlich. Die kommunistische Einheits- frontparole beleuchtet« er durch die gleichzeitige Aufforderung des Chemnitzer Kommunsstenblattes zur Sprengung der Ver» sammlungen des Textilarbeiterverbandes. S I e g m u n d> Chemnitz(Fabrikarbeiterverband) erklärt, daß er als Kommunist sich doch vall in den Dienst der gewerkschaftlichen Bewegung stelle und durchaus die Leistungen der freien Gewerk- schaftcn anerkenne. Leiparts Schlußwort. Hiermit ist die Diskussion über den Vorstandsbericht beendet und L e i p a r t erhält dos Schlußwort. Er dankt für die große Zurückhaltung in der Kritik des Vorstandsberichtes und meint, den Kommunisten hätte er seine Antwort schon im voraus im Bericht gegeben. Sie dürsten sich allerdings nicht überzeugen lassen, da sie in.höherem' Auftrage handelten. Der Wortlaut der Arbeitszeitverordnung sei besser als ihre Durchführung. die eigentlich kein objektiver Richter, billigen könne. Die Ratifi- zierung des Washingtoner Abkommens— das müßten besonders die Metallarbeiter zur Kenntnis nehmen— würde aber auch noch nicht den Rechtszustand bringen, den wir in Deutschland in der Ardeitszeitfrage bereits erreicht hatten. Trotzdem müßte natürlich die Ratifikation angestrebt werden. Die Taktik der Metallarbeiter. den Bundesvorstand aus einen bestimmten Zeitpunkt für die Bolksabstimmung in einem öffentlichen Kongreß festzulegen, sei für alte Gewerkschaftler unverständlich.(Lebhafte Zustimmung.) Der feste Wille, den Achtstundentag wieder zu erobern. sei ollen Vertretern der freien Gewerkschaften gemeinsam. Die Regierungsvertreter sollten die ernsten Klagen, die in der Debatte vorgebracht worden seien, nicht zu leicht nehmen. Mit größter Schärfe wendet sich Leipart dann gegen die Entschließung des Reichsbundes der deutschen Metallwarenindustrie, die einen Lohnabbau als Dorausfetzung eine» Preisab- baue? erklärt. Die Berlssung dieser Entschließung erregt die stürmischste Entrüstung des gesamten Kongresses. Der Antrag Brey, dem Bundesvorstand und Bundesaus- schuh E n t l a st u n g zu erteilen, wird unter lebhaftem Bestall gegen eine einzige Stimme angenommen. Es folgte nunmehr die Annahm« der Beschlüsse, die wir an der Spitze des Blattes veröfsentlichen. Einstimmig angenommen wurde eine Reihe weiterer Ent- schließungen des Bundesvorstandes. Zur Lelriebsrätefrage werden die Beschlüsse des vorigen Kongresses aufs neue ibekrästigt. Es wird nochmals als Pflicht der Gewerkschaf- ten und ihrer Mitglieder festgestellt, die Betriebsräte bei Erfüllung ihrer Aufgaben nach Kräften zu unterstützen; andererseits wird an dem Grundsatze festgehalten, daß als Träger des kollektiven Arbeitsrechtes auf Arbeitnehmerseite allein die Gewerk» s ch a f t e n in Frage kommen. Jeder Versuch, im zukünftigen Tarifvertragsgesetz auch Betriebsvereinbarungen als Tarifverträge anzuerkennen, soll von den Gewerkschaften aufs äußerste b e- kämpft und unbedingt abgelehnt werden. Eine weitere Ent- schliehung fordert Auflösung der Technischen Nothilse. In allen Berufen bei Streikausbruch werden erforderliche Not- standsarbeiten entsprechend den gewerkschaftlichen Satzungen und Anweisungen verrichtet. Zur Wohnungsfrage werden eben- falls die Beschlüsse des vorigen Kongresses wiederholt, d. h. Förde- rung der Gemeinwirtschast im Wohnungswesen gefordert, Protest gegen die Hauszins st euer und ihre Verwendung für andere Zwecke als zur Behebung der Wohnungsnot, gegen die wirtschafts- und volksfeindliche Erhöhung der Mieten zugunsten des privaten Hausbesitzes und zu rein fiskalischen Zwecken und gegen die Beseitigung des Mieterschutzes und der gebundenen Wohnungswirtschaft erhoben wird. In einer Entschließung zur Heimarbeit wird allen Gewerkschaften zur Pflicht gemacht, mehr als bisher dahin zu wirken, daß ihre Frauen und weiblichen Familienangehörigen, die Heimarbeit verrichten, sich der zuständigen Gewerkschast anschließen und die von den Gewerkschaften ab- geschlossenen Lohnabkommen unbedingt einhalten. Di« Berufsschule wird als eine unbedingt notwendige Bildungs- stätte für die heranwachsende Jugend anerkannt, jedoch gefordert daß auch tüchtigen Kräften aus der praktischen Berussarbeit de» Weg zur vollberechtigten Lehrtätigkeit in den Berufsschule« offen bleibt. Dem Unterricht in Staatsbürger, und Lebens- künde soll genügend Raum gewährt werden, die Erteilung vo« Religionsunterricht nicht Ausgabe der Berufsschule sein. Zu dem Reserentenentwurs über das Berufsausbildungsgesetz nahm der Kongreß in positivem Sinne Stellung. Doch wird es als Mangel bezeichnet, daß die Regelung des Lehrlingswesens durch Tarifverträge oder besondere Lehrlingsordnungen keine Würdigung gefunden habe. In einer weiteren Entschließung wird die Arbeil in den Genossenschaften und in der Volksfürsorge allen gs> werkschastlich organisierten Arbeitern zur Pflicht gemacht, ebenso dst Benutzung der A r b e i t e r b a n k. Von den Anträgen der Einzelverbände wurde ein Antrag de« Eisenbahner Lörrachs einstimmig angenommen, der sämtliche Gewerkschaften verpflichlet, im Falle eines Kriegs- ousbruchcs die Herstellung von Waffen und Munition und den Durchkransporl von Truppen und Kriegsmaterial mit allen Mitteln zu verhindern. Auf einen Antrag der Bekleidungsarbeiter Sachsens, der den Aus- tritt der Großeinkaufsgesellschoft aus dem Arbeitgeberoerbantz fordert, wurde der Bundesausschuß zu entsprechenden Verharrt» lungen mit der GEG. beauftragt. Zum nächsten Punkt: Die Wirtschast unü die Gewerkschaften hielt dann Professor Hermbero- Leipzig ein Referat über dii augenblickliche Wirtschaftslage Deutschlands. Er untersuchte zunächst die Gründe für die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der deutsche« Wirtschast aus dem Weltmärkte und die daraus ensttehcnde St» gnation der deutschen Produktion mit ihren verelendenden Folge« jür die breiten Massen. Die Schwierigkeiten für die deutsche Wird, schaft logen nicht in der Rohstoffbeschaffung, sondern in den Ab, s a tz v« r h ä l n i ss e n. Schuld daran trage keineswegs die pofi- tische Machtlosigkeit, umgekehrt sei festzustellen, daß der Stand un. seres Vorkriegsabsatzes in einigen Ländern annähernd wieder er, reicht sei, wie z. B. in Britisch-Jndien, Japan, Persien, in zweite» Reihe auch in China, ferner in den Vereinigten Staaten, Reusimt» land, Kanada, demnächst auch in Ekuador und Mexiko, schließlich i« Afrika, sowie von europäischen Ländern in Schweden, Finnland untz Holland. Der Borzug. den Deutschland in Asien hat, liege gerad» darin, daß unser Land an der Niederringung der erwachenden osic» tischen Böller kein politisches Interesse habe. Die Borbelostung der deutschen Wirtschaft durch die öfsentliche« Ausgaben sei von 5 auf 11 Milliarden gestiegen. Aber ein Bergleic� mit den entsprechenden Ziffern der össentlichen Ausgaben in Eng, land, der Schweiz und den Vereinigten Staaten lehre, daß auch dorl eine Steigerung der öffentlichen Lasten auf das Bier-, Drei- unk Fünffache eingetreten fei. Demgegenüber stehe ein erhebliches E n b l a st u n g s k o n t o der deutschen Unternehmungen: die Tatsache, daß die deukschea Löhne ungeheuerlich hinler den außerdeutschen zurückgeblieben seien. Die Ersparnisse der deutschen Unternehmer an Arbeit» löhnen gegenüber ausländischen Konkurrenten betragen gegenwartst durchschnittlich etwa 33 Pf. Stundenlohn für den gelernten Arbeit« und 20 Pf. für den ungelernten: insgesamt eine Jahreserspav nis von rund 8 iMilliarden Mark. Dieser Vergleich be> zieht sich dabei noch nicht einmal auf den stärksten Konkurrenter« nämlich auf die Vereinigten Staaten. Die Vorbelastung der deut> schen Industrie durch Steigerung der deutschen Ausgaben, durch di< Soziallasten und die Frachtsteigeriing werde durch diesen Lohndru« mehr als reichlich aufgehoben. Die eigentliche Ursach« der verminderten Kcnkurrenzfähigkeit Deutschlands liege nicht n> der Vorbelastung, sondern in der technischen und organi, satorischen Rückständigkeit der deutschen Betriebe und i, der übermäßig Hohen Zinsbelastung der deutsche« Unternehmungen. Die Unternehmer versuchen ihre Wettbewerbsfähigkeit durck Monopolisierung des Inlandsmarktes zu verbessern Außerdem suchen sie dasjenige Unkostenkonto herabzudrückey das ihnen am ehesten herabsetzbar erscheint, nämlich das Lohn- konto. Diese beiden Mittel bedeuten zusammen den Versuch das deutsche Wirtschaftsleben auf seinem ungünstigsten Stande f e sb zuhalten. Wenn Schiedssprüche heute mit dem Hinweis auf dn kommende Prcisabbauaktion begründet würden, so könnte, sie nicht mehr ernst genommen werden.(Lebbafte Zw stimmung.) Der Kampf der Gewerkschaften um die Wirtschafts, f ü h r u n g müsse die Führung der eigentlichen Wirtschaft, die d« heutigen kapitalistischen Wirtschaft fehle, unterscheiden von der bloße» Betriebsführung, die zur Spaltung nach Branchen führe» könne. Die Hauptaufgabe zur Vorbereitung einer wirtlichen Wirt schaftsführuna liege'in großzügiger B il du n g s a r b e i t. Ur, diese zu ermöglichen, bleibe aber der Kampf um den Lohn und die Freihell die Grundlage. Dieser Kampf der deutschen Gewerkschaften um die Ermöalichuntz der geistigen Entwicklung des Arbeiters rechtfertige ihre Existery unter den höchsten Gesichtspunkten. Sie seien die einzige Wirtschaft liche Macht im Kampfe gegen einen den Menschen zermalmende« Wirtschastsmechanismus.(Anhaltender lebhafter Beifall.) Darauf sprach als Korreferent Genosse I ä ck e l; seine Ausfüh rungen tragen wir nach.___ Sozialdemokratischer Wahlersolg. Bei den Bürgervorstehsv mahlen, die in Bücke bürg stattfanden, erhielten die Vereinigte« Bürgerparteien 15 Sitze(im Borjahre 1 6) und die Sozial- d e m o k r a t e n 4 S i tz e(im B o r j a h r e 3). Gewerkschaftsbewegung Die Entdeckung Rußlands. Die Partei, ihre Gewerkschaftsfraktionen müssen in allen Verbänden, Ortstartellen und Zahlstellen eine groß zügige Agitation auf Grund der Reise der ersten Arbeiterdelegation nach Sowjetrußland entfalten. Diese Reise muß einen gewaltigen Widerhall in der gesamten deutschen Arbeiterbewegung erwecken." Rundschreiben der Exekutive der Kommuniften- Internationale. Es gehört zu den Regiefünften der Machthaber in Mostau, von Zeit zu Zeit Rußland entdecken" zu lassen. Bald find es Staliener, bald Engländer, bald Deutsche, bald Franzosen, bald Rapitalisten, dann wieder sensationshungrige Journalisten, bald Sympathisierende", bald einfache Arbeiter", die, geleitet und be. hütet von den Sowjetbehörden, auf die Entdeckung Rußlands gefchickt werden. Diesmal war es eine deutsche Arbeiterdelegation ( Delegiert von wem?), der es gestattet war, das gelobte Land zu fchauen. Es ist ja nicht die erste deutsche Delegation, der man die schmale Pforte der besonderen Einreisegenehmigung denn in dieses angeblich so freie Land kommt man nur schwer hinein, manchmal noch schwerer heraus öffnete. Genoffe Crispien, Genosse Bollmerhaus haben im Borwärts" vor furzem ihre Erlebnisse erzählt, als auch fie die Erlaubnis hatten, nach Rußland zu reisen. Und es ist auch nicht die erste Arbeiterdelegation", der man Sowjetrußland zu entdecken gestattet. Es gab insbesondere in Deutschland eine Zeit, wo unter den Arbeitern eine Art Auswanderungsbewegung nach Rußland entstand. Die Auswanderer Find freilich bald wieder tief enttäuscht heimgekehrt. Nun versucht Moskau wieder einen Delegations rummel zu entfachen. Die Berleumdungen" der sozialdemotratischen Presse sollen widerlegt werden durch die einfachen Arbeiter", denen man unter behördlicher Aufsicht das von Rußland zeigte, was man ihnen zeigen wollte. Bir hatten bereits am 13. Auguft gewarnt, sich nicht auf zentrale| Verhandlungen weiter einzulassen. Jetzt sollen die Lohn- und Arbeitsbedingungen nur zentral geregelt werden. Das ist für uns ein Schlag ins Gesicht, den wir im Augenblick nicht einmal parieren tönnen, indem uns die zentrale Vereinbarung daran hindert. Rund acht Wochen ist der Kampf einig und geschlossen geführt worden. Durch die ab 27. Juli eingeschlagene Taftit gingen in der letzten Beit täglich 40 bis 50 3immerer zu den geforderten Bedingungen in Arbeit. Genau jo lag es in den anderen Gebieten des Reiches. Unsere Führer haben sich graulich machen lassen mit der Drohung der Gesamtaussperrung. Der Kampf ist nun auf der Höhe abgebrochen. Wirtschaftlich genommen ist gerade in Berlin vieles nicht erreicht worden, aber auch die Unternehmer sind mit ihrer Forderung, dahingehend, daß keinerlei Lohnerhöhung eintreten darf, nicht durchgefommen. Zeichen der Werbetätigkeit stehen und durch die Versammlungsbeteilt. gung einen Einblick in die Zugkraft des Verbandes bilden. Die organisierten Transportarbeiter haben nun die beste Gelegenheit, ihre Agitationstüchtigkeit zu zeigen und die Kampftraft ihres Bundes vermehren zu helfen Lohnerhöhung in den Ladenschlächtereien. Die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß am Diens tag führten zu einer freien Vereinbarung zwischen den Ladenschlächtern und dem Zentralverband der Fleischer. Nach dieser Vereinbarung erhalten die in den Ladenschlächtereien beschäftigten Gesellen von der laufenden Woche an bis auf weiteres eine Zulage von 2 M. Aussperrungsdrohung in der Zigarrenindustrie. Aber dieser Kampf war auch zugleich ein politischer Kampf, Dresden, 1. September.( l.). Der Reichsverband deutscher das beweist am besten die Kundgebung vom 27. August, die von allen großen Unternehmerverbänden Deutschlands losgelassen wurde. Bigarrenhersteller, Bezirksgruppe Sachsen, schreibt, daß, obMan hätte die Bereinbarung ablehnen müssen und die Aus- wohl am 3. September vor dem Reichsarbeitsministerium über sperrung abwarten. Hätte sie größeren Umfang angenommen, so die Löhne Verhandlungen stattfinden, an verschiedenen Orten der hätte in diesem Falle der ADGB. mit der gesamten organisierten Bezirksgruppe Sachsen des Reichsverbandes deutscher ZigarrenherArbeiterschaft die Maßnahmen der deutschen Unternehmer zurück- steller wilde tarifwidrige Streits ausgebrochen sind. Als Gegenschlagen müssen, wie es fürzlich die englische Arbeiterschaft gegen ihre maßnahme ist am 31. August sämtlichen Belegschaften die Küninterne mit seiner GBD.- Bolitik, die dahin geht, innerhalb diese Maßnahme erstreckt sich vorläufig nur auf folgarren herUnternehmer getan hat.( Beifall.) Aber die Spigen der Verbände digung für den 12. September ausgesprochen worden. des heutigen fapitalistischen Systems nur einige Berbesserungen für Bezirksgruppe Sachien des Reichsverbandes deutscher Zigarrenherdie Arbeiterschaft zu erreichen, aber nicht, wie hier, gewillt ist, dafür ſteller, nämlich auf den Freistaat Sachsen, Anhalt, Braunschweig, zu tämpfen, daß grundsägliche Aenderungen zugunsten der Arbeiter- Teile von Thüringen, Provinz Sachfen und Hannover. Es werden fchaft durchweg eingeführt werden. Wie schmerzhaft der Bauarbeiterkampf den Rapitalisten war, zeigte am besten die bürgerliche Presse vom 28. August dadurch, daß durchweg berichtet wurde, als vormittags die Meldung an der Berliner Börse bekannt wurde, der Bauarbeiterstreik iſt aufgehoben, fofort ein sehr lebhafter Geschäftsgang eintrat. Redner erklärte, nachdem die Bereinbarung von den Spizen unterschrieben, find wir gezwungen, den Kampf abzubrechen und am Montag, den 31. August 1925, geschlossen die Arbeit aufzunehmen. In einer sehr lebhaften Diskussion wurde die Maßnahme als Berrat am Kampfe bezeichnet. Ein Antrag, der einstimmig angenommen wurde, verlangt die sofortige Einberufung eines Verbands: tages. Die Bersammlung beschloß mit wenigen Stimmen Mehrheit, die Arbeit am Montag geschlossen aufzunehmen, sich aber keine MaßregeWelche„ Berleumdungen"? Wir haben über die Lohn- und Arbeitsbedingungen in Rußland berichtet auf Grund der amt- lungen gefallen zu lassen. lichen Beröffentlichungen der Sowjetbehörden. Es wird fein Mensch behaupten wollen, daß diese Behörden sich selbst verleumden. Aus diesen Beröffentlichungen geht hervor, daß der Nominallohn der russischen Arbeiter vor dem Kriege die am schlechtest bezahlten Europas gegenwärtig 75 bis 80 Broz. des Borfriegslohnes beträgt. Es geht weiter daraus hervor, daß in Rußland ein ungeheuerliches Antreibersystem herrscht. Es geht schließlich daraus hervor, daß die Arbeiter vielfach streifen mußten, mur um ihren Hungerlohn überhaupt ausgezahlt zu bekommen. Ueber diese Dinge weiß die Arbeiterbelegation" kein Wort zu berichten. " ge= Aber sie weiß etwas anderes. Sie weiß, daß die einge ferterten georgischen Sozialdemokraten wisse Freiheiten" genießen, daß in Georgien Ruhe herrscht, wie in Warschau„ Ordnung herrschte, als der polnische Aufstand im Blute erstict war. Und solche Simpel, die sich offenbar weder der Tragweite ihrer Worte, noch der Marionettenrolle bewußt find, die die Mostauer Strippenzieher fie spielen lassen, follen nun auf die deutschen Arbeiter losgelassen werden, um zu erzählen, daß es in Rußland naß ist, wenn es regnet, daß Mostan eine große Stadt und der russische Arbeiter ein im Grund braver Mensch ist. Denn die„ Entdeckungen", die sie gemacht haben, find alle ähnlichen Ralibers. Wir warnen Neugierige! Wie die Rechtsregierung Arbeiter entlohnt. Die Organisationen der Reichsarbeiter haben am Dienstag das Reichsarbeitsminifterium angerufen, fobald als möglich Schlichtungs. verhandlungen zur Beilegung der Lohndifferenzen mit dem Reichs. finanzminifterium einzuleiten. Die Reichsarbeiter sind zu ihrem Borgehen gezwungen, da das Reichsfinanzministerium gemäß der hinter den Kulissen getroffenen Berabredung genau wie die Reichs bahn erklärte: Allgemeine Lohnerhöhung gibt nicht, sondern nur Ausbesserung an einzelnen Orten. Der Bertreter des Reichswirtschaftsministeriums, der über den Stand der Breisabbauaftion" Mitteilungen machen sollte, hat es vorgezogen, nicht zu kommen, obwohl die Verhandlungen sich bis zum Abend hinzogen. Auf das von den Organisationsvertretern vorgebrachte reiche und beweisträftige Zahlenmaterial blieben die Herren des Reichsfinanzministeriums die Antwort schuldig. Kein Wunder, denn dieses Zahlenmaterial beweift überzeugend, daß für die Reichs arbeiter in ganz Deutschland geradezu erbärmliche Löhne ge zahlt werden. Die Löhne haben noch nicht einmal das Niveau der Borkriegszeit erreicht. Stellt man die Abzüge am Lohn noch in Rechnung, so geht der Reichsarbeiter im Durchschnitt heute mit 20 bis 21 M. Cohn pro Woche nach Hause. Die ganze Weisheit des Reichsfinanzministeriums gegenüber den Forderungen der Reichsarbeiter, deren Notlage unbestritten ist, bestand in der Erflärung: es ist kein Geld da! Demgegen über verwiesen die Bertreter der Organisationen unter anderem auf das„ Heeresverordnungsblatt" vom 14. Auguft, wo Hunderte von Beförderungen von Leutnants zu Oberleutnants, von Hauptleuten aut Majoren usw. sowie Anstellungen von Mufifmeistern und der. gleichen mitgeteilt werden. Die Schlichtungsverhandlungen dürften erst im Laufe der nächsten Woche beginnen. Bis dahin können die Herren im Reichsfinanzministerium darüber nachdenken, warum einzelne Länder, wie z. B. Sachsen, bereits seit dem 1. Juli dem Reichsarbeiter 3 M. pro Woche mehr geben als das Reich. Die Zimmerer zur zentralen Vereinbarung. Die Berliner Zahlstellenleitung des Zentralverbandes der Zimmerer sendet uns folgenden Bericht: Sonntag vormittag tagte in den Sophienfälen die Zahlstellen versammlung. Der Borsigende Repschläger gab den Bericht auf Grund der Angaben des Gauleiters nüpfer vom 28. v. m. Redner sagte folgendes: Erbs, Eier Nudeln, Königin, Blumenkohl, Grüntern, Tomaten, Tapiota echt Zu diesem Bericht einige furze Bemerkungen: Repschläger weiß, wie alle Welt, daß es der ADGB. mit seiner SPD.- Politit" war, der einmütig beschloß, die Bauarbeiter im Falle einer Generalaus sperrung mit der gesamten Finanzkraft der freien Gewerkschaften zu unterstügen. Repichläger weiß, daß der Borwärts", das Zentralorgan der SPD., die Bauarbeiter in ihrem Rampf von der ersten bis zur legten Stunde rudhalilos unterstützt hat, während die„ Rote Fahne" von der ersten bis zur legten Stunde den Bauarbeitern Knüppel zwischen die Beine warf. Beffen die KPD. in puncto Unterstützung fähig ist, das wissen die Ausgeschlossenen" am besten. Beschluß der Bauarbeiterorganisationen irgendwie eingewirkt hat, Wenn Repschläger schließlich behauptet, daß der ADGB. auf den so befindet er sich vollständig im Irrtum. Die Bauarbeiterorganisationen haben nach 17stündigen Beratungen den Beschluß pollig frei und selbständig, ohne Beteiligung Dritter, gefaßt. id Differenzen im Stuck und Gipsbau. Eine am Dienstag normittag stattgefundene Bersammlung der Stud- und Gipsbranche des Deutschen Baugewerksbundes beschäftigte fich mit der Tatsache, daß der größere Teil der im Beruf. tätigen Stollegen der Aufforderung der Organisation vom Sonntag nicht gefolgt ist. Wohl find alle auf den Arbeitsplätzen erschienen, fingen aber nur dort zu arbeiten an, wo der gleiche Lohn gezahlt wird, zu dem die bis dahin bewilligten Arbeiten ausgeführt wurden. Diese Eituation veranlaßte die Unternehmer, eine Schlichtungsfommiffion einzuberufen, auf die eine Arbeitgeberpersammlung folgen sollte. Der Fachgruppenleiter Scha d machte die Bersamm lung mit dem Inhalt dieser Sigung bekannt, aus dem hervorging, fation zu konstruieren, um diese dann für den ihnen daraus erwachsendaß die Unternehmer versuchten, einen Tarifbruch der Organiden Schaden verantwortlich zu machen. Es wurde den Herren gefagt, daß prominente Arbeitgeber der Branche es waren, die, um von der Beteiligung am Hochbauftreit abzuhalten, höhere Lohnfäße geboten und damit den jezigen Weg gewiesen haben. Einige Arbeitgeber fahen zwar ein, daß die Arbeit aufgenommen und die Angelegenheit in Kürze geregelt werden müßte, ließen sich aber zu der artig beleidigenden Aeußerungen hinreißen, daß die Arbeitnehmer Dertreter die Sigung verließen. Schad fam feiner Pflicht als Leiter nochmals nach, indem er zur Aufnahme der Arbeit aufforderte. Die Disfussion war sehr reichhaltig. Es wurde besonders betont, daß überall der Maurerlohn als Mindestlohn gewertet und mehr gezahlt wird. Transportarbeiter der Metallindustrie. In der wohlerwogenen Abficht, die Reihen der organisierten Transportarbeiter in den Berliner Metallbetrieben zu fräftigen, hat die Sektion V des Deutschen Verkehrsbundes im Berein mit den Vertrauensleuten beschlossen, den Monat September als be= sonderen Werbemonat zur intensiven Werbetätigkeit zu be mußen. Mittelft einer Kleinen Werbeschrift, Transportarbeiter. Rundschau" betitelt, wendet sich die Seftionsleitung an alle Bundesmitglieder mit der Aufforderung, sich mit ganzer Kraft in den Dienst der Werbetätigkeit zu stellen. Nach den Beschlüssen der Bertrauensleute wird allen Bundes mitgliedern zur Pflicht gemacht, den auf ihrer Arbeitsstelle tätigen Unorganisierten einen Verbandsaufnahmeschein zu überreichen und zum Beitritt in den Verband aufzufordern. Das erforderliche Agitationsmaterial nebft Aufnahmeschein steht den wochentäglich in der Zeit von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends im Bundesmitgliedern im beliebigen Umfange zur Verfügung und fann Bundesbureau, Engelufer 24/25, 3immer 5 und 26, in Empfang genommen werden. Auch werden die besonderen Auskünfte, die fich auf die Werbetätigkeit beziehen, dort erteilt. Ueber die Erfolge der Werbetätigkeit und deren Gestaltung in den Betrieben wird die Sektionsleitung in bestimmten Zeitabschnitten im Vorwärts" Bericht erstatten. Auch die am fommenden Sonntag, vormittags 10 Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses stattfindende Transportarbeiterversammlung der Berliner Metallindustrie wird mit im davon etwa 15 000 Arbeiter betroffen. Der französische Bankstreik geht weiter. Paris, 1. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Aussicht auf Beendigung des französischen Bankstreifs, die sich in den letzten Tagen angesichts der Verhandlungen des französischen Arbeitsministers mit den Bankleitungen und dem Streitkomitee eröffnet hatte, hat sich nicht erfüllt. Eine Versammlung der Streitenden hat am Dienstag vormittag die Vorschläge, die die Bankdirettoren gemacht haben, als unzulänglich abgelehnt und mit 77 Proz. für die Fortiehung des Streits gestimmt. Der Grund für diesen Beschluß ist hauptsächlich darin zu suchen, daß die Banlleitungen nur eine Anpassung der Gehälter an die Teuerung in Aussicht gestellt, abgelehnt haben. dagegen die geforderte Erhöhung des Monatsgehalts um 100 Frank Dänischer Seemannsstreik. Kopenhagen, 1. September.( Tul.) In der dänischen Segelschiffahrt ist heute nacht der Matrosenstreit ausgebrochen. Wenn nicht rechtzeitig eine Einigung zwischen Schiffsbefizern und Matrosen zustande kommt, wird wahrscheinlich der Streit auf 400 Schiffe und 2000 Matrofen übergreifen. Da der Verband der Kleinschiffbefiger in dem Lohnkonflikt den Mitgliedern freie hand gelaffen hat, haben sich viele Schiffsbefizer zu Sonderabkommen entschlossen. Ausdehnung des Streiks der englischen Seeleute. Condon, 1. September.( EP.) Die Streitbewegung unter den Seeleuten dehnt sich immer mehr aus. In Southampton und Arbeit einzustellen. In Hull haben die Seeleute ein Streiffomitee Avonmouth haben die Seeleute beschlossen, heute vormittag die gebildet und Bosten im Hafen aufgestellt, die jede Arbeit verhindern. Ein Telegramm aus Sidney teilt mit, daß die Sozialistenführer Johansen und Walsh die Aufforderung erhalten haben, am Donnerstag vor dem Deportationsgericht zu erscheinen. Ein Telegramm aus Rangoon teilt mit, daß 5000 Arbeiter der Fluß schiffahrtsgesellschaft Irradnai beschlossen haben, sich in den Streit zu begeben. Bon heute, Dienstag, an wird die Flußschiffahrt in ganz Birma eingestellt. Die Streifenden haben der Gesellschaft einen Brief mit 52 Forderungen übermittelt. 100 Achtung, Dr. Baul Meyer, Drontheimer Straße! Freitag nachmittag 4 Uhr, bei Fritsch, Drontheimer Str. 4, 8usammenkunft aller SPD.Genoffen. Wichtige Tagesordnung. Bollzähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Unterausschuß Bankow des Ortsausschusses des DGB. Donnerstag abend 7½ Uhr bei Drener, Riffingenstr. 4, Gigung des Gewerkschaftsunterausschusses Bantow. J. A.: Baier, Obmann. Gewerkschaft deutscher Volkslehrer nud Bolfslehrerinnen( GDB.), Prov. Berband Berlin. Nächste Sigung am 5. September, 8 Uhr, Rathaus( 53 ob. 55). Tagesordnung: 1. Rrantentaffe der Stadt Berlin. 2. Bericht über Neuordnung der Lehrerbildung in Breußen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilomski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen Th. Glade; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". Erhöhte Leiffungen verlangt die heutige Zeit auch von Ihnen. Sichern Sie sich Ihre geistige Spannkraft und Ihr körperliches Wohlbefinden durch das Tragen von Continental- Absätzen. Sie vermindern die Er schütterungen des Körpers, schonen dadurch Ihre Nerven und beugen vorzeitiger Ermüdung vor. Verlangen Sie ausdrücklich Continental Absätze billiger und haltbarer im Gebrauch als Leder. In grau, schwarz oder braun bei jedem Schuhmacher erhältlich. So gut wie Continental- Reifen. 27 verschiedene Suppen von vollendetem Wohlgeschmack bereiten Sie mühelos, ohne langes Zurichten, nur durch Kochen mit Waffer, aus Maggi's Suppen- Würfeln Kennzeichen: Der Name ,, Maggi" und die gelb- rote Dadung. zu 13 Pf. für 2 Teller. Eier- Sternchen, D 13, Spargel, Windsor, Reis, Erbs mit Reis und andere Nr. 413 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Vom Tier Seit der Stabilisierung der deutschen Währung hat die Einfuhr ausländischer Tiere von neuem in größerem Umfange eingefeßt. Während der vorhergehenden Kriegs- und Nachkriegszeiten lag der Tierhandel fast völlig danieder. Er hat eine größere wirtschaftliche Bedeutung als allgemein angenommen wird. Die Tiereinfuhr ist hauptsächlich das Monopol einiger großer Häuser, welche die einge führten Tiere dann weiter an die fleineren und mittleren Handfungen und dann an Zoologische Gärten weiter verkaufen. Kleine Mengen von Tieren, insbesondere Affen und Bögel, werden hin und wieder von Matrosen der großen Passagier- und Handelsdampfer in deutsche Häfen gebracht. Tierkauf in fernen Ländern. Wie gehen nun Tierhandel und Tiereinfuhr vor sich? Die großen Handelsfirmen haben meist Auffäufer und Sammelstellen in Städten der verschiedenen Erdteile. Sie faufen die gefangenen Tiere den Eingeborenen ab. Ist die Anzahl groß genug, daß sich eine Ueberfuhr nach Europa lohnt, werden die Tiere in ihre Behälter, die sie für die Ueberfahrt bewohnen sollen, untergebracht. Das ist häufig gar nicht einfach, besonders, wenn es sich um große Tiere wie Elefanten, Giraffen u. a. handelt. Die Unterfunftsräume auf bem Schiffe werden schon in Deutschland gemacht. In einem Hafenplage, sei es in Indien, Afrika, Australien oder Amerika, ist alles bereitgestellt und wartet die Ankunft des Dampfers ab. Die Verlabung geht ziemlich schnell vor sich. Die größte Anzahl der Importe fommi in den tälteren Jahreszeiten hier an, im Herbst, im Winter und im Frühjahr. Die glühende Sommersonne der tropischen Gebiete macht häufig eine Ausfuhr der Tiere unmöglich. In ben wärmeren Breiten sind häufig die Tiere auf dem Deck des Schiffes untergebracht, während sie in den fälteren Zeiten, besonders im Winter, irgendwelche inneren Schiffsräume beziehen. Das find Dann häufig die leergewordenen Kohlenbunter. Elektrische Sonnen und Beleuchtung sorgen für Wärme und Licht. Die Ankunft des Handelsschiffes, das einer der großen Handelsgesellschaften gehört, ift schon frühzeitig bekannt. Das Schiff steht in ständiger telegraphischer Verbindung mit der Heimat, und jedes Anlaufen eines Hafens wird den Handelsfirmen befannt gegeben. Ueber das Befinden der Tiere find fie ffets unterrichtet. Alles wird hergerichtet für den Empfang und die Unterbringung der Neuankömmlinge. Nach der Ueberfahrt. Begeben wir uns auf Ded eines der im Hamburger Hafen anlaufenden Schiffe, das einen größeren Tiertransport mit sich führt. Zunächst find wir erstaunt, welchen verhältnismäßig geringen Raum er einnimmt. Die Tiere sind meist in sehr praktischen, festen Käfigen untergebracht, die wenig Plak einnehmen und ein Entweichen der Insassen verhindern. Was erblicken wir alles für Tiere? Aus einem mit starten Dachlatten als Vordergitter versehenen Käfig hören wir bei unserem Nähertreten das Fauchen einer großen Wildtage, eines Das unbegreifliche Ich. 23] Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Ich befand mich in dem Alter, wo die Wahrheit über die Liebe mir aufzugehen begann. Sie stieg wie ein Flüstern und ein Halbdunfel um mich herum, und ich war jedesmal unglücklich und zerrissen, wenn ich ein Wort auffing. Sie erschien mir zuerst als eine neue Form für Unanständigkeiten, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten, wie mir vortam. Aber sie verdichtete sich mehr und mehr. Wie ein immerfort wiederholtes Reflamebild prägten Zeichnungen die neue Wahrheit in meinem Gehirn ein, und mir fchien es, als ob ich niemals jo häßliche Wege gegangen wäre. Wie fonnte ich wissen, daß gerade diese Wege ins Leben führten? | handel Leoparden. Die großen Raubtiere find einzeln untergebracht. In einer größeren Anzahl von Kisten bfinden sich Affen. Sie freischen und quietschen und machen sich nach Affenart bemerkbar. In anderen wieder sind zwanzig Gnus und ebensoviele Zebras, eine größere Anzahl Antilopen verschiedener Art einzeln untergebracht. Andere wieder haben als Inhalt Stelzvogel, Marabus, Kraniche u. a., wieder anderen Kohlenbunker, dessen Eingang mit Stoff verhängt ist, um andere Papageien, rabenartige Bögel und Raubvögel. Aus einem ein Austreten der Wärme zu verhindern, dringt uns der Lärm und das Gezwitscher vieler fleiner Vögel entgegen. Da stehen lange aus Bambusstäben hergestellte Käfige, die in sechs bis acht Abteilungen getrennt sind. In jeder befindet sich ein Vogel. Andere größere Käfige beherbergen wieder eine größere Anzahl von Vögeln, die auch in der Freiheit in größeren Gesellschaften leben. Käfige und Transportkäfige auf dem Dampfer. Mein Wissen wuchs langsam. Finstre Gedanken übertamen mich, und mit einem Gefühl. als ob ich in einer Wirklichkeit lebte, die sich aufzulösen drohte, grübelte ich über die Erscheinungen des Weibes nach, über Mädchen und Damen und Frauen. Ich schob den Gedanken von mir, mic eine Sünde. Dieses wunderliche Nichts, das ein Gedanke mar, mußte fort; aber ich merfte, daß dieses ein Stüd meines Selbst war. Ich konnte es nicht abstoßen. Ein Teil drängte von außen in mich herein; aber ein Teil fam aus mir selber, und ich wurde von dem gleichen schmutzigen Halbdunkel erfüllt, das die anderen Jungen umgab. Ob die Erwachsenen darüber hinwegsahen? Ob sie wohl als Kinder auch so etwas gehört hatten? Ob sie es mun vergessen hatten? Konnte man das vergessen? Und gleichzeitig hatte ich immer noch mein altes Lächeln über jede Art von Liebelei. Ich lachte schallend über einen Herrn, der einer Dame lange nachfah. So etwas fannte ich. Sejrs Berichte wurden eifrig und fieberhaft. Sein Vetter wäre ein sehr merkwürdiger Mensch, erzählte er. 700 mmilo mu es tr Mittwoch, 2. September 1925 Risten sind so verstaut, daß sie wenig Raum einnehmen, aber doch derartig, daß jeder Insasse der Käfige Licht erhält, um seine leiblichen Bedürfnisse befriedigen zu können. Die Fütterung der Tiere und die Reinigung der Behälter ist eine langwierige tägliche Arbeit. Sie wird von dem den Transport begleitenden Personal ausgeführt. Das sind entweder Angestellte der Firmen, oder auch in fernen Ländern gemietete Eingeborene, wie Hindus und Neget. Sie fehren mit dem nächsten in ihre Heimat abgehenden Dampfer zurüď. Die Berladung der Tiere geht verhältnismäßig schnell vor sich. Die einzelnen Riften und Käfige werden, nachdem ihr Rauminhalt zmeds Steuer und Fracht festgestellt worden ist, mittels eines Rranes in das Speditionshaus verladen. Von dort aus erfolgt dann der Transport in die bereitgestellten Wagen der Firma, und fort geht es in die vorübergehenden Unterkunftsräume der Tiere. Dort erhalten sie frisches Futter und. Waffer. Sie werden, abges sehen von denen, deren Käfige groß genug sind, in anderen Bes hältern untergebracht. Nach einigen Tagen der Ruhe beginnt der Berkauf. In nicht langer Zeit ist der größte Teil veräußert inner. halb und auch außerhalb Deutschlands. Kampf den Brandstifternden böswilligen und den fahrlässigen! oder der letzten Zeit vorgekommen find, beginnt Aufsehen zu erregen. Die Häufigkeit der Dachstuhlbrände, die in Berlin in Handelt es sich um eine zufällige Mehrung solcher Brände muß man Sommer mit langer Trockenheit haben öfter in Berlin eine Zu von einer Brandstiftungsepidemie sprechen? Heiße nahme der Brände gebracht, aber unserem diesjährigen Sommer fann man wohl fein lebermaß von Hige und Trockenheit nachsagen. Die Dachstuhlbrände der letzten Monate und Wochen führen weger der Tat wieder einmal mit einer Brandstiftungsepidemi des Befundes der Brandstätten zu der Vermutung, daß wir es in zu tun haben. Berlin hat in den letzten Jahrzehnten solche Mehrun brände schon etliche Male erlebt, ohne daß es gelungen wäre, die gen und Häufungen der durch Brandstiftung verursachten Dachstuhl. Täter zu ermitteln. Aufsehen erregte besonders die langdauernde Brandstiftungsepidemie, von der vor einem Vierteljahrhundert der Stadtteil Moabit heimgesucht wurde. Diesmal ist das Berliner Polizeipräsidium, wie mi schon meldeten, rasch zu der Maßregel geschritten, für die Unterfuchung der Brandfälle eine besondere Dienststelle einzu richten. Das Verfahren soll sich bei einer der früheren Gelegen heiten insofern bewährt haben, als es damals in furzer Zeit dazu führte, daß die Dachstuhlbrände fich verminderten. Schon die Tat sache, daß die Fahndung nach den Brandstiftern mit Energie be trieben wird, fann einschüchternd wirfen und die Luft zu Brandstiftungen dämpfen. Auch fönnen, wenn die gesamte Fahn tungstätigkeit an eine Zentrale übertragen wird, sich alle Vorteile ergeben, die eine Spezialisierung der Arbeit zu bringen pflegt. Eine Zentrale fann, da sie sich auf ein reicheres Beobachtungs fterial stügt, besondere Einblicke in die Methoden der Brandstift ge minnen und daraus Schlüsse auf die Beweggründe ziehen, die manche Fingerzeige für die Fahndung geben fönnten. Bei Brandstiftungsepidemien spricht sicherlich Suggestion mit, die au Personen mit verbrecherischer Gewinnsucht nicht wenigei zu wirken vermag als auf Personen mit frankhaftem 3er störungstrieb. Di Zu wünschen ist, daß die Hausböden auch vor fahrlässiger Brandstiftungen mehr als bisher geschützt werden. Leichtfertigteit, mit brennenden Betroleumlampen oder mit offene Kerze eine Bodenkammer, aufzusuchen, ist in Berlin leider noch sehi meit verbreitet. Auf manchen Hausböden besinden sich Anschläge die auf die hiermit verbundene Gefahr und auf die Bestimmunger des Strafgesetzbuches hinweisen. Wieviele fümmern sich darum? Die Brandstiftungsepidemie in Neukölin. Die ungewöhnliche Häujung von Dachstuhlbränden in Neufölr ( ist doch die schwere Brandstiftung, die gestern morgen in der Her mannstraße einen Dachstuhl von 20 Meter Länge völlig einäscherie das zehnte Brandunglück im Zeitraum von vier Wochen) hat in der Bevölkerung eine überaus lebhafte Beunruhigung hervorge rufen. Es scheint nunmehr erwiesen, daß hier eine Brandstifter folonne, die großzügig organisiert sein muß, systematisch im ge samten Stadtviertel Brände anlegt, entweder um Bodenraubzüg Ich ging gang langsam vorbei und fonnte nur das Licht wie einen Schimmer gelben Metalls sehen. Ich ging wie in starfem Sonnenschein, und der Wind, der von Fälleden her: wehte, war golden. Erst ein langes Stück danach drehte ich mich um, als ob ich ein Geheimnis hätte, das ich feinem zu verraten wagte. Ich würde das Lächeln der Erwachsenen nicht haben ertragen fönnen. Doch das Geheimnis rumorte in mir herum. Es wollt heraus, heraus durch den Mund, durch Armbewegun gen, heraus durch Taten. Und ich wandte mich um, wie um der Sonne entgegenzugehen, mit halbgeschlossenen Augen. Da sah ich fie in der Straßenbahn verschwinden. Mit ein paar Sprüngen war ich an seiner Seite, und als er abfuhr, begann ich die Jagd nach dem Glück in atemlosem Lauf. Ich mußte ihm auf dem Bürgersteig nachsetzen und gestelle achtgeben. dabei auf die Leute und die Laternen und die FahrradDer Straßenbahnwagen bekam einen immer größeren Vorsprung, und da keiner da war, der an der nächsten Haltestelle auf oder absteigen wollte, sah ich ihn fleiner und fleiner werden, hoffnungsios kleiner, und ich Sejr und ich sprachen leise und eifrig davon; doch wir In dem Haus, wo der Better wohnte, befand sich ein hatten beide das Gefühl, eine Sünde zu begehen, wenn wir Kellergang, und wenn man nichts wußte, fonnte man da die Dinge erwähnten. Wir bekamen heiße Köpfe, denn keiner entlang gehen ohne etwas zu entdecken; aber an der Wand mußte das Rennen aufgeben. von uns war sehr widerstandsfähig. Wir halfen einander war ein Knopf zum Draufdrücken, und tat man das, öffnete langsam vorwärts, gerade, weil feiner von uns direkt darauf sich eine Falltür im Boden, und man fonnte in mehrere loszugehen wagte. Die Aussagen der anderen Jungen flangen Zimmer hinuntersteigen. Es hingen Bilder an den Wänden wie Lügen. Sejr hatte einen Better, der einem Bogel ähnelte. Er hatte eine große, frumme Nase und vorstehende Augen und ging eine Klasse höher als wir. Ich wagte nicht, mich einem Jungen zu nähern, der mir im Alter ein ganzes Jahr voraus war; aber Sejr besaß gewisse Vorrechte als Verwandter, und auf diesem Wege strömten unerhörte Wahrheiten auf mich ein. " Drinnen in der Stadt gibt es Geschäfte mit Mädchen. Da gehen die Konfirmanden am Tage nach ihrer Einsegnung herein," erzählte Sejr. Wir gingen an Fälleden entlang. Ich hatte fofort eine Vorstellung von einem leeren Laden und einer Reihe zwölfjähriger Mädchen, die hinter dem Ladentisch standen und lächelten. Eine von ihnen hatte rabenschwarze Pfropfenzieherlocken, die ihr bis auf die Schulter hingen, und sie hatte tiefe Grübchen. Auf sie starrte ich, ohne das Rätsel zu lösen. Selbst jetzt entfinne ich mich noch dieser Erscheinung. Sie steht so brennend start wie ein Erlebnis vor mir, ebenso deut fich wie alle die anderen Bilder, die auftauchten, und jedes Mal, wenn ich davon hörte, das Unverständliche in den Hinter grmud drängten. da unten. Keiner von den Erwachsenen in jenem Hause wußte etwas davon; denn Sejrs Better und einige andere Jungen hatten das in aller Heimlichkeit gemacht. Sie hatten einen Verein gebildet mit mystischen Zeichen. Sie flopften fünfmal gegen die Wand und stießen mit dem Fuß einmal hart auf den Boden, bevor sie auf den Knopf drückten, so daß die anderen, die unten waren, ruhig sein konnten, weil sie wußten, daß ein Mitglied fäme. Und unten in der Höhle hatten sie Mädchen! Meine Neugierde war so brennend, daß sie Sejr berauschte und mit unheimlicher Phantasie, die doch alle die häßlichen Worte vermied, malte er den Zweck des Vereins aus. Was er nicht alles erlebte! Und gleichzeitig mit jenen trüben Phantasien machte ich meine erste Verliebtheit durch. Ich hatte ein strahlendes Götterbild, das auf den flüchtigen Anblick eines Mädchens mit langen blonden Haaren aufgebaut was. Sie ftand auf Trianglen, und ich fing an zu zittern, als ich sie sah. Die Sonnenstrahlen glitten über ein edles und sicherlich lang weiliges Profil. Aber von dem Tag ab trug ich ein Bild in mir. ein Mädchen im englisch sentimentalen Stil daraus, und fie Ich formte es nach meinem Gutbünten um, und es wurde stand draußen auf einer Mole im Wind. Sie trug einen Matrosenhut auf dem Kopf und hatte einen blauen, flatternden Rock an; ihr blondes Haar wehte ihr wie eine Fahne über die Backen und in die Luft hinaus. Jeden Abend, bevor ich in Schlaf fiel, schloß ich die Augen und dachte mir mein leuchtendes Götterbild auf dem dunkein Grunde meines Selbst hervor, und ich glaubte, daß sie große Bedeutung in meinem Leben bekommen würde. Solch' Herzflopfen fonnte man nur haben, wenn man an der Frau vor. beiging, die man später wiedertreffen würde. An dieses Bild fnüpfte sich der Sinn des Lebens. In meiner Freizeit streifte ich auf Trianglen herum und beobachtete die Straßenbahnwagen. Während der langen öden Wartezeit las ich die Schilder auf allen Gebäuden: Lörup; Sigwart Hansen, Zahnarzt. Ich lernte jeden Laden kennen, und ich führte sachliche Gespräche mit dem Beichensteller an der Ede. Er war alt und hatte Wette in den Ohren. Er faß auf einem Stuhl. Werde niemals Weichensteller, mein Junge," sagte er und schnupfte durch die Nase. ( Fortsetzung folgt.) 行 M vertuschen oder eventuell auch, mn Schttmmeres vorzubereRen. Jedenfalls kann von verantwortlicher Stelle nicht entschieden genug gefordert werden, dah man mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln diesen Attentätern auf die Sicherheit der Bürgerschaft ent- gegentritt. Die Banditen scheinen in jedem einzelnen Falle über iehr große Kenntnis der Ocrtlichkeit zu verfügen, da bei allen diesen Bränden bis jetzt jegliche Spur verloren ging und die Anwohner auf die Brandstiftung meistens erst dann aufmerksam wurden, wenn der gesamte Dachstuhl in vollen Flammen stand. Besonders kratz und eindeutig lag der Fall bei dem Großseuer, das Montag abend im Hause Kottbufer Damm 22 wütete. Hier hat die Untersuchung einwandfrei ergeben, datz an fünf verschiedenen Stellen leicht entzündbare Stoffe angesteckt worden sind. E» ist sogar nicht unmöglich, daß die Brandstifter diese Gegenständ« vorher mit feuergefährlichem Material Übergossen haben. Zuerst war die Vermutung aufgetaucht, daß eventuell ein Geisteskranker ganz unmotiviert aus einer Vernichtungspsychose heraus die Brände verursacht haben könnte. Doch läßt die Häufung der Brände sowie ihre gründliche, umfassende Torbereitung diese Lösung als sehr zweifelhaft erscheinen. In Neukölln besteht unter den Einwohnern die Absicht, einen Sicherheitsdienst zu organisieren, um dem verbrecherischen Ge- findel, das so skrupellos mit dem Leben und Vermögen seiner Mit- menschen spielt, das Handwerk zu legen. Die Iieifchpreise. iebersehung des V erteilungsapparales. Unsere Ansicht, datz die Uebersetzung des Vertcilung-apparates in der Hauptfache sür die Preissteigerungen des Fleisches oerant- wörtlich ist, wird bestätigt durch die nachfolgenden Ziffern: Vor dem Kriege hatten wir aus dem Viehhof Berlins 3 2 V i e h k o m- m i f f i o n s f i r m e n, die' jetzige Zahl beträgt 48. also eine Ver- mehrung mir 50 Proz. Die Zahl der En'grosschlächter ist um 400 Proz. gestiegen. 300 waren vor dem Kriege vorhanden, wöh- rcnd jetzt 1550 diesen Beruf ausüben. Dabei ist in Betracht zu ziehen, einmal, datz der Fleischverbrauch geringer ist und datz dieser verringerte Fleischverbrauch zu einem erheblichen Teil aus dem Ge> frierjleisch, also nicht durch Ankauf und Schlachtung von Vieh ge- deckt wird. Was die Zahl der L a d e n s ch l ä ch t e r anbetrifft, so hat diese wohl keine Vermehrung, vielleicht sogar eine kleine Verringerung erfahren. Aber die Zahl der Flei schoer- k a u f s st e l l e n ist gestiegen. Es ist eine grotze Menge von Wintelschlächtereien, die in Kellern und in Hinterhäusern ihr Ge. werbe ausüben, hinzugekommen. Es mutz in diesem Zusammen- hang auch erwähnt werden, datz Gasthäuser, die sich bisher daraus beschränkten. Fleisch zum Verzehr in der Wirtschaft zubereitet ab- zugeben, dazu übergegangen sind, auch an Haushaltungen Fleisch und Wurst zu verkaufen. Alles dieses bedeutet, datz bei verringer- tem Fleischverbrauch ein« größere Anzahl von Unternehmungen von der Fleisch- und Viehoerwcrtung leben müssen und das mutz sich natürlich in höheren Fleischpreisen auswirken. falsche Reichsbanknoten über 20 Reichsmark. Von den seit November vorigen Jahres zur Verausgabung sslangten Reichsbanknoten über 20 Mark mit dem Datum des lt. Oktober 1924, die ihren Schutz in einem natürlichen, über die zanze Notenfläche reichenden Wasserzeichen(stilisierter Reichsadler riit darüber befindlichem Worte„Reichsbank") und in den im Papierstoff eingebetteten, purpurroten Pilanzenfasern sowie in der die ganze Fläche des Schaurandes bedeckenden gemusterten Blind- Prägung trogen, ist eine Fälschung festgestellt worden, die als solche an nachstehenden Merkmalen zu erkennen ist. Wasserzeichen: Srellenweife kräftig und scharfkantig, stellenweise kaum sichtbar nach- gebildet. Pflanzenfasern: Blau, aufgeklebt. Frauenbildnis: Flache Wiedergabe, Augen-, Nasen- und Mundzeichnung in dicken Linien ausgeführt. Die Reichsbank hat eine Belohnung bis zu !000 NM. ausgesetzt, die an diejenigen Personen verteilt werden soll, deren Mithilfe zur Festnahme der Fälscher der vorbezeichnetsn Nochbildung führt. Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, sind an die örtliche Kriminalpolizei, für Berlin an Kriminalkommissar o. Liebermann, Kurstr. 49/111. Tel. Merkur 3789, zu richten. Die Berliner Möbelmesse. Gestern nachmittag fand eine Besichtigung der Berliner M ö b e l m e s s e statt, an der Vertreter der Presse und der Behör- den teilnahmen. Augenblicklich drängen sich die Messen in Berlin. Zu dieser Möbelmesse ist vor allem eins zu bemerken: es fehlen fast völlig die billigen Möbel, außer einigen billigen Küchenschränken sind nur teure Gegenstände ausgestellt. Und hier mutz man fest- stellen, daß der Sinn für einfache Formen zu schwinden scheint, immer mvl)r zeigen sich wieder dekorativ geschwungene Kurven, die die ruhiae� Wirkung der Gegenstände zerstören. Man liebt wieder gedrehte'Säulchen, neckische Füße und anderes überwunden geglaub. tes„Schmuckwerk". Auch bei den Klubmöbeln zeigt sich dieselbe Neigung. Sehr beliebt scheint die Nachahmung der Grotzväterstühle zu werden. Daneben aber auch glänzende Arbeiten in einem ruhigen Aufbau, sehr geschmackvolle und gut empfundene Nachahmungen des Empire und Biedermeier. Man empfängt von der Ausstellung den Eindruck, als ob die Möbelindustrie nicht recht weiß, in welchem Stil sie arbeiten soll, überall ein Tasten nach einer neuen Form und der Versuch, sich von der glatten englischen Arbeit loszulösen. Aber schließlich ist doch die einfache Form die gegebenste. Augenblicklich scheint die Gefahr nahe zu liegen, daß die moderne Möbelindustrie wieder beim Kitsch landet. Zehn neue Autobusse in Betrieb. den letzten Tagen sind von der Aboag auf den Linien 11 Moobit-Neukölln und 29 Pankow-Neukölln zehn neue Auto- b u s s e eingestellt worden. Sie sind nach den neuesten Erfahrungen konstruiert und zeichnen sich vor den älteren Wagen durch breitere und niedrigere Bauart sowie durch bequemere Sitzgelegenheit aus, womit den Wünschen des fahrenden Publikums Rechnung getragen worden ist. Die Hinterplattform ist vergrößert, so daß 6 Personen darauf stehen tonnen. Im Innern des Wagens sind, der polizeilichen Vorschrift entsprechend, keine Stehplätze vorgesehen, mit Ausnahm« ven drei an der Tür befindlichen. Die Wagen haben außerdem feit- l'chen Einstieg, wodurch in Verbindung mit der niedrigeren Bauart das Ein- und Aussteigen bequemer gemacht ist. Die Zeahrpreisermähiguug der Grosskrastdroschken. Im Berliner Polizeipräsidium fand am gestrigen Dienstag eine Besprechung mit Vertretern der interessierten Kreise darüber statt, wie dem Publikum am besten und sichersten die Großkraftdroschken kenntlich gemacht würden, die zu n u r 75 Proz. der T a x e fahren wollen. Vom Berliner Polzeipräsidium wurde immer wieder betont, dah unbedingt Wert darauf gelegt weiden müsse, daß die Kennzeichnung deutlich und unmißverständlich sei und jeder Fahrgast sofort erkennen könne, wieviel er zu zahlen habe, wie denn die Polizei überhaupt ihr Augenmerk darauf richte, daß dies bei allen Fahrzeugen, die dem öffentlichen Verkehr dienen, der Fall fei. Vor den Vertretern der interessierten Kreise wurden mannigfache Vor- schlage gemacht, die durch das Polizeipräsidium einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, da nach der Gewerbeordnung die interessierten Kreise nur gutachtlich zu hören sind. Die Entscheidung wird unverzüglich durch das Polizeipräsidium getroffen werden. Ein kassiertes Strafmandat. Unsere Leser erinnern sich vielleicht noch der Zuschrift, die uns vor einigen Wochen zuging und in der ein Freund unseres Blattes feine Erlebnisse mit der Polizei schilderte. War er doch dafür, daß er sich von völkischen Rohlingen hinterrücks mit Gummi- knüppeln und Totschlägern überfallen und aufs schwerste mißhandeln ließ, von der tatenlos zuschauenden Poklzet mkk einem Slrostnandat Wer 20 Mark behachi wmben. Diefer„Verbrecher", der gegen dieses Strafmandat natürlich Ein- spruch erhoben hatte, erhielt unter dem 31. August 1925 vom 152. Polizeirevier folgendes Schreiben: „Die Strafverfügung wird zurückgenommen, da die Ermittlungen ergeben haben, datz Sie irrtümlich als Beschuldigter mit festgestellt worden sind." Es wäre ja auch noch schöner gewesen, wenn der„Beschuldigte" auch noch die Mißhandlungen hätte bezahlen sollen. Die Junkausftellung. Umzug der Junkstunde. Das„Haus der Funkindustrie" am Kaiserdamm rüstet sich in diesen Tagen für seine vornehmste Aufgabe, für die Aufgabe, der es eigenttich seine Entstehung verdankt, für die es vor nunmehr einem Jahre in der konkurrenzlosen kurzen Zeit von zirka vier Monaten auf dem ursprünglichen.Laubengelände" am Bahnhof Witzleben errichtet wurde. Es wird seine Pforten der zweiten großen deutschen Funkausstellung öffnen, die in der Zeit vom 4. bis 13. September in ihrem schönen hellen Raum statt- finden wird. Die umfangreichen Vorbereitungen, die der Verband der Radio- industrie und das Berliner Messeamt für die Wiederholung der Ausstellung getroffen haben, werden sie auch diesmal wieder zu dem radiotechnischen Ereignis dieses Herbstes machen. Abgesehen davon, daß sie natürlich in erster Linie der Förderung der geschäft- lichen Interessen der deutschen Radioindustrie dienen soll, ist ihre werbende Bedeutung nicht zu unterschätzen, die sie durch ihre ver- schiedenen Sonderveranstaltungen auf weite Kreise ausüben wird, die vielleicht dem Rundfunkoedanken bisher noch fernstehen, wäh- rend sie andererseits den Amateuren und Funkteilnehmern wertvolle neue Anregungen vermitteln und ihnen einen geschlossenen Ueber- blick über den neuesten Stand der Radiotechnik gibt. Das Wichtigste an der diesmaligen Funkousstellung ist der Umzug der.Funkstunde A. G." aus dem Voxhause in das Haus der Funkindustrie am Kaiserdamm. In den letzten Wochen sind die Arbeiten sür die Fertigstellung des Witzleliener Senders so weit gefördert worden, daß er mitsamt dem Funkturm nunmehr erstmalig während der Ausstellung voll in Betrieb genommen werden kann. Der gesamte Sendebetrieb aus Welle 505 ist sür die Dauer der 2. Großen Deutschen Funkausstellung ins Funkhaus verlegt und spielt sich dort in aller O e f f e n t l i ch k e i t vor den Augen des Publikums im Vortragssaal ab. Zum ersten Male hat auch der Außenstehende Gelegenheit, sich hinter den Kulissen des Rundfunks umzusehen und auch dos Mysterium eines Sendespiels mitzuerleben, während er den Sendevorgang selbst ebenfalls in einer Ausstellung dm: Deut- schen Reichspost beobachten kann, die ihm sogar die Möglichkeit zur Dornahme gewisser Experimente bietet. Am Eröffnungstage, am 4. S e p t e m b« rs gibt es im Funkhause u. a. einen„Bunten Abend", bei dem Paul Graetz mitwirkt. Am 5. September geht die Uraufführung des Sendespicls„Der Tag des Rundfunks" in Szene, bei dem Senta S ö n e l a n d, Paul Graetz, Max A d a l- b e r t, Paul W e st e r m e i e r u. o. mitwirken. Bei der Eröffnungs- feier am Donnerstagmittag werden auch Postminister Stingl und Staatssekretär Bredow sprechen. Opfer der Arbeit. Auf dem Hofe des Grundstücks Wiesen st raße 55 am Wedding, wo zurzeit Reparaturen an der Hausfront vorgenommen werden, brach gestern vormittag gegen 11� Uhr das dort errichtete Baugerüst aus noch nicht aufgeklärter Ursache zusammen. Dabei stürzten zwei Maurer, die auf dem Gerüst standen, au» einer Höhe von etwa 15 Meter in die Tiefe und blieben besinnungslos liegen. Ein herbeigerufener Arzt konnte bei dem einen der Ver- unglückten, dem 52 Jahre alten Maurer Wilhelm Hauke aus der Hochstedter Straße 1. nur noch den Tod feststellen. Seine Leiche wurde durch die Feuerwehr dem Schauhause übergeben. Der andere Abgestürzte, der 53 Jahre alte. Maurer Fritz Ze ise aus der Stettiner Straße 59. mußte mit schweren inneren und äußeren Ver- letzungen nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht werden. Eine LiebestragSdie. In dsr Wohnung seiner Braut in der Bismarckstraß« zu Thar- lottenburg versuchte der 22 Jahr« alte Kaufmann Franz Bei» aus der Hsrderstratze gestern mittag das Mädchen zu erschießen. Geis war hier erschienen, um mit seiner Braut eine Aussprache her- beizuführen, die nicht zu seiner Zufriedenheit verlies. Als ihm das Mädchen zufällig den Rücken wandte, brachte er ihr einen Schutz in den Hinterkopf bei, der sie aber nicht lebensgefährlich oerletzte. Er selbst jagte sich gleich darauf zweiSchüsseindie r e ch t e S ch l ä f e und st a r b nach zwei Stunden im Krankenhaus Westend. Gerda S. tonnt« in der Wohnung ihrer Eltern oerbleiben. ?st,hrt«ach Swmemünde. 1400 Berliner fuhren am Sonntag mit dem Sonderzug der Reichsbahn vom Stettiner Bahnhof nach Swinemünde. Durch Brandenburger, Ueckermärker und Pommersches Land ging die Reise„an die See". Es waren zum größten Teil Neine Leute. Arbeiter, Schaffende, die die billige Gelegenheit ausnutzten. Am Bahnhof in Swinemünde hatte die Badeverwaltung eine imitierte Militärkapelle postiert, die aber bei den Berlinern wenig„Anklang" fand. Dann ging's durch die schwarzweihrot geflaggten Straßen zum Strand. Gleichzeitig fing das schlechte Wetter an. Wenn auch ein stürmisch bewegtes Meer sein« Schönheiten hat: der Eintags- leereisende möchte einen sonnendurchglühten Strand haben, einen leichten Schaukelwellengang und was er sonst noch vom Wannsee her gewohnt ist. Damit war es allerding» nichts. Regenböen wechselten mit Sonnenschein ab und so mutzte sich jeder seine Cr- holung da suchen, wo er sie gerade fand. Eine Küstenrund. fahrt machte viele seekrank; die Vorausahnenden besichtigten da- für den Leuchtturm, den Hafen, die Mole und die Nachbarbäder. Bis auf das Wetter war es«in gelungener Tag. Von der Reichs. bahndirektion wird die Fortsetzung dieser billigen Sonderfahrten er- wartet._ Durch verbrennen den Tod gefunden. Die 70s ährig« Witwe K i e s e l h o r st geb. Siemens aus der Anzengruberstr. 5 zu Reu- kölln, war in Ihre? Küche damit beschäftigt, mit Hilfe von Benzin Flecke au» einer Decke zu entfernen. Unvorsichtigerweise kam sie mtt der Flasche der Gasslamme zunahe. Da» Benzin explo. Das Rundfunkprograrnm. Mittwoch, den 2. September. AaCer dem Ablieben Tagesprogramm: 6— 8.80 Uhr abends: Nachmittagakonzort der Berliner Funk- kapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. Kurt Magnus;„Die Steuern im September". 7.25—8.10 Uhr abends: Hans-Bredow-Scbnle(Bildnngskurse). 7,25 Uhr abends: Abteilung Heilkunde. Prof. Dr. Paul Sommerfeld:»Vergiftungen und Uebertragung von Krankheiten durch Nshrungs-,nnd Genußmittel". 5. Vortrag.»Erkrankungen durch ausschließliche Ernährung mit konservierten Nahrungsmitteln". 7.50 Uhr abends: Abteilung Musikwissenscfaalt. Dr. Richard H. Stein:»Nordische Tonkunst". 3. Vortrag,»Die Musik Dänemarks". 8.30 Uhr abends: Die koroische Oper.(1. Abend: Ouvertüren in chronologischer Reihenfolge). Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. 1. Mozart; Die Enttührung au» dem Serail. 2. Boieldieu: Die weiße Dame. 3. Rossini: Der Barbier von Sevilla. 4. Donizetti: Don Pasquale. 5. Lortzing: Der Wildschütz. 6. Adam: Wenn ich König war'. 7. Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor. 8. Cornelius; Der Barbier von Bagdad. 9. Mai Hart: Das Qlöckohen des Eremiten. (Berliner Puukorohester). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und FümdiensA dt« rk« und bald standen die Kleider der asten Frau tn Flamme», Herbeieilende Nachbarn brachten sie mit schweren Brand-, wunden an Gesicht, Händen und dem Oberkörper in das Kranken, haus, wo sie bald ihren Verletzungen erlag.„ ver„wilde hennig". Der Schrecken der Ausflügler am Möllensee. An die unselige Zeit Wilhelms 11. mit seinen übereifrigen B»< amten erinnerte eine Verhandlung vor dem großen Schöffengericht Lichtenberg. Wenn auch diese Vorkommnisse nicht unter dem Kaise» reich sich ereigneten, so ist man doch mehr wie überrascht, wenn mau das Urteil hört, welches gefällt wurde. Ein 55 Jahre alter Kaufmann Willi H e n n i g hatte im Januar des Jahres 1923 in der Nähe des Möllensees 1000 Morgen Land von der Gemeinde Zinzendorf gepachtet. Neben seinem Gelände lag eine Gemarkung, die Thyssen gehörte. Hennig, ein eifriger Jäger, bekam nun auf sein Betreiben den Posten eines Feld- und Waldhüters, den er ehrenamtlich versah. Mit einer jägerähnlichen Uniform ausgerüstet, bis an die Zähne bewaffnet, hatte er polizeiliche Funktionen, die er in einer Art und Weife ausfüllte, die die schärfste Zurückweisung verdienen. Die armen Leute, die während der Inflationszeit Holz aus dem Thyssenschen Walde holten, mutzten nun an dem Gelände Hennigs vorbei, der jedem mit Erschießen drohte. Eine 66 Jahre alte Frau, die einmal den öffentlichen Waldweg, der an Hennigs Besitzung entlangführte, benutzte, wurde von diesem in barscher Weise an- gehalten. Er drohte ihr die Beine abzuschießen und sagte ferner, daß man es im Kriege auch so gemacht habe. Er würde ein Massengrab graben lassen und dort alle einscharren. So hielt er eines Tages ein Ehepaar an, redete den Mann mit Halunke an und ftichtelte mit seinem geladenen Gewehr diesem unter die Nase. Er äußerte sich, daß schon einer mit zerschossenen Eingeweiden herumlaufe, aber mit ihm mache er es anders, er erhalte eine Kugel in den Kopf. Von der Bevölkerung wegen seiner dauernden Drohungen, die er harmlosen Passanten gegenüber ausstieß, ge- fürchtet, genoß er keinen guten Ruf. Auch die Ausflügler, die von Hennig furchtbar drangsaliert wurden, konnten ein Lied von ihm singen. Eine Frau, die einmal ihren Hund frei umherlaufen ließ und sich vor ihr Tier schützend hinstellte, als Hennig sich an- schickte, es zu erschießen, wäre ebenfalls niedergeknallt worden, wenn sie nicht auf den Knien vor dem stirchtbaren Beamten gelegen hotte und um Gnade für sich und den Hund gebeten hätte. Durch diesen ausgestandenen Schrecken lag sie lange nachher krank an einem Nervenleiden. Hennia stand auch im Verdacht, einen Fischer ohne jeden Grund angeschossen zu haben: da aber keine Be- weise vorhanden waren, mutzte er deswegen freigesprochen werden. Die Bevölkerung der umliegenden Orte und besonders die Ausflügler nannten ihn bald den„wilden Hennig", der stets wie ein Rasender tobte und alles über den Haufen schießen wollte. Der Staatsanwall war mehr ein Verteidiger für den Angeklagten, für dessen dauernd« Nötigungen und Mißbrauch seines Amtes er in 2 Fällen je 50 Mark Geldstrafe beantragte.(7 Fälle standen zur Anklage.) Das Gericht sah ihn aber nur eine» Falles für überführt an und verurteilte Ihn im Gegensatz zum Staatsanwall zu 500 Mark Geldstraf«. Gefährliche Passage. Sekt Wochen wird auf dem Belle-Alliance-Platz eine fieberhaft« Tätigkeit entfaltet. Man reißt das Pflaster auf. man bemüht sich. die Schienen der Straßenbahn auszuwechseln, man kocht Asphalt und Teer und betätigt sich eben auf jede mögliche Art und Weise. Durch den Bauarbeiterstreik war man einige Wochen stillgelegt worden, ober jetzt blüht neues Leben aus den Ruinen. Neuerdmgs hat man sogar am Eingang der Lindenstraße das Pflaster auf- gerissen, der ganz« Platz gleicht einem Goldgräberlager aus den Schilderungen Jack Londons. Leider kommt dieses Tätig- keitsfieber dem Verkehr wenig zugute. Jeder Fuß- ! länger, der den Platz überqueren will, kann ruhigen Gewissens ein Testament machen. Wer aus der Friedrichstraße kommt und über den Platz will oder umgekehrt, mutz über einen 1 Meter breiten Steg balanzieren. Oft muß man geduldig anstehen und warten, bis die Gegenseite hinüber ist. Hier ist holdselige Kleinstadt erstanden. Besonders schwierig gestaltet sich aber der Uebergang an der Linden st ratze. Straßenbahn- wagen, Autobusse, Lastfuhrwerke, Fußgänger und Autos quetschen sich durch eine schmale Passage, durch die kaum zwei Wagen glücklich ins Freie gelangen. Nun muß tatsächlich gichtbrüchiges Pflaster ausgewechselt werden, aber bekanntlich ist in der Nacht der Verkehr am schwächsten und demnach wäre die Nacht sür Straßen- arbeiten am besten zu empfehlen. Aber in schöner Verkennung der Situation wird am Tage wütend gearbeitet, während in der Nacht nur rote Sperrfähnchen melancholisch im Winde flattern, und der Platz menschenleer daliegt. Könnte hier nicht im Interesse aller schleunigst Wandel und Abhilfe geschaffen werden? Zwei Feuerwehrleuke verunglückt. Zu dem gestern gemeldeten Dachstuhlbrand in der Hermann st raße in Neukölln wird uns noch mitgeteilt, daß bei den Aufräumungsarbeiten zwei Feuerwehrleute verunglückt sind. Der Feuerwehrmann Freuden- reich von der Feuerwehr Neukölln II. brach durch die verkohlte Bodendecke und stützte in das 4. Stockwerk hinab, wobei er sich erhebliche Brandwunden und eine starke Verstauchung des linken Armes zuzog, so daß er ins Buckower Krankenhaus übergeführt werden mußte. Glücklicher kam der Wehrmann Grauen hör st von der Britzer Feuerwache davon, der nur Schnittwunden an den Händen davontrug. Er wurde auf der Brandwache verbunden. Die Ermittlungen, die im Laufe des Tages zur Aufklärung des Brandes angestellt wurden, haben noch keine neuen Anhaltspunkte ergeben, so daß man über die Täler noch im unklaren ist. Ein eigenartiger Verkehrsunfall. Beim Beladen eines Flaschen» bier wagen» der Schultheitz-Patzenhofer Brauerei vor dem Hause Rigaer Str. 2 zogen plötzlich die Pferde an, wobei der Mitfahrer des Wogens mit den Beinen zwischen Radspeichen und Wagenfedern geriet. Die Feuerwehr befreite den Der- unglückten aus seiner Lage und sorgte sür die Ueberführung in das Krankenhaus Friedrichshain, wo er mit komplizierten Beinbrüchen daniederliegt. Die Zurifllsche Sprechstunde fällt am Donnerstag, den Z. September au». Wie oft wusch man sich am Hofe LuöwlgS öes Vierzehnten? Fast unglaublich erscheint es unS heute, zu lesen, daß man sich am Hofe des Sonnenkönig? nicht elwa regelmäßig wusch, sondern es vorzog, Gesicht und Hände einzusalben und zu parfümieren. Heute gilt es— Gott sei Dank— als selbstverständlich, sich täglich zu waschen. Nur iür die Kopfhaut hat man diese Selbstverständ- lichkeit regelmäßiger Waschungen noch nicht überall eingesehen und begnügt sich vielfach damit, sie„mit wohlriechenden Wässerlein und Pomaden zu besprengen und einzureiben". Solche Leute sind also in der Pflege der Köpfbaut um 200 Jahre zurück, obwohl sie sich sagen solllen, daß auf ungesäuberter Kopfhaut auf die Dauer volles und schönes Haar nicht gedeihen kann. Regelmäßige, min- besten» wöchentlich einmalige Kopfwäsche sollte uns zur selbst- verständlichen Gewohnheit werden. Am besten nimmt man dazu P i x a v o n. da» die Kopfhaut reinigt und gleichzeitig durch seinen Teergehalt einen anregenden Einfluß auf den Haatwuch» ausübt. Verlongen Sie ausdrücklich.Pixavon" und begnügen Sie sich nicht mit minderwertiaen Teerieifen. Zwischen Piravon und ge- ivöhnlicher Teerseise ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Pixavon gibt es nur in den bekanyien, geschlossenen Originalflaschen. EineFIasche Pixavon Preis M.2,B0, überall erhältlich, reicht Monats Wi- Wo. Eine Wirtschafts- und Wohlfahrtseinrichtung des ADB. Aus dem Gedanken heraus, den Mitgliedern der dem Allge: meinen Deutschen Beamtenbund angeschlossenen Verbände hauptsächlich Textilien, wie Bekleidungsgegenstände, so billig wie möglich zu verkaufen, ist ein neues gemeinnügiges Unternehmen entstanden, das jede privatkapitalistische Beteiligung ausschaltet. Die Berkaufsräume, die sich in der Flottwellstraße 1( Ecke Karlsbad) befinden, sind einfach, aber geschmackvoll und modern eingerichtet und gleichen dem Innern eines fleinen Warenhauses. Die einzelnen Abteilungen führen errentonfettion, Damenmäntel, erstflaffige Stoffe, Schuhwaren, Hüte und Mützen, Herren- und Haus wäsche, Gardinen usw. Eine Extraabteilung führt Martens Fahrräder, elektrische Gebrauchsartikel und Ferngläfer. Wenn man die Güte der Waren und die verhältnismäßig billigen Preise in Betracht zieht, die nech dazu in bequemen Raten zahlungen und tatsächlich ohne jeden Preisaufschlag getauft werden können, muß man den Charakter des Unternehmens als Wohlfahrtseinrichtung anerkennen. Die schlechte wirtschaftliche Lage der kleinen Beamten macht es augenblicklich doppelt notwendig, mit jedem Pfennig zu sparen und wohlfeil einzutaufen. Die Wi- Wo" gewährt Ratenzahlungen ohne Preisaufschlag, weil sie eben nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch eine Wohlfahrtseinrichtung des ADB. ist. Die Einrichtung hat die Form einer Attiengesellschaft, deren Aktionäre der Allgemeine Deutsche Beamtenbund( ADB.), die dem ADB. angeschlossenen Verbände und die Bant für Arbeiter, Angestellte und Beamte( eine Gründung des ADB., Afa- Bundes und ADB.) sind. Die Verkaufsräume find täglich bis 7 Uhr abends geöffnet und erfreuen sich bereits eines außerordenlich regen Befuches. Die Qualität des Hausbrandes. Uns wird geschrieben: Vor dem Kriege fannte man in Rohlenhandlungen zur Verwertung als Hausbrand verschiedene Britett marken, für die die Verschiedenartigkeit der Preise einen Hinweis auf die Qualität der Marte gab. Das Oberschlesische Kohlenfunditat, in dem die Hauptproduzenten, die Berlin beliefern, vereinigt sind, ist dazu übergegangen, diese Verschiedenheiten zu beseitigen und eine Einheitsmarte mit einem Einheitspreis zu liefern. Das hat dazu geführt, daß gerade die kleinen Hausbrandverbraucher, die meistens nicht sachverständig genug sind, um die Qualität beurteilen zu fönnen, minderwertige Roble erhalten, während die qualitativ hochwertigen Briketts den Industries und gewerblichen Verbrauchern zugeführt werden. Diese sind also gegenüber den fleineren meistens wirtschaftlich schlechter gestellten Berbrauchern im Vorteil. Hier kann durch die unterschiedlichen ber verunglückten Arbeiterinnen gibt der Zustand immer noch zu Be sorgnissen Beranlassung. Gegend von Gronau und Schlüchtern gelangten vor dem Schöffen Berurteilte Eisenbahnräuber. Die Eisenbahndiebstähle in der gericht zu Hanau zur Verhandlung. Die Täter, meist junge Burschen, waren auf abschüssigen Strecken, auf denen nur langsam gefahren werden fonnte, während der Dunkelheit auf die Güterzüge geprungen, um so ihren Raub auszuführen. Die Hauptangeklagten Konrad und August Euler, zwei Brüder, erhielten ein Jahr fieben Monate 3uchthaus bzw. Gefängnis, Karl Herbert neun Monate Gefängnis, während drei weitere Angeklagte mit Geldstrafen von 150 m. davontamen. Ein gräßliches Familiendrama spielte sich in der deutschen Böhmerwaldgemeinde Spule ab. Der 75jährige Ausgedinger Löffelmann erschoß mit dem Revoiner seine Sdiegertochter, mit einem zweiten Schusse verlegte er seinen Sohn lebensgefährlich und mit dem dritten entleibte sich der Greis selbst. Die Frau, Zeugin der entfeglichen Tat, pacte die Enteltochter und flüchtete schreiend mit ihr in den Wald. Bis heute fonnte man sie nicht auffinden. Ein Castauto von einem D- Jug überfahren. Wie die Eisenbahndirektion Breslau mitteilt, ereignete sich bei dem Bosten 4 auf der der Strecke Berlin- Breslau ein schweres Eisenbahnunglüd. Ein Laft auto mit Anhänger wurde durch den D- 3ug Nr. 35 Berlin- Oberschlesien überfahren. Bedauerlicher weise sind zwei Schwer- und einige Leichtverletzte zu beklagen. Einer von den Schwerverlegten ist inzwischen seinen Verlegungen erlegen. Tödlicher Autounfall. Auf der Straße Sunder- Lippinghausen ereignete sich nach einer Meldung aus Herford i. W. ein schweres Automobilunglüd. Der angetrunkene Kraftwagenführer Stratmann, der fremde Personen von einer Festlichkeit mit auf die Fahrt genommen hatte, steuerte seinen Wagen gegen einen Baum. Die Insassen wurden in den Straßengraben geschleudert. Ein älterer Mann war auf der Stelle tot. Die übrigen Personen erlitten leichtere und schwerere Verlegungen.oner Ein Seeflugzeug vermißt. Nach einer Meldung aus San Franzisto, ist von einem Großflugzeug, das zum Fluge nad) Honolulu aufgeftiegen mar, seit mehreren Stunden feine Nachricht mehr eingetroffen. Die Bachtschiffe haben Weisung erhalten, nach dem Flugzeug zu fahnden. Nach einer späteren Meldung mußie das Flugzeug eines Motorbefeftes wegen 300 Meilen von San Franisto auf hoher See niedergehen. Es wurde von einem Torpedo bootszerstörer abgeschleppt. Breise zugunsten der befferen Marten eine Aenderung eintreten; Parteinachrichten denn wenn die Kohlenhändler für qualitativ bessere Kohle bessere Preise erzielen, haben sie auch Interesse daran, diefe, und wenn es in fleinsten Mengen ist, abzugeben. Bersteigerung von Hunden. 3m Tierhort, Schicklerstraße 4, werden die von den Fangbeamten eingefangenen Hunde( Fanghunde) und die von Privat perfonen als zugelaufen eingelieferten Hunde( Findlingshunde) vier Tage zur Verfügung des Eigentümers oder Be figers gehalten. Nach Ablauf dieser Zeit werden die nicht abgeholten Fang und Findlingshunde durch einen städtischen Beamten nach den Borschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches öffentlich ver. Steigert. Diese Versteigerungen finden bis auf weiteres allwöchentlich am Mittwoch und Sonnabend, vormittags 9% Uhr, im Tierhort, Berlin C., Schicklerstraße 4, statt. Sur Ver. steigerung fommen danach am Mittwoch die bis zum voraufge gangenen Freitag eingelieferten und am Sonnabend die bis zum boraufgegangenen Montag eingelieferten Hunde. Nachforschungen nach dem Berbleib entlaufener oder sonst abhanden gekommener Hunde find im Tierhort, Schicklerstraße 4,( Fernsprecher: Amt Königstadt Nr. 4892) anzustellen, wo sich die Sammelstelle für alle Fang und Findlingshunde aus Groß- Berlin befindet. 3um Bootsunglüd auf dem Schwielowfee. Gestern, Dienstag, ist auch die Leiche des am Sonntag bei dem Bootsunglüd auf dem Schwielowsee ertrunkenen Ministerialsrats Kröhling vom Reichswasserschutz Potsdam geborgen worden. Der Freie Bolfschor Tegel und Umgegend" veranstaltete am Sonntag im Krankenhaus Reinickendorf für die Kranten ein Gejangfonzert. Die Charlottenburger Liedertafe I" fang am gleichen Tage vor den Inhaftierten des Amtsgerichtsgefängnisfes in Charlottenburg. Beide Chöre sind Mitglied des Deutschen Arbeiterfängerbundes. Sprechchor für Proletarische Felerffunden. Donnerstag, abends 8 Uhr Nebungsstunde im Gesangssaal der Sophienschule, Beinmeisterstr. 16/17 Zu dem Explosionsunglüd in der Zigarettenfabrik Weneffi wird uns noch mitgeteilt, daß die Arbeiterin Hertha Gerhardt gestern morgen 5 Uhr ihren schweren Verlegungen erlegen ist. Bei zwei Nachruf! Am Sonnabend, den 29. August, früh 5 Uhr, starb unsere Arbeiterin Herta Gerhard an den Folgen der schweren Verletzungen, die sie bei dem am 24. August stattgefundenen tragischen Brandunfall erlitten hatte. Wir verlieren in der Entschlafenen ein langjähriges, treues Mitglied unserer Belegschaft, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Wenesti Zigarettenfabrik Direktion Nachruf! Am Sonnabend, den 29. August, früh 5 Uhr, entschlief unsere Kollegin Herta Gerhard an den Folgen der schweren Verletzungen, die sie bei dem am 24. August stattgefundenen tragischen Brandunfall erlitten hatte. Wir werden das Andenken der langjährigen lieben Kollegin stets in Ehren halten. Die Arbeiter u. Angestellten der Zigarettenfabrik Wenesti Die Beerdigung findet am Donnerstag, 3. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Friedhof in Lichtenberg, Lückstraße, statt. Giufendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof. 2 Trev. rechts, zu richten 5. Kreis Friedrichshain. Die angefekte Funktionärinnenkonferenz findet heute, Mittwoch, 7% Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19, statt. 14. Kreis Neukölln. Donnerstag, den 3. Geptember, 7% Uhr, an bekannter Stelle erweiterte Kreisvorstandssigung. Kinderfreunde: Freitag, den 4. September, 7½ Uhr, Selferfihung in der Barade Ganghoferstraße. 15. Kreis. Die Kreisvertreterversammlung findet Montag, den 7. September, 7 Uhr, im Lofal Ritschle, Treptow. Am Treptower Part 26, statt. 18. Kreis Weißenfee. Einzeichnungslisten für die vier großen Beranstaltungen ( Internationale Boltstänge und Bolfslieder), ferner Karten flir fämtliche Parteivorstellungen im Staatstheater fomie Anmeldungen für den Bücher. freis jederzeit beim Obmann des Bildungsausschusses Genossen Heinl, Gäblerstr. 7. 18., 19., 20. Rreis. Freitag, den 4. Geptember, 7% Uhr, im Türkischen Belt, Bantow, Breite Str. 14, Gigung der engeren Kreisvorstände dieser drei Atreife. 20. Streis Reinidenberf. Donnerstag, den 3. Geptember, 7 Uhr, Sigung des engeren Areisvorstandes im fleinen Gigungsfaal Rathaus Bittenau. Heute, Mittwoch, den 2. September: 16. bt. 8 Uhr Mitgliederversammlung und Rablabend bei Schilling, KöniginLuise- Str. 42. Erscheinen oder Mitglieder Pflicht. Tagesordnung: Die Stadt und Bezirtsverordnetenwahlen. 84. Abt. Bankwig. 8 Uhr Funktiond sigung bei Lehmann, Raifer- WilhelmStraße 29-31. 139. Abt. Tegel. 8 Uhr im Lokal Schade, Berliner Str. 17, Mitgliederver. fammlung. Tagesordnung: Unsere Stellungnahme zu den Stadt- und Be Airtsverordnetenwahlen. Referent Genosse Stadtrat Mener. Aufstellung Der Randidaten. st. 140a Wittenau. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Schulz am Bahnhof. Tagesordnung: Die Stadt- und Bezirksverordnetenwahl. Aufstellung der Randidaten. Jungfozialisten. Gruppe Charlottenburg: Wir tommen von jekt ab regelmäßig Donnerstags pünktlich 7% Uhr im Jugendheim Rofinenftr. 4, vorn 1 Sr., aufammen. Morgen, Donnerstag, den 3. September: 33. st. 72 Uhr Funktionärßigung bei Wertalla, Hohenloheftr. 8, wichtige Besprechung zur Stadtverordnetenwah!. 34. Abt. 7 Uhr bei Rosin, Gubener Str. 19, Funktionärfonferenz. 37. Abt. 7 Uhr bei Pfeifer, Sausburgstr. 2, Funktionärsikung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht. 101. Abt. Treptom. Bünktlich 7 Uhr Borstandsfizung mit den Bezirksführern in der Spedition. Wichtige Tagesordnung. 108. Abt. Röpenid. 7% Uhr Funktionärtonferens bei Schulz, Bahnhofftr. 34. Jungfoaieliften. Gruppe Charlottenburg: 7% Uhr im Jugendheim Rofinenftr. 4, vorn 1 Tr., Arbeitsgemeinschaft: Das Görliker Brogramm". Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 3. September: 9. bt. 7% Uhr bei Sübner, Wilsnader Str. 34, Bortrag der Genoffin Schmik über ,, Unsere Arbeit in der Kommune". Ihrem alten Parteiveteranen, bem Borsigenden des 16. Rreifes, Genoffen [ 101/10 Emil Wiẞler in Copenid, bringen zu seinem 60. Geburtstage Die herzlichsten Glückwünsche bar Der Gefamtooeffand und die Kreisfuntiionäre, Die 108. Abteilung. Heute nachmittag um 18 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau und treue Kameradin Agnes Groth geb. Thieme im 69. Lebensjahre. Ruhe sanft. Im Namen der Hinterbliebenen Albert Groth Berlin, den 31. August 1925. Die Einäscherung findet am Donnerstag, d. 3 Sept., nachmittags um 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Blumenspenden dankend verbeten. Nachruf! Jm Virchow- Krantenhaus verschied am Sonnabend, d.29. Auguft, im Allter Don 58 Jahren unser Mieterrat, der Tischlermeister Herr Karl Hube Der Berstorbene mar burch seinen aufrichtigen Charakter und Fleiß überall hochgeschägt. Ein bauerndes Andenten bewahren ihm bie Mieter des Saufes Czarnikouer Str. 4 u. Driesener Str. 14. Einäfcherung findet am Donnerstag. b. 3 Gept, mittags 12 Uhr, im Krema torium Gerichtstraße statt[ 12136 Ischias SpezialHäft., Gesäß behandl. end Bein, wenn ärztl.festgestellt, fur für fn 15 Tages sind schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilarfolge Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. lavalidenstraße 106. 9-11. 14. Sonntag 10-12. Jacoby. I TiEn); Jugendveranstaltungen. Achtung, Revuespieler! Am Donnerstag, den 3. Geptember, abends 18 Uhr, findet in der Schule Gipsstr. 23a eine Rusammenkunft aller Revuefpieler fatt. Gleichzeitig erfolgt Erscheinen wird gebeten. eine Besprechung einer geplanten Glasbrenner- Beranstaltung. Um pünktliches Achtung, Abteilungstaffierer! Seute abrechnen tommen. gabe ber Septemberzeitung. Gleichfalls Aus Friedrichsha.. Abteilungsmitgliederversammlungen heute, Mittwoch, den 2. September: Webbing: 75. Schule, Ruheplak, Ede Antonftraße. Große Frankfurter Str. 16. Luisenstadt: Stallschreiberstr. 54. Südofien ( Reichenberger Viertel): Reichenberger Str. 66, Bortrag: Jugend und Bolitit". Tempelhof: Germaniaftr. 4-6. Ertner: Bollstüche. Friedrichshagen: Scharnweberstr. 105a. Niederschöneweibe: Berliner Str. 31. Lichtenberg Mitte: Doffefte. 22. Lichtenberg- Nerb: Bartaue 10. Baltenplag: Rigger Str. 102-103, Dichterabend: Sermann 2öns. Werbebezirk Reuföln: Jugendheim Briz. Mathaus, Chauffeestraße, Werbe bezirks- Funktionärsikung pünktlich um 28 Uhr. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Neukölln- Brik. 2. Männerabteilung: Alle Mtersturner müffen am Donnerstag, den 3. September, wegen der Bartie nach Frankfurd zum Turnen erscheinen. Rarten find dort abzurechnen. 1. Kreis, Schwimmersparte. Sonnabend, den 5. September, abends 7 Uhr Sigung aller Schwimmwarte, Siegenführer und Rampfrichter im Gewerkschafts haus, Berlin, Engelufer 24-25, Gaal 1. Jeber Verein muß vertreten fein. Tagesordnung: Bericht von der Olympiade; Unsere Kreisschule; Verschiedenes und Borschläge zur Wahl der technischen Funktionäre zum tommenden Sparten tag. Die Mitglieder der Technischen Kommiffion treten bereits um 6 Uhr au einer Besprechung aufammen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianftr. 37/38. Sof 2 Tr Friedrichshain: Aur Dampferfahrt am 6. September find nod Ratten vorhanden. Rameraden aus anderen Kameradschafter fönnen bis Freitag die Karten vom Borsigenden in Empfang nehmen in Bereinslokal Fruchtstr. 36a.- Lichtenberg. Untergruppe Karlshorst: Mittwoch den 2. September, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Sausmann Trestowallee 94. Tiergarten: Donnerstag, den 3. Geptember, abends 7 Uha Spaziergang. Treffpunkt Trier. Arbeiter Rabio- Klub, e. B., Gruppe Schöneberg. Donnerstag, den 3. Gep tember, 7% Uhr, Rufammenfunft aller Mitglieder und werftätigen Radio freunde, Bastelabend. Nichtzufriedenstellende Apparate mitbringen zur Unter Gäfte willkommen. fuchung. Lobal: Rofenthal, Schöneberg, Ebersfir. 66. Die Berliner Mandolinen- Bereiniging 1905, Mitglied des Deutschen Man bolinisten und Guitarristen- Bundes, Sit Leipzig, veranstaltet unter Leitung ihres Dirigenten Bruno Gomidt am Sonnabend, ben 5. September, thi 20. Stiftungsfeft in der Schlaraffia", Am Endeplag 4, wozu alle Mufitfreunde berglichst eingeladen find. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag den 4. September, 8 Uhr abends, im Reidenfaal der 6. Treptower Gemeinbe schule, Wilbenbrudstr. 53, 3 Tr. Referentin Frau Oberschuleat Dr. Wegscheider ,, Geist und Gemüt der weiblichen Jugend im Entwidlungsalter". Eintritt frei Geschäftliche Mitteilungen. Die häusliche Beboglichkeit ift größer, wenn die Arbeitslaft der Sausfras verringert wird. Arbeit, Verdruß und viel Reit werden gefpart burd die Ver wendung von Maggis Suppenwürfeln, die jederzeit gebrauchsfertig find uni ohne weitere Umstände, nur durch Lurzes Rochen mit Waffer, um menig Gelt mirklich gute Suppen ergeben. Dabei hat man die Auswahl unter 27 ver fchiedenen Sorten. Schuhe und Stiefel file menig Geld bringt das bekannte Schuh- Befal Behenbt, Münaftz. 25, mit feinen Filialen Rottbufer Damm 13 und Frankfurie nee 54. Da die Serbitiaison bereits begonnen hat, hat es sich diese Firme angelegen fein laffen, eine ganz besondere Auswahl in guten Schuhen au billiger Breifen zu bringen. Ihre Zeiftungsfähigkeit ficht man durch die große Anzah der aufriedengestellien Runden. Wir weisen noch besonders auf das heutige Inferat hin. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, den 1. September. 1. Stennen. 1. Manlius( O'Neill), 2. Meteor( Varga), 3. Stephenb ( Ludwig). Toto: 26: 10. Drei liefen. 2. Rennen. 1. Ich dien( Varga), 2. Chanterella( Sorte), 3. Atbal berga( Jenksch). Toto: 24:10. Blaz: 12, 22, 15: 10. Ferner liefen: Clothilde, Dittator, Bartas, Venus. 3. Rennen. 1. Rofentelch( Suguenin), 2. Blad Bridge(. Kasper) 3. Wardley Dell( Varga). Toto: 89: 10. Blab: 27, 66, 14: 10. Fernei liefen: Heros de Legende, Battle Cruiser, Parsisal, Lindwurm, Hannar Drizaba, Kili, Maravedis, Nostoa, Geldulf. 4. Rennen. 1. Dlympier( D. Schmidt), 2. Eleazar( Sahnes), 3. Froh finn( O'Neill). Toto: 16: 10. Drei liefen. 5. Rennen. 1. Zirano( Streit), 2. Bishnu( Dlejnit), 3. Die Königin ( M.Jentsch). Toto: 180: 10 Plat: 27, 13, 15:10. Ferner liefen: Indigo, Mastojo, Arnulf, Gewunah, Traunega, 6. Rennen. 1. Salepartus( Hahnes), 2. atagirl( M. Jenzsch), 3. Rheintochter( W. Tarras). Toto: 32:10. Bag: 19, 48, 18: 10. Ferner liefen: Regina II, Livadia, La Bourree, Morgenpracht, Blad Bell, Stern. schnuppe, Mara, Lonor, Graburg. 7. Rennen. 1. Stronos( Barga), 2. Nettelbed( Streit), 3. Torrone ( Torke). Toto: 26: 10. Blat: 12, 21, 12: 10. Ferner liesen: Heliotrop, Frasquita, Husdent, Moving, Schazkind. Welter in Berlin: Bewölkt mit weiteren Regenfdauern. Später zeit. weise aufheiternd, aber noch fühl. In Deutchland: Jm Norden Deutsch ands unbeständiges Better mit Regenschauen, später von Westen etwas Besserung. In Süddeutschland vielfach heiter. Sonderwoche. vom 31. August bis zum 7. September Kokosläufer. 67 cm breit 250 Tournay- Velour X 400 33000 Boucléläufer.. 67 cm breit 510 Linoleumläufer 67 cm breit 240 Boucletteläufer 67 cm breit 355 Mech. Smyrna 5350 34800 la Velourläufer 67 cm br. 1000 Kokosteppiche 200X300 8000 Linoleum für Treppen und Flächen in großer Auswahl! Bargende Kom.- Ges. Ecke Bismarckstraße 109 I her care Windscheldstraße 11 Pestalozzistr. Huisdiera Wilmersdorfer Straße 79 Lake Sybelstr. Telephon Amt Steinplatz Nummern 5835, 5836, 4194 opp& Joseph's räuterfranzbranntwein Ueberall erhältlich Fabrik Berlin W. 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Gelegenheit dazu gibt die lebhafte Diskussion in den Bereinigten Staaten über die schwierige Lage der Wolle verarbeitenden Industrien in Massachusetts und insbesondere die 10prozentige Lohnsenkung, die die American Woolen Company( ein Konzern mit über 50 Mill. Dollar Kapital) infolge dieser Lage ihren 25 000 Arbeitern aufgezwungen hat. Die Art, wie die amerikanische Woll industrie in ihre schwierige Lage fam, ist eine verblüffende Vorwegnahme jener Entwicklung, die auch die deutsche Wollindustrie unausweichlich durch den Wahnsinn der Erhöhung der Textilzölle wird nehmen müssen. Die Diskussion, die darüber in der amerikanischen Presse geführt wird, ist für die Beurteilung der weiteren Entwidlung nicht nur der deutschen Woll, sondern auch der übrigen Textilindustrie von außerordentlichem Interesse. „ Die Zollmauer um eine Industrie braucht nur hoch genug zu fein, um die Industrie zu töten", so charakterisiert die demokratische ,, Dallas News" die Situation, in die die Wollindustrie durch die amerikanische Hochschutzzollpolitik gekommen ist. Das neue Zollgesetz vom September 1922 belegte nämlich die Wolleinfuhr mit dem enormen Satz von 31 Cents pro Pfund. Darüber hinaus wurden selbstverständlich auch die Spinner, die Weber, die Weiterverarbeiter, ganz wie es jetzt Deutschland in der kleinen Zollvorlage gemacht hat, durch Garn-, Tuch- und Bekleidungszölle geschüßt", um ihren Widerstand gegen die Erhöhung der Rohstoff- und Halbfabrikatzölle zu brechen. Nach den Hoffnungen der Hochschutzzöllner in der deutschen Textilindustrie hätte nun die amerikanische Wollindustrie nicht mur zu hoher Inlandsblüte kommen müssen, sondern auch zur Niederbügelung der ausländischen Konkurrenz. Aber es fam anders. Der American Economist" sagt dazu: Da teine Industrie mehr verhätschelt wurde als diese, sollte man die amerikanische Wollindustrie on the peak of prosperity, auf dem Höchstpunkt des Wohlstandes permuten. Statt dessen hat sie Geld verloren. Und sie hat viel Geld verloren. Der American Woolen Company- Konzern allein hat 1924 einen Verlust von 4 Mill. Dollar gebucht, der sich unter Einrechnung der verlorenen Dividende und der aus der Reserve entnommenen Mittel auf 13 Millionen Dollar oder über 25 Broz. des Konzernfapitals erhöhte. Gleichzeitig hat fich, obwohl 1924/25 zum mindesten von Mitteleuropa her eine Balutadumpingtonfurrenz ausgeschlossen war, der Import von Wollfabritaten von 7 auf 18 Millionen Dollar erhöht. Das Ergebnis der Schußzollpolitit für die amerikanische Wellindustrie ist also vernichtend. Intereffant nun, wie die amerikanische Bresse die Zusammenhänge, dieses Resultat und die von der Woolen Companŋ erzwungene Lohnsentung kommentiert. Zahlreiche andere Wollfabriken NeuEnglands find nämlich der Woolen Company im Lohndruck gefolgt, und zwar mit der Begründung, das sei die einzige Möglichkeit, die Betriebe nicht stillzulegen und die Belegschaft nicht zu entlassen. Die demokratische Presse richtete die schärfften Angriffe gegen bie Schutzoll politit und die wahnsinnige Methode des Lohndruces, die die Lage der Wollindustrie nur verschlechtern muß. Sie findet es unbegreiflich, daß Unternehmer, die Die Nugnießer der größten Schutzzollgeschenke find, die ersten in der amerikanische Industrie sind, die die Löhne drücken, obwohl die Lebenshaltungskosten eher gestiegen, als gefunken sind. Der Moden wechsel mag mitsprechen", sagt eine, aber es sind die hohen Stoffund Kleiderpreise, für die die hohen Woll und Garnzölle und die Kompenfationszölle für die Weiterverarbeitung verantwortlich, die die Wollindustrie niederdrückt. Die Wahrheit ist, daß der Kongreß, indem er der amerikanischen Industrie die höchst denkbaren Zoll vorteile zu sichern suchte, so vollständig die Interessen der Konsumenten vernachlässigte, daß die Produzenten in die schlimmste Lage tamen, die sie seit Jahren erfahren haben. Die Moral ist einfach genug. Niedrige Zölle bedeuten niedrigere Preise, wachsende Nachfrage, gesteigerte Beschäftigung, höhere Gewinne und bessere Wirtschaftsverhältnisse überall." Ueber den Zusammenhang hoher Löhne und günstiger Konjunktur der Wollindustrie schreibt die Newark News", daß das beste Nachkriegsjahr des American Woolen Company- Konzerns das Jahr 1923 war, nachdem die Löhne um 12% Proz. erhöht worden waren. " Diese Kritik der demokratischen Presse wird durch die Stati stiten des Departement of Commerce- Washington ( Juliheft 1925) vollauf gerechtfertigt. Obwohl die Preise für Wolle und die Anzugstoffpreise für Männer hochgehalten bis zuletzt. Die um 30 Proz. zurückgingen, wurden die Kleiderſtoffpreise für Frauen Folge war der riesige Rückgang im Konsum, der sich in einer Sen fung des Wollverbrauchs in den amerikanischen Fabriken während weniger Monate um 25 Proz. ausdrückt. blikanischen Presse. Sum größten Teil macht sie überhaupt In größter Verlegenheit ist auf der anderen Seite die repu feinen Versuch, die zutage liegenden Zusammenhänge zu beschönigen. wie in Deutschland den Löhnen die Schuld gegeben und behauptet, Wo aber eine Rettung der Schutzzollpolitik versucht wird, wird ganz die Zölle seien nicht zu hoch, sondern zu niedrig, wie die Zunahme ( 3ölle noch höher, Löhne herunter) ist ihre verzweifelte der Auslandskonkurrenz beweise.„ Tariffs Still up, Wages down Parole. Aber es müßt ihr nichts. Der Schutzzollpräsident Coolidge rückte zwar nicht vom Schuttarifgesetz ab, das durfte er nicht, aber mild abwehrend meint eer, daß die lleber organisierung durch den Kriegsbedarf an der Misere der Wollindustrie schuld sei, obwohl sieben Jahre dazwischenliegen, und die Schutzzölle gerade zur Beseitigung der daraus folgenden Schwierigkeiten geschaffen worden sind. Der American Woolen Company hat nämlich die Preise seiner Erzeugnisse, um sich Luft und wieder Konzern aber hat eine noch viel radikalere Konsequenz gezogen. Er Absatz zu verschaffen, um 22 bis 60 Cents pro Dard herabgesett und damit selbst dokumentiert, daß er auf den Segen der Schutzölle nicht mehr vertraut. großen Zollvorlage aus den Erfahrungen ihrer amerikanischen Ob die deutsche Textilindustrie für die Regelung der Schwesterindustrien lernen wird? Ob die Luther- Regierung daraus entnimmt, daß die beste Preissenfungspolitik gewesen wäre, den Schutzollunsinn zu lassen? Wir erwarten es nicht. Die Arbeiterschaft aber wird daraus ihre Konsequenzen ziehen, besonders die Textilarbeiterschaft. Darauf fönnen sich die deutschen Unternehmer und ihre Regierung verlaffen. Konsumvereine und Preissenkungsaktion. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine hatte sich am 10. und 19. August mit Eingaben über Syndifatsbestimmungen und Preissenfung an den Reichskanzler gewandt. Am 24. Auguft erhielt er folgende Antwort: Wegen der geft. Eingaben vom 10. und 19. August 1925, be treffend Syndikatsbestimmungen und Breissenfung in Deutschland hat sich der Herr Reichskanzler mit dem Herrn Reichswirt chaftsminister ins Benehmen gelegt. Der Inhalt Ihrer Eingaben wird bei der Beratung der von der Reichsregierung zu ergreifenden Maßnahmen berüdsichtigt werden. In Bertretung: gez. Unterschrift." Darauf antwortete der Zentralverband am 31. August: 31. August 1925, An den Herrn Staatssekretär in der Reichstanzlei, Betrifft: Synditatsbestimmungen und Breisfenfungen. Berlin W. 8, Wilhelmstr. 72, Im Besiz Ihrer Verfügung vom 24. cr. RR. 5990 danten wir Ihnen bestens für die gemachten Mitteilungen. Wir nahmen davon Kenntnis, daß sich der Herr Reichstanzler mit dem Reichswirt schaftsministerium ins Benehmen gesetzt hat und unsere Eingabe bei der Beratung der von der Regierung zu ergreifenden Maßnahmen berücksichtigt werden. Da wir bis jest irgendeinen Bescheid noch nicht erhalten haben, bitten wir um gefl. Mitteilung, in wie weit unsere Eingabe bei den Beratungen und hat." Beschlüssen der Reichsregierung Berücksichtigung gefunden bänden als mit Konsumvereinen zu verhandeln. Die Regierung Luther scheint lieber mit UnternehmerverWeizenkampfzölle gegen Polen. Die Reichsregierung hat den Zoll für Weizen polnischen Ur. sprungs vom Infrafttreten der Getreidezölle, das ist vom 1. Sep. tember d. Js. ab, auf 10 Mart für den Doppelzentner festgesetzt. 21.-G. wurde der Schlußstrich unter die einstmals so rühmliche, jetz Hugo Stinnes Riebed Montan- und Delwerte Abschied von Hugo Stinnes. In der Aufsichtsratssitzung der offenbar geschäftsschädigende Liason mit dem großen Hugo Stinnes gezogen. Es wurde beschlossen, den Namen Hugo Stinnes in dei Firma zu streichen und die Gesellschaft wieder wie frühei Gleichzeitig sind Ziffern über den Abschluß der Werke bekannd A. Riebedsche Montanwerfe 2.-G. zu nennen. 1,35 Mill. ausgewiesen, der aber nicht ausgeschüttet, sondern Es wird ein buchmäßiger Reingewinn Don ansprüche" reserviert und mit 0,35 Mill. auf das neue Geschäftsjah mit 1 Mill. für möglicherweise zu erwartende höhere Aufwertungs vorgetragen wurde. Aus dem Rohgewinn wurden außerden Reservefonds und 300 000 Mart für laufende Leistungen der Ben 2,06 Mill. Abschreibungen vorgenommen, 67 600 Mark den fionstaffe zugeführt. geworden. Färbereiunternehmen Spindler wurde 1921 in eine Aktiengesellschaf Ein Zeichen der Not. Das befannte Berliner Reinigungs- uni umgewandelt und von der Chemischen Fabrit Schering unter ihri Fittiche genommen. Dies war erforderlich, weil die Inflations fonjunttur mit ihrer Flucht in die Sachwerte den Betrieb, in erste ben finanziellen Status sehr ungünstig beeinflußte. Mit Schering Linie den Reinigungsbetrieb faft zum Erliegen brachte und dami fam Spindler zum Obertotstonzern und dieser hat nun die Freude Gelb ist nicht vorhanden. Deswegen das Bestreben jedes ein zu sehen, daß Spindler immer mehr aufblüht. Kleider sind teuer zelnen, feine Kleidung durch Reinigung so lange wie möglich trag fähig zu erhalten. Die Reinigungsanstalten haben Aufträge übe Aufträge. Ihre Kunden sind in der Hauptsache Mittelstand und besla und ihn dann, ohne ihn reinigen zu laffen, als Arbeitsanzug ver fituierte Leute, während das Heer der Arbeiter seinen Sonntags anzug trägt, bis er als Sonntagsanzug nicht mehr brauchbar is gebenen Sachen fast restlos abgeholt werden, während vor den wendet. Beachtlich ist auch, daß die zur Reinigung in Auftrag ge Striege ziemlich viel in der Färberei zurüdblieb. Die Preise fü Reinigung find im Berhältnis, zum allgemeinen Teuerungsfafto stärker geftiegen, während sie im Verhältnis zum Preise der ga reinigten Sachen gefunden sind. Die Arbeitsverhältnisse in de Färberei find, was Arbeitszeit und Lohn anbetrifft, sehr ungünftig Neuer Zusammenbruch im Tegfilgewerbe. Die Saarbrüde Textilmarenfirma S. I. Levy ist in Zahlungsschwierigkeiten. Di Paffiven find beträchtlich. Sie betragen über 8 Millionen Franken nötig gewefen zu sein, daß erst die krisis der Montan Berfchmelzung der Oberschlesischen Eisenindustrie. Es schein industrie ins Land tommnen mußte, um in der Schwerindustri Oberschlesiens jene Umstellungen herbeizuführen, die in produktions technischer Beziehung schon seit der neuen Grenzführung Eisenindustrie A.-G. und die Oberscht. Eisenbedarfs A.-G. die je erforderlich gewesen wären. Jedenfalls begründen die Obersch gemeldete Fusionierung ihrer Eiseninteressen mi derjenigen der Donnersmardhütte mit den Arbeitsschäden die durch die Zerreißung eines jeden einzelnen der Werffompleg infolge des Friedensvertrages eingetreten find. Wie gemeldet wird sollen die gemeinsamen Eisenintereffen in einer neuen Gefelli schaft Deutsch- Oberschl. Eisen A.-G.) vereinigt und die Atties der nenen Gesellschaft von den Mutterwerfen Caro- Hegenscheid und Oberbedarf je zur Hälfte übernommen werden. Wie ven lautet, foll das Atlientapital der Deutsch- Oberschtes. Eisen A- G 36,7 Millionen Mart betragen. 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Doppelsohle, schwarz Rindbox.guteQualitat HERMANN bel und vorzügliches Fabrikat, moderne Form TIETZ 1] Mittwoch 2. September 1925 Unterhaltung und Wifen Henkelförmige Ohren. Bon Jwan Bunin. ( Autorisierte Ueberlegung von Olga Sigall und S. Rabinowitsch.) Ein ungewöhnlich großgewachsener Mann, der sich für den früheren Seemann Adam Sokolowitsch ausgab, wurde an diesem dunklen und falten Tage erst am Nikolaibahnhof, dann an verschiedenen anderen Stellen des Newsky- Prospettes gesehen. Mit einem unerschütterlichen Ernst betrachtete er vom Bürgersteig der Ligowka aus Das von Feuchtigkeit schimmernde Denkmal Alexanders III., die lange Reihe der elektrischen Wagen, die den Platz in einer Schleife umfuhren, die schwarzen Gestalten der Menschen, die dem Bahnhof zustrebenden Droschten und Lastwagen, das gewaltige, unter dem Bahnhofbogen auftauchende Postautomobil, wie den Leichenwagen, der inmitten dieses Trubels einen armseligen, von niemandem begleiteten, grellgelben Sarg, Gott weiß wohin, führte. Während er auf der Anischtow- Brüde stand, blickte er finster auf das dunkle Wasser und auf die mit schmutzigem Schnee grauüberzogenen Barten; den Newsky entlang schlendernd, prüfte er aufmerksam die Waren in den Auslagen der Läden. Es war unmöglich, ihn nicht zu bemerten und ihn nicht im Gedächtnis zu bewahren; einen jeden, dem er ein zweites oder drittes Mal vor Augen tam, beschlich ein Gefühl dunklen Unbehagens, eine unerklärliche Unruhe, die ihn veranlaßte, sich abzuwenden und dabei zu denken:„ Schon wieder dieser schreckliche Mensch!" Sein Schuhzeug, die engen Hosen, der dice, auf der Rüdfeite mit Schmutz besprizte Tuchmantel und die englische Ledermütze verrieten, daß sie lange Zeit, ununterbrochen, bei Wind und Wetter, in Gebrauch waren. Bon auffallender Größe, hager und ungelent, hochbeinig auf großen Füßen, den Mund glatt ausrafiert, eine gelbliche, spärliche, amerikanische Barttrause unter der start entwickelten Rinnlade; stand er, mit einem finsteren, abweisenden, in sich gefehrten Gesichtsausdrud, ohne die langfingrigen Hände aus den Taschen zu ziehen, funstgerecht an dem Mundstüd einer Zigarette fauend, beharrlich vor den Auslagen der Schaufenster. Hatte er denn wirklich so großes Interesse an all diesen Krawatten, Uhren, Handkoffern und Schreibwaren? Augenscheinlich war es nicht der Fall, und er gehörte wohl zu der Zahl dieser sonderbaren Menschen, die von früh bis abends aus dem einzigen Grunde durch die Stadt streifen, weil sie nur beim Gehen, auf der Straße, imftande sind, zu denken oder weil sie heimatlos sind und stets in Erwartung von irgend etwas leben. Den Abend verbrachte er in einer billigen Kneipe, unweit der Raziezschaja, in Gesellschaft zweier Matrosen in bürgerlicher Kleidung. Ohne abzulegen, setzten sich alle drei in einem trübseligen, falten Zimmer an einen ungemütlichen Tisch dicht an der Wand, wobei Sokolowitsch einen besonders ungemütlichen Plaß einnahm; die Ausficht auf seinen Rücken hatte ein fleiner, rundföpfiger Tartar, der in der Tiefe des Raumes hinter dem mit Vorspeisen bedeckten Schanttisch stand; in die Augen stach ihm das Reflamebild einer Bierbrauerei, auf dem drei vergnügte Stutzer, die Zylinder in den Naden geschoben und schäumende Pokale in den Händen, dargestellt waren; von rechts strömte ununterbrochen eine eifige Feuchtigkeit hinein, da die Gäste unmittelbar von der Straße eintraten, und von links wehte ein Luftzug, den die sich an dem Schanktisch hin- und herbewegenden Kellner verursachten; dort führten drei Stufen zu einer Schwelle auf einen Gang nach dem Korridor, von wo es nach Küche und Gas roch, und man blickte durch die geöffnete Tür des oben dunklen, unten hellen Billardzimmers, wo die Kugeln heftig gegeneinander prallten und Männer, deren Köpfe im Dämmer verschwammen, Billardstöcke quf der Schulter, in Hemdärmeln auf und ab gingen. Als Sokolowitsch sich auf diesen unruhigen Platz sezte, entnahm er der Tasche seines Ueberrods die Pfeife, runzelte die Augenbrauen und faßte die Bierreflame scharf ins Auge. Die Matrosen sprachen mit dem hinzugetretenen Kellner, er aber stopfte seine Pfeife mit Tabak und ohne sich an jemanden zu wenden, sagte er bedächtig mit feiner tiefen Stimme: ,, Warum sammelt man jeden Blödsinn und nicht auch Retlamebilder, das heißt, historische Dokumente, die das treueste Abbild menschlicher Jedale geben? Stellen denn beispielsweise diese Geden nicht das Traumbild von neun Zehnteln der Menschheit dar?" ,, Sie sind doch selbst ein Herrensöhnchen?" bemerkte feindselig Samtschento, einer der Matrosen. Ich bin ein Menschensohn," sagte Sofolowitsch mit einer sonder baren Feierlichkeit, die aber auch als Ironie aufgefaßt werden konnte. Mein Herrentum hat mich nicht verhindert, die Welt und all ihre Götter tennen zu lernen, es hinderte mich sogar nicht, Chauffeur zu werden. Es ist, müssen Sie wissen, ein sehr prickelndes Bergnügen, zu sehen, wie die Straße auf uns zustürzt und wie eine schöne Dame por uns hin und her schaufelt, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden foll." Nach diesen Borten rauchte er seine Pfeife an, stemmte den Ellbogen auf den Tisch, stützte, ohne daß dabei unter seinem Aermel. aufschlag ein Hemd sichtbar wurde, die Pfeife mit seiner starten, linken Hand, auf deren oberen Fläche eine Tätowierung, wundener, japanischer Drache, bläulich schimmerte. ein ge Während des ganzen Abends tranten sie taukasischen Kognat aus Taffen, um Tee vorzutäuschen, dazu fauten sie rosa Pfefferminzplätzchen und rauchten unmäßig. Wie alle vom Leben hart angepackten Arbeitsleute sprachen die Matrosen viel; da jeder nur bedacht war, von sich zu reden, suchten sie in ihrem Gedächtnis nach den verächtlichsten hätte einmal einen ihn besonders drangsalierenden Kapitänstellvertreter ins Gesicht geschlagen, ein anderer, er hätte den Bootsmann über Bord geschleudert, und sie stritten ohne jeden Grund, wobei fie in einemfort schrien: Wollen wir weiten?" " Sokolowitsch sog an seiner Pfeife, bewegte die Kinnbaden und schwieg mürrisch. Wenn er auch Stammgast aller möglichen Spelunten von Kronstadt bis Montevideo war, so betrant er sich doch nie, er neigte nur zu Ginger und Absinth. Diesen Abend blieb er im Trinken nicht hinter seinen Kumpanen zurück, doch war ihm fein Rausch anzumerken, was die Matrosen um so mehr ärgerte, als fie, wie sie später bekannten, beständig gereizt waren durch das brutale und abstoßende Gesicht von Sokolowitsch, durch seinen Hang zu rätselhafter Nachdenklichkeit und ihr Unvermögen, seinen Charakter, seine Vergangenheit wie seine gegenwärtige Heimat und ziellose Existenz auch nur einigermaßen durchschauen oder verstehen zu fönnen. Lewtschento, der nicht viel zu trinken brauchte, um berauscht zu sein, sagte ihm unter anderem: Wiſſen ,, Sie sind mir ein feiner Kerl! Wir halten Sie doch frei, warum beteiligen Sie sich denn nicht an unserer Unterhaltung, anstatt nur immerzu an Ihrer verräucherten Pfeife zu lutschen?" Sokolowitsch wies ihn derb, doch ruhig zurecht: Brüllen Sie gefälligst nicht, ich kann das nicht vertragen. Ich habe Ihnen schon einigemal gefagt, der Alkohol wirkt wenig auf mich und macht mir fein sonderliches Bergnügen. Mein Geschmad ist abgestumpft, ich bin fozusagen entartet. Berstehen Sie das?" Lewtschenko wurde verlegen und antwortete vorgeblich unbefangen: ,, Na, schön, spielen Sie sich bitte nicht so auf, was soll ich denn da verstehen? Wenn Sie entartet wären, so hieß das, Sie sind frant, und der Alkohol würde sie bald unterkriegen, dabei erzählten Sie Zollfrühlingsanfang Hw Meine Herrn, es beginnt mit dieser Woche Eine jireng nationale Wirtschaftsepoche. Gegen die destruktiven Gewalten Haben wir uns bewunderungswürdig gehalten. Damit sich der Preisabbau nicht verschärfe, Haben wir den Lohnabbau in der Reserve. Gestalten die Herren einen flammenden Toast Auf den Wiederaufbaugedanten! Prost! mir eben doch gerade das Gegenteil. Sie können einen Menschen mit einer Handbewegung zu Boden schlagen und Sie sagen..." Was ich sage, ist richtig," unterbrach ihm Sokolowitsch, die Stimme hebend. Bei jedem Entarteten sind manche Fähigkeiten und Eindrücke verschärft und gesteigert, andere dagegen abgeschwächt. Verstehen Sie? Und mit Kraft hat das gar nichts zu tun." ,, und woran fann man solch einen Entarteten erkennen, wenn er start wie ein Ochse ist?" fragte Lewtschento spöttisch. ,, Nun, zum Beispiel an den Ohren," antwortete Sofolowitsch, was man ernst, eben so gut aber auch als Spott nehmen konnte. Bei den Degenerierten, den Genies, den Strolchen, den Mördern, sind die Dhren henfelförmig, das heißt, fie gleichen Henkeln oder Schlingen, genau solchen, an denen sie später aufgeknüpft werden." ( Fortsetzung folgt.) Briefe von Engels an Bernstein. Soeben hat die Berlagsbuchhandlung I. H. W. Dieß die Briefe von Friedrich Engels an Eduard Bernstein herausgegeben. Sie legen ein beredtes Zeugnis von der raftlofen beratenden Tätigkeit des großen sozialistischen Vorfämpfers ab, die er der vielverfolgten Sozialdemokratie in der ausnahmegefeßlichen Zeit mit beispielloser Opferfreudigkeit und Treue widmete. In den sturmbewegten Tagen der inneren Fraktionsfämpfe hat Engels dem Manne zur Seite gestanden, der die Schlachten gegen die Bismarcksche Reaktion zu schlagen und in diesen die Parteien in einheitlicher starter Front zusammenzuhalten hatte: dem Redafteur des Zentralorgans, des Sozialdemokrat", Eduard Bernstein. eine Resignation, aber auch feine Kraftmeierei darf nach Engels in dem„, Sozialdemokrat" herrschen. Und der erprobte Revolutionär weist seinen ihm nacheifernden Schüler auf die„ Neue Rheinische Beitung" hin, die im Völkerfrühling das Banner der Demokratie gegen das halbmittelalterlich- romantische Gottesgnadentum und gegen den leisetreterischen fonftitutionellen Bourgeoisliberalismus frug. Der erste Brief von Engels bestätigt schon dem flarschauenden und fräftig dreinhauenden Bernstein, daß er sich im Sozialdemokrat" auf der richtigen Bahn bewegte. Engels schrieb an diesen: ,, London, 2. Februar 1881. Der Ton ist flott und zielbewußt geworden, das Blatt wird nicht mehr abwiegeln, wenn es so bleibt, sondern den Leuten in Deutschland zur Ermutigung dienen. Da Sie die Neue Rheinische Zeitung" haben, merden Sie gut tun, zuweilen darin zu lesen. Es war gerade die Berachtung und der Spott, mit dem wir die Gegner behandelten, die uns in den 6 Monaten bis zum Belagerungszustand fast 6000 Abonnenten einbrachten, und obwohl wir im November wieder von vorn anfingen, hatten wir im Mai 1849 wieder die volle Zahl und darüber schweren Stand als Redakteur des„ Sozialdemokrat". Auf der Eduard Bernstein hatte in den Jahren 1881-1886 einen einen Seite wiegelte Most durch unfinnige revolutionäre Phrasen die politisch ungeschulten jungen Genossen auf, und auf der anderen Seite schläferte eine mattherzige opportunistische Rechnungsträgerei Beilage des Vorwärts die Massen ein. Bernstein gelang es nun, den zu einer Katastrophe treibenden Radikalismus des Demagogen Most einzudämmen und zugleich die Verzagtheit und Unentschlossenheit einger fleinbürgerlicher Parteiführer fieghaft zu überwinden. In den Oktobertagen des Jahres 1881 sprühte und glühte die Sozialdemokratie wieder Don tatenfrohem Kampfesmut. Nach der Oktoberwahl von 1881 schrieb Engels an Bernstein: ,, London, 30. November 1881. Lieber Herr Bernstein! Wenn ein äußeres Ereignis dazu beigetragen hat, Marg wieder eingermaßen auf den Strumpf zu bringen, so sind es die Wahlen gewesen. So famos hat sich noch fein Proletariat benommen. In England, nach dem großen Mißerfolg von 1848, Verfallen in Apathie, und zuletzt Ergebung in die bürgerliche Ausbeutung unter Borbehalt des Einzelkampfs der Trades Unions für höheren Lohn. In Frankreich Verschwinden des Proletariats von der Bühne nach dem 2. Dezember. In Deutschland, nach drei Jahren unerhörter Berfolgung, nie nachlassenden Drucks, kompletter Unmöglichkeit öffentlicher Organisation und Selbstverständigung, stehen unsere Jungens nicht nur in alter Kraft da, sondern verstärkt gerade in einem Hauptumstand: der Schwerpunkt der Bewegung ist verlegt aus den fächsischen halbländlichen Distrikten in die industriellen Städte..." Die Fraktionsfämpfe in der Sozialdemokratie lassen sich in den Briefen von Engels bis zu den Jahren 1885-1886 verfolgen. Im Jahre 1885 wird der Dampferfubventionsstreit auf seinen Höhe punft getrieben. Die Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion will der Regierung die Mittel für die Unterstützung der Handels. dampferlinien nach Ostajien und Australien bewilligen, dagegen rebelliert die Minderheit der Fraktion unter Bebel und Liebknecht. Bernstein ergreift im„ Sozialdemokrat" heftig Partei für die Minder heit. Als die Fraktion der Redaktion des„ Sozialdemokrat" das Recht der Kritik absprach, fündigte Bernstein seine Stellung. Der Konflikt wurde jedoch beigelegt und Bernstein leitete den Sozial demokrat", bis diese Zeitung ihre Tätigkeit im Ausland einstellte. Engels ermahnte Bernstein dringend, die Position in der Presse" bis aufs äußerste zu behaupten. Friedrich Engels schöpfte seine optimistische revolutionäre Auf faffung über die deutsche Entwicklung aus Berichten über den nahen Zusammenbruch Rußlands. Er schrieb in einem langen Brief über die aufsteigende revolutionäre Situation in Deutschland diese Zeilen: London, 22. Februar 1882. Wir haben in Deutschland eine Situation, die mit steigender Geschwindigkeit der Revolution zutreibt und in furzem unsere Partei in den Vordergrund drängen muß. Wir selbst brauchen dazu gar nichts zu tun, nur unsere Gegner für uns arbeiten zu lassen. Dabei eine bevorstehende neue Aera mit einem neuen liberalisierenden, höchst unentschlossenen und schwankenden Kaiser, der ganz zum Ludwig XVI. gemacht ist. Was uns fehlt, ist einzig ein rechtzeitiger Anstoß von außen. Diesen bietet die Lage Rußlands, wo der Beginn der Revolution mur noch Frage von Monaten ist. Unsere Leute in Rußland haben den Zar so gut wie gefangen genommen, die Re gierung desorganisiert, die Vollstraditionen erschüttert. Auch ohne einen neuen großen Schlag muß der Zusammenbruch in nächster Zeit erfolgen, er wird sich jahrelang fortseßen wie 1789 bis 1794; er gibt also volle Zeit, um auf den Westen und besonders Deutschland zurückzuwirken, so daß die Bewegung eine allmählich ansteigende wird, nicht wie 1848, wo die Reaktion schon am 20. März in ganz Guropa wieder in vollem Gang war. Kurz, es ist eine so prachtvolle revolutionäre Situation wie noch nie. Eins kann sie verderben: Slo beleff hat es in Paris selbst gesagt, nur ein auswärtiger Krieg könne Rußland herausreißen aus dem Morast, in dem es versinke.. Bon einem großen weltpolitischen Standpunkte aus faßte Fried rich Engels immer die deutsche Entwicklung auf. Das Sozialisten. gesetz sah er in Deutschland erst mit einer halben oder ganzen Revo lution verschwinden. Von entscheidender Bedeutung waren für ihn nur die großen politischen Verhältnisse des In- und Auslandes. Darin hatte Engels recht; nur irrte er, als er einen nahen großen weltpolitischen Zusammenbruch annahm. In den Briefen von Engels an Bernstein können wir vorzüglich den Fortgang der großen Herausgebertätigkeit des noch so jugend frischen Altmeisters verfolgen. Ruhte doch auf den Schultern Engels die geistige Erbschaft von Marg, die sich auf zahlreiche, schwer lejer 1883 zugetan hatte, schrieb er das, was die Menschheit an diesem liche Manuskripte verteilte! Als Marr seine Augen am 14. März genialen Menschen verloren hatte, in folgenden charakteristischen Beilen nieder: London, 14. März 1883. Was dieser Mann uns theoretisch und in allen entscheiden den Momenten auch praktisch wert war, davon fann man nur eine Borstellung haben, wenn man fortwährend mit ihm zusammen war. Seine großen Gesichtspunkte werden mit ihm für jahrelang von der Bühne verschwinden. Das sind Dinge, denen wir nicht gewachsen find. Die Bewegung geht ihren Gang, aber sie wird des ruhigen, rechtzeitigen, überlegenen Eingreifens entbehren, das ihr bisher manchen langwierigen Irrweg erspart hat.... Den Briefen von Engels hat Bernstein zum Teil historische Erläuterungen beigegeben, die vortrefflich in die Kapitel der Geschichte der Sozialdemokratie einführen, die der heute tämpfenden jungen Generation nur aus mündlichen Ueberlieferungen oder unvollständigen Berichten zugänglich sind. Mit der Herausgabe der Engels'schen Briefe hat Bernstein die Geschichte der deutschen Sozial demokratie in dankenswerter Weise vervollständigt und bereichert. Schlaffchwämme. Schon die Priester im alten Griechenland verstanden es, die Menschen, an denen sie ihre berühmten Wunder turen ausführen wollten, durch narkotische Mittel in tiefen Schlaf zu versenken. Bermutlich handelte es sich hierbei um die Verwen dung von Räuchermitteln, in denen man gewisse pflanzliche Substanzen verbrannte, deren Rauch dann eine betäubende Wirkung auf die Patienten ausübte. Im Laufe des Mittelalters ging man jedoch schon einen Schritt weiter. Man begann, um Narkose zu erzielen, sich eines Mittels zu bedienen, das viel unmittelbarer und damit wohl auch sicherer wirkte, als das Betäubungsverfahren der Alten, nämlich der Schlafschwämme, wie man sie nannte. Die neue Me thode bestand darin, daß man einen Schwamm mit narkotischen Stoffen durchtränkte und den Kranken nun die dem Schwamin entströmenden Dünfte einatmen ließ. Sogar ein Werk erschien über die neue Nartoje, betitelt:„ Die erste Kunst, wie man einen schlaffen macht, ein Buch der Wundt- Erknei", in dem sein Berfasser, der im 15. Jahrhundert sehr geschätzte Wundarzt Heinrich von Pfolspeundt, das Verfahren sehr rühmt und empfiehlt. Man scheint die Schlafschwämme damals auch viel angewendet zu haben; allein auch schon früher muß die Methode bekannt gewesen sein, da der im 14. Jahrhundert lebende Arzt Guy de Chauliac zur Erzielung von Narfose ebenfalls schen Schlafschwämme gebrauchte, die er indessen in der Weise verwandte, daß er die mit dem narkotischen Mittel getränkten Schwämme zuerst trocknen ließ und sie erst dann, wenn sie gebraucht werden sollten, in heißem Wasser wieder aufweichte. Hergestellt wurden die narkotisch wirkenden Stoffe zur Durchtränkung der Schlaffchwämme aus ganz verschiedenen Pflanzen. Ein Forschungsbericht nennt in erster Linie Schlafmohn, Airaun( Mandragola), Biljenkraut, Giftlattich, ja selbst den Efeu und späterhin auch den Gtechapfel. Mit der Zeit verschwanden die Schlafschwämme jedoch wieder aus der Medizin, da man, vielleicht auch infolge unrichtiger Anwendung, viele Miserfolge damit erzielte, und schon im 16. Jahrhundert wollten die Aerzte nichts mehr von den Schlafschwämmen wissen. 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