Abendausgabe Nr. 416 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 205 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 282-295 Tel.- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Donnerstagan 3. September 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwüris- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Genf und London. Ministerbesprechung und Juristenkonferenz. Genf, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch| Dr. Ga us legte dann sehr ausführlich den Standpunkt der deutschen nachmittag fanden vertrauliche Besprechungen zwischen den drei Pegierung dar. Es verlautet, daß sämtliche Sanktionen sowohl in alliierten Außenministern Chamberlain, Briand und Liuropa mie in den Rheinlanden von der Entscheidung des BölkerVandervelde über den Sicherheitspati statt, die eine völlige bundes abhängig gemacht werden müßten. Unter Hinweis auf die Uebereinstimmung in dieser Frage ergaben. Die Genfer Verhand- Besetzung von Frankfurt und der Ruhr 1923 erklärte der deutsche lungen sind damit vorläufig abgeschlossen, da man jetzt erst die Re- Sachverständige, daß es Deutschland nicht genüge, wenn Groß fultate der Londoner Juristentonferenz abwarten britannien sich bei einem ähnlichen Anlaß darauf beschränke, eine will. Wie von englischer Seite hierzu mitgeteilt wird, haben die neutrale Haltung einzunehmen. Der deutsche Sachverständige hat alliierten juristischen Sachverständigen einen gleichlautenden darauf bestanden, daß Frankreich das Durchmarschrecht durch die Entwurf als Berhandlungsbafis erhalten, deffen Beröffentlichung Rheinlande erst nach Einholung der Genehmigung des Völkerbundes jedoch bisher geheimgehalten wurde, um bei der deutschen Dele- ausüben dürfe. Zum Schluß tam Dr. Gaus auf die Grundsätze gation nicht den Glauben zu erweden, fie folle vor vollendete Tat- der Schiedsgerichtsarbeit zu sprechen, wie sie in den Verträgen fachen gestellt werden. Deutschlands mit Norwegen, Holland und der Schweiz zur An wendung fomme. Die Londoner Juristenverhandlungen in franzöfifcher Darstellung. Paris, 3. September.( TU.) Die Londoner Sachverständigen traten gestern zweimal im Foreign Office zusammen. Die erste Zusammenkunft dauerte von 11 Uhr bis 1 Uhr, die zweite von 24 Uhr bis 7 Uhr. Die Aussprache bezog sich auf Fälle, für die ein Schiedsspruch in Frage fommt, sowie auf die Anwendung automatischer Santtionen. Der englische Sachverständige Sir Cecil, Hurst erläuterte eingehend den englischen Standpunkt, während sich der italienische Sachverständige große Zurückhaltung auferlegte. Ein Mißton auf dem Friedenskongreß. Löbes nicht gehaltene Rede. Der Weltfriedenstongreß in Paris sollte sein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit der beiden Präsidenten des französischen und deutschen Parlaments erhalten. Beide sollten in der feierlichen Eröffnungssigung fprechen. Es tam nicht dazu, weil Kammerpräsident Herriot ausblieb und darauf hin auch Genosse 2öbe auf seine Ansprache verzichtete. Nach Meldungen aus Paris soll Herriot absichtlich abgesagt haben. Der Grund hierfür soll in der Rede zu suchen sein, die Genoffe Löbe am Sonntag bei der großen Anschlußfundgebung in Wien gehalten hat und über die die Pariser Presse irreführende Berichte veröffentlichte. Was Löbe sagen wollte. Rüstungseinschränkung in England. Schließung zweier Marinewerkstätten. London, 3. September.( WTB.) Die Admiralität teilt mit, daß die Marine wertstätten Rosyth und Pembrode mit Rücksicht auf die Einschränkung des Flottenbauprogramms demnächst geschlossen werden. Die vorhandenen Gebäude und Anlagen werden soweit instand gehalten werden, daß eine Wiedereröffnung der Werkstätten im Bedarfsfalle möglich ist. Aufteilung des Kohlenmarktes? Deutsche Vorschläge in London. Condon, 2. September.( Eigener Drahtbericht.) Die feit Tagen in London umlaufenden Gerüchte, daß die deutsche Regierung offiziell Borschläge für eine gemeinsame deutsch- englische Preis. regulerug für Exportfohle und zur Aufteilung des Kohlen marties gemacht habe, wird von den maßgebenden Stellen zwar abgeleugnet. Das Dementi läßt jedoch deutlich erkennen, daß tatsächlich ein solcher Borschlag gemacht worden ist und auch in London willkommen war. Man ist jedoch der Auffassung, daß eine Aufteilung des Kohlenmarktes nur durch Bereinbarung jämtlicher großen Kohlen produzierenden Länder möglich und wünschens. wert sei und nicht lediglich zwischen Deutschland und England. Bei dem„ Verbrechen" Beniczkys handelt es sich gar nicht um eine Beleidigung des ungarischen Reichsverwesers, sondern vielmehr darum, daß Beniczky vor Gericht wahrheits gemäße Angaben über die Ermordung der beiden sozialdemokratischen Redakteure Somogy und Bacfo gemacht hat, die nach den Ermittlungen, die er als Innenminister angestellt hatte, durch Offiziere entführt worden waren und später als start verfümmelte Leichen in der Donau aufgefunden wurden. Die Beleidigung" des Reichsverwesers Horthy wird besonders darin erblickt, daß Beniczty dessen Aeußerung zu den Offizieren vor dem Einmarsch in Budapest der Deffentlichkeit bekannt gab, nämlich, daß er erflärte:" Es wird feinen Pogrom geben, aber einige werden in der Donaubaden müssen." Eine treffliche Illustration zu dem Idealstaat Ungarn, der der Zufluchtsort unserer nationalen Mordbuben ist. Baris, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Ansprache, Aus dem völkischen Idealstaat. die Reichstagspräsident öbe am Mittwoch auf dem InternatioEin neues Schandblatt der ungarischen Justiz. nalen Friedenstongreß zu halten vor hatte, weist eingangs darauf hin, daß es sich nicht mehr um die Anerkennung des großen Friedens- Budapest, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) In geheimer ideals, sondern um seine Ueberführung in die Wirklich Verhandlung wurde der frühere ungarische Innenminister Be keit handele. Wirtschaftliche Notwendigkeiten zwängen die Ber- nicaf wegen Beleidigung des Reichsverwesers Horthy und Bruch ständigung und den dauernden Frieden herbei. Die industrielle Entdes Amtsgeheimnisses zu drei Jahren Gefängnis und 15 Millionen wicklung Amerikas und das Wiedererwachen Asiens machten den Geldstrafe sowie zu drei Jahren Amtsverluft und Aufhebung feiner Zusammenschluß der europäischen Länder erforderlich, und dieses politischen Rechte verurteilt. Beniczky hat gegen dieses rein po Bündnis werde als 3ollunion feinen ersten Ausdruck finden litische Urteil Berufung eingelegt. Er wurde aber sofort in Haft müssen. Diese Zollunion, zu der die privaten Abmachungen der genommen, nachdem er erst vor einigen Tagen gegen Hinterlegung deutschen und französischen Industriellen den ersten Schritt bildeten, einer hohen Kaution freigelassen worden war. müsse die Anfangsetappe der politischen Berständigung sein. Die politische Berständigung rüde aber das Ziel näher, dem die Friedensfreunde aller Länder dienten: die Verhütung des Krieges. Die deutschen Friedensfreunde begrüßten jede internationale Regelung, die den Krieg als Verbrechen brandmarkt und über den Angreifer Maßnahmen verhängt, die ihn an der Ausführung seiner verbrecherischen Absichten erfolgreich hindern könnten. Der Schiedsgerichtsgedante fönnte diesem Ziele dienstbar gemacht werden. Die deutschen Friedensfreunde seien überzeugt, daß das obligatorische Schiedsgericht nicht nur in den Fällen recht licher und anderer Differenzen zweiten Ranges, sondern auch für die sogenannten politischen Fragen Geltung haben soll. Nur die all gemeine Abrüstung fönne diese Schiedsgerichtsbarkeit mitt fam machen. Die teilweise Abrüstung und die Abrüstung einzeiner Länder fönnten nur als ein Uebergangsstadium zur allgemeinen Abrüstung angesehen werden, die im 5. Abschnitt des Vertrages von Versailles in Aussicht gestellt sei. Die deutschen Friedensfreunde warteten auf die Erfüllung dieser Zusage des Friedensvertrages. Die Einlösung der darin gegebenen Bersprechungen wird auch jenen anderen Teil der Abrüstung fördern, der nicht minder wichtig sei, nämlich die moralische Abrüstung. Die Beseitigung des Kriegswillens sei möglich durch Entgegenkommen, durch gegen seitiges Vertrauen und durch vollkommene Gleichberechti gung der Bölker. Man müsse die Mär von der Ueberlegenheit und bem Borrang einer Nation begraben und diese Ideologie durch die große Idee der europäischen Gemeinschaft, der auch Jaurès gedient habe, ersetzen. Die Zeit sei gekommen, um diese Ideen in Wirklichkeit umzusehen. Wenn es gelänge, den alten Hader der beiden großen Nationen zu beenden und das deutsche und franzöfifche Bolt in friedlicher Zusammenarbeit zu vereinen, dann werde auch für alle anderen die europäische Befriedung nahezu er= reicht sein. Löbe bei Painlevé. Paris, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch abend ist Löbe von dem französischen Ministerpräsidenten Bain Ievé empfangen worden und hat mit ihm eine längere Unter redung über die Möglichkeit einer friedlichen Zusammenarbeit swischen Frankreich und Deutschland gehabt. Der Aufstand in Syrien. Beruhigende offiziöse Nachrichten. Die Ostfragen in Marseille. Die Sozialistische Arbeiter Jnternationale und der Bolschewismus. V. Sch. Marseille, Ende Auguft. Ueber die Friedensprobleme im Westen Europas war man auf dem Marseiller Kongreß verhältnismäßig leicht einig geworden, nachdem es gelungen war, die englische Delegation von ihrer ursprünglichen ablehnenden Stellungnahme gegen: über dem Sicherheitspalt abzubringen. Ungleich schwieriger war die Behandlung der Probleme des Ostens, die man einer besonderen Kommission überwiesen hatte. Diese Schwierigkeiten lagen zum Teil daran, daß man unter Ost fragen" die verschiedensten Probleme verstand, die zum Teil nur in einem sehr losen Zusammenhang miteinander stehen: die innere und die äußere Politik der Sowjetunion, das Berhältnis Sowjetrußlands zu den. Westmächten, insbesondere zu England, sowie zu den Randstaaten, die Behandlung der nationalen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa, die große Aufstandsbewegung in China, Indien usw., sowie das Verhältnis der Sowjetregierung bzw. ihres Instrumentes, der Kommunistischen Internationale, zu diesen mehr oder minder revolutionären Bewegungen, endlich der reaktionäre Terror auf dem Balkan, namentlich in Bulgarien- das alles follte. in einer Kommission erörtert und in einer Resolution: behandelt werden. Ursprünglich sollte sogar die Maroffofrage mit all den übrigen Ostproblemen zusammen besprochen werden, als man darin übereinfam, fie der anderen politischen Kommission zu überlassen. Aber neben diesen rein technischen Schwierigkeiten gab es auch solche politischer Art: einerseits die immerhin noch mangelhaften Informationsquellen über diese komplizierten und zum Teil sehr fernen Brobleme; andererseits die verschiedenartige Beurteilung des Bolschemismus durch die einzelnen sozialistischen Parteien Europas. Der Hamburger Rongreß hatte die Frage des Bolschewismus nur gestreift, während in Marseille zum erstennial das bolschewistische Problem Gegenstand einer eingehenden Stellungnahme der Sozialistischen Internationale sein sollte. Ausgangspunkt diefer Erörterung war aber nicht die Frage: ,, Wie sollen sich die sozialistischen Parteien zu den Theo= rien und zu den Methoden des Bolschewismus vers halten?" fondern: Inwieweit bedeutet die Politik, die von Sowjetrußland oder aegenüber Sowietrußland getrieben wird, eine Gefahr für den Weltfrieden" Der Kongreß hat nun entsprechend den Vorschlägen der Ostkommission in einer Resolution ausgesprochen( die mir on anderer Stelle dieser Ausgabe veröffentlichen. Die Red.), daß sowohl von Sowjetrußland mie auch von den Gegnern Sowjetrußlands eine Kriegsgefahr drohe. Es waren besonders die englischen Genossen. die die Anficht vertraten, daß die Spannung zwischen dem Britischen Reiche und der Mostquer Regierung friegsgefährliche Formen angenommen habe, die dadurch vergrößert würden, daß einzelne Randstaaten sich als willige Berkzeune des westlichen Amrerialismus gebrauchen ließen. Es ist schwer, wenn die Delegation eines großen Landes gegen die eigene Regierung eine fo schwere Anflage erhebt, dageaen Widerspruch zu erheben. Aber vielleicht steht die Labour Party in diesem Falle etwas zu sehr unter dem Einfluß ihrer innerpolitischen Oppositionsparolen: Sie hat ursprünglich den Sicherheitspaft u. a. mit dem Argument befämpft. daß er unter Umständen zu einem Kriegsinstrument gegen Sowjetrußland werden könnte. Das Gleiche behaupten auch die Kommunisten, wie überhaupt jeder dritte Aufruf der Roten Fahne" und der Humanité" die Borbereitung eines neuen imperialistischen Krieges gegen Sowjetrußland behauptet. Wir sind in diefer wie in allen Fragen, die den Bolschewismus betreffen, erheblich stentischer als unfere enalischen Genossen. Das hysterische Geschrei der kommunistischen Presse ist cher für uns ein Grund, diele Kriegsgefahr zu vers neinen als sie zu bejahen. Die Zeiten der Koltschot, Denitin und Wrangel find endgültig vorbei, ihre Protettoren Churchill und Millerand haben sich entweder gewandelt oder fie sind von der Bildfläche verschwunden, und fein vernünf tiger Mensch wird den Randstaaten, nicht einmal Bolen, die Abficht unterstellen, von sich aus gegen den Kolok Sowjetrußland aggresiv vorzugehen. Wenn also Kriegsgefahren in Osteuropa bestehen, so ist der Imperialismus Sowjetrußlands mindestens so sehr daran schuld wie der britische. Erheblich kompliziert wurde allerdings das Problem des Gegensatzes zwischen dem englischen und dem russischen Imperialismus durch den großen Aufstand im Fernen Often und in Indien, der in seinem Wesen zweifellos einen, wenn auch nicht immer bewußten, proletarischen Klaffenangenommen hat. Inwieweit die Sowjetregierung, indem verkennbare nationalbolfchemistische Formen sie in diese Bewegung eingreift und sie fördert, eigene imperialistische Ziele verfolgt, oder auch wirklich revolutionäre, das läßt sich von hier aus bisher noch nicht flar übersehen. Die Erfahrungen, die man in den letzten Jahren mit der Moskauer Außenpolitik gemacht hat, müßten jeden Sozialisten mißtrauisch stimmen. Andererseits bedeutet dieses Er= machen einer halben Milliarde von Menfchen, die bisher vom Belifapital schamlos ausgebeutet wurden, eine Tatsache von so überwältigender historischer Be deutung für die Befreiung des Proletariats der gesamten Welt, einschließlich des europäischen Kontinents, daß es die selbstverständliche Pflicht der sozialistischen Internationale Paris, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Der französischen auftändigen Stelle find Nachrichten über die Lage m Syrien zu gegangen, die es ihr erlauben, einen Ueberblick über die Ereignisfechar att er trägt, der aber unter sowjetiftischem Einfluß unfast vollständig aufgerieben worden und von den 150 Mann hätten der letzten Monate zu geben. Die Kolonne Normand sei im Juli sich nur noch 60 nach Soueida retten können. Die Kolonne Michaud sei von den Drusen 6 Kilometer von Soueida überrascht worden. Dennoch sei es den französischen Truppen gelungen, den Vorstoß von 1500 Drusen 35 Kilometer vor Damastus mit Hilfe von Flugzeugen und einer Abteilung Spahis abzuwehren. Die erfor derliche französische Verstärkung sei eingetroffen und eine Gegenattion um Soueida vorbereitet worden. Im Gegensatz zu den anderslautenden Meldungen, die von der ausländischen Breffe verbreitet gewesen sind, habe sich der Aufstand lediglich auf den Diebel- Drus beschräntt; außerhalb dieses Gebietes herrsche vollfommene Ruhe. Der General Gamelin ist zum Befehlshaber in Syrien und zum Adjutanten General Sarrails ernannt worden. war, ihre Solidarität mit den ringenden asiatischen Klassengenossen zu bekunden. Ob an dieser gigantischen Massenbewegung, die übrigens erst in ihren Anfängen steckt, der Kommunistischen Internationale ein besonderes Berdienst" zuzuschreiben ist, mag man dahingestellt sein lassen. Moskau hat gegenüber der Sozialistischen Internationale zweifellos den Vorsprung, den ihm die geographische Lage, der amtliche diplomatische Apparat und die staatlichen finanziellen Mittel bisher gesichert haben. Aber gleichviel, ob ein Berdienst Moskaus vorliegt oder nicht, es ist daraus offenkundig eine Weltkriegs gefahr entstanden, die für die Sowjetregierung eine 5 off nung sein mag, für die europäische Arbeiterklasse aber eine Drohung ist. Diese verschiedenartigen Momente und Gedankengänge in den wenigen Zeilen einer Refolution zum Ausdruck zu bringen, die sich noch mit zahlreichen anderen Punkten be= fassen mußte, war keine leichte Aufgabe. Daß diese Aufgabe in einer im allgemeinen befriedigenden Form gelöst werden tonnte, ist ein Beweis dafür, daß troz psychologischer Unterschiede in der Stellungnahme zum Bolschewismus alle Parteien der Sozialistischen Internationale einig in dem Willen zur Unterstüßung der ringenden Arbeitermassen aller Länder und aller Rassen sind, einig aber auch in dem Willen, den Vormarsch des Weltproletariats nicht um den Preis eines neuen Weltkrieges zu erzielen, einig schließlich in dem stärt sten Mißtrauen gegen die bolschemistischen Machthaber, die die Ideologie der Revolution zugunsten der zaristisch- imperialistischen Tradition mißbrauchen, wie das tragische Kapitel Georgien Armenien zur Genüge zeigt. Für die deutsche Delegation war der endgültige Text der Resolution um so annehmbarer, als es ihr gelungen war, einige mißverständliche Wendungen aus dem ursprünglichen Text auszumerzen, und als weiter darin Forderungen hinfichtlich des Schutzes der nationalen Minder heiten enthalten sind, auf die wir um so größeren Wert legen müssen, als es sich dabei um eine notwendige Ergänzung des Sicherheitspattes handelt. anism Wirrwarr ohne Ende. Fraktionserklärungen bei den Kommunisten. Der Zustand der organisatorischen Gewalts- 1 politit, der Geheimdiplomatie gegen die eigene Partei muß aufhören. Es muß vielmehr ein ernstes, sachliches Zusammenarbeiten aller ehrlichen und fähigen Kräfte der Partei erzielt werden. Eine Heranziehung der Brandlerianer zu verantwortlichen politischen Bosten kann ich jedoch nicht billigen, weil es wiederum nur zu ersehung der Partei führen würde." Diese Charakteristik der Ruth Fischer- Clique trifft natürlich auf jede andere 3entrale genau so zu. Anders fann es auch gar nicht sein, wenn die Lebensaufgabe jeder neuen Zentrale zunächst erst mal darin besteht, die Vorgänger restlos abzusägen". Schließlich wird aber selbst die Kasse der Rosenthaler nicht genug Anziehungskraft ausüben, um mit solcher Methode eine Partei zusammenzuhalten. IdeDer Maslow- Prozeß. l Weder der gestrige noch der heutige Verhandlungstag haben irgendwelche wesentlichen Momente gebracht. Man hat selten eine Anklage erlebt, die sachlich so schlecht fundiert ist. Maslow wird angeflagt wegen Vergehen, die sich in seiner Abwesenheit in Rußland abgespielt haben. Noch grotester ist die Anflage auf seine im Gefängnis geschriebenen Artikel und Broschüren. Die übrigen Angeklagten, alles mittlere und fleinere Funktionäre, leugnen, an den Aufstandsvorbereitungen im Herbst 1923 beteiligt gewesen zu sein, ohne daß man bisher auch nur den Versuch gemacht hat, für ihre attive Beteiligung, auf die es doch antäme, den Beweis anzutreten. Wir werden über den weiteren Verlauf werden über ben weiteren berichten. Zur Optantenfrage. Bergeblicher deutscher Vergleichsvorschlag. Am 21. Auguft hat der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, nochmals den Vorschlag gemacht, gegenseitig auf weitere Optantenausweisungen zu verzichten. Da die Zahl der Optanten in beiden Ländern inzwischen ungefähr die gleiche geworden ist, wäre ein solcher Bergleich wohl leicht möglich gewesen. Der polnische Außenminister hat dem deutschen Gesandten zugefagt, daß er mit ihm über diesen Vorschlag sprechen werde. Der Minister ist aber inzwischen nach Paris und Genf abgereift, ohne die zu gefagte Unterredung mit dem Gesandten zu Gewerkschaftskongreß. Drabtbericht.) Breslau, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Der heufige Verhandlungstag des Gewerkschaftskongresses wurde damit eröffnet, daß der Vorsitzende die Vorschläge des. Bundesausschusses für die am Freitag stattfindende Borstandswahl bekanntgab. Der Bundesausschuß schlägt sämtliche Mitglieder des Bundesvorstandes zur Wiederwahl vor. wurde die Diskussion über das Referat von Hermann Müller zur Frage der deutschen Sozialgesetzgebung fortgesetzt. Dann Olfersdorf- Berlin( Berkehrsbund) weist auf die Gedankengänge Sinzheimers hin, der zunächst die Sozialgesetzgebung unter fozialistischen Gesichtspunkten zu betrachten lehrte. Wichtig sei vor allem eine Legalisierung des sozialen Rechtsgedankens, die eine neue Bereicherung des Klassentampfes bedeuten tönnte. Nörpel empfiehlt die Entschließung des Bundesvorstandes, die den vorliegenden Entwurf eines Arbeitsgerichtsgesehes als Verhandlungsgrundlage annehmen will und lehnt ein Unannehmbar gegenüber diesem Entwurf ab. Der größte Fortschritt darin fei die Sicherstellung der Rechtsvertretung der Arbeiterschaft Frau Schreihart- Berlin( Buchbinderverband) lenkt die Aufmertfamteit des Kongresses auf die Verschlechterung der Wöchnerinnenfürsorge und bittet um die Annahme einer besonderen Entschließung für die Aufrechterhaltung des Wöchnerinnenschutzes. Galm- Offenbach versucht, auch in der Frage der Sozialgesetzgebung wiederum Rußland als Vorbild hinzustellen, berichtet aber dabei reichlich ungenau über die Rechtsansprüche der russischen Arbeiterschaft. Frau Riffche- Reichenbach( Tertilarbeiterverband) spricht eben falls für den weiteren Ausbau des Wöchnerinnenschutzes und besonders auch für die Befreiung der Arbeiterinnen von der Arbeit 4 Wochen vor der Entbindung unter Weiterzahlung des Lohnes, wie sie bei einem großen Grüneberger Textilwert durchgeführt sei. Es folgen drei Berliner Vertreter des Metallarbeiterverbandes, die die einzelnen Anträge ihrer Verwaltungsstellen zur Sozialversicherung, zum Schutze der weiblichen Jugend und zur Ferienfrage begründen. = Kraus Stuttgart( Metallarbeiterverband) erklärt, daß die anwesenden fommunistischen Delegierten trog einiger Bebenten für die Entschließung des Bundesvorstandes zur Sozialgesetzgebung stimmen werden. Er richtet an den Kongreß die Aufforderung, eine Delegation etwa aus Leipart, Graßmann, Dißmann, Robert Schmidt und einem fünften Mitglied zu benennen, die in Begleitung Es ist Hochbetrieb in der KPD. Endlich hat das langweilige führen und ohne den deutschen Vorschlag überhaupt beantwortet selbstgewählter Dolmetscher Leben mal ein Ende und es kann wieder in Richtungen, Fraktionen. Spaltungen, Intrigen, Abfägungen, Mitgliederversammlungen, Thesendiskussionen usw. usw. gemacht werden. Die arme neue Zentrale fann im Lande herumfutschieren, um eine Kampagne für den neuen Kurs zu inszenieren. Selbstverständlich hagelt es dabei wieder Erklärungen und Resolutionen der Gruppen und Grüppchen, in die die einzige Arbeiterpartei zerfällt. Heute bringt die" Rote Fahne" zur Abwechselung die Erklärung eines Ultralinfen". Einiges daraus ist nicht uninteressant. Die Ruth- Fischer- Clique wird folgendermaßen charakterisiert: " 1 „ Ich muß leider feststellen, daß die Politik der Gruppe Ruth Fischer Maslow die von der Mehrheit der Zentrale geführt wurde im letzten halben Jahre vollkommen von den linken Grundsägen abgewichen ist. Das zeigte fich in der unerhört opportunistischen Boltsblodtheorie, in der völligen Vernachlässigung der Massenströmungen und in der Hinneigung zu parlamentarischen Manövern. Die Tattit der Gruppe Ruth Fischer- Maslow war die einseitige Anwendung nur der Einheitsfronttaftit von ob eit. Ich stelle im Interesse der Aufklärung und Schulung der Mitgliedschaft feft, daß das Etfi diese parlamentarischen Rechtsabweichungen. der Gruppe Ruth Fischer- Maslow nicht deutlich und im einzelnen angeführt hat. Diese schweren Fehler der Fischer- Maslow- Gruppe entspringen aus dem Unglauben an die Kraft der deutschen Partei und des deutschen Proletariats. Im letzten halben Jahre hat die Fischer- Gruppe eine rüd sichtslose persönliche Dittatur ausgeübt und durch ein System organisatorischer Gewaltmaßnahmen gegen jeden Andersdenkenden die Partei aufs schwerste geschädigt. Ich stelle fest, daß die Gruppe Ruth Fischer- Maslow durch diese ihre eigenen Fehler zusammengebrochen ist. Die Verächter der Politik. Von Paul Gutmann. Die verbreiteiste Menschentlasse sind die Gleichgültigen. Sie Stehen abseits, freuen sich, wenn es ihnen gut geht, schimpfen, wenn ihnen eine Sache mißlingt und erinnern sich der Politik, wie der Strolch des Schuhmannes, wenn er ihn zufällig brauchen kann. Im allgemeinen rümpfen sie die Nase bei dem Wort Politit, behaupten, es habe doch keinen Zweck, sich damit zu befassen, und kommen sich dabei als besonders feine Leute vor. Da sie gewöhnt find, nur an sich zu denken und ihr Vorteil oftmals der Nachteil der anderen ist, sehen sie in der Politik ein Geschäft wie jedes andere, nur mitunter noch vorteilhafter und größeres Ansehen mit sich bringend. So Was ist Politit? Jedes Wollen, das auf irgendeine allgemeine Aenderung hinzielt. Jesus und seine Jünger, die beim Abendmahl über das Verhältnis der irdischen zu den himmlischen Dingen sprachen, trieben Politik. Oder wäre die Lehre, die dieses Häuflein Menschen verbreitete, sonst imstande gewesen, das scheinbar so festgefügte römische Reich zu zerstören? Man sehe sich die leidenschaftlichen Gebärden der Jünger auf dem„ Abendmahl" des Lionardo an. geht es in einer erregten politischen Versammlung zu. Was nicht imstande ist, unser Leben umzuwälzen, bewegt uns nicht. Die Machthaber aller Zeiten haben darum die Ideen viel mehr gefürchtet als die Handlungen. Denn es gibt keinen echten Gedanken, der nicht lebengestaltend wäre. In dem Augenblick, wo Kant seine Lehre auf den Kirchenglauben anwendete, begegnete er Feindseligkeit, der er sich leider unterwarf. Die Frage, ob Christus gottgleich oder goit ähnlich sei, der Unterschied zwischen den Silben er ist" und„ er bedeutet" haben blutige Kriege entfesselt. So treibe ich selbstverständlich Politik, in dem ich die Fahne Schwarz- Rot- Gold statt Schwarz- Weiß- Rot zum Fenster heraushänge. Die Politik verachten heißt auf das Wohl seiner Mitmenschen Manch einer kommt sich sehr erhaben und gebildet vor. pfeifen. wenn er behauptet, er stände über der Politif. Dieser Standpuntt, der zu jenen Zeiten, wo das Schicksal des Untertanen in den Händen eines allmächtigen Landesherrn lag, als Resignation verständlich war, ist heute schimpflich. Mir ist unlängst das Buch eines Autors in die Hände gekommen, der sich leidenschaftlich gegen die übermäßige Bevölkerungszunahme als die Quelle alles Uebels wendet und gleich zeitig die Politik als etwas Minderwertiges bezeichnet. Ueber den Malthufianismus braucht man sich heutzutage nicht mehr zu unterhalten. Fat man aber erfannt, daß es Umstände gibt, wo das finnlose Gedären ein Verbrechen, daß der Paragraph 218 eine Schmach ist, so greift dieser Gedanke bereits tief in die Politik ein. Die Züchtung einer förperlich und seelisch nicht vollwertigen Arbeiterschaft ist im Interesse eines strupellosen Ausbeutertums begründet. Darum sind es die Barteien, die sich national nennen, die am meisten zu haben. Deutschösterreichs Anschluß. sest nach Rußland fahren müsse, um sich dort mit eigenen Augen von den Leistungen der Sowjetregierung zu überzeugen. Hermann Müller- Botsdam betont in feinem Schlußwort gegen. über dieser fommunistischen Einladung, daß es dem Deutschen Berg arbeiterverband, der sich zu einer Delegation nach Sowjetrußland entschlossen hätte, von der russischen Regierung der= wehrt worden sei, einen von ihm ausgewählten fachver ständigen Dolmetscher mitzunehmen. Daher würde der Bergarbeiterverband wahrscheinlich von seinem Delegationsplan zurüdireten. Die deutschen Gewerkschafter wüßten fich frei von blindem Haß gegen den russischen Staat und würden sich für jeden Versuch intereffieren, etwas Neues im Sinne der Arbeiterbewegung aufzubauen. Von den Bolschemisten und ihren deutschen Anhängern könnte daher wohl auch eine vorurteilslofere Beurteilung der deutschen Gewert Die vom Bundesvorstand vorgelegte Entschließung zur Sozialgefeßgebung wird mit einigen Menderungen der Antragstommiffion angenommen. Wir veröffentlichen sie in der Morgenausgabe. Die österreichische Sozialdemokratie für den Anschluß Wien, 2. September.( Eigener Drahtbericht.) Im Nationalrat fand am Mittwoch die erste Lesung des von der Regierung vorgelegten Staatshaushaltsplanes statt. Dazu ergriff im Namen der sozialdemokratischen Fraktion Dr. Bauer das Wort und wies darauf hin, daß die ganze österreichische Deffentlichkeit sich darin einig ist, daß jetzt endlich mit der vom Völkerbund ausgeübten Kontrolle über Desterreich Schluß gemacht werden muß. Die Regierung, die am Mittwoch den Finanzminister als ihren Vertreter nach Genf entfandt hat, müsse dort diese Forderung energisch vortragen. Die Regierung habe dem Bölkerbundsrat zu sagen: Wir haben keine Hoff- schaften verlangt werden. nung, daß ihr uns aus unseren wirtschaftlichen Möten befreien fönnt, die uns die Friedensverträge beschert haben. Wir brauchen feinen Rommissar, teinen Berater, feinen Kontrolleur, wir brauchen nicht euer Wohlwollen, wir brauchen von euch nur eins: Gebt uns die Freiheit wieder, die man uns geraubt hat; gebt uns, wie es im Artikel 88 unseres Friedensvertrages vorgesehen ist, das Selbstbestimmungsrecht, damit wir uns selbst entscheiden fönnen, ob wir dieses Leben der Not und Unfreiheit weiter führen oder unsere Zukunft innerhalb der großdeutschen Republit suchen wollen. Gebt uns die Freiheit und wir pfeifen euch auf alles andere! Dann kam Genosse Dr. Bauer darauf zu sprechen, daß bei der großen Anschlußfundgebung am Sonntag fein christlichsozialer Redner aufgetreten ist. Er stellte aber fest, daß auch die Masse der christlichsozialen Wähler ebenso begeistert ist für den Anschluß an Deutschland wie die Sozialdemokraten. sich gegen die Aufhebung jenes Schandparagraphen auflehnen. Nur der Reiche soll in der Lage sein, seine Familie nach Gutdünfen zu gestalten. So bestimmten die Kleiderregeln im Mittelalter, wer ein gesticktes Wams, einen gefalteten Rod oder einen Hut tragen durfte. So war jede scheinbar harmlose Verordnung Politik im äußersten Sinne des Wortes. Die Verächter der Politik sind unlogisch. Sie schimpfen, wenn das Brot teurer wird und denken sich nichts bei der Erhöhung der Zölle. Sie schaudern bei dem Gedanken an Krieg und hilfen die Fahne der Gewalt und des Landsknechtstums. Der Sozialismus Der Sozialismus hebt ihnen die Individualität auf, und sie haben kein Geld mehr, sich einen individuellen Anzug anfertigen zu lassen. Sie verachten die Masse und schwören auf den Massenunsinn ihres Lotalanzeigers, Plähe im Paradies zu verkaufen. Eine hebräische Zeitung, die in Jerusalem erscheint, der" Doar Hayom", berichtet von einem ebenso schlauen wie gelungenen Geschäft, mit dem ein Muselmann namens Abul Said sich ein riesiges Vermögen erworben hat. Er fam nämlich auf den Gedanken, feinen Glaubensgenossen Plähe im Paradies zu verkaufen, deffen Herrlichkeiten der Prophet ja jo verführerisch geschildert hat.„ Er erzählte", so schreibt das Blatt, daß der Prophet ihm im Traum erschienen sei und ihm gesagt habe, er möge fich nach der heiligen Stadt begeben, wo er in der Nähe seines dieses Planes könne er die Pläge an die Gläubigen verkaufen, die Grabes den genauen Plan des Paradieses finden werde. Auf Grund sich im Jenseits einen besonders günstigen Ort sichern wollten. Der Preis der Pläge hängt natürlich von ihrer Lage ab und es gibt folche in jeder Preislage. Zahlreich sind die Kunden von Abul Said, und er hat mit diesen himmlischen Terrains mehr Geld verdient als der größte der irdischen Grundstücksspekulanten. Ein reicher Anhänger größte der irdischen Grundstücksspekulanten. Ein reicher Anhänger des Propheten faufte ihm, als er sein legtes Stündlein herannahen 250 000 Dollar ab. Die Erben wollten sich diese Minderung der 000 near befonderschönen las für die Summe Hinterlassenschaft nicht gefallen lassen und verflagten den tlugen Paradiesverkäufer vor den Gerichten, die ihn gefangen fezten. Die Berhandlung ergab, daß er denselben Blaz mehrere Male vertaufte. Mit den Gewinnen aus dem Handel hatte er einen ganzen Häuser= bezirt angefauft und fich einen prächtigen, reichbefeßten Harem zugelegt. Augenscheinlich glaubte er mehr an das Paradies Mohammeds auf dieser Erde. Aber es fand sich unter den 3eugen feiner, der ihn belastet hätte. Sie waren im Gegenteil sehr zufrieden, und eine Witwe erzählte unter Tränen, daß ihr ihr ver storbener Mann im Traum erschienen sei und ihr erzählt habe, wie glücklich er über den Kauf sei. So mußte Abul Said unbestraft entlassen weiden. Er segt seinen Handel in aller Ruhe fort, denn die Mohammedaner sind davon überzeugt, daß dieses Geschäft rechtmäßig und fegensreich ist." Don Das Jrische als Schulsprache. Durch eine neue Verordnung bat der rische Unterrichtsminifier die Kenntnis des Frischen für alle Lebrer im Freistaat vorgeschrieben. Von Ottober 1927 an müssen alle Kandidaten, die als Lehrer in englischsprechenden Distritten augestellt werden wollen Die Befähigung zum Unterricht im Frischen besigen, solche für irischsprechende Diftritte die Befähigung in beiden Sprachen. Wiedergenesung Dr. Davids. Genosse David fonnte heute die Charité, wo er sich seit seinem Krankheitsanfall im Reichstag unter Behandlung von Geh. Rat Kraus und Prof. Bitron befand, als Wiedergenesener verlassen und nach Darmstadt zurückkehren. Sozialdemokratischer Bürgermeister. In Geringswalde, Bezirk Leipzig, wurde Stadtrat Genosse Orphal- Leisnig mit elf Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Eupen- Malmedy werden nächster Tage den meisten belgischen Gesezen unterstellt. Jedoch sollen die Einwohner auch weiterhin die Vorteile genießen, die sie bisher aus der deutschen Sozialversicherung gehabt haben. Tierreichtum des Urwalds. Wieviel reicher die Natur des tropischen Urwalds belebt ist als unsere Gebiete, zeigen die intereffanten Untersuchungen, die der amerikanische Naturforscher William Beebe in Britisch- Guyena angestellt hat. Er fand dort auf einem Tiere, Die 246 verschiedenen Arten oder Familien angehörten. Auf Raum von 400 Quadratmetern innerhalb einer Stunde 536 lebende diesem kleinen Fleck sah er allein 73 verschiedene Arten von Säugetieren, während es in dem ganzen Staat New Yort, ber 130 000 mal größer ist, nur 81 verschiedene Arten gibt. Er stellte auch fest, daß bie Zahl der verschiedenen Vögel größer war als die auf den britischen Inseln. Noch gewaltiger wird dieses Gewimmel von Lebe. mesen, wenn man sich nicht mit der einfachen Beobachtung begnügt, sondern etwas eingehender nachforscht. Beim Umgraben eines ein 3igen Quadratmeters von der Erde auf demfelben Fled fonnte er Gegen 1000 verschiedene Formen von Insekten zählen. Diese ungeheure Menge von Tieren, die vor den winzigen infeftenfreffenden Fledermäufen bis zu den Hunderte von Pfund schweren Tapiren heraufreicht, ist das Ergebnis der ungestörten Entwicklung durch die sich im Urwald entfaltet. weite Strecken der Erdgeschichte und zugleich der üppigen Vegetation, Tellelektrifizierung der österreichischen Bundesbahnen. Wie die Schweiz und Italien, befizt auch Deutschösterreich feine Kohlenschätze und ist deshalb in der Kohlenversorgung vollständig vom Ausland abhängig. Dieser Zustand hat während der letzten Krisenjahre zu empfindlichen Störungen im Eisenbahnbetrieb und in der Induſtrie Bafferkraft, stärker für industrielle und verkehrstechnische Zwecke im geführt., Deshalb beginnt Desterreich seine weiße Kohle", die Umweg über die Erzeugung elektrischen Stromes dienstbar zu machen. Nachdem kürzlich die Wiener Stadtbahn elektrifiziert wurde, foll jetzt ein Teil der Bundesbahnen zum elektrischen Betrieb übergehen. In erster Linie kommen hierfür die Gebirgsbahnen in Frage. Das Finanzkomitee des Bölkterbundes hat diesem Projekt zugestimmt und den Völkerbundsrat um die Freigabe von 88 Millionen Goldfronen aus der Sanierungsanleihe für die Durchführung der Elektrifidierung gebeten. Перві " Ein„ Pautenklavier" für Richard Strauß. Der berühmte Bautenspieler der Wiener Philharmoniter, Brofeffor Schneller, arbeitet gegenwärtig an einem Bautenklavier" für Richard Strauß. Während die heutige Baufentechnik nur drei, allerhöchstens vier Baufenfelle tennt, erhält das neue Baufentiavier" acht abgestimmte Bauten, die alle durch einen Spieler bedient werden sollen. Für das neue Instrument, das vor seiner Bollendung steht, wird Richard Strauß die ersten Noten schreiben. Kunfchronit. Paul Cassirer wird in der fommenden Saison seine Ausstellungstätigkeit wieder im größeren Umfange aufnehmen. Die Reihe der Ausstellungen beginnt mitte September mit einer großen Schau fran zösischer Impressionisten, die Hauptwerke dieser Meister aus deutschem Besitz zeigen wird. Es folgen: Dafar Kokoschka als Landschaftsmaler, Gesamtausstellung Ernst Barlach, Pariser Arbeiten von Marc Chagall, Sonder ausstellungen Rudolf Großmann, Ernesto de Fiori, Kurt Edzard. Ein neuer Raffael? Der Leiter der Staatlichen Restaurierungsstelle, Professor Grabar, entdeckte in Nischnij- Taglist im Ural ein Gemälde, das er als das Driginal von Raffaels Madonna del Popolo bezeichnet. Der Todessturz aus dem D- Zug. Der Aufklärung nähergerücf. Heute früh traf im Berliner Polizeipräsidium aus Holland die telegraphische Nachricht über das Ergebnis der Untersuchung der dortigen Kriminalpolizei ein. Kriminalfommissar Freitag von der holländischen Kriminalpolizei meldete, daß das Kindermädchen Marie 2ampersbach ihre Stellung in Graveland ordnungsmäßig verlaffen hat. Es ist nichts vorgefallen, das sie zu einer Flucht hätte veranlassen können. Bei der Abreise befand sie sich im Besize von 70 Gulden und einem neuen großen Reisetoffer. Die gestrige, von anderer Seite erfolgte Meldung, daß die Lampersbach an Verfolgungswahnsinn gelitten habe, ist unzutreffend. = Nach dem Ergebnis der neuesten Ermittlungen scheint die Lampersbach das Opfer eines tragischen Mißverständ nisses geworden zu sein. Wie die Beugenaussagen ergaben, hatte fie sich von einer diden Frau und einem Herrn mit schwarzem Schnurrbart bedroht gefühlt. Der Herr hatte leider den Zug bereits verlassen, als man nach ihm suchte. Die Holländerin wurde angehalten und nach einer eingehenden Vernehmung in derselben Nacht von der Kriminalpolizei in cinem Sotel untergebracht, da sie angab, in Berlin röllig fremd zu sein. Gestern Wittwoch vormittagwurden noch einmal Mitreisende verrommen, die bei ihrer Behauptung blieben, daß die Holländerin, eine Frau Malta Teichtheil, fich durch ihr Betragen verdächtig gemacht habe. Gegen mittag des gestrigen Tages wurde Frau Teichtheil noch einmal eingehend vernommen. Da ihr keine Berfehlung nachgewiesen werden konnte und sie immer noch behauptete, sich um das Mädchen nicht gefümmert zu haben, so mußte sie wieder entlassen werden. In den Nachmittagsstunden rief durch den Fernsprecher eine männliche Person bei der Mordkommission an und teilte mit, daß Frau Teichtheil auf Dem Polizeipräsidium ein Beutelchen mit 34 Brillanten verloren habe. Da alles Nachsuchen nach diesem Beutelchen vergeblich war, schenkte man dieser Mitteilung zuerst keinen Glauben. Blöglich meldete fich eine Reinmadjefrau, die auf der Frauentoilette Das vermißte Beutelchen gefunden hatte. Jetzt wurde Frau L. wieder aus dem Hotel geholt. Wie ihr Paß zeigte, hat fie oft Deutschland durchquert, um nach Polen zu kommen. Sie erkannte das Beutelchen als ihr Eigentum und gab an, daß sie es am Körper versteckt gehabt hatte. Es liegt also der Verdacht nahe, daß man in ihr eine gewerbsmäßige Diamantenschmugglerin erwischt hat. Jetzt findet auch ihr Verhalten im D- Zuge eine Er klärung. Nach Art der Schmuggler hat fie, wie der Fachausdruck heißt.„ cachiert", d. h. eine Annäherung an eine unverdächtige Person gesucht, um in deren Schuß der Aufmerksamkeit der Beamten zu entgehen. Als Opfer wählte sie die Lampersbach. Diese mißverstand die Annäherungsversuche der Frau und glaubte sich verfolgt. Ohne Zweifel gehört auch der Herr mit dem schwarzen Schnurrbart zu der Frau T., entweder ist er ihr Gatte oder ebenfalls ein Schmuggler. Die 34 flaren ungefaßten Diamanten wurden be schlagnahmt und der Zollbehörde übergeben. Frau Teichtheil wurde iegt in aft genommen. Da die Behauptung der Frau L., in Berlin feinen Bekannten zu haben, angezweifelt werden muß, so werden alle Personen. die zweckdienliche Mitteilungen machen können, gebeten, diese den Kommissaren Johannes Müller und Zapfe im Polizeidienstgebäude in der Magazinstraße, Bimmer 44, zuzuleiten. Zwei neue Dachstuhlbrände. Wieder Brandstiftung? Heute früh gegen 6 Uhr wurde die Feuerwehr der Memeler Bache nach dem Hause Guntherstraße 3 in Lichtenberg gerufen. Hier war ein Dachstuhlbrand ausgebrochen. Die Wehr, die in erhöhter Alarmbereitschaft liegt, rüdte mit großem Aufgebot an. Während man noch am Löschen war, sah man plöglich aus dem Dachstuhl des Hauses Wagnerstraße 2 helle Flammen fchlagen. Durch Zuzug anderer Wachen wurde die Wehr noch verstärkt und auch die Bekämpfung dieses zweiten Brandes in Angriff genommen. Da nach Ansicht des Leiters der Memeler Bache Brandstiftung porliegt, wurde die vom Polizeipräsidenten ernannte BrandCommission sofort alarmiert. Unter Leitung des Oberinspettors linghammer und des Kriminalkommissars Riese eilten die Beamten berbei und fetten fofort mit den Nachforschungen und Ermittlungen in. Der Gebäudekomplex an der Ede der Wagner- und Gunthertraße bildet ein Biereck von dreimal vier Häusern. Zwischen den beiden Brandstätten liegt ein Edhaus, das vom Feuer verschont gelieben ist. Die beiden Dachstühle fonnten nicht gerettet werden and find vollkommen ausgebrannt. Ein Feuerwehr. nann erlitt eine ich were Rauchvergiftung und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Sämtliche Hausbewohner wurden von den Kriminalbeamten eingehend befragt. Ein genaues Ergeb. nis der Nachforschungen ist zurzeit noch nicht bekannt. Die Beschlüsse von Marseille. Die Sozialistische Internationale und der Bolschewismus. Außer der in unserer heutigen Morgenausgabe veröffent-| europäisch- amerikanischen Imperialismus durchsetzt. Die Sozia lichten Resolution über die Friedensprobleme, die sich vornehm- liftische Arbeiter- Internationale verpflichtet daher alle sozialistischen lich mit den westeuropäischen Fragen beschäftigt, hat der Parteien, einen ständigen und energischen Kampf für das SelbstMarseiller Kongreß einstimmig auch nachstehende Resolution bestimmungsrecht der unterworfenen Völker Aſiens und Afrikas zu über die Fragen des Nahen und des Fernen Oftens anges nommen: Die Probleme des Ostens. In dem Augenblid, in dem die internationale Lage in Westeuropa unter dem ständigen Druck der Arbeiterklasse friedlicher zu werden beginnt, erscheint die Lage in Osteuropa voll der schlimmsten Gefahren und beansprucht die ernsthafteste Aufmerkfamkeit der Sozialistischen Arbeiter- Internationale. Seit dem Sturz der britischen Arbeiterregierung find die Gegenfäßze zwischen den tapitalistisch- imperialistischen Mächten, ins besondere dem britischen Reiche einerseits und der Union der Sowjetrepubliken anderseits in gefährlichem Maße verschärft worden. Innerhalb der kapitalistisch- imperialistischen Staaten erstarken die Kräfte, die, durch die nationalistischen revolutionären Bewegungen in China, in Indien, in den mohammedanischen Ländern er= schreckt, zu einer aggressiven Politik gegen die Union der Sowjetrepubliken drängen. Die Kommunistische Internationale nährt die Illusion, daß die Befreiung der Arbeiter ihnen auf den Spiken der Bajonette siegreicher roter Armeen gebracht werden könne und daß es eines neuen Weltkrieges bedürfe, um die Weltrevolution herbeizuführen. Sie ermutigt die revolutionären Bewegungen in Afien und Afrika in der Hoffnung, auf sie geftüßt, dem Kapitalismus durch den Krieg den Todesstoß zu versezen. Aus diesen gegensäglichen Tendenzen geht die ernste Gefahr eines neuen Weltkrieges hervor. Durch diese Gefahr werden am unmittelbarsten die Nach bar ft aaten Rußlands zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer und die Balkanstaaten bedroht. Die Begründung dieser neuen Staaten der aus dem Joch der Romanows, der Habsburger und Hohenzollern befreiten Völker stellt einen wesentlichen Sieg der Demokratie dar. Aber dieser Sieg ist dadurch eingeschränkt worden, daß die Grenzen diefer Staaten unter dem unmittelbaren Einfluß der imperialistischen Mächte nach deren Interessen gezogen worden find, daß in vielen Fällen das Selbstbestimmungsrecht der Völker Dabei verlegt wurde und daß die Rechte der nationalen Minderheiten mißachtet werden. Der 3ust and ständiger Unruhe, der infolgedessen und infolge der politischen Reaktion in einer Reihe dieser neuen Staaten in diesem Teil Europas besteht, wird durch zwei Umstände verschärft. Einerseits sind diese Staaten Putschen ausgesetzt, die unter dem Einfluß der Kommunistischen Internationale organisiert werden, um als Vorwand zu dienen, diesen Ländern das Schicksal Georgiens und Armeniens zu bereiten. Anderseits fönnen die fapitalistisch- imperialistischen Mächte diese Staaten als ihren Sturmbod gegen Sowjetrußland mißbrauchen. Diese Lage ist um so bedrohlicher, als jeder Konflikt im Osten den ganzen Erdteil in Brand zu stecken droht. Angesichts dieser Gefahren erflärt der Kongreß: 1. Die Internationale tritt rückhaltslos für das Recht der neuentstandenen Staaten auf freie und unabhängige Existenz ein. Die Internationale erflärt es neuerdings mit größtem Nachdruck als Pflicht aller sozialistischen Parteien, insbesondere aber der sozialistischen Parteien der großen Weltmächte und der Randstaaten, jede gegen die Sowjetunion gerichtete aggreffive Politit zu bekämpfen und die Herstellung friedlicher politifcher Beziehungen und normalen wirtschaftlichen Berkehrs mit der Sowjetunion zu fordern. Der Kongreß begrüßt die Verbesserung der internationalen Lage der Sowjetunion, die feit dem legten Kongreß in Hamburg vornehmlich dank der Aktion der Sozialiftischen Arbeiter Internationale eingetreten ist. Die rechtliche Anerkennung der Sowjetunion durch Deutschland, England, Italien, Desterreich, Frankreich, Japan und viele andere Staaten, hat den diplomatischen Boykott durchbrochen, den die fapitalistischen Mächte ihr auferlegen wollten. Diese Tatsache gibt der Internationale das Recht, das russische Voit aufzufordern, die Herstellung poller politischer und gewertschaftlicher Frei heit in der Sowjetunion anzustreben und sich jeder aggressiven und annektionistischen Politik ihrer eigenen Regierung somie jeder Propaganda zu widersetzen, die auf gewaltsame Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder gerichtet ist. | führen. Die Internationale versichert die chinesischen Arbeiter der vollen Solidarität und fordert insbesondere für China die Aufhebung des fremden Drucks, die Aufhebung des Systems der Konzessionen und bie fofortige Einführung moderner Arbeiterschutzgesetze zum Schuße der ausgebeuteten chinesischen Arbeiter. 3. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale fordert das Selbst1918 sowie durch die Beschlüsse der Botschafterkonferenz einer Fremdbestimmungsrecht für die durch alle Friedensverträge seit herrschaft unterworfenen Völter, ebenso wie für die Völker der Sowjetunion, die ihre staatliche Selbständigkeit während der Revolution erlangt haben, lution erlangt haben, wie Armenien, Georgien, die ukraine und andere. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale erwartet von allen angeschlossenen Parteien, daß sie die Rechte der nationalen min berheiten tatkräftig verteidigen, für die in geschlossenen Gebieten siedelnden Minderheiten Autonomie, für die zersplitterten Minderheiten Gleichberechtigung und Freiheit des Gebrauchs ihrer Sprache sowie die Entwicklung ihrer Schule und Kultur fordern. Die Internationale stellt fest, daß ein dauernder Friede nur dann gesichert werden kann, wenn die internationale Rechtsordnung im Sinne des Artikels 19 des Völkerbundspakts planmäßig in der Richtung weiterentwickelt wird, daß eine Revision der Staatenordnung und der Staatengrenzen im Geiste des Selbstbestimmungsrechtes der Völker mit den friedlichen Mitteln des unterworfenen Völker ihre Befreiung nicht von neuen Kriegen erhoffen. Die Internationale fonstatiert aber, daß die Anwendung dieses Grundsages auf den Osten Europas den Eintritt der Sowjetunion in den Bölkerbund vorausseßt und notwendig macht. Schiedsgerichtes und des Blebiszits ermöglicht wird, Damit die 4. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale verurteilt auf das schärffte die in verschiedenen Ländern, insbesondere in Bulgarien, wütende Gewalt- und Terrorherrschaft und ruft alle Sozialisten auf, sich mit aller Kraft jeder Gewalttat zu widersetzen und die Beseitigung jedes Terrors zu fordern. Resolution über Marokko. Der Kongreß erhebt leidenschaftlichen Protest gegen die kriegerischen Ereignisse, die sich gegenwärtig in Marokko abspielen und neues Blutvergießen verursachen. Er macht sich die Entschließung zu eigen, die die der sozialistischen Arbeiter- Internationale angeschlossenen Parteien Englands, Spaniens und Frankreichs am 28. Juli 1925 gefaßt haben. Die Parteien der Internationale fordern Don den beteiligten Regierungen eine fofortige und entscheidende Aftion zur Wiederherstellung des Friedens. Sie fordern die Veröffentlichung der zwischen Spanien und Frankreich vereinbarten Friedensbedingungen. Sie fordern, daß diese Bedingungen sofort und direkt dem Führer der Rifkabylen Abd el Krim mitgeteilt werden und verlangen von diesem eine flare Antwort über die Möglichkeit sofortiger Verhandlung und Verständigung. Sie sind überzeugt, daß der beste Weg, zum Frieden zu gelangen, darin besteht, diese Verhandlungen rückhaltlos unter die Kontrolle der gesamten internationalen öffentlichen Meinung zu stellen. Diese Verhandlungen müssen in erster Linie folgenden Gesichtspuntten Rechnung tragen: 1. Die Unabhängigkeit des Rifs ist von Spanien anzuerkennen. 2. Spanien und Frankreich stimmen einer Berichtigung der Grenzen zu, um die sowohl für die Ernährung des Rifs als für seine wirtschaftliche Organisation unentbehrlichen Vereinbarungen zu erleichtern. Der Kongreß fordert ferner, daß die militärischen Ope= rationen fofort eingestellt werden, sobald die Friedensverhandlungen begonnen haben. Er erklärt, daß, wenn man sich über wesentliche Punkte nicht einigen tann, Spanien, Frankreich und Abd el Krim den Streitfall dem Schiedsspruch des Völkerbundes unterbreiten sollen. Ebenso wäre es angezeigt, daß der Friedensvertrag, sobald er unterzeichnet ist, beim Bölkerbund registriert wird; der Rifftaat soll das Recht haben, in den Böltezbund einzutreten, wenn er es wünscht. Die sozialistischen Vertreter erklärten überdies, daß sie die marokkanische Frage als eine derjenigen ansehen, mit denen sich der Bölkerbund pflichtgemäß befassen soll. Schon jegt, bis zur UnterEnergische Maßnahmen gegen die Brandstifter. zeichnung des Friedens soll der Völkerbund die Einhaltung der internationalen Verträge überwachen, namentlich in bezug auf den freien In der Pressestelle des Polizeipräsidiums fand heute unter Bor. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale ist sich dessen bewußt, Berkehr der Sanitätsmiffionen im Kriegsgebiete, die Anwendung der iz des Bizepräsidenten Dr. Friedensburg eine Konferenz tatt, in der eingehend die überhandnehmenden Brände in den letzten daß die Kriegsgefahr wesentlich verringert würde, wenn die Ent- Bestimmungen gegen den Waffenschmuggel und gegen gewisse AusTagen zur Sprache famen. Dr. Friedensburg hat persönlich eine scheidung über Krieg und Frieden in der Sowjetunion nicht in den schreitungen des Krieges, wie die Verwendung von Giftgasen, ferner die humane Behandlung der Gefangenen und Verwundeten. Anzahl Brandstätten besucht und wird an Hand der Untersuchungen Händen einer diftatorischen Gewalt, sondern in den Händen der Für die Zukunft soll der Völkerbund ein den von ihm bereits und Erfahrungen einen großzügigen lleberwachungsdienst organi- ölker der Sowjetunion selbst läge. Die Internationale unterstützt Fleren. Außer der ständigen Kriminal- Brandtommission, die erheb- daher mit größtem Nachdruck die Bestrebungen der sozialistischen eingeführter Mandaten entsprechendes Regime vorsehen. Mit den lich verstärkt wird, soll der ständige Straßenüberwachungsdienst Parteien der Sowjetföderation nach der Demokratisierung hier aufgeworfenen Problemen ist endlich auch die Internationagleichfalls verstärkt werden. Ein weiterer Plan ift der ins Auge des Regimes der Sowjetunion und der Herlisierung der Meerengen verbunden, die allein die allgemeinen Interessen der Völker in Einflang bringen und sie von dem besonders gegefaßte Flugüberwachungsdienst. Das Flugzeug, das bisher nur als stellung der politischen Freiheit. Berkehrs- und Beförderungsmittel, allenfalls auch zur Bekämpfung fährlichen Streit aus Gründen des Prestiges und der wirtschaftlichen von Forstschädlingen herangezogen wurde, soll jetzt auch in den Selbstfucht befreien fann. Die Weltgesamtwirtschaft erfordert sowohl Bolizeidienst gestellt werden und in geringer Höhe fahrend, die im Hinblick auf eine organisierte Produktion als auf die Berteilung Berliner Häusertomplexe von oben herab überwachen. Daneben der Rohstoffe im Weltmaßstab, die die Begehrlichkeit der Kapitalisten eindämmen und ihre mörderischen Folgen beseitigen soll, daß der toerden hohe Belohnungen ausgesetzt, die demjenigen, der die Brandfilter überführt oder zu deren Ermittlung beiträgt, fofort ausgezahlt Bölterbund sich mit diesen wirtschaftlichen Problemen beschäftige, werden. Die Berliner Polizei wird also die schärfften Maßnahmen ohne deren Lösung ein dauerhafter Friede unmöglich ist. zur Verhinderung der verbrecherischen, Leben und Gut der Mitmenschen gefährdenden Brandstiftungen ergreifen. Es ist zu hoffen, daß die Brände durch diese Maßnahmen gänzlich aufhören, zumindest aber auf ein Minimum zurückgehen. 14. Deutsche Gastwirtsmeffe. Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältniffe haben sich auch im Ausstellungswesen bemerkbar gemacht. Die legten Beranstaltungen dieser Art waren durchweg schwächer besucht und beschickt; einzelne mußten sogar wegen ungenügender Beteiligung ganz und gar abgefagt werden. Gelegentlich der geftrigen Eröffnung der„ 14. Allgemeinen Deutschen Gastwirtsmesse" im Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof wies der Leiter und Begründer dieser seit Frühjahr 1919 bestehenden Messe darauf hin, daß man dieser Veranstaltung eine neue Organisationsbafis gegeben habe. Im Hinblick darauf, daß die für Hotel, Restaurations- und Küchen bedarf einschlägigen Industrie-, Handels- und Gewerbegruppen neben den Hotels und Gasthäusern auch noch andere Verbrauchertreise be liefern, ist die Gastwirtsmeffe dahingehend ausgestaltet worden, daß auch diese Interesse am Besuch der Messe haben. Speziell der Küchenfachmann und die im Gewerbe mithelfende Frau werden vieles finden. Gleich am Eingang ist z. B. der Sonderraum„ Musterfüche", wo u. a. die„ Städtischen Gaswerke" musterhafte Anlagen im Betrieb praktisch vorführen. Ebenso reichhaltig ist die Gruppe Reſtaurationsinventar. Man findet da alles, was für Hotel, Restaurations, Saal- und Bühnenausstattungen notwendig ist. Auch die chemisch- technische Industrie ist reichlich vertreten mit Seife, Buzmitteln, Fußbodenöl, Saalwachs, Baschpulver und ähnlichen Erzeugnissen. Die Tabakbranche erwartet gute Abschlüsse in Bigarren, Pigaretten usw., weil die neuen Steuergesetze im Oktober wesentliche Breiserhöhungen bringen, namentlich für die Marken des Massenfonfums. Die Messe ist bis Freitag jeden Tag vormittags 10 bis abends 9 Uhr geöffnet, 2. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale begrüßt bas Erwachen der breiten arbeitenden Boltsmaffen der chinesischen, der indischen und der moham medanischen Welt. Die Sozialistische Arbeiter- Internationale ist sich bewußt, daß ein neuer Weltkrieg nur dann verhindert werden fann, wenn die europäisch- amerikanische Demokratie selbst das Selbstbestimmungsrecht aller Völker anerkennt und gegen den Aerzte gegen Rundfunk. Der Berlin Brandenburger Aerztekammer ist der Rundfunt ein Dorn im Geschäftsauge. Sie hat einftimmig einen Antrag angenommen, wonach fie es im Interesse der Volks gesundheit für höchst bedentlich hält, wenn durch Bermittlung der Funkstunde wissenschaftlich nicht begründete Anschauungen über Wesen und Behandlung von Krankheitszuständen verbreitet werden. Also auch hier möchte man ein ärztliches Monopol aufrichten und jede freiere Richtung ausschalten. Dann muß aber wieder einmal daran erinnert werden, daß die ärztliche Wissenschaft heute vieles restlos anerkennt, was sie früher verbannte, weil es zuerst von Nichtärzten in die Welt gesetzt wurde. Umgekehrt ist so manches, das wissenschaftlich begründet schien, später durch andere Forschungen, oft gerade mit Hilfe von sogenannten Laten, überholt worden. Ausgesprochene Kurpfuscher wird ja die Funkstunde wohl nicht zu Worte tommen lassen. Es fann aber nur nügen, wenn von intelligenten Köpfen gelegentlich gute Anregungen gegeben werden. 3 Die Kirche und das arbeitende Volk. Die zu obigem Thema vor der Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Berbände der deutschen Republit, Drts: gruppe Groß- Berlin, zu gestern abend einberufenen öffentlichen Boltsversammlungen erfreuten sich eines starten Zuspruchs. Mehrere hundert bisher noch den verschiedensten Religionsgemeinschaften angehörenden Proletarier haben ihre Adressen zur Verfügung gestellt, um in den von der Arbeitsgemein. schaft freigeistiger Verbände eingerichteten Kirchenaustritts. dienst stunden, in den Geschäftsräumen des Vereins der Frei denter für Feuerbestattung e. B., Friedenstraße 60( jeweils Dienstags und Freitags von 7-8 Uhr abends) den Kirchenaustritt notariell zu vollziehen, Neue Zehn- Rentenmarkscheine. Die Deutsche Rentenbank macht bekannt, daß von Anfang September d. 3. ab neue Rentenbankscheine über 10 Rentenmark mit dem Ausstellungsdatum 3. Juli 1925 ausgegeben werden. Die neuen Scheine treten an die Stelle der bisher ausgegebenen Rentenbankscheine über 10 Rentenmark vom 1. November 1923; die no dum. Laufenden Scheine der alten Art behalten aber bis auf weiteres ihre volle Gültigkeit. Der Chauffeurkrieg. Seit der Fahrpreisermäßigung bei einem Teil der Großkraft broschten find der Polizei mannigfache Klagen darüber zugetragen worden, daß an den Autohaltestellen die Chauffeure derjenigen Autokraftdroichten, die ihren Tarif nicht ermäßigt haben, mit allen möglichen Mitteln den billigeren Großfraftbroschten und auch den Kleinkraftbroschfen das Halten zu verwehren suchen. Da das Polizeipräsidium nicht gewißt ist. seine im Interesse des Bublifums liegende Verkehrspolitik sabotieren zu lassen, so wird es gegen derartige Verfuche Tüdsichtslos vorgehen. Denjenigen Droichtenfuhrherren, die sich in dem angegebenen Sinne schuldig machen, wird unnachsichtlich die Erlaubnis und den betreffenden Chauffeuren der Fahrtausweis entzogen werden. " Bartfonzert in Schöneberg. 8 ugunsten der Bestrebungen des Deutschen Blindenbundes für Führbunde", veranstaltet der Männerchor Freundschaft", Mitglied des Deutschen Arbeiterfängerbundes" Gau Berlin, am Sonntag, den 6. September d. Js., mittags 1,12,1 Uhr, im Stadtpart Berlin- Schöneberg, am neuen Rathaus ein Freiluftfonzert, das mit einer vom Polizeipräsidenten Berlin genehmigten Sammlung verbunden ist. Generalversammlung der Konsumgenossenschaft. Gewerkschaftsbewegung Wünsche der Mühlenbesitzer. Zwölfftundentag und niedrige Löhne. Eine Funktionärversammlung der Mühlenarbeiter nahm am Dienstagabend im Verbandsbureau Stellung zu dem Lohn- und Manteitarifvertrag. den Belegschaften Rüdsprache zu nehmen und danach endgültig über den Schiedsspruch zu entscheiden. Nachdem Branchenleiter Dorn den Schiedsspruch im Zusammens hang mit dem am 30. September ablaufenden Mantelvertrag eins gehend beleuchtet hatte, lehnte die Versammlung den Schiedsspruch nach furzer Diskussion e in stimmig ab. Die Versammlung nahm ebenso einstimmig folgende von der Branchenleitung vorgelegte Entschließung an: In der geftrigen außerordentlichen Generalversammlung der Konsumgenossenschaft hielt Genosse Simon Kagenstein einen Bortrag über„ Die soziale Bedeutung der Konsumgenossenschaften". Er schilderte zunächst, wie aus fleinen Anfängen die starke Bewegung hervorging. Sie stehe im Dienste der faufenden Mitglieder und fämpfe daher für die Ausschaltung des Profits. Die Konsumgenossenschaft sei in ihrem ganzen Wesen antikapitalistisch. Sie sei ein Kampfmittel gegen Not, und Ausbeutung. Ihre AufDie Funktionäre der Musikinstrumentenindustrie lehnen den am 25. August unter Vorsiz des Gemerberates Körner vom Schlichtungs gabe müsse sein, den gesamten Bedarf des werftätigen Boltes zu Schmitz vom Verband der Lebensmittel und Getränke ausschuß gefällten Schiedsspruch als in jeder Richtung hin un becken, um den Brivathandel auszuscheiden. Der fommunistische arbeiter teilte mit, daß die Ortsverwaltung das Lohnabkommen am befriedigend ab. Der im Schiedsspruch festgelegte Lohn ist zu Antrag auf Bulaffung einer Disfuffion wurde mit großer Mehr 27. August zum 23. September get ündigt hat. Die Bersamm niedrig und die Geltungsdauer bis zum 31. Oftober zu lang. Die heit abgelehnt. Den Bericht der Wahlprüfungstommiflung beauftragte die Organisation vom Arbeitgeberverband eine Branchenkommission wird beauftragt, die Verhandlungen über den sion gab Genoffe Wegner. Bon den 13 eingelaufenen Bro- Erhöhung des Wochenlohnes zu fordern, so daß bei 48stündiger Manteltarifvertrag ungefäumt zu beginnen und so zu fördern, daß testen feien 10 unwesentlicher Natur. Nur bei 3 Verkaufsstellen Arbeitszeit der Stundenlohn 1,20 m, beträgt. Des weiteren teil- der neue Manteltarif mit Ablauf des bisherigen entschieden ist. seien die Wahlen zu beanstanden gewesen. Die KBD. habe ten die Organisationsvertreter od app und Schmitz mit, daß Die Forderung einer 21prozentigen Lohnerhöhung ist den Unterin zwei Fällen Spigentandidaten aufgestellt, am 27. Auguft mit den Arbeitgebern Berhandlungen über den Abnehmern gegenüber aufrechtzuerhalten und in freier Bereinbarung bie gar nicht Mitglied der Genossenschaft sind. schluß eines neuen mante Itarifvertrages stattgefunden unter Ausschluß der Schlichtungsinstanzen rückwirfend durchzudrüden Die Vorschläge der Prüfungskommission wurden angenommen. haben. Die Verhandlungen sind aber gescheitert, da die UnterDen Bericht über den 61. Genossenschaftstag in Spremberg gab nehmer in dem neuen Vertrag wesentliche Verschlechte= Genosse Barlow. Auch über den Stettiner Genossenschaftstag rungen der Arbeitszeitregelung, des Urlaubs murde eingehend berichtet. Ueber den Verlauf der Verbandstage u dgl. aufnehmen wollten. Die Unternehmer haben dann der Organisation neue Vorschläge unterbreitet, über die in den nächsten Tagen verhandelt werden wird. Ob in den Manteltarifverhand lungen eine Einigung erzielt werden wird, ist nicht anzunehmen, da die Unternehmer den Zwölfftundentag im Bertrag festgelegt daß die find unsere Leser bereits informiert worten. Bemerkenswert ist, Konsumgenossenschaften in Deutschland gegenwärtig 3 Millionen Mitglieder haben. Zum Schluffe stimmte bie Bersammlung noch einigen Ausschlukanträgen zu. Wie noch erinnerlich, hatte im März d. I. die KPD. bei der Deleniertenwahl ein Flugblatt herausgegeben. Auf diesem wurde der Verwaltung vorgeworfen, fie habe die Mitglieder betrogen. Das fommunistische Aufsichtsratsmitglied Hubrig hatte damals erklärt, daß er auch dem Flugblatt zustimme. Er hatte aber nicht einmal den Versuch gemacht, diefe Behauptung zu beweisen. Die Bersammlung stimmte auch diesem Ausschlußantrag zu. Polizeibeamte! Donnerstag, den 3. September, abends 71, Uhr, in der Bod brauerei, Fidicinstraße: 20 Reisswehrkapellen feiern Sedan. Mit flappernden Zähnen Gr. Öffentl. Polizeibeamten- Bersammlung und hochgeschlagenen Kragen hörten gestern im Stadion die nicht fehr zahlreich erschienenen Patentpatrioten" den Darbietungen der Musikkapellen zu. Einige Boltsgenossen, die im guten Glauben, an einem musikalischen Unterhaltungsabend teilzunehmen, erschienen waren, verliehen empört die nationalistische Rummelstätte. Wenn man auch schon gewöhnt mar, daß Reichswehrfapellen die Bropaganda der Realtionäre zur Untergrabung der Republik nach Kräften Tagesordnung: Die Behandlung der Polizeifragen im Preußischen Landtag." Referent: Landtagsabgeordneter Genosse Mardwald- Frankfurt a. M. Außerdem werden sprechen: Die Genossen Stelling, Schrader, Siering, Winkler, Jens, Albinus und andere. Alle Polzeiwerden hierzu eingeladen. Lohnvereinbarung in der Damenhutbranche. Die Zahlstelle Berlin des Hutarbeiterverbandes hielt am Diens tag in den„ Residenzfestfälen" eine Generalversammlung ab. Zur Beitragsfrage führte Wetter aus, daß der Ver bandstag beschlossen hat, ab 1. Ottober die Beitragssäge zu er höhen. Der Beitrag wurde auf 1 M. für die erste und 85 Pf. für die zweite Klasse festgesetzt. Bisher wurden für diese beiden Klaffen 10 Pf. Lotalzuschlag erhoben. Nach dem Vorschlag der Zahlstellenleitung soll fünftig in den beiden höchsten Stufen ein Lotalzuschlag von 15 Pf. gezahlt werden. Die mehr erhobenen 5 Pf. sollen den Arbeitslosen, Kranten und Invaliden zugute fommen. Nach längerer Debatte stimmte die Versammlung dieser Regelung zu, so daß die Beiträge ab 1. Oftober insgesamt in der 1. Klasse 1,15 m. und in der 2. Klasse 1 M. betragen. Dann berichtete Better über die mit den Unternehmern in Schandau geführten Lohnverhandlungen. Der Reichs. lohntarif für die Damenhutbranche fonnte erst nach längeren Verhandlungen zum Abschluß gebracht werden. Nach der neuen Bereinbarung sind die Löhne mie folgt feſtgeſetzt: Der Grundlohn für männliche Arbeiter beträgt 81 f. pro Stunde; für Lohnarbeiter ist bei Affordarbeit ein Zuschlag von 15 Broz., also ein Stundenlohn von 93 Pf. zu zahlen; Muster- und Spezialarbeiter erhalten 30 Broz. Zuschlag, mithin einen Stundenunterstüßten, so dürfte diese Feier das Maß des bisher Gebotenen beamten, auch die nicht zur Sozialdemokratischen Partei gehörigen, lohn von 1,05 M. Für weibliche Arbeiter werden 75 Proz. det doch bei weitem übertroffen haben. Ein neues Ufa- Theater. Berlin hat ein neues großes Kins mehr: Im großen Saal der ehemaligen Brauerei Königstadt hat die Ufa Filmgesellschaft durchgreifende Umbauten vorgenommen und fo ein Filmtheater gefchaffen, das sich ihren schon bestehenden würdig anschließt. Regierungsbaumeister Meyer hat einen beforativ wirkenden Raum erstehen lassen, der trotz seiner Größe anheimelnd und gemütlich ist. Professor Sietes Ausmalung des Theaters und der Nebenräume ist im modernen Stil gehalten: sie belebt Flächen, Ecken und Nischen. Die Illustration der Filme wird neben dem großen Orchester eine ganz neuartige Orgel besorgen. Ihr Stimmenwerf ist für die besonderen Bedürfnisse des Films erbaut. Das schöne Theater wird eine fühlbare Ronkurrenz für die vielen fleinen Rientöppe" der Schönhauser Borstadt sein. Hoffent lich bringi die Ufa nun auch Filme, die zur Förderung der Bildungsbestrebungen des Arbeiterpublikums der Gegend dienen tönnen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 111. Abt. Bohusberf. Freitag, den 4. September, abends 8 Uhr bei Heimann, erweiterte Vorftandsfizung. Wirtschaft Zur Geschäftsaufsicht der Aga verbreitet BTB. folgende Meldung: Wie wir von maßgebender Stelle erfahren, haben am 2. September an neutraler Stelle seitens der mit der Durchführung der Geschäftsaufsicht der Aga, die zunächst nur für einen Monat verfügt ist, Berhandlungen mit den Banten über die Zurverfügungstellung der für die Weiterführung des Betriebes notwendigen Mittel begonnen. Es find zwar sowohl für die laufende Woche die Löhne fichergestellt, und man rechnet ferner mit Sicherheit damit, auch für die kommende oche die notwendigen Lohngelder beschaffen zu fönnen. Immerhin bleibt nach wie vor die finanzielle Sa nierung das Hauptproblem. Von dem günstigen Fort schreiten der Berhandlungen wird es abhängen, ob man mit einer nur einmonatigen Geschäftsaufsicht wird auskommen können. Eine Echwierigkeit liegt insofern für die Verhandlungen vor, als die von den fünftigen Geldgebern der Gesellschaft mit der Ueberprüfung des Statuts beauftragte Treuhandgesellschaft ihren Revisionsbericht noch nicht fertiggestellt haben fann. Bon amerikanischen Kapitalisten scheint in der Tat wenig zu erwarten zu sein. Dies wird vor allem auch von den Teilen der Arbeiterschaft bedauert, deren Ent. laffung nicht vermieden werden kann, die aber mit der Auszahlung des Erlöses aus dem bekannten Aktiengeschenk des Dr. Edmund Stinnes rechnen. Demgegenüber befindet sich der Betriebsrat in einer schwierigen Lage, als er damit rechnen muß, daß bei Uebernahme des Attienpatets durch die Arbeiterschaft das zuständige Finanzamt seine Forderungen in Bezug auf die Schenkungssteuer gegen die neuen Arbeiteraktionäre stellen wird. Man hat infolge dessen die Schentung noch nicht angenommen, aber auch nicht abgelehnt. Denn man muß immer noch damit rechnen, daß nach einer Stabilisierung der Verhältnisse das Wert in der Tat gute Erträgnisse abwerfen wird. Dies hat umsomehr Wahrscheinlichkeit, als trotz der Vermutung, daß intereffierte Gerüchtemacher am Werfe find, die Aga wagen noch immer gesucht werden. Deutsche Industriewerke Uttiengesellschaft. Unter diesem Namen ift nunmehr das aus dem Verbande der Deutschen Werte Aktiengesellschaft ausgefchiedene ert Spandau gegründet worden. Gegenstand des Unternehmens ist die Weiterführung der von der Deutschen Werke Aktiengesellschaft, Werke Spandau und Wolfgang b. Hanau, aufgestellten Fabritationsprogramme, die die Herstellung und den Vertrieb von Industrierzeugnissen, insbesondere von Hütten und Gießereifabritaten, Maschinen und Metallwaren umfaffen. Als Vorstand des neuen Unternehmens find die bisherigen Direktoren des Wertes Spandau, die Herren Dr. Zizlaff und Kaufmann Henry Jaime, bestellt worden. Die Beamtenzentrale der SPD. J. A.: Hermann Wäger. haben wollen!( Warum nicht gleich den Vierundzwanzigstundentag?!) Zu dem Ergebnis der Verhandlungen wird sofort eine Funktionärkonferenz Stellung nehmen. Diese fleine Gruppe von Großverdienern leistet sich an Unverschämtheit schon immer Ertlecliches. Ihre gegenwärtigen Wünsche ganz abgesehen davon, daß sie ganz gesezwidrig sind übersteigen das Maß dessen, was selbst die verbisfensten Scharfmacher der Schwerindustrie sich erlauben. Protestversammlung der Bankbeamten. Die überaus ungünstige Lage der Bantbeamten hatte den A. gemeinen Bantbeamten- Berband und den Deutschen Bantbeamten verein veranlaßt, ihre Angehörigen zu einer öffentlichen Protestverfammlung nach den Germania- Festfälen zusammenzurufen. Der Saal war start überfüllt. Es referierte zuerst Emonts, der ausführte, daß im Auguft 1923 noch ungefähr 300 000 Angestellte in den Bankbetrieben beschäftigt waren, während durch den Abbau die Zahl auf 100 000 gejunten fei. Das Nominaleintommen sei seit der Stabilisierung unperändert geblieben; dadurch habe sich das Realeinkommen um 25 Proz. verschlechtert. Auf der einen Seite Abbau der Angestellten, auf der anderen Seite sei die Arbeitszeit dieselbe wie in der Infla tionszeit 54 Stunden in der Woche, in der Provinz werden sogar rung nichts weiter getan als 10 Broz. Steuer gefezwidrig von den noch erheblich länger gearbeitet. Für den Preisabbau hat die Regieabgebauten, die Abfehrgelder empfingen, einzufordern. In bezug auf die Schiedssprüche sei zu erklären, daß es überhaupt feine unabhängigen Schlichter mehr gebe, und daß die Schlichter in ihren Schiedssprüchen volkommen den Weisungen folgen, die sie von der Regierung erhalten hätten. Einziges Mittel, um die für die Ant gestellten unerträglichen Zustände im Bankgewerbe zu beffern, sei ein traffer Zusammenschluß der Banfangestellten in den Organisationen. Der zweite Referent des Abends, Perret, führte aus, daß die Hauptschuld an dem Abbau der Schiedsspruch im Dezember 1923 trage, der eine Arbeitszeit, die um 20 Broz. höher als die bisherige war, vorsah und gleichzeitig die Gehälter in dem Realmert um 33% Proz. herabsezte. Pflicht der Bantbeamten wäre es gewesen, gefchloffen gegen einen derartigen Schiedsspruch zu protestieren. Aber die Banfangestelltenschaft verjagte. Wenn die Bankleiter in ihrer Eingabe an das Reichsarbeitsministerium darauf hingewiefen haben, daß sie beim Abbau mit größtmöglichster Schonung und unter Berücksichtigung der sozialen Berhältnisse jedes einzelnen vorgehen, wenn sie ferner darauf hinweisen, daß die Tarifpolitik der Angestelltenorganisation an dem Abbau schuld sei, so sei darauf hinzuweisen, daß der Abbau sich planmäßig vollzogen habe, un abhängig von den Gehaltsforderungen, und daß diese Argumente nur vorgebracht werden, um den Angestellten die Gewerkschaften zu veretein. Nach einer lebhaften Diskussion, in der der Bertreter des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes durch Abstimmung der Bersammlung gezwungen wurde, seine vollkommen überflüssige Rede vorzeitig zu beenden und nach einem Schlußwort von Emonts gelangte eine Resolution zur Annahme, in der gegen die Schutz30llpolitik der Regierung der schärffte Protest erhoben wird, in der und in der die Angestelltenschaft aufgefordert wird, durch eine straffe gegen die Schiedssprüche aufs schärffte Stellung genommen wird Organisation aus ihrer Bassivität und Lethargie herauszutreten. Lohnbewegung in der Musikinstrumentenindustrie. Eine gut besuchte Funktionärfonferenz der Musikinstrumenten macher nahm am Mittwoch abend im Reichenberger Hof wieder Stellung zu dem am 25. August gefällten Schiedsspruch. Funktionäre hatten in der vorigen Konferenz beschlossen, erst mit gestattet. Die vierzehntägige Kündigung bleibt bestehen. Diese Tarifvereinbarungen wurden von der Versammlung nach einer Diskussion, in der das unzulängliche Angebot der Unternehmer friti fiert wurde, mit großer Mehrheit angenommen. Dem Ersuchen der Kölner Kollegen um Unterstützung murde ftattgegeben. Es wurden 300 m. für diesen 3wed bewilligt. Ferner wird den Arbeitslosen in Zukunft beim Besuch der Bersammlungen 1 M. Entschädigung gezahlt. Eine infame Dummheit. Mag die Kombinationssucht tes bürgerlichen Reporters noch so absurde Bege wandeln, auf das, was ein findiger Sensationstnabe in der Charlottenburger Reuen 3eit" mit wichtigtuerischem Augenaufschlag verkündet, find selbst die Schmocks der reaktionärsten, bewußt antiproletarischen Presse nicht gekommen. Die Brandstiftungen in Neukölln sind nach diesem Blatt von Bauarbeitern aus irgendwelchen Gründen entfacht worden. Infamer ist wohl jelten gelogen worden. Die„ Neue Zeit" schreibt: Als Ursache wird böswillige Brandstiftung angenommen, aber feineswegs von Bodendieben zur Berdeckung von Diebstählen, sondern von ausständigen Bauarbeitern. Auffallend und sehr bemerkenswert ist es jedenfalls, daß diese neue Brandstiftungsepidemie genau wie alle übrigen in den letzten dreißig Jahren in Berlin sich auf Dachstühle in bestimmten Gegenden beschränkte und mit Ausständen von Bauarbeitern zusammenfällt. Sie begann mit dem Ausstand der Zimmer leute und wird, wie alle früheren- wir erinnern nur an die „ Moabiter" nach Ansicht vieler mit der Beendigung des Aus. -standes aufhören." daß der Bauarbeiterstreif durch die Vereinbarung vom 29. Auguft Nun müßte die fich demokratisch" gebende ,, Neue Zeit" wissen, beendet, die Arbeit fett Montag wieder aufgenommen ist. Aber auch die einfachste Logit müßte zu dem Schluß führen, daß Arbeiter, die nicht wegen Arbeitsmangel, fondern wegen eines Lohnfonflits feiern, gar feine Ursache haben, irgend für den Konflikt gleichgültige Zerstörungen in Brivothäusern vorzunehmen. Gerade diefe offenbare Sinnlosigkeit der nach jeder Richtung haltlosen Verdächtigung stempelt sie zu einer Infamie, die bezeichnend für ein Blatt ist, das auf Leser aus der Arbeiterschaft spekuliert. Die Eisenbahner fordern allgemeine Lohnerhöhung. Hamburg. 3. September.( TU.) Wie das Hamburger Fremden blatt" berichtet, wurde in einer Berjammlung der organisierten Eisenbahner von Eroß- Hamburg eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Die Lohnempfänger des Einheitsverbandes Ortsgruppe Groß- Hamburg erklären ihre volle Uebereinstimmung mit dem Borgehen und der Haltung des Vorstandes und der Arbeiterbeisiger der Schlichtungsfammer. Sie begrüßen es, daß der Vorstand unbedingt auf ciner allgemeinen Lohnerhöhung besteht. Auch die von der Verwaltung jezt unter dem Druck der Bewegung festgesetzte Er höhung der Ortszulage für Groß- Hamburg, die außerdem in den unteren Lohngruppen völlig unzureichend ist, wird die Mitglieder des Einheitsverbandes nicht abhalten, ihre Pflicht gegenüber der gefamten Kollegenschaft zu tun. Die Versammlung erflärt ausdrüdlich, alle Maßnahmen des Borstandes zur Durchsetzung der allgemeinen Lohnerhöhung und der übrigen Forderungen zu unterſtüken. Aehnliche Meldungen liegen aus Elberfeld und Frankfurt a. M. vor. Butab- Angestellte und Betriebsreismitglieder! Berfammlung am Freitag, ben 4. Ceptember, abends 7 Uhr, im Hochzeitssaal der Germania- Säle, Chauffee der Tagesordnung erfordert es, daß alle Kollegen anwesend find. ftraße 110 Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Wirtschaftslage( Dr. Phirrmann), 2. Wahl von Bertretern zur Betriebsräteton erenz. Die außerordentliche Bichtigkeit Achtung, Schuchardt, Runge, und Röpenider Straße! Morgen, Freitag, 10 Uhr, Bersammlung der ftreitenden Mechaniker; um 11 Uhr Versammlung der Ausgesperrten im Gewertschaftshaus, Engelufer 24 25. Berantwortlich für Bolitik: Craft Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Sahilowski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts.Buchdruderel und Berlaasanstalt Vaul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Damentaschen- Fabrik Bauschule Glauchau i. Sa. Und geht einmal das Geld zur Neige Party- Cases, die große Mode von 3.25 an!- Auch Einzelverkauf: Hochbau. Tiefbau. Eisenbetonban Lederwarenfabrik Metzel Deutsche Prinzenstr.8), zw. Meritzpl. und Ritterstr. Dachdeckerschule Glauchau i. Sa. Fahri Lelchimotorräder 201 Tellzahlung ZETTHA Canienburger Str. 65, Räder werden boi Anzahlung mitgegoben. Bestimmungen für den Winterunterricht kostenlos durch die SoptAleiderFils- u. lerDirektion. 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