Nr. 417 42. Jahrg. dem duq mi" ong Ausgabe A nr. 213 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Sied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: * Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reklamezeile B- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Er erklärte, daß man bei der Eröffnungsfihung des Friedenstongreffes mit großer Ungeduld die Rede des deutschen Reichstagspräsidenten erwartet habe. Aber im Augenblid, wo dieser das Wort ergreifen sollte, habe er in vornehmer Zurückhaltung mit Rücksicht auf die Abwesenheit des französischen Kammerpräsidenten auf das Wort verzichtet. Dadurch sei eine Enttäuschung in der Deffentlichkeit und bei den Delegationen entstanden. Am fiefften sei diese Enttäuschung beim französischen Volte gewefen. Sich zu Löbe wendend, fügte de Monzie hinzu:„ Möchten Sie, Herr Präsident, der Teilnahme des französischen Boltes an der allgemeinen Enttäuschung ihren wahren Sinn geben." Der Unterrichtsminiffer trant dann auf den Erfolg des Friedens fongresses, in dem er das Vorspiel und die Borbereitung des wahren Friedens sieht. Nach vermittelnden Worten des Vorsitzenden, Prof. Richet, hat Löbe heute nachmittag auf dem Kongreß feine Rede gehalten. Der Präsident des Deutschen Reichstages hatte auch eine längere Wassprache mit Doumergue, dem Präsidenten der französischen Republik. Lübes Rede. Reichstagspräsident Löbe führte unter stürmischem Beifall u. a. aus:„ Ich komme speben aus dem Auswärtigen Amt, wo ich betonte, Cleve nicht geräumt. Die Besatzung nur im Manöver. Brüssel, 3. September.( Belgische Telegr.- Agentur.) Das in Cleve stehende vierte belgische Ulanenregiment ist lediglich zu Nebungszweden nach dem Elsenborner Lager abgerüdt. Die Uebungen werden bis zum 10. September dauern. Ein Teil des Regiments wird dann nach Namur verseht werden, während der andere Teil nach Cleve zurüdkehrt. Cleve gehört zur nördlichen Besagungszone, die nach den Versailler Bestimmungen schon am 10. Januar d. J. zu räumen gewesen wäre wenn nicht die Soldatenspielerei unserer Hakenkreuzler aller Sorten der Entente den erwünschten Vorwand zur Weiterbesehung geliefert hätte. Was man dann nationales Birken und völkisches Tun für das deutsche Volt nennt. Einfuhrscheine ab 1. Oktober. Annahme der Verordnung durch den Reichsrat. Der Reichsrat hat gestern nachmittag die Verordnung über Einfuhrscheine in einer neuen Fassung angenommen. Die Einfuhrscheine sind danach auch auf Hülsenfrüchte aus. gedehnt worden. Die Frist für die Gültigkeit der Einfuhrscheine foll mit Zustimmung des Reichsrats auf längstens neun Monate festgesetzt werden. Ferner sind die Uebergangsbestimmungen gestrichen worden, durch die verhütet werden sollte, daß 3011frei eingeführtes Getreide an den Vergünstigungen der Ein fuhrscheine teilnimmt. Die Einfuhrscheine werden danach vom 1. Oftober an unein. geschränkt in Gültigkeit treten. genommen. daß die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich nicht nur aus moralischen und intellektuellen, sondern auch nach wirtschaftlichen Faftoren vor sich gehen müsse. Die amerikanische Industrie hat einen unerhörten Aufschwung genommen, die die europäischen Bölker zwingen wird, sich zusammenzuschließen. Ich halte die europäische 3ollvereinigung für unvermeidlich. Es gibt fein wirksameres Mittel als die franto- deutsche Aussöhnung; fie wird das nationalistische Ideal durch den Gedanken der internationalen Gemeinschaft ersehen. Sobald die Aussöhnung zwischen Frank reich und Deutschland vollkommen ist, wird die Aussöhnung fämt licher Völker wesentlich erleichtert." Anerkennung unserer Arbeit. wesenheit des Reichstagspräsidenten Genoffen Löbe in Paris widmet Paris, 3. September.( Eig. Drahtber.) Aus Anlaß der AnParis, 3. September.( Eig. Drahtber.) Aus Anlaß der AnDer reaktionäre„ Avenir" der Rolle, die die Sozialdemokra tische Partei Deutschlands in der Deutschen Republit pielt, eine besondere Betrachtung. Man dürfe nicht vergessen, so schreibt das Blatt, daß es die Sozialdemokratie gewesen ist, die das Deutsche Reich vor dem Zusammenbruch gerettet habe. Sie habe feine Einheit aufrecht erhalten, die von den Kommunisten sei. Dank den Sozialdemokraten gehe Preußen, das an der in Bayern und von den Separatisten im Rheinland bedroht worden Grenze des Zerfalls gestanden habe, aus dem blutigen Abenteuer des Krieges ebenjo mächtig hervor, wie es vorher gewesen sei. Der Sieg der Alliierten hätte einen Sinn gehabt, wenn er die Auflösung des Reiches zur Folge gehabt hätte. Die deutsche Sozialdemokratie sei es jedoch gewesen, die der beginnenden 3 erfallsbewegung den Weg versperrt und die Einheit des Reiches gerettet habe. ist, einen 3usammenschluß zustande zu bringen. Diese fünf Ronzerne gehören zu den größten Werten der rheinisch- westfälischen Industrie. Sie befizen im Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat insgesamt 65,6 Millionen Tonnen Kohlen- Beteiligungen, das sind 40 Proz. der gesamten Produktion, in der Rohstahlgemeinschaft verfügen fie über 7,6 Millionen Tonnen Beteiligungen, das find 52 Broz. Es steht also nicht mehr und nicht weniger in Frage, als eine Trust bildung allergrößten Ausmaßes.to Der Untergang der„ Shenandoah". Bericht eines Teilnehmers der Unglücksfahrt. Washington, 3. September.( WTB.) Oberst Hall, der fich als Vertreter der amerikanischen Armee an Bord des verunglückten Luftschiffes„ Shenandoah" befand, berichtet, daß das Luftfchiff, das in etwa 1000 Meter Höhe in westlicher Richtung flog, plöhlich vom Sturm in eine Höhe von etwa 1800 Metern geriffen wurde. Durch Oeffnen der Ventile gelang es, das Schiff wieder etwas zu fenten, das nunmehr mit einer Stundengeschwindigkeit von 50 Meilen vor dem Winde flog. Plötzlich wurde es vom Sturm gefnidt und zerbrach in drei Teile. Sämtliche Teile wurden beim Canden vollkommen zertrümmert Weitere Nachrichten im lokalen Teil dieses Blattes. Amerika und China. Kellogg zeigt Entgegenkommen. Washington, 3. September.( WTB.) Staatssekretär Kellogg erörterte vor der Jahresversammlung des amerikanischen Anwaltverbandes in Detroit ausführlich die chinesische Frage und die amerikanische Politik in China. Er erklärte: Ameritas Grundsäge find: Achtung der Souveränität und territorialen Inte. grität Chinas, Förderung der Bestrebungen, die auf das Zustande. tommen einer wirksamen und stabilen Regierung in Diese Berordnung, die notwendig zu einer Preissteigerung für China hinzielen, Aufrechterhaltung des Grundsages der gleichen Getreide und Hülsenfrüchte in der vollen Höhe des Jolles führen Behandlung des Handels gegenüber den Angehörigen aller muß, wurde gegen die Opposition von Sachsen, Baden, Hessen, Staaten, gewissenhafte Einlösung aller auf der Washingtoner Ron Hamburg, Oldenburg, Braunschweig und Schaumburg- Lippe anferenz China gegenüber eingegangenen Verpflichtungen und ferenz China gegenüber eingegangenen Verpflichtungen und Versprechungen. Amerika wünscht, daß China die einem fouve ränen Staate obliegenden Verpflichtungen durchführt und die ausländischen Staatsangehörigen und deren Eigentum fchützt. Ein Riesentrust im Werden. Amerifa sei bereit, durch eine internationale Kommission die Frage Zusammenschlußtendenzen in der Montanindustrie. der Erterritorialität prüfen zu lassen und Amerika wünsche, Solingen, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Innerhalb daß die Kommission bald einen Bericht erstatte, in welchem fie die von ber rheinisch- westfälischen Schwerindustrie sind bereits seit längerer territorialität prüfen zu lassen und Amerita wünsche, daß Zeit Verhandlungen im Gange, um durch Austausch und Syndikats die Kommission bald einen Bericht erstatte, in welchem sie die von beteiligungen zu einer besseren Ausnugung der Werke ihr erzielten Ergebnisse zur Annahme empfehle. Hierdurch werde zu kommen. Im Verlaufe dieser Verhandlungen sind die größten es der amerikanischen Regierung ermöglicht werden, sich darüber Konzerne, nämlich Krupp, Thyffen, Phönig, Deutschschlüssig zu werden, ob und gegebenenfalls welche Schritte zur Auf. Luxemburg und Rheinstahl zu der Abficht gekommen, ihre gabe ihrer erterritorialen Rechte unternommen werden fönnen. Werte enger zufammenzuschließen. Nachdem in der rheinisch- west- Er glaube, daß die Regierung der Vereinigten Staaten bereit sein fälischen Industriepreffe darüber mehrfach Andeutungen gemacht wor würde, auf ihre Exterritorialitätsrechte zu verzichten, sobald hen find, wird nunmehr der„ Kölnischen 3eitung" mitgeteilt, China den Beweis dafür erbringe, daß seine Gefeße, feine Berdaß diese Absichten tatsächlich bestehen, daß bereits mehr waltung und seine ganze Rechtsordnung den Schuh des Lebens fach zwischen den fünf Konzernen Besprechungen stattgefunden und Eigentums der Ausländer in China au gewährleisten haben und daß man in den Kreisen der Better sehr optimistisch vermögen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Distonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3, Um das Parteiprogramm. Bemerkungen zum Entwurf der Programmkommission. Von Robert Schmidt. Der Entwurf eines Programms ist geeignet, theoretische Auffassungen zu berühren, über die eine einheitliche Anschauung nicht vorhanden ist. Deshalb wird man nach der je nach der gewonnenen Erkenntnis auch zu dem von der Programmkommission dem Parteitag unterbreiteten Entwurf seine fritischen Betrachtungen anstellen müssen. Aber es find wohl weniger Fragen theoretischer Mei-. mungsverschiedenheiten, die bei der Beurteilung des Kommissionsentwurfs eine Rolle spielen, als vielmehr Unflarheit in der Darstellung. In der Richtung möchte ich einige Hinweise und Anregungen geben. Ein Fehler des Entwurfs scheint mir der zu sein, daß er nicht in flarer, leicht faßlicher Art den sozialistischen Massen gewinnen und überzeugen soll. Sdeengang zur Darstellung bringt. Das aber ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein Programm, das die Teil zu, der die theoretische Auffassung über die Entwicklung Meine Betrachtungen wenden sich dem ersten wichtigen der tapitalistischen Produktionsweise im Zusammenhang mit ihrer politischen Verflechtung geben soll. Im ersten Abfaz des Entwurfs wird die verringerte Bea gehoben. Man hat wohl mit gutem Recht die Landwirt. deutung des Kleinbetriebes im Verhältnis zu dem Erstarten der Großbetriebe in Industrie, Handel und Verkehr hervor haft hier ausgenommen. Dann kommt aber der folgende Say: Gleichzeitig wächst die industrielle Bevölkerung ständig im Verhältnis zur landwirtschaftlichen. Dieser Saz besteht in einem nicht recht verständlichen Zufammenhang mit dem Vorausgefagten. Es wäre hier notwendig einzuschalten, warum die Zahl der Landarbeiter zurüdging, wie in der kapitalistischen Produktion unter der Herrschaft der Großgrundbesizer das Land entwölfert wurde, auf welche Ursachen das Drängen nach der Stadt zurückzuführen ist, wie die technische Entwicklung in der Landwirt fchaft Arbeitskräfte überflüssig machte, und welche große Umwälzung sich vollzogen hat, indem der Großbetrieb dazu überging, zahlreiche Saisonarbeiter zu beschäftigen, für die nach der Ernte bis zur Feldbestellung im Frühjahr feine Beschäftigung vorhanden ist. Die Folge war, daß ein Heer von ausländischen Wanderarbeitern ins Land herein- und hinausflutete. Denn so hat der Großgrundbesiz die Arbeiterfrage auf dem Lande gelöst. Zur Erklärung, weshalb die Lohnarbeiterschicht in Industrie, Handel und Berkehr fortgesetzt zunahm, wäre wohl noch eine weitere Ergänzung notwendig. Mit der gesteigerten Produktion wurde auch zugleich die Aufnahmefähigteit des Marftes erweitert. Will man hier einen Ausblick auf die fünftige Entwicklung geben, so ist zu betonen, daß die Produktion ein so schnelles Tempo eingeschlagen hat, daß es unter dem kapitalistischen Regime fraglich erscheint, ob die Erweiterung des Marktes mit der Produktion gleichen Schritt hält. Erst so erhält der erwähnte Saz im Programmentwurf eine sichere Stüze. In dem folgenden Sah heißt es dann: Der Siegeszug des Kapitals hat die Massen der Produzenten von dem Eigentum an ihren Produktionsmitteln getrennt und den Arbeiter in einen befiglosen Proletarier verwandelt. Warum von einem„ Siegeszug des Kapitals" reden? hieße es nicht richtiger die kapitalistische Produktionsweise" usw. Die Masse der Produzenten soll das Eigentum an Warum ge Produktionsmitteln verloren haben. schah das, und zu welcher Zeit besaß die Masse dieses Eigentum? Wann war der Arbeiter fein besigloser Proletarier? Das ist eine alte Formel, die feinen Inhalt mehr hat. Stellte man sich unter dieser Formulierung den Rückgang des Handwerksbetriebes vor, so bliebe doch in diesem Stadium der fapitalistischen Entwicklung auch der besizlofe Arbeiter oder Handwerksgefelle, der von den Produktionsmitteln getrennt war. Als die Masse der Produzenten" sind doch wohl hier nicht die Handwerksmeister und Kleingewerbetreibenden zu verstehen. Wir müssen eine Erklärung dafür haben, warum die Schicht der Lohnarbeiter ständig gewachsen ist und der Aufftieg zur Ausübung eines selbständigen Berufs immer schwieriger wurde. Das scheint mir eine der Tendenzen ber fapitalistischen Produktionsweise, über deren Wertung auch keine verschiedene Auffassung in der Partei vorhanden ist. Wir werden aber auch auf die Triebfräfte, die in der kapitalistischen Produktionsweise vorhanden sind, hinweisen müffen. An erster Stelle ist es die technische Entwicklung, die den Prozeß förderte. Dabei ist natürlich auch eine Rückkehr der Produktionsmittel in die Hände der Arbeiter unmöglich; die Wandlung zum Sozialismus kann nur geschehen in einer Umgestaltung des Besizes in gesellschaftliches Eigentum. Im zweiten Absatz des Programmentwurfs wird auf die Zunahme der Angestellten, Beamten und Intellektuellen hin gewiesen und das Resümee gezogen: Mit dem Anwachsen ihrer Zahl vertieren sie(die Angestellten, Beamten und Intellektuellen) immer mehr ihre bisherige privi- legierte Stellung und ihre Interessen stimmen in steigendem Maße mit denen der übrigen Arbeiterschaft überein. So allgemein gefaßt wäre die Feststellung sehr in .Zweifel zu ziehen. Zunächst bestand wohl auch früher die privilegierte Stellung dieser Berufsschicht nur für die in ge- hobener Stellung, daran hat sich auch gegenwärtig nichts ge» ändert; die übrigen besaßen auch früher ein dürftiges Ein- kommen, und hielten sich sozial in einer gewissen Gleichstellung mit den Lohnarbeitern. Was ihnen fast allgemein fehlte, war die Erkenntnis ihrer Klassenlage. Sehr anzufechten ist aber der Hinweis einer privilegierten Stellung der Beamten von ehedem. Es wird schwer sein, den Nachweis für sie zu führen. Ist aber die privilegierte Stellung des Beamten in seiner festen Anstellung und seiner Pensionsberechtigung zu erkennen, dann bleibt sie auch gegenwärtig bestehen. Man kann also nun behaupten, daß ein großer Teil der Angestellten, Beamten und Intellektuellen sich in der sozialen Stellung der Lohnarbeiterschicht nähert und vielfach nicht darüber hinausgelangt, sowie ökonomisch sich in starker Abhängigkeit besindet. Iw dritten Absatz heißt es einleitend: Hand in Hand mit der Monopolisierung der Pro» duttionsmlttel geht ein riesenhaftes Wachstum der Produktivität der menschlichen Arbeit. Warum bleibt man nicht bei der früheren Bezeichnung ..Konzentration des Kapitals" statt„Monopoli- fierung der Produktionsmittel?" Verwischen wir nickst den üblichen Begriff des Monopols, unter dem wir uns vorstellen die Leitung und Beherrschung eine Ändustriegrupp« oder eines einzelnen Unternehmens, das weit die Konkurrenz der kleinen Betriebe überragt. Indes was der Entwurf auch unter „Monopolisierung der Produktionsmittel" versteht, gibt keine erschöpfende Erklärung für das Wachstum der Produktivität der menschlichen Arbeit. Die eigentliche Ursach« ist die tech- nische Entwicklung, die die Steigerung der Produktion riefen- hast anwachsen ließ und dem Großbetrieb die schnelle Ent- faltung gab. An zweiter Stelle erscheint dann erst der Einfluß der organisatorischen und geschäftlichen Vorteile. die der Großbetrieb ausnutzte, um weiter zur Hebung der Produktion beizutragen. Glücklicher scheinen mir nun die folgenden Abschnitte des ersten Teils formuliert, sie geben altbekannte Ideen wieder und dürften wohl am wenigsten angefochten werden. Anders verhält es sich mit dem zweiten Teil, der die Forderun- gen auf politischem, sozialem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet enthält. In dem Bemühen, möglichst kurz die Richt- linien anzugeben, die von der Partei eingeschlagen werden müssen, ist man zu sehr in allgemeinen Wendungen stecken geblieben. Das ist zu bedauern. Gerade diese Tagesfragen erfordern eine festumgrenzte Darstellung dessen, was wir er- streben. Der Parteitag wird sehr genau zu prüfen haben, ob er nicht die Kritik noch mehr zu Worte kommen lassen will, bevor er das ebenso wichtige wie schwierige Wert der Formulierung eines neuen Programms zum Abschluß bringt. Geffnung üer Mottenkiste. .�aö Uniformgebot vom Jagdavsflug«ach Oberbayer«. Man soll den Anfängen wehren. Die Artikel-48» Verordnung des Reichspräsidenten, die den Wexfall des Verbots des Unifonntragens zur Wiederher- stellung der„ösientlichen Sicherheit und Ordnung" befiehlt. ist üin solcher Anfang, dem zu wehren Pflicht gerade der verantwortlichen Reichsregierung gewesen wäre. Aber diese hat durch Db. G e ß l e r ihre Zustimmung zu der ober- bayerischen Reichsverordnung gegeben, obschon sie wissen mußte, daß die Berufung auf eine angebliche und gar„er- /lrzt und Patient. Oberreichsanwalt Ebermayer hat unter diesem Titel die ver- schiedcnen juristischen Fragen, die den Arzt betreffen und von ihm als juristischem Mitarbeiter in der„Deutschen Medizinischen Wachen- schrift" besprochen wurden, zusammengesaht und wir wollen m folgenden nur einige Proben aus dem Kapitel bringen, die die Einstellung der deutschen Aerzteschast zum Proletariat wider- spiegeln. So hat das Berliner Ehrengericht, als Hüter der„berühmten ärztlichen Stondeswürde und Standesshre" entschieden, daß man . dem Arzt zugestehen könne, die Kassensprechstunde an einem anderen Orte zu halten, als die Privatsprechstunde, oder auch an einem vom Ort seiner Privatsprechstunde verschiedenen Ort eine Poliklinik für Unbemittelte zu errichten und lediglich dort, nicht aber in der Privatsprechstunde Kassen. Patienten zu behandeln." Noch sozialer empfindet der badische ärztliche Ehrcngerichtshof, der„das Abhalten von Sprech- stunden für Unbemittelte für ftandesunwürdig erklärt". Den Vogel ichoß'natürlich wieder der preußische Ehrengcrichtshof ab. der 19U einen Arzt verurteilte,„weil er eine die Anwendung von kanzepiionsverhütcnden Mitteln öffentlich anpreisende Broschüre herausgegeben hatte. Der EGH. erdtickt darin einen Verstoß gegen die Standesehre. In der Urteilsbegründung heißt es, daß„wer, wie der Angeschuldigte, eine möglichst ausgiebige Gcburtenver- Hinderung als das alleinige heil verkünde, sich der Aufgabe des Arztes entziehe, innerhalb seiner Tätigkeit auch die ethischen Ge- sichtspunkte zu beachten." Bei einer solchen volksfeindlichen Aus- Wirkung der ärztlichen Standesehre, kann es nur Wunder nehmen, daß vor dem Kriege nicht häufiger die sozialdemokratischen Aerzt« von der reaktionären ärztlichen Clique wegen ihrer Weltanschauung gestraft wurden, denn die Ehrengerichte wurden mit dem hauptsäch- lichen Zweck gegründet, das Eindringen des„sozialdemokratischen Giftes" in Aerztekreise zu verhüten. So brachte es 1911 ein E. G. fertig,„die Form, in der ein sozialdemokratischer Arzt seine An- schauungen zu Gehör brachte, als eine ehrengerichtlich strafbare Der- fehlung darzustellen. Deshalb wurde der Angeklagt«, der als Bor- stand eines sozialdemokratischen Vereins in einer öffentlichen Ver- jammlung die Polizei schwer beleidigt, ihr straßenränberliches B-- nehmen vorgeworfen hatte, der Verlegung der Pflicht, sich auch außerhalb des Berus«» der Achtung würdig zu zeigen, die stein Ve- ruf erfordert, für schuldig erachtet." Dagegen entspricht es der sozialen Auffassung des sächsischen EGH. von der ärztlichen Standeswürde, daß„einem Arzte nicht zu- gemutet werden kann, auch außerhalb der Sprechstunde zu jeder be- liebigen Tageszeit(hier handelte es sich um V,911hr abends) jedem beliebigen Kranken, der sich bei ihm melden läßt, zur Konsultation zur Verfügung zu stehen, die(berühmten) dringenden Fälle natürlich ausgenommen". Diese wahllos aus einem großen Material herausgegriffenen Fälle zeigen, wie berechtigt der Kampf des sozialdemokratischen Aerztebundes gegen diese reaktionären Ehrengerichte ist. Selbstverständlich bekämpft die deutsche Asrzte- s ch ä s t in ihrer großen Mehrheit die Aufhebung d/ r 8Z 218—229. Hier wollen wir nur einige Aeußerungen hebliche Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" m der Gegenwart geradezu eine Verhandlung des Reichstages und des deutschen Volkes darstellt. Wir haben auf den provokatorischen'Cha- r a k t e r dieser Ausnahmeverordnung sofort bei ihrem Er- scheinen mit aller Deutlichkeit hingewiesen. Provokatorisch schon aus dem Grunde, weil sie eine wirklich in unruhigen Zeiten notwendig gewordene Verordnung mit der Begrün- dung aufhebt, daß diese frühere Verordnung die „öffentliche Sicherheit und Ordnung erheb- lich gefährdet!" Provokatorisch auch deshalb, weil sie ein im Reichstag zur Beratung stehendes Ge- setz vorwegnimmt und damit die gesetzgebende Körper- schaft durch den Ausnahmeartitel der Berfafsung einfach bei- seite schiebt. Auf diesen Charakter der Hindenburg-Berordnung macht jetzt auch die„Frankfurter Zeitung" aufmerksam. Wir ent- nehmen den längeren Ausführungen die folgenden Sätze: Lag es im Intereffs des Reichspräsidenten, gerade mit dieser Verordnung zum ersten Male so hervorzutreten? Gewiß trägt der Reichswehrminister, der gegenzeichnet, die rechtliche und politische Ver- antwortung. Man weiß auch nicht, von wem die Initiative aus- gegangen ist. Aber Aufhebung wie Erlaß von Notverordnungen sind eben nach der Verfassung in besonderem Maße Sache des Reichs- Präsidenten, und mancher wird finden, daß dieser in vberbayern vollzogene Regierungsakt ganz danach aussieht, als seien die Be- denken gegen HIndenburgs Wahl zum Reichspräsidenten trotz seiner bisherigen Zurückhaltung doch nichk ganz unberechtigt gewesen. Das Uniformtragen durch Offiziere der alten Armee war 1921 auf besondere Fälle beschränkt worden, weil sich Mißstände ergeben hatten. Sachlich ließe sich die Aushebung der damaligen Verordnung nur damit begründen, daß jene Mißstände fort- gefallen seien. Aber hat nicht der Reichswehrminister erst vor wenigen Wochen die Vorlage eines Gesetzentwurfs über diese' Materie gerade umgekehrt zu rechtfertigen gesucht durch die Feststellung, daß mit dem Anlegen der alten Uniform„gräblicher Mißbrauch" getrieben werde?... Das war im Juli. Und jetzt wird von Dietramszell aus am 26. August ohne irgendwelche neuen kanteten jene Verordnung einfach beseitigt. Erwächst daraus der Regierung nicht die Pflicht, dem Volke gegenüber alsbald nach» zuweisen, inwiefern die damals noch beklagten„gröblichen Miß- brauche" inzwischen verschwunden seien?... Der tattisch« Zweck dieses Affronts ist ja einigermaßen durchsichtig. Die Annahme der Regierungsvorlage war bisher zweifelhaft: um so zweifelhafter, weil sie eine ver- fassungsändernde Mehrheit erfordert. Man befürchtete, die Oppo- sition werde sich sagen, gegenüber einem schlechten Gesetz— nicht bloß die Sozialdemokraten, sondern auch die demokratische Fraktion fand Herrn Geßlers Vorlage unzureichend und bedenklich— sei die bisher in Kraft stehende vorläufige Regelung immer noch dos kleinere Uebel. Deshalb wird jetzt diese vorläufige Regelung kurzer Hand be- selkigk. Es ist n i ch t s ch ö n zu sehen, daß der Reichspräsident zu einer solchen Pression sich hergibt. In jedem Fall« scheint uns dies eine Methode zu sein, gegen deren Anwendung nicht bloß die Parteien der Opposition scharfe Verwahrung einlegen sollten. Der ganze Reichstag müßte es als einen polliischen Skandal empfinden, wenn man in dieser Weise mit ihm umspringt.... Zweifellos wird die oberbayerische„Verordnung zur Oeffnung der Mottenkiste" im Reichstag zur Sprache gebracht werden. Und es wird sich dann ja zeigen, ob der g a n z e Reichstag wirklich als Skandal empfindet, daß man ihn einfach beiseite schiebt, als ob er gar nicht da wäre. die verbotenen Reichsfarbeu. In Reichswehrgebäude«. Unter der Uebcrschrift„Reichswehrleutnant gegen Reichsflagge" haben wir letzthin berichtet, daß einem Republikaner in Kastel, der in einem reichswehreigenen Haus wohnt, das Aushängen schwarz- rotgoldener Fahnen vom Kasernenvorstand Leutnant v. Rogtster verboten wurde: als der Mieter dem hausherrlichen Verbot nicht folgte, sondern am Versassungstage erst recht die Fahnen der Re- wiedergeben, die sehr gut die Mentalität der„berufenen Hüter der Volksgejundheit" widerspiegeln. So schreibt ein Dr. Max Hirsch über dieses Problem in einem Tonfall, der nicht einen Arzt, sondern einen Geistlichen vermuten läßt.„Die bedinglose Aufhebung des Fruchtabtreibungsparagraphen hieße den Menschen mit bezug auf den Geschlechtstrieb und seine Befriedigung jeglicher Derantwort- lichkeit entkleiden, hieß« eine Schranke niederreihen, deren Mauer- werk beim Sturz die Menschheit und vor allem die Frau selbst srbm-i- verwunden würde." Bei dieser Einstellung zu den drin- gendsten Nöten der breiten Massen trennt eine Well die sozial- demokratischen Aerzte von den„berühmten" berufenen Hütern der Volksgcsiindbcit. Auf dem gleichen Niveau stehen die Ausführungen von Prof. Schleich, die eine wertvolles Dokument für das immer betonte, angeblich fo soziale Empfinden und Verständnis der deutschen Aerzte sind. Er schreibt:„Es ist mir unbegreiflich, wie es Aerzte geben kann, welche einer solchen Forderung(Aufhebung des 8 218) zustimmen und sie noch mit Argumenten aller Art unterstützen und übertrumpfen." Er geht davon aus,„daß für den Arzt die sozialen und ökonomischen Härten dieser An- ge legen heit nicht in Frage kommen, den Arzt von Verusswcgen nichts angehen, in den Bereich der Iu- risten und Nationalökonomen gehören". Mit großem Behagen stellt deshalb Herr Ebermayer am Schluß dieses Kapitels fest, daß„Schleich mit seiner schroffen Ablehnung der Freigabe der Abtreibung keineswegs allein in der Aerzteschast stünde, vielmehr teilen viele Aerzte— man darf wohl sagen, weitaus die Mehrheit— erfreulicherweise seinen ablehnenden Standpunkt". Diesen Geständnissen reaktionärer Gesinnung und gerne geduldeter Bedrückung des Proletariats durch die sogenannten intellektuellen Schichten des Bürgertums braucht kein weiteres Wort hinzugefügt zu werden. v r. med. No r b e r t Marx. die Pawlowa unö öer moderne Tanz. Am Mittwoch tanzte die Pawlowa in der K r o l l o p e r ein Programm, das außer dem„Sterbenden Schwan" nur neue Nummern brachte. Der Eindruck des ersten Abends modifizierte sich ein wenig. Der Eindruck eines Menschen, in dem der für un» abgestorbene Geist des Balletts wieder lebendig geworden ist, nicht künstlich rekonstruiert, sondern ganz echt und urwüchsig lebendig geworden ist. Die Russin ist ein Rokokofigürchen mit der ange- barenen Grazie, dem gespreizten Kokettieren und zierlichen Schöntun des galanten Zeitalters. Sic gab � auch anderes: einen Ehopinschen Walzer und russisch: und orientalische Stil- tanze, lind da sie eine große pantomimische Verwandlung?- kiinstlerin ist, gelang ihr auch hier die Täuschung bis zum fast vollkommenen Eindruck der Echtheit. Aber das waren Gebärden, die man spielen kann. Ganz sie selbst, ganz wirklich und wurzelecht war sie doch nur in dem Pas de deux, das sie mit Alexander Volinie taust«. Die Anmut. Zartheit, Niedlich. keit und Eleganz eines Alliucißener Porzellanpüppchens feierte hier ein« wunderbare Auferstehung, füllte sich mit Leben. Blut und Geist. Welch Schauspiel! Aber, ach. für uns ein Schauspiel nur! Sobald die Erscheinung vorüber, das Bild zerronnen, bleibt nichts, nichts übrig. Kein Rhythmus schwingt in unserer Seele nach. Leerheit. publik wehen ließ, entfernte der Leutnant, der tn der Wohnung nur eine Frau antraf, die Fahnen. Diese militärische Aktion wird vom Reichswehrminssterium mit einem Erlaß des Rcichswchnninisters Dr. Geßlcr von, 16. Juni d. I. begründet, wonach die Reichswehr lediglich die Reichs- k r i e g s slagge an ihren Gebäuden zu hissen habe und jede anders Fahne an solchen Gebäuden, auch von Mietern, nicht gehißt werden dürfe, damit der„reichswehreigene" Charakter dieser Gebäude nicht verwischt und der unpolitische Charakter der Reichswehr ge- wahrt werde. Man habe in Lübben einem Reichswehrmieter auch das Schwarzweißrotflaggen verboten. Gewalt soll v. Rogister nicht angewendet haben. Die Reichskriegsflagge ist ja nun, dank den weniger entschie- denen Bestandteilen der Weimarer Verfassungsmehrheit, wie man weiß schwarzweißrot, entspricht also— bis auf geringe Einzelhellen, die auf größere Entfernung verschwimmen— der früheren Monorchie- und jetzigen Monarchistenfahne. Ein Republikaner, der in einem.reichswehreigenen" Hause wohnt— wie schleicht sich da doch der gute alte Militärfiskus wieder herein!—, darf seine Sympathis für die Republik, deren Verteidigung die beschworene Pflicht der Reichswehr ist, nicht durch Flaggenhissung kundgeben. Von Rechts wegen. In der deutschen Republik. Gezeichnet Geßler. Demokrat.__ preußische Kulturfragen. Verhaudlungen im Ha»pta«sschuft. Die Verhandlungen im Hauptausschuß des Preußi» schen Landtages über den Etat des Ministeriums für Wissen- schaft, Kunst und Volksbildung verdienen mit Recht das lebhafte Interesse weitester Kreise der Bevölkerung. Die Auseinander. setzungen, die für die Erziehung und Bildung unserer heran- wachsenden Generation große Bedeutung haben, sind allerdings bis jetzt durchweg durchaus ruhig verlaufen. Immerhin,, es ist ein zäher, unerbittlicher Kampf um unsere Jugend und um die Zukunft, der hier ausgefochten wird. Das eine aber darf bereits vorweggenommen werden: Das Ministerium Becker wird gehallen. Das Hauptinteresse konzentriert sich naturgemäß— nach dem Austrtll Dr. W i r t h s— auf das Zentrum. Diese Partei ist sehr vorsichtig im Vortasten, wie well sie die konfessionelle Kultur- Politik im Krästespiel durchsetzen kann, um nach rechts als Kaufpreis ihre Bindungen ausrechtzuerhallen. Es ist für die Gestallung unserer innerpolitischen Verhältnisse wie ein Symbol: Neben dem Minister Dr. Becker, der sich zur Demokratie bekennt, sitzt der katholische Staatssekretär Lammers. Diese Macht- Position, die sich das Zentrum als tatttsch manövrierende Mittel» Partei in der preußischen Kulturpolitik errang, liegt natürlich den Deutschnationalen schwer im Magen. Aber soweit geht dos Liebes» werben um das Zentrum, daß die Rechte int Augenblick den Gegen- satz zwischen konservativem Protestantismus und dem Katholizismus klugerweise nicht zum Austrag bringt. Bis jetzt wenigstens ist merk- würdigerweis« kein Angriff der Deutschnationalen gegen die Macht- stellung des Zentrums erfolgt. Das Zentrum hat in den verflossenen vier Togen der aus- gedehnten Kullurdebatte— in der Hauptsache durch den sehr ge- schmeidigen Professor Dr. Lauscher— einen starten Vorstoß gegen die paritätischen höheren Schulen unternommen. Der Einfluß des Zentrums im Ministerium zeigt sich besonders in dem Verlangen der Regierung, drei konfessionell« pädago- gische Akademien für Lehrerbildung zu errichten. . Ein Alltrag der S ozi a l d.e in.o,k r a t en.und Demokraten aus Errichtung von S i m u lt a n-A t o d e m i e n wurde ab- gelehnt..Auch ein Antrag unserer Genossen, vier solcher Anstalten zu errichten und davon zwei als Simultan-Atadomien auszubauen, verfiel der Ablehnung. Leider haben in diesem Falle auch die Demokraten dagegen gestimmt. Ja, sogar ein Antrag der Bolkspartei, eine Eimultan-Akademie in Frankfurt a. M. zu cr. richten, wurde mll Stimmengleichheit abgelehnt. Hier hoben die Kommunisten bewußt Sabotage getrieben, denn dieses Ergebnis wurde nur durch deren Stimmenthaltung ermöglicht. Sie hoben sich damit in bewußten Widerspruch zu der Hallung ihrer Parteifreunde in Frankfurt gesetzt, die dort zusammen mit den übrigen Partei«» Denn das Leben, das sie lebt, liegt uns weltenfern, das Blut, mit dem sie ihre Gestalten füllt, ist nidst das Blut, das m unseren Adern rinnt, ihr Geist ist nicht der Geist unserer Zeit. Schon der Frauen- typus, den sie verkörpert, erscheint uns fremd, läßt uns tall m seiner Geziertheit, Geschraubthell, Unnatur, Affektation. Die Erotik unserer Zeit wirbt und wirkt mit anderen Mitteln. Und Erotik ist im Grunde olles, was die Pawlowa, was das Ballett will und gibt. Wir heute leben in einer anderen Zeit. Jeder Tanz der Wigman erschließt uns eine Welt, eine ttefe, ernste Welt. Unser» Welt. Den neuen Tanz, der in Deutschland entstanden ist, kannte die Russin bisher nicht. Jetzt hat sie ihn kennen gelernt. Die von Max Terpis modernisierte Tanzgruppe unserer Staatsoper hat dem gefeierten Gast zu Ehren gestern eine intime Matinee im alten Opernhaus Unter den Linden veranstaltet. Nach dem mir bekannten Programm zu urteilen war die Veranstaltung sehr geschickt anängiert. Alle Eigenheiten und Vorzüge des neuen Stils müssen lehrreich zu Tage getreten sein: der ,-in seelische Ausdruck der bewegten Form: die Raumgestaltung und Raumbeherrschung durch rhythmische Körperbewegung: der organisch«, logische, in sich gefestigte Aufbau jeder Komposition: Klarheit in der Gruppen- bildung, in Ballung. Lockerung. Lösung: die stilistische Einheit des gesamten Bühnenbildes. Strenges Pathos, leichte Beschwingtheit. Ernst, Humor. Groteske. Die Pawlowa hat sich, wi« ich höre, m t rückhaltloser Bewunderung ausgesprochen. Namentlich die Phantasie und der Esprit des Choreographischen hat ihr einen starken Eindruck gemacht. Und sie ist der Meinung, daß Zusammenhänge zwischen dem Allen und Neuen bestehen. Daß sie aus dem Erlebnis dieses Vormittags etwas für ihr Schaffen hat gewinnen können, glaube ich nicht. Sicher aber wird sie jetzt verstehen, weshalb wir bei aller schuldigen Anerkennung und Bewunderung der persönlichen Leistung ihre Kunst als Ganzes ablehnen. John Schikowski. Reuest« Wodeuerrückihelk. In dem Bestreben, der Kasakmod» eine neue Seite abzugewinnen, ist ein großes Pariser Modehaus auf den Gedanken verfallen, den unteren Teil dieses weiblichen Kleidungsstückes mit einer großen Briefmarke zu bekleben, die die Farben des Originals trägt. Di« aus Seide gefertigten Marken werden mit einem schwarzen Ueberdruck in der Art eines amt- lichen Poststempels versehen. Die Marken werden jetzt von den Fabriten, die Seidenstoffe für Kasaks liefern, im großen angefertigt und gleich miigeliefert. Die Anbringung der Marken erfolgt auf dem in breite Fallen gelegten unteren Teil des Kasaks genau auf der Hüste. Um der Sache noch mehr Reiz zu geben, wird die Marke zwischen den Fallen so angebracht, daß sie erst sichtbar ist. wenn sich die Trägerin bewegt.?1ach Belieben der Trägerin wird statt des Stempels auch ihr Vorname �oder ihr ganzer Namenszug aufgedruckt. Es gilt aber für„schicker", eine Mark« mit dem Aui- gabestempel„London" oder„Pari""?u tragen. Nod> besser „Dolldorf"._ vp« am König, ploh. Heute und morgen finden dt« detde» letzt« Pawlowa-Gastspiele statt. einstimmig die Errichtung einer solchen Simultan- fademie gefordert haben. Dieses Vorkommnis ist jedenfalls eine feltsame Illustration zu dem in der Roten Fahne" angekündigten Kurs. wechsel dieser Partei. Es zeigt, was von den Borten per kommunistischen Parteileitung zu halten ist und illustriert treffend ihre ,, Bündnisfähigkeit". Borläufig sind diese Auch- Arbeitervertreter noch dabei, auch den kleinsten Fortschritt illusorisch zu machen und Fensterscheiben zu zertrümmern. Arbeitsrecht und Sozialreform. Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses. Die Entschließung des Gewerkschaftskongresses zur Sozialgefeß. gebung hat folgenden Wortlaut: Der 12. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands fordert von neuem den Aufbau eines einheitlichen, wirklich sozialen Arbeits rechts. Er bedauert auf das lebhaftejte, daß die Vorarbeiten für ein Gesetzbuch der Arbeit eingestellt sind, und daß die Gesey. gebung der neueren Zeit nicht auf Bereinheitlichung des Arbeitsrechts, sondern auf Vermehrung ber 3ersplitte. rung eingestellt ist. Als besonders bringend erachtet der Kongreß die Schaffung eines Arbeitsvertragsgesetzes, eine den Interessen der Arbeitnehmer entsprechende einheitliche Zusammenfaffung aller den Arbeitsvertrag betreffenden Bestimmungen unserer Gefeßgebung; ebenso die Schaffung eines Tarifvertragsgefeges, das aufgebaut ist auf den im§ 165 der Reichsverfassung und im§ 1 der Berordnung vom 23. Dezember 1918 ausgesprochenen Grundsägen, daß nur die Gewerkschaften die Träger follettiver Bereinbarungen mit tariflicher Wirkung sind. Der Gegensah zwischen Sozialdemokraten und den bürgerlichen Parteien spiegelt sich auch in den sehr vorsichtigen Debatten über die Personalpolitit des Kultusministeriums wieder. Unsere Forderungen, in die Zentralftelle des Ministeriums, in die Schulabteilungen der Regierungen und in die Provinzialschulfollegien Männer und Frauen unseres Bertrauens zu berufen, wurden, wenn man von Demokraten absieht, von feiner Seite unterstützt. Hier tommt wohl fast alles auf die politischen Ent scheidungen der nächsten Zeit in Breußen an. Diese Tatsache scheint uns das hervorstechendste Merkmal der schleichenden Krise in Preußen zu sein, die zur Entscheidung drängt. sian Besonderes Bech hatten die Deutschnationalen mit ihrem Redner Delze, der eine schneidige Attacke gegen die beiden Außenseiter" Lessing und Reftner reiten sollte. Diese beiden Fälle" find in der Deffentlichkeit zu oft erwähnt, als daß es sich lohnte, näher darauf einzugehen. Herr Delze wurde vom Minister unter eisigem Schweigen des Ausschusses grausam zugedect". Zu begrüßen war im Fall Leffing die mit Nachdrud vorgetragene Meinung des Milicherflärungen und nisters, daß es sich hier um teine persönliche Angelegenheit eines Hochschulprofeffors, sondern um eine Frage der Lehrfreiheit und der Staatsautorität handelt. Bir dürfen leider nicht hoffen, daß die Epoche der bübischen Berleumdung ehrlicher Republifaner ein Ende gefunden hat. Um so mehr wünschen wir allen Verantwortlichen für die Zukunft die Energie, mit der Dr. Becker sich vor Kestner und Lessing gestellt hat. Der Ausschuß wird sich in den legten Tagen der Woche u. a. noch mit der Frage der Kunstorganisation und der Heran ziehung begabter Rinder aus der Arbeiterschaft zu beschäftigen haben. Das lektere ift ein Problem, das noch gelöft werden muß. Jedenfalls sind wir bis heute besonders in der Frage der Bildung und Erziehung unserer Jugend noch recht weit vom Ideal wahrer Demokratie, d. h. der vollen Gleichberechtigung, entfernt. Entpolitisierung der Schule. Ein Erlaß des preußischen Unterrichtsministers. Der Gewerkschaftsfongreß protestiert gegen die durch das gegenwärtige Schlichtungswesen geschaffene Beschränkung des oalitionsrechts, er fordert größere Sicherungen bei Verbind Beseitigung der Hemmungen bei der Durchführung von Streifs. Der Kongreß fordert die baldige Berwirklichung der Arbeits gerichte als Sondergerichte unter maßgebender Beteiligung der Arbeitnehmer. Auf dem Gebiete der Sozialversicherung fordert der Kongreß die schnellste Schaffung einer Arbeitslosenversiche rung, durch deren Leistung den Erwerbslosen eine nach Höhe und Dauer ausreichende Unterstützung zu gewähren ist, auf die der Erwerbslose einen Rechtsanspruch hat. Die Versicherung muß tid in engster Anlehnung an den öffentlichen Arbeits. alle Arbeitnehmer erfassen, und ihre Durchführung muß einheit. nachweis und in örtlicher, bezirklicher und zentraler Gliederung unter paritätischer Selbstverwaltung erfolgen. Soweit Notstandsarbeiten ausgeführt werden, ist den hierbei Beschäftigten der für Arbeiten gleicher Art geltende Tariflohn zu zahlen. Durch das Verlangen einer Arbeitslosenversicherung läßt der Rongreß die alte Forderung auf Bereinheitlichung der Sozialversicherung unberührt. Er erhebt sie pielmehr aufs neue. Er verlangt, daß die Arbeitslosenversicherung fo eingerichtet wird, daß sie sich in das Gebäude einer allgemeinen Sozialverficherung eingliedern läßt. Von der Bereinheitlichung der Sozialversicherung Luthers Friedensmiete. Der preußische Unterrichtsminister hat an die Provinzialschul follegien und Regierungen einen Erlaß zur Entpofitisierung des Schulwesens in Preußen gerichtet. Nach seiner Auffassung hat die parteipolitische Betätigung der Schüler vielfach Formen angenommen, die die staatsbürgerliche Erziehung der Schule gejährden, den Schulfrieden stören und bedauerliche Erscheinungen im Schulwesen herbeiführen, wie Angebereien, Verdächtigungen, Terror der Mehrheit, Züchtung von Gesinnungslosigkeit" usw. Bedauerlicherweise habe die Haltung der Schuljugend in der Deffent. fichkeit sogar vielfach zu besonderen Maßnahmen der Polizei geführt. Als wichtigste Aufgabe der Schule in dieser Beziehung be zeichnet der Minister, durch verständnisvolle Belehrung aller Bcteiligten auf die Entpolitisierung des Schullebens hinzuwirken. Mit Recht betont er, daß die Voraussegung der Erziehungsarbeit der Schule auf diesem Gebiete die rechte Haltung der Lehrerschaft in diesen Fragen fei, an der es bekanntlich in Preußen, zumal auf Preußen läßt sich Zeit. T den fogenannten höheren Schulen, fehr fehlt. Noch einmal er. Die preußische Regierung teilt gegenüber den Bressemeldungen, innert der Minister daran, daß Schüler teinen Bereinigungen an die von einer weiteren Steigerung der Mieten zu berichten mußten, gehören dürfen, die fich gegen den Staat oder gegen die u. a. folgendes mit: Das Staatsministerium hat zu der Frage der Geltende Staatsform richten. Ich lasse feinen Sweifel- dar. Erhöhung der gesetzlichen Miete noch nicht Stellung genommen. Erhöhung der gesetzlichen Miete noch nicht Stellung genommen. über", erklärt der Minister, daß die herabjegung der per. Soweit aber die Frage der Borlage eines Gefeßentwurfs megen faffungsmäßig festgelegten Reichsfarben als Abänderung der Hauszinssteuerverordnung in Frage tommt, find cine herabjegung der geltenden Staatsform infolge der durch das Finanzausgleichsgesetz vom anzusehen ist. Jebe Mißachtung der Reichsfarben 10. August 1925 bedingten Aenderungen entsprechende Bor: feitens der Schuljugend ist daher als schwere Berarbeiter in den Ministerien im Gange. Die Frage aber, ob in dem fehlung anzusehen, und jedes derartige Vorgehen, insbe dem Landtag vorzulegenden Gesezentwurf auch eine Steigerung der fondere die Behelligung und Mißhandlung anderer Schüler wegen auszinssteuerfäße vorgesehen ist, wird erst vom Staats ihrer Gesinnung ist streng zu bestrafen, gegebenfalls durch Ber ministerium in Verbindung mit der Frage, der Steigerung der ge weisung von der Anstalt". Um das Schulleben selbst zu entfeßlichen Miete entschieden werden können. politisieren, untersagt der Minister mit sofortiger Wirkung den Schülern und Schülerinnen das Tragen von Abzeichen. Bändern und anderen Symbolen jeder Art in der Schule felbft und bei Beranstaltungen der Schulen, auch das bloße Mitbringen dieser Abzeichen wird verboten. Es bleibt abzuwarten, ob dieser neueste Erlaß eine bessere Wirkung ausüben wird als seine verschiedenen Borgänger. Einschränkung des Gebührenunfugs. Ein Erlaß des preußischen Finanzministers. In der Presse sind vielfach Beschwerden über Härten bei der Erhebung von Verwaltungsgebühren laut geworden. In einiem zugleich im Namen des Ministerpräsidenten und aller Staatsminister ergangenen Runderlaß des Finanzministers vom 15. August d. Is.( II C. 2233 II) wird nunmehr u. a. angeordnet, daß mit Birkung vom 1. September d. Js. ab in einer Reihe einzeln aufgeführter Fälle von der Erhebung der tarifmäßigen Gebühr ganz oder zum Teil abzusehen ist. Der Amtliche Preußische Pressedienst meist ouf folgende Bestimmungen dieses Erlaffes hin, die von be fonderer Bedeutung für die Allgemeinheit sind: " Die Entscheidung über die Beschwerde gegen die Erhebung einer Berwaltungsgebühr ist gebührenfrei. Ebenso ist grundsäglich die Gebühr nach Tarifnummer 3 der Allgemeinen Berwaltungs gebühren- Ordnung für Bescheide auf Befuche, Anfragen, Anträge und abweisende Bescheide auf Beschwerden nicht zu erheben. Bescheidefcheibe night Gebührenpflichtig sind nur Bescheide in Angelegenheiten, welche die Erteilung von Genehmigungen, Erlaubnissen, Ausnahmebemilligungen und ähnliche zum unmittelbaren Rußen der Beteiligten ergehende Entscheidungen betreffen, mie die in den Sondergebührenordnungen einzeln aufgezählten Amtshandlun. gen. Da die genannte Tarifnummer 3 überall da anzuwenden war, wo eine Gebühr in den Sondergebührenordnungen( z. B. für die Handels- und Gewerbeverwaltung, die Medizinalverwaltung, die Justizverwaltung) nicht vorgeschrieben ist, so ist jeßt ein großer Teil von bisher gebührenpflichtigen Amtshandlungen gebührenfrei; das gilt insbesondere für alle Auskunftserteilungen. Es bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung der Erhebung von Verwaltungsgebühren. Auf dem Gebiete der Wohnungszwangsbewirtschaftung find gebührenfrei Auskünfte in Wohnungs- und Mietan gelegenheiten, Erteilung des Wohnberechtigungsscheines, Eintragung in die Wohnungsliste, Zuweisung von leeren oder möblierten Räumen und Wohnungen, Genehmigung eines Mietvertrages oder Wohnungsgesuches. ft gegen die Erhebung einer Gebühr Beschwerde eingelegt, so ist in der Regel die Einziehung der Gebühr bis erwartet der Kongreß nicht lediglich den organisatorischen Zusammen schluß der verschiedenen Versicherungszweige, sondern auch die Erweiterung des Kreises der Versicherten und den Ausbau der heute vilefach unzulänglichen Leistungen." Einstimmig wird auch ein Antrag des Metallarbeiterverbandes Chemnitz angenommen, der eine Abänderung des§ 123 Abs. 8 der Gewerbeordnung( Entlassungsschuß) verlangt. Auch eine von mehreren weiblichen Delegierten eingebrachte Entschließung zur Wochenhilfe wird einstimmig angenommen, die gegen die Berfürzung des Wochengeldes protestiert. Eine Entschließung zum Reichshandwerksgesetz wendet fich gegen den unverbindlichen Referentenentwurf, der mit dem gefeßlichen Swang zur Bildung der Fachorganisation des Handwerks und unter der Berleihung des öffentlichen Rechts gegenüber den auf freiwilligem Beitritt beruhenden Organisationen der Handwerks gesellen und Lehrlinge einen doppelten Rechtsboden schafft. In der Ueberweisung der Lehrlingsausbildung an die Zwangs innungen erblickt die Entschließung eine Borwegnahme des Berufs ausbildungsgejeges. Durch den Entwurf werde die Einheitlichkeit des Arbeitsrechts verhindert. Eine Reihe weiterer Anträge wird durch die angenommenen Entschließungen als erledigt angesehen. Eine größere Anzahl von Anträgen, speziell verschiedener Metallarbeiterverwaltungsstellen, wird dem Bundesvorstand als Material überwiesen. Ab= lehnung gegen zwei bis drei Stimmen finden die tommu nistischen Anträge auf Unterstützung der Roten Hilfe. Die Anträge, für Amnestierung der politischen Ge. fangenen einzutreten, werden durch den Hinweis von Tarnow als erledigt angesehen, daß die freien Gewerkschaften in Berbindung mit der Sozialdemokratischen Partei dauernd für die politischen Gefangenen eingetreten seien und auch weiter eintreten würden. Mehrere Anträge auf Berpflichtung aller freien Gewerkschaften, nur Arbeitersportvereinen anzugehören, werden gleichzwischen Gewerkschaften und Arbeitersportvereinen felbstver falls durch eine Erflärung erledigt, wonach die Zusammenarbeit standlich sei, ein 3wang auf die einzelnen Mitglieder aber statutenwidrig märe. Schließlich wird der kommunistische Antrag abgelehnt, morgen einen Bericht von der Sowjetregierung onläßlich der inzwischen zurüdgefehrten Rußland Delegierten" entgegen. zunehmen, weil diese Delegation in feinerlei Auftrag und Verbindung mit den Gewertschaften ihre Reise gemacht und ihre Methode gewählt habe. Damit war die Donnerstagsigung beendet, da der Nachmittag für einen gemeinsamen Ausflug frei blieb. zur Entscheidung über die Beschwerde auszusehen. Durch die oder seiner Anhänge nicht genügend dem Grundsatz der Gegen Erhebung der Gebühr darf die Bearbeitung dieser Anseitigteit, der ihm und der deutschen Regierung am Herzen liegt, gelegenheit nicht aufgehalten werden. Grundfäßlich ist, soweit entsprachen. Dr. Gauß fühlte sich auch gezwungen, der öffentlichen es sich nicht um die Aushändigung von Urfunden, wie 3eug Meinung in Deutschland und Borurteilen, an die sich rußland niffe, Ausweise, Pässe u. dergl. handelt, die Gebühr nicht vor freundliche Teile dieser öffentlichen Meinung in Deutschland Schußweise zu erheben, besonders nicht bei Erteilung eines auch weiterhin flammern, Rechnung zu tragen. Trog der erpresseriablehnenden Bescheides. Die Festsetzung einer schen Art und Weise, mit der Mostau die Wirtschaftsverhandlungen Gebühr, insbesondere innerhalb eines gegebenen Rahmens, abgebrochen hat und trotz sonstiger Einschränkungen wird von allen hat so zu erfolgen, daß sie nicht als Schikane oder Strafe zugegeben, daß Dr. Gaus geschmeidig und reich an eigenen Gedanken und Formeln ist, denen eine umfassende Beratung ge empfunden werden fann. midmet wurde. Der Korrespondent muß zugeben, daß es für einen Laien unmöglich ist, sich mit den einander widerstreitenden Arten von Schieds- und Ausgleichssystemen zu befaffen, die die Sachner ständigen jetzt miteinander vergleichen, und daß es ebenso unmöglich ist, das Wie und Warum der deutschen und der alliierten Batt entwürfe zu verstehen. Die Sachverständigen haben sich mit Eingels heiten, mie z. B. dem Charakter der Schiedsgerichts. instanzen und ähnlicher Ausschüsse beschäftigt, die zu Rate ge zogen werden müssen( der Bölferbundsrat oder der neue Haager Ge richtshof oder extra zu berufende Gerichtshöfe). Einfacher und Rheinland pattes selbst. In dieser Hinsicht nähern sich die vielleicht pon noch größerer Bedeutung ist die Gestaltung des Ansichten der juristischen Bertreter der verschiedenen Länder. Obs gleich es Sache der Außenminister sein wird, eine endgültige Auswahl unter den von den Alliierten und deutschen Sachverständigen hinsichtlich gewiffer vitaler Klauseln bei den per schiedenen vorliegenden Lösungsmöglichkeiten zu treffen, nimmt der Rorrespondent doch an, daß Dr. Gaus genötigt gemefen ist, auf Berbesserungen im Text im Zusammenhang mit den Bestimmungen- ber beiden Definitionen offenfundige Angriffe" und individuelle Rechte" zu bringen. Von größerer Bedeutung ist jedoch, daß auch der belgische Sachverständige Rolin der Ansicht Sir Cecil Hurfts beibritannien das Recht haben foll, für fich felbft über den Talbepflichtete, daß feine Großmacht pflichtete, daß feine Großmachtweder Frankreich noch Großfand eines konfillts, 3. B. eines polnisch- deutschen Konflittes, eine Entfcheidung zu füllen und auf diese Weise den Durchmarsch durch die entmilitarisierte Rheinzone zu gestalten oder durchzuführen. Eine Entscheidung darüber muß vielmehr von dem Bölterbund gefällt werden. Fromageot Frankreich erklärte hierzu, feine Gre mächtigung zu haben, über diesen Vorschlag im Namen feiner Regierung, die allein dafür zuständig sei, einen Beschluß zu fassen oder anzunehmen. Reichsbanner im Saargebiet. Die Das erste Ebert- Denkmal steht im Saargebiet. Saarbrüden, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Sozialdemokratische Partei des Saargebietes hat an die Demokraten und die Zentrumspartei im Saargebiet die Aufforderung gerichtet, mit ihr gemeinsam die Gründung eines faarländischen Reichs= banners Schwarz- Rot- Gold" vorzunehmen. Die Demokratijdje Partei ist diesem Erjuchen nachgekommen, mährend vom 3en trum frog b zweimaliger Aufforderung bisher eine Antwoort nicht erfolgt ist. Die Sozialdemokraten und Demokraten sind ent: fchloffen, falls der Rechtsflügel im Zentrum die Oberhand erhalten schlossen, falls der Rechtsflügel im Zentrum die Oberhand erhalten follte, auch ohne Zentrum die Gründung eines faarländischen Reichs. follte, auch ohne Zentrum die Gründung eines faarländischen Reichs. banners durchzuführen. • 5 4 Das erste Friedrich Ebert Dentmal, im Walde von Herrensohr, mitten im Saargebiet gelegen, von der Ortsgruppe Herrensohr der SPD. aus eigenen Mitteln und durch eigene Arbeit errichtet, wird in Gegenwart des Reichstagspräsidenten, Genoffen öbe, und des franzöfifchen Genossen Baul Faure, General fefretär der französischen Sozialistischen Bartet, enthüllt. An der Feier werden außerdem die Demokraten und das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold der benachbarten Gaue Pfalz und Rheinland teilnehmen. Die Juristenkonferenz. Tros großer Schwierigkeit Hoffnung auf Verständigung. Condon, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Juriffenfonferenz hat am Donnerstag wieder zwei Sihungen abgehalten, über deren Berlauf man erfährt, daß die Distuffion wieder eine Reihe großer Schwierigteiten aufzeigte.„ Daily TeleReihe großer Sgwierigkeiten aufzeigte. Daily Telegraph glaubt, daß die Konferenz frotz der Schwierigkeiten am Freitag oder Sonnabend ihre Beratungen mit einer vorläufigen nichtbindenden Bereinbarung abschließen tann. Der Stand der Verhandlungen. London, 3. September.( WTB.) Während„ Daily News" her vorhebt, daß man gemeinsam beschlossen habe, feine Mitteilungen über den Verlauf der Juristenkonferenz zu veröffentlichen und nur von einem guten Fortschreiten der Erörterungen meldet, schreibt der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph": Die gefrigen Erörterungen maren, mie verlautet, sehr ver. midelt und bezogen fich auf rechnische Fragen. Während aller Beratungen hat jedoch eine follegiale Stimmung herrscht und selbst zwischen dem deutschen und französischen Berherrscht und selbst zwischen dem deutschen und französischen Vertreter hat sich ein Geist gegenseitiger Anpaffung gezeigt. Dr. Gans bat hartnädig feinen Standpunft vertreten, wenn er die leber zeugung hatte, daß der Wortlaut oder die Grundsäge des Battes ge= ww Deutschland soll eine Ministerkonferenz anregen. Genf, 3. September.( WIB.) Die Schweizerische DepeschenAgentur meldet: ach franzöfifchen Jajormationen beficht man auf feiten der Alliierten darauf, daß die Anregung zu einer diplomatijdjen Konferenz zur Besprechung des Partes von der deutschen Regierung ausgehen müſſe lotulldoox Die große französisch- spanische Offensive. Direktes Vorgehen an der Küste gegen die Hauptstadt des Rifs. Paris, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Aus Madrid wird gemeldet, daß die große, mehrfach angekündigte französisch. panische Offensive gegen den Rij begonnen hat. Die vereinigte französisch- spanische Flotte soll die Riftüfte und vor allem die Hauptstadt des Rifs, Ajdir, einer heftigen Beschießung unterworfen und gleichzeitig die Landungsversuche der Spanier, die an brei Stellen in der Nähe von Ajdir unternommen worden feien, gedeckt haben. Auch um Melilla soll die Kampftätigkeit lebhafter geworden sein. Der französische Ministerrat hat am Donnerstag vormittag die Entscheidung des Kriegsministers gutgeheißen, der den Marschall Betain mit der obersten Leitung der militärischen Operationen in Marokko betraute. Marschall Betain wird auf diese Weise alleiniger Befehlshaber der französischen Truppen. Der Generalresident von Marotto, Marschall Liauthey, wird am 12. September nach Maroffe zurückkehren, um dort in enger Fühlungnahme mit Betain und der französischen Regierung nur noch die politische und verwaltungstechnische Leitung zu führen. Höchstwahrscheinlich wird Liauthen im Oktober wieder nach Baris fommen, um die Regierung über den weiteren Verlauf der Gr. eignisse in Maroffo zu unterrichten. Gewerkschaftsbewegung Zum Reichsbahnkonflikt. Ein neues Schlichtungsverfahren? Die Organisationen der Eisenbahner haben am Donnerstag befchloffen, das Reichsarbeitsministerium nochmals zur Einleifung eines Schlichtungsverfahrens und zur Beftellung eines Schlichters zu ersuchen. In dem Schreiben der Organisationen an das Ministerium wird auf den unhaltbaren Zustand hingewiesen, der durch das Borgehen der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft, die auf eigene Fauft von sich aus eine völlig unzulängliche Aufbefferung der Bezüge angeordnet hat, geschaffen wurde. Das Borgehen der Reichsbahn bedeutet, daß für die Lohnfrage ein tariflofer 3ust and besteht, während auf allen Zustand anderen Gebieten des Arbeitsverhältnisses die tarifliche Bindung bleibt. Diese Bindung der Eisenbahnarbeiter und die einseitige Lohnfestsetzung durch die Reichsbahngesellschaft hat die Situation im Konflikt zwischen Eisenbahnern und Hauptverwaltung so zugefpißt, daß die vertragschließenden Organisationen es für ihre Pflicht hielten, abermals an das Reichsarbeitsministerium zweds Einleitung neuer Schlichtungsverhandlungen heranzutreten. Ueberall im Reiche treffen die Eisenbahnerorganisationsgruppen Borkehrungen für den Streit, der unvermeidlich ist, wenn nicht in den neuen Schlichtungsverhandlungen rasch und energifch eine wirkliche soziale Cöfung des Cohnkonflikts durch eine allgemeine Cohnaufbesserung herbeigeführt wird. Hoffentlich bestellt das Reichsarbeitsministerium einen Schlichter, der genug psychologisches und soziales Verständnis besitzt und den Ernst der Stunde zu würdigen versteht. Reichsbahnzustände.. Wir haben wiederholt Darstellungen gegeben über die wirt schaftliche Ordnung" in den Reichsbahnbetrieben. Die fogenannte wissenschaftliche" Betriebsführung hat in den Eijen bahnausbesserungswerken, Betriebswerkstätten. Güterböden, Bahn unterhaltungen usw., soweit die örtlichen oder technischen Borbedin gungen fehlen, ein unglaubliches Durcheinander gefchaffen. Unglaubliche Zustände herrschen auf den Güterbahnhöfen, unter anderem auf dem Anhalter Güterbahnhof in Berlin. Die Empfangsspeicher der Güterabfertigungen sind derartig über füllt, daß die Stückgut farrenden Kolonnen vollständig außer Tätig feit gesetzt werden. Die Folge: schmere Beschädigung durch die zur Bewegung der Güter benutzten Karren. Ein unentwirrbarer Knäuel entsteht beim Arbeitsanfang dadurch, daß sämtliche Ausgabelufen wegen Plazmangels verstellt sind und, bevor die Ausgabe der Güter beginnt, erst freigemacht werden müssen.( Natürlich ohne Bezahlung der tariflich festgelegten Akkordjäge.) Diese unglaublichen Bustände finden ihren Niederschlag in der Beschaffenheit der Speicher anlagen selbst. Wertvolle Güter werden beschädigt durch Regen, weil die Verwaltung fe in Geld hat für Dachreparaturen. Die Leidtragenden sind nicht nur die von diesen Schäden betroffenen Interessententreise, sondern vor allem die Güter bodenarbeiter. Die Speicher starren vor Schmug und Ungeziefer. Die durch Regenwetter verstopften Gullies forgen für eine derartige Schlammanhaäufung, daß eine Verpestung des Bahnhofes sich bemerkbar macht. Alle Beschwerden, Anträge usw., möglichst schnell die still gelegte Güterabfertigung des Potsdamer Bahnhofes in Betrieb zu sehen, werden von den verantwortlichen Stellen nicht beachtet. Auch auf anderen Gebieten wird mit den Interessen der Arbeiterschaft ein frevelhaftes Spiel getrieben. Im Eisenbahnausbeffe1 Einkochgläser enge Form weite Form 2% 1 Liter 1/2 8/1 1½ 2 Liter 34 36 38 40. 40 44 46 48 55 P. Gummiringe dazu, 10 Stück 40P. ( Bei 100 Gläsern 5%, bet Großabnahme höhere Rabalie) rungswert Tempelhof hat fich in letzter Beit der nationale" Arbeiterverband breit gemacht. Die Vermittlung dieser völlig un brauchbaren Elemente geht über die Arbeitsnachweise Schilling und Gormannstraße. Außerdem soll die Vermittlung durch einen beson ders eingerichteten Arbeitsnachweis im Wert Tempelhof vor sich gehen. Im Wagenbau( Wert Tempelhof) ist eine ganze Anzahl pöllischer und nationalsozialistischer Elemente eingestellt und treibt dort ihr Unwesen. Reben diesen Sauf- und Regelflubs wird der Eisenbahnverein mit allen Mitteln unterstützt und gefördert. Diplome für treugeleistete" Dienste und langjährige Arbeitszeit sind der Köder für den Eintritt in diesen Verein. Die Herstellung der Diplome erfolgt in der Tischlerei( Werk Tempelhof). Außerdem soll auch die Repa= ratur beschädigter Paddelbooie dort stattfinden. Bielleicht gibt der Eisenbahnrat 3inteisen. Der zugleich ein Förderer des Ruder klubs ist, aber auch der Vater der nationalsozialistischen Organisationen sein soll, Auskunft über die Herkunft der Mittel, scweit diese für die Anfertigung von Diplomen( 30 × 50) und Repara turen der Baddelboote benötigt werden. Unser Raum läßt es nicht zu, die geradezu hahnebüchenen Zu stände in den Reichsbahnbetrieben aufzurollen. Wundern muß man sich nur, daß es noch eine große Anzahl von Arbeitern und Beamten gibt, die wohl den Mut haben, die Verwaltung nach Strich und Faden herunterzureißen, aber nicht den Mut aufbringen, diese Knechtschaft, das Kriecher- und Spigelsystem abzuſchütteln. Streit im Bäckergewerbe? Die Verhandlungen, die gestern im Bäckergewerbe stattgefunden haben, wurden refultatio's beendet, da eine Einigung nicht zu Die Bäckergesellen werden nun heute, Freitag, zu stande tam. Dieser Situation Stellung nehmen. Bäckermeister der Schlichtungsausschuß wieder eingreift; Nachträglich wird uns noch mitgeteilt, daß auf Veranlassung der die Parteien sind zu Freitag vormittag 11 Uhr geladen, um eine Berständigung herbeizuführen. Sollte diese Einigung nicht erfolgen, so ist damit zu rechnen, daß die Bäckergehilfen nicht nur die Ablehnung des Angebots der Arbeitgeber beschließen, sondern darüber hinaus Beschlüsse fassen, die ben Streit im Bädergewerbe bedeuten. Man darf sich darüber um so weniger verwundern, nachdem durch die Kürzung der Säge für Ueberstunden und Sonntags: arbeit durch die Bäckermeister als Antwort auf die Forderung der Gehilfen unter diesen eine begreifliche Verbitterung herrscht. Ein Bäckerstreik würde nicht die Brotsperre in Berlin bedeuten, da in der Zwischenzeit schon mehrere Privatbetriebe, wie z. B. die Firma D. u. P. Hante, eine Regelung der Löhne im Einverständnis mit der Organisation vorgenommen haben; auch die Konsumgenossenschaft hat den berechtigten Forderungen Rechnung getragen. Außerdem find in Berlin zirka 1000 Bäckereien ohne angestellte Arbeitskräfte bzw. nur mit einem Lehrling. Hinzu kommt aber, daß auch weitere Bäckereibefizer ihre ZuStimmung zu den geforderten Löhnen bereits befundet haben und nur aus Korpsgeist als Zwangsinnungsmitglieder bisher eine per sönliche Regelung unterließen. Da diese Bäckereien aber, wenn der Konflikt akut werden sollte, die Forderungen für ihren Betrieb sofort anerkennen würden, ist in der Brotversorgung feine direkte Not zu erwarten, wie ja auch schon die Streits 1904, 1907 und 1911 gezeigt haben. Die Lohnbewegung in der Holzindustrie. | Fliege, Mariendorf, Ba hernid, Reinidendorf, Graf- Roebern Allee 23, Mittag, Belle- Alliance- Str. 79, Wilhelm, Graefeftr. 71, Bruhns, Blanufer 92a, Bulbermacher, Friedrichstr. 222, Schuldt u. Berg, Neuföln, Richardplag 19, Flügge, Manteuffelstr. 13. Diese Betriebe sind gesperrt. Deutscher Holzarbeiterverbund, Verwaltungsstelle Berlin. Drohender Streik in der Oberschiffahrt. Breslau, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Zentral verband der Maschinisten und Heizer hatte Versamm lungen der auf der Oder beschäftigten Maschinisten und Heizer nach Stettin, Fürstenberg, Glogau und Breslau einberufen. In diesen Bersammlungen kam einmütig zum Ausdruck, daß die Maschinisten und Heizer gewilt sind, ihrer Forderung auf Lohnerhöhung von 4 M. möchentlich auch mit dem legten gewerkschaftlichen Kampfmittel zur Anerkennung zu verhelfen. Zum Freitag sind in Breslau Verhandlung anberaumt. Sollten diese zu feiner Einigung führen, ist mit dem Ausbruch des Streits zum Montag zu rechnen. Die am Kapitalistische Wirtschaftsblüten. Halfingen, 3. September.( Eigener Drahtbericht.) Mittwoch im Verwaltungsgebäude der Reche Alte Haase stattgefundenen Stillegungsverhandlungen für die Zeche Alte Haafe haben zu feinem Ergebnis geführt. Die interessierten Landräte von Hattingen, Schwelm und Hagen sowie die zuständigen Amtmänner von Hattingen, Sprokhövel und Blankenstein beschlossen deshalb, eine Kommission nach Berlin zu entfenden und die Res gierungsstellen um eine Finanzhilfe für die von der Stillegung bedrohte Zeche zu ersuchen, zumal es sich um eine vollständig ausgebaute Anlage mit einer Förderfähigkeit von 2006 deren Belegschaft über 1000 Mann zählt, find die in Frage fomTonnen zum großen Teil Anthrazitkohle handelt, der Unrentabilität nur vorübergebend sei. Durch die Stillegung der Zede, menden Gemeinden in ihrer Gristenz bedroht. Anmerkung der Redaktion: Das ist den Zechenbefizern ganz egal, zumal ihnen die Stillegung einer Beche unter Umständen mehr einbringt als die Förderung. Von anderen Bechen wird gemeldet, das Üleberschichtenverfahren oder Feierschichten aufgehoben werden. Die Folgen des Streits im amerikanischen Kohlenbergbau New York, 2. September.( TU.) Der Streit im amerikanischen Steinkohlenbergbau beginnt sich bereits auszuwirken. Der Kohlenversand ist praktisch zum Stillstand gekommen. Die Bahnverwaltungen beginnen bereits ihre Werkstätten zu schließen und die Arbeiter ihrer Reparaturwerkstätten zu entlassen. Die Bedienungsmannschaften der Frachtzüge werden verringert. Die Prophezeiung, Streit in Mitleidenschaft gezogen würden, geht rasch in Erfüllung. daß mindestens zehntausend Eisenbahnangestellte durch den KohlenDbgleich große Kohlenvorräte vorbanden sind, beginnen die Kohlenpreise bereits zu steigen. Die Absicht der Minenbefizer scheint darauf gerichtet au sein, die Arbeiter auszuhungern. Der Streit der englischen Seeleute hat sich jetzt auch auf die Kanalboote ausgedehnt. Der Dienst nach Havre und den Kanalinseln ist vollkommen lahmgelegt. Butab- Angestellte und Betriebsratsmitglieber! Bersammlung heute abend 7 Uhr im Hochzeitssaal der Germania- Säle, Chauffeeftr. 110. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Wirtschaftslage( Dr. Bfirrmann). 2. Wahl von Vertretern zur Betriebsrätekonferenz. Die außerordentliche Wichtigkeit der Tages. ( Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) Die in den Betrieben der Vereinigten Verbände der Berliner Holz- ordnung erfordert es, daß alle Kollegen anwesend find. industrie eingeleitete Bewegung mit dem Ziel, Durchführung des Lohnablommens, das mit der Freien Bereinigung der Holzindustriellen zu Berlin abgeschlossen wurde, ist im allgemeinen beendet. Die Forderung der 8 Pfg. Lohnerhöhung auch auf die bestehenden Löhne, ist in fast sämtlichen Betrieben durchgesetzt. Nur die Belegschaften nachstehender Tischlereien befinden sich noch im Streik: Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ektorn: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin GM 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". A.WERTHEIM Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch befonders billige Hammel- Vorderfleisch, Pfd. SOPL. Lebensmittel Hammel- Keute, ganz u.geteilt 90 pf. 120 und Rücken, Plund u. Rücken m. Big., Pfd. Schweinebauch Kaẞler Rippspeer Pid. 130 Prima Gefrierfleisch Rinderkamm und Brust Kalbskamm Kalbskeule Pfund und Brust Pfund und Rücken Pfund 55pf. 72Pt. 90pf. 5 Pfund blaue Pflaumen 48PF. Kochäpfel Pfund 6p. Pfirsiche Pfund 40PI. Tomaten Pfund 9p. Mohrrüben gewaschen, Pfund Pf. Birnen z. Kochen 16pf. Zwiebeln.. Pfund 6PI. u. Essen, Pfund 18 u. Weintrauben 35 PI. Senfgurken Pfund Plund 10 und Wirsing-, Rot-, Weißkohl Prime Holländer Edelapfelwein mild, voll 67Pt. 1923Hainfelder( Ober( Ober- 85 pr. 1923 Mesenicher Brünnchen mild..... 1922 Deidesheimer feinblumig, stiffig Pfund Ja Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Halberstädter Würstchen 23.95PT. Paar 8-10 46 160 Par 320 Paar Rauchfleisch 195 Prager, 1- Pfund- Dose Kleinfleisch vom Schwein, 7- Pfd.- Dose Camembert ( Marke Baby) Schachtel 350 32PT. Goudakäse 82 pt. dänischer, Pfund feinst. Tilsiter 115 Plund 15 130 vollfett, Pfd. Schweizer dänisch. 130 Plund feiner bayrischer, Pfd. 1.60 Aprikose Konfitürendim. 320 Kirsch Topf engl. Vierfrucht10- Pid.- Eim. 7.Pid. 380 Oelsardinen portugies., Dos. 95 Pf. Rindfleisch Marmelade 450 52 PT. 76p. 1- Pfund- Dose Bohnen weiße 2 Pfd. 35 Pl. Auszug- Mehl 24 P Nudeln ( Eler- Schnitt) Pfund Haferflocken PI. 42PI. Pfund 25 Pl. ½ Pfund- Paket 34 Pf. Margarine Marke„ Die Beste" 7 PI. 5Pf. Naturbutter 1M Tafelbutter 108 1/2 Pfund- Paket Preise für 1 Flasche einschließl. Steuer ohne Glas Ripalda" 1/2 Pfund- Paket 1920 Bernkastler rassig 160 1922 Grandes Côtes..110 Tarragona rot, süß.... 135 1921 Niersteiner gehaltvoll 190 1922 St. Justin Casillo 145 Malaga dunkel, felisün... 1921 Neumagener Engelgrube 1921 Mettenheimer Weinbrand- Verschnitt Wachstum Lammermayer 230 Michelsberg 1M unter Verwendung von frz Charente- Dest, mit Flasche 1922 Kirchheim. Rotwein 1921 Graves do Budos Fruchtschaumwein Propr. Dupart, feine Art vorzügl. Qualität, mit Flasche 130 entwickelter Mosel. sehr mild 1M In dieser Woche: Großer Rhein. 225 Rotwein Wäsche- Verkauf 240 Theaterkasse Wertheim Abonnement für die Reinhardt- Bühnen zu Originalpreisen Deutsches Theater Kammerspiele Die Komödic monatlich eine Vorstellung Parkett, Logen and 1. Rang, 46M Fische Platz ohne Kopf, ganze Fische.... Pfund Seelachs Kabeljau Schellfische 99 Pfund 18 PT. 24.PL. Lebende Aale Pfund 150 180 Bücklinge 55 Pl. Bücklinge 55p. Enten och feine, Pfund schlachtet, Ptd. holl., frisch ge. 130 90PF Rotbars geruch 46pf. Jg. Tauben Seelachs Plund Stück Seelachs 58Pt. Suppenhühner 120 geräuchert, Pfund trische, Ptund 1.45 Räucheraale 60P. Poulets junge, Ptd. Bund Rotwurst and 70 PT. Zwiebelwurst, Pid. felne 160 70PI. Leberwurst rund 180 Landleberwurst Pfund 120 Zervelat- und Salamiwurst, Holst., Pfd. 185 Jagdwurst and 160 Schinkenspeck 215 Filetwurst, Pfund Kakao stark entŏlt in Paketen Marke ,, Saturn", Pid. Schokoladen 75 pt. -Nüsse Pd. 140 frisch bis 5 Sorten, Piund 700 Spezial- Mischung 76.140 m. 20 n. 40 Proz. Bohnen Stück Bismarckkranz 55P Mandelkranz 55 pl. Königskuchen Stück Stick 110 Stollen und 135 Napikuchen Stück Holländ. Blumenzwiebeln 190 275 135 Krokuszwiebeln 5 Stück 20 Pt. Scillazwiebein Silick 8pf. Tulpenzwiebeln 10PM Schneeglöckchen 2 Stck. 15 Pt. Hyazinthen Stck. 75,65 35 Pf. Narzissenzwiebeln sick. 15PM Stück 15 Pf. mod Jeden Freitag u. Sonnabend billiger Verkauf Reste u. Abschnitte Nr. 417 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Rund um Die Klosterruinen. Bom Stettiner Fernbahnhof fahren wir mit den Zügen der Nordbahn über Löwenberg( umsteigen) nach Zehdenick( Sonntagsfarte). Auf der Chaussee kommen wir in furzer Wanderung in die Stadt, ein Schiffer- und Zieglerort an der Havel. Der Name Zehdenick deutet schon den wendischen Ursprung des Ortes an. Urkundlich wird er zum ersten Male 1211 erwähnt. Aus der Frühzeit märkischer Geschichte ragen die Reste des Klosters von„ Cedenic" im südöstlichen Teil der Stadt auf. lleber die Entstehung des Klosters hat auch hier die Sage ihre zarten Fäden gesponnen. Das Wunderblut von Zehdenick. Nach der Sage nahm im Jahre 1249 eine Frau eine geweihte Hostie und vergrub sie im Keller vor ihrem Bierfaß. Sie glaubte, aburch würbe bas Biet beffer werben. Salb stellten sich jebody Gewissensbisse bei ihr ein. Die Frau beichtete dem Pfarrer den Mißbrauch, den sie mit der heiligen Hostie getrieben hatte. Man grub im Keller nach. Dabei quoll an mehreren Stellen Blut aus der Erde. Man nahm die blutige Erde und schaffte sie unter großen Feierlichkeiten in die Kirche. Als die Geschichte von dem Bunder blut bekannt wurde, seßte eine große Wallfahrt nach Zehdenid ein, um der vermeintlichen Heilskräfte des Wunderblutes teilhaftig zu werden. Zum Gedächtnis an das Geschehnis wurde 1250 in 3ehde: nid ein 3ifterzienser Nonnentloster gegründet, das reich beschenkt wurde und den besonderen Schutz des Papstes genoß. Jeder, der nach Zehdenick eine Wallfahrt machte, oder dem Kloster Geschente zuwandte, erhielt einen Ablaß von 40 Tagen. Zur Erinnerung an die Wallfahrt erhielten die Bilger eine Nach bildung einer Hostie aus Blei mit drei roten Tupfen, die fie fich an den Hut steckten. Das 1384 entdeckte Wunderblut zu Wilsnad tat dem Bunderblut von Zehdenick großen Abbruch. Die Wallfahrer nahmen an Zahl ab, bis schließlich bei Einführung der Reformation im Jahre 1541 die Wallfahrten gänzlich aufhörten. Aus dem Kloster wurde ein adliges Fräuleinstift, das heute noch besteht. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen grausigen Zerstörungen fegte auch über Zehdenick und das Kloster hin. Von den Bauten aus der Gründungszeit sind noch der Ost und der Nordflügel erhalten. Im Ostflügel lag die Kirche, jetzt eine Ruine. Die Feldstein mauern haben die Schrednisse der Kriegszeiten überdauert. Efeu 25] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) „ Hast du schlechte Augen?" fragte der Lehrer,„ meshalb hast du das nicht früher gesagt?" Charles antwortete nicht. Einige Male sah ich ihn in lebhaftem Gespräch mit meinem Nachbarn, den er Storchbein nannte, und eines Morgens vertauschten sie die Plätze. Weshalb in aller Welt sitzt du da?" fragte der Lehrer. „ Ich habe schlechte Augen." Für mich bedeutete das die Einleitung zu einer qualvollen Periode. In furzer Zeit war es ihm gelungen, mich ihm gefügig zu machen. Flüsterte ich nicht deutlich genug, friff er mich mitten in der Stunde in den Schenkel, so daß ich nicht zu schreien wagte. Hielt ich das Heft nicht so, daß er meine Rechenaufgaben abschreiben fonnte, quälte er mich auf dem Nachhausewege. Spißfindig wie er war, sorgte er stets dafür, daß wir niemals quitt wurden, und mit einem ftrahlenden Lächeln, das zwischen Grausamkeit und Hochmut fchwanfte, machte er mich jeden Tag darauf aufmerksam, daß ich noch eine fleine Strafe zugute hätte. Andererseits wollte er nie einräumen, daß er von meinem Fleiß abhängig wäre. Wenn wir häusliche Aufgaben hatten, fonnte er zu mir sagen. „ Hör mal, ich habe keine Lust, diese Aufgabe zu rechnen. Das fannst du tun, und dann fann ich sie durchsehen und abschreiben. Und dann kann ich dir gleichzeitig sagen, ob sie richtig oder verkehrt ist." Ich wußte wohl, daß er die Aufgaben einfach abschrieb; aber als er meine Nervosität bemerkte, fing er fofort an, sich ihrer zu bedienen. " Ich habe die Aufgabe einfach abgeschrieben," zischte er boshaft. Ich hatte wahrhaftig feine Zeit, sie nachzurechnen; aber wenn sie falsch ist, werden wir alle beide beide entdeckt." wir alle Jede Aufgabe wurde mir zur Qual. Die Zahlen flimmerten vor meinen Augen. Ich mußte mich selbst ab. Stumpfen, um nicht frant zu werden, und schließlich war ich so stumpf geworden, daß ich verkehrt rechnete. Der Lehrer hielt ein großes Berhör ab über uns beide. Ich leugnete wie rafend. Charles blieb ganz ungerührt. „ Es " Es kann doch mal vorkommen, daß zwei verkehrt Zehdenick ranft sich an ihnen empor und mildert den herben Anblick der Zer störung. Besonders reich von Efeu umwuchert ist der von einem Storchennest gekrönte Südgiebel. Die Efeustämme am Zehdenicker Kloster sind wohl die ältesten und stärksten in der ganzen Mark und bilden ein wahres Naturdenkmal. Der Nordgiebel birgt die Wohnräume für die Stiftsdamen; hier ist auch ein gut erhaltener Kreuzgang. Zwischen dem Südflügel und der Umfassungsmauer des Klosters liegt der Stiftsfriedhof, von alten hohen Bäumen beschattet. Kloster Zehdenick bildet eine wichtige Stätte in der märkischen Geschichte, an der wir bei der Erinnerung an Gefchehnisse vergangener Jahrhunderte einige Augenblicke still verjunten weilen. Von der Bergeshöhe beim Kloster haben wir eine schöne Aussicht auf das Kloster, die Stadt und das Haveltal. Zwei Rundlinge. Durch die Amtsfreiheit wandern wir in der Nähe der Havel zum Wasserturm. Zur Verbesserung des Schiffahrtsweges hat man neben der reich gewundenen Havel zwischen Zehdenid und Lieben walde in den Jahren 1823 bis 1825 den Boß Kanal angelegt. Durch den Kanal mit seinen Schleusen ist es möglich, die Wasser verhältnisse des Flusses auf dieser Strede beffer zu regeln. Kurz vor dem Wasserturm biegen wir halblints ab. Nach einer ½ Stunde, Waldrande zur Havelniederung. Hier wandern wir rechts, dann am Beginn des Waldes, wenden wir uns links und fommen am wieder links über die Havel und den Boß- Kanal nach Krewelin, einem ausgesprochenen Rundling. Diese Art Dörfer, auch Runddörfer genannt, zeichnen sich dadurch vor anderen Dörfern aus, daß ihre Häuser um den Dorfanger, der die Kirche trägt, herum gelegen find. Nur eine Zufahrtsstraße führt in das Dorf hinein. Die Runddörfer liegen immer auf einem halbinselartigen Vorsprung der Hochfläche, der auf 3 Seiten von Wasser oder Sumpf umgeben ist. Dadurch besaß das Dorf in früheren Zeiten auf diesen 3 Seiten einen natürlichen Schuß, so daß seine Bewohner nur die von der Hochfläche hereinführende Zufahrtsstraße zu verteidigen brauchten. Auch viele vorgeschichtliche Siedlungspläge weisen eine derartige Lage auf, so daß man wohl die Rundlinge als die älteste Dorfform ansprechen darf. Bon Krewelin wandern wir auf der Chaussee gegen Nord bis zum Chauffeehaus. Hier wenden wir uns halb: rechts von der Chauffee ab und kommen auf der Landstraße in 4 Stunden nach Wefendorf, ebenfalls einem Rundling, der die ausgesprochenen Merkmale des Runddorfes noch beffer ausge rechnen!" antwortete er frech, und der Lehrer gab die Untersuchung auf. Auf dem Nachhausewege verhöhnte mich Charles ganz unbarmherzig:„ Kannst du nicht mal richtig rechnen? Ich müßte dir eigentlich ein paar Maulschellen verseßen; aber du bift ja sonst ein artiger, fleiner Junge, nicht?" Dann gingen wir eine Zeit schweigend nebeneinander her, bis er plöglich sagte: ,, Ich bin dir noch ein paar Badpfeifen schuldig, weil du mir gestern das mit den Mattabäern nicht vorgesagt haft. Die fannst du jetzt kriegen und die anderen hast du dann noch gut. " Die Tortur mar wieder in vollem Gange. Mein Straf fonto war wieder unendlich. Er nannte das stets Ohrfeigen oder ein paar Maulschellen, aber seine Strafen waren nicht so ehrlich, wie es diese Ausdrücke hätten vermuten lassen können. Es waren stets fleine, sehr schmerzhafte Quälereien. Ich bekam einen Pferdebiß in die Schenkel oder mein kleiner Fin ger wurde ganz weit nach hinten gebogen; aber auch auf an dere Art beherrschte er mich. Er lehrte mich die häßliche Nebenbedeutung, die man allen Wörtern geben fann. Er hatte eine Art Tür" oder„ Griffel" zu sagen, daß mir ganz heiß wurde. Alles was ich sagte, verstand er so zu ver drehen, daß es schlüpfrig flang und bevor ich es ahnte, war ich dieser Art ganz verfallen. ,, Was für ein Schwein du doch bist!" bemerkte er dann. Selbst wenn ich mitten beim Lernen war und einen ganz harmlosen Sag vorbrachte, fonnte er sich plöglich vor Lachen frümmen, so daß ich einen roten Kopf betam. ,, Daß der Lehrer sich solche Schweinereien gefallen läßt, verstehe ich nicht," sagte er oftmals hinterher. Tafel. " Einmal schrieb er das Wort vergewaltigen" auf seine ,, Weißt du, was das bedeutet?" flüsterte er. Ich war völlig hilflos. Ich ahnte, was es bedeutete; aber sagte ich ja, würde er mich Schwein schimpfen, und sagte ich nein, würde er mich verhöhnen, als ob ich ein fleines Kind wäre. Wenn er mich auf diese Art kleingefriegt hatte, spreizte er fich und fing zu prahlen an. Was Lüge und was Wahrheit an seinen Geschichten war, ließ sich unmöglich unterscheiden, denn sie bauten sich mit großer Durchtriebenheit auf ein paar geringfügige Tatsachen auf. Und dann hast du nicht mal eine Braut!" höhnte er. Aber hier kannst du mal sehen, was unsereins alles hat!" Er zog eine Geldtasche heraus und öffnete sie. Es lagen neun Fingerringe aus blantem Messing darin, Freitag, 4. September 1925 prägt als bei Krewelin zeigt. Auch hier erstreckt sich die Hochfläche als Halbinsel, auf der das Dorf angelegt ist, in sumpfiges Gelände hinein. Die geschlossene Form des Kundlings ist in Wesendorf vollauf gewahrt. Wir durchwandern das Dorf und verlassen es in nordwestlicher Richtung. Bald fommen wir an einen Kreuzweg, auf dem mir uns gegen Ost wenden. Durch die Wesendorfer Wiesen führt der Weg zum Waldrande. Raseneisenstein. Gewaltige Eisenerzlager, mie fie andere Gegenden Deutschlands aufweisen, birgt die Mark Brandenburg nicht. Jedoch ist sie dieses für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit so überaus bedeutungsvollen Minerals nicht völlig bar. Als Raseneisenstein oder Wiesenerz fommt das Eisen in vielen märkischen Brüchen und Moorgebieten vor. Es entsteht dadurch, daß die im Regenwasser enthaltene Kohlensäure der atmospärischen Luft die festen Eisenverbindungen des Bodens löft. Sie werden mit dem Quellwasser fortgeführt und schlagen sich an günstig gelegerien Stellen nieder, indem die Kohlensäure wieder verdunstet. In früheren Jahrhunderten wurden solche Raseneisenerzporfommen ausgebeutet. In der Mark Brandenburg gab es an vielen Orten Hüttenwerfe, Eisenhämmer, die das Erz verhütteten. Dies geschah mittels Holzkohle, wodurch die Eisenhämmer an die Nachbarschaft ausgedehnter Waldungen gebunden waren. So manche brandenburgischen Orts- und Flurnamen weisen noch auf jene Industrie hin. In den vergangenen Jahrhunderten, als der Warenaustausch noch nicht in dem Maße entwickelt war wie heute, mußte jedes Land möglichst darauf bedacht sein, zu versuchen, seinen Bedarf an Materialien innerhalb der eigenen Grenzen zu befriedigen. Deshalb wurde das Raseneisenerz überall in der Mart, wo es in nennenswerten Mengen Dorfam, ausgebeutet. Auch der auf den Wesendorfer Wiesen vorfommende Rafeneisenstein wurde verhüttet. Das hier gewonnene Eisen tam in den Zehdenicker Eisenhammer, der bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 1438 erwähnt wird. Besonders wurde hier Kriegsmunition angefertigt, außerdem aber auch Küchengeräte, Defen, Gewichte usw. In den Jahren 1764 bis 1800 hat diese Hütte über 130 000 3entner Munitionswaren hergestellt. Der Zehdenicker Eisenhammer brannte im Jahre 1801 ab und wurde nicht wiederhergestellt. Am Waldrande wandern wir gegen Nord; zur Linken liegen die Wesendorfer Wiesen. Nach etwa 20 Minuten fommen wir die Niederung durchziehenden Graben erhebt sich ein kleiner Hügel an einen Weg, der die Wiesen durchquert. An der Brücke über den aus dem Wiesengelände von etwa 50 Schritt im Durchmesser. Er zeigt vielfache lleberreste von Eisenschlacken mit wulstigen Oberflächen, blasigen Einschlüssen und roter Färbung. Auch Holzkohlenstückchen finden sich hier und Gefäßreste, die wahrscheinlich aus dem Mittelalter stammen, also nachwendisch sind. In früherer Zeit gab es auf den Wesendorfer Wiesen drei solcher Hügel, jedoch sind zwei von ihnen abgetragen und zur Wegeverbesserung in der Umgebung verwandt worden. Wir folgen dem Weg weiter in südwestlicher Richtung durch die schöne Forst Zehdenid. Wenn wir den Waid verlassen haben, sehen wir vor uns die zahlreichen Ziegeleien, die havelaufwärts liegen. Durch die Vorstadt Damm hast und über eine 3 brüde über die Havel kommen wir nach Zehdenick zurück, das wir nochmals durchwandern, um vom Bahnhof die Heimfahrt anzu. treten.( Weglänge etwa 24 Kilometer.) Das tapfere Schneiderlein! Man schreibt uns: Seit Jahrzehnten führt mich mein täglicher Weg zur Köpenider Straße hinauf. Hier, gegenüber der alten Pioniertaserne, wohnt er, der tapfere Schneider". Schon lange vor dem Kriege hatte er seinen Balkon im ersten Stod mit Soldate nbildern in Lebensgröße geschmückt. In den Kriegsjahren verloren diese Balkonsoldaten" aber allen Glanz. Sie verblaßten mit dem Kriegsruhm eines Wilhelm von Doorn und feines Retters" immer mehr und mehr. Nun erscheint aber der Erlaß des Retters", der das Tragen der militärischen Uniformen wieder erlaubt. Und sonderbar, acht Tage vor diesem Erlaß haben die Baitonsoldaten ein neues Farbenfleid angelegt. Ein Bild, das einen Ulanen vorstellen soll, hat scharf die Brommybrüde im Auge. Die Frage wäre aber berechtigt, wie kommt das tapfere Schneiderlein" zur Auffrischung seiner Reklame, die das ganze Straßenbild verschandelt, gerade furz vor dem Uniformerlaß? ,, Den hier habe ich von einer bekommen, die Kristine heißt, und den von einer, die heißt Karen und den hier von Amalie." Er leierte immer mehr Namen herunter, und er erzählte mir die Ohren voll von Geschichten von ihnen. " Hast du denn alle auf einmal gern?" fragte ich. " Sie sind mir allemiteinander verdammt gleichgültig," antwortete Charles und flappte die Geldtasche zu, aber sie find ja vollständig verrüdt nach mir. Sie fönnen mich nicht in Frieden lassen, wenn ich bloß angegangen fomme, stürzen fie gleich auf mich fos." In diesem Schmutz sollte ich mich mun oben halten! Und wie sollte ich die Kraft finden, das lichte Bild des Mädchens mit den Goldhaaren zu beschüßen, wenn der Schmutz um mich beständig höher und höher stieg und wenn jeder meiner Gänge nach Trianglen zu einer neuen Enttäuschung wurde? War ich zu Hause und sah zu, wie Mutter mit blinzelnden Augen und nervösen Fingern, den einen Hut nach dem anderen entstehen ließ, und begegnete ich ihrem Lächeln, das vergrämt und abwefend war, wurde es troß allem Trübfinns hell um mich herum. Mutter hatte feine Zeit, sich mit mir zu beschäftigen, und sie war selber wunderlich zerfahren von zu viel Arbeit und zu vielen Enttäuschungen. Ich erhielt keine Erklärungen. Wie fern standen wir nicht einander! Ich verstehe das erst so recht, wenn ich daran denke, daß ich mich stets am wildesten benahm und sie am meisten mit meinen Üngezogenheiten quälte, wenn sie abgearbeitet und gereizt war. Nur ihr fleines Lächeln fonnte mich beruhigen; aber wenn sie lächeln konnte, war sie auch innerlich ruhig und vermochte meine Unartigkeiten leichter zu ertragen. Wie schrecklich muß es nicht in ihr ausgesehen haben! Trotzdem blieb dieses Lächeln das einzige, was Mutter der Inbegriff von dem, was Zeit fand, mir zu geben ich unter Mutter verstehe, für mich und in jener Zeit war es mir, zusammen mit dem Bilde des blonden Mädchens, der einzige Lichtblick in einer Welt, deren Schmuh mich zu erstiden drohte. Samuelsen besuchte uns nur selten, und erst viele Jahre später fonnte ich die einzelnen deutlichen Erinnerungen aneinander reihen und die Kurve ahnen, die Mutters Bekanntschaft mit ihm durchlaufen hatte; aber einer seiner Besuche Ich sollte sollte einen großen Einfluß auf mich bekommen. bei dieser Gelegenheit erleben, daß der Schmutz, vor dem ich mich fürchtete, allen über den Kopf stieg, selbst den Er( Fortjeßung folgt.) wachsenen als Gegen die Abtreibungsfeuche". Die deutschen Aerzte gegen Abschaffung des§ 218. Die sogenannte deutsche Aerzteschaft, eine der seltsamsten Standesvereinigungen, die es in der deutschen Republik gibt, holt unter dem Deckmantel der Liebe zum Volk zu einem großen Schlag gegen die notleidenden Proletarier aus. Auf den jetzt stattfindenden Aerztetagen steht als Hauptpunkt der Tagesordnung Befämpfung der Abtreibungs Seuche". Schon der Ausdrud Seuche" fennzeichnet den Geift, von dem diese Referate erfüllt find. So beleuchtete" in Bayern nach dem Aerztlichen Vereinsblatt" Nr. 1354 ein Boltsfreund" Dr. Hoeber Augsburg in meisterhaften, von hohem sittlichen Hoeber- Augsburg Ernst getragenen eingehenden Ausführungen die Frage vom ethifchen, sozialen und bevölkerungspolitischen Stand punkte aus. Er ging von den gefeßlichen Bestimmungen zum Schuße der ungeborenen Frucht aus und brachte reichliches Zahlenmaterial über die Zunahme der Aborte in Deutschland. Die meisten Fälle entziehen fich aber der Verfolgung. Gewarnt muß werden vor einer Milderung der Strafen, wie sie im neuen Entwurf des Strafgesetzbuches vorgesehen sind. Dem Verlangen nach gefeßlicher Freigabe der Abtreibung muß nachdrücklichst entgegengetreten werden. Es besteht fein Recht der Frau zur freien Verfügung über ihre Frucht. Dieses Rechtes begibt sie sich, wenn sie sich dem Geschlechtsperfehr hingibt.... Das ideale Verhältnis zwischen Mann und Frau würde zerstört, das Mutterglüd, die höchste Seligkeit der Frau, würde ausgeschaltet, der Baarungsaft würde unter einen tierischen Vorgang heruntergefeßt werden. An der Zunahme der Abtreibungen ist leider auch die materia. listische Einstellung mancher Aerzte schuld, was zum Teil auch durch die Krantentassengefeggebung( 1) hervorgerufen ift.( Ausschluß vieler Aerzte von der Teilnahme an der Praxis.)... Soziale Indikation fann nun und nimmer anerkannt werden. Kinderreichtum braucht nicht Bürde, sondern Unterstützung und Glüd zu sein.( Bestes Medizinerdeutsch. Die Red.)" Diese pharifäerischen Phrasen, die den Aerztebund tennzeichnen, fönnen faum noch übertroffen werden. Wie nicht anders zu er warten, haben auch hier wieder die Krankenkassen die eigentliche Schuld. Auf der gleichen sittlichen" Höhe stehen die Ausführungen des Herrn Dr. Bollmann- Berlin, die er als Leitfäge für den Leipziger Aerztetag am 9. und 10. September aufstellt:„ Eine Aufhebung der gefeßlichen Strafbestimmungen wäre ein verhäng. nisvoller Mißgriff. Hemmungslose Zunahme der Abtreibungen, weitere Berwilderung der Geschlechtsfitten, Vermehrung der Geschlechtskrankheiten wären die unausbleiblichen Folgen. Die fogenannte foziale Indifation", die richtiger wirtschaftliche Inditation" hieße, gründet sich auf Notlagen, zu deren Beurteilung der Arzt nicht allein berufen und zuständig ist. Sie ist als Indikation für die Unterbrechung unbedingt abzulehnen.... Straffreiheit Straffreiheit der Schwangeren als Belohnung für das Angeben der Person, die gewerbsmäßig Beihilfe geleistet hat, ist aus allgemeinen Rechts gründen abzulehnen." Auch hier wieder eine völlige Berkennung der Ein stellung der breiten Massen zu diesen Fragen, ein abficht liches nicht sehen wollen der Note des Boltes, die durch die Schutzölle und allgemeine Teuerung weiter gesteigert werden. Statt das sogenannte" llebel" an seiner Wurzel zu fassen, nämlich unter ärztlichen Gefichtspuntten sich gegen die ungenügen. den Löhne, die schlechten Wohnungsverhältnisse, die Verschlechterung der Lebenshaltung infolge ber Schutzölle zu wenden, sprechen diese Boltsfreunde" von einer Inmoralität der breiten Massen". Der wirklich ethische Grund, daß sie sich gegen eine Denunziation wenden, ist wohl der, daß, wie allgemein befannt ist, viele standestreue Aerzte sich ihr Bermögen zusammentratzen". Durch diese voltsfeindliche Hehe, durch dieses Handinhandarbei ten mit der reaktionären Justiz und dem Kapital, das billige Arbeitsfräfte braucht, wird es der deutschen Aerztefchaft wohl bald gelingen, auch noch den letzten Reft ihres seit dem Aerztestreit schon so start geschwundenen Vertrauens beim deutschen Proletariat zu verlieren. Wir werden den deutschen Aerzten gern behilflich sein, indem wir den breitesten Kreisen unseres Boltes von ihrer Ein ftellung und ihrer Auffassung zu seinen Nöten Kenntnis geben. Der Ehrentitel, Handlanger der Justiz und Zutreiber des Kapitalismus zu fein, ist dieser Aerzteschaft gewiß. Um den Brotpreis. Die mittelbare" Preisfenfung. Bei den gestrigen Verhandlungen der mittleren Preisprüfungs stelle Berlin mit den Vertretern des Bäckergewerbes ist festgestellt worden, daß das Gewicht eines Brotes in Berlin nach dem gegen wärtigen Stand des Mehlpreises und im Rahmen der früher bereinbarten Kalkulation etwa 1450 Gramm betragen muß, das bedeutet mitttelbar eine Ermäßigung des Brotpreises. Soweit dieses Gewicht bisher schon eingeführt worden ist, hat eine den Vereinbarungen zuwiderlaufende Vertenerung des Brotes nicht stattgefunden. Die Reichsregierung steht in Behandlungen mit den Bäckerverbänden, um eine weitere Senfung der Preise zu erzielen, Bei etwa weiter sinkenden Mehlpreisen wird fich das Gewicht des Brotes schon aus diesem Anlaß weiter erhöhen. Jede halbe Sekunde ein Auto. Wie sehr der Autoverkehr in Berlin in der letzten Beit angewachsen ist, ergab eine an einem Nachmittag um 2 Uhr mit Stopp uhren an der Ede unter den Linden und Friedrichstraße vorgenommene Zählung der vorbeifahrenden Automobile. Aus dieser Kontrolle ergab sich, daß in beiden Längsrichtungen, also zwischen Brandenburger Tor und Schloß in einer Minute 123 Automobile passiert sind, während in der Richtung Friedrichstraße in einer Minute nur 35 bis 40 Automobile vorbeirollten. Dabei sind aber die Autobusse, Pferdedroschten, Rollwagen und Motor- und Fahrräder nicht mitgezählt. Daß der Fußgänger vertehr unter solchen Großverkehrsverhältnissen sich so leicht und fast ohne Unfälle abspielt, ist ein Beweis für die gute Schulung der Berkehrsbeamten. ,, Unter die Räuber geraten." Etwas märchenhaft flang die Geschichte, die der Schlächter Frig Sch. dem Einzelrichter des Amtsgerichts Berlin- Mitte erzählte, aber fis führte schließlich doch zu seiner Freisprechung. Sch. follte unbefugt den Kriminalbeamten gespielt und sich dabei der Freiheitsberaubung sowie der Nötigung schuldig gemacht haben. Er wehrte fich dagegen, indem er angab, daß ihn eines Tages zwei ihm bisher unbekannte Kriminalbeamten ,,, Kriminalkommissar Leo" und Kriminalwachtmeister Pauly", gebeten hätten, ihnen bei der Auffindung von Diebesgut behilflich zu sein. Obwohl er auf Grund seiner Bergangenheit dazu geneigt war, will er abgelehnt, dann aber fich bereit gefunden haben, die beiden als Helfer bei einer Beschlagnahme zu begleiten. Diese richtete sich gegen einen Schneidermeister M., der nicht schlecht erstaunt war, als er eines morgens in der Frühe aus dem Bett geflopft wurde, und dann drei Männer, von denen sich zwei mit einer fupfernen bezw. silbernen Münze als Kriminalbeamte ,, legitimierten" und einer demonstrativ eine Pistole in der Tasche trug, eine Haussuchung abhielten. Angeblich juchten fie nach to tain und Seide und durchwühlten alle Schränke. Dann gingen fie fort, hoften den armen Schneidermeister dann aber ab und be. förderten ihn zum Polizeipräsidium, wohin, was wohl nicht erwartet worden war, der Schneidermeister im Bewußsein seiner Unschuld ruhig mitging. Hier stieß dann der angebliche Kriminalfommiffar den Schneidermeister mitsamt dem Angeklagten in das Bimmer der Abteilung Dauerdienst und verschwand. Der gefoppte Schneidermeister witterte schließlich Unrat, sprang auf und fragte raten sei. Das führte zu der Verhaftung des Angeklagten, obdie dort sigenden Beamten, ob er den unter die Räuber ge= die dort sitzenden Beamten, ob er den unter die Räuber gewohl er damals, wie auch heute, beteuerte gutgläubig gewesen zu fein. Die Geschichte flang zwar, wie gesagt, etwas märchenhaft, aber es glückte nicht, ihm ein Verschulden nachzuweisen, und so wurde Sch. freigesprochen. Reichswehrsoldaten vor dem Einzelrichter. Der beleidigte Reichswehrmann. Er ist als Zeuge erschienen. Auf der Antlagebant, aus der Haft vorgeführt, figt eine Prostituierte. Sie hat in der Person des Beugen, eines blutjungen Burschen, die gesamte Reichswehr beleidigt. Es war unter den Linden an der Haltestelle des Autobusses. Er stand da mit einem Kameraden. Auch sie stand da, obgleich ihr zu gewerb lichen Zweden der Aufenthalt auf dieser Bruntstraße verboten ist. Sie gab ihm in sehr dezenter Weise zu verstehen, daß sie nichts dagegen hätte, wenn er fie begleiten wollte. Er winfte sehr unliebenswürdig ab. Da sie es aber gut mit ihm gemeint hatte, wurde sie böse und sagte:" Ihr seid ja alle im... mit... infiziert da fam der Autobus und er mußte fort. Er traf fie aber am nächsten Tage, als er auf der Suche nach ihr war, auf derselben Straße. Da ließ er fie feststellen. Nun steht sie vor dem Richter und bestreitet jede Beleidigungsabficht. Es hilft nichts. Sie erhält HaftStrafe für Beleidigung und für das Betreten verbotener Straßen. Die Soldatenehre ist wieder hergestellt. Ist es wirklich so schrecklich gewesen? Der Liebhaber. Untergang eines fanadischen Minenfuchbootes. Gin kanabisches Minensuchboot ist an der Westküste von Vancouver auf einen Felsen aufgelaufen und gesunten. Die Besagung tonnte fich retten. Fünf Bergleute umgefommen. Auf der den Neurober Kohlen- und Tongruben gehörigen Rubens Grube brach auf unaufgeklärte Weise im Grundstreckenpfeiler des Jofeph- Flözes ohlensäure aus. Fünf dort beschäftigte Berg leute famen hierdurch um ihr Leben. Die von einer Rebenmannschaft alarmierte Rettungsmannschaft, fonnte die Bedauernswerten nur noch als 2eid en bergen. Die Bergbehörde hat die Untersuchung aufgenommen. Parteinachrichten für Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrik find ffets an das Bezirkssekretariat, Berlin SB, 68, Sindenstraße 3, 2. Sof, 2 Trev. rechts, an richten. Elternbeiräte! Befucht vollzählig die Rundgebung gegen das neue Seids fchulgeset am Freitag, den 4. Geptember, 7% Uhr, Rochftraße, Aula des Friedrich- Wilhelm- Gymnasiums. Rein Obmann barf fehlen. 6. Kreis Kreuzberg. Seute Freitag, den 4. September, 7% Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Reim, Urbanstr. 29. Gonnabend, den 5. Eeptember, 8 Uhr, heitere Abendfeier mit politisch- fatirischem Rabarett, unter Mitwirkung von Resi Langer, M. Meifel u. a., im Deutschen Hoj, Ludauer Str. 15. Eintritt 1. Nach dem Programm gefelliges Bei fammenfein mit Tanz ohne Nachzahlung. 20. Kreis Reinickendorf. Sonntag, ben 6. Geptember, vormittags 9 Uhr, im Lokal Lehmann, Reinidendorf- Oft, Hauptstr. 56, Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. Heute, Freitag, den 4. September: 26. 6. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Beinlich. 101. Abt. Treptow. Von 5 Uhr nachmittags ab Flugblattverbreitung von der Borwärtsspedition Graegstraße aus. 124. bt. Mahlsdorf. 8 Uhr Funktionärsikung bei Breibau, Söhnower Straße. Jaunsozialisten. Gruppe Mitte: 8 Uhr wichtige Mitgliederversammlung in der Schule Gipsstr. 23a. Besprechung der Winterarbeit. Gruppe Neuföln: 8 Uhr Rogatstr. 53, Gruppenabend. Genoffe B. Laufer: ,, Die Aufgaben der Jungsozialisten. Gruppe Norden: 7% Uhr im Sebigenheim Schönstedtstr. 1, weibliche Jungfozialisten. Jungfozialistische Blätter Dom Juni. Morgen, Sonnabend, den 5. September: 25. bt. 7½ Uhr bei Gott, Kniprodeftr. 6, Sigung der Bezirksführer und Betriebsvertrauensleute. 53. bt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärhikung bei Bade, Raiferin- Augusta. Allee 58. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr Funktionärkung bei Niendorf, Chauffeeftr. 19. Reukölln. 90. Abt. 7 Uhr bei Schittler, Donauftr. 118, Funktionärfikung. 97. t. 7 Uhr Funktionärkung bei Rohr, Siegfried ftr. 28-29. 99. Abt. Brig. 7 Uhr Funktionärtonferens im Lehrerzimmer der 1. Ge. meindeschule, Chauffeeftr. 136. außerordentliche Mitgliederversammlung. Stellungnahme zur Randidatenaufstellung. Tagesordnung: Nochmalige Ein noch junges Bürschchen von 19 Jahren, von seinem Bor gefeßten vorgeführt. Er ist angeflagt, 6,50 m. gestohlen zu haben. Aber unter welchen Umständen? Kommt so ein junges Kerlchen eben von aus Frankfurt a. M. Liebebedürftig, wie er ist Muttern fort schenkt er seine Reigung einer älteren Frau. Sie fagte ihm, daß fie 28 Jahre sei, in den Aften steht 40 Jahre(!). Sie fieht so aus, als fönnte sie seine Mutter sein. Das Verhältnis gestaltete sich sehr harmlos; er fühlt sich geborgen, fie erfreut sich seiner jugendlichen Wärme. Nur einen Hafen hat es. Die Freundin des jungen Reichswehrsoldaten hat sehr viel Durst. Doch wie ihr, 102. t. 7 Uhr im Lokal non Borgmann, Baumschulen, Ede Riefholzstraße, fo fehlt auch ihm das genügende Kleingeld, um die Zechen bezahlen zu können. Bald zahlt sie, bald zahlt er. Als er dann eines schönen Tages zu ihr fam und sie wieder das Bedürfnis nach alkoholischen Getränken verspürte, während er feinen Pfennig Geld bei sich hatte, ging er an ihren Schrant, entnahm ihrem Portemonnaie 6,20 m. und bezahlte die Beche. Sie fagte nichts dazu. Als er aber einige Zeit darauf Sonntags mal wegen einer Abschiedsfeier weggeblichen war, machte fie am darauffolgenden Montag, troß seines Entschuldi gungsschreibens, gegen ihn Anzeige wegen Diebstahls. Dies geschah sechs Wochen nach dem Borfall. Ja, war das überhaupt Diebstahl. Wenn er sie um das Geld gebeten hätte, hätte sie es ihm wohl damals gegeben. Das Gericht sprach den Reichswehrsoldaten frei. Arbeitsgemeinschaft der sozialdemofrafischen Lehrer und Lehrerinnen. Sonnabend, den 5. Sept., Ausflug nach der Pfaueninsel. Treffpunkt 4.10 vor dem Bahnhof in Wannsee. Der 3.27 von dem Wannseebahnhof ab fahrende Bug ist 4.05 in Wannsee. Die Juristische Sprechstunde findet bis auf weiteres täglich außer Sonnabends von 5 bis 7 Uhr statt. Sonnabends gefchloffen. Zeppelin- Katastrophe in Amerika. Die Shenandoah" vernichtet. 116. bt. Lihtenberg. 8 Uhr Funktionärsihung mit den Rreisvertretern im Lokal Murr, Neue Bahnhofstr. 28. 131. bt. Rieberitönhausen. Die Funktionärverfammlung fällt aus und findet dafür am Montag abend 7½ Uhr im Lokal Kubafch statt. 10. Abt. Sonntag vormittag 9 Uhr Treffpunkt am Bahnhof Bellevue aume Ausflug nach Baumschulenweg, Metallarbeiter- Sportplag. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungskassierer! Seute, Freitag, von 5-7 Uhr, Ahnung Der Beitragsmarten, Ausgabe der September- ,, Jugend voran. Heute, Freitag, den 4. September, abends 712 Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: Moabit I: Schule Giemensfte. 20. Nordost II: Jugendheim Danziner Straße 62. Diten Weißenfee: Charlottenburger, Ede Roeldestraße. Warschauer Viertel: Tilsiter Str. 3. ( Stralauer Biertel): Goklerstr. 61. Suboft( Köpenider Bierten: Jugendheim Mariannenufer la. Stealis n: Holsteinische Str. 8. Renton II: Rogatftr. 53. Adlershof: Bismard ftraße 12. Neu- Lichtenberg: Reftalozzi- Enaeum, Bring- Albert- Str. 44. Tegel: Bahnhofftr. 15. Rieberschönhausen: Blankenburger Str. 69-70.Spanbau: Neuendorfer Str. 87. Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplak, Bortrag: Strafvollauo an Jugendliche". Buchholz: Lokal von Roffad, Sauptstr. 71, Aussprache: SAJ. und Reichsbanner". Werbebezirk Oberfpree: Die Teilnehmer am Wochenendrurfus treffen fich am Sonnabend um 6 Uhr Bahnhof Nieberschöneweide( Saupteingang). Die Die„ Shenandoah", das in Amerita gebaute Zeppelin- Cufffchiff, ift nach Meldungen aus den Bereinigten Staaten gestern einer Kataftrophe zum Opfer gefallen. Das Luftschiff war mit einer 42 Mann starten Besatzung aufgeftiegen und freuzte über der Stadt Cam- Abteilungsvorsitzenden um 46 Uhr ebendort. bridge in Ohio. Plöhlich hatte es den Anschein, als ob die Befahung die Gewalt über das Fahrzeug verloren hatte. Im Gewitterffurm legte fich das Luftschiff auf die Seite und wurde in füdlicher Richtung abgetrieben. Weitere Meldungen befagen, daß das Luftschiff in drei Teile zerbrach und so völlig zerstört wurde. Der Kommandant, Leutnant Landsdowne und wenigstens 12 Offiziere und Mannschaften follen getötet fein. In Amerika herrscht über das Unglüd große Bestürzung, das mariniminifterium hat in einer offiziellen Verlaufbarung den Unfall bekanntgegeben und Abteilungen an die Unfallſtätte gefandt. Es ist möglich, daß die„ Shenandoah", die wesentlich fleiner war, als der von Deutschland gelieferte 3R. III und auch erheblich schwächere Motoren hatte, in einen Wirbelfturm geraten ist, dem es nicht zu entrinnen vermochte. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Das Luftschiff Shenandoah war 225 Meter lang. Sein Durchmesser betrug 32,5 m im Maximum. Die Shenandoah enthielt 19 Gaszellen mit einem Rauminhalt von 63 450 cbm; ihre Kraftan lagen bestanden aus sechs 300 Ps. Bacardmaschinen. Die Höchst geschwindigkeit des Schiffes betrug 56,5 Stunden- Kilometer. adnan Das deutsche Goldflugzeug in London. London, 3. September.( TU.) Das deutsche Junders- Großflugzeug 6. 23 ist mit neun Millionen 600 000 Bfund Reparationsbonds für die Bank von England in London angelommen. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 4. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 Tr. Friedrichshain: Sonntag, den 6. September, frith 7% Uhr, treffer Reutoju fi die Teilnehmer zur Dampferfahrt Waisenbrüde. Bzik: Sonntag, den 6. September, Dampferfahrt nach Boltersdorfer Geufe. Abfahrt 8 Uhr Wildenbruchbrüde. Fahrpreis für Erwachsene 2 M., Kinder 75 Bf. Rarten bei sämtlichen Gruppenführern. Petershagen- Fredersdorf: Sonntag, den 6. Geptember, nachmittags 5 Uhr, Ramerabschaftversammlung. Anschließend ab 7 Uhr gemütliches Beifammensein mit Damer Sport. Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, den 3. September. 1. Rennen. 1. Natalis( Serm. Schleusener), 2. Bunier( H. Grube), 3. Sardanapal( H. Mills). Toto: 35: 10. Blah: 13, 11, 11: 10. Ferner liefen: Morgentau, Schwarzwaldmädel, Wainsca, Beinminze, Dolina, Sletterrose. 2. Rennen. 1. Simpel( Jauß jr.), 2. Frechheit( Grube jr.), 3. Copal ( F. Schmidt). Toto: 35: 10. Play: 21, 17, 16: 10. Ferner liefen: Sarneval, Torrero, Baron Arworthy, Starbach, Angriff, Prinzeß Bertha, Pechfadel. 3. Rennen. 1. Selud( Dr. Kleinau), 2. Odessa( Körting), 3. Batschart ( Gr. Pert). Toto: 49: 10. Blaz: 19, 22, 14:10. Ferner liefen: Linsto, Höhensonne, Fistus, Bovan, Pontresina, Stapellauf. 4. Rennen. 1. Baron Klatawah( M. Bauer), 2. Handfest( Rüdert), 3. Flatterrose( F. Brand). Toto: 37: 10. Blab: 17. 22, 15: 10. Ferner liefen: Duera, Erft. Wolfers., Altgold, Zeitgeist, Coriolanus, Mabel, Heide. rose B., Jeffries jr., Berdun. 5. Rennen. 1. Perattien( Herm. Schleusener), 2. Laterne( Sauk jt.), 3. Belwin( E. Treuberg). Toto: 24:10. Blag: 20, 20: 10. Ferner liefen: Grasmus, Magowan jr., Baria I. 6. Rennen. 1. Kitthschor( Knöpnabel fr.), 2. Trotteur( Reiter), 3. Qui vive( J. Mills). Toto: 42: 10. Blat: 19, 32, 23: 10. Ferner liefen: Clematis blau, Florian, Feuerwehr, Marcel, Heimann. 7. Rennen. 1. Good Boy( H. Grube), 2. Kuba( L. Weiß), 3. Johannisfeuer( M. Ringius). Toto: 18:10. Plat: 13, 16, 28: 10. Ferner liefen: Paula Bingen, Coriolanus, Barmaid, Handschlag. 8. Rennen: 1. Baron Klatawah( M. Bauer), 2. Quera( Berbellin), liesen: Handfest. Batschart, Linsko, Odessa, Altgold, Klud, Höhensonne. 3. Flatterrofe( F. Brand). Toto: 19: 10. Plat: 14, 31, 17: 10. Ferner 3. Nachmittagskonzert des Berliner Funkorchesters. Dirigent: Bruno 4.30-6 Uhr abends:( Uebertragung aus dem Funkhausgarten) Seidler- Winkler. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau ( Das Dummchen in der Schule"). 7 Uhr abends: Dr. RichterWilmersdorf: Das Haar". II. Teil. Die wichtigsten Krankheiten des Haarsystems". 7.30-8.20 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Gartenbau. Professor Dr. Ludwigs: Pflanzenkrankheiten im Garten". 2. Vortrag. 8 Uhr Roy( Lahore): Einführung in die indische Kultur". 1. Vortrag. abends: Abteilung Völkerkunde. Professor Pandit Tarachand Indien, das Wunderland und seine Bewohner". 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus dem Saal des Hauses der Funkindustrie. Bunter Abend. 1. Blankenburg: Einzug der Hellebardiere. Marsch( Tambouraschenchor Wellebit. Dirigent: Hermann Meier). 2. a) V. Rose: Mein Liebling heißt Mädi, aus der Revue An Alle", b) H. Warren: Pasadena, o) R. Nelson: Wenn du meine Tante siehst, Geschäftliche Mitteilungen. aus der Burleske Harem auf Reisen"( Willi Weiß, Tenor; am Flügel: Miezi Peery). 3. a) Kéler Béla: Lustspielouvertüre. b) Grunow: Glockenblümchen läutet( Solo für Tubaphoninstrument, Tambouraschenchor Wellebit). 4. a) J. Schonberger: Havana( Grüß mir die Sterne), b) R. Nelson: Zur Liebe gehört aus Madame Revue", c) A. Silver: auch ein bißchen Musik, Sag ihr's beim Tanze( Willi Weiß, am Flügel: Miezi Peery). 5. a) Joh. Strauß: Geschichten aus dem Wiener Wald, b) Joh. Strauß: Frühlingsstimmen, Walzer( Frida Weber- Fleßburg, Sopran; am Flügel: Professor Oskar Wappenschmitt). 9. Lustiges( Paul Graetz). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. 9. Rennen: 1. Charlotte Mathilde( Barnewit), 2. Benedict( Bahr). Angora( 5. Grube). Toto: 170: 10. Blag: 29, 21, 15: 10. Ferner liefen: Sturgast, Modern, Sevilla, Alarich, Lu, Dolerit, Arion I c) MAR GA • Sur bevorstehenden Serbstfaifon follte jedermann an die Erneuerung feine Garderobe denten, Die Firma Julies Fabian, Spezialhaus für moderne Berrenbekleidung, Große Frankfurter Str. 37, bietet gana bebeutende Vorteile butch fehr günstige Rahlungserleichterung. Außer der Mañabteilung unterhält die firma ein fehr großes Lager in fertiger Garderobe. Der große Rundenkreis, den sich die Firma während ihres 20jährigen Bestehens er morben hat, ist die beste Gewähr für ihre Reellität und Leistungsfähigkeit. 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PALAST Mark 2.- bis 16.Sonntag Vorstellungen 2 3 u 8 Uhr Nachm die ganze Vorstellung halben Preisen zu AWЯ0 Ufa- Palast Ufa- Palast UA Königstadt Schönhauser Allee SALT PALAST KÖNIGSTADT Schönhauser Allee 10-11 Eröffnungsvorstellungen: 7 Uhr Heute Uhr 9 Drei Frauen Der neueste Lubitsch- Film Pauline Frederik Marie Prevost May Mc Avoy Die Schau auf der Königstadtbühne Der Mann mit den drei Frauen Gesangs- und Tanzszenen nach der Operette von Lehar Deutsches Künstler- Theater 8 Uhr Fauteuil 47 Lustspiel von Louis Verneuil Das Suvkamp Gefü Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der kleine Kuppler Wallner- Theater DEUTSCHLAND BLERS 8: Meiseken Made? Eröffnungsvorstellungen der Hellmer- Bünnen Lessing- Th. Freitag, 11. Sept 7 Uhr Götz v. Ber lichingen von Goethe Wegener, Höflich, G. Müller, George: Kleines Theater Sonnabd, 5. Sept., 7 Uhr Besser als früher von Pirandello mit Maria Orska: Trianon- Th. Tägl. 8 Uhr Gisela Werbezirk in Frau Lohengrin Mittelparkettplätze 5-6 M. Sonstige Preise Lessing- Th.1.50-12: Klein. Th. 3.50-15.Trian- Th. 1.50-12.Neues am Theater o Täglich 8 Uhr: Olly- Polly Operette von Kollo Emmy Sturm Curt Bois Wenn einer eine Reise tut Parketpl. v. 2-12 M. dann geht er selten so von Bord und wer kein Geld zum Reisen hat, der fühlt sich dennoch wie ein Lord, wenn er gesund und lebensfroh und keine Rheuma- Schmerzen hat, weil morgens regelmäßig er sein STOVKAMP- SALZ genommen hat. Gesund sein kann ein jeder heut', man hat sogar dazu die Pilicht, denn kranke Menschen nützen sich und auch dem lieben Nächsten nicht Die STUVKAMP- KUR wirkt fabelhaft, ist zuverlässig, billig auch. STUVHAMP- GEFÜHL gleich Lebenskraft" setzt ein nach kürzestem Gebrauch. Man nimmt regelmäßig morgens eine Messerspitze voll Stuvkamp Salz in Wasser, Kaffee oder Tee. Erhältlich in alien Apotheken und Drogerien zum Preise von Mk. 3, per Glas, ausreichend für 100 Tage. 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Bernard Shaw Der Kühne Schwimmer dazu das humorvolle Jubiläums- Programm WINTE PORTEN ( Aus den Stimmen der Presse:) Einladung Aur außerordentl. Generalversammlung am Montag, b. 14. September 1925, pünftl. abbs. 7 Uhr, im Klubhaus, Ohmstr. Tagesorbnung: Neuwahl des Borftandes u. Aufsichtsrates. Anträge zu dieser Tagesordnung find Ob Mensch oder Affe jedenfalls mindestens& Tage vor der Generalver ist die Vorführung des Wintergarten- fammlung schriftlich an die Geschäftsstelle Rose- Theater Tarzan keine der üblichen und oft ge- einzureichen. 81: Der gr. Betrug Gartenbühne: sehenen Schimpansen- Dressuren." „ Aber wer und was ist er?" " Keiner der zahllosen mit offenem 5 Uhr: Bunter Teil Munde dasitzenden Zuschauer vermag 73/4: Das Schwarzwaldmädel es mit Sicherheit zu sagenJedenfalls ist solches Rätselwesen in Berlin noch nicht gezeigt." Hierzu: Apollo- Das neue große Programm! 8 U. Theater 8 U. Ab 1. Sept. 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Die Politik der auf Grund des Dreiklassenwahlrechts aufgebauten städtischen Behörden ging früher dahin, die sogenannten„ besseren" Stadtteile zu bevorzugen auf Kosten der proletarisch zusammen: gelegten Bezirke. Durch die Organisation der neuen Stadtgemeinde Berlin in Verwaltungsbezirke wurden die Intereffen der Bezirke mit minderbemittelter Bevölkerung mehr zur Geltung gebracht. Im Bezirk Wedding ist unsere Fraktion im engsten Ein vernehmen mit dem Bezirksamt tätig gewesen. Dauernd drängte sie darauf, für soziale 3wede größere Mittel zu erhalten als das Bezirksamt nach den vom Magistrat herausgegebenen Richt linien in den Haushalt cinstellen konnte. Trog der schweren Finanznot, in welcher sich nach dem Kriege die Stadtgemeinde Berlin befand, fann die unter diesen schweren Verhältnissen zu leistende Tätigkeit der Bezirke sich sehen lassen. Praktisch tritt das im Bezirk Wedding auf verschiedenen Gebieten in augenfällige Erscheinung. Seit drei Jahren ist am Plözzenjec ein Wassersportplatz errichtet worden, der in den letzten Jahren mit prächtigen Grünanlagen ausgestattet worden ist. Diese mit geringen Mitteln errichtete Anlage ist das Ziel tausender von Menschen in den Sommermonaten. Alt und jung finden hier Erfrischung und Stärkung. Die Anlage ist das besuchteste Bad der Welt geworden, aller dings fein Lurusbad. Mehr als 600 000 Menschen haben in diesem Jahre die Aniage aufaesucht, und, ohne viel Geld auszugeben, sich erholen fönnen. Dem Schwimmsport ist durch die Errichtung eines großen Schwimmsteges für seine Zwecke Rechnung getragen worden. Die Sandhügel in der Jungfernheide, die seit Jahrzehnten einen Schandfleck im Norden darstellten und die anwohnende Bevölkerung in der schlimmsten Weise belästigten, sind in einem Waldpark umgewandelt worden, welcher die größtmöglichste Bewegungs freiheit zuläßt. Dem Spiel- und Sportbedürfnis ist Rechnung ge tragen worden durch eine Rodelbahn, einen Kinderspielplay und einen Buddelplatz. Eine Naturbühne für Schülervorstellungen wird noch geschaffen werden. Ein Play an der Hoch- und Blochstraße ift aus seinem verwahrlosten Zustande herausgezogen und zu einer Grünanlage umgestaltet worden, über die fich die Bevölkerung außerordentlich freut. Der an der Grenze des Bezirks liegende Ostarplan, der früher nur als Müllabladestelle benutzt wurde, bildet heute eine schöne gärtnerische Schmudanlage. Der Blan einer großzügigen Grünanlage ist in Aussicht genommen. Belingt es der Stadtgemeinde, baldigst vom Fiskus die noch öde daliegenden Rehberge zu erwerben, so wird auch dort eine2nlage entstehen, melche dem Norden Berlins zur Zierde gereicht. Von den Erwerbs losen besonders begrüßt wurde die von dem Bezirksamt geschaffene Einrichtung einer Schuhmacherwertstatt, in der das Schuhzeug der Erwerbslosen gegen Erstattung der Auslagen unter Bermendung des besten Materials wieder hergestellt wird. Auf allen übrigen sozialen Gebieten ist dieselbe soziale Einstellung zu er fennen. Alle diese Einrichtungen, die in erster Linie den breiten Massen der Bevölkerung zugute fommen, maren nur möglich durch eine Berwaltung, die soziales Verständnis für die Lage der ärmeren Boltsschichten hat und deren Mehrheit fozialdemokratisch ist.. Eine deutschnationale Hochburg. Eine nennenswerte Arbeit im Interesse der Allgemeinheit hat die deutschnational- völkische Mehrheit des Bezirks Schöneberg Friedenau nicht geleistet, das fann jetzt nach Ablauf der Wahlperiode feſtgeſtellt werden. Ausbau der sozialen Einrichtungen, Schaffung der Anstalten für Kinder und die heranwachsende Jugend, Jugendheime, Beschaffung von Wohnungen usw., nichts von alledem ist geschehen. Die wenigen Einrichtungen, die der Bezirk noch aus seiner früheren Selbständigkeit hatte, sind von der Mehrheit sehr bald abgebaut worden, insbesondere die feit 1911 bestehende Fischhalle, die früher preisregulierend auf dem Fischmarkt in Schöneberg wirfte. Gerade von der arbeitenden Bevölkerung ist die Fischhalle lebhaft in Anspruch genommen worden. Die Deutsch nationale, die Bolts- und Wirtschaftspartei haben als erste Aufgabe gegen die Stimmen der übrigen Parteien die Fischhalle auf gehoben und sie an Privatfapitalisten verkauft. Mit welcher Emfigkeit das Bezirksamt dem Befehl der deutschnationalen Bezirksverordneten nachfam, sei an folgendem Fall illustriert: Seit Jahren hatte der Betriebsrat der städtischen Angestellten in feinem Zimmer die Kranzschleifen der verstorbenen Arbeitskollegen aufgehängt. Bei einer Besichtigung der Räume ist das einem deutschvölkischen Bezirksverordneten aufgefallen, der das große Staatsverbrechen dem Bürgermeister unterbreitete und so fortige Entfernung der Schleifen beantragte. Da der zuständige parteigenössische Dezernent sich meigerte, diesem Anfinnen nach zutommen, hat der deutschnationale Bezirksbürgermeister über den Kopf des zuständigen Dezernenten hinweg verfügt, daß die Schleifen fofort zu entfernen sind. Ale Anträge, die von unserer Fraktion eingebracht wurden, sind von den Deutschnationalen und den verbündeten Parteien abgelehnt worden, der Abbau des Personals traf fast alle Angestellten. Mit Borliebe wurden fast alle diejenigen, die als Sozialisten befannt waren, zuerst entlassen. Ja, man scheute nicht davor zurüd, DUNLOP olam CORD S Ballon Mount Everest Dunlop Ballon beide unerreicht. BEILAGE jogar die Schwerfriegsbeschädigten abzubauen. Beim Abbau des Bezirksamtes war man gleichfalls sehr eilig, galt es doch, den einzigen besoldeten sozialdemokratischen Stadtrat zu beseitigen. Als der Abbau des Bezirksamts nach den Beschlüssen der städtischen Körperschaften auch ein Bezirksamtsmitglied von den Deutschnationalen treffen sollte, schwang man sich sogar dazu auf, gegen die Beschlüsse des Magistrats mit sittlicher Entrüstung zu protestieren. Man versuchte sogar die Bezirksversammlung vorzu rechnen, daß es ganz unmöglich wäre, mit weniger als sechs bejoldeten Bezirksamtsmitgliedern auszukommen. Dabei weiß jeder, der das kommunale Leben in Schöneberg kennt, daß die ganze Tätigkeit des Bezirksamtes von 2-3 Herren ausgeführt wird und daß die anderen alles andere, nur keine Bezirksamtsarbeit machen. Wie rücksichtslos das deutschnationale Bezirksamt gegen andere Parteiangehörige vorgeht, jei am schlagendsten dadurch bewiesen, daß in der Berichtszeit jämtliche frei gewordenen Schulleiterftellen ausnahmslos mit Deutschnationalen und Deutschvölki Ich en besetzt wurden. Alle Bewerber anderer Parteien sind abgelehnt worden, ausschlaggebend war nicht die Geeignetheit, sondern die Barteiangehörigkeit. 7. Kreis- Charlottenburg. leases Die Charlottenburger Kreismitgliedschaft nahm am Dienstag, den 1. September, in einer Kreisvertreterversammlung zu den am 25. Oktober stattfindenden Gemeindewahlen Stellung und stellte die Kandidaten auf die Kreiswahlliste und für den Bezirkswahlvorschlag. Genolie Wilt fennzeichnete die Situation auf aligemein politischem und wirtschaftlichem Gebiete und im besonderen die Tätigkeit der Sozialdemokratie in der Kommune und ihre Aussichten im nunmehr einseßenden Wahlkampf. Er fand tie Zustimmung aller Anwesenden bei der Feststellung, daß von allen Gesichtspunkten aus gesehen, unsere Wahlaussichten sehr günstige seien. Es gelte nunmehr alle Kräfte anzuspannen, um am 25. Oftober die Retterparteien" vernichtend zu schlagen. Die Diskussion über die Kandidaten hatte das Ergebnis, daß im ganzen 40 Genossen und Genojsinnen als Bewerber aufgestellt wurden. Die ersten 10, die als Stadtverordnetenfandi: daten gelten, sind: Albert Horlig, Otto Schmidt, Dr. Kawerau, Johanna Kühn, August Gebert, Reinhold Seifert, Siegfried Charimjfi, Simon Ragenstein, Wilhelm Midler, Ida Rausch. Für die Stadtliste werden in Vorschlag gebracht: Charlinski und Alfred Schneider. Als Bezirksstadträte wurden der neuen Fraktion folgende Genojien vorgeschlagen: Alfred Wilt, Dr. Sußmann, Simon KazenNoch immer ist in Schöneberg der Gedanke nicht festgewurzelt, daß wir eine Einheitsgemeinde Berlin haben. Dieselben Stadtverordneten, die in der Berliner Stadtverordneten- Versammstein, Alfred Schneider. lung fich als die größten Berfechter der zentralen Verwaltungstätigkeit geben, sezen in den westlichen Bezirken, insbesondere in tätigkeit geben, ſegen in den weſtlichen Bezirlen, insbesondere in 2102912. Bezirk Steglitz. Schönebera, bei jeder Gelegenheit ihre wüste Agitation gegen den Berliner Magistrat fort. Zur Illustration nur ein Fall: Die Krankenhausverwaltung braucht eine Rotsgabel. Anstatt diese Gabel beim Anschaffungsamt zu bestellen und bei gelegentlicher Lieferung mitzuliefern, wird von Schöneberg eine Bote nach dem Anschaffungsamt gesandt. Dieser Bote fann die Gabel nicht gleich mitbringen, weil sie in der Größe nicht vorrätig ist. Er verbraucht hierzu 4 Stunden Arbeitszeit. Das Bezirksamt fingt nun klagelieder, daß die Kofsgabel um jovie! feurer geworden ist, als wenn man sie beim Privathändler gefauft hätte. Daß einzig allein das Bezirksamt oder der betreffende Beamte, der diesen Unfug veranlaßt hat, daran Schuld ist, will man natürlich nicht einsehen. Der Fall wird als llebergriff" des Magistrats Berlin bei der Wahl sicher eine Rolle spielen. Es wird hohe Reit, daß bei der nächsten Wahl die Schöneberger Bürgerschaft dieses unhaltbare System fortfegt und sich eine Berwaltung fafft, die mit Fug und Recht als Selbstverwaltung be3eichnet werden kann. Unsere Arbeit im Bezirk Reinickendorf. Im Hinblick auf die am 25. Oftober stattfindenden Gemeinde wahlen in Berlin ist nur eine Meinung innerhalb der Mitgliedschaft im gesamten Kreise: Unsere Vertreter in der Bezirksversammlung haben ihre pellfte Schuldigkeit getan und durch ihr Wirken und Schaffen im 20. Verwaltungsbezirk manches Gute erreicht und manche geplante Verschlechterung abgewehrt. Während die SPD- Frattion bis 1924 nach gemeinsam mit der KPD. den Borstand der Bezirksversammlung bejezt hatte, war unsere Fraktion durch die verleumderische Kampfesweise der Kommunisten und ihre halt. lofen Angriffe auf den unserer Partei angehörenden Boifigenden der Bezirksperfammlung und auf parteigenössische Bezirksamtsmitglieder gezwungen, in den Vorstand der Bersammlung auch bürgerliche Bertreter zu mählen. Seit Liefer Zeit beruhen auch alle Beschlüſſe auf wechselnden Mehrheiten. Bei dem Zusammenschluß der jetzt zum Verwaltungsbezirk gehörigen früheren sechs Landgemeinden und der vier Gutsbezirke mußten die Berträge, welche von den früher selbständigen Gemeinden mit Bodengesellschaften abgeschlossen worden waren, übergeführt werden. Das ist bei allen Gemeinden, mit Ausnahme vom Gutsbezirf Tegel, restlos geschehen. Bei genanntem Gutsbezirf wurde die Sache furz vor Abschluß durch einen deutsch nationalen Stadtverordneten hintertrieben. Daher herrschen hier bis heute noch feine flaren Rechtsverhältnisse. Ein für die Zukunft wertvolles Projeft, die Seeuferpromenade, jomie eine großzügig zu erbauende Badeanstalt geht in das spätere Eigentum der Stadtgemeinde über. Die im Bezirk recht dürftig vorhandenen gärtnerischen Anlagen wurden durch Schaffung neuer Anlagen am Schäferjee in Reinickendorf erweitert. Eine Brünanlage von 100 bis 300 Meter Breite, welche von Schönholz bis zum Dauerwald bei Hermsdorf führt, fommt in den nächsten Jahren zur Ausführung. Die hierzu erforderlichen Ländereien find bereits im Besige der Stadtgemeinde. Durch Anlage des städtischen Sportplages an der Scharnweberstraße in Reinidendorf, sowie eines reuen Blazes in Wittenau ist der sporttreibenden Bevölkerung Rechnung getragen. Ein Projekt zur Errichtung einer Badeanstalt mit anschließenden Sportplägen in Hermsdorf soll im nächsten Jahre ausgeführt werden. In Reinickendorf- Oft ist in Verbindung mit den Mudrackschen Eismerten ein großes Unternehmen Bade anstalt, Eisbahn in Borbereitung. Da die Verbindungs. straßen zu den früheren Einzelgemeinden sehr schlecht waren, mar es Aufgabe unferer Fraftien, hier erst geordnete Wegeverhält nije durch Neupflasterung und Anlage von neuen Straßen zu schaffen. Auf diesem Gebiete haben wir erhebliches erreicht. Die schlechten Verkehrsverhältnisse im Bezirk gaben dauernd Anlaß 34 Brotesten und zur Stellung von Anträgen. Neugeschaffen wurde die Verbindung von Reinickendorf- Oft nach Reinickendorf- West, sowie die zurzeit in Bau befindliche Straßenbahnverbindung nach Rosenthal. Ilm den Bewohnern der alten, baufälligen städtischen Gebäude gesunde Wohngelegenheiten zu schaffen, werden durch den Bezirt 100 neue Wohnungen erbaut. Damit die Miete nicht hochgetrieben wird, ist der städtische Grundbefiz auf Antrag der SPD. des Siedlungsgesellschaft zu niedrigen Preisen überlassen worden. Die Schulverhältnisse, besonders die der Volksschule in Hermsdorf, sind die denkbar ungünstigsten. Seit Bestehen der Einheitsgemeinde ist von seiten der SPD. wiederholt der Neubau einer Volksschule gefordert worden. In diesem Jahre hat die Stadtgemeinde den für die Schule erforderlichen Gründ und Der 12. Kreis beschäftigte sich in einer Kreisvertreter= fraktion und der Ausstellung der Kandidaten für die Stadt- und persammlung mit einem Bericht der BezirksverordnetenBezirksverordnetenversammlung. Den Bericht gab der Fraktions porfizende Gen. Klose. Die Wahlen im Jahre 1921 haben leider feine Mehrheit für uns gebracht. So war es für uns unmöglich, das durchzusetzen, was wir anstrebten. Ein Zusammenarbeiten mit ben bürgerlichen Parteien war in den meisten Fällen nicht möglich, da diese sich nur von parteipolitischen Rücklichten leiten ließen. Am besten zeigte sich dies bei den Abbaubeschlüssen, wo selbst die Demokraten für den Abbau unserer Genossen stimmten. Auf die kommunistische Fraktion war nicht zu rechnen, da diese auch hier, wie in anderen Parlamenten, den bürgerlichen Parteien in die Hand arbeitete. Im Bezirk Steglig war die Arbeit noch bedeutend schwieriger, da die Bürgerlichen hier noch eine größere Mehrheit aufweisen fonnten. Sie nügten die Mehrheit denn auch in ge bührender Meise aus, indem sie die von uns gestellten Anträge einfach niederstimmten oder sie ummodelten und dann als die thrigen ausgaben, um damit agitatorisch wirken 31 fönnen. So wurde unser Antrag, in Lanfwig eine Schule zu bauen, abgelehnt. Dafür wurde beschlossen, in Steglig ein neues Rathaus zu bauen. Aus dem Rathaus Lantwig wollte man dann eine Schule herrichten. Da der Rathausbau vom Magistrat wegen Mangel an Mitteln abgelehnt wurde, bekommen die Lantwiger auch feine Schule. Außerdem find wir für den Neubau einer Berufsschule und eines Armenhauses eingetreten. In der letzten Sigung stellten wir den Antrag, für Unterkunftsräume, für die durch Ermission auf die Straße gejegten Familien, zu sorgen. Diesen Antrag tonnte man aus agitatorischen Gründen nicht ablehnen, deshalb überwies man ihn einem Ausschuß, wo er bis nach den Wahlen schlummert. Gen. Klose richtet zum Schluß einen Appell an alle Genoffen, mit allen Kräffen dafür einzutreten, daß die Neuwahlen auch in der Steglitzer Bézirksversammlung ein anderes Bild ergeben. Die Aufstellung der Stadt und Bezirksverordnetenlisten war schnell erledigt, da die vom Kreisvorstand aufgestellte Borschlagslifte einmütige Billigung fand. Dann hielt Gen. 3 acom Schiedsrichter". Seine fachlich gehaltenen Ausführungen wurden einen Vortrag über Die Aufgaben der Wohlfahrtspfleger und mit großem Interesse angehört, so daß seine Aufforderung, fich nod mehr als bisher an den Wohlfahrtsarbeiten zu beteiligen, sicher Erfolg haben wird. Eine Zahnklinik, die wenig Zähne zieht. Aus dem Jahresbericht der Schulzahnklinik des Berwaltungsbezirks Treptom für 1924/25 ergibt sich die interessante Tatsache, daß im letzten Geschäftsjahr nur noch 227 bleibende Zähne gezogen wurden, während das vorhergehende 418 folcher Fälle, also fast das Doppelte, aufwies. Das ist ein gutes Zeichen für die Besserung der Mundbeschaffenheit unserer Schulkinder. Die planmäßige Zahnpflege hat hier erfreulich gewirft, denn ihr Ziel muß sein, jeden bleibenden Zahn möglichst zu erhalten. Die Eltern fönnen deshalb ihre Kinder auch getrosten Mutes zur Zahnklinik schiden. Wenn es irgend geht, dann wird dort nicht gezogen. Im ganzen find 5798 Kinder zur Behandlung gefommen. An 10 098 Zähnen wurden Füllungen vorgenommen. Dazu kommen neben anderem 1363 Wurzelbehandlungen und Wurzelfüllungen und 136 Zahnreinigungen. Ein großes Stüd Arbeit, aber der Erfolg ist sichtbar. Ein Jubilar. 25jährige Zugehörigkeit autz Bartei ift smar fein befonderes Berdienst, es ift Bffiat eines dentenben Arbeiters, an dem. was er als richtig erfannt, festzuhalten. Wer aber, wie Paul Littauer, in diesem Bierteljahrhundert jeden Tag der Parteiarbeit fich gewidmet hat, nie erTahmend, ftets bereit zu jeder Aleinarbeit, der fann mit großer Freude und Befriedigung auf diese Bergangenheit zurückbliden. Genoffe Littauer ist von den Genaffen feines Bezirks nach und nach zu allen Bertrauensposten der Organisation gewählt worden. Erft Bezirksführer, dann Abteilungsführer and Areisvorsitzender vom Brenzlauer Bera, bent er auch viele Jahre im Begirtsvorstand vertreten hat. Alle diese Funktionen bat Littauer pünktlich und mit peinlichster Gewiffenhaftigkeit ausacfüllt, bis er vor einiger Zeit, ba feine angegriffene Gefundheit dies erforderte, den Borik zunächst nieder. Tegen mußte. Er ift aurzeit noch als Bezirksverordneter tätig und als folder auch wieder vorgeschlagen. Briefkasten der Redaktion. 2. 2. 5 Reichsmart. Boden erworben, so daß mit Anfang des Neubaues im nächsten Die echten holländischen Jahre gerechnet werden kann. Auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens, welches bisher nur von den freiwilligen Ortswehren erledigt wurde, ist eine Verbesserung eingetreten. Eine Berufsmehr mit Automobilsprige ist in Wittenau untergebracht. Auch das Feuermeldewesen ist durch den Anschluß an das Berliner Meldenes verbessert. Die Verwaltung des Bezirks ist in mehreren, in verschiedenen Orten getrennt liegenden Gebäuden untergebracht. Auf Antrag der SPD. soll das Rathaus Wittenau als Bezirksrathaus erweitert werden. In nächster Zeit soll im Bezirk eine Lesenalle und Hauptbibliothet er baut werden, ebenso fino Erweiterungsbauten der städtischen Kinderhorte und Säuglingsstellen in Aussicht ge= nommen. Alle von den bürgerlichen Vertretern der früheren Gemeinden Hermsdorf, Tegel und Frohnau unternommenen Angriffe ouf die Einheitsgemeinde Groß- Berlin wurden unsererseits mit 02 191 Erfolg zurückgewiesen. Die Weltmarke bürgt für Qualität! So gehen wir, geftüpt auf unfere positive Arbeit im Bezirk. mit innerer Sicherheit in den Wahlkampf, uns bewußt, daß vor allem die arbeitende evölkerung unsere Arbeit in der Ge. meinde würdigt und versteht, POLAK PUDDINGE Am grünen Strand der Spree Schwört man auf A.JP * Nr. 417 42. Jahrgang) 2. Beilage des Vorwärts Getreidezölle und Kapitalmangel. short Zur Preisbewegung für Getreide. Bum Schluß des alten Getreide- Bersorgungsjahres hat sich her. ausgestellt, daß die Hauffespekulation mit Getreide seit dem vorigen Herbst an eine richtige Voraussetzung anfnüpfte, nämlich an die Er wartung eines Bersorgungsnotstandes vor Beginn der jetzigen neuen Ernte. Nod) am 7. Auguft wurde von fachkundiger Seite fest gestellt, daß sich der Uebergang von der alten zur neuen Erntejaison doch vielfach ziemlich schwierig gestaltet, weil die alten Vorräte bei den Mühlen in den verschiedenen Ländern verhältnismäßig schwach geworden sind..." Und noch am 30. Auguſt wurde berichtet, daß die englischen Müller dauernd Aufgelder für schwimmende Ware zahlen," also wohl schlecht versorgt sind. Diese vorausgesezte Knappheit war von der Spefu lation im Preise vorweggenommen, jedoch durch ihre Ueberschätzung derart gesteigert, daß ein fräftiger Rückschlag unausbleiblich war, der beispielsweise in Chitago den Weizen von einem höchsten Preis von 205 Cents je Bushel bis auf einen tiefsten Stand von 138 Cents und nach einem erneuten Steigen wieder bis auf 142 Cents Anfang Juli zurüdwarf. Seitdem haben die Weltmarktpreise für Weizen wieder einen höheren Stand erlangt, der auch im Auguft geblieben ist. Der August begann in Chitago mit 153/154 Cents je Bushel Weizen für Septemberlieferung, brachte dann den höchsten Stand mit 166 Cents und schloß mit der Preishöhe des 1. Auguft. Roggen für Septemberlieferung foftete in Chitago Anfang August 98/99 Cents je Bushel, stieg dann bis auf 109 Cents und endete bei etwa 90 Cents. Am Berliner Getreidemarkt verlief die Preisbewegung im Auguft für Weizen und Roggen ähnlich, jedoch mit dem Unterschied, daß die Preise nach einem anfänglichen Steigen erheblich unter den Stand zu Anfang des Monats gelangten. Wie die folgende graphische Tabelle zeigt, haben die Preise für prompt lieferbaren Weizen und Roggen ab märkische Station im August start nachgegeben. Die Breise im letzten Augustörittel waren troß einer vorübergehenden Erholung beträchlich geringer, wie die Monatsdurchschnittspreise, die für Weizen 239,55 m. und für Roggen 180 m. per Tonne bes tragen. Diese deutsche Preisbewegung ist im wesentlichen durch spezifisch deutsche Verhältnisse bestimmt. Die deutschen Getreideproduzenten pflegen fogleich nach der Ernte einen erheblichen Teil ihres Getreides zum Verkauf zu bringen, um furzfristige Schulden möglichst schnell abzutragen, fällige Schuldzinsen zu bezahlen und den verschiedensten Winterbedarf einkaufen zu können. Anfang August wurde in diesem Jahre berichtet, daß eine vielfach, in Anbetracht der vielbeschrienen Not lage der Landwirtschaft, befürchtete Ueberflutung des Marktes mit neuem Getreide noch nicht eingetreten sei. Jm Uebrigen schätze man die Vorauswirkungen des Bolles auf die Preise überhaupt höher ein, als die Wirfungen eines stärteren Warenangebotes. Am 7. August hörte man, daß die leichte Vermehrung des ersthändigen Angebots die Schwierigkeit des Uebergangs von der alten zur neuen Erntesaison noch nicht zu beseitigen vermag". Wie die Preisbewegung zeigt, ist im weiteren Verlauf des August doch durch drängendes Berkaufsangebot trop aller Zollhoffnungen ein starter Preisdruck herbeigeführt worden. Der hauptsächlichste Grund hierfür ist die Rapitaltnapp heit, die ein Getreidemarktbericht vom 21. August wie folgt 270 250 225 200 125 175 Freitag, 4. September 1925 charakterisiert: In diesem Jahre macht sich der Kapitalmangel im Getreidegeschäft außerordentlich fühlbar. Die Mühlen, die aller. meist ihre Ware nur gegen Afzept kaufen und dadurch vielfach ihre Bersorgung weniger leicht als in den Vorfriegsjahren bewirten fönnen, verfehen sich nicht mehr auf so lange Zeit hinaus mit Rohmaterial wie früher, so daß besonders die Provinzmüllerei ziemlich sonst das Ausgebot an die großen Sentralmärtte bringt." Auch vor fchnell ihre Bedürfnisse gedeckt hat und in größerem Umfang als bem Kriege reichte der Bedarf oder die Kaufluft der inländischen Getreideverarbeitung nicht aus, um das ganze erste Angebot nat der Ernte aufzunehmen. Damals wurde durch eine starte Aus. fuhr der Ausgleich geschaffen. Im Jahre 1911 wurden zum Beiganzjährigen Roggenausfuhr verschickt, im Jahre 1912 etwas weniger spiel in den Monaten September und Oktober 18 und 16 Proz. der ( 10% und 14% Broz.), im Jahre 1913 dagegen, in dem eine starke Schaubilder zur Getreidepreisbewegung. 270 260 250 240 1.30 220 Weizen 1913 = 198,90 140 Roggen 1913 164,30 190 150 480 Roggen- und Weizenpreise in Berlin. November 1923 bis August 1925. Weue Für den dunklen Herbstanzug der passende Stiefel, Ia Boxcalf, mit grauem Wildledereins., Rahmenarbeit 170 160 Oktober Weizen Mark Weizen Oktober- Roggen Märk. Roggen Terminpreise und Preise für greifbares Getreid während des Monats August1925. Hermodelle Entzück. Nachmittagsschuh aus Lack u. 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In diesem Jahre war beabsichtigt, dem Preisdrud als Folge des Rapitalmangels durch eine forcierte Ausfuhr zu begegnen. Ins. besondere ist in den günstig zu Ostseehäfen gelegenen Produktionsgebieten Getreide in großen Mengen bereit gehalten worden, um es nach der erwarteten( und ab 20. Auguft erfolgten) Freigabe der Getreideausfuhr zu exportieren. Das sollte ein profittables Geschäft sein, ist aber eine Bleite geworden, weil die für den 1. September erwartete Wiedereinführung des Einfuhrscheinsystems nicht erfolgt und damit die Möglichkeit ausgeblieben ist, den Zollprofit für das exportierte Getreide einzuftreichen. Da nun ein längeres Durchhalten der eingegangenen Engagements durch den Kapitalmangel nicht möglich war, strömte dies anfänglich abgelenkte Angebot an die deutschen Märkte und half die Preise werfen. Russischer und polnischer Geldbedarf, der russisches und pol. nisches Getreide neuer Ernte schnell und zu billigen Preisen an den Ausfuhrmarkt brachte, hat mitgewirkt, die Preise in Deutschland zu„ verderben". Speziell für polnische Ware gilt, daß die deutschen Einfuhrverbote gegenüber Polen sich nicht auf Getreide erstrecken, so daß vor dem Intrafttreten der deutschen Zölle viel polnisches Ge treide insbesondere aus den ehemals deutschen Teilen Bolens von deutschen Verarbeitern gekauft werden konnte. Jedoch sind die deutschen Auguftgetreidepreise objektiv teine schlechten Preise im Sinne der Landwirtschaft. Wie ein Blick auf die folgende graphische Tabelle zeigt, welche die Bewegung der Monatsdurchschnittspreise für Weizen und Roggen an der Berliner Börse von November 1923 bis August 1925 widerspiegelt, liegt auch gegenwärtig der Weizen- sowohl wie der Roggenpreis trog aller Rückgänge noch weit über den vorjährigen Krisenpreisen und eben falls noch über den Preisen des Jahresdurchschnitts 1913. Allerdings steht der Weizenpreis, der für die deutschen Getreideproduzenten ein geringeres Interesse hat als der Roggenpreis, besser als dieser. Dazu kommt aber für später zu lieferndes Getreide bereits jetzt eine vorweg realisierte„ Hoffnung auf Segen" aus den am 1. September in Kraft getretenen Zöllen. Im Auguftdurchschnitt kostete die Tonne Weizen für Oktober Lieferung 16,60 m. mehr als sofort greifbare Ware. Für Roggen betrug die Spanne zwischen dem Preis für prompte und Oktobermare sogar 21,50 M. Charakteristisch ist, daß die Preise für Oktober. ware, wie auch aus der ersten graphischen Tabelle zu erkennen ist, im Kuguftverfauf nicht so start nachgegeben haben, wie die Preise ür ofortige Lieferung. Das heißt also, das Aufgeld für spätere Lieferung hat sich erhöht. Im Durchschnitt der ersten drei Markttage im August tostete die Tonne prompter Weizen 9 M. weniger, als die Tonne Oktoberweizen. Dagegen betrug die Differenz im Durchschnitt der letzten drei Augustmarkttage 26 M. Für Roggen gilt dasselbe, die Differenz erhöhte sich in der gleichen Zeit von 18,20 auf 24 M. Es hat sich also die Erwartung in der Preis gestaltung Anerkennung verschafft, daß es gelingen wird, den Zollbetrag mehr oder weniger vollständig zu profitieren. Mit dem 1. September sind wir somit wieder in eine Periode überteuerter Getreidepreise eingetreten. Von der guten Welternte soll der großen Masse der Besiglosen in Deutschland nichts zugute fommen. Dagegen sollen die Produzenten doppelt profitieren. Ein mal durch ihre besseren Ernteergebnisse. Und außerdem durch die Lieberhöhung der Inlandspreise durch den Zollschutz. Damit enthüllt fich die Zollpolitik des Luther- Kabinetts nach 3wed und Wirkung auch für den Lezten, der bisher gutgläubig die sozialdemokratische Kritik nicht für richtig gelten lassen wollte. Joh. Kregen. Zur Beurteilung des deutschen Außenhandels. Uns wird geschrieben: Der deutsche Außenhandel wird im allgemeinen überaus peffimistisch beurteilt. Man sieht immer wieder die fog. passive Handelsbilanz", ohne nach den Gründen der Passivität zu fragen. Selbst der Präsident des Statistischen Reichsamts hat sich ja fürzlich gegen diesen Pessimismus gewandt und betont, daß man viel mehr als auf die absoluten Zahlen auf die Zusammensetzung der Einzelposten der Ein- und Ausfuhr ihrer Qualität nach zu sehen hätte. Wenn man z. B. den deutschen Fertigmarenaußenhandel nach den Zahlen der amtlichen Statistik zusammenstellt, so ergeben sich Resultate, die dem allgemein üblichen Bessimismus geradezu widersprechen. Es zeigt sich nämlich eine zwar langsame tabtt, wahrenb ble Vertigwaren ausfuhr tetig anmus Die Fertigwarenausfuhr des Juli 1925 war die höchfte, die seit der Stabilisierung erreicht worden ist. Die 500- Millionen- 3iffer für die Fertigwarenausfuhr wurde erstmalig im Dezember 1924 überschritten, und nur das Februarergebnis blieb dahinter zurück, was fich einfach aus der Kürze des Monats erklärt. Die Zahlen für die Fertigwareneinfuhr des 4. Quartals 1924 und des 1. Quartals 1925 find start beeinflußt durch die fünftlich gesteigerte Dezember- und Januareinfuhr aus Elsaß- Lothringen, deren Zollfreiheit am 10. Januar ablief. Es ergibt sich also das überraschende und erfreuliche Ergebnis, daß die Entwicklung des deutschen Fertigwarenaußenhandels, der natürlich für die Beurteilung der deutschen Wirtschaftsentwicklung von ganz entscheidender Bedeutung ist, sich außerordentlich günstig gestaltet hat. eine Ber. Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Die Nöte der russischen Bergarbeiter. Noch ein Beitrag zur Berichterstattung. Unter diesem Titel veröffentlicht das zentrale russische Gewerte schaftsorgan„ Trud" vom 5. August folgende Arbeiter- Korrespondenz aus Radiemka, einem der bedeutenden Mittelpunkte des Bergbaus im Donez- Gebiet: ,, Man hat bei uns die Nöte der Bergarbeiber vergessen. Ihre Bahl ist jedoch groß. Die Bergwerfe erweitern ihre Produktion, neue Werte werden in Betrieb gesezt, die Arbeitskraft wächst, aber die Wohnfläche in den Bergwerfen wird nicht erweitert. Stellenweise leben je zwei Familien in zwei winzigen Rammern. Infolge der Ueberfüllung der Wohnungen herrscht eine hohe Sterblichkeit. Auf der Grube arbeiten 4500 Arbeiter, während es nur 2400 Wohnungen gibt. Es müssen 30 bis 40 Häuser gebaut werden, um die Wohnungskrise befriedigend zu lösen. Viele Wohnungen sind schon mehr als 10 Jahre in Ge brauch und erfordern eine gründliche Renovierung. Aber die Werks verwaltung geht bisher noch immer nicht an diese Arbeit heran. Wenn eine gründliche Renovierung nicht in Angriff genommen werden kann, so muß eine teilweise unbedingt vorgenommen werden, damit die Arbeiter wenigstens nicht unter der Kälte und den Herbstregen zu leiden haben. Schlimm liegen die Dinge mit dem Bad. Für die Gruben. arbeiter ist das Bad das höchste in der Welt. Nach der Arbeit muß gibt es ein Gemeinschaftsbad, das aber so schmutzig ist, er den Kohlenstaub vom Körper abwaschen können. Im Bergwert baß die Arbeiter sagen:" Man geht sauber in das Bad hinein und tommt schmuhig heraus." Schon seit drei Jahren hat die Direktion der Grube„ Iljitsch" versprochen, ein Bad mit einem Troden und einem Auskleideraum speziell für die Grubenarbeiter zu errichten. Aber bisher ist nichts davon zu sehen. Preußens Vordringen in der Elektrizitätswirtschaft. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Die Aktienmehrheit der Siemens" Elektrische Be. triebe Attiengesellschaft in Hamburg ist aus dem Be. siz der Schweizer Gesellschaft für Elektrische Industrie in Glarus ( Schweiz) und der Siemens- Schuckert- Gruppe in den Besiz des Preußischen Staates übergegangen. Für den Erwerb standen Mittel zur Verfügung, die dem Preußischen Staat vor einiger Zeit vom Reich als Abschlagszahlung für die Verluste in den abgetretenen Gebieten mit der Bestimmung zur Wiederanlage in werbendem Staatseigentum überwiesen worden sind. Das Interesse des Staates an den erworbenen Attien liegt zunächst in der Ausdehnung seines elettrowirtschaftlichen Einflusses auf das große, im Norden an das staatliche Stromversorgungsgebiet der Großkraftwerk Hannover Aktiengesellschaft an grenzende Wirtschaftsgebiet, das von der„ Siemens“ Elektrische Betriebe, Attiengesellschaft, versorgt wird und das von der holländischen Grenze bis nach Wismar reicht. Bom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet bringt dieser Zusammenschluß durch Berbindung der beiderseitigen Leitungsnetze auch befferung in der Ausnugung der in den Gebieten vorhandenen Stromerzeugungsstätten. Hervorzuheben sind auch die rationellen und systemvollen Torfgewinnungsanlagen der „ Siemens“ Elektrische Betriebe Aktiengesellschaft bei dem auf Torf feuerung eingestellten Kraftwerke im Auricher Wiesmoor, die ebenfalls eine Verbindung mit dem Staate nahe legten. Ganz bes fonders fiel aber zugunsten des Abschlusses ins Gewicht, daß dieses, für den Nordwesten Preußens so außerordentlich bedeutsame Stromversorgungsunternehmen von ausländischmad. Häufig finden sich darin Würmer und Insetten. ichem Einfluß wieder freigemacht werden konnte. Der Erwerb fällt in eine Zeit des Aufstiegs der gesamten deutschen Elektrizitätswirtschaft. Auch die Siemens" Elektrische Betriebe Aktiengesellschaft geht nach den schweren Jahren der Nachkriegszeit, die dem Unternehmen auf Grund des Versailler Vertrages den Verlust der gesamten ausländischen Tochter. gesellschaften und Beteiligungen und infolge der Inflation wegen der nicht mehr zu erfüllenden Frankverpflichtungen, die am 15. Dezember 1922 verhängte und am 20. September 1924 wieder aufgehobene Geschäftsaufsicht brachten, nach gründlicher Sanierung durch die bisherigen Inhaber der Majorität einer günstigen Entwicklung entgegen. Infolge des Ausscheidens der Siemens- Gruppe wird die am 18. d. M. stattfindende außerordentliche Generalversamm. lung neben einer Erhöhung des Aktienkapitals auch die Aenderung der Firma in Nordwestdeutsche Kraft. werfe Aftiengesellschaft" beschließen. Die Arbeiten für einen Zusammenschluß der Nege der Siemens" Elektrische Betriebe Attiengesellschaft und der Großkraftwert Hannover Aktiengesellschaft sind bereits aufgenommen. " Wie der Offo- Wolff- Konzern Preisabbaupolitit macht. Einen charakteristischen Beitrag zur Preissenfungsaktion liefern die Liefeserungsbedingungen des Otto- Wolff- Konzerns. Die Preissenfungs aftion des Reichstanzlers Luther knüpft im besonderen an die Er mäßigung der Umsatzsteuer an. Der§ 5 der Ueber gangsbestimmungen für die Neuregelung der Umfahsteuer fieht aus brücklich das Recht der Käufer vor, gegen ihre Lieferanten einen minderungsanspruch geltend zu machen, der sich aus der Veränderung der Verkehrssteuersäge ergibt. In der Verpflichtung der Lieferanten zur Befriedigung dieses Anspruches fönnte tatsäch lich eine Möglichkeit liegen, die Senkung der Umsatzsteuer auch für die Preisbildung wirksam werden zu lassen, wenn das Gesetz nicht gleichzeitig dem Lieferanten erlaubte, dem Käufer eine von der gesetzlichen Vorschrift abweichende Vereinbarung aufzunötigen. Die Möglichkeit dazu haben natürlich nur Lieferanten, die ein Monopol haben und die Konkurrenz anderer, die auf diese besondere Vereinbarung verzichten müßten, nicht zu fürchten haben. Dieje Möglichkeit ist für den Otto- Wolff- Konzern, der 90 Proz. des Weißblechmarktes in Deutschland kontrolliert, gegeben und er nützt denn feinen Auftragsbestätigungen und Rechnungen macht er nämlich fcinen Auftragsbestätigungen und Rechnungen macht er nämlich den Vermert:„ Eine nachträgliche Vergütung von ll mfatteuern ist ausgeschloffen." Die Monopolstellung des Wolff- Konzerns macht natürlich den deutschen Blechverarbeitern die Ablehnung der Klausel unmöglich, so daß das Wolfffche Diktat durch den langen Weg der Bleche bis zum Fertigprodukt die Preise der Fertigprodukte bis zum mehrfachen Betrag des Steuersages verteuert. An der Sache ist zweierlei interessant. Einmal, daß es der Regierung Luther ver. flucht wenig ernst sein muß mit ihrer Breissenfungsaftion, denn sonst hätte sie durch die Zulaffung besonderer privatrechtlicher Bereinbarungen, gegen die sich rechtlich absolut nichts machen läßt, wenn der Verkäufer stärker ist als der Käufer, ihre Aktion nicht von vornherein der Wirksamkeit beraubt. Zum andern zeigt der Fall des Wolff- Konzerns, daß der Schwerindustrie die Luther. schen„ Bemühungen" herzlich gleichgültig sind, was übrigens bei dem politischen Einverständnis der Lutherregierung mit der Schmerindustrie nur selbstverständlich ist. aber sehr stetige Zunahme der deutschen Fertigouch die ihm vorteilhafte Gesetzesbestimmung weidlich aus. In marenausfuhr bei gleichzeitigem Stillstand der Fertig waren einfuhr. Im folgenden sind monatliche Durchschnittsziffern für die einzelnen Bierteljahre berechnet, die die allgemeine Tendenz beffer erkennen laffen als eine Aneinanderreihung der natürlich start verschiedenen Monatsergebnisse. Es betrug der Fertigwarenaußen handel in Millionen Mart: im Monatsdurchschnitt des 4. Duartals 1923 bei der Einfuhr bei der Ausfuhr 69,8 468,3 . 1. Quartals 1924 133,6 408,1 2. Quartals 1924. 192,5 395,9 3. Quartals 1924 117,1 447,6 4. Quartals 1924 168,7 511,1 1. Quartals 1925 194,7 510,1 2. Quartals 1925 164,1 530,3 im Juli 1925 157 568,2 Seit Februar 1925 einschließlich. d. h. also im letzten Halbjahr, für das Statistiken vorliegen, blieb die Fertigwareneinfuhr MONDAMIN Nuß- Schokoladen SPEISE ein Nachtisch Schlimm verhält es sich auch mit der elektrischen Beleuchtung. Die Maschine ist überlastet und gibt nur ein schwaches Licht, so daß die Leute in zwei Arbeiterkolonien völlig im Dunkeln fizen. Wegen nachlässiger Anmontierung der Beleuchtungsförper gehen 30 bis 40 Prozent vom Strom verloren. Trinkwasser ist nur in ungenügender Menge vorhanden. Es wird aus einer Entfernung von 9 Kilometer aus einem Teich; gewonnen. Das Wasser ist schlecht, trübe und von schlechtem Ge Man braucht Filterapparate. Schon im vorigen Jahre hat man den Bau dieser Apparate in Angriff genommen, aber bisher noch nicht beendet. Es wäre Zeit, daß die Kadiemsche Grubenverwaltung fich um die Aufbesserung der Lage der Grubenarbeiter fümmerte, statt fie mit Versprechungen zu füttern. Die Arbeiter sind mit einem solchen Verhalten unzufrieden." Auch davon haben die famosen deutschen„ Arbeiterbelegierten nichts gemertt. Man fann es unter diesen Umständen begreifen, daß die Sowjetbehörden der Rußlanddelegation der Bergarbeiter Internationale die freie Auswahl von Dolmetschern verweigert hat. Leute, die die Berhältnisse und Sprache des Landes fennen, fann man schwer hinters Licht führen. Freilich gibt es auch Leute, die sich gern hinters Licht führen lassen. Lohnkonflikt in Westoberschlesien. Unerträglicher Lohndrud der Hüttenbefizer. Aus Hindenburg wird uns geschrieben: Durch die Kündigung des Lohnabkommens für die Eisenhütten industrie beabsichtigten die Unternehmer die Löhne für Hüttenarbeifer von 48 Pf. auf 44 Pf. für die Facharbeiter und von 33 Pf. auf 30 Bf. für die ungelernten Arbeiter her abzuse gen. Die Organisationsleitungen hatten eine Lohnforderung von 15 Proz gestellt. Diese wurden vom Arbeitgeberverband abgelehnt. Die Gewerkschaften erklärten, daß die Forderungen der Arbeitgeber für fie undiskutabel seien. Der Schlichter wurde zur Entscheidung an gerufen. Seine Einstellung ist in Oberschlesien zur Genüge bekannt. Er sieht nur die Notlage der Werke und läßt die Notlage de Arbeiter unbeachtet. So auch diesmal. Er hat die völlig n zureichenden Löhne durch Schiedsspruch unfündbar bis 30. November festgefeßt, ohne zu berücksichtigen, daß das Bollgesetz mit seinen unliebſamen Begleiterscheinungen sich bereits bemerkbar macht, ganz abgesehen davon, daß der Zollkrieg auf dem Rüden der oberschlesischen Arbeiterschaft durch Entlassungen und Kurzarbeit ausgetragen wird. Der Schiedsspruch ist von beiden Teilen abgelehnt worden. Da zu befürchten ist, daß die Arbeitgeber ihren Plan des Lohnfchloffen, das Reichsarbeitsministerium anzurufen. Da abbaues durchsetzen, haben sich die Metallarbeiterverbände entden Arbeitgebern in der Frachtenfrage für Eisen und Stahl für Ausfuhr über See bedeutende Ermäßigungen zugebilligt wurden, fann erwartet werden, daß der Reichsarbeitsminister Berständnis für die Notlage der Hüttenarbeiter Oberschlesiens entgegenbringt. In dem Schreiben an das Reid, sarbeitsministerium heißt es insbesondere: Die Berechtigung unserer Lohnforderung wird zweifellos an erkannt werden müssen, wenn berücksichtigt wird, daß 1. die hiesigen Metallarbeiterlöhne rein zahlenmäßig bis zu 100 Prozent gegenüber denjenigen Löhnen der Arbeiter gleich. artiger Industrien trop schwerster Arbeitsbedingungen geringer find; 2. für einzelne Arbeitergruppen( Handwerker) nur selten der Friedensnominallohn erreicht werden fann; 3. das Realeinkommen der Arbeiterschaft in der Vorfriegszeit durchschnittlich um 30 bis 40 Prozent höher war, obwohl auch damals die Lebenshaltung der Arbeiterschaft dem allgemeinen Kulturniveau nicht entsprach. von seltener Feinheit. Die Speise bildet ihres delikaten Geschmackes wegen nicht nur einen Genuß für Kinder und Erwachsene, sondern ist auch ein Erfrischungsmittel von hervorragender Nährkraft, wie jeder MONDAMIN- FEINKOST- PUDDING Möbelfabrik Rob. 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Sokolowitsch hielt im Cshen inne und blieb zienilich lange stehen, während er seine Ziga- rette anrauchte und mürrisch die schon auf dem Bürgersteig auf- tauchenden, langsam und mit dem Anschein gänzlicher Unbekümmert- heit an ihm vorüberschlendernden Dirnen betrachtete: in feinem Rücken befand sich die riesige Spiegelscheibe eines bereits geschlossenen, zur Nacht nur künimerlich belauchteten Ladens, hinter der starr wächserne blonde, schöne Männer mit langen spärlichen Wimpern in kostbaren Ueberziehern und Pelzen standen, deren kleine Holz- füße reglos unter den modernen, unübertrefflich gebügelten Dein- kleidern vorragten. Dann schritt er weiter, gelangte zu der infolge des nebligen Düfters gleichsam enthaupteten Kasankathedrale und stieg die Stufen zu Dominik*) hervor. Dort, wo eine Fülle von Menschen stehend, ohne abgelegt zu hoben, wie auf der Straße, aß und trank, setzte er sich in eine dunkle Ecke— hell war es nur über dem von der Menge belagerten Büfett— und bestellte einen schwarzen Kaffee. An seinem Tisch tauchte unversehens dos erfrorene Nein« Gesicht eines schmächtigen Menschen mit einem steifen Hut auf, der voller Hast um die Erlaubnis bat, ein Streichholz aus dem Behälter nehmen zu dürfen, und mährend er rasch einen Lichtschein auf Sokolowitschs Gesicht fallen ließ, sich beim Sprechen überstürzend, fragte: „Entschuldigen Sie, bitte, Sie erinnern mich lebhast an einen meiner Wilnaer Bekannten, sind Sie nicht Herr Ianowski?" Sokolowitsch blickte ihm fest in die Augen und erwiderte mit schwerfälligem Ernst: „Sie irren sich.� Bei Dominik blieb er bis ein Ühr nachts sitzen. Schließlich erfüllte den leergewordenen Restaurationssaol nur das Gepolter der von den plötzlich grob und rücksichtslos ouftretenden Kellnern um- gekehrt auf die Tische geschleuderten Stühle. Er warf einen Blick auf sejne große silbern« Uhr und erhob sich von seinem Platze. Nachts im Nebel ist der Newsky unheimlich. Er ist menschen- verlassen, tot: der Dunst, der ihn einhüllt, scheint ein Teil jenes arktischen Nebels zu sein, der vom Ende der Welt her, aus jenen Gegenden kommt, wo etwas dem menschlichen Geiste Unfaßbares, was Pol genannt wird, sich verbirgt. Die Mitte dieses dunstigen Stromes ist von oben durch dos weißliche Licht der elektrischen Logenlampen erhellt. Auf den Bürgersteigcn vor den finsteren Schau- fenstern und den verschlossenen Toren ist es dunkler.' Da schlendern trällernd, langsamen Schrittes die anscheinend sorglosen, aber von der durchdringenden Kälte bis ins Innere erstarrten Frauenzimmer, die bekleidet sind mit leichten, der Zeit und der Witterung wider- sprechenden Fähnchen: die Gesichter einzelner von ihnen offen- borten beim Vorübergehen eine solche Leeren daß es einem schau- derte, als.«»blickte man ein Wesen irgend einer anderen als der menschlichen, einer unbekannten, niedrigeren Raste. Nachdem Sokolowitsch Dominik verlosten und einige hrmdert Schritt gemacht hatte, nahm er sich eines dieser Mädchen mit, die, wie sich später herausstellte. Korolkowa hieß, sich selbst aber einfach „Koroloh" nannte,«ine mittelgroße, zarte Person, die nur infolge ungeschickter moderner Kleidung breit schien, einen phantastisch zu- jammengestellten weltausladenden schwarzen Samthut, den«in Büschel Stielchen schmückte, auf dem Kopf. In ihrem kleinen Gesicht, dessen Backenknochen hervortraten und in dem schwarze, tiefliegend« Aeuglein saßen, war etwas, das an eine Fledermaus er- innert«. Ihien Kopf mit gespielter Unbefangenheit, ja sogar mit dem leisen Bewußtsein der Unwiderstehlichkcit ihres Geschlechts hin und her bewegend, faßte sie den Rock mit der einen Hand, hielt sich mit der anderen Hand, die in einem großen flachen Muff aus glänzendem schwarzen Fell steckte, den Mund zu und versperrte dem gebückt ausschreitenden Sokolowitsch plötzlich den Weg. Er um- faßte sie mit einem durchdringenden Blick, rief mit seiner tiefen Stimme sofort eine an der Ecke stehende Nachtdroschke herbei. Nach- dem sie sich in den niedrigen Wagen gesetzt, fuhr das sonderbare Paar erst den Newsky entlang, dann über den schon dunklen Platz, »'orbei an der leuchtenden Uhr des schon verfinsterten Nikolaibahn- Hofs, der all fein« Züge noch den Tiefen des schneebedeckten und waldreichen Rußlands abgelassen hatte, vorbei an dein ungeheuren plumpen Pferd, das unentwegt, im Regen wie im Nebel, seinen großen Kops beugt, um seinen beleibten Reiter zu veranlassen, die allzu straff gehaltenen Zügel zu lockern: dann die Goutsckiarnaia ent- lang und weiter, durch neblige Straßen und Gäßchen, in das geheimnisvolle Dickicht der nächtlichen großstädtischen Vororte. Unterwegs raucht« Sokolowitsch schweigend. Korolkowa war sichtlich durch dieses Schweigen bedrückt, sie äußerte, ihrer Meinung nach wären die Zigaretten.Golonitschew-Kutusow" besser als „Flieder"'. Dieser Versuch, ein einfaches, sogar freundschaftliches, von dem Ziel der Fahrt unabhängiges Gespräch anzuknüpfen, war tläglich und rührend. Aber Sokolowitsch gab keine Antwort. Darauf bat sie ihn, ihr im voraus zu zahlen und fügte mit scheinbarer Festigkeit hinzu, sie wäre für die ganz« Nacht nur bei einem hohen Preise zu haben. Sokolowitsch brachte schweigend zwei Silberrubel zum Vorschein und gab sie ihr. Sie nahm sie. prüfte einen davon zwischen den Zähnen, fand, er wäre falsch und steckte ihn in ihren Muff, mit der Bemerkung, dieser zähle nicht mit. sie behielt« ihn nur zum Andenken, weil jetzt Krieg wäre und das Silber rar. ja sogar ein- gezogen würde, und bot um mehr. Nach langem Zögern händigte Sokolowitsch ihr noch einen Rubel ein. Dann machte sie einen erneuten Neisuch, Frau zu sein, schauerte plötzlich zusammen und deutete ein- Bewegung an, als wolle sie sich an ihn schmiegen. Der Schauer war geheuchelt, ungeheuchelt dagegen war wohl das Gefühl. das sie plötzlich packte: sie spürte sich heftig zu diesem Menschen dingezogen. zu diesem Großen. Starken, der in seiner Häßlichkeit und mitleidlosen Verschlossenheit ein ganzer Mann zu sein schien. Aber ihre Bewegung blieb ohne Eindruck. Sie waren schon weit draußen. Korolkowa befahl dem Kutscher. vor einem zweistöckigen Ziegelsteinbau mit dem Schild:„Zimmer kür Durchreisende. Belgrad" zu halten. Es war bereits ein Viertel vor zwei Uhr: der Plag war öde. Im zweiten Stock von dem„Haus Belgrad", wohin Sokolo- witsch mit der Korolkowa über einen obgetreten-'n Läufer, durch einen Halbdunkeln Gang, gelangt war, kam der Hausknecht Ujon- tschuk, der aus einer schmalen, kleinen hölzernen Bank, unter einem schäbigen Winterpaletot mit einem verschlissenen Schasfellkragen ge- schlafen hatte, den Gästen entgegen. Die große Gestalt, die finstere, in sich gekehrte Miene, die dünne, von dem Nebel nasse amerika- nische Bartkrause Sokolowitschs verblüfften den Schlaftrunkenen. Er erhob sich und fragte unwirsch: „Was wünschen Sie?" „Als ob du das nicht wüßtest, du Tölpel," sagte in verbissener Wut Sokolowitsch, schritt selbstbewußt an ihm vorbei, steckte ihm jedoch dabei einen halben silbernen Rubel in die Hand. (Schluß folgt.) Raus aus öer Mottenkiste! Wie ist doch'ne Rokverordnung scharmant; Baker hindenburg ist unser kammersergeaut! Er holt aus der Kiste die Helme, die Orden; Sie waren beinahe schon schimmlig geworden. Em bekanntes»estaurant. Den mangelnde« Geist verdeckt ganz enorm Die blinkende Friedensuniform. Antreten! Augen rechts! Heraus aus dem Grab! Gefzler nimmt die Parade ab. �rbeiterbilSung in England. Bon Willy ZNöbus. Wiste» ist Macht! Dieser uralte Satz, der für jeden denkenden Arbeiter etwas Selbstverständliches sein sollte, ist noch immer weit davon entfernt, von allen anerkannt zu werden. Vor kurzer Zeit habe ich Gelegenheit gehobt, einen Einblick in die Bildungsbestrebungen der englischen Arbeiterbewegung zu er- halten. Auch hier ist das Ziel klar erkannt. Die Zahl der Arbeiter- studenten wächst ständig, aber die Zahl-der Studierenden, der strebend sich Bemühenden, ist, selbst im Verhältnis zur Zahl der Organisier- ten, viel zu gering. Die englischen Gewerkschaften zählen nach der Angabe des„Labour Pear Book" 4 328 235 Mitglieder. Die beiden großen Bildungsocreinigungen der Arbeiterschaft, die„Arbeiter- bildungsvereinigung"(Workers" Educational Association) und der„Notionalrat der Arbeiterschulcn"(The National Council of Labour Colleges) oereinigten im letzten Jahre nur etwa 45 003 Mitglieder in ihren Vollkursen. Etwa die gleiche Anzahl mag an den eingerichteten Kurz- kursen und den Einzelvorträgen teilgenommen haben. In den beiden ständigen Schulen, dem Ruskin College in Oxford und dem Central Labour College in London, werden etwa insgesamt 100 Ar- bester und Arbeiterinnen in ein- oder zweijährigen Tageskursen unterrichtet. Wenn man die Zahl der an ihrer geistigen Ausbildung arbeitenden englischen Werktätigen auf etwa 100 000 schätzt, so erkennt man, welche ungeheure Leistung auch in England noch zu vollbringen ist, bevor von einer wahrhasten geistigen Erweckung der Arbeiterschaft gesprochen werden kann, insbesondere wenn man nicht vergißt, daß in der obengenannten Zahl der Gewerkschaftsmitglieder natürlich nicht die Angehörigen enthalten sind, daß aber von diesen viele in der Zahl der Arbeiterstudenten mitgezählt wurden. In der englischen Arbeiterbildungsbewegung ringen zwei Grund- auffoffungen miteinander. Die Workers' Educational Association (WEA.) vertritt die Meinung, daß ein Unterschied sei zwischen wahrer Bildung und der nur im Hinblick aus die einseitige Agitation vermittelten. Sie erklärt, daß man den Arbeiter dazu erziehen müsse, die Tatsachen zu studieren, um so zu durchdachtem Wissen zu gelangen. Der Arbeiter dürfe nicht auf ein Parteidogma ein- gedrillt werden, sondern müsse fähig sein, aus eigener freier Ent- schließung seine Meinung zu bilden und dann auch die Partei zu wählen, zu der er sich innerlich berufen sühle. Sie ist aber auch der Ansicht, dAß ein Mensch, der mit den Problemen. der Gegenwart und Vergangenheit tief innerlich gerungen hat, fest und unverrückt im heißesten Kampf seinen Mann stehen könne und daß nur aus solchen gut vorgebildeten Kämpfern die Sturmtruppe der Arbeiter- schaft entstehen könne. Sie ist mit dieser von ihr versochtenen Ansicht in sehr guter Gesellschaft. Jean Iaures hat einmal dem Sinne nach folgendes gesagt:„Wenn wir Sozialisten dazu kommen sollten, eigene Schulen zu gründen, so werden unsere Lehrer das Wort Sozialismus vor ihren Kindern nicht erwähnen, sie werden sie viel- mehr zu jenem hohen Maß von Denken erziehen, daß sie selber einst befähigt, Sozialisten zu werden." Im Gegensatz hierzu vertritt die National Council of Labour Colleges(NCLC.) die Auffassung, daß man den Arbeiter nur im partcipoliiischen Sinne und im Hinolick auf die parteipolitische Agitation unterrichten müsse. In der Auffassung der WEA. liegt sicherlich die größere geistige Freiheit und mit Stolz weist ihr Sekretär Genosse Mactavish aus die große Zahl tüchtiger Arbeiter hin, die mit Erfolg für die englische Arbeiterbewegung wirken, nachdem sie ihre Ausbildung bei der WEA. empfangen haben. Der Streit um die richtige Grundauf- fassung hat manche erregte Diskussion innerhalb der englischen Ar- beiterschast veranlaßt. Die WEA. aber erklärt, daß sie ihre Ziele in engster Verbindung mit den Gewerkschaften weiter verfolgen werde und daß sie keine Zeit habe, sich in einen solchen zeitraubenden Streit einzulassen. Jeder Arbeiter möge sich zu irgendeiner Auf- fassung bekennen, dann aber möge er an seiner Bildung arbeiten. Das noch zu beackernde Gebiet sei so groß, daß sogar für die beiden widerstrebenden Auffassungen noch Raum genug vorhanden sei. Die gleiche Geistesfreiheit, die die WEA. in diesem Streit ver» tritt, findet man auch in ihrem inneren Aufbau. Schon die Ein- richtung der Kurse erfolgt in engster Zusammenarbeit mit den Werk» tätigen, die sie fordern. Die Teilnehmer wählen ihre Unterrichts- sächer, ihren Lehrer und bestimmen die Unterrichtsmethode. Es ist also sowohl die Bildung der Arbeitsgemeinschaft, als auch der Vor- trag des Lehrers und endlich sind Abarten zwischen diesen beiden Methoden möglich. Unterrichtet wird über alles, was der Arbeiter an allgemeinem und sozialem Wissen in sich aufnehmen mutz, nur das Fachwissen wird den Fachschulen zu lehren überlassen. Stets findet im Anschluß an den Unterricht eine freie Aussprache statt, so daß Irrtümer, und auf Mißverständnissen beruhende falsche Schlußfolgerungen sofort berichtigt werden können. Die WEA. hat sich mit den englischen Universitäten in Bor- bindung gesetzt, um von ihnen geschult« Lehrkräfte zu erhalten. Es ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte der englischen Universitäten, daß sich«ine große Zahl ihrer Professoren in den Dienst der Arbeiter- bildung gestellt hat. Bei der Art des Unterrichts empfangen die Lehrer wiederum wertvolle Einblicke in das Leben der Arbeiterschaft und so ist es möglich, das Band um Hand- und Kopsarbeiter enger zu schlingen und zu einem gegenseitigen Verstehen zu gelangen, das in der Zukunft die besten Folgen haben kann. Die WEA. hat ihre Organisation über das ganze Land ausge- breitet. Der größte Teil ihrer Kurse besteht aus zwölf Einzelstunden, daneben aber gibt es auch Lehrgänge, die Jahre umfassen und Kurz- kurse von sechs bis acht Einzelstunden, sowie zahlreiche Einzclvorträge. In der Verwaltung sitzen Delegierte des Gewerkschaftskongresses, zahlreiche Vereinigungen und Gewerkschaften haben sich neben Tausenden von Einzelmitaliedern ihr angeschlossen. Die WEA. legt großen Wert auf das Zusammenarbeiten mit dem Unterrichts- Ministerium und den für die Bildungsarbeit verantwortlichen Ge- meindebehörden. Sie erhofft dadurch nicht nur eine Förderung her jetzt schon von ihr— geistig völlig frei und unabhängig— geleisteten Bildungsarbeit, sondern erwartet davon auch größeren Erfolg bei ihren auf die Umgestaltung des jetzigen allgemeinen öffentlichen Er- ziehungswesens gerichteten Bestrebungen. Sie vergißt dabei aber niemals, daß die Wurzeln ihrer Kraft und des endlichen Erfolges allein in dem unverbrüchlichen Vertrauen der Arbeiterschaft liegen. für die sie und mit der sie gemeinsam schaffen»vill. Das„National System of Education", die Grundsätze für die allgemeine öffentliche Erziehung, die die WEA. fordert, umfassen die Erziehung und Kleinkinderschulen(Nursery-Schools), die Erziehung in der Grundschule(Primary Education) vom 5. bis 15. Jahre, im Anschluß daran den Unterricht für Besähigte in Fortbildungsschulen mit ganztägigem Unterricht(Secondory Education), sowie die Rege- lung des Universitätsstudiums in der Weise, daß auch dem Aermsten, der die nötige Befähigung ausweist, der Besuch unter allen Um- ständen möglich gemacht wird. Ferner wurden bestimmte Forde- rungen für die Ausbildung der Lehrerschaft aufgestellt und für diese ausreichende Ferien und völlige Lehrfreiheit gefordert. Neben der geistigen tritt die WEA. für körperliche Erziehung und ärztliche Ueberwachung der Schüler ein. Die WEA. begann ihre Tätigkeit im Jahre 1903. Uebcr den Umfang ihrer Arbeiten gibt die folgende Tabelle Aufschluß: 1903 1907 1910 1914 1919 1924 Kurse....... 2 30 145 229 1 100 Studenten....— 60 1117 8343 5320 26272 Angeschlossene Ver- einigungen... 12 283 1389 2 555 2 526 2 540 Einzelmitglieder.. 77 2612 5809 11430 17 136 23 595 Die NCLC. unterhält in London das„Labour College", die Arbciterschule. Sie richtet ebenfalls überall da, wo es nötig wird, Kurse ein, und erteilt auch schriftlichen Unterricht. Unterrichtsgegen- mus usw. Schon die Auszählung der Unterrichtsfächer 12ßt erkennen, daß die beiden englischen Bildungsvereinigungen sich sehr wohl zu ergänzen vermögen. Auch die NCLC. arbeitet mit einer ganzen Reihe von Gewerkschaften, die sie auch finanziell unterstützen. Im Jahre 1923/24 Hot sie 698 Abendkurse mit 16900 Teilnehmern abge- halten. Im letzten Jahre war die Zahl der Teilnehmer aus 21 000 angewachsen. In Schottland bestehen ebenfalls Bildungsorganisationen, die mit denen in England übereinstimmen. Es bleibt noch übrig, die Arbeiter- Reise- Nereini- gung(Workers' Travel Association. WTA.) zu erwähnen. Sie wurde zu dem Zweck gegründet, durch Veranstaltung von Arbeiter- studienreisen innerhalb Englands und auch nach dem Auslande die internationale Verständigung zu Ordern und so dem Weltfrieden zu dienen. Die Vereinigung erhäst sich selbst durch ihre Mitglieder- beitrüge Alle Kosten werden so niedrig wie möglich gehallen, etwaige Ueberschüsse dienen dem Aufbau der Organisation. Durch die Studienreise soll auch das Interesse für die Geschichte der betreffenden Länder, ihre geographische Lage, für Literatur und Sprache geweckt werden. Im Jahre 1924 wurden 2500 englischen Arbeitern Auslandsreisen ermöglicht. In den Sprachkursen wurden bisher 250 Schüler in Deutsch, Französisch und Italienisch unter- richtet. Im Jahre 1925 wurden Reisen nach Deutschland, Rußland, Belgien, Italien und der Schweiz veranstaltet und auswärtigen Arbeitern Führer für die Besichtigung von London und anderen englischen Orten gestellt. Ueberall sehen wir frisches geistiges Streben emporkeimen. Aus Neinen Anfängen haben sich beachtenswerte Organisationen zur Förderung der Bildungsarbeit in England entwickelt. Man darf hoffen, daß sich nicht nur hier, sondern überall die klare Erkenntnis durchsetzen wird: Nur mit geschulten und durchgebildeten Arbeitern läßt sich die Befreiung der Arbeiterklasse und damit der Menschheit . ermöglichen.. Hermann Billige Lebensmittel Tiefz Mengenabgabe vorbehalten Frisches Fleisch Hammelvorderfleisch P 72PL Hammelrücken........... Pfund 76PL. Kalbskamm................. Pfund 90Pf. Kalbsrücken u.-brust.... 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