Nr. 41942. Jahrg. Ausgabe A nr. 214 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit" mit„ Sied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareillegeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worie). jedes weitere Wort 12 Biennig. Stellengesuche D.3 crite Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion önhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 5. September 1925 Räumung Kölns beschlossen. Innerhalb von drei Monaten. Genf, 4. September.( Eigener Drahtbericht.) 3m Berlauf| Regierungsanhängerschaft die Wahrheit beigebracht werden: der alliierten Ministerbesprechungen in Genf hat die Räumung der in Wirklichkeit wird jene Ministerkonferenz von allen Seiten, Kölner Zone einen breiten Raum eingenommen. Die Räumung also von den Alliierten und von der Reichsregierung, gleicherwurde grundsätzlich vereinbart, ihr Abschluß ist innerhalb drei maßen gewünscht und sie ist eine unter der Hand zwischen Monaten vorgesehen. Eine raschere Räumung ist angeblich aus den Kanzleien längst beschlossene Sache. Nur das militärischen Gründen unmöglich. deutschnationale Stimmoich wird in dem Glauben eingewiegt, daß Deutschland noch immer so freie Hand besitzt wie vor der Absendung des Memorandums vom 9. Februar. Juristenbesprechung und Ministerkonferenz. Auf dem Wege zum Sicherheitspakt. Trotz aller Bertraulichkeit, die die Beratungen der juristis schen Vertreter Deutschlands, Englands, Frankreichs, Belgiens und Italiens in London umgeben sollte, ist doch soviel über den Gang der Verhandlungen in einzelne englische Blätter durch gesichert, daß man den bestimmten Eindruck gewinnen muß, daß die Sache des Sicherheitspattes in den letzten Tagen neue Fortschritte gemacht hat. Daß der deutsche Bertreter, Ministerialdirektor Dr. Gaus, mit allem Nachdruck den deutschen Standpunkt verteidigt hat, ist selbstverständlich und daß er dabei in einzelnen nicht unwesentlichen Punften feinen leichten Stand hatte, ist ebenfalls begreiflich. Denn die deutsche Forderung, daß der kommende Paft auch in seinen Auswirkungen den Charakter der Gegenseitigkeit tragen soll, wird durch den Umstand erschwert, daß Deutschland selbst in seinem Memorandum vom 9. Februar es versäumt hatte, tonfrete Wünsche nach dieser Richtung hin, namentlich hinsichtlich einer schnelleren Räumung der Besazungszonen auszusprechen. Für die Verhandlungspartner ist es natürlich viel leichter, sich auf das ganz allgemein gehaltene deutsche Angebot zu berufen, ols für die deutschen Unterhändler bestimmte Voraussetzungen nachträglich zu begründen. So sehr es vom deutschen Standpunkt aus zu wünschen wäre, daß es gelingen fönnte, bestimmte Zusicherungen dieser Art noch vor dem Paft oder im Paft selbst zu erlangen, jo wenig darf man sich darüber täuschen, daß die Gegenseite darauf bestehen wird, daß im Paft grundsäglich betont merde, daß der Friedensvertrag dadurch nicht berührt werde. Dagegen besteht nach unseren Informationen bei allen Staatsmännern der Gegenseite der lebhafte Wunsch, die Verhandlun gen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Deshalb hat 3. B. Briand unter dem Druck Chamberlains und Vanderveldes die ursprüngliche Forderung Frankreichs, eine besondere Schiedsrichterrolle in etwaigen Östkonflikten spielen zu dürfen, faktisch fallen gelassen. Der wechselseitige Charaf ter der Sicherheitsgarantie wird viel stärker gewahrt werden und die Kontrolle des Völferbundes wird viel deutlicher in Erscheinung treten, als es ursprünglich von Frankreich gewünscht wurde. Aber auch hinsichtlich der von Deutsch land erhofften günstigen Rückwirkungen des Pattes auf die Räumungsfrage soll die französische Regierung feineswegs abgeneigt sein, wenn erst der Batt in Kraft getreten und eine neue Atmosphäre in den deutsch- französischen Beziehungen geschaffen sein wird, den deutschen Wünschen Rechnung zu tragen. Es ist freilich leicht, darauf einzuwenden, daß man sich auf vage Redensarten nicht verlassen sollte, aber schließlich darf nicht vergessen werden, daß das deutsche Memorandum es anschei nend absichtlich unterlassen hat, die erhofften Gegenleistungen zu formulieren. Unter diesen Umständen ist es für Deutsch land nicht möglich, die Verhandlungen über einen von ihm selbst angebotenen Paft daran scheitern zu lassen, ohne sich in eine unmögliche Situation der Außenpolitik zu begeben und sich vor aller Welt ins Unrecht zu sehen. Uebrigens lauten die letzten Meldungen über die Juristenfonferenz allgemein recht optimistisch und es scheint, daß die Besprechungen in London innerhalb der nächsten Tage be reits zu einem gewissen positiven Abschluß gebracht sein werden, so daß die Rechtsberater des französischen, englischen und belgischen Auswärtigen Amtes noch zu Beginn der fommenden Woche nach Genf fahren werden, um ihren Ministern Bericht zu erstatten. Damit hätte die Juristenkonferenz, die zwar offiziell von Frankreich vorgeschlagen, aber in Wirklichkeit vorher von Deutschland inoffiziell angeregt worden mar, ihren eigentlichen Zweck erfüllt: nämlich die sehr schwierigen juristisch- völkerrechtlichen Probleme zwischen Fachmännern zu flären, um die eigentliche Ministerkonferenz zu entlasten. Um die deutschnationalen Bedenken, die sich speziell gegen die Person Stresemanns richten, zu zerstreuen, wird aber gegen eine sogenannte engere Konferenz, die nur die Außenminister zusammenführen würde, auf deutscher Seite Stimmung gemacht und sogar die Deutsche diplomatisch- politische Korrespondenz", also ein Organ der Wilhelmstraße, erklärt, daß einer Konferenz der Außenminister allein gewisse Bedenken entgegenstehen". Der Zweck der Uebung ist, daß Herr Luther wieder einmal der Führer" sein will, womit er gleichzeitig den Deutschnationalen das Schlucken des Sicherheitspattes, der freiwilligen Preisgabe Elsaß- Lothringens pp. erleichtern will. Da die Dinge jetzt so weit gediehen sind, daß an ein Zurück Deutschlands kaum mehr zu denken ist, haben wir gegen diesen Wunsch Dr. Luthers, sich wieder einmal vorzudrängen und Deutschland auf einer Vollkonferenz zu vertreten, nichts mehr einzuwenden. Wir würden es sogar lebhaft begrüßen, wenn außer ihm und Stresemann auch der deutschnationale Parteiminister Schiele an einer solchen Konferenz teilnähme, wie er es, zahlreichen Pressemeldungen zufolge, felbst wünscht. Nichts fann uns lieber sein als gerade die Unterschriften Luthers und Schieles unter den Sicherheitspaft, sowie jene Hindenburgs bei dessen nachträglicher Ratifizierung. * Genf, 4. September.( Eigener Drahtbericht.) Unser Korre spondent erfährt von hervorragender Seite, daß die Ver. handlungen der Juristen konferenz jezt einen günstigen verlauf nehmen. Man rechnet mit dem Schluß der Konferenz Anjang nächster Woche. Die Frage des Sicherheitspattes war am Donnerstag nochmals Gegenstand intimer Ministerbesprechungen. Als grund sägliche Vorbedingung für die erfolgreiche Behandlung der deutschen Forderungen wird der vorherige Eintritt in den Völkerbund angesehen. Briand soll unter diesen Vorausfezungen zu erheblichen Zugeständnissen an die deutsche Auffassung bereit sein. Die übereinstimmende Auffassung der alliier ten Minister, auch Chamberlains. geht dahin, daß jede Diskussion über den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland gegen= wärtig nicht angebracht sei, ta die europäische Politik diese Be lastungsprobe heute noch nicht ertragen könne. Man glaubt jedoch, daß Deutschlands Eintritt eine Verhandlungsbasis ouch für diesen Punkt schaffen wird. Vandervelde reist in der nächsten Woche cb. Am Sonntagnachmittag werden in Genf die Außenminister der leinen Entente zusammentreffen. London, 4. September.( Reuter.) Die Beratung der juristischen Sachverständigen Deutschlands und der Alliierten wird, wie bereits gemeldet, mit Wochenende zum Abschluß gelangen. Es hat bis her immer geheißen, daß ihre Versammlung Borläufer einer Konferenz der Außenminister Deutschlands und der Alliierten sein würde, doch ist noch nichts über Zeit und Drt einer solchen Konferenz festgesetzt worden. Gegen Italiens Teilnahme. Condon, 4. September.( Tul.) Der News Statesman" schreibt heute an leitender Stelle, daß man den Fortschritt in den Verhandlungen über den Sicherheitspatt bezweifeln müsse. Selbst Italien habe einen Experten gesandt, obwohl es schwer einzusehen wäre, was Italien mit der ganzen Frage zu tun habe. Wenn Italien befragt würde, warum solle nicht 3 a pan und Portugal und Serbien befragt werden. Italien habe keine gemeinfame Grenze mit Deutschland; es habe überhaupt kein direktes Interesse an der französisch- deutschen Front, und fein einziger Anspruch, bei einer solchen Konferenz vertreten zu sein, sei vielleicht die Tatsache, daß es im Weltkrieg einer der Verbündeten der Alliierten gewesen sei. Die bloße Tatsache, daß Italien vertreten sei, lasse darauf schließen, daß der Paft wieder einmal eine neue Bestätigung der Solidarität der Alliierten gegen Deutschland werden folle. Wenn das der Fall sei, dann sei es bedeutend beffer, wenn überhaupt fein Pakt zustandekommen würde. Deutscherseits wird mehr oder minder offiziös versichert, daß es noch verfrüht sei, von einer solchen Konferenz zu Mussolini, der sich plötzlich auffallend dazu drängt, an sprechen, da man zunächst die Rückkehr von Dr. Gaus und den Paftverhandlungen teilzunehmen oder sogar die Minister feinen Bericht abwarten müsse, ehe sich das Reichsfabinett tonferenz auf italienischem Boden stattfinden zu lassen, um in darüber schlüssig werde, ob es an einer Ministerkonferenz teil- ihr den Vorsiz zu führen, hat offenbar das Bestreben, seine nehme oder nicht. Formal ist das zweifellos richtig. Außer- schwer erschütterte Stellung im Innern durch dem muß die Wilhelmstraße aus innerpolitischen neues außenpolitisches Prestige wieder zu festigen. Es neues außenpolitisches Prestige wieder zu festigen. Es Gründen so tun, als seien die Dinge noch lange nicht so weit. ist nicht einzusehen, warum die demokratischen Regierungen Taur sehr vorsichtig, tropfenweise kann der deutschnationalen| Europas ihm darin irgendwie entgegenkommen sollten. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Distonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstr. 3. Rückblick auf Breslau. Der Abschluß des Gewerkschaftskongresses. Breslau, 4. September.( Eigener Drahtbericht:) Am Anfang des Gewerkschaftskongresses stand die Beilegung des Konflikts im Baugewerbe, am Ende die Einis gung in der sächsischen Textilindustrie, die gleich falls die den Tertilarbeitern angedrohte Aussperrung gegen standslos machte. Der Kongreß nahm einen wider Erwarten günstigen Verlauf. Dem Bundesvorstand und dem Bundesausschuß des ADGB. wurde für ihre Tätigkeit seit dem Leipziger Kongreß Entlastung erteilt, lediglich gegen die Stima men der drei Kommunisten, die in Breslau von den 88 fommunistischen Delegierten, die auf dem Leipziger Kongres maren, noch übrig geblieben sind. Auch diese drei Kongreßdelegierten würden bei größeren Lebenserfahrungen das sin= fende KPD.- Schiff verlassen. Den geistigen Höhepunkt des Kongresses bildete zweifellos das Referat von Prof. Hermberg über die deutsche Wirtschaft, das den Vertretern der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft zeigte, wie weit das deutsche Unternehmertum noch entfernt ist von jeder geordneten Wirtschaftsführung sowie von technisch höchst entwickelter Betriebsführung. Der Preis abbeu" wurde als Phan" tom erfannt, die Lohnerhöhungen aber als eine Notwendigkeit nicht nur für die Arbeiterschaft, sondern für die ganze Wirtschaft. Zur deutschen Wirtschaft gehören die Arbeiter und Angestellten. Darauf jußend, forderte der Vorsitzende des Textilarbeiterverbandes, Genosse Jäckel, das Eindrin= gen der Arbeitervertreter in die Betriebsführung, und die Demokratisierung der Wirtschaft. Auch auf diesem Gebiete muß dem Unternehmertum jeder Schritt abgerungen werden. Die hierzu gefaßte Entschließung spricht für sich selbst. PF Bemerkenswert ist, daß in der Debatte nebenbei das Thema Partei und Gemertschaft" von denen aufgerollt wurde, die für die Verdrängung der Partei aus den Parlamenten durch die Gewerkschaften plädierten. Diese Redner fanden feinen Anflang. Genosse Dißmann insbesondere wies darauf hin, daß die Gwerkschaftsvertreter im Barlament zusammen mit den übrigen Abgeordneten der Partei alles daran sehen, die Wünsche und Forderungen der Arbeiterschaft zu verfechten. Die Sozialgesetzgebung ist in Deutschland zu einem unerfreulichen Kapitel geworden. Der stellvertretende Bundesvorsitzende, Hermann Müller, zeigte, wie vieles auf diesem Gebiete versprochen und unterblieben ist, oder eine Gestalt annehmen soll, die wenig Rücksicht auf unsere Interessen nimmt, und damit zugleich, wie notwendig es ist, durch Särkung und Festigung der gewerkschaftlichen Organisationen unseren Einfluß auf die Dinge zu vergrößern. Geht man doch schon so weit, die Orhyfrankenfassen durch die Betriebs- und Innungstrantentassen zu zersplittern. Bei der Behandlung der Organisationsfrage waren starke linstimmigkeiten befürchtet worden. Allein das Kompromiß, das in der Organisationsfrage zwischen der Bundesleitung und dem Bundesausschuß abgeschlossen war, führte zu ruhiger, leidenschaftsloser Erledigung dieses Punktes der Tagesordnung. Den von Dißmann vertretenen Standpunkt der Metallarbeiter unterstützten in Erklärungen auch diejenigen Genossen, die die Leipziger Entschließung beantragt und für sie eingetreten waren. Graßmann schilderte die historische Entwicklung der heutigen Form der Gewerfschaften, die keineswegs abgeschlossen ist. Weit über der Frage der Organisationsform steht die der Einheitsfront der Gewertschaften. Klarheit ist jedenfalls darüber geschaffen, daß wir zu Industrieorganisationen kommen müssen. Aber diese Erkenntnis muß reifen. Von den wenigen fommunistischen Intermezzi abgesehen, bot der Kongres nichts Sensationelles. Die Lichtbildmahnungen über dem Bodium ,, Mehr Ruhe", Noch mehr Ruhe" galten nur gelegentlichem privaten Gedankenaustausch der Delegierten untereinander. Der Kongreß bedurfte solcher Mahungen wahrlich nicht. Bei aller sachlichen Nüchternheit Mahungen wahrlich nicht. verraten seine Verhandlungen und Beschlüsse eine innere Geschlossenheit und die feste Entschlossenheit, alles daran zu setzen, die Interessen der organisierten Arbeiterschaft in jeder Weise wirksam zu fördern. Da der Kongreß seine Arbeiten wider Erwarten bereits am Freitag vormittag beendet hatte, fàmen die ausländischen Gewerkschaftsvertreter ausführlich zu Wort. Sie, die zu den Dingen einen größeren Abstand haben, sprachen sich außer ordentlich anerkennend aus über die Arbeit des Rongresses. Was uns weniger bemerkenswert erschien, wie 3.B. die Ovationen des Reichsbanners auf dem Heimwege von Bobten, das galt den französischen, belgischen und anderen ausländischen Gästen als ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die Arbeiterschaft für die republikanische Staats= form eintritt und damit für die Erhaltung des Weltfriedens. Genosse Merten s-Brüssel, der Vertreter des ZGB., ver- sicherte dem Kongreß, daß er der nächsten Sitzung des JGB. von der mustergültigen Geschlossenheit der deutschen Gewerk- schaften und der Wiederherstellung ihrer frühe- ren Einheitsfront Kenntnis geben wird. Es waren keine Höflichkeitsphrasen, sondern begeisterte Worte der A n- e r k e n n u n g für die Täiigkeit der deutschen Gewerkschaften. Mit besonderer Wärme wurde die Versicherung des dnitschösterreichischen Vertreters. Genossen Schorfch, auf- genommen, daß die Zeit kommt, wo die österreichischen Ge- werkschaftsmitglieder als Glieder eines einheit- l i ch e n deutschen Staates in die Reihen der deutschen Gewerkschaftsgenossen eintreten. Er versicherte, daß es nicht die schlechtesten Mitkämpfer sein werden. Es sind schwere Zeiten, die zwischen Nürnberg und Leipzig bis Breslau hinter den deutschen Gewerkschaften liegen. Ungeheure Krisen und Rückschläge Hagelten auf die Arbeiterschaft hernieder. Allein sie sind überwunden. Die Gewerkschaften gehen mit frischer Energie an ihre Aufgaben, die Reihen der Organisationen zu schließen und ihren Einfluß für die Durchführung ihrer Beschlüsse in der Lohnfrage, zur Durchsetzung des Achtstundentages, zur Verwirklichung der Wirtschaftsdemokratie sowie fortschrittlichen Aufbau der So- zialgesetzgebung einzusetzen. §rieörich-Ebert-�eim. Altenburg und München. Weimar, i. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Kreistag nen Alten bürg, der über eine sozialdemokratische Mehrheit ver- fügt, bat in seiner letzten Sitzung beschlossen, am 1. Oktober ein Heim ,ra eröffnen, in dem Arbeitsveterancn Aufnahme finden sollen. Einem sozialdemokratischen Antrag, diesem Heim den Namen „Fr i o d r i ch- E b e r t- H e i m" zu geben, stimmten auch sämtliche bürgerliche Vertreter zu. Der Kreistag von Altenburg hat niit dieser Entschließung bedeutend mehr Takt gezeigt als der Hauptausschuß des M ü n ch e n e r Stadt r a t s, der mit bürgerlicher Mehrheit die Benennung einer Münchener Straße nach dem verstor- denen Reichspräsidenten abgelehnt und statt dessen eine ganze Reihe neuer Straßen nach allen möglichen Schlacht- orten benannt hat, an denen bayerische Truppen gekämpft haben. Man kann gespannt sein, ob das Plenum d«s Münchener Stadtrats, in dem die Bayerische Volkspartei aus- fchlaggebcnd ist, es fertig bringen wird, sich dem Votum seines Hauptausschusses anzuschließen. In Bayern ist zwar vieles möglich, aber man möchte doch hoffen, daß die Hauptstadt Bayerns in ihrem e i g e n e n I n t e r e f f e einen solchen von kleinlicher Parteiverblendung zeugenden Beschluß sich selber erspart. wie sie iügen! Tie„Humanitck" über den Konflikt in der KPD. Die Absetzung Ruth Fischers ist selbstverständlich für die kommunistischen Sekten in den übrigen Ländern ein Er- eignis allererster Ordnung. Dia Linksschwenkung, die die deutsche Kommunistische Partei auf Befehl der Exekutive vcrgenommeu hatte, konnte selbstverständlich bei den übri- g c n kommunistischen Parteien nicht Habt machen. So hat auch in Frankreich ein vollkommener Umsturz aller Begriffe stattgefunden. Alle früheren Größen der französischen Partei wirrden g e m a ß r e g e l t und durch neue Kreaturen ersetzt. Diesen Herrschaften wird natürlich durch das Rückwärts- kommando der Exekutive das Konzept ganz erheblich verdarben. In der„H u m a n i t 6 vom 2. September wird an ganz versteckter Stelle unter Sport- und Streiknach- richten ein Telephonat des Berliner Korrespondenten ver- öffentlicht. Darin heißt es wortwörtlich: „Der letzte Parteitag hatte bereits die Krise der Partei und das Mißtrauen der Mitglieder gegen die Zentrale aufgedeckt. Das Anwachsen des ultralinken Flügels, der zwar in Worten bekämpft, in Wirklichkeit aber von der Zentrole unterstützt wurde, wies auf eine tiefe Krise hin. Die falsche Taktik der Gewerkschaften und in der Frage der Gewerkschoftseinheit, der übertriebene Zentralismus, der Per- zicht auf Heranziehung einer großen Anzahl namentlich alter Mit- arbeiter, die absolute Unfähigkeit der Parteileitung, der politische Kampf mit den Tagesforderungen der Massen— olles das machte einen Umschwung zur unbedingten Not- wendigkeit.''• Dabei hat der letzte Parteitag der KPD. einstimmig der Zentrale sein Vertrauen ausgesprochen. Von der„Roten Fahne" wurde beim Abschluß des Parteitages festgestellt, daß jetzt unwiderruflich, e'm für olle Mal der absolut zu- verlässig und richtig erkannte Leninismus in der Partei sich durchgesetzt habe, daß dieser von Arbeitern beschickte Parteitag, auf dem jede Fraktionsbildung unterblieben fei, endgültig die KPD. als die„eiserne und unbesiegbare Kohorte der Weltrevolution", als„die einzige Arbeiterpartei" in Deutschland konstituiert habe. Keine sechs Wochen sind vergangen und schon entdeckt der bedientenhaft eifrige „Humanitä"-Korrespondent, daß auf dem Parteitag„das Mißtrauen. der Mitglieder gegen die Zentrale" zutage getreten fei. Es geht doch nichts über die Fixigkeit im Lügen. Kam- munisten lassen sich darin jedenfalls nicht übertrumpfen. wirth und öas Zentrum. München, 4. September.(Mtb.) Die bekannte katholische Wochenschrift„Allgemeine Rundscha u", die politisch zwischen Bayerischer Volkspartei und Zentrum zu vermitteln sucht, schreibt über den Fall Wirth:„Dr. Wirth hat seinen Austritt aus der Zentrumsfraktion des Reichstages angezeigt, will aber außerhalb derselben als Vertreter des sozialen und republikanischen Zentrums bleiben. Wie ist das zu verstehen? Die Zentrumspartei versichert, Dr. Wirth bleibe in der Partei und die Form seiner Erklärung legt das auch nahe. Zugleich aber bestimmt er das Zentrum, dem er am gehären will, al? sozial und republikanisch. Das ist entweder eine Selbstverständlichkeit für die Partei, die allen Ständen das Ihre geben will und treu zur Verfassung steht,— oder es soll das Zentrum auf eine bestimmte Bahn festlegen. Nach Wirths bisheriger Haltung und dem Zeitpunkt seines Austritts aus der Fraktion ist das letztere anzunehmen. Aufwertung, Zölle und Steuern hat das Zentrum mit der Rechten gemacht: Wirth wünscht es wieder bei der Linken zu sehen. Anscheinend aus die Dauer und grundsätzlich damit löst er sich vom alten Zentrumsgedanken, mag er mit seiner Ablehnung der neuen Gesetze Recht haben oder nicht. Das Zentrum kann nicht werden, was Wirth sozial und republikanisch ne n n t. Oder es wird eine Linkspartei, genau wie es durch grundsätzliche Anerkennung des Bismarckreiches eine Rechtspartei würde. Der auffällige Schritt des früheren Reichs- kanzlers und Freundes von Erzberger zeigt von neuem, wie tief der Gegensatz von rechts und links in die Partei eingedrungen ist. Das Zentrum kann nur weiterleben als eine Partei der Ideen. Andernfalls weicht es dem Z w e i p a r t e i s y st e m.' Dann ist aber keine machtvolle Gruppe mehr da, die dem heutigen Staat des pärlamentarischen-bureoukrotischen Zentralismus Widerstand leistet. Möchte das Zentrum die letzte Stunde seiner eigenen Rettung nicht verpassep." Marx und Schofer für Parteieinigkeit. Ludwigshafe«, 4. September.(Mtb.) Reichskanzler a. D. Dr. Marx und Prälot Dr. Schofer haben der„Reuen Pfälzi. -fchsn Landeszeiwng" zur füLweftdelltschen Zentrumsto�üng) die' am Samstag und Sonntag für Baden, Hessen. Pfah und das Saargebiet in Ludwigshafen stattfindet, schriftliche Willkommensgrüße gesandt. Reichskanzler a. D. Dr. Marx weist in seinem Schreiben auf die Notwendigkeit der Existenz einer Mittelpartei, �ne. sie das Zentrum sei, hin und betont ihre Unersetzlichkeit für die Wahrung der kirchlichen Freiheit und der besonderen be- rechtigtcn Ansprüche des katholischen Volksteiles. Angesichts der un- gemein schwierigen Lage einer solchen Partei sei Einigkeit, Selbstüberwindung und Verzicht auf manche un- erfüllbaren Wünsche notwendig. Der Führer der badischen Zentrums- partei erinnert an den Vorkämpfer des Zentrums in Boden, Geistl. Rat Wacker, dessen Parole gleichfalls Sammlung und Einigkeit gewesen' sei. Das Reichsfchulgefetz. Ein Schlag gegen Verfaffung und Geistesfreiheit. Ganz insgeheim ist der Entwurf eines Reichsfchul« gSsetzes ausgearbeitet worden, der an Folgerichtigkeit des kirch- lichen Machtwillens und der Niederhaltung des Schulfortschritts alle Befürchtungen übertrifft. Nachdem eine Reihe Lehrerzeitungen das Machwerk an die Oefsentlichkeit gebracht haben, wird offiziös ab- gewiegell. Es handele sich noch um keine endgulrige Vorlage. Jeden- falls aber ist der Wille der heute im Reiche der Denker Maß- gebenden die Anerkennung der Bekenntnisschule als Regel— im klaren Widerspruch gegen die Reichsverfassung—. der Gewissenszwang gegen Lehrer und Schüler, kurz die Erhebung des bayerischen Konkordats zum R e i ch s r e ch t, darin mit einer Klarheit zum Ausdruck gebracht. daß die furchtbare Gefahr) die das deutsche Geistesleben bedroht, auch dem schwachsichtigen AWe nun deutlich erkennbar ist. Der Bund entschiedener Schulresormer hat in einer Protestversammlung in Barlin den Abwehrkampf kraftvoll er» öffnet. Paul Oe st reich legte xiit der gebührenden Schärfe die ganze versteckte Tücke dar, die Hinter den zum Teil harmlos scheinenden Paragraphen des Entwurfs lauert. Die Gefahr der Kirchen schule, die mit Prügeln die Kinder zur Kirche zwingt, die den Lehrer bei Strafe des Verhungerns zwingt, Naturkunde uni) Geschichte im„Geiste des Bekenntnisses" lehren. Er forderte in beredten Worten den gemeinsamen Kampf aller Vertreter freien geistigen Lebens, aller Gegner der unter Kxummstab und General- superintendent gebeugten VerdunklungsanftaZt. Eine kräftige Entschließung, die diesem Willen Ausdruck gab. fand ohne Widerspruch Annahme. Sie muß cher Ausgangspunkt eines zähen und nicht ermüdenden Kampfes werden. Das Deutschland der Republik, der großen Denker und Freiheits- kämpser darf nicht zum Kirchenstaat herabgedrückt werden. Hockschulftagen. Aus dem Hauptausschust des Preustische« Landtages. Im weiteren Verlauf der Beratung des Kulturetats im Haupt- ausschuß des Preußischen Landtages wies der Kultusminister Pro- fessor Dr. Becke darauf hin, daß die Reform der Hochschulverwal- tung weiterhin fortgeschritten sei. Der Erlaß der neuen Univer- s i t ä t s- und H o ch s ch u l v e r f a s s u n g e n stände unmittelbar bevor. Die Verhältnisse in der Studentenschaft hätten sich. namentlich in der wirtschaftlichen Selbsthilfearbeit, günstiger und ruhiger entwickelt. Man dürfe nicht jede politische Entgleisung ver- allgemeinern. Auch unerfreuliche politische Erscheinungen in Professoren kreisen dürften nicht immer gleich oerall- gemeinert werden. Die Kundgebung des Rektors der Universität Göttingen, in der er nur die Rechtsparteien als staatserhaltende Parteien bezeichnete, sei sehr unpassend und von dem Minister sofort gerügt worden. Die wissenschaftliche Fortbildung der Arbeiter würde von dem Ministerium aufmerksam gefördert. Die Akademie der Arbeit in Frankfurt habe sich gut entwickelt. Die Arbeit des Ministeriums aus diesem Gebiete sei auch im Ausland als vorblldlich anerkannt worden. . Genosse L einer! verwies auf den Studententag, wo der Minister nicht angemessen aufgenommen worden sei. Das zeuge von einer gefährlichen Einstellung der Studenten zum Staat. Der Redner richtete die Frage an den Minister, welche Maßnahmen gegen Professor Hellfritz-Breslau unternommen worden feien, der sich schwer gegen die Sraatsauforität vergangen habe. Das Gluckwunsch- telegramm des Rektors Lender aus Güttingen an Hindenburg sei eine Provokation gewesen. Die Etatstitel wurden angenommen. Zm Maslom-Prazeß verlesen die Herren Referendare im Schweiße chres Angesichts ununterbrochen„hochverräterische" Bro- schüren. Der ganze Prozeß ist ein Skandal ohnegleichen. Am Mitt- wach ist das Urteil zu erwarten. Ein zweiter Wettbewerb des Kultusministeriums für Bildhauer. Der Kultusminister beabsichtigt zur Förderung der bildenden Kun't einen weiteren(allgemeinen) Wettbewerb unter den p r e u ß i- s ch e n Bildhauern zu veranstalten. Dieser bezweckt die Gewinnung von Entwürfen für zwei Brunnenanlagen im Botanischen Garten in Berlin-Dahlem. Die Bildwerke sollen im sogenannten italienischen Garten an den Stellen, an denen sich jetzt Wasserrohre zur Ent- nähme von Trinkwasser befinden, aufgestellt werden und den Aus- fluh von Wasser weiterhin vermitteln. Für die Durchführung des Wettbewerbs wird der Minister bis zu 40 000 M. zur Verfügung stellen. Die Einsendung erfolgt bei der Akademie der Künste, Berlin W. 8, Pariser Platz 4, im Dezember. Dia näheren Bestim- mungen des Wettbewerbs werden noch bekanntgegeben. Japans neues parlamenkshaus. Der japanische Parlamen- tarismus ist noch jung: sieht er doch erst auf ein Aller von 38 Iahren zurück. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb sich die Rc- gierung bisher die Kosten für ein würdiges Parlamentsgebäude sparen zu können glaubte. Aber die Zeiten sind nahe, in denen der nunmehr den Kinderschuhen entwachsene Parlamentarismus berufen sein wird, eine überragende Rolle im Leben des japanischen Volkes zu spielen. Dank der allgemeinen Wahlen wird zum mindesten das japanische Unterhaus bald von sich reden machen. Man ist sich des- halb auch allmählich klar darüber geworden, daß es einen unHall- baren Zustand bedeutet, die Gesetzgeber in den scheußlichen Holz- barocken zu belassen, die man in Tokio im Westen des Parks von Hibiya„bewundern" kann. Das neue Parlamentshaus, das be- stimmt ist, in Zukunft der japanischen Volksvertretung ein würdiges Heim zu bieten, befindet sich zurzeit im Bau. Es hat seinen Platz auf den Höhen von Nagato-Sho erhallen, in der Nähe des Amts- sttzes des Ministerpräsidenten. Die Kosten des Baues sind auf nicht weniger als 20 Millionen Pen veranschlagt. Die FundameMierungs- arbeiten haben zwei volle Jahre in Anspruch genommen. Sie waren gerade fertig geworden, als die Erdbebenkatastrophe vom 1. Septem- ber 1923 erfolgte. Die Architekten des neuen Parlamentsgebäudes haben sich denn auch die dabei gemachten Erfahrungen zunutze ge- macht. Das Gebäude soll ausschließlich aus Eisen, Stahl und Beton errichtet werden. Leider sind die für den-Bau bestimmten Mittel aber total erschöpft, so daß, wie verlautet, das Parlamsntsgebäude vor dem Jahre 1934 kaum fertiggestellt werden dürste. Zahvhygienische Ausstellung l« Karlsruhe. Der ReichSvervand der deutsche ii Dentisten veranstaltet in der Woche vom 3.— 13. September in der Nnsslellunashalle zu Karlsruhe eine.Zahnhygienische Aus- stellmiß" unter dem Motto„Unsere Zahnet Die Ausstellung wird von weit über 200 reichSdeutschen Dentisten beschickt, die duechtveg mit eigene» Arbeiten vertreten sein werden. Firmen aus der Schweiz, Amerika und England haben die Ausstellung ebenfalls beschickt. Zulernatlonaker Kongreß für llndividualpsychologie. Dom 5.— 7. September findet im deutschen Zahnärziebaus, Bülowstr. 101, der zweite intcr- nationale Kongreß sür Jndinidualpsychologie statt. Aus der Tagesordnung stehen Vorträge aus folgenden ötebieten: Psychologie und Medizin, Päda» aogik und Jugendfürsorge, Kulturgeschichte'und Religion. Rechtzeitige • Anmeldung an die T-schästsstelle, Dr, Kunkel, Berlin-Dahlem. Falkenried 12, ist erwünscht. preussisch-Monako. von Hermann Schützinger. Danzig, September 19 23. Wenn man auf der Fahrt nach dem deutschen Danzig bei Groß- Boschpol den Boden des polnischen Korridors bertitt, dann erwartet den Danzig-Fahrern am Bahnsteig eine Kohorte polnischer Zoll- beamter und Grenzschutzsoidaten, die in ihren grünen Uniformen und den pa'sepoilierten Poleyinutzen, mächtige Schlachtschwerter dentscher, österreichischer und russischer Herkunft an der Seite, am Bahnsteig auf- und abpatrouiliere», von derselben Langeweile über den end- losen Aufenthalt wie die Reisenden geplagt. Dazwischen huschen die Berkärifcrjnngen von Fenster zu Fenster und rufen halb bittend, halb klagend ihr„Bivo— Zigaretti— Chocolata— Papyrussi" zu den Zugsinsassen hinauf. Die Ortsnamen an den Bahnhöfen Strzebilino usw. verkünden gravitätisch, daß man sich auf polnischem Grund befindet: wenn auch der„Korridor" kaum 20 Kilometer breit ist. eine Strecke ungefähr wie von Potsdam nach Berlin. Und dann hält der Zug in einer knappen Stunde im Bahnhof von Danzig und man steht auf einem Platz, der ebenso gut in Mainz, in Ingolstadt, in Ulm oder in Altona liegen könnte, mit dem königlich preußischen Bahnhos, Generalkommando und den geschleiften Festungswerken im Hintergrund. Gleich faßt uns, die wir im heiligen Schauer vor dem Brennpunkt sich überschneidender nationaler und ökonomischer Interessen und voller Ehrfurcht vor der zuckenden Wunde des friedlosen Kontinents stehen, die muffige Lust alt- preußischer Kleinstädterei, die sich mit einem behäbigen Dust hanseatischer WohlanstänVigkeit mischt zu einem ganz eigenartigen Gebräu. Wenn mau vor dem wundervollen Zeughaus steht und die „Lange Brücke" entlang den Weichselarm hinuntergeht und auf die wie ein Spitzweg-Gcmälde am Abendhimmel hängende„Sternwarte" und den mittelalterlichen, turmartige» Hcbekran sieht, den„Stock- türm" und die-ssFrauenkirche" darüber wie Rcbelschatten, glaubt man Bremen oder Lübeck vor sich haben, vielleicht mit einer .östlichen" Nuance getönt. Diese Östliche Nuance kommt einem sofort zum Bewußtsein, wenn man sich vom Weichselnfer der Stadt zukehrt. Die Fähre über den Fluß wird weder durch eine Dampfmaschine noch durch einen Benzin- motör bewegt, sondern durch„Galeerensklaven", die ihren Riemen nach einer niittclalierlichen Methode an einem Tau einhaken und auf einem Laufsteg seitlich im Schiff die Fähre»orwärtsbewogen. Die alten Patrizierhäuser der„Frauengasse" mit ihren herrlichen Giebeln, mit den grotesken Figuren am Dach und einem terrafscnartigen Vor-� bau längs der Mauern, sehen von außen zwar herrlich aus und könnten jeden Maler entzücken— aber drinnen ist's fürchterlich! Winklig, eng, verbaut, Dachluken statt Fenster und die Treppe windet sich in einer Diele cinpor, die unten mit hartem Lehm fest- getreten ist. Hinter dem Zeughaus aber belegt die Stadt Danzig zum tiefsten Erstaunen ihrer Bewohner die erste Straße mit Asphalt! Ebenso musfig wie in den Häusern NN der Fraucngasse war es bis jetzt in der Danziger Republik. Die„Einbürgerung" eines „Ausländsdeutschen" ist keine leichte Sache gewesen und Gesuchs von Republikanern, Sozialisten und Juden wurden abschlägig beschiede», ohne daß das„Obergericht" nur eine Begründung dafür zu geben brauchte. Wagte so ein verdammter reichsdeutscher Republikaner nur im geringsten aufzumucken, dann war er rasch„abgeschoben". Fünf Jahre muß man in Danzig als wohlanständiger Bürger gelebt haben, bevor man um die Aufnahme in die Danziger Republik nach- suchen darf. Und ist man aus Sachsen oder aus Thüringen oder gay ans Berlin, dann ist die Geschichte schon faul! Bayern und Mecklen- burgor waren mehr beliebt in dieser„freien Stadt". Jetzt hat sich ja— Gott sei Dank— der Wind gewendet und Sozialdemokraten sitzen an führender Stelle im„Senat" und im „Volkstag", diesem Liliputparlament. Ueber den muffigen Aktenstaub des nun an seiner eigenen Senilität gestorbenen Regimes drängt der Weltverkehr über Danzig hinweg und den Korridor. Leichte, spottbillige Ford-Wagen sausen zwischen Danzig und der Bäderstadt Zoppot hin und her. Dort draußen, am Strand mit seinem braunen Gewühl badender Menschen hat sich im rosaroten Kasino Preußisch-Monako etabliert. Da findet man sich, der preußische Junker, der polnische Jude, der schwedische Jobber und der internationale Hochstapler und alle starren sie, brüderlich vereint, aufs Geld. Weiber mit vollen Brüsten und strähnigen Bubiköpfen, in dünnen Kleidern, stehen trinkgeld- benommen zwischen den Kavalieren und gieren nach den glücklichen Gewinnern und ihrem Geld. So stößt sich zwischen' Zoppot und Danzig, auf diesem mit den Sorgen Europas gedüngten Boden das Neue und das Alts, Arm und Reich— und die Jungens rufen voller Sehnen:„Bivo, Zigaretti, Chocolata!" Ferdinand Hummel, der Berliner Pianist und Komponist, wird am k». September 7 0 Jahre alt. Es ist im Drang der Musik- entwicklung einer Stadt gut, ab und zu an die Säulen alter musi- kalischer Tradition zu erinnern. Hummel gehörte vor fünfundzwanzig bis dreißig Jahren zu diesen. Er begann als Virtuose der Harfe, studierte bei Kullack und in der Hochschule für Musik Klavier, bei Kiel und Bargiel Komposition. Seine Tondichtungen, die einst viel gesungen und gespielt, waren, sind fast alle vergessen. Vielleicht hat mancher noch den„Colnmbns" oder den„Germanenzug" gehört: auch so manchem Schauspiel schrieb er als ständiger Musik'berater des Theaters am Gendarmenmarkt die Begleitmusik. Nirgends ver- leugnet er die glänzende Schule, den einfachen, melodisty-reizvollen Stil seiner Lehrer. Er ist recht im eigentlichen Sinne ein oolks- tümlicher Musiker immer gewesen und geblieben, sein„Hallcluja" hört man noch jetzt oft in Kirchen singen. Als ich noch zur Schule ging, wurde von einem Lehrer der kühne und bezeichnende Satz ge- prägt: Napoleon beherrschte die Staaten, Hummel seinen Flügel. Ich verwandelte den Nachsatz damals in die Variante„wie die Hummel ihre Flügel". Aber ernsthaft ist der freundliche Hummel wohl nie ein Napoleon der Musik gewesen. Dafür wird er aber jetzt auch 70 Jahre und hoffentlich noch älter. Und nielleicht war mit dem Schulhummel überhaupt auch Johann Nepomuk, der Zeitgenosse Mozarts, gemeint._. A. S. Geiharl stavplviavn ci ofinct am 7. Oktober im Plenarsaal des Herren- Hauses die diesjährig- Reihe der D i ch t c r a b e n d e des V e r b a n d e S Deutscher Erzähler. Für die solgenden Abende haben Hermann S t e h r. und Jakob Wassermann bereits zugesagt, während mit Jakob Schaffner und Arthur Schnktzler noch Verhand- lungen schwebe». Nr. 419 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Cheberatung Clame! Sie alle, die da fommen, um sich in der Eheberatungs, ftelle der Stadt Wien Rat zu holen, für die Sehnsucht nach her ehelichen Gemeinschaft, nach Glück überhaupt, nach Freude, Friede und Lust. Eine Sehnsucht, die gerade in tranfen, in früppelhaften Menschen oft am stärksten ist aber freilich auf dieser schönen Erde so selten befriedigt werden kann. Wer kommt? Es kommen Leute aus allen Berufen, Arbeiter, Angestellte, Hausgehilfinnen. Auch reiche Leute, die sich einen Privatarzt leisten fönnen. Sie glauben mit Recht, daß fie vom Beamtenarzt die volle Wahrheit erfahren, während der Privatarzt vielleicht doch von dem Gefühl beeinflußt wird, daß er seinen Batienten verlieren könnte. Die Eheberatungsstelle steht unter der Leitung des Genossen Dr. Karl Kautsky, eines Sohnes des großen Borkämpfers der Sozialdemokratie. Die Cheberatungsstelle verfolgt vor allem einen hygienisch- pädagogischen Zwed. Es tommt dem Eheberater nicht Barauf an, so und soviele Ehen zu verbieten, sondern vielmehr die Leute zu erziehen. Sie sollen sich ihrer Verantwortung bewußt werden: der Verantwortung gegen sich selbst, weil sich ihre Krankheit verschlechtern kann; der Verantwortung gegen den Gatten, der an gesteckt oder sonst gesundheitlich bedroht werden fann und schließlich der Verantwortung gegen die Nachkommenschaft, die durch llebertragung von Krankheiten oder durch Vererbung von Krantheitsanlagen( Geistesfrankheiten) geschädigt werden tann. Die Eheberatungsstelle leiftet auch wertvolle Aufklärungsarbeit. Sie hat ein Merkblatt herausgegeben, in dem es unter anderem heißt:„ Die Gesundheit der Ehegatten ist für das Glück der The wichtiger als Geld und Gut..." Auch die Fürsorgeräte sucht die Cheberatungsstelle für ihre nützliche Tätigkeit zu interessieren. Sie hält auch Vorträge in Versammlungen und in der Wiener Urania ab. 26] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristenjen. ( Berechtigte Ueberlegung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Samuelsen hatte eine Dame, ein Fräulein Laurigen, mit fich, und als sie bei Tisch saßen, fonnte ich merken, daß Mutter merkwürdig gereizt war. Sie war bitter in ihren Bemerkungen, aber verbarg das unter einem unbeherrschten Gelächter. Ihre Stimme tiang lauter als gewöhnlich, und hin und wieder schien es, als ob sie jeden Augenblick in Weinen übergehen könnte. Samuelsen saß unerschütterlich und freundlich da. Ich ritt auf seinen Knien, aber nur ganz in Betrachtung der fremden blonden Dame versunken, die Rreibe auf der Rase hatte und„ Alter Junge!" zu Samuelsen sagte, wenn sie ihm auf die Hand klopfte. Ich hatte das Gefühl, daß nicht alles in Ordnung wäre. Samuelsen war gut Freund mit Fräulein Laurigen; aber er war auch gut Freund mit Mutter, und Mutter hatte auf Fräulein Laurigen„ Die, Kröte" gesagt, bevor sie tam, und Ich freue mich sehr, Sie zu sehen", als sie zur Tür herein trat; und Samuelsen lächelte, er faß und schmorte", wie Mutter zu sagen pflegte. Es war alles verkehrt, und ich widersprach deshalb allen dreien, wenn sie mit mir sprachen. und während wir Kaffee tranfen, grinste ich die ganze Zeit. Sutter griff nicht ein; sie schien meine Ungezogenheit und die Nervosität der Gäste zu genießen. „ Na, Waldemar, mas macht die biblische Geschichte?" fragte Samuelsen, um mich zur Ruhe zu bringen. ,, Die biblische Geschichte," lachte ich, das ist der richtige Quatsch." Ich sagte das mit unerschütterlicher Ueberzeugung, denn es war nicht meine, sondern die Entdeckung eines anderen. Nämlich Charles hatte diese überlegene Behauptung auf gestellt. Samuelsen schien bekümmert zu sein. Er hatte ein mert mürdiges Interesse für meine geistige Entwicklung. Und langsam murmelte er: " T Wenn er bloß nicht dumm wird!" | Das Gesundheitszeugnis. 711 Sonnabend, 5. September 1925 Die Untersuchungen sind oft sehr mühenoll, und die, die sich ihnen unterziehen, müssen viel Geduld aufbringen. Aber die Menschen, die in die Eheberatungsstelle kommen, beweisen damit schon, daß sie Verantwortungsgefühl haben, und also nehmen sie auch gern einige Mühe auf sich. Auf Grund der Befunde wird dann das Gutachten abgegeben. Es darf dabei freilich nicht nur der rein medizinische Befund in Betracht kommen, denn auch die wirtschaftliche und soziale Lage des einzelnen ist von größter Wichtigkeit. Bei einem Lungenkranken zum Beispiel würde man nicht nur nach seinem Befunde fragen, sondern auch danach, ob seine wirtschaftliche Lage die Ehe gestatte, ob diese ein geregeltes Leben verspricht, und nicht zulegt muß das rein seelische Verhältnis der Ehegatten zueinander in Betracht gezogen werden. Für lungenkranke Frauen wird die Ehe infolge der Mehrarbeit und der Gefahr der Schwangerschaft in vielen Fällen faum eine Erleichterung bringen. Schwierige Fälle. Ein Mädchen, das vollkommen vereinsamt ist, hat einen häßlichen Krüppel gefunden, den es heiraten will. Er hat eine schwere Berbiegung der Wirbelsäule und wahrscheinlich eine Lungenfrankheit, wenn auch feine offene Tuberkulose. Aber das Mädchen will einen Menschen haben, für den es sorgen kann. Da ist es gewiß schwer, geradezu von der Verbindung abzuraten. Ein junger Mann, der schon mehrmals( wegen Tobsucht) in der Irrenanstalt war und immer wieder gesund entlassen wurde, will eine Frau heiraten, die ihn wegen seiner sonstigen Vorzüge sehr schäßt. Beide sind sich ihrer Verantwortung bewußt und wissen, was sie von einander zu erwarten haben. In beiden Fällen muß aber zur Vermeidung von Nachkommenschaft geraten werden. Das kann durch Unfruchtbar. machung des Mannes geschehen. Die Frau soll die Möglichkeit haben, doch noch ein Kind zu erhalten; nur von diesem Manne darf es nicht sein. Die Unfruchtbarmachung des Mannes wird durch die Unterbindung des Samenstranges( eine Operation, die Steinach zum Zwecke der Verjüngung ausgeführt hat und die in Amerika an Gewohnheitsverbrechern ausgeführt wird) erzielt. Eine ähnliche, wenn auch gefährlichere Operation: die Unterbindung der Eileiter, fann bei der Frau ausgeführt werden. Aber dazu wird nur geraten, wenn die Frau schon Kinder hat. Die Berufsvormundschaft schickt ein Paar; sie ist neunzehn, er vierundzwanzig. Beide sind taubstumm, allerdings nicht von Geburt an, sondern infolge einer Hirnhautentzündung. Sie ist überdies halbblind, aber überaus intelligent, amüsant, sprühend. Weil die Mutter, die scheinbar eine fleine Tyrannin ist, der Tochter einmal irgendeinen Wunsch verweigerte, ging diese ins Wasser. Sie wurde herausgezogen, in einer Irrenanstalt beobachtet und alsbald als geistig gesund entlassen. Sie droht wieder mit Selbstmord, wenn man ihr den Poldl" nimmt. PP Welche Kranke kommen am meisten? Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und nervöse Störungen, vor allem Störungen der Potenz, beschäftigen den Cheberater am häufigsten. Am schwierigsten ist eine Entscheidung bei den Syphili tifern zu fällen. 3m allgemeinen ist ein Syphilitiker, der dauernd unter ärztlicher Kontrolle steht, und die höchst ansteckenden ersten Stadien hinter sich hat, ungefährlich und fann, unter gewissen Boraussetzungen, heiraten. Aber allgemeine Richtlinien lassen sich hier nicht aufstellen. Insbesondere muß vor dem Irrtum gewarnt werden, als ob eine negative Wassermannsche Reaktion im Blute gleichbedeutend mit Heilung wäre. Unter den nervösen Störungen spielt eine besondere Rolle die Homosexualität. Diese Kranten glauben oft, daß sie durch die Ehe von ihrem Leiden geheilt werden können. Damit sind sie leider im Irrtum. Homosexuellen muß von der Ehe abgeraten werden. Unter den Potenzstörungen sind viele, die nur aus der Eingebildetheit der Kranten entstanden sind, und andere, die ihren Ursprung in den Entbehrungen der Kriegsgefangenschaft haben. Den meisten, dieser Leute ist zu helfen. Es wird oft die Einführung eines obligatorischen Gesundheits- g zeugnisses, das vor jeder Eheschließung ausgestellt werden muß, verlangt. Dagegen, erklärt der Cheberater, sprechen einige Bedenken. Sunächst sind die Menschen noch nicht reif genug dazu. Sie würden ein Cheverbot durch das Konkubinat umgehen oder die Ehe im Ausland schließen. Aber auch die Medizin ist noch lange nicht soweit, daß fie in allen Fällen mit voller Sicherheit entscheiden tönnte, ob einer gefund oder frant ist. Man fann natürlich mit Sicherheit bei offener Tuberkulose oder Syphilis die Ehe verbieten, aber bei einem Menschen, der vor zehn Jahren Syphilis hatte, ist die Entscheidung außerordentlich schwierig, ebenso bei den Grenzfällen von Nervenleiden. Verlangen tönnte man höchstens die obligatorische Unterfuchung durch einen Arzt, der einem Kranten das Gewissen schärfen, es aber im übrigen diesem überlassen müßte, ob er die Ehe eingehen will. Es tommen nicht nur Leute, die heiraten wollen, sondern auch solche, die schon lange verheiratet sind und etwa Auskunft wünschen, wie der Unfruchtbarkeit( oder auch dem Gegenteil) abzuhelfen wäre. wie der Unfruchtbarkeit( oder auch dem Gegenteil) abzuhelfen wäre. Die Eheberatungsstelle erteilt eben Rat in allen Fällen, die mit der Hygiene des Geschlechtslebens irgendwie zusammenhängen. Manch einer sucht bloß Aufflärung über hygienische Fragen und findet sie ebenfalls in der Cheberatungsstelle. Nur über juristische Fragen ( Chefcheidung, Alimentation) wird keine Auskunft gegeben. Der Gang der Untersuchung. Zunächst wird die Borgeschichte erhoben, um etwaige Krankheits anlagen festzustellen. Herz und Lunge untersucht der Eheberater selbst. Benn aber ein genauer Befund nicht zu ermitteln ist, werden die Leute in ein Ambulatorium oder zur Krankenkasse geschickt. Die meisten Krantentassen, auch die unter bürgerlicher Leitung, haben sich bereit erklärt, Untersuchungen für ihre Mitglieder durchzuführen. zu einem schallenden„ den Teufel auch". Zu meiner größten Verwunderung lachte Mutter wieder. " Du bist aber mal unartig geworden!" stieß Samuelsen hervor; doch ich drehte mich auf seinen Knien um und sah ihm gerade ins Gesicht. Das ist Gott furchtbar egal, ob ich zum Teufel noch mal" fage. ,, Du weißt ja gar nicht, was du redest." Doch, das weiß ich. Neulich fiel ich hin und stieß mir das Knie und schrie: Au, zum Teufel nochmal; aber ich habe trotzdem fein schlechtes Zeugnis bekommen. Ich traue mich alle passenden Worte zu sagen." Hör mal, Nina, du solltest beffer auf den Jungen aufpassen!" fagte Samuelsen streng. Es ist ja nicht dein Junge, also kann es dir ganz egal fein," antwortete sie scharf. „ Nicht, wenn er in mein Geschäft eintreten soll." Mutter stand so hastig auf, daß die Kaffeetassen flirrten und ging ins Schlafzimmer. ,, Du, wollen wir nicht lieber meggehen, hier ist es nicht sehr gemütlich!" flüsterte Fräulein Laurizen böse und eine tiefe, wagerechte Falte sprang zwischen ihren schwarzen Augenbrauen hervor. Im gleichen Augenblid tam Mutter wieder zur Tür herein. ,, Es war bloß etwas Wasser draußen am Ueberkochen", fagte fie, aber ihre Stimme zitterte. tommst du ins Bett", fügte sie hinzu. " Und du, Waldemar, haft den Mund zu halten, sonst Nun war sie munter und liebenswürdig. Mit raschen Bewegungen schenkte sie mehr Kaffee ein, und sie sprach die ganze Zeit. Alle natürlichen Pausen füllte sie mit einer Menge fleiner Ausrufe aus. Sie widelte fich ein ins Geschwäß und verstedte sich hinter fleinen Anekdoten und schlechten Wizen. Aber ich konnte den reißenden Wortstrom Deshalb froch ich von Samuelsens Knien nicht leiden." herunter und ging an meinen Tisch, um Blumen und Gesichter zu zeichnen. Das letztere war eine neue Fähigkeit, die mir ganz unerwartet in die Finger gekommen war. Ich konnte die Gesichter ähnlich machen. Ich war mitten in einer Wust von Gesichtern und Marunterbrochen wurde, die am Fenster standen und über ein Liebespaar unten auf der Straße lachten. Aber ich lachte höhnisch und antwortete, so dumm wie garetenblumen, als ich von Mutter und Fräulein Laurigen er mürde ich doch nicht werden." Und darüber lachte Mutter auch. Als das glatt ging, entfaltete ich meine neuen verborgenen Fähigkeiten. Ich wagte ein fleines verdammt nochmal bis Bott, was er ihr da nun vorlügt!" sagte Mutter böse. Du bist wieder fo zynisch!" bemerkte Sammelsen lang= * Sie rühren an die tiefsten Probleme des menschlichen Lebens, menschlicher Sehnsucht, menschlichen Leidens, die Bilder, die sich an jedem Beratungsabende vor dem forschenden Auge des Arztes entrollen. Und die Beratungsstelle cine von den vielen nüßlichen Einrichtungen, die die rote Gemeinde Wien geschaffen hat leistet die wertvollste Arbeit im Dienste der Allgemeinheit. Die Männerfchwimmhalle des Stadtbades Neukölln ist vom 7. September d. J. für die Zeit von etwa vierzehn Tagen wegen Ausführung von Instandießungsarbeiten geschlossen. Alle übrigex Abteilungen bleiben wie bisher geöffnet. sam und salbungsvoll von seinem Stuhie aus, das Erlösende in der Liebe fannst du nicht sehen." „ Nein, und ich bedanke mich auch dafür," lachte Mutter. Fräulein Laurigen sandte Samuelsen einen warmen Blick zu, und ich wollte gerade loslachen, als einige schmutzige Gedanten in mir aufstiegen. Fräulein Lauritzen strich sich mit den Händen über Brust und Hüften, und alle die Bilder und Phantasien, die mich erfüllten, strömten auf mich ein. Ich versuchte, mich durch ihr gelbes Kleid hindurchzudenken; aber alle Bersuche waren vergebens. Es gab Männer und es gab Frauen. Da war Samuelsen und Fräulein Lauritzen. Und die Männer gingen in Jacke und Hose und die Frauen in Röden, und das hatten sie stets getan, denn das mußten sie. Nein, nein, das mußte eine große Lüge sein, die alle Schuljungen übereingekommen waren, sich gegenseitig vorzuschwindeln. Das war so eine Milchjungenlüge Aber der Gedanke fam wieder und mit ihm zusammen alle die phantastischen Worte, die schlimmer als zum Teufel" waren. Ich bekam einen heißen Kopf; aber es war etwas an den Worten, worüber ich Klarheit haben mußte, und ich murmelte sie vor mich hin, ich wiederholte sie, um zu versuchen, ab das Häßliche nicht beim Gebrauch sich abnugen könnte, so, wie die Wolle sich am Stoff abmußte. Es waren vielleicht nur schmutzige Worte, die die Jungen hier in der Gegend gebrauchten. Ich starrte wieder auf Fräulein Laurizen. Ich fannte sie nicht, und deshalb war es feine Entweihung, an sie zu denken. War sie, wie die Jungens sagten? Ich starrte, und plötzlich war es, als ob meine Phantasien Fleisch und Blut erhielten und eine schreckliche, unsaubere Wahrheit die ganze Welt zersprengte. Ich ahnte ein Verbindung zwischen Samuelsen und Fräulein Laurigen, und in weiter, weiter Ferne stieg mir eine Nacht auf, wo ich in unserem Schlafzimmer von Samuelsens Stimme geweckt worden war; aber was war das denn, nein, was war das denn? Wieder richtete ich meine Aufmerksamkeit auf Fräulein Lauritzen. An alle die Geschichten, die ich auf der Straße und in der Schule gehört hatte. mußte ich denken. Ich riß sie alle an mich, alle; aber trotz ihrer Menge verflüchtete die neue Wahrheit sich wieder. Auf meinem Tisch lag das einzige Resultat, das mir aus der Welt der Erwachsenen in die Finger geraten war. Mit einer scheuen Bewegung sah ich auf eine Zeitung, in der sich ein Bild befand, über dem folgende Zeilen standen: ( Fortjegung folgt.) Die Eröffnung der Funkausstellung. Berlin, die deutsche Funkstadt. Zentralverband des Deutschen Bant- und Bantiergewerbes, daraufhin, daß diese 3insfäße aus den Nachwirkungen der Inflationszeit zu erflären seien, in der die Banten 98 Proz. ihres Kapitals verloren hätten. Die Großbanken hätten damals bis zu 5 Proz. und die Bayerische Staatsbant, wie die Sachverständigen durch Bor lage eines Parlamentsberichtes glaubhaft machten, 8 Proz. genommen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Peschke, führte daraufhin u. a. aus, daß die Zukunft der Rentenmart so unsicher gewesen sei, daß selbst Männer wie Helfferich Zweifel an der Stabilisierung geäußert hätten. Man müsse sich in die damalige Zeit der völligen Unsicherheit zurückversetzen. Das Berufungsgericht fam auch zu einer Freisprechung, jedoch nur auf Grund der sogenannten Irrtumsverordnung. Die Kreditbestimmungen seien damals noch nicht Gegenstand eines Strafverfahrens gewesen, und so habe der Angeklagte infolge der Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen Angeflagte infolge der Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen sein Verfahren für erlaubt gehalten. Keineswegs sei jedoch die objektive Berechtigung erwiesen worden, solche Zinssätze zu nehmen. Eine deutschnationale Säule. Die zweite Berliner Funtausstellung wurde gestern mittag 12 Uhr durch eine Feier im Vortragssaal des Funkhauses eröffnet. Das Funforchester unter der Leitung von Bruno Seidler Winkler brachte das Vorspiel zu den Meistersingern zu Gehör. Dann hielt Reichs post minister Dr. Stingt die Eröffnungsrede, in der er auf die großen Schwierigkeiten hinwies, die das deutsche Funkwesen zu überwinden hatte, bevor es sich zu seiner heutigen Höhe entwickelte. Die 2. Deutsche Große Funtausstellung molle den Bweis erbringen, daß die schweren wirtschaftlichen Nöte des lezten Jahres nicht das Vertrauen zu unserer Wirtschaft erschüttern konnten. Die Funkindustrie fühle die unübersehbaren zu kunftsmöglichkeiten dieser Technik und der Rundfunk sei berufen, ein wichtiges Glied unserer Bolkswirtschaft zu werden, denn schon nach zwei Jahren seines Bestehens gebe er vielen tausend Volksgenossen in Kunst und Wissenschaft, Handel und Industrie lohnende Tätigkeit. Der dem deutschen Funkwesen zugrunde liegende Organisationsgebante habe sich glänzend bewährt, der deutsche Rundfunk sei nach England der bedeutendste in Europa und der Güte nach stehe er im Urteil der internationalen Kritik mit in der ersten Reihe. Das alles sei erreicht worden durch die zu jammenarbeit aller am Aufbau des Rundfunks mitwirkenden Kräfte und insbesondere durch die Zusammenarbeit zwischen Reichspost und Funkwirtschaft. Den Erfolg dieses Zusammenarbeitens fonnte man bereits bei der ersten Funtausstellung feststellen, es dürfe aber nicht vergessen werden, daß ohne das große Entgegenkommen der Stadt Berlin Deutschland nicht in den Besitz eines solchen Hauses der Funkindustrie, wie wir es am Kaiserdamm haben, gekommen wäre. Der Redner schloß mit einem Dank an die Stadt Berlin und mit dem Wunsche, daß die Ausstellung dazu beitragen möge, das Funkwesen zu fördern und erklärte dann die Ausstellung für eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Böß besprach insbesondere die Beziehungen zwischen dem Rundfunk und der Stadt Berlin. Berlin habe jett 350000 Rundfunk hörer, das seien 40 Proz. der gesamten deutschen Rundfunkteilnehmerschaft. Zu 90 Broz. habe sich die deutsche Funkindustrie in Berlin angesiedelt. Ich bin sicher", schloß der Oberbürgermeister seine Rede, daß alle a) daß in der an das Bublifum zur Verteilung gelangten Aus. Besucher nach dem Rundgang durch die Ausstellung die Uebergabe des„ Cöpenicker Tageblatts" Nr. 50 vom 28. Februar d. J. zeugung in sich aufnehmen werden, daß dieses Haus der Funk zwei halbseitige Inserate, eins von der Fa. Wertheim und ein industrie mit seinem weit in die Luft hinein ragenden Funkturm zweites von der Fa. C. u. 2. nicht enthalten gewesen sind, ein glückliches Zeichen der Kraft der neuen Stadt Berlin ist." Nachdem noch Dr. Michel, Syndikus des Verbandes der Deutschen Funkindustrie, Worte der Begrüßung gesprochen hatte, wurden nochmals Szenen aus dem Sendespiel Der Tag bes Rundfunks" so aufgeführt, wie sie sich im Aufnahmeraum der Funtstunde abspielen. Hieran schloß sich ein Rundgang der zur Eröffnung erschienenen Vertreter von Reich, Staat, Gemeinde und Bresse. Ueber den wesentlichen technischen Inhalt der neuen Funkausstellung berichtete der Vorwärts" im gestrigen Abendblatt. Wohlfahrtsdienst ohne Erwerbszwed. Am Abend vorher betonte bei der Vorbesichtigung der Presse Staatssekretär Dr. Bredow, daß der gesamte Rundfunkbetrieb als ein Wohlfahrtsdienst ohne Erwerbszwed be= trachtet werden müsse. Neben gediegener Kunst und Verbreitung bildender berufsfördernder Vorträge dürfte auch durchaus nichts im Wege stehen, als Unterhaltung" im weiteren Sinne gewisse Zeitströmungen modischer Art mitzubehandeln. Aber alles, was ausgesprochen geschmacklos ist, was die Geister verhett und den inneren und äußeren Frieden stört, sollte dem Rundfunk ferngehalten werden. Der Rundfunk soll die Bolts genoffen und die Völker binden und nicht trennen. Der Staatssekretär wies dann darauf hin, daß er von Anfang an den Standpunkt vertreten hätte, daß gerade für den Teil des Volkes, der infolge seiner Erwerbstätigkeit den wissenschaftlichen und künstlerischen Dingen ferner steht, der Rundfunk besonders große Bedeutung hat. Die Programme seien in dieser Beziehung noch er. gänzungsbedürftig und es wäre zu wünschen, daß neben ben dem Geistesarbeiter angepaßten Darbietungen auch laufend Dinge verbreitet werden, die dem Handarbeiter Genuß und Nußen verschaffen. Auch Vortragskräfte aus allen Boltsschichten sollten vorurteilsfrei verwendet werden, nicht nur der große Künstler und Gelehrte, sondern auch der Mann aus dem Bolt, der Handwerker, Gewerbetreibende und Arbeiter sollte zu feinen Bolks und Berufsgenossen sprechen können. Der gefürchtete ,, Reichsbannerwimpel". Es ist ja nur zu bekannt, daß die meisten sich unpolitisch gebärdenden Wassersportvereine in Wahrheit übelste antirepublikanische Minierarbeit betreiben. Geradezu köstlich ist die fadenscheinige Begründung, mit der ein Kanu- Klub Treptow G.-B., Köpenid, Marienſtr. 8b, die republikanischen Mitglieder aus seinen monarchistischen Gefilden hinauswirft. Ein Mitglied der BerEin Mitglied der Vereinigung hatte die unerhörte Frechheit begangen, anläßlich der großen Verfassungsfeiern vom 9. und 10. August beim Korso der republikanischen Wassersportler die Farben des Reiches( der taktvolle Präses des Kanu- Klubs nennt sie Reichsbannerwimpel") zu hissen. Prompt traf den„ Berbrecher" folgender schwarzweißroter Bannstrahl aus Köpenick: Da Sie wiederholt entgegen den bestehenden Beschlüssen den Reichsbannermimpel" neben unserem Klubwimpel gleichzeitig auf Ihrem Boot geführt haben, sehen wir uns zu unserem Bedauern gezwungen, hiermit Ihren sofortigen Ausschluß aus unserem Klub zu vollziehen. Zur Räumung des Bootshauses stellen wir Ihnen eine Frist bis zum 31. August 1925 und bitten, bis dahin Klubabzeichen, Mitgliedstarte und Bootshausschlüssel gegen Entschädigung an unseren Bootshauswart abzuliefern. Hochachtungsvoll Kanu- Klub Treptow E.-B. ( Name unleserlich. Mit derselben Energie ging man gegen einen anderen Herrn vor, der sich desselben Verfassung, vergehens" schuldig gemacht hatte. Auch ihm wurde mit ein paar brüsten Worten der Stuhl vor die Tür des feudalen Monarchistenklubs gesetzt. Diesen famosen Flaggenstürmern Batet zu sagen, ist für jeden charaktervollen Republikaner eine ehrenvolle Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus aber ist der Vorfall eine erneute Mahnung an alle proletarischen Sportler, sich von allen Klubs fernzuhalten, die ihren Mitgliedern verbieten, die Farben der Republit zu führen. Zinswucher. Der Direktor einer fleinen Bant hatte im Dezember 1923 einem Holzgroßhändler in Dresden für einen große Export nach England ein Darlehen gegeben, für das anfänglich 2 Broz., im Januar 1924 1½ Proz. und im Februar 1924% Broz. täglich an Zinsen vereinbart worden waren. Durch diese Zinsberechnung verdreifachte sich das Kapital bis Ende Februar, und der Holzhändler erhob deshalb gegen den Wucher Einwand, als er feine Rückzahlung leisten fonnte. Das Schöffengericht Berlin- Mitte ver urteilte auch nach erhobener Anklage wegen Zinsmuchers den Bant direktor zu 800 Mart Geldstrafe. Hiergegen wurde Berufung eingelegt, und in der gestrigen Verhandlung vor der Berufungsstraf kammer des Landgerichts I wurde nun die damalige Lage des Geldmarktes vom Gericht und Sachverständigen zunächst eingehend erörtert. 1. a. bezeichnete der Vorsitzende den Zinssatz von 2 Pro3. im Dezember 1923, der auf das Jahr gerechnet 700 Pro 3. ergäbe, als ungeheuerlich. Er war der Meinung, daß seit der Stabilisierung am 20. November 1923 feine Berechtigung mehr für solche Zinssäge bestanden hätte. Erst recht sei auch der Zinssatz von 4 Proz. im Februar 1924 zu hoch. Demgegenüber wiejen die Sachverständigen, Bankdirektor Schwizzer und Dr. Trost vom Die Rettungsstation auf dem Müggelsee. nommen. Ein freiwilliges Rettungswerk. Die Rettungsgesellschaft der Wassersport. vereine von Berlin und Umgegend" zeigte gestern einem größeren Kreis von Presse- und Behördenvertretern ihre Rettungsstation am Müggelsee. An der Gesellschaft sind so ziemlich alle Wassersportvereine Berlins beteiligt; die Finanzierung geschieht durch obligatorische Beiträge. Wenn sich trotzdem die Gesellschaft an einen größeren Interessentenfreis um Hergabe von Mitteln wendet, so geschieht das aus der Tatsache heraus, daß von der Rettungsstation Hilfe aus Seenot" in jedem Falle gewährt wird, d. h. also, daß nicht nur die angeschlossenen Vereine betreut werden, sondern jeder, der in irgend einer Form auf dem Müggelsee Schiffbruch" erleidet. Darüber hinaus wird die Rahnsdorfer Station aber auch vom Lande her sehr start in Anspruch geWandervögel und Ausflügler, die sich verletzt haben, Parzellen- und Laubenbesizer, denen etwas zugestoßen ist, finden in der Station stets bereitwilligst Hilfe. Bei der gestrigen Besichti gung wurde der Hergang einer Rettungsaftion praffuhr bei einem Wetter, das zu der Vorführung außerordentlich gut paßte, ein Stück auf den See hinaus. Auf dem 14 Meter hohen neuen Turm sitzen die beiden Beobachter am Scherenfernrohr unb fuchen den See ab. Da plötzlich erfäßt eine Stoßböe Boot und Infassen, es schlägt um. Im gleichen Augenblid hat aber auch der schlagen an, und das Rettungsmotorboot fauft mit 30 Kilometer Beobachtungsposten den Unglücksfall bemerkt. Die Alarmglocken Geschwindigkeit der Unglücksstelle zu. Im Nu ist es bei den mit dem Wasser Kämpfenden, sie ergreifen die zugeworfenen Rettungs ringe und werden von hilfsbereiten Händen in das Motorboot gezogen. Inzwischen haben die Sanitäter Tragbahre und Rettungss material flargemacht, und als das Motorboot am Landungssteg an legt, werden die Berunglückten auch schon auf die Tragbahre gelegt und in den wohldurchwärmten Sanitätsraum getragen. Massieren der Gliedmaßen und schließlich ein wärmendes Getränk belebungsversuche, unterstützt durch einen Sauerstoffapparat, bringt die dem Wasser Entrissenen wieder auf die Beine. Das zweite Rettungsboot hat inzwischen das gefenterte Kanu eingeholt, und die unvorsichtigen Paddler haben höchstens den Berlust einiger fleiner Ausrüstungsgegenstände zu beklagen. Wir haben seinerzeit über den Prozeß des berüchtigten deutschtisch vorgeführt. Ein Paddelboot, in diesem Falle ein Kanadier, nationalen Bezirksverordneten Louis Stein aus Cöpenid Prozeß mit einem Bergleich, der sehr zu ungunsten des Herrn Stein gegen unseren Genossen Rohde berichtet. Bekanntlich endete dieser ausfiel. ausfiel. In der gestrigen Cöpenicker Bezirksversammlung führten die Vorgänge der Gerichtsverhandlung zu neuen stürmischen 3usammenstößen. Unser Genosse Rohde gab vor Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab, die bei Herrn Stein wahre Tobsuchtsanfälle hervorrief. In dieser Erklärung stellte Genosse Rohde ausdrücklich fest, daß er bei dem Vergleich vor Gericht eine Erklärung nur über die angeblich von ihm gebrauchten Ausdrücke Lügner"," Betrüger"," Steuerhinterzieher" und Kriegs. schieber" abgegeben habe, daß er seine Erklärung aber feineswegs auf materielle Behauptungen über Herrn Stein erstreckt habe. der trotzdem es für zweckmäßig gehalten habe, seine Privattlage vorsichtshalber zurückzuziehen. Rohde erklärte über Herrn Stein folgendes: b) daß nach Fertigstellung und Ausgabe der für das Publikum bestimmten Ausgabe eine Umstellung des Sazes vorgenommen worden ist und daß dann zwei halbseitige Inserate von Wertheim und C. u. 2. eingesetzt worden sind, c) daß von diesem Satz zirka zwölf lediglich als Belegeremplare für die beiden Firmen Wertheim und C. u. A. bestimmte Nummern hergestellt worden sind, d) daß den beiden Firmen Wertheim und C. u. A., obwohl die Inserate in der für das Publikum bestimmten Auflage nicht erschienen sind, trotzdem unter Uebersendung von Belegeremplaren, Die in der unter b geschilderten Weise hergestellt worden sind, Rechnung erteilt worden ist, e) daß die Firma Wertheim für das nicht erschienene Inserat einen Betrag von 60 m. gezahlt hat, f) daß die Firma C. u. A. für das nicht erschienene Inserat einen der Höhe nach nicht befannten Betrag gezahlt hat, g) daß der Herausgeber des„ Cöpenicker Tageblatts", der Be zirksverordnete Stein, um diese Vorgänge gewußt und sich dadurch strafbar gemacht hat. 2. Ich behaupte, daß Herr Stein sich der Hundesteuerhinter ziehung dadurch schuldig gemacht hat, daß er mehrere, ihm gehörige Hunde auf verschiedene Namen angemeldet und dadurch erreicht hat, daß jeder Hund nur in die niedrigste Steuerstufe eingereiht worden ist. 3. Ich behaupte, daß der Bezirksverordnete Stein dadurch sein Amt als Bezirksverordneter mißbraucht hat, daß er versucht hat, sich durch Einsichtnahme in die Steueratten des Konkurrenzunternehmens, des„ Copenider Dampfboots", barüber zu vergewissern, ob die finanziellen Berhältnisse bei diesem Unternehmen so liegen, daß ein Auffauf zu billigem Preise möglich sei. 4. Ich behaupte, daß der Bezirksverordnete Stein versucht hat, den Fabrikanten Sauerbier dadurch zum Steuerbetrug zu veran= lassen, daß er ihm angeboten hat, er wolle ihm Rechnungen über fingierte Inserate ausstellen. Sauerbier solle diese Beträge bei feiner Steuererklärung abziehen und dann entsprechend niedriger deflarieren. 5. Ich behaupte, daß der Bezirksverordnete Stein der Wahrheit zuwider in der Deffentlichkeit behauptet hat, er bemühe sich nicht um Druckaufträge des Bezirksamts, weil er dies mit seiner Stellung als Bezirksverordneter als nicht vereinbar erachte. 6. Ich behaupte, daß in der vom Bezirksverordneten Stein herausgegebenen Zeitung„ Cöpenicker Tageblatt" über die Sigungen der Bezirksverordnetenversammlungen wiederholt unwahre Berichte erschienen sind. WiederSo oder ähnlich spielt sich der Rettungsvorgang fast an jedem Sonnabend und Sonntag ab. Ueber die segensreiche Tätigkeit der Rettungsgesellschaft geben am besten einige Zahlen Aufschluß. während des 26jährigen Bestehens wurden 793 Personen oom Tode des Ertrintens gerettet und in 12 500 Fällen erste Hilfe" geleistet. Am vergangenen Sonntag, wo sich trog des stürmischen, regnerischen Wetters immer noch leichtsinnige Wasserfahrer trotz gezogenen Warnungssignales auf den Müggelsee wagten, murden allein 29 Personen von dem ehrenamtlich tätigen Bersonal gerettet. Die Gesellschaft plant, weitere Stationen auf dem Seddinund Schwielomfee, ferner auf der Havel und auf dem Tegeler See zu errichten. Dazu sind natürlich große Geldmittel nötig. Wenn auch staatliche und städtische Behörden in entgegenkommender Weise mitzu helfen versprochen haben, so bleibt doch noch genug übrig, was von privater Seite geleistet werden muß. Mit Rücksicht darauf, daß die Gesellschaft gerade mit den sogenannten wilden" Wasserfahrern, die feinem Verein angehören, die meiste Arbeit hat und dafür leider oft genug nicht den geringsten Dant erntet, find freiwillige Spenden sehr erwünscht. Die Geschäftsstelle befindet sich in der Schmidtstraße 10. Deutsche Lehrerbücherei. das mit den Berliner Volksschullehrern die gesamte deutsche LehrerFünfzig Jahre sind verflossen seit dem Beginn eines Wertes, auf schaft in berechtigtem Stolz hinblicken kann. Ber fünfzig Jahren entstand unter den Volksschullehrern Berlins der Gebante, eine ständige Lehrmittelsammlung zu schaffen, die den an ihrer Weiterbildung arbeitenden Lehrern das nötige Rüstzeug geben tönnte. Eine im Jahre 1874 auf Anregung des Gemeindeschullehrers Hermann Gallee veranstaltete Lehrmittelausstellung lieferte den Grundflod zu der Lehrmittelsammlung, die vom Jahre 1875 ab, damals unter der Bezeichnung Deutsches Schulmuseum", den Lehrern als Arbeits- und Forschungsstätte pereilstand und sich im Laufe der Zeit zu einer erziehungswissenschaftlichen Fachbibliothet von höchster Bedeutung auswuchs. Die Deutsche Lehrerbücherei", wie diese seit 1908 in dem Berliner Lehrervereinshaus untergebrachte Büchersammlung iezt heißt, hat in einem halben Jahrhundert einen Bücherbestand von 120 000 Bänden erreicht. Sie befigt daneben eine Sammlung von 3000 Manuskripten, Briefen und anderen Dokumenten, von vielen Bildnissen großer Pädagogen und von Gedenkmünzen aus dem Schulwesen. Aus der langen Reihe seltener Stücke, die in dieser Bücherei zu finden sind, seien hier nur erwähnt, ein Manuskript von Pestalozzis Buch„ Wie Gertrud ihre Kinder lehrt", eine Sammlung von Rechenbüchern aus 1500-1800, eine Fibelsammlung von 1527 ab. Die Deutsche Lehrerbücherei" verdankt den Aufschwung, den sie genommen hat, größtenteils der selbstlosen Hingabe ihres lang= P Die deutschnationale Frattion benutzte die fünstliche Erregung des Herrn Stein über die vom Genossen Rohde abgegebene Erklärung dazu, die Bezirksverordnetenversammlung, die nicht sehrjährigen Leiters, des 1924 verstorbenen Berliner Gemeindeschulstart besucht war, zu sprengen. Man fann gespannt sein, ob Herr Louis Stein, der deutschnationale Häuptling von Cöpenick, den Mut haben wird, auf Grund dieser noch einmal wiederholten, ganz fon einer Privatflage zu beschreiten. treten, schwer belastenden Angaben des Genossen Rohde, den Weg Ichrers Adolf Rebhuhn, dem dieses Werk eine Lebensaufgabe wurde. getragen wurden, find Eigentum des Berliner Lehrervereins. Aus Die Schätze, die da mit verhältnismäßig geringen Mitteln zusammeneigener Kraft hat die Volksschullehrerschaft, nur farg von der Stadt und dem Staat unterstützt, ein Wert geschaffen, das der Weiterbildung des Boltsschullehrernachwuchses dient und bis in die Kreise der Hochschullehrerschaft Beachtung und Anerkennung findet. Mit der Deutschen Lehrerbücherei" hat die Boltsschullehrer. fchaft sich ein Denkmal gelegt, das von dem sie erfüllenden wissenschaftlichen Ernst zeugt. Wegen Gefährdung eines Eisenbahnfransportes ift gegen mehrere Herren der sogenannten guten Gesellschaft" Anklage erhoben worden. Die Herren, die in der Gegend von Corbetba und Beinefelbe eine größere Jagd gepachtet haben, lagen in der Mitte des vorigen Monats dem edlen Waidwert ob. In der Nähe des die Jagd durchschneidenden Bahndammes flog gerade ein Hübnerbolt auf, als ein D- 8ug die Strecke passierte. Die Schüßen ballerten feste drauf los, einige Schrotladungen trafen den Eisenbahnzug, so daß mehrere Fensterscheiben gerbücherei und gab ein Bild der Persönlichkeit Adolf Rebhuhns und trimmert und eine Anzahl Reisender durch Glassplitter Natürlich war das Hühnerbolt an allem leicht verlegt wurden. schuld. Wie fonnte es auch gerade in bem Augenblick auffliegen, als der Zug vorüberfam. dube Eine Schuhhundprüfung für deuffche Schäferhunde veranstaltet die Ber einigung der Schäferhundefreunde am Sonntag, den 6. September, im Garten von Schwarz Sommertheater, Berlin- Lichtenberg, Möllendorfstr. 25/26. Beginn 10 Uhr vorm. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 5. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Friedel und das Sandmännchen. Erzählt von Dr. med. E. Mos4 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchenerzähler: Kleinbacher. 4.30-6 Uhr abends:( Uebertragung, aus dem Funkhausgarten) Nachmittagskonzert des Berliner Funkorchesters. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 6.05 Uhr abends: Einführung zu dem Opern- Sendespiel am 6. September. 6.40 Uhr abends: Fritz Badicke: Herbstwanderungen in die Mark". 2. Vortrag. Das Blumenthal- Schloß Monchoix". 7-7.50 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Sport. Dr. Hans Bollmann: Sportpresse und Rundfunk". 7.30 Uhr 7 Uhr abends: Abteilung Spiel und abends: Abteilung Sprachunterricht. Esperanto"( Direktor Julius Glück). 8 Uhr abends: Prof. Dr. Max Koch: Rudolf Virchow" ( gest. 5. 9. 1902). 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus dem Saal des Hauses der Funkindustrie: Der Tag des Rundfunks. Hörbilder aus der Tagesarbeit der Funkstunde. Mitwirkende: Senta Söneland, Max Adalbert, Paul Graetz, Leopold Peukert, Ferry Sikla. Paul Westermeier. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sport nachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Deutschen Lehrerbücherei" veranstaltete der Berliner Lehrerverein Aus Anlaß der Vollendung des ersten Halbjahrhunderts der gestern eine Gedenkfeier. An ihr beteiligten sich mit der Lehrer. fchaft die Vertreter von Behörden des Reiches, des Staates, der Stadt und ihrer Bezirke. Die Festrede des Rettors Hermann Rebhuhn, eines Betters von Adolf Rebhuhn, schilderte das Werden der Behrerfeines treuen Birkens. Glückwünsche wurden überbracht vom Reichs ministerium des Innern, vom preußischen Unterrichtsministerium, rom brandenburgischen Provinzialschulfollegium, von der Stadt Berlin, vom Deutschen Lehrerverein, vom preußischen Lehrerverein und vom Lehrerverband Groß- Berlin. Als Jubiläumsgabe spendeten das Unterrichtsministerium 3000 m., bie Stadt 1000 M. Der Deutsche Lehrerverein, der Preußische Lehrernerein und der. Lehrerverband Groß- Berlin gaben aus eigenen Mitteln 5000 m., 1000 m. und 2000 m. zur Vermehrung der Lehrerbücherei. Eine Ehefragödie spielte sich gestern früh im Hause Stron prinzenstraße 48 in Lichtenberg ab. Hier geriet der 64 Jahre alte Händler Hermann Rejener mit seiner Ehefran in einen heftigen Streit und schlug mit einem Beil auf fie ein, so daß sie blutüberströmt zusammenbrach. Ein Berbeigerufener Arzt stellte mehrere erhebliche Wunden fest. Der Läter wurde zur Bache des 256. Polizeireviers gebracht. Die Förderklaffe der Städtischen höheren Handelsschule.. Deputation für das Berufs- und Fachschulwesen beabsichtigt. für faufmännische Angestellte Heiderlei Geichlechts an der Städtischen höheren Handelsschule, Berlin S. 42, Brandenburaftr. 87, zum Oktober d. J. wiederum eine Förderklasse zu eröffnen. Dauer des Kurfus: awei Jahre bei 16 Wochenstunden. Unterrichtsstunden: Montag. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag von 6-10 Uhr. Interrichtsgegenstände: 1. Kaufmännische Betriebslehre, 2. Deutfch, 3. Wolfswirtschaftslehre, 4. Bürgerlunde, 5. Meat, 6. Wirtschaftsgeographie. Schulgeld 15 M. vierteljährlich, EinDie Aufnahme wird vom Besteben einer schreibegebühr 2 M. Brüfung abhängig gemacht. Anmeldungen und Anfragen sind bis 30. September 1925 an den Direktor der obengenannten Anstalt zu richten.tra 4] Sonnabend 5. September 1925 Unterhaltung und Wissen Henkelförmige Ohren. Bon Jwan Bunin. ( Autorisierte Uebersehung von Olga Sigall und S. Rabinowitsch.) ( Schluß.) Ujantschut hatte die Absicht, den Beleidigten zu spielen und zu sagen:„ Bist selbst einer," als er aber das Geld in der Hand spürte und die Korolkowa erkannte, die ihm beim Vorübergehen sagte:„ Du haft mich nicht erkannt, das bringt Glüd," runzelte Ujantschuf nur die Stirn. Unter mißmuitgem Gebrumm auch ohnedies hätte man tagtäglich Unannehmlichkeiten durch Die Polizei," ging Sokolowitsch voran, strich ein Streichholz an und öffnete eine Tür nach einem von allerhand süßlichen Gerüchen erfüllten, dumpfen und sehr warmen Zimmer, dessen Fenster durch das schräge Dach eines Hofgeländers halb versperrt war. Hinter den schwarzen Fensterscheiben erflangen gedämpfte Stimmen, man hörte das Geräusch einer Maschine, und wie ein Höllenfeuer loderte glühend rot eine riesige Fackel. " Was ist das?" fragte scharf, sogar beunruhigend Sokolowitsch und blieb stehen. „ Nachtarbeiten, Latrinenarbeiter," brummte Ujantschut. Er hatte die Beleidigung noch nicht verwunden, und nachdem er die beiden Lichter mit den roten Glasmanschetten auf der Spiegelkonsole angezündet und die weißen, gebrauchten Rattunvorhänge heruntergelaffen, fragte er nach den Wünschen der Gäste. Sokolowitsch bestellte für sich Kwas, und mit einem sonderbaren Lächeln fügte er hinzu: Und für das Fräulein Obst." „ Obst gibt's nicht," antwortete Ujantschut,„ nur Trauben sind da, anderthalb Rubel die Portion." Solch ein Auftreten schmeichelte sichtlich der Koroltoma und mährend sie sich bemühte, sich mirklich mie ein Fräulein zu benehmen, das mit Obst bewirtet wird, sah sie sich in dem Zimmer um, stampfte mit den erfrorenen Füßen auf, hauchte in den Muff und sogte in schmollendem Tone: ,, Hu, hu, es ist so falt hier." Kurz darauf brachte Ujantschuf auf einem großen Blechtablett Trauben und zwei geöffnete Flaschen, aus denen der Schaum emporquoll, worauf Sokolowitsch sofort die Tür abschloß. Beim Herausgehen Ujantschuks stand die Korolkoma am Tisch, hauchte noch immer in den Muff und zupfte an den harten, grünen, mit Sägespänen untermischten Trauben, indes ihr unheimlicher Begleiter, mit seiner gelben Bartkrause und seinem frisch rasierten Mund, in der Ecke seinen Ueberrock ablegte und seinen langen Schal cus grober lila Wolle abwickelte. Darauf hüllte sich das Zimmer, hinter dessen Fenster das gespenstische Feuer loderte und die heimliche nächtliche Arbeit dumpf dröhnte, in ein undurchdringliches Geheimnis. Um vier schlug die Klingel auf dem Korridor zittrig an. Ujantschuf erwachte, warf die Beine in die Unterhosen und die mit Filzpantoffeln befleideten Füße von der fleinen, hölzernen Bank herunter und ging an das Klingeltableau; dort war Nummer drei zum Vorschein gekommen. Hinter der Tür des Zimmers Nummer drei verlangte eine Frauenstimme zehn Stüd Zigaretten, Marke Zephir. Als Ujantschut mit den Zigaretten vom Büfett zurückfam, verwechselte er die Nummer des Zimmers, in das er sie bringen sollte und klopfte bei Nummer acht an, das an Sofolomitsch vergeben war. Ein rauher, tiefer Baß fragte nach einer Weile hinter der Tür: " Was ist los?" Ihr Fräulein hat 3igaretten bestellt," sagte Ujantschuf. „ Mein Fräulein hat sie nicht bestellt und konnte sie feines falls bestellen," antwortete der Baß in überlegenem Tone. Und Ujantschuk, dem jetzt einfiel, wem er die Schachtel ein händigen sollte, legte sie in eine volle Frauenhand, die sich ihm aus der halbgeöffneten Tür der Nummer drei entgegenstreďte, begab sich wieder auf seinen Platz zurück und schlief in dem halbdunkeln und ruhigen Gasthaus, am Ende des Korridors, bei dem regelmäßigen Schlag der Uhr, fest ein. Er erwachte erst wieder gegen sieben Uhr; vor ihm stand in seiner ganzen Größe, in Ueberrod und Mütze, der Gast aus Nummer acht und stieß ihn gegen die Schulter: „ Hier hast du was fürs Zimmer und für die Mühe," sagte er. Laß mich hinaus. Es ist Zeit für mich, zur Fabrik zu gehen, das Fräulein wollte um neun Uhr geweckt werden." ,, Und für die Trauben?" fragte Ujantschuf eilig und besorgt. „ Ich habe alles zusammengerechnet", sagte Sotolomitsch. Meiner Meinung nach beträgt es vier Rubel siebzig, und ich gebe dir fünf Rubel fünfzig, verstanden?" Und ruhig wandte er sich zur Treppe. Mit halbgeschlossenen, verschlafenen Augen schob Ujantschut den überegworfenen Pelz mit der Schulter zurecht, holte Sokolowitsch ein und flapperte vor ihm auf die Treppenstufen herunter. Sokolo witsch wartete geduldig, bis er den sich schwer im Schlüsselloch bewegenden Schlüssel herumgedreht hatte. Endlich öffnete sich die Tür. Er schritt an Ujantschut vorbei, schlug den Kragen hoch, und wie ein Opernsänger, der sich vor Erkältung fürchtet, hielt er sich den Mund zu, brummte nur mit tiefer Stimme in den Bart:„ Auf Wiedersehen" und trat auf die Straße, in die feuchte und frische Luft. Es war noch ganz dunkel und still, aber in dieser Dunkelheit und Stille spürte man schon den nahenden Morgen. Der ganze weite Umkreis, der ganze gewaltige Pfuhl der noch lautlosen Großstadt war erfüllt von dem leisen und fernen Dröhnen der Fabriken und Arbeitsstätten, das aus allen ähnlichen Herbergen, aus allen Niederungen und Spelunken, die ungezählten Heere der arbeitenden Menschheit zusammenrief. Die Straßenlaterne mit ihrem schwarzen Schatten, die dem Gasthaus gegenüberstand, beleuchtete einen Teil des Fußweges und des Fahrdamms. Der Nebel hatte sich gelichtet, während der Nacht war ein wenig Schnee gefallen, die Masse der am Zaun hinter der Laterne aufgeschichteten Bretter schimmerte weiß gegen die Trauer der schwarzen Nacht. Sokolowitsch bog nach rechts ein und verschwand in der Ferne. Der durchgefrorene Uljan tschut schlug die Tür zu und lief die Treppe herauf, zurüd nach oben. Es hatte keinen 3wed mehr, sich wieder hinzulegen. Er machte sich daran, seine Stiefel unter der Bank vorzunehmen, als er plötzlich voller Entsetzen bemerkte, daß die Tür von Nummer acht halb geöffnet stand und hinter ihr Licht brannte. Er sprang auf und stürzte in das Zimmer. In dem Zimmer herrschte eine so beflemmende Stille, wie sie undenkbar wäre, im Falle ein Mensch, sogar schlafend, sich darin aufhält; die heruntergebrannten Lichter in den gesprungenen Glasmanschetten fnisterten, Schatten bewegten sich in dem Dämmerlicht, und auf dem Bette ragten unter der Decke die furzen, nackten Beine einer auf dem Rücken liegenden Frau vor. Sie war durch zwei fest auf ihren Kopf gepreßte Kissen erstickt worden. 0oo0 Stegerwald in München. 1 7 292 * 00 ZYX 田 00 Beilage des Vorwärts 口 „ Du bist unser braver Sohn, du haft dein Zentrum so gut geführt, daß wir es nunmehr der Bayerischen Volkspartei einverleiben können. Mann am Tor. Von Max Bernardi. Ich steh an einer Mauer, einer grauen, scheußlichen Mauer, an der Bettler lehnen, an der sich im Staub Hunde wegen. Ich steh an einem eisern Tor und seh ein Häuschen stehn im Grünen.... Ein fleines Haus mit fleinem Garten ein fleines Haus mit rotem Dach und grünen Fensterläden.... Ein Garten, ein Garten mit hellgrünem Gras und fleinen Bäumchen und am Haus ganz fnapp eine Linde. Die erfte Patentveröffentlichung. In England hat es schon im 17. Jahrhundert Patentgeseze gegeben, aber die Entwicklung des Patentrechtes beginnt doch erst mit den französischen Patentgesetzen, die Anfang 1791 in Paris erlassen wurden. Die erste französische Batentoeröffentlichung vom 16. November 1791 ist ein wichtiges Dokument nicht nur für das Patentwesen, sondern auch für die Geschichte der Technik und der Erfindungen, wie Dr. Ernst Darmstaedter in der„ Umschau" ausführt. Diese von Ludwig XVI. unterzeichnete Proklamation enthält 22 furze Angaben über die Inhaber der mitgeteilter Batente und ihre Erfindungen. Darunter befinden sich unter anderem Patente auf Porzellan, auf Glaubersalz und eine neue Methode, Zucker zu raffinieren. Von besonderer historischer Bedeutung aber ist Nummer 14 der Liste, denn eine bahnbrechende Leistung wird hier verzeichnet: die Begründung der Soda= fabrikation durch Leblanc. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und noch später war Soda fast ausschließlich aus alfalihaltigen Pflanzen gewonnen worden. Die französische Akademie hatte 1775 einen Preis von 12 000 Livres für die beste Methode der Gewinnung von fünstlicher Soda ausgeschrieben und als Sieger ging Nicolas Leblance aus dem Wettbewerb hervor. Er scheint aber infolge der Rings herum läuft die Mauer, die graue, scheußliche politischen Wirren nichts von dem ihm zuerkannten Preis erhalten Mauer, an der Bettler lehnen, an der Sonne Sonne im Garten, Sonne auf Blumen, Gräsern, Bäumchen Kinder spielen, Schatten spielen, Blumen duften Apfel leuchtend rot durch Blättermert... Wie im Paradiese, wie im Paradies. Ganz leise fächelt Bind, ganz leise und trägt auf zarten Schwingen föstlichen Duft, ganz leise und fremd, so fremd so lind. Ich steh an einer Mauer und sehe mich, seh mich im Grase liegen und seh zum Himmel auf und sehe Wölklein fliegen.... อด Tata M immu Ich steh an einem eisern Tor und sehe mich, seh mich am Haus davor seh Blumen niden im Wind, und am Schoße wiegend ein Kind! Graue Mauer! Graue Mauer! Wächst riesengroß! Grauer, harter Stein! As 38 Und zitternde Hände das Eisen am Tor umflammern ,, Sollst heut noch mit mir im Paradiese sein-1" Ganz still bricht am Tor der Bettler zusammen. zu haben. Mit Hilfe des Herzogs von Orleans, dessen Arzt er mar, errichtete er die erste Sodafabrik. Doch die Zeitunistände waren dem Unternehmen nicht günstig. Der Begründer dieser großartigen Industrie fam ins Elend und machte seinem Leben 1806 ein Ende. Andere haben dann von dem Patent, das ihm in der ersten Beröffentlichung zuerkannt wurde, den Nutzen gehabt. Arbeitsteilung bei der Claque. Anekdoten aus der Welt der Bariser Claque, die im Auftrage der Parteien, von denen sie bezahlt merden, bei der Premiere eines Stüdes für oder gegen die Neuheit Stimmung zu machen sucht, weiß die Pariser Theaterzeitschrift Comoedia" zu erzählen. Am Ende des zweiten Attes eines zum ersten Male aufgeführten Lustspiels fiel den Zuschauern ein Herr auf, der abwechselnd applaudierte und zischte. lleber sein sonderbares, unparteiliches Benehmen befragt, erklärte er seelenruhig: Ich bin allerdings dafür bezahlt, zu zischen. Da mir aber das Stüd gefällt, glaube ich, daneben meinem persönlichen Geschmack durch Beifallfundgebung Ausdruck geben zu dürfen." Kurz darauf ging im selben Theater ein neues Stück in Szene, das die Geister heftig aufeinanderprallen ließ. Zwei Herren in einer Loge schienen besonders erregt. Der eine pfiff wie eine Lokomotive, während der andere nicht minder begeistert Beifall flatschte. Plötzlich wandte sich der erste an seinen Nachbar mit den höflichen Worten: Ich sehe, wir beide arbeiten nicht für dieselbe Partei. Wenn Sie sich aber weiter so stürmisch ins Zeug legen, so werden Sie sich die Hände wundschlagen. Wenn es Ihnen recht ist, tann ich ja eine Weile für Sie flatschen, während sie mich als Zischer ablösen." Worauf der andere nicht minder höflich erwiderte: Es würde mir ein besonderes Vergnügen machen, Ihnen gefällig zu sein. Leider habe ich aber wegen meines Asthmas darauf verzichten müssen, mich als 3ischer zu betätigen und habe mich deshals genötigt gesehen, zur Partei der Klatscher überzugehen." Die kleinste Republik. Bisher galt als die kleinste Republik Europas immer der Miniaturstaat von San Martino. Es gibt aber noch ein winzigeres Staatsgebiet, das ist die kleine Insel Tavolara, die etwa 12 kilometer von Sardinien entfernt im Mittelländischen Meer liegt. Dies Eiland hat eine Länge von faum 2 Kilometer und wird von 55 Menschen bewohnt. Tavolara erlangte seine staatliche Selbständigkeit im Jahre 1836, als die Insel der Bartolioni- Familie überlassen wurde. Bis 1882 regierte hier Paul I. als König. Bei seinem Tode aber erklärten die Inselhewohner ihr Land für Republik. Nach der Verfassung wird der Präsident für 10 Jahre gewählt, und sowohl Männer wie Frauen haben Stimmrecht. Theater, Lichtspiele usw. Velksbühne 8 Uhr: Fiesko Staats- Theater Opernhaus 7 Uhr: Tannhäuser Opernhaus Eröffnungsvorstellungen der Hellmar- Bitmen Lessing- Th. Freitag, 11. Sept, 7 Uhr Götz am Königsplatz. Berlichingen 8 Uhr: Gastspiel Anna Pawlowa Schauspielhaus 8 Uhr: Der Bär. Die gr. Katharina Schiller Theater 8 Uhr: Jungfrau v. Orleans, von Goethe Wegener, Höflich, G. Müller, George: Barnowsky. Bühnen. Theater in der Höniggrätz.Str. Tägl. 8 Uhr: Wie es End getailt Homödiembans Tägl. 8 Uhr: Margarine von Georg Kaiser Die Tribune Freitag, 11.Sen. Urauliahr. Zurück zu Methusalem v. Bernard Shaw Kleines Theater Die Koblanks Heute 7 Uhr Uraufführung: Besser als früher von Pirandello Täglich 8 Uhr im Theater i. d. SCALA Orska, Richard, Kammermusikhaus 8 Uhr Internat. Varieté 3.30 Uhr zu ermäß.Preisen das volle Progr. Berliner Theater 7½ Uhr: Meingast, Rewalt, Steiner Trianon- Th. Tägl. 8 Uhr Lützowstr.112 Ecke Flottwellstr. Vorzeig.dies. zahlen nur halbe Preise von 50 Pfg. an. Sisala Werberint in Casino- Theater Frau Lohengrin Lothringer Str. 37. Tägi. 8 Uhr Rose- Theater Die dreiaktig. Posse Der gr. Betrug Gartenbühne: 5 Uhr: Bunter Tell Gastspiel 73: Das Schwarzwaldmädel Kammersänger Der Kühne Schwimmer dare das bamorvalls Jubiliams- Programm Rich. Tauber Großes Schauspielhaus Musik. Leitung E. W. Korngold Eine Nacht in Venedig Operette in 3 Akten von Johann Strauß Musik. Einrichtung von E. W. Korngold Theater am Nollendorfplatz Täglich 8 Uhr Die hellblanen Schwestern Romant Operette von Ed. Künneke Täglich 8 Uhr 3. Woche HALLER REVUE 1985/26 ..ACHTUNG! WELLE 505!" THEATER ADMIRALS. PALAST Mark 2. bis 16.Sonntag 2 Vorstellungen 2 3 u 8 Uhr Nachm die ganze Vorstellung zu halben Preisen Central Theater NO Direktlon: Karl Rosen Täglich 8% Uhr: ,, Für Dich!" 99 Regie: Erik Charell Musik u.Gesangstexte: Ralph Benatzki Bühnenbilder u. Kostüme: Ernst Stern 2. Rang M. 1.50, 3. Rang M. 0.75, CLOU Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82 Vier- Uhr- Kaffee( PromenadenKonzert) Dienstag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: Gesellschaftsabend** Tanz Naves am Komische Oper Theater 1000 Mk. Belohnung! 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X 400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! ULAP HEUTE 124 OSTMARKENFEST zu Gunsten der Optantenhilfe 3 U.: Kinderfest Eintritt 1 M., Kinder 50 Pf. DER VERGNÜGUNGSPARK DER BERLINER. AM LEHRTER BAHNH Parkett M. 5.-, Balk. M. 4., Rang RIESEN Logen u. Klubsessel M. 7.- bis M. 12.Vorverkauf ab 10 U. vorm. ununterbr. WALHALLA Rosen7% Uhr: Die lustige Revue Mal was anderes mit Lotte Werkmaister- Agni Wilke Lambertz- paulsen- Hob.Steidi usw. Preis 0,60-4.50. Vorv.ab 11 U.unibr. Elite- Sänger CIRCUS KRONE Schönbauser Allee-Hochbahnb. Danziger Str. Haupteingang Rudolf- Mosse- Straße. Telephon: Humboldt 99 Täglich Sonnabends 8 4 abends Uhr Sonntags Uhr Gigantische Circus- Spiele Neu: Circus- Rennbahn Preise, nur Sitzplätze, von 1.20 an 500 exot. Tiere. Indianerdorf Zoo täglich von 10-7 geöffnet. Konz 2Kapell. Raubtierfütt. 11U.vorm. Kotibuser Str. 6- Tel MpL 18077. Tägl. 8 Uhr, auch Sonntag nachm. Spezial8 Uhr( zú halben Preisen) die konkurrenzlose RevES: Berlin... da kleekste! ( Vorverkauf: 11-1%, and 5-6 Uhr.) Reichshallen Theater Allabendlich& Uar u. Sonntag nadm. 3 Why Stettiner Sänger Nadun. halbe Preise, volles Abend- Progr Dönhoff Bratt'l: ( Saal und Garten) 8: Hilfe, ein Kind ist Das beliebte Familienvarieté v. Himmel gefallen! Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Claire Dux als Mamsell Angot Karsavina Kirchhoff usw. Residenz- Th. on WIND BOORTEN 8 Das große behandl Ischias in H. GasB and Bain, wean Irril. festgestellt, In 15 Tagen sind durera Falls beseitigt warden Ugantastbare Heilerfolge Bestätigung and Referenzen, ärzti. empfohlen. Invalidesstraße 106. 9-11. 1-4. Sewates 10-12. Jacoby. Kaum glaublich 49 und bad mahz, bag mein zehnjähriger Entel nach Gebrauch einer Flasche Thres Saarlraftmaffers Inkraft auf einer größeren Stelle am Hinter Zopf, wo die Saare durch einen Stein murf zein ausgegangen waren, nam eine& Monaten mieber fein volles Saar erhalten hat. Solche Erfolge fprechen file bie effettive Mirfung von Intraft. Flasche M. 2.25 und 3.50. Ja Drogenh. u. Apoth., fonft bei Otto Reichel, Bin 43, 60, Eisenbahnstr. 4 Auf Teilzahlung 8: Jugendfreunde Jubiläums- Programm! Herren- u. Burschen( 1887 1900- 1925) Claire Rommer, Sonntag nachm. 3%, Uhr halbe Preise! Osk. Sabo, Dewis, In allen Vorstellungen Rocklin, Emme TARZAN die amerikanische ring, Elzer, Ley, Merkwitz, Semmlar Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Baselt, DiegelSensation mit neuem Programm ** Das große Champagner- Ballett ( 24 Damen) Rauchen gestattet bas mann, Heidemann Gufer Schlaf the beſte Dora, Metelka, Spira, Wilfan Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Marie Escher a. G Anneliese v. Dessau Theat. d. Westens Das große Operettenhaus 8 Uhr: Wiener Blut Stg. nchm. 4 Uhr: Wiener Blut Halbe Preise Deutsches Künstler- Theater 8 Uhr Heilmittel Metallbetten für Groß u Klein, mit aber ohne Zubehör, Stablmatragen, an Bripate. Bequeme Bebing. Rat 30 a frei Eisenmöbelfabrik Sahl( Thir.) Garderobe Gummimantel f. Damen u. Herren/ WinterUlster/ Winter- Rockpaletots/ UebergangsMäntel/ Manchester- Sportanzüge/ Windjacken/ Hosen aller Art Spezialhans für Herrenund Burschenbekleidung Neue Schönhauser Str.1,1 Ecke Weinmeisterstraße Vorzeig dieses Inserats erh.5% Rabatt Lampions KLEINE ANZEIGEN Neue von 5 Pf. an. Stocklaternen m.Stack a.Licht& Pf. Fackeln, Luftballons, alle Festartikel sehr billig. Feuerwerk Art. Sarinesie in der Gesamtauflage vee 1.-M. des Vorwärts" sind Bengalfeuer Kilo M. 2-. besonders wirksam Papiermützen Diz. 20 Pf. es. A. Maas& Co.. Markgrafenstraße 84 and trotzdem an dor Lindenstrable. 6ogründet 1890schr billig! Adolf Hoffmann Fanie 47 Haare Episoden und Lustspiel von Louis Verneuil wachfen schon wieber! Reichels Saartraft. Th. am Schiffbauerdamm waffer Jufraft 8 Uhr: wirtt under nam Der kleine Kuppler 3maligem Einreiben. 8: Meiseken Go lauten viele An erkennungen. 2. 2,25 Wallner- Theater unb m 3.50. Jn Dro gerien, sonst bet Otto Reichel, Berlin 43, SO, Gisenbahnstr. 4. Apollo8 U. Theater& 0. Ab 1. Sept. Das große Los! Gr. Varietéburl. m Gesang und Tanz mit Paul Beckers in d Hauptrollé Lachen ohn Ende 60 Pf. bis 6 Mk. Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifferzeit. Preis 1 Meet. Borts 5 Pfennig. Borrätig in allen BorwärtsAusgabestellen. Täglich 8 Uhr: Olly- Polly Operette von Kollo Emmy Sturm Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M. SCHU MARKE Quittungs Rabal u Reklamemarken fertigt seit 45 Jahren as Spezialität Am Sonnab., 5. Sept., halten sich im Lunapark drei Personen auf, deren Ermittlung den Besuchern des Parks überlassen wird. Für ihre Feststellung ist obige Belohnung ausgesetzt. Eintrittspreis mit Berechtigung zum Preisbewerb Mk. 1.-, Kinderkarten 50 Pfg. Bedingungen f. d. Preisbew. werden mit den Eintrittskart. ausgegeben Doppelkonzert Feuerwerk Alle Attraktionen in vollem Betrieb Rennen zu Hoppegarten Conrad Müller Sonnabend, d. 5. Sept. Schkeuditz Leipzigs nachm. 2, Uhr BETTWÄSCHE Hur bestbewährte Qualitätsware zu besonders billigen Preisen! Bettbezug aus starkfäd. Kretonne.. 4.50 Bettbezug aus gutem Renforcé... 5.75 Bettbezug aus dichtem Linon.... 6.55 Bettlaken aus gutem Hemdentuch. 2.95 Bettlaken aus schwerem Dowlas.. 3.95 Tischtuch aus bestem Leinen- Damast 4.95 Hemdentuch, starkfädig. 63 Pf. Handtuchstoff, pa. Drell...... 48 Pf. O WILLY SCHOTT Bettwäschefabrik Warschauer Straße 5 Sie brauchen einen neuen Anzug! Mantel, Kostüm, Kleid, Ulster, Paletot, Schlüpfer, Regenmantel, Pelz Wie? Das Geld reicht nicht? Besuchen Sie uns! Wir geben Ihnen langfrist. Kredit bei klein. Teilzahlung. u. gering. Anzahl Sofortige Aushändig d. Gegenstandes. Der feinsten Maßarbeit ebenbürtig! Alles auf Teilzahlung ohne Aufschlag! Weiser, nur Leipziger Str. 82 Laden am Dinhoffplatz. Hof links, vis- à- vis Lietz Wer weise wählt, wählt Weiser! HatvanolZum Zille- Film ,, DIE VERRUFENEN" Heinrich Zille dessen berühmte Albums: " Mein " Milljöf“ und Kinder der Straße soeben in neuen, verschönten Ausgaben erschienen sind. Preis je 3.- Mark. Beide Albums zusammen in einem Band nach OriginalEntwurf Zilles in Künstlerleinen vornehm gebunden Preis 9.50 Mark. Zu haben in allen Buchhandlungen Dr. Eysler& Co. A.-G. in Berlin SW 68 Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser Bater, der Marmorschleifer Albert Thieß nach kurzem Krantenlager am 2. September 1925 verstorben ist. Die Einäfcherung ist am Dienstag, ben 8. September, nachm. 3 Uhr, im Rrematorium Wilmersdorf. Bahnbrechend im Kredidtgeben sind wir! Möbel aller Art modernster Form kaufen Sie heute bei uns zu sehr billigen Preisen! Und wir vereinbaren mit Ihnen, daß nachträglich in demselben Verhältnis die Monatsrafen ermäßigt werden, wie von heute ab die Preise von Lebensmitteln fallen sollten. Maßgebend ist die amtliche Indexziifer f. Lebensmittel, welche regelmäßig veröffentlicht wird. Prugel& Co. Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 31. Verkäufe Raumann Rähmaschinen für Sausge brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re paratur.Bert tatt file alle Gnfteme Emil Salbarth, 6. m. b. S., Friedrich freake 55s. Meztur 6268. Reikzeuge( Richter Draaision). Sicher Monatsanzüge von Ravalieren, Geh rodanzüge, Fradanzüge( auch leibweise), neue Jadettanzüge, Gummimäntel ver fauft spottbillig Alexanderstraße 28a, hochparterre. Monatsgarderoben ftaunend billig. Raß. Raftanienallee 84. Möbel Möbel wirklich auffallend billig auf im allerbequemfte Teilzahlung nur Möbelhaus Sumboldt, An der Janno wigbrüde 3/4 und Butbufer Straße 14. Straßenbahn: Brunnenstraße, Ede Rügener Straße. 3 Minuten vom Bahnhof Gesundbrunnen. Ankletbeschränke 110.-, englische Bett ftellen 48.-, Blüschsofas, Einzelmöbel. Rahlungserleichterung. Stein, nur An flameritraße 20. Chaiselongues, Metalbetten, Auflegematragen, Batentmatragen. Walter, Stargarderftraße achtzehn. Teilzahlung. Möbel feber Art. Or. ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. Möbelhaus Luisenstadt, Röpenicker ftrake 77/78. Ede Brildenfrage. Rußbaumbüfette, Kredenzen, Sofa umbaue, Motettefofas, Standuhren, Ausziehtische, Lederstühle, Rohrstühle, Schreibtische, Schreibfeffel, Bücher fchränke, englische Bettstellen, Spiegelwaschkomoden, Nachttische, Apotheken, Trumeaug, Pfeilerfpiegel, Etageren, Bauerntifche, Büstenständer, Alavierfeffer, Rähtische, Rorbmöbel, billig. Möbelhaus Ramerling, Raftanien allee 56. Möbelforgen! Bei Lechner borgen! Möbel- Lechner, Brunnenstraße 7. Ma- Ma- Möbel find bekannt, überall in Stabt und Land. Möbel Magazin Berlin, Juvalibenstraße 131, Sof, Stett. Bahnhof. Teilzahlung gestattet. Wolfferteller, Arautstraße 2, Gabriel. Mar- Straße 4. Unübertreffbare, bild. fchöne Chaiselongues, Raftenruhebetten, Metallbetten, Patentmatragen, Auflege matragen, Felbetten. Bochenabzahlung. Musikinstrumente Bechstein, Blüthner, Jbach, Dunsen. Vianos, Flügel verkauft fehr preiswert Bianohaus, Röniggräßerftraße 81. Ru Tante Rahlungsbedingungen. Zahnpulver beits- Goldfanfeberbeiter. Bilreaubebarts Bint. Brunnenfrake 85. speziell für natürliche sowie künstliche Zähne, Gold- und Ersatzbrücken, Kronen. Preis 0.15, 0.50, 0.75 M. ( Gesetzl. geschützt) In Apotheken und Drogerien zu verlangen. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Riefenauswahl in allen Preislagen herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brannenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, tein Laden. ( Ringfrei, baher tonturrenzlos billig.) Borzeiger erhält 50% Rabatt. E Bekleidungsvertrieb des Westens Max Pitzela Potsdamer Str. 132 cine Treppe haus Sindner. Reukölln, Raifer Friedrich- Straße 36/37. Klaviermacher Alaviete, tabellofe Berarbeitung, langjährige Garantie. Teilzahlung gestattet. Serer. Co., Brunnenstraße 191, am Rofenthaler Tor. Bekleidungsstücke. Wäsche usw. Steinmeyerpiano( Flügelton). Meiner Staunenerregenb! Silberwölfe! Drei Flügel, ab Fabrik. Rahlungserleichte Rig! Rreusflichfe! Fünfzehn! Robel rung ohne Breisauffchlag verkauft bil filchfel Stuntsfragen! Monatsgarde- ligft Oranienstraße 166 III. robe! Brachtteppiche 24,-! Better, Stand 88,-! Gardinenlager!( Reine Berfagmare.) Bequemite Teilzahlung! Bochumerstraße 27. Brandleihhaus Schönhauser Alee 115 ( Nordring). DOR Berleih Gefellfchaftsanaigen, Brunnenstraße 4. Norden 5177. Getragene Serrengarbersben, tabel Los erhalten, große Auswahl billige Breife. Seibbans Spiegel. Chauffee ftraße 7. Mietpianos an Brivate. Rönig, 7/12 Fahrräder Dürkoppfahrräber. Berkaufsftelle: Anoch, Gneisenauftraße 111. Günftigfte Bedingungen. räder, Rennmaschinen au Einführungs Sinienstraße 651 Serrenräber, Damenpreifen. Aleine Anzahlung, bequemste Teilaablung. Garbinen. Stores, Bette Teilaahlung. Schadmann. Einienfte. 65. beden, Tischbedex, Steppbeden, Diman. Fahrräder billiger, 50 Mart aufmärts, beden. Teppiche, Bettwäsche. Geringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. Möbel Freilaufräder 60.-, Tourenräder 78.baus Buifenfhabt, Röpeniderstraße 77/78. 85-95. Damenräber 75.- auf Ede Bridenstraße. märts, Nittler- Räder, Rennmaschinen. Teilzahlung geftattet. Fahrraddecken Monatsgarderobe, ODR fetalen 8,50, Schläuche 0,50, Retten 0,90, Da Ravalieren wenig getragen, teils auf menrahmen 36.-, Serrenrahmen 38.Geibe gearbeitete Sadettanglige, Frac Wiederverkäufer Sonberrabatt. Werner, anzüge, Smofinganzüge, Gebrodanzüge, Brandenburgstraße 4, Sochbahnstation Cutamans, außerdem ein Boften menig Prinzen strake. getragener Winterpaletots at faunenb Roloffales Lager an Motorrädern in billigen Breifen. Gelegenheitstäufe in Sportvelsen, Gehvelzen, Belamäntein, icber Breislage, ein Befuch lohnt fich Belstaden, Füchsen aller Art auffallend wirklich: fämtliche Erfag und Aubehör. Straße 25/26. cine Treppe idig im Sethhans Sewidi, Brinzen- teile, Meift, Große Frankfurter zwischen Potsdamer Platz und Eichhornstraße. DamenRöcke Kleider Kostüme Mäntel Gummimäntel Gesellschaftskleider HerrenAnzüge Paletots Ulster Gummimantel Smoking- und Gesellschaftsanzüge Pelzmäntel, Pelzjacken Sport- u. Gehpelze Eigenes Atelier für Maßanfertigung. Tellzahlung ohne Preisaufschlag! Ware kann gegen Ausweis sofort mitgenommen werden ,, UNSERE ZÄHNE" steaks 105, sine Steppe. Sethans Stofenthaler Eor, Linien fraße 208-204, Ede Rofenthalerstr., verkauft au altbekannt billigen Breifen Bertengarderoben, Belgwaren, Uhren. Goldmaren, Brillanten. Reine Sout barbware. Kaufgesuche Fahrräber tauft Linienftrake 10 Bettenverkauf! Neue Betten: 17,50 Verschiedenes 22,50, prachtvolle 27,50, 35,- Daunen betten 39,50, fpottbillig. Reine Bombarbware! Beibhaus Brunnenftr. 47.* Gäle für Vereine zu fehr foliden Brei fen vergibt Sellers Feftfäle, Koppen Monatsange, Sommerpaletots, Ge- ftraße 29. fellschaftsanzüge, forpulente Figuren, Raunend billig. Staf, früher Mulad. teake, jept zur Gormanniake 25/26 Vermietungen und Mariannen ftraße 26. Sanatsanafine, Fradanzige, Smokinganalge, Gehrodamalige, Jadettanzüge, Sommerpaletots. Cutawananzüge, TailMietgesuche Tenmäntel, für jebe Figur saffend. Zeerzimmer fucht für Angeftellte, zahle Spezialität: Bauchanglige, fpottbillig. hohe Miete, befchlagfrei, Bauhandel, Salpern, Rofenthalerftr. 4, erfte Etage. Jägerftraße 12. Rofenthalerftraße 4. 12266 Möblierte Rimmer fucht für Ange ftellte Baubandel, Jägerstraße 12. Berleib DON Gefellfchafts- Anzügen. Perfekte Regenschirmnäherinnen SchriftZahnhygienische Ausstellung bograph Städt. Ausstellungshalle Karlsruhe, 5./13. September 1925 anläßlich der Tagung Deutscher Dentisten. Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends:: Jeder Besucher erhält eine Tube Zahnpasta gratis. zur Beschri tung von Negativen so fort gesucht. Angebote unter S. 48 an die Expedition der Zeiting für dauernde Beschäftigung suchen [ 13/9 Gebrüder Hammerschlag, Oranienstr. 81-82 Tüchtiger Zurichter ber schon Arbeiter- R onfettion geschnitten hat, per sofort oder 15. Sept. gesucht. Offerten m. Angabe der Gehaltsansprüche an Wilhelm Witt Bofted( Medl.), Gr. Wafferstraße 22 | nowst Der Berliner Bolfschor( Dirigent Dr. Ernst 8 ander) Beab. fichtigt im tommenden Jahr außer den Jahreszeiten" von Haydn Das große Chorwert Jfrael in Aegypten" von Händel aufzuführen und hierfür den Chor auf 400 Sängerinnen und Sänger zu ver. größern. An alle mit guter Stimme begabten Männer und Frauen ber Arbeiterklasse ergebt beshalb die Bitte, dem Chor möglichst Bittenau- Arminia, Einigkeit- Hansa, Spandau 08- Amateure, Tegel 24noch im September beizutreten, da im Oktober bereits die Elementar furse in Notenlehre, Stimmbildung usw. beginnen, die für Mitglieder unentgeltlich sind. Die Aufnahme erfolgt in den Chorproben jeden Freitag von 8-10 Uhr in der Aula Koppenstr. 76, woselbst auch zuhörende Mitglieder aufgenommen werden. Zu Mitgliedern des Preußischen Landesgesundheitsrats wurden die Berliner Aerzte Genosse Dr. Hermann Weyl und Sanitätsrat Dr. Baul Frant ernannt. Beide stehen in nahen Beziehungen zum Berliner Gesundheitswesen, ersterer als Mitglied der Gesund. beitsbeputation, legterer als Direttor des Städtischen Rettungsamtes. Eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der Optantenhilfe, die vom Bestpreußenbund veranstaltet wird, findet am Sonnabend, 5. September, im Ulap statt. Etma 22 Westpreußenvereine werden sich an dieser Veranstaltung, die gleichzeitig ein Protestrus gegen die schändliche Behandlung der Optanten durch die Polen sein wird, beteiligen, um Mittel für eine möglichst weit. gehende Unterstügung der Optanten zusammenzubringen. " Zur Katastrophe der„ Shenandoah". Vermutungen über die Ursache. " Die ganze amerikanische Presse widmet dem Unglück, das die Shenandoah" betroffen hat, ausführliche Artikel.„ New Yort Times" schreibt: Auch in Deutschland hat sich erst nach vielen Jahren, die mit Versuchen ausgefüllt waren, und nach dem Bau manchen Modells der Zeppelin- Ballon entwickelt. Schwerlich war anzunehmen, daß unser erster Versuch gleich zu einem vollständigen Erfolge führen würde. Der Verlust der Shenandoah" wird die Frage aufwerfen, ob ein Luftschiff mit derartigen Ausmaßen eine unentbehrliche Kriegswaffe ist. Die Zeitung Sun" erklärt: Aufs Neue zeigt diese Tragödie, wie aussichtslos es ist, von dem Zeppelin, fet es bei ruhigem oder bei stürmischem Wetter, dieselbe Zuver= lässigkeit zu erwarten, die das Flugzeug gewährt. World" schreibt: Die Arbeiten, die Graf Zeppelin mit seinen ersten Bersuchen über dem Bodensee begann, sind noch längst nicht abgeschlossen. Ein halbes Duyend oder gar ein Duzend Unglücksfälle dürfen jedoch nicht als ein Fiasto des Gedankens betrachtet werden. deutsche Chefingenieur Heinen erklärt: Die Katastrophe der„, Shenandoah sei darauf zurückzuführen, daß man von den 18 Sicherheitsventilen der Gaszellen 8 entfernt habe. Die Besazung habe für die Erhaltung des fostbaren Heliumgases ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Heinen erklärt weiter, durch das rasche Steigen der Shenandoah" infolge des Sturmes hätten die noch vorhandenen Bentile zur hinreichenden Gasabgabe nicht genügt. Durch die Aufwärtsbewegung des Luftschiffes sei eine ungewöhnlich rasche Ausdehnung der Gaszellen eingetreten, wodurch der Schiffs förper in der Mitte gesprengt wurde. Der Ab Bereine, welche nicht vertreten find, tönnen fant Beschluß der Jugendheimverwaltung nicht berücksichtigt werden. Freie Zurnerschaft Wilmersdorf. 1. Turnabteilung: Sonnabend abend 8 Uhr findet in den Florasälen, Salensee, Johann- Georg- Straße, das Bühnenschauturnen statt. Teilnehmer der Altersturnfahrt haben dort das Fahrgeld mit 4,25 M. einzuzahlen. Genossen, die sich an einem zu gründenden Bläserchor beteiligen wollen, fönnen sich beim Schauturnen oder am Donnerstag auf den Turnplak mit und ohne Instrumente einfinden. Sport- Club Rüstig- Borwärts 1923, Renkölln, Mitglied der Märkischen Spielvereinigung des 1. Kreifes. Sigung der Männermannschaften jeden Freitag abend 8½ Uhr fowie der Jugend jeden Mittwoch abend um 7½ Uhr im Vereinslokal Runge, Neukölln, Herzbergstr. 22. Zur Vervollständigung der Männersowie der Jugendmannschaften werden noch neue Mitglieder in den Sigungen aufgenommen. Sonnabend, den 5. September, im Ravlsgarten, Neukölln, Karlsgarten-, Ede Wissmannstraße, Serbstvergnügen. Anfang 7½ Uhr. Eintritt 1 M. Verträge, Vereine Vereine und Versammlungen. Alemannia- Union, Bankow 08- Minerva, Bittoria- r. Spanbar 25, SerthaStaaten, Einigkeit 25- Sansa, Siemensstadt- Sportverein 22, Spandau 03Borwärts, Boruffia- Rauen. Abteilung C: Wittenau- Arminia, Wader 24Amateure. 2. Mannschaften. Anfang 3.15 Uhr. Abteilung A: Wader 20Abler 08, Eisenspalterei- Adler 12, Nordiska- Bernau, AGB. 24- Teutonia, Belten- Helvetia, Brik- Seegermühle. Abteilung B: Elstal- Fichte- N., Alemannia- Union, Bantom 08- Vorwärts, Boruffia- Rauen. Abteilung C; Birkenwerder, Wusterhausen 1- Eintracht- Merfau 1, Alemannia 3- Briefselang. 3. Mannschaften. Anfang 1½ Uhr. Nordiska- Bernau, Belten- Helvetia, Armini- Adler 08, Minervg- Teutonia, Vorwärts- Adler 12. Bezirk Often. 1. Mannschaften. Anfang 5 Uhr. Abteilung A: Stralau- TBC., Fichte- 60.abteilung B: Tasmania- Brandenburg 24, Sertha- VSV. 22, BSV. 16- VorOberspree, Luftig- Fidel- BfB., Reuthen- Adlershof, Merkur- Alt- Glienice. märts, Richtersw.- Lichtenberg II, Weißensee Strausberg, Gadowa- Alexander, Bichtenberg III- Sparta, Lichtenberg I- Britannia, Astania- Brandenburg, 02 ( Blak Ablershof), Komet- Friedrichshain, Lasdorf- Ketschendorf, GermaniaNeuenhagen. 2. Mannschaften. Anfang 3.15 Uhr. Abteilung A: StralauRontordia- Alt- Glienice( 5 Uhr). TBC., Fichte- GD.- Oberfpree, Luftig- Fibel- BFB., Senzig- Adlershof( 4 Uhr), Abteilung C: Lichtenberg III- Sparta, Lichtenberg I- Britannia, Astania- Brandenburg 02( Blak Ablershof), Romet Friebrichshagen, Tasdorf- Retschendorf, Vetersdorf- Fichtenau( 4 Uhr). B und 3. Mannschaften. Anfang 1% Uhr. Fichte- GO.- Oberfpree, F.- 60. versichtet, Niederlehme- Adlershof( 3 Uhr), Sertha- BGB. 22, BGB. 16- Vorwärts, Mindeberg- Lichtenberg II, Lichtenberg I- Sparta 3, Sparta 4- BfB., Mozen- Adler. Bezirk Sübweft. 1. Mannschaften. Anfang 5 Uhr. teilung A: Brandenburg- Reutöln, Berolina- Woltersdorf, Steglik- Kreuzberg, 8BC- BC. Moabit. Abteilung B: Bankwig- Hertha, Viktoria- Frisch- Auf, Charlottenburg- Wilmersdorf, Luckenwalde II- Stern. Abteilung C: Jüterbog- Botsdam, Trebbin- NBC., MSB.- Schmargendorf, Luckenwalde V- Fußballring, Teltow- Ludenwalbe III. Alexanderplat. 2. Mannschaften. Anfang 3.15 Uhr. Abteilung A: Romames- Eudenwalde I( 11 Uhr), Brandenburg- Reukölln, Berolina- Woltersdorf, Steglip- Areuzberg, RBC.-BC. Moabit. Abteilung B: Lantwis- Hertha, Bittoria- Frisch- Auf. Charlottenburg- Wilmersdorf, LuckenAbteilung C: Jüterbog- Botsdam, Brandenburg 4- RüftigBormärts( 1 Uhr), Wilmersdorf 3- NBC.( 1 Uhr). MSB.- Brandenburg 3, Rreuzberg 3- Reukölln 3( 4½ Uhr). Jugend. Bezirk Norden. 1. MannIchaften. Anfang 9.45 Uhr. Alemannia- Union, Borussia- Adler 12, Tegel 24 -Nordiska, Spandau 25- Teutonia, Belten- Sennigsdorf. 2. Mannschaften. Anfang 8 Uhr. Borussia- Union, Adler 12- Nordiska. Bezirk Often. 1. Mannschaften. Anfang 10.20 Uhr. Abteilung A: Lustig- Fidel- Stralau, Lichtenberg I- Britannia, Oberspree- Weißensee, Sparba- Germania. teilung B: Frisch- Frei- Adlershof, Borwärts 20- Astania( 11 Uhr), BFB.Brandenburg 02, 9GB. 22- TBC. 2. Mannschaften. Anfang 9 Uhr. LustigFibel- Stoalau, Sichtenbera I- Britannia, Oberfpree- Weißenfee, Sparta- Germania. Bezirk Südwest. 1. Mannschaften. Anfang 10% Uhr. Branden. burg 2- Rüstig- Borwärts, Brandenburg 1- BC. Moabit, Wilmersdorf- NBC. 1, Berolina- Botsdam, Teltow- Neukölln. Schüler. Abteilung A: Stralau 1TBC.( 11 Uhr), Stralau 2- Sparta( 10 Uhr), NBC. 1- Bilmersdorf 1( 11% Uhr), NBC. 2- Wilmersdrf 2( 10% Uhr), Lichtenberg II- Richterswalde( 12 Uhr). Tasdorf- BGB. 22( 11 Uhr), Kreuzberg- Britannia( 10 Uhr). Abteilung B: Alemannia- Elstal( 11 Uhr), Lichtenberg I- Selvetia( 10 Uhr), BrieselangBernau 2( 11 Uhr), Wittenau 1- Bernau 1( 11 Uhr), Bankow 08 1- Teutonia 1 ( 10 Uhr), Bankow 08 2- Teutonia 2( 9 Uhr). walbe Stern. prear AbFreie Schwimmer Routöln. Am Sonntag, bent 6. September, nachmittags 3 Uhr, veranstalten die Freien Swimmer ihr Abbaden im Bereinsbad am Sieversufer( Briger Osthafen). Des unbeständigen Wetters wegen ist Zein feftes Brogramm aufgestellt. Es finden Schwimmvorführungen und gemeinfames Abschwimmen statt. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Bon 7 Uhr abends ab Gemütliches Beisammensein" im Tanz- Papa, Bengstr. 151. Einfritt 75 Bf. einschl. Steuer. Freunde und Gönner der Arbeitersportbewegung find herzlichst eingeladen. Freie Turn- und Sportvereinigung 94, Nowawes, 1. Abt. Am Sonntaa, ben 6. Geptember, 12 Uhr, Antreten im Vereinslokal( Siemke, Wollftraße): 14.45 Uhr Abmarsch mit Tambourriege nach dem Friedrich- Kirch- Blaz zum Festzug. findet eine außerordentliche Generalversammlung bei Wegener, Frankfurter Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelbe. Am Montag, den 7. d. M., furter Olympiade. Alle Mitglieder werden ersucht, zu erscheinen. Einlas Allee 236, ftatt. Auf der Tagesordnung steht die Aussprache über die Franknur gegen Mitgliedsausmeis. Arbeiter Sporttarten Charlottenburg. Am Montag, den 7. Geptember, abends 18 Uhr, Kartellfitung im Naturfreundeheim, Ronnenstraße( Barade). Die Vereine mögen dafür sorgen, daß die Delegierten zur Stelle find. Arbeiter- Sport- und Kulturfartell Groß- Berlin, 15. Bezirt. Delegiertenversammlung am 7. d. M., abends 8 Uhr, im Jugendheim Oberschöneweide. Der wichtigen Tagesordnung halber muß jeder Verein durch mindestens einen Delegierten vertreten sein. Die Bereinsfassierer werden ersucht, den Kartellrechnung zu übergeben. Jugendheim Oberschöneweide. Die Räumeverteilung für die Monate September Oktober findet am Montag, den 7. d. M., abends von 7-8 Uhr, im Jugenbheim, oberes hinteres Rimmer, ftatt. Da nach den nun beendeten Sommerferien wieder eine stärkere Beanspruchung der Räume einfeßt, werden die Bercine in ihrem eigensten Interesse gebeten, Bertreter zu entfenden. Zu den Andeutungen, daß demnächst eine Mitteilung über die zukünftige Stellungnahme des Marineamtes zu der Frage der Ver. wendung von Luftschiffen erfolgen werde, und daß diese zu der Schließung des Lufthafens in Latehurst führen werde, erklärte der Marinesekretär Wilbur, daß nach seiner beitrag an den Kartentaffierer abzuführen oder dem Delegierten zwecks Ab lleberzeugung der Atlantische und der Pazifische Ozean noch immer die besten Bollwerte für die Vereinigten Staaten von Amerika bilden. Die Zeit sei noch nicht gekommen, wo große Streden über Der Marine= Basser ohne Gefahr zurückgelegt werden können. jefretär lehnt es jedoch ab, die Nachricht über die Schließung der Marinestation in Lakehurst zu bestätigen oder abzustreiten. Wie berlautet, soll bei der Aufstellung der Vorschläge für das tommende Etatsjahr das Marineamt die Streichung der Ausgaben für Luftschiffe und die vorübergehende Schließung der Station in Lakehurst in erster Linie aus Sparsamteitsgründen ernstlich in Erwägung ziehen. Einige Monate wird wahrfcheinlich die Station schon aus dem Grunde außer Betrieb sein, weil nach Verlust des Heliums der„ Shenandoah nur noch etwa 1 Million Kubiffuß Helium vorhanden sind, ein Bestand, der nur etwa der Hälfte der zur Füllung der Los Angeles" erforderlichen Gasmenge entspricht. Außerdem finden zurzeit Reparaturarbeiten an den Bollonets der Los Angeles" statt, die nicht vor dem 1. Dezember abgeschlossen sein dürften. Verkehrsregelung durch Blinkfeuer. In Hamburg macht man zurzeit Bersuche mit einer neuartigen Verkehrsregelung. Auf wichtigen, dabei aber nicht genügend beleuchteten Plägen werden versuchsweise 50 euchttürme aufgestellt, um den Lenfern von Fuhrwerken die Orientierung zu erleichtern. Jeder der Türme, die 2,50 Meter Hoch sind, trägt eine Kuppel aus Kupfer mit einer Vorrichtung, die das Licht wie ein Blinkfeuer felunden weise gleichmäßig nach allen Richtungen aufleuchten läßt. Die Türme werden automatisch bedient. Bie aus Bingjang in 150 Bergarbeifer in Korea getötet. Korea gemeldet wird, hat sich in dem Bergwert Teihalu eine Explosion ereignet, durch die 150 Menschen getötet wurden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Subrit find Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Gauvorstand. Sonntag, den 6. September, nehmen die Rameraden an der Fahnenweihe in Falkensee teil. Abfahrt 11.55 Uhr und 12.35 Uhr ab Lehrter Bahnhof bis Seegefeld. Fahrpreis 40 Pf. Waffersport. abteilung: Rug Dahme, Rua Müggel, Rug Faltboot: Sonntag, den 6. Geptember, vormittags 10 Uhr, Dämeriksee, Empfang der Dampfer der Ramerad schaften Friedrichshain und Neukölln- Brig. Fahrt zur Woltersdorfer Schleuse. Mitte: Sonntag, den 6. Geptember, früh 9½ Uhr, Treffpunkt Bahnhof Fahrt nach Falkensee bei Spandau. Fahrkosten 80 Pf. Tiergarten: Sonntag, den 6. September, frith 9½ Uhr, Behrter Bahnhof zur Fahrt nach Falkensee. Fahrpreis 30 Bf. Friedrichshain: Aur Dampferpartie sämtliche Fahnen mitbringen. Bantom mit Untergruppen: Sonntag, den 6. September, früh 8 Uhr, Schönhauser Allee, Ecke Bornholmer Straße, aur Fahrt nach Geegefeld. Kreuzberg: Die Kameraden melden umgehend ihren Blockvorständen, ob sie am Sonnabend, den 12. September, nach Stortom oder Finsterwalde fahren. Für Sonnabend, den 5. September, abends 7½ Uhr, wird den Kameraden der Besuch der Seiteren Abendfeier der SPD. im Deut schen Hof, Lucauer Straße, empfohlen. Eintrittspreis mit Tang 1 Mt. Wilmersdorf: Reger Besuch der Fahnenweihe der Ortsgruppe Friedenau Sonnabend, den 5. Geptember, abends 8 Uhr, im Albrechtshof, Steglig, Albrechtstr. 1, wird empfohlen. Sonntag, den 6. September, nachmittags 5½ Uhr, Antreten Fehrbelliner Plak, zur Teilnahme an der Gründungsfeier Sämtliche Fahnen des Windthorst- Bundes im Bittoriagarten, Wilhelmsaue. und Tambourkorps find zur Stelle. Reukölln- Briz: Sonntag, den 6. September, Dampferpartie nach Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 8 Uhr Wilden. bruchbrüde. Bannerkleidung, Fahnen mitbringen. Nachzügler Stadtbahn his Ertner. Meinidendorf: Sonntag, den 6. September, früh 10% Uhr, Antreten fämtlicher Untergruppen Bahnhof Butligstraße, Borortbahnsteig. Fahrt mit Rug 11 Uhr nach Seegefeld aur Bannerweihe in Falkensee. Gichwalde und Untergruppen: Sonntag, den 6. September, vormittags 10 Uhr, Blockführer fonferenz bei Pfeifer. Röntgental: Sonnabend, den 5. September, abends 7 Uhr, Antreten mit Damen Bahnhof Röntgental zur Fahrt nach Steglig. Arbeiter- Abstinentenbund, Ortsgruppe Berlin. Sonntag, den 6. September, Fahrt nach Wannsee- Nowawes( zur Roten Revue). Treffpunkt Bahnhof Wannsee, ab Charlottenburg 8.06 Uhr. Freie Sochschule. Dienstag, den 8. September, 84 Uhr, im Vegetarischen Speisehaus, Neue Schönhauser Str. 8, 1 Tr., spricht Dr. Stalde über ,, Mnstit und Geisteswissenschaft". Mittwoch, den 9. September, 8 Uhr, in der Sophien- Schule, Weinmeisterftr. 16-17, fpricht Dr. med. phil. jur. dent. Sammer über ,, Deutschlands Niedergang und der Menschheit Aufstieg". Gäste haben Zutritt. Freiseligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Pappelallee 15, Bore trag des Herrn C. Witthauer: Die Erziehung zur Gemeinschaft bei primi tiven Völkern". Sarmonium: Boltslieder. Gäste willkommen. Wohltätigkeitsfest im Ulap zum Besten der Optanten. Am Sonnabend, den 5. September, veranstaltet der Westpreußenbund Berlin im Ulap ein Wohltätigkeitsfest, dessen Reinertrag zur Unterstützung der in einer Notlage befind lichen aus Polen ausgewiesenen deutschen Landsleute verwandt werden soll. Arbeiter Radio- Klub, c. B., Gruppe Friedrichshain. Montag, den 7. September, 7% Uhr, Busammenkunft aller Mitglieder und Funkfreunde zunt Bastelabend im Lokal Arndt, Warschauer Str. 59. Gäste, denen auch bereit. milligst Auskunft in allen Radioangelegenheiten gegeben wird, find willkommen. Bezirk Neukölln tagt jeden Freitag von 128-10 Uhr in der Rütli- Schule, Rütlistraße. Gäste willkommen. Neichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, Bezirk Rentrum. Versammlung Montag, den 7. Geptember, 8 Uhr, im Rofenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11-12. Referent Ramerad Chring: Siedelung und Sterbefaffe". Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Weiterhin fühl, mindig und unbeständig mit einzelnen leichten Regenschauern. Für Deutschland. Un beständiges, fühles Wetter, besonders im Norden vielfach Regenschauer. Der mißverständliche Index. Die Teuerungsziffer der Lebenshaltungskosten. Die Not des Boltes treibt den Inder des statistischen Reichsamtes wieder in den Bordergrund der öffentlichen Erörterungen. Die Preis abbauer von Reichskanzler Luthers Konfeffion zeigen triumphierend auf die Durchschnittsziffer des August, die 145,0 gegenüber 143,3 im Juli ergeben hat und meinen, daß es mit der Teuerungswelle also doch nicht so weit her sein könne. daß es mit der Teuerungswelle also doch nicht so weit her sein fönne. ( Wobei sie verschweigen, daß wir jetzt schon wieder den 4. September haben.) Auf unserer Seite wird häufig gesagt; wie fann eine Steigerung in ganz Deutschland um 1,3 Punkte innerhalb eines Monats eraft sein, wenn allein schon in einer Straße die Schlächter in dieser Beit mit ihren Preisen um 15 Broz. in die Höhe gegangen find? Beide Auffaffungen find in ihrer Beziehungssetzung zum Reichs inder der Lebenshaltungskosten unrichtig. Wenn man die Reichsindegziffer verstehen will, muß man sehr genau wissen, was sie nicht ist und nicht sein tann, zum anderen ist eine gewisse Kenntnis der Zusammensetzung und Be rechnung der Reichsteuerungsziffer zur objektiven Beurteilung sehr notwendig. Allzu häufig wird die Reichsteuerungsziffer mit einem für Groß- Berlin rifteng minimum verwechselt. Die Leuerungsziffer ftellt fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. 20. Areis Steinidenbort. Sonntag, ben 6. September, vormittags 9 Uhr, im Lokal Lehmann, Reinidendorf- Ost, Sauptstr. 56, Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. Heute, Sonnabend, den 5. September: 72. Wbt. Bilmersdorf. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Schröder, AugustaStraße 59. Morgen, Sonntag, den 6. September: 6. 86. Bormittags 9% Uhr Funktionärsigung bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. 27. Abt. Der Ausflug findet des fchlechten Wetters wegen nicht statt. Jangsozialisten. Gruppe Charlottenburg: 8.06 Uhr ab Bahnhof Charlottenburg nach Wannsee. Bon da Fahrt nach Nowawes( Rote Revue). Jugendveranstaltungen. Wochenendkurse. Werbebezirke Kreuzberg, Reukölln, Oberfpree: Jugendherberge Alein- Röris ( Bahnstation Teupiz- Groß- Köris). Abfahrt heute abend 64 Uhr Görliger Bahnhof. Treffpunkt 5% Uhr am Saupteingang. Oberfpree trifft sich um 6 Uhr Bahnhof Niederschöneweide( Haupteingang). Die Abteilungsvorfigenden um 46 Uhr ebendort. Werbebezirke Bankow, Reinidenborf, Webbing: Jungbeutschlandhaus, Dranienburg. Abfahrt heute abend 7.26 bzw. 7.56 Uhr Bahnhof Gesund brunnen. Ekgeschirr, Spielgerät, nach Oranienburg auch Decken und einige Beltbahnen, rote Fahnen, ferner Bleistift und Bapier find mitzubringen, Berbebezirk Reinidendorf: Treffpunkt 148 Uhr Bahnhof Wittenau( Rordbahn). Auf Ermäßigung nur bis 18 Uhr. Heute, Sonnabend, den 5. September: Steglik: Abendwanderung. Treffpunkt 8 Uhr Rathaus. Morgen, Sonntag, den 6. September: Wilmersborf: Fahrt nach Briefelang. Treffpunkt 7 Uhr Rathaus, Tth II: Jugendheim Solsteinische Str. 3, Reichstagskhung, abends 6 Uht. Tempelhof: Fahrt Bernau. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. tön IV: Besuch des Botanischen Gartens. Treffpunkt 9 Uhr Marktplag. Arbeitersport. Fußballspiele am 6. September. - Steg. ReutBezirk Norben. 1. Mannschaften. Anfang 5 Uhr. Abteilung A: Wacker 20Adler 08, Eisenspaltereidler 12, Nordista- Bernau, ASB. 24- Teutonia, Belten Helvetia, Brit- Seegermühle. Abteilung B: Elstal- Fichte- Nord. aber durchaus nicht die Kosten des Existenzminimums dar. Aus einem einfachen Grunde ist sie das nicht. Ueber die notwendige Höhe des Eristenzminimums des deutschen Arbeiters würden sich die Gewerkschaften mit den Unternehmern und auch mit der Wissenschaft so leicht nicht verständigen. Es sei hier nur daran erinnert, daß einer der hervorragendsten bürgerlichen Fachleute der Ritter Edler von Braun aus Bayern während des Krieges einmal erklärte, daß das deutsche Bolt überernährt sei, und daß deswegen die zwangsweise Hungerfur die Volksgesundheit fördere. Ein wirtliches Existenzminimum hätte auch die steuerlichen und sonstigen Lasten des Arbeitnehmers zu berückfichtigen; der Reichsindex tut dieses nicht, er hat ja ganz andere Funktionen. Wollte man die heutigen Rosten eines Eristenzminimums berechnen, dann müßte man außerdem als Ausgangspunkt das wirt liche Existenzminimum von vor dem Kriege zur Grundlage nehmen. Ueber diesen Ausgangspunkt wäre ebenfalls faum eine gütliche Einigung möglich. Oder man müßte sich über ein gedachtes, gewissermaßen ein theoretisches Existenzminimum verständigen; das wäre alles unwahrscheinlich. Es ist auch ein Irrtum, wenn man annimmt, daß die der Reichsteuerungsziffer zugrundeliegenden Waren und deren Mengen nicht dem entsprechen, was heute in der Arbeiter- und Mittelstandsfamilie verbraucht wird. Es ist eher das umgefehrte der Fall. Man betrachte nur einmal das Wertigkeitsschema, das dem Reichsinder für die Nahrungsbedürfnisse als Unterlage dient: Roggenbrot. Beißbrot Roggenmehl Weizenmehl Graupen Gramm Inländ. Sped( fett). 500 Leberwurft 2000 2000 2.000 Butter( inländisch). Margarine. • . Schweineschmalz( aust.) 2250 Käse( mager). Gramm 40 000 5 000 4.000 1 888 1 833 1833 PP 1 833 1 833 . 1 833 50 000 15 000 8 500 Weizengrieß Saferfloden Volreis Erbfen Bohnen. Kartoffeln. Gemüse. Mindfleisch( Stoch) Schweinefleisch( Bauch) 1500 Hammelfl.( Dünng.). 1000 ( halbfett) Salzheringe Buder Bobnentoffee. Kaffee- Ersatz Katap Sveisefalz. Gier Bollmilch 1000 750 1 500 3 500 250 1 250 0 1.000 2.000 Stüd 28 Liter 85 Wie entsteht nun die Reichsinderziffer? Es werden in 72 Gemeinden, die rund 27 Millionen Einwohner umfassen, auf Grund des Wertigkeitsschemas die sogenannten Teuerungszahlen erhoben, aus ihnen wird der Durch= die Art, daß vorerst die Gemeinden zu einzelnen Größentlassen zuschnitt berechnet. Das geschieht aber nicht schematisch, sondern auf jammengefaßt werden. Für diese wird je eine Durchschnittsziffer errechnet, die als Repräsentant aller in die gleiche Größentíaſſe fallenden deutschen Städte gilt, und mit der Gesamtzahl der EinDurchschnittszahlen der einzelnen Größentlassen wird dann die wohner dieser Städte multipliziert wird. Aus den so gewonnenen Reichsinder3iffer errechnet. Entscheidend ist aber dabei, ob die einzelnen Ausgabengruppen leuchtung, Kleidung, Berkehr und sonstige Bedürfnisse) den Einflußz der Inderberechnung( Ernährung, Wohnung, Heizung und Bes ausüben, der ihnen zukommt. Diese Gruppierung der einzelnen Bedürfnissummen erfolgt mit diesen Anteilen: Ernährung Wohnung ˚ Heizung und Beleuchtung Bekleidung Verkehr. Sonstiger Bedarf 54,77 Proz. 20,35 5,55 10,05" 3,07 OP 6,21 100,00 Proz Die Inderrohziffern werden also auch unter diesem Gesichtspunkt gewichtet. Nun ist das Wesen jedes Durchschnitts, daß er in dem Maße, wie er von größter Basis aus in immer mehr verfeinerter Bes rechnung entsteht, in dem gleichen Maße nivelliert. Steigt z. B. innerhalb eines Monats die Wohnungsmiete von 70 auf 100 Prozent der Vorkriegshöhe, so bedeutet das, daß im Inder nur der Wohnungsanteil und nicht der gesamte Inder um 30 Prozent steigt. Es fann auch passieren, daß die Steigerung der Prozentziffer des einen Inderanteiles durch das Fallen der Prozentziffer eines anderen Inderteiles wieder aufgehoben wird. Das gleiche fann auch innerhalb der einzelnen Gruppen vor sich gehen. Das gilt im besonderen für die Ernährung. Benn der Fleischpreis steigt und der Kartoffelpreis fällt, so vermag im Index das eine das andere aufzuheben! Die Inderziffer ist eben nur ein Durchschnitt! Ein Durchschnitt, der durch viele Positionen von Lebenshaltungsbedürf nissen, durch 72 Gemeinden, durch deren Größengruppen, und durch die einzelnen Ausgabenpofitionen geht! und nicht mehr Der Inder besagt also nichts anderes als den allgemeinen, durchschnittlichen Preisstand. Man denke sich einen Riesenstrom, der die Wasser aus hundert Flüssen aufnimmt. Die Ueberschwemmung bei zehn Flüssen wird den Wasserstand im breiten Wasser nicht ohne weiteres fatastrophal erhöhen. Trockenheit in anderen Flüssen tann ihn sogar noch torrigieren! 3u all dem tommt noch, daß es eine sehr schwierige Feststellung ist, von welchem Normalstand aus gemeffen werden soll. Der Reichsinder seht das Jahr 1913 gleich 100. Aber damals hatten wir durchaus teine billige Lebenshaltung! So ergibt sich, daß die Teuerungsziffer der Lebenshaltungs tosten, die der Reichsinder darstellt, nur ein Behelfsmittel der Cohn- und Gehaltsbildung fein tann. Das gilt im besonderen auch für seine Anwendung auf Reallohnberechnungen! Bei ihnen sind häufig geradezu ge meingefährliche Irrtümer unterlaufen. Braftisch liegt es zudem doch so, daß in dem Grade der zunehmenden Teuerung und der steigenden Belastung durch Steuern und sonstige öffentliche Lasten der Arbeitnehmer in feinem Lebensstandard nach unten gedrückt wird. Statt Butter fommt Margarine auf den Tisch, das Frischfleisch wird durch Gefrierfleisch ersetzt, die Kartoffel rückt an die erste Stelle aller Nahrungsmittel und verdrängt häufig fogar das Brot. Das Unglüc ist, daß durch den Zuwachs an Käufern dieser Nahrungsmittel gerade sie besonders im Preise steigen. So drückt bei rasch steigender Teuerung der Lebenshaltung die Inderziffer automatisch immer wieder die Leuerung aus, die im Arbeiterhaushalt sich auswirkt. Die hochwertigen, bei Leuerung nicht mehr erreichbaren Lebensmittel zeigen dann eher meichende Breise. Sie beeinflussen den Index nach der anderen Seite, indem sie seine Steigerung abbremsen, in gewissem Umfange womöglich gar die Berteuerung der minderwertigen, allgemein gesuchten Nahrungsmittel statistisch auf heben. Aus all' diesen und aus vielen anderen, hier aus Mangel an Raum nicht erörterten Gründen ist eben die Reichsteuerungsziffer nur ein Hilfsmittel der Lohn- und Gehaltsbildung. Lohn verhandlungen sollten nicht mit der Anwendung der Inderziffer enden, sondern mit ihr beginnen! Die Indegiffer ist also feine Verfälschung der Wahrheit, fie wird erst zur Täuschung, wenn man von ihr etwas verlangt, was fie nach ihrem ganzen Wesen gar nicht aussagen kann. Die dem Inder zugrunde gelegte Lebenshaltung ist nicht zu niedrig, sondern cher zu hoch. Es gibt nicht viele Arbeiterfamilien, die sich heute alle die Lebensmittel faufen fönnen, die der Berechnung des Inder als Unterlage dienen. Und die Berechnung selbst ist auch ein Kniff mit raffiniert ausgedachten Mogeleien, fie erfolgt im Statistischen Reichsamt durch Maschinen. Das Elend der breiten Boltsmassen drückt sich nicht im Inder. sondern in den niedrigen Löhnen und Gehältern aus. Sie müssen herauf. Der wirksamste Anfurbelungskredit" der Wirtschaft sind Löhne und Gehälter, die über den allernotwendigsten Lebensbedarf hinaus Rauffraft schaffen. Man sage nicht, daß das nur das Drehen einer Schraube bedeute. Hohe Produktionskosten treiben die technische Entwicklung, nd gemeinsam mit der Konkurrenz drücken sie auf den Unternehmerprofit. Aber das sind Auseinandersetzungen, und diese sind Macht fragen! Kurt Heinig, Mitglied der Reichsinderfommission. Der Großhandelsinder. Veredelungsverkehr und Schwerindustrie. Eine wichtige Rolle spielte bereits vor dem Kriege in unserem Außenhandel der sogenannte Beredelungsverkehr. Man bezeichnet damit die Berarbeitung von Waren, die in halbfertigem Zustand eingeführt und in Deutschland meiter verarbeitet werden und dann wieder ins Ausland gehen. Oft sind die Veränderungen, die auf diese Weise an der Ware vorgenommen werden, nur geringfügig. In jedem Fall sichert aber dieser Verkehr deutschen UnBer ternehmungen Beschäftigung, deutschen Arbeitern dienst möglichkeit. War der Veredelungsverkehr schon vor dem Kriege von Wichtigkeit, so ift er es jetzt noch viel mehr, da Deutsch land nach dem Verlust großer Rohstoff- und Agrargebiete darauf angewiesen ist, 2rbeitsmöglichkeit ins Land zu ziehen, um das große Heer seiner Industriearbeiter zu beschäftigen. Wie menig Berständnis manche unserer sogenannten Mirtschaftsführer für diese Notwendigkeit haben, wie sie noch immer die einseitigen Interessen unserer Rohstoffindustrien über die der Volksgesamtheit stellen, das zeigte besonders die Rede des Vorsitzenden des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller auf der Saarbrückener Tagung dieses Verbandes am 16. Juni d. I. Er führte da aus: Ueber den Beredelungsverkehr liegen uns eine Ueberfülle von Klagen vor, die auf sehr umfangreichem Tatsachenmaterial beruhen. Wenn die Eisen schaffende Industrie in Zukunft durch eine groß zügige Preispolitik der Ausfuhrindustrie das Geschäft erleichtert, dann ist für die Einräumung eines umfangreichen Ber= ebelungsverkehrs fein Plas mehr. Die Regierung hat in letzter Zeit an der Eisenindustrie sehr gesündigt, indem sie in mehreren Fällen, ohne die beteiligten Wirtschaftsfreise überhaupt zu fragen, den 3011freien Veredelungsverfehr in einem Ausmaße bewilligte, das auf die Dauer zu den schwersten Schädi gungen der Eisenindustrie und zu einer glatten Durchlöcherung der Eisenzölle führen muß. Millionen Aufträge sind der deutschen Eisen. industrie durch diese Art der Handhabung des zollfreien Berede lungsverkehrs entgangen und Millionen Verluste dem deutschen Bolfseinkommen zugefügt worden. Der Fiskus hat sich dabei um Millionen Beträge an Zöllen und Steuern gebracht. Wir haben in eingehenden mündlichen Verhandlungen Veranlassung gegeben, die Regierung auf die Unhaltbarkeit dieser Verhältnisse hinzuweisen und müssen fordern, daß vor der Bewilligung nicht nur ständige, sondern auch befristete Veredelungsverkehre die beteiligten Wirtschaftstreise bzw. ihre Bertretungen, also auch unser Berein um ihre Meinung in einem für die Wirtschaft erträglichen Maße erfolgt und daß Borkehrungen getroffen werden, die geeignet sind, eine allzu große Ausdehnung des Beredelungsver= fehrs auf dem Bege über die Landesfinanzämter zu ver hindern. Die auf den Stichtag des 2 September berechnete Großhandels- befragt werden, daß ferner die Befristung der Beredelungsverkehre inderziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 7. Auguſt( 127,3) um 0.2 Proz. auf 127,5 gestiegen. Höher lagen die Preise für Roggen, Weizen, Hafer, Schweinefleisch, Hopfen( neuer Ernte). Rindshäute. Kalb felle, Leinengarn und Hanf. Gejunten sind die Preise für Gerste, artoffeln, Schmalz, Rindfleisch, Treibriemenleder, Baumwolle und Baumtvoll balbstoffe, Robjute, Schwingflachs, die meisten Nichteisenmetalle und Venzin. Bon den Hauptgruppen haben die grarerzeugnisse von 128,2 auf 123,7 oder um 0,4 Proz. angezogen, während die Industriestoffe bon 134.8 auf 134.4 oder um 0,3 Broz. nadgaben. Für den Durch schnitt August ergibt sich ein Rüdgang der Großhandeleindegziffer von 134,8 im Durchschnitt Juli auf 131,7 oder um 3,3 Proz. Die Schwierigkeiten im Sichelfonzern. Die Schwierigkeiten im Julius Sichel- Konzern, von denen in Börsenkreisen bereits seit einigen Tagen gesprochen wurde, haben nunmehr eine ernste Wendung genommen, die von Verlusten der A.-G. für Industriewerte in Luzern, der Schweizerischen Holding Gesellschaft des Konzerns, ausging. Bertaufsverband Inngen über größere Beteiligungen, die man anstrebte, fonnten nicht zu Ende geführt werden. Naturgemäß sind die Bantund Börsenkreise am meisten von dieser neuen Wolfe am Horizont beunruhigt. Die Meldungen über Zurfziehung des Vertreters der Darmstädter und National- Bant aus dem Aufsichtsrat der Julius Sichel u. Co., Komm.- Ges. Mainz, treffen insofern nur zu. als der Vertreter der Danat bereits bor 2 Monaten aus dem Konzern ausgeschieden ist. Die Darmstädter und National- Bant hat It. Konj. Korr." nur einige vollgedeckte Forderungen an den Konzern. In unterrichteten Kreisen rechnet man mit der Möglichkeit, daß der Sichelfonzern liquidiert werden muß. In diesen Ausführungen zeigt sich eine derartige Berständnis lofigfeit für die volkswirtschaftliche Aufgabe Deutschlands, daß sie immerhin festgehalten zu werden verdienen. llebrigens soll die Reichsregierung trotz dieses Einspruches weitere Erleichte. rungen für den Veredelungsverkehr planen. Man kann darauf ge spannt sein, ob es ihr gelingt, sich gegen die Forderungen der Schwerindustrie durchzusetzen. Ein guter Kohlenabschluß. Die Steinfohlenbergwerke Friedrich Heinrich Aft.- Gef. in Lintfort( Kreis Mörs), die zum Rombacher Hüttenwerfe- de WendelKonzern gehören, veröffentlichen eben ihren Abschluß für 1924. Die Firma hat beim Kohlensyndikat eine Kohlenbeteiligung von 1 250 000 Tonnen und eine Kotsbeteiligung von 450 000 Zonnen. Ihre reine Rohlenförderung betrug im Jahre 1924 etwa ein Fünftel meniger als die diesjährige Syndikatsbeteiligung, nämlich 1022 000 Tonnen. Dasselbe gilt von der Kofserzeugung, die 365 000 Tonnen betrug. " Aus dieser Produktion und aus den Nebenprodukten( 5300 Tonnen Ammoniat, 13 440 Tonuen Teer und 2863 Tonnen Benzol und Homologen) wurde ein Rohgewinn" von 4326461. erzielt bei 22,5 Millionen M. Aftienfapital. Davon werden der Rüdlage 75 000. zugeführt, für Wohlfahrt" 100 000 m. verwendet und 708 000 22. zu Abschreibungen benut. Wohl auch in der Absicht, die Dividende auf einem niedrigen Sag halten zu können ( 6 Broz.), wurde dann noch eine neue Rüdlage für den Bau von Arbeiterwohnungen geschaffen und mit 2 Millionen M. aus dem ,, Rohgewinn" dotiert. Auch dieser Abschluß ist ein Beweis dafür, daß die vielen Klagen über den drohenden Zusammenbruch des Kohlenbergbaus in der Allgemeinheit, wie sie oft geäußert werden, jedenfalls nicht zutreffen. Gegen die Vorrats- und Mehrstimmrechtsaktien. In einer auf Einladung des Zentralverbandes des Deutschen Banta 1 n b Bantiergemerbes stattgehabten Besprechung mit Bertretern beider Gruppen der Berliner Bedingungs gemeinschaft für den Wertpapierverkehr murde eine Kommission eingesezt, welche praktische Borschläge für die Ab stellung von Mißbräuchen ausarbeiten soll, welche die Schaffung sogen. Mehrstimmrechtsaftien und Borratsaktien zur Folge gehabt hat.- Es ist zu begrüßen, daß der Zentralverband des Bant- und Banfiergewerbes die Initiative in dieser Sache er griffen hat. Besser wäre es allerdings gewesen, wenn die Regierung in aller Form eine entsprechende Kommission ein gesezt hätte, denn die Banken haben zwar großes Interesse an der Sache, aber sie sind Partei. Was die Vorratsaktien anbelangt, so fann es sich absolut nicht nur um die Abstellung von Miß bräu den handeln, sondern um die Untersuchung ihrer volks überhaupt. Bei den Mehrstimmrechtsaftien liegt die Sache insofern wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit und aktienrechtlichen Zulässigkeit ähnlich, als ihr Fortbestehen weite Aktionärfreise ihres Mitbe stimmungsrechtes über die Werte beraubt hat. Ueber diese bös artigen, den Kredit der Unternehmungen gefährdenden Ueberreste der Inflationszeit darf im übrigen nicht bloß diskutiert, sie müssen beseitigt werden. Neue Verhandlungen wegen des Saarabkommens. Zwischen der Robftabigemeinschaft und der Saarindustrie find neuerdings wieder Verhandlungen aufgenommen worden, die eine Verständigung zwischen der Saar- und Rubrindustrie, un abhängig vom Saarabfommen, zum Ziele haben. Der 8wed dieser Berhandlungen ist, eine entsprechende Preistonvention zwischen den genannten Industrien durchzuführen. Man ist auf feiten der Robftablgemeinschaft bestrebt, die nicht unerhebliche Preisspanne zwischen dem Saar- und Rubreisen durch entsprechende Abmachungen der Saarindustrie auszugleichen. Anhaltender Refordabsatz des Kalisynditats. Der Absatz des Deutschen Kalijyndifats G. m. b. 5. im August 1925 betrug 1044 371 Doppelzentner Reintali gegen 1024 907 Doppelzentner Monate des Jahres 1925 beträgt 9337303 Doppelzentner Rein Reintali im August 1924. Der Gesamtabsag der ersten acht fali gegen 4772 955 Doppelzentner Reintali in den ersten acht Monaten des Jahres 1924, ist also noch immer rund doppelt so hoch wie im Vorjahr. Die Einfuhr von Wabanaerzen. Seit der Abtrennung Elsaß Lothringens hat sich die deutsche Schwereisenindustrie von der früher üblichen Verwendung minderwertiger Minetteerze freigemacht und die hochwertigen Eisenerze Spaniens, Schwedens und Kanadas in größeren Mengen eingeführt. Die Verwendung der hochwertigen Erze hatte übrigens eine Verminderung des Kohlenverbrauches der Schmerindustrie zur Folge. Die Einfuhr der kanadischen Wabana schnittlich 800 000 Tonnen, ausgenommen 1923, mo durch den Ruhrerze ist im Steigen, sie betrug in den letzten vier Jahren durcheinbruch Störungen des Erzbezuges eintraten. Der für dieses Jahr vorgesehene Einfuhrbetrag soll 900 000 Tonnen betragen, von dem bereits 500 000 Tonnen nach Deutschland verschifft worden sind. Die British Empire Steel Corporation bemüht sich gleichfalls, mit den neufundländischen Wabanagruben hohe Kontrafte abzuschließen, da man in der starten Lieferung der Babanaerze nach Deutschland eine gewisse Schädigung der britischen Industrie erblickt. Komet Freilauf gehört in jedes Fahrrad! unverwüftlich im Gebrauch Muilloniträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbeju. Besonders billige Angebote Damen- Wäsche Damen- Hemden Hohisaum. viereckige Form, mit 119 Damen- Hemden Trägerform, m.Hohlsaum 2 Beinkleider Knieform, mit Stickerel... 195 Damen, Schlüpferform. a. Nachthemden. Wäschestoff, Stick.- Eins. Hemdhosen 25 375 12.95 moderne Windelform, m. reicherg Stickerei garniert... moderne Jumperform, Mengenabgabe vorbehalten Damen- Bekleidung Regenmäntel 2950 Kasak aus reinwollenen, imprägnierten Gambiastoffen Jamperform 325 Kleider Prinzessröcke Spitzeneinsatz Morgenröcke aus gutem Flanschstoff, morgenröcke tesche Form.. aus feinem 80 Morgenröcke Wollstoff, eleg. verarbeit. 1450 Morgenröcke a. gut. Flauschstoff, eleg., weite Kimonot, bestickt Korsette Ia 1650 Hüfthalters, In Drell, oben mit Gummi, 75 Paar Halter.. a.Jacquardstoff, 375 Strumpfhaltergürtel Hardstof295 4 Büstenhalter gatsitzende Form, z. Schnüren 125 130 125/160 50 Kaffeegedecke 75 575 mit 6 Servietten Rolliücher Reinleinen 80/160 80/200 275 325 aus gutem kanst seidenen Trikot, mit Knöpten reich garniert, in grosser Farbenauswahl 75 Kasak aus 13,73, Sten bait gemustert, Kunstscide, hell- und dunkelfarbig Trikotagen Damen- Hemdchen65, weiss, fein gewirkt, 75 cm lang.. Damen- Schlüpfer teine Baumwolle, gewebt, in vielen Farben....... Damen- Schlüpfer Kunstseide, mit Volant, gut konfektioniert.. Pt. 6865 65 seldenen Trikot, mit breiter hunter Bordüre, nett ausgeführt. 90 Herren Bekleidung dauerhafte Herren Anzüge de 52°° 78°° Herren- Ulster schwere Winterqualit. 5800 78°° mittel- n. dunkelfarbig gemustert.. " Herren- Paletots us 6.90 Strümpfe gute haltbare Qualität, Doppels. und Hochterse Ff. Damen- Strümpfe 95 Damen- Strümpfe 973 extra schwer, Mako, schwarz und farbig... 90 Herren- Socken schwarz u. farb, mit verstärkter Ferse u. Spitze 6. 58. Herren- Hemden 345 3" Schweißsocken 95Pt. und-Hosen, wollgemischt.. Stück wollgemischt... Kielone. Stück Farbige Schürzen imper- oder Wiener Form, Water, bunt 125 Schwarze Rockschützen an Welten, Stick 375 schiedenen Weiten..... marengotarbigen Stoffen mit Samtkragen.... 65°° 85°° Herren- Artikel Selbstbinder reine Seide.... 175 Oberhemd Zep gefütterie Brust, mit 790 I Kragen Oberhemd Zephir gefütterte Brust, mit Kragen..... 1050 Oberhemd Prima Zephir, mit 1 steifen und I weichen Kragen, getütt. Brust 1250 Nachthemd mit farbigem Besatz....... Schuhwaren für Herren, schwarz Rind4ºº Halbschuhe box, mod- ros vorbox, moderné schöne Form 1250 Stiefel Herren, mit Doppelsohle, vorzügliches Fabrikat, moderne Form 1650 Schnürstiefel u. Halbschuhe für Herren, schwarz. vorzügl. Qual, schön. Form*° Ein Posten angestauble Schlafdecken 2 Grösse cz. 140| 190.... 95 HERMANN TIETZ Gegen die Kultur- und Schulreaktion! Reichskonferenz der sozialdemokratischen Lehrer. Die Reichstonferenz der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer, die am 30. August in Jena stattfand, war durch zweierlei charakterisiert: einmal legte fie 3eugnis dafür ab, daß sich die Arbeitsgemeinschaft seit der letzten Tagung in Leipzig in erfreu lichem Maße fonfolidiert hat, zum anderen stand fie unter dem Beichen der drohenden Kultur- und Schulreaktion. Internationale Solidarität. Schluß des Gewerkschaftskongresses. Breslau, 4. September.( Eigener Drahtbericht.) In der Schlußfizzung des Gewerkschaftskongresses unterstreicht Scheffel( Eisenbahnerverband), als Berichterstatter der Antrag. kommission die Ausführungen Graßmanns und empfiehlt die An nahme der Entschließung des Bundesvorstandes, während er die Entschließung des Metallarbeiterverbandes zur Ueberweisung als Material an den Bundesvorstand empfiehlt. Aus faft fämtlichen Bezirken waren Delegierte anwesend. Ferner nahmen zahlreiche Lehrergenossen als Gäste an den Verhandlungen teil. Nach Begrüßungsworten des Bertreters der Ortsgruppe Jena der SPD. und des Vorsitzenden der Kinderfreundeorganisation Groß- Thüringen gat der Vorsitzende Gen. Löwenstein der Ge- Auf Antrag Simon( Schuhmacherverband) erfolgt Schluß der noffin fülf das Wort zu ihrem Referat über die schulpolitische Debatte, worauf Husemann( Bergarbeiterverband, Münzner( GeLage. Die Referentin ging aus von dem Berflochtensein der fultur- meindes und Statsarbeiterverband) und Paeplow( Baugemeris und schulpolitischen Fragen mit Wirtschaft und Politit. Es sei ein bund) namens ihrer Delegationen Erklärungen abgeben, wonach sie verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß die Kulturpolitik nur grundsäglich auf dem Standpunkt Dißmanns ständen, aber der peripherische Bedeutung habe. Die Referentin schilderte dann die Entschließung des Bundesvorstandes zustimmen, um die Eingegenwärtige schulpolitische Situation, die durch Kontordat, Reichsheitlichkeit des Bundes zu wahren. Larnow( Holzarbeiterverband) schulgesetzentwurf und fonfessionelle Lehrerbildung gekennzeichnet ist. und Brey( Fabritarbeiterverband) erflären ihrerseits, daß fie der Sie meinte, in der Geſchichte Deutschlands sei es immer so gewesen: Entschließung des Bundesvorstandes gleichfalls fritiſch gegenüber Sarfes Reich, schwache Kirche schwaches Reich, starte Kirche. stehen, weil sie in Berufsverbänden schlagfräftigere Waffen für den Heute gelte das letztere. Sie mies das nach den Bestimungen des Kampf der Arbeiterschaft sehen, als in den Industrieverbänden, daß Reichsschulgesehentwurfes, der ihr erst furz vor der Sizung zusie aber gleichfalls um der Einheit willen der Entschließung des gegangen war. Dieser Entwurf vernichtet alle Hoffnungen auf EinBundesvorstandes zustimmen. heitlichkeit unseres Schulwesens, indem er die Trennung nach Bes Penntnissen festlegt. In diesen Bekenninisschulen soll Unterricht und Erziehung im Sinne des Bekenntnisses erteilt werden. Bekenntniss Schulen sind auf Verlangen der Erziehungsberechtigten schon für 40 Kinder einzurichten. Das bedeutet, daß leistungsunfähige Zwergfchulen geschaffen werden. Die weltlichen Schulen werden gegen über den Bekenntnisschulen mit zynischer Unverschämtheit zu Schulen weiter Klasse gestempelt. Entsprechend der Gestaltung des Schulmefens soll auch die Lehrerbildung fich fonfessionell gestalten. Beabsichtigt ist also die völlige Auslieferung der Schule an die Kirche. Die Mitteilungen der Genossin Pfülf über den Inhalt des Reichsschulgesetentwurfs, die Gen. Adams- Hamburg durch Berlesen einiger besonders fraiser Stellen unterstrich, machten einen fiefen Eindruck auf die Versammlung. Man stand unter dem Eindruck eines furchtbaren Attentats gegen die Zukunft Deutschlands und des deutschen Proletariats. Nach längerer, lebhafter Diskussion, und nachdem die Gen. Pfülf in ihrem Schlußwort betont hatte, daß für die Sozialdemokratie nur die weltliche Schule in Betracht fomme, gelangte folgende von der Genoffin Anna Siemsen eingebrachte Resolution zur einstimmigen Annahme: „ Die ASL. sieht im Abbau der Grundschule, im bayerischen Konkordat, dessen Ausdehnung auf das Reich droht, in der Denf. schrift des preußischen Ministeriums zur Volksschullehrerbildung und vor allem im Reichsschulgeseßentwurfs den bewußten syste matischen Angriff des reaktionären Bürgertums gegen das aufstrebende Proletariat. Diese Entschließung wird darauf mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der Metallarbeiterbelegation angenommen. Der Antrag der Metallarbeiter wird dem Bundesvorstand als Material überwiesen. Die übrigen Anträge zu diesem Bunft werden für erledigt erflärt. Die vom Bundesvorstand vorgeschlagenen leichtern sollen, werden angenommen. Sazungsänderungen, die die Umgestaltung der Organisationen erlaut: Der Beschluß des Gewrffchaftstongreffes hat folgenden WortDer 12. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands meist erneut auf die Notwendigkeit hin, daß die dem Bund angeschlossenen verwandten Berufsorganisationen zum Zwecke möglichster Verstärkung der gewerkschaftlichen Kräfte und zur Bereinheitlichkeit der geſamten Organisation sich zu Industrieverbänden zusammensamten Organisation sich zu Industrieverbänden zusammen schließen. Jahre 1922 der Zusammenschluß und damit die Konzentration der Der Kongreß erkennt an, daß seit dem Beschluß von Leipzig im Gewerkschaften gute Fortschritte gemacht hat. Er erblickt in dieser freiwilligen Verschmelzung der Verbände die beste Entvorstand, auf Grund der neuen Bundesfazung die Industrieorganimidlungsmöglichkeit auch in der Zukunft und beauftragt den Bundes. sation nach Möglichkeit zu fördern. Im Hinblick darauf, daß in gewissen Industrien durch selb= Machteile und Schädigungen für andere Verbände oder deren Mitständiges Borgehen einzelner Berbände bei Lohnbewegungen glieder entstanden sind, verpflichtet der Kongreß sämtliche dem folgung der hierfür geltenden Vorschriften der Bundessaßzungen. InsBund angeschlossenen Gewerkschaften nachdrücklich zur stritten Bebesondere der folgenden: Die Auslieferung der Staatsschule an die Kirche, die 3ersplitterung des Schulwesens in fonfeffionelle und weltanschauliche Sondergruppen, die Herabdrückung der Lehrerschaft durch eine befolgung schränkte fonfeffionelle Fachausbildung, die Wiederherstellung der alten Klassenschule zerstören die Grundlagen des modernen Staates, die staatliche Souveränität, die einheitliche öffentliche Erziehung und die Gewissensfreiheit. Durch die Wiederherstellung feudal- mittelalterlicher Verhältnisse und die damit gegebene Ausschaltung Deutschlands aus der europäischen Kulturentwicklung in einer Zeit schwerster internationaler Ronkurrenzfämpfe gefährdet das deutsche Bürgertum die Existenz des eigenen Staates aus Angst und Rache gefühlen gegen die Arbeiterschaft. Die ASL. verlangt von der Sozialdemokratischen Bartei schärfsten, zähesten Kampf gegenüber diesem Angriff des Bürgertums und weitgehendste Aufklärung der Arbeiterschaft und Heranziehung aller in Betracht kommenden proletarischen Organi fationen zu einer starten gemeinsamen Kampffront." Nach der Mittagspause erstattete Bowenstein den Geschäfts. bericht. Der Beugnis banon gab, daß fich die SL. erfreulich ge festigt und entwickelt hat. Bon allgemeinent Interesse ist, daß die ASL. nach Lage der Dinge zwischen Gewerkschaft deutscher Boltslehrer und Deutschem Lehrerverein für ihre Mitglieder feine Ents scheidung fällen fann, sondern die Entscheidung dem einzelnen überlassen muß. Während die Gründung einer Lehrerinternationala auf Amsterdamer Boden gescheitert ist, ist die internationale Zu fammenfassung der sozialistischen Lehrer und der sozialistischen Er. ziehungsorganisationen in Vorbereitung. In ausgiebiger Diskussion wurde hauptsächlich zur GemertIchaftsfrage Stellung genommen, sowie Kritit am fulturellen Teil des Programmentwurfs der Partei ge= übt. In seinem Schlußwort meinte Löwenstein, es sei am besten, menn Gelegenheit gegeben werde, das Programm noch ein Jahr lang in der Barteiöffentlichkeit zu diskutieren. Im übrigen sei jetzt michtiger flares Wollen und leidenschaftlicher Kampf. Es wurde eine Resolution angenommen, die schärfsten Brotest erhebt gegen die Absicht des preußischen Ministeriums, durch Einrichtung von nur fonfessionellen pädagogischen Akademien die meltlichen Schulen zu erdrosseln. Die Resolution verlangt weiter, daß die Partei, falls fonfeffionelle Akademien beschlossen werden, unbedingt die Einrichtung auch meltlicher Akademien durchsezt. Eine folche meltliche Akademie sei in erster Linie in Düsseldorf als michtigsten Mittelpuntt der weltlichen Schule zu gründen. Nunmehr wurden die neuen Sagungen durchberaten und beschlossen. Die Parteiöffentlichkeit dürfte es interessieren, daß der Hauptvorstand, um das demokratische Prinzip voll durch zuführen, beantragte, dem Vorstand in Zukunft fein Stimmred) t auf den Tagungen des Hauptausschusses zu gewähren, sondern lediglich den gewählten Delegierten. Es wurde so beschlossen. Uebrigens perzichtete der Hauptvorstand schon auf dieser Tagung auf das zu stehende Stimmrecht. Als Löwenstein die Konferenz nach zehnstündigen Beratungen schloß, war ein gut Stüd Arbeit geleistet. Die Konferenz hat den ernsten Willen der sozialdemokratischen Lehrerschaft bewiesen, gegen. über den schweren Gefahren der fierifal- fapitalistischen Kulturreattion den Kampf mit allen Mitteln aufzunehmen. Aber dieser Kampf muß in breitester Front geführt werden, soll er Erfolg haben. Die deutsche Sozialdemokratie und das gesamte deutsche Broletariat müssen die entscheidende Bedeutung dieses Kampfes um die Erziehung der kommenden Generation erkennen und ihn mit ganzer Kraft führen. Justizkonflikt in Thüringen. 4 Rücktritt des Oberstaatsanwalts. Weimar, 4. September.( Eigener Drahibericht.) Der Oberstaatsanwalt Dr. Frieders in Weimar, der eine Reihe hochpolitischer Prozesse, u. a. auch die Hermann Brozesse, auf Geheiß der thüringischen Rechtsregierung durchführen mußte, hat jetzt wegen eines Konfliktes mit der Regierung seine sofortige Dienstentlassung und ein Disziplinarverfahren gegen sich beantragt. Die Entstehung des Konfliktes dürfte auf Meinungs verschiebenheiten, die seit längerer Zeit zwischen der Regierung und dem Oberstaatsanwalt bestehen, zurückzuführen sein. Der Pariser Friedenskongreß. Besprechung des Genfer Protokolls. Paris, 4. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Freitag Bormittagsfizung des Internationalen Friedenstongresses mar der Aussprache über das Genfer Protofoll zur friedlichen Rege lung internationaler Streitigkeiten gewidmet. Im Laufe der Dis fussion, an der auch de Deutsche Hans Behberg teilnahm, ergab sich, daß die englische Delegation sich den Standpunkt der englischen Regierung zum Genfer Protofoll zu eigen gemacht hat. # 1. Bei Lohnbewegungen, die mehrere Gewerkschaften umfaffen oder in ihrem Verlauf voraussichtlich in Mitleidenschaft ziehen können, ist es Pflicht der beteiligten Gewerkschaften, fich rechtzeitig vorher gegenseitig zu verständigen oder über deren Durchführung zu einigen. 2. Bei gemeinsamen Sohnbemegungen in solchen Industrien, in denen Mitglieder mehrerer Verbände beschäftigt sind, obliegt die Führung der Bewegung der mit der Mehrheit der Mitglieder beteiligten Gemertschaft. 3. Treten nur die Angehörigen eines Berufes für sich allein in eine Lohnbewegung, so hat deren Verband rechtzeitig vorher die führende Organisation in Renntnis zu feßen, um Meine Berständigung unter den beteiligten Berbänden herbeizuführen. Da hei jeder Seilbemegung, befonders bei einem Teilftreit, die Gefahr besteht. Daß die Gesamtheit der Beschäf tigten mit hineingezogen wird, ist es unbedingte Pflicht jeder Berufsgruppe, bei ihrem Vorgehen auf die übrigen Organisationen und die Interessen der Gesamtheit Rüdjidht zu nehmen. 4. Reine Gewerkschaft darf selbständig für sich allein ihre Forderungen aufstellen, che sie nicht mit den übrigen beteiligten Verbänden eine entsprechende Ber ständigung ver sucht hat. 5. Lehnt die führende Organisation die Unterstützung eines nicht genehmigten gemeinsamen Streifs ab, so dürfen auch die anderen mitbeteiligten Gewerkschaften eine Unterstützung zahlen. 6. Läßt eine Berufsgruppe es an der gebührenden Rücksichtnahme auf das Interesse und die Stellung der Mehrheit fehlen, so fann sie nicht verlangen, daß ihr gegenüber Solidarität geübt wird. Der Kongreß erinnert ferner an die geltenden Vorschriften über die notwendige Beschräntung bei der Zusammensetzung der Berhand lungskommissionen sowie bei dem Abschluß und der Unterzeichnung Don Tarifverträgen. Indem der Kongreß demgegenüber auch die festgelegten solidarischen Pflichten der führenden Organisation in die Erinnerung ruft, spricht er die bestimmte Erwartung aus, daß durch allseitige Beachtung dieser Bestimmungen seitens der Berbände und der Gesamtheit ihrer Mitglieder in Zukunft Schädigungen einzelner Gewerkschaften oder deren Mitglieder vermieden werden. Der Bundesvorstand wird beauftragt, Berstößen hiergegen mit den jagungsmäßigen Mitteln entgegenzutreten. Der Kongres spricht endlich aus, daß neben der notwendigen Stärkung der Einzelverbände und neben der Förderung der Industrieorganisation die stärkste Konzentration der deute schen Gewerkschaften in der Geschlossenheit und starten Macht des ADGB. zu erblicken ist. Die Einigkeit des Bundes zu wahren und seinen Einfluß zu vermehren, ist die Pflicht aller angeschlossenen Berbände und jedes Gemertschaftsmitgliedes. Der Kongreß ruft die Arbeiter und Arbeiterinnen im ganzen Land, insbesondere auch die Jugend hiermit auf, durch zahlreichen weiteren Beitritt die Gewerkschaften zu stärten. Angesichts des allseitigen Ansturms des vereinigten Unternehmertums auf die Rechte und Interessen der Arbeiterschaft müssen alle, die seither noch fernstanden oder sich zurückgezogen haben, in solidarischer Bflichterfüllung ihren Plag in den Gewerkschaften finden. Dann werden die Verbände und der Bund den schweren Kampf um die Hebung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der gesamten Arbeiterklasse um so erfolgreicher führen können. Bon den Sagungsänderungen, § 4. Diefen Paragraphen zu streichen und dafür zu fegen: Jeder Berband hat die Pflicht, alle in den Berufszweigen seines Organisationsgebietes beschäftigten Ungelernten und Hilfs. arbeiter und Arbeiterinnen neben den gelernten adarbeitern als Mitglieder aufzunehmen. § 5. Diesen Paragraphen zu streichen und dafür zu setzen: icweils ein Industriegebiet, zum Beispiel: Baugewerbe; In der Regel gilt als Organisationsgebiet eines Berbandes Bergbau; Graphische Gewerbe; Holz- und Schnizstoffinduſtrien; nußmittelindustrien; Leder herstellende oder verarbeitende InLand- und Forstwirtschaft einschließlich Weinbau; Lebens- und Ges industrie; Transport, Berkehr und öffentliche Betriebe und Berwal dustrien; Metallindustrie einschließlich Hüttengemerbe; Tertil. tungen. der fortschreitenden Technik und dem Wechsel der Produktionsarten Da die einzelnen Industriegebiete vielfach ineinanderfließen, mit auch Veränderungen unterworfen sind, fönnen die Organisations. gebiete nicht schematisch abgegrenzt werden. Die Ab. grenzung muß deshalb jeweils durch Vereinbarung der in Frage kommenden Zentralverbände erfolgen. § 6. Zum Zwecke möglichster Verstärkung der gemertschaftlichen Kräfte und zur Bereinheitlichung der gesamten Organisation ist anaustreben, daß die einzelnen Berufe sich zu Industriever bänden zusammenschließen. Für die Richtung des Zusammen. schlusses ist die Zusammengehörigkeit der einzelnen Zweige oder Gruppen der gleichen Industrie maßgebend. Im Zweifelsfalle ist die Zustimmung des Bundesvorstandes einzuholen. Solange in einem Industriegebiet noch mehrere Ber. bände für die verschiedenen Berufe bestehen, haben sie die Pflicht, gegenseitig burd) Sartellverträge ein förderliches Nebeneinander- und Zusammenwirten zu sichern und alles zu ver. erschweren könnte. meiden, was einen späteren Zusammenschluß zum Industrieverband Namens und Sagungsänderungen einzelner Berbände, die dazu führen fönnten, ihr Organisationsgebiet einseitig zu ihren Gunsten zu erweitern, sind ohne Zustimmung des Bundes. vorstandes nicht statthaft. Die Wahl des Bundesvorflandes ergibt Die Wiederwahl jämtlicher bisherigen Vorstandsmitglieder. Abgegeben wurden insgesamt 304 Bettel, davon 11 ungültige. Es erhielten Leipart 284 Stimmen, Graßmann 276, Herman Müller. Potsdam 293, ube 283, 11 m breit 277, noll 277, Eggert 291. Als Beisiger sind gewählt Backert( Lebensmittel- und Ges tränfearbeiterverband), Brunner( Berkehrsbund), Bruhns( Fabrik. arbeiterverband), Jaeckel( Tertilarbeiterverband), Janschef( Bergarbeiterverband), Sabath( Bekleidungsarbeiterverband), Georg Schmidt( Landarbeiterverband), Silberschmidt( Baugewerksbind) und Scheffel( Eisenbahner). Leipart dankt für die Wahl und glaubt, gute Arbeit mit dem neuen Bundesvorstand versprechen zu fönnen. Es folgt eine Reihe mehr formaler Aenderungen der Bundes. fagungen nach einem Vorschlag des Bundesvorstandes; dagegen werden Anträge, die einheitliches Mitgliedsbuch, einheitliches Berbandsorgan und einheitliche Beitrags- und Unterstüßungsfäße für alle angeschlossenen Verbände verlangen, abgelehnt. Damit ist der Berhandlungsstoff erledigt. Die Schlußreden. = Jacobsen Kopenhagen Danft im Namen der dänischen Ge mertschaften für die Unterstügung durch die deutschen Kollegen mährend des legten ornñen dänischen Lohntampfes und verspricht die gleiche Solidarität seiner Landsleute für die Zukunft. Thorberg Schweden gibt ein Bild von der Entwicklung der Gewerkschaften in seinem Lande, die von 101 000 Mitgliedern vor dem Kriege auf 375 000 geftiegen find. Schorsch Wien rühmt die Ergebnisse des Kongresses und versichert die engste Solidarität Der Deutschösterreicher mit den Genossen im Reiche. Lenoir. Frankreich feiert die gemeinsame Aufgabe der deutschen und französischen Arbeiter für den Weltfrieden. In ähnlichem Sinne sprechen Dürr Schmeiz, Rothenstein Ungarn und Tanerle Brag, worauf Mertens Belgien, zugleich als Vertreter der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale abschließend noch einmal in begeisternden. Worten die internationale Solidarität der Arbeiter. bewegung der ganzen Welt feiert und die Einheit des mirtschaftlichen und politischen Kampfes der gesamten Internationale lobt. Seine Ausführungen, in deutscher Sprache gehalten, erregen stürmischen Jubel des ganzen Kongresses. Sie werden vom Vorsitzenden Schumann in herzlicher Weise unterstrichen, der als Ergebnis der Tagung eine geschlossene organisatorische Einheitlichkeit der deutschen Gewerkschaftsbewegung, eine überwältigende Abweisung der kommunistischen Zerstörungsbestrebungen und eine sachliche Klärung der nächsten Kampfziele feststellt. Der Borsigende rühmt die lebendige Anteilnahme der Breslauer und schlesischen Arbeiter. bewegung an den Kongreßverhandlungen und am Kampf der Organisation für die deutsche Republik und die Verbefferung der Lebenshaltung der proletarischen Klasse, die sich am Vortage auch in gewaltigen Rundgebungen des Reichsbanners Schwarz Rot Gold gespiegelt habe, ebenso in den außerordentlich gut besuchten Berufsversammlungen der einzelnen Gewerkschaften anläßlich des Kongreffes. Mit einem Dant an alle Teilnehmer wird darauf die inhaltsreiche Tagung geschlossen. Schlußdemonstration in Breslau. wider. Breslau, 4. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Gemertfchafistongreß fand am Freitagabend einen in des Wortes vouster Bedeutung glänzenden Abschluß. Die gesamten Breslauer Gemertschaften, sämtliche Arbeiter, Turn, Sport- und Gesangvereine jpwie das Reichsbanner zogen unter 10.000 Fackelträgern und zwanzig Musikkapellen mit mehreren Fahnen nach der Jahrhunderthalle Nach fast zweistündigem Aufmarsch gruppierten sich hier die Wassen der Fünfundzwanzigtausend im Flammenschein der Fackeln um das große Bassin. Nach dem„ Empor zum Licht" der Sänger hielt der Bundessekretär, Genosse Eggert, eine zündende Ansprache, die Feuerwert beschlossen die riesige gut verlaufene Feier. die der Gewerkschaftskongres beschloß, sind die folgenden von grund. durch Lautsprecher vermittelt wurde. Pyramiden der Turner und fäßlicher Bedeutung: widerspruch wurde von der englischen Delegation dagegen erhoben, daß die Weigerung, fich dem Schiedsspruch zu unterwerfen, automatisch Santtionen gegen den sich weigernden Staat zur Folge haben soll, wie es das Genfer Protokoll Dorsieht. Deutschösterreich bleibt unter Vormundschaft. Genf, 4. September.( Eigener Drahtbericht.) Das Finanzfomitee für Desterreich hörte Freitag mittag in geschlossener Sigung den Bericht der Sachverständigen Rist und Layton. Nach einer Meldung der Boss. 3tg." ist dieses Finanzkomitee zu einem soldjen Ergebnis gekommen, daß mit einer Aufhebung der Kontrolle und der Abberufung des Kurators Zimmermann zum 1. Januar 1926 nicht gerechnet werden fann Genf, 4. September.( WIB.) In der vertraulichen Sizung des Ratskomitees für Desterreich wurde von irgendeinem Termin für den Abbau der Völkerbundskontrolle in Desterreich nicht gesprochen; immerhin ergab die Aussprache eine grundsätz liche Zustimmung zum Abbau der Kontrolle. Chamberlain erhob jedoch troß grundsätzlicher Zustimmung Bedenken. Bei einer raschen Aufhebung der Kontrolle müßten erhebliche ausländische Kapitalsinteressen berücksichtigt merden. Auch Scialoja Italien machte diesen Einwand geltend, während Benesch betonte, daß das Problem nicht nur vom finanziellen, sondern auch vom politischen Standpunkt aus betrachtet werden müsse. Englands Abrüftung. Am Donnerstag ist das britische Schlachtschiff„ Nelson" nom Stapel gelaufen. Mit einer Bestückung Don neum 163ölligen Gefchen ist es augenblicklich das mäch tigste Schlachtschiff der Welt. Gewerkschaftsbewegung Die Antwort der Reichsbahn steht noch aus. Die Eisenbahner rüsten zum Kampf. Die von den Eisenbahnerorganisationen geforderten neuen Schlichtungsverhandlungen dürften faum vor Mitte der kommenden Woche beginnen. Das Reichsarbeitsministerium muß zunächst noch die Erklärung der Reichsbahngesellschaft zu dem Vorschlag der Organisationen abwarten. Dann soll mit den beiden Parteien über die Person des neuen Schlichters verhandelt werden. Wenn das Reichsarbeitsministerium angesichts der Bedeutung der neuen Verhandlungen die Bestellung des neuen Schlichters nicht übers Knie brechen will, so werden die Organisationen taum etwas Dagegen haben; denn nicht die Reichsbahngesellschaft, sondern die Eisenbahner haben ein neues Schlichtungsverfahren als letztes Mittel zur schiedlich- friedlichen Austragung der Lohndifferenzen gefordert. Die Organisationen haben das größte Interesse daran, daß das neue Schlichtungsverfahren so sorgfältig wir nur möglich vorbe reitet und durchgeführt wird, damit die Deffentlichkeit, wenn es schließlich doch zum Streit fommen sollte, ganz klar sieht, wo die Schuldigen stehen. Die in aller Ruhe und Disziplin getroffenen Borbereitungen zum Streif find lediglich die unerläßliche Rüstung für den Fall, daß von den Unversöhnlichen bei der Reichsbahngesellschaft den Eisenbahnarbeitern der Streit brutal aufgegroungen wird. Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft sträubt sich mit Händen und Füßen gegen eine allgemeine Lohnerhöhung, obwohl fic zugibt, daß seit der legten Lohnbewegung im März überall im Reich und nicht nur an einzelnen Orten die Lebenshaltungstosten beträchlich gestiegen sind. Die Gründe, die von der Hauptverwaltung für die Ablehnung der Lohnforderungen gegeben werden, find: 1. die Preissentungsattion der Regierung, 2. der Geldmangel der Reichsbahnver mattung. Soweit die Preissenfungsaktion der Regierung in Frage kommt, find die Eisenbahner schon zweimal von der Regierung irregeführt worden, und zwar das erstemal im Jahre 1920. Auch damals wurde von dem Verwaltungsvertreter mit der Phrase operiert: „ Unsere Regierung hat einen Plan". Der Plan bestand darin, daß ben Kommunen und Geschäftsleuten 1½ Milliarden M. in den Schoß geworfen wurden, während die Preise stiegen statt daß sie herabgelegt wurden. Bor 116 Jahren hatte die Regierung wieder einmal einen„ Plan". Das ganze Reichskabinett versuchte den Gewertschaftsvertretern flar zu machen, daß eine Lohnbemegung unmittelbar eine Inflation herbeiführen würde. Die Regierung, so hieß es, sieht ihre heiligste Aufgabe darin, die Preise zu senken, die Eisenbahner müssen Abstand nehmen von einer Lohnerhöhung im Interesse der Allgemeinheit und nicht zuletzt der Eisenbahnarbeiter. Diesen Ausführungen murde bis zu einem gewissen Grade Rechnung getragen. Das Ergebnis mar hier Preiserhöhung. Nun mutet man den Arbeitern der Reichsbahn wieder zu, auf eine Lohnerhöhung zu verzichten, meil wieder einmal von der Regierung ein Plan" gefaßt ist, der in seiner Grundlage nicht besser fundamiert ist als die eben besprochenen Pläne. Diese Tattit, über. haupt die heute von der Reichsbahngesellschaft betriebene Lohnpolitik muß eines Tages zu einem Verzweiflungskampf führen. Die Stimmung in Berlin. Die Ablehnung der allgemeinen Lohnerhöhung durch die Reichss bahnhauptnermaltung hat auch im Reichsbahndirektionsbezirk Berlin unter den Eisenbahnern hellste Empörung ausgelöst. Die Beröffentlichung des Bezirksbetriebsrats gibt diese Stimmung noch sehr maßvoll wieder. Die halsstarrige Haltung der Verwaltung hat aber auch gute Auswirkungen gehabt, und zwar die Wiedervereini des bandes mit denen des Einheitsverbandes. Die Bahn ist frei zur Schaffung einer gewerffchaftlichen Madh f. Wir warnen. Im übrigen treten am Sonntag die Bertreter der Ortsgruppen des Einheitsverbandes im Bezirk Berlin zusammen, um die nötigen Schritte für Berlin zu beraten. Proteft der westdeutschen Eisenbahner. Elberfeld, 4. September.( Mtb.) Die Bezirksleitung des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands Bezirk Elberfeld, fandte an die Reichsbahnverwaltung einen Protest, in dem es heißt: Bir protestieren aufs schärfste dagegen, daß 1. Anweisungen heraus gegeben werden, ohne vorher Fühlung mit den Tarifbeteiligten zu nehmen; 2. die gewährten Erhöhungen nur in einem geringen Prozentsatz den Bediensteten zugute fommen, nämlich soweit sie Schicht löhner oder Briefsortierer find. alle anderen Erhöhungen aber für den Elberfelder Bezirk nicht in Frage kommen; 3. die Aufbesserung der Schichtzulagen von 10 auf 15 Pf. je Schicht als eine Verhöhnung der Eisenbahner betrachtet werden müsse. Das Borgehen der Reichsbahnverwaltung muß aufs schärffte zurückgewiesen merAAAAAAAA Rein Mako- Batist 95P elegante Qualität.. Meter Damenschirm- 790 Halbseide, mit Webekante, 8 oder 12 teilig, neueste Griffe Sportwesten für Damen und Herren, meliert, mit farb. Besatz u. Manschett, 2 Taschen промиссия Hemdhosen für Damen, weiß, patentgerippt. Handschuhe für Damen, farbig, Schweden imitiert, m. Halbfutt., br. Aufnaht den, da hierin nur eine Herausforderung der Arbeiterschaft erblidt werden fann. Auch die Gewertschaft deutscher Eisenbahnarbeiter hat für tommenden Sonntag ihre Hauptfunttionäre aus ganz Westdeutsch fand zusammengerufen, um zu der von der Reichsbahngesellschaft zugestandenen Lohnerhöhung, die von den Eisenbahnern als unzulänglich bezeichnet wird, Stellung zu nehmen. Kein Geld für Reichsbahnbeamte. Gestern fand eine von den Gewerkschaften der Reichsbahnbeamten gewünschte Besprechung über die Erhöhung der Bezüge der Reichsbahnbeamten mit dem stellvertretenden Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft, Direttor Dorpmüller, statt. Vertreter der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft erklärte hierbei, daß Geldmittel zu einer Erhöhung der Beamtenbesoldung nicht vorhanden seien und daher nur durch eine Erhöhung der Eisenbahntarife eingebracht werden können. Die Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft fönne fich aber zu einer solchen Maßnahme nicht ent schließen; denn sie würde den Absichten der Reichsregierung auf Sentung der Preise zuwiderlaufen. Einigung im Bäckereigewerbe. Eine überfüllte Versammlung der Bäder nahm am Freitag abend im Gewertschaftshaus Stellung zu dem Ergebnis der vor dem Schlichtungsausschuß gepflogenen Berhandlungen. Ueber die Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß und diesen voraus gegangenen direkten Verhandlungen berichtete Schumann vom Nahrungs und Genußmittelverband. F In den direkten Verhandlungen mit den Bäckermeistern erklärten sich diese bereit, den letzten Schiedsspruch anzunehmen. Eine höhere Lohnzulage lehnten sie entschieden ab, weil sie sonst ihre Bertaufs preise erhöhen müßten und somit die von der Regierung eingeleitete Preissenfungsaktion" durchkreuzen würden. Nach langem Verhandeln waren sie jedoch bereit, auf die im Schiedsspruch festgesetzten Löhne, mit Ausnahme der ungelernten Arbeiter, 1 Mart zuzulegen. Da die Arbeitervertreter auf dieses Angebot nicht eingingen, die Unternehmer jedoch auf ihrem ablehnenden Standpunft beharrten, scheiterten die Verhandlungen. gewiesen. Urteilsgründe wurden nicht vertündet. Es bleibt des halb rätselhaft, wie das Gericht zu einer verschiedenen Beurteilung ber, soweit wir sehen fonnten, ganz gleichliegenden Fälle kommen fonnte. Beendigung des Kampfes bei Schuchardt. Gestern morgen tagie im Gemertschaftshaus eine Betriebs versammulng der bei der Firma Schuchardt Beschäftigten, in der Rahmann als Vertreter des Metallarbeiterverbandes über die Streiflage berichtete. Am 26. August traten 226 Mechaniker der Firma in den Streif, da sie in Verhandlungen eine Erhöhung der bestehenden Löhne nicht durchsetzen fonnten. Die Firma beantwortete den Streik der Mechaniker mit der Aussperrung der übrigen Belegschaft von an nähernd 1000 Mann. Am Donnerstag fanden zur Beilegung des Konflikts zwischen der gesamten Schwachstromgruppe des VBMI. und dem Metallarbeiterverband Verhandlungen statt. Die Unternehmervertreter erklärten den Streit bei der Firma Schuchardt als einen wohlangelegten Borstoß gegen die gesamte Schwachstromindustrie. Sie erflärten sich bereit, die im Lohn stehenden Mechanifer möglichst in Atford zu beschäftigen und die bestehenden nachweislich schlechten Attordpreise einer Nachprüfung zu unterziehen. Ebenso sollen feine Maßregelingen vorgenomment werden. Die Unternehmer erklärten aber ebenfalls, daß sie säm! liche Arbeiter und Arbeiterinnen der Schwach: stromindustrie aussperren würden, wenn die Arbeit bei der Firma Schuchardt nicht am Montag früh wieder aufgenommen wird. Eine Bersammlung der streifenden Mechaniker hat zu dem Berhandlungsergebnis Stellung genommen und beschloß in ge heimer Abstimmung, den Einigungsvorschlag anzunehmen und die Arbeit am Montag geschlossen wieder aufzunehmen. In der Diskussion sowie im Schlußwort Kahmanns wurde betont, daß das Ergebnis nicht so mager märe, wenn das Organi fationsverhältnis bei der Firma ein besseres wäre. Auf Einladung des Gewerberats Körner fanden dann gestern noch einmal vor dem Schlichtungsausschuß Verhandlungen statt. Nach noch einmal vor dem Schlichtungsausschuß Berhandlungen statt. Nach mehrstündigen Berhandlungen machten die Unternehmer ein Angebot, nach dem u. a. der Spigenlohn in den Großbetrieben 49 M. und in den Kleinbetrieben 47 m. betragen soll. Die Berhandlungskommission erklärte, daß sie dieses Angebot den Arbeitern wohl zur Entschließung vorlegen würde, daß aber für dessen Anfahren einleite. Die chriftlichen Bergarbeiter würden einer Vernahme wenig Aussicht bestünde. In der regen Diskussion wurde das Angebot von fast allen Rednern als ungenügend bezeichnet und zur Ablehnung empfohlen. Die im Anschluß an die Diskussion vorgenommene geheime Abstimmung ergab nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit für den Streif. Somit gili das Angebot der Unternehmer als ange nommen. Die Lohnerhöhung tritt ab nächsten Montag in Kraft. ,, Abbau" von Gewerkschaftsfunktionären. Der Dienststellenleiter des Eisenbahnbetriebsmerts Charlottenburg erhielt von der Direktion die Anweisung, die Zahl der ihm unterstellten gelernten Arbeiter von 38 auf 32 herabzusetzen. Infolgedessen wurden 6 Arbeiter entlassen. Alle Entlassenen waren Funktionäre des Freien Eisenbahnerverbandes. Sie reichten bei der Eisenbahnfachkammer des Gemerbegerichts eine Klage auf Wiedereinstellung ein und machten geltend, sie seien nicht aus sachlichen Gründen, sondern weil sie Funktionäre des FEB. seien, zur Entlassung ausersehen worden. Der Dienststellenleiter murde als Zeuge vernommen. Mit der Miene des Biedermannes versicherte er, er wisse gar nicht, ob die Entlassenen dem FEV. oder sonst einer Organisation an gehören. Um dergleichen habe er sich nie gefümmert. Die Kläger hielten dem Zeugen vor, das habe er wohl gewußt, denn er habe doch zwei von ihnen, als fie Bekanntmachungen des FEV. angeklebt hatten, aufgefordert, die Zettel wieder zu entfernen, er habe diese Aufforderung auch an einen dritten Kläger gerichtet, der als Ob mann der Zahlstelle des FEB. die Settel unterzeichnet hatte. Diese| Tatsachen gab der Zeuge zögernd zu, aber, sagte er, das sei ja lange vor der Entlassung gewesen. Er habe doch nicht missen fönnen, ob die Betreffenden zur Zeit der Entlassung noch dem FEB. angehörten. Ferner wurde dem Zeugen vorgehalten, die Kläger hätten dem alten Betriebsrat angehört und auch auf der vom FEV. eingereichten Vorschlagsliste zum neuen Betriebsrat gestanden. Der 3euge war auch auf eine Antwort auf diesen Borhalt nicht verlegen. Was gehe ihn die Liste an, sagte er. Darum habe er sich gar nicht gefümmerf. Nach alledem mußte es jedem unbefangenen Zuhörer der Verhandlung höchst zweifelhaft erscheinen, daß es lediglich einem blinden Zufall zuzuschreiben ist, wenn das Los der Entlassung ausgerechnet auf die Funktionäre des FEB. gefallen ist. Das Gericht fam aber mur bezüglich eines Klägers zu der Auffassung, daß er wegen seiner gemertschaftlichen Tätigkeit entlassen wurde. Diesen wieder einzustellen oder ihn mit 600 m. zu entschädigen, wurde die Direktion verurteilt. Die Klage der übrigen fünf Entlassenen wurde zurüdDie chriftlichen Bergarbeiter rebellieren. Effen, 4. September.( Mtb.) Der Gewerfverein christlicher Bergarbeiter, der sich in zwei Bersammlungen im Ruhrgebiet mit der Lage im Bergbau beschäftigte, erklärte zur Lohnfrage, daß die gegenwärtigen Löhne durchaus nicht der Lebenshaltung angepaßt seien. Der Schiedsspruch für die Bergarbeiter sei untragbar und un annehmbar. Bom Reichsarbeitsministerium, bei dem die Entscheidung liege, erwarte man dringend daß es dem Ersuchen der Bergarbeiterverbände nachkomme und ein neues Schiedsver= längerung der Schichtzeit niemals zustimmen. Durch die 3ölle verschlechtere sich die Lage im Bergbau weiter. Es murde dann vom Staat die Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung notleidender Bergarbeiter verlangt. Die Weltkohlenfrise sei nur durch eine internationale Berständigung über die Abfazgebiete zu beseitigen. Schließlich wurde gegen die Verschlechterung der neuen Novelle zum Reichsknappschaftsgesetz Berwahrung eingelegt. Verlängerung der Amtsdauer der Gewerbegerichtsbeisiger Nach einem Rundschreiben des Reichsarbeitsministers an die Regierungen der Länder empfiehlt es sich, im Hinblick auf die Vorlegung des Arbeitsgerichtsgefegentwurfes Neuwahlen der Beifiker der Gewerbegerichte und Kaufmannsgerichte schon wegen der das als geeigneter Weg hierfür wird eine Verlängerung der mit verbundenen erheblichen Kosten möglichst zu vermeiden. Amtsdauer der Beisiger durch entsprechende Statutenänderung empfohlen. Eine Reichstonferenz der Angestellten der Sozialversicherung hat der Zentralverband der Angestellten, der die Sozialversicherungsangestellten in sich vereinigt, zum 11. Oftober na Rudolstadt einberufen. Diese wird sich mit der Neuregelung des Dieititretes, der Tarifbewegung und der Refor der Sozialberfinerung beschäftigen. Aus allen Teilen des Reiches werden Vertreter in großer Zahl erscheinen, um an dieser für die Geschicke der deutschen Sozialversicherungsangestellten maßgebenden Tagung teilzunehmen. Sattler, Tapezierer. und Bortefeuillerverband. Dienstag abend 7 Uhr im Graphischen Bereinshaus, Megandrinenstr. 44, Versammlung aller auf dem Boden der Amsterdamer Internationale stehenden RolTegen fowie der SPD- Kollegen. Wichtige Tagesordnung. Der Borstand. Werkzeugmacher ber Firma Bergmann. Die Berfammlung der ausgesperrten Werkzeugmacher findet heute, Sonnabend, nicht um 2 Uhr, sondern bereits 10 Uhr vormittags ftatt. Seder ausgesperrte Rollege muß erscheinen. Die Ortsverwaltung des DMB. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gemertschaftsbewegung: Fr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Rarftädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sieran 1 Beilage and Unterhaltung und Biffen. Billiger Sonnabend Jandorf 375 Berechtigtes Aufsehen 155 Damenhemd breite Stickerei u. Hohlsaumgarnierung erregen unsere billigen Preise für Freitag und Sonnabend Belle Alliance- Str. Gr. Frankfurter Str. Brunnen Straße. Kottbusser Damm. Wilmersdorfer Str 145 Damen- Pantoffel 175 Damenstrümpfe 38 95- Kleider- Frotté 68 Umschlagschuhe 245 Damenstrümpfe 65 Jugendl.Glocke Plüsch, fesche Bandgarnit 590 hübsche Muster. Kleiderstoffe Meter mit kunstseidenem Durchzug, Meter Sportflanell P 85 P2. Meer 85 imitiert, viele Streifen... Meter Tussin Pł M98 Pt. bedruckt, große Muster. Meter 90 Kleiderschotten 98 doppeltbreit Meter gute feinmasch. Qual., Damenschürzen 78 Herren- Socken 45, Jumperform, einfarb: od. gestr. Stoffe Damenschürze 95 teilweise türkisch gemusterfe Stoffe PL Pf. Taschentücher 18 P für Damen od.Herren, zum Aussuchen. Taschentücher 24 PL mit hübschen P graumeliert, kräftige Qualität Mittendecke große Blumen- Druckmuster Kaffeedecke leinenartiges Gewebe... Steppdecken Handarbeit, doppels.Satin, ca.150x200 Pf. PE 145 155 Herren- Hosen normalfarbig, mit Ueber schlag, 3 Größen 165 Herren- Hemden 95 normalfarbig, mit Doppel brust, 3 Größen 195 Künstlergardien 395 Tüll, 2 Schals, 1 Querbehang. Fenster 50 Plüschhut 1750 mit flotter Bandgarnitur 875