Abendausgabe Nr. 426 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 210 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebaltion: SW. 68, Cindenficaße 3 Zerafprecher: Döuhoff 292-295 Tel.- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Mittwoch 9. September 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenffraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ort und Termin der Paktkonferenz. Agrarprobleme im Programm. 25. September in Lausanne? gramm aufstellt: Genf, 9. September.( WIB.) Nach einer Meldung der| sondern auch fr: lgendes bescheidenes außenpolitisches ProSchweizerischen Depeschenagentur, fand heute vormittag eine Zufammenkunft zwischen Chamberlain, Briand, Bandervelde und Senator Scialoja ftatt, woran auch die an der Londoner Juristenfonferenz beteiligten Sachverständigen roma geot, Sir Cecil Hurst und Rollin teilnahmen. Die Zusammenkunft diente dem Meinungsaustausch über den angenblidlichen Stand der Sicherheitsfrage und über die geplante Konferenz mit Stresemann, welche, wie verlautet, vor aussichtlich am 25. September in Lausanne ftattfinden joll. Die Agentur fügt hinzu, daß die Zustimmung der deutschen Regierung bisher noch fehlt. Garantie und Schiedsverträge. Paris, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) 3u einer Unterrebung, die am Dienstag Bainlevé, Briand und Chamberlain in Air- les- Bains mit Bremierminister Baldwin gehabt haben, meldet der Sonderforrespondent des„ Matin" in Genf, aus dieser Unterredung gehe hervor, daß feine großen Schwierigkeiten für den Abschluß des Bestpaktes mehr beständen. Die Einwände, die im Laufe des diplomatischen Notenwechsels gemacht wurden, seien in den letzten Tagen beseitigt worden. Auch bei der Bestimmung des Begriffs Angreifer sei es gelungen, einen Fortschritt zu erzielen. Um den Schiedsgerichtsverträgen zwischen den Großmächten ihren vollen Wert zu geben, sei es notwendig, daß der Völkerbundsrat Strafmaßnahmen gegen einen Angreifer zu be schließen in der Lage wäre, ohne daß dabei Einstimmigkeit erforderlich wäre. In diesem Sinne werde man versuchen, das Bölterbundsstatut entsprechend abzu ändern. Der Bestpaft fönne nur dann den Erwartungen Frankreichs entsprechen, menn er durch Schiedsgerichtsverträge Deutschlands mit Bolen und der Tschechoslowakei vervollständigt werde. Polen und die Tschechoslowakei hätten felbstverständlich den Wunsch, fich an den Baftverhandlungen zu beteiligen Angesichts der Abneigung Englands, an einem Ostpakt teilzunehmen, erscheine es nicht zwedmäßig, die Berhandlungen über die beiden Fragen zu vers mengen. Es sei der Gedanke aufgetaucht, die Berhandingen zwischen den Großmächten, mit denen zwischen Deutsch ind, Polen und der Tschechoslowakei parallel zu führen. In iesem Falle würde jedoch die Stellung der französischen Delegierten, die beide Berhandlungen zu verfolgen hätten, äußerst schwierig( gift für die Deutschen noch viel mehr; Frankreich aber ist am Often gar nicht direkt beteiligt. Red.) und deswegen erfcheine es amedmäßiger, nach der Ronferenz der Außenminifter für den Bestpakt eine Konferenz Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn abzuhalten. Deutschland würde in diesem Falle beim Abschluß des Bestpattes die Verpflich tung übernehmen müssen, sofort in Berhandlungen mit Polen und der Tschechoslowakei zu treten. 2 Amerikas Abrüftungswille. New Borf, 9. September.( WTB.) Nach einer Meldung aus Smampscott hat Bräfident Coolidge die Absicht, eine zweite Abrüstungsfonferenz einzuberufen, sobald die Umstände es gestatten. Der Bräsident midersetzt sich auch nicht der Ansicht Painlevés, daß die Initiative nom Bölferbund ausgehen solle. Jede Ronferenz, die zu praktischen Ergebnissen führe, sei Coolidge recht. Die Wahl des Konferenzortes sei eine Frage zweiter Ordnung. Deutschnationale Wanzentaktik. Man möchte annehmen, daß die deutschnationale Breffe das Bedürfnis empfinden müßte, zu der bevorstehenden Mini ftertonferenz über den Sicherheitspakt und zu der Frage, die hon in allen anderen Blättern ausgiebig erörtert wurde, welche Mitglieder des Reichskabinetts Deutschland vertreten foilen, Stellung zu nehmen. Aber die Organe der Partei Bestarp- Laverrenz Schiele verhalten sich so, als ginge sie die canze Angelegenheit gar nichts an. Sie begnügen sich damit, täglich aufs neue zu versichern, daß an zuständiger Berliner Stelle eine offizielle Einladung zur Baktkonferenz noch nicht eingetroffen fei. Die Deutschnationale Tagespoft" bringt die auffehenerregende Enthüllung, daß innerhalb der Deutschnationalen Partei sich sehr starte Strömungen gegen den Abschluß eines Sicherheitspaktes bemerkbar machen". Das ist allerdings nicht ganz neu. Daß die Deutschnationalen den Sicherheitspakt trozdem totsicher schlucken werden, das wagt die Tagespoft" allerdings nicht einzugestehen. In Fettdruck versichert sie, daß die Einladung zu der angekündigten Konferenz frühestens erst(!) in der nächsten Boche" in Berlin eintreffen dürfte. Die deutschnationalen Redakteure denken sich wohl: Zeit gewonnen, alles gewonnen. Wir wollen metten. daß frühestens erft" im Oktober die sehr starten Strömungen innerhalb der Deutschnationalen Partei fich in dem breiten Strom der deutschnationalen pazifistischen Erfüllungspolitik verloren haben werden. Diefe in derartigen heiflen Situationen allein felig machende Banzentaktit der deutschnationalen Parteiredakteure ist allerdings nicht nach dem Geschmack der ehrlicheren, fanatischen Dummköpfe vom alldeutschen Flügel, die ihre Zuflucht in Zuschriften an die deutschvölkische Presse suchen. Das Deutsche Tageblatt" veröffentlicht eine solche deutschuationale Zufchrift, die nicht nur den Sicherheitspatt und den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund auf das scharfste zurüdweist, zum Bon Eduard David. II. Es gibt nicht wenig Parteigenossen, die theoretischen Einwendungen gegen ein Parteiprogramm fein allzu großes Gewicht beilegen, weil sie einem theoretischen Programm felbft wenig praktischen Wert für die Arbeit und Ausbreitung der Partei zugestehen. Mag man mit einem solchen Achsel zuden sich über die dargelegten theoretischen Ünrichtigkeiten: hinweg setzen, so geht das doch unter keinen Umständen für: die fehlerhafte Formulierung des sozialistischen Endzieles, wie sie uns der Entwurf darbietet. Er nimmt die verfehlte Fassung aus dem Erfurter Programin wieder auf, die mit dem Görlizer Programm glücklich beseitigt schien. Der aus dem alten Reliquienschrein wieder hervorgeholte Sag lautet: Unverzügliche Räumung der Kölner Zone. Befreiung des Saargebietes von der französischen Soldateska. Notifizierung der Kriegsschuld note. Unverzügliche Einstellung weiterer Rüstungen der Feindbundstaaten und ihrer Bajallen sowie ihre Abrüstung in gleichem Umfange wie die erzwungene Deutschlands, oder Zustimmung zur sofortigen Wieder einführung der allgemeinen Behrpflicht in Deutschland. Weiter: Siftierung aller 3ahlungen Deutschlands an den Feindbund bis zur Deffnung des Archivs diefer Staaten und der damit erfolgenden Feststellung der Kriegsurheber. Sofortige Entfernung aller feindlichen Kontrollkommissionen aus deutschem Gebiet. Berbot des ständigen lleberfliegens deutschen ,, Das Ziel der Arbeiterklasse tann nur erreicht werden durch Gebiets durch fremde Flugzeuge und volle Freiheit für Deutschland die Verwandlung des kapitalistischen Privateigentums an den Profür Flugzeug- und Luftschiffbau. Rückgabe der deutschen Kolonien. duftionsmitteln Grund und Boden, Gruben und Bergwerte, Roh Beröffentlichung der Liste der feindlichen Kriegsverftoffe, Werkzeuge, Maschinen und Verkehrsmittel- in gesellschaftbrecher. Befreiung Deutschlands von dem berüchtigten§ 16 der liches Eigentum." Bölkerbundsagungen. " Die Zuschrift erklärt weiter, daß, wenn im Gegenteil die Erfüllungspolitik fortgesezt würde und sich eine Biederholung des 29. August 1924 ereignen sollte, der 3erfall Der Deutschnationalen Partei unausbleiblich wäre. Die Zuschrift schließt mit dem üblichen Appell an den ,, Retter": Jegt oder nie!" Der ,, Retter" hat nie etwas gerettet und wird auch jetzt nichts retten: die Deutschnationalen werden ihren zweiten 29. Auguſt bei der Abstimmung über den Sicherheitspaft, den hoffentlich auch Schiele unterzeichnen wird, erleben und die Folge wird in der Tat ihr unausbleiblicher Zerfall sein. Und weil die Herren deutschnationalen Redakteure diese Entwid lung genau voraussehen, deshalb stellen sie sich gegenwärtig tot: Wangentaftit. Die Landung bei Alhucemas. „ Spanischer Erfolgsbericht." Paris, 9. September.( WTB.) Wie in Madrid amtlich mitgeteilt wird, ist die Abteilung des Generals Sare vollständig gelandet worden und hat fe ft e Stellungen bezogen. Die Berlufte der Spanier erreichen nicht 50 Tote, und zwar zur Hälfte Eingeborene. Zwei Kanonen und sieben Maschinengewehre sowie reichliches Kriegsmaterial wurden erbeutet und mehrere Gefangene ge macht. Das französische Geschwader hat sehr gut geschossen. Die Abteilung des Generals Sare, die in der Westzone zusammen gestellt worden war, verfügt über modernes Kriegsmaterial aller Art. 3m westlichen Abschnitt wiesen die spanischen Truppen die Versuche des Feindes, die Linien zu durchbrechen, zurück. Bisher find hier etma 10 Mann getötet worden. Gestern vormittag hat der Feind einen spanischen Boften angegriffen, murde aber zurückgewiefen und hat nach tapferem Biderstand mehrere Tote im Stacheldraht zurückgelaffen. In der Gegend vom Lukkes- Fluß haben die spanischen und die franzöfifchen Truppen einen Vorstoß unternommen. Ein überholter Bericht Abd el Krims. London, 9. September.( WTB.)„ Times" meldet aus Tanger, ein vom Hauptquartier Abd el Krims herausgegebener Bericht be sage, daß die Versuche der Spanier, beim Bad Lau Truppen zu landen, vereitelt worden seien. Hier seien 7 und bei Alhucemas 4 Fahrzeuge der Spanier verfentt worden. Der Berichterstatter teilt mit. daß eine Bestätigung dieser Meldung in Tanger nicht zu erlangen fei. Nach Aussagen von Rifanhängern feien an der ganzen Rüfte von den Riftriegern Minen gelegt. Demonstrationen in Deutschböhmen. Prag, 9. September.( Ill.) Am Sonntag fanden in vielen deutschen Städten der Tschechoslowakei große Rundgebungen gegen die Behandlung der Deutschen statt. In Leplig fam es zu 3u sammenstößen zwischen der erregten Menschenmenge und der Gendarmerie. Die Gendarmerie ging mit gefälltem Bajonett und Kolben gegen die Menge vor. Schließlich wurden sie aber auf Interpentionen der Abgeordneten zurückgezogen, wodurch im legten Augen blid ein Blutvergießen verhindert wurde. Auch in Aussig und Reichenberg waren große Kundgebungen. In Marienbad fund eine von vielen tausend Personen, darunter einer großen Anzahl Kur gäste aus aller Welt, befuchte Einspruchsversammlung gegen die Bader beschlagnahme statt. Es sprachen Abgeordnete und Senatoren aller deutschen Bar teien, auch der Sozialdemokratie.. Der deutschnationale Senator Friedrichs wurde von einem Regierungsvertreter unterbrochen und setzte seine Ausführungen in dem den tschechischen Begmten unverständlichen Egerer Dialett fort. Eine Enthließung betont, daß die Existenz vieler Tausende von der Weiterführung des Marienbads in der bisher bewährten Weise abhänge und schloß mit der grundsäglichen Forderung nach Selb ft. bestimmungsrecht und Selbstverwaltung. Staatsfefretär a. D. von Mayr gefforben. Im 84. Lebensjahre ift nach furzer, schwerer Krankheit in Tutzing am Starnberger See der ehemalige Universitätsprofeffor und Unterstaatssekretär unter Bismard Dr. Georg v. Mayr gestorben. Professor v. Mayr, der vor Jahren als„ Gegengewicht gegen den freifinnigen Universitätsprofellor, Kathedersozialisten und Freihändler Lujo Brentano nach Mün Finanztheoretifer jomie als Schöpfer des banerijojen statistischen en geholt worden war, hat sich in erster Linie als Statistiker und Bandesamts einen Ramen gemacht. Politisch ist v. Mayr in den festen Jahren nicht mehr hervorgetreten. Der Sinn diefes Sazzes läßt eine zwiefache Auslegung zu. Die nächstliegende und wohl auch häufigste Auffassung ist die, daß die zwischen den Gedankenstrichen aufgezählten Produktionsmittelarten: Grund und Boden, Gruben und Bergwerke, Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen und Berfehrsmittel die Objekte seien, die ausnahmlos aus Privateigentum in gesellschaftliches Eigentum übergeführt werden sollen.. Nach dieser Auslegung haben die Gegner recht, die in tausenden ländlichen Versammlungen und in ebensoviel Flugblättern und Plakaten die kleinbäuerliche Wählermasse von uns abgeschreckt haben mit der Behauptung, die Sozialdemo fratie wolle ihnen ihr Land, Haus und Hof und die letzte Ruh aus dem Stall wegnehmen. Zum Beispiel brauchen sie nur den zitierten Satz des Programms anzuführen, mit dem fie zugleich unsere Feindschaft gegen den fleinen Handwerks meister, dem man die Rohstoffe und Werkzeuge wegnehmen wolle, authentisch nachweisen. Daß in jenem Gay merf würdigerweise vom Gelbtapital nichts gesagt wird, fratie bei ihren Enteignungsabsichten die Herrn von der Hoch dient dann weiter zum Bemeis dafür, daß die Sozialdemofinanz, Bankiers, Großhändler usw. zu schonen beabsichtige, finanz, Bankiers, Großhändler usw. zu schonen beabsichtige, „ jüdischen" Großkapitalisten bezahlt werde. was sich sehr einfach daraus erkläre, daß sie von diesen zitierten Sages und ihre bösartige agitatorische Ausnügung Gegen diese philologisch nicht anfechtbare Lesart des habe ich mir zwar immer dadurch zu helfen gesucht, daß ich auf die andere mögliche Lesart hinwies, wonach nur die Vers auf die andere mögliche Lesart hinwies, wonach nur die Ver gezählten Produktionsmittelarten in öffentliches Eigentum gewandlung des kapitalistischen Eigentums an den aufwandlung des fapitalistischen Eigentums an den auf meint sei.( Im Text ist freilich das Wort kapitalistisch nicht unterstrichen; auch gibt das Wort Werkzeuge zu Bedenken An laß.) Danach bliebe das handwerkliche Eigentum an Grund und Boden usw. bei einer eventuellen gesellschaftlichen Umder Handwerksmeister und fleine Geschäftsmandlung außer Betracht. Der selbstwirtschaftende Bauer, mann brauchte sich also nicht bedroht zu fühlen, die Sozialdemokratie rechne sie zum werftätigen Bolt, deren Interessen wahrzunehmen der Sinn ihres ganzen Programms sei, usm. Mit dieser Möglichkeit einer vernünftigeren Auslegung jenes Programmsages allein ist freilich einem gewiegten Gegner und dem alteingefressenen Mißtrauen der kleinbäuerlichen Wählerschichten gegenüber nicht allzuviel anzufangen, abgesehen davon, daß auf 100 Fälle, mo jener Say gegen uns bei der ländlichen Bevölkerung ausgespielt wird, faum 10 fommen, wo wir Gelegenheit haben, unsere mündliche oder schriftliche Antwort an die gegen uns aufgehetzten Wähler heranzubringen. wirtschaftlichen Kleinbetriebe glaubte und sich mit der HoffDie unglückselige Formulierung jenes Sages, der zu einer Zeit entstand, als man noch an den Untergang der landnung betrog, daß die vom Großgrundbesitz enteigneten bäuerlichen Proletarier uns von selbst zuftrömen würden, war gewiß nicht der einzige Grund, der unsern Vormarsch auf das Land hemmte; aber er gehörte nach meiner Erfahrung mit zu den stärksten Hindernissen, die wir uns selbst bereitet hatten. Daß man einen solchen Sah jetzt von neuem in das Programm aufzunehmen vorschlägt, kann ich mir nur daraus erklären, daß die Mitglieder der Programmkommiffion niemals selber in fleinbäuerlichen Wählerversammlungen die Sache der Sozialdemokratie zu vertreten hatten. Glücklicherweise fehlt es nicht an gewichtigen Zeugnissen aus der Literatur und Praxis der Partei, mit denen man die fleinen Landwirte hinsichtlich der ihnen mit dem zitierten Programmsatz angedrohten Expropriation beruhigen fann. So vor allem die Versicherung Karl Kautskys in der Erläuterungsschrift zum Erfurter Programm: 1 Für die Kleinbetriebe wird wohl auch nach dem Siege des Proletariats tas Privateigentum an den Produktionsmitteln fortdauern von einer Konfistation der fleinen Bauerngüter phantafieren bloß unsere Gegner." Das gleiche versichert in der Erläuterungsschrift:„ Das Görliger Programm" Friedrich Stampfer mit ben folgenden Worten: „ Es fann feine Rede dapon fein, daß die Sozialdemokratie dest Bauer von seiner Scholle jogen mill, mie es in antifozialistischen Agitationsschriften heißt." Und in dem neuerdings vom Barkelvorstand herausgegebenen Agitationsschriftchen Sozialdemokratie, Landwirtschaft und Bodenreform" heißt es: „ Nichts wäre weniger sozialistisch und nichts törichter, als wenn man all die vielgestaltigen Probleme, welche die Bodenreform stellt, nach einem Schema lösen wollte. Insbesondere kann es sich nicht darum handeln, etwa das gesamte Privateigentum an Grund und Boden aufzuheben und durch gesellschaftliches Eigentum zu erseßen." Wirksamer aber noch als diese literarischen Versicherungen dürfte der Hinweis auf die von den sozialdemokra= tischen Bertretungen im Reichstag und in den Landtagen verfolgte, auf Erhaltung und Förderung der bäuerlichen Wirtschaft gerichtete Politik sein. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Unser Eintreten für die bäuerliche Anlieger- und Neusiedlung, für den landwirtschaft lichen Bachtschuß, für die bäuerliche Wirtschaftsförderung durch Krediterleichterung, Dünger- und Saatgutbeschaffung, Berkehrsentwicklung, Bodenmeliorationen, Ausbau des landwirtschaftlichen Fachbildungswesens u. a. m. legen am besten Zeugnis dafür ab, daß uns nichts ferner liegt, als der bäuerlichen Wirtschaft den Garaus zu machen. Unfer großer Bodenreformantrag im Reichstag und ebenso die gelegentlich der Zollverhandlungen im Reichstagsausschuß entwickelten Richtlinien zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion gehen gleichermaßen auf Förderung und Stärkung der bäuerlichen Eristenzen aus. " | nahme des Briefes der Erefutive stimmte. Das beweist, daß Ruth Fischer es für gefährlich hält, den offenen Kampf gegen die Erefutive aufzunehmen. An der starken Spannung in der KPD. wird natürlich dadurch nichts geändert. Zusammenbruch- Kazenjammer. Oberst Schwerdtfeger über den Bankrott der Kriegspolitik. den Produktionsmitteln den Produktionsmitteln ftaatliches, fommunales, fon jumgenossenschaftliches, produktiogenossenschaftliches, privates fönnen nebeneinander in einer sozialistischen Gefellschaft egiftieren. Die verschiedensten Formen des Betriebs bureaukratischer, gewerkschaftlicher, genossenschaftlicher, Alleinbetrieb; die verschiedensten Formen der Entlohnung der Arbeiter fires Gehalt, Zeitlohn, Stücklohn, Beteiligung an allen Ersparniffen von Rohmaterial, Maschinerie usw., Beteiligung an den Resultaten intensiverer Arbeit; die verschiedensten Formen Rauf aus den Lagern des Staates, der Gemeinden, der Konjum jammenbruchs" macht der militärpolitische Sachverständige der Zirkulation der Produkte durch Lieferungskontrakte, durch In dem dreibändigen Wert über die Ursachen des Zugenossenschaften, der Produzenten selbst usw. usw. Diefelbe Oberst a. D. Schwerdtfeger, der die Zusammenhänge Mannigfaltigkeit des ökonomischen Mechanismus zwischen der militärischen und der politischen Leitung im Weltwie heute ist in einer sozialistischen Gesellschaft möglich. Bloß das Haften und Jagen, Kämpfen und Ringen, Ber- frieg zu erforschen hatte, eine überraschend an ständige nichten und Vernichtet werden des heutigen Konkurrenzfampfes iftig ur. Gelbstverständlich wählt der einstige altpreu ausgeschaltet und ebenso der Gegensatz zwischen Ausbeutern und ausgeschaltet und ebenso der Gegensatz zwischen Ausbeutern und Bische Offizier Worte, die dem schuldigen Respekt" gegen den ehemaligen Monarchen, die Marschälle und fomAusgebeuteten." mandierenden Generale angepakt sind, und klagt das„ Fatum", das Schicksal an und nicht die Blindwütigkeit und Kurzsichtigkeit der letzten D. 5.-L. Aber trotzdem- die tärpolitiker in Scherben, so daß der„ Ia g", der einen Aufsatz Dolch stoßlüge schlägt auch dieser hochkonservative MiliSchwerdtfegers über die Erinnerungen Clemens v. Del „ Tag", brüds bringt, gequält dem Artikel eine Bemerkung voransegt, daß er sich feineswegs mit Oberst Schwerdtfegers Schlußfolgerungen identifiziere. Es scheint den Hugenberg- ,, a g" außerordentlich peinlich zu berühren, daß in seinen Spalten jemand die niederschmetternde Wirkung von Ludendorffs Reichsleitung darstellt und die politischen Folgerungen eines wilhelminischen Staatssetretārs daraus zieht, die etwa nach dem Zeugnis Clemens v. Delbrück folgendermaßen lauteten: ( Karl Kautsky:„ Die soziale Revolution II.",„ Am Tage nach der sozialen Revolution", Seite 36 bis 37.) Wie wäre es, wenn man diesen Säßen Aufnahme in den theoretischen Teil des Programms gewährte! Sie scheinen mir bei weitem das Treffendste zu sein, was über die zu fünftige Wirtschaft gesagt werden kann. Vom kommunistischen Kriegsschauplatz. Der Befehl der„ Ekki" wird ausgeführt. Der Befehl der„ Etti"- für den nicht eingeweihten Leser: affenstillstandsforderung auf die politische Erekutiv- Komitee der kommunistischen Internationale. Ein Bezirk nach dem andern pariert Order und triumphierend verWestfachsen, fündet die ,, Rote Fahne" die neuesten Siege vom Kriegsschauplay. So haben die Bezirke West fachsen, Niedersach heißen und versprechen damit die neue Taktik durchzuführen. fen und Niederrhein„ einstimmig" den Brief gutgewie sehr diese neue Taktik von den Bedürfnissen der russi fchen Außenpolitik diftiert ist, zeigt die„ Rote Fahne" In dem Erläuterungsartikel zu diesem Ausschußantrag wurde in dem Artikel:„ Um die deutsche Nahrungsmittel erzeugung" im ,, Borwärts" vom 26. Juli 1925 gesagt: " Der jozialdemokratische Antrag stützt sich auf das Gutachten der Mitglieder des Agrarenqueteausschusses, Aereboe und Gering, daß der Schwerpunkt der deutschen Agrarverfassung im bäuerlichen Fa milienbetriebe liegt und daß hierin ein besonderer Vorzug der deutschen Agrarverfassung zu erblicken ist. Der sozialdemokratische Antrag, der gewiffermaßen in kürzester Form ein grundlegendes felber in ihrer wütenden Bolemit gegen die angeblich rechten" an Tage und Stunden flammerte und das Friedens Produktions- und Intensivierungsprogramm für die Landwirtschaft enthält, erhebt die Forderung, den bäuerlichen Familien. betrieb bei allen Maßnahmen besonders zu berüdfichtigen." = 12 " Selbst wenn man die Partie verloren gab und eine baldige Einstellung des Kampfes für notwendig erachtete, war doch kein Anlaß erkennbar, weshalb die Oberste Heeresleitung sin angebot mitten in einer schweren inner politischen Krisis ergehen lassen wollte." Mit großer Sorge erfüllte es C. v. Delbrück, daß man gleichzeitig um einen fofortigen Waffenftillstand nachsuchte. Das mußte einerseits als ein Zeichen von Schwäche angesehen werden, andererfeits machte es die französischen und englischen Generale, ohne die über einen Waffenstillstand nicht verhandelt werden konnte, zu Herren der Lage. Die Waffenstillstandsverhandlungen traten in den Vordergrund, und es konnte dahin Rapitulation verhandeln mußten, die uns zwang, jeden fommen, daß wir nicht mehr über einen Frieden, sondern über eine Frieden zu akzeptieren. Abweichungen der Ruth- Fischer- Maslow- Gruppe. Die Bezeichnung rechts" ist in diesem Fall natürlich nur gewählt, um die Mitglieder zu beruhigen. Wörtlich schreibt die Rote Während so die politische Pragis der Partei feit der Fahne": Umwälzung immer entschiedener auf Förderung der BauernRechts, und nicht links, ist schließlich die ideologische Kam. wirtschaften eingestellt wurde, hält es die Programmfommij- pagne gegen die Taktik der Komintern, die von dieser Gruppe feit fion offenbar für gut, die Bauern von neuem mit der theore- langer Zeit geführt wird. Die Legenden vom Moskauer Optischen Freßlegende" vor den Kopf zu stoßen. Und das in portunism us" find gerade in der heutigen Situation eine einer Zeit, wo es immer flarer zu Tage tritt, daß eine wirtdirette antibolichemistische Gefahr. Sie stehen- ob jeftiv liche ,, Eroberung der politischen Macht" ohne Gewinnung der auf einer Linie mit der Heze Paul Levis und Frieslands Masse der kleinen Arbeitsbauern unmöglich ist, wo darum gegen Sowjetrußlands angeblichen Verrat ander westeuroder Ruf:„ Hinaus auf's Land"! erneut in weitesten Kreisen blid, wo breite jozialdemokratische Arbeitermaffen mit Sowjetrußland auf die Dolchstoßlegende eingeschworenen Lesertreis mit dem päischen Arbeiterbewegung". Gerade in einem AugenUnd so unterbreitet der„ Tag" diese Wahrheiten seinem zu sympatisieren beginnen, versuchen die reaktionären sozialbemo fratischen Partei- und Gewerkschaftsführer gerade mit solchen linken entschuldigenden Kommentar, der Auffah Schwerdtfegers verPhrasen die Ostorientierung der Arbeiter zu verfolge wohl die„ Absicht, die Versöhnung zwischen denjenigen hindern. Sogar Kautsky wirft Sowjetrußland in seiner neuen Boltstreifen zu fördern, die sich über die Frage der Schuld am Heßbroschüre vor, daß„ Moskau die internationale Ar. Zusammenbruch heftig befehden." beiterbewegung ruiniert" und zum Kapitalismus" Schwerdtfeger setzt sich in einem weiteren Auffah, den er zurückkehrt. Die Sozialdemokraten arbeiten mit solchen Ar- in der" DA3." veröffentlicht, gegen die Angriffe füddeutscher gumenten für die geistige Vorbereitung des Durch. Kritiker" auf sein Schlußurteil und seinen und eutschen marschparagraphen im Dienste des englischen Imperialis Fatalismus" zur Wehr. Es ist eine bittere Anmus. Wer heute einen Gegensatz zwischen Mostau" und den Bar- flage gegen das durch ein verantwortungsloses Kriegsteien der Komtintern aufzureißen versucht, hilft den schlimmsten Fein- preffe amt" belogene und betrogene deutsche Bolt, was den des Proletariats." Schwerdtfeger hier schreibt: der Partei ertönt. Der Grund für die Wiederausgrabung jenes Gazes ift offenbar das Bedürfnis, dem Prinzip der Vergesellschaftung der großen monopolistisch konzentrierten Produktionsmittel im Programm Ausdruck zu verleihen. Will man das, so genügt es zu sagen: Bergesellschaftung der monopolisierten groß tapitalistischen Produktionszweige. So wenig wie die Millionen Bauernwirtschaften von oben herunter vergesellschaftet" werden fönnen, so wenig ist das mit den Millionen leinfapitalistischer Produktions- und Handelsbetriebe der Fall. Jeder Bersuch einer prinzipiellen Schablonisierung unferes Wirtschaftslebens wird von der Wirklichkeit Lügen gestraft. Wer sich von der Idee einer uniformen Gestaltung zufünftiger Wirtschaftsweise noch nicht frei machen fann, dem empfehle ich die nachdentliche Beachtung folgender aus Karl Kautstys Feder geflossener Säße: ,, Nichts ist irriger, als fich eine sozialistische Gesellschaft als einen einfachen starren Mechanismus vorzustellen, der, einmal in Gang gebracht. immer wieder in gleicher Weise sein Räderwert ablaufen räßt. Die mannigfachsten Arten des Eigentums an „ Fortsetzung" Von Fritz Müller- Partenkirchen. Ich habe die Schullesebücher meiner Jugend hervorgeholt. Dann rief ich meine Kinder, daß sie die ihrigen daneben legten. Es ergab sich, daß sich die Lesebücher sehr geändert hatten, im Drud, im Einband, in der Farbe, im Pfundgewicht. Nur in etwas maren sie ganz gleich geblieben: in den moralischen Lesestücken. Da war er noch der edle Friedrich mit seinem Gegenspiel, dem bösen Ulrich. Da troff der brave Konrad noch von Güte, während der Tunichtgut von Franz eflig unter die Räder kam. Da pantschte noch der Engel von Elisabeth in dickflüssigen Wohltaten herum, während Ellas Flattergeist. am Ende über spige Steine stolperte. Wie tommt es, hab' ich mich gefragt, daß alles fich entwickelt hat, der Druck, der Einband, und das Bfundgewicht, nicht aber der moralisch aufgehobene Finger? Oder fah man's mur nicht? Vielleicht hat sich der Finger unsichtbar verlängert? Ich ging ihm nach und fand die Fortfegung: Grille. Die Grille und die Ameise Die hungrige Grille tam im strengen Winter zur Ameise und bat fie um Effen. Hast Du denn nicht Speise für den Winter geSammelt?" fragte die Ameife. Ich hatte ja teine Zeit dazu," mar die Antwort. ,, Keine Zeit, Frau Grille? Was haft Du dem im Sommer zu tun gehabt?" Ich habe gesungen", erwiderte die Run gut, wenn Du im Sommer musiziert haft, so magst Du jetzt im Winter tanzen."/ Fortsetzung: Alle Schüler mußten diese Fabel nacherzählen, auswendig lernen und einen Auffah daraus machen. Sie brachten es nicht mehr aus dem Kopf. Groß geworden, wurden fie ein Volk von Ameisen. Wenn im Winter die hungrigen Künstler, Dichter und Denker zu ihnen kamen, sagten sie in bravem Eingedenken an das Lesebuch: Nun gut, wenn ihr im Sommer Jangt, mögt ihr im Winter tanzen," und ließen ihre Dichter hungern. Edle Wohltätigteit. Konrad begegnete jeden Morgen auf dem Schulweg einem Bettler. Diefer bat ihn um ein Almosen. Da aber Konrad fein Geld hatte, gab er ihm sein Butterbrot. Das tat der gute Konrad Tag für Tag. Fortsetzung: Als Konrad groß geworden war und Frau und Kinder hatte, mußte er im besten Mannesalter sterben. Die Aerzte setzten in den Totenschein:„ Starb an vorzeitiger Entartung der Gewebe, die in früher Jugend an Unterernährung gelitten haben müssen." Nicht das meinige. Ganz glatt scheint aber selbst in der KPD. die befohlene Schwenkung nicht zu gehen. Der Berliner Bezirks vorst and hat in einer allgemeinen Abstimmung den offenen Brief der Erefutive mit 48 gegen 22 Stimmen abge lehnt. Bei einer nachträglichen Abstimmung derjenigen, die in der Sigung gefehlt hatten, ergab sich ein Stimmverhältnis von 63 gegen 24. Die Rote Fahne" stellt ausverhältnis von 63 gegen 24. Die" Rote Fahne" ftellt ausdrücklich fest, daß Ruth Fischer gemeinsam mit der Minderheit gegen die Mehrheit der Bezirksleitung für die An" Bugleich hatte sich in steigendem Maße eine Stellungnahme des ganzen deutschen Volkes mit verschwindend geringen Ausnahmen zugunsten einer rein militärischen Betrachtungsmeise und zuungunsten des politischen Dentens vollzogen... Die öffentliche Meinung ging mit der militärischen Führung und verschob die Dinge immer mehr im Sinne einer Ausschaltung der politischen Gesichtspuntte.... Das deutsche Bolt selbst, der tragische Held des Geschehens, hat stets dazu beiI getragen, diese un heilvolle Entwicklung noch zu verstärken." wir haben doch vorher besseres Rorn gesehen?" Das ist wahr, ,, Das ist wahr,| zu Worte zu femmen und wurde dann von Polizisten abgeführt. Sie aber es war nicht das meinige". Fortsetzung: Als es wieder behauptete bei ihrer Bernehmung, daß die Gesellschaft zur Förderung Frieden war, sollte in diesem Dorf ein Bürgermeister gewählt der Moral eine schwarze Liste von solchen Bühnenwerten zusammenwerden. Da wurde jener Bauer vorgeschlagen. Mein", sagten die gestellt habe, deren Aufführung die Mitglieder der Gesellschaft mit imftande, im nächsten Krieg den Feind an allen anderen Dörfern Leute, den nehmen wir nicht zum Bürgermeister. Der wäre fonit allen Mitteln zu verhindern entschloffen feien. Es tann also eine bewegte Theatersaison in London geben. porbei in sein eigenes Dorf zum Plündern zu führen." Die Technik des großen Films behandelte Dipl.- Ing. Kossowski in einem Kinovortrage in der Urania. Leider trennte er Vortrag und Kinovorführung. Seine aus der Praxis geschöpften Erläuterungen und Enthüllungen( wie es gemacht wird und auch wie es falsch gemacht wird) werden manchem die Lichtspieltunft in ganz anderem Lichte erscheinen lassen. Vor allem gaben sie eine deutfleinsten Stück Film steckt. Besonders interessant waren die Vorliche Borstellung davon, wie unendlich viel geduldiger Arbeit in dem führungen aus der Welt der Filmschauspieler und derer, die es ( wie gehen und sich feßen) filmgerecht vorzunehmen. Wie Filmwerden wollen. Man sah da, wie schwer es ist, die einfachste Sache bauten entstehen, wie der Rohfilm präpariert und der belichtete Film entwidelt wird, wie die Kamera arbeitet, tam anschaulich heraus. Die Rätsel des Tridfilmes wurden entschleiert und vieles andere erklärt. Aber Vortrag und Vorführung sollten ineinandergearbeitet und das ganze organischer aufgebaut werden. Bierabende und Amtsroben. Die Stätten der deutschen Wissenschaft beginnen sich jetzt langsam vom lastenden Drud ber Kriegsinstituten an ausreichenden Mitteln, den jüngeren Gelehrten an und Nachkriegszeit zu erholen. Aber noch fehlt es den Forschungswirksamen Beihilfen. Reichere, glücklichere Länder, die vom Kriege kaum berührt wurden, drohen die deutsche wissenschaftliche Forschung diesem llebel nach Kräften zu steuern. Lücken in den Bibliotheks zu überflügeln. Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft fucht beständen werden allmählich aufgefüllt, und selbst die kostspielige Literatur des Auslandes, von Fachausschüssen der Notgemeinschaft gefichtet, geht nach und nach den Hochschulbüchereien zu. Doch ein verarmtes, verschuldetes Land ist eine Stiefmutter der Wissenschaft. Allzu knapp find die öffentlichen Mittel, die der reinen Forfdjung und ihren Jüngern zu Gebote stehen. Bei diesem trüben Bilde der Gegenwart wirten zwei Hochschulnachrichten aus Frankfurt a. M. eine Meggerei, um einen Ralbstopf zu faufen. Als der FleischerEntgewerkschaftlichung. Ein nicht organisierter Mann tritt in und Dresden doppelt beschämend. Bom 24. bis 26. September geselle den Kopf einwickelt, bemerkt der Kunde eine Inschrift, die d. J. tagt in Frankfurt die deutsche Bereinigung für Mikrobiologie. besagt, daß dies ein Laden der organisierten Arbeiter sei. Sagen Büfett im Frankfurter Hof", dem ersten Hotel der Stadt, fein. Jawohl, mein Herr," erwiderte der Fleischergeselle. D, ich bin Das Hauptereignis des Rongresses wird ein Bierabend mit faltem Gie, forschte der Kunde, ist dies auch Gewerkschaftsarbeit?" nicht weniger gegenwartsfroh flingt die folgende Nachricht aus Diesben: Dbzwar durch die zeitgemäße Berordnung des Reichsarbeit haben. Ich fann die Ware leicht entgewerkschaftlichen," fein Freund der Gemertschaften und möchte auch feine Gewerkschaftspräsidenten Hochschulprofefforen das Recht eingeräumt wird, bei beruhigte der Fleischergeselle, nahm den Kalbskopf und verschwand Kriegervereins- und Stahlhelmfesten die alte Militäruniform auf in dem Raum hinter dem Laden. Nach einigen Augenblicken fehrte neu gebügelt anzulegen, hat obendrein der Senat der Technischen Hochschule in Dresden beschlossen, nach dem Vorbilde der Univerfi- Sie das gemacht," fragte der Kunde. Sehr einfach, ich nahm das er zurück und bemerfte:" So, icht ist's in Ordnung. Wie haben schaffen und hierfür 5000 m. bereitzustellen! Freilich charakte täten für die Mitglieder eines Hohen Senats Amtsroben zu be- Hirn heraus." rifieren Bierabende und Amtsroben beffer als Bibliotheken und wissenschaftliche Forschungen, worauf es an unseren Hochschulen beute in erster Linie ankommt. Spielplanänderung. In der Bollsbühne gelangt am Freitag in AbDie Eröffnung der Tribüne muß auf nächste Woche verschoben werden. hat befchloffen, die vor längerer Zeit aus Rußland zurückgelieferte HerderWiederaufstellung der Rigaer Herderbüfte. Das Rigaer Bildungsamt büfte auf ihrem alten Standort auf dem Herderplak wieder aufstellen zu laffen. Die Eröffnung der Städtischen Oper. Troß der Verzögerung, die ber Bauarbeiterftreit mit fich gebracht hat, ist der Umbau des bisherigen Deutschen Opernbanses soweit gefördert worden, daß die Eröffnung nunmehr bestimmt am 18. d. M. ftattfinden wird. Als Eröffnungsvorstellung anwalt in Deutschland scheint die Präsidentin der englischen Geselländerung des Spielplans, amlet" zur Ausführung. Anfang 7%, Uhr. Eine Förderin der Moral". Ebenso wenig wie der Staats- geben Die Meistersinger von Nürnberg in Szene. schaft für Förderung der Moral" zu wissen, daß es Dingen gegenüber, die man unterbrücken möchte, feine falschere Tattit gibt, als sie mit seinen Zensurmaßnahmen seinerzeit für Wedekinds Dramen mit zum Gegenstand eines Standals zu machen. Wie der Staatsanwalt unerhörtem Erfolg Reflame gemacht hat, so tat es in diesen Tagen die genannte Dame, indem sie bei der Aufführung eines Stüdes des erfolgreichen englischen Dramatiters Noel Cowards Die gefallenen Engel" eine Mischung von Sham und Wedekind einen Standal verursachte. Bei Beginn des zweiten Attes erhob fie gegen die Aufführung dieses Stüdes und verlange, daß die Szene, die nun folgen soll, übergangen werde!". Natürlich erhob sich ein wüfter Tumult, die Sittlichkeitspräsidentin versuchte noch einmal, bon 3570 Rilometer. Ein feindlicher Offizier tam ins Dorf und verlangte barsch Korn für seine Truppen. Gin Bauer führte ihn vors Dorf hinaus. Sie tamen an manchen schönen Getreidefeld vorüber. Ist es hier?" sich und rief:„ Ich erhebe im Namen der Frauen Englands Einspruch norwegischer Flagge, aber mit italienischem Berfonal erfolgen. Dieses Luft fragte der Offizier. Noch nicht", sagte der Bauer. Endlich kamen sie an einen ärmlichen Ader. Hier ist es, Herr Offizier," ie, Amundsens neuer Nordpolplan. Die italienischen Blätter melden, daß Amundsen für seine nächste Nordpolfahrt im tommenden Frühjahr das halbftarre Luftschiff 1 für den italienischen Fislus zu günstigen Bedingungen an getauft bat. Die neue Nordpolarfahrt soll im nächsten Frübjahr wohl unter fchiff it 106 meter lang, besitzt 3 Motoren, die ihm eine Geschwindigkeit von 77 bis 105 Stilometer in der Stunde geben, und hat einen Aktionsradius Tatsächlich ist das deutsche Doli bis hinauf zum wilhel- minischen Staatssekretär und bis hinüber zur konservativen Reichstagsfraktion durch die.Halbgötter" der.O. H.-L." und des..Kriegspresseamtes" belogen und in eine m i l i t a- ristische Psychose hineingetrieben worden, die es dem E i n z c l l e f e r der deutschen Presse einfach unmöglich machte, den„klaren politischen Verstand" zu bewahren. Hier liegt die Schuld I Die ist aber nicht tragisch und nicht heroisch! Sondern kriminell und unmoralisch! Der Beweis dafür ist der Katzenjammer, der sich jetzt sogar in der Rechtspresse Raum schaffen muß._ Ein Kabinettstück neuöeutscher Justiz. Ter Einzelrichter von Pöllwitz. Der Oberreichsanwalt hielt es für angezeigt, zur IIIu- stration der deutschen Rechtspflege unter den Abschnitt der neuen deutschen Justiz einen kräftigen Strich zu ziehen und setzte auch die beiden Kapp-Putschisten und Konter- revolutionäre, den Kapitän Ehrhardt und den Oberst Bauer, außer Verfolgung. Den Ehrhardt, der wegen Meineids und Anstiftung zum Meineid verfolgt wurde! Während jedoch die Richter und Staatsanwälte des Reichsgerichts und der großstädtischen Landgerichte immer noch gewisse Rechtsfloskeln vor ihre Urteile und Haftbefehle setzen, hat uns ein Amtsrichter aus Pöllwitz in Schlesien die wahre Psyche des deutschen.Einzelrichters" in einer klassischen Urteilsbegründung offenbart, die der Nachwelt überliefert zu werden verdient. Der Tatbestand tft kurz folgender: In Kummernick in Schlesien hielt die sozialdemokratische Partei voriges Jahr eine Wahloersammlung ab. Ein als.nationales" Rauh- bein bekannter Landwirt, namens Schwarzlose, setzte sich bei Beginn des Schlußwortes ans Klavier, ließ von seinem völkischen Sprengtrupp" einen grausigen Schlachtgesang intonieren und widersetzte sich dann der dreimaligen Aufforderung des Vorsitzenden, das Lokal zu ver- lassen. Die Partei klagt wegen Hausfriedensbruch. Der Herr Amtsrichter weist„Im Namen des Volkes" die Klage ab und spricht den Angeklagten mit einer Begründung st ei, die, geschrieben auf ein amtliches Papier der Republik, nichts andres als eine wüste Bierbankrede gegen den neuen Staat ist und folgende klassischen Sätze enthält: .Bekanntlich besteht das Wohloersammlung besuchende Publi- kxm überhaupt nicht aus Leuten, die das ernsthafte Bestreben h iden, sich dort in erster Linie über politische Fragen in Ruhe und '!ngestörtheit gründlich zu unterrichten(wozu derartige Deranstal- ungen auch ganz ungeeignet sind). Das Schlußwort ist gewöhnlich nur eine Art aufdringlichen Fanfarengeschmetters, mit dem der Umdruck der Versammlung möglichst wirksam vertiest werden soll id von dessen Wirksamkeit erfahrungsgemäß auch der Erfolg des : i s ch z u g e s in den Reihen der Haltlosen tatsächlich ab- .inat. Der Hauptredner hat im Schlußwort in zusammenhängen- er Rede das letzte Wort und nützt diese günstige strategische Lage iufig dazu aus, erst jetzt das allerschwerste Geschütz seiner Schlag- ärter mit heftigen Angriffen aus die Opposition und die gegne- -'chen Diskussionsredner zu allgemeiner Ohren- und Ge- iirnbetäubung auf die Menge loszulassen. Der Minister des Innern ist in seiner an die Polizei ergangenen Verfügung vom 29. März(M. d. I. S. 349) der Ansicht, daß ."er Wahlkampf nicht mit terroristischen Mitteln geführt werden dürfe. Was heißt das? Man wird, um die Absicht des Ministers smigermaßen erkennen zu können, vielleicht mit Dorteil einen Blick darauf werfen, mas in europäischen Parlamenten und namentlich in deutschen Volksvertretungen nach vielfachen Pressemeldungen als zurzeit ollgemein üblich im Kampfe der politischen Meinungen angesehen wird, denn jedenfalls darf wohl der Schluß gezogen werden, daß, was die politisch H ö ch st stehenden eines Volkes nicht verpönen, auch dem einfachen Manne aus dem Volke in den poli- tischen Versammlungen, die er besucht, erlaubt sein muß.... Nun steht fest, daß in den gesetzgebenden politischen Versammlungen, e«wa Ungarns, der Tschechoslowakei, Polens, Frankreichs, Mexikos die Verwendung stärkster akustischer Mittel zur Niederkämpfung politischer Gegner von jeher üblich war, und daß die deutschen Volksvertretungen im Laufe der letzten Jahre sich diese im Ausland bewährte Methode ebenfalls immer mehr angeeignet haben. ?m Deutschen Reichstage und Preußischen Landtage z. B., die nach en Verfassungen als die Auswahl der feinsten politischen Köpfe Deutschlands anzusehen und daher bei Ermittlung von Rechts- und Anstandsnormen im politischen Leben wohl als Vorbild zu achten ünd, bedient sich ein Teil der Opposition zur Hervorbringung von Stimmungsefsekten ganz merkwürdiger Instrumente.--- Aus diesen Erwägungen ergibt sich die B e r e ch t i g u n g des Angeklagten zum Klavier spiel im vorliegenden Falle und die rechtliche Beschränkung des Versammlungsleiters, dieses dem Angeklagten verfassungsmäßig zustehende Recht durch Hinauswersen aus dem Saal verkümmern zu dürfen, selbst wenn man dem Der- sammlungsleiter ein relatives Hausrecht zuerkennen will." Die Herren Richter haben sich in den sechs Jahren Repu- blik ja schon allerhand gegen den neuen Staat heraus- genommen. Den Herren Amtsgerichtsrat Dr. Springer in Volkwitz aber scheint der Geist Bewersdorffs, der seit Friedrich Eberts.Erledigung" durch ein deutsches Gericht offensichtlich unsere Amtsstuben unsicher macht, nicht mehr schlafen zu lassen. Und so fügt er zu der Rechtsbeugung noch den Hohn. Ireltod öer Tochter Eüuarö Sernsteins. Die Gattin des Arztes und Sozialhygieniker» Pros. Dr. C h a j e s. unseres bekannten Parteigenossen, hat heute morgen einen tragischen Tod gefunden. Frau Chnjes war die Tochter des Genossen Eduard Bernstein. Seit Iahren schwer nerven- leidend, befand sie sich mit ihrem Gatten auf einer Erholungsreise. ol» die Nachricht von der Erkrankung de» Vaters sie zurückrief. Seit ihrer Rückkehr hat sie sich liebevoll um den Erkrankten bemüht. dessen Genesung zusehends Fortschritte machte. Heute früh ober hat sich Frau Chajes aus ihrer vier Treppen hochgelegenen Wohnung in der Innsbrucker Straße herabgestürzt. Sie erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß sie bald darauf starb. Welche Gründe sie dazu trieben, den Freitod zu suchen, ist nicht zu erfahren. Wahrscheinlich hat die Erkrankung ihre« Vater» und die mit der plötzlichen Rückberufung verbundenen Aufregungen ihr Leiden noch außerordentlich oerstärkt, sodaß der letzte Schritt auf einen Nerven- Zusammenbruch zurückzuführen wäre. Den in der Genesung begriffenen Genossen Eduard Bernstein wird die Nachricht zweifellos schwer treffen, nicht minder den Gatten der Verstorbenen. Die Parteigenossen, denen Bernstein wie ffgatts fiCTtoBtf Arewlde jiafa. werde» ihre Trauer teilen. ZWijchenfall. Es ist um die Mittagsstunde. Durch den fiebernden Verkehr der Straßenbahnen, Autobusse und Kraftwagen schlängelt sich springend, spähend, im steten Uebersetzen von Punkt zu Punkt, der Mensch. Dicht sitzt ihm der Wirbel der endlosen Maschinerie im Nacken. Es ist jedoch keine Kampfstellung, die er in dieser Methode des Chaos einzunehmen braucht. Er kalkuliert nicht die Schwierig- leiten, er überwindet sie niit Instinkt. Hier herrscht keine Be- sinnung, weil die Mechanik triumphiert. Das Radwsrk läuft sich spulend aus, bis die hemmenden Schatten sinken und die lässige Unbe- stimmtheit der Nacht verwischend über alles kommt. Manchmal jedoch gibt es Augenblicke... Aus der größten Straße kommt in langsamem Gang ein L e i ch e n w a g e n. Er müßte sich ja dem Tempo des Verkehrs anpassen. Aber er springt aus der Reihe. Auch Springen wäre zu viel gesagt. Der Schupomann, der mit ausge- ftreckter Hand das vielzuckende Ungeheuer Verkehr regelt, ist unschlüssig und augenscheinlich rotlos. Dies sieht das Reglement nicht vor. Jener Kraftwagen 12 753 müßte nun eigentlich schon um die Ecke sein. Darf er stocken? Der Straßenbahnführer steht, jäh bremsend, mit der Hand an der Kurbel. Jetzt ist der schwarze Wagen im Brennpunkt der Straße. Wie leichtes Aufbäumen geht es durch die rostlose Maschinerie. Leiser Unwille paart sich mit Verwunde- rung. Ein Herzschlag Stocken. Sie gönnen dem Tod, der jetzt schon wieder humpelnd auf der anderen Straßenseite verschwindet, zwei Minuten Ruhe. Und aufatmend braust das Leben in neuem Puls- schlag weiter. verftänöige Nichter. Da» Leben im Wohlstand als Verführer. Es ist eine alte Geschichte: Zu leicht fallen junge Hausangestellte den Versuchungen des wohlhabenden Hauses zum Opfer. Der Wohlstand, der sie umgibt, wird ihnen zum Verhängnis. Auch sie gelüstet es nach den wundervollen Dingen, die sich im Besitze der Menschen befinden, mit denen sie unter einem Dach leben. Jugend- licher Leichtsinn, natürliches Pntzbedürfnis führen ihre Hand. Eines schönen Tages werden aber die Verfehlungen bekannt. Dann heißt es: Diebin. Anzeige. Haft, Gericht. Wohl dem Mädchen, das dann einen verständigen Richter findet. Da steht vor dem Einzelrichter, bescheiden und tJeblfch, ein neunzehnjähriges Ding. Es war ihre erste Stellung. Sie ist hierher von einem Thüringer Städtchen geholt worden. Am 19. Oktober trat sie ihren Dienst an. Schon vor Weihnachten begann hin und wieder Geld aus der Brieftasche des Herrn zu verschwinden. Dann kam eine Armbanduhr an die Reihe. Auch jetzt siel noch kein Ver- dacht auf sie. Sie war ja so liebevoll, anhänglich, man hielt sie auch sehr gut im Hause. Dann fehlte aber eine goldene Uhrkette. Man suchte in ihren Sachen nach. Geld, ein Gedichtband, eine Krawatte, ein Paar Handschuhe, die man bei ihr fand, gestand sie genommen zu haben. Man schickte sie nach Hause, sprach dort mit ihren Eltern, versuchte auch, sie zum reden zu bringen. Sie behauptete aber nach wie vor, die anderen Sachen nicht genommen zu haben. Da niachten die Arbeitgeber Anzeige. Auch hier blieb das Mädchen bei ihrem Leugnen. Sie erhielt zehn Tage Gefängnis, Strafaus- s e tz u n g. Die Leiterin der Wohlfahrtsstelle am Polizeipräsidium erschien, um die Schutzaussicht zu übernehmen. Das junge Mädchen hatte bereits eine andere Stelle. Am selben Tage ein zweiter Fall. Hier hat das Mädchen im Juni ihre Stelle angetreten. Schon im August fehlt« Ver- schiedenes. Auch hier suchte man in den Sachen des Mädchen» nach und fand S9 Zigarren, eine Flasche Wein, fünf Meter Leinen und Hemden, die einer, anderen Angestellten gehörten. Auch hier lautete da» Urteil auf zehn T ag e G e- fängnis. Strafaussetzung. Die Schutzaufsicht soll die Frauenhilfsstelle übernehmen. Der Richter betonte wohl den Leicht- sinn der Mädchen und wollte sie vor dem Gefängnis bewahren. Trotzdem sind die beiden Urteile zu bemängeln.' Der Staat»- anmalt hatte Gefängnis beantragt, weil die Vermögenslosigkeit der Mädchen eine Geldstrafe unmöglich mache. So wird selbst die Mittellosigkeit der Mädchen zur Strafe für sie. In Wirklichkeit könnte aber auch die Ersatzfreiheitsstrafe bei guter Fühning erlassen werden. Die Geldstrafe könnte ober in kleinen Raten auch die Hausangestellte bezahlen. Vom kriminalpädagogischen Standpunkte aus ist die Geldstrafe gerade in diesen Fällen ratsam. Sie dient gewissermaßen als ständige Mahnung und Warnung, dagegen kann der Makel der Gefängnisstrafe in so mancher Beziehung dem Mädchen im späteren Leben hinderlich werden. Ungerechtfertigt erscheint auch die Beaus- tragung der Frauenhilfsstelle, deren Aufgabe allein die Betreuung der sittengefährdetcn Mädchen ist, mit der Schutzaufsicht. Dagegen übernimmt die Wohlfahrtsstelle am Polizeipräsidium auch bei jungen Mädchen, die das 21. Lebensjahr überschritten haben, seh? gern die Schutzaussicht._ Im Streit erschossen. Im Streit hat in der vergangenen Nacht der 29 Jahre alt« Kaufmann Willy M i l l i u s den Kaufmann Josef D o- b r a ch o w s k i in dem Hause Nikolsburger Platz 3 erschossen. Hier bewohnte Millius seit Anfang Juli d. I. ein möbliertes Zimmer. Ihn, wurde gekündigt, weil er mit der Miete im Rück- stand war, und an den nächsten Tagen sollte er ausziehen. Da» Zimmer war bereits an Dobrachowski wieder vermietet. Gestern war Millius den Tag über in Groß-Bcrlin geschäftlich tätig. Erst gegen 12 Uhr nachts kam er nach Haufe. Jetzt sah er zu seiner Verwunderung, daß seine Sachen auf den Flur gestellt waren und daß Dobrachowski das Zimmer bereit» bezogen hatte. In großer Aufregung ging er zu dem neuen Mieter hinein und stellte ihn zur Rede. Es kam zwischen den beiden zu einem heftigen Streit, der damit endete, daß Millius seinen Revolver zog und seinen Gegner niederschoß. Dieser brach tot zusammen. Millius begab sich jofort nach dem 156. Revier und zeigte den traurigen Vorfall an. Nach seiner Darstellung hat Dobrachowski ihn angegriffen, so daß er in der N o t w e h r zum Revolver griff und den Verhängnis- vollen Schuß abgab. Ob das richtig ist, bedarf noch der näheren Untersuchung. Millius wurde vorläufig in Hast behalten. Der schützende Pfeil. Auf dem Kurfürstendamm an der Joachimsthal rr Straße sind merkwürdige Zeichen aus dem Asphalt erblüht. Sie erglühen in brennend roter Farbe und sind mit einem weißen Rand dekoriert. Die Form des Pseiles paßt zu ihnen nicht, da ein Pfeil gewöhnlich schlank und lang ist und nicht unter Vcrsettungs- erscheinungen leidet. Eigenttich wirken diese grotesken Wesen wie Reklamemarken, die aus irgendeinen Zirkus oder aus eine ähnliche Anstalt hinweisen. Das sind sie aber keineswegs, im Gegenteil, sie dienen einem durchaus ernsthasten Berkehrszweck. Sie grenzen«inen schmalen Straßen st reifen ab, der ge- wissermaßen für die Fußgänger eine Rettungsinsel vor der drängenden Flut der Automobile an den Halte st eilen der Straßenbahn bildet, eine Notwendigkeit, da die meisten Automobile in großzügiger Weise von ein- und aussteigenden Menschen keine Notiz nehmen und wenn irgend möglich noch ihr« Fahrgeschwindigkeit an diesen gefährlichen Stellen erhöhen. Die Pfeile am Kurfürstendamm stehen augenblicklich Probe, man weiß noch nicht, ob sich diese Einrichtung so bewahren wird, um in allen Teilen Groß-Derlins eingeführt zu werden. Jedenfalls geben sie, wie sie auch ihre Probezeit überstehen werden, dem Strohenbild eine neue Note._ jener ans dem Flugplatz in Zohannisthal. Auf dem Flugplatz in Johannisthal kam heute in der Flugzeughalle 9, die zu einem Wohuhauje umgebaut ist» ein ouv öejjeu Kutjtehungs» ursache noch nicht ermittelt werden konnte. Neben der Adlershofer Feuerwehr rückte auch die Wehr der Berliner Zugwache 8 zur Le- kämpfung des Feuers aus. Jugeaöpflege auf üem Lanöe. Von Staats wegen wird darauf hingearbeitet, daß in jedem Orte ein Ausschuß für Jugendpflege gebildet werde, der ehrenamtlich sich betätigt. Ein lobenswertes Beginnen, das den Zweck hat, die aus der«schule Entlassenen durch Sportübungen und Befriedigung geistiger und künstlerischer Bedürfnisse zu törper- lich tüchtigen und geistig interessierten Menschen zu machen. Un- parteiisch gehandhabt und jegliche politische Beeinflussung vermei- dend kann das Wirken eines solchen Ausschusses segensreich wirken. Zluf dem Lande, in den Dörfern, liegen die Verhältnisse be- kanntlich so, daß der Landbund dominiert und in dem ihm ange- gliederten Jugendlandbund die heranwachsende Jugend, Burschen wie Mädchen, zu seinen Rekruten heranzieht, die, in der Mehrzahl Söhne und Töchter von Bauern, aus den von seiner Arbeit lebenden Jugendlichen„ohne Ar und Halm" mit Geringschätzung herabblicken. Einer unserer Mitarbeiter hatte jüngst Gelegenheit, der Bildung eines solchen Ausschusses für Jugendpflege in einem Dorfe der Umgebung Berlins beizuwohnen, und es gelang uns. dem Gedanken eines unpolitischen, der gesamten Jugend offenstehenden Iugcndvereins zum Siege zu verhelfen, trotzdem Iugendlandbund und Frontbanner(!) ihre Ansprüche aus Jugend- pflege anmeldeten, während ein sozialdemokratischer oder demökra- tischer Jugendverein nicht existierten. Es wurde beschlossen, mit Hilfe von Gemeinde und Kreis einen Sportplatz anzulegen, sowie auch der Vermittlung geistiger Genüsse näher zu treten. Es wäre unserer Ansicht nach falsch, wenn Jugendliche, die schon halb auf dem Boden einer freien Weltanschauung stehen oder deren Eltern der sozialdemokratischen oder demokratischen Partei ange» hören, sich von der Beteiligung ausschließen würden, denn das hieße nur den Gegner stärken. Wie der Vertreter der Kreis-Iugend- pflege in seinem einleitenden Vortrage betonte und wie es alle anwesenden älteren Gemeindemitglieder bestätigten, ist es de? Wunsch, eine neutrale Sport- und Bildungsstelle zu bilden. Wird dies mit Hilfe aller freiheitlich Gesinnten durchgeführt, so wird damit den Phrasenhelden, die in den„nationalen" Verbänden da« große Wort führen, das Wasser abgegraben und die Haltlosigkeit ihrer Ueberhebung tritt zu Tage. Ueberlöht man ihnen aber die Pflege der in Rede stehenden Interessen, so würde es sicher dazu kommen, daß ihre„Pflege" ihren Interessen dienstbar gemacht wird. Und dazu würden dann Gemeinde und Kreis noch allgemeine Mittel bewilligen! Unfall eines Militärfonüerzuges. Zwei Tote, vierzchn Verletzte. Augsburg. 9. September.(WTB.) Die Eisenbahndirektion Augs- bürg teilt mit: Der Militärsonderzug 4934 7. der da» 3. Bataillon des 14. Reichswehr-Jnfanterierregiments Konstanz und Teile des Ausbildungsbatuillons Donaueschingen von Ulm nach Treuchtlingen beförderte, stieß heute Nacht 12 Uhr 55 Min. bei der Einfahrt in die Station Donauwörth an eine über das, Merkzeichen ins Fahrgeleise hineinragende Wagengruppe auf. Durch den Anprall wurden der hinter der Zuglokomotioe lausende Packwagen und der folgende mit Soldaten besetzte Personenwagen ineinandergeschoben. Der als Zugführer fahrende Ober» schaffner Stohr aus Augsburg, sowie der Reichswehrsoldat Fritz S ch w e h r aus Freiburg im Breisgau wurden hierbei so schwer verletzt, daß sie bald darauf starben. Außerdem wurden vier Reichswehrsoldaten schwerverletzt und zehn leicht ver- letzt. Der Materialschaden ist nicht unbedeutend. Der Unfall wurde durch ein Versehen bei der Gleisfreilegung im Bahn» Hof Donauwörth, der durch den Viehmarkt vom 8. September stark beansprucht war, herbeigeführt. Aerzte und Sanitätsmani»- schaffen waren alsbald zur Stelle. Die Verletzten such im Donau- wörcher Krankenhaus untergebracht. Mit dem Augsburger Hilfsgerütv» sonderzug traf der Präsident der Reichsbahndirektion ein. Der Militärsonderzug konnte die Fahrt um 6 Uhr früh mit fünfstündiger Verspätung fortsetzen. Weitere Betriebsstörungen hatte der Unfall nicht zur Folge. Die Nomen der Verletzten sind: 1. Friedrich Baug aus Pausen im Tal; 2. Hermann K l e i n h a n s aus St. George» bei Freibura i. B.: 3. Friedrich Holzheu au« Freiburg i. B.: 4� Joseph Zetsche aus Baden-Baden: 5. Rudolf Pfaff au» Letmagen(Westfalen): 6. Fritz Rodler aus Freibura i. D.; 7. Emil N i t f ch e aus Voringen-Stadt(Amt Hohenzollern): 8. Eugen Stadler aus Pfohren: 9. Hermann Duetfche aus Schönau- Brandt(Kreis Lörrach): 19. Anton Schießt aus Eschweiler(Amt Neustadt, Baden): 11. Anton Ullrich aus Sandweiler(Baden): 12. Karl Reiser aus Veringen-Stadt(Amt Hohenzollern). Zwei weitere Verletzte sind bereits zu ihrein Truppenteil wieder ent- lassen worden. Der japanische Weltflug. Zwei japanische Flieger. H i y o s ch i Ab« und Katsuhiko K a w a ch i, werden auf ihrem Fluge von Tokio nach Europa, der von einer der größten Zeitungen Japans, der„Osaka Asahi", ver» anstaltet worden ist, am 15. September für einen mehrtägigen Aufenthalt i n B e r l i n eintreffen. Die Reichsregierung hat ihre Ge- nehmigung zum Ueberslug Deutschlands erteilt. Die Flieger werden am 14. September von Moskau abfliegen und ihren Weg über Riga und Königsberg nehmen. Für Königsberg fft ein kurzer Auf- enthalt vorgesehen. Die Landung in Berlin wird aus dem Tempel- hofer Feld am 15. September vormittags erfolgen. Das Unternehmen der„Asahi"-Flieger ist der erste große Europaflug, der von japanischen Fliegern unternommen wird. Die Unwetterschädeu in Nordböhmen. Reichenbera, 9. September. Die Unwetterkatastrophen, die Mitte August Nordböhmen heimsuchten, haben in den am meisten betroffenen Bezirken von Gablonz, Reichenberg, Deutschgabel, Leit- meritz, Aussig nach den amtlichen Feststellungen Schäden in der Höbe von mehr als 5 9 Millionen Kronen angerichtet. Ein Ministerrat beschästiate sich mit der Frage der Aufbringung dieser Summe durch den Staat. Man faßte ein« Kreditgewährung, die durch Ersparungen im Budget geschaffen werden soll, ins Auge. 19 Millionen sind aus dem Fonds für Elementarkatastrophen noch vom Vorjahre vorrätig. Anteilnahme der Dresdner Stadtvertretung. Wie Bürgermeister und Abgeordneter Kraus- Deutschgabel in der letzten Sitzung des Stadtrates mitteilten, hat die Stadt vom Magistrat Dresden ein herzliche» Schreiben erhalten, in welchem die Dresdner Körperschaft der Stadt und der ganzen Be- völkerung warme Teilnahme ausdrückt, und daran erinnert, daß die dortige Bevölkerung sich beispielgebend der armen erholungs- bedürftigen Kinder in den Iahren 1922 und 1923 angenommen hat. Die Stadtvertretung richtete ein Dankschreiben nach Dresden, in welchem der Freude Ausdruck gegeben wird, daß man in weitesten Kreisen Deutschlands für die Lage und den Kampf des Sudeten- deutschtums Anteil und Berstöndnis aufbringt. Aulokalastrophe in Serbien. Auf der Strecke Sofio-Orchani« stürzte ein mit 11 Reisenden besetztes A u t o, als es über ein« Brücke fuhr, in den Fluh hinab. Neun Reisende wurden, schwer oerletzt, durch einen Bauern au» dem Wasser gerettet, zwei andere sind tot. Groß-Serliaer Parteinachrichten. Tcmpilhak Ocffentlich« Nersammtun« moraen Donn-r«tag, dni ia. Sevt, W 8 Uhr. Aula de» Realgymnaguu«. Ztaiserm-Augusta-Htrah« Thema: Zoll» " und Steuerpoltllk der Rcicheregierung. Referent! Zturt Heinig. Bewerkschaftsbewegung Gemeinden und Unternehmerverbände. Inzuläffige Parteinahme des Deutschen Städtetages. Die starte Stellung der sogenannten„ Wirtschaft“ und der sie Bertretenden öffentlich- rechtlichen Organisationen, Industrie- und Handelskammern usw. und auch Unternehmerverbände, fommt in lehr bezeichnender Weise darin zum Ausdruck, daß der Deutsche Städtetag an seine Mitglieder eine Dentschrift der rheinischwestfälischen Industrie- und Handelskammern und Arbeitgeberverbände über den Einfluß der Bautätigkeit der öffentlichen Körperschaften auf die Wirtschaftslage" versendet. Diese Dentschrift ist von der ersten bis zur letzten Zeile ein einziges Gejammere darüber, daß die Gewerkschaften der Arbeiter zu starte 2ohnerhöhungen durchsetzen. Sie gipfelt in der Forderung, unverzüglich Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, 1. Die Gemeinden zu der unbedingt notwendigen Sparfam teit, besonders bei ihrer Bautätigkeit, anzuhalten, 2. einer Lohn politit entgegenzumirten, die mit der schwierigen Wirtschaftslage nicht im Einklang steht." Die vom 27. Juii datierte Denkschrift vertritt in der einseitigsten Beise den engherzigen Standpunft der Unternehmerverbände. Es wird behauptet, daß der Unterschied der Industriearbeiterföhne zu den Bauarbeiterföhnen einen starten Anreiz zur Abwanderung der industriellen Facharbeiter zum Baugewerbe gebe, mo sie selbst als Hilfsarbeiter einen höheren Lohn erhalten, als ihnen die Industrie zahlen könne. Dadurch werde, namentlich für die weiterverarbeitende Industrie, die Heranbildung eines Stammes guter Facharbeiter gefährdet. Infolgedessen verschlechtere sich die Ausfuhrfähigkeit, die Handelsbilanz, die Möglichkeit, die Zahlungen des Dames- Blanes zu erfüllen usm. In diesem Zusammenhang wird den Gemeinden der an allen Eden und Enden wiederholte Borwurf gemacht, daß sie eine„ unverantwortliche Ausgabepolitif" treiben. Es wird deswegen von ihnen verlangt, daß sie ihre Bautätigkeit unter allen Umständen auf das Geringste einschränken und daß sie als Auftraggeber für öffentliche Bauten stets den Standpunkt der Unternehmer teilen soilen. Die ganze Angelegenheit hat aber noch eine andere Seite. Es ist bezeichnend, daß die Geschäftsstelle des Deutschen Städtetages ausgerechnet diese, im übrigen in vielen Einzelheiten vollkommen Schiefe und längst widerlegte Darstellung der Unternehmerverbände an die Mitglieder versendet. Bekanntlich hat sich u. a. auch der Reichs- und Staatsfommissar Mehlich gegen die Angaben dieser Dentschrift gewandt. Es ist sehr fraglich, ob die Geschäftsstelle des Deutschen Städtetages auch eine Denkschrift der Gewerkschaften über diese Frage versenden wird. Im übrigen pflegen gerade auf dem Gebiete der 2ohnpolitit die Unternehmer auf die Gemeinden allerwenigste Rücksicht zu nehmen. Es ist nicht die Aufgabe der Gemeindeverwaltung, in dem Streit zwischen den beiden Wirtschaftsgruppen sich einseitig auf die eine oder andere Seite zu stellen. Würden die Gemeinden das tun, dann würde ihre öffentliche Stellung außerordentlich erschwert, wenn nicht unhaltbar werden. Der Deutsche Städtetag, dessen Vorstand sich mit diesen Fragen demnächst beschäftigen wird, wird jedenfolle gut tun, wenn er anmaßende Einmischungsversuche der Unternehmerverbände von vornherein eindeutig zurückweist. Vor einem Streit der Bauklempner und Rohrleger. In der Bersammlung der Bauflempner am Dienstag abend im Berbandshause, Linienstraße, berichtete Dietrich vom deutschen Metallarbeiterverband über den Stand der Lohnbewegung. Wie bekannt war am 7. Auguft ein Schiedsspruch gefällt morden, der einen Spizenlchn von 1,35 m. festsezte. Die Unternehmer, mie auch tie am Tarifvertrag beteiligten Rohrleger, hatten den Schiedsspruch abgelehnt, die Bauflempner dagegen an genommen. Da die Rohrleger in den von den Bauklempnern beantragten Berbindlichkeitsverhandlungen erklärten, den Schiedsspruch als Verhandlungsbasis anzu erkennen, wurden die Berhandlungen ausgesetzt, weil die Unternehmer zu dieser veränderten Situation erst Stellung nehmen wollten. 2m Sonnabend wurden nun die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß fortgefeßt. Die Unternehmer erflärten mit aller Bestimmtheit, nicht über den MaurerJohn von 1,25 m. hinausgehen zu können. Der Schlichter machte darauf den Vorschlag, den Spizenlohn ab laufende Lohnwoche auf 1,30 m. festzulegen. Dies würde eine Verschlechterung gegenüber dem erften Schiedsspruch bedeuten, nach dem der Spizenlohn schon ab 7. August 1,35 m. betragen sollte. Der Schlichter erklärte, zu der Verbindlich 24200000 Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 wwwww Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdort Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifterzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen. HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Entdeckung des NORDPOLS in Groß- Berlin Restaurant Alexanderstraße 46-48 Ecke Neue Königstraße. Berlins neueste Sensation! Wer den echten Kapitän- Rautabak auch nur einmal versucht hat, wird ihn nicht mehr entbehren wollen. 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Villa Roseneck. in allen Größen und Preislagen Central Garderobenhaus nur Weinmeisterstraße 3, I = feitserklärung erst Stellung zu nehmen, wenn eine Ablehnung feines Bergleichsvorschlages erfolgt wäre. Die Versammlung beschloß in Anbetracht des villig ungenügenden Angebots den llebergang zur Tagesordnung. a b. Die Rohrleger nahmen ebenfalls am Dienstag in den Sophienjälen zu dem Vergleichsvorschlag Stellung und lehnten ihn aus dem gleichen Grunde wie die Bauklempner einstimmig Sollte der Schlichter nunmehr die Berbindlichkeitserklärung des am 7. August gefällten Schiedsspruches nicht aussprechen, so ist mit einem Streit der Rohrleger und Bauklempner zu rechnen. Der ständige Konflikt in der Metallindustrie. Die Fachgruppe Metallindustrie des Wertmeisterverbandes hatte zu gestern eine Funktionärversammlung nach dem Klubhaus in der Ohmstraße einberufen. Rothe referierte über die Arbeitgeber und wir in der Wirtschaft in Verbindung mit unserer Gewerkschaftsbe= wegung." Er führte aus, daß die Führung der Wirtschaft im Interesse des sozialen Menschen erfolgen muß. Je gesünder unsere Wirtschaft ist, um so bessere Arbeitsbedingungen erhalten unsere Arbeitnehmer. Beder der Kapitalprofit noch der Betrieb darf entscheidend sein für die Wirtschaftsführung, sondern nur die Stellung des sozialen Menschen innerhalb der Wirtschaft. Unserer Wirtschaft haftet noch viel zu viel Inflationsroft an. Es genügt nicht, das Kartellmesen zu befämpfen und Krediteinschränkungen vorzunehmen, so dankenswert auch diese Maßnahmen sind. Es muß eine Umorganisation durch das Herausschiffen unproduktiver Kräfte erfolgen. Es sind noch viel zu viel leitende Angestellte in unserer Wirtschaft. Warum verlangen die Arbeitgeber von ihnen nicht die Einsegung der vollen Arbeitsfraft, wie wir es von den großen Arbeitsmajjen verlangen? Der Vortragende zerpflückte dann die Argumente, die der Reichsverband der Deutschen Industrie in seiner Denkschrift angeführt hatte, um zu begründen, daß Lohnerhöhungen im jezigen Augenblic nicht am Plaze seien. Er ging dann nochmals wie der Referent in der Butabversammlung auf die Geschichte der letzten Lohnkämpfe in der Metallindustrie ein. Auch er verspricht sich weder von den Verhandlungen noch von den Schiedssprüchen ein pofitives Ergebnis. Bei der heutigen Verhandlung wird von den Wertmeistern eine 20prozentige Erhöhung auf die bereits durch den von den Arbeitgebern nicht anerkannten Schiedsspruch vom Mai um 5 Proz. erhöhten Gehälter verlangt. Der Wertmeisterverband fordert die Durchstaffelung der Gehälter in drei Gehaltsstaffeln mit drei Dienstjahren. Auch die Wertmeister sind eventuell für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen entschlossen, die legten gewerkschaftlichen Mittel in Anwendung zu bringen. Die sehr lebhafte Diskussion, die fich an den Vortrag anschloß, ergab die Uebereinstimmung der Ansichten der Diskussionsredner mit den Ausführungen des Referenten. Bor ernsten Kämpfen im Gastwirtsgewerbe. Die Unternehmer haben die vom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten gestellten Lohnforderungen für die Arbeiterschaft im Gastwirtsgewerbe abgelehnt. Sie haben auch abgelehnt, mündliche Verhandlungen zu führen und defretieren von fich aus eine Lohnerhöhung für eine fieine Minderheit der im Gastmirtsgewerbe Beschäftigten. Darüber hinaus sollen die geringen Bugeständnisse nur bis zum 3. Oftober Geltung haben, von wo ab fie wieder megfallen sollen. Man läßt durchblicken, daß man ab 3. Ottober einen Lohnabbau plant. Zur Begründung defür wird der schon lächerlich gewordene, feit langem prophezeite Preisabbau" angeführt. " Die Unternehmer des Gastwirtsgewerbes bezeichnen die fritische Lage der Arbeiterschaft als durch übertriebene Darstellung der Teuerung hervorgerufen. Gleichzeitig flagen sie über die Lage des Gastwirtsgewerbes, während andererseits festzustellen ist, daß die Betriebsführung im Gastwirtsgewerbe derartig feuer ist, daß dadurch die hohen Breise und damit der schlechte Geschäftsgang cine hinreichende Erklärung finden. Die Arbeiterorganisation hat festgestellt, daß zum Beispiel in mittleren Betrieben für drei Be triebsleiter mehr an Gehältern gezahlt wird, als für das gesamte weibliche Personal. Im Hotel Adlon wird allein dem Mufifleiter 60 000 M. Jahresgehalt gezahlt. Da der bisherige Lohntarif am 5. September abgelaufen ist, stehen ernste Auseinandersetzungen bevor. Die Haltung der Unternehmer ist derart, daß ein offener Konflikt zur Wahrscheinlichkeit wird. Gerade die Unternehmer des Gastwirtsgewerbes hätten jedoch alle Ursache, die Angestellten zur Mitarbeit heranzuziehen, um einen Abbau ihrer überftiegenen Unfosten herbeizuführen. เบ ฟ … Wir erwarten Sie am Donnerstag, den 10. Sept. zur Modenschau und Eröffnung der neuen Herbst- Saison nachmittags 31/2 Chr # Unser Geschmack, unsere Auswahl und unsere vorteilhaften Preise werden Sie auch jetzt wieder von unserer Leistungsfähigkeit überzeugen. Proteft der westdeutschen Eisenbahner. Köln, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag, den 8. September, fand in Elberfeld eine Bezirkskonferenz der drei westlichen Bezirke Essen, Elberfeld und Köln des Einheitsverbandes der Eisenbahner statt. Die Konferenz hatte den Zweck, zu den Lohntarifen in den Eisenbahnbetrieben Stellung zu nehmen. Durch das Diftat der Reichsbahnhauptverwaltung und der umgehung der Betriebsräte und der Gewerkschaften war eine Lage geschaffen, die für die Eisenbahnbediensteten unhaltbar ist. Die Konferenz war der Auffassung, daß seitens des Vorstandes und der Betriebs. leitungen alle vorbereitenden Schritte zur weiteren Abmehr von Berschlechterungen eingeleitet werden müssen. Sollte es zu weiteren Komplitationen fommen, so lehnen die Vertreter jede Berantwortung ab. Einzig und allein dem provokatorischen Vorgehen der Reichsbahnhauptverwaltung ist der Konflift zuzuschreiben. Landestagung der fächsischen Eisenbahner. Auf der Konferenz des Bezirks Sachsen des Einheitsverbandes, die am Sonntag stattfand, maren 26 622 Lohn- und Gehaltsempfänger der Reichsbahn, das sind nahezu 52 Proz. der Beschäftigten, vertreten. Nach einem Referat Scheffels wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt:... Die Kollegenschaft lehnt jede Berantwortung für etwa eintretende Komplitationen ab; die Schuld an einer Schädigung des Wirtschaftslebens würde die Reichsbahnverwal tung allein zu tragen haben." Zum Kölner Hafenarbeiterftreif. Köln, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Kölner Hafenarbeiterstreif droht weitere Kreise zu ziehen. In den Kölner Hafenarbeiterbetrieben sollen Streifbrecher von auswärts eingestellt merden. Für diesen Fall hat die Organisationsleitung Maßnahmen zur Verbreiterung und Verschärfung des Kampfes geschaffen. Der Lohnstreik der Aachener Nadler. Machen, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Berhandlungen zur Beilegung des Lohnstreifs in der Aachener Radelindustrie find vor dem amtlichen Schlichter so weit gediehen, daß eine Einigung bevorsteht und mit einem Abbruch des Streits und der Aus sperrung für die nächsten Tage gerechnet werden kann. Proteststreik der österreichischen Beamten. Der 25 er Ausschuß der Staatsbeamten bestätigte den Beschluß, morgen Donnerstag in einen dreistündigen Demonstrationsstreit zugunsten einer Gehaltserhöhung einzutreten. Die Polizeidirektion hat ihren Beamten die Teilnahme an dieser Aftion verboten. Der franzöfifche Bankbeamtenstreik dauert an. Paris, 9. September.( Ill.) Die für gestern erhoffte Beilegimg des Bantbeamtenstreits ist mißlungen, da die Bantdirettoren trog der wiederholten Borstellungen des Arbeitsministers teine 3geständnisse machen wollten. Es verbleibt nur noch die Möglichkeit eines Schiedsspruches, den, wie verlautet, drei Minister fällen werden. Der Streifausschuß hat bereits sein Einverständnis mit dem Schiedsspruch erklärt. Es steht nur noch die Zustimmung der Bankdirektoren aus, damit der vorgenannte Weg beschritten wird. Der Buchdruckerstreit in Belgien. Brüffel, 9. September( Tul.) Die Schlichtungsverhandlungen im belgischen Arbeitsministerium zwischen den Vertretern der streifenden Buchdrucker und den Arbeitgebern sind ergebnislos veriaufen. Der Streit dauert bereits sechs Wochen. Warnung vor einem Schwindler. Ein gewisser Wilhelm Schilling treibt sich in Berlin herum, un Arbeiterorganisationen und Barteien zu betrügen. Sch. gibt sich als Flüchtling aus. Er will von den Franzosen megen antimilitaristischer Propaganda verfolgt sein. Er hat Papiere auf den Namen Schilling, Beruf Steinmes, geb. am 11. Februar 1892 in Höchst a. M. Ein Mitgliedsbuch des Deutschen Industrieverbandes und der Kommunistischen Bartei meist Sch. vor, gleichzeitig einen Entlassungsschein aus einem franzö fifchen Gefängnis. Berantwortlich für Bolitik: Een Reuter: Wirtschaft: Artur Sateruns; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Cylorn; Feuilleton: R. 5. Döfer; Lolales und Sonstiges: Frih Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderel und Berlagsanstalt Taul Singer u. Co., Berlin EW. 68, Lindenstraße 8. Eisenstaed! Frankfurter Allee 72 NAHE RINGBAHNHOF RICHARD LOHMANN HILDE LICHTWARK Tage einer entwurzelten Jugend Ein Roman, wie er spannender, erschütternder nie geschrieben wurde In Ganzleinen gebunden 2.75 M. Zu beziehen durch jede gute Buchhandlung und J. H. W. 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