Nr. 427 42. Jabeg. Ausgabe A nr. 218 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlic 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. Jung und Kleingarten" sowie der Beliage Unterhaltung und Wiffen* und Frauenbeilage Frauenstimme etfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige NonpareilleBeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart. Ricine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( aulässig awei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Bud). ftaben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt geile 60 Pfennig. 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Der Berliner Politischen Polizei ist es gelungen, eine politische| Leuten, die in der amerikanischen Ku- Klux- Klan- Bewegung eine Geheimorganisation festzustellen, die ursprünglich von drei Rolle spielen und die auch sonst einen nicht unerheblichen Einfluß Amerikanern in Berlin im Geiffe und in der Aufmachung befizen. Die Aufgabe des Ordens, die oben bereits näher gefennder Ku- Klur- Klan- Bewegung in den Vereinigten Staaten aufgezogen zeichnet ist, erstreckte sich darauf, die Mitglieder für besondere worden ist. Mit der Zeit sind die drei Amerikaner etwas in den Aktionen auszubilden und zu rüsten. Es wurde Aktionen auszubilden und zu rüsten. Es wurde von Hintergrund getreten. Deutschvölkische haben die Oberhand jedem„ Ritter" blinder Gehorsam gefordert und eine Feme sorgte gewonnen und die Organisation, deren Mitglieder sich Ritter dafür, daß Berräter unschädlich gemacht wurden. des feurigen Kreuzes" nennen, als eine Art völkischer Loge mit allem Drum und Dran, wie es besonders in der Ku- Klux- KlanBewegung üblich ist, ausgebaut. Die Mitglieder dieser neuesten rechtsradikalen Verbindung müssen ihre Entschlossenheit befunden, die Freiheit des Vaterlands zu erkämpfen" und unter Bekämpfung des Judentums Deutschland von den„ Schädlingen" zu befreien. Die Mitglieder des„ Ordens vom feurigen Kreuz" bestehen vor allem aus Angehörigen des Frontbanns und des Wifing- falls zum Feurigen Kreuz" gehörte. Es ist als sicher anzunehmen, Bundes. Unbedingter Gehorsam muß durch Eid gelobt und die Berpflichtung eingegangen werden, im Falle des Berrats cinen martervollen Tod auf sich zu nehmen. In den Sahungen fpuft also wieder die völkische Feme. Bis jetzt steht jedoch nicht fest, ob diese bereits Opfer gefordert hat. Der Schwur wird in besonderer Berkleidung auf ein blutiges Kreuz vor einer schwarzweißroten Fahne mit dem Hakenkreuz geleistet. Die amerikanischen Mitglieder haben auf das Sternenbanner geschworen. Die Zahl der„ Ritter" umfaßt nach den bisherigen Feststellungen der Polizei etwa 300 bis 400 Personen. Ein großer Teil von ihnen ist nach Haussuchungen und Beschlagnahme umfangreichen Materials festgenommen worden. Weitere Berhaftungen stehen bevor. Gegen die Teilnehmer dieses neuesten völFlichen Bundes wird das Verfahren wegen Geheimbündelei fischen Bundes wird das Verfahren wegen Geheimbündelei eingeleitet werden. Die BS.- Korrespondenz meldet noch weitere Einzelheiten: Den Bemühungen der Abteilung IA des Berliner Polizei präsidiums ist es gelungen, eine über ganz Deutschland verzweigte ernstzunehmende Feme- Organisation aufzudecken, die sich in erster Linie aus Mitgliedern völkischer Organi fationen, des Frontbannes", des„ Biting Bundes" und der„ Deutschsozialen Partei" zusammensetzt. Eine Anzahl Berhaftungen sind bereits erfolgt, doch konnten maßgebliche Führer, besonders drei Amerikaner, die geflohen find, noch nicht dingfest gemacht werden. Ueber die Aufsehen erregende AngelegenSeit erfahren wir folgende Einzelheiten: Die Gründung des Ordens der „ Ritter des feurigen Kreuzes" reicht bis in das Jahr 1923 zurück. Als damals die völkischen Dr. ganisationen aufgelöst wurden, und als insbesondere die sogenannten Rollkommandos" scharf unterdrückt wurden, taten sich maßgebende Führer der obengenannten Vereinigungen zusammen, um einen Geheimbund zu gründen, der sich die Befreiung Deutschlands vom äußeren Feinde und von den Fremdstämmigen" zur Aufgabe gestellt hatte. An maßgebender Stelle war ein gewiffer flap proth tätig, Klapproth hatte besonders die Gründung der Ortsgruppen unter sich und hielt sich viel im Westen Deutschlands auf. Außer ihm waren in Berlin noch Oberleutnant a. D. Hildenbrandt und Dr. Hübner tätig, die allerdings eine mehr untergeordnete Rolle spielten. Die„ Ritter des feurigen Kreuzes" traten in Berlin mit drei Amerikanern in Berbindung, London und Genf. Beratung der Außenminister mit den juristischen Sachverständigen. Genf. 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch vormittag erfolgte zwischen dem franzöfifchen, englischen und belgifchen Außenminister und den Londoner juristischen Sachverständigen eine gemeinsame Besprechung über das Ergebnis der Londoner Konferenz. Der Verlauf der etwa einstündigen Unterhaltung wird streng geheim gehalten. Es verlautet lediglich, daß das Ergebnis der Londoner Juristenkonferenz optimistisch beurteilt wurde und der Weg zu einer aussichtsvollen Fortfehung der Berhandlungen über den Sicherheitspakt durch die Ministerkonferenz jetzt geebnet erfcheint. Weiter vernehmen wir, daß die Vorfühenden sämtlicher fechs Kommiffionen der Völkerbundstagung die Weisung erhalten haben, die Arbeiten, wenn irgend möglich, bis zum 27. Sepfember abzuschließen. Diese Maßnahme bringt man mit der für Ende September bevorstehenden Ministertonferenz in Zusammenhang. Italiens zweifelhafte Haltung. Genf, 9. September.( WTB.) Ueber die letzten Vorgänge bei den Genfer Verhandlungen über den Sicherheitspakt wird aus zuverläffiger italienischer Quelle bekannt, daß tatsächlich am Montag nachmittag in Air- les- Bains beschlossen worden ist, eine Einladung an Deutschland zu einer Ministerkonferenz über die Sicherheitsfrage abzusenden, die nach Auffassung Englands und Frankreichs angesichts der unentschiedenen Haltung Italiens nicht mehr in einer oberitalienischen Stadt, sondern in Lausanne statt. Dafür spricht allein schon die Tatsache, daß die genannte Drganisation, wie jetzt feststeht, an dem Küstriner Putsch durchaus nicht unbeteiligt war, und daß der damalige Leiter des Küstriner Unternehmens, Major Buch ruder, ebendaß die Mordtaten die im Anschluß an den mißglückten Küstriner Butsch sich ereigneten, von Mitgliedern des Ordens ausgeführt worden sind. Man nimmt weiterhin an, daß die Ermordung des Leutnants Sand, der in Döberitz als Leiche aufgefunden worden war, von dieser völkischen Feme verübt worden ist. Die Politische Polizei hat am letzten Montag mehrere Ber haftungen in dieser Sache vorgenommeen und bei Hausfuchungen wertvolles Material beschlagnahmt. Es besteht der dringende Berdacht, daß die beiden Unteroffiziere der Schwarzen Reichswehr", Abteilung Küffrin, Greschke und Brauer, ebenfalls von der Organisation beseitigt worden sind. " 1 Durch das schnelle Eingreifen der Polizeibehörden konnte ein wesentliches Mitglied der Organisation, der obengenannte Kapitän Klapproth, noch im letzten Augenblick verhaftet werden, als er im Begriff stand, von Wesel aus im Auto über die holländische Grenze schlagnahmt worden. zu fliehen. Bei Klapproth ist wichtiges Material be. Bizepolizeipräsident Dr. Friedensburg hat die Amerita nische Botschaft davon benachrichtigt, daß drei in Berlin lebende Bürger der Bereinigten Staaten sich an der Feme- Organisation in leitender Stellung betätigt haben. Die drei Amerikaner haben das Weite gesucht, nachdem in Berlin der Oberleutnant a. D. Hildenbrandt und Dr. Hübner verhaftet worden waren. Es ist damit zu rechnen, daß in den nächsten Tagen noch weitere Festnahmen in dieser Angelegenheit erfolgen werden. Wie wir weiter hören, beträgt die Mitgliederzahl des Ordens der ,, Ritter des feurigen Kreuzes" schätzungsweise etwa 900 bis 1000 Personen. Das Anwerben der Mitglieder erfolgte in überaus vorsichtiger Weise. Aufnahme in den Bund fanden ledig lich Bewerber, die mindestens drei sichere Bürgen zu stellen in der Lage waren. Das Einschreiten der politischen Abteilung der Polizei läßt darauf schließen, daß es sich in dem„ Orden des feurigen Kreuzes" um eine Organisation handelt, die nicht geduldet werden darf. Die Vorfälle der letzten Jahre haben bewiesen, daß Geheimbünden wie dem sistierten nicht nur jede Narrheit, sondern auch jedes Berbrechen zuzutrauen ist. Sollte sich der Zusammenhang zwischen den Orden und den Feme= morden der letzten Jahre bestätigen, dann wird das Gericht zu zeigen haben, daß es endlich diesen Mordbuben das Handwerk zu legen gewillt ist. finden soll. Auf Grund dieser Vereinbarungen forderte Chamber. lain heute vormittag von dem italienischen Ratsmitglied Scialoja zwecks Klärung der Frage der weiteren Teilnahme Italiens an den Berhandlungen eine bindende Erklärung, ob Italien dem Sicherheitspatt beitreten will oder nicht. Scialoja hat diese Frage dringend an die italienische Regierung weitergegeben und sich die Beant. wortung bis zum Eintreffen neuer Weisungen aus Rom vorbehalten. Man rechnet damit, daß die Antwort der italienischen Regierung in zwei bis drei Tagen in Genf eintreffen wird. Es wird hinzugefügt, daß die Absendung der Einladung an Deutschland vom Eintreffen der italienischen Antwort abhänge. In der erwähnten Frist wird, wie weiter verlaufet, von englischer Seite versucht werden, auch die Besprechungen mit Benesch und Skrzynifi zu Ende zu führen. Bedauern über den Nichteintritt Deutschlands in den Völkerbund. Paris, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) In den politischen Kreisen Frankreichs stellt man mit Bedauern fest, daß es fast ausgeschlossen erscheine, noch im Laufe dieser Völkerbundstagung den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund verwirklicht zu sehen. Es wird lebhaft bedauert, daß der Abschluß des Garantiepafts nicht mit dem Beginn der Genfer Tagung zu fammengefallen ist. Infolgedessen sei es nicht möglich gewesen, das Ziel der Verständigungspolitik mit einem Schlage zu erreichen. Im Gegensatz zu anderen Blättern stellt der Quotidien" am Mittwoch fest, daß die Schuld für diese Verzögerung feineswegs Deutschland allein zugeschoben werden könne. ( Bon unserem Pariser Rorrespondenten.) Paris, 9. September 1925. Als am 12. Juli 1925 das Linkskartell in der Kammer unter dem Druck der Caillaugschen Finanzpolitik auseinanderbrach und die Regierung nur dadurch gerettet wurde, daß die am 11. Mai 1924 in die Minderheit zurückgedrängten Boincaré- Truppe für fie stimmte, jauchzte die ganze Rechte. Die Tage des Bloc national schienen wiederzukehren, der Beweis für die ,, Lebensunfähigkeit" des verhaßten Kartells schien geliefert und die parlamentarische Logik ließ die Bildung einer neuen, von den Sozialisten völlig unabhängigen Parlamentsmehrheit unvermeidlich erscheinen. Sozialisten zusammen. Er bestätigte einstimmig das Ein Monat später trat in Paris der Parteitag der Ende der Unterstützungspolitik gegenüber dem Kabinett Bainlevé, spaltete sich aber, als die Frage einer direkten Beteiligung an der Regierung geflärt werden sollte. Die führenden Elemente des Bloc national schöpften neue, verstärkte Hoffnung und erwarteten, daß es nun mit der unnatürlichen Formation, die am 11. Mai das französische Volk überrumpelt" habe, zu Ende sei. In dem tampfluftigsten Organ des rechten Flügels des Bloc national, dem klerikalchauvinistischen Echo de Paris", folgten die an Painlevé gerichteten Verlobungsanträge in raschem Tempo. Der frühere Kriegsminister Maginot, dann der ehemalige Finanzminister François Marsal und in der letzten Woche der frühere Unterrichtsminister Leon Bévard ließen sich interviewen und erklärten in vielen Spalten, daß Painlevé sich nun von der unbedingten Notwendigkeit, sich von dem ,, demagogischen Einfluß" der äußersten Linken ganz frei zu machen, überzeugt haben müsse. Sie taien als unintereffierte Freunde, die weiter nichts von dem Ministerpräsidenten verlangten, als ihn bei seiner nationalen Sanierung und Versöhnungsarbeit unterstützen zu dürfen. Nachdem Caillaug es gewagt habe, sich den Forderungen der Sozialisten zu widersetzen und Painlevé dem Drängen der äußersten Linken, den Marschall Lyauthey aus Marokko zurückzuberufen, nicht nachgegeben, ferner im Elsaß die durch Herriots SeftiererPolitit" provozierte Beunruhigung der Geister sich wieder gelegt habe, müsse Painlevé, der am 12. Juli die Stimmen des Bloc national als vollgültig and fannt hätte, sich zum Führer der ,, nationalen überparteilichen Mehrheit" machen, die allein das Land vor allem drohenden Unheil retten würde. So und noch verführerischer klang es aus den langen Erflärungen der ehemaligen Minister des Herrn Boincaré. Als dann der Marseiller Kongreß tagie, mußten auch die dort stattfindenden Verhandlungen und ihr Ergebnis die Notwenbigkeit zur Bildung einer neuen„ nationalen Mehrheit" beweisen helfen. Die Söldner des Bloc national schrieben sich geradezu die Finger mund. Sie wollten unter allen Umständen auf parlamentarisch- strategischen Umwegen das erreichen, was ihnen der Spruch des allgemeinen Wahlrechts dreimal hintereinander in unzweideutigster Weise verweigert hat. Dann fiel ein Reif in die Frühlingsnacht. nicht ganz abberufen, so doch seines Amtes als OberbefehlsDurch Ministerbeschluß ist Ly authey, wenn auch noch haber in Maroffo enthoben worden. Die Verschleierungsformel, die Painlevé dafür anwandte, hat nicht genügt, den Zorn der Rechten zu besänftigen. Aus den Spalten ihrer Bresse faucht Proteft gegen ,, das jammervolle Nachgeben der Regierung gegenüber der Linken". Darüber hinaus hat Caillaug inzwischen durch ein langes offizielles Kommu niqué wiffen laffen, daß er in der kommenden Herbstfession spartanisch- strenge Finanzreformen vorzuschlagen beabsichtigt. Er plant eine 40prozentige Erfassung der aus großem Vermögen stammenden Einfünfte, eine allgemeine Erhöhung der Steuer auf die 20 000 Fr. übersteigenden Ar-beitseinkommen und eine progreffive steuerliche Belastung der bisher völlig unberührt gebliebenen sogenannten„ nichtarbeitenden Werte": der Diamanten, Perlen, Bildergalerien, Luxusmöbel usw. Also lauter Dinge, die in dem sozialiftischen Projekt, das in der Nacht vom 11. zum 12. Juli auf Drängen des gleichen Caillaug abgelehnt wurde, enthalten sind. Im Lager der Rechten war ob dieser Entwicklung die Verblüffung zuerst, so groß, daß jene Stille herrschte, die oft das Vorzeichen naher Gewitter ist. Auch heute wagen es die Herren noch nicht, ihren Gefühlen ganz offen Ausdruck zu verleihen. Im Figaro" beschränkt sich zum Beispiel der fluge Lucien Romier darauf, über die Gesichter zu spotten, die man im Parlament zu sehen bekommen wird, wenn der Finanzminister mit seinem finanziellen Henkerskarren angefahren käme. Lediglich im ,, Temps" und im Journal des Debats", in deren Spalten die finanziellen Kreise ihre Ansichten zu verkünden pflegen, wird eine etwas flarere Sprache gesprochen. Sie fünden bereits ein baldiges Ende jenes Wohlwollens an, das die Reaktion dem Finanzminister Caillaur noch vor einigen Wochen entgegenbrachte, als er sich mit Händen und Füßen gegen die von den Sozialisten geforderte Kapitalsabgabe wehrte. Wohin steuert das Rabinett Painleve?" ragt sich melancholisch die ganze Presse des Bloc national. Mißtrauische Patrioten behaupten, die Regierung würde alles un, um wieder Anschluß an die Mehrheit der Zinken zu finden. Im übrigen wird in den führenden Dr janen der Rechten fortgesetzt systematisch darauf verwiesen, Daß in der Provinz die Linkstariell Kampffront m allgemeinen aufrechterhalten geblieben ist und man ich deshalb durch gewisse Borgänge im Parlament nicht äuschen lassen solle. Die französische sozialistische Partei hat sich in den Beschlüssen ihres außerordentlichen Pariser Parteitags ausdrücklich bereiterklärt, auch in 3utunft eine Regierung zu unterstützen, die einer der von Herriot gemachten Politik entsprechende Linie einhält. Borerst hat die Partei allen Grund, den Wirrwarr, der gegenwärtig im Lager des Bloc national herrscht, nicht ohne Beluftigung zu betrachten. Erst bei dem Wiederzusammentritt der Kammer im Herbst wird die sozialistische Fraktion zu der politischen Lage Stellung nehmen und sich hierbei nicht durch persönliche, son dern ausschließlich durch sa chliche Momente in ihrer Haltung bestimmen lassen. Inzwischen aber beginnt man im reaktionären Lager einzusehen, daß die Linie, auf der sich die zufünftige innerpolitische Entwicklung vollziehen kann, nicht fo einfach sein wird, wie man sich das in der Hoffnungsnacht vom 12. Juli in den vom Regierungsbazillus geplagten Gehirnen der Maginot und Bérard vorgestellt hat. Den Nationalen ins Stammbuch. Jarres bezichtigt die Bürgerblocklente der Feigheit. Der" Soz. Preffedienst" veröffentlicht ein Schreiben des Oberbürgermeisters von Duisburg und ehemaligen Präsident schaftskandidaten des Bürgerblods Dr. Jarres an die natürlich streng nationale"" Rhein- und Ruhrzeitung", in dem es heißt: " Ihrer Geschäftsstelle habe ich zum Ablauf dieses Bierteljahres den Bezug der„ Rhein- und Ruhrzeitung" persönlich gefündigt. Ich teile deshalb ergebenst mit, daß mich zur Auffündigung die Haltung Ihres Blattes in Besatzungsangelegenheiten veranlaßt haben. Ich habe bei Ihnen wie bei den übrigen bürgerlichen Blättern hier zu meinem großen Bedauern die feste Hal. tung permißt, welche m. E. der Offupationsbehörde gegenüber von Blättern erwartet werden durfte, die auf vaterländischem Boden stehen. Auch unter voller Würdigung der wirtschaftlichen Folgen, welche eine solche Steilung für die Zeitungen haben fann, wäre es m. E. noch in vielen Fällen möglich gewesen, den Unmut der Duisburger Bevölkerung über das, was ihr zugemutet wird, in maßvoli fräftiger Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Erfahrung lehrt hier wie anderwärts, daß eine solche Stellungnahme durchaus nicht mit Zwangsmaßnahmen beantwortet wird, deren Befürchtung Sie zu Ihrer zurückhaltenden Stellungnahme veranlaßt. Ausschlaggebend für meine Entschließung war jedoch die TatJache, daß Sie trotz meiner im Namen der Stadtverordnetenverjammlung an Sie gerichtiefen dringenden Bitte fich nicht entschließen fonnten, die einmütige Resolution der letzten Stadtverordnetenverjammlung in ihrem Wortlaute zu bringen. Dieser Umstand hat in der Stadtverwaltung und Stadtvertretung größtes Be fremden erregt, und ich darf Ihnen nicht verschweigen, daß man auch in meiten Kreisen der Bürgerschaft über die u. E. Ich wäch liche Haltung Ihres Blattes und der übrigen bürgerlichen Preise in hohem Maße unzufrieden ist. Wenn die hiesige bürgerliche Breffe auch in Zukunft die Mög, lichkeit unangenehmer Folgen so bedachtsam abwägt, wie dies bis. her und namentlich im leßterwähnten Falle geschehen ist, so verliert sie in unserem Kampfe um deutsches und rheinisches Recht allen Wert und jede Bedeutung." " " Die Entschließung, auf die das Schreiben Bezug nimmt, protestierte in scharfer Form gegen Ausschreitungen der Befagung. Es ist nicht das erstemal, daß die„ Nationalen" geiniffen haben, wenn es sich darum handelt, im Kampf um nationale Belange" ein gewiffes Risito einzugehen. Mit Gott für König und Baterland" sind sie nur, folange sie nicht Gefahr laufen, sich die Finger zu verbrennen. lleber die Art von Mut des nationalen" Bürgertums haben sich schon andere beschwert als Jarres, den die Presse der Nationalen" noch vor gar nicht langer Zeit als ihren besten" und ihren deutschesten" Mann anpries. Werden die Rreu 33eitung", die Deutsche Tageszeitung", die" DA 3." und wie sie alle heißen, den Notschrei ihres besten, ihres deutschesten" Mannes veröffentlichen? Sie merden das der sozialdemokratischen Presse überlassen, wie sie ihr es in Duisburg überließen, sich in die Feuerlinie zu begeben, um die Sozialdemokraten morgen wieder als die ,, internationalen Landesverräter" zu denunzieren. Herr Jarres hat schon recht, er hat sich bei feinen Bürgerblockfreunden in eine feine Gesellschaft begeben! Um das festzustellen, brauchte er nicht erst auf den Duisburger Reinfall zu warten. Das Wappen des Reichsbanners. Farbe bekennen, Herr Schiele! München, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) In Bayern wird das Reichsbanner bekanntlich seit einiger Zeit auch in sofern von den Behörden schikaniert, als die Führung des Adlers auf den Fahnen und Stempeln des Reichsbanners verboten wurde. Die Behörden stützen sich dabei auf eine Verordnung des bayerischen Innenministers vom April d. J., in der festgelegt wurde, daß privaten Bereinigungen die Führung des Reichsadlers untersagt ist. Auf eine Beschwerde der sozialdemokratischen Landtagsfraktion erteilte dieser Tage der Innenminister die Ausfunft, die bayerische Regierung vertrete im Einvernehmen mit der Reichsregierung die Auffassung, daß das Reichsmappen ebenso wie das frühere faiserliche Wappen nur von Reichsbehörden und Reichsstellen geführt werden darf und strafgesetzlichen Schuß genieße(§ 360 3iffer 7 des Reichsstrafgesetzbuches). art, morauf der Straffenat bas Urteil des Amise gerichts aufhob und den Angeklagten in eigener Ins stanz sofort freisprach. Einer besonderen Klarstellung bedarf die Berufung des bayerischen Innenministers auf die Reichsregierung. Wir fragen: Ist es richtig, daß die Reichsregierung mit der bayerischen Regierung einer Meinung darüber ist, daß gegen das Reichsbanner wegen Führung seines Wappens gerichtlich vorgegangen werden muß? Wenn ja, ist die Reichsregierung bereit, ihren Pflichten nachzukommen, indem sie baldigst eine generelle Entscheidung über die strafrechtlich zu verfolgende Handlungsweise des Reichsbanners herbeiführt? Wenn nicht, was gebenft die Reichsregie rung zu tun, um das Reichsbanner vor den Uebergriffen der bayerischen Regierung zu schützen? Einstellung des Rothardt- Prozesses. Auf Grund der Amnestie. Magdeburg, 9. September.( Eig. Drahtb.) Auf Grund der Amnestieverordnung wurde das Verfahren gegen den Redakteur der in Staßfurt erscheinenden völkischen Mitteldeutschen Presse", Rothardt, eingest elt. Rothardt war in dem be. fannten Magdeburger Prozeß wegen Verleumdung des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil war aber noch nicht rechtsträftig, da ein Be rufungsverfahren schwebte. Damit geht einer jener ,, Baterländischen" frei aus, die an dem Tode des ersten Präsidenten der Republik wesentlich Anteil tragen, und die für sich in Anspruch nehmen können, das Anfehen des Deutschen Reiches im Ausland in der unverantwort lichsten Weise herabgefekt zu haben. Zweifellos war Rothardt nur das Objekt einer von deutschnationaler Seite groß ange legten Hezkampagne gegen den Reichspräsidenten, selbst zu beschränkt, um die unter seiner Berantwortung aufgestellten Behauptungen des Landesverrats gegenüber Ebert zu rechtfertigen. Strafrechtlich geht Rothardt nun frei aus, aber moralisch bleibt er und bleiben mit ihm seine Helfershelfer gerichtet. Vergebliche Liebesmühe. Moraths Karriere. Der deutsch- volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Morath, ein ganz besonders berüchtigter Beamtenvertreter, macht seit längerer 3eit alle erdenklichen Anstrengungen, um das Beamten. referat des Reichsministeriums des Innern in ſeine Hände zu bekommen. Mit Hilfe seines Parteifreundes Strefee mann will er sich den Weg zur Futterkrippe bahnen. Das Reichs tagsmandat genügt dem Ehrgeizigen nicht mehr, er will höher hinaus, es gelüftet ihn nach ganz besonderen Titeln und Würden. Wie vir erfahren, hängen aber die Trauben für Herrn Moralh sehr hoch. Sein Traum wird nicht in Erfüllung gehen. Bei dem deutlichen 2 b winten der gesamten Beamtensait, auch der rechtsstehenden, die ihren Pappenheimer doch tennen muß, war es etwas zu riskant, Herrn Morath die Treppe hinauffallen zu lassen. Herr Stresemann fann viel, aber er fann doch schließlich nicht mir nichts, dir nichts, nur weil Herr Morath sich einen schöneren Titel auf seine Bisitenkarte drucken lassen will, den Bock zum Gartner machen.t Diese Rechtsauffassung ist unhaltbar. Das beweist u. a. ein am 8. September vom Obersten Bayerischen Ge richtshof erlassenes Urteil, das eine Revision betraf, die ein Mitglied des Reichsbanners in Probstzella, vertreten durch Rechtsanwalt Saenger- München, bei dem Straffenat des Obersten Landesgerichts in München eingeleitet hatte. Dieses Reichsbannermitglied hatte in einer gerichtlichen Eingabe den Stempel des Reichsbanners verwandt. Die Folge war, daß alsbald der Oberamtsrichter des bayerischen Amtsgerichts Ludwigftadt wegen Vergehens gegen den erwähnten Para graphen des Strafbuchgejeges einen Strafbefehl, lautend auf 20 M., erließ. Infolge Einspruchs tam es zur Berhandlung bei dem genannten Amtsgericht, das es jedoch bei der ausgesprochenen Strafe mit der Begründung beließ, daß das Wappen des Reichsbanners das Reichswappen sei und sich im übrigen der Schutz des faiserlichen Wappens ohne weiteres auf das Reichswappen des heutigen Staates erstrecke. Der Oberste Bayerische Gerichtshof entschied anders. Er schloß sich im wesentlichen den Argumenten des Der Gemeindeausschuß des Preußischen Landtages fegte die Es ist wirklich fein Ruhmesblaff unserer bürgerlichen Zeitungen, Berteidigers an, der ausführte, daß das Urteil des Amts. Beratung des Initiativantrages des Zentrums über die Stadt und daß die sozialdemokratische Zeitung es als die einzige in Duisburg gerichts Ludwigstadt juristisch vor allem deswegen unhalt| Landgemeindeordnung fort. Zunächst murde beschlossen, die Ent. gewagt hat, diese Entschließung wörtlich und in auffälliger Form zu bar set, weil in ihm in frasser Weise der Grundsah des Straf- würfe der Städteordnung und der Landgemeindeordnung getrennt bringen, während die bürgerliche Preise den wesentlichen Inhalt der rechts verlegt sei, daß eine Handlung nur dann mit einer zu beraten. Der Ausschuß trat in die Einzelberatung der Städte Entschließung nur schwach und zaghaft angedeutet bringt. Der Strafe belegt werden fann, wenn diese Strafe gesetzlich beordnung ein. Ein voltsparteilicher Antrag, die Umwandlung von „ Bolteſtimme" ist trog ihres mutigen Schrittes nichts von der Bestimmt war, bevor die Handlung begangen wurde. Außerdem Landgemeinden in Städte nur dann zuzulassen, wenn die Land. gemeinden mindestens 15 000 Einwohner befizen, wurde gegen bie fagung geschehen, ein Zeichen dafür, daß es auch in unseren recht fei der Adler, den das Reichsbanner führt, ganz verfchieden Stimmen der Volkspartei, der Deutschnationalen und der Wirt von dem Adler des Reichswappens. Der Oberstaatsanwaltschaftspartei abgelehnt. Es begann sodann die Generaldebatte über des Obersten Landesgerichts schloß sich diesen Ausführungen der Abschnitt Eingemeindungsbestimmungen. lofen Zuständen möglich ist, seine Meinung jo zu sagen, wie das die Bevölkerung von Berwaltung und Presse erwartet. Preisabbau. Von Peter Michel. Ich verstehe nicht, was die Leute immer reden und schreiben: Der Preisabbau müsse fommen, er solle fommen, er werde fommen. Haben sie denn feine Augen? Wenn sie einmal durch die Straßen gingen, die der Volksmund noch immer Geschäftsstraßen benennt, obschon nach den Aussagen der Ladeninhaber dort feinerlei Geschäfte mehr„ getätigt" werden, wenn sie ein Beilchen vor den Schau fenstern stehen blieben, so müßten sie doch längst bemerkt haben, daß der Preisabbau nicht mehr zu fommen braucht, sondern längst da ist. Die Kaufleute versuchen ja alles und haben weder Mühe noch Kosten gescheut, dem pp. Bublifum diese Tatsache deutlich zum Bewußtsein zu bringen. Da ist zum Beispiel das große Warenhaus, das seine sechzehn Riesenschaufenster restlos benügt, zu beweisen, daß mit den Preisen mirklich abgebaut wird. Gleich im ersten Fenster liegt Wäsche aus, Leibwäsche für Damen. Wachsmädchen, so täuschend dem Leben nachgeahmt, daß man versucht ist, mit ihnen anzubändeln, geben in gezierter Bose die duftigsten Negligés den Blicken der Vorüber. gehenden preis. Und vor den Puppen und um sie herum liegen am Boden, auf Tischen und Stühlen noch ganze Berge von seidenen, halbseidenen und battistenen Hemden, Hosen, Hemdhosen, alle in den füßesten Bonbonfarben und so spinnwebzart, daß den Leuten vor dem Fenster beim bloßen Anblick eine Gänsehaut über die Schentel läuft. Aber das ist keineswegs der Zwed der Ausstellung. Auf diesen weist eine Inschrift hin, die neckisch aus modefarbenen Damenftrümpfen geformt ist: Beachten Sie bitte die Preise! Gutherzig, mie ich bin, mußte ich den Wunsch erfüllen, und nun bemertte ich, daß an jedem Wäschestück ein Bettel hing, auf dem untereinander zwei Zahlenreihen standen. Davon war die obere, die höhere, überall sauber mit einem liegenden Kreuz durchstrichen, doch so, daß sie sich noch ohne Mühe lesen ließ. Vor der durchkreuzten Zahl stand, mit einem Gummistempel blau aufgedruckt: Früher, vor der anderen: Jetzt. Diese schlichte, unpathetische Sprache fündet mit lapidarer. Wucht, daß der Preisabbau da ist. Dieses seegrün Schillernde Seidenbeinkleid zum Beispiel toftete ehedem 22,50 M., heute aber nur noch 16 M., während dort das Nachthemd, das wohl für junge Witwen bestimmt ist, denn es ist an den Rähten schwarz gerändert wie ein Trauerbrief, vor furzem nur hingegeben wurde, wenn man 19 m. dafür hinterlegte, verkauft nein, verschenkt man jetzt bereits für 13 M. Und gar die Strümpfe, die wie Schlangen überall zwischen den Wäschehaufen aufzüngeln! Sollte man es glauben, daß eine Frau fchon für 6,50 m. in die Möglichkeit verfekt wird, ihre Beine bis hinauf in jene Regionen, wo sie aufhören, einen anständigen Namen zu führen, nach dem letzten Schrei der Mode zu fleiden? Wie mit der Wäsche, ist es mit den Kleidern für Abendgefell schaften und Fünf- Uhr- Tees, mit Sommerhüten, Sonnenschirmen und Handtaschen. Und nicht bloß hier wird abgebaut. Ich kenne zum Beispiel ein Geschäft für Toiletteartifel, in dessen Schaufenster lauter Gegenstände liegen, die im Preise bis zu 50 Pro3. herabgefegt sind. Neulich traf ich davor die Frau eines seit Monaten aus gesperrten Bauarbeiters und sah, wie sie Tränen dankbarer Rührung vergoß, weil sie für einen Manifurefaften, für den ihr, hätte sie ihn leichtsinnigerweise ein paar Wochen früher erstanden, 54 m. abverlangt worden wären, jetzt nur noch 30 M. zu zahlen brauchte. Es läßt sich freilich nicht abstreiten, daß Brot, Fleisch und andere Lebensmittel teurer geworden sind. Aber da handelt es fid) doch immer nur um Pfennige, die man mehr zahlen muß, während man bei Spigenwäsche, Seidenstrümpfen, Sommerhüten und tausend anderen Dingen gleich mart- und zehnmartweise spart. Womit, meine ich, die Behauptung, wir lebten in einer Beit der Teuerung, unwiderlegbar als elende sozialdemokratische Heßpropaganda bloßgestellt ist. | Tagesneuigkeiten zum besten gegeben. In den Großstädten gibt es periodische lebendige Zeitungen mit einer ständigen eigenen Schau fpielertruppe: Die Drehbant"," Das Auge der kommunistischen Jugend", Die rote Fabrifzeitung" usw." Die rote Fabrikzeitung veranstaltet ihre Borführungen mit afrobatischen Darbietungen und Chorgesang auf einem Lastauto in den Straßen Moskaus. Ein moderner Rechtsstreit. Einem in Wahrheit neuen Problem fehen sich die Juristen bei einem Fall gegenüber, den fürzlich ein unzufriedener Passagier der Junkers- Luftverkehrsgesellschaft aktuell gemacht hat. Bor furzem legte der Flugzeugführer Wis dant außer ordentlich starken Rüdenminde mit seinem dreimotorigen Junkers Flugzeug die Strecke Zürich- München, für die auf dem Luftverkehrsplan 2% Stunden Flugzeit angefeßt ist, in 80 Minuten zurüd. Ein Fluggast war äußerst enttäuscht, daß das Vergnügen des Fliegens nur so furze Zeit gedauert hatte und beschwerte sich darüber, daß man ihn für sein Geld, für das er mehr als zwei Stunden Flugzeit Heßpropa- beanspruchen fönne, nur 80 Minuten lang geflogen habe. Für die Juristen bedeutet diese Frage ein höchst fniffliges Novum, da bisher noch fein Mensch auf den Gedanken gekommen ist, sich etwa bei der Eisenbahn über zu furze Fahrzeit zu beschweren. Neuer Unsere freie Republik. Die deutsche Justiz scheint neuerdings mit allem Raffinement gegen Arbeiterdichtungen vorgehen zu wollen. Die Fälle Beder und Gärtner beweisen das bereits. dings hat das Amtsgericht Berlin- Schöneberg ein Verfahren wegen öffentlicher Anreizung zu Gewalttätigkeiten und Ungehorsam gegen die Geseze gegen den jugendlichen Arbeiterdichter Kleber ein geleitet wegen dessen Schrift" Barrikaden an der Ruhr", Erzählungen aus den Kämpfen des Ruhrproletariats. Die Schrift schildert in eindringlicher Weise und ohne übertriebene Bathetit gewisse Kampffzenen aus der Zeit, in der das Ruhrproletariat gegen die zu Kapp überschwenkende Reichswehr die Waffen er griffen hatte. Die Stizzen sind fünstlerisch durchgearbeitet und haben ein hohes Niveau; ihren literarischen Wert bestätigen u. a. Berhart Hauptmann, Hermann Heffe, Käthe Kollwig, Thomas und Heinrich Mann. Es ist eine höchst merkwürdige juristische Fiftion, onzunehmen, daß durch die künstlerische Darstellung von Aufständen und Revolten aus der Gegenwart und der Bergangenheit ein bestimmter Bersonenfreis zu Bluttaten aufgereizt wird! Ebenso unhaltbar wie die rechtlichen Unterlagen dieses Borgehens sind die politischen. Denn eine scharfe Kritit sozialer Zustände braucht wohl teineswegs als Aufreizung zum Klassenkampf" in friminellem Sinne bewertet zu werden! Lebende Zeitungen in Rußland. Eine ganz neuartige Erscheinung des sowjetrussischen Lebens find die sog.„ Lebenden Beitungen" in den Städten. Die Sowjetregierung hält sehr viel von dieser Methode, die Bauern aufzuklären und für den Kommunismus Propaganda zu machen. Die Veranstaltung geht folgendermaßen vor sich: Als Schauplaz dient gewöhnlich eine Theaterbühne oder ein Saal in irgendeinem Verein. Als Darsteller betätigen fich Bertreter der Bauernjugend; ein Regisseur studiert die Rollen ein. Thema, 3. B. der Schutz der Mutterschaft. Daraus wird ein lebenAls Hauptinhalt der lebendigen Beitung gilt irgendein soziales diger Leitartikel, in dramatischer Form inszeniert, der die Gefahren zeigt, die den Frauen drohen, wenn sie fich Kurpfuschern in die Hände geben. Nach dem„ Leitartikel" werden von den inprovifierten Schauspielern Berichte über internationale Ereignisse sowie über 25 neue Volfsbühnengemeinden. Die Frühjahrs- und Sommer. monate sind gemiß nicht günstig, um Theatergemeinden ins Leben zu rufen. Denn in den warmen Monaten besteht im allgemeinen wenig Neigung, fich zum 3med eines geregelten Theaterbesuchs und zur Förderung der Idee des Kulturtheaters zusammen zuschließen. Gleichwohl gelang es dem Verband der deutschen Bolfs. bühnenvereine, seit dem Frühjahr nicht weniger als 25 neue Vereine ins Leben zu rufen. Und zwar schlossen sich junge Organisationen in folgenden Orten dem Verband an: Kassel, Osnabrüd, Schwein furt, Meißen, Zittau, Merseburg, Lüneburg, Rüftrin, Finsterwalde, Salzwedel, Razeburg, Edernförde, Landeshut i. Schl., Güsten, Delsnig i. Erzgeb., Schönheide, Rodemisch, Saalfeld, Büllichau, Wittenberge, Teuchern, Blön, Reichenbach i. Schl., Stadtroda und Die Zahl der dem Verband der deutschen BoltsBurgstädt. bühnenvereine angeschlossenen Organisationen wuchs damit auf 206. Preisausschreiben für preußische Bildhauer. Unter den preußischen Bildhauern, die ihren Wohnfit in Berlin haben, ist soeben vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Voltsbildung ein Wettbewerb ausgeschrieben worden, ber zur Erlangung von Bildwerken dienen soll, die sich zur Ber leibung als Preise bei Eportfämpfen verschiedenster Art eignen. Als Termin für die bei der Akademie der Künfte in Berlin W. 8, Pariser Plat 4, ein zureichenden Mobelle ist ber 5. Dezember 1925 beſtimmt. Es sind im ganzen fünf Preise in Höhe von 5000 bis 1500 Mart ausgefekt, außerdem ein erheblicher Betrag für Anläufe. Die Bedingungen für die Beteiligung an dem Wettbewerb find beim Pförtner der Akademie der Künfte erhältlich. Ein Abend der neueffen russischen Dichtung findet am Freitag 7 1hr in der Kunstausstellung Der Sturm statt. Der Gründer der Imaginiflen schule von Mosfau, Anatoli Mariengof, hält einen Vortrag Was mein linler Fuß will" und liest aus dem Manuskript seine neueste Dichtung„ Ich und der Dred". Die Schauspielerin Nikitina rezitiert Dichtungen in russischer Sprache. Borgeschichtliche Tierffelette. In der Adelsberger Grotte in den Alpen wurden Tieritelette gefunden, unter denen sich Gebeine und Schädel einer bisher der Wissenschaft noch ganz unbekannten Höhlenhyäne befanden. Die komnmmstlsthe Palastrevolution Hinter den Kulissen des Fraktionskampses. Bereits in dem Brief der Etki(bitte lieber Leser: Exekutiv- Komitee der Kommunistischen Internationale) ist angedeutet, daß der Kampf gegen Ruth Fischer hinter den Kulissen seit langem geführt worden ist. Jetzt werden durch ein Fraktionsrundschreiben des ausgeschlossenen Kommunisten I a n n a ck, der zu den von Ruth Fischer gemahregelten„Brandleriancrn" gehört, Einzelheiten aus der Geheimsitzung des letzten Kommunistischen Parteitages bekannt. Mit Rücksicht auf den„Vorwärts" wurde bekanntlich auf dem Parteitag die Lifte der neugewählten Zentrale nicht mit- geteilt und überhaupt alle wichtigen Debatten hinter den Ku- l i s s e n erledigt. Die Einzelheiten, die Iannack mitteilt, sind außerordentlich interesiant. Sie zeigen das Doppelspiel, das jede kommunistische Fraktion gegeneinander und gegen die Exekutive treibt, sehr eindeutig. In dem Bericht heißt es: Die Vorgänge in üer Geheimsitzung. Auf der Tagesordnung der geschlossenen Sitzung stand die Dis- kussion über die politische und personelle Zusammensetzung der neuen Zentrale. Die Delegation der Exekutive hatte dazu eine Erklärung abgegeben, in der im wesentlichen folgendes gesagt wurde: Die Politik, die die Zentrale im vorigen Jahre gemacht habe, sei in ihrer Grundtendenz eine ultralinke Politik gewesen. Erst auf immer dringenderes Anraten der Ekki sei allmählich eine Schwenkung durchgesetzt worden. Zuerst in der G e w e r k- schaftsfrage, dann in der Frage der Taktik bei den Betriebs- rätewahlen, dann in der Frage der m o n a r ch i st i s ch e n Gefahr und schließlich in der Verausgabe des Offenen Briefes. Aber diese Schwenkungen habe sie nur gegenüber den größte Hemmungen in der Zentrale durchsetzen können. Diese Hemmungen beschränken sich nicht auf die ausgesprochen ultra- linken Mitglieder der Zentrale, sondern waren bei der gesamten Zentrale einschließlich Ruth Fischer usw. vorhanden. Im Inter- esse der Partei sei es deshalb notwendig, daß Genossen der früheren Opposition(sogenannte Rechte) in die Zentrale aufgenommen werden (sozusagen als Garatien für die Ueberwindung der in der Zentrale vorhandenen Hemmungen in der Politik der Partei). Personell schlage die Ekki hierfür die Genossin Klara Zetkin und die Genossen Georg Schumann(Halle-Merseburg) und Ulbricht vor. Es sei auch notwendig, die fraktionellen Kämpfe endgültig zu beseitigen. Eine Ablehnung dieser Vorschläge durch die Zentrale unter Führung von Ruth Fischer würde bedeuten, daß diese Genossen ihre eigenen ultralinken Fehler nicht einsehen und daß sie also keinen ernsthaften Kampf gegen die ultralinken Tendenzen führen können. Weiter würde die Ablehnung bedeuten, daß diese Genossen innerhalb der Partei einen fraktionellen Machtkam ps sühren, statt ihre Aufgabe als Porteizentralc zu erfüllen, welche in der Heranziehung aller auf dem Boden der Komintern stehenden Kräfte und in der wirklichen inneren Zusammenschweißung der Partei besteht. Gegenüber dieser Erklärung der Delegation der Ekki gab die Zentrale eine Gegenerklärung ab. In dieser Erklärung werden die Ratschläge und Forderungen der Ekki von der Zentrale rundweg abgelehnt. Außer- dem enthält diese Gegenerklärung eine Kampfansage an die Kom- intern. Die Zentrale richtet an den Parteitag die Forderung, ihr alle Vollmachten für die Absendung einer Delegation nach Moskau zu geben, welche von der Ekki die Zurücknahme der Er- klärung ihrer Delegation fordern soll. Im Verlauf der Diskussion kam dann zum Ausdruck, daß die Ekki ihre Vorschläge schon vor dem Part.eitog der Zentrale unterbreitet hatte, daß die Zentrale sie jedoch immer wieder ab- lehnte. So sah sich denn die Delegation gezwungen, die obige Er- klärung vor dem Parteitag abzugeben. Die Zentrale stellte dem- gegenüber die Dinge so dar, als habe die Delegation der Ekki den Parteitag sozusagen mit ihren Vorschlägen überrumpelt und ein großer Teil der Parteitagsdelegierten glaubte auch der Zentrale, weil er nicht wußte, daß in Wirklichkeit schon wochenlang zwischen der Ekki und der Zentrale über diese Vorschläge verhandelt worden war. Bezeichnend war auch ein Zwischenfall während der Diskussion. Es sprach der Genosse B l c n? l e von der Jugendzentrale gegen die Haltung der Parteizentrale und für die Forderungen der Ekki. Während Blenkle sprach, unterbrach ihn plötzlich G e s ch k e von der Zentrale und brüllte in den Saal: „Diese Rohnase sollte sich erst die Rase wischen lernen, ehe er alten Leuten was erzählen wolle usw." Am klarsten wurde die Situation, in welcher sich die Partei befindet, dann beleuchtet durch eine Erklärung, welche nunmehr die Ultra linken abgaben. Sie erklärten, daß sie jetzt, nachdem die Zentrale offen den Kamps gegen die Vorschläge der Ekki aus- genommen habe, für die Zentrale und für die von der Zen- trale vorgelegten Resolutionen stimmen würden. Die Ultralinken zogen aus der Haltung der Mehrheit der Zentrale die richtige Schluß. folgerung, daß die Mehrheit der Zentrale vor ihnen kapitu- l i e r t habe und daß sie jetzt im Bündnis mit derZentrale gegendieEkki kämpfen. Angesichts dieser Haltung der Zentrale konnten die Ultralinken am Schluß des Parteitages den Ausgang desselben als ihren Sieg proklamieren. Bei der Abstimmung, die dann darüber stattfand, ob die Ge- nossin Zetkin und die Genossen Ulbricht und Schumann in die Zentrale aufgenommen werden sollen, lehnte dies der Partei- tag gegen 4 Stimmen und 8 Stimmenthaltungen ab. Der politische Inhalt dieses fraktionellen Machtkampfes ist: Kampf gegen die politische Linke der Komintern, welche eine offene Aussprache über die ultralinke Politik des letzten Jahres will und für eine restlose Ueberwindung der ullralinken Tendenzen in der Politik der deutschen Partei eintritt. Ich wie die anderen gleich mir ausgeschlossenen Genossen forderten bereits dasselbe wie die Komintern. Auch die Genossen Paul Frölich, Ernst Meyer und Karl Becker fordern in ihrer aus dem Parteitag eingereichten Plattform dasselbe. Scholem und seine Richtung lämpst demgegen- über offen für die Fortsetzung der ultralinken Politik für Aufrcchterhaltung der„Frankfurter Linie". Ruth Fischer und ihre Gruppe unterscheiden sich von der Scholem-Gruppe nur dadurch, daß sie unter dem Druck der Elki in Worten gegen Ultcalinte„kämpfen", ohne aber die Politik des letzten Jahres zu kritisieren, daß sie aber eine halbe Schwenkung machen, um eine ganze desto besser sabotieren zu können. Als dann die Ekki gegen dieses Spiel Stellung nahm und von der Ruth- Flscher-Gruppc eine ehrliche Schwenkung verlangte, da hat sich diese mit Scholem gegen die Ekki verbunden(wo- durch z. B. auch Scholem gegen den Vorschlag der Ekki wider die Zentrale kam)." > Mit diesem Geheimprotokoll, an dessen Zuverlässigkeit zu zweifeln nichtdcrgeringsteAnlaß besteht, vergleiche man die dauernden Versicherungen der Kommunisten, daß sie, die einzige Arbeiterpartei, ihre politischen Meinungsverschiedenheiten immer vor der Oefsentlichkeit austrügen. Der Bericht zeigt auch, daß dieselbe Ekki, die den Sturz' Brandlers und den radikalen Bruch in der Politik der KPD. b e g ü n st i g t hatte, weil sie selber dumm genug war. an einen nahen Umsturz in Deutsch- land zu glauben und weil der linke Kurs in die Entwicklung der russischen Parteiverhältnisse hineinpaßte, kurze Zeit darauf die eben hinausgeworfenen Rechten wieder zum Sturm gegen die vor den Massen heilig gesprochene Ruth Fischer sammelte. Jetzt wird Klara Zetkin als Aushängescbild benutzt, dieselbe Klara Zetkin, die man jahrelang in. Rußland fest- gehalten hat, weil sie als„L e v i t i n" der Ekki gefährlich erschien. Jetzt werden Ernst Meyer und die Radek-Freunde Frölich und Becker wieder in die Zentrole delegiert, an deren Maßregelung die Ekki selbst beteiligt war. Und den deutschen Arbeitern redet man. ein, daß die Schuld an allen �Ahweichungen" und Zusammenbrüchen immer nur gn d-n unsähtgen Leitungen der KPD. liege. Wie länge wird es dauern, bis der neue Ku r s bankrott gemacht hat?. Im Maslom-Prozeß kamen am Mittwoch die Verteidiger zu Wort. Rechtsanwalt Wolfs beantragte nach dreistündigen Aus- führungen Freisprechung für Schlecht und Maslow. Rechtsanwalt Dr. R o s e n s e l d erklärte in seinem Plaidoyer, daß man als einzige Begründung für das völlig abwegige Verfahren gegen Maslow und Genossen den folgenden Aktenvermerk ansehen müsse: In Maslow verliert der linke Flügel der KPD. seinen prominenten fiihrer! Selbst wenn man als wahr unterstellt, daß die Zentrale der PD. 1S23 ein hochverräterisches Unternehmen beging, könne man Maslow mit der damaligen Parteileitung nicht im geringsten iden- tisizieren, da er und seine Mitangeklagten zu ihr in schärfster Oppo- sition standen. Dr. Rosenseld beantragte schließlich für sämtliche Angeklagte die Freisprechung. Das Urteil wird in den nächsten Tagen gefällt. Ein staatsgefährlicher Imbiß. Volksparteiliche �roschmäuser. Auf dem Flugplatz von Tempelhof hat ein t s ch e ch o- slowakisches Militärslugzeug, das sich auf dem Wege nach Kopenhagen befand, mit Erlaubnis der Rcichsregierung eine Zwischenlandung zwecks Ergänzung des Brennstofsoorrats vor- genommen. Die Stadt Berlin war so höflich, die Gäste zu einem Frühstück einzuladen. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" und die „Tägliche Rundschau", die der Volkspartei nahestehen, benutzen diese welterschütternde Begebenheit dazu, einen altjüngferlichen Ohn- machtsanfall zu markieren. Sie faseln von einem aus außen- politischen Gründen befremdlichen Vorgang und finden die gerade aus Gründen außenpolitischen Anstands selbstverständliche Haltung der Stadt Berlin unverständlich. Ueber derartige Krähwinkeleien in der deutschnationalen Presse würde man sich nicht aufhalten. Man weiß, daß sie— gleich- giltig, ob es sich, um Polen, Dänemark oder die Tschechoslowakei handelt— das chauvinistische Hetzerhandwerk aus Prinzip betreibt, um die betrogenen Wähler bei der Stange zu halten. Verständnis für Außenpolitik und Rücksicht auf außenpolitische Interessen waren bei ihr nie zu Hause. Einigermaßen ergötzlich ist es aber, auch die Presse der L o l k s- partei sich in diesem Fahrwasser bewegen zu sehen. Aus- gerechnet die von der Regierung Luther-Schiele-Stresemann ge- nehmigte Zwischenlandung eines unbewaffneten tschechoslowakischen Flugzeugs bringt ihr nationales Gemüt zum Kochen! Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Aber immerhin— der Sturm im Wasserglase wird verständlich, wenn man bedenkt, daß die Presse der Voltspartei in den großen Fragen der Außenpolitik die „Stlavenketten" der pazifistischen Regierungsdirektiven zu tragen hat und daß es ihr aus Gründen staatspolitischer Klugheit auch versagt bleibt, die unverschämten Tatarennachrichten aus Polen mit dem- selben Säbelrasseln zu behandeln wie die deutschnationalen Koalitions- größen. Man fürchtet, die Deutschnationalen könnten ins Vorder- rennen geraten, und schlägt, frisch, fromm, fröhlich, frei, auf ein paar Gäste aus der Tschechoslowakei ein, die es sich wahrscheinlich nicht haben träumen lassen, daß ihr kurzer Aufenthalt in Berlin Gegen- stand eines„politischen" Skandals werden könnte. Will die Volkspartei nicht die Hetze gegen die Tschechoslowakei zu ihrer Plattform bei den Stadtverordnetenwahlen machen? Das Tem- pelhofer Frühstück gegen den Skandal der Charlottenburger Wasser- werk«! Das außenpolitische Porzellan, das dabei in die Brüche ginge, würde Herr Stresemann sicherlich gern wieder kitten. Er hat seit Luthers Zeiten Erfahrung in derartigen Reparationsangelegenheiten. Partei unö Seamtengewertschasten. Eine Zuschrift. Von Mitgliedern des Reichsbeamtenbeirats, die dem ADV. an- gehören, wird uns mit Bezug auf den Bericht über den zweiten Verhandlungstag des Reichsbeamtenbeirats geschrieben: Der Bericht ist sehr unvollständig, zum Teil auch ungenau. Das geht schon daraus hervor, daß die Ausführungen der„Hauptvertreter beider Richtungen" mit keinem Wort erwähnt werden. Auch die Aus- führungen des Vertreters des Parteivorstandes, Genossen Stelling, werden nicht erwähnt. Von den zahlreichen Diskussionsrednern wird nur L e g a t i s- Königsberg erwähnt. So erweckt der Bericht den Eindruck, als seien die Ausführungen vom Genossen Wäger nicht widerlegt worden. Tatsächlich wurde gegen Wäger der Vorwurf erhoben, daß er seine Stellung einseitig ausgeübt habe. Der Vcr- treter des ADV.. Genosse Kotzur, der eine halbstündige Redezeit hatrc und vor dem der Vertreter des DBB., Genosse Lockenwitz sprach, betonte mit Nachdruck, daß Wäger für seine Bemerkung, die DBB. müsse er mit aller Deutlichkeit sagen, daß sie die Verpflichtung Partei verlegen, auch nicht den Schatten eines Beweises erbracht hätte. Wäger habe über Fragen der gewerkschaftlichen Tätigkeit ge- sprachen, ohne darüber informiert zu sein. Genosse Stelling führte in der Debatte aus, daß man im Zweifel sein könne, ob die Gewertschastsfrage eine Grundsatzfrage oder eine Frage der Taktik sei. Ihm scheine das letztere zuzutreffen. Er sei nach seiner ganzen Vergangenheit Anhänger der freigewerk- schaftlichen Richtung und halte sie für richtig. Den Vertretern des DBB. müsse er mit aller Deutlichkeit sagen, daß sie die Verpfichtung hätten, auf ihre Führer einzuwirken, daß die einseitige Einstellung gegen die SPD., wie sie auf der Tagung kritisiert worden sei, aus- hören müsse. Die DBB.-Organe mußten über die parlametarische Tätigkeit der SPD. objektiv berichten. Die Beteiligung des DBB. an dem sogenannten Bürger, und Ordnungsblock, wie es bei den letzten thüringischen Landtagswahlen und bei zahlreichen Gemeinde- oertreterwahlen der Fall war fei nicht mehr parteipolitisch neutral. Schließlich hat auch Falkenberg in der Begründung zu seiner Entschließung sehr scharf zum Ausdruck gebracht, daß diese Entschließung die einseitige Stellung Wägers gegen den ADB. unter- binden solle. Gegenüber diesen Darlegungen wußte Genosse L o ck e n w i tz nur darauf hinzuweisen, daß die größere Zahl der im DBB. organi- sierten Beamten ihm ein Beweis für die Richtigkeit des von ihm eingeschlagenen Weges sei. Auch Genosse Wäger war nicht in der Lage, die Ausführungen des ADB.-Vertreters zu entkräften. » Wir haben dieser Zuschrift Raum gegeben, um auch den Anschein der einseitigen Parteinahme zugunsten einer der beomtengewerkschaft- lichon Richtungen zu vermeiden. Im übrigen glauben wir, daß es zweckmäßig ist, wenn dis parteigenässischen Beamten sich über ihre gewerkschasllichen Organisationen in ihren Fachblättern auseinander- setzen. Die Parteipresse ist dazu kaum der geeignete Ort. paneuropa. Ein Memorandum an den Völkerbund. Genf, 9. September.(RD.) Der Inhalt des von dem Grafen Coudcnhooe-Kalergi dem Generalsekretariat des Bölker- bundes vorgelegten Memorandums:„Weltorganisation und P a n e u r o p A" ist heute bekanntgeworden. Folgende Punkte daraus sind besonders bemerkenswert. Kalergi weist darauf hin, daß die Konstituierung I/es Völkerbundes nur in der Voraus- setzung erfolgt sei, daß die Vereinigten Staaten und auch Rußland ihm beitreten würden. Kein« dieser beiden Voraussetzungen sei ein- getreten. Tatsächlich gebe es neben dem Genfer Völkerbund noch drei andere, nämlich den Londoner Völkerbund des Britischen Reiches, den Washingtoner der panamerikanischen Union, den Moskauer der Sowjetunion. Jederzeit könne der Völkerbund von Genf mit einem dieser anderen Völkerbünde in Konflikt geraten, wenn er ihre Existenz ignoriere, statt sie seinem System organisch einzugliedern. Rur durch einen k o n t i- nentalen Föderalismus könne die Gefahr eines Konfliktes mit Washington oder Moskau vermieden und der Wirkungskreis des Genfer Völkerbundes über die ganze Menschheit erweitert werden. Diese„Föderation von Föderationen" muß nach Kqlergis Ansicht ein Organismus geographisch und politisch gegliederter Kontinente sein. Der erste Versuch einer solchen kontinentalen Völkerbund- gliedcrung war der Genfer Paktvorschlag Lord Robert Cecils. Er scheiterte daran, daß Cecil den geographischen mit dem politischen Kontinentalbegriff gleichsetzte. Kalergi sieht zum Beispiel in der Sowjetunion, die sich geographisch über zwei Kontinente er- streckt, einen politisch selbständigen Kontinent, ebenso im britischen Reich, obgleich es sich geographisch auf fünf Erdteile verteilt. Außer den letztgenannten beiden haben noch Panamcrika, China, Japan als selbständige politische Kontinente zu gelten. Der einzige polstische Kontinent, der erst noch geschaffen werden muß. ist: Paneuropa.� Die 26 Staaten Paneuropas bilden trotz ihrer politisch-nationalen Gegensätze eine geographische, historische, kulturelle und wirtschaftliche Weltgruppe, eine Schicksalsgemeinschast mit gemeinsamen Gefahren, Aufgaben, Sorgen und Leiden. Durch den gegenwärtigen Zustand in Europa hält Kalergi den Frieden mindestens ebenso stark bedroht, wie im Frühling lS14 und stellt die These auf:„Wer den europäischen Krieg ver- meiden will, muh Paneuropa wollen." Als die zu- nächst zu lösenden Fragen werden das Wirtschafts-, Minderheit?- und Grenzproblem bezeichnet, als erster Schritt zu dieser Lösung der europäische Grenzabbau in strategischer, wirtschastlicher und natio-. naler Hinsicht- Zur Durchführung des Paneuropa-Programms werden in Vorschlag gebracht: die Schaffung kontinentaler Sektionen, und zwar zunächst je einer britischen, europäischen und amerikanischen Sektion, Anerkennung des Prinzips politischer Kontinente. Vorsthlag kontinentaler Garantiepakte, zunächst eines paneuropäischen und eines amerikanischen, regionale Gliederung des Völkerbundes und Reform dos Völkerbundrates und u. a. Schaffung einer europäischen Völker- bundgruppe und Staatenorganisation und Uebertragung aller rein europäischen Probleme an dieselbe. Einberufung einer wirtschaftlichen Weltkonferenz. Genf, 9. September.(WTB.) Die französische Delegation be- absichtigt, der diesjährigen Völkerbundsversammlung die baldige Ein- berufung einer großen wirtschaftlichen Weltkonserenz, ähnlich der im Jahre 1929 in Brüssel abgehaltenen Wirtschaftskonferenz vorzuschlagen. Diese Anregung geht vorwiegend aus Iouhaux, den Genralsekretär des Allgemeinen französischen Gewertschastsbundez gu. rück, der wiederholt, z. B. auch auf der letztjährigen Völksrbundsv?.-- sammlung eine genaue Prüfung der sozial-wirtschastlichen Zusam- menhänge und die Schaffung einer internationalen Organisation zur Rohstoffverteilung gefordert hatte. Gleichzeitig wird bekannt, daß das Wirschaftskomitee des Völkerbundes einen Entwurf für eine internationale Vereinbarung zwecks Abschaffung der Einfuhrverbote und Einfuhrscheine ausgearbeitet hat. Der Entwurf liegt bereits dem Völkerbundsrat zur Genehmigung vor. Vach Vritisch-Zndien können nun auch Reichsdeutsche das Ein- reifevisum erhalten: das Einreiseverbot für„ehemals feindliche" Aus- länder ist aufgehoben. Die Inder rperden in den Reichsdeutschen keine Feinde gesehen haben...,________ Umgruppierung im Osten. Anlehnung Finnlands an Schweden.— Absage der baltischen Randstaaten an Polen. Kopenhagen, 9. September.(Eigener Drahtbericht.) Vom übrigen Europa fast unbeachtet, hat sich in der skandinavischen Welt in den letzten Wochen eine außenpolitische Orientierung voll- zogen, die, wenn sie auch nichts absolut Neues bedeutet, doch eine Klärung des Verhältnisses der Ostseestaaten zueinander aufzeigt. Finnland hat den schwedischen König und seinen sozialistischen Außenminister zu Besuch gehabt, nachdem kurz vorher der Hauptteil der schwedischen Flotte einen Besuch in Helsingfors gemacht hatte. Sowohl Flotte wie König wurden mit einer Begeisterung empfangen, die man nur Verbündeten, die in höchster Not einrücken, entgegen- zubringen pflegt. Die Reden und Kommentare der finnischen Presse (auch der sozialdemokratischen) unterstreichen diese Linie: alles ist voll von der Hoffnung, nun endlich eine Anlehnung gegen die ver- meintlich drohende russische Revanche gefunden zu haben. Zwar sind positive politische Abmachungen auf diesem Besuch nicht getroffen worden, aber seine unausgesprochene Bedeutung' läßt sich nicht leugnen. Eine Unterstreichung erhält diese finnisch-schwedische Annäherung durch die kategorische Absage der Finnen an die Renal- k o n f e r e n z. die ungefähr um die gleiche Zeit stattfinden sollte und in der Polen endgültig sich des Trabontentums der Rand- staaten, darunter Finnlands, zu versichern gedachte. Die Einladung ging von Estland aus, dessen Außenminister Pusta deutlich nach Frankreich orientiert ist und der sich bisher immer als Schrittmacher der polnisch-französischen Ostseepolitik betätigt hat. Finnlands, offene Absage an diese Gruppierung ist um so be- deutungsvoller, als schon Litauen und Lettland zu einem baltischen Bund unter Polens Leitung wenig Neigung zeigten. Wie sich auch die Orientierung der südlichen Ostseestaaten schließlich voll- ziehen möge, Finnland hat sich deutlich genug nun entschieden. Es will in Zukunft auch außenpolitisch als skandinavischer Staat gelten. Nachdem die finnischen Gewerkschaften sich schon vom Beginn des finnischen Staates an der skandinavischen Gemeinschaft ange- schlössen hatten, geht die sinnifche Politik nunmehr den gleichen Weg. Bulgarische Hängejustiz. Das Militärgericht in Rustschuk hat vier Kommunisten zum Tode durch den Strang, 39 andere zu schweren Kerkerstrasen verurteilt. 13 Angeklagte mußten infolge Mangels an Beweisen freigesprochen werden. Gewerkschaftsbewegung Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen". Die Deutschnationalen auf dem Gimpelfang. Die schwierige Frage, mit den Stimmen der Arbeiter gewählt zu merden, um eine arbeiterfeindliche Politik zu treiben, suchen die Deutschnationalen mit Hilfe der Unternehmer auf dem Wege der Arbeitsvermittlung zu lösen. Sie haben eine sogenannte Arbeitsvermittlungsstelle eingerichtet und bombardieren die Unternehmer mit Zuschriften, um ihre Mitglieder unterzubringen. In einem dieser vertraulichen Rundschreiben heißt es: „ Durch das Personalabbaugesetz sind Tausende und aber Taufende von alien bewährten preußischen Beamten auf die Straße gesetzt worden, um den Tüchtigen freie Bahn zu schaffen, die das Parteibuch einer republifstützenden Partei oder einer internationalen Gewerfschaft in der Tasche tragen. Diese Leute liegen uns nun sehr am Herzen, und wir möchten doch alles tun, um diesen Stamm des alten preußischen Beamten über die jeßige schmere Zeit hinwegzuhelfen.... Aber auch aus anderen Berufen wie: Buchhalter, Kontoristen, Lageriften, Expedienten, technische Raufleute, Zeichner, Technifer, Ingenieure usw., Schmiede, Schlosser, Dreher, Werkzeugmacher, Rundschleifer, Tischler, Zimmerer, sind in großer Zahl und zum Teil schon seit Monaten bei uns vorgemerkt. An weiblichen Arbeitskräften bitten wir von uns anzufordern außer gelernten und ungelernten Arbeiterinnen auch Bureauperfonal wie: Stenotypiftinnen, Kontoriftinnen, Buchhalterinnen, Erpe dientinnen, Lageriſtinnen usw. Ferner suchen wir Lehrlingsstellen auch für verschiedene weibliche Berufe. Schließlich möchten wir nicht verfehlen darauf hinzuweisen, daß auch im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen schnelle Hilfe für unsere notleidenden Parteifreunde geboten erscheint. Zur persönlichen Rücksprache ist unser Sekretär, Herr Luwe, jederzeit gern bereit." Ganz abgesehen von der Unverschämtheit, mit der dieselben Leute, die den Abbau mit Hochdruck betrieben und insbesondere gegen die Republikaner und Gewerkschaftler angewendet haben, jetzt die notorischen Tatsachen auf den Kopf stellen, ist es bezeichnend, daß die Deutschnationalen jetzt im Hinblid auf die bevorstehenden Wahlen" sich dieser Leute" annehmen. Man muß doch so tun als ob man etwas für diese Leute" täte, denen man die Erwerbsmöglichkeit geraubt und das Brot verteuert hat. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen" treiben die Deutschnationalen sogenannte Arbeiter politik. Nach den Wahlen treiben sie die Politik der Schwerindustriellen und der Agrarier. Heute Schlichtungsverhandlungen im Reichsbahnkonflikt. Die neuen Schlichtungsverhandlungen zur Beilegung des Lohn konflikts zwischen der Reichsbahngesellschaft und den Eisenbahn arbeitern sind vom Reichsarbeitsministerium auf heute vor= mittag 11 Uhr anberaumt worden. Der Schlichter bei den neuen Verhandlungen ist Dr. Stenzel, Syndikus der Hamburger Ge werbekammer und Schlichter für den Hamburger Schlichtungsbezirk. Gleichzeitig beginnen heute die Schlichtungsverhandlungen für die Reichsarbeiter. Der Schlichter bei diesen Verhandlungen ist Staatssekretär a. D. Ruedling. Die freigewerkschaftlichen Spizenorganisationen werden, wie wir hören, in den nächsten Tagen sich in einem geharnischten Protest gegen den Mißbrauch des Rundfunks im Lohn tampf wenden, wie ihn sich die Reichsbahn vor einigen Tagen geleistet hat. Die Spizenverbände wollen eine prinzipielle Entscheidung herbeiführen, die gleiches Recht für beide Teile in der Benutzung des Rundfunks bei Lohnbewegungen vorsieht. In Leipzig haben vor einigen Tagen die Eisenbahner durch eine machtvolle Demonstration sich schnell dieses gleiche Recht in der Benuzung des Rundfunks erzwungen. Die erstaunte Reichsbankdirektion. Am Dienstag abend nahm eine Versammlung der Reichsbantarbeiter im Kasino der Reichsbank Stellung zu dem Ergebnis der Berhandlungen. Die Reichsbankdirektion verhielt sich gegenüber der Forderung auf Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe von 100 bezw. 150 M. völlig ablehnend. Sie war erstaunt darüber, daß unter ihren Arbeitern überhaupt eine Mißstimmung bestände. Troydem es der Direktion nicht unbekannt ist, daß die Löhne ihrer Arbeiter bis zu 50 Pro3. unter den Löhnen der Pripats industrie liegen und in 7 Monaten eine Aufbesserung von ganzen 3 Pfennigen erfahren haben, versteckt sie sich hinter der sattsam befannten Preisfentungsaftion" der Regierung( von der niemand etwas erhofft und verspürt), die sie nicht durchkreuzen will. Sie erklärt sogar, daß ihr nichts daran liegt, wenn die Arbeiter, denen die Verdienste zu gering find, sich anderweitig Beschäftigung suchen! Die in der Versammlung anwesenden Organisationsvertreter schilderten dann noch eingehend die eigenartige Tarifpolitik der Reichsbanf. Die Reichsbant fönnte den Frieden in ihrem Betrieb schon längst haben, wenn sie den berechtigten Forderungen auf Abfchluß eines Haustarifes Rechnung tragen würde. Auf diese Dinge wird in der Besprechung, die heute zwischen dem Reichsbantpräsidenten Schacht und dem Betriebsratausschuß stattfindet, näher eingegangen werden. Es ist anzunehmen, daß Herr Schacht ein Interesse daran haben wird, die Mißstände des Lohn- und Tarifwesens in seinem Betriebe endlich zu beseitigen. Die Arbeiter der Reichsbank sollten aber endlich aus dem Verhalten ihrer Direktion die Lehre ziehen, daß man dem nur durch eine geschlossene Organisation begegnen kann. C M シー Spittelmarkt, Ecke Wallstr Alexanderplag, nahe Aschinger, Könirage 35 gegenüber Rathaus. SW Belleaiane Str. 4 nahe Jandorf, Friedrichstr. 224, Ede Hedemannstr. Betriebsversammlung Berliner Eisenbahner. = Am Dienstag fand im Edenpalaft Charlottenburg, eine gutbesuchte Betriebsversammlung des Eisenbahnausbeffe rungswerts Grunewald statt, mit dem Thema: Lohnbewegung. Kollege Beilschmidt ging noch einmal auf die März bewegung ein und den für die Eisenbahner entstandenen Erfolg und entwickelte dann die Anfänge der jezigen Lohnbewegung bis zu den abgebrochenen Schlichtungsverhandlungen. Die Versammlung verfolgte die Ausführungen mit größter Aufmerksamkeit. Im allgemeinen fonnte festgestellt werden, daß eine große Miß= ft immung gegen das Lohndittat der Reichsbahn verwaltung vorliegt, insbesondere bei den unteren Lohngruppen. Nachstehende Entschließung wurde einstimmig angenommen: ,, Die am 8. September tagende Betriebsversammlung des EisenHauptverwaltung vorgenommene Erhöhung der Ortslohnzulage, weil bahnwerts Grunewald protestiert gegen die von der Reichsbahnschaft, die Lohngruppen zu verringern, noch eine weitere Spannung 1. durch die Lohnerhöhung, entgegen dem Willen der Beleg zwischen den einzelnen Lohngruppen herbeigeführt wurde, 2. durch die Niedrighaltung des Grundlohnes die Gedinge werden. arbeiter in ihrem schwerverdienten Ueberverdienst geschmälert gewillt, bei Hungerlöhnen und langer Arbeitszeit ihr Leben zu Die Arbeiterschaft des Eisenbahnwerts Grunewald ist nicht fristen und verpflichtet sich, durch Ausbau und Stärkung des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands die Vorbedingungen zu schaffen, um das Elendsjoch abzuschütteln." Hierauf wurden Betriebsangelegenheiten behandelt, wobei es gut gewesen wäre, wenn die leitenden Herren des Eisenbahnausbefferungswertes fich einmal von der Berbitterung ihrer Arbeiter überführen konnten. Die Ausbeutungsmethoden haben Formen anMit diesen Methoden des Gedingeverfahrens werden wir uns gegenommen, die eines guten Tages zur Explosion führen können. legentlich besonders beschäftigen. Die hohen deutschen Löhne. Unser Kopenhagener Mitarbeiter schreibt uns: Svenska Dagbladet" hat berechnet, in welchem Verhältnis die Seemannsheuern der einzelnen Länder zu einander stehen. Nach der offensichtlich objektiven Berechnung des Blattes bekommt, wenn man die schwedische Heuer eines Vollmatrosen gleich 100 anfegt, nur der englische Vollmatrose, auf den 100 Rechnungseinheiten fallen, mehr als der schwedische Matrofe. Dagegen find die Matrofenheuern der anderen Länder alle niedriger, und zwar zahlt Holland 97, Dänemark 81, Italien 54. Frankreich 52 und Deutschland nur 48 Proz. der schwedischen Heuer. Diese an sich jedem Kenner der Verhältnisse bekannten Tatsachen werden die deutschen Unternehmer nicht hindern, den angeblich hohen Löhnen der deutschen Arbeiter alle Sünden aufzuhalsen. Als Lohndrücker nicht geeignet. Als die Firma Bergmann Elektrizitätswert die Affordarbeit im Werkzeugbau einführte, stellte sie einen Fachmánn als technischen Vorfalfulator für die Akkord: preise der Werkzeugmacher ein. Daß sich der Angestellte halb mit ihm unzufrieden, weil er angeblich für die Arbeiter auf die Kalkulation verstand, gibt die Firma zu. Aber sie war des zu günstig faltulierte. Allem Anschein nach hat die Firma darauf gerechnet, in Afford mehr Arbeit für den gleichen Lohn wie bisher zu bekommen. Nun zeigte sich aber, daß ein Teil der Werkzeugmacher bis 15 Proz. über den Stundenlohn verdienten. Bielleicht haben sich die Betreffenden, wie das ja bei Akkordarbeitern der Fall zu sein pflegt, besonders angestrengt, um einen geringen nicht statthaft, denn sie hatte ja die Affordarbeit zu ihrem Nutzen Mehrverdienst zu erzielen. Aber das war nach Ansicht der Firma und nicht zum Vorteil der Arbeiter eingeführt. Nun wurden dem Salfulator Borhaltungen gemacht, weil er für die Arbeiter zu günstig falfuliert habe. Als sich trotz dieser Berwarnungen die Fälle wiederholten, wo Arbeiter einen nach der Meinung der Firma zu hohen Mehrverdienst erzielten, wurde der Kalkulator ge fündigt. Außerdem machte ihm die Firma den Vorwurf, er habe es nicht verstanden, sich Autorität bei den Arbeitern zu verschaffen. Das heißt wohl, der Kalkulator, der früher selbst Werkzeugmacher war, hat auch in seiner gehobenen Stellung die Arbeiter nicht als seine Untergebenen, sondern als Kollegen behandelt. Er war also auch aus diesem Grunde nicht als Werfzeug des Unternehmers geeignet. Im Beistande eines Vertreters des Werkmeisterverbandes focht lige Härte an mit dem Erfolg, daß die Firma verur. der Kalkulator seine Kündigung beim Gewerbegericht als unbil= teilt wurde, den Gefündigten entweder weiter zubeschäftigen oder ihm eine Entschädigung von 185 M. zu zahlen. Lohnerfolg der Gemeindearbeiter in Brandenburg. Der zwischen dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter des Wirtschaftsbezirks Brandenburg und dem fommunalen Bezirksarbeitgeberverband Märkischer Gemeinden bestehende Lohntarif war mit Wirkung zum 1. September gekündigt und eine Erhöhung der Löhne um 10 Pf. für die Stunde gefordert worden. Die Vertreter des Arbeitgeberverbandes erklärten darauf, daß die Städte infolge ihrer schlechten Finanzlage feine Lohnerhöhung bewilligen könnten. Schließlich wurde eine Lohnerhöhung von 4 Pf. für die Stunde ab 1. September angeboten mit Birtung bis zum 31. Dezember. In einer Urabstimmung wurde dieses Angebot fast einstimmig abgelehnt. Die von der Organisation angerufene Bezirksschiedsstelle verfügte daraufhin eine Lohnerhöhung von 10 Proz. ab 1. Sep tember. Dadurch wird der Grundlohn in der Spitze von 66 auf 73 Pf. heraufgesetzt. Die Sozialzulagen usw. bleiben in der bisherigen Höhe bestehen. Die neuen Lohnfätze können mit Monatsfrist gekündigt werden. Da der Schiedsspruch einstimmig gefällt wurde, ist mit seiner Annahme von beiden Seiten bestimmt zu rechnen. Der Bauarbeiterkonflikt in Deffau beendet. Deffau, 9. September. Die hiesigen Maurer, bie bekanntlich bis jest streiften, haben heute die Arbeit wieder aufgenommen. Die Zimmerleute werden ihnen morgen folgen. Damit ist auch in Anhalt der Bauarbeiterstreit beendet. Bem englischen Gewerkschaftskongreß. London, 9. September.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Gewertschaftstongreß trat am Mittwoch in die Erörterung einer von einer Ortsgruppe des Fabritarbeiterverbandes eingebrachten utopifchen Entschließung, die die Zusammenlegung von Gewerkschaften mit dem Ziele der Bildung einer einzigen, alle Arbeiterumfassenden Gemertschaft fordert. Nachdem sich eine Reihe non Vertretern großer Gewerkschaften gegen den Vorschlag ausge sprochen hatten, wurde die Entschließung abgelehnt; immerhin stimmten die Delegierten von annähernd 2 Millionen organisierter Arbeiter für den Antrag. Aber sowohl die Eisenbahner, als auch die Bergarbeiter, was besonders bemerkenswert ist, da sie zum großen Teil auf dem linken Flügel der Gewerkschaften ſtehen, stimmien einmütig gegen die Entschließung. Der Rongres nahm hierauf eine von den Schneidern eingebrachte Entschließung an, in der die freien Gewerkschaften zur Betämpfung und leberwindung des tapitalistischen Wirtschafts fast ems aufgefordert werden und die Errichtung von Betriebsräten in sämtlichen Unternehmungen verlangt wird. Als Gastdelegierter nahm Macdonald an der Sitzung des Kongresses teil. Er wurde bei dem Betreten des Saales vom Kongres aufs wärmste begrüßt. Scarborough, 9. September.( WTB.) Der Gewerkschafts tongreß hat mit starker Mehrheit eine Entschließung ar genommen, in welcher die Forderung des Miteigentums der A beiter an den Betrieben als ungenügend verworfen wird und die Arbeiter aufgefordert werden, starte Betriebsausschüsse zu bilden, die eine Waffe bilden sollen, um die Kapitaliſten zum vollständigen Berzicht auf die Beherrschung der Industrie zu zwingen". Die Opposition bezeichnete diese Entschließung als den kaum ver hüllten Versuch, den Kongreß auf kommunistische Grundsätze festzulegen. Das Zentralfomitee der fommunistischen Partei erflärt in einem Telegramm an den Vorsitzenden des Gewerkschaftsfongresses, daß die Regierung beschlossen habe,„ die kommunistische Partei wegen ihrer Aufforderung an die organisierte Arbeiterschaft zur Aufklärung der in Heer und Marine Arbeitenden über ihre Stellung zu den bevorstehenden Arbeitsstreitigkeiten zu bekämpfen". Die kommunistische Partei fordert den Kongreß auf, das Recht der Arbeiter auf Aufklärung ihrer Brüder in Heer und Marine" zu wahren. Der französische Bankbeamtenstreit. Paris, 9. September( WTB.) Die streifenden Bantbeamten haben heute vormittag eine Entschließung angenommen, in der sie fich für einen loyalen und schnellen Schiedsspruch aussprechen. Der Seemannsstreik in Afrika und Australien. Pretoria, 9. September.( WTB.) Der Justizminister der südafrikanischen Union fagte in bezug auf den britischen Seemannsstreit, die Bewegung sei weltumfassend und man könnte von der Regierung nicht verlangen, fich hineinzumischen. Der Minister erklärte es als seine Ansicht, daß welche Millionen verdient haben und trotzdem es für recht der Streit durch die Schiffsbefizer verursacht ſei, hielten, den Seeleuten ein Pfund Sterling von der Heuer abzuziehen. Dieser Zuſtand mache es notwendig, daß der Staat die Kontrolle über die Schiffahrt übernehme. Eine andere Beurteilung erfährt der Streit offenbar in Australien. In Melbourne wurde gegen 400 streifende Seeleute Haftbefehl erlassen, in Sydney gegen 89 streitende Seeleute, während in Adelaide 64 streifende Seeleute zu je 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurden. Ob dieses Vorgehen geeignet ist, die Schiffahrt wieder in Gang zu bringen, muß start bezweifelt werden. Sattler, Tapezierer und Bortefeniller. Seute, Donnerstag, 7 Uhr, außer ordentliche Generalversammlung im Gaal 4 des Gewerkschaftshauses. Bericht vom Gewerkschaftskongreß. Zutritt nur gegen Verbandsausweis. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe Stud. n. Gipsbau. Heute, Donnerstag, abend 7 Uhr im Dresdener Rafino", Dresdener Str. 96, MitgliederversammYung. Das Ergebnis der Berhandlung mit den Unternehmern. Diskussion. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Die Gruppenleitung. Verband der Maler. Mitgliederversammlung am Freitag, 11. September, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus. Unsere Lohnfrage. Bericht vom Gewerk schaftstongreß. Diskussion und Berschiedenes. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SB. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". Die Verrufenen ( Der fünfte Stand) Mujitaufträge Keinen Ärger mit Augengläsern zu haben ist ein Giüd, das meist nur wenigen beschieden ist, die genötigt find, sie zu tragen. Unseren Kunden ist es beschieden, denn wir garantieren nicht etwa nur gegen Fabrikationsfehler, nicht nur für gute Qualität, sondern wir garantieren einfach für Zufriedenheit. 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Schönhauser Allee 81, am Bahnhof Nordring. Friedrichstr. 150, Ecke Dorotheenftr. NW Charlottenburg: Zaueng enfr. 15, Ede Marburger Str. Joachimsthalerstr.2, nahe Bahnhof 300. Wilmersdorf: Berliner Str. 132-33, nabe Uhlandstraße übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4018). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch. Sind's die Augen, geh' zu Ruhnke. Schöneberg: Banptstr. 21, Ede Atazienstraße Friedenau: Rheinftr. 18, Ede Kirchstr. Neukölln: Bergstr. 4, Ecke Zietherfir. Nr. 427 42.Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Berlin, DEB die grösste Hafenstadt. Berlin ist überaus günstig an Wasserstraßen gelegen. An Spree, Dahme und Havel wuchsen die Siedlungen Berlin, Rölln, Köpenid und Spandau hervor, bis sie zu einer Stadt verschmolzen. In früheren Jahren überwog der Güterverkehr auf dem Wasser bei weitem den auf dem Landwege. Nach und nach, bis wenige Jahre vor dem Kriege, hatte die monopolistische Staatseisenbahn den größeren Teil an sich gezogen. Schuld an dieser Entwicklung trug in erster Linie die Syſtemlosigkeit, die ihre Ursache in der kommunalen Zerrissenheit des Berliner Wirtschaftsgebietes hatte. Berlin, Charlottenburg, Neukölln, Tegel, Spandau betrieben ihre gesonderte Hafenpolitik, die bestimmt war von ihren fleinen örtlichen Interessen. Heute ist das glücklicherweise anders geworden. Der Westhafen. Ein gewaltiges Wert; durch das Berlin zu einem der größten Binnenhafen des Konfinents geworden ist. Der Bau wurde 1914 in Angriff genommen; durch den Krieg und die Nachkriegszeit arg verzögert, fonnte er erst im Sommer 1923 dem Verkehr übergeben werden. Das größere Nordbecken hat eine Länge von 655 Metern, das Südbecken eine solche von 448 Metern. An den rund 2500 Metern langen Kairampen des Nordbeckens können gleichzeitig 68 große Elbschiffe von je 600 Tonnen oder 104 Finow- kähne von 225 Tonnen Tragfähigkeit löschen und laden. Die Einführung des Tausendtonnen- Schiffsverkehrs wird sich durch geringe Vertiefung der Hafenanlage erreichen lassen. Der Anschluß an den Hamburger Güterbahnhof ist gegeben durch eine 30 Kilometer lange Gleis anlage, die es ermöglicht, daß die Eisenbahnwagen direkt bis an die Schiffe herangebracht werden können. Die Lagerhallen vermögen eine ungeheure Menge von Waren zu fassen. Die drei Lagerhallen des Nordbeckens haben eine Länge von je 123 Metern und 23 Metern Breite, also rund 2850 Quadratmeter überbaute Fläche. Sie enthalten je drei Geschosse, von denen jedes rund 16 000 Tonnen Fassungsvermögen hat. Der zehn Geschosse enthaltende Getreidespeicher fann neben 4000 Tonnen Stückgut rund 29 000 Tonnen Getreide faffen. Die Anlegung eines 3ollspeichers mit 25 000 Tonnen Fassung ermöglicht es, daß Güter hier zunächst unter Verschluß gelagert werden können, bis sie dem Verbrauch zugeführt werden. Auf dem Kohlenlagerplatz fönnen rund 100 000 Tonnen gelagert werden. Die sonstigen Hochbauten enthalten Verwaltungsgebäude, Werkstätten, die Kraftanlagen für den elektrischen Betrieb usw. Drehbare Krane bis zu 5 Tonnen Tragfähigkeit, Elevatoren, Becherwerke, Tant- und Saugförderanlagen vervollständigen den Betrieb und machen ihn zu einem der modernsten Hafenanlagen. Die gesamten Hafenanlagen des Berliner Wirtschaftsgebietes haben jetzt einen Flächeninhalt von 1112 500 Quadratmetern, die Ladegleise eine Länge von 8500 Metern. Nach dem Westhafen folgt an Größe und Bedeutung der Osthafen, der 1913 dem Verkehr übergeben wurde. Durch den Neuköllner Hafen in Verbindung mit Sem Teltowfanel wird ein umfangreiches Industriegelände erSchloffen. Wasserstraßen und Industrie. Der Fremde, der mit der Eisenbahn sich Berlin nähert, durchfährt lange, ehe der Zug im Bahnhof einmündet, die vorgelagerten Orte mit gewaltigen 3ndustrieanlagen. Hohe Fabrikschlote bezeich30] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Wenn ich die Treppe heruntergestürmt tam und ihre Stimme hörte, wurde ich still und schlich mich vorsichtig weiter, daß ich bis zum ersten Stock herunterkommen und sie von hier aus betrachten konnte, ohne daß sie mich entdeckten. Dagegen mochte ich nicht an ihnen vorbeigehen, denn dann fühlte ich mein Gesicht nervös zucken und eine fliegende Hitze stieg mir in die Backen. Mein Blid wurde schwach und es flimmerte mir vor den Augen. Doch in den vielen Stunden, bevor ich in den Schlaf fiel, glitten die Bilder dieser beiden Mädchen in die Wogen der Dunkelheit um mich auf und ab. Sie saßen an einem Tische und schrieben und der Schein der Lampe fiel auf ihre hellen Augenlider. Sie flochten ihre dicken, rotbraunen Haare auf. Sie liefen in langen Nachthemden, die ihnen bis zu den Fußspitzen reichten, im Schlafzimmer umher aber ich lag hier oben dicht unter den Telephondrähten und war ein armer Junge. Ich überdachte das hin und her. Ich war ein armer Junge, doch plöglich wurde ich berühmt. Ging es nicht so zu, daß ich nicht recht bei Berstande war und deshalb in den Zelten des Feindes aus- und eingehen durfte? Und beachtete man mich überhaupt? Nein, denn ich war ja nicht ganz richtig im Kopf. Und so hörte ich eines Nachts die Pläne des Feindes. Ich lag gerade vor dem Zelt des Generals; doch die Schildwache sagte: Laßt ihn ruhigliegen, das ist ja bloß der Verrückte!" Ünd so blieb ich liegen. Ich schloß natürlich die Augen und tat, als ob ich fchliefe; aber ich hörte alles. Der General sprach mit feinen Offizieren. Sie wollten die Dänen mitten in der Nacht überrumpeln. Ja, ich hörte alles und dann stand ich auf und ging zur Schildwache hin: Ich will hinaus und Mohrrüben fangen!" sagte ich zu ihr. Gute Jagd!" rief sie. Und ich ging aus dem Lager hinaus. ,, Wer ist da!" rief eine zweite Schildwache und trat vor. Es war stockdunkel. Ich will Mohrrüben fangen gehen," sagte ich. Das kannst du meinet wegen, denn du bist ja nicht ganz richtig im Kopf. Du kannst feinem schaden," antwortete die Schildwache. Und ich ging in die Dunkelheit hinaus aber ich tat die ganze Zeit, als ob ich verrüdt wäre. Hei dideldei, meine Frau ist frank!" sang ich. Und wenn ich weit genug fort war, wollte ich anfangen zu Laufen. Atemlos würde ich im Lager der Dänen anlangen und nen den Weg, der zu der Metropole der Arbeit führt. Die glückliche Lage Berlins an den zahlreichen Wasserstraßen und den angelegten Kanälen waren seiner Entwicklung überaus günstig. An der Oberpree die großen Anlagen der Elektrizitätswerke und der Automobil. industrie, die chemischen Fabriken. In Tegel mit feinem Hafen und dem Kanal, und weit hinaus an der Havel bis Hennigsdorf haben Borsig und die AEG. ihre Werke errichtet. Und weiter draußen. am Großschiffahrtskanal, ist bei Belfen, der alten Töpferstadt, ein Industriegebiet erschlossen, das ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Hier haben bereits etwa 50 größere und kleinere Werte fich niedergelassen und noch ist auf dem 5200 Morgen großen Gelände Raum für viele Betriebe. Der im Bau befindliche Stichtanal, der direkt Dom Großschiffahrtskanal bis Belten heranführt, ermöglicht den Tausendtonner- Schiffen die Einfahrt. Dann der Nordfanal, der vom Tegeler Hafen aus über Weißenfee, Lichtenberg führen und der später bei Köpenick in die Oberspree münden soll, ist insbesondere für Industrieanlagen berechnet. Berlin als europäischer Hafen. Mit dem Westhafen glaubte man in früheren wilhelminischen Beiten die Entwicklung für abgeschlossen. Nach den heutigen zu funftsfrohen Plänen des demokratisch- republikanischen Berlins ist der Westhafen nur eine Etappe, der Ausgangspunkt neuer Verkehrsmöglichkeiten auf den Wasserstraßen. Es ist tein örtliches Berliner problem, auch nicht bloß ein deutsches, es ist eins von mitteleuropäischer Bedeutung. Denn die Endpunkte des Berliner Waffer Speicher am Osthafen. nach dem General fragen. Ha, ha, der Idiot will mit dem General sprechen!" würden die Soldaten sagen; unter großer Mühe würde ich mich bis zu dem General durchdrängen und ihm alles erzählen. Und die Dänen gewannen! Und ich ritt beim Einzug auf einem Pferd! Und zwei Mädchen mit rotbraunen Haaren würden Kränze zu mir herunterwerfen, und ich würde sie mit meinem Gewehr auffangen und den einen um meine Soldatenmüze legen. Wenn ich unten auf der Straße war, schielte ich stets zu dem breiten Fenster hin, wo die beiden Schwestern zu fizen pflegten; aber sie beachteten mich nie. Sie übersahen und verachteten mich. Das schmerzte mich und ich ging verschiedene Male still und gerade an dem Fenster vorbei, bis es mir eines Tages flar murde, daß sie mich ja eigentlich verachten sollten. Es sollte ja damit anfangen, daß sie mich für verrückt hielten; aber wenn der Krieg dann tam, sollten sie bereuen, daß sie mich so verfannt hatten. Zunächst aber sollten sie mich verachten! Und ich begann meine Komödie vor ihnen. Ich ging auf die andere Seite der Straße hinüber und sah schnell zu ihren Fenstern auf. Dann stieß ich ein Geheul aus und starrte wieder hinauf. Da, jetzt hoben sie die Köpfe! Ich fing an hin- und herzuschwanken. Ich war ein Betrunkener. Ich war so betrunken, fo betrunken! Ich schlug mit den Armen aus und bemühte mich, über den Rinnstein zu tommen. Ich stand an seinem Rande und scheute wie vor einem großen, tiefen Abgrund davor zurück; aber plöglich befam ich lebergewicht und stürzte nach vorn, beugte mich in den Knien und fegelte um. War das aber schwer, wieder hochzukommen! Ich versuchte mich auf die Arme zu stüßen, aber die waren zu schwach, so daß ich wieder zusammenfiel und aber die waren zu schwach, so daß ich wieder zusammenfiel und tat, als ob ich mit der Nase auf die Pflastersteine schlug. Dann blieb ich wie ein Toter mit ausgestreckten Armen liegen. Ob die Mädchen sich dafür interessierten, wußte ich nicht. Ich lag still mit geschlossenen Augen und dachte: jetzt verachten fie mich erst recht, aber sie sahen mich an. Er ist nicht recht bei Troste, sagte die eine zu der anderen. Darauf drehte ich mich auf den Rücken und lag mit halbgeschlossenen Augen da. Ich konnte grade so viel erkennen, daß die beiden die Hände zusammenschlugen und lachten. Aber meine Rolle war nicht zu Ende. In meinem Hirn freuzten sich tausend Einfälle. Ich trudelte quer über die Straße zu einem Laternenpfahl hin, und hier fing ich umständ= lich an, aufzustehen. Nun konnte ich deutlich ihr Gelächter hinter den Scheiben hören, Donnerstag, 10. September 1925 verkehrs find schon jezt Rosel, Oderhafen und Breslau. Warschau, Danzig, Königsberg, Stettin, Lübed, Hamburg, Prag. Wenn der einst der Mittellandtanal, den die altpreußischen Kanalrebellen, dem Willen ihres Königs trozend, nicht bauen wollten, die Berbindung zwischen dem Elbe-, Havel- und Spreegebiet mit Weser, Ems und Rhein hergestellt sein wird, dann werden Bremen, Rotterdam Köln, Mannheim, Straßburg als Endpunkte unseres Wasserverkehrs in Frage kommen. Berlin bereitet sich auf den Empfang der großen Tausendtonnen- Schiffe vor. In nächster Zeit wird die dem Verkehr großer Fahrzeuge hinderliche Alfenbrüde umgebaut werden, Schleusen und Hafenanlagen müssen Bertiefung und Erweiterung erfahren. Das ist gewiß zum Teil Zukunftsmufit, aber die Zeit der Vollendung wird fommen, muß tommen, denn die Verhältnisse drängen dazu. Berlin wird dann noch mehr als jetzt zu einem Zentrum der Arbeit werden. * In der Sozialdemokratie und ihren Vertretern im Stadtparlament wird der Magistrat stets die besten Förderer finden, wenn er Pläne zu verwirklichen strebt, die Arbeit bringen und dem Berkehr förderlich find. Ochsenschwanzsuppe. Bor dem Kriege war es ein vegetarisches Speisehaus. Das muß wohl etwas abträglich gewesen sein. So führte man denn Fleischknödel und Münchener Biere ein. Daneben werden allerdings In Gegner der Fleischesluft und Selterwassertrinker geduldet. diesem Lokal ist es immer unmäßig voll. Ein schmaler enger Raum, in dem Tisch an Tisch alle die siken, denen der Groschen ein Problem und Geldüberfluß die geringste Sorge ist. Für 1 m. erhält man eine Bortion, doppelt und dreifach reichlich. Nur die Bedienung ist mangelhaft. Diese Bedienung, ausgeübt von vier rundlichen Frauen, ift zwar mangelhaft, aber ebenso originell wie drastisch. Da tommt 3. B. niemand an den Gast heran, der einladend mit der Serviette wedelt. Im Gegenteil, während du in Träumen verſunten die Speisekarte analysierst, herrscht dich ein rauhes Organ an:„ Was?!" Dieser kategorische Imperativ muß dir Befehl sein. Antwortet der Angeherrschte nicht sofort, so tann er mit Sicherheit darauf rechnen, für die nächste halbe Stunde bontottiert zu werden. Ist die Geistesgegenwart des Gaftes genügend entwidelt, um mit Firigkeit auf das zugeschleuderte Stichwort einzuspringen, jo eilt die Kellnerin unter rauhem Murmeln von dannen und schreit in einen kleinen viereckigen Kasten deine Bestellung. Sie ruft sie so unerhört laut, daß jeder sofort merkt, was du zu speisen wünschst. Im allgemeinen schreien fie alle vier zusammen. Dann gibt es ein einzigartiges Quartett. 970 Bor etlichen Tagen hätte es in dem Lokal es ist wohlgemerkt ein Lokal ohne Mufit fast eine kleine Revolte gegeben. Da war ein Gaft, der ganz verwegen aussah. An seinen Kinnbaden flebte ein Original- Jägerbart. Es roch um ihn nach Sauerkraut und auf dem Garderobenhafen schwebte das spize- Hütchen dieser gefegneten Branche. Dieser Mann war ohne Zweifel von guter alter Art. Nun mußte jemand etwas Niederträchtiges bestellt haben, denn die Kellnerin schrie mit gewohnter Stimme ins Paradies hinein: Einmal Schweinebauch". Und dann mit merkwürdiger Betonung:„ bürgerlich". Der Herr mit dem Original- Jägerbart regte fich furchtbar auf. Er sagte, daß er deutschnational gewählt hätte, und so eine unglaubliche Tattlosigkeit wäre ihm noch nicht vorgekommen. Er spie vor Empörung förmlich Feuer. Dieser schwere Konflikt fand allerdings eine überraschend friedliche Lösung. Der verwegene Gaft hatte im Anschluß an seine Explosion die Speisefarte gründlich studiert. Und nach fünf Minuten schrie die Kellnerin, wie immer mit Stentorstimme:„ Eine Ochsenschwanzfuppe... nach großherzoglicher Art." Jetzt war der Herr zufrieden! Ein neuer Urnenhain. In den letzten Jahren haben die kirchlichen Friedhöfe schon immer die Beifegung von Aschenresten gestattet, sie sind jetzt dazu übergegangen, besondere Pläge für die Aufnahme von Urnen anzulegen. Ein außerordentlich schöner Urnenhain ist auf dem alten St Jatobi Kirchhof in Neukölln, Berliner Straße 2/6, eben fertiggestellt und wird am Sonntag, den 6. September, um Und ganz berauscht vor Freude ging ich die Steintreppe herauf und fiel wieder herunter, herauf und wieder herunter. Die Mädchen öffneten das Fenster und lehnten sich heraus, um besser sehen zu können. " Du bist mal ulfig!" rief die eine begeistert, und ich verneigte mich tief und zog den Hut, wie vor einem wohlwollenden Publikum. Ich war schon froh darüber, daß sie mich nicht verachteten. Aber jetzt war ich plötzlich ein Held geworden! Ich fühlte mich ihnen gegenüber so groß, wie meinen albernsten Kameraden gegenüber. „ Ein Betrunkener" war noch nichts Rechtes, aber über den hohen Zaun gegenüber zu flettern und sich auf der anderen Seite in den Garten plumpfen zu lassen, mußte wohl als eine Tat gelten! Das wurde meine nächste Nummer. Unten von einem Zimmerplay holte ich mir ein Brett, das ich schräg gegen den Zaun stellte und langsam begann ich hochzuflettern. Ich rutschte ein paarmal herunter und wurde rot. Diesmal sollten die Mädchen nicht lachen, diesmal sollten sie bewundern. Ich fing wieder an. Meine Knie schmerzten, weil ich sie fo fest gegen das Brett stemmte und ich riß mir Splitter in die Finger; aber herauf wollte ich, herauf mußte ich. Ich schob mich mit kleinen, festen Bewegungen vorwärts; doch als ich endlich den einen Arm vorsichtig ausftreden wollte, um den Rand des Zauns zu fassen, glitt das Brett ab, und ich stürzte herunter. Nein, ich erntete immer nur Gelächter! Ich konnte nicht auf die gewöhnliche Art siegen, dazu mar ich zu unbeholfen und zu schwächlich. Ich mußte mich ändern. Ich mußte ein ganz anderer werden, als der ich sein wollte, um durchzufommen. Niedergeschlagen ging ich meines Weges und es dauerte mehrere Tage, bis ich wieder mit meinen Clownnummern anfing. Diesmal wollte ich auf allen Vieren über die Straße triechen und wie ein Hund bellen. Die Mädchen saßen oben und stickten. Ich gab mir die größte Mühe. Ich bellte, so daß es schallte und lief eifrig herum und schnüffelte an den Laternenpfählen; aber als ich grade unter ihre Fenster fam, wurde es geöffnet und sie steckten beide die Köpfe heraus. ,, Gott, wie der sich anstellt," rief die eine ärgerlich. ,, Dann braucht ihr ja nicht runterzuglogen, ihr dummen Dinger!" rief ich wütend und stand auf. ( Fortfehung folgt.) 4 Uhr eingeweiht. In drei Terrassen steigt das Terrain auf, das mit seinen Rasenflächen und Blumenbeeten, mit hohen Taxushecken und sauberen Kieswegen einen höchst stimmungsvollen, feierlich-friedlichen Eindruck macht._ Die KomSüie einer Wshnungssihiebuug. Der Kläger auf der Aaklagsbaak. Die vorschrifte» der Mieteinigungsämter waren und sind be- kanmllch dazu da, von kundigen Leuten mit Schieberbegabung um- gangen zu werden. Diese Praktiken eines großzügigen W o h» nungszwischenhandels hatten sich in de» Jnflationsjahren ein eigenes System geschaffen: man handhabte besonders in Gesell- schaftskreisen dieses Schachspiel mit großem Geschick und die Be- hörd-n standen ingrimmig, aber voll Ohnmacht einer gutorganisier- ten Gemeinschaft von.Gesetzesattentätern" gegenüber. Der Großkaufmann B. ist' Besitzer einer eleganten Wohnung in Tempelhof, die er räumen muß. Der erheblich eingeschränkte Besitzstand behagt ihm Nicht. So fahndete er nach einem Gleich- gesinnten, der, wie er, auf die Dummheit des Wohnungsamts speku- liert. Da ist der Fabrikant V., der gerade dabei isr, sich im schönen Baden-Baden eine Villa bauen zu lassen. Nach Vollendung des Baden-Badener Baues soll B. einziehen und als Entschädigung entrichtete er die stattliche Summe von 83 Dollar. Die Sache wird nun immer geheimnisvoller und es ist schwer, sich aus diesem Wirrnis von mündlichen und schriftlichen Vereinbarungen herauszufinden. Jedenfalls: eines Tages zeigt cherr V. dem zuständigen Wohnungs- amt an, daß er geräumt habe und der unangenehm überraschte B. fliegt aus die Straße. B. sähst sich geschädigt und strengt eine Be- trugsklage gegen Familie V. an. Gericht und Angeklagte sind ver- sammelt und man wartet nur noch äus den Kläger. Da öffnet sich der Seiteneingang für die Häftlinge und hereintritt in Begleitung des Justizwachtmeisters, frisch aus der Untersuchungs- Haft. der Herr Kläger. Wie er da hinein gelangte, das ist eine lange Geschichte. Da war Herr V. mit zwei Kompagnons Direktor einer Aktiengesellschaft gewesen. Die Zeiten waren schlecht, die Pleite ging um, man mußt, komme es wie es wolle, Kredite haben. So fälschten die Herrschaften Aktien um sie einer Darlehnskasse als Deckung für einen 100 000- Mark- Kredit anzubieten. Dann brachen die Herren Ehcfs, vom Arm der Gerechtigkeit verfolgt, nach allen Richtungen der Windrose cuseinander. Der eine schwamm irgendwo bei Aokohama herum, der zweite dürfte sich in Paris von seinen ergaunerten Krediten erholen, und den dritten faßte man in London, von wo ihn die britische Behörde aus Antrag nach Deutsch- land ausliefert«. So steht der Angeklagt«, ein wenig betreten. als Kläger vor dem Richter. Seine Stellung ist die ungünstigere. Die Frau der gestürzten Aktiengröße wird als Zeugin auf- gerufen. Sie spricht laut.und sehr erregt. Ein stürmisches Verhör. Manchmal sprechen sechs Leute auf einmal. Der junge Ersatz- Staatsanwalt, der als Ankläger fungiert, hebt mit erschreckter Geste die Hände und sagt leise:»Aber, ich bitte Sie, dych nicht all« auf einmal!" Das Resultat: Herr L. wird freigesprochen. Mangels Beweise». Einwandfrei war die Sache sicherlich nicht. Herr V. war schon vorher in seine Zelle zurückgekehrt. Nach- dem er sich mit Handkuß von seiner Frau verabschiedet hatte. vie Hölle vor» Neukölln. Ungerechtfertigte Anschuldigungen gegen Polizei beamte. Unter der Anklage der Körperverletzung im Amt« standen die Polizeiwachtmeister Walter R. und Max S. vor dem Großen Schöffengericht Neukölln. Folgender Dorfall hatte zu einer Anklage gegen die beiden Beamten geführt: Am 30. Juli vorigen Jahres erschienen auf dem Polizeirevier in der Schudomastraß« in Neukölln die Arbester Abt und Zeidler und boten um Schutz gegen ihren Hauswirt Hecht, der sie im Verlaufe eines Streites mit einem Revolver bedroht habe. Die beiden Polizeiwachtmeister begaben sich darauf nach dem fraglichen Hause in der Wipperftraße und forderten den Hauswirt auf, die Waffe herauszugeben. Dieser weigerte sich zunächst und erklärte, daß er einen Waffenschein besitze, gab aber schließlich den Revolver an die Beamten ab. Die beiden Arbeiter waren mit dabei, ol» Hecht mit den Beamten verhandelte und hatten der Unterredung von Anfang bis End« beigewohnt. Bald darauf erschien aber Hecht auf der Wach« und behauptet«, daß er von einem der Beamten, dem Angeklagten R., geschlagen worden sei. Der zweite Polizeiwacht- meister S. habe die Tür des Zimmers zugehalten, damit niemand den Vorgang beobachten konnte. In der Verhandlung bestritten die Angeklagten ganz entschieden, sich der ihnen zur Last gelegten Miß- Handlungen schuldig gemacht zu haben. Auch die ol» Zeugen ge- ladenen llrbester Abt und Zeidler oersicherten, daß sie von einer derartigen Mißhandlung nichts wahrgenommen hätten. Der Haus- besitze? dagegen blieb bei seiner Aussage, die durch zwei Frauen unterstützt wurde. Der Vertreter der Anklage stützte sich auf diese Aussage der Frauen und beantragte gegen R. 10 Tage Gefängnis, gegen S. Freispruch. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Georg Löwen- thäl stellt« unter Beweis, daß Hecht gerichtsnotorisch ein Lügner sei und als solcher in Neukölln auch bekannt sei. Ein Richter habe im Laufe eine» Prozesses geäußert, daß das dem Hecht gehörige Haus Wipperstraße 11 die.Holle von Neukölln" sei. Das Gericht sprach die beiden Beamten auf Kosten der Staatskasse frei. Zur Bluttat am Nikolsbvrger Platz. Die Bluttat am Nikolsburger Platz, über die wir berichteten, beschäftigte gestern noch weiter die Kriminalpolizei. Ein Lokal- termin sieferte ein Bild, das wesentlich anders aussieht, als die Darstellung, die Millius bei seiner Selbstgestellung gab. M i l l i u s und Dobrachowski wohnten beide in Unter- miete bei einem alten Herrn, der früher in sehr guten Verhältnissen gelebt hatte, jetzt aber genötigt war. von seiner Woh- nung mehrere Zimmer abzuvermieten. Dobrachowski hatte em Neinere«, Mllius ei» größeres und bester ausgestattetes Zimmer. Weil er nicht zahlte, sollte er mst Dobrachowski tauschen, dann aber auszieben, sobald«r eine andere Wohnung gesunden hätte. Dobra- chowski bezog nun am Dienstag das bester« Zimmer. Als Millius da» bei semer Heimkehr in der Nacht sah, klopfte er bei ihm an und machte großen Lärm. Dobrachowski öffnete und bat ihn, doch ruhig zu sein, schon mst Rücksicht auf den Vermieter, den alten Herrn, der schwerkrank zu Bett liegt. MiMus aber ließ sich nicht beruhigen, sondern lärmte wester. Er bestreitet, den Revolver bei sich gehabt zu haben, behauptet vielmehr, daß er ihn erst, als Dobrachowski ihn schwer bedroht habe, aus dem Schrank genommen und dann in der Notwehr geschossen habe. Dem widerspricht die Aussag« einer Köchln, deren Zimmertür gerade dem Schrank gegen- über liegt. Millhis hat drei Schüsse abgegeben, die all« drei Dobra- chowski trafen. Er bleibt dabei, in der Notwehr gehandell zu haben. „Berliner Warenkredithans Norden". Ueber«ine feine Firma, die nur von Betrug und Schwindel lebt«, hatte das Schöffengericht Bertin-Mist« in einer Anklag« wegen Betruges, Urkundenfälschung, Unterschlagung und Konkursverbrechen zu verhandeln. Der Kaufmann Bernhard Löwenberg, ein achtmal vorbestrafter Mann, hatte, nachdem er in allen Teilen Deutschlands und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika umhergereist war, und nachdem er seine letzt« größere Strafe in Gestall von fünf Jahren Gefängnis verbüßt hatle, sich endlich in Berlin niedergelassen. Hier gründete er erst eine Kleiberfabrik nnd dann in Ahlbeck eine Maßschneiderei, wodurch er mit dem als Dllgler bei ihm beschäftigten Kau, mann Wolf Neumann in Verbindung kam. Dieser war ein gleichgestimmter„Ehrenmann" wie er, denn auch er zählte nicht weniger als 13 Vor- strafen. Mit ihm als Mitinhaber gründete Löwenberg in der Elbinger Straße das Berliner Warenkredichaus. Da nicht ein Pfennig Betriebskapital vorhanden war und da die Geschäft« des Kredichauses lediglich darin bestanden, selbst Waren auf Krebst zu nehmen, um diese zu verschleudern, verkrachte die Firma natürlich sehr schnell. Ebenso machte weiterhin das„Berliner Waren- kredithaus Norden" Pleite, das gleich darauf in der Garten- straße ohne einen Pfennig von dem inzwischen zahllose Male srucht- los gepfändeten Löwenberg gegründet worden war und als Inhaber seinen Sohn, Siegfried Löwenberg aufsührte. Kreditschwindel, Dar- lehensschwindel, und schließlich Kautionsschwindel waren die Mittel, mit denen das Dasein gefristet wurde, bis schließlich die Firma ganz und gar hoch ging und die genannten Drei in 33 Fällen derartiger Betrügereien unter Anklage gestellt wurden. Von der Zeugenoer- nehmung konnte zum größten Teil Abstand genommen werden, da der Hauptangeklagte im wesentlichen geständig war. Deshalb nahm die für drei Tage angesetzte Verhandlung schon gestern ihr Ende. Bernhard Löwenberg wurde zu 2 Iahren 8 Monaten und sein Sohn Siegfried Löwenberg zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mst. angeklagte, Kaufmann Neumann, mußte freigesprochen werden. Lehrbücher öer Republik. Drei Ncucrscheinuugen aus dem Jahre 19Ä5. Im Jahre 1923 oerlangte in Berlin die deutschnattonale Stadt- verordnetenfraktion vom Magistrat, er solle Neuauflogen von Schul- büchern erst gestatten, wenn„die alten Vorräte" ausgebraucht wären. Man fürchtete, neue Lehrbücher würden endgültig m i t den alten Anschauungen aufräumen. Selbst die Deutschnationalen wagten nicht zu hoffen, daß noch jetzt das„gute Alte" in neuen Schulbüchern westerleben werde. Und doch könnten sie häufig ihre helle Freude an dem haben, was heute noch in der Republik möglich ist. Ich greise drei Reuerschei- nungen des Jahres 1923 heraus. Ein neues Buch nennt sich„Geschichte de« deutschen Volkes", verfaßt von K r a f f z i k. Man höre folgende ProDen daraus: 1.„Dem alternden Friedrich Wilhelm III., der von Ansang an absolut regiert hatte, konnte die große Aenderung(gemeint ist die von ihm zirka 30 Jahre vor seinem Tode versprochene Verfassung!) nicht zugemutet werden. Weil er wegen seiner strengen Gerechtig- kest(man denke an die„Demagogenverfolgungen!), seiner Einfachheit und landesoäterlichen Gesinnung allgemein beliebt(?) war, stellten die Untertanen die Erfüllung ihres Herzenswunsches zurück, bis er das Zestliche gesegnet hatte. 2. 1848!„Wenige Tage später er- faßte die Woge Berlin: die Hauptstadt des Königs von Preußen galt(!) als Hochburg der Reaktion. Jetzt endlich mußte die heiß- ersehnte Verfassung errungen werden. Als Barritaden entstanden, war der König entsetzt und erklärte, daß er dem Wunsche des Voltes entsprechen wolle, um dem Blutoergießen Einhall zu tun. Am 31. Januar 1850 gab er Preußen die Verfassung.... Durch die Verfassung von 1830...hat das Streben nach staats- bürgerlicher Freiheit(!) sein« Erfüllung ge- funden." 3. Die Ursachen des Westkrieges, mst deren Erörterung sich der Ausschuß des Reichstags lange genug abgemüht hat. sind nach diesem Lehrbuch sonnenklar. Wir lesen darin:„Aufrichtig und ehrlich hat Deutschland die Verständigung, den Frieden mst dem englischen Vetter gesucht: es haste aber nicht» genütz, der Handels- neid war zu groß."..... Unter dem Vorwande, die Neutralität Belgiens zu verteidigen, erklärte uns England am 4. August den Krieg." Von der Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland weiß der Verfasser nichts. Also der neue„Erbfeind" ist gesunden, Gott strafe England! 4. Die sozialpolitischen Reformen von 1891„geschahen zum Besten der niederen Stände, unter Opfern der bevorzugten Stände, und zwar recht- zeitig(!), und wahrten so den Frieden der Gesellschaft und des Staates." Diese Beispiele dürften ausreichen, zu zeigen, wie der Hauptforderung des Geschichtslehrplans an den Volksschulen, „der geschichtlichen Wahrheit möglichst nahe zu kommen", genügt ist. Rur noch ein besonders bezeichnendes Beispiel für den„Geist. der das Buch erfüllt. Es sagt:„Sie erste Regstrungstat Wilhelms I. war die Heeresoermehrung." Und es gibt�als Grund an:„Im Kriegsfalle muhten gleich die Landwehrleute herangezogen werden: diese waren meist verheiratet, und deshalb bedeutete der Tod jedes dieser älteren Krieger gewöhnsich den Ruin einer Familie, während der Tod eines unverheirateten jungen Mannes weit weniger schadete." Wörtlich so zu finden auf S. 47 von Bd. III In diesem„völkerversöhnenden" Geiste will man den Geschichtsunterricht erteilen. Aus dem Titelblatt steht stolz„gemäß den ministeriellen Richtlinien vom 13. Oktober 1922"! Im gleichen Sinne sind die geschichtlichen„Tatsachen" zum Teil auch in fremdsprachlichen Büchern dargestellt. In Nr. 303 der „Frankfurter Zeitung" findet sich folgender Bericht unter der Ueber- schrift„Was ein rheinisches Schulbuch erzähst":„Fahre ich da neullch geschäftlich von dem Rheinstädtchen Geisenheim nach Wiesbaden zurück... Ein 14iähriger Blondkopf reicht mir sein Schul- buch. Es hat zwei Berliner und einen Danziger Professor zum Ver- fasser. Ich blättere mal so... Der letzte Satz der Lektion lautet: „Kaiser Wilhelm II. regiert unser Land seit 1888, nach ihm wird sein Sohn, der Kronprinz regieren." Hinter Kronprinz steht sogar noch„prince roxal" in Klammern, das Wort hat diese Klasse offenbar noch nicht gehabt. Nanu, denke ich lächelnd, und ich suche das Druckjahr. Wahrhaftig: Verlag Diesterweg, Berlin 1923". Und nun sei noch ein drittes Buch erwähnt, die„Heimat» tunde der Provinz Brandenburg"(ebenfalls von Kraffzick. 1923!), ausdrücklich bezeichnet als„für die Hand der Schüler" bestimmt. Diese Heimatkunde soll in dem Schüler die Liebe zur Heimat wecken, deshalb schließt das Buch auch nsit dem „Brandenburger Lied", au» dem ich nur die 2. Strophe anführe: „Laß dir nimmer grauen deiner Feinde Schar. Ueber dir im Blauen schwebt der Preußenaarl Seiner Schwingen Rauschen reckt den Erdenball, Seiner Stimme lauschen rings die Völker all!" Jawohl, 1925, nach dem Wellkriegl Also im Geschichtsunterricht hätten demnach die Kinder 1925 folgendes als„Tatfachen" zu lernen: 1. Um den Tod eines Menschen ist's nur schade, wem, der Swat dadurch materiell belastet wird. 2. Deshalb, Deutsch«, schart euch um euren Kaiser, Wilhelm N., der euch„immer feste druff" gegen den neuen Erbfeind führen wird. A. Schon jetzt zittert der Erdenball, wenn der Preußenaar sein« Schwingen rührt! Hurra, hurra, hurrttt Haben wir nicht einen furchtbaren Krieg verloren? Hatten wir nicht 1918 eine Revolution? Haben wir nicht eine Republik? Mir ist doch so!? Lisbeth Riedger. Eine neu« Turnabiellung im Zentrum. Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin erösfnet am Donnerstag in der Turnhall« Garten- straße 107a an der Clsasser Straße eine neue Turnabteilung. Turn- zeiten Montag» und Donnerstags von 8 bis 10 Uhr. Hierzu können sich außer Männern und Jugendlichen auch Turnerinnen melden, da in Kürze die Gründung einer Iungmädchenabteilung geplant ist. SSSBSSI---------—-----!--------- Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 10. September. Äußer dem übliehen To�eeprofframm: 4.30—8 Uhr abend«:(üebertrag;unK aus defn Funkhausgsrten): Nacbmittaifskonzert des Berliner Funkorchest�r«. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 7 Uhr abends; Hans-Bredow-Schuls(Bildungskurse). Abteilung Technik, r. Ardenne:»Die Technik des ver- zermngslosen Verstärkers''. 7.30 Uhr abends: Geh. Justiz- und Oberrogiorungsrat W. Kahnast:.Ostafrika einst und jetzt". 8 Uhr abends: Einführung zu delh Sendespiel ata 11. September. 8.30 Uhr nbendS: üebertragung aus dem Hörsaal des Hauses der Funkindustrie: Fornmszeno aus.Julius Cäsar" von Shakespeare. Marc Änfon: Theoder Leos; Brutus: Paul Bildt; Römische Börger. 10 Uhr abends; Bekanntgabe der neuesten Togesnach- riohten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Xheater- nnd Filmdienst. 10.30—12 Uhr abend»; Tanzmusik. Einer, Üer durchaus ins Sanatorium will! Tragigrokeske eines arbeitslosen Nervenkranken. Um auf Staatskosten in ein Sanatorium zu kommen, schlug ein Schriftsetzer N. eigentümliche Wege ein. Am Montag nachmittag stieß in der Köpenicker Straße ein Mann mit dem Stiefelabsatz e i n Loch in die Schaufensterscheibe eines Likör- g« s ch ä f t e s. Bevor man drinnen etwas merkte, langte er eine Flasche nach der anderen heraus und reichte sie den Leuten, die neu- gierig stehenblieben. Als ein Beamter der Schutzpolizei herbeikam. sagte er diesem:.Es ist gut, alter Junge daß du kommst und mich festnimmst. Ich fürchtete schon, die Flaschen würden nicht langen." Der Schupomann nahm ihn denn auch gleich am Kragen. Der Mann selbst hatte keinzige Flasche für sich behal- t e n. Bei der Kriminalpolizei erklärte der Festgenommene, ein Schriftsetzer R. aus Magdeburg, den sonderbaren Vorgang. Er war in Magdeburg in einem großen Betriebe beschäftigt gewesen. In der letzten Zeit kam er mit seinen Nerven so sehr herunter, daß er nicht mehr ordentlich arbei- ten konnte. Im Einvernehmen mit dem Verlag trat er aus und erhielt ein gutes Zeugnis. Er erklärte sich gern bereit, soiort wieder zu arbeiten, sobald er dazu imstande sei. Um das zu erreichen, müsse er jedoch in einem Sanatorium behondel werden. Da ihm hierzu das Geld fehle, so habe er beschlossen, irgendetwas zu unter- nehmen, das ihn in die Hände der Polizei bringe, um auf diesem Wege ohne eigene Mittel ins Sanatorium zu kommen. Wie er er- zählte und wie Nachfragen in Magdeburg bestätigen, trat er dort eines Morgens früh um 3 Uhr im Zlngesicht eines Schutzbeamten mit dem Absatz gleichfalls eine Schaufensterscheibe ein und bat den Beamten, ihn daraufhin festzunehmen. Der Beamte lieferte ihn ein. Er wurde aber wieder entlassen, nachdem er erklärt hatte wes- halb er die Scheibe eingetreten habe. Mit 5 M., die er nur noch be- saß, in der Tasche, wanderte R. nun noch Frankfurt a. d. Oder, um eine alte Jugendliebe zu besuchen. Als er diese nicht fand, beschloß er. sich auf der Eisenbahnsahrt nach Berlin festnehmen zu lassen. Für seine letzten 10 Pf. kaufte er sich eine Bahnsteigkarte, bestieg den D-Zug und verbarg sich zunächst auf der Toilette, um nicht gleich entdeckt und sofort wieder hinausgesetzt zu werden. Nachdem aber der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, begab er sich in«in Abteil 2. Klasse, setzte sich hm und wartete auf die Kontrolle. Als diese kam, zeigte er sofort seine Bahnsteigkarte, erklärte wieder, was er beabsichtige und bat abermals um seine Festnahme. Man nahm ihn nach Berlin mit und übergab ihn hier einem Schupobeamten. Dieser brachte ihn zur Kriminalpolizei, die ihn mit Rücksicht aus die ganze Lage und die Erklärung für seine Handlungen auch nicht in Haft behalten wollte. Die Beamten wiesen den Mann an das Wohlfahrtsamt. Als er aber das Amt geschlossen fand, wiederholte er sein Manöver von Magdeburg, nur daß er jetzt auch noch die fremden Liköre verteilt«, bis der Polizeibeamte kam. Nunmehr übergab die Kriminalpolizei ihn dem Untersuchungs- richtet. In Moabit wird sich jetzt entscheiden, ob N. ins Gefängnis oder ins Sanatorium kommt._ Magistrat und Jleischverforgung. In«wer Sitzung der Crnährungsdeputation wurden die Pläne des Magistrats bekannt gegeben, die außer der Durchführung der Gefrierfleischaktion auch den Verkauf von Frisch- fleisch einschließen. Die Güter-G. m..b. H. übernimmt die 17 Markthallenständ« der Neuköllner Großhandelsgesellschaft um von dort aus unter Heranziehung von Ladenfleischern die städtische Aktion durchzuführen. In der Sitzung wurden sowohl die Aussichten dieser Maßnahmen als besonders auch die Preisprüfungen im Polizei- Präsidium außerordentlich skeptisch beurteilt. Den'Herren von der rechtem Seite, die sich bezeichnenderweise fast gana passiv verhielten, war es dafür nm so unangenehmer, daß von unseren Genossen die im„Vorwärts" veröffentlichte Entschließung vorgelegt wurde, die der Katze die Schelle umhing. Von fachmännischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß von dem festgelegten Gefrierfleischkontin» aent ein erheblicher Teil in die Wurst verschwinden würde. Diese Feststellung versehlle ihren Eindruck nicht. Es muß deshalb dringend erwartet werden, daß der Magistrat Berlin sich energisch im Sinne der Resolution seiner Ernährungsdeputation für eine Revision der volksschädigenden Reichstagsbeschlüsse möglichst im Einvernehmen mst dem Städtetag einsetzt. Kein Deputationsmitglied schien sich Illusionen über die Auswirkungen der Besprechungen der mittleren Preisprüfungsstelle hinzugeben. Auch die Veetreterin der Haus- frauenvereine gab Ihrem Bedauern darüber Raum, daß man so das Volk nicht„beruhige". Zu der Konsequenz, als Verbraucher. Vertreterin für die Entschließung unserer Genossen zu stimmen, ver» mochte sie sich aber nicht aufzuraffen. Wie Dachstnhlbrände entstehe«. Am Mittwochnachmittag nm S Ubr wurde die Berliner Feuer- wehr nach der Schönwalder Straße 13/16 gerufen. Die Feuer« wache au» der Pankstraße und Kriminalbeamte waren schnell zur Stelle. ES brannte der Boden. Die Flammen konnten im Keime erstickt werden. Die Ermittlungen ergaben, daß«ine Frau aus dem Hause aus dem Boden«inigeStreichhölzer angezündet hatte. Dabei war ein brennendes Hölzchen in eine Fuge des mit Staub angefüllten Fußboden« vom Nebrnraum gefallen. Zum Glück wurde die unbeabsichtigte fahrläisige Brandstiftung gleich bemerkt und die Gefahr konnte schnell beseitigt werden. Einstellung von Polizeioffizieren. Me die„Beamtenkorrespondenz" mitzuteilen in der Lage ist. hat der Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung im engen Einvernehmen mit dem Minister des Innern die zuständigen Organe ausgefordert, dahin zu wirken, daß begabten Schülern höherer Lehranstalten der Eintritt in die Schutzpolizei vom 18. Lebensjahre ab ermöglicht wird. In dem Erlaß heißt es: „Dem Provinzialschulkollegium übersende ich anbei einige Stücke eines mir von dem Herrn Minister des Innern mitgeteilten Merk- blatte» für den Eintritt in die Schutzpolizei mit dem Ersuchen, sie den Schülern höherer Lehran st alten bekanntzu- geben. Hierbei ist besonders daraus hinzuweisen, daß für die Abiwrienten höherer Lehranstalten die Möglichkeit besteht, in die Schutzpolizei als Anwärter„mit Aussicht auf beschleu- nigte Beförderung zum Volizeioffizier" am 1. April Nach den übereinstimmenden Aeuperungen hervorragender Forscher entspricht O d o l den Anforderungen der Hygiene aw vollkommensten und wird daher als das beste von allen gegenwärtig bekannten Mundwässern bezeichnet. und 1. Oftober jedes Jahr einzutreten. Die Herren Regierungspräsidenten find ermächtigt, Polizeianwärter, sofern sie den sonstigen Anstellungsbestimmungen entsprechen, schon mit Vollendung des 18. Lebensjahres in die Schutzpolizei einzustellen. Diese Anordnung ist gerade für die Abiturienten getroffen. Es soll damit bezweckt werden, daß bald nach der Schulentlassung diese sich ihrer Berufs ausbildung widmen fönnen. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß die Laufbahn eines Polizeioffiziers, besonders für die förperlich gut veranlagten Abiturienten und für die mit besonderer Führerveranlagung erstrebens. mert ist, zumal die Kosten der Ausbildung gering find. Anmel bungen nehmen die zuständigen Polizeischulen entgegen." Wir begrüßen diesen Erlaß deshalb, weil auch befähigte Söhne aus dem Arbeiterstande die Möglichkeit haben, Polizeioffizier zu werden. Gleiches Recht für alle Befähigten. Die Dollarbraut. Befrogene Ehestandskandidaten. Mit einer millionenschweren amerikanischen Erbin wollten vier Heiratskandidaten genarrt worden sein. Deshalb hatten sie gegen den Heiratsvermittler Bach now, der nach seiner Angabe dieses tostbare Objekt an Hand hatte, sowie seine Ehefrau, eine Antlage wegen Betrugs veranlaßt, die jetzt das Schöffengericht Charlotten burg beschäftigte. Parteinachrichten Einsendungen für diese Nubrik find Berlin SB. 68, Sindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep, rechts, an richten. 3. Kreis Wedding. Freitag, 11. September, 7% Uhr, Sigung der Arbeiter. wohlfahrt, Rinderschus, Abteilungsleiterinnen, Bertreter der Kommunalen Rommiffion, Jungfozialisten und Arbeiterjugend Schönstedtstr. 1, 8immer 122/123. Mitgliedsbuch mitbringen. 5. Kreis Friedrichshain. Donnerstag( heute) 7 Uhr wichtige Sigung der Beamtenwerbeausschüsse bei Wittschuß. Petersburger Str. 4. Alle Abteilungen müffen vertreten fein. 6. Rreis Kreuzberg. Freitag, 11. September, 7% Uhr, versammeln sich die Ordner bei Reim, Urbanstr. 29. 11. Kreis Schöneberg- Frieben an. Donnerstag, 10. September, 8 Uhr, im Wilhelmshof, Gaal 1 Tr., Kreisvertretertag. 1. Bericht der Stadt- und Bezirksverordneten. 2. Aufstellung der Kandidaten. Die Abteilungsleiter und der engere Borftand treffen fich pünktlich 7% Uhr im felben Lotal. Heute, Donnerstag, den 10. September: Junglozialisten. Gruppe Renköln: 8 Uhr Rogatftr. 11/12 Bortrag des Gen. Erwin Marquardt: Liberalismus und Sozialismus". Charlottenburg: Rosinenstr. 4, v. I, 7½ Uhr, Arbeitsgemeinschaft Görliger Programm ( Wirtschaft und Bolitik). Tempelhof. Deffentliche Bersammlung heute, Donnerstag, 10. Geptember, 8 Uhr, Aula des Realgymnasiums, Raiferin- Augusta- Straße. Thema: Roll- und Steuerpolitik der Reichsregierung. Ref.: Kurt Heinig. Morgen, Freitag, den 11. September: 63. bt. Staaten. 8 Uhr Abteilungsversammlung Lokal Reschte. Bortrag des Gen. Judrian: Die Berliner Wahlen. 83. Abt. Lichterfelbe. Ru der Kreissigung der Arbeiterwohlfahrt, 8 Uhr, bei Lehmann, Lankmik, Raiser- Wilhelm- Str. 29, müssen sämtliche in der Wohlfahrts- und Jugendpflege Tätigen sowie die Bezirks- und Stadtverordneten erscheinen. 98. Abt. Reukölln. 7% Uhr Mitgliederversammlung Lokal Teich, Knesebed. ftraße 135. Vortrag des Gen. Klodt: Die Berliner Wahlen. 127. Abt. Schenschönhausen. 7½ Uhr Mitgliederversammlung Schule Freienwalder Straße. Die Gruppenführer laden dazu ein. Jungfozialisten. Gruppe Schöneberg: 8 Uhr Jugendheim Rubensstraße Arbeitsgemeinschaftsabend. Die wirtschaftlichen Grundlagen des Mittelalters". ftraße 17. Seimabend. Citboften B.: Jugenbheim Mariannenufer la. Bortrag: Warum Sozialistische Arbeiterjugend?"-Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3. Bortrag: Bier Jahre Maffenmorden". Friebenau: Schule Offenbacher Str. 5a. Mitgliederversammlung. Rehlendorf: Südschule, Wil helmstraße. Bortrag: wed und Biele der SAJ.". Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 St. In Sufunft tommen folgende Abkürzungen aur Anwendung: Mo., Di., Mi., Do., Fr., So. für Montag, Dienstag usw. Sonntag wird stets ausgeschrieben. Botsd., Anh., Görl., Schlef., Stett., Charlbg., 800., Alex. für die einzelnen Bahnhöfe. Mital.- Verf. für Mitglieder versammlung. Tiergarten. Sonntag, 18. 9., Pflichtbeteiligung in Behbenid. Anmeldung für Quartier bei Redler, Stegliger Str. 64( Tel.: Kurfürst 1965) und bei Sübner, Wilsnader Str. 34, umgehend. Sonntagsrückfahrkarte 2,40. Friedrichshain. Sonntag, 13. 9., vorm. 9% Uhr, Treffen zur Autofahrt nach Treptow. Alt- Landsberg Vereinslobal Fruchtstr. 36a. Fahrpreis 1, M. Kameraden, die am Sonntag, 18. 9., nach Stortom fahren, melden fich fofort bei Rekler. Antreten vorm. 7 Uhr Wiener Brücke. Köpenid. Sonntag, 13. 9., Abfahrt nachm. 12,05 Uhr Bhf. Köpenid nach Hoppegarten- Altlandsberg mit Tambourtorps und Fahnen. Radfahrer- Abt. an derfelben Stelle ebenfalls 12 Uhr. Brenzlauer Berg. 2. Rug. Fr., 11. 9., bei Böhme, Pasteurste. 6, Rugversammlung. Steglis- Lantwis- Lichterfelbe. Go., 12. 9., nachm. 1,45 Uhr, Großenhain- Fahrer Anh. Bhf. Sonntag, 13. 9., vorm. 5,35 Uhr, FinsterwaldeFahrer Botsd. Bhf. Anmeldungen bis Donnerstag Turnhalle. Mitte. Sonntag, 13. 9., Pflichtveranstaltung Storkom. Antreten vorm. 7,45 Uhr Görl. Bhf. Mo., 14. 9., abends 8 Uhr, Fördererzug Dirdsenstr. 1. Sichtenberg Sonntag, 13. 9., vorm. 8,45 Uhr, Antreten Bhf. Lichtenberg- Friedrichsfeibe. Untergruppen und Spielmannzug 9,45 Uhr Bhf. Soppegarten, Neuenhagen. Soppegarten Birkenstein. Sonntag, 13. 9., vorm. 9,45 Uhr, Bhf. Soppegarten zum Empfang auswärtiger Rameraden und Teilnahme Fahnenweide AltTandsberg. Ablershof. Sonntag, 13. 9., vorm. 7,45 Uhr, Abfahrt vom Bhf. Adlershof nach Stortom. 2, M. Fahrgeld für Snntagsrückfahrkarte Fr. abends 6 bis 8 Uhr an Kamerab Wittrin, Bismarcftr. 16, zahlen. Berband Volksgesundheit, Ortsverein Berlin. Donnerstag, 10. September, 8 Uhr, in der Schule Jfflandstr. 9/11( Nähe Jannowigbrüde) spricht Genoffe Poppendorf über Die Boltsbühnenbewegung". Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. In der Jugendgruppe am Freitag, 11. Geptember, im Jugendheim Goßlerftr. 61 Diskussionsabend. Wer von den Heiratsluftigen die schöne Amerikanerin und die daran hängenden Millionen, der ganzen Beschreibung nach eine Dollarprinzessin, zu erobern gedachte, hatte vorher einen ent= fprechenden Borschuß zahlen müssen. Es war dann immer auch schon mit der angeblichen Dollerprinzessin ein unter Chiffre gehender Briefwechsel zustande gekommen, stets endigte dieser aber bamit, daß die Briefschreiberin, die mit Anita Raven" unterzeichnete, antwortete, daß ihr der Absender zwar sehr sympathisch fei, jedoch hätte sie sich zu ihrem Bedauern entschlossen, einem anderen die Hand für das Leben zu reichen. Bulegt schöpfte einer der Enttäuschten einen gewissen Verdacht. Er suchte deshalb ein Restaurant auf, das in der Nähe desjenigen Poftamtes lag, von dem die Briefe der Amerikanerin famen. Hier fragte er, die erhaltene angebliche Photographie vorlegend, ob die darauf abgebildete Dame befannt sei. Da befam er mun zu seiner Berblüffung die Antwort:„ Das ist ja eine Dame aus der Nachbarschaft." Jezt lief er zum Kadi, und so tam der Stein ins Rollen. Gegen den Hauptbeschuldigten selbst aber mußte das Verfahren ein. gestellt werden, da er in Geistesfrankheit verfallen ist. Seine mun allein vor dem Gericht stehende Frau blieb fest dabei, daß die mysteriöse Dollarprinzessin tein Phantasiegebilde sei. 3um Be Frauenveranstaltungen morgen, Freitag, den 11. September: im otat Marzahn, Utrechter Str. 29, ber Baſtelabend der Mitglieber ftatt weise, daß diese einmal zum Vorschein gekommen sei und durch ihre Vermittlung geheiratet habe, fonnte fie auch einen Zeugen ins Feld führen. Dieser befundete, daß eines Tages bei einem zufälligen Besuch seinerseits bei den Eheleuten ein vornehmes Baar erschien und Bachnow und seiner Frau unter den Worten: Nun follen sie den Lohn haben für Ihre Arbeit," 20 000 Dollar als Provision in lauter Scheinen ausgezahlt hatte. Er hatte dies genau gefehen. Wäre dieser Zeuge nicht eine zweifelsfreie Berson gewesen, so wäre er wahrscheinlich in einen bestimmten Verdacht geraten. So aber meinte das Gericht, daß er vielleicht selbst das Opfer einer Komödie geworden sei. Denn 20 000 Dollar jeien zu damaliger Zeit eine horrende Summe gewesen, für die man bald ganz Berlin hätte faufen fönnen. Die Komödie war jedoch nicht zu beweisen, und so mußte das Gericht auf Freifprechung erkennen. O schöne Zeit, o fefige 3eif", ein Boltsstüd von Dr. Bruno Decker, Musik von Walter W. Goeze, hat das Rose- Theater auf den Spielplan gefeßt. Es spielt in der Zeit, als das Handwerk noch einen goldenen Boden hatte, ohne ein wahres Spiegelbild dieser Beit zu sein; denn auch damals floß nicht das ganze Leben in Gemüt lichkeit und Bieberkeit dahin und viele Stände hatten ihre bitteren Note. Das Manuskript ist nach altbewährtem Muster gearbeitet, mit der ungerechtfertigten Verdächtigung des Helden, dem eingeflochtenen Schwarm für's Militär und dem ach, so guten Abschluß, weil der König Pate des siebenten Jungen ist. Der Alte Friz ist ziemlich ab= geflappert, nun tritt Papa Wrangel in Erscheinung. Das Publikum will in Oberflächlichkeit die verflossene Zeit rührsam und schön finden fönnen. Diesen Ansprüchen fam das Rose- Theater in Aufmachung und Darstellung weitest entgegen. Die Kulissenherrlichkeit, die enge Straßen und Stralau erstehen ließ, fand dankbare Anerkennung. Berliner Kommunalpolitit 1921-1925. Das angekündigte Handbuch zu den am 25. Ottober stattfindenden Berliner Kommunalwahlen ist unter obigem Titel erschienen. Das Buch gibt in gedrängter Kürze und übersichtlich einen guten Einblick in die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfrattion im Berliner Rathause von 1921-1925. Jedes fommunalpolitisch tätige Mitglied der Partei muß das Handbuch erwerben. Bu beziehen ist es im Bezirkssekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof links 2 Tr. Preis des 196 Seiten umfassenden Buches 2 Mart. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Die Septemberhefte des Bücher freises find erschienen. Die Zahlstellenleiter werden ersucht, die Hefte umgebend vom Bureau abzuholen. Die Abonnementslisten für die internationalen Bollstänze müssen bestimmt bis zum 15. Sep. tember zurüdgereicht werden. Starten für alle Veranstaltungen find in den befannten Zahlstellen zu haben. Die Bibliothet der Arbeiter. bildungsschule ist in ihren Beständen wesentlich ergänzt worden und umfaßt.10000 Bände. Ste ist geöffnet jeden Donnerstag von 6, bis 8 Uhr abends. Die Benutzung ist gegen Lösung einer Leserkarte für jeden frei. Die Opfer des Eisenbahnunglücks in Donauwörth. Der Präsident der Reichsbahndirektion Augsburg hat dem Kommandeur der Truppen, die bei dem Eisenbahnunfall in Donauwörth in Mitleidenschaft gezogen wurden, persönlich seine herzlichste Teilnahme ausgesprochen und die Verlegten im Krankenhaus besucht. Wie hierbei in Erfahrung gebracht werden konnte, find die Berlegungen der Soldaten, auch der schwerer verlegten, glücklicherweise nicht berart, daß noch weitere schlimme Folgen zu be fürchten find. Bier Personen an Gasvergiffung geftorben. Am Mittwoch vor mittag wurden im Altersheim des Städtischen Armenhauses Tilfit die vier männlichen Insaffen eines Schlafraumes tot aufgefunden. Nach dem Befund der Leichen sind sie einer Gasvergiftung zum Opfer gefallen. Eine Gerichtskommission hat sich vormittags nach dem Armenhaus begeben. Sport. Deutschland gegen Frankreich. Der Renntag am tommenden Sonntag auf der Olympia. Radrennbahn ist ein Länderkampf Deutschland gegen Frant reich. Bon beiben Ländern starten je drei Bertreter. Deutschland fchidt Samall, Lewanom und Dobe, Frankreich den neuen Weltmeister Graffin sowie Miquel und Parijot. Die Gegner treffen in drei Dauerrennen zusammen, und zwar im 20- Kilometer- Preis vom Königsdamm, dem über 30 Kilometer führenden Preis von Spandau und in dem Hauptrennen der Matador, das über 50 Kilometer führt. Jedes Rennen wird für sich gewertet. Außerdem erfolgt aber noch eine Extrapunktwertung aller Rennen für den Kampf Deutschland gegen Frankreich. Hier ist diejenige Nation Sieger, deren Fahrer zusammen die meisten Punkte herausfahren. Für die umrahmenden Fliegerrennen haben u. a. Otto Tieß, Häusler, Hoffmann, Behrendt, Albert Meyer und Neinas Meldungen ab. gegeben. Bei guter Witterung wird ein Fallschirmabsprung vom Flugzeug in den Innenraum der Bahn stattfinden. Die Rennen beginnen um drei Uhr Achtung! Große öffentliche Versammlung aller im Bezirksamt Friedrichshain beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeiter am Freitag, 11. Geptember, 28 Uhr, in Schmidts Festfälen, Fruchtstr. 36a. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahl für die Beamten, Angestellten und Arbeiter. Ref.: Stadtverordneter Kreuziger. 2. Freie Aussprache. Bezirksamtsmitglieder sind eingeladen. Werbeausschuß der SPD. 12. Areis Steglig. 7% Uhr bei Lehmann, Lankwiz, Raiser- Wilhelm- Str. 29. Bortrag des Gen. Stadtrat Friedländer: 8med und 8iele der Arbetterwohlfahrt". 7. Abt. 7% Uhr bei Röhler, Tiedstr. 24, Bortrag der Genoffin Ryned: Die Frau im politischen Leben". 110. Abt. Grünen. 7½ Uhr bei Werner, Köpenider Str. 108, Bortrag ber Genoffin Budtle: Die Frau in der Rommune. Die Faltenberger Ge nofsinnen find mit eingeladen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. bt, Renkölln. Genoffe Rudolf Hahn, Reuterstr. 92, ist verstorben. Einäfcherung heute, Donnerstag, 6% Uhr, Baumschulenweg. 98. Abt. Reukölln. Genoffe Friedrich Fleischer ist am Montag verstorben. Einäscherung heute, Donnerstag, nachmittags 1 Uhr, Krematorium Baum schulenweg. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 10. September, abends 7% Uhr: Bezirksvorstand: 7 Uhr Sigung im Lefezimmer, Sindenstr. 3. Selmholkplay: Lehrlingsheim Schönhauser Allee 140. Bortrag: Stellung zum Altohol und Nikotin". Schönhauser Borstadt I und II: Schule JbsenBereinigung für Schul, und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, 11. Geptember, tm Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruch ftcake 53 III, 8 Uhr. Gelbiterziehung"( Dr. Müller- Freienfels). Eintritt frei. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. V., Bezirk Reutönn. Donnerstag, 17. September, pünktlich 8 Uhr, bet Angelrath, Neuköln, Elbe. ftraße 28, Mitgliederversammlung. Dr. Saafe spricht über: Die Atmung". Anschließend Aussprache und Bereinsangelegenheiten. Filehner Landsmannschaft zu Berlin. Seute, Donnerstag. Joefs Bereins haus, Oranienstr. 36, 8 Uhr. Gäste willkommen. Die Laubenkolonie Sübpol" peranstaltet am tommenden Sonntag auf threm Gelände an ber Straße 55 in Neukölln- Treptow( von den Bahnhöfen Treptow und Kaiser- friedrich- Straße in 15 Minuten zu erreichen) eine Dahlienschau. Beginn 2 Uhr. Arbeiter Rabio- Klub, Gruppe Webbing. Donnerstag, 10. September, finbet Gäste willkommen. Einheitsverband sozialistischer Unternehmer. Die Monatsversammlung findet am 10. Geptember, 8 Uhr, tm Rofenthaler Sof, Rofenthaler Str. 11/12, ftatt. Erscheinen felbständiger Gewerbetreibender aus der Partei bringend erwünscht. Arbeitersport. Sourfftenverein Die Raturfreunde"( Rentrale Wien). Werbebezirk Cüben Beften. Sonnabend, 12 September: Nach Brandenburg. Treffen mit ben Bezirken Elbe und Savelland. Abfahrt der Jugendlichen( Fahrschein!) 7,07 Uhr Botsdamer Bahnhof. Alle anderen Genoffen fahren schon 6,25 Uhr mit dem Borortzug nach Werder, dort umfteigen! Treffen jedesmal Stunde vor Abfahrt des Ruges. Freie Arbeiter- Stenographen Bereinigung Groß- Berlin, Bezirk Sichten. berg. Am Mittwoch, 16. September, findet im Jugendheim, Barbaue 10, der erste Uebungsabend ftatt. Das Erscheinen aller Mitglieder ift Pflicht. Gäste willkommen. Alle Bibliotheksbücher find fofort abzuliefern. Wir weisen jent fchon darauf hin, daß demnächst von uns ein Lichtbildervortrag veranstaltet wird. Wetter für Berlin und Umgegend. Größtenteils bewölft, mit leichten Regenfällen und neuer Abkühlung. Für Deutschland: Zunächst im Beften, bann auch im Dsten Regen. Zinspolitik, Staat und Wirtschaft. Ein Beitrag zum Zinsproblem. Nicht nur von uns ,, sondern auch in der Arbeiterpreffe anderer Richtungen ist gegen die Großbanten der Vorwurf erhoben worden, daß sie durch eine monopolistische 3inspolitit eine Entlastung der Produktion von den hohen Zinsverpflichtungen verhindern und durch ihre hohen Zins- und Provisionsansprüche den Nugen, der aus einem niedrigen Reichsbantzinsfuß erwachsen fönnte, in ihre Tasche leiten. Die Großbanten haben das u. a. in ihrem Protestschreiben an den Reichsarbeitsminister auf das lebhaftefte bestritten und zu beweisen versucht, daß fie gezwungen feien, die hohen Zinsen zu nehmen. Der Streitfall gewinnt jetzt an Bedeutung, da bekanntlich innerhalb der Großbanten und innerhalb der Reichsregierung Anläufe zu einer Sentung der Zinsfäße gemacht werden. Wir haben daher einen unserer Mitarbeiter beauftragt, in den Kreisen der Großbanken selbst Auskünfte einzuholen. Ein Großbankdirektor, der im deutschen Bankwesen an führen der Stelle steht, führte auf Anfrage zu dem Zinsproblem etwa folgendes aus: Es ist vollkommen irreführend, wenn immer wieder behauptet wird, daß die hohen Zinsfäße mit verantwortlich sind für die Krise unserer Wirtschaft und daß diefe hohen Zinssäge eine Preisabbauaktion verhindern. Diese Behauptung ist schon dadurch widerlegt, daß die Banken seit Beginn der Stabilisierung bis zu dem legt, daß die Banten seit Beginn der Stabilisierung bis zu dem jezigen Zeitpunkt ihre 3inssäge erheblich her abgefeßt haben, und daß troßdem Preissteigerungen, nicht Breis fenfungen auf faft allen Warengebieten zu verzeichnen find. Selbst wenn die Banten ihren Binsfag auf 10 Proz. ermäßigen würden, und selbst wenn man annimmt, daß sämtliche Leihgelder, die in der Wirtschaft stecken und die auf etwa 10 Milliarden zu beziffern find, mit diesen hohen Zinssägen, wie sie den Banten zum Vorwurf gemacht werden, belastet sind, so würde die Ermäßigung ungefähr macht werden, belastet sind, so würde die Ermäßigung ungefähr 400 Millionen ausmachen, eine Summe, die, auf den Umfaz unserer deutschen Wirtschaft umgerechnet, etwa 1 Broz be. tragen würde. Wenn die öffentlichen Bantanstalten jetzt mit der Ermäßigung der Zinssäge vorangehen, so ist darauf hinzuweisen, daß gerade sie eine gewisse moralische Verpflichtung bazu haben. Es gibt wohl niemand in Wirtschaftskreisen, der nicht der Ansicht wäre, daß aus der Wirtschaft an Steuern heute viel zu viel herausgeholt wird. Unser Staat arbeitet zu teuer. Selbst wenn man annimmt, daß ein Teil dieser Gelder wieder in die Wirtschaft hineintommt, so verursacht der Umweg, den diese Gelder machen, Soften, er bedeutet mithin eine erhebliche Belastung unserer Wirtschaft. Es ist vertehrt anzunehmen, daß die Banten allzu große Ge winne aus den Zinsfäßen herausholen. Man darf dabei niemals übersehen, mit welchen unto stensägen die Banten zu rechnen haben und ihnen werben bei der Verminderung dieses Untoftenetats die allergrößten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Welche Hindernisse werden ihnen beim Abbau der Beamten bereitet, und doch arbeiten die meisten Großbanten heute noch mit ber doppelt so hohen Belegschaft wie in der Borfriegszeit! Außerdem ist zu berücksichtigen, daß die Banken in erster Linie aus sozialen Gründen die jüngeren Beamten abbauen, dagegen, so weit wie angängig, die älteren Berheirateten in ihren Stellungen belassen. Das macht natürlich, daß das Durchschnittsgehalt des einzelnen Angestellten in Wirtlichkeit erheblich höher als es einer rationellen Wirtschaft dienlich ist. Sehr erhebliche Belastungen mit Arbeit bringen den Banten auch die Umstellungen der Aktiengesellschaften. Schon dadurch, daß die Stücke der Aftien erheblich fleinere Summen darstellen, als vor dem Kriege. Die Regel sind doch heute die 20- Mart. Stüde, während vor dem Kriege und bis zur Umstellung die 1000Mark- Attie die Grundlage des Effettenverkehrs bildete. Es ist weiter zu berücksichtigen, daß die Banten vom Staate mit einer Unzahl von un produttiven Arbeiten belastet werden. Man hat nun zur Verhinderung des Abbaus der Beamten den Banten die Vergrößerung der Umsäge empfohlen, einen Weg, wie diese Idee in die Tat umgesetzt werden soll, hat man aber den Banken nicht gewiesen. Das ist aber auch unmöglich, denn die Umfäße der Banten hängen ja letzten Endes von der Gestaltung der Wirtschaft ab. Was die Regelung der Zinsfäße anbetrifft, so wird sich eine Herabsehung der Zinssäße erst dann ermöglichen lassen, wenn wieder mehr Kapital dem Lande zuströmt. Schon aus diesem Grunde sind hohe Binsfäße notwendig. Und wenn die öffentlichen Banten in der Herabsehung der Binsfäße glauben Dorangehen zu fönnen, so wird dies bei dem Mangel an flüffigen Geldern nur den Erfolg haben, daß in Zukunft diejenigen, die Geld brauchen und die es nicht bei den öffentlichen Banken zu den billigen Zinssägen erhalten, von selbst höhere Binsfäße anbieten werden, nur um das benötigte Geld zu bea tommen. Es ist aber ferner erforderlich, zur Stübung der Preisabbauattion höhere 3insen zu nehmen, denn wenn es den Warenbefizern möglich ist, mit Hilfe von Leihgelbern die sie mit billigen Zinssägen erhalten, ihre Waren durchzuhalten, dann wird dieses ein sehr wesentliches Hindernis für die Durchführung von Preisabbauattionen werden. Außerdem muß darauf hingewiesen werden, daß auch die Banten ihren Einlegern hohe Binjen zahlen müssen, denn sonst werden diese sich langfristrige Anlagen, in denen Zinssäße von 15 Proz. und darüber hinaus die Regel sind, als Anlage aussuchen. Gewiß verdienen die Banken an diesen 3insfäßen, aber sie müssen es auch schon im Intereffe ihres Rufes tun. Wir brauchen ausländische Gelder und das Ausland wird seine Gelder mur Unternehmungen anvertrauen, die rentabel arbeiten. Borerst ist der Zustrom ausländischer Gelder nach Deutschland aus den sattsam bekannten Gründen sehr spärlich. Benn aber mit dem Sicherheitspatt eine Befriedigung der Welt eintreten wird und wenn es auch gelingt, im Innern Deutschlands ein ruhiges ungestörtes Arbeiten zu ermöglichen, dann werden wir auch wieder die Gelder erhalten, die wir brauchen. Allerdings dürfen wir uns auf das Ausland allein nicht verlassen. Wir müssen unsere Wirtfchaft rationeller gestalten und dazu ist notwendig, daß die Organisation der Betriebe nach rein öfonomischen Ge lichtspunkten erfolgt. Der Anfang hierzu wird ja jetzt in Oberschlesien und in der Montanindustrie des Rheinlandes und Westfalens gemacht, eine Umorganisation, bei den Banken und Industrie im besten Einvernehmen zusammen gewirkt haben. Es ist überhaupt verfehrt, ständig von einem Kampf zwischen Industrie und Bankentapital zu sprechen. Beide sind auf einander angewiesen. ** Die politischen Schlußfolgerungen, die mit Bezug auf die Kreditgewährung des Auslandes gezogen werden, find so ziemlich bas einzige, was man an dieser Erflärung vorbehaltlos unterschreiben kann. Richtig ist auch, daß ein regulärer Kredit- und Kapitalver fehr erst herbeigeführt werden kann, wenn im Verhältnis zur Nachfrage mehr Rapital zur Verfügung steht. Der Ausgleich muß sowohl auf der Angebot wie auf der Nachfrageseite gesucht werden. Die niedrigen Zinssäße der Reichsbank lassen es tatsächlich zu, daß heute noch sehr zahlreiche Kreditnehmer zu un produttiven und sogar ausgesprochen unwirtschaftlichen 3meden Kredite in Anspruch nehmen, während oft gerade den für die Pro fast ein Drittel gegenüber 1913 ermäßigt hat. Da nicht anzunehmen ist, daß im Jahre 1925 die Summe der Abrechnungen pro Monat sich beträchtlich über den Stand des Dezembers 1921 erhöhen wird, da man den Dezember 1924 bereits als durchaus normalen Abrechnungsmonat wird bezeichnen dürfen, so wird sich für das Jahr 1925 bestenfalls eine Summe von etwa 43 Milliarden ergeben, was gegenüber dem Stande von 1913 noch einen Rückgang von 30 Milliarden bedeuten wird. Zieht man in Rechnung, daß die Zahl der Teilnehmer sich gegenüber 1913 um 250 Prozent erhöht hat, und infolgedessen der Kreis der ab gerechneten Summen bedeutend erweitert ist, jo läßt sich lebens charakteristischere Ziffer denken, als wie sie im Rückgang feine für den fatastrophalen Rückgang des Wirtschaftsder von der Reichsbank abgerechneten Summen zum Ausdruck fommt. Die gleiche Bedeutung hat natürlich der Rückgang der durchschnittlichen Größe der abgerechneten Summen von 4700 auf 1600 M., d. h. auf ein Drittel. buftion und ben bsag wichtigen Betrieben es an den notwendigsten| auch die durchschnittliche Größe der abgerechneten Sumnen auf Mitteln zur Finanzierung des Betriebes und des Abfazes fehlt. Diese Tatsache gilt nicht nur für die letzten Kreditnehmer, zu denen insbesondere Industrie und Handel gehören, sie gilt in besonderem Maße auch für die Banken selbst. Daher hat unser Gewährsmann auch durchaus recht, daß die Kredit such er von selbst höhere Binssäge anbieten, als diese nach dem amilichen Zinssat gerechtfertigt wären. Die Banten haben keinen Anlaß, auf dieses Angebot zu verzichten; denn sie betreiben das Geldgeschäft nicht, um dabei VerTufte zu erzielen. Daraus aber, daß aus der Betriebsmittel- und Absatznot heraus die Bankenfundschaft zur Bewilligung hoher 3ins fäße bereit ist, während die öffentlichen Banken ihre Zinsläge niedrig halten, ergibt sich eben das 3insmonopol der Banken, die ihre rationierten Kredite billig erhalten und teuer weiterleiten. Daran wird sich auch bei einer verabredeten 3insabbauaktion nichts ändern, es sei denn, daß der Kreditzustrom so groß wird. daß man mit den ermäßigten Zinssägen die dringendste volkswirtschaftliche Kreditnachfrage befriedigen und durch scharfe Handhabe des Rontursrechtes die unwirtschaftliche Nachfrage nach Krediten zurückzudämmen imstande ist. Der Abrechnungsverkehr der Reichsbank. Die Abrechnungsstellen der Reichsbant find jener große, über ganz Deutschland verbreitete Apparat, in welchem die Zahlung s5ausgleichungen zwischen den Banten, den öffentlichen Körperschaften und den großen Industriewerken stattfinden. In ihnen vollzieht sich der größte Teil jenes bargeldlosen Zahlungsverkehrs, der seit der Gründung der ersten Abrechnungsstelle der Reichsbant im Jahre 1883 immer größere Ausdehnung gewonnen hat und in seiner Ausdehnung durch Krieg und Inflation nicht nur nicht gehemmt, sondern noch gefördert worden ist. Insbesondere dürfte die Kreditnot und Zahlungsmittelnot der jetzigen Stabilisierungsperiode der deutschen Wirtschaft den bargeldlosen Zahlungsverkehr stark gefördert haben. Natürlich vollzieht sich der bargeldlose Zahlungsverfehr nicht in den Abrechnungsstellen der Reichsbant allein. Es ist bekannt, welch starte Ausdehnung seit der Vorfriegszeit der Giroverfehr der Spartalfen und insbesondere der Post schedverkehr als Instrumente der bargeldlosen Zahlung genommen haben. Nicht zuleht hat die Tatsache, daß die Spartassengiroverbände und die Postschedämter selbst wieder Kunden der Reichsbanfabrech nungsstellen sind, die Inanspruchnahme der Reichsban? abrechnungsstellen beträchtlich erweitert. Um fo größere Bedeutung dürfen die Zahlen in Anspruch nehmen, die die Abrechnungsstellen der Reichsbank für das Jahr 1924 veröffentlicht haben und das Bergleichsmaterial, das sie aus der Borfriegszeit dazu beibringen. Was die Zahl der Abrechnungsstellen anbelangt, so hat sich diese von 43 am Schluß des Jahres 1923 auf 51 Ende 1924 erhöht gegenüber 24 im Jahre 1913. Die Zahl der Teil. nehmer vermehrte sich 1924 gegenüber 1923 von 599 auf 698, hat sich gegenüber 1913 mit 270 Teilnehmern mehr als verzweieinhalbfacht. Was die Inanspruchnahme der Abrechnungsftellen anbelangt, so erfolgten im Jahre 1913 zwar 15% Millionen und 1923 49,2 Millionen Einreichungen, 1924 dagegen nur 18,7 mil. lionen. Die Abnahme gegenüber 1923 dürfte sich im wesentlichen aus der Abnahme der Zahlungsumschläge erflären, die natürlich bedeutend abnehmen mußten, als wieder mit festem Gelde gerechnet werden konnte. Immerhin zeigt schon die geringe Zunahme seit 1913 um ein fnappes Fünftel, nachdem in dem Johrzehnt vorher die Einreichungen sich reichlich verzweieinhalbjacht hatten, die Stagnation, die Krieg und Inflation für die deutsche Wirtschaft bedeutet haben. Viel fraffer fommen jedoch die zerstörenden Folgen der Inflation in den abgerechneten Summen zum Ausdruck. Durchschnittl. Zahl der TeilStückzahl ber Einlieferungen Jahr ( in Millionen) 1893 1903 ° 3,16 6,30 1913 1924. 15,59 18,69 Summe der Einlieferungen/ ( in Milliarden) 18,12 31,14 73.63 31,46 Größe nehmer Mart 5730 118 4940 136 4723 270 1683 698 Aus diesen Zahlen ergibt sich, daß der gesamte Abrechnungsverkehr der Reichsbank im Jahre 1924 nur 31 milliar. den gegenüber 73 milliarden 1913 betrug, und daß sich Für die Entwicklung der Wirtschaftsverhält nisse im Jahre 1924 besonders charakteristisch sind auch die 3iffern, die über die Entwicklung des Abrechnungsverkehrs für die einzelnen Monate gegeben werden. Während die ersten Monate sehr niedrige Einreichungsziffern zeigen, steigen sie bis zum Jahresschluß bis zur Verdreifachung auf 2,1 millionen. Darin zeigt Z Deutschlands Ernte 1913, 1924 und 1925 40.362: 4 24 276.3 29 030.3 In 1000 dz 5 298.7 101 299.4 76.684.6 1913 1924 1925 30 354.1 23.999.1 24312.1 56.540.0 54.892.9 86 154.8 Weizen Roggen Gerste Hafer = fid), wie der Großabrechnungsverkehr der Banken, öffentlichen Körperschaften und großen Industriewerte sich erst allmählich von den Inflationsgewohnheiten auf die stabile Währung umstellte. In gleicher Weise stiegen die abgerechneten Summen. Meußerst interessant sind aber die Sprünge an den für das Wirtschaftsjahr 1924 charakteristischen Daten vom 7. April, dem Beginn der Kreditreftrifti onspolitik der Reichsbank, und Dom 30. August, an dem der Dawes Plan zum Gesetz erhoben worden ist. Während vom April bis zum Auguſt die monatlichen Abrechnungssummen von 3 Milliarden auf 2,7, 2,1 und 2,2 Milliarden fielen, erhöhten sie sich im September auf 2,5, felbe wiederholt sich bei den Durchschnittsgrößen der Einlieferungen. um bis zum Dezember auf 3,6 Milliarden zu steigen. Genau dasBon April bis Ende Juli sanfen sie von 1895 m. auf 1399 M., um mit dem Einströmen der Auslandskredite bis Ende Dezember wieder auf 1693 M. zu steigen, ohne aber die Ziffer vor der Restriktion, nämlich vom April mit 1895 M. wieder erreichen zu können. Ueber den wichtigsten Punkt, den Anteil der Wertpapier. rechnungen und der Zinsscheine, der Rückschlüsse auf den Kapitalmarft erlaubte, werden Ziffern für 1924 und Vergleichsziffern für die Vorkriegszeit leider nicht gegeben. In dem Bericht heißt es nur, daß die Wertpapierabrechnungen eine sehr starte Abwärtsbewegung aufweise, die durch die schwache Börsentätigkeit und die niedrigen Goldwerte der gehandelten Wertpapiere, somie das Zusammenschrumpfen des deutschen Wertpapierbefizzes überhaupt erklärlich wurde. Der Anteil der 3insscheine sei durch die Entwertung der meisten Anlagepapiere so gut wie bedeutungslos geworden. Der Anteil der Wechsel betrug 25 bis 30 Proz., der der Schecks ebensoviel, der Austausch von täglichem Geld ebenfalls etwa 30 Broz. Wie man sieht, bleibt für Wertpapier- und Zinsscheinabrechnungen bestenfalls ein Anteil von 10 bis 20 Proz. Der Zusammenbruch des Sichel- Konzerns zieht weitere Kreise, als man ursprünglich annehmen konnte. Die Eisenhandelsgesellschaften dieser Gruppe mußten in Geschäftsaufsicht gehen. Auch die Hauptgesellschaften haben es vorgezogen, zur ruhigeren Abwicklung der Geschäfte Geschäftsaufsicht zu beantragen. Die Schuldenlast wird auf insgesamt 20 Millionen Mark beziffert. So hoch ist das gesamte Aktienkapital der Sichel- Gesellschaft in Mainz. Ob sich bei der Verwertung der zum Teil recht beträchtlichen Aktien, die sich in der Hauptfache aus Beteiligungen zusammensehen, ein wesentlicher Ueberschuß ergeben wird, das hängt davon ab, ob die Aktienpakete zu einem günſtigen Kurs verfauft werden können. Bei so großen Objekten ist das im Hinblick auf die gegenwärtige Kapital- und Kreditknappheit nicht sicher. Die Bankgläubiger, die als Deckung für ihre Kredite Effekten und Beteiligungen befizen, wollen diese vorsichtig und geschlossen verwerten, um einen zu großen Wertschwund zu vermeiden. Es soll versucht werden, das Eisenhandelsgeschäft, das die Ausgangsbasis des Konzerns ge wesen ist, als Ganzes zu verkaufen. Wenn das geschieht, so kann man wohl von einer Liquidation des Konzerns sprechen. Zu den Gläubigern gehört u. a. die Reichstreditgesellschaft und, die Girozentrale in Frankfurt a. M. Kreditkontrolle im Metallhandel. Anläglich einer Tagung des Vereins deutscher Metallbändler und des Vereins der Interessenten der Metallbörse zu Berlin wurde in Berlin eine Metalltreuhand vereinigung gegründet, der bisher 33 Firmen, unter denen sich große Unternehmungen befinden, beigetreten sind. Der Zwed des neuen Verbandes besteht darin, durch eine Art Kreditkontrolle gesunde Grundlagen für den Zahlungs- und Kreditverkehr mit den Konsumentenfirmen zu schaffen. Diese Maßnahme erties fich als nötig, um den Metallbandel, der sich von den bekannten Schwierigkeiten des vorigen Sommers noch immer nicht ganz erholt hat, vor den Nachteilen einer unfontrollierten Kreditgewährung zu schützen. 136714 Ein internationaler Grammophonfonzern ist dadurch entstanden, daß die Columbia Graphone Company sich gleichzeitig an der Karl Lindström A.-G. in Berlin und an der Transocean Trading Company in Amsterdam beteiligt und mit ihnen Arbeitsgemeinschaftsverträge abgeschlossen hat. Die englische Gesellschaft hat überdies in diesem Frühjahr eine Beteiligung an der Columbia Phonographe Compagny of New Dort erworben. CliBurganöhnlich BILLIG Süfthalter Ia weisser Drell, oben Gummi, 1 Paar Halter Hüftbalter rosa Drell, mit Gummiteilen, 1 Paar Halter 375 295 el250 95. 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September 1925 Unterhaltung unö Ä9issen Seklage des vorwärts Eine historische Putzmamsell. Von Larry Brachvogel. Aus einer der Postkutschen, die von Abbeville nach Paris fahren, springt flink ein blutjunges Ding, als könnte es nicht schnell genug die neue Luft einatmen, die von köstlichen Spiegelungen, Phantasien und Rasereien durchzitterte Luft von Paris. Was die Kleine in Paris sucht? Was sie alle suchen, die Tag für Tag von allen Post- kutschen der Provinz nach Paris gebracht werden und die Hochburg des Reichtums und Glanzes mit ihrer kecken unverbrauchten Kraft berennen wollen— das Glück. Wahrscheinlich wird die Kleine nicht gar lang zu suchen brauchen, denn sie ist frisch und hübsch, wenn sie auch mehr einem molligen, lustigen nicht allzu feinen Wiener Mädel gleicht denn einer Pariserin, und ihre Finger sind geschickt für allerlei zierlichen Putz. Die Putzmacherinnen sind in diesem Augenblick(man schreibt das Lahr 1733) die Frauen von morgen: schon stichelt und liebelt im Atelier Labille die entzückende, liederliche Mamsell Jeanne, die übers Jahr des allernden Königs Herz gewinnen wird, dazu un- ermeßliche Reichtümer, Adelsprädikate und eine etwas überdustende Berühmtheit.... Noch aber gibt es keine Gräfin Dubarry. Rose Bertin*), die eben aus der Postkutsche von Abbeville gestiegen ist, kann ihre ehr- geizigen Träume also noch vor keiner ehrwürdigen Tradition ver- ankern. Brauchts auch gar nicht, denn erstens ist sie klug und tüchtig, und zweitens hat ihr daheim einmal eine Zigeunerin prophezeit, daß sie Reichtum erwerben und daß man ihr die Schleppe nachtragen werde. Vielleicht hat Rose Bertin späterhin die Zigeunerin samt ihrer Prophezeiung nur erfunden, weil sie solche Weissagung kleidsam und vornehm fand, jedenfalls aber brauchte sie nicht gar lange um eine Stellung umherlaufen, sondern fand ziemlich schnell Arbeit in dem eleganten Putzgeschäft der Rue Saint-Honore, das„Au Trait galant" hieß. Fräulein Pagelle bediente nur die alleroornehmste Gesellschaft und so wurde denn Rose an einem eiskalten Wintertag zu später Stunde ins Palais Conti geschickt, um dort die Hochzeits- kleider für Mesdemoiselles de Bourbon abzuliefern. Die Befugniffe der Putzmacherinnen gingen ja in jener Zeit weit über die Grenzen hinaus, die ihr heute gesteckt sind: sie fertigte nicht nur Hüte, sondern besorgte auch die Garnierung und künstlerische Ausgestaltung der übrigen Toilette, zu der die Schneiderin eigentlich nur das Gerippe lieferte. Ms Rose das Palais Conti betrat, führte man sie in ein' Vorzimmer, in dem ein behagliches Kaminfeuer dem Mamsellchen so verlockend schien, daß sie den großen Karton auf den Boden stellte und die steifgewordenen Hände und Füße an der Flamme wärmte. Sie lieh sich, in dieser angenehmen Beschäftigung auch nicht stören, als eine verhutzelle alte Dame das Gemach betrat, hielt sie für eine Kammerfrau und zeigte ihr voll Stolz die knisternde Pracht aus dem Karton und versenkte sich mit chr in einen gemütlichen Plausch, denn sie hatte ja strengen Befehl von Fräulein Pagelle, das Palais nicht zu verlassen, bis die Frau Prinzessin selbst die Hochzeitskleider be- augenscheinigt hatte. Die Frau Prinzessin ließ lange auf sich warten, aber Rose fand die Zeit ganz kurz, denn es schwatzte sich wunder- hübsch mit dieser alten verhutzelten Kammerfrau. Bis endlich die Türe des Borzimmers ausging, eine pompöse Hofdame hereinrauschte, um alsbald im tiefsten Knicks vor der verhutzelten Kammerfrau zu- sammenzufinken:„Wie, Ihre Hoheit befinden sich hier?!"—„Ja, und ich habe mich köstlich amüsiert!" Man kann sich die Verwirrung und den Schrecken der Kleinen denken, aber die Prinzessin lachte, beruhigte sie und versicherte ihr, daß sie künftig vom Hause Conti die größte Förderung erwanen dürfte. Aeuherst vergnügt zog nun Rose mit ihrem geleerten Karton ab, erzählte im Atelier Pagelle natürlich chr Abenteuer, verschwieg aber so geschickt ihren Schrecken, unterstrich so talentvoll die Versprechungen der Prinzessin, daß Fräulein Pagelle, die schon lange das Tatent der Kleinen erkannt, hatte, die Arme weit öffnete, sie pathetisch ans Herz zog und ihr ganz unpa- thetisch, aber praktisch anbot, als Teilhaberin in das Geschäft einzu- treten. Nun beschreitet Rose Bertin eine Via triumphalis, die mit Tüllrüschen bekränzt, mit Taftbändern bewimpelt, von Straußen- federn überweht, von Brillantagraffen durchsonnt ist und durch alle Häuser des Hochadels direkt ins Königliche Schloß von Versailles führt. Marie Antoinette galt, als sie nach Paris kam, keineswegs für eine geschmackvoll oder gut angezogene Dame, der Graf Mercy- Argenteau schreibt über sie, was Maria Theresia über ihre andere Tochter, die Königin von Neapel, schrieb:„Sie versteht durchaus nicht, sich anzuziehen". Unter den Händen der Bertin wandelle sich aber die Wiener Chrysalide schnell zum Pariser Schmetterling, und ehe man sich? versah, herrschte Marie Antoinette als absolute Königin im bunten, ewig bewegten Reich der Mode und des Geschmackes. Neben ihr stand gravitätisch, selbstbewußt bis zum Größenwahn ihr Modeminister, Rose Bertin. die sich natürlich inzwischen ein eigenes Geschäft,„zum Großmogul" in der Rue Saint-Honore errichtet hatte. Der Modeministcr— Spott und Erbitterung hatten den Namen gefunden, aber Fräulein Bertin hörte ihn noch mit mehr Stolz als ihren offiziellen Titel:„Hoslieferantin I. M. der Königin." Der rasche, glänzende Aufstieg hatte der Provinzlerin Atem und Selbst- ertenntnis genommen, daß sie in komischer Vergessenheit sich und ihre duftigen Nichtigkeiten für ungeheuer wichtig hält und prahlt: „Ich habe gestern drei Stunden mit der Königin gearbeitet." Oder: „Ich habe soeben eine längere Konferenz mit der Königin gehabt." Aber kann man sich über die Irrtümer der Putzmamsell wundern, wenn die Königin selbst, die Tochter der klugen Maria Theresia, ihr huldigt? Fräulein Bertin nimmt eine Stellung am Hofe ein, wie nie zuvor eine ihresgleichen, lieber alle Ehrendamen und Kommerfrauen hinweg ruft die Königin sie zu sich in ihr Gemach, beratschlagt mit ihr halbe Tage lang, was für Kleider. Hüte, Poufs usw. im Atelier Bertin gefertigt werden sollen, treibt allerlei Schaber- nack mit ihr, stellt sie sogar einmal einer biederen, zur Audienz ent- botenen Kleinstädterin als würdige Aebtissin vor. Wenn bei festlichen Aufzügen der Hof an Fräulein Bertin vor- beifährt, grüßt das Königspaar freundlich hinauf, und alle Prinzen tun es ihm natürlich noch: erscheint Fräulein Bertin im Theater, so schickt ihr die Königin einen Kavalier, damit er die Modistin zu ihrem Sitze geleite. Befremdet, unwillig blickt Paris auf diese Intimität der allerhöchsten Frau mit ihrer Lieserantin, blickt um so unwilliger, als trog der Not im ganzen Lande der Luxus und das Toiletten- budget der Köniain von Lahr zu Jahr steigen. Mit ihnen steigen die Frisuren, die"bald sich so hoch türmen, daß die Damen nur mclir kniend in ihren Wagen und Sänften Platz finden, und daß Maria Theresia beim Anblick eines Bildes ihrer Tochter, das der Graf Mcrcy-Argenteau überbringt, empört ausruft:„Das muß ein Irrtum sein, das ist nicht die Königin von Frankreich..." Nun, die hübsche Königin und Fräulein Bertin sind erhaben über solche Rückständig- leiten. Das Toilettenbudget steigt, steigt.... Man bedenke aber auch nur, was für entzückende Poufs Fräulein Bertin und(leider!) auch ihre Konkurrentin ersindet! Da der König sich hat impfen lasten, gibts einen„Paus der Impfung", der mit einer Keule, einer Schlange, einer Zeder, einer aufgehenden Sonne und anderen Kleinigkeiten den Triumph der Wissenschaft, nämlich die Impfung, illustriert. Wenn die Königin nach ihrem Wochenbett zum ersten Mal« ausfährt.'trägt man plötzlich ewen„Pouf der Genesung" und jedes kleine oder große Tagesereignis wird auf diese Weise durch Locken. Bänder, Maschen. Blumen und Zierrat koiffeurmäßig dargestellt, daß die hübschen Damen ausschauen wie die neueste Nummer einer modernen Jllustrationszentrale. Selbst„Bastillenhäubchen" und *) Emil Longlade:„La Marchande de Modes de Marie Antoi- nette, Rose Benin"(Albin Michel, Paris). „Bürgerinnenhäubchen" werden die graziösen Aristokrotinnen mit Entzücken tragen, nicht ahnend, wie teuer sie diese Mode bald, nur zu bald bezahlen müssen.... Zunächst aber ist alles noch Glanz und Gloria, und Fräulein Bertin riskiert sogar, der berühmten Ouinault, die sie etwas nervös um einen Pouf drangsalierte sagen zu lassen:„Bah, wenn man Hos- lieferantin ist, braucht man sich nicht um eine alte Komödiantin zu kümmern I"(Schluß folgt.) Theorie unö Praxis. aber umsonst kann man da» nicht verlangen i' /lnatole Irance im Gespräch. Jean Jacques Brousson, Frances getreuer Eckermann, hat seinen Herrn und Meister in seinem soeben im Verlag für Kulturpolitik(Berlin) erschienenen, von Max N a r b fein- fühlig übersetzten Buch„A notole France in Pantoffeln" der Well menschlich nahe bringen wollen. Wenngleich er mit der Unbedenklichkeit des Franzosen in diesem Bestreben mehrfach die Grenzen der Darstellung des Intimen überschreitet, so gibt er doch im ganzen ein ungemein farbiges und lebendiges Bild Frances, wofür die folgende Schilderung Frances im Gespräch zeugen mag. Eine der kühnsten und verbreitetsten Legenden über den alten Anatole France war ohne Zweifel die von Herrn Bergeret, dem glänzenden Plauderer in der Art eines Diderot, eines Rioarol. Wenn man gewissen Leuten glauben soll, die einen Berus aus der literarischen Indiskretion machen so sprühte die Rede des Meisters wie ein wahres Feuerwerk. Sie bestand nur aus Lichtern, Geistesblitzen, kleinen Wasserfällen von Zitaten. Man ging ganz geblendet von bannen. Man muß jedoch unterscheiden: der berühmte Schriftsteller hatte zweierlei Arten, sich zu unterhalten: die Prunkunterhaltungen und die offiziösen. Man hätte die„offiziellen" katalogisieren können, wie man Musikstücken Namen gibt. Wie oft' hörte ich Sonntags Madame zu France sagen:„Erzählen Sie uns diese oder diese Ge< schichte." Er lieh sich nicht lange bitten. Gehorsam trug er das Musikstück vor. Wenn er fertig war, gab Madame ihr Urteil ab, so wie der Lehrer nach dem Vortrag des Schülers Zensuren verteilt. Sie sagte:„Gut! Sehr gut! Vollendet! Sie hoben sich selbst über- troffen! Sie waren heute auf der Höhe... Sie waren heute schlechter als sonst! Sie haben uns dos neulich mit mehr Feuer erzählt. Sie hatten es heute eilig. Sie haben diese und jene Kleinigkeit aus- gelösten." .— na denn,— also herunter mit den preisen; kommt ja auf'neu halben Meter gar nicht an—" Ost ließ die Ratgeberin sogar das Lied wiederholen. Sie stellte die Variationen fest. In diesen Staatsunterhaltungen reihten sich die Anekdoten un- veränderlich aneinander. Die Pointen kamen an ganz bestimmte» Stellen. Es gab Tonveränderungen; an den gedämpften Stellen wurde Pedal getreten. Die Worte am Ende des Satzes wurden mit priesterlicher Betonung genäselt. Da konnte wer weiß wer ins Zimmer treten oder wer weiß was geschehe», gleich wer, gleich was: das Erscheinen der Königin von Saba oder des Wnigs Salomon, die Ohnmacht der Gräfin Z„ der Meister trug sein Stuck bis zu Ende vor, unerschütterlich, wie ein Phonograph. Aber wer nur diesen Bergeret kennt, diesen Sonntags-Bergeret. der verkennt France völlig. Er hat noch eine ganz andere Art, sich zu unterhalten. Eifrig, schaffend mühsam, zähneknirschend, keuchend, unausgeglichen, voller Widersprüche, das, was die Maler„Abände- rungen nennen.„Nicht wahr?... Ueberhaupt... Vielleicht... Glauben Sie nur nicht... Man darf ja nicht übertreiben... Das ist zweifellos richtig, aber das Gegenteil auch..." Diese Unter- Haltung voll geheimster geistiger Offenbarungen ist das ganze Gegen- teil des offiziellen Feuerwerks. Sie hat zwar dessen Erhabenheit nicht, aber auch nicht seine Eintönigkeit. Man weiß nie, wo man landet, nicht einmal er selbst. Uebrigens gibt er sich damit ungern vor Gleichgülligen preis. Ein einziger Partner genügt. Und der hat es leicht. Denn fast immer redet France allein. Als Ausgangspunkt meistens ein Nichts: eine flüchtige Be- merkung über jemand, der vorbeigeht, oder efn Besuch, ein Wort aus einer Zeitung oder einem Buch, der Name eines bekannten Mannes oder einer Frau, der in Mode ist, irgendeine Kleinigkett, die gestern gekauft wurde oder eben gekauft werden soll. All das ist ja nur ein Anlaß, die Schleusen zu öffnen. Es beginnt schwer- fällig, ungeschickt... Man ist oft ganz erstaunt, wieviel Vertrauen der geistvollste Mann seiner Zeit armseligen Kalendergeschichten schenkt. Sie spielen die Rolle der Kiesel des Dsmofthenes. Sie sind nur für den unvermeidlichen Uebergang des Stommelns da. Denn der erste Wurf dieses klarsten unserer' Schriftsteller ist sozu- sagen trübe. Allmählich wird der Strom klarer. Und am Ende reißt er Goldkärner, Zitate, Erinnerungen, Epigramme, Vergleiche in seine schillernden Wirbel. Einmal losgelassen, ist er unermüdlich— unbarmherzig wäre richtiger—, unbarmherzig gegen seine Zuhörer. Wenn ich von solch einer stundenlangen Unterhaltung kam, war ich oft so erschöpft, als hätte ich olle Folianten der Staatsbibliothek in meinen Kvpf gepfercht. jrn Reiche Ses Homunkulus. Das Ridium war der„Stein der Weisen", der die letzten Er- kenntnisse schenken sollte. So hofften wenigstens seinerzeit selbst ernsthafte Gelehrte, als der wundersame Stoff begann, die bis dahin unantastbaren Dogmen der exaktesten unter den Wissenschaften um- zuwerfen. Und als gar die erstaunlichen Wirkungen bekannt wurden, die der Aufenthalt in radiumhaltigem� Wasser auf niedere Lebewesen auszuüben vermag— binnen 24 Stunden offenkundige Veränderungen in Körperform,-Haltung und-färbe— glaubte man in der Tat, dem Geheimnis des Lebens auf die Spur ge- kommen und damit in die Grenzen des Reiches des Homunkulus, des von Menschenhand erschaffenen Lebewesens eingebrochen zu sein. Es folgte die Entdeckung der„R a d i o b e n", die jenen Glauben noch zu bestätigen schien: in einem Stück einwandfrei ftenlisiertcr Gelatine, die zufällig in einem Laboratorium in unmittelbarer Nähe eines Kästchens aufbewahrt wurde, das einige Milligramm Radium enthielt, zeigten sich, als man mit der Gelatine mikroskopifche Versuche anstellte, rundliche Gebilde, die sich ganz nach Art der lebenden Zellen vermehrten, sich durchaus symmetrisch gruppierten und die so die Vorstellung erzeugten, als entstehe aus der rätselhasten Ein- Wirkung von Radiumstrahlen auf gelatinöse Substanzen Leben. Nachdem man sich jedoch aus dem Rausch der Entdeckerfreuden wieder zu kritisch vergleichender Beobachtung zurückgefunden hatte. niußte man zugeben, daß man ganz ähnliche Erscheinungen schon von unzweisclhast anorganischen Körpern her kenne. So zum Beispiel wächst, in eine schwache Kaliumnitratlösung gebracht, Ka- liumferroferrrxyanid genau wie eine Pflanze, setzt Aeste und Zweig« an, wächst, wenn man der Lösung einen Kaliumnitratkristall zu- setzt, mit einer frappierenden„Lebendigkeit" dem Kristall entgegen. Oder: bringt man in eine Salzlösung einen stark verwässerten Färb- tropfen und beleuchtet den in der Salzlösung geschlossen schwebenden Tropfen, daß nur seine eine Hälfte Licht erhält, so wird die in dem Tropfen enlhaltenc Farbe tun, was sonst nur lebendiges tut: sie wird sich in der bestrahlten Hälfte des Tropfen sammeln. Noch überraschender mutet es an, wenn Eisenvitriol in Ferrozyankalniinlösung ganze Vegetationen treibt, deren Wachstumsrichlung sich gleichfalls durch Lichtreize regulieren laßt. Der Chloroformtropjen„ißt"— oder jagt man in diesem Falle frißt?— verdaut und scheidet Un- verdaures wieder aus. Die Gelatine gar soll ein„Gedächtnis" haben, wenigstens bleiben zwei sonst vollständig gleichwertige Stücke Gelatine bei gleicher Temperatur das eine fest, das andere flüssig, je nach dem Zustand, in dem sie sich vorher befunden haben. Diese Fülle absonderlicher Erscheinungen beschäftigt die Biologen natürlich lebhaft. Wenn man auch�weit davon entfeint ist, den wirklich lebendigen Stoff als die Summe chemischer Funktionen aufzufassen, so gibt es doch manche Forscher, die in diesen Erfchci- nungen die Wegweiser zur wirklichen, endlichen Erkenntnis des Lebensvorganges sehen und nicht müde werden, seine Geheimnisse zu belauern. Denn schließlich— das muß man schon zutzeben— eine klare und unverrückbare Grenzlinie zwischen dem„wirtlichen" und jenem„scheinbaren" Leben gibt es ebenso wenig, wie es ein« einwandfreie Abgrenzung zwischen dem tierischen.Instinkt" und der angeblich dem Menschen vorbehaltcnen„Vernunft" gibt. a. Das Flugzeug als planier. Persien, das Reich des silbernen Löwen, gehört noch zu den Ländern, die vom internationalen Ver» kehr beinahe völlig abgeschlossen sind. Das Land besitzt kein« Eisenbahnen. Einfuhr und Ausfuhr wird mit Kamelen und Eseln, auf den Hauptstrecken mit Karren vollzogen. Die einzige Straße vom persischen Hochland nach Bagdad und den Tiefebenen Mesovo- tamiens ist ein schmaler Bergpfad. Links und rechts vorn Weg liegen an Berghängcn und an Abgründen die Trümmer und lieber- reste von Automobil- und Motorfohrzeugen. Die Verkehrsncrhält- niste in den Nachbarländern sind nicht viel besser. Die Bagdad-Bahn,. die Vorderasien mit dem Mittelländischen Meer verbinden soll, ist noch immer nicht fertiggestellt. Und wer auf den Gedanken täme, eine abenteuerliche Bahnfahrt durch den Kaukasus zu wagen, muß erst die Erlaubnis der Sowjetvertreter in Persisn einholen. Man darf es deshalb als einen großen Fortschriit für die Erschließung Persiens bezeichnen, daß eine deutsche Ofinna in Kürze eine Lustverbindung zwischen Europa und Persien herstellen wird. Der persische Ministerpräsident R i z a- K h a n hat nach längeren Verhandlungen einen Vertrag mit der Junkers-Gesellschaft qbge- schlössen, wonach dieser die Organisation großer Luftverkehrsstrecken in Persien übertagen wird. Die Linie beginnt in Baku am Kaspischen Meer, berührt E n s e l i an der Südküste des Kasptfee und endet in der persischen Hauptstadt Teheran. Sie sollte bereils im Mai in Betrieb genommen werden, ihre Verlängerung noch B u s ch i r am Persischen Golf ist noch in diesem Jahr zu erwarten. Für Persien und Vorderasicn bedeutet dieses den Beginn einer neuen Zeit. Persien erhält eine unmittelbare Verbindung mit dem nördlichen Europa und der deutschen Exportindustrie wie dem Handel eröffnen sich neue Absatzmöglichkeiten. Ambulatorium für Haut- u. 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