Mr. 42942. Jahrg. Ausgabe A nr. 219 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Buremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Beit" mit„ Sied. Jung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme* erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Man erwartet Deutschlands Antwort. Genf, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) Vorläufig sind Genf, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) Vorläufig find die Verhandlungen über den Sicherheitspakt zu einem Stillstand gekommen, da man jetzt erst eine Antwort aus Berlin abwartet: Auskunft von der deutschen Regierung darüber, ob sie eine Konferenz ähnlich den Londoner Beratungen oder fleineren Umfangs und welchen Tagungsort fie wünscht. Der englische Standpuntt geht dahin daß an den geplanten Besprechungen nur die Außenminister der direkt interessierten Großmächte teilnehmen sollen. Dieser Konferenz soll dann eine Beratung zur Regelung der Ost fragen folgen. Die französische Regierung vertritt dagegen die These, daß der gleichzeitige Abschluß von Schieds. gerichtsverträgen mit Polen und der Tschechoslowakei Boraus. fegung für den Abschluß des Garantiepakts ist. Die Schwierig. teit liegt nach französischer Auffassung darin, daß das mit Polen bereits getroffene Militärbündnis in lebereinstimmung mit dem neuen Garantiepakt zu bringen ist. Die in diesen Tagen gepflogenen Verhandlungen zwischen Benesch, Strzynfti und Briand follen ausschließlich diesem Problem gegolten haben. Sicherheitsdebatte in Genf. In der Chamberlain gegen Undén für das Protokoll. Genf, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) Donnerstagsigung des Bölkerbundes fand die Aussprache über den Tätigkeitsbericht des Völkerbundrates ihren Höhepunkt in den Reden des englischen Außenministers Chamberlain und des schwedischen Vertreters Genossen Unden. Diese Reden bedeuteten eine Gegenüberstellung des tonservativen und des fortschritt lichen Standpunktes. dienen. Chamberlain führte aus:„ Ein praktischer Beweis unserer Bewunderung und unferes Vertrauens zu dem Rat des Bölkerbundes und seiner Gerechtigkeit ist der llmstand, daß wir den Rat zum Schiedsrichter in einer bedauerlichen Meinungsverschiedenheit zwischen uns und der Türkei gewählt haben, die leider nicht freundschaftlich beigelegt werden konnte. Es fann nicht meine Absicht sein, die Darlegungen über die Tätigkeit des Bundes zu wiederholen. Ich möchte aber darlegen, von welchem Geiste wir erfüllt sind und welches Ziel wir verfolgen, oder welche Methoden nach unserer Meinung zur Erreichung der im Genfer Protokoll niedergelegten Ziele am besten Es bestehen Meinungsverschiedenheiten in der Verfammlung, aber im 3iel ist sie sich einig.( Beifall.) Der dänische Vertreter erflärte am Donnerstag, es sei nicht unsere Auf. gabe, den Angreifer zu strafen, sondern den Angriff zu ver hindern. Das scheint mir ein guter Grundsatz zu sein, den wir ftets im Auge haben sollen. Die Bestrafung des internationalen Verbrechens ist ebenjo notwendig wie diejenige des individuellen, aber der 3 wed ist nicht die Strafe, sondern die Verhinderung des Verbrechens. Es scheint meiner Regierung, daß der Unterschied dieser Grundsäge bei der Ausarbeitung des Protokolls etwas außer Acht gelassen worden ist. Es scheint meiner Regierung, daß, wenn der Bölkerbund seine Autorität ausüben soll, den großen Verschiedenheiten der Böller Rechnung gefragen werden muß. Das Protokoll mag für die Verhältnisse einiger Nationen passen, aber zahlreiche große und kleine Völker stehen auf dem Standpunkt der britischen Regierung. Wir scheuen vor allgemeinen Brinzipien und logischen Schlußfolgerungen zurück, weil die mensch liche Natur nicht logisch ist. England hat seit 250 Jahren feine Revolution gehabt, und zwar deshalb, weil wir nie all gemeine Prinzipien aufgestellt haben. Wir haben nie Regeln des Handelns für alle Fälle festgelegt. Wir sind immer vom Besonderen zum Allgemeinen fortgeschritten, und unsere Freiheit verdanken wir dem weisen Grundfah der Kompromiffe als Lösung der Schwierigkeiten des Augenblics. So betrachten wir auch diese große internationale Frage. Wir teilen den Wunsch nach einer Regelung der Friedensfrage, nach der Sicherung des Friedens, nach der möglichsten Ausrottung des Krieges. Der Versuch, einen Krieg herbeizuführen, muß erschwert und den Friedensfreunden Zeit geçeben merden, ihren Einfluß verfügbar zu machen und die Berurteilung des Friedensbrechers herbeizuführen. Man hat im vorigen Jahre so viel über die Santtionen beraten. Ich sage mit voller Ueberzeugung, daß die moralischen Sanktionen ebenso wichtig sind wie diejenigen der Gewalt und, daß moralische Sanktionen schließlich am wirksam ft en sind. Unser Ziel ist: Alle sollen fühlen, daß der Frieden gesichert ist. Wir verfolgen das gleiche Ziel, das im letzten Jahre angeftrebt wurde: Entwaffnung durch Sicherheit, Sicherheit durch Schiedsspruch. Das Schiedsgericht sichert die Abrüstung. Das ist die gemeinsame der physischen Abrüstung ist die moralische Abrüstung. Wir Plattform des Völkerbundes.( Beifall.) Eine Vorbedingung müssen endlich das Mißtrauen und die Furcht bannen, die heute über allen Ländern laftet, namentlich in den ehemals friegführenden Gebieten. Meine Regierung ist der Meinung, daß wir zu nächst diese Furcht in jenen Gebieten bannen müssen, die der Ursprung und Schauplatz des Krieges waren. Wir müssen hier eine Garantie schaffen. Im März habe ich vor dem Rat unsere Ziele dahin entwickelt, den Bölferbundspakt zu ergänzen durch besondere Bereinbarungen für besondere Zwecke. Diese Vereinbarungen sollen rein defensiv und im Geiste des Diese Vereinbarungen sollen rein defensiv und im Geiste des Baltes gehalten sein und unter Leitung des Völker bundes stehen. Dieses Ziel können wir erreichen, wenn diejenigen Länder, deren Differenzen am leichtesten zum Streite führen können, zu einer Vereinbarung gelangen. An diesem Werk ist meine Regierung beteiligt. Bir suchen eine neue Allianz gegen die eine ander andere Macht, teine Fortdauer der Leidenschaft und des Neides der Mächte. Wenn wir so zu wechselseitigen Abkommen uns finden, so hoffen wir, daß wir die Sympathie und Billigung des Völkerbundes erlangen.( Lebhafter Beifall.) Aus den letzten Worten Chamberlains ging deutlich die Ab= fage Englands gegenüber jeglichem Rettungsversuch des Genfer Protokolls hervor. Im Gegensaß hierzu ließ die Rede des Genossen Undén nicht weniger deutlich den Willen erkennen, mindestens die obligatortiche Schiedsgerichtsbarkeit beizubehalten. Unden führte aus: Die einstimmigen Hoffnungen der legtjährigen Bölkerbundsversammlung auf Berwirklichung von Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit und Abrüftung blieben unerfüllt. Sicherheit und Abrüftung blieben unerfüllt. Trotzdem sollten Wirkung und Widerhall der Arbeit des letzten Jahres nicht verfannt werden. 3ahlreiche Kundgebungen für die Beibehaltung des Genfer Protokolls haben auf allen Seiten das Verlangen nach wirksamer Friedenssicherung erwiesen, wobei ich als Beispiel nur die Marseiller Beschlüsse der Sozialistischen Internationale anzuführen brauche. Ungeduldig erwarten wir das Ergebnis der gegenwärtigen Verhandlungen, die teilweise die Grundgedanken des Genfer Protokolls verwirklichen sollen. Wir erhoffen einen baldigen Abschluß dieser Verhandlungen und gleichzeitig den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Damit wird die Bedingung für eine allgemeine Abrüstung gegeben sein. Während des vergangenen Jahres hat das Prinzip der Schiedsgerichtsbarkeit durch den Abschluß weiterer Verträge wiederum bedeutende Fortschritte erfahren. Aber trotzdem sollte man sich fragen, ob die Schaffung eines allgemein gültigen, obligatorischen Schiedsvertrages nicht doch der Hoffnung vorzuziehen ist, daß dieser sich durch den Abschluß von Einzelverträgen verwirflichen werde. 3 mei Schwierigteiten stellen sich der In traftsetzung dieses Teiles des Genfer Protokolls entgegen. Einmal werden dadurch Zusäße zum Völkerbundspaft nötig, deren Ratifitation stets mit Schwierigkeiten verknüpft ist und ferner verlangt das System des Genfer Protokolls einen vorbehaltlosen Beitritt. Ließe sich nicht ein allgemeines llebereinkommen ausarbeiten, dem die Staaten, sofern sie es für nötig erachten, mit Vorbehalten beitreten fönnen? Da es unseres Erachtens von ungeheurer Bedeutung ist, noch vor dem Zusammentritt der nächsten Bölkerbunds versammlung die Möglichkeit der Aufstellung des Grundsatzes der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit zu erwägen, bringe ich folgenden Antrag ein: In der Erwägung, welche Bedeutung die Annahme des Grundsatzes der obligatorischen Schiedsgerichts bar keit bei der Schlichtung zwischenstaatlicher Streitfälle für alle Mächte hat, bittet die Versammlung den Bölkerbundsrat, die hier auf bezüglichen Stellen des Protokolls durch eine Sachverständigenkommission einer neuen Ueberprüfung zu unterwerfen, die den Zwed haben soll, die Verwirklichung dieses von der 5. Bölferbundsversammlung einstimmig gebilligten Zieles zu er leichtern. 44 Die Vollversammlung wurde dann auf Freitag vormittag ver togt. Der von Unden eingebrachte Antrag wird der Vollversamm lung noch in dieser Tagung zur Aussprache vorgelegt werden. 9 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballftr. 65; Diskonts- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Der Podestà. Und sein Land mit dem politischen Sanitätskordon. Rom, Anfang September. Das faschistische Regime scheint sich selbst als eine Infektionsfrankheit zu empfinden, gegen die man andere Länder schüßen muß. Daher der Sanitätsfordon der Postmiliz. Freilich darf man das Bild nicht zu Tode hezen, denn der Zweck des Isolierungsmanövers ist natürlich nicht der, andere Länder vor dem Faschismus zu bewhren; es follen vielmehr dem Ausland die Elemente zur Kritik des faschistischen Regimes vorenthalten werden. Man schreibe lobend oder man schweige! Ein gelegentlicher Blick auf die Zustände diesseits des Kordons ist immerhin intereffant, um so interessanter, als mir aus der Rede Farinaccis vom 3. September erfahren, vielleicht erst unsere Enkel sehen werden. Wir zitieren im daß es sich um einen Dauer zustand handelt, dessen Ende Wortlaut die betreffende Stelle: ,, Es gereicht mir zur Freude und zu innerster Befriedigung, euch fagen zu können, daß unser geliebter Heerführer seine förperlichen Kräfte und seine schöne blühende Gesundheit vollständig wieder. erlangt hat. So merkwürdig dies scheint diese vollständige Genesung ist zum großen Teil den bösen Wünschen zu danken, die umliefen und zum Teil heute noch im Umlauf sind. Vorgestern sagte er mir, feinen männlichen Blick auf mich richtend, daß er sich seiner förperlichen Kräfte sicher genug fühlt, um es verbürgen zu können, daß sein Nachfolger erst noch geboren werden muß. Im übrigen sollen es sich alle Antifaschisten gesagt sein lassen, daß im schlimmsten Falle aller Wechsel der Minister und auch der Regierungen immer nur eine einzige Partei interessieren würde: die faschistische." tracht tommen, ist nun wir es von Farinacei erfahrenDaß böse Münsche" als wesentliche Heilmittel in Beeine wissenschaftliche Anerkennung eines alten italienischen Sprichworts: Das Pferd, dem man flucht, bekommt ein glattes Fell." Vielleicht wäre es flug gewesen, sich nicht damit zu brüsten, wie glatt das Fell ist. Bis der noch ungeborene Nachfolger so glatten Fells regierungsreif" ist, hat man natürlich noch viel Großes zu vollbringen. In erster Linie die endgültige Befeitigung der tommunalen Selbstverwaltung. über sagt: Hören wir das„ kräftige Wörtlein", das Farinacci dar,, Unsere Bartei ist absolut gegen fommunale und pro vinziale Wahlen. Diese bedeuten für uns 3erstreuung und 3eitverlust. Oft sind sie der Anlaß zu Zwiftigkeiten, besonders im Süden, wo alter Familienhaß im Rampf um die Bürgermeister oder Stadtratsstelle wieder aufflammt. Daß wir die Mehrheit in allen Gemeinden haben, ist von uns bewiesen worden; jetzt müssen wir eine entgegengesetzte Aktion entfalten: alle die Gemeindeverwaltungen beseitigen, die nicht auf der Höhe der Situation sind und nicht streng den faschistischen Vorschriften folgen. Wir müssen durch die außerordentlichen Kommiffare normalifieren, um das italienische Volk auf die Einrichtung des„ Po= de st à" vorzubereiten. Wir haben mit Begeisterung für Neapel die Ernennung eines hohen Kommissars und für Rom die eines Gouverneurs gesehen. Damit hat die Regierung den Grundsatz aufgestellt, der die Norm der Zukunft bilden wird." Gleichzeitig diskutiert man in der faschistischen Presse darüber, ob der Podestà von der Regierung unter den Ortsangehörigen zu ernennen sei oder einfach ein Staatsbeamter fein falle. So endet die Glorie der italienischen Kommunen, die so viel Blut für ihre Freiheit und ihre Rechte vergossen haben; sie endet mit der Einführung des Podestà, des Zwangsbürgermeisters, nach Habsburger Muster. Daß wir tatsächlich nicht viel verlieren aus dem einfachen Grunde, daß wir nichts mehr zu verlieren haben, geht übrigens aus einer niedlichen Episode hervor. Bringt da ein Faschistenblatt unter dem 30. Auguff eine begeisterte Befchreibung der städtischen Wahlen von Cataina: Manifefte, Umzüge, Ordnungsdienst, Wahlbeteiligung, Schluß der Wahlhandlung, Bekanntwerden des faschistischen Siegs, Jubel im Volk und nächtliche Freudedemonstrationen alles wird von dem gewissenhaften Berichterstatter frafivoll geschildert. Nur eine Bagatelle stimmt nicht; das Geschilderte ist zeitlich etwas verrückt die Wahlen haben näm= lich nicht am 30. Auguft stattgefunden, sondern sollen erst am 6. September stattfinden! Man ersieht daraus das Tröstliche, daß man in Italien auch ohne Gemeindewahlen, auch im Regime des Bodestà, auf begeisternde Berichte von Wahltagen nicht wird verzichten brauchen. Während sich der altösterreichische Podestà vorbereitet, reifen wir auch der russisch en Institution der administrativen Berschidung entgegen der faschistische Nationalismus hat seine Bewunderung für das Fremdländische nie verborgen und importiert für sein merdendes Kaiserreich alle abgelegten Gebrauchsgegenstände früherer Kaiserreiche. In seiner Rede bedauert es Farinacci, Orlando nicht ins 3 mangsdomizil geschickt zu haben, und verspricht, im Herbst die Revolution„völlig in den Staat einzufügen'", womit gemeint ist, daß alle Privilegien des Faschismus bis zum Herbst gesetzlich sanktioniert sein werden, womit mit einem Schlage die Ungesetzlichkeit der herrschenden Partei beseitigt wäre, da ihr jede Gewalttat gegen ihre Gegner gesetzlich sreige stellt werden wird. „Bis dahin," ruft Farinacci aus,„liegt euch Faschisten nur die eine Aufgabe ob: geschlossen hinter unseren Fahnen zu stehen und euch bereitzuhalten, alles zu wagen für den Triumph unseres Oberhauptes." In Erwartung dieses Triumphs wagt man immerhin allerlei, um die Ungerechtigkeiten des„alten Regimes" zu korrigieren. Charakteristisch ist der Fall von P i a c e n z a, bei dem es sich darum handelt, ein gemeines Ver» brechen als politisches einzurenken. Die Operation ist typisch faschistisch, obwohl bei ihr auch ein momentan aus der Partei ausgeschlossener Abgeordneter, der als der Man- dant der Mörder des Kriegskrüppels Lertua angeklagte Bar- biellini, beteiligt ist. Drei Schenkwirte hatten einen Kon- kurrenten überfallen uisd verwundet, und waren dafür zu 3� Iahren Zuchthaus verurteilt worden unter Verwerfung ihres Gnadengesuchs. Da einer der Ber- urteilten mit dem Polizeikommissar verwandt war, organi- sierte dieser nachträglich eine Vorgeschichte der Tat: fültf Faschisten bekannten sich als die Schuldigen, wollten aber im Auftrag der Verurteilten gehandelt haben, weil der über- fallene Schenkwirt schlecht von Mussolini ge- sprachen hatte! Die drei Verurteilten, unter ihnen ein Deserteur, lauter vorbestraftes Pack, avanzierten mit einem Schlage zu politischen Märtyrern: der versuchte Totschlag aus Brotneid wird zu einer Episode der faschistischen Revolution und die Amnestie deckt alles zu! Damit alles klappt, hat der Abg. Barbiellini eine schrift- liche Erklärung ausgestellt, in der er sich selbst als Man» danken erklärt, was ihn auf alle Fälle ehrt: entweder hat er wirklich„Bravi" für eine Körperverletzung angeworben und bezahlt, was tapfer und ritterlich ist, oder er gibt seinen etwas anrüchigen Namen dazu her, drei gegen einen Kon- kurrenten bewaffnete Kneipenbesitzer zu decken. Es geht nichts über sittliche Werte! Aber auch die materiellen Werte soll man nicht ganz verachten. Da ist zuerst die„Sornschlacht", von der wir bis jetzt nur bemerkt haben, daß die Verbilligung des Getreides auf dem Weltmarkt, die die gute Ernte mit sich bringt, Italien ganz erspart bleibt. Der Weizen. der auf hiesigen Märkten im vorigen Juni, als die gute Ernte noch nicht zu spüren war, 36,42 Goldlire kostete, dann im Juli auf Grund des reichen inländischen Ertrages auf 28,82 sank, kostete im August glücklich 37,74. Diesen Ausstieg begleitend, stieg der allgemeine Index von S65 auf 712(1913= 100) in einem Monat. Die faschisti- schen Korporationen leiten den Kampf um bessere Löhne mit einer Forderung ein, die man auch ein Zugeständnis nennen könnte: sie fordern die Abschaffung der Betriebsräte, die heute von den Arbeitern der verschiedenen Fabriken gewählt werden: an ihre Stelle sollen Kommissionen treten, die von der Korporation ernannt werden. Der Gedanke des Podestü, das K. K. Oesterreichische, triumphiert auf der ganzen Linie. Deutfthnationaler �bwehrwille. Nachträgliches aus dem Ruhrkampf. Die„German! a" veröffenllicht den Brief Dr. Iarres' an die„Rhein- und Ruhrzeitung" unter der Ueberschrift „Material für Herrn Bachem" und fügt hinzu: »Wir können die Beispiele für den„nationalen" Bekennermut noch um einen typischen Fall bereichern. Während des Ruhr- k a m p f e s wurden im Ruhrgebiet Aufklärungs- und Ab- wehrschriften verbreitet, die sich scharf gegen den Rechtsbruch der Franzosen wandten, aber keinerlei Beleidigungen oder Be- drohungen der BesatzungsbehSrden enthielten. Um dies« Flugblätter Jnöiviüualpspchologie. Von Ada Beil.» Aom S. bis 7. September tagte im Schubertsaal der 2. Internationale Kongreß f ü r I n d i v i d u a l p s y ch o l o g i e. der an diesen Tagen die Gebiete der Psychologie und Medizin, der Pädagogik und Jugendfürsorge, der Kulturgeschichte und Religion zum Gegenstand seiner Besprechung machte. Die ungeheure Bedeutung der Umwell für den Mensche» wurde einem durch die Ausführungen von neuem lebendiges Erleben. Und der marxistische Fundamentalsatz, daß nicht das Bewußtsein der Menschen ihr Sein, sondem das gesellschaftliche Sein ihr Bewußtsein erkläre, erhielt eine für un« beachtenswerte psychologische Fundamen- tierung. Aus der Fülle der interessanten Vorträge seien die in erster Linie auf der Methode der Dialektik aufgebauten erwähnt, sowie der Haupt- Vortrag von Dr. Alfred Zldler, des Begründers der Individualpsycho- logie..' Otto Kraus, Berlin, sprach über den„Begriffdt,Ror- malen", zeigte in seinen Ausführungen, daß das Leben, als reale Wirklichkeit gesehen, ewige Veränderung und Wiederspiel aller schöpferischen Kräfte ist, so daß es eine Normierung in keinem Falle zuläßt, sondern die Menschheit vor ein« unendliche Auf- gab« stellt, welche da am besten gelöst wird, wo e« am wenigsten auf Kosten der Mitmenschen geht. Denn nur auf dies« Weise wird das von Adler als einzige Lebensrealität anerkannte Gemeinschasts- gefühl handelndes Leben in Solidarität. Dr. O. F. Könitz, Wien, zeigte zum Thema:»Di« Not» wendigkeit individualpsychologischer Erkennt. nisfe in der Familie" an Hand des Adferschen Begriffes vom Lebensplan und Leitziel des Individuums daß auch innerhalb der proletarischen Familie sich noch vollkommen der kapitalistische Lebens- plan der Herrschsucht und Unterdrückung. breit mache, eine Tatsache. aus der sich die Rückschläge der Bewegung vor allem mit erklären lassen. Nur an Hand eines Lebensplanes der Solidarität können wir eine sozialistische, klassenlose Gesellschaft herbeiführen. Frau Ada Beil, Berlin, sprach über Inhalt und Wandel der Idee der Mütterlichkeit und des Adlerschen Finale im menschlichen Handeln und wies nach, daß Mutterschaft und Mütterlichkeit nicht das geringste miteinander zu tun haben brauchen, sondern nur da sich decken, wo im Finale des Individuums das Gemeinschaftsgefühl steht, daß die Aufrechterholwng des Begriffes Mütterlichkeit die Aufrechterhaltung der Vorherrschaft des Mannes bedeutet und damit dieselbe Situation von Herrschenden und Beherrschten wie im Wirt- ichastsprozeß die von Ausbeutern und Ausgebeuteten. Dr. Alfred Adler, Wien, der über„Neurose und Be- g a b u n g" sprach, wies die Ideologie von angeborener Begabung zurück und zeigte an Hand von Beispielen die ausschlaggebende Be- in die Hände der Bevölkerung gelangen zu lassen, bedient« man sich der Hilfe der Parteien. Alle Parteiorganisationen er- klärten sich dazu bereit und haben die Weiterleitung dieses Materials auch tatsächlich besorgt. Nur der Sekretär der Deutschnatio- nalen Bolkspartei in Essen lehnte die Weiterver- b r e i t u n g ab, mit der Begründung, das INalerial könne ihn gegenüber der Vesahungsbehörde kompromittieren. Die Ueber- bringer der Flugblätter mußten schleunigst wieder dieses nationale Haus verlassen." Das sind die Deutschnationalen in ihrer ganzen Größe. Hinter der Front bedrohten sie jeden mit Mord und Tosschlag, der sich gegen den Wahnsinn des aktiven Wider- tandes aufzulehnen wagte, sie nahmen die Schlageters ür sich in Ansvruch, in der Feuerlinie aber kniffen ie nach allen Regeln der Kunst aus Angst vor einer Kom- -romittierung den Besatzungsbehörden gegenüber. Wie >amals, so auch heute noch. Es geht ihnen offenbar wie gewissen vierbeinigen Geschöpfen: je größer die Klappe, desto größer die Angst, jeder Zoll ein ganzer Klesser. Iahrmarktsmethoüe. Warnungen für daS Zentrum. München. 10. September.(Eigener Drahtbericht). Der tatho- fische Politiker Situs Heller in Würzburg, der im Gegensatz zum Zentrum und zur Bayerischen Volkspartei in Bayern eine christlichsoziale Partei gegründet hat, bezeichnet in der letzten Nummer seines Blattes„Das neue Volk" die Zentrums- Politik der jüngsten Zeit als eine tiefe Versündigung an der Volks- gesundheit und Volkssittlichkeit. Heller charakterisiert die Polittker des Zentrums, die die Arbeiter über die wah« Bedeutung der Dinge hinwegtäuschen, mit folgenden Sätzen: „Man stelle sich nur vor, die Zentrumsfrattton macht«ine Steuer- und Zollpolitik mit Westarp und Luther durch dick und dünn mit und verteuert damit die hohen Le- benshaltungskosten des Volkes, dann muß St e g e r w a l d zu den Arbeitern gehen, einerseits diese Politik verteidigend, andererseits den Blick der Arbeiter von dieser Wirkung der Politik im Reichs- tag ablenkend, und die Regierung zu einer Herabsetzung der Preise veranlassen. Das ist doch eine Iahrmarktsmethod«. Die Jugend sagt, das sei nicht mehr wahrhaftig, das sei Lüge und Irreführung der Arbeiter." Heller weist dann gerade auf Grund der bayerischen kleinbäuerlichen Verhältnisse nach, daß auch die Bauern bei der Zollpolitik die Betrogenen sind und nur die Großgrundbesitzer an den Getreidezöllen verdienen. Traueranzeige. Wir kommen hiermit der traurigen Pflicht nach, anzuzeigen, daß die„Tägliche Rundschau" einem überaus be- dauerlichen Mißgeschick erlegen ist. Der Schlagfluß, der sie anläßlich der Ankunft einiger sschechoslowakischer Militär- flieger(der deutschnationale„Tag" feiert dieses in der Geschichte Deutschlands denkwürdige Ereignis in einer umfangreichen photo- graphischen Aufnahme auf der ersten Seite: wir. die�wir jedem Hypernationalismus abhold sind, können uns diesem Uebereiser nicht anschließen) betroffen hat. ist ernsterer Natur, als man ur- sprünglich annehmen konnte: er hat zu einer jähen und gänzlich unerwarteten«lemeiui» praecox geführt. Di« Anzeichen dafür machen sich in einer Weise bemerkbar, die ein völliges Erliegen des Blattes stündlich erwarten lassen. Man findet in den Spallen dieses vom Auswärtigen Amt. vor allem vom Herrn Außenminister Dr. Stresemann bevorzugten Blattes nicht nur längere Ausführungen, in denen der Brief des deusscheften aller Männer. Bürgerblockpräsidensschaftskandidaten a. D.. Oberbürgermeister Dr. Iarres getadett und auf die Feigheit als des besseren Teils der Tugend ein bewegtes Loblied gesungen wird, sondern es begrüßt auch das End« des für den anständig Denkenden odiösen Rothardt-Prozesses mtt der Erwartung, aus ihm möge bald ein neuer Prozeß gegen den verstorbenen Reichs- Präsidenten erblühen, um die Frage weshalb der Rothardt- deutung der Umwett für das Individuum und den Mut als die einzig« Quelle alles schöpferischen Sein», durch den jeder befähigt ist, bei ernster Arbeit das Gleich« zu leisten, wie der Rachbar. Genie, das ist vielleicht nur Fleiß.(Goethe.) Der Kongreß ergab für un» als Sozialisten die überraschende Tatsach«, daß die wissenschaftlichen Forschungsgebiet« sich mehren. welche die restlos« Erschließung de» wissenschaftlichen Sozialismus ermöglichen und uns den Weg zeigen zur solidaren Gemeinschafts- erziehung.' ver Irieüenskran" Unter dem Are de Triornphe Schläft in seinem Grab« Der unbekannt« Soldat. Noch wärmt die kleine Sonn« Ueber Paris. Es lärmen die Spatzen... Und horch! Erklang ein Wort Ueber dem unbekannten Soldaten? War er nah dem Erwachen? ' Welch«in Wort Ueber ihm, Der im Brüllen der Offensive versank?— „Frieden." Horch, war es ein Kranz, Niedergelegt am Grab« Des unbekannten Soldaten? (Ach. es kamen schon viele Kränze!) War es ein Kranz aus Deutschland? Und klang wieder das Wort? „Frieden." Ach, sein bleierner Schlaf sei zu Ende? Frieden? Und er könnte erwachen. Ohne die Hölle Front wieder zu hören? Frieden?? � Unter dem Are de Triornphe Am Grabe des unbekannten Soldaten Steht die Patriotenliga Frankreichs. Man nimmt den Kranz, welcher„Frieden" heißt. Eort, denn er unbekannte Soldat Unter dem Are de Triomphe Darf nie auferstehen. Sonst— wehe ihnen! Wehe der Patriotenliga Frankreichs! Wehe allen Patriotenligen der Well! Wehe! Georg von der Bring. Prozeß in der Berufungsinstanz nicht zu End« geführt wurde, da» hin zu beantworten: Es kommt daher, daß ein Hauptzeuge, nämlich der Herr Ober- bürgermeister von Kassel. Philipp Scheidemann, nicht vor Gericht erscheinen konnte, da er an einer Affektion des Zwölffinger- d a r m s litt und sich infolgedessen den Anstrengungen einer Reise von Kassel nach Magdeburg nicht unterziehen konnte. Vielfach hat man sich darüber gewundert, daß Herr Scheidemann die Sorge um seinen Zwölffingerdarm höher stellte, als die Ver- pflichtung, für seinen verstorbenen Freund vor Gericht einzutreten. Aber wie dem auch sei: Tatsache ist, daß das Prozeßverfahren gegen Rothardt an Scheidemanns Zwölffingerdarm hing. und daß es da so lange hängen geblieben ist, bis es nun endlich eingestellt wurde. Wenn jetzt Herr Rothardt, dank der inzwischen beschlossenen Amnestie, straffrei ausgegangen ist, so mag der „Vorwärts" darob Herrn Scheidemann und seinen Zwölf- fingerdarm verantwortlich machen. Es ist bekannt, daß Genosse Scheidemann durch sein Leiden genötigt worden ist, sein Amt als Oberbürgermeister der Stadt Kassel niederzulegen und daß es ihm in seinen Arbeiten auch sonst starke Hemmungen auferlegt. Aber auch wenn das nicht der Fall wäre— als seinerzeit ein Bube in der„Deutschen Tages- zeitu.ng" gelegentlich des Attentats auf Genossen Scheidemann von einem Klyftierspritzenattentat sprach, als sich während des zwetten Rothardt-Prozesses irgendein deutschnationales Tintenspritzerchen erlaubte, eine ähnliche Tonort gegen Ge- nassen Scheidemann anzuschlagen, wie es jetzt das Organ des Reichsaußenministers Dr. Stresemann beliebt, war man sich wie in der gesamten bürgerlichen so auch in der Presse der Bolkspartei darüber einig, daß es der Anstand verbiete, neben derartigen Re- Präsentanten einer gewissen Art von Journalistik Platz zu nehmen. Wenn man also der„Täglichen Rundschau"— und das hieße ein vom Auswärtigen Amt gern gesehenes Blatt schädigen— nicht den Vorwurf machen will, es habe sich in das erlauchte Kol- legium dieser dunklen Ehrenmänner begeben, so bleibt nur eine Erklärung übrig: dementia praecox; dementia praecox mit wahrscheinlich tödlichem Ausgang. Wir gestatten uns, dem Herrn Reichsaußenminsster unser auf- richtiges Beileid auszusprechen. Vor noch nicht langer Zeit hatte der Herr Reichsaußenminister das Ableben der„Zell" zu beklagen. Nun folgt die„Tägliche Rundschau" nach..., »Gott strafe Gnglanö\0 Iarres, Bayern und Carl Eduard, Prinz von England. Wir berichteten vor einiger Zeit über das Reichsgerichts- urteil, das dem früheren Herzog von Gotha auf Kosten des Landes Thüringen gewaltige Bermögensvorteile verschaffte. Uns wird dazu geschrieben: Was den Fall interessant macht und fast ins Bereich der Satire rückt, ist die Tatsache, daß der ExHerzog von Gotha ein leib- haftiger englischer Prinz ist und dazu noch durch die Be- mühungen des„deutschesten" oller Männer, nämlich des ehemaligen Prästdentschaftskandidoten von Bürgerblocksgnaden Dr. Iarres in den Besitz des Riefenoermögens gelangt ist. Doch gehen wir chronologisch vor: Carl Eduard, königlicher Prinz von Großbritannien und Irland, Herzog zu Albany, Graf von Clarence, Baron Arklow hat bekommen: die 7 Oberförstereien Kleinschmalkalden, Thal, Georgenthal, Friedrichroda, Tambach, Diet- harz und Stutzhaus mtt einem Gesamtflächeninhalt von rund 20000 Hektar. Außerdem gehören dazu die Berg- g-a st h ä uf er: Domänengasthof in Oberhof. Heubyrghaus, Spieß- berghaus, Inselberghotel und eine Reihe kleinerer Waldgasthäuser. Außerdem gehören dazu das Schloß Frieden st ein in Gotha und 12 andere Häuser in dqx Stadt. Das Schloß Rein- hardsbrunn und 994 einzelne Wiesen- und sonstige Grund st ücke. Auch die beiden Domänen Gräfentonna und D ö l l st ä d t sind zurückgegeben. Daß auch die in Jahrhunderten entstandenen Gothaer Kunstinstitute, das berühmte Wu- seum, Landesbibliothek und Sternwarte Herrn Carl Eduard als persönliches Eigentum zurückgegeben werden mußten, kennzeichnet das Rechtsverhällnis besonders treffend. Durch da» Urteil de» Reichsgericht, sind dem eaglifchea Prinzen Millionenwerte zum Eöuarü hanslick. Zu seittem 100. Geburtstag am 11. September 1925. Unzählige Anekdoten bewahren das Andenken an diesen ersten und gesürchteten Wiener Musikkritiker und Professor für Geschichte und Aesthetik an der Universität Wien. Mit seiner ersten Ver- ösfentlichung:„Vom musikalischen Schönen" stellte sich der junge Student der Rechtswissenschaft alsbald in die erste Reihe unter den Musikästhetikern der Zeit. Vierzig Jahr« lang schwang er die Geißel seiner gefürchteten Ironie in der„Neuen Freien Presse", und selbst Bruckner wußte in einer Audienz beim seligen Kaiser Franz Josef auf dessen Frage keinen anderen Wunsch kundzugeben, als den, der Kaiser möchte doch dafür sorgen,„daß der Hanslick ihn nicht immer so schlecht behandele". Wofür zu sorgen allerdings nicht einmal in des Kaisers Macht stand. Und Richard Wagner ermahnte eines Tages seine Gäste vom Wiener Richord-Wagner- Verein:„Tut mir den einzigen Gefallen und eßt und trinkt recht tüchtig, seid auch nachher auf der Straße recht fidel, damit man merkt, daß ihr ordentlich getrunken habt, sonst wirft mir nachher der Hanslick noch vor. ich sei gegen mein« Gäste geizig!" Richard Wagner hatte allerdings mancherlei Veranlassung, sich nicht des Allerbesten von Hanslick zu versehen, denn obschon der zwanzigjährig« Hanslick mit Leidenschaft für Wagners„Tann- Häuser eingetreten war, wurde er doch späterhin Wagners er- bittertster Gegner. Um so glänzender war Hanslick al» Interpret und Wegbereiter für Beethoven, Brahms. Schubert und Strauß (Johann), im ganzen also als Verfechter der Wiener klassizistischen tell und ihrer Art. Noch heute geben seine verschiedenen kritischen ammlungen:„Aus dem Konzertsaal",„Kritik und Studien" und vor allem seine Autobiographie„Aus meinem Leben" das lebendigste Bild jener Zeit und zugleich einen Begriff von dem überragenden Wissen und der stilistisd'en Kultur Hanslick« und können durch ihren selbständigen Wert schon vergessen lassen, daß seine Polemik nicht immer ganz einwandfrei gewesen ist. Die Slädllsche Oper Berlin teilt mit: Bruno kalter nimmt seine Tätigkeit an der Eiädtissben Over bereit» in der EiMnungSvoritellunz „Die Meisterfinger von Nürnberg" auf. Die AbonnementSvorstellungen beginnen, wie die Intendanz aus zablreicke Antragen mitteilt, erst am 27. September, dem ursprünglich für die Eröffnung vorgesehenen Tage. Wenn auch die unerwartet schnelle Vollendung de« Umbaue» eine srübere Eröffnung der Städtischen Oper. ermöglicht bat. sa war die Eintellung de» Abonnement« doch bereit« unter Brrück'ichttgung de« Termin« vom 27. September durchgeführt und eine Neueinteilung nicht mebr angängig. AI« erste AbonnementSvorstellunq geht Mozart»„Zauberflöte" unter der musitalischen Leitung von Fritz Zweig in Szene. Volksbühne. DI« Erstaustührung van Shakespeare».Kaufmann von Venedig' tm Theater am Bülowvlatz ist aus Sonnabend, den lg. September, abend» 7'/, Mr. festgesetzt. Den Gbhlock spiell Alexander Aranach, den Bassanio Leo Reufi, die Porzia mit Erlaubni« der SiaatStheaterintendanz Agne» Straub. Regie: Fritz Holl, Bühnenbilder Edward Suhr. Heber„Die frei« Ehe' svricht am Freitag, den ll. September, in eine« öffentlichen Vortrag Dr. Sernau in der.Arbeiter-Knnst', Parochialstr. 2g. abend» 7 Uhr. Unkostenbeitrag l0 Pf. Eva Usch«» Theater. Die Vre«! er« von Alfted Sutro«.The Laughing Lady' findet ansang« Oktober im Residenz-Theater statt. persSalichea vorfeN überantworlel. der« Erkrägulfle bisher der Thüringer Staalskafie zuflössen. Diese Beträge von Z— S Millionen jährlich müssen nun von den Steuerzahlern ausgebracht werden. Soweit das Urteil des Reichsgerichts. Und wie ist der Prozeß zustande gekommen? Der Gothoische Landtag hatte im Jahre ISIS durch Landesgesetz den nominellen Besitz des ehemaligen Herzogs als Staatseigentum erklärt, ehe die neue R e i ch s o e r» f o s s u n g vom 11. August 1919 veröffentlicht war, nach welcher Enteignungen im öffentlichen Interesse nur gegen Entschädigung vor- genommen werden dürfen. Carl Eduard ließ die Angelegenheit ruhen und besorgte sich im Lauf« der Zeit einen Berater, den er in der Person des früheren preußischen Oberpräsidenten o. Z ill e r fand, der ein Sohn des verstorbenen Staatsministers von Ziller aus Meiningen ist. Dieser Kgl. Staatsbeamte o. D. wußte die bayerische Regierung für diese Angelegenheit zu inter. essieren, in deren Gebiet Carl Eduard seinen Wohnsitz hat. Am 39. Oktober 1923 stellte das bayerische Finanzministerium folgenden Antrag an das Reichsgericht: >8 1 des Gothaischen Gesetzes über die Einziehung des Gotha- ischen Hausfideikommifses. des Lichtenberger Fideikommiffes, des Ernft-Albert-Fideikommifses, der Schmalkaldener Forsten und Hausallods vom 31. Juli 1#19(Gesetzsammlung für den Staat Gotha S. 195) ist mit dem Reichsvecht nicht vereinbar. � Derselbe Antrag wurde«im 6. März 1924 wörtlich vom Reich». minister des Innern Zarres ebenfalls gestellt. Das Reichsgericht entschied lediglich auf Antrag des Reichsminister» Iarres und ließ die Frage unerörtert. ob die bayerische Regierung berechtigt war. solchen Antrag zu stellen und fällte am IS. Juni 1925 ein Urteil. das wörtlich mit den gestellten Anträgen übereinstimmt. Gott strafe England, die„Deutschesten* aller Deutschen sorgen schon dafür, daß die englischen Prinzen nicht mitbestraft werden, wenn auch der deutsche Staatsbürger seinen Buckel dafür herhalten muß! Herr Iarres ist natürlich ein Mann, ein ganzer Mann, er ist der Deutscheste aller Deutschen, aber er weiß, was sich einem eng- tischen Prinzen gegenüber gehört. Mit einem kargen Imbiß gibt d e r sich nicht ab. Das Urteil im Maslow-prozeß. Bier Jahre Gefängnis— AnSweisnng ans de« Reichsgebiet. Leipzig. 10. September.(Elg. Vralhb.) 3m Alaslow prozeß wurde am Donnerstag nachmittag folgende» Urteil verkündet: Elastellnng de» Verfahren» gegen Grylewicz. S chu- wacher und Schlecht auf Sosleu des Reiche», vier Jahre Gefängnis fär Ma»low. 500 Mark Geldstrafe und Au»- Weisung an» dem Reich»gebi«t. Die beanslandelen Schriften sind elnzuziehen. Ein 3ahr und zwei Monate der Frei- hdlssirase und die Geldstrafe sind durch die Untersuchungshaft ver- büßt. Zu der Urteilsbegründung wird hervorgehoben, daß Mas- low» hochverräterisch« Handlungen mit der Auflage gegen die Zentrale der SPD. In Verbindung stehend und besonders gefähr- lichen Charakters wären. Auch bestehe kein Zweifel, daß die schrisl- stellerische Tätigkeit Maslow» genau so der Vorbereitung zum be- waffneten Ausstande diente wie die Tätigkeit irgendeine» anderen Führers der SPD. im Jahre 192Z. Aus der Urteilsbegründung geht hervor, daß auch das Gericht sich darüber im klaren war. auf wie schwachen Füßen die Verurteilung beruht. Die Begründung ver- neint, daß ein besonders schwerer Fall vorliege, aus dem Grunde, well Maslow in der ausschlaggebenden Zeit in Rußland war. Sie erklart weiter, daß die e r n st h a f t e Gefahr eine» Gelingens der kommunistischen Aktion nicht bestanden habe. Sie behauptet, daß Maslows Schrift nicht als strafverschärfend herangezogen worden sei. Sie spricht ihm die ehrenhafte Gesinnung nicht ab. So viele Verbeugungen und doch vier Jahre Gefängnis sowie Ausweisung aus dem Reichsgebiet? Einem Deutsch- völkischen wäre unter diesen Umständen sicherlich nichts passiert._ Der Unfall ües Genossen Stückten. Schwere Stirnverletzungen. Don unterrichteter Seit« wird uns über den Unfall des Gen. Siückleo geschrieben: Der Sparausschuß de« Reichstags, dessen Vorsitzender Genosse S t ü ck l« n ist, hatte die Aufgabe, in der vergangenen Woche die in Bayern befindlichen reichseigenen Betrieb« zu be- sichtigen. Auf der Rückfahrt von Trostberg nach München passierte das Auto, in dem sich außer Stücklen noch der voltsparteiliche Ab- geordnete Dr. C r e m e r befand, ein« kleine Brücke aus Baum- stämmen. Die Hinterräder des Autos schlugen in die Höhe und beide Abgeordneten wurden mit Gewalt an die Decke des Wagens ge- schleudert. Während Dr. Cremer ohne erhebliche Verletzungen da- oonkam, schlug Stücklen mit dem Kopf an die im Lerbeck befindlich« Eisenstange, wobei er an der Stirn schwere Verletzungen erlitt. Ein Arzt war in der Nähe der Unfallstelle nicht zu finden, so daß erst ein Weg von 20 km bis Wasserburg zurückgelegt werden mußte, wo der dortige Krankenhausarzt dem Genossen Stücklen. der durch den schweren Blutoerlust erschöpft war, den ersten Notverband an- legte. In Anbetracht des Ernste» der Verletzungen wurde die so- fortig« Uebersührung in die chirurgische Klinik nach München angeordnet Abends nahm Professor Dr. I e n n eine erfolgreiche Operation vor. Das Befinden des Genossen Stücklen ist in Anbetracht der schweren Verletzungen als zufriedenstellend zu bezeichnen, so daß wahrscheinlich Ende dieser Woche sein« Uebersührung nach Berlin erfolgen kann. Trotzdem dürften aber noch Wochen vergehen, bis Stücklen wieder vollständig hergestellt ist. Maskenrummel unö Zememorü. Vergebliche Ableugmmgsversuche. Der„Sozialdemokratische Parlamentsdienst" schreibt zu dem Versuch der Rechtspresse, den Skandal der Feme- m o r d e im Zusammenhang mit der Sistierung des Geheim- bundes„Orden des feurigen Kreuzes* zu verdunkeln: In das Netz von Gerüchten und Tatsachen, die mit der Fem« zusammenhängen, gehört die Verhaftung de» früheren Bootsmanns- maates K l o p p r o t h, die kürzlich in Wesel auf Grund des Ver- dachtes der Mittäterschaft an der Ermordung des Leut- nants Sand und an einem der Morde in dem K ü st r i n e r Forts erfolgt ist. Diese Berhaftung und die Festnahme des be- rüchtigten Oberleutnants Hildebrandt sowie des Dr. H ü b n e r und des Oberleutnants Schulz steht somit im engsten Zusammen- hang mit dem ganzen Komplex de» Feme-Banditentums. Der Ingenieur Paul Hildebrandt war fett nahezu drei Iahren als der Chef einer illegalen.Kampstruppe* bekannt, die schon im Januar 1924 als.Regiment Waren*(benannt noch der mecklenburgischen Hafenstadt Waren) die Oesfentlichkeit beschäftigte, ohne daß sich die mecklenburgischen Gerichte allzusehr dafür inter- essierten. Dieses.Regiment Waren* war eins Rsstorganisation der .schwarzen Reichswehr*, die unter Mithilfe reaktionärer mecklen- burgischer Polizeioffiziere ihre Leute.anwarb* und einen förmlich terroristischen Druck über den Nordteil Mecklen- burgs ausübte. Hier laufen die Fäden der in Mecklenburg ver- übten Morde zusammen: Der Mord an den.Freiwilligen* Holz in Schwerin, der Mord an„Bold t". der immer noch der Auf- klärung harrt und nun endlich zum Gegenstand einer gerichllichen Untersuchung gemacht worden ist, sowie die vier K ü st r i n e r Morde, die nun im Zusammenhang mit der Affäre des Ober- leutnants Schulz in Landsberg an der Warthe untersucht werden. In allen Fällen kommen Oberleutnant Hildebrandt und Dr. Hüb- ner als Mitwisser in Frage, während der Bootmannsmaat K l a p p r o t h sogar der Täterschaft verdächtigt ist. In diesen Tagen ist nun dieser ganze, zum großen Teil schon geklärte Komplex durch dasWolffbureau und seinen Bericht einer Berliner Lokalkorrespondenz mit der Aufdeckung des .Ku-Klux-Klan* in der Reichshauptstadt verkoppelt woxden. In- folgedessen liegt die Vermutung nahe, daß«ine Verflechtung nur vorgenommen worden ist, um die Konfusion über die sehr ernsten Vorgänge zu vergrößern und die Femeorganisation mit ihrem recht tragischen Hintergrund insofern ins lächerliche zu ziehen, als man sie mit den Tollheiten des.Ku-Klux-Klan* in einen Topf wirft. Die reaktionäre Presse hat den ihr zugeworfenen Ball' auf- gefangen und berichtet ihren Lesern über das freimaurerisch-völkische Theater, um im Zusammenhang damit die völkischen Feme- morde als Sensationsmache zu bezeichnen. So einfach dürften aber die Rechtsparteien von ihrem neuesten Kind, dem„Ku-KIux- Klan* nicht loskommen! Dazu haben sie sich als die geistigen Däter dieses nationalistischen Spuks schon zu sehr blamiert.. Vorläufig kann jedenfalls schon über diese düstere Feme- und.Ku-Klux-Klan*» Geschichte gesagt werden, daß trotz der Lerwischungsversuch« ge- wisser Presse- und Korrespondenzbureaus weder die Blamage der Rechten, die sie mit ihrem unehelichen halb deutsch, halb amerika- nischen Kind erlebte, zu vertuschen ist noch die ernste Seite der An- gelegenheit, die hinter der völkischen Feme verborgen liegt, irgendwie unterschlagen werden kann. Der Rechtspresse liegt es besonders am Herzen, die Mitgliedschaft rechtsgerichteter Verbände am„Orden des feurigen Kreuzes* in Abrede zu stellen. Dem- gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß Angehörige. des „S t a h l h e l m s*.„F r o n t b a n n s*.„Bismarck- b u n d s* usw. Teilhaber des Ordens waren. Es ist die übliche Art der nationalistischen Presse, zu der sich diesmal auch der zweifelhafte Bestand der volksparteilichen Blätter gesellt, Geheimbünde zu gleicher Zeit als harmlos zu bezeich- nen und ihren eigenen Zusammenhang mit derartigen illegi- timen Organisationen zu leugnen. Der große Preisabbau. V, Proz. Kohlenverbilligung! In der Mitgliederversammlung de» Rheinisch-Westfälischen Kehlensyndikats am Freitag wurde der Syndikatsvertrag, der von einer Redaktionskommission einer Durchprüfung' unterzogen worden ist, in seiner endgültigen Fassung genehmigt. Ferner wurde trotz der schwierigen Lage des Ruhrbergbaues beschlossen, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. an die Verkaufspreise entsprechend der Herab- setzung der Umsatzsteuer um Prozent zu ermäßigen, um den Preisherabsetzungsbestrebungen der Regierung nicht durch eine an sich berechtigt« Ausnahme Abbruch zu tun. Die Marktlag« wurde dahin gekennzeichnet, daß die Verminderung de» Absatzes in de» letzten Monaten zum Stillstand gekommen ist. So weit die amtliche Mitteilung. 1 Tonn«, also 20 Zentner Steinkohle, kostet ab 1. Oktober 7X Pfennige. 1 Zentner mithin 0,35 Pfennige weniger als bisher. Jetzt rede noch einer, wir hätten keinen Preisabbau! öergbauprobleme. Heute, Freitag, beginnen im Reichswirtschastsminssterium Be- ratungen mit dem Bergarbeiterverband über die Problem« der großen Krise im Bergbau. Hauptgegenstand der Beratung ist die Denkschrift der Bergarbeiter, die vor kurzem erschienen ist. und die neue Wege zur Lösung der Kohlenkrise zeigt. Zur Linderung der Krise im Steinkohlenbergbau wurde' von der sozialdemokratischen Fraktion des P neu ß i s ch e» Landtages soeben bei den Beratungen über den Bergetat im Hcuptausschuß, die am Donnerstag zu Ende geführt wurden, eine Reihe wichtiger Anträge vorgelegt. Die Fraktion fordert, daß bei der Untersuchung der Komponenten des Kohlenpreises und der Prüfung de? Mahnahmen zur Gesundung des Kohlenbergbaues in Preußen wie im Reich Sachverständige der Bergarbeiter- und An- gestelltenorganisationen mitherangezogen werden. Die durch Stil- l e g u n g von Kohlenbergwerken und Betriebseinschränkungen be- trofsenen Bergarbeiter müssen aus Reichsmitteln in der Höhe ent- schädigt werden, wie das gesetzlich für den Kalibergbau festgelegt ist: die dem Reich entstehenden Kosten sind auf den Kohlenbergbau umzulegen. Bei etwaigen Verhandlungen über Abgrenzung der europäischen Kohlenmärkte ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die Anpassung der Kohlenförderung an den Absatz von allen Kohlen- bergbau treibenden Ländern gleichermaßen durchgeführt wird, und zwar nach Maßgabe der Beschlüsse des Internationalen Bergarbeiter- kongresses in Frankfurt a. M. Die Reichsbahngesellschaft soll endlich dazu veranlaßt werden, mit der schematischen Fracht- Politik zu brechen und die Ausnahmetarife der Vorkriegszeit wieder einzuführen. Angesichts der bevorstehenden Wiederaufnahme der deutsch- polnischen Wirtschaftsverhandlungen wandten sich die Genossen Osterroth und Franz im Interesse der oberschlesifchen Bergarbeiter gegen jede weitere Erhöhung des Polen zugestandenen monat- lichen Kohleneinfuhrkontingents von 199 999 Tonnen. Zur Förderung des Oberharzer Erzbergbaues verlangten unser« Ge- nassen rasche Prüfung und baldige Durchführung der vorliegenden wasserwirtschaftlichen' Projekte, insbesondere, soweit sie mit den Mittellandkanalprojekten in Zusammenhang stehen. Da die Gruben- sicherheitsfrogen diesmal aus der Beratung ausgeschieden worden waren— der Landtag hatte kurz vor der Vertagung zur Verbesse- rung der Grubensicherheit mehrer« wichtige Beschlüsse gefaßt, die erst durchgeführt werden müssen—, forderte die sozialdemokratisch« Fraktion jetzt lediglich die baldige Vorlegung einer Novelle zum Allgemeinen Preußischen Berggesetz, in welcher d,e Entlassung der mit der Durchführung bergpolizeilicher Dorschristen betrauten Angestellten und Arbeiter unter Strafe gestellt wird, wenn die Entlassung wegen gewissenhafter Beobachtung der Bor- schriften erfolgte. Da noch immer über die künftig« Gestaltung des Reichsknappschaftsgesetzes starke Unsicherheit besteht, soll das Staats- Ministerium im Reichsrat und bei der Reichsregierung sich dafür einsetzen, daß das bestehende Knappschaftsgesetz nicht verschlechtert wird, die in den letzten Iahren in Wegfall gekommenen tnappschaft- lichen Sonderleistungen dagegen wieder eingeführt werden. Bei der Erörterung der sozialpolitischen Fragen wurde gegenüber der Haltung der privaten Bergbauunternehmer die Wahrung der sozial- politischen Rechte der Bergarbeiter bei der Preußag anerkennend hervorgehoben. Nach dem Muster der Preußag wurden übrigens nunmehr auch die Staatsbetriebe des Recklinghauser Be- zirks in Anlehnung an die Hibernia wirtschaftsorganisotorifch um- gestellt. Schafft Foll-Nitteleuropa! Die Forderung der Wirtschaftskenner. Wien. 9. September.(MTB.) Die mitteleuropäische Wirtschaststagung hat eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Die Tagung erblickt ein Hauptübel der mitteleuropäi- jchen Wirtschaftslage in der weitgehenden Isolierung der kleinstaatlichen Volkswirtschaften. Die Tagung ist der Ansicht, daß durch die Schaffung eines ausgedehnteren Wirtschaftsgebietes im Wege des Zusammenarbsitens der wirtschaftlich aufeinander angewiesenen Staaten ein großer Teil der bestehenden Mißstände behoben werden könnte. Hierfür wäre eine Reihe von Uebereinkommen nötig, die die Borteile eines großen Wirtschaftsgebietes bei gegenseitiger Achtung der voll- kommenen politischen und wirtschaftlichen Souveränität der einzelnen Staaten sichern würden. Handelspolitisch wäre es wünschenswert, ein eigenes Zollregime für das Gebiet der mitteleuropäischen Staaten auf der Grundlage der gegen- seitigen Borzugsbehandlung zu erstreben und die Erschwerungen des Personen-, Zahlungs- und Kapitalverkehrswesens auf ein Mindestmaß herabzusetzen. Verkehrspolitisch wäre es wünschens- wert, den Zusammenschluß der einzelnen Eisenbahn- s y st e m e zu fördern und die Donauschiffahrt durch die Kooperation der nationalen Schiffahrtsgesellschaften einerseits und durch die Kooperation der Land- und Schiffahrtsbeförderung im Wege eines gemeinsamen Tarif, und Umschlags- s y st e m s andererseits auszunützen. Währungspolitisch würde es sich empfehlen, die verschiedenen Währungen auf d i e s e l b e Grund- lag« zu stellen. Zur Prüfung der Durchführbarkeit dieser Leitsätze wird auch von den Vertretern der mitteleuropäischen Staaten ein« gemeinsame ständige Arbeitskommission eingesetzt, die die Gründung einer ständigen mitteleuropäischen Wirtschafts- organisation vorzubereiten hätte. Seamtenftreik in Deutschösterreich. Stillegung der Gerichte. Wien. 19. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Bundes- angestellten demonstrierten am Donnerstag in Stärke von 5 9999 Mann gegen die bestehenden Gehaltsverhältnisse. Die Regie- rung hatte ihr Personal vor der Teilnahme an der Demonstration ohne Erfolg gewarnt. Selbst ein großer Teil der Richter beteiligte sich an der Kundgebung, so daß der Justiz- dien st ruhen muhte. In einer Entschließung wird«in« allgemeine ausreichende Erhöhung der Bezüge ge- fordert und der Wille zum Ausdruck gebracht, für die Erreichung dieses Zieles mit den schärssten Mitteln in den Kampf zu treten. Am Nachmittag nahmen die Bundesangestellten den Dienst wieder auf. Demonstrationsstreik. wie». 19. September.(MTB.) Nach Blättermeldungen erschiene» heute vormittag aus Anlaß des Demonstrationsstreiks der Beamte» Abordnungen der Justizwache im Sitzungssaal des Land- gerichts I und forderten den Vorsitzenden und die Verleidiger aus; die Verhandlungen einzustellen. Trotzdem die Justiz- wache auf das Ungesetzliche ihrer Handlungsweise aufmerksam ge- macht wurde, führte sie die Häftlinge ob und veranlaßt« Zeuge» und Publikum zur Räumung deS Saales, so daß der Vor- sitzende die Verhandlung vertagen mußte. Kanzlei- und Wacht» Beamte schlössen dann sämtliche Türen de» Gebäudes, stellte, Posten davor auf und begaben sich zu den Kundgebungen bor der» RathauS. Erst nach Beendigung der Demonstrationen wurden d« Türen wieder geöffnet, worauf die anberaumten Verhandlung«» stattfinden konnten. stbbaa der Kontrolle versprochen. Genf. 19. September.(Eigener Drahtbericht.) Zur Sster. reichischen Frage hat der Rat den Vorschlag de» Finanzkomitees gebilligt, der den stufenweisen Abbau der Kontroll« ab 31. Dezember d. I. vorsieht. An diesem Datum wird Zimmermann Wien verlassen. Die vollständige Aufhebung der Kontrolle erfolgt, wenn der Stand des Staatshaushalls es erlaubt, jedoch muß sich Oesterreich verpflichten, die Wieder« einführung der Kontrolle zu dulden, sobald es seinen finan- ziellen Verpflichtungen nicht nachkommt. Generalangriff auf üas Rif. Vormarsch inS Innere. Pari», 19. September.(Eigener Drahtbericht.) Die angekündigte große spamsch-französische Offensive auf der gesamten marokkanischen Front scheint nunmehr begonnen zu haben. Die Spanier haben nach der Landung in der Nähe der Hauptstadt des Riss Ajdir be« trächtlich« Truppenmengen an Land gebracht. Ueber den Verlauf der Hauptlandung bei Ceba illa wird der.Information* aus Tanger gemeldet: Das spanisch« Expeditionskorps, bestehend aus 16 999 Mann auf etwa 199 Hilfsschiffen, hat von Ceuta aus drei Tag« entlang der RIfküste manövriert, um auf diese Weise die Wachsam- keit des Gegners zu täuschen. Die vereinigte fronzösisch-spanisch« Flolle, die die Landung deckte, hat die Rifküstc an verschiedenen Punkten heftiger Beschießung unterworfen. Die Rifkabylen hatten mit Artilleriefeuer geantwortet, wobei«in» der spanischen Schiffe leicht beschädigt worden ist. Außerdem hat «in spanische» Kanonenboot einen spanischen Zerstörer g e» rammt. Gleichzeitig mit den Truppen sind auch Tanks an Land gebracht worden. Di« der Küste vorgelagerten Klippen hatten die Operation sehr erschwert und mußten zum Teil mit Dynamit gesprengt werden. Bemerkenswert ist, daß bei diesen Operationen die Teilnahm« der Franzosen sich auf die Unterstützung der spanischen-Truppen durch Flotte und Flugzeuge beschränkt hat. Die französischen Truppen sind also nicht in die spanische Zone eingerückt. Auch auf der französischen Front soll die Offensive begonnen haben. Hier soll von Uezzan bis Muluya seit Tagen Geschützfeuer an- dauern. Abb el Krim wird demnach im Norden durch die Spanier und von Süden durch die Franzosen angegriffen. Der Kriegsplan der Franzosen und Spanier scheint dahin zu gehen, den Riftruppen zunächst die Berbindung mit dem Meere und damit die Zufuhr von Waffen und Munition abzuschneiden, um sodann durch einen ver- einigten Vormarsch von Norden nach Süden die Riftruppen zurück- zudrängen._ Strafen für Schwarz weiß-Rok. Natürlich nur im Saargebiet. Dort in Sulzbach erhallen alle, die anläßlich der Iahrtausendfeier schwarzweißrot geflaggt hatten, Strafbefehle. Zu dieser verbotenen Flaggerei hatte togsvorher ein Urteil des Landgerichts Saarbrücken angeregt, welches das von der Regierungskommisston erlassene B«r- bot als ungesetzlich bezeichnet hatte, entgegen den Bersalller Bestimmungen, die Bevölkerung nicht vorher befragt worden war. Die Veukschenverfolgung in Südtirol. In Bozen hat der italienische Präfektur-Kommissar die städtische Haushaltung s- schule aufgelöst: dafür soll eine Mädchen volks schule ein- gerichtet werden. Das Augustiner-Gymnasium in Brixen muß die Weiterführung der ersten Klasse s o f o r t. die der zweiten und dritten Klasse noch im Derlauf« dieses Jahres einstellen. Gewerkschaftsbewegung Wozu die Reichsbahn Geld hat. Für Korruptionsprämien und„ Streifabwehr“. Für 400 000 Eisenbahnarbeiter fann die Reichsbahn nur 20 Millionen zur Erhöhung der Elendslöhne aufbringen. Für die Maffe der unteren Beamten ist überhaupt fein Geld da. An 1200 höhere Beamte aber werden neben den Gehältern 55 Millionen für Prämien ausgegeben. Auch für mittlere Beamte hat man noch 14 Millionen in Form von Prämien übrig. Die großzügige Dotierung des Aufsichtsrats mit 952 000 m. und des Direktoriums mit 420 000 m. haben wir bereits wiederholt erwähnt. Um die unzufriedenen Eisenbahner zu beruhigen". erläßt die Hauptverwaltung der Reichsbahn unterm 31. Auguſt an sämtliche Reichsbahndirektionen folgende Verfügung: Bereitstellung von Mitteln für die Streifabwehr. Der Notverkehr mit Kraftfahrzeugen, der bei einem Streif in Frage fommen fann, wenn ein eigener Notverkehr der Reichsbahn nicht oder nur in unzulänglichem Maße ermöglicht werden kann, wird auf Kosten der Reichsbahn eingerichtet und durchgeführt. Die entstehenden Kosten sind bei den zur Streifabwehr jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln zu verrechnen. Für den Notverkehr mit Kraftwagen bleiben die normalen Tarife in Anwendung, sowohl für bei Ausbruch des Streits bereits rollende Güter, wie auch für folche, die nach Einrichtung des Kraftwagennotverkehrs zur Be förderung angenommen werden. Nach Abschluß des Vertrages mit der Kraftverkehr Nach Abschluß des Vertrages mit der„ Kraftverkehr Deutschlands G. m. b. 5." werden wir eine Abschrift übersenden. gez.: Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft, Hauptverwaltung. Dr. Weihrauch. So stellt die Reichsbahn Mittel zur Verfügung, um den Lohnfonflift auf ihre Art beizulegen". Die Eisenbahnbeamten werden mit einer vom 29. Auguft datierten Berfügung des Generaldirektors abgefunden, in der es heißt: " Wie der Reichsbcamte steht der Reichsbahnbeamte in einem öffentlich- rechtlichen Gewaltverhältnis mit den besonderen flichten der Treue, des Gehor. jams und der gewissenhaften Erfüllung der übertragenen Obliegenheiten. Mit seiner Verpflich tung, das öffentliche Interesse der Gesellschaft zu wahren, ist eine willkürliche Dienstverweigerung unvereinbar." Gewiß hat die Reichsbahn die Pflicht, für eine geordnete Betrictsführung zu sorgen. Läge es aber nicht nahe, das so zu ver= Juchen, inder man den Eisenbahnern eine ausfömmliche Eristenz garantiert? Die Reichsbahngesellschaft bestreitet selbst nicht, daß die Bezüge der großen Maffe der Eisenbahner unzulänglich find. Wie wäre es, wenn sie die 55 Millionen, die sie für die betüchtigten Brämien ausgibt und die Mittel, die sie für die„ StreifDer Schiedsspruch für die Reichsarbeiter. Eine allgemeine Lohnerhöhung abgelehnt. Das in der Lohnstreitsache der Reichsarbeiter vom Reichsarbeits ministerium eingefehte Schiedsgericht fällte am Donnerstag abend nach mehrstündigen Verhandlungen unter dem Vorsitz des ehemaligen Staatsfetreläsudlin folgenden Schiedsspruch: 1. Cer§ 4 res DAR. vom 21. März 1923 tritt mit den aus Biffer 3 dieses Schiedsspruches sich ergebenden Aenderungen mit Wirkung vom 1. September 1925 wieder in Kraft. 2. Den Parteien wird aufgegeben, mit Beschleunigung die Ortslohnzahlen eingehend nachzuprüfen und sie, wo es zur Angleichung an die vergleichbaren tarifmäßigen Durchschnittslöhne privater Unternehmungen erforderlich ist, mit Birkung vom 1. September 1925 entsprechend zu erhöhen. Sind solche Privatunternehmungen an einzelnen Orten nicht vorhenden, so find die Verhältnisse der Nachbarorte oder der allgemeinen Wirtschaftslage zu berücksichtigen. Im Falle der Nichteinigung fällt ein vom Reichsarbeitsminister zu ernennendes Schiedsgericht den Schiedsspruch. 3. Die Löhne der Arbeiter von 16 Jahren werden auf 50 Pro, von 17 Jahren auf 66 Proz., von 18 Jahren auf 86 Proz., von 19 Jahren auf 90 Broz., von 20 Jahren auf 92 Proz. des Grundlohnes eines 24jährigen Arbeiters festgesetzt. 4. Der Artikel 3 des Zusahebkommens erhält folgende Fassung: Bei Dienststellen, bei denen die Mindestdienstzeit der Beamten in der Regel unter 51 Stunden für die Woche beträgt, tritt für die männlichen Arbeiter dieser Dienststellen eine gleiche Verkürzung der Wochenarbeitszeit ein. Bei der Lohnberechnung bleibt diese Verkürzung unberücksichtigt. Dementsprechend wird auch die Ausführungsbeſtimmung R zum DAR. wie folgt geändert: Bleibt bei vollbeschäftigten männlichen Arbeitern in Anwendung des Artikels 3 die Bahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden für die Woche unter 51, so find trotzdem der Lohnberechnung in diesen Fällen 51 Stunden zugrunde zu legen. 5. Erklärungsfrist dem Schlichter gegenüber und der Parteien untereinander bis zum Montag, den 14 September 1925, mittags 12 Uhr. Heute werden die Organisationen zu dem absolut un. befriedigenden Schiedsspruch Stellung nehmen. Einigung in der Zigarrenindustrie. Schiedsspruch gefällt, der bis zum 24. Januar 1926 eine Er höhung der Löhne von 64 auf 71 Pfennig vorsieht. Die Arbeit wird sofort wieder aufgenommen werden. Schiedsspruch für den niederschlesischen Bergbau. Breslau, 10. September. In den Lohnstreitgkeiten im nieder schlesischen Bergbaurebier wurde von dem Schlichter für Niederschlesien ein Schiedsspruch gefällt, der eine Lohnerhöhung von 7 Proz. mit Wirkung vom 1. September ab vorsieht. Die Erklärungsfrist läuft am 15. September ab. Vom englischen Gewerkschaftskongreß. London, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) Im Mittelpunkt der Donnerstagsigung des Gewerkschaftskongresses standen die Begrüßungsreden der ausländischen Gäste. Der russische Delegierte Tomski, dessen Rede auf dem vorigen Kongreß in der britischen Gewerkschaftsbewegung starten Widerspruch hervorgerufen hatte, polemisierte gegen den Internationalen Gewerf. fchaftsbund in Amsterdam indem er sich gegen dessen Methode der schriftlichen Auseinandersetzung und für die Methode mündlicher Verhandlungen aussprach. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Kongreß für die Festigung der Freundschaft zwischen den russischen und englischen Gewerkschaften beitrogen werde. Brown von der Amsterdamer Zentrale erwiderte, die Amsterdamer Internationale sei nicht gegen die Einheit, müsse sich jedoch gegen die Diktatur über die Gesamtbewegung durch ein einzelnes Land wenden. Der Kongreß nahm dann gegen eine Stimme eine Entschließung an, durch die der Generalrat ermächtigt wird, Schritte zwecks Herbeiführung der gewerkschaftlichen Einheit in einer allumfassenden Gewerkschaftsinternationale zu unternehmen. Er autorisierte damit die vom Generalrat zum Teil eigenmächtig unternommenen englisch- russischen Einigungsfonfe. rengen. Scarborough, 10. September.( WTB.) In der heutigen Bormittagsfigung des britischen Gewerkschaftskongresses wurde eine Entschließung angenommen, die eine Neuregelung der Versorgungsgefeggebung verlangt, so daß in Zukunft einem in Ausübung seines Berufes arbeitsunfähig gewor denen Arbeiter eine Rente von nicht weniger als 3meidrittel feines durchschnittlichen Arbeitseinkommens als ArbeitslosenunterDer Gewerkschaftskongreß hat beschlossen, den Generalrat der Gewerkschaften mit der Heranziehung des Esperanto als amt. liche Sprache des internationalen Verkehrs zu beauftragen. Der am 3. September im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch für die Zigarrenindustrie ist von beiden Seitenstüßung gezahlt werden soll. angenommen worden. Mit Wirkung vom 7. September haben die Löbne eine Erhöhung um 7 Broz. erfahren. Damit find die in verschiedenen Gegenden ausgebrochenen Streits und bie in Sachsen und Schlesien angedrohten Aussperrungen gegenstands los geworden. Gehaltsbewegung im Versicherungsgewerbe. abwehr" bereithält, zur Aufbesserung der Bezüge der Eisenbahner ficherungsunternehmungen getroffene Gehaltsabkommen ist verwenden würde? Auch der Hauptverwaltung der Reichsbahn dürfte nicht unbefannt sein, daß die Kraftfahrer im Deutschen Verkehrsbund organ siert sind und dieser mit dem Einheitsverband der Eisenbahner in einem Kartellverhältnis steht. Mit der Organisierung der Streifabmehr" ristiert die Reichsbahngesellschaft nur die Ber= breiterung des empfes. Warum aber Kampf? Die Forderungen der Eisenbahner find bescheiden. Nach den Darstellungen der Reichsbahn würde die restlose Erfüllung dieser Forderungen eine jährliche Mehrcusgabe von 144 Millionen erfordern. Während der Monate April- Juli hat die Reichsbahn einen Betriebsüberschuß von 206 Millionen erzielt, wovon 100 millionen ais Reparationsbeitrag zuridgestellt werden müssen. Menn wir auch berücksichtigen, daß die Reichsbahn erhebi che Aufwendungen für fachliche Ausgaben machen muß, dar bleibt doch immer die Tatsache bestehen, daß die Uebersd, üsse so groß sind, daß für höhere Beamte im Jahre 55 Mi!. lionen Sonderprämicn gegeben werden und daß man in großzügiger Weise Mittel für eine„ Sfreifabmch" zurr Verfügung stellt, oh ne die von uns angeführten Ueberschüsse anzugreifen. Gerade diese verhängnisvolle Einstelling, die mit herausfordernden Kampfmaßnahmen eine Gefahr vannen will, die zunächst gar nicht bestand, kann am ehesten diese Gefahr heraufbeschwören. 1/4 Einkochgläser enge Form: 1/2 1/2% 1 Liter weite Form 1/2 8/4 1 1½ 2 Liter 34 36 38 40 P. 40 44 46 48 55 P Gummiringe dazu, 10 Stück 40F. ( Bei 100 Gläsern 5%. bei Großabnahme höhere Rabatte) Kürbis 6P. gewaschen, Pfund Das am 4. Juni mit dem Arbeitgeberverband deutscher Vervon sämtlichen am Tarifvertrag beteiligten Angestelltenverbänden 3um 1. Oftober gefündigt worden, um die seit Mai unverändert gebliebenen Gehaltssäge der inzwischen eingetretenen Teuerung anzupassen. Vom Arbeitgebernerband deutscher Versicherungsunternehmungen wurde, wie üblich, die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Erhöhung der Gehälter bestritten. Demgegenüber besteht der 3d2. darauf, daß über seine Forderung sofort verhandelt wird. Eine Aussperrung im Baugewerbe. Königsberg, 10. September.( WTB.) Nachdem in den letzten Tagen in 16 verschiedenen Orten Ostpreußens die Bauarbeiter zur Durchsehung ihrer Forderungen die Arbeit niedergelegt haben und die heutigen Verhandlungen zur Beilegung der Lohnstreitigfeiten ergebnisios geblieben sind, ist heute vom oftpreußischen Arbeitgeberbezirksverband für das Baugewerbe in einer Generalversamm lung die allgemeine Aussperrung der Bauarbeiter für Sonnabend beschlossen worden. Der Streik in der chemischen Industrie Sachsens beigelegt. Dresden, 10. September.( TU.) Im Streif in der chemischen Industrie Sachsens wurde gestern unter dem Vorsitz des sächsischen Schlichters, Oberregierungsrats Dr. Franz, ein verbindlicher Der Bankangestelltenstreik in Frankreich. Paris, 10. September.( Eigener Drahtbericht.) Der französische Justizminister hat jetzt in den Streit der Pariser Bantbeamten vermittelnd eingegriffen. Er forderte beide Parteien auf, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Die Bantbeamten teilten auf Grund dessen mit, daß sie bereits ihren Schiedsrichter gewählt haben und daß eine schnelle Lösung des Konfliktes zu erwarten sei, wenn ihr Vertrauensvotum nicht abgelehnt würde. Der australische Seemannstreik. Da sich trotz der rigorosen Regierungsmaßnahmen die Streiflage verschärft hat, fehen die Schiffsgesellschaften fich veranlaßt, vernünftigere Methoden zur Beilegung des Streits anzuwenden. Die Industriellen drängen auf eine baldige Beilegung des Schiffahrtsstreits, da die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse völlig darniederliegt und bereits ungeheure Schäden entstanden seien. Die Vertreter der interessierten Gesellschaften famen daher gestern mit den Vertretern des australischen Gewerkschaftsbundes zu Verhandlungen in Sydney zusammen. Baugewerksbundes! Die neu errechneten Affordlohnfäge sind im Achtung, Akkordmaurer und Affordsteinträger des Deutschen Bureau, Engelufer 24/25, Zimmer 58, abzuholen. Der Bereinsvorstand. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buddruckeret und Berlagsanstalt Vaul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. A.WERTHEIM Leipziger Straße 5 Pfund blaue Pflaumen 65PI. Kochäpfel Pfund 6pt. Kürbis... Pfund 5 Pf. Eßäpfel Pland 10p. Mohrrüben 5Pf. Kochbirnen. 15 PI. Senf- u. SchmorWeintrauben 24p. gurken pid. 9.12 Pr. Pfirsiche Pfund 40PI. Tomaten Pfand 12 pl. Wirsing-, Rot-, Weißkohl Prima Holland 5pl. gold, Pfd. 30, blau Seelachs 25 P. Schellfisch 28 PT. Kabeljau 138PF. Bücklinge Pfund 58Pt. Dellkat.- Sülze 48PL Lebende Karpfen Pfund 185 Schuppen 55 Pfund Spiegel Edelkrebse 95 Pl. Flundern starke Mandel von i.Sick. geräuchert, Pfund 75 P Dize 48 PL Camembert 35 Pl. Pfund Landleberwurst125 Pfund Gefüllt. Schink.140 Fleischwurst, Pfund Allg ,, vollfett, Schacht. Tilsiter halbf. vollfell, Pld. 120 Phd 80 140 Goudakäsedan. Leberwurst feine Braunschw. Mellwerst, Pid. 180 Zervelat- und Salamiwurst, Holst., Pfd. 190 Fettgänse 95 PJ. gefroren, Pfd. 1,10 85 Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Besonders billige Lebensmittel Freitag und Sonnabend, sowelt Vorrat Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Frisches Fleisch Hammel- Vorderfleisch, Pfd. Keule, ganz u.geteilt 80Pf. Hammel- und Rücken, Pfund 95pf. Schweinebauch u. Rücken m. Blg., Pfd. 125 Kaßler Rippspeer Pid. 130 130 55pt. 75pf. Prima Gefrierfleisch Rinderkamm und Brust Edamer holländisch 115 Kalbskamm und Brust Schweizer Pfund 125 145 Kalbskeule und Rücken dän. finnl. Tafel- 110 Kaffee 270 460 Naturbutter 1M butter 1/2 Pfund- Pakei Jeden Freitag und Sonnabend billiger Verkauf gebrannt, Pf.v. bis Pfund 95 pf. Pfund Kakao70Pt. Pfund- Paket Theaterkasse Wertheim Abonnement für die Reinhardt- Bühnen ohne Vorverkaufsgebühr Deutsches Theater Kammerspiele Die Komödie Pfund 120 Kapaune Poulets junge, Ptd. 155 Suppenhühner 1 1: feine, Plund monatlich eine Vorstellung Parkett, Logen und 1. Rang 46M Patz Konfitüren 2 Pfund- Eimer Pflaumen 135 Kirken. 155 Himbeer Aprikos. Hawai- Ananas 55 ca. 8 Scheiben 1/1 Dose 250 Junge Gänse 135 Oelsardinen 52 Pi. Pfund 1.48 u. Gänse- Brust 160 u. Keulenstücke Plund Wild und Rebhühner billigst Pfund Linsen gut kound 18 pr. Erbsen Viktoria 22Pt. Tafelreis Pfund 24pt. Makkaroni 38 Pr. Bruch, Pfund portug., 1/ 1D.95, Klubd. Rindfleisch ohn.Knoch. 1- Pid.- Dose Stück 76PT. Kuchen Streußel 35 Pf. Bienenstich 45pl. Apfelstrudel 55pl. Stück Stück Mohnstang. 65 PT. Stück Preise für 11 Flasche einschließl. Stener ohne Glas Edelapfelwein 67 Pt. aus Tatelobst 1923 Hainfelder85f Oberhaardtee, mild 1923 Mesenicher Brünnchen suff. Tischmose! M 1923 Alsheimer Goldberg 105 1922 Remicher Goldberg 110 milder Rheinhesse pikanter Mosel 1920Niersteiner kerniger 140 Rheinhess. 1921 Neumagener Engelgrube ( Wachstum Jacoby) Mosel, rell, mild. 1921 Liebfraumilch il zart, lieblich 180 220 1921 Hatvaner Riesling ( Wachstum Baron Hatvany) 250 gold., teiner ungar. Talelw. 1921 Haut Sauternes 4M weider Bordeaux, edel, süß 1922 Kirchheim. Rotwein mild 1922Domaine de Novéant französischer Rotwein süß, feine Qualität. 1 M 140 Johannisbeer-, Stachelbeer-, Heidelbeerwein feine 105 Tarragona rot, süß.... 135 Jamaica- Rum- Verschnitt 40 Vol. Prozent.... 320 Reste u. Abschnitte Nr. 429 4 42. Jahrgang 7. Seilage ües vorwärts Freitag, 71. September 1925 Deutfthnationaler Wählerfang. Eine Teuerungsdebatte in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Die Deutschnationalen haben Mut! Im Reichstag sorgen sie dasür, daß die Lebensmittel verteuert werden. Nachdem das gelungen ist� wollen sie in Berlin den Magistrat zum Kamps gegen die Teuerung mobil machen. Gestern wurde die Berliner Stadt- verordnctenversammlung mit einem Dringlich- kcitsantrag überrascht, der die D e u t s ch n a t i o n a l e n der staunenden Welt als„FreundedernoileidendenMassen'' zeigen sollte. Der Magistrat möge, verlangten sie, sich mit der Frage beschäftigen, wie die Preis« gesenkt werden können. Ach, sie hatten nötig, auf diese Weise sich den Minderbemittelten für die bevor- stehenden Stadtverordnetenwahlen zu empfehlen. Jawohl, sie hoben es nötig nach allem, was vorangegangen ist. Lustig war, daß der deutschnationale Pastor K o ch im Ton des Biedermanns versicherte, er wolle keine Wahlrede holten. Unser Genosse R e i- mann gab den deutschnationalen„Dolkssreunden* eine Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Die s o z i a l d e- mokratische Fraktion brachte einen Antrag ein, der dem Magistrat die bestimmte Ausgabe stellte, auf Perbilligung des Frischfleisches hinzuwirken. Oberbürgermeister B ö ß erklärte, der Magistrot werden bereit sein, Maßregeln zur Senkung der Fleischpreise zu treffen. Aber viel zu erreichen sei den Gemeinden nicht möglich. Den Deutschnationalen P a e t h, der in der weiteren Debatte seine Weisheit über die Teuerungsursachen auskramte, ser- tigte unser Genosse Urich kräftig ab. Die Debatte kam nicht zu Ende: sie soll in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Nachdem den schwarzweißroten Lcbensmittelverteurern so schonungslos die Maske vom Gesicht gerissen worden ist, wird es sie nach der Fortsetzung nicht sehr gelüsten. «- Die gestrige ordentliche Sitzung der Stadtverordnetenversamm- lung begann unter dem Vorsitz des Vorstehers Genossen ch a ß kurz noch 5 Uhr. Die Anfrage der beiden Parteien der Rechten, betr. den Ankauf der cherrschaft Düppel-Dreilinden wurde vom Stadtrat Busch dahin beantwortet: Der Magistrat hat sich in der Erwägung, daß das 150 chektar umfassende Terrain, wovon SOll chektar Wald, für die Groß-Berliner Bevölkerung im bygienischen Interesie außerordentlich wertvoll ist, auf die dem Prinzen Sigismund gehörige cherrschaft bis zum 1. Oktober 1920 materiell eine Anstellung aus das Terrain gesichert. Dem General- bevollmächtigten des Prinzen ist zu diesem Zwecke ein kurzfristiger Kredit zugebilligt worden, der verzinst werden muß und für den Fall, daß der Ankauf nicht zustande kommt, zurückzuzahlen ist. Welche Gewinne dabei durch die Generalbevollmächtigten gemacht werden. entzieht sich der Kenntnis des Magistrats. Bisher kann von einem Gewinn der Betreffenden überhaupt keine Rede lein. Kommt das Ankaufsgeschäft zustande, so wird es der �Versammlung zur Genehmi- aung unterbreitet werden. Auf eine Besprechung der Anfrage wurde hierauf von den Ansragern Verzicht geleistet.— Am 6. Juli 1925 hat der Magistrat der Versammlung eröffnet, daß er in Sachen der Vermögensauseinandersetzung zwischen Preußen und den hohenzollern zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die Stadt Eigentums- onsprüchc an den«chlössern, Parks usw., die die chohenzollern reklamieren, rechtlich nicht geltend machen kann, daß sie ober nach beendeter Auseinandersetzung mit dem Preußischen Staat darüber verhandeln will, daß dic'enigen Objekte, welche für die Berliner Bsvölkeniyg von Bcdeutuna sind, der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden.— Genosse Dr. Weinberg war der Meinung� daß der Magistrat sich die Anwort sehr leicht gemacht habe. Wenn es auch wirtlich richtig wäre, daß klagbare Rechte Berlins nicht in Frage kommen, so seien doch äußer st wertvolle Interessen der Stadt zu wahren. Ein großer Teil der Schloßparks liege im Bereich von Groß-Berlin. und diese Parks seien als Lungen der Stadt für die Bevölkerung geradezu unentbehrlich. Wenn der Magistrat mit seinem Eingreifen warten wollte, bis die Auseinandersetzung perfekt sei, so möchte es dann zu spät sein: hätten die chohenzollern erst durch unsere„republi- konischen" Richter etwas zugesprochen erhalten, so wäre es glatt unmöglich, im Wege gütlicher Vereinbarung auch nur das Geringste zurückzukriegen. Man spreche so viel von der Ersprießlichkeit einer Rechtsangleichung an Deutschösterreich: warum nehme man sich nicht ein Beispiel an dem öfter- reichischen Gesetz, welches die Republik zur Eigentümerin des gesamten beweglichen und unbeweglichen chofärors erklärt und dessen Erträgnis zur Fürsorge für die durch den Weltkrieg gesundheitlich geschädigten Staatsbürger anweist? Die Wahlen werden zeigen, daß Berlin nicht gewillt ist, auf problematische Ansprüche der Hohenzollerndynastie zu reagieren. Mit 79 gegen 78 Stimmen lehnte die Versammlung einen Antrag der Kommunisten, von, Magistrat eine ausführliche Bericht- erstattung zu verlangen, ab und nahm die Mogistratsmitteilung zur Kenntnis. Gegen den Beschluß des Grundstücksausschusses, die Vorlage wegen Vergebung von Baustellen in der Villenkolonie Wendenschloß im Wege des Erbbaurechts abzulehnen, wandte sich sehr entschieden Genosse Käming. Die Fraktion halte unentwegt an dem Gedanken des Erbbaurechts fest, weil dieses die einzige Möglichkeit biete, billig Wohnhäuser zu bauen. Wolle man mit Erfolg Siedelungspolitlk treiben, fo müsse man den Siedlern Gelände in Erbpacht überlassen, weil sie sonst der hohen Kosten wegen nicht bauen könnten. Die Gegner des Erbbaurechts seien dieselben Kreise, die den Grund und Boden überhaupt der freien Spekulation überantwortet witzen wollten. Redner beantragte, die betreffende Vorlage dem Ausschuß zurückzugeben. Nach kurzer Aussprache, in der auch Genosse Dr. vorchardt mit Nachdruck geltend machte, daß es jedenfalls im Interesse der Stadt läge, städtisches Gelände, soweit irgend möglich. nicht in Privothände übergehen zu lassen, wurde der Antrag unserer Genossen auf Zurückoerweisung mit 92 gegen 84 Stimmen an- -genommen. Nach Erledigung einer großen Anzahl kleinerer Vorlaßen und nach Bekanntgabe dreier Anfragen der DVP. und des Zentrums nahm die Versammlung einen zu Ansang der Sitzung eingebrachten Dringlichkeitsantrag der Deutschnationalen in Beratung, wonach in einem gemischten Ausschuß besprochen werden soll, was seitens- der Stadt. geschehen kann, um die Lebens- mittelpreise zu senken. Pastor koch, zur Begründung das Wort erhallend, erklärte: Wir wollen im Ausschuh Fragen klären, die heute noch nicht geklärt werden können. Wir wollen hier nicht Wahlreden hallen.(Gelächter links.) Wir verzichten daher auf eine Begründung(Hört! hört!) und bisten nur, den Ausschuß noch heute einzusetzen. Gen. Reimann: Dieses Vorgehen entbehrt nicht eines gewissen Refzes. Auch wir meinen nicht, hier Reden zum Fenster hinaus halten zu sollen: aber diesen Anstoß auszunehmen, können- wir uns doch nicht verkneifen. wenn diese Teuerung eingetreten ist, so hat doch gerade die Partei des Herrn Koch die meiste Schuld daran. Schon die Ankündigung der Zollvorlage hat auf die Lebensmittel außerordentlich verteuernd gewirkt: darüber hinaus will die Reichsregierung alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um der Teuerungswelle Einhalt zu tun. Das geschieht aber mit durchaus unzulänglichen Mitteln. Di« Agrarier wie die Industrie lachen über diese Regierungs- bemühungen und machen sie zuschanden. Durch diese Aktion will man die wirtlichen'Borgänge vertuschen, will man die Schuld aus andere abwälzen: man hackt aus dem Kleinhandel herum. Die Verteuerer sitzen in den Kreisen, die Ihnen(nach rechts) nicht fernstehen. Man beutet das deutsche Volk aus, um auf dem Welt- markt konkurrenzfähig zu bleiben. Den Beamten, Angestellten und Arbeitern empfiehlt man Sparsamkeit, während das Unternehmer- tum gar nicht daran denkt, seine luxuriöse Lebenshallung ein- zuschränken.(Große Unruhe rechts.) Werten(Dem.) richtete an die Antragsteller die dringende Auf- forderung, mit ihrer Begründung doch nicht zurückzuhalten: er habe keine Worte dafür, daß eine Partei, die im Reiche eine verkehrte Wirtschaftspolitik mitgemacht habe, hier in einer auf die Geschehnisse im Reich fast einflußlosen Körperschaft mit einem derartigen Antrag komme. Das fei eine Politik mit doppeltem Boden. Nachdem Dr. Alexander(Komm.) und Richard Kunze gesprochen hatten, lief ein Antrag unserer Genossen ein, dem Antrag Steiniger hinzuzu- setzen:„Der Magistrat wird ersucht, unverzüglich alle Maßnahmen zu treffen, um eine Verbilligung des Frischfleisches herbeizuführen." Oberbürgernieister vöh: Der Magistrat hat bereits die Initiative ergriffen, um auch seinerseits auf die besorgniserregend gestiegenen Preise einzuwirken: auf seine Anregung ist die Verbilligung des Brotes durch Erhöhung des Brotgewichts zurückzuführen, ebenso d> Tätigkeit der mittleren Preisprüfungsstellen. Um eine direkte Einwirkung aus die Ver- n inderung der Preise, speziell der Fleischpreise, zu üben, soll der Versuch gemacht werden, durch die städtischen. Güter in unmittel- barste Verbindung mit der Landwirtschaft zu treten. Lieh zu kaufen, hier schlachten zu lassen und Frischfleisch in den Markthallen mit Hilfe der Kleinsleischcr auf den Markt zu bringen, und, wie wir hoffen, wesentlich billiger der Bevölkerung zu bieten. heute, wo 60 vichkommissionärc vorhanden sind, in der vor- kriegszeit nur 30, heute, wo wir 700 Großschlächter haben gegen 300 im Jahre 1913. ist es kein Wunder, daß die Fleischpreise gestiegen sind. 2m Aus- schuß rnitzuberaten wird der Magistrat sicher gern bereit sein.— Päth(Dnat.) bemühte sich, die von Merten v.erlangte Begründung nachzuliefern. Perschke(Wp.) warnte vor neuen Experimenten, die den Mittelstand erdrosseln müßten, und beschuldigte die Deutsch- nationalen, sich an dem ungerechtfertigten Kleinkrieg gegen den Kleinhandel beteiligt zu haben, während doch tatsächlich die Er- zcuger die Schuld trügen. Gen. Urich: Die gleichen Kreise, die die Zollvorlage zustande gebracht haben, versuchen hier ein Scheinmanövcr, um der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. Die Arbeitgeberschaft behauptet, die deutsche Wirtschaft werde durch die iozialen Lasten, durch die hohen Löhne und durch den zu hohen Stanoard der Lebenshaltung der Ar- bester erdrückt. Alle drei Behauptungen sind falsch. Die erste ist durch das Reichsarbeitsministerium widerlegt, die beiden anderen werden einfach durch den Vergleich mit der Vorkriegszeit entkräftet. Die deutsche Industrie will jetzt den Weltmarkt durch niedrige Löhne und längere Arbeitszeit erobern: das ist eine Unmöglichkeit. Und sind es nicht die Rechtsparteien, die an alledem schuld sind, die heute aus rein demagogisch-agitatorischen Gründen hier eine Verbissigungsaktion in- szenieren? Ist das nicht geradezu ein Skandal und eine Schande? (Lärm rechts.) Wirkt nicht der Zollkrieg mit Polen weiter verteuernd auf den Preis für frisches Fleisch? Wir bitten den Magistrat, unbe- kümmert um alle Widerstände der Interessenten, jede Maßnahme zu ergreifen, die eine wirksame Verbilligung der Preise für Frischfleisch herbeiführen kann.(Lebhafter Beifall.)— Dr. Leidig(DVP.) wies den Angriffen Urichs gegenüber auf die unbefriedigende Lage der Weltwirtschaft und auf die starke Passivität der deutschen Handelsbilanz hin. Wenn der deutschen Industrie die Exportmöglichkeit nicht gewährleistet werde, sei nicht nur sie bedroht, sondern auch die deut- schen Arbeiter wären dann die Leidtragenden. Die Landwirtschast müsse in den Stand gesetzt werden, viel intensiver als bisher zu ar- betten und zu produzieren, um den deutschen Lebensmittelbedarf zu decken, und darin liege auch die Rechtfertigung des Zolltarifs. Es bleibe dem deutschen Volke daher gar nichts übrig, als die höhere Belastung des Ernährungsbedarfs auf sich zu nehmen. Mit Rücksicht darauf, daß zu dem Gegen- stand noch eine Reihe von Rednern gemeldet war, schloß sich die Ver- sammlung um 549 Uhr dem Borschlage des Vorstehers an, die weitere Beratung und die Sitzung zu vertagen. Der Amokläufer vom Bahnhof Westend geisteskrank. Die nächtliche Bluttat, die sich seinerzeit auf dem Bahnhof W e st e n d abspielte, wird nunmehr keine gerichtliche Sühne finden. Wie erinnerlich, hatte dort eines Nachts der Lokomotivführer Matthias Klein den Stationsvorsteher brutal niedergeschossen und durch weitere Schüsse mehrere Beamte schwer verwundet. Klein war damals von Köln nach Berlin zu einem Kongreß gekommen. Gelegentlich eines Besuches von Be- kannten in Oberschoneweide hatte er dann stark getrunken und) in diesem Zustande dort einen Zug bestiegen, um auf dem Lehrter Bahnhof umzusteigen und nach Köln zurückzukehren. Er war jedoch eingeschlafen und so über die genannte Station bis zur Kopfstation Westend hinausgefahren. Als hier der Zug geräumt wurde, und der schlafende Klein zu diesem Zwecke geweckt werden mußte, zog er nach kurzer Auseinandersetzung seine Pistole und es kam zu der verhäng- nisvollen Schießerei. Nachdem er im Laufe seiner Vernehmungen 31] Das unbegreifliche Ich. Geschichte ein e?�Z u g e n d. Roman von Tom Kristenfea. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Ich war ganz verwirrt und Tränen blendeten meine Augen. Dann stand ich ein Weilchen und sah mir meine staubigen Knie an, aber ich bürstete sie nicht ab. Ich ging nach oben. Als ich in unser Zimmer trat, war niemand darin: doch ich beachtete das nicht weiter. Mutter war wohl heruntergegan- gen, um zum Essen einzukaufen. In meiner Erinnerung haften diese Augenblicke mit einer unheimlichen Klarheit, und jetzt ist mir, als ob eine unheil- schwangere Ruhe über der dunkelroten Tapete mit den großen phantastischen Vlumen, über dem Tisch, über dem Schrank und über dem Oeldruck an der Wand lag. Sie stehen so bedeu- tungsvoll vor mir. Aber in Wirklichkeit habe ich wohl ganz gleichgültig dage- festen, und erst später sind die Minuten zu einer der Pausen geworden, wo alles Zufällige gleichsam einen Sinn bekommt und zu einer Einheit zusammenschmilzt. Da hörte ich ein Stöhnen vom Schlc ____... ylafzimmer her. „Ach es ist so schlimm, so schlimm, so schlimm!" tönte es und dann wurde geschluchzt. Ich stand langsam auf und wurde ganz starr. Dann lief ich zur Tür hin: doch plötzlich blieb ich stehen. Es war gefährlich, sie zu öffnen. „Ach es ist so schlimm, so schlimm!" seufzte es. Meine Arme waren schlaff. Die Hände hingen an den Handgelenken herunter und ich sank an der Tür in die Knie. Don Angst geschüttelt, wagte ich nicht, sie zu öffnen. „Mutter, was ist denn, was ist denn. Mutter?" schrie ich. „Wal--" Die Stimme brach ab und es klang wie ein Gurgeln. Dann platschte etwas drinnen auf den Boden. „Mutter. Mutter, Mutter! Mach auf!" rief ich und krümmte mich ganz zusammen. Und dann fing ich zu weinen an. Ich war machtlos. Ich wagte nicht zu öffnen. Und das Schreckliche, was hinter dieser Tür vor sich ging, wurde noch furchtbar, weil ich es nicht sehen konnte.____ Da sprang die Tür von selbst auf, und schlug der Länge nach in das Schlafzimmer herein. Verwirrt erhob ich mich und bemerkte Mutter, die vorn- übergebeugt auf einem Stuhl an der Seite des Bettes saß. „Ach, es ist so schlimm!" stöhnte sie. Auf dem Fußboden vor ihr war eine große Pfütze Blut. „Was ist denn?" rief ich und lief zu ihr hin. Es ging ein Ruck durch sie hindurch und ein Blutstrahl sprang ihr aus dem Mund. „Was soll ich ckun?" Sie antwortete nichts; sie beugte sich bloß vornüber und räusperte sich. „Mutter, Mutter, was soll ich tun? Soll ich das Scheuer- tuch holen?" Dann fiel sie über das Bett und ein tiefes, verzweifeltes Schluchzen tönte aus den Kisten. „So, so, so." sagte ich und streichelte sie,„nicht weinen. nicht weinen, du wirst schon sehen, es ist gar nicht so schlimm." Mutter hob den Kopf hoch, und ihre dunklen Augen bückten mich an. Dann lächelte sie; aber das Lächeln verzog bloß ihr Gesicht und verriet ihre ganze Trostlosigkeit. Ich konnte nicht länger so stehen bleiben. Ich warf mich über sie und weinte: ich weinte wilder als je, ich stieß mit den Füßen aus, ich schrie. „Aber Junge!" sagte sie. und dann raffte sie sich auf:„es ist gar nicht so schlimm!" Aber ich war unttöstlich. Ich wich bei Seite, denn jetzt erhob sie sich und ich hörte wieder den schrecklichen Laut von Blut, das auf den Fußboden klatschte. Ich kroch auf allen Bieren im Bett herum. Ich kroch herum und verwühlte alles; aber keine der vielen Bewegungen beruhigte mich. „Waldemar— hole Frau— Mogensen!" Das war das Richtige! Sie konnte helfen! Die dicke Frau Mogensen konnte das Blut aufhalten. „Was sagst du, Junge? Sie spuckt Blut! I du meine Güte, solch ein Unglück! rief sie aus, und ihr bleichfettes Gesicht wurde ganz weiß. Sie schob mich beiseite und lief mit ihrem Säugüng auf dem Arm zu uns herein. Alle ihre anderen Kinder liefen hinterher, und schließlich stand ich ollein in dem dunklen, fremden Korridor. Ich füblte m>ch so müde. Mit schleppenden Schritten ging ich füll ihnen nach. Drinnen im Schlafzimmer herrschte eine wilde Ver- wirrung. Der Säugling lag aus der Kommode und schrie. Eins der Mädchen wischte das Blut auf und rümpfte dabei die Nase. Ein anderes bekam den Austrag, nach dem Arzt zu laufen. Frau Mogensen war damit beschäftigt, Mutter auszuziehen und sie ins Bett zu legen. „Nein, nein," stöhnte Mutter,„meine Wäsche ist nicht rein, ich kann ja selbst. Und wozu ein Arzt? Ich habe keine frische Nachtjacke." Ich war überflüssig. Was sollte ich tun? Ich ging nach der Küche hinaus und fand eine Brotrinde.' Der Arzt kam, ein großer Herr in einem braunen Mantel. Er sprach lange mit Mutter und Frau Mogensen. Ich saß und knabberte. Das war das einzige, was mich höftctc,_ der kräftige Schwarzbrotgeschmack. Rund um mich herum standen die vertrauten Dinge, und mein Blick weilte lange auf jedem einzelnen von ihnen, ein Teller, eine Kasserolle, ein Kartoffelnapf. „I du Gerechter!" hörte ich Frau Mogensen ausrufen, und dann klapperten ihre Pantoffeln über den Korridor und die Treppe hinunter. Der Säugling quarrte, und ein Mädchen sagte:„Pst, pst, so, so!" Der Arzt murmelte und Mutter schluchzte. Die kleine Anna, die Zwestjüngste von Frau Mogensens Kindern, mit kohlschwarzen Augen und hängender Unterlippe, kam in die Küche und sah mich an. Dann bewegte sie den Mund, als ob sie etwas sagen wollte. Sie zog die Stirn in nachdenkliche Falten. Darauf machte sie kehrt und ging wieber aus der Küche heraus. Bald danach kam sie zurück. „Ja. das stimmt, was ich dir sage," stotterte sie,„du sollst bei uns wohnen." Eine Stunde später wurde Mutter noch dem Kranken- haus gefahren. 8. Während seiner kurzen Ferien kam Waldemar auf die Idee, May Darling zu einer Tour mit sich nach Nanking ein- zuladen. Er tat es.bloß, weil es ihm Spaß machte, mit dem kleinen Wesen zusammen zu sein; aber ihre schwarzen Augen und ihr Lächeln verrieten, daß sie der Einladung eine tiefere Bedeutung beilegte, und ihre Zweideutigkeit war so kindlich, daß sie ihn rührte. (Fortsetzung folgt.) felbft angegeben hatte, daß er infolge wiederholter Konflikte mit| den Besatzungsbehörden im Rheinland in einen starten Erregungszustand geraten sei und an Verfolgungsideen leide, wurde er in der Untersuchungshaft auf seinen Geisteszustand untersucht. Professor Seelert und Dr, Bürger haben nun als Sachverständige das BorItegen des§ 51 bejaht, da die Tat in einem pathologischen Rauschzustand begangen worden sei. Klein ist daraufhin bereits aus der Untersuchungshaft entlassen und von der Polizei als ge mein gefährlich Geistestranter einer Jrrenanstalt über wiesen worden. Brandstifterpsychose? anzeigt, ist im Innern ein Schild anzubringen mit der Aufschrift| Die neue Standesordnung der deutschen Aerzteschaft. Mitteltage entsprechend Tabelle". Bis zum 1. Ottober 1926 müssen alle Fahrzeuge entsprechend der Vorschrift dunkelgrün gestrichen sein. Zweitägiger Sonderzug ins Riesengebirge. Die Reichsbahndirektion Berlin beabsichtigt, am 19./20. September den Verfuch mit einer zweitägigen Sonderzugfahrt nach dem Riefengebirge zu machen. Der Sonderzug verkehrt bei aus. reichender Belegung am Sonnabend, den 19. September von der Stadtbahn, Charlottenburg ab 1.14 nachmittags, über Frantfurt a. d. D., Hirschberg nach Oberschreiberhau und Krummhübel, wo er um 9.22 bzw. 9.01 abends eintrifft. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag, den 20. September von Krummhübel um 5.52, von OberAchtung! Achtung! maßung beruht. Wenigstens find einwandfreie feststel. SBD.- Betriebsvertrauenstente und Gewertschaftsfuuftionäre! Am Dienstag, den 15. September, abends 7 Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31: Konferenz In einer Zeit, in der die bürgerlich- fapitalistische Gesellschaft mit allen Mitteln bestrebt ist, ihre verlorene Stellung zurückzugewinnen, find alle Bestrebungen, die von bürgerlichen Organisationen ausgehen und bindenden Charakter für deren Mitglieder haben, mit besonderer Kritit vom Proletariat zu betrachten. Gerade die deutsche Aerzteschaft, die sich so gerne zur berufenen Hüterin der Boltsgesundheit" ernennt, zeichnet sich durch eine ganz besonders feindliche Einstellung zu den arbeitenden Klassen aus. Thre Führer suchen durch einen möglichst großen Terror alle fozial empfindenden Aerzte einzuschüchtern, und dazu soll ihnen die neue eine Handhabe bieten, die foeben ans Standesordnung genommen worden ist. Im§ 1 heißt es:„ Der Beruf des deutschen Arztes ist Gefundheitsdienst am deutschen Bolte. Die Ausübung dieses Berufes ist fein gewerbliches Unternehmen ledigBerlin ist von einer Brand epidemie erfaßt. Im Often, im Norden, auch im Westen flammen trog schärffter Schußmaß. nahmen, trok Polizeiftreifen und Turmwachen die Bodenfeuer auf. Die alarmierte und erregte Bevölkerung tut ihr möglichstes, PerJonen werben festgenommen, deren Tatverdächtigtelt meist auf MutIungen in dieser Hinsicht taum erfolgt. Ist es nun engebracht, diese Massenbrände durchweg als Brandstiftungen ver brecherisher ober geiftestranter Elemente zu bezeichnen? Bolitische Motive sind ohne jeglichen Sinn und 3wed ausgefchloffen. Eine Beraubung der Böden hat im allgemeinen auch nicht stattgefunden. Bleibt alfo nur noch übrig, daß Geiftestrante die Bevölkerung durch ihr gemeingefährliches Treiben in Aufregung verfeßen. Zweifel drängen sich aber auch hier auf: Können geistig Berwirrte trop aller SPD.- Funktionäre der Betriebe und Gewerkschaften. graph soll, wie schon früher, sozialdemokratische Aerzte, die öffentlich fchärffter Kontrolle immer wieber, im Süden, Norden und Westen ungewöhnlich gefchidt organisierte Schadenfeuer entfachen? Aber ein anderes fagt man sich unwillkürlich: Liegt denn in jeder einzelnen Feuermelbung Brandstiftung vor? Jener Fall in der Schön walder Strake, über den wir fürzlich im Borwärts" berichteten, gibt doch zu Denten Anlaß. Hier war Fahrlässigteit einer Hausbewohnerin bie Ursache des Feuers, das man natürlich aunächst ebenfalls für eine Brandstiftung hielt. Die überaus gefähr liche Suggestionswirtung solcher Berichte sollte nicht unterschäkt merden. Darum gilt es für die nächsten Tage: Beobachtet mit äußerster Machsamfeit, seid auf dem Posten, menn es gilt, verbrecherischen Individuen das Handwerk zu legen. Aber seid vor allem auch selbst nicht leichtfinnig. Kaltes Blut zu bewahren, ist eben auch hier unbedingte Baraussetzung. Ein dritter Dachstuhlbrand am Donnerstag. Großfeuer das dritte an einem einzigen Tage tam am Donnerstag nachmittag um 3 Uhr aus noch nicht ermittelter Ursache in Schöneberg, Rönigsweg 16, nahe dem Leuthen play und der Leuthenstraße bzw. Kolonnenstraße, zum Ausbruch und rief unter den Hausbewohnern eine förmliche Banit hervor. Hausbewohner und Straßenpaffanten bemertten den biden Rauch und alarmierten die Feuerwehr. Als Branddirektor Flöter an der Brandstelle antam, stand der Dachstuhl des Wohnhauses fein Edhaus schon an mehreren Stellen vollständig in Flammen. Diese hatten schnell so reiche Nahrung gefunden, daß sofort tittelfener" an alle Wachen gemeldet murde, worauf weitere vier Löschzüge aus Berlin und Tempelhof ausrückten, mit rier Motorſprigen und einer mechanischen Leiter gelang es, die gekommene Kriminalbeamte fonnten bisher über die Entstehung des Brandes nichts ermitteln. Sie stehen auch vor einer sehr schweren 2iufgabe. Berlin ist groß. Es vollständig zu überwachen ist un möglich. Aber auch die Bevölkerung selbst ist noch immer recht gleichgültig. Beder die Hausbesitzer noch die Mieter sind auf dem Poften. Macht des entfesselten Elements um 4 Uhr zu brechen. HerbeiEr wußte fich nicht anders zu helfen. Wie der Arbeiter Baul Warmer, der megen Bigamie vor dem Landgericht III stand, zu seiner zweiten Frau fam, war ein Beispiel dafür, wie leichtfinnig und ohne schwerwiegende Gründe Menschen eine zweite Che eingehen, ohne die Scheidung der ersten zu bewirken. Nach seiner Angabe hatte der Angeflagte sich ledig lich deshalb friegstrauen laffen, weil er anders teinen Urlaub aus dem Felde erhalten fonnte. Die nur auf dieser Basis aufgebaute Che hatte natürlich keinen Bestand. Die Cheleute waren im ganzen etwa zwei Monate zusammen und sahen sich dann nicht mehr. Barmer fnüpfte dann ein Verhältnis mit einer anderen an und lebte schließlich mit ihr zusammen. Da entstand im Hause und unter den Angehörigen des Mädchens, dem er erzählt hatte, er sei geschieden, ein großes Gerede. Deshalb drängte das Mädchen zu einer Heirat, zumal fie schon vier Jahre mit dem Angeklagten ging. Die Verfuche, die Scheidung au erreichen, maren vergeblich, und so ging der Angeflagte dann in der Furcht, die Braut zu verlieren, und weil er fich, um dem Gerebe zu entgehen, angeblich nicht anders zu helfen wußte, mit der Nachfolgerin seiner Frau auf das Standesamt. Schon nach sechs Wochen wurde die Doppelehe entbedt und Warmer fam unter Anflage. Das Schöffengericht verurteilte ihn unter Berufung auf das öffentliche Intereffe zu einem Jahr Gefängnis. Sein Einspruch dagegen beschränkte fich auf das Strafmaß, jedoch murde fie t'roh Berüdsichtigung der mildernden 11mstände von der Berufungsstraffammer des Landgerichts III berworfen. Sie hielt nur für die letzten sechs Monate der Strafe eine Bewährungsfrist für angemeffen. Tages- Ordnung: 1. Die Sozialdemokratie im Roten Hause. Referent: Stadtverordneter Ernst Reuter. 2. Unsere Aufgaben im bevorstehenden Wahlkampfe. Jeder Betrieb muß verfteten fein! Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebssekretariat, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, 2. Hof II. schreiberhau um 5.34 nachmittags. Ankunft in Berlin, Schlesischer Bahnhof, um 12.35 nachts. Fahrkarten mit 33% Prog. Ermäßigung werden ausgegeben nach Hirschberg zum Preise von 12,60 m., Hermsdorf 13,20 m., Oberschreiberhau 14 M. und Krummhübel 14,80 m. Wanderungen unter fachkundiger Führung sind Wanderungen unter fachkundiger Führung sind vorgesehen. Bei aller Anerkennung des Strebens der Direktion, den Berlinern zu Ausflügen in die eite zu verhelfen, scheint es doch notwendig, daß sie darüber die Nähe nicht vergißt und den Berlinern zu einer recht Jchnellen jonntäglichen Beförderung in die Ausflugspororte verhilft. Um ein Nichts erstochen. Einen bösen Ausgang nahm ein Streit, in den am Mittwoch nachmittag gegen 4% Uhr zwei Mieter des Hauses Linienstr. 57 gerieten. In bem dort bestehenden Mieterrat war der 63 Jahre alte Besens unangenehm aufgefallen und man hatte deshalb beschlossen, Arbeiter Albert Aft wiederholt wegen seines streitfüchtigen ihn aus dem Mieterrat zu entfernen. Am Mittwoch geriet Ast in Etreit mit dem 15jährigen Mechanikerlehrling Herbert Balk der im gleichen Hause wohnt. Als der junge Mann ihm eine ich nip pische Antwort gab, zog st plöglich ein Messer und verfekte seinem Gegner einen Stich in die linte Brustseite. Der schwer Berlegte wurde sofort in das Krankenhaus Moabit ge schafft, starb aber dort nach furzer Zeit. Aft wurde von Baffanten festgehalten und der Polizei übergeben. 9 Bläfenfraum im Herbst. Gestern erschien ein Freund unferes Blattes, der uns einen in voller Blüte stebenden Birnen a weig überbrachte. Das Kuriose an diesem in Finfenkrug blühenden Baume ist, daß er zu gleicher Beit eine zweite Blüte und noch die von der erften Blüte hervorgebrachten Früchte trägt. Die Deutsche Gartenban- Gesellschaft veranstaltet vom 19. bis 21 beat. 22. September eine Stubienia brtna Medienburg: Be fichtigung des Schlosses in Neuftrelis( Barfgärtnerei ufm.) sowie der Garten und Parlanlagen der Schlösser in benad und Sittendorf bet Stavenhagen, Burg Schlis bei Teterom u. a. m. Da die Führung entgegenkommenderweise die einzelnen Barteninspektoren beaw. Schloßgärtner intereffante Reisetage rechnen. Gäste find freundlichst eingeladen. Un übernehmen werden, so dürften die Teilnehmer auf einige angenehme und melbungen bis spätestens 15. September 1925 an die Geschäftsstelle der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft, Berlin N 4, Invalidenstr. 42, Bimmer 531. Bernruf: Norden 122 62. Daselbst auch Auskunft und genaues Programm. Wintergarten. Tierbreffuren sind mitunter recht peinlich zu betrachten. un nennt der Artist Rafayette feinen Alt Hunde- Pädagogi!" und er bat micht so unrecht damit. Er tollt und turnt mit seinen Böglingen, Budeln und Terriern, um die Wette, wie ein guter Lehrer, der feinen Schülern auch Kamerad fein tann. Die Folge ift Frohfinn auf der Bühne und stürmische Seiterkeit bei den Ruschauern. Eine eheliche Schlafzimmer fene ist ganz besonders drollig. Ganz phänomenal wirkt der 8auber tünstler radion, der mit absoluter Sicherheit in liebenswürdigster form bie Buſchauer narrt. Einzigartig ist sein Zigarettenatt. Der Driginal ffe ift fein Affe, sondern ein Mensch, der einen Schimpansen ganz nett Tarzan( in der Stala tritt gleichfalls einer auf) enttäuscht etwas. Diefer und gefchidt aber ohne sonderliche Sensationen topiert. 2ittle Bipifag, ber ausgezeichnete Sturz- Clown, mit seinem Lachftürme erwedenden Unsinn, ift wiedergelehrt. Ebenso die albeliebte Artur Klein Familie mit ihrem Rabatten. Die 24 Champagner- Berlen, deutscher, wenn nicht Berliner Herkunft, legen einen preußischen Barademarsch nicht entfernt o fhnelbig und eratt bin mie es jede englische Tanztruppe fertig bekommt, lernen. Ritter und Knappe, ein Alt ohne Artistennamen, zeichnet bas abfolut gleichmäßige Beinwerfen tönnen sie an den Engländern noch fich durch elegante Schwergewichtsleistungen mit luftiger Umrahmung aus. d. 3. einen Kursus zur Einführung in die gesamten durch die Aufwertung Die Verwaltungs- Afademie Berlin veranstaltet vom 5.- 22. Oftober entstandenen Fragen des privaten und öffentlichen Rechts. Diefer Sturjus ist für Richter, Anwälte und Verwaltungsbeamte von größter Wichtigkeit. An Borlesungen werden gehalten: Landgerichtsdirektor Dr. Wunderlich: . d. R.: Entstehung und gegenwärtiger Stand des Aufwertungsproblems. Rammergerichtsratribel, Mitglied des Auswertungssenats am Rammergericht: Die Aufwertung von Hypotheken und sonstigen dingobligationen, fanbbriefe, Sparlaffenguthaben, Bersicherungsansprüche. Auswertung sonstiger privatrechtlicher Forderungen, insbesondere Industrie. Dr Reufelb, Dberregierungsrat im Reichsfinanzministerium: Aufwertung, Ablösung öffentlicher Anleihen. Anmeldungen zum Kurfus find an das Sekretariat der Berwaltungsakademie, Berlin.8, Charlotten. ftraße 50/51, zu richten. Fernsprecher: Bentrum 178. Vor der Aufklärung eines Morbes. Bor zwei Jahren wurde am Bollwert bei Oranienburg in der Havel die Leiche des 20 Jahre alten Mechanikers Barduhn auf gefunden. Da an dem Toten teinerlei Berlegungen festgestellt wurden, so glaubte die Behörde, daß B. Selbstmord verübt habe. Trogdem glaubte niemand, der den sparfam lebenden, jedoch stets luftigen Barduhn fannte, daß er freiwillig den Tod gesucht habe, sondern man war der Meinung, daß er von anderer Seite ins Waffer ge ftopen worden sei, zumal bei dem Toten selbst und auch in seiner Schlafftelle feinerlet Geldmittel vorgefunden wurden. Dieser Tage wurde nun auch der Mordkommission davon Mitteilung gemacht, diefe ging den Spuren nach und ermittelte, daß Goses, der Mörder des Handelsmannes Lohmeyer, sehr gut mit dem Barbuhnen Rechten. Birll. Geh. Rat Dr. Migel, Staatssekretär a. D.: befannt gewesen ist. Auffallend ist es auch, daß Gofes, der stets an Geldmangel gelitten hatte, gleich nach dem Auffinden der Leiche Barduhns über größere Geldmittel verfügte. Neue Bestimmungen für Kraftbroschten. Der Polizeipräsident von Berlin hat im Einverständnis mit dem Magistrat folgende Bestimmungen für die Kraftdroschken heraus gegeben, aus denen mir folgendes entnehmen: Als Droschten werden für Berlin zugelassen: 1. Großfraft brofchten, 2. Kleintraftdroschten, 3. Motorrad. drosten( versuchsweise). Sämtliche Droschten erhalten den gleichen Fahrpreisanzeiger. Die vom Fahrpreisanzeiger angezeigte Grundtage ist Höchftiage, und zmar 1. für Großfraftdroschten im vollen Betrage, für einfraftoroschten in Höhe von 75 Broz., 3. für Motorradbroschten in Höhe von 50 Broz. Wagen, die billiger als zur Grundlage fahren, müssen auf der Windschutzscheibe in der rechten oberen Ede mit einem in Delfarbe aufgemalten, zinnoberroten, zwei Zentimeter breiten Kreis von 20 Zentimeter inneren Durchmesser versehen sein. In diesem Kreis ist mit gleicher Farbe der Prozent faz der Grundtage einzumalen, zu dem der Wagen fährt. Die Fahrer von Kraftbroschten, die billiger als zur Grundtage fahren, müffen eine gedruckte Berechnungstabelle mitführen. Bis zum 1. Januar 1926 müssen sämtliche Wagen mit dem gleichen Fahr preisanzelger, fowie mit dem auf die Windschuhscheibe aufgemalten, bie Brozentzahl anzeigenden Kreis und dem im Innern der Wagen onzubringenden Schild mit Angabe der Fahrpreishöhe versehen fein. Bis dahin haben die Kleinfraftbroschten in dem roten Farben treis bas Bort itteftare zu tragen, besgleichen alle Großfraft broschten, die zur Tage der Kleinfraftdroschten fahren wollen. Eofern bei diesen Wagen der Fahrpreisanzeiger Die volle Grundtage " Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 11. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: lich zu Erwerbszwecken." Der§ 11 bagegen verlangt: Jeber Arzt ist verpflichtet, nicht unter die aufgestellte Staatsbzw. Ortstage herunterzugehen." 3um Borgehen gegen andersdenkende Aerzte ist der Abf. e des§ 1 geschaffen:„ Die Aeußerung oder Betätigung wissenschaftlicher, politischer oder religiöser Ansichten als solche bildet, wenn fie in einwandfreier Form erfolgt, feinen Berstoß gegen die Standesordnung." Diefer Paraauftreten, in ihrer Redes und Schreibfreiheit behindern. Die Berfaffer folgen barin nur ihren großen Vorgängern, die durch die Schaffung der Ehrengerichte das Eindringen des fozialdemokratischen Giftes" in die Aerzteschaft verhindern wollten; jetzt aber damit wie früher die freie Meinung niederzufnüppeln fuchen. Das vollkommene Fehlen jeden Mitgefühls und jeder Kenntnis der Möte der breiten Maffen beweist Abf. h:... aus diesen Gesichtspunkten heraus( Berhütung und Beschränkung der Boltsfeuchen) ist auch die Unterbrechung der Schwangerschaft und die Unfruchtbarmachung nur unter Einhaltung der von den Standesvertretungen erlassenen einschränkenden Vorschriften zulässig. Also hier wird schon der Strafgesetreform vorgegriffen, indem die Aerzte in ihren Handlungen den Beschlüssen ihrer sogenannten Standesvertretung unterworfen werden sollen, die über dem Strafgesetzbuch stehen. Entsprechend der hohen Meinung, die die deutschen Aerzte von ihren Mitmenschen haben, sprechen sie in ihrer Standesordnung meistens von Fällen statt von Kranken, die sie abgeben" bzw. weitergeben". Daß die Beratung mehrerer Aerzte bei einem Kranten die Deffentlichkeit zu scheuen hat, beweift§ 17 Abschnitt b: „ Der Meinungsaustausch der beratenden Aerzte muß ohne 8eugen stattfinden." Bei der in ihrer Einbildung überragenden Stellung, die die deutsche Aerzteschaft einnimmt, hat für sie selbstverständlich auch die Reichsverfaffung feine Geltung. Denn nach§ 20 dürfen schriftliche Verträge oder mündliche Abmachungen jeder Art ficherungsgesellschaften und anderen Anstalten sowie Krankenkassen mit öffentlichen oder privaten Rorporationen, insbesondere mit Verjeder Art, nur in Uebereinstimmung und nach Zustimmung der zuständigen Standesorganisation abgeschlossen werden". § 21: Bewußtes Zuwiderhandeln gegen die Direktiven der zustänbigen Aerzteorganisation gilt als Berstoß gegen die Stanbespflichten." Und nach aber die gielbewußte Betämpfung jeben Fort Aus folchen Standesorbmungen und Standesgefeßen entspringt schrittes in der Sozialgefeggebung. Es haben deshalb die an und für sich bedeutungslosen Sagungen einer so kleinen Gruppe, wie es die deutsche Aerzteschaft ist, eine große Bedeutung für das Proletariat, da es das Ausbeutungsobjekt dieser Aerzteschaft ist. Das Glüd in der Baumwolle. In der Scheuertuchfabri! in dem beutschböhmischen Grenzorte Rosenbain fand die arme Arbeiterin Rosche in der Abfallbaumwolle einen tofbaren Brillantohrring, den sie behalten durfte, da zwar erwiesen ist, daß er aus Amerita stammt, dessen Verlierer aber bestimmt nicht wolle schon öfter tleinere amerikanische Münzen gefunden worden, hätte ermittelt werden können. Ueberbies find in der Abfallbaum die die amerikanischen Bader verloren haben. Die arme Frau ift burch den wertvollen Besitz aus ihrer argen wirtschaftlichen Lage für längere Zeit befreit. Berhaffung eines Hochftaplers. In Büttlingen bei Saarbrüden gelang es, einen Hochstapler in der Person des Schriftstellers" ans Fuchs aus Darmstadt, der sich Ferdinand Rüngelmann nannte, wegen mehrfachen Betruges zu berhaften. Interessant genug ist es, daß es Fuchs gelang, als politischer Schriftsteller" ein Interview bei dem Präsidenten der Regierungskommission des Saargebiets, Rault, zu erlangen, über ländischen Zeitungen weitergab. das er einen tendenziösen Bericht an die verschiedensten ausGeschäftliche Mitteilungen. Baer Sohn A.-G., Chauffeefte. 29/30, teilen uns mit: Das September gefchäft fekte ungeahnt ftart ein. Der 5. September Sonnabend führte uns mehr als 2000 faufende Kunden au. Die Einnahme dieses Tages war weit größer als die Einnahme am Weihnachtsheiligabend 1924. Am Montag, 7. September, war die Rahl laufender Runden noch mehr als doppelt so groß wie am Sonnabend. Das überraschend gute Ergebnis des Septemberanfanges ift auf die Fähle Witterung der lezten Tage zurückzuführen. Der Nugen ist freilich gering und die Verdienftipanne im Sinblid auf unfere feit leber dahin aielenden Bestrebungen sehr mäßig. Die Nachricht, daß Direktion und Auffidytsrat unferer Gefellschaft die Abficht hätten, unfere Attien an der Börse einzuführen, ist unzutreffend. Brieftasten der Redaktion. 23. B. Wir stellen anheim, den lehten Befcheid zweds Prüfung einzus fenden. 6. B. Das Rauchen einer Frau ift fein Scheibungsgrund. R. 51. Sie müssen Aufwertung verlangen. Diese beträgt mindestens 25 Broz. des Goldmarkbefrages. Bom 1.- 10. Juni 1922 100 Bapiermart gleich 1,52 GM., vom 11.- 20. 6. 100 B. gleich 137 GM., und vom 21.- 30. Juni 1922 100 BM. gleich 1,26 GM. Wetter für Berlin und Umgegend. Stihl und unbeständig, mit leichten Regenschauern. Für Deutschland: Im Osten zahlreiche, im Besten ber einzelte Stegenschauer, auch im Often wieder Abkühlung. 4.30-6 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau(„ Aufbewahrung der Eier"). 7 Uhr Funk- Blasorchester. Dirigent: Karl Woitschach. 6.40 Uhr abends: abends: Polizeirat von Chappuis: Naturschutz und Gesetz". 7.30 Uhr abends; Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Gartenbau Frau Oekonomierat Helene Braun:" Der Garten als Erzieher der Jugend". 8 Uhr abends: Abteilung Völkerkunde. Professor Pandit Tarachand Roy( Lahore):" Einführung in die indische Kultur". 2. Vortrag,„ Die indische Religion". 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus dem Hörsaal des Hauses der Funkindustrie: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis BronsSchneider. Musik von W. A. Mozart. Für den Rundfunk begeest. Der Schauspieldirektor, komische Operette von L arbeitet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Georg Széll von der Berliner Staatsoper. Personen: Imanuel Schikaneder, Schauspieldirektor: Eduard Kandl; Damann, dessen Neffe, Konzertmeister: Hudolf Deman; Wolfgang Amadeus Mozart, Kapellmeister: Alexander Kirchner; ein Sänger: Franz Baumann; Antonie Lange, Sängerin und Schwägerin Mozarts: Maria Hussa Greve; MadeTheaterdiener: Josef Pelz v. Felinau. Ort der Handlung: Wien moiselle Uhlich, Sängerin aus Passau: Vilma Dellmar; Ziegler, 1790. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterund Filmdienst. ( Uebertragung aus dem Funkhausgarten) Die echten holländischen POLAK p PUDDINGE In aller Welt, in Stadt und Land, ist A.T.I.rühmlichst bekannt. BERLIN C, Gertraudtenstr. 25-26-27 PEEK& CLOPPENBURG H Zur Einsegnung Fertig am Lager: Saccoanzug Brustweite 2 om aus reinwollenem, dunkelblauem Cheviot Saccoanzug aus reinwoll, dunkelblauem Kammgarn- Cheviot Saccoanzug aus reinwoll, dunkelblauem, kräftigem Cheviot Saccoanzug aus reinwollenem, dunkelblauem Diagonalcheviot Saccoanzug aus reinwollenem, dunkelblauem Meltoncheviot Saccoanzug einrelbige zweirethige M. Form M. 42.- 44.50,- 53. 56.- 59.71.- 74.71.- 74.aus reinwoll, felnem dunkelblauem Meltoncheviot 77.- 80.Saccoanzug aus kräftigem marengo Cheviot, einreihige Form M. 59.Saccoanzug aus reinwollenem marengo Cheviot, einreihige Form M. 80.Zähne Sie müssen meine gewaltigen Läger in 4 Etagen sehen, um sich einen Begriff von der Größe meines Unternehmens zu machen. Auf bequemste Teilzahlung elegante Herren- u. DamenKonfektion. Bas Neneste für Herbst und Winter: Elegante Rock- Palefots Herren- Paletots and Ulster Anzüge and fammimäntel Knaben- und Kindermäntel and-Anzüge Damen- Mister, mit und ohne Pelzkragen Kostüme Pelz- Jacken und Mäntel Kleider Strickwesten Pelzkragen und-Schals MöbelEinrichtungen. Teppiche Gardinen Steppdecken A. DAMITT Rosenthaler Str. 46-47 4 Etagen Smokinganzug mit seidenem Spiegel aus reinwollenem, schwarzem Cheviot M. 80.Wäsche Hüte ✓ Unterzeuge 1 und 2 Mark. Goldkronen von 8 Mark an. Persönliche fachmännische Behandlung. Wöchentliche Teilzahlung gestattet. B. 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Sagungsänderung, hanses, Linienftr. 83/85: beir.$ 81a( Menberung des Unterftligungs- Versammlung fages für die Familien- Wochenhilfe) und $ 45( Aenberung des Beitragssages) tit aller Mitglieder der OrtsfrankenDom Oberversicherungsamt Berlin unterm 27. August b. 3 Nr. I B K. 826/25 genehmigt worden und am 31. August d 3. in Kraft getreten. 52/12 Die gedruckte Gagungsänderung ist den Betrieben bereits itbersandt worden. Weitere Druckstücke find bei der Kaffe erhältlich. Berlin, ben 1. September 1925 Der Vorstand Hugo Albrecht Willy Zoecke Borsigender Schriftführer Schlafzimmer jeder Solaart, aller Größen, billig. Ruhebetten 20, Tep taffe der Klempner. Tagesordnung: Aurftellung der Randidaten für die Neuwahl der Ausschußmitglieder und deren Stellvertreter. Berbandsmitgliedsbuch legitimiert. Gejucht wird der Einrichter Auguft Allendorf, geboren den 17. April 1873 zu Berlin, und ift die eventuell ermittelte Adresse umgehend der OrtsDerwaltung Berlin mitzuteilen. Die Ortsverwaltung. piche 2x3 45, Bettvorleger 4,50, Ruher Bettenverkauf! Neue Betten: 17,50, bettbeden 20, Tischdecken, Läuferstoffe 22,50, prachtvolle 27,50, 35,-, Daunen 3,75 Goldmart. Möbelhaus Ramerling, betten 39,50, fpottbillig. Keine LomRaftanienallee 56. bardware! Leihhaus Brunnenstr. 47. Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin- Pankow Bekanntmachung bete. die Wahlen der Bertreter und Gefaßmänner zum Ausschuß Marken- Zigaretten kaufen Sie am billigsten der Allgemeinen Oristrantentaffe Berlin, Kaiser- Wilhelm- Str. 32 Berlin- Panton. Auf Grund des§ 92 der Kaffenfazung Find für die Wahlzeit 1926/1929 die Ber treter und Grfagmänner zum Ausschuß zu wählen und zwar: 10 Arbeitgebervertreter und 20 Ersat männer, 20 Versichertenvertreter unb 40 Erfah männer Die Wahl der Bersichertenvertreter findet am Sonntag, ben 1. November 1925, vermittags von 9 bis 1 Uhr, im Türkischen Belt, Breite Str. 14, statt. Die Wahl der Arbeitgebervertreter findet am Montag, den 2. Rovember 1925, nachmittags von 6 bis 8 Uhr, im Rassenlofal, Breite Gtr. 13, statt. Die Wahl ift geheim und wird durch ben Borftand geleitet. Gewählt wird nach den Grundsägen der Berhältniswahl nach Maßgabe der Wahlordnung Das Bahl recht ist in Perion auszuüben. Wahlberechtigt find alle volljährigen ( über 21 Jahre alten) Perionen männ lichen und weiblichen Geschlechts, welche bei der Ortstrantentaffe Berlin- Pankow versichert sind. Die Wähler fönnen die Arbeitgeberund Mitgliederverzeichnisse während der Raffenstunden von 8 bis 1 Uhr im Raffenlotal einsehen. Ginsprüche gegen die Richtigkeit dieser Berzeichnisse find bei Vermeidung des Ausschlusses( pätestens bis zum 3. Oktober 1925 unter Beifügung ber Beweismittel bei dem Borstande der Raffe anzubringen. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert, Wahlvorschläge aufzustellen und bem unterzeichneten Borstand spätestens bis zum 3. Oktober 1925 einzureichen. Die Stimmabgabe ift an diese Wahl vorschläge gebunden. Die Wahlvorschläge müffen von mindestens 10 Wahlberechtigten der betreffenden Gruppe mit zulaminen 30 Stimmen unterzeichnet sein. Die zugelaffenen Wahlvorschläge werben zwei Wochen vor dem Wahltage im Raffenlotal während der Dienststunden von S bis 1 Uhr zur Einsicht ausliegen. Versand nach auswärts franko. Treppe Eins- Zwei- Drei! Im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit. Mancher Mensch ist nun sehr helle, hat stets STUVKAMP- SALZ zur Stelle, der andere mit Rheuma- Pein, hinkt ganz langsam hinterdrein. Magen, Leber, Nieren, Darm halten stets ihn in Alarm. Wüßte dieser Ärmste nur: Der Stimmzet el enthält die Namen derjenigen Bewerber, welchen bee Wähler ,, STUVKAMP- GEFÜHL" durch ,, STUVKAMP- HUR". feine Stimme geben will. Er barf höchstens Dreimal footel Stamen enthalten. cis Man nimmt regelmäßig morgens eine Messerspitze voll Bertreter zu wählen sind. An Stelle der Stuvkamp- Salz in Wasser, Ka fee oder Tee. Erhältlich in Aufzählung der Namen genügt der Sin allen Apotheken und Drogerien zum Preise von RM, 3, meis auf die Ordnungsnummer des Wahl per Glas, ausreichend für 100 Tage. porschlages. Bestimmt in folgenden Depots: Simmons Apotheke, Der Bahlausfchuß it befugt, bie Wahl Berlin C. 2, Spardauer Str 18, Steins Apotheke, Berlin N 54, und Stimmberechtigung jedes Wählers bei Rosenthaler Str. 61. Elefanten Apoineke, Beri n W 19, der Wahlhandlung zu prüfen. Seber Wahl Leipziger Str. 74, am Dönhoffplatz, Wites Apotheke, berechtigte hat fich taher mit einer Legi Beriin W. 57, Potsdamer Str. 84a, Minerva Apotheke, timation zu verfehen. Es ist dies für die Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. Ecke i Ismarckstr. 81, Arbeitgeber die legte fällige Krantentaffen- Apotheke zum Goldenen Hirsch, Berlin SW. 63, LindenBeitragsquittung bzw. der Postschecab- straße 74, Luisenstadtische Apotheke, Berlin SO. 16, schnitt, für die Bersicherten eine Beschei Köpenicker Str. 119, Adier- Apotheke, Berlin N. 39, Reinigung des Arbeitgebers, baß der Bernickendorfer Str. 1, Sonnen- Apotheke, Berlin NO 18, ficherte am Tage der Wahl noch in Be Große Frankfurter Str. 54, Frankfurter Apotheke, fchäftigung steht, für freiwillige Mitglieder Berlin O. 112, Frankfurter Allee 64, Apotheke am HerTEER ber legte Zahlungsabschnitt. platz, Neukölln, Hermannplatz 9. Elisabeth- Ancilcke, Die Stimmzettel milfsen von weißer Weißensee, Berliner Allee 249, Rathaus- Apotheke, BerlinFarbe sein. Schöneberg, Martin- Luther- Straße 72. Kronen- Apotheke, Im übrigen gelten für bie Wahl bie Berlin- Steglitz, Schützens r. 37. entsprechenden Bestimmungen der Gagung Generalvertreter: G. Lidke( Phönix- Handels- G. m. b. H.), und der Wahlcrdnung. Berlin S. 42, Prinzenstrane 8. Fernspr.: Moritzpl 14326 Berlin- Pantow, den 9. Geptbr. 1925. 6. Gültig, Borsigender. 52/18 Stuvkamp- Salzwerk G.n.b.H., Hamburg 8. ZZZDA 味 E Zur Frage der Dauerkleingärten. In der Werbearbeit für den Gedanken der Dauerfleingärten hat der Reichsverband der Kleingärtner auch Angriffe gegen den Berliner Magistrat gerichtet. Jetzt äußert sich hierzu der Magistrat durch folgende Darstellung, die das städtische Nach richtenamt verbreitet: DES RK VORWARTS STADIELE BEILAGE sondere Weihe erhält das Fest durch die Teilnahme von über 100 Waisenkindern, wovon 30 Kinder Angehörige des Kreises, 80 aber cus dem Rummelsburger Waisenhause eingeholt werden. In dankenswerter Weise haben sich die Tempelhofer Parteigenossen bereit erklärt, schon Sonntag morgen nach der festlichen Einholung der Kinder, fic in" Koft und Logis" zu nehmen. Aus den Bezirken. 18. Bezirk Weißensee. „ Der Reichsverband der Kleingärtner hat es für nötig gehalten, sich für die Idee der Dauerkleingärten einzusehen. Niemand wird es dem Reichsverband verdenken, wenn er seine Interessen zu verfechten sucht. Unverständlich ist es nur, daß er glaubt, seine Interessen dadurch besonders zu fördern, daß er den Magistrat angreift mit Be- Die Bezirksverordnetenfraftion und die Romhauptungen, die teils unrichtig, teils irreführend sind. Es steht fest, munale Kommission besichtigten in der vorigen Woche daß taum eine andere Brcßstadt die vorhandenen Gelände zur unter Führung des Genossen Stadtrat Müller die fommunalen Bestellung mit Kleingärten in den Maße und der Intensität heran- Einrichtungen des 18. Bezirkes. Die Besichtigung nahm auf dem gezogen hat wie Berlin. Die Größe der bestellten Kleingärten be- modernisierten Fuhrpart der ehemaligen Gemeinde Weißensee trägt in Berlin zurzeit 6239 Heftar. Allein im verflossenen Rech- ihren Anfang. Der weite Hof, der sonst bei Regenwetter nicht benungsjahr sind durch Zwangspacht 616 428 Quadratmeter neu er- treten werden konnte, hat jetzt 3ementasphalt erhalten. Die Untermorben worden. Ferner wurden durch Zwangspachtungen funftsräume für den Wagenpark und der Pferdestall mußten be863 766 Quadratmeter neu geschüßt, d. h. es wurden zwischen den deuiend erweitert werden. Die älteren Pferde wurden durch jüngere Eigentümern und den auf ihrem Gelände bereits befindlichen Klein- ersetzt. Der erste elektrische Sprengwagen fonnte vor einigen Wochen gärtnern zwangsweise Berträge getätigt. Allerdings hat Berlin Betrieb genommen werden. Elektrische Wasche und Kehrmaschinen Dauerfleingärten bisher nicht ausgewiesen und das erregt offenbar sollen im nächsten Frühjahr angeschafft werden. Neben dem Fuhrden Unwillen der Kleingärtner. Durch die Aktion soll scheinbar er- vart befindet sich die von der früheren Gemeinde errichtete Pumpreicht werden, daß in Berlin diese Ausweijungen nunmehr mit station. Diese ist in den nächsten 10 Jahren außer Betrieb, da Macht vor sich gehen in der Erwartung, daß dann auch die übrigen die Pumpstation in, der benachbarten Carmen- Sylva- Straße, die Städte im Reich folgen, da es Tatsache ist, daß Daucifleingärten einst für das Bögonviertel erbaut wurde, für diese Zeit die Entauch in anderen Großstädten noch nicht ausgewiesen sind. Der Hin- mässerung des 18. Bezirkes übernimmt. Durch die Stillegung der meis auf Köln ist irreführend, da es sich dort um Verwendung des Weißenseer Bumpstation fann der dortige Maschinenraum mit geFestungsgürtels handelt, der ebenso wie etwa Teile des Tempelhofer ringen Mitteln zu einer Turnhalle umgebaut werden. Da gegen Feldes zum Teil für Kleingärten Verwendung gefunden hat. Der wärtig in der Röldestraße eine große Doppelturnhalle zu einem Grund, daß Dauerfleingärten noch nicht ausgewiesen sind, ist darin Kostenpreis Don 200 000 m. gebaut wird, werden demnächst den zu suchen, daß die gesetzliche Grundlage hierzu fehlt. Diese wird erst hiesigen Turnern drei neue Turnhallen zur Verfügung mit Erlaß des neuen Städtebaugesezes, dessen Entwurf nunmehr stehen. In dem Lyzeumsprojekt ist eine weitere Turnhalle vorge vorliegt, gegeben jein; zwar ist es möglich, auf Grund des Heim schen. Die erste Baurate von 500 000 m. ist vom Magistrat bestättengesetzes Kleingartengebiete auszuweisen, aber die Bestimmun- willigt worden. Auf dem Sportplag am Faulen See gen des Heimstättengejeges tommen zusammen mit der Kleingarten( Stadion des Nordostens) fehlte bisher jede Unterkunftsmöglichkeit. pachtschutzordnung einer Enteignung ohne Gegenleistung gleich. Aus Diesem Uebelstande soll jetzt abgeholfen werden. In den nächsten diesem Grunde ist es besondere Pflicht der Verwaltung, die für die Wochen soll auf der Südseite ein 50 Meter langes UnterkunftsHeimstättengartengebiete in Betracht kommenden Gelände erst nach gebäude gebaut werden. Ein meiterer Ausbau des Stadions ist für Anhörung aller in Frage kommenden Beteiligten zu bestimmen. Es das Frühjahr geplant. Auch der Pferdemattt zwischen der müssen die diametral gehenden Interessen der Bodeneigentümer und der Kleingärtner gegeneinander abgewogen werden. Die Bezirks- Bezirk nur gering, da der größte Teil der Kosten von den PferdeRölcke- und Schönstraße wird modernisiert. Die Lasten sind für den ämter haben diese Prüfungen unter Hinzuziehung der verschiedenen händlern aufgebracht wird. Auf dem Gelände der Schönstraße und Berbände seit Monaten nunmehr vergenommen, so daß das Material Woeldpromenade find zurzeit sieben große Wohnhäuser im Bau. vorliegt, das nun nicht vom grünen Tisch autokratisch, sondern an Hand der Vorschläge im Einvernehmen mit den Beteiligten endgültig follen bis zum 1. Dezember fertiggestellt fein. Boraussichtlich 105 moderne Ein- und 3meizimmerwohnungen mit allem Komfort festgelegt wird. Dies ist dem Kleingartenverband bekannt und der werden die Mieten den Durchschniit des Friedenspreises Angriff ist daher unverständlich. Im übrigen möge noch darauf hinnicht übersteigen. In der Mitte des Häujerblodes wird statt gewiesen sein, daß in dem Grünflächenplan, der einen Teil des Generalsiedlungsplanes bildet, deffen Fertigstellung demnächst bevor: Joseph- Straße, Trierer Straße, Gürtelstraße und in der Buschallee cines Hofes ein großer Part angelegt. Auch in der Franz fteht, rund 20 000 Heftar an Grünflächen vorgesehen sind. In dem Bauzonenplan entfallen auf die Bautlasse I und II, das sind die werden gegenwärtig moderne Wohnhäuser gebaut. Man rechnet Klassen, die nur ein Zehntel und zwei Zehntel bauliche Ausnutzung ohnungsnot behoben sein wird, da bis zu diesem Zeit damit, daß bis zum 1. April 1926 im 18. Bezirk die größte vorsehen und somit als die Bauklessen der gärtnerischen Betätigung punft rund 450 neue Wohnungen geschaffen werden sollen. Die De außerdem auf Wasserflächen, Erweiterung der See badeanstalt am Weißen See soll erst im Straßen- und Plägen noch weitere rund 18 000 Heftar entfalien, so Herbst dieses Jahres vorgenommen werden, damit der Badebetrieb ergibt sich, daß von dem gesamten Stadtgebiet Berlins, das 88 000 Heftar umfaßt, rund 70 000 Hektar gleich 80 Proz. für Berliner Allee, erhält jetzt ein neues Gewand. Die beiden feinerlei Störung erleidet. Die Hauptstraße Weißensees, die Freiflächen und gartenmäßige Betätigung vorhanden sind. Es bietet fich somit für die Zukunft reichliche Gelegenheit, der auch vom Fahrdämme erhalten Asphaltpflaster. Die Kosten der Regulierung Magistrat anerfannten fleingärtnerischen Betätigung nachzufommen. belaufen sich auf 600 000 m. Auch die Lothringenstraße ais Zugangsstraße zum großen Jüdischen Friedhof wird gegen Allerdings wird die Ausweijung von Dauerkleingärten in diesem wärtig asphaltiert. Die Gustav Adolf- Straße im Westbezirk Rahmen nur nach und nach mit der Festlegung der Städteplanung ist vor einigen Tagen mit einer modernen Straßenbeleuchtung vererfolgen fönnen und erst dann, wenn das neue Städtebaugesetz die wirtliche geserliche Handhabe dazu bietet." sehen worden. gelten, rund 32 000 Heftar. Bir glauben nicht, daß die Kleingärtner von diesem Hinweis auf die Zukunft sehr befriedigt sein werden. Es wird Zeit, daß zur Sicherung von Dauerfleingärten endlich etwas geschieht. Sommerfest des 13. Kreises. Die Parteiorganisation des 13. Kreises( Tempelhof- Mariendorf) neranstaltet durch ihren Bildungsausschuß am Sonntag, den 13. September, nachmittags 2 Uhr, im Etablissement Birkenwäldchen", Tempelhof, Manteuffelstraße, einem wunderschönen, alten Naturpart, ein Sommerfest. Eine be" auch Volksbildungstätigkeit im Berliner Often. Initiative unserer Genossen verdankt. Ein Einführungsabend am 26. September soll allen Teilnehmern der Eintritt ist frei vorerst einen Ueberblick über die Aufgaben der Volksbildungsarbeit geben. Hier spricht Dr. Ernst Jokl von der Staatsoper über die Themen Kunstpflege und Runsterziehung" und„ Das Lied"( hierzu Gesangseinlagen). Es folgen am 31. Oftober und am 12. Dezember zwei Vorträge Dr. Jofls über„ Die Violine und ihre Meister" und" Das Violoncello und seine Meister", und am 16. Januar ein Rammermusitabend ,, Ernste und heitere Musit aus dem alten Desterreich". Im Februar, März und April sollen kunsthistorische Vorträge mit Lichtbildern das künftlerische Intereffe der Bevölkerung weden, bei einem Eintrittspreis programm 1925/26 einiges Gute norgesehen. So foll schon am von nur 20 Pf. Auch an großen Veranstaltungen ist im WinterNeunte Sinfonie" zur Aufführung fommen. Am 23. Ja27. November im Saalbau Friedrichshain Friedrichshain Beethovens nuar ist ein Voltsliederabend und am 26. März ein großes Orchesterkonzert für heitere Musit. Auch die Armen, die Erwerbslosen und die Altersrentner sollen fernerhin nicht leer ausgehen. Ihnen werden kostenlos Kunsta bende geboten werden. Die im Jugendheim vorbotenen Reichsfarben. Recht Erbauliches aus Steglik. Die sozialistische Arbeiterjugend Steglig hatte in ihrem Simmer im Jugendheim mehrere Fahnen in den Reichsfarben Schwarz, Rot, Gold zur Ausschmüdung angebracht, fie ging Reichsfarben unmöglich als parteipolitische Agidabei von der richtigen Boraussetzung aus, daß das zeigen der tation zu bewerten sei, um so weniger, als ja die Parteifahne der SAJ. die rote ist. Anders aber denkt darüber der deutschnationale Stadtrat Wintler in Steglig. Er behauptet, da er sich für Schwarzweißrot, die Monarchistenfahne, entschieden hat, die Reichsfahne sei nur der habe deshalb auf Grund jener Richtlinien, die die Bürgerlichen im Ausdruck einer parteipolitischen Anschauung, und Bezirksparlament gegen den Willen unserer Fraktion beschlossen haben, im Jugendheim nichts zu suchen. Die schwarzrotgoldene Reichsfahne mußte also aus dem Stegliger Jugendheim entfernt werden. Was wäre wohl einem städtischen Beamten früher ge schehen, der die Farben des Deutschen Reiches aus einem Jugenddas wenigste. heim entfernt hätte? Eine Anflage wegen Landesverrats war doch Jugendheime wirften sich noch ganz anders und viel verderblicher Aber die skandalösen Richtlinien für die Belegung der Fahnenweihe ihre Rampflieber und Sprechhöre ein, aus. lebt da die Ortsgruppe Steglig der SAJ. zur natürlich im Jugendheim, mo dafür doch sicher der geeignete Blaz ist. Was aber tut das Jugendamt Steglig? Es verbietet den Jugendpolitisch. Da muß man doch fragen: Wo in aller Welt soll denn lichen diese Betätigung mit dem Hinweis darauf, sie sei parteieine jozialistische Jugendgruppe ihre Lieder fingen, wenn nicht im sein? Oder glaubt man den Jugendlichen das Singen und Sprechen Jugendheim? Welcher andere Raum fönnte wohl geeigneter hierzu verbieten zu müssen. Warum fäßt man benn nicht gleichers Recht für alle gelten, da man doch den Jungsturmleuten und Bismarcbündlern gestattet, ihre Kampflieder im Jugendheim zu ouch dem Unfug der Deutschnationalen Jugendgruppen entgegen, singen. Sind diese Lieder etwa unpolitisch? Warum tritt man nicht die sogar ungescheut im Jugendheim rauchen, was doch bei der EAJ. jofort streng geahndet werden würde? Glaubt der deutschvergewaltigen zu fönnen? nationale Stadtrat Wintler etwa auf diese Weise die Arbeiterjugend Den Erwachsenen aber iei immer wieder gesagt, nur die Tatfache, daß die Reaktionäre in Stegliz solche starte Stühe an der ihnen ergebenen Bezirksversammlung haben, läßt diese so unver blümt sich gegen Arbeiterfinder austoben. Sorgt dafür, daß bei der kommenden Neuwahl dieje Mehrheit start geschwächt wird, damit unser Einfluß auch in den Depudiesen Dingen einmal eingehend beschäftigen, denn es bedeutet eine vollkommene Verkennung der Idee des Jugendheimes, wenn man den Jugendlichen, die wie die SAI. staatserhaltend wirken wollen, die Betätigung versagt, während die Anhänger einer volksfeindlichen Bewegung geduldet und sogar noch verhätschelt werden. Die fulturelle Arbeit ist wie sonst im gesellschaftlichen Leben von den Behörden immer etwas stiefmütterlich behandelt worden. Es war insbesondere das Verdienst unserer Getationen ein größerer werde. Das Bezirksamt aber soute sich mit inossen in der Nachkriegszeit, daß endlich auf diesem Gebiete auch etwas mehr getan wurde. Wie eine gute Situation auf volfsbildnerischem Gebiete eine gute Auswirkung zeitigen fann, zeigt das Programm des Bolksbildung amts Friedrichshain, des seine Entstehung insbesondere der Reichs- und Alpenfahrt des ADAC Der KlasseReifen Mehr als für die Wagen war für die Bereifung die Fahrt die höchste Zerreissprobe. Glänzend bewährte sich durch geringste Abnutzung und höchsten Gleitschutz DUNLOP Von 9 gestarteten Wagen 9 am Ziel ohne Reifenwechsel auf Dunlop Sechs Wagen davon bestanden die schwierige Berg- und Flachprüfung auf allerschlechtesten Straßen strafpunktfrei u. errangen höchste Preise im Gesamtklassement. Herr Höss auf ,, Pluto" Erster Beste Zeit Herr Kall auf„ Opel" Zweiter In der Tourenwagen- Klasse bis 4PS auf Dunlop- Cord Herr Pitz auf„ Ariel"-Motorrad strafpunktfrei in Berg- und Flachprüfung. aller Krafräder Erster in der Gesamtwertung seiner Klasse auf Dunlop- Cord Eigene Ueberzeugung leitete die Fahrer in der Reifenwahl Die Weltmarke bürgt für Qualität! Nr. 429 42. Jahrgang Wirtschaft Zur Erntestatistik 1913 und 1925. 2. Beilage des Vorwärts Zu unserm gestern veröffentlichten Schaubild über die Ernteergebnisse wird uns geschrieben: Den Schaubildern find die a mtlichen Ernteftatiftiten zugrunde gelegt worden. Diese sind jedoch anerkanntermaßen somchl für die Bor- wie die Nachfriegszeit unrichtig; und zwar ist für die Borkriegszeit wohl mit einer allgemeinen Ueberschätzung der Erträge um zirfa 10 Proz. zu rechnen. Sum mindesten ist dies das Ergebnis einer Reihe von statistischen Berechnungen, denen sich sich selbst Herr Dr. Ritter von der Preußischen Hauptlandwirtschaftsfammer angeschlossen hat. Gerade umgekehrt sind die Statistiten der Nachkriegszeit durchweg als zu niedrig zu be trachten; die Annahme einer zehnprozentigen Unterschägung für diese Jahre dürfte hinter der Wirklichkeit eher zurüdbleiben als fie übertreiben. Wenn man diese Korrekturen von 10 Broz. beide Male vornimmt, ergibt sich aber ein ganz anderes Bild als nach den amtlichen Statistiken. Es betrug die Ernte( in Mill. Doppelzentner): 1911-13 an 1925 3.19.6 Freitag, 11. September 1925 Die Nutznießer der deutschen Steuerpolitik. Die Differenz Insgesamt bei den Steuer- und Zolleinnahmen Deutschlands vom v bis 1925 gegenüber dem Voranschlag vom 1.April bis 31. Juli 1925 In Millionen Reichsmark 2538.7 2114.6 52.8 50.s amtl. wirkl. amil. wirl O 30.7 27.4 20.9 20.8 18.2 13.6 11.0 7.9 Veranschlagt Aufgekommen 5.9 4.5 0 Winterweizen. 33,2 30 26,5 29,1 Sommerweizen 4,4 4 2,6 2,9 • Winterspela. 4,2 3,8 9 1,6 1,8 Winterroggen. 94,5 85 75,4 83 Ueberl 0- Linie Sommerroggen Gerste ˚ Hafer.. 1,3 1,2 1,3 1,4 28,7 76,8 26 69,1 24,3 26,7 Z Unter ( mehr weniger 10.2 15.6 aufgekommen als veranschlagt 54,9 60,4 92.6 Es ergibt sich also, daß die Gesamtgetreideernte nicht fehr viel tleiner ist als im Durchschnitt der legten drei Borkriegsjahre. Diese wurden zum Vergleich herangezogen, weil das Jahr 1913 bekanntlich ein besonders ausgezeichnetes Erntejahr war. Wahrscheinlich wird man nicht fehl gehen, wenn man jagt, daß prattisch die Friedensernte wieder erreicht ist. Das bedeutet aber, daß die deutsche Landwirtschaft tat sächlich überhaupt mindestens den Friedensstand erreicht hat. Denn der Rindviehbestand ist wieder auf der Friedenshöhe; zwar ist die absolute Zahl der Tiere noch hinter dem Friedensstande zurüd, aber Der prozentuale Anteil der Kühe, d. h. des Milchoiehs ist gewachsen, so daß der Rückgang wesentlich auf Arbeitsvieh entfällt, das zum Teil durch Pferde, zum Teil durch motorische Kraft ersetzt sein dürfte. Die Kartellbekämpfung in Norwegen. Im Hinblick auf die jetzt von der deutschen Regierung angetün digten Maßnahmen gegen die Willtür der Kartelle interessiert die in Norwegen geplante, jezt vor der parlamentarischen Behandlung stehende Kartellgefeßgebung. Der neue norwegische Gesegentwurf über die Kontrolle der Preisgestaltung im allgemeinen und darüber hinaus der Kartelle, Trusts und anderen 3u fammenschlüsse wurde im April 1. J. fertiggestellt und soll, falls das Parlament noch während seiner Herbsttagung die Vorlage erledigt, am 1. Januar 1926 in Kraft treten. Es lag bereits ein Gesetz von 1920, in den folgenden Jahren ergänzt vor. Die alte Regierungsvorlage von 1924 sah einen gewissen Abbau der Kontrolle vor. Im Gegensah dazu empfahl die mit der Prüfung der Frage betraute Trust tommission weitgehende Verschärfungen. Inzwischen ist in Norwegen eine Lintsregierung ans Ruder gekommen, deren Entwurf eine sehr scharfe Kontrolle vorsieht, wenn diese auch nicht so weit geht, als von der Truftkommiffion empfohlen wurde. Zur Durchführung der Kontrolle wird ein aus fünf Mitgliedern bestehender und vom König ernannter Preisrat eingesetzt werden, dem tommunale Rontrollämter angegliedert werden tönnen. Jeder Zusammenschluß im Erwerbsleben, Abmachungen und Regelungen, die die Preis, Produktions- und Umfa Derhältnisse betreffen, und für die Marktverhältnisse im Inland von Bedeutung sein fönnen, ja fogar die Absicht zur Er richtung solcher Zusammenschlüsse muß angemeldet und die Ber einbarungen müffen registriert werden. Eine Anmeldepflicht ist auch heute vorhanden. Mit Zustimmung des Preisrates fann jeder sich mit dem Inhalt des Registers bekannt machen. Die größeren Gesellschaften mit über einer Million Kronen Kapital müssen auch die Ein- Um- Zölle Bier- Zucker Renn- Ta- Beför- Wechsel- Wem- Kraft- Kapital- Versi- Brannt- Körper- Vermökommen- satzsteuer fahrzeug- ertr.- cherungs- wein- schafts- genswett- bak- derungsS t e น e Jahresabrechnung mit Gewinn- und Berlufttonto dem Preisrat unterbreiten. Jeder ist verpflichtet, dem Preisrat Auskünfte zu geben. Letzterer hat die Befugnis zur Einsichtnahme in die Geschäftspapiere. Direktions- und Verhandlungsprotokolle, ja zur Beschlagnahme dieser Dokumente. T monopol steuer Die größte Wasserkraftanlage Deutschlands. Aus München wird uns geschrieben: Inn in Elektrizität umwandelt, fertiggestellt und voll in Betrieb Seit einigen Monaten ist die Anlage, die die Wasserkraft des genommen. Der Bau wurde im Frühjahr 1919 begonnen und ausschließlich mit Geldern des Reiches finanziert. Bayerns Beteiligung an der Gesellschaft beruht lediglich auf der Einbringung der Konzession für die Ausnügung des Inn In der Mitte seines birgsfluß angeschnitten und in dem ziemlich flachen Gelände durch bayerischen Laufes, unterhalb Mühldorf, wurde der wasserreiche Ge einen 20 Kilometer langen Kanal eine Fallhöhe von 31 Meter gewonnen. Der Kanal führt eine Wassermenge von rund 300 Kubifmeter- Sefunden, die in 15 Drudröhren von je 50 Meter Länge und 4 Meter Durchmesser in 15 mächtige Turbinen fällt, deren hervorbringen. Dieses Maschinenhaus ist das Imponierendſte der Generatoren dann eine Gesamtleistung von 126 000 Pferdeftärken hervorbringen. Dieses Maschinenhaus ist das Imponierendste der heit errichtet wurde. Die Größe des wirtschaftlichen Wertes ist ganzen Anlage, die sonst sichtbar überall mit der größten Einfachli rund daraus zu ermessen, daß diese 15 Maschinentolosse zusammen täg1,5 millionen Rilowattstunden beträgt die Jahresleistung 465 Millionen Kilowattstunden, was einer eugen angesichts der ftart schwankenden Wasserverhältnisse Arbeitsleistung von rund 10 Millionen Zentner Steinkohle entspricht: An der Errichtung des Berfes waren zur Zeit des Hochbetriebes cwas 10 000 2 rbeiter und Angestellte beWas die Preis bemessung anbelangt, so wird nur im áll. gemeinen ausgedrückt, daß es nicht erlaubt sei, ungebührliche Preise zu berechnen. Im übrigen fann das Ministerium oder in seinem Auftrag der Preisrat selbst Berordnungen zur Preisregelung erlassen, vor allem in Fällen, wo eine wirksame Konkurrenz nicht vorhanden ist. Es tann verboten werden, daß Waren vom Umfak zurüdgehalten werden. Auch ist es den Verkäufern nicht erlaubt, ohne Zustimmung des Preisrates Mindestpreise für den Weiterverkauf festzusehen. Der Preisrat tann verbieten, zwischen Kunden und Bezirken Unterschiede zu machen, wenn dadurch bie Ronkurrenz ungebührlich beschränkt oder erschwert werden kann. Der Preisrat fann verbieten, Baren für offenbar unzulängliches Engelt zu liefern oder für einen unbillig hohen Breis zu faufen, sofern nach Ansicht des Rates die Konkurrenz dadurch ungebührlich beschränkt oder erschwert werden kann und die Absicht besteht, einem Konkurrenten zu schaden. Ein gewerbsmäßiger Bontott( Sperre) fann nur mit Zustimmung des Preisrates durchgeführt werden und diese wird verweigert, wenn die Abmachung Unbeteiligten Verlust oder bedeutenden Nachteil verursachen kann. Der Entwurf enthält Verfügungen darüber, daß bei Ausschreibungen nicht eine verheimlichte Bereinbarung der Konkurrenten untereinander gemacht werde. Die Kartelle und andere Zusammenschlüsse können nur auf ein Jahr mit dreimonatiger Kündigungsfrist errichtet werden. Durchschäfti 14 Millionen Kubikmeter Erde mußten bei dem Kanalbau Berordnung fönnen fie aufgelöst beziehungsweise die Ab. ausgehoben werden, wozu 43 Bagger, 2000 Rollwagen und 115 Lokomotiven in Tätigkeit waren. Die für den Kanal und die machungen oder Regelungen ungültig erklärt werden. Auch die Krafthausanlage benötigte Menge Beton beläuft sich auf 400 000 Einrichtungen der Kartelle wie zum Beispiel Bertaufsorganifationen tönnen aufgelöst werden. Als Strafen für die Uebertretungen find Gefängnis und Beschlagnahmsrecht vorgesehen. Wie aus dem Dargestellten hervorgeht, richtet sich der Entwurf nicht gegen das Bestehen, sondern gegen die Mißbräuche der Kartelle. Die meisten Maßnahmen sind nur Kann- Borschriften, die die Entscheidung in die Hand des Preisrates legen, und nur selten absolute Verbote. Wichtig ist aber die Kontrolle der öffentlichen Meinung, die vor allem durch den Zwang der Registrierung und die Erlaubnis zur Einsichtnahme in die Register ermöglicht werden soll. Am 8. Auguft hat ber Herr Reichsfansfer Dr. Luther bor berfammeltem Reichstag ein feierliches Versprechen abgelegt. Gr hat angefündigt, daß die Reichsregierung eine einheitliche Genfung der Preise für den 1. Oktober dieses Jahres durchführen wird". 50 125 Kubikmeter. er. Die gewonnene elektrische Kraft wird nicht etwa für die Eleftrizitätsversorgung Bayerns und anderer deutscher Gebiete perwendet, sondern ausschließlich für die elektrochemische Industrie, für die Herstellung von Aluminium und Kalfstick stoff. Zu diesem Zweck ist unmittelbar unter dem Krafthaus eine moderne Fabrikanlage errichtet worden, der Tonerde aus dem Rheinland zugeführt wird und die täglich mit der Hälfte des Stromes 30 000 Kilogramm Reinaluminium erzeugt. Die andere Stromhälfte wird in die 60 Kilometer innaufwärts gelegenen priund wir?... Wir haben das Niveau der Preise in der Erkenntnis, dass Schuhe lebensnotwendige Artikel sind, stets in den untersten Grenzen gehalten. Dies war nur auf Grund unseres Rieseneinkaufs, unserer Riesenläger und unseres Riesenumsatzes möglich, Faktoren, deren Vorteile unseren Kunden restlos zugute kommen. 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Vorwerk- Absätze verhindern das Schieflaufen" der Absätze. 1 vaten Stidstoffwerte bei Troftberg übergeführt. In dem u miniumwert, das für die Unabhängigkeit Deutschlands vom aus. ländischen Markt besondere Bedeutung hat, sind jetzt 900 Arbeiter Die beschäftigt, für die auch eigene Siedelungen erbaut wurden. Leute arbeiten in drei Schichten Tag und Nacht, nur Sonntags in zwei Schichten zu 12 Stunden. Die Entlohnung( tarifmäßig) ist in Anbetracht des gesundheitsschädlichen Aufenthalts an den vielen Dußenden von Schmelzöfen sehr gering; fie beträgt 63 Bf. pro Stunde. Doch sei gesagt, daß die ganze Anlage hygienisch muftergültig eingerichtet ist. Mit der Fertigstellung des Innwertes, das sich würdig den staatlichen Schwesterunternehmungen des Walchensees und der mittleren far anschließt, dürfte die Wasserfrafterschlie= Bung Bayerns in dieser Form abgeschlossen sein. Denn, das darf heute wohl gesagt werden, ohne den Notendrud des Reiches in der Inflation wäre eine Finanzierung derart tostspieliger Kanalanlagen faum möglich gewesen, ganz gewiß nicht unter den gegebenen wirtschaftlichen Umständen. Täuschungsversuche des Zechenkapitals. Genosse Steiger Halbfell, dessen Stellungnahme in der Frage der Produktionskosten des Bergbaus in der interessierten Presse irreführend wiedergegeben worden ist, bittet uns um Veröffentlichung folgender Erwiderung: Unter der Ueberschrift Die Preis elemente der Ruhrfohle" veröffentlicht die Deutsche Bergwertszeitung" als Entgegnung auf meine Richtigstellung eine Antwort, die voller Ver drehungen ist. Zunächst weise ich nochmals darauf hin, daß es fich bei den Veröffentlichungen der Bergwertszeitung" nicht um Auszüge aus meinem Gutachten, sondern um solche aus einem Konzept handelt. Ich bestreite nicht, und darin hat die Bergwerts. zeitung" recht, daß die von ihr veröffentlichten Zahlen in meinem Gutachten stehen und von mir festgestellt worden sind. Ich bestreite jedoch, daß die Schlüsse, welche sie daraus zieht, richtig find. Nirgendwo ist in meinem Gutachten nachgewiesen, daß die Bergwerte des Ruhrbergbaus feit längerer Zeit mit 3ubußen arbeiten. Ich habe die Bergwertszeitung" bereits einmal aufgefordert, doch den ersten Teil meines Gutachtens zu veröffentlichen, damit auch der Fernerstehende einmal fieht, wie es mit der Statistit im Bergbau aussieht und gleichzeitig erkennt, daß alle Zahlen nicht die Genauigkeit haben, mit denen sie immer wieder angewandt werden. Wenn die ,, Bergwertszeitung" dann der Wahrheit die Ehre geben will, bitte ich darum, nach der ersten Indiskretion ruhig weiter zu gehen und das Gutachten ganz zu veröffentlichen, damit die nicht direkt Beteiligten sich selbst ein Bild machen können. Sie merden dann feststellen, daß in dem Gutachten nur von der Grube die Rede ist, während die Kotereien und sonstigen Neben. produkten Anlagen vollkommen unberüdsichtigt sind. Weiter ist der Kohlenhandel, der doch auch entweder direkt oder indirekt dem Bergbau gehört, nicht erfaßt und schließlich sind die Ronzernzusammenhänge, die doch auch das geldliche Ergebnis beeinflussen, nicht berücksichtigt. " Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 68. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin frets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, an righten. Bezirksvorstand. Heute, Freitag, abends 6 Uhr, Sihung des erweiterten Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer des Vorwärts", Lindenstraße 3. 12. Areis Steglig, Lichterfelbe, Lankwik. Freitag, 11. Geptember, 8 Uhr, im Lokal Lehmann, Lantwik, Raiser- Wilhelm- Str. 29, Arbeiterwohlfahrt und Rinderschuhkommission. Vortrag des Gen. Stadtrat Friedländer: Smed und Riele der Arbeiterwohlfahrt. Alle Selferinnen und Selfer fomie die Bezirksverordneten und Stadträte und Parteigenoffen, die Intereffe dafür haben, find hiermit eingeladen. Heute, Freitag, den 11. September: 98. Abt. Reukölln. 8 Uhr bei Teich Abteilungsversammlung. Bortrag: Die Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. 2. Stellungnahme zu den gemachten Borschlägen. Bezirksführer einladen. Jugend weihe der Arbeiterschaft Groß- Berlins am Sonntag, den 13. September 1925, vorm. 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße. Mitwirkende: Der„ Junge Chor": Leitung Heinz Thieffen/ An der Orgel: Willi Jaeger/ Cello- Trio: Armin Liebermann, Frizz Soppe, Karl Lenzewski/ Weiherede: Mar Kreuziger/ Der Sprechchor der Proletarischen Feierstunde, Leitung Albert Florath und Einzel. sprecher Heinrich Witte. Gaftlarten an der Kaffe. Jungsozialisten. Gruppe Lankwik: Pünktlich 8 Uhr Lokal ,, Sportede", RaiserWilhelm- Straße. Gen. Serlinger spricht über: Defterreichische Dichter". Reukölln Gruppe II: 8 Uhr Nogatstr. 53 Vortrag des Gen. Schneider: ,, Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen für die sozialistische Jugend". Gruppe Mitte: Zusammenkunft in der Schule Gipsstt. 23a, pünktlich 8 Uhr. Politische Aussprache( Reichsschulgesek). Borwärts" vom Sonntag, 6. September, mitbringen. Morgen, Sonnabend, den 12. September: 74. Abt. Rehlendorf. Die Mitglieder werden gebeten. fich an dem Serbstfest des Reichsbanners morgen, Gonnabend, 12. Geptember, abends 28 Uhr, im Lindenpark zu beteiligen. 90. Abt. Neukölln. 7% Uhr Jdealfafino, Weichselftr. 8, Bortrag der Genossin Rreffe: Die kommenden Wahlen". Jugendveranstaltungen. Abteilungstaffierer! Seute, Freitag, von 5-7 Uhr, Abrechnung der Beitragsmarken. Ausgabe der Geptember, Jugend voran!". Wochenendkurse: Werbebezirke Often, Dftbahn: 12./13. September Jugendherberge ReinRöris. Leiter: Gen. Fechenbach. Thema: Sozialismus und Pazifismus. Werbebezirke Brenzlauer Berg I and II, Tiergarten. 12./13. September Jungdeutschlandhaus Oranienburg. Leiter: Gen. Abraham. Thema: Gozialismus Staat Nation". Die Bergwertszeitung" weift ferner mit Recht auf die Schlußabrechnungen des Gutachtens hin, mur begeht sie dabei eine grobe Irreführung der Deffentlichkeit, denn fie verschweigt, daß die von ihr zitierte Schlußabrechnung von den Unternehmervertretern für richtig gehalten wurde, während eine Seite vorher eine Schlußabrechnung steht, welche ich für richtig halte und aus der hervorgeht, daß bis zum Ottober 1924 sogar der Grubenbetrieb des Ruhrbergbaus mit Ueberschüssen gearbeitet hat, von der ganzen Anlage oder gar einem ganzen Konzern gar nicht zu reden. Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, daß der Ruhrbergbau heute Riesen- zeitung". überschüsse macht. Aber zwischen den von der Bergwertszeitung" und den Unternehmern errechneten hohen Zubußen und der Wirtlichkeit liegt eine hohe Spanne. Wogegen man sich wehren muß, ist, daß mit den Ergebnissen des Grubenbetriebes als mit den Ergebnissen des gesamten Bergbaus operiert wird. Es gibt bekanntlich unbewußte Unmahrheiten, Lügen und Statistiten leber die Entstehung der von den Unternehmern angegebenen hohen Materialfoften will ich mit der Bergwertszeitung feine Auseinander jegung führen, ich will ihr nur verraten, daß ihre Behauptung über diese Dinge gewaltig daneben geht. " Ich habe allen Grund, zu den von mir gemachten Feststellungen zu stehen, weil sie unparteiisch den Unterschied zwischen den Auffaffungen festlegen. Wenn die Bergwertszeitung" mir jedoch entgegenhält, daß man von Persönlichkeiten, die zu solchen Aufgaben berufen werden und sich berufen fühlen, die Erwartung hegen dürfe, daß sie auch dann zu ihren Feststellungen stehen, wenn diese nicht den Erwartungen der Agitation oder vorgefaßten Meinung entsprechen, so ist das in Verbindung mit den Berdrehungen der Dinge doch ein startes Stüd, das die Anmaßung und Einstellung des Artikelschreibers tennzeichnet. Nicht weil man auf unserer Seite im allgemeinen und ich persönlich im besonderen die tatsächliche Lage nicht anerkennen will, sondern in dem ungeheuren Schwindel und in den groben Jrreführungen, welche in der Deffentlichkeit immer wieder mit Statistiken vorgenommen werden, liegt die Schuld an unseren verfahrenen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen. Heute, Freitag, den 11. September, abends 7% Uhr: Jugendrecht". Moabit I und II: Schule am Stephansplak. Bortrag: Jugendschuk und Beißensee: Jugendheim Röldeftr. 157. Leo- Tolstoi- Abend. Often Str.- B.: Jugendheim Goßlerstr. 61. Bortrag: Entstehung einer TagesWarschauer Viertel: Jugendheim Tilsiter Str. 4. Bortrag: ,, Wohnfulfur". Schöneberg I: Jugendheim Rubens. Ede Sauptstraße. Die RJ. und wir". Steglik II: Jugendheim Solsteinische Str. 3. Aussprache: ,, Unfere Abteilung und ihre Arbeit". Halensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35. Bortrag: Jugendbewegungen rechts und links". Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Vortrag: Das Urchristentum". Tegel: Jugendheim Bahnhofftraße 15. Bortrag: Bolkslied und Volkstanz". Buchholz: Lokal von Roffad, Sauptste. 71. Bortrag: Borkämpfer des Sozialismus". NiederIchönhausen: Schule Blankenburger Str. 69/70. Bortrag: Frik Reuter". Werbebezirk Kreuzberg: Achtung! Seute abend, pünktlich 7½ Uhr, Ueben des Sprechchors im Jugendheim Lindenstr. 3. Tegte nicht vergessen. 1 eded Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftstelle: Berlin G. 14, Sebaftianfte. 87/38, Sof 2 St. In Rufunft tommen folgende Abkürzungen zur Anwendung:. Mo., Di., Mi., Do., Ft., So. für Montag, Dienstag usw. Sonntag wird stets ausgeschrieben. Botsd., Anh., Görl., Schles., Stett., Charlbg., Rop., Alex. für die einzelnen Bahnhöfe. Mitgl.- Berf. für Mitgliederversammlung. Dher- Nieder- Schöneweibe- Johannisthal. Fr., 11. 9., 8 Uhr, Verf. bei Räthel, Brüdenstr. 13. Tiergarten. Go., 12. 9., 7 Uhr, Stett. Bhf. Pflichtfahrt nach Rehdenid. Tambourkorps und Banner beteiligen fich. Eichwalde. Go., 12. 9., 8 Uhr, Turnen. Neukölln- Brig. Gonntag, 13. 9., früh 5 Uhr, Antreten Anh. Bhf. Bannerweihe Finsterwalde. Fahrgeld 6 M. Ablershof. Gonntag, 13. 9., vorm. 7,45 Uhr, Abfahrt Bhf. Adlershof nach Storkom. 2 M. Fahrgeld für Sonntagrückfahrkarte Fr. abend 6-8 Uhr an Ramerad Wittrin, Bismardstr. 16, zahlen. Friedrichshagen. Sonntag, 13. 9., vorm. 11% Uhr, Fahrt von Bhf. Friedrichshagen nach Röpenid. Bhf. Fredersdorf nach Altlandsberg. Petershagen- Fredersdorf. Gonntag, 13. 9., nadm. 12% Uhr, Abmarsch von Waffersport- Abteilung. Sonntag, 13. 9., Dorm. 10 hr, Sue Tiggel im lalenfee( Ertner) Tagesfahri. SamHide Baote miffen vertreten fein. Laubsmannschaft Goran N.- 2. und Umgebung. Zu unserem 18. Stiftungsfeft am Sonnabend, 12. September, in der Bauberflöte", Rommandanten Straße 72, find nochmals alle Freunde und Bekannte eingeladen. Arbeitersport. Internationale Fußballwettspiele. Zum erstenmal in der Geschichte der Arbeiterfußballbewegung Berlins findet am Sonnabend ein Fußballwettspiel zweier ausländischer Mannschaften statt. Rußland und Norwegen haben je eine Mannschaft geschickt. Während die russische eine Vereinsmannschaft ist, besteht die norwegische aus Spielern des ganzen Landes. Die Russen haben in Deutschland schon verschiedene Spiele absolviert. Gegen den Bundesmeister verloren sie das erste Spiel 1: 3, während sie im zweiten mit 1: 0 fiegreich bleiben fonnten. Auch alle anderen Spiele konnte die Mannschaft gewinnen. Chemniz, Pirna und Potschappel- Freital wurden mit 4: 0 aus dem Felde geschlagen; Alemannia- Dresden mußte sogar mit 6: 0 die Segel streichen. Die Norweger haben schon verschiedene Spiele in Thüringen ausgetragen, deren Resultate uns noch nicht bekannt sind. Das Spiel findet auf dem Sportplaz in der Kynast straße, am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, nachm. 5 Uhr, statt. Am Sonntag nachmittag 24 Uhr stehen sich dann im Lichten berger Stabion, Herzbergstraße, Norwegens Ländermannschaft und Berlins Städtemannschaft gegenüber. Die Berliner spielen in folgender Aufstellung: Burczid ( Nowawes) Kraut ( Bittoria) Seelinger ( Alemannia) Gallasch ( Neukölln) Boigt Schulz Wolff ( Alemannia)( Sparta)( Adler 08) Barabaß ( Stralau) Kuchenbecker ( Adler 12) Bergmann Tänzer. ( Alemannia)( Adler 12) Borher, 3 Uhr, spielen die Schülermannschaften von Teutonia und Stralau. Am Sonntag herrscht in Groß- Berlin anfäßlich des internationalen Fußballspiels Norwegen gegen Berlin Spielverbot. Nur die Jugend- und Schüllermannschaften tragen ihre Gerienspiele aus. Im Norden spielen: Spandau gegen Alemannia, Adler 12 gegen Belten. Hennigsdorf gegen Fichte- Gefundbrunnen, Teutonia 09 gegen Tegel 24, Minerva gegen Nordista. Union gegen Borussia. 2. Mannschaften: Union gegen Fichte- Gesundbrunnen, Minerva gegen Nordiska. Often. Abteilung A: Britannia gegen Oberfpree, Germania gegen BEB. 22, Lichtenberg I gegen Stralau, Weißensee gegen BfB. Abteilung B: Adlershof gegen Tasdorf( 11 Uhr), Askania gegen Lichtenberg II, Branden burg 02 gegen Luftig- Fidel, Treptower BC. gegen Sparta. 2. Mannschaften: Britannia gegen Oberspree, Germania gegen BGB. 22, Lichtenberg I gegen Stralau, Weißenfee gegen BfB., Britannia 3 gegen Lichtenberg III. Südwesten: Rüftig- Borwärts gegen Wilmersdorf, BC. Moabit gegen Nowawes, NBC. 2 gegen Neukölln( 9,20 Uhr), NBC. 1 gegen Berolina. Beginn der Spiele im Norden: 1. Mannschaften 9,45 Uhr, 2. Mannschaften 8,30 Uhr. Im Gildweften beginnen die Spiele 10,30 Uhr, im Osten 10,20 Uhr und 9 Uhr. Schüler: Abteilung A: Tasdorf gegen Treptower BC.( 11,30 Uhr), Sparta gegen Wilmersdorf 2( 10), Britannia gegen Wilmersdorf( 11), BGB. 22 gegen Lichtenberg II( 11), Richterswalde gegen Kreuzberg( 12), Stralau gegen NBC. 2 ( 10), Rüftig- Borwärts gegen Spandau 25( 11). Abteilung B: Teutonia 2 gegen Moabit 1( 8.30), Bernau 1 gegen Bantom 08 1( 11), Bernau 2 gegen Bantom 08 2( 10), Bittenau gegen Alemannia( 11). Die Sahlen der Klammer bedeuten die Reit des Spielanfangs. Herbstfegelregatta des„ Freien Seglerverbandes". As Abschluß der diesjährigen Gegelfaifon beginnt am Sonntag, 13. Geptember, die Herbstwoche der Gruppe Dit" des Kreifes Berlin im Freien Geglerverband" auf dem Müggelfee. Start 11 Uhr Restaurant ,, Gtvandschlok". Ein Begleitdampfer für etwa 200 Perfonen verläkt um 11 Uhr Strandfchlok" und begleitet die Wettfahrt. Der Fahrpreis beträgt pro Perfon 75 Pf. Da etwa 130 Gegelboote starten, dürften fich den Ruschauern intereffante Bilder bieten. Der Schleppaug für Regattateilnehmer geht ab Schmödwit 17 Uhr, ab Fraternitas" 18 Uhr. Die Rüge müssen fertig zusammengeftelt fein, wenn der Schlepper tommt. Touristenverein ,, Die Naturfreunde"( Rentrale Wien), Abt. Rorben. Gonn tag, 13. Geptember, Wanderung nach Bernau- Dewinsee. Abfahrt 7,46 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Abt. Charlottenburg. Abendwanderung em Freitag, 11. Geptember, fällt aus. Dafür Vortrag des Gen. Böttscher: Im Faltboot durch Mecklenburg" im Seim Saefelerstr. 16b( Westend). Gäste willkommen. Sonnabend und Sonntag Fahrt nach Brandenburg. Arbeiter- Radfahrer- Berein Groß- Berlin". Gonntag, 13. September, frith 6. Uhr nach Ludenwalde bei Ripterlein. Nachmittags 1. Uhr nach Blanken felde bei Rute. Start: Mariannenplak Ede Waldemarstraße. Sport. Zu dem Meisterschaftstampf Samson- Breifenfträfer find heute, Freitag, nur noch Karten bis 1 Uhr an der Sportpalast- Borverfaufsstelle in der Potsdamer Straße zu haben. Der Kartenverkauf in der Arena" am Kaiserdamm beginnt um 9 Uhr vormittags. Die Verrufenen ( Der fünfte Stand) Hermann Billige Lebensmittel Tietz Mengenabgabe vorbehalten Hammelvorderfleisch P 76PL Pfund 95Pt Hammelkeulen........ Pfund Kalbskamm u. rücken P. 90PL Kalbskeulen. Schweinebauch Pfd. .......... Pfund 10 30 Pfand Schweineschinken und Blatt Schweinekotelett. Kassler Pfand 135 Pfand 150 Pfund 1,40, 150 Eisbein ohne Spitzbein.............. Pfund 95PL gefroren, wie Ptund Schweineköpfe gepokelt, Pid. 38p. Schweinenieren frisch, Pfand 84Pt. Pa. Ochsengemüsefl. 54PL Pa. Ochsenschmorfl... 90Pf. Pa. Ochsenbacken Pa.Rinderherzen gefroren..Pd. Gulasch gefroren... Gehacktes Salmiak- Gallselfe Welsse Petikernseife gefroren, Pfd. 56P. 40PL Pfand 74PL Pfund 75Pf. .... Stück 40, 75Pf. Riegel ca. 250 g 28Pt. Feinste Marsellier Selfe Stack ca.400g 60Pf. ca. 800 g 1,15 Pa. Schnitzel- Selfenpulver 30%...... 1- Pfund- Paket 40 PL 8 Pfand- Pakete 1,10 ,, Quick" Ideales Fleckenreinigungsmittel, 10r Oel-, Farben- und Teerflecke... Tube 40PL Wurstwaren Delik.- Sülze..Pfund 50Pf. Blut- u. Leberw. Ptd. 70Pt. Schweinskopf 1.0elee, Pid. 80P. Corned beef..... Pid. 80Pf. Bauernmettwursted.115 Knoblauchwurst Pra.120 Jagdwurst..... Pfand 140 Mettwurst Braunschw 150 Art.. Pfund Salami.. Pfand 190 Kolonialwaren Auszugsmeil P.24,27,30Pt. Weisse Bohnen Pid. 20pt Vikt.- Erbsen Pfand 23Pt. Haferflocken Pfand 24PL Gesch.halbe Erbsen Prd. 25PL Weizengriess Pfand 26PL Hartgriess.... Pfand 28PL Malzkaffee 1- PM- Paket 30PL Makkaroni.... Pfand 40P Cervelatwurst Pfand 195 Neue Thür. Linsen Prand 43Pt. Junge Brathühner Suppenhühner Junge Tauben Wildschwein ....... Pfund 145 735 Käse u. Fette Harzerkäse stack 10PL Camembert vollfett, Sch. 40Pf. Tilsiter guts Qualität..Pid. 95Pt. Dän. Gouda... Pfund 90Pt. Steppenkäse..Pfand 100 Einfrucht- Eimer Konfitüre ca. 2 Pld 120 .Pland ..Stück 90P. Pfand von 100 Allg. Limburger Pa. 100 Edamer........ Pfand 105 Dän. Schweizer Pid. 130 Bayr.Schweizer Ptd. 165 Molkereibutler- Ptd.- Stck 108 Eimer 20 Erdbeer.... Aprikosen Pid Seelachs 24 kopilos, i.g.... Pid. ca. 160 Fettbücklinge 58 Pfund Pf. Lelohtverderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschloese Kochbirnen.... 2 Pfand 35P. Wirsingkohl Kochäpfel Tomaten Pfund ..Pfand 1 Pl. Rotkohl.... 5PL. ...... Pfand .Pfund APL 10PL Grüne Bohnen Pfand 15PL Schlangengurken Stack 5P. Kohlrüben...Pfund 7 Pf. Pfand 3P. Kartoffeln..... 10 Pfand 32Pt. Würstchen... Dose 95Pt. 160 Weisskohl Dose ca. 1 Pfund 50PL Blutwurst......... Leberwurst Rindsgulasch.... Dose ea. 1 Pfand 65Pt. Corned beef...... Dose 75Pt. 150 1924er Langsurer. Portug. Oelsardinen Klubdose 45Pt. Olivenöl..... Flasche 335 190 100 60Pt. Erdnussöl... Flasche 230 135 85, 45Pt. Zur Bowle: 10 Fl. 1923er St. Martiner Schlossberg 2 Fl. Hertie- Sliber ,, Fruchtschaumwein". Johannisbeerwein rot, 4 65 PT. 10 FL 18. 12 und 00 00Stener Pfand 3,49 210 2000 gute, leichtsüsse Qualität, 1/ F1.10 FI. einschl Steuer vorzügl Qualitat.85P, 10 F1800 1921er Haut Sauternes Alter Weinbrand- Verschnitt 38%....... FL. 2,40 10 FL. 22,50 ohne Flasche Fassweine zu Sonderpreisen guten guten Qualitäten in den bekannten Gefässe( Flaschen, Korbflaschen usw.) bitten wir mitzubringen Rotwein voller. vorzügl. f. Koch- 100 Steuer Rheinpfälzer Weisswein 90, zwecke, a.als kl.Tischw.geeign., Ltr. Roter Tarragona volle Qualität. Sonnengartner spanischer Süsswein ... Liter Liter 21 Pf. mittelvoll 150 Stener Insel Samos Auslese 32 Liter Steuer Pf. 19 Pf. 220 Steuer Liter 200 Stener 42 Pt. 42 PL sehr fein und suss......... Liter 150 Steuer Malaga 32 Pf. dunkler süsser.. Flaschenweinpreise ohne Steuer und Flasche In unserer Konfitürenabtellung: Speiseschokolade 100 g..4 Tafeln 100 Bensdorp- Kakao.......... Pfund 85PL ff. Sandgebäck....... Pfund 100 Kakao garantiert rein......... Pfand 55 Pf. Frettag 11. September 1H2S� Änterhalwng unö �Vissen Seklage ües vorwärts Eine historische Putzmamsell. Von Carry Brachvogel. (Schluß.) Line alte Komödiantin, zu der man»alte Komödiantin" sogt, den Effekt mag sich jeder ausdenken, der sich aus Mimenpsychologie versteht! Die Ouinault, die nicht nur einen vornehmen Liebhaber, sondern auch große Konnexionen besitzt, erfüllt die ihr ossenstehen- den Salons mit ihrem Rachegeschrei, dessen sich die Rocinefche Medea nicht zu schämen brauchte. Schreit so besessen und wirksam, daß selbst die Königin ihr Ohr nicht verschließen kann und Fräulein Bertin überredet, der tödlich gekränkten Künstlerin Abbitte zu leisten. Wohl oder übel muß die fesche Pujzmamsell gehorchen, lag aber sechs Wochen krank infolge ihres Bittgangs, den Fräulein Ouinault ihr noch mit hundert kleinen Niederträchtigkeiten erschwerte, so daß die erhaltene Lektion unvergeßlich blieb. Wenn sie späterhin gegen eine Kundin hochfahrend werden wollte, brauchte diese nur ganz nebenher zu fragen-.Sagen Sie, Liebe wie geht es eigentlich Fräu- lein Ouinault?" Da wurde die Hoflieferantin der Königin rot und artig wie ein kleines Mädchen, das auf dem ersten Ball ist. Leider muß sich ober diese erhabene Frau nicht nur mit alten Komödiantinnen ärgern, auch die Konkürrenz macht ihr Berdruß, und die Damen von Geblüt, Sie diese Konkurrenz protegieren. Da ist Beaulard, der der Königin eine künstliche, parfümierte Rose überreicht, in deren Kelch auf einen Nageldruck hin das Bild des Königs erscheint. Da ist Wengel(offenbar ein Deutscher), der als erster künstliche Blumen für den Damenpuß erfindet, da ist Picot, die in Versailles auftauchte, als wäre sie Berlin selbst! Was kann ein schwaches Weib tun, das von beiden Geschlechtern in seinem heiligsten Interesse— der Klientel— bedroht wird? Fräulein Bertin ist uin Antwort nicht verlegen. Der Picot spuckt sie einfach ins Ge- ficht, Beaulards Rose rächt sie an der Prinzessin Lamballe, indem sie sich weigert, fernerhin für die Prinzessin zu arbeiten, da sie den Schwarzkünstler an den Hof der Königin gebracht hat, so daß Marie Antoinette sich abermals ins Mittel legen muß, um eine Versöhnung der Häuser Lamballe und Bertin herbeizuführen. Nur gegen Wengel läßt sich nichts machen, weil eine neue Erfindung auch nicht mit Spucken und Schmolle» aus der Welt geschafft werden kann. Doch trotz aller Konkurrenz behält der.Großmogul" seinen Platz und Rose Bertin unverändert die Gunst der Königin, mögen auch dann und wann kleine Trübungen in der fragwürdigen Intimität vorkommen, die Putzmamsell und Herrscherin vereint. Fräulein Bertin macht im wahrsten Sinn des Wortes die Weltmode, denn sie schickt allmonatlich eine von ihrer Hand und mit ihren Kreation? ausgestattete große Puppe der Reihe nach in alle Hauptstädte Europas, wo die ersten Geschäfte schon sehnsüchtig des Mannequins harren, um ihn alsbald zu kopieren. So groß und erschütternd ist der Eindruck, den der reizende Mannequin macht, daß französische Poeten ihn in zierlichen Versen besingen. Und endlich erfüllt sich auch die Schicksalsprophezeiung von der nachgetragenen Schleppe, freilich nur durch dos Versehen eines Bauernlümmels und zum arohen Gaudium des ganzen Hofes. Fräulein Bertin die nach Ver- stulles stets einen Diener mitnahm, der ihr bei der Verfrachtung der Kartons helfen mußte, hatte einst einen provinzialen Hans Tapps eingestellt, der die Ermahnung des Bertinschen Stubenmädchens: .Paß auf, was die anderen tun, und mach es ebenso!" gar zu wörtlich nahm und das Kleid seiner Herrin als rustikaler Page aushob, weil er sah, daß die eleganten Lakaien in Versailles es bei ihren Fürstinnen und Gräfinnen taten. Langsam begann der Glanz des Königtums und die heitere Sorglosigkeit der Königin zu oerblassen. Die Not des Landes, der Finanzen schreit so laut, daß Marie Antoinette diesem Schrei nicht länger ihr Ohr und' Herz verschließen kann. Die Ziffern des Toileltcnbudgets sinken ebenso stetig, wie sie zuvor gestiegen sind, die Königin beweint den Tod von Mutter, Bruder und Kindern, und ihr junges Haupt beginnt zu ergrauen, lange bevor sie den Temple betrat. Sie fühlt, da sie noch kaum dreißig zählt, sich schon altern und quält sich mit trüben Ahnungen. So sagt sie eines Tages der Bertin:„Heute Nacht habe ich gelräumt, daß Sie mir lauter schöne, helle Bänder brächten, aber sowie ich die Hand danach ausstreckte, wurden sie schwarz." Immer unfroher werden die Zeiten, immer verhängnisvoller für die Monarchie und alle, die ihr anhängen. Das(Mschöft der Bertin geht merklich zurück, denn die Aristokratie ist entweder schon außer Landes gegangen oder— ihre Rechnung schuldig geblieben. Wohl hat Fräulein Rose sich ein ganz hübsches Vermögen zusammengespart, auch ein Landgut in Epinay erworben. aber dennoch war das„Haben" in ihren Büchern(die sie übrigens sehr schlampig- führte) verschwindend gegenüber dem„Soll" der aiistokratischen Kundschaft, die ihre letzten Posten erst im Jahre 1843 aus dem Bergleichswege an die Bertinschen Erben bezahlte... Wenn der Mantel fällt, muß auch der Herzog mitsollen, wenn die Kundschaft verreist, hat auch der Lieferant nicht mehr viel in der Hauptstadt zu suchen— so oerließ denn auch Fräulein Berlin Paris und begab sich noch Deutschland und England. Zu ihrer Ehre muß es gesagt sein, dgh sie nicht egoistisch und trostlos floh, wie so viele Emigranten, nein, auch jetzt noch steht sie im Dienst der Königin. Im Austrag der allerhöchsten Frau, die sich offiziell schon verpflichtet hat, Barnave jeden Brief lesen zu lasien, den sie schreibt, begibt sich die Bertin nach Wien, um Kaiser Franz II. Briefe und Gefühle zu übermitteln, in denen Marie Atoinette ihre wirkliche Meinung über den Verlauf der schrecklichen Dinge und die eigene Lage zum Aus- druck brachte. Gar seltsame Gegensätze lernt Fräulein Bertin auf ihrer Reise durch Deutschland kennen, und ihr kluger Kopf mag oft von Ekel und Grauen angewandelt worden sein über d» Flüchtig- keit aller irdischen Dinge und Empfindungen. In Koblenz hielten die königlichen Prinzen so vergnügt und üppig Hof, als stünde das unglückselige Königspaar nicht schon unter dem Schwerte, in Ham- bürg hinwieder waren Damen, die in Versailles ein Taburett be- festen hatten, Schneiderinnen und Modistinnen geworden und mußten sich noch glücklich preisen, wenn sie im Kamps ums tägliche Brot nur die Zartheit ihrer Finger«ingebüßt hatten, nicht ihr ganzes Selbst... Auch in England findet sie natürlich Landsleute vor, wird von allen fetiert und mit schmeichelhaften Erinnerungen über- schüttet, empfängt auch von früheren, nunmehr in der Welt umher- streifenden Käufern und Käuferinnen vertrauliche Briefe, aber Geld, Geld war so rar geworden, daß es selbst der Frau auszugehen drohte, durch deren Hände sonst jährlich Hunderttausende gerollt waren wie Kieselsteine. Vergeblich niüht sie sich, um dort wenig- stens Teilzahlungen der Schuldbestände einzutreiben: Vertröstungen aus bester« Zeiten, die ja nicht ausbleiben können, sind das einzige, was sie empfängt. Da sitzt si« denn im nebelumbrouten London und denkt voll Unruhe an ihr Geschäft in Pari«, dem sie, die Seele, fehlt. Träumt wohl auch von entschwundenen schönen Togen und von allen den anmutigen, interessanten und abenteuerhaften Ge- stalten, die ihre Kunst in Anspruch nohrfien. Don der Duborry und vom schrulligen, perversen Chevalier D'Eon, der so gern in Weiber- kleidern ging und dem sie ein schönes Trauergewand gefertigt, von der Gräfin Franziska von Hohenheim, der späteren Herzogin von Württemberg, die den jungen Schiller ein wenig für die Lady Millfors Modell stand und die in Wirtlichkeit oder wenigstens in Pari» sich so ganz anders ausnahm, als das jung« Schwabengenie sie erblickte, daß Marie Antoinette über sie nach Wien schrieb:.Der Herzog von Württemberg zieht hier überall mit seiner Geliebten, einer etwas minderen Gräfin herum." Ach, wo waren sie hin, die Jahre, da sich jede Mode, jede Eleganz nur in Paris die Aner- kcnnung holen konnte, da es der Traum jedes kleinen deutschen Prinzen war, wenigstens ein Jahr in Paris zu leben und durch Liederlichkeit angenehm aufzufallen? Vorbei, vorbei... lieber olle Wanderungen hinweg, über stürzende Kabinette, gebrochene Eide, verratene und verratende Parteien, blieb die Königin ihrem Modeminister treu. Bis zum Tage des Tuilerien- sturmes sind in den Büchern des„Großmogul" die laufenden Be- stellungen zu verfolgen, die freilich nur mehr die Summe von etwa 900 Franken betragen. Welch ein Abstand gegen die siebziger und den Afang der achtziger Jahre, wo die Königin jährlich zwischen einer halben Million und einer Million für ihre Toiletten ausgegeben hatte! Nach dem Sturze der Schreckensherrschaft kehrte die Bertin nach Paris zurück, führte ihr Geschäft weiter, hat es ober nie mehr zur alten Höhe bringen können. Für Jahre hinaus lastete immer völkischer Nachwuchs. ,Zhr sollt doch keine politischen Abzeichen tragen, ich werde es Eurem Lehrer melden!" Wir find ja noch gar nicht in der Schule!" noch schreckliche Geldnot auf dem ganzen Lande, und als endlich der junge General Bonoparte die Siege erfocht, die Frankreich in rasender Schnelle über ganz Europa erheben sollten, da war für alle und olles, was zum ancien regime gehörte, die Zeit vorbei, und der Sonnentag eines neuen Geschlechtes brach an. Neue Sitten kamen, neue Moden, und die neue Modekönigin— Iosephine Bonaparte— brachte auch gleich einen neuen Modeminister mit. Da zog sich die Bertin, die nun schon dick und ältlich geworden war, mehr und mehr auf ihr Landgut in Epinay zurück, hätschelte ihre beiden Neffen, tat viel Gutes und starb schließlich friedlich und hochgeachtet am 28. September 1813. Bleibt noch die Frage ossen. wie Rose Bertin, das Kind des galanten Jahrhunderts, sich mit der galantesten und süßesten aller Lebensfragen auseinandergesetzt hat. Der Autor ist in diesem Punkte außergewöhnlich diskret, deutet nur einmal mit«in paar Worten an, daß sie gelegentlich von einem Liebhaber finanziell tüchtig ausgebeutet worden sei. Nun, das ist(zur Schande des stärkeren Geschlechtes muß es gesagt sein) bei den arbeitenden Frauen aller Stände keine große Seltenheit, aber zu verhängnisvollen Herzenstorheiten scheint keiner die kluge Provinzalin hingerissen zu haben. Ihr Leben gehörte dem Geschäft und dem Ehrgeiz, und so bildet ihre Silhouette einen scharfen und anmutreichen Gegensatz zu der leichtherzigen Französin, die wir uns so gern als gallischen Umversaltyp vorstellen, zeigt uns eine Frau, die trotz aller Fehler und Lächerlichkeiten mit ihrem Pfund zu wuchern verstand und aus einer arbeitsreichen Jugend zu einem gesegneten, heiteren Lebens- abend hinüberschritt._ tzelgolanö. Von Ernst Almsloh. Wenn man auf dem.Kartoffelweg" das dreieckige Oberland ab- wandelt, so muß man hier und da an redenden und gestikulierenden Menschen vorbei, denen es die Ruinen der einstigen militärischen Herrlichkeit Helgolands angetan haben. Hat man Glück, so kann man im Vorbeigehen auch sachkundige strategische oder politische Aeußerungen auffangen:„Wenn die Eng- länder--- ja, früher, das war doch--- die verfluchte Revolution--" Ich bin dann immer etwas rascher gegangen. Lernen wollte ich selber von diesen Strategen und Politikern am Kartoffelweg mchts. Und die anderen belehren? Die Mühe lohnt nicht, sie sind unbelehrbar. Versuche es nur einmal, ihnen klar zu machen, daß ihre eigene Unvernunft und nationale Ueberheblichkeit vor dem Kriege einen großen Teil Schuld daran trägt, wenn es heute nicht mehr so ist wie„früher"! Ueberzeuge sie, daß es für Helgoland bester gewesen wäre, wenn man es nicht in herausfordernder Weise zu einem furchterweckenden Flottenstützpunkt ausgebaut und statt desten die vielen Millionen lieber zu Stützbauten für da» tiebx schöne Felsennest verwandt hätte!» Leider kracht es bedenklich im Felsengebälk von Helgoland. « Bei der Einfahrt sah ich oben auf dem Felsen eine schwarzwt- goldene Fahne wehen. Nach den vielen Unfreundlichkeiten, die sich auch in diesem Jahre wieder die verfastungsmäßigen Farben in deutschen See- bädern gefallen lassen mußten, nahm ich diese Tatsache mit Freude und Genugtuung zur Kenntnis. Als ich aber später diesem Wunder näher rückte, blieb nichts von ihm übrig. Das Schwarz in der Fahne war«in von der Zeit etwas mitgenommenes Grün, und das, was ich für ein etwa» aus- gebleichtes Gold gehalten hatte, war in der Nähe ein angedunkeltes Weiß. Immerhin war die alte grünweißrote Fahne Helgolands wenigstens keine offenkundige Demonstration gegen die Republik. Auch am Bodestrand vermißt man mit Freuden die schwarzweiß- rote Flaggengola und den sonstigen männlich-kernigen Strandbürger- Protest gegen die Novemberleute und den Schandfrieden von Ver- sailles. Freilich ist auch das nur auf geographische Besonderheiten des Helgoländer Badestrandes und nicht auf.grundsätzliche Er- wägungen" zurückzuführen. Nur ein Krabbenfischer aus Cuxhaven, der mit seinem kleinen „Sturmvogel" an einem Sonntage inmitten der Tausende von Sonntagsgästen aus den Großstädten im Hafen vor Anker legte, hißte die schwarzrotgoldene Fahne. Man wird verstehen, daß ich dem Schiff einen Besuch abstattete und einige gute Brasil in den Händen der wackeren Seeleute zurückließ. * Was wohl der wackere schwarzrotgolden« Hoffmann von Fallers- leben sagen würde, wenn er noch lebte! Man hat ihm an einer bevorzugten Stelle ein Denkmal gesetzt, gegen das sich nichts einwenden läßt. Aber damit glaubt man, so scheint es, der Erinnerung an den deutschen Dichter, der auf Helgoland das Deutschlandlied schuf, genug getan zu haben. Ich habe erst durch mehrere Geschäfte vergeblich hindurchgehen müssen, ehe ich unter Hunderten von Ansichtskarten eine Karte von Hofsmann oder seiner damaligen Wohnung erhielt. Und an dem Denkmal und an dem kleinen Fischerhäuschen habe ich nur selten jemand vorbeigehen oder stehenbleiben sehen, dem es anzumerken war, daß ihm, wenigstens während seines Aufent- Halts auf Helgoland, der Dichter Hoffmann von Fallersleben mehr war, als irgendein anderer der vielen deutschen Dichter. Wenn sich nicht bald die Freunde des Sängers der Freiheit und Demokratie oder auch behördliche Stellen der kleinen Fischer- kate annehmen, in der damals Hofsmann wohnte und die auch die Wiege unserer jetzigen Nationalhymne ist, so wird sie allmählich wie andere gleichgültige Fischerhäuschen zusammenfallen. Bis dahin wird sie der jeweilige Besitzer je nach Neigung und Geldbeutel allenfalls durch Reparaturen stützen und durch Oelanftrich schmücken, die beide sicher gut gemeint sind, aber nicht immer der Bedeutung des Hauses entsprechen werden. Einst, als Hoffmann hier hauste, war die kleine Kate das letzte verlorene Häuschen nach Norden hin mit einem unbeschränkten Blick über das weite Meer, niedrig und gebückt, wie um sich vor den Stürmen zu verkriechen, heimelig und sauber, wie alle die Fischer- Häuser auf Helgoland. Das ist sie im großen und ganzen noch heute: aber ringsherum sind große gleichgültige Häuser, Hotels und einst- malige militärische Gebäude entstanden. Eines Tages oerschwindet auch Hosfmanns Haus oder doch der Blick aus seinen Stuben über das Meer, wenn nicht Pietät und Dankbarkeit vorbeugen. Es verdient schon, daß es Nationolbesitz wird, und daß in seinen Räumen die Erinnerung an den Dichter und seine schwarzrotgoldenen Ideale gepflegt wird. * Helgoland ist doch das schönst« deutsche Seebad, sofern man auf die See und auf das Baden und nicht auf Nebendinge den eigent- lichen Wert legt. Gewiß, auch Westerland ist schön und Norderney und Swine- münde können sich sehen lassen. Aber sie sind doch alle mehr oder weniger an die Nord- oder Ostsee verlegte Freibäder von Wannsee. Das kann man von Helgoland mit gutem Recht nicht sagen. Schon der Anmarsch ist zu beschwerlich. Man muß sich auf einige Stunden einem Schiff zu einer oft recht natürlichen Seefahrt aussetzen. In Helgoland selbst wird man.ausgebo«et". Zwar ließ« sich dik Prozedur auch einfacher und billiger durch einen An- leger bewerkstelligen. Als ich aber einem Helgoländer diesen nahe- Legenden Porschlag machte, meinte er ebenso treuherzig wie über- zeugend:„Na, dat makt wei nich! Wi wqt' doch ook oerdeenen!" Aber wenn man in Helgoland ist, ist man noch immer nicht am Badestrand. Der befindet sich drüben aus der. Düne, diesem origi- nellen Vorort von Helgoland. Auch dort hinüber kommt man nur mit dem Fährboot, das noch naturwissenschaftlichen Gesetzen und aus alter Uoberlieferung mit den Meereswogen munter auf und ab tanzt. Mancher scheut diese neue Herausforderung und begründet das mit dem leichtverständlichen Satz, daß ihm solche Umstände nicht be- hagten und er lieber bade, wo es bequemer sei. So bleibt nur ein kleiner Rest übrig, dem es wirklich nur auf das herrliche Baden, ohne das viele Mode-Drum und-Dran, freilich auch ohne Kinder und damit verbundene Lustigkeit ankommt. Außerdem kostet das Uebersetzen auf die Düne natürlich Geld, denn die Helgoländer.wät' doch oerdeenen". Und darum müssen in jedem Fährboot drei bis vier seefeste Helgoländer sein— man weiß zwar nicht, warum—, unix drüben beim Anlegen müssen immer sechs bis acht Helgoländer mit ihren Hosen bis an die Knie oder noch tiefer. in» Wasser gehen und das anlegende Boot sanft an ihre zottigen Männerbrüste drücken— man weih zwar nicht, warum. Aber— mögen die Helgoländer immer noch auf lange Zeit ihre von den Vätern und Urgroßvätern ererbten Besonderheiten be- wahren, wenn sie dadurch nur oerhüten, daß auch Helgoland seine Eigenart verliert. » In fast allen Geschäften von Helgoland fallen große Plakats auf, daß dort unverzollte und unversteuerte ausländische Waren zu haben seien. Man kann zu erschwinglichen Preisen irisch« Plaids und eng- lische Gummimäntel und Marmeladen, französisch« Kognaks, holländische Schnäpse und die etwas langweiligen holländischen Zigarren, ja man kann hört, ihr Käufer!— echte Bocks und Henry Clays zum dxitten Teil des Preises haben, den man in Deutschland dafür bezahlen müßte. Die Gelegenheit gilt e» zu nützen! Denn sie gilt nur für die pqar Quadratkilometer von Helgoland! Vor der Rückfahrt klemmen sich deutsche Zollbeamte zwischen dich und dein Gepäck und suchen nach deinen beabsichtigten Zollhinter- Ziehungen. Wenn ich nur wüßte, ob der deutsche Zollonkel ein mensch- liches Verstehen haben wird. » Nordsee, du schöne, du unvergleichliche! Wie oft habe ich um dich gekämpft, mit Unwssjenden, mit Banausen, mit Blasierten. Du seist eintönig, du hättest keine bewaldeten Ufer, nicht Berg und Tal, nur Sand und Wasser, Wasser, Wasser! Was weiß, wer so spricht, von dir, Nordsee, du schöne! Was weiß er von deiner Herrlichkeit, bei Tag und bei Nacht! Was weiß er von deiner Musik, dieser wundervollen, viel- seitigen, die bald einlullt, zu dämmerndem Schweigen, wie ein Beethovensches Andante. Und die dann wieder scherzt und tändelt, wenn die Wellen spielend an den Bug des Seglers schlagen. Und die am lchönsten ist, wie ein Beethovensches Presto, wenn si« donnert und brüllt und sich in leidenschaftlichem Trotz auslehnt. Menschenseele, wie gleichst du dem Wasser! Was weiß er auch von deinen Farben, wenn sich der Himmel und seine Gestirne, wenn sich Sonne und Mond in dir spiegeln, wenn Gewitter herannahen, wenn die Nebel brauen, und wenn schließlich doch immer wieder sieghaft die Sonne alles durchleuchtet und dem Ozean in die Arme sinkt! Menschenseele! Auch an anderen Meeren sei es so oder ähnlich? Mag sein, ober für mich kommt keines der Nordsee gleich. Freilich, wir kennen uns lange. Sie ist meine älteste und immer gleich junge Geliebt«. Seitdem ich als elfjähriger Junge meine erst« stürmische Seefahrt im erschreckend kleinen Radschlepp- dampfer von Bremerhaven um Neuwert herum nach Hamburg ge- macht habe, bin ich ihr vorsallen, mit Leib und Seele. Und sie dankt mir diese Treu« an Leib und Seele? Dankbar spüre ich e», wenn in langen Wintermonoten Wetterstürme Leib und Seele bedrängen. Sei gegrüßt, Nordsee, du schön«! Theater Lichtfpiele ufw. Volksbühne 72 Uhr: HAMLET Staats- Theater Opernhaus 72: Troubadour Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr: Zar und Zimmermann Schauspielhaus & Chr: Der Bär. Die gr. Katharina Schiller Theater 8 Uhr: Jungfrau von Orleans. Deutsches Theater 8 Unr Dr.Knock von Romains Kammerspiele 8 Uhr Sechs Personen sachen einen Autor von Pirandello Die amtliche Gewinnliste Hauptziehung ist erschienen über die 5. Klasse und bei mir einzusehen oder käuflich zu haben. Meine geschätzten Kunden bitte ich, Ihre Stamm- Nr. baldgefälligst zu erneuern. Zur 1. Klasse der 252. Staatslotterie/ Ziehung am 16. u.17.Oktober habe ich für neue Interessenten noch Lose frei: Friedrich Müller, Hellmer- Bühnen Lessing- Th. Heute Freitag 7 U. Premiere Götz v. Berlichingen von Goethe Wegener, Höflich, G. Müller, George Regie: Rich. Rosenheim Die Komödie Preise: 1,50-2 M Kurfürstendamm206 207 8 Uhr Herz ist Trumpf von Gandéra Kleines Theater Tägl.& Unr Großes Schauspielhaus Direktion: Karl Rosen Täglich 8 Uhr: Für Dich!" Regie: Erik Charell Musik u.Gesangstexte: Ralph Benatzki Bühnenbilder u. Kostüme: Ernst Stern Parkett M. 5.-, Balk. M. 4.-, I. Rang M.3.-. 2. Rang M. 1.:0, 3. Rang M. 0.75, Besser als früher Logen u. Klubsessel M. 7.- bis M. 12.von Pirandello Orska, Richard, Meingast, Rewalt, Steiner Reg: Berth.Viertel: Berliner Theater Preise: 3.50-15,50 8 Unr: Gastspiel Kammersänger Rich. Tauber Trianon- Th. Heute 8 Uhr Gisela Werbez rk in Frau Lohengrin Ab Sonnab. 8 Uhr: Epsteins Witwe: mit Gisela Werbezirk Musik. Leitong E. W. Korngold Eine Nacht Preise: 1,50-12 M in Venedig Central Theater Operette in 3 Akte 8: Hilfe, ein Kind ist von v. Himmel gefallen! Johann Strauß Theat. a. Hollendorial. 8Uhr Die hellblauen Schwestern die neus Residenz- Th. 8: Jugendfreunde Claire Rommer, Osk. Sabo, Dewis, Boeklin, Emmering, Elzer, Ley, Merkwitz, Semmler Thalia- Th. Künnecke- Operette 8 Uhr: Annemarie Gorina, Lichtenstein, Groß, Mailer, Faik, Hell Deutsches Künstler- Theater Heute 7 U. Premiere Gastspiel Fritzi Massary: Die Teresina Lustspielhaus Voranzeige! Sonnabend, 12. Sept. Uhr: Premiere Ritter Blaubarts achte Frau Baselt, Diegelmann, Heidemann Dora, Metelka, Spira, Wilfan Theater in der Kommandantenst. Zum 291. Male 8 Uhr: Marie Escher a G in Anneliese v. Dessau Musik von Rob. Winterberg Theat. d.Westens Das große Th. am Schiffbanerdamm Operettenhaus 8 Uhr: 8 Der kleine Kuppler Uhr: Wiener Blut Stg. nachm. 4 U.: Wiener Blut Wallner- Theater Halbe Preise 8 Uhr: Meiseken BarnowskyBühnen. Theater in der Rose- Theater 8: 0 schöne Zeit, o selige Zeit Königgraiz.Str. Casino- Theater Tägl. 8 Uhr: Wie es End gefällt Komödienhaus Tägl. 8 Uhr: Margarine von Georg Kaiser Die Tribüne Donnerst. 17. 9. Uraufführ. Zurück zu Methusalem v. Bernard Shaw Neues Theater am 00 Täglich 8 Uhr: Olly- Polly Operette von Kollo Emmy Sturm Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Täglich 8, Uhr 4. Woche HALLER REVUE 1925/26 ACHTUNG! Lothrinrer Str. 37. Tägl. 8 Uhr Die dreiaktig. Posse Der Kühne Schwimmer dazu das humorvolle Jubiläums- Programm Vorverkauf ab 10 U. vorm. ununterbr. Sonntags 2 Vorstellungen. 3 Uhr nachmittags Vorstellung zu ermäßigten Preisen. Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X400X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! WALHALLA RosenThalerTor 73 Uhr: Die lustige Revue Mal was anderes 19 mit Lotte Werkmeister Agni Wilke Lamberts- Paulsen- Rob.Steldi usw. Prais 0,60-4.50. 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