Nr. 431 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 220 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 8.- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige NonpareilleBeile S0 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Borte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte, Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Er betonte im übrigen nochmals den christlichen Friedenswillen Polens und seine Anhänglichkeit an den Böllerbund. Die Rede des chinesischen Delegierten, der verlangte, daß den ungerechten und fein Land bedrückenden Verstößen der Weltmächte ein Ziel gesetzt werde, und der dabei den britischen Außenminister direkt apostrophierte, fand starten Beifall. Die Nachmittagsfihung brachte eine groß angelegte Rede des Franzosen Paul Boncour, der zunächst nochmals das ganze System des Genfer Protokolls, Das teine Erweiterung, sondern nur eine nähere Auslegung des Bölkerbundpaktes darstelle, zergliederte und den französischen Standpunft darlegte. Wir glauben, so führte er aus, daß das Genfer Brotokoll der sich erste Weg zur Befriedung der Welt ist. Aber do andere Staaten, ohne deren Mitwirkung dieser Weg nicht be schritten werden fann, es ablehnen, diesen Schritt mit uns zu tun, und der jetzt vorgeschlagene Weg der Einzelabmachungen auf feden Fall nicht aus dem System des Genfer Protokolls herausführt, sondern sogar durch eine Ausdehnung auf alle anderen Nationen das Endziel, die Sicherheit des Weltfriedens, ebenfalls erreicht werden kann, beschreiten wir auch diesen Weg. Weil wir auch an die Wirksamkeit des Einzelpattes glauben, fassen wir auch das ins Auge, was der geschaffene Sicherheitszustand unmittelbar nach fich ziehen muß, nämlich die Abrüftung. Darum ist es angebracht, schon jetzt die technischen Vorarbeiten für die Abrüstung unmittelbar nach dem Zustandekommen des folange erfehnten Sicherheitszustandes in Angriff zu nehmen. Diese Ausführungen wurden allgemein, besonders auch auf englischer Seite, mit außerordentlich startem Beifall aufgenommen. Sozialistische Aktion im Völkerbund. Genf, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Heute Freitag fand eine vertrauliche Besprechung sämtlicher zur Völkerbundstagung anwesenden sozialistischen Delegierten statt, um zu den schmebenden Problemen Stellung zu nehmen. Die Sozialisten wollen vor allem darauf hinwirken, daß auch die politischen Fragen in den Kommissionen behandelt werden. Bis jetzt machte sich deutlich eine Strömung bemerkbar, die die Behandlung aller politischen Fragen aus den Arbeiten der Kommissionen auszuschalten fucht. Erklärungen Chamberlains. Genf, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Im heutigen Bresseempfang durch Chamberlain waren die Mitteilungen des Offensive gegen die kabylen. Anfangserfolge der Franzosen. Paris, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) In einem amilichen Heeresbericht wird bekanntgegeben, daß die französischen Truppen in Maroffo die Offensive begonnen haben. Sie scheint von den beiden Flügeln der französischen Front nördlich des Fluffes Uergha auszugehen. Im Westen sind die Franzosen über Lafrant, int Often über Terual vorgestoßen. Der Kampf soul fich günstig entwickeln. Marschall Lyautey ist unterwegs nach Marotto, wo er die politische Leitung wieder übernehmen soll, während Marschall Pétain den Krieg führt. Die Sozialisten fordern Parlamentsdebatte. Paris, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand der sozialistischen Partei und der sozialistischen Kammerfraktion baben an den Ministerpräsidenten und den Kammerpräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem sie die sofortige Einberufung des Parlaments fordern, um die Lage in Maroffo bzw. in Syrien und die Haltung der Regierung im Streit der Banfangestellten zu erörtern. Kriegsschauplak Sweida. Paris, 11. September.( WTB.) Der Berichterstatter der Chicago Tribune" in Era berichtet, daß der Drusenvolks stamm aus seiner Landeshauptstadt Sweida abgezogen fei. Die Räumung habe in der vorgestrigen Nacht begonnen und sei gestern vollendet gewesen. Französische Flugzeuge hätten lange Ramellarawanen festgestellt, die Frauen, Kinder und Güter in langsamem Zuge fortschafften. Obwohl die Stadt Sweida nunmehr von der Zivilbevölkerung geräumt sei, benutzten die Krieger der Drusen die aus Stein gebaute Hauptstadt als Befestigungs mert bei ihren Angriffen gegen die Zitadelle von Smeida, in die Räumung der Kölner Zone befragt, erklärte Chamberlain:„ Ich habe nur den einen Wunsch, so schnell wie möglich zur Räumung der Kölner Zone zu fommen und hoffe, daß man alles zur Durchführung meiner Absichten tun wird." Auf die Frage, ob die Unterzeichnung des Westpaktes auch für die englischen Dominions in Frage fomme, erklärte Chamberlain, die Dominions hätten unbedingte.handlungsfreiheit; eine Verpflichtung für sie, den Baft zu unterzeichnen, bestehe nicht. Diese Aeußerung soll in gewissen Kreisen wie ein falter Wasserstrahl gewirkt haben. Internationale Wirtschaftsuntersuchung. Genf, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Die franzöfifche Regierung hat im Bölkerbund beantragt, die Wirtschaftskommission mit einer Untersuchung der internationalen Wirtschafts- und Finanzlage zu beauftragen. Es ist geplant, diese Aufgabe dem Arbeitsamt zu übertragen, das vor allem auch die Gewerkschaften zur Mitarbeit heranziehen soll. Die Untersuchung soll sich auf die 30llschwierigkeiten, die Vereinheitlichung des inter nationalen Durchgangsverkehrs und des Münz wesens sowie Regelung von Produktion und Absatz beziehen. Versprechungen an das Saargebiet. Genf, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Genossen Brettner und Schäfer, die Delegierten der Saararbeiter zum Völkerbund, haben Genf verlassen, nachdem sie mit sämtlichen Ratsmitgliedern verhandelt hatten. Briand und Benesch haben ihnen als vorläufige Lösung für die Forderung auf Verleihung des passiven Wahlrechts an alle Saarländer den Vorschlag gemacht, dieses Wahlrecht allen zu verleihen, die feit fünf Jahren im Saargebiet wohnen. Lord Cecil und Scialoja haben um Ueberreichung einer Dentschrift zu dieser Frage gebeten, um die Forderung der Saarbevölkerung im Rate Dor= bringen zu können. Ebenso wurde versprochen, die Forderung zur Debatte zu stellen, eine Saardelegation im Rat anzuhören. Im übrigen verlautet, daß das französische Militär dem nächst aus dem Saargebiet zurückgezogen werden sou. * Im Dezember soll der Saarpräsident Rault abgelöst werden. Man macht Propaganda für das tschechische Saartommiffions mitglied Dr. Bezenski als Nachfolger. Dieser Herr hat den Schülern die Beteiligung an den Jahrtausendfeiern verboten und sich bei der Parade der französischen Truppen, die doch wider rechtlich noch in Saargebiet sind, wo längst Saargendarmerie aufgestellt sein müßte, hervorgetan. Selbst ohne diese Vergangenheit Bezenstis müßte es übel wirken, wenn der direkte Interessenvertreter franzöfifcher Annerionsbestrebungen gerade durch den Angehörigen eines Staates erjeẞt würde, der seine Politik leider sehr nach den Wünschen französischer Reaktionäre und Chauvinisten richtet. Jedenfalls wäre eine solche Neubefehung nicht zugunsten besserer deutsch- tschechischer Beziehungen. der sich noch 700 Franzosen befinden, die seit 50 Tagen belagert werden. Französische Deserteure in Darmstadt. Darmstadt, 11. September.( TU.) Großes Aufsehen erregten heute vormittag in den Straßen Darmstadts zwei französische Soldaten in veller Uniform, die ziemlich heruntergekommen aussahen und von der Polizei festgenommen wurden. Der eine, ist ein französischer Sergeant. Aus ihren Aeußerungen war zu schließen, daß sie aus Furcht vor dem Abtransport nach Ma roffo desertiert sind. Türkenvormarsch gegen den Jrak. Pression auf den Völkerbundsrat? Genf, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Genfer Presse meldet aus Bagdad, daß die Türken 40 000 Soldaten mit Flugzeugen und schwerer Artillerie an der 3raf Grenze zu fammengezogen haben. Meine Truppenabteilungen sollen bereits die vom Völkerbund festgesetzte Demarkationsgrenze überBon türkischer Seite wird diese Nachricht als dritten haben. Tendenzmeldung bezeichnet. Doch verhehlen sich die Türfen nicht, daß die Lage im nahen Osten sehr ernst werden kann, wenn der Rat in der Moffulfrage nicht baldige Entscheidung trifft, die den türkischen Wünschen gerecht wird. Der Weltbankier Amerika. Zu den internationalen Schuldenverhandlungen. New York, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) Das ameritanische Schahzamt hat am Freitag eine Aufstellung veröffentlicht, der 20 Länder den Vereinigten Staaten insgesamt 12 087 658 265 Dollar schulden. Die Berhandlungen über die franzöfifchen und auch italienischen Kriegsschulden sollen anfangs Dezember abgeschlossen werden. nach Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Wir fordern Klarheit! Wie stehen die Deutschnationalen zum Sicherheitspakt? Die deutschnationale Parteiführung hat von den Ereignissen, die im vergangenen Sommer der Entscheidung über das Dames- Abkommen vorangingen, insofern etwas gelernt, hatte sie überall durch den Mund ihrer maßgebenden Führer als fie diesmal eine Festlegung sorgfältig vermeidet. Damals hatte sie überall durch den Mund ihrer maßgebenden Führer erffären lassen, daß sie niemals ihre Zustimmung zu den ,, Sklavenketten" des Sachverständigengutachtens erteilen würde. Bis zuletzt, das heißt bis zur entscheidenden AbStimmung im Reichstage am 29. August 1924, verblieb sie bei diefem angeblichen festen Entschluß. Und als man dann die Stimmen zählte, da stellte sich heraus, daß die deutschnationale Reichstagsfraktion sich genau halbiert hatte, und daß gerade so viel Mitglieder abfommandiert worden waren, um die Annahme der notwendigen verfassungsändernden Geseze mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zu ermöglichen. Um die drohende sofortige Reichstagsauflösung zu vermeiden, um ferner ein paar Ministerportefeuilles zu ergattern, hatten die Deutschnationalen ihre feierlichen Schwüre gebrochen.... Die herbe Schule der Beteiligung an der Regierung hat die deutschnationale Parteiführung zu größerer Vorsicht erzogen. Für die deutschnationale Ideologie, wenn es überhaupt noch) cine folche gibt, sollte der Sicherheitspati eigentlich noch viel un annehmbarer sein als das Londoner Abkommen über den Dames- Plan. Und dennoch haben die verantwortlichen Redner und Schriftleiter der Deutschnationalen Bartet es bisher vermieden, jenes ,, flare, entschlossene Nein" hinauszufchmettern, das für sie in den feligen Zeiten der Opposition eine Selbstverständlichkeit gewesen wäre. Golange der Reichstag tagte, hatte diese zurückhaltung ihre besonderen Gründe: höher als Elsaßothringen stand ihnen der Brotwucher, den fie nur als Regierungspartei durchsehen konnten, d. h. indem fie die vom Reichsaußenminister eingeleiteten Berhandlungen über den Sicherheitspaft nicht durchtrenzten. Daher begnügten sich die deutschnationalen Fraktionsredner im Auswärtigen Ausschuß und im Plenum des Reichstages damit, in sorgfältig formulierten Wendungen den Gedanken des Pattes zurückzuweisen und im übrigen zu erklären, daß ja alle bisherigen Schritte, einschließlich des deutschen Angebotes vom.9. Februar, unverbindlich seien, und daß sie daher ihre Handlungsfreiheit voll und ganz behielten. Nur einmal im Juli, als die Reichsregierung auf die französische Antwortnote erwidern mußte, fonnten die Deutschnationalen nicht umhin, ihr Bertrauen zu den außenpolitischen Spritten des Kabinetts in öffentlicher Reichstagsabstimmung auszusprechen. Sie mußten das um so mehr tun, als ja das Schicksal der Regierung Luther, also der Broiwucher, davon abhing. Seitdem sind die Baltverhandlungen erheblich weitergegangen: in London hat soeben eine Konferenz der juristifchen Sachverständigen stattgefunden, und in Genf ist die Einladung an Deutschland zu einer Ministerkonferenz beschlossen worden, die bereits in den nächsten Wochen zusammentreten soll. Dennoch ist die Frage, wie sich die Deutschnationalen eigentlich zu dem geplanten Sicherheitspakt stellen, dessen Modalitäten in einzelnen Detailfragen von mehr oder. minder großer Bedeutung noch Gegenstand der mündlichen Berhandlungen sein sollen, dessen entscheidender Inhalt nämlich der Verzicht auf jeden Revanchetrieg durch Deutschland seit nahezu drei Bierteljahren feststeht, ungeflärter denn je. Es wurde erst vor wenigen Tagen auf die Wanzentaftit hingewiesen, die von allen maßgebenden deutschnationalen Blättern gegenüber diesem wichtigsten außenpolitischen Problem der Gegenwart geübt wird. Inzwischen hat sich an dieser Taktik nichts geändert. Nimmt man die führenden Rechtsblätter der Reichshauptstadt zur Hand, dann möchte man meinen, daß sie der Sicherheitspaft weniger angeht als die spanische Landung an der Küste des Rifs. Nur die Deutsche Zeitung", diefes enfant terrible der deutschnationalen Bresse, seht ihre Opposition gegen den Batt und gegen alles, was damit zusammenhängt, unter heftigen Angriffen auf Stresemann fort. Durch sie erfährt man, daß am Donnerstag der erweiterte Borstand des Landesverbandes Potsdam I der DNBP. in einer einstimmig angenomme= nen Resolution die Parteileitung auffordert, „ feinen Zweifel darüber zu laffen, daß eine, wenn auch noch fo verschleierte Preisgabe von deutschem Land durch deutschnationale Bertreter von der Deutschnationalen Bolkspartei nicht hingenommen werden wird.“ Diese Resolution, die doch nicht anders aufgefaßt werden fann, als eine Kampfansage an die eigene Reichsregierung, ist um so bemerkenswerter, als sie von dem Wahlkreis angenommen wurde, dessen deutschnationaler Listenführer kein anderer ist als Graf Westarp. Und doch wird man vergebens in dem Leiborgan desselben Grafen Westarp, in der Kreuz- Zeitung", diese Resolution suchen. Sie ist dort ebenso unterschlagen worden wie in der Deutschen Tageszeitung", im Lokal- Anzeiger", im Lag" usw. Ihre Veröffentlichung ist wohl von den Redaktionen als eine Durchtreuzung der Wangentaktit empfunden. worden. 7 Während sich nun mit Ausnahme der alldeutsch-völkischen „Deutschen Zeitung" die Berliner Blätter der Partei Westarp- Schiele in Schweigen hüllen und sich damit begnügen, ihren Lesern qu versichern, daß man an zuständiger Stelle von einer offiziellen Einladung an Deutschland noch nichts wisse, lassen die deutschnationalen Provinzblätter ihren Ge- fühlen freieren Lauf. Wenn sogar vor den Toren Berlins und in der Domäne des Parteitaktikers Westarp die Gemüter nicht zu bändigen find, wie mag es erst in der Hochburg eines Schlange-Schüningen, in Pommern und anderswo aussehen? Unter diesen Umständen ist es zu begrüßen, daß, wie von verschiedenen Nachrichtenagenturen gemeldet wird, der Auswärtige Ausschuß des Reichstags für die nächste Woche einberufen worden ist. Es ist höchste Zeit, endlich Klarheit darüber zu schaffen, wie die Deutschnationalen zum Sicherheitspakt und zur bevorstehenden Ministerkonferenz stehen. Die Lesart der„unverbindlichen Perhandlungen" wird neuerdings von der Hugenberg-Presse sogar auf eine Konferenz de? Außenminister angewandt. Aus Angst, sich selbst irgendwie zu binden, möchten die Deutschnationolen die Dinge so hinstellen, als hätte Deutschland noch immer ganz freie Hand. Das ist nichts weiter als Wortklauberei. Buchstäblich betrachtet, sind alle Verhandlungen über einen Vertrag„unverbindlich", solange dieser Vertrag nicht unter- zeichnet ist. Ja, sogar die Unterschristen unter einem Bertrag sind„unverbindlich", solange dieser Vertrag nicht durch das Parlament und durch das Reichsoberhaupt ratifiziert ist. Darauf kommt es aber hier nicht an. Die Frage lautet vielmehr, ob die Deutschnationalen die Politik des Sicherheitspaktes, so wie sie seit dem 9. Fe- bruar dieses Jahres in ihren Grundlinien klar vor Augen liegt, mitmachen od er nicht, ob sie ihre Zu- stimmung zur Teilnahme Deutschlands an einer Ministerkonferenz zwecks Abschlusses des Sicherheitspaktes erteilen oder nicht. Auf diese Fragen haben sie im Juli im Reichstag mit„Ja" geantwortet, die Wähler des Grafen Westarp und noch andere deutschnationale Landesverbände antworteten aber im Sep- lember mit„Nein". Die deutschnationale Provinzpresse und die Berliner„Deutsche Zeitung" greifen Stresemann und die Paktpolitik wütend an. Herr Schiele dagegen erklärt sich durch sein bloßes Verbleiben im Kabinett stillschweigend mit Stresemann und seiner Paktpolitik für solidarisch, während die Berliner deutschnationale Presse schweigt, schweigt und nochmals schweigt. Die Herren deutschnationalen Reichstags- abgeordneten werden aber im Auswärtigen Ausschuß reden müssen. Sie werden„Ja" oder„Nein" sagen müssen. Mag sich der charakterfeste Herr Außenminister Stresemann damit abfinden, daß ihn ein Teil der Regierungsmehrheit beschimpft und seiner P»litik schärfsten Kampf ankündigt, wir können uns damit nicht abfinden, sondern fordern Klarheit und wer- d«o Klarheit erzwingen! llanübunüwirtsthast. Worum sich die Deutschnationalen kümmern sollten. Die Landbundorganisationen, die sich immer als der Ausbund aller Ehrlichteit anpreisen und nicht genug von der Reinigung des öffentlichen Lebens faseln können, beschäftigen die Oeffentlichteit jetzt mit einem Schmutz- und Skandalfall nach dem anderen. Erst kam die große Pleite mit den Roggenanlechen in Pommern, dann wurden die großen Steuerunterfchlagungen durch einen Angestellten des Landbundes im Kreise Greifenhagen bekannt, etwas später- erfolgte der Zusammenbruch einer Hirschberger Landbundgründung und erst vor kurzem bildete der Zusammenbruch der vom Landbund gestützten und beeinflußten Landbank in R e p p e n das Tagesgespräch. Damit nicht genug. Heute können zwei weitere Fälle genannt werden. Sie spielen in der Niederlausitz und in Mecklenburg. Ueber den Niederlausitzer Fall wird aus K o t t b u s gemeldet: „In der außerordentlichen Generalversammlung der Nieder- lausitzer Landbundgenossenschaft stellte der vom Ge- nossenschaftsverband des Reichslandbundes entsandte Geschäftsführer fest, daß eine Unterbilanz von 840 000 Mark vorhanden ist, haupssächlich verursacht durch eine zu leichte Kreditwirt- s ch a s t und einen ko st spieligen Beamtenapparat. Eine Untersuchungskommission hat laut„Oderzeitung" festgestellt, daß der alte Vorstand u-nd Aufsichtsrat fahrlässig, die Geschäftsführer leichtsinnig gehandelt haben. Dadurch eiüstanden hohe Verluste, z. B. beim Kartoffel- geschäft 71 000 Mk., bei der Vieh- und Fleischverwertung 40 000 Mk., bei der Landbundmühlc 83 000 M. u. a. Da die Genossenschast die Vierteljahrskündigung eingeführt hatte, ist es einem großen Teile der Mitglieder möglich gewesen, sich durch K ü n d i- g u n g schadlos zu halten. So wurden zum 1. Juli 8 0 0 0 0 An- teile gekündigt, darunter 50 000 vom Großgrund- besitz. Diese Kündigung ist vom Gericht als rechtmäßig anerkannt worden. Von ehemals 103 000 Anteilen bestehen nur noch 23 000 zu Recht, die nun außerordentlich hoch belastet werden, was namentlich den mittleren und tleinen Grundbesitz schwer trisst. Die Erregung der in den Kreisen Kottbus, Kalau und Lübben ansässigen Mitglieder über diese Zustände ist außer- ordentlich groß." Der Mecklenburger Fall wird charakterisiert durch die Fest- stellung eines Fehlbetrages von über 500 000 Mk. in der Kasse des Landbundes. Von den einzelnen Mitgliedern verlangt man, daß sie für diesen gewalttgen Fehlbetrag haften sollen. Ueber die Umstände, die zur Entstehung des Fehlbetrages führten, werden im„Berliner Tageblatt" nachstehend« Angaben gemacht: �Der Landbund, der damals noch unter der Führung des jetzigen Mktusterpräsideliten v. Branden st ein stand, wußte.sich in seinem Machtdünkel und seinen diktatorischen Gelüsten nicht genug zu tun. Beim Regierungswechsel stellte er den Ministerpräsideiuen, und an Stelle Brandensteins übernahm der Gutsbesitzer Dr. Wendhausen (Spotendors) die Führung. Nun schwoll der Machthunger noch um ein Stück. Im-„Rostocker Anzeiger" gewann der Landbund die Oberhand. 400 000 Mark wurden dem Blatt zur Versügung gestellt. Die Rostocker Getreidesirnia Max Kroß, die spätere Rostocker Handels- gesellschast, wurde aufgekauft und in die.Landbundhandelsgesell- schaft" umgewandelt. Die Rostocker„Tonhalle" wurde gekauft, die Mecklenburgische Landbundbank gegründet. Unter den Kleinlandwirten und Landarbeitern wurde Stimmen- fang im großen getrieben. Der kleine Mann auf dem Dorfe bekam den„Rostocker Anzeiger" umsonst ins Haus, war vom Beitrag be- freit und hatte Teil an einer Reihe Vergünstigungen. Freilich waren die Leistungen nur„gestundet". Als man nach Durchführung der Stabilisierung auch im Landbund rechnen mußte, schwenkten die Häusler und Büdner ab und sammetten sich im Verein kleiner Land- wirte. Massrnklagen— bei manchen Amtsgerichten neunzig und mehr— wurden gegen die Abtrünnigen angestrengt. Vorläufig besteht die Tatsache, daß der Landbund Mecklenburg- Schwerin aus einen Fehlbetrag von etwa 500000 Mark blickt, für den die Einzelmitglieder haftbar sind. Die Beteiligung auch an diesen Lasten soll sich nach der Größe des Grundbesitzes richten, so daß für den Hektar 15 M. Zwangsbeitrag erhoben wer- den. Diesmal werden also die Großgrundbesitzer an ihrer empfind- lichsten Stell« getroffen, was bei dem augenblicklichen Geldmangel be- sonders schmerzhaft ist. In den letzten Monaten sind gerade im Hinblick auf Mecklenburg häufig die unklaren, aber sehr k o st- spieligen Beziehungen zwischen dem Mecklen- burgischen Landbund und Geheimbünden— und so- mit auch der völkischen Feme— erörtert werden. Da die Geschäftsführuna den Mitgliedern trotz mehrfacher Ausforderung eine Bilanz noch nicht vorgelegt hat, so schwirren in Landbundkreisen selbst die wildesten Gerüchte über die finanzielle Beteiligung des'. diesen und jenen Umtrieben. Dör allem herrsch! auch in den Kreisen des Großgrundbesitzes seit langem eine starte Mißstimmung darüber� daß man dem„Rostocker Anzeiger� ohne weiteres 400 000 M. schenkte, ohne sich in der Geschäftsführung des Blattes, geschweige denn in der Redaktion den maßgebenden Einfluß zu sichern." Mit allen diesen Standalaffären sind die Landbundorganisationen gerichtet. Sie find entlarvt als Organisationen zweifelhafter Geschäfte- macher, deren Bestreben darauf eingestellt ist, unter der Maske eines Biedermannes auszutreten und ahnungslose Landleute für die Jnter- / essen bestimmter Kreise einzusaugen. Organisationen, die so eingestellt sind, muß jede Berechtigung zur Kritik glatt abgesprochen werden. Im übrigen werden es uns die behördlichen Stellen nicht übelnehmen, Selbstmöröerberatungsamt. Idee und Wirklichkeit. Von Paul Gutmann. In einigen Blättern wurde der an sich gut« Gedanke einer Beratungsstelle für Lebensmüde erörtert. Der Beamte sitzt an einem mit Aktenstößen bedeckten Tisch. Ruft:„Nr. 134!" Eine Proletarierfrau tritt ein.„Sind Sie angemeldet?" Proletarierfrau:„Ich kann nicht länger warten. Wenn ich mittags nach Haufe komme und nichts erreicht habe, muß ich wieder das Geschrei der hungrige!, Kinder hören, und das halte ich nicht mehr aus. Lieber gehe ich gleich ins Wasser!" Beamter:„Haben Sie keinen Mann?" Proletarierfrau:„Doch. Aber er ist feit acht Wochen ohne Arbeit. Weil er wegen des Streiks entlassen ist." Beamter(«ine sehr strenge Miene annehmend):„So. Da hat mans wieder. Das nennt man Logik. Muß er etwa streiken? Kann er nicht' billiger arbeiten? Schweigen Sie gefälligst, wenn ich rede. Hier warten noch zweiundfünszig, die alle heut Vormittag er- ledigt werden wollen. Ihr Mann soll vernünftig sein und nicht mit dem Kopf durch die Wand zehn. Sie brauchen nicht zu weinen. Wenn sie eine gescheite Frau sind, dann waschen Sie Ihrem Mann den Eopf, statt selber ins Wasser zu gehn." Er rust:„Nr. 135". Ein junges Mädchen tritt ein. Die Prole- tarierfrau entfernt sich. Beamter(etwas freundlicher): Mein Fräulein, bitte, wo fehlt es denn?" Das Fräulein:.Ich bin so unglücklich."(Weint).„Er ist ein so lieber Mensch, mein Emil, und wir haben uns so gern gehabt. Aber gestern hat sein Vater erklärt, wenn er nicht die Liebschaft mit mir läßt, wirst er ihn aus dem Haus und aus dem Geschäft. Wir können nicht ohne einander leben." Beamter:„Wissen Sie, wieviel Einwohner Berlin hat?" Das Fräulein:„Ueber vier Millionen." Beamter:„Und unter den vier Millionen, reden sie sich ein, gibt es nur den einen, den Sie lieben können. Zum Totlachen. Kennen Sie das berühmte Lied:„Warum denn weinen, wenn man auseinander geht, wenn an der nächsten Ecke schon ein andrer steht?" Das Fräulein schluchzt weiter. Beamter:„Sie sind jung, mein liebes Kind, schlagen Sie sich diesen Blödsinn aus dem Kopf. Tanzen Sie. Amüsieren Sie sich. Führen Sie ihre Augen spazieren. Wette, daß Sie in acht Tagen Ichon einen andern haben!"(Summt):„Zwischen Zo und Rumpel- mcyer..." Das Fräulein(kopfschüttelnd ob). Der Geist des seligen 5)einrich von Kleist tritt ein.„Mein Name ist Heinrich von Kleist." Beamte'?(steht auf, klappt die Hacken zusammen):„Sehr geehrt. Wollen Sie nicht Platz nehmen, Herr Baron?" Kleist:„Bitte, nur von Kleist. Im übrigen ein unglücklicher Mensch, der mit dieser erbärmlichen Well längst abgerechnet hat. Aber trotzdem furchtlos vor dem Abschied. Als preußischer Offizier. Beamter(verbeugt sich mehrmals):„Ah, Offizier, sehr erfreut." K l e i st:„Gewesen. Jetzt Dichter." Beamter(ihn entgeistert anstarrend):„Waren Sie schon bei einem Nervenarzt? Dichter? Ja, warum machen Sie solchen Unsinn, Sie verzeihen schon, Herr Baron." Kleist:„Ich weih, das haben mir die meisten gesagt, selbst der große Goethe." Beamter:„Und da machen Sie Verse, wie mir scheint, wo sie als ehemaliger königlich preußischer Offizier sogar in der Republik die schönsten Chancen hätten. Gehen Sie doch nach Mecklenburg aus ein adliges Nest als Führer, Sie verstehen mich. Putsche oder so was organisieren, Iugendtruppen abrichten zum Heranschleichen an den inneren Feind und dergleichen." K l e i st:„Man versteht mich nicht. Ich bin kein Feigling."(Ab). Der Geist Hamlets:„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!" Beamter:„Sehr richtig. Das ist der Sinn unseres Bureaus". (Faßt sich an den Kopfi.„Ich glaube, ich bin überarbettet. Königlich« Hoheit?" Hamlet:„Weiland von Dänemark." Beamter:„Und königliche Hoheit wollen Harakiri machen? Gefällt es Ihnen nicht mehr auf dieser Well?" Hamlet;„Pfui. Sie ist ein wüster Garten, der voll von Un- traut steht." Beamter:„Verzeihen, königliche Hoheit, ober wenn tönig. liche Hoheit einen Blick auf die Gegenwart richten wollen, so leben Könige und Kaiser ausgezeichnet. Soviel ich weiß, gab es in Ihrem erlauchten Haus nur ein kleines Familienmalheur. Haben königliche Hoheit etwa den Untergang von einem Dutzend MillionenMänner erlebt? Wissen Sie etwa, was ein Gasangriff ist? Nun also. Auch auf einem solchen Massenfriedhof amüsieren sich die königlichen Herrschaften ganz ausgezeichnet. Mut, junger Mann! In Dänemark oder auch in Holland läßt sich's heut noch für Standespersonen gut leben." Hafnlet:„Wirtschaft, Horatiol"(Ab). llnlerricht für Arbeitslose. Demnächst wird der Plan des eng- tischen' Arbeitsministerium», jungen Arbeitslosen einigen gewerb- liehen Unterricht zu geben, von dem wir beretts berichteten, in die Tat umgesetzt werden. Zurzeit sind tausende junger Leute brollo», die wegen der Handelskrise seit Ende des Krieges ohne jegliche ge- werbliche Ausbildung, geblieben sind. Zunächst sollen tausend Ar- beitslofe im Aller von 19 bis 25 Iahren ausgewählt und in den zwei Zentren Birmingham und Newcastle für„gelernte Arbeit" während jechs Monaten vorgebildet werden. Nicht eine spezielle wenn wir wiederum fragen: Was gedenken sie gegen die geradezu sprichwörtlich gewordenen Landbund- skandale zu tun?_ Protest gegen üie Schulreaktion. Schieles verfassungswidrige Pläne. Von der Arbeitsgemeinschaft der sreigeistigen Verbände wird uns geschrieben: Die Reichsarbeitsgemeinschast freigeistiger Verbände hatte am 6. September in ihrer Tagung in Koburg beschlossen, gegen den Entwurf eines Reichsschulgesetzes, wie er veröffentlicht wurde, allerschärf st en Prot« st zu erheben und eine breit angelegte Protestoktion in die Wege zu leiten. Wir wenden uns be- sonders dagegen, daß im Widerspruch mit Arttkel 137 und 146 Abs. 1 der Rejchsoerfassung, der K i r ch e ein dominierender Einfluß auf die Schule eingeräumt werden soll. Die Bestimmungen des Bayer!- schen Konkordats sind in ihrem wesentlichen Kern geschickt in das neue Reichsschulgesetz hineingearbeitet, um die Oesfenllichkeit über die Tragweite der Bestimmungen hinwegzutäuschen. Nach Artikel 146 Abs. 1 der Verfassung sollte die weltliche. d. h. die konfessionslose freie Schule die Regel sein und die Bekenntnis- schule, wie sich aus dem Wortlaut des Abs. 2 ergibt, die Ausnahme. Der neue Entwurf verwischt diese klare Bestimmung, indem er im Gegensatz zu jener Bestimmung der Verfassung, die Bekenntnisschule zur Regel macht und die Weltanschauungsschule zwar zuläßt, aber an Bedingungen knüpft, die praktisch die Errichtung von Welt- anschauungsschulen� illusorisch macht. Die Lehrerschaft wird nach der Absicht des neuen Gesetzes einem wiederum mit der Verfassung in auffälligem Widerspruch stehenden Gewissenszwange ausgesetzt.' Die in der Reichsarbcitsgcmeinschaft freigeistiger Verbände oer- einigten zirka 500 000 Freidenker erheben gegen diese reaktionären Pläne den allerschärfsten Einspruch und oerlangen die freie well- liche Schule, die allein die Schule der werdenden Gesellschast sein kann. Die Lehren des Prozesses in Dayton zeigen auch uns, wie die an der jkultivierung mittelallerlicher Denkweis« interessierten ein- flußreichen Kreise und im besonderen die Kirche zur Wissenschast und zum Aufbau einer neuen besseren Kultur stehen. In Versolg dessen erhebt die Reichsarbettsgemeinschast frei- geistiger Verbände auch gegen hen Plan der preußischen Re- g i e r u n g, drei konfessionelle Lehrerbildungsanstallen statt solcher mit welttichem Charakter einzurichten entschiedenen Einspruch. Sie erblickt darin eine schwere Beeinträchtigung der tullurellen Interessen der Freidenker Deutschlands, die nach vorsichtigen Schätzungen heute immerhin 3 bis 4 Millionen Deutscher umfassen. Wir richten an alle im modernen Geiste orientierten, an der Verteidigung wissen- schaftlich begründeter Kulturforderungen interessierten Dolkskreise und im besonderen an alle Freidenker und Sozialisten die dringende Aufforderung, dafür einzutreten, daß der von uns bekämpfte Schul- gefetzentwurf zu Fall kommt und daß statt dessen die freie weltliche Schule als allgemein gellende Grundschule in Deutschland geschaffen Die Kredite der Staatsbank. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages befaßte sich am Frettog mit dem Haushall der Preußischen Staatsbank. Finanzminister Dr. Höpker-Aschcff erklärte, daß das Grund- : to p i t al-der Staatsbank, das nur 10 Millionen betrage, im Augen- bst» nicht erhöht«erden könne. Nach einer Darlegung über die Verteilung der Mittelstandskredit« ging der Minister auf die Z i n s f u ß s r a g e näher ein. Er beton!«, daß von der Post künftig statt 9 nur noch 8 Proz. erhoben werden, das Reich wolle 7% Proz. erheben. Die Mittelstandskredit« des Reiches seien von der Staatsbank ohne Verdienst weitergegeben worden. Ein Crsolg der Zinsfußermäßigung fei natürlich nur bei Anschluß der Privat- danken möglich. Bezüglich der S t i n n e s- K r e di t« versicherte der Minister, daß di« Kredit« im Einoernehmen mit dem gesamten Staatsministerium lediglich zur Vermeidung unnötiger Erschütre- rungen gegeben worden seien. Bei dem Kredit an die Vulkan- Werft habe man ein gewisses Risiko im Interesse der Erhallung Berufsbildung, sondern— soweit dies möglich ist— eine allgemeur« Vorbereitung für qualifizierte Arbett ist beabsichtigt. Während des Kursus erhalten die Zöglinge die Arbeitslosenunterstützung plus 2 Schilling 6 Pence wöchentlich und eine Mahlzett täglich. Nach den sechs Monaten wird eine zweite Schicht folgen. An zwei wetteren Zentren werden Dorbereiwngskurse in landwirtschaftlicher Arbeit für Arbeitslose vorberettet, die auswandern wollen. Speziell wird der Umgang mit Pferden und Kühen, Melken, Pflügen, Baumfällen und Holzbearbeitung gelehrt werden. Das Leben soll das einer gut organisierten Farm sein. Neben freier Beköstigung und Unter- kunft werden diese Zöglinge fünf Schilling wöchenttich und Reisever- gütungen erhalten, aber keine Arbeitslosenunterstützung. Abnahme der amerikanischen Einwanderung. Die Auswirkung des neuen amerikanischen Einwandcrungsaeseges mit der„Zwei- Prozent-Quote" hat eine starke Abnahme der Einwanderung zur Folge gehabt. Di« Veröffentlichung der Ziffern während des Jahre, vom 1. Juli 1924 bis zum 30. Juni 1925 zeigt eine Gesamtsumme der eingetragenen Einwanderer von 294 314 oder eine Abnahme um 60 Proz. gegenüber dem Vorjahre. Kanada und Mexiko bestreiten fast die Hälfte der Gesamtheit mit einer Zahl von 130 193 Personen. wobei die nicht eingetragenen Einwanderer nicht mitgerechnet sind. Verschiedene Länder haben die ihnen zugestandene Quote nicht in Anspruch genommen, so die Tschechoslowakei mit 17 Proz., Groß. brttannien mit 12� Proz., Deutschland mit 11 Proz., Italien mit 10 Proz., Schweden mll 6 Proz. und Irland mtt 5 Proz. Die Aus- Wanderung überstieg um 40 000 die Einwanderung aus 16 Staaten, darunter Spanien, Portugal. Italien, Ungarn, Balkan, Indien, China, Japan und Australien. Sowjetrußlands Nationalhymne oder die staalsgesährstche „Znternationale"? In nicht gering« Verlegenheit wurden vor kurzem die höheren Beamten des Polizeipräsidiums in der japanischen Hauptstadt Tokio versetzt. Der japanische Innenminister hat die Polizei in Tokio angewiesen, jedes Singen der Internationale" zu verbieten und zu unterdrücken. Nun ist aber bekanntlich die„Iitter. nationale" auch die Nationalhymne von Sowjetrußland. In dieser Eigenschaft wurde sie bei einer Veranstaltung des„Nussisch-Iopa- nischen Vereins" im„Imperial-Hotel" in Tokio gesungen, noch dazu mit Musikbegleitung der Kapell« der Toyama-Militärschule. Di« Folge waren eifrige Beratungen zwischen Innenministerium und Polizeipräsidium über die zu ergreisenden Maßnahmen. Di« Oeffentlichkeit aber schmunzelt und wartet mit Spannung auf die Entscheidung, die die hohen Herren Japans fälle» werden. „Gartenkunst- wird eine Sonderabteiluug der Iurhfreien Kunfischau Berlin 1925 bilden, die Ende September tm ilaattichen LandetauS- ilellungSgebäude eröffnet wird. Nach Entwürfen de« ttädtilchen Garten. dtrelior« Barth werden die Firmen Adolf Kolchel, Richard Ienzsch und Adolf Griffel die Idee verwirklichen helfen. Plastik in Verbindung mtt gartentünblerifchen Anlagen zu zeigen. Ein weiterer Saal enthält garten» architeltonische Entwürfe. Die Abteilung»Gartenkunst- entfleb! in Zu- lammenarbeit der Juryfreien Kunstschau mit der„Deutschen Gartenbau» Gesellschaft-. Graf Sosdart, der italienische Sotfchafter. wird am 13. September auf der Weimarer Tagung der Deutschen Dante-Sefellschaft über den letzte» Gesang an» Dante«.Paradie«- sprechen.- der Wen't in Äouf nehmen müssen. Sioatsbankprüsidenk Dr. Schröder teilte mit, daß von der Post insgesamt etwas über 100 Millionen zur Versügung gestellt worden seien. Genosse Dr. W a e n t i g kritisierte das unmögliche Verhältnis, das bisher zwischen Staatsbank und Finanzmini st er bestand. Es sei ein unmöglicher Zustand, daß der Finanzminister in der Zeit von Frühjahr 192� bis zum November über die gesamte Kreditgewährung nicht unterrichtet war. Gegenüber der Forderung der Deutschnationalen, die in diesem Herbst fälligen Erntekredite für die Landwirtschaft noch einmal zu prolongieren, betonte der Staats- bankpräsident mit besonderem Nachdruck, daß die aus dem Vorjahr stammenden kurzfristigen Kredite zurückgezahst werden müßten. Genosse L ü bemann forderte die Kürzung der Spanne zwischen den Zinsen der staatlichen Institute und denen der Privatbanken. Der Etat wurde schließlich unverändert angenommen. der Kampf gegen Sie Kartelle. + CV Reichsverbaud der deutscheu Industrie winkt ab. Der Reichsverband der deutschen Industrie hielt am Freitag seine achte Geschäftsführerkonserenz im Ständehaus zu Düsseldorf unter Lorsitz seines geschäftsführenden Prästdialmit- gliedes. Geh. Rat K a st l ab. Nach dem vorliegenden Bericht setzte sich der Vorsitzende mit den üblichen Vorbehalten— natürlich sind den Unternehmern wieder einmal die Steuern. Zinsen und selbst die Löhne zu hoch— für die.Preisabbauaktion' Luther ein. Ein wesentlicher Bestandteil dieser famosen Aktion ist bekannllich der Kampf gegen die Willkür der Kartelle. Auf diesem Ohr hört ober der Rri�sverband schlecht, denn die Rede des Geschäfts- führers Dr. H e r l e war eine klare Absage an die Kartellpolitik der Regierung.- Dr. Herle trug das künftige Arbeitsprogramm des Reichsoerbandes vor unter besonderer Hervorhebung der den Banken gegenüber einzunehmenden Haltung, der handelspolitischen Aufgaben und des Kortellproblems. Unter lebhafter Zustimmung der Ver- fammlung führte er aus, daß die Zeit der Kartelle nicht vorbei fei, daß unter der Voraussetzung der Anpassung der Be- hürfnisse der gesamten Wirtschaft Kartelle zur Wirtschaftserhaltung und Wirtfchaftsförderung nötig feien. Besonders eindrucksvoll war noch Herles Mahnung, bei den durch die Umgestaltung des beut- schen Zolltarises in Aussicht gestellten Interessenkämpsen Gegen- sätze möglich st im Schöße der Industrie selbst und unter Vermeidung persönlicher Schärfen auszugleichen. Natürlich sind die Kartelle nötig wenn ihr Machtmißbrauch bekämpft werden soll. Natürlich müssen die Industriekartelle mit- einand ergehen, wenn sie gemeinsam die im Schutzzollgesetz gebotenen Möglichkeiten ausnutzen wollen, die immer in der Rich- tung st eigender Preis« liegen. Natürlich sollen diejenigen Industrien, denen der Schutzzollrummel nicht paßt, sein den Mund halten, auch wenn sie im.Reichsverband' und in den Parlamenten überstimmt«erden. Da» alles ist natürlich— vom Prositstandpunkt der Industrie aus. Es ist aber durchaus unnatürlich, wenn man nach den Worten der Luther- Regierung die frei« Konkurrenz in größerem Maße einschalten und damit eine Preissenkung erzielen will. E» sieht nicht so au», als ob sich die Industrie den Preisabbau- rummel lange gefallen lassen wollte. Jedenfalls ist es mit dem Sinn der Preisabbauaktion unvereinbar, wenn man auf die schönen Worte der Regierungsleute nur den heimischen Hinweis auf die so entsetzlich.hohen' Löhn«, Steuern und Zinsen und die Not- wendigkeit der Kartelle übrig hat, denselben Hinweis, mit dem die fAndustrie durch Kriejj und Inflation in die Zeit der großen Konzern- pleiw»• hineingetvrtelt kf�.Män muß' Den GefchäsiÄführern des Reichsoerbandes für das Bekenntnis dankbar sein, daß st« nicht nur nichts hinzugelernt haben, fondern daß sie auch dann nicht sich irgendwelcher voltswirtschaftlicher Notwendigkeit zu fügen gewillt sind, wenn die von dem Großkapital gehaltene Regierung selber dazu ausfordere. Wozu auch Preisabbau?— An ihn glauben sollen ja doch nur die Arbetter! Sie werden den Herren Industriellen nicht diesen Gefallen tun. Die ewig Gestrige«. Nationalistische �eicru als Propagaudaersatz. Den Deutschnationalen geht tp schlecht. Don ihrer Sehn- sucht nach Neuwahlen hört man nicht mehr da» geringste. Die unentwegt« Opposition, die sie in Preußen zu markieren belieben, hat längst einem vorsichtigen Lavieren und Ausweichen vor ernsten Entscheidungen Platz machen müssen: Ilm Gotteswillen, nur kein« Wahlen? da» ist die Parole, die sie in allen Parka- menten ausgeben. Es lohnte sich z. D. eine tinematographische Auf- nahm« der betrübten Gesichter, mit denen beide Rechtsparteien— Deutschnationale und Voltspartei— augenblicklich in der Berliner Stadtverordnetenversammlung der nahen Abrechnung mtt ihrer Obstruktion», und Sabotagepolitik entgegengehen. In all ihren Organisationen kracht«» bedenklich. Der Kampf um die Neuoufstellung der Kandidaten wird zu einem wüstenHand- gemenge der velschiedensten Richtungen. Di« Aufwertung-- und Steuerpolitik, die restlose Enthüllung der verlogenen deutschnatio- nalen Demagogie ist eben doch nicht spurlos an der großen Zahl ihrer Anhänger unter den kleinen Leuten vorübergegangen. So sehen sie sich in schlechten Zetten noch irgendeinem Ersätz um, der die auseinanderlaufenden Scharen zusammenhatten könnt«. Die berühmte Sparsamteitsparole wird gern über Bord geworfen, wenn man nur irgend etwas den betrogenen Massen glaubt bieten zu können. So wird die Propaganda anläßlich der Reichswehrmanöoer von der deutfchnotionolen Presse eifrig benutzt, um wenigsten» etwa» Schwung in die hungerige, unter der Teuerung leidende deutschnational« Dählermass« zu bringen. Wie es gemacht und mtt wie überflüssigen Feiern diese Propaganda getrieben wird, zeigt zum Beispiel ein Aufruf der„Gesellschaft- lichen Vereinigung ehemaliger Unteroffiziere der Militäreisenbahn' zu einem Iubiläumstag für die Erinnerung an die historisch denkwürdige Tatsache, daß am IS. Oktober vor fünfzig Iahren.Die Königlich« Militär- e i s« n b a h n als Bestandteil des damaligen Eisenbohnbataillons in Betrieb genommen wurde'. Anläßlich dieses sicher ungemein wichtigen Gedenktages sollen in Berlin drei Tage lang Feierlichketten stattfinden. Der Zweck dieser Feierlichkeiten wird in dem Aufruf, den ein Generalleutnant a. D. und ein G e- neralmajor a. D. unterzeichnet haben, sehr eindeutig gekenn- zeichnet:>' .wir wollen trab«erden zeigen, daß Verkehrstruppengeist den vlachtspruch unserer Feinde überdauert.' Selbstverständlich ist in dem Programm alles vorgesehen, was teutsche Männerherzen erfreuen kann. Ein Begrüßungs- k o m m« r s wird den Ansang bilden. Der„Anzug für Herren ist, nach Möglichkett':„Dunkler Anzug, weihe Binde, hoher Hut oder Uniform. Orden usi,. in verliehener Form und Der- einsabzeichen unterhalb der Orden: für Damen beliebig'. Am nächsten Tage Generalappell mit Feldgottesdienst, bei dem ein leibhaftiger Superintendent und Konsistorialrat neben feiner Exzellenz, dem Herrn Generalleutnant a. D. Laube, sprechen soll. Dann gibt es noch ein gemeinsames bürgerliches Mittagessen", eine Nachmittagsseier, ein Abendkonzert mtt Festakt und„Festball" und am letzten Tage einen Sonntagsausflug. Beim „Abschiedsschoppen' werden die deutschen Männer im„Allen Askonier", sicher nicht vor Schluß der Polizeistunde, mit dem stolzen Bewußtsein auseinandergehen, daß sie„echten deutschen Kriegergeist dem Vernichtungswillen der Feinde entgegengesetzt" haben. Wir gönnen allen Teilnehmern von Herzen ein dreitägiges und wenn es fein muß sogar noch längeres Beisammensein. Aber die Frage ist doch wohl erlaubt: Haben die Generalmajore, Superintendenten und sonstigen Geistesgrößen kein Verständnis dafür, wie» a ch e r l i ch sie sich mtt ihren bombastischen Aufrufen machen? Habxn sie kein Verständnis dafür, daß wirtlich« Slrbeit für die Zukunft unseres Voltes nur mit ganz anderen Mitteln geleistet werden kann? Don diesen ewig Gestrigen wird Deutschlands Zukunft ganz bestimmt nicht gefördert. Ein anderes Beispiel: der Kronprinz weilt augenblicksich zu „privatem Besuch' bei irgendwelchen Großgrundbesitzern in Ost- preußen und benutzt die Gelegenheit, durch die Lande zu fahren. Wie sich das vollzieht, schildert sehr schön die„Gumbinner Zeitung': „Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz kam am gestrigen Sonn- tag auf dem Wege von Friedrichstein nach Trakehnen im Auto durch unsere Stadt gefahren. Schon von 11 Uhr vormittags an sah man zahlreiche Mitglieder des Stahlhelms, des Iungsturms und vieler vaterlandstreuer Derein« sowie große Mengen von Zuschauern nach dem Insterburger Tor wandern. Endlich gegen Uhr nahte sich dann das Auto des Kronprinzen. Die Führer de» Stahlhelms, die Herren Plickert und Pukies, meldeten dem Kronprinzen die Auf- stellung, der darüber sichtlich erfreut war. Dem Führer des Kam- pischkehmer Reitervereins, Herrn Hasselbarth, wurde dann auch die hohe Ehre zu keil. Seiner Kaiserlichen Hoheit vorgestellt zu werden, und der Kronprinz ließ den Reiteroerein an sich vorbeiretten. In langsamer Fahrt fuhr dann das Auto, von jubelnden, winkenden und Hurra rufenden Menschuemassen schier erdrückt, an der Front des Stahlhelms entlang, wobei der Kronprinz, der einen sehr frischen und gesunden Eindruck machte, in seiner bekannten, lie- benswürdigen Art fortdauernd nach allen Seiten grüßte. Die Kapelle des Stahlhelms spielte präzis« und exakt den Präsentiermarsch, während zahlreiche Blumensträuße in das Auto geworfen wurden. Am Ende der Aufstellung nahm das Auto eine schnellere Fahrt auf und olle die vielen Menschen winkten in voller Begeisterung noch lange chm nach. Unvergeßlich werden für alle Anwesenden die zwar nur kurzen Ulinuten gewesen sein, in dem sie dem ältesten Sattersohn la seine strahlenden Hohen- zollernaugen sehen dursten und sie werden davon noch Singen und Sogen bis in die sernst« Zeil. Wie wir weiter hören, weilt Seine Kaiserliche Hoheit den Montag über in Trakehnen zur Besichtigung des Gestüts. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus der Um- gebung sind zur Vorstellung nach Trakehnen eingeladen worden.' Wer denkt nicht bei dieser Schilderung an die glänzend« Kari- katur deutschen Untertanengeist«?» die Thomas Mann gegeben hat. So wie damals sind sie heute noch. Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen. Ihnen gehört die Vergangenheit. Wir wollen sie ihnen gerne lassen. Diese„Unter- tonen' passen zu ihren Hohenzollern. An ihrem Untertanengeist ist Deutschland zusammengebrochen. Ein Glück, daß«in anderer, tatträstig dem Aufbau einer besseren Zukunft zugewandter Geist die republikanischen Massen des arbeitenden Volkes beseelt. Chemikerpolitik. Taktlose Hochschullehrer. Bon eineyi Teilnehmer des Nürnberger Chemiker-Kongresses wird uns geschrieben: � Was man der Deutschen Republik alles ungestraft, ja ungerügt bieten darf, dafür bot die in der vorigen Woche in Nürnberg tagende Ehemikerversammlung«in für all«„nationalen' und.völkischen' Herzen erhebendes Beispiel. Ein Hochschulprofessor, Herr Schön- darf von der Technischen Hochschule in Hannover, hiell in der Allgemeinen Versammlung oiy mehr als 1000 Zuhörern einen Dortrag über die Hannöverfchen Erdölvorkommen. Er konnte es sich aber nicht versagen, ihn mit allerhand unsachlichen Bemerkungen politischer Art zu spicken. Als er von dem Uebergang zur Oel- f e u e r u n g sprach, die sich jetzt auch in Deutschland vollzieht, er- wähnte er, daß dos erste mit Oelfeuerung für den Norddeutschen Lloyd in Stettin gebaut« Schiff den Namen Bayern erhalten habe und fügte hinzu:„So führt dieses erste Schiff den Namen des Landes, dasals erstesaus dem Chaos derReoolution wieder Ordnung geschaffen hat. Möge dieser Name Bayern ein Symbol sein für die weitere glücklich« Entwicklung Deutschlands.' Zum Schluß seines Vortrages wurde er poetisch, indem er mit hohlem Pathos die Verse sprach: Wir hatten einst ein Daterland. Wir hatten einst eine Flagge fchworzweißrot, Wir hatten einst ein Heer, Wir hatten einst eine schimmernde Welr, Wir hatten es einst. Doch gehallen den Mund, Nur heimlich tue es kund Und sag' es der Vater dem Sohne?. Von deutschen Professoren, von dieser„Wüte deutscher Intellt- genz", um die uns das Ausland angeblich beneidet, ist man ja aller- Hand gewohnt, und handelte es sich nur um«in« gewöhnliche Ent- gleisung, so könnte man über diesen geschmacklosen Patriotismus in schlechten Versen lächelnd hinweggehen und Herrn Schöndorf den Rat geben, aus dem unseligen Unordnungsland Preußen in da» Ordnungsland Bayern, das Land feiner Sehnsucht, üherzustedeln. Uber die Sache hat auch ein« sehr ernste Seit«. In jedem anderen Land würde ein Gelehrter, der sich in einer großen Derfammlung derartige Angriffe gegen den.Staat erlaubte, durch den sich spontan erhebenden Unwillen über seine Geschmacklosigkeit und Albernheit aus der Stelle belehrt werden, bei uns ober erntet er Applaus. Die Tettnehmer der Chemiker-Togung und der Versammlung fetzten sich zusammen aus den Kreisen der Industrie und Technik sowie der Wissenschast. Die Industrie und Technik waren durch die Direktoren und Leiter der großen Werke oertreten, deren fchworzweißrot« G«> sinnung ja bekannt ist, und es ist ein trauriges Zeichen für den „deutschen Mut', daß die doch wett zahlreicheren angestellten Ehe- miker. unter denen zum mindesten eine stark« Minderhett. wenn nicht die Mehrheit über Herrn Schöndorf entrüstet waren, sich bei seinen Unverschämtheiten lautlos verhielten. Ebenso empfanden viele Vertreter der Wissenschaft das Vorgehen des Herrn Schöndorf als durchaus taktlos, gaben aber dieser Empfindung auch nur später in Privatgefprächen Ausdruck. Wer die zahlreichen Vertreter des Auslands, welche sich zu dieser Tagung«ingefunden hatten, er- fuhren davon nicht», sie mußten aus dem Beifall den Eindruck mtt- nehmen, daß die führenden Schichten Deutschland» in Industrie, Technik und Wissenschaft aus Schwarzweißrot und Re- oanche mit„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen' eingestellt sind. Aus diese Weis« vernichten solch« Der- treter der.Höchsten Intelligenz' an einem Tag« mehr an Sym- pathie und Vertrauen, als ehrliche Freund« de» Vaterlandes in Jahren erwerben können. Sestrofie Reichswehrpolitik. Vergleichende Statistik erwünscht. Angehörige des Infanterieregiments 16 in Bremen haben einer großen Reichsbanner Veranstaltung ein herzliches Begrüßungs- telegramm geschickt, d. h. Soldaten der Republik, die aus ihre Ver- fassung vereidigt sind, begrüßen Freiwillige, die im Notsall die Re- publik verteidigen wollen, was zugleich die beschworene Pflicht der Reichswehr ist. Auf inonoichistifchen Anhieb beeilte sich das Reichswehrministe- rium zu erklären, daß„die Sache' untersucht wird uird wenn wirk- lich und wahrhaftig Reichswehrsoldaten den republikanischen Schutz- bund„Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold' begrüßt haben sollten, sie bestraft werden würden, weil den Reichswehrangehörigen olles Politiktreiben verboten fei. Die republikanische, besonders die sozialdemokratische Presse hat zahlreiche Fälle demonstrativer Teilnahm« von Reichswehrangehöri» gen an Kundgebungen gegen die Republik, an Manifesta- tionen antirepublikanischer Vereine mitgeteill. Das Reichswehr- Ministerium erklärt, daß diese Verfehlungen gegen das Polttik- verbot ebenso bestraft werden. Wir bitten um periodisch« Veröffentlichung einer ver, gleichende» Statistik dieser Bestrafungen! Die Konzentration üer Montanindustrie. Tie Stellung der freien Gewerkschaften. Bochum, 11. September.(Eigener Drahtbericht.) lieb« die internationalen Kohlenoerhandlungen und die vor dem Abschluß stehende Bildung groß« Montantrusts in Rheinland und Westfalen erfahren wir, daß der Verband der Berg- arbeiter Deutschlands und die in Frag« kommenden anderen freien Gewetkschaften die Verhandlungen mtt der gebotenen Aufmerksam- teil oerfolgen. Di« sachliche Stellung der Gewerkschaften zu diesen wirtschastspolitischen Vorgängen der letzten Zeit ist gegeben durch mannigfache Entschließungen der Arbetterorganisationen zu den Fragen der Kapitälkonzenkration und nicht zuletzt durih die Denkschrift des Bergarbeiterverbandes. d«e in diesen Tagen Gegenstand von Verhandlungen mtt der Reichsregienmg ist. Die Bildung nationaler und internationaler Kartell« ist«in notwendiges E r g e.b n i s der kapitalistischen Wirt« s ch a f t. durch die der Versuch gemacht werden soll, die sich mit der gleichen Notwendigkeit ergebenden Krisenerscheinungen zu bekämpfen. Nach Ansicht der freien Gewerkschaften muß dieser Versuch scheitern, solang« nicht ein« Reorganisation der Wirtschast auf breitester Grundlage erfolgt. Insbesondere sehen die Gewerkschaften im allgemeinen und der Bergarbeiterverhand, soweit die Bildung internationaler Kohlebkartelle in Betracht kommt, im besonderen ihre Ausgab« darin, für den notwendigen Inieressenschutz der Arbeitnehmer und Verbraucher zu sorgen. Die Gefahr ist durchau« nicht gering, daß eine umfassende Kartellierung irgendeines Indu- striezwciges auf Kosten der davon betroffenen Arbeiterschaft und auch der Verbraucher erfolgt. Die Vergangenheit bietet dafür mehr als«in Beispiel. Im übrigen dürste sich voraussichtlich auch die am 16. d. M. in Brüssel tagende Exekutive der Bergarbeiter» internationale mit den Verhandlungen der deutfch-englischen Kohlenindustriellen befassen._ Teuerungspropaganüa- Eine neue Entdeckung. In der„DAZ.' wird des langen und breiten auseinandergesetzt, daß all« Regierungsmahnahmen gegen, die Teuerung n i ch t e n ütz« n. An Beispielen von den alten Römern angefangeo bis auf unsere Zayc wird gezeigt, daß Höchstpreise, Zwangswirkschast und ander« schöne Dinge nür«in«!-Schlog...Z«»' Wasser' tediiüeir Die Herren, die die War« haben, machen dW was sie wakkäiL(De- sonders, wenn sie die Schutzzölle in der Tasche hoben!) Aber, so meint das Blatt der Schwerindustrie tröstend, es werde ja nicht immer so bleiben, wenn nicht— ja wenn nicht! Und hier folgt eine epoche- machende Entdeckung: „Es gibt nur«in Mittel, um die Teuerung aufrechtzuerhalten, nämlich öen frohlockend zur Schau getragene» Pessimismus jener Leute, die man mit Fug und Recht al, Teuerungspropogandisien bezeichnen darf. Ihr Treiben ist es, das die Verkäufer ermutigt, womöglich noch aufzu, schlagen, und das die Käufer ernschüchtert, daß st« erhöht« Preise hinnehmen. So wird aus porteiegoistischer Kurzsichtigtett versucht, die Bemühungen der Regierung um die Der- billigung des Lebensunterhattes, die Herabsetzung der Umsatzsteu?'; die Zinsermäßigung und dergleichen, vergeblich zu machen.' Aber so neu ist diese Entdeckung doch nicht, daß der Satz Ben Akibas umgestoßen würde: Es- ist älles schon dagewesen. Der alt« Onkel Bräsig sagt schon:„Die Armut kommt von der Pauvertc!' und so sagt die.DAZ.' mit derselben Logik: Die zu hohen Preis« kommen davon, daß man sagt, die Preise sind zu hoch Internationale Silüungsarbeit. Konferenz in Birmingham. Zum dritten Male beruft der Betriebsrat der Bournville-Werki in Dirminyhom in diesem Jahre eine International« Studienkonferenz zusammen. Hie soll vom 15. bis 22. September tagen, als Hauptredner ist der Pazifist Norman Angell gewonnen. Er will in einer groß angelegten Vortragsreihe die Schwierigkeiten des kultivierten und ersolgreichen Verkehrs der Staaten untereinond«, die Begriffe der Staatssouocranitat und di« Gefahren der wirlschastlichen Anarchie eines nicht geeinten Europas darstellen. Die Hälfte der Teilnehmer, ungefähr 25, sind Engländer. die anderen 25 setzen sich aus Angehörigen der verschiedenen«uro- päischen Nationen zusammen. Aus Deutschland sind unsere Ge- nassen Niendorfs-Hamburg, Fricke-Berlin. Dr. Seelbach-Düsseldorf, die Genossin Dr. Wegscheidel u. a. eingeladen worden. 50 dculschöslerreichlschc Zournalisten treten in Erwiderung des Besuches reichsdeutsch« Journalisten 1921 Sonntag«ine Reise durch ganz Deutschland über München an.. Am Dienstag sind die Oester- reicher in H e i d e l b e r g. Bischöfe schwören aus die Republik. In Warschau zogen nach feierlichem Gottesdienst alle Bischöse nach dem Belvederc zum Staatspräsidenten Wojeiechowsti, wo sie den Schwur auf die Re» publich leisteten, den da» Konkordat mit dem Vatikan vorsteht. vle Todesstrafe abgeschassk hat das Luitdesparlament in Australien. 1 Sreitenftrater Punktsieger. Im Kampf mit Samfon-Körner. Di« langgehegte Sehnsucht der Berliner Boxgemeind«. den blonden Hans wieder als Meister zu seh«n. wurde gestern Erfüllung. D« Kampf um die Schw«rgewichlsmeist«schast von Deutschland ging in der neuen AutoHalle am Kaiserdomm vor einem Publikum von etwa 15 000 Köpfe« vor sich. Nach einem unsäglich mühevollen Kamps, der über 15 Runden führte und beide Gegner bi» an di« Grenz« d« Erschöpfung brachte, gelang«» Breitensträter über Samson-Körner einen Punktsieg zu erringen, der nichi unbestritten blieb. Ueber di« weiteren Kämpfe, die sich bis nach Mitternacht hinzogen, soll später berichtet Serdeii. Wille vorhanden, dann hätte es fich schon längst entschließen Deutschland erheebn schärfften Protest gegen die von der BerwalGewerkschaftsbewegung tönnen, wenigstens die ganz fleinen und bescheidenen Erleichte- tung vorgenommene Lohnerhöhung. Sie erblicken darin geradezu Die Schiedssprüche der Reichsregierung. Der erste Aft der Preisabbaukomödie. Die Reichsarbeiterorganisationen haben am Freitag zu dem Echiedsspruch über die Neuregelung der Löhne Stellung genommen und dem völlig unbefriedigenden Spruch, in Berücsichtigung der augenblicklich für die Reichsarbeiter schwierig gelagerten Berhältnisse, ihre Zustimmung gegeben. Die Erklärung der Organisationen der Eisenbahnarbeiter zu dem Schiedsspruch wird erst heute dem Reichsarbeitsministerium zugehen. Die Eisenbahner werden, wie bestimmt Derlautet, den Schiedsspruch ablehnen. Der Hauptverwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft wird selbstverständlich die Berbindlich. feitserklärung beantragen und nach der Berbindlichkeitserflärung durch das Reichsarbeitsministerium werden sich aller Bor. aussicht nach auch die Eisenbahner für den Augenblick mit der neuen Enttäuschung abfinden müssen. Die Reichsregierung, die die Lohnbewegungen der Eisenbahner und der Reichsarbeiter lahmgelegt hat, wird faum darüber im unklaren sein, daß der Ausgang der beiden Schlichtungsverhandlungen keine Lösung der Lohnkonflikte, sondern ledig lich eine Kampfpause gebracht hat. Das Ergebnis der Schlichtungsverhandlungen, die eigentlich nur efne Farce maren, stand für die Reichsregierung und Reichsbahn wenigftens von vornherein so gut mie fest. Bor Beginn der Verhandlungen statteten die beiden Schlichter Ru edlin und Stenzel dem Staatssekretär des Reichsarbeitsministeriums ihren Besuch ab, und dabei sind natürlich nicht lediglich Begrüßungsformeln ausgetauscht worden. Die Marsch route für die beiden Schlichter mar gegeben. Kein Wunder, wenn in den Verhandlungen mit den Reichsarbeitern der Schlichter auch nicht einmal den Bersuch machte. den Argumenten der Organisationsvertreter irgendwie Rechnung zu tragen. Man zeigte ihm, daß heute zwischen den Reichsarbeitern und den vergleichbaren Arbeitergruppen in der privaten Industrie Lohndifferenzen bis zu 100 Prozent minus zu ungunsten der Reichsarbeiter bestehen; man wies ihn darauf hin, daß seit der letzten Lohnerhöhung für die Reichsarbeiter die Inderziffer um 9 Puntte gestiegen ist. Alles umsonst! In den Verhandlungen mit den Eisenbahnern zeigte ebenfalls die ganze Haltung des Schlichters, wie start sich der Drud der Reichsregierung hinter den Kulissen geltend gemacht hatte. Reichsregierung und Reichsbahn haben im Augenblic anscheinend ihren Willen durchgesetzt und es ist so parador es auch flingen mag bis zu einem gewissen Grad gut, daß die Scharf macherei von oben im Augenblick das Feld behauptet hat; denn so ist eine flare Situation geschaffen worden. Bären wirklich einige lächerliche Zugeständnisse zugunsten einer allgemeinen Lohnerhöhung gemacht worden, dann hätte die Reichsregierung eine gute Ausrede, wenn über furz oder lang das Fiasko ihrer Preisabbauattion offenfundig wird. So aber wird die Reichsregierung sich nicht hinter der Lohnbewegung verfriechen fönnen, wenn nach der Preisabbauattion von ihr Rechenschaft gefordert wird. Kommt der Preisabbau im Laufe des Oktobers nicht, dann fann Reichsregierung und Reichsbahn versichert sein, daß die Ar beiter sich wieder melden werden. Sie haben wirklich micht Lust, sich auch dann noch zum Narren halten zu lassen. Auf geschoben ist nicht aufgehoben! Gohaltsbewegung der Beamten. Trotz der vielen üblen Erfahrungen, die die Beamtenschaft, vor allem die unteren und mittleren Beamten seit Jahr und Tag in der Besoldungsfrage mit dem Finanzministerium machen müssen, haben die Spigenorganisationen der Beamtenschaft angesichts des unerträglichen Mißverhältnisses zwischen Teuerung und Einfommen befchlossen, wieder mit einer Eingabe zur Aufbesserung der Beamtenbesoldung an den Reichsfinanzminister heranzutreten. Sie erwarten, daß der Reichsfinanzminister ihnen sobald wie möglich Gelegenheit gibt, in mündlichen Erörterungen die Forderungen der Beamtenschaft eingehend zu begründen und zu vertreten. Seit bald zwei Jahren erklärt das Reichsfinanz ministerium, es habe fein Geld für die Beamtenschaft. Gleichwohl wurden im vorigen Jahre enorme Beträge über die Steuervoranschläge eingenommen und Reserven angesammelt. Einen Teil dieser Steferven steckte man den Ruhrindustriellen in die Tafche. In diesem Jahre soll sich nun das Täuschungsspiel wiederholen. Das Reichsfinanzministerium weist auf die Steuermilderungen hin; aber auch in diesem Jahre haben die Steuereingänge der ersten vier Monate den Voranschlag überschritten und das Ende vom Lied wird auch in diesem Jahre sein, daß eine Menge Geld zusammengehamstert wird. Sollen die Beamten davon wieder feinen Pfennig erhalten? Wäre beim Reichsfinanzministerium nur etwas guter | rungen zugunsten der Beamtenschaft bei der Frage der Vierteljahrszahlung und des Wohnungsgeldes durchzuführen. Aber auch da sehen wir nur Verschleppungen und Hinauszögerungen. Alles zur größeren Ehre der Preisabbauaktion. Der Fata Morgana der Satten des Zoll- und Steuerblocks zuliebe sollen die Hungrigen ihren Hungerriemen immer enger schnallen. Wozn die Reichsbahn Geld hat. Bon der Reichsbahndirektion Berlin erhalten wir folgende Zuschrift: Zu der Notiz Wozu die Reichsbahn Geld hat" in Nr. 425 der Morgenausgabe ihrer Zeitung vom 9. September 1925 gestatten wir uns folgendes zu bemerken. | eine Verhöhnung der Eisenbahner, da wieder, wie schon früher, die schlecht bezahltesten Kollegen zurüdgesezt wurden oder überhaupt nichts erhielten. Was eine Familie mit 20 bis 25 Mart Wochenlohn anfangen soll, darüber haben sich anscheinend die Herren des Verwaltungsrates und der Generaldirek tion teine Kopfschmerzen gemacht, die nur darauf bedacht sind, recht fette Korruptionszulagen auszuteilen; für den Bezirk Osten allein für die letzten drei Monate 121 000 m., für den Bereich der Reichsbahngesellschaft 4 735 000 m. Mit solchen Summen tönnen die Wünsche der Gehalts- und Lohnempfänger ganz gut berücksichtigt werden. Die Versammelten erwarten vom Verbandsvorstand, daß er an den aufgestellten Forderungen, besonders der allgemeinen Lohnerhöhung, festhält. Sie verpflichten sich. alle Maßnahmen zu treffen, die einen aufgezwungenen Kampf fiegreich gestalten müſſen.“ Der Banks Jm Am 12. August 1925 wurden die Verschiebebahnhöfe Wustermart und Seddin von auswärtigen Fachleuten als Gäste der Deutschen Reichsbahngesellschaft unter Führung von Mitgliedern der Hauptverwaltung und der Reichsbahndirektion besichtigt. Um bei Der Bankbeamtenstreik endgültig beendet. der furzen Dauer des Besuchs die auswärtigen Gäste während der Fahrt an Hand von Plänen über die Aufgaben und örtlichen Ein beamtenstreit, der schon einmal als beendet erklärt, jedoch weiter Paris, 11. September.( Eigener Drahtbericht.) richtungen der Bahnhöfe unterrichten und auch sofort nach Beendigeführt wurde, hat am Freitag seinen Abschluß gefunden. gung jeder Besichtigung wieder weiterfahren zu tönnen, mußte ein Berlauf der Verhandlungen zwischen den Bankleitungen und den Sonderzug mit dem Revisionswagen gefahren werden. Da die Fahrt Angestellten erklärten sich die Arbeitgeber außerstande, über ihre von 9 Uhr morgens bis nachmittags 3 Uhr dauerte, auf den Bahn- bisher gemachten Zugeständnisse binanszugehen. Die Streifenden behöfen oder in der Nähe derselben ein geeigneter Gasthof zum Ein- schlossen, sich mit diesen Zugeständnissen vorläufig zu begnügen. nehmen einer Mahlzeit fehlt und den auswärtigen Gästen unbedingt Maßregelungen follen nicht erfolgen. Außerdem ist den AnGelegenheit zur Einnahme einer Mahlzeit geboten werden mußte, gestellten eine fofortige Koblenzulage im Betrage von 200 Frank wurde auch noch ein Speisemagen beigegeben. und eine besondere Zulage in der gleichen Höhe zugesagt. Streittage werden nicht bezahlt, jedoch soll die Zahl von Ueberstunden zur Erledigung der während des Streifs angehäuften Arbeiten den Angestellten die Möglichkeit geben, ihre finanziellen Verluste auszugleichen. Bei der Revisionsfahrt nach Kirchmöset wurde ein Speisewagen nicht mitgeführt." Somit entfallen die Voraussetzungen bezüglich der Inspektionsfahrt nach Wustermart und Seddin. Betreffend der Fahrt des Reichs. bahndirettors Stapf nach Kirchmöser per Extrazug werden unsere Angaben bestätigt. Der Fall ist um so traffer, als nach Kirchmöser eine ausgezeichnete Berbindung besteht. Eine derartige Großzügigkeit muß verbitternd wirken, wenn man gleichzeitig den Eisenbahnern erklärt, daß für Lohnerhöhungen fein Geld da ist. Der Schriftgießerstreit geht weiter. Am Freitag mittag tagte in den 3entrai- Festfälen, Alte Jakobstraße, eine gut besuchte Bersammlung der streitenden Schrift gießereiarbeiter. Flaschmann vom Buchdruckerverband teilte mit, daß die Streiflage im wesentlichen unverändert sei. Trozz nehmern an ihre alten, langjährigen Mitarbeiter" verschickt werden der von Unwahrheiten strohenden Flugblätter, die von den Unterund in denen diese zur Aufnahme der Arbeit ermahnt werden, steht die Front der Streifenden auch in der jetzt zehnten Streif. woche fest und geschlossen. Die wenigen vorhandenen Streifbrecher fallen bei der Gesamtzahl der im Streit Befindlichen nicht ins Gewicht. Die Streifenden lassen sich durch Manöver, wie sie der wendet, indem er gegen Streifpoften tätlich vorgeht, oder Direktor der Firma Berthold A.-G., Belle- Alliance- Straße, andas Benehmen seines Chauffeurs, der gegenüber den Streifpoften auf sein Schießeisen verweist, nicht irre machen. Ebenso werden die Unternehmer nicht auf ihre Rechnung fommen, wenn sie glauben, die Arbeiter würden durch die lange Streifdauer finanziell zermürbt werden. Aus allen Teilen Deutschlands und aus Desterreich gehen find, gestützt auf ihre Organisation und die Solidarität aller übrigen Gelder ein zur Ertraunterſtügung der Streifenden. Die Streifenden Arbeiter, fest entschlossen, den Machtwillen der Unternehmer zu brechen. Riedel, der Vertreter des Metallarbeiterverbandes, wies noch darauf hin, daß die im Metallarbeiterverband organifierten Kollegen sich am Dienstag im Verbandshaus, Linienstraße, zusammenfinden, um zu einigen wichtigen Fragen Stellung zu nehmen. Lohnabkommen der Stukkateure und Gipser. In einer start besuchten Bersammlung der Stuffateure am Donnerstagabend im Dresdener Rasino" berichtete Fachgruppenleiter Sched über die am Dienstag mit den Unternehmern zur Beilegung des Lohntonflifts gepflogenen Verhandlungen. Nach langem Berhandeln erflärten sich die Unternehmer bereit, auf den tarifmäßigen Lohn eine weitere Zulage von 7 Pf. zu gewähren. Als Scharfmacher befonderer Art betätigte sich Herr Heidemann bei den Verhandlungen. Dieser Herr, der auch einmal die Kelle gefchwungen hat, hat allem Anschein nach vergessen, wie ihm dabei zumute war, obwohl er sich seinen Arbeitern gegenüber gern ein soziales Mäntelchen umhängt. Die Unternehmer erklärten weiter, diese Extrazulage bis zum 31. März 1926 gelten zu lassen. Sollte sich inzwischen der Maurerlohn erhöhen, so bleibt auch die neue Lohnpanne Don 7 Pf. bestehen. Nach einer längeren Diskussion wurde das Angebot der Unternehmer gegen eine starke Minderheit angenommen. Proteft der Eisenbahner in Frankfurt a. d. O. Am Dienstag wurde nachstehende Entschließung nach eingehender Aussprache über die Lohnbewegung einstimmig angenommen: „ Die am 8. September im Gewerkschaftshause überaus zahlreich versammelten Eisenbahner der Ortsgruppe Frankfurt/ Oder einschließlich der Zahlstellen des Einheitsverbandes der Eisenbahner Allgemeine Deutsche Postgewerkschaft. Zweiter Gewerkschaftstag. Die Der 3weite( außerordentliche) Gewerkschaftstag der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft wurde am Donnerstag im Berliner Gewerkschaftshcus unter zahlreicher Beteiligung von Dele. gierten aus allen Teilen des Reiches eröffnet. Rollege Uhr era öffnete die Tagung mit herzlichen Begrüßungsworten unter Hinweis auf die Wichtigkeit der zu fassenden Beschlüsse. Als Vorsitzende der Tagung wurden 3 a chert, Berlin, und Rand, Chemniz, als Schriftführer Lauer, Hamburg, und Körber, Berlin, und als Beisiger Frl. Ried, Berlin, Schirm, Dresden, und unverfährt, Leipzig, gewählt. Nachdem verschiedene Ronimissionen gewählt waren, erstattete Uhr den Geschäftsbericht. Daraus ist besonders hervorzuheben, daß die freigemertschaftliche Beamtenbewe gung, irog aller Anfeindungen durch die Verwaltung und der meist noch fürgerlichen Vereinen angehörenden Beamten, einen Reichsregierung, die sich selbst als„ Regierung des sozialen Aussicheren, menn auch noch langsamen Fortschritt macht. Die jetzige gleichs" und der inneren Wahrhaftigkeit bezeichnet, wird infolge ihrer Verständnislosigkeit gegenüber allen berechtigten Forderungen der Beamtenschaft dazu beitragen, das Anwachsen der freigewerfschaftlichen Beamtenbewegung zu beschleunigen. Die mit großem stellung der Beamtenschaft gestellten Anträge wurden von denselben Tamtam von den Regierungsparteien für die wirtschaftliche BesserParteien im Reichstag niedergeftimmt. So wenig wie der jezige Reichstag die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Beamten fördert, so wenig wird er auch das Beamtenvertretungsgeseh fördern, auf das die Beamtenschaft seit sechs Jahren wortet. Ebenso steht es auf den Gebieten des Beamtenrechts, des Bersonalabbaues und der Urlaubsfrage. Auf allen Gebieten ist festzustellen, daß der angekündigte soziale Ausgleich", wie er fich 3. B. in der Sienerund Zollgesetzgebung auswirken wird, nicht dazu angetan ist, das Vertrauen der Beamtenschaft zu dieser Regierung zu stärken. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Der Schriftleiter unserer Gewerkschaftszeitung, Kollege Ried, hob besonders die eifrige freiwillige Mitarbeit der Kollegenschaft hervor. Kollege Jachmann gab den Kaffenbericht. Auf Antrag murde ihm einstimmige Entlastung erteilt. Begrüßungstelegramme liefen auch aus dem Auslande ein. Nach der Mittagspause gingen die Kommissionen an die Beratung der zahlreich vorliegenden Anträge. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Der Kämpfer" Nr. 15 ist fertiggestellt und kann im Bureau, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 St., in Empfang genommen werden. Besonders die Vertreter der Klein, und Mittelbetriebe werden ersucht, rechtzeitig abzuholen. Parteiausweis ist mitzubringen. Bezirksverband Berlin der GPD., Betriebssekretariat. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen. Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbesuch. 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September 1923 Wie märkiMe KleinMöte aussehen: jßüsbben. weist. Ein moderner zwischen Ständehaus und Schwß aufgeführter Bau ist Sitz des Katafteramts: von ihm aus hat man guten Blick auf die Giebelfront. Weitergehend gelangt man bald"zu der in stattlicher Breite dahinfließenden Spree. » Dos.Gondole! Gondole!' der venetianifchen Barkenführer hat kein Gegenstück bei dem schweigsamen Norddeutschen. Der Boots- führer wartet, bis du deine Wünsche zu erkennen gegeben hast. Die flachen Boote, in die die Sitze eingehängt werden, so daß man stets nach vorn sieht, fahren sehr angenehm dahin: die Fortbewegung wird bekanntlich nicht durch Rudern, sondern durch Staken mit einer langen Stange bewirkt. Auf der Fahrt erblickt man schon die für den Winter aufgestapelten cheuoorräte: Der Schober hat die Form *-4 Der in den Spreewold will, eilt meist achtlos an Lübben vor- über und strebt Lübbenau zu. das zudem als Stapelplatz der von den Spreewaldbewohnern gewonnenen Gemüseprodukte gilt. Dem Lübbenauer.Betrieb' hat aber die Stadt Lübben manche andere Vorzüge entgegenzusetzen, und zudem ist ihr auch der Spreewald- charaktcr nicht ganz abzusprechen. ütt alter und neuer Zeit. Wie noch heut« die Schienenwege Berlin— Lübben— Görlitz und Uckro— Lübben— Beeskow lehren, ist Lübben stets der Schnittpunkt von haudelswegen von Norden nach Süden und von Westen nach Osten gewesen. Die Loge der Stadt, die auf einer allerdings nicht bedeutenden, von der Spree umflossenen Erhebung liegt, zwischen den beiden Spreewaldteilen erklärt diesen Dorteil, der namentlich die Stellung zu dem benachbarten Luckau, dem Havptorte der Nieder- lausitz in älterer Zeit, beeinflußte. 1007 wird Lübben bereit» al« wichtiger Ort genannt, Nachfolger der alten wendischen Siedlung. in der die Gottheit.Liubo" verehrt wurde. Bald sächsischer, bald brandenburgischer Besitz, geriet die ausblühende Stadt später in die Gewalt der die Niederlau'sitz beherrschenden böhmischen Krone. Der Dreißigjährige Krieg vernichtete ihren Wohlstand: nach dessen Beendigung erholte sie sich unter nunmehriger sächsischer cherrschast, die bis 1813 dauerte. Dann kam Lübben in preußischen Besitz. Das 19. Jahrhundert bracht« eine langsame, aber stetige Entwicklung: die Devölkernng ist aus 6000 Einwohner angewachsen: neue Stadt- viertel sind entstanden, mit großen, boumbcwachsenen Straßen, die sich, ebenso wie die der Altstadt, durch peinliche Sauberkeit auszeichnen. Als Sitz des Landratsomts, Realgymnasiums, der Brovinzialirrenanftalt usw. hat sie Bedeutung für einen großen Umkreis, und wenn auch Acker- und Gemüsebau die Haupttätigkeit ausmachen, so fehlt die Industrie(Trikotagen) nicht ganz: weithin bekannt ist auch das Lübbener Braunbier. Die Ruhe und Gepflegt- heit der Stadt, die bequemen Spaziergänge und die anmutige Um- gegend haben ihr auch den Besuch vieler Sommerfrischler verschafft, zumal solcher, die sich gern auf dem Wasser vergnügen. Gute Fluß- bäder und ein Warmbad sind vorhanden. Ein Sang durch die Stadt. Die in vielen Kleinstädten vorhandene, meist unschöne Bahnhos- stroh« wird hier durch einen promenadenwcg ersetzt, der den Ein- treffenden vom Bahnhof zur Stadt führt. Es ist der Hauptweg eines zirka 80 Morgen großen Parks, der den poetischen Namen .Der Hain' trägt. Bei einer Brücke, die über die von Luckau kommende, bei Lübben in die Spree mündende Berste führt, ilt rechts der Eingang zu dem alten, nicht mehr benutzten Kirchhos, der namentlich zur Fliederzeit einem Märchenpark mit seinen engen Gängen gleicht. Weiter führt uns der Weg an Denkmälern(das eine ist dem in Lübben geborenen bekannten reaktionären Minister- Präsidenten Otto von Manteuffel gewidmet) und an einem die Erinnerung an die jagenhaste Göttin.Liuba' wachhaltenden Ge- denkstein vorüber zu der hospltalkirche. einem malerisch im Grün gelegenen Fachwerksbau, vor dem sich«ine sächsische Postsäule von 1714 erhebt. Rechts geht eine Straße nach dem nahen Dorfe Stein- kirchen, dessen Kirche die Grabstätte der Familie v. Heuwald ziert, deren eines Mitglied, Ernst Christoph(1778— 1845), das Amt eines Landesdeputierten der Niederlausitzer Stände mit dem Beruf eines seinerzeit auf ein lränenseliges Publikum große Wirkung erüelenden Dramendichters vereinigte. Wenden wir uns von der Postsänle links, so nimmt uns die Breite Straße auf, die zur Spree führt. Dort liegt links zwischen zwei Spreearmen die Psaueniusel, von der aus die Fahrt nach dem Unterspreewald angetreten werden kann. Ueber die Spres hinweggehend, betreten wir das Gebiet der Alt- stadt: rechts die Hauptstraße, links die Poststraße, die zum ge- räumigen Markt führt. Hier gibt die hanpt-(oder Nikolai-) Kirche. ein hoher, spätgotischer, dreischiffiqer Bau mit zierlicher Turmspitze, einen wirkungsvollen Abschluß. Bor der Kirche dos Denkmal Paul Gerhardt», der von 1668 bis zu seinem Tod«(1676) in Lübben als Archidiakonus wirkt«. Er ist unter dem Altar beigesetzt: sein Bild befindet sich im Chorraum. Di« Flächen des Denkmolsockels tragen Liederverse Gerhardts, der der unter den Schrecken des Dreißig- jährigen Krieges leidenden Menschheit dichterische Trostworte ge- spendet hat.— Hinter dem Chor erhebt sich in Straßenfront die schlichte wendische Kirche, die von der nicht zahlreichen wendischen Bevölkerung der Stadt und der nächsten Umgebung besucht wird. Geht man von der Kirche rechts weiter, so kommt man an dem ehemaligen Ständehaus vorbei zu dem interessanten Renaissance- schloß, einst Sitz der Landesoögte. Die Anlage ist äußerst originell: um einen freistehenden, sehr breiten Turm gruppieren sich die drei Flügel des Schloßbaues, die 1680 ihr gegenwärtiges Aussehen er- hielten. Sehr schön ist das von 1682 oalierte Portal des Mittel- baues, das auch im Osten einen prächtigen Renaissancegiebel auf- Barockportal am Schloß zu Lübben. einer umgestülpten Tulpe und steht des winterlichen Hochwassers halber auf einem Holzrost. Zurückgekehrt, wird man trotz des Nichtstuns auf dem Boot Hunger verspüren— Sprecluft zehrt!— und verständigerweise grünen Aal mit Spreewaldtunke zu sich nehmen. Etwas Spreewaldpoesie muß doch auch bei diesem prosaischen Geschäft sein! Eine geheimnisvolle Torte. Eine Enttäuschung erleben leider die Berliner Waisenkinder. denen die Kriminalpolizei die aus Salzburg hierher gesandte, mir einer merkwürdigen und unverständlichen Adresse versehenen, a u t o- radgroße Torte zugedacht hatte, in der man auf dem Anhalter Bahnhof zunächst eine Höllenmaschine vermutete. Ein Be- amtcr stand gerade im Begriff, das wunderschöne Backwerk nach dem Waisenhause zu bringen, als die Streife des Anhalter Bahnhofes durch den Fernsprecher anrief, die Torte dürfe auf keinen Fall ab- gegeben werden. Die Eisenbahnvcrwaltung— nicht die Post« Verwaltung—, die die Kiste zunächst der Kriminalpolizei übergeben hatte, hatte unterdessen bei dem Konditor Fürst in Salz- bürg angefragt, was mit der Torte geschehen solle. Die Kondi- torei erwiderte, sie solle sofort expreß an sie zurückgesandt werden. Das unbegreifliche Ich. . GefchichteeinerIugend. Roman von Tom kriflenfen. (Berechtigte llebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) In Nanking ereignete sich das Merkwürdige, daß sie ihm vertraut wurde wie eine Frau seiner eigenen Rasse, denn ihm schien« al» ob er dort in eine phantastische Hölle von gelben Gesichtern gestürzt wäre. Sie drängten sich an seinem Wagen vorbei, sie schimpften, sie lachten, sie schwitzten, und er fürchtete sich beinahe, auszusteigen. Würde er nicht verschwinden, wenn er es tat, würde er sich nicht plötzlich in einem ganz anderen Dasein befinden?� Gehörte er trotzdem nicht zu jener Welt, aus der er kam, gehörte er nicht zu seinem europäischen Anzug, zu dem europäischen Wagen und zu May Darling? Draußen bei den Minggräbern schlug die ganze Trost- losigkeit dieser fremden, gelben Welt ihm entgegen. Die roten Hügel, die lange Allee von Steintieren, Kamelen, Tigern und Elefanten, die wimmelnden Scharen der Bettler waren ihm unverständlich. Es stimmte, was ihm einmal gesagt worden war: nach China zu kommen ist ebenso illusionraubend und großartig wie der Tod. � �. Sie gingen bis zu dem Grabe selbst herauf und standen vor dem hohen, viereckigen Bauwerk, ein schwarzer Block mit einer Türe in der Mitte und oben auf diesem ein roter Block mit drei Türen. Sie leuchteten im Sonnenschein: doch keinerlei Zierrat glitzerte an ihnen: die Dächer waren verbrannt. Da loa das alte Bauwerk vor ihnen. Auf ein« unbegreif- liche Art bekräftete es, daß der Raum aus Leere bestand und daß das endgültige Ziel des Lebens die Ruhe war. die in der Leere liegt. Es würde so selbstverständlich sein, da heraufzu- gehen, ganz hoch herauf und sich ohne Lebensüberdruß von dort herabzustürzen. Als sie wieder nach Hause in das klcme Hotel kamen, das außerhalb der Mauer lag, griff Waldemar nach May als dem einzigen Lebendigen in der Nähe. Er glaubte, er liebte sie. Mutter war aus dem Krankenhaus nach Hause ge- kommen: aber sie war auf einmal so ruhelos geworden. Wir müßten durchaus umziehen, sagte sie: sie könnte Oesterbro nicht mehr vertragen. �nd wir zogen wieder um. Wir bekamen eine Wohnung im vierten Stock eines Eckhauses, dos in einer dunklen und in einer hellen Straße lag. Eine eigen tümllche Traurigkeit hiest mich gefangen. Ich war in eine neue Schule gekommen, zu neuen Kameraden, und ich wohnte in einem neuen Haus zwischen neuen Jungen: aber ich empfand es als überflüssig, noch mehr Menschen kennen zu lernen. Weshalb sollte ich auch? Wenn ich mit einigen von ihnen Freundschaft schloß, würde es bloß schmerz- lich sein, wenn wir wieder umzogen. Und ich war über- zeugt davon, daß wir auch hier nicht zur Ruhe kommen würden. Mutter war eine ganze Woche lang beglückt über die neue Wohnung. Hier hatte sie keine Erinnerungen, denn sie floh die Erinnerungen. Aber eines Tages fing sie an, sich über die hohen Häuser zu beklagen. Ihr kam es vor, als ob sie hier noch dichter als auf Oesterbro ständen, und sie bekäme Stadtangst, sagte sie. „Warum ist das alles so steinern. Kleine und große Pflastersteine auf der Straße, und Mauersteine an allen Seiten und nur solch Stückchen Himmel!" sagte sie und starrte mit ihren krankhaft leuchtenden Augen zum Fenster hinaus. Ich empfand unseren ganzen Aufenthalt hier nur als vorübergehend, und mir kam es vor, als ob ich gar nicht zu Hause wäre. Und wenn ich die Möbel betrachtete, beruhigte mich das auch nicht. Sie standen nicht richtig auf ihrem Platz. Es war dies kein unverrückbares Heim, wo Schränke und Tische gleichsam aus den Wänden oder vom Boden heraus- wuchsen, und ich, der stets mehr in Bildern als in Gedanken gelebt, hatte deswegen kein feststehendes Bild von dem Ort. wovon ich ausgegangen war. Der Ausgangspunkt flimmerte hin und her. An der Wand hing ein Oeldruck: ein Hafen mit Fabrik- schornsteinen und Packhäusern und Menschen. Der hatte auch auf anderen Wänden in anderen Stuben gehangen. Er hatte niemals eine feste Umgebung gehabt, sondern war von Wohnung zu Wohnung geirrt, von Möbelwagen zu Möbel- wagen. Ich hatte das Bild sehr gern, denn es war auf ihm ein Mann im Nordergrund, und wenn ich den lange anstarrte, konnte ich ihn zum Gehen bringen. Und meine Borliebe für dieses Bild war wohl die Ursache, daß sich meine heimlose Traurigkeit darauf übertrug. Am Abend saß ich stets am Fenster und starrte auf das gegenüberliegende Eckhaus. Unter den Fenstern des vierten Stocks befand sich ein schräges Gesims, das mir Schwindel- gefühle verursachte. Selbst wenn ich versuchte, meine Phan- tasie zu zügeln, drängte sie sich doch wieder hervor. Wohl saß ich in Sicherheit hinter meinem Fenster: aber gleichzeitig ging ich auch dort drüben entlang: ich mußte das tun, und ich sollte um die Ecke herum. Schritt für Schritt. Der Wind blies, und ist fror vor Schwindelgcfühl, und dann glitt ich aus und stürzte herab.— Ich mußte bisweilen ausstehen und vom Fenster fortgehen, um wieder Ruhe zu bekommen. Ich mußte einen sicheren Boden unter mir und sichere Wände um mich haben, an denen ich mich halten konnte, so daß ich den tiefen Raum der Straße vergaß. Ich mußte etwas Festes unter mir fühlen. Das einzige, was mich ablenkte, war der Verkehr in der hellen Straße, von der ich gerade anderthalb Hänser, ein Stück des Bürgerstciges und den Fahrdamm sehen konnte. Durch die großen Ladensenster fiel das Licht flimmernd �über den Asphalt. Menschenschatten kamen von der einen tzeite und verschwanden auf der anderen, und mein Interessis zog von dem einen Schatten zum anderen, ohne Freude über ihr Auf- tauchen, ohne Trauer über ihr Verschwinden. Es waren bloß Bewegungen: aber dieser ewige Wechsel hypnotisierte mich stundenlang. Es war, als ob man auf Meereswellen sah, es war, als ob man wogendes Korn, als ob man treibende Wolken sähe. Die Straße, die Lichter, die Menschen, das war die Natur für mich.> „Was siehst du dir denn an. Waldemar?" fragte Mutter aus der Dunkelheit des Zimmers her. „Die Menschen." „Macht dir denn das Spaß?" sagte sie traurig. „Ja, das macht mir Spaß." Wieder wurde es still. Ich lehnte den Kopf gegen die Scheibe und fuhr fort, hinauszustarren. Ein Straßenbahn- wagen fuhr vorbei, und ich lauschte auf den summenden Ton, der sich unten in der Straße verlor. „Waldemar, hast du deine Mutter lieb?" Ich fuhr zusammen. „Warum frägst du danach, Mutter?" „Ja, warum?" Ihre Stimme klang so müde. Sie vermochte nur eine einzige Frage zu stellen: dann hielt sie ein, als ob sie etwas Verkehrtes getan hätte. Doch ich war unruhig geworden. Meine ganze Fremd- heit ihr gegenüber war verschwunden, als ich sie hatte Blut brechen sehen. Ich wäre so gern freundlich zu ihr gewesen: aber was war freundlich? Was sollte man einer Mutter sagen, die man früher nicht gekannt hatte? Ich stand auf und lief zum Tisch hin. In der Dunkel- heit konnte ich ihr weißes Gesicht leuchten sehen mit zwei dunklen Flecken, ihren Augen, die so voller Trauer und Müdig- keit und wie die Nacht selbst blickten. Und aus meinem tiefften Innern arbeitete sich eine schluchzende Frage hoch. Etwas Vergessenes nahm langsam Form an: doch diese wach- werdende Erinnerung bereitete mir einen starken Schmerz. (Fortsetzung folgt.) Das geschah dann auch. Weshalb diese Zurüdsendung verlangt wurde und was mit der Absendung eigentlich bezweckt war, darüber hat sich die Konditorei nicht geäußert. Jedenfalls sind die Waisen finder leider um eine Freude gekommen, die ihnen zugedacht war. Hoffentlich aber finden sich ein oder ein paar Menschenfreunde, die den Waisenkindern doch noch zu dem Genuß eines so seltenen Lederbiffens verhelfen. Das Havelländische Luch. Das Bestreben, die Ernährung des deutschen Bolles möglichst durch den Ertrag unserer eigenen Landwirtschaft sicherzustellen, hat dazu geführt, daß im Jahre 1920 das Gefeß über Bodenverbesse rung angenommen wurde. Nach diesem Gesez haben beispielsweise die Kulturbauämter in den Regierungsbezirken die Aufgabe, trockenes und naffes Dedland in brauchbares Acer- oder Wiesenland umzuwandeln. Das Kulturbauamt in Potsdam hat es sich zur Aufgabe gestellt, die ausgedehnten Ländereien des Havelländischen Luchs trodenzulegen. Bei einer Preſſeführung wurden dieser Tage besonders die Meliorationsarbeiten in der Gemartung Rrielom bei Werder gezeigt. Es sind hier etwa 6000 Morgen bisher völlig unbrauchbaren Wiesengeländes zunächst durch Eindeichung gegen die höher gelegene Havel hin von dem Hochwasser abgeschlossen worden. Dann wurde durch ein ausgedehntes Haupt- und Nebengrabensystem die Entwässerung vollends durchgeführt. Auf diese Weise sind bis her etwa 400 Morgen so weit ausgetrocknet worden, daß mit dem Úmpflügen und der Aussaat von brauchbaren Wiesengräsern begonnen werden konnte. Die Arbeiten werden zum größten Teil von einem Außenfommando der Strafanstalt in Brandenburg ausgeführt. Direktor Schwerdtfeger von der Brandenburger Anstalt betonte bei der Besichtigung des Gefangenenlagers, daß sein Bestreben, die Gefangenen in der legten Zeit ihrer Haft durch solche produktive Arbeit wieder in das bürgerliche Leben überzuführen, bei den Gefangenen selbst dankbar anerkannt wird. Die Außenarbeit gilt als ganz besondere Bergünstigung, und die Gefangenen erhalten neben der Bezahlung für ihre Tätigkeit Extravergütungen in Form von Leistungsprämien, die sich zwischen 3 und 5 Mart pro Woche belaufen und die sie für die Berbesserung ihrer Berpflegung aus geben dürfen. Die Pflügearbeiten werden von Motorraupen chleppern ausgeführt. Ein solcher Schlepper ftellt gegenwärtig so ziemlich das rationellste Ackergerät dar. In einem Tagewerk von etwa 9 Stunden Arbeit pflügt ein Motorschlepper etwa 15 Morgen Wiefenland 30 Zentimeter tief um. Mit einer ebenfalls motorisch betriebenen Scheibenegge werden die großen Erbschollen dann zer fleinert, um schließlich mittels schwerer Walzen vollkommen fest auf den Unterboden wieder aufgedrückt zu werden. Man erreicht so eine vollkommene Vernichtung der harten Gräser und stellt gleich zeitig wieder eine innige Berbindung der aufgeworfenen Schicht mit dem Mutterboden her. Leider ist es zurzeit noch nicht gelungen, einen ertragfähigen, für unser Rlima geeigneten Grassamen in Deutschland zu züchten. Die gegenwärtig verwendeten ausländischen Samenarten geben ab und zu noch Rückschläge. Man hofft jedoch auch das sehr bald zu überwinden. Durch ein dicht bei der Havel gelegenes, modern eingerichtetes Bumpwert wird aus dem Hauptgraben das abfließende Grundwasser in die Havel gepumpt, so baß man es jederzeit in der Hand hat, den Grundwasserspiegel des bearbeiteten Geländes beliebig zu senken oder wieder steigen zu lassen. Der ganze Bodenverbefferungsbetrieb wird auf genossenfchaftlicher Grundlage durch das staatliche Kulturbauamt ausgeführt. Eine gute Strecke weiter bei den Dörfern Mo blow und Buschow wird von der Havelländischen Luchmeliorationsgenoffenschaft" ebenfalls die Trockenlegung der Havelniederung betrieben. Hier, wie auch bei dem Dorfe Nennhausen arbeitet die„ Deutsche Deblandkultur A.-G.", die von Reich und Staat gegründet ist. Auf diese Weise wird es im Lauf der Jahre unzweifelhaft gelingen, große Teile des bisher vollkommen unbrauchbaren Havelluchs es find etwa 50 000 bis 60 000 Morgen in frucht bares Weideland zu verwandeln. Die Bedeutung dieser Boden berbesserungsarbeiten für die Ernährung und Fleischversorgung der nahegelegenen Großstadt Berfin liegt auf der Hand. Zunahme der Verkehrsunfälle in Berlin. Die privaten Personenkraftwagen wieder an der Spitze. Während bie Zahl der Berkehrsunfälle in Groß- Berlin tm ersten Bierteljahr 1925 nicht unerhblich zu rüd geganzweiten Bierteljahr leider ein neues Anwachsen. Die Bahl der Zusammenstöße von Fahrzeugen aller Art betrug 2816, wobei 43 Personen, darunter fast ein Biertel Kinder unter 14 Jahren, getötet und 1501, darunter 132 unter 14 Jahren, verlegt wurden. Die Schuld an den Unfällen wurde, soweit die Frage nicht noch ungeklärt erschien, zugeschrieben: privaten Personentraft. wagen in 457 Fällen, Kraftdroschten in 307, Kraftomnibussen in 43, Lastkraftwagen in 231, Krafträdern in 90, Kleinkrafträdern in 64, gewöhnlichen Fahrrädern in 219, Pferdegespannen in 151, Straßenbahnen in 85, Fußgängern in 383 Fällen( davon Kindern unter 14 Jahren in 95 Fällen). Als Ursachen wurden angegeben: Schnellfahren in 422, falsches Einbiegen oder Ueberholen in 236, Betrunkenheit in 71 Fällen. Die relativ höchste Steigerung der Unfallzahlen fällt in besonderem Maße den Krafträdern zur Laft; bedingt durch die starte Zunahme der Krafträder in Groß- Berlin von 6800 auf 9000 im zweiten Bierteljahr. Zu bedenken ist dabei noch, daß mit der sich steigernden Zahl der Kraft fahrzeuge die Gefahrenquellen sich ebenfalls vermehren, und daß die neue Verkehrsregelung in Berlin, von der man eine Befferung erhofft, sich erst allmählich auswirken kann, wenn sich Fahrer und Fußgänger daran gewöhnt haben. Ein neuer Autobus auf Linie 5. # Das Wiedererkennen vor Gericht. Ein Problem der Aussagepsychologie. Die unlängst stattgefundene Gerichtsverhandlung gegen| mehrere gleichaussehende Bersonen figurieren sollen. Bon diesen das Räubertrio Peters, Rowitsch Mayer und Nachti- so einleuchtenden Forderungen aus betrachtet, sind in der Straf gall, die wegen schweren Raubes zu Zuchthausstrafen verurteilt worden find, fordert noch zu einer Schlußbetrachtung rein triminalistischer Natur heraus. Es handelt sich dabei um das Teilproblem der Aussagepsychologie, das Wiedererkennen bei Gegenüber ftellung. Ein jeder weiß, wie leicht man sich in Personen irrt, wie unzulänglich gerade in dieser Beziehung das Gedächtnis ist. Es ist wohl schon so manchem passiert, daß er einen fremden Menschen als alten Bekannten angesprochen oder daß er sich den Kopf darüber zerbrochen hat, wer der oder jener sein tönne, der ihm in Birtlich. feit nie im Leben begegnet ist. Und wie leicht vergißt man die Züge eines Menschen, den man nur einmal mehr oder weniger flüchtig gesehen hatte. fache Peters und Genossen gewisse Fehler begangen worden. Sofort nach dem Ueberfall auf die Berkaufsstelle des Beamtenwirtschaftsbächtigten Beters vorgelegt. Sie erfannten in ihm einstimmig den vereins wurde den Angestellten allein die Photographie des verPeters vorgelegt. Sie erkannten in ihm einstimmig den Anführer der Räuberbande. Unter solchen Umständen war die später erfolgte Gegenüberstellung des Täters, den die Angestellten unter den Polizeibeamten heraussuchen mußten, ohne wesentliche Bedeutung. Man wußte nicht, ob sie in ihm den Mann erkannten, der am Raubüberfall teilgenommen, oder den Menschen, dessen Photographie ihnen früher gezeigt worden war. Noch eigentüm licher verfuhr die Kriminalpolizei bei der Gegenüberstellung der Angestellten mit Kowitsch- Mayer und Nachtigall. Sie wurden einfach in gefesseltem Zustande den Angestellten des Konsumvereins und des Beamtenwirtschaftsvereins vorgeführt. Bon den ersteren Es gibt nicht zwei absolut fich gleichende Menschen. Selbst erkannte in Kowitsch- Mayer den llebeltäter nur ein einziges junges einander noch so ähnliche Zwillinge weisen Unterschiede auf. Aber Mädchen, von den letzteren behaupteten vier Angestellte, daß er es immer wieder stößt man auf Menschen, die dem Typus nach beson sei. Rowitsch- Maner ist aber ein Typus, wie man ihn nicht felten ders fo ähnlich erscheinen, daß man sie leicht verwechselt. Das trifft. Die Suggestion, die von der Fesselung ausgehen mußte, Doppelgängertum ist ja eine bekannte Erscheinung. Der Franzose ist unverkennbar. Wie leicht aber Irrtümer geschehen können, beBertillon hat versucht, ein äußerst fompliziertes Signalement aufzuweisen folgende Tatsachen. Dem Leiter der Verkaufsstelle des Be stellen, in dem er die verschieden gebauten Ohren, Nasen usw. in amtenwirtschaftsvereins wurde eine Photographie vorgelegt, in der ein System zu bringen sich bemüht hat. Der moderne Erkennungs: beren. Diese Photographie ist auch dem Komitsch- Mayer vorgelegt er Rowitsch- Mayer erfennen wollte. Sie gehörte aber einem an dienst hat aber von dieser Hilfsquelle Abstand genommen und bedient fich statt dessen der Daktyloskopie. Das Wiedererkennen worden, so behauptete er wenigstens, und die Beamten sollen ihm dient allgemein als das am wenigsten sichere Mittel der Feststellung zwei Tage lang nahegelegt haben, zuzugeben, daß es seine Photoder Persönlichkeit des Täters. Es muß in der Regel mit einer ge- graphie fei. Eine der Beugen glaubte in einer ihm vorgelegten wissen Bestimmtheit von einer Reihe von Zeugen stattgefunden Photographie den Peters wiederzuerkennen; in Wirklichkeit war es haben. Aber auch in diesem Falle kann das Wiedererkennen auf jemand anders. Und schließlich glaubte ein Zeuge in der Person einem Irrtum beruhen. Vergleicht man das Gehirn mit einer in der ihm vorgelegten Photographie einen der Uebeltäter zu erphotographischen Platte, so tann man sagen, daß wie dort für die Der Betreffende wurde verhaftet. Er war völlig unAufnahme die Länge der Firierzeit, die Belichtung, die Einstellung schuldig. Eigentümlich ist es auch, daß es gar nicht versucht wurde, des Apparates usw. von Bedeutung ist, so spielt hier die Dauer die Wiedererkennung durch Feststellungen zu unterstützen, die fich bes Einbruds, die Aufnahmefähigkeit des Hirns, der Seelen auf die Kleidung der Berdächtigten bezogen hatten. Desgleichen zustand usw. eine Rolle. Da das Hirn unzählige Eindrücke von wurde auch wenig Gewicht darauf gelegt, ob die Zeugen die verPersonen mit der Zeit in sich aufgenommen hat und diese im engen früppelte Hand des Peters gesehen hatten. Raume der Hirnmasse eingraviert sind, so fönnen, grob ausgedrückt, gewiffermaßen Berschiebungen und Berflechtungen der Gesichts. merkmale entstehen. So werden Merkmale, die einer Berson gehören, einer anderen zugeschrieben werden. Daher die Irrtümer beim Wiedererkennen. Stern und Liepmann, bie Begründer der Aussagepfychologie, haben sich bereits vor mehr als 25 Jahren eingehend mit der Binchologie des Biebererfennens befaßt. Sie haben u. a. auch die Forderung aufgestellt, daß bei Borlegung von Photographien die ja bekanntlich besonders leicht zu Irrtümern Anlaß geben, mehrere ähnliche Photographien vorgelegt würden. Des. gleichen forderten fie, daß bei Gegenüberstellungen den Berdächtigten bei der Verarbeitung auseinander fällt. Wie ermittelt wurde, sind die Verkäufer gar feine Matrosen, sondern junge Leute, welche von einem hiesigen Händler die Stoffe zu einem billigen Preis erwerben und durch diesen Trick bei dem Verkauf dennoch enorm verdienen. Tante Marthas Salon". Ein wahrhaft anständiges Kuppelquartier. Intereffante Sittenbilder, die fennzeichnende Streiflichter auf gewisse Zustände im Großstadtleben werfen, offenbarte ein Ruppelei prozeß, ber gegen eine Frau Martha Harfing vor dem Schöffen gericht Charlottenburg zur Berhandlung gelangte. Der Salon" ber Angeklagten sie wurde übrigens in ihrem großen Freundestreife Tante Martha" genannt, der im Berliner Besten sehr befannt ist und zu seinen Besuchern Herren der besten Kreise zählt, hat schon einmal von sich reden gemacht. Damals wurde die Inhaberin zu 4 Monaten Gefängnis und 5000 m. Geldftrafe verurteilt; es wurde ihr jedoch Bewährungsfrist erteilt. Eine neuerliche Anzeige eines Schwarzmieters in ihrem Hause, der auf | fennen. So wurden durch diesen Prozeß Probleme aufgerollt, die in So vielen anderen von großer Bedeutung sind. In diesem Falle fonnte ein Irrtum nicht besonders verhängnisvoll werden: Peters lleberfälle stand außer jedem Zweifel. Unter gewissen Umständen war bereits verurteilt. Rowitsch- Mayers Teilnahme an einem der aber fann die Nichtbefolgung der oben genannten Forderungen dem Angeklagten zum Berhängnis werben. Es liegt ja auf ber Hand, daß es im Interesse der Kriminalpolizei selbst liegt, jegliche Vorwürfe, die ihr aus einer nicht gerechten Gegenüberstellung von Berdächtigten und Zeugen gemacht werden fönnen, aus dem Wege zu gehen. Die Berliner Kriminalpolizei, die sich mit Recht ihrer Tätigteit rühmt, hätte um so mehr Grund, auch in dieser Beziehung auf der Höhe zu sein. durch ein ärztliches Gutachten für getftig gefund erklärt zu werden. Er wollte für den Fall, daß er als der Raubmörder Jänide entlarvt würde, vermeiden, daß er wieder ins Irrenhaus fomme. Was er beabsichtigte, erreichte er auch. Er murde für gesund erklärt und für strafrechtlich verantwortlich. Hiernach hat die Oberstaatsanwaltschaft in Botsdam feine Handhabe mehr, ihn als geistesfrant zu behandeln und in einer Jrrenanstalt unterzubringen. Nur für den Fall, daß es gegen Jänide wegen einer anderen Straftat erneut zu einer Berhandlung fommt, besteht die Möglichkeit, ihn auf feinen Geisteszustand untersuchen zu laffen. Auf jeden Fall wird Jänide, der fich bis jetzt noch im Gewahrsam der Kriminalpolizei befindet, dem Amtsgericht BerlinLichterfelde zugeführt werden. Das Kalb des Rittergutsbesitzers. Zur Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen. Die Rechtspreffe lärmt, daß die Fleischer und der Zwischen handel im allgemeinen an der Fleischteuerung schuld feien, und glaubt ihren Lesern einreden zu können, daß jeder Händler im Grunde ein Bucherer sei, der gleichzeitig den Landwirten zu niedrige Preise zahle und den Verbrauchern zu hohe Breise abverlange. Dabei verschweigt sie natürlich gefliffentlich, daß der Reichslandbund selbst einmal in den Handel mit Fleisch gegangen ist und damit ein paar tausend Mart ver lo ren hat, also offensichtlich zuständig ist, jezt mit der Behauptung an die Deffentlichkeit zu treten, daß er die eigentliche Autorität in auf die Urteilsfähigkeit der Leser der landbundverseuchten Bresse der Frage der Fleischpreise sei. Wie verheerend diese Propaganda mirft, zeigt recht deutlich eine zuschrift an die„ Deutsche Tageszeitung". Grund einer vom Wohnungsamt veranlaßten Räumungsflage die Wohnung verlaffen mußte, hatte die jetzige Anklage zur Folge. Frau Harfing bestritt diesmal im wesentlichen nur den Umfang der ihr zur Last gelegten Ruppelei, während allerdings ein Besucher gelegentlich erzählt habe, er habe bei seinem Erscheinen eine große Staffeetafel, besetzt mit jungen Damen, die nach anderer Schilderung furfürstendammäßig angezogen gewesen seien, vorgefunden. Es tundete, waren diese jungen Damen nicht etwa Töchter der fei also große Auswahl dagewesen. Wie ein anderer Zeuge beGesellschaft, sondern fleine Bürgermädchen, die sich wahrscheinlich ein Taschengeld machen wollten. Geld fei nie von Der Angeklagten gefordert worden. Es sei überhaupt bei ihr, über Dieser Leser hat also seine Ferien in der Mart verbracht bie er nichts Schlechtes sagen fönne, fehr anständig zugegangen, und hat dort mit angesehen, wie ein Rittergutsbefizer Kälber für und es habe auch immer ein sehr guter Ton" geherrscht. An fich 60 Pf. das Pfund Lebendgewicht verkauft hat. Der Herr hat nun lag auch tatsächlich der Fall nicht ungewöhnlich und schwer. Sehr natürlich nicht etwa festgestellt, wie groß das Gewicht des interessant wurde er jedoch dadurch, daß die Beschuldigte aus poliDermertbaren Fleisches, wie hoch der Wert der Nebenzeilichem Munde unter Hinweis auf die fatastrophal fich entwickeln produkte( Haut usw.) war, fondern er nimmt als sicher an, daß ben Verhältnisse der auf der Straße sich breitmachenden Brostitution 75 Prozent des Kalbes als Fleisch zu verwerten sind und kümnert ein sehr gutes Leumundszeugnis erhielt. Diese Berhältnisse führten, sich um die Frage der Nebenprodukte überhaupt nicht. Nun sollte bung solcher Quartiere, wie sie die Angeklagte betrieb. Nach Schilfo nennt er feine unvollständigen und nachläffigen Beobachtungen wie erklärt wurde, gewissermaßen zu einer stillschweigenden Dul- man annehmen, daß dieser Herr seine wirtschaftlichen Studienderungen der Mädchen sei diese auch infolge ihrer Gutmütigteit als nämlich soweit erstreckt habe, daß er sich für die Untoften bes eine Ausnahme zu bezeichnen. Sie habe nie die Mädchen aus Schlächters, für die Transportfoften nach Berlin, ferner für den gebeutet, sondern ihnen im Gegenteil in der Not Geld geborgt, Transport zum Berliner Markt, für die Untoften des Berkaufs ihnen ein fürsorgliches, ja fast mütterliches Empfinden entgegen auf dem Markt, für den Transport vom Martt in den Kleingebracht und sie auch ohne Entgelt mit Essen usw. bewirtet. Alle handelsladen, für die Unkosten des Ladens und für den dort effektiv hätten sich auch von selbst angeboten und feine fei von ihr auf diese erzielten Preis intereffiert hätte. Für ihn ist die Sache„ janz einBahn gebracht worden. Da die Männer die Illusion der anständigen fach": Da 25 Prozent des Ralbes feiner Annahme nach unverwertbar Frau haben wollten, hätte sie nie Geld verlangt, sondern die find, tommt er auf Gestehungskosten des Schlächters für das Fleiſch in Höhe von 80 Pf. für das Pfund. Dabei sind Schlachtkosten und geistiges Wohl durch Besuch von Theatern, Opern usw. gesorgt. Die Koften des Transports vom Gut zur Schlachtftelle nicht gerechnet. Während der Staatsanwalt trok der Eigenartigkeit des Falles acht Das stört diesen Helden der Kaltulation natürlich nicht, sondern er Monate Gefängnis und 2000 D. Geldstrafe beantragte, plädierte tann also ohne Zwischenhandel bei 20 Prozent Berdienst das Pfund der Berteidiger auf mildernde Umstände. Das Gericht erkannte auf für 97 Pf. an den Verbraucher abgeben". Bei dieser Annahme wird 4 Monate Gefängnis und 4000 m. Geldstrafe. politische 4 Monate Gefängnis und 4000 m. Geldstrafe. Kriminal also wohl der Fleischverkauf so gedacht, daß die Berliner Berhätten auszuscheiben und das Gericht habe nur das und sozialpolitische Erwägungen braucher in jene fleine märkische Stadt fahren, in der der Schlächter Strafgeset in bem Geiste anzuwenden, in welchem zwei Rälber vor seinem Hause stehen hat. Jeder der Käufer fritt an die Kälber unter der Aufsicht des Schlächters heran und schneidet es erlaffen worden sei. Es handele fich jedoch um ein„ an- sich soviel ab, wie er für sich bedarf; der Schlächter wiegt es und ständiges Ruppelquartier und deshalb sei die Gefängnisstrafe trotz ftreicht bei der Berechnung 20 Prozent Berdienst ein. Diese Koftender Borstrafe niedriger ausgefallen. berechnung, in der weder für Transport, noch für Schlachtkosten, noch für Handelsuntoften auch nur ein Pfennig vorgesehen ist, gehört schon wirklich zu dem Tollsten, was in dieser Frage irgendein Berliner Blatt bisher zu veröffentlichen den Mut gehabt hat. Die Versuche mit neuen Wagenkonstruktionen werden von der Liboag weiter fortgesetzt. Die Gesellschaft wird in der nächsten Woche auf der Linie 5( Stettiner Bahnhof- Steglitz) den ersten vollkommen in Berlin gebauten Niederomnibus mit geschlossenem Ober= ded und seitlichem Einstieg in Betrieb sehen. Der Wagen ist in den Werkstätten der NAG. und der Wagenbauwerte Berlin hergestellt und gleicht dem auf derselben Linie fahrenden amerikanischen Autobus, der infolge des gefchloffenen Oberbeds bei un günstiger Witterung eine volle Ausnutzung des Wagens ermöglicht und einer Ueberfüllung des unteren Teiles vorbeugt. Die in größerem Umfange geplante Einführung dieser Berbeckwagen, die eine erhebliche Sicherheit gegen die Gefahr des lmtippens bieten und fich durch bequeme Anordnung der Siz- und Stehpläge auszeichnen, ist aber zunächst abhängig von der Höhe der Bahnüberführungen; denn die Autobusse, sowohl die älteren wie die neueren, verlangen bei einer Maximalhöhe von 4,35 Meter eine Mindestdurchfahrtshöhe von 4,40 Meter. Wie die Reichszentrale für deutsche Berkehrswerbung weiter erfährt, werden ebenfalls in der nächsten Woche von der Aboag vier neue Autobusse der neuen Bauart, wie die zehn jezt auf den Linien 11 und 29 verkehrenden, aufweisen, in den Betrieb eingestellt werden, und zwar vermutlich auf der Linie 4( Brenzlauer Allee- Hermannplay) und Linie 11( Turmstraße- Hermann- polizei verhaftet und als der Raubmörder vom Teufelsfee entlarvt play). Handelude Matrosen? Seit einiger Zeit werden in Berlin und den Vororten durch Matrosen echt englische Anzugstoffe zum Kauf angeboten, die fie angeblich durchgeschmuggelt haben. Da sie durchblicken laffen, baß ihnen die Polizei schon auf den Fersen ist, und sie die Ware, um nur ihr Gelb zu retten, zu jedem annehmbaren Preis vertaufen müssen, so find viele so leichtgläubig und faufen die so billigen" Stoffe. Nachher bemerken die Käufer jedoch, daß sie reinge Falten sind, denn die Ware ist so schlecht, daß sie schon Ein Mörder, der straffrei bleibt! Die Frage, was mit dem Töpfer Eugen Jänide geschehen soll, Namen ein abenteuerliches Leben führte, bis er von der Kriminal der unter dem Namen eines Grafen von Walges und anderen wurde, ist immer noch nicht ganz geklärt. Die Staatsanwaltschaft fann sich mit dem Verhafteten nicht mehr befaffen. Der Raub. morb an ber Schneiderin Luise Bergner, der im März des Jahres 1900 verübt wurde, ist verjährt. Als gemeingefährlich geiftestrant fann Jänide nicht mehr interniert werden. Jänide ist allerdings im Jahre 1900 für geiftestrant erklärt worden. Nach 1918 aber ist er als geistig gefund und strafrechtlich verantwortlich behandelt und verurteilt worden. Nach seinem eigenen Geständnis hat er, als er im Jahre 1923 wegen einer kleinen Straftat in Berlin zur Verantwortung gezogen wurde, unter dem Namen Walges eine Untersuchung auf seinen Geisteszustand provoziert mit der Absicht, Weiter aber ist dieser Sachverständig der Deutschen Tageszeitung" überaus erstaunt, daß nun im Berliner Laden 97 Bfennig 1,25 bis 3,20 m., im Durchschnitt also 2,22 mt. das Pfund Kalbfleisch statt der von ihm errechneten toftete. Diefes im Durchschnitt" ist ein zweiter Beweis von Sach verständnis. Angenommen, neun 3ehntel des Kalbs würden zu 1,25 Mt. und ein Zehntel zu 3,20 Mt. verfauft, so wäre der Durchschnitt feineswegs 2,22 mt., sondern etwa 1,45 mt. Es tommt hier gar nicht auf die absoluten Preise einzelner Teile an, sondern darauf, zu welchen Breifen die verschiebenen Teile nach ihrem Gewichtsanteil verkauft werden. Das amüsanteste dabei ist jedoch das Nachspiel, daß man nämlich einen Steptifer durch Kauf und Schlachtung überzeugt habe. Hierbei diente das Kalbfell zur Bezahlung des Schlächters. Wie viel Fleisch übrig blieb, wurde nicht nachgewogen, so daß weber Anteil der Knochen, noch der der ungenießbaren Telle befannt ist. Zudem wurde das Fleisch nicht nach Berlin an einen Großfleischer zum Abjag an einen Kleinhändler geschickt und dann vom Kleinhändler Rechenschaft gefordert, wie er das Fleisch verwertet hätte, sondern die Herren der Sommerfrische entdeckten, daß fie ihr Fleisch billiger direkt vom Landwirt taufen tönnten als vom Händler. Daß sie dazu in der Regel auch selbst nicht in der Lage find, daß sie sich nicht regelmäßig ein ganzes Ralb faufen fönnen, das macht nichts; erst wird einmal auf den Händler gescholten, was diefen Herren ihre Unwissenheit leicht macht, und dann mit wichtiger Miene festgestellt, daß es billiger ist, Fleisch im großen am Erzeugungsort statt im fleinen in der Großstadt zu laufen. Wichtig ist doch im Grunde nur, wer die Preissteigerung verursacht. Soviel ist sicher, daß zunächst eine Steigerung der Erzeugerpreise auch eine Steigerung der Ladenpreise zur Folge hat. Weiter ist sicher, daß es unter Umständen sehr nüzlich sein mag, die Kleinhandelspreise in aller Deffentlichkeit zu untersuchen, damit die Deffentlichkeit weiß, welche Preissteigerung eigentlich auf dem Wege vom Erzeuger zum Ber braucher notwendig ist, welche Preissteigerung wirklich eintritt und welches die Gründe für die Differenz zwischen notwendiger und tatsächlicher Preisspanne sind. Völlige Aufhebung der Hundesperre. Der Polizeipräsident teilt mit: Das Jugendamt Neufölin veranstaltet am Sonntag, ben 13. September im Bollspart Tempelhofer Feld unter Mitwirkung 18. September im Bollspart Tempelhofer Feld unter Mitwirkung Parteinachrichten bon Kreisen ber Jugendbewegung ein großes Kinderfest. Bolts. tümliche Spiele, Bettlaufen, Zopfschlagen, Fadelzug und Feuerwerk Stufendungen für dieſe Stubrik find von dem bekannten Feuerwerker der Neuen Belt. Beginn nach. mittags 2 Uhr. Einlaß 1 Uhr. Eintritt für Kinder 15 Pf., für Erwachsene 30 Pf. Die Kinder erhalten eine Stodlaterne gratis. Berlin 68. 6, Sinbenitraße 3, für Groß- Berlin fiets an bas Bezirkssekretariat, 2. Set, 2 Tres. rechts, au richten. 14. Rreis Reuföln. Montag, 14. Geptember, 7% Uhr, erweiterte Rreisvorstandssitung an der bekannten Stelle. 18. Kreis Weißenfee. Fortsehung der Führung der Rommunalen Rommiffion durch Einrichtungen bes 18. Berwaltungsbezirks. Führung Genoffe Stadtrat Miller. Treffpunkt der Weißenseer Genoffen vorm. 9 Uhr Lichtenberoer Straße Ede Berliner Allee; der Sohenschönhauser Genoffen: 9% Uhr Schule Rödernftcake. Bei ungünstigem Wetter fällt die Veranstaltung aus. 9. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen treffen fich Sonntag vorm. 9% Uhr por dem Bahnhof Butligstraße zur Besichtigung des Westhafens. Die Mitglieder der anderen Abteilungen des 2. Rreifes find eingeladen. Gruppe Tiergarten: Nächste Zusammenkunft: Montag, 14. Geptember, 8 Uhr, in der Ausgabestelle des Borwärts", Wilhelmshavener Str. 48. Gäste willkommen. Die Funtausstellung bis 10 Uhr abends geöffnet. Die Funkausstellung wird an den letzten beiden Tagen, am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag, bis 10 Uhr abends geöffnet sein. Bei günstigem Wetter findet an beiden Abenden um 7% Uhr ein als besondere Attraktion ein Wafferfall aus 120 Meter Söhe Jungfesialisten. Riefenfeuerwert auf dem Funtturm statt, wobei vorgeführt wird. Jugendweihe der Arbeiterschaft Groß- Berlins am Sonntag, den 13. September 1925, vorm. 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße. Mitwirkende: Der„ Junge Chor": Leitung Seinz Thiessen/ An der Orgel: Willi Jaeger/ Cello- Trio: Armin Liebermann, Fris Soppe, Karl Lenzewski/ Weiherede: Mar Kreuziger/ Der Sprechchor der Proletarischen Feierstunde, Leitung Albert Florath und Einzelsprecher Heinrich Witte. Gafttarten an der Kaffe. " Jugendveranstaltungen. Wochenendkurse: Werbebegirle Dften, Dibahn: 12./13. September Jugendherberge AleinRöris. Thema: Sozialismus und Pazifismus". Berbebezirk Brenzlauer Berg I unb II, Stergarten. 12./13. Geptember Jungdeutschlandhaus Oranien. burg. Thema: Sozialismus Staat Ration". Treffpunkte und Reiten wie in den Abteilungen bekanntgegeben. Nach Oranienburg find Deden mitzubringen. Heute, Sonnabend, den 12. September: Barschauer Viertel: Steffpunkt zum Wochenendturfus abends 7 Uhr Görliker Bahnhof. Berbebeair! Tiergarten: Treffpunkt zum Wochenendkursus abends 26 Uhr und 48 Uhr Bhf. Bütligstraße. Morgen, Sonntag, den 13. September: Sübweft: 8 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 3, Antikriegsabend. AnIprache: Gen. Megander Stein. Partei, und Jugendgensffen, erscheint zahlreich! Bom Jugendfest im Schillerpart haben noch 7 Werbebezirksleiter die Tafeln mit den Namen der Werbebezitte einschließlich der zu den Tafeln gehörenden Stangen abzuliefern. Wir bitten bringend, für fchleunigfte Ablieferung Gorge zu tragen, da das Material für die kommenden Wahlen sofort gebraucht wird. Nachdem die Tollwut in Berlin erloschen ist, werden die vieh seuchenpolizeilichen Anordnungen vom 27. Oftober 1924, betr. Ge nehmigung von Hundeausstellungen und ähnlichen Beranstaltungen sowie vom 20. Juni d. Is., durch welche die sogenannte HundeSperre über die Ortsteile Nikolassee, Wannsee, Kohlhasenbrüd, Potsdamer Forst, Klein- Glienice- Forst und Pfaueninsel des Polizeiamtsbezirts 10( Behlendorf) und über die Gemarfung Cladow des Polizeiamtsbezirks 8( Spandau) verhängt wurde, mit dem heutigen Tage( 12. September 1925) aufgehoben. Das gesamte Stadtgebiet ist nunmehr frei von der Hundesperre, doch bleiben die Vorschriften für die Kennzeichnung der frei umherlaufenden Hunde durch die am Halsband befestigte Steuermarte oder durch die daran angebrachte genaue Adresse des Eigentümers des Tieres sowie für den Maulkorbzwang nach wie vor in Kraft. Hundeausstellungen und ähnliche Beranstaltungen unterliegen in der Regel auch fünftig gemäß den Bestimmungen des Viehseuchengefeges der amtstierärztlichen Beaufsichtigung und müssen durch den Unternehmer 14 Tage vorher bei dem zuständigen ohne Straßenbahnfahrten hochwertige Stunft genießen. Unmeldungen 200., Alex. für die einzelnen Bahnhöfe. Polizeiamt angemeldet sein. Der falsche Kontrolleur. Die Art, wie ein Geschäftsmann geärgert werden follte, hatte den Buchhalter Otto Schön vor dem Einzelrichter des Amtsgerichts Berlin- Mitte eine Anflage wegen Diebstahls eingebracht. Schön war abgebaut worden und lernte in seiner Not in einer Gaft wirtschaft zwei Männer fennen, die ihm Trost zusprachen und meinten, es ließe sich immer noch für ihn etwas machen. Damit hatten die beiden, die er mur unter dem Namen Blaurod" und Dider Otto" tennen, will, auch gleich angefangen, indem sie ihm einen Ausweis der Zollbehörde aushändigten, der ihn als Rontrolleur legitimierte. Damit war er dann zu einem Geschäftsmann, der geärgert werden sollte, geschickt worden, um nach un banderollierten Zigaretten zu fahnden. Schön verstand diesen Auftrag auch sogleich richtig, denn während er nachsuchte, ließ er Aeußerungen in bestimmter Richtung fallen, indem er u. a. sagte: ,, Sie wissen ja, wie es uns armen Beamten geht." Da er aber taube Ohren fand, ließ er einen Karton Zigaretten mitgehen. Diese paar 3igaretten fofteten ihm gestern 4% Monate Gefängnis. Die tödliche Stichflamme. Auf eine entseßliche Weise ums Leben gekommen ist gestern das 19 Jahre alte Dienstmädchen Berta Gembfer aus Mahlom. Das Mädchen follte in einem eifernen Ofen Feuer anzünden Während des Sommers mar ber Ofen mit alten Papiermassen voll. gepfroft worden, welche die G. anzündete. Da das Feuer nicht recht brennen wollte, so setzte sich das Mädchen vor den Ofen und lockerte mit einem Feuerhafen die Papiermassen auf. Blöglich schlug eine gewaltige Stich flamme heraus und segte die Kleider der G. in Brand. In ihrer Aufregung rannte das Dienstmädchen nach dem Hof hinaus, mo hinzueilende Hausbewohner die Unglüdliche niederwarfen und dadurch die Flammen erstickten. Das Mädchen aber hatte schon so schwere Brandwunden erlitten, daß fie nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte, wo sie in der Nacht unter entfeglichen Qualen starb. Wiedereröffnung des Hallenschwimmbades im Bezirksamt Spandau. Das Hallenschwimmbad wird am Montag, dem 14. b. M., eröffnet. Badezeit: Schwimmhalle: Montags 4-7 Uhr Damen, Dienstag, Mittwoch 4-7 Uhr Familienbad; Donnerstag 4-7 Uhr Herren-, Freitag 4-7 Uhr und Sonnabend 4-8 Uhr Familienbad. Bannen. und Brausebäder: Montag bis Sonnabend 12-8 Uhr für Damen und Herren. Der Feftausschuß der Kriminalpolizei teilt mit, daß das Fest der Berliner Kriminalpolizei, das am borigen Sonnabend wegen schlechten Betters aus fiel, morgen, Sonutag, den 13. September, auf jeden Fall im Lunabart stattfindet. Es beginnt um 4 Uhr nachmittags. Die bereits gelösten Einfrittstarten behalten ihre Gültigkeit. Die Ordner der Proletarischen Feierffunden werden gebeten, bei der im Großen Schauspielhaus am Sonntag, den 13. September, stattfindenden Jugendweihe vollzählig zu erscheinen. Treffpunkt 8 Uhr an der bekannten Stelle. Es wird jeder erwartet. D Komet Freilauf" gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch Bolfsbildung in Weißenfee. Wie im vergangenen Jahre finden auch in diesem Winterhalbjahr außer mehreren Konzerten( Stäbt. Symphonie, Philharmoniker, Madrigalchor usw.) und mehreren Solisten- und Bortragsabenden, 8 Bühnenaufführungen in unserer Gemeinde- festhalle statt. Berpflichtet wurden nur namhafte erste Sträfte großer Berliner Bühnen. Zur aufführung gelangen: Schiller Don Carlos", Schnipler Liebelei, Bogol Der Revisor", Gerh. Hauptmann Fuhrmann Henschel", Bernh. Shaw Candida", Benedig" Der Störenfried", Eulenberg Belinde und Moliere Der eingebildete Stranke". Der Borstellungspreis beträgt im Abonnement nur 1 Mr. Mithin tönnen auch die minderbemittelten Boltsschichten am Drte zum Theaterabonnement entweder direkt beim Boltsbildungscmt, Boeldpromenade 87, oder beim Gen. ein!, Gablerstr. 7. Die Bühnenaufführungen finden alle 4 Wochen Freitag abend statt. Der Berg des Schidfals, ein Filmdrama aus der Natur, wird am Sonnabend, 12., abends 8 1hr, in der Treptow- Sternwarte gezeigt. Am Mittwoch, abends 8 Uhr, wird die gefährliche Landung Schiffbrüchiger unter Kannibalen in dem Film Erlebnisse auf Neu- Guinea" vorgeführt. Sonn abenb, abends 8 Uhr, sowie Sonntag um 4, 6 und 8 Uhr, der Film Fern im Süd das schöne Spanien mit dem Boltsleben und der Landschaft Spaniens. Mit dem großen Fernrohr wird vou 2 bis 4 Uhr die Benus, am 20. September, abends 7, Uhr, der Mond gezeigt. Der Riesenzirfus Krone, der auch dieses Jahr wieder mit vollem Er folge in Berlin gaftiert, erfreut sich Abend für Abend eines steigenden Bejuches. Die Ausmaße der Arena find im Gegensatz zum vergangenen Jahre größer und die Darbietungen gewaltiger geworden. Der riesige und farbenfrohe Umzug mit den ungeheuren Tierberden und den erotischen Wölfern ist eine fremde, phantastische Welt. Die altrömische Arena bes Birtus Magismus ist wieder lebendig. Wer Zeit, Geld und Gelegen heit hat, darf dieses neue Ereignis von Berlin wirklich nicht versäumen. Alabendlich um 8 Uhr pünftlich Beginn der Borstellungen in der Schdm hauser Allee. Drei Monteure durch Kohlenogydgas vergiffet. In Hunds. feld bei Breslau wurden drei Monteure durch Rohlenorydgas ver giftet aufgefunden. Die Monteure führten im Auftrage ibrer Firma einer fächsischen Gewächshausfabrik in der Gärtnerei Montage aus. Der Raum, in dem die drei Monteure fich aufhielten, war nicht geheizt, so daß das Kohlenogydgas aus dem Schornstein des Steffelhauses durch den Zimmerofen ins Zimmer eingeströmt fein muß. 90 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geldäftsstelle: Berlin G. 14, Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 Et. In Rukunft tommen folgende Abkürzungen zur Anwendung: Mo., Di., Mi., Do., t., So. für Montag, Dienstag usw. Sonntag wird stets ausgeschrieben. Botsd., Anh., Görl., Schlef., Stett., Charlbg., Mitgl.- Berf. für Mitglieder Dersammlung. Bafferfportabteilung. Sug Dahme Sonntag, 13. 9., um 12 Uhr Waffezgrundftild Wendenschloß( neben Ruberklub Sport- Möwe). Gruppe Treptow 9 Uhr Abfahrt Großes Eierhaus. Kreuzberg. Co., 12. 9., nadm. 5% Uhr, Jungmannschaft und Tambourtorps Görl. Bhf. Fahrt nach Stortom. Ade anderen 44 Uhr Anh. Bhf. Fahrt nach Finsterwalde. Wilmersdorf. Go., 12 9., 7 Uhr, Herbstfest( Bunter Abend) der Kamerabfdraft Rehlenborf im Sinbenpart am Wannseebahnhof Rehlendorf- Mitte. Gonntag, 18. 9., vorm. 8% Uhr, Antreten Bhf. Charlög, aur Fahnenweihe in Bornstedt. Sammeln Baffinplak Botsbam um 10 Uhr. Jeder Rug mindestens 15 Rameraben; Führung altefter Rugführer. Alle übrigen entweder Finsterwalde frith 6 und 8,20 Uhr ab Anh. Bhf. oder Altlandsberg bei Soppegarten( Vorortstrede) Dorm. 9,25 Uhr ab Schlef. Bhf., Bahnft. A. Nächster Rameradschaftsabend Do., 17. 9., 8 Uhr, Johann- Georg- Säle, Salenfee. Pflichtabend. Cahoneberg Friedenau. Rameraden nach Storfow fahren Go., 12. 9., nachm. 5,58 Uhr oder 7,58 Uhr, evtl. Gonntag, 13. 9., norm. 7% Uhr ab Girl. Bhf. Friedrichshain. Sonntag, 13. 9., vorm. 9½ Uhr, Fruchtstraße. Autofahrt Altlandsberg. 1 M. Fahnen mitbringen. Berdedte Wagen. Weißenfee. 60., 12. 9., abends 7 Uhr, Rehdenick- Fahrer Abmarsch Grüner Baum. Nat. zügler 8 Uhr Stett. Bhf. Babusdorf. Sonntag vorm. 11% Uhr Treffen am Bhf. Grünau aur Fahrt nach Altlandsberg. Arbeiter Rabio- Klub, Technische Rommission, Petersburger Str. 39. Ant Gonnabend, 12. September, nadim. 5 Uhr, gemeinsame Führung durch die Funtausstellung durch Funkfreund Rümmich. Treffpunkt gegenüber der Ausftellung. Der Arbeiter- Clperanto- Bund eröffnet neue Anfängerturfe am Montag, 14. September, abends 7½ Uhr, filr den Webbing: Nazarethfirafttaße, Norden: Danziger Cir. 22, Schule; Often: Rigcer Str. 8, Gaule; Südmeften: Alte Jakobftr. 136, Jugendheim, Freitag, 18. Eeptember: Rentrum: Gips. Baradenfchule: Beften: Schule Winterfeldtstr. 16. Donnerstag, 17. September: ftraße 23a, Schule. Aursgebühr 4 M., Jugendliche 8 M., Lehrbuch 0,60 m. Berliner Esperanto- Bereinigung. Dienstag, 15. September, 8 Uhr, in den oberen Räumen des Cafés Jofty am Botsdamer Blog Jubiläumsvortrag des Serrn Ernst Bichert über seine ,, 20jährige Arbeit für Ciperanto". Alle Anhänger des Esperanto und Intereffenten der Weltsprachebewegung find hierzu als Gäste besonders herzlich eingeladen. Eintritt frei. Die Hunderennen am Sonntag, 13. Geptember, auf der GrunewaldrennZum Eisenbahnunglüd in Donauwörth Nach den im Donauwörther Strantenhause eingezogenen Erfundigungen ist das Bebahn beginnen nachnt. 1½ Uhr auf dem 1. Plak. Fahrverbindungen: Borfinden der berlegten Soldaten zufriedenstellen d. ortbahn über Charlottenburg bis Bichelsberge: Untergrundbahn bis StennbahnLebensgefahr besteht in feinem Fall. Es ist zu hoffen, daß alle Berlegten wieder hergestellt werden. Flugzeugabffurz. Auf dem Flugplatz bei Celle stürzte ein Flugzeug aus geringer Höhe beim Rehmen einer Rurbe ab. Beide Infaffen, der Flugzeugführer Diege und der Beobachter Wahls, waren sofort tot. Straße: Autobus bis Bahnhof Bichelsberge. Steichsbunb ber Kriensbeschädigten und Arieperbinterbliebenen, Ortsverein Stepfit( Geschäftsstelle Elifenstr. 6). Dienstag, 15. September, im Albrechtshof Mitgliederversammlung. Cauleiter Mende foricht über Selbsthilfe der Organisation". Drtageuppe Reuiöln, Geschäftsstelle Donauftr. 128, veranfteltet am Montag, 14. September, 7½ Uhr, im Lotal Ideal- Rafino, Beichſelftr. 8, eine Sinterbliebenenversammlung. Der Dratorienverein( Dirigent Johannes Stehmann) richtet am 15. d. M. in der Vittoria- Luife- Sajule in Wilmersdorf. Ublanbitt. 91, cine weite Die Proben finden regelmäßig Dienstags von 8 bis Uebungstäte ein. 10 Uhr abends statt. Neue Mitglieder wollen fich dafelbft vor der Probe ( 7% Uhr) beim Dirigenten melden. In Borbereitung ist Berdis Requiem", Die Lügen über das amerikanische Alkoholverbot. Amerikanische Journalisten, die gegenwärtig in Europa leben, wenden sich neuer bings mit großer Schärfe gegen die Lügen, die über das Alkohol bas am Totenfeft in der Garnifonkirche aufgeführt wird. verbot Ameritas verbreitet werden. In amerikanischen Zeitungen wird die Regierung aufgefordert, derartige falsche Gerüchte und Berichte zu beachten und Gegenmaßregeln zu erwägen. Zugleich wird in der amerikanischen Bresse lebhaftes Bedauern darüber ausgesprochen, daß die unglaublichen Schauergeschichten, die in der deutschen Presse zu finden sind, nicht widerlegt werden. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 12. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends:( Uebertragung aus dem Funkhausgarten): Nachmittagskonzert des Berliner Funkorchesters. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 640 Uhr abends: Fritz Badicke: Herbstwanderungen in die Mark". 3. Vortrag." Beelitz- Seddin- Ferch". 7 Uhr abends: Dr. med. E. Mosbacher:" Gemüsegenuß und Gesundheit". 1. Vortrag. Allgemeine Uebersicht". 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Esperanto"( Direktor Julius Glück). 8 Uhr abends: Einführung zu dem Sendéspiel am 13. September. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus dem Hörsaal des Hauses der Funkindustrie: Lustiges Wochenende( Serenissimus auf der Funkausstellung). 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Arbeitersport. Ruterverein ,, Collegia", e. B. Besonderer Umstände halber tann die für den 13. September feitgefekte Bootstaufe und die Bootshausweihe erft am Sonntag, 11. Oftober, stattfinden. Buvor interne Regatta. Alle Bundessportgenoffen und Gönner des Bereins find herzlich eingeladen. Wefter für Berlin und Umgegend. Noch beränderlich mit einzelnen Regenschauern, später Befferung des Betters. Für Deutschland: Zm Often verbreitet Regen, im Westen abnehmende Bewölkung und nur noch vereinzelt Regenschauer. Die Verrufenen ( Der fünfte Stand) Der große Zillefilm der National Schlußtage der Funkausstellung Riesen- Feuerwerks- Schauspiel Witzleben Schlußbild: vom Funkturm Kaiserdam Sonnabend und Sonntag 745* Wasserfall vom Funkturm 120 Meter bel regenfreiem Wetter 12. und 13. September An den letzten beiden Ta gen ist die Funkausst MAR GAng bis 10 Uhr abends geöffnet Rahma buttergleich RINE nimmt Euch heut u.morgen alle Butterforgen. Höhe Kinder- Strümpfe gosu, mode, leder, schwarz, Größe 1 Jede weiters Größe 10 PL mehr) 55 PL Billiger Sonnabend Damen- Handschuhe bei farbig, Schweden imitiert, mit Halb 95PL futter, breiter Aufnaht, gute Qualität Renforcé feintädige Qualität Mtr. Louisiana Deckbettbreite. Meter ac Jandorf aus Belle Alliance- Str. Gr. Frankfurter Str. Brunnen Straße. Kottbusser Damm. 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Das Erscheinen aker Rodegen it unbebingte Bicht Achtung! Drahtarbeiter Achtung! Montag, ben 14. September, abeabs TUhr, bei Wallfldger, balbertffe. 21 Branchenversammlung Sagessthug: 1. Bericht der Remmiffion. 2. Distufen. S. Branchenangelegenheiten und Berschiebenes. farbig a. schwarz, Doppelsohle, Hochferse warmen Stofen, modernste Form haltb. 65 Kinderkleidchen für Damen, weiß, gestrickt, ohne Aermel 4 Herren- Socken 48 Herrenhosen graumeliert, kräftige Qualität Herren- Socken graumeliert, reine Wolle PL normalfarb., haltbare Qualität, 3 Größen 95 295 aus kariert. Stoff., schöneMuster. Gr.45-60 durchgeh. Perschöne Master 395 Tallgardinen 95 Oberhemd kal, gefütterte 790 Faltenbrust, 1 weicher u. 1 steifer Kragen 35 Herrenhemden 395 Herren- Hüte normalfarb, haltbare Qualität, 3 Größen Köper- Flanell 95. Sportwesten Herren imit., hübsche Kasakmuster Meter Karostoffe doppeltbreit, große Master- Auswahl Kleiderstoffe zibelineartig, doppeltbreit Meter einlarb. m. anderfarb. 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Als die antisemitische Bewegung der Studenten vor zwei Jahren begann, äußerten ernste Politiker des Landes die Be- fürchtung, diese Bewegung könnte von den Geheimagenten der Regierung angezettelt worden sein, um ihr als Ablenkungs- mittel bis zur Verabschiedung der von den Oppositionsparteien heftig bekämpften neuen Verfassung zu dienen. Die Unruhen kamen und verschwanden denn auch je nach dem Bedarf der Regierung. Nun steht Rumänien dicht vor einem K a b i- n e t t s w e ch s e l: die vierjährige Amtsdauer der Regierung — der Lebenszeit des Parlamentes entsprechend— läuft im Frühjahr 1926 ab und eine Erneuerung des Mandates ist an- gesichts der unhaltbaren wirtschaftlichen Lage, in die Bratianu das Land gebracht hat, kaum zu erwarten. Die liberale Partei, die nur dank unerhörtem Terror und Urnendiebstahl sich eine Mehrheit im Parlament oerschafft hat und keinen Einfluß im Lande besitzt, sucht nun eine Bewegung zu inszenieren, auf die gestützt sie als stärkste Oppositionspartei ins nächste Parlament einziehen könnte. Deswegen sucht die jetzige siberale Regierung der Partei einen mächtigen Trumpf in die Hände zu spielen: den der nationalistisch- antisemitischen Bewegung. Diese Bewegung findet in Rumänien Anklang. Haupt- sächlich unter den Ungebildeten(die rumänische Bevölkerung besteht noch zu 69— 70 Proz. aus Analphabeten) und den Halbgebildeten. Aber auch die„national" gesinnten Aka- demiker bedienen sich der antisemitischen Hetze, um eine bessere Karriere machen zu können und die unbequeme jüdische Kon- kurrenz totzuschlagen. Es ist außerdem eine Bewegung, die auf Unterstützung des Hofes rechnen kann. So ist der Krön- prinz C a r o l in der Förderung der antisemitischen Bewegung soweit gegangen, daß der königstreue Prof. Jorga ihn ein- dringlich warnen mußte. Und als vor einem Monat ein demokratischer Parteiführer in einer Audienz beim König gegen die reaktionären Bestimmungen der Derwaltungs- reform protestierte, antwortete ihm der König, ob er denn wünsche, daß in Jassy und anderen Städten jüdische Bürger- meister gewählt werden sollen.... Echte Hohenzollern! In welchem Maße die antisemitische Bewegung verbreitet ist, zeigt folgender Vorfall: Vor zwei Monaten fand vor dem Schwurgericht in T u r n u l» S e v e r i n der Prozeß gegen Cornel Zelen-Codreanu, den ehemaligen Jenaer Studenten und späteren Mörder des Polizeipräsidenten von Jassy, statt. Den Mord hatte er begangen, weil der Polizeipräsident— eine löbliche Ausnahme— ihm bei seiner Hetze gegen die Juden im Wege stand. Der Mörder, jetzt ein Führer der Bewegung, wurde freigesprochen, und zwar von einem Gericht, dessen Mitglieder bei der Verkündung des Urteils mit dem Hakenkreuz geschmückt erschienen waren---- Die Stadt war mit der Trikolore, in deren Mitte das Hakenkreuz prangte, beflaggt. Ebenso die staatlichen und die städtischen Gebäude, wie auch ver Zug, in dem der» freigesprochene Mörder nach Jassy zu- rückkehrte. Die Regierung duldet dies alles, trotz des Gesetzes „zum Schutze des Staates". Freilich, sie kann nicht mehr zurück: nachdem sie die Bewegung entfesselt, ist sie jetzt die Gefangene der Pogromisten: die Zügel sind ihr aus den Händen geschlüpft. Betrachten wir nun die Lage in den einzelnen Provinzen. In Bessarabien, wo unter der russischen Herrschaft der Antisemitismus Orgien feierte, ist jetzt kein Nährboden mehr für ihn vorhanden. Die Juden hotten, als Reaktion gegen die offizielle antisemitische Politik, die rumänische nationale Bewegung unterstützt. Während der Revolution hat der bessarabische Bauer den jüdischen Händler an seiner Seite kämpfen sehen. Das vergißt er nie. Und die Partei der bessarabischen Massen, die Bauernpartei, wird von den früher von den Juden begünstigten Intellektuellen geführt. Anders sieht es dagegen in Siebenbürgen und in der B u k o- w i n a aus. Dort war der Antisemitismus unter der rumä- Nischen Bevölkerung als Reaktion gegen die ungarfreundliche Haltung der Juden immer stark verbreitet. Dementsprechend ist auch die Haltung der Siebenbürger Nationalpartei unter Führung M a n i u s und Jorges. In Altrumänien versucht Codreanu und die Seinen, von der Regierung unterstützt, die antisemitische Bewegung in die noch schlum- mernden Dörfer hineinzutragen. Mit nicht zu unterschätzendem Erfolg. Allerdings ist hier die Bauernpartei, die ohne Zweifel eine demokratische Führung besitzt, immer noch volkstümlicher. Ob aber die Führung die Massen noch lange vom Rechts- radikalismus zurückhalten wird, wird selbst von den Führern der Partei stark bezweifelt. In Altrumänien wie in Sieben- bürgen wird es bei den im nächsten Frühjahr zu erwartenden Neuwahlen sicher zu Pogromen kommen, die sowohl bei den Behörden wie bei der Armee Unterstützung finden werden. Was jetzt sich in Rumänien abspielt, ist nur ein Vorspiel zu den zu erwartenden Ereignissen. In den westeuropäischen Ländern sollte man daher diesen Vorgängen schon jetzt ernste Beachtung schenken. Deutschland und polen. Künstlich aufrechterhaltenes Misttrauen. Ein augenblicklich in Polen weilender reichsdeutscher Genosse schreibt uns: Gegenwärtig beschäftigen sich die deutschen Zeitungen in Deutsch- land etwas mehr als sonst mit polnischen Fragen, wozu der Handels- krieg, die Optantenausweisung und der Zlotysturz reichlich Ver- anlassung geben. In den polnischen Zeitungen bildet Deutschland eine ständige Rubrik. Und hies leider fast immer in dem Sinne, daß man die Deutschen im schlechtesten Lichte hinstellt. Am meisten tun sich dabei die Blätter in der verflossenen„Residenzstadt" Wilhelms, Posen, jetzt Poznan, hervor. Was auf diesem Gebiet ge- leistet wird, ist geradezu unglaublich, und man muß sich wundern, daß man hier von der Mehrheit der Bevölkerung trotz all dieser Hetzetei zuvorkommend und freundlich behandelt wird. Zu einem großen Teil ist dies wohl daraus zurückzuführen, daß die Polen Deutschland und die deutsche Sprache viel besser kennen als die Deutschen Polen, und daher selbst erkennen, daß die Hetze mit der Wahrheit nichts zu tun hat, Welche Motive für die Hetze in der Presse maßgebend sind, können vielleicht genauere Kenner der Verhällnisse aus den hiesigen Genossenkreisen besser beurteilen. Der Warschauer sozialistische „R o b o t n i k" gibt sich wohl redliche Mühe, aber er muß recht oft „mit den Wölfen heulen", denn„progerman" zu sein, diesem schmäh- lichen Verdacht will sich doch kein guter Patriot aussetzen. Diese Uebertreibung des Nationalismus ist allerdings psychologisch be- greiflich, wenn man die jahrhundertelange Unterdrückung bedenkt, bei der die Sozialisten die einzigen waren, die nennenswerten Widerstand leisteten. Die wirtschaftliche Lage in Polen ist ein getreues Spiegelbild der deutschen— nur noch ein wenig trostloser, denn in Deutschland beruht sie zum größten Teil auf dem Uebermut der Unternehmerschaft und der nationalen Kreise, während hier noch andere Umstände mitspielen. Da ist vor allem der„herrlich" ge- deihende Militarismus, der alle Kräfte des Landes frißt mit der uns Deutschen nicht ganz unbekannten Begründung:„Wir haben so ausgedehnte und ungünstige Grenzen, daß wir nach allen Seiten stark sein müssen. Trotz der Entwaffnung Deutschlands fürchtet man irgendwelche Wunder, und"die Frage:„Gibt es Krieg mit Deutschland?" ist mir nach der Wahl Hindenburgs oft genug gestellt worden. Meine Entgegnung, daß Deutschland doch gar nicht in der Lage sei, auch nur gegen Polen zu kämpfen, findet auch bei in- telligenten Leuten nur ein ungläubiges, verschmitztes Lächeln:„O, wer das glaubt. Ihr habt Waffensabriken, schwarze Reichswehr. Krieger- und Schützenvereine, Stahlhelm, versteckte Waffen und was weiß man sonst noch." Diese Meinung ist den Polen derartig ein- gehämmert, daß Worte nicht überzeugen können. Alles fühlt den lähmenden Druck des Handelskrieges mit dem natürlichsten Vertragskontrahenten Deutschland und selbst der„Diktator" Grabski hat öffentlich ausgesprochen, daß ein wirt- schastliches Gedeihen Polens ohne gutes Einvernehmen mit Deutsch- land eine Unmöglichkeit sei. Daß die Vertreibung der Optanten auch vom polnischen Standpunkt aus eine Dummheit ist, beginnt man wohl in maßgebenden Kreisen einzusehen, aber die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los und die Schreier vom Westmarkenverein— eine Organisation nach dem Borbilde unseres Ostmartenvereins seligen Angedenkens— wollen ihr Opfer haben, was in vielen Fällen mit der billigen Erwerbung der Güter erreicht wird. Meiner Ansicht nach kann eine Besserung nur eintreten, wenn in beiden Ländern das Steuer gründlich herumgerissen wird und man nicht nur zu einem Handelsvertrage kommt, sondern zu einer Zollunion mit vollständiger-Freizügigkeit der beiderseitigen Staatsangehörigen, mit dem Recht, sich niederzulassen oder Arbeit zu nehmen, wo es ihny» am besten gefällt. proöuktions- oöer Spekulationskreöite? Zur Frage der landwirtschaftlichen Verschuldung. Mit dem bevorstehenden Abschluß einer großen Auslandsanleihe für die deutsche Landwirtschaft werden die großen Probleme der landwirtschaftlichen Verschuldung wieder brennend, die u. a. auch in dem Agrarantrag der Sozialdemokrati- schen Partei angeschnitten worden sind. Bisher scheint man aus den Forderungen der Sozialdemokratie noch nicht die notwendigen Schlüsse gezogen zu haben. Dabei ist das Verhalten der Agrarier- führer zu dieser volkswirtschaftlich sehr wichtigen Frage außer- ordentlich widerspruchsvoll. Während der letzten Rcichstagstagung er- gab sich das seltsame Bild, daß in der Agrar-Enquetekommission die Vertreter der Landwirtschaft laut über die Zinsen der Kredite stöhnten, die sie im Jahre 1924 so lärmend gefordert hatten, während sie nebenan im Ausschuß über die Rentenbankkreditanstalt ebenso laut neue Kredite forderten. Irgend etwas kann wohl dabei nicht gestimmt haben. In der Tat scheint manches dabei nicht zu stimmen. Zur Be- g r ü n d u n g des Kreditbedürfnisses der Landwirtschaft wird in der Regel nicht etwa angeführt, daß die Landwirtschaft Kredite braucht, um z. B. den Boden besser düngen, um den Viehstand erweitern oder etwa landwirtschaftliche Maschinen kaufen zu können, sondern man zitiert eine Zahl.„Mit Zahlen läßt sich trefflich streiten" und die Statistik ist sehr geduldig: sie rebelliert nicht, wenn man sie falsch interpretiert. Die Zahl, mit der die Landwirtschast ihren Schrei nach Krediten begründet, ist die Zahl der 16 Milliarden Hypo- t h e k e n, die vor dem Kriege auf der Landwirtschaft lasteten. Selt- samerweise aber sprach man niemals von der Zahl des Zuganges an landwirtschaftlichen Hypotheken im Jahre 1913, die allein über- Haupt irgend etwas besagen könnte, wenn man vom gegen- wältigen Kreditbedürfnis der Landwirtschaft spricht. Wenn nämlich jemand behauptet, er brauche Kredit, so kann er das Zweifel- los nicht damit beweisen, daß er sagt, er habe in vielen Jahrzehnten für soundsoviel Mark Schulden gemacht. Er wird schon sagen müssen, wieviel er in jedem einzelnen Jahre hat aufnehmen müssen und wozu dieses Geld, das er auf dem Wege des Kredits erhielt, von ihm verwandt wurde. Glücklicherweise wissen wir wenigstens, wohin das Geld floß, das gegen Hypotheken gegeben wurde. Es gelangte in der Regel nicht an den landwirtschaftlichen Betriebsleiter, der es dann für Verbesserungen in seinem Betriebe oerwendete, sondern es floß cm den, der eben sein Gut mit rundem Gewinn verkauft hatte, d. h. an den landwirtschaftlichen Bodenspekulanten. der in beinahe jedem Großlandwirt steckt, gleichsam seine zweite und nur zu oft übersehene Natur ist. Nach Vorkriegsschätzungen waren nur 10 Proz. der Hypotheken, die aus landwirtschaftlichem Besitz lasteten, für Zwecke des landwirtschaftlichen Betriebes aufgenommen worden. Die übrigen 90 Proz., also rund 14� Milliarden, dienten der Finanzierung des Besitzwechsels, freilich, wie der Vollständigkeit wegen erwähnt sei, des Besitzwechsels nicht nur durch Kauf und Verkauf, sondern auch durch Erbschaft mit folgender Erbteilung. Die l'A. Milliarden sind also die Summe, die der Landwirtschaft für produktive Zwecke in Form von Hypothekarkredit vor dem Kriege in langen Jahren zu- geflossen waren: der Restbetrag von über 14 Milliarden war viel- leicht nützlich für den einzelnen Landwirt, für die gesamte Land- Wirtschaft als einen produzierenden Zweig der deutschen Volkswirt- schasl waren sie völlig gleichgültig. wärmt auf der Strafjc wärmt im Hause Edite Kamelhaarsdiuhe »Marke Geier* ln drei verschiedenen Ausführungen. Dos Beste vom Besten. 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Betrugen doch diese 16 Milliarden, eine praktisch ewige Echuld, die nur die Inflation wenigstens teilweise tilgen fonnte, mehr als ein Biertel des Gesamtmertes des landwirtschaftlichen Bodens, den man auf 60 Milliarden vor dem Kriege schätzte. Wenn man sich diesen Gedantengang flargemacht hat, so ergibt fi zunächst einmal die erschreckende Tatsache, daß die deutsche Landwirtschaft schon wieder auf dem alten Wege ist, daß statt einer Reform des reditsystems für die Landwirtschaft die Bodenjpetulanten der Landwirtschaft neuen Hypothetarkredit fich zu sichern suchen, um die viel zu hohen Bodenpreise momöglich nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch noch zu steigern. Betrachten mir einmol furz die gegenwärtige Berschuldung der Landwirtschaft. Sie wird im allgemeinen auf zirka 2½ Milliarden neuverfajultung ohne Aufwertungsschuld geschäßt. Diese 2½ Mil liarden find wahrscheinlich um zirfa 0,3 milliarden zu hoch gefdräkt so groß ist wenigstens ein sichtbarer Irrtum, den man forrigieren kann. Dagegen ist der Bodenmert gegenüber der Vortriegszeit, zum minheften, wenn man annimmt, daß er volts. wirtschaftlichen Notwendigkeiten nach sich auf einem freien Markte ohne die Dazwischentunft von Spefulationsfredit bildete, auf nur etma 25 bis 30 milliarden Mart zu schäzen. Die Aufwertungslast dürfte mit einem Gegenwartswert von der Höhe der Neuverschuldung schon zu hoch berechnet sein. Jeden falls ergibt sich, daß ellein die Neuverschuldung schon wieder an 10 Broz. des gegenwärtigen Boden mertes heranreicht. Natürlich sind dabei Besizwechsel nur ften finanziert worden, obgleich z. B. unseres Wissens die LandShafien- und Hypothefenbanken gar feinen Grund hätten, dieses Geschäft nicht auch jetzt zu machen. Was man aber finanziert hat, war das Aufrechterhalten der zu hohen Güterpreise. Im Grunde hat ja die gesamte Landwirtschaft im lekten Jahre etwa die Vorteile genossen, die ein Schuldner unter GeschäftsSufficht genießt. Alle Schuld verpflichtungen wurden stetig prolongiert; der Schuldner brauchte nichts zu zahlen. Daß ter Schuldner dabei freilich nicht nur nichts zu zahlen hatte, sondern obendrein stetig neuen Kredit erhielt, das macht die Lage der Landirijdjaft zu einer einzigartigen. Wie die Auswüchse der Geschäftsaufficht zu Anfang des vorigen Jahres zweifellos zu einer fünftlichen Bersteifung des Warenpreisniveaus geführt haben, so die „ Gejchäftsaufsicht", unter der die Landwirtschaft stand, zu einer Berfteifung der Bodenpreise. Das Bollgesez bedeutet in diesem Zu fammenhange nichts anderes als den Versuch, nicht etwa die Bodenpreise zu steinern, sondern sie nachträglich durch fünftlich herauf Gefchraubte Erzeugerpreise zu rechtfertigen. An dieser Stelle gilt es anzusetzen. Die Kreditversorgung der Landwirtschaft muß endlich in den Dienst der landwirtschaftlichen Produktion ftatt in den des Interesses der Bodenverläufer gestellt werden. Dabei darf es nicht bei Cesegesvorschriften bliben, wie 3. B. im neuen Agrarbantgesetz, die zwar Probuftiokredit predigen, aber fein Mittel vorsehen, auch mirflich die Kreditverwendung für produttive 3wede ficherzustellen, sondern es muß zwischen Kredit versorgung und Produktionssteigerung der Landwirtschaft eine organische Berbindung hergestellt werden, wie sie von landwirtschaftlicher Seite und von der Sozialdemokratie dahingehend gefordert worden ist, daß Kredit nur auf Empfehlung einer Wirt. schaftsberatungsstelle gegeben werden soll, der sich der treditfuchende Landwirt zu unterstellen hätte. Jedenfalls sollte, menn man Produktionspolitit treibt, die Geschichte der landwirtschaftlichen Kreditversorgung im Jahre 1925 späterhin unter der leberschrift stehen: Bom Spetulations zum Pro duktionstredit. Für eine solche Politik bieten jedoch die heutige Führung" der Landwirtschaft und die Zollregierung Luther feine Gewähr. Die Kreditverhandlungen der Deutschen Rentenbanttreditanstalt in Amerika sollen nach übereinstimmenden Meldungen dicht vor dem Abschluß stehen. Es ist zunächst beabsichtigt, 25 Millionen Dollar aufzunehmen, also rund 100 millionen Goldmart. Der Zinsfuß der Zinleihe dürfte 7 Pro3. betragen. Der Ertrag der Anleihe vermindert fich und die Binslaft erhöht sich für die deutsche Landwirtschaft dadurch, daß der Emissionsfurs wahrscheinlich auf 93 Proz. sich belaufen wird und daß davon noch weitere 5 Broz. für Provisionen usw. in Abzug fommen. Der Erlös würde dann 88 Broz. betragen, der effektive 3insfuß für die Rentenbanktrebitanstalt rund 8 Proz. Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage. Ueber die Lage der deutschen Wirtschaft im August gibt das Reichsarbeitsblatt" folgenden Ueberblick: Die wirtschaftliche Lage zeigt im August teine wesentliche Beränderung. Die Schwierigkeiten in der Beschaffung von Kapital und Kredit haben sich im ganzen nicht vermindert, und die Klagen über verzögerte 3ahlungseingänge haben im BerichtsDie Wirtschaftskredite der Reichsbank vermonat zugenommen. ringerten fich feit Ende Juli. Im Kohlenbergbau des Ruhrgebietes haben die Absatzschwierigkeiten unvermindert angehalten. In der Metall- wie in der Maschinenindustrie führte die weitere Verschlechte rung des Auftragseingangs zu verringertem Beschäftigungsgrad. In der Tertilindustrie kam es dagegen, neben verschiedentlicher Berschlechterung, zu teilweise erhöhter Tätigkeit. Auf dem Arbeitsmartt ist nach den Feststellungen der Landesarbeitsämter die Nachfrage nach Arbeitskräften fast überall etwas geringer geworden, das Angebot Arbeitsuchender dagegen gestiegen. In der ersten Augusthälfte blieb die Landwirtschaft im allgemeinen aufnahmefähig für Arbeitskräfte; doch ließ der Bedarf nach Abschluß der Halmfruchternte fühlbar nach. Der alljährlich im Auguft erfahrungsgemäß eintretende stärkere Saisonbedarf an Arbeitskräften einzelner Industrien fegte diesmal nurzögernd ein. Wenn auch die Abstoßung von Arbeitskräften größeren Umfang nicht annahm, so zeigt die Zahl der unterstützten Erwerbslosen im gesamten Reichsgebiet doch eine Zunahme von 197 198 auf 207 994 oder um etwas über 5 Broz. Die Einzelberichte typischer industrieller Betriebe an das Reichs arbeitsblatt laffen erkennen, daß die gute Beschäftigung etwas zurüdgegangen und dafür die schlechte Beschäftigung entsprechend zugenommen hat. 3136 Betriebe mit 1,4 Millionen Arbeitern und Angestellten berichteten über die Beschäftigung im August und machten gleichzeitig die entsprechenden Angaben für den Bormonat. Der Anteil der Arbeitskräfte in Betrieben mit gutem Geschäftsgang verminderte sich von 28 Proz. im Juli auf 26 Broz. und die schlechte Beschäftigung erhöhte sich von 31 Proz. auf 33 Broz. im Auguft. Die Gesamtzahl der in den berichtenden Betrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten ist von 1,428 Millionen am 15. Juli auf 1.41 Millionen am 15. Auguft zurückgegangen die Abnahme beträgt 1 Broz. gegenüber einem Rückgang von 0,4 Proz. in der Zeit vom 15. Juni zum 15. Juli. Aus den Berichten der einzelnen Gewerbezweige ist hervor. zuheben: Im Maschinenbau hat im August ein weiterer Rüdgang der Beschäftigung stattgefunden, namentlich im Schiffbau und in der Industrie der Musikinstrumente. Nach 697 Einzelberichten an das Reichsarbeitsblatt fand eine Verminderung der Beschäftigtenzahl vom 15. Juli bis zum 15. Auguft um 1 Broz. Don rund 369 000 auf rund 366 000 ftatt. Sm Berichtsmonat gehörten den schlecht beschäftigten Betrieben 46 Proz. Arbeiter und Angestellte an gegen 44 Broz. im Juli; der Anteil der Betriebe mit gutem Geschäftsgang ging von 22 auf 18 Proz. zurüd. In der Industrie der Holz- und Schnigstoffe hat sich nach 180 Einzelberichten der Beschäftigungsgrad gegenüber dem Vormonat auf 50 Bro3. gestiegen, der mittlere Beschäftigungsgrad von 34 Broz. verschlechtert. Der schlechte Beschäftigungsgrad ist von 45 Broz. auf 50 Broz. gestiegen, der mittlere Beschäftigungsgrad von 34 Bro3. ämter ist die Lage des Arbeitsmarktes schwankend. auf 24 Proz. zurüdgegangen. Nach den Berichten der LandesarbeitsUrsachen des Sichel- Krachs. Die Vorgänge im Gichel Ronzern beschäftigen nicht allein deutsche, sondern auch in erster Linie schweizerische Wirtschaftslicher Verbindung mit der Holdinggesellschaft, der A.-G. für In. und Handelsfreise, zumal eine ganze Reihe von Firmen in geschäft dustriemerte in Luzern, stand. Die schweizerischen Zeitungen tommentieren daher ausführlich das Schicksal und den Zusammen bruch des Sichel- Konzerns, zum Teil mit bemerkenswerter Deutlichkeit. Zusammenfassend über die Gründe zum Ruin schreibt soeben die Neue Zürcher Zeitung": Die eigentlichen Ursachen des Zusammenbruches ergeben fich hauptsächlich aus folgenden Umständen. 1. Zusammen mit der Reichskreditgesellschaft in Berlin hatte die Julius Sichel u. Co. eine maßgebende Beteiligung bei der Chemischen Fabrit für Hüttenprodutte 2.-G. in Düsseldorf übernommen. Das Unternehmen, das die Verwertung verschiedener neuer chemisch- technischer Erfindungen bezweckte, scheint sich nicht in dem erwarteten günstigen Sinne entwidelt zu haben. Bor etwa Jahresfrist stellten sich Geldschwierigkeiten ein, und um das Unternehmen vor dem Konturfe zu retten, wurde eine Sanierungsaftion eingeleitet, die die Ablösung der etwa 3 Millionen betragenden Guthaben der Reichskreditgesellschaft bezweckte. 2. Ihrem Optimismus entsprechend scheint die Sichel- Gesellschaft sich in ganz unverhältnismäßiger Weise mit Ausdehnungsmöglichkeiten befaßt zu haben. Gebäude wurden errichtet und Filialen ausgedehnt, in einem Zeitpunkte, wo in Deutschland die ganze übrige Wirtschaft auf Abbau eingestellt war. Auch hier dürften Hunderttausende verloren gegangen sein. Außerdem scheint man sich im Sichel- Ronzern über das Verhältnis der Unfoften zum Bruttoertrag nicht ganz im Maren gewefen zu sein. Während der Brutto ertrag ungefähr den normalen Verhältnissen entsprach, verlangten die Unkosten ein Mehrfaches normaler Zeiten. 3. Die Eisenhandlungen des Konzerns haben bekanntlich ihre Basis in Lothringen und Luxemburg und haben dort ihren ganzen Betriebsfonds in Konsignationswarenlagern gehabt. Mit der Aufnahme der deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen fonnten diese Waren nicht mehr herausgebracht werden, weil sich die 3ollgebühren als derart hoch erwiesen, daß ein Import nach Deutschland als unmöglich erschien; wahrscheinlich kann nicht Dor Abschluß der Vertragsverhandlungen mit Wiederaufnahme der Geschäfte gerechnet werden. Die Eisenhandlungsgeschäfte waren gezwungen, ihren Bedarf in Deutschland zu decen, den sie aber auch gegen Raffa übernehmen mußten. Unter diesen Umständen begann dann die schließlich vergeb liche Kreditsuche der Holdinggesellschaft, der dann der Antrag auf Geschäftsaufsicht folgte. Die Die Umgestaltung des Reichswirtschaftsrats. Das Reichswirtschaftsministerium hat den Spizenverbänden der deutschen Wirtschaft einen Gesezentwurf über die Umgestaltung des vorläufigen Reichswirtschaftsrats zugehen lassen. Die Reichsregierung wird sich mit dem Entwurf voraussichtlich nicht vor Ende September beschäftigen. Der vorläufige Reichswirtschafts rat felbst wird bis dahin ein Gutachten zu dem Entwurfe vorlegen. Der Entwurf sieht die Reduzierung der Mitgliederzisser von 326 auf 126 vor. der Regierung auf Borschlag des Reichswirtschaftsrates noch in beNeben den ständigen Mitgliedern sollen von sonderen Fällen spezielle Sachverständige ernannt werden. Bersammlung soll sich in vier( bisher drei) Abteilungen gliedern. Genossenschaften bilden die ersten drei Abteilungen, während die Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Vertreter der Gemeinden und vierte Abteilung sich aus Männern zusammensetzt, die vom Reichsrat bzw. der Reichsregierung mit Rücksicht auf ihre besondere Sachkunde oder ihre besonderen Leistungen berufen werden. Für die ersten drei Gruppen bleibt den Spizenverbänden der Wirtschaft, den Gewerkschaften usw. ein Vorschlagsrecht. Die Mitgliedschaft läuft fechs Jahre. Eine bedeutsame Rolle sollen wiederum die Aus. schüsse spielen, von denen ein wirtschaftspolitischer, ein sozialpolitischer und ein finanzpolitischer sofort eingerichtet werden. Da neben soll ein ständiger Enqueteausschuß bestehen. Für die Klärung von Einzelfragen ist die Einsetzung von Unterausschüssen und Sonderausschüssen vorgesehen. Der Vorstand des Reichswirtschaftsrates soll aus 9 Mitgliedern bestehen. spondenz aus Düsseldorf erfährt, ist in der am Freitag in Düsseldorf Einigung im Grobblechverband. Wie die Konjunkturforres abgehaltenen Sigung des Grobblechverbandes bezüglich der zur Ver handlung stehenden Fragen eine allgemeine Regelung mit den Berbandsmitgliedern, zu denen sämtliche Großblechmalzwerte gehören, erfolgt. Nur mit der Firma Deutsch- Luxemburgische Bergwerts- und Hütten A.-G. und Weber- Brandenburg schweben noch Sonderverhandlungen. Sonderverhandlungen. Der Bertauf, der bis jetzt von den Werfen für Rechnung des Verbandes vorgenommen wurde, wird ab Montag vom Verband selbst übernommen. Der Verrechnungsgrundpreis( nicht Bertaufspreis!) wurde auf 125 m. pro Tonne festgesetzt. Am kommenden Montag findet eine Sigung des Wertshandels statt, mo über die Organisation im Inlandsverkauf verhandelt werden soll. Der Wertshandel soll verpflichtet werden, fordern, damit nicht die Verbandspreise von den eigenen Werks auch für Verbandsabschlüsse die neu festgesetzten Grundpreise zu händlern unterboten werden. Am 15. September werden die Fragen der Exportorganisation näher behandelt. Großhandelspreife. Die auf den Stichtaa des 9. September berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 127,6( Bormode 127,5) nahezu unverändert. Gestiegen find die Preise für Safer, Kartoffeln, Schmala, Fleisch. Hopfen, Baumwolle, Jute, Jutegarn und einige Nichteisenmetalle, or Niedriger lagen die Preise für Brotgetreide, Gerfte, Buder, Baumwollgarn, Hanf, Flachs, Blei und Gasol. Von den Hauptgruppen baben die Agrarerzeugniffe bon 128,7 auf 124,1 oder um 0,8 Proz angezogen, während die Industrie ftoffe mit 134,8( Borwoche 134,4) nahezu unverändert blieben. Ein lehrreiches Beispiel für die Auswüchse in der Preispolitik der Kartelle lieferte die Freitagssigung des Münchener Stadtmagistrats. Im Laufe diefes Sommers wurden zur Erneuerung des Fahrzeugparts der Städtischen Straßenbahn von der Stadtverwaltung hundert Anhängewagen und 20 Triebwagen in Auftrag gegeben, die zum Teil bereits geliefert sind. Da der Auftrag an eine west deutsche Firma und nicht an die banerischen Waggonfabriten vergeben wurde, ist der Stadtrat seit längerer Zeit das Biel heftiger Angriffe gewesen, der nun mit der Aufklärung pariert hat, daß die westdeutsche Firma ihre Wagen zu 26000 Mart angeboten hat, während die Angebote der übrigen 13 engagierten Waggonfabriken, die diese Preis. faltulation untereinander vereinbart hatten, rund 31000 Mart verlangt hatten und troz Verhandlungen von dieser Ueberforderung nicht abgegangen sind. SONDER- ANGEBOTE Kasak aus gutem kunstseidenen Trikot, mit reicher Knopfgarnitur u. 1g. Aermeln, gr. Farbenauswahl Unterrock aus gutem baumwollenen Trikot, mit Moirévolant, in vielen Farben.. Schlüpfer für Damen reine Wolle, prima Qualität..... 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September 1�25 Unterhaltung unö öeilage des vorwärts Der?gel. Von Lola Landau. Auf einem verwachsenen Waldpfad, in der Stunde der Dämmerung, während longsam die Dunkelheit an den Stämmen hochfließt, starren mich plötzlich zwei scheue unheimlich lebendige Augen an. Jetzt hebt sich ein spitzes schüchternes Tiergesicht aus einem braungrünen Knäuel, der sich wie ein Haufen Kiefernstreu über den Waldbodcn hochwölbt. Wirft die Erde selber zuckend ein Stück Leben aus sich heraus? Wer bist du, verhextes Waldgespenst mit einem Borkenleib und verwunschenen Menschenaugen?-- Ein Igel ist es, wahrhaftig nur ein Igel! Du kleine witzige Gestalt der Schulfabel, die hundertmal durch meine Kinderträume mit dem Hasen um die Wette lief und ihn durch die List seiner klugen Frau Igel besiegte! Aber leibhaftig sah ich dich niemals. Zum erstenmal begegnen wir uns heute in der wilden und phantastischen Wirtlich- keit. Noch immer hält uns ein magischer Schrecken voreinander fest- gewurzelt. Fast zwei Minuten lang sehen wir uns beide aus reg- losen offenen Augen an, wir wunderlichen Geschöpfe, die abends aus unseren Höhlen gekrochen sind, um durch die Dämmerung geheime Spürwege zu gehen. „Wer bist du? Bist du gut oder böse?' fragen seine Nachtougen. Und ich frage zurück:„Bist du gut oder böse?— Dein Gesicht. ist gut. Es hat«ine so weise Sanftmut mit seinen verschleierten schwarzen Augen, die fast traurig sind, der friedlichen kleinen Nase und dem zarten verschüchterten Kinn. Aber dein Körper straft dein Gesicht Lügen. Dein Leib ist garstig, er ist böse, ein heimtückischer Dämon mit versteckten Waffen.' Meine Hände fahren hoch in einer winzigen Bewegung. Da zuckt der Igel, wirft sich herum und flieht. Ohne Beine mit seinen unsichtbaren Stummelfüßen raschelt er wie aufgescheuchtes Laub davon. Ich haste ihm nach: schon ist er verschwunden, mit dein Waldboden vermischt, aus dem er so plötzlich hochquoll. Enttäuscht wende ich mich, da tritt mein Fuß schmerzhaft in ein spitzes Stachel- gebüsch. Mit einem Wchlaut erkenne ich den Igel, der sich zu einer drohenden Kugel zusammengerollt hat, aus der nach allen Seiten lange spitze Speere herausstarren. Leise berühre ich mit dem Finger die Stacheln, noch fester, noch runder schließt sich die lebend« Kugel. Vergeblich suche ich da» Neine milde Gesicht, das in der Höhle des Bauches so tief verkrochen ist, als hätte es der Mutterschoß selber zurückgeschluckt. Aber ist denn dieses überhaupt noch ein Tier, dieses branngrüne Gewächs? Jetzt sieht es aus wie der Riesenkopf einer Kaktee, die ohne Blutwärme reglos auf dem Boden lagert. Mit geheimem Schauder erkenne ich die tiefe Verzauberung von Pflanze und Tier, und während die Nadeln junger Kiefernzweige, Farnkraut und das seidige Laub von Buchenblöttern mein Kleid streifen, fürchte ich, jeden Augenblick könnten sich die Blätter tierisch auftollen und mit gefräßigen Augen zu leben und zu kriechen beginnen. Und gleich- zeitig spüre ich. daß meine Fingerspitzen steif werden wie die Nadeln der Kiefer. Der dunkelnd« Wald wirst die Lasios seiner Zweige nach mir au». Auch ich will mich in meine Höhle verkriechen. Sanft nehm« ich den Igel auf, bette ihn in meinen Strohhut und trage ihn in dieser sonderbaren Hängematte heim, ein willenlose» Spielzeug für mein« grausame Neugier. Der Wold ist ganz finster geworden. Schnell schneite ich vorwärts,«ine rasende Fahrt für das Wesen in meinem Hut«, das sich mit reißender Schnelligkeit durch die Lüfte in ein unbekannte» Entsetzen getragen fühlt. Jedoch kein Zeichen de» Lebens rührt sich hinter den Stacheln. Welche Gewalt hat diese kleine schüchterne Seele, daß sie täuschend den Tod selber nachahmt, im Mimikri de» letzten Erloschensein, da» kaum dem indischen Fakir nach lebenslanger Mühe gelingt. Zwar übt sich auch der Igel, wenn er im Winterschlaf Monat« ohne Nahrung und Atem- bauch mit angeklebter Zunge am Gaumen im selbstgeschaufelten Laubgrabe ruht. Kleiner Meister in der Uebung des Todes, er hat«in« Macht, vor der Menschen und Tiere unterliegen. Sein Gesicht liegt wie ein Herz eingekapselt im Leibe. Ich möchte ihn streicheln: aber die Stacheln ritzen die Finger, ein Blutstropfen fprinqt heraus. Daheim schließ« ich den Igel für die Nacht im Badezimmer ein, um ihm am nächsten Tage die Freiheit wiederzugeben. Aber als ich am Morgen die Kammer betrete, suche ich den stachligen Freund vergeblich in allen Winkeln. Endlich entdeckte ich ihn verkrochen in einem hohen schmalen Waschkrug, in den er sich vergeblich hinein- zwängte, um einen Ersatz für seine nächtliche Höhl« zu finden. Reuevoll setze ich ihn aus freiem Felde aus. Allmählich rollt er sich auf, die Kugel streckt sich, langsam und vorsichtig lugt die spitze Schnauze hervor, die Nase schnuppert nach ollen Seiten. Die erstarrte Pflanz« wandelt sich zurück zum Tier und zum Menschen- gesicht mit dunklen anklagenden Augen. Und schon entgleitet er ganz, wirft sich voran in das Buschwerk, in sein Tiersein gebannt, bis mir vielleicht eines Tages sein« scheue in sich verkrochene sanft- mutige Seele in einer neuen Verwandlung begegnet. feuriges Kreuz" unö„Rosenkreuzer". Das Gemisch von phantastischer Mystik, grober Sinnlichkeit. mittelalterlichem Zauberspuk, von verbrecherrischer Roheit und hün- dischem Gehorsam, das sich in den Satzungen des soeben ausgeho- benen Ordens vom„Feurigen Kreuz' ausdrückt, ist nicht neu. Die Zeiten der Reaktion liebten stets die Nachbarschaft von Mystizismus und Blut: sie wußten immer, welche Mittel am geeignetsten seien, junge unerfahrene Leute für ihre dunklen Zwecke zu gewinnen. Eine überraschende Aehnlichkeit besteht zwischen der jetzt von der Polizei entdeckten völkischen Geheimorganisotion und dem Orden der.Rosenkreuzer', der zur Zeit Friedrich Wilhelms II sein Un- wesen trieb. Auf die Freigeistere, des verstorbenen Königs Fried- rich, den dieselben Völkischen zum Abgott erheben, die jetzt das unfreiefte Mittelalter nachäffen, folgte bekanntlich die schwüle fröm- mclnd« Mystik seines Neffen. Was früher gefördert worden war. Wissenschaft und Philosophie, wurde nun unter dem famosen Kultus- mini'ter Wällner und dem Geisterbcfchworer Bifchosswerder in Acht und Bann getan oder in spanische Stiefel gezwängt. Dem Freimaurerorden der.Illuminaten' arbeitet« unterirdisch und mit den verwerflichsten Mitteln der katholische Orden der .Rosenkreuzer' entgegen. Wöllner selbst verfaßt- unter dem Orden»- nameu.Thrysophiron' für den Orden eine Schrift, worin es u. a. heißt:.Ich steh,, am äußersten Ende flammender Morgensterne, und dos unenneßlich« Gebiet der Geister nimmt mich auf. Zürnet nicht, ihr erhabenen Meister der Kunst, die ihr am Ruder der Well sitzt (ihr unbekannte Obern) wenn ein freier unbekannter Schüler es wagt, sein blödes, aber sehnsuchtsvolles Auge auf euch zu richten. Zürnet nicht, wenn er fein bebendes Knie vor euren Geheimnissen beugt und anbetend aus dunkler Ferne den frommen Wunsch tut: ach. daß es euch gefiele, gleich jenem Engel seinen»mwölktsn Der- stand zu erleuchten, daß er zur Ehre Gottes begreifen möge, wie all- verborgene Wirkung von der Einheit ausflieht und wie die Drciheit das Siegel der-_______________ Der Schwur auf das Kreuz. Jxaribtn&tor wir wollen fein ei« einzig pack von Schiebern, Vir wollen frech fein, wie wir immer waren, fin jeöer Not verüiene» unü Gefahr; Nach Meuchelmorü uns unfrer 5reiheit brüsten Unü uns nur fürchten vor üer Macht üer Jeme. ■TClI ■■■138 «Der Unsinn und mittelalterlich« Spuk dieser Dinge wurde von den geistesschwachen Novizen, die nur blinde Werkzeuge in den Händen der sehr zielbewußten.Obern' waren, ebenso ernst ge- nommen, wie das auch heute noch geschieht. Um aus ihre leicht er- regte Phamasie zu wirken, wurde auch bei den Rosenkreuzern der tollste Hokuspokus oerübt. So heißt es in einem zeitgenössischen Bericht:.Wenn man einem Mann den erforderlichen Eifer ein- flöht, ihn zum Glauben geschickt macht, von einer Täuschung und einer Berspcechung zur anderen, alle Grade hindurch so weit geführt hat, daß er Worte für Sachen, Einbildungen für Wirklichkeiten, Körper für Geister annimmt: oder vielmehr, wenn man versichert ist, daß ein Mensch alle die traurigen Eigenschaften hat, die hier er- forderlich sind, so macht man ihm den Antrag, sich dem Orden zu widmen und seine Entschließung, welche man schon als wankend kennt, durch eidliche Zusagen zu bestätigen.' Der Novize wird in einem sehr großen Saal durch allerlei schaurige Gänge geführt und sieht sich von roten Flammen und schauerlichen Schlangenzeichen um- geben..Drei düstere Lampen werfen von Zeit zu Zeit einen fast verlöschenden Schein in diesem traurigen Äreiq umher, so daß man die Trümmer der mit Trauerflor umhüllten Leichname kaum unter- scheiden kann: in der� Mitte bildet ein Hausen Gerippe eine Art von Altar: auf der Seite stehen Bücher, deren einige Drohungen gegen die Meineidigen, andere aber die traurige Geschichte von der Rache des betrogenen Geistes enthalten.' So geht es weiter mit Teufelsspuk, brennenden Scheiterhaufen, blutbefleckten Degen, albernen Amuletten, Geheul und Gestank, bis die Seele des Auf- zunehmenden völlig ermattet ist. Vermummte Gestalten verfallen in Zuckungen, verborgene Stimmen ertönen. Zum Schluß durch- dringt eine zitternde Stimme das Gewölbe und spricht fostzendcn schrecklichen Eidschwur:.Im Namen des gekreuzigten Sohnes, schwöre, die fleischlichen Bande zu zerreißen, die dich noch an Dater und Mutter, Brüder, Schwestern, Gattin, Anverwandte, Freunde, Könige, Obrigkeiten, Wohltäter, kurz an irgend ein Wesen binden, dem du Treue, Gehorsam. Dankbarkeit oder Dienste angelobt haben magst.' Man sieht, hier herrscht dieselbe Disziplin im Dienste des Ber- brechen? wie bei den völkischen Geheimverbindungen! Ja, sogar der Hinweis auf die Mittel, einen Feind zu erledigen, fehlt in jener Beschreibung nicht. So wird die Aqua Tofana, jenes berüchtigte Gijt, womit damals in Italien viele Morde verübt worden sind, als ein Werkzeug empfohlen,„die Welt durch den Tod oder durch gänzliche Abstumpfung derjenigen, welche die Wahrheit hcrabwür- digen oder sie unfern Händen zu entreißen suchen, zu befreien.' Die Zeiten ändern sich, aber die Wafsen, deren sich die Feinde des Fortschritts und des Dolkswohls bedienen, find dieselben geblieben. Ergebnisse öer Strömungsforsihung. Es ist eine feit langem und oft gehörte Klage, daß die Wissen- schaft sich zu sehr spezialisiere, paß der Forscher aus einem Sonder- gebiete die großen Zusammenhäng« der Wissenschaften aus dem Auge oerliere und stch in ein letzten Endes unfruchtbares Spezialistentum vergrabe. Vieles ist daran' wahr, wie sehr aber eine Spezialisierung fruchtbar sein kann, lehrt ein gerade für den gegenwärtigen Augen- blick interessanter Fall, der de? Instituts für Strömung s- forfchung in Göttingen. Ganz gewiß faim man sich kein engeres Sondergebiet denken als die Lehre von den Strömungen, ein kleiner?lurschnttt aus der Hydrodynamik oder Aerodynamik. Dieses..Oder' ist aber schon kennzeichnend, es lehrt auch den großen Umfang dieses Sandergebictc-, dos mit den verschiedensten Zweigen der Technik in Berührung steht. Deren jüngster Zweig, die Luft- jchi�ahrt, wäre ohne die Strömungslehre undenkbar, chr älterer Bruder, die Seeschiffahrt, fängt an, davon befruchtet zu werden. Noch Graf Zeppelin wollte bei aller Genialität, die ihn als kon- ftruierenden Ingenieur auszeichnete, der Strömungslehre keinen Einfluß auf feine Bauten einräumen, seine Nachfolger konnten sich ihrer Bedeutung nicht mehr entziehen. Die Strömungen in Gasen und Flüssigkeiten verlaufen nach gleichen Gesetzen, maßgebend sind die Eigenschaften der Flüssigkeit, wobei auch Gase als Flüssigkeiten gelten. Diele wesentlichen Eigen- schasten sind Zähigkeit(auch innere Reibung genannt), Zusammen- drückbarkeit und Dichte oder spezifisches Gewicht. Iede� Flüssigkeit läßt sich charakterisieren durch eine Zahl, die diese drei Eigenschaften und noch zwei wichtige Größen zusammenfaßt, man nennt sie zu Ehren des Forschers, der diese Wissenschast begründet hat, die R c y- n o l d s ch e Zahl. Flüssigkeiten, denen die gleiche Reynoldsche Zahl zukommt, verhalten sich unter den gleichen Verhältnissen auch völlig gleich, während anscheinend ganz gleichartige Flüssigkeiten, die aber durch verschiedene Reynoldsche Zahlen gekennzeichnet sind, ganz vcr- schieden? Ergebnisse liefern. Man untersucht nun in der Weise, daß möglichst einfache Körper wie Kugel, Zylinder, ebene Platte oder dergl. in die zu untersuchende Flüssigkeit gebracht und darin bewegt werden, es bilden sich dann Stromlinien aus, die man verfolgen kann, woraus dann die entsprechenden Schlüsse gezogen iverden. Das Verhalten ist verschieden, je nach?>er Größe der Reynoldschcn Zahl. Es sind schon eine Menge wichtige Tatsachen bekannt ge- worden, die Konstruktionen der Flugzeuge und Luftschiffe haben die qewonnencn Erkenntnisse schon vielfach ausgenutzt. Auch die Natur- Wissenschaft kann davast Nutzen ziehen, keineswegs allein die Technik, Dem Spezialforscher können solche Untersuchungen wichtige Aus- schlllsse geben. Man sieht leicht, welche umfassenden Ausgaben ein elches, ganz speziellen Untersuckungen dienendes Institut lmbcn kann, und der Schluß liegt nahe, daß die Spezialisierung der Wissen- fchaft durchaus nicht ein Uebel zu fein braucht. Dipl. Ing. Dr. H. Heine in Helgoland. Genosse Karl König schreibt uns: Die Plauderei über„Helgoland' in der Beilage veranlaßt mich. darauf hinzuweisen, daß auch ein anderer bedeutender deutscher Dichter, heinrichheine. gern auf Helgoland weilte. Er wohnte in nächster Nähe von dem Häuschen, das Hoffmann von Fallers- leben innc hatte. Ich war feit 1899 wiederholt auf Helgoland, habe die beiden„Kate n' stets besucht und sie 1904 auch vielen Partei- genossen gezeigt, die vom Bremer Parteitag aus Helgoland besuchten: doch 1908 war bereits Heines Herbergsstätte der Spitzhacke zum Opfer gefallen, als Kasernen und sonstige fiskalische Gebäude auch in dieser Ecke(nahe dem Friedhof und der Kirche) errichtet wurden. Eine Tafel am Zaun eines Gärtchens, durch Strauchwerk obendrein ziemlich versteckt, ist erhatten geblieben. Sie trägt die Inschrift:„3" diesem Hause wohnte Heinrich Heine und dichtete hierselbst unter anderem seine Nordseelieder.' Vom Häuschen selbst ist sonst keine Spur mehr. Ich schließe mich dem Wunsche an. daß es wenigstens gelingen möge, das noch vorhandene Hnifmann-Häuschen in Nationalbefitz zu bringen und zu erhalten.— Was die schwarz- rotgoldenen Fahnen anlangt, so verspüren die Helgoländer selbst keine Neigung,„ihr Geschäft zu schädigen'. Eine Gruppe des „Reichsbanners', zurzeit aus zirka 40 Mitgliedern bestehend, war noch nicht imstande, bei der Gemeindebehörde oder der Badedirektion durchzusetzen, daß auch eine neue Reichsflagge angeschafft wird. Die Wahrheit. Ein bekannter Publizist wollte seine sämtlichen Schriften in einen Band binden lassen. Er fragte den Buchbinder: „Aber— werden es für einen Band nicht zu viele sein?'— „I wo doch,' beruhigte ihn der Buchbinder,„wenn ich sie aus der Presse bekomme, werden Sic staunen, wie flach sie find!'_ Herbft- Meffe Mod. Herbst- Mäntel in den aktuellen FlauschMoulinéstoffen... 24.50 Elegante Mäntel mit vollem Biberettekragen • . 39.75 Rips- Kleider Prima Qualität alle Modefarben.. 27.50 reine 19 1950 2950 1975 Im Zeichen des Preisabbaus! Schotten- Selde 395 waschbar, für NachmittagsKleider Mtr. 4.75 Foulétuch reine Wolle, 290 alle modernen Farben. Mtr. Neue Plaidschotten 245 100 cm breit...... Mtr. Tanz- Kleider Seide 1875 Mantelstoffe 180 cm breit oder Eolienne.. 24.50 einfarbig u. gemustert.... Mtr. 5.75 395 oder Pelz- u. Jackenfutter 195| Normalhemden Hosen 195| Linoleumläufer Halbeeide, 100 cm breit... Eollenne 100 cm 195 für Herren. 2.45 195 Wolle m. Seide, 90 Sportwesten 790 4.90 herrliche Modefarben, Meter reine Wolle 9.75 schwere Qualität. 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