Ar. 136. Erscheint tiiglich ailber Montag?. Preis pränumerando: Viertel- jährlich z.zo Mark, monallich i.io Mk., wöchentlich SS Pf«, frei in's Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage„Neue Welt" il> Pfg. Post-Abonnement: Z.ZoMk. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungar» 2 Mk., für das übrige Ausland sMk.pr.Monal. Eingelr. tu der Post-Zeitungs-Preisliste für 1803 unter Nr. 7128. 12. Jlchrg. klnserlions-Tebühr beträgt für die fünfgespaltene Petilzetle oder deren Raum so Pfg., für Vereins- uno Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis s Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tage» bis? Uhr Abends, an Sonn- und Kesttagen bis o Uhr Vormittags geöffnet. tcrnsprecher: Amt t, Ur. löo». Telegramm-Adresse: „Zottatdemotlrat Kcrtiu!' Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktiou: LV.19. ZZeuth-Strak- Z. Freitag, den 14. Juni 1893. � Kimditb»: sv. lg. zz-ulo-Slraß- z Die Efteistliilz-Sozialen. Unsere Leser werden erstaunt sein über diese Leitartikel- Ucbcrschrist, sie werden meinen, wir wollen nun in der sauren Gurkenzeit historische Abhandlungen statt politische Betrachtungen veröffentlichen. Der Einwand hat einen Schein des Rechts, ist es doch lange schon her, daß die mit so vielem Tamtam ins Leben gerufene Berliner Bewegung und die dazu gehörige christlich- soziale Partei eingeschlafen ist. Und noch weit länger ist es her, daß man diese Grün- düngen des damaligen Hofpredigers Stöcker zur Vcr- nichtung der Sozialdemokratie eritst ninimt. Die Sozial- demokratie ist herrlich gediehen seit dem Geburtstage der christlich- sozialen Partei, diese Partei selbst ist wieder zu einem Scheimvesen zusammengeschrumpft. Was eine Partei charakterisirt, Selbständigkeit und strenge Scheidung von allen anderen Parteien, das war die christlich-soziale Partei niemals, denn ihr Gründer und einziger Führer Hofprediger Stöcker blieb in der konservativen Partei als Abgeordneter, wich dort nie aus Reih' und Glied, ver- zichtete also auf jede selbständige politische Bethäti- gung. Sein Programm, das einige Forderungen zu gunsten der Arbeiter enthielt, blieb ein werthloscs Stück Makulatur, er hat niemals den Finger gerührt, um etwas zu dessen Verwirklichung zu thuu und da die Schimpfereien und Verleumdungen, mit denen er die sozial- demokratische Partei bedrohte, keinen Arbeiter befriedigen konnten, blieb, wie das Leiborgan des Herrn Stöckcr so schön sagt, diechristlich-soziale Arbeiterpartei ohne Arbeiter und wurde daher eine christlich-soziale Partei. Aber auch als solche konnte sie nicht erstarken, sie blieb ein Anhängsel der ton- servativen Partei und wurde von den antisenntischen Richtungen so überflügelt, daß der Name der christlich- sozialen Partei vollkommen in Vergessenheit gcrieth. Plötzlich taucht der unrühniliche Name wieder auf. Die Christlich-Sozialen haben nämlich plötzlich einen Partei- tag abgehalten, und zwar im Anschlüsse an den evangelisch- sozialen Kongreß. Herr Stöcker spielt also wieder auf ver- schiedenen Registern. Unter den Evangelisch- Sozialen treten kirchliche und sozialpolitische Richtungen auf, die sich heute, ihrer eigenen Meinung entäußernd, noch vor Stöcker beugen, ihm aber nicht trauen, und blos auf die Erstarkung des ihnen folgenden Trupplein warten, um die Fahne der Rebellion zu erheben. Diesen droht Stöcker mit der Galvanisirung seiner christlich- sozialen Arbeiterpartei, der freilich das Christenthnm ebenso fehlt, wie die Arbeiter ihr fehlen. Offen Jseuillekon. sNnchdnill verbolen.s Keriwer Marztage. 37 Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. „Rebellion! Ueberall Rebellion!* brummte er in den Bart.„Wohin das noch führen soll, möcht' ich gar zu gern wissen." Bruno Volkmuth und Hans Härtung hatten sich in- zwischen dem Hause genähert, in dem Axel von Pilgram wohnte. Unterwegs machte Bruno Miene, in eine» Laden einzutreten, in dessen Schaufenster Gegenstände des Sports, Moiltirungsstücke, Waffen u. f. w. ausgestellt waren. „Was wollen Sie denn da drinnen?" fragte Hans neugierig seinen Begleiter. „Eine Reitpeitsche will ich mir kaufen", versetzte Bruno. „Wir müssen doch mit diesem Herrn in einer Sprache sprechen, die ihm verständlich ist, die er selbst zu sprechen gewohnt ist." Haus mußte lachen. „Nun, für alle Fälle, schaden kann's ja nicht", sagte er,„obschon ich im Grunde genommen mehr für die Waffen des Geistes bin, als für die brutale Gewalt." „Waffen des Geistes!" entgegnete Bruno spöttisch. „Eh' Sie Ihr Geistesschivert ans der Scheide gezogen haben, hat dieser adelige Lump lins alle beide die Treppe hinunter- geworfen. Nachdem der Einkauf besorgt war, stiegen sie zu Pilgram's Wohnung empor und zogen die Klingel. Axel war erstaunt, zwei Fremde vor sich zn sehen. Bald jedoch hatte er die„Demokraten" erkannt, mit denen er bei Rech- berg zusammen gewesen war, und ließ die beiden Freunde mit eisig-kühler Höflichkeit eintreten. „Was verschafft mir das Vergnügeil?" begann er in einem Tone, der deutlich verrieth, in welchem Sinne er das Wort„Vergnügen" meinte. Er hielt es nicht für nothwendig, den beiden Gästen Stühle anzubieten. Graf Schildbnrg, der es sich bei Axel bequem gemacht hatte und gähnend zum Fenster hinaus- sah, glaubte es seiner aristokratischen Erziehung schuldig wurde als Zweck des Kongresses die Treniliuig von der Nanmann'schen Richtung proklamirt. Dann wurde das alte Programm rcvidirt und er- gäuzt, so daß es jetzt folgende Forderungeil aufstellt: Einzelfordcrnngen: I. A» die Staatspolitik: 1. Eine starke Monarchie als Trägerin der sozialen Reform im Reich wie in den Einzelstaaten. 2. Volle Selbständigkeil der Kirche. Leitung des Religionsunterrichtes durch die 5tirche. 3. Konscssionalitäl der Schule. Gesetzliche Zulassung freier Schulen unter staatlicher Aufsicht. Ausreichende Staalsbeihilse zum Besuch höherer Schulen für begabte Kinder der unbemittelten Stände. Möglichste Durch- fnhrung einer einheitliche» Volkserziehung in den ersten Schuljahren. 4. Gesetzliche Neuordnung des Verhältnisses zwischen Kirche und Schule. Fachliche Schulaussicht. 5. Einrichtung der Staatsbetriebe zn arbeiterfreundlichcn Musterbetrieben. 6. Verstaatlichung geeigneter Berusszweige und Betriebe da, wo es das Interesse des Gemeinwohls erfordert. 7. Verminderung der Prozeß- und Anivaltskosten und dadurch Erleichterung der Prozeß- führung für Aermere. 3. Rcichsgesetzliche Regelung des Vereins- und Versammlungsrechts. II. i!l» die Wirthschafts- und Gewerbepolitik: 1. Staatliche Maßregeln zur Erhaltung eines gesunden und zur Einschränkung eines übergroßen Grundbesitzes, Herstellung eines gerechteren Ver- hältnisses in der Besteuerung der Geschäfte, der Mobilien und Immobilien. 2. Reform des Hypothekenwescns im ländlichen Grundbesitz. Festsetzung der Verschuldungsgrenze. Ansässig- mnchung der ländlichen'Arbeiter. Innere Kolonisation. 3. Obli- gatorische Fachgenossenschasten, bez. Innungen gemäß dem Be- dürfniß des Handwerks, Besähigungsnachweis, Errichtung von Handiverkerkaminern. Sicherung der Bauhandiverker in ihren Forderunge», Einschränkung der Konkurrenz der Gefängniß- industrie. 4. Beseitigung des unlauteren Wettbewerbes. 5. Die- sorm der Börse. Verbot des Disferenzgeschäftes, besonders in Produkten. III. An die Sozialpolitik: I. Staatlich anerkannte Berufs- vereine alS Uebergang zu obligatorischen Gcnvssenschasten. 2. Staatliche Förderung genossenschaftlicher Produktion. 3. Festsetzung der Arbeitszett nach Fachgenosienschaste». 4. Schutz der Ärbeiterbevölkerung gegen gesundheitswidrige Zu- stände in den Arbeitslokalen. S. Zweckmäßigere und gerechtere Diegelung der bestehenden Arbeiterversicherung und thunlichste Ergreifung von Maüregeln gegen die Folgen unverschuldeter Arbeitslosigkeit. 0, Unentgeltlicher Arbeitsnachweis. 7. Aus- dehnuug des Arbeiterschutzes auf die Hausindustrie. 8. Thun- lichste Durchführung der 33 stündigen Arbeitsruhe. 9. Aus- dehnung der Sonntagsruhe auf die Angestellten des Verkehrs- und SchankgewerbcS. 10. Weibliche Assistenten der Fabrik- inspektoren. 11. Reichswohyungsamt. Staatliche Diegelung und Beaufsichtigung der Wohniingsverhältnisse. IV. An die Steuerpolitik: 1. Weiterentwickelnng der pro gressiven Einkommensteuer unter Berücksichtigung des Familien- standes. 2. Progressive Erbschaftssteuer. 3. Luxussteuer. V. Au zu sein, daß er den Gruß der beiden Fremden uu- erwidert ließ. „Sie haben eine Angehörige meiner Familie beleidigt, Herr Lieutenant," begann Hans Härtung mit ruhigem Ernst. „Ich... eine Angehörige Ihrer Familie?" entgegnete Axel mit einer Mischung von Spott und Befremden. „Vollkommen unbekannt— wie heißt die junge Dame? Denn hoffentlich ist sie doch jung, hä hä!" „Die Dame ist noch sehr jung und heißt Dora Wernicke," versetzte Hans. „Ha/ ha, ha, köstlich! Hören Sic, Graf?" wandte sich Axel mit höhnischem Grinsen an den Lieutenant, der indessen vorzog, seinen Posten am Fenster nicht zn verlassen.„Also Dorchen.... wie war's doch, Wernicke?.... ist Ihre Verwandte! Ja, die Hab' ich allerdings beleidigt, wenn Sie's so nennen wollen..." „Und Sie beleidigen sie von neuem, und mich dazu, indem Sic über die mir sehr ernste Angelegenheit in einer solchen Weise reden!" rief Hans mit erhobener Stimme, in- dem er Axel fest ins Auge faßte. „Ja, was wollen Sie denn nun?" fragte der Licnte- uant in etwas herabgcstimmtcm Tone.„Da, sehen Sie, wie diese junge Tanie sich zn wehren weiß! Ist das noch nicht genug?" �.". Er hielt dem Buchdrucker die nut blutigem Tuche umwundene Hand hin. „Das hat sie gethan in der Abivehr Ihres Angriffs— für die Wiederherstelliing ihrer Ehre ist damit noch nichts geschehen." „Ich soll doch diese... diese Ladenmamsell nicht etlva noch um Verzeihung bitten?" „Das sollen Sie allerdings, und zivar nicht nur die junge Dame, sondern auch Ihren Vater, der ein ehren- werlher Bürger dieser Stadt ist." „Wie, diesen lahmen Invaliden, der sie bisweilen des Abends abholt?" zischte Axel verächtlich,„das ist einfach stark— hörten Sie, Graf?" „Wenn Sie das nicht wollen, werde ich das Recht der jungen Dame auf andere Weise zn wahren wissen. Sie haben sich wie ein Bube benommen!" „Mäßigen Sie sich, Herr!" rief Axel wnthknirschend —„Sie sind hier bei mir, dem Lieutenant v. Pilgram!" die Kolonialpolitik: Energische Kvlonialpolitik. VI. In der Jndenfrage: I. Ausschluß der Inden ans allen obrigkeitlichen Aemler». 2. Zulassung der Juden zn anderen Aemtern und zur Advokatur nach dem Bevölkerungsverhältniß. 3. Verhinderung des Ueberwucherns der Juden an den christlichen höheren Knaben- und Mädchenschulen und der jüdischen Lehrkräfte an den Uni- versitäten. 4. Verbot der Judeneinwanderung. VII. In der Frauensrage: I. Ausdehnung der weiblichen Bernssarten. 2. Ver- bot der Fabrikarbeit verheiratheter Frauen. Das Programm ist im wesentlichen das alte, den Bourgeois unangenehm inS Ohr schallende Ausdrücke, wie die Forderung der Normalarbeitstages wurden durch andere ersetzt, aber im wesentlichen ist nichts geändert. Dies hätte auch wahrlich der Mühe nicht gelohnt, denn auch mit einem neuen Programme hätte man keinen Hund vom Ofen gelockt. Man weiß, daß in der christlich-sozialen Partei das Pro- gramm nichts, Herr Stöcker alles ist. Und wer Herr Slöcker ist, das weiß nun in Deutschland jedes politische Kind. Herr Stöckcr ist ein dentsch-konservativer Partei- mann, ein Helfershelfer der Agrarier, ein Mann, der bei allem Haffe gegen die Jesuiten, ebensowenig wählerisch in der Auswahl seiner Miltelist, ein Mann, wie diese, dem dieFrennd- schaft eines Herrn von wcrthvoller ist, als das Wohlbefinden taufender Landarbeiter. Deshalb hütet er sich auch, eine so selbstverständliche Forderung wie die Aufhebung der Gesindeordming seinem Programme einzuverleiben. Uebcrhanpt ist von den Landarbeitern nur insoweit die Rede, als es sich um die Interessen des Großgrnnd- besitzcs dreht, er will die Landarbeiter seßhaft»lachen d. h. ihnen die Freizügigkeit einschränken oder ganz nehmen, sie somit des einzigen Mittels berauben, das ihnen bei der heutigen Rechtslage zur Besserung ihrer ökonomischen Lage übrig bleibt. Von den Forderungen der reaktionären Hand- werter ist in dem Programme auch nicht eine vergessen, das gleiche gilt von den antisemitischen Forderungen. Von den indirekten Stcueril ivird kein Wort erwähnt, endlich soll die Schule ganz von der 5kirche unterjocht werden. Als Ornament werden dann noch einige sozial- politische Forderungen angeführt. Diesen Bedeutung beizumessen, hieße Herrn Stöckcr znmuthen, daß er heute ehrlicher ist, wie vor vier Jähren,� Ivo er programmgemäß die gleichen Forderungen vertretensollte, aber trotz der eiltgegcngesetzten Haltung der konservativen Partei ruhig in derselben verblieb. Ans die Arbeiter hat Herr Stöcker, wie der refiguirte Leitartikel der heutigen"Nummer des„Volk" beweist, vernünftigerweise verzichtet, er will nur seine evangelisch- sozialen Schafe vor Wegen, die von der konservativen »Ich sehe es, daß ich nicht im gräflich Wildstein'schen Hirschpark bin", versetzte Hans mit einer Anspielung aus ihre einstige Begegnung. Axel erbleichte, doch suchte er sich gewaltsam zu be- herrschen. „Sie werden sich doch nicht etwa wegen Ihrer... ,Dame' mit mir schlagen wollen?" fragte er hochmüthig. „Ich werde jedenfalls nicht eher ruhen, bis ich die Gcnugthnnng für sie erlangt habe, die sie zu beanspruchen hat." „Frechheit... infames, unverschämtes Pack!" zischte Axel wüthend hervor. Er suchte die Thür zn gewinnen, neben der an einem Kleiderrechen sein Degen sammt dem- jenigen des Grafen hing. Bruno Volkmuth, der bisher den stillen Zeugen der Unterredung gespielt halte, trat ihm in den Weg. „Und was würden Sie thnn, wenn i ch mich wegen dieser Dame mit Ihnen schlagen wollte und Ihnen morgen meine Zeugen schickte?" fragte er in seiner raschen, scharfen Weise. „Sie, Herr Studiosus?" höhnte Axel.„Ich würde Ihren Zeugen zur Thür hinauswerfen, wie ich es jetzt sofort mit Ihnen machen werde, wenn Sie nicht von selbst gehen." Er hatte kaum das letzte Wort gesprochen, als Bruno die bisher verborgen gehaltene Reitpeitsche hervorzog und ein paar wuchtige Hiebe über den glatten aschblonden Scheitel und die grüne Joppe des Lieutenants sausten. In rasender Wuth drängte Axel zur Thür, um seinen Degen zu erreichen, aber die kernige, muskulöse Gestalt des Studenten stand, wie ans Eisen gegossen, vor ihm und ivich nicht vom Platze. Immer neue Hiebe pfiffen hageldicht um die Ohren des Lieutenants. Er mußte sich schließlich nach dem Hintergründe des Zimmers zurückziehen, wo der edle Sprößling der Grafen von Schildbnrg mit vor Schreck gc- öffnetcm Munde und glotzenden Augen dastand und der Lektion zusah, die dem Herrn 5kamerad'en von seinem Gegner ertheilt wurde. „ der Erziehung und über die Folgen der daraus entstehenden gegenseitigen E>-"remdung sagt. Auch ihre Aiischanuiigen über die Nothwendigkeit physischer Erziehung der Mädchen durch körperliche Uebnngen aller Art muß Zustimmung finden. B. ermittelt worden. In Fachkreisen behauptet man. die Op er des Unglücks wären gerettet worden, wenn der Holzhängeschacht eine Seilführung gehabt hätte. bestätigt werden, so wäre keine Strafe gegen die Schuld, gen hart genug. Wir sind aber überzeugt, daß dem Grafen v. Donnersmarck iu seinen Kreisen auch die gesellschaftliche Aechtung erspart bleiben wird. Er wird nach wie vor eine der Spitzen der Gesellschaft bleiben.— Tie Bundesregiernnge» und die internationale Währungskonfereuz. Zur internationalen Währungs- konferenz liegen, nach der„National- Zeitung", jetzt von der Mehrheit der Bundesregierungen die Erwidernngen auf die Anfrage des Reichskanzlers wegen der Ein- beruftlng einer solchen Konferenz vor. Ein Theil lautet im allgemeinen so, daß die Reichsregierung nicht gerade Widerspruch gegen den Erlaß der Einladung daraus zu entnehmen braucht; aber nirgends macht sich ein wirkliches Verlangen danach geltend, vielmehr tritt auch in den Erklärungen solcher Regierungen, welche der Einberufung einer Konferenz nicht widersprechen, die Ueberzeugnng hervor, daß kein positives Ergebniß einer solchen zu erwarten sei, und daß Deutschland keinen Grund habe, seine Währungsordnung zu ändern. Andererseits sind eine Anzahl der Bundesregierungen als entschiedene Gegner des Währungs-Abenteuers aufgetreten, und von mehreren, deren Rückäußernng noch nichts einge- gangen ist, darunter Regierungen größerer Bundesstaaten, ist bekannt, daß sie ebenfalls mit Nachdruck wider- sprechen.— Es wäre unbegreiflich, so meint die„National- Zeitung", wenn bei dieser Sachlage die Konferenz bernfeil ivürde; Fürst Hohenlohe würde sich nach der un- ausbleiblicheu Niederlage, die sich für das Deutsche Reich daraus ergeben müßte, nicht auf die Zustimmung der Bundes- regiernngen berufen können, von der er in seiner Erklärung im Reichstag die Einleitung von Verhandlungen mit dem Auslände abhängig gemacht hat, selbst wenn eine Abstim- mung im Bnudesrath äußerlich eine Mehrheit für die Ver- anstaltung der Konferenz ergeben sollte. Den Agrariern zu Liebe blamirt sich unsere Regierung, todesmuthig wie sie nun einmal ist, auch vor dem ge- sammteu Auslände.— Prüfungen von Polizeibeamten. Herr von Köller hat bestinunt, daß die Anwärter für den Polizei-Burean- dienst vor ihrer dauernden Anstellung einer Prüfung unter- worfen werden sollen. Die schriftlichen Aufgaben der Prüfung sind dem Gebiete der praktischen Thätigkeit der Polizei-Bureaubeamten, unter Mit- berücksichtignng des Rechnungswesens, zu entnehmen. Die rnünd- liche Prüfung ist daraus zu richten, ob der Anwärter sich die für den praklischen Dienst im Expedltions- und Registraturfache, sowie im Rechnungswesen erforderlichen Kenntniffe erworben hat. Er muß»iü den Grundzügen der Reichs- und der preußischen Verfassung und mit den in der Polizeiverwaltung häufiger zur Anwendung kommenden Gesetzen, Reglenienis, Polizeiverordnungen u. s. w. vertraut sein, sowie eine gründliche Keuutniß von der Behörden-Orgainsatio» und den Beamten- Verhältnissen, ferner von de» auf das Rechnungswesen bei den Polizeiverwaltungen bezügliche» Bestimmungen besitzen. Wüuschcnswerth iväre es, wie uns scheint, wenn diesen Prüfungen auch die mit der Ueberwachung von sozialdemo- kratischen Versammlungen betrauten Polizeibeamten unter- warfen würden. Dann würden vielleicht die jetzt so häufig wegen„Gesetzesunkenntniß" der betreffenden Beamten vor- konimenden ungerechtfertigten Versammlnngsauftösungen unterbleiben.— Mellage-Prozcsx. Zu der Nachricht, daß der Aachener Staatsanwalt Revision gegen das freisprechende Urthetf eingelegt hat, bemerkt die„National-Zeitung", die sich so stellt, als glaube sie nicht an diese Revisionsauslcgung und es handele sich da nur umZeine„klerikale Zumuthnng", folgendes: Uns scheint diese„Nachricht" lediglich die äußere Form für eine Zumuthnng zu sein, deren Erfüllung der Justizminister nur gestatten könnte, wenn es ihm gleichgiltig wäre, ob die Rechtspflege, wenigstens der von der Staatsanwaltschaft vertretene Zweig derselben, in den schärfsten Gegensatz zu dem öffentlichen Nechtsbewußtsein käme. Nicht die voll- ständige Freisprechung Mellage's bedarf einer Sühne, sondern das Verhalten der Aachener Staatsanwaltschaft, welche angesichts des von Mellage gesammellen Materials die gegen die„Brüder" angeordnete Untersuchung einstellte und dafür Anklage gegen Mellage und Genossen erhob. Zur Verfügung betreffend die Schließung der Privat- Krankenanstalt der Alexianer zu Mariaberg wird noch bekannt, daß dadurch der Fortbestand der klösterlichen Nieder- lassung nicht berührt wird. Hingegen ist dadurch den Alexianern zu Mariaberg die Befugniß zur Behandlung von Krauken entzogen worden. Daß es auch iu anderen Alexianeranstalten recht heiter zugeht, bestätigt ein Gewährsmann des„Westfälischen Merkurs", der die Alexianer auf Hans Kannen bei Münster besucht und vom„Bruder Rektor" herumgeführt wurde. Er schreibt: Den Aachener Brüdern wurde es als großes Verbrechen an- gerechnet, daß sie die Touche„als Strafe" anwandten. Aber in allen Anstalten wird noch heute gedouckt. Ein Kranker erzählte, daß er in einer hochangcsehenen, aus öffentlichen Mitteln unterhaltenen Anstalt gewesen sei und die Annahme des Essens verweigert habe. Er ist darauf längere Zelt täglich gedoncht worden, bis er nachgab und aß. In jener Anstalt ist das Douchen nicht eine„Strafe", sondern ein durch die Nothwendig- keit dringend gebotenes Heil- und Beruhigungsmittel eines wider- penstigen, seine eigcne Gesundheit gesährdenden Kranken. Das ist eben der gewaltige Unterschied! Die„Berliner Correspondenz" meldet: Der Geheime Regierungs- und Medizinalrath Dr. Trost in Aachen, dessen Pensionirung bevorsteht, ist bereits bis auf weiteres beurlaubt. Richtiger wäre es, wenn gegen den würdigen Geheim- rath die Disziplinaruntersuchung eingeleitet würde. Gegen den Staatsanwalt, der im Alexianer-Prozeß so eifrig formale Beleidigungen verfolgte, aber blind für die unerhörten Skandale im Kloster war, scheint nicht vorgegangen zu werden. Wenigstens meldet die„Berliner Correspondenz" nichts hiervon.— Gegen die„Kölnische VoltSzeitung" sollte nach der Mit- theilung«iues hiesigen Berichterstalters der Magistrat Straf- antrag wegen Beleidigung gestellt haben, weil das Black die Behauptung aufgestellt habe, daß in der städtischen Irren- aiistalt zu Dalldorf ganz ähnliche Zustände herrschen, wie in dem Kloster„Mariaberg". Diese Mittheilung bestätigt sich nicht. Der Magistrat hat noch keinen Beschluß wegen eines zu stellenden Strafantrages gefaßt. Ucbrigens macht die„Nat.-Ztg." darauf aufmerksam, daß die Sätze, aus welche sich die obige Miltheiluug nur beziehen kann, wesentlich flv.tei§ cieloiitct baben, nlg sie von dein Berichterstatter wieder- gegeben sind. Das Blatt hatte geschrieben: ..Berliner Blätter berichte», Alcxianerbrüder in Berlin dättcn dem Magistrat angeboten, die Pflege einer Anzahl von Irren zu übernehmen; der Magistrat, der bierauf habe ein- gehen wollen, lehnte infolge der Aachener Enthüllungen ab. Das wundert uns freilich nicht, wiewohl die Brüder die Irren vermnthlich ebenso gut gepflegt hätten, wie es i» Dalldorf geschieht. Wenn aber der Magistrat alle seine Anstalten wollte unter die Lupe nehme» und so wohlwollend wollte kritisiren lassen, wie es der Anstalt Mariaberg geschehen ist, wir furchten, mancher würde ihm seine Kranken oder Irren auch nicht mehr anvertrauen." Nach diesem könnte, falls der Magistrat wirklich noch einen Strasantrag stellen sollte, ein Beleidigungsprozeß, wie auch immer er ausfallen mag, nur eine wohlverdiente Blamage des Magistrats bedeuten.-» Zum Fall Hammersteitt erfährt die„Bolks-Zeitniig" das folgende: „lvlit dem Ailstritt des Abg. Dr. Kropatscheck aus der Redaktion der„Kreuz-Zeitung" sind die Dinge in der letzteren noch keineswegs zu einem definitiven Abschluß gekommen. Viel- mehr höre» wir, daß innerhalb der s konservativen Partei sich immer mehr Stimmen erheben, welche verlange», daß dem„System Hammersteiu" in der„Kreuz-Zeitnng" doch ein Ende gemacht werde, wenn es jetzt allch in dem dort entbrannten Kampfe vor- läufig noch einen scheinbaren Sieg serrungen hat. Sollte Herr von Hammerstein demnächst aber doch beseitigt werden— und das dürste nach dem, was wir darüber erfahren, das wahrschein- lichere sein.— so wird man schließlich wohl wieder auf Herrn Dr. Kropatscheck zurückgreifen und ihn in die Nedaklion zurück- Militiirbohkott wegen de? Leichtsinnes eineS Unteroffiziers. Der Selbstmord des Unterosfiziers Scholz von dem in Liegnitz liegenden Regiment, hat, nach dem„Licgnitzer Tage- blatt", dazu geführt, daß über zwei Geschäftsleute, über einen Restanrateur und einen Kaufmann, von militärischer Seite der Boykott verhängt wurde. Durch die vom Regiment ein- geleitete Untersuchung über das Motiv zum Selbstmorde sei festgestellt, daß Scholz die Nacht vor seinem Tode in dem Restaurant eine seine Verbältnisse weit übersteigende Zeche gemacht, sich bei dem Kausmann wiederholt Geld geborgt und demselben einen Wechsel ausgestellt habe. Durch Regimentsbefehl ist jetzt allen Mannschaften der Besuch des Restaurants inie auch des Geschästslokalcs des betreffenden Kaufmanns verboten worden. Und da will man die erzieherische» Leistungen des Milita- risnius in Zweifel ziehen!— Tie Beschäftignug bot» Strafgefaugeiie» ans Plotzeusee im S e n f t e n b e r g e r Kohlenrevier, die auf einer Konferenz der Sozialdemokratie des Kreises Kalau- Luckau zur Sprache kam, beruht, wie der„Nicderlansitzer Bolksbote" mittheilt, auf Wahrheit. Unser Bruderorgan schreibt: „Dies geht aus einer Notiz eines Senftenberger Blattes hervor, nach welcher am Mittwoch Abend einer der Gefangenen von dem Schöppenthau'schen Tagebau in Sauo entwichen, am Sonnabend aber bereits wieder in Koltbus ergriffen und dem Senftenberger � Amlsgerichtsgefängniß eingeliefert worden ist. Durch die Gefängnißarbeit wird, wie man sieht, nicht nur den Handwerkern eine unheilvolle Konkurrenz geschaffen, sondern auch immer mehr und mehr dem„freien" Arbeiter. Die Vor- dingung der Gefangenen zu allen mögliche» Arbeite« eröffnet uns übrigens eine herrliche Perspektive zur sicheren Lösung der sozialen Frage. Daß unsere Gefängniffe immer voller werden, dafür sorgen schon unsere wirthschaftlichen Verhältnisse, und unsere Gesetz- geber könnten ein Uebriges dazu thun, wenn sie Gesetzentwürfen wie die leider abgelehnte Umsturzvorlage fürder ihre Zustimmung nicht versagten. Befindet sich erst alles, was nichts besitzt, im Gesängniß, dann kann das Untern ehmerthvm ruhig aufathmen, es bekommt willige und billige Arbeiter geliefert, und die immer- hin umständliche Handhabung der schwarzen Listen wäre auch überflüssig. Die Sozialdemokratie wäre natürlich mit einem Schlage vernichtet, denn wer würde dann noch für einen Sozial- demokraten stimmen?"— Zluch die Wiener Negierniig geht mit Rigorosität gegen solche S tu d e n t en v e r e in i g u n g e n vor, die sich nicht mit Saufgelagen, sondern auch mit politischen und sozialen Angelegenheiten beschäftigen. So wurden am Mittwoch die„Akademische Bereinigung" und die Lands- Mannschaft„Polonia", zwei sozialpolitische Studenten- vereine, aufgelöst. Den Vorwand zur Auflösung bildet die Bctheilignng dieser Vereine an der Gedenkfeier der März- gefallenen von 1848.— Aus der schweizerische» Vuudcöversammluug. Aus Bern schreibt man uns: Der hauptsächlichste Gegenstand, den die am 4. Juni in Bern zusammengetretene Vundesversammlung be- bandelte, war die Revision der e l f M i l i t ä r a r t i k e l der Bnndcsverfassung und zwar hatte sich der Nationalralh damit Zu beschäftigen. Die Tendenz dieser Revision ist die völlige Vcr- eiuheitlichung der schweizerischen Armee, die bis jetzt noch dua- listisch von den Kantonen und dem Bund verwaltet wird. Die Mitwirkung der Kantone bei der Heeresverwaltung beansprucht der Bund auch für die Zukunft, aber die Kantonsbehörden haben dabei nicht mehr souveräne Stellung, sondern sungiren als Organe des Bundes. Die kantonalen Kasernen, Zeughäuser ee. werden vom Bunde den Kantone» abgekauft. Eine weitere Neuerung ist die Uebernahme der Unterstützung der Familien von Dienstthuenden durch den Bund, wahrend diese Pflicht bis jetzt den Kantonen oblag und so gut wie nicht erfüllt wurde. Die Unterstützung soll aber nnr bei wirklichem Bedürfniß geleistet werden und sie gilt dann natürlich nicht als Armeuunterslützung. Nach annähernder Berechnung wird die Jahresausgnbe des Bundes für diesen Unterstützungs- zweck 250 000—375 000 Fr. betragen. Tie ganze jährliche Mehr- ausgäbe, die durch die völlige Vereinbcitlichung des Heereswesens dem Bunde erwächst, wird auf ca. 2 Millionen Franken angegeben, von anderer Seite aber auf 3—0 Millionen. � Der Kaufwerlh der Zeughäuser und Munitionsmagazine wird auf rund 6 500 000 Fr. berechnet. Natürlich bedeutet die Mehrbelastung des Bundes mit Verwalluugskosten eine entsprechende Entlastung der Kantone. Ter Ständerath hat die R e v i s i o n der Disziplinar- Strafordnung berathen. Die Neuerungen, welche be- schlösse» wurden, sind: Systematische und eingehende BeHand- lung der ganzen Materie, zusammenfassende Bestimmung des Begriffs des Ordnungsfehlers; rationelle Gestaltung des Straf- systcms; Beschränkung der Strafbefugnisse bei den unteren Graden; genaue Normirung der Straf- befugnisse der niilitärischcn Behörden und ihrer Beziehungen zu den militärischen Vorgefetzten; Ausstellung leitender Grundsätze für die Handhabung der Diszipliiiarstrasbefngniß; Schassung von Garantien für richtigen und erfolgreichen Straf- Vollzug; Einführung bleibender und vollständiger Strafkontrolleu bei den Truppenkörpern und bei den Behörden; gehörige Ueber- wachnng der ganzen Disziplinarstraspflege durch die höheren Vorgesetzten. Rrbciterschntz in der Schweiz. Die seit dem Jahre 1890 in der schweizerischen Bundesversammlung sich fort- schleppenden„Arbeiterfragen" werden diese Session wieder beschästigen und vielleicht auch noch die nächste Tezrmbersession. Tie betreffende nationalräthliche Kommission hat sich dem Ständeralh angeschlossen, daß die Bestimmungen des eidgen. JablikgesetzeS über die Lohnzahlung ausgedehnt werden auf alle nur dem Haftpflichtgesetz unterstehenden Beiriebe und daß ferner den Fabrikarbeiterinnen der Sonnabend- Nachmittag freigegeben werden soll. Bezüglich der internationalen Arbiiterschutz-Gesetz- gebnng wird der Bundesralh eingeladen, bezügliche VerHand- hingen wieder aufzunehmen, während der Ständeralh dem Bnndesrath überlassen wollte, die Frage der Wiederausnahme der Verhandlungen zu prüfen. Es sind also erst„Einladungen" an den Bundesrath, die sich nun schon fünf Jahre hinziehen, woraus man schließen darf, daß in dieseni Jahrhundert unter dem Titel„Arbeiterfragen" keine gesetzgeberische That niehr zu stände kommt. Das gleiche möchte man fast auch meinen bezüg- lich der um 10 Jahre anhängigen Kranken- und Uusallversiche- rung. Die eidgenössische Sozialpolitik marschirt im Schnecken- tempo.— Zur Verfolgung Calbinhac'S wird uns aus Paris unterm 12. Juni geschrieben: Wie der Kommission zur Prüfung des staatsanwaltschafllichen Verlangens, den sozialistischen Ab- geordneten von Toulouse, Genossen Calvinhac, verfolgen zu dürfen, seitens ihres Präsidenten, Abg. Dnjardin- Beaumetz, gestern milgetheilt wurde, hat dieser von Masearas— es ist dies der von der Constans'schcn Bande gekaufte Lump, auf dessen Aussagen hin Calvinhac gerichtlich verfolgt werden soll— bereits zwei Briese erhalten, in denen derselbe verlangt, von der Kominissio» gehört zu werten, doch habe er, der Präsident, sich nicht veranlaßt gefühlt, die Briefe zu beantworten und lege darum die Sache der Kommission vor. Diese erklärte nun im Einverständniß mit ihrem Präsidenten, den obbezeichneten Herrn nicht anhören zu wollen, da er entweder nur seine Aussagen wiederholen würde, auf grund deren die Aushebung der Immunität Cnlvinhac's verlangt wird, und in diesem Falle wäre sein Erscheinen höchst unnöthig, oder er hätte neue Aussagen zu machen und dann möge sich der„Herr" an den Untersuchungsrichter wenden. Das aus den Namen Masearas hörende Individuum hat sich also umsonst nach Paris bemüht. Gleichzeitig beschloß die Kommission, den Leiter der Kriminal- Angelegenheiten im Justiz- Ministerium zu vernehmen und von ihm alle auf die Toulouser Wahlfälschungen vom Jahre 1880 bezügliche Untersuchungsakten zu verlangen. Es handelt sich dabei um den dem rohesten Theil des Ausbeulerthums ans Herz gewachsenen ehemaligen Minister Constans, der 1880 in Toulouse durch Mittel zum Abgeordneten wurde, die dessen Handlanger nun gerne Calvinhac zuwälzen möchten.— Manifestation gegen die Vernrtheilntig Calbignac'ö. Wie uns ans Paris geineldet wird, findet am nächsten Sonntag, 16. Juni in C a rm a u x eine große Manifestation gegen die nichtswürdige Verurtheilnng Catviguac's, des früheren Maire dieses Grubenortes statt. Die dortigen Grubenarbeiter veranstalten nämlich an diesem Tage Calvignac zn Ehren ein Bankett, dem ein öffentliches Protestmeetiug folgt. An demselben werden u. a. die sozialistischen Abgeordneten Jnles Gucsde, Janres, Basly, Millerand, Carnaud und Chauvin theil- nehmen.— Ei» Maulkorbgesest für daS italienische Parlament, das scheint die nächste That der Mameluken Crispi's zn sein. Der Kammerpräsident hielt in der letzten Sitzung der Kammer eine Ansprache, in welcher er die Nothwendigkeit betont, im Interesse und zur Beschleunigung der Kammerarbeiten, sowie um dieselben fruchtbarer auszugestalten, in der Geschäfts- ordnung entsprechende Maßnahmen vorzusehen. Ans dem Osfiziösen ins Deutsche übersetzt, heißt dies, daß zur Hintanhaltung von Debatten, die Herrn Crispi sein Minister- Portefeuille kosten könnten, die Redefreiheit beschränkt werden soll.— Der holländische StaatSrath hat sein Gutachten über den Entwurf eines Wahlrechts- Gesetzes des konservativ- liberalen Ministeriums ausgesprochen. Ter Entwurf soll noch in diesem Jahre in der Kammer berathen werden. Von katholischer Seite wird mit Bekämpfung des Entwurfes gedroht, falls kein Wahl- zwang in die Bestimmungen aufgenommen wird. Der Fortschritt wird allenfalls nur ein geringer sei», weil noch immer der Zensus als die Grundlage des Wahlrechtes erhalten bleibt.— Tie russische Kohlenstatio» in der Ostsee. Die Bätter- Meldung, daß Rußland die Errichtung einer Kohlenstation auf der Insel Christiausoe beabsichtigt, wird in Kopenhagencr unter- richteten Kreisen als völlig unbegründet bezeichnet.— Rnstlaud, das allem Anscheine nach noch nicht genug eigene Schulden hat, hat nun die chinesische Anleihe von 320 Millionen Reichsmark, die zur Deckung der Kriegsentschädigung an Japan verwendet werden soll, absolut garanlirt. China wird diesen Freundschaftsdienst des russischen Bären wohl noch recht theuer bezahlen müssen.— Euba und die Vereinigten Staaten Nordamerika'ö. Präsident Cleveland erließ eine Proklamation, in welcher er die Bürger vor Verletzung der Neutraliiätsgesetze gegenüber Euba warnt und die Beamten der Vereinigten Staaten instruirt, jene Gesetze aus das strengste zu beobachten und jegliche Verletzung zu ahnden. Inzwischen machen die Kubaner der spanischen Regierung noch immer viel zu schaffen, und der Madrider Ministerrath wird am nächsten Mittwoch über die Mittel zur Entsendung weiterer Marineverstärkungen nach Euba berathen. Außerdem wird aus Madrid gemeldet, daß der Senat die Vorlage betreffend die Ermächtigung der Regierung zur Ausgabe von Obligationen für Euba genehmigte; durch dieselbe soll dem Kolonialminister im Bedarfsfälle die Beschaffung von Mitteln bis zur Höhe von 600 Millionen Pesetas gestattet werden. Der'Kriegsminister ist mit der Beschaffung der Verstärkungen für Euba beschäftigt. Im Bedarfsfälle werden im August 40 000 Mann dahin abgeben; mehr als 10 000 werden nächste Woche eingeschifft.„Die Regierung ist entschlossen, den Aus- stand zu ersticken." Das glauben wir gern. Ob's aber gelingen wird, ist eine andere Frage."— ZFarkeinackvickikou. Von der Agitation. Wie schwierig die Agitation zur Reichstagsivahl im Kreise 5k o l b e r g- K ö s l i n ist, zeigt eine Mitteilung des Stettiner„Bolksbolen", wonach unS nur in Kolberg ein Saal zur Verfügung steht. In den übrigen Orten des Kreises kann, soweit es sich um eigene Veranstaltungen unserer Partei handelt, nur durch Vcrtheilung von Flugblättern und Stimmzettel» agilirt werden. Trotzdem hoffen unsere uuermüd- lichen pommerschen Parteigenossen, daß wir bei der Wahl etwa 4000 Stimmen bekommen werden. Kandidat unserer Partei ist bekanntlich Kausmann Lötz. Die Konservativen haben den Land- rath v. Gerlach und die Antisemiten den Kaufmann Paasch auf- gestellt, die Freisinnige Vereinigung de» Baurath a. D. Benoit. Badische Landtngskandidatnr. Für den Wahlkreis K a r l s r ri h e- L a„ d ist Adolf Geck in Offenburg als Kandidat aufgestellt. Der Protest, den die S o l i n g e r Parteigenossen gegen die letzthin vor sich gegangene Stadtverordneten- Ersatz- wähl erhoben halten, ist vom Stadtverordneten-Kollegium für begründet erachtet worden. Das Mandat des gegnerischen Kandidaten, dem unser Kandidat, Reichstags- Abgeordneter Schumacher, trotz des Ausschlusses vieler unserer Wähler vom Wahlrecht nur mit wenigen Stimmen unterlag, ist für ungiltig erklärt. Es ist deshalb eine Neuwahl vorzunehmen, die hoffentlich zu gunflen unserer Partei verläuft. Dem Andelikr» Karl Höchberg'S widmet die„Volksstimme" in Frankfurt a. Vi. folgenden Nachruf: Zehn Jahre sind nun vergangen, seitdem ein begeisterter Anhänger unserer Sache nach langen körperlichen Leiden ans dem Leben schied. Karl Höchberg starb am 12. Juni 1885, kaum 30 Jahre alt. Wohl nur wenige hiesige Genossen hatten ihn persönlich gekannt, obwohl er ein Frankfurter Kind war uud auch während seiner letzten Lebensjahre meistens hier verweilte. Niemals ist er öffentlich aufgetreten; er wirkte im Stillen, als Schriftsteller und Privatgelehrtcr. Aus einer sehr wohlhabenden Familie stammend, war es ihm möglich, sich vollkommen unabhängig der Wissenschaft zu widmen. Er slndirte hauptsächlich Philosophie und Volks- wirthschaft und wirkte schon während seiner Studienzeit eifrig für unsere Partei. Im Jahre 1837 gab er die Mittel zur Grün- dung der wissenschaftlichen Monatsschrift„Die Zukunft". Diese wurde jedoch auf grund des Sozialistengesetzes schon im Herbst 1878 unterdrückt. Er gab dann unter bedeutenden Geldopfern die zwanglos in Heften erscheinenden„Staatswisscnschajllichen Abhnndl-iingen(von Seisfert) heraus und später Dr. L. Nichter's „Jahrbücher für Volkswirthschaft". Vor allem aber ist ihm zu danken, daß er die Geldmittel hergab, als in Zürich das Partei- Organ„Der Sozialdeniokrat" ins Leben gerufen wurde. Das Blatt, das bekanntlich 1888 aus der Schweiz vertrieben und dann in London gedruckt wurde, ging mit dem Falle des Sozialistengesetzes ein. In seiner Abschiedsrnimmer gedachte das Blatt auch der Verdienste Höchberg'S, indem es schrieb:„Seine Opscrwilligkeit ehrt den Verstorbenen auch in diesem Falle noch ganz besonders, als er nicht nur das Geld bedingungslos gab— anders wäre es aller- dings auch nicht genommen worden— sondern auch mit seinen Beiträgcn unbeirrt fortfuhr, als das Blatt bereits eine Haltung einnahm, die er persönlich mißbilligte. Es kam ihm vor allem darauf a», dafür zu sorgen, daß die unter« drückte Partei wieder ein eigenes, durchaus unabhängiges Organ hatte. Er gab der Redaktion des„Sozialdemokrat" seine ab- weichende Meinung kund, wie der Freund dem Freund, der Genosse dem Genossen, aber nie machteer auch nur den leisesten Versuch, einen Druck ans ihre Haltung auszuüben."„Wir halten es um so mehr für unsere Pflicht," bemerkte der„Sozialdemokrat" weiter,„dies immer und immer wieder festzustellen, als der Ver- storbene, und noch bis übers Grab hinaus, fürs die großen Opfer, die er der Partei gebracht, in niederträchtiger Weise verdächtigt worden ist— und nicht nur von Leuten, von denen gesagt werden kann: sie wußten es nicht besser. Höchberg'S Verdienste um die Partei sind mit dem, was er für den„Sozialdemokrat" gethan, bei weitem nicht erschöpft, aber der Antheil, den er an der Gründung unseres Blattes hat, rechtfertigt es allein, daß wir in dieser unserer Gedenknummer von neuein sein Andenken ehren." Dieser Nach- ruf unseres bewährten Kampsorganes in schwerer Zeit beweist wohl am sichersten, was der begabte Genosse für unsere Partei war. Selbstlos, opferwillig und bescheiden, bis zum letzten Athemznge mit hoher Begeisterung der großen Volkssache dienend, wird, er uns dauernd ein leuchtendes Vorbild sein. Polizeiliches, Gerichtliche? ic. — Vom Dortmunder Schöffengericht war der Bot« Altstadt, gemäß einem polizeilichen Strasmandat, zu 36 M. Strafe verurtheilt worden, weil er P a r t e i m a r k e n verkaust hatte. Begründet wurde das Urtheil damit, der Verkauf der Marken sei ein„stehendes Gewerbe", wobei es gleichgiltig wäre, ob der Verkäufer oder ein anderer de» Vortheil habe. Das Landgericht als Berusungsinstanz änderte das Urtheil dahin ab, daß» der Angeklagte nicht wegen Gewerbesteuer-Hinterziehuug, sondern wegen unerlaubter Veranstaltung einer Kollekte zu be- strafen sei. Als Kollekte sei die Beitragseinziehung gegen Marken deshalb anzusehen, weil die Marken nicht blos an die Mitglieder der Partei abgegeben würden, sondern auch andere sie erhalten könnten. Die Strashöhe wurde auf ö M. oder einen Tag Haft festgesetzt. — Die„Neue Würzen« Zeitung" thcilt mit, daß ihr Ne« dakteur Paul Köhre vom Leipziger Landgericht als Berusungs- instanz, wegen Beleidigung des Stadtraths Dr. Krippendorf nicht zu sechs Wochen Gefängnis!— wie das Urtheil des Wurzener Schöffengerichts gelautet hatte und wie infolge eines Versehens in dem genannten Parteiblatt mitgetheilt war— sondern zn 3 Monaten 2 Wochen Gesängniß verurtheilt worden ist. Gegen das Urtheil wird Revision beim Ober-Landesgericht eingelegt. — Aus O e st e r r e i ch. In Neunkirchen kam es am Sonnabend infolge der Auflösung einer zur Erörterung der Wahlrechlsfrage einberufenen Versammlung und wegen der Ver- Haftung des Referenten Dr. B e r st l auf der Straße zu Zusammen- stößen zwischen Arbeitern und Polizei, wobei es auf beiden Seiten leichte Verletzungen gab. Die Polizei nahm dabei noch einige Verhaftungen vor. Die Arbeiter Neunkirchens drohten nun die Einstellung der Arbeit an, wenn Dr. Berstl nicht freigegeben würde, und nach langen Verhandlungen gab die Behörde dem Begehren in der Form statt, daß sämmtliche Verhaftete auf freien Fuß gesetzt wurden. Sojislo ZUelrerstivk: Während die wissenschaftliche Pädagogik längst den zweifelhaften Werth des S ch u l k i n d e r< P r u g e l n s erkannt hat, spielt in den Volksschulen der Knüppel oft noch eine große Rolle, und es giebt der Fälle genug, wo das Kind, trotz fleißigen Lernens, nur mit wahrer Angst in die Schule geht. denn es weiß, der und der Lehrer ist„besonders streng" und greift gar leicht zum Rohrstock. Daß derselben pädagogisch ver- urtheilten Sitte des Schülerprügelns auch noch Geistliche in ihrer Eigenschaft als Religionslehrer huldigen, ist natürlich noch weniger verwunderlich, denn diese haben ja eine Art Privileg', sich uni die Fortschritte der Wissenschaft nicht zu kümmern. Einer dieser Herren in Sachsen, ein Pastor Sperling, hat nun einen Knaben wegen einer Un- gezogenheit beim Konfirmandenunterricht so gezüchtigt, daß gegen ihn beim Staatsanwalt in Bautzen Strafantrag gestellt wurde. Der Staatsanwalt wies den Strafantrag ab und begründete dies wie folgt:„Das ärztliche Zcugniß voni 8. März dieses Jahres bezeugt nicht, daß durch die Schläge auf das Gesäß eine Ge- sundheitsschädigung eingetreten sei. Eine solche wird nur als Folge der Schläge aus die linke Seite des Rückens festgestellt. Aus ihr folgt aber noch nicht die Annahme eines Exzesses im Züchtigungsrechte. Würde diese Folgerung aber auch berechtigt sei», so wird gegenüber dem Umstände, daß bei den Schlägen auf den Rücken der Knabe eine Jacke oder einen Rock getragen, der nicht zu beseitigende Ziveisel auftauchen, ob für den Be- schuldigten diese Wirkungen des Schlagens vorherrschbar waren." Der Entscheid ist so seltsam, daß wir annehmen möchten, es sei ausgeschlossen, daß die sächsische Oberstaatsanwaltschaft ihm beipflichten werde, wenn an sie im Beschwerdewege herangetreten würde. Nach der Darstellung unserer sächsischen Partcipresse scheint überdies der Pastor Sperling die Vorschriften nicht be- achtet zu haben, die das sächsische Volksschul-Gesetz als Voraus- setzung der Anwendung der körperlichen Züchtigung giebt, uud wäre schon deshalb straffällig. WenrerKMlSlftliilios. Achtung, Töpfer! In der öffentlichen Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend am 12. Juni er. wurde be- schloffen: Das Ansinnen unierer Unternehmer, 10pCt. und noch mehr Abzug von unserem bestehenden Lohntarif dadurch abzu- wehren, daß überall da, wo dieser Abzug vollzogen ist, die Arbeit niedergelegt wird. Bezugnehmend auf diesen Versammlung- beschluß fordern wir die Kollegen auf, vom Montag, den 17. d. M.. nur da weiter zu arbeiten, wo der Arbeitgeber durch seine Namensunterschrist den bestehenden Lohntaris anerkannt hat; die Kowunssion hat zu diesem Zwick Fonuukare herstellen lasse», welche den Kollegen zugestellt werden,>,» dieselben den Melstern zur Unterschrifl sofort vorzulegen. Alle die- jenigen Kollegen, welche unter geregelten Lohnverhälinissen weiter arbeiten,� sind laut Versaininlungsbeschlust verpflichtet, 10 pCt. ihres wöchentlichen Arbeitsverdienstes vom Sonnabend, den 15. d. M. ab, an die Kommission abzuführen. Tiejenigen Kellegen, welch« in den Streik treten, haben sich behufs Kontrolle vom Sonnabend, den 15. d. M. ab, Sieue Friedrichstraße 44 bei völlig, bei der Kommission zu melden. Die Arbeitsvermittlung wahrend des Streiks geschieht nur durch die Kommission, und haben somit die Kollegen das Umschauen nach Arbeit zu unter- lassen. Mit kollegialem Gruß Die K o>» m i s s i o n. Den Maureril und deren Berussgeuossen in Charlotten« bürg die Mitlheilung, daß von heule, Freitag, 7 Uhr abends an Sammellisten verausgabt werden. Es ist Pflicht eines jede» Kollegen, dem daran liegt, daß die ausständigen Maurer der verschiedenen Städte stegreich aus dem gegenwärtigen Kampfe hervorgehen, sich mit Eiser an den pekuniären Unterstützungen zu betheiligen. Sammellisten sind bei mir zu haben. Ter Ver« trauensmann W. Schulze, Pestalozzistr. 24, linker Seitenfiügel, 3 Treppen. Leipziger Maumstreik. Viele Maurer, darunter selbst Familienväter, reisen ab, um die Erringnug des Sieges zu er- leichtern. Ein Unternehmer hat wieder bewilligt; es arbeiten bei ihm 15 Mann zu dem neuen Lohnsatze von 45 Pfg. pro Stunde. Maurer Deutschlands, haltet nach wie vor den Zuzug streng fern! Das Gewerbcgericht ist um seine Vermittlung angegangen worden. Seit dem II. Juni haben zirka 400 Maurer Leipzig verlassen. Ans Leipzig wird noch telegraphirt: Von den streikenden Maurergesellen haben dem„Leipziger Tageblatt" zufolge bereits 400 die Stadt verlassen. Das von beiden Parteien angerufene Gewerbegericht übernahm die Herbei- führung einer gütlichen Einigung. Demzufolge beschloß eine heute Vormittag stattgehabte Maurerversammlung, drei Vertreter in das zu bildende Einigungskomitee zu entsenden. Der Streik der Maurer in Wilster in Holstein ist zu gunsten der Arbeiter beendet. Ihre Forderungen sind sämmt- lich bewilligt worden. Wir bringen diese uns zugegangene Nach- richt mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß sie von der Maurer- gewerkschaft nicht gegengezeichnet ist. Es empfiehlt sich deshalb, den Zuzug nach Wilster vorläufig noch fernzuhalten. Nachrichte» gewerkschaftlicher Art müssen imnier von einer Organisation als zuverlässig charakterisirt sein, wenn wir ihnen bedingungslos Glauben schenken sollen. Zln die Holzarbeiter richtet der Vorstand des Verbandes dieser Arbeiter die Bitte, für den Streikfonds fortgesetzt kräftig zu sammeln, da vom Schmölln er Knopfarbeiter streik her, der bis auf eine einzige Fabrik siegreich verlies, noch 02 Arbeiter mit zusammen 123 Kindern unterstützt werden müssen, worunter etwa 70 Arbeiter, die in jener Fabrik in Arbeit standen. In Bremen schweben in den Zigarrenfabriken von Schäfer und H a r t j e n, Langenstraße, und der Firma I. Heid und P a a p e, Stedingerstraße, Lohudifferenzen, weshalb die Tabak- arbeiter um Vermeidung des Zuzugs ersucht werden. In Ostertvieck am Harz dauert der Ausstand der Leder- arbeiter des Unternehmers C. Knabe fort. Die Streikenden bitten um strengste Vermeidung des Zuzugs. Man niöge sich auch durch die glänzendsten Versprechungen nicht verlocken lassen, durch Annahme von Engagements den Kämpsenden in den Rücken zu fallen. Der Ausmacherstreik in Solingen, der vorläufig beendigt war, ist nun endgiltig beseitigt, nachdem die Kommission der Ausmacher und Fabrikanten sich auch über das neue Preisver- zeichniß geeinigt hat. Der Bergarbeiterstreik i» Sulzthal ist nun thatsächlich zu Ende. Der Oberpräsident der Rheniprovinz verhandelte mit der Direktion der belgischen Gruben, die eine Lohnerhöhung zusagte. Infolge dessen nahm am 12. Juni auch der Nest der Belegschaft, der noch streikte, die Arbeit wieder auf. Das Hamburger Gewerkschaftskartell hat über die Zeit seines Bestehens von I8SI bis 1804 einen Bericht in Broschüren- sonn herausgegeben, woraus sich ergiebt, daß— wie wir dem „Hamburger Echo" entnehmen— nur wenige Gewerkschaften Hauiburgs seit 1801 ihre Mitgliederzahl nennenswerth vergrößert haben.„Dre große Mehrzahl", sagt das„Echo",„zeigt einen geradezu erschreckenden Rückgang. So ist z. B. die Gewerkschaft der Schneider von 1200 Mitgliedern in 1801 auf 450 in 1894 zurückgegangen, die Maurergewerkschaft gar von 3000 auf 450. die Zimmerer von 1400 auf 536, die Metallarbeiter von 1570 auf 648. Und so geht es weiter. Allerdings ist wohl die wirth- schaftliche Depression zu einem guten Theil niit Ursache an dieser beklagenswertben Erscheinung, aber noch verschiedene andereGründe wirken mit. Trotz der wahrhaftig genugsam betriebenen öffent- lichen Agitation ist es nicht gelungen, die Indolenz und In- differenz einer großen Zahl der Arbeiter zu überwinden. Hier scheint wirklich die erforderliche und unseres Erachtens wirk- samste Nachhilfe, die Agitation von Mund zu Mund, viel zu wenig geübt zu werde». Inwieweit auch noch andere Faktoren mitspielen, wollen wir nichr untersuchen. Doch hoffen wir, daß der Bericht Anlaß zu ernstem Nachdenken geben wird und daß ohne Voreingenommenhcit an die Erforschung der Ursachen des Darniederliegens der Gerverkschasten gegangen wird. Mit den oft sehr einseitig gehaltenen Kritiken allein ist es nicht gethan; mögen die geistigen Leiter der Gewcrkschaslsbcwcgung auch unter- suchen, ob nicht i» den Gewerkschaften selbst und in ihrer Gc- sammtheit, eben dem Kartell, Mißstände vorhanden sind, die Schaden bringen." Das Gewerkschaftskartell in Frankfurt a. M. war vom Schöffengericht für einen politischen Verein erklärt worden. Das Landgericht ist jetzt, als Berusungsinstanz, dieser Auffassung beigetreten. Es komme nicht darauf an, ob— waS bestritten worden war— politische Gegenstände wirklich erörtert worden seien, sondern auf den Zweck der Vereinigung. Was das Kartell bezwecke, gehe aus einer seiner Resolutionen hervor, worin vom Staat die Rede sei; damit wäre die politische Tendenz erwiesen. Die erste Versammlung italienischer Arbeiter Cann- statts in Württemberg, die von den Gewerkschaften Cannstatts veranlaßt wurde, um die dort arbeitende» Italiener für für die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen, ist am Sonntag vor sich gegangen. Der Italiener Speroni aus Zürich schilderte seinen Landsleuten in der Sprache ihrer Heimath die elende Lage des modernen Arbeiters und erläuterte ihnen, daß die italienischen Arbeiter, die gerade an» nieisien ausgebeutet werden, schon im eigenen Interesse die Pflicht haben, sich mit den deutschen Ar- beitcrn organisatorisch zu verbinden, um für olle Arbeiter bessere Arbeilsbedingungen zu erkämpfen. Die Versammlung war gut besucht und spendete den Ansfühningen des Redners reichen Beifall. Wie man uns schreibt, wird wohl eine Organisation zu stände kommen, da. zur Zeit an dem neuen Bahnbau viele Italiener bc- schnsligt sind. In Merau in Tirol stehen 600 Maurer im Streik. Ungarische Arbeiterbewegung. Der angekündigte Streik der Bäcker B u d a p e st s ist zur Wirklichkeit geworden. In den meisten Bäckereien ruht die Arbeit. Strengste Vermeidung des'Zuzugs und auch finanzielle Unterstützung ist nöthig. wenn die Arbeiter siegen sollen. In den der österreich-nngarischen Staats-Eisenbahn-Gesell- schaft gehörigen Bergwerken bei R e sch i tz a ist ein großer Streik ausgebrochen. Die Zahl der Ausständigen wird vom Wolff'schen Telegraphen-Bureau auf 600 bis 800 geschätzt. Nach einer anderen Quelle verweigerte nach Ausbruch des Streiks die Bergwerksverwaltnng die Ausfolgung von Lebens- mittel» aus den Konsnmhallen der Gesellschast. Die erbitterten Arbeiter sollen darauf das Haus des Verwalters gestürmt haben und in dessen Wohnung eingedrungen sein, um ihn zu miß- handeln. Im kritischen Moment sei jedoch Gendarmerie ein- getroffen und habe das verhindert. Ter Verwalter sei darauf sammt seiner Familie geflüchtet. Zur Ausrechterhaltung der „Ordnung" ist Militär aus Temesvar eingetroffen. Der Vorfall zeigt wieder, in welch' ungeheure Abhängigkeit die Arbeiter durch Konsunihallen und ähnliche Anfiallen geralhen, wenn deren Verwaltung in den Händen der Unternehmer und ihrer Krea- turen liegt. Der K ü r s ch n e r st r e i k in V u d a p e st ist beendet. Die Arbeiter errangen den Zehnstundentag und eine 10— 25prozentige Lohnerhöhung. In Budapest wollten sich, wie die„Ncpszava" meldet, auch die Lehrlinge eine Organisation schaffen. In einer Versammlung, zu der sich 800 Lehrlinge eingefunden hatten, sollte das geschehen. Die Polizei untersagte aber die Verhandlungen wegen„Störung der öffentlichen Ruhe", worauf die Lehrlinge in ein geschlossenes Lokal zogen, wo sie sich dann durch das An- hören einer Vorlesung für die vereitelte Versammlung ent- schädigte». Die Grubenarbeiter vo» Rive de Gier haben, wie uns aus Paris berichtet wird, die Arbeit eingestellt, weil den Häuern bekannt gegeben wurde, daß sie sich vom Beginn der nächsten Woche a», einer lOprozentigen Lohnverminderuiig zu unterziehen haben werden. Geriiftks-J3cttmig; Wegen Belcidiguug eines LchrerS durch ei» amtliches Zirkular ist im Kreise Ober-Barnini ein Gemeindevorsteher(von Alt-Ranst) vom Landrath mit einer Ordnungsstrafe belegt und diese auf des erfteren Beschwerde hin vom Ober- Verwaltungs- geeicht jetzt bestätigt worden. Der Gemeindevorsteher erließ im Juli v. I. an die Mitglieder der Gemeinde ein Zirkular, in welchem er dieselben aufforderte, ihm davon Anzeige zu machen, wenn der Lehrer B., wie das schon oft vorgekominen sei, sein Züchtigungsrecht in der Schule überschreite. Außerdem aber hieß es in dem Zirkular, daß die Kinder in der Schule nicht eine menschliche, sonder» eine„viehische" Behandlung erführen. Gegen die vom Landrath deshalb erlassene Strasversügung erhob der Gcmeindevorstehcr Beschwerde beim Regierungspräsidenten und gegen dessen Abweisung Klage beim Öbcr-Vcrwaltungsgericht. Doch auch dieses wies ihn ab mit der Begründung, daß in dem Zirkular, welches grobe Beleidigungen eines Lehrers enthalte, ei» Dienstvergehen liege, welches die Ordnungsstrafe rechtfertige. KanfmailnSlchrliiigc— gewerbliche Arbeiter. Einer Reihe von Kaufleulen der Stadl Schöncck wurde zur Last gelegt, im vorigen Jahre ihre Lehrlinge nicht zur Fortbildungsschule angemeldet zu haben, wie in einem Ortsstatut der Stadl vor- geschrieben sei, welches am 10. Oktober 1801 auf grund des § 120 der Gewerbe- Ordnung erlassen wurde. Zielke und Ge- »offen, so wurden die Attentäter der Kürze halber genannt, waren sich keines Vergehens gegen das betreffende Ortsstatut bewußt; sie hielten sich nicht sür Gewerbe- Unternehmer im Sinne des§ 120 der Gewerbe-Ordnung und ihre Lehrlinge nicht für Arbeiter, sondern für angehende Kanfleute. Das zuständige Schöffengericht sprach sie denn auch frei. Die Straf- tammer"sprach sich dagegen im Sinne deS Anklägers aus und v e r u r t h e i l t e die Geschästsbcsitzcr. Das K a m in e r g e r i ch t verwarf die Revision der Verurtheilten mit der Be- gründung, daß Handelslehrlinge zu den gewerblicheu Arbeitern zu zählen seien, die nach tz 120 der Gewerbe-Ordnnng bis zum 18. Lebensjahre durch Ortsstatut zum Besuch einer Fortbildnngs- schule verpflichtet werden /können. Als ein solches Ortsstatut hätte aber das von Schöneck feitens der Beklagten respektirt werden müssen. Unter der Anklage der gefährliche» Körpcrverleünug stand gestern der Reslaurateur Klapper vor der 4. Straf- kanuner des Landgerichts I. Der Angeklagte ist Besitzer einer Restauration in der Müllerstraße. Er hatte im letzte» Winter mit einem vom Droschkenkutscher Palusch geführten Schlitten eine Schlittcnpartie gemacht und den Kutscher vor seinem Lokale abgclohut. Ter Kutscher stellte noch eine Forderung, die dem Angeklagten unberechtigt erschien und deshalb von ihm zurückgewiesen wurde. Es kani darüber zum Streit. Ter Kutscher verlangte sehr nachdrücklich nach Geld und folgte dem Zliigeklagten in die Gasträume, wo er den Wortwechsel fortsetzte. Der Älngeklagte sah sich schließlich veranlaßt, den Kutscher ans seinem Lokal zu weisen, er stieß aber auf lebhaften Widerstand, ja, er wurde von seinem Gegner so heftig gegen eine Spiegelscheibe gedrängt, daß diese zertrümmert wurde und gleichzeitig eine Büste des Kaisers Friedrich von der Wand stürzte. Schließlich befand sich der Kutscher im Vorgarten und machte großen Lärm, so daß zwei junge Männer, die in einer benachbarten Restauralio» saßen, herbeieilten und gleichfalls in den Vorgarten traten, um den Kutscher zu fragen, was eigentlich vorgefallen sei. Auch sie wurden vom Angeklagten aufgefordert, den Vorgarten zu verlassen nnd behaupten nun unter ihrem Eide, daß, während sie dieser Auf- forderung nachgekommen seien, der Angeklagte mit einem Stock auf den Kopf des Pakusch wiederHoll losgeschlagen habe, so daß dieser sofort zu Boden gestürzt sei und eine große Blutlache sich zeigte. Herbeieilende Menschen holten einen Schutzmann und dieser schaffte den offenbar schwer Verletzten ans seinem eigenen Schlitten in ein Krankenhans. Palusch hat eine schwere Vor- letzung über dem einen Auge davongetragen und leider den Verlust des Sl u g e n l i ch t e s auf diesem Auge zu beklagen. — Der Angeklagte bestritt, die Schuld an dieser schweren Verletzung zu tragen und behauptete, daß er sich im Stande der Nothwehr befunden habe. Ter Kutscher Pakusch, dem einige Leute in drohender Haltung sich zugesellt, hätte seine Angriffe aus ihn wiederholt, er habe sich wehren müssen und in dem Handgemenge sei der Kutscher auf einen kleinen Pfahl gestürzt, der zur Fest- bindung von angepflanztem wilden Wein bestimmt war.— Die Augenzeugen bestätigten diese Behauptung nicht, sondern blieben dabei, daß der Angeklagte ohne besondere Veranlassung auf Pakusch losgeschlagen habe.— Ter Staatsanwalt erkannte an, daß der Angeklagte schwer gereizt worden sei und hier ein uu- glücklicher Zufall gewallet habe, der Angeklagte habe sich aber nicht in der Nothwehr befunden und deshalb beantrage er gegen ihn 3 Monate G e f ä n g n i ß. Ter Gerichtshof erkannte aus 1 Monat G e s ä n g n i ß. Zum Kotie'schen Charsouiiabend-Kampf für Ordnung. Religio» und Sitte. In dem Versahren gegen den Baron von Reischach und den Freiherr» von Kotze wegen des Duells, bei dem der letztere verwundet worden ist, soll gestern vor den' Militärgericht in der Lindenstraße der Haupttermiu staltgesundcn haben. Ueber das Urlheil verlautet natürlich nichts. Die Frage, ob ein Schiedst»«»»» verpflichtet oder auch nur befugt ist, vor Gericht über eine Sache,»velche ihm als Schiedsmann anvertraut ist, fein Zeugniß zu veriveigern, ist zun» ersten Male vor dem hiesigen Amtsgericht I zur Sprache ge- bracht»vorden. Ein Mann»vor durch den Brief eines anderen gröblich beleidigt worden und hatte die Sache dadurch anhängig gemacht, daß er den Beleidiger vor den Schiedsmann laden ließ. Natürlich legte er auch den Brief dem Schiedsmann vor. Da eine Einigimg nicht zu erzielen war, wurde die Privatklage an- gestrengt. Der beleidigende Brief»var nun aber verloren ge- gange», und deshalb wurde der Schiedsmann als Zeuge vor- geladen, damit den» Gericht doch»venigsteus die Beleidigung unterbreitet»verde» könne. Der Schiedsmann aber»veigerte sich, eine Aussage zu»lachen, denn er sei öffentlicher Beamter, und als solcher dürfe er nach tz 53 St.-P.-O. ohne Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde, also des Landgerichts- Präsidenten, über Dinge, die ihm unter seiner Amtsverschiviegenheit mit- getheilt»vürden, keine Aussage mache». Der Vorsitzende war offenbar über diese noch nicht dageivesene Einwendung völlig verblüfft und»neinte, daß allerdings die Sache fraglich sei. Tie Verhandlung wurde vertagt, und es soll nun erst das Gutachten resp. die Genehmigung des Landgerichts-Präsidenten eingeholt»verden.— Interessant ist die Frage immer» hin, und es ist gut, daß sie einmal angeschnitten »vurde. Rechtlich irrt sich der Schiedsmann, denn»vie der Absatz 2 des tz 53 St.-P.-O. zeigt, ist die Amtsverschwiegenheit nur da für Beamte ein Grund, das Zeugniß von der Ge- »ehmigung der vorgesetzten Behörde abhängig zu machen, wo das Staatsinteresse dies erfordert. Sonst ist der Schiedsinann gerade dazu da, das Protokoll über den Sühneversuch dein Kläger zur Einreichung an das Gericht zu überlassen. Er kann ebenso»venig über Dinge, die er mit den Parteien verhandelt hat, sein Zeligniß verweigern, wie dies der Richter erster Instanz bei einer Verhandlung in ziveiter Instanz, zu der er als Zeuge geladen ist, darf. Auch der Polizeibeamte darf im allgeineinen über Verhöre mit Angeschuldigten als Zeuge seine Aussage nicht von der Genehmigung der Vorgesetzten abhängig»»nchen. Reichs-VersicheruugSamt. Innere Krankheiten »verde» häufig als Todesursache sestgestellt. ivcnn die Hinterbliebenen des verstorbenen Arbeiters nach dem Augenschein ganz sicher annehmen zu können glaubten, es handele sich bei dem Tode des Erblassers um die Folge eines Betriebs- Unfalles. Im letzteren Falle»värei» sie natürlich enlschädigmigs- berechtigt,»vas sie im ersteren nicht sind. Auch die Willive eines Pferdetreibers(Bergarbeiters) Freitag war durch die äußeren Umstände bein» Ableben ihres Mannes in die Meinung versetzt»vorden, daß ei» Betriebsunfall vorliege, und hatte deshalb gegen den eine Rente ablehnenden Bescheid der Knappschafts- Berufsgenossenschast den Klageiveg beschritte». Den Znsaininenhang zwischen dem Tode des Mannes und dein Betriebe sah sie darin, daß man ihren Mann als Leiche aus dem Badcbassin der Grube,»vori» er beschäftigt geivesen, herausgezogen hatte. Bein» Eintritt des Todes»varen Zeugen nicht zugegen gewesen. Die anderen Arbeiter hatten schon die Grube ver- lasten, als Freitag den Baderauin betrat, und der Badeivärter »var im selben Moment auch nicht anivesend, da er anderweitig zu thun hatte. Dieser fand später die Leiche, als er das Master ablassen»vollte. Mehrere Mitarbeiter des Ver- storbene» erinnerten sich, daß Freitag ain betreffenden Tage dieselbe Arbeit»vie seit Jahren gemacht habe nnd daß sie den- selbe» stöhnend und um sich schlagend am Nachniitlage neben sci»e>n Wagen gefunden. Sie hatten angeno»nmen, Fr. habe sich dadurch eine» Schaden zugefügt, daß er den entgleisten Wagen »vieder auf die Schienen brachte. Die Zeuge» haben Fr. dann nicht »viedergesehen; ihre eigene Arbeit hielt sie ab, sich»nit ihin, der sich in eine Ecke gesetzt halte, noch»veiter z» beschäftigen. Zivei Aerzte, die nach den» Obduktionsbefund ihre Gutachten abzugeben hatten. sandcn„keine Spur" vo» irgend eiuer äußeren Eiinvirkung auf den Todtci»,»velche sein Ableben herbeigeführt haben könnte. Auch Merkmale des Erstickungstodes,»vie sie Ertrunkene auf- »veiscn, fehlten nach ihren» Gutachten vollkommen. Sie führten dann»veiter aus, daß man unschwer in» Tode die Folge einer Gehirnblutung erkennen könne,»velche ziveifellos aus eine schivcre Erkrankung der Gefäße des Gehirns zurückzuführen sei, die».och besonders durch die vor- gefundenen Fehler an Herz und Leber bestätigt»verde. Nach Meinung der Aerzte ist der innere Bluterguß zuin theil am Nachmittage langsan» ersolgt, habe dann infolge des Aus- ruhens des Freitag nachgelassen, und schließlich ist bei der Be- »vcguiig des Mannes, die das Betrete» des Badebassins nöthig machte, der Bluterguß»vieder eingetreten und hat den uiians- bleiblichen tödtlichen Schlaganfall gezeitigt. Danach sei der Tod Freitag's auf innere Ursachen zurückzuführen, denn die festgestellte Gehirnblutung im linken Schhügel entbehre jeglichen Zusaimnen- Hanges mit den» Betriebe. Das Schiedsgericht der Geuoffenschaft ivieS die Berufung der Klägerin ab, und auch das Reichs- Vcrsicherungsamt hielt ihren Anspruch mit Rücksicht auf die zitirten Gulachle» sür unbegründet. Dieselben ließen keinen Ziveifel, daß Freitag an einer inneren Krankheit, nicht aber infolge eines Betriebsuufalles verstorben sei. Bei dem unter„Lokales" gemeldeten Schadenfeuer»vurde ein Theil der aufs äußerste angestrengten Feuerivehr durch Einsturz einer Mauer des Seitenflügels vergraben, nach niühevollster Thätigkcit konnten dieselben freigelegt»verden; leider»varen drei der Wackeren so schlver verletzt» daß dieselben in das Kranken» Haus gebracht»verde» mußten. Detrefifteu. Wolff's Telcgrapheu-Bureau. Verl»»«, 13. Juni. Die„Berliner Korrespondenz" nieldet: Ter charakterisirte Polizeipräsident v. Windheim zu Stettin ist zum Polizeipräsidenten vo» Berlin ernannt. Wie», 13. Juni. Die innere parla»»» entarische K r i s i s spitzt sich immer mehr zu. Der AuSschllß der vereinigten Linken hat heute zu der Frage über das Untergynniasinni in Cilli Stellung genommen und den Austritt ans der Koa- lition beschlossen; sobald der Budgetansschuß die Budget- summe für das slovenischc Gynmasiun» in Cilli be- unlligt haben»vird,»vird die Linke den beiden anderen Parteien der ikoalition und der Regierung ihren Austritt aus der jkcalition formell mitlheilen. Voraussichtlich»vird dies an» Montag geschehen. Die Konsequeuzen dieses Schrittes»verde» sein, daß»vahrscheinlich am Montag das Kabinet dem Kaiser seine Demission unterbreite»» »vird und daß das Kabinct zunächst niit der Weiter führnng der Geschäfte betraut»verden wird. Paris, 13. Juni. Tie bereits mitgelheilte Einnahme von Mevatanana durch die sranzösischc» Truppen ersolgte am 0. d.M. morgens. Das Granatenfeuer ziveier Gebirgsbatterien hatte genügend Erfolg, um die Hovas zur Flucht zu veranlassen. Zivei französische Schützen wurden leicht verwundet; die Truppen müsse» große Strapazen anshallen. Die Kanonen- boole fahren ohne Schivierigkeiten den Fluß hinauf. Madrid, 13. Juni. Stach Meldungen alrs Burgos ist R uiz Z o r i l l a g e st o r b e». Loirdo», 13. Juni. Das„Reuter'sche Bureau" meldet ans Hongkong: Die Japaner besetzten in friedlicher Meise Tamsui und'Taipehfu. Die Chinesen leisteten keinen Widerstand und »varse» die Waffen fort. Die Japaner haben die Zollvcrivaltung übernommen. Der Handel nimmt seine» geivöhnlickicu Aer- lauf. Weitere Ruhestörungen»verde»» nicht befürchtet. Tas englische Kriegsschiff„Rainboiv" ging von Tamsui auf der Stück- reise ab. S. Paolo de Loauda. 12. Juni. Heute fand in Aniveseu- heit des Gouverneurs, der Behörden und der Kanfleute die Betriebseröffnung der„Transasrikanischen Eisenbahnen" bis zu der 303 Kilometer entfernten Station Queta statt. Pretoria, 11. Juni.(Meldung des„Steuter'schen Burcans".) Die Truppen Transvaals haben nach einen» harten Kamps den Rebellensührer Magoeba gänzlich geschlagen. Mngocba fiel, die Rebellion»st unterdrückt. Pokohama, 13. Juni. Amtlich»vird geineldet, daß in Taipehfu und Tainsui auf Formosa Ruhe herrscht. Die Ordiinug wird jetzt von den japanischen Behörden ausrecht erhalten; die japanische Verwaltung ist offiziell in krast getreten. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing is Berlin, SW„ Beuthstraß« L. Hierzu zwei Pcilag» n. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 136. Ncmummolos. Stadtverordneten° Versammlung. Oefsentliche Sitzung vom Donnerstag, den 13. Juni 1893, nachmittags 5 Uhr. Tie neugeivählten Mitglieder P r e tz e l»nd Gemein- Hardt werden eingeführt und vom Vorsteher aus die Städte- ordnnng verpflichtet. Das Andenken des verstorbeneu Stadtv. Bernhardt ehrt die Versammlung in der üblichen Weise. Auch dem Andenken des Polizeipräsidenten von N i ch t h o s e n widmet der Vorsteher Worie der Anerkennung. Für eine Anzahl von Rechnungen wird nach dem Antrag des Rechnungsausschusses(Referent Stadtv. B o r g m a n n) Decharge ertheilt. Zins grund des von der Versammlung am 20. Sept. 1894 gntgeheißenen Vertragsentwurfs hat der Magistrat mit der Firma Siemens u. Halske betreffs der Anlage einer elektrischen Hochbahn nunmehr einen Vertrag vereinbart, dem die Ver- s ammlung ohne Debatte ihre Zustimmung giebt. lieber die Bauabnahme von 3 städtischen B r ü ck- n(Moabiter, Luther-, Eberls-, Mühlendamm-, Mühlen- weg- und Fischer-, Waisen-, Kottbuser, Oberfreiarchcn- und Friedrichsbrücke) liegt das Protokoll vor. Bei mehreren von diesen Brücken sind die Kostenanschläge nicht erreicht worden, vielmehr die wirklichen Ausgaben bis zu 33 pCt. dahinter zurückgeblieben. Stadtverordneter I a c o b i rügt den Mangel au Sorgfalt,� mit dem hiernach die Anschläge von der Bau- depntation offenbar hergestellt worden sind, und beantragt eine Resolution, welche den Magistrat ersucht, ans die Abstellung dieses Mibstandes hinzuwirken. Die Resolution wird angenommen. Im Hinblik auf die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 hat die Direktion der Großen Berliner P f e r d e- E i s e n b a h»- Aktiengesellschaft sich erboten, aus je einer Linie vom L ü tz o w- platz und vom Dönhoffplatz nach der Treptower Chaussee elektrischen Betrieb nach dem System Thomson-Houston mit oberirdischer Stromzuführung und Schienen- rnckleitung einzurichten. Die erstere Linie soll vom Lützowplatz über dre Maaßenstraße. den Rollendorsplatz, Bülow-, York-, Belle- Alliancestraße, Blücherplatz, Hallesche Thorbrücke, Gitschiner-, Skalitzer», Schlesische Straße, die zweite über die Jerusalemer-, Linden-, Ritter-, Reichenberger- und Skalitzerstraße, dann über die Trace der ersteren Linie bis zu deren Endpunkt ge- leitet werden. Die Gesellschaft beabsichtigt, beide Bahnen nach Schluß der Ausstellung von 1396 im Betriebe zu erhalten und zu diesein Zwecke die zweite Linie von der Skalitzer- durch die Reichenberger- bis zur Glogauerstraße weiter zu führe».„Da die elektrische Installation der beiden Linien beträchtliche Geldmittel beansprucht, an deren Amortisation innerhalb unserer jetzigen Konzeffionszeit nicht entfernt zu denken ist", so setzt die Gesellschaft bei ihrem Antrage voraus, daß für den Fall des Zustandekomniens des geplanten Vertrages über die Umwandlung der Pferdebahnen in elektrische Bahnen auch für die beiden hier iu Frage stehenden Linien im Falle ihrer Genehmigung die Bedingungen jenes noch zu verein- barenden Vertrages giltig sein sollen. Der Magistrat hat den Antrag der neuen Depntation für die das Verkehrsivesen betreffenden schwebenden Fragen zur Vor- berathung überwiesen.sin welcher namentlich das zuletzt berührte Verlangen der Gesellschaft auf sehr starke Opposition gestoßen ist. Die Deputation hat schließlich einstimmig folgenden Antrag Singer angenoimnen: .«Die Deputation empfiehlt de» städtischen Behörden, der Gesellschaft die Genehmigung des elektrischen Betriebes aus� den genannten Linien zu ertheilen, mit der Maßgabe, daß die Bedingungen über Ausführung und Betrieb der Linien entsprechend den Bestiin- mungen der jetzt giltigen Verträge lind nicht über diese hinaus gefaßt»verde», und daß die Genehmigung auch für den Fall ertheilt wird, daß die Weilerführung der in» Nachtragsvertrag von, 17. November 1884 vorgesehenen Bahn Behren-, Markgrafen-, Junker-, Ritter-, Reichenbergerstraße über die Lindenstraße hinaus bis zur Behrenstraße seiicus der staatlichen Behörden beanstandet werden sollte. Diesem Antrag der Deputation hat sich auch der Magistrat angeschloffen und ersucht die Versanimlung um Beschlußfassung. Er hat nur, um der eveut. behördlicherseits später für bestinimle Strecken geforderten unterirdischen Stromzuführnng durch de» Wortlaut des Beschlusses kein Hinderniß zu bereiten, den Aus- druck„elektrische Kraft mit Nontaklleitung" gewählt. Ein hierzu eingegangener Antrag, die Verbreiterung der Reichenbergerstraße auf 15 Meter herbeizuführen, soll als besondere Resolution behandelt werde», um die Erledigung der Vorlage nicht aufzuhalten. Stadtv. Spinola: Die Pferdebahngesellsckiaft hat sich bisher allen Anregungen gegenüber, zum elektrischen Betriebe über- zligchen, ablehnend verhalten. Wir sind gegen eine Anzahl anderer Slädte dadurch zurückgeblieben. Jetzt, nachdem wir der Firma Siemens und Halske die elektrische Bahn von, Wasserthorbecken nach Treptoiv bewilligt haben, kommt die Pferdebahn mir ihren Anträgen. Durch die Genehmigung derselben wird die der Firma Siemens u. Halske genehinigte Linie unzweifelhaft in ihrem Werlhe vermindert. Gleichwohl hört man, daß der Antrag der Firma, ihr dann wenigstens die Linie auch bis 1911 zu konzessioniren und zwar mit der Fortsetzung ins Innere der Stadt bis zur Behren- straße, von der Verkehrsdeputation abgelehnt worden ist. Dieses Verhalten der Firma gegenüber ist eigenthümlich, brutal will ich es nicht nennen, aber liebevoll ist es nicht. Stadtv. S i» g e r: Ich halte es nicht für meine Aufgabe und nicht für die der Versammlung, liebevoll gegen die betreffende Firma zu sein. Herr Spinola hat unrecht, wenn er glaubt, daß mit dem Beschluffe der Verkehrsdeputation der Firma bc- solideres Unrecht geschieht. Die Stadtgemeinde hat sich niemals verpflichtet, neben der Linie Wasserthor-Treptow keine andere zu konzessioniren; die Firma bat kein Monopol auf diese Strecke erhallen. Glaubte die Firma das, so hat sie die An- und Absichten der städtischen Behörden jeden- falls nicht gekannt. Die Deputation und mit ihr der Magistrat waren der Meinung, daß, nachdem die Ausstellung 1396 einmal stattfindet, wir die ernste Veipflichlung haben, dafür zu sorgen, daß Berlin sich 1896 nicht dadurch blamirt, daß keine Verkehrswege dahin führen(Sehr richtig!). Darum hat die Teplitatiou geglaubt, die von der Pserdebahngesellschast angeboteneli Linien genehmige» »u solle», aber nicht über 1911 hinaus, weil wir uns durch- ans freie Hand vorbehalten müssen, wenigstens nach meiner Ansicht, endlich einmal den Unfug der privatkapitalistischen Ausbeulung unserer städtischen Straßen abzustelle».(Zwischen- rufe.) Andere möge» anders denken; bei der Abstiinmuiig fragt man ja nicht nach Motiven. Nachdem nun diese beiden Linien Aussicht auf die Konzessionsertheilung haben, kommt die Firma Siemens». Halske an uns mit der Mittheilung, daß ja ihre Linie Wasserthor-Treptow dann ganz unrentabel werden müsse, und dieses Unglück könne die Stadt doch nicht über die Firma herein- brechen lassen. Ganz dieselben Gründe, welche mich veranlaßt haben, sür möglichst viele Wege nach dem Ausstellungsterralii zu Freitag, de» 14. Juni 1893. wirken, haben mich auch bestlinint, dafür zu stimme», daß der Firma ihre Linie bis an den von ihr gewollten Punkt des Stadt- innern konzessirt wird; zu ihrem Verlangen aber, ihr die Kon- Zession aus 40 Jahre oder doch bis 1911 zn geben, müssen wir wieder Nein sagen, weil wir keine Verpflichtung anerkennen könne», diese für die Dauer der Ausstellung konzessionirte Linie noch 16 Jahre länger zu konzessioniren und uns damit selbst bei der weiteren Gestaltung des Verkehrswesens die Hände zu binden. Das war für die Verkehrsdepntation der durchschlagende Grund der Abweisung des Antrags der Firma. Nachdem wir zwei Linien nach der Ausstellung haben, besteht für uns doch gar keine Veranlassung, die eine dadurch zu vertheuern, daß wir bis 1911 ans jede Möglichkeit des Eingreifens verzichte». Wen» irgend jemand kein Recht zur Beschwerde hat, so sind es diese Gcsellschaflen, die noch jüngst dem Verlangen nach dem Einheitstarif von 10 Pfennigen ein starres Nein entgegen- geseht habe».— Ich habe ans die Zeitungsmeldung hin- iveisen wollen— seltsamerweise wird die Frage nicht direkt vom Magistrat angeregt—, daß die Pferdebahn-Gcscllschast davon zurückgekominen ist, die erste Linie an» Lützow- platz endigen zu lasse», und den Endpunkt aus verkehrstechnischen Gründen an den Zoologischen Garten verlegen lvill. Die Ver- kehrsdcpulation hat diese Mittheilung auch erhalten und sieht einstimmig darin eine Verbesserung. Um die Sache selbst in ihrer Er- lcdigung nicht aufzuhalten und eine nochmalige Beschlußfassung der Versaunnlung überflüssig zu machen, würden wir gut thun, den Magistrat zu ermächligen, ohne nochmalige Rückfrage an die Versammlung auch die definilive Festsetzung der Trace mit der Gesellschaft zu vereinbaren. Ich beantrage eine entsprechende Aenderung des Magistratsvorschlags. Stadtv. Ladeivig will nur der irrigen Auffassung ent- gcgentrete», als ob man der Pferdebahn- Gesellschaft zu irgend- welchem besonderen Danke verpflichtet sei dafür, daß sie jetzt endlich sich auch zum elektrischen Betriebe theilwcise bequeme. Die Gesellschaft habe die Wünsche der Berliner Bürgerschaft bisher in vielen Richtungen beharrlich ignorirt und sei dabei von ver Groß- und Langmulh des Magistrats ganz augenscheinlich getragen worden. Hoffentlich lverde der Magistrat endlich einmal der Gesellschaft gegenüber straffere Saiten ans- ziehe», namentlich ivenn die drei hervorragenden Magistratsmit- glieder, die sich jetzt zum Studium der Verkehrsvcrhültmssc anderer großer Städte auf eine Dienstreise begeben haben, zurückgekehrt sein werden.(Heiterkeit.) Sladtrath Voigt: Zu dem erwähnten Beschlüsse der Ver- kehrsdeputation über das Ersuchen der Firma Siemens». Halske ivird der Magistrat erst morgen Stellung nehmen. Den Antrag Singer bitte dringend anzunehmen. Der Magistratsantrag wird darauf mit der vom Stadtv. Singer beantragten Modifikation angenommen. Die Resolution wegen Verbreiterung der Reichenbergerstraße findet ebenfalls Annahme. Gelegentlich der letzteren Etatsberathung ist der Magistrat von der Versammlung ersucht worden, die G e s e l l s ch a s l für ethische Kultur zur Herstellung und Erhaltung von Lese- hallen mit entsprechenven Geldmitteln zu unterstützen. Der Magistrat hat auf grund dieser Anregung sowie eines neuen Gesuches der Gesellschaft die Angelegenheit wiederholt eingehend geprüft, sich aber nicht entschließen können, schon jetzt eine Unter- stützung zu gewähre». Er wird aufmerksam die iveitere Ent- Wickelung des Unternehmens,„daS bereits wenige Monate nach seiner Begründung um eine Beihilfe bei uns vorstellig ivurde", verfolgen und, sosern es sich bewährt, im» ä ch st e n E t a t dessen Unterstützung abermals in Erwägung ziehen. Auf Antrag a l i s ch wird beschlossen, die Petition der Gesellschaft dem Magistrat zur Berücksichtigung zn enipfehlen. Der Antragsteller spricht sich dabei über die Bedeutung und de» Stutzen der Lesehallen schr anerkennend aus. Schluß 7i/4 Uhr. *« Bei der Stadtverordneten-Versammlung ist folgender An- trag Virchoiv und Genossen eingegangen: „Die Stadtverordneten-Versammlung beschließt, den Magistrat um Auskunst zu ersllchen, ob 1. es richtig ist, daß durch Verfügung des königlichen Pro- vinzial-EchuIkollegiunis die Anordnung getroffen ist, daß s.) jüdische Lehrer und Lehrerinne» an den hiesigen Ge- meindeschulen nur nach Maßgabe des Bedürfnisses des jüdischen Religions- Unterrichts in Zukunft angestellt und hauptsächlich ihre Lehrthätigkeit im jüdischen Religionsnulerricht ausüben sollen, daß ferner b) die Verwendung jüdischer Lehrkräfte zur anshilssweisen Vertretung an ve» Geuieindeschulen auf die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts beschränkt werde» soll, 2. ob und ivelche Maßnahmen im Falle die zn 1 erwähnten Anordnungen des königlichen Provinzial- Schulkollegiiiins wirklich erlassen sind, der Magistrat getroffen hat, bezw. ergreisen ivird, um den in derartige» Zlnorduungen enthaltenen Verkümmerungen des kommunalen Vokalionsrechts und Ver- letzungen der verfassungs- und gesetzmäßigeu Gleich» bercchligug der Konfessionen entgegenzutreten." Ter Antrag ist von 47 Mitglieder» der drei liberalen Fraktionen der Bersannulung unterzeichnet. Lustsles. Der Arbeiterschaft zur Nachricht, daß am 13. d. M. der Vergnügungsverein„Fröhlichkeit", der zum großen Theil aus Arbeitern besteht, sein Sliftungsfest in dem gesperrte» Lokale des Herrn Saeger, den K o n k o r d i n- S ä l e n, feiert. Tie Parleigenossen werden von dieser Mittheilung entsprechend Notiz nehmen. Im Austrage der Lokalkoininissivn: Karl Scholz, Wrangelstr. 32. Die staubfreie Müllabfuhr hat bekanntlich am 1. Juni ihren Einzug in Berlin gehalten. Eine einheitliche Organisation ist iudesse» nicht erzielt worden. Zwei Abfuhrsysteme konkurriren zur Zeit mit einander, neue Systeme sind im Werden begriffe». Reben dem Wcchselkastensyslem der Wirthschaftsgenossenschast der Hausbesitzer behauptet sich auch noch das von uns bereits ge- kennzeichnete Absuhrsystem der Fuhrnnternehuier. In der Hand- habung dieses den moder»«» Anforderungen durchaus nicht ent- sprechenden Systems ist eine Veränderung eingetreten, die zwar eine Verbesserung darstelle» soll, aber thatsächlich eine Ver- schlechterung bedeutet. Die Verbesserung besteht zunächst darin, daß die Müllkästen jetzt„verschlossen" aus den Häusern über die Straße nach dem Kastenwageil befördert werden. Dieser „Verschluß" wird dadurch bewirkt, daß über die Müllkästen — ein Stück Stoff gedeckt ivird. Dadurch wird ja nun aller- dings erreicht, daß der unerquickliche Jnbalt der Müllkästci, dem menschlichen Auge entzogen wird und daß der Wind nicht mehr wie sonst mit dem flüchtigen Müll sein loseS Spiel treiben kann, immerhin ist diese Einrichtung doch nur sehr primitiv und durch- aus nicht weltstädtisch. Tie weitere„Verbesserung" besteht darin, daß die Müllkästen nicht niehr durch die Seitenklappen in den „staubfreie»" geschlossenen Abfuhrwagen entleert werde». Die Arbeiter, welche die Müllabfuhr besorgen, tragen jetzt vielmehr 12. Jahrg. die gesüllten Müllkästen von hinten in den geöffneten Kastenwagen hinein und entleeren ihn bei geschlossenen Seitenklappen im Inneren des Wagens. Ist der Kasten entleert, so verlaßt ein Arbeiter schleunigst den Wagen und schließt die geöffneten Hiilterthüren, während der zweite Arbeiter in dem nun gänzlich verschlossenen Wagen verbleibt und den Unrath sachgemäß vertheilt, lind hierin besteht die Verschlechterung. Sowohl durch das Ausschütte» der Müllkäste», wie anch durch das Vertheilen des Mülles wird naturgemäß ungemein viel Staub erzeugt, der nunmehr keinen Abzug hat— staubfreie Müllabfuhr! In dieser Staubntmosphäre muß nun der Arbeiter sein Werk verrichten. Die Situation eines Menschen, der de» lieben langen Tag hin- durch in einem derartigen mit eklem Staube erfüllten Behälter seine nicht leichte Arbeit verrichten muß, kann sich leicht jeder ausnialen. Da trotz seiner schwere» Mängel dieses Abfuhrsystem die behördliche Genehmigung erhalten hat, so ist nur zu hoffen, daß durch die auch ans diesem Gebiete bald zu erwartende heil- sanie ikonkurrenz diese Art„staubfreie Müllabfuhr" schließlich von den Straßen Berlins verschwindet. Ganz auf de» Hnud gekommen ist beb„Bund zur Hebung dcs Mittelstandes". Vor leeren Stühlen verhandelte er in seiner letzten Sitzung: als Ilcberrest der einstigen Mitglieder- zahl waren im ganzen 13 Mann anwesend. Nach dem Bericht des Vorstandes zählt der„Bund"— er ist über ganz Deutsch- land„verbreitet"— 60 Mitglieder, in der Kasse befinden sich baare 40 Mark. Die gegenwärtige Situation, führte der Vor- sitzende aus, sei tief traurig. Nirgends Interesse sür den Mittel« stand; auch die deutsche Regierung habe nur Enqueten und schöne Worte. Der frühere Vorstand habe sich als unfähig erwiesen; weil keine Wirthschaftspolitik, sonder»„scharfer" Antisemitismus, getrieben wurde, hätten sich die Mitglieder in alle Winde ver- flüchligt. Man habe den Mitgliedern keine Beiträge abgenommen, sondern sie aus die„Staatsbllrger-Zeitung" verpflichtet, deshalb ivurde der Vorstand abgesetzt.— Die Versammlung wurde sich dahin schlüssig, die Statuten etwas zu verändern und„große Volksversanunlungen" zu veranstalten. Damit sollen die Mittel- standsleute wieder unter die Fittiche des Bundes gesammelt werden.— Am Grabe pflanzt er die Hoffnung noch aus! Mit dem letzten Beschluß zeigt der famose Bund, daß auch er zu den widerspenstigen Tobten gehört. Krähwinkel. Der Bau der ersten elektrischen Bahn, der sogenannten Versuchsbah» zwischen der Badstraße und Pankow, stößt, wie man uns meldet, fortgesetzt auf neue Schwierigkeilen. Nachdem seinerzeit der Plan des Bahnbaues dem Magistrat und dem Polizeipräsidium eingereicht und von beiden Behörde» ge- nehmigt worden war, müssen die Arbeiten jetzt wieder eingestellt werden, weil das Aufstellen der Kandelaber für die elektrische Stromzusührung nach polizeilicher Bestimmung nur im Zuge der Straßenlaternen, nach den Bestimmungen der städtischen Gas- direktion unter keinen U m st ä n d e n im Zuge der Straßen- laternen erfolgen darf. Gegenwärtig schweben zwischen der Firma Siemens und Halske und der Direktion der städtischen Gasanstalt Verhandlungen wegen Verlegung der Gaslcitungs» röhren und es steht zu hoffen, daß eine Einigung erfolgt. Zn einer Protestk«»dgeb»»g gegen das Verhallen der Eisenbahn-Verwallnng gegenüber den Anforderungen dcs ge- sammten Vorortverkehrs gestaltete sich eine Wanderversammlung, ivelche der„Verein der Vororte von Berlin" Mittwoch Abend in Adlershof abhielt. Zunächst wurde erklärt, daß der Zonentarif inr höchste» Grade reformbedürftig sei und die schemarische 9lb- grenzung der Zonen nach der Kilometerzahl den Bedürfniffcn der Vororte durchaus widerspreche. Schließlich wurde zu dieser Frage folgende Resolution angenommen:„Die heute in Adlers« Hof ragende Wanderversaimnlung des Vereins der Vororte von Berlin richtet an die königl. Eisenbahn-Direktion die Bitte, i» der Abgrenzung der Vorortzone» die Interessen d�r Vororte zn berücksichtigen nud prinzipiell die Ausdehnung dcs Stadt- und Niugbahnlarifs auch für die Vororte(fünf Stationen 10 Pf.) einführen zu wollen. Sollten der Durchführung dieses Wunsche» im einzelnen unüberwindliche Schwierigkeiten cntgegeiqteheu, so wäre, wo es noch nicht geschehen, der Fünfpfennig-Taris einzn- schalten." Nach dieser Angelegenheit kam die Sache der Bahn« Höfe in Ablershof, Alt- Glienicke und Köpenick zur Sprache. Es wurde dargelegt, daß der Bahnhof Adlershof, welcher seinerzeit für eine Einwohnerzahl von 700 Seele» projektirt worden, erst zur Ausführung gekommen sei, als Adlershos bereits über 6000 Einwohner zählte, ohne daß das für 700 berechnete Projekt im geringste» erweitert worden sei. In- folge dessen sei nicht nur der ganze Bahnhof zu klein, sondern auch bei dem gewaltige» Verkehr am Morgen, Abend und Sonntags süc das Publikum geradezu lebensgesührlich, weil dasselbe nach wie vor die Geleise überschreiten müsse. In ähn- licher Weise wurden die Zustände des Bahnhofs Köpenick ge- schildert. Endlich wurde auss heftigste darüber geklagt, daß dem Orte Glienicke die frühere Haltestelle wieder genommen worden sei, obgleich der Ort jetzt 4000 Einwohner zähle und man schon seincr Zeit ans jener eine Jahreseinuahme von 17000 M. erzielt habe. Die Kassirung der Haltestelle habe de» Ort in unerhörter Weise geschädigi und'lö Subhastalionen herbeigeführt, während über 100 Wohnungen leer ständen.— Angesichts dieser Sachlage wurde der Vereinsvorstand beauftragt, mitallen Mitteln anfeineAendcrnng der Zustände im Vorortverkehr hinzuwirken und eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher folgende Reformen beansprucht wurden: Entsprechende Sicherheilsvorkehrimge», eine gleichmäßige Vermehrung der Züge, Verbeffernng wie zeitgemäße Aiisgestaltnug der Vabnhossanlageil und einheitlicher Ausbau der Niederschlesisch-Märkischen Bahn durch Legung des dritten und vierten Geleises. Nur durch Erfüllung dieser Wünsche könne die Entwickelung der östlichen, südöstlichen und nördlichen Vororte gleichen Schritt halten uür derjenigen des Westens. Nach der Musterfamilie Karl Meier wird man sich am heutigen Freitag in ganz Preußen bei der Berufs- und Gewerbe- Zählung zn richten haben. Dieser Haushalt, der als Beispiel amtlich vorgehalten wird, umfaßt in der maßgebenden Nacht vom 13. zum 14. Juni 11 Personen. Obenan steht Karl Nieier selber, ei» Mau» in den beste» Jahren, der am 3. Februar ein Alter von 31 Jahren erreicht hat. Er ist unternehmend und vielseitig. Außer der Laudwirthschaft, die seine hauptsächliche Erwerbs- quelle bildet, betreibt Karl Meier Getreidemüllerei und Bäckerei, dieke letztere als Meister. Seine Kran Josefine, geb. Koni, steht ebenfalls noch iin schönsten Alter— Geburtstage von Dame» nuttlere» Alters pflege man»icht der Ocffentlichkeit preis- zugeben. Mutter Meier ist eine resolute Frau, die nicht nur de»»»nfaiigreichcn Haushalt leitet, sondern anch fleißig in der Bäckerei Hilst. Ihr äleester Sprößling Franz, ein hoffmwgs- voller, noch lediger Jüngling von 23 Jahren, macht sich'als Gehilfe i» der väterlichen Laudwirthschaft nützlich. Augenblicklich gebl es freilich im Meier'fche» Musterhaushalt etwas drunter und drüber; denn„Mutter" kann wegen besonderer Umstände für einige Wochen nicht nach dem rechten sehen: es ist inierwartet noch am 12. Juni d. I. ein kleines Nesthäkchen eingelroffeii, das den Namen Anna erhalten hat. Die Wirthschaftslast ruht daher momeiitlin auf den Schultern der 18 jährigen Dicnstmagd lliosa Becker, die sonst noch in der Landivirtbschast helfen nniß. Es ist recht scbade, daß sie gerade jetzt alle Hände voll zu thun hat; denn im Hanse ist z. Z. der Musketier Otto Winter einquartirt, und sie. rann sich mu> dem VaterlMldsvertheidiger ach so iveuig widmen! Von den sonstigen Haushaltsgenossen ist noch mancherlei zu sagen. Da ist ein jüngerer Bruder des Familienvaters, dein der Betrieb einer häusliche» Wollenplüschweberei noch Zeil läßt, in der Landwirlhschaft mitzuwirken. Ein junger Neffe mütterlicherseits, Ernst Kor», widmet sich als Geselle der Schlosserei, ist aber seit 4 Wochen arbeitsunfähig. Hervorzuheben wäre serner, daß in der Meier'schen Getreidemüllerei ein Geselle, in der Bäckerei ein Lehrling thätig ist. In Kost und Wohnung steht sonst noch bei Meier's der Säjährige Chemiker einer Zuckerfabrik, Georg Floritz, der zur Zeit auf einer Geschäftsreise sich befindet. Hingegen hat mau über Nacht einen alten jüdischen Scheerenschleiser, Moritz Zeitz, aufgenommen, einen llOjährigen Wittwer, der von Dorf zu Dorf umherzieht und ein kümmerliches Dasein fristet. Meier's haben ihm gewiß ans Gnad' und Barmherzigkeit ein Obdach ge- währt. Man sieht, die Familie wird nicht ohne Grund in den Formularen als Muster hingestellt... Der grobe UnfngSpnragraph. Eines ganz originellen Vergehens soll sich der Tischlergeselle Otto Scherwat, der hier- selbst in der Chausscestraße wohnt, schuldig gemacht haben. Er eihielt dieser Tage eine polizeiliche Strafvcrsügung folgendem Luhalts zugestellt:„Sie haben am 28. Mai d. I. nachmittags gegen 7 Uhr groben Unfug dadurch verübt, daß sie auf dem Dönhosfsplatz den Major Bucck wiederholt umkreisten n»d am Weitergehen behinderten. Die Uebertretung wird bewiesen durch das Zcugniß des Majors Buck im Garde-Pionier Bataillon, wohnhaft Wienerstr. 10. Auf grund des tz 360 all 1 1 des Strafgesetzbuchs wird deshalb gegen Sie eine Geldstrafe von sechs Mark...festgesetzt." Scherwat, der behauptet, daß er sich nur beiläufig, als er an dem Major vorbeiging, umgesehen, und garnicht daran gedacht habe, ihn am Weitergehen zu verhindern, will gegen diese seltsame Strafversüguiig gerichtliche Entscheidung beantragen. Ein recht wiirdigcö Stadtobcrhnnpt scheint die märkische Stadl Beelitz in dem verflossenen Bürgermeister Büttner ge- habt zu haben. Dieser Herr hat vor einiger Zeit seinen Dienst quittirt. Bei der dieser Tage erfolgten Einführung des neuen Bürger- Meisters(Nürnberg aus Alt- Ruppin) durch de» Landrath des Kreises, v. Stülpnagel, widmete dieser dem ersteren folgenden «Nachruf":. i» „Eine mehrjährige Mißwirthschaft(ich kann es nicht anders nennen), wie sie unter dem abgegangenen Bürgermeister geherrscht, hat das Vertrauen der Bürgerschaft erschüttert, dieses haben Sie erst wieder zu erwecken. Ich übergebe Ihnen das Älmt mit dem Ersuchen, strenge Gerechtigkeit wallen und allen Einwohnern eine glerchmaßige Behandlung zu theil werden zu lassen, auch ein wohlwollendes Entgegenkommen jedermann zu zeigen und durch Ihr eigenes Auftrete» sowie das Ihrer Familie ein nach- ahmensiverthes Vorbild zu sein. Es ist der fünfte Bürgermeister der Stadt Beelitz, mit dem ich jetzt in amtlichen Verkehr trete. Der erste war Herr Bürgermeister Bercht, ein zwar sehr strenger Herr, aber ein ebenso tüchtiger Verivaltungsbeamtcr; mit dem zweiten Herrn Bürgermeister hatten Sie eine weniger günstige Wahl getroffen; der dritte. Herr Bürgermeister Lehmann, ivar Ihnen 23 Jahre eine durchaus tüchtige Kraft, leider wurde ihm i» de» folgende» beiden Jahren die Älmtsführung durch Krankheit sehr erschwert; »iber de» letzten Bürgermeister will ich nur mit Schweigen hinweggehen." Was waren denn das für Sachen, über die der Herr Land- Schweigen hinweggeht? Im Sozialistenversolgeit hat cer Bürgermeister doch hofsentlich seinen Mann gestanden? Merkwürdige Zuftändc sind es, welche an der Haltestelle der Dampsschifffahrts-Gesellschast„Stern" in H a s s e l w e r d e r Herrichen. Die Landungsbrücke lauft dort in eine Restauration ein. Wer nach der- Fahrt, die einer unserer Leser mitgeniacht hat, aber durch das Restaurant hindurch in den Wald ivollte, mußte erst dem Restaurateur 10 Pf. Eintrittsgeld zahlen, desgleichen wurden am Eingang der Restauration 10 Pf. von jedem erhoben, der mit den Dampfern die Rückfahrt antreten wollte. Wir denken, iiast ein derartiges Schröpssystem denn doch so unerhört ist, daß schlennige Abhilfe geboten scheint. Gegen den Beschlust der städtischen Behörden, be- «reffend den Verkauf der Grnndstücke Roseulhalerstr. 34/33, XSormannstr. 30/31 und Weinmeisierstr. 19 zur Wiederbebanung des Engpasses an der Rosenthalerstraße ist seitens einer Anzahl Bürger dieser Straße Beschwerde bei dem Oberpräsidenten ein- gelegt worden. Vom Militär-Christenthum. Die Aegirkirche wurde, wie eine Anzahl Blätter berichten, am Sonnabend Morgen einer Probe wegen ihrer Akustik unterzogen. Zu diesem Zweck nahm eine Kompagnie Infanterie im Schiff Aufstellung und stiinmle an:„Ich bin ein Preuße."„Und gewaltig, ohne störenden Nachhall schallte der erste Gesang in diesem herrlichen Bau zum Gewölbe empor und zur vollen Besriedigung der lauschenden Zuhörer." I» Hinsicht auf die geplante Vorbeiführnng der elektrischen Bah» an der physikalisch-technischen Reichsänstalt hat Prof. Kolrausch bekanntlich Untersuchungen angestellt, welche eine beträchtliche Störung der feinen elektrischen Meß- instrumente ergeben haben. Die Abweichungen der Galvanometer betrugen bis 1,2 Bogenminuten, und die Unregelmäßig- leiten bestanden in so fatalen, kurzen Stößen von so lückischem Charakter, daß sie jede Sicherheit der Beobachtung aus- schließen. Wenn diese von der Rückleitung des Stromes durch das Erdreich ausgehenden Störungen nicht zu be- seitigen sind, so erklärte er gestern in der Sitzung des elektrotechnischen Vereins, so könne die Reichsanstalt nicht umhin, ihren Einspruch gegen den geplanten elekrische» Betrieb der Berlin-Charlottenburger Pferdebahn aufrecht zu erhalten. Die höchste zulässige Abweichung der Galvanometer sei 0,1 Bogen- Minute; mehr könne er als Leiter der Anstalt sich nicht gefallen lassen, ohne mit seinem Gewissen zu kollidiren. Es sei noch be- merkt, daß der geniale Werner von Siemens in einem Briefe, der die ReichSanstalt betrifft, sich in gleichem Sinne ausspricht und die Technik davor warnt, die Forderungen der Wissenschaft an sichere Messungen gering zu achten, wenn unter solcher Miß- achtung nicht die materiellen Interessen schwerste Schädigung erleide» sollten. Gesperrt sind für Fuhrwerk und Reiter folgende Straßen: Das Engelufer von der Köpenickerstraße bis zur Melchiorstraße feit dem 13. d. M., die Weinslraße von der Gollnowstraße bis zur Barnimstraße vom 14. d. M. ab, die Thurmstraße von der Stromstraße bis zur Wilhelmshavenerstraße vom 13. d. M. ab, die Hirtenstraße von der Kaiser Wilhelmstrabe bis zur Bartel- straße vom 17. d.M. ab, sowie die Teltowerstraße von der Belle- alliancestraße bis zur Lankwitzstraße gleichfalls vom 17. d. M. ab. Der 23 Jahre alte Unterosfizier Oswald Bnrdewipky von der 9. Kompagnie des 62. Jnsanterie-Regiments in Ratibor war wegen schweren Diebstahls in Untersuchungshast genommen. Da er seine Degradation und damit dein Ende seiner militärischen Lausbahn mit Sicherheit entgegensah, so suchte sich der Unteroffizier der Verurtheilung und Strafe zu entziehen. Das gelang ihm auch zunächst, indem er eS fertig brachte, am 30. v. M. aus dem Arresthause in Ratibor auszubrechen. Der Flüchtige wandte sich nach Berlin und entzog sich hier, obwohl die Polizei ihn suchte, der Festnahme dadurch, daß er keine Wohnung nahm, sondern bald hier bald da Unterkommen suchte. Es wird sogar ver- innthet, daß er sich auch in Berlin an Einbrüchen betheiligt habe. Mittwoch, abends 71/2 Uhr, nun stürzte sich ans dem Grundstück Metzerslr. 27 aus dem Flurfenster des 4. Stockes ein junger Mann ans den Hof herab, wo er mit zerschmetterten: Schädel liegen blieb und bald verstarb. In ihm ist der flüchtige Unter- ofsizier festgestellt worden, der schließlich wohl keinen Ausweg mehr gesehen haben mag. Ein grostes Schadenfeuer ist am Donnerstag Abend kurz nach 6 Uhr in dem Hause Köpenickerstr. 21 ausgebrochen. Sechs Züge der Feuerwehr waren thätig, um den Brand zum Löschen zu bringen. Vornehmlich ist die Färberei von Cabanis, die sich in dem Hause befindet, betroffen worden. Einer späteren Meldung zufolge hat der Brand nach dem neben diesem Hause belegenen Viktoriaspeicher hinübergegriffen, der dem Feuer außer- ordentlich reichliche Nahrung bietet. Von einem verirrten Gcschost ist am Mittwoch der Sattler Ernst Wille auf dem Tempelhofer Felde getroffen und schwer verletzt worden. Das Geschoß war ziemlich hoch in die rechte Brnst eingedrungen und ist dann wieder hinausgetreten, um noch den rechten Oberarm, in dem es schließlich stecken blieb, größten- theils zu durchbohre»; auch das Jaquet zeigt die drei Kugel- spuren. Wille begab sich alsbald nach dem städtischen Kranken- Hause am Urban, wo man ihm das Geschoß aus dem Arme herausschnitt und ihm einen Verband anlegte. Er wird längere Zeit arbeitsunfähig sein. Solange noch der unhaltbare Zustand besteht, daß man in unmittelbarster Nähe der Millionenstadt der- artige militärische Thaten verrichtet, kann nicht genug auf die Gefahren hingewiesen werden, welche das Passiren des Tempel- hoser Feldes mit sich bringt. Der Rentner Meyer, der vor einiger Zeit aus Groß- Lichterselde verschwand, nachdem er sich in selbstmörderischer Ab- ficht mit einem Revolver und einem Rasirmesser versehen halte, ist in Lankwitz im Amtsbezirk Marisndorf ans der Besitzung des Fuhrmanns Schulze als Leiche aufgesunden worden. Meyer hat sich erschossen. Mit Quecksilber versuchte sich am Mittwoch Abend der Arbeiter Bruno Stenzel in der Zionskirchstraße zu vergiften. Familienzwistigkeiten sollen ihn zu», Selbstmord getrieben habe». Stenzel wurde in ein Krankenhaus geschafft. Polizeibericht. Am 12. d. M., morgens wurde in einem ans den» Anhalter Bahnhof angekommenen Eisenbahnzuge ein Kaufmann von auswärts erschossen vorgefunden. Es liegt zweifellos Selbstniord vor.— In der Gitschinerstraße wurde vormittags ein Mann durch eine Droschke überfahren und am Bein erheblich verletzt.— Mittags fiel in der Französischenstraße ein Kausinann beim Aufspringen auf einen in der Fahrt besind lichen Pferdebahnwagen hin und zog sich eine Verletzung am Kopfe zu.— Nachmittags wurde ein Mann in seiner Wohnung, in der Mittenwalderstraße, erhängt vorgefunden.— Ein in der Zionskirchstraße wohnhafter Arbeiter versuchte sich zu vergiften. Er wurde noch lebend nach der Charitce gebracht.— Abends stürzte sich ein Man» aus dem vierten Stocke eines Hauses in der Metzerstraße aus deir Hof hinab und starb bald darauf.— Feuer fanden im Weichbitde der Stadt im Laufe des Tages nicht statt. WitteriliigSübersicht vom 13. Junr 1803. Wcttcr-Proguose für Freitag, 14. Juni 1805. Etwas wärmeres, vielfach heiteres, zeitweise wolkiges Wetter mit schwachen westlichen Winden ohne erhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a n. Gevirliks-�eikuitg. Tie bekannte Strafsache gegen den Bankier nud Gruiidstitcksmakler Guido Lövy wurde gestern zum zweiten Male in einer bis zum spaten Abend andauernden Sitzung ver- handelt. Lövy ist am 25. Februar d. I. wegen Urkunden- sätschung und Betruges in neun Fällen, sowie wegen Unter- schlagung in einem Falle unter Ausschluß mildernder Umstände zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren vcrurlheilt worden. Wegen einer Nteihe anderer Strafthaten halte Ver tagung stattgefunden. Der Augeklagte wurde beschuldigt, eine Reihe von Wechsclfälschunge» begangen und Betrugshandlungen gegen eine Anzahl von Baugesellschaste» verübt zu haben. Er hat seinerzeit hier ans recht großem Fuß gelebt und zugestandenermaßen jährlich 20—23 000 M. ausgegeben. Er behauptet, daß dies in keinem Mißverhaltniß zu seinen glänzen- den Einnahmen gestanden habe. Am 16. Juni v. I. war er von hier nach London entflohen, er ist dort verhaftet und ans An- suchen des Auswärtigen Amts ausgeliefert worden.— Gegen das von der dritten Slraskammer seinerzeit gefällte Urlheil hatte Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedmann die Revision eingelegt und das Reichsgericht halte das frühere Urtheil aufgehoben und die Sache zu erneuter Verhandlung in die Vorinstanz zurückgewiesen. Die vierte Strafkammer halte deshalb gestern sowohl wegen dieser, als auch wegen der früher vertagten Falle gegen den Aiigeklagte» zu verhandeln. Als Verlheidiger stand diesem Rechtsanwall Dr. Löwe n st e i n zur Seite.— Bezüglich der früher abgeurtheillcn Falle ergab die Verhandlung im wesentlichen ein unverändertes Bild. Ferner wurde dem Auge- klagten zur Last gelegt, die Baugesellschast Bellevue dadurch geschädigt zu habe», daß er bei Aufnahme eines Darlehns ver- sprachen habe, der Darlehnsgeberin für die Höhe desselben und für fernere 670 000 M. eine erste Hypothek auf seinem Grund- stück Beusselstraße einzuräumen, während er lhatsächlich den ersten Platz an den Verkäufer deS Grundstücks für den Restkauf- preis von 210 000 M. vergeben hatte. Der Angeklagte bestritt seine Schuld, indem er behauptete, daß er dem damaligen Direktor der Bellevue, Daumer, den Sachverhalt wahrheitsgemäß dargelegt habe. Direktor Daumer bestritt dies und erklärte, daß die Gesellschaft Bellevue unter keinen Umständen bei Kenntniß des Sachverhalts das Darlehn gewährt haben würde. Auf ein- gehendes Besrage» seitens des Vertheidigers gab der Zeuge jedoch zu, daß ihm seitens des Angeklagten säinmtliche in betrachi kommenden Urkunden zur Einsicht vorgelegt worden seien, daß er aber init Rücksicht auf die Erklärungen des Angeklagten nicht für nölhig befunden habe, Kenntniß von dem Inhalt der Urkunden zu nehmen. Einen anderen Anklagepunkt ließ Staatsanwalt Kanzow fallen, hielt sie aber im übrigen vollständig aufrecht und beantragte eine Gesammtstrafe von 3 Jahren 6 Monaten Zucht- Haus.— Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st e i n führte dagegen aus, daß im Falle der Gesellschaft Bellevue ein Betrug um deswillen nicht vorliege, weil der Angeklagte dem Direktor Daumer die Mittel in die Hand gegeben habe, sich Klarheit über die Sach- läge zu verschaffen. Wenn der Zeuge Daumer trotzdem im Jrrthum verblieben sei, so falle dies nicht dem Angeklagten zur Last. Ten Thalbestand der Urkundenfälschung gab der Vertheidiger zu, beantragte aber, dem Angellaglcn mildernde Umstände zuzubilligen, da er nicht die Absicht ge- habt habe, jemand zu schädigen und auch thaisächlich sämmtliche gefälschte Wechsel, bis auf einen, eingelöst habe.— Das Gericht entsprach diesem Antrage. Ter Angeklagte wurde von der Anschuldigung des Betruges gegen die Gesellschaft Bellevue freigesprochen und im übrigen zu einer Gesannnlstrafe von drei Jahren Gefängniß verurtheilt, wovon 8l/2 Monate durch die erlittene Untersuchungshasl als verbüßt erachtet wurden.— Staatsanwalt und Angeklagter erklärten. sich bei dem Urtheile beruhigen zu wollen. Letzteres ist somit rechtskräftig. Die gesetzliche Pflicht zur Stempelung von Voll« m achte n betrifft eine wichtige Entscheidung des K a m m er» g e r i ch t s, die speziell für alle, die auf dem Gewerbegericht zu thun haben, von großem Interesse sein dürfte. Ein Herr Krüger vertrat seinerzeit auf dem Gewerbegericht den Restan- rateur Weimann in einer Lohnsache, wozn er durch Vollmacht legitimirt war. Das Objekt betrug 33 M., die Vollmacht wäre also an sich nicht stempelpflichtig gewesen. Nun war aber die Höhe des Objekts nicht auf � der Vollmacht angegeben und deshalb erblickte das hiesige Schöffengericht in der Nichtstenipelung eine Verletzung des Ge- setzes vom 7. März 1822, obwohl in der Vollmacht die Prozeß« fache genau genannt war. Das Gericht vertrat den Standpunkt, daß eine an sich wegen des geringen Objekts nicht stempelpflichlige Vollmacht dadurch stempelpflichtig werde, daß in ihr das Objekt nicht verzeichnet sei. Krüger wurde zur Zahlung von 6 M., dein vierfachen Betrage der erforderlichen Stempelgebühr, ver» u r t h e i l t. Die Strafkammer hob jedoch auf die eingelegte Be- rufung das Urtheil auf und sprach Krüger frei. Das Be- rufungsgericht hielt nur für nöthig, daß die Vollmacht die fragliche Klagesache genau bezeichne, und daß aus den Akte» die nicht stempel» Pflichtige Höhe des Gegenstandes hervorgehe. Diese Voraussetzung traf aber im fraglichen Falle z». Tie Staatsanwaltschaft, welche gegen die Entscheidung beim Kammergericht Revision einlegte, vehauptete ihrerseits, der Werthgegenstand müsse in der Boll- macht selbst angegeben werden. Der Provinzialsteuerdirektor trat der Klage bei. Der Strafsenat des Kammergerichts er- klärte nun am 13. Juni Krüger unter Aufhebung der Vorentscheidung für schuldig, indem er ausführte: lieber die Stempelpflicht entscheide der Inhalt der Urkunde(Vollmacht). Dieselbe sei nicht stempelpflichtig, wenn klar und deutlich aus ihr s e l b st hervorgehe, daß der Werthgegenstand unter 130 Mark beträgt. Unerheblich sei der Inhalt der Akten, denn mit jhnen stehe die Vollmacht in keinem Zusammenhange. Das Kammergericht sprach im Urtheil mit aus, daß Krüger hinsichtlich der Strafe und der Kosten das Recht zustehe, seinen Auftraggeber regreßpflichtig(ersatzpflichtig) zu machen. Vevlstntnlungent Ncber die bei unserer Agitation zu beachtenden Straf- bestintniunaen sprach am 12. d. M. Genosse P s a n n ku ch vor einer Parteiversammlung des zweiten Berliner Reichstags-Wah8 kreises, die besonders auch von Genossinnen rege besucht war. Das Vorgehen unserer Gegner gegen uns, so meinte der Vor- tragende, insbesondere das verflossene Sozialistengesetz und die jüngste Periode des Umsturzes, hätten uns und sonderlich allen in der Bewegung stehenden Parteigenossen die Nothwendigkeit klar gemacht, sich mit den einschlägigen Gesetzesbestimmungen vertraut zu machen, um die unsererseits zu bringenden Opfer»ach Möglichkeit zu beschränken. Zur Berwirkiichnng unseres Programms sei es nothwendig, unausgesetzt Agitation zu betreiben»nd da wir die breiten Massen des Volkes für uns zu gewinnen hätten, so sei auch erforderlich. daß wir uns— und zwar öffentlich— an diese wenden. Neben der Presse habe auch das gesprochene Wort seine hohe Bedeutung und zum Zwecke dieser mündlichen Agitation seien zunächst öffentliche Versammlungen erforderlich, sodann aber,'um vi» Ge« wonuenen zu befestigen, zu disziplinire», die Vereinigungen(Or- aanifationen). Vereine und Versammlungen seien daher im Interesse der Sache zu kullivire». Alle hlerbei hervortretenden Parteigenossen hätten sich zuvörderst mit den Bestimmungen des preußischen Vereinsgefetzes vertraut z» machen. Der Ursprung desselben fällt in die Zeit der wüthendsten Reaktion. Damit sei eigentlich schon alles gesagt. Wir allerdings wünschen und er- strebe» ja eine gänzliche Beseitigung jeder Beschränkung der Vereins- und Versamuilnngssreiheit, doch sei a» eine Verwirklichung dieser Forderung noch nicht zu denken. Falsch wäre es auch, in gegen- wärtiger Zeit auf den Erlaß eines einheitlichen VereinsgesetzcS für Deutschland hinzuwirken, indem dasselbe zur Zeit noch reaktionärer ausfallen würde, als das preußische Vereins- gesetz ist. Redner machte es den Parteigenossen zur Pflicht, auch in Fällen, wo ihnen offenbares Unrecht geschehe, wo sie drangsalirt würden, die Selbstbeherrschnng nicht zu verlieren, um demjenigen, der Unrecht thue, nicht auch noch das Vergnügen zu bereiten, den Leidenden obenein noch bestraft zusehe». Stebncr erörtert die für die Versammlungscinberufung erforderlichen Gesetz- lichen Voraussetzungen, deren Nichtbeachtung zur Auflösung führen könne. Bei erfolgender Auslösung seien die Versammlimgstheil- nchmcr verpflichtet, sofort das Versammlungslokal zu verlassen. Ein Verstoß gegen dieses Gebot könne die unangenehmsten Folgen nach sich ziehen. Einmal seien die Behörden befähigt. Gewaltmittel zur Anwendung zu bringen, sodann mache hinterh.r der ß 113 des Strafgesetzbuches(Widerstand gegen die Staats- gewall) seine Wirkung geltend. Widerstand gegen die Staats- gewall könne aber nicht nur in lhätlicher, sondern auch in vaisiver Form geleistet werden und werde dieser gleich jenem bestrast. Ebenso folgenschwer könne die Festsetzung vor dem Lokale nach Räumung desselben werden bei Nichtbesolgnng der Aufforderung zum Auseinandergehen. Hier würden die Kriterien des Anflanfs, Aufruhrs, Landsriedensbruches geschaffen. In solchen Fällen hätten die besonnenen, geschulten, diszipliuirtcn Genossen allen ihren Einfluß aufzubieten, um die erregten Ver- sammlungstheilnehmer vor Unbesonnenheiten zu bewahren und den Wiachthabern jeden Vorwand zum gewnllsanien Einschreiten zu nehmen. Das Gesetz verbiete auch die Thcilnahme„Bewaffneter" an Versammlungen, und zwar gelte das nicht blos für das Militär, sondern auch für jeden, ber etwa das„Vergnügen" sich gestatte, mit dem Revolver in der Tasche spazieren zu gehen. Werde nun ein derartiger„Be- waffneler" zufällig sistirl und visitirt, so habe er sich auch noch wegen dieses Vergehens zu verantworte». Noch schlechter als mit dem Bersammlnngswcsen sei es mit dem Vereinswesen bestellt. Zu den öffentlichen Versammlungen hatten bis jetzt auch Frauen Zutritt— wie lange»och, könne man nicht wissen. In Bayern sei man bereits dahin gelangt, Frauen diese Theilnahme zu ver- sagen, sogar an Festlichkeilen. Nach dem Vereinsgesetz dürfen Frauen, Lehrlinge und Schüler an Vereinen, die sich»nl öfsenllichen Angelegenheiten beschäftige», sich nicht betheiligcn. „Oeffemliche Angelegenheiten" seien aber nicht lediglich politische. sondern nack Entscheid des Reichs- wie auch des preußischen Kammcrgerichts sozialpolitische Angelegenheiten. Sehr hemmend für die Vereinsthätigkeit sei die fernere Bestimmung, daß Ver- eine, die sich mit öffentlichen Angelegenheilen bcfasien, nicht mit einander in Verbindung treten dürse». Hier sei die größte Vor- ficht geboten und die Bestimmung wohl zu beachten, daß das Jnverbindnnglreten nach dem Gesetze ausgeschlossen erscheine, sobald das von ein er Seile versuchte Jnverbindungtrelen von der anderen Seite unerwidert bleibe. Zwei Delikte sollten bei sozial- demokratische» Rednern von vornherein ausgescklossen sein und zwar die Delikte der Majestäisbeleidigung und der Gotteslästerung. Bei Provokationen sollten die Genossen nur den redegewandteste» die event. Erwiderung überlassen. Sehr große Gefahr für die weniger routiuirten Redner schließe das weite Gebiet der Be- leidigungen in sich. Hier solle ma» die größte Besonnenheit walten lassen, zudem sich in umschreibenden unanstößigen Worten genau dasselbe sagen lasse. Thälliche Beleidigungen solinn in Arbeiterkreisen auch auegeschlosjeu sein. Auch sollten die Plischen Zenlratblatls". Herausgeber Dr.J. Jastrow. Red.: Charlolienburg-Berlin, Berlinerstr. 131. Carl Heymann's Verlag, Berlin W., Mauerstr. 4« Erscheint jeden Montag. Preis vierteljährlich 2 3». so Pf. Die Num mer 37 enthält folgenden leitenden Aussatz: Meinung»- Verschiedenheiten über die Aufgaben der Gewertschaftslongreffe. Von C Legten. M. d. R.— Aus dem Rotizentheil heben wir hervor: Die ländlichen Darlehnslassen in Italien. Von Prof. W. Sombart.— Boden- Verschuldung in Preußen.— Bessere Geschäftseinlheitung in der modernen Großinduftris.— Kaufmännischer Hilssverein für weibliche Angestellte in Berlin.— Achtstundentag für städtische Arbeiter in Manchester.— Städtische Arbettenvohnungen aus Sparlassen-Mitleln.— Städtisches Elettrizitäis- werk in Offenbach a. M.— Arbeitsverhältnisse der graphischen Arbeiter in Oeslerreich-iingarn.— Arbeitsverhältnisse deutscher Postbeamten.— Lohn- abzüge der Maschinenabnutzung.— Arbeitslose in England.— Dte würltem- bergtsche Gewerbe-Jnspektton und ihr Jahresbericht für 189«. Bon Dr. jur. M. Quarik.— Weibliche Fabrtkinspektoren für Hessen.— Resorm des Berg- arbeller-Schutzes im Königreich Sachsen.— Plenum der Gewerdegertchte als Einigungsbehörde in Bern.— Erfolge der französtschen Einigung»- ämtcr.— Schwierigkeiten des Einigungsversahrens in Deutschland. Von der neuen Wiener Wochenschrift„Dir Z»i»" ist soeben das 33 Heft er- schiene». Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: An unsere Leser.— Etwas vom allgemeinen Wahlrecht. Bon Wilhelm Liebknecht.— Zur Frage der Erneuerung des Bankprivilegtum». Bon Dr. W. W. Nagelstotl. — Passive Eisenbahnen. Vom Neichsraths-Abgeordneten Pros. Dr. J.Kalzl. — Erinnerungen an Gustav Freitag. Von Victor Naumann.— Wlabtzslaw Podkowinskt. Von Leon Grünstetn.— Johanna AnibrostuS. Bon Hermann Vahr.— Die Christus-Ausführungen in Bremen. Von lirernensis.— Tramway-Schmerzen. Von Paul v. Schönthan.— Tie Woche.— Bücher. — Revue der Revuen.— Die Geschichte von der Schlange. Bon Sir Edwin Arnold.— Dazu ein„Politisches Beiblatt" mit folgendem Inhalt: Obstrut» tion. Bon K.— Politsche Notizen.— Neue Freie Wiener Abendpost. U.A. Lrnu ll»tta Von H. Zürner. Zürich, Verlag von I. Schabelitz. P«ich»-Much»rg»s»tz. Von Dr. I. Kahn. Bamberg, Verl. von Buchner-Koch. Für denJuhatt twr Inserate über nimmt die Redaktion deui Publiknm gegenüber keinerlei BerantNiortung Tlseater. Freitag, d e n 14. I u n i. Kertiner Theater. Der Herr Senator. K««t«s Theater. Tata-Toto. Schiller- Theater. Die Hochzeitsreise. Flattersucht. Aleranderplah-Thratev. Heinrich Heine. National» Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehefcheidlliig. Theater Unter den Kinde«. Miß Helyetl. Friedrich- WUHeUttstädt. Theater. Konzert-Park. Apollo- Theater» Ein Abenteuer im Harem. Zeliiller-IIiester. (Wallnep» Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Di« Hochzeitsreise. Flattersucht. Konnabend, abends 8 Uhr: Zopf nnd Kchwert. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Koch- zeitsretse. Gin Diener, Weier Herren. Abends 8 Uhr: Ultimo. 'FrieM-Wiitelmstädtischer Concert-Park 25/26 Chausfeestraße 25/26. Die einzige Chantense, welche keine Reklame nötug hat\ Die Pariser Favoritin »,/2 Uhr: Reklame überflüssig! 30 Nummern. Airfang 6 Uhr. Entree 33 Pf. Urania Anstalt für volksthümiiche Naturkunde. Am Landes Aussteilungspark (Lehrter Balmhoi). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Verstellung im wisaenschaft- lichen Theater. Wer«toff hat, 1586b fertige d. Anzug mit feinst. Futtersach. f. 23 M. an. Hc HUI an II, Chauffeestr. 26. Alst Stitftl, f,VÄ.tÄiS: Runge, Adatbrrtstr. 86.[1590b National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Sa»ist. Zum letzten Male um 71/2 Uhr: NWlm M seine Frauen oder Eine kaiserliße Hescheihnng. Großes roiiiaiilisches Drama in 5 Akten von 6. Villa und Hamthoren. Morgen, zum ersten Male: „Im Irrelchause" Sensaiions-Schauspiel in 5 Akten und 9 Bildern von H. B. Nationalthealer- Garten t Großes Konzert u. Spezialitäten-Vorstellung. Alle 3 Barrisons. Ein Modell. Fernands Ehekontrakt. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 23 Pf. Die Theaterbesucher haben freie» Zutritt zum Garten. Victoria-Brauem Lüh o w st raffe 111—113 Täglich außer Sonnabends Oarteu resp. Saal; Koirre der altbelirbten Stettiner nger (Meyscl, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Für die Wochentage Vorverkauf �0 Pf.. Familienbilletsl M.(siehe Plalale). Steta vechaeindea Programm! Jeden Sonntag und Donnerstag: !ltilikriittjll>». Passage-Panopticisii). Täglich: Rettung aus Feitersgefabr durch die Fenemehr Kaufmann's Variete. Königslr., Kolonnaden._ A TlMnerWue. T (Bei ililgünstigem Wetter im Thealersaal). Täglich: Kninoristislher Abend der Neumsim» Bliemchen's Lchziger Tanger. Nennann, Wilh. Wollf, Horvath, Gipuer, Lemke, Feldow iliid Ledermauu. Auf. 8 Uhr. Entree 30 Ps Neu! Der Neu! FlohS (La Puce.) Posse von Wilh. Wolfs. Et is zni» pirpcn j'WS . Noack's Sommer-Theater, Kruniienstr. 16. Täglich: Concert, Tlieater- u. Spezialitäten-Vorstellung. Die gMene Insel. Jlusstattungs-Operette v. Anton Arno. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag Im Saale: Grosser Ball. Reichshallen. Im prachtvollen Garten (bei ungüllstiger Witternng im Saal) Täglich: HnmrWe Soiree H�nsellliiltsclien Quarielt- "511 U y. Goifpiet-Säiiger HoffniailN, Wolfs, Führman», Walde, Horst, Betz u. Frische. Aniami 8 Uhr. Entree 30 Ff. Reservirter Platz 53 Pf. Sonntaga: Anfang 7 Uhr. Entree 53 Pf., ab 9 Uhr 33 Pf. ltastan's Panoptikum. Bas Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. Üolksga�ten (ehem. Weimann'o Volksgarten) G»s«ndbr»»»e». Kadllr. 56. Direktion: Max Samat. Auftreten der Oi'iginal-Texas-Cowboy-Ti'oupc. Szenen aus dem wilden Westen Noro- Amerika's. Die besten Reiter nnd Lassowerfer der Prairie mit ihren wilden Pferden Baching Bronchos. Austreten der Cowboy- Troupe um 9 Uhr bei elektrischer Belenchtuilg. Vor und nach dem Äluftreteu der Cowboy-Tronpc: Concert, Spezialitäten- u. Theater-V or Stellung. Entree 33 Pf. Reservirter Platz 53 Pf. Fasaepartonta haben Gütig keit. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Tie geht los, die Badejeit! ¥olks-Badeanstalt Rixdorf, Canner Chaussee. Der Unterzeichnete empfiehlt den ge- ehrten Eililvohnern von Rixdorf nnd Umgegend seine renovirte Badeanstalt für Herren und Damen mit Schivimm- bassin. Man kann billig abonniren, auch werden Schwinunschüler ange- nommen. Schöner Anfenihalt im schattigen Garten. Vier Kegelbahnen, Schießbude, Kraftmesser und Schaukel stehen zur Verfügung. Jeden Sonntag im Garten: Große Spezialitäten- und Thcater-Vorstelluug von renonimirte» Künstlern. 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In dieser Weise hat der Kongreß, ehe er zur Berathung der Haftpflichtsrag: schritt, folgende drei Punkte der Tages ordnung erledigt: l. den Punkt, betreffend die ein- stimmig angenommenen Nesolutionen. bei welchem der von den Dentschen ausgegangene Antrag votirt wurde: daß alle 'einstimmig angenommenen Nesolutionen von den Sekretären einer jede» Nationalität ihren betreffenden Negierungeu mit dem Er- suchen zuzusenden sind, ihnen Folge zn geben und deren Empfang zu bescheinigen; 2. den Punkt, betreffend die Gruben- infpektion, bei welchem der von den Franzosen ausgegangene Antrag votirt wurde: den Arbeiter-Grubcninspektoren eine voll- kommene Unabhängigkeit zu sichern und 3. den Punkt, betreffend die Grubenhygiene, bei dem der gleichfalls von den Franzosen gestellte Antrag, die Regierungen zu veranlassen, das beste hygienische System zur Anwendung zu bringen, um in den Gruben gute sanitäre Zustände zn schaffen, einstimmig votiri wurde. Zur Frage der Haftpflicht lagen zwei Anträge vor Der eine von den Franzosen ausgehend, verlangt ein Gesetz, das die Unternehmer für alle Unfälle, den nackigewiesene» Selbstmord ausgenommen, hastpflichtig macht; der andere, von den Engländern bez. der Minors' Federation ausgehend, verlangt, daß die Unternehmer allen Personen gegenüber haftpflichtig sein sollen. die i» Ausübung ihrer Arbeit in und um den Gruben einen Unfall erleiden. Dazu wurde seitens eines englischen Delegirten der Zusatzantrag eingebracht: ausgenommen, derselbe sei durch die Fahrlässigkeit(negligence) der davon betroffenen Personen her- vorgerufen worden. Die Diskussion über diese Frage wurde durch den sran- zösischen Delegirten Cadot eröffnet. Derselbe tritt energisck für den französischen Antrag ein und giebt dabei seiner Ver- wunderung Ausdruck, daß die Engländer ihren eigenen Antrag zu verwässern suchen. Er glaube nicht, daß die englischen Grubenarbeiter besser gegen Unfälle geschützt sind als die sran- zösischen. Das erst jüngst in Tisshire vorgekommene Gruben- tniglück spreche wenigstens nicht dafür, und daß die Unter- suchungcn über solche Unfälle geheim durchgeführt werden, sei gerade auch kein Beweis dafür. Und ivas nennt man, fährt er fort, ein Ver- schulden des Arbeiters? Wo fängt es an und wo hört es aus? Beginnt man einmal damit, Ausnahmen von der'Haftpflicht zn machen, dann häuft man nur Prozesse auf Prozesse. Es sei darum nothwendig, solche Gesetze zu schaffen, die keinerlei «Deulung zulassen, da sonst die Unternehmer bei jedem Unfall den Fahrlässigkeitsparagraphen anrufen würden, und es verhindert werden müsse, daß die so zahlreichen Opfer von Vetriebsunsällen auf Almosen angewiesen werden. Basly, der hierauf das Wort ergreift, weist eingangs seiner effeklvollen Rede darauf hin, daß sich das französische Parlament schon seit ISK9 mit der Unfallsgesetzgebung beschäftigt, ohne jedoch bisher etwas geschaffen zn haben, nnd zeigt sodann die Stellung, die der Kapitalismus den Arbeitern anweist. Mit der Einführung und Entwickelung der Maschinerie, sagt er, werden die Unfälle immer häufiger und schrecklicher. Und was sehen wir? Tie Großbetriebe, die Aktien- gesellschaften, versichern ihr Arboitsmatcrial, ihre Maschinen, ihre Gebäude, ihre Anlage wie ihre Pferde, und der Arbeiter ist es, der für die Affekuranzprämie» aufzukommen hat. Tagegen aber kümmert sich niemand um ihn, denn der Arbeiter erneuert sich ja selber, und da es Ueberfluß an Hände» giebt, warum sollte man sich dann mit den Unfallsopfern beschästigen? Sollte diese Darstellung etwa für übertrieben oder zn gefällig gehalten werden, dann, so fügte er hinzu, könne er sich ans Herrn Felix Faure, den gegenwärtigen Präsidenten der Republik, berufen, der in der Kammer sich ähnlich ausgesprochen. Er geht sodann auf den cocke civil(bürgerliches Gesetzbuch) über, das in den Artikeln 1332—1384 die Haftpflicht regelt, wonach aber der Unternehmer nur dann eine Entschädigung zu leisten hat, wenn ihm ein Verschulden an dem Unfall nachgewiesen wird, und bringt dabei ein Erkcnntniß des ltassationshofcs zur Verlesung, das einen durch den Einsturz einer Gallerte schwer verletzten Grubenarbeiter von Saint-Etienne mit seiner 5ilage auf Schadenersatz abwies, weil er nicht den Nachweis führen konnte, daß der Unfall durch eine fehlcrhaste Einrichtung der Gnllerie hervor- gerufen wurde. Und was nun die Fahrlässigkeit des Arbeiters anbelangt, fährt Basly weiter fort, so könne dies durchaus kein Grund sein, den Unternehmer von der Haftpflicht zu entlasten. Denn wenn der Arbeiter die gewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln außer acht lasse.tso komme dies daher, daß er dieGefahren stets vor Augen.allmälig ganz stunipf gegen sie wird und dann auch, weil er, wenn er sein Brot verdienen will, sich auck bei der Arbeit beeilen müsse und darum auch nicht die gewöhnliche Vorsicht üben könne. Anch da habe er Felix Faure auf seiner Seile, der in der Kammersitzung vom 10. Februar 1882 gesagt habe:„Tie Unvor- ficht oder das Verschulden des Arbeiters dürfen nicht angerufen werden, um die Verantwortlichkeit des Unternehmers aufzuheben." Bleiben wir also, schließt er, nicht noch hinter Herrn Felix Faure zurück und seien wir einig, um den Wittiven und Waisen der Verunglückten die Existenz zn sichern. Tie Rede fand recht lebhaften Beifall. Der englische Delegirte P a r r o t t antivortet, daß er nicht einsehe, warum der Unternehmer für Unfälle verantwortlich ge- macht werden soll, wo der ZIrbeiter das Opfer seiner eigenen Unvorsichtigkeit ist. Er verlange nur, daß die Beweispflicht den Unternehmern anstatt den Arbeitern zugewiesen werde. Zum Schlüsse sagte er— nnd daS war das beste, was er vorgebracht hat— daß Herr Basly uns gesagt habe, was z�err Felix Faure für die Arbeiter geredet hat, hoffentlich sagt er»»s das nächste Mal, was er für die Arbeiter gelhan hat. Nachdem noch Edwards sagt, daß es den Engländern weniger um die Unfallsentschädigung zu thun sei, als um die Unfallverhütung, nnd Genosse Bunte mit wenigen Worten für den französische» Antrag eintritt, ergreift Abg. Lam endin das Wort, um auszuführen, wie alles, vom Parlament bis zu den Gerichtshöfen den großen Konipagnien zu Diensten steht und kommt dabei auf das Urtheil zu sprechen, das über die beiden Ingenieure von Monteean- les- Mines gefällt wurde, denen nachgewiesenermaßen die Grubenkatastrophe zur Last fällt und von welchen der eine blcs zu£>00 Frks. und der andere zu 400 Frks. verurtheilt wurde. Und da, sagt er, soll die Fahrlässigkeit des Arbeiters, die vor solchen Richtern leicht nachzuweisen sei, ih" von der Unfallentschädigung aus- schließen? Er tritt selbstverständlich für den französischen An- trag ein. ES plaidirt sodann ncch derbelgische TelegirleP i e d b o eu s kurz für den französischen Antrag, worauf über beide Anträge zur Abstimmung geschritten wird, wobei jedoch noch zu bemerken ist, daß der bei Beginn der Verhandlung gestellte Antrag, als nicht ordnungsgemäß gestellt, nicht zur Abstimmung zugelassen wurde. Das Resultat der Abstimmung war, daß für den englischen Antrag nur die Franzosen und Belgier einstimmig volirten, während von den Deutschen ein Delegirter, Bunte, und von den Engländern vier Delegirte dagegen stimmten, hingegeu der viel weitergehende französische Antrag vom Kongreß mit E i n st i in m i g k e i t angenommen wurde. Ter von den Dentschen gestellte Antrag, den 5tongreß nur alle zwei Jahre abzuhalten, wurde, nachdem sich Lamendin dagegen ausgesprochen und übrigens auch keine Aussicht war, ihn durchzubringen, vom Genossen Möller zurückgezogen. In das internationale Komitee wurden gewählt: P i ck a r d und B u r t, als Stellvertreter Afhton, für England; Möller und Horn, als Stellvertreter Meyer, für Deutsch- land; C a v r o t und C a l l e w a e r t für Belgien; Lamendin und C a l v i g n a c, als Stellvertreter Cadot, für Frankreich. Der nächste Kongreß wird in L o n d o n stattfinden, es sei denn, daß die belgischen sozialistischen Abgeordneten es vermögen. daß die Ausweisungsordre gegen Basly und Lamendin zurück- gezogen wird. In diesem Fälle fände dann der Kongreß in Lütt ich statt. Damit waren die Arbeiten des Kongresses, der sowohl in bczug auf die ruhige, sachliche Behandlung der ihm vorgelegencn Gegenstände, wie in bezug auf die gefaßten Beschlüsse, ganz besonders aber noch dadurch, daß sich die Miners' Federation, die'Vs aller englischen Grubenarbeiter in sich schließt, in den Fragen des Achtstundentages und der Hastpflicht den festländischen sozialistisch gesinnten Grubenarbeitern angeschlossen hat, alle vor- hergegangenen Kongresse hoch überragt, beendet. Es folgten nur noch die üblichen Danksagungen für das Bureau und die ver- schiedenen Kommissionen, worauf der Kongreß unter dem Rufe: „Vivo l'Intsruationala des travailleurs!" Es lebe die inter- nationale Verbindung der Arbeiter!" vom Präsidenten, als welcher der französische Delegirte E v r a r d fnngirt halte, geschlossen wurde. «• » Am Abend fanden sich die Kongreßmitglieder im selben Saale zu einem„Ehrenpunsch" ein, den ihnen der National- ralh der Arbeiterpartei offerirte nnd bei welchem unter Borsitz dcs Genossen Paul Lasargue, der die Delegirten namens der sran- zösischen Arbeiterparter begrüßte, dem sich Genosse Noussel namens der Pariser Agglomeration der Arbeiterpartei anschloß, außer den Kongreßmitgliedern Haslam, Möller, Lamendin, Smellie und Piedboeuf, unsere Freunde, die sozialistischen Abgeordneten Jules Guesde, Sembat und Millerand, das Wort ergriffen und die Internationale der Arbeit gegenüber der Internationale des Kapitals feierten. Es war ein höchst interessanter Abend, der durch den internationalen sozialistischen Geist, der da herrschte, einen glänzenden Abschluß des VI. internationalen Bergarbeiter- Kongresses bildete, nnd Ihr Berichterstatter kann sich nicht ent- halten, zum Schluß in den Ruf einzustimmen, mit dein der „Punschabend" schloß— Vivc rinternationale! In unserem Bericht über den Bergarbeiter-Kongreß in Nr. 133 hat sich bei der Rede des Genossen Horn ein entstellender Ausdruck eingeschlichen. Horn hat nicht von einer in Sachsen a u f g e l L st e n G r u b e n g e w e r k s ch a s t gesprochen, sondern darüber ungefähr folgendes ausgeführt:„Bei uns in Sachsen ist man sogar so weil gegangen, die Organisation der Berg- arbeiter, welcher ich anch angehöre, polizeilich aufzulösen nnd das Ober-Landesgericht hat diese Auflösung bestätigt, vor dem Schlimmsten hat man uns bewahrt, das Vermögen ist nicht mit Beschlag belegt worden, wir haben darüber das freie Ver- sügnngsrecht" w. DevsammUmaen. Ter Verband aller im Handels- und Transport- Gewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter hielt am 11. d. Dt. in Cohn's Festsälcn, Beuthstraße, seine Monatsversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende über einige den Verband betresfende Angelegenheiten reserirt hatte und die Versammlung das An- denken der verstorbenen 5kollegen Heinemann, Marquardt und Nostiz, sowie der Frau des Kollegen Witt durch Erheben von den Plätzen geehrt hatte, hielt Genosse Wagner einen sehr bei- fällig aufgenommenen Vortrag über„Die Vernichtung der Sozialdemokratie". Hieran schloß sich eine lebhafte Diskussion. Ter Fachvereju der Bäcker Berlins und Umgegend hielt am 11. Juni bei Buske, Grenadicrstraße 33, seine regelmäßige MonatZversammlung ab. Die Einnahme inkl. Bestand vom vorhergehenden Monat betrug 32,36 M., die Ausgabe 8,80 M., somit verblieb ein Bestand von L3,ö6 M. Hierauf hielt Herr Könitz einen Bortrag über das Naturheilverfahren. Als Bidlio- thekar wurde Fischer gewählt. Unter Verschiedenem wurde der Beschluß gefaßt, ein Exemplar der Meisterzeitung zu halten, um fortwährend über den Stand der Gegner unterrichtet zn sein. Tie Antwort der Töpfer Berlins anf die Heraus- fordernng der Innung. Mehr als 1000 Personen halten sich zn der öffentlichen Versammlung eingefunden, welche am Mitt- woch Abend in Keller's Festsälen tagte. Im Namen der Korn- Mission erläuterte T h i e m e die bisherige Art der Agitation gegen den Beschluß der Innung, die Löhne um 10 pCt. zn re- duziren und eine Verlängerung der Arbeitszeit eintreten zu lassen. Tie Bausperrcn, führt er ans, haben meist de» gewünschten Er- folg gehabt. Die Kommission der Töpfer hat, um den Kollegen eine» Ueberblick zn gewähren, statistische Ausnahmen gemacht, die folgendes Jtesnünt ergeben haben. Ans 08 Bauten sind 020 Kollegen beschäftigt; auf 33 Bauten wird der im Jahre 1886 errungene Lohntarif noch bezahlt. Bei ll wurde festgestellt, daß 10 pCt. Abzug gemacht sind; bei 2 5 pCt.; auf einem Bau je 7, 13, 20 pCt. u. s. w. Bei manchen Unternehmern, so z. B. bei dem Meister Salinger, Barninistraße, ist überhaupt kein bc- stimmter Lohn. Der Abzug beträgt in manchen Fällen bis 83-/!- pCt. Auf Sö Bauten konnten Ermittelungen vorgenommen werden, bei den andere» 43 scheiterte das zum theit durch die Indolenz der Kollegen, theils verhinderten das die Unternehmer. Durchweg ist dort, wo unter dein Tarif bezahlt wird, auch die Arbeitszeit über das zulässige Maß verlängert worden.(Hört, hört!) In einigen Fallen wurde statt bis ö Uhr, bis 8 Uhr abends gearbeitet. Ii, frühere» Vcrsannnlnngcn ist von den Jluiungsvertretern destritten worden, daß das Vorgehen der Innung ein sorgsam geplantes war— wir sind in der Lage, fährt der Redner fort, den Beweis dafür zu erbringen. Das folgende Zirkular ist durch den Borstand der Töpser-Jnnnng an die Arbeitgeber Berlins abgesandt worden: Geehrte Herren Kollegen! Um eine Gleichmäßigkeit(!) in bczug auf die ISOS.'SS zu zahlenden Gesellenlöhne herzustellen, ist in der QnnrtalSversamm- lung vom 20. April er. folgender Beschluß durch Majorität gefaßt worden:(Folgt unter Absatz I. 2, 3 die Feststellung der zehn» prozentigen Abzüge bei den einzelnen Positionen dcs Tarifs). 4. Die tägliche Arbeitszeit währt von früh 7 Uhr bis 6 Uhr abends mit den üblichen Ruhepausen, ö. Lohnarbeit wird je nach Leistung(!) und demnächstigem Uebereinkomnien(!) bezahlt. 6. Wir wollen nicht unterlassen, den Herren Kollegen noch ganz besonders zu empfehlen, diese Lohn- und Arbeitsbedingungen sowohl als die Bedingung für die selbst bestimmende Kündigungsfrist des Arbeitsverhältnisses von zedem neu einzustellende» als auch von den in ihrem Geschäft schon be- schäftigten Gesellen unterschreiben zn lassen, damit Streitigkeiten mit denselben, die bei der Innung stets vor dem Jnnungs- Schiedsgericht geschlichtet werden müssen, nach Möglichkeit ver- mieden werden:c. Berlin, den 1. Mai 1393. Der Vorstand der Töpfer-Jnnung. Die Kommission, so schließt der Berichterstatter, wolle der Kollegenschast die Antwort auf diese unerhörte Provokalion allein überlassen, daß Schritte gethan werden müßten, um den Arbeitgebern die Lust an solchen Beschlüssen gründlich zu ver- leiden, stehe zweifellos fest.(Beifall.) In der nun folgenden zirka dreistündigen Debatte wurde die Frage, welche Beschlüsse am wirkungsvollsten seien, in ans- giebigster Weise erörtert. Münz apost bemerkte, daß die Innung bei ihrem Vorgehen auf die Hilfe anderer Unternehmer- kreise spekulire, die den Töpfern, weil diese bisher noch einiger- maßen geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse hatten, seit langem nicht grün sind. Will). H o s f m a n n, H a s e l b u s ch,!i e m n i tz und L a h r s o n traten für den Gencralstreik ein. Man be- gründete dies damit, daß dadurch den bei den Meistern„miß- liebigen" Kollegen am eheste» Arbeit verschafft werden könne und weil man glaubt, daß bei einem partiellen Streik die Kon- trolle zn schwierig wäre. Die größere Zahl der Redner be- sürwortete den partiellen Streik aus mannigfachen Gründen. David brachte einen darauf bezüglichen Antrag ein und motivirte denselben mit dem Hinweis, daß die jetzt nicht geeinigten Unternehmer, durch die Proklamirnng des Generalstreiks veranlaßt, sich sofort verbinden würden. Das sollte man vermeiden. In ähnlicher Weise äußerte sich Jahnke, Daudert u. a. Hagen empfahl den Antrag David als in der gegenwärtige» Situation am geeignetsten. Bei der Abstimmung wurde derselbe gegen eine erhebliche Minorität a n g e n o m m en; er hat folgenden Wortlaut: Vom Montag, den 17. Juni, ab darf nur dort gearbeitet werden, wo der bestehende Lohntarif in allen Positionen bezahlt wird und wenn die betreffenden Arbeitgeber sich schriftlich verpflichtet, denselben bis zum 31. Dezember 1896 innezuhalten. Wo das nicht zutrifft, ruht die Arbeil gänzlich. Die Kollegen, welche unter obigen Bedingungen arbeiten können, führen vom lg. Juni ab wöchentlich 10 pCt. ihres Verdienstes an die Streikenden ab. Vom Vorsitzenden wurde hervorgehoben, daß ei» Unterschied zwischen Organistrten und Unorganisirtcn bei der Unterstützung nicht gemacht wird. Die Sominission besteht gegenwärtig ans den Kollegen T b i e m e, M n n z a p o st, Berg, Wolfs und V ö h in e.— Auf Antrag Daudert wurde die Frage an die Versammelte» gerichtet, wer von den Anwesenden arbeitslos sei; der Vorsitzende konstatirle darauf hin, daß 13 der Besucher diese Frage bejahend beantwortet hatten. Gvst- und tt-nuiltiiniidlk»'. Freitag, abends 6Jj Uhr, Bsrsamnitung in Fey'S Ect-llschastSdauS, Brunnenstr. m. Tagesordnung: Tie Zustände in der neuen Zentral-Marlchalle am Alexanderplaß. Arbl>««n-g!iid»noss>tnilr. Freuag, Abends von rX-ex Uhr: Lektüre. 8!i— 10X Uhr: Nord-Schule, Mullerslra&e 179«: Geschichte(neueste). S ü d o st- S ch u l e, Waldemarsir. U: Deutsch(Literatur.) Bei alle» Unter- richiSsiichcru werten neue Theilnehmer, Tame»»nd Herren, jeder Zeit ans- genommen. Arbeiter- Kiinocibnnd perlin« und Zlmgegend. Vorsitzender Ad. Neuinann, Pasewaltersiratze 3.— Alle Aonderungen im Vereins- talendcr sind zu richten an Fried. Korlum, Manteuffelsir.»9, v. 2Tr. Freitag. NebungSftunde Abends 9— Ii Uhr. Ausnahme von Mitgliedern. Coilegta, Adalberlsir.!l bei Noll.— Kais er'scher Männerchor, Schönhauser Allee 28, bei Kelle.— Arbeiter-Wesangverein Nord, Kastanien- Allee ll. bei August in.— Buchbinder-Männerchor, Holzmarllstr. 8, bei Deter.— csesangrer. Maiglöckchen I, Lindowerstr. 20 b. Sachs.— s cm li thlichkeit, Neue Friedrichstraße Nr.<4, bei Nölltg. Deutschs Liedertafel, Blnmenslratze 88, bei Wiedeinann.— Tvpoaraphia, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, Cohn'S Restaurant(großer Saal). Beuthftr. 20.— Gesaiiflvorein Lorbcerzwetg. Sivineinunderstraße 85 bei Hiibner.— Gesangverein Rheingold, Sollnowfir. 49 bei Miegel.— Gesangverein Me lodia. Rixdorf, Bergstr. 142 bei Schimläse.— Jr i s- Naunnnstraße 86 bei Fritz Zubetl.— Brandenburger Männer« Gesangverein in Brandenburg a. H., Mengerls VollSgarte», Bergstraße.— Gesangveret» Frena II(gemischter Chor), Rtrdors, Hein:a»»str. 140, bei Danlel Böttcher.— Freie Liedertasel, Gr. Franlsurteistr. 7« bei Breuer.— Nordwacht. Chausscestr. 72 bei Meißner. FreteSänger, Schmargendorf, Warnemstnderstraße bei M. Schulze.— Arbeiter- Gefangverein EängerlretS(Wetßensee). Weißenburger- ftraßs und Ceda»straße»-Ecke bei Brcnnsrt.— Loreley, Brün» Ihalerstraße 4 bei Hämmerltng.— Lustige Sänger, Potsdam, Bran- denburger Koinnrnnttaiion w bei Glaser.— Btebor'scher Männer- ch or, Nosenthalersir. 67 bei Wernau.— G e s e llt gl eit, Hennigsdorf, Böhinert'S GabbauS.— O r a» l e, Weißen see, Königkchaufse«t Cchniidt.— Gesanguerei» Stralauer Liedertafel. Nuinnielsburg, Hanplstr. 88 bei Vowinkel.— Gesangverein Treu und Sin igte it, Nirdorf, Prinz Handjerizsirabe Sic. 69 bei Rede».— Gesangverein Frohsinn, RummelSburg, Kölhestraße, Ecke Kantslraße, bei Mertens.— Gesangverein derMetailarbeiter(Ost), Vlumenstr. 18. — Morgenroih 2, Eharlottenburg, Bismarckstr. 74 bei Krause.— Eintracht 8, EberSwalde, Etsenbahnstr. 77 bei Dibal.— bioscnlhaler B o r st a d I, Bernauerstr. 47.— H t lar i t a S, Hochstraße 820 bei Wille.— Froh-Hofsnung«Berlin W.), Giunewaldsiraße II» bei Keßner.— Brüderschaft, Alte Jatobsir. 87- 88 bei Lamprecht.— F r e t h e U s- g locken, Wörlherstraße bei Buchholz.— Rosalia, Vlumenstr. 46 bei Tomatscheck. Dnnd der gesellige» Arbeifrrvrrrine Kerliii««nd Zliiigeflend. Alle Zuschriften sind zu senden an P.Gent, Adalbertstr. 96. Freitag: Ctaillub Ka iro, AbendS 8 Uhr bei Flick, Simeonslr. 28.— Mustlverein Hoffnung, Große Franlfurterstr. lös bei Wold. Gesang-, E»r»-»nd gesellig» Firrrin«. Freitag. Onartettverein W e d d i n g, AbendS ex Uhr, bei Schäfer, Neue pochsirabe 49.— Gesang- veiei» H i l a ria, Freitag, AbendS ex llhr, Sitzung Bsumenstr. 46 bei Temascheck.— Zither Nub„A l p e n g r u 6"(Dir. 21. Walkewttz). bei E. Gomoll, Waldemarstr.»8, abends 9 Uhr.— Prioal-Theaiervcrein Crescendo. 9 Uhr, bei Schulz, Puibuferstr. 8°.— Bergnüguugsvercin Thusnelda, Freiiag, abends ex Uhr, bei Zubeil, Luldenstraße loa.— Mustfoerein Hoffnung(Ost) Freitags AbendS von 9— n Uhr. NsbungS stunde Große Fianksurterlir. 138 bei Gold.— Tambourverei» Fret-weg, Freitag, UebungSstund« bei W. Radday, Elsasserstr. Ii. Berliner Turngen ossen schaft. Die erste Mäunerabtheilung turnt Freitag und Dienstag Abend von ex— iox Uhr in der Turnhalle des Lefsing-EtzmnastuinS Panlstr. 9— lo.— Turnverein Gesundbrunnen die>. Männer-Abtheilung turnt heute Abend vo» ex— iox Uhr in der Turn- Halle des Lesfing GymnasiuinS, Pantslr. 9—10.— Kraft- und Artisten- llub Berolina jeden Dienstag und Freitag UebunaSstunde bei Griißner, Waidewaistr. 42.— Turnverein Seruiaiita(Mtiglied des deutsche» 2Ir- beiter-ZurnerbundeS) turnt Dienstags und Freitags Slbend« von ex— tax Uhr Acker str. 67.— Turnverein Fichte(Mitglied des 2Irbeiter-Tllr»erbii»deS Teutschlands.) Die zweite Männcr-AblheUuiig turnt jeden Dienstag und Freirag Abends von 8— 10 Uhr in der Sfalitzerftr. es/ae.— Kraft- Turnverein Hoffnung übt jeden Freitag Abend van 9— n Uhr bei Schuhmacher, Pücklerstr. 49.— Ziihertlub Wald rose, AbendS 9 Uhr, Manreuffel- firaße 86, Parterre- S!csiaura»t.— Verein Grüne Tanne, AbendS 9 Uhr, bei Kaiser, MarluSstraße s.— V-rgniigungSv-rcin Im Brand, Sitzung jede» Freilag Abend 9 Uhr bei Feind, Weinstr. ll.— Gesangveretn der Bauanschläger Berlins. Jeden Freitag, abends 9 Uhr bei I. Werna», Rofenthalerstr. 57.— Zitherflub„Alp engruß"(Dirigent A.Wolfewttz.) 9 Uhr bei C. Gomoll, Waldemarstr. 88. s! a I k l u b Schnitt, Abends 9 Uhr, bei Trittelwitz, Falkensteinstr. 7. — Tanzlehm-Berein Solidarität, im Resiaur. Grauer. Orantenftr. m. Cugliuli CoiivcnftiUi«"»! CHi»..Miulirsii exre. Meeting cvciy Friday at s p. w. at liehorus liestaurant, Känigstr. 62. Leeturer Mr. J- Bloch. Guesu nro welcome. Club Ciiclc Sani. 9 o'clcck p. m. Munzslr. 17. Waihingicn's brthday celebrallon. Guests welcome. Große TMmsMinlW Zu gunsten der Arbeiter- Ktidnngsschnle am Freitag, de» 14. Juni, abends 8'/- Uhr, in der Norddeutschen Brauerei, Chausscestrafee 58. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Mairfredl Wittich aus Leipzig über: der Stcdingrr. Dttmarst» und Kchwrizrr." 2. Dlsknssio». 63/4 Um zahlreichen Besuch der Genossinnen und Genossen ersucht Dci» Einberufer. Dentscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berliu. Uertranettsmanner-Uersammlungen: ?.nd-�sten' Mvutag, den 17. Juni, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn �UV'*.|Uii» TuNaurr, Adiniralstraße 38, Tagesordnung: Besprechung von Werkstatlangelcgenheiten. Wcjlt» iiiiii Aillichc«: Tagesordnung: Besprechung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die Kollegen aller Werkställen, verde» ersucht, Vertrauensmänner zu entsenden. Die Sitzung wird pünktlich um 8� Uhr eröffnet. FiildrilS-derg nd Nimilstoi): gsrft S" SÄ«S gtiutrite, Friedrich-Karlstraße 11. Tagesordnung: Besprechung von Wcrkstelleuangelegenhciten. Nordelt, Nosttlihlller- iiild SPüsiollser Nochldt: Nnk'aÄ 8V- Uhr, bei Nlorschrl, Cchönhaiiscr Allee 28. Es ist Pflicht der Kollegen, dasür zu sorge», daß alle Werkstellen ver- treten sind. Kenrlis-Urrlninmlnng siir Wtddiiig«i>«Ststühbrniic«: w UwÄ- S-'. Kolbergerstraße 23. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Dr. Weyl über:„Berufskrankheiten mit besonderer Berücksichtigung der Holzarbeiter". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Hierzu sind die Kollegen folgender Werkstellen eingeladen: Schtnidt, Gartenstr. 81; Mieft& Co.. Reinickendorferstr. 53; pinschke. Adolfstr. 12; sUrtltr* Ä Co., Koloniestr. 39; Artns, Wildenowstr. 5; Kapplrr» Prinzen- Allee; Kost, Schulzendorferstr. 26; Kaair, Müllerstr. 39; Keinemann, Reinickendorserstr. 23ä; Disop. Liescnstr. IIa; und Zichwarlilt-pst'(Fabrik). M-utaa, d«n s9. Juli, findet in der DM- Neuen Welt, Hasenhaide, ein Sommer-Fest statt. Tie Mitglieder werden ersucht, schon jetzt mit dem Vertrieb von Billets zu beginnen; dieselben sind auf allen Zahlstellen, sowie bei de» Vorstands- Mitgliedern zum Preise von 25 Pf. zu haben. 212/7 vis 0pts«rcr«sltunxl. Achtung! Zimmerer. Achtung! Verein der Zimercr Berlins und llulgegend. Sonntag, d«u IV. Juni, uormiltago 10|Iljr, in Cohn s Festsälr», Beuthstr. 21/22(großer Saal): ÜV" Mttglieder-Nersammlnug. Tages« O r d n n n g: 1. Vereins-Angelegenheiten. 2. Gewcrkschäfilichcs. 3. Vortrag des Genossen Vagner über:„Die Kämpfe gegen die Sozialdemokratie". Die Kameraden werden dringend ersucht, recht pünktlich zu erscheinen, damit die Versammlung rechtzeitig beginnen kann; auch wird darauf auf- merksam gemacht, daß das Versammlungslokal von jetzt bis aus weiteres Beuthstr. 22 ist. 238/10 Der Vorstand. DM" Schöneberg. Avveiker Vildungs Neveitt. Grosse Versammlung Montag, den 17. Juni, abends 6 Uhr, bei Keßnev, Gruncwaldsir. IIS. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen E. Wurm über:„Unser Programm".— Ent- richtung der restirenden Beiträge. 0er Vorstand. DM- Ausgabe der Billets für das am Sonntag, den 23. Juni bei Kliugenberg in Wilmersdorf stattfindende Slislungsfest. 57/4 Achtung, Schönebepg- Sonntag, de» 16. Juni, vormittags II1/»|(ljv, im Lolial des Kerrn tlessner, Gruurwaldstrahe 110: Gelffe»»kl. VcrtQin»ttln»rg itt?««- Nd gtivnil. Silsierlitiitr«n TG«brtg u. llmg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Carl Behrcndt-Berlm über:„Ziele und Zwecke der gewerkschaftliche» Organisation". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 77/5 Der Einberufer. Paradies-Garten am Mühlen-See in Kirkeuwerder a. d. Nordbahn, herrlichster Ausflug des Nordens, bietet Tausenden Unterkunst auch bei schlechtem Wetter im prächtigen Saal und in den Halleurünme». Dieses von der Natur vielseitig und selten schön geschaffene Sonimrrtokal übertrifft nach allgemeinem UrtHeil selbst die schönstgelegensten Grunewaldpartien und ist daher allen Lamitiru, Vereine» und Fabriken bestens zu empfehlen. Solide Preise. Köotsahrrn, Angel», Kadeausialt ec. Um regen Besuch bittet Der Daradies Wirth 25721," ESurgemeisier. WW, Zimmerer! Des im„Vorwärts" vom 11. Juni mit angeführte Kanherr W. Ganschon» Hat mit den Lohn- zahlungs- zlnregrlmäkigkeite» nichts zu thun. Die Firma Eritee u. Peukert bleibt gesperrt. 292/13 Der Tertrauensmanu der Zimmerer Berlins nnd Umgegend. Theodor Fischer, Tanzigerslr. 83. Orts-Krankenkasse der Drechsler ete. Aufzrrordrntliche venern!- Versammlung der Vertreter der Arbritgeber Dienstag, den 18. Juni, abends 8 Uhr, bei Mündt, Köpenickerstr. 100. Tages-Ordnung: Erhöhung der Beiträge der ersten Klasse pro Woche um 6 Pf. und so prozt. herab. 1533b vor Vorstand. Mg. Krlülktll- ll. Sterbekche der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg Filiale 4, Berlin). Sonnabend, de» 15. Juni, abends S'/e Uhr, Frucht str. 36a, im Freischütz: Ordentlich« Generalversammlung. T a g e s- O r d u u n g: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahl der gesammten Orts- verivaltung. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes in dieser Versammlung zu erscheinen. 1579b Tie OrtSverwaltung. 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