Nr. 435 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 222 Bezugspreis: Böchentlich 70 fennig. monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme ericheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Cozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. geile 80 Pfennig. Reklamezeile 6- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( aufäffia awei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für amei Morie. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. 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Am Nachmittag begann die Sachsendebatte, einer der wenigen unerquidlichen Gegenstände dieses Parteitages. Der Vorsitzende der sächsischen Landesinstanzen, Genosse Lipinski, beschwerte fich. zwar über den ,, Borwärts", weil dieser den ganzen Konflift als Ausfluß einer partikularistischen Krähwinkelei charakterisiert hat, aber die starke Zustimmung, die die Berlefung der betreffenden Stelle aus dem Vorwärts" bei einem erheblichen Teil der Delegierten fand, dürfte ihm zeigen, daß nicht alle Welt begreifen kann, warum eine solche Summe von Energie aufgebracht wird, um zwei Strömungen in Sachsen immer wieder auseinanderzubringen, von denen jede für sich in Anspruch nimmt, das Beste für die Partei und die Arbeiterklasse zu wollen. Nach einem Beschluß des Parteitages, der auf einmütigen Borschlag von Parteivorstand, Kontrollkommission und Partei ausschuß erfolgte, sollte jede der beiden Richtungen ihre Haltung durch einen Redner vor dem Plenum darlegen und dann die ganze Angelegenheit einer dreizehnglied rigen Kommission überwiesen werden. Breslau, Klupsch- Dortmund, Steinmeyer- Stuttgart und BugdahnAltona. In der Diskussion über den Vorstandsbericht erhält zunächst als Bertreter der sächsischen Fraktionsmehrheit das Wort Bethge- Dresden: Wir hätten es lieber gesehen, wenn der Teil zuerst gehurt worden wäre, der in Artikeln und Anträgen Vorwürfe gegen die Fraktionsmehrheit erhoben hat, damit wir diese Vorwürfe zurüdweisen konnten.( Sehr richtig!) Aber die 23 haben sich niemals im fächsischen Streit als schuldig gefühlt. Sie sind stets der Auffassung gewesen, daß das, was sie getan, haben, im Einklang mit dem Gesamtinteresse der Partei stand. Wir haben uns auf den Parteitag gefreut, wo mir endlich einmal vor der Partei das jagen konnen, was uns bisher in der Parteipresse und in Versammlungen ver wehrt worden ist. Seit gut einem Jahre sind wir aus dem Verfammlungsleben ausgeschlossen. Wir durften unsere Meinung auch nicht sagen, als wir noch Mitglieder waren. Obwohl ich Bezirks sekretär des Barteivorstandes war, wurde mir in einer Versammlung, wo auch der Abgeordnete des Bezirks sprechen wollte, das Wort Dermeigert, weil gegen uns ein Antrag auf Ausschluß megen Disziplinbruchs bestand.( Sört, hört!) und als ich den Vorsitzenden aufforderte, doch das Statut zu wahren, sagte er lächelnd: Mehr heitswille ist Mehrheitswille!" Seit zwei Jahren hat man uns auch von Referaten in den Versammlungen ausgeschlossen. Selbst preßgefeßliche Berichtigungen würden uns versagt. Mehrfach hieß es, die Briefe feien verloren gegangen.( Hört, hört!) Wir haben darauf verzichtet, das vor Gericht auszutragen, haben die Zähne zusammen gebissen und gewartet, bis wir uns hier vor dem Parteitag verteidigen konnten. Wenn man das ganze Jahr ausgeschlossen war. als Lump und Verräter, als Mandatjäger in der sächsischen Preise hingestellt wurde, so ist es fein Wunder, wenn nicht genügend informierte Redakteure der Parteipresse ebenfalls gegen uns Stellung nahmen. Es handelt sich hier nicht um Mandate. Jeder der 23 hat sich damit abgefunden, daß wir als einfache Soldaten wieder in die Reihen der Partei zurückkehren. Wären wir Mandatsjäger, so hätten wir in jener Situation, wo der Hunger die Köpfe verrückt machte, dieser Stimmung Rechnung getragen. Wir wußten, als mir gegen den Willen der Massen handelten, daß wir will von der politischen Brinzip zu vertreten. Der Kern des Streites ist die große Frage: Tribüne abtreten müssen; aber mir fagten uns, es gilt hier ein Staatsbejahung oder Staatsverneinung! Für die angeschuldigte Mehrheit der sächsischen Landtagsfraktion, deren Ausschluß gefordert wird, sprach Genoffe Carl Bethke Dresden. Bon vornherein erklärte er, daß es sich bei allen Differenzen nicht, wie man vielfach verbreitet habe, um die Frage der Mandate handse, vielmehr stehe im Mittelpunkt des Streites die Frage, welche Stellung zum Staat einzunehmen sei: ob im Sinne des von Wels bei der Eröffnung des Parteitages ausgesprochenen marmen Bekenntnisses zu diesem Staat, der von der Sozialdemokratie geschaffen und aufgebaut ist, oder im Sinne der Berneinung gegenüber jedem Staat, in dem noch der Kapitalismus als Wirtschaftsform besteht. Mit lebhafter Empörung mies er für die 23 Mitglieder der Landtagsfraktion den Gedanken zurüd, als ob sie an ihren Mandaten klebten. Sie hätten sich damit abzufinden, als einfache Soldaten in die Reihen der Genossen zurückzutreten. Aber sie wehrten sich dagegen, daß sie für ihre Handlungen, die zum guten Teil auf Anraten und unter Zustimmung des Gesamtvorstandes der Partei erfolgten, als Berräter aus der Partei herausgeworfen werden. Die von lebhafter innerer Bewegung durchgluteten Darlegungen Bethtes machten offensichtlich großen Eindrud auf den Parteitag. Genosse Lipinski, der noch einmal zu Worte fam, begann mit einer Bolemit gegen den ,, Borwärts". Er bemühte sich um den Nachweis, daß die fachlichen Mit- Auffaſſung teilungen Bethkes über die Entwicklung des Streites in mancher Beziehung nicht stimmen, in anderer, von unrichtigen Voraussetzungen ausgehend, zu falschen Schlüssen führen fönnen. Ueberrascht erklärte sich Lipinski durch das Zu geständnis Stellings im Bericht des Parteivorstandes, daß der Eintritt der Fraktionsmehrheit in die Regierung der Großen Koalition auf Anraten des Parteivorstandes erfolgt jei. Bis dahin hätte der Parteivorstand eine solche Erklärung vermieden, obschon sie die Beurteilung der Dinge in ihren Anfängen stark beeinflußt hätte. Er ist der Meinung, daß die 23 Mehrheitler der sächsischen Landtagsfraktion dauernd die notwendige Disziplin gebrochen und sich deshalb außer halb der Partei gestellt hätten. Das offen auszusprechen, sei die Pflicht des Parteitages. Die stenographische Wiedergabe der beiden Reden, die unsere Leser im Bericht finden, gibt zwar einen ungefähren Ueberblid, aber ein absolut richtiges Urteil über die Konfliktgegenstände tönnen sie nicht vermitteln. Die Dreizehnerfommission, die verurteilt ist, alle die Argumente Für und Gegen mehr als einmal anzuführen, zu würdigen und schließlid) noch die Berge von Aften des Parteivorstandes, die allein über diesen Gegenstand entstanden sind, nachzuprüfen, wird hoffentlich unter die ganze Rechnung einen dicken Strich ziehen. Als Saldo darf nur übrig bleiben der Wille, die Partei aus dem Hader herauszuführen zu neuer Stärke und Kraft. * Ueber den Rest der Bormittagssigung des Parteitags berichten wir auf der Beilage. Am Nachmittag wird zunächst nach Berlesung eines Begrüßungstelegramms der Sozialdemokratie Schwedens die Kommiffion zur Behandlung des fächsischen Konflikts gewählt. Außer einem Bertreter des Barteivorstandes find in die Rommission delegiert: Roß- Hamburg, Marum- Karlsruhe, Siering Broßmiz- Frankfurt, Berten- Niederrhein, Bogel Nürnberg. Linte- Deffau, Liebtte- Berlin, Rosenfeld- Berlin, Jamotta. | uns still toaliert, aber es zeigte sich in Sachsen vald, was wir jetzt alle wissen, daß die Kommunisten in das Parlament nur zogen, um den Parlamentarismus zu diskreditieren. Kurz vor dem Abschluß wirklich wertvoller Geseze wurden toir durch sie in Krisen vermickelt und mußten unsere wertvollsten Regierungen opfern. Männer wie Bud und Lipinski mußten ihren Abschied nehmen. Wertvollste Zeit wurde monatelang mit Krisen vergeudet. Endlich erkannten die Landesinstanzen, daß mit diesen Kommunisten praktische Arbeit nicht zu leisten war; sie empfahlen noigedrungen die Koalition mit den Demokraten, um die Staatsmaschine wieder in Gang zu bringen. Jetzt geschah das Ungeheuerliche: Eine in jahrelanger Parteiarbeit geschulte Parteileitung wurde abgefeßt, die Landtagsfraktion ausgeschaltet und die Diktatur einer Siebener Kommission aufgerichtet. Hätte der Parteivorstand damals durchgegriffen er hatte freilich damals im Reiche alle Hände voll zu tun- dann gäbe es hcute feinen sächsischen Parteifonflikt.( Sächsische Zuruje: Demokratische Disziplin!) Wo war, denn Demokratie und Disziplin, als man die Diktatur der Siebener- Kommission aufrichtete? Da wurden heimliche Abmachungen mit den kommunisten geschlossen, ta wurden Hundertschaften gebildet ufw.( Zuruf: Du warst ja dabei!) Gewiß, ich habe mich mit Widerstreben an die Spige gestellt, weil meine ganze Tätigkeit feit Jahren darin bestand, Gure Dummheiten abzubiegen. Die Gewerkschaften haben sich damals mit Händen und Füßen gegen die drohende Berschlagung gesträubt und über den Zustand, in den Ihr die Partei gebracht habt, tonnte der damals führende sächsische Kommunist Böttcher schreiben: Die stolze Feste der Sozialdemokratie bietet heute ein Bild des Jammers und Erbarmens. Führer und Massen sind völlig durcheinander gewirbelt; das haben wir erreicht!" Das Endergebnis diejer Situation war das Ministerium Zeigner. Die Regierung dieses mantelmütigen, entschlußunfähigen Pathologen. mußte natürlich zum Zusammenbruch führen. Die Kommunisten stellten zwei Minister. Brandler jolte als Ministerialdirektor die Herrschaft über die Politik bekommen. Die Kommu nisten ganz Deutschlands wurden nach Chennig zusammengerufen, um den Auftaff zum Bürgerkrieg zu vollziehen, und die russischen Antreiber waren mit ihren Photographen zur Stelle, um den historischen Moment der Ausrufung des Generalstreifs für regierung fand dadurch einen billigen Vorwand, in das rote Sachfen ganz Deutschland aufzunehmen. Es gelang nicht, aber die Reichseinzumarschieren, und rein militärisch war es flar: Selbst wenn man ernsthaft gegen Bayern hätte marschieren wollen, hätte man im Rücken den kommunistischen Feind nicht dulden dürfen.( Un Entfernung der kommunistischen Minister. Wenn damals die fächfifche Parteileitung elmas politischen Verstand gehabt hätte, hätte sie einlenten müffen, wie übrigens 3eigner wollte. Aber Fleißner, Liebmann und Arzt hatten nur die revolutionäre Geste. Obwohl Sachsen nicht voltreicher ist als Berlin, legten sie, einen Machtwillen" an den Tag, der in seiner Naivität erbarmungswürdig war. Sie sprachen das revolutionäre Nein die Reichs( Sehr richtig!) Bir Schöpfer der Republik wollen sie nicht in den Händen jener lajsen, die sie benutzen, um sie zu zertrampeln. Aufruhe.) Es kam das berühmte Ultimatum der Reichsregierung auf der anderen Seite wird gesagt: Jedes Baftioren mit dem Bürgertum zwecks Erhaltung der Republif ist eine Todsünde am flasjentämpfe rischen Geist und führt zur Versumpfung. In Sachsen hatten wir eine proletarische Mehrheit bereits vor dem Siege. Ein Teil der Dereinigten Partei war vor der Bereinigung gegen jede Koalition selbst mit Erzialdemokraten, und als man sich vereinigte, war diese Auffaffung nicht tot und fand lebendigen Widerhall. Da haben wir Heute Ueberreichung der Einladung. Durch de Margerie an Stresemann. Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshofes eingeholt werden. um Schluß brachte Apponyi zu dem Antrag des Spaniers Quinonos de Leon einen Abänderungsantrag ein, der den Bölkerbundsrat Der französische Botschafter de Margerie hat seinen Befuch zur| Minderheiten betreffenden Rechtsfragen soll ein Rechtsgutachten Ses Ueberreichung der Einladung Deutschlands zur Konferenz der Außenminister für heute Dienstag mittag um 12 Uhr im Auswärtigen 2mt angemeldet. Die Einladung enthält nach einer Reutermeldung noch nichts über den Ort und sonstige Einzelheiten. Der englische Premierminister Baldwin ist am Montag mittag anläßlich eines Effens mit Painlevé, Briand und anderen polifischen Führern zusammengekommen. Die Unterredung foll sich in erfter Linie auf die Pakiverhandlungen und die Bölkerbundsfrage bezogen haben. Völkerbund und Minderheiten. Genf, 14. September.( Eigener Drahtbericht.) Die allgemeine Aussprache über den Tätigkeitsbericht des Völkerbundsrates wurde auch am Montag fortgesetzt. Die bemerkenswerteste Rede war die des ungarischen Delegierten Graf Apponyi. Im Mittelpunkt feiner Ausführungen stand das minoritäten problem. Apponyi hob hervor, daß der Völkerbund und seine Minoritäte: politit neue Wege einschlagen müffe. Die folgenden drei Forde rungen des Weltverbandes der Völkerbundsligen fönnten dabei als Richtlinien dienen: 1. Die von genügend bevollmächtigt erscheinenden Organisationen der Minderheiten vorgebrachten Klagen sollen dem Bölferbundsrat se fort, ohne die bisher langwierige NahPrüfung der Eingabe bcrewligung, unterbreitet werden. 2. Die Bertreter der sich bekämpfenden Minderheiten sollen fünftig Gelegenheit erhalten, vor dem Bölferbundsrat persönlich ihren Standpunkt zu vertreten. 3. Bei allen vor den Rat tommenden, die = ersucht, schon jest mit der Borbereitung einer allgemeinen Ab rüstungsfonferenz zu beginnen. Der litauische Bertreter Galvanaustas beantragte Einfetzung einer Kommiffion, die ein für alle Völkerbundsmitglieder gültiges, einheitliches Minderheitsrecht entwerfen soll. Auch Kalfoff Bulgarien sprach sich für die Erweiterung der Bustnädigkeit des Rates bei der Behandlung der Minderheitsfragen aus. Man hofft, Dienstag mit dieser Aussprache zu Ende zu tommen. Am 15. Oktober tritt in Genf ein internationaler Kongreß der Minderheiten in sämtlichen europäischen Staaten zusammen. Es werden rund 30 Gruppen vertreten sein, darunter auch Vertreter der nationalen Minderheiten in Deutschland"( Polen, Wenden und Tschechan). In erster Linie soll der Kongreß der Schaffung einer internationalen Organisation zur Zusammenarbeit bei der Wahrung der Minderheitenrechte gewidmet sein. Die Mißhandlung rechtloser Minderheiten, denen das neue Völkerrecht feierlich Schuß zugesagt hat, ist eine Schändlichkeit. Größeren Eindrud werden gewiß die Minderheiten mit ihren Klagen erzielen, deren Böller dort, wo sie herrschen, ehrlich demokratisch genug find, ihre Minderheiten nicht zu unterbrüden wo alle anderen. wehr marschierte und der Diktator Heinze fam. Parteivorstand und siegen konnte.( Hört! Hört!) Das war der glänzende Erfolg dieser wurde, das sei uns nicht ernst, erflärten wir: Schön, wir sind die Strategie und als Ablenkung tam nun der Schrei: Seht, die Re- Minderheit. Aber wir wollen die Mehrheit der Minister übernehmen, Generalfommission follten den Generalstreif proflamieren, hunderttausende Arbeiter auf der Straße lagen und nichts zu essen attion marschiert! Sie haben die Gemeindeordnung verschandelt. damit man sieht, daß wir die Verantwortung nicht scheuen. Also die hatten.( Gelächter.) So wollten es die Generalstrategen Böttcher Dabei ist die Gemeindeordnung viel besser und demokratischer als Frage der Staatsbejahung oder-verneinung schaltet bei diesem Streit ganz aus. Nach der Wahl vom November 1920 hatten die Sozial und Seydewiß, und wer nicht mitmachte, war Verräter. Dabei demokraten und Unabhängigen 40, die Kommunisten 9 Mandate Es handelt sich nicht um einen Kampf gegen uns, sondern um gingen die größten Schreier überhaupt nicht aus den Betrieben und die Bürgerlichen 47. Eine sozialdemokratische Regierung fonnte und noch nie ist ein Streif so jammervoll zusammengebrochen. Was einen Kampf gegen den Parteivorstand, einen Kampf gegen nur zustandekommen, wenn die Kommunisten für den Minister die wir in mühseliger Arbeit erreicht hatten, drohte zerschlagen zu offizielle Parteipolitit. Die Leipziger Boltswerden. Wir brauchten um jeden Preis die Entfernung des Dilzeitung", das Zwickauer und das Chemnizer Blatt haben in der präsidenten stimmten. Als diese Bedingungen stellten, erklärten wir, wir sind bereit, die Regierung zu bilden, aber auf bestimmte BinSo tam das tators und eine regierungsfähige Regierung. Barmat Affäre unsere eigenen Parteivorstandsmitglieder mit Minifterium Fellisch zustande mit Unterstützung der Demokraten Schmuz beworfen. Warum sind wir den Weisungen des Partei- dungen euch gegenüber lassen wir uns nicht ein. Dann haben die und unter stillschweigender Billigung der Deutschen Bolfspartei. vorstandes nicht gefolgt? Wir achten die Gründe des Parteivor- Kommunisten für den Genossen Bud geftimmt, und so fam für länger als zwei Jahre das Kabinett Buck- Lipinski an die Regierung. Alle Aber die„ Revolutionäre" stießen die Demokraten folange vor den standes, aber sein Entscheid brachte uns in eine Situation, die tein Kopf, insbesondere Liebmann, bis sie uns Dor die Frage verantwortlicher Sozialdemokrat und Parlamentarier ertragen Maßnahmen, die wir durchsetzten, erfolgten mit Hilfe der Kommunisten, die zur Mehrheitsbildung notwendig stellten: Auflösung des Landtags oder große Roalition? In jener tonnte. Nachdem wir die Koalitionspolitit eingegangen waren, waren. Auch die sächsische Gemeindeordnung wäre verabschiedet Zeit waren unsere Zeitungen und die Gewerkschaften schwach, die mußte gegenseitiges Vertrauen herrschen. Aber der AnMassen in das Lager der Demagogen. Da wollten wir nicht durch eine Möglichkeit vorhanden war, uns mit den Koalitionsparteien zu Auflösung gingen die Bürgerlichen mit den kommunisten Hand in Partei auf 50 Proz. zusammengeschmolzen. Verzweiflung trieb die trag auf Auflösung des Landtages fam ganz plöglich, ohne daß worden, wenn die Kommunisten nicht geglaubt hätten, die Linke des Landtages durch eine Auflösung stärken zu können. Bei dieser Neuwahlen das Land den Völkischen und Deutschnationalen ausverständigen. Wir sollten plötzlich ohne Verständigung und ohne Hand. liefern. Grund für die Landtagsauflösung stimmen auf Geheiß des Parteivorstandes. Das hätte bedeutet, daß wir uns als Hanswürfte hingestellt hätten, als Leute, die sich wie Schachfiguren dirigieren lassen. Der Parteivorstand hat wohl in diesem Falle die Wirkung feines Dittats nicht flar genug übersehen. Wir find feiner Weifung nicht gefolgt. Berurteilen Sie uns deshalb. Bir glauben aber auch damit dem Interesse des Proletariats gedient zu haben. Vor den Gemeindewahlen hatten wir in 15 von 28 Bezirken die Mehrheit, danach in teinem.( Hört! Hört!) Auf dem Berliner Parteitag wurde ausgelöscht, was man uns wegen Bildung der großen Koalition dreiviertel Jahr lang an Schande und Schmach angetan hatte. Aber schon acht Wochen später ging die Hetze, diesmal unter Führung Lipinskis, wieder los. Vorwand bot der Beamten abbau, bei dem vielleicht Mißgriffe vorgekommen find, aber bei dem wir im ganzen durchaus bestehen können. Wir haben 13% Broz. höhere Beamte überhaupt und 11% Proz. höhere fozialistische Beamte abgebaut. In Preußen, Baden und Braunschweig hat fein Hahn danach gefräht, aber gegen uns hat man den Abbau schwächerer Kräfte und die notwendigen Ronzessionen an das Militär schamlos ausgebeutet. Alle Angehörigen unserer Richtung wurden gekündigt, zuerst ich selbst, der ich 12 Jahre als Parteisekretär allein in Sachsen tätig war. Wir wandten uns beschwerdeführend an den Parteivorstand: Er fandte uns erneut die Sachsentommission des Berliner Parteitages. Heilmann bezeichnete die Reichstagsauflösung des Dezember als ein Geschenk des Himmels. Wir sollten gleichzeitig in Sachsen auf lösen und uns über die Kandidatenfrage verständigen. Wir haben ftets bedauert, daß die tiefernsten sachlichen Fragen auf ein niedriges persönliches Niveau herabgezerrt wurden und haben uns an der Auswahl der Genossen der Mehrheit, die hier aufgestellt werden sollten, nicht beteiligt. Aber die Gegenseite hat niemals ernsthaft die Bereinbarungen durchzuführen beabsichtigt. Fort während wurde einseitig an den Vereinbarungen geändert und die Kandidatenaufstellung so spät angefeßt, daß der Parteiporstand nicht mehr hätte eingreifen können. Deshalb beschlossen Parteivorstand und Parteiausschuß, daß wir die Vereinbarungen nicht eher durchführen sollten, ehe nicht die Erfüllung der Abmachungen gesichert sei. In der Tat hätte die Landtagsauflösung nur den Devtinationalen einen Gefallen erwiesen. Ihr Führer erflärte im Landtag, daß durch Neuwahlen Sachsen auf den Weg Thüringens geführt werden müsse und daß die Kämpfe auf der Linfen jeht sicheren Erfolg versprächen. Bei der Reichstagswahl im Dezember hat die fogenannte Linke alle Bermittlungsverjuche abgelehnt. Wir haben inzwischen trop aller schweren Be denken allen Vorschlägen zugestimmt, die im Intereffe der Einigung gemacht worden waren. Artikel von uns, die einfach die Lage fachlich darstellten, z. B. die Aenderung der Gemeindeordnung, die nicht ein Raub der Selbstverwaltung ist, wurden unterdrückt. Aber man brauchte eine Ablenkung, nachdem die Hindenburgwahl die Parteileitung in Sachsen in einem erbarmungswürdigen Licht gezeigt hatte. Führende Instanzen erklärten damals Be schlüsse des Parteivorstandes als Unsinn, als parteigefährlich und diese Beschlüsse wurden in der ganzen sächsischen Partei verbreitet. Fleißner schrieb einen glänzenden Artifel gegen die Wahl von Marg, den die Deutsch nationalen und Bŏlfischen ohne Kommentar in Millionen von Exemplaren in ganz Sachsen verbreiteten.( Hört! Hört!) Als Marg in Dresden sprechen wollte und das Zentrum darum ersuchte, daß das Reichsbanner die Sache in die Hand nehme, lehnte die fächsische Parteileitung das mit aller Entschiedenheit ab.( 3uruf: Verdrehung!) Das ist dokumentarisch zu belegen. Als in Plauen Gradnauer zur Verfassungsfeier sprechen wollte, wurde erklärt: Dann fabotieren wir die Bersammlung. ( Hört! Hört! und Pfuirufe.) Das Ergebnis dieser glänzenden Führung war, daß im roten Sachsen Hindenburg über Sozialdemotraten, Kommunisten, Demokraten und Zentrum mit 70 000 Stimmen | Das Ergebnis unserer Politik ist für die sächsische Sozialdemofratie so günstig, daß ich nicht glauben fann, daß Sie uns 23 aften Genossen, für die die Parteiarbeit ein Stüd ihres Lebens geworden ist, die mir jetzt drei Jahre lang allen Schmutz und Dred auf uns genommen haben, aus der Partei hinauswerfen werden. Lun Sie es, dann müssen wir von neuem aufbauen. Wir haben auf Grund unserer Ueberzeugung gehandelt. Nun urteilen Sie!( Lebhafter Beifall.) Als Vertreter der sächsischen Parteiorganisationen spricht, von der sächsischen Delegation mit Händeklatschen begrüßt, Lipinski: In dem Begrüßungsartikel des„ Borwärts" wird der Sachsenstreit in einer Form behandelt, die ich für das Schmäh lichste halte, was der Partei passieren konnte. Es wird da gesprochen von politischen Krähwinkeleien, die in Sachsen betrieben seien. Man müffe ein Bersagen der Führung in Sachsen feststellen.( Leb. haftes Sehr richtig!) Im Namen der sächsischen Barteiorganisationen protestiere ich auf das schärfste gegen diese Art der Behandlung des Streits( Wuschif- Berlin: Blamier doch nicht die Sachsen!) Was hier auf dem Parteitag an Märchen verbreitet worden ist, zeigt, daß die Parteigenossen über den Sachsenkonflikt wenig unterrichtet sind. Das Referat, das wir eben gehört haben, ist in einer Broschüre schon vorher dem Parteitag unterbreitet worden. Der Referent hat mich als einen der schädlichsten Männer in Sachsen bezeichnet. In der Broschüre heißt es: Der Hauptträger dieser ganzen Fehde war der Genoffe Lipinfti, der glaube, einen Bersonenwechsel im Minifterium des Innern herbeiführen zu können."( Pfuirufe.) Ich habe mich noch nie in der Partei um einen Boften beworben und habe meinen Stola darin gesehen, daß ich unabhängig dastehe, weil ich seit 1901, nach dem ich zehn Jahre Redakteur war, feinerlei Parteistellung befleidet habe. Wer mir das unterstellt, zeigt, welche Art des politischen Rampfes er führt. An dem Ministerwechsel bin ich unbeteiligt. Wenn ich jezt im Auftrage der sächsischen Partei zum Sachsenkonflikt Stellung nehme, so möchte ich meine Ausführungen von vornherein auf eine etwas höhere als die persönliche Note stellen. Wenn Sie den Sachfentonflitt verstehen wollen, müssen Sie das unter dem alten Regime getnechtete Sachsen und die unterdrüdte Arbeiterschaft fennen, in der durch die Maßnahmen der Regierung ein glühender Haß gegen die damaligen Nationalliberalen und Konservativen her vorgerufen war. Noch acht Tage vor der Revolution hat die Kgl. fächsische Regierung am Bierklassenwahlrecht festgehalten. Es wurde ein deforatives Ministerium unter Hinzuziehung einiger Demokraten und Sozialdemokraten ohne Portefeuilles geschaffen. Dann tam die Revolution. Es ist falsch, daß die Unabhängige Partei sich damals geweigert habe, mit den Sozialdemokraten eine Roalition zu bilden. Denn die erste Regierung, die unter meinem Bräsidium gebildet wurde, setzte sich aus drei Sozialdemokraten und brei Unabhängigen zufammen. Die erste Koalition wurde dann dadurch gesprengt, daß die drei sozialdemokratischen Minister nach einem milltürlichen Att des Arbeiterrats, der in mein Ressort eingriff, anstatt mich zu deden, mit den Mitgliedern des Arbeiterrats verhandelten. Nach den Wahlen von 1920, bie unmittelbar nach der Sprengung des USB.Parteitages in Halle stattfanden, haben wir uns bereit erflärt, eine Regierung mit den Sozialdemokraten zu bilden. Als dann gesagt | Nach der Neuwahl die gleiche Situation: 49 gegen 47 Stimmen. Wieder haben wir die Bedingungen der Kommunisten abgelehnt, und wieder wurde Bud mit Hilfe der Kommunisten gewählt. Dann verlangte plötzlich die Kommunistische Partei zu ihrem Leipziger Parteitag von mir das Verbot einer pölkischen Versammlung, die ich ohne Grund im Interesse der Versammlungsfreiheit nicht verbieten konnte. Deshalb brachten die Kommunisten einen Mißtrauensantrag gegen mich ein, dem alle Bürgerlichen zustimmten.( Hört! hört!) So wurde das Kabinett Bud zum Rücktritt gezwungen. In einem Land mit 75 Pros. proletarischer Bevölkerung wäre es leicht, dem Proletariat die Mehrheit im Landtag zu sichern, wenn die Kampffront gefchloffen bliebe. So wurde die Wir haben tief bedauert, daß das nicht immer gelungen ist. Nach dem Sturz der Regierung Buck stand die Partei vor der Frage, ob mun mit den Demotraten regiert oder nochmals mit den Kommunisten verhandelt werden sollte. Die Arbeiter sahen damals in den Kommunisten vor allem die Arbeitskollegen. Heute liegt es ja mit der Beurteilung der Kommunisten anders. Die Bezirtsoor. st än de entschieden sich im März 1923 für das Zusammengehen mit den Demofraten, aber nur mit fnappfter Mehrheit. Der Landesparteitag wünschte aber mit großer Mehrheit das Sufammengehen mit den Kommunisten Siebener- Kommission eingesetzt, die in der Tat ein Fremd förper in der Organisation der Partei ist. Sie wurde deshalb schon im Juli 1923 in einer fombinierten Sigung von Fraktion und Bezirksvorständen nach Erteilung eines Bertrauensvotums abgebaut wie fann fie da im Oktober 1923 die Bildung der Zeigner- Regie rung mit den Kommunisten verschuldet haben?( Hört! hört!) Diefe einfache Gegenüberstellung zeigt, mit welcher Läffigkeit Bethge und die Verfasser der Broschüre der Fraktionsmehrheit ihr Material zufammengestellt haben. Aber gerade Bethge hat ja in der großen Siebener- Kommission eingebracht. Die Berhandlungen mit den KomDresdener Generalversammlung eine Bertrauensresolution für die munisten sind von den Unterhändlern geführt worden, die die Fraktion und die Bezirksvorstände gemeinsam ernannt hatten, darunter Bethge und ich. Aber nachdem ich durchgefeht hatte, daß die Kommunisten die Reichsverfaffung schriftlich anerkannten, baben Bethge und Winkler die letzten Vereinbarungen über den Regierungseintritt der Kommunisten getroffen. Das Vorgehen der Reichsregierung gegen Gachfen war verfassungswidrig und gegen die Bereinbarung mit den sozialistischen Deshalb ist die Sozialdemokratie ja auch Reichsministern. aus der Reichsregierung ausgeschieden. Nach der Reichs. egetution in Sachsen wurde das Kabinett Fellisch gebildet und bald wieder gestürzt. Es bestanden schon in jener Zeit mehrere Parteitagsbefchliffe, wonach eine Koalition nur dann tragfähig fein könne, menn fie im Einverständnis mit der Partei beschlossen wurde. Nun war für den 6. Januar 1924 die Landesversammlung einberufen, um zur Regierungsbildung Stellung zu nehmen. Aber am 4. Januar wurde die große Koalition geschlossen. Heute endlich hat sich der Parteivorstand durch Stelling dazu bekannt, die Anweisung dazu gegeben zu haben. Der Konflikt in Sachsen ist des halb so scharf geworden, weil man der Organisation in Sachsen. feine Mitteilung davon gemacht hat. Trog aller An zapfungen hat der Parteivorstand das bis heute verschwiegen. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß der Parteivorstand einer Körper schaft der Partei Weisungen gibt, ohne daß die zuständigen Organi Um den Ankauf der griechischen Statue. stand bisher in der Hauptfache darin, einige arme Teufel, bie bem aus genüge bereits die Anwendung der wissenschaftlichen Forschung Bon Albert Horlig. Durch die Preffe geht die Nachricht, daß der Magistrat der Stadt Berlin die Absicht hat, sich an dem Erwerb einer aus Attita stammen den Statue mit einer Summe von 450 000 mt. zu beteiligen. Der volle Preis des Bildwertes beträgt 1 Million Mart. Von dieser Summe find bereits 550 000 mt. durch begeisterte Kunstfreunde aufgebracht worden. Den Rest soll der Magiftrat bezahlen aus einem ihm zinsfrei zur Verfügung gestellten Kredit. Die Schuld soll in jährlichen Raten von 50 000 mt. bezahlt werden, würde also in 9 Jahren wieder abgetragen sein. Wer die Statue gesehen hat, wird von dem großen Wert und der Schönheit des gut erhaltenen Kunstwertes überzeugt jein. Das Werf ift von erstaunlicher Frische und Lebendigkeit, jo daß es dem Laien schwerfällt zu glauben, daß diese Arbeit ein so ehrwürdiges Alter besitzt. Es soll aus dem 6. Jahrhundert vor Chr. stammen. Alle Zweifel an der Echtheit dieses tostbaren Fundes sind durch das einstimmige Urteil einer ganzen Reihe bedeutender Fachleute beseitigt morden. Unter ihnen befinden fich Geheimrat Dr. Wiegand, der Leiter des Alten Museums, Universitätsprofessor Dr. Nowaf und Herr Rodenwald, der Generalsekretär des Archäologischen Instituts zu Berlin. Auch die rechtliche Seite des Erwerbs ist von hervor ragenden Juristen geprüft morben und scheint unanfechtbar zu sein, soweit sich die besonderen Gebräuche des Kunsthandelns mit einer streng rechtlichen Auffassung überhaupt vereinbaren laffen, Die Aufstellung dieser Statue im Alten Museum wäre für die dort befindliche Antitensammlung eine wertvolle Bereicherung. Das Bilbwert füllt eine Lüde aus, die zu schließen feit langen Jahren sehnlichster Wunsch des Museumsleiters Dr. Wiegand ift. Neben der thronenden Göttin", die mitten im Kriege für das Alte Museum ermorben wurde, ist diese Statue ein Dentmal der griechischen Runft, mie es von gleicher Bedeutung und Schönheit in feiner anderen Sammlung zu finden fein soll. Der Antauf des Bilbwertes märe deshalb freudig zu begrüßen, Aber fann die attische Schöne mur durch den Oberbürgermeister und die Stadtväter an Berlin gefeffelt werden? Ist es nicht vielmehr Aufgabe des Staates, den Inhalt des alten- Museums um dieses Brachtstück zu bereichern? Die Mittel, die dem Magiftrat zur Er werbung von Runstwerten zur Berfügung stehen, find au aerina, um fie zum Anlauf von noch so wertvollen Schöpfungen längst vergan gener Kunstepochen zu benutzen. Es ist endlich gelungen, den Kunst fords der 4- Millionen- Stadt auf jährlich 300 000 mt. zu erhöhen. Er darf nicht wieder auf lange Zeit hinaus um 50 000 Mt. jährlich verringert werden. Die zur Berfügung stehenden Mittel sind dazu da, das Schaffen der lebenden Künstlergeneration zu fördern. Nachdem das alte Mäzenatentum verfunten ist und der Geschmack des neuen, durch Inflation und Ausbeutung erzeugten, sich noch nicht über Sect und lächerliche Modenarrheiten erhoben hat, ist die Stadt um so mehr berufen und verpflichtet, die Kunst zu fördern, indem sie durch Aufträge die schöpferischen Kräfte in der Künstlerschaft unserer Zeit erhält und entwickeln hilft. Wer die Dinge tennt, weiß. dak nerade die Besten schwer mit der Not zu ringen haben und oftmals dem Hunger nahe steht. Die 450 000 mt., bie das attische Steinwunder erheischt, gebt den Lebenden, um die Wunder unserer Zeit zu weden und die Kunst unserer Tage zu pflegen. Die Kunstpflege der Stadt Berlin! Du lieber Himmel! Sie beBerhungern nahe waren, ab und an zu unterſtüßen. Was so gekauft und gesammelt wurde, ruht glücklicherweise in verschlossenen Mappen oder hängt im Halbdunkel der Amtsstuben des Roten Hauses. Die großen schöpferischen Kräfte der jüngsten Bergangenheit hat Berlin bis zur Zeit wenig geehrt und gefördert. Von Meister Menzel besigt die Stadt ein einziges Bild ,, Kreuzberglandschaft". Menzel felbst hat es als eine seiner weniger guten Arbeiten bezeichnet. Und erst als Corinth starb, erinnerte sich die Stadt Berlin daran, daß er ein großer Maler war, dessen Bilder würdig sind, eine zufünftige städfische Galerie zu schmücken. Und Käte Kollwig! Nur wenige Blätter von ihrer Meisterhand wurden jüngst von der Stadt erworben. Berlin ist an Kunstwerten arm, aber reich an Ritsch, womit die wilhelminische Aera die Straßen der Weltstadt verschandelte, ohne auf die schärfste Gegenwehr der städtischen Kunstpflege zu stoßen. Um diese Kunst" zu zerschlagen und die schöpferischen Kräfte der Gegenwart zu höchsten Leistungen anzuspornen, braucht die Stadt jeden Pfennig, der ihr zur Verfügung stehenden Mittel. Wir dürfen das Wenige nicht noch verzetteln, indem wir die Kraft der Lebenden schmälern durch Ankauf alter Kunstwerte, auch wenn sie noch so fost bar find. Die Tagung des Monistenbundes. Bom 1. bis 9. September fand in Roburg aus Anlaß des 20jährigen Bestehens eine Jubiläumstagung des Deut. ichen Monistenbundes unter Borsiz von Karl Rieß Hamburg und unter Teilnahme von rund 150 Delegierten statt. Ueber den Entwicklungsgedanken sprach Professor Heinrich Schmidt Jena, der Verwalter des Ernst- Hädel- Hauses. Ein durch Klarheit und logischen Aufbau blendendes Referat hielt Profeffor Dr. Misar Bien über Das Weltbild der heutigen hyfit, das durch drei Grunbleitgebanten bestimmt werde: den Entwicklungsgedanken( Darwin), den funktionalen Gedanken( Mach) und den Relativitätsgedanken( Einstein). Ein fast zweistündiges Referat über Weltanschauung und wissenschaftliche Erfahrung" hielt Rudolf Goldscheid. Wien. Die Univer fitätswissenschaft habe häufig versäumt, die Folgerungen aus ihren Ferschungen zu ziehen, sie wäre unbedingt verpflichtet auszusprechen, wie weit oder vielmehr wie wenig die chriftlichen Dogmen vor der Erfahrungswissenschaft bestehen fönnen. Heinrich Ströbel sprach iber Kulturfozialismus". Sozialismus fei nicht lediglich eine Magenfrage wie die Gegner behaupten, sondern habe auch hohe Kulturziele für Erziehung, fünstlerische Lebensgestaltung und geistige Fortbildung der Menschheit. Auf einem Festbantett, das in Gegenwart der Koburger Be hörden auf der alten Beste stattfand, brachte Dr. Schönfeld Bien die Sehnsucht der österreichischen Bevölkerung zum Aus brud, nicht nur geistig, sondern auch politisch und wirtschaftlich mit Deutschland eine Einheit zu bilden. Bon besonderer Bedeutung war die Aussprache über„ e. burtenregelung und Menschenöfonomie", mozu Dr. Knad, Krantenhausdirektor in Hamburg, das einleitende Referat hielt. Unter planmäßiger Bevölkerungspolitif mill er eine Anpaffung der Zahl der Menschen an die Bedürfnisse der Menschheit verstehen. Bom Standpunkt der Eugenit( Erzeugung befter Menschen) auf diesem Gebiete, um eine ungeheure Berbesserung der menschlichen Raffe zu erzielen. In seinem geschichtlichen Ueberblick über die Bevölferungspolitik in Deutschland war interessant die Mitteilung, daß im alten Deutschland die Abtreibung nur unter. Strafe gestellt war, seweit dem Bater dadurch ein wirtschaftlicher Schaden entstand. Die Todesstrafe auf Abtreibung wurde erst im 15. Jahrhundert rechtlich festgelegt. Eingehend ging der Referent auf die Berhältnisse im heutigen Rußland ein, wo die Abtreibung straffrei ist, sofern sie in einer staatlichen Anstolt vorgenommen wird. Großzügige soziale Fürsorge habe bereits einen Rückgang der Abtreibung, die zunächst im Sowjetstaate sehr groß war, zur Folge gehabt. In einer Entschließung, die den Behörden und auch dem Deutschen Aerztetag in Leipzig zugestellt wurde, legte der Monistenbund seine Forderungen auf dem Gebiete der Bevölkerungspolitik nieder. Erneuerung und Aufstieg der Kultur feien nur möglich durch einen an Körper und Geist gesunden Nachwuchs und durch ein erträgliches Verhältnis zwischen Bevölkerungszahl und sozialem Gesellschaftszustand. Bor bedingung einer planmäßigen Bevölkerungspolitik sei die Beseitigung aller Bestimmungen, die die Fortpflanzung unter Zwang stellen. Erst dann werde die menschliche Gesellschaft aus Selbſterhaltung eine wirklich aufbauende Sozialpolitik in Angriff nehmen. Die ftraf lofe ärztliche Schwangerschaftsunterbrechung dürfe nur in geeigneten Anstalten vorgenommen werden. Schließlich sprachen noch Hartwig Brünn und Gold. fcheid. Wien über die materialistische Geschichts. auffassung und Dr. Deri Berlin über den Glauben Der Glaubenslosen". In einer besonderen Entschließung nahm die Tagung Stellung gegen den Entwurf des Reichsschul gefeges, der abgelehnt wird, weil er den Grundsatz der Reichsver faffung, der die völlige Freiheit des Glaubens und der Weltan schauung auch in der Erziehung durch die Schule gewährt, verletzt. In einem auf Antrag der Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Berbände beschlossenen Telegramm an den Parteitag der SPD. wurde die Bitte ausgesprochen, für die freie weltliche Schule einzutreten, die allein die Schule der werdenden Gesellschaft fein tann. Ein Vortrag des Kunsthistorikers Deri über Rembrandt als Erzieher zur Menichenliebe und eine Fahrt nach Jena, zur Besichtigung des Beiß Planetariums sowie des Ernit Haedel- Hauses bildeten den Abschluß der bedeutungsvollen Tagung. Das ältefte Schiller- Denkmal befindet sich an einem Orie, an dem man es am allerwenigsten suchen möchte. Es wurde bereits dem man es am allerwenigften suchen möchte. Es wurde bereits im Jahre 1813 auf ber fleinen Insel Bucht bei dem estnischen Seebad Hapsal errichtet. Freilich befindet es sich heute in ganz verwahrloftem Zustande, und von dem Schiller Häuschen, das dort früher ebenfalls gestanden hat, ist heute überhaupt nichts mehr zu sehen. Zur Erklärung dieser frühen Schiller- Ehrung dient wohl der Umstand, daß diese Gegend früher hauptsächlich von Deutsch balten bewohnt wurde. Jm heutigen Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orcheffers( Dirigent Brofeffor Bruwer) gelangen zur Aufführung: Unvollendete Sinfonie von Schubert, Tello- Konzert D- Dur Haydn, vorgetragen von G. Piatigorsth Aus der neuen Belt", Sinfonie von Dooral B sationcn davon erfahren. Nunmehr hat es Bethge so umgedreht, als ob die sächsische Parteigenossenschaft gegen den Parteivorstand ein- gestellt sei. Nein, was wir verlangen, ist nur, daß der Parteivor- stand bei seinen Maßnahmen in ständiger Fühlung mit der zuständigen Organisation bleibt. Aber wenn der Parteivorstand zur Bildung der großen Koalition geraten hat, so galt dieser Rat- schlag doch nur für die gegebene politische Situation und kann un- möglich die Verewigung der großen Koalition begründen. Die Stel- lung der Parte: zur großen Koalition hat ja überhaupt sich seit dem Berliner Parteitag geändert, der ausdrücklich beschlossen hat, daß Koalition-politik nicht einseitig auf Kosten der Arbeiterklasse betrieben werden darf. Auch der Beschluß des Berliner Parteitages für Sachsen sollte nur gelten, solange die augenblickliche politische Situation die Auslosung des Landtages unmöglich machte. Die organisatorischen Beschlüsse des Berliner Parteitages haben wir in das sächsische Organisationsstatut aufgenommen und dimit diesen Teil des Streites erledigt. Aber unmittelbar nach dem Berliner Parteitag setzten die Maßregelungen der fShlgsien Beamten ein, die vorbehaltlos auf dem Boden der Republik standen und deren Berufung ihnen den Haß der bürgerlichen Parteien, insbe. sondere der Volksportei, eingetragen hatte. Nachdem mehrere Versuche gescheitert waren, diese auf Wunsch der Deutschen Volkspartei erfolgten Maßnahmen im Kreise der Organisation zu besprechen, haben die Landesinstanzen mich beauftragt, unsere Beschwerde in detv Parteizeitungen zu verösfentlichen. Wir waren uns darüber klar, daß die Deutsche Volkspartei eine völlige Aenderung der Personalpolitik gefordert und durchgesetzt hatte. stiegen unsere Anklagen erschien dann die ch e l d- Broschüre. So- zialdemokratische Minister sind manchmal gezwungen, sich in den Parlamenten schützend vor bürgerliche Beamte zu stellen. Wir aber haben unsere eigenen Parteigenossen heruntergerissen.(Held t: Das habt Ihr provoziert!) Dabei strotzt die Broschüre von Unwahr- heilen, und cheldt hätte leicht die Möglichkeit gehabt, aus den Akten die Wahrheit festzustellen. Die Deutschnationa len haben die cheldt-Proschüre in Massen verbreitet und die bürgerlichen Par- teien haben seitdem fest auf die Spaltung der Partei gerecheiet. Aber die Sozialdemokratische Partei Sachsens lehnt mit aller Energie jeden Gedanken an Spaltung ab, denn die Interessen der Partei stehen uns höher als die Interessen einzelner Personen.(Lebhafter Beifall.) Wir haben an der Berliner und Dresdener Abmachung nichts geändert, und die Bezirksvorstände haben sich loyal für die Durchführung der Vereinbarung eingesetzt. So haben wir am 2. Novem- der in Zwickau die Wiederaufstellung Winklers in Borna. Struves und Bergers durchgesetzt. Aber weil in Chemnitz ch e l d t nicht wieder aufgestellt worden war, gegen den seit langem, unabhängig vom Sachsenkonflikt, eine starte Mißstimmung bestand, hat der Parteioorstand auf Beschwerde der Fraktionsmehrheit dieser geraten, der Pandtagsauflösung nicht zuzustimmen. Diese Entscheidung des Parteivorstandes war eine Halbheit, denn er hatte den entgegen- gesetzten Beschluß unseres Landesparteitags nicht suspendiert. Auch von dieser Weisung des Parteivorftandes haben die Organisa» tionen erst o e r s p ä t e t Kenntnis erhalten. So kann man nicht Or- ganisationspolitik treiben. So zerschlägt und zersplittert man die ganze Organisation. Der Parteioorstand darf nur gemeinsam mit der Organisation vorgehen und nicht über sie hinweg Ratschlöge oder Aufträge erteilen. Wo stehen wir nun? In Sachsen ist die Demokratie ab- gebaut worden, die Beamtenpolitik rückwärts gegangen, die Justiz der Reaktion ausgeliefert. In die Organisation hat man den Streit hineingetragen durch Broschüren, besondere Zusammenkünfte, Unter- schriftensammlungen auf den Gewerkschaftskonferenzen. Dabei wäre es f a l s ch zu glauben, daß deshalb die sächsische Parteipresse und die sächsische Organisation nicht mehr auf der Höhe wären. Berlin hak 4 Millionen Einwohner und 40 000 parkeimilglieder, «wachsen knapp S Millionen Einwohner und lZS 000 Parteimitglieder. .as ist das Verdienst der Landesinstanzen, welche die Partei ge- chpssen erhalten haben. Auf dem Dresdner Parteitag 1303 hat August Bebel auseinandergesetzt, daß der einzelne Parteigenosse n Mandat und Amt nur als Beauftragter der Partei hineingeht und der Partei oerantw ortlich bleibt. Diese Verantwortlichkeit ist in Sachsen zerstört worden, well die 23 glauben, zum Teil gestützt auf den Parteivorstand, Politik gegen die Organisation treiben zu "ännen. Ein solcher Zustand ist unerträglich, und Genossen, die sich dauernd den Organisationsbeschlüssen widersetzen und neuerdings sogar die Weisungen des Parteivorstandes mißachten, haben sich da- durch selbst außerhalb des Rahmens der Partei gestellt.(Teil- weise Zustimmung.) Der Parteitag muß seine Entscheidung fällen in dem Sinne, daß nichtIederselb st herrlich Politik treiben 'ars, sondern der Organisation voll verantwortlich bleibt. hiese Verantwortlichkeit wieder herzustellen, ist keine Krähwinkelei. wndern eine politische und organisatorische Forderung, auf deren Durchsetzung wir in der Partei in Sachsen und im� ganzen Reich bauen.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen der sächsischen Dele- gierten.) Danach erklärte der Borsitzende Wels. Bethge und Stel- ling das Wort zu persönlichen Erwiderungen nicht geben zu können. Sie sollen sich in der Sachsenkommission äußern. Sonst tonnte auch der Brief des Republikanischen Reichsbundes vorgelegt werden, der von der Rede Gradnauers in Plauen handelt. Natürlich dürften aus dem Schweigen und der Verweisung an die Kommission keine Schlüsse gezogen werden. Insbesondere stelle er gegenüber Li- p i n s k i fest, daß der Parteivorstand nie im Widerspruch zum Willen der Gesamtpartei im Sachsentonflikt gehandelt habe, sondern seine Ratschläge stets gegeben habe im Einklang mit dem Willen ins- besondere der Mehrheit de, Berliner Parteitages. (Beifall.) Damit ist die Sitzung beendet. Die Sachsenkommission trat sofort zusammen. Die Besprechung des Vorstandsberichts beginnt morgen Dienstag vormittag 9 Uhr. der Streit ums Zentrum. Eine Zuschrift au die„Tägliche Rundschau'. Während die„Germania" eine einstimmig gefaßte Eni- schließung des Frankfurter Zentrums veröffentlicht, die den Rechtskurs im Zentrum mit aller Entschiedenheit.zurückweist und die Forderung aufstellt, im Reiche einen schärferen Ab- stand dem Kabinett Lucher gegenüber zu wahren und eine Rechtsregierung in Preußen unter allen Umständen zu ver- hindern, gibt die in letzter Zeit auffallend rechtsradikale „Tägliche Rundschau" folgender Zuschrift„von parla- mentarischer Seite" Raum: Die vom linken Zcntrumsflügel betriebene� Agitation läßt darauf schließen, daß der bisherige Verlauf der internen Berhatfc- lungen auf dieser Seite nicht befriedigt. Dies ist wohl auch zu- tressend, denn auch manche Derlautbarungen über den Zentrums- Parteitag in Offenburg sind nach Bedarf gefärbt in die Oeffentlichkeit gedrungen. Dr. Wirth wird nach seiner Rückkehr aus Amerika in die Rsichstogsfraktion zurückkehren. Es wäre aber verfehlt, wenn man daraus weiter folgern würde, daß das Zentrum als Gegendienst an eine Aenderung der gegenwärtigen Koalitioneyerhältnisse denken würde. Davon kann keine Rede sein. Die Revision der Haltung des Zentrums wird zunächst eine rein theoretische in der Richtung sein, daß der Reichsparteitag das Verhältnis des Zentrums zu den Rechtsparteien als das einer staotsnotwendigen Zusammenarbeit ohne weitere Bindung unter Wahrung der Entschlußsreiheit interpretiert, ohne eine Aenderung in der bisherigen Praxis eintreten zu lassen. Die von dem„Germania'-Redakteur Dr. Teipel geforderte Auflösung des Zentrums wird auch beim Reichsparteitag kein Echo finden. Da es ein Fälscherstückchen grober Art wäre, wenn die Zuschrift von einer Seite stammte, die mit dem Zentrum nichts zu tun hat, ist, solange kein offizieller Widerruf des] Zentrums erfolgt, anzunehmen, daß sie tatsächlich auf Jnfor- 1 ma tionen eines angesehenen Parlamentariers des rechten Zentrumsflügels zurückgeht. Ist dem fo. dann müssen sich die Herren mit dem„christlich-konservativen Ideal" in einer nicht gerade beneidenswerten Lage befinden, da sie sich gnötigt sehen, ausgerechnet das Blatt des Kulturkämpfers und Katholikenhaffsrs Hofprediger Doehring zu ihrem vertraulichen Informationsorgan zu machen, Wenn im übrigen die Zuschrift die Beschlüsse des Zentrumsparteitages vorwegzunehmen versucht, so hat man einen Vorgeschmack davon, wie die„Christlich-konser- vatioen" ihre Politik zu betreiben gedenken. Marx bremst. Sigmaringen, 14. September.(WTB.) In einer Unterredung, die der erste Vorsitzende der Zentrumspartei, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, einem Vertreter der dem Perba(Verband oberschwäbi- scher Zeitungsverleger) angeschlossenen.�ohenzollerschen Volks- zeitung' gewährte, brachte Marx zum Ausdruck, daß der kommende Parteitag des Zentrums zunächst völlige Klärung der Ange» legenheit Dr. Wirth bringen müsse. Den Kernpunkt aller Erörterungen werde auf dem Parteitag die Frage bilden, ob die Zentrumspartei in gleicher Weise mit rechts wie mit links eine Koalition eingehen könne. Es scheine, als ob Herr Dr. Wirth ein Zusammengehen mit der Linken allein für zweck- mäßig erachte. Sein Standpunkt sei jedoch der, daß das Zentrum die Mittelpartei bleiben und seine Freiheit wahren muß, sich gegebenenfalls noch links yder rechts zu entscheiden. Eine feste Mehrheit, die Aussicht hätte, auch über die letzten Reichstags- wählen hinauszudauern, sei nach der augenblicklichen Lage der Dinge und nach den Erfahrungen der letzten Wahlen nicht zu er- warten. Auf eine weitere Frage erklärte Marx, daß er es für unbe- deutlich halte, wenn die theoretischen Erörterungen über den Charakter des Zentrums In der Presse weitergehen. Jedoch warnte er vor Entschließungen von lokalen Parteiorganisationen über die Stellungnahme im Falle Wirth, ehe die tatsächliche Sach- läge nach allen Richtungen geklärt sei. Diese Klärung könne nur erfolgen, wenn der Standpunkt Dr. Wirths und der Fraktions- leitung dargelegt worden sei. Dies könne aber erst auf dem nächsten Parteitag erfolgen, wo beide Teile ausreichend zu Wort« kommen würden. Von dem nächsten Parteitag müsse des wetteren erwartet werden, daß er derart zusammengesetzt ist, daß er tat- sächlich der Stimmung der Wählerschaft einen klaren Ausdruck verleiht. Das jetzige Wahlrecht habe u. a. zweifellos den Nachteil, daß es für die Fraktionen nicht Aar die Entwicklung der Stimmung der Wählerschaft erkennen lasse. Beim früheren Wahl- recht ließ der Ausfall von Nachwahlen regelmäßig Schlüsse auf eine Aenderung der Stimmung gegenüber der Hauptwahl zu. Auch die Fraktion müsse darauf rechnen können, daß die auf dem nächsten Parteitag zutage tretenden Meinungen auch tatsächlich den Willen der Mehrheit der Zentrumswähler wiedergeben. Nur dann könne seine Entscheidung Anspruch auf volle Autorität erheben. Auf- gäbe der einzelnen Organe müsse e» sein, bis dahin ihren Der» tretern auf dem Parteitag ihre Willensmeinung über die eben be- rührten Fragen unzweideutig zur Kenntnis zu bringen. Merika-flnleihe für üie Lanüwirtfchast. Sa Millionen Dollar auf 25 Jahre. Die Deutsche Rentenbank-Kredltanstalt(LaadwirkschasMche Zentralbank) teilt mit: Die Verhandlungen mit der National Eity Eompaay in New ,- Jork wegen'einer amerikanischen Anleihe für laadwlrl. schosllichen Realkredit in Deutschland sind am Sonnabend, den 12. September, abend» zum Abschluß gekommen. Danach übernimmt die National City Company von der Deutschen Reuten- bank-Kredilanslall Schuldverschreibungen in höhe von 2 5 Millionen Dollar. rückzahlbar zu pari, zu einem Zahre»- Zinssätze von 7 proz. auf 25 Zahre bei einer Tilgung von zirka proz. jährsich zuzüglich ersparter Zinsen. Zinsen und AmorN- sation werden am 15. März und 15. September jeden Zahre» fällig. erstmalig am 15. März 1S2ö. Ver Deutschen Reoteabank-Kredit- anftalt steht da« Recht zu. die Anleihe auch zu früher« Rückzahlung im ganzen oder in Teilbeträgen, ebenfalls zu pari, erstmalig zum 15. September 1935, sodann zu jedem späteren Zinstermln zu kün- digen. Die Anleihe soll in diesen Tagen zum Kurse von 93 proz. in den Vereinigten Staaten ausgelegt und ihre Zulassung an der New Parker Börse beantragt werden. Die Auszahlung de» Gegen- wertes der Schuldverschreibungen zu S» Proz. soll gegen Ende dieses Monat» erfolgen. Die Bedingungen für diese landwirtfchastliche Anleihe sind außerordentlich hart, rechtfertigen jedenfalls nicht die Hoff- nung auf den Zinsabbau für langfristige Kredite. Dem Land- wirk selbst werden die Kredite aus der Anleihe mindestens zehn Prozent kosten, wozu noch die anderthalb Prozent Amortisation treten. Die Verwendung der Kredite wird fraglos nicht im Sinne einer Steigerung der Produktion erfolgen können, da sie nach dem Willen der Rentenbank und der Reichsregie- rung vornehmlich zur Verlängerung der kurzfri- st igen Schulden der Landwirtschast dienen sollen. Der deutschen Gesamtwirtschoft werden sie allenfalls in der Weife zugute kommen, als sie eine gewisse, wenn auch geringe Eni- lastung des Kapitalmarktes bringen und einen weite- ren Kreis von Gläubigern, und zwar privaten Gläubigern» an dem Gedeihen der deutschen Wirtschaft interessieren. Eine Erleichterung gegenüber den ursprünglichen Bedingungen der amerikanischen Gläubiger bedeutet zweifellos, daß man sich rtrit der Sicherstellung des Kredites durch Pfandbriefe zu- frieden gegeben hat, während vorher Hypotheken als Kredit- unterläge verlangt wurden. Immerhin müssen auch zur Sicherstellung der Pfandbrief« hypothekarische Eintragungen an erster Stelle vorgenommen werden, so daß das Aufsam- mein der Deckungshypotheken einige Zeit und für die privaten Hypothekenbanken auch einig« Provisionen erfordern wird. Politisch interessant ist es, daß die Interessenvertreter der deutschen Großlandwirtschaft in der Rentenbank die hinter den ursprünglichen Erwartungen weit zurückbleibend« Anleihe mit beträchtlicher Begeisterung aufnehmen, obgleich sie ein« Verschärfung der„Zinsknechtschaft" nicht nur des deutschen Volkes, sondern sogar der deutschen Landwirtschaft gegenüber dem„feindlichen" Ausland darstellt. Das deutsche Volk hat das denkbar größte Interesse daran, daß nun diese neuen Kredite vornehmlich denjenigen Landwirten zugeleitet wurden, die davon den zweckmäßigsten Gebrauch zur S t e i- gerung der deutschen Agrarproduktion zu machen wissen. Hier eine zweckmäßige Kontroll« einzuschalten. dagegen haben sich die Großagrarier bisher mit Erfolg ge- wehrt. Die Sozialdemokratie aber, die bereits eine ent- sprechende Forderung in ihrem bekannten Agrarantrag formu- liert hat, wird jetzt mit um so größerem Nachdruck dieses Programm zu' vertreten wissen. ßrieürich-Cbert-Heöenkftein. Tie Einweihungsfcier in Saarbrücken. Saarbrücken, 14. September.(Eigener Drahtbericht.) Unter Ve. teiligung von 20 000 bis 25 000 Sozialisten und Republikanern wurde am Sonntag vormittag das erste Denkmal für Friedrich E b e r t im Stadtwalde von Saarbrücken enthüllt. Das Denkmal, ein Stein von drei Meter Höhe mit einer Inschrift, ist von dm Parteigenossen und der Arbeiterjugend des Ortes Herrnsohr bei Saarbrücken in eigener Arbeit aufgestellt worden. Die Enthüllungsfeier, an der auch zahlreiche Mttglieder der d e m o- k r a t i j ch e n und der Zentrumspartei des Saargebiets, sowie Abordnungen des Reichsbanners aus dem Rheinland und der Pfalz teilnahmen, wurde zu einem eindrucksvollen Bekenntnis der Saar- arbeiterschaft zur deutschen Republik. Reichstagspräsident Genosse L ö b e ließ in seiner Festrede den ersten deutschen Reichspräsidenten als den feinen Menschen, überzeugten Sozialisten und klugen Staats- mann lebendig werden. Die Feier schloß mit dem Niederlegen zahl- reicher Kränze. Um öewersüorff. Amnestiert! Der Chefredakteur des„Berliner Tageblatts" hatte es sich erlaubt, die Tätigkeit des Hauptrichters im Rothardt-Prozeß, Bewersdorf f, beim rechten Namen zu nennen. Er war deshalb wegen Beleidigung des Magdeburger Richters angeklagt worden. Dieses Verfahren ist auf Grund der Hindenburg-Amnestie eingestellt worden. Der Chestedakteur des„B. T." bemerkt dazu: „Mit dem Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas und dem Iustizrat Dr. Siegfried Löwen st ein. meinen Ver- teidigern, hatte ich gehofft, durch vieler Zeugen Mund manche Wahrheit beweisen zu können. Da die Staatsanwaltschaft und die Herren Nebenkläger offenbar die Führung des Ebert-Prozesses für korrekt, das Urteil samt der Begründung für einwandfrei hielten, sollten einige der Zeugen, besonders berufene Beobachter. dieser optimistischen Ansicht ihre eigenen Magdeburger Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse gegenüberstellen. Die Aerzte und die Vertrauten Eberts sollten aussagen, wie auf den Reichs- Präsidenten die Vorgänge m Magdeburg, die planmäßig organisierte Jagd und die Ausspritzungen der journalistischen Vipern gewirkt haben, und ob dieses Gift eine Ursache seines Todes geworden fei. Vielleicht hätte der eine oder der andere auch über die Art, wie Ebert in Berlin von Herrn B e w e r s- dorff vernommen wurde, noch Wissenswertes mitgeteilt. Vor allem aber kam es darauf an, ein Dunkel aufzuhellen, das Herrn Landgerichtsdirektor Bewersdorff umhüllt. Hat der Herr Land- gerichtsdirektor, wie der demokratische Abgeordnete Riedel mehr- sach im Preußischen Landtage behauptet hat, vor dem Magde- burger Prozesse geäußert:»der Saltlergeselle da oben müsse ver- schwinden' und L u d e n d o r f f sei„der einzig mögliche Präsident"? Hat er im Freundestreise und schon früher in Kottbus noch zahlreiche ähnliche Aeußerungen getan? Hat er nach dem Prozesse sich als nationaler Held, der Ebert zur Strecke gebracht habe, feiern lassen und dankbar die Gratulationen der Gleichgesinnten empfangen? Auf eine„kleine Anfrage" des Ab- geordneten Riedel hat der preußische Iustizminister etwas lakonisch geantwortet, er wisse von nichts. Herr Bewersdorff selbst hat, wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" am 20. Januar be- richtete, dem Iustizminister dienstllch erklärt, daß et„trotz eingehender Prüfung seines Gedächtnisses sich nicht entsinnen könne", derartige Aeußerungen getan zu haben, und daß das, seiner Meinung nach, auch.auegeschlossen" sei. Wenn nur die«ingehende Prüfung seine« Gedächtnisses bis dahin nicht eingehend genug war. so hätten die Zeugen ihm gern ihren Beistand geliehen. Man hätte ihm dann aus seinen polltischen Anschauungen gewiß keinen Dorwurf gemacht, nicht einmal die Ausdrucksweise pedantisch be- nörgell, sondern sich einzig auf die Frage beschränkt, ob ein Richter mit so festsitzender Abneigung nicht die Pflicht habe, sich im Prozesse gegen einen politischen Gcgn« für besangen zu«klären und ob et dort richten dürfe, wo der Haß seine Sinne«rdunkett and seine Handlungen lohnt." Der Richter B e w e r s d o r f f, der sich seiner herabfetzen- den Aeußerungen über Ebert und den Staat, von dem er sein Gehalt bezieht, nicht„erinnern" kann, ist immer noch im Amt! Er ist im Amt. obwohl«r den„Mut" hatte, einen deutsch- nationalen Redakteur, der M a r x und Stresemann, als die höchsten Beamten der Republik, der Bestechlichkeit und des Landesverrats bezichtigt hatte, mit hundert Mark Geld- strafe zu belegen! Er ist im Amt. obwohl selbst volksparteiliche Organe, sogar die„Nationalliberale Korrespondenz" seine Ab- berufung forderten! Er ist im Amt und wird weiterhin das Andenken Friedrich Eberts verunglimpfen und die Beleidiger republikanischer Minister mit einem Pappenstiel bestrafen! dichtung unü Wahrheit. Zu« Kapitel„Futterkrippenpolitik". Weimar. 14. September.(Eigener Drahtbericht.) In verschie- denen völkischen Zeitungen und von völkischen Rednern wird gegen- über sozialdemokratischen Führern Thüringens immer wieder der Vorwurf erhoben, sie hätten sich ip den anttlichen Stellen immer neue Einnahmequellen zu verschaffen gesucht. Diese unoer- froren« Lüg« wird namentlich gegenüber dem früheren Innen- minister Hermann immer von neuem wiederholt. Demgegen- über muß festgestellt werden, daß die sozialdemokratischen Minister in der Zett des Aufbaues de» thüringischen Staates auf wesentliche Teile ihres Gehalts verzichtet haben. Verschwiegen wird fern«, daß Genosse Hermann, der schon sein ihm zustehende» Ministergehall nicht voll bezogen hat, vom Staate auch kein« Pension bezieht. Keinem einzigen der sozialdemokratischen Mi- nister Thüringens ist es eingefallen, dem Landtag ein Gesetz zur Versorgung der Minister vorzulegen-, dies blieb dem jetzigen Ord- nungsbund vorbehalten. Kampf um öie Stäüteorünung. Der Landtagsausschuß für die Stödteordnung beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage, ob der Städteordnung die rheinische Bürgermeistereiverfassung zugrunde- gelegt, oder ob den einzelnen Gemeinden, die Wahl überlassen werden solle. In der Aussprache wurde die s ü d d e u t s ch« S t a d t- ratsverfassung zur Debatte gestellt. Don feiten der Sozial- demokraten und der Kommunisten wurde vorgeschlagen, daß die Staatsregierung einen Entwurf vorlegen solle, der die süddeutsche �tadtrativerfassung zurGrundlag« habe, bei der die Exekutive der Gemeindevertretung verbleibe, während bei der rheini- scheu Bürgermeistereiverfassung die Exekutive Hem Bürger» meister zusteht. Rechtsparteien und Zentrum hielten demgegen- über an dem Standpunkt fest, daß es zweckmäßig sei, den Städten selbst die Wahl der Verwaltungsform zu überlassen. Der Ausschuß vertagt« sich darauf auf unbestimmte Zeit. Voraussichtlich wird er nach dem Zusammentritt des Plenums seine Beratungen fortsetzen. j Gewerkschaftsbewegung Ein neuer Rummel. Die& PD. auf dem Dummenfang. Zur Belebung ihrer Agitation und um ihren Niedergang auf zuhalten, wurden von der RPD. die Arbeiterbelegatio. nen" ins Leben gerufen. Mit den Berichten dieser„ Delegationen" glaubt man, eine zeitlang gute Geschäfte zu machen. Ehe denn die Delegierten wieder zurück waren, wurde in Berlin von der KPD. im einzelnen festgelegt, wie die Berichterstattung zu organisieren sei. Schon am 7. August machte Hesse in der Sigung des Roten Kartells" Ausführungen über die Art und Weise der Entgegen. nahme der Berichte. Die Versammlung der RPD.- Referenten am 22. August beschäftigte sich ebenfalls mit der Ausnutzung dieser Berichterstattung. Hierdurch ist flar erwiesen, in wessen Diensten die Arbeiterbelegation" steht. Neben dieser Aktion läuft aber noch ein anderer Rum mel, der in der Zellen Obleute Konferenz am 29. Juli behandelt wurde. Aufgabe der Zellenobleute sei, zu versuchen, in den Betrieben usw. Ausschüsse zu bilden für den Kampf gegen die Teuerung". Die SPD. soll in eine schwierige Lage gebracht werden, und zwar dadurch, daß man sie auffordert, in diese Ausschüsse Mitglieder zu entsenden. Wobei die berechtigte Hoffnung besteht, die SPD. werde diese ablehnen und sich somit„ bei der Arbeiterschaft tompromittieren". ,, Wenn die Gewertschaften nicht mehr die Arbeiter zufammenfaßt, die einander ersehen können, hört fie auf, Gewerkschaft zu sein. Leider wurde der Kampf nic cusgetragen. Die Gegenfäße würden erneut ausleben. Dann werde Farbe bekannt werden müssen. ,, leberschaut man den ganzen Kongreß, so bietet er das Bid ruhiger, gut vorbereiteter Arbeit. Er ist nicht auf der ganzen Linie den Anforderungen unserer Zeit gerecht geworden, aber er zeigte die deutsche Gewerffchaftsbewegung start, tonfolidiert, verantwor tungsbewußt und magvoll. Die Gewerkschaften sind, allem leicht fertigen Gerede zum Troß, eine Macht geblieben. Es wird gut sein, dies auf keiner Seite zu vergessen." Ueberflüssig zu betonen, daß wir nicht in allen Punkten den Betrachtungen des Sozialreformers Prof. Heyde folgen können. Der Konflikt im Gastwirtsgewerbe. Die gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer Berlins nahmen am Freitag in fünf gut besuchten, zum Teil überfüllten Versammlungen Stellung zu ber gegenwärtigen Situation in der Lohnbewegung. Die von den Arbeitnehmern aufgestellten Forderungen, die auf eine allgemeine Lohnerhöhung von 25 bis 30 Proz. hinauslaufen, find von den Unternehmern abgelehnt worden. Lediglich für das ohne Kost beschäftigte Personal wurde von den Unternehmern eine Teuerungszulage von 10 Broz, bis zum 3. Oftober geltend, Achtung! Achtung! SPD.- Betriebsvertrauensleute u. Gewerkschaftsfunktionäre Diese gut vorbereiteten Ausschüsse fangen jetzt an, fich fpontan" zu etablieren. Neben dem Kampf gegen die Teuerung haben fie ferner die Aufgabe erhalten, die internationale Ges merfschaftseinheit" herzustellen. In Solingen haben sie auch die Aufgabe der Organisierung von Versammlungen der Rußlanddelegierten. Ein Teil Moabiter Betriebsräte hat den aller „ Rampf gegen das Regierungssystem Luther- Schiele" in Wirklichkeit gegen Amsterdam und die SPD. auf ihre Fahne geschrieben. Ein Kampfruf der Lichtenberger Betriebsräte und ein Arbeitsprogramm" von 3 Kilometer Länge der Betriebsräte des Berliner Ost en vervollständigen das Programm. Alle diese Ausschüsse nennen sich„ Einheitsfomitees" und maßen sich Aufgaben zu, die nur durch einheitliches Vorgehen der Gewerf. schaften erfüllt werden können. Die Bildung solcher Komitees bedeutet neuen Streit, neue 3ersplitterung, neuen tommunistischen Rummel. Die Erfahrungen, welche die Arbeiterschaft bisher in dieser Beziehung gemacht hat, find mehr als trübe. Bir sagen ihnen deshalb immer wieder: Hän de weg von diesem Rummel! Organi fiert euch gegen Teuerung und Ausbeutung in den freien Ge= wertschaften; dann habt ihr die wahre Einheitsfront! 44 Nachklänge zum Gewerkschaftskongres. 3m Spiegel der Sozialen Pratis". Der Breslauer Gewerkschaftstongreß findet in der Sozialen Praris" eine eingehende Betrachtung von Prof. Dr. Heyde, der den letzten fünf Kongressen, in Dresden 1911, München 1914, Nürnberg 1919, Leipzig 1922, als Gast beigewohnt und nach Breslau mit elf Kieler Studenten und Studentinnen tam. Weil der gegen Nürnberg und Leipzig verminderten Mitgliederzahl der Gemert schaften entsprechend, nun die Anzahl der auf je 10 000 Mitglieder entfallenden Delegierten in Breslau geringer war und so der Teil der Delegierten stärker hervortrat, der aus Angestellten der Gemertschaften besteht, tommt Prof. Heyde zu der Auffassung, daß die Gewerkschaftskongresse immer mehr zu Führerfonferenzen werden. Nun, dazu bedürfen die ADGB.- Gewerkschaften nicht des Rahmens der Gewerkschaftskongresse. Ihre Führerfonferenzen, die Bundesausschußigungen, find längst zu einer ständigen Einrichtung geworden. Mit dem weiteren Anwachsen der Mitgliederzahlen der Gemerfschaften werden die fünftigen Gewerkschaftsfongreffe auch wieder mehr Handarbeiter unter den Delegierten aufweisen. Der Ablauf des Kongresses sei über alle Erwartung hinaus ruhig und friedlich gewefen. ,, Die gewerkschaftliche Heerschau war bisweilen etwas monoton, und es war falsch, daß die drei oder vier tommunistischen Dele gierten mehrfach niedergeschrien wurden oder gar nicht zu Wort famen. Formale Toleranz ehrt jede Bewegung. Prof. Heyde übersieht, daß die den KPD.- Leuten in den Gemertschaften erwiesene Toleranz derart mißbraucht wurde und für die Gewerkschaften sich so sehr nachteilig erwiesen hat, daß dem Kongre mohl nicht zuzumuten war, sich von den drei Kommunisten unnügerweise die Zeit stehlen zur lassen. Die Berbandsvorsitzenden Brey, Simon und Husemann, der Bundesvorsitzende Leipart und das Vorstandsmitglied Hermann Müller haben sich insbesondere mit den Kommuniften beschäftigt, deren beiden Wortführern der Kongreß ihrer Bahl entsprechend genügend Spielraum gelaffen hat. Der Fehler in der Berichterstattung, als sei der Offenbacher Delegierte, der RPD. Mann Galm aus seiner Gewerkschaft ausgetreten, tehrt auch hier wieder. In Wirklichkeit war die von ihm geleitete 3 ahlstelle der Sattler und Portefeuiller aus dem Drtsausschuß des ADGB. ausgetreten. Die Rußlanddelegation, die der Rongreß berichten lassen sollte, fonnte wenigstens Herrn Prof. Heydt und seinen Studenten berichten. Wir haben die Herren( der Rußlanddelegation) stundenlang ausgefragt, aber gerade über die wesentlichsten Bunfte erfuhren wir allzu wenig, so instruktiv auch viele Einzelheiten ihrer Schilderung waren. Daß man die wichtigsten Dinge nicht erfährt, wußten die Kongreßdelegierten offenbar im voraus, und auch deshalb mögen fie zu ihrer brüsten Haltung gegen die Kommunisten auf dem Kongreß gefommen sein. Eine Bemerfung Leiparts gegen die bürgerliche Wissenschaft" Hat Prof. Heyde etwas verfchnupft. Daß Leipart nicht die Wissen fchaft treffen wollte, sondern diejenigen ihrer Bertreter, die sich in den Dienst des Unternehmertums stellen und längst nicht die Minderheit bilden, liegt flar auf der Hand. Der Vortrag von Profeffor Hermberg sei eine wahre Apologie hemmungsloser Lohnforderungen und des Achtstundentages gewesen. Eine spezielle Auseinandersetzung mit diefem Vortrage wird angekündigt. In der Organisationsfrage seien die Gegenfäße nur verkleistert worden. Die Industrieverbände nach dem Plan pon Dißmann verschlechterten die Risikoverteilung, machten die Abwehr der Streitbrecher schwierig und die Nukbarmachung des Berufsethos für die Gewerkschaften unmöglich. Biomalz 285 Heute Dienstag, den 15. September, abends 7 Uhr, in den Mufiterjälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 31: Konferenz SPD.- Funktionäre der Betriebe und Gewerkschaften. Tagesordnung: 1. Die Sozialdemokratie im Rofen Hause. Referent: Stadtverordneter Ernst Reuter. 2. Unsere Aufgaben im bevorstehenden Wahlkampfe. Jeder Betrieb muß vertreten fein! Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebsfetretariat, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, 2. Hof II. angeboten. Ab 3. Oktober sollen die 10 Proz. wieder in Wegfall lommen und ein neues Lohnabkommen mit verringerten Löhnen abgeschlossen werden. In den Versammlungen wurde zu dem von den Unternehmern schriftlich gemachten Angebot darauf hingewiefn, daß durch die Erhöhung der Löhne ohne Kost die bisher in Rechnung gefeßten Beträge für Roft noch weiter gesteigert würden, so daß der Berliner Hausdiener im Gastwirtsgewerbe für seine, in dem Betriebe erhaltene Roft über 3 M. pro Tag zu zahlen hätte. Es wurde in sehr drastischer Weise zum Ausdrud gebracht, daß, wenn die Dinge sa weitergehen, die Arbeitgeber wahrscheinlich ihre Küchenbetriebe schließen werden, weil sie an der Beköstigung des Personals allein genug verdienen. In dem Antwortschreiben der Arbeitgeber wird gesagt, daß die aufgestellten Forderungen mit der allgemeinen Wirtschaftslage und den Verhältnissen des Gastwirtsgewerbes, das bekanntlich darniederliege, nicht in Eintlang gebracht werden fönnen. Dazu wurde in den Versammlungen ausgeführt, daß, wenn von einem Niedergang des Gastwirtsgewerbes überhaupt gesprochen werden kann, dieser seine Ursache in der gesamten Wirtschaftspolitik der Unternehmer feine Ursache habe. Was es in Wirklichkeit mit diesem Niedergang auf sich habe, beweise u. a. die Tatsache, daß die Firma Aschinger mit über 3000 Arbeitnehmern troß großer Neuanschaffungen, trog Rauf des Hotels Der Kaiserhof" und" Sotel Baltit" ihren notleidenden Aktionären" noch 12 Proz. Dividende zahlen fonnte. Wenn behauptet werden, daß Berliner Groß- und Mittelbetriebe in diefem Jahr mit Unterbilanz gearbeitet hätten, dann sei es auf alle Fälle etwas faul in diesen Betrieben. Die Betriebsführung im Gastwirtsgewetbe werde noch besser befeuchtet durch die Tatsache, daß man erst in legter Zeit die Miete des Cafés„ Unter den Linden" von 200 000 Mt. im Jahr auf 250 000 m. erhöht hat. Es sei nicht verwunderlich, wenn durch einen Aufwand, der in feinem Verhältnis zu den Umsätzen steht und derartige Mieten und Betriebsführung Preissteigerungen eintreten, die zu einem Rüdgang des Gastwirtsgewerbes führen. Im übrigen wurde darauf hingewiefen, daß man auch bei den Unternehmern im Gastwirtsgewerbe vom Preisabbau nichts merke, und daß über dieses Schlagwort so langsam die Hühner lachen. Das Angebot der Unternehmer wurde als lächerlich bezeichnet und zum Ausdruck gebracht, daß alles getan werden müsse, um die Unternehmer zu einer anderen Haltung zu zwingen. Zunächst ist der Schlichtungsausschuß angerufen, von dem erwartet wird, daß er eine Entscheidung schnellstens herbeiführt. Der Besuch der Bersammlungen, fowohl auch als die Stimmung der Arbeitnehmerschaft hat gezeigt, daß sich die gastwirtschaftlichen Arbeitnehmer auf keinen Fall einem Diktat der Unternehmer fügen werden, daß fie umgekehrt, wenn die Unternehmer ihren Standpunkt nicht ändern, in der Lage sind, von ihren Ellbogen Gebrauch zu machen. Lohnvereinbarung für die Gemeindearbeiter Bayerns. Nach langem Hin und her fam eine Vereinbarung zustande, die eine Lohnerhöhung von 8 Proz. bedeutet, gleich 4 bis 7 Bf., ab 1. September. Die Lohnregelung gilt bis 31. Dezember und ist mit vierwöchentlicher Frist, erstmals am 1. Dezember, fündbar. Sollte während der Vertragsdauer eine Verschiebung in den Teuerungsverhältnissen eintreten, die sich in einer Beränderung des Reichsinder für den Monat August um mehr als 10 Punkte ausdrückt, so steht es den Parteien frei, in neuerliche Verhandlungen über die Lohnfestlegung einzutreten. Die Löhne der Ungelernten in Amerika. ( JGB.) Wenn man die Vereinigten Staaten als Ganzes nimmt, so beläuft sich der Durchschnittslohn für ungelernte Arbeiter in diesem Jahr auf 39 Cents( Mt. 1,64) pro Stunde. Im Auguft des vergan genen Jahres belief sich die entsprechende Ziffer auf 38 Cents; im Jahre 1923 war der Durchschnitt 35 Cents und im Jahre 1922 30 Cts. Verschiedene Faktoren haben zu dieser Entwicklung beigetragen. So hat die Einschränkung der Einwanderung nicht nur das Angebot auf dem Arbeitsmarkt für ungelernte Arbeiter durch den Ausschluß fremder Arbeiter verringert, sondern es ist zudem noch eine Ab| wanderung von bereits in den Bereinigten Staaten ansässigen Arbeitern eingetreten, weile diese für ihre Familie feine Einreiseerlaubnis erwirfen konnten. Die Nachfrage nach ungelernten Ar. beitern hat andererseits auch im Zusammenhang mit der ganz cußergewöhnlich starken Bautätigkeit jomie dem umfassenden Straßenbau zugenommen. Fortschritte des UDB. Gera, 14. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Beamtenausichußswahlen im Bereich des Stadtdirektors von Gera brachten einen Sieg der freigewerkschaftlichen Liste des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Während der DB. 122 Stimmen auf sich vereinigen konnte, erhielt die Liste des DBB. nur 97 Stimmen. Im neuen Beamtenausschuß werden demnach 7 Mitglieder des ADB. 6 des DBB. gegenüberstehen. Die Eisenbahner gegen das Schiedsgericht. Die hier abgehaltene Düsseldorf, 14. September.( WTB.) Hauptversammlung des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands( Bezirksleitung Elberfeld), die von Abgeordneten der Beamten, Angestellten und Arbeiter beschickt war, nahm zu den Lohnverhandlungen bei der Eisenbahn und besonders zu dem am 10. September gefällten Schiedsspruch Stellung. Sämtliche Bertreter erflärten ausdrücklich, daß fie nicht gewillt seien, die Deutschland durch die DawesLasten auferlegten Verpflichtungen zum großen Teil allein zu tragen. Der Hauptvorstand wurde beauftragt, sofort Vorbereitungen für die bevorstehenden Kämpfe zu treffen. Lohnbewegung im französischen Bergbau. Paris, 14. September.( Eigener Drahtbericht.) Am 15. September läuft der Tarifvertrag im Rohlenbergbau ab. Bei der legten Erneuerung dieses Vertrages haben die Arbeitgeber die Aufrechterhaltung des 20prozentigen Zuschlages zur Teuerungszulage an Stelle des früheren 40prozentigen Zuschlages zugestanden. Die Arbeiter beabsichtigen, die Wiederherstellung des früheren 40prozentigen Zuschlages zu fordern. Die am Reichsarbeitertarif beteiligten Organisationen haben in einer nochmaligen Aussprache am Montagvormittag, in der das ganze Für und Wider eingehend erörtert wurde trop schwerer Bedenten in Anbetacht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage dem am 10. September gefällten Schiedsspruch ihre Zustimmung gegeben. lleber die Revision der Lohnzahlen finden heute im Reichsarbeitsministerium Berhandlungen statt. In der Lohnregelung für die Reichsarbeiter gibt es feine eigentlichen Ortszulagen, sondern für jeden Bezirk bestimmte Lohnzahlen. Der Schiedsspruch fordert, daß diese Zahlen nach geprüft und dort, wo eine Einigung nicht mögDas ist ein lich ist, durch Schiedsspruch geklärt werden. fleines Zugeständnis, durch das sich der Schiedsspruch für die Reichsarbeiter zu seinem Vorteil von dem für die Eisenbahner unterscheidet. Achtung, SPD.- Metallarbeiter, 2. Bezirk( Often)! Heute nachmittag 5 Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19, wichtige Bersammlung aller SPD.Metallarbeiter. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Sympathiserende tönnen eingeführt werden. Der Fraktionsvorstand. Kammacher: Deutscher Solzarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin. Morgen, Mittwoch, abend 6 Uhr im großen Saal der Residenz- Festsäle, Lands berger Str. 31, Branchenversammlung. Bericht von den Lohnverhandlungen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Zimmerer! Verbandskameraden, am Donnerstag abend 7 Uhr in den Andreas- Sälen, Andreasftr. 21, Bertrauensmänner und Betriebsräteversammlung für das Soch, Beton- und Tiefbaugewerbe. Auf den Arbeits. stellen, wo noch keine Betriebsvertretung besteht, ist sofort die Wahl vorzunehmen. Alle Arbeitsstellen Berlins und Umgegend müssen vertreten fein. Sentralverband der Zimmeret Deutschlands, Rahlstelle Berlin u. Umg. Afa- Mitglieder ber Metallindustrie! Im Anschluß an unsere Breffenotiz am Sonntag, ben 18, September, machen wir darauf aufmerksam, daß die Mitgliederversammlung der Af- Verbände in der Metallindustrie am Donnerss fag abend 7% Uhr im Kriegervereinshaus, Chauffeaftr. 91, ftattfindet. Die Mitglieder des AF- Metalfartells treffen fich im gleichen Lokal bereits um 5½ Uhr. Bei der Wichtigkeit der zu fassenden Beschlüsse bitten wir, dafür Gorge zu tragen, daß alle Mitglieder bestimmt erscheinen. AfA- Metallkarten: Günther, Lange, Rothe. AfA- Mitgliederversammlung der Gesundheitsindustrie heute, Dienstag, abends 7% Uhr, im Nordischen Hof. Invalidenstr. 126. Jugendveranstaltungen. Gene Werbematerial tann vom Jugendsekretariat abgeholt werden. Wedding Nord: Schule Müllerstr. 48, Vortrag: Meine Jtalienreife 1925", Schönhauser Vorstadt I: Schule Jbsenstr. 17, Bortrag: Arbeiterdichter". Prenzlauer Vorstadt: Danziger Str. 23, Vortrag: ,, Marcel Salzer". felber Biertel: Eberswalder Str. 10, Bortrag: Jugend einst und jekt". Schöneberg 1: Rubens, Ede Sauptstraße, Bortrag: Bub und Mädel". Westen: Schule Ballasstr. 15, Bortrag: Sozialdemokratie und Staat" findet amt 29. September statt. Neukölln IV: Lofal Pärwintel, Steinbodstr. 20, Vortrag: ,, Genossenschaftswefen". Reinickendorf- Oft: Geebad Residenzstraße, Vortrag: ,, Die politische Seite des Reichsbanners". Bankow: Breite Straße, Vortrag: Politische Tagesfragen". Neuköllu II: Jugendheim Rogatstr. 53, Funktionärsgung. Neukölln V: Jugendheim Schierkestr. 44, Aussprache: ,, Gemeinschaftsleben". Werbebezirk Often: Sämtliche Raffierer treffen fich heute im Jugendheim Diestelmenerstr. 6-7.( Belege und Aufstellung über Wanderunterstützung find mitzubringen.) Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Mitte. Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Achtung! Alte Mitgliedskarten ab 1. Oktober ungültig, Umtausch durch die Zugführer. Erkner. Donnerstag, den 17. September, tgliederversammlung bei Sperling, Wilhelmstraße. Berliner Ent- Bereinigung. Dienstag, den 15. b. M., abends 8 Uhr, in den oberen men des Cafe Jofty, Potsdamer Plag, Bortrag des Herrn Ernst Wichert über 20 Jahre Arbeit für Esperanto". Eintritt frei. Gäfte herzlich willkommen. Freie Mandolinisten Bereinigung Neukölln 1908, Mitgl. b. DAMB., jezt Beseritr. 51, Ede Elbestraße, Restaurant Karl Ohm. Uebungsabend jeden aufgenommen. Dienstag 8 Uhr. Gäste willkommen. Blattkundige Spieler werden jederzeit Berliner Arbeiter- Schach- Rlub. Die Abteilung Weißensee spielt jekt jeben Dienstag abend 8 Uhr bei Gallas, Weißensee, Greifswalder, Ede Lehderstraße. Arbeiter Radio- Klub, e. B., Bezirk Kreuzberg, Ortsgruppe Rottbufer Tor. Donnerstag abend 8 Uhr im Reftaurant Bollschläger, Adalbertstr. 21, 3ufammenkunft aller Funtfreunde. Gäste willkommen. trantheiten". Gemeinschaft der Freibenker, Steglig. Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 16. Eeptember, abends 7 Uhr, im Jugendheim Kniphofstraße. Bortrag des Genossen Dr. Krische. Gäste willkommen Arbeiter Samariter- Rolonne, Abt. Weißenfee. Dienstag, den 15. Sep. tember, abends 7 Uhr, im Realgymnafium Woeldpromenade, Lichtbilderportrag: Geschlechtsfrankheiten". Abt. Webbing. Freitag, den 18. Sep. tember, abends 7½ Uhr, Schule Schulstr. 99, Lichtbildervortrag: Geschlechts. Longfellow English Debating Club, Bülowstraße 104, Mittwoch, den 16. Gept., 8 Uhr abends: Profeffor Wendlandt: Freetrade and Protection". Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gemertschaftsbewegung: Friedr. Cn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Gonftiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. H.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". 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Die Statistiken, Ermittlungen und Vergleiche zeigen uns, wie sehr der allgemeine Gesundheitszustand sich oer- schlechtert, wie Tuberkulose und andere Meuchen erneut mit großer Wucht, namentlich aus die ärmeren Volksklassen sich geworfen haben. Steigen der Krankheitsfälle, Kindersterblichkeit sind die Folgen. Der Kampf gegen sie kann erfolgreich nur mit großzügigen Mitteln ge- führt werden. Auf allen Gebieten der Wohlsahrt muß unausgesetzt gearbeitet werden, um die Schädigungen des„Jungbrunnen* Krieg zu beseitigen. Den Kindern, der Jugend, dm Quellen unserer Kraft. muß vor allem unsere Fürsorge gelten. Die Not üer KinSee. Ein Hinterhau?, im zweiten Hof. Schwarze, verräucherte Giebel, der Putz an den Wänden abgefallen, zerbrochene, mit Papier ver- klebte Fenster. In der Ecke, unter den Fenstern der Parterre- wohnung, große Müllhausen, von Fliegen und anderem Ungeziefer umkreist. Der Herr Hauswirl läßt das Haus verfallen! er wohnt im Westen und sieht von dem Wohnungselend nichts.— Ein warmer Sommertag. Aus den dunklen muffigen Wohnungen steigen die %. «■?: Der Hof den Kindern-- Kleinen herab. Die Sonne lockt, aber sie ist nicht verschwenderisch mit ihren Gaben, nur wenige Strahlen fallen schräg in dm Hof. Hier vereinigen sich die Kinder des Hinterhauses zum Spiel. Kleine schwächliche Gestalten. Die Not prägt sich im dllnnm, blaffen Ge- ficht. In dem engen, auf allen Seiten von hohen Mauern umgebenen Raum sollen sie Erholung finden. Die sommerliche Wärme wird hier, wo kein Luftzug durchstreicht, zur stickigen Atmosphäre. Der Gedanke, den Berliner Kindern, die ihre Ferien nicht in irgendeiner Sommerfrische verleben können, doch eine Erholung zu bietm, in- dem man sie täglich hinausführt in die nächste Umgebung von Berlin, rührt von unserem Genossen Stadtverordneten Borg- mann her. Er hat bis zu seinem Ende seine Bemühungen fortge- setzt und es erreicht, daß dieser Gedanke Gemeingut geworden. Mit jedem Jahr ist die Zahl der auswärts liegmdm Spielplätze vermehrt, die Zahl der beteiligten Kinder vergrößert wordm. Zm vergangenen Sommer habm währmd der Schvlferim täglich nicht weniger dmn 30 000 bis 40 000 Kinder draußen im Grünen verbringen dürfen. Des Morgens werden sie an bestimmten Plätzen versammelt, von Führern hinausgeleitet. Dort bleiben sie. Jungen und Mädel unter der Aufsicht von Lehrern und Spielleitern bis zum Abend. Mit der Straßenbahn oder der Eisenbahn werden fie befördert. Draußen herrscht ein buntes Treiben. Sonniges Wiesen- gelände, staubsrei, ohne die Gefahren des Straßenverkehrs. Die Verpflegung geschieht auf Kosten der Stadt. Morgens Milch, des Mittags gibt es Suppe und Brötchen, des Nachmittags Kaffee. Dreizehn weitausgedehnte Flächen mit Schutzhallen, UmNeide- räumen, Hallen zur Aufnahme von Spielgeräten, Küchen, Brunnen. Plantschwiesen, Bädern, Freilichtbühnen sind für die Kinder vor- handen. So sind sie den Gefahren der Straße entzogen und er- freuen sich der Schönheiten der Natur. Viele Schädigungen des Berliner Wohnungselends werden so in etwas gutgemacht. Licht. Luft, Sonne sind die hervorragendsten Heilfoktoren. Welche Bor- teil« der Bevölkerung erwachsen, wenn es gelingt, den Großstadt- lindern diese in ausreichendem Maße zuzuführen, läßt sich in Zahlen nichNenaffen. Aber sichtlich treten sie zutage. So ist z. B. aus dem städtischen Spielplatz Schönhauser Allee ein Ambulatorium errichtet. das van dem Rektor der Deutschen Hochschule für Leibesübungen. Profeffor Bier, geleitet wird. Hier stehen aus großen Rasenflächen einige Barocken, in denen leicht tuberkulöse Kinder durch sachver- ständige Anwendung dieser Heilfaktoren in Verbindung mit Leibes- Übungen behandelt und geheilt werden. Spiel- und Sportplätze. Lei der Bildung der Stadtgemeinde Berlin war auf dem Gebiet der Spiel- und Sportplätze noch wenig geschehen. In den Außen- bezirken hatten die ehemaligen Vorrote des Westens wohl einige Plätze für die sportlichen Bedürfnisse der höheren Schichten ge- schaffen! Tennisplätze und dergleichen hotten sich die Vereinigungen der reicheren Bevölkerungsklaffen gesichert, für die große Masse der Jugend aus dem Volke war so gut wie nichts getan. In den ärmeren Bezirken des Ostens und des Nordens fehlte es an den nötigen Mitteln. Erst die Gemeinde Groß-Berlin hat das Problem mit Erfolg aufgegriffen. Ein großzügiges Projekt wurde aufgestellt, wo- nach SS große Spielplätze geschaffen werden sollen. Vor Inangriff- nähme dieses Projektes kamen auf den Kopf der Bevölkerung unter Heranziehung oller Freiflächen, soweit sie der Volkserholung dienen, 0,4 Quadratmeter. Die Zahl ist innerhalb der letzten beiden Jahre auf 1,t Quadratmeter erhöht und wird nach Durchführung der Pläne S Quadratmeter, das ist die Forderung des Reichsausschuffes für Leibesübungen, voraussichtlich erreichen. Im Innern der Stadt waren die Schwierigkeiten am größten. Hier hat man die vor- handenen Parts und die ehemaligen Exerzierplätze für Spiel und Sport ausgebaut. Wo Raum genügend vorhanden ist, läßt sich natürlich Besseres leisten. Mustergültig ist die Parkanlage in der Zungsernheide, die im Ausmaße der in Amerika üblichen ousge- stattet worden ist. Hier ist neben reinen Sportflächen ein weitaus- gedehntes Waldgebiet vorhanden, das Tausenden Ruheplätze und Spaziergänge zur Erfrischung und Kräftigung der Nerven bietet. Der See ladet zum Baden ein, im Winter zum Eissport. Kinder- erholungsstätten mit Unterkunfts- und Verpflegungsräumen, Plantsch- — Oder der Wald? decken und Buddelplätzen für die Kleinen machen die Anlage zu einem wahren Volkspark. Platz zur Einrichtung von Volksbiblio- theken, Konzert- und Vortrogsräumen usw. ist' genügend vorhanden. flu den Ufern. Noch vor wenigen Iahren ereiferten sich sexuelle Schmutziane über das Baden am offenen Strande. Hbute hat sich die Freibad- idee durchgerungen. An den Sommertagen sind es Zehntausende, die in und an der Spree und Havel Kühlung und Erholung suchen und finden. Besonderen Zuspruch erfreut sich das Freibad am Wann- fee. In dem weißen Sand der langgestreckten Dünen sonnen sich Männlein und Weiblein, Kinder und Erwachsene und lassen ihr Menschliches von Luft und Sonne baden. Die Sittlichkeit erleidet keinen Schaden dabei. Gute der Landschaft angepaßte Neubauten enthalten Umkleide- und Unterkunftsräume, Restaurationsbetrieb usw. Das Bad befindet sich in städtischem Besitz und steht unter der S>I Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom kristeusca. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Ich setzte mich auf die eiserne Treppe, die zu Mutters früherem Laden führte; doch meine Beine waren nun so lang. daß ich sie ganz krumm machen mußte. Ich fand keine Ruhe auf dieser Treppe. Ich kannte sie nicht, obgleich ich wußte, daß es dieselbe war. Schräg gegenüber, wo Samuelsens Geschäft im Hoch- parterre gelegen hatte, stand jetzt ein neues rotes Haus mit Erkern. Also etwas für feine Leute. In diesem Augenblick kam ein hohlrückiger junger Mann vorbei. Er war rot im Gesicht, denn er trug einen zu hohen Kragen. Der Mund war schmerzlich zusammengepreßt. „I, guten Tag. Ejnar!*rief ich aus. Ejnar drehte mühsam den Kopf, und ohne ihn zu neigen, sah er auf mich herunter. „Guten Tag," kam es überrascht. „Kennst du mich" fragte ich unsicher. Ejnar war ganz erwachsen geworden, mit plumper Nase und affektierter Stimme. „Nei— ein!" „Ja, ich habe hier nämlich mal gewohnt— da drüben in dem Laden.". Ejnar zog die Augenbrauen in die Hohe und spielt« mit einer blitzenden Goldkctte, die aus Messing war. „Ach, wie interessant!" sagte er höflich Ich starrte ihn an und fand es eigentlich komisch, daß er mir so verändert vorkam. „Wie dick deine Nase geworden ist, Efnor! lachte ich. Ejnar schielte.„.„_ t „Ach. jetzt kenne ich dich!" stieß er dann giftig hervor. „deine Mutter war ja die Liebste von dem Zigarrenhändler drüben um die Ecke." „Was sagst du da? Du solltest gerade über jemand reden! Glaubst du denn, ich weiß nicht, daß deine Mutter ein schein- heiliges Dicbsstück ist und aus der Kirchenbüchse stiehlt!" Er griff nach mir, aber er war steif und langsam in seinen Bewegungen, weil er Kragen und Manschetten trug und ich entwischte ihm. Ein Ende weiter herunter blieb ich auf der Straße stehen und sah ihm nach. Er schritt würdig zum Sankt Annaplatz herüber. So also war das, wenn man nach alten, bekannten Orten zurückkam? Ich steckte die Hände in die Taschen und fühlte mich be- friedigt, daß ich noch ein Junge war. Das war doch besser, als so herumzugehen und sich wegen der Mädchen heraus- zu putzen. Aber was war das? Hier lag ein neues Geschäft, das ich nicht kannte. Im Fenster hingen Bilder, die übereinander befestigt waren. Ich trat nälfer, um sie zu betrachten,� aber mußte sofort erröten. Es waren Bilder von mehr oder weniger entkleideten Damen und älteren, kahlköpfigen Herren in Rock und gestreiften Beinkleidern und im Hintergrund« unwill- kommene Störche mit schreienden Kleinen im Schnabel. Außer- dem fanden sich da die zuletzt erschienenen Hefte von„Nick Carter" und„Buffalo Bill". Ein Herr kam aus dem Laden heraus.„Besten Dank und auf Wiedersehen" hörte ich eine Stimm« sagen. Es war Samuelsens Stimme. Das war also Samuelsens Laden. Da waren ja auch Zigarrenkisten und neue Zigarettenschachteln im Festster, sah ich jetzt. Ich trat rasch beiseite. Einen Augenblick später schlich ich mich zur Ladentür und spähte hinein. Ich sah einige lange Pfeifen und einen Laden- tisch, und auf dem Tisch saß eine Dame und lachte. Ja. Samuelsen war auch da. Den einen Arm haue er um ihre Brüste gelegt und versuchte, sie nach hintenüber zu schaukeln; ober im selben Augenblick als ihr Bein hoch in die Luft ging. öffnete ich die Tür, so daß die Ladenglocke an zu läuten fing. und machte mich aus dem Staube. Ich hörte noch ein„Verdammter Lümmel!" und dann drehte ich um die Ecke unten am Nyhavn. Ich ging schlendernd den langen Weg nach Hause. Bald pfiff ich etwas, bald summte ich, und hin und wieder stieg ein Gedankenfetzen in mir hoch. War das alles, was von der Vergangenheit zurückgeblieben war? Ein Zierbengcl und Samuelsen. der eine Dame neckte und unanständige Karten im Fenster hängen hatte? War Mutter auch so wie die Dame gewesen? Nein, das war sie nicht, bestimnit nicht! Nach diesem Ausflug machte ich keinen Versuch mehr, mit Süheren Freunden in Verbindung zu kommen. Ich hatte ngst davor, sie als Halberwachsene zu erleben. Am Nachmittag saß ich oben und zeichnete. Mein Gebiet hatte sich stark erweitert. Es waren nicht nur Stoffblumen und Modedamen, es waren Karikaturen und Phantasien. Am Abend saß ich am Fenster und starrte zu dem Gesims herüber; doch meine Phantasie hatte ein größeres Betätigung?- gebiet gefunden, um sich darin zu ergehen. Das war d«r Nachthimmel mit seinen Sternen. Langsam war mir die Bedeutung der Sterne aufgegangen. Erst hatte ich sie auswendig gelernt wie einen Gesangbuchvers; aber der Astronomielehrer unterrichtete auf eine spaßige Art. Jedesmal, wenn er merkte, daß unsere Gedanken sich mit einer Formel zufrieden gaben, kniff er das eine Auge zu und sagte: „So, das glaubst du also." „Hör mal, Waldemar," sagte er eines Tages,„glaubst du, daß es Menschen auf dem Mars gibt?" „Nein." „Das sagst du so bestimmt, du kleiner Großschnobel." „Da ganz draußen in der Lust können doch gar keine Menschen sein." „Wir sind ja auch ganz draußen in der Lust." Ich stand wie erstarrt. Daß die Erde rund war, rührte mich nicht weiter: aber daß sich ein lustleerer Raum darum befand, machte mich schwindlig. „Nein," antwortete ich trotzig. Der Lehrer lachte belustigt und begann uns zu erklären. daß selbst, wenn es keine Menschen waren, konnten es doch gut lebende Wesen sein. „Wir sind so eingebildet?" sagte er.„Ebensogut könnten wir sagen, daß es kein« Menschen in Roskilde") gäbe." Ich war wieder auf meinen Platz gegangen; aber ich wollte nun nichts mehr wissen und war wütend. Herr Nielsen neckt uns bloß, dachte ich. und ich hörte nicht auf das, was er sagte. Erst als ich am Abend ins Bett gekommen war, fingen meine Gedanken an zu arbeiten. Ich kniff die Augen zu- sammen, ich dachte intensiv und bildete in meinem Innern eine ungeheure Leere. In Gedanken höhlte und höhlte ich mich immer mehr aus. Nichts sollte mehr in mir sein. Alles mußte fort. Doch als die Borstellung des Raumes, eines leeren, aber begrenzten Raumes, mich zu erfüllen begann, wurde mir Angst. ») Roskilde: kleine Stadt in der Nähe von Kopenhagen. (Fortsetzung folgt.) Dbhut des Stadtverordneten Genoffen Clafus. Weitere Anlagen unter städtischer Verwaltung sind am Plößensee, im Südpart, in Spandau, in der Jungfernheide, in der Schönholzer Heide, an der Oberspree, Müggelsee, Grünau und Köpenick erstanden. Fast alle dieje Badeanlagen find von ausgedehnten Waldungen umgeben. Daneben verfügt die Stadt auch über acht Warmbadeanstalten mit zwölf Schwimmhallen, so daß die Berliner auch in der rauhen Jahreszeit dem Schwimmsport sich hingeben können. So ist auch auf diesem Gebiet seit der Eingemeindung manches geschehen, vieles ist noch zu tun. Noch kranten wir sehr an den Folgen des Krieges. Von neuem wird eine verkehrte Wirtschaftspolitik Not und Teuerung hervorrufen. Neue Lasten werden dem Volke aufgebürdet. Neue Opfer für Arbeitslose, Kranke und Invaliden werden die Gemeinden zu bringen haben. Die bürgerlichen Parteien bewilligen nur ungern und in ungenügendem Maße, was die Wohlfahrt für Kinder, Jugendliche und für die Schwachen und Kranken erfordert. Die soziale Fürsorge kann nur zu ihrem Rechte gelangen, wenn die Sozialdemokraten in vermehrter Zahl in die Stadtverordnetenversammlung einziehen. Am 25. Offober haben die Wähler es in der Hand, den Einfluß der Sozialdemokratie im Stadtparlament zu verstärken. Kein Schulbefuch am Maifeiertag! Aber Schulverwaltung und Lehrerschaft- wiffen von nichts. Seit dem Jahre 1922 braucht am 1. Mai tein Schulkind am Schulunterrichtteilzunehmen, wenn die Eltern wegen der Maifeier die Fernbaltung vom Schulunterricht wünschen und das rechtzeitig in der Schule durch einfachen Ent schuldigungszettel melden. Dieses Recht der Eltern, auf das im„ Borwärts" wiederholt hingewiesen wurde, ist festgelegt durch einen Erlaß des preußischen Unterrichtsministeriums vom 24. April 1922, und zwei Jahre später hat das Ministerium in einem Erlaß vom 23. April 1924 nochmals auf die Fortdauer der Gültigkeit jener Bestimmung hingewiesen. Man sollte erwarten, daß von diesen Dingen die Schulverwal tungen aller Gemeinden und auch die Lehrerkollegien aller Schulen hinreichend Kenntnis hätten. Aber in Berlin- Schöneberg träumen einige Leute, noch in der schwarzweißroten 3eit zu leben, wo Lehrern und Kindern die Beteiligung an der Maifeier als schweres Berbrechen angetreidet wurde. Für die Unwissenheit zuständiger Stellen" wollte man dort einen Vater büßen lassen, der als Mitglied der Sozialdemokratischen Bartei in Uebereinstimmung mit seiner Gattin es als seine Pflicht angesehen hatte, am 1. Mai d. J. sein Kind dem Schulunterricht feinzuhalten. Die Mutter teilte das vorher der Schöneberger 16. Gemeindeschule, zu der das Kind gehört, durch einen Entschuldigungszettel mit, aber die Lehrerin Gangloff wollte die Entschuldigung nicht gelten lassen und der Rektor Klings stimmte der Lehrerin bei. Als dann die Eltern, in Kenntnis ihres Rechtes und der darüber ergangenen Bestimmungen des Ministeriums, das Kind am 1. Mai nicht zur Schule schidten, meldete die Lehrerin den Frevel dem Reftor und der gab die Mel dung an die Schulverwaltung des Bezirksamts Schöneberg weiter. Der Vater, der vor dem Gesetz als der Verantwortliche gilt, erhielt, weil das Kind ohne genügende Entschuldigung den Unterricht ver fäumt habe, einen Strafbefehl von einer Mart. Selbstverständlich erhob er Widerspruch und beantragte richterliche Entscheidung, die gestern vor dem Amtsgericht Berlin Schöneberg erging. Als Belastungszeuge gegen den Angeflag. ten, den Gärtner Burow war der Rektor und die Lehrerin zur Stelle, aber nur der Rettor Klings wurde vernommen und fand Gelegenheit, ſeine Infenntnis jener für den Soul betrieb wichtigen Bestimmungen einzugestehen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg, hatte be reits die Ministerialerlaffe dem Richter vorgelegt, der von ihnen bis dahin wohl auch keine Kenntnis gehabt hatte. Als der Richter dem Rettor die Erlasse vorlas, machte der ein verdugtes Geficht. Selbst im Reftorenverein, fagte er, hätte niemand von einem Recht der Eltern, ihre Kinder am 1. Mai dem Schulunterricht fernzuhalten, etwas gewußt. Gewußt hat auch die Schulverwaltung des Bezirks. amts Schöneberg nichts, sonst wäre doch der Strafbefehl gar nicht erft ergangen. Im Hinblick auf die Erlaffe beantragte der Amts anwait selber die Freisprechung, und der Richter entschied so. Die Kosten dieses Brozeffes fallen der Staatstaffe zur Last. Es ist schade, daß man sie nicht denen aufpacken fann, die durch ihre Unwissenheit den Strafbefehl samt Prozeß verschuldet haben. Uebrigens ist doch nicht die gesamte Lehrerschaft in Unkenntnis über jenen Erlaß von 1922, der nicht nur das Recht der Eltern, sondern auch das der Lehrer festlegt. Der Erlaß bestimmt, daß am 1. mai grundsäglich in den Schulen Unterricht zu halten ist". Lehrer haben aber das Recht, für diesen Tag Ur laub zu beantragen, und den Gesuchen von Eltern( oder fonstigen Erziehungsberechtigten) um Befreiung der Kinder Dom Unterricht soll die Schule entsprechen. Wenn nur iminer mehr Eltern dieses Recht gebrauchen wollten, dann fönnten die Lehrer, soweit fie nicht feiber Urlaub zur Maifeier verlangen, balb am 1. Mai por leeren Bänten stehen. Dann wäre auch der am 1. Mai grundsätzlich" zu erteilende Unterricht miterledigt. Gefährliche Nervosität. Es ist begreiflich, daß ein Teil der Bevölkerung infolge der Dachstuhlbrände der lebten Beit in eine gewiffe Nerbofität geraten ist. Aber diese Nerbofität hat Formen angenommen, bie für die Allgemeinheit gefährlich zu werden drohen. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde die Feuerwehr nicht weniger als 12 mal durch blinden Alarm zum Ausrüden gezwun gen. So notwendig es nun auf der einen Seite auch ift, baß bas Publikum von sich aus den Kampf gegen die Feuerstifter tatkräftig unterstützt und auch der rechtzeitigen Entdeckung eines umfang reichen Feners feine besondere Aufmerksamkeit widmet, fo gefähr lich muß es auf der anderen Seite werden, wenn durch übergroße Nervosität die Feuerwehr vergeblich alarmiert wird, da es dadurch vorkommen fann, daß sie im Falle wirklicher Gefahr nicht rechts zeitig genug oder nicht in der nötigen Stärke an dem Brandherd eintrifft. Die Zobelpelze. In dem perfifchen Studenten, Aram Popop. einem ge. bürtigen Ruffen, der wegen schweren Diebstahls vor dem Schöffen gericht Berlin- Schöneberg angeklagt war, glaubte man einen jener gefährlichen Benfionsdiebe erwischt zu haben, deren Spezialität es ist, russische Landsleute zu bestehlen. Diese Diebstähle, deren Opfer in letzter Zeit sehr viele Russen in Benfionaten wurden, werden nach den Ermittlungen ber Kriminalpolizei ganz planmäßig aus. geführt. Einer, der infolge seiner Bekanntschaft und Unterhaltung mit einem Landsmann das Gewünschte erfahren hat, gibt die Annonce", wie es in solchen Kreisen heißt, immer einem anderen, der dann den Diebstahl ausführt. Meistens sind es Belze und Schmuckfachen, auf die es die Diebe abgesehen haben, und die gerade bei Russen viel zu finden sind. 2luf solche oder ähnliche Art follte auch eine Russin, Frau B., in einem Bensionat in der Bassauer Straße, in dem der Angeklagte einige Wochen wohnte, um mehrere Schmucksachen und vor allem um einen fostbaren Zobelmuff, sowie Zobelpelerine durch Popov gekommen sein. Eines Tages hatte sie festgestellt, daß diese Sachen verschwunden waren und daß Popov nicht wiederkam. Einige Zeit darauf bot nun eine ruffische Gräfin in einer hauptsächlich von Russen besuchten Konditorei eine Anzahl Zobelfälle zum Kauf an, und da dort anwesende Bekannte der Be stohlenen von dem Diebstahl wußten, und diese auch die Felle als ihr Eigentum wieder erkennen wollten, wurde die Gräfin festges nommen. Unter dem schnöden Verdachte machte sie einen Selbstmordverfuch. Dann erzählte sie, daß sie die Zobelfelle von dem ihr | befannten, augenblicklich verschwundenen Bopov zum Gefdent| übergeben. Im Anschluß fand eine Besichtigung bes Boos ober erhalten habe. Popov wurde dann eines Tages auf der Straße fest des Zeughauses(!) statt. Es spricht für den gesunden Sinn der genommen. Wo der Angeklagte, der früher hier auf der Handels- Dresdener, daß sich der größte Teil von ihnen in den 800 begab, hochschule studierte, gewohnt hat und was er eigentlich treibt, ist um hier lebendige Gegenwart zu schauen. Auch die Zeughausheute noch in Dunkel gehüllt. Er bestreitet den ihm zur Last ge- besucher mögen auf ihre Rechnung gekommen sein, aber bat legten Diebstahl und behauptet, die fraglichen Belze in Köln ge- Berlin wirklich keine anderen Sehenswürdigkeiten? Gegen 8 Uhr fauft zu haben. Weiter bezeichnete er die ganze Sache als einen abends fuhren dann die Eintagsgäste wieder in ihre Heimat. Racheatt seiner Landsmännin B., deren Liebesanträgen er sich entziehen wollte. Da auch der Sachverständige erklärte, es sei unmöglich, folche Felle mit Bestimmtheit wiederzuerkennen, wurde Popov freigesprochen. Was Kleingärtner schaffen. Obst, Gemüse und Blumen. O Die Juristische Sprechstunde findet wieder wie früher täglich von 3-6 Uhr, Sonnabends von 3-5 Uhr statt. Die Herbstjugendweihe der Groß- Berliner Arbeiterschaft für CharTottenburg findet am Sonntag, den 20. September, vormittags 11 Uhr, Eintrittsim Schiller- Theater, Bismard, Ede Grolmannstraße, statt. farten zu 75 und für Kinder zu 40 Pf. find im Bigarrengeschäft von Schmidt, Rosinenstr. 4, und an der Staffe zu haben. Jugendweihen der Groß Berliner Arbeiterschaft am Sonntag, den Ede Grolmanstraße. • 20. September 1925, vormittags 11 Uhr, für Charlottenburg im Schiller Theater, Bismard arten a 75 und für Kinder 40 Bf. find zu haben im Bigarrengeschäft bei Schmidt, Rofinenstr. 4( am Boltshaus); ferner bei Hinrichsen, Bayreuther Straße 25 a; Kahlfeld, Haefelerstr. 10 E, v. IV; Fritsch, Brahestr. 2-5; Horftig, Sidingenstr. 58; Holldorff, Röntgenstr. 13; Bothe, Kaiſer- Friedrich- St. 52; Bierow, Niebuhrstr. 23 und Schefuß, Joachimsthaler Str. 10. Für Pankow in der Aula des Lyzeums Görsch str. 42. Rarten à 75 Pf. und für Kinder à 25 Pf. find zu haben in der Konsum- Berkaufsstelle Bantow, Berliner Str. 47; Konsum Berkaufsstelle Bankow, Wollantstr. 102; KonsumBerkaufsstelle Niederschönhausen, Kaiser Wilhelm- Str. 79; Konsum- Berfaufsstelle Niederschönhausen, Raiferweg 60. Bor vielen Jahren war es, als der berühmte deutsche Botanifer George in den Gefilden des südamerikanischen Festlandes weilte, dort seine Studien machte und Blumen und Knollen prächtigſter Blütenfarben und Formen mit nach Deutschland brachte. Georgine wurde sie genannt. Aber der Ehrgeiz, durch Züchtungen neue und schönere Blütenfelche entstehen zu lassen, bestimmte den schwedischen Botaniker Dahle dazu, aus der Georgine durch langwierige Versuche die heute sehr bekannte ein noch prächtigeres Blumengebilde Dahlie zu schaffen. So wurde die Knolle dieser üppigwachsenden Schnittblume bald in alle Länder eingeführt und zierte Garten und Blaze. Und das, was große Gelehrte den Blumenfreunden, in erster Linie also den Kleingärtnern und Laubenkolonisten als unverwüftliches Dentmal hinterlassen haben, war am Sonntag in einer prachtvollen Dahlienausstellung in der Pflanzertolonie Subpol? au jeben. Es war die 4. 2 usstellung mit 160 Parteinachrichten verschiedenen Blüten. Einige der schönsten seien genannt. So der violettweißrote Paradiesvogel", die rosa leuchtende Anreas Hofer", die rosa Büchterstolz mit weißer Mitte, die schneeweiße Weltfrieden" usw. Jede einzelne Blüte ein Prachteɣemplar, die nur durch gute Pflege so zu gedeihen vermag. Eine besonders große Auswahl hatte der Ausstellungstisch des Gen. Heinrich, des Dahlien- Königs", aufzuweisen. Er wird so genannt, weil er als Kleingärtner der erste und heute noch der beste Züchter auf dem Gebiete der Dahlienzucht ist. Eine Mufitkapelle unterhielt Veranstalter und Gäste und hielt das kleine zufriedene Bölkchen der Pfanzer vom„ Südpol" noch lange beisammen. DV " eine S0Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 1. Areis Mitte Arbeitsgemeinschaft der Minderfreunde: Mittwoch, den 16. September, 7 Uhr, Funktionärsigung im Seim Blumenstr. 77. Bericht über die Rinderfürsorge in Rußland. Intereffierte Genoffen der Bartei, der Jungfozialisten und Arbeiterjugend find willkommen. 5. Kreis Friedrichshain. Mittwoch, den 16. September, 6½ Uhr, im Rathaus, Bezirksversammlung. Einlaßkarten beim Genoffen Feliz Fischer oben am Eingang. Mitgliebsbuch dient als Legitimation. 6. Kreis Kreuzberg. Heute 7% Uhr Versammlung der Abteilungsleiter mit den Stadt- und Bezirksverordnetenkandidaten bei Schweißardt, Köpenider Straße 166. 11. Kreis Schöneberg. Die Gammellisten der Ferienkolonie find bis zum 20. September mit dem Kreislaffierer Lazer abzurechnen. 18. Areis Beißenfee. Mittwoch, den 16. Geptember, 7% Uhr, Aula bes Realgymnasiums, Boeldpromenade 37, große öffentliche Rundgebung gegen ben neuen Reichsschulgefehentwurf. Referentin Studienrätin Lydia Stöder. Heute, Dienstag, den 15. September: Am letzten Sonntag veranstaltete der Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands in Berlin Reihe von Ausstellungen seiner Gartenerzeugnisse. wohl die Ausstellung im Konzerthaus Bantow als auch die am Brenzlauer Berg in den Räumen des Lotals Steuerhaus bewiesen Don neuem, daß die Kleingärtnerfrage mehr ist als eine bloße Interhaltung. Die Ausstellungen zeigten, daß auch in diesem Jahr 128./13. auto. 75 Uhr Gibung ber Beitungskommission, im Jugendheim. trog ungünstiger Witterung eine Fülle von Gemüse, Obst und Blumen geerntet worden war und legten beredtes Zeugnis ab von dem nie ermüdenden Fleiß des Kleingärtners. Die große Beteili gung und die hohe Anzahl der Besucher müßte auch den Kurz fichtigsten den Beweis. liefern, daß das Kleingärtner- Problem heute große Bedeutung erhalten hat und nicht mehr mit schönen Reden aus der Welt zu schaffen ist. Immer wieder wurde in den Ansprachen darauf hingewiesen, daß die Kleingärtner feste Sied. lungspläge gebrauchen und daß bei der Stadtverordneten wahl nur die Kandidaten eine Stimme erhalten sollten, die sich tatsächlich für diese Frage einsehen würden. 79. Abt. Schöneberg. Pünktlich 8 Uhr im 2obal Rettig, Sedanftr. 60, engere Sämtliche Bezirksführer Jungfozialisten. Die Arbeitspläne für September aur Beröffentlichung im Die Jugend voran" find dem Geschäftsführer fofort einzureichen. Arbeitswoche in Tännidh findet vom 20. bis 26. b. M. flatt. Genosse Max Adler- Wien und Otto Leichter- Wien sprechen. Näheres in der Auguft- Nummer der Jungfozialistischen Blätter". Anmeldungen find fofort der Reichsleitung Belle Alliance- Plak 8, zuzusenden. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: 7% Uhr im Jugendheim Tempelhof, Engeum, Germaniaste, 4-6, Bortoag der Genoffin Serfurth: Altoholfragen". Gruppe Lichtenberg: Infolge der Versammlung sämtlicher 8üge bes Reichsbanners fällt der Gruppenabend aus. Morgen, Mittwoch, den 16. September: 8. Not. Bur Feier der Bollenbung bes 70. Bebensjahres des Genoffen Auguft Bohl treffen fich die Mitglieder und deren Frauen um 8 Uhr im Gaal 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25. 8. Abt. Die Bezirksführer rechnen am Donnerstag, den 17. September, ab. Abt. 8a bei Sellge, Steinmestraße; Abt. 8b bei Butter, Magdeburger Straße 20. 22./23. t. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Sagenbed, Müller, Ede Geeftraße. Bortvog des Genossen Stadtv. Kreuziger: Die Stadtver orbnetenwahlen". 27., 30., 31. bt. 7% he bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Sigung ber Abteilungsvorstände. Besprechung der Wahlarbeit. 49. Abt. Schwerhörigengruppe. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Jugendheim Bortrag des Genossen Lanba: Die Bedeutung der Stadterordnetenwahlen, Schwerhörige, als, Gäßte willkommen, gas 56, bt. Charlottenburg. 7 Uhr Funktionärverfammlung bei Liersch, Rant nat 73, Abt. Schmargendorf. 7% Uhr außerordentliche Mitgliederversammlung im Lehrerzimmer der Gemeindeschule. Borbefprechung der Wahlarbeiten. Der Vorstand und die Funktionäre tagen um 7 Uhr ebenda. 82. Abt. Steglik. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Schellbase, Ahornstraße. Vortrag. Im Etablissement Carlshof" am Spandauer Schiffahrtskanal veranstaltete der Bezirksverband der Kleingartenpereine der Verwaltungsbezirte 2 und 7 seine vierte Gartenbauausstellung. Daß die Zahl der kleinen und bescheiden, aber geschmadDoll ausgestatteten Laubengärtchen trotz aller Widerwärtigkeiten noch immer im Bachsen begriffen ist und die Kleingärten zumindest den bisher feßhaften Boden für sich hartnäckig zu erhalten suchen, gibt ein beredtes 3Zeugnis von der Liebe zur Scholle, zu dem Stückchen Land, auf dem der Kleingärtner nach Gutbünken schalten und walten tann. Auch in dieser Ausstellung tonnten Eigenarten und gute Büchtungen der Kleingärtnererzeugnisse von ben Gästen betoße 62. wundert werden. Feld- und Gartenfrüchte, Blumen und Einge machtes" zierten die großen, weißgedeckten Tische. Als Sonderheit tann ein Kürbis von 120 Pfund und Kartoffeln von eineinhalb Pfund Schwere genannte werden. Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag nachmittag hielt der Vorsitzende des Verbandes Paulutat am Sonntag nachmittag hielt der Vorsitzende des Verbandes Baulutat eine Begrüßungsansprache, und Stadtrat Genosse milf nahm gleichfalls Gelegenheit, den Kleingärtner Worte der Anerkennung über die gute gelungene Ausstellung auszusprechen. Musikalische Darbietungen umrahmten die Veranstaltung. Auch wir möchten uns immer wieder dem Ruf der Kleingärtner anschließen: Schafft Kleingärten in Form von Dauerkolonien, denn die Weiterentwicklung und Erhaltung der Kleingärten ist eine Forderung, die die Gesamtheit des Boltes, insbesondere die Bewohner der Großstadt, in reichem Maße interessiert." Die Ausstellung ist bis Dienstag, ben 15. September, abends 7 Uhr, geöffnet.. Rentonn. 94. Abt. 7% Uhr wichtige Funktionärßigung bei Schröder, Steinmegstr. 52. 95. Abt. 7 Uhr Sigung der Bezirksführer und Bezirks taffierer bei Grieger, Leffingfir. 9. Alle Bezirke müssen vertreten fein. 102. Abt. Baumschalenweg Bünktlich 7½ Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Sak, Baumschulenstr. 71. Tagesordnung: Die Tätigkeit unferer Fraktion im Stadtparlament". 109. Abt. Friebrichshagen. 7% Uhr bei Scholz, Friedrichstr. 81, Mitgliederverfammlung. Stellungnahme au den Stadtverordnetenwahlen. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr bei Werner, Röpenider Str. 108, Mitgliederver fammlung. Bortrag des Genossen Toltsdorf über Die bevorstehenden Wahlen". ungfozialisten. Gruppe Mitte: 8 Uhr Glasbrenner- Abend in der Schule Gipsstr. 29a. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 16. September: Schöneberg 77. Abt. 8 Uhr bei Jürgens, Barbarossastr. 5, Bortrag des Genoffen Stadtv. Caeminsti: Die Frau im fommenden Stadtparia. ment". 78. Abt. 8 Uhr bei Rönig, Feurigs, Ede Brina- Georg- Straße, Vortrag des Genoffen Wilberg: Borbereitungen aur tommenden Stadt und Bezirksverordnetenwahl". 79. Abt. 7% Uhr bei Groß. Sedanftraße 17, Vortrag der Genoffin Carmen Sola: Wirtschaftspolitit". 7% Uhr im Boltshaus Scharnweberstr. 115, Bortrag über Die tommenden Wahlen". Der Bezirksverband Wilmersdorf, Mitglied des Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands, hält noch bis Dienstag abend in der Oberrealschule, Hindenburgstraße, seine Ausstellung offen. Die Berlängerung um einen Tag ist sehr zu begrüßen, denn die Ausstellung ist von einer mustergültigen Uebersichtlichkeit. Da nicht den verschiedenen Vereinen besondere Tische eingeräumt wurden, sondern 137. bt Reinidendorf- Weft. Blumen, Obst und Gemüse ihre Gruppen bilden, ergeben sich nicht nur eine bessere Vergleichsmöglichkeit, sondern auch oft wundervolle Stilleben. Es ist, als ob der Herbst all seinen Reichtum offenbaren wollte. Röstliche Birnen, Alepfel, Berge der verschiedensten Kürbis arten, Riefenrettiche, Kohlrabi, Möhren, wer zählt die Völker, fennt die Namen. Besonderes Interesse verdienen noch der angelegte Muftergarten und die Sammlung von Gartenschädlingen, die der im Betrieb stehende Transportarbeiter E. Lötsch mit viel Liebe und Sachkunde zusammengestellt hat. aus Dresden ein Sonderzug mit etwa 670 Dresdenern ein, Dresden in Berlin. Am Sonnabenbabend um 6.30 Uhr traf bie bas Berlehrsamt der Stadt Berlin zu einer Be fitigung der Hauptstadt der deutschen Republik veranlaßt hatte. an gewann den Eindrud. daß dieser erste Versuch, durch Veranftaltung von Sonderfahrten den Berlinern neue Freunde zu gewinnen, gelungen ist. Am Sonntag fuhren die Teilnehmer mit der Straßenbahn durch die sehenswertesten Teile von Berlin. Zur befferen Drientierung hatte man ihnen einen gedruckten Führer Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 15. September. Sport. Frankreich gewinnt den Steherkampf. Mit einer gewiffen Spannung erwartete die Berliner Radsport" gemeinde den Steherfampf Deutschland- Frankreich), der am Sonntag auf der Olympiabahn vor sich ging. Im ersten Lauf über 20 Kilometer um den Preis vom Rönigsdamm" besetzte bald Grassin die Spize, um sie auch nicht wieder abzugeben. Beim Ziel ging Lewanow als zweiter Mann( 170) durch vor Sawall( 240), Parisot( 320), Miquel( 1410) und Dobe ( 1500 Meter zurüd). Frankreichs Vertreter besezten dann im 3 weiten auf über 30 Kilometer um den Preis von Spandau" die drei ersten Pläge. Das Resultat dieses Laufes stellte sich wie folgt: 1. Graffin 25 Minuten 41 Sekunden; 2. Parisot( 5), 3. Miquel( 1470), 4. Gawall( 1600), 5. Dobe( 1810), 6. Lewanow( 3960 Meter zurück). Den legten Lauf sicherte fich Sawall in 42 Minuten 46,3 Sekunden. Grassin wurde zweiter Mann( 350) vor Miquel( 750), Dobe( 2210), Parisot( 2290) und Lewanow( 10 500 Meter zurück). Im Gesamtergebnis ging Frankreich mit 26 Bunften als Sieger gegen Deutschland ( 37 Puntte) hervor. Im Malfahren der Flieger über 1200 Meter fiegte Neinas vor Errleben, Linsener und Naujokat. Das Vorgabefahren sicherte sich K. Müller( 110) vor R. Krüger( 160), W. Krüger( 80) und Schulz( 100 Meter Vorgabe). Wetter für Berlin und Umgegend. Troden und ziemlich beiter, am Tage etwas wärmer. Für Deutschland. Ueberall troden bei etwas steigenden Tagestemperaturen. Wenn Sie eine and Wenn Sie eine Bubilopf Frisur haben, Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4,30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Literarische Stunde. 7.30 Uhr abends: Ansprache des mexikanischen Gesandten in Berlin General Ortiz Rubio anläßlich des mexikanischen Nationalfeiertages, gesprochen von Freiherr Grote, Mitglied der mexikanischen Gesandtschaft. Anschließend: 1. M. M. Ponce: Mexikanisches Volkslied Estrellita". 2. Mexikanische Preiß. 7.55 Uhr abends: Dr. Georg Wegener: China, Land und Nationalhymne( gesungen von Maria Bonilla). Am Flügel: Ludwig Leute". 5. Vortrag. Die Entwicklung der Beziehungen Chinas zum Westen. 8.30 Uhr abends: Konzert. 1. Haydn: Largo aus dem Streichquartett op. 76( Fritz Wenneis auf dem Harmonium). 2. Tartini: Andante cantabile( Alfred Pellegrini, Violine); Fritz Wenneis. Harmonium). 3. a) Händel: Passacaglia, by Hopf: Fantasie( Anna Hopf Geidel. Harfe). 4. Thomé: Andante religioso Präludium für Violine solo( Alfred Pellegrini). 6. a) Chopin ( Alfred Pellegrini, Anna Hopf- Geidel. Fritz Wenneis). 5. Bach Nocturno, b) Oberthür: Wiegenlied, c) Oudshoorn: Dorfliedchen ( Hermann Hopf, Cello; am Flügel: Artur Andrae). 7. a) Mozart: Laudate dominium, b) Matthys: Abendgesang( Hermann Hopf, Anna Hopf- Geidel, Fritz Wenneis). 8. C. Schumann: Notturno ( Alfred Pellegrini, Fritz Wenneis). 9. Mascagni: Lyrische Vision, aus den Celestabearbeitungen von Wenneis( Fritz Wenneis). 10. Vieuxtemps: Adagio religioso aus dem D- Moll- Violinkonzert, bearbeitet von Pellegrini( Alfred Pellegrini. Hermann Hopf, Anna Hopf- Geidel. Fritz Wenneis). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. bann genießen Sie den Vorteil, daß das Waschen und Trodnen hres Haares wenig Mühe macht. Waschen Sie Ihr Haar regelmäßig, mindestens wöchentlich einmal und benutzen Sie dazu nur Pigavon, die milde, flüssige Haarwaich Teerseife, der durch ein patentiertes Beredelungsverfahren der üble Teergeruch und die buntle Farbe genommen sind. Bigavon ist hell und angenehm duftend. Ju lautvarmem Wasser aufgelöst gibt es reichen Schaum. Regelmäßige Kopfwaschungen mit Bigavon find eine wahre Wohl. tat für die Kopfhaut, wirten anregend auf den Haarwuchs, machen das Saar geschmeidig und geben ihm Duft und seidigen Glanz. Bwischen Pigavon und gewöhnlicher Haarwasch- Teerseife ist ein unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Piravon gibt es nur in den bekannten, geschlossenen Originalflaschen. Eine Flasche Bigavon, Preis 2.50 Mart, überall erhältlich, reicht Monate. Berichte des Parteivorstandes. Heidelberg, 14. September.( Eigener Drahtbericht.) Den Bericht über Agitation, Organisation und Kasse erstattet dem Parteitag Friedrich Bartels: Reine andere Partei legt 10 genan Rechenschaft ab über den Stand der Organisation, teine hat einen so festen Organisationsförper wie die Sozialdemokratie. Zwei Drittel unserer Gesamteinnahmen sind die regelmäßigen Beiträge unserer Mitglieder, während die bürgerlichen Parteien von den Unterstügungen wohlhabender Gönner abhängen und die Kommunisten von den Unterstützungen Mostaus leben. Deshalb ist es Heuchelei, menn unsere Gegner aufgeregt tun, weil wir einmal von einem wohlhabenden Parteifreund 20 000 m. Wahlbeitrag erhalten haben. So lange die anderen Parteien nicht nachweisen fönnen, daß solche Zuweisungen bei ihnen eine ebenso untergeordnete Rolle spielen, mie bei uns, fönnen wir ihnen fein Recht auf Kritik zuerkennen. ( Sehr wahr!) Natürlich tonnte der sprunghafte Mitgliederzuwachs nach der Revolution nicht DON Dauer sein, insbesondere bei den schlechten Wirtschaftsverhältnissen, bie auch legten Jahre zum Rüdgang beigetragen haben. Trogdem haben im Berlin, Breslau und der Niederrhein noch Fortschritte zu verzeichnen gehabt. Leider wird der Mindest beitrag nicht mehr überall durchgeführt. Wir bitten, alle Anträge auf Abänderung der Beiträge abzulehnen. Mit der Verlegung des Geschäftsjahres auf das Kalenderjahr sind wir einverstanden. Die Parteipreffe ist zurzeit start in Anspruch genommen durch die notwendige technische und bauliche Erneuerung, die seit dem Kriege start vernachlässigt worden war. Die feit langem eingeleitete 3entralisation des Eintaufs und gegenseitige Hilfeleistung ist durch Gründung der Konzentration A.-G. Sozialdemokratischer Druderel- und Berlagsbetriebe zustande gekommen. Wir haben gegenwärtig 170 foglaldemokratische Tageszeitungen einschließlich der Kopfblätter und 103 eigene Barteidruckereien. Der Beitrag der Wirtschaftsbetriebe zur Parteitaffe, deren Ueberweisungen der Parteipreffe wieder zugute fommen, hat uns über die schwerste Zeit hinweggeholfen. Auch jetzt fann die Bartei diese Einnahmen nicht entbehren. Wir beantragen deshalb eine Benderung im Organisationsftatut, daß nämlich der bisher freiwillige Beitrag der Parteigeschäfte zum Pflicht beitrag gemacht wird. Die Gesamteinnahmen der Bezirksorganisationen betrugen 6,6 Millionen Mart. Davon stammen allein 4,1 millionen aus reinen Mitgliederbeiträgen. Das find stattliche Zahlen, die die gesunde Kraft der Parteiorganisation beweisen( Lebhafte Sustim mung.) Der prozentuale Anteil der Mitgliederbeiträge an den Gesamteinnahmen ist nach der Inflation ftändig gewachsen. Im legten Jahre hat der Parteivorstand mehr als eine Viertel Million Mark Darlehen an die Parteipresse gegeben und für das laufende Jahr werden diese Ausgaben noch weit höher sein. Die Wahl ausgaben betrugen mehr als 2,4 Millionen. Sie sind über wiegend aus eigener Kraft von den Parteimitgliedern aufgebracht worden. berichtet Ueber die Bildungs- und Kulturarbeit der Partei Heinrich Schulz: Der Ring der Organisationen der Bartel ist durch das, was die Arbeiter für ihre fulturelle Betätigung geschaffen haben, jetzt im großen und ganzen geschlossen, von der Fürsorge für das gefährdete Kind an bis zur Pflege des wissenschaftlichen Sozialismus. Nach der Inflation hat sich unsere Bildungs- und Kulturarbeit sehr bald erholt und ist weiter ausgedehnt worden. Die im Sommer gepflegten Ferienfahrten haben sich besonders bewährt. Geplant ist eine verbefferte Buchbearbeitung mit Hilfe des Bücherkreises. In der heutigen Zeit haben auch Reich, Staat und Gemeinden mehr als früher die Bflicht übernommen, für die Volfsbildung zu sorgen. Die hierfür zur Verfügung gestellten öffentlichen Mittel müffen unsere Genoffen voll in Anspruch nehmen. Unserer Bildungsarbeit folgte die Jugendpflege, der sich gerade Frig Ebert mit besonderer Liebe ange nommen hatte. Die Hauptetappen der Jugendbewegung nach dem Kriege waren die Tagungen in Weimar, Bielefeld und Nürnberg. Alle Erwartungen übertroffen hat der Hamburger Jugendtag. Aus unserer Arbeiterjugendbewegung ist dann die junglozia. listische Bewegung hervorgegangen, die nicht so allseitig befriedigt. ( Sehr wahr!) Das erklärt sich aus der gärenden Zeit, in der unsere Jungsozialisten heranwachsen mußten. Aber sie wollen, das Beste, und wir wollen fie lehren, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Nach der Revolution haben sich die sozialistischen Lehrer zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Auch ihre Zusammenarbeit mit den Organisationen hat nicht überall befriedigt. Nachdem aber inzwischen auch bei den Lehrern die Spreu, die die Novemberereignisse mit in die Bartei hineingefegt hatten, verflogen ist, wird dieses Verhältnis besser werden. Mit unserer Kinderfreunde- Bewegung wollen wir Sonne im Herzen der Arbeiterfinder schaffen. Gewiß wollen auch wir die Kinder erziehen im Sinne der Arbeiterbewegung, aber nichts liegt uns ferner, als schon die Kinder zu fleinen Sozialisten heranzuzüchten.( Sehr wahr!) Darum lehnen wir das tommunistische Muster ab, den Kindern die Unbefangenheit und Freude am Leben zu rauben und politische Demonstrationen durch fie veranstalten zu laffen. Auch die sozialistischen Studenten haben sich jetzt erfreulicherweise zusammengetan, und an verschiedenen Universitäten auch die alten sozialistischen Akademiter, um ihnen zu helfen. Auf diesem Barteitag haben sich auch Genossen zufammengefunden, die die sozialistischen Hochschullehrer, die Aerzte, die Berwaltungsbeamten usw. fefter zufammenfassen möchten. So ist der Aufruf des Leipziger Kulturtages bald erfüllt, der einen großen sozialistischen Kulturbund forderte.( Lebhafter Beifall.) Ueber den Stand der Frauenorganisation berichtet Marie Juchacz: Im Gegensatz zur Organisation der Männer ist die Zahl der organisierten Frauen im letzten Jahre ein wenig geft i egen. Aber in 14 Bezirken mar das nicht der Fall, und so scheint mir die Organisation der Frauen zahlemmäßig noch nicht fräftig genug. Ich möchte meinen Bericht wesentlich tritifcher einstellen als Genoffe Schulz. Unser Biel muß sein, daß die Frauen, die die gleichen Rechte haben wie die Männer, fich auch im gleichen Maße politisch betätigen. Davon find wir aber noch weit entfernt. Selbstverständlich wollen wir keine besonderen Frauenorganisationen, wohl aber brauchen wir eine besondere Frauen bewegung und dazu die nötige Bewe gungsfreiheit. Arbeiter Sport Sportfeste der Arbeiter. Anzahl von Sportfesten gebracht. Ein Scherzwort sagt: Beim Der zur Neige gehende Sommer hat uns wieder eine reichliche rechten Sportler muß nach zwei Trainingstagen immer ein Sport fest tommen. Auf den Sport- und Spielplätzen, in Schwimmbädern und sonstigen Uebungsstätten trainieren die jungen und kampffreudigen Burschen und Mädchen ihren Körper, ohne sich viel Kopfschmerzen darüber zu machen wie es die altmodischen" Turner tun welchen gesundheitlichen Nugen die einzelne Uebung hat. Warum auch? Wer nach Arbeitsschluß und Sonntags dem Häusermeer und den Fabriken entflieht, der hat auf Sportplägen, in Wald und Feld, beim Laufen, Rudern, Segeln, beim Was dem Körper wohltut und rechte Freude und Lust bereitet, Wettspiel usw. schon das richtige Gefühl des gesundheitlichen Nuzens: wird nicht von Schaden sein. Stafette holte sich Leipzig- Ost vor Stettin und Fichte Südost. In einer schönen Beit entschied Besser- Eiche- Leipzig geit 24,4 min. beträgt, benötigte er nur 0,8 Min. länger. Der Stabdas 5000 Meter Gehen für sich. Während die beste Bundeshochsprung sah Trebuth Fichte- Südost mit 3,25 Metern vor Regler- Dresden mit 3,20 als Gieger. = wenn auch schließlich keine Spitzenleistungen erzielt wurden. Die Die Ergebnisse des Sportfestes waren durchaus beachtenswert. Hauptfache beim Arbeitersport ist die Ertüchtigung des Körpers und darin zeigten sowohl die Gäfte als auch der festgebende Verein recht Ansprechendes, Gutes, sogar sehr Gutes. Nachstehend die Resultate: 100- Meter- Ban 100- Meter- Vorgabelauf, Männer: Ott- Spandau 11,9. ( Einladung): Winnice( UGC.) 11,4.1000- Meter- Lauf( Einladung): Radow Stettin 2: 46,1. 7500- Meter- Lauf: Wagner- Leipzig 25: 49,4. 5000- MeterGehen: Besser- Leipzig 25: 2. Kugelstoßen: Len- Moabit 11,69. Hochsprung ( Einladung): Lippert- Lichtenberg 1,71 Meter. Stabhochsprung: Trebuth ( Südost) 3,25 Meter. Weitsprung: Deller( West) 6,13 Meter. Speerwerfen: Strunt( Freie Turnerschaft Groß- Berlin- Wedding) 39,30 Meter. 4X100- MeterStaffel, Klaffe B: Spandau 48,4. 4X100- Meter- Staffel, Klaffen C und D, Lauf A: Moabit 1: 14,9; 2auf B: AGC. 1: 10,8. 3X1000- Meter- Staffel: ( Gübpit) 12,6. Leipzig 8: 51,6. 20X- Rundenstaffel: AGC. 10: 4,1. 100- Meter- Lauf, Jugend 07/08, 2 auf A: Dimmler( Sparta) 12,4; 2 auf B, 09/10: Nehrlich 1500- Meter- 2auf: Grasse- Nowames 4: 43,6. Kugelstoßen: Ranig- Schöneberg 11,26 Meter.- Speerwerfen: Reinhardt- Neukölln 42,20 Meter. Weitsprung: Dümmler( Sparta) 5,65 Meter. 4X100- Meter- Staffel, Lauf B: Gildoft 0:49; 2 auf A: Sparta 0:48. Olympische Staffel: Gildoft 4:11. 100- Meter- Lauf, Sportlerinnen: Nau( FTGB.- Webbing 13,8. Weitsprung: Brauer- Stettin 4,45 Meter. Sochsprung: Oliem( Fichte 12) und Bleud( Groß- Berlin- Often) je 1,30 Meter. Kugelstoßen: Buich( Südost) sain( AGC) 20,30 Meter. 7,14 Meter, Bestleistung: Buich 7,92 Meter. Distuswerfen( Einladung): 4X100- Meter- Staffel: Fichte 12 54,8. Olym 100- Meter- Lauf, ältere Sportler über 35 Jahre: Möller- Zehlendorf 13,6; 30-35 Jahre: Bergmann- Schöneben 12,4. Rugelfioßen: Murrar( Sparta) 4X100- Meter- Staffel: Moabit 53: 4. 4X100- Meter- Staffel, pische Staffel,& auf A: Spandau 62,9; Lauf B: FTGB.- Wedding 57,6. 9.11 Meter. Güler: Moabit I 60,4. Quer durch den Osten. lauf der Leichtathletikvereinigung bringt dieser Nach dem jetzt vorliegenden Meldeergebnis zum Straßen700 Teilnehmer auf die Straße. In der Hauptstaffel treten mit den 2. und 3. Mannschaften zusammen 27 Mannschaften an den Start. Die fleine Staffel wird von 10 Mannschaften bestrit ten. An Frauenmannschaften haben sich bisher 6 gemeldet. Die 7½ Kilometer lange Strede wird als Einzelkonkurrenz pon 17 Läufern bestritten. Die in allen anderen Klassen vorliegen. den Meldungen versprechen äußerst scharfe Kämpfe. Die LangDer Start für alle Konkurrenzen ist gemeinsam um 3 Uhr. Das ftredenläufer werden vor und nach dem Lauf ärztlich untersucht. Antreten erfolgt bereits um% 2 Uhr, da um 2 Uhr die Autos den Landsberger Blaz verlassen. Die Sportfeste der Arbeiter sollen aber noch einen anderen 3wed erfüllen: fie follen wirkliche fozialistische Kultur bringen und sich dadurch vom bürgerlichen Sport unter betrachten, so müssen uns aber notwendigerweise heute noch manche scheiden. Wenn wir die Arbeitersportfeste in diesem Sinne fritisch 3weifel tommen. Die bürgerliche Gesellschaft propagiert den Rampf der einzelnen Individuen gegeneinander. Aus der Masse sondern sich die Großen und Starten ab, sie sind die Helden und Führer" des Boltes. Dementsprechend ist auch der bürgerliche Sport auf den Einzelkampf, auf die Höchstleistung eingestellt. Dieser sport liche Ehrgeiz wird durch den Egoismus der Nachkriegszeit noch stark gefördert. Im Gegensah hierzu will die sozialistische Gesell fchaft den Kampf der einzelnen gegeneinander beseitigen und alle Menschen zur solidarischen Zusammenarbeit erziehen. Der Arbeitersport soll die tulturelle Stüße dieses fozialistischen Brinzips sein. Die Jungmannschaft soll bei Spiel und Sport das sozialistische Kulturideal in sich aufnehmen. Demnach müssen die Arbeitersportfeste die Mallen ausbildungen und Massen vor führungen an die Spize stellen. In Wirklichkeit haben aber auch leistung gebracht. Bom Standpunkt der sozialistischen Kultur be die Arbeitersportfeste diesen Sommer reine Wettkämpfe um die Höchft. trachtet, haben sie sich dadurch von den bürgerlichen Festen nur durch den Grad des Personentultus unterschieden. Zwischen Turnern und Sportlern ist nun ein Streit entstanden, wem eigentlich die Leitung der Sportfeste zusteht. Die Märkische Leichtathletikvereinigung"( MLB.) verlangt, daß ihr alle leichtathletischen Veranstaltungen nehmigt, so stellt die MLB. Kampfrichter und sonstige technische vorher zur Genehmigung unterbreitet werden. Wird das Fest geFunktionäre, um eine einwandfreie Durchführung der Beranstaltung sicherzustellen. Diese Forderung muß in vollem Maße als berechtigt anerkannt werden. Es darf nicht zugelassen werden, daß durch minderwertige Beranstaltungen das Ansehen des Arbeitersports in ber Deffentlichkeit geschädigt wird. Soweit die Turner parte gegen die Leitung dieser reinen Sportfeste durch die MLB. Einspruch erhebt, fann dem schon aus technischen Gründen nicht zugestimmt werden. Eine andere Frage ist es aber, ob diese Wettkämpfe um die Höchstleistung als alleiniges Programm überhaupt dem fozialistischen Prinzip des Arbeitersports entsprechen. Der Arbeiter. turn- und Sportbund" stellt als Kulturorganisation die Massenausichuk). 3. Berschiedenes. ausbildung an bie Spize seines Programms. Für die Spezial zweige der Leibesübungen sind die Sparten der Turner, Leichtahtleten und Schwimmer geschaffen, die durch solidarische Zusammenarbeit diesen Gedanken in die Tat umsehen sollen. Im Gegensatz hierzu hat die Leichtathletiksparte fich durch die Gründung der MLB. und die Arrangierung reiner Sportfeste auf der Grundlage individueller Höchstleistung mehr und mehr zu einer Sonderorganisation nach dem Muster der bürgerlichen Leichtathletikverbände entwickelt. Es besteht durchaus die Gefahr, daß sich durch die immer größere Selbständigkeit der MLB. ein gleich scharfer Gegensatz zwischen Turnen und Sport herausbilden fann, wie dies bei den Bürger lichen der Fall ist. daß die Turner zurzeit eine vollständige Umstellung ihres technischen Begünstigt wird diese Gefahr noch dadurch, Betriebes vornehmen, die erst in ein bis zwei Jahren in allen Bereinen zur Durchführung gekommen sein wird. Die Leichtathletik hat daher gegenwärtig ein feftes Programm und eine gute technische und organisatorische Leitung, während bei den Turnern alles noch im Werden ist. Der Langftredenläufer Wagner- Leipzig, bekannt durch seinen glänzenden Kampf gegen die finnischen Sportgenossen auf der Frankfurter Arbeiterolympiade, hat von diesen eine ehrenvolle Einladung zu einer Langstredentonfurrenz in Finnland erhalten. Wie wir erfahren, wird er der Einladung Folge leisten. 4. Startellbezirt, Prenzlauer Berg. Die fällige Rartellbezirksligung findet am Mittwoch, ben 16. b. M., pünktlich 8 Uhr, bei Berner, Genefelder. ftraße 32, flatt. Tagesordnung: 1. Berwaltungsfragen. 2. Jugendamt( Orts Schwimmverein Borwärts 1897, e. B., Gruppe Norben. Dienstag, den 16. September Uebungsabend im Stadtbab Bedding, Gerichtstraße, von 7 bis Jeden Mittwoch und Freitag ab 9 Uhr. Wir erwarten vollzählige. Teilnahme aller Mitglieder. Berliner Schwimmerverein Freiheit"( Mitgl. d. A.-T. u. Sp.-B.). Freitag, den 18. Geptember, abends 8 Uhr, außerordentliche Generalversammlung bei Seidel, Schönhauser Allee 156. Jn Anbetracht der wichtigen Beschlüsse, bie au fassen find, ist das Erscheinen aller Mitglieder der Männer fowie Frauenabteilung notwendig. Mittwoch, den 16. Geptember, abends 7 Uhr, Jugend figung in der Schule Rastanienallee 81-82. Donnerstag, den 24. September, nach der Uebungsstunde Techniterfikung. Der erste reservierte Badeabend findet am Donnerstag, den 1. Ottober, von 7-8% Uhr im Stadtbad Brenz lauer Berg, Oderberger Straße, ftatt. Mittwoch, den 23. Geptember, abends 15. September, erfter refervierter uebungsabend in der Boltsbadeanstalt Surmstr. 85a, abends von 7-9 Uhr. 7 Uhr, Rufammenkunft der Mädchen- und weiblichen Jugendabteilung in der Schule Rastanienallee 81-82. fängerturfus für Jugendliche und Erwachsene( Montags und Donnerstags Die Jiu- Jitsu- Abteilung Norbost" nimmt zu dem foeben begonnenen Anlich 15. Geptember entgegen. Fortgeschrittene Jiu- Jitsuer finden erstklaffige 7-10 Uhr, Turnhalle Christburger Str. 7) Anmeldungen noch bis einschliekBartner vom Fliegengewicht( 100 Bfund) bis zum Schwergewicht( 250 Pfund). Gäste sind stets millkommen. Touristenverein Die Raturtrennbe"( Zentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, den 16. September, Monatsverfammlung in der Schule Weinmeisterftraße 16-17. Bortrag des Genossen Dr. Lange über Ginn des Lebeus". Erscheinen aller Genossen notwendig. tember, Mitgliederversammlung im Heim Lütticher Str. 48. Abt. Webbing: Dienstag, den 15. Gep 20. September, fahrt durch den Krämer. Treffpunkt 6.45 Uhr Butlikitraße. Sonntag, dent Gäfte willkommen. Athletik- Sport- Club, c. B. Leichtathletik, Socken, Rudern. Männer, Geschäftsstelle: Rurt Liebruds, Berlin D. 34, Tilfiter Str. 46. Dienstags und Donnerstags ab 6 Uhr Trai. ning sämtlicher Abteilungen auf dem Fichteplag in Baumschulenweg. Schrift führer der Hodenabteilung: Willi Miehlke, Berlin D. 34, Weidenweg 27. Er Eine ideale Lösung dieser Streitfrage fann nur gefunden werben, des Bundes zusammenarbeiten. menn Turnen und Sport solidarisch nach den Grundsägen Arbeiter- Turn- und Sportfesten sowohl Massenübungen wie Dies bedeutet, daß auf allen leichtathletische Wettkämpfe gezeigt werden. Jede Sparte Frauen, Jugend- und Schülerabteilung. Zusammenarbeit zwischen Massen- und Einzelsport ist bei der hat dann die Aufsicht über das ihr unterstehende Gebiet. Diese ideale Olympiade in muftergültiger Weise gezeigt worden. Aber auch das Berliner Stadionfest des Kartells zeigte diese Harmonie bei athleten, Turner und Schwimmer beteiligten. Nur die Wanderer den Massenübungen aller Sparten, an denen sich Fußballer, Leichtund Radfahrer stellten sich noch abseits; sie sollten in Zukunft daran beteiligt werden. Deshalb erheben wir die Forderung: Rein Sportfest ohne Waffenübungen. Auf jedem Sportfelt sollen Turner und Sportler zusammenarbeiten! Wenn nach diesem Grundsatz gearbeitet wird, werden nicht nur alle Differenzen zwischen Turnen und Sport" verschwinden, sondern unfere sportlichen Beranstaltungen werden auch zu wahren Kulturfesten im Sinne des Arbeitersports werben. Herbstsportfest Sportverein Moabit. Der Sportverein Moabit fann von Glück reben, daß ihm der Bettergott zu dem 3. Herbst sportfest wenigstens den Nachmittag vom Regen frei hielt. Trogdem hatte aber die nasse Witterung der vergangenen Woche und die Regenschauer selbst am Sonntag vormittag noch den Boden des Sportplages im Tiergarten so aufgeweicht, daß die Sportler mit einer außer Ronkurrenz startenden Schippermannschaft die angesammelten Regenmassen zum Abziehen bringen mußten. Die Innenseite der Laufbahn war und blieb aber dennoch unbenutzbar. Einige Läuferfelder mußten deshalb verkleinert werden. Natürlich wirkte die feuchte Bahn auch auf die Zeiten. Das bundesoffene Sportfest, das unter Wir müffen ein Frauenführertum heranbilden, nicht in der ideologischen bürgerlichen Form, sondern ein Führertum, Teilnehmer aus den Arbeitersportvereinen von Magdeburg, Leipzig, den größeren Veranstaltungen so ziemlich den Kehraus macht, hatte bas feine ganzen Fähigkeiten in der Frauenbewegung entfaltet. Noch Stettin, Brandenburg, Fürstenwalde herbeigeführt, denen sich immer fehlt es in allen Bezirken an Frauen, die für diese Aufgaben Startende der größeren Berliner Vereine und der Vororte an geeignet sind. Deshalb müssen wir alles tun, um die heranreifenden schloffen. Die Sensation des Tages war der Start des Leipzigers Kräfte zu fördern. Eine neue Frauenzeitschrift wird für die Frauen agner im 7500 Meter Laufen. Wagner, der bei der nicht notwendig sein. In der Arbeiterwohlfahrt haben viele Kräfte, Olympiade in Frontfurt a. M. glänzend gegen die Finnen abschnitt, die früher aus inneren oder äußeren Gründen fein Arbeitsfeld inner führte das starke Feld vom Startschuß an. Er überrundete bereits halb der Bartei gefunden haben, eine Betätigung befriedigendfter auf dem halben Bege Sonnenburg- Moabit und nahm in der ver. Art. Gerade die Frauen haben hier mit ungeheurer Lust und Liebe hältnismäßig sehr guten Zeit von 25 Min. 49,4 Set. nach einem mitgearbeitet. Die Arbeiterwohlfahrt bestärkt bei den Genoffen und Genoſſinnen die innere Befriedigung an der Arbeit und glänzenden Spurt das Band. Bendin Germendorf wurde für die Arbeit an der großen notleidenden Allgemeinheit. Der Ge- lieferten sich der Athletit- Sport- Club"," Freie Turnerschaft Lichtencima 130 Meter zurüd zweiter. Im Lauf 20 × ½- Rundenstaffel banke der Arbeiterwohlfahrt hat sich so gekräftigt, daß ich darüber berg" und Fichte- Südost" ein äußerst spannendes Rennen. Der mit der größten Befriedigung sprechen kann.( Lebhafter Beifall.) Den Bericht der Kontrollkommission erstattet Athletit- Club hatte durch seine langbeinige Mannschaft manchen Borteil, mußte aber trogdem stellenweise die Führung an Südost abgeben. Beim vorlegten Staffelwechsel per paßte Lichtenberg die Ablösung, Südost hatte schlecht übergeben, sodaß schließlich ber Athletit Sport Club vor der Sportabteilung Schöne berg" jiegen fonnte. Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin" hatte für den 100- meter Lauf der Sportlerinnen u. Olympiafiegerin Ra u entfandt, die ihre Gegnerinnen in leichter a. dic Weise abfertigte; 3eit: 13,8 Gel. Die 3x1000 meter. Brühne: Ueber den Parteivorstand ging der Kontrollkommission nur eine einzige Beschwerde zu, die indessen wieder zurückgenommen wurde. Die Kontrollkommission hat alle Raffen und den Parteivorstand revidiert und sich ein Bild von der großen Arbeit des Parteivor standes gemacht. Wir beantragen einstimmig Entlastung des Parteivorstandes( Mittagspause) T und So fröhlich -Du wie Du am Morgen aufftebt, so überwindest Du die Arbeit bes Eages. Bift Du aber beim Aufstehen ständig müder als beim Srs. Bett- Geben, dann bist Du nicht nur ein bißchen verschlafen fonbern son nicht mehr gefund. Woher tommt es, daß er ain Morgen fiets munter ist? Die täglichen einen Prisen Dr. Schröders Aufbaufatz machen es Dir fehlt daher nurt Täglich 2x1 Peife Aufbau Sal 1 ganzes Leben Sugend Das Satz des Lebens ist ein vitaminbaltiges Nährsatz- Präparat, Hergestellt nach den neuesten Errungenschaften der Vitamin Nährsala- Wiffenf@ aft. es faffe..gefundes, aftafireiches Blut. Es behebt. Müdigkeit, Abspannung, Antuft, Depression. Es fräftigt. Rerben, Muskeln, Baarwurzeln, Zahngebilde. Es erneuert die Zellen und Gewebe. Es fördert. die Verdauung, den Blutumlauf, Stoffwechfel. Es reinigt. Mieren, Leber, Darm und Blase. Es bindet..bie überschüssigen Säuren im Blut u. in den Organet. Es gibt.... Rräftegefühl, Grobfinn, Wohlbehagen. Es ift...... gefchmacklos, geruchfrei, angenehm zu nehmen. Dr. Schröders Aufbausalz die physiologische Ergänzungs. Nahrung( ges. gesch.) zeigt überraschende Erfolge bel allen Zuständen. Originalglas Mark 2.50( für 3 Monate ausreichend). In Apotheken und Drogerien zu haben, wenu nicht, wende man sich wegen Franto- Zusendung an„ Vita" Bertriebs. u. Handelsges. m. b.S., Berlin GB. 48, Besselstraße 19. Telephon: Dönhoff 349. Wirtschaft Das Aufwertungsgeschäft der Aktiengesellschaften. Die Klage über den Mangel an Kredit gehört zu den täglichen Stoßgebeten der deutschen Industrie. Mit dem Mangel an Kredit wird alles begründet, was mangelhaft ist: die Löhne, die Gehälter, die Preise, die Unternehmungsleitung und die Unlust, Steuern zu zahlen. Es wäre falsch, wenn man über die Klagen hinweggehen wollte, als wenn sie völlig unbegründet wären. Es ist sicher richtig, daß die fremden Geldmittel, die der deutschen Industrie als mitarbeitendes Kapital zur Verfügung stehen, heute weniger umfangreich sind als vor dem Kriege. Das hat aber auch noch andere Gründe als die, die dafür immer angeführt werden. Eininal sind die Schulden der deutschen Industrie, die in den Bilanzen als mitarbeitendes Fremdkapital erscheinen, heute deswegen geringer als früher, weil von der Inflationszeit her noch das Barfassegeschäft weit verbreitet ist. Zum anderen ist der Umfang der mitarbeitenden fremden Mittel aber auch deswegen gesunken, weil durch die Entwertung der Mark die Obligationen und Hypothekenschulden der deutschen Industrie in erheblichem Umfange schmerzlos ge. löscht worden sind. Was hat die deutsche Industrie an der sogenannten Aufwertung ihrer Obligationen und Hypotheken verdient? Einen gewissen Anhalt geben die Goldmark- Eröffnungsbilanzen. Sie sind vom Statistischen Reichsamt bisher für 2720 Aktiengesellschaften berechnet worden, die schon vor dem Kriege existierten. Die Obligationen- und Hypothekenschuld dieser 2720 Actiengesell faften betrug 1913 3,187 Miliarden Mart. In der Goldmark Eröffnungsbilanz 1924 finden wir an Obligationen und Hypotheken bei diesen Gesellschaften nur noch 385 Millionen Mark. Mit anderen Worten: die erwähnten Aktiengesellschaften haben 87,9 Proz. ihrer Obligationen und Hypothekenschuld„ verloren"; die Aufwertung belastet sie nur mit 12,1 Proz. ihrer Vorfriegs- Goldschuld. Wenn man die einzelnen Industriegruppen betrachtet, ergibt sich ein außerordentlich interessantes Bild. Die Banten find 98,2 Proz. ihrer Obligationen und Sypothekenschulden losgeworden. Der Warenhandel fonnte 96,1 Proz. dieser Schulden abbuchen. Beim Verkehrswesen find es 92.5 Broz. In der Industrie der Grundstoffe 88,7 und in der verarbeitenden Industrie 87,5 Broz.! Die erwähnten Ziffern zeigen für die deutschen Aktiengesellschaften, son eit fie bisher ihre Goldmarkbilanz vorlegten, einen Entschuldungsgewinn von rund 2.8 Milliarden Goldmart. Aber das ist erst der Gewinn, den 2720 Aftiengesell schaften gemacht haben. Wir haben jedoch rund 6000 BorkriegsAttiengesellschaften. Weiter haben auch ein Teil der 12 000 Kriegs- und Nachkriegsaktiengesellschaften aus der Entwertung der Hypotheken und Obligationen Gewinne geschöpft. Man fann deswegen annehmen, daß der gesamte Gewinn der deutschen Attiengesellschaften aus der urgenügenden Aufwertungsgefeggebung rund 5 bis 6 Milliarden Goldmark beträgt. rund haben. Von diesen berichteten zur Bierteljahrsstatistit des zweiten Vierteljahrs 673 mit 3 256 000 Mitgliedern. Die Zahl der berichtenden größeren Konsumgenossenschaften zeigt einen Rüdgang, der lediglich auf die Saumseligkeit mancher Konsumgenossenschaften zurückzuführen ist. Obwohl über rund 100 000 Mitglieder gegenüber dem ersten Bierteljahr nicht berichtet worden ist, zeigt der Umsah doch eine 3unahme von 148 Millionen Mart auf 157 millionen Mart. Der vierteljährliche Durchschnittssak erhöhte fich von 44,14 m. auf 48,26 M. Die Gesamtsumme des Geschäftsguthabens der zur vorliegenden Vierteljahrsstatistik berichtenden 673 Konsumgenossenschaften betrug 18,8 Millionen Marf, hingegen im ersten Bierteljahr 17,6 Millionen Mart. Obgleich über 100 000 Mitglieder weniger berichtet worden ist, ist eine erfreuliche Zunahme vor| handen. Einen wesentlichen Anteil an dem Betriebskapital der Konsumgenossenschaften machen zurzeit die Spareinlagen aus. Erfreulicherweise ist eine Anzahl von Konsumgenossenschaften bereits in der Lage, einen Teil ihrer Spareinlagen gegen dreimonatige Kündigung bei der Bankabteilung der Großeinkaufsgesellschaft anzulegen. Die Gesamtsumme der Spareinlagen betrug für das zweite Vierteljahr 63,1 Millionen Mart, gegen 58,1 Millionen Mart im ersten Bierteljahr, trop der 100 000 Mitglieder, über die weniger berichtet worden ist. Neues Geld waren im ersten Bierteljahr 17,3 Millionen Mart, im zweiten Vierteljahr 23 Millionen Mart vorhanden. Auch die Durchschnittsberechnung ergibt das gleiche Bild. Der erfreuliche, wenn auch langsame Aufstieg, in dem sich die deutsche Konsumgenossenschaftsbewegung, Don Ausnahmen abgesehen, befindet, berechtigt zu der besten Hoffnung, daß die Scharte, die die Inflation geschlagen hat, wieder ausgewegt wird. Private und öffentliche Verkehrsunternehmungen. Uns wird geschrieben: A Es ist noch in aller Erinnerung, wie vor etwa einem halben Jahre auf Veranlassung der deutschen Automobilindustrie den vom Reiche kontrollierten Deutschen Kraftfahrzeugwerfen in Spandau die Produktion eines guten und billigen Personentraft wagens in Serienfabrikation unmöglich gemacht worden ist. Wenn jetzt zum erstenmal die Auslandskonkurrenz einfegen wird, für die sich bekanntlich Henry Ford bereits eine eigene handelsgesellschaft in Berlin gegründet hat, wird sich zeigen, daß selbst einige der größten deutschen Automobilfabriken nicht mehr fonkurrenzfähig bleiben werden. Und das trop der hohen Zölle! Diese Erfahrung, die schon heute als feststehend betrachtet werden fann und die nichts anderes bedeutet, als daß man den deutschen Inlandsmarkt lieber den ausländischen Produzenten als einem im Besitz der öffentlichen Hand befindlichen Unternehmen ausliefert. hindert das Reichsverkehrsministerium nicht, in der Frage des Kraftwagenverkehrs dem Privatkapital schon wieder neue Ron effionen zu machen. Wie sich aus Pressemeldungen ergibt, find es diesmal die über das ganze Reich verstreuten Kraftverkehrsgesellschaften, die im Einvernehmen mit dem Reichsverkehrsministerium vor allem Lastkraftwagen für den Zubringerdienst zur Reichsbahn in Verkehr gesetzt haben. Das freie Transportgewerbe wehrt sich gegen diese Konturrenz, und es scheint, als ob das Reichsverkehrsministerium, wie in solchen Fällen Wenn das deutsche Unternehmertum über den Mangel an mitüblich, die öffentliche Förderung des Lasttraftwagenverkehrs_zuarbeitenden fremden Mitteln flagt und im besonderen darauf hin- gunsten der Privatunternehmer aufgeben werde. Das würde weist, daß der Umfang diefer ihm zur Verfügung stehenden fremden höchstwahrscheinlich in relativ furzer Zeit zur Monopoli. Mittel gegenüber der Vorkriegszeit ganz wesentlich zurüdierung dieses Transportzweiges führen, da bekanntlich im gegangen sei, so darf bei der Ermiderung darauf nicht vergessen Verkehrswesen die Entwicklung von Tarifpereinbarungen zwischen werden, daß die fremden Mittel der deutschen Wirtschaft auch da den einzelnen Transportunternehmungen beinahe regelmäßig eindurch geringer geworden sind, daß sie mit Hilfe der Inflation und zutreten pflegt. der Aufwertungsgesetzgebung vom Unternehmertum in ihre eigene Tasche gesteckt worden sind. Für solchen Geminn tann man auch gut und gern einmal die Wahlbewegung materiell etwas unterstützen". Man sieht doch zu sehr deutlich, daß derlei Angaben sich wieder einbringen. Was hat das Unternehmertum mit diesen billigen Gewinnen gemacht? 3 Während der Inflation sind diese Gewinne auf dem Wege über Bezugsrechte mit vollen Händen an die Aktionäre ausgeschüttet worden. Und dann hat man alles Heil darin gesehen, den Sa ch mertbesig zu vergrößern. Der finnlos große Grund- und Gebäudebefiz unserer deutschen Industrie ist eine der Hauptursachen ihres Kreditmangels. Der Jammer darüber soll die Zuhörer nur vergessen machen, wie unfähig in weiten Schichten das deutsche Unternehmertum sich gegenüber den wirtschaftlichen Problemen der jüngst vergangenen Jahre gezeigt hat. Kurt einig. Aus der Vierteljahrsstatistik der Genossenschaften. Die von den Revisionsverbänden des Zentralverbandes deuts scher Konsumvereine aufgenommene Vierteljahrsstatistit gibt eine Uebersicht über Umfaz, Geschäftsguthaben und Spareinlagen der Stonsumgenossenschaften. Die Vierteljahrserhebungen erftreden sich auf diejenigen Konsumgenossenschaften, die 400 und mehr Mitglieder Am 12. September entschlief sanft nach schwerem Leiden unser lieber Vater. Schwiegervater und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, Herr Justizrat Hermann Freudenthal im 72. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Franz Freudenthal, Elli Bücher geb. Freudenthal, Fridel Freudenthal geb. Koch, Otto Bücher und zwei Enkelkinder, Berlin, den 14. September 1925. Friedrichstraße 4. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch, den 15 September 1925. 12 Uhr, Weißensee, Alte Halle. Hierdurch sage ich allen, die meinem lieben Mann Rudolf Hahn Trauerfpenden jeder Art liefert preismeri Paul Golletz, normals Rebert Meyer, Mariannenstr. 3. Amit MorinoL 103 30 KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstrastraße Deutscher Metallarbeiter- Verband Mittwoch, den 16. September, abends das legte Geleit gegeben haben, meinen 6% 2hr, in den„ Sophiensälen", herzlichsten Dant. Ida Hahn. Sophienste. 17/18: Versammlung Deutscher Nahrungs- und Genuß- der erweiterten Ortsverwaltung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung ( Sitz Dom Breslauer Gewerkschaftstongres 2. mittelarbeiter- Verband Hamburg). Sutelt mu segen Settion der Bäder. Zahlstelle Berlin, Engelufer 24/25. Achtung! Achtung Donnerstag, den 17. September, abends 7, Uhr, im Gewertschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal IV: BäderbraucheBerjammlung Tagesordnung: 1. Darf der 5- Uhr- Anfang bleiben? Referent: Kollege Schumann. 2. Die Wahl der Ausschüsse und Borstände in den Innungsfrankenfaffen. Fehle niemand in der Versammlung! Mitgliederaufnahme am Saaleingang. Die Settionsleitung. gegen Borlegung bes Mitgliedsbuches und Dez mit bem Stempel der Ortsverwaltung verfehenen Legitimationstarte für die Mitglieder der erweiterten Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Oefen Eiserne Oefen Kacheloefen Herde für Kohle und Gas R.Zechlín C.25 19 Alexanderplatz 49 Zähne Diese Frage scheint uns von außerordentlicher Bedeutung vor allem für die deutsche Landwirtschaft zu sein, für die der Lasttraftwagenverfehr unter Umständen von großer Bedeutung, besonders für den Obst, Gemüse, Bieh- und Molkereiprodukten. transport, werden könnte. Wir glauben, daß die Deffentlichkeit ein Interesse daran hat, ausführlich über die Verhandlungen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und dem freien Transport gewerbe" unterrichtet zu werden. Der Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser hatte unter dem 11. September 1925 seinen großen Ausschuß zusammenberufen, um vor allem zu den Maßnahmen Stellung zu nehmen, die die Reichs regierung zum Zwecke der Preissenfung anzuwenden beabsichtigt. Der Ausschuß hat in eingehender Aussprache beschlossen, den Mitgliedern des Berbandes dringend ans Herz zu legen, durch Inappste Kalkulation namentlich bei allen Artikeln des täglichen Gebrauchs an der Preissenfung mitzumirfen. Er erachtet es aber als dringend notwendig, daß die Industrie ihre Kalkulation auf das Minuliöjeſte einstellt, damit verhindert wird, daß Waren zu billigeren Preisen aus dem Ausland auf den deutschen Marit tommen. Nur bei solcher Kalkulation fann auch der deutsche Export und mit ihm die Arbeitsmöglichkeit gefördert werden. Dixin Das dankbare Seifenpulver Inferieren Größte Ergiebigkeit und hervorragende Waschwirkung! Dixin ist für jedes Waschverfahren geeigne!. Besonders vorteilhaft für Maschinenwäsche zu verwenden! Ohne Chlor. wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage Besonders billig! bringt ERPOLO des Vorwärts" and 1 und 2 Mark. Goldkronen von 8 Mark an. Persönliche fachmännische Behandlung. Wöchentliche Teilzahlung gestattet. B. Wolff, Charlbg., Berliner Str. 110, nahe Wilhelmplatz Berlin O 17, Madaistr. 15, Ecke Koppenstraße Die Lage der Blechwarenindustrie hat sich im Auguft gegenüber dem Vormonat faum verändert. Der Umfang der Produktion, der nach wie vor weit unter der Leistungsfähigkeit der Betriebe liegt, fonnte im allgemeinen aufrecht erhalten werden. Einer stärkeren Steigerung der Ausfuhr stehen die überhöhten heimischen Produktionskosten entgegen. Diese lassen in Verbindung mit der durch die Weltwirtschaftskrise verschärften Auslandskonkurrenz, insbesondere Englands, Belgiens und der Tschechoslowakei, einen gewinnbringenden Auslandsabjazz kaum zu. Von dem baldigen Abschluß ausfuhrfördernder Handelsverträge dürfte eine gewise Belebung des Geschäfts zu erwarten sein. Das Inlandsgeschäft war gleichfalls äußerst ruhig. Das gilt vor allem von Herden und emaillierten Haus- und Küchengeräten. Eine in Blechemballagen und verzinkten Waren einsegende stärkere Nachfrage verspricht für die Herbst- und Weihnachtsjaison eine leichte Belebung. Besonders schleppend war der Zahlungseingang, der fast nur in Atzepten erfolgte. Die Preise sind so gut wie unverändert geblieben. Erhöhte Gestehungskosten sind bisher in Preissteigerungen nicht zum Ausdruck gekommen, um den Marit nicht weiter zu verengen. Man erwartet, daß der in der Bildung begriffene Feinblechverband dieser Lage Rechnung tragen wird. Hinsichtlich des Abkommens zwischen der Rohstahlgemeinschaft und der Arbeitsgemeinschaft der Eisen verarbeitenden Industrie im Reichsverband der Deutschen Industrie( Avi), das den verarbeitenden Werken in gewissem Umfange den Einkauf ihrer Rohstoffe zu Weltmarktpreisen ermöglichen soll, ist zu bemerken, daß eine Regelung hinsichtlich der Qualitätsfeinbleche und der Weißbleche bislang noch nicht erfolgt ist. Erweiterung des Kartells der Wäschekonfeffion. In diesen Tagen ist, wie der Konfektionär" erfährt, eine durchgreifende Konzentration der Kartelle in der Wäschekonfektion und verwandten Branchen zum Abschluß gelangt. Die bisher der Geschäftsführung von Dr. Hans Heiman unterstehenden Wirtschafts verbände der Wäschekonfektion, nämlich der Verband Deutscher Damenwäschefabrikanten e. V., der Verband Deutscher Schürzen, unterrod und Kinderkleiderfabri tanten e. V. und der Verband der Fabrikanten konfektionierter Weißwaren, Rüschen, Kinderhüte und verwandter Artikel sind mit Wirkung vom 10. September in das Verbandsbureau des Syndikus Brie, Berlin, übergesiedelt. Da der Kartellverwaltung Brie bereits eine ganze Reihe anderer Organisationen der Wäschefonfektion, so vor allem der Verband Deutscher Herrenwäschefabritanten und die dazu gehörige Spizenorganisation, die Fachgruppe Bekleidungsindustrie im Reichsverband der Deutschen Industrie, angehören, so ist damit ein außerordentlich enger Zusammenschluß der Organisationen der Wäsche und Weißwarenkonfeftion erfolgt, der naturgemäß die Basis dieser Wirtschaftsgruppen außerordentlich verstärken dürfte. Geschäftliche Mitteilungen. Richt das Oberbett ist es, welches den alleinigen Schuß gegen Erkältung bietet, sondern eine gute Daunen oder Steppdede. Die belannte Wiener Steppdecenfabrik Bernhard Strohmandl, Berlin G. 14, Wallstr. 72, Filialen: Spittelmarft, Ede Sendelstraße, und Berlin W., Rifolsburger Plak 2, Ecke Trautenaustraße, hat es fich zur Pflicht gemacht, dem einfachsten sowie dem verwöhntefien Geschmad Rechnung zu tragen. Die Filiale Berlin W., Nikolsburger Blas 2, bietet außerdem eine reiche Auswahl in Metallbettstellen und Auflegematragen. Jllustrierter Breiskatalog fteht gratis zur Verfügung. Thr eigener Wohlfäfer sind Sie, wenn Sie zur Schonung Ihrer Nerven und zum Besten Ihres Geldbeutels Continen tal- Absätze tragen. Vors züglich in Qualität, billiger und dauerhafter als Leder, gereichen sie jedem Schuh zur Zierde. Verlangen Sie von Ihrem Schuhmacher daher ausdrücklich Ontinental Absätze grau, schwarz oder braun. So gut wie Continental- Reifen. 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Eine Frau mit nackten Füßen, die unter dem wulstig aufgeschürzten Rock schmutzig heroorsahen: wähernd sie rannte kam ein wütendes Kreischen aus ihrem schiefstehenden Munde; die blaue Kopfkoppe, die die Bauernweiber als Hut tragen, hatte sich verschoben und das schüttere, von der Sonn« gebleicht« Haar kam darunter zum Borschein. Die Frau, die im Dorfe nur»Tin- chen* genannt wurde, war taubstumm und schwachsinnig, und es gab wohl einen Knecht, der ihr zu nahe gekommen wäre. Aber vor Iahren war sie den Soldaten im Manöver in die Hände gefallen. Und die hatten sich, gleich eine ganze Rotte, weder an ihren Schwach- sinn noch an die Taubstummheit der armen Person gekehrt. So hieß der Junge, der später im Armenhaus geboren wurde, mit Recht das Soldatenkind. Tinchen fuhr auf den Schulze« los, daß der unwillkürlich den Arm vorhielt. Und der Man» konnte lange Zeit nichts tun, als dem wütenden Gebelfer, das aus dem schiefen Mund« mit den gelben Zähnen kam. schweigend standzuhalten. Er zeigte nur immer wieder auf die kleine Brontiftell«, zwischen dem Hühnerstall und dem großen Misthaufen aus br.- noch gelblichgrauer Qualm hervorschwclte. Und seltsam, mit einer erstaunlichen Kunstfertigkeit hatte der kleine Missetäter aus Stöcken. Tannenreis, Brettstückchen und Stroh ein richtiges Bauernhäuschen aufgebaut, um es dann in Brand zu • stecken. Daß er damit die Stallgebäude, die zum Teil noch mit Schindeln gedeckt waren, und das ganze Gehöft in die größte Ge- , fahr brachte, daran daeK« der eben achtjährige, für seine Jahre ab- norm kräftig« Junge wohl gar nicht. Aber wo war er denn? Der Gemeindevorsteher sah sich nach ihm um, und seine Mutter stieß den unartikulierten rasielnden Ton au», der soviel wie.Karl" bedeuten sollte. Doch Karlchen kam nicht. Der saß oben auf dem Heuboden, toi« ein Iltis versteckt und spähte aus der Luke nach den beiden hinab, die nun gemeinsam das angebrannt« Häuschen besahen. .Er muß weg!" sagte der Bauer recht laut und die Worte so formend, daß die Taubstumm« sie ihm vom Munde ablesen konnte, .ick hew mi schon akunnigt, da i» sonne Anstalt, wo so unjeratene Kfnners aßogen wärn. Dat is bei Berlin un ick schrieb« hüt noch an't Landratsamt, dat he wech möt!" Di« Frau hatte nur dos eine oerstanden, daß sie ihr Kind hergeben sollt«. Und das warf sie, wie ein schwer auf ihren wirren Kopf geführter Schlag, nieder: sie siel auf die Knie und rang in stammelnder Bitte die Hände und flehte schluchzend und heulend um Gnade für ihr Kind. Der Bauer besaß, wie die meisten dieser Riesenmenschen, ein weiches Herz, er wollte schon sein« Drohung zurücknehmen und die Arme trösten, al» sein Aug« von ungefähr nach dem Heuboden hin- aufflog, wo sich gerade in diesem Moment der rote Kopf de» Jungen mit verschmitztem Grinsen verbarg. .Nee," sagte der Bauer, �>e möt weg! Un dat bald«! Hei stecht mi fünft noch dat Hu« öwer'n Kopp an!" Und von dem laut weinenden Tinchen begleitet, ging er hin- über in da« stattliche Wohnhaus, über desien Dach die drei mächti- gen Linden, die auf dem Dorfplatz standen, ihr« ragenden Kronen breiteten.... Drin sagte der Schulz« der Taubstummen, daß er e» für diesmal noch hingehen lassen wollte! Aber sie sollte ja aufpaffen wen» der Junge noch einmal mit Feuer spielte, dann könnte er nicht ander«, al, ihn in eine Erziehungsonstalt bringen! Der Karl Dörbrandt saß oben im Heustall und dachte nach... Das tat er oft und stundenlang, bis sein Kopf im Nebel der Müdigkeit hinsank auf da» duftende Heu. Dann schlief da» Kind, und es kam vor. daß er, der immer Hungrige, über zwei Essens- zelten fortfchlief, bis ihn fein« taubstumm« Mutter mit heiserem Grölen suchte, um ihn. wenn er endlich zum Dorschein kam. wie eine Tolle abzusüffen. Der Karl hatte feste, weiße Zähne und starke, gerade Knochen: seinem Körper hatte die Entartung nichts anhaben können. Aber über feinen Kopf wundert« sich der Jung« manchmal selber.... Er sah oft in der tiefften Finsternis helle, chlendende Lichter auf- zucken und während er sich am Tag« vor nichts so leicht ängstigte machte ihm die Dunkelheit Angst. Denn seine Mutter oder wer sonst immer Feuer mochte auf dem Herd, dann wich der Junge nicht von der Stelle und in seinen Augen deren Pupillen sich maff- los erweiterten, lodert« die Freud«, wie der Widerschein der Herdglut.... Der Karl dachte darüber nach, daß ihn der Lauer fortbringen wollte von hier.... Daß er fort sollte, war ihm ganz recht: wo anders hin hatte er schon lange gewollt und auch daran gedacht, fortzulaufen. Seine Seele hing weder hier noch sonstwo an einem Menschen, seine Mutter hatte er nicht lieber wie die Bäuerin: im Gegenteil, des Schulzen Weib war noch jung und ein« schöne, rot- wangjge Frau, und sie lachte oft und gab ihm manchmal Milch, die er gern trank.... Aber in die Anstalt, da hinein wollte er nicht!... Das war, wie er sich's vorstellte so«in großer grauer Kasten, ganz dunkel und lauter kleine, enge Löcher ohne Licht: wo einer war, der die Kinder fortwährend schlug... nein, da wollte er nicht rein!... Der Bauer hatte es zwar schon öfter gesagt, daß er de« Karl hinbringen wollte, aber einmal tat er's doch! Und da» Feueranmachen sein lassen, das brachte er ja doch nicht fertig! Karl Dörbrandt lachte hell auf:.der Junge", das war er! Haha! Feuer anmachen war schön! Schöner als alles andere! Aber mal tat's der Bauer doch und brachte ihn fort! Bielleicht worgen oder schon heute.... Er faßte in die kleine Tasche seiner Leinenhos«... da steckte die Streichholzschachtel... wenn es hier brannte, dann hatte der Bauer mehr zu tun, als ihn wegbringen.... Dann sah der Junge auf den Hof hinab: ein« kleine graue Kotze spielte dort mit einer weißen die hatte Karl beide lieb, Katzen überhaupt, weil die klettern konnten, und kratzten, wenn man ihnen was tat... ihn hatte auch mal eine gekratzt, aber nicht sehr... bloß ein bißchen. Und vielleicht brachte ihn der Bauer heute noch hin... heute noch?... Ja, er wollte sowieso wegfahren. Bormittag hatte der Heinrich das Rad geputzt, mit dem der Bauer immer nach der Bahnstation fuhr... über mit auf» Rad konnte er doch nicht?— Na, dann wurden eben die Pferde angespannt, wa'n ja genug da!,,, Karl hatte die Streichhölzer in der Hand.... Die das hier brennen mußte! Wie schön hell! Er wollte dann gleich die Ställe aufmachen, damit das Bieh raustonnte.... Ein leiser, knisternder Ton... ein Flämmchen... wie gebannt starrte das Kind in das rasch aufflackernde Feuer... wie helle, rote Schlangen kroch es hinein in den Boden. Das Heu glühte erst, die ihm noch innewohnende Feuchtigkeit hiell der Flamme Wider- part, aber der rote Hahn flattert« immer weiter... und zu der Luke hinaus zogen die ersten Rauchschwaden.... Das Kind, dessen Blicke, wie von einer teuflischen Gewalt gebannt, an den züngelnden, lichtspendenden Flammen hingen, ver- suchte jetzt instinktiv zurückzuweichen. Aber es fand den Weg nicht mehr zwischen den glimmenden Heumassen hindurch... Es fing an zu weinen, seine Haare sengten, die Auge« taten ihm weg von dem beizenden Qualm und jetzt schrie es hell auf: die erste Flamme hatte ihn ins Fleisch gebissen.... Ein Knecht kam über den Hof... die breite Bauernnas« hob sich witternd... Dal er sah den Qualmt... Es schrie einer.,. Und nun auch er:.Feuer!!" Und»Feuer! Feuer!" gellte«» über den Hof, durch» Hans, den Garten hinab bis zum See, wo die Männer, die Frauen ihre Herbstmanöver. »Parade ohne S. M. is Trauerparade. Einzige Mission, die Reichswehr hat. is. un» Agrariern schlechte Kavallerie- pferde zn juteu Preisen abzunehmen!" Arbeit hinwarfen und wie besessen auf den Hof rannten, hin zur Brandstelle. Auf dem Land« kann ein fortgeworfenes Streichholz den Unter- gang eines ganzen Dorfes bedeuten, da kommt olles darauf an, wie der Wind steht.... Und der Wind stand gegen das Dorf hin. ... Hu, wie blies da das Feuerhorn seine dumpfen Hilferufe, wie rasselten die Spritzen heran und wie hals ein jeglicher bei dem schwierigen Werk des Löschens.... Das Bieh konnte man noch retten, bis auf ein paar Hammel, die immer wieder in die Flammen hineinliefen.... Aber der Heustall stürzte ein und auch die vecht»- liegende Scheune brannte hell auf.... Und mit einemmal kam ein Weib,«in heulendes, brüllendes, wülendes Frauenzimmer daher. Das durchbrach die Menschen- menge mit Riesenkräften und vier Männer hatten zu wn. die Rasende zu bändigen. Zwischen die glühenden Balken hinein wollte sie, um ihr Kind zu retten, ihren Jungen, dessen verkohlte Gebeine am anderen Tage zwischen den rauchenden Trümmern gefunden wurden. ?m slawischen Süden. Reisebriefe von Hermann Wendel. 2. Bosnien und Herzegowina. Der sich zum erstenmal von der Küste der Adria losreiht, um sich in Cruz(Graoosa), dem Hasen Dubrovniks(Ragusas), dem ms Londesinnere strebenden Zug anzuvertrauen, dem krampst sich das Herz zusammen. Anfangs grüßt noch die unendlich schimmernde Fläche des Meeres zum Abschied hinüber, und die sanften Reize des Omblatals scheinen zu rufen: Bleib hier! Bleib hier! Aber schnell wird der schmale Streijen. der längs der ganzen Küste Dalmotien heißt, überwunden, und wie von eines bösen Zauberers Hauch ist Lieblichkeit und Fruchtbarkeit zerstoben. Die Herzegowina ist Stein unter Steinen. Wenn sich der Zug schneckenhaft langsam in Win. düngen und Serpentinen zu unwahrscheinlichen Höhen empor- geschraubt hat, stockt schier der Puls vor der erdrückenden Wucht der auf- und durcheinandergetürmten Felsmassen. Spitzen, Schroffen. Wände, Schluchten und Karst, alles ohne Baum, ohne Strauch, ohne Halm, und wie prallen von diesem nackten Fels die Glutpfsile einer südlichen Sonne zurück! Breitet sich einmal stundenweit neben dem Zug ein fruchtbarer Kessel aus, so ist es eine seltene Naturerscheinung. das Popooo Polje oder Pfaffenfeld: in und nach der Regenzeit ist es ein einziger riesiger See, der aus unterirdischen Karstgewässern ge- speist wird, und auf dem Kähne fahren und Netze ausgeworfen werden: dann verläuft sich die Flut, sickert ein, trocknet aus, und der Bauer erntet in Fülle Mais und Tabak, wo er bald wieder, in einen Fischer oerwandelt, Barsche und Aale fangen wird. Gedeiht in der Herzegowina die Feige und der Granatapfel, so verliert in ihrem nördlichen Teil und erst recht in Bosnien die Pflanzenwelt ihr fremdartig südliches Gepräge. Auch hier ragen die Gebirge schwindelhoch in die Wolken, auch hier keucht der Zug, von einer Lokomotive gezogen, von einer geschoben, an steilen Ab- gründen dahin, aber die Berge sind heimatlich grün von Laubwald, und fast mit Rührung entdeckt man die schlichte Schafgarbe über eine langentbehrte wirkliche Wiese verstreut. Doch auch was der Mensch au» dem Seinen zur Natur gefügt hat, hält den Beschauer in Lltem. Unvergeßlich die Sichouetre M o st a r s, der weißen Stadt mit dem kühnen Bogen der Römer- brücke und den schlanken Gebetstürmen ihrer mohammedanischen Gotteshäuser, auf Klippen gepflanzt, durch die sich das eisklare und eiskalte Wasser der Neretva(Narento) meerwärts drängt:»nvergeß- licher der Anblick Sarajewos von einer der die Stadt eitt. schließenden Höhen: unten im Glast de» frühen Spätsommerabends breitet sich die große Menschensiedlung aus, die Minaretts ihrer hundert Moscheen heben sich nadelfein vom umschleierten Himmel ab� die berühmteste weithin in der islamischen Well, die Gazi Husref Begova, im 16. Jahrhundert prächttg erbaut, wölbt ihre majestätisch« Kuppel hinan. Durch die Häusermass« ist da» silbern« Band der Miljatzka gezogen, gewallige Kasernen und moderne Verwaliungs- gebäud« neben dem Gähchengewirr des an Tausend und«ine Nacht gemahnenden Basars künden vom Untergang de« Morgenlandes. rechts und links der Straße torkeln die schiefen Grabsteine moham- medanischer Friedhöfe durcheinander, in krausen Buchstaben Koran- sprüche aus ihrer Borderfläche, und an den Hängen hocken, de« schwarzen Gesichtsschleier herabgezogen. Muselmaninnen wie fremd- arttge Riesenvögel und genießen der Ruhe. Denn von der Türkcnflut, die einst über ganz Südosteuropa hin- fegte, blieb in Bosnien und der Herzegowina lebendigst« Gegenwart zurück; ein Drittel der Bevölkerung hängt der Lehre des Propheten an, trägt Fes oder Turban, hört auf den täglich fünfmal ertönenden Gebetsruf des Muezzin und neigt sich in der Richtung gegen Mekka. Aber deshalb von Türken zu reden, heißt groben Irrtum nähren. Die bosnischen und herzegowinischen Muselmanen sind so wenig Türken, wie die deutschen Katholiken Römer; nach Blut und Sprache unterscheiden sie sich in nichts von den Serbokroaten orthodoxen und katholischen Bekenntnisses, die, soweit sie Dörfler sind, auch durch farbige Trachten und ehrwürdig« Bräuche zu der Buntheit dieser Menschenwelt beittagen: national ist, die rund 20 000 zum Teil vor. zum Teil erst nach der Okkupation eingewanderten deutschen Siedler ausgenommen, die Bevölkerung durchaus eindeutig und einhellig. da auch die namentlich in Sarajewo zahlreichen Sephardimjudsn «rbokroattsches Bewußtsein hegen und pflegen. Aber durch die Per- chiedenheit der Bekenntnisse und Ueberlieferungen ist eine Mannig- älligkeit der kulturellen Aüsdrucksformen aufgeblüht, wie sie sich in gleich anregender Mischung nirgends im ganzen Land, vielleicht nirgends in unserem Erdteil findet. Wollt ihr den Orient in Europa sehen? Geht nach Bosnien! Wollt ihr die Wirkung Europas auf den Orient belauschen? Auf nach Bosnien! Da vor einem halben Jahrhundert der Halbmond noch über dies« Lande gebot, wird den habsburgischen Sachwaltern, die das türkische Erb« in verlottertem Zustande übernahmen, leicht allzu großer Verdienst um ihre zivilisatorische Hebung zugeschrieben. Der Augenschein spricht allerdings für sie. Straßen, Eisenbahnen, Hotels — alles stammt von den Oesterreichern, aber gebaut wurde das alles aus rein militärischen Gründen, wie die vielen Kasernen auch. Was eine wirtlich kulturelle Großtat gewesen wäre, und was man in der Zeit des Berliner Kongiesses auch männiglich von ihnen erwartete, die Verwandlung des geschundenen und geplagten Pachtboirern in einen freien Eigner, das haben die Oesterreicher gründlich unterlassen. An das mittelalterliche Kmetensystem mit seiner Erntedritteläbgab« wagte der habsburgische Herrenstaat nicht die Axt zu legen, weil er die Herrenkaste der Begs nicht vor den Kopf stoßen wollte, und weil er auch in seinen Kernprovinzen auf«ine Handvoll feudaler Großgrundbesitzer mehr gab, als auf Millionen von Landproletariern. Die ungelöste Kmetenfrage, von der Mittel- und Westeuropa wenig wußte, war das eigentlich fressende Geschwür am Leibe Bosniens, und da Wien und Budapest auch sonst das Land wie ein Kolonial- gebiet ausbeuteten, drängt sich dir an einer Stelle dieser Stadt, unweit der früheren Lateinerbrücke, an der Ecke der jetzt nach dem König Petar heißenden Straße allerhand Nachdenkliches auf: hier stoppte an jenem 28. Juni 1914, iehlgefahren, dos Auto Franz Ferdinands, um zu kehren, und hier stand der junge Fanatiker Gavrilo Princip und hob den Browning.... Ward die Kmetenfraae bei Gründung des Südflawenftnotes durch einen revolutionären Federstrich gelöst, wenn auch noch manches nachschleppt, so ist die Arbeiterfrage nicht nur durch den in den Staatsgruben drohenden Streik auf die Tagesordnung gesetzt. Da sich auf dem Forstreichtum Bosniens, das nach Finnland das be- waldetft« Gebiet Europas ist, eine entfaltete Holzindustrie aufbaut, nnd Kohlen- und Eisenbergwerke in rührigem Betrieb sind, regte schon vor 1914 der Sozialismus seine Schwingen. Krieg und Kriegs- folgen verschütteten verheißungsvolle Anfänge, und der Kommunis- mus, dessen Heilslehre den unoufgettärten Massen selbst der moham- medanischen Arbeiter wie Oel und Honig einging, leistete ein Uebriges an Zerstörung. Jetzt leuchtet den bosnischen Sozialdemokraten wieder frohere Hoffnung aus den Augen. Die Gewerkschaften, die die Jünger Moskaus nach der Unterdrückung der Kommunistischen Rgrtei schufen, stehen vor ihrer Verschmelzung mit den auf die 2. Inter- nationale schauenden Fachverbänden, und auch der Ausgleich zwischen P a s ch l t s ch und R a d i t s ch macht durch Beseitigung de» unseligen Stammeskampses den Boden für den Klassenkampf frei. Erscheint bis heute da? Vaneiblatt„Glas Slobode"(„Stimme der Freiheit") nur wöchentlich in einer Auflage von sicher nicht mehr als 3000 Exemplaren, so werden wir ohne Zweifel bald hören, daß es in Bosnien mit der modernen Arbeiterbewegung abermals auf- wöris geht.__ Die„Cinfcl ües Schreckens�. Im Golf von Kalifornien liegt die Insel Tiburon, die von Mexiko nur durch eine schmale Meerenge getrennt ist. Die „Radium-Insel" oder die„Insel des Schreckens" hat man sie ge- nannt. und beides mit guten Gründen. Tiburon besitzt gewaltige Lager von Pechblende, die ein« Radium-Ausbeutung ohnegleichen ermöglichen würden, wenn man nur ungehindert zu ihnen Zutritt hätte, Oft hat man versucht, die Radium-Jnsel zu betreten, aber noch jeder Europäer hat dies Unter- fangen mit dem Tode büßen müssen. Denn auf Tiburon haust ein wilder, unbekannter Indianerstomm, der jedem Fremdling, der in sein Reich einzudringen versucht, einen garstigen Empfang be- reitet. Sie schießen mit vergifteten Pfeilen, die dem Getroffenen einen qualvollen Tod sichern. Nehmen sie aber den Zkühnen ge- fangen, so muß er erwarten, auf die grausamste Weise hinge- schlachtet zu werden. Man sollte es kaum für möglich halten, daß, obwohl die Insel doch in unmittelbarer Nähe zivilisierter Staaten liegt, solche Zustände heute noch möglich sind. Die Versuch«, di« geheimnis- und gefahrvolle Insel, die auch heute noch im vollen Sinne des Wortes wissenschaftliches Neuland darstellt, zu erforschen. gehen etwa auf da» Jahr 1879 zurück. Eine amerikanische For- fchungsexpedition war damals, obwohl sie bei der Landung an der Küste der Insel von den feindlichen Indionern mit einem Hagel ihrer furchtbaren Giftgeschosse überschüttet wurde, ins Innere der Insel vorgedrungen, um die reichen Bodenschätze zu erforschen und, wenn möglich, zu heben. Zurückgekommen ist sie nicht mehr, nie- mals hat man wieder das geringste van einem ihrer Dfitglieder gesehen oder gehört. Demselben unglücklichen Schicksal oerfiel im Jahre 1904 Professor Millies mit. seiner Expedition, die die Pech- blendevorräte der Insel zum Gegenstande ihrer Untersuchungen machen wollte. Jede Spur von dem Professor und seinem Mit- arbeiter verlor sich, bis man später an der Küste Tiburons ein« entsetzliche Bestätigung ihres Geschickes fand: abgeschnittene Hände und einen photographischen Apparat. So hat man es vorläufig aufgegeben, die totbringendc Insal der Wissenschaft und der Kultur zu erschließen, eine Tatsache, die im Jahre 1925 kaum mehr begreiflich erscheint. welches ist der schnellste Wandervogel? Die Rätsel des Dogel- zuges werden allmählich gelöst. So wie man früher die Höh«, in der die Dögel fortfliegen oder zurückkehren, viel zu hoch annahm. so hat es sich herausgestellt, daß die Schnelligkeit bei weitem nicht so groß ist. wie man vielfach vermutete. Gätke hatte noch in seinem Werk über die Logelwarle Helgoland behauptet, da» kleine Blau» kehlchen fliege in einer Nacht von Aegypten bi« Helgoland: es müßt« also in einer Sekunde 71,5 Meter zurücklegen. Die von der Bogel- warte Rossttten angestellten methodischen Versuche haben jetzt aber gezeigt, daß die größte Geschwindigkeit des Wanderfluges mit 20,6 Meter in der Sekunde angenommen werden muß. und zwar ist es der Star, der diese Leistung zu verzeichnen hat. 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