Str. 441 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 225 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monaftid 8, Reichsmart voraus zahlbaz Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolf und Reit mit„ Sied lung und Kleingatten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme ericheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpeliige Sonpareille zeile 80 Pfennig. Retlamteile. 5. Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Bfennis ( suläffia amei fettgebrudte Borte). jedes meitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erite Wort 15 Biennia, fedes meitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buch staben zählen für amei Borie. Arbeitsmartt Reile 60 Pfennig Familienanzeigen Fire Abonnenten Beile 40 Bfennig. Anzeigen für die nächste Summer mien bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden freake 3, abgegeben werden. Geöffnet non 8 Uhr früh bis 5 Uhr nacht Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Freitag, den 18. September 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedfonto: Berlin 37 538 Banffonis: Bank der Arbeiter, Angeftelte und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Binbenft.& Schlichtung des Sachsenstreites. Der Konflikt soll begraben sein. F. Kl. Heidelberg, 17. September. Nach dem fachlichen Bericht Crispiens über die Berhandlungen des Internationalen Kongresses in Marseille und seine Darlegungen über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Problemen europäischer Politik folgte eine Diskussion, die zumeist auf erfreulicher Höhe stand. Unterschiede in der Beurteilung der Probleme sind zwar vor handen, aber sie sind doch nur gradueller Natur. Wenn von einigen Rednern besonders fräftig vor Illusionen gemarnt wird, die der Völkerbundspolitit entgegen gebracht werden, so greift diese Warnung augenscheinlich daneben, denn es ist zweifellos richtig, daß kein Sozialdemokrat von den Vertretern der fapitalistischen Regierungen mehr erwartet, als er von den einzelnen tapitalistischen Regierungen in feinem Lande erwarten tann, aber trotzdem bleibt, mie Breitscheid richtig ausführte, der Böllerbund gegenwärtig die einzige Gesamtvertretung der Staaten, und daher sind an ihn auf dem Gebiete internationaler Politik dieselben Anforderungen zu stellen, wie auf nationalem an die Regierungsgewalt der einzelnen Länder. Der Parteitag brachte in einer einstimmig angenommenen Entschließung, durch die alle anderen Anträge erledigt wurden, zum Ausdruck, daß die deutsche Sozialdemokratie sich hinter die Beschlüsse des Marseiller Kongresses stelle und im Sinne der internationalen Berständigung zu ihrem Teile an der Lösung der europäischen Probleme weiter mitwirken will. zu deren Vermeidung die Kommission eingesetzt worden war und jeder empfand es als selbstverständlich, daß nun auch den als Disziplinbrechern" bezeichneten Genossen Gelegenheit zur Berteidigung gegeben werden müsse. Aber da eine folche peinvolle Debatte auf jeden Fall vermieden werden sollte, so trat piöglich die überwältigende Mehrheit des Partei tages felbft als Verteidiger auf und brachte in plöglich aufwallender Empörung zum Ausdrud, daß auch von der säch fischen Landesorganisation erwartet werden muß, daß sie sich dem Botum des Parteitages mit allem Ernst füge. = Der Borsitzende der Sachsenkommission, Genosse Marum Karlsruhe, unterstrich in einer furzen würdigen Erklärung, daß die Kommission einmütig ihre Beschlüsse gefaßt habe und daß sie wenigstens erwartet hätte, daß ihr die ablehnende Erklärung vorher zur Kenntnis gebracht werde, daß dies aber nicht geschehen und daß auch die Kommission von der Schärfe dieser bedauerlichen Erklärung überrascht worden sei. Der Parteitag billigte den Nachtrag des Vorsitzenden, Genossen els, daß jede weitere Erklärung und jede weitere Disfussion über den Sachfentonflift abgelehnt merde. Dann nahm der Parteitag mit allen gegen die Stimmen der Unterzeichner der Ertiärung den Vorschlag der Kommission an. Nur wenige nichtfächsische Delegierte Schloffen sich ihnen an, zum Teil wohl aus dem Gefühl heraus, daß nach ber scharfen sächsischen Erklärung nicht mehr das Bertrauen bestehe, daß der Vorschlag auch wirklich ernsthaft durchgeführt werde. Die von den sächsischen Delegierten geführte ,, Opposition" hat sich langsam von einer Niederlage zur anderen manövriert. Sie hat in zwei namentlichen Abstimmungen sich bescheinigen lassen, daß sie nur eine sch mache Minderheit in der Partei darstellt. Daß sie nach diesen Erfahrungen noch einmal die Entscheidung des Parteitages gegen sich herausforderte, zeugt von einem Maß von Befangenheit, wie man es faum | für möglich halten sollte. Go fonnte es fommen, daß bei diefer letzten Abstimmung nicht nur ein großer Teil der Oppositionellen gegen seine sächsischen Freunde ſtimmte, sondern daß darüber hinaus manchem bisher noch zweifelnden Genossen das Urteil über die tieferen Ursachen des Konflikts in Sachsen erleichtert wurde. Marseiller Internationalen Sozialistentongreß. deren Beginn wir In der Debatte über Probleme der europäischen Politik auf dem in der Beilage wiedergeben, erhält das Wort Mäder- Altenburg: Die Beschlüsse des Internationalen Sozialistenfongreffes sind leider ebenso unbefriedigend wie die Ergebnisse früherer Haager Friebensfonfe renzen. Sie enthalten feine verbindliche Methode zur Verhinderung neuer Kriege. Der Friede ist für uns eine eminent ethische Frage. Deshalb ist es bedauerlich, daß die Partei den sittachent und Das deutsche Bildungsfragen so wenig Aufmerksamkeit schenkt. gefährlich. Die schwarze Reichswehr ist eine bemußte Unterminierung Hunderttausend- Mann- Heer ist außenpolitisch lächerlich, innerpolitisch und Schädigung der Republit. Den Weg nach dem Osten müssen wir unter allen Umständen freihalten. Deutschland und Rußland gehören wirtschaftlich zusammen. Dr. Högner- München: Die Notwendigkeit des Eintritts Deutsch lands in den Böllerbund wird nahezu allgemein anerkannt. An verantwortlicher Stelle in der Partei gibt man fich gar teinen Ju fionen darüber hin, daß dadurch feine fofortige Befferung der poli tischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands herbeigeführt werden Die Entstehungsgeschichte des Bölferbundes erklärt sein tataftrophales Bersagen im Saarrevier, feine Untlarheiten in der oberfchlesischen und Danziger Frage. Benn Deutschland in den Bölterbund eintritt, muß es dort Macht. wahn und Mißtrauen ausräumen und dem Bölkerbund den Inhalt geben, der für die Befreiung der Welt unerläßlich ist. Aber Deutschlands vornehmste Pflicht im Bölferbund wird der Schuß der Deutschen Minoritäten und des deutschen Selbst. bestimmungsrechtes fein. Das ist teineswegs nationalistisch Schwarzrotgoldene Befreiungsfeier. Die Kundgebung in Bochum. Nach langen und ermüdenden Verhandlungen in der sogenannten Sachsentommission schien man eine beide Teile befriedigende Lösung des Sachsenfonflifts gefunden zu haben. In einer musterhaft fachlichen und überzeugend vor getragenen Rede gab der Präsident der Hamburger Bürgerschaft, Genosse Roß, einen lleberblick über die Verhandlungen der Kommission, über die Vorwürfe, die von den sächsischen Genossen der Landesorganisation und der Fraktionsmehrheit gegeneinander und zum Teil auch gegen den Parteivorstand gerichtet worden sind. Roß fonnte dabei als Meinung der gesamten Rommission, der Vertreter aller Landesteile und auch aller Partei- ,, Richtungen" angehörten, feststellen, daß beiden fächsischen Lagern der gute Glaube zugebilligt werden müsse, das Beste für die Partei gewollt zu haben und noch zu wollen. Insbesondere war man einmütig der Anficht, daß feine Rede davon sein könne, den Anträgen auf Ausschluß von Landtagsabgeordneten wegen Hand lungen, die mit dem Parteifonflikt zusammenhängen, stattzugeben. Mit der Erledigung der Angelegenheit auf diesem Barteitag gelten alle diese Ausschlußverhandlungen als niedergeschlagen. Die 23 Mehrheitler der sächsischen Landtagsfraktion sind damit in alle ihre Rechte als Barteimit glieder wieder eingesetzt. Jedoch wird den Sachsen beider Lager zur Pflicht gemacht, wieder eine einheitliche Der Oberpräsident der Provinz Westfalen Gronomsti Fraktion herzustellen, deren Beratungen in voller Freiheit verwies auf die Besuche Eberts im März 1923, zu führen und von feiner Seite durch Sonderkonferenzen wo er vor den Wirtschafts- und Arbeiterführern das Gelöbnis ab. die Schritte vorher festzulegen. Mit Ernst und Nachdruck legte, daß zwischen dem besetzten und unbelegten Gebiet eine Schid appelliert die Kommiffion an das parteigenössische falsgemeinschaft bestehen müsse. Zum zweiten Male war Ebert Gefühl der Sachsen, den Streit zu begraben, unier die Veram 10. August vorigen Jahres in der Provinzialhauptstadt Münster. gangenheit einen dicken Strich zu ziehen und endlich vorwärts Es waren die Tage, wo die Regierung Marg versuchte, den in die Zukunft zu blicken. Um den Uebergang zu erleichtern, befeßt gewesenen Gebieten die Freiheit wiederzugeben. wird der Parteivorstand damit beauftragt, den ehrlichen Mittler zu spielen und an den Verhandlungen in Sachsen zu diefem 3med ausgleichend mitzuwirken. Die ernsten, fachlichen und flaren Ausführungen des Genossen Roß hatten auf den Parteitag einen um so tieferen Eindruck gemacht, als er mitteilen fonnte, daß die 23 Mitglieder der Mehrheit der sächsischen Landtagsfraktion sich trotz mancher Bedenken gegen Einzelheiten der Kommissionsent scheidung diesem Botum fügen und an seiner Durchführung mitarbeiten würden, und das gleiche auch von den Bertretern der fächsischen Landesorganisation versichert worden sei. Um so peinlicher war man deshalb überrascht, als nun Böchel- Chemnik im Namen der Mehrheit der sächsischen Delegierten eine Erklärung verlas, die zwar die Arbeit der Kommission würdigte, aber schließlich alle Vorwürfe des Disziplinbruches u. dal. wiederholte. Die Unterzeichner der Erklärung versichern deshalb, daß sie der Entscheidung nicht zustimmen fönnen, aber an ihrer Durchführung mit arbeiten wollen, um ein Beispiel der Disziplin zu geben. Schon während der Berlesung der Erklärung hatte sich der Mehrheit des Parteitages ein steigender Unwillen bemächtigt, der spontan zum Ausbruch fam, als die Ablehnung des Rommiffionsantrages durch die sächsischen Delegierten hör bar wurde. Stürmische Zurufe hinderten zeitmeilig die weitere Berlefung. Alles stand unter dem Einbrud, daß hier plöglich und gewaltsam die Distussion wieder eröffnet werde, Bochum, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Be| gen Umschmung in dem Denten unserer ehemaligen Gegner herbein freiungstundgebung im Ruhrgebiet nahm heute ihren Anfang. In führte. Begleitung Hindenburgs befanden sich der Reichsfanzler, der Reichsminister der befegten Gebiete und der Minifterpräsident Genosse Braun und Innenminister Genosse Severing. Nur die vor 5 Jahren eingeleitete Auslandspolifit machte es uns möglich, den Reichspräsidenten und die Staatsminiffer in Westfalen begrüßen zu können. Der Oberpräfident verwies weiter darauf, daß die Zeit der Opfer und Entjagung für uns noch nicht vorbei sei. Die allgemeine Not der Bevölkerung verbiete, rauschende Feste zu feiern. Nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters von Bochum nahm der Ministerpräsident Preußens, Genoffe Otto Braun das Wort. Er wurde von zahllojen schwarz roigolbenen Flaggen und vom Reichsbanner mit stürmischem Frei Heil!" begrüßt. Er erklärte, daß er an diesem Tage an die denkwürdige Tagung des westfälischen Provinziallandtags zurüddente, die bald nach Beginn der Ruhrbefegung in Münster stattfand. Schon da mals habe er erflärt, daß der Weg zur Rettung schwer sei. Es sei ihm ein von Herzen tommendes Bedürfnis, dem ganzen Westfalen. land den aufrichtigsten Dant der preußischen Staatsregie. rung auszusprechen. Wenn das Ruhrgebiet, erlöst von brückender Fremdherrschaft, heute wieder frei aimen tonne, so verdanten wir das gemig in erster Linie der Pflichterfüllung und dem Widerstands. willen der Bevölkerung. Bir verbanten es aber auch der zielbe wußten, vom ehrlichen Verständigungswillen getragenen Reichs regierung Marg, die durch ihr Auftreten und ihr verantmor. tungsbewußtes Berhandeln bei der Bondoner Konferenz einen nälli. Die preußische Staatsreglerung wird im Jnfereffe der Bevölkerung von Rhein und Ruhr und zum Besten Preußens und des Reiches zu jeder Zeit Seite an Seite stehen mit jeder Reichsregierung, welche die feit der Londoner Konferenz beschriffenen Wege fonsequent weitergeht. Unser Bolt, das in Ruhe und Frieden leben und arbeiten will. unser Bolt und namentlich auch unsere heute unter größten Sorgen und Entbehrungen lebende Arbeiterschaft stellt ein so hoch entwickeltes Kulturvolt dar, daß es sich niemals als ein Kolonial volt behandeln lassen wird. Angesichts der wirtschaftlichen Not, welche die weitesten Kreise im Ruhrgebiet bedrängt und angesichts der Notwendigkeit eines schnellen Wiederaufbaus der zerstörten Wirtschaft ist die preußische Staatsregierung bereit, alles zu tun, um der gegenwärtigen Wirtschaftskrise Herr zu werden. Denn nur so wird die preußische Staatsregierung am besten und würdigsten ihren aufrichtigsten Dank und ihre uneingeschränkte Anerkennung für die Bevölkerung des Ruhrgebietes in die Tat umsetzen können. Sodann dankte der Reichspräsident v. Hindenburg für die Begrüßung. Er nehme fie entgegen, als eine Befundung der Treue zum Staat und Reich, als das Seichen unverbrüchlicher Zusammengehörigkeit. Er fei überzeugt. daß diese Treue auch in aller Zufunft standhalten werde. Er und die Minister feien nach Westfalen gekommen, um der Bevölkerung persönlich den Dank für die gebrachten Opfer zu befunden. Die Veranstaltung im Rathaus war Don den Farben Schwarz- Rot- Gold beherrscht. Die Minister, insbesondere die der Breußenregierung, waren Gegenstand lebhafter Ovationen. Hindenburg, der ein schwarzrotgoldenes Abzeichen im Knopfloch trug, hatte an den Gräbern der Opfer des Muhrkampfes Borbeertränge mit[ hwarzrotgolbenen Sleifen niederlegen laffen. Das Reichsbanner unternahm im Anschluß an die Kundgebung einen Umzug durch die Stadt, wo bei bie fchmargrotgolbenen Fahnen ber zahlreichen Deputationen von ber Bevölkerung mit lautem Jubel bev grüßt wurden. Das deutsche Bolt hat bei seiner nationalen Einigung wichtige Teile| 2andtagsauflösung, welche in diesem Konflitt eine erheb preisgeben müssen. 3mm Versailler Diffat ist Deutschland weiter Gebiete deutschen Builurlandes beraubt worben. Aber der Verzicht auf den Zufammenschluß mit Cesterreich wäre uns vollends unerträglich und eine unmögliche Bedingung unseres Eintritts in den Bölferbund. Wir bringen dem Bölferbund feine überschwenglichen Erwartungen entgegen, aber das gerade wird uns schlimme Enttäuschungen er Iparen.( Beifall.) Dr. Haubach- Hamburg: Man sollte uns nicht das Genfer Protofoll und die Madebegeisterung in England dafür als Muster vorhalten. England wird niemals das Genfer Protokoll ratifizieren, folange das englische Weltreich in seiner heutigen Zusammenfeßung existiert. Das entscheidende Friedensproblem für das deutsche Proletariat und das deutsche Bolf liegt an der Rheingrenze. Wenn es gefingt, den Jahrhunderte alten Fluch vom deutschen und französischen Bolte zu nehmen, dann ist der erste, gewaltigste posifive Schritt zum Frieden getan. Der Sicherheitspaft muß die endgültige Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland bedeuten. Auch daß wir wirtschaftlich mit Rußland zusammengehören, ist ein inhaltloses Schlagwort. Was wirtschaftlich zusammengehört, ist zunächst Europa.( Beifall.) Hermann Müller( Parteivorstand): Wir konnten im Reichstag die Entschließung in der Optantenfrage in der gegebenen Situation nicht ablehnen. In der Debatte haben wir den Trennungsstrich deutlich gezogen. Rein juristisch ist Polen im Recht, aber moralisch bedeutet sein brutales Vorgehen järfstes Unrecht. Wirtschaftliche Beziehungen zu Bolen wünschen nicht nur wir, sondern auch weite Kreise der deutschen Industrie. Aber ein Haupthindernis des Handelsvertrages mar der Widerstand der deutsch oberschlesischen Gewerkschaften gegen die Einfuhr polnischer Kohle. Und währenddem baten uns die deut fchen Arbeiter aus Polnisch- Oberschlesien um Entgegenkommen. Es ist also nicht jede Frage so einfach, wie man das hier in manchen Refolutionen formuliert. Wir brauchen auch nicht aussprechen, daß beim Sicherheitspakt der Weg für eine positive Ostpolitit freibleiben muß. Die deutsche Sozialdemokratie und auch ihre Außenminister haben fich stets so verhalten, daß Sowjetrußland sich nicht beschweren fann. wenn | liche Rolle spielt, darf nur nach politischen Gesichts. punkten entschieden werden. Für diese Entscheidung bleibt maßgebend der Beschluß des Berliner Barteitages von 1924. Auf der Grundlage dieses Beschlusses verlangt der Parteitag, daß zunächst Fraktionsmehrheit und Fraktionsminderheit[ ich wieder zu einer Fraftion zujammenfließen und unter Zuziehung einer Vertretung des Parteivorstandes beraten und entscheiden, und daß die Frage der Landtagsauflösung von der Land| tagsfrattion, den Bezirtsvorständen Sachsens und dem Parteivorstand so bald als irgend möglich beraten und gemeinsam entschieden wird. Der Parteitag erfiärt ferner, daß durch diefen Beschluß alle gegen fächliche Parteigenoffen aus Anlaß des Sachfentonflitts an hängig gewordenen Ausschlußverfahren erledigt find. daß die beteiligten Genossen wieder in ihre Parteirechte eingefeßt werben und ihnen die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung in Bresse und Bersammlung zu geben ist. Es wird aber von ihnen erwartet, daß sie sich im Rahmen der Beschlüsse der Bezirksorgani fationen Sachsens halten. Der Parteitag gibt weiterhin seinem Bedauern darüber Ausdrud, daß die Parteistreitigfeiten in Sachfen in der Presse, in den Bersammlungen und in persönlichen Aeußerungen mit einer Schärfe geführt worden sind, die nicht gebilligt werden fann. daß sie durch kamerabschaftliche Ausführung dieses Der Parteitag hat das Vertrauen zu allen beteiligten Genoffen, Beschlusses des Parteitages den sächsischen Konflikt endgültig beseitigen und damit in Sachsen die Bahn frei machen zu frucht barer Arbeit für den Sozialismus." Berichterstatter Rof- Hamburg: Die Kommission hat zuerst die streitenden Barteien gehört und vollständige Redefreiheit gewährt. Die sächsischen Genossen wurden aber gebeten, ihre Augen mehr vorwärts als rüdwärts zu richten und nach Möglichkeit auch zu sagen, wie sie sich die künftige Entwicklung denken, wobei cuf beiden Seiten der ernste Wille zur Verständigung im Interesse der Gesamtpartei vorausgesetzt wurde. Bon jeder Seite famen abmechfeind drei Redner ausführlich zu Worte: Lipinski, Lieb mann und Arzt von der einen Seite, Heldt, Bethge und Müller von der anderen Seite. Mit Genugtuung fann feftge stellt werden, daß alle Redner fich bemühten, ihren Standpunkt fachlich in maßvoller Form darzulegen.( Bravo!) In feinem Etadium der Beratungen waren tiefe Meinungsverschiedenheiten vorhanden. Abgestimmt wurde im einzelnen überhaupt nicht, und bei Feststellung des Ergebnisses der Berhandlungen ergab sich vollständige Einmütigkeit,( Bravo!) trobem in der Kommission nicht nur die verschiedenen Bandésteile, fondern auch die verschiedenen taktischen Richtungen vertreten Ein Eingehen auf die Schuldfrage haben wir möglichst vermieden. Eine Klärung dieses Punktes halten wir für unmöglich. Es hat sich in Sachsen seit drei Jahren immer dichteres Ge ftrupp um die Angelegenheiten der Partei entwidelt. leber den Bölferbund haben wir gar teine Illufionen. Wir haben ihn schon auf der Berner Konferenz im Februar 1919 unjer foAber zialistisches Ideal eines Böllerbundes entgegengestellt. waren. jezt die sozialistischen Minister und Regierungsvertreter in Genf eine besondere Konferenz abgehalten haben so ist das wieder ein fleiner Fortfchritt auf unferem Wege. Natürlich tönnen wir auf den internationalen Kongressen auch die Frage der Regierungsteilnahme von Sozialisten behandeln, aber bestimmend werden da doch immer die Berhältnisse in den einzelnen Ländern sein. Wir haben viel dringendere internationale Fragen: Washingtoner 21bfommen, internationale Wirtschaftskonferenzen zur Behebung der Arbeitslosigkeit und vor allem die Frage der Berhinderung fünftiger Kriege. Dazu müssen wir den Bölkerbund mit sozialistischem Geist durchbringen. Dazu muß der Geist von Marseille Einfluß in Genf gewinnen, und das wird dann der Arbeiterklasse der ganzen Welt 3um Segen gereichen.( Lebhafter Beifall.) Die Debatte schließt, da weitere Bortmeldungen nicht vorliegen. Der Berichterstatter Crispien verzichtet auf das Schlußwort und bittet, alle Anträge durch einstimmige Annahme der Resolution Hermann Müller als erledigt zu betrachten. Der Bartaitag beschließt demgemäß. Die Resolution Hermann Müller, die die Juftiiminung zu den Beschlüssen des Marseiller Internationalen Sozialistischen Kongreffes ausspricht, wird einffimmig angenommen. Erörterung des Sachfenkonflikts. Der Parteitag nimmt hierauf bie Erörterung des Sachsenfonflitts auf. Der Ausschuß unterbreitet hierzu einstimmig folgende Entschließung: Die wirtschaftliche und politische Situation in Sachsen machen eine Zusammenfassung aller Kräfte des Proletariats notwendig. Der Parteitag billigt deshalb die schwierige Stellungnahme des Parteivorstandes und seine dauernden Bemühungen, den Sachsenkonflikt einer Lösung entgegenzuführen. Die Frage der Lache, Bajazzo! Von Hans Reimann. Der eine ist Schreiber beim Standesamt in Quedlinburg, der andere ist Star einer Wandertruppe; der eine ist Beamter mit Pensionsberechtigung, der andere ist Komödiant ohne Pensionsberechtigung. Der eine heißt Müller, der andere heißt Schulze. Der eine nennt sich Müller( wie sollte er sonst sich nennen!), der andere nennt sich Tonini. Müller hat Weib und Kind, Tonini hat Weib und Kind. Müllers Kindchen ertranft und stirbt. Toninis Weib brennt mit dem Kassierer einer Schwimmanstalt durch. Müller muß ins Amt, Tonini muß abends den Bajazzo fingen. Müllers Tränen tropfen in die behördlichen Register; Tonini fühlt sich Bajazzo und schmettert es in alle Winde, daß sein Beib ihn verraten habe. Müller hätte ein paar Tage Urlaub einreichen können; Tonini hätte absagen förmen. Toninis Geschid macht die Runde durch den lokalen Teil der Presse, und sein Bilddas beleibte Bild eines Märtyrers- wird in den illustrierten Zeitschriften abgebrudt. Bom Leid des Beamten nimmt niemand Notiz, obwohl die arme Mutter des Kindes wahnsinnig geworden ist. Müller ist ein feiner, stiller Mensch, der bei veränderten Lebensbedingungen( sein Vater war Arbeiter in einer Dampfziegelei) vielleicht Postbirettor oder Bigarrenhändler geworden wäre. Oder Inrischer Dichter. Tonini ist ein wahres Efel, ein arroganter Patron, ein Egoist von un erreichter Brutalität. Ein Glüd für die Frau, daß sie ihm davongelaufen ist. Er hätte sie lahm und schief geprügelt. Jetzt hat er Karriere gemacht und gaſtiert in Holland als Bajazzo. Bei der Stelle Lache, Bajazzo!" geht allabendlich ein Schluchz durchs Publikum. Lache, Bajazzo!.. Ich weiß nicht. Wenn mir meine Frau burchbrennen sollte, und ich müßte am felben Abend auftreten und den Bajazzo machen: entweder lief ich zum Direktor und bäte ihm um Dispens; ein Vertreter wird schon aufzufinden sein, oder, falls bie Wir sind der Auffassung, daß der Parteitag einen diden Strich unter das Bergangene ziehen foll.( Sehr richtig!) Auch die Genossen in Sachsen sollten das können und tun. Mir müssen den ehrlichen Willen und die Ueberzeugung, das Beste der Partei zu wollen, beiden Seiten zuerkennen. Aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß es sehr schwer fein wird, in Sachsen zu gefunden Verhältnissen zu kommen. Denn die Erbitterung und Berbitterung ist immer grüßer geworden. Schuld trägt in erster Linie die Form, in der der Kampfgeführt worden ist. Das ist das traurigfte bei der ganzen Angelegenheit, daß solche Form des Kampfes unter den Parteigenossen Blak greifen konnte.( Sehr wahr!) Die Kommission hat natürlich auch auf die Bergangenheit zurückgreifen müssen und ist dabei einmütig zu der Auffassung gelangt, daß die Haltung des Parteivorstandes in der ganzen Frage richtig war. Er hat die politische Notwendigkeit gesehen, ist aber auch ehrlich bemüht, auszugleichen und zu vermitteln. Die fachlichen Gegenfähe gruppieren fich fämilich unt bie Frage der Koalitionspolitit in Sachfen, im Zusammenhang damit auch um die Frage der 3medmäßigkeit einer Auflösung des Landtags. Die Kommission ist der Auffaffung, daß gerade in diesem Punkte die Stellungnahme des Barteivorstandes in allen Phasen des Konflikts die richtige und ge botene ist und daß sich daraus die nötigen Schlußfolgerungen für die Bufunft ohne meiteres ergeben. In solch hochpolitischen Fragen tann die Entscheidung allein nach fachlichen Gesichtspuntten unter sorgfäl tiger Würdigung aller Berhältnisse, vor allem auch der Verhältniffe im Reiche getroffen werden. Dazu ift Gefchloffenheit der noch längst feine Tragit. Es ist allenfalls traurig. Mit dem Bajazzomotiv wird Unfug getrieben. Der Bürger blickt mit Befremdung hinter die Kulissen und hat zu dem„, munteren Künstlervöllchen" eine Einstellung, wie der Besucher des Zoologi schen Gartens, der vor dem Affenkäfig verweilt. Wahrscheinlich mundern sich die Affen nicht minder über die gaffenden Zweibeiner, wie die Künstler über den Bhilister, dessen Leben zwar vom Bajazzothema frei ist, gleichwohl aber der Erschütterungen und Schmerzlichkeiten und der großen Leiden nicht entbehrt. Gitterstäbe wachsen überall. Wo ist vorn, wo hinten? Es tommt auf den Standpunkt an. Eingesperrt sind wir alle miteinander. Amundsen spricht. Er wird mit demonstrativem Beifall empfangen. Die Freude an der Schilderung gefahrvoller Entdeckungsfahrten ist nicht ersterben, und der große Name fasziniert. Nichts stórt den Bortrag des berühmten Polarforschers im Großen Schauspielhaus"; wilde Nationalisten, die mit der Abficht hinfamen, zweifelhafte Ge wissensfragen zu stellen, haben sich durch die Anwesenheit der Polizei auf ihre Kinderstube besonnen. Nach einer kurzen Einleitung, die schildert Amundsen seine Polerpedition im Frühjahr dieses Jahres. eine Verbeugung vor deutscher Wissenschaft und Technik bedeutet, mit ruhiger und monotoner Stimme, die feine Erregung trübt, erzählt er von den Gefahren, die ihm und der ganzen Expedition brohten Immer wieder der tägliche Stampf mit dem Padeis, das die Flugzeuge beinahe zertrümmert hätte, immer wieder die härteste Arbeit, um fie vor der Bernichtung zu bewahren, immer wieder getäuschte Hoffnung auf schönes Weiter. Amundsens Stimme zittert nie, dieser Mann, elegant und vornehm, fennt feinen unnötigen Temperamentsaufwand, er spricht, als ob er selbst unbeteiligt ist, als ob er die Erlebnisse fremder Menschen schildere. Schwer sett er die Säke hin ohne rhetorischen Aufwand, und manchmal stört der Atzent des Ausländers. Aber auf die Dauer ermüdet diese unerschütterliche Ruhe; der große Polarforscher enttäuscht als Redner, denn er arbeitet in feinem Bortrag teine dramatischen Höhepunkte heraus, er gibt Schilderungen in Form eines Tagebuchs, er bringt su oft Wiederholungen, die die Wirtung schwächen. Charrel- Revue erfordert Rücksichtnahme. Der Vortrag dehnt sich sehen wollen. Vielleicht muß auch Amundsen fort. Wer weiß Jedenfalls erscheint ein Herr auf der Bühne und erinnert in febr dezenter Weise mit der Uhr in der Hand, daß Amundsens Stunde geschlagen habe. Der Vortragende beschleunigt das Tempo, die ausgezeichneten Lichtbilder folgen so schnell, daß man taum noch folgen fann. Und am Ende segt wieder ein demonstrativer Beifall ein, den Amundsen mit leichtem Neigen des Kopfes beantwortet. F. S. Und die Front notwendig. Die beteiligten Instanzen müffen hier zusammen. wirken. Nach dem Beschluß des Berliner Parteitags fommen drei Instanzen für solche Entscheidungen in Frage: Fraftion, Landesparteiversammlung oder Bezirksvorstände und der Parteivorstand. Die Kommiffion legt Wert darauf, daß bei fünftigen Entfdeidungen, die vielleicht sehr bald zu treffen sein werden, diefe dreiInflanzen zusammenwirken. tommt In der Regel wird es so sein, daß Fraktion und Barteiorganisation sich zunächst zu verständigen haben. Bei der besonderen Lage der Berhältnisse in Sachsen halfen wir es aber für notwendig, daß dort der Parteivorstand von Anfang an bei den Berhandlungen vertreten ist. Er darf nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sondern muß die Möglichkeit haben, in jedem Stadium der Beratungen einzugreifen und die Rolle des guten Mittlers zu übernehmen. sich und Fraktion Einigen. Parteiorganisation, dann Der natürlich Stimme Barteivorstand mit seiner weiter nicht in Betracht. Diese Einigung darf selbstverständlich nur so zustande kommen, daß eine Uebereinstimmung beider Instanzen erfolgt, also nicht etwa durch eine Abstimmung Die Fraktion und nach Mehrheit der einzelnen Bertreter. Organisation haben also je eine Stimme, und wenn sie nicht übereinstimmen, gibt die Stimme des Parteivorstandes den Ausschlag. Voraussetzung ist natürlich, daß die Landtagsfraktion fich schließt. überhaupt erst wieder zu einer einheitlichen Fraffion zusammenDas muß der Parteitag unbedingt fordern. Wir müssen erwarten, daß in freier Entscheidung innerhalb der Gesamtfraktion über die Haltung der Fraktion beraten wird und daß die Minderheit innerhalb der Fraktion sich dann fügt, natürlich vorbehaltlich ihres Appells an die Landesinstanzen. Wir glauben, daß, wenn so verfahren wird, der zweckmäßige Zeitpunft für eine Auflösung des Landtages gefunden werden kann, sowie die politischen Verhältnisse es erfordern. Auch die Frage der Ausschlüsse von Mitgliedern der Fraktionsmehrheit hat die Kommission eingehen behandelt. Wir beantragen, daß alle aus Anlaß des Konfliktes ein geleiteten Ausschlußverfahren niederzuschlagen sind. Auf der anderen Seite muß der Parteitag die Erwartung aussprechen, daß die Mitglieder der Mehrheit der Landtagsfraktion alle Versuche von Sonderfonferenzen in Zukunft unterlassen und die Fühlung mit den Massen der Parteigenossen wieder aufnehmen. Dabei ein Wort über die Frage der Disziplin. Bir in der Kommission sind uns einig darüber, daß in bezug auf Disziplin von einzelnen Genossen unter den 23 Ansichten entwickelt find, die wir nicht billigen fönnen. Wir wollen, wie gesagt, unter bie Bergangenheit einen Strich machen, aber wir erwarten, daß die 23 und alle anderen Genoffen in Zukunft in grundlegenden politischen Fragen sich der Entscheidung der Parteigenoffenschaft, so wie fie auf Grund der Organisation getroffen worden ist, fügen.( Sehr richtig!) Wenn ich das nach meiner Ueberzeugung nicht mehr vertreten fann, was die Parteigenossen wollen, dann sage ich: Ich lege mein Amt in Eure Hände zurüd.( Lebhafte Zustimmung.) Wir haben heute vormittag in einer letzten Sigung mit den fächsischen Genossen beider Richtungen unseren Antrag vorgelegt und haben sie ersucht, sich einmal hinter die Gesamtpartei auf den Boden dieses Beschlusses zu stellen, der ihnen bereits gestern zur Kenntnis gegeben worden war. Dabei hat Genoffe Arzt namens der Sachsen erklärt, daß es ihnen nicht möglich sei, diesen Antrag der Kommiffion gewissermaßen zu unterschreiben( Hört, hört!), daß aber, wenn der Parteitag ihn beschließen würde, fie ehrlich und loyal sich feinem Beschlusse fügen und ihn zur Durchführung bringen würden. ( Bravo!) Auch die Bertreter der Frattionsmehrheit haben erklärt, daß sie Bedenken gegen einzelne Teile des Antrages hätten, daß sie aber im Intereffe der Lösung des Konflikts bereit feien, sich auf den Boden dieses Antrages zu stellen. ( Bravo!). Genoffe Arzt hat weiter erklärt, daß, obwohl sie ihren Standpunkt in einer Erflärung dem Parteitag gegenüber darlegen möchten, fie ebenfalls nicht die Abficht hätten, eine unferer leberzeugung nach unfruchtbare und unerfprießliche Distuffion über diese Sache auf dem Parteitag herbeizuführen.( Bravo!) Ich bitte Sie deshalb, unseren Antrag möglichst einmütig anzunehmen. ( Lebhafter Beifall.) Erklärung der fächsischen Delegationsmehrheit. Böchel- Chemnit: Im Namen von 53 Delegierten der fächsischen Delegation ausgenommen sind dabei von der ganzen Delegation Straßenbauverwaltungen zusammengeschlossen sind, zur Anlage einer Bersuchsstrede. Ein zur Anlage geeignetes Gelände fand sich auf dem Bockbartsfeld nördlich von Braunschweig, das die Braunschwei gifche Staatsregierung dem Deutschen Straßenbauverband pacht. weise zur Verfügung stellte. Die Versuchsstraße, in ihrer Art die gebaut, mit einem äußeren Durchmesser von 360 Meter und rund 1080 Meter mittlerer Länge. Die Fahrbahn ist 11 Meter breit und fann auf vier Spuren von je 2,75 Meter Breite befahren werden. Sie ist im einzelnen in sechs gleiche Teile geteilt, die auf gleichem Unterbau in verschiedener Welse befestigt sind. Als Fahrbahnbefestigung sind eingebaut: 1. Kleinpflaster, 2. gewöhnliche Chauffierung, 3. Chauffierung mit Oberflächenteerung, 4. Asphaltshotter ( Innenasphaltierung), 5. Beton und 6. Chauffierung mit 3nnenteerung( in Kalt- und Heißeinbauverfahren). Das Profil der Straße ist dachförmig mit geringer Ausrundung in der Mitte ausgebildet. Das Höchstgefälle beträgt 1: 100. Auf Grund von Berfuchsergebnissen wird man dann beurteilen fönnen, welche Straßenbefestigungsarten der Belastung durch den Kraftwagenverkehr am besten gewachsen find und die geeignetsten für die Anlage von Autostraßen und Neube feftigung alter Straßen benutzen. Papier als Porzellanerfah. Man fann jetzt aus Bapier haltbare Teller, Tassen und ähnliche Dinge herstellen. Wie M. Berger in der Leipziger Illustrierten Zeitung" mitteilt, wird bei diesem Verfahren das Papier in runden Scheiben zur Maschine gebracht, deren maschinelle Finger jebe Scheibe einzeln aufnehmen und unter bas Stanzwert einer Prefse bringen. Dadurch wird das Papier in der gewünschten Form ausgepreßt, und die Seiten werden gefaltet, wo durch eine größere Festigkeit erreicht und überschüssiges Papier mit eingepreßt wird. Der Papiernapf oder teller hat damit bereits feine endgültige Form erhalten. Er fommt nun in eine andere Maschine in der er durch Hike sterilisiert wird; dann wird der be treffende Teil umgedreht, so daß die Deffnung nach unten tommt; ein Transportband zieht die einzelnen Stüde unter einem Strahl von heißem Baraffin durch, das auf die Außenfeite aufgespritzt wird. Dadurch werden die Falten feft verflebt, und die allgemeine Feftig. feit ist bedeutend erhöht. Die Stücke kommen sodann in eine Trodentammer, wobei das überschüssige Paraffin abtropft. Nach dem ein endloses Transportband an Ventilatoren entlang geführt und vollkommen getrocknet; sie haben dann die Festigkeit des Borzellans, find aber viel haltbarer. Rolle nicht umbesetzt werden könnte, so beftünde wohl die Möglich lange aus, und an der Rasse stehen Leute, die unbedingt die Revue Berlaffen der Trodentammer werden diefe Papiergegenstände durch " feit, statt des„ Bajazzo" die bewährte Oper Martha" zu geben. Oder ich würde vielleicht trotzdem singen. Ich weiß nicht. Die Frau wird schon Grund gehabt haben, mir untreu zu werben. Ober fie hat feinen gehabt, und dann ist es eine Gemeinheit. Bedauert werden möchte ich jedoch unter feinen Umständen, Lache, Bajazzo! natürlich. Warum soll ich nicht lachen? Bewußt den Bajazzo mimen, das ist das Schlimmste nicht. Uebel sind diejenigen dran, die Bajazzo find, ohne es zu ahnen. Bajazzo ist Beruf. Auch der Lokomotivführer fann vom Verrat seines Beibes be troffen werden und muß dennoch die harte Pflicht erfüllen. Lokomotivführer sein ist ein bitterer Beruf, mit dem Beruf des Bajazzo verglichen. Man soll das Komödiantentum nicht über. schäzen. Jeder trägt sein Binfert, und der Berrat eines Beibes ( und mit dem Wissen um den Berrat Bajazzo sein müssen), das ist Aulage einer deutschen Verfuchsstraße für Straßenbau. Man ist in den lezten Jahren von verschiedenen Seiten darangegangen, zu untersuchen, welche Einwirkungen der Kraftwagen durch sein Gewicht, seine Geschwindigkeit, Bauart und Art seiner Bereifung auf die Straßendede ausübt. Um über die Fülle der Laboratoriums. versuche zu praktischen Ergebnissen zu tommen, entschloß sich der Deutsche Straßenbauverband, in dem die Vertreter der deutschen Paul Caffirer eröffnet eine Ausstellung franzöfifer Impreffioniffen am 20. September, bei der die Hauptweile dieser Sünstler, soweit fie fich in deutschem Besitz befinden, gezetat werden. Die Schau enthält unter anderem Löwenjäger" und" Slating" sowie die Porträts Albert Wolf" und Déjouie" von Kanet, die Sortie du conservatoire" und die„ Große Badende von 1870" von Renoir, das Landbaus in der, Brovence", Gaus mit rotem Dach"," Barriere", Ewarzes Schloß, Mann mit untergeschlagenen Armen" von Gézanne. Dedipus" von Daumler,„ Messa lina" von Toulouse Lautrec. Einer reichen Wahl von weiteren Beifen diefer Meister schließen sich wichtige Bilder von Monet, Degas, Pissarro, Sisley an. in Berlin ein. Staatsoper. Feodor Schaljavin trifft am Sonnabend, den 19. d. M. Sein Konzert im Opernhaus Unter den Linden findet am Montag, den 21. b. M., abends 8 Uhr, statt. nur fünf— habe ich folgende Erklärung abzugeben: Der Parteitag in cheidelberg hat in seiner Urteilsfindung über den Sachfenkonflikl eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen, die nicht nur die Partei- » organisationen aller anderen Freistaaten, sondern auch die politische und organisatorische Lebensgrundlage der Gesamt- Partei berührt. Weil die Kernstücke des Problems bei den Per- Handlungen in einem Wust oon Nebensächlichkeiten untergegangen sind, fühlen die sächsischen Delegierten und Organifationsosrtreter die Pflicht, der geschichtlichen Wahrheit zuliebe vor der Gesaintpartei ihre Kernstücke nochmals hervorzuheben: 1. Durfte die Sozialdemo» kratie oder ein Teil von ihr eine Koalition eingehen, die von dem Gegner unter Gewaltcxzefsen brutalster Art angestrebt und von der übergroßen Mehrheit der sächsischen Parteigenossen abgelehnt worden ist? 2. Darf in der Sozialdemokratischen Partei das elemcn- tare Grundrecht der Demokratie jahrelang durch eine Führergruppe, die gegen bindende Parteibeschlüsse und schließlich selbst gegen die Weisungen des Parteioorstandes handelte, in einer Weise verletzt werden, daß der ganze demokratische Charakter der Partei in Frage gestellt wird? Die sächsische Koalition wurde nach einem kurzen Uebergangsstadium geboren unter den Maschinen- acwehren der bürgerlichen reaktionären Neichserekutioe, in einem Augenblick, als die Reichspartei eben infolge dieses Gewaltaktes gegen die sozialdemokratischen Freistaaten aus der Regierung aus- trat und die Koalition löste. Die bewaffnet? Macht der Bourgeoisie in Verbindung mit der unerträglichen Tatsache, daß unsere Partei in einer geschichtlichen Situation gegen ihren Willen zur Bildung der Regierung der großen Koalition gezwungen wurde, raubte der sächsischen Sozialdemokratie von der ersten Stunde dieser Koalition an iede Berhandlungsfreiheit.(Unruhe.) Alle Folgeerscheinungen, wie die rücksichtslose Entfernung der sozialdemokratischen Beamten, die Verschondelung der Volksrechte, die Zerrüttung unserer Partei mit dem offen ausgesprochenen Ziel des Bürgertums, sie zu spalten, liegen mit unerbittlicher Konsequenz in diesen Koalitionsbeschlüffen, die unsere entscheidenden Machtpositionen dem Gegner auslieferten und uns nur die Verantwortung für seine reaktionären Handlungen überließ.(Wachsende Unruhe.) Von der Volkspartei wurde wiederholt öffentlich erklärt, daß diese Koalition nicht mit der sächsischen Sozialdemokratie, sondern nur mit 23 Abgeordneten dieser Partei eingegangen sei. So gesehen, stand neben der subjektiven Schuld der einzelnen parteigenössischen Abgeordneten als Disziplin- brecher die große objektive Schuld, die sie vor der Geschichte auf sich genommen haben, durch eine Politik, von der sie nach Lage der Sache wissen muhten, daß sie zur Katastrophe führt.(Andauernde große Unruhe: Zurufe: Unerhört, neue Anklagen!) Die letzte Möglichkeit, dieses verhängnisvolle Bündnis, das in der Art seines Zustandekommens kein Beispiel in allen anderen Freistaaten hat, endlich zu lösen, bot sich nach dem Parteitag in Berlin, der die Entscheidung der Landesversammlung übertragen hatte, indem er sagte, die Beschlüsse der Landesoersammlung sind für die Fraktion bindend. Ein Korrektivrecht hatte allein der Parteivorstand, wenn durch einen solchen Beschluß die Gesamtinteressen der Partei gesähr- det waren. Dieser vom Reichsparteitog vorgesehene Sondersall konnte aber in dem einstimmig gefaßten Beschluß der sächsischen Landesversammlung im Oktober 1S24, den Landtag aufzulösen und Neuwahlen gleichzeitig mit den Reichstagswah- l e n vorzunehmen, deshalb nicht vorliegen, weil ja der Parteivor- stand selbst in dc»- Dresdner Vorsitzung die Auslösung dringend empfohlen hatte. Was also vorher als nicht im Interesse der Gesamt- Partei zuwiderlaufend betrachtet, sondern nach den Worten des Parteioorstandsvertreters als ein Gnadengeschenk des Himmels bc- zeichnet wurde, konnte nachher nicht konstruiert werden, als ein Fall, der dem Parteivorstand Anlaß geben könnte, sein Korrektiorecht anzuwenden. In logischer Folge entwickelten sich die Dinge weiter. Der bürgerliche Gegner koppelte nunmehr die 23 Abgeordneten, die sich völlig von ihren Organisationen losgelöst hatten, immer fester an seine'Politik, bis bei dem Angriff auf unsere wichtigste Position, die G e m e i n d e o e r s a s s u n g, der Parteivorstand selbst ein- greifen muhte.(Große Unruhe und zahlreiche Schlußrufe.) Nun war niemand meyr in der ganzen Rcichsorganisotion, keine Körper- schaft, vom Bezirksvorstand bis zum Partcioorstand, die hätte Ein- halt gebieten können. Die öffentlich« Aufforderung, im letzten Stadium der Krise den Landtag aufzulösen, wurde ebenso abgelehnt, wie alte früheren Beschtüsi« der Landesorgcmisatwn. Die Er- sahrunqen haben gezeigt, daß ohne scharfe Bindungen die wider- strebenden Abgeordneten nicht zu bewegen sind, den Landtag auf- zulösen und der Partei die unbedingt notwendige Handlungsfreiheit zurückzugeben. Die Fassung der neuen E.nt s ch l i e ß u n g bietet gerade in den entscheidenden Stellen den sächsischen Organi- sationen keine hinreichende Gewähr für sinngemäße Durchführung des Willens des Parteitages. Außerdem werden die dauernden Disziplinbrüche nicht klar und deutlich gerügt.(Große Unruhe. Zurufe: Das ist eine Verhöhnung des Parteitages!) Wir werfen die Frage auf: Ist der einzelne Parteigenosse zur Disziplin angehalten, wenn ungestraft eine Gruppe von Abgeordneten das� höchste Recht der Partei außer Kraft setzen kann? Wesentlich aus diesen Gründen sind die sächsischen Delegierten zu ihrem tiefen Bedauern nicht In der Lage, dieser Entschließung zuzusti m- m e n. Sie betrachten es aber als ihre selbstverständliche Pslicht, mit allen Kräften an der Erledigung des Konfliktes im Sinne des Parteitagsbeschlusies mitzuwirken'(Erneute große Unruhe und Ee- lächter. Wels bittet um Ruhe: Die zwei Minuten werden auch vorübergehen: was wir erleben, ist nichts gegen dos, was wir in Sachsen jahrelang erlebt haben), um damit ein Beispiel von Dis- ziplin zu geben(Lautes, anhaltendes Gelächter), damit die Einheit gewahrt und die Hoffnungen der Gegner rechts und links auf Vartsispaltung zunichte gemacht werden.(Beifall bei der sächsischen Delegation.) Erklärung des Dorsiljenden der Sachsenkommission. Marum- Karlsruhe: Als Vorsitzender der Sachsenkommission habe ich die einzelnen Mitglieder jetzt nichs mehr sprechen können. Aber ich bin überzeugt, alle Mitglieder der Kommission werden billigen, was ich jetzt sagen werde: Wir bedauern aufs tiefste die Erklärung, die wir soeben gehört haben.(Lebh. Zu. stimmung). Wir haben loyalerweisc den beteiligten Genossen gestera vertraulich den Entwurf unseres Antrages zugeleitet, und als heute die sächsischen Genossen mitteilten, daß sie eine Erklärung ab- geben würden, habe ich sie gebeten, diese Erklärung dem Sachsenausschuß oder wenigstens mir zu zeigen. Nicht als ob wir eine Zensur ausüben wollten, sondern weil wir verhüten wollten, daß diese Erklärung neue Schärfen in den Konflikt bringt. Bedauerlicherweise haben die sächsistfcen Genossen das nicht getan. (Hört! Hört! und Bewegung.) Sachlich möchte ich sagen: Was in der Erklärung drinskeht, ist alles im Ausschuß vorgetragen worden. Der Ausschuß hat es gekannt und tr o tz d e m e i n st i m m i g seine Entscheidung gefällt. Aus dieser Tatsache können Sie die Stellung des Ausschusses zu den aufgestellten Behauptungen entnehmen, lvill man den Beschluß loyal durchführen, darf man nicht von neuem Oel ins Aeuer gießen.(Sehr wahr!) Es gib! zwei Zllöglichkeiien: Entweder ist unser Beschluß nur ein bedrucktes Blatt Papier, und diese Möglichkeit wird dann zur Wahrheit, wenn die Beteiligten oerartige Erklärungen abgeben und die alte Schärfe beibehalten. (Stürmische Zustimmung.) Oder ober der Beschluß wird loyal durch- geführt zum Nutzen der Partei, dann muß man einmal die Hände In die Taschen stecken und den Mund halten. Und nur dann kann friede in Sachsen werden.(Ledhafte Zustimmung.) Im letzten Absatz unseres Antrages steht einAusdruckdcsBertrauens zu a l l e n beteiligten Genossen. Das ist entweder eine Phrase oder es wird Wahrheit. Wahrheit wird es aber nur, wenn sich alle Beteiligten ehrliche Mühe zum Frieden geben. Wie die Sachsen es heute gemacht haben, so acht es nicht. Ich beantrage, über die eben gehörte Erklärung'ur Tagesordnung überzugehen,(«türm!- scher Beifall). Vorsitzender Dels: Als der Parteitag am ersten Derhandlungstag nach Anhörung zweier Generolredner die Sachsenfrage mit allen Anträgen der Kom- Mission überwies, wollte er nach Möglichkeit den Parteitag entlasten und eine Vertiefung der Gegensätze vermeiden. Dieser e i n- l stimmige Beschluß des Parteitages bindet mich auch heute, eine neue Debatte nichtzuzulassen— trotz Der abgegebenen Erklärung.(Zurufe bei der sächsischen Delegation.) Ich kann mir nicht denken, daß ein Mitglied der sächsischen Delegak'.on glaubt, den übrigen Parteitag so rücksichtslos behandeln zu dürfen. daß man ihm ein Schweigegebot auferlegt, sich selbst aber das Recht zu einer solchen Erklärung nimmt.(Lebhaftes Sehr richtig!) Ich weiß, welche Aufgabe der Parteivorstaud mit der Annahme der Resolution auf sich nimmt. Im vergangenen Jahre ist unsere Arbeit durch die Inanspruchnahme mit dem sächsischen Parteistreit manch- mal geradezu lahmgelegt worden. Das Martyrium, das wir aus- gestanden haben, endet heute mit der Zurückweisung der Angriffe auf den Parteioorstand durch den einstimmigen Beschluß der Sachsen- kommission. Wenn auch der Parteitag möglichst einmütig diesem Be- schluß beitritt, wird er dem Parteioorstand die Kraft geben, die er braucht, um den Willen der Gcsamtpartei in seiner schlich- tenden Tätigkeit in Sachsen durchzusetzen.(Lebhafter Beifall.) Der Beschluß des Parteitages. Der Parteitag beschließt mit sehr großer Mehrheit, keine weitere Debatte zuzulassen. Der Ankrag der Sachsenkommisfloa wird mit allen Stimmen gegen die der SZ sächsischen Delegierten angenommen. (Stürmische Pfuirufe und große Bewegung.) Vorsitzender Wels: Zu diesem Entrüstungsausdruck lag kein Anlaß vor, nachdem die sächsischen Delegierten hatten erklären lassen, daß sie gegen den Antrag stimmen würden. Ich bitte, die Gefühl« etwas mehr zu meistern. Jchrjchte aberan die Genossen dersächsischenOrganisationvonhierausdieAuf- forderung, wahr z u machen, was am Schlüsse ihrer Erklärung steht: daß sie im Interesse der Einigkeit helfen wollen, die Beschlüsse des Par- t e i t a g e s loyal durchzuführen. Möge ihre heutige Erklärung das letzte vergiftende Wort im Sachsen- parte! st rcik gewesen sein.(Lebhafter Beifall.— Zurufe bei den Sachsen: Dos haben wir ja ausdrücklich erklärt!) Die weiteren Berhandlungen werden auf Freitag vormittag 9 Uhr vertagt._ Vollftänöiges Durcheinanöer. Die Wirkung des Hergt-Vorstosies in Dresden. Seit dem Satirspiel von Ende August 1924 hastet ollem, was mit dem Namen H e r g t zusammenhängt, ein lecher« ttcyer Beigeschmack an.„Exzellenz" wird nicht mehr für voll ge- nommen. Insbesondere die„Vossische Zeitung" ist derAuffassung, daß Hergts Auftreten nur ein Theaterdonner war und daß bei der genauen Lektüre der Dresdener Resolution man nach jedem starken Ausdruck einen abschwächenden Re- l a t i v s a tz entdeckt. Es fragt sich allerdings, ob die deutsch- nationalen Wähler gewillt sind, sich zum Narren halten zu lassen und die flammenden Resolutionen, die man ihnen vor- setzt und die sie unter stürmischem Beifall einstimmig annehmen, nachträglich durch talmudistische Umdeutungen in ihr Gegenteil umkehren zu lassen. Aber schließlich ist das nicht unsere Sorge. So oder s o werden sich die Deutschnationalen gründlich blamieren. Machen sie die Politik des Sicherheitspaktes bis zum Ende mit, dann fällt ihre Partei auseinander, springen sie in letzter Stunde ab, dann wird es ihnen auch nichts mehr helfen, denn ihre lieben Freunde von der Deutschen Volkspartei, wie überhaupt- alle anderen Parteien werden ihnen die Tatsache um die Ohren schlagen können, daß sie ein halbes Jahr lang die Regierung Luther im vollen Be- wußtsein dessen unterstützt haben, daß deren außenpolitisches Ziel der Abschluß dieses Sicherheitspaktes war. Im Gegensatz zu der überaus skeptischen„Dossischen Zeitung" nimmt die volksparteiliche„Tägliche Rundschau" dje Angelegenheit außerordentlich ernst. Das Blatt widmet dem Fall chergt einen ganzen Leitartikel, dem insofern große Bedeutung beizumessen ist. als es sich um das Organ des Außenministers Strefemann handelt. Nach diesem Artikel zu schließen, scheinen die Äolksparteiler förmlich auf den Kopf gefallen zu sein. Die„Tägliche Rundschau" ist„aufs peinlichste überrascht". Sie hatte geglaubt, daß die Deutschnatio- nalen sich der Erkenntnis nicht hätten entziehen können,„daß die Paktpolitik die einzig mögliche ist". Und nun dieses „p l ö tz l i ch e A b s ch w e n k e n von der bisher innegehaltenen Linie"! Das Organ Stresemanns gebraucht fogar'den Aus- druck, daß die Deutschnationalen damit dem Kabinett, ein- schließlich Schieles,„in den Rücken fallen". Jammernd wird festgestellt, daß dadurch die außenpolitische Positton der Regierung„auf das äußerste erschwert" sei. Man hätte doch abwarten sollen, was die mündlichen VerHand- lungen mit der Entente ergeben, statt dessen werde der Reichs- regierung„die parlamentarische Basis fozu- sagenunterdenFüßenweggezogen". Die Folgen seien„g a n z u n a b s e h b a r", unsere„a u ß e n p ol i t i s ch e Reputation würde damit einen hoch st gefährlichen Stoß erleiden", unsere Berhandlungsgcgner könnten„m i t vollem Recht Zweifel an unserer politischen Zuverlässigkeit erheben und es sich ver- bitten, daßsiezumRarrengehaltenwerden". Zum Schluß ergebt nunmehr auch die„Tägliche Rund- schau" die Forderung nach Klarheit und erwartet diese Klärung von der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses am nächsten Mittwoch. Als wir erst vor wenigen Tagen die gleicye Forderung erhoben, da war es gerade die„Tägliche Rundschau", die uns dieserhalb allerhand dunkle Machen- schaften gegen den Bestand der Regierung Luther-Sirese- mann-Schiele unterstellte. Jetzt auf einmal treiben es die Deutschnationalen sogar in den Augen der Dolksparteiler zu toll. Und das will viel sagen. Am merkwürdigsten verhält sich aber die deutschnationale Presse gegenüber der Willenskundgebung derer um Hcrgt. Der„2 a k a l- A n z e i g e r", der noch am Donnerstag morgen Stimmung dafür zu machen begann, daß Schiele an der'Paktkonferenz teilnehme, ist durch'den Vorstoß Hergts offenbar so vollständig desorientiert, daß er es vorzieht, die ganze Angelegenheit totzuschweigen. Die übrigen deutsch- nationalen Blätter veröffentlichen die Dresdener Resolution in großer Aufmachung. Das deutschnotionale Spätabendblatt, die Nachtausgabe des„Tag", versucht aber bereits die Be- deutung des Vorfalles abzuschwächen. Sie versichert zunächst, Hergt habe in Dresden„! e d i g l i ch r e fe rie r t"(!) wesen und grundsätzlich gegen die Veröffentlichung von Eni- schließungen. Dieser Parteiführer, der von seinen eigenen Freunden als ein Mann hingestellt wird, der zwar bochpoli- tische Referate hält, aber aus die danach eingebrachten und angenommenen Resolutionen keinen Einfluß mmmt, und der überhaupt die Resolutionen, die man nach seinen Referaten annimmt, für so blödsinnig und stoatsgefähr- lich hält, daß er ihre Veröffentlichung bintertretben mächte, wird immer mehr zu einer komischenFigur. Sodann setzt die„Nachtausgabe" langatmig und gewun- den die Auffassung Hergts auseinander, die auch die der Parteileitung sei: Die Deutschnationalen hielten nach wie vor an der deutschnationalen Antwortnote vom 20. Juli fest, d. h. sie verlangten die Sicherstellung der Räumung der K ö l- n e r Zone als Vorausleistung vor dem Eintritt in münd- lichePaktverhandlungen: es müßte zugesichert werden, daß auch über die Rückwirkungen des Sicherheitspaktes auf die B e- f a tz u n g s s r i st e n auf der Konferenz verhandelt werde; und vor allem müßte„die Reichsregicrlmg durch Rundnote an alle Unterzeichner des Verfailler Vertrages das Kriegs- schuldbekenntnis förmlich widerrufen, bevor Verhandlungen auf der Basis der Gleichberechtigung möglich sind". Sollten wider Erwarten diese Bedingungen von der Mehrheit des Kabinetts nicht gebilligt werden,„dann würden die Deutschnationalen gezwungen sein, ihre Vertreter aus der Regierung abzuberufen". Wenn man diese Bedingungen liest, von denen die Deutschnationalen ganz genau wissen, daß sie von der Entente als ein förmliches deutsches Diktat aufgefaßt werden würden, denkt man unwillkürlich an jene Bedingungen, die die Fraktion Hergt vor der Entscheidung des Reichstages über die Dawes- Gesetze formuliert hatte. Auch damals spielte eine Zurück- nähme des Kriegsschuldbekenntnisses die Hauptrolle. Und trotzdem stimmten die Deutschnationalen ohne Erfüllung dieser feierlichen Bedingungen für das Dawes-Abkommen. Einstweilen steht man einem völligen Durch ein- ander gegenüber. Der Reichskanzler ist nicht da, sein deutschnationaler Innenminister hält sich so lange wie möglich von Berlin fern, der volksparteilichc Außenminister ist auf den Kops gefallen, die deutschnationalen Parteiführer sabotieren die Regierungspolitik, wollen es jedoch nur hinter verschlösse- neu Türen tun, und sind gegen die Veröffentlichung der Resolu- tionen, die man nach ihren Referaten annimmt, ein Teil der deutschnationalen Presse begrüßt diese Resolutionen, ein ande- rer Teil schweigt sie tot, ein dritter Teil deutet sie um: Für- wahr, es ist ein prächtiger Anblick, den die Außenpolitik der ersten Rechtsregierung mit deutschnationalen Ministern dem deutschen Volk und der Welt bietet! Kafperle-Theater im Sarmat-�usschuß. Eine Erklärung des Jnstizministcriums? Der Barmat-Untersuchungsausschuß des Land- tags machte gleich bei seinem Wiedcrzüsammcntritt am Donnerstag seinem Renommee als Klatsch- und Tratschausschuß alle Ehre. Un- nötig zu sagen, daß im Mittelpunkt dieser Szenen wieder einmal Herr Tanne»zapf brillierte, den jeder andere und anders ge- leitete Ausschuß nach einer halben Stunde schweigend abgetan hätte, der aber unter Herrn Leidig» Protektorat nun wohl zum sechsten Male den Ausschuß mit seinen Schwätzereien langweilen durste. Eigentlich sollte Herr Tannenzapf nur vereidigt werden. Aber vor- dem war ihm noch die Aussage des in Holland vernommenen Prokuristen Vogelsang vorzuhalten, den Tannenzapf als seinen Kronzeugen angegeben hatte, der aber in fast sämtlichen Punkten Herrn Tannenzapf Lügen st raste. Hierdurch ließ sich jedoch Herr Tannenzapf keineswegs in der munter plätschernden Rede stören. Bei der Vernehmung des Freiherrn von Reibnitz und feiner Gegenüberstellung mit Herrn Tannenzapf gab es dann endlose Klatschereien über die Person des Herrn R o st i n, dessen angeblich uneheliche Abstammung und sein Verhältnis zu Frauen. Einen Zu- sammenhang mit den Krediten der Seehand lung konnte wohl hier auch der Scharfsinnigste nicht entdecken. Dann wurde es ganz dramatisch, als der deutschnationale Ab- geordnete K a u f h ö l d von Herrn Tannenzapf zu wissen ver- langte, was dieser mit seinen dunklen Andeutungen bei Schluß der vorletzten Bornehmung(worüber der„Vorwärts" seinerzeit be- richtet hat) habe sagen'wollen. Herr Tannenzapf erklärte- folgendes: Ein Mitglied der Treuhandgefelljachst-habe ihm versprochen, ihm die B ü ch e r de r h o ll ä n di sch e n A mex i m a zur Etüftcht zuZu- stellen, wenn Barmat diese der Treuhandgesellschaft zur Verfügung stellte. Später änderte Tannenzapf die Behauptung dahin, dieses Bersprechen von einem hohen Herrn der S e e h a n d l u n g oder der R e i ch s p o st erhalten zu haben. Den Namen des Betreffenden zu nennen, weigerte er sich. Als Herr Kaufhold sah, was er angerichtet hatte, wollte er sich zurückziehen. Genosse Kuttner griff jedoch die Frage aus und oerlangte, daß Tannenzapf den Namen des Betreffenden nenne. Das sei schon deshalb notwendig, weil die dunklen Bemerkungen Tannenzapfs bei feiner letzten Vernehmung einen ganz anderen Hintergrund haben könnten. Gleichzeitg mit diesen sei nämlich ein Plan bekannt geworden, wonach gewisse Personen sich durch E i n b r u ch d i e b st a h l in den Besitz der holländischen Bücher und Papiers Baripats setzen wollten, und man habe sogar einen B e r- liner Kriminalbeamten für dieses Unternehmen mit ge- gewinnen wollen, wie dieser selbst angegeben hat. Tannenzapf ant- wartete hierauf in dem üblichen beleidigenden Ton, den er stets anschlägt, wenn er in die Enge getrieben wird. Als der Vorsitzende dies durchgehen ließ, legte Genosse Kuttner energisch hiergegen Verwahrung ein., Es gab dann noch endlose Auseinandersetzungen, da Tannen- zapf absolut nicht zu bewegen war, den Namen dessen zu nennen. der ihm die Bücher zur Verfügung stellen wollte. Er machte immer neue Ausflüchte und wurde von den Rechts- Parteien unterstützt, die plötzlich die von ihnen selbst an- geschnittene Frage sollen lassen wollten. Der Ausschuß beschloß iedoch nach endlosem Hin und Her, daß oft einen stark komischen Anstrich hatte, daß die Frage in der morgigen(Freitags-)Sitzung Tannenzapf ernzut vorgetegt werden soll, falls die vorher zu hörende S'taatsanwaltschaft keine Bedenken erhebt. Nach diesem Berta gungsbeschluß rief Tannenzapf plötzlich:„Jetzt will ich den Namen nennen!"(Stürmische Heiterkeit.) » Außer dieser erneuten Frag« an Tannenzapf gibt der Bor- sitzende die Tagesordnung für die Freitagsitzung stei. Man bringt dies mit einem Gerücht in Zusammenhang, wonach das Justiz- Ministerium in der Freitagsitzung beabsichtigt, eine Erklä- ru.ng zu den fortgesetzten Aregriffen der deutschnationalen Presse gegen das Iustijministerium abzugeben. Die deutschnatio- nalen Angriffe haben sich bekanntlich die Entfernung der Staatsanwälte Pelzer, Easpary und Kußmann von dem Barmat-Lerjahren zum Gegenstand. Sollte das Gerächt den Tatsachen entsprechen, so gibt es der Hoffnung und Erwartung Aus- druck, daß das Ministerium endlich aus der fast unbegreiflichen Reserve heraustreten wird, die es bisher gegenüber den immer dreister werdenden Angriffen der Leopold, Bacmeister und Konsorten gegenüber beobachtet hat. Es ist zu erwarten, daß dabei nament- lich auch die Knoll-Kußmann-Affäre zur Sprache kommen wird. Es wäre zu wünschen, daß dabei gegenüber den deutsch- nationalen Nertuschnn-zsversuchcn die Oeffesstlichkeit endlich einmal die volle Wahrheit über diesen unerhörtesten aller Justiz- skandale zu erfahern bekommt. Drei Worte über die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung würden vollauf genügen, um den Pfeil auf die deutschnationalen Schützen zurückprallen zu lassen. Am Sonnabend wird der Ausschuß den in der Kutisker-Sache vielgenannten H o l z m a n n als Zeugen vernehmen, der um seine Vernehmung in einer Eingabe nachgesucht hat. Auch hierbei ist mit neuen Zwischenfällen zu rechnen. Jedenfalls scheint, trotz der vom Borsitzenden ausgesprochenen Absicht, am Sonnabend die Beweis- aufnahm« zu schließen, das Ende immer noch in weiter Ferne zu liegen. Gewerkschaftsbewegung Erwünschte und unerwünschte Delegationen. Wie wir in unserer gestrigen Abendsausgabe bereits meldeten, hat die Erefutive der Bergarbeiter- Internationale zwei bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Angesichts der Beigerung der Sowjetregierung, einigen Mitgliedern der zum Studium der Verhältnisse im russischen Bergbau bestimmten Delegation die Einreise nach Rußland zu gestatten, hat die Egekutive der Bergarbeiter beschlossen, auf die Delegation zu verzichten, wenn die Sowjetregierung darauf besteht, unter den Delegierten eine Auswahl zu treffen. Dieser Beschluß ist nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit. Reine Organisation wird sich z. B. von Unternehmern vorschreiben laffen, welche Mitglieder sie zu Verhandlungen bestimmen soll. Die Regierung eines Landes, in dem angeblich die Arbeiter regieren, nimmt sich aber heraus, der Internationale der Bergarbeiter vorzuschreiben, wer an einer von dieser bestimmten Studienkommission teilnehmen darf und wer nicht. Diese einfache Tatsache beleuchtet mit einer Deutlichkeit, die auch bem Einfältigsten die Augen öffnen muß, was es mit den deutschen Arbeiterdelegationen" für Bewandtnis hat. Die von einem von Mostau ausgefiebten Arbeiterfomitee" bestimmten Delegierten" waren der Sorojetrepierung hoch willkommen. Die von den Bergarbeiterorganisationen bestimmten Delegierten sind ihr jedoch von vornherein äußerst verdächtig. Wie es mit der Freiheit" in Rußland bestellt ist, das zeigt bamit die russische Regierung selbst. Es handelt sich nicht um eine politische Attion, wie sie die Sowjetregierung durch ihre Abgesandten in anderen Ländern einzuleiten pflegt. Es handelt sich nicht um einen Aufstand, den Bevollmächtigte eines anderen Landes in Rußland organisieren wollen, wie es Moskau wiederholt in Deutschland und anderwärts getan hat. Die Bergarbeiterorgani fationen lehnen derartige Experimente in ihren eigenen Ländern, erft recht in anderen Ländern ab. Es handelt sich ganz einfach um die Erforschung der Berhältnisse des russischen Bergbaues. Da die Bergarbeiter- Internationale dazu fachkundige Bertreter bestimmt hat, bie auch die Sprache und Sitten in Rusland kennen, denen man also fein für ein I Dormachen fann, find sie der Sowjetregierung unerwünscht. Bedarf es eines besseren Beweises, daß die Machthaber in Moskau ein sehr schlechtes Gewissen haben und daß die„ Delegierten", die jetzt in Deutschland die Geschäfte der KPD. besorgen, weiter nichts find, als die Marionetten Moskaus! Der Tadel, den die Bergarbeiter- Internationale Coof erteilte, ist eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit. Cook hat sich herausgenommen, in Deutschland Reden zu halten, in denen er die grob förnigsten Schwindeleien der kommunistischen Presse gegen die deutschen Bergarbeiterführer wiederholte. Verleumdungen, die fein Bernünftiger Mensch ernst nimmt, wurden von diesem sonderbaren Arbeitervertreter wiederholt, als seien sie die reinsten Wahrheiten. Einstimmig die Stimmen der englischen Delegierten einbe griffen wurden diese Ausführungen gemißbilligt. -Mag Herr Coot weiter in Deutschland reden. Deutschland ist nicht Sowjetrußland. Bir verweigern Herrn Cook nicht das Recht, fich zu blamieren. Aber fünftig wird man wissen, daß Cook nur der Delegierte der PD. ist und daß seine eigenen Kollegen von ihm abrüden. Die Bauunternehmer als Streikheter. Brüstierung der technischen Angestellten. handlungen über die übrigen Bertragspunkte bis zum 15. Juli zu beenden und sich am 16. Juli über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu äußern. Dieser Schiedsspruch ist mit der Stimme der Unternehmerbeisiger unter Assistenz des Generalsekretärs der Bereinigung Deutscher Die Arbeitgeberverbände, Dr. Meisinger, zustande gekommen, um bereits am darauffolgenden Tage sabotiert zu werden. Unternehmerverbände erklärten nämlich, die Verhandlungen erst im Auguft aufnehmen zu können, da ihr Syndizi beurlaubt seien, und wollten sich auf einen bestimmten Zeitpunft nicht verpflichten. Holzarbeiter ein, da der Berband bewiesen hätte, daß er in der rechten Weise die Eigenart des Böttcherberujes berücksichtigen fönne; seien doch die meisten der Berufsangehörigen innerlich mit der Holzverarbeitung vertraut. Dagegen wandten sich wieder andere Stimmen, die trotz aller bisherigen Differenzen mit den Lebensmittel- und Geträntearbeitern eine Annäherung nach dieser Richtung hin für notwendig hielten. Man darf gespannt sein, zu welchem Resultat der Verbandstag bezüglich der Frage der Grenzstreitigkeiten kommen wird. Die meisten vorliegenden Anträge sprechen sich allerdings für eine Verschmelzung aus. Einmütigkeit herrscht unbedingt über die Notwendigkeit der Wahrung der Interessen der Böttcher; ehe diese Garantie von einer Nachbarerganisation nicht gegeben werden könne, sei eine Verschmelzung, welcher Art sie auch sei, abzulehnen. In sämtlichen Bezirken wurde nun vom Butab das Verlangen auf Abschluß von Bezirtstarifverträgen gestellt und, da die Unternehmer dies ablehnten, der Schlichtungsausschuß angerufen. Anscheinend, um die Bezirksverhandlungen zu durchkreuzen, boten Die Bankherren lehnen jedes Entgegenkommen ab. die Unternehmer Verhandlungen über einen zu schaffenden ReichsDie Rachverhandlungen zu dem Schiedsspruch für die Bant tarifvertrag an, die dann auch tatsächlich am 14. und 15. August stattfanden. Jedoch war die Unternehmervertretung insofern unvollständig, als der Beton- und Tiefbau- Arbeitgeberverband für Deutsch- angestellten, die von dem Deutschen Bankbeamtenverein gefordert worden waren und am Donnerstag im Reichsarbeitsministerium land sich an den Verhandlungen nicht beteiligte. Schließlich fam eine Einigung über einen Vertragsentwurf zustattfanden, haben kein Resultat gebracht. Die Vertreter der Entgegen stande. Die Erklärung über die Annahme oder Ablehnung wurde auf Bankleitungen lehnten jedes weitere tommen rundweg ab und erklärten, daß sie bei dem gefällten den 15. September festgesetzt. Dieser Termin wurde auf Wunsch der Arbeitgeberverbände wiederum um zwei Tage verschoben, weil Schiedsspruch( der keinerlei Gehaltserhöhung vorsieht) verharren. angeblich die entscheidenden Bersammlungen der Unternehmer erst Der Schlichter machte dann noch den Vorschlag, die Banken sollten wieder zur Ultimozahlung übergehen und eine Uebergangsbeihilfe am 15. und 16. September stattfinden können. geben. Auch das wurde abgelehnt. An diesem endgültig vereinbarten Termin eröffnete der Beauf tragte des Reichsverbandes des Deutschen Tiefbaugewerbes den Technikern, daß der zuständige Ausschuß seines Verbandes der beschlußfassenden Körperschaft den Vertragsentmurf gar nicht zur Abstimmung vorgelegt habe. Zur Abgabe einer Begründung für dieses Verfahren war er nichtermächtigt! Der andere Mitarbeiter an dem Vertragsentwurf, der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe, zog es vor, diefer protofollarisch vereinbarten Zusammenkunft fern zu bleiben und ich auch sonst in Schweigen zu hüllen. Auf telephonijche Anfrage des Butab beim Deutschen Arbeitgeberbund für das Baugewerbe wurde erklärt, daß in der Geschäftsstelle des Verbandes das Ergebnis einer Beratung über den fraglichen Reichstarifvertrag nicht bekannt fei und die Herren, die unterrichtet sein müssen, nicht zu sprechen jeien. Dieses Verfahren stellt eine unerhörte Brüstierung der technischen Angestellten dar, von deren Leistungen Es und Arbeitsfreudigkeit die Bauunternehmer abhängig sind. charakterisiert gleichzeitig die ganzen varaufgegangenen Berhandlungen als ein übles Berschleppungsmanöver. Das Verhalten der genannten Unternehmerverbände, das mindestens als im höchsten Grade illoyal bezeichnet werden muß, hat offensichtlich den 3med gehabt, den tariflosen Zustand in den Winter hinein zu verIchleppen, in der Erwartung, daß die Bautechniker während der Wintermonate sich nicht zur Wehr sehen können. Die Bautechniker werden nicht verfehlen, den Unternehmern für die ihnen hier erwiesene Nichtachtung zur gegebenen Zeit die Quittung zu präsentieren. Aber dann auch fräftig. Die Unternehmer werden dann über die Störung des Arbeitsfriedens heulmeiern. Sie werden ernten, was sie gesät haben. Verbandstag der Böttcher. 3. Verhandlungstag. Am Mittwoch stard zweifellos der wichtigste Tagesordnungspunft zur Disfuffion, die Frage der Grenzstreitigkeiten und eventuellen Verschmelzung mit einem anderen Verband. Der stellvertretende Vorsitzende Fürcht nicht, leitete die Debatte über den Grenzstreit ein mit einem Bericht über den Breslauer Gewerkschaftsfongreß. Er legte in ausführlicher Weise den Standpunkt des ADGB. zur Frage der Industrieverbände flar und betonte die Notwendigkeit, die Entwicklung, die zweifellos zu neuen Organisationsformen der Gewerkschaftsverbände treibt, zu unterstützen. Der Wunsch des Borstandes sei, in nicht allzuferner Zeit eine Berichmelzung mit irgendeinem der größeren Bruder verbände herbeizuführen. Vorher müsse aber die Garantie vorSeit 1919 bestanden zwischen dem Bund der technischen Angestellten und Beamten und den verschiedenen Spizen Werbänden der Bauunternehmer für die technischen Angestellten des Baugewerbes Reichstarifverträge; fie wurden mehrfachhanden sein, daß die Interessen der Mitglieder des Böttcherverbandes erneuert und 1923 zu einem Einheitstarifvertrag für das gesamte deutsche Baugewerbe vereinigt. Der Vertrag wurde durch die Unternehmerverbände zum 30. Juni gekündigt. An der Forderung der Unternehmer nach anderer Gestaltung ber Gehaltsgruppierung, Verlängerung der Arbeitszeit, Berkürzung des Urlaubs usw. scheiterten die freien Verhandlungen. Am 29. Juni trat unter dem Vorsiz des vom Reichsarbeitsminister ernannten Schlichters eine Schlichtungs. tammer zusammen, die am 30. Juni einen Schiedsspruch über die Hauptstreitpunkte fällte und den Parteien aufgab, die Ber. in der neuen zusammenfassenden Organisation in vollem Maße gewahrt bleiben müßten. eine andere In der anschließenden Diskussion famen 10 Redner zu Worte, die zum Teil recht entgegengeschter Meinung waren. Mehrere fprachen sich grundsäglich gegen jeden Anschluß an Organisation aus und verlangten unbedingt die Beibehaltung der Selbständigkeit des Verbandes. Andere wiederum wünschten, daß bereits auf der jezigen Tagung eine Verschmelzung mit einer größeren Organisation vorgenommen oder zum mindesten angebahnt trat man für einen Anschluß an die würde. Im großen ganzen Die Banfleitungen fühlen sich als Herren der Situation und verzichten deshalb auch auf jede schöne Geste. Das Bantunternehmertum weiß, daß die Angestellten am 1. des Monats kaum in der Lage sind, die Miete zu bezahlen oder irgendeine fleine Anschaffung zu machen, und daß die Ultimozahlung gerade infolge der schlechten Gehälter dringend nötig ist. Trotzdem Ablehnung auch dieser bescheidenen Forderung des Reichsarbeitsministeriums. Hoffentlich ziehen die Bankangestellten daraus die nötigen gewerkschaftlichen Konsequenzen. Der Mehlkutscherstreik erfolgreich beendet. Der Streit der Mehlfutscher und mitfahrer, der am Montagfrüh ausgebrochen war, ist mit einem vollen Erfolg der Streifenden beendet worden. Die Fuhrunternehmer hatten sich beharrlich geweigert, den Schwerfuhrwertstariflohn von 53 M. in der Woche an ihre Kutscher und Mitfahrer zu zahlen. Die unter Tarif bezahlten Kutscher sowie die meist garnicht bezahlten Mitfahrer waren somit indirekt zum Mehltraßen" gezwungen. Der 3 med des Streits war, mit diesen hinterfünftigen Zuständen endlich einmal aufzuräumen. Dies Ziel ist durch den dreitägigen Streit Doll erreicht worden. Die der Fuhrherreninnung angeschlossenen Fuhrunternehmer haben sich nunmehr zur Zahlung des tarifmäßigen Lohnes von 53 M. für Kutscher und Mitfahrer bereit erflärt. Eine Voll Dersammlung der Streifenden nahm am Mittwoch zu dem Angebot der Fuhrunternehmer Stellung und beschioß, die Arbeit am Donnerstag geschlossen wieder aufzunehmen. Wenn man bedenkt, daß der bisher gezahlte Lohn für Kutscher im Durchschnitt ungefähr 35 m. betrug, ist der Erfolg des Streits nicht gering anzuschlagen. Die an dem Streif Beteiligten dürfen nun aber ob dieses Erfolges nicht wieder in die alte Interessenlosigkeit zurückverfallen. Sie müssen den Geist beibehalten, den sie im Streif bewahrt haben und ihre Organisation weiter ausbauen, damit sie ihre Lohnund Arbeitsverhältnisse weiterhin verbessern fönnen. Nachprüfung der Löhne der Reichsarbeiter. Die Nachprüfung der Lohnzahlen für die Reichsarbeiter, bie der vor kurzem gefällte Schiedsspruch vorschreibt, wird erst in etwa 10 Tagen abgeschlossen sein. Nach dem Verlauf der bisherigen. Verhandlungen ist damit zu rechnen, daß doch für eine ganze An zahl von Bezirken eine leine Aufbesserung erfolgen wird. Selbstverständlich ändert der augenblickliche Notbehelf nichts an der nach wie vor bestehenden Notwendigkeit einer allgemeinen Lohnerhöhung für die Reichsarbeiter. Beendigung des belgischen Buchdruckerstreiks. Brüffel, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) Ein außer ordentlicher Verbandstag der Arbeiter des graphischen Gewerbes hat die Zugeständnisse der Arbeitgeber angenommen, die 10 der Die Wiederaufnahme Forderungen der Arbeitnehmer ausmachen. der Arbeit wird voraussichtlich am Montag erfolgen. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret Lindenstraße 3. und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SB 68 Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Bissen". A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Frisches Fleisch Hammel- Dicke Rippe, Brust Hammel80Pt. ganz u.geteilt, Pid. 95pl. und Rücken, Plund Keule Rücken 125 Schweinebauch. Pid. Kaßler Rippspeer und 130 Prima Gefrierfleisch Rinderbrust und Kamm Kalbskamm und Brust Pfund 58Pt. 75pt. Pfund Kalbskeulend Rücken Pfund 95 Pf. Konfitüren 2- Pfund- Eimer Camembert Allg., vollfett, Schacht. 35Pt. Aprikes. Himbeer 135 Kirchen 55 Erdbeer. Pflaumene65 Goudakäsed 30 Moritzplatz rote 5 Pfund blaue Kochäpfel Plund 6p. EBäpfel round 16PI. Hasenköpfe 20PI. Goldparmän. 30 pr. Kaiserkrone 30 P Pfund Pfund Pl. Weintrauben 32PF. gold, Pid. 38, blau Pl. Dorsche Pfund 15p. Schellfische 22 pr. und Rotbarse, Pid. Kabeljau and 25 Pf. Bratschollen, Píund und und Karpfen 501 30 Aale Krebse lebend, Plund Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Pfund Pflaumen 78Pt. Preiselbeer. 28 Pl. Weißkohl holländ 3 pt. Rot- u. Wirsing- 4pl. Kohlrüben Pfund 4p. Pfund kohl, holländ., Pfund Mohrrüben Pfund Rote Rüben Kürbis Bücklinge fett, 5Pt. Pfund 45 P. Schellfische 45pl. geräuchert, Pfund AhlFlundern becker 50pf. geräuchert, Pfund Rotbars 55 PL. ..Mandel 10 Seelachs Rotwurst and 80 5 Piund- Plater& 10 P14430 Tilsiter 85 Pf. 135 a Vierfrucht- and- 230 Marmelade 70 460 Kaffee frisch gebrannt, Pid. v. 270 ". holländisch. Pfund dän. bayr. Edamer 110 Schweizer Pfund 125 160 Besonders preiswerte Schokolade 2 Zwiebelwurst, Pid. an 75 Pl. Landleberwurst 20 Jagdwurst und 160 Pfund Filetwurst, Pfund Auszug- Mehl Pfund 24PI. Gut Deutsch Talen 60 30 Bitter Gr à 100 Gr. 6030 Bitter Tafeln 40 pt HartgrieẞWeizen à 50 2.Tatein à 50 Pfund 60PI. geräuchert, Pfund Leberwurst teine Mettwurst, Braunschw. Art 75 Zervelat- und Salamiwurst, Hoist., Pfd. Schinkenspeck in 1- Pfund- Stücken 190 Kuchen Streubel 50 Pt. gefüllt, Stick Mandelkranz 50 Pt. Bismarckkranz 50 Pt. Stick 50 Pt. Welzen 26p. 42P. Eler- Schnitt, Pfund 42PI. Java- Rels 24pt. Brezeln Bruch) Pfund 24 Pl. Vollmilch a 50 Gramm Talcin 40pt Schmelz 30 Gramm 3 Tafeln 30pt Nudeln Napolitains bittere, in Karton 45 PL. In 2 Kartons 50 PL Napolitains 100 Gramm Naforange in Kart. 45PL 100 Gramm à 50 Gramm in 2 Kartons 50PL à 50 Gramm Stück Geflügel Kapaune Junge Hähnchen Suppenhühner Junge Gänse Fette Margarine Marke: Die Beste" Naturbutter Tafelbutter Dänische Butter frisch geschlachtet Pfund 120 145 an an 145 135 an 33pl. Pf. % 97 Pf. PlundPaket Preise für 11 Flasche einschließt. Stener ohne Glas Reinetten- Apfelwein badischer 1923 HainfelderOberhaardter, mild 108 115 1920 Deidesheim Guten58PL berg Pfalzwein, blumig. voll 2 M 85 Pf. 1921Berncasteler bestech. 1922 Wöllstein. Wäldchen M 1 ansprechender Rheinhesse. 1922 Remicher Goldberg pikanter Mosel 110 1922 St. Martiner Kirch1923 Oppenheim. Garton berg blumiger Pfälzer... 120 Heblich 135 würziger 150 170 1922 Casseler Ruwerwein 1922 Briedeler Herzchen Mosel, bestechend. elegant 230 110 1922 Grandes Côtes französ. Rotwein, mild.. 1918 Chât. de CorneillacMargaux Bord., gut entw. 250 1921 Pécser Burgunder 260 Wachstum Domkapital gehaltv. ungar. Burgunder Johannisbeer-, Stachelbeer-, Heidelbeerwein felne 105 Deutscher Weinbrand Qualität Marke„ Erste Sorte 320 Nr. 441 ♦ 42.Iohrgaäg 1« Heilage ües vorwärts Ireltag, 18. September 1925 Weintrauben. Die Weintraubensaison ist im vollen Gange. Erst gab es da und dort welche in den Delikatessenläden, wo ein genußsüchtiges Publikum immer das haben will, was es gerade nicht gibt. Diese Sorte von nichtsiuenden Geniehern eilt so immer allem eine Jahreszeit voraus oder humpelt drei hinterher, ganz wie man will. Später sah man sie in den Obstläden, bis jetzt endlich die Ueberfülle an jeder Straßen- ecke Wagen über Wagen von Weintrauben schier überquellen läßt. Alle Länder machen eine Verbeugung vor der gefestigten Wähning und so ist das nördliche Berlin neben deutschen Trauben mit Wein aus alteran, aus Ungarn. Italien, Spanien, kurz allen weinbauenden Ländern versehen. Auch Brüssel sendet aus seinen großen Glas- hauskultuven richtige Trauben, die einen manchmal an die Wein- traube der Kundschafter in Kanaan denken läßt. Jetzt ist die große Zeit der Traubenkuren. Blauwem für Blutarme! Koldwein. Meraner! Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man sich vorstellt. welche Sonne die Beeren gereift, welche Äände sie gepflückt haben mögen. Ein Stückchen fernen südlicheren Himmel, ein Bechen, der nicht so karg wie der märkische ist. Womit nichrs gegen den mär- kischen Weinbau gesagt sein soll, war doch selbst Berlin einst eine weinbautreibcnde Stadt. Doch wo nicht der Glasschutz nachhilft, sind natürlich die Weintrauben nicht mit denen der süddeutschen und auherdeutichen Weinbaugebiete zu vergleichen. Schon der Anblick der vollen Wagen läßt einen jetzt, wo die Sonne wieder scheint, das Herz im Leibe lachen und täuscht einem angenehm südlicher« Breiten- grade vor. Und da der Preis erschwinglich, ist es kein Wunder, daß fast ganz Berlin unterwegs Beerlein nach Beerlein zupft und sich der Süße freut, die die Sonne eines anderen Landstriches für uns kochte. Kein Wunder, daß dabei auch manchmal des guten zuviel getan wird. Die klebrigen Hände vom zuckrigen Weinsast gehen noch an. wenn auch nach dem Händeschütteln mit guten Freunden die Hände wie durch geheimnisvollen sympathischen Zauber zusammen- hasten. Auch das Spucken von ausgelutschten Beerenscholen» soweit nur die Bäume und nicht das Pflaster bedacht werden, geht an. Es ist sogar eine anmutige Beschäftigung für nervöse Knaben, die so ihre Weltoerachtung richtig ausspucken können, nachdem sie glücklich das Süße der Welt genossen. Doch das sind alles noch Dinge, die dem lieben Nebenmenschen angehen und die werden gemeinhin als nicht wichtig betrachtet. Doch der Fluch trifft die Vielfraße unter den Traubenfreunden selber, wenn sie eine zu große Portion verdrücken. Die Wirkungen sind von einer so durchschlagenden Kraft, daß sich die nähere Beschreibung erübrigt. Leider ober sind trotz billiger Preise viele nicht einmal in der Lage, es an sich auszuprobieren und viele tausende von Kindern morden wohl nicht einmal ein Deerlein zu kosten bekommen. Sollte es nicht möglich fein, statt so viel leerem Brim- borium den Schulkindern ein Fest zu geben, das sie mitschnabulieren läßt von den reifen Herbstgaben. Bielleicht so, daß die einzelnen Straßenzüge für Ihre Schüler einstehen und Wein, Aepfel und Birnen im großen beziehen. Die Schulkinder werden mit einem solchen Fest sicher einverstanden sein!- Die Amnestie. Ein fsir Beamtenverbände und andere Organisationen wichtige Entscheidung bezüglich der Amnestie fällte gestern das Schöffen- gericht Berlin-Schöneberg. Der wegen öffentlicher Beleidigung an- geklagte Redakteur Ernst Sommer ist verantwortlicher Leiter der Zeitschrift.Unter dem Reichsadler", des Organ« vom Verband der Deutschen Reichspost- und Telegraphenbeamtinnen. In ihm wurde vor einiger Zeit ein Eingesandt.Fernsprechamt Merkur" veröffentlicht, in dem erhebliche vorwürfe gegen zwei AussichtS- beamte de« genannten Amtes erhoben wurden. U.a. wurde gesagt, daß dort die Beamten zu Maschinen und Nummern umgewandelt würden und der Drill soweit ginge, daß z. B. die Beamtinnen nicht aufzustehen und Hilfe zu leisten wagten, al« eine Kollegin während de« Dienstes in Schreikrämpfe verfiel, Behauptungen, die den Strofantrag zur Folge hatten. Vor Gericht machte nun Recht«- anwalt Dr. L a n d« b e r g, der frühere deutsche Gesandte in Brüffel, der an sich znm Antritt de« Wahrheitsbeweise« bereit war, geltend, daß hier die letzte Amnestie Platz greisen muffe. Da» Gericht schloß sich auch diesem Standpunkt an. Der Verband ver- folge, so begründete e«, die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Jntereffen seiner Mitglieder und die Hebung de« Stande«. Nach der Amnestie vom August d. I. seien nun u. o. alle Beleidi- gungsklagen im Sinne der s§ 185 bis 137 niederzuschlagen, wenn Angriffe, die richtige Form vorausgesetzt, in öffentlichen Kundgebungen während eines politischen oder wirtschaftlichen Kampfes erfolgt feien. Das läge hier vor und demgemäß fei auf Einstellung des Verfahren» zu erkennen. vie japanischen Evropaflieger. Tempelhof in Bewegung. Am gestrigen Doimerstagnachmittag um 2 Uhr 50 Minuten ist der japanische Flieger Abe mit seinem Monteur Shinohara aus Königsberg auf dem Tenipelhoser Flugfeld«ingetroffen. Die An- kunft hatte stch durch eine Zwischenlandung erheblich verzögert. Während dessen entwickelte sich auf dem Tempelhofer Feld«in Treiben, das unser Berichterstatter im Folgenden schildert. Bereits um Ist Uhr herrschte vor dem Eingang zum Flughafen Tempelhvf reges Familientreiben. Alle Enttäuschten, die schon am Mittwoch mittag die japanischen Wellfliegcr erwarteten, gaben sich ein trauliches Stelldichein. Irgendeiner der Direktoren des Aero- Lloyd versichert jedem, der es hören will, daß der japanische Haupt- mann Ab« Königsberg kurz nach 8 Uhr verlassen habe und spätestens um Mittag in Berlin eintreffen müsse. Der Flugplag füllte sich allmählich beängstigend. Ein Auto nach dem anderen bringt Japa- ner auf das Tempelhofer Feld, das allmählich zu einem Tokio in der Westentasche wird. Kurz vor 11 Uhr erscheint ein« An- zahl von deutschen Herren. Reaierungsvertretern, wie man sagte. Die Atmosphäre ist offiziell geworden. Sie wird es noch mehr, als der japanische Botschafter mit Gefolge auf der Bildfläch« angekommen ist. Kinooperateure drängen sich heran und machen in aller Eile Großaufnahmen von ollen möglichen offiziellen Persönlichkeiten. Im Restaurant ist man währenddessen zu Bockwün'tchen mit Kartossel- salat übergegangen. Ein Fleugzeug ist inzwischen startbereit. Es soll mit dem japanischen Botschafter und einigen ernsthasten Presse- persönlichkeiten den Europailiegern entgegeneilen. Der Kinooperateur macht noch schnell eine vollbelichtete Großausnahme. Seit zwei Stunden zeigt bereits das Begrüßungsflugzeug seinen Insassen die Schönheiten des Berliner Ostens. Eigentlich sollten die Weltflieger lange in Berlin sein. Die Zuschauer beginnen nervös zu werden. Jedes Flugzeug, das sich irgendwie am Himmel zeigt, wird mit donnernden Hurras empfangen. Japanische und deutsche Fahnen werden ausdauernd geschwenkt. Der Pilot eines harmlosen Post- flugzeugs sieht sich plötzlich von einer begeisterten Menge umringt, ein Postsack fühlt sich umarmt, die Direktoren des Aero-Lloyda werden mit Fragen üderstürmt. Man weih nichts. Wo mögen die Japaner stecken? Das Begrüßungsflugzeug landet. Seine In- fassen wisicn nun genau, wie Berlin aus der Vogelschau aussieht. Der japanische Botschafter fährt im Auto nach Hause. Di« Uhr zeigt zwei. Man munkelt von Abstürzen und ähnlichem. Di« Direktion wlephoniert fieberhakt. Niemand weiß etwas vom Verbleib der Japaner. Lebhafte Geister orakeln, sie seien in Leipzig, Warschau oder München versehentlich gelandet. Trotz der lastenden Mittags- Hitze haben die Hoffnungen den Gefrierpunkt erreicht? die Japaner aber bewahren wundervoll ihre überlegene Ruhe. Da plötzlich, die Uhr zeigt fünf Minuten vor drei, ertönen Alarmschüsse,«irenen heulen, ein unentwirrbarer Menschenknäuel ist plötzlich entstanden. Di« Europoslieger sind da. Man läuft durcheinander, man schreit und tobt. Der Flieger ist inmitten dieser Aufregung bereits gelandet. Die ruhigen, überlegenen Javaner jubeln vor Begeisterung.. Re- porter, Kinooperateur« und Pyotographen quetschen sich rücksichtslos durch die Meng«. Die Stimmung notiert ganz ä la Hausie. Kaum können die Weltflieger aussteigen, immer wieder erdröhnt die Luft von begeisterten Bansairufen. Ein Kinooperateur weih nicht, wie er zu seiner Großausnahme gelangen soll, und ein Schupo verhastet aus Dersehen einen Pressevertreter. Gleich hinter Königsberg mußte Ab« mit seinem Begleiter Shinohara wegen eines Motor- defekts heruntergehen, daher die Verzögerung. Dann werden Reden geHallen, Hochs ausgebracht auf alle nur möglichen Dinge. Man singt die japanische Nationalhymne, photographiert die Weltflieger und verbrüdert sich beim Sekt untereinander. vie Turmwach«« bewähre« sich. Der Brand i» der Stall- schreibe? straße am vormittag de« 17. wurde von der Turm- wache der Smmau«kir»«10 Minuten stüher al» von den übrigen Stellen gemeldet, ein Beweis dafür, daß stch die Turm- wachen bewähren. Zum Toüe Paul �ohns. Ein Leben im Dienste des Volsies. Das tragische Ableben des Bürgermeisters Genosse» Paul Iah» läßt ältere Genjjflen erinnern an die Tätigkeit des Genossen Joch, innerhalb der Sozialdemokratischen Partei. Im Jahre 1890 waren aus Anlaß der Grubenbergarbeiterbewegung Delegierte in Berlin beim Kaiser und trugen ihm die Lage der Bergarbeiter vor. Diesen wurden zur Beruhigung allerlei schöne Versprechungen gemacht, mit denen die Arbeiter nicht viel anfangen konnten. Im Gegenteil, als die Bergarbeiter unruhig blieben, wurde Militär mobil gemacht und die Arbeiter mit Gewehrkugeln gesüttert. Genosse John behandelle diese Angelegenheit als Referent in einer öffent- lichen Versammlung, die in Feys Festsälen in der Brunnenstrahe stallfand und sprach davon, daß man den Arbeitern a n st a t t Brot blaue Bohnen gegeben habe. Spitzel, die in der Versammlung waren, berichteten an die Staatsanwaltschaft, und diese hängte dem Genossen eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung an den Hals. Ein Jahr Gefängnis war die Folge. Später ging John als Redakteur an das„Volksblott" in Kassel. Hier erhielt er wegen Pretzbeleidigung drei Monate Gefängnis. Nach Berlin an den„Vorwärts" gekommen, muhte John auch hier als ver- ontwortlicher Redakteur weitere Opfer an Freiheit bringen. In einem Falle erhiell er in einer Bcleidigungssache drei Monate Ge f ä n g n i, und später wegen. Veröffentlichung der sogenannten Hunnenbriefe weitere sieben Monate Gefängnis. John hat also mehr als zwei Jahre im Gefängnis zu- gebracht und für unsere Partei gelitten. John hat als Redakteur des „Vorwärts" über 17 Jahre den gewerkschaftlichen Teil redigiert und auch sonst sich als Versammlungsredner in Berlin recht eifrig betätigt. Die Partei hat in John einen.opferwilligen und arbeits- eifrigen Genoffen verloren. Hakenkrenzlerfrechheit! In unserer deutschen Republik kann man gegen sie recht arge Beschimpsungen wagen, ohne daß man allzuviel Unannehmlichkeiten zu befürchten hätte. Hakenkreuzlcr aus Berlin haben am letzten Sonntag in Zossen wieder eine Probe davon gegeben, wie solche Duldsamkeit den Feinden der Re- publik den Mut stärkt. Etwa 150 Mann von dieser Gesellschaft waren nach Zossen gekommen, um eine Nachtübung zu veranstalten. Singend und johlend durchzogen sie in mehreren Trupps die Stadt, von Zosiener Hakenkreuzlern begleitet. Am Nachmittag marschierte, so meldet man uns aus Zossen, ein Trupp zum Bahnhof. Vorange- tragen wurde auf einem Stock die blaue Mütze eines Reichsbanner- mannes, und den Schluß des Zuges machte eine s ch w a r z r o t- goldene Fahne, die durch den Straßenschmutz ge- l ch l e i f t wurde. Entrüsteten Zurufen vorübergehender Personen antworteten die Frechlinge mit höhnischen Bemerkungen. Wer als einzelner si chihncn entgegengestellt hätte, dem wäre es vielleicht übel ergongen. War es darauf abgesehen, die Freunde der Re- publik zu rehzen und einen Zusammenstoß herbeizuführen? Wie wir hören, ist der Zossener Polizei diese herausfordernde Bs- schimpfung der Republik nicht unbekannt geblieben. Die Hakenkreuz- ler werden sich wenig Sorge darum machen. Der freund aus dem Wikingbund. Bor dem Landgericht III hatte sich der 23jährige Arbeiter Hans K o l a ck und der 20 Jahre alte Hausdiener Fritz P r e u ß wegen Körperverletzung, wisientlich falscher Aussage und wegen Tragens unerlaubter Waffen zu verantworten. Den Angeklagten wurde zur Lost gelegt, daß er am 28. Juni d. I. den früheren"Kaufmann und jetzigen Polizeibeamten Urbach wissentlich falsch beschuldigt halle. daß er bei dem Zusammenstoß am Schönhauser Tor in der Silvester- nacht ein Messer gezogen hätte. Die Verhandlung vor der Berufung?- sirafkammer am 28. Juli hall« nach Zeugenaussage ergeben, daß der damalige Angeklagte Urbach, der heute als Nebenkläger aus- getreten ist. weder ein Messer noch irgendwelche andere Waffe bei sich trug. Umgekehrt war es bei Kolack und Preuß..Kolack besaß einen Revolver und eine Stahlrute, Preuß einen Hirschfänger und Schlagring. Borsitzender(zu Kolack): Wozu trugen Sie denn den Revolver und die Stahlrute bei sich? A n.g e k l a g t e r: Ich wollt« sie meinem Freunde zu Neujahr schenken.— Anders war es aber bei der Vernehmung von Preuß. Preuß sagte: Urbach kam die Linienstraß« entlang und wurde dort von Kolack belästigt. Er ging ohne zu antworten weiter und wir gingen hinterher. Eine in Bc- gleitung von Urbach befindliche Dame bekam unverhofft von Kolack einen Schlag vor den Magen. Urbach stellte Kolack zur Rede, worauf Kolack ihm einen Schlag ins Gesicht gab. Vorsitzender: Von wo kennen Sie Kolack? Angeklagter: Vom Derein. Vorsitzender: Wie Das unbegreifliche Ich. 371 j■<<:': Geschichte einer I u g« n b. ' Roman von Tom Sristensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F.<5. Bogel) Ich fühlte ein Bertrauen zu Samuelsen, wie ich nie zuvor gespürt, und ich ging voller Zuversicht hinter ihm her. In dem Licht des Straßenbahnwagens bemerkte ich, daß er dicker geworden war. Sein Gesicht verzog sich gern zu einem unangenehmen Grinsen, das roh und zweideutig aussah? doch seine Augen waren traurig. Hin und wieder wischte er eine Träne fort. „Deine Mutter hat es nie sehr gut gehabt. Es ist das traurigste Dasein, �was sie bis jetzt geführt hat', aber es ist meine Schuld, du," sagte er leise zu mir. Ich antwortete nicht. Ich war bloß froh darüber, daß einer da war, der Mutter helfen wollte. Als wir nach Haufe kamen, lief Samuelsen sofort in die stockdunkle Schlafftube. „Ich. bin es, Nina! Es war hübsch von dir, daß du nach mir geschickt hast." „Kannst du nicht Licht machen?" stöhnte Mutter,„« ist so schrecklich hier im Dunkeln." Samuelsen lief in der Wohnung umher und suchte nach Licht. Ich wollte ihin helfen und wir kamen uns in die Quere. „So. du bist das, der hur herumwimmelt. Lauf lieber »um Arzt herüber!" kommandierte er. Ich sprang hoch, bekam meine Mutze vom Haken und lief atemlos forl.„,, Der Arzt war nicht zu Hause? aber es wurde mir er- laubt. zu warten Er mußte jeden Augenblick kommen. Ich wurde, in ein langwelliges Wartezimmer mit Stühlen an den Wänden und einem Tisch mit Zeitschriften in der Mitte geführt. Hier durfte ich mich setzen. Ich blätterte in den Zeitschriften und versuchte mich für die Bilder zu interessieren? doch es wollte mir nicht glücken. Jedesmal, wenn ich jemand auf der Treppe hörte, fuhr ich zusammen. Die Schritte gingen weiter nach oben. Ich wußte nicht, womit ich mir die Zeit vertreiben sollte. Hier war es so still und einsam. Hier waren keine Menschen. Mein Kummer wurde größer. Ich lehnte mich an den Tisch und hatte Lust zu weinen? doch ich konnte nicht, obgleich der Schmerz so groß war. Nur die Augen wurden naß. Es brannte in meinem Innern? ab«? es wurde mir kewe Be- freiung.. � Es wurde ein Schlüssel in dt* Tür gesteckt. ,2a sitzt ein Junge und wartet. Seine Mutter hat Dlut- erbrechen," sagte die feine Dam«, die mich hereingelassen hotte. „Soo!" klang es.. Ein Herr mit faltigem Gesicht kam herew und setzte sich mir gerade gegenüber. �,.t..' „Ist deine Mutter sehr krank?' „Ja, Tuberkeln." Er betrachtete mich flüchtig. Er hatte viele Nunzelu um die Augen, und sein Mund schien ohne Lippen. „Wir wollen sofort gehen," sagte er und nahm sich zu- sammen, um seine Müdigkeit zu überwinden. Als wir nach oben kamen, hatte Samuelsen in der ganzen Wohnung Licht gemacht. Er verbraucht viel Petroleum, dachte ich.... Der Arzt ging in die Schlafstube, und ich bört« seine leise Stimme. Was er sagte, konnte ich nicht erlauschen. Kurz darauf ging er wieder. Samuelsen kam zu mir herein. Sein« Haltung war schlaff und sein Blick unruhig. „Du, Waldemar," sagte er,„wenn jetzt die Kranken- Pflegerin eintrifft, kommst du mit mir mit. Packe deine Schulbücher zusammen. Deine Mutter muß wieder ins Krankenhaus, und diesmal wird es. gewiß lange dauern ry- bis sie gesund wird."* 7 v! „Ist Mutter sehr trank?". „Ja. sehr? aber--* Weiter kam er nicht. Dann schüttelte er mit dem Kops» und ich glaubte ihn zu verstehen. Mein Kopf fiel vorn über und mein Mund fing an zu zittern. Samuelsen trieb sich ziellos herum. „Kann ich uicht irgend etwas tun?" fragte er. „Ja. Wasser!" stöhnte Mutter.. �, Als die Krankenpflegerin kam. ging ich in die Schlaf- stube hinein. Mutter war leichenblaß. Die Stirn glänzte vor Schweiß und die Augen blickten fremd? aber um ihren eingefallenen Mund lag ein schwaches Lächeln. .Lebwohl, mein Junge!" sagte sie und schüttelte meine Hand hiv und her, als ob chr das Spaß machte. Ich lächelte gezwungen und war unbeholfen in meine» Bewegungen.?- „Komm•mm aber öfters und besuch mich, komm jeden Tag," sagte sie. „Und lebe wohl, Samuelsen, du kommst wohl auch mal." Samuelsen nickte, trat dicht ans Bett und nickte wieder Er wollte irgend etwas sagen; aber Mutter schloß plötzlich abwehrend die Augen. In dem schwachen Licht, das das Ge- ficht mit seltsamen Schatten hervortreten ließ, sah ich nur das matte, ferne Lächeln. Und dann gingen wir. „Ich freue mich darüber, daß du bei mir wohnen wirst," sagte Samuelsen in der Straßenbahn,„so kann ich doch wenigstens einmal ein Versprechen halten, das ich deiner Mutter gegeben habe, und übrigens auch eins, das ich mir selber gegeben habe. Das letztere ist das wichtigste," fügte er hinzu und lachte innerlich. Ich rückte unwillkürlich ein Stück von ihm ab? doch er sah auf mich mit einem Lächeln herunter, das schlüpfrig und gutmütig zugleich war, und fuhr fort: „Ja, das Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe, ist das wichtigste. Ich will all das sentimentale Christentum und die biblischen Geschichten deiner Mutter aus dir heraus- klauben. Du bist zu schade dazu. Du hast ja gute, astrale Farben." „Samuelsen, sind das die Farben, die Sie einmal hinter mir gesehen haben?" fragte ich. Er preßte überrascht das Kinn gegen den Hals.„Kannst du dich darauf besinnen? Das ist alles Mögliche!" Dann nickte er vergnügt vor sich hin und täffchelte mir den Kopf.' Als wir nach Haufe in den Laden gekommen wy.ren Md er mir etwas Essen auf den ärmlichen Holztisch gestellt hatte.. goß er schleunigst zwei Schnäpse herunter, stöhnte vor Wohl- behagen und sagte: „Daß deine Mutter bald stirbt, bedeutet ja an und für stch nichts!" „Was sagen Sie? Stirbt Mutter? Hat der Arzt das gesagt? Nein, nein, das hat er nicht. Mutter stirbt nicht. nein!" schrie ich.' Seine runden Augen glotzten mich dumm an. Dann stieg ein Funke von Selbstzufriedenheit in ihnen auf. „Nein, so war das nicht gemeint. Aber wenn deine Mutter stirbt, so stirbt ihr Ich trotzdem nicht." „Ach, das weiß ich ja, ihre Seele kommt in den Himmel." Samuelsen lächelte väterlich. 7(Fortsetzung folgt,) heißt der Verein? Angeklagter( nach längerem Zögern): Witing. bu.n d. Der Staatsanwalt beantragte gegen Kolac, der schon megen ähnlicher Delikte vorbestraft ist, 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und gegen Preuß 6 Monate Gefängnis. Nach kurzer Beratung verfündete ber Borsigende folgendes Urteil: Der Angeklagte kol a d wird wegen Körperverlegung, wiffentlich falfcher Aussage und unerlaubten Waffentragens zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Breus fam mit drei Monaten Gefängnis da Don, wobei ihm dreijährige Bewährungsfrist zugestanden wurde. Paßvergehen. Auch eine Folge des Weltfrieges. Zwischen den einzelnen Ländern sind Barrieren errichtet. Nur mit besonderer Erlaubnis fönnen fremde Länder betreten werden. Richt mehr wie früher genügt ein Auslandspaß des Landes, zu dem man gehört oder gar der gewöhnliche Berfonalausweis. Unter Umständen brauchte man auch dies nicht. Wollte man aber z. B. jetzt bas ehemalige Deftereich- Ungarn bereisen, so müßte man seinen Paß mit den Visa der Konsulate von Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Stallen, Rumänien und Jugoslavien haben. Nur langsam fallen diese Barrieren und es wird noch lange dauern, bis sie endgültig verschwunden sein werden. Uebertretungen von aßoor. schriften sind ander Tagesordnung. Vor dem Einzelrichter Berlin- Mitte tommen Tag für Tag solche ,, llebeltäter" zur Aburteilung. In der Regel sind es Polen. Bald find sie nur im Besiz eines Durchreisevijums und halten sich mit ihm in Deutschland auf; bald haben sie die Aufenthaltserlaubnis nur für menige Tage und überschreiten sie; bald find fie bereits seit Jahren in Berlin, haben aber Derfäumt, Berlängerung der Aufenthaltserlaubnis nachzukommen. Aeußerst felten find es lichtscheue Elemente, internationale Taschendiebe, die allen Grund haben, den Behörden aus dem Wege zu gehen. Fast immer sind es Menschen, die sich in Berlin geschäftlich aufhalten. Oft erscheinen sie in eigener Berson im Polizeipräsidium, um ihre Paßangelegenheiten zu ordnen: sie werden auf der Stelle verhaftet und erst am nächsten Tage dem Richter vorgeführt. Der perhängt über fie je nachdem Geld- oder Haftstrafe. Man wundert fich nicht feiten über die unglaubliche Nachlässigkeit dieser Leute, die die Pasvorschriften des fremben Landes nicht refpeftieren mollen; zu verurteilen ist aber auch nicht selten die Rüdsichtslosigkeit, mit der die Behörden vorgehen. Auch darut, menn es sich um Leute handelt, die in feiner Hinsicht fluchtverdächtigt find, die auch eine Raution zu Stellen in der Lage sind, werden fie in Haft genommen. Das einzig Berföhnende dabei ist, daß menigstens hier feine Unterschiede gemacht werden zwischen arm und reich. höchstens bei der Bemessung der Geldstrafe, nicht aber bei der Festnahme. Hier einige Beispiele: Fall 1.. ist felbständiger Kaufmann, ihm zur Seite steht ein Anwalt. Er hat vom Konsul in Eger die Aufenthaltserlaubnis für at Tage erhalten. Sein Wunsch, sie für sechs Wochen zu bekommen, fannte nicht erfüllt werden, da das polnische Visum früher ablief. Er will aber 70 Sonen für eine sechswöchentliche Aufenthaltserlaub nis gezahlt haben:„ in Berlin würde er sie verlängert erhalten", habe man ihm gesagt. Er verfäumt aber hier, den entsprechenden Antrag zu stellen, erscheint im Polizeipräsidium und wird in der Paß ftelle verheftet. Strafe 300 Mart. 2. Fall. Ein Ingenieur aus Mohilew; befigt in Beuthen ein elettrotechnisches Geschäft. Sein Bifum läuft am 31. Juli ab. Er hat geschäftlich in Berlin noch zwei Tage zu tun. Für Montag find bereits die Fahrtarten besorgt. Er fchickt am 31. Jult seinen Bekannten ins Bolizeipräsidium und sucht um Berlängerung nach. Es ist aber furz vor Bureauschluß, die Ungelegenheit tann nicht mehr erledigt werden. Montag fommt der Kaufmann persönlich wieder und wird verhaftet. Strafe 200 Mart. Fall 3 und 4. Ein Student, Sohn eines Großfaufmanns, auf der Durchreise in die Schweiz, mo er studiert, hat seine monatfiche Aufenthaltserlaubnis ziemlich überschritten. Erscheint persönlich im Bolizeipräsidium und wird dem Richter vorgeführt, der zufällig noch da ist; sonst wäre auch er verhaftet worden. Ein Fabritbefizer hat seine Aufenthaltserlaubnis um einen Tag überschritten und wird in der Paßstelle verhaftet. 300 Mart Geldstrafe. Fall 5. St. wohnt seit 1913 in Deutschland, handelt mit alten Kleidern, passiert immer wieder die Grenze; diesmal fürchtet er, daß er anläßlich des deutsch- polnischen Zollfrieges teine Rückreiseerlaubnis erhalten würde. Wird verhaftet und mit einer recht hohen Geldstrafe bedacht. Fall 6. A. fommt aus Belgien, um in Berlin das Geschäft seines Bruders zu übernehmen. Die Steuerbehörde stößt ganz zufällig auf ihn. Ein Bisum befizt er nicht. 3 Wochen Gefängnis. Fall 7. Am 9. Juli ift H. ohne Erlaubnis nach Deutschland gefommen; er ist bereits wegen Paßvergehen bestraft. Geht ins Bolizeipräsidium und wird verhaftet. 10 Tage Gefängnis. Fall 8. Ein Spanier, ber seit vier Tagen aus Baris eingetroffen ist. Automobilarbeiter, hoffte hier Beschäftigung zu finden; behauptet, alle seine Bapiere verloren zu haben; war im Begriff, ins spanische Konfulat zu gehen, als er verhaftet wurde. Antrag: 2 Wochen Gefängnis. Urteil: 5 Tage. Fall 9. L., ein Deutscher, aus der Tschechoslowafei, hat vor acht Tagen die Grenze ohne Paß über schritten. Fleischhauer, teinen Pfennig Geld. Eine Nacht in Berlin. Schon 6 Tage in Haft. Antrag: 5 Tage Gefängnis. Urteil: 1 Tag Gefängnis. Der Staatsanwalt will Einspruch erheben. Fall 10. Pole, Kriegsinternierter, arbeitet seit 1916 bei Bauern. War einmal unter dem Berdacht des Taschendiebstahls verhaftet. Vertagung weds genauer Feststellung der Persönlichteit. Und so geht's Tag für Tag. Der Richter ist der Ansicht, daß man den deutschen Baßvorschriften Respekt verschaffen müsse. Mit Recht. Es soll früher noch schlimmer gewesen sein. Wann werden aber endlich die strengen Baßvorschriften wieder aufgehoben werden. It der Zeitpunkt nicht vielleicht schon gekommen? Olympiadefilm. Die Uraufführung des Olympiadefilms„ Die neue Großmacht Parteinachrichten „ Die nete Großmost findet nicht am 23. September, sondern bestimmt am 1. Oftober statt. Die Starten werden sofort nach Fertigstellung den Spartenfeitungen zugestellt werden. Verkehrsunterricht in der Schule. Schon vielfach ist empfohlen worden, in den Schulunterricht auch die Unterlagen und Behelfe für den Verkehr einzubeziehen, um die Kinder damit vertraut au machen. Eine Anordnung der Reichsbahndirettion in Berlin weist die Dienststellen an, nicht mehr gültige Taschenfahrpläne und Kursbüder zurildzugeben, um fie als Unterrichtsmaterial an die Schulen abgeben zu fönnen. Noch Fahrtarten zum Sonderzug nach dem Riefengebirge! Zu dem am Sonnabend nachmittag über Sonntag nach dem Riefen gebirge verkehrenden Sonderzuge der Reichsbabndirektion Berlin sind, wie wir erfahren, noch Fahrtarten erhältlich. Der Vorverkauf ist daber über den 16. September hinaus verlängert. ahrkarten find bei den Fahrkartenausgabestellen Bahnhof Zoologi. scher Garten, Friedrichstraße, Sclefiicher Bahnhof und den üblichen Ausgabestellen bes Mitteleuropäischen Reisebureaus( Morbureaus) erhältlich. Jugendweihen der Groß- Berliner Arbeiterschaft Sonntag, den 20. September, vorm. 11 Uhr Berlin, Großes Schauspielhaus, Karlstraße Charlottenburg, Schiller- Theater, Grolmanstraße Pantow, Aula des Cyzeums, Görschstraße. Mitwirkende: Der Junge Chor, Leitung Heinz Thießen/ Charlottenburger Liedertafel, Mitglied des 2.-5.-B., Chormeister Magimilian Sternifi/ Männerchor Niederschönhausen, Mitglied des L- S- B. Orgelspiel/ Mufit/ Gefasg/ Sprechchor Weiheredner: Stad verordnetenvorsteher Johannes Has Lehrer Wilhelm Schmider/ Regierungsräfin Hedwig Wachenheim Gafifarten an den Kaffen. Die Gartenschädlingsfammlung des Kleingärtners Cösfch, über die wir aus Anlag einer Seleingartenbau- Ausfiellung fürzlich berichteten, tommt am 20., 21. und 22. d. M. in Neukölln Zum Schultheiß, Hafenbeide 22-31, nochmals zur Ausstellung. Wir werden darum gebeten, alle Intereffenten befonders darum darauf aufmerksam zu machen, weil keinerlei Geschäftsabfichten mit der Ausstellung verbunden find. Lötsch hat die Sammlung auf seinem Laubenland vor etwa 15 Jahren begonnen und zeigt sie zum Rugen seiner Kleingärtnergenossen, Cine Mobefchau veranstaltete bas Raufhaus Sternfetb, Rer. B11n im Großen Gaal der Berliner Kindl- Brauerei. Die vorgeführten Roftime, Kleider und Mäntel legten Beugnis ab von gutem Geschmack und forgfältiger Ausführung. Neben teueren Abendtoiletten wurden auch billigere unb geblegene Kleider vorgeführt. Das Raufhaus Sternfelb bewies dadurch, bak auch billige Kleiber mit viel Gefchmad gearbeitet fein tönnen. Aber die wenigften verfügen heute über das nötige Geld, felbst billige und gute Bare au faufen. Die Modeschau wurde eingevahmt von Borführungen der Ballettfchule Paul Wüst, Neukölln. Ueberschwemmungen im fernen Often. Nagajati, 17. September.( WTB.) Wie aus Formosa gemeldet wird, wurde gestern die Stadt elung von einem schweren Ge mittersturm heimgesucht. Hunderte Don Häusern wurden unter Waffer gefeht. Die telegraphischen und telephonischen Betbindungen find gestört. 3ahlreiche Motor Fischerboote werden vermißt. Eine Reihe von Brüden wurde abgeriffen oder beschädigt. Das amerikanische Schiff Helen" in der Nähe des Leuchtturms auf Grund gelaufen sein. und Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Sindenftraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirksfekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, an richten. 14. Kreis Neukölln. Sonnabend, den 19. September, 7 Uhr, Fraktionsfihung im Rathaus Neukölln. Heute, Freitag, den 18. September: Jungfozialisten. Gruppe Lankwig: Der Desterreichische Bolts- und Liederabend findet pünktlich 48 Uhr bei der Genoffin Maraun, Raiser- WilhelmStraße 24-26, ftatt. Gruppe Mitte: Bünktlich 8 Uhr Busammenkunft in der Schule Gipsstr. 23a. Märchenabend der Genoffin Traute Neumann.- Gruppe Neukölln II: Bergstr. 15, Städt. Handelsschule, Lehrerzimmer, Vortrag des Genossen Lehrer Weimann über Das proletarische Rind und feine Umgebung". Anfang 8 Uhr. Morgen, Sonnabend, den 19. September: 101, Abt. Treptow. Alle schreibgewandten Genossen und Genoffinnen treffen fich zum Abschreiben der Wählerliften ab Gonnabend im Rathaus Treptow, Nebeneingang, Reue Krugallee: Sonnabend von 1 bis 8, Sonntag vormittag von 9 bis 1, die anderen Tage bis Donnerstag von 4 bis 9 Uhr abends. Feberhalter mitbringen. Mitgliederversammlung und Rahlabend. 112. Abt. Rahnsdorf- Wilhelmshagen. 8 Uhr in der Waldschänke von Andre Abt. 123a Kaulsdorf.Güid. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Lotal Jägerheim, Vortrag des Stadto. Genoffen Räming. 140. Abt. Borsigwalde. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Boitschach, Ernststr. 1 Tagesordnung: 1. Bericht über die kommunale Tätigkeit der Bezirksverordneten. Referent Genoffe Rogolt. 2. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 95. Abt. Neukölln. Genoffe Albert Grieger, Gaftwirt, LeffingStraße 9, verstarb am 15. d. M. Beerdigung Sonnabend, ben 19. September, nachmittags 3½ Uhr, Reuen Jakobitirchhof, Hermannstraße. Jugendveranstaltungen. Hente, Freitag, den 18. September, abends 712 Uhr: Moabit I: Schule Siemensstr. 20, Bortrag:„ Wir und die Arbeitsbienstpflicht". Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplah, Aussprache: Unsere Gruppenarbeit im Winter". Nordoft II: Jugendheim Danziger Str. 23, Bortrag: Unsere Bücher". Weißensee: Jugendheim Roeldeftr. 157, Bortrag: Prenzlauer Vorstadt: JugendDie Geschichte der deutschen Arbeiterjugend". Warschauer heim Danziger Str. 23, Bortrag: ,, Was ist Boltswirtschaft?" Biertel: Jugendheim Tilsiter Str. 4, Vortrag: Sngienische Lebensweife". Steglis II: Jugendheim Holsteinische Str. 3, Vortragsreihe I: Gemeinschaft". Reukölln II: Jugendheim Nogatstr. 53, Bortrag: Geschichte der freien Ge. werkschaften". Ren- Lichtenberg: Pestalozzi- Lyzeum, Prinz- Albert- Str. 44, Bortrag: Boltsgefundheit". Ab Freitag, Werbebezirk Teltowlanal: Gymnaftifturfus fällt heute aus. den 25. September, regelmäßig im Jugendheim Tempelhof, Germaniaftr. 6. Werbebezirke Spandan, Teltowlanal, Besten: Der Wochenendturfus, Weft" findet am 19. und 20. September im Gesellschaftshaus in Rieberlehine- Bilbau ftatt. Gemeinsame Sinfahrt ab Görl. Bhf. 7.58 Uhr, Sonnabend abend ab Niederschöneweide- Johannisthal 8.11 Uhr. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 87/88, Sof 3 St. Gauvorftand: Der Republikanische Tag in Trebbin fällt aus. Alle Kameraden beteiligen fich an der Fahnenweihe in Nauen. Beffersportabteilung: Sonntag, ben 20., Rug Müggel: Treffpunkt 10 Uhr Einfahrt Eriner am Flatensee; Rug Dahme, Gruppe Treptow: 7 Uhr Großes Rehlendorf: Fr., b. 18., abends Eierhaus, 11 Uhr Bootsplag Wendenschloß. 8 Uhr, bei Midlen, Zusammenkunft aller Attiven wegen Rauen oder Plaue. Mitte: Eichwalde und Untergruppen: Go., b. 19. abends 8 Uhr, Turnen. Brenzlauer Sonntag, den 20., vorm. 11.55 Uhr Lehrter Bhf. nach Nauen. Berg: Sonntag, den 20., Trebbin fällt aus, dafür Antreten 74 Uhr Lehrter Bhf. Friedrichshain: Sonntag, den 20., 9% Uhr, bei Schmidt, 2 M. Fahrgeld. Kreuzberg: Sonntag, den 20., vorm. 94 Uhr, Treffpunkt Nauenfahrer Lehrter Bhf. Sin und zurüd 1,40 m. Nächste Bflichtbeteiligung Sonntag, den 27., Reinidendorf. Charlottenburg: Sonntag, den 20., vorm. 9½ Uhr, Treffen mit Spielleuten Bhf. Jungfernheide. Pflichtfahrt nach Nauen. Schöneberg- Friedenau: Sonntag, den 20., vorm. 10 Uhr, auch Radfahrer, ab Bhf. Ebersstraße Fahrt nach Nauen. Tempelhof: Beranstaltung Trebbin fällt aus. Sonntag, den 20., kein Antreten. Lichtenberg und Untergruppen: Sonntag, den 20., vorm. 9 Uhr, Antreten bei Krüger. Fahrt nach Nauen, Sin und zurild 1,60 m. Bankow mit Untergruppen: Sonntag, den 20., Dorm. 9% Uhr, Schönhauser Allee, Ede Bornholmer Straße. Spielleute und Niederschönhausen um 8 Uhr bei Rubasch, Uhlandstraße. 1 jolahnen aur Stelle. Fahrt nach Rauen. Sin und zurüd 1,80 m. Rug Beling, 17 September.( WTB.) Nach offiziellen Meldungen aus der Provinz Schantung ist der Lüdliche Dammam Gelben Fluß( Hoangho) bei Puntschengfien von dem Hochwasser zerstört worden. Ein 13 Meilen breites und 70 Meilen langes Gebiet ist überflutet. Der Dammbruch ist sehr breit und der Fluß hat seinen Lauf geändert. Etwa 900 Dörfer sind von Waffer umgeben und der Verkehr kann nur mit Booten aufrechterhalten werden. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Maßnahmen zur Unterstügung der geschädigten Bewohner sind eingeleitet worden. Einweihung des Elberfelder Senders. Seute wird der Elberfelder Sender festlich eröffnet: die Ein. weibung, der Staatssekretär Dr. Bredow beiwohnen wirb, beginnt um 11 Uhr vormittags. Um 4.30 bis 6 Uhr findet eine Feststunde für die Kinder statt, und um 8 Uhr wird ein befonderes Festprogramm gefendet, das mit dem Vorspiel auf dem Theater" von Goethe unter Mitwirkung von Mitgliedern der städtischen Bühne beginnt, dann folgt eine Veranstaltung Westfalen in Wort und Klang" und um 9.80 Uhr das musikalische Lustspiel„ Die Ab reise" von Eugen d'Albert. Brand eines Domänen gutes. Das Domänengut Wußler- Hof in Ohlsbach( Baden) brannte bis auf die Grundmauern nieder. Das Hauptgebäude sowie sämtliche Stallungen und Scheunen Große Ernteborrate wurden ein Raub der Flammen. Das Bieh konnte gerettet werden. Der Schaden beläuft sich auf wurden vernichtet. Auch das gesamte Mobiliar ging berloren. mehrere hunderttausend Mart. Die Fleischvergiffung in Barmen. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, ist die Zahl der nach dem Genuß von adfleisch Gre franften auf 110 gestiegen. Die Untersuchung der Erfrankten hat ergeben, daß höchstwahrscheinlich nicht wirklicher Paratyphus in Frage fommt, sondern ein leif& bergifter, der in ganz naber Verwandtschaft zum Baratyphusbazillus mebiginalrat Dr. Kriege betonte ausbrüdlich, daß eine An ftedungsgefahr nicht besteht. fteht. Kreis Berband Bolksgesundheit, Ortsverein Berlin. Am Freitag, ben 18. September, Distuffionsabend der Jugendgruppe im Jugendheim Goßlerftr. 61 über Berliner Humor-Sonntag, den 20. September, Arbeitstag in Müggelbeim Rege Beteiligung erwünscht. Intereffenvertretung Selbsthilfe der gefchäbigten Auslands, RolonialGroße und Grenzlandsdeutschen, e. B., Berlin GB. 68, Friedrichstr. 215. öffentliche Rundgebung am Freitag, den 18. Geptember, 8 Uhr abends, in der Stadthalle des Stadthaufes, Ede Gtvalauer und Klosterstraße( Eingang Klosterstraße), Untergrundbahnhof. Es gilt, die großen ungerechtigkeiten beim Nachentfchädigungsverfahren aufzudecken und zu protestieren gegen die monatelange Versleppung der Dringlichkeitsfälle, gegen die Feitfegung zu geringer Grundschadensfummen, gegen bie Dielen unberechtigten Abzüge, gegen bie monatelange Berzögerung in ber Erledigung der Beschwerdeanträge. Mitglieder und Interessenten der Erziehungsgemeinschaft Das prole tarische Rind. Sufammenkunft Mittwoch, ben 23. September, Wilmersdorf, Cifenzahnstr. 28, abends 8 Uhr. Arbeitersport. hogemeinibaft: Montag, 21. Geptember, abends 8 Uhr, im Jugendheim des Oftens, Große Frankfurter Str. 16, Simmer 5, Bergrößern. Gäfte willkommen. Abt. Charlottenburg: Freitag, 18. September, im Seim Häfelerstr. 16b, Gingabend und Besprechung der Sonntagswanderung. Gäste willkommen. Touristenverein Die Raturfreunde( entrale Bien), Ortsgruppe Berlin. Tuen und Sportverein Jahn", Treptow- Baumschulenweg, begeht ant Sonnabend, ben 19. September, im Baradiesgarten, Treptow, fein 81. Stiftungsfest. Anfang 18 Uhr. Ende? Eintrittspreis 1,25 M. Freie Schwimmer Charlottenburg 04. Morgen, Sonnabend, den 19. Geptember, abends ab 8 Uhr: Gefelliges Beisammenfein bei Spiel und Tanz als Abfchluß der Sommerbadezeit im Restaurant des Boltsbades Jungfernheide. Am Sonntag, den 20. September, Abbaben im Boltsbad Jungfernheide ab 3 Uhr nachmittags. Freunde und Gönner des Arbeiterschwimmsports sind bei freiem eintritt her lift zu beiden Beranstaltungen eingeladen. Sportklub Bibertas 96", Verein für moderne Körperkultur, veranstaltet am Gonning, den 20. Geptember, auf dem Sportplat der Freien Turner, Bilmersdorf, Württembergische, Ede gähringer Straße, ein großes Werbefportfeft, verbunden mit Fahnenweihe. Das sportliche Programm sieht vor: Mannschaftskampf im Ringen, Mannschaftstampf im Jiu- Jitsu. Außerdem werden Teichtathletifche Rämpfe ausgetragen. Alle Arbeitersportvereine find hiermit freundlichst eingeladen. Anfang 2 Uhr. Eintritt 40 Bf. Arbeiter Rebfahrer- Bezein Groß- Berlin. Sonnabend, ben 19. September, abends 8 Uhr, Lampisntour nach Treptow, Reſtaurant Jägerhäuschen. Sonntag, ben 20. Geptember, nachmittags 1 Uhr, Mahlsdorf- Süd, Restaurant Heidekrug. Start Mariannenplas, Eete Waldemarstraße. Warnung vor einer Schwindlerin. Unter dem Namen Elvira von Bertheim Ellis. hofen läßt sich eine etwa 40 Jahre alte, sehr elegant gefleidete Frau bei Großindustriellen und Bantiers melden und bittet diese um Beiträge für ein neues Kinderheim im Ostseebad 3ingft. Da die Frau sehr sicher und bestimmt auftritt, auch Beichnungen, Bescheinigungen von Behörden und Spendenlisten vorlegt, dabei auch so überzeugend zu sprechen weiß, fo erreicht sie fast immer ihren 3wed und ist es häufig vorgekommen, daß ihr Be träge von 200 bis 500 m. ausgehändigt worden sind. Wie nachher cingezogene Erfundigungen ergeben haben, beruhen sämtliche An gaben der Frau Baronin" auf Schwindel; denn in Zingst ist von beraubt hatte und darauf vom Schwurgericht in Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 17. September. der Errichtung eines neuen Kinderheims nichts bekannt. Der Tischler Gustav Den ganzen Wochenlohn verloren. Saper, Huttenstr. 23, bat gestern seinen Wochenlohn in Höhe von 31 M., der in der Lohntüte stedt, auf dem Wege von der Alexandrinenstr. 11 bis zur Mitterstraße verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, das Geld gegen Belohnung beim Berlierer abzugeben. Zuchthaus und Mutterschaft. Am Freitag, ben 18. September, abends 8 Uhr, fpricht im neuen Buchladen" Augsburger Straße 33 Apotheter Paul Heiser über: Zuchthaus und Mutterschaft. Nach dem Vortrag Distuffion. Eintritt frei. Genoffe Pfarrer Bleier spricht am Sonntag den 20. September, abends 6hr im Rahmen einer religiösen Feierstunde in der Trinitatusfirche, Charlottenburg, Karl- August- Play, über das Thema:„ Der Kampf um bas Brot ein religiöses Gebot". Am Freitag, den 18. September, vor minags 10 Uhr findet die Einfegnung der Kinder in derselben Kirche ftalt. Die Feier ift öffentlich. Am Montag, den 21. September, 1,8 Uhr abends, spricht Pfarrer Bleier in der 13. Gemeindeschule, Char lottenburg, Pestalozzistraße 40,( unweit Wilmersdorfer Straße) über das Thema: 3ft bie Judenhete chriftlich oder national". Neue Englischkurse für Anfänger im Westen, Nordwesten und Südost Für Fortgeschrittene nichluß an bestehende Kurse. Auskunft und Anmel bung täglich 7-8 Uhr abends oder schriftlich bei Genossen Unitower, Berlin B. 57, Kurfürstenstr. 21-22, I. Seit II. Lebenslänglich. Der Raubmörber Julius Bollmer aus Qudenwalde, der im Jahre 1921 gemeinschaftlich mit dem Händler Oppel eine alte Witwe im Kreis Liebenwerda ermordet und Tode berurteilt worden war, ift jegt vom Staatsministerium zu Iebenslänglichem 8uchthaus begnadigt worden. Wetter für Berlin und Umgegend. Meist bewölkt mit Regenneigung. Temperatur unverändert. Für Deutschland. Jm Besten vielfach Negen schauer, überall noch mäßig warm.i Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 18. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Die Winterreise, von Franz Schubert, Text von W. Müller( Hermann Schey, Bariton). Am Flügel: Bruno Seidler- Winkler). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Hans. 640 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau( Die Kunst der Arbeits. einteilung". 7-7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Gartenbau. Dr. Ebert: Der Obstgarten". III. Teil. 7.30 Uhr abends: Abteilung Völkerkunde. Professor Pandit Tarachand Roy( Lahore): Einführung in die indische Kultur". 3. Vortrag. Das indische Familienleben. 8 Uhr abends: Einführung zum Sendespiel am 19. September. 8.30 Uhr abends: Beethoven- Abend. 1. Ouvertüre zu Egmont ( Orchester). 2. Klavierkonzert Es- Dur( Celeste Chop- Groenevelt, Klavier). 8. IV. Sinfonie( Berliner Funkorchester). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Achtung, Schwimmeriparte, 1. Streis, 1. Bezitt! Am 20. b. M., vormittags 9 Uhr, findet unsere Bezirksspartenikung im Jugendheim Berlin- Oberschöne weide, Laufenerstr. 2, statt. Um recht pünktliches Erscheinen wird gebeten. Sport. 1. Rennen. 1. Bubi( S. Gröschen, 2. Wolfenschieber( Dertel), 3. Madi( R. Edler). Toto: 53: 10, Blas 15, 13, 14: 10. Gerner liefen: Ceres, Fliegender Holländer, Seewarte, Miratel, Rasvidr, Steinberger, Otavi, Drdensritter, Kürassier, Tib. 2. Rennen: 1. Abteilung: 1. Möros( 3. Tarras), 2. Prospero . Kasper), 3. Duilon( Ebert), Toto: 118: 10. Blaz: 27, 28, 23: 10. Ferner liefen: Lagenburg, Va banque, Berschwiegenheit, Aphrodite, Karneval II, Anfunft. 2. Abteilung: 1. Heliotrap( M. Schmidt), 2. Ping Pong( Albers), 3. Nina( n. Torfe). Zoto: 183: 10. Blaz: 25, 21, 15:10. Ferner liefen: Ghtha, Zitus, Nettar, Gamsbart, Gold Geryan, Hagen, Ekel. 3. Mennen. 1. Messina( b. Borde), 2. Primavera( b. Fallenbaufen), 3. Drtus( Staudinger). Toto: 15: 10. Blag: 12, 22: 10. Ferner liesen: Centrifugal, Mellarosa gef. 4. Rennen. 1. Bilatus( Bismart), 2. Eigilolf( Rutulies), 3. Stern berg( Mate). Toto: 69: 10. Blat: 28, 19, 24:10. Ferner liefen: Le Challenge, Czaba, Samballat, La Mirabelle, Escorial, Dumpit, Dauben2on, Balamon. 5. Rennett. 1. Ama( Ebler), 2. Erdferkel( Bismark), 3. Fippa ( E. Eichhorn). Toto: 52: 10. Blab: 14, 13, 12:10. Ferner liefen: Eulalia, taurin, Schwertlilie, Maibring, Sturm, Fuchste. 6. Rennen. 1. Notung( v. Metsch), 2. Herzog( v. Borde), 3. Credulite ( Staudinger). Toto: 32: 10. Blat: 11, 11, 15:10. Ferner liesen: Fausto, Gutandcarwem, Bautopaz, Ben trovato. 1. Einfalt( Stufulies), 2. Fliegender Fuchs( Kränzlein), 3. Prometheus( Morig). Toto: 45: 10. Blab, 15, 18, 12: 10. Ferner liefen: Spaniola, Goldenes Horn, Nordlicht, Noft. 7. Renne 11. Sozialistische Gemeindearbeit. for 2. Bezirk Tiergarten. Der Stadtbezirk Tiergarten trägt schon durch die Eigentümlichkeit feiner Lage das Gepräge schroffer Gegenjäglichkeit. In der Mitte der prächtige Tiergarten mit den angrenzenden Stadtteilen, die mit ihren Brunftaufen und Luruswohnungen von vornherein als ziem lich, sozialistenrein zu betrachten find. Ein ganz anderes Bild zeigt der Moabiter Stadtteil mit seinen zahlreichen Fabriken und Mietfajernen, wo unsere Wähler vorwiegend zu Hause sind. Dieser Eigenart des Bezirkes entspringt die Zusammensetzung der Bezirks versammlung. Eine stattliche SPD. Fraktion, die allein ein Drittel der Sige einnimmt. Daneben die bürgerlichen Fraktionen, die sich zu einer„ Bürgerlichen Vereinigung“ zufanımengetan haben. Die drei Kommunisten haben immerhin ihr möglichstes getan, unsere Schwierigkeiten bei der Vertretung der Arbeiterinteressen zu ver größern. Ihr Verdienst ist es auch, daß wir ein sozialistenreines rechtsbürgerliches Bezirksamt haben. Wie empfindlich die Intereffen der arbeitenden Bevölkerung dadurch geschädigt wurden, haben die vergangenen fünf Jahre nur zu oft ergeben. Die Wählerschaft wird bei den Wahlen dessen eingedent sein müssen. Troß dieser Schwierigkeiten hat die SPD.- Fraftion in schwerer Arbeit zahlreiche Erfolge gehabt. Vor allem in der schweren Zeit der Inflation ist es uns, meist im harten Kampfe mit den bürger. lichen Parteien, gelungen, unseren Standpunkt zur Geltung zu bringen und die notwendigsten sozialen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Diefer Erfolg war nur dadurch möglich, daß wir, dem Ernste der Zeit Rechnung tragend, alles unterließen, was als finnlofe Oppofition oder Parteimerbearbeit gedeutet werden fonnte. Brachten wir Anträge, so waren sie gründlich durchdacht und wir fonnten beweisen, daß ihre Durchführung bei gutem Willen wohl möglich ift. Die KPD. überschwemmte die Versammlung mit Anträgen, in benen fie für jeden Bürger ein Schloß in Bolfenfududsheim derte. Wir legten zunächst Wert darauf, daß die Schulen von den darin untergebrachten Aemtern geräumt wurden, so daß wieder ein geordneter Unterricht der Kinder möglich war. Ferner nahmen wir wiederholt Gelegenheit, auf Mißstände bei der Verteilung der ftädtischen Fleischmarfen hinzuweisen, durch die der armen Bevölle rung der Bezug des billigen Fleisches unmöglich gemacht wurde. Bir fonnten auf Abstellung dieser Mißstände dringen. Wir beschränkten uns nicht darauf, ben Magiftrat um Bereitstellung billiger Lebensmittel und Brennstoffe zu ersuchen, sondern wir wiesen auch den Weg, das zu ermöglichen. Ebenso regten wir an, daß die Erwerbslosigkeit durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit befämpft wird, und zwar sollte im Bezirk Tiergarten mit dem Ausbau des Krankenhauses Moabit begonnen werden. Zu zahlreichen Anträgen, Anregungen und Proteften gab uns jedesmal die Etatberatung Beranlaffung. In den Inflationsjahren hatte das Bezirksamt es leicht, fich der Rontrolle zu entziehen. Bei der Stabilisierung legten wir aber sogleich Wert darauf, daß jezt Eigenmächtigkeiten des Bezirksamtes nicht mehr möglich sind und das mitbestimmungsrecht der Versammlung gewahrt werden muß. Wir brachten einen Antrag zur Annahme, wonach ersparte Mittel für das Gesundheits- und Wohlfahrtswesen verwendet werden sollen. Bei dem letzten Etat lehnten wir die Bewilligung bes Gehaltes für den stellvertretenden Bürgermeister ab, da er bei einer Besprechung mit einem partei genössischen Stadtverordneten so schroff vorgegangen war, daß er unser Bertrauen nicht mehr besaß. Ebenso lehnten wir das Gehalt des Bürgermeisters ab, da er sich mit seinem Stellvertreter jolidarisch erflärte. Ferner war widerrechtlich in den Etat das Gehalt für einen schon abgebauten Stadtrat eingestellt. Auch bas tonnten wir nicht bewilligen. Da unsere diesbezüglichen Anträge abgelehnt wurben, lehnten wir den ganzen Etat a b. Wie recht mir hatten, ergab später eine Intervention des Magistrates, burch die Die Biebereinſegung bes abgebauten Stadtrates für unrecht mäßig ertlärt wurde. Was die KPD. angerichtet hat, indem sie durch ihr finnloses Verhalten das reaktionäre Bezirksamt in den Sattel hob, wurde uns noch besonders beim Tode des Reichspräsi. denten vor Augen geführt, wo bas Bezirksamt es nicht für nötig hielt, die Trauerflagge zu hiffen. Von uns zur Rede gestellt, tam man mit der windigen Ausrebe, es wäre feine Flagge vorhanden. 12. Bezirk Steglit. Die Fraktionsarbeit der SPD..Bezirksverordneten von Steglit, Lankwig und Lichterfelde ist eine außerordentlich undantbare vor allem aus dem Grunde, weil die Fraktion nur ein Biertel der Eige im Bezirksparlament inne hat. Die Bersammlung ist völlig reaktionär eingestellt, denn Demokraten und Zentrum bilden nur ein fleines häufchen und stimmen zudem auch ganz überwiegend mit den Rechtsparteien zusammen gegen uns. Das Schicksal der meisten unserer Anträge war also bereits besiegelt, noch ehe fie auf die Tagesordnung famen. Der Widerstand der Reaktionäre aller Schattierungen hat alle unsere Versuche zu tommunal politischem Fortschritt zum Scheitern gebracht. Das Dezernat für Erwerbslosenfürsorge hatte Genoffe Aßmann, später Ge noffe Hermes. Unsere Anträge zur Berbesserung der Lage der Arbeitslosen, besonders in den Beiten der Inflation, wurden fajt fämtlich niedergestimmt. Man wollte sich dem Drud der Straße" nicht fügen. Im Dezernatswege fonnte dann von unseren Genossen noch manches durchgeführt werden. Die Haltung unferer Fraktion in den Schulfragen war immer ein Vordringen in der Richtung auf das fozialistische Schulideal und die weltliche Schule. Zu den Etats wurden Gelder angefordert für Werkstättenunterricht, Koch unterricht, Schularbeitsgärten, Schwimmunterricht, Schwimmunterricht, schwedische Gymnastit, Lehrmittelfreiheit, Schultinos u. a. m. Jährlich mehrten fich die Meldungen für die Erteilung von Lebenstundeunterricht an Kinder, die vom Religionsunterricht befreit waren. Während wir in bezug auf einen Teil der vorgenannten Gebiete Erfolge zu ver zeichnen hatten und vorwärts gefommen find, wurden die For berungen nach Lehrmittelfreiheit, ja auch nur nach gemeinsamem Lehrmitteleinkauf und nach Lebenstundeunterricht selbstverständlich von den vereinten Bürgerlichen niedergestimmt. Ebenso erfolglos. waren unsere Bemühungen um den Neubau von Gemeindeschulen in Lanfwiß und Steglip. In den Inflationsjahren brachte unsere Frattion eine Reihe Anträge ein, welche auf eine Besserung der Ernährung der minder bemittelten Bevölkerung abzielten. Das Wohlfahrtswesen unterſteht unserem Genossen Aßmann. Unsere Anträge, die Wohlfahrtseinrichtungen des Bezirks möglichst fommunal aufzuziehen. waren erfolglos. Die Bürgerlichen lieferten fast alle Kinderheime, Krippen, Horte, Schwangeren- und Säuglingsfürsorge, Trinferfür sorge privaten und firchlichen Vereinen aus, und unterstützten diese mit Geldmitteln. Die Badeeinrichtungen des Bezirkes, die völkerung einer fteigenden Beliebtheit. Auch eine Lungenerholungs ebenfalls unserer Obhut unterſtehen, erfreuen sich bei der Bestätte ist im Bau und wird auf das modernste eingerichtet. Eine Schulzahnklinit iſt musterhaft auf und ausgebaut worden. Die Bürgerlichen haben auch hier oft versucht, den Hemmschuh an die Entwicklung zu legen, aber sie hatten damit wenig Glüd. Biele erfolglose Anträge stellte unsere Fraktion auf dem Gebiete der Wohnungswirtschaft und der Mietangelegen. heiten. Soviel als möglich nahm sie sich der Bedrängten an. Sie verlangte u. a., daß der Wohnungsneubau gefördert würde, indem der Bezirk selbst Kleinwohnungen baue. Der Antrag wurde niebergestimmt. Wir verlangten, daß Baraden bereitgestellt würden für besonders schwierige Fälle. Dem wurde nachgetommen, doch waren die Baraden so schlecht, daß fie nur wenige Jahre brauchbar waren. Den Grundstüdsantäufen standen unsere Fraftionsgenoffen immer sympathisch gegenüber und förderten ben Ankauf des Lichterfelder Schloßparts und des Stier'schen Geländes. Wir waren auch sonst stets für städtebauliche Berbesserungen im Bezirt zu haben. Beim Ausbau des Verkehrs, der jetzt einer der besten in Groß- Berlin ist, haben wir fördernd mitgeholfen. Im allgemeinen darf gesagt werden, daß sowohl im Bezirks. parlament als auch in den Kommissionen unsere Graftion eine, den schwierigen Verhältnissen angepaßte, forgfältige und fleißige Arbeit geleistet hat. Bemerkenswert war die Taftit der Bürgerlichen, sich unsere Anträge, wenn sie ihnen gefielen, zu eigen zu machen und dieselben dann nach entsprechender Umänderung als ihre Parteiarbeit zur Annahme zu bringen. 14. Bezirk Neukölln. 1 " H Berliner Gefefffaft zur Förderung des Tiwa familienhauses, wird in der Gegend zwischen der Rudower und Budower Chaussee und Krankenhaus Brig und Budom in zwei Jahren ein Häuserblod von rund 1600 ohnungen erstehen. Im laufenden Jahre follen bereits 1000 Wohnungen gebaut werden. Das in diesem Jahre gekaufte Gelände ist von der Einfamilienhausgesellschaft an ihre Gründer aufgeteilt worden. Die beiden Gründer, die Gemeinnügige Heimstätten Spar. und Bau A. G., Gehaa" und die Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaues A.-G. Degewo" werden noch in diesem Jahre mit dem Bau von je 500 Wohnungen beginnen. Die Gesellschaften sind verpflichtet, in erster Linie Wohnungssuchende des Bezirks zu berüdfichtigen. Dadurch wird die erschreckende Wohnungsnot in unserer Gemeinde zwar noch nicht endgültig be. feitigt, aber doch gemildert werden. Daß die Stadtbau- und Großhandelsgesellschaft abgebaut werben mußten, vérbanten wir bein feit Jahren geführten Kampf des Bürgertums, möglichst alle Fraktion und Bezirksamtsmitglieder der Partei haben stets in städtischen Betriebe dem Privatfapital auszuliefern. freundschaftlicher Weise zusammengearbeitet. Sorgen wir dafür, daß Berlin eine fojiafiffische Mehrheit bekommt, dann können wir in den Bezirken noch froher in die Zufunft schauen. at Die Kreisvertreterversammlung bes 14. Kreifes Neukölln am 7. September wählte als Spißenfandidaten zur Stadt und Bezirksverordnetenwahl die Gen. Harnisch und Gutschmidt. Zuviel Straßenbäume in Stralan. Am Sonnabend fand eine Besichtigung der Baumpflanzungen in Stralau durch das Bezirksamt Friedrichshain unter Hinzuziehung eingelabener Ortsbewohner und Industrieller statt. Bom Bezirks amt waren der Bürgermeister, mehrere Stadträte und Bezirksver ordnete fowie ein Gartenbauinspektor erschienen. Bekanntlich ist die hochragenden, 50 bis 70 Jahre alten Platanen befeßt ist, wunderbar. alte Stralauer Dorfstraße, die von der Ringbahn bis zum Ende mit Die Bäume stehen aber so dicht und haben sich so start entwickelt, daß eine träftige Durchlichtung notwendig geworden ist, um Licht und Luft zu schaffen. Die Zweige liegen zum Teil schon auf ben Dächern oder schlagen bei Wind in die Fenster. In der Strafquer Boltsschule ist es so dunkel, daß die Augen der Schulkinder gefährdet find. Man einigte sich dahin, daß in den Nebenstraßen alle Bäume stehen bleiben und in der Hauptstraße zunächst nur etwa 50 der alten Platanen gefällt werden. Das allgemeine Straßenbild wird dadurch hoffentlich an Naturschönheit nichts einbüßen. Immerhin ift es bemerkenswert, daß in einer Zeit, wo alle Welt mit Recht nach mehr Grün" in der Stadt ruft, in einem Ortsteil Berlins Bäume beseitigt werden müssen. Abgesehen von dem engen Aufgabentreis der Bezirksverfamm lung und der von Berlin zur Verfügung gestellten fnappen Etatsmittel, hat unsere Fraftion so gearbeitet, daß sie vor den Augen abfolute Mehrheit in der Bezirksversammlung hatten, war uns der Wähler gut bestehen tann. Da wir bis zum Vorjahre die Neue, aber teure Wohnungen In Köpenid. eine große Verantwortung zugefallen. Agitations. und Die von der Baugesellschaft Berlin- Ost in der Siedlung am Demonstrationsanträge, wie sie die Kommunisten und Bürgerlichen Bahnhof köpenid errichteten 43 Kleinhäuser gehen ihrer oft einbrachten, obwohl sie genau wußten, daß sie nicht verwirklicht Vollendung entgegen. Es sind zwei Typen gebaut mit 3 Zimmern, werden konnten, haben wir nie gestellt. Das Bezirksamt, in seiner Küche Bad und 4 Zimmern, Kammer, Küche, Bad. Infolge der Mehrheit auch sozialistisch zusammengesetzt, war in der Bresse und Geländegestaltung liegen bei einzelnen Häusern die Küchen im Keller, in der Bezirksversammlung öfter verleumderischen Angriffen aus- so daß im Erdgeschoß ein weiteres Zimmer verfügbar ist. Die Bargefeßt. Wir sind unseren Weg unbeirrt weiterzellen haben eine Größe von eiwa 250 bis 400 Quadratmeter. Die Die Gewißheit gegeben, daß die Wählerschaft mit uns ist. Troß schwankt zwischen 18 500 und 23 500 Mart. An barem Gelde find gegangen und die politischen Wahlen der letzten Zeit haben uns Häuser werden wie früher zum Verkauf gestellt. Der Kaufpreis Stimmengleichheit im Bezirksparlament, sind wir als stärkste und ungefähr 5000 bis 6000 Marf erforderlich. Die Dauerbelastung festgefügtefte Frattion immer noch in der Lage, Aniräge und Bedurch Berzinsung der Hypotheken einschließlich der jährlichen Hausschlüsse in sozialistischem Sinne zu beeinflussen und auch durchlaften beträgt ungefähr 800 bis 1000 Mart. Bewerber, die im Bezubringen, ohne uns auf die Kommunisten, die 9 Size haben, oder zirk wohnungsberechtigt sind, d. h. entweder in der Wohnungsliste auf die Neue Fraktion"- Demokraten, Zentrum und Wirtschafts. eingetragen find oder eine eigene Wohnung innehaben und diese zur parteistüßen zu müssen. Oft hatten wir das Gefühl, daß die Verfügung stellen, sollen bei sonst gleichen Bedingungen den Borzug Mehrheit der Berliner Stadtverordneten und der Magistrat unseren genießen. Auskunft erteilt die Baugesellschaft Berlin- Ost, BerlinBeschlüssen besonders voreingenommen gegenüber ſtand. Die Rechte Johannisthal, Königsplatz 1, werttäglich außer Sonnabends in der hat boch des öfteren. triumphierend erklärt:„ Berlin hat ja Goit Beit von 10 bis 3 Uhr, wo auch die näheren Bedingungen ebenso sei Danf noch das letzte Wort!" Insofern waren jene Kreise, die nicht oft genug Los von Berlin!" schreien fonnten, mit Groß- Berlin einverstanden. Auf dem Gebiete der Gefundheitspflege haben wir ein Säuglings und Mütterheim geschaffen, das von hervorragenden Autoritäten als das modernste in Deutschland be zeichnet wird. Der Ausbau der Krankenhäuser Budow und Hasenheide, der Umbau einer alten Schule als Fürsorgeftelle für Tuberkulose, Geschlechtskrante, und Alkoholifer ist unser Wert. Für Erholungsbedürftige wurden die ehemaligen Schieß stände in der Hafenheide freigegeben. Wir verlangten ferner die Anlage von Dauergärten in Erbpacht zu angemessenen Bedingungen und Sportpläzen, an denen unser Bezirk besonders arm ist. In diesen Jahre ging endlich ein langerfehnter Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung: der Bolts part auf dem Ge lände des Tempelhofer Felbes fonnte eröffnet werden. Wir schufen ein Alters- und Pflegeheim mit 60 Betten. Für die Arbeitslosen, Kranken, Invaliden, Sozial- und Kleinrentner haben wir zahlreiche Anträge gestellt und uns gegen die unbezahlte Pflichtarbeit der Erwerbslojen gewandt. Für Berbesserung der Verpflegung in den Krankenhäusern und Anstalten find wir mehrmals eingetreten. Der Ausbatt der Straßen und Bartanlagen ist auf unsere Initiative zurückzuführen. Der Bertehsperbefferung durch Bau von Untergrundbahnen haben wir besonderes Augenmerk geschenkt. In diesem Herbst wird die Nord- Süd Bahn bereits bis zur Bergstraße verkehren; im Oftober nächsten Jahres soll die AEG. Bahn fertiggestellt sein. Ein eigenes Gargmagazin ist vorhanden, das be deutend billiger arbeitet wie die gleichen Geschäfte am Orte. Nach vieler Mühe ist es gelungen, das Briger Gut zu erwerben. Der Ankauf wurde vom Berliner Magistrat zunächst abgelehnt, dann wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen und durch das Aufmerksamwerden der Spekulation durch die bürgerlichen Beitungen mußten 800 000 Mart mehr gezahlt werden. Unsere Fraktion hatte vergeblich auf einen schnellen Kauf gedrungen. In der billigen Hergabe von 500 000 Quadratmeter Bauland an die 4 Große Reklame wie im Baubureau auf der Baustelle eingesehen werden können. Kleider machen Leute aber ein wohlgepflegtes, Oppiges, leuchtendes Haar verleiht der Trägerin einen solchen Liebreiz, daß sie auch im einfachsten Kleid jede noch so kostbar gekleidete Rivalin in den Schatten stellt. Das Haar ist nun einmal der herrlichste Schmuck der Frau, deshalb soll sie ihn auch bestens pflegen. Womit? Natürlich nur mit dem altbekannten Kopfwaschmittel ,, Schaumpon mit dem schwarzen Kopf". Absolut unschädlich, prächtig schäumend, reinigt es, nicht nur gründlich das Haar, sondern gibt ihm auch einen wundervollen, leuchtenden Glanz und jene lockere Fülle, die das Entzücken jeder Frau und jedes Herrn ist. Man verlange daher nur dieses Präparat, kurz gesagt Schwarzkopf- Schaumpon", und achte auf die Schutzmarke. bis einschließlich Donnerstag, den 24. 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Aehnliches gilt für die Molkereibetriebe, deren Kapazität vor allem in der Nähe großer Städte nicht ausreicht, um zeitweilig auftretenden Milchüberfluß auf nehmen und verarbeiten zu können. Es tann feine bessere Verwen dung für landwirtschaftlichen Kredit geben, als eine Verbesserung der Berarbeitung und der Abfagmöglichkeiten landwirtschaftlicher Er zeugniffe. Die Dollaranleihe der Deutschen Rentenbanktreditanstalt hat schon halb vertrodneten Kartoffeln eine Besserung der Ernteaus. einen großen Zeichnungserfolg erzielt. In menigen Minuten wurde ein viel größerer Betrag gezeichnet als gefordert war. Man meldet, daß nicht weniger als 500 Millionen Dollar gezeichnet wurden, während die gesamte Agraranleihe nur 25 Millionen beträgt, von denen noch dazu ein fleinerer Teil in anderen Ländern zur Zeich nung aufgelegt wurde. Infolgedeffen werden nur höchstens 10 Pro3. der angeforderten Anleihestücke den Zeichnern zugeteilt werden. Der große Erfolg ber Anleihe stärft natürlich die Hoffnung berer, die in langfristigen Landwirtschaftskrediten des Auslands die befte Hilfe für die deutsche Landwirtschaft sehen. Man hofft auf den Abschluß weiterer Anleihen zu noch günstigeren Bedingungen. Das wirft wiederum die Frage auf, ob es gelingen wird, diese Kredite durch Steigerung und Berbesserung ber beutschen Nahrungsmittelverforgung fo ertragsfähig zu machen, daß fie auch später zurüdgezahlt werden fönnen. Die Reichsbahn im Auguft. eine Rethe van Berbesserungen im Telegraphen and Vernpred dienft wurde vorgenommen; auf der Strede Berlin- Hamburg wurden die Einrichtungen für die Bugtelephonie fertiggestellt. Zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Verschiebebahnhöfe find um fangreiche Borarbeiten im Gange. Die Hamburger Privatbant von 1860( früher Boltsbant) hat fich gezwungen gesehen, ihre Zahlungen einzustellen, da am 15. September zwei große Kunden mit einem Betrage von 240 000 m. und am 16. September ein Kunde mit einem Betrage von 200 000 m. im Rückstande geblieben sind. Man schäßt die Verbindlichkeiten des Instituts auf etwa 1,5 Millionen bei den Giro. kunden und auf etwa 1 Million bei den Sparkassen und Depofitenfunden. Das Institut, das in feinerlei Beziehungen zu der Commerzund Privatbank steht, wird aller Boraussicht nach gezwungen sein, den Konturs anzumelden. Der Direttor d'Heureuse und seine. Frau wurden gestern in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Es liegt Basvergiftung vor. Englifche und polnische Kohle im Konkurrenzfampf. Die durch die Staatsfubventionen erreichte Senfung der englischen Rohlenpreise hat bewirkt, daß die englische Kohle Märtte, von denen sie in der legten Zeit nicht unwesentlich verdrängt war, wieder erobern konnte. So haben die nordischen Staaten sich für die an Qualität beffere englische Kohle aufnahmefähiger gezeigt und gleichzeitig die billig her. eingekommene polnische Rohle weniger beachtet. Man befürchtet in ostoberschlesischen Kreisen, daß der Kohlenabsag in den nordischen Ländern im Laufe der nächsten Wochen und Monate noch mehr abnehmen wird. POLAK aj Nach derf Zahl der im August 1925 zur Beladung gestellten Wagen ist der Güterverkehr zurüdgegangen. Wenn auch der arbeitstägliche Rüdgang nur gering ist etwa 2600 agen, fo läßt diese Tatsache doch das andauernde Daniederliegens des Wirtschaftslebens erkennen. Der Kohlenversand aus den wichtigsten Kohlengebieten ist um fast 43 000 Wagen gegenüber dem Bormonat zurückgeblieben; nur aus dem mitteldeutschen Brauntohlengebiet war der Bersand infolge der Einbedung der Zuderfabriken und des Hausbrandbedarfes etwas stärfer( etwa 3000 Wagen). Die günstigen Zahlungsbedingungen und Breisgeftaltungen für fünftliche Düngemittel ermöglichten Die echten holländischen es der deutschen Landwirtschaft auch im Auguft, die für die HerbstDüngezeit erforderlichen Düngeftoffe fchon jetzt zu beziehen. Auch das Auslandsgeschäft war nicht ungünstig. Infolgedessen war der Ber fehr im ganzen etwas stärker. Die Ernte führte naturgemäß zu lebhafteren Verladungen von Kartoffeln, Brotgetreide und Mehl. Dagegen gingen die Beförderungen von Zucker verhältnismäßig start zurüd. Der Bersand von Baustoffen ist durch die Beendung des Bauarbeiterstreifes nicht belebt worden. Die zu weit vorgeschrittene Jahreszeit verbietet die Wiederaufnahme der Bautätigkeit in größerem Ausmaße. Der Betrieb widelte sich im Auguft glatt ab, Der Eilgüterfahrplan für die Züge aus Frankreich nach Hamburg und Berlin fowie von Süddeutschland nach Berlin und Hamburg wurde derbeffert. Die Beförderungszeiten vor dem Kriege find erreicht, zum Teil überschritten. Der Personenverkehr war im August äußerst lebhaft; durch das günstige Wetter war besonders der Sonntagsverkehr start. Zahlreiche Veranstaltungen, Messen und Feiern, trugen zur Steigerung bei. Einzelne Unterbrechungen durch Unwettertatastrophen murden durch Pendelbetrieb aufgehoben. Innerhalb des Ausbauprogramms wurden namentlich die Ber Der Nominalbetrag der jezt so erfolgreich aufgelegten Anleihe beträgt 25 Millionen Dollar, von denen etwa 87,1 Broz, an die deutschen Kreditnehmer tommen werden, d. h. etwa 91% Millionen Mart. Hiervon hofft man, nach Abzug der deutschen Spelen der Landwirtschaft selbst etwa 90 millionen Mart zur Verfügung stellen zu fönnen. Die Spanne für die Spesen der Bantoermitt. lung in Deutschland ist also refatio gering, und es ergibt fich die ernsthafte Frage, ob nicht gerade biele Geringfügigkeit der Zinsspanne lehrt, daß auch bei anderer Kreditvermittlung die Zwischengewinne der Banten Beträchtlich reduziert werden könnten. Diefe 90 Millionen Mark werden vor allem eine sundierung schwebender Schuldverpflichtungen der Landwirtschaft ermöglichen. Am 1. November sollen nominell 290 Millionen Mart landwirtschaftlicher Wechsel zurüdgezahlt werben. 100 Millionen Mart sind hiervon bereits abgebedt morden. Weitere 60 Millionen Mart hält die Deutsche Rentenbankkreditanstalt in Reserve, so daß jekt nach Abzug der amerikanischen 90 Millionen nur Verpflich tungen in Höhe von 40 miffionen Mart aus den Erträg. nissen der Ernte gebedt werden müssen. Es ist mit Be. stimmtheit zu erwarten, daß diefe 40 Millionen mit Leichtigkeit aufgebracht werden können. Im Gegenteil, es ergibt sich die Frage, ob es nicht wünschenswert wäre, einen größeren Betrag aus der Landwirtschaft selbst heraus zahlen zu lassen und vielleicht mehrere zehn Millionen Mart für Zwede des landwirtschaftlichen Pro dut. tiptredits bereitzustellen. Hierbei ist vor allem an eine Förde rung beftimmter Landwirtschaftlicher Nebengewerbe zu denken, burcht& rtungen der Eisenbahnbrüden eifrig gefördert. Auch Billige Lebensmittel Kolonialwaren Käse u. Fette Weizenmehl Pfand 21Pt. Gebr. 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Die Berzögerung der Lösung dieser Fragen entspringt dem Unvermögen der Kapitalisten, das Zusammenleben der Völker zum besten der Menschheit zu regeln. Daraus ergibt sich die Aufgabe der Sozialdemokratie, die vom Boden der wirtschaftlichen Notwendigkeiten aus die Menschen friedlich vereinigen und die Lebensinteressen der breiten Massen schüßen will. Dieser Zweck der 10 zialistischen Friedenspolitit stand auch im Mittel punti des Marseiller Kongresses, wie wir ihn fortLaufend seit Ende des Krieges angestrebt haben und in derselben Richtung nach ähnlichen Grundsäßen fortseßen wollen. Dieselbe Arbeiterklasse, die 1914 in den Krieg gerissen worden ist, mußte 1918 den Krieg um den Frieden aufnehmen. Inzwischen waren tiefe Abgründe zwischen den Völkern aufgerissen. Auf der einen Seite standen die Siegerstaaten, die die bestegten Staaten vollständig zertreten wollten. Auf der anderen Seite mußten die zusammen gebrochenen Staaten um das nadte Leben ihrer Menschen fämpfen. Dazu tam, daß die Politit der Bolsche wisten sich ausschließ lich gegen die Sozialdemokraten richtete, und die Zerklüftung und Verwirrung in der Arbeiterklasse selbst und die Fülle der Illusionen, namentlich bei den Schichten, die neu in die politische Bewegung gestoßen waren und noch nicht gelernt hatten, politische Rechte durch Opfer selbst zu erobern oder selbst vernünftig anzuwenden. So mußten im Rampf um den Frieden ungeheure Schwierigteiten übermunden werden. 3unächst mußte der Frieden selbst geschlossen werden, obwohl wir wußten, daß ein sozialistischer Friede auch dann unerreichbar gewesen wäre, wenn die dauernde Behauptung einer sozialistischen Regierung in Deutschland möglich gewesen wäre. Die tapitalistischen Staaten wollten ihren Siegerübermut austoben, und wir mußten den Frieden zustande bringen, so wie er möglich war, um die Arbeiterklasse vor der vollständigen Verblutung und Verelendung zu schützen. Der Friede von Bersailles mußte ein Friede der Gewalt und Unterdrückung werden. Darüber haben wir uns nie getäuscht. Wir erlebten nach dem Frieden die Diktatur der Repara tionstommiffion, ultimative Forderungen, neue militärische und wirtschaftliche Besetzung. Trotzdem haben wir daran festgehalten, daß der Friede nicht durch gewaltsame Aktionen oder Böswilligkeit bei der Ausführung vernichtet, sondern nur durch friedliche Mittel revidiert werden tonne. Zunächst haben wir einmal die Kanonen zum Schweigen gebracht, den Soldaten und Kriegsgefangenen die Heimkehr ermöglicht, die internationale Zusammenarbeit wieder angetnüpft. Dann haben wir zielflare Friedenspolitik be frieben, und ohne diese Politit wären die Poincaristen niemals gestürzt worden. Das Londoner Abkommen war eine bedeu tungsvolle Verbesserung gegenüber den vorherigen Zuständen. Auch das Londoner Abkommen stellt gewiß feine sozialistische Regelung der Reparationsfrage dar, aber für die Berbesserung, die darin liegt, haben sich die Sozialisten einmütig eingefeßt. Heute fönnen wir feststellen, daß unfere Politit richtig gewesen ist. Das Ruhr gebiet ist militärisch und wirtschaftlich befreit, Berhandlungen Gleichberechtigter an Stelle der Diftate getreten, die Währung stabilisiert und die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung auf dem Wege der Gefundung. Am Anfang stand der Friede fast um jeden Preis auf Grund der militärischen Kapitula. tion; danach fam der Kampf um Berbesserungen und Erleichte rungen. Diese Fortschritte müssen wir gegen die kapitalistischen und imperialistisch- bolfchemistischen Störungstendenzen verteidigen, und der Kongreß von Marseille hatte die Aufgabe, unsere Friedenspolitik für die nächste Zukunft nach einheitlichen Richtlinien erneut feftauLegen. An dem Kongreß in Marseille ift teilweise Kritif geübt worden, % Freitag, 18. September 1925 Problemen des Ostens Bustand ist um so bedauerlicher, als das Rapital der Bereinigten| Schutze der Republit durchgeführt. Der Generalftreit im Falle eines Staaten gegenwärtig eine große Rolle in der Weltpolitik spielt. Krieges bedeutet eben die Proflamierung der Revolution. Während vor dem Kriege die Bereinigten Staaten 3% Milliarden Um nun zu den Beschlüssen, die sich mit den ausländisches Rapital geliehen hatten, arbeiten jetzt 10% Milliarden amerikanischen Kapitals im Auslande. So müssen wir die Tätigkeit der Internationale nach dem Maße ihrer wirklichen Kraft einrichten. Die Tagesordnung des Marseiller Kongresses war vom Erekutiv fomitee forgfältig vorbereitet. Es ist nicht richtig, daß erst in Mar. ſeille die Koalitionspolitit von der Tagesordnung abgefegt worden ist. Das Exekutivkomitee hatte sie vielmehr von vorn herein ausgeschaltet. Die gegenwärtige Internationale ist eine neue Organisation, für die die Beschlüsse der alten Internationale den einzelnen Ländern geklärt werden, damit sie danach auf dem Don 1889 nicht bindend sind. Deshalb müssen alle Probleme erst in internationalen Kongreß behandelt werden können. Deshalb haben nicht behandelt, sondern uns auf die sozialistische Friedens Politik und die Berbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter beschränkt. Das waren brennende Fragen, an deren Lösung einheitlich gearbeitet werden kann. Ueber den Verlauf des Kongresses ist manches fritische Wort gesagt worden. Ich gebe zu, daß man spätere Kongresse im InterDie franzöfifchen Genossen haben eben in organisatorischen Fragen effe der propagandistischen Wirkung etwas besser vorbereiten muß. nicht solche Auffassungen und Traditionen wie andere Länder und auch wir in Deutschland. Aber der Kongreß hat doch eine sehr Nachtfizungen, in den Kommissionen und im Plenum geleistet. ernste, sachlich bedeutungsvolle Arbeit in aufreibenden Tag und Es ist gelungen, in allen Fragen zu einer einheitlichen Auffaffung zu gelangen. beschäftigen. Wir wenden uns gegen die aggressive Politik der kapitalistischen Staaten, gegen Sowjetrußland, aber auch gegen die Kriegsgefahr, die von der bolschewistischen Bolitit droht, die nod immer in der Illusion lebt, wir brauchen nur einen neuen Weltkrieg, um die ganze Welt im Sinne der Bolschewisten zu befreien. Dazu tommt die ständige Unruhe in den Randstaaten Rußlands. Die fapitalistischen Staaten möchten sie erobern wie Georgien und sie für die Selbständigkeit der Staaten ein, und wir unterstützen die dann durch Terror niederhalten. Wir als Sozialdemokraten treten russischen Sozialdemokraten in ihrem Kampf für die innere Demobolschewistische Minderheit über Krieg und Frieden entscheiden kann Erst wenn in Rußland nicht mehr eine wie früher in Deutschland Wilhelm II., wenn die Völker Rußlands selbst über Krieg und Frieden entscheiden können, werden wir die Kriegsgefahr auch von dort bannen fönnen. Daher unterstüßen wir die russischen Sozialdemokraten in ihrem Kampfe gegen jede Art des Terrors und gegen die aggressive Politik ber Es ist eine bolschewistische Irreführung, als richte sich unsere Politit bolschewistischen Regierung andern Ländern gegenüber.( Sehr gut!) gegen den Often. Wir wollen, daß die Arbeiterbewegung der östlichen Länder in Gleichschritt gebracht wird mit der europäischen Bewegung. Wir wollen auch im Osten eine internationale Rechtsordnung, eine Revision der staatlichen Grenzen mit den Mitteln der Boltsabstimmung. Unsere Beschlüsse in bezug auf den Osten könnten einstimmig gefaßt werden. Lebenshaltung der arbeitenden Massen bieten eine Fülle treffAuch die Marseiller Beschlüsse über die Steigerung der licher Hinweise, und ich empfehle sie Ihnen zum Studium. Der Heidelberger Parteitag hat die Aufgabe, auch für diesen 3wed die Partei zu feftigen und ihre Anziehungskraft zu stärken. Ich sage nicht, den Kommunismus zu überwinden, denn der liegt bereits am Boden und wird sich nicht mehr erheben, wenn nur wir Sozialisten uns unserer großen Verantwortung, auch bei der Ausübung der Kritik, bewußt find. Die Kundgebungen von Marseille sollen eine Richtlinie für die praktische Tagespolitit sein als internationales Aktionsprogramm für die Politik der Gegenwart und der nächsten Zukunft. Wir haben tlargestellt, worin sich die sozialistische Friedenspolitik von der bürger- Internationale uns vor eine Fülle neuer Aufgaben gestellt Zusammenfassend fann ich sagen, daß der Kongreß unserer lichen pazifistischen Politik unterscheidet. In dem Beschluß zu den Fragen der östlichen Politit wird in der Einleitung darauf hat, die wir nur erfüllen können, wenn die Massen und Führer ihre hingewiesen, daß nur der Sozialismus die Bürgschaft für den ganze Kraft dafür einsetzen. dauernden Weltfrieden biete. In der Stellungnahme zu den einzelnen Fragen der West politit billigen wir prinzipiell den Bölferbund, ohne zu übersehen, daß er seine eigentlichen Aufgaben einstweilen noch nicht erfüllt, sondern erst zu einem wirklich internationalen Barlament entwickelt werden muß, das die Fragen der internationalen Politik regelt. Wir erstreben einen internationalen Wirtschaftsrat als Organ des Völkerbundes unter Beteiligung der Gewerkschaften und der Arbeitergenossenschaften zur Regelung der internationalen Produktions- und Währungsverhältnisse, des Transports, der Rohstoffverteilung, zur leberwindung der Schutzzollpolitit. Das System des obligatorischen Schieds. gerichtsverfahrens muß restlos durchgeführt werden für alle Konflikte, auch für alle Fragen, die sich aus der Durchführung der Friedensverträge ergeben. Ein Land, das sich gegen die Schiedsstischen Regierungen strafbare Pläne verfolgt, die nationalen Vorverfahren auflehnt, soll als Feind der Menschheit behandelt und so von allen anderen Völkern gezwungen werden, feinen Widerstand aufzugeben. Auch die Fragen der Reparationen und der interalliierten Schulden müssen endlich zur Lösung geführt werden; Unterricht und Erziehung müssen im Geifte des Friedens, einer moralischen Abrüstung erfolgen. Auch die materielle Abrüftung aller Völker zu erstreben, ift Aufgabe der Internationale. Zu diesem Zwed fordern wir Einberufung einer Weltkonferenz. Bir begrüßen die Abrüftungsbestrebungen der nordischen Staaten und fordern die Parteien der übrigen Länder auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die frühere englische Arbeiterregierung unter Mac donald hat das große weltgeschichtliche Verdienst, der Welt im Genfer Protokoll einen praktischen Weg zur Sicherung des Friedens gezeigt zu haben. Das Genfer Protokoll ist heute noch richtig. Aber nachdem maßgebende Länder inzwischen von diesem Genfer Protokoll abgerückt sind und Einzelverträge zum Abschluß bringen wollen, find wir bereit, dem geplanten Sicherheitsabtommen ais einen Fortschritt zum Genfer Protofoll zuzustimmen, jedoch nur unter bestimmten Borausfegungen: die Sonderverträge dürfen feine geheimen Abmachungen enthalten; es muß ein System der wechselseitigen Garantien vorgesehen werden, Jo dah nicht ein Land allein als Garantieftaat festgestellt wird. Die Durchführung der Verträge muß durch den Bölkerbund über wacht werden und die Sicherheitsabkommen dürfen sich nicht gegen eine andere Macht richten und dürfen fein Hindernis für eine allgemeine Abrüftung bilden. Bei diesem Beschlusse hat Luratti im Namen einer Anzahl von Parteien aus fleinen Staaten Borbehalte gemacht, die sich aber mur gegen Ton und Stil richteten. Im übrigen vertreten auch diese Parteien restlos die eben erläuterten Beschlüsse. Dann mußten wir auch Stellung nehmen zum Kriege in Marokko. 3 die von ganz falschen Borausfehungen ausgeht. Unsere Internationale ist eine Internationale des täg. liche Lebens; unsere Internationale ist noch keine Internationale ber birekten Maffenaktion zum Zwecke der Einwirkung auf die Weltpolitit. Unsere Internationale fann vorläufig nur für die brennenden Fragen der Gegenwart einheitliche parlamentarische Aktionen vorbereiten, Propaganda vorbereiten, die moralischen Kräfte der Arbeiter mobil machen. Mit Beschlüssen auf Maffenaftionen, hinter denen feine entsprechende Macht steht, würden wir uns nur blamieren wie die Bolschewisten( Sehr wahr!). Die Internationale der Tat müssen wir erst aufbauen, und wir müssen es den Arbeitern flar machen, daß sie selbst daran mitarbeiten müssen. Heute aber dürfen wir uns nicht über die Schwierigteiten hinwegtäuschen. Es ist bewunderungswürdig, daß es überhaupt gefungen ist, schon fünf Jahre nach Kriegsende eine sozialistische Arbeiterinternationale von der gegenwärtigen Bedeutung zu schaffen. Es wurde angeregt, in unsere Resolution auch die Forderung des ( Sehr wahr!) Die Internationale umfaßt gegenwärtig 54 Bar Generalftreits bei Kriegsausbruch aufzunehmen. Angesichts der Tatteienin 34 Ländern mit 64 Millionen Mitgliedern, sache, daß die Sozialisten in Frankreich weder die Kraft, noch die darunter dreiviertel Million Frauen, mit 1022 Abgeordneten und Mittel haben, den augenblicklichen Krieg in Maroffo durch eine 311 Tageszeitungen, mit 15% Millionen gewerkschaftlich organi- unmittelbare Massenattion zu beenden, hätten wir uns durch eine fierter Arbeiter. Sie steht in enger Berbindung mit der sozialistischen solche Forderung mur lächerlich gemacht.( Sehr wahr!) solche Forderung nur lächerlich gemacht.( Sehr wahr!) Beim Jugend und dem Internationalen Frauenfomitee und unterhält Krieg in Marotto haben wir sofortige Aktionen der beteiligten freundschaftliche Beziehungen zum Internationalen Genossenschafts- Regierungen zur Wiederherstellung des Friedens verlangt. Wir bund. Außer der Schweiz sind alle europäischen Staaten vertreten, fordern die Unabhängigkeit des Rifftaates, und der Beitritt der Schweiz ist nur eine Frage fürzester feine Aufnahme in den Völkerbund, die Berichtigung Zeit. In den entwickeltsten tapitalistischen Ländern Belgien, Däneder Grenzen durch friedliche Verständigung eventuell durch mart, Deutschland, Frankreich, England, Schweden und Desterreich Schiedsspruch des Bölkerbundes. Internationalisierung der ist die Sozialdemokratie die stärkste Bartei und an der Regierung Meerengen, um solchen Konflikten vorzubeugen. Mit der Abbeteiligt oder beteiligt gewesen. In anderen Ländern hat die Belehnung der Forderung des Generalstreits für einen bestimmten Fall wegung hingegen noch große Schwierigkeiten zu überwinden. Aus und eine bestimmte Zeit befinden wir uns in Uebereinstimmung mit der Tschechoslowakei find in der Internationale fünf fozialistische den Beschlüssen der Internationale vor dem Kriege und auch des Barteien, aus Bolen deren vier vertreten. In Italien, Ungarn internationalen Gewerkschaftstongresses in Rom, der lediglich die und Rußland ist die sozialistische Bewegung vollkommen unter Forderung aufgestellt hat, man jolle eine bestehende Kriegsgefahr drückt und muß noch um die elementarsten Rechte des Proletariats durch einen internationalen Generalstreif zu verhindern, aber ebenämpfen. Die internationale Organisation auf die übrigen Konti- semenig wie der Haager Kongreß die Frage gelöst hat, was die nente auszudehnen, um eine wirklich umfassende und aktionsfähige Arbeiter tun sollen, wenn der Krieg trobem ausbricht, weil die Internationale zu erhalten, wird noch ernste Organisationsarbeit er Arbeiter noch nicht start genug sind, ihn zu verhindern. Ein Berzicht fordern. Selbst auf das Mittel des Generalstreits liegt in diesem Beschluffe natürlich In den Bereinigten Staaten nicht. Ich erinnere nur an den Rapp Putsch. Danials war es gar feine Frage, ob der Generalstreit ausbrechen soll, sondern er wurde von den breitesten Schichten mit Begeisterung und Erfolg zum ist die sozialdemokratische Bewegung noch sehr schwach, und die Gründung einer großen Arbeiterpartei vorläufig gescheitert. Dieser Immer wieder | Ich möchte schließen mit den Worten von Karl Mart aus der Inauguraladresse an die Internationalen Arbeiterassozisationen, die fo trefflich find, als wären sie gestern niedergeschrieben:„ Der Befreiungstampf der arbeitenden Raffe erfordert ihren gegenseitigen brüderlichen Beistand. Nie tönnten wir die historische Mission der Arbeiterpartei erfüllen, während die auswärtige Politit der tapitali urteile in Bewegung seht und in ihren Raubzügen Gut und Blut der Völker vergeuden will. Die imperialistische Bolitik der kapitaliftischen Regierungen hat die Arbeiter die Pflicht gelehrt, selbst die Mysterien der internationalen Staatskunst zu meistern, den diplomatischen Manövern ihrer Regierungen ebenfalls mit aller Bucht entgegenzuarbeiten, und wenn sie außerstande find, den Streich zu verhindern, fich dagegen zu gleichzeitiger öffentlicher Anklage 34 verbinden und die einfachen Gefeße der Moral und des Rechts 1 proflamieren, welche ebenso die Beziehungen der einzelnen Regeln als auch das oberste Gesetz im Berkehr der Nationen sein sollen. Der Kampf um eine solche auswärtige Politit ist ein Teil des allgemeinen Kampfes um die Befreiung der arbeitenden Klasse."( An haltender lebhafter Beifall.) Erklärung der rheinischen Delegierten. Kirchmann- Köln gibt im Namen der Delegierten des befetten Gebietes folgende Erklärung ab: Die Bevölkerung des besetzten Ge bietes, insbesondere die Arbeiterschaft, verfolgt mit aufmerksamer Spannung die diplomatische Unterhaltung, die die Schaffung eines Sicherheitspattes zwischen Deutschland und den Entente staaten zum Ziele hat. Eine solche Abmachung unter Garantie der beteiligten Nationen fann bie erste sichere Grundlage zur Befriedung Europas abgeben, wenn fie im Geiste wirflichen Friedens und gegenseitiger Sicherheit getroffen wird. Seit Abschluß des Londoner Abkommens find zweifellos Erleichterungen im befehten Gebiet festzustellen. Trohdem geht der gegenwärtige Zustand des Befehungsfystems weit hinaus über die Bestimmungen des Vertrags von Versailles und des Rheinlandabkommens, und so ftellen wir fest, daß es nicht in den Rahmen einer auf die Befriedung Europas gerichteten Politik paßt, wenn die nördliche, fogenannte erste Zone, die vertraglich am 10. Jannar 1925 geräumt sein mußte, heute noch befeht ift.! Außerdem müssen aber in Berbindung mit dem Abschluß eines Sicherheitsvertrages im unmittelbaren Interesse des besetzten rheinischen Gebietes weitere Forderungen erhoben werden. Deshalb erwartet die Bevölkerung des besetzten Gebietes bei dem Zustandekommen eines Sicherheitspattes bis zur baldigen restlosen Beseitigung der militärischen Besehung des Rheinlandes eine fofortige, weitgehende Einschränkung der Zahl der Bejahungstruppen, eine grundlegende Alenderung des Delegiertenfyftems und Beschränkung der Ordonnanzen auf den ursprünglichen Zwed: den Unterhalt, die Bedürfnisse und die Sicherheit der Befahungstruppen zu gewährleisten. unerträglich und mit der Würde eines Kulturvoltes unvereinbar ist die Einrichtung der Polizei- und Kriegsgerichte im besetzen Gebiete. Die deutsche Juftiz- und Verwaltungshoheit, die von den Besatzungsbehörden im Widerspruch zu den Verträgen und Abmachungen in ungezählten Fällen verlegt werden, ist restlos und garantiert wiederherzustellen. Als Grundlage einer wahren Berftändigung zwischen den Nationen ist zu fordern: uneinge schränkte persönliche und politische Freiheit ( Recht auf Versammlungen und freies ungehindertes Reden, Aufhebung der bestehenden Zeitung- und Zeitschriftenverbote und Verhinderung neuer Repreffalien gegen politische Bereine und politische Druckerzeugnisse), Beseitigung der Briefzenfur, uneingeschränkte persönliche Bewegungsfreiheit innerhalb des besetzten Gebietes und zwischen besetztem und unbesetbem Gebiete. 2108 b muss es betont werden, dass Mondamin auch in Ihrem Haushalte unentbehrlich ist. Nicht nur für Kinder- und Krankenspeisen, sondern zur Herstellung aller Mahlzeiten und Kuchen, ja selbst zur Verbesserung schlechten Mehles wird es gebraucht. Wenn Sie Mondamin verwenden, dann fügen Sie allen Speisen die absolut unentbehrlichen im Stärkemehl enthaltenen Nährstoffe bei. Darauf kommt's an, deshalb sagt jede Hausfrau: Immer wieder OWA W MONDAMIN Den sichtbarsten Beweis guten Willens der Besahungsmächte würde die Bevölkerung des besetzten Gebietes in einer Befeitigung der Personen erkennen, die unter Ausnutzung ihrer amflichen Stellung feit nun faft 7 Jahren ihre Hauptaufgabe darin erblicken, mit Hilfe zweifelhafter Elemente deutsches Land vom Mutterland zu trennen. In der Räumung des Einbruchs- und Santtionsgebietes erkennt die Bevölkerung im besetzten Gebiet einen Erfolg der vornehmlich von der Sozialdemokratischen Partei betriebenen und gestüzen Außenpolitit.( Beifall.) Die in der Sozialdemokratischen Partei und in den freien Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer im besetzten Gebiet menden sich von jeher, frei von nationalistischem Ungeist, mit Aufbietung ihrer ganzen organisierten Kraft und unter Einsegung von Gut und Leben gegen die versteaten und offenen Bestrebungen auf Trennung der Rheinlande von der deutschen Republik. Mit gleicher Entschiedenheit wenden sie sich auch nach wie vor gegen die nationalistische Hehe und Bewegung im eigenen Lande. Sie verurteilen daher die Bestrebungen, die sogenannten Be= freiungsfeiern aus Anlaß der Ruhrräumung zu nationalistischen Demonstrationen herabzuwürdigen.( Lebhafte Zustimmung.) Die Delegierten des bejezten Gebietes sind überzeugt, daß sich die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages in Fortsegung ihrer bisherigen Politik auf den Boden dieser Erklärungen stellen und ihre ganze Kraft für die Durchführung der darin aufgestellten besonderen Forderungen einsetzen wird.( Lebh. Beifall.) Vorsitzender Wels: Ich spreche gewiß im Sinne des ganzen Parteitages, wenn ich erkläre, daß er sich diese Darlegungen restlos zu eigen macht.( Lebhafter Beifall.) In der Diskussion über das Referat Crispiens erhält zunächst das Wort Toni Sender: Man darf sich auf den internationalen Tagungen nicht nur über die aktuellen Fragen der Tagespolitik unterhalten, sondern man muß auch die prinzipiellen Gegensäge innerhalb der sozialistischen Parteien und zwischen ihnen erörtern. Die fazialistische Gedankenwelt der industriellen Arbeiterschaft ist heute genügend verankert, daß wir ohne Schaden derartige öffentliche Disfuffionen vornehmen fönnen. In allen Ländern muß vor jeder internationalen Tagung die Tagesordnung des internationalen Kongresses durchgesprochen werden. Wir müssen auch die Differenzen über die Art der Beteiligung an der Regierung und die Möglichkeit von Aftionen gegen den Krieg innerhalb der Landesorganisationen und der Internationale durchsprechen. Es handelt sich dabei nicht, wie Leon Blum in Marseille gemeint hat, um die Legalisierung der Republit, nicht um das Festlegen auf ein Kampfmittel als Aüheilmittel, sondern darum, daß die Internationale in fritischen Stunden attin mird, daß wir die Massen dazu erziehen, nicht bloß schöne Verbrüderungsszenen aufzuführen, sondern zu startem Opferwillen 31 beleben, damit nicht mieder die Bölker aufeinanderprallen fönnen. ( Sehr gut!) Sehr nüglich war die offene Aussprache über die Tagesfragen in Marseille. Die Differenzen mit den englischen Genossen über den Sicherheitspaft mußten offen ausgetragen werden. Stresemann hat mit dem Sicherheitspatt ficherlich andere Absichten als mir. Er wendet pazifistische Methoden nur an, um die Boraussetzung zu schaffen, wieder imperialistische Politik treiben zu fönnen.( Sehr wah:!) Auch wenn die tapitalistischen Mächte über den Sicherheitspatt verhandeln, sind sie nicht etwa grundsäglich friedliebend geworden. Darum müssen wir unsere Motive und Ziele vollkommen flar getrennt halten. Deshalb bedauere ich, daß mir in der Optantenfrage im Reichstag einer gemeinsamen Erklärung aller Parteien zugestimmt heben, die sogar mit dem Gedanken von Repressalien spielt, ein Mittel, das wir um so mehr ablehnen müssen, als wir den WirtENVER BEY Benn uns tommunistischer Seite vorgehalten wird, wir müßten gegen den kapitalistischen Besten als proletarische Partei für den Osten Partei ergreifen, so ist dieser Gegensatz an den Haaren herbeigezogen. schaftstrieg mit Bolen unmöglich gutheißen tönnen. Gerade unser| blieben. Berhältnis zu Polen ist kritisch. Bei den Rechtsparteien spielt noch immer der Gedanke eine Rolle, später einmal die Grenzen in anderer Weise zu forrigieren wie wir es als Sozialisten wünschen. In den Resolutionen des Marseiller Kongresses wird der Eintritt in den Völkerbund und seine Ausgestaltung so start betont, daß daraus die Illusion entstehen könnte, als werde der Völkerbund die endgültige Befriedung herbeiführen.( Widerspruch.) Solch eine Illusion dürfte 3. B. bei den gegenwärtigen Regierungen der Internationale Birtschaftsrat sein.( Bustimmung.) Coeb- Frankfurt a. M.: In allen Ländern legen die Vertreter der sozialistischen Organisationen großen Wert auf ihre nationale Betätigung, aber dabei entsteht immer die Gefahr, daß sie durch geschickte Bearbeitung der öffentlichen Meinung ins Nationalistische abgedrängt werden. So halte ich z. B. die Erklärung für verfehlt, daß die rheinischen Sozialisten die Aktionsausschüsse nicht wieder einrichten und sich mit den Deutschnationalen nicht an einen Tisch sezen wollen, weil diese ihnen die nationale Betätigung abgesprochen hätten. Man sollte den Deutschnationalen prinzipiell entgegentreten. Wir haben einen Antrag eingebracht, der verlangt, mit aller Entschiedenheit jede Politik zu bekämpfen, die die deutsche Republik in die Gefahr bringen fann, in die derzeit drohenden friegerischen Verwidiungen einbezogen zu werden. Unser Antrag zur Außenpolitit enthält nur Selbstverständliches, womit auch Parteivorstand und Fraktion einverstanden sein müssen. Lassen wir auch in der Außenpolitik die rote Fahne des Sozialismus den Massen flar voranleuchten.( Beifall.) Breitscheid: Der Genoffe Loeb meinte, es sei unmöglich, gegen feinen Antrag zu stimmen; auch der Parteivorstand müsse damit einverstanden sein. Bis zu einem gewiffen Grade ist das zweifellos richtig, aber er ist doch geboren aus dem Geist der Kritik an dem Verhalten der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in der auswärtigen Politik. ( Loeb: Das ist nicht beabsichtigt.) Es waren aber dann Unflarheiten in diesen Worten enthalten. Eine solche Kritit unserer Stellung zum Sicherheitspatt ist an sich verständlich, weil es fich hier um eine Maßnahme handelt, die von einer Regierung ausgeht, zu der wir in schärfster Opposition stehen. Hier wird wieder die Frage lebendig: Was hat die Sozialdemokratie in der Oppofition zu tun? Ich glaube, daß wir verpflichtet gewesen sind, dem Kabinett Luther auf diesem Wege zu folgen oder beffer gesagt voranzugehen,( Sehr richtig!) weil der Sicherheitspattgedanke in der Linie unserer Politik liegt, die auch auf zahlreichen internationalen Konferenzen festgegelt ist.( Sehr richtig.) Wir lieben weder das Kabinett Luther noch seinen Außenminister, aber das darf uns nicht peranlassen, in grundsägliche Opposition dann einzutreten, wenn sie mit dem übereinstimmen, was mir fordern. Wenn gesagt wird, Stresemann hat andere Motive als mir, so will ich das nicht untersuchen, aber jedenfalls stimmen wir über Motive nicht ab, sondern treiben diese Politik in der Erwartung, daß wir ihr zuletzt auch die Auswirkungen zu geben vermögen, die mir ihr geben wollen. So machen wir diese Politik mit der Regierung Luther, von der wir missen, daß sie von der stärksten Regierungspartei zum mindesten mit sehr starkem Mißtrauen verfolgt wird. Wenn die Deutschnationalen ihr trozdem zustimmen, so dürfen wir uns dieses Erfolges rühmen( Sehr gut!) und dürfen erneut feststellen, wie die Deutschnationalen um das Linfengericht der Teilnahme an der Regierung willen ihre vorher so laut verkündeten Grundfäße verraten haben. Für seine Behauptung, der Sicherheitspatt habe eine versteckte Spizze Für seine Behauptung, der Sicherheitspatt habe eine verstedte Spize gegen Sowjetrußland, ist uns Loeb auch den Beweis schuldig geENVER BEY GOLD5% Nachruf! Mitten aus seinem arbeitsreichen Leben verschied infolge Herzschlages unser verehrter Bürgermeister Herr Paul John Wir verlieren in ihm einen wohlwollenden Vorgesetzten, der in reichstem Maße unser Vertrauen genoß. Mit warmherzigem Verständnis war er uns in unseren Nöten nicht ein Vorgesetzter, sondern ein lieber Freund. Wir werden ihn nie vergessen! Berlin, den 16. September 1925. Die Arbeiter und Angestellten d. Bezirksamts Prenzlauer Berg Nachruf! Bei der Ausübung seines Amtes als Vorsitzender des Bezirksamts Prenzlauer Berg verschied infolge Herzschlages unser im besten Mannesalter stehender verehrter Chef, der Bürgermeister Herr Paul John Wir alle haben in ihm einen wohlwollenden Vorgesetzten verloren, der ein edler Mensch mit offenem Charakter und vielen von uns ein lieber Freund war. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten! Berlin, den 16. September 1925. Der Betriebsrat d. Bezirksamts Prenzlauer Berg Haupt, 1. Vorsitzender. 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Der Gefahrenpuntt liegt da, wo wir nach Westen abgrenzen, und diese Gefahr zu beseitigen ist unsere erfte Aufgabe. Selbstverständlich, ohne daß wir uns dadurch irgendwie gegen den Osten festlegen, denn wir stehen unbeschadet aller parteipolitischen Differenzen mit den Boischewisten doa) auf dem Standpunkt: Hände weg von Sowjetrußland! Eine Orientierung nach dem Osten hin würde für uns feinerlei Erleichterungen unseres Berhältnisses nach dem Westen bedeuten, wohl aber eine Verstridung in die imperialistische Politit Sowjetrußlands in Asien( Sehr wahr!), und wir würden dann, die wir unmittelbar vor den Toren des Ostens liegen, die ersten Schläge für die Politik Rußlands in Asien auszuhalten haben.( Sehr wahr!) Wenn wir also genötigt sind, die westliche Orientierung aufzunehmen, so hindert uns das keineswegs, in Handelsbeziehungen mit dem Often einzutreten. Sowjetrußland bemüht sich ja selbst so lebhaft, mit den kapitalistischen Staaten des Westens zu Verträgen zu gelangen( Sehr gut!), und wenn ihm das gelingen würde, würde es um unserer schönen Augen willen feinen Schritt unternehmen, um uns aus Schwierigkeiten zu befreien, die in unserem Berhältnis zum möglichst schnell und günstig zustande kommt und nicht an der ruffiWesten liegen. Wir hoffen, daß der Handelsvertrag mit Rußland fchen Forderung scheitert, die uns davon ausschließen will, daß wir irgend einem asiatischen Staate neben Rußland das Meistbegünstigungsrecht zugestehen.( Hört! Hört!) Wir hoffen, daß, wenn wir zu einem Handelsvertrag mit Rußland tommen, das Getreide aus Sowjetrußland dann tatsächlich in so reichlichem Maße nach Deutschland fließen wird, daß die deutsche Arbeiterschaft davon profitieren fann. Also ich fomme zu dem Ergebnis, daß der Antrag Loeb doch nicht ganz so herrlich ist, wie Loeb selbst ihn hinstellte und vernötige enthält, ohne die Möglichkeiten zu mehrfacher Auslegung zu weise demgegenüber auf unseren Antrag Müller, der alles geben wie der Antrag Loeb. Daß der Bölkerbund, wie er heute ist, nicht die Erfüllung unferes Ideals darstellt, wiffen wir genau so wie die Genoffin Sender.( Sehr wahr!) Wenn er das wäre, dann brauchten wir teine Arbeiterinternationale mehr. Heute ist der Bölterbund noch eine Bertretung fapitalistischer Staaten, und er kann nur das sein, was wir wollen, wenn die in ihm vertretenen Staaten selbst von sozialistischem Geiste durchdrungen find.( Sehr richtig!) Aber dieser Völkerbund ist innerhalb der tapitalistischen Staaten die einzige Form, den Frieden zu sichern, und Deutschland kann seine berechtigten Forderungen, die es stellen kann, ohne in den Geruch nationalistischer Gesinnung zu kommen, nur innerhalb des Völkerbundes erheben. So durch für uns nicht günstiger, daß wir draußen bleiben.( Sehr wahr!) wenig uns Sozialisten der Völkerbund gefällt, so wird er doch da. Wir wollen ihn als Instrument genau so benutzen wie die Deutsche Republik. So stehen wir diesen Dingen ganz nüchtern ohne Vorurteil gegenüber, aber auch ganz ohne Illusionen. Wir treiben eine Politif, die, wenn sie auch nicht die Verwirklichung des Sozialismus und den Weltfrieden garantieren fann, doch darauf hinausläuft, in dem Staatensystem, in das wir gestellt sind, jeden Reim einer Be wegung zu unterstüßen, die uns auch nur einen Schritt vorwärts auf dem Wege zum Frieden zu bringen vermag.( Lebh. Beif.) Die meitere Debatte wird auf nachmittag 3% Uhr vertagt. . TULA Am 15. September verschieb plöglich und unerwartet mein innigftgeliebter Mann, unser treusorgender Bater, Bruder, Groß- und Schwiegervater, der Gastwirt Albert Grieger im 59. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Frau Anna Grieger geb. Jakobi und Angehörige. Neukölln, 17. September 1925. Lessingstr. 9. Beerdigung: Sonnabend, 19. SepRember, nachmittags 3%, Uhr. von der Salle des Neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstraße. Abitur, Obersekunda, Berbandspri fung, Bormittagschule, Abendschule. Di rettor Danzigers Borbereitungsanstalt, Alte Jakobftraße 124. 6x1-7 So rechnet. die klüge Waschfron denn auf 6 Gütscheine infoilt fin 1 Porknt: Schleich's SchaumfeeSeifenpulver gratis! Jedes Paket Schaumfer enthält 1 Gutschein CHEMISCHE FABRIK SCHLEICH GMBH BERLIN NW6 • • Shle Möbel Fabriklager, Friedrich- Monatsanzüge von Ravalieren, Geh ftraße 7. Speisezimmer, 1,60, Eiche rodanzüge, Fradanzüge( auch leibweise), mit Mahagoni, Büfett mit Facette neue Jadettanzüge, Gummimäntel ver aläfern, handgeschnigte Nußbaum- Mafe- tauft fpottbillig leganderstraße 28a, rung, 295. hochparterre. Er AR und Körperliche Erholung, eine wahrhaft fröhliche Muße follen Turnen, Spiel und Sport fein. Geträftigt, nicht ermattet, follft du den Spielplas ver laffen. 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Er starb am Galgen auf der Iller- wiese bei Kempten— weiß Gott nicht, seines„evangelischen Glau- Kens" wegen: diese Marotte hätten ihm die adligen Chorherren mit ihren einträglichen Pfarrpfründen recht gern verziehen—, sondern weil er es gewagt hatte, die soziale Revolution gegen die„geistlichen Schinder des Volkes" in dein ausgepowerten Bauernvolk des Algäus zu entzjhiden. Und da versteht die herrschende Schicht keinen Spaß. Das ist zu allen Zeiten, im Altertum, im Mittelalter und in der Neuzeit so gewesen. Mathias Weibel war ein guter Freund und Kamerad meiner Jugendzeit. Im Pfarrhof neben der evangelischen Pfarr- kirche war der gehenkte Vikar und Bauernsohn ein fast alltäglicher Gast. Er sah aus dem halben Dutzend von Stahlstichen und Oel- gemälden auf uns herunter und der junge P f a.r r e r, der Enkel eines Rieser Bauern und der Schwiegersohn eines freien Schweizer Bürgers aus Burgdorf bei Bern, sprach mindestens jede Woche einmal von dem mit Schimpf und Schande aufgeknüpften Revo- lutionär. Wenn wir vom Gymnasium heimgingen, an der prunkvollen L o r e n z k i r ch e der einstigen F ü r st ä b t e vorbei, dann erzählte mir der Pfarrer mit einer trotzigen Verbissenheit vom Schicksal des„Bauernvik ars" und von seinem frühen Tod. Und in dem Bauernblut, das in uns, den Enkeln zweier Bauernhöfe im Ries, damals noch lebendig war, zitterte die Erregung über den durch den Klerus legalisierten Mord. Matthias Weibcl ist nach den Forschungen des Kemptener Dekans Erhard(Märtyrerbilder aus der evangelischen Kirche, Heft 5) als Sohn frommer Bauersleute geboren. Er studierte auf Kosten des Fürstabtes, der den talentierten Bauernjungen entdeckt hatte, in Wien und wurde Pfarrvikar an der Kemptener Klosterkirche St. Lorenz. Dort sticht der junge Feuerkopf Mathias Weibel die Eiterbeule der korrupten, durch und durch verlumpten Pfarrpfründenwirtschaft der wegen ihrer Brutalität gegen die Bergbauern des Algäus berühmten Abtei auf. Bei der nächsten Abtwahl hält er dem feierlich ver- sammelten Klosterkapitel eine„Festpredigt", daß den wohlgenährten, adligen Chorherren Hören und Sehen vergeht und der Bruder des Abtes auf den wagemutigen Pastor mit gezücktem Degen losspringt, um ihn auf der Stelle zu erschlagen. Seitdem ist Mathias Weibel gerichtet. Der Degenstich eines veritablen Adligen aber scheint der Clique um den Fürstabt ein viel zu vornehmer Tod für so einen Proleten zu sein, und so macht man sich langsam an die Arbeit. Gottes Mühlen mahlen langsam und schlucken viel Zeit und Geld. Schließlich ist es aber doch so weit. Die Bauernrevolte Mathias Weibels scheiterte, weil sie auf die Abtei von Kempten beschränkt blieb und auf der einen Seit« der Herzog von Bayern, auf der anderen der„Schwäbische Bund" mit ihren Landknechtsheeren„reinen Tisch" machten, und so wurde der „Erzketzer des Algäus" ergriffen und kurzerhand wie ein Strauchdieb gehängt. Die Er r e g u n g über die blutige Niederschlagung des Kemptener Bauernaufstandes und den schimpflichen Tod Mathias Weibels zitterte noch Jahrhunderte lang in der Bauernschaft des Algäus nach. Die Bauern wurden„katholisch gemacht" wie in Niederbayern und in Oberösterreich: ein Bertrauensverhhltnis aber konnte zwischen den Sllgäuern und der höheren und mittleren Geist- lichteit nicht mehr Fuß fassen in den Herzen der freiheitsliebenden, von der nahen Schweiz„infizierten" Bergbauern bis auf den heutigen Tag. So wählte man im Algäu bis kurz vor dem Krieg selbst auf dem flachen Land nicht ultramontan, sondern trotz alles Gekeifes der Bischöfe und des Münchener Kardinals freisinnig oder liberal. Selbst die Sozialdemokratie konnte dort zu Zeiten leichter Fuß fassen wie die Zentrumspartei. Auch in unserem Pfarrhaus in Kempten lebte noch ein Ueberrest von dem alten Bauerntrotz, ein stolzer Herrengeist, der sich vor keinem König und Kaiser und vor keinem Konsistorialrat beugte. Im Bücherschrank standen, von uns Pennälern wie Bomben und Flotter- minen bestaunt: Mar�r, Engels, Bebel und Laisalle. Und wehe, wenn unser Pfarrer an Königsgeburtstag die Festpredigt hatte und das Offizierkorps und die Beamtenschaft wehrlos in den Chorstühlen da unten saß— dann wetterte er über den Dünkel der herrschenden Klasse, daß die Regierungsräte schiefe Mäuler zogen und die Offiziere kochten vor Wut. Nun meldet die Tagespresse, daß am 5. und 6. September in Kempten als„V i e r h u n d e r t j a h r f e i e r der Reformation" ein Mathias-Weibel-Fest stattgefunden hat, unter meines Pfar» rers Leitung und Protektorat: kein Wort von dem Revolutionär, kein Wort von dem Führer der Bauern, kein Wort vom Luderleben des Retterinnenperspektive. .Ich lese hier gerade das Work.5icherheilspatt".— Sag mal. Amalia. wir sollleu uns schon wegen der vielen Dach- swhlbrände etwas höher gegen Feuer versichern lassen." Fürstabts von Kempten und seiner verlumpten Chorherren, kein Wort von dem Gehenkten— sondern nur von dem„Märtyrer" der Reformation. Schwarzweißrote Fahnen in den Straßen und in der Festhalle öliger Schwatz: Sorgt für reichen Kindernachwuchs— gebt uns einen Nachschub von Predigern— geht Sonntags fleißig in die Kirche— und bleibt treue Untertanen und brave Bürger— ein Schleim voller Flachheit und Sermlität. Mein Pfarrer und Revoluzzer vor 20 Jahren ist wohl auch unter- dessen ein behäbiger und satter Bürger geworden. Ich weiß es nicht. In seinem Buch über Mathias Weibel beschrieb er seinerzeit die Szene, wie ein Kempten« Bürger in der Nacht zu dem Gehenkten hinausgeschlichen war, um die Maden von der Hand des Toten zu nehmen, als letzten Liebesdienst. Wird dem toten Vikar nicht mehr viel geholfen haben. Ebenso wenig wie die Heiligsprechung durch den„Evangelischen Bund"! Und doch hat diese Licbestat einen Sinn: Schüttelt diese schleimigen Maden weg vom Leib eines Man- nes, der für das schaffende Bolk gestorben ist, vom Bauern- sührer Mathias Werbel, vom Revolutionär! Vögel als Untermieter. Der Untermieter, diese durch die Wohnungsnöte der Nachkriegs« jähre so weit verbreitete Menschengattung, erfreut sich zweifellos keiner großen Beliebtheit und das Verhältnis zwischen dem Per- mieter und ihm ist in den meisten Fällen kein sehr harmonisches. Anders in der Vogelwelt, in der diese Einrichtung durchaus ver- breitet ist. Hier entwickelt sich zwischen den innig zusammenhausen. den und ihre Brut aufziehenden Vögeln verschiedener Gattungen, ja, auch zwischen Vögeln und Säugetieren oft ein sehr vertrautes Freund- schaftsverhältnis, von dem Oliver G. Pike, der bekannte englische Schilderer des Dogellebens, reizvolle Beobachtungen mitteilt. Es ereignet sich gar nicht selten, daß Sperlinge in die Nistplätze von Krähen hinein ihr Nest bauen und von den größeren Vögeln gern geduldet werden. Auch zwischen einem Elsterpärchen und einer Reiherfamilie besteht bisweilen eine Wohnungsgemeinschaft, bei der der breite flache Boden des Reiherbaues ein sicheres Heim für das Elsternheim bietet. Sehr idyllisch gestaltete sich auch in einem Falle das Zusammenhausen des Königs der Vögel mit dem Zaunkönig. Ein großer Adler hatte seinen Horst entgegen der Gewohnheit dieser Tiere nicht auf einer unzugänglichen Bergspitzz gebaut, sondern in der Nähe eines Flusses. In dieses Nest, in dem er seine heranwach- sende Brut aufzog, fand sich freundlich eingebaut und ebenfalls von einer Kinderschar bewohnt die Heimstätte eines Zaunkönigpärchens. Für den in manchen Gebieten sehr verbreiteten gefleckten Fliegen- fänger gehört es überhaupt zu den gewohnten Bauregeln, sein Nest in das eines größeren Vogels, besonders der Amseln, einzubauen. Eine seltsame Freundschaft durch gemeinsames Wohnen hatte sich auch zwischen einer Brandente und einem Kaninchen entwickelt, die innerhalb derselben, ursprünglich dem Kaninchen gehörigen Höhle hauste. Noch wun!>«barer war die Freundschaft, die sich zwischen einer nachbarlich vertraut nistenden Ente mit einem Fuchs ent, wickelte. Unbelästigt von dem Appetit des Fuchses gelang es ihr, ihre acht Eier auszubrüten und die Jungen wohlbehalten aus dem Nest zum Mass« zu geleiten. Auch Raubvögel werden selten kleinere Vögel, die ihnen benachbart hausen, angreifen. So tonnte eine Lerche unbehelligt von dem benachbarten Falkenpaar ihre Brut aufziehen. Ebenso sellsam mutet das friedliche Zusammenleben von Füchsen und Kaninchen an, die Tür an Tür ihre Kinderstube bauen. Unbelästigt von den Füchsen kann die Kaninchenmutter ihren Jungen die Nahrung zutragen, während die jungen Füchse unter den Kanin- chen sich ihre Spielgefährten wählen. Ja, es kommt sogar vor, daß Kaninchen und Füchse zusammen in ein und demselben Bau ihre Wohnstätte aufschlagen, ohne daß der Schwächere fürchten muß, eine Beute des Stärkeren zu werden. Unzerbrechliches Glas. Plinius berichtet, daß Kaiser Tiberius die Werkstatt eines Mannes zerstören ließ, der ein unzerbrechliches Glas erfunden zu haben behauptete. Tiberius fürchtete, daß solches Glas den Wert der Metalle ungünstig beeinflussen könne. Noch andere Ueberlieferungen aus dem Altertum lassen darauf schließen, daß schon damals unzerbrechliches Glas bekannt war. Neuerdings begann man gegen Eftde des neunzehnten Jahrhunderts, sich mit der Erzeugung von„Hartglas" zu befassen. Als erster fabrizierte der Chemiker de la Basti« Hartglas dadurch, daß er glühendes Glos langsam in Oel oder Harz abkühlte. Andere Hartglassorten stellte man dadurch her, daß man mehrere Glasplatten von verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten aufeinander legte, miteinander verschmolz und in noch glühendem Zustande aufeinander walzte. So entsteht das sogenannte„Verbundglas". Die Technik wird übrigens in der Herstellung des„Kompensationspendcls" bereits seit langem ange- wandt: ein solches Pendel, das nach Möglichkeit bei jeder Temperatur die gleiche Länge behalten soll,, desteht aus mehreren Lagejjjwon Metall, bei denen die Ausdehnung des einen die des andereMauf- hebt(kompensiert). Das neueste auf diesem Gebiete ist das„Quarz- glas", und zwar das aus Bergkristall gewonnene vollkommen durch- sichtige und auch für ultraviolette Strahlen durchlässige, und das aus Kiesel hergestellte undurchsichtige Quarzglas, das dem Milchglas ähnelt. Die Bruchfestigkeit des Quarzglases ist drei- bis zwölfmal so groß wie bei gewöhnlichem Glas. Diese Festigkeit und seine Unemvfindlichkeit gegen raschen Wechsel von Temperaturen geben dem Quarzglas eine außerordentliche technische Bedeutung, haben andererseits aber den hartnäckigen Widerstand der Glasindustrie wachgerufen, die ihre Absatzmöglichkeiten durch das neue Hartglas bedroht fühlt. Der Hochverräter. Ks Erinnerungen aus schweren Tagen. Von Adolph Hoffmann. Der Herr Kommissar betrachtete mich auf meine Worte, hier müsse ein Irrtum vorliegen, sehr interessiert und sagte in einem Tone, von dem ich heute noch nicht recht weiß, war es Schodenfreude oder Drohung, vielleicht eine Mischung von beiden:„Na wort man, wir sprechen uns morgen früh," klingelte und sagte dem eintretenden Gefängniswärter:„Abführen, sichern." Hinter ging's. Treppauf, treppab. Finstere, enge und schmutzige Gänge entlang. Der Schließer voraus. Zwei Transporteure hinterher. Ich weiß nicht, wieviele Türen vor mir auf und hinter mir geschlossen wurden. Ich hatte zum ersten Male im Leben das Gefühl, ein wertvoller Schatz zu sein, der besonders verwahrt wird. Endlich wurde noch eine schwere eisenbcschlagene Tür geöffnet, und ich glaubte schon, in mein neues Logis zu kommen, sah mich aber einem anderen Schließer gegenüber, und als der zur Seite trat, stand ich in einem langen, schlecht beleuchteten Korridor, dessen Wände, Decke und Fußboden von gänzlich undefinierbarer Farbe waren. An der rechten Seite sah man Tür an Tür, also die Zellen. An der linken Wand eine An Schweinetröge, nur etwas höher. Am anderen Morgen nahm ich davon Kenntnis, daß es Waschbecken sein sollten. Der Schließer erhielt von dem Transportierenden ein Schrift- stück mit den Worten:„Na, ich bringe Ihnen was ganz Besonderes." Die Tür schlug hinter mir zu, und ich war mit meinem neuen Herbergsvater allein. Er las erst das Schriftstück, sah mich neugierig an und fragte:„Was haben wir denn ausgefressen?" „Ich dachte es von Ihnen zu erfahren," antwortete ich,, auf das Schriftstück weisend.„Do steht nichts weiter drin als H o ch v e r r o t und für mich die Anweisung besonderer Vorsicht. Das erstere werden Sie schon bei Ihrer Festnahine erfahren hoben, und was das zweite anbetrifft, so werden Sie vernünftig sein und mir keine Schwierigkeiten machen. Denn es tote mir leid, wenn ich meinen Borschriften entsprechend fühlbare Sicherungsmittel anwenden müßte." Und ehe ich antworten konnte, setzte er jovial hinzu: „Familie haben Sie doch nicht?" „Doch, mir ist vor drei Tagen der dritte Junge geboren, und ich bin vom Wochenbett meiner Frau geholt, ohne eine Ahnung zu hoben, warum." „Na hören Sie mal," erklärte der Schließer ironisch.„Ich habe piex zwar lauter Unschuldige, und wenn sich mal ein wirklich Schuldiger dazwischen verlaufen sollte, mühte ich sofort seine Ent- fernung beantragen, damit er nicht die anderen verdirbt. Aber wenn es wirklich so wäre, wie Sie sagen, ist es scheußlich, besonders für das arme Weib. Nun, in diesem Fall wird sich ja morgen die Sache aufklären, und Sie werden entlassen. Also fügen Sie sich in Ihr Schicksal." Er schien Vertrauen zu mir zu haben, denn seine Visitation war sehr oberflächlich, nahm mir meinen Hut ab, schloß eine Zelle auf, gab mir eine Decke, die so apssah, daß ich zögerte, sie anzu- fassen.„Nehmen Sie nur," ermunterte er,„wir sehen uns unsere Leute schon an. Ich habe Ihnen eine gegeben, die heute erst aus- gebrannt ist. Die gibts sonst erst nach der Reinigung." Das Stinktier über den Arm nehmend, sagte ich:„Ich kann es bei Ihnen bei Ihren Erfahrungen ja nicht verdenken, wenn Sie meinen Worten nicht glauben. Ab« einen Liebesdienst können Sie mir als Mensch leisten." „Und der ist?" fragte er mißtrauisch. „Sorgen Sie dafür, daß ich morgen früh sofort dem Unter- suchungsrichter vorgeführt werde.", „Der ist ja In Moabit. Da kommen Sie sowieso morgen hin. Ich kann höchstens dafür sorgen, daß Sie mit dem ersten grünen Wagen rauskommen." Mit einem„Schlafen Sie so wohl als möglich," schlug er die Tür zu, und die von draußen— ich weiß nicht mit wieviel Riegeln und Schlössern— gesichert wurde. Das erstemal in meinem Leben sah ich in einem Gefängnis. Endlich allein! Mit mein« Decke üb« dem Arm stand ich tn einem finsteren Raum. Und erst als sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich nach und nach einzelne Umrisse bei dem ganz schwachen Lichtschein, der durch einen Schacht über der Tür vom schlecht erleuchteten Korridor in die Zelle siel, erkennen. Sie enthielt in der linken Vord«ecke eine große schwere Holz- bettstclle mit sechs vollgestopften übereinand«gelegten Strohsäcken, einen Schemel und in der rechten Ecke an der Tür einen Nachteimer, die sogenannte„Bomb e". Ich legte meine Decke auf das Fußende d« Bettstelle und setzte mich auf den Schemel, um mich erst mal auf mich selbst zu be- sinnen, und mir über meine Lage klar zu werden. Was hotte man mit mir vor? Die Aeußerung des diensthabenden Kommissars hatten meine Annahme noch bestärkt, daß dahinter die Rache d« Reingefallenen stecke. Was wird d« morgige Tag bringen? Zugleich drängte sich mir der Gedanke auf:,„Kann man dich ohne jeden Grund wegen Hochverrats verhaften, warum soll man dich nicht auch verurteilen können?" Unter solchen Betrachtungen ließ ich die Blicke durch die Zelle schweifen. Ein Dreckloch in des Wortes verwegenster Bedeutung. Decke, Wände, Fußboden und Inventar zeigten nicht nur Spuren des Altertums, sondern so vollständigen Verfalls, daß hier auch'die Anwendung von Schrubber und Seife erfolglos gewesen wäre. Als ich eben bemerkte, daß Mäuse, ungeni«t durch meine Gegenwart, ein Hürdenrennen über die auf. den Löchern im Fußboden genagelten Holzstücke machten, wurde es in der Zelle plötzlich hell. Oben am Lichtschacht erschien eine Blendlaterne. Durch das Guckloch schaute der Schließer und sagte in fast wohlwollendem Tone:„Aber Hoffmann, gehen Sie doch schlafen, das nützt doch nun alles nichts." Er hatte die Blendlaterne wahrscheinlich an einer Stange, um so die Zellen abzuleuchten und die Insassen zu beobachten. Als nach einer kurzen Zeit sich meine Zellengenossen, die Mäuse, wieder bemerkbar machten, folgte ich dem Rat des Schließers und Netterte mit d« Decke auf die Strohsäcke.� Zwei bis drei Stunden mochte ich wohl meinen Gedanken nachgehangen und dabei auch zeitweise die Augen geschlossen haben, da rassellen Riegel und Schlüssel. Die Tür ging auf und mit den Worten:„Hoffmann, ich bringe Ihnen Gesellschaft," schob der Auf- seher einen Menschen in die Zelle. Ein zweiter Galgenvogel. Jetzt wurde die Situation kritisch. W« war das? Ein Abge- sandter?— Einer, der mich aushorchen sollte? Was konnte er er- fahren?.— Aber, wenn er behauptete, ich habe ihm dies und da» erzähtt und so Beweise gegen mich schaffte? Ich nahm mir vor. kein Wort mit ihm zu reden.— Ab« konnte er nicht trotzdem behaupten, ich hätte ihm meinen„Hoch- verrat" gebeichtet? Mißtrauisch beobachtete ich ihn von mein« hohen Mirte. Auch des neuen Zellengenossen Augen hatten sich an die Dunkel- heit gewöhnt. Er hatte auf dem Schemel Plag genommen und suchte mit den Augen die Zelle ab. Als er unten nichts fand, stiert« er hinauf nach dem obersten Strohsack. So weit bei dem schwachen Lichtschimm« zu erkennen, war es ein noch junger Mann, sehr elegant gekleidet. Seit er mich oben aus den Strohsäcken entdeckte, hatte er den Schemel an die rechte Wand gerückt, saß mit dem Rücken dagegen und—„könnt' den Blick nicht von mir wenden". Was übrigens auf Gegenseitigkeit beruhte. �.(Fortsetzung folgt.) Ata TaubenURANIA Straße 48 Ab Freitag, den 18. September Täglich 5 und 7 Uhr: Filmvortrag Oberingenieur Dreyer- Hannover Gluten am Nordpol Film der Döring- Film- Werke, Hannover Eine Filmsymphonie vom lieblichen Norwegen, dem erdkatastrophalen Island und dem urgewaltigen Spitzbergen, das Zauberlandewigen Eises Neue, klare Trickfilme astronomischer und geologischer Natur. Dieses neue Filmwerk Oberingenieur Dreyers übertrifft selbst seinen„, Columbus- Film". Vorverkauf: Urania- Kasse und Wertheim. 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