Menöallsgabe Nr. 444 ♦ 42. Jahrgang Ausgabe L Nr. 214 Skzuz-btdinssung«« und?nz«Igen»rels« find in txr Tlossknanzgabe«lngtzeben ZtsvarNon: SM. öS. ciadevftroize 3 gemlpteOtet: VSnhoff 202— MZ Xsl*-2ltzeflt:S0}ialOemotral Betlia Devlinev Volkesblakt (lO Pfennig) Sonnabend 1�. September 1925 Villa« und«nzetginabtiNun«? S«lchilft-,lit»-« Uhr verlngsr: rorwSrls.verlag S-sby. Berlin SM. SS. eindenslrohe S Zernsprccher: LSnhoff 292— 29T Zentralorgan der Sozi aldemokrat» fchen Partei Deutfdilands Die verhanölungen mit Irantreich. Das Ergebnis der Pariser Verhandlungen Trendelenbnrgs. ! Schon bei der Unterbrechung der deutsch-französischen Dirtschaftsverhandlungen im Sommer war verabredet morden, daß die beiden Delegationsführer, chandelsminister Chaum6t und Staatssekretär Trendelenburg, Mitte September über die Wiederaufnahme der Besprechungen verhandeln sollen. Das ist am 15. und 16. d. M. in Paris geschehen und hat zu einer Verständigung über das weitere Vorgehen geführt. Es ergab sich dabei, daß der neue französisch« Zolltarif frühestens in sechs Monaten in Kraft treten wird, so daß die Möglichkeit eines weiteren halbjährigen Provisoriums mit Frankreich vorliegt. Ent> sprechend einem deutschen Dorschlag hat sich Frankreich bereit er- klärt, an Stelle der wiederholt erwähnten vier Listen, insbesondere der Gruppe B, einen Minimaltaris, einen Zwischcntarif und den Generaltarif auf die deutsche Einfuhr anzuwenden. Für den end- gültigen Handelsvertrag bleibt es bei der deutsch-französischen Ab- red« vom 28. Februar, daß beide Staaten einander die Meistbe- günstigung gewähren werden, was für die provisorische Regelung noch nicht der Fall ist. Zranzösifthe öeteiligung an üer Konferenz. Nur Briand und Berthelot. Paris, IS. September.(Eigener Drahtbericht.) Wie in fran- zösischen diplomatischen Kreisen verlautet, wird an der Minister- konserenz für den Sicherhcitspakt von Frankreich lediglich Außen- minister Briand und der Direktor des Auswärtigen Amtes Berthelot teilnehmen: mit der Beteiligung Painleves sei kaum zu rechnen. Die Kriegsmaschine rast. Die Auswahl der Tchlachtopfer. Paris, IS. September.(Eigener Drahtbericht.) Für die Aus- wohl der noch Marokko zu entsendenden Soldaten ist jetzt ein neuer Grundsatz aufgestellt worden. Bisher wurden in der Regel solche junge Soldaten nach Marokko geschickt, bei deren Familie mehrere Söhne vorhanden sind. Don nun an soll lediglich das Los darüber entscheiden, ob einer auf den Kriegsschauplatz verfrachtet wird. Kein Attentat auf Calles. Ein amtliches Dementi. Mexiko, IS. September.(Agencia Duems.) Die aus nord- amerikanischer Quelle stammende Meldung von einem geplanten und mißglückten Bombenottentat aus den mexikanischen Präsidenten ist, wie amtlich mitgeteilt wird, völlig aus der Luft ge- griffen. Es handelt sich auch in diesem Falle um«ine jener aus nordomerikanischen Finanz- und Wirtschastskreisen stammenden Tendenzmeldungen, deren Zweck es ist, das Vertrauen der deutschen Finanz- und Exportindustrie in die Festigkeit der mexikani- schen Verhältnisse zu erschüttern und sie auf diese Weise zu veran- lassen, die mexikanischen Papiere abzustoßen bzw. den mexikanischen Markt zu meiden. Dr. Cafparp vor öem Ausschuß. Ter„selbstbewußte" Staatsanwaltschaftsassefsor. Die beschlossene Vernehmung der beiden angeschuldigten Assessoren durch den Preußischen Barmat-Aueschuß begann heute vormittag mit der Vernehmung des Dr. E a s p a r y. Gleich bei Angabe seiner Per- sonalien erregte dieser Aussehen, indem er nach Namen und Alter hinzufügte:.Jüdisch". Auf Vorhalt des Vorsitzenden, daß diese legtere Angabe überflüssig sei, erwiderte Easpary, er lege Wert darauf, dies festzustellen, weil in der Presie vielfach behauptet worden sei, er sei ein getaufter Jude. Der Zeuge wies in diesem Zusammenheng die Behauptung energisch zurück, daß er mit deutschnationalen und völkischen Kreisen irgendwie zu- sammengewirkt habe. Bezüglich des Vorwurfs des Justizmini- steriums, daß er zweck» Dornahme von Verhaftungen sich des Flugzeuges bedient hätte, erklärte er sehr selbstbewußt, es sei die Pflicht der Staatsanwaltschaft, sich der schnellsten Be- sörderumgsmittelzu bedienen, eine andere Auffassung könllte als Angst vor Unglücksfällen aufgefaßt werden. Es wird selbstverständlich keinem Menschen einfallen, au» der Tatsache an sich, daß die Strasoersolgungsbchörde bei der Ingd nach Verbrechern Flugzeuge benutzt, einen Vorwurf zu machen. Allein es kommt auf den einzelnen Fall an. Und die Flüge des -Herrn Easpari) nach K a s s- l zur Verhaftung des Finanzrats Hell- w i g d-' seine dortige Adresse der Staatsanwaltschaft vorher mit- geteilt hatte sowie nach Dresden zur V-rhastung von Justizrat Werlhauer der dort lediglich einen Termin wahrzunehmen hatte, waren eben ein g r o b e r U n f u g. der offenkundig dem per- sönlichen Reklamededürfni» der staatsanwältlichen.Fliegerstaffel' entsprach und auf Kosten der Steuerzahler destritten wurde. Im weiteren Verlaus seiner Aussagen stellte Easpan, die sonderbarsten Behauptungen aus, u. a. die, daß das Justiz. Ministerium von den sozialdemokratischen Land- tagsabgeordneten Heilmann und Kuttner beein- flu ßt worden sei, damit ihm die Bearbeitung der Sache Kutisk«r(!) entzogen werde. Alz„ jedoch vom Vorsitzenden des Ausschusic» Dr. Leidig aufgefordert wurde, dies« Behauptungen zu be- legen, wie er es z-inächst in Aussicht gestellt hatte, konnte er auch nicht die Spur eines New-ifo» vorbringen. Der Eindruck war geradezu kläglich. Dieser'chlechte Eindruck verstärkte sich noch veträchtlich, ah der Zeuge auf Veftageu u. tu zugeben wußte, daß er mit den deutschnallonal.völkischen Hinkermännern der Presie- Hetze Dacmeister und Leopold zusammengekommen sei. um sie über seinen Fall zu informieren. Dieses Geständnis rief um so größeres Aufsehen hervor, als es Easpary kurz vordem energisch bestritten hotte, daß er mit diesen Rechtskrcisen jemals ciwas zu tun gehabt hätte. (Bei Schluß des Blattes dauert die Sitzung noch fort.) Das Putschjahr 1 923. Extninister Schweyers„Gestäuduifse". Das Putschjahr 1S2 3, dos uns hart an den Rand des Bürgerkrieges und eines zweiten Zusammenbruchs getrieben hat, ist durch eine Anzahl von Veröffentlichungen der letzten Zeit wieder außerordentlich aktuell geworden. Es sind allerdings kein« Ruhmesblätter für die»vater- l ä n d i s ch e n Kreise' der Völkischen und der Deutschnationalen. die nunmehr dem Ackerboden der.Enthüller' und Memoirenschreiber entsteigen: Die Pläne des.schwarzen' Reichrwehrkommandanten Schulz für Berlin und Küstrin, die Konstituierung der v ö l» tischen Fem« in Pommern und Mecklenburg, der weitschichtige A t t e n t a t s p l o n auf den General v. Seeckt. Und nun hat sich auch der ehemalige bayerische Innenminister S ch w e y e r unter die Dürgerkriegforscher begeben und in einer Schrift.Politische Geheimverbände' die Blamage der.vaterländischen Der- bände' auf den Gipfel getrieben. Es ist eine k i tz l i ch« Sache für ein Mitglied des Kabinetts Knilling und Kohr, über den Mörder- und Putschi st en- sumpf in Bayern ein Buch zu schreiben, wenn man ein gerüttelt Matz Mitschuld an der politischen Korruption von Der- woltung, Justiz und Polizei zu verantworten hat, wie Herr Franz Schweyer. Dielleicht bewegt sich deshalb der Schriftgelehrte und ehemalige Staatsministcr zunächst in unendlicher Breite über die Flachheiten einer dilettantischen geschichtlichen Remi- niszenz hinweg, in der Freimaurerei. Bundschuh, Armer Konrad, Eavour, Mazzini, Garibaldi, Faschismus, Marxismus, historische Bierseligkeit und Münchener Weißwurschtigkeit durcheinander kollern, wie die Dierfasseln am Oktoberfest. Interesiant wird Schweyers Historie erst, wie er sich seinem Spezialgebiet, dem Dankrott der bayerischen Staats- g e w a l t vor den selbstgezüchteten Rowdys der„nattonalen Aktivisten' zuwendet und bejammert wie ein Klageweib. Warum nennt er eigentlich nicht bi# 51 a m e n der bayrischen Würdenträger, die von Ludendorff» Landsknechten so unsanft am Ztockzipsel genommen und in der Dilla jenes Herrn Lehmann eingekerkert wurden? Warum verschweigt Herr Schweyer die Höhepunkte seiner Amtstätigkeit? Herztöne rein st er Art gibt der Historiograf der Bürger- bräu-Revotte dann von sich, wie er in seinem Epos die Respekt- lcsigkeit der Httlerschen Galgenvögel gegenüber- dem Grafen Soden, dem Vertreter des Rupertu» rex besingt:.Diese Tatsach«(die Fe st nähme des Grafen) beleuchtet blitzartig die wirtliche staatspolitische Einstel- lung de» Umsturzhelden Hitler.' Man trete einem weiß-blauen Kammerdiener auf die Hühneraugen und hinter Miesbach kocht die Volksseele auf! Aber— schuld an dem ganzen Rummel ist nach Schweyer die Eigenmächtigkeit der„Vaterländischen Der- bände', welch« immer frecher die Zügel der Regierung an sich rissen, und die Sabotage der Staatsautorität durch die Deutschnationalen, deren Vertrauensmann als Justiz- minister den bewafsneten Aufmarsch Hitlers am 1. Mai 1923 auf dem.Dberwiefenfcld' geduldet hatte, ohne einen Finger dagegen zu rühren. Armer Schweyer! Und dann begann sein Martyrium! Warum haben Sie übrigens Ihr Portefeuille nicht hin- geworfen, als die G e s a m t r i ch t l i n i e n der im Kabinett ver- einigten Regierungsparteien nicht eingehollen und die Autorität der Staatsgewalt Stock für Stock abgebrochen wurde— unter Ihren Augen, Herr Minister a. D.? Damit da» Schweyersche Büchlein de» Humors nicht entbehre, rechnet der Verfasser unter die.Geheimverbände' auch das.Reichs- banner Echwarz-Rot-Gold'! Reichskanzler Marx und General v. Deimling gehören demnach wegen.Geheimbündelei' vor den Staatsgerichtshof? So enthält das neueste Schweyersche Opus in erster Linie eine maßlose Kompromittierung des Verfassers und der hinter seinem einstigen Ministersessel agierenden und regierenden„vater- ländischen Klique— und letzten Endes seiner Partei. Für da» republikanische Deutschland aber und seine Schutztrupps, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Eold, soll diese Schrift ein Warn- r u s sein: Laßt euch durch solche Schwachköpfe und Schönredner nie- mal»»inlullen, sondern haltet allezeit treu Wacht für die Republik! Der Wahlsieg in Stockport. Ein bedeutsames politisches Tymptom. London. 19. September.(EP.) Der Ausfall der Ersatzwahl, bei der die Arbeiterpartei«inen Sitz erobert hat, der bisher den Konservattven gehört«, veranlaßt die Blätter zu Kommentaren. .Daily Expreß' ist der Ansicht, daß die Niederlage der Konservativen der Unzufriedenheit üb»? die inner« und äußere Politik der Regierung zuzuschreiben sei. Die„W-stminstsr Gazette' nimmt die Gelegenhett wahr, um die Abschossung de» gegen- wattigen, gänzlich oeroltetcn englischen Wahlrecht» zu fordern. Scarborough. Nach dem englischen Gewerkschaftskongreß. R London, 17. September. Wer mit der Grammatik der englischen Innenpolitik, der geistigen Einstellung der britischen Arbeiter im besonderen nicht vertraut ist, dem müssen die Berichte aus Scarborough über den britischen Gewerkschaftskongreß,«ine Reihe von unlösbaren Rätseln aufgegeben haben. Während einige seiner Beschlüsie anzudeuten scheinen, daß sich die gesamte britische Gewerkschastsbewegimg unter der Kontrolle Moskaus befindet, bewies der Kongreß auf der andern Seite ein Maß von Vorsicht, ja Mäßigung, das in direktem Widerspruch Hierzu stand, und me.-r an die gemäßigte Politik der früheren bri- tischen Gewerkschaftsbewegung als an die Linkspolitit des jüngst vcrslosienen Jahres zu erinnern schien. ilebrrblickt man die Arbeit des Kongresses als Ganzes, so muß jedem unvoreingenommenen Beobachter die folgende Tatsache in die Augen fingen: der Kongreß hat, mit einer einzigen Ausnahme keine einzige radikale Maß- rsgel zum Beschluß erhoben! Er hat den phantastischen Vorschlag, die bestehenden Gewerkschaften zwecks schließlicher Formung eiuer einzigen, allumfassenden Gewerkschaft ab- gelehnt:' er Hot. was noch bezeichnender ist, einen Vorschlag, dem Generalrat, der Exekutive der britischen Gewerkschaften, diktatorische Vollmachten zu geben, ihn in die Lage zu ver- setzen, von sich aus Streikbeiiräge bei den einzelnen Gewerk- schatten zu erheben und einzelne, ihm unterstellte Gewerk- schalten von sich aus zur Aibc'.::niedcrlegung zu komman- dieren, abgelehnt; beziehungsweise das ganze Problem der Machterweiterung des Generalrats, der übrigens auf dem Papier weitaus geringer« Machtbefugnisse besitzt, als irgend ein« anders europäische Gewerkschaftsexekutive, einer eigenen Konferenz zwischen der neugewählten Exe» kutive und den einzelnen Gewerkschaften überwiesen. Dafür hat der Kongreß aus der andern Seite ohne viel Federlesens, meist ohne jegliche Diskussion, als ob es sich um die selbst- veritöndlichstc Sache der Welt handelte, eine Reihe von Rcso- lutionen angenommen, die die folgenschwersten Konsequenzen nach sich ziehen müßten, wenn man sie wirklich unmittelbar zur Grundlage der gewerkschaftlichen Praxis und Taktik machen würde— was aber ganz offenbar auf Grund eines stillschweigenden Einverständnisses gar nicht beabsichtigt ist. Diesen Resolutionen ist für jeden, der die kommunistische Aktivität auf dem Kontinent zu beobachten Gelegenheit hatte, der Moskauer Ursprung auf hundert Meter anzumerken. So stellt der Kongreß u. a. als Ziel der Gewerkschafts- bewegung, wolflgemerkt, der Gewerkschafts-, nicht der poli- tischen Arbeiterbewegung, den Sturz der kapitalistischen Wirt- schaftsordmmg fest und weist hierbei den Betriebsräten die Aufgabe zu, als die unentbehrlichen Waffen in dem Kampfe zu fungieren, deren Ziel es ist,„die Kapitalisten dazu zu zwingen, ihre Finger von der Industrie zu lassen". Ebenso, wie in dieser, mit den augenblicklichen Kämpfen und Problemen der englischen Arbetterschaft in keinerlei inne- rein oder äußerem Zusammenhang siehenden Entschließung, sind wich in einer Resolution, die den Imperialismus in echt kommunistischer Phraseologie verdammt, sowie in her leichtfertigen Resolution, die auf Grund völlig verfälschter sachlichen Voraussetzungen den Dawes-Plan nachträglich ver- wirst, ganz deutlich die kommunistischen Hände nachzuweisen. Vergleicht Man diesen Radikalismus auf der einen, dies ausgesprochen« Zögern aus der andern Seite, so wird man, ohne SeibsnäusHmg, feststellen können, daß der Kongreß nur dort, wo sich daraus keinerlei Verpflichtung zu unmittelbarem praktischen Handeln ergab, seinem kritiklosen Radikalismus die Zügel gehen ließ, hingegen überall dott, wo unmittelbare, ttefgreifend« radikale Maßregeln in Frage standen, eine durch nichts zu überbietende Bedächtigkeit bewiesen und in der Diskussion über die geplante Auflassung gewisser, vom Staate bewittschasteter maritimer Werkstätten seine allen, bei- nahe zünstlerischen Neigungen kaum verhülll Hot. Die eine Ausnahme, auf die schon hingewiesen wurde, ist freilich ernst genug. Es handelt sich um den Blankoscheck, den der Kongreß der Exekuttve für seine Arbeit zur Fottsetzung der russisch-englischen Gewerkschaftsverhandlungen und zur Propa- gierung einer einzigen, die beiden Gewerkschaftsrichtungen in sich einschließenden Gewertschattsinternationale in die Hand gedrückt hat. Die prinzipielle Bedeutung ist allerdings durch die äußeren Umstände, unter denen diese Entschließung zu» stände kam, einigermaßen vermindert. Der Vorsitzende ließ, nachdem ein Redner die Resolution eingebracht, ein zweiter sie nach englischer Gewohnheit unterstützt hotte, niemand mehr zu Wort kommen. Keinerlei Diskussion über diese schwerwiegende Entschließung, keinerlei Diskussion der praktischen Konsequenzen, keinerlei Kommentierung des wirk- lichen Sinnes dieser Entschließung ist dem Kongreß erlaubt worden E« war eine Art von Ueberrumpelung des Kon- grefses, der sich gerade, kurz nach der Red« des russischen Dele- gierten, in einer Berbrüderungssttmmung mit Rußland befand. Auch der vorige Kongreß hat sich für die gewerkschaftliche„Ein- heitssront' ausgesprochen und dem Generalrat den Austrag gegeben, die zu seiner Berwirklichung führenden Schritte zu tun: aber im Vorjahre war daran ausdrücklich die Bedingung geknüpft worden, dies« Schritte ausschließlich mit Hilfe bzw. über die Amsterdamer Internationale zu unternehmen, eine ElJtichxänkrnq, die— ganz offenbar, ohne daß sich der Kon- greß über diese grundlegende Veränderung im klaren gewesen war«— jetzt fvrtgelasseu worden ist. Es ist klar, daß nunmehr alles davon abhängt, in welchem Shane der Generafraf von seinem Blankosched Gebrauch machen wird. Es ist da immerhin wichtig, festzustellen, daß der Generalrat durch den Wiedereintritt des Eisenbahnführers Thomas und Margeret Bondfields vom Fabritarbeiterverband, die beide als Minister in der Arbeiterregierung aus dem Generalrat ausgeschieden waren, nunmehr wieder zwei Bersönlichkeiten einschließt, von denen man zumindest den Verfuch einer mäßigenden Einwirtung erwarten kann. Alles in allem genommen, zählt heute nur ein Biertel der Mitglieder des Generalrats zur ausgesprochen probolschewistischen Richtung. So falsch es also wäre, von einem„ Siege des Bolschewismus" auf dem Gewerkschaftstongreß zu sprechen, so sehr ist eine ausgesprochene Lintsentwidlung im Fühlen der organisierten britischen Arbeiterschaft unverkenn bar. Das wäre an und für sich unbedenklich, wenn nicht die besondere geistige Einstellung dieses Radikalismus, die Ahnungslosigkeit gegenüber den Moskauer Methoden der Agitation, sie zu einer Gefahr machen würde. In fich richtungslos, durch feinerlei theoretische Grundlagen fest gelegt, kann diefes radikale Fühlen, beim Mangel einer flaren Trennungslinie zwischen Kommunisten und Sozialisten, von den Kommunisten für ihre besonderen Zwecke verwertet werden, ohne daß sich der einzelne darüber klar zu werden vermag, wohin er eigentlich marschiert. So und nur so ist es erklärlich, daß es der kleinen, aber äußerst aktiven fommunistischen Minderheitsbewegung gelingen fonnte, dem Kongreß eine Reihe von Entschließungen aufzunötigen, die geschickt seinem dunklen Bedürfnis nach einer radikaleren und mehr politisch eingestellten Orientierung der britischen Gewerkschaftsbewegung entgegentamen. Es wäre aber falsch und irreführend, diese Bereitwilligkeit mit tontinentalen Maßstäben zu messen. Was auf dem Kontinent bedeuten würde, daß sich die Gewerfschaftsbewegung unter der Kontrolle Mosfaus befände, bedeutet hier vorläufig nichts als eine, in der Wirtschaftskrise und durch die Arbeitslosigkeit erzeugte Raditalisierung, die dunkel nach einem Ausdruck taftet. Erneuerung des Rechtswesens. Eine neue Zeitschrift republikanischer Richter und Rechtslehrer. Unter dem markanten Titel„ Die Jufliz", erläutert durch den Zusaz 3eitschrift für Erneuerung des deutschen Rechtswesens?", erscheint dom Oftober ab im Verlag Dr. Walter Rothschild, Berlin, eine neue, von deutschen Rechtslehrern und Männern der Rechtspragis herausgegebene 3eit ichrift. Herausgeber find Profeffor Mittermaier, Gießen, Reichsjuftizminister a. D. Professor Radbruch, Kiel, Professor Ginzheimer, Frankfurt a. M., und Landgerichtsdirektor Kroner, Berlin. Diese für die praktische Reformarbeit in der Rechtsprechung und Berwaltung der Republit höchst bedeutungsvolle Neuerscheinung kommt gerade im rechten Moment, in dem Augenblick, in dem der Deutsche Richtertag in Augsburg der Repu blik und allem, was mit dem neuen Staat zusammenhängt, den Rampf angekündigt hat. Die Zeitschrift geht von dem Gedanken aus, daß es angesichts der Erschütterung des Vertrauens zu unserer Rechtspflege notwendig sei, neue Wege in der Schöpfung und Anwendung des Rechts zu finden, um die Kluft, die sich zwischen Recht und Boit aufgetan hat, von beiden Seiten überbrücken zu helfen. Die Handhabung des Rechts darf nach Auffassung der Herausgeber sich nicht in der formalen juristischen Lätigkeit erschöpfen. Es gibt nicht nur eine Technit, sondern auch einen Geist des Rechts. Dieser Geift aber sei ein wichtiges Element der Staats. gesinnung. Es sei ein unerträglicher Zustand, baß ich oft richterliche Gesinnung bewußt oder unbewußt nach einen Geist richtet, der nicht der Geift des heutigen Rechts ist. Der Ueberschägung der technischen Jurisprudenz in unserer Zeit Denken gibt zu denken. Bon Richard Rainer. Natur und Gefft, jo spricht man nicht zu Chriften. Das Nach denten über die Dinge diefer Welt, über ihr Sein und das Sein auf, thr, ist von den herrschenden Schichten der vergangenen Ordnungen von jeher als ein höchft bedenkliches Anzeichen destruktiver Tendenzen betrachtet worden. Man argwöhnte mit einigem Grund daß die Bucht neuer Erkenntnisse, der Ansturm neuer Wissenstat fachen, das Gleichgewicht der bestehenden Rechtsordnung im Bewußt Hein des minderen Rechtsfubjekts zum Schaden von Mitar und Thron stören fönne. So richtete denn bis in die feudal- bürgerliche Zwitter epoche des wilhelminischen Deutschland hinein jene topf- and namen lose Beamten- und Militärbureaukratie, schwächliche Epigonen der Heiligen und Ritter da sie die wirtschaftlichen Umwälzungen nicht begriffen, den Hauptfampf auf breiter Front gegen die Neuausstrahlungen des menschlichen Ideenlebens. Neue Provinzen der Erfahrung und des Forschens- soweit sie nicht auf dem Monde oder über den Wolken lagen durften zuerst nur auf den Univerfitäten betreten werden. War man inzwischen längst über sie hinaus geeilt, so wurden sie den höheren Schulen freigegeben, mit Warnungstafeln hier und da; von den Boffsschulen hielt man jede Wissenstatsache, die ernsthaft auf Probleme des menschlichen Zusammenlebens hintenten konnte, hartnädig fern. Zuerst leafte der liebe Gott das Tun der Menschen, später machten die großen Männer" ihre Schickjale. Darüber hinaus tam es nie. Aus der Zeit meines Schulbejuches habe ich mir einen enrge Fleischten Haß gegen alle metapholische Spefutation in welchem Gewande fie auch auftreten möge bewahrt und bin von restloser Begeisterung für alles Nachdenken erfüllt, das von greifbaren Forschungsergebnissen seinen Ausgang nimmt. Indessen beschleicht mich seit einiger Zeit das inquisitorische Gelüst, auch einen Teil jener Dentbeschäftigung zu verdammen, die sich auf rein natürliche Dinge richtet, Es ist nämlich eine unbestreitbare und zu Befürchtungen Anlaß gebende Tatsache, daß wir zuviel über unsere Vergangenheit nachdenken, über die unserer Rasse ebenso wie die unseres Planeten. Dies ist ein bedenkliches Anzeichen von Greisenhaftigkeit. Die Welt wird alt. Sie altert nicht nur, indem Jahr an Jahr fich reiht, sondern vor allem, indem man gewahr wird, was für eine erstaun liche Anzahl von Jahren sie zurückgelegt hat. Immer ist das wachsende Interesse an der eigenen Vergangenheit das deutlichste Zeichen des Alterns gewesen. Ein junger Mann blickt fustig in die Zukunft- er hat keine Zeit, über verflossene Tage nachzudenken. Das Alter bringt Mißmut angesichts der Gegenwart, Teilnahms: losigkeit den kommenden Dingen gegenüber und jene Stimmung großpäterlichen Plauderns, in der man fich marmi om fanft flodern Ben Kaminfener der Extnnerung und der Unterschahung der menschlichen Seite in der Rechtspflege müsse eine moderne deutsche Jurisprudenz entgegengesetzt werden, die nicht nur allein aus der Kenntnis des Rechts schöpft, sondern aus dem Vermögen, fich in menschliche Interessen und in den Dienst an der Pflege von Men fchengut einzufühlen, und alle die Ströme im Staats- und Völker. leben, die das Recht bilden, im Geist eines neuen Rechtsgedankens zur Auswirkung zu bringen. In dem Mangel an Menschlichkeit der modernen Rechtsprechung liege eine große Gefahr für das Verhältnis zwischen Bolt und Recht. Diese Gefahr werde zu einer ernſten Gorge, wenn man an den juristischen Nachwuchs dente, der einer Beit entstammt, in der durch mancherlei Umstände gerade die menschliche Seite des juristischen Berufs gefährdet war. Nicht nur eine Justizreform, sondern eine Juristen reform müsse angepadt werden. Juristenreform In zweiter Linie fäme das Problem einer neuen Rechtslehre in Frage, welche den Uebergang von der privatwirtschaftlichen Anschauung zu einem neuen Weltanschauungsbild herbeiführen müsse, in dem der große soziale Gedante einer Ber bindung des öffentlichen und privaten Rechts die moderne Rechtsentwicklung umfaffen müsse. Aber auch hier jei als Grundsatz diefer Rechtserneuerung die Forderung voranzustellen: Die neue Zeit will neue Juristen. Die Aufgabe der Zeitschrift sehen die Herausgeber in ihrem Leitartikel, Was wir wollen" in folgenden Säßen: Die Aufgabe unferer Zeitschrift ist eine dreifache: Mißtranen zu überwinden, das heute zwischen Boll und Recht steht. Wir brauchen die Pflege des republikanischen Staatsgeist es, damit Staat und Recht wieder eines werden. Wir brauchen die Pflege der persönlichen und menschlichen Elemente im juristischen Betrieb, damit die Berfönlichkeit des Juristen fich fläre, feftige und bilde. Wir brauchen die Findung und Klärung der neuen Rechtsanfchauungen und Rechtsformen, die unter und über dem neuen Rechte fich bilden, damit das Recht sich nicht isoliere den neuen Kräften gegenüber, die der Zukunft entgegentreiben." Daß in der Tat mit der angekündigten Zeitschrift dieſem neuen Rechtsgeist eine neue Bahn gebrochen wird, zeigt der uns mitgeteilte Inhalt des ersten Heftes:„ Oberlandesgerichtspräsident Prof. Lewin:„ Der Berufsrichter in unserer Zeit", Rechtsanwalt Ernst Fuchs: Richter. Königtum, Reichsgericht und Juristenbildung". Ministerialdirektor Dr. Fald: Die Staatsanwaltschaft", Staatsminister a. D. Wolfgang eine:„ Wesen der Berteidigung, Reichsminister a. D. Prof. Radbruch: Richterliches Prüfungsrecht", Prof. Singheimer: ,, Arbeitsgerichtsgesetz", Rechtsanwalt Dr. Hirschberg: Der tragische Fall". Ferner besprechen Rechts anwalt Oborniker den Medienbarger Femeprozeß, Regierungsrat Kanditt das Urteil des Oberverwaltungsgerichts zum Bortumlied u. a. m. „ Der Sumpf der Zweideutigkeit". Oder: Die Partei der Hampelmänner. Die Rote Fahne" schlachtet weiter. Jeden Tag ein linfer Leichnam. An der Linie der Komintern" wird gezogen und gezerrt mit Leibeskräften. Bald wird sie ganz gerade und unverbogen fein bis zum nächsten Effibrief. Bisher war die Parole: Ohne Maslowismus feine Weltrevolution. Maslow war die einzig zuverlässige, der einzig revolutionäre, der einzig leninistische Interpret der kommunistischen Geheimlehre! Für seine aus dem Gefängnis geschriebenen Broschüren keine unter tausend Seiten, feine ohne zehn Kilometer Lenin- 3itate veranstaltete die Ruth- Fischer- Zentrale eine Reklame, die die Reklamechefs der Ufatheater vor Reid bersten lassen fonnte. Jetzt hat sich das Blättchen gewandt. Ein neuer Stern ist erschienen. Ernst Thälmann, der ruhmreiche Transportarbeiter des Präsidentenwahtampjes fann zwar rot Front" tommandieren und die Reihen seiner kommunistischen Garden mit der Uebung eines Kompagniefeldwebels abschreiten, aber Artikel kann er nicht schreiben. Dafür ist jetzt eine jüngere Kraft ausersehen. Heinz Neumann, der zwanzigjährige neue Leninist, der vorläufig und widerruflich zuverlässige Interpret der fommunistischen Geheimlehre, ist jetzt der Künder der neuen Heilswahrheit. Schon erscheint in der Roten Fahne"- fichtbar, für jeden Funktionär auffällig folgendes Inserat: Zur gegenwärtigen Parteidisfuffion ist außerordentlich wichtig die Broschüre des Genoffen Heinz Neumann „ Maslows Offensive gegen den Leninismus." Auf 80 Drudseiten erhält man eine vorzügliche Darlegung der Fehlerquellen in der Politik der Partei. Jeder Genosse, der den ganzen Sinn und die Bedeutung des Offenen Briefes des Etfi erfaffen und in der Diskussion Stellung nehmen will, muß dieses Büchlein gründlich studieren. Es ist in allen Parteibuchhandlungen und bei den Parteifolporteuren zu erhalten. Na, da könnten wir ja also hoffen, daß wir nun wirklich zuverlässig über den neuen fommunistischen Tittak( Pardon, das war ein Druckfehler: Tattit meinten wir) unterrichtet werden. Wir werden nicht versäumen, auch unseren Lesern die Heilswahrheiten dieser neuen Schrift rechtzeitig zu verfünden. Mostan! Zentrums- Rechtsstimmen. Heil Das Heffen- Naffan- Zentrum für die Reichstagsfraktion. Fulda, 19. September.( Mtb.) Der Landesausschuß der Zentrumspartei Kurhessen hat in Fulda eine Sitzung abgehalten, in der folgende Entschließung einstimmig Annahme fand: „ Der Landesausschuß der turhessischen Zentrumspartel, zu dessen Der Weg, den hier republikanische Richter, Anwälte and Rechts- Sihung Vertreter aller Teile des Regierungsbezirks Rassel ergelehrte beschreiten, ist auch von allergrößter Bedeutung für den schienen sind, tritt mit Nachdruck allen Bestrebungen entgegen, die Kampf des Proletariats um seinen Staat, die Republif. die Einheit und Geschloffenheit der Partei zu gefährden geeignet sind. während es bis jetzt lediglich gelungen ist, die politische Macht der Ein geschloffenes startes Zentrum ist im Reiche und in Preußen die Arbeiterklasse durch sozialdemokratische Minister auf die innere erste Borbedingung einer gefunden, stetigen Politik. Die Tatsache, Verwaltung, die Polizei, die Finanz überströmen zu lassen, daß heute das Kabinett Luther die politische Linie von Wirth war die Rechtsprechung bis jetzt immer noch die am besten bis Marr einzuhalten gezwungen ist, ist der flare Beweis für die verteidigte Domäne der Reaktion Gerade der Juristen- Richtigkeit der Politit des Zentrums in den letzten sechs Jahren. Der beruf verlangt bekanntlich ein langjähriges intensives Hochschul Ausschuß ist der Ueberzeugung, daß die Verabschiedung der 3011, studium und eine mehrjährige Braris bei den Behörden und An- vorlage, der Steuergeseze und der Auswertungsmälten, die wie eine Barriere gegenüber den aufstrebenden Ele- gesetze zur Erhaltung und Feftigung der deutschen Wirtschaft notmenten aus der befizlosen Klasse wirkten. Wenn nunmehr führende wendig war und erfennt weiter an, daß die Zentrumsfraktion des repubütanische Richter und Anwälte diesen neuen Weg beschreiten, Reichstages weitgehende Berbefferungen der Gesetzesvorlagen zuder zur Durchdringung der Rechtspflege mit dem Geist der Demo- gunsten der Leistungsschwachen erzielt hat und daß der Tätigkeit der fratie, des Sozialismus und der Republik führen soll, dann tönnen Bentrumsfraktion in erster Linie die begrüßenswerte sozialere(?) fie in diefer praktischen Pionierarbeit der größten Ausgestaltung der Gesetze zu verdanten ist. Das hohe Biel, Anteilnahme der deutschen Sozialdemokratie an aus vaterländischen, tulturellen und sozialen Gesichtspunkten eine ihrem Werf gewiß sein. geschlossene starke Partei der christlichen Mitte zu erhalten, verlangt von allen Organen der Partei Disziplin und Rüdsicht. nahme auf alle in der Partei seit Jahrzehnten zusammengefaßten Kreise unseres Volkes." 3risches aus Nordamerika. Der Regierungsgeneral Richard Muthcahy, der im irischen Parlament den Wahlkreis Dublin vertritt, mit faulen Eiern und anderen Gegenständen beworfen. Einer der wurde in Hoboken mit seinen Begleitern von irischen Oppositionellen Begleiter wurde durch ein Stück Holz über dem Auge getroffen. Die Bolizei geleitete den Abgeordneten mit seinen Begleitern nach New York. Als der Weltbrand fich legte, sandten die Sentren unserer Wissenschaft Scharen rückwärtiger Pioniere aus, die unsere Erdfruste nach Zeugnissen und Spuren vergangener Kulturen durchmühlen follten Rein Monat vergeht, ohne daß auf irgendeinem Kontinente Denkmäler hochentwidefter menschlicher Ansiedelungen aus grauen Tagen aufgespürt werden. Parallel mit den Anstrengungen der Altertumsfanatiker gehen die Bemühungen der Geologen, die Existenz auferes Planeten zurückzudatieren. Wir erfahren auf diese Weise, daß 1200 Millionen Jahre verflossen sind, seit die Erdmasse um die Sonne zu schwingen begann, und daß vor 12 000 Jahren die Ureinwohner des heutigen Merito schon zur Aufführung gewaltiger Kultbauten gelangt waren. Im mesopotamischen Wüstensande entdeckt eine Orforder Expedition abermals die Ruinen einer gewaltigen Königsstadt, die vor mindestens 5000 Jahren vom Untergange ereilt ward, und Herr Professor Langdon vom Field Museum beeilt sich, uns zu beweisen, daß unsere Lebensweise sich von der der Bürger von Risch gar nicht soweit entfernt hätte. Angesichts dieses großen Aufwandes, der hier an allgemach gleichgültige und unfruchtbare Kenntnisse vertan wird, möchte ich raten, die staatlichen Subventionen etwas reichhaltiger an die Wissen schaften des gegenwärtigen Lebens und sehr viel spärlicher an die des vergangenen zu verteilen. Was zum Teufel gehen uns die Freuden und Leiden von Leuten an, deren Gebeine tief im Büften fande bleichen. Unsere Bissenschaft hätte alle Ursache, sich in ihrer Gesamtheit sehr viel angelegentlicher mit unseren gegenwärtigen gehen. Die Soziologie, jene jüngste, mutigfte Anstrengung des zeit Zuständen zu befassen und mit den Broblemen, denen wir entgegen genöffischen Denkens, Licht in das Dunkel der gesellschaftlichen Ent widlung zu tragen, ist mit ihren zahlreichen Hilfswissenschaften noch immer das Stiefkind der wiffenfachstlichen Etats der Kulturstaaten Es dürfte an der Zeit sein, die Museumswissenschaften ins Museum zu sperren, ehe sie soweit sind, aus der Welt ein Museum gemacht, 34 haben, zu Abrüftung. Der tschechoslomatische Staatshaushalt für 1926 erhöht den Militäretat um 120 Millionen Kronen, also 6,6 Prozent Deutsch- französische Theaterverständigung. Vor einigen Jahren wurde bereits durch Joseph Chapiro eine Annäherung zwischen deutscher und franzöfifcher Theaterkunft auf Anregung Firmin Gémiers, des Direttors des Nationaltheater Odéon in Paris vermittelt. Leider scheiterte dieser Annäherungsverfuch. Das Präsidium der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen hat mmmehr diesen Gedanken aufs Neue ergriffen und durch Chapiro eine Einladung an den großen französischen Künstler gerichtet, nach Berlin zu kommen zweds Gedankenaustausch über die Möglichkeit einer deutsch- französischen Theaterverständigung. Gémier war unter der Regie Antoines der erste Hauptmanndarsteller in Paris und war immer ein warmer Freund deutscher Dichtung und Kunst. So plante er bereits vor 3½ Jahren die Aufführung des Wallenstein mit franzöfifchen Schauspielern unter deutscher Regie in Paris, wodurch er die Annäherung der Kunst beider Länder anbahnen wollte. Die lassen und ihm Gelegenheit geben, vor der Berliner Künstlerschaft Genossenschaft wird Gémier. einen herzlichen Empfang zuteil werden und den Bertretern des geistigen Berlins einen Vortrag zu halten. Der Vortrag wird in der letzten Woche des September stattfinden. Näheres wird noch befannigegeben. Die Heilung der Gehirnparalyse durch den Malaria- Erreger. Während bis jetzt Gehirnparalyfe als unheilbar gegolten hat, zeigen die Erfahrungen, die man mit dem Einimpfen von Malaria. erregern bei diesen Geistestranten gemacht hat, und über die der Jahresbericht der englischen Kontrollkommission für Geistestranke genaue Mitteilungen macht, daß diese Ansicht nicht mehr unerschüttert ist. Bis zum Ende des Jahres 1924 find in 32 Instituten 451 Patienten, die nach sorgfältiger Untersuchung als an Gehirn Malariaerregers behandelt worden, und zwar 306 im Laufe des paralyse leidend erkannt worden sind, durch Einimpfung des Jahres 1924 und 145 vor dieser Zeit. 51 von diesen Patienten fonnten als geheilt entlassen werden, in 28 Fällen war eine Besserung zu verzeichnen. In 52 Fällen wurde der Erfolg als dauernd festgestellt. Es ist also ein Brozenijah von 18 Proz. der Geheilten im Verhältnis zu den behandelten Fällen zu verzeichnen.. " B. Erstaufführungen der Woche. Dienst. Kammerspiele Mann, Tier, Tugend". Mittw. Th. am Kurfürstendamm Der gläserne Ban toffel, Donn. Goethe- Bühne, Elettra, Der zerbro. Krug". Freit. Komödie, Gesellschaft. Sonnab. Staatsoper Bibelio. TR Es wurden ge Arnold Schönberg an die Akademie der Künfte berufen. Der Komponist Arnold Schönberg ist als Nachfolger von Bufoni zum Akademie der Künste in Berlin berufen worden. Das ist eine Tat. Urania- Vorträge. Täglich 5 und 7 Use: Gluten am Nordpol. Schönberg ist der große Rebell, der eigentliche Reformator der Musik. Täglich 9 Uhr: Das Gesicht des roten Rußland". Mittwood Mag die neue Kunst auch in ihren Auswirkungen langsam an Boden nettentheater". Von Montag an 8 Uhr: Südseeabenteuer". 7 Ubr: reta".- Im Hörsaal Sonntag 4 und 7 Uhr:„ Mario verlieren, sie bleibt doch ein deutliches Zeichen für den in der ganzen Belt fühlbaren Sturm gegen Altes und Allzualtes. Schönberg schafft Der Berband Berliner Bühnenleiter nahm in seiner Generalversammlung langfam, und die wenigen Werte scheinen die Lehre von der die Neuwahl des Borstands- und Arbeitsausschusses vor. Atonalität, vom Bruch mit alter Tradition immer wieder zu unterwählt: Leopold Jegner zum ersten, Martin Sidel zum zweiten Borfizenden, Karl Beese und Maximilian Sladet zu Borstandsmitgliedern; in den Arbeitsstreichen. Eine wirkliche Schule hat sich um ihn gebildet, er wird in ausschuß: Artur Hellmer. Heinrich Neft, Mar Bategg, Edmund Reinhardt, Berlin der Magnet für alles zielstrebige Neutönertum sein. Dies an Sarl Rosen, Artur Schwelb und Dr. Ludwig Seelig. Schönberg hat in seinem Lehrbuch der Harmonielehre seine neuen der Akademie neben den konservativen Schönmann und Pfigner! Grundsäge niedergelegt. Er spricht davon, daß er als anregender Lehrer heute in Europa nicht feinesgleichen hat. Er jei herzlich will tommen geheißen, Der Parthenon aus Zement. Die Stadt Nashville in Tennessee hat Driginal erbaut. Der Barthenon von Nashville ist freilich nicht, wie sein eine genaue Nachbildung des Parthenontempels in gleicher Größe wie bas erhabenes athenisches Urbild, aus Marmor, sondern aus Bement, der mit einer i bon Mojail- belleibel Der Sonnabend- Abend. Die Treppenaufgänge der Häuser riechen nach Seife, die Stufen find sauber gewaschen und glänzen feucht. In manchen Familien wird das ganze Kinderheer samt Kaze und Hund abgeseift. Man legt leyte Hand an den Sonntagsanzug, dreht die Manschettenknöpfe in das frische Oberhemd. Cafés und Kinos sind besuchter als an anderen Tagen. Man ißt ruhiger und behaglicher. Alle Menschen sprechen schneller und lauter, und die Straßen find länger belebt, man spaziert herum ohne besonderen Zweck, läßt sich treiben und genießt seine Freiheit aus lästigen Arbeitsbanden. Das Liebesbarometer steigt, und über alle Menschen lagert eine Atmosphäre von Freudigkeit und Erwartung. Man enifchuldigt alles mit der Erklärung: Morgen ist ja Sonntag! In den Friseurgeschäften werden noch schnell Bubiföpfe gestutzt. Bierundzwanzig freie Stunden dehnt man in der Phantasie zu einer Ewigkeit. Man rechnet überhaupt noch nicht mit der neuen Arbeitswoche, die bereits am Sonntag ihre Schatten vorausmirft, fie liegt so weit entfernt, fie besteht einfach nicht, und dazwischen liegt der Sonntag, der einzige Tag, um dessen willen es sich lohnt, sechs eintönige Arbeitstage zu ertragen. Der Sonntag erscheint wie eine Fahrt ins Wunderbare, er wird im voraus genossen wie ein Geschent von kostbarer Erwähltheit. Morgen fann man ausschlafen, oder wenn man sich dann wecken läßt, dann geschieht es aus eigenem Willen. Schule, Kontor oder Fabrik sind vergessen. Morgen ist man sein eigener Herr, und man fann sich als Eroberer neuer Welten fühlen. Und man hat etwas vor, das aus dem Rahmen der Alltäglichkeit fällt: irgendein Fest, einen Besuch, einen Ausflug. Man entwirft Pläne und die Freude darüber und die Aussicht auf den freien Tag erhöhen das Lebensgefühl. Der Sonnabend- Abend ist der eigentliche Feiertag, denn er ist voll von Erwartung, die Freude hat noch nicht ihren Blütenstaub verloren. Maffen- Räumungsklagen in Groß- Berlin. Schwierigkeiten bei der Unterbringung ermittierter Mieter. Die in diesem Jahre allein in Groß- Berlin angestrengten Räumungsflagen gehen bereits in die Zehntausende. Die geringere Zahl der Klagen bezieht sich auf Ungehörigkeiten der Mieter, also auf sogenannte Belästigungen oder auf fortgesette Verstöße gegen die vertragliche Hausordnung. In den meisten Fällen wird wegen Mietschulden auf Räumung getlagt, wenn der Mieter mit der Miete für zwei oder mehr Monate im Rückstande ist. Bei Belästigungen und anderen Verstößen wird von den Gerichten fast immer das Anrecht auf eine Ersagwohnung abge sprochen. Viele Gerichte bewilligen aber den Ersagraum auch dann richt, wenn nach der Sachlage„ nicht zu erwarten ist, daß der Mieter die Miete für den Ersagraum zahlen wird". Durch einen dem Reichs tage bei seinem Wiederzusammentritt im November vorzulegenden Abänderungsentwurf zum Mieterschuß gejez steht noch eine erhebliche Berichärfung dieser Verhält nisse in Aussicht. Hiernach soll schon dann auf Räumung geflagt werden fönnen, wenn ein Mietbetrag in Höhe einer Monatsrate rückständig ist. Jetzt fann der beklagte Mieter dem Räumungsunteil entgehen durch volle Befriedigung des Klägers bis furz vor dem Urteilsspruch in erster Instanz. Damit wird die Klage Linfällig, Nach dem neuen Gefeßentwurf fann der Mieter fich der Berurteilung zur Räumung nur dann entziehen, wenn er ten Vermieter spätestens innerhalb zwei Wochen nach Erhebung der Klage befriedigt. Das soll zwar in erster Linie die böswilligen und liederlichen Nichtzahler treffen, aber man fann sich sehr wohl zahlreiche Fälle denken, in denen durch Krankheit, Erwerbslosigkeit, Leuerung und allgemeine Wirtschaftskrisen die Zahlung der Miete auch innerhalb sechs cder acht Wochen nicht möglich und der Mieter dann ganz von der Gnade oder Ungnade des Bermieters und des Gerichtes abhängig ist. 230 bleiben nun die vielen Tausende von ermittierten Mietern? Grundsäglich soll die Polizei dem Obdachlosen einen Raum zum notwendigen Unterkommen fichern, um die mit der Obdachlosigkeit verbundene augenblickliche Befahr für Leben und Gesundheit zu beseitigen. Sie fann fogar nach Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichtes, wenn ein gefahrdrohender Notstand vorliegt und gar fein anderes Unterfommen zu beschaffen ist, den Ermittierten wieder in die alte Wohnung einweisen, aber nur für einen bestimmt anzu gebenden, furz bemessenen Zeitraum. Ferner fann fie bei Brivatpersonen, insbesondere in Gasthäusern, leerstehende Räume anmieten, immer nur als vorläufige Rotstandsmaßnahmen. Die Wohnungsämter find natürlich gar nicht in der Lage, den ermittierten Familien schnellstens freie Räume zuzuweisen. Auch das Berliner städtische Obdachlosenajpl hält die Belastungsprobe im Familienobbach auf die Dauer nicht aus. Durch die gewaltige Bermehrung der Räumungsflagen und der Ermisfionen werden wir also noch dazu unter dem Druck der Mieterhöhungen, mit denen die Löhne nicht gleichen Schritt halten, wahr scheinlich bald dahin kommen, daß die Polizeibehörden von den vorbezeichneten Rechten und Pflichten Gebrauch machen. Zu einer eigenartigen Maßnahme hat sich infolge der vielen Räumungsurteile schon die kleine Spreeftadt Fürstenwalde entfchloffen. Sie läßt auf ihrem Flugplatz einen Baradenbau herstellen für Mieter, die böswillig feine Miete zahlen oder wegen grober Ungehörigkeiten zur Räumung verurteilt worden sind. So sind die gleichen Chorattere unter sich, wobei nur fraglich ist, ob sie miteinander auskommen werden. Die Wissenschaft vom Strafrecht. Kriminalistentagung in Innsbruck. L. R. 3nnsbrud, 16. September. Die gemeinsame Tagung der Deutschen Landesgruppe der JKV. und der Desterreichischen Kriminalistischen Bereinigung in Innsbrud verlief vom 10. bis 12. September unter äußerst reger Beteiligung der Strafrechtslehrer aus beiden Ländern. Der Richterstand war nur ganz vereinzelt vertreten. Den Vorsitz führten Oberreichsanwalt Ebermayer, Professor Graf Gleispach Wien, Professor Kohlrausch- Berlin. 9 maßen als Auftakt zur eigentlichen Tagung, die interne Beratung Es lag ein tieferer Sinn darin, daß am 10. September, gemisfer. der Strafrechtslehrer über die Ausgestaltung des strafrechtlichen Universitätsstudiums erfolgte. Was würde auch ein neues Gesetzbuch, selbst das modernste, bedeuten, wenn es von Psychologisch ungebildeten und sozial blinden Richtern gehandhabt würde. Und sind es nicht die Strafrechtslehrer, die die Vorbereitung des zukünftigen Richters, wenigstens zu einem gewissen Teile, in kriminalpolitischen Anschauungen dieser Richter tragen? So mußte der Hand haben, die auch deshalb die Berantwortung für die man Professor Mittermayer, der in Gießen in Zusammenarbeit mit Dozenten anderer Fakultäten in mancher Beziehung Vorbildliches leistet, nachfühlen, als er in bewegten Worten den Liefstand des strafrechtlichen Unterrichts geißelte. Er forderte die Vermehrung der Strafrechtslehraufträge, Unterweisung im Jugendstrafrecht und KrimiStrafrechtslehraufträge, Unterweisung im Jugendstrafrecht und Krimi nalpsychologie, Errichtung von Strafrechtsseminaren und friminaliſtiſchen Instituten. In derselben Linie bewegten sich die Ausführungen des Psychiaters Professor Schulze Göttingen und des Strafrechtslehrers Professor Lenz Graz. Während der erste der psychiatrischen Vorbildung des Richters das Wort redete, schilderte letterer die von ihm in Graz gemachten Versuche, die Studierenden am lebendigen Material im Strafgefängnisse die Psychologie der Hästlinge fennen zu lernen, und so zwischen einzelnen Gruppen der Verbrecher unterscheiden zu lernen. So war es nur natürlich, daß nach den verschiedenen Ergänzungen eine Resolution angenommen wurde, die mit energischen Worten die Ausgestaltung des strafrechtlichen Studiums forderte. s Die Bedeutung dieser Forderung sollte sich gleich am nächsten Tage zeigen, als das Problem des richterlichen Ermessens und die Frage des Schutzes des Verbrechers gegen Willkür zur Debatte gestellt war. Den Kernpunkt des Entwurfes zum neuen Strafgesetzbuch bildet ja die Streitfrage: In welcher Beziehung zueinander sollen Strafe und sichernde Maßnahme stehen? Der Entwurf fennt beide. Die gemeingefährlichen Geisteskranken, Trunkfüchtigen und Gewohnheitsverbrecher sollen entsprechend in Heiloder Pflege, in Trinker- oder Verwahrungsanftalten auf längere oder fürzere Dauer untergebracht werden. Die Sicherungsmaß nahmen sollen neben der Strafe oder an deren Stelle, unter Umständen auch, wenn durch die Strafe der Zweck des Gefangenhaltens erreicht worden ist, überhaupt wegfallen fönnen. Die Entscheidung, ob eine sichernde Maßnahme nötig ist, die Wahl derselben, deren Dauer, auch die Höhe der zu verhängenden Strafen, ist völlig in die Hand des Richters gelegt. Dauer, auch die Höhe der zu verhängenden Strafen, ist völlig in die Die Beibehaltung der Schuldstrafe ist als Konzession an die Anhänger der Vergeltungsidee zu betrachten. Die Einführung der sichernden Maßnahmen in den Entwurf bedeutet einen Sieg der Anhänger der Besserungs- und Sicherungs gebanten. Profeffor Kahl richtete einen Appell an die Bertreter beider Richtungen, sich zu bescheiden, um das Werf der Strafrechts mit ihrer Spike gegen die neuentstandene Deutsche Strafrechtliche reform nicht zu gefährden. Seine Rede war jedoch in der Hauptsache Gesellschaft gewendet, die den neuen Entwurf, in erster Linie die fichernden Maßnahmen in der vorgeschlagenen Form, zu Fall bringen mill und dem Vergeltungsgebanten zu neuem Triumph verhelfen will. Eine große Anzahl der Redner unterstrich die Notwendigkeit, den Erziehungsgedanken durch eine Reform des Strafvollzuges zur stärkeren Geltung zu bringen; fie begrüßten aber die Einführung der Sicherungsmaßnahmen als einen Schritt vorwärts auf der Linie der Strafrechtsentwicklung. Am prägnantesten tam vielleicht dieses in den Ausführungen Professor Freudenthals zum Ausdrud. Gegen den Dualismus nahme Strafe und Sicherungsmaß mcndte fich mit aller Energie in seinem vorzüglichen und mit Bublikum entscheidet, bedeuten eine vorzügliche Propaganda. Von großer Bedeutung find ferner die Ausstellungen des Bundes Deutscher Lehrfilmdarsteller und der verschiedenen Berbände der Berufsund Amateurphotographenvereine. An Sonderausstellungen sind da eine Filmkunftausstellung, eine Ausstellung über Film- und Photoreflame, eine über die Entwicklung des photographischen Geschmacks seit 1860 und endlich über die Geschichte der Kinematographie und Photographie. Opfer der Autoraferei. In letzter Zeit mehren sich in erschreckender Weise ernste Autounfälle und es wird notwendig sein, daß die Verkehrspolizei noch firenger als bisher auf rücksichtslose Automobilisten fahndet. Ein neuer Dachstuhlbrand in Friedenau. Auf einem der letzten Grundstücke in der Laubacher Straße vor dem Südwest torso, dem Hause Nr. 45 äscherte heute früh ein großer Brand den ganzen Dachstuhl ein. Hausbewohner und Nachbarn bemerkten den Brand gleichzeitig um 7½ Uhr und alarmierten die Feuerwehr. Mehrere Löschzüge aus Friedenau, Steglitz, Wilmersdorf und Groß Berlin rückten alsbald an. Das Feuer muß aber schon längere Zeit, ehe es bemerkt wurde, in den Bodenräumen gebrannt haben und hatte den Dachstuhl schon völlig verzehrt. Die Wehr mußte sich darauf beschränken, die Flammen abzulöschen und ihr lebergreifen auf die Nebenhäuser zu verhindern. Die Brandkommission der Kriminal- fuhr. Der Packer Julius Haas aus Südende erlitt bei dem Zusammen polizei, die benachrichtigt worden war, traf alsbald an der Brandstelle ein. Nach den angestellten Ermittlungen gewinnt es den An. Schein, als ob auch hier mit einer Brandstiftung zu rechnen ist. Kipho 1925. Zu den großen Erfolgen, die die diesjährigen Berliner Messeveranstaltungen bedeuteten, wird zweifellos auch die Kino und Photoausstellung( Ripho) vom 25. September bis 4. Oktober im Hause der Funkindustrie und der neuen Autohalle gehören. Es wird die erste derart großzügige Ausstellung der Film- und photo graphischen Industrie, die sich mit ihren vielen Attraktionen ganz besonders an das große Bublifum wendet. Der Besucher wird hinter die Kulissen geführt. Er sieht die Entstehung des Films vom Aufnahmeapparat bis zur Vorführung. Täglich sinden Aufnahmen statt. die noch am selben Abend gezeigt werden. Ein Ausstellungsatelier und ein Riesentino befinden sich in der neuen Autchalle, wo es den etwa 4000 Personen möglich sein wird, die Aufnahmen zu neuen und das Abrollen vorhandener Großfilme zu sehen. Daneben ist das Kino von 1895 mit Ausrufer, Erflärer und Drehorgeln, mit den Originalfilmen bis nur 16 Meter Länge und dem Originaleintrittspreis. Maskenwettbewerbe der prominenten Schauspieler und die Filmschönheitsprüfung, bei welcher das Am Freitag abend gegen 12 Uhr wurde die 18jährige Lisbeth Gstätter aus der Linienstraße 111 von einer Kraftdroschte überfahren, sodaß sie infolge der schweren Verlegungen, Knöchelbrüche und starte Quetschungen, sofort in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert werden mußte. Ein weiterer Un fall ereignete fich gestern abend auf der Marienfelder Budower Chaussee. Dort wurde der Fahrer eines in Richtung Berlin fahrenden Autos des Kraftverkehrs in den Marken von den Scheinwerfern eines entgegenkommenden Privatwagens so geblendet, daß er die Uebersicht verlor und gegen einen Baum prall schwere Kopf- und Beinverlegungen. Er wurde von einem Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Schöneberger Krankenhaus transportiert. Das schwerbeschädigte Auto mußte abgeschleppt werden. Der dritte Unfall ereignete sich am Sonnabend vormittag gegen 10 Uhr in der Raumer Ede Lychener Straße. Hier geriet der 59 Jahre alte Kaufmann Hugo Weier aus der PrinzHeinrich- Str. 2 in Pankow unter eine Kraftdroschke. Mit schweren inneren Verlegungen die Lunge ist fast vollständig zerrissen tourde er in hoffnungslosem Zustande in das Krankenhaus am Friedsrichshain übergeführt. Die Schuldfrage konnte hier noch nicht restlos geklärt werden. Augetrunkene Chauffeure. großem Beifall aufgenommenen Referat Regierungsrat Hagemann, Bizechef der Berliner Kriminalpolizei, das gleiche taten die Disfussionsredner Professor Liepmann- Hamburg und Professor Graf Dohna- Heidelberg. Alle drei waren der Ansicht, daß ein richtig aufgebauter Strafvollzug in gleicher Weise der Strafe mie der Sicherung dienen könnte. Der gemeingefährliche Gewohnheitsverbrecher wäre auf unbestimmte Zeit zu internieren. Die Schaffung besonderer Verwahrungsanstalten sei schon aus finanziellen Gründen ein Ding der befristeten Strafe eine neue unbefristete antreten müßte. Den Sinn Unmöglichkeit. So würde die Einführung der Sicherungsmaßnahmen nur die Folge haben, daß der Berurteilte nach der Beendigung seiner dieser Maßnahme würden die Rechtsverletzer nie verstehen. Troz dieser auseinandergehenden Meinungen nahm die Tagung fast einstimmig eine Resolution an, in der sie erklärte, im großen und ganzen sich auf den Boden des Entwurfes stellen zu können. Eine weitere Resolution lautete folgendermaßen:„ Die Innsbrucker Tagung sieht ( bedingter Straferlaß, Straftilgungsgesetz, Jugendgerichts= in der kriminalpolitischen Novellengesetzgebung der letzten Jahre gefeß, Geldstrafgesez) eine Verwirklichung ihrer auf eine beweg lichere Gestaltung der strafzwangsgerichteten Forderungen, fie erachtet aber einen wirksamen Schutz der Gesellschaft gegen das Verbrechertum nur auf dem Wege der Gesamtreform des Strafrechts für erreichbar und fordert, daß diese Reform in Kürze durchgeführt werde." Besser aber als diese Resolution spiegelten zwei weitere die Stimmung der Bersammlung wider. Sie wurden im Anschlusse an die Erörterung über die Frage Schutz der Verbrecher gegen Willkür" angenommen. In ihnen fand die Tatsache Ausdruck, wie die deutschen Strafrechtslehrer über den heutigen deutschen Richter und über die Garantien, die dem Bürger im Strafprozeß geboten werden, denten. Professor Radbruch stellte fest, daß das Bertrauen der Bevölkerung dem Richter gegenüber erschüttert ist; forderte, daß eine unpolitische Körperschaft sich zu dieser Frage äußere. So hatte auch die von ihm eingebrachte Resolution, die faſt einstimmig von der Versammlung angenommen wurde, folgenden Wortlaut:„ Die notwendige Erweiterung der Freiheit des richterlichen Ermessens bedingt Vertrauen an die Rechtspflege. Daher wünscht die Versammlung, daß auf der innerhalb des nächsten Jahres stattfindenden Tagung die Frage erörtert wird, ob das VerRichter erschüttert ist, aus welchen Gründen und trauen der breiten masse der Bevölkerung zum wie das Vertrauen wieder herzustellen sei." Nicht weniger energisch präzisierte Professor Goldschmidt feinen Standpunkt. Er forderte Garantien, die Fehlurteile vermeiden ließen. Sein Antrag lautete:„ Die Erweiterung des richterlichen Ermessens, wie sie der Entwurf vorsieht, darf nicht Gesez werden, ohne daß gleichzeitig gesetzgeberische Maßnahmen troffen werden, die den Rechtsschutz des Angeklagten auf dem Gebiet des Strafprozesses und der Gerichtsverfassung gehinreichend sicherstellen." So fann man es als Erfolg der Tagung bezeichnen, daß der Richterstand mun auch von dieser Seite eine Warnung erhalten hat. Ihren Abschluß fand die Kriminalistentagung im interessanten Bortrag des Professors Graf Gleispach- Bien über„ Die Erforschung hang mit den beiden anderen während der Tagung verhandelten der Verbrechensuriachen". Auch hier liegt der ZusammenKriminalität gestattet die allgemeinen Linien der Kriminalpolitif feſtThemen flar auf der Hand. Nur das Wissen um die Ursachen der zulegen; nur die Erforschung des einzelnen Täters gestattet die Diagnose und die Therapie in jedem einzelnen Falle festzulegen. Schaffung von besonderen Berufsvormundschaften für Die mannigfaltigen, äußerst wichtigen praktischen Vorschläge wie: die Berwahrten, Schaffung von Annahme und Entlassungsfommiffionen, die über die Dauer der Sicherungsmaßnahmen zu bestimmen hätten, die Präzisierung des Begriffes gemeingefährlicher Gewohnheitsverbrecher, die Vorschläge betreffs der Behandlung der vermindert zurechnungsfähigen und der Trunksüch tigen ufw. sollten als Material an das Justizministerium übermittelt werden. Das genaue Studium der Arbeiten der Tagung, wie auch des in einigen Monaten erscheinenden Sammelwertes zum neuen Entwurfe fann nur angelegentlichst empfohlen werden. und Kriminalbeamte die Verfolgung der rohen Fahrer aufnahmen. Nach kurzer Jagd wurden sie eingeholt, festgenommen und als bie Arbeiter Frizz Stolzenhahn und Arthur Hoffmann aus Lichtenberg festgestellt. Explosion in den Spandauer Zeppelin- Werken. Auf dem Gelände der Zeppelin- Gesellschaft in Staaten hat sich heute vormittag eine Explosion ereignet, bei der glücklicherweise Menschen nicht verlegt worden sind. Die Zeppelin- Gesellschaft stellt auf dem Gelände in Staaten Wasserstoff und Sauerstoff her. Die Gase werden in besonderen Apparaturen unter hohem Drud tomprimiert und dann auf Stahlflaschen abgefüllt. Heute vormittag explodierte nun im Kompressorraum, in dem drei Arbeiter tätig waren, die Rohrleitung einer Kompressionsmaschine. den gewaltigen freiwerdenden Druck und durch die umherfliegenden Eisenteile wurden die Fensterscheiben aus dem Raum herausgedrückt und auch das Dach zum Teil abgedect. Die drei Arbeiter, bie an der Maschinenanlage tätig waren, blieben wie durch ein under unverletzt. Die Zeppelin- Werte hoffen, bereits am tommenden Montag den Betrieb wieder aufnehmen zu können. Durch Bade im Freien. Die Verwaltung des städtischen Freibades Wannsee gibt bekannt daß das Freibad noch geöffnet des guten Wetters so, daß jedem der Aufenthalt im Freibad empund in vollem Betrieb ist. Die Temperaturen find infolge fohlen werden kann. Die Berliner Feuerwehr wurde im August d. J. nur 861 mal alarmiert, d. h. beinahe 30 mal täglich und im September bis heute 466 mal oder 26 mal täglich. Reichsbanner Steglih. Dienstag, den 22. September, 8 Uhr abends, Mitgliederversammlung im Albrechtshof". Weißenfee. Sonntag, den 20. September, mittags 12 Uhr, Abfahrt Bhf. Weißensee nach Nauen. Bannerkleidung, Fahnen. Preis 160 m. hin und 8 Uhr 3 Min. Bhf. Zehlendorf- Mitte nach Potsdam und weiter nach Plaue a. d. H. zurück. Zehlendorf. Sonntag, den 20. September, Abfahrt Die Jugendweihen der weltlichen Schulen in Lichtenberg finden in folgender Reihenfolge statt: Sonntag, den 20. September um 10 Uhr die 35. Schule, um 1 hr die 36 a und 36 b Schule; Sonntag, den 27. September um 10 1hr die 34. und 37, Schule, um 1 Uhr die 38. Schule. Die Beihen finden in der Aula des Reform- Gymnasiums an der Bartaue ftatt Starten für Gäste zum Preise von 60 Pf. find am Eingang noch zu haben Droner pünktlich 9 Uhr erscheinen. Großes Unheil richteten gestern abend zwei angetrunkene Chauffeure in der Berliner Straße in Zehlendorf an. Bassanten beobachteten, daß der Führer und der Begleiter eines Lasttraftwagens der Firma Gebauer aus Lichtenberg anscheinend um Radfahrern und anderen Fuhrwerken einen Schabernad zu spielen, im 3idzadturs fuhren. Dabei stießen sie mit einem Radler, der vorschriftsmäßig auf der rechten Seite des Dammes fuhr, zusammen. Der junge Mann wurde vom Rade geschleudert und fiel so unglücklich, daß er einen doppelten Schädelbruch davontrug. Bassanten brachten den Berunglückten in das Krankenhaus, während Schupo-| Ringbahnhof. Jugendveranstaltungen. Neukölln 5. Morgen, Sonntag Fahrt nach Ertner. Treffpunkt 6% Uhr Gewerkschaftsbewegung Kommunistische Logik. Die fommunistischen Betriebsräte von drei Firmen menden sich mit einem Aufruf an die Betriebsräte des 1. Bezirks. Nach der Schlanken Behauptung, die ganze deutsche Arbeiterschaft befinde fich in einem endlosen Berelendungsprozeß, wird festgestellt“, „ daß die politischen Parteien und die gewerkschaft lichen Organisationen der Arbeiterklaffe diesem Prozeß machtlos gegenüberstehen. Der Grund hierfür ist die furchtbare Bersplitterung der Kräfte der Arbeiterschaft, besonders in gewerkschaftlicher Hinsicht." Die drei kommunistischen Betriebsräte des 1. Berliner Bezirks wollen nun„ die Lösung der Aufgaben praktisch in die Wege leiten", und zwar nach folgendem Rezept: In den Betriebsversammlungen ist mit allen Mitteln nach der freigewerkschaftlichen Organisierung der ganzen Belegschaft zu drängen. Um aber das Vertrauen der Massen für die freien Ge werkschaften zu steigern, müssen wir von diesen Verbänden die Einleitung einer energischen Kampagne und einer einheitlichen Bewegung für menschenwürdige Löhne fordern. Also erst stellt man fest", daß die Gewerkschaften machtlos sind, und dann verlangt man von ihnen die Führung einer ener. gischen Kampagne. Um sie wiederum zu entlarven". Auf dem Papier der„ Roten Fahne" lassen sich die Dinge unschwer auf den Kopf stellen. In der Gewerkschaftsbewegung geht das nicht. Mohl oder übel muß zuerst die unorganisierte Masse durch ihren Beitritt zu ihren Gewerkschaften erkennen lassen, daß fie gewillt ist, an der allmählichen Erringung günstigerer Lohnund Arbeitsbedingungen mitzumirten. Abgesehen davon, daß die Masse der gewerkschaftlich Unorganisierten, die die KPD. heute noch hinter sich hat, sehr viel fleiner ist als die Massen. die sie aus den Gewerkschaften durch ihre Quertreibereien hinausgetrieben hat, fommt es heute weniger darauf an, ob die unorgani fierten KPD.- Leute Vertrauen zu den Gewerkschaften haben, sondern umgekehrt, darauf, ob die Gewerkschaften zu den von der KPD. tommenden Unorganisierten Vertrauen haben können. Das ist nur möglich, wenn sie in der ehrlichen Absicht kommen, sich im Rahmen der gewerkschaftlichen Aufgaben zu bewegen und im Sinne der gewerkschaftlichen Interessen wie im Sinne der Einheitsfront, wie sie die freien Gewerkschaften darstellen. An diese Absicht zu glauben, wird unmöglich gemacht durch die gleichzeitige Aufforderung zur Bildung eines sogenannten freigewertschaftlichen Betriebsrätetomitees", außerhalb der freigewerkschaftlichen Berliner Gewerkschaftsschaftsorganisation. Die angeblich so machtlosen Gewerkschaften werden durch den Versuch, neue Fremdförper zu schaffen, nicht mächtiger, und die„ furchtbare Zersplitterung der Kräfte" wird durch neue Zersplitterungsarbeit nur verstärkt. Die nichttommunistischen Betriebsräte werden daher der Ein ladung des Dreimännerfomitees nicht folgen, sondern der Einladung der Berliner Ortsausschüsse des ADGB. und der AfA zur Betriebsrätefonferenz am 4. Ottober. Keine Beeinflussung der Schlichter. Nur zur Kenntnis gegeben. ant zwei Schiedssprüche im Müllereigemerbe vom 3. Auguft 1925| national und international durchgeführt werden. Neben der Zu und im Ziegeleigewerbe vom 13. Juli 1925- den Standpunkt der sammenschlußfrage wird auf der Lagung dann auch noch die Konzen Arbeitgeberseite zu den gegenwärtigen Lohnverhältnissen zum Austrationsbewegung, die die sozialpolitischen Einrichtungen und Ber drud brachten, sachgemäß den Vorsitzenden der betreffenden Schlich- waltungen von jeder unzweckmäßigen finanziellen Belastung befreien tungsfammern lediglich zur Kenntnis gebracht, sich im soll, eine Rolle spielen. übrigen aber jeder Einflußnahme auf die Spruchpraris des Schlichtungsausschusses Stettin enthalten. Ein Anlaß zu Maßnahmen gegen einseitige Beeinfluffung der Schlichtungsbehörden liegt fomit nicht vor." * Also nun wissen wir es: Der Regierungspräsident hat sich jeber Einflußnahme enthalten". Er hat nur fachgemäß die unverschämte Eingabe der Unternehmer zur Kenntnis weitergegeben. und der Reichsarbeitsminister enthält sich natürlich auch jeder Einflußnahme. Er gibt nur die Eingaben der Unternehmer verbände an die Schlichtungsinstanzen weiter. Sachgemäß. Wir gestatten uns die Frage: Ist die Antwort des Minifters für Handel und Gewerbe für kleine Kinder und ausgewachsene Idioten bestimmt? Schlichtungsverhandlungen im Schriftgiekerstreit. Im Reichsarbeitsministerium traten heute die Vertreter der Parteien unter dem Vorsitz eines Schlichters zu neuen Schlichtungsverhandlungen zusammen. Nach einer Vereinbarung zwischen den beteiligten Organisationen soll über alle Streitfragen verhandelt werden. Streit der Berliner Parkettleger. Begen Lohndifferenzen stehen die Parkettbodenleger und Bohner im Streit. In sämtlichen Betrieben somie auf den Bauten ist die Arbeit eingestellt. Eine Berechtigung zur Arbeit haben nur diejenigen Arbeiter, welche einen vom Deutschen Holzarbeiterverband unterstempelten Ausweis besigen. Die Bauarbeiter follegen werden gebeten, etwa auf Bauten beschäftigte Bodenleger und Bohner zu kontrollieren. Deutscher Holzarbeiterverband, Branche der Bodenleger. Lohnabkommen im Karosseriegewerbe. Zum Streik der Kölner Hafenarbeiter. Köln, 18. September.( Eigener Drahtbericht.) Im Ausstand der Kölner Hafenarbeiter hat jezt die Stadtverwaltung gegen die Unterbringung auswärtiger Streitbrecherkolonnen in dem der Stadt gehörigen Schuppen Einspruch erhoben. Auf Veranlassung der britischen Besatzungstruppen sind die aus allen Gegenden Deutschlands nach Köln zusammengezogenen Streifbrecherkolonnen kontrolliert worden, wobei sich herausstellte, daß von den etwa 60 Arbeitswilligen 42 ohne Personalausweis waren. Die britische Behörde hat daraufhin verlangt, daß diese Nichtinhaber des im besetzten Gebiet vorgeschriebenen Ausweises wieder abgeschoben werden. Am Donnerstag abend wurden dann diese Arbeitswilligen auf Kosten der Unternehmer unter britischer Bedeckung zur Bahn und an die Grenze des besetzten Gebietes gebracht. Troß dieses Hereinfalls bleiben die Unternehmer halsstarrig. Die Bemühungen der Stadtverwaltung, die streitenden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen, waren bisher erfolglos. Achtung, Möbeltransportarbeiter! Die Möbelpacker und-träger in Leipzig sind wegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. 3uzug ist strengstens fernzuhalten. 1 Theater der Woche. Bom 20. September bis 28. September 1925. Bollsbühne: 20., 24., 28. Der Raufmann von Benedig; 21., 25., 26. Samlet; 22., 23. Glud und Jau; 27. Fiesto. Opernhaus: 20. Tannhäufer; 21. Das Ronzert: 22. Carmen; 23. Cavalleria Rufticana, Bajazzi; 24. Cofi fan tutte: 25. Intermezzo, Bulginella; 26. Fidelio( neu einstudiert); 27. Rofenkavalier; 28. Tosca. Oper am Königsplay: 20. Fledermaus; 21. Die verkaufte Braut; 22. Boheme; 23. Waffenschmied; 24. Galome; 25. Rigoletto; 26. Tiefland; 27. Troubadour: 28. Martha. Staats- Theater: 20. u. 24. Beer Gynt; 21., 22., 25., 27. Die große Ratharina, Der Bär; 23. Wallensteins Lager, Piccolomini; 26. Ballensteins Tod; 28. Jugend. Schiller Theater: 20., 21., 22, 24., 25. Die Jungfrau von Orleans; 23., 26., 27., 28. Doppelfelbstmord. Deutsches Theater: 21., 23., 24., 26, 27, 28. Die heilige Johanna; 22., 25. Man kann nie wissen. Rammerspiele: 21., 23., 25. Sechs Versonen fuchen einen Autor; 22., 24., 26., 27., 28. Mann, Tier, Jugend. Die Romöbie: 21., 22. Sera ift Trumpf: 23., 24. Gefchloffen; ab 25. Geſellſchaft. Leffing Theater: Göz von Berlichingen. Theater in der Röniggräger Straße: Wie es euch gefällt. Städtische Oper Berlin- Charlottenburg: 20. Lohengrin; 26. Ein Mastenball; 27. Die Zauberflöte; 28. Walfire. Großes Schauspielhaus: Für Dich. Große Volksoper im Theater bes Bestens: Wiener Blut. Renaissance- Theater: Totentang. Die Tribüne: Zurüd zu Methusalem. Deutsches Künstler- Theater: Die Teresina. Romöbienhaus: Margarine. Berliner Theater: Eine Nacht in Venedig. Neues Theater am 800: Din Bolln. Trianon Theater: Frau Lohengrin. Rentral Theater: 23., 24., 25. Silfe! Ein Rind ist vom Himmel gefallen; 20., 21., 22., 26., 27., 28. Moral. Anneliese von Dessau. Romische Oper: Das hat die Welt noch nicht geseh'n. Lustspielhaus: Ritter Blaubarts achte Frau. Metropol Theater: Mamsell Angot. Theater am Schiffbauerdamm: Lady Fannn und die Dienstboten frage. Thalia- Theater: Annemarie. Theater am Rollendorfplak: Die hellblauen Schwestern. Theater am Kurfürstendamm: Ab 23. Der gläserne Bantoffel. Kleines Theater: Besser als früher. Wallner- Theater: Meiselen. Theater in der Klosterstraße( Goethebühne): 20.- 22. Die spanische Fliege; ab 24. Elettra, Der zerbrochene Rrug. Nose- Theater: O fchöne Reit, o felige Schloßpark Theater Steglik: Der Better aus Dingsda. Theater im Admiralspalaft: Achtung! Welle 505! Herrnfeld Theater: Was tut fich im Géparée? Bintergarten: Internationales Barieté. Scala: Internatio nales Varieté. Rachmittags Borstellungen. Bolfsbühne: 20. Fiesto; 27. Wer weint um Judenad? Oper am Königsplay: 20., 27.( nachm. 2½) Nathan der Weise. Schiller- Theater:( nadm. 3 Uhr) Jugend. Leffing- Theater: 27. Gök von Berlichingen. Großes Schauspielhaus: 20., 27. Für Dich. Große Boltsoper im Theater bes Bestens: 20., 27. Wiener Blut. Bentral Theater: 20., 27. Silfe! Ein Rind ist vom Simmel gefallen. Theater in ber Rommanbantenstraße: 20., 27. Anneliese von Deffau. Metropol- Theater: 27. Mamfell Angot. Thalia- Theater: 20., 27. Jm weißen Röß'I. Theater am Rollendorfplag: 20. Der lekte Ruß. Rose- Theater: 20. Dornröschen; 27. Die Ehre. Schloßpark- Theater Steglis: 20., 27. Extemporale. Theater im Admiralspalast: Achtung! Welle 505! Residenz- Theater: Jugendfreunde. Theater in der Rommandantenstraße: Eine Vollversammlung der im Karosseriebau Beschäftigten nahm am Freitag im Metallarbeiterverbandshaus zu dem am 17. September gefällten Schiedsspruch Stellung. lleber die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß berichtete Picht vom Holzarbeiterverband. Nachdem der erste Schiedsspruch von beiden Barteien abgelehnt war, fanden auf Einladung des Schlichters am 17. Sep- 21. Rigoletto: 22., 25. Die heilige Ente: 23. Der Freischük: 24. Das Rheingold: tember neue Schlichtungsverhandlungen statt. Da sich die Unternehmer auch diesmal beharrlich weigerten, die Löhne zu erhöhen, murde ein neuer Schiedsspruch gefällt, der den Facharbeiterlohn genau wie im ersten Schiedsspruch in der Gruppe I auf 1,05 Mart und die Akkordbafis auf eine Mart festsetzt. Die Akkord= arbeiter, deren durchschnittlicher Atfordverdienst mehr als 25 Pro3. über der neuen Affordbasis lag, erhalten eine Aufbesserung der Afforde um 3 Proz. Diese Arbeiter sollten nach dem vorigen Schiedsspruch teine Aufbesserung erhalten. Ebenso erhalten die im vorigen Spruch unberücksichtigten Hilfsarbeiter und arbei Jugendlichen sind ebenfalls noch weiter erhöht worden. Dieses terinnen eine Zulage von 1 bis 2 Pfennig. Die Löhne der Lohnabkommen gilt bis zum 3. Dezember und fann mit Reit. vierzehntägiger Frist gekündigt werden. Nach einer sehr regen Diskussion, in der sich fast alle Redner gegen die Annahme dieses Schiedsspruches aussprachen, ergab die geheime Abstimmung eine tnappe Mehrheit für die Annahme d'es Schiedsspruches. Appell an die Angestelltenjugend. Die Jugendgruppe des 3entralverbandes der Angestellten, Drstgruppe Groß- Berlin, ladet alle jungen AnIn einer fleinen Anfrage im Preußischen Landtag wurde darüber gestellten und faufmännischen Lehrlinge ein, an ihrem Herbst. Beschwerde geführt, daß nach Mitteilungen einer Stettiner Zeitung freffen am Sonntag teilzunehmen. Die einzelnen Gruppen die Bertreter der Stettiner Wirtschaft an den dortigen treffen sich mittags gegen 12 Uhr an der Ravensteiner Mühle bei Regierungspräsidenten eine Eingabe gerichtet haben, in der scharf Friedrichshagen. Dort Spiele, Tänze und buntes Treiben. Abends ster Brotest erhoben wird gegen die Lohn politit, wie sie gemeinsamer Abmarsch zum Bahnhof Friedrichshagen. Anschließend bei den amtlichen Schlichtungsstellen in Stettin an diese Treffahrt veranstaltet die Jugendgruppe des 3d2. eine getrieben werde. Aus dem Artikel gehe flar hervor, daß der Re- Berbewoche. Die wirtschaftliche Lage zwingt jeden jungen Angierungspräsident veranlaßt werden sollte, auf die amtlichen Schlich gestellten und faufmännischen Lehrling, sich seiner Berufsorganisatungsstellen dahin einzuwirken, daß sie ihre Entscheidungen nach den tion anzuschließen. Diese ist der Zentralverband der Angestellten, Wünschen der Vertreter der Stettiner Wirtschaft fällen. Das Staats- Belle- Alliance- Straße 7-10. Der 3dA. vermittelt zum 1. Ottober ministerium wurde gefragt, was es zu tun gedente, um eine solche Lehrstellen für faufmännische Lehrlinge. Deshalb sollten sich einseitige Beeinflussung fünftig zu verhindern, diese Instanzen gegen auch die Eltern, deren Kinder einen faufmännischen Beruf ergreifen solche Beeinflussungsversuche zu schüßen und ihre freie Entschließung wollen, zuerst an den Zentralverband der Angestellten wenden. ficher zu stellen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, beantwortet der preußische Minister für Handel und Gewerbe die Anfrage folgendermaßen: Die Schlichtungsausschüsse find nach Artikel I§ 7 Gatz 2 der Schlichtungsverordnung vom 30. Oftober 1923 in ihrer Entschließung im Einzelfalle unabhängig und nicht an Weisungen gebunden. Der Regierungspräfident in Stettin hat demgemäß, wie er mir berichtet, die in dem Zeitungsauffaz erwähnten Eingaben der Vorsteher der Kaufmannschaft zu Stettin und des Vereins der Industriellen Pommerns und der benachbarten Gebiet e. V., die im Anschluß Internationale sozialpolitische Tagung. Am tommenden Montag beginnt in Bern die internationale Tagung der Sozialpolititer. Als Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes nehmen die Genossen Spliedt und Umbreit an der Tagung teil. Der Hauptzwed der Beratungen liegt in der Zusammenfassung der einzelnen Gruppen der privaten Sozial. politit zu einer Einheitsorganisation. Die Zusammenfassung soll Berantwortlich für Politif: Een Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Anzeigen: in Berlin. Berlag: Borwärts Berlag, 6. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts Buchbruderel und Berlaasanftalt Baul Ginger. Co.. Berlin 6. 68, Lindenftrake 3. Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minisferzeit. Preis 1 Mart. Borto 5 Pfennig. 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