Nr. 445 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 227 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlic 8 Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen. Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Zeit" mit„ Siebe Jung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reflamezeile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedrucie Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worie, Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Bekanntlich hat Italien durch den Friedensvertrag von St. Germain aus strategischen Gründen das von Deutschen bewohnte Gebiet zwischen dem Brenner und der Salurner Klause annektiert. Ebenso hat Italien an der Küste des Adriatischen Meeres ein Gebiet annettiert, in dem zwar die Städte überwiegend italienisch sind, die Landbevölkerung aber fast durchaus slawisch ist. lleber die Lage dieser Minoritäten fast durchaus slawisch ist. Ueber die Lage dieser Minoritäten hat die Minoritätenfommission eingehende Berichte von fozialistischen Vertrauensmännern sowohl italienischer als auch deutscher und slawischer Nationalität eingeholt. Nach eingehender Prüfung dieser Berichte hat die Minoritäten tommission beschlossen, einen turzen Auszug aus den ihr vor liegenden Berichten zu veröffentlichen, um die Aufmerksamkeit alfer sozialistischen Parteien auf die schweren Gefahren zu lenten, die aus der Mihhandlung der nationalen Minderheiten durch das faschistische Regime in Italien hervorzugehen drohen. Die wichtigsten Tatsachen, die die Minoritätenfommission festgestellt hat, sind die folgenden: 1. In den deutschen und slamischen Gebieten herrscht derfelbe Zustand vollständiger Rechtlosigkeit der Bevölkerung gegen über der faschistischen Willkür, wie er in den übrigen Teilen Italiens besteht. So wurde zum Beispiel in einer verhältnismäßig fleinen Stadt wie Bozen( Bolzano) in nicht weniger als 300 Fällen von den Faschisten an ihre politischen Gegner Rizinusöl verabreicht". Ein Deutscher, der Lehrer Innerhofer, wurde ermordet. Am 24. April 1921 wurden am Oberen Markt in Bozen 48 Deutsche verwundet. Am 23. April 1924 wurden drei gemäßigte bürgerliche Führer der deutschen Minderheit, unter ihnen der frühere Bürgermeister von Bozen und ein früherer Abgeordneter, von den Faschisten verprügelt. Im Mai 1925 wurden in St. Jakob bei Bozen an einem Tage 22 Personen von den Faschisten dermaßen mißhandelt, daß mehrere von ihnen in ein Krantenhaus gebracht werden mußten. Aehnliche Gewalttaten sind auch in den slawischen Gebieten alltäglich. 2. Die Aktion der Behörden ist darauf gerichtet, alles gesellschaftliche Leben der nationalen Minderheiten unmöglich zu machen. Diesem Zwecke dienen vornehmlich folgende Maßnahmen: a) Die Autonomie der Gemeinden wird vernichtet. In allen größeren deutschen Städten ist der Gemeinderat aufgelöst worden; Die Gemeinden werden von Kommissären italienischer Nationalität, zumeist von Faschisten verwaltet, die von den stactlichen Behörden ernannt werden. Oft erfolgt die Auflösung der gewählten Gemeindepertretungen unter den aufreizendsten. Vorwänden. So ist zum Beispiel der Gemeinderat der deutschen Stadt Briren mit der Be gründung aufgelöst worden, daß die Behörden nicht imftande seien, ihn gegen faschistische Gewalttaten zu schüzen. Aber auch die Autonomie der fleinen flawischen und deutschen Dorfgemeinden ist empfindlich beschränkt worden. Vielen Gemeinden wurde das Recht, fich ihre Gemeindefekretäre selbst zu wählen, entzogen, die Sekretäre werden von der Präfeftur ernannt. b) Das Vereinsleben der nationalen Minderheiten wird vernichtet. So wurden zum Beispiel in dem Gebiet der deutschen Minderheit die für dieses Alpenland so wichtigen Touristenvereine aufgelöst und ihre Berghütten dem italienischen Touristenklub zugemiesen. Auf diese Weise wurde zum Beispiel die Hütte des Arbeiter touristenvereins Die Naturfreunde" am Iffinger bei Meran, die die Meraner Arbeiter aus eigener Kraft errichtet hatten, geraubt. In jüngster Zeit werden selbst die Feuerwehrvereine in dem deutschen Gebiet von den Behörden aufgelöst. c) Gastwirten, die ihre Lokale den Vereinen der nationalen Minderheit zur Verfügung stellen, wird die Konzession zur Führung ihres Geschäfts entzogen. Dadurch eingeschüchtert, wagen es die Gastwirte nicht mehr, Vereine und Bersammlungen der nationalen Minderheiten zu beherbergen. Durch dieses Druckmittel ist zum Beiſpiel bei den legten Wahlen zum italienischen Parlament den deutschen Sozialdemokraten in Bozen die Abhaltung von Wählerverfammlungen unmöglich gemacht worden. 3. Die größte Erregung ruft in den nationalen Minderheiten die Behandlung des Schulwesens hervor. Die Volksschulen werden italianisiert. In den untersten vier Volksschulklassen darf zu Jahr soll dann eine höhere Klaffe zum italienischen Unterricht der Unterricht nur in italienischer Sprache erteilt werden; von Jahr übergehen. Dabei wird auch der Privatunterricht in der Muttersprache verboten. Wo mehr als drei Kinder gemeinsam in der Muttersprache unterrichtet werden, wird dies für eine Schule erklärt, die mangels behördlicher Konzelfion nicht erlaubt sei. 4. Die italienische Sprache ist die Amtssprache. Bei den Bei den Gerichten wird ausschließlich in italienischer Sprache verhandelt, ausgenommen diejenigen Fälle, in denen noch der Richter der nationalen Minderheit angehört und zugleich beide Parteien ihr ange Deutsche oder Slawen sind, so muß in italienischer Sprache verhandelt hören. Ist der Richter ein Staliener, während beide Barteien werden. In der Regel übersehen dann die Rechtsanwälte die Aus fagen der Parteien, wobei sich fortwährend Streitigkeiten über die Richtigkeit der Uebersehung ergeben und das ganze Gerichtsverfahren dadurch zu einer Farce wird. 5. Die Arbeiterbewegung ist in beiden Gebieten plan5. Die Arbeiterbewegung ist in beiden Gebieten plan mäßig vernichtet worden. Zunächst haben die Behörden die überwiegende Mehrheit der deutschen und slawischen Eisenbahner, die die stärkste gewerkschaftliche Organisation in diesen Gebieten hatten, entlassen. Dann haben die faschistischen Organisationen auch auf die privaten Unternehmungen den stärksten Drud geübt, Arbeiter und Angestellte deutscher Nationalität zu entlassen. Jedem, der in den alten Gewerkschaften organisiert war und den faschistischen Syndi faten beizutreten sich weigerte, drohte die Entlassung. So wurden die Gewerkschaften vollständig zerschlagen. Am 16. August 1923 besezte faschistische Miliz unter behördlicher Unterstützung das Gewerkschaftshaus der Bozener Arbeiter. Da der Verein, dem das Haus gehörte, eine Klage auf Herausgabe des Hauses bei Gericht einbrachte, löfte die Präfettur den Bereinsvorstand auf und betraute einen Faschisten als königlichen Kommissar mit der Leitung des Vereins. Dieser Kommissar 30g sofort die Klage auf Herausgabe des Hauses zurück und überließ das Haus den faschistischen Syndicaten. Ebenso wie die Gewerkschaften wurde die Arbeiterpresse vernichtet. So wurde das sozialdemokratische Boltsrecht" in Bozen vor mehr als einem Jahre verboten! Das Berbot wurde damit vor mehr als einem Jahre verboten! Das Verbot wurde damit begründet, daß die Faschisten die Druderei demolieren würden, wenn die Zeitung erschiene. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Die Wirtschaft" Elagt .. über ihre Führer und ihr Werk. Während die Bertreter der arbeitenden Boltsmassen in Heidelberg das Rüstzeug zu neuen politischen, Kämpfen, zur Abwehr der Reaktion und der wirtschaftlichen Bedrückung Schmiedeten, hatten sich in Berlin und an verschiedenen Stellen des Reiches Führer der sogenannten Wirtschaft" zur Aussprache über ihre Berufsforgen zusammengefunden. Bantiers, Großhändler, Syndizi der Industrie und Ritter von Ar und Halm also Berireter fast aller UnternehmerAr und Halm aruppen saßen in mehr oder minder großen Gremien beisammen und fündeten neue Lehren des- Heils. Sie sind ja auch die berufenen Leute dazu. Denn fie haben mit dem Kriege und feiner Verlängerung bis zum Weißbluten des Volkes die soziale Berelendung herbeigeführt, wovon sie heute, wo die sozialen Lasten zu tragen find, nichts mehr wissen wollen. Sie haben aus feiger Furcht vor dem Steuerzahlen der Inflation die Zügel schießen lassen, bis alles drunter und drüber ging. Sie haben in treudeutschem Kampf für die drüber ging. Sie haben in treudeutschem Kampf für die Bettelwirtschaft und gegen die Erfüllungspolitik uns den Nuhreinmarsch beschert. Sie haben die Rentner ihres Vermögens beraubt und von ihrem Geld Konzerne aufgebaut, die heute - noch nicht zwei Jahre nach der Inflation- wie Kartenhäuser zusammenstürzen. Sie haben mitgewirkt oder es wenig stens geduldet, als der verkrachten Ruhrindustrie aus Reichs mitteln die runde Summe von 700 Millionen Goldmark gegeben und von ihr prompt verwirtschaftet wurde. Sie haben die Schutzzollpolitik der Regierung Luther gebilligt, fich mindestens nicht dagegen aufgelehnt, und hatten für das famose Ablenkungsmanöver der„ Preisabbauaktion“ zunächſt ein freundliches Augenzwinkern bis sie selbst ihre Preise und Provisionen abbauen sollten. Als es so weit fam, war es mit der Liebe bald vorbei. Selbstverständlich sind die Leute, die fich als Führer der Wirtschaft" aufspielen, voll und ganz. verantwortlich zu machen für alle Fehler, die die Denn feit Ende 1922 haben mit einer Unterbrechung von etwa zwei Monaten unausgesezt die Funktionäre der großen Unternehmerverbände mit ihren Parteien das Steuer des Reiches geführt, haben sie das Mitbestimmungsrecht der Arbeiterschaft im Staate bekämpft und für sich allein das Recht des Herrschens in Anspruch genommen. Daran muß man sie iegt erinnern, wo sie als Kläger gegen ihre eigene Regierung und als Heilbringer für die verfahrene Volkswirtschaft auftreten. Bei den legten Barlamentswahlen wurde der sozialdemokratischen Partei in dem deutschen Gebiet jede Wahltätigkeit unmöglich gemacht. Weil ein Gastwirt in Bozen trog aller Warnung seine Lokale für eine sozialdemokratische Wählerversammlung zur Verfügung stellte, wurde ihm die Kongeffion entzogen und das Gasthaus blieb drei Monate geschlossen. Allen Druckereien wurde die Herstellung von Wahlflugblättern für die sozialdemokratische Partei mit der Drohung verboten, daß sonst ihre Betriebe gesperrt würden. Die Minoritätenkommission der Sozialistischen Arbeiter Internationale hält es für dringend notwendig, die Aufmert- irtschaftspolitik des Reiches begangen hat. famkeit aller sozialistischen Parteien auf dieses Regime des Terrors zu lenten. Sie ersucht alle sozialistischen Blätter der Welt, die von ihr festgestellten Tatsachen zur Kenntnis der Deffentlichkeit zu bringen. Sie fordert alle sozialistischen Parteien auf, jede Gelegenheit zu benützen, um für die slawischen und die deutschen Minoritäten in Italien die Wiederherstellung der Autonomie in Gemeinde und Provinz, das Recht des Gebrauchs ihre Sprache in den Schulen, vor den Behörden und vor Gericht, die Freiheit des gesellschaftlichen Lebens und insbesondere die Freiheit der Arbeiterbewegung zu fordern. Sie gibt sich aber keiner Täuschung darüber hin, daß der in den slawischen und deutschen Gebieten herrschende Terror nur ein Teil des Terrors ist, dem die faschistische Diftatur das ganze italienische Bolt unterworfen hat. Sie ftellt daher feft, daß der Kampf gegen die Bergemaltigung der deutschen und slamischen Minoritäten in Italien nur als ein Teil des allgemeinen Kampfes gegen die faschistische Diftatur geführt merden kann, zu deren schlimmsten Verbrechen es gehört, daß sie durch die Mißhandlung der Minoritäten nationalen Haß zwischen dem italienischen Volk und seinen Nachbarvölfern nährt. Die verfolgten deutschen und slawischen Genossen und Arbeiter in den von Italien anneftierten Gebieten fordert die Minoritätenfommission auf, fich dessen bewußt zu bleiben, daß sie ihre Befreiung von der nationalen Bergewaltigung nicht anders erringen fönnen als in engster Gemeinschaft mit dem italienischen Proletariat und der italienischen Demokratie, deren Kraft allein die faschistische Gemaltherrschaft brechen kann. Weltkongreß der Kriegsbeschädigten. In der Völkerbundstadt. Die Bantiertagung, mit 1200 Banffachleuten aus. aanz Deutschland beschickt, mit großer Spannung von der Deffentlichkeit erwartet, was hat sie geleistet? Im Mittelpunkt aller Sorgen der deutschen Volkswirtschaft stehen die Sorgen um billigen Umlaufkredit und um die Beschaffung neuer Kapitalien zur Durchführung der Betriebsrationalisierung und vereinigung in allen Industriezweigen. Diese Sorgen fönnen nicht behoben werden, wenn die Privatbanken die Spanne zwischen den von ihnen gezahlten Zinsen( 5-7 Broz.) und von ihnen tassierten Kreditkosten( 14-16 Proz.) nicht verringert wird auf das auch im konkurrierenden Auslande gel tende Maß. Nur unter dieser Bedingung kann auch die Schleuse zu den Kapitalmärkten des Auslandes geöffnet werden, durch die das für die Industrie unentbehrliche langfriſtige Umstellungskapital nach Deutschland fließen kann. Denn fein Amerikaner fann in der deutschen Industrie Kapital anlegen, wenn die Schere zwischen der Berzinsung der Geldanlage und den Kosten der Geldnachfrage die Rentabilitätsaussichten zerschneidet, die der einzige Sinn ausländischer Kapitalanlagen in Deutschland sind. Zu der volkswirtschaftlichen Pflicht, diesen Sorgen eine Lösung zu geben, stand die Leistung des Bankiertages in einem ers fchreckenden Widerspruch. Genf, 19. September.( TU.) Hier wurde in der Universität der Internationale Kongreß der Bereinigungen der Kriegsbeschädie digten und ehemaligen Kriegsteilnehmer eröffnet. Deutschland, Desterreich, Frankreich, Italien, Polen, Serbien und die Tschechoslowakei sind durch Delegierte vertreten. Zum Vorsitzenden wurde ein Franzose gewählt. zum stellvertretenden Vorsitzenden Marote Deutschland ,. In seiner Eröffnungsansprache äußerte der Borfigende als leidenschaftlicher Anhänger des Völkerbundes und seiner Ideen besondere Deutschland, unter denselben Bedingungen angehören soll die Hoffnung, daß dem Völkerbund in Zukunft alle Staaten, ins, ten wie die bisherigen Mitglieder des Völkerbundes. Es sei münschenswert, daß die Kriegsinvaliden aller Staaten sich zu einer festen Bereinigung zusammenschlössen und in einen regen Gedankenaustausch miteinander zur Verteidigung ihrer Intereffen eintreten. Hierauf wurden zwei Kommissionen gewählt, die erfte zur Prüfung der Möglichkeit eines Zusammenarbei. tung des Zusammenschlusses aller Kriegsinvalidenvereinig tens mit dem Bölferbund, die zweite Kommission zur Beragungen. Am Nachmittag wurden die Mitglieder des Kongreffes im Internationalen Arbeitsamt durch Albert Thomas empfangen, der ihnen die Mitarbeit seines Amtes zusicherte. Von der Lutherschen Preissenkungspsychose profitierend, an die absolute höhe der Preise und Kreditkosten, nicht an die für die Wirtschaft entscheidende Relation zwischen Kosten und Preisstellung auf den Waren- und Kapitalmärkten anknüpft, drückte sich der Bankiertag um die Frage der 3insspannung herum. Als ob das Bankgewerbe, im Unterschied zum einzelnen Bankier, nur privat- und feine volkswirtschaftlichen Aufgaben zu erfüllen zugeben mußten, Rentabilität für das gesamte Banthätte, forderten seine redenden Großbankdirektoren in erster Linie, obwohl sie die schwere Uebersetzung des Bankgewerbes newerbe: im Bewußtsein ihrer Monopolgewalt mälzen fie der Industrie die Umstellungslaften zu, die sie selbst zu tragen hätten. In ihren Reden erhoben sie die Rente des Banffapitals zum Selbstzweck und erklärten in scheinheiliger Ablenkung von den volkswirtschaftlichen Schäden ihrer Kartellpolitif die Notwendigkeit der Bantrente als Brennpunkt Ueberfegung. Als ob nicht ein für das Schicksal der deutschen der ausländischen Kapitalbeschaffung. Kein Wort über den Willen zur Reinigung des Bankgemerbes von der zugegebenen Wirtschaft verantwortliches Barlament von Sachverständigen, sondern von Krämern vereinigt sei, ertönte die Klage gegen die gemeinwirtschaftliche Konkurrenz. Mit einem Eifer, der " verdächtig macht, weil er zu lauf die halbe Wahrheit sagt, 1 Sozialabgaben, Verkehrstarifert ,,, belaffet"! Daß der Arbeiter wandte sich Franz Urbig als Anwalt des Bankiertages gegen mit seinen Löhnen tauft und taufen muß, daß diese Kaufdie Steuern, gegen die Löhne: die Ausgabenbewilligung ,, ift fraft der stärkste Antrieb der Wirtschaftstätigkeit überhaupt ist, zu einer Gefahr geworden". Man kann nicht nachts nach Preissenkung schreien und tagsüber Lohnstreits tole rieren." Die ganze Wahrheit wird verschwiegen: daß es der Rat der Großbanfleiter war, der in den Fluten der Inflation das Renten- und Sparerkapital zu grunde gehen ließ, das früher die Besizsteuern zahlte, daß die von ihrer Regierung oftronierten Schutzölle die neuen Lohnfämpfe erzwungen haben und daß die Großbanten ihre eigene Kartellmacht preisgeben müßten, wollten fie der Preissenfung eine andere als platonische Reverenz erweisen. Nicht wesentlich anders, eher niedriger im Niveau war die Tagung des deutschen Großhandels in Dresden. Daß die Großhändler ebensowenig wie die Bankiers und andere vermögende Leute Steuern zahlen wollen, wußte man schon vorher. Daß der Großhandel auch im Preisabbau nicht vorangehen will und daher mit großem Nachdruck auf die Mit schuld der anderen an der Teuerung hinweist, wäre ihm weniger zu verdenken, wenn er wirklich Wege aus der Wirt schaftsnot gewieſen hätte. Das aber tat er nicht. Dabei hat es der Reichswirtschaftsminister Neuhaus ihm wirklich leicht gemacht. Kein anderer als er fühlte sich berufen, der wirt. chaftlichen Verbrüderung der Völker das Wort zu reden, dessen erste und stärkste Nuznießer doch gerade bei den Mittlern des Warenumschlages zu suchen sind. Herr Neuhaus aber war es, der die Industrieschutzölle geschaffen hat und der noch heute in der Beschränkung der Ein fuhr ein Mittel zum Aufstieg sieht. Dazu hätte der Großhandel doch etwas sagen müssen. Gewiß, er sagte auch etwas dazu, indem er darauf hinwies, daß die Zölle auf dem Wege dazu, indem er darauf hinwies, daß die Zölle auf dem Wege der Handelsverträge herabgesetzt werden müssen. Aber mehr sagte er nicht, fonnte er auch nicht sagen. Denn der geschäftsführende Borfigende des Zentralverbandes des deut schen Großhandels, der Volksparteiler Keinath, hat mit seiner Bartei die Bergewaltigung der freihändlerischen Opposition im Reichstag mitgemacht, hat dem Zollgesetz zum Siege verholfen. Jetzt wollen diese Leute den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen. Das ist immer eine blamable Sache. Und nun die von Industrie und Landwirtschaft. Auf einer Tagung rheinisch- westfälischer Industrieller hat der Direktor des Haniel- Konzerns Reusch die Entdeckung gemacht, daß nur Stillegungen uns retten können. Besser wenig Er zeugung und wenig Umsatz ohne Schulden als viel Erzeugung und viel Umsatz mit Schulden." Früher galt es als das Berdienst des Unternehmers in der kapitalistischen Wirtschaft, wenn er Rente oder wie wir sagen Mehrwert schuf, indem er die freien, anlagesuchenden Gelder auf fammelte und in produttiven Anlagen und Fabrikation umformte. Daß er dabei„ verdiente", jah man in den Augen der Kapitalisten als eine volkswirtschaftlich notwendige Sache an. Und das größte Verbrechen, dem man eine Sozialis fierung" andichten fonnte, war das, daß vielleicht hier und da vorübergehend Betriebseinschränkungen oder geringere Pro duktion eintreten tönnte. Jetzt fann uns, wie Herr Reusch meint, nicht mehr Arbeit retten, sondern nur noch Stillegung! Gewiß gibt es Fälle, in denen der Abbau der Betriebe verschwenderischer Schuldenwirtschaft vorzuziehen ist. Aus diefer Tatsache aber ein allgemeines Wirtschaftsprinzip zu machen, anstatt in einer Steigerung und Intensivierung der Produktion den Ausweg aus der gegenmärtigen Not zu suchen, das heißt in das entgegengesezte Extrem des Irrglaubens verfallen, der Inflation oder Sachwertrummel entstehen ließ. Auf derfelben Tagung befam es der deutschnationale Abgeordnete Dr. Reichert fertig, die Löhne als eine ,, Belastung" der deutschen Wirtschaft hin zustellen, um so zu dem Schluß zu gelangen, die Wirtschaft" fei mit 38-40 Milliarden insgesamt, also einschließlich Steuern, daß ohne Absah feine Fabrit existieren und Rente abwerfen tann das braucht man als deutscher Wirtschaftsführer nicht zu wissen. Diese Leute glauben, daß der Konsum eben eine Last ist, wundern sich danach, daß sie keinen Absatz haben und schimpfen dann auf den Staat, der keinen Schlot zum Rauchen j bringen fann, wenn niemand Ware verbraucht. Es ist das alte Rezept. Der Landbund hat eben seine Schutzölle und seine Auslandsanleihe bekommen. Aber die Preise für Getreide wollen nicht steigen. Also sollte man sagen was wir schon immer gesagt haben, daß bei der artigen Komplikationen Schutzölle nichts helfen. Weit gefehlt! Der schlesische Landbund faßt eine Resolution, in der er, Abhilfe" durch Kredite der öffentlichen Banten fordert, da mit er sein Getreide ja nicht zu verkaufen braucht. Sonst werde man trotz der Schutzölle zur Anbaueinschränkung übergehen müssen. Die Resolution follte eigentlich auf der New Yorker Börse ausgehängt werden, an der die Rentenbankanleihe gehandelt wird nicht damit der Landwirtschaft Schaden geschieht, aber damit diese Herrschaften lernen, ihre Bunge im Baume zu halten. Wenn die Amerikaner, deren Kredithilfe man eben in Anspruch genommen hat, hören, wie leichtfertig von gewissen angeblich wirtschaftlichen Organisationen der Agrarier mit der Verantwortung gegenüber der Produktion umgesprungen wird, würden sie es sich wohl überlegen, nach Deutschland Anleihen zu geben. * Aber mit jeder dieser Klagen darf man nicht vergessen, daß fie zugleich Anklagen find, Anklagen gegen eine Regie ung, die von Industrie, Großbanken, Handel und Landwirtschaft geschützt und gehalten wird. Es sind so letzten Endes Bekenntnisse des eigenen Unvermögens, die Wirtschaft mit überkommenen Methoden fapitalistischer Führung ins Gleichgewicht zu bringen. Und das ist kein Wunder: denn immer haben unter Leuten, die nur die Intereffen der eigenen Berufsgruppe sehen, Meinungsstreitigkeiten geherrscht, die auch auf die Gestaltung der politischen Geschicke zurückwirfen. Schon wächst in der Industrie die Unzufrieden heit mit der Handelspolitit des Reiches, gleichzeitig wächst die Erbitterung der breiten Massen über die Teuerung, die politische Entscheidung über den Sicherheitspakt wirft ihre Schatten Doraus. Bir können es getrost den Rechtsparteien überlassen, wie fie über diese Konflikte in ihren eigenen Reihen hinwegtommen. Der Schuß des Fleischkonsums. Zollfreies Gefrierfleisch- Preiskontrolle. Die neue Verordnung über zollfreie Einfuhr Don Gefrierfleisch tritt am 1. Oftober in Kraft; der Reichsrat hat am Sonnabend der Verordnung zugestimmt. Die Einfuhr darf nur auf Grund eines vom Reichsernährungsminister erteilten Berechti gungsscheins erfolgen. Dieser Schein wird nur an Personen gegeben, die nachweisen, daß fie 1924 bestimmte Mengen von Gefrierfleisch eirgeführt haben. Auf dem Schein wird die Menge vermerkt, die während eines Bierteljahres eingeführt werden darf. Der Abfah des Gefrierfleisches darf nur in Bertaufsläden erfolgen, tie pon den Gemeinden bestimmt sind und von ihnen überwacht werden. Am fünften jeden Monats muß der Verkäufer einen Buchauszug über die verlauften Gefrierfleischmengen an die Gemeinde einschiden. Das eingeführte Fleisch darf auch zu Wurst verarbeitet werden. Die vom Berliner Polizeipräsidenten eingeführte neue Breistontrolle in den Fleischerläden, die von der Rechtspreffe als einseitiger Drud auf die Ladenfleischer fritisiert wurde, beschränkt sich nicht auf den Ladenpreis, sondern erstreckt sich auch auf schränkt sich nicht auf den Ladenpreis, sondern erstreckt sich auch auf Großschlächter und Viehhändler. In allen Fällen, wo die Polizei zum Einschreiten gezwungen ist, werden die Kaltulationsgrundlagen der beanstandeten Ladenpreise bis zu ihrem Ausgangspuntt beim Biehhändler zurückverfolgt. Endlich Klärung? Die Entscheidung über die Paktkonferenz. Der Verlauf dieser Woche wird voraussichtlich die Ent scheidung darüber bringen, ob die Patttonferenz zustandekommt oder nicht. Es ist allgemein bekannt, daß der Gedanke eine Sicherheitspattes auf Cuno zurückzuführen ist und es ist ebenso bekannt, daß das gesamte Kabinett von den Schritten Dr. Stresemanns unterrichtet war. Der Reichstag mit Einschluß der Deutsch nationalen hat den Gedanten einer Sicherheitskonferenz gutgeheißen. Wenn der Vorschlag Dr. Stresemanns in irgend einem Zeitpunkt unverbindlich war der Außenminister hat sich, ohne auf den Widerspruch eines anderen Kabinettsmitgliedes zu stoßen, immer gegen diese Unterstellung gewehrt, so ist er es heute nicht mehr. Das deutsche Pattangebot besteht, wie es vom Außenministerium formuliert worden ist und befindet sich in den Händen der Alliierten. Daß die Alliierten, vor allem Frankreich, das Angebot als Grundlage zu Verhandlungen angenommen haben, ist ein Erfolg. Daß sich die Alliierten nach juristischen Vorbesprechungen in London bereit erklärt haben, eine Ministertonferenz zu beschicken, ist ein zweiter Erfolg. Das Ziel des deutschen Angebots, Berhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitspafts, ist damit zunächst erreicht. Der Zwed des Battes soll die Befriedung Europas sein, er soll vor allem den Weg zu einem friedlichen und förderlichen Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich ebnen. Wie das zu erreichen ist, deutet der deutsche Vorschlag an. Die endgültige Formulierung zu finden, wird Aufgabe der Konferenz sein. daß es für Deutschand heute nur einen Weg gibt: über Sicherheitspett und Völkerbund jur wirt. schaftlichen Konsolidierung und zur Freiheit. Sie wissen, daß es eine außenpolitische Ratastrophe für Deutschland wäre, wenn die Sicherheitskonferenz am Widerstand Deutschlands scheiterte. Sie schlagen deshalb eine neue Taktik ein. Man macht Vorbehalte und stellt Forderungen, von deren Erfüllung die Zustimmung der Deutschnationalen zur Beschichtung der Konferenz abhängen soll, eine dummdreifte Taftit, die nur den einen 3wed haben fann, entweder die aufsässigen Landesorganisationen an der Nase herumzuführen oder, wenn dieses zu oft angewandte Mittel versagen sollte, fich aus der Regierung zurückzuziehen. Die deutschnationalen Führer wissen, Für die Plumpheit der deutschnationalen Drahtzieher mur ein Beispiel: die Räumung der fölnischen Zone ist einer ihrer Borbehalte für die Beschickung der Konferenz. Daß diese Frage mit der Entwaffnungsnote zusammenhängt, die von der Regierung Luther- Schiele absichtlich unerledigt gelassen wurde, ist bekannt. Wenn die Reichsregierung die Frage vor Zusammentritt der Konferenz zu bereinigen wünschte, ist hat. Ein Abhängigmachen der Konferenzteilnahme von der es unerfindlich, weshalb fie bisher keine Zeit dazu gefunden Räumung würde unter diesen Umständen wie eine Aus. flucht flingen, und das, was man im Laufe der Verhandlungen erreichen könnte, würde durchkreuzt. von vornherein Das Reichstabinett mird morgen zusammentreten. Ob es sich in dieser Sigung über die Antwort auf die Einlabung schon schlüssig werden wird, bleibt zweifelhaft. Der Parteinorstand der Deutsch nationalen tritt zu gleicher Zeit zusammen und cm Tage darauf die deutsch nationalen 2andesorganisatioen. Unter den ob waltenden Berhältnissen werden die deutschnationalen Kabinettsmitglieder es faum magen, sich zu binden, ohne die Marschroute ihrer Partei zu fennen. Deutschnational fein, heißt ja bekanntlich Führer fein und die deutschnationale Führung hat es mit ihrer Berlogenheit so weit gebracht, daß sie Die Gefangene ihrer Lügen ist. Man darf neugierig sein, wie sie sich diesmal aus der Schlinge ziehen wird. Das Rätsel des Brandstifters. pathologie, bie als Pyromanie den Aerzten bekannt find. Bon der zu einer Ovation vereinigt; fie überreichten mir und meiner Frau Don Paul Werth. |„ Die 3widauer Genossen hatten sich am Tage meiner Entlassung ein paar feine mit einer Widmung versehene Kaffeetassen. Wir sollten bas sächsische Nationalgetränt fünftig noch recht lange und in gemeint, aber in Erfüllung ging er nicht. Unter den zahlreichen voller Muße und Ruhe ungetrennt genießen. Der Wunsch mar gut Gratulanten, die mir ihre Glückwünsche zu meiner Befreiung übermittelten, befand sich auch die damals noch demokratische Frant furter Zeitung". Bebel hat während seiner 3midauer Gefängniszeit sein Buch über den deutschen Bauernkrieg geschrieben. So ist das Zwidauer Schloß Ofterstein in der Tat der Ausgangspunkt für Bebels schrift stellerische Tätigkeit geworden. 5. E. zu rauben, sondern auch um Vorgänge aus dem Gebiet der Serual Deliz mird in der obrigkeitlichen Bekanntmachung ausdrücklich ge fagt, daß dasjenige, was von ihr gestohlen worden ist, nur gering Die Brandstiftungen, von denen Berlin in letzter Zeit heimge fügig gewesen sei. Auch deutet die außerordentliche Leidenschaft der fucht worden ist, ermeden die Erinnerung an einen der größten beiden Verbrecher, die furz vor ihrem Tode auf ihrer Richtstätte Brandstifter aller Zeiten und an eins der schmachvollsten Ereignisse vorm Oranienburger Tor, angesichts einer zahlreichen Menge fich der Berliner Geschichte. Begab es sich doch vor noch nicht viel mehr umarmten, auf feguelle Begleitmotive hin. Frank Wedekind hat in als einem Jahrhundert, daß in Berlin auf öffentlichem Platz zwei seiner Erzählung: Der Brand von Egliswyl" einen solchen BrandMenschen auf dem Scheiterhaufen vor den Augen einer gaffenden stifter geschildert, der hier allerdings aus verschmähter Liebe in der Menge lebendigen Leibes verbrannt worden sind. Dies geschah im Einäfcherung eines ganzen Dorfes feine Raserei zu stillen sucht. Jahre 1813, also zu einer Zeit, wo der deutsche Humanismus in Sicherlich hat man es beim Brandstifter in den meisten Fällen Dichtung und Philosophie feine höchfte Blüte erreicht hatte. Dieses man denke an den irrfinnigen Kaiser Nero mit schwer begeneZeugnts damaliger Barbarei mutet uns so erstaunlich an, wie sicher- rierten Menschen zu tun, die vor das Forum der ärztlichen Wissen- bergs Berufung nach Berlin hat sich ein sinnentstellender Drudfehler lich unsern Nachkommen manches, was heute noch den meisten als schaft gehören. Ob das Geheimnis der jüngsten Berliner Brandselbstverständlich erscheint. legungen jemals gelüftet werden mird, ist noch ungewiß. Mag Ruhmsucht, wie bei dem berühmtesten Brandstifter der Antike, Heroftrat, mag bei einzelnen Nachahmungstrieb im Spiele fein, das des Feuers sich bedienende Verbrechen läßt darauf schließen, daß Irrfinn oder eine schwere Entartung jedenfalls ihren Anteil haben Damals erschien au den Straßenecen und in den Zeitungen folgende behördliche Bekanntgabe: Warnungs- Anzeige. Johann Christian Peter Horst ist am 22. März 1783 zu Jerichom an der Elbe geboren und der Sohn eines Hirten. In einem Zeitraum von sechs Jahren hat er mit Gehülfen in wenigstens 45 Städten und Dörfern in den preußischen, österreichischen und sächsischen Staaten geständlich Feuer angelegt, entweder mit eigener Hand, oder er half durch Bachehalten, Rat und Anleitung. Insonderheit wurde von ihm und seinen Genossen vom 28. Ottober 1809 bis zum 29 Septentber 1810 im Dorf Rosom bei Stettin, im Choriner Kruge, in Stargard, Groß- Rischom, Freienwalde, im Dorf Stendal bei Schwedt, im Döllen- Kruge, in Neuensund, Hammelspring, Nassenheide, Echönerlinde, Zehlendorf, Bensdorf, Groß- Kreuz, Steglig und Schöneberg Feuer angelegt, überall, um unter Begünstigung des Schöneberg Feuer angelegt, überall, um unter Begünstigung des Feuers stehlen zu können. Friederike Luise Christiane Deliz ist am 12. Oktober in Berlin geboren und die uneheliche Tochter eines Maurergesellen. Von Dieben und Diebeshelfern. erzogen, erlangte fie schon als Kind Fertigkeit in Marktdiebstählen, trieb sich von ihrem 12. Jahre an mit andern Dieben in den preußischen und sächsischen Staaten umher, bestahl überall die Märkte und führte bis zu ihrer Berhaftung fast ununterbrochen ein herumschweifendes, höchst lüderliches Leben. Mit einem ihrer Liebhaber gefellte sie sich im August 1810 zu dem ihr schon befannten Horft und seinen Ge noffen... Das, was sie bei Gelegenheit des Feuers stahl, ist un bedeutend. Sie begnügte fich größtenteils damit, mit dem Gesindel, zu welchem sie sich gesellt hatte, zu zehren. Die gegen den Horst und die Delig rechtskräftig erkannte Strafe: daß sie zur Richtstätte zu schleifen und allda mit dem Feuer vom Leben zum Tode zu bringen, ist am 28. Mai 1813 an ihnen vollzogen worden. Berlin, den 29. Mai 1813. Die Kriminal- Deputation des Königl. Stadt. gerichts. Offenbar handelte es sich bei den Brandstiftungen des Horst und feiner als sehr schön geschilderten Geliebten nicht bloß um die Sucht Städtische Oper: Die Heilige Ente. Die heilige Ente" von Franz Gál hatte in der Städtischen Oper nicht den großen Erfolg, der nach den Berichten aus anderen Städten zu erwarten war; aber ein talentvoller Mann wurde in einer Zeit, da die großen Originale fehlen, auch in seiner musikalischen Abhängigkeit freundlichst begrüßt. Allzu starkes Interesse löst die sehr eklektische, dabei jäuberlich geschriebene Musit nicht aus; der weisen Märchendichtung fehlt zudem eine plaufible Begründung. Soviel Lärm um eine Enie? Das Rätsel muß aufgeflärt werden. Zweig führte sich als guter Lenker der allerdings nicht unbequem geschriebenen Instrumente ein, Tietjen bewies in der Schattierung von Ruhe und Bewegung, in der Feierlichkeit und Groteske der Szenen einfühlsames Regietalent. Nur die Blazfrage des ersten Aktes war ganz verfehlt und mit Licht wurde zu sehr gespart. Die beseelteste Figur des Abends stellte Suttmann als Mandarin, neben ihm Gerrit Bisser als sym pathisch weichherziger Kuli, Maria Schrefer, die zarte und affettiogespannte Li, sowie die luftigen Figuren Fechner, Bjahl, Wallerstein und Steger. Ueber das Werk wird noch aus führlich gesprochen werden. St. S. Drudfehlerberichtigung. In unserer heutigen Notiz über Schön eingeschlichen: nicht Schönberg felbft fagt, daß er der anregendste Kompofitionslehrer Europas sei, sondern die Welt sagt es und sein Lehrbuch der Harmonielehre bestätigt es. 3m heutigen Sonntagskonzert des Philharmonischen Orcheffers wirken mit als Solisten Piatigorsky( Cello) und Stonzertmeister Beit( Bio! ne). Die Don- Rosalen geben ihr erstes diesjähriges Konzert, das ein teilweise neues Programm bringt, am 21. Ceptember in ber Philharmonie. Die Städtische Oper teilt mit: Am Montag findet die Aufführung bon Rigoletto statt. Die musitalische Leitung hat Paul Dessau, die Spielleitung Dr. Georg Bauly. Die Gilda spielt Maria Joogün, den Rigoletto stammerfänger Joseph Schwarz, den Sparafucile Defider Bador und die Maddalena Emma Zador- Bast. Städtebauliche Probleme in Balästina. Der Städtebauer des zionisti fchen Stolonisationswerts, Architekt Richard Kauffmann, wird am Diens tag, den 22. September, mittags um 12 1hr im Sigungssaale der Zionistischen Vereinigung, Meinefeftr. 10, einen Vortrag über Die tabtebaulichen Probleme der jüdischen Siedlung in Balastina" halten. Schulrats Dr. Bagel am Mittwoch 8 Uhr im Märlischen Saal des Char Thomas Mann als Erzieher ist das Thema eines Vortrages des lottenburger Rathauses. Der Eintritt ist frei. Sir Francis Darwin, der Sohn und Mitarbeiter von Charles Darwin, ist gestern in Cambridge gestorben. ist der russische Bildhauer Koslow mit der Arbeit an einem Zenin- Denfmal Ein Lenin- Denkmal in Wladiwoftol. In der Akademie in Leningrad beschäftigt, das eine Söhe von sieben Metern haben soll. Das Dentmal soll auf einer Anhöhe in basen von Wladimostof aufgestellt werden, un den einfahrenden Schiffen schon von weitem sichtbar zu werden. Der lekte Krieg." Sieben Jahre nach dem Ende des Weltkrieges, fettigen Massenmord vorbereitet werden, als 1914 beim Striegsausbruch zu der, wie wir hoffen, der letzte Strieg fein sollte, stehen in 59. Staaten 6 055 144 Mann unter Waffen! Das sind mehr Menschen, die zum gegenallen stehenden Heeren gehörten! 3midauer Bastille, die Gefangenenanstalt Zwickau, vom Boltsmunde Ein. denkwürdiges Gefängnis. Dieser Tage feiert" die Graupenmühle" geheißen, das Jubiläum ihres 150jährigen Bestehens. Dieses Gefängnis hat eine Vergangenheit, die für das Proletariat von gewiffer Bedeutung ist. In ihm hat außer Liebins Leben getretene Städtische Oper Berlin eine eigene Sauszeitschrift necht, Bollmar und einer Reihe von Redakteuren des Zwickauer Parteiblattes, des Sächsischen Volksblattes"( Trogniz, Reil, Schubert) auch Bebel nicht weniger als neun Monate ge feffen: er ftudierte", wie der Fachausdruck damals hieß, auf der 3widauer Hochschule". Am 1. Juli 1874 nahmen ihn die Tore des Schlosses Ofterstein auf, und am 1. April 1875 verließ er es wieder, stolz und ungebrochen. Bebel schreibt über seine Entlassung u. a: ,, Blätter der Städtischen Oper." Unter diesem Titel gibt die soeben heraus, die zweimal monatlich erscheinen und durch Aufsäge über die Werte des Spielplans und Bilder der wichtigsten Darsteller und Szenenaufnahmen ein Bindeglied zwischen der Städtischen Oper und ihrem Bublifum bilden soll. Die Zeitschrift wird im Theater mit dem täglichen Pfennig verkauft. Nicht in Berlin lebenden Wufitinteressenten ist die Besetzungszettel als Theaterprogramm zu einem Breise von zwanzig Möglichkeit geboten, bie Blätter der Städtischen Oper" für einen gans billigen Preis im Abonnement zu beziehen Deutfthnationale Fuftizkorruption. Rettungsaktion der Rechtsparteien für Kußmann und Caspary. Skandalöse Vorgänge im Barmat-Ausschnß. lleber den Sinn und die Tragw-ite der Vorgänge, die sich am Freitag und vor allem am Sonnabend im preußischen Untersuchungsausschuß über die S�aatsbankaffären abgespielt, und die ihren ersten Widerhall in zahlreichen Zeitungsartikeln gefunden haben, darf man sich nicht täuschen. Es handelt sich hier um eine hochpolitische Aktion, die von deutsch- nationaler Seite inszeniert wird. Dabei läßt sich der Ver- dacht nicht von der Hand weisen, daß das Einsetzen dieser Aktionen im jetzigen Augenblick kein Zufall ist. sondern ein Manöver zur Ablenkung von dem Generalbankerott der Deutschnationalen in der Frage des Sicherheitspaktes bc- vorsteht. Wie liegen die Dinge? Im Bereich der Berliner Staatsanwaltschaft ist ein politischer Sumpf aufgedeckt worden. Es steht schon jetzt fest, daß zwei Assessoren, die als Dezernenten gerade in jenen Sachen tätig waren, die von der Rechtspresse in schamlos verlogener Weife zu politischen Zwecken ausge- beutet und aufgebauscht wurde, in engster Fühlung mit einer d e u t s ch n a ti o n a l e n Nachrichten- zentrale standen, die von dem Reichstagsabgeordneten Leopold und seinem Kumpan Bocmeister finanziert wurde. Es steht ferner fest, daß insbesondere Herr Kußmann in engster Intimität zu einem unter wechselndem Namen lebenden„nationalen Journalisten" Knoll- Kluge- K l a u s i n g stand. Es ist ferner behauptet und bisher nicht widerlegt worden, daß dieser Knoll infolge seines Initmitäts- Verhältnisses zu Kußmann in den Besitz von geheimen gerichtlichem Aktenstücken gelangte,, die auf diese Art den Weg in rechtsradikale'BÄtter fanden, und Vorwand zu einem maßlosen Verleumdungsseldzug gegen das Justiz- Ministerium wurden. Das Justizministerium, gegen das man höchstens den Vorwurf erheben kann, daß es diese Treibereien ein halbes Jahr lang geduldet hat, weil es ihm an schlüssigen Beweisen für die, wirklichen Zusammenhänge fehlte, hat seine Zustimmung zu einem Vorgehen der Kriminalpolizei erteilt, als ihm das belastende Material endlich vorgetragen werden konnte. Was tun nun die Deutschnationalen, diese Hüter der Rechtsordnung, diese Stützen des Ordnungsstaates? Lassen sie etwa die Aktion der Justiz gegen die schwer Belasteten ihren Lauf nehmen? Rücken sie etwa von ihren kompro- mittierten Parteifreunden ab? Weit gefehlt! Mit allen Kräften machen sie gemeinsame Sache mit den Kuhmann und Caspary, Knoll, Leopold, Bacmeister und Konsorten und unter st ützen demonstrativ die beiden Assessoren, in deren Angriffsfeldzug gegen die höchste Iustizbe- Hörde Preußens, gegen das Justizministerium. Um es gleich vorwegzunehmen, sei hier schon jetzt betont, daß sie dabei in der gestrigen Sitzung des Untersuchungs- ausschusies einen erstklassigen Reinfall erlebt habe?»' De�Herr E a s p a r y. der sehr selbstbewußt und redegewandt auftrat, so lange er lediglich Behauptungen aufstellte, machte eine jämmerliche Figur, sobald er auf Befragen diese Be- hauptungen mit Tatsachen belegen sollte. Sein Kollegs K u ß m a n n, der übrigens noch viel redegewandter, aber zugleich noch viel kompromittierter ist, hatte eilte ähnliche Methode: Im Ausstreuen von Verdächtigungen gegen das Justizministerium oder gegen politische Parteion war er riesengroß, im Nachweisen überaus kleinlaut. Und als seine . eigenen Verfehlungen besprochen werden sollten, ver- weigerte er die Aussage. Ganz objektiv muh übrigens betont werden, daß die beiden Assessoren, vor allem Kußmann, einen ganz außer- gewöhnlich intelligenten Eindruck machten: gerissen, schlagfertig, frech, mit einer deutlichen Neigung zur Schauspielerei. Die Grimasien, die Herr Kußmann nach jedem Witz oder nach jeder Dreistigkeit schnitt, fanden den lauten Beifall eines Teiles der deutschnationalen oder volksvartei- lichen Ausschußmstgileder. die anscheinend gar kein Gefühl hatten, welch beschämendes Schauspiel sie boten. Sie dokumentierten damit vor aller Welt ihre S o l i d a r i- tat mit zwei jungen Beamten, von denen schon jetzt soviel feststeht, daß sie höchst bedenkliche Beziehungen unterhalten haben. Der Fall liegt politisch ganz klar: Nachdem zum ersten Male das Iustizministeriu in es gewagt hat, gegen strafbare reaktionäre Treibereien in der Justizverwaltung vorzugehen, fallen ihm die Rechtsparteien prompt in den Arm und entfesseln gegen seine leitenden Beamten einen politischen Verleumdungsfeldzug. Das ist die Iustizkorruption psx excellance- Nun: die Parteien der Weimarer Koalition werden diesen Kampf aufnehmen und austragen. Die Republik wird mit den Kuhmann, Knoll und Bacmeister um so mehr fertig werden, als die über- wiegende Mehrheit des Volkes Sauberkeit der Justiz verlangt. � Die achtstündige Sitzung des Barmat. Ausschusies am Sonnabend war außerordentlich bewegt. Sie galt der Vernehmung jener zwei ebemaliaen Staatsanschaftswallsosseporen Kußmann und Ca- lnarii die durch die Aufdeckung der deutschnationalen Verleum- dungsze'ntrale dermaßen bloßgestellt wurden, d°ß gegen sie ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren bzw. em D.wpl.naroerfahren eingeleitet werden mußte. Es zeigte sich bei dieser Vernehmung, daß diese d-iden jungen Beamten von außergewöhnlicher Gewandtheil st? ab? ihre dienstlichen Derfehlungen als Mitwirkende an dem reattianären Pressefeldzug umso gefährlicher erscheinen laßt. Der Assessor Caspary. der zunächst vernommen wurde bestr, t umer Betonung seiner jüdischen Konsession ieden Zusammephang mit jenen rechtsstehenden Kreisen' Spater aber wurde er durch Fragen des Genossen KuUner der U n w a h r h e l t uberfuhrt und mußte zugeben, daß er die berüchtigten Bacmeister und Leopold mit Mate- ri°l gegen das Justizminislerium zur Verteidigung seiner Person versehen hatte. Sebr selbstbewußt hatte Caspary behauptet, er könne„unter Beweis stellen', daß ihm die Strafverfolgung Kutis- kers durch das Justizministerium auf Veranlassung de, Abgeordne- ten H e i l m a n n entzogen worden sei. Die strahlende Freude der Deutschnationalen und Kommunisten über diese„Enthüllung' war jedoch nur von kurzer Dauer, denn das nachträgliche Verhör zeigte, daß er nicht in der Lage war. auch nur die Spur eines Beweises für diese lächerliche Behauptung aufzubringen, die übrigens auch „ort den anwesenden Herren des Suslizministerium» auf da» ent- sthiedenste zurückgewiejeu nmrN». Auch die zwischendurch vorgenommene Vernehmung des Unter- suchungsrichters, Landgerichtsrats Schneider, ergab serner, daß Caspary die lächeiliche Verhaftung des Justizrats Werthauer, zu der er sogar eine Flugzeugreise nach Dresden unternommen hatte, gegen die ausdrücklichen Bedenken des mit der Unter- suchung in Sachen Kunsker betrauten Richters veranlaßte. War das Auftreten des Dr. Caspary von besonderem Selbst- bewußtsein getragen, das im umgekehrten Verhältnis zu der Güte seiner Sache stand, so war es trotzdem nichts im Vergleich zu dem Gebaren des 3t jahrigen Assessors K u h m a n n. Eine regelrechte „Berliner Großschnauze', frech, schlagfertig, unzweifelhaft hoch- intelligent, mit dem Mienenspiel eines Schmierenkomödianten, der bei den deutschnationalen Ausschußmitgliedern ein außerordentlich dankbares Publikum fand. Herr Kußmann holte sehr weit aus, um sein Vorgehen in der Barmat-Affäre zu rechtfertigen. Bei dieser Ge- legenheit plauderte er Verschiedenes aus der Schule aus. das man leider erst jetzt erfährt, z. B. daß er, als er sich mit der Prüfung der Angelegenheit Michael in der Preußischen Staatsbank beschäf- tigte, von Beamten der Staatsbant darauf aufmerksam gemacht wurde, daß eigentlich bei den Varmat-Krediten vielleicht noch viel mehr zu entdecken wäre. Das ist um so seltsamer, als bekanntlich die Staatsbank sich stets geweigert hat. eine Anzeige gegen Varmat zu erstatten, sondern vielmehr, wenn auch sehr spät, bejtätigen mußte, daß sie sich niemals von Barmat betrogen gefühlt habe. Es scheint also, daß die Entstehung der Barmat-Affäre auf die Intrigen innerhalb der leitenden Beamten- s ch a f t der Seehandlung zurückzuführen ist. lieber sein Vorgehen selbst und über seine Auslandsreisen ging Herr Kuhmann wohl- weislich mit allgemeinen Redensarten hinweg und berief sich vor allem darauf, daß das Justizministerium resp. seine unmittelbaren Vorgesetzten ihn stets gedeckt hätten. Auch das erwies sich aber aus einer Reihe von Fragen, die der Staatssekretär Fritze nachher an ihn richtete, als unrichtig. Auch Kußmann stellte zunächst die ungeheuerlichsten Vehaup- tungen über ein angebliches Eingreifen des Justizministeriums gegen die Staatsanwaltschaft auf. Alles, was er jedoch zunächst unter großem Aufsehen darüber erzählte, erwies sich dann als klatsch und Tratsch. Ueberhaupt scheint eine der Hauptausgaben dieser Herren von der Staatsanwaltschaft gewesen zu sein, unbeweisbare Klatschereien weiter zu tragen und gegen das Ministerium zu intrigieren. Hett Kuhmann mußte allerdings von seinem Standpunkt aus diese An- schuldigungen vortragen, denn sie bildeten ja den Vorwand für seine Beziehungen zu der deutschnationalen Presseverleumdungszentrale des Herrn Knoll-Kluge-Klausing. die wiederum von den Herren Bacmeister und Leopold finanziert wurde. Weil er nämlich das„Gefühl' hatte, daß das Justizministerium die Staats- anwaltichaft nicht genügend unterstützte und gegen Presseangrisse deckte, deshalb habe er das Angebot dieser Herren, die sich bereit- erklärten, ihn zu schützen, angenommen.' Seine Duz- freundschaft mit dem Leiter des Bureaus Knoll gab er nicht nur zu, sondern er entwarf von diesem das Bild eines großartigen Kriegshelden, der im nationalen Interesse den Kampf gegen die Korruption aufgenommen habe und der sich dabei von einer fabel- haften Tüchtigkeit schon früher erwiesen habe, wenn auch die Aus- mahl seiner Mittel so bedenklich gewesen sei, daß er als Staatsanwalt lieber nichts davon erfahren durfte. Je mehr sich Kußmonn. diesem Gebiete, nähert«, desto zurückhaltender wurde er. Sein Wortschwall flaute merkwürdig ab. Und als Genosse K u t t n e r eine Reihe von konkreten Fragen an ihn richtete, die das Gemeingefährliche dieser Verquick ung zwischen deutschnationalsr Brunnenoergiftung und staatsanwältlichen Organen ergeben mußte, da verweigerte Herr Sußmann schließlich die Aussage. „well hineinfallend in das gegen mich schwebend« Ermitlluri osoer- fahre.n'. Dennoch war das, was Kuttncr aus diesem aalglatten Menschen herausquetschen konnte, genügend, um einen der schlimmsten Sümpfe der deutschen Justiz aufzudecken. Schließlich sei noch erwähnt, daß Kußmann durch seine Ke- schwätzigkeit einen Kriminaloberinspektor Krüger schwer bloß- stellte, indem er erzählte, daß dieser den Austrag des Polizei- Präsidiums, eine Haussuchung bei ihm vorzunehmen, in Wirk- lichkeit gar nicht durchgeführt habe. Dieser Beamte habe sich lediglich beim Zigarettenrauchen von weitem danach .erkundigt was für Papiere auf Kußmanns Tisch lägen und sich mit allgemeinen Auskünften zufriedengegeben. Dann habe er sich wieder hingesetzt, ohne auch nur ein Schubfach zu öffnen oder ein Vlatt Papier zu prüfen, und weiter geraucht. Kußmann fand die Schilderung dieses skandalösen Borganges so amüsant, daß er ironisch hinzufügte:„Wenn ich den Auftrag zu einer Haus- suchung hätte, dann würde ich ganz anders vorgehen.' Da- nach kann man sich allerdings nicht wundern, wenn Haussuchungen, die von derart pslichtgetreuen Beamten vorgenommen werden, nicht viel ergeben. Cs wird Aufgabe des Polizeipräsidiums sein, die von Herrn Kußmann in dankenswerter Weise ausgeplauderten Dov gonge nachzuprüfen und gegen jene Beamten rücksichtslos oorzu- gehen, die Haussuchungen, sobald sie sich gegen reaktionäre Perjoneu richten, bewußt zu einer Farce herabwürdigen. Tierquälerei straflos— wenn Kustmann sie verübt. Die Brutalität, mit der die Staatsanwaltschaft in den Fällen Barmat und Höfle vorging, ist noch in frischer Er- innerung. Di« Beteiligten versuchten sich immer wieder darauf herauszureden, daß sie ihre Pflicht getan hätten. Auf den Wert dieser Ausflüchte läßt ein Vorgang schließen, den das.Berkaer Tageblatt' mitteilt. Es heißt u. a.: „Ein Aussehen erregender Vorfall spielte sich an einem schönen Sommertag in diesem Jahr im Treptower Park ab. Ein junger Mann hatte einen etwa zehn Wochen alten Dackel an der Leine und ging in schneller Gangart im Treptower Park spazieren. Der junge Hund konnte den schnellen Schritten seines Herrn nicht folgen und wurde von diesem in vollständig erschöpftem Z u st a n d e an der Leine einhergeschleift. Dabei stieß das bedauerns. werte Tier mehrmals mit demKopfgegendieEisenstäbe der Wegcinjassungen. Dies alles kornüe den Besitzer des Hundes nicht oeranlassen, seinen schnellen Gang zu mäßigen und dem Tier eine kurze Ruhepause zu gewähren. Diese Tierquälerei rief bei den Besuchern des Treptower Parkes großeEmpörung hervor, bis schließlich ein Polizeibeamter den betreffenden Herrn ausforderte, die Tierquälerei zu unterlassen. Der Aufgeforderte sagte in abfälliger Weise:»Sie haben mir gar nichts zu sagen, Sie wissen nicht, wer ich bin!' Einer Fest- stellung widersetzte sich der junge Mann und forderte die Hinzu- Ziehung eines uniformierten Beamten. Der kleine Dackel war von der Tierquälerei schließlich so erschöpft, daß er bei der versuchten Feststellung seines Herrn durch den Polizeibeamten di« Füße von sich streckte und in dieser Lage inderrohe st enWeiseweiter- geschleift wurde. Erst in einem Treptower Gartenlokal gelang es der Polizei, die Feststellung vorzunehmen. Zur allgemeinen Ueberraschung stellte es jich heraus, daß der betreffende Herr Assessor kußmann von der Slaatsanwollschast I war. gegen den sich die Wut der Menge wegen der begangenen Tierquälerei richtete. Der Polizei- beamt« stellte weiter fest, daß das gequälte Tier auch nicht im Besitz einer Hundemarke war. Auf Grund der Zeugen- aussagen hatte die Polizei gegen Asiessor Kußmann einen Strafbefehl über 30 Mark erlassen. Hiergegen beantragte Kußmann richterliche Entscheidung, so daß jetzt der ganze Borfall vor dem Amtsgericht in Neukölln zur Berhandlung kam. Der Ber- treter der Staatsanwaltschaft wies darauf hin, daß die Tierquälerei in vollem Maße erwiesen und daß die Anzeige von den Beamten pflichtgemäß auf Antrag der Zeugen erstattet worden sei. Er beantragte, auf die gleiche Strafe von 30 Mark für die be- gangene Tierquälerei zu erkennen. Zur allgemeinen Ueberraschung der Beteiligten wurde Assessor Kußmann trotz des geharnischten Antrages des Staatsanwalts von dem Clazelrichter von der Anklage der Tierquälerei freigesprochen.' Ein Kommentar zu diesem Vorgang ist überflüssig. Er ent- hüllt die edle Seele des Staatsanwalts, der sich lange Zeit in der Pose des„Reinigers des öffentlichen Lebens' aufspielen konnte, in seiner ganzen Größe. Der Einzelrichter, gegen besten Urteil scheunigst Berufung eingelegt werden sollte, vervollständigt das Bild. Die Wahrheit siegt. Auch Frankreich erkennt Dentschösterreichs Willen. Paris, 19. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Während die französische Presse stets die Behauptung ausgestellt hat. daß die Deutschösterreicher gar nicht daran dächten, den Anschluß an das Deutsche Reich zu verlangen, veräsfentllchl am Sonnabend die .Zosormation' den Bericht eines Korrespondenten aus Oesterreich, iu dem es u. a. heißt: Die Oesterreicher, welcher Klasse sie auch angehören mögen, sprächen vor allem vom Anschluß au Deutschland. Die große Mehrheit der Bevölkerung verlange ihn entweder energisch oder erhoffe ihn. Der Anschiußgedauke fände sich lu fast aller Munde, wenn man auch Näheres über die Einzelheiten der Aus- sührung nicht erhalten könne. Aber die Idee sei stark in den Geistern verankert und es würde sehr schwer sallen, sie aus der Well zu schafseu._ Die Danzig-polnifchen Konflikte. Entscheidungen des Völkerbundsrates. Genf. 13. September.(WTB.) Der Dölkerbundsrat stimmte der Festsetzung der Umgrenzung des polnischen Munitions- d e p o t s auf der Wefternplatte im Danziger Sinne zu und be- schloß, den Hafenausschuß mit der Grenzziehung zu beauftragen. Das Munitionsdepöt soll Ende Oktober an Polen aus- geliefert werden. Senatspräsident Sahm und der polnische Ver- treter in Danzig, Straßburger, stimmten dieser Entscheidung zu. Weiter genehmigte der Rat entgegen den Danziger Beschwerden den Vorschlag des Sachverständiqenausschustes über die Festsetzung der Grenzlinien des Danziger Hafens für den polnischen Post- d i ie n st. Senatsprästdent Sahm- Danzig hatte gefordert, daß die endgültige Entscheidung über die Grenzziehung dem I n t e r- nationalen Gerichtshof im Haag übertragen werden solle. Straßburger- Polen widersprach und bat um sofortige Ent- scheidung. Lord Robert C e c i l wies die juristischen Einwände der Danziger Delegation zurück. Auch das schwedische Ratsmitglied, das seinerzeit im Juni die Zuziehung eines juristischen Experten in den Sachoerständlgenausschuß verlangt hatte, stellte sich auf den Standpunkt, daß die rechtliche Begründung des Sachverständigen- gutachtens durchaus genügend sei. Infolge dieser Entscheidung des Völkexbundsrats mutz nun- mehr Polen drei der von ihm-im Januar dieses Jahres im Danziger - Stadtgebiet angebrachten Briefkästen sofort entfernen, während die übrigen Briefkästen bleiben können. Nosiul vor üem Haager Schiedshof. Genf, 19. September.(WTB.) In der Mossulfrag» hat der Dreierausschutz beschlossen, eine Entscheidung des' Int er» nationalen Gerichtshofes über die Frage herbeizuführen. ob zum Beschluß des Bölkerbundsrates betreffend die Grenzfest- setzung zwischen der Türkei und dem Irak Einstimmigkeit oder nur Stimmenmehrheit erforderlich sei. Die Mossulfrage wird also während der gegenwärtigen Tagung des Rates nicht gelöst werden.(Nach früheren Meldungen fordern die Türken unbedingt, daß der Rat jetzt entscheide; im andern Falle befürchte man, daß es an der Irakgrenze losgeht. Red. d..V.") Genf, 19. September.(Eigener Drahtbericht.) Von führender englischer Seite wird erklärt, daß, falls die Türkei die Entscheidung des Rate« nickt anerkennen werde, der jetzige Statusquo. wonach England das Gebiet einstweilen im Besitz behält, beibehalten bleibt. Einer Kriegsdrohung durch die Türkei stehe England gleichgültig gegenüber, da die Türken nicht über Eisenbahnen und Straßen verfügten, um ihre Truppen aufmarschieren zu lassen. Ebenso sei ihre materielle Unterlegenheit' bekamtt, und schließlich be- finde sich die Türkei in einer sehr ungeklärten Finanzlage. Narokko-Dauerkrieg. Kein Ende in Sicht. Paris, 19. September.(WTB.) Der in Marokko wellend« Kriegsberichterstatter des„Matin' hat sich mit einer der höchsten militärischen Persönlichkeiten in Marokko unterhalten, der ihm er- klärte: Man darf nicht hoffen, daß wir noch vor Einbruch der Regenzeit den Krieg in das Gebiet des Risführers hinein- tragen können, mindestens nicht auf der Seite von T a u n a t. Wir werden wahrscheinlich bis Tauertat gehen. Dort werden wir da» ungeheure Taunatmassio vorfinden, das uns den Hori- zont verbarrikadiert. In dieser Gegend haben wir keine Straßen, keine Pfade, dort gibt es nur Maultierpfade, und wir wollen unter diesen Umständen den Transport und die Verpflegung unserer Truppen sicherstellen. Wenn die Verstärkungen, die im Juli und August geschickt worden sind, Ende April hier einge- troffen wären, dann hätten wir alle nötigen Verbindungswege ge- sichert und wir wären schon im Rif. . Havas berichtet aus Tanger: Si Mohammed ben Abd el Krim hat alle Ulemas der Stämme der Westzone sowie die Führer der Harkas und die übrigen militärischen Letter, die an den Kämpfen von Darben Akkerasch teilgenommen hatten, in deren Verlauf mehrere hundert Tote, Verwundete und Gefangen« zu verzeichnen waren, zusammengerufen. Vor der Tangerzone bessert sich die Lage. An der Wessanfront scheint sich der Feind regen zu wollen. An der Ostfront lebt ebenso wie vor Tetuan der Kampf wieder aus.(Den Spaniern soll es sehr' miserabel gehen. Red. d. D.) Der Franzosenfieg i« Syrien. Beirut. 19. September.(Havas.) Heber den Kampf bei Messeifnt werden neue Einzelheiten gemeldet, nach denen die Druse» 2S0 Tote zurückgelassen haben sollen. Nach Aussagen von Gefangenen hat der Feind S00 Tote und mehr als SOO Verwundete. Die feindlichen Abteilungen bestanden aus Reitern und Fußvolt in der Stärke von insgesamt 3000 Mann, die unter den Fahnen von fünf Ortschaften kämpften. Die jranzösijchen Truppen haben, drei Fahneu erbeutet, Gewerkschaftsbewegung Die Löhne in Deutschland und im Ausland. Die Wirtschaftsturve der Frankfurter Zeitung" veröffentlicht in ihrem Heft 3 eine vergleichende Tabelle der Nominal-( Tarif) Wochenlöhne in Deutschland Ende Juli 1925 und im Ausland aus dem Jahre 1924. Diese Tabelle weist folgende Ziffern auf: Baugewerbe: Maurer. Maler Stuffateure Baubilfsarbeit. Metallindustrie Bereinigte Staaten 78.30 171.56 203.30 Deutsch Frant land reich Defterreich England Schweden in Reichsmart • 86.16 40.82 56.16 82.58 40.80 82.11 86.40 45.47 78.66 81.00 64.39 52.50 82.11 277.20 231.00 323,40 48.00 25.20 31.22 62,56 Gelernte. 34 56 37.80 34 00 47.43 Ungelernte 27.84 25.20 21.00 36.72 • Textilindustrie Baumwollspiner 16.74 59.16 22.56 25.52 41.63 Baumwollweber/ 14.37 Druderei Buchdrucker. Handsetzer. :} 48.00 41.83 84.04 Solzindustrie 45.60 40.32 Facharbeiter 37.80 88.23 11 { 221.76 78.44 86.40 252.09 Diese Tabelle zeigt mit großer Deutlichkeit, daß die Behauptung der deutschen Arbeitgeber, die hohen Löhne machen Deutschland tonfurrenzunfähig auf dem Weltmarkt, irreführend ist. Abgesehen von Frankreich und Desterreich, bei denen die Besonderheiten der Währungsentwicklung eine gewisse Ausnahmestellung in der Lohnhaltung zeigen, sind die Löhne der deutschen Arbeiter in allen zum Vergleich herangezogenen Gewerben niedriger als die Löhne der Arbeiter in irgend einem anderen Land. Also sind die hohen" Löhne teine Rechtfertigung für die hohen Preise der deutschen Ware. Allerdings ist diese Lohnstatistik nicht bloß wegen der Auswahl und der Zahl der erfaßten Berufe unvollständig, sondern sie bedarf auch nach der Richtung hin eine Ergänzung, als der Nachweis in einer besonderen Statistik erbracht merden muß, wie hoch der Lohnanteil des Arbeiters an den Herstellungskosten des Probuttes ist. Es müßte außerdem festgestellt werden, wie hoch der Anteil der Arbeitskosten im Verhältnis zu dem Preise ist. Erst wenn diefe Statistiken vorhanden sind, ist die Lohnstatistik ein mertvoller Bestandteil der gesamten Wirtschaftsstatistik. Aber gerade nach dieser Richtung hin haben amtliche Stitistiken bisher versagt. Warum: weil wir sicher sind, daß mit diesen Statistiken der Nachweis erbracht werden mürde, einen wie geringen Einfluß der Lohn auf die Produktionskosten und auf den Preis hat. Daß dieser Nachweis den Arbeitgebern nicht behagt, bedarf feines Beweises. Die Lohnstatistiken haben auch deswegen nur einen sehr bedingten Wert, meil ja wegen der Verschiedenartigkeit der Lebenshaltung der Arbeiter in den verschiedenen Ländern eine Vergleichbarkeit des Reallohnes faum gegeben ist. Aber soviel läßt sich doch sagen, daß der Arbeiter als Konsument und gerade in dieser Richtung stellt er doch auch einen bedeutfomen Faftor in der Wirtschaft dar bei den Löhnen, wie sie jetzt gezahlt werden, teine große Rolle spielen tann. Derbandstag der Böttcher. 5. Berhandlungstag. Der Borstand murbe en bloe miebergewählt; im Ber bandsausschuß fungiert wie bisher Schoene- Hamburg als Borsigender. Die Wahlen zum Beirat erfolgten nach den gemachten Deichmann Bremen danft namens des Vorstandes für das durch die Wiederwahl bewiesene Vertrauen. Der 5. Berhandlungstag stand unter dem Zeichen der Ab.Borschlägen. stimmung über die einzelnen Anträge. Es war vielleicht der beste Beweis für die Einmütigkeit, die die Verhandlungen fenn zeichnete, daß fast alle vorliegenden Anträge nahezu einstimmige Annahme oder Ablehnung fanden. Die Deffentlichkeit dürfte für die einzelnen Punkte kein sonderliches Interesse haben, da lediglich Fragen der inneren Organisation zur Abstimmung standen. Bedeutungsvoll waren bei der Schlußfizung die Worte, die Sendig der Vertreter des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeis ter, an die Versammlung richtete. Er führte aus, daß die Vorwürfe, die an dieser Stelle während der ersten Tage der Verhandlungen 29 Poflabonnenten Damit die regelmäßige Zustellung des„ Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebſame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Postabonnenten, das Abonnement bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Borwärts Verlag G. m.b.. % gegen seine Organisation oder deren Beamte vorgebracht worden feien, ihm sehr wch getan hätten. Er werde umgehend jene Klagen an seinen Hauptvorstand berichten, damit Nachprüfung oder Abstel lung erfolge. Er freue fich aber, fonstatieren zu dürfen, daß die Grundstimmung trotz aller Unstimmigkeiten eine versöhnliche sei, und es sei ein gutes Zeichen für den Geist im Böttcherverbande, daß man gewillt sei, unter Vergangenes einen dicken Strich zu ziehen. Der Verbandstag wurde in den Mittagsstunden geschlossen. Die Geschäftsleitung fonstatierte die volle Einmütigkeit, die von Anfang an geherrscht habe und forderte auf, mit verstärkter Tatkraft an die neue Arbeit zu gehen. Verbandstag der Tabakarbeiter. Vierter Verhandlungstag. = Husung Bremen weist darauf hin, daß Genosse Deich mann nunmehr auf eine 25jährige Tätigteit als Verbandsvorsigender zurückblicken fönne. Am 29. September 1900 sei er in Mainz für das schwierige Amt ausersehen und gewählt worden und in dieser Zeit hat er mit raftlosem Eifer und seltener Energie für die Interessen der Tabafarbeiter gekämpft. Den Dant, den wir ihm schulden, wollen wir dadurch zum Ausdruck bringen, daß wir unser bestes daran sezen in seinem Sinne weiter zuarbeiten. Freudig stimmt der ganze Verbandstag auf das ihm gebrachte Hoch ein. Seitens des hiesigen Gaues und der hiesigen Zahlstelle werden ihm als äußere Anerkennung Blumen überreicht. Sichtlich gerührt dankt Deichmann für die ihm erwiesene Ehrung und erklärt, daß sein Dank darin bestehen soll, daß er sich auch weiterhin mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft für die Interessen der Tabatarbeiter einsetzen werde. Den Glückwünschen des Verbandstages zu dem Silberjubiläum Deichmanns als Vorsitzender des Tabatarbeiterverbandes schließen wir uns aus vollem Herzen an. Deichmann steht seit einem Menschenalter in vorderster Front. Trotz der wiederholt kritischen Lage der Tabatindustrie hat Deichmann es verstanden, die Organisation der Tabatarbeiter über alle Fährnisse hinwegzuleiten und die Interessen der Mitglieder mit viel Geschick und Energie wahrgenommen. Wir wünschen Genossen Deichmann, daß es ihm und den Tabatarbeitern vergönnt sein möge, ihn noch lange Jahre mit gleicher Hingebung am Werke zu sehen. Die Poft hat es nicht eilig. Das Reichspoftminifterium teil mit: ,, Die am 7. September vertagten Lohnverhandlungen bei der deutschen Reichspost fanden gestern ihren Abschluß. Der Staats fefretär Saufter legte den Tariforganisationen in eingehender Weise den Standpunkt der, Verwaltung dar. Nach längerer AusSprache, in der die Vertreter der Arbeitnehmerorganisationen auch ihren grundsäglichen Standpunkt zu dieser Frage dargelegt hatten, äußerten sie ihr lebhaftes Bedauern über die ablehnende Haltung des Reichspost ministeriums. Da aber die zurzeit geführten Verhandlungen über die Regelung der Orts= Iohnzulagen voraussichtlich zu einer Vereinbarung führen werden, wird zunächst davon abgesehen ,, in dieser Frage weitere Schritte zu unternehmen. Die Verwaltung fagte ihrerseits Den Bericht der Statutenberatungstommission erstattet Selpien- Hamburg. Nach kurzer Debatte wurden die zu, daß die Verhandlungen in jeder Weise gefördert und das Revon der Kommission gemachten Vorschläge zur Aenderung des Statutsultat möglichst bald vereinbarungsgemäß(!) in Kraft gesetzt werden solle." angenommen. Das Statut erfährt nach den gefaßten Beschlüssen infofern eine Aenderung, als der Mindestbeitrag von 25 f. für alle diejenigen gilt, die wöchentlich nicht mehr als 8 m. verdienen. Der Mindestbetrag für Lofalzuschläge ist auf 5 Pf. festgesetzt, darf aber pro Marte nicht mehr als 25 Broz. des Verbandsbeitrages betragen. Die Wahlkreise werden nunmehr so eingeteilt, daß auf 750 bis 1000 Mitglieder ein Delegierter entfällt. Der Verbandstag findet fünftig alle drei Jahre statt und neben dem Vorstand werden jetzt auch die Gauleiter zum Verbandstag gewählt. Bei dem Punkt ,, Sonstige Anträge" murde neben der Diätenfrage auch die Gehaltsfrage für die Angestellten des Verbandes neu geregelt. Sie werden auf Grund der in der Tabakindustrie tariflich gezahlten Löhne errechnet. Das Deutsch dieser Mitteilung ist zwar reichlich gequetscht, immerhin fann man nach mehrmaligem Durchlesen den Sinn erfaffen: Das Reichspoftministerium lehnt vereinbarungsge= mäß jede. Lohnerhöhung ab, vertröstet die Poftler aber auf die Erhöhung der Ortslohnzulagen. ( Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Politik: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwäris- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co.. Berlin B. 68. Lindenstraße 8. Sierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Nfsrael GEGR. 1815 BERLIN C: SPANDAUERSTRASSE KÖNIGSTRASSE Vor der 100% Igen Zollerhöhung am 1. Oktober: Echte Perser- Seppichie und-Brücken Große Auswahl besonders schöner Stücke nodi zu alten, billigen Preisen Echte Perser- Brücken zum Aussuchen anatolische Jastics Vorleger Größe ca. 50 × 90 cm gute Qual, glanzBelutschistans reiche Stücke.... Gebetteppiche anatolisch, alte und neue Stücke 35.00 Echte Perser- Zimmerteppiche Mahal, Heris, Mesched, Turkbaff, Kirman Täbris, Afghan, Bochara, Schiras 93.00 in großer Auswahl von 200 × 300 cm bis 600 × 700 cm Serie 89.00 Serie 115.00 Serie 138.00 III Ein Yoraghan- Zimmerteppiche Posten: ca. 250x350 em 950.- 300x400 cm 1100.Gekaufte Teppiche werden auf Wunsch 2 Monate aufbewahrt Diwandecken Elektr. Artikel Gobelin- Diwandecke Perser- Elektr.Plätteisen mit 6.40 Peddigrohr- Sessel oder Vedure- Muster 140X280 cm..... 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Beilage des Vorwärts EN WERKSTATTEN DER STAATSTHEATER 園 In dem schlichten, roten Ziegelbau in der Brinz- Friedrich- Karl| Leimwaffer vermengt, wandern sie in die Töpfe auf der fahrbaren Straße, wo sich die Werkstätten für die Staatstheater befinden, Balette, die in der Mitte einen freien Raum zum Mischen der Farben herrscht wieder Leben. Die Theatersaison hat begonnen, und Tag enthält. Alle Farbtöne zusammengerührt ergeben die sogenannte für Tag rollen die Riesenwagen, beladen mit den Dekorationen für Schweinecouleur, ein diskretes Grau, das als neutrale Anstrich die zur Aufführung gelangenden Stücke, von hier zur Staats. farbe gern verwandt wird. oper Unter den Linden, zum Schauspielhaus, zur Kroll. Oper und zum Schiller Theater. Wenn abends der Bor. hang in die Höhe geht und neue, eigenartige Deforationen die Blicke des Bublikums feffeln, denkt wohl taum jemand unter den zah! reichen Zuschauern an die Unsummen spezialisierter Arbeit, die einem Stüd mit neuer Ausstattung vorausgeht. Die Farbenfinfonie. Wenn vom Chef des Ausstattungswesens die auf Pappmodellen farbig stizzierten Bühnenbilder auf einer Miniaturbühnennachbildung ausprobiert sind, geht es an die Herstellung der Leinwand, die gewöhnlich in der Größe 10 Meter mal 17 Meter aus vorhandenen alten Kulissen zusammengestoppelt wird. Legtere liegen um eine zirfa 17 Meter lange Holzplatte gerollt in den zahlreichen Magazinen neben und unter den Malerfälen. Das Heben einer solchen gerollten Leinwand erfordert schon eine Anzahl kräftiger Leute. Nun wird die Leinwand auf dem Boden ausgerollt und an den Rändern festgenagelt. Wenn es notwendig ist, ftüdeln die Näherinnen noch Leinwandteile in der verlangten Größe mit flinten Stichen an. Die Quadrateinteilung auf der Stizze wird mit Schnur und Kreide ins Große übertragen und die Zeichnung leicht angedeutet. Die fahrbare Palette, ein auf Rädern laufendes Mägelchen von ganz anständigen Ausmaßen, vollbeladen mit Farbtöpfen und großen Eimern mit Krome's Im Dekorationsatelier. Leimfarbe, wird hereingeschoben. Nun tauchen die Maler thre riesigen Pinsel, die Scheuerbürsten ähnlich sehen, in die Eimer und überstreichen stehend mit fräftigen Strichen die alte Leinwand. In einem Meer von Cheaterschwarz oder Violettlad verschwinden frühlingsgrüne Wälder, in Gold und Purpur leuchtende Draperien der alten Schule mit ihren sorgsam ausgepinselten Falten, Fältchen und Quasten; erbarmungslos breiten sich darüber die düsteren Alforde gotischer Kirchenmystik oder schwere, fäulenartige Buchenftämme, bie in der am 1. September zur Aufführung gelangenden -Jungfrau von Orleans" den Zuschauer nicht mehr mit Einzelheiten quälen, sondern als großgefehene Symbole in den Bann des Dramas. zwingen werden. Bon der unter dem Dach schwebenden Laufbrücke aus übersehen die Maler ihr Wert. Noch glänzt die Leinwand ftellenmeise feucht und zeigt die Farben um mehrere Nuancen dunkler als dort, wo sie aufgetrocknet sind und den charakteristischen stumpfen Ton der Leimfarben aufweisen. Zum Schluß wird manchmal mit ber Farbenspritze, die ähnlich wie eine Gartensprite funttioniert, ein prideinder, monotone Flächen belebender Uebergang erzielt. Ganze Eimer von Farbe sind auf den Riefenleinwanden verbraucht worden; der Ersatz kommt aus der Küche, wo riesige Töpfe mit flüffigem Leim über dem Gaskocher ständig warm gehalten werden. In einem weiten Bottich wässern die gebrauchten Binfel und Bürsten. Allte Ronfervenbüchsen mit Bronze- und Silbertinkturen bedecken die Tische, und Rührhölzer in allen Größen lehnen an der verräucherten, mit leuchtenden Farbproben übersäten Wand. Nebenan lagern in Fässern die Farbpulver, vom schreienden Chromgelb über leuchtendes Blau zum samtartigen Schwarz; in der Küche mit dem noch warmen Wandernde Kulissen. Wir verlassen den ersten Malerfaal und wandeln auf einer Brücke über den drei Stockwerte tiefen Abgrund, in dem ftattliche Plattformen die zum Abholen der Dekorationen bestimmten RiefenDer Kulissenwagen. Krones Sonntag, 20. September 1925 Tischlerarbeit. Ueber die Brücke sind wir in den zweiten Malersaal gelangt. Schadhafte Bordwände vom Schiff des" Holländers", das, in seine Bestandteile zerlegt, den Boden bedeckt, werden im„ Trockendod" mit blaugrauer Farbe gestrichen. Mächtige Säulenkapitale aus der„ Aida", mit grellem Rot, Grün, Weiß und Blau, füllen die Eden des Saales. Darüber schwebt, frei aufgehängt, einem verfleinerten Zeppelin nicht unähnlich, eine zu Holz erstarrte Meereswelle aus der„ Jüdin". Noch erkennt man an den Flanten einige weiße Schaumfämme, aber oben hat sich auf die blaugrüne Welle eine dichte Schicht Staub gelegt. Nur einmal seit ihrer Erschaffung war es dieser Welle vergönnt, um ihre eigene Achse gedreht, zusammen mit anderen Wellen, ein aufgeregtes Meer vorzutäuschen. Dann wanderte sie, überall im Wege, endlich auf die Decke hinauf, wahrscheinlich in der richtigen Erkenntnis, daß sie für eine Meereswelle doch zu hölzern war. Angrenzend an den zweiten Malersaal liegt die Tischlerwerkstatt, die für den modernen Dekorationsbetrieb ein Faftor von immer steigender Bedeutung wird. Aus einer wahren Sintflut von Holzlatten, Schalbrettern, Stangen heben sich da und dort fertige Säulenpaare, Stufen, Podeste. Mittels Flaschenzügen wird eine haushohe, mehrteilige Innenfassade, eine Kombination von Tischler und Malerarbeit, hochgezogen und probeweise aufgestellt. Sie soll bei den in der Staatsoper stattfindenden Konzerten einen mirtungsvollen Bühnenabschluß bilden. * Lange noch flingt uns das Kreischen der Bandsäge und des Maschinenhobels in den Ohren; die Treppe hinunter geht es zum Cachiersaal. Papier und Kleister sind die Grundsteffe all der Herr lichkeiten, die in Menschen oder Tiergestalt, in hundererlei Formen, an den Wänden herumstehen und weitläufige Stellagen füllen. Scheußlich grinst uns der Kopf des Drachens aus„ Siegfried" an; bei der Aufführung puftet er noch eine Wolfe Dampf aus. übrige Körper ist abgenommen und liegt, mit einer Decke geschützt, an der anderen Wand. Zum Schluß wäre noch der Waschraum zu erwähnen, wo alte Leinwande von den anhaftenden Farben gründlich gereinigt und auf diese Weise kostspielige Neuanschaffungen vermieden werden. Paul Johns Bestattung. Bürgermeister Genosse Paul John, den aus der Freude rustigen Schaffens ein unerwarteter Tod herausgeriffen hat, murde gestern in der Abenddämmerung auf dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde zu Grabe getragen. Vor der Bestattung ehrte das Bezirksamt Prenzlauer Berg den Verstorbenen durch eine Ged entfeier im Sizungssaal der Bezirksversammlung, an der Stätte, wo der Tod ihn ereilt hat. In der Trauergemeinde, die den ernst geschmückten Saal füllte, maren Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenderjammlung, des Bezirksamts Prenzlauer Berg und der Bezirksverfammlung, vieler anderer Bezirksämter und Bezirksversammlungen, der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften, des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold und anderer Organisationen. Den Sarg, der mit Blumen bedeckt war und von Kerzenlicht beglänzt wurde, umrahmte ein Hintergrund aus dunkelgrünem Pflanzenschmud. Nach einleitender Trauermusit nahm Oberbürgermeister Boß das Wort zu einer Gedenfrede, in der er das Wesen und Wirken urjeres Genossen John zu würdigen wußte. Tief erschüttert und trauernd steht, führte er aus, die Stadt Berlin an der Bahre des Bürgermeisters John, der in ihrem Dienst sein Leben gelassen hat. Bürgermeister John war einer der treue= ften, zuverlässigsten, fleißigsten, tüchtigsten Beamten, die wir in unserer weitverzweigten Verwaltung haben. und hatte dann auch Erfolg. Er war aber auch der Mann, der Rechte, in den schwersten Jahren an dem Aufbau des neuen Berlin mitzuarbeiten. Denn er war mit dem ganzen Herzen bei der Sache uffnd hatte dann auch Erfolg. Er war aber auch der Mann, der gerade für bie besondere Aufgabe im Bezirt Prenzlauer Berg sich eignete. Er selbst war Berliner Kind, selbst war er aus dem Stadtteil am Prenzlauer Berg hervorgegangen, hier war er als Kind einfacher Leute aufgewachsen. In seiner Jugend schuf er, an seiner Weiterbildung arbeitend, sich die Grundlage für seinen Aufstieg. Als Bürgermeister des Bezirks Prenzlauer Berg blieb er einfach und bescheiden, war er fleißig in seiner Arbeit, ernst in der Auffaffung seines Berufes, doch auch so heiter und fröhlich, wie es der Berliner sein fann. Wir haben ihn als einen lieben Kollegen geschätzt. Wir trauern um ihn und bringen ihm unseren Dant dar. Für das Bezirksamt und die Bezirksversammlung widmete Stadtrat Genosse Dr. Friedländer dem Verstorbenen ehrende Worte des Gedenkens. Paul John hat, in einer unbemittelten Familie aufwachsend, eine harte Kindheit gehabt. Aber als Jugendlicher, als Lehrling hat er, die stillen Nachtstunden seiner Weiterbildung widmend, fich emporgearbeitet. Der Redner schilderte die Entwicklung des heranwachsenden Mannes, die Beteiligung an den gewerkschaftlichen Kämpfen, den Uebertritt in die Laufbahn des Journalisten. In warmen Worten des Trostes gedachte Genosse Friedländer der Gattin Paul Johns, die in allen Nöten des Lebens ihm eine treue Stüße gewesen ist. Was Genosse John als Bür germeister geleistet hat, ist überall im Bezirk Prenzlauer Berg zu merken. Wohlfahrtswesen, Rentenfürsorge, Jugendpflege und viele andere Berwaltungszweige haben ihm st arte Förde rung zu danten. Im Sinne des Verstorbenen weiter zu wirken, ist eine Aufgabe aller, die im Dienst der Gemeinde stehen. Worte des Dankes wurden dem verstorbenen Bürgermeister auch von BerBaubertretern der Beamten, der Angestellten und der Arbeiter gewidmet. Sie schilderten ihn als stets gerecht, als einen Mann, der nicht Borgesetzter war, sondern helfender Berater und Freund war. Für die Sozialdemokratische Partei und unserer Bezirksverordnetenfrattion sprach Genosse Se cht. Die Partei, die feine Tüchtigkeit längst tannte, mußte, warum sie ihn als geeignet für das Amt des Bürgermeisters anjah. Was er geleistet hat, wird meiterwirten. Mit dem gleichen Pflichtgefühl und der gleichen Treue wollen wir ihm nach eifern. Für die bürgerliche Frattion der Mitte rief Bezirksverordneter Flieth dem Bürgermeister seinen Abschiedsgruß nach. Eine Ueberraschung war es, daß auch Bezirksverordneter Wenter als Vorsitzender der Fraktion der Deutschen Bolts partei anerkannte, wie sehr Bürgermeister John ein Beispiel ernster Pflichterfüllung gegeben und immer nur für das Wohl der Allgemeinheit gesorgt habe. ( Bei einer Erwiderung auf unbegründete Angriffe, die gerade von der Deutschen Volkspartei ausgegangen waren, ist unser Genosse John vom Herzschlag getroffen worden.) Nachdem noch ein Bertreter des Seglerflubs Fraternitas und des freien Segler. verbandes der Sportliebe des Verstorbenen gedacht hatte, schloß die Feier mit Trauermufit. wagen langsam und geräuschlos heben und nach erfolgter Ladung auf das unten wartende Rädergeftell herabfenten. In fatakomben artigen, schier endlos langen, dunklen Rumpelfammern", die ihre bestimmten Nummern tragen und alle in den Hof des Aufzuges münden, lagern friedlich nebeneinander jene seltsamen Gebilde aus Leinwand und Holz, die sich dem Publikum nur von der Borderseite und immer nur wenige glanzvolle Stunden zeigen dürfen; denn auf der Bühne ist des beständigen Wechsels der Aufführungen wegen fein Platz für diese platraubenden Kulissen, und so befinden sie sich, wenn sie nicht schon gar zu altmodisch geworden sind, auf ewiger Wanderschaft zwischen Magazin und Theater. Unheimlich stechen unter den meist flachen Versehungen" abenteuerliche, plastische Geftaltungen hervor: blaugrüne, fafteenartige Gewächse wuchern zwischen zwei dräuenden, cachierten Rittergestalten, zu deren Füßen fieberhaft große ägyptische Lotossäulen sich im Dunkel des Raumes verlieren: nach Entwürfen von Ludwig Rainer für die flöte" angefertigte Dekorationen, die 1921 entstanden sind. 1 Trowe EXELL Das Kulissenhaus der Staatstheater. Dann wurde der Garg hinausgetragen und durch die Straßen des Bezirks nach dem an der Pappelallee gelegenen Friedhof der Freireligiösen Gemeinde gebracht. Den langen Trauerzug, in dem viele Fahnen der Sozialdemokratischen Partei, des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold und der Kleingärtnervereine des Stadtteils mitgeführt wurden, begrüßte in starker Anteilnahme eine dichteg drängte, die Straßen säumende Menge. Auf dem Friedhof sprach am Grabe als Vertreter der Stadtverordnetenfrattion Stadtverordneter Genosse Reimann, der Paul John als echten Sohn des Proletariats schilderte.„ Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben" flang es über die Gruft hin. Der Arbeitergesangverein Prenzlauer Berg widmete dem toten Genoffen diesen legten Gruß. Auch die Kommunistische Partei hatte einen Bertreter entfandt, der am Grabe fprechend Johns an f- 1 opfernde Tätigteit für die werttätige Bevölte rung anerkannte. Kränze wurden niedergelegt, u. a. für den Magiftrat und die Stadtverordnetenversammlung( burch Oberbürger. meister Böß), für das Bezirksamt, für die Bezirksversammlung, für die Beamtenschaft, die Angestellten, die Arbeiter des Bezirks, für den Groß- Berliner Bezirksverband der SPD. für die 29. Abteilung, für Redaktion und Verlag des Vorwärts, für die Kleingartenvereine und viele andere. Auch ein„ Aerztefefnd". Der Deutsche Aerztetag, der die denkwürdige Resolution gegen die Abtreibungsfeuche" faßte und dadurch die voltsfeindliche Einftellung des größten Teils der deutschen Aerzteschaft aufs neue be wiesen hat, hat auch eine Resolution gegen die Ernennung des Genossen Dr. Weyl zum Mitglied des Landesgesundheitsrats einstimmig angenommen. Genoffe Dr. Weyl wird nach dem„ Berliner Tageblatt" vom 11. September als Aerztefeind" bezeichnet, was er aber nach diesen Ergebnissen des Deutschen Aerztetages als Ehrentitel betrachten tann. der will, im Interesse des Stadtfädels den wohlgemeinten Rat geben, bevor er die auf Antrag des Genoffen Bent beschlossene Errichtung des Rundfunks in den Krantenhäusern in Angriff nehmen läßt, ähnliche Anlagen im Cäcilienhaus in der Berliner Straße zu be fichtigen. Er hat nämlich der Einweihung des Cäcilienhauses und sichtigen. Er hat nämlich der Einweihung des Cäcilienhauses und der Besichtigung der Frauenklinik des Hauptverbandes Deutscher Kranfenfaffen, die an jedem Krantenbett einen Rundfunkhörer hat, wohl, wie wir annehmen, wegen zu großer Arbeitsüberlastung an diesem Tage nicht beiwohnen können. Jugendweihen der Groß- Berliner Arbeiterschaft heute, Sonntag, den 20. September, vorm. 11 Uhr Berlin, Großes Schauspielhaus, Karlstraße Charlottenburg, Schiller- Theater, Grolmanstraße Pantow, Aula des Lyzeums, Görschstraße. Mitwirkende: Der Junge Chor, Leifung Heinz Thlehen/ Charlottenburger Liedertafel, Mitglied des A.-S.-B., Chormeister Marimillan Sternigti/ Männerchor Niederschönhausen, Mitglied des A- S- B. Orgelspiel/ Mufit/ Gesang| Sprechchor Wetheredner: Stadtverordnetenvorsteher Johannes Haß Lehrer Wilhelm Schmüder Regierungsräfin Hedwig Wachenheim Gastfarten an den Kaffen. Liebet Euch untereinander! Ein anonymer Brief. Um die Gewissenhaftigkeit und Wahrheitsliebe der deutschen Aerzteführer der Allgemeinheit vor Augen zu führen, wollen wir nur kurz die hauptsächlichsten Ergebnisse der parlamentarischen und fommunalen Lätigkeit des Genossen Weyl im Interesse der deutschen Merzteschaft aufführen. Er hat in Berlin die Schaffung der Stelle eines Stadtmedizinalrats durchgeführt. Die bis dahin nebenamtlichen Schularztstellen hat er wegen der Wichtigkeit schulärztlicher Untersuchungen für die breiten Massen Arzt ist nach sozialistischer Anschauung für die Patienten, nicht umgefehrt. da in hauptamtliche umwandeln lassen. Herr Dr. Schener, bekannt als Teilhaber am Ehrenfold von 15 000 m. und deshalb sicher ein ganz standestreuer Arzt, hat das in einer Aerztekammerfihung rühmend anerkannt. Ferner hat Ge- Recht eigenartige Angelegenheiten machen in der Gemeinde der noffe Weyl den bis dahin schlecht bezahlten Rettungsärzten Luisenstadtkirche die Runde. Der dort amtierende Pfarrer Th. beein angemessenes Firum für ihre Tätigkeit verschafft, was durch den tommt eines Tages einen anonymen Brief, der ihm von Andrang standestreuer Aerzte zu diesen Stellen bewiesen wird. zwei Kirchenältesten seines Bezirks, einer Frau. und einem Ferner hat der Sozialiſt Dr. Beyl, das„ Berliner Tageblatt" legt Drogiften R., wenig erbauliche Dinge meldet. Solche, höchft peinlichen besonderen Wert auf die Parteizugehörigkeit der Aerzte, die Ein- Schreiben, deren Absender sich durch das Verschweigen seines Namens gruppierung der Bolontär, Assistenz und Oberärzte noch unter den Schmutz seines Klatsches stellt, pflegen sehr oft in den der städtischen Krantenhäuser und Irrenanstalten Papierforb zu wandern; manchmal aber haben sie auch ein in die staatliche Besoldungsordnung durchgeführt. Im Landtag hat anderes Schicksal. So in diesem Falle! Der Brief weiß zu haarGenosse Weyl durchgesezt, daß in den Etat der Universi- sträubende Dinge zu berichten. Frau W. und Herr K. sollen gar zu täten die freie Betöftigung und Wohnung der Me- eng befreundet sein und von Alimenten will man auch noch etwas dizinalpraktikanten an den staatlichen Kliniken und der wissen..! Das erfordert schärfste Inquisition. Dem Gemeinde Charité aufgenommen wurde. In der Wohlfahrtsperwal- tirchenrat wird der Brief unterbreitet und der beschließt, ihn als tung hat Genosse Weyl erreicht, daß jetzt zwei Drittel aller an sich und nicht an den Herrn Pastor gerichtet zu betrachten. Denn Rassenärzte poll befoldet find, also nicht mehr auf Privatnur auf diese Weise tönne etwas geschehen. Und es geschah etwas! pratis angewiesen und dadurch der„ Nahrungsspielraum der frei Nämlich Widerwärtigkeiten schlimmster Art. Frau 2. und Herr K. praktizierenden standestreuen Aerzte im Interesse ihres überaus wandten sich an das Konsistorium und eröffneten hier einen wahren pollsfreundlichen Wirkens erweitert wurde. Auf Antrag des Ge Feldzug persönlicher Angriffe an den Weiterleiter des noffen Weyl wurde ferner der Zuschuß zum Kaiserin- Friedrich- Haus Briefes. Nur der Herr Pastor habe seine Hand im Spiele bei dem für ärztliche Fortbildung erhöht. Ebenso der staatliche Zuschuß anonymen Brief gehabt, von ihm allein gingen die Verdächtigungen für die Hochschule für Leibesübungen. Allerdings hat Genosse Dr. Benl zwei Berbrechen" begangen, die in den Augen einer standes schnitten, fich seines Postens in moralischer Hinsicht unwürdig eraus. Als Seelsorger habe er sich damit selbst seien Ehre abgedewußten reaktionären Aerzteschaft alles Vorhergehende als ein wiesen, da sein ganzes Treiben hinterhältig sei. Maßlofe nichts erscheinen lassen müssen. Er hat nämlich erstens das Ver- Entrüstung auf der Gegenseite, im Einverständnis mit den vorgesetzhältniswahlrecht bei den Wahlen zur Aerztekammer gesetzten Behörden ward das Briefchen ein Attenstück, das endlich die lich festlegen laffen, also die standesübliche Vergewaltigung einer Grundlage einer schweren Beleidigung des Geistlichen vor dem großen andersdenkenden Minorität durch eine nur geringe Majori Schöffengericht Berlin- Mitte bildete. Angeflägt sind selbstverständlich tät unmöglich gemacht und es wurde auf seinen Antrag ferner Frau W. und Herr K. Der Pastor hatte schriftliche Beweise seines eine Reform der Ehrengerichtsbarteit durchgeführt, makellosen Lebenswandels und seiner einwandfreien Lebensführung die folgende für einen standestreuen Arzt unerträgliche Forderungen von seiner vorgesezten Behörde erbracht und der Herr Staatsenthält: a) Berjährung der Miffetaten. b) Es ist ein Wiederaufanwalt sah auch die Beleidigung als erwiesen an, er beantragte gegen nahmeverfahren möglich. c) Es gibt eine Revisionsinstanz. d) Es jeden der Angeklagten 100 Mart Geldstrafe. Aber das Gegibt eine Bewährungsfrist. Dann ließ er sich noch eine Verbesserung richt war anderer Meinung, es hielt Frau M. und Herrn K. den bei der Errichtung der Verztekammer Berlin- Brandenburg zuschulden§ 193 des Strafgesetzbuches zugute, erkennt die Wahr kommen, durch die die Gesamtheit der Berliner Aerzteschaft 3000.nehmung berechtigter Intereffen an, und sprach beide spart, wie der Kaffenprüfer Sanitätsrat Dr. Alexander feststellt, frei! Der unglückselige Brief aber soll noch immer nicht in den bzw. die Führer 3000 m. weniger Nebenverdienst haben. Endlich Papierforb wandern, jezt nimmt er mit dem ihn sorgsam umhüllen hat Genoffe Weyl noch eine Arbeitsgemeinschaft zwischen den Attenstück den Weg in die Berufungsinftanz! Kranten taffen und Aerzten vorgeschlagen, die aber wohl ficher aus Intereffe für die Bollsgesundheit durch das hinziehende Berhalten der Aerzteführer Ritter, Lenhoff usw. noch nicht in Lätig. feit treten fonnte. Unter den Vertretern der 34 000 Aerzte, welche auf dieser Tagung in Leipzig den großen Bann über den Genoffen Weyl verhängten, wird wohl sicherlich mancher gesessen sein, der mittelbar oder unmittelbar Förderung durch ihn genießt. Im Anschluß daran wollen wir aber dem Stadtmedizinafrat Professor Dr. v. Drygalsti, der als fortschrittlicher Mann gelten 391 Das unbegreifliche Jch. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersehung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Das waren ein paar sonderbare Bücher. Samuelsen steckte den Kopf herein und nickte. 444 Billige Fifchtage. Bon Montag, den 21. September, bis Mittwoch, den 23. September, findet ein preiswerter Fischverkauf statt. Es fommen zur Abgabe lebendfrische Ostsees chollen und wird pro Pfund von 20 bis 35 Pfennig verkauft, je nach Größe. Die Bertaufsstellen sind durch Plakate tenntlich gemacht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markthallen und auf den Wochen märkten. Fischfochrezepte werden gratis verteilt. Das waren die anderen Stimmen, mit ihrem Geplauder, ihrem Gezänt, ihrem Stöhnen und ihrem trillernden Gelächter, die mich beunruhigten. Wer fonnte das sein? War es diefelbe wie gestern Nacht? Wie sah sie aus? Und eine Angst fonnte mich paden, daß es das hübsche, große Bäderfräulein von nebenan oder das schwarzäugige Mädchen, das gegenüber wohnte, wäre. Ich fühlte, daß das ganze Quartier unsicher war, und ich wurde jedesmal traurig, muelsens Hinterzimmer gerade wie Fräulein Petersen, gerade wie Fräulein Laurigen, gerade- gerade wie Mutter? Die Bücher mußt du stehen lassen, sonst machst du bloß wenn ich eine hübsche Dame sah. Ramen die alle in Sa Flede herein." Ich versprach es, und dann zog ich mich aus. Als ich ins Bett gefommen war, troch ich ganz zufammen. Hier, in der fremden Umgebung mußte ich förmlich nach mir selbst suchen. Ich steckte den Kopf unter das Dedbett, und mun fonnte mich fein fremder Mensch oder feine fremden Dinge mehr stören. Mutter war frant und war ins Krankenhaus gekommen, und ich schlief bei Samuelsen; aber das fonnte auch wohl ein Traum sein, und wenn ich aufwachte, lag ich in einer Kajüte und war erwachsen, war dreißig Jahre. Draußen vor dem Ochsenauge war das blaue Meer, und am Horizont ein langer, gelber Strand mit Palmen, und ich war sehr glücklich. Oder es war da eine Stadt in Marokko mit weißen Häusern und startem Sonnenschein, und ich war sehr melancholisch. Alles war möglich für mich, wie ich fo im Dunkeln unter dem Deckbett lag. Nur das eine war unwahrschein lich, daß ich morgen früh in Samuelsens fleiner Kammer aufwachte. Mitten in der Nacht wurde ich von Stimmen geweckt. Eine Frauenstimme war dabei. War das Mutters? Aber ich hörte auch ganz deutlich Samuelsen reden, und ich dachte verwirrt: Was macht er hier in unserem Schlafzimmer? Am nächsten Morgen erwachte ich in Samuelsens fleiner Kammer. Ich mußte mich erst daran gewöhnen, gerade wie an die Tage im Laden und die unruhigen Nächte, wenn Damenbesuch da war. Einige dieser Damen lernte ich selbst fennen, denn ich wurde hin und wieder mit irgendeinem unverständlichen Bescheid zu ihnen hingeschickt. Da war die große Frau Petersen, mit den vielen Haaren und den stechenden Augen. Ihr Gelächter und ihre fleinen Schreie lernte ich schnell kennen; sie lief gern mit bloßen Füßen auf dem Fußboden herum. Hörte ich das in der Nacht, drehte ich mich einfach auf die andere Seite und schlief weiter. Und dann war da ein Küchenmädchen aus einer der Kneipen, ein fleines, rundliches Ding mit schläfrigem Bld. Sie weinte gerne; aber ihr Schnauben störte auch nicht meinen Schlaf Nach dem Krankenhaus tam ich nur selten. Das ganze Bertrauen, das ich zu Mutter bekommen hatte, verschwand. Ich konnte nicht begreifen, daß sie ebenso wie Fräulein Petersen sein sollte. Samuelsen gegenüber war ich sehr zurückhaltend; aber sollte ich Verkäufer in seinem Laden werden. er gab mir Essen, und wenn ich eingesegnet worden war, Wenn ich bloß eines Morgens in einer Kajüte auf machen, weit weit fort und dreißig Jahre alt sein tönnte. 10. May quälte Waldemar häufig damit, daß sie gerne einen chinesischen Tempel sehen möchte, und jedesmal sah er sie erstaunt an. ,, Das mußt du doch schon so oft gesehen haben, May?" Nein!" Schließlich entschloß er sich eines Tages ihr nachzugeben. Wollen wir alfo in die Chinesenstadt gehen?" fragte er. " Ja, du Lieber, du. Hast du einen Führer, zwitscherte sie. ,, Du mußt doch den Weg fennen, Maŋ." Nein!" antwortete fie trogig. Waldemar verstand nicht, warum sie das verneinte; aber er selbst fannte nicht alle die Gäßchen und Winkel, woraus die Chinesenstadt bestand, und andererseits tannte er May gut genug, um zu wissen, daß, wenn sie sich unwissend ftellen wollte, sie einfach darauf verfallen fonnte, ihn irrézuführen, bloß um ihre Unwiffenheit zu beweisen. Deshalb nahm er einen Führer. Sie waren bloß um zwanzig Eden gebogen und fünf Minuten lang schmale, schmuhige Gäßchen heruntergegangen, als Waldemar bereits das Gefühl hatte, als ob ihm die Augen zugebunden, und er im Kreise herumgedreht worden wäre. Er ahnte nicht, wo sie sich befanden. Sie fonnten ebensogut links wie rechts abbiegen, das tam auf eins heraus! | Verhaftung von Falschmünzern. Auftauchen neuer Falschscheine in Berlin. Falsche Zehnrentenmarfscheine tamen Anfang August d. J. in Berlin in den Verkehr. Diese neuen Falschscheine waren ziemlich gut nachgeahmt, hatten aber doch ein charakteristisches Erfennungszeichen. In der Zahl 500( Goldmart) im Anfang der 4. Zeile des Textes hatte der Fälscher zwischen die Ziffern 5 und 0 einen fleinen Strich gesetzt, der von dem Bauch der 5 ausgehend, die 0 ungefähr in der Mitte traf. Den Vermittler zwischen den Falschmünzern und Falschgeldliebhabern spielte ein Händler Klig, der alsbald den Kriminalbeamten der Reichsbant- Falschgeldabteilung in die Hände fiel. Kurze Zeit nach ihm wurde ein aus Lodz stammender Händler Abraham Malsztajn, der von ihm einen größeren Posten Faschscheine be30gen hatte, feftgenommen. Ein weiterer Verbreiter Eichler wurde durch die Aufmerksamkeit eines Geschäftsmannes aus der Kothenniusstraße, bei dem eine Frau einen Falschschein in Zahlung gegeben hatte, unschädlich gemacht. Als Hersteller der Falschscheine verfolgte die Polizei den Steindrucker Richard Pfister, der wegen Fälschung von Brotkarten und Bertriebes falscher Banknoten bereits vorbestraft ist. Als dieser von den Beamten der Reichsbant- Falschgeldabteilung in seinem Schlupfwinkel in der Invalidenstraße verhaftet wurde, fand man noch 1043 falsche Zehnrentenmartscheine in Zeitungspapier eingewidelt in feinem Kleiderschrant. Augenblicklich ist in Berlin noch eine weitere Fälschungstlasse der Zehnrentenmartscheine in Umlauf. Auch in diesem Falle hat die Rentenbant für Mitteilungen des Publikums, die die Aufspürung von Fälschern ermöglichen, eine Belohnung von 1000 Mart ausgesetzt. Diese Fälschung fällt durch den unsauberen und biden Drud der Vorderseite auf. Außerdem stehen an der Zahl 10 in der großen Rosette auf der Rückseite des Scheines die feitlich auslaufenden wulstartig erscheinenden Ranten auf den Fälschungen in der oberen Hälfte der Ziffern, auf den echten Scheinen dagegen in der unteren Hälfte. Alle bisher aufgetauchten Falsch scheine dieser Art tragen die Nummer D. 5 713 296 oder, in der Umstellung der Ziffern, ähnliche Nummern. Die Reichsbank hat für Mitwirkung des Bublifums zur Aufspürung von Falschmünzern eine Belohnung von 3000 Mart ausgefeßt. Bertrauliche Mitteilun gen werden von Kriminalkommissar von Liebermann in der Kurstraße 49 entgegenge Reichsbank- Falschgeldabteilung, nommen Ofthavelländische Gartenbauausstellung. Diefe intereffante Ausftellung wird bis zum 28. September in den Räumen der Orangerie zu Sanssouci zu sehen sein. Sowohl was Obst und Gemüse, mie auch Blumen, Farne, Kakteen und Blumenbindereien anbelangt, ist die Ausstellung sehenswert. Man freut sich immer wieder, welch herrliches Obst unsere Mark hervorbringt. Schöne Stilleben und prächtige Gruppen erfreuen das Auge. Sehr intereſſant iſt der Lehrfurfus zur besseren Berpackung der Obstsorten, was wir endlich dem Ausland abgeguckt haben. Nicht mehr das rohe Verpacken in Körbe, sondern Sortierung und sorgliches Verpacken in Holztiften. Abgesehen davon, daß so große Werte erhalten bleiben, ist es auch vom rein kaufmännischen und schönheitlichen Standpunkt aus ein Fortschritt. Man verläßt so die Ausstellung nicht ohne Gewinn und erfreut sich draußen des doppelten Vorteils, durch den herrlich, schon herbstlich geschmückten Part von Sanssouci gehen zu dürfen. Eine Ausstellung der Pächter von Blaufenburg fand vom 13. bis 15. September in der Löwenbrauerei, Hochstraße 2/4, statt. Anschließend daran wurden am 15. September 100 alte Leute des Weddings resp. Gesundbrunnens bewirtet und beschenkt. Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Verbände. Jugend weihe Tempelhof Mariendorf Sonntag, 27. September, vormittags 10 Uhr, Lyzeum Tempelhof, Germaniastr. 4-5. Mitwirkende: Künstlertrio ( Violine, Cello, Flügel), Bollschor Tempelhof. Weiheredner: Lehrer WittHauer. Karten à 75 Pf. in den Konsumberkaufsstellen Mariendorf, Kaiser. ftrage; Tempelhof, Dorfstraße und Friedrich- Wilhelm- Straße. Der Berliner Boltschor( Dirigent Dr. 8 ander) veranstaltet am Dienstag, den 29. September b. 3. abends 8 Uhr, im großen Saal der Nenen Welt, Hasenheide 108/114, eine Aufführung von Verbis Requiem, in der Hertha Stolzenberg, Eleanor Schloßhauer- Reynolds, Antoni Rohmann, Prof. Albert Fischer und das verstärkte Berliner Sinfonie- Orchester mitwirken. Ein Einführungsabend zu diesem Konzert findet am Montag, den 21. September d. J., abends pünktlich 8 Uhr, in der Aula Koppenstr. 76, ftatt, der ausnahms musitalischen Erläuterungen) wirb Dr. Bander halten unter gütiger weise auch von Nichtmitgliedern besucht werden kann. Den Vortrag( mit mitwirkung von Frau, Gertrud Wolf, Frau Quandt, Herrn Dr. Guttmann, Herrn Ebert und vom A- cappella- Chor bes Boltschors. Ueberall gab es offene Läden, Küchendampf und Geftant. Die Menschen strömten aus und ein, fie liefen und frochen, schrien und jammerten; der Verkehr glich einem Auflauf und das Kaufen einer Schlägerei. Da rief May aus: Jezt find wir da!" Waldemar fah bloß eine Tür, und in die faumelten fie Sie befanden sich in einem Tempel. hinein. Die Ein glutroter Schein strömte aus der räuchrigen Höhle, wo eine Unzahl fleiner Weihnachtslichter brannten. Leute schoben sich hin und her. Ein Orchester quietschte und raffelte. Doch ringsherum an den Wänden standen steise Götterbilder, die dreimal so groß wie ein Mensch waren. Sie ftanden mit roten, blanken Gefichtern, die denselben starren Ausdruck wie die Leute auf Rinderzeichnungen hatten. May ging in ihrem europäischen Kleid herum. Hin und wieder führte sie eine langftielige Lorgnette an die Augen und betrachtete auf amerikanische Art die Götter. Who is dat?" fragte sie den Führer, und tippte ihm auf die Schulter. Sie war ruhig und überlegen. " Waldemar hingegen war verwirrt, und plötzlich packte ihn der phantastische Gedanke, daß er feinen Tempel, sondern das Innere eines menschlichen Gehirns vor sich habe. Nur Mays ans europäisches Kleid konnte hin und wieder die Illusion zerstören. Innen in diesem Chinesengehirn standen religiöse Phantafien wie ein Kranz von Bildern, und es schien, als ob in ihrer Mitte ein Licht aufgestellt war, so daß die durchsichtigen Bilder vergrößerte Schatten in glühenden Farben die Wände entlangwarfen. Die verräucherte Wölbung war die Innenfeite der Gehirnschale, und er selbst, Waldemar, trieb wie ein fleiner, fremder Gedanke in einer überhitzten Phantasie herum. Aber war er nicht früher schon durch Menschengehirne gegangen? War nicht der Anblick der christlichen Symbole, theosophischer Phantasien, dadaistischer Bilder, indischer Tempelausschmüdungen, gotischer Stulpturen, und feine eigenen, jugendlichen Malereien, all das, was er an fich hatte vorbeitanzen sehen, nicht das Innere der verschiedenen Menschen, das Form angenommen und versucht hatte, die Wirklichkeit zu überwältigen? Doch wie merkwürdig, daß die Menschen, die diese quälenden Gespenster geschaffen, fie nachher als göttlich angebetet hatten! Waldemar war es plöglich, als ob er feine Füße hätte, so fchwindlig wurde ihm. ,, O, dat ding is dreadful!" rief May aus, und dann befahl sie dem Führer: Go on! Go on!" ( Fortsetzung folgt.) Bezirksbildungsausschus Groß- Berlin. Bente pünktlich 8 hr nachmittags im Staatlichen Schillertheater Charlottenburg Jugend". Karten find noch im Borran des Theaters bei den Ordnern zu haben. Wir bitten, schnellstens die Abonnementslisten für die internationalen Tänze zurüdzureichen. Unsere nächste Vorstellung findet am Sonntag, den 18. Oktober, im Schillertheater statt. Zur Aufführung gelangt das Schauspiel Rheinische Rebellen" von Arnold Bronnen. Die Kreise werden gebeten, die Karten vom Bureau abzuholen. Der gemeinsame Stoffplan der Gewerkschafts- und Arbeiterbildungsschule ist erschienen und kann von den Kreisen in Empfang genommen werden. Zum Brand des japanischen Parlaments. Tofio, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem bringenden Berdacht, den Brand in dem japanischen Barlaments gebäude vorsätzlich verursacht zu haben, wurden am Freitag brei Studenten verhaftet. Die Polizei segt ihre Untersuchungen fort. Es wird jedoch über das Ergebnis vorläufig Schweigen bewahrt. Ein Taifun hat im Südwesten von Japan das Gebiet zwischen Shitolu und Kuyicha verwüftet. Die Verbindungen mit Diała wurden zum Teil unterbrochen. Die Flüsse find an der schiedenen Stellen über die Ufer getreten. Einige Personen sollen umgekommen sein. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Gestern vormittag riffen auf einem Dock der Bullanwerft in Hamburg, auf dem der Dampfer Holstein lag, die erholtaue der Stellage. Die auf der Holstein mit Rostflopfen beschäftigten bier Arbeiter fürsten ab und erlitten schwere Berlegungen. Arbeitersport. Quer durch den Berliner Offen. Heute nachmittag um 2 Uhr werden fich am Landsberger Plak die Autos in Bewegung sehen, um die 1000 Läufer und Läuferinnen zum Straßenlauf der Leichtathletitpereinigung auf die Strecke zu bringen. Um 3 Uhr wird Frankfurter Allee, Ecke Müllerstraße die Hauptstaffel und zu gleicher Zeit am Bahnhof Frankfurter Allee die fleine Staffel starten, während die Frauen sowie Schüler und Schülerinnen in der Landsberger Allee, Ecke Petersburger Straße ihre Staffelläufe beginnen. In ellen Staffeln wird bis zum letzten Läufer gefämpft werden, da alle Groß- Berliner Bereine vertreten find. Sur befferen Orientierung für das Publikum find die verschiedenen Staffeln durch andersfarbige Startnummern der Läufer kenntlich gemacht. Das Einzellaufen über 7 Kilometer ist ebenfalls gut befeht, auch von älteren Sport lern, die befonders gewertet werden. Sportärztliche Untersuchung und Beratung der Langftredenläufer ist zugefichert. Wenn das Gehen über 7% Rilometer nur eine geringe Beteiligung findet, jo ist dies wohl darauf zurückzuführen, daß diese Konkurrenz die erste in der Deffentlichkeit ausgetragen ist. Siel für alle Konkurrenzen ist der Landsberger Blag, der von den Läufern bereits vorher einmal, infolge der Streckenführung um den Friedrichshain, poffiert wird. Die Arbeiterschaft sollte sich diese öffentliche Bro pagandaveranstaltung der Arbeitersportler nicht entgehen lassen. Die Gegner des Sportes follen die leberzeugung gewinnen, daß die Jugend in den Reihen der Arbeitersportler zielbewußte Körperaus bildung genießt. Die Resultatverfündigung findet im Saalbau Friedrichshain statt, wofelbft auch ein gutes, wechselndes Programin für Unterhaltung sorgt. Freier Reglerbund Deutschlands. Seute, Sonnlog, beginnen bie großen Rämpfe um die Bundesklubmeisterschaften über 200 Rugeln. Gestartet wird auf der Bahnanlage Spandau- West, Samburger Str. 14. Die interessanten Rämpfe debnen fich bis zum 22. Rovember aus und beginnen jeden Sonntag um 10 Uhr, Das Rinber- Turn- und Sportfest ber freien Turnerschaft Groß- Berlin, Beair! Süden, findet nunmehr am heutigen Sonntag auf bem ftädtischen Spielplak Am Urban ftatt. Beginn des festes pilntilich 2 Uhr nachmittags. Die fozialistische Arbeiterschaft wird gebeten, bie Bestrebungen des Bereins für den Arbeitersport burch ihr Erscheinen au unterstügen. Werdet Mitglieder der freien Turnerschaft Groß- Berlin. 019 Dienstag, 22. September, abds. 7 Uhr, im Deutschen Hof, Ludauer Straße 15 Außerordentlicher Bezirkstag Tagesordnung: Die Wahlen am 25. Offober. Referent: Stadtverordnetenvorsteher Genoffe Johann Haß. Aufstellung der Kandidaten. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 20. September. Vorträge, Dereine und Verfammlungen. 23 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftstelle: Berlin 6. 14, Gebaftianfic. 87/38, Sof 2 r. Achtung, Kameradschaftsführer und Raffierce! Die am Dienstag angefehte Besprechung findet erst am Mittwoch, pünktlich 7 Uhr, im Ganbureau statt. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerbinter bliebenen, Ortsgruppe Norden 14. Am Montag abend 7% Uhr Mitglieder. versammlung in Büttners festfälen, Schwedter Str. 23. Stellungnahme zum Gautag. Gemeinschaft proletarischer Freibenter, Beztek Groß- Berlin. Montag, ben 21 September, 8 Uhr, Gründung der Ortsgruppe Webbing in der Weltlichen Schule, Gothenburger Str. 2( Nähe Brinzenallee). Referat: Was wir find und was wir wollen". Anschließend Diskussion. Jedermann herzlichft willkommen. Dienstag, den 22. September, 8 Uhr, Mitgliederver fammlung im Astanischen Gymnafium, Hallesche Str. 24-25( Nähe Anhalter Bahnhof). Besprechung des Winterschulprogramms. Bericht Dr. Krisches über die augenblickliche Lage in der Freidenterbewegung. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Die Rechtung bes Krieges", lautet bas Thema, über das im„ Bunde religiöser Sozialisten", Neukölln, Sertaftr. 9( Großer Gemeindefaal), an Diens tag, den 22. September, abends 7 Uhr, Genoffe Pfarrer Bleier in einer öffentlichen Boltsversammlung fprechen wird. Der Eintritt ist frei. Freie Schulgemeinde Berlin- Tiergarten. Am Montag, den 21. September, abends 8 Uhr, in den Arminiushallen, NW., Bremer Str. 71, öffentliche Brotesttundgebung gegen den Reichsschulgefeßentwurf. Redner: Martin Rohrs und Wilhelm Schwan. Genofinnen und Genoffen, Eltern und Lehrer, wahret erve Rechte! Rommt allel Arbeiter- Radio- Klub, e. B. Gruppe Friedrichshain: Montag, ben 21. September, 7 Uhr, im Lokal Arndt, Warschauer Str. 59, Bastelabend und Bor trag über Meßtechnik Gäste willkommen. 8 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. A. Böhme: Präludium( Dr. Artur Schettler. 8. a) Fr. Schubert: Die Allmacht, b) F. MendelssohnBöhme, Harmonium). 2. Ansprache des Herrn Pfarrer Lic. Bartholdy: Entsagung( Hannes Aubert, Bariton). 4. Artur Böhme: Schlußszene ans Goethes" Faust"( Matthias von Erdberg, Rezitation; Dr. Artur Böhme, Harmonium). Am Flügel: Dr. Artur Böhme. 3.30 Uhr nachm.: Märchenstunde. Auguste Prasch- Grevenberg erzählt. 4.30-6 Uhr abends: Aus Meyerbeers Opern. 6.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Gartendirektor Meermann: Der landwirtschaftliche Gemüsebau". I. Teil. 7.15 Uhr abends: Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 7.45 Uhr abends: Einführung zum Sendespiel am 23. September. 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Liebisch: Festfanfaren, Marsch, b) Schröder: Von der Planitz, Marsch( Fanfarenbläserkorps, Leitung: Martin Middeldorp). 2. a) F. Holländer: Die drei( J. Josky) b) Moreau: Reminiscenz, Text und Musik, c) Bruinier: Iwan( J. Josky), d) Wendlands: Die kleine Loge( E. Beuth) ( Jean Moreau, am Flügel: Franz Bruinier).& Heitere Rezitation ( Adele Proesler). 4. a) Schröder: Unterm Kyffhäuser, Marsoh, b) Henrion: Fehrbelliner Reitermarsch( Fanfarenbläserkorps). 5. a) F. Holländer: Untreu( J. Josky), b) Brye: Madame Dubarry ( M. Schiffer), e) Niklas- Kempner: Der Kammerherr( J. Josky), d) Bruinier: Das Glück( Lenau), e) Niklas- Kempner: Der Wohnungslose( Alberts)( Jean Moreau). 6. Heitere Rezitation ( Adele Proesler). 7. a) Henrion: Hie guet Brandenburg allewege, Marsch, b) Müller: Parademarsch der 18, Husaren, c) Deutschlandlied( Fanfarenbläserkorps). 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnach- franfung und Entbehrung! Oft fönnen jedoch verschiedene Anschaffungen, richten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen. Sonntag, den 20. September. Esperanto- Gesellschaft, Charlottenburg. Montag, den 21. September, abends ftraße 24( am Bahnhof Gavignnplay), Bortragsabend über„ Das Weltsprachen 8 Uhr, in der Aula der Raiser- Friedrich- Schule, Charlottenburg, Anefebed problem und Esperanto". Eintritt frei. Geschäftliche Mitteilungen. werben! Im biefe sition witfam and bateräftig zu unterſtügen, hat fo Die in thesficht genommene Berbilligungsaftion foll bennächst burchgeführt das altbekannte und beftrenommierte Berliner Möbelhaus, Moris Hirschowis, Südoften, Staliger Str. 25, Hochbahn Rottbuser Tor, entschloffen, einen großen . 5. enorm billig. zum Einzelverkauf zu stellen. Bir vaten Ihnen daher, Boften erstklaffig gearbeiteter Möbel als ganz besondere Raufgelegenheiten, bie firma Morik Hirschowik zu befuchen. Die heutige allgemeine Gelbinappheit zwingt viele zure allergrößten Ein 1. B. die zur Gründung eines felbftändigen Haushalts oder zur Vervollständi gung desselben unbedingt notwendia find, nicht umgangen werden. Es wird baber die Frage aufgeworfen, mo man billig und gut gearbeitete Wohnungs einrichtungen erstehen tann. Als uns unbedingt zuverlässig, insbesondere als reell bekannte Firma fönnen wir das Moabiter Kredithaus, Turmite. 81, eine Treppe, jedem Möbelfuchenden nur empfehlen. Die Kaufmännische Brivatschule von B. Stoffah, Berlin 9. 20, Babfte, 67, eröffnet im Oktober b. S. außer den üblichen Jahres, Salbjahres, Biertel in Werbelehre und Retlametunde, der für Kaufleute jeben Alters von hoher fachmännischer Bedeutung ist. Wir verweisen auf die beutige Anzeige. 11.30-12.50 Uhr mittags: Konsert Mitwirkende: Gertrud Hirschfelder Langer, Konzert- und Oratoriensängerin; Otto Hutschenreuter, Violoncello; am Flügel: Hans Matthies, Organist 1. a) Telemann: Bin ich denn so gar verlassen( für Sopran, Cello febres und Cinzelfach- Lehrgängen auch einen neuen balbjährigen Zehrgang , Herakles"( für und Klavier), b) Händel: Arie der Jöle aus Sopran). 2. Liszt: Liebesträume, Notturno Nr. 8( für Klavier). 3. Molique: Konzert andante( für Cello und Harmonium). 4. Bruch: Ave Maria, aus Das Feuerkreuz( für Sopran, Cello, Klavier). 5. H. Mathies: Ballade( für Klavier). 6. a) H. Kann: Mit den Gänsen, b) F. Krüger: Abondsegen, c) H. Mathies: Lenzleuchtezeit, Erstaufführung( Text von Christa Hard). 7. Franz Fink: Impromptu und tragische Novellette( für Cello). 8. Mozart: Arie der Zerline aus„ Don Juan"," Schmale, tobe"( für Sopran, Cello, Klavier). 12 Uhr mittags: Esperantovortrag. Montag, den 21. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau( Carpe diem"). 7 Uhr abends: Sanitätsrat Dr. Paul Frank: Medizinisch- hygienische Plauderei. 7.30 Uhr abends: Dr. Ferdinand Jakob Schmidt: Schopenhauer" ( † 21. September 1860). 8 Uhr abends: Oberingenieur Oito Nairz: Funkpraktikum. 4. Vortrag. Wie erweitert man den Wellenbereich". 8.30 Uhr abends: Orchesterabend. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Smetans: Die Moldau. 2. Tschaikowsky: Nuß knackersuite. 3. Brahms: F- Dur- Sinfonie( Berliner Funkorchester). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( E. Nebermann). Das Intereffe bes Bubithms file Sandarbeiten hat auch biefes Jahr bas Warenhans Hermann Ties veranlaßt, in thren drei Säufern Leipziger Straße, Alexanderplag und Frankfurter Allce eine umfangreiche Ausstellung moderner, neuzeitlicher Bandarbeiten zu veranstalten und die Erzeugniffe einer mit teilpeise hohem fünstlerischen Geschmad arbeitenden Sndustrie zu zeigen. Eine veichbaltige Auswahl in Handarbeiten von dem einfachsten bis zu dem elegantesten Genre, bie zum größten Teil voogezeichnet aur Selbfbausführung erhältlich find, bieten eine besonders günstige Raufgelegenheit. Der neu erfchienene Serbst- und Winterkatalog der Firma R. Seznel, Berlin C., zeichnet sich durch eine große Anzahl befonders vorteilhafter An gebote aus. Ein buntfarbiger Umflag und viele naturgetrene Abbildungen Don Blufen, Kleidern, Röden, Jadenfleidern, Mänteln und Sitten veranschap lichen die Merkmale der neuen Mode, die für den kommenden Winter Don einer völlig veränderten Sinie beherrscht wird. Daneben verdienen die umfangreichen Abteilungen für Wäsche, Wirkwaren, Kleiberftoffe, Seidenstoffe, Herren und Kinderkleidung besondere Beachtung. Auch die Abteilungen file Gardinen, Möbelstoffe und Teppiche sind durch viele wohlgelungene Abbildungen und befonders preiswerte Angebote in dem Katalog vertreten. Auf Wunsch wird biefer Ratalog von der Firma R. Jsonel toftenfrei zugefandi. Briefkasten der Redaktion. 8. 6. 53. Die Ehefrau behält die deutsche Reichsangehörigkeit.-. 2. 95. Der Borkigende des Bereins tann unferes Erachtens die Klage unbedenklich erheben. Eventuellen Schwierigkeiten Banu babura begegnet werden, daß bie Mitglieder des Vereins ihre Ansprüche an den Vorigenden abtreten. A.WERTHEIM Berlin Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Moden- Ausstellung Mäntel, Komplets, Pelzjacken u. Mäntel, Nachmittags- und Abendkleider, Blusen, Morgenröcke, Kinderkleider u. Mäntel. Maß- Salon Leipziger Straße: Die neuesten Pariser Modelle Extra- Preise in dieser Woche Mantel Vetours de laine m.Seitenfalten in viel. Farben 55M Mantel a.dick. Winterflausch, Bibe rette- Kragen 28.50 Mantel aas meliert.Flausch, Aravers neue Glockenform, m.farb, Kragen 2975 Mantel Velours de laine, monern. Farben, kleine Damengroßen 37.50 Mantel Velours de laine, neue Glockenform 59 M Mantel Velours de laine, m. Biberettekrag., eingelegte Falten 69 M. Backfischkleid reinw. Rips, marine and broun, jumperf. Pässee- 3850 rock Jumper Wolltrikot, mit aparten kunstseidenen Streif. Kinderkleid 1750 a. Kunstseide, Länge 50 bis 95, Länge 50 975 Lede weitere 5 cm 25 Pf. mehr) Jumper Crêpe de chine in verschiedenen Ausführungen Kindermantel etnf. Flausch, reinw. Lg 60 b. 100, Lg. 60 1475 Jede weitere 5 cm 1,50 mehr) 23M Kinderkleid reinwollen. Schotten Länge 60-95, Lg. 60 1525 ( Jede weitere 5 cm 1,25 mehr) Kinderkleid Jumper, einfarbig, m.schott. Faltenrock Länge 60-952350 Lg. Jede wettere 5 cm 1,50 mehr) Tanzkleid Jugendl Form aus Chinakrepp m. Glockenrock u. neuartiger Garnitur, versch. Ausführung 49M Crêpe de chineKleid reine Seide bemaltes Vorderteil und Rock 29 50 Besuchs- Kleid aus reinwoll Ripsstoff m. Tressengarnitur, goldfarb. Lederbes. 24.50 mit kurzen Aermeln 19.75 Nachmittagskleid aus reinwoll. Gabardine, Fal'enrock m. farb.gefloc Tressengarn. und breitem Lackgürtel 34M Abendkleid aus reinseidenem Crêpe de chine mit reich be sticktem Rock Ferner: Blusen, Kleiderröcke, Kinderkleider und Mäntel 62M ine Lei viedet elöite eiter. fo en wird bigung in aller und nwelt ung des de des undas 9, melHanno Брале ß der Stern der deutsche Politit fein. • Ang er neu Flug günji bet. Hannover, 19. Gember, Unter gewaltiger Beteiligung er folgte heute nachmittag die mit außerordentlicher Spannung erwartete Eröffnung des neuen Hauses der Firma C.& A. Brenninfmeyer. Um 4 Uhr öffneten sich die Sprachen Tore, und bald fezte neben der Befichtigung eine lebhafte Rauftätigkeit ein doch die niedrigen Breise zufammen mit der riesigen Auswahi tatsächlich für eine Leiftungsfähigkeit, die immer wieder freudiges Erstaunen auslöfte. Wenn die Firma weiter so günstige Angebote in DamenKleidung unterbreitet. wird bald in aller fie- um mit ihrer Anfündigung zu sprechen Munde" und der Sympathie und Gunst der hiesigen Davienwelt ficher sein. -> Genfung der Breffe 29ir fehen zurzeit, wie fi ittlich die schwefürg Der verhäng 2nük C& A BRENNINKMEYER pet b vo wirkung ber all gende für Stati fung Breisb gefoly hat ge präsider angi Königstraße 33 Am Bahnho! Alexanderplatz Chausseestr.113 Beim Stettiner Bahnhof Die neue Richtung seitlich durch Falten ausladende Weite, schmeichlerische Pelzverbrämung, zeigt dieser fesche Mantel in vollendeter Form. Gute Velours- Ware. 45° neuer C& A BRENNINKMEYER Die Wintermode liebt den feschen Herrenmantel aus Schottenkaro mit Samt- Kragen, Seitenpatten und Gürtelteil In entzückenden modernen Karomustern Obige Angebote stehen ab Montag zur Verfügung! Vin waffnu nicht visftig! Persil Henkel 13 નું w Ohne Chlor 18 27°° Schick grazios das neueste Falten- HemdKleid mit kokettem Pelzkragen geschmückt. Das Enfzucker jeder feschen jungen Dame. 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Die Konzentrationsbestrebungen der deutschen Schwerindustrie| Brivatbesih fich befinden, fft die Beschaffung der Produktionsgiffer find für die Kommunalwirtschaft von besonderer Bedeutung. Die unmöglich. Es sind besondere Gründe, die sie zu solchen Borsichts. Rohlenbarone haben schon längst ertannt, welche Gewinnchancen maßregeln veranlaffen. der Beredelungsprozeß der Rohlendeftillation ( Gasproduktion) in sich birgt. Im Jahre 1912/13 wurden allein in ben Gemeindegaswerten aus 8% Millionen Tonnen Rohle in Werte von 161,5 Millionen Mark Produkte von insgesamt 503 Millionen Mart gewonnen. Es ist allgemein bekannt, baß der Industriemagnat Thyffen Im Begriff ift, den Plan zu verwirklichen, der das gesamte rheinische Induftriegebiet von Düffeldorf bis Mannheim durch drei Großtotereien, die in Köln, Frankfurt und Mannheim errichtet werden sollen, mit Gas zu versorgen. Das Projekt ist aus der wirtschaftlichen Notwendigtelt entstanden, daß Thyssen für seine Rohlen Leichterpläge braucht. Die Verschiffung vom Niederrhein nach Süddeutschland ist mannig fachen Schwierigtetten unterworfen. Bet niedrigem Wasserstand fahren die Schiffe von Ruhrort bis Mannheim mit halber Fracht. Besigt Thoffen in Köln eine Roteret, so fönnen dort die Schiffe leichtern und fahren dann mit halber Fracht nach Süddeutschland. Ebenso bekannt sind die Bestrebungen der großen privaten Gasgesellschaften, in der Form gemischwirtschaftlicher Betriebe der Rommunalwirtschaft neues Terrain abzugewinnen. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die organisatorische und wirtschaftliche Rückständigteit in großen Teilen der tommunalen Gasindustrie. Die Entwicklung der Gaswirtschaft felt der Selt thres Be ftehens( im Jahre 1825 wurde in dem Heinen fächsischen Städtchen Freiburg unter Ausnutzung der Hochofengase die erfte öffentliche Gasbeleuchtung eingerichtet) bat mannigfache Formen angenommen. Während anfangs des 19. Jahrhunderts das Privatfapital überwog, Im Jahre 1862 waren von 266 Gaswerten mur 62 im städtischen Befih, waren bereits im Etatsjahre 1912/13 von 1700 Gasmerten 1139 In Gemeindeeigentum. Das Gas war als Beleuchtungsmittel gegenüber der Rübölflamme ein gewaltiger Fortschritt. Aber bereits in den 90er Jahren entstand in der Elettrizität bem Gas ein erfolgreicher Ronkurrent, der zwar vorübergehend durch die Erfolge des Auerlichtes zurild gedrängt wurde, jedoch in den letzten Jahrzehnten durch die Fort schritte der Elektrotechnit alle Gebiete ber öffentlichen und privaten Beleuchtung eroberte. In Erkenntnis der Ueberlegenheit der Elettrizität auf dem Gebiete der Beleuchtungstechnit haben sich die Gastechniker auf die Berwendung bes Gafes zu Heiz- und Rochweden und als motorische Straft eingerichtet. In organisatorischer und wirtschaftlicher Beziehung hat die Elektrizität einen schnellen Siegeszug bis ins fleinste Dorf an getreten, während die Gasverteilung bisher an den Standort gefeffelt war. Die letzten Jahrzehnte haben auch hier Wandel geschaffen, nachdem das technische und organisatorische Problem der Ferngaspersorgung und ihrer Wirtschaftlichkeit gelöst war. Dieser Entwicklung steht aber der partikularistische Geift im wieffchaftlichen Sinne, der in den deutschen Kommunalverwaltungen zu Hause ift, ent gegen. Die Gasversorgung ist heute teine rein lofale tommunale Frage mehr, sondern eine interkommunale Angelegen heit, die nur mit Hilfe der Konzentration der Finanzfraft der verschiedenen Kommunalverbände und höheren tommu nalen Einheiten ihrer Lösung entgegengebracht werden kann. Wie notwendig bleje Arbeit ist, zeigt ble ungeheure 8er. Splitterung, Unwirtschaftlichtelt und Rückständigtett, bie noch in einem Teile der Gasindustrie herrscht. Es liegen mir von 1044 Gasmerten die einzelnen Produktionsmengen vor. Diese geben ein ungefähres Bild von dem Stande ber deutschen Gas. wirtschaft. Bon diesen 1044 Gaswerten find 825 mit 1707 828 Rubikmeter Gaserzeugung im Gemeindebeft, 37 gemeindeeigene Betriebe mit 328 512 Jahresleistung find an Privatgesellschaften verpachtet, 16 Betriebe 18 881 Rubitmeter befinden sich im Befihe von Gemeinde verbänden und 166 Werte mit 657 512 Rubikmeter find im Privatbesib. Bon einem großen Teil Gaswerten, die im| Der Wirrwarr in der Weltwirtschaft. Weltwirtschaftliche Umschan. Selt der Ronjuntturperiode der Nachfriegszeit, die bis 1920/21 anhielt, gibt es teine einheitliche Ronjunttur in der Weltwirtschaft mehr. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in bezug auf das Volkseinkommen und Boltsvermögen, auf die Berhältnisse der Baluta und der Staatsfinanzen, auf die Löhne und damit die Kauftraft und Produktionskosten, schließlich auch die technische Ausrüstung find zu groß geworben, und deshalb fallen die Konjunktur- und Strifenperioden start auseinander. Auch heute noch haben einige Volkswirtschaften eine gute, andere eine schlechte Konjunktur, und zwischen diesen beiden Polen gibt es mandje Uebergangsstufen. Im Folgenden sollen die Veränderungen, die in der letzten Zeit in der Lage einzelner Boltswirtschaften aufgetreten find, festgehalten werden. Länder mit günstigem Geschäftsgang. In Europa gibt es nur zwei Länder mit ausgesprochen guter Industriekonjunktur: Italien und Grantreich. In Italien ist bie Lage der Hauptinduftrie: Textil, Geiben, Eisen, Stahl und Elektrizitätsindustrie, fehr günstig. Desgleichen auch in Frankreich, mo auch jezt noch troß Berlangsamung der Konjunktur feine Arbeits. losigkeit vorhanden ist. Gemeinsam für beide Länder ist die Tatsache, daß die günstige Entwicklung der Brobuftion nicht auf die Erhöhung des inneren Verbrauchs, sondern auf die gesteigerte Aus. fuhr zurückzuführen ist. Die Lohnlage ist in belden Ländern in Stalien allerdings viel mehr noch als in Frankreich sehr gebrückt, und daher die Konsumkraft der Bevölkerung gering. Die mit niedrigen Herstellungskosten erzeugten Brodukte tönnen jedoch im Ausland gut abgesetzt werden. Die italienischen Waren find vor allem auf dem Balkan marktgängig, wo Produtte minderer Qualität infolge ihrer Billigkeit bevorzugt werden. Bisher fonnte aber auch die französische Industrie ihre Ausfuhr gut aufrecht erhalten und damit den Ausfall infolge des Rüdganges des inneren Verbrauchs und der Berlangsamung des Biederaufbaues der zerstörten Gebiete mett machen. Die französische Handelsbilanz zeigt dauernd große Ausfuhrüberfülle. Es ist nun möglich, daß ble vor furzem erfolgte Befestigung des Lire und Frankfurses die Konjunktur in diesen beiden Ländern, die sich vornehmlich auf die Ausfuhr ftüßt, beeinträchtigen wird, wenn nicht die infolge der günftigen Ernte permehrte Rauftraft der Landwirte den Geschäftsgang belebt. Schwankungen der Konjunktur. In anderen Ländern, mo im allgemeinen die Ronjunttur günftig ist, traten Aenderungen zum Befferen oder Schlechteren ein. Sehr gebessert hat fich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten, wo sich in der letzten Zeit insbesondere auch die Elfenund Stahlproduktion mit steigenden Breifen erheblich erhöht hat. Die Befferung wird auf die großen Bestellungen der Landwirtschaft zurückgeführt, die in steigendem Maße maschinelle Arbeit einführt. Neue Hochöfen wurden angeblasen und die Maschinenindustrie erfreut Es ergibt sich nun bei der Zusammenstellung der Produktionssiffern der 825 Gemeindegaswerte nach verschiedenen Größen folgendes interessante Ergebnis: Gefamterzeugung Jährl. Rohlenpro Jahr( cbm) verbrauch 887 625 000 2778828t 589 471000 2105253 t 887 430 t 5766511t Anzahl Erzeugung pro Wert Große Werle 85 über 10000000 cbm Mittlere 225 1-10000000 Kleine 565 unter 1000000 N 230 732000 1707828 000 Bei der beften Ausnutzung der Kohle, die natürlich nur in großen Werten möglich ist, laffen sich aus 100 Rilogramm Steintoble ca. 32 Rubitmeter Gas mit 5000 ärmeeinheiten geminen. Eine Beseitigung der leistungsschwachen und veralteten Werte würde bei den 825 Gemeindegaswerten allein eine Rohlenersparnis von über 429 549 Tonnen ermöglichen. Die Ersparnis an Rohle, die sich bei einer Verschiebung der Produktion von den leistungsschwachen auf die leistungsstarten Werte ergibt, liegt auf der Hand und garantiert schon die Wirtschaftlichkeit einer großzügigen Ferngasverforgung, deren Broduktionsgrundlage möglichst in den Kohlenrevieren felbft liegt. Die Wirtschaftlichteit fteigert fich aber ins große, menn man berücksichtigt, daß die fleineren Werte unter 1000 000 Rubikmeter gar nicht in der Lage find, die sehr wertvollen Nebenprodukte wie Teer, Ammoniakwaffer, Benzol und eine Reihe chemischer Substanzen zu erzeugen. Die Betriebsverhältnisse sind natürlich in der großen Zahl der fleinen Werte durchweg ridständig. Der Transport der Rohle wird nur in einem einen Brozentfak durch Bahnanschlüsse bewerkstelligt. Eine mechanische Beschichtung fehlt meistens, so daß gleichmäßige Maffenleistung und genügende Arbeitssteigerung gar nicht möglich ist. Spezialeinrichtungen zur Berwertung ber Rebenprodukte sind, weil sie sich in diesen fleinen Werken nicht rentieren, nicht vorhanden. Um der Gefahr zu begegenen, daß wiederum das Privattapital in irgendeiner Form den größten Teil der fommunalen Baswirtschaft an fich reißt, müffen fich die Rommunen und Gemeindeverbände innerhalb eines größeren Wirt haftsgebietes zur Errichtung felftungsfähiger Interfommunaler Werte zusammenschließen. Die Gasproduktion darf nur in solchen Werten erfolgen, die nach Lage, Anlage, Betriebsausrüftung, Organisation, Leitung, 2bfat und Kapitalfraft, zur wirtschaftlichen Höchstleistung Leitung, Abfat und Kapitalfraft, zur wirtschaftlichen Höchstleistung geeignet sind.( Das Idealfte ist natürlich ble Gasproduktion dirett bel der Steinkohlengrube, die sich jedoch nur bei einzelnen Wirt schaftsgebieten ermöglicht.) Alle anderen Werke, die diesen Bor auslegungen nicht entsprechen, müssen stillgelegt werden. Damit die Einnahmequellen der fleinen Gemeinden nicht versiegen, fann man sie zweckmäßigerweise zur fie zwedmäßigerweise zur Unterverteilung des Gases heranziehen. Meines Erachtens wird ber planmäßige Ausbau der Fern gasversorgung, den einzelne Rommunalverbände bereits erfolgreich in Angriff genommen haben, nach der finanziellen als auch der technischen und organisatorischen Seite nicht mehr Schwierig. teiten bereiten als die Elettrizitätsversorgung. Der wirtschaftliche Nugen liegt so auf der Hand, daß sich nur eine voll tommene rüdständige Berwaltung dagegen strauben kann. Die höheren kommunalen Einhellen, wie Provinzen und Länder find in der Lage, unberechtigten Sonderintereffen von Gemeinden und Gemeindeverbänden baburch zu begegnen, daß fie die Bergebung der Ronzeffionen für die Berkehrsräume bavon abhängig machen, daß nur die wirtschaftlich leistungsfähigsten Werte für Ferngasversorgung dienen. Die Kommunalverwaltungen sollten angesichts der Bestrebungen erobern, thren totalen Wirtschaftspartitularismus aufgeben. Die bes Privattapitals, fich die Gebiete ber Kommunalwirtschaft zu Ronzentrationsbewegung der Schwerindustrie zeigt am aller deutlichsten, daß nur bie rationellste Wirtschaft die Be triebe leistungs- und lebensfähig erhält. 5. Bindemann- Eisenach. fich eines großen Aufschwunges. Auch ist die Zahl der Neubauten Qußerordentlich groß. Berbeffert hat sich die Wirtschaftslage in Belgien, wo nach Beendigung des großen Metallarbeiter. ftreits die Schwerinduftrie wieder lebhaft beschäftigt ist. Eine große Bestellung feitens der griechischen Eisenbahnen in der Höhe schäftigung geben. Auch ist die Lage der übrigen Industriezweige von 800 Millionen Frant wird der Industrie auf einige Monate Be günftiger geworden. Berschlechtert hat sich dagegen die Wirt Schaftslage der Schweiz, wo eine Ausfuhrtrife der Uhren- und Textilindustrie vorhanden ist. Einzelne Zweige der Textilindustrie leiben ganz besonders unter den neuen englischen Schutzöllen. Die Ausfuhr von Seidenwaren und Seidenband nach England ist seit Dänemark hat die sprunghafte Erhöhung der Baluta eine Krise Einführung der Zölle beinahe auf ein Biertel zurückgegangen. In hervorgerufen, diefelbe, die wir von anderen Ländern her so gut tennen, sobald die inneren Preise den leidensvollen Weg der Anpassung an die Weltmarktpreise durchlaufen müssen. In der Tschecho lowatei verspricht die Zuckerausfube infolge des Breisrüdganges für Zucker und der Ueberfüllung des Marktes bant der guten Buder Bahlunsgbilang diefes Landes ungünstig zurückwirken dürfte, Sehr welternte nicht ben gewohnten Erfolg, was auf die Handels- und verfchlechtert hat sich die Lage der Schwerindustrie in Kanada, wo die Produktion im Auguft auf die Hälfte der Julierzeugung fant. Allerdings wird die gute Ernte die Rauftraft der Landwirte stärken und auf die Maschinenerzeugung förderlich wirken. Krisenländer. Es gibt eine Anzahl von Ländern, deren Wirtschaft ich heute noch in einem ausgesprochenen Strifenzustand befindet. Die eng tische Wirtschaftslage hat sich in der letzten Zelt nur für gewiffe Industriezweige wie Maschinen- und Baumwollindustrie günstiger gestaltet, auch zeigt die Handelsbilang für die letzten zwei Monate nicht mehr die riesigen Einfuhrüberschüsse der vergangenen. Troßdem kann man von einer Berbefferung der Wirtschaftslage noch nicht reben. Die Kohlen, Eisen- und Stahlerzeugung geht beständig zurück und die Zahl der Arbeitslosen nimmt von Woche zu Woche weiter zu. und die Zahl der Arbeitslosen nimmt von Woche zu Woche weiter zu. In Defterreich baben sich im Gegensatz zur englischen Wirtschafts. lage die Berhältnisse in der Textilindustrie verschlechtert, bagegen hat sich die Eifen- und Stahlerzeugung etwas erhöht. Im ganzen ist ble Wirtschaftstage weiter fehr gebrüdt, die Arbeitslosigkeit fehr hoch ( im Auguft 111 856). Die Einfuhrverbote Polens, wohin sich ein beträchtlicher Teil der österreichischen Ausfuhr richtet, tragen zur Berfchle, terung der österreichischen Wirtschaftslage bei. In Polen felbft dauert die Wirtschaftsfrise ohne Abschwächung welter an. Bor allem leidet die polnisch oberschlesische Schwerindustrie unter der Krise, die auch die Valuta des Landes in Mitleidenschaft zog. Die feit längerer Zeit andauernde Wirtschaftstrije in Spanien hat jüngsten Berichten zufolge einem geringen Aufschwung der Konjunttur Blaz gemacht. Unter den überfeeischen Ländern wird aus Indien eine große Krise der dortigen Baumwollindustrie gemeldet, die umfangreiche Arbeiterentlassungen zur Folge hatte. 2uch in Japan ift eine schwere Wirtschaftskrise vorhanden, die sich auf faft sämtliche Industriezweige erftredt. Es ist sehr merkwürdig, daß allein die Runst seidenindustrie nicht unter der Krise leidet, ja im Sonntag, 20. September 1925 Gegenteil einen außerordentlichen Aufschwung genommen hat. Japan ist das Hauptland für natürliche Seidenerzeugung und die Ueberhandnahme der Kunstseidenindustrie deutet auf die Berarmung der Be völkerung hin, die sich den Verbrauch der Naturseide nicht mehr leisten kann. Das japanische Bolt muß statt der soliden heimischen Produkte die billigen Erzeugnisse des Auslandes in wachsendem Umfange aufnehmen. A. H. Kleinbauern und die Landwirtschaftsanleihe. Zum Abschluß und der Ueberzeichnung der Dollaranleihe der Rentenbankfrebitanstalt wird uns vom Reichsverband landwirtschaftlicher Rleinbetriebe geschrieben: An und für sich scheint eine derartige Ueberzeichnung eine recht erfreuliche Entwicklung des ausländischen Bertrauens in die beutsche Wirtschaft zu befunden. Unserer Auffassung nach ist jedoch dieses Bertrauen in die Beständigkeit des deutschen Aufschwunges im hauptungen werden lediglich deswegen immer wieder in Umlauf Auslande längst vorhanden, und die gegenteiligen Be gesezt, weil die ausgesogene deutsche Wirtschaft Geld braucht, das hohen Zinsen geben kann. Nirgendwo im Auslande werden wohl man ihr des gesunkenen Vertrauens" wegen nur zu unglaublich Obligationen wie die der Deutschen Rentenbanktreditanstalt mit so zinsung aufgelegt werden fönnen. Das ist der amerikanischen Bankausgezeichneten Sicherheitsunterlagen und trotzdem so hoher Berwelt fehr gut bekannt, und daher die enorme Ueberzeichnung der Landwirtschaftsanleihe. | Db unter diesen Umständen ble beutschen Landwirte zu beglüdwünschen inb, bie gezwungenermaßen berartig teure einem Ausgabenfurs von 88 Proz. und einer Rückzahlung zu Pari langfristige Strebite aufnehmen, steht auf einem anderen Blatt. Bei in 25 Jahren ergibt sich für die Rentenbanttreditanstalt bereits ein Binsfuß von 8% Bros. Sollte aber infolge dieser hohen Zinsen dte Rentenbanktrebitanstalt das Geld früher zurüdbezahlen wollen, so erhöht sich dadurch der Binsfuß bis zu 9% Proz, wenn die Rüdzahlung am frühestmöglichen Termin, nämlich am 15. September 1935, ftattfindet. Zu diesen 8% bis 9% Broz. treten bie Berwaltungsfosten für bte Rentenbankfrebitanstalt, bie nach menschlichem Ermeffen, nicht allzu niedrig fein fönnen, da der, Berwaltungsapparat ber Rentenbant verhältnismäßig tener arbeitet. Nach den Bergütungen, die an die Mitglieder der Anstaltsversammlung und insbesondere an die Mitglieder des Berwaltungsrates.gezahlt werden, würde sicherlich die Deffentlichteit, insbesondere die deutsche Land wirtschaft, die bte Rentenbankgrundschuldzinsen aufzubringen hat, ein großes Intereffe baran haben zu erfahren, mit welchen Verwaltungsuntoften die Rentenbanktrebitanstalt zu rechnen hat. Zu der Ber gütung an die Rentenbanktreditanstalt treten dann noch die Bro pifionen an die eigentlichen Darlehnsvermittler, die deutschen Realtreditinstitute. Die Hypothekenbanken und Pfandbriefanstalten werden wie gewöhnlich sich nicht nur Brovifionen bei der Hergabe Don langfristigen Krediten zahlen laffen, sondern sich auch einen entsprechenden Verdienst bei der Prüfung des Pfandobjektes, also des zu beleihenden landwirtschaftlichen Betriebes, fichern. Ins. besondere durch die im Verhältnis bei fleinen Landwirten sehr hohen Prüfungskosten der Hypothekenbanken wird ber auf diesem Wege zu gewährende Kredit für die flein- und mittelbäuerliche Be pölferung fo teuer, daß voraussichtlich von den aufgenommenen Anleihen der Löwenanteil wiederum mit Naturnotwendigkeit den Großgrundbesitzern aufließt. Im ganzen wird ein schließlich der 1% Broz Tilgung bas amerikanische Darlehen dem legten Kreditnehmer etwa eberjo teuer tommen mie der Berfonaltredit der Rentenbanktreditanstalt, nämlich 12 Broz. pro Jahr. Dabei barf man hoffen, daß die Binshöhe für die Personaltredite fich allmählich fenten wird, während die Zinsen für die Realkredite ber oben erwähnten Art für die gesamte Dauer des aufgenommenen Darlehens Geltung haben und da mit auch die Binshöhe der in Deutschland angefainmelten Rapitalien auf Jahrzehnte hinaus ungünstig beeinflussen. Damit sind die Hoffmungen, daß es den Unterhändlern der Deutschen Rentenbanktrebit. anftalt gelingen würde, bei den amerikanischen Geldgebern wesentEs ist lediglich erreicht, daß der Ausgabeturs nicht 92 Broz ofe lich günstigere Bebingungen als die für die Dames- Anleihe maß gebenben zu erreichen, zum größten Tell hinfällig geworden. bei der Dames- Anleihe, fondern 93 Broz. beträgt, daß der Promisionsfag von 6 auf 5 Broz. herabgefeht und daß die landwirtschaftliche Anleihe durchweg zu 100 Broz. rückzahlbar ist, während bei der Dames- Anleihe wenigstens für den amerikanischen Anteil derfelben ein Rüdzahlungsturs von 105 Prog. bewilligt werden mußte. So hat offo mindestens bie deutsche Rlein- und Mittel bauerschaft teine Urfach e, den Abschluß der amerikanischen Anleihe zu begrüßen. Die Erdölkonzentration und ihre Geschichte. Die Ronzentration in der deutschen Erdöl. industrie ist an dieser Stelle bereits furz gewürdigt worden. Das neute und eigenartige an dem Zusammenschluß der Deutschen Erdd! A. G., Betroleum A.-G. verdient ein tieferes Eingehen auf Geschichte Rutgerswerte und Deutsche und Tenbenzen der deutschen Erdölinduftrie. Denn legten Enbes find es ja nicht die beiden Gesellschaften: Deutsche Erdöl A.-G. ( Dea) und Rutger, bie den Zusammenschluß vornahmen, sondern die beiden Großbanten Distonto- Gesellschaft und Deutsche Bant, bie jene Werte gründeten und kontrollierten. Zwischen der Deutschen Betroleum 2.-G. und Rütger, also innerhalb des Konzerns ber Deutschen Bant, war befanntlich ein Busammenschluß vorangegan Rutgers herabgefunten war. Die Deutsche Bant übergab ihre Be gen, durch den die Deutsche Petroleum zur Tochtergesellschaft von troleuminteressen den Rütgerswerkten, die sie nun ihrerseits tontrollierte. Die Geschichte der beutschen Petroleumindu. strie bildet eins der interessantesten Rapilel des deutschen Finanz fapitals. Außer den Bahnbauten der Deutschen Bant in Borderaften ist die stürmische Kraft des deutschen Finanztapitals nirgends fo in Erscheinung getreten, als bei der Gründung, Finanzierung und Bertellung der europäischen Betroleumindustrie. Die Deutsche Bant erwarb im Jahre 1890 gemeinsam mit dem Wiener Bank verein eine Erdöltonzession in Rumänien, auf die sich im Laufe der Jahre eins der großzügigften Unternehmungen, die Steaua Romana, aufbaute. Später wurden von einem europäischen Bankentonfortium unter Führung der Deutschen Bant in fast allen Ländern Europas Absaßgesellschaften gegründet, die in der 1906 gegründeten Europäischen Petroleum union mit dem Size in große englische Gesellschaft, die British Petroleum Com. Bremen eine gemeinsame Spige erhielten. An dieser war auch eine pany und eine belgische, die Société belgo hollandalfe be pétrole, beteiligt. Borher hatte die Deutsche Bank mit den ruffischen Petroleum- und Naphtaproduzenten Ro be I und Rot. child eine Interessengemeinschaft hergestellt. Rothschilds Be troleumintereffen in Rußland wurden von der Firma de Roth= child fréres in Paris fontrolliert. schild fréres in Paris kontrolliert. Um nun diese umfang. reichen Interessen beffer übersehen und zentral kontrollieren zu können, gründete die Deutsche. Bant 1904 die Deutsche Petro leum Attiengefettschaft in Berlin. Die 20jährige Grünbertätigkeit der Deutschen Bant, die in ihrer Bielseitigkeit und taufmännisch sowie technisch einzig durchgebildeten Art fast nirgends ihresgleichen fand, bildete den Versuch, das europäische Monopol der Starbarb Dit Compeng( d) gr Braun. Ose Jahre 1907 tam mit Rodefeller eine Einigung zuftanbe, be aber 1912 wieder in die Brüche ging. Jedoch war das eine Monopol nur durch das andere verdrängt, so daß unter dem Drucke der öffent fichen Meinungen Deutschland die deutsche Regierung ben Gedanken erwog, die Petroleumindustrie zu verstaatlichen, das heißt ein Staatsmonopol zu errichten. Dazu ist es bekanntlich nicht gefommen. Go Andere Bantengruppen waren natürlich nicht antiig gründeten die Dresdner Bank und der Schaaffhausen sche Bankverein ble Royaume Roumanie, aus der später die Astra Romana Petroleum A.-G. in Berlin unter Beteiligung englischen Kapitals hervorging. Die DistontoGesellschaft gründete gemeinsam mit Bleichröder den Crédit Bé. trolifer, ein Unternehmen, das mit anderen in der Concordia A.-G. für Petroleumindustrie aufging. An der Gruppe Distonio- Gesellschaft waren auch französische Gesellschaften beteiligt. Im Jahre 1912 erfolgte eine Bereinigung der Petroleumintereffen der Diskonto- Gesellschaft mit der Deutschen Erdöl- Aktiengesellschaft. Letztere hatte bereits in den galizifchen Erdölgebieten Fuß gefaßt und in Rumänien Bohrgesellschaften gegründet. Auch hatte sie Ber faufsgesellschaften ins Leben gerufen. So fanden die Intereffen der Distonto- Gesellschaft und der Dea eine gute Ergänzung. Bon all den Petroleumkonzernen, die hier von Bantenseite gegründet unb finanziert wurden, blieben schließlich als Machtfattoren mr blejenige der Deutschen Bank in der Deutschen Betroleum-8. umb der Distonto- Gesellschaft in der Deutschen Erddi A.-G. bestehen. Mit dem Ausgang des Krieges wurden auch die weitverzweigten Fäden der europäischen Petroleumindustrie, die in den beiden denb schen Großbanten bzm. deren Tochtergesellschaften zusammenfiefen, iäh zerrissen. Nicht nur die rumänischen und galtzischen Roh ölquellen und Raffinerien mit den dazu gehörigen Absatz, Schiffahrtsund Transportgesellschaften gingen verloren oder an englisch- fromzösische Gesellschaften über, fondern auch die von der Dea zu großer Ergiebigkeit entwickelten Bechelbronner Delwerte im Elsaß. M Ausnahme der Hannoveranischen Betroleumquellen, die natürlich den Martt nicht entfernt versorgen fonnten, ftanden ble deutschen Petroleumkonzerne ohne jede Rohstoffgrundlage da. Schon unmittelbar nach dem Kriege wurde die Bereinigung der Dea und der Deutschen Petroleum L.-G. erwogen. Eine Un lehnung an die Royal Dutch( englisch- holländischer Großtonzern) war in Aussicht genommen. Doch haben sich diese Zusammenschlußbewegungen wieder zerschlagen. Die Dea fuchte Anschluß an die Internationale Betroleum- Union( 3pu) in Zürich, eine Gründung der Dea mit französisch- belgischen Unternehmungen. Diese mit 210 Millionen Schweizer Frank ins Leben gerufene internationale Union der zerrissenen Petroleuminteressen fonnte the Brogramm nicht verwirklichen und mußte aufgelöst werden. Die Deutsche Bant ihrerseits fufionierte sich 1922 mit der Deutschen Betroleum 2.-G., um sie später wieder unter demselben Namen ins Leben gu rufen. Diefer Transaktion folgte die Interessengemeinschaft mit ben Rutgerswerten im Jahre 1923. Nummehr, nach einer 30jährigen Gründerperiode, reichen fich die beiden Großbanien zu gemeinsamer Tätigkeit die Hand. Die Deutsche Betroleum- wtrb Me effeinige Bertreterin der Betroleum intereffen mit den Delquellen in Bieze und Holftein, den Delschieferbergwerfen in Württemberg und allen Raffinerien und Bertaufsgesellschaften. Auch laufen bei ihr die Berträge mit ausländischen Lieferungsunternehmungen zu sammen. Die Rutgerswerke betätigen fich auf dem Gebiete der Leer- und chemischen Produktion. Ste it befanntlich einer der Großaftionäre der 3nbußries and Handelsser einigung Deutscher Gaswerte-8, in der rund 700 Gaswerte zum Zwecke der Nebenprodukteansnuzung zufammen geschloffen sind. Die Stadt Berlin ist bekanntlich an den Rilt gerswerten über die Städtischen Werte durch Attenbeft interessiert und hat dort Vertreter im Aufsichtsrat. Die Dea wirb fich mit verstärkter Kraft thren Bergwerksunternehmungen zum Zwecke der Berffüffigung und Berschmetzung von Roble wibmen. Ete ist im Befihe der besten Zeche des Ruhrgebiets: Graf Bismard, der Magdeburger Bergwerf-8, die ebenfalls Bechen im Ruhr gebiet hat, ferner Maschinenfabriten, Bohrgesellschaften und den umfangreichen Brauntohlenunternehmungen in Mitteldeutschland. In der deutschen Betroleuminduftrie ist nunmehr eine Ronjol dierung eingetreten, indem nur noch eine Petroleumgesellschaft von Umfang und Bedeutung vertreten ist. Dieses eine Unternehmen, die Deutsche Petroleum A.-G., whb fontrolliert von zwet Gefellschaften, die auf anderen Gebieten, der Berflüssigung und Berarbeitung von Rohle und Kohleprodukten tätig find. Das nennt man großzügige and profitbringende Konzentration Der Berliner Arbeitsmarkt. Gewerkschaftsbewegung ( Elche and& Gelte Hauptblatt.) Späte Einsicht. Thu Auglandfahrer, der nicht mehr mitma Daß be fogenannten Rußland- Delegationen mur fommunt. stische Bropaganda machen, tft allmählich fo fehr allgemeine Ueberzeugung geworden, daß auch die Kommunisten nicht mehr recht wagen, mit ihren Berichterstattungen ihr Bublifum zu belästigen. Einer der Berliner fozialdemokratischen Rußlanddelegierten, Betriebsrat der NAG.( Nationale Automobil- Gesellschaft) hat an das fogenannte Arbeiterkomitee der Nußland- Delegationen jetzt folgenden Brief gerichtet: 11 In der heutigen Graffionsfigung ber G. fb mir von elnem Bertreter unferes Bezirtsvorstandes Dokumente vorgelegt, an deren Echthelt ich nicht zweifeln fann. Aus demselben geht Berliner Betriebsräfc- Konferenz. Sonntag, den 4. Difober, vormittags 9 Uhr, hn Plenar- Sigungsfaafe des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats, Berfin W. 9, Bellevueftraße 15 Betriebsräte- Konferenz einberufen vom Orisausiduß Berlin des NDGB. und vom Ortsfartell Bertin des 2- Bundes Tagesordnung: 1. Das belingeritsgefes. Referent: 66eteg som -Dunb. 2. Erwerbsfofenfarforge- Tirbeltstofenwerkerung. Referent: Spliedt vom DGB. Die Wahl und Berufung der Betriebsrulebeteglerfen für diese Konferenz erfolgt durch die einzelnen Gewer haften. Die Delegierten find umgehend den GeldisWellen der unterzeichneten Körperschaften zu melden Ortsausscha Berfin des Allgem. Allgem. freter AngestellenDeutschen Gewerkschaftsbundes. bund, Ortsfartell Berlin. herone, daß fchon Mitte ngut die RBD. einen Blen feR. gelegt hat, wie die Delegation für die RBD. ausgewertet werden soll Ich habe mich verpflichtet, die Wahrheit über Rußland liberall zu verbreiten( ich gedenke dies auch weiter zu tun), fann aber unter feinen Umständen zugeben, daß man uns für Barteizwede ausmüht. Ich stelle des halb jede öffentliche Berichterstattung ein und bitte auch für Sonntag einen anderen Referenten zu bestimmen. Gleichzeitig erkläre ich, daß ich meder ta rtebrichshagen, noch be Ablershof refertert habe, troßdem ich dort als Referent Effent ch publiziert wurde. gez Meble" Beciußiges Stefaltat der Urwahl der Buchldern. Bei der Urwahl zur Ortsverwaltung des Berbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter wurden 2116 Stimmen abgegeben, davon ungültig 23, gültig 2093. Es erhielten: Als Bevollmächtigter 3mhoff 1438 Stimmen, als Kassierer Bydomsti 1943 Stim men, als Branchenleiter der Kartonbranche Brima 1967 Stimmen, als Berwaltungsbeamte Becher 1791 Stimmen und Töpfer 1717 Stimmen. Die DeflationStrife. Komm, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Aus dem Jungften Bericht des Landesarbeitsamtes über den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftslage in der Rheinprovinz ist zu enthnemen: In der metallverarbeitenden Industrie nahm die Zahl der beim Arbeitsnachweis eingeschriebenen Arbeitsuchenden im Juli um 5,6 Proz. zu. Im August stieg die Zahl weiter um 7,6 Proz. auf 17 500. In der gleichen Industrie ging die Zahl der vermittelten Arbeitsstellen im Juli um 18 Proz. und im August um 19 Broz. zurück. Noch ausgeprägter als die Gesamtzahlen der Rheinproving sind die Zahlen des Arbeitsnachweisbezirkes Düsseldorf. Hier stieg die Zahl der Arbeitsuchenden in der Metallverarbeitung im Juli und Auguft um 22 Proz. und die Zahl der vermittelten Stellen sant in den gleichen Monaten um 33,5 Proz. bzw. 45 Proz. In der ersten Hälfte des Monats September stieg im Arbeitsnachweisbezirk Düsseldorf die Zahl der Arbeitfuchenden in allen Berufsgruppen am 19 Prog Bergarbeiterdelegation bei Baldwin. Condon, 19. September.( T.) m Mittwoch wirb Premier mtnister Baldwin die Delegation der Bergarbeiter empfangen, die thm die Beschwerde der Bergarbeiter über die angeblich ungerechtfertigte Auslegung des im Auguft getroffenen Abkommens zwischen ben Bergarbeitern und den Bergwerksbefizeru vortragen wollen. Die Geeleute im Gefängnis Batt auf dem Schiff. Melbourne, 19. September.( LB.) Gegen die ftreitenden Seeleute werden einstellen teine weiteren Freiheitstrafen verhängt werden, da die Gefängnisse bereits über. füllt find. Was will man mit den Secienten in den Gefängnißfen? Benn bie Schiffe fahren sollen, milfsen die Seeleute dabei sein. Nebenbei ist die Humanität bewundersmert, teine ftreifenden Seeleute mehr ins Gefängnis zu werfen, meil tein Platz mehr darin ift. In Kapstadt liegen 9 und in Durban 25 Dampfer still. Mehr ats 12 000 Baffagiere, die nach England oder Auftrallen reisen wollten, liegen an Bord der Schiffe oder in überfüllten Hotels fest. Stapftadt, 19. September.( BIB) Der Arbeitsminister der Südafrikanischen Union, Oberft Creswell, hat sich im Auftrag des Rabinetts nach Durban begeben, um die Schwierigkeiten, die dort durch den Aufenthalt von Taufenden ftreifender Seeleute in den Straßen der Stadt entstanden find, zu beheben. Die ftreifenden Seeleute find ohne Obdach und Berpflegung und ihre rechtliche Stellung auf Grund der Einwanderungsgeseze bedarf der AufMärung ihtung, ens. Schuhmader! Dienstag, ben 22 September, nachmittags 4% Uhr, bei Blamert, Beberstr. 24, Berfammlung aller SPD.- Schuhmacher. Sympathifierende Kollegen fönnen mit eingeführt werden. Zahlreichen Befuch erwartet Der Werbeaussaub. Dazu ist zu fagen, baß die Einfte dem Interzeichner reich. fpat tommt. An eindringlichen Warnungen vor der Rußlandsreife hat es gewiß nicht gefehlt. Nachbem felt Monaten bie RPD. eine unerhörte Agitation mit den SPD.- Genoffen" gegen die Gewerkschaften und die Bartel getrieben hat, ohne daß diese wunderbaren Genossen gegen diese Bundesbrüderschaft das mindeste einzuwenden hatten, la fich feelenruhig als Sprengbod gegen Bartel und Gewerkschaften benutzen fießen, wird einem von ihnen endlich flar, welche Role er spielt. Man tann von diesen gelinde gefagtingsversammlung am Mittwoch abend 7 Uhr im Rofenthaler Sof, Roſen Mangel an Scharfblic schließen, wote tett es die Mostowiter hatten, diefe Leute einzuwideln Zentralverband der gimmerer Deutschlands, Jahitelle Verftu und Umgegend. Rameraden! Dienstag abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Saal 4( Großer Goal), allgemeine Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Nußland- Delegation. Referenten: Ramerad Bugo Behmann und Stollege Bed. 2. Discuffion. Rameraden, erscheint restlos in diefer Verfammlung. Auch die Behr Frauen unferer Stameraden find hierdurch freundlichst eingelaben. 11-12 Tagesordnung: 1. Bericht von der Jugendkonferenz in Sambireg. Neferent Rollege Bekler, Getrete der Berliner Freigewerkschafts fugend, 2 Distuffion.&. Berschiedenes. Dez Borftank, S.:. Repfiftliger. Dades Berimelerverband, Dezirksverein 23, Kathgruppe Chemie. Diens tog ebenb 6% Uhr Mitgliederverfammlung im Klubhaus, Berlin, Ohmftr. 2. Bortoog ber Kollegen Dr. Crones und Stothe. Bollzähliges Ericheinen ev forderlich. Deutscher Weffelbungsarbeiterverbank, Filiale Berlin. Betriebsräte, 06lente fowie famide unitiondre: Berfammlung am Dienstag abend 7 he im Dresdener Rasino, Dresdener Stz, 96, Tagesordnung: 1. Bortrag über Ronjunttre, Wirtschaftskrise, Schuhsoll und allgemeine wirtschaftslage. Re ferent Genoffe Dr. Ader. Bal von, Delegierten zum Betriebordtetongrek. 3. Bahl bes Betriebsrätekopjes für unfere filiale. 4. Berschiebenes. Wit aftedsbuh oder tarte legitimiert; ohne biefe oder mit mehr als vier reftieren ben Bodenbeiträgen Tein 8utritt. Bollzähliges Erscheinen wird erwartet, Die Filialleitung. J. A.: Billy Behmann. Lehrfing Bandbentung noch nad Beendeter Behrzelt. Die Firma Briteg( Berliner Brtoat- Telephon- Ge) arbettet fehr viel mit Behrlingen( Mechaniter unb Monteurlehrlingen). Es ist schon eigenartig, daß diesen während ihrer Lehrzeit jede Bertelstunde Fehlens abgezogen wird. Das würde noch hingehen, würden. Aber die Firma felbft fchäßt das Können ihrer Lehrlinge wenn die Lehrlinge nach beendigter Behrzelt tüchtige Facharbeiter nach beendeter Lehrzeit sehr gering ein, sonst würde sie die Ausgelernten nicht geringer entlohnen als einen Transportarbeiter im gleichen Alter. So hat sie einem Ausgelernten jetzt einen Stundenlohu non 55 Pf. gezahlt mit der Motivierung, wenn es ihm zu menig ift, fönne er ja gehen. Es wird Zeit, daß durch Gesetzes band organiserten Kolleginnen und Kollegen. Tagesordnung: Was foll werden bestimmungen für Lehrlinge der Ausbeutung ein Riegel vorge Ichoben wirb; befonders muß darauf geachtet werden, daß die be treffenden Meifter ble rechtigung zur Lehrlingsausbildung haben und daß die Zahl der Auszubildenben ein bestimmtes Maß nicht überschreitet. Nur für ernie Selbläufer! Die ridläufige Bewegung auf bem Arbeitsmartt ist bisher noch nicht zum Still and getommen. Insbesondere feßt sie sich in stärterem Maße für Angestellte und für die technischen Berufe fort. Berschiebentlich fonnten die verminder ten Beſchäftigungsmöglichkeiten durch erhöhte lleberweisung von Arbeitsträften für landwirtschaftliche Erntearbeiten ausgeglichen werden. Bereinzelte Besserungserscheinungen einiger Berufsgruppen äußerst preiswert. Ausländergrundflüden Dermochten nicht den Arbeitsmartt entscheidend zu beeinflussen, zu mal der Zugang Arbeitsuchender aus Saisonftellungen noch anhäft. Es waren 48 622 Perfonen bei den Arbeitsnachweisen ein getragen, gegen 48 371 der Borwoche. Darunter befanden sich 37 141( 37 659) männliche und 11 481( 10 712) meibliche Berfonen. Unterftigung bezogen 14716( 14 396) männliche und 2752( 2665) weibliche, insgesamt 17 468( 17061) Berfonen, davon bel Stab standsarbeiten beschäftigt 1600. Aus der Tabarinduftrie. Ela grelles Schlagficht auf die Bage der Labatindustrie wirft die Tatsache, daß eine der ältesten Firmen des Gewerbes, die Herm. Reiners n. Söhne, Tabatindustrie A- G. Berlin und Ratibor, einige Monate nach Umstellung ihres Papier marttapitats auf Goldmart fich genötigt fieht, zum 3wede ber Tilgung ihres im Geschäftsjahr 1924 eingetretenen Berluftes von 44 467 M. und eines im laufenden Jahr weiter zu erwartenden Berlustes ihr Attientapital im Verhältnis 5: 3 zusammen. zulegen. Die Verluste sind dadurch entstanden, daß ein Direktor der Gesellschaft im großen Umfange holländische Tabate eingefauft hat, in der Erwartung, daß die Preise steigen würden. Sie find aber gefallen. Außerdem hat das Unternehmen Ausfälle in der Kundschaft gehabt. Sie erhöht das Aktienkapital um 200 000 m. mit einer zehnprozentigen Borzugsdividende ausgestattete Borzugsattien, von denen ein Teil durch ein Konsortium übernommen werden soll, das sich bereit erklärt hat, der Gesellschaft die fehlenden Betriebs mittel zu leihen. Rentenbankfredite durch die Spartaffen. Die Teilnahme der Spartassen an der Vermittlung der durch die Rentenbanktreditanstalt zur Verteilung gelangenden langfristigen Kredite soll in der Beile vor fich gehen, daß die Spartassen als Sicherheit für die um Wege des Hypothefarkredits an ihre Kundschaft weiter. zugebenden Gelder, die ihnen vom Schuldner übergebenen Hypothetenbriefe der Rentenbanttreditanstali verpfänden; die Rentenbankkreditanstalt ihrerseits verpfändet sie als Nie wiederkehrende Gelegenheit in gufen, m. günftigen Zahlungsbedingungen, großen Friedens hypotheten, fofort lieferbar, für eine Rauflente, Gastwirte, Bäder und Schlächtermeister, Gewerbetreibende, Delitateffenhändler aft 50% Anzahlung, Neft in Naten nach Vereinbarung: Friebene Friedens Retto miete belatung preis GM. SUR. GM. NO: kentoaber e. 1( 8) 10800 Cicherttraße 5 6966 N: Bremer Stc. 1() 12,000 9: 800 Soachtnftr. 2 Samsaftr. 21 Streliger Str. 67 O: Magimilianstr. 44a Müncheberger Str. NW: Embener Str. 11 SO: Holzmaeltite. 35a Rosenstraße 8/9 Böhmische Str. 47 Reutelin: 12 000 120 000 15 000 45.000 14 000 125 000 15 000 100-000 11796 154.000 9 000 15 000 5916 54 000 8 000 9,314 24000 12 200 118000 10 000 14.000 140 000 14 000 9000 73 000 10 000 6306 54-000 11 000 9705 115.000 13 000 Herfurthstraße 27 14000 170 000 21 000 Steinmegftr. 19( Ede) 10320 130 000 13 000 15000 6230 72.000 10 000 18500 150 000 15 000 8460 7.000 117 000 12 000 65.000 14 000 7000 25 000 Seidelberger Str. 36 S: Schönleinstraße 30 SW: Arndtstraße 18/19 Steglig: Sachfenwalder Str. Holfteinische Str. 12 12a Anfragen erbitten fchriftlich oder telephonisch unter genauer Angabe der Adressen an 65 000 14 000 Toga Grundstücks A.G. Berlin W 35, Lühowstraße 92 Telephon: Rollendorf 6397, 6592 Sicherheit den amerikanischen Geldgebern weiter. Die Berteilung Photoapparate, Feldstecher Der Kredite erfolgt ausschließlich auf dem Wege über die Spihenorganisationen. 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Bericht. 2 Branchenangelegenheiten. 2. Berschiebenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ift es Pflicht jedes einzelnen Kollegen, bestimmt zu erscheinen. Branchenangelegenheiten. 8. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Ziritt Dienstag, den 22. September, nach- Dienstag, den 22. September, abends mittags 5 2hr, im großen Saal der 7 Uhr, in den Arminhallen", Rommandantenffraße 58/59: Branchenversammlung Sophien- Sälen", Sophienftr. 17/18: Branchenversammlung der Rohrieger und Helfer. Die Tagesordnung wird in ber Ber der Metallschleifer, Galvaniseure, Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen. fammlung befannt gemacht. Tagesordnung: 1. Die gegen wärtige Lenerung und die Aufgaben ber Branche Referent: Kollege Frig Alinzel. 2. Distuffton. 8. Branchenangelegenhetter und Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Tes Eine Stunde vorher um 6 Uhr: Vertrauensmänner- Ronferens im Galeriesaal desselben Restaurants. Achtung! Gold- u. Silberschmiede! Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Me Branchenangehörigen find ver- Mittwoch, den 23. September, nachpflichtet, zu erscheinen. Garten", Dresdener Straße 45: mittags 4½ 2hr, im Dresbener Dienstag, den 22. September, nach- Branchenversammlung 1. Tof offe www MINA ITA Go enthält wichtige Aufbausalze auf biochemischer Grundlage. Glänzend begutachtet vom chemi schen Laboratorium Dr. Karl Bischoff Rachf., Berlin. Anfragen aus Groß- Berlin and Brandenburg richte man an: Linbol Gesellschaft m. b. S., Berlin B., Potsdamer Str. 22, 2ügom 7051, aus anderen Gegenden an Mina- Bertriebs- Zentrale, Danzig, Schmiedegasse 17. Man achte auf den Aushang der Platate! 20008 Zur Einsegnung passende Geschenke Armband- und Taschenuhren in Silber... 11.90 Mark in Gold, 14 karat.. 36.- Mark Bottrag: Größte Auswahl in jeder Preislage mittags 5%, he, in Dörings gest falen( früher Graumann), Naunynfie.27 Tagesordnung: Die deutschen Wirtschaftsverhältniffe und Branchenversammlung unsere Wirtschaftslage". 2. Bericht über die Bohnverhandlungen. Ben H. Wiese, Artilleriestr. 30 Nähe Oraniender Automaten- und Schrauben- angelegenheiten. 4. Verschiebenes. banteinrichter, Schraubendreher minwood), ben 22. September, ned) der Schraubenbranche beschäftigten Verbandshanjes, cinienfte. 83/85: Arbeiter und Arbeiterinnen. Branchenversammlung und-dreherinnen, fowie aller in mittags 3 2hr, im Zimmer 28 bes Tagesordnung: 1 Bericht der Feilenarbeiter. erstattung ber bie Renregelung bes Branchenbefchluffes".& Branchenangeben Arbeitsnachweis. 2. Raffenbericht bes Tagesordnung: 1. Bericht ber Tegenheiten. 8. Berschiedenes. Branchentaffierers. 8. Berschiebenes. Zittwoch, den 23. September, nachDienstag, den 22.September, abends miflegs 5%, 2hr, im Saal 5 bes Gewertschaftshauses, Engelufer: Mitgliebsbach legitimiert. 7 Uhr, im Lotal Poweleit, Joffyfte. 7: Vollversammlung der Metall- und Revolverdreher, Branchenversammlung der Autoreparaturschloffer. Tagesordnung: 1 Bericht von fowie-dreherinnen. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Ber den Berhandlungen über den Abschluß Arbeitsbedingungen in ben Armaturen bes Rahmenvertrages. 2. Gruppenange- betrieben. Referent: Kollege Brebow. legenheiten und Verschiedenes. 2 Branchenangelegenheiten. 8. Wir erfuchen dringend, daß alle Kollegen fchiedenes. der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen pünktlich erscheinen. Die Kollegen und Rolleginnen werden Tersucht, restlos und pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Drum prüfe, wer sich ewig bindet Ich liefere als Selbsthersteller Ges. geschützt Preisliste Trauringe zu billigsten Preisen in den gediegensten Ausführungen :: Ständig ca. 3000 St. auf Lager:: H.24, Artilleriestr. 30 gratis Hermann Wiese, Berlin Passerstraße 12 Bei Umtausch werden die von mir gekauften Ringe innerhalb eines Jahres zum vollen Preise zurückgenommen burger Tor MOBEL Reklameangebote, erstklassige Fabrikate. Auf Wunsch Teilzahlung ohne Preisaufseblag Kompl. Schlafzimmer M. 450.- 550.-600.-S. 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J. verstarb nach langem Leiden der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Schultheiß- Patzenhofer Brauerei- Aktiengesellschaft, Herr Kommerzienrat Paul Herz Wir haben den Verstorbenen als einen Mann geschätzt, der gerecht und sachlich in hohem Maße soziales Verständnis für die Wünsche der Arbeitnehmerschaft besaß. Wir werden dem Dahingeschiedenen ein ehrendes Andenken bewahren. Berlin, den 20. September 1925. Die Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates der Schultheiß- Patzenhofer Brauerei- A.- G. Küssner Distelbach Statt Karten! Für die zahlreichen Beweise von Blebe und Treue durch bie zahlreiche Anteilnahme bei der Trauerfeier für unseren lieben Bater sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren aufrichtigen Dant. Ganz besonders danten wir aber den Genoffinnen und Genoffen der 85. Abteilung Tempelhof für die wunderbaren BlumenSpenden. Tempelhof, 19. September 1925. Beria und Hermann Davids. Ortstrantentaffe der Meganiter Opfiter u. verw. Gewerbe zu Berlin Bekanntmachung Der 18. Nachtrag zur Sagung, Sohnfrufen und Grundlohn betreffend, it vom Oberversicherungsamt Berlin genehmigt und am 31. Auguft 1925 in Kraft getreten. Druckstücke sind im Kaffenlotal erhältlich. Berlin, den 18. Geptember 1925. M. Gutsche, Borf. F. Hemann, Schriftf. Guier Schlaf bas beite Heilmittel. Metallbetten für Groß ut Klein, mit oder ohne Zubehör, Stahlmatragen, an Pri pate. Bequeme Bebing Kat. 30 a frei Eisenmöbelfabrik Sab!( Thür.) AbessinierPumpen, Böhren, Filter, Ersatzteile. Preisiste gratis Koblank& Co., Pumpenfabrik Berlin N 65, Reinicken dorfer Str. 95. Inferieren bringt ERFOLGI Moebel Boebel $ 42 Oranienstr 58 ( Moritzpl) Gegr.1879 SonderAngebot: Herrenzimmer 865 445.- 500.Schlafzimmer 895.595.- 685Speisezimmer 525-685.- 775.Einzelmöbel niedrigate Preise. Auf Wunsch Zahlungserleichterung. 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Etwas Wahres mag an der Behauptung fein, daß, feit es Rufirol gibt, das Schuhwerk vielfach eine Nummer kleiner gewählt wird, als früher, aber was speziell die Wieneri... en betrifft, fo haben sie ohnehin so kleine Füße, daß die gewaltigen Hühneraugen- Pflasterbinden, die man hier und da noch findet, faft die ganze Sohle bededen würden. Damen mit kleinen Füßen können nur das Kutirol- Hühneraugen- Pflaster( Schachtel 75 Pfg.) gebrauchen, das nicht aufträgt und mithin enge Schuhe nicht noch mehr verengt, und das fo khnell wielt, daß man es überhaupt nur wenige Tage zu tragen braucht. Befonders bewährt hat es sich gegen fehr hartnäckige Hühneraugen, die jeder anderen Behandlung trotten. Der Kukirol- Streupuder( Blechdole 1 Mt.) und das Ruticol- Fußbad ( Doppelpadung 50 Pfg.) verhüten das Brennen, Wundlaufen und Schwitzen der Füße und befeitigen den häßlichen Schweißgeruch. Wenden Sie alle drei Kutirol- Präparate fyftematikh an, Auticolen Sie! Verfuchen Sie es wenigstens einmal. 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Die Mittel der heutigen Arbeitslosenfürsorge werden zu/, durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die des Arbeitsnachweises zu 23 durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgebracht, und zwar als Pflichtbeiträge. Während die Mittelaufbringung also einer Zwangsversicherung entspricht, ergeben sich für die Versicherten auf der anderen Seite feine Rechtsansprüche auf Unterstützung. Die Gewährung der Unterftigung ist vielmehr durchaus vom Nachweis der Bedürftigkeit abhängig und grundsäßlich nur zulässig, wenn die Arbeitslosigteit als Kriegsfolge anzusehen ist. Während allerdings die lettere Boraussetzung fehr weitherzig ausgelegt wird, hat die Frage der Bedürftigkeit infolge der Berücksichtigung und teilweisen Anrechnung des Einkommens aller im selben Haushalt lebenden Angehörigen, auch der zivilrechtlich nicht zur Unterstügung Verpflichteten( Geschwister), entscheidende. Bedeutung. Träger der heutigen Erwerbslosenfürsorge sind die Geme i n den. Sie üben in der Verwaltung den maßgebenden Einfluß aus, wenn sie sich auch im Unterstügungsverfahren des öffentlichen Arbeitsnachweises bedienen. Der nunmehr vorliegende Entwurf beseitigt diese Halbheiten. Er schafft eine wirkliche Versicherung, indem er die Mittel ausschließlich durch Arbeitgeber und Arbeit nehmer je zur Hälfte aufbringen läßt, wovon auch 23 der Kosten der Arbeitsnachweise gededt werden, indem er ferner die Beiträge nach Lohntlassen abstuft und unter bestimmten Voraussetzungen und nach erfüllter Anwartschaftszeit den Rechtsanspruch auf Unterstützung begründet. Den entscheidenden Einfluß in der Verwaltung überträgt er paritätischen Körperschaften der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Einziehung der Beiträge foll wie bisher durch die Kranten tassen stattfinden. Die Organisation der Versicherung. Die eigentlichen Träger der Versicherung sind nach dem Ent wurf die Landesarbeitslosentassen, die Rechtsfähigkeit befizen sollen. Die Bezirke dieser Kassen decken sich mit denen der derzeitigen Landesämter für Arbeitsvermittlung. Ihre Organe find Kaffenausschuß( sagunggebendes Organ), Borstand.( Berwaltungsorgan) und Spruchtammer( Beschwerdeinſtanz). Der Aus schuß besteht aus dem Borsigenden und den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisigern des Verwaltungsausschuffes des Landes amtes für Arbeitsvermittlung. Der Borstand besteht aus dem Vorsitzenden des Landesamts für Arbeitsvermittlung und je drei Bertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Spruchtammer setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden des bezirklichen Oberver ficherungsamtes und je einem der Arbeitgeber und Arbeitnehmerbeifizer, die dem Kaffenausschuß angehören. Bei den Abstimmun. gen ist Parität zu wahren. Qußer den Landesarbeitslosenkassen wirken bei der Bersicherung noch mit: die Reichsausgleichstasse und die Arbeitsnachweisämter. Organe der Reichsausgleichstasse sind Aus schuß, bestehend aus dem Präsidenten und den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeifizern des Verwaltungsrates des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung, ferner Vorstand, bestehend aus dem Präsiden ten des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung und je drei Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Außerdem wird beim Reichsversicherungsamt ein Sprucha mt gebildet, in dem außer dem Präsidenten ein ständiges Mitglied des Reichsversicherungsamtes oder des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung, ein richterlicher Beamter und je ein Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter tätig find. Aufsichtsorgane find für die Landesarbeitslosenfassen das Reichsamt für Arbeitsvermittlung, für die Reichsausgleichskasse der Reichsarbeitsminister. Den obersten Landesbehörden ist eine Kontrollmöglichkeit dadurch gegeben, daß sie sich mit beratender Stimme in den Organen sowohl der Landesarbeitslosentassen wie der Reichsausgleichstaffe vertreten laffen tönnen. Die Zuständigkeit der einzelnen Körperschaf ten ist folgendermaßen geregelt: Der Antrag auf Unterstützung ist zu stellen beim öffentlichen Arbeitsnachweis, wo der Vorsitzende über ihn entscheidet. Nur in besonderen Fällen entscheidet direkt der Borfizende der Landesarbeitslosenkasse. Für Verwaltungsmaß dungen der Arbeitslosen und Auszahlung der Unterstügung, ist nahmen wie Ermittlungen, Entgegennahme der regelmäßigen Met ebenfalls der Arbeitsnachweis zuständig. Gegen Entscheidungen tann die Spruchkammer der Landesarbeitslosentasse angerufen werden, jedoch nur vom Arbeitsnachweisvorsitzenden, wenn dessen Entscheidung vom Ausschuß geändert worden ist, oder von der Arbeitgeber oder Arbeitnehmergruppe des Ausschusses, wenn sie bei der Abstimmung geschlossen in der Minderheit geblieben ist. Die liche Rechtsfragen an den Spruchsenat beim Reichsversicherungsamt Spruchtammer der Landesarbeitslosenfasse hat ihrerseits grundsätz zu geben, ebenso fann dort die oberste Landesbehörde gegen Entscheidungen der Spruchtammer durch ihre Beauftragten Beschwerde einlegen. Außer den hier genannten Entscheidungen, die sich auf das Unterstüßungsverfahren beziehen, haben die Landesarbeitslosenfassen wie auch die Reichsausgleichstasse natürlich eine Reihe wichtiger Aufgaben, die sich aus der gesamten Selbstverwaltung der Bersicherung ergeben, so die Reichsausgleichstafse insbesondere die des räumlichen und zeitlichen Gefahrenausgleiches. Sie jetzt den Reichshöchstsaz der Beiträge fest, der 2 Broz. des Grundlohnes( vgl. weiter unten) nicht übersteigen darf, durch Grundlohnes( vgl. weiter unten) nicht übersteigen darf, durch Einziehung von Ausgleichzuschlägen sowie Einziehung der Hälfte aller lleberschüsse von den einzelnen Arbeitslosenfassen schafft sie einen jogenannten„ Notftod". dann allein. Der Kreis der Versicherten. bezogenen Personentreises anbelangt, so ist hier in vielen Was nun schließlich den Umfang des in die Versicherung einBunften an die bisherigen Grundsäge angefnüpft: zunächst ist nur versicherungspflichtig, wer der Krankenversicherungspflicht unterliegt. Eine freiwillige Versicherung der nicht Krankenversicherungspflichtigen ift grundsäglich nicht möglich, wohl eine weitere freiwillige Verficherung solcher, die aus einer versicherungspflichtigen in eine versicherungsfreie Beschäftigung eintreten, menn fie zuvor 26 Wochen pflichtversichert waren; die Beitragspflicht obliegt ihnen Nicht einbezogen sind also grundsätzlich die beffer bezahlten Angestellten. Wichtiger noch ist der Ausschluß der Land- und Forstarbeiter. Nitch versichert sind nämlich in der Beschäftigte, wenn sie nur einen Teil des Jahres als Arbeitnehmer Land- und Forstwirtschaft und in der Binnen- und Küstenfischerei tätig und im übrigen land- oder forstwirtschaftliche Bächter oder Eigentümer sind, oder wenn sie auf Grund eines Dienſtvertrages Kündigungsfrist als Arbeitnehmer beschäftigt find. Dies bedeutet von mehr als einjähriger Dauer oder mit mindestens dreimonatlicher wirtschaftlichen Arbeiter und Angestellten. Einbezogen sind dagegen ausschluß der großen Mehrzahl aller land- und forſt. mit bestimmten Ausnahmen die Seeleute, die nicht für den Fall der Krankheit pflichtversichert sind, sowelt ihr Einkommen nicht die Krantenversicherungsgrenze übersteigt. Einbezogen sind ferner die bisher ausgeschlossenen Hausangestellten. Sonntag, 20. September 1925 aus dem Grunde verweigern, weil sie ihm nach seiner Vorbildung oder seiner früheren Tätigkeit nicht zugemutet werden fönne, es sei denn, daß ihm die Ausübung erhebliche Nachteile für sein späteres Fortkommen bringen würde." Der§ 48 begründet mit folgenden Bestimmungen die Pflicht arbeit für Jugendliche und langfristig Unterſtüßte Arbeitslose ist die Unterstützung von einer Arbeitsleistung abhängig, ( 1) Für Arbeitslose unter 21 Jahren und für langfristig soweit dazu Gelegenheit besteht. ( 2) Den Arbeitslosen dürfen nur solche Arbeiten zugewiesen werden, die 1. sonst überhaupt nicht oder nicht zu dieser Zeit oder nicht in diesem Umfange ausgeführt werden würden, 2. gemeinnütig sind, insbesondere hilfsbedürftigen Bersonen freisen zugute fommen, 3. ihnen nach ihrem Lebensalter, ihrem Gesundheitszustand und ihren häuslichen Verhältnissen zugemutet werden können, 4. ihre Bermittlung in Arbeit nicht verzögern, 5. ihnen feine Nachteile für ihr späteres Fortkommen bringen. ( 3) Für Mehraufwendungen, die den Arbeitslosen bei ordnungs mäßiger Ausführung der zugewiesenen Arbeiten entstehen, ist ihnen durch den Träger der Arbeit angemessene Entschädigung zu ge währen. ( 4) Der Verwaltungsausschuuß des öffentlichen Arbeitsnach meises der nach§ 79 für die Unterſtüßung zuständig ist, trifft über die Durchführung nähere Bestimmungen; er wählt insbesondere arbeitsdauer, die von den Arbeitslosen in einem bestimmten Zeitdie Arbeiten aus und setzt die Höchstarbeitsdauer fest. Die Höchst raum gefordert werden darf, muß in angemessenem Verhältnis zu der auf den gleichen Zeitraum entfallenden durchschnittlichen Arbeits Losenunterſtügung stehen." Ebenso ist mit Unterstügungsentzug bedroht, die Beigerung fich einer zweck entsprechenden Berufsumschulung oder fortbildung Borschrift des§ 50, die denjenigen nicht als arbeitslos ansieht, der zu unterziehen. Eine weitere Einschränkung bedeutet ferner die Vorschrift des§ 50, die denjenigen nicht als arbeitslos ansieht, der sich nach Verlust seiner Anstellung selbständig als Landwirt oder Gewerbetreibender ernährt oder ernähren tann zumal seine im selben Haushalt lebenden Kinder bzw. seine Ehegattin einbezogen find, soweit sie an dem betreffenden Erwerb teilnehmen können. Arbeitslose, deren Arbeitslosigkeit durch Streit oder Aussperrung ganz oder überwiegend verschuldet ist, erhalten für die Dauer des Streifs dem Tag der Arbeitslosmeldung vorangehenden 12 Monaten wäh oder der Aussperrung feine Unterstügung. Die Anwartschaftzeit ist erfüllt, wenn der Arbeitslose in den letzten, ftanden hat, für Härtefälle sind eine Reihe Ausnahmen vorgesehen. rend 26 Wochen in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung geDer Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung ist erschöpft, menn innerhalb der legten 12 Monate Unterstützung für insgesamt durch den Ausschuß der Reichsausgleichstaffe nach oben erweitert 26 Wochen bereits gewährt ist. Die Grenze von 26 Bochen fann oder nach unten beschränkt werden. Die Höhe der Unterstützung. Wer hat Anspruch auf Unterstützung? Der Anspruch auf Arbeitslosenunterstügung ist gegeben unter denselben Boraussetzungen, die auch bisher für die Gewährung von Unterstützungen maßgebend waren, nämlich für den Versicherten, der erstens arbeitsfähig, arbeitswillig, aber unfreiwillig arbeitslos ist, zweitens die Anwartschaft erfüllt hat, drittens den Anspruch auf Arbeitslofenunterstützung noch nicht er schöpft hat. Als Arbeitsfähigkeit gilt ein Drittel der im jeweiligen Falle vorauszusehenden normalen Erwerbsfähigkeit. Neben Krankengeld, Wochengeld oder den Ersatzleistungen wird Arbeitslofenunterstützung nicht gewährt. Weitere Beschränkungen der fagt: Unterſtügungsberechtigung find folgende: Der§ 47 des Entwurfs ftügung darf 65 Broz. des Einheitslohnes nicht übersteigen. ( 1) Wer sich ohne berechtigten Grund meigert, eine Arbeit arzunehmen oder anzutreten, auch wenn sie außerhalb seines Wohnortes zu verrichten ist, erhält für die Dauer der auf die Beigerung folgenden vier Wochen eine Arbeitslosenunterstügung. ( 2) Ein berechtigter Grund liegt nur vor, wenn 1. für die Arbeit nicht der tarifliche oder, soweit ein solcher nicht besteht, der im Beruf ortsübliche Lohn gezahlt wird, oder 2. die Arbeit dem Arbeitslosen nach seiner Vorbildung oder früheren Tätigkeit oder seinem förperlichen Zustand nicht zugemutet werden kann, oder 3. die Arbeit durch Ausstand oder Aussperrung frei geworden ift, für die Dauer des Ausstandes oder der Aussperrung, oder 5. die Versorgung der Angehörigen(§ 57 Abs. 2) unmöglich wird. ( 3) Nach Ablauf von sechs Wochen seit Beginn der Unterstützung oder während einer berufsüblichen Arbeitslosigkeit fann der Arbeitslose die Annahme und den Antritt einer Arbeit nicht mehr Die Höhe der Arbeitslofenunterstübung richtet fich nach dem Arbeitsentgelt. Zur Berechnung dienen fünf Lohn. gelegt wird. In Klasse 1 bei einem wöchentlichen Arbeitsverdienst tlassen, für deren jede ein bestimmter Einheitslohn zugrunde ( Wochenlohn von mehr als 10 bis 20 mart) beträgt der Einheitslohn bis zu 10 Mart beträgt der Einheitslohn 10 Mart, in Klasse 2 beträgt der Einheitslohn 25 Mart, in Klaffe 4( Wochenlohn von 15 Mart, in Klasse 3( Wochenlohn von mehr als 20 bis zu 30 Marf) in Klasse 5( Wochenlohn von mehr als 40 mart) beträgt der mehr als 30 bis zu 40 mart) beträgt der Einheitslohn 35 Mart, Unterstützung berechnet, und zwar beträgt die Hauptunterstüßung Einheitslohn 40 Mart. Nach diesem Einheitslohn wird nur die 40 Prozent des Einheitslohnes, für jeden zuschlagsberechtigten Familienangehörigen werden 5 Broz. gewährt. Die GesamtunterEine Kurzarbeiter unterstübung sieht der Entwurf nicht vor. Die Fristen der Auszahlung der Unterstützung bzm. die bisherigen Regelung, vorgesehen ist z. B. für den durch eigenes Wartezeit nach erfolgter Anmeldung entsprechen im ganzen der Verschulden arbeitlos Werdenden eine Sperrfrist von vier Wochen, Verdienst des Arbeitslosen durch Gelegenheitsarbeit wird insoweit Koch& Leeland bringen die größte Auswahl zu billigen Preisen. Herren- Stotte für Anzüge. Palefois, Ulster, das Beste im Tragen 10.- 15.- 20.- 25.Damen- Stoffe für Mäntel, Kostüme, Kleider, neue geschmackvolle Farben 8.- 10.- 12.- 16Sertraudlenstr20/ 21 gegenüber Petrikirchs. ca 270,000 Kunden in einem Monat in Gross- Berlin sind ein Beweis, dass unsere enorme Auswahl, unsere hochwertigen Qualitäten und unsere ungeheure Preiswürdigkeit beim Publikum vollste Anerkennung finden. Wir aber rasten nicht, sondern suchen stets neue Beweise unserer Leistungsfähigkeit zu erbringen. hier sind sie! 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Als Krankengeld wird derjenige Betrag gewährt, den der Arbeitslose als, Arbeitslosenunterſtügung erhielte, menn er nicht erkrankt wäre. In einem besonderen Abschnitt Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit" behandelt der Entwurf diejenigen Maßnahmen der Versicherung, die außer den Barleistungen den Arbeitslosen unterstügen, vor allem mieder in den Arbeitsprozeß hineinführen sollen. Dazu gehört außer der Arbeitsvermittlung, die ja den Arbeitsnachweisen obliegt, 3. B. Reiseunterſtügung zwed's Annahme auswärtiger Arbeit, Stellung von Ausrüstung, Fortbildung und Umschulung usw. Schließlich sind auch Notstandsarbeiten vorgesehen. Die Entlohnung der Notstandsarbeiter soll nach obenhin durch den Vorstand der Landesarbeitslosentasse begrenzt werden können. Im legten Kapitel schließlich werden die gegen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für den Fall des Verstoßes gegen die Vorschriften des Gesetzes zu verhängenden Strafen festgelegt. Sigung gefaßten Beschluß werden nur die Genossen und Genoffinnen zugelassen, die sich durch das Mitgliedsbuch legitimieren können. Achtung, Stadtverordnete! Die Fraktionssigung findet wegen des Bezirksparteitages am Dienstag, den 22. September, pünktlich 5 Uhr statt. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Abteilungen! Die neu angefertigten Wählerlistenformulare sind im Bezirkssekretariat, Lindenstraße 3, in Empfang zu nehmen. 2. Kreis Tiergarten. Die Genossen und Genoffinnen beteiligen fich Montag, den 21. September, an der Protestkundgebung der Freien Schulgemeinde Tiergarten in den Arminiushallen gegen den Reichsschulgefezentwurf. 5. Kreis Friedrichshain. Engerer Kreisvorstand und Fraktionsvorstand: 41. bt. 7 Uhr bei Schult, Mariendorfer Str. 5, Bostrag der Genoffin Riedger: Die Frauen und die Stadtverordnetenwahlen". 43. Abt. 7% Uhr bei Wolf, Gräfestr. 26, Vortrag des Genoffen mes ther Die Kommunalwahlen". 44. t. 7% Uhr im Lokal Nagel, Manteuffelftr. 47, Bortrag der Genoffin Rreffe: Die kommenden Stadtverordnetenwahlen". 45. Abt. 7 Uhr bei Jernikeit, Reichenberger Str. 73, Bortrag der Genoffin Fahrenwald: Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen". 47. Abt. 7% Uhr bei Lehmann, Mustauer Str. 1, Bortvag der Genoffin Sainte: Fraueninteressen und Stadtverordnetenwahlen". 48. bt. 7% Uhr im Graphischen Bereinshaus, Alegandrinenstraße, Vortrag der Genoffin Dr. Wygodzinsti: Wie erhält fich die Frau gefund?" 57. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr bei Thunad, Wielandstr. 4, Vortrag des Genossen Miethfe: Die Kommunalwahlen". Montag, den 21. September, 6% Uhr, wichtige Sikung im Lolal Wegener, Frauenveranstaltung übermorgen. Dienstag, 22. September: Stralauer Allee 31, Ede Hohenlohestraße. Pünktliches Erscheinen Pflicht. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 21. September, 8 Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung, Zimmer 1. 13. Kreis. Montag, den 21. September, 7% Uhr, Fraktionsßigung in Marien. Mittwoch, dorf, Feuerwehrdienstgebäude, Rathausstr. 69, Zimmer 10. Den 23. Ceptember, Bezirksversammlung. Die Ausweisung von Dauer folonien." 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, den 23. Geptember, 7% Uhr, Knaben. mittelschule, Marktstraße, Kreisvertreterversammlung. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse Frik Thurm. Die in den Abteilungen gemähiten Reitungstommiffionsmitglieder werden gebeten, am Montag, den 21. Geptember abends 7½ Uhr pünktlich in der Bibliothek Weichselstr. 28 zu er fcheinen. Donnerstag, den 24. Geptember, 8 Uhr, in der Bibliothek Weichselstr. 28, 1. Abend der Bildungsgemeinschaft. Gäste willkommen. 18. Rreis Weißenfee. Montag, den 21. Geptember, pünktlich 7½ Uhr, Frattionshigung im Rathaus, Rimmer 2. 19. Kreis Pantow. Montag, den 21. September, 6% Uhr, Fraktionsfizung mit den Bürgerbeputierten im Rathaus, Zimmer 17. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Die Berliner Rinder. freunde veranstalten am 27. Geptember, mittags 12 Uhr, ein allgemeines Kinderfreundetreffen auf der Schillerwiese im Schillerpart, Wedding. Wir wollen dort einige ftohe Stunden bei Spiel und Tanz verbringen. Alle Parteimitglieder, Eltern, Lehrer und Jugendgenoffen werden gebeten, diefen Tag gemeinsam mit uns zu verbringen, um unsere Bewegung fennenzulernen. Morgen, Montag, den 21. September: 21. Abt. Rommunale Rommission: 7½ Uhr im 1. Stod des Ledigenheims, Rimmer 123-124, Gigung. Sämtliche Stadt- und Bezirksverordnete müssen erscheinen. Vortrag des Genossen Stadtrat Rulisch: Jugendpflege, Jugendfürsorge im Bezirk Wedding". Soweit die unfritische Darstellung des Gesezentwurfes. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß man sich im Prinzip mit der Durchführung des Versicherungsgedankens wird einverstanden erflären müssen. Bom Standpunkt des Arbeitnehmers aus aber wird man trotzdem gegen viele Einzelheiten des Entwurfs Stellung zu nehmen haben. Der entscheidende Einfluß des Arbeitsnachweisvorsitzenden erscheint auch durch die Möglichkeit der Berufung an den Verwaltungsausschuß und an die Spruchkammer nicht genügend ab= geschwächt. Die Festsetzung der Pflichtarbeit, das dem Vorstand der Landesarbeitslosenkasse zuerkannte Recht der Lohnbemeffung bei Notstandsarbeiten, rufen ernste Bedenken hervor. Der Ausschluß einzelner Arbeitnehmerfreise, insbesondere der Ausschluß der Land- und Forstarbeiter aus der Bersicherung muß lautestem Protest begegnen. Die gänzliche Verweigerung der Unterstügung tei Streits und Aussperrungen erscheint zu weitgehend. Die Berücksichtigung evtl. Ermerbsmöglichkeit, wie sie der§ 50 porsieht, dürfte dem Prinzip 137. bt. Reinickendorf- West. 7½ Uhr Funktionärfikung im Volkshaus Scharneiner Versicherung widersprechen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3. 24. Abt. 7 Uhr Funktionärligung bei Schleif. Wins, Ede Christburger Str. 36. Abt. Die Bezirksführer laden zu der am Mittwoch, den. 23. d. M., statt. findenden Mitgliederversammlung in der Schulaula Petersburger Str. ein. Referent Genoffe Alobt. 43. Abt. 23./24. und 130. Bezirk: 7 Uhr im Gesundheitshaus am Urban, Vortrag des Stabtschularztes Dr. Franz Mener über Gesundheitliche Lebensführung". Anschließend Besichtigung des Gesundheitshauses unter Führung des Rebners. 45. bt. 7 Uhr Funktionärsgung bei Bogelsang, Glogauer Str. 17. Referent Bürgermeister Dr. Rahle. 73. Abt. Schmargendorf. 7% Uhr außerordentliche Mitgliederversammlung in der Gemeindeschule. Wichtige Tagesordnung. weberftr. 114. Einteilung der Bezirke zu den kommenden Wahlen. Jungsozialisten. Gesamtveranstaltung um 8 Uhr im Breußischen Landtag, Brinz- Albrecht- Straße, Rimmer 12. Genoffe Mennice spricht über Religion und Sozialismus". Gruppenkonferenz 6½ Uhr, Arbeitsausschußfizung 6 Uhr. für Groß- Berlin Frauenveranstaltungen morgen, Montag, den 21. September: flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten Bezirksvorstandsfihung. Montag, den 21. September, abends 6½ Uhr, im Konferenzzimmer der Vorwärts"-Redaktion Sigung des erweiterten Bezirksvorstandes. Borher, pünktlich 5 Uhr engerer Bezirksvorstand im Sekretariat. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen, Bezirksgruppe Berlin. Sigung am Dienstag, den 22. September, 6 Uhr, im Sigungsfaal der Bezirksversammlung Kreuzberg, Dord straße 11. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tagung des Hauptausschusses in Jena. Referentin Genossin Feuerstack. 2. Bericht über die Verhandlung mit den parteigenössischen Landtagsabgeordne ten über die pädagogischen Academien. Referent Genosse Holz. 3. Ber schiedenes. 4. Gemütliches Beifammensein. Nach dem in der letzten Garnitue „ 31fe" schwarzer Rips, borgezeichnet Kiffenplatte..... 1,10 Decke Decke 85 5cm, rund... 2,00 125 cm, rund 150X 4,50 Tischdecke 8,50 170 2. Kreis Tiergarten. 7½ Uhr bei Berger, Levegow-, Ede Jagowstvaße, Bor trag der Genoffin Wenl: Das Gemeindebestimmungsrecht". 14./16. Abt. 7 Uhr in der Grauen Schule, Butbufer Str. 3, Bortrag der Genoffin Soppe: Rommunalpolitik". Gäste willkommen. 22./23, bt. 7 Uhr bei Radzan, Brüsseler Str. 43, Bortrag des Genossen Judrian: Die Stadtverordnetenwahlen". 24. Abt. 7 Uhr bei Rösner, Immanuelkirchstr. 25, Vortrag, des Genossen Dr. Fabian: Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen". Gäste will. tommen. 25. Abt. 7% Uhr bei Kestner, Elbinger Str. 24, Seiterer Abend. Gäste mill. tommen. 29. Abt. 7% Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189, Vortrag der Genoffin Dr. Käte Frankenthal: Die Wirkung der Rollpolitik auf die Boltsgefundheit". Gäfte herzlich willkommen. 31. bt. 7% Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Bortrag der Genossin Wachenheim. Gäste willkommen. 35. bt. 7 Uhr bei Beter, Schreinerstr. 35, Frauenabend. Thema: Die Stadtverordnetenwahlen". 40. Abt. 7% Uhr bei Schmidt, Teltower Str. 18, Bortrag über ,, Das Bordellwesen". Gäste willkommen. 94. Abt. Neukölln. 7½ Uhr bei Günther, Schillerpromenade 11, Bortrag des Genossen Stadtrat Friedländer: Die Kommunalwahlen". Gäste will tommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. bt. Genosse Sermann Rainia ift verstorben. Einäscherung Dienstag, den 22. Geptember, nachm. 2½ Uhr, im Arematorium Gerichtstr. Gerichtstraße. 69. Abt. Der Genoffe Anton 2emaitre, der feit 1890 der Partei angehörte, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Die Einäscherung findet ant Montag, den 21. September, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, nachmittags 23 Uhr, flatt. Die Varteigenossen werden gebeten, sich an der Beifegungsfeier au beteiligen. Jugendveranstaltungen. Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 15. Seute, Sonntag, den 20., Feier des fechsjährigen Bestehens der Abteilung Tegel. Morgen, Montag, den 21. September, abends 712 Uhr: Chorübungsabend im Jugendheim Lindenstr. 3, 7½ Uhr. Moabit I und II: Städtisches Jugendheim, Wiclef, Ede Bremer Straße, Bortrag: Das Sozialistengefes". Referent R. Abraham.- Nordring: Lehr lingsheim, Schönhauser Allee 140, Vortrag: Bürgerlicher oder Arbeitersport?" Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortvag: Gtlaverei im alten Werbebeaiz? Often: Jugendheim Goßlerstr. 61, Areisfunktionär. berfammlung. Bortrag: Gefundheitliche und bes erzieherische Werte Turnens". Referent Genoffe Dr. M. Hodann. Kreisangelegenheiten. Westen: Dienstag, den 22. September, 7½ Uhr, im Jugendheim PallasStraße 15, Vortrag: Sozialdemokratie und Staat". Rom" Funktionärversammlung Mittwoch, den 23. September, abends 7 Uhr, im Sigungsfaal des Breußischen Staatsrats, Leipziger Str. 3. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Einlaßtarte. Aler. Stein spricht über Weg und Ziel sozialistischer Bildungsarbeit". Nollendorf 1120, 1121, 1122 M. Lammiromm& Vogel Potsdamer Str. 127 Treppenläufer und Teppichstoffe in Kokos, Haar, Velour, Linoleum und Triolin. Sorgfältige Ausführung. Togal gegen Schmerzen ber Nerven, Rheuma, Git, Ischias, Kopfschmerzen, Grippe und Crtaltungstrantheiten. Togal Tabletten fillen die Schmerzen und scheiben die Harnsäure aus. Hervorragend bewährt! Sragen Sie Ihren Arzt. In allen Apoth. erhältlich. 12,6% Lith., 0,46% Chinin, 74,3%, Acid. acet. salic., ad 100 Amyl. 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Man muß begreifen können, was es heißt, in einer solch entsetzlichen Zeit mit einem Schlage in die Arbeitslosigkeit hineingestoßen zu werden, die gleichbedeutend ist mit Not und Elend, mit selischem Zusammenbruch und dem Verlust des legten Reftchens Lebensfreude. Man muß es selbst einmal am eigenen Leibe erfahren haben. Es ist, als wälze sich Hochwasser an ein Haus heran und die Bes wohner sehen es fommen und wissen, daß das Haus verloren ist, daß nichts entgingen fie auch dem Tode fie vor der Obdachlosig. feit retten fann. Und doch marten sie ab, in der inbrünftigen Hoffnung auf ein Wunder, das noch alles zum Guten wenden würde, bis die steigenden Fluten das Gebält zertragen an das sie sich in ihrem zähen Lebenstriebe flammern. Ich glaube, auch sie tönnen nichts Schmerzlicheres empfinden, können nicht verzweifelteren Herzens sein als jene Menschen, die um ihr Brot gekommen. Noch gehen sie ziellos und unschlüssig, wie geistesabwesend die Gänge entlang, als hätten sie noch etwas zu tun und könnten sich nur nicht darauf befinnen. Und indes fie fich abmühen, ihren traumhaft wirren Gedanken feste Gestalt zu geben, begegnen sie einander, bleiben stehen und wechseln mit gepreẞter Stimme ein paar herzliche Worte, brücken einander zum Abschied die Hände. Kalt blicken die weißgetünchten Wände sie an wie Fremde, die hier nichts mehr zu suchen hätten. Die Türen flappen auf und zu und scheinen nur widerwillig den Fingern zu gehorchen, deren Spizen vom ewigen Schreiben dunkel und ecig geworden sind. Dumpfe beklemmende Stille herrscht in den Zimmern, die Schreibmaschinen haben zu flappern aufgehört und auch das Tele phon rührt sich nicht mehr. Sind nun alles tote zmedlose Dinge, denn die Hand, die ihnen das Leben des Augenblics gab, ist zu ungewolltem und wer weiß wie langem Feiern verdammt. Schweis gend stehen die von der Sinnlosigkeit und Unbarmherzigteit dieses. Lebens Getroffenen über ihre Tische gebeugt, an denen sie Jahre Jahrzehnte ihres Lebens abgeseffen, und wühlen in den Laden nach Kleinigkeiten, die ihr eigen sind, framen aus irgendeinem Winkel längst vergessene und verstaubte Erinnerungen hervor einige Photographien, ein paar Ansichtskarten aus fernen glüdlicheren, nichts Schlimmes ahnenden Tagen. Mit zitternden, in der Bewegtheit ihrer Herzen unbeholfen gewordenen Fingern holen fie eine nach der anderen aus der Bergangenheit hervor und überfliegen hastig die verwischten Zeilen. Wo mag jeßt der sein, der diese hier geschrieben?... Was mag aus jenem anderen da ge= , worden sein? Und die Ungewißheit des eigenen Schicksals Schüchtert sie ein mit ihrem Brauen, während sie die Karten zitternd beiseite legen. Zögernd verweilen fie bei den nichtigsten Dingen, unschlüssig, ob fie. fie mitnehmen oder in den Papierforb werfen follen. Der Abschied von all dem fällt ihnen so unfagbar schwer. Ein paar andere gehen mit gesenften Röpfen auf und ab, indes ihre Finger nervös oder mie in müder Ergebenheit mit den Knöpfen ihrer Westen spielen. Man vermag in ihren Gesichtern zu lesen, moran sie denken. Ein menig bleich sind diese und stumpfe Resignation mischt sich in ihren Zügen mit Angst und Sorge und einem müden, taum mertlichen Lächeln, mit dem sie die aufsteigende Ver. zweiflung niederzufämpfen und zwischen den Zähnen zu zerbeißen fich bemühen. Ein wenig auch sind sie verbittert, aber da augenblicklich fein fonkreter Feind da ist, dem dies hätte gelten fönnen, so find sie es gegen ihr Schicksal, das ihnen solches angetan. Hier und da flattert ein gedrücktes Wort auf, aber es ist, als fönnte es sich zwischen diesen starren Wänden nicht mehr zurechtfinden. Bereinzelt hört man auch ein furzes ersticktes Lachen doch es flingt gespenstisch und gläsern und zertlirrt, noch ehe es recht über die Lippen gekommen. In diesen staubigen und lichtscheuen Gefänigniszellen haben sie die besten Jahre ihres Lebens zugebracht und alle Schaffenstraft und Initiative eingebüßt. Lebendige Maschinen, aus denen man das Beste herausgeholt und die schon zu verbraucht sind, um jegt, da es den Kampf ums eigene Leben gilt, nicht zu versagen. Nun müssen sie gehen nachdem fie vierzehn und zwanzig und fünfund zwanzig Jahre hinter den vom Alter gedunkelten Tischen ausge harrt. Und obwohl ihnen schon seit Monaten der nichts als Not und 5] Der Hochverräter. Erinnerungen aus schweren Tagen. Herrensohr. DEUTSCHLANDS ERSTEMS REICHS PRASIDENTIA FRITZ EBERT GEWID V. SEINEN GENOSSEN S.PD S.A.J. HERRENSCHR Kein König setzte diesen schlichten Stein, Enthüllt hat ihn kein hösisches Gepränge, Fern war verfunkner Mächte leerer Schein, In Liebe fand der Arbeit Volk sich ein Und weihte ihn in dichtgedrängter Menge Durch ernsten Spruch und alte Kampfgefänge. Beilage des Vorwärts F84 1354 Du warst verfemt bei mancher feilen Schar, Die schamlos der Verleumdung Dolche zückte, Weil deine Stärke ihr zum Greuel war. Eins blieb, das nimmer zu zerstören glückte: Dich ehrt im Tode noch der Unterdrückte, Du, Präsident zugleich und Proletar! mehr missen fönnen. Fast wie ein Todesurteil ist für sie dieser Tag, der erste in einer unabsehbaren Reihe, die qualvoll langsam abwärts und zum Ende führt. Sorge verheißende Termin, dieser trübe Wendepunkt ihres Daseins,| Existenz, Lebensinhalt und seelischen Halt bedeutet und das sie nicht bekannt ist und sie sich langfam, während sie die Tage zählten, ins Unvermeidliche gefügt, so find sie sich dennoch erst heute, da es mun wirklich bitterer Ernst geworden, der ganzen Troftlosigkeit ihrer Lage so recht bewußt und mit lächelnden Lippen zwar, aber mit blutendem Herzen reißen fie gewaltsam fich los von allem, was ihnen bisher eine ganze Familie, Freunde und Bekannte mit sich in den Abgrund reißend.Ich brauchte in feiner geschlossenen Kabuse des Wagens Plaz zu nehmen und hatte so Gelegenheit, wenigstens einige meiner Bon Adolph Hoffmann. Reisegefährten zu betrachten. Die drei Mädchen waren ohne Zweifel Der Lumpenfortierraum. Kontrollweiber". Wahrscheinlich hatten sie mit ihrem Freund" So hatten Stammgäfte des Hotels de Wuppdich die Sammel. Besuch ausgeflaut". Der eine Mann machte den Eindruck eines frelle für Abreisende genannt. Sie befand sich im Erdgeschoß des Hochftaplers oder Bauernfängers. Einem anderen hatte das Schidjal arg mitgespielt. Berwahrloste Garderobe, die bessere Zeiten gesehen Hofes. Hier fuhr die grüne Minne" vor und die Stationen hatte, und ein Gesicht, an dem feine helle Stelle zu finden war, aber wurden, wie früher in den Eisenbahnwartejälen abgerufen: Blößeumsomehr Pflaster. Auch die Hand trug einen Verband, durch den ( Blößenseer Gefängnis)," Rummeline"( Arbeitshaus Rummelsburg), das frische Blut drang. Berleberg"( Hilfsgefängnis Berleberger Straße)," Barnim" ( Frauengefängnis Barnimstraße), Moabit 1."( Untersuchungsge fängnis des Kriminalgebäudes) usm. Hier in der Lumpenfortierhalle saßen die Menschen zusammen, immer in Kolonnen stationsweise sortiert. Jede Kolonne hatte einen Aufseher. Sprechen, sich Zeichen geben oder etwas zuſteden, war streng verboten. Es war mehr denn interessant zu beobachten, mit welcher Geschicklichkeit unter den Augen von mehr als einem halben Dugend bärbeißiger Aufseher das Berbot umgangen wurde. Der ⚫selige Post- Stephan hätte hier für Rohrpost und Eilbestellung auf und unter den Bänken, mit denen der ganze Raum ausgestattet war, mas lernen fönnen. So sehr ich mich darauf freute, fortgefliegt" zu sein, menn Herr Beinert im Bureau erschien, um ihm den Triumph meines Anblicks nicht zu gönnen, jo leib tat es mir andererseits, in meinem Studium so bald gestört zu werden, da Moabit U." als viertes gerufen wurde. Unser Kolonnenführer wintte, und lautlos fletterten drei Weiblein und vier Männlein mit dem Aufseher als Schluß in die Minne. Das Haus ber begrabenen Hoffnungen Wieviel Lebensglüd und Lebenshoffnung sind in dem Juftizpalaft Moabit schon begraben. Ein unbesonnener jugendlicher Fehltritt und ein Menschenglüd ist fürs ganze Leben vernichtet, oft im Sturze Die Fahrt ging durch die Spandauer Straße, über den Hackeschen Markt, Dranienburger-, Chaussee, durch die Invaliden. straße. Drei schmere Tormege gingen vor der grünen Minne ge räuschlos auf, aber umso geräuschvoller flappten e zu, wohl un je ben Insassen zur Gewißheit werden zu lassen, daß sie nunmehr von der Außenwelt hernietisch abgeschloffen waren. Die Ladung" murde gelöscht“ und zur Aufnahme geführt, wo der Bepflasterte wie ein alter Bekannter begrüßt wurde mit den Worten: Jungeken, Du scheinst Dich aber gefträubt zu haben, uns wieder zu besuchen." zurüd. „ Soll ich mich etwa noch drängeln?" gab eine tiefe Baßstimme Jotteken, Jotteken doch," wurden die drei Grazien empfangen, fo fein eingepuppt. Benn mir die geringste Ahnung von dem Besuch gehabt, hätten wir heute einen fleinen Hausball arrangiert. Na, aufspielen wird man Euch ja trotzdem." Jezt war ich an der Reihe. " Das erstemal hier?" war nach bestandener Besichtigung der Atten die Frage. Auf meine Bejahung hieß es nach einem aber. maligen Blick in die Aften:" Scheint aber Heimatsrechte erwerben zu wollen." Auf das Kommando Los", wurden wir in den Keller geführt. Dort schloß ein Beamter eine Zelle auf und jagte zu mir: Rinn, ausziehen." Ein einstiger Kollege, der mit vielen anderen schon vor längerer Zeit daran hat glauben müssen, tritt zur Tür herein. Er fommt Es mar eine im freundlichen Gegensatz zum Moltenmarkt faubere Badezelle mit einer äußerst reinlichen Emaillemanne. 3ögernb 30g ich mich aus. Als der Beamte erschien, sagte er: Man ein bißchen firer, es ist noch mehr Kundschaft hier." Ich antwortete: Wie oft wird man denn hier pro Tag ge badet?" „ Sind Sie heute schon gebadet?" fragte erstaunt der Beamte. Ja," am Moltenmarkt," war meine Entgegnung. Ah," antwortete er mit einer Handbewegung, dort wird der Dreck bloß eingeweicht, hier wird er abgewaschen," und er machte fich mit meiner am Haten hängenden Garderobe zu schaffen. Wohl. tuend höflich flang gegen den Ton am Moltenmarkt die Frage: Haben Sie Ungeziefer?" „ Sehen Sie doch nach," war meine gereizte Antwort. Am Moffenmarkt haben sie es schon mal getan." „ Gerade weil Sie vom Moltenmarkt tommen," war die Antwort, die nach Sabor tief bliden ließ. Alsdann bezog ich in der Sternenschanze", wie Einheimische die am Rondell( Bentrale) sternenartig angegliederten fünf Ge fängnisflügel A., B., C., D., E. bezeichneten, mein neues Quartier. Flügel D., vierte Etage, Belle Nr. 585. Diese Nummer hing auf cinem Blechschild gemalt innen an der Tür, und war bei jedem Ausgang oder jeder, Borführung auf der Brust, wie früher die Nummern der Dienstleute, zu tragen. Ich verlangte auch jetzt, gemäß dem Geseze innerhalb 24 Stunden nach der Berhaftung dem ordent lichen Richter vorgeführt zu werden. Das polizeilich angemeldete Attentat Die erste, Bernehmung sollte alle meine Erwartungen tief in den Schatten stellen. Wenn ich auch nach dem, was mir widerfahren, auf alles vorbereitet war, das, was fam, war so saudumm, daß es bei mir tiefftes Mitgefühl mit dem Geisteszustand des Machers" auslöfte. ( Fortsetzung folgt.) von„ draußen", wohin e alle thm fegt folgen müffen. So mude| und abgehärmt sieht er aus, und nichts Erfreuliches weiß er zu berichten. Denn so flein und unscheinbar auch jenes Wörtchen ist, so grausam hart ist die Bedeutung, die es hinter seiner Maste birgt. Boll aufrichtiger Teilnahme hören sie ihm zu, und man tröstet, ermuntert sich gegenseitig, so gut es geht. Kein einziger von ihnen empfindet im Augenblic Gleichgültigkeit gegenüber den anderen, ein einziges festes Band freundschaftlich warmen Mit gefühls und tiefer Sympathie verbindet sie alle, und so gerne würden fie einander helfen, wenn ja, wenn sie es fönnten und nicht selber der Hilfe bedürften. Es ist wieder still geworden im Zimmer, nur der Fußboden fnarrt im gleichförmigen Rhythmus der Schritte. Bis irgendeine leise, unsagbar müde Stimme sich aus dem Schweigen löst und die anderen emporfahren aus ihrem Brüten. Also gehen wir, wenn's schon so sein muß... Und einer nach dem anderen schlüpfen sie in ihre Mäntel und schicken sich an zu gehen. Stumm, mit gezwungenem Lächeln, das eher dem Weinen nahe ist, und einem fast endlosen Drud ihrer Hände sehen sie einander an, nehmen schweren Abschied voneinander, indeß sie an ein paar herzlichen Worten würgen, die nicht aus der Kehle wollen. Dann gehen sie still und mit gesenkten Köpfen einer nach dem anderen zur Tür hinaus, um auf den Trümmern ihrer Existenz, Stein um Stein, ein neues Leben aufzubauen. Wird es ihnen aber gelingen?.. Tolstois Lebenstragödie. Einen erschütternden Einblick in die Ereignisse, die den greifen Tolstoi veranlaßten, in einer rauhen Novembernacht 1910 plöglich fein Haus und Heim zu verlassen und sich von seiner Gattin zu trennen, um 10 Tage später an einer Lungenentzündung zu sterben, eröffnet die Schilderung, die Karl Tiander im Septemberheft der Deutschen Rundschau" veröffentlicht. Er stüßt sich dabei auf neuere Beröffentlichungen, die Tolstois Privatsekretär Bulgakoff und fein Gutsnachbar und Freund Tschertfoff herausgegeben haben. Schon aus dem Jahre 1897 hat sich in Tolstois Nachlaß ein nicht abgesandter Brief an seine Gemahlin gefunden, in dem das eheliche Berwürfnis, das der tiefste Grund von Tolstois Lebenstragödie war ganz unverhüllt zum Ausdruck tommt. Es reicht nach des Dich ters eigenem Befenninis auf den Anfang der 80er Jahre zurück; als Tolstoi sein Haus verlassen hatte, schrieb ihm sein ältester Sohn einen Brief, in dem er sein Bedauern ausdrückte, daß der Bater diesen Schritt nicht bereits vor 30 Jahren getan hatte. Für die Gräfin Tolstoi hat neuerdings Marim Gorki die Feder ergriffen, und man muß bei allem, was sie in Tolstois legten Lebensjahren ihm antat, bedenken daß sie kein gesunder Mensch mehr war, son dern nach einer schweren Operation im Jahre 1906 an Hysterie und Baranoia ertrantt war. Gie besaß aber fein pietätvolles Verständnis für Tolstois Schriften und Ansichten. Seinen literarischen Nachlaß glaubte der Dich ter daher ihr nicht anvertrauen zu können, sondern übertrug die Herausgabe seiner Tochter Alexandra und Tschertkoff. Auch darin geriet er mit jeiner Gatlin in einen Gegensatz, daß er seine gefamten Sayriften freigeben wollte, während die Gräfin auf die იიი materielle Zukunft threr zahlreichen Nachkommenfchaft bedacht war. Ein Testament, in dem Tolstoi seinen literarischen Nachlaß freigab und seine Tochter zur Vollstreckerin feines letzten Willens ernannte, unterschrieb er heimlich im Walde im Sommer 1910 in Gegenwart von drei Zeugen. die mit Tschertkoff zu dem Versted geritten waren. Die Gattin hatte aber doch Verdacht geschöpft und so spielten sich, mie der Sekretär erzählt, wieder schwere und krankhaft aufgeregte Szenen ab. Szenen ab. Die Gräfin überschritt alle Grenzen in dem Ausdruck ihrer Mißachtung gegen Tolstoi und sagte ihm wahnsinnige Sachen. um ihren Haß gegen Tschertkoff zu rechtfertigen. Ich fah, wie Tolstoi nach dem Gespräch mit der Gräfin im Saale mit schnellen Schritten auf sein Zimmer ging, aufrecht, die Hände unter den Gürtel gesteckt und mit einem bleichen Gesicht, das vor Entrüstung und Entsetzen bann in seinen Zimmern wie in einer Festung. Seine Gattin lief über das Gehörte gleichsam erstarrt war." Tolstoi verschloß fich von einer Tür zur anderen und flehte ihn an, ihr zu verzeihen und die Tür zu öffnen, aber Tolstoi gab ihr feine Antwort. Szenen solcher Art wiederholten sich immer wieder, öfter er tonen auch aus dem Zimmer der Gräfin Schüsse, wobei es unflar bleibt, wem sie gelten. Am 3. Oktober hatte Tolstoi einen schweren Krampfanfall, er verfiel in Bewußtlosigkeit und schüttelte sich in heftigen Buckungen. Die Gräfin befreuzte sich und flüsterte fortwährend Herr! Nur nicht dieses Mal, nur nicht dieses Mal!" und zur Tochter sagte sie:„ Ich leide mehr als du; du verlierst deinen Bater, aber ich verliere meinen Gatten, deffen Tod ich selbst verschuldet habe!" Die versöhnliche Stimmung hielt aber nicht lange an. Hartnäckig fragte die Gräfin Tolstoi immer wieder, ob es wahr sei, daß er ein Testament aufgesetzt habe und forderte, daß er durch ein besonderes Schriftstück ihr das Besitzrecht seiner fünstlerischen Werte übertrage. Sie belauert und belauscht ihn. Unter diesen Um ständen trifft Tolstor Vorkehrungen zu seiner Abreise. Am 27. Or, tober tommt es zur Entscheidung.„ Gegen Mitternacht bemerkte Tolstoi, der in seinem Schlafzimmer im Bette lag, durch die Türspalte Licht in seinem Arbeitszimmer und hörte das Rascheln von Papieren. Es war die Gräfin, die irgendwelche Beweise für den sie quälenden Verdacht in betreff des Testaments usw. suchte. Dieser nächtliche Besuch war der letzte Tropfen, der die Schale der Geduld Tolstois zum lleberlaufen brachte. Blöhlich und unabänderlich stand bei ihm der Entschluß fest, fortzugehen. In tiefer Nacht flopfte es an die Tür des Zimmers, wo Alexan dra und ihre Freundin schliefen.„ Wer da?" Ich bin's, Lev Nikolajewitsch." Alexandra öffnete die Tür. An der Schwelle stand Tolstoi mit einem brennenden Licht in der Hand. Ich verreise so oleich ganz. Kommt und helft mir einpacken!"" In diesem Augenblick," erzählte Alexandra, hatte Tolstois Antlig einen ungewöhnlichen und schönen Ausdruck von Entschlossenheit und innerer Erleuchtung." An seine Gattin hatte Tolstoi folgenden Brief ohne irgendwelche Anrede geschrieben: Meine Abreise wird dich kränken und das tut mir leid, doch versteh' und glaube mir, daß ich nicht anders haudeln fonnte. Meine Stellung im Haus wird ift schon untragbar. Außerdem kann ich nicht länger in den luxuriösen Berhältnissen leben, in denen ich bisher gelebt habe, und tue daher das, mas Greise meines Alters gewöhnlich tun, indem sie dem weltlichen Treiben den Rücken fehren, um in Einsamkeit und Ruhe die letzten Tage ihres Lebens zu verbringen. Bitte, verstehe das und fahre minicht nach, selbst wenn du erfährst, wo ich mich aufhalte. Deine Herkunft würde nur deine und meine Stellung verschlechtern, ohne meinen Beschluß zu verändern. Ich danke dir für dein eheliches 48jähriges Zusammenleben mit mir und bitte dich, mir alles zu verzeihen, womit ich mich dir gegenüber verschuldet habe, ebenso wie ich dir alles verzeihe, womit du dich mir gegenüber haft verschulden fönnen. Ich rate dir, dich mit deiner neuen Lage abzufinden, in die meine Abreise dich verjeht, und feine bösen Gefühle gegen mich zu hegen. Wenn du mir etwas übersenden willst, so gib es Sascha, sie wird wissen wo ich mich befinde, und was nötig ist, mir über. senden. Aber sie fann nicht sagen, wo ich mich aufhalte, denn ich habe ihr das Versprechen abgenommen, es niemand mitzuteilen. Leo Tolstoi." In aller Eile wurden die notwendigen Sachen gepackt, und am nächsten Morgen ganz früh fuhr Tolstoi, von seinem Hausarzt begleitet, zur Bahnstation, um nach Süden zu fahren, nach Schamarbin, wo seine Schwester im Nonnenflofter lebte. Als die Gräfin von seiner Abreise erfuhr, machte sie einen Selbstmordversuch, von dem sie nur mit Mühe gerettet wurde, und als dann Tolstoi erkrankte und sein Aufenthaltsort bekannt wurde, reiste sie im Sonderzuge nach Astapovo, wo Tolstoi bereits in hohem Fieber lag. Zehn Tage nach seiner Abreise befreite der Tod den greifen Dichter von feinem törperlichen und seelischen Leid. Unter den fibirischen Goldgräbern. Die vor einigen Monaten von der russischen Presse verbreiteten Nachrichten über die Ent deckungen goldhaltiger Lager und Gänge in Sibirien waren fein leeres Geschwäß, ja sie waren nicht einmal start übertrieben. Im sibirischen Nordwesten und in den Gebieten, die an die Mandschurei grenzen, find tatsächlich Goldlagerstätten entdeckt worden. Lager. stätten von solcher Größe, daß der Ruf des Klondikegebietes mit seinen Goldgräbern und seinen Abenteurern daneben beinahe verblassen muß. Und jetzt strömen- wie ein russischer Mitarbeiter der römischen" Tribuna" erzählt zu diesen weltfernen, ungaftlichen Landen Goldsucher aus allen Teilen Mitteleuropas, Arbeitslose und Bagabunden, die das Zuchthaus mit dem Aermel gestreift haben oder die Strafanstalten schon von innen fennen. Männer, die nichts besigen als zwei Werkzeuge, auf die sie ihre ganze Hoffnung, ihre ganze Zukunft segen: einen Spaten und eine Haue. Unerhört sind die Mühen und die Leiden der neuen Goldgräber. Che sie ans Graben denken fönnen, müssen sie die dicke Eistruste, die das Land bedeckt, verschwinden lassen. Zu diesem Zwede wird eine große Menge Holz aufgeschichtet und in Brand gesteckt. Die Hize bringt das Eis und den Schnee zum Schmelzen und legt den Boden bloß. Nun beginnen die Goldgräber ganz infiemlos und ohne jeden Blan Löcher zu graben. Viele müssen ihre Arbeit zehnmal und noch häufiger von vorn anfangen, bever fie zur Entdeckung der ersehnten Goldader gelangen; andere aber, die vom Glüd begünstigt sind, finden oft schon beim ersten Hackenschlag Goldkörner, ja oft jogar ganze Goldklumpen. Ein Spaten und eine Haue bilden in dieser fibirischen Einöde geradezu unbezahlbare Schäze: mit allem Gold der Welt tönnte man sie dort nicht faufen. Einsam und abgeschieden von der ganzen zivilisierten. Welt, sinken die fibirischen Goldgräber auf das Niveau von Wilden herab: aus Holz, Tierknochen und Pflanzenfasern machen sie sich Gebrauchsgegenstände, die in jenen arktischen Gebieten unentbehrlich sind, und die sie sich mit all ihrem Golde mirgends verschaffen fönnten. Dafür werden aber ihre Mühen und ihre Nöte oft reich belohnt. Wenn Erschöpfung und unerträgliche Kälte den Goldgräber am Abend zwingen, das Erdloch, das er sich als Wohnung" eingerichtet hat, aufzusuchen, nimmt er oft eine so große Menge reinen Goldes mit sich, daß er glücklich und zufrieden einschlafen und sich den rosigsten Träumen hingeben tann. Schon im Februar 1924 war das neue sibirische Goldland von mehr als tausend Goldgräbern bewohnt. " 6 000300 Onkel Leo spricht: DOO Kredithaus ANDERS" 99 am Bahnhof Wedding Reinickendorfer Straße 16 Grüßtes Haus direkt a. Nettelbeckplatz Auf Teilzahlung Anzige Herrell Paletas schick and moderu DamenGarderobe Kostüme- Kasacks- Kleider- Mantel Knaben-, Mädchen-, Konfirmanden- Gardorobe usw. Prima Qual. Solide Preise. Größte Auswahl Niedrigste Anzahlung Riesen- Möbel- Auswahl Poisterwaran, elg. Fabrikat Spezialität: 1- bis 2- Zimmer- Einrichtungen und große Med. Küchen Korbmöbeln Erleichterte Zahlungsbedingungen! 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Korn blum, der die Regie des Gesamten hatte, ließ alle mittel spielen, hatte fich zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiter gesichert, und so war der Eindruck der Erstaufführung in den Kammerlicht spielen ein imponierender, manchmal überwältigender, aber auch in der Fülle der Gesichte verwirrender. Das Vorspiel zeigt den jahr. taufende langen Kampf der Menschheit um die Eroberung des Himmels durch Beobachtung und Forschung. Das Weltbild der Griechen, die Tat des Kopernikus, die Erfindung des Fernrohrs, Newtons Entdeckung der Schwerkraft alles dies wird in ein prägfamen Bildern uns vorgeführt. Dann erleben wir die Erscheinungen des Himmels, wie sie fich nach dem heutigen Stande der Wissenschaft vor uns abspielen. Der Mond, die Kometen, die Sternschnuppen, die Sonne, die Sternbilder, die Erscheinungen von Nacht und Tag, der Wechsel der Jahreszeiten alles dieses und vieles andere wird zum Teil mit vollkommener Popularität zum Schauen gebracht. Dann folgt mit Jules Vernescher Phantasie ein abenteuerlicher Flug in einem Weltenschiff durch die Sternenwelt. Der Mond wird besucht und seine Wunder werden uns flar. Auch die anderen Planeten werden angelaufen und ihre Seltsamkeiten ( veränderte Gravitation und daher Veränderung aller Lebensver. hältnisse) werden erprobt. Das phantastische Schauspiel des Saturn mit seinem Ringe und seinen elf Monden wird genossen, und dann geht der Flug weiter in die Endlosigkeit der Firsternwelt. Wir rohnen sozusagen der Entstehung neuer Welten bei, indem wir Spiralnebel durchfliegen. Auch erleben wir die Umfehr der Zeit, da wir schneller fliegen als das Licht. Der Schlußteil führt uns in die Entwicklungsgeschichte der Welten. In groß geschauten Bildern, die filmisch außerordentlich wirksam find, wird eine Weltuntergangs phantasie vorgeführt. Nicht nur der Kältetod wird gezeigt, sondern mir erleben schaudernd den Untergang der Erde infolge eines Zu fammenstoßes mit anderen Gestirnen, wobei alles in Feuer und Flammen aufgeht. Aber nicht mit diesem erschütternden Bilde, sondern mit einem heiteren Austlang schließt der Film, der uns Erde und Himmel auf einmal in ihrer Schönheit zeigt. Den Film begleitete eine erlesene sinfonische Mufit, die der neue General tapellmeister der Ufa, Ignaz Waghalter mit großer Kennerschaft zusammengestellt hatte und mun unter seinem belebenden Taftstrde mit dem prachtvoll funktionierenden Orchester zu eindringlichem Genuß führte. Haydn und Mozart, Beethoven und Liszt, Smetana und Dvorát wurden aufgeboten, um dem Film die musikalische Untermalung zu bieten. Beinahe des Guten zuviel. Das Problem, das sich die Ufa gestellt hatte, ist allzu umspannend, um auf einmal voll gelöst zu werden. Neben Partien, die dem bereits Unterrichteten manchmal naiv vorkommen und allzu sehr an Bilderbücher erinnern, wie den Szenen von Kopernikus und Newton stehen wieder andere, die dem Nichtvorgebildeten doch nicht genügende Klarheit schaffen.( So fönnte die Entstehung der Jahres zeiten besser verdeutlicht werden.) Es sind aber auch neben der unumschränkten Anerkennung und Bewunderung für das Geleistete wissenschaftliche Bedenten nicht ganz zu verschweigen. So hätte man alle Anspielungen auf die Bibel in einem missenschaftlichen Film weglassen und den sehr effektvollen Erduntergang, da er ganz problematisch ist, und sicher nicht in dieser Form eines biblichen Feuer regens vor sich gehen wird, mindestens start einschränken sollen. Auch über die letzten fosmischen Probleme des Weltenraums, der Milchstraßensysteme, die Fragen der Unendlichkeit oder des Nichts, gibt der Film feine befriedigende Auskunft. Trotzdem wird er, mit ge mügender Kritik angeschaut, ein reiches Anschauungs- und Belehrungsmittel abgeben. D. Eifersucht. Ufa- Theater Kurfürstendamm. Karl Grune hat mit diesem Film ein Meisterstud geschaffen, das ihn ganz auf der alten Höhe zeigt. Das Manuftript von Baul Czinner bietet an fich eine etwas dünne Handlung, aber Regiffeur und Photograph( Haffelmann) haben es verstanden, daraus ein entzückendes Rammerspiel zu schaffen, das unendlich reich ist an Nuancen, psychologischen Feinheiten und das bei aller Detailmalerei doch volle Spannung und Explosion gibt. Mit einem Knallefett fetzt das Spiel ein. Eine wilde Eifersuchtsszene. Ein Mann erwürgt feine Frau! Aber halt, es ist nur die Schlußszene aus einem Drama, das wir auf der Bühne sehen. Das junge Ehepaar, das von der Loge aus dem Drama beigewohnt hat, trifft sich nach Schluß der Aufführung mit dem Verfasser, und lachend wirft der behagliche Mann dem Autor den Vorwurf zu: So etwas gibt es heute nicht mehr". Mann und Weib sind darüber einig, daß Eifersuchtsgefühle eines modernen Menschen unwürdig sind. Aber das Schicksal, bei dem der Autor des Dramas ein wenig mithilft, zeigt es anders. Aus fleinen Zufälligkeiten, aus unbedeutenden Anlässen entwidelt sich in dieser glücklichen Familie, die in Reichtum und Wohlbehagen fchwimmt, ein prachtvolles Eifersuchsfeuerchen, das schließlich zur lodernden und unheilvollen Flamme zu werden droht. Die Frau spielt zunächst mit dem Gedanken, ob ihr etwas phlegmatischer Mann doch nicht eifersüchtig werden könnte. Sie reizt ihn, und schon reagiert er. In seiner Wut zertrümmert er seine Uhr und sie findet darin ein blondes Löckchen, das nicht von ihr stammt. Einmal argwöhnisch geworden, geht sie weiter, öffnet einen an ihren Mann gerichteten Brief und entdeckt, daß er ein voreheliches Kind hat. Da fie auf seine Fragen zweideutige Antworten gibt und geheime Gänge hat, wird der bisher beschauliche Mann von rajender Eifersucht gepadt, begibt sich auf die Verfolgung seiner Frau, wird von einer falschen Spur genarrt, aber schließlich entdeckt er seine Frau in einem fremden Haus mit einem Kind. Nun gibt es kein Halten mehr. Er will das Geständnis ihrer Untreue erzwingen. Es kommt zu einer gewaltsamen Katastrophe, aber im rechten Moment erscheint der Freund. Alles klärt sich auf. Es gibt noch Eifersucht, aber hier war fie am unrechten Play, denn die Frau hatte sich nur des Kindes ihres Mannes annehmen wollen. Die Ehe wird auf einer neuen Basis weitergeführt werden. Der Mann hat gelernt, daß man volles Ver. trauen schenken muß, wenn man volles Vertrauen ernten will. Die Erzählung der Handlung ergibt feinen Begriff von der Anmut und der Bijelierkunft der Darstellung. Die Durchführung ist vollkommen filmmäßig. Ganze Streden spielen sich ab ohne Titel. Dank der Einfachheit der Vorgänge spricht alles für sich selbst, und Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1924: 13 500 Besucher. der Ausdruck des Gesichts und der Gesten sagt alles. Bollendete Darstellung tam dem Werke zustatten. Werner Krauß ist der Mann, jovial, etwas behäbig, dann als ihn die Krankheit gepackt hat, primitiv, aufbrausend, ungeschickt, übereift, furzum voller Ergöglich teiten. Klug, überlegend, überaus reizvoll in ihrem Mienenspiel und mur in den Extravaganzen, mit denen sie ihren Mann zur Eifersucht reizen will, etwas zu weitgehend ist Lya de Putty als Frau. reizen will, etwas zu weitgehend ist Lya de Putty als Frau. zwischen beiden entwickelt sich ein höchst wiziges Spiel, das doch des ernsteren Untergrundes nicht entbehrt. Der Freund, ein wenig Raisonneur und Schicksalsmacher, ist für Georg Alexan der nicht übermäßig ergebnisreich, aber er paßt sich dem Gesamtstil sehr gut an. Da die„ lifa" darauf aus ist, das Beiprogramm dem Hauptein drud des Abends anzupassen, ließ sie Lattermann zur Eröffnung das Atheiſtencredo aus Verdis Othello" fingen. Ein fünstlerisch eindrucksvoller, aber für das Ganze doch wohl ein etwas zu schwerer Auftakt. IY Filmfahrt in die Rheinlande. Der neue unter Leitung von Professor Lampe aufgenommene Film des Zentralinftituts für Erziehung und Unterricht murde in der Urania zum ersten Male vorgeführt. Sechs Teile von zu sammen 3000 Meter. Die Aufführung dauerte pausenlos gut 2½ Stunden. Das ist zu lange. Außerdem: der Film ist zwar eine ungemein fleißige und tüchtige Arbeit, aber die Langeweile vermag er nicht zu bannen, auch nicht bei einer streng flaffischen Be gleitmufit. Es ist ganz merkwürdig: Wenn wer in Deutschland auf das Rheinland zu sprechen tommt, wird er sofort sentimental- roman tisch. Das ist doch gar nicht nötig. Auch dieser neue Rheinlandfilm arbeitet start in Romantit: Kirchen und Kirchen, Ruinen, Schlösser. Ist das etwa das wahre Geficht des Rheinlandes unserer Zeit? Das ist etwas für gefühlsfelige Hochzeitsreisende und Wandervogel. Das Rheinland ist Schiffahrt, iſt Induſtrie, iſt produktive Arbeit. Der Schiffahrt wird der Film vollkommen, der Industrie gar nicht ge recht. Man sieht nicht ein einziges modernes Industrieetablissement. Man sieht außer ein paar Weinbergsarbeitern nichts von den hun derttausend Werte erzeugenden Arbeitern des Rheinlandes. Wie ist es möglich, daß in unserer mit foziologischen Erkenntnissen und Fragen erfüllten Zeit das Grundelement, der Arbeiter, in so einem Film gar teine Spiegelung findet? Dagegen viele Bilder von Gebäuden, die im Stehbild viel besser als im Laufbild wirken. Natür lich auch schöne Landschaftsaufnahmen, gute Statistiken, originelle Tridaufnahmen. Das Ganze foll ja nun auch Lehrzweden dienen. Dennoch hätte man gewünscht, daß der Film innerlich lebendiger, stärker und zeitgemäßer wäre. Unser Bedarf an Romantit ist auf Jahrzehnte gedeckt. Wir wollen das Leben unserer 3eit belauschen, wo es am stärksten rauscht, und es im Film wiedergeben. 19 DER SCHUSS IM PAVILLON EIN NEUES ABENTEUER MIT STUART WEBBS ERNST REICHER MARGARETE SCHLEGEL ELENA MAKOWSKA FRIEDL HAERLIN DER GROSSE ERFOLG IN DER SCHAUBURG 121 KONIGGRATZERSTR. 121 4 Ar. ILE AY 2.M UND DANN NOCH.... DIE GROSSE BOHNENSCHAU FILMS Beilage des Vorwärts Gluten am Nordpol. In der Urania brachte Oberingenieur Dreyer, der eine besondere Sugnummer dieses Instituts ist, mit einem Begleitvortrag seinen neuen Film heraus. Brockenweise konnte man erbliden, was die fehr fapitalträftigen Passagiere des Dampfers München" bei ihrer Polarfahrt zu sehen bekamen. Die Filmreise führte, dant Hugo Urbans Photographie, in reizvollen Bildern durch Norwegen, Island und Spigbergen. 1. a. sah man Hammerfest, die nördlichste Stadt Europas und den nördlichsten Wald der Erde, der aus Krüppelbirten besteht. Böllig den Bedürfnissen der Jeztzeit entsprechend sind die Autostraßen, die man frisch in den Granit geschlagen hat, in Norwegens Urgestein. Recht geschickte Trickkarten erflärten die Lichtbrechung, die mutmaßliche Entstehung von Vulkanen( unter Ablehnung der Erdschrumpfungstheorie) und die Golfstromdrift. Island ist uraltes Kulturland. Er blickt man die eigenartige Landschaft, wird es einem verständlich, daß Island die Wiege so vieler Gagen ist. Der Redner rühmte die Deutschfreundlichkeit der Isländer und dokumentierte sie damit, Herren der Gesellschaft„ Die Wacht am Rhein" in deutscher Sprache daß bei einer Festlichkeit an Bord der München Damen und fangen. Die fingenden Damen und Herren der Gesellschaft wurden uns jogar photographisch übermittelt, obwohl das gar nicht filmisch ist. Ebenso find die Erklärungen des Münchener Kindls unfilmisch. schließt und dabei den Reiseweg zeigt, ist unnötiger Ballast. Die Denn eine schlecht geschmintie Dame, die den Mund öffnet und Reiseeinbrüde aber versteht Oberingenieur Dreyer als erfahrener Filmprattifer sehr fein in Bildern zu veranschaulichen. Namentlich die Aufnahmen von Spigbergen lassen den Betrachtenden zum stillen Genießer der wunderbarsten Naturschönheiten werden. Durch die Wanderung der Pole haben die einzelnen Länder in den vez schiedenen geologischen Zeiten sehr von einander abweichende Witte rungsverhältnisse gehabt. In Spizbergen fördert man Steinkohlen, folglich hat es dort einstmals tropische Wälder gegeben. Und da der Tropenwald nicht ohne brennende Sonne bestehen kann, fam der außerordentlich beifällig aufgenommene Film zu feinem etwas sensationell absonderlichen Titel. Tamenlose Helden. SIDOBIO e. b. Es gibt deren so unzählbar viele, doch geht der Film an ihnen meistens geflissentlich vorbei. Die Industrie erzählt uns immer, das Bublifum mill etwas Erhebendes, etwas Schönes sehen. Und sonderbar, tros diesem ausgesprochenen Schönheitsbedürfnis des Bublikums bringt die Industrie Kriegsfilme mit verniedlichten Greuelszenen heraus und macht mit ihnen, Dant geschickter Reklame, ein gutes Geschäft. Anders steht es um die Namenlosen Helden", Die vom Alhambra Film Berleih nach Deutschland gebracht werden. Dieser Film ist eine erschütternde Anflage gegen den Massenmord, ein Schrei„ Krieg dem Kriege". Als Handlung wird das Kriegserleben des Munitionsfabrikanten geschildert, der, am Schreibtisch sizend, die große Zeit erlebt und ordengeschmückt, reich geehrt und mit straffem Geldbeutel aus ihr hervorgeht. Anders ergeht es der Arbeiterfamilie Scholz. Während der Bater an der Front fämpft und die Mutter bei der Eisenbahn Dienst versieht, fallen daheim die sich selbst überlassenen Kinder einem Brandunglüc zum Opfer. Das älteste Kind stirbt, das jüngste gesundet. Scholz wird durch einen Bolltreffer verschüttet. Nach schier übermenschlicher Anstrengung fommt er wieder ans Tageslicht, aber seine Augen sehen es nicht mehr, er ist erblindet. In der Heimat fällt die Frau der Unterernährung zum Opfer, und der blinde Scholz wird, als er bei Straßenunruhen die Warnungstafel: Wer weiter geht, wird erschoffen", nicht beachten fann, getötet. Diese Schicksalsgestaltung gibt zum Nachdenken Beranlassung. Die Darstellerin Lili Schönborn ruft durch die rührend einfache Berkörperung der Arbeiterfrau die Erinnerung an die vielen namenlofen Dulderinnen wach. Der Hauptwert des Films aber liegt in feinen Originalaufnahmen von den Schlachtfeldern. Sie find so erdrüdend furchtbar, jo belehrend über die finnwidrige Zerstörung, die ein Krieg mit sich bringt, daß beim Abbrehen dieses Filmes nicht einmal ein vom Militärmarsch begeistertes Orchester bei einem radauluftigen Bublifum die Anfeuerung" wird erzeugen fönnen. Wirflichkeit, nackteste Wirklichkeit spricht zu uns. Hans Szefeln glänzt mit feinen gestellten, mit allen Schifanen einer guten Beleuchtung aufgenommenen Schlachtbildern, sondern man sieht Dreck und Blut und Zerstörung und weiter nichts als Grauen. Und da die Menschen so leicht vergessen, fann diese Erinnerung in Bildern für den einen oder den anderen heilsam sein. Der Mann, die Frau, der Freund. ( 2. T. Noilendorfplatz.) -g. Das Gesprächsthema vom Bubitopf ist an der Tagesordnung, und die smarten Amerikaner machten einen Film daraus. Also, die Frau hat einen prächtigen Haarwuchs, doch der Mann sagt, fie sähe aus mie cine Furie. Die Frau ist dem Manne beim Anziehen behilflich, und er beklagt sich, daß sie teinen Wert auf ihre Toilette legt. Infolgedessen fennt sie nun nur noch das eine Bestreben, sich zu puzen. Das empfindet der verwöhnte, durch allzu viel Hilfeleistungen unjelbständig gewordene Mann sehr peinlich. Der Mann findet überdies den Bubitopf entfehlich, aber der Freund sindet ihn entzückend. Der Mann bewundert die Frau nie, und der Freund bewundert sie stets. Folglich tommt es zum Bruch, und die Frau hätte beinahe den Freund geheiratet, wenn sie, schon angetan mit dem Hochzeitsstaate, nicht mit ihrem geschiedenen Manne durchgebrannt wäre. Von den Darstellern präsentierten sich Lewis Stone und Lew Cody als gube Typen, während Florence Bidor nach amerikanischer Manier nur gut auszusehen brauchte. John Siahls Regie sorgte dafür, daß dieses Drama vom Bubitopf eine unterhaltsame, nette Angelegenheit wurde. -g. Das große Ausstellungskins der Ripho wird in der Neuen Autohalle am Raiserdamm eingebaut. Es wird siria 4000 Sigpläge aufweisen. In dem Ausstellungskino werden jeden Abend während der ganzen Dauer ber Ausstellung je awei Borführungen stattfinden, und zwar mit täglich wechselndem Programm. In der Neuen Autohalle ist ferner das 2000 Quadratmeter große Aufnahmeatelier untergebracht, in dem täglich nachmittags die großen Berliner Herstellerfirmen Szenen drehen, die dann am folgenden Tage im Theater gezeigt werden sollen. Das letzte Drittel der Halle soll die Filmtunstausstellung füllen. TOP Die vier erfien Bremieren im Capifol". Wie uns Danns Brodnik, der Leiter der Phoebus- Theater, mitteilt, findet die Eröffnung des Capitol im Laufe des November mit dem Dieb von Bagdad mit Douglas Fairbanks in der Hauptrolle statt. Als zweite Uraufführung folgt Der Rofentabalier mit Michael Bohnen. In der Premiere wird höchst wahrscheinlich Richard Strauß die von ihm für den Film fomponierte Musi! dirigieren. Das Manuskript stammt von Hugo von Hofmannsthal, Regie führt Robert Biene. Die dritte Premiere ist Gold Rusb mit Charly Chaplin. Als bierter Film läuft der Samuel Goldwyn- Film der First National Der schwarze Engel mit Vilma Bankh und Roland Colman. BP Jaap Speyer hat mit den Außenaufnahmen des neuen Exportfilms, Die Moral der Gaffe" begonnen. Wildunger Helenenquelle Schriften und Nachweis billigster Bezugsquellen durch die Kurverwaltung Bad Wildungen. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühn 8 Uhr: Flesko Staats- Theater Opernhaus 6% U.: Tannhäuser Opernhaus am Königsplatz 7: Fledermaus Schauspielhaus Nathan d.Welse 2 8 Uhr.: Peer Gynt Schiller Theater 8 Uhr: Jugend Hellmer- Bühnen Lessing- Th Tägl. 7 Uhr: Götz v. Berlichingen Wegener, Höflich, G. Müller, Müthel Regie: Rich. Rasenbela Preise: 1,50-12 M. KleinesTheater Tägl, 8 Uhr 8 Uhr: Jungfrau Besser als früher von Oricans Städtische Oper Charlottenburg Bismarckstr. 34-37 Heute 7 Uhr: Montag 1, Uhr: von Pirandello Reg: Berth.Viertel Preise: 3,50-15,50 Trianon- Th. Tägl. 8 Uhr Gisela Werbezirk in Lohengrin Fran Lohengrin Rigoletto Gilda: Maria Ivogün Rigoletto: Joseph Schwarz Deutsches Theater 7 Uhr: Preise: 1,50-12 M. Theat.d. Westens Das große Operettenhaus Nur noch kurze Zeit! 8 Uhr: Wiener Bint Stg. nachm. 4 U.: Wiener Bit Halbe Preise Theak a. Balloutorial. Die BUhr hellblauen Schwestern die nave Kunnecke- Sporste Gerias, Lichtenstel Gres, Matter, Falk, Ma Sonntag nachm. 32 Uhr: Der letzte Kuß Operette von Rob. Winterberg Nachm.- Preise! Großes Schauspielhaus Direktion: Karl Rosen Täglich 8% Uhr: Die heilige Johanna Für Dich!" von Shaw Regie: Max Reinhardt Billigster Platz 1.50 Teuerster 90 12.00 Kammerspiele 23 Uhr: Der Strom von Max Halbe Regie: A. E. Licho Billigste Platz 4.00 99 Regle: Erik Charell Musik u.Gesangstexte: Ralph Benatzki Bühnenbilder u. Kostüme: Ernst Stern Parkett M. 5.-, Balk. M. 4.-, I. Rang M.3.-, 2. Rang M. 1.50, 3. Rang M. 0.75, Logen u. Klubsessel M. 7.- bis M. 12.Vorverkauf ab 10 U. vorm. ununterbr. Teuerster 12.00 99 9 Heute 2 Forstellungen Für Dich!" Die Komödie 3- Uhr Nachmittags- VorKurfürstendamm 207 stellung zu ermäßigten 8 Uhr: Preisen! Herz ist Trump Circus Busch Gandéra Billigster Platz 4.00 Teuerster 12.00 Berliner Theater 8 Uhr: Gastspiel Kammersänger Tägl. 7, Stg. 2 × 3 u. 7, Uhr. Am Sonntag: In beiden Vorstellungen Rich. Tauber Das Seil des Todes" Musik. Leitung E. W. Korngold Eine Nacht in Venedig Operette in 3 Akten von. Johann Strauß Deutsches und das übrige große Eröffnungsprogramm. In belden Vorstellungen ungekürzt zum Schluß: Manegefestspiel 1000 Jahre Künstler- Theater deutscher Rhein Tägl. 48 Uhr: Gastspiel mit der großen Fritzi Massay: Schluß- Waffer- Apotheofe Die Teresina Vh. am Kurfürstendamm Mittwoch, 23. Sept 7 Uhr: Premiere Der glas. Panteffel Th. am Schiffbanerdamm 8 Uhr: Lady Fanny und die Dienstbotenfrage Lustspielhaus 8 Uhr: Ritter Blaubarts achte Frau Residenz- Th. Nadun. halbe Preise Flora- Lichtspiele Landsberger Allee 40-41 Heute und Montag das große Lichtspiel Liebau.Trompetenblasen mit Harry Liedtke u. Lilian Harry Außerdem: Die Insel der Versuchung Ab 25. September Die vom Niederrhein Filma 8: Jugendfrennde Puhlmann und Be Boeklin, Dewis, Emmering, Elzer, Rammer, Ley, Merkwitz Sabo, Semmler Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Baselt, Diegelmann, Heidemann Dora Metelka, Spira, Wilfan Heute 3 Uhr Kleine Preise! Im weißen Röß'I Theater in der Kommandantenst. Zum 302. Male 8 Uhr: Marie Escher a G Berlin, Schönbauser Allee 148 Filmschau: Elegantes Pack Bühnenschau: Persönliches Auftreten von Hanni Weise Wochentags: Anfang 6.00 Uhr Sonntags: 4.00 99 99 Olivaer Lichtspicic Olivaer Platz 1 Ein Kammerspiel: Anneliese v. Dessa Das rote Signal Operette von Rob. Winterberg Heute 3 Uhr Kleine Preise! Annelle v. Dessau Neves Theater am O Täglich 8 Uhr: Olly- Polly Operetie von Kollo Emmy Sturm Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M HerrnfeldTheater, Bülowstr.6 Täglich 8 Uhr: Was fuf sich Im Séparée? mit Dir. Anton Herrafald SCALA 8 Uhr Internat. Varieté Sonntags 30 Uhr zu ermäß.Preisen das volle Progr. Die Geschichte eines einsamen Schienenstranges sowie d. hervorragende Belprogramm UA SPIELPLAN Wa- Palast Zoe Be- Theater Barfürstendam Wts- Theater Tancatzienpalest We- Theater Hollendorfplatz -Theater Rammerlichtspiede Uta- Theater Termstraße e- Palest Krigstadt Ufa- Theater Friedrichstrafte Cfa- Theater Alexanderplatz th- Theater Welsbergeng Nach vollständiger Newausgestaltung Wieder Eröffnung Freitag, 25. Sept. Charleys Tante mit Sid Chaplin. Eifersucht mit Lya de Putti Auf der Bühne: Kammersänger Theodor Latter mana, Credo a. d. Oper Othello" Weonent. 7 n. 9 Somnt. 6. 7.9 Liebesfeuer mit Liane Hald Auf der Bühne: Lieben und Lachon Szenen aus dem Künstlerlehen Wechest. 7 n. 9/ Sennt. 5, 7.9 Der Mann, die Frau, der Freund Auf der Bühne: Syivia und Raimond und Frieda Weber- Fleesburg Wochent. 7.9/ Sount. 6,7.9 Wunder der Schöpfung Symphonie- Orchester Dirigent: J. Waghaltor Wochent, 7.9/ Seant, 5, 7.9 Eifersucht mit Lya de Putt! Auf der Bühne: Szenen aus der Oper Othello Care Autenrieth, Sigmand Grönvelt, Kammersånger Peter Lordmann. Wechont. 7.9/ Soont. 5, 7.9 Eifersucht mit Lys de Putti Auf der Bühne: 4 Barras- Musikal- Akt Max Peltini, Humorist The Sunshine- Dancing Girls Wochent.7.9/ Sonet., 7.9 Der Zille- Film Die Verrufenen Weckout. 7.9/ Soont. 5, 7. u.9 Der Mann, die Frau, der Freund Woohentags 7 und 9 Sonntags 5, 7 und 9 Der Mann, die Frau der Freund Auf der Bühne: Margaret Fischbach und Werner Bernhardy Wochostage 7! Sonntage 79 Das Grosse Programm Ouvertüre zur Oper La forma del destino ( Die Macht des Geschicken von Vordi 23 Auf der Bühne: Szenen aus der Oper, Othello" von Verdi Desdemona. Othello Jago Clare Autenrieth Sigmund Grönvalt ammersånger Petor Lordmana EIFERSUCHT In den Hauptrollon: LYA DE PUTTI Werner Krauß, Georg Alexander Regie: Mari Grune Wochentags 7.9 Uhr, Sonnings 5, 7, 9 Uhr Vorrechapel ohne Aufschleg täglich mittags 12-2 Uhr Formsprechen Hansa 4883. Ufa- Theater TURMSTRASSE ( Turmstrasse, Ecke Stromstrasse) Verkehraverbindungen: Direkt vor dem Theater haften die Strassenbabaliston 3, 4, 1, 12, 13, 14, 19, 21, 44, 46, 56, 113, 119. Autobueliniem Nr. 11, 28. Stadtbahn: Bahnhof Bellevue Berliner Tik- Trio aller- Theater Neukölln. Täglich 8 Lahnstr.74/ 751 Melekens Apollo- Theater James Dels Friedrichstraße 218 Leser des ,, Vorwärts", Achtung! Uraufführung Dienstag, d. 22. Sept., 8 Uhr allabendlich Der Mann, der sich verkaufte! Sensations- Schauspiel in 10 Bildern nach dem gleichnamigen koman aus der„ Berliner Morgenpost" In der Titelrolle: Bruno Kastners Der weltberühmte Roman, Der Mann, der sich verkaufte ist für die Bühne als Schauspiel bearbeitet worden und erhalten die Leser dieses Blattes gegen Vorzeigung dieses Inserais oder der Abonnementsquittung auf allen Plätzen eine Ermäßigung von 50 Prozent Kicine Eintrittspreise: 15 Pig. bis 6 Mark Vorverkauf den ganzen Tag ununterbrochen an der Theaterkasse Hausmusik auf Kredit! 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