Ur. 137. Erscheint ISglich außer Mautag?. Pretz pränumerando: Viertel- tährlich 3,3a Mark, monalltch l.lv Ml., wöchentlich ss Pfg. sret in'Z HauS. Einzelne Nummer � Pfg. Sonntags-Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: 3,3oMf. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn i Mt., für das übrige Ausland oMt.pr.Monat. Eingetr. in der Post-Zeitungs- Preislist« für 1333 unter Nr. 7133. 12. Jahrg. Insertion". Eebühr beträgt für die sünfgespaltene Petitzeile oder deren Nanm io Psg., sür Vereins- und Vcrsammlungs- Anzeigen 30 Psg. Znserale für die Nächsie Nummer müssen bis z Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist au Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtage» bis s Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Ur. löbb. Telegramm-Adresse: »Solialdenioltrat UecliiU' Verllner Volksblait. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. NedaKtion: LV.IS. Neuty-Straße 2. Sonnabends den 13. Juni 1893. ßrpcditio»: SW. 19, ZZeuth-Straße 3. Die innere Zage in de» Staaten des Dreibundes. Ebensowenig wie kranke Soldaten im Kriege ihren Mann stellen können, ebensowenig werden Staaten, die im Innern incl)t gefestigt sind, deren Völker im Widerstreite mit den Regierungen begriffen sind, dem Auslande gegen- igen veg. über kraftvoll nnd einflußreich' auf die Tauer gegenüber- stehen könneit. Der Dreibund zwischen dem Deutschen Reiche, Oester- reich-Ungarn und Italien bietet, wenn man die Situation im Innern berücksichtigt, ein überaus trostloses Bild. Die deutsch e Reichsregiernng steht, dies zu leugnen wagen nicht einmal mehr die Offiziösen, in direktem Gegen- satze zu der Volksstimmung; das Ansehen der Regierung ist geringer, als das aller ihrer Vorgängerinnen; die wichtigsten Vorlage», die sie dem Parlamente vorgelegt hat, die Unlstnrzvorlage nnd der Entwurf eines Tabaksteuer-Gcsehes, haben eine Ablehnung gefunden, die auch durch ihre Art ein Zeichen der schlechten Beziehungen von Reichsregiernng und deutschem Volke war. Hierzu kommt die Ablehnung einer Ovation für Bismarck, die der Regierung sehr am Herzen lag. Endlich muß auch der Stand unserer Rechtspflege erwähnt werde», der zeigt, daß das Volk immer mehr verlernt, den Geist der Behörden zu verstehe». Auch die auswärtige Politik des Reiches steht im Widerspruche zu den Gesinnungen des deutschen Volkes. In den beiden großen schwebenden Fragen der auswärtigen Politik, in der ostasiatischen und armenischen Frage, unterstützt das deutsche Ausivärtige Amt die Politik Rußlands, ivirkt; ohne dem deutschen Volke irgend welchen Vorthcil zu bringen, zur Stärkung der M achtstellung Rußlands nach Kräften niit, obgleich die Deutsche», von den Konservativen bis zu den Sozialdemokraten, frei von Sympathie für das Zaren- reich sind, dessen Stärkung jederzeit eine Bedrohung des Weltfriedens und der Kultur war. Die Beziehungen der Reichsregierung zu den Bundes- staaten haben sich in der letzten Zeit auch gelockert. Nichts beweist dies mehr als die Thatsache, daß dem Bundcsrath keine Gelegenheit gegeben wurde, zu den Kommissionsbeschlüssen der wichtigsten Vorlage, der Umsturzvorlage Stellung zu nehmen. Der Reichskanzler fürchtete eben eine Niederlage im Bundesrathe. Auch die Stellung der Reichs- regierung zu den Forderungen der Agrarier finden in den Kreisen der verbündeten Regierungen nicht allgemein Bei- fall, wie die Erklärungen der wttrttcmbergischen und die Aeußerungcn der anderen Regierungen zu der in Berlin geplanten Einberufung einer internationalen Währungskonferenz beweisen. Wenn wir nach O e st e r r e i ch sehen, so finden wir eine noch größere Verwirrung. Vor kurzem mußte der Minister des Auswärtigen zurücktreten, weil er sich mit dem ungarischen Ministerpräsidenten absolut nicht einigen konnte. JnjUngarn ist das Ministerium immerfort ans dem Sprunge zu demissioniren, weil seine Kirchenpolitik nur im Kampfe gegen Feuilletmi. lNochdrua verbolen.t Kerlwer Märztage. � Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Ganz Berlin stand im Zeichen des„blauen Montags". Die Freude am Frühling, die Schaulust, die Neugier hatte diese Tausende nnd Abertansende hinausgelockt. Und all diese Gruppen, die einander äußerlich fremd waren, schienen durch einen unsichtbaren geistigen Faden vereinigt, der sich von Seele zu Seele spann nnd in den Mienen, dem Lächeln, den Blicken zum Ausdruck kam. Diese Heerdenthiere, die ihr Leben lang Käfig an Käfig in den Hürden ihrer Bc- Herrscher gesteckt hatten, ohne vor der eigenen Lcbensnoth einander zu sehen, hatten sich gleichsam plötzlich entdeckt. Schranken und Unterschiede schienen gefallen zu sein, die sonst auf's peinlichste gehütet nnd gewahrt worden waren. Es ivar, als ob diese schrankenfreie Unterschicdslosigkeit die Menschen mit einem ganz neneu, unbekannten, ivohligen Gefühle erfüllte, das den einzelnen beglückte und hob nnd ihn inmitten der andern das Leben voller und wärmer empfinden ließ. Und während Hans Härtung mit scharfem Blick das Symptomatische in dieser wogenden Menschenmenge zu er- spähen suchte, gab sich Bruno mit der ganzen jugendlichen Begeisterung seines empfänglichen Gemüthes der vollen, warmen Empfindung jener Gemeinschastlichkeit hin,' und in seinem Innern tönte es unaufhörlich:„Wie liebe, liebe, liebe ich die Menschen!" In den Zelten war Tisch an Tisch besetzt. Es war das gewohnte lustige Treiben des ins Freie ausgeschwärmten die Krone durchgesetzt werden kann, und das Abgeordnetenhaus stets Beschlüsse saßt, die das Herrenhaus verivirft. Dazu kommen die nationalen Gegensätze, die selbst durch die brutale Politik des Magyarenthums dem Auge des Aus- landes nicht mehr verborgen werden können. Wie vcr- fahren die Situation im eigentlichen Oesterreich ist, das wissen unsere Leser ans unseren Darstellungen über die Wahlrechts- bewegnng. Diese wichtigste Frage ist verfahren; eine Lösung, die die politisch Entrechteten einigermaßen befriedigen könnte, scheint im Parlamente keine Majorität finden zn können. Im Abgeordnctenhause kämpfte die Opposition mit den Mitteln der Obstruktion gegen alle Vorlagen der Regierung. Anfangs nächster Woche wird der Ausbruch einer schweren, fast unlösbar erscheinenden Ministerkrisis erwartet, soie komplizirt wird durch den Zusammenbruch der parlamentarischen Koalition, auf die das Ministerium sich stützt. Ebenso zerfahren wie in Oesterreich sind die Verhältnisse in Italien. Das Ministerium steht auf einem Vulkan, der droht, es jeden Moment zu verschlingen. Tie Anklagen gegen Crispi nnd seine Anhänger werden heute im Parlamente zur öffentlichen Verhandlung kommen. Cavallotti wird sein Geschütz auffahren, die Sozialisten werden von ihren Erfahrungen ans den Zwangsivohnsitzcn erzählen, die ganze Korruption, die private wie politische, wird dem staunenden Volke entrollt werden und— das Ministerium wird vorerst bleiben. Und wie lange noch? Gestern hat sich die Schwäche der crispinischen Majorität deutlich gezeigt. Der Kammer- Präsident, den Crispi nur mit schwerster Mühe seinen Mameluken aufdrängen konnte, hat sich als unzuverlässig erwiesen; er hat die Häupter der Opposilionspartcicn und zwei Sozialisten in den Wahlprüfnngs-Ansschuß entsandt. Crispi muß also fürchten, daß seine schamlosen Wahlpraktiken der Kammer so berichtet werden, daß sie nichts anderes thun kann, als eine Reihe von Wahlen der Anhänger Crispi's sür ungiltig zu erklären, so auch vor allem die skandalöse Wahl Crispi's selbst in Rom. Crispi hat hierauf in der ersten Erregung beabsichtigt, zurückzutreten. Wenn er dies nun auch nicht gethan hat, so wird die Besetzung der Wahlprüfungs-Kommission als ein sehr schwerer Schlag gegen sein System betrachtet. Ucber kurz oder lang wird Crispi dein anss höchste empörte» Volkswillcn weichen müssen. So sehen wir in allen Staaten des Dreibundes die innere Lage verfahren, überall steht das Volk in seiner große» Majorität im schroffsten Gegensätze zu der Regierung. Hier liegt die innere Schwäche des Dreibundes, trotz seiner zahl- losen Soldaten, trotz seiner taufende von Kanonen, trotz feiner mächtigen Kriegsschiffe! Der Dreibund ist eine Macht, in der der Wurm haust und die zerfallen kann durch Ereignisse im Innern, die leicht jedenfalls keine Sicherheit des Bestandes bietet, weil die innere Entwickelung in keinem der verbündeten Sraatcn eine Garantie der Stetigkeit besitzt. Berliners, mit all seiner Munterkeit und Harmlosigkeit, seinem beißenden Witz und seinem unaufhaltsamen Wort- schwoll. Man trank Kaffee und Bier, aß Würstchen, Brezeln, saure Gurken. Die einen hatten Frau und Kinder mitgebracht, andere waren allein oder mit Freunden ge- kommen. Viele hatten die Abhaltung einer neuen Volks- Versammlung erwartet, aber von den Maulhelden der ersten Versammlungen, den Wollstein und Genossen, ließ sich keiner sehen. Da nnd dort bildeten sich Gruppen, die über die Ber- liner Ereignisse der letzten Woche und die Fortschritte der Revolution in den anßcrprcnßischcn Ländern disputirtcn. Die einen riethcn zur Vorsicht, die andern zu kühnem, muthigem Wagen. Ab und zn stieg jemand ans einen Stuhl und hielt eine Rede über eine der bekannten„Frei- heiten", über die zukünftige deutsche Flotte, über AIcttcrnich oder ein ähnliches„aktuelles* Thema. Eemüthliche Prosit- und Bravorufe folgten den rednerischen Leistungen. Und als gegen Abend der Polizeipräsident von MinutoU, der „berühmte" Entdecker der Polenverschwörung von 1846, herangcrittcn kam und die Menge um ein„recht sried- liches" Verhalten bat, da brach diese selbe Menge, die das Auge der Häscher bereits voll Argwohn und Haß bewachte, in ein jubelndes Hoch aus den ehrenwerthcn Herrn ans, der so herablassend und wohlwollend sich mit schlichten Bürgern und Arbeitern unterhielt. Hans und Bruno fanden bereits eine große Gesellschaft um Meister Mathias, Dora und Florian Schnick ver- sammelt. Da waren Lotte und Frau Boll mit einem halben Dutzend sauber gekleideter Kinder in Vater Schultze's Fuhrwerk vorgefahren, nnd Vater Schnitze selbst sprach eben gegen Fritze Grams und Fisch seine Ueberzeugung aus, daß er sich von einer„Rev'luzion" nicht viel verspreche— es Welch ganz andere Macht wäre der Dreibund der Völker Deutschlands, Oestcrreich-Ungarns und Italiens, welche Sicher- heit einer gedeihlichen Entwicklung der gesammteu menschlichen Kultur würde er garanlircn! Dieses kann der Dreibund der Regierungen nicht bieten, denn dieser Dreibund hat nicht die Zwecke der Kultur, sondern die der Machterhaltung der herrschenden Klassen zum Zweck; als solcher kann er sich aber nicht ans die Völker, sondern nur auf Jnteressenkreise stützen._ Preßstimmett zum Fall Kading. Tie„Berliner Ztg." druckt das von uns veröffentlichte Urtheil zum theil ab und bemerkt: Also die Umsturzvorlage, wie sie leibt und lebt! Die Artikel enthallen zwar keine Aufforderung zu Gewaltthätigkeitcn, aber durch die Schilderung früherer Kämpfe kann oder vielmehr„muß" der „Bcsihlose", der sie liest, eine„starke Aureizung" empfinden, seiner- sci!S Gewaltthntigkeiten auszuüben. Nirgends findet man ein ob- jektiveS Merkmal für die Begründung dieser Annahme, während doch allein der Umstand, daß die Artikel alte Ladenhüter waren, die Jahr aus Jahr ein auf dem Markt erschienen waren, ohne irgend eine Seele, geschweige denn ganze Bevölkerungsklassm zu Gcwallthätigkeiten zu veranlassen, den Richter hätte davon ab- hallen müsse», eine ans reine Vermuthungen beruhende Schluß- folgerung zu ziehen. „Das ist auch dem Angeklagten Schulze bewußt gewesen', fährt das Urlheil fort, ohne ei» Wort der Begründung sür diese Annahme zu geben. Wir gehe» jede Wette ein, daß dem An- geklagten Schulze das nicht bewußt gewesen ist, aus dem einfachen Grunde nicht, weil ihm von fünf preußischen Richtern bescheinigt worden war, daß in de» Artikeln kerne Aufreizung zu Gewalt- thäligkeiten enthalten sei. Das Gericht hat aber von dem Au- trag, darüber Beweis zn erhebe», daß wegen der Artikel bereits Freisprechung erfolgt sei, überhaupt keine Notiz genommen, ob- wohl dieser Beweis doch für die Frage des subjektiven Be- wußtseins von größter Wichtigkeit war. Zu den Babing betreffende» Stellen bemerkt das Blatt: Wenn Herr Babing am nächsten 13. März sich damit be- gnügte, auf einfachem weißen Papier dieses Urtheil abzudrucken, würde er der Sozialdemokratie mehr Anhänger zuführen, als ze durch die rothcste Märzfeier-Zeitung; denn nichts ist geeigneter, die Grmüther der bestehenden Ordnung zu entfremde», als eine Rechtsprechung, die keinerlei Fühlung mehr hat mit dem Rechts- bcwußtsein des Volkes. Wenn jemand verurtheilt werdm kann. weil er ein Blatt druckt, das er gar nicht gelesen hat, von dem er im günstigsten Fall weiß, daß es Artikel enthält, die bereits durch gerichtliches Urtheil sür unbedenklich erklärt worden sind, so muß schließlich jeder, der seiner Bürgerpflicht geinäß sich am öffentlichen Leben bethciligt, die Ueberzeugung gewinnen, daß es nur ein glücklicher Zufall ist, wenn er nicht eingesperrt wird. Die„Volks-Zeitnng" schreibt: Daß sich die fämmtlichen deutschen Buchdrucker� immer noch nicht rühren, um gegen diese für sie verhängnißvolle Recht- sprechung die Interessen ihres Standes zu schützen, ist geradezu erstaunlich. Sic werden doch nicht etwa so thöricht sein, zu glauben, die Sache habe sür sie kein Interesse, weil Babing über- wiegend sozialdemokratische Schriften druckt? Ist einmal das Prinzip in die Rechtsprechung eingeführt, dann heißt es: herite Dir, morgen mir! Das„Kleine Journal,, und die„Kreuzzcitnng" be- gnügen sich, Theile des Urtheiks zu reprodnziren. wären man lauter„Fußgänger", die sie machten, da käme sür's Fiihrgeschäft nicht viel bei'raus. „So— Hab' ick Ihn' etwa Ihren ollen Klapper- kästen heil' nich bezahlt?" fuhr Frau Boll ihren geschworenen Todfeind an—„un ick kann doch jewiß von Rcv'lnzion niitrcdcn!" „Zivölf Personen vor vier Jroschcn", höhnte Vater Schultzc,„da muß ja mein Brauner sein letztes Fett dransetzen." Frau Boll war ivüthcnd über den boßhaften alten Spötter. Eben ivar jedoch ein Streit zivische» ihren eigenen Sprößlinge» und dm kleinen Kowalla's ausgebrochen, den Vater Mathias vergebens zu schlichten suchte, und der in Thätlichkeiten auszuarten drohte. Nachdem die resolute Dame mit ein paar Püsfeii den Frieden zwischen den Kleinen hergestellt hatte, begann Fritze Grams, der in ihr die Führerinn aus dem Kartoffelkrawall wiedererkannt hatte, ein Gespräch mit ihr, so daß Vater Schultze sich un- behelligt zu seinem ans der Straße haltenden Braunen zurückziehen und in aller Bequemlichkeit davonfahren konnte. Auch Plüddcmann und Herr Kasimir waren von Fritze Grams tind Fisch herausgclootst worden. Der Pole hatte, um sich unkenntlich zu machen, seinen Bart gestutzt nnd einen ehrbaren schivarzen Anzug des Armenvorstehers angelegt, der ihm das Aussehen eines fidelcn Küsters ver- lieh. Zwischen beiden hatte sich ein intimes Frcundschasts- bündniß entwickelt, zn dessen Befestigung unter anderem auch ihre beiderseitige Schwärmerei sür Lotte Wcrnicke bei- getragen hatte. Herr Plüddcmann hatte seinen Empfindungen, so gut es anging, Zügel angelegt. Eben stand er mit dem Polen vor Lotte und hörte zn, wie Herr Kasimir sich förmlich in Komplimenten auf ihre Schönheit erschöpfte, wobei er sie beständig mit seiner„verstorbenen Arabella" in Vergleich stellte. PoUfiltTje TloveoN�kt. , Berlin, 14. Juni. bin kalter Wasserstrahl nach Friedrichsruh. Der „ e i ch s- A n z e i g e r" veröffentlicht heute folgendes: In der Ansprache, die Fürst von Bismarck in Friedrichs- ruh am 9. d. M. an den Zentralausschttß des Bundes der �andwirthe gehalten hat, war unter anderem von Ministern die Rede, die am Amte..klebten" und sich von der Minister- ivohnung nicht trennen könnten. Dieser Passus ist mehrfach m der Presse auf den Staatsminister v. Bölticher bezogen morden. Wie rrrthümlich diese Bezugnahme ist, ergiebt sich aus der That- fache, daß Herr v. Bölticher bereits im Februar 1S90 nach zehn- zahriger Thätigkeit an der Spitze des Neichsmnts des Innern dem Fürsten v. Bismarck den Wunsch ausgesprochen bat, aus seinen Aemtern entiassen zu werden, und daß Fürst von Bismarck selber ihn damals im Dienste zurückgehalten hat. Auch später hat Herr von Bölticher wiederholt seine Entlassung erbeten, welche ihm jedoch nicht gewährt worden ist. Hieran schließt sich sein kaiserliches Handschreiben ans dem Jahre 1892, in dem Herr v. Bölticher zum Verbleiben un Amte aufgefordert wird. Es muß dem Kaiser und dem Staatsministcrinm trotz der Ereignisse, die sich an die Abstimmung des Reichstages iibcr die Bismarckfeicr angeschlossen haben, trotz der offiziellen Ehrung Bismarck's an seinem 80. Geburtstage unmöglich gewesen sein, ans die letzten Provokationen des Herzogs von sLaucn- bürg zu� schweigen. Große� Zurückhaltung haben sie sich doch aufgelegt, denn wenn Herr v. Bölticher hätte antworten dürfen, wie er so gerne möchte, dann hätte er gesagt, daß kein Staatsmann in Teutschland so am Amte geklebt hat, daß keiner sich so schwer von seiner Minister- wohnung hat trennen können wie Fürst Bismarck, daß � er nicht blos für sich seine Stellung ausgenutzt hat, sondern daß er auch seinen Söhnen, seinem Schwieger- söhne und anderen Nepoten Platz an der Staatskrippe zn schassen verstanden hat. Er hat es ja selbst einmal frivol ausgesprochen, daß er es verstanden habe, die Klinke der Gesetzgebung in der Hand zu halten.— � Das Pluraltwtum für de», dcntschen Reichstag wird in der letzten Nummer der„Grenzboten" gefordert. Der Artikelschreiber, der auch über den Niedergang des deutschen Parlainentarismns jammert, empfiehlt den Männern im Alter von 21 bis SS Jahren eine, den älteren Männern zwei Stimmen zu geben. In Berlin würden sich ans diese Weise auf je 10 000 Einivohncr 2865 wahlberechtigte Männer mit 431ö Wahlstimmen ergeben und von diesen Wahlstimmen fielen nur 1455 aus das Alter von 21—35 Jahren. Was mit diesem Vorschlage eigentlich bezweckt werden soll, ist klar? es sollen die bürgerlichen Parteien mit ihren langlebigen Bonrgois ein noch größeres Uebergewicht über die Sozialdemokratie mit ihren kurzlebigen Proletariern erhalten. Daß nian auch mit solchen Mittelchen nichts gegen die Bethätignng der zur Sozialdemokratie neigenden Gesinnung des Volkes erreichen wird, bewies das klassische Land des allgemeinen n n gleichen Wahlrechtes— Belgien— bei den letzten Wahlen.— Bundesvath. In der heute staltgehabten Sitzung des Buudesraths wurde der Vorlage vom G. Juni d. I. betreffend Ergänzung und Abänderung der Ausführnugsbeftinniumgen zum Zuckersteuergesetz, sowie der Bestimmungen über die Zucker- statistik, ferner der Vorlage vom 39. April d. I. betreffend die Zollbehaudluug der vom Auslände als Muster eingehenden Maaren die Zustimmung ertheilt.— Das Reichsgericht und der Vostkott. Ter vierte Strafsenat sprach sich dahin ans, daß die Aufforderung zum Boykott als„grober Unfug" zu bestrafen sei, wenn da- d n r ch e i n e Beunruhigung d e S Publikums herbeigeführt worden sei. Dabei müsse es für gleichgiltig erachtet werden, daß der Boykott selbst straflos sei. Ans diesem Grunde hob der Senat das freisprechende Urtheil der Strafkammer zu Schweidnitz in der Strafsache „Arabeba?" fragte Lotte lächelnd—„ich denke, sie hieß Ludmilla?" „Aber von selbst versteht sich, Ludmilla, wie denn?" entgegnete der vergeßliche Herr Kasimir.„O, wenn hätten Sie gekannt, meine thenre Arabel... Ludmilla!" Als Hans Härtung von dem Renkontre mit Axel von Pilgram erzählte, bot sich der Edelmann Bruno so- gleich als Sekundant an. Bruno nahm das Anerbieten mit Dank ait. Er hatte zuerst an seinen Vetter Rechbcrg gedacht, doch war es ihm lieber, daß er diesen aus dem Spiele lassen konnte. Tora hatte mit lebhafter Bewegung Hartnng's Erzählung angehört. Bruno wollte sich also schlagen, um ihret- willen— er, der vornehme Herr Studiosus, der Sohn eines Gutsbesitzers, wegen einer armen Schneiderstochter! Doch wie, wenn die Kugel dieses Wüstlings Pilgram ihn zu Boden streckte, wenn Bruno Volkmuth ein Opfer seines Edelmuthes wurde? Voll innerer Unruhe näherte sie sich Brimo. Sie, die Kecke, Eigenwillige, Ungezügelte, war jetzt verlegen wie ein Kind. Kaum zehn Worte hatte sie bisher mit dem jungen Manne gewechselt. Als er mit Härtung an- kam, hatte er ihr die Hand gedrückt und sie mit freundlichem Lächeln gefragt, ob sie sich beruhigt habe. Dann hatte er sich zu den anderen gewandt, wie absichtlich, um ihrem Blicke zu entgehen. Und dennoch— sie mußte zu ihm sprechen, sie mußte diese heimliche, bange Scheu überwinden, die ihr den Mund verschloß. „Sie dürfen sich um meinetwillen nicht duelliren, Herr Volkmuth," begann sie leise niit zitternder Stimme. „Weshalb?" fragte er lächelnd, indem er sie mit einem vollen, offenen Blicke ansah. „Sie dürfen nicht, ich will es nicht," sagte sie halb bittend, halb trotzend, während ihr Mund schmerz- lieh zuckte. „Dann wollen Sie, daß dieser junge Herr mich ohne Gegenwehr niederschießt, an der ersten besten Straßenecke, wie einen tollen Hund, der ihn gebissen?" Die Augen des Mädchens sülttcn sich mit Thränen. Bruno ergriff die kleine zarte Hand und drückte sie herzlich. „Sorgen Sie sich nicht um mich, Fräulein Dorchen," sagte er weich,„und messen Sie vor allem sich keine Schuld bei. Ich hätte jedes andere Mädchen, dem eine gleiche Kränkung widerfahren, ebenso vcrtheidigt. Daß ich gerade für Sie eintreten konnte— das schätze ich als ein besonderes Glück." Er hatte, während er sprach, ihre Hand in der seinigen behalten. Jetzt ließ er sie los und wandte sich langsam ab, gegen Härtung und Genossen vom 19. Februar d. I. auf Revision der Staatsanwaltschaft auf. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat sich damit ans den Standpunkt der Gerichte gestellt, durch welche Sozial- demokratcn wegen Boykotterklärungen und Verbreitungen von Boykottanfrufen verurtheilt haben. Für die innere und äußere Sicherheit des Reichs ist es ein Glück, daß noch niemals Polizei- und Militärbehörden wegen ihrer Boykott- erklärungen vor den Strafrichter gezogen wurden. Wurden nämlich all' diese Boykotts verfolgt worden sein, so märe leicht ein für die oberen Zehntausend empfindlicher Mangel von Militärkommandanten und Polizeichefs eingetreten.— Tie Rechtsnusicherheit in Teutschland wird durch folgenden Fall wieder hell beleuchtet: In Hamburg waren die Redakteure des Maumfachblatis „ G r u n v st e i n", des Formerfachblatts„Glück auf" des „S ch i ffszim in e r ers", des Handarbeiter-Fachblaltes„Arbeiter", des„ G o l d a r b e i t e r s" und des Konditorenfachblattes „Biene" wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklaffen zu Gewaltthätigkeiten angeklagt, welches Vergehen in einem ursprünglich vom„Hamburger Echo" veröffentlichten Artikel, überschrieben„Erst der Mensch— dann das Thier", gefunden wurde, der in drei von jenen Gewerkschaftsblättern nachgedruckt worden war. In den anderen drei Gewerkschaftsblättern hatte der Artikel selbst nicht gestanden, sondern nur in den von Friedrich Meyer in Hamburg herausgegebenen„Sozialpolitischen Blättern", die jenen Blättern beigelegt waren. Das Landgericht hatte seiner- zeit die Veröffentlichung des Hauptversahrens abgelehnt, weil in dem Artilcl zwar eine gröbliche Verhetzung verschiedener Bevölkerungsklassen, aber keine Anreizung zu Gewaltthätigkeiten enthalten sei. Das Ober-Landcsgericht hob die Entscheidung auf, da nach einem Urtheil des Reichsgerichts vom 22. Dezember 1886 es zur Sträsfälligkeit schon einestheils genüge, wenn ein Artikel eine zu Gewaltthätigkeiten geneigte Stimmung hervorrufe, anderentheils wenn auch nur eine entfernte Möglichkeit der Störung des öffeittlichen Friedens daraus erwachse. Dazu sei der Inhalt des Artikels vollauf geeignet. Das Landgericht mußte infolge dieses Entscheids aufs neue über die Sache verhandeln. In der Verhandlung ließ der Staatsanwalt die Anklage gegen die drei Redakteure fallen, die den Artikel nicht selbst abgedruckt hatten. Gegen die andern drei beantragte er je 159 M. Geld- strafe oder IS Tage Gefängniß. Das Urtheil des Gerichts aber lautete, wie früher, für sämmtliche Angeklagte auf Freisprechung. da es sie nicht im Sinne des§ 139 für schuldig erachten könne. Bemerkenswerth an dem Prozeß ist noch, daß das„Hamburger Echo", das d e n A r t i k e l z u c r st und zwar Anfang des Jahres 1894 veröffentlichte, während die Angeklagten ihn Anfang 1895 brachten, nicht verfolgt worden i st. Woher sott der arme deutsche Staatsbürger wissen, was Rechtens ist, wenn die deutschen Richter selber nicht darüber einig werden können.— Tie Schließung der Krankenanstalt Mariaberg soll nach einer Mittheilung der„Kreuz-Zeitung" in folgender Weise durchgeführt werden: 1. soll den Brüdern die Selbständigkeit in der Pflege der Kranken untersagt werden; 2. wird von Staats- wegen ein Verwalter eingesetzt, der nach eigenem Ermessen über die Verwendung geistlicher und weltlicher Pfleger entscheiden kann: 3. die Provinzialverwaltnng wird bald Aerzte nach Maria- berg entsenden, welche bestimmen, ob die von der Provinzial- verwallnng dort untergebrachten Kranken und Irren in eine Pro- viuzialaustakt zu verbringen sind. Auch hat schon vor dem Beschluß der Schließung der Kraukenanstalt die Alcxianergenossenschast die ganze Anstalt Mariaberg, Gebäude, Läudereieu und In- ventar, der Proviuzialverwaltung mit dem Anheimgeben zur Ver- sügnng gestellt, das Pflegepersonal zn behalten oder beliebig zu ändern.— Siehe Depeschen! Religionsmltm'icht der Tissidentenkinder. Die Breslaner freireligiöse Gemeinde hat gelegentlich ihres SOjährigen Jubiläums in Sachen des Religionsunterrichts der Dissidentenkinder folgende Resolution angenommen: „ÜIngcsichts der überraschenden Thalsache, daß der Straf- senat des Kaminergcrichts das freisprechende Urlheil des Land- gerichts zn Magdeburg— gegen Dieze(welcher als Dissident, gestützt auf die Gesetze des Landes, seinen Kindern den Religions- Unterricht entzogen, und dieserhalb vom Schöffengericht verurtheilt wurde)— aufgehoben und an die Vorinstanz zurück verwiesen während seine Züge wieder den gewohnten, schwärmerisch- düsteren Ausdruck annahmen. Schnick trat an Bruno heran und reichte ihm ein Blatt Papier. Er hatte bereits an die anwesenden Arbeiter eine größere Anzahl von Exemplaren der über Nacht entworfenen Adresse verthcilt und forderte Bruno ans, die Wirkung der- selben zu beobachten. Ferdinand sollte gegen Abend einen zweiten Posten, in einem Semmelkorb unter Bäckerwaaren versteckt, nach den Zelten herausbringen. Zahlreiche Gruppen hatten sich gebildet, die über den ungewöhnlichen Inhalt des Schriftstückes dispntirten. Das waren nicht die hochtönenden, abstrakten Worte, die man bisher in diesen Zelten-Versanimlnngen vernommen hatte. Das waren schlichte, reale, greifbare Gedanken, in einer Sprache vorgetragen, die zum Herzen sprach, zum Herzen dieser Enterbten und Entmündigten, deren ganzes Wesen, noch halb unbewußt, ans dumpfer Erniedrigung zu Luft und Licht emporstrebte. Da.und dort warf einer der ehrbaren Herren im glatten Bürgerrock einen Blick in die lithographirten Blätter, um seine Nase gleich wieder herauszuziehen. Da stand nichts von einer deutschen Flotte und einem deutschen National- Zuchthaus— was sollte man also damit ansangen? Tie Handwerksgesellen und Arbeiter aber lasen immer und immer wieder mit Bedacht und Vertiefung diese merkwürdigen Worte, die nicht an ihre Leiden- schaftcn, an ihre blinden, von Unverstand beherrschten Ein- tags- Instinkte appellirten, sondern vielmehr zu ihrem innersten Wesen, ihrer gesunden Vernunft, ihren natürlichen menschlichen Trieben und Interessen sprachen. (Fortsetzung folgt.) Kiterarisches. Wolf, Hermann. Die moderne Weltanschauung ii n d di e Volksschule. Dresden 1894. Selbstverlag und Expedition der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung". 15 Pfennig. Der Verfasser zeigt in naturwissenschaftlicher und national- ökonomischer, sich vornehmlich auf Darwin und Marx stützender Betrachtung, daß sich Natur und Gesellschaft nach festen, einhcit- lichen Gesetzen aus einfachen Zustäuden zu ihrer heutigen Gestalt entwickelt haben und sich zuversichtlich zu immer größerer Vollkommenheit entwickeln werden. � Di« Erkemitniß dieser Eni- wickelungsvorgänge bezeichnet er als die moderne Weltanschauung, die sich also auf die Wissenschaft stützt. In der Volksschule herrsche noch die alte Weltanschauung, die einen persönlichen, alles leitenden Gott annimmt lind die Autorität der Bibel anerkennt. Mit dieser Weltanschauung stehen aber die thatsächlichen Verhältnisse des Lebens in Widerspruch. Die Gesellschaft ist in einer Weise, die keineswegs auf einen alle Menschen gleich liebenden Gott schließen läßt, nach dem Besitz in Reiche und Arme geschieden, und nur der Grundsatz„jeder ist sich selbst der nächste' kann — erklärt die XVl. Bundes-Versammlung des Bundes freie» ReligionSgerneinden Deutschlands, soll der Erlaß des che- maligen Kultusministers von Zedlitz, vom 16. Januar 1892, welcher die bisherige Praxis aufgehoben und die Schul- behördcn ermächtigt hat, von den Kindern der Dissidenten zu verlangen, daß, wenn sie einen anderen nach behördlichem Ermessen ausreichenden Unterricht nicht anderweitig empfangen, den Religions-Unterricht der Volksschulen zu besuchen, 1. als eine widerrechtliche Aufhebung des bestehenden Gesetzes des Landes, welches allen Staatsangehörigen die freie Religionsübung zusichert, 2. als eine gröbliche Verletzung der Gewissensfreiheit, unter welcher bei der Solidarität geistiger Interessen die ge- saiiinite Bevölkerung leidet. Wir prolesttren gegen die kultur- feindliche Praxis, deren sich die königlich preußische Regierung bedient, und erklären, nicht eher ruhen zu wollen, bis wir den unerhörten Gewissenszwang beseitigt und es durchgesetzt haben, daß Vater und Mutter das selbstverständliche Recht werden erreicht haben, ihre Kinder in derjenigen Religion unterrichten zu lassen, welche ihrer Ueberzeugung entspricht!"— Tos neueste auf dem Gebiet der standesgeuiästen Schicsterei ist, daß sich sjetzt auch Mitglieder von K o n s i st o r i e n duelliren, ohne daß anscheinend diese kirchlichen Behörden Anstoß nehmen, gegen diese Verletzung der christlichen Grundlehren einzuschreiten. Die Frankfurter Strafkanimer verurtheilte den Gerichts-Assessor Glahn wegen des Duells, das er im April d. I. mit dem K o n s i st o r i a l- r ei t h Scheuner aus Königsberg im Stadtwalde ausfochr, und das unblutig verlief, zu einer Festungshaft von drei Monaten. Und was macht nun das Königsberger Konsistorium mit Scheuner? Steht auch für die K i r ch e n b e h ö r d e n der„Ehrenkodex", höher, als die„Lehre Jesu Christi"?— Militari«. Wie der„Breslauer Generalanzeiger" meldet- wurden am 12. Juni nachmittags bei einer Schießübniig des oberschlesischen Jiifaiiterieregimeiits auf dem Wilhelmsplatze in Neiße, zwei Mann der ersten Kompagnie durch einen scharfen Schuß tödtlich verletzt. Beide sind gestorben.— Es passirt doch noch etwas in der Welt, wie die folgende, katholischen Blättern entnommene Geschichte einer „wunderbaren Heilung" beweist. Diese lautet: Ein junges Mädchen aus der Kommune von Heverlö bei Löwen, namens Katharina Cnops, 18 Jahre alt, war von ihrer Geburt ab mit einem Leiden am rechten Bein behaftet, welches überaus schmerzhaft war. Seit acht Jahren bediente sich diese Person beim Gehen zweier Krücken. Ihre Gesundheit hatte unter den Leiben sehr gelitten. Die Kranke war sehr abgemagert, imd ihr abgezehrtes Gesicht wies auf ihr Leiden hin. In diesem verzweifelten Zustande unternahm die Krank« eine Pilgerfahrt zu Unserer lieben Frau in Montaigu voll Vertrauen ans die un- endliche Barmherzigkeit der Mnttergottes. Diese Wallfahrt war für sie ein reines Martyrium. Der lange Weg, den sie mit Hilfe ihrer Krücken zurücklegte, steigerte ihr Leiden, und ihr Ge- sundheilszustand erforderte besondere Pflege. Die barmherzigen Schwestern und der Pfarrer von Heverls suchten ihr Linderung zu verschaffen. In Montaigu angelangt, folgte sie der Prozession, welche zur Kirche zog. Sie slihlte sich wie von einer unsichtbaren Hand angezogen, sie trat in den Tempel des Herrn und schritt zu dem mit Blumen ge- schmückten Altar der juiigsräulichcn Gottesmutter hin. Plötzlich fühlte die Kranke sich gewissermaßen gewaltsam erschüttert, ein Schauer überlies ihren Körper, und sie ging vorwärts, ohne zu lemerken, daß sie ihre Krücken verloren hatte, welche in dem Menschengewühl verschwunden waren. Als sie zum Altar der Gottesmutter gekoiiiinen, bemerkte sie erst zu ihrem großen Erstaunen, daß sie sich nicht mehr auf ihre Krücken stützte und daß ihr rechtes Bein, welches um 29 Centimeter kürzer war wie das andere, seine gewöhnliche Länge witder- gewonnen halte. Sic war also geheilt; mit einem sehr natürlichen monientauen Gefühl der Dankbarkeit warf sie sich da an dem Altar der Gottesmutter zur Erde nieder und dankte der Gottesmutter mit Thranen der Rührung für ihre Heilung. Schwer zu beschreiben ist die Rührung und der Enthusiasmus, welcher die Gläubigen ergriff. Ein Freudesjauchzen durchwogte die dichtgedrängte Menge. Tie wunderbar Geheilte ist mit der Prozession nach Heverlö zurückgekehrt, indem sie Dankeslieder sang und überall laut und öffentlich verkündete, welche Gnade ihr die liebe Gottesmutter erwiesen. Rührend über alle Maßen! Und tver's nicht glaubt, den soll doch gleich der Teufel holen. ohne Schaden befolgt werden. Die Schule kommt daher in einen Gegensatz nicht nur zur Wissenschast, sondern auch zum Leben. Um die Widersprüche zu verdecken, ver- suchten Schule und Kirche, die Bibel_„auszulegen", ohne dadurch verhindern zu können, daß Zweifel im Kinde entstehen. Ter begreifliche Wunsch aufgellärter Eltern, solche Lehren zu korrigiren, erschüttert dann das Ansehen des Lehrers, und auf der anderen Seite bewirkt der der Schule vom Staate aufgedrängte Kampf gegen die von der Familie aus- gehende Ausklärung, daß das Kind den Lehrer geradezu haßt und verabscheut. Die bürgerliche Gesellschaft bringt die Volksschule in diese Lage, weil sie das Voll in Unkeuntniß über die moderne Weltanschauung erhalten will; denn nur so kann sie die gegen- wärtige Gesellschastsordining als etwas nicht gewordenes, sondern geschaffenes, als eine göttliche Einrichtung hinstellen, an der nichts geändert werden darf und auch nichts geändert werden kann. Sie möchte jetzt ausFurcht vordem erwachenden, seine Forderungen mit der Enlivicklungsfähigkeit von Natur und Gesellschaft begründenden Proletariat die moderne Anschauung am liebsten ganz verleugnen, die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung preisgeben und wieder„fromm" werde». Die moderne Weltanschauung hat aber bereits eine neue Stätte gefunden bei dem Proletariat, dem der wissenschaftliche Sozialismus die Erkenntniß der Entwickluiigs- gesetzt vermittelt, damit es fähig werde, die Gesellschaft nach diesen Gesetzen zn gestalten. Der Verfasser trägt diese AnS- führungen in einem ungesucht schlichten und volkslhümlichen Tone vor und behandelt sein Thema überall, besonders aber in dem naturwissenschaftlichen The» seiner Betrachtungen mit großer Klarheit.— r- Ter Zaunkönig bot, tfiilgftrien. Ein Beitrag znr Frage der Anerkennung des Fürsten Ferdinand I. von einem Bulgaren. Separatabdruck aus der Gesellschaft. Leipzig 1895, Wilhelm Friedrich. 24 S. 8». Allgemein wird angenommen, daß diese Schrift von Stam< bukow herrührt, jedenfalls ist sie in seinem Interesse geschrieben. Als Beitrag zu der nicht reichhaltigen Literatur über Bulgarien ist sie sicher leseuswerth. Das Prinzip der Monarchie ist in der Person des Fürsten Ferdinand von Bulgarien stark angegriffen. demnach würde diese Schrift unter das deutsche Umslurzgesetz fallen. Man sieht hieraus wieder, welch lächerliche Konsequenzen diese neueste gesetzgeberische That zeiligen könnte.— Luckhardt, Friedrich, Modernes Geschäftsleben. Heft 1. Kyllmann u. Komp. Skizzen aus dem Leben. Kassel 1894. Verlag von E. Hühn. Einer der ehenialigen Führer der(antisemitischen) Berliner Bewegung beginnt mit dieser Schrift aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen zu erzählen. Das vorliegende Heft beschäftigt sich mit der eigenartigen Gründung des„Deutschen Tageblatts". Besonders schlecht kommt dabei Baurath Kyllmann, eine Haupt- stütze der Berliner nationalliberalen Partei, weg. Amüsant ist das Geschimpfe des Herrn Luckhardt über den Kapitalismus, auf den er jetzt, wo er um fein Geld gekommen ist, übler zu sprechen ist, wie jrüher auf den Semitismus. Einiges Licht wird in der Schrift auch aus das Osfiziösenthum geworfen. Auf die Fort- setzung dieser Hefte kann man neugierig sein.— „Ehrerbletigstes Scndschreibeu a» Sciue Majestät Wilhelm>1», Kaiser von Deutschland, König von Preußen." Unter diesem Titel soll jetzt mit dem Motto:„Ans zum Kampf für Religion, für Sitte und Ordnung" ein Buch erscheinen, das dem längst gefühlten Bedürfniß abHelsen soll, die Sozialdemokratie zu vernichten und„den Umsturz in der Menschheit einzudämmen und möglichst zu verhindern". Schon die Vorrede soll sehr schön sein. Es heißt von ihr: „Hier bieten sich uns in kurzen Zügen die reichlichen Er- gebnisse, einer ausgezeichneten einschlägigen Bildung, neben vollständigster Beherrschung des sachlichen Materials und Kenntniß der schwierigen und verwickelten Verhältnisse der heutigen Sachlage bis in die kleinsten Einzeluheiten, eines praktisch wie theoretisch geschulten und gebildeten Politikers und Forschers allerersten Ranges, der bisher, seinen ernsten Studien und Forschungen in mancherlei Richtungen mit allem Eifer obliegend, kaum genügend Gelegenheit hervorzutreten und sich so bekannt zu machen, wie er es wohl verdiente, genommen und gefunden." Etwas Mariaberger Douche dürste angebracht sein.— Milleraud. Die deutsche Chauviuistenpresse fragt uns höhnisch, wie die Rede Milleraud's bezüglich des Kieler� Flottenbesuchs uns gefallen habe. Wenn unsere Chauvinisten meinen, uns durch diese Frage in Verlegen- heit setzen zu können, so irren sie sich. Und so sagen wir ihnen auch ohne Unischweif und Rückhalt: die Millerand'sche Rede hat uns nicht gefallen. Sic zeigt uns, daß Millerand, der bis zu den letzten Wahlen noch zur bürgerlichen Demokratie gehörte, sich noch nicht zur sozialistischen Weltanschauung emporgearbeitet hat. So, nun wissen unsere Chauvinisten, was wir dcilken. Und wir wollen nur noch hinzufügen— damit ja kein Mißverständniß möglich—, daß der Chauvinismus in französischem Geivand uns ebenso rückständig und re- aktionär erscheint, wie in deutschem.— Zum Glück ist die französische Arbeiterbewegung vom Chauvinismus ebenso frei, wie die deutsche. Unseren Chauvinisten, welche die Millerand'sche Rede ausschlachten, geben wir schließlich den Rath, die f r a n- z ö s i s ch e n Chauvinistenblätter zu lesen. Sie werden finden, daß diese, trotz der Millerand'schen Rede, die französischen Sozialisten für„vatcrlandsloses Ge- sindel" erklären, und uns deutsche Sozialisten ihnen als Muster des Patriotismus gegenüber- stellen.— Die erst« Konfereuz der sozialistischen Gruppe des »talieuische» Parlaments. Kurz vor der Sitzung der Kammer versammelten sich am II. Juni die sozialistischen Abgeordneten und beschlossen, an der Wahl des Kammerpräsidenten theilzu- nehmen und— als Zeichen des Protestes— ihre Stimmen au Barbato zu vereinigen. Dann wurde Genosse Agnini zum Sekretär der sozialistischen Fraktion wiedergewählt. Die Fraktion beschloß darauf, weitere Versammlungen abzuhalten und die der Kammer vorzulegenden Gesetzesvorschläge festzustellen; die Fraktion wird dabei zum theil als Sondergruppe, zum theil in Verbindung mit anderen parlamentarischen Gruppen vorgehen. Bevor die Ver- fammlung sich auflöste, entbot sie noch den Opfern der Reaktion eine» Gruß, besonders den mit überwältigender Mehrheit zu Abgeordneten gewählten„Zuchthäuslern" Barbato, De Fclice und Bosco und den bei der Wahl unterlegenen Genossen Bisfolati und Badaloni, die hoffentlich bei einer der bevorstehenden Nachwahle» noch nachträglich zu einem Parlamentssitze gelangen werden. Der Versammlung wohnten bei: Agnini, Berenini, Costa, De Marinis, Fern, Prampolini und Salst. Da Costa zweimal gewählt ist, der dreimal gewählte Barbato und Defelice, ebenso wie Bosco, im Zuchthause sitzen, so dürsten die Sozialisten in Italien inkl. der Nachwahlen 13 Parlamentssitze errungen haben.— Bei den bevor st ehenden Munizipalraths- Wahlen in Italien werden in diesem Jahre zum ersten Male auch die Sozialisten in ver- schiedenen Bezirken in den Wahlkampf ein- treten, und zwar mit einem entschiedenen Klassenkampf- Programm und unter Zurückweisung jeglichen Kompromisses mit anderen Parteien. Die Wahlen sollten bereits am 16. d. M. staltflndcn, aber Crispi hat sie willkürlich auf Ende Juli ver- schoben und zwar ans folgendem Grunde: Das italienische Parla- >»ent geht stürmischen Tagungen entgegen, und Crispi möchte gerade jetzt die ministeriellen Abgeordneten, die sich nach Hanse begeben wollen, um für ihre Wahl zu Stadtverordneten thätig zu sein, um jeden Preis in Rom behalten, damit seine mühsam zusammengeschweißte Majorität nicht in die Brüche gehe. Daher der Aufschub der Mnnizipalrathswahlcn. Der findige Minister- Präsident hat jedoch die Rechnung ohne die Stadlverwallungen der Provinzen Turin und Bologna gemacht, denn dieselben erklärten bestimmt, daß sie in corxora dcmissioniren würden, falls die Wahlen nicht an dem ursprünglich festgestellten Tage statt- fänden. In Turin und Bologna sollen daher die Wahlen„aus- nahmsweise" doch am 16. d. M. stattfinden.— Amnestie für die vou den italienischen Kriegsgerichten Verurtheilteu. Bei dem Sekretariat der italienischen Kammer wurde folgende Interpellation eingereicht:„Die Unterzeichneten interpelliren den Ministerpräsidenten und den Justizminisler über die Nothwendigkeit, den von den Kriegsgerichten Siziliens und der Lunigiana Veruriheilten Amnestie zu gewähren. Napoleone Colaianni— Pjpitone— Pautano. Rniz Zorilla, der frühere Führer der spanischen Republikaner, ist gestern in Burgos in Spanien gestorben. Er war mehrmals Minister und Vorsitzender der Kammer. Seit der Rückkehr der Bourbonen lebte er in Frankreich; bei ihm liefen während jener Zeit alle Fäden der republikanischen Bewegung zusammen. Im vorigen Jahre zog er sich vom politischen Leben zurück, er war gebrochen an Körper und zerfallen mit seinen politischen Freunden. Dadurch, daß er sich bei der Regierung um die Erlaubniß zur Rückkehr nach Spanien bewarb, brachte er sich um den Rest seines politischen Ansehens.— Zu dem gcheimnißvollen Verschwinden des Staats- raths Lerche aus Petersburg tauchen jetzt wieder neue Versionen aus. Man glaubt nach näberer Untersuchung an keinen polrli- scheu Mord. Nun wird genieldet, daß Lerche vor seincni Ver- schwinden aus der russischen Hauptstadt mit einer jungen Dame am Newaquai gesehen worden sei. Man glaubt daher, daß diese Dame ihn zu einem Stelldichein verlockt und ihn dann in irgend einer Villa vor der Stadt durch die Nihilisten, zu deren grimmigsten Verfolger» Lerche gehörte, heimlich habe ermorden lassen. Die zahlreichen politischen Verhaftungen, die nach dem Tode Alexanders IH. vorkamen, waren zum großen Theile das Werk Lerche's und die Massenverschickungen politischer Verbrecher nach Sibirien unter seiner Verwaltung an der Tages- ordnnng. Andererseits aber nimmt man an, daß Lerche init einer der bekanntesten Halbweltdamen Petersburgs entwichen sei.— Russische Industrie. Rußland fährt fort, seine Industrie auszubilden, um sich so mehr und mehr vom Auslände un- abhängig zu machen. So ist jetzt die beim Departement für Handel und Manufaktur eingesetzte Kommission, welche die Frage über die Mittel zur Hebung des russischen landwirlhschaftlichen Maschinenbaues bearbeitete, zu folgenden Beschlüssen gekommen: Zur Beschaffung des nothwendigen Rohmaterials in Metall und Holz sind Unternehmer heranzuziehen, sowohl russische als auch Zlusländer, welche bereit sind, Fabriken zu eröffnen, die den Bedürfnissen des landwirthschastlichen Maschinenbaues speziell angepaßt sind. Zollveränderungcn bezüglich laudwirth- schastlichcr Maschinen und ihrer Theile, welche aus dem Aus- lande eingeführt werden, sind nicht zu billigen. Die Fragen über Krediterleichterungen seitens der Staatsbank, Errichtung spezieller Lehrstühle an den technischen Hochschulen für den landwirthschaftlichen Maschinenbau, Erinäßigungen der Eisenbahntarife für Materialien des genannten Maschinenbaues— sind an die zuständigen Stellen überwiesen. Durch diesen Ausbau der russischen Industrie verlieren natürlich die westlich gelegenen Industriestaaten mehr und mehr an Absatzgebiet, wodurch sich wieder die industriellen Krisen dort verschärfen. Andererseits tritt Rußland, je mehr sich seine In- dustrie ausbildet, in die Reihe der modernen Staaten mit kapitalistischer Produktionsweise ein, wodurch wieder das russische Proletariat an Klassenbewußtsein und die russische Sozialdemokratie an Ausdehnung gewinnen wird.— Cnba. Gelegentlich der Truppensendungen nach Euba fordern die spanischen Blätter die Regierung auf, dieselben zu beschleunigen, da nach offiziellen Telegraiumen zu befürchte» sei, daß die Aufständigen sich bis zum Mittelpunkt der Insel wagen und daher strenge Maßregeln geboten seien.— NÄvl««»renksbeviihke. Abgeordnetenhaus. 74. Sitzung vom 14. Juni 1895, 11 U h r. Am Regieruligstische: Miquel und Kommissarien. Die zweite Berathung des Stempel st euer-Gesetzes wird fortgesetzt bei der Tarifpositiou 26: Gesellschasts- Verträge. Bei der Errichtung oder K a p i t a l s e r h ö h u n g von Aktiengesellschaften oder K o m m a n d i t g es e l l- schaften auf Aktie» soll nach de» Kommissionsbeschlüsseu >/so pCt. Werthslempel entrichtet werden. Ferner soll bei Errichtung oder Kapitalerhöhung von Gesellschaften mit beschränkter Haftung ein Werthstempel von Vso bis I pCt.(in 4 Stufen) entrichtet werden, je nachdem das Gründungs- kapital Ivo ovo M. und weniger, bezw. 360 600 M., 500 000 M. und darüber beträgt. Ein Antrag Richter(fr. Vp.) will bei den Aktien- und Aktien- Kommanditgesellschasten statt des Werthstempels einen Fixstempel von nur Il/e M., sowie bei den Gesellschaften mit beschränkter Haftung nur einen Fixstempel in 4 Stufen von l'/e, 10, 50 und 100 M. erhoben wissen. Ein Antrag Sch enck(sr. Vp.) will zwar an dem Werth- stempel festhallen, ihn aber für alle Gesellschaflsarten, also auch für die niit beschränkter Haftung, nur auf>/«> pCt., also ohne Progression nach der Höhe des Kapitals festsetzen. Ein Antrag Jansen(Z.) will genauer bestimmen, daß bei den Gesellschaften mit beschränkter Hastung, deren Stammkapital bei der Errichtung mehr als Vz Million beträgt, von jeder Kapitalserhöhung, ohne Rücksicht auf ihre Höhe, 1 pCt. zu ent- richten ist. Ein Antrag Haacke(natl.) will für die Gesellschaften mit beschränkter Hastung 5 Werthstusen einführen, so diß e n Werthstempel von 1 pCt. erst bei einem Kapital oder Kapilaleehöhung von 1 Million erreicht wird. Ein Autrag Kirsch(Z.) will, im Gegensatze zn den Kom- missionsbeschlüssen und zu dem Autrag Jansen, daß der Werth- stempel bei Kapitalerhöhungen genau ebenso berechnet werden soll, wie bei der Errichtung der Gesellschaft. Ein Antrag Richter(frs. Vp.) will ferner(zu 26c), daß für das Einbringen unbeweglicher Sachen in eine Gesellschaft nur dann 1 pCt. Stempel zu zahlen ist, wenn es sich um eine Aktien- oder Kommandit-Gesellschast auf Aktie» handelt, während bei den Gesellschaften mit beschränkter Haftung ein solcher Stempel nicht erhoben werden soll. Ein Antrag H a a ck e(natl.) endlich zu 26ä(der Vorlage, da 26 ä vou der Kommission gestrichen worden ist) will die Ueberlassung von Rechten eines Gesellschafters au einen andern mit einem Fixstempel von IVl M. belastet wissen. Nach längerer Diskussion werden in der Abstlmmnug die Anträge Schenck und Richter gegen die Stimmen der Freisinnigen und einiger Natioualliberalen abgelehnt; der Autrag Haacke wird gegen die Stimmen der Freisinnigen, der Nationalliberalcn und einiger Zentrumsmitgliedcr abgelehnt, dagegen wird der Antrag Kirsch mit großer Mehrheit angenommen. Eine längere Debatte entsteht dann noch über den Antrag Richter zu 26 c, das Einbringen unbeweglicher Sachen in Ge- sellschaften mit beschränkter Haftpflicht Stempel freizulassen. Der Aulrag, für welchen sich auch die Nationalliberalen aussprechen und bei der Abstimmung sich auch eine große Anzahl Landtags- abgeordneter erheben, wird schließlich abgelehnt. Auch der Antrag Haacke zu 26 ck, die Ueberlassung von Rechten an dem Gesellschaflsvermögen seitens eines Gesellschaf- lers an andere nur einem Fixstempel von l'/e M. zu unterwerfen wird abgelehnt. 26 ck wird sodann in der Fassung der Vorlage angenommen. Zu Nr. 37, Leibrenten- und R e n t e n v e r t r ä g e, 1 pCt. Stempelgebühr wird ans Antrag Jansen hinzugefügt: falls nicht die Tarisstelle„Versicherungsverträge" zur Anwendung komme. Zu Nr. 40, L u st b a r k e i t e n, Genehmigungen der Orts- Polizei, hierzu lag ein Antrag Richter vor, diese Nummer zu streichen. Der Antrag wird zedoch zurückgezogen. Nr. 41 betrifft die M i e t h s- und Astermieths-, Pacht- und lllsterpachlsverträge. Hierzu liegen Anträge Schenck, ferner Haacke und Kirf ch vor, welche sämintlich, obwohl in ab- iveichender Fassung, die Stempelpflicht für die mündlichen Mielhsverträge wiederbeseiligen wollen. Sämmtliche Anträge wolle» demgemäß auch die Miethsverzeichnisse abschaffen, bezw. deren obligatorische Vorlegung. Abg. Winschcr(k.) erklärt sich gegen diese Anträge. Abg. Kransc-Königsberg hält die Miethsverzeichnisse für allenfalls akzeptabel, der Kontrolle halber; aber eine Stempelung der mündlichen Verträge sei für seine Freunde eine uuannehm- bare Maßregel; zu dieser liege auch keine Veranlassung vor, denn namentlich in den größeren Städten werden fast alle Mielhs- vertrüge schriftlich geschlossen und ein weitverbreiteter Aberglaube, daß ungestempelte Verträge rechtsuugiltig seien, sorgt dafür, daß auch der Stempel verwendet wird. Niemand wird sich der Ge- fahr der Stempelstrafe aussetzen, wenn er den Miethsvertrag bei Streitigkeiten der Behörde vorlegen muß(Bravo!). Finanzminister Miquel: Eine sehr lange Erfahrung hat mit Sicherheit bestätigt, daß auf keinem Gebiete der Urkunden die Tcfraude stärker ist als hier. Ganz unverhältnißmäßig sind die Miethsverträge überhaupt,�nicht blos die Prolongation, nicht gestempelt, und ich habe in der Kommission schon eine» Fall an- geführt, in welchem säinmtliche Mielhsverträge nicht verstempelt waren. Dieser Zustand kann nicht fortdauern. Er führt dahin, daß gewissenhaste Leute verstcmpeln, die große Masse aber nicht, und diese will ich nicht einmal als unehrlich bezeichnen; denn in den meisten Fällen wird die Vcrstempelung aus Fahrlässigkeit unterlassen. Daher sind wir auf die Mieths- Verzeichnisse gekommen. Sie sind durchaus keine Erschwerungen für die Belheiligten, sondern durchaus eine ganz außerordentliche Erleichterung. Wo in großen Miethshäusern innerhalb eines Jahres eine Menge von Verträgen abläuft, ist es viel mühseliger, jedes Mal einen neuen Miethsvertrag oder die Prolongation zu stempeln, als wenn der Bermiether einmal im Jahre ein einfaches Verzeichniß ausstellt. Sie sind außer- dem eine große Entlastung für den Miether, denn dieser war rüher ebenso verhaftet wie der Vermiether. der doch eigentlich aus dem Vermiethen ein Gewerbe macht. Das führt alles nur auf das Verzeichniß für schriftliche Verträge; aber welcher Grund liegt vor, die mündlichen Verträge frei zu lassen, wenn nicht mehr die Verträge, sondern das Verzeichniß verstempelt wird. Die Leistung für das Objekt ist in beiden Fällen dieselbe. Die Bedeutung des Mieihs- Verzeichnisses als Kontrollmaßregel verliert ganz erheblich an Be- deutung bei Freilassung der mündlichen Verträge. Die Unter- scheiduug zwischen beiden Arten von Verträgen ist durchaus nicht wünschenswerth, denn die mündlichen Verträge werden infolge hiervon sich erheblich vermehren. Von der Einführung einer neuen Miethssteuer kann garnicht die Rede sein, da der Stempel nur Veo der Miethsleuer betragen würde, die bisher in Berlin erhoben wurde, daher ist es nicht blos die finanzielle Rücksicht, welche die Regierung veranlaßt, auf ihrem Standpunkt stehen zu bleiben, sondern auch die erwähnten anderen Gesichtspunkte. Die Maßnahme, Verträge von 150 bis 300 M. frei zu lassen, hat die Regierung allerdings eine wichtige sozialpolitische Maßregel betrachtet, in dieser Grenze liegen nach meiner Meinung Millionen Miether, die ganze arbeitende Klasse und auf dem Laude darüber weit hinaus. Hier in Berlin selbst wohnt der größte Theil der arbeitenden Klasse noch unler 300 M. Es handelt sich hier um eine wesentliche finanzielle Maßregel. Die Kommission hat eine ganze Anzahl sonstiger Streichungen und Ermäßigungen vor- geschlagen, und ich würde wahrscheinlich bei diesen einen euer- gischen Widerstand entgegengesetzt haben, wenn man von vorn- herein auf diese Mehreiunahme hätte verzichten wollen. Wir sind in bezug auf Ermäßigungen schon an der äußersten Grenze, um die bisherigen Einnahmen zu verlieren, das kann der Finanz- minister nicht verantworten, und das Staatsministerium wird sicher in dieser Beziehung aus meiner Seite stehen. Ich bitte daher um Annahme der Regierungsvorlage. Abg. Kirsch(Z.): Durch nnsere bisherigen Beschlüsse ist der finanzielle Effekt der Vorlage nicht verschlechtert sondern ver- bessert worden. Außerdem kann auch die Staatsregierung nicht vorhersagen, ob sie aus diesem Gesetz Mehreinnahmen oder Mindereinnahmen erzielen wird. Will der Finanzminister konse- quent sein, so muß er wie den Mielher, so auch den Schuldner beim Schuldschein von der Stempelpfiicht befreien. Es soll hier nach Einführung der Einkommensteuer das Ein- kommen ans der Miethe noch einmal besteuert werden, und da sagen wir: principiis obsta! Warum erhebt man dann nicht auch aus dem Fideikommiß jährlich noch einmal eine Steuer?(Sehr richtig! links.) Um 4V4 Uhr wird die Debatte auf Sonnabend 11 Uhr vertagt. Pavfcinadmrfifcit. Karl Höchberg ist nicht, wie wir gestern berichteten, am 12. Juni 1835, sondern am 21. Juni 1635 gestorben. Die erstere Angabe beruht auf einem Druckfehler älteren Datums, dem auch die Frankfurter„Volksstimine" zum Opfer fiel. Vou der Ngitation. Auf seiner Agitationsreise in Nord- bayern sprach Liebknecht noch in Bamberg, wo er dem Zentrum heimleuchtete. Heute spricht er in Hof, morgen in Selb. Nach zwcijährtger Pause wurde in Eisleben am Sonntag wieder die erste sozialdemokratische Versammlung abgehalten. Redakteur Adolf Thiele aus Halle hielt das Referat. Seine Ausführungen wurden beifällig ausgenomnien. In Hanau ist die neue Organisation, zu guuften derer sich die beiden dortigen Vereine nach Schlichtung des bekannten Wistes aufgelöst hatten, nunmehr errichtet. Sie führt den amen„Sozialdemokratischer Verein" und wird ihre Thätigleit am I. Juli beginnen. Stuttgarter Liedcrhalleu-Vohkott. Eine von mehr als 600 Arbeitern besuchte Versammlung beschloß die Aufrecht- erhaltung des Bopkolls sowohl in Beziehung auf die Liederhalle, wie hinsichtlich der Geschäfte der Liederkranz-Mitglieder, da der Liederkranz-Ausschuß auf der Lokalverweigerung beharrt und die Mitglieder des Liederkranzes nichts gelhan haben, um Wandel zu schaffen. Von denjenigen Gesangvereinen, die die Ver- gewaltiguug der Arbeiterschaft vernrtheilen, wird erwartet, daß sie bis zur Beilegung Ides Streites freundschaftliche Beziehungen mit dem Liederkranz nicht unterhalten. Die Resolution, worin alles das ausgedrückt ist, wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Tie czechische Sozialdemokratie hat beschlossen, an den böhmischen L a n d t a g s w a h l e n theilzunehmen. Ueberall sollen Kandidaten aufgestellt werden. Im übrigen wird die Agitation auf die Kreise konzentrirt werden, wo am meisten Aussicht ist, unsere Kandidaten durchzubringen. Das gilt be- sonders von dem Bezirke Kladno-Schlan. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — In Dort m u u d ist gegen den Parteigenosse» Dr. L ü t g e n a u als Herausgeber und R e h s e als Drucker des Mai-Flugblatts aus den 6. Juli Termin vor der Straf- kaminer angesetzt. — In L a u e n b u r g sollte der Parteigenosse Beeck in einer Versammlung in Beziehung auf die verschiedene Ver- urlheilung zweier Personen, die das gleiche Vergehen begangen hallen, gesagt haben:„Dazu ist nicht viel zu sagen. Wir haben heute eine Klassenjustiz und das Gericht hat Gerstenkorn(den einen Angeklagten) höher verurtheilt, weil er Sozialdemokrat ist." Beeck wurde deshalb der Beleidigung des Schöffengerichts an- geklagt, von dem das betreffende Urtheil gefällt worden war. Das Landgericht in Altona erkannte aber auf Freisprechung, und zwar ans folgenden Gründen: Da der Strafantrag nur vom Vorsitzenden des Schöffengerichts gestellt sei, habe man nur mit einer eventuellen Beleidigung des Vorsitzenden zu rechnen. Aber auch dieser sei nicht beleidigt worden. Dem Ange- llagten habe die Absicht gefehlt, beleidigen zu wollen, und, da in den Kreisen der Sozialdemokraten die Ansicht vorherrschend sei, daß einzelne Richter härter urtheilen, wenn es sich um Sozialdemokraten handelt, so sei auch nicht anzunehmen, daß er sich bewußt gewesen sei, durch seine Äeuße- ruugen zu beleidigen. — Das„ V o l k s b l a t t f ü r H a l l e" hatte im Dezember vorigen Jahres einen Leitartikel veröffentlicht, der mir den Worten begann:„lieber die Zustände in Eisleben, deren Be- sprechung Herr Geheimrath Leuschner bekanntlich als groben Unfug verboten wissen will." Leuschner sandte daraus eine Be« richtiguug ein, die nicht sogleich, sondern erst später aufgenommen wurde, weil sie nach Ansicht des Redakteurs des„Volksblatls", unseres Genossen Adolf Thiele, nicht dem Preßgesetz entsprach. Leuschner hatte nämlich die Behauptung, er habe die Besprechung der Eislebener Zustände als groben Unfug bestraft wissen wollen, zwar als unwahr bezeichnet, im weiteren Verlaufe seiner Zu- schrist aber selbst ausdrücklich zugegeben, daß er sich allerdings in diesem Sinne in einer Stadlverordneten-Sitzung geäußert habe, nur hätte er nicht alle Artikel über die Eislebener Zustände sondern bloß die der„Verhetzung dienenden" verfolgt wissen wollen. Außerdem war in der Berichtigung von der„Saale- Zeitung" und anderen Sachen die Rede, von denen in dem Artikel des„Volksblatts" kein Wort gestanden hat. Endlich war die Berichtigung um etwa 15 Zeilen länger als der zu berichtigende Satz. Wegen der anfänglichen Verweigerung des Abdrucks der Berichtigung— sie war, wie gesagt, später doch noch auf- genommen worden— klagte Leuschner den Redakteur der Ver- letzung des Preßgesetzes an. Beim Schöffengericht hat er damit kein Glück gehabt, es erkannte auf Freisprechung. Gegen das Urtheil legte der Amtsanwalt Berufung beim Landgericht ein, und dieses entschied, obwohl Leuschner als Zeuge einräumen mußte, er könne nicht mehr genau sagen, wie er sich in der Sladtverordneten-Sitzung ausgedrückt habe,— zu gnnsten des Klägers. Das Schöffengerichts-Uriheil wurde aufgehoben und Thiele wegen der anfänglichen Nichtaufnahme der Berichtigung zu 30 M. Geldstrafe oder 3 Tagen Haft verurtheilt. Gegen das Urtheil wird Revision eingelegt werden. Soziale Itebevflchk. Für die Bürgerschafts. Erganzuugöwahle« in Lübeck ' cou unseren dortigen Parteigenossen in allen Bezirken im ganzen 34 Kandidaten aufgestellt, wobei indessen einige Doppel- kandidaturen eingerechnet sind. Die Wahlen gehen am 18., 21„ I"i n m �U.UI"vr sich und zwar- respektive— im 4., 1., 3. und 2. Bezirk. Die Aufhebung deS Schulgeldes haben die bürgerlichen bewilligt' ÜCn � n u e 11§ � u v 3 ui Württemberg e i n st i m m i GemerKsiftsWiiJres. Achtung, Maurer! Kollegen! Am Sonntag, den 9. d. M tagte eine öffentliche Versammlung der Maurer Berlins in Cohn' Westfalen, in welcher den Vertrauensmännern anheimgegeben wurde, Stellung zu nehmen zur Lohnfrage. Um aber dieser Frage naher treten zu können, bedarf es der Solidarität der fämmt Jidie" berliner Kollegen. Wir fordern Euch nun auf, da es that sachlich in unserem Gewerbe viel zu verbessern giebt, in erster •ame alle Ungerechtigkeiten und Unregelmäßigkeiten betreffs des Lohnes, der Ueberstunde», Sonntagsarbeit und Behandlung, an die Vertrauensmänner zu berichten. Kollegen! Wenn wir wiederum den ganzen Sommer unthätig verlaufen lassen, dann werden die Unternehmer und Poliere immer dreister und frecher mit uns umspringen, und es wird von den Errungenschaften der Jahre 1885 und 1889 nichts mehr zu ver fpmrcn fein. Zahlt man doch schon nicht nur 50 Pf. pro Stunde sondern 45 Pf., das dürfen wir uns nicht gefallen lassen, dagegen müssen wir Front mache». Auch dürfen wir nicht dulden. daß man aus 10 Stunden immer 10�/2 macht und Lohnzahlungen Sonnabend abends um 3 Uhr und später in den Budiken vor genommen werden. Wir ersuchen Euch nun, alle diese Einzelheiten mit Angabe der Baustelle, des Namens vom Unternehmer oder Meister wahrheitsgemäß bis Sonnabend, den 15. d. M.. an die Ver trauensmäiiner gelangen zu lassen. Am 19. d. M., abends sVe Uhr, findet in Cohn's Festsälen(großer Saal), Venthstr. 20, eine große öffentliche Maurerversammlung, mit der Tagesordnung: Stellung nähme zur Erhöhung des Lohnes und Verkürzung der Arbeitszeit, statt. Lasset diese Versammlung nicht unbesucht vorüber gehen und zeiget, daß der alte Geist, der sonst unter den Berliner Kollegen herrschte, noch vorhanden ist! Dort ist es Zeit sich ai�zusprechen, alle schreienden Uebelstände aus Licht der Oeffent« Iichkeit zu ziehe», um dann, wenn die Kraft vorhanden, was an Ench liegt, die krassesten Ungerechtigkeiten und Uebelstände mit Nachdruck zu beseitigen. Kollegen! Ihr seht, wie die Kollegen in Leipzig und anderen Städten im Lohnkampf liege», um ihre schlechte Lage zu verbessern. Das sollte Euch beweise», wie nothwendig auch unser Zusammenschließen ist. Wir haben die Pflicht, diese kämpfenden Kollegen moralisch und materiell unterstützen; moralisch, indem niemand in solcher Stadt Arbeit annimmt und dort Streikbrecher wird, und materiell, uwein jeder Kollege zum Generatfonös steuert, damit wir solche Kampfe mit Geld unterstützen können. Auf jedem Bau muß eine Sammelliste sein, jeder Kollege muß es sich zur Pflicht machen. am Sonnabend sei» Scherflein beizutragen; denn der Sieg def Kollegen in der Provinz ist auch unser Sieg. Hoch die Soli darität! Mit kvlleg. Gruß: Die Vertraueusmänner. I. 81. Fntz Kater. Nachstehend geben wir die Namen der Vertrauensmänner und die Zahlstellen, in welchen dieselben Beiträge zum General- fonds entgegennehmen, bekannt: Osten: Albert Schacht. Rüdersdorferstr. 8 bei Böhl. Weiten: Ferdinand Meier, Bluinenthalflr. 5 bei Wehrend. Südwesten: August Behrend, Mittenwalderstr. 43 bei Briese Sudosten: Herrn. Schwabe, Waldemarstr. 61 be Roll. .. Nordosten: Herm. Feuer, Wörther. und Nykestraßeu- Ecke bei Schmidt. Moabit: Fritz Kater, Thurmstr. 84 bei Holzbächer. ru■ l: H- Beiersdorf, Swiueiuünderstr. 20, am Vineiaplatz, Geig's Bierhaus. y Die Vorgenannten kassiren sämmtlich Sonnabends 0—10 Uhr. Achtung, Maurer! Allen hiesigen Kollege» zur noch- maligen Kenntnißnahme, daß Sonntag, den 16. Juni, vormittags W/2 Uhr. eine Versammlung des Zentralverbandes deutscher Maurer im Lokale des Herrn Brochnow, Sebastianstr. 39, statt» findet, zu welcher jeder Maurer und Berufsgenosse, gleichviel ob Mitglied oder nicht, Zutritt hat. Dieselbe hat den Zweck, einen klaren und übersichtlichen Situationsbericht über die Streiks, in welche unsere Kollegen in verschiedenen größeren Städten, so in Leipzig, Flensburg, Dresden u. s. w. eingetreten sind, zu geben. Kollegen! Da von uns herausgegebene Sammellisten für die streikenden Kollegen zirkuliren, so wird es vielen ein Bedürsniß fein, auch einmal de» Ursprung und den augenblickliche» Stand der betreffenden Streiks zu erfahren. Erscheint deshalb alle in der Versammlung. Sammellisten werden von allen Hilsskasirern des Verbandes, sowie in der morigigen Versammlung ausgegeben. Der Bevollmächtigte. Au die Sattler uud Tapezirer von Rkxdorf und Umgegend. Kollegen! Da unsere vorige Versammlung aus be- kaiinten Gründen aufgelöst wurde, so fordern wir Euch auf, in der am Sonntag, den 16. Juni, im Lokale des Herrn Nitschkes, Steinmetzstr. 45, stattfindenden Versammlung recht zahlreich zü erscheinen. Es gilt, in dieser Versammlung Front zu machen gegen das profitgierige Fabrikantenthum unserer Branche. Achtung, Sattler! Die Lohnbewegung in der Sattler- werkstelle von Fiebrandt, Berlin, ist durch das eiiimüthige Zusammenhalten der Arbeiter zu deren g u n st e n erledigt. Leipziger Maurerstreik. Durch die„allgemeine" 8llls. sperrung find von de» Maurer», die den 45 Ps.-Stilndenloh» bewilligt erhalten hatten, nicht mehr als rund 100 außer Arbeit gekommen. Die übrigen arbeite» weiter. Zu dem 33 Pf.-Stunden- John arbeiten nur noch etwa 200 Mann. Abgereist sind bis jetzt im ganzen, d. h. seit Beginn des Streiks, rund 500 Mann. 900 Streikende sind am Ort und zu unterstützen. Nach allem ist die Situation für die Ausständigen nach wie vor günstig, was auch daraus erhellt, daß der Antrag auf Vermittelung des Gewerbegerichts als Einiguugs- amts nicht von dem Agitationskomitee der Maurer, sondern im Schöße des Gewerbegerichts selbst gestellt»vurde, und zwar von Unternehmer- und Arbeitervertretern. Der Vorsitzende des Ge- Werbegerichts, Stadtrath Büttner, erklärte sich zu der Ver- Mittelung bereit und ersuchte das Llgitationskonntee der Maurer Leipzigs, zu den Verhandlungen des Einigungsamts drei Maurer zu entsenden. Die Maurer gaben dem Begehren durch Beschluß der am Donnerstag abgehaltenen Versammlung Folge, bestimmten aber, daß die endgiltige Entscheidung über das Ergebniß der Verhandlungen von einer öffentlichen Maurerversammlung ge- troffen werde. Alle Befchlüffe wurden einstimmig gefaßt. Zur Theilnahme an den Verhandlungen des Einigungsamts bestimmte man die Maurer Jacob, Berthold und O r n t h. Im übrigen wurde beschlossen, im Streik zu verharren und die Abreise der Maurer fortzusetzen. Die deutschen'Maurer werden ersucht, den Zuzug nach Leipzig nach ivie vor strengstens zu meiden und auch sonst den 8liisständige» mit ihrer Hilfe bei- zustehen. Von den 900 Streikenden sind die meisten Familienväter. von von Stellmachern nach Nürnberg und Wilster(Holstein); von Vergoldern nach Leipzig-Reudnitz(Firma B.' Große); von Schlagmetall- und Kompositionsschlägern nebst Zurichterinnen nach Fürth; von Malern nach München; von Dachdeckern nach Dortmund und Mainz; von Maurern nach Kelliughuseu, Flensburg, Leipzig, Dresden, Ellrich, Münster, Oldenburg und Laugenbielau. Tie Metallschläger Breslaues ersuchen um strengste Fern Haltung des Zuzugs, da sie heute über acht Tage in eine Lohn- bewegung eintreten werden. In Königshiiite i. Schl. haben die Bildhauer des Stuckgeschästs von R a u e r u. K r 0 l l die Arbeit wegen Lohn- differenze» niedergelegt. Vor Zuzug wird gewarnt. Wegen gleicher Ursache wird ersucht, den Zuzug nach der Möbelfabrik von Otto Moritz in Landsberg a. W. zu unterlassen. Die Bildhauer Sachsens halten vom 3. bis 5. Llugust in Geringswalde ihre diesjährige Telegirlenkonserenz ab. Heber de» Porzellanarbeiter- Streik bei Tielsch u n d C 0. in 8l l t w a s s e r theilt die„Ameise" mit, daß von Mitgliedern des Verbandes der Porzellan- und verwandten Ar- beiter gegenwärtig im Streik stehen und zu unterstützen sind: 110 Dreher, 45 Maler, diverse Branchen 7, zusammen 162 Mitglieder, dazu kommen 23 Magdeburger Mitglieder(Dreher), die von ihrem Verband Unterstütziing nicht mehr bekommen, weil die statutarische Dauer(9 Woche») vorüber ist, außerdem sind 35 Nichtorganisirte(Mädchen und Arbeiter), insgesammt 222 Personen zu unterstützen. 8lnder>veitig untergebracht sind bis jetzt 46 Maler und 23 Dreher. Die Dreher der Fabrik in S t a n 0 w i tz, wo der Unternehmer Tielsch 8l»fträge in Arbeit gegeben hat, sind vom Verbandsvorstand, der die Llnssührung von Arbeiten des Herrn Tielsch durch Arbeiter anderer Fabriken untersagt halte, aus dem Verband ausgeschlossen worden, weil sie sich an dieses im Interesse der Ausständigen gefaßte Gebot nicht gekehrt hatten. Die Scheereuschleiser Soliugeuö haben eine Kommission mit der Llusarbeitnng eines neuen Minimal-Preisverzeichiiisses beauftragt. Bis zum 24. Juni soll es der Organisation dieser Arbeiter, dem Scheerenfeiler-Verein, zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Unter dem Miniiual-Preisverzeichutß soll ferner nicht mehr gearbeitet werden. In Aachen streiken die Llrbeiter der Tuchfabrik Schmitz u. Decker wegen Lohndifferenzen. Die Ziegler bei W e r t h e i m n. E 0. in Brau»schweig haben die Llrbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgeuoinineu Das GewerkschaftSkartcll in Flensburg, das vor drei Jahren gebildet wurde, hat gegenwärtig 28 Kategorien von Arbeitern in sich vereinigt. Seil Bestehen des Kartells organisirten sich die Brauer, Hilfsarbeiter, Lederarbeiter, Erbarbeiter, Barbiere und Bäcker. In einer jüngst im Korrespondenzblatt der Gewerkschaften veröffentlichten statistischen Llusstellung wird die Zahl der orgnnisirlen und der unorganisirten Berufsgenossen der im Kartell vertretenen Geiverkschafieu bekannt gegeben. Buchdrucker, Brauer und Glasarbeiter sind sämmtlich Mitglieder der Organisation; dann folgen die Maurer, Stein setzer und Holzarbeiter, von denen nur eine geringe Zahl nicht orgnnisirt ist. Bei einigen Gewerkschaften läßt sich das Vcr- hältniß nicht feststellen, da 8lngaben über die Anzahl der„wilden" Kollegen nicht gemacht sind. Vo» der Zlinuiercr-Betvcguug in Nürnberg ist zu melden, daß, nach einer Veröffentlichung der„Fränkischen Tages- post" zu schließen, nur 12 Meister die Llrbeitersorderungcn noch nicht unterschristlich bewilligt haben. Ju Wien hatten Ende voriger Woche 30 beim Schleusei bau am Nußdorfcr Sporn beschäftigte Caisson arbeiter die Arbeit eingestellt, weil zwei Arbeiter entlassen worden waren, die einen Caissonmeister beleidigt hatten. Die Streikenden ver- langten darailshiii eine Lohnerhöhuiig von 15 Kreuzern für die Stunde. Der Oberingenieur Titze wußte, daß sich bei den niedrigen Löhne» keine anderen Arbeiter finden, würden und bewilligte schließlich 7 Kreuzer, woraus die Streikenden die Arbeit wieder ausnahmen. Die Zimmer- und Tekorationsinalcr-Kchilfen Wiens beabsichtigen diesen Sommer in eine Lohubeiveguiig«inzutrete». Zuzug wolle man daher fernhalten. Auster in Mera» streiken auch in Mais i» Tirol die Maurer, meist Italiener, um den Zehnstiindcntag. der ihn«» nicht bewilligt worden ist. Die Zahl der Ausständigen in beiden Orten wird aus insgesammt 1600 geschätzt. Tie Ziegelarbciter Lembergs in Galizien haben, wie der Telegraph meldet, den Streik beschlossen, falls ihnen nicht 50prozentige Lohnerhöhung, kürzere Arbeitszeit und die Her- stellung passender Wohnungen zugesichert wird. Ans Ungar». Die Forderungen der streikenden Bäcker Bu'dapest's sind: 1. Zehnstündige 8libeitszeit. 2. Zu Ostern, Pfingsten und zu Weihnachten eine 24filindige Arbeitsruhe, bei lieberstunden- Arbeit doppelter Lohn; strenge Einhaltung der gesetzlichen Vestiinniungen über die Sonntagsruhe. 3. Wöchentliches Kostgeld von sechs Gulden. 4. 20 prozentige Erhöhung des jetzigen Wocheiilohnes. 5. Die Beiträge für den Fachverein<12 Kr.) kann der Meister von dem Lohn in 8lbzlig bringen, auch soll er für jeden Gehilfen drei Kreuzer i» die Kasse des Vereins einzahlen. 6. Reinhaltung der Schlafstuben; für jeden Arbeiter soll ein Bett vorhanden sein. 7. Der Gehilse hat eist eine halbe Stunde vor Beginn der 8irbeit in der Backstube anwesend zu sein. 8. Die Streikvereinbarung der Unter- nehmer vom Jahre 1390 wird außer kraft gesetzt. 9. Die an der Bewegung theilnehmenden Arbeiter dürfen nicht gemaßregelt werden. 10. Tie Gehilfen verpflichten sich, jene Meister, die ihre Forderungen bewilligen, in dem Bestreben, die Schmutzkonkurrenz zu bekämpfen, zu unterstützen. Nach einer Herolb-Depesche haben 85 Meister bereits bewilligt. Das Wolff'sche Bureau giebt an, daß 800 Mann streiken und 300 weiter arbeiten. Nach denselben Quellen sollen in der Donners- tagnacht Bäckergesellen i» größeren Trupps vor die Bäckereien ihrer Meister gegangen sein und dort die Fensterscheiben deniolirt haben, weshalb Verhaftungen vorgenommen worden wären. Ter Bergarbeitcrstreik in Reschitza, der gestern gemeldet wurde, hat an Ausdehnuug zugenommen. 450 Arbeiter des Bergwerks Szekul haben sich ihm angeschlossen. In Ischl haben sämmtliche Tapezirergehilsen die Arbeil eingestellt. Sie fordern 12 Gulden Wochenlohn oder Kost und 6 Gulden. Zuzug ist fernzuhalten. Einen vollständigen Sieg errangen die streikenden G l a s- chleiser von E m. S i m m in Dessen darf bei Gablonz an der Neisse. Zuzug ist fernzuhalten: Von T i s ch l e r nl nach Varel (Tietsens Werkstatt), Konstanz und Marzili in Bern(Firma Coaz); von Knopfdrechslern nach Schmölln i. S.-A.; von Unter großem Andränge deS Publikums, dem der kleine Zuhorerra»»! der VII. Strafkammer keineswegs genügte, wurden :stern die Verhandluiigeii in dem Prozesse gegen den Stadtv. ){ i e ni e r, den Redakteur Gtfitteficn und den Schrift- teller Fritz Engel fortgesetzt. Als Vertheidiger sind wiederum die R.-A. Hnge Sachs, Masse und Justizrath Kleinholz zur Stelle. Den Verhandlungen, die vom Landgerichts-Tirektor Voigt geleitet werden, wohnt u. a. der Ober-Staatsanwalt Drescher bei. Außer den schon im ersten Termin vernommenen ind noch zahlreiche neue Zeugen geladen, darunter viele Primaner des Königstädtischen Gymnasiums. Tis schier endlose Zeugenansnahme ergiebk wenig des Interessanten. Während eine Reihe Schüler behaupten, daß namentlich der Herr Dr. Heutig mit ihnen'gemauschelt und unschickliche 8tnspielungeii auf das Judenthum gemacht habe, können andere Schüler nichts Derartiges be- künden. Tie Lehrer verwahren sich dagegen, in die Schule 3lntisei»itisnius hiueingetrageil zu haben. Folgende Bei- spiele mögen angeführt sein: Ein Zeuge B Olper bekundet, daß Dr. Evers oft aus die Juden geschimpft habe.— Ein Buch- revisor Kiepe, der früher zwei Söhne aus dem Gymnasium hatte, bezeugt mit großer Bestimmtheit, daß er aus allem, was er von seinen Söhnen erfahren tund auch selbst auf Spiel- Plätzen ic. wahrgenommen habe, daß im Königstädtischen Gymnasium der antisemitische Geist den Schülern ein« geimpft werde.— Es werden dann noch eine ganze Reihe von Schülern vernommen, groß und klein, aus Prima und aus Quinta. Einzelne bekunden, daß Dr. Heutig manchmal aus Scherz gemauschelt und den Kindern Spitznamen gegeben habe, andere wissen, daß er sehr beliebt und jovial ist, wieder andere haben gehört, daß er statt Salomon„Schamuel" gesagt, von „Mazzebäcker" gesprochen habe:c. Daß Dr. Heutig jetzt noch haut, wußte niemand zu bekunden. In dieser Weise geht die Zeugenausnahme weiter. Zwei„Stützen von Thron und Altar", der Ritterguts- besitzer Richard Gröger aus Nagradowice und der Ritterguts- besitzer und Landwehr- Premierlieutenant Karl Mikulski aus Siekierke, stauten dieser Tage vor der Posener Strafkammer unter der Anklage gegenseitiger schwerer Körperverletzung. Die beiden„Nothleidenden", die sich seit längerer Zeit mit einander verlnurrt hatten, trafen am 8ibend des 4. Dezember 1893 auf dem Hofe des Hi'ittner'schen Hotels zu Schroda zusammen. Nachdem sie einige Worte gewechselt hatten, gab Gröger dem Mikulski eine Ohrfeige. Letzterer zog seinen Revolver aus der Tasche, woraus Gröger ein gleiches that. Beide feuerten nun mehrere Schüsse ab, wer zuerst geschossen hat, konnte mit Bestimmtheit nicht festgestellt werden. Gröger wurde am linken Unterschenkel, Mikulski im rechten Oberschenkel ge- troffen. Beide Verletzungen waren sehr schwer, Mikulski schwebte einige Zeit in Lebensgefahr. Noch jetzt ist er schwer krank und muß sich zweier Krücken bedienen. Gröger ist außerdem wegen Hausforderuiig zum Zweikampf mit tödtlichen Waffen angeklagt. Er hattte nämlich durch den nütangellagten Arzt Dr. Brumme aus Breslau im November 1893 den Ritterguts« besitzer Bleeker- Kohlsaat auf Slupia fordern lassen, weil dieser angeblich in einer Kreistagssitzung, als es sich um die Wahl in verschiedenen Kommissioiien handelte, den Antrag gestellt, hatte, Gröger nicht mehr wiederzuwählen. Nach einer umfang- reichen Beweisaufnahme wurde Gröger von der Anklage der Körperverletzung freigesprochen, weil Roth wehr angenommen wurde. Mikulski kam auch sehr glimpflich weg, er wurde zu 300 M. Geldstrafe, Dr. Brumme zu einem Tage Festungshaft ver- urtheilt. Kröger erhielt wegen Heraussorderung zum Zweikamps eine Woche Festungshast. Das trübe Kapitel vom Gcrichtsstaude der Presse hak eine neue Bereicherung durch ein Reichsgerichts- Erkenntniß erfahre». Vom Landgerichte O l d e n b 11 r g i. Großh. ist am 20. März der Redakteur Georg Horn in Löbtau bei Dresden wegen Beleidigung der Polizei von Oldenburg zu fünf Monaten Ge- sängniß verurtheilt worden. Ter Angeklagte ist Redakteur des „Fachgenossen", Organs der Glasarbeiter, und hatte im No- vcmber v. I. in beziig aus den Glasarbeiter-Streik in Oldenburg ist seinem Blatte gesagt, daß die staatlichen Behörden die Repräsen- laute» des Kapitals begünstigen und daß die Polizei sich in den Dienst des Kapitals stelle. Da von dem Blatte des 8lngeklagteii eine größere 8Iiiznhl von Exemplaren nach Olden- bürg gelangen, so nahm das Landgericht Oldenburg auf grund wiederholter Entscheidungen des Reichsgerichtes seine Zuständig- keit zur Aburtheilung dieser Strafthateu a».— Die Revision deS Lliigeklagten stützte sich hauptsächlich auf die Behauptung, daß die vorgebrachten Thatsachen keine Beleidigung enthielten, da ja die gesummte jetzige Gesetzgebung auf den Schutz derJnter- essen der besitzenden Klassen hinauslaufen und die Polizei nichts gethan habe, was sie nach den üblichen Anschauungen in der öffentlichen Achtung herabsetzen könne, wenn sie die Repräsen- tauten des Kapitals begünstigt habe.— Das Reichsgericht er- kannte auf Verwerfung der Revision. Obcr-Nertvaltuugsgericht. Ter Wandergewerbeschein ist nach§ 57 der Gewerbeordnung(Absatz 4) zu versagen, wenn der Nachjuchende wegen gewohnheitsmäßiger Llrbeitsscheu, Bettelei, Landstreicherei, Trunksucht übel berüchtigt ist. Eine der- artige üble Beleumundung ist nun nach einer am 13. Juni gefällten Entscheidung des 3. Senats des Ober- Ver- waltuiigsgerichts nur dann ein Grund für die Versagung dcs Waiidergcwerbcscheins, wenn sie zur Zeit des Nachsuchens desselben noch besteht. Der Senat hob unter Festsetzung vorstehenden Grundsatzes das Urtheil des 5tölner Bezirksausschusses auf, welches auf die Klage des Handels- mannes Hamburger erkannt hatte, daß ihm mit Recht der Schein für 1895 versagt worden sei. Dieses Urtheil stützte sich nämlich auf die polizeiliche Auskunft, daß Hamburger vor so und so viel Jahren einige Male wegen Vergehen bestraft wurde, wie sie der§ 57 der Gewerbeordnung in seinem 4. Absatz als Grund zur Versaguiig des Wandergewerbescheines ansührt.— Die Sache wurde an den BezirkSaiisschnß zurückgewiesen. Oetiesirsietr. Wolff's Telcg.aphen-Bureau. VrcSla», 14. Juni. 8lm gestrigen Nachmittage um 6 Uhr fand das imposante Massenbegräbniß der Antonienhütter Gruben« opfer statt. 17 unisormirte Belegschaften waren aas ganz Oberschlesien mit 16 Fahnen zu der Bestattungsfeier er- schienen, an welcher Gesang-, Krieger-, und Turnvereine sich be- theiligten; insgesammt nahmen weit über 1000 Personen theil. Fürst Hatzfeld ließ durch den Landrath von der Goltz einen pracht« vollen Kranz niederlegen. Daß Begräbniß erfolgte aus Kosten des Grubenbesitzers Grasen Henckel von Donnersinarck. Es wird mit Ausbietung aller Kräfte gearbeitet, um die noch vermißten 11 Bergleute zu tage zu fördern. (Tcvescheu-Rurean Herold.) Trier, 14. Juni. Dr. Gottlob, Slrzt an der Irrenanstalt zu Merzig, ist zum Direktor der Krankenanstalt Mariaberg be« rufen worden. Aachen, 14. Juni. Für morgen wird der Ankunft des Landesdirektors Klein entgegengesehen, welcher den 8luftrag hat, die Bedingungen für die Uebernahme der Krankenanstalt Maria- berg durch die Laudesverwaltiing festzustellen. Wie«, 14. Juni. Nach Meldungen ans Rovigno hat sich daselbst ein großer Unglücksfall zugetragen. Zur Beerdigung eines jungen Mannes hatten sich etwa 100 Verwandte und Be- kannte im Trauerhause eiiigesunden. Während der Schließung des Sarges, um welchen die Leidtragenden Ausstellung geiioiiimen hatten, stürzte plötzlich der Zimmerboden ein und riß alle mit in die Ties«. Das Todesröcheln und Hilfegeschrei der Verschütteten machte einen entsetzlichen Eindruck. Sofort wurde mit den Rettungsarbeiten begonnen. Bis jetzt wurden 14 Tobte, 27 schwere und 50 leicht Verletzte ans den Trümmern geborgen. In Rcvigno herrscht über dieses große Unglück nicht geringe 8lus« regmig. Rom, 14. Juni. Der Prokurist der Banea Jtalia, sowie dessen 13jähriger Sohn wurden während eines Spazierganges bei Sassari von den Brüdern Marzettu ermordet. Das Motiv zu dieser That ist unbekannt. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin,&W., Beuthsiraße 2. Hierzu eine Beilage, Beilage zum„Vomiirts" Berliner VoWlatt. Ur. 137. Somrabend, de» 13. Inn» 1893. 12. Jahrg. Loksles De» Mitglieder» deS sozialdcmokratische« Wahlbereins für den dritten Berliner Reichstagsivnhlkrels zur Nachricht, daß morgen, Sonntag, den 16. Juni, ein Familienausflug»ach Cchmargendorf stattfindet. Treffpunkt 11 Uhr im Lokal„Sans- soua", Schmargendorf. Der zum Polizeipräsidenten bou Berlin ernannte Etettlner Polizeidirektor, Herr von Windheim, zählt noch ver- hallnißmäßig wenig Lenze. Er ist 1657 zu Gr. Oscherslebcn geboren und nach der„Köller'schen Korrespondenz" 1879 zum Gerichtsrefcrcndar. 1881 zum Regierungsrefereudar und 1384 zum Regierungsaffessor ernannt worden. Nachdem er im Januar 1886 mit der kommissarischen Verwaltung des Landrathsamts Ragnil betraut worden war, wurde er im Juli desselben Jahres Landrath des Kreises. 1394 wurde er zur kommissarischen Be- schästigung ins Ministerium des Innern einberufen und im April 1695 zum Polizeipräsideuten in Stettin ernannt, von wo er nunmehr scheidet, um das Berliner Polizeipräsidium zu iibev nehmen. � Obgleich man von dem bisherigen Wirke» des neuen Polizei- Präsidenten bisher»och wenig wußte, bemüht sich die bürgerliche Presse zum theil schon, vor dem neuen Herrn einher zu schar- wenzelu. Tie„Staatsbürger Zeitung", die um Herrn v. Nicht- hosen Thränen vergossen hat, rühmt an Herrn v. Windheim, daß er Korpsbruder des Kaisers ist und nennt ihn einen hervor- ragend befähigten Beamten, der durch die liebenswürdige vor- nehme Art seines Austretens sich im dienstliche», wie außerdienstlichen Verkehr stets hohe Sympathien zu erwerben verstanden hat. Das Blatt hofft vielleicht, daß der neue Polizeigewaltige seine Redakteure ebenso wenig mit Preßbeleidigungsklagcn be- helligen werde, wie es Herr v. Richthosen gethan, unter dem— man denke an den Gunimischlaucliprojeß— außer der sozialdemokratischen selbst die liberale Presse bei jeder nur möglichen Gelegenheit unter Anklage gestellt wurde. Das„Berliner Tage- blatt" weiß die Wichtigkeit zu berichten, daß Herr v. Windheim sich der besonderen Werthschätzung des Kaisers Friedrich zu er- freue» hatte. Um hinter anderen Blättern nicht zurückzubleiben, loben die Bismärckischen„Neuesten Nachrichten" an dem neu- ernannten Beamten, daß er eine sehr stattliche Erscheinung sei und sich in vornehmen Umgangsforme» bewege. � Wenn Herr v. Windheim nicht schon aus seiner Berliner Thätigkeit her von dem Werth derartiger Preßtribute eine Ahnung hätte, so müßte er, je nach seinen Geistesgaben, ent- weder von sich eine sehr hohe oder von dieser Sorte Blätter eine sehr geringe Meinung bekommen. AuS dem städtische» Kraukenhanse am Urban geht uns em Klageruf zu, welcher berechtigte Beachtung verdient. Der Pavillon IX genannter Heilanstalt dient zur vornehmlichen Unterbringung schwer erkrankter Personen, die infolge ihres Zu- standes naturgemäß die größte Rücksichtnahme zu beanspruchen haben. Ueber den Mangel einer solchen wird aber lebhaste Klage geführt. I» nächster Nähe des gedachten Pavillons be- findet sich nämlich eine— Schmiedciverkstatt, die Ansialts- schmiede, in welcher unausgesetzt gearbeitet, gehämmert und ge- klopft wird. Erscheint schon an und für sich das Vorhandensein einer derartigen Werkstatt in einem Krankenhause mindestens befremdend,_ so muß die Unterbringung derselben in nächster Nähe eines Pavillons für" Schwerkranke»och mehr befremden, da begreiflicherweise das Geräusch einer Schmiedewerlstatt von Schwerleidendcn in unangenehmster Weise empfunden werden muß. Sollte schon die Unterbringung einer Schmiede im Krankenhause nicht zu umgehe» sein, so wäre doch eine derartige Unterbringung wohl am Platze, daß die Kranke» durch die in der Schmiede entfaltete Thätigkeit in keiner Weise beschwert werden. Ter Aerztekonflikt im Kraukeichanse FriedrichShaiu. In der viel besprochenen Angelegenheit der Assistenzärzte des städtischen Krankenhauses Friedrichshain�hat die Deputation für die städtischen Krankenanstalten(der vier Magistratsmitglicdcr und acht Mitglieder der Stadtverordneten- Versammlung an- gehören) mit großer Mehrheit beschlossen, die Kündigung sämmt- licher betheiligten(11) Assistenzärzte zum 1. f. M. aufrecht zu erhalten. Wie verlautet, soll jetzt den Gekündigten jedoch ge- stattet sein, sich um die erledigten Stellen wieder zu bewerben, und es soll über ihre Wiedcrzulassuiig von Fall zu Fall Ent- scheidung getroffen werde». Die Schatlspieler sind kein Gesinde tnchr. Wenigstens in der Theorie des Polizeipräsidiums nicht, das die Theater- ogente», wie noch erinnerlich fein dürste, vor einiger Zeil zur Gesindebuchführung verpflichtet halte. Die»achstchende Polizei- liche Bekanntmachung setzt die Bühnensllavcn wieder in den „vorigen Stand" ein:„Den Stellenvcrmittlern für Bühnen- angehörige(Theateragentcn) ist gestattet, in de» Ueberschriften der nach Schema B und C eingerichteten Bücher die Worte„Ge- findevermicther und Stellenvermittler" durch„Thealeragent", „Dienstherr" durch„Theaternnteruehmer",„Gesinde" durch „Bühnenangehörige" und„Lohn" durch„Gehalt" zu ersetzen. In der Praxis bleibt bekanntlich der Zustand bestehen, daß das Bühueupersoual ebenso arg und noch ärger behandelt und ans- gebeutet werde» darf wie die Hanssklaven. Folgende» Fall zur Jrreurechtspflege erzählt die„Deutsche Tageszeitung" wieder, mit dem Anerbieten, ihn näher zu erhärten: „Eine junge Frau, die nicht im stände ist, ihr Kind selber zu er- nähren, und die das Kind infolge der künstlichen Ernährung schwer erkranken sieht, fühlt sich sehr unglücklich und melancholisch (wie viele Frauen würben in gleichem Falle ebenso fühlen) und wird von ihrem Manne, mit dem sie nicht immer in Friede» lebt, in eine Anstalt gebracht. Hier wird sie gegen Pension verpflegt und dann nach einiger Zeit als„gebessert" entlassen. Der Mann hat inzivischen das erste Kind der Frau, an dem sie sehr hängt, von Berlin nach Breslau entführt. Die Frau reist nach Breslau, und bei ihrer Rückkehr hierher wird sie auf Ver- anlassnng ihres Mannes sofort von dem ersten Assistenten einer anderen Privatanstalt in Empfang genommen und in eben diese zweite Anstalt entführt. Tie Ausnahuie in die_ Heilanstalt geschah wider Wille» der Frau, ohne behördliche Anweisung und ohne Physilalealtest.— Hier war das Einsperren der angeblich Kranken, das Einnähen i» nasse Tücher ein scheinbar nicht unbeliebtes Mittel. Tie Frau trägt heute noch die Narbe» der in jener'Anstalt erhaltenen Verletzungen.— Während die Frau nun in der Edel'schen An- stall war, beantragt ihr Mann das Entmündigungsversahren. Es wird ein Gerichtstermin angesetzt, und in diesem Termin unterwirft der zugezogene Gerichtspbysikus die Frau einen, Ver- hör, nach dessen Abschluß er augeblich nicht zu einem sicheren Urtheil über den Gesundheitszustand der Frau gelangen kann, ohne noch weitere Zeugen über den Charakter, Geisteszustand, Lebensweise und das Verhältniß der zu Erkundigenden zu ihrem Mann vernommen zu haben.— Obgleich dann diese Zeugen ent- schieden zu gunsteu der Frau aussagen, giebt der amtsbeeidigte Gerichtsarzt unter Berufung auf seinen Amlseid das„nwti- virte" Gutachten ab, die Frau sei geisteskrank und unvermögend, die Folgen ihrer Handlungen zu überlegen.— Und dieser Arzt war Dr. Mittenziveig. Die Frau wird entmündigt, ohne daß sie etwas sicheres davon erfährt. Später gelingt es der Frau, ihre Entlassung aus der Irrenanstalt zu erzwingen. Jetzt setzt sie durch einen Rechtsanwalt die Anstrengung eines Verfahrens auf Anfechtung ihrer Entmündigung, ein zweites auf Aushebung der Entmündigung durch und erzielt in beiden Fällen obsiegende Erkenntnisse. Das Gericht beschließt in der zweiten Klagesache, daß die Frau zur Zeit geistig gesund ist, in dem anderen Falle stellt es fest, daß die Frau auch zur Zeit ihrer Entmündigung nicht blödsinnig gewesen ist. Von dem Gutachten des Arztes heißt es in dem Erkenntniß,„daß es ihm an genügender Unter- läge gefehlt habe"! Die Edel'sche Anstalt ist bekanntlich diejenige, aus der auch wir am 17. November 1893 einige Bilder vorgeführt haben, die in der demnächst gegen uns stattfindenden Prozeßverhandlung noch einmal aufgerollt werden. Tie Juspektio» des TameubadeS. Der„Voss. Ztg." wird geschrieben: Während der Badezeit für Frauen(vorniillags 16 Uhr) forderte kürzlich die Badefrau die Damen, die sich im Schwimmbecken der städtischen Badeanstalt in der Thurmstraße in Moabit befanden, auf, das Becken auf einige Zeit zu ver- lassen und sich in ihre Anklcidezellen zu begebe», da die Anstalt von einige» Herren besichtigt werden würde. Die Damen fügte» sich diesem sonderbaren Vcrlaiugen und blieben während der fünf Minuten dauernden Besichtigung in ihren Kabinen, worauf das Baden wieder freigegeben wurde. Als Gatte einer der i» Mitleidenschaft gezogenen Damen übermittele ich Ihnen dies Vorkommniß mit der Bitte um Veröffentlichung. Ohne das Zeugniß meiner Frau und einer anderen mir bekannten Dame erschiene mir der Fall fast unglaublich. Ich denke, es wäre an- gemessen gewesen, die Besichtigung in der Zeit vorzunehmen, wo die Männer baden. Ter Rixdorfer Arbeitsnachweis. In der am Donnerstag stattgefundenen Sitzung der Rixdorser Gemeindevertretung sollte das Kuratorium für den von der Gemeinde zu erichtenden Arbeits- Nachweis gewählt werden, wobei sich ergab, daß die Meinungen darüber, auf welche Weise dasselbe zusammengesetzt sein soll, weit auseinander gingen. Verschiedene Mitglieder wollten nur Mitglieder der Gemeindevertretung gewählt wissen, während andere auch außerhalb der Vertretung stehende Einwohner, namentlich auch Arbeitnehmer wählen wollten, doch sollte die Wahl durch die Gemeindevertretung erfolgen. Unsere in der Gemeindevertretung sitzenden Genossen beantragten, die Wahl des Kuratoriums in öffentlichen Versammlungen vorzunehmen und die Gewählten der Gemeindevertretung als Kandidaten präsentiren zu lassen. Eine Einigung war nicht zu erziele» und so wurde die Sache behufs weiterer Vorbereitung nochmals an eine Kommission verwiesen, bestehend aus den Gemeinde-Berord- neten Rechnungsrath Marggraf, Maurermeister Thiemann und unserem Genossen S eh e n k. Ter bisherige Niuhtwächterdienst in de» Polizeirevieren Nr. 6, Lllbrechtstr. 17; Nr. 6, Elsafferstr. 44; Nr. 7, Tiecksir. 18; Nr. 11, Invalide» sir. 144; Nr. 12, Noscnthalerslr. 3; Ar. 13, Gr. Hamburgerflr. 13/14; Nr. 15, Alte Schöuhauserstraße 5; Nr. 62, Zehdenickerstr. 12c, wird nach einer gestern veröffeut- lichten Bekanntmachung des Magistrats vom 1. Juli an aufhören und von der Polizei übernommen werden. CchifffahrtS-Kaiial iu den Köttuischen Wiese». Schon bei der vor ca. 16 Jahren erfolgten Separation der Köllnischen Wiesen tauchte das Projekt auf, zwischen Maybachuser und Berliner Ringbahn einen Stichkanal anzulegen, welcher in den Berliner Schifsfahrts-Kanal einmünden soll. Die Gemeinde Rix- dors war damals so vorsichtig, sich das für eine solche Anlage erforderliche Terrain zu sichern und will nunmehr auch an die Ausführung des Projektes gehen. Die Kosten hofft man durch Adjazeiiteii-Beiträge und einen Staatszuschuß auszubringen. Vor Einleitung weiterer Verhandluiigcn soll bei der Regierung ange- fragt werde», ob dieselbe im Prinzip mit der Einführung des projeklirten Kanals in den Schifssahrls-Kanal einverstanden wäre und auf massive Ufermanern verzichten würde. Nach Eingang der Antwort sollen dann sofort die Adjazenten znsainmenberufen werden, um sich wegen der Uebernahme von Beiträgen zu erklären. Mit einem Defizit in Höhe von 16 133 M. schließt das verflossene Rechirnngsjahr der Gemeinde R i x d o r f ab. Hervor- gerufen ist der Fehlbetrag hauptsächlich durch die außcrordeut- liche Vermehrung der Armenlasten infolge des vergangenen langen und strengen Winters. Die Ausgaben des Armenfvnds überschreiten den etatsmäßigen Anschlag um 19 515 M. Trotzdem giebt es bekanntlich noch viele Leute, welche an keine» Nolh- stand glauben. Paukowcr Fernsprcchschmerzcn. Herr Ober-Postdircktor Griesbach sendet uns zu der einem Vorortblatt entnommenen Mit- theilung eine Zuschrift folgenden Inhalts: Die in Nr. 134 des Vorwärts vom IL. Juni unter der Spitzmarke Pankower Fern- sprcchschmerzen enthaltene Mitlheilung, wonach ei» Restaurateur in Pankow sich vor kurzem geweigert haben soll, den vollen Vc- trag der ihm von der Obcr-Posidirektio» zugestellte» Ferusprcch- Rechnung zu entrichten, weil die Ober-Posldirektion den ver- sprochene» Leistungen nicht genügt habe, und daß die Ober-Post- direktion einen Prozeß gegen den obengenannten Restaurateur ver- loren habe, entbehrt im vollen Umfange der Begründung. Diese Berichtigung ist ei» bischeu undeutlich. Sie gehl auf die Materie an sich nicht ein und läßt völlig im unklaren darüber, ob die Pankower Fernsprechzustände den in die Presse gebrachten Schilderungen entsprechen. Und darauf kommt es zum wesent- lichsten an. Zu dem Brande i»i Viktoria-Speicher in der Köpenicker- straße tragen wir»och folgendes nach: Der durch den Brand verursachte Schaden ist ganz enorm; auf dem Speicher lagerten mehr denn hunderttausend Zentner Lumpen, und der Gesanuut- werth der durch das Feuer niedergelegten Maaren und Baulich- keiteu beträgt 1 460 606 M.. welche Summe übrigens durch Vcrsicheruugsgesellschaslen gedeckt ist. Die Ent- stehungsursache des Brandes ist nicht ermittelt, sie dürfte jedoch auf Eelbstentzündimg von Lumpen zurückzuführen sein. Zum Ausbruch gelangte das Feuer nicht, wie anfänglich ge- meldet, im Hause Köpenickerstr. 21, sondern in der vierten Etage deS Speichers in der Nähe des Maschinenraumes, in welchem sich zwei Dampfmaschinen befände». Durch Einsturz des aus der Westseite belegenen Auszuges wurde die Kellerwölbung durch- schlage» und die in diesen lliäumlichkciten aufgespeicherten Papier- vorräthe entzündet. Fünf Minuten später bildete das ganze Gebäude ei» Flammenmeer. aus welchem sich die in den unleren Räumlichkeiten zur Zeil beschäftigten Sortirer und Sortireriuneu, zirka 46 an der Zahl, nur mit Mühe retten konnten. Von den durch den Einsturz der östlichen Mauer verwundeten fünf Feuerwehrleuten sind die Feuerwehrmänner Plötz und Pilke nach dem Krankenhause Bethanien überführt worden. Wie wir erfahren, sind Knochen- brüche bei keinem der Verlctztcn zu verzeichnen und Herr Branddirektor Giersbcrg, der»och»> der Nacht persönlich an denr Leidenslnger seiner braven Untergebenen vorsprach, erhielt von den Aerztcn die beruhigende Mittheilung, daß eine unbedingte Lebensgesahr nicht vorliege. In der Nacht wurde übrigens noch ein kleiner, östlich von dem brennenden Gebäude bclcgcner,gleichfallS mit Lumpen gefüllter Schuppen vom Feuer erfaßt und ging in Flammen auf. Freitag Vormittag mußte noch mit sechs Schlauchen unausgesetzt in die brennenden Trümmermassen Wasser gegeben werden. Mit den Aufräumungsarbeiten, die sich voraussichtlich bis Mitte nächster Woche hinziehen dürsten, konnte erst heute gegen 11 Uhr begonnen werden, nachdem die noch stehen ge- bliebenen, dem Einsturz nahen Mauern niedergerissen waren. Durch den Einsturz der nördlichen Mauer in die Spree ist der Fluß an der Landungsstelle unpassirbar geworden; die Stelle muß erst ausgebaggert werden. Durch den Brand wurden etwa 160 Telephonleitungen zerstört, doch sind diese am Freitag früh wieder erneuert worden. An der Waiseubriicke ist am Freitag Nachmittag um halb vier Uhr der 12jährige Sohn Karl des Restaurateurs Tietze beim Spielen in die Spree gefallen und ertrunken. Obgleich der Unglücksfall sofort bemerkt wurde, blieben die angestellten Rettlingsversnche ohne Erfolg. Die Leiche des Kindes ist noch nicht gefunden worden. Ter Vorfall mahnt aufs neue daran, an der gesährlicheu Stelle den Kindern das Spielen überhaupt zu verbieten. Durch einen TouiitagSreiter ist am Donnerstag Abend um 6 Uhr die 67 jährige Frau Ernestine Staberei, die Wittwe eines Schiffers, schwer zu Schaden gekommen. Die Frau, die in der Behrenflraße wohnt, wollte die Straße Unter den Linde» überschreiten, als auf dein Reitwege ein Mann die Gewalt über sei» Pferd verlor. Sie wurde umgeritten und ani Kopse erheblich verletzt. Ein Schutzmann brachte die Verunglückte in ein Kranken» Haus. Der Sonntagsreiter, der seines Pferdes gar nicht Herr war und schon länger die Gegend unsicher gemacht hatte, wurde polizeilich festgestellt, da ihn allein die Schuld trifft. Ter Blut- und Leichenbund. Die Polizei zu London hat an die hiesige Kriuiinalpolizei ein photographisches Gruppenbild geschickt, welches 18 Mitglieder des„Blut- und Leichenbundes" darstellt. Die photographirten Personen sind ausschließlich deutsche Verbrecher und Zuhälter, denen hier der Boden zu heiß geworden ist und welche in London einen Klub gebildet haben. Vier von ihnen werden von den hiesigen Behörden verfolgt. Läßt sich nicht ein bische» Anarchismus in den Blut- und Leichenbuud hineinbringe»? Herr Nosier, Schillingstr. 11 thcilt uns zu der Mitlheilung in der Nr. 135, wonach ein Arbeiter durch eine Tampswalze schwer verletzt worden ist, berichtigend mit, daß die Maschinen nicht sein Eigenthum, sonder» im Besitze der Stadt seien. Herr ßiosier hat selber»ur das Maschinenpersonal zu stellen. Zum Glück lasse der einfache Bruch des Vorder» arnis mit ziemlicher Sicherheit auf eine baldige Heilung schließen. Die Funktionen des Lenkers und der Maschinisten seien an der Tampswalze übrigens vollkonnneu von einander ge- trennt und nach Befund der Sache sei dem Maschinisten keinerlei Schuld an dem Unglücksfall zuzumessen. Ter Mann au der Rtaschine sei seit Jahren mit dem Betriebe vertraut und in der Werkstatt des Herrn Nosier thälig. So Herr Nosier. Ein Einbruchsdiebstahl ist in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch auf den» Bahuhose zu Weißensee verübt worden. Diebe erbrachen dort im Vorflur eine Verkaufsbude und erbeuteten mehrere Kisten Zigarren und etwa 40 M. baar Geld. Geschädigt sind die Zigarrenhändler Wollen und Krause aus Berlin, Unter den Linden Nr. 10. Von den Thatern sehlt jede Spur. Eine 77jähr!ge Witilve, Frau Eva Borkenhagen, Lausitzerstraße 36, hat sich am Donnerstag Abend uin ll>/s Uhr das Lebe» genommen. Die Frau stürzte sich, wie gemeldet wird, in> geistesschwachen Zustande aus einem Fenster ihrer Schlaf- stelle, die im dritten Stock lag, auf den Hos hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod sofort eintrat. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Aus Tchlvcrmuth hat der 34jährige Metalldn'icker Pank Lehmann aus der Kottbnserflr. 15 seinem Leben gewaltsam ein Ende gemacht. Dem Alaune ging die Geisteskrankheit seiner Frau so sehr zu Herzen, daß er, als sie aus der Charitee, in der sie sich seit längerer Zeit befand, nach Dalldorf gebracht werden sollte, in seiner Wohnung erhängte. Mitbewohner des Hauses fanden ihn am Donnerstag als Leiche aus. Gesucht wird eine geistesschwache Frida Zenz, die seit Dicustag verschwunden ist. Das 19jährige Mädchen hat gegen 6 Uhr abends seine Wohnung verlassen und irrt wahrscheinlich umher. Tie Vermißte hat dunkles Haar, blaugraue Augen, eine große Nase und schlechte Zähne. Sie ist schlank gewachsen und trägt einen schwarze» Rock, eine blau-weiße Taille und Knöpf- stiesel. Polizeibericht. Am 13. d. M. morgens wurde am Schone- berger Ufer, unter der Uebersührung der Potsdamer Bah», in einem Sandkasten die Leiche eines anscheinend gleich nach der Geburt erdrosselten Kindes aufgefunden.— In der Brückeustraße fiel vormittags ei» 11 jähriger Knabe' hin und zog sich eine Ver- letzung am Oberschenkel zu.— Nachmittags wurde am Pariserplatz eine Frau überritlen und an der Stirn bedeutend verletzt.— Bei einer Schlägerei aus dem Ackerlande an der Reiuickendorser- und Seestraße wurden zwei Arbeiter erheblich verletzt.-- Abends wurde ein Mann iu seiner Wohnung, i» der Pnttbuser- straße, erhängt vorgesunde».— In der Orauienstraße fand ein Zusammenstoß zwischen einem Geschäftswage» und einer Droschke statt, bei dem der Droschkenkutscher vom Bocke geschleudert und innerlich anscheinend schwer verletzt wurde.— Ei» zweijähriger Knabe fiel aus dem Fenster der iu der Rathenowerstraße im vierte» Stocke belegenen Wohnung seiner Eltern auf den Hof hinab und verstarb auf der Stelle.— In der Nacht zum 14. d. M. sprang eine Frau aus dem Fenster ihrer Wohnung in der Lausitzer- straße.auf den Hof hinab und fand sofort den Tod. Witternugöübersicht vom 14. Juni 1893. Weiter-Proguosc füv Tvuuabeud, 15. Jnui 1893. Ein wenig wärmeres Wetter mit schwachen westlichen Winden, veränderlicher Bewölkung und leichten Regensällen. Berliner W e t t e r b u r e a u. DctTaminluittteiu Arbciter-Tiingerbnnd Berlins nub U m liegend. Am ©pimfng, den 9. Juni, fand im Nebensaale'der Brauerei „Friedrichsham", während im großen Saale die Uebungsstunde abgehalten wurde, eine außerordentliche Ausschußsitzung statt. Die Diskussion über das diesjährige Sängerfest endigte damit, daß von den beiden vorgeschlagenen Orten— Pichelsdorf und Schloß Wcißensee. der letztere vorgezogen wurde. Wenn auch im allgemeinen anerkannt ist, daß die Brauerei Pichelsdorf den Vorzug verdient, so wurde doch in Erwägung gezogen, daß die Fahrverbindung nach Weißensee eine günstigere ist in anbetracht der starken Betheiliguug. Im übrigen entspricht Schloß Weißens« mit Nebeupark vollkommen den Anforderungen. Be- schlössen ist: das Sängerfest findet am 21. Juli von früh 3 Uhr an in Schloß Weißensee(Sterueckcr) statt.— Ein Gesuch eines gemaßrcgelten Vereins in Sachsen, dessen 26 Mitglieder nach der Auflösung insgesamnit 309 M. Strafe inkl. Kosten zu zahlen haben, um eine Sammlung resp. Unterstützung, wurde dem Vor- stand zur Prüfung resp. zur Siegelung überivicsen. Tie öffentliche Versammlung der Schuhmacher, welche sich am Mittwoch in Kcller's Lokal, lioppeustr. 29, mit dem wegen bedeutender Lohnabzüge erfolgten Streik in der Schuhfabrik von Male et, Landsbergerstr. 82, beschäftigen sollte, wurde sofort nach ihrer Eröffnung von dem übcrivacheuden Polizei- beamte» auf grund der ßZ 1 und 5 des preußischen Vereins- und Versammluugsgesetzes aufgelöst; nach Ansicht des Herrn Lieutenants war die eine Stunde Frist, welche zwischen der Zeit der Anmeldung und Eröffnung einer Versamnmmg verstreiche» darf, um eine Minute überschritten.— Wie unser Berichterstatter durch den Einberuser erfuhr, ist übrigens der Streik zu g u n st e n der Arbeiter beendet; nach wiederholten Verhandlungen bequemte sich dersFabrikant zur Wiedernusbesserung bezw. Zahlung der früheren Lohnsätze. Hierdurch erübrigt sich die Einberufung einer ziveiteu Versammlung. Die Barbiere(Gehilsen) erörterten in ihrer öffentlichen Versammlung vorn Donnerstag Abend die Arten der Agitation für die Forderungen an die Unternehmerschaft; der Siefereut S i m s o n kam zu dein Schlüsse, für dieses Jahr von weiteren Schritten abzustehen, da ein vollständiger Erfolg kaum noch zu erzielen sei. Andere Redner vertraten die entgegengesetzte Ansicht. Auf Antrag H e l b i g wurde beschlossen, dureh Aufrufe an die Arbeiterschaft diese für die Forderungen zu inreressiren.— Die Agitationskommission wurde aus den Kollegen Klees, Schlettke, Lange und K a t s ch e v i u s gebildet. Die Konnuission wurde verpflichtet, mindestens dreimal im Jahre Bericht zu erstatten. In die Gewerkschasts- Kommission wurde Friedrichs delegirt. Frelreiigiöi'« Soimtaq, den ia. Juni, vormittags ej Uhr, Rosen thalernr. 38: Vortrag des Herrn Tr. Bruno Wille über: Dte Grundsätze der Eemeinde. Um io| nijr vonniltoas ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille: Nietzsche. Ethische o-esellschnst. Sonntag, de» IL. Juni, abends 8 Uhr, in Cobn's gesisälcn l großer Saal), Bcuthstr. 20; Versammlung. Bortrag des Genossen Wittich aus Leipzig über: Bauern und arme Leute zur Zeil der deutschen Nesor, Nation.— Die Bibliothek befindet sich bei Gärtner, Molkeustraße 12 kam Molkenmarkt), geöffnet Sonnabends von g— 10 Uhr. Santarlieriinrs»« der Arbeiter und Arbeiterinnen Sonntag, den is. Juni, nachmittags 3 Uhr, bei C. Schulz, Friedrtchsselde, Prinzen-Äliee c. Spiele und Uebung in der asten Hilfe unter Leitung verschiedener Aerzle im Schloß- park daselbst. zand«i»a»»I'chaft der Kchleawig- Kolstetiier I» Berlin. Vorstands- sltzung am Sonnlag. den lo. Juni, vorniittags 8 Uhr, beim Landsmann H. Saß.„l-ursürsn nhallen", Kursnrstenstr. gl. AUgrineiur Kraulte»- und Ktrrbrstnffe der Wetallarlieiter, Flliale Berlin 3. MUgliedcr-Versammlung am Sonnlag, den 18. Juni, vormiltaas 10 Uhr, im Lokale Süd- Ost, Waldemarstr. 75. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der OriSverwaltung. Eintracht. Sonnabend, den 15. Inn!, abends Ssj Uhr, bei Ruppln, Blumenstr. ig, Sitzung mit Tanten. Arbriier-Kildungal'chnle. Sonuabeud, abends 7�—8� Uhr: Leklüro. 8>l— tOsl Uhr: stTisluliruhungen. Nordschule, Müllerstrabe i7Sa lThcma: Recht und Gesch. Ncferenl: Genosse ToShoin). Siid-Ost-Schnle, Waldemar- straßc I«(Thema: Tcgencralion der arbeiicnde» Klasse. Referent: Genosse Koch). Uncnrgcllllch. Bei allen Unterrtchlsfächern»Verden Damen und Herren jederzeit aufgenommen. * Berichtigung. In dein Bericht der FreitetgZmimmer über die Töpfer versa m>n l u n g befinden sich zwei sinnentstelleiide Druckfehler. Ju Zeile acht muß es heiße»:„Die Bausperren................ hetben nicht den geivünschten Erfolg gehabt,"— nicht aber wie I sammlung, die dasselbe enthält. es fälschlich heißt,„haben m e i st den gewünschten Erfolg gehabt. Und in der vorletzten Zeile ist zu lesen„ein Drittel der Be- sncher",— nicht aber„13 der Besucher". VsriniMzkes. Vo» einem tragische» Vorfall wird aus Hamburg berichtet: Der Lootse auf dem nach Hamburg gehenden Schiff „Aldis" hatte sich für kurze Zeit in die Kajüte begeben, um zu srühstücken, und zwar weil es regnete, sonst hätte er seine Mahl- zeit auf der Kommandobrücke gehalten. Er vertraute die Führung des Schiffes dem ersten Steuermann an. Dieser hatte das Un- glück, ein Boot mit drei Insassen, die dem Krabbenfang oblagen, anzurennen; das Boot kenterte und einer der Fischer, die ans Brunsbüttel stammten, ertrank. Ganz verwirrt über dies von ihm angerichtete Unglück verließ der Steuermann, ei» 27jähriger hoffnungsvoller Seemann seinen Posten, ging in seine Kabine und erschoß sich. Die Braut des Steuermanns befand sich als Passagier auk dem Dampfer. Ans Bndapcst wird berichtet: In Bekes-Csaba schlug am Donnerstag der Blitz in eine Scheune, in welche sich zahl- reiche Personen vor einem Wolkenbruch geflüchtet hatten. Durch den Blitzstrahl wurden zwei Mädchen getödtet und 10 schwer verletzt. SchiffsnugliiS. Aus San Francisco wird vom Freitag berichtet: Ein Privatbrief eines Matrosen von dem aiiierikani- schen Kreuzer„Charleston" theilt mit, daß am 12. Mai das japanische Torpedoboot Nr. 16 bei den Fischerinseln scheiterte. Von der aus 14 Mann bestehenden Besatzung sei nur ein Malin gerettet._ Vviefksyen dev Sxpedikion. Z. 108. In den neueren billigen Ausgaben ist das Gedicht nicht enthalten, aber die Vorivärts-Buchhandlnng kann Ihnen eine solche in i t dem Gedichte besorgen, ev. auch eine Gedicht- Für deuJuhalt der Inserate über- nimmt die Nedaklioil demPnblikni» gegenüber keinerlei Berantivortung Theater. Sonnabend, den Ig. Juni. fUrliner Theater. Der Geizige. Der ungläubige Thomas. Neue» Theater. Tata-Toto. Kchillrr Theater. Zopf und Schwert. Kierattderpiah-Thratcr. Heinrich Heine. National. Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Theater Unter de» Linden. Der Obersteiger. Friedrich- Wilheimstädt. Theater. Konzert-Park. Apollo- Theater» Ein Nbeniener im Harem. Scliiller-Tliesler. (Wallner- Theater.) Konnabend, abends 8 Uhr: Zopf und Schwert. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Koch- zeitareise. Gin Diener zweier Kerren. Abends 3 Uhr: Uttimo. Nätional-Theater. Große Frankfnrterstraße 132. Direktion: Max Eamst. Mjjoleöll liill» seilte Frilliell oder Alle kaiserlilsie khesßeiiüiilg. Großes romantisches Drama in ö Allen von G. Wtlls und Hamttioren. .Wegen noch nicht beendigter Vor- �creitung findet die Premiäre von „Am Irren ha« se� einige Tage später statt. Natienattheater- Garten■ Großes Konzert lt. Spezialitäten-Vorstellung. Alle 5 Earrisons. Ein Modell. Fernand's Ehekontrakt. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 20 Pf. Reservirter Platz 40 Pf. Die Theaterbesucher haben freien Zutritt zilin Garlen. Kaufmann s Variete. Kolonnaden. SSF SmiittWne. (Bei ungiiiistigem Wetter im Theatersaal). ßlililoristischer Mtüö der tNciamann- Bliemchen's Leipziger Sauger. Nenmann, Willi. Wolff, Horväth, Gipner, Lemke, Feldow und Ledermaun. Auf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Neu! Der Neu! F I o Iii (La Puce.) Posse von Wich. Wolff. gTT- Et is zum pirprn O�ossei» Saal für Urrrinoverfammlnngr» nnd Derrinszimmrr. 160Sb' Lrllning, Nofcuthattrflr. 11--IN. v s« s N» s Anstatt tiir volksthümttehe ttatnrknnüe. Um Lanttee-Kussiettungsparh (Lekrter Labnliot). Geötknet von 3—10 Uhr. Täglich Torstellung im'wissenschaft- lichen Theater._ iFriedricli-WlIiieiRistädtisGlierl Concert-Park 25/26 Chausseestraße 25/26. Die einzige Chanteuse, welche keine Reklame nöthig hat i Die Pariser Favoritin 0�2 Uhx: Reklame überflüssig! 30 Hummern. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf. MoBksgaipi@n (ehem. Weimann's Volhsgarten) Erfniidbrnnnrn. Dadstr. 56. Direktion: Max Samst. Austreten der Original-Tcxas-Coivlioy-Tronpe. Szenen aus dem wilden Westen Nord- Anierika's. Die besten Reiter und Lassowerfer der Prairie mit ihren wilden Pferden Eacking Bronchos. Austreten der Cowboy■ Troupe um 9 Uhr bei elektrischer Beleuchtung. Vor nnd nach dem Austrete» der Cowboy-Trcupe: Concert, Spezialitäten- u. Theater-Vorstellung. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Baesepartouts haben Giltigkeit. Kasscnöfsnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Victoria-Brauerei Lutzowflraße 111—113 Täglich außer Sonuabends Garten resp. 8aal: Soirre der altbrtirbtr» rag er* (Meyscl, Pictro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Für die Wochentage Vorverkauf 40 Pf., Familieudilletsl M.(siehe Vlakale). d. ls wechselndes Brcgramm! JeKn Sonntag und Donnerstag: der Sottee: TailzkrällZllje!!. �lüsoil's?! Geöltnot his 10 Uhr ahentts. neueste unöerhare Erfindung! „Das Kinetoskop" Friedriclistr. 65, Bohrwstr. Alle 14 Tage wechseln die Soenen. Alle Bilder voller Bewegung und natürlichen Lebens, Passaye-Panoptlcum. Täglich: Rettung aus Feuersyefalir durch die UerM Lastau'Z Bauoptikum. Ms ksreoweib. 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ÄdtS-Al! � A Allen Freunden und Genossen d!e traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder Gtto Teubner nach langein Leiden im Alter von 22 Jahren verstorben ist. 1602b Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. Juni, nachmittags 3 Uhr, vo» der Leichenhalle des Emmansj- Kirch- Hofes aus statt. Die tranernde» Elter» nebst Geschwistern. Todes-Anzeige. Allen Kollegen und Freunden zur Nad)richt, daß unserKollege, der Tischler widert Sonimerfeld, am Mittwoch Vormittag nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Krankenhauses am Friedrichs- Hain, nach Wilhelmsberg statt. Ehre seinem Andenken! Die Kollege» der Tischlerei von Fr. Wolter. IDsnksssjung. Für die herzliche Theilnahme nnd die reichen Bluinenspenden am Grabe meines lieben Mannes Franx Gaida, sage ich allen Freunden und Verwandten, sowie dem Zentralverband deutscher Maurer und dein Gesangverein„Ge- rnüthlichkeit" meinen herzlichsten Dank. Ute trauernde Wittwe nebst Kindern. Danksagung. Für die rege Belheiligung und die zahlreichen Kranzspenden bei der Be- erdigling meines lieben Mannes seitens seiner Freunde, Kollegen und Bekannten, insbesondere dein Fabrikbesitzer Herrn Seiffert und seinem Personal sage ich hiermit ineinen tiefgefühlten Dank. Wittwe Marie Kraft l5S6b nebst Kindern. IJikr Mark O bei Böhme.£i kosten 2 Kabinet- und 12 Visitbilder bei Böhme, Lindenstr. 43, gegenüber der Zimmer st r aß e. Carl Schindler Chansseestr. 55 jS Amt III 8917. Empfehle alte» BUSB Nordbauser Llr.-FIaschelM. g 5 Fl. 4,80 M. Liköre, Cognac, Rum, Ungarwein etc. Achtung! Kein Laden. KoutroU-Schulimarkr. Rur eigene Fabrikation, 25 Zigarren 1 Mark. Garantie rein amerikanische Tabake. 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Zahnersatz, auch Theilzahl., wöchentl. t Mark, G n ck e l, Lauscher Platz 2, Elsasserftr. 12. Cisspindrn, sowie Milchgeschäits-Utensilien. sowie Jordan, leine Markusstr. 28. Gold- und Silherwaaren. A. Barnick, Grüner Weg 112, pari. 1. Eig. Repar.-Werkstatl f. Uhren, Gold- und Silberivanren. Destillation mit Nebenräumen u. gr. Vereinszinnner (ca. 60 Pers.), gutgehend, an Partei- genossen zu verk. Swinemünderstr. 45. Alte Siiksel, Runge, Adalbertstr. 86. ll590h Lindeman», Gesangl., Gitschiner- siraße 78. 1599b Ein 2senstr. rnöbl. Zimmer an 1 od. 2 Herren zu vermiethen. lS02b D i t t r i ch, Forsterfir. 19. Schlafstelle mit sep. Eing. b. Berger Büschingstr. 30. Frdt. Schlafstelle(sep. Eing.) sof. z. vermiethen bei Pähl, Skaliyerstr. 9, Seitenfl. 3 Tr. 1600b ArMtUartt. Eine Fabrik der Banmwoll- branche Norddentschlands sucht eine durchaus zuverlässige Per- söntichkeit zur Untersiätzung ihres Appreteurs. 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Seidenspinnerei. Glasbläserei, florentinischer Strohflechterei, Mosaiksabrikation, Holzschnitzerei u. s. w. Entree 50 Pf."Msg Sonntag Mittag zivischen 12 u. 2 Uhr: Matinee des Gialdini'schen Symphonie-Orchesters. E»tm bis 12 Uhr vormittags nur 30 Pf. Kinder unter 10 Iahren frei._ Schweizer- Garten Am Köuigsthor. Haltestelle der Ningbahn. � Am Friedrichschain. Theater md SpkBMten-VlirjteliiiW. Auftreten der Geschw. Ualkoni, Gesangsduettisten. Mila Kermanre, Bravoursängerin. Two Lorlaq», Knokabauts u. Exentrics. Münch, Mäge u. MnttKe, sächs. Komiler-Trio. Mr. Kanola, kom. Intermezzo am dreifachen Neck. Schnlte und Zernrr, Humoristen. Gebr. Gra«), Groteskduettisten. Lebende Kilder der Gesellsch. Uenand(8 Personen). Theater-UorsteUnna des 16 Personen starken Theater�Ensembles. Volksbelustigungen. Kall. Entree 30 Pf. Ostbalin-'PaFlc: RDdersdorferstr. 71, Am KQstrincr Platz. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Regie: R. Hintsche. Garteu-Concert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlo» ö. Kaffeelliiche 3 bis 3 Jlbr.— Entre« 20 Pf. Pollivbelnstigungr» jeder Art. 4 Kegelbahnen zur N. chirnrgischett Krattche beschäftigten Bernfsgenossen. Dienstag, d«« 18. Juni ee,, abends 8 Kljr, in Gründers Kalo«, Krumienstrastr 188; SSP Versammlung. ZZ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Vike>I über:„Lnngenkrankheiten und deren Heilung." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— jM?" Die nichtverkansten Billets zur Dampferpartie müssen in der Versammlung zurückgegeben werden, da dieselben sehr knapp find. sl01/3j Der Dorstand. Aerbailb bMer Korbinaisjer. Filiale Kerlin. 158 19 Montag, den 17. Juni, abends SV, Uhr, Oranienstr. 51: Versammlung. Vöttlkrcr! Sonntag, d. 1t>. Juni, uormitt. 10|kljr, bei Dlillie, Andreasstr. 20: Oeffentliche Böttcher-Versammlung. Um pünktliches Erscheinen ersucht s97/17j D,r Einbernfer. Glasarbeiter Gummelsburgs! Sonntag, den 10. Juni, nachmitt. IVa|Cljr, i» Vowinkcl's Salon, Hauptstraste(Dummelsburg): Oeffentliche Glasarbeiter-Versammluug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen G. Däther über: Trusts, Ringe und Kartelle. 2. Wahl einer Agitationskonimission. 3. Nothwendigkeil eines Gewerbegerichts. 4. Bericht des Vertrauensmannes. 132/11 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Dritter Nachtrag ziliii Silitut her Lrts-Kriiilkeil- Kch ber Klomp«er zu Berlin vorn S. lull 1SSS. Artikel I. § 13 Absatz 1 Ziffer 3 lautet fortan: 3. im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom dritten Tage der Erkrankung ab für jeden Kalendertag ausschließlich der Sonntage die Hälfte des durchschnitt- lichen Tagelohns(§ 12) als Krankengeld. § 30 lautet hinfort: Die wöchentlichen Kassenbeiträge betragen: 1. Für männliche Kassenmit- glieder über 16 Jahre, aus- schließlich der Lehrlinge.. 54 Pf. 2. Für weibliche Kassenmit- glieder über 16 Jahre.. 27„ 3. Für männliche Kassenmit- glicder unter 16 Jahren und für Lehrlinge...... 24„ 4. Für weibliche Kassenmitglieder unter 16 Jahren.. 13„ Artikel II. Vorstehende Bestimmungen treten mit dem Montage nach staliitenmäßig er- solgter Bekanntmachung in kraft. Berlin, den 7. April 1395. Der Vorstand der Grts-Krankrn- Kaste der Klempner. r. A. piesekel, Emil Gerisch, Vorsitzender. Schriftführer. Vorstehender Nachtrag wird hier- durch genehmigt. Berlin, den 11. Juni 1895. Der Aezirksausschuß. I. V.: Dr. Dippe. J.-Nr. 2571. SteÄer. ScfalOSS ¥618860866. den�ÄwgS. Gr. Front- n. Wasser-Feuerwerk, ausgeführt von Herrn Deek& Massow. Grosses Concert. Bai champetre. Volksbelustigungen. 4 lchr'ab: W StöjjC PrMillck.'� Gr. eleSefeuchfung. Entree 35 Pf., Vorverkauf 20 Pf. Jg, Bartha DD. Tas Lokal ist noch an einigen Wochentagen unter den coulantesten Bedingungen an Vereine zu vergeben._ PrtlisljimsSditMgrsttrf. WmeiimbtrKr. 0 •3 Lokal v. Ecke Breitestr., unmittelbar am Grmiewald, mit schattigem Garten. Fmntlieii-Kaffeeldielle. 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