Abendausgabe Nr. 446 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 220 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-29% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Montag 21. September 1925 Beclag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die schwere Entscheidung. Kabinettsrat der Reichsregierung. Heute nachmittag friff die Reichsregierung zu einer& abi-| nettssihung endlich wieder zusammen, in der die Frage der Teilnahme Deutschlands an einer Konferenz über den Sicherheitspakt behandelt werden soll. Nicht der Reichspräsident von Hindenburg, sondern der Reichstanzler Dr. Luther wird den Vorsitz führen. Eine Entscheidung dürfte am heutigen Tage noch nicht fallen, sondern erst die grundfähliche Stellung des Kabinetts geklärt werden. Alles hängt von der Stellungnahme der deutschnationalen Minister ab, welche wiederum von der Stellungnahme der deutschnationalen Barteiinstanzen abhängig ist. Der technische Vorgang dürfte sich etwa folgendermaßen abspielen: In der heutigen Kabinettssitzung werden sich die deutschnationalen Regierungsmitglieder an der Hand des Berichtes von Ministe rialdirektor Gaus informieren"; sodann werden sie am Dienstag ihre Parteiinstanzen informieren"; danach werden sie ihrerseits die Regierung in einer neuen Kabinettsfizung über die Stellungnahme ihrer Partei„ informieren"; dann wird hoffentlich endgültig die Entscheidung des Kabinetts fallen, und am Mittwoch dem Auswärtigen Ausschuß mitgeteilt werden. Die schwere Stunde der Deutschnationalen naht. Die Rechtspresse ist vollkommen still. Unter der Oberfläche spielen fich aber die heftigsten Meinungsfämpfe ab. Es muß indeffen mit aller Entschiedenheit gefordert werden, daß die Deutschnationalen dieses Spiel der wechselseitigen Information" nicht in die Länge ziehen. Die Sachlage ist in Wirklichkeit schon längst flargestellt. Die Mitteilungen, die Ministerialdirektor Gaus in der heutigen Kabinettssigung machen wird, find zwar zweifellos von großem Intereffe, aber das Grundprinzip des Sicherheitspattes wird von ihnen faum berührt. Wenn die Deutschnationalen sich jetzt mit aller Heftigkeit gegen eine freiwillige Preisgabe deutschen Landes" wenden, so ist das eine nachträgliche Komödie, denn, wie die volksparteiliche Kölnische Zeitung" mit Recht bemerkt, ist der Berzicht auf Elsaß- Lothringen, der damit gemeint ist, die Grundlage der gesammten Battverhandlun gen seit dem deutschen Februar- Memorandum gewesen. Das haben die Deutschnationalen von der ersten Stunde an gewußt und sie haben es durch ihre Abstimmungen vom 25. Juli im Reichstag gebilligt. Was sich daher gegenwärtig zwischen Kabinett und deutschnationalen Parteiinstanzen abpielt, ist in Wirklichkeit mur verlorene 3eit. Entweder die Deutsch nationalen machen mit oder sie machen nicht mit. Aber es ist feine Zeit mehr zu verlieren! Joseph Wirth in New York. Erklärungen zur Reparationsfrage. New York, 21. September.( CB.) Der ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth hat nach seiner Ankunft in New York Journalisten gegenüber erklärt, man müffe fich darüber klar sein, daß man, fobald eine Regelung der interafliierten Schulden erzielt worden fei, auch eine endgültige Lösung der Reparationsfrage finden müffe. Nach dem ersten Jahre des Dawes- Blans, das eine Art Atempause darstelle, werde Deutschland erst das ganze Gewicht der Last fühlen, die ihm der Plan auferlege. Die Räumung des Ruhrgebiets fei nur eine logische Folge der von ihm und Rathenau eingeschlagenen Politif. Amerika und Marokkokrieg. Tie Teilnahme amerikanischer Flieger gefezwidrig. Washington, 21. September.( WEB.) Das Staatsdepartement hat den amerikanischen diplomatischen Vertreter in Tanger beauftragt, die amerikanischen Flieger, die zusammen mit den Franzosen gegen die Rifleute kämpfen, zu verständigen, daß sie hierdurch die Gesetze der Vereinigten Staaten verlegen. Das Staatsdepartement fagt indes nicht, ob weitere Schritte ins Auge gefaßt werden. Paris, 21. September.( TU.) Wie die in Paris erscheinenden amerikanischen Blätter aus Washington melden, erfolgte die Aufforderung an die amreitanischen Flieger in Marotto, sofort aus der Armee des Sultans auszutreten auf Grund eines Gesezes, das jeden amerikanischen Bürger, der an Feindseligkeiten gegen eine Macht teilnimmt, mit der die Vereinigten Staaten nicht im Kriege leben, mit Geldbuße oder Gefängnis bedroht. Die amerikanischen Flieger in Maroffo dienen zwar nominell in der Armee des Sultans, In offiziellen unterstehen aber dem französischen Kommando. Washingtoner- Kreisen hat besonders die Reklame unangenehm berührt, die von franzöfifcher Seite mit der Anwesenheit ameritanischer Flieger in Marotto getrieben wurde. Ein Beauf tragter Abdel Krims soll außerdem in Washington gegen die Teilnahme von Amerikanern an den friegerischen Handlungen protestiert und darauf hingewiesen haben, daß diese Flieger a meri tanische Uniformen tragen. Das Vorgehen Kelloggs hat in Paris großes Aufsehen erregt. Fes, 21. September.( Havas.) Nach hier eingegangenen Nach richten sind die Spanier vorgerückt und sollen einen Punkt 10 Kilometer vor der Nordgrenze des Gebiets der Gesnaia erreicht haben. Riftruppen sammeln sich bei Bokayos, um den Kampf gegen die Spanier aufzunehmen. Bei der Landung der Spanier follen die Beni Iriagel sehr große Berlufte gehabt haben. Gestern entfalteten die französischen Flieger eine rege Tätigkeit und warjen längs des Buttosfluffes Bomben ab. Infolge des Bombardements ist die Stabt Scheichauen geräumt worden, und der Bruder Abd el trims hat fein Hauptquartier nach Tazrut verlegt. Bom mittleren Frontabschnitt werden neue Unterwerfungen gemeldet. Der französische Posten von Bab Tatia ift angegriffen worden, hat jedoch den Feind unter Verlusten zurückgewiesen. Das 19. Armeekorps meldet, daß auf Anordnung Abd el Krims einige Bornehme aus dem Stamm der Beni Buyala, Targist weggeführt wurden. Die Branes haben die Thuls angedie beschuldigt wurden, sich unterwerfen zu wollen, nach griffen, die sich in der Gegend von Tembert unterworfen hatten, find jedoch zurückgewiesen worden. Abd el Krim verwundet? Paris, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Nach hier vorliegenden noch unbestätigten Meldungen aus englischer Quelle soll Abd el Krim bei den letzten Kämpfen um das Bergmassiv von Bibane durch eine Kugel am Bein verwundet worden sein.( Ganz auf der Höhe modernen Führertums scheint dieser Kriegführer also noch nicht zu stehen, sonst wäre er nie und nimmer in den Feuerbereich geraten. Red. d.„ V.“.) Sozialreaktion in Schanghai. Schanghai, 21. September.( WTB.) Das Hauptquartier des Allgemeinen Arbeiterverbandes wurde auf Befehl des Generals Ying, Befehlshaber der hier stehenden Truppen Tschangisolins, ge= schlossen. Die Beamten des Verbandes haben sich verftet, ein bekannter Agitator ist verhaftet worden. Eine große Anzahl Streifender hat die Arbeit wieder aufgenommen. Tofio, 21. September.( Reuter.) Das japanische Auswärtige Amt hat vertrauliche Nachrichten aus China erhalten, nach welchen rieg zwischen Tschangtfolin und Fengyuhsiang bevorstehe. Das japanische Kabinett beschloß, im Fall des Ausbruches von Feindseligkeiten in China neutral zu bleiben. Es versteht sich von selbst, daß in einem solchen Fall die 3olltonferenz nicht stattfinden würde. Demokraten und Schulgeset. Parteiandschuhtagung der Demokratischen Partei. Der Parteiausschuß der Demokratischen Partei nahm auf seiner geftrigen Tagung folgende Entschließung an: Die Deutsche Demokratische Partei lehnt den durch die Bresse befanntgewordenen Reichsschulgefegentwurf, weil im Widerspruch stehend zu Wort und Geist der Verfassung, mit Entschiedenheit ab und legt Verwahrung gegen den beabsichtigten Berfassungsbruch ein. Das geplante Reichsschulgesetz zerschlägt die durch geschichtliche Entwicklung und Verfassungsrecht gegebene Staatsschule und entrechtet den Staat zugunsten einer tirchlichen Schulhoheit, welche die von allen preisgegebene geistliche Schulaufsicht weit hinter sich fäßt. Er raubt dem deutschen Schulmesen jegliche Selbständigkeit, dem deutschen Lehrerstand die durch die Verfassung gegebenen staatsbürgerlichen Rechte. Es unterwirft alle Kinder, die durch die Verhältnisse gezwungen Bekenntnis schulen besuchen müssen, einem unerhörten Gewissens. zwang und unterbindet jegliche Entwicklung im Sinne des Artikels 146 Abs. 1 der Verfassung. Die nach Artikel 174 der Reichsverfaffung besonders zu schüßende Simultanschule in Baden, Heffen und Hessen- Nassau wird vollständig und absichtlich preis gegeben. Der Entwurf leitet eine Kleritalisierung des gesamten Schulmefens ein, die zu heftigen, die Volkseinheit dauernd gefährdenden Rämpfen führen müßte." Der Ostpakt. Tschechische Außen- und Innenpolitik. Bon Emil Strauß, Prag. Die tschechische Außenpolitik steht wie selbst tschechische Blätter nunmehr zugeben müssen vor einer schweren Niederlage. Die Verhandlungen über den Sicherheitspaft, die demnächst in der Schweiz stattfinden werden und für die Entwicklung der europäischen Politik in den nächsten Jahren gewiß von großer Bedeutung sind, werden nicht im Beisein Tschechoslowakei als auch Polen bleiben vorläufig von der des tschechoslowakischen Vertreters abgehalten, sowohl die Teilnahme an diesen Verhandlungen ausgeschlossen und können nicht unmittelbar an der Gestaltung des Sicherheitspaktes mitarbeiten. Die tschechoslowakische Außenpolitit war unter Führung des Ministers Dr. Benesch, der das Außenamt seit der Entstehung dieser Republik leitet, reich an äußeren Erfolgen. Der Grundgedante der auswärtigen Politik der Tschechoslowakei war die Sicherung des neuen Staatsgebildes. Was die Tschechen in erster Linie bewegt, ist das Bewußtsein der ungünstigen geographischen Lage diefes Staates, der an nicht weniger als drei Seiten von deutschem Gebiet, nämlich von Deutschland und Desterreich, begrenzt wird. Den Schutz gegen die Deutschen fuchten nun die Tschechen in der engsten Anlehnung an Frankreich und in der Schaffung eines Blocks in Mittel- bzw. Osteuropa, auf den sie sich stützen fönnen. So fam im August 1920 das Bündnis mit Südflawien zustande, das sich im April 1921 durch den Vertrag mit Rumänien zur sogenannten kleinen Entente erweiterte. Das Verhältnis der kleinen Entente zu den Westmächten wurde in einem Bündnissertrag mit Frankreich vom Dezember 1923 und in dem Freundschaftsvertrag mit Italien vom Mai 1924 geregelt. In diesem System von Bündnissen sieht Benesch die Garantie für die Integrität der Tschechoslowakei und ihre Stellung in Europa. Durch die Alenderung in dem Verhältnis Deutschlands zu den Westmächten ist mum auch für die Tschechoslowakei eine andere Situation entstanden. Infolge des Dawes Gutachtens und der Räumung des Ruhrreviers hat das Berund durch den in Verhandlung stehenden Westpakt wird es hältnis Deutschlands zu Frankreich an Spannung verloren, möglich sein, eine Entspannung der gesamten außenpolitischen Situation in Europa herbeizuführen. Um mun unter diesen neuen Verhältnissen eine neue Sicherung für die Tschechoslowakei zu erhalten, hat Benesch schon vor längerer Zeit die Forderung nach einem Ostpatt erhoben, das heißt, Deutschland soll gegengehen wie gegenüber Frankreich. Durch die Weigerung Engüber Polen und der Tschechoslowakei dieselben Garantien einlands, als Garant für einen solchen Ostpakt aufzutreten, ift europäischen Außenpolitik verschwunden, was eben in der mun diese Frage vorläufig von der Bildfläche der aktuellen Tschechoslowakei nicht nur in den Kreisen der Opposition, sonNiederlage der tschechoslowakischen Außendern auch der Regierungsparteien als die schwerste politit seit 1918 empfunden wird. tschechoslowakische Regierung, aus der neuen außenpolitischen Diese Niederlage müßte nicht so groß sein, wenn die Lage die entsprechenden Konsequenzen ziehen und eine andere Sicherung für den Staat suchen würde. Die beste Sicherung für die Tschechoslowakei in aller Zukunft wäre die Berständigung mit den nationalen Minderheiten, mit den die Grenzen des Staates bewohnenden Deutschen und Magyaren. In der inneren Politik des Staates. aber geschieht seit geraumer Zeit das Gegenteil. Seit 1918 wird in der Tschechoslowakei gegen die Deutschen regiert. Eben jegt werden die Eristenzen hunderter deutscher Staatsangeftellter vernichtet durch den Staatsangestelltenabbau, der zu einem Abbau der deutschen Staatsangestellten geworden ist, die Durchführung der Bodenreform erfolgt in einer Art, daß die deutschen Landarbeiter um ihren Arbeitsplatz, die deutschen Kleinbauern um ihre Bachtgründe kommen. Besonders schmerzlich aber empfinden die Deutschen dieses Staates in der letzten Zeit den Schlag, den man gegen das deutsche Schulwejen geführt hat. Seit dem Bestehen der Tschechoslowakei sind nicht weniger als 4000 deutsche Schulklassen gesperrt und Hunderte von Schulen aufgelassen worden. In größeren Städten wie Teplit, Eger und Friedland gibt es nur drei bis vierklassige Boltsschulen, und auch die deutschen Rinder der Hauptstadt Prag haben nicht die Möglichkeit, fünfklassige Schulen zu besuchen! Dieses rücksichtslose diktatorische Vorgehen gegen die Deutschen verbittert die deutsche Bevölkerung, verschärft deren Gegensatz zur gegenwärtigen Staatsgewalt und ist insbesondere ein Schaden für die deutsche Arbeiterschaft dieses Staates. Tuntenhausener Reaktion. Deutschnationale Bierbaukrede des Bauerndoktors Heim. München, 21. September.( WTB.) Der Tuntenhausener Bauerntag, an dem von der bayerischen Regierung Sozialminister Oswald teilnimmt, wurde von dem Abgeordneten Dr. Heim mit einer Rede eröffnet, in der er erklärte, feit der Wahl Hinden burgs zum Reichspräsidenten sei das Verhältnis Deutschlands zum Auslande nicht ungünstiger, sondern günstiger geworden. Zur Frage des Sicherheitspattes erklärte der Redner, daß er die Notwendigkeit eines solchen nicht anerkennen tönne, weil Deutschland unbewaffnet fei, während Frankreich von Waffen starre. Deutschland habe eher Sicherung nötig als Frankreich. Wenn Deutschland in Wenn Deutschland in den Bölferbund eintrete, so würde das nur bedeuten, daß der Bersailler Vertrag weiter verlängert werde. Ein schwaches Bolt dürfe sich nach keiner Seite hin verpflichten und müsse eine Politit der Unverbindlichkeit treiben. Zur inneren Bolitik übergehend erklärte Dr. Heim nach einer scharfen Kritik an der Regierungsführung in Berlin, unverständlich sei ihm bis zur Stunde die Haltung des Zentrum s. Es gebe teine Einigung innerhalb der deutschen Katholiten, solange nicht grundfäßlich Bandel gefchaffen sei hinsichtlich der Stellungnahme des Zentrums zur Frage: Bentralgewalt oder Wahrung der Selbständigkeit der Länder? Wenn die Führer der Bayerischen Volkspartei die Parole ausgeben würden: Zurück zum Zentrum, dann würden Hunderttausende in Bayern die Führer der Bayerischen Bolkspartei verlaffen.( Stürmische Zuſtimmung.) Mit dem Reichsschulgeset, auch in der neuen Fassung, würde die christliche Erziehung erschüttert werden. Hinsichtlich des Preisabbaues betonte Dr. Heim, daß er für die Bauern, die schlechtere Preise als vor dem Kriege erzielten, nicht in Betracht käme. Zum Schluß richtete der Redner an die Bersammlung die Mahnung, den Kampf um die Erhaltung der letzten Reste der bayerischen Selbständigkeit mitzutämpfen. Als zweiter Redner sprach Landtagsabgeordneter Schäffer, der es als die Aufgabe der Zentrumspartei im Reiche bezeichnete, für eine gerechte Der ischechoslowakische Gesandte in Berlin, Professor Krofta, Würdigung der Verhältnisse in Bayern einzutreten, und nicht den hat dem deutschen Außenminister die Bereitwilligkeit der Prager Versuch der Spaltung der Bayerischen Volkspartei zu unternehmen.| Regierung mitgeteilt, mit Deutschland über einen Schiedsgerichts. Wenn die gegenwärtigen Regierungsmänner und insbe sondere der Außenminister, der doch Sinn für das Reale hat, für die Zukunft des Staates Sicherheiten wollen, so können diese in nichts anderem besser gefunden werden als in einem nationalen Ausgleich der Völker dieses Staates. Die Ver= ständigung der Nationen ist für die Tschecho= lomatei der beste Sicherheitspatt, und wir deutschen Sozialdemokraten in der Tschechoslowakei zweifeln gar nicht daran, daß eine deutsch- tschechische Verständigung auch von unseren reichsdeutschen Genossen als ein Unterpfand guter Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschecho= flowatei aus vollem Herzen begrüßt werden würde. " vertrag zu verhandeln. Dieses Angebot fcheint en rascher Erfolg| Frattion im Untersuchungsausschuß. In einem Brief an die jener tschechischen Pressestimmen zu sein, die in letzter Zeit betont Nationalpost" vom 24. April 1925 schreibt Herr Knoll: haben, daß der Politik Frankreichs offensichtlich mehr an einem guten Verhältnis zu Deutschland als an der militärischen Bündnisbereitschaft der Tschechoslowakei und Polens liege; Polen ziehe hieraus schon die Konsequenz, indem es sein Berhältnis zu Rußland verbessere, da folle die Tschechoslowakei sich auch dahin wenden, mo ihre wirtlichen Interessen lägen. Einen Anfang solcher„ Neu orientierung" fann dieses Angebot bedeuten. Seine Annahme ist selbstverständlich. Es ist zu erwarten, daß sich dem Schritte der Tschechoslowakei eine Parallelaftion Bolens anschließt, so daß sich hieraus die geplanten Parallelverhandlungen zum Westpaft über die Regelung der Verhältnisse im Osten entwickeln können. Kußmann und Knoll. Knoll dirigiert Presse und Untersuchungsausschüsse. Genoffe Kattner schreibt uns: Wer die neunstündige Ver. nehmung der Assessoren Caspary und Kußmann am Sonnabend von A bis 3 mitgemacht hat, der wird in der gesamten Rechts preffe, wie in ihrem Anhängsel, der Roten Fahne" vergeblich ein Wort der Wahrheit über den Verlauf der Berhandlungen suchen. In knallender Aufmachung werden die Anschuldigungen der Assessoren gegen das Justizministerium dargestellt, dagegen totgeschwiegen, wie jämmerlich die Herren zusammenbrachen, als sie Beweis für ihre Behauptungen antreten sollten. Dasselbe gilt von ihren Verleumdungen gegen den Genoffen Heilmann, die sich bei näherer Befragung ats reine Rombt nationen und Hirngespinste erwiesen, aber jetzt von der Rechtspresse und der ihr zuzurechnenden„ Roten Fahne als Tat jachen in die Welt posaunt werden. Berschwiegen wird dagegen, das pofitive Ergebnis der Ber nehmungen, nämlich das, was nicht nur behauptet, sondern auch bewiesen wurde. Nach den eigenen Geständnissen der Herren Caspary und Kußmann ist nämlich absolut sicher: 1. Daß beide Herren die Hehkampagne der Leopold und Bacmeister gegen das Justizminifterium unterstüht und an den Hehartikeln durch Lieferung von- unwahrem Material mit gearbeitet haben. 2. Daß Herr Kußmann in seiner Eigenschaft als Staatsanwalt in der Sache Barmat und Genoffen einen Teil der Ermiltlungen in dieser Sache nicht durch die zuständigen Behörden, fondern durch das deutschnationale Bureau Kluge- Knoll hat vornehmen laffen, daß er persönlich Herrn Knoll mit Recherchen beauftragt und damit natürlich auch gleichzeitig über den Gang des Verfahrens wesentlich informiert hat, während auf der anderen Seite Herr Knoll feine Kenntniffe an die deutschnationale Presse verhöferte. Diese beiden Tatsachen genügen vollständig, um schon jezt jedes Berbleiben der beiden genannten Assessoren im preußischen Juftizdienst unmöglich zu machen. Herr Kußmann beruft sich einzige Entschuldigung darauf, daß das Bureau tein solches der Rechtsparteien gewesen sei, obwohl er die Finanzierung des Bureaus durch den deutschnationalen Abgeordneten Leopold und den rechtsgerichteten Journalisten Bacmeister als ihm befannt zugestehen mußte. Herrn Kußmann tann aber geholfen werden: Herr Kluge- Knoll hat beispielsweise bei der Reichspräsidentenwahl intensiv für Hindenburg und gegen Marg gearbeitet. Es liegt hierüber das Original eines von Dr. Kluge"( Knolls Deckname) gezeichnetes, schreibmaschinierten, aber mit Zufäßen von Knolls Hand perfehenen Artikels vor, der in mehreren Organen der Rechtspreise erschienen ist und( der ganzen Tendenz des Artikels entsprechend) mit folgenden Worten schließt: Zusammenfassend würde Marg eine Fortfegung. wenn nicht Berschlimmerung der Korrruption und eigen mächtigen Barteiwirtschaft bedeuten, während Hindenburg gleichbedeutend ist mit einem Brogramm der Reinigung und rücksichtslafen Aufräumens ohne Ansehen der Person und Bartei." Herrn Knolls Einflüffe erstreckten sich aber nicht nur auf die deutschnationale Bresse, sondern er dirigierte auch die deutschnationale Städtische Oper: Die heilige Ente. Das erste Gastgeschenk der Städtischen Oper, Städtischen Oper, die Heilige Eute des jungen Wieners Franz Gál, wurde als gut und bunt zugerichtete Delikatesse serviert, hielt aber als wirkliche Köstlichkeit für den Musikergaumen nicht durch. Das nimmt nicht wunder in einer Zeit, die der Opernproduktion so unhold ist wie die heurige. In dem hochgetriebenen Streit zwischen Wager, Berismo und Modernität findet nur ein ganz origineller Kopf den rechten Weg zu sich selber. Gál ist ein sehr guter und phantastevoller Mufiler, ein noch besserer Kenner fremder Mufit, ein eleganter Orchesterdichter, aber fanm fähig, durch dramatische Bewegung, die in seiner Musik schöpferisch foderte, Interesse zu ermeden, große Linien zu ziehen, schöne Einfälle zur Kulmination zu bringen, ein Gebilde zu entwickeln, um es aus dem Notenbehelf zur musikdramatischen Höchstwirkung zu bringen. Er spielt mit kleinen Formen. schafft Musik für Szenen, Bilder, Lieder, Monologe und Chöre und findet damit nicht die Entscheidung zwischen Tragit und Ironie, Spiel und Ernst. Am meisten zeigt er Sinn und Begabung für Buffoszenen, wie sich an dem flott hinpunktierten Solo Karl of meisters, den Gesprächen der Götter, den Refrains von Gaukler und Tänzerin zeigt. Auch hier bleibt er stecken, immerhin mit soviel könneriſchem Anstand, daß ein Lustiges an Vorgang auch lustig in der Instrumentation und Dialektik des Gesungenen bleibt. Volksliedhaftes streift das bekannte, oft mit russischem Einschlag, haftet aber bei der Wiederholung jalonmäßig an der Oberfläche. Wo des Herzens Quell sich öffnet, wo ein Wunder an märchenhafter Ertenntnis aufflingen soll, da ist die Aeußerlichkeit der Musiksprache, seufzend oder laut, penetrant. Barsival, Siegfried, Mime und Wanderer, Barbier und Prophet immerfort melden sich solche Ahnen der musikalischen Diftion. Dabei ist alles von einem fultivierten Gejchmad angetrieben, feine voreingenommene Richtung macht sich breit, Modernität meldet sich nur in zart angebrachten Nüancen der, Akkorde und Sequenzen. Der erste Aft, in seiner Mischung aus Marsch und Lied, wird eindruckslos, sobald das gutgetroffene erotische Kolorit verblaßt, der zweite hat eine Szene des Aufschmungs, da, wo die Menschen sich nicht erkennen, und der britte im Augenblick, wo der Wahnsinn den Mandarinen packt. Diese großdramatische Ader gibt noch nicht genug Puls her, und so sinkt das Feuer wieder in die Asche der flug und wizig untermatten Unterhaltung zurück. Der Musikkenner Gál hat dem schöpferischen Musiker den Weg verstellt, die Bahn zum Befreier der komischen Oper aus dem Dornröschenschlaf ist ihm vielleicht vorgezeichnet. Das Textbuch von Levezow und Feld ist nicht unkompliziert, aber guter Opernstoff. Nur, wenn sich im zweiten Att die Spieler zweifelnd en die Köpfe fassen, so wird ein naives Bublikum die gleiche Ausdrucksbewegung parat haben. Ein Götterspiel mit Menschenschicksal, aber eins, das sehr gewaltsam am Kopfe einer Ente herangezogen ist. Die Götter langmeilen sich und brüten um Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sie nochmals bitten, eine, wenn auch kurze Besprechung der von Herrn von Dewiz ( deutschnationaler Reichstagsabgeordneter. D. Red.) am 18. April auf meine Beranlaffung im Barmat- Untersuchungsausschuß geftellten Fragen über die Vorgänge Haag im Januar 1918 zu bringen, in denen Herr Scheidemann in Verbindung mit dem englischen Gesandten Townley eine interessante Rolle spielt." Prompt erscheint in der Deutschen Zeitung" vom 2. Mai 1925, die offenbar ähnlich von Knoll angeregt ist, ein Artikel, in dem es in einer wütenden Polemit gegen den Borwärts" heißt: " Im Untersuchungsausschuß find am 18. April einige Fragen an Barmat gestellt worden über eine gewisse Tätigkeit des Herrn Scheidemann im Sommer 1918 in Holland. Es ist da auch der englische Gesandte Townley genannt, dem man den Vorschlag einer Revolution in Deutschland gemacht haben foll. Wir sagen vorläufig foll" und wollen abwarten, was der " Borwärts" dazu zu sagen hat." Wer hiernach nicht den Charakter des Knoll- Bureaus als eines Parteiunternehmens der Rechten einzusehen vermag, dem ist nicht zu helfen. Aber es lassen sich noch Dutzende von ähnlichen Belegen finden. Nur Herr Kußmann weiß nichts davon, weil er mit Rnoll intim befreundet war! Provinzialfynode und Kolonialpolitik. Appell an die unterjochten Völker. Nach heißen Wahlkämpfen, wie sie der Bildung jeder parlamentarischen Körperschaft, auch einer firchlichen, vorauszugehen pflegen", ist die Brandenburgische Generalfynode durch die Behandlung der Miffions- und der römischen Gegenreformations Frage auf ihrem Höhepunkt angelangt. So berichtet wenigstens die Kreuzzeitung" und die muß es wissen. Wie sich diese heiße tirchliche Wahlschlacht unter den Herren Superintendenten und Pastoren weiter ausgewirkt hat, wird leider nicht vermertt. Dagegen ist das Weltbild über die evangelische Befriedung der Nationen, wie es sich im Zeitalter der Abrüstung und des Völler bundes im Stopf eines evangelischen Missionsdirettors malt, über den Rahmen der Brandenburgischen Generalsynode hinaus zweifellos von Interesse. Ein Missionsdirektor Dr. Anat berichtete nämlich hierüber folgendes: Wunderbar hat Gott die deutsch- evangelische Mission geführt, die während des Weltkrieges, abgeschnitten vom Mutterlande, in ihrer Eristenz bedroht schien. Zurzeit haben die Sieger staaten durch die in den Krieg wider ihren Willen hineingezogenen Völker überall schwere Sorgen: In Indien wie in Afrika ist die Opposition derunterjochten Völfer erwacht und lehnt sich auf wider die fremde Herr= schaft. In China, wo die Ausweisung der deutschen Missionare nur durch einen Sturm der Chinesen gegen ihre Regierung verhindert wurde, hat sich das Blatt völlig gewandt. In der Südprovinz Kwantung haben faft alle englischen und amerikanischen Miffionare das Land verlassen müssen und haben für ihre verlassenen Arbeitsfelder die Hilfe der deutschen Missionare anrufen müssen. Den deutschen Missionaren dagegen ist die Rückkehr auf ihre Arbeitsfelder selbst nach Ostafrita gestattet. Ja, auch Indien scheint der Arbeit der deutschen Mission wieder geöffnet zu werden. Die Treue erhält ihren Lohn. Angesichts biefer glänzenden Aussichten muß die deutsche evangelische Christenheit die Missionsarbeit mit verdoppeltem Eifer aufnehmen." Also wir brauchen gar teine Panzerschiffe und Torpedeboote mehr. Die Generalsynode von Brandenburg erobert das verlorene deutsche überseeische Terrain" spielend zurüc mit den Bataillonen der evangelischen Miffion. rede des rühmlich bekannten Hofprebigers D. Döhring gegen die Der zweite Höhepunft der Synode war eine Kampfrömische Gegenreformation", so ganz im Stil feiner Kampfparole An Rom sterben die Bölker". Es scheint freilich, daß trog Döhring Rom länger leben wird, als den fleinen Geistern von Berlin lieb ist. Der Kurafor Deutschöfterreichs, Generalfommiffar Dr. Zimmerist nach dem Genfer Beschluß ab 1. Januar 1926 nicht mehr daran mann, hat seine Wohnung in Wien gefündigt. Dr. Zimmermann gebunden, in Wien zu wohnen. einen mißigen Einfall, der sie lachen macht. Benn Götter lachen. weint die Menschheit. Ein Kuli, der die Ente zum Festmal des Mandarinen bereithält, erblickt über das goldene Tor hinweg die schöne Li. Dieses Gitter scheidet Bolt von Herrscher. Wer es überschreitet, verfällt dem Tod. Dem liebenden Ruli wird die Ente geftohlen. Da er seine Liebe nicht verraten darf, so wird er dem Henter übergeben. Eine letzte Bitte erfleht er: Bergessenheit. Und nun verwandeln die Götter die Gestalten, der Opiumrausch tommt über die Menschen, Mandarin wird Kuli, Kuli Mandarin. In der Gestalt des Kuli liebt Li den ihr sonst so fremden Mandarin. Erst scheinen geläutert, befehrt, verwandelt in ihrem Sinnen, und als der Tag gibt alle Menschen ihrem eigenen Dasein zurück. Alle heiliges Symbol der Befreiung, vom Gott geschickt, flattert die Ente dem Zug der Nonnen und Bonzen voraus. Die Kredite der Landespfandbriefanstalt. Der Prozeß gegen Nehring, Lüders und Gen. B. S. Vor dem großen Schöffengericht Berlin- Mitte began heute vormittag der Prozeß gegen die Direttoren der Landespfandbriefanstalt, 1. Geh. Reg.- Rat Nehring, 2. Direktor Albert Lüders, 3. gegen die ehemaligen Geschäftsführer des BiyemizKonsortiums, den Kaufmann Rüdiger v. Egdorf, Hauptmann a. D. Wilhelm Albrecht v. Karstedt und den früheren Rittergutspächter Hans Karl v. Carlowig. Gegen Rechtsanwalt Dr. BedhoffKöln ist das Verfahren dagegen unlängst eingestellt worden. Die Berhandlung wird von Landgerichtsdirektor Lehmann geleitet, während als Vertreter der Anflage Staatsanwaltschaftsrat Dr. Zimmermann fungiert. Den Angeschuldigten stehen folgende Berteidiger zur Seite: Dr. May Alsberg, Dr. Gollnid, Justizrat Wronter, Rechtsanwalt Chodziesner, Justizrat Friz La de wig und Rechtsanwalt Dr. Sa d. 3eugen in diesem Prozeß sind u. a. geladen: Banfier Poppelauer, als Sachverständige in banktechnischen Fragen die Direktoren Dr. Meyer und Vormbaum, Mehlform, Banfier Frizz Schiecke und Steuersyndikus Dr. Georg Schulze; eine Anzahl Zeugen waren beim Aufruf nicht erschienen. Als Es folgte zunächst die Feststellung der Personalien, wobei sich ergab, daß Geheimrat Nehring aus der Verwaltungsfarriere hervorgegangen ist, er war aber zuletzt Vortragender Rat im Reichswirtschaftsministerium, während Direktor Lüders aus dem Bankfach stammt und früher Leiter der Girozentrale Pommerns und der Stettiner Spartaffe war. Die Angeklagten v. Etzdorf, v. Karstedt und v. Carlowig sind frühere Offiziere, v. Ehdorf hat dann das Bankfach erlernt, während die anderen beiden sich in der Landwirtschaft betätigt haben. Hierauf wurde die Anklage verlesen, die den Angeklagten Untreue bzw. Anstiftung und Beihilfe dazu vorwirft. Wie der Borsitzende hierzu erklärte, besteht bei Lüders und Nehring außerdem die Möglichkeit, daß ihre Taten auch als intellettuelle Urtundenfälschung, Vernichtung amtlicher Urkunden oder falsche Beurkundung durch Beamte zu beurteilen sei, daß ferner bei den übrigen Angeklagten auch Betrug an der Landespfandbriefanstalt( LPA.) in Frage kommen könne. Dann wurde in das eigentliche Berhör eingetreten, und zuerst der 22 gab. Wie er betonte, war die LPA als Körperschaft des Angeklagter Nehring vernommen, der ein Bild von der Organisation öffentlichen Rechtes gegründet worden mit der Aufgabe, dem nicht der 2 gab. Wie er betonte, war die LPA. als Körperschaft des landwirtschaftlichen Grundbefiz Kredite zur Herstel lung von Kleinwohnungen zu beschaffen, und zwar durch Ausgabe von Pfandbriefen, sowie durch Hereinnahme furz- und langfristiger Gelder. Auf die Frage des Vorfizenden, ob besonders petuniäre Borteile ihn als vortragenden Rat veranlaßt hätten, diese Stellung anzunehmen, erklärte Nehring, daß ihn bei der LPA. hauptsächlich die selbständige Stellung, dann aber auch das Gehalt reizte, denn er erhielt das Gehalt eines Ministerialrates mit 50 Proz Zuschlag. Das Finanzministerium habe dieses Gehalt genehmigt. Allerdings sei er, Nehring, nicht bantmäßig erfahren gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob ihm als Juristen nicht die Anfangsgründe der Buchführung bekannt gewesen seien, erwiderte der Angeklagte, daß ihm die Möglichkeit einer Kontrolle der Buchhaltung gefehlt habe. Sehr interessant gestaltete fich dann die Bernehmung des An getlagten Nehring über den Geschäftsbetrieb der Landespfandbriefanstalt, besonders aber über die Kredite, die das Unternehmen an Siedler hergab und über die Haltung der einzelnen Behörden gegenüber der LPA. Nehring erklärte, daß er sich von Anfang an gegen die Belastung der LPA. durch die Wohnungsgesellschaften gewehrt habe, die als Filiale in das Unternehmen hineingezogen werden sollte. Ministerialdirektor Conze habe jedoch gerade auf diese Einbeziehung der Wohnungsgesellschaften gedrängt und dadurch fei von vornherein der Betrieb unendlich verteuert und sonders nahes Verhältnis bestand zwischen der LPA. und der die Rentabilität nahezu ausgeschloffen worden. Borj.: Ein be Kreditabschlüsse faft ein Drittel des Nugens Provision erhielt. Cine Heimstättengesellschaft in Magdeburg, die für solche Beteiligung ist doch sonst ganz ungewöhnlich. Dabei hatte die CPA. Kreditbedingungen, die fein Siedler zu tragen vermochte. Wenn sie zum Beispiel 100 000 M. an einen Siedler als Dar lehen gab, fo berechnete sie einen Disagio von 65 Proz., nahm dann 10 Broz. Abschlagsprovision, ließ sich jährlich 5 Broz Zinsen zahlen und außerdem mußte der Mann noch jährlich 1% Broz. der NominalDie Zahl der Juden in der Welt. Nach einer Statistit, die vom Univers Ifraélite" wiedergegeben wird, beträgt die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in der Welt 14 163 543, alfo ungefähr ein Prozent der gesamten Menschheit. In Europa beträgt die Gesamtheit 9 232 576, 2,1 Broz. der Bevölkerung. Im einzelnen verteilen sich die Zahlen auf die verschiedenen Länder folgendermaßen: Bolen 2829 456; ganz Rußland 5 253 324, davon 2 626 667 in EuropäischRußland; 1772 479 in der Utraine; Rumänien 834 344; Deutsch land 575 000; Ungarn 473 310; Tschechoslowatei 354 342; Desterreich Staaten 3 500 000. 300 000; Großbritannien 280 000; Frankreich 150 000; Bereinigte land. Ein Kreisjowjet im Gouvernement Moskau hat an den Mos Bestimmungen über die Verwendung von Kirchfürmen in Rußtauer Sowjet die Anfrage gerichtet, ob es zulässig sei, die Kirchtürme des Kreises als Wassertürme bei der Einrichtung von Wasserleitungen auszunuzen. Auf diese Anfrage ist der Bescheid erteilt worden, daß vorher um ihre Zustimmung ersucht werden soll. der Sowjet eine solche Verwendung der Türme für zulässig ansehe, daß aber in jedem einzelnen Fall die betreffende Kirchengemeinde Theodor Loos, Lucie Höflich, Eduard Künneke, E. W. v. Reznicet, Es wär so schön gewefen. Uns geht eine von Agnes Straub, W. Kirchhof, Mar Gulftorff und Eugen Klöpfer unterzeichnete Bu schrift zu:„ Wir unterzeichneten erklären, daß uns der an den Ber liner Litfaßsäulen erschienene„ Aufruf zur Gründung eines Nationaltheaters" nicht zur Unterschrift porgelegen hat, und daß wir uns mit seinem Inhalt nicht identifizieren." Was ist der Mensch? Und wie entstellt ein buntes Kleid, ein Amt und eine Würde die Seele der Kreatur. Nur an äußeren Beichen erkennen sich die Menschen, ihre Kleider, nicht ihre Geelen, die edle Frage des Buches. In der erhabenen Seele des strengen ihre Tracht, nicht ihre Zungen reden miteinander. Das ist die schöne, Mandarin fann ein Kulischicksal erwachen. Herrenträume im Kuliherzen." Tiefste Wünsche werden laut, Sehnsüchte, die nur eine ungerechte Weltordnung verschüttet. Ein ernster sozialer Ruf nach gleichen Rechten wird laut, würde laut, wenn uns das Ende, das furze Entlassen des einsamen Kuli nicht in die leblichkeit und Schlechtigkeit der an Märchen und Träumen so armen Welt zurückftieße. Es bleibt alles beim alten, Knecht und Herr tauschen selbst im Land der Utopie ihre Rollen höchstens für eine einzige Nachtischer findet am Donnerstag, den 24. September, 8 Ubr, im Dom statt. durchsichtigen Führung ist Gáls schönes und unterhaltendes Talent des Bergeffens. Diesem Stoff in seiner sittlichen Schärfe und unnicht gewachsen gewesen, und so löft sich das Rätsel eines kleinen Kurt Singer. Mißbehagens in Wohlgefallen auf. veröffentlicht den ersten authentischen Bericht der legten wissenschaft Aftronomische Observatorien der Vorzeit. Die„ Chicago Tribune" lichen Expeditien, die von den Bereinigten Staaten zur Erforschung der mittelamerikanischen Manatulturen entfandt war. Diese Berichte beweisen, daß die Mayakultur ein weitaus größeres Gebiet beherrscht hat, als man bisher annahm. In der Ruinenstadt Comalcalo, wo die Hauptarbeiten vorgenommen wurden, grub man ein astronomisches. Observatorium aus der Magazeit aus, das aus Sügeln und Pyramiden besteht, die so angeordnet find, daß von dem hinweg unter genau berechneten Bedingungen die Planeten und niedrigsten Hügel aus die Briefter über die Spigen der Pyramiden Firsterne anvisieren und auf diese Weise Borausberechnungen von Sonnen- und Mondfinsternissen anstellen konnten. Uebrigens wäre hierbei zu erwähnen, daß bereits im vorigen Jahr in Uagactum ein ähnliches, aber noch vollkommener ausgebautes Observatorium ausgegraben worden ist. Die Byramiden dienten zugleich als Grabdenkmäler, in denen auch diese letzte Expedition wertvolle Funde gemacht hat, darunter die schönsten bisher entdeckten Exemplare von Borträtreliefs der Maŋazeit, Orgelfonzerte im Dom. Das nächste Drgellonzert vont Professor Walter Es wirken mit: Adelheid Bidert( Sopran) und Gustav Fineman( Bioline). Programm zu 50 Pf. berechtigt zum Eintritt. Käthe Hyan trägt auf Einladung der Bolfsbühne am Donnerstag 8 Uhr im Ritterjaal der Kroll- Oper Berliner Lieder zur Laute vor. Dic Einlaßkarten find bereits vergriffen. Der 60. Geburtsfag Friedrich Clenhardts und May Halbes wird im Malchin fingt drei Lienhardt Lieder, vertont von Starl Schuricht. Um effing- Museum am Donnerstag gefeiert. B. A. Merbah spricht über die beiden Dichter, Julius Edgar Schmod lieft aus ihren Werken. Marie Flügel Rourad Krischen. daß die verschiedenen sogenannten" stunstgemeinden vornehmlich unitgemeinde des Mittelstandes( Geschw. Ruden)“ und„ Kunſt, und Wirtschaftsstarten für das Große Schauspielhaus in ihren Werbeschriften anzuzeigen gemeinde( Frau A. Langer)" Icinerlei Berechtigung haben, ermäßigte Großes Schauspielhaus. Die Direktion legt Wert auf die Feststellung, Der Hohenrodter Bund lädt Angehörige der Sungsozialistischen Bewegung und des Vereins Arbeiter- Jugend ein zu einer Jugendwoche über Boltshochschulwesen bom 1. bis 8. Ottober in zusammenfommen, die es zur Mitarbeit am Boltshochschulmesen drängt. Rotenburg a. d. Fulda. Es werden bort Angehörige aller Jugendbünde Anmeldungen an Direktor Bäuerle, Stuttgart, Hölderlinjtr. 50. Mittelloje erhalten auf Wunsch Unterstügung. dortigen Gegend ein reiches Goldfeld entdeckt worden sei, das auf un Goldfunde in Italien. Die Blätter melben aus Ballanza, daß in der gefähr 200 Millionen Lire geschäkt wird. Das Verhältnis ist 4 Gramm Gold in einer Zonne Gestein Jumine Berwaltungsuntoften bezahlen. Auf diese Art und Weise mußte Ihnen der Stadler alfo im Jahr 35-40 Broz. der geliehenen Summe bezahlen. Angefl. Nehring: Ich gebe zu, daß die Berhältnisse so lagen, aber man muß in Betracht ziehen, daß damals ganz allgemein hohe zinjen auch von den Brivcibanten genommen worden find. Ich habe nach der Gründung der LPA. versucht, die Preußische Staatsban? für uns zu interessieren. Der maßgebende Herr dort mar jedoch uns gegenüber sehr stepfisch, weil man der Ansicht war, daß wir bei der schlechten Lage des Geldmarites von pornherein mit ungefunden Zinsen arbeiten müßten. Dorf.: Diese Anficht ist auch vollkommen richtig gewesen, denn Ihre 3lusforde. rungen find doch lehien Endes jo hoch gewesen, daß der Siedler nach drei Jahren allein an 3injen das gesamte geliehene Sapital, wie man jo fagt, ausipuden mußte. Die LẞA. ist doch, wie man ganz flar erkennt, vom ersten Tage an ein lebensunfähiger Organismus gewesen. Wie tam es nun, daß Ihre Forderungen den Kapitalsuchenden gegenüber so erabitant hoch waren? Angell.: Nehring: Es lag daran, daß das Wohlfahrtsministerium uns dazu drängte. Dort wünschte man nämlich, daß auch die Wohnungsfürsorge noch in unseren Betrieb eingeschaltet wurde. Der Angeklagte wies dann weiter auf die finanziellen Schwierig: keiten der A. infolge der ständigen Geldentwertung hin. Auf feine Anfrage beim Ministerium, ob er das Geld der Anstalt nicht in Attien anlegen dürfe, habe er eine abschlägige Antwort erhalten, ebenso habe das Finanzministerium die Erhöhung des Grundfapitals abgelehnt, weil kein Geld da war. Die im Aufsichtsrat fizenden Abgeordneten hätten dann eine zweimalige Erhöhung der Grundkapitale durchgefeßt, zuletzt im November 1923, auf 100 milli arden Papiermart, die aber ebenfalls bei der Stabilisierung wertlos maren. Auf Wunsch des Borsitzenden äußerte sich Angcllagter Nehring auch noch über die Organisation der Geschäftsleitung. Borsigender: Wie famen Sie nun dazu, fremde Gelder hereinzunehmen und auszuleihen? Sie hatten doch nur für Wohnungs- oder Siedlungszwede tätig zu fein. Angekt.: Infolge der Notlage meiner Anstalt erfundigte ich mich, wie denn andere Anstalten sich aushalten, da bekam ich den Be scheid, daß sie infolge dieser Zwangslage ihre Sagungen etwas weitherziger auslegten. Vors.: Bon wem befamen Sie diesen Bescheid. Angell.( zögernd): Das möchte ich nicht sagen. Bor: Vom menschlichen Standpunkt verstehe ich zwar Ihre Hem mungen, aber im Intereffe einer gerechten Beurteilung Ihres Falles wäre es doch beffer, wenn Sie rücksichtslos aussagten. 2ngeti. ( imrner noch zögernd): Wenn ich mich entlasten würde, dann würde ich, es aussagen, aber ich sehe feine Entlastung in meiner Angabe. Die Verteidigung erklärt schließlich, daß sie sich die vom Vorfizenden gewünschten Mitteilungen für später vorbehalten werde. Angefl.: Die Kredite beschaffte ich mir aus privaten Mitteln. Andere haben sich doch auch so geholfen, wie z. B. ganze Stadtſchaften; wieder andere Anstalten haben sich einer Aktiengesellschaft angegliedert. Das hat aber ministerialrat Raiser für uns abgelehnt. Im übrigen habe ich in persönlichen Besprechungen mit Kaiser ihn absolut ins Bild gesezt und er hat mir nicht widersprochen. Ich kann mit damit natürlich nicht amtlich entfchuldigen, aber märe unfer Berhalten verwerflich gewesen, dann hätte es mir doch sicher Ministerialrat Kaiser untersagt. Bors.: Deshalb entsteht die wichtige Frage, wie weit das Ministerium im Bilde war. Angell.: Offiziell war das Ministerium nicht im Bilde, aber Kaiser wußte doch persönlich um diese Dinge. Der Angeklagte äußerte sich dann weiter über die Kreditgeschäfte, bei denen es fich immer um furzfristige redite mit hinreichenden Dedungen handelte. Der Vorsitzende wies bemgegenüber hin, daß diese Kreditgeschäfte, wenn sie nicht Wohnungs- oder Sied. lungszwecke dienten, jagungswidrig waren, wie ja auch feinerzeit gegen die Mitteldeutsche Heimstätte schmere Angriffe megen ihrer fagungswidrigen Geschäfte gerichtet worden seien. Mehring hätte also besonders vorsichtig sein müssen. Dann kam der Bor figende auf die Tatsache zu sprechen, daß auch ohne Dedung äredite gegeben morden feien, entweder fahrlässig, oder aus einem bestimmten Grunde. Bei pflichtgemäßer Aufficht hätte der Angeklagte das feft stellen müssen. In diesem Zusammhang wurde ein Brief verlesen, den der Buchhalter 3mhoff im Rovember 1923 an die Direffion der LPA. gerichtet und in dem er um feine Entlaffung bat, weil er in dem von Direktor Lüders neu eingeführten Buchungsfeitem eine Rändige Fehlerquelle und ein Hindernis für eine ordnungsmäßige Buchführung fehe. Borf.: Dieser Brief fommt mir vor, wie ein Notschrei eines alten pflichtbewußten Beamten. Angefl.: Ich bezog diefen Brief nur auf die Buchhaltung. Lüders hatte die amerikanische Buchführung eingeführt, mit der Imhoff nicht einverstanden war. Die beiden tamen überhaupt nicht miteinander aus. Im weiteren Verlauf der Vernehmung stellte der Vorsitzende fest, daß die LPA. von einem ganzen Netz von Sonder- und Neben gründungen umgeben mar, zum Beispiel von der Wohnstättendant, von der Wohnstättengesellschaft, von Finanzierungsgeschäften usw. Die Kompetenzen der leitenden Personen all diefer Institute hätten einander stets gefreuzt, vielfach habe auch Bersonalunion bestanden, so zum Beispiel bei dem Direktor Meyer von der Wohnstättenbank, der in die Landespfandbriefanstalt eintrat und dort zu seinem Ge halt sofort eine Zulage von 50 Proz. monatlich und eine Sonder vergütung von 5000 Mart im Monat erhielt. Dann schilderte der Angeklagte, wie die Kreditgeschäfte bei der LPA. zustande famen und der Vorsitzende ging zunächst auf den Fall des Banthauses Schappach ein, das in Bahlungsfchwierigkeiten geriet und durch das die LPA. 140 000 Goldmart verlor, weil die Kredite ohne Effettenbedung gegeben worden waren. Der Angeflagte Nehring erklärte, daß sein Kollge, der Direktor Lüders, mit diesem Kreditgeschäften betraut gewesen wäre. Lüders sei im November und Dezember 1923 äußerst nervös and frankhaft erregt gewesen. Das habe seinen Grund wohl mit barin gehabt, daß Lüders zu einer anderen Bant geben wollte, daß er, Nehring, ihn aber nicht aus seiner Berpflichtung der 2. gegenüber herausgelaffen habe. Anfang Dezember 1923 fei Nehring in Magdeburg gewesen, als Lüders ihn anrief und ihm telephonisch mitteilte, die Firma Schappach habe fich unfer Geschäftsaufsicht gestellt und die CPA. habe dabei einen Berluft von 140 000 27. zu erwarten, weil diefe Summe ohne Sicherheit gegeben worden sei. Ihm, Nehring, sei das Vorgehen seines Kollegen Lüders vollkommen unverständlich gewesen, er habe Lüders zur Rede gestellt und dieser habe ihm gejagt: Ich habe stets die Einbildung gehabt, daß ich von Schappach Deckung für die Kredite hatte, aber ich mußte es nicht genau. Dann habe er, Nehring, mit dem Bantier Echiede von der Firma Schappach persönlich verhandelt und dabei habe Schiede ihm erflärt, daß Direttor Lüders für die Kredite mit Ausnahme des legten und größten Kredites niemals eine Dedung verlangt habe. Der Angell. Lüders stellt das in Abrede. Borf.: Es sind von Herrn Lüders drei Kredite an die Firma Schappach gegeben worden, die sich Anfang Dezemiber 1923 auf 140 000 Billionen, oder umgerechnet 140 000 Gold mart beliefen. Wenn in den Aufstellungen der CPU. behauptet wird, das die ersten beiden kredite von der Firma Schappach zu rüdgezahlt worden seien, so ist das falsch, denn in Wirklichkelt find niemals Rückzahlungen erfolgt, vielmehr ist die alte Schuld immer wieder durch einen Abzug von dem neuen Kredit ausgeglichen worden. Sie, Herr Nehring haben doch von diesen Gechäften, auch einen Teil der Berantwortung. Hat Herr Liders Sie niemals gefragt, ob er diese Kredite hergeben dürfe? Zingefl. Nehring: Ich bin niemals danach befragt worden, denn diese Geschäfte fino immer am Telephon abge fchloffen worden. L Hierauf trat eine turze Mittagspause ein Schafft Dauerkleingärten. Ueber 2000 Kleingärtner aus dem Bezirk Wilmersdorf hatten sich in den Bittoriagärten versammelt, um Protest zu erheben, daß der Magistrat und die Stadtverordneten von Berlin, wie auch das Bezirksamt Wilmersdorf bisher nichts unternommen haben, um Dauertleingärten im Bezirk auszuweisen. Beträngte Plakate mit furzen Inschriften und bekränzte Banner betonten in hübscher geschmackvoller Weise die Forderungen der Kleingärtner. Der erite Borfigende des Bezirksverbandes der Kleingartenvereine, Reinhold, hielt das Referat. Rameraben die Baffe, ein 6- mm- Teiching, und hantierte auf de Straße damit. In diesem Augenblid tam fein Better, der 13jährige Schüler hans hölz aus Berlin, auf seinem Rade die Chauffec entlang. Zum Scherz zielte D. nach dem Knaben, und in der Meinung, daß die Baffe nicht geladen sei, drückte er ab; fast gleichzeitig stürzte hölz in den Kopf getroffen Lautlos bom baus in openid gebracht. ie die Aerate feftftellten, ift bie Rad auf die Chauffee. Der Berlegte wurde sofort nach dem StrantenStugel in das Gehirn gedrungen, so daß faum eine Hoffnung besteht, das Leben zu erhalten. Eine Rabenmutter. ihrem unehelichen mit in die Ehe gebrachten Kinde, einem jezt Eine brutale Erziehungsmethode, die die Ehefrau Rychlidi sechsjährigen Mädchen, hatte angedeihen laffen, spiegelte in fraffer eise die Berhandlung der gegen sie gerichteten Anklage wegen bei Nacht aus der Wohnung der Angeklagten herzzerreißendes gefährlicher Körperverlegung wieder. Hausbewohner hatten längere Zeit bereits wahrgenommen, daß bei Tag und aud Jammern und flatschende Schläge drangen. Als sie dann einmal hörten, wie das Kind die Mutter um Gnade anftehte. erstatteten sie endlich Anzeige. Es traten dann verschiedene AugenKind von der Mutter mißhandelt worden war. Einmal hatte sie das zeugen auf, die gesehen hatten, in welch barbarischer Weise das Kind auf die Erde geworfen, ihm mit dem Fuß auf die Hand getreten, um es am Boden festzuhalten. Dann schlug sie das Rind mit einem Knotenstod wohin sie traf. Ebenso war das Geficht und die Ohren mit Fäusten bearbeitet worden. Das Antwort:„ Das Dhr ist ja noch dran, ich freue mich aber, daß stellte die rabiate Frau hierauf zur Rede, jedoch betam sie nur die endlich einmal Blut geflossen ist. Das Schöffengericht Berlin- Mitte, vor das die Rabenmutter zunächst zur Berantwortung gezogen wurde, verurteilte sie zu 1 Jahr Gefängnis und nahm fie sofort in Haft. Auf ihre Berufung hin fah jedoch die Straftammer des Landgerichts I die Sache etwas milder an, da mit Erfolg nachgemiesen werden konnte, daß das Kind sehr ungezogen gewesen war und gebäffige Nachbarn die Mißhandlungen übertrieben hätten. Die Strafe lautete daher auf 9 Monate Gefängnis unter Anred) nung von 2% Monaten Untersuchungshaft. der Berband für die Erreichung der gesteckten Biele mit Magistrat Er schilderte die Sorgen der Kleingärtner und die Kämpfe, die und Ministerien geführt haben. Er wies nach, daß die Schaffung von Kleingärten hygienisch, sittlich und kulturell notwendig ist. Er führte Worte bedeutender Städtebauer des In- und Auslandes dafür schaffen wisse, und konnte es nicht verstehen, daß der Magistrat durch an, daß diese Forderung sich auch in diesen Kreisen Geltung zu ver die Bresse verkündigen ließ, die Ausführung des Reichsheimstättengefeges bedeute die entschädigungslose Enteignung der Grundbesiger". Er behandelte auch die Stellungnahme der einzelnen politischen Parteien zu dieser Frage und heb hervor, daß nur die Arbeiterparteien, vor allem die SPD., es gewesen sind, die sich für die Rechte und Wünsche der Kleingärtner eingesetzt haben und einsetzen werden, und daß die übrigen fast nur schöne Worte gemacht, aber nichts getan hätten. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion sprachen Bertreter aller Parteien. Bezirksamt Wilmersdorf war nicht vertreten, dagegen die Bezirksversammlung durch mehrere Bezirksverordnete. Die Ber treter der Deutschnationalen, Bolksparteiler und Demokraten betonten, fie wären selbst Kleingärtner und wollten sich auch nach Möglichkeit dafür einsehen, daß ihre Parteifreunde dafür ein träten. Ungläubige Stimmen aus der Versammlung wurden mehr. fach laut, Genosse Stadtrat Hermes. Steglig sprach im Namen des Bezirksverbandes der SPD. und versicherte den Kleingärtnern das lebhaftefte Interesse der Partei. Er betonie, daß diefes Interesse nicht nur vor den Wahlen auftauche, wie bei den bürgerlichen Fraktionen, sondern daß es durch mannig. faches Eintreten der Fraktion im Stadtparlament, durch Anfragen beim Magiftrat über den Verbleib des Ortsftatuts zu den Ausführungsbestimmungen des Reichsheinistätten gefeges bewiesen sei. Daß aber auf diese Anfragen der Sozialdemofraten immer noch keine Antwort erfolgt sei, es sei denn, man wolle die neueste Auslaffung des Magistrats in der Bresse dafür nehmen. Er betonte, daß die Versprechungen der bürgerlichen Bertreter so zu merten seien, wie ihre Versprechungen bezüglich der Aufwertung vor der Hindenburgwahl. Zum Schluß forderte er die Bersammlung auf, dafür zu sorgen, daß jeder Kleingärtner feine Stimme unserer Partei gebe.. Die kommunistische Vertreterin wies auf den Weg des genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Kleingärtner hin. Nach einem Schlußwort des Referenten, der nochmals betonte, die Kleingärtner müßten nun wissen, mem fie ihre Stimmen geben wollten, und in dem er sie nochmal zu feftem Zusammenschluß aufforderte, schloß ein großer und wirkungsvoller Demonstrationszug vor die Häuser des Bürgermeisters Franke und des Stadtbaurats Grüder die Versammlung. Das falsche Attest. Hart am Gefängnis vorüber. Mitleid brachte einen Arzt in eine üble Lage. Der praktische Arzt Dr. B. mußte sich vor dem Gericht wegen Urkundenfälschung verantworten. Er war beschuldigt, als Arzt ein unrichtiges 3eugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen zum Zwede des Gebrauchs vor einer Behörde wider besseres Wissen ausgestellt zu haben. Ein Herr K., den der Angeklagte seit 2 Jahren als Kajse Wohnung räumen, weil er fie unrechtmäßigerweise erlangt hatte. patienten fannte, sollte auf Veranlassung des Wohnungsanits feine Um einen Aufschub sich zu verschaffen, stellte ihm Dr. B. dann auf Frau K. sich im vorgerüdten Stadium ihres Zustandes befände. sein Verlangen ein zunächst nicht zu beanstandendes Attest aus, das zurückgewiesen. Darauf begab sich K. eines Morgens nochmals zu Dieses Attest wurde jedoch als zu unbestimmt vom Wohnungsamt dem Angeklagten, ließ Dr. B., der fast die ganze Nacht bei der Be handlung einer Gasvergiftung ärztlich tätig gewesen war, aus dem Bett holen und schilderte ihm seine unglüdliche Lage. Inter in weis auf seine furchtbaren Wohnungsverhältnisse, die schon den Tod eines Kindes verursacht hatten und eine schwere Gesundheitsschädl= gung seiner Frau befürchten ließe, beschmar er ihn buchstäblich auf den Knien, ihm dadurch zu helfen, daß er ein Attest ausstelle, daß seine Frau furz vor der Entbindung stände. In diesem Falle wird nämlich von den Wohnungsämtern ein Aufschub bis zu zwei Monaten gegeben. Nach anfänglichem Ablehnen und nachdem K. ihm versichert hatte, er wolle das Attest gar nicht dem Wohnungsamt vorlegen, fondern nur einem Bekannten, der Beziehungen zu demselben habe, gab der Arzt in feiner törperlichen Erschöpfung schließlich dem Drängen nach und attestierte, daß er nach ärztlicher Untersuchung diesen Befund festgestellt habe. Das Wohnungsamt schöpfte jedoch Berdacht, ließ die Frau dura) den Stadtarzt uniersuchen und so tam die Sache heraus. Das Schöffengericht Berlin- Wed ding verurteilte Dr. B. darauf wegen Urfundenfälschung 3u einem Monat Gefängnis, indem es ausführte, der Angefiagte als Mann von Bildung und Erfahrung habe die von St. als Zeugen nicht bestrittene Aeußerung, das Attest dem Wohnungs. amt nicht vorlegen zu wollen, als Lüge erkennen müssen. Auf höhere Strafe jei nicht erkannt worden, weil er aus Mitleid gehandelt habe, auf eine Geldstrafe dagegen auch nicht, da das Attest eine traffe Lüge darstelle. Auf die durch Rechtsanwalt Dr. Klee eingelegte Berufung hin erfarnte jedoch die Straffammer des Landgerichts III auf Freisprechung. Es wurde angenommen, daß Dr. B. in seiner geistigen Abspannung gemäß der Bersicherung des R. mit einem Borlegen des Attests bei dem Wohnungsamt nicht gerechnet habe. Fahrlässig habe er allerdings gehandelt, jedoch reicht dies zu einer Berurteilung nicht aus. Paul Johns Bestattung. In unserem am Sonntag( in Nr. 445) gebrachten Bericht über die Bestattung des Bürgermeisters Genoffen Baul John ist durch Umstellung und Ausfall einiger Zeilen der Sinn entstellt worden. An der betreffenden Stelle, bei der Rede des Oberbürgermeisters Böß, lautete der Bericht richtig fo: Bürgermeister John war einer der treueſten, zuverlässigsten, fleißigsten, tüchtigsten Beamten, die wir in unserer weitverzweigten Berwaltung haben. Mit feiner ganzen Berson hing er an der Stadt Er war der Rechte, in den schwersten Jahren an dem Aufbau des neuen Berlin mitzuarbeiten. Denn er war mit dem ganzen Herzen bei der Sache und hatte dann auch Erfolg. Er war aber auch der Mann, der gerade für die besondere Aufgabe im Bezirk Prenzlauer Berg fich eignete." Berlin. Die Stadtverordnetenversammlung hat in dieser Woche ihre Sigung am Donnerstag um 5 Uhr. Eine Erledigung der ganzen Tagesordnung, die infolge llebernahme vieler Refte aus früheren Sizungen nun schon wieder 48 Beratungsgegenstände entfrüheren Sizungen nun schon wieder 48 Beratungsgegenstände enthält, ist unmöglich. Auf der Tagesordnung steht unter anderem auch noch der schon Mitte Juni eingereichte Jozialdemokratische Antrag, der ein Ortsstatut zur Schaffung von Kleingartenbauerkolonien fordert. Zu den neueren Anträgen gehört der sozialdemokratische Antrag auf Unterſtügung abgebauter Gemeindearbeiter, der jetzt zur zweiten Beratung auf die Tagesordnung gesetzt ist. Das Spielen mit Schußwaffen. Die oft gerügte Unfitte, jugendlichen Bersonen eine Schußwaffe in die Hand zu geben, hat wiede einen bedauerlichen schweren Unfall herbeigeführt. Der 15 Jahre alte Lehrling& arl Döhr aus irigarten zeigte seinen Eine Nachbarin dem 15000 Mt. Auch ein Aerztefeind. Unter diesem Titel brachten mir in 20. September einen Artikel, in der Morgenausgabe vom den der Druckfehlerteufel einige Fehler und Ungenauigkeiten eingeschmuggelt hat. Also Genoffe Weyl wurde Scheyer. Herrn Dr. dem Teilhaber an den Ehrensold, in der Aerztekommerfizung belobt", weil er auf An= regung von Dr. Schener erreicht hat, daß zwischen den bis dahin ohne Vertrag tätigen Schulärzten und der Stadt Berlin ein fefter Bertreg cbgeschlossen murde. Beim Wohlfahrtsministeritun handelt es sich natürlich um vollbefolbete Kreisärzte nicht Kaffenärzte. Zu dem Berbrechen" des Gen. Weyl gehört es, daß auf Jeinen Antrag vom Landtag ein Gefeßentwurf aur Ehrengerichts barkeit fertiggestellt wurde, der die von uns mitgeteilten Neuerungen enthält und der dem Landtag bei seinem jezigen Bujammentritt vorgelegt wird. Der von uns erwähnte Vorschlag einer Arbeitsgemein schaft datiert vom Jahre 1923. Durch diese Berichtigung hoffen wir die wirklichen" Berdienfte der ffanbestreuen Aerzteführer der dankbaren Nachwelt zu ergelten. Dachsinhibrand in Südende. Die Feuerwehr und die Brandtommiffion der Kriminalpolizei wurden heute früh nach dem Grundstück Stegliger Straße 36 in Südende gerufen. Hier sahen gegen 4½ Uhr Ballanten Qualm aus dem Dachfirst herausdringen. Sie medten sofort die Hausbewohner und riefen zugleich die Stegliter Boden und auch die Deke über dem 4. Glod mar bereits angeFeuerwehr an, die in fürzester Zeit erschien. Es brannte auf dem Schroeft, aber noch nicht durchgebrannt. Das euer war balb gelöfót. Es ist wahrscheinlich durch Fahrlässigkeit oder unvor. fichtigteit entstanden. Vorfäßliche Brandstiftung liegt wohl nicht DOT. Dank der Aufmertfamteit der Paffanten, die auf ihren Gängen durch die Straßen jeht viel auf die Dächer zu achten pflegen, wurde ein großer Schaden verhütet. Sfeiret- Abend' n Berlin. Sir ben teir crebrnb. der Diensica. den 22. b. W., im Beethoven Eqal ber bilbarmonie nattfindet, gibt hich anterordentliches Interesse funt. Zum erstenmal in Berlin wird bier von den Damen und Herren aus( raz, die Un nerfäljeter Schönheit vorgefübit. Im Verein mit dem tibiibrortrag fünlerischen Ruf jest auf ihrer Sicife durch Deutschlands Etädte hewäert über Steiermark und mit den egitationen des jungen Molegner eus des land und seinen Lenten vertraut machen. Der peiemte Steinerirag flest Broßvaters Dialektbidjiungen mid der Abend mit den deutschen Aben bein deutsch österreichischen Kinderhills werf zu. haben, dos feirer Rieb und der Steirer ang in 1 Neue Brandfatastrophen in Tokio. Die Ursache des Feuers im Parlamentsgebäude. Tolio, 21. September.( Eigener Drahtbericht) Am Sonnebend und Connlag ist die Hauptstadt Japans erneut von schweren Bränden heimgesucht worden. Dez Palest des Minister präsidenten wurde durch eine Feuersorunft vollständig erfi ört; der Schaden wird auf 20 Millionen Den geschätzt. Am Sonntag vormiting murde das Soloß des Prinzent Tofugama durch einen Brand pöllig zerstört. Nach der Berstörung des Parlamentsgebäudes durch Feuer erregen diese zwei Brände, benen wiederum öffentliche Gebäude zum Opfer ge. fallen find, in Japan größte Aufinertfamteit, da politische Attentate vermutet werden. Condon, 21. September.( TU.) Wie der Times- Rorrefpondent aus Tofio berichtet, ist die Ursache der Brandtatastrophe des Barlamentsgebäudes bereits geflärt. Ein Arbeiter hat seine Benzinlampe unbemacht stehen lessen. Das Schincit plant den Bau eines zweiteiligen Gebäudes, dessen Kosten etwa 1800 000 Den betragen würden, um für die fommende Winter. tagung einen Raum zu finden. Die Parlamentseröffnung wird im Kaiser- Palast stattfinden. Schwere Flugzeugunfälle in Italien. Rom, 21. September.( BIB.) Heute haben sich zwei schwere Flugzeugunglüce ereignet. In Bisa ist ein Wasserflugzeug während eines Instruktionsfluges infolge falfchen Manöverierens umgetippt und aus 500 Meter Höhe zu Boden gestürzt. Der Pilot, ein Fliegerleutnant, und der Mechaniker waren auf der Stelle tot. Das zweite Fliegerunglück ereignete sich bei Mailand. Hier find die beiben Infaffen nur verlegt worden. Das Unglück ist durch einen angeblichen Motorfehler verursacht worden, welcher den Biloten zu einem plö lichen Sturzflug veranlaßte. Schwerer Bankraub in Koblenz. Koblenz, 19. September.( Mtb.) Als gestern vormittag gegen 11 Uhr bei einem großen Geldtransport von der Reichspost zur Reichs bant im Schalterraum der Reichsbank die Beträge abgezählt werden follten, stellte sich heraus, daß plötzlich ein Geldjad, der 92000 m. enthielt, und dicht neben dem Beamten stand, verschwunden mar. Die Affäre erregt in Koblenz großes Aufsehen. Man nimmt an, daß es sich um einen von langer Hand vorbereiteten großen Schlag handelt und daß fich der Spigbube zunächst tagelang mit den Gepflogenheiten der Beamten vertraut gemacht hatte, um dann im geeigneten Moment den Diebstahl auszuführen. Schiffstatastrophe auf der Ostsee. Der estnische Biermaftichoner Leona" wurde von dem Dampfer Orlanda" bei dem FeuerSchiff von Gjedser in den Grund gebohrt. Die a cht mann starte Bejagung der Leona" wurde von der Orlanda" gerettet und in Holtenau, ans Land gebracht Gewerkschaftsbewegung Die Landwirte als Tarifgegner. Zum Zollschuh die Peitsche. Die landwirtschaftlichen Arbeitgeber find befannt als die chärfften und konfequentesten Gegner jeder tarifvertraglichen Regeung des Arbeitsverhältnisses. Ihr Wunsch ist, wieder zu den Vorfriegsverhältnissen zurückzukommen, die es möglich machten jedem Landarbeiter ohne Rücksicht auf eine Organisation die Arbeitsbedin gungen diftieren zu können. Diese Einstellung läßt es begreiflich erscheinen, daß die hartnäckigsten Tarif- und Lohntämpfe heute in der Landwirtschaft geführt werden. Kürzlich haben die landwirtschaftlichen Arbeitgeber einen neuen eflatanten Beweis für ihre Tariffeindschaft abgelegt. Sie haben eine Dentschrift eingereicht, aus der das Erjuchen an die Regierung herausspricht, weitere Tarifabschlüsse für Forstarbeiter mit den Landarbeiterverbänden zu unterlassen. Befolge man diesen Ratschlag nicht, werde durch weitere Tarifabschlüsse der Tarifgedanke genährt, müffe man die behördlichen Stellen für die weiteren Tarifauseinandersetzungen in der Landwirtschaft verantwortlich machen. Die führende Rolle bei dieſem eigenartigen Vorgehen spielt nach zuverlässigen Angaben der Reichsverband der landwirt schaftlichen Arbeitgebervereinigungen, also jene Organisation, die nicht genug von der Notwendigkeit eines guten Einvernehmens mit den Arbeiterverbänden reden kann. Gegen die Absicht, den Forstarbeitern den Tarifvertrag zu nehmen, fann nicht scharf genug protestiert werden. Das würde bedeuten, daß diese Arbeitergruppe genau wie früher völlig schußlos dasteht und der Willfür vieler, nicht zart befaiteter Forstverwaltun gen ausgesetzt ist. Ein langersehnies und durch die Staatsummät zung endlich Tatsache gewordenes Recht würde wieder geraubt werden. Ob das im Interesse der deutschen Forstwirtschaft und ihrer guten Fortentwicklung liegt, wagen wir zu bezweifeln. Es würde bestimmt nicht lange dauern und die ersten Arbeitskonflitte wären da. Für viele Foistarbeiter würde das Fehlen jeder tarifvertrag lichen Regelung ihrer Arbeitsverhältnisse Grund genug sein dem Beruf zu entfliehen. Wir rufen deshalb dem preußischen Landwirtschaftsministerium zu, die von Machtlust und Willtürneigung diftierten Wünsche als nicht diskutabel abzulehnen. Nur so allein förmen unnötige Störungen des Arbeitsprozesses vermieden werden Gewerkschaftskonflikt in Dänemark. Kopenhagen, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Der gegenwärtig tagende Rongreß der ungelernten Arbeiter hat mit 20 gegen 166 Stimmen den Antrag angenommen, daß der Verband der ungelernten Arbeiter aus dem Gewertschaftsbund austritt. Die Meierei Bolle hat dem Verkehrsbund heute mitgeteilt, daß fie bereit wäre, auf der Grundlage dieses Vergleichsvorschlages zu verhandeln, wenn zugleich über den am 30. September ablaufenden Manteltarifvertrag verhandelt würde. Das bedeutet, daß die Firma die Lohnerhöhung von einer Verschlechterung des Mantelvertrages abhängig machen will. Hätte die Firma nicht diesen Standpunkt eingenommen, dann wäre der Vergleichsvorschlag aller Boraussicht nach von den Beschäftigten angenommen worden. So ist aber damit zu rechnen, daß Die heutige Funktionärkonferenz den Bergleichsvorschlag in der Form, wie ihn die Firma umzuändern gedenkt, ablehnen wird. Sollte es bei der Meierei Bolle wieder zu einem Konfiift fommen, dann würden die seltsamen Verhandlungsmethoden der Firma die Schuld daran haben. Lohnbewegung der Mühlenarbeiter. In den Lohnverhandlungen zwischen dem Verband der Lebensmittel- und Geträntearbeiter und dem Arbeitgeberverband der Mühlenbefizer konnte trotz längerer Verhandlung eine Einigung nicht erzielt werden. Die Unternehmer erklärten, wegen der allgemeinen ungünstigen wirtschaftlichen Lage und der schlechten Gefchäftslage ihrer Industrie insbesondere nicht imftande zu sein, eine Lohnerhöhung zu gewähren. Der Verband hat darauf zur Beilegung des Lohnstreites den Schlichtungsausschuß angerufen. Achtung Zimmerer! Es ist nicht anzunehmen, daß der Vorstand der Berliner Verbandszahlstelle nicht weiß, daß der Gewerkschaftstongreß von Breslau gegen zwei oder drei Stimmen den kommunistischen Antrag abgelehnt hat, der verlangte einen Bericht von der„ Rußlanddele gation" entgegenzunehmen, weil diese Delegation in teinerlei Auf frag und Beziehung mit den Gewerkschaften ihre Reise ausgeführt hat. Deffen ungeachtet, also jeder gewerkschaftlichen Disziplin zum Troh, hat der Vorstand der Zahlstelle Berlin zum Dienstag, den 22. b. m., eine allgemeine Mitgliederversammlung angefegt mit der Tagesordnung: Bericht von der Rußlanddelegation. Mit dieser Bersammlung ist nicht die Absicht verfolgt, eine wirkliche Aufklärung über die russischen Verhältnisse zu verbreiten, sondern dieses Manöver wird aufgeführt, um der Kommunistischen Partei Zutreiberdienste zu leisten und damit neue Uneinig feit in unsere Reihen zu bringen. Aus diesem Grunde sowie auf Grund der bisher gemachten Erfahrungen in dieser Beziehung ersuchen wir die Mitglieder, sich von den kommunistischen Drahtziehern für solche Broods nicht mißbrauchen zu fassen. Beg mit den kommunistischen Bhraj Die Mitglieder der Gewerkschaften haben Wichtigeres zu tun. Der Vorstand der SPD.- Fraktion. Gegen nationalistische liebergriffe. Beuthen, 21. September.( WTB.) Die Vertreter der Angegehilfenverbandes, des Gewerkschaftsbundes der Angestellten und des AfA- Bundes hatten am Sonnabend nachmittag bei dem Bräsidenten der Gemischten Kommission, Calonder, eine Audienz, in der sie sich über Mißhandlungen ihrer Mitglieder in Bolnisch- Oberschiefien beschwerten. Sie überreichten dabei eine Entschließung, in der Protest erhoben wird gegen die in letzter Zeit sich mehrenden Terrorafte gegen in Deutschland wohnende und in Polen be= fie einer durch den Genfer Vertrag gebilligten deutschen Organifation angehören. Die Erregung über die in den letzten Wochen bekannt gewordenen lieberfälle sei um so größer, als diese Terrorafte offenbar durch die Polizeiorgane geduldet und gebilligt würden. Präsident Calonder nahm die Ausführungen der BeschwerdePrüfung der Angelegenheit zu. führer mit großem Interesse entgegen und sagte eine eingehende Dieser Beschluß des nun schon zehn Tage, wie üblich. hinter ver: schloffenen Türen tegenden Arbeidsmandforbund" tommt nicht überstelltenorganisationen, und zwar des Deutschnationalen Handlungs. raschend. Man wußte, daß auf dem Kongreß der Gewerkschaft der ungelernten Arbeiter der latent schon seit dem Streit von 1921 vorhandene 3micjpait zwischen der Gewerkschaftszentrale und den ungelernten Arbeitern, nachdem er in den Arbeitskämpfen dieses Jahres zu offenen Reibereien und getrenntem Marschieren geführt hatte, zum Austrag tommen würde. In zwei Anträgen spiegelte sich die Erfenninis auf beiden Seiten, daß es so nicht weiter ginge. Eine Minderheit im Vorstand der Gewerkschaft, unterstützt von der Geschäftigte Angestellte, deren einziges Vergehen darin besteht, daß wertschaftszentrale, schlug dem Kongreß vor, den Berband in drei Branchenorganisationen aufzulösen. Der erste Borsigende dagegen verlangt, laß der Gewerkschaftszentrale eine Reihe von dingungen gestellt würden, bei deren Erfüllung allem der Berband Maglied des Gewerkschaftsbundes bleiben wolle. Beide Borschläge wurden verworfen und ein von Provinzvertretern gestellter Antrag auf sofortigen Austritt aus dem Gemertfdjafisbund angenommen. Der Kongreß ift nod) nit geschlossen, und vor allem wird nach dem Statut der Austritt erst in cinem Jahre nach Anmeldung effettin. Es ist also noch Zeit zum Berhandeln gegeben, wenn auch die Aussichten auf eine Milderung des Beschlufies oder Zurücknahme äußerst gering find. 2= Man muß damit rechnen, daß der größte dänische Berband, der mit 85 000 Witgliedern ein Drittel der dänischen organisierten Arbeiterschaft umfaßt, dem Gewertschaftsbund den Rüden fehrt. Wenn auch ein folcher Austritt in Dänemart nicht sofort zu starter Gegner schaft führt, wie es in Deutschland der Fall wäre, so lähmt er natürlich die Schlagfraft der dänischen Arbeiterbewegung außerordentlich. Vor allem find Rückwirkungen auf die Lage der sozialistischen Regierung zu befürchten, um so mehr, als dieser Beschluß im Grunde gegen die Haltung der Regierung in den Konfliktagen des Frühjahrs geht und die Gewertschaftszentrale nur infofern betrifft, als sie sich mit der Regierung in einer Linie fand. Eymptomatisa) ist es, daß der Kongreß in einer anderen Entschließung dem„ Socialdemokraten", der im Konflikt den Standpunft ter regierenden Genossen verteidigt hatte, sein Mißtrauen ausfprach. Große Bohnen. Dortmund, 21. September.( TU.) Wie verlaufet, hat der Ar. beitgeberverband der nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stehlindustrieller den Rahmentarif für die Angestellten zum 31. Dezember 1925 gefündigt, um eine Vermehrung der rbeitszeit zu erreichen. Die Schwerindustriellen werden sich bescheiden müssen. Aber die Arbeitszeit reicht nicht aus. Wirtschaft Berhandlung des Einzelhandels mit dem Reichswirtschafts ministerium. Am 18. September fand im Reichswirtschaftsministes rium eine Besprechung zwischen Vertretern der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und aller ihr angeschlossenen landschafte lichen Verbände statt, bei der die Bertreter des Einzelhandels unter lleberreichung des einschlägigen Materials über die gegenwärtige Lage und die Preisgestaltung im Einzelhandel Bericht erstatteten. Es wurde dabei sowohl auf die Preisgestaltung der Borlieferanten, als auch auf die übrigen Momente, die die Kalfulation des Einzelhandels beeinflussen, hingewiesen. Lebhafte Klage wurde über die außerordentlichen Belastungen durch die verschiedenen Maßnahmen der Reichsbahndirektionen, insbesondere über die Ladenverkaufs stellen in den Bahnhöfen mit unbeschränkter Verkaufszeit geführt. Der Vertreter des Reichswirtschaftsministeriums sagte die eingehende Prüfung und ausgiebige Verwendung des Materials zu, wobei er ausdrücklich betonte, daß die Regierung den Einzelhandel nicht etwa als den vorwiegend für die Berteuerung in Betracht fommenden Fattor ansehe und daß daher besondere Einwirkungen gerade gegen ihn nicht beabsichtigt seien. Die Stellen der Verteuerung lägen für die verschiedenen Waren durchaus nicht einheitlich, vielmehr fämen verschiedene Stufen in der Gütererzeugung und Güterverteilung in Betracht. Die Lage der deutschen Maschinenindustrie im August tenn zeichnet sich durch einen weiteren Rüdgang des Inlands geschäftes und durch weiteres Daniederliegen des Er portes. Für das Daniederliegen des Geschäftes wird in erster Linie die Geldnot verantwortlich gemacht. Man flagt ganz besonders über den schlechten Zahlungseingang im Inland und über die Unmiöglichkeit, am Weltmarkt solchen Ländern zu konkurrieren, die billige langfristige Exportkredite gewähren fönnen. Der Verein deutscher Maschinenbauanstalten erhebt am Schlusse seines Berichtes ausdrücklich die Forderung, durch den Abschluß von Handelsverträgen einen Abbau der Hochschutzölle des Auslandes herbeizuführen. Dazu wird er sich wohl eine begabtere Regierung suchen müffen! Berichtigung des Zolltarifs. Die Faffung der Tarifnummer 171 ( Dele und Fette) hatte bekanntlich in den Kreisen der Margarine industrie zu Zweifeln über die Verzollung der Margarineroh= stoffe Anlaß gegeben. Die ausgesprochene Absicht der Mehrheitsparteien, diese Rohstoffe zollfrei zu lassen, hat, wie die Konjunttur. Rorrespondenz" mitteilt, nunmehr ihren Niederschlag in einer Anweisung des Reichsfinanzministeriums an die 30llbehörden gefunden, worin diese angewiesen werden, die Rohstoffe für die Margarineinduftrie als zollfrei zu behandeln. Nach dem Zusammentritt des Reichstags wird eine entsprechende Berichtigung der Tarifnummer 171 erfolgen müffen. Aus der Partei. 60- Jahr- Feier in Braunschweig. der SPD. sein 60jähriges Bestehen. Der Braunschweiger Am Sonntag feierte der Ortsverein Braunschweig Ortsverein ist einer der ältesten Bereine der Partei. Am Vormittag fand eine von Tausenden besuchte Gedenkfeier am Grabe des Gründers Wilhelm Brate statt. Am nachmittag wurde die neue Fahne des Ortsvereins geweiht. Die alte Fahne des Vereins wurde bei der Beschung Braunschweigs durch die Märker- Truppen von der Soldatesta vom Schlofse geholt und auf dem Schloßhofe verbrannt. Die beiden überfüllten Festversammlungen, die unter größter Beteiligung der republikanischen Bevölkerung stattfanden, brachten auch einen Lichtbildervortrag aus der Geschichte der Braunschweiger Partei. Die Wirren der Inflationsjahre, die auch auf der Braunschweiger Bartei lasteten, find endgültig überwunden, und es geht jetzt auch in Braunschweig merklich vorwärts. Der prachtvolle Geist bei den Jubiläumsveranstaltungen war der beste Beweis für den neuen Aufstieg der Partei in Braunschweig. Sport. Duisburg, 21. September.( TU.) Bei den Rheinischen Stahl- Rennen zu Hoppegarten am Sonntag, den 20. September. werken sollen wegen Auftragsmangels Anfang Oftober 350 Arbeiter und Angestellte entlassen werden. Die Belegschaft des Wertes, die im vorigen Jahr noch 2000 Mann betrug, würde damit auf 250 Mann zusammenschmelzen. Verschärfung im Seeleuteftreit. 1. Rennen. 1. Turba( Totle), 2. Athalberga, 3. Mistral. Toto: 58:10. Play: 15, 12, 18: 10. Ferner liefen: Runkler, Morgensonne Goldlad, Fehrbellin, Alteneffen, Idea, Victoria, Gloriamar. 2. Rennen. 1. † Mara( Dreißig), 1. † Dbaig, 3. Freia III. Toto: 480( Maga), 105( Dbaig): 10. Play: 195( Maga), 152( Dbaig), 68: 10. Ferner liesen: Isonzo, Livadia, Great Gala, Blad Bridge, Parsifal, Malc 3. Rennen. Toto: 1. Rosa( Haynes), 2. Kronos, 3. Maestoso. 37:10. Blat: 25, 34: 10. Ferner liefen: Trianon, Schwalberich, Nettelbed 4. Rennen. 1. Roland( Haynes), 2. Marbud, 3. Sisyphus. Toto: Ferner liefen: Abgott, Tod und Leben, Sydney, 21. September.( WIB.) Der Bollzungsausschuß der partus, vederftrumpf, Houlgate, La Bourree. britischen Seeleute hat die Teilnahme an einer Konferenz, die von Troßdem ist die Haftung der ungelernten Arbeiter nicht poli- der Arbeiterpartei vorgeschlagen worden war, und der die Reeder tisch zu nehmen, vor allem nicht als eine Neigung zum Rommu- zugestimmt hatten, mit der Begründung abgelehnt, daß die Seeleute nismus. Dagegen ist sie der erste öffentliche Ausdrud der In zuerst dann in Berhandlungen treten werden, wenn die eingeferferten Dumpier, Melanie, Rubia, Satu Saturn, Nobelmann. friedenheit mancher Arbeiterfreise mit dem hier unleugbar fehr Sireifenden freigelassen find. fchablonenhaft gewordenen Parlamentarismus und der entsprechenden politischen und gewerkschaftlichen Taftif. Lohndifferenzen bei der Meierei Bolle. * Die bürgerlichen Parteien Australiens wollen den Streit der Sceleute bemipen, um die Parlamentsmehrheit der Arbeiterpartei zu brechen. Zu diesem offenbaren 3meck hat der Ministerpräsident Bruce, der den bürgerlichen Parteien angehört, das Barlainent, mit dem ein Konflikt gar nicht bestand, aufgelöst. Die Bürgerlichen glauben um jo mehr Aussicht zu haben, als die Schiffahrt für das australische Wirtschaftsleben eine Lebensnotwendigkeit ist. Die bei der Meierei Bolle Beschäftigten hatten den Deutschen Berkehrsbund beauftragt, mit der Firma in Berhandlungen zu treten über die Gewährung einer Teuerungszulage. Da sich die Firma zu feiner Lohnerhöhung verstehen wollte, wurde der Schlich tungsausschuß angerufen. Dieser tonnie fich der Notwendigkeit einer Lohnerhöhung nicht verschließen und machte einen Bergleichsvorschlag, nach dem fich die Löhne der Handwerker um 2 M., der Arbeiter um 1,50 M. und der Frauen um 1 m. bam. 1,50 m. in der Woche erhöhen sollten. Des weiteren fonte das bis zum 15. Oftover geltende Lohnablommen bis zum 30. Oftober verlängert werden. Die Erklärungsfrist der Parteien läuft bis zum 22. Sep- ordnung wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen gebeten Mitgliedebuch tember. Für Dich Charell- Revue Grosses Schauspielhaus Täglich 8, Uhr. Parkett Mk. B.Balkon Mk.4. 1. Rang Mk. 8. 2. Rang Mk. 1.50 2. Rang 0.75 Logen a. Kiabsessel Mk. 7-12. Vorverkauf ununterbrochen.Norden 2951. 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