Nr. 447 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 228 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reidsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Sonpareille. aeile 80 Pfennig. Reklamezaile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgebrudte Worte), jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Borie. Arbeitsmarkt geile 60 Pfennig. 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Eine spätere Meldung desselben offiziösen Korrespondenz bureaus besagt: Das Reichskabinetf frat heute nachmittag zu einer mehrffündigen Sigung zusammen, an der alle Reichsminister mit Ausnahme des dienstlich abwesenden Reichswehrministers teilnahmen. Ministerialdirektor Dr. Gaus erstattete ausführlichen Bericht über die Condoner Besprechungen, woran sich nach einem Referat des Reichsaußenminifters eine Aussprache über die weiteren mit dem Sicherheitspaft in Zusammenhang stehenden Fragen schloß. Die Beratungen des Kabinetts werden morgen fortgesetzt werden. Die endgültige Entscheidung wird in einem unter Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten abzuhaltenden Kabinettsrat getroffen werden. Das offiziöse Nachrichtenbureau meldet somit im Auftrage der Regierung, daß die Regierung nicht weiß, was sie mill. Die Einladung zur Battkonferenz gehört nicht zu den Ereignissen der auswärtigen Politif, die unerwartet und überraschend tommen und zu denen Stellung zu nehmen schwierig ist. Diese Einladung ist vielmehr das erstrebte, vorbereitete und vom Außenminister Dr. Stresemann heiß ersehnte Ergebnis der von der deutschen Regierung selbst betrie benen Außenpolitit. Ihre Ablehnung, sei es in offener, sei es in versteckter Form, würde einem vollkommenen Bruch mit der bisher betriebenen Politik gleichkommen. Sie würde der We't fagen, daß man mit Deutschland nicht verhandeln kann, weil Deutschland selber nicht weiß, was es mill. Indem die Regierung den Auswärtigen Ausschuß des Reichstags vertagen läßt, gibt sie zu, daß sie nicht imftande ist, in einer Frage, die längst teine mehr ist, in einem Falle, in dem es sich nur noch um eine Selbstverständlichkeit handelt, zu einem Entschluß zu kommen, daß sie außenpolitisch attionsunfähig ist. Einen Grund für eine Bertagung des Auswärtigen Ausschusses können wir in einem solchen Zustand der Regierung nicht erbliden. Es mag sein, daß die Regierung am Mittwoch unangenehme Dinge zu hören befommen hätte. Aber entweder hätte sie vom Auswärtigen Ausschuß den Stoß in den Rücken erhalten, den sie braucht um vorwärtszu fommen, oder aber die Dinge wären, so oder so, zu einer Klärung gediehen, die auf alle Fälle dringend nottut. Die Konferenz ist bekanntlich für Anfang Oktober in Luzern geplant. Sie ist, wenn wir recht unterrichtet sind, von Herrn Stresemann für diesen Ort und diese Zeit, vorbehaltlich der Zustimmung der Deutsch nationalen, schon vereinbart. Ein Zurücktreten von dieser Vereinbarung und damit von dem ganzen Pattplan, der von der deutschen Regierung felbft angeregt und eifervoll betrieben worden ist, würde einem Zusammenbruch der deutschen Außenpolitik gleichfommen. Es handelt sich nur noch um die Frage, ob dieser Zusammenbruch wirklich herbeigeführt werden muß, weil das Agitationsbedürfnis der Deutschnationalen, ihre Rücksichtnahme auch die politisch Ewigblinden eine solche tatastrophale Schädigung Deutschlands verlangt. Das Bild, das die Rechtsregierung in ihrer Entschluß Tofigkeit bietet, ist wahrhaft erbarmungswürdig und an sich schon geeignet, Deutschland schwer zu diskreditieren. Ja, wenn es gilt, in der Finanz- und Zollpolitik der Masse des Boltes zum Vorteil einer fleinen Minderheit ungeheure Lasten aufzubürden, da weiß die Regierung, was fie will. Aber wo es sich um Selbstverständlichkeiten der Außenpolitik, um die natürlichen von selbst gegebenen Konsequenzen ihrer eigenen Politik handelt, da weiß sie es nicht! Die Deutsche Volkspartei zum Sicherheitspakt. Die„ Nationalliberale Korrespondenz" veröffentlicht an der Spize ihrer gestrigen Ausgabe eine parteiamtliche Erklärung der Deutschen Volkspartei, in der es u. a. heißt: Nach Beendigung der Londoner Juristenkonferenz und dem Beschluß des Notenwechsels trat das Sicherheitsproblem aus den Borerörterungen in das Stadium der Verhandlungen ein. Aus diesem Anlaß wird die öffentliche Meinung in Deutschland durch Falschmeldungen, Sensationsartikel und leider auch durch poreilige Parteientschließungen in bedauerlicher Weise irregeführt und aufgeregt. Die Deutsche Volkspartei fann ihrerseits diesem Treiben im Bewußtsein der von ihr einmütig eingenommenen Haltung gelassen gegenüberstehen. Sie hat ihre Richtlinien zu der Sicherheitsfrage am 2. Juli in folgenden Hauptgrundgedanken feftgelegt:„ Sicherung der deutschen Best grenze gegen franzöfische Angriffe und Sanktionen ohne Preisgabe deutschen Volts. tums, Alenderung und möglichste Abkürzung der Rheinlands. besetzung, Räumung der ersten Zone vor Abschluß irgendwelcher Vereinbarungen, Bereitschaft auch zu östlichen Schiedsverträgen, aber unter Zurückweisung einer französischen Garantie und ohne Berschleierung des Zieles einer friedlichen Abänderung der unhalt baren östlichen Grenzen, endlich Eintritt in den Völkerbund bei Wahrung der Forderungen des deutschen Memorandums vom September 1924, insbesondere unter entschiedener Ablehnung jeder aus dem Eintritt etwa herzuleitenden Anerkennung der von uns stets bekämpften Kriegsschuldlüge." Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Das Heidelberger Programm. Von Artur Crispien. Die Sozialdemokratische Partei ist geschichtlich geworden Ihre Aufgaben ergeben sich aus der Welt, in der wir leben. Die schrankenlose Ausbeutung verschärfte das Massenelend bis Der aufkommende Kapitalismus enteignete die breiten Massen. zur Bedrohung der Lebenskraft der Lohnarbeiter. utopischen Schwärmereien lehnte sich der Lebenswille der In spontanen Arbeiteraufständen, in Verschwörungen, in Unterdrückten und Ausgebeuteten auf. Ohne Erfolg. Die Arbeiterbewegung hatte weder Plan noch Ziel. Karl Marg, Friedrich Engels, Ferdinand Lassalle deckten die Ursachen des sozialen Elends, Privateigentum an den Produktionsmitteln, auf, enthüllten die Bewegungsgesetze der Geschichte, erweckten das Proletariat zum selbständigen Befreiungsfampf, gaben ihm die Mittel, zeigten ihm Weg und Ziel. Der wissenschaftliche Sozialismus wurde das Fundament der Sozialdemokratischen Partei. Darauf ruht ihre Unüberwindlichkeit, ihre Siegesgewißheit. Diese Grundgedanken sind auch Ausgangspunkte und Ziele der Reichsregierung, wie sie insbesondere in der deutschen Antwortnote vom 20. Juli und in den Erklärungen von Reichstanzler und Außenminister im Reichstagsplenum am 22. und Im grundsäglichen Teil ihres Programms 23. Juli zum Ausdrud gefominer sind. Die Deutsche Volkspartei zeigt die Sozialdemokratische Partei ihre geschichtliche Aufgabe hat das feste Vertrauen zu den leitenden Männern, daß sie unbeirrt auf: Die Ueberwindung des Kapitalismus durch den Sozialisan dieser Politik festhalten und zu deren Durchführung die Ein.mus. Anders fann die Menschheit nicht auf höhere Kulturladung der West mächte annehmen. Nicht durch doftri stufen gelangen. Im zweiten Teil des Programms, im Aktionsnäre Entschließungen und starre Festlegungen, sondern nur durch programm, beantwortet die Sozialdemokratie die politischen, das vertrauensvolle Zusammenwirken und das gemeinsame patrios juristischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Fragen der tische Handeln aller verfassungsmäßigen Organe, die allein die Gegenwart. lebersicht über das ganze verwickelte Problem befizen, fann die deutsche Politik im gegenwärtigen ernsten Augenblick gefördert werden. Der tschechische Schritt in Berlin. Zustimmung der Prager Presse. Prag, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldung von der Bereitschaft der tschechoslowakischen Regierung, einen deutsch tschechischen Schiedsgerichtsvertrag abzu schließen, hat in der hiesigen Deffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregt. Am Montag abend gibt„ Ceske Slovo" der Auffassung Ausdruck, daß Deutschland der Einladung des tschechischen Außen ministers Folge leisten wird und auch Polen einen ähnlichen Schritt unternehmen dürfte, um das Sicherheits- und Friedensproblem in Europa einer endgültigen Lösung entgegenzuführen. Das letzte Jahrzehnt der kapitalistischen Entwicklung wühlte das gesellschaftliche Leben bis in seine Tiefen auf. Ueberlieferungen versanten. Elemente der sozialistischen Zu tunft gelangten an die Oberfläche. Doch die marristischen Grundsäge wurden durch alles Geschehen nur als richtig bestätigt. Im grundsäßlichen Teil des Programms wird diese Tatsache festgestellt. Die neue Phase der tapitalistischen Entwicklung, zum Finanzkapital, als die Fortsetzung der von Marg entdeckten Konzentrationstendenz wird flargemacht. " Das tapitalistische Monopolstreben führt zur Zusammenfassung von Industriezweigen, zur Verbindung aufeinander folgender Produktionsstufen und zur Organisierung der Wirtschaft in Kartelle und Trusts. Dieser Prozeß vereinigt Industriekapital, Handelskapital und Bankkapital zum Finanztapital." Die französischen Schuldenverhandlungen. gruppen zu Beherrschern der Wirtschaft macht, auf die arbeitenCaillaug verhandelt wieder mit Amerika. Paris, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Im Mittelpunkt des politischen Interesses stehen gegenwärtig die Verhandlungen, die am Donnerstag zwischen der französischen Abordnung unter Führung werden. Diese Berhandlungen haben zum Gegenstand die Regelung Caillaug und der amerikanischen Schuldenkommission beginnen der französischen Schuld an die Vereinigten Staaten, die sich mit den rücständigen Zinsen auf 3,6 Milliarden Dollar beläuft. Die Auf nahme der Zinsen- und Tilgungszahlungen für diesen ungeheuren Schuldenbetrag wird selbstverständlich eine schwere Belastung für die französischen Staatsfinanzen und die Währung bedeuten. Jedoch scheint man in maßgebenden französischen Kreisen eine Regelung der und Schuldenfrage herbeizusehnen, da ohne fie eine endgültige Sanierung Stabilisierung der französischen Finanzen nicht für möglich gehalten wird. Auch hofft man, nach erfolgreichem Abschluß der nunmehr beginnenden Berhandlungen Anleihen in Amerika unterbringen zu fönnen, die es Frankreich erlauben würden, eine Stabilisierung der Währung durchzuführen. Auf amerikanischer Seite will man selbstverständlich in der Schuldenfrage eine Regelung herbeiführen. Es ist jedoch unbekannt, wie weit die Amerikaner bereit find, Frankreich entgegenzukommen. Immerhin nimmt man an, daß Amerika den finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnissen Frankreichs Rechnung tragen wird. Bon amerikanischer Seite werden die Berhandlungen von der sogen. Schuldenkommission geführt. Das von dieser Kemmission abzuschließende Abkommen bedarf außerdem noch der Zustimmung des Präsidenten und des Kongresses. Die Labour Party gegen die Kommunisten. Endgültiger Ausschluß aus der Partei. London, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Exekutive der Labour Party hat in ihrer letzten Sigung beschlossen, dem am 29. September beginnenden Parteitag eine Entschließung vorzulegen, die den endgültigen Ausschluß der Kommunisten als Einzelmitglieder der Arbeiterpartei vorsieht und in der die Gewerkschaften aufgefordert werden, in Zukunft davon abzusehen, Kommunisten als Funktionäre in der Arbeiterpartei vorzuschlagen. Die zahlreichen, dem Parteitag von einzelnen Ortsgruppen vorge legten Anträge, die eine Aufnahme der Kommunistischen Partei in gleicher Eigenschaft wie die Unabhängige Arbeiterpartei und die Fabier in den Rahmen der Labour Party vorsehen, dürften überhaupt nicht zur Erörterung zugelassen werden, da der Exekutive nach dem Parteistatut das Recht zusteht, diesen Versuch, einen Parteitagsbeschluß herbeizuführen, rückgängig zu machen und für drei Jahre von der Diskussion auf dem Parteitag auszuschließen. Jn Bolivien ist wieder einmal Revolution. Der ursprünglich zum Bräsidenten gewählte Jose Villanueva mußte nach Chile fliehen, um feiner Berhaffung zu entgehen. Die Wirkungen dieses Prozesses, der einzelne Kapitalisten den Schichten, Bedrohung der Lebenshaltung und der Eristenz sorgen dafür, daß die Interessen der Angestellten und Intellektuellen jeder Art in steigendem Maße mit denen der übrigen Arbeiterschaft übereinstimmen. Darüber hinaus gerät die ganze Gesellschaft in ökonomische Abhängigkeit vom Finanzfreiungskampf für die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung. fapital. So wird der Kampf der Arbeiterklasse zu einem BeDer Kampf muß zu gleicher Zeit auf politischem, Sozialdemo fratische Partei, und auf wirtschaftlichem Gebiet, Ge werkfchaften, geführt werden. Die durch die Konzentrationstendenzen immer zunehmende Bergesellschaftung des Arbeitsprozesses ist über den Rahmen der Kapitalistenklasse hinaus auf die ganze Gesellschaft auszudehnen. Das Privateigentum an den kapitelistischen Produktionsmitteln ist in gesellschaftliches Eigentum umzuwandeln. Beides könnte nicht erreicht werden ohne wirtschaftliche und politische Demokratisierung. Wirtschaftliche Demokratisierung:„ Ausgestaltung des wirtschaftlichen Rätesystems zur Durchführung eines M i tbestimmungsrechts der Arbeiterklasse an der Organisation der Wirtschaft unter Aufrechterhaltung des engen Bufemmemvirkens mit den Gewerkschaften." lichung der verfassungsmäßigen Gleichstellung aller StaatsPolitische Demokratisierung:„ Vollständige Berwirkbürger ohne Unterschied des Geschlechts, der Herkunft, der Religion und des Besizes." Umwandlung des Reiches in eine Einheitsrepublik und in eine Organisation, die„ das Bolt auf Grundlage der demokratischen Selbstverwaltung zum Träger der Verwaltung macht." Damit ist die Frage unzweideutig beantwortet: Wie steht die Sozialdemokratische Partei zur deutschen Republik? In der demokratischen Republik befigt die Arbeiterklasse die Staatsform. deren Erhaltung und Ausbau für ihren Befreiungskampf und für die Verwirklichung des Sozialismus eine unerläßliche Notwendigkeit" ift. Die demokratische Republik ist der günstigste Boden für den Befreiungstampf der Arbeiterklaffe" und die nicht zu entbehrende Vorbedingung für ihren Sieg. Ohne in den Besitz der politischen Macht gekommen zu sein. fann die Arbeiterklasse die Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht bewirken. So ergibt sich der zwingende Schluß:" Deshalb schützt die Sozialdemokratische Partei die Republik und tritt für ihren Ausbau ein." Für den Ausbau vom Klassenstaat zur Klassenfreien Gesellschaft. Scur ein materiell und ideell hochstehendes Proletariat vermag die Gesellschaft aus der Unterwerfung unter blinde Wirtschaftsmacht( Kapitalismus) und aus allgemeiner Zer rissenheit zu freier Selbstverwaltung in harmonischer Solidart tät" emporzuführen. Seine Kraft, feine Fähigkeit und Reife erlangt das Prole tariat in einem ständigen Ringen: um ein einheitliches Arbeitsredyt, um ein Finanz- und Steuersystem, aufgebaut auf dem Prinzip der Quellenbesteuerung und der Lastenverteilung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, um die Aufhebung des Bildungsprivilegs der Besitzenden, um eine mit fozialem Geist erfüllte Rechtsordnung und Rechtspflege. Die Sozialdemokratische Partei ist sich der Internationalität des Kapitals und der dadurch herbeigeführten internationalen Solidarität des Proletariats bewußt. Als Mitglied der Sozialistischen Arbeiterinternationale fämpft die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in gemein famen Aktionen mit den Arbeitern aller Länder gegen imperialistische und kapitalistische Vorstöße und für die Verwirt-lichung des Sozialismus." Die nationale Demokratifierung muß ihre Ergänzung finden in der internationalen Demokratisierung in der„ Demokratisierung des Völkerbundes und seine Ausgestaltung zu einem wirksamen Instrument der Friedenspolitie". Die Forderung der europäischen Wirtschaftseinheit", der Bildung der Vereinigten Staaten von Europa" hat die Sozialdemokratische Partei auf ihrer Tagung in Heidelberg offiziell zu ihrer eigenen Forderung erhoben. Nicht im Sinne einer Erweiterung der nationalen Gegensätze zu fontinentalen Gegensägen. Sondern um alle mie immer gearteten Gegensätze zu überwinden, um von der nationalen Zersplitterung über die Vereinigten Staaten von Europa, zur Interessensolidarität der Völker aller Kontinente zu gelangen". Mit ihrem Programm gestaltet die Sozialdemokratische Partei den Klaffenkampf der Arbeiter zu einem bewußten und einheitlichen, meist sie ihm sein notwendiges Ziel: die planmäßig arbeitende, demokratisch organisierte, flaffenfreie fozialistische Gesellschaft! Moralische Hinrichtung der Verleumder. Die deutschnationale Justizkorruption am Pranger. Unter den außergewöhnlich zahlreichen Zuhörern der gestrigen Sitzung des sogenannten Barmat- Ausschusses befanden sich nicht wenige Anhänger und Bekannte der schwer tompromittierten Hintermänner des deutschnationalen Berleumdungsfeldzuges. Diesen Gesinnungsfreunden der Herren Kußmann, Knoll, Bacmeister und Konsorten ist das Schauspiel zu gönnen, das sie in 4% ½stündiger Sizung erleben mußten. Auch wenn der rettende Einwand, daß man nicht in das Schwebende Disziplinarverfahren eingreifen dürfe, Herrn Ku Bmann vor der Erörterung gerade derjenigen Tatbestände bewahrte, die für ihn am meisten belastend sind, so genügte das, mas vorläufig gesagt und festgestellt werden konnte, vollständig, um ihn und seine deutschnationalen Hintermänner moralisch hinzurichten. si Die Sache fing damit an, daß der Staatssekretär Frihe das Lügengewebe, das die beiden Assessoren in der Sonnabendligung gesponnen hatten, mit rauher Hand zerriß. Sodann bezeichnete Genoffe Heilmann als Zeuge die Behauptung. Kußmanns und Casparys, daß er, zum Teil im Zusammenwirten mit Justizrat Werthauer, auf das Justiz minifterium, insbesondere auf dessen politischen Referenten Kuhnt, im Sinne der Absehung der beiden Assessoren einge wirft hätte, als leere Schwägereien. Ministerialrat Ministerialrat uhnt bestätigte das Dementi Heilmanns. Nun verlangte Genoffe Kuttner von Kußmann, daß er seine Berdächtigungen Dom Sonnabend endlich belege. Jämmerliche Redensarten waren die Antwort des am Sonnabend noch so hochmütig auftretenden Kußmann. Ihren Höhepunkt erreichte aber die gestrige Sigung mit der Zeugenvernehmung des Leiters der Berliner Kriminalpolizei, Dr. Weiß, gegen den sich die besondere Wut aller deutschnationalen und kommunistischen Kußmann| | Freunde richtet. In einem Vortrag von geradezu klassischer Klarheit, Bestimmtheit und Schärfe sette Regierungsdirektor Weiß die Vorgeschichte seines Vorgehens gegen die deutsch nationale Verleumdungszentrale auseinander. Unter großem Aufsehen erklärte er, daß die Darstellung Kußmanns vom Sonnabend, wonach er von ihm durch eine verfängliche Frage, nach einem gar nicht existierenden Ministerialerlaß, hineingelegt worden sei, Dom ersten bis zum letzten Wort aus der Luft gegriffen" fei. Der Vortrag Der Vortrag von Weiß war so überzeugend und mit so viel Einzelheiten belegt, daß kein Zweifel daran sein kann, daß man es bei Kußmann mit einem pathologischen Aufschneider zu tun hat. Zunächst versuchte zwar Kußmann seine Version aufrechtzuerhalten und brüstete sicher, der Sprößling einer altpreußischen Beamtenfamilie- damit, daß er so glänzend Theater gespielt hätte. Später fonnte jedoch Dr. Weiß das Zeugnis des Kriminalbeamten Krüger anführen, aus dem hervorgeht, daß Kußmann jene verfängliche Frage nicht an ihn, sondern an Krüger gestellt habe, und sich dabei übrigens eine Abfuhr geholt habe. Jetzt wurde der arrogante Herr Kußmann immer unsicherer und fleinlauter und er war froh, daß bei den späteren Fragen des Genossen Kuttner hinsichtlich seines Zusammenwirtens mit den Knoll, Bacmeister und Leopold der Einwand des schwebenden Verfahrens" regelmäßig erhoben werden fonnte, um ihn zu retten. Größtes Aufsehen erregten die Anklagen, die Regierungsdirektor Weiß gegen das deutsch nationale Be amtenbespielungssystem erhob, das sich vor allem gegen leitende Beamte des Justizministeriums und des Polizeipräsidiums richtet. Wie er durch fonkrete Fälle nach wies, steckt auch hier die Hand der KußmannKnoll- Bacmeister in diesem politischen Kor ruptionsfumpf Reichsbannerehrung in Hessen. Beflaggung amtlicher Gebäude. Darmstadt, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Der hessische Staatspräsident Genosse Ulrich hatte anläßlich des republitanischen Boltstages in Darmstadt die staatlichen Gebäude be= flaggen lassen. Das gab der Landtagsfraktion der Deutschen Boltspartei Beranlassung, an die Regierung eine Große Anfrage folgenden Inhalts zu richten: 1. Wie begründet die Regierung diese Anordnung? 2. 3ft fie bereit, das gleiche anzuordnen bei Beranstaltungen der Baterländischen Berbände: 3. Wie begründet fie cerneinendenfalls diese unterschiedliche Behandlung der verschiedenen Organisationen?" Die hessische Regierung wird zweifellos nicht die geringsten Gründe gegen eine Beflaggung der Staatsgebäude ins Feld führen, wenn es sich darum handelt, anderen auf dem Boden der Verfassung stehenden Organisationen bei Kundgebungen großen Stils mit der Beflaggung der Staatsgebäude eine gewisse Ehrung zufommen zu laſſen. Die Kredite der Zihewih. Der gute Name" als Kreditunterlage. hinsichtlich des bei der Firma Schappach entstandenen Verlustes von BS. Nach der Baufe erflärte dann der Angeflagte Nehring 100 000 Mart, daß er zunächst von diesen Kreditgeschäften nichts gewußt habe. Durch Pfändungen habe man dann versucht, zu retten, was zu retten war. Dem Berwaltungsrat habe er angesichts der Höhe der Summe zwar zunächst Mitteilung machen wollen, doch habe man es fich doch noch überlegt, daß dadurch die Angelegenheit in die Oeffentlichkeit fommen und schwerwiegende Folgen, wahrfcheinlich den Zusammenbruch der Landespfandbriefanstalt zeitigen mürde. einen solchen Mann, der 25 000 Dolar ungebedt als kredit weggibt, Borf.: Haben Sie Lüders denn nicht fargemacht, daß für in Ihrer Anstalt fein Platz fein fönne? Angefl.: Nachträglich sehe ich ein, daß dies das Richtige gewesen wäre. Ich wollte aber immer Rücksicht auf die Anstalt nehmen. Bors: Der Ueberweisungsauftrag, der über eine elfstellige Zahl lautete, ist auf einen abgerissenen Bettel nur mit Bleistift Bernard Shaws Verlorenes Paradies. die Jahre, die Zeit, die dem Menschen notwendig ist, damit er die Philosophie eines Riesendramas. Bernard Sham, der immer eigensinniger darauf trachtet, an das Geheimnis der Weltenschöpfung und der menschlichen Urnatur zu gelangen, bildet fich ein, daß er ein frommer und wohltätiger Mensch ift. Das Nomadenhafte des Skeptizismus, das schon Emanuel Kant ein Dorn im Auge und im Gehirn gewesen war, ist auch Bernard Shaw höchst unangenehm. Er will irgendwie das Rätsel unseres Planeten und seiner Geschichte im Ewigkeitsraum auflösen und schreibt nach den zwei Duzenden seiner entzückenden Komödien eine ganze Weltgeschichte in dramatischer Form. Das Wert ist so unförmig wie das Thema selbst. Es ist beinahe ein halbes tausend Seiten did. Es besteht aus vier Stücken und einem Wälzer von einer Einleitung. Die Amerikaner, die den Wolkenkratzer auch in der Kunst lieben, haben sich des Mammutdramas zuerst angenommen. Später folgten die Londoner. Und gehorsam will das Theater„ Die Tribüne" nachmachen, was New York und London wagten. Das Dramaturgische ist von dem religiösen Problem zu trennen. Beschäftigen mir uns heute nur mit der Religion Shaws. Später darf von dem Versuche geredet werden, dieses vierstöckige Haus der Gedanken vor einem schläfrigen und mit Shawschem Granatfeuer aufzuweckenden Publito taghell und gangbar zu beleuchten. 3urud zu Methusalem" heißt das Ganze. Der Titel t symbolisch und trotzdem bligartig flar. Shaw erinnert sich mit dem Behagen des gelehrten Mannes daran, daß Lamard, der vor 96 Jahren blind und arm starb, die revolutionäre Lehre von der Lebensfunktion aufstellte, die sich das ihr notwendige Lebensorgan erschafft. Das heißt: die besonderen Gattungen der Schöpfung, als da sind Pflanzen, Tiere und Menschen und sogar Gesteine, Dollendeten ihr besonderes Dasein nicht darum, weil sie von Ewigleit mit befondeten Organen ausgestattet waren, im Gegenteil darum, weil fie ihr besonderes, in den Wettenplan eingebautes Schicksal pollenden wollten, brachten sie auch die Erdennaturkraft dazu auf. Lamard, der herrliche Naturforscher, war aber auch ein hingegebenes Gottesfind; er schrieb feinen Glaubensjah durchaus als inspirierter Christ nieder. Nun ermies sich, daß auch die erlauchtesten Forscher meinen, daß die Lamarcksche Vision den richtigen Weg für die allermodernste Erkenntnis eröffnen kann. Jedenfalls ist die Naturgeschichte noch immer überreich an rätselvollen Mirakeln. Größtes Mirakel ist aber, daß jedes Lebewesen die Organe bildet, die es braucht. Demnach wird auch dem Lebewesen Mensch versichert, daß es sich heraus aus jeiner Notwendigkeit seine törperlichen Organe formte. Indem Shaw zu dieser Erkenntnis schwört, jubelt er auf. Er denkt den Mann der Naturwissenschaft weiter als ein Träumer und Kritiker der Moral. Wie, wenn der Mensch kraft des Gesches, daß der Wille das Organ schafft, durch den Willen das wichtigste Mittel zum Aufbau feines Lebens erzeugt? Was ist das wichtigste Mittel? Die Jahre! Ja, 3wede und Ziele seines Daseins erfüllt. Seht euch doch die Menschen an! Sie sterben alle viel zu früh. Sie können nichts von ihrer Sehnsucht vollkommen erfüllen, da sie nicht genug Zeit haben. Nur Methusalem war der Glüdliche, der sein Leben zweckmäßig und zielmäßig auslebte. Also: Burüd zu Methusalem!" Sittliche Losung, Parole der Zukunft, wohl mert, Bergrübelt und bewiesen zu werden. Mag auch nur das Menschen unmögliche demonstriert werden so wird es doch wie ein Beispiel den Menschen darüber belehren, daß die segensreiche Schöpfung irgendwie einmal ins Paradies zurücklaufen wird. Nein, Bernard Shaw ist nicht ein so heftiger Bathetiker für holde Bukunftsmalerei. Er läßt die Menschen zwar das Methusalemglück erwerben, es entpuppt sich aber nur als ein Glück, das die Menschen täppisch und läppisch macht. Sie enden, seien sie nun Kurzleber oder Langleber, in Schweinerei, in Banalität, in Höllenangst. Kurz: fie verlieren, was auch geschehe, stets das Paradies. Das ist die Moral Shams, der gar nicht daran denkt, dem Schöpfergott, an den er irgendwie verstohlen glaubt, Romplimente zu machen. Aus der ernstesten Naturlehre zieht Bernard Shaw dieſe moralischen und metaphysischen Konsequenzen. Er will, gestehen mir taumelnder Stepliter sein. Er ist es mehr als jemals zuvor. es mit Betonung, fein nomadenhaft zwischen den Reiigionen Die Methusalem- Doktrin wurde in der Tribune" aufs Thea ter gebracht und man entdeckte, daß dramatische Spannung und entzückende Lustigkeit auch dann entstehen, wenn nur der gescheite Kopf beschäftigt wird und die Sehnsucht nach Schweinerei und Schwermut ganz leer ausgeht. Darum soll noch über die Aufführung und den politischen Sinn der Shaw'schen Komödie weiter geredet werden. Max Hochdorf. Hauptmanns neues Werk. " „ Beland". Die Schicksalstragödie des deutschen Volkes. Als Gerhart Hauptmann zu seinem 60. Geburtstag in vielen deutschen Städten überschwenglich gefeiert worden war, teilte er in feiner Danksagung mit, daß er die fommenden Jahre einem Berke widmen wolle, mit dem das deutsche Volk ein Bild feines eigenen Schicksals erhalten wollte. Die Einlösung dieses Versprechens sah man am 19. September im Deutschen Schauspiel. haus" zu Hamburg, das in diesen Tagen das eit feines fünfundzwanzigjährigen Bestehens feierte. Zur Uraufführung des " Beland" war der Dichter felbst gekommen, nachdem er schon vor her die Proben geleitet hatte, während sein Sohn Joo das Bühnenbild schuf. Stoff der Dichtung ist das urgewaltiae Wieland- Lied aus dém nordischen Sagentreise, wie es durch die Edda überliefert ist. An diesem Stoff haben sich schon andere Dichter versu auch Richard Wagner hinterließ einen Entwurf, in dem er den funft reichen Schmied Wieland zur symbolischen Gestalt des aus teffter Not sich zur befreienden Tat emporringenden Boltswillens schuf. | nofiert worden. Das waren Sie als after preußischer Beamter doch sicher nicht gewohnt. Angefl.: Ich wußte, daß es auch auf den Banken üblich ist, größere Berluste nicht immer gleich zur Kenntnis des Aufsichtsrates größere Verluste nicht immer gleich zur Kenntnis des Aufsichtsrates zu bringen. Wir versuchten jedenfalls, durch andere Geldgeschäfte die Verluste auszugleichen, und nahmen deshalb Ende Dezember 1923 ziemlich hohe Beträge herein, in der Hoffnung, daß Anfang 1924 die Binsfäße steigen würden. Borf.: Ihre Spekulationen gingen aber fehl, und die Unstaît erlitt weitere Berlufte. Angefl: Jawohl. Lüders berechnete die meiteren Verluste auf 100 000 art. Der Angeklagte äußerte sich dann weiter über die Aufstellung der Bilanz, die sich sehr schwierig geſtaltet habe, weil der Status der Landespfandbriefanstalt sehr schwer festzustellen war. Auf weitere Fragen des Vorsitzenden schilderte er dann, wie diese Berlufte in der Bilanz verschleiert worden seien. Die Bilanz habe dann einen Gewinn von 134 000 Mart ergeben, der sich nach Abschreibung des Berlustes bei der Firma Schappach auf 34 000 Mart ermäßigte. Diese Abschreibung sei aber so vorgenommen worden, daß man fingierte Verluste an 3insen usw. gemacht habe. Borf.: Haben Sie in der Verwaltungsratsfizung, in der Ihnen für gute Geschäftsführung eine Prämie von 1500 M. zugebilligt wurde, erklärt, daß der Reingewinn 134 000 m. betrage? Angefl: Nein, das habe ich nicht gesagt. Weiter erklärte der Angeklagte, daß entgegen der Feststellungen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses die Bilanzzahlen an und für sich richtig gewesen seien. Der Borsigende fam dann auf die Bekanntschaft zwischen Nehring und v. Ezdorf zu sprechen, wobei er als auffällig bezeichnete, daß Geheimrat Nehring den jungen Ehdorf, den er auf einer Privatgesellschaft fennen lernte, und der ihn gleich bei fragt habe, ohne weiteres in sein Bureau bestellt habe. Der Anseiner Bekanntschaft nach Krediten für ein Grundstücksgeschäft begeflagte entschuldigte sich damit, daß ihm sein Schwager gesagt habe, es handele sich um den Sohn von Geheimrat v. Ehdorf. des Cadiner Landrats. v. Ehdorf habe dann sein Gesuch vorgetragen, er benötige 500 000 m. für die Dauer von 4 Wochen, um einen großen Gebäudekompler in Berlin zu erwerben. Borf.: Ihre Anstalt war doch gewissermaßen als ein Mittel gegen die Bodenspekulationen geschaffen, wie tonnten Sie einer Grundstücksspekulation die Hand bieten? Angefl.: Es handelte sich darum, das Eigentum eines Ausländers für Deutsche zurüdzuerwerben. Es entspannen sich dann längere Auseinandersetzungen mit dem Vorsitzenden, der es als völlig unerklärlich bezeichnete, mes halb der Vorstand der Landespfandbrief- Anstalt denn nicht nähere ustunft über v. 3igewig und die anderen Angeklagten einge. zogen habe. Nach der Darlegung eines Beugen, so betonte Landgerichtsdirektor Lehmann, seien die Auskünfte über v. Ezdorf, v. Karstedt und v. Carlowig einfach vernichtend gebaß es sich um ein sehr eiliges Geschäft gehandelt habe, und wefen. Der Angeklagte Nehring weerauf nur zu erwidern, daß ihm 3izemik hierfür gut zu fein schien. Vorf.: Also wenn Herr v. Zihewih Ihnen fagt, daß er vier Güter in Pommern befiht, dann ist es für Sie auch jo. Danach hat doch wohl der Name des betreffenden Herrn für Sie eine gewisse Rolle gespielt, denn sonst wäre Ihr Berhalten völlig unverständlich. Man kann doch unmöglich Geschäfte über Hunderttausende von Goldmart ohne Unterlagen machen. Diese mädchenhafte Zurüd haltung verstehe ich einfach nicht. Ungefl. Nehring( zögernd): v. 3izewis machte einen sehr guten Eindrud auf mich. Borf.: Wenn ein hinterpommerscher Gufsbefizer mit einem jungen Herrn zu Ihnen kommt und hier Grundstücksgeschäfte machen will, dann muß man sich doch fragen, wie fommt er denn dazu. Das Geschäft war doch übrigens nicht ganz fair. Nehring: v. 3izemiz behauptete, er befäme eine Million Hypotheten, auf seine Grundstücke. Borf Mir bleibt es trobem unerklärlich, noch dazu, wo die drei jungen Herren, die Sie für so tüchtig gehalten haben, nach Strich und Faden über das Dhr gehauen worden find. Der Borsigende erläuterte dann noch zum Verständnis für die Gruppe Bedhoff, wobei er betonte, daß Beckhoff Rechtsanwalt Schöffen die Beziehungen zwischen der Gruppe Sehui und der am Oberlandesgericht Köln sei, in Neuhaus a. d. Elbe wohne, sich aber anscheinend mehr als Grundstüdsipetulant als Rechtsanwalt betätigt habe. Im Anschluß hieran wurde die Verhandlung auf den heutigen Dienstag vormittag 9½ Uhr vertagt. Hauptmann hat den Stoff wieder aufgenommen und in ähnlicher Weise wie Wagner zu meistern gesucht. Wenn auch sein Werk fein Musifdrama geworden ist, so hat der Dichter doch viel Mufit in die Handlung permoben. Aus dem Schachte der unterirdischen Schmiede, in der Veland auf einsamer Felseninsel im Noromeer haust, flingen Tuben- und Harfentöne, und die Wächter, die König Harald bestellt hat, werden von den zauberhaften Klängen verwirrt und irregeführt. Wieland oder Beland, wie er hier heißt, ist ein halbelbisches Wesen, dem Alberich aus dem Rheingold" nahe nerwandt, und wie dieser von unzähmbarer Rachsucht gefoltert. König Harald ließ ihm die Sehnen der Füße zerschneiden, um ihn an die Schmiede zu foffeln, in der er Reichtümer und Kleinodien für den Herrn des Landes schaffen muß. Wie die Sage, so läßt auch Hauptmanns Dichtung die Rache des Schmiedes zu blutigster Gewalttat erblühen: Beland mordet die Söhne des Königs, und er vergewaltigt Bödmild, des Königs Tochter, die lüstern nach dem aufgeguuten Geschmeide sich in des unholden Schmiedes Werkstatt ich. Hier nun fügt Hauptmann dem alten Motiv der Sage ein neues pinchologisches hinzu: Die Königstochter wendet sich nicht mit Abscheu von dem Verführer, sondern wird seine dienstwillige Magd. Aus ihrem Schoße wird der fünftige Herrscher des Landes geboren werden, und so ist Beland zugleich gerächt und mit seinem Schicksal versöhnt. Dem Bolte, das in Arbeitsfron für fremde Bebrüder schmachtet, fündet er die Befreiung an, wie er sich selbst, in einer Flamme perschwindend, aus seiner Höhle auf stählernen Schwingen in die freie Luft erhebt. Der Dichter der ,, Weber" ist mit diesem Werte in die poetische Richtung seiner Märchendramen zurückgekehrt. Stärker noch als bei Dichtungen wie der Bersunkenen Glocke und der„ Bippa" empfindet man hier die Wahrheit seiner Selbsterkenntnis: einen Sprung hat jede. Die tönende Sprache, deren musikalischer Klang durch die eingewebte Mufit noch verklärt, stellenweise aber auch verdeckt wird, ist, gleich dem Glockenspiel, das im Tale flingt, doch nicht auf den Bergen. Ein Gipfelwerk deutscher oder Hauptmannscher Kunst ist Beland nicht geworden. An die Herzen, die es rühren sollte, greift es nicht, obwohl es im Deutschen Schauspielhaus" eine Darstellung fand, mit der der Dichter selbst sehr zufrieden sein konnte. Der Beifall, der am Ende der Aufführung ertönte, flang gedämpft und wurde erst wärmer, als der Dichter sich mit den Hauptdarstellern auf der Bühne zeigte. Dann steigerte er sich zu stürmischen Ovationen Richard Berner. und zahllosen hervorrufen. Eine Tagung für Denfmalspflege und Heimatschuh findet zurzeit in Freiburg i. Br. statt. Sie ist aus allen Zeilen des Reiches bon ben auf diesem Gebiete hervorragendſten Persönlichkeiten belucht. Auf der Tagung soll zum ersten Male der Versuch gemacht werden, einen Teil der Berhandlungen vor den Denkmälern selbst zu führen. Die Maul- und Klauenfeuche heilbar? Der dänische Tierarzt Bestring in Stivum auf Züfland glaubt an Hand einer Reihe von Versuchen nach meilen zu können, daß Maul- und Klauenſeuche im Laufe von ganz furzer Zeit bei einer Behandlung mit einem Serum und Dr. Balbums Metallfalzen heilbar ist. New York gemeldet wird, hat ein amerikanisches Flugzeug, das an den im Ein amerikanisches Flugzeug mit 435 Stundenfilometern. Bie aus nächsten Monat stattfindenden Wettflügen teilnehmen soll, bei seinem eriten Probeflug eine Geschwindigkeit von 435 Stilometern in der Stunde erreicht. Kußmann endgültig entlarvt. Sensationelle Anklagen des Regierungsdirektors Dr. Weiß. Der Barmat- Ausschuß des Breußischen Landtages feßte am Montag seine Beratungen fort. Den Verhandlungen wohnte auch Bizepolizeipräsident Friedensburg bei. Das Wort erhält Staatssekretär Frike, der ein Schreiben des Justizrats Löwenstein verliest über die Haltung des Justizministeriums in der Angelegenheit Berthauer und die Antwort darauf, in der ausgeführt wird, daß das Justizministes rium feineswegs Justizrat Werthauer besonders geschont habe. Er geht sodann ein auf die von Kußmann und Caspary weiter gegebene angebliche Aeußerung des Staatsanwalts Lindow in der Sache Höfle, er laffe sich nicht zum Lumpen machen und beteilige fich nicht an einem Bersicherungsbetrug. In dem Schreiben Lindoms, das zur Verlesung kommt, geht dieser ausführlich auf den Fall Höfle ein. Dabei tommt zum Ausdruck, daß ein Anfinnen, das Gutachten zu unterdrüden, in dem auf Selbstmord verwiesen wird, an Lindow nicht gestelt worden sei. In einer Besprechung mit Ministerialdirektor Kuhnt, die sich auch auf die Lebensversicherung bezog, habe er erklärt, das Ermittlungsverfahren dürfe auf petuniäre Berhältnisse der Hinterbliebenen feinen Einfluß nehmen. Er habe ferner betont, daß das vorläufige Gutachten, das von Selbstmord spreche, nicht genügend begründet sei. Kuhnt stellte zur Erörterung, ob die Gutachter nicht durch mündliche Einwirkung zur Aenderung des Gutachtens gebracht werden fönnten. Dieser schien das zu bejahen; er habe lebhaft widersprochen. Beleidigungen oder tränkende Aeußerungen seien in dem Gespräch nicht gefallen. Später sei dann mitgeteilt worden, daß wegen Aenderung des Gutachtens nichts peranlaßt werden fönne. Hierauf kommt ein Bericht des Oberstaatsanwalts Geethe zur Verlesung in der Ungelegenheit Caspary, der sich bezieht auf einen angeblichen 3u fammenhang der Angelegenheit der Deutschen Werte und der Barmat Sache. Dazu liegt eine Aeußerung Casparys vor, in der erklärt wird, es sei ausgeschlossen, daß er Don einem besonderen Interesse und von einer besonders dankbaren Aufgabe gesprochen habe. Eine Drohung habe ihm völlig fern gelegen. Er habe sich von Geethe im beffen Einvernehmen verabschiedet. Der Staatssekretär verliest hierauf eine zweite ErPlärung Seethes, in der diefer seine früheren Aussagen völlig aufrechterhält. Caspary habe von einem besonderen Inferesse an der Einleitung des Verfahrens zur Abrundung des politischen Bildes gesprochen. Seethe habe erwidert, er habe feine Beranlaffung, fich in die Sache Barmat hineinziehen zu laffen und fich in die Neffeln zu setzen. Bon Kutister habe er nicht gesprochen. Er habe gesagt, Oberstaatsanwalt Cinde möge die Sache selbst erforschen. Er sei dann erneut aufgefordert worden, einzuschreiten, weil er sonst dazu gezwungen würde. Demgegenüber halten Assessor Caspary und Kußmann an ihren dem Ausschuß gegebenen Darlegungen fest. Abg. Kuttner( Soz.) verlieft hierauf einen Artikel der Deutschen Zeitung" vom 2. Mai mit der Ueberschrift ,, Der Vormârts als Quelle der Boltsvergiftung". Kuttner bezeichnet als Verfasser des Artifels Herrn Knoll und erklärt, dieser habe sein Material Don Rußmann erhalten. In dem Artifel wird u. a. ausgeführt, die Barmatfache werde sich um den Kompler der Angelegenheit der Deutschen Berte erweitern, wenn sich auch die Stactsanwaltschaft dagegen wehren sollte.(!) Borf. Abg. Dr. Leidig erteilt darauf dem Abg. Heilmann ( Soz.) das Wort und macht auf die Eidlichkeit der Aussage aufmerf= Der fam.( 3uruf des Komm. Bartels: Das ist sehr dehnbar! Abgeordnete wird zur Ordnung gerufen.) Abg. Heilmann( Soz.) erflärt, was Caspary- und Kußmann über seine persönliche Beteis igung an den besprochenen Angelegenheiten ausgesagt hatten, jet lediglich unbegründetes Geschwäh Er stelle feft: Er habe nicht mit Kuhnt gesprochen. Juffizrat Werthauer habe sich nicht an ihn gewandt; er sei auch nicht in der Sache seiner Berhaftung und Strafeerfolgung fälig gewesen. Bas die Aeußerung Kußmanns angehe, er führe die Presseheze gegen die Staatsanwaltschaft im mesentlichen auf ihn zurüd, so erfläre er, er habe nie ein Wort geschrieben oder veranlaßt, was sich mit Caspary ader Kußmann befaßt habe. Kußmann erwidert, feine Aeußerungen seien auf genaue Renntnis der Zusammenarbeit Heilmanns und Barmats„ be: gründet."(!) Hierauf stellt Abg. Ruffner( Soz.) an Rußmann die präzise Frage, welche begründeten Unterlagen er für seine drei Behaup tungen habe, daß 1. Heilmann mit Kuhnt gesprochen habe, daß 2. Heilmann mit Berthauer in einer Konferenz gesprochen habe, und daß 3. Heilmann eine Hege gegen die Staatsanwaltschaft in der Presse veranstaltet habe? Affeffor Kußmann macht erneut darauf aufmerfiam, er misse, in welchen engen Beziehungen Barmat zu Heilmann geftanden habe. Darauf gründe sich sein Glaube, daß auf Heilmann die Presseäußerungen zurückzuführen feien, Borf. Dr. Leidig( DBp.): Haben Sie die Aeußerungen Heilmanns, die er unter seinem Eid gemacht hat, gehört? Kußmann: Ich tenne Herrn Heilmann nicht, ich kann das also nicht beurteilen.( Buruf des Abg. Kuttner: Unerhört!) Abg Deerberg( Duat.) fragt hierauf den Ministerialrat Kuhnt unter Hinweis auf die Erklärung Heilmanns, daß er feine Unterredung mit Kuhnt gehabt habe, ob jemals mit Heilmann oder anderen Bolifitern Gespräche stattgefunden hätten, bie das Ziel der folgt hätten, Assessor Kußmann das Provisorium zu entziehen. Minifterialrat Kuhnt bestätigt, daß Hellmann feit Anfang des Jahres nicht bei ihm gewefen fei. Nach beftem Wiffen und Gewissen fei ihm nicht erinnerlich, daß diefer versucht habe, auf ihn einen Einfluß auszuüben in der Bearbeitung der Angelegenheit weder gegen Herrn Caspary noch gegen Außmann. Auf eine erneute Frage des Abg. Dr. Deerberg( Dnat.) wieder. holt Ministerialrat Kuhnt, von einem Beeinflussungsver fuch tönne teine Rede sein. Gelegentlich seien wohl Abgeordnete Der verschiedensten politischen Richtungen zu ihm gefominen. Eine Besprechung, die das Ziel gehabt habe, eine Entziehung des Provisoriums herbeizuführen, habe niemals flattgefunden. ( Lebhaftes Hört, hört!) Unter allgemeiner Spannung wird dann Regierungsdirektor Weiß als Zeuge vernommen. Er erklärt sich bereit, auf alle Fragen zu antworten, da er nichts zu beschönigen und nichts zu verschweigen habe. Er gibt dann folgende Schilderung der ganzen Angelegenheit: Als ich etwa am 26. Juli von einer Reise zurüdtam, hörte ich, daß der Abg. Rutiner mich zu sprechen wünsche. Noch am gleichen Abend begab ich mich ins Polizeipräsidium, wo ich Herrn Kuttner traf. Diese Besprechung ist die einzige, die nicht in die Deffentlichkeit gelangt ist. An jenem Abend scheint Kentel das Beamtenbefpihelungssystem Bacmeister- Leopold- Knollnoch nichtfuntttontert zu haben.( 3uruf des Abg. Renfel ( Dnat.): Ich verbitte mir das!) Zeuge, mit erhobener Stimme: Herr Abgeordneter, ich bin bereit, wenn Sie nähere Auskunft wünschen, diese zu geben.( Bewegung.) Borf. Dr. Leidig: Auch ich halte den Ausdrud nicht für ganz zulässig. Wir wollen nur Tatsachen hören. Beuge fortfahrend: Diese Besprechung mit Kuttner hatte den 3wed, mich über das Material zu informieren. Er überreichte mir eine Fülle von Urfunden und eidesstattlichen Versicherungen. Im Augenblic tonnte ich mich über die Tragmeite des Materials nicht abschließend äußern. Am nächsten Bormittag traf ich Herrn Suitner wieder. Das war die Unterredung, die der Abg. Kentel neulich in seiner Artifelserie Bilder aus der preußischen Justiz" der Deffentlichkeit übergeben hat. Rutiner gab mir die notwendigen weiteren Aufklärungen und empfahl sich dann. Ich war inzwischen bei Durchficht des Materials zu dem Ergebnis gefommen, daß ein kriminalpolizeiliches Einschreiten notwendig, rechtlich begründet und kriminalpolizeilich ge. boten erschien. Mit einigen Kriminalbeamten erörterte ich die rechtlichen Grundlagen des Einschreitens und fand ihre Zustimmung. Ich brachte zum Ausdruck, daß ich mich erst mit der vorgefekten Behörde in Verbindung sehen müßte, da sich das Vorgehen auch gegen zwei höhere Justizbeamte richten würde. Die Folge mar meine Rücksprache beim Staatssetretär im Justiz minifterium. Staatssekretär Frige erflärte, daß seinerseits feine Bedenken gegen das Vorgehen zu äußern seien. Kuttner wurde herbeigerufen und gab dem Staatssekretär die gleichen Aufklärungen. Am nächsten Morgen wurde dann die Aktion porgenommen. In welcher Form sich die Durchsuchung bei den Assessoren abgespielt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Auss fage Casparys machten auf mich sofort den Eindruck daß ihm zu Unrecht Dinge vorgeworfen wurden. Von Herrn Kußmann hatte ich ein anderes Bild. Die Geschichte, die Affeffor Kußmana hier am Sonnabend vorgetragen hat und der man vielleicht den feuilletonistischen Titel geben könnte: Wie ich, der kluge Affeffor, den Chef der Kriminalpolizei aufs Glatteis lodfe", 99 ist vom ersten bis zum letzten Worf aus der Luff gegriffen. ( Cebhaftes Hört! hört! und Bewegung.) Ich bin bereit, näheren Beweis dafür anzubringen. Mit der Ber. nehmung der Herren war die Aktion der Kriminalpolizei zu Ende. Vorsitzender Dr. Leidig: Weshalb find Sie nicht zum General staatsanwalt Lindow oder an eine andere zuständige Stelle der Staatsanwaltschaft mit ihrem Material gegangen? Regierungsdirektor Dr. Weiß: Die Kriminalpolizei hat das Recht zu einem selbständigen Borgehen nach der Strafprozeßordnung, wenn eine Gefahr im Berzuge vorliegt. Diese lag in diesem Falle vor. Vorf. Dr. Leidig: Der Zeuge Kußmann hat erklärt, der Kriminaloberinspektor Krüger habe bei ihm höchstens eine Schein durchsuchung vorgenommen. Daraus schloß Herr Kußmann, daß der Beamte nicht aus pflichtgemäßer Erwägung, sondern unter dem Drud seines Borgesezten die Aftion vorgenommen hätte. Regierungsdirettor Dr. Weiß: Die Erzählung, die Herr Affeffor Kußmann dem Ausschuß gegeben hat über die Art der Durchsuchung durch kriminaloberwachtmeister Krüger entspricht nach den mir heute gewordenen amtlichen Mitteilungen nicht den Tatsachen. Der Zeuge Dr. Weiß kommt hierauf auf die Presseheße zu sprechen. Hier sei in unzulässiger Weise die Amtspflicht und die Dienstverschwiegenheit verleht morden. Die Behandlung der dienstlichen Angelegenheiten sei zudem entstellt in der Presse wiedergegeben worden. Als solche Fälle seien zu nennen die Wiedergabe von Gesprächen zwischen Beamten des Justizministeriums und Herren der Staatsanwaltschaft. Su ermähnen seien in diesem Zusam menhang der Fall Bacmeister und Leopold, ferner der Fall einer Unterredung mit dem Abg. Kuitner. Ueberall zeige sich ein Beamtenüberwachungsfystem. das sehr üble Folgen zeitige. Abgeordnete aller Barteien haben bei mir vorgesprochen. Ich bitte sich vorzustellen, welche Folgen die Wiedergabe von Rücksprachen haben müs sen, die im Vertrauen gepflogen wurden, wenn am nächsten Tage diese Rücksprachen in politischen gegnerischen Zeitungen, womöglich noch entstellt, wiedergegeben werden und zu welchen Korruptierungen ein derartiges Weiterfragungs- und Ueberwachungssystem führt Das zeigen die Fälle bei der Justizverwaltung und beim Bolizei präsidenten. Hohe Herren vom Justizministerium haben mir erklärt, fie wagten faum nach Dienstgespräche zu führen, weil sie überall von Spionen fich umgeben fühlten. Die Beamten machen die Tür auf, um nachzusehen, ob draußen nicht ein Herr steht, der die Sache an politische Gegner meiterträgt. Die Preffeveröffenili gegen das Juftizminifterium habe vor der Beröffentlichung bereits das Tagesgespräch bei der Staatsanwaltschaft gebildet. So haben Staatsanwälte dieser Staatsanwaltschaft zu anderen Kollegen und zum Untersuchungsrichter geäußert: „ Cefen Sie heute die Zeitungen, da plakt eine Bombe gegen das Juffizminifterium!" Auf die Frage, woher die Herren das wußten, tam die Erpiderung: Affeffor Kußmann habe geäußert:„ Ich schieße jest nicht nur mit Flinten, jondern mit Haubigen!" 3ft das nicht derselbe Herr Kußmann, der vor dem Ausschusse in solcher Heldenstellung aufgetreten ist?( 3uruf des Affeffors Kußmann: Die Sache ist ja Gegenstand eines untersuchungs nerfahrens! Der Vorfizende Dr. Leidig macht auf diesen Buruf aufmerksam.) Regierungsdirektor Weiß erwidert, das sei ihm nicht bekannt, sonst hätte er die Sache nicht zur Sprache gebracht, und fährt sodann fort: Ich möchte im Intereffe der Kriminalbeamtenschaft auf die forrumpierenden Wirkungen dieses Systems hinweisen. Als die erste Beröffentlichung Bacmeister- Leopold in einem Teil der Rechtspresse erschien, berief ich den Beamtenausschuß. Einmütig fam die Entrüstung aller Herren über dieses Bespizelungs- und Weitertragungssystem zur Sprache. Am meisten entrüftet zeigten sich die tragungssystem zur Sprache. Am meisten entrüstet zeigten sich die deutschnationalen Mitglieder meines Beamtenausschusses. Affeffor Kußmann: Ich fragte Dr. Weiß: Kennen Sie auch die gemeinsame allgemeine Verfügung des Ministers des Innern und des Justizministers über Maßnahmen, die beachtet werden müssen bei Bergehen gegen richterliche Beamte? Sie erwiderten darauf: Ich bin erst furze Zeit im Amt und kenne die ganze Sache nicht so genau, aber ich habe im Justizministerium vorgesprochen! Darauf habe Weiß ihn, Kußmann, nicht mehr gesprochen und er habe Bescheid gewußt. Zeuge Rufmann: 3ur Frage der inneren Inwahrscheinlichkeit: Hätte ich mich aufs hohe Pferd gesezt, würde ich gar nichts erfahren haben.( Mit erhobener Stimme:) % P Ich habe Regierungsdireffor Weiß ein ausgemachtes Theater vorgespielt, und ich freue mich, wie gut mir das gelungen ist. ( Große Unruhe und Heiterfeit im Ausschuß. Zuruf des Abg. Meter Berlin( Soz.): Und so etwas wird auf das Bolk losgelaffen! Weiter große anhaltende Unruhe bei den G03. und neue Rufe: Ünerhört! Schamlos! usm. blatt" veröffentlichte Beschuldigung der Tierquälerei gegen Beiter fommt Zeuge Kußmann auf eine im Berliner Tageihn zu sprechen und bezeichnet sie als unzutreffend und unwahr. Gr jei meder wegen Tierquälerei angetlagt noch deswegen frei. gesprochen worden. Es handele sich hierbei um feinen Bruder. Was den angeschnittenen Bunft: Bespigelungssystem" anbelange, so habe er, Kußmann, von Kriminalbeamten gehört, daß Kriminaloberinspektor Krüger Auftrag gehabt habe, sämtliche Beamten der Kriminalpolizei und des Polizeipräsidiums auf ihre politische Einstellung hin zu überprüfen. Es sei dabei bei Krüger auch eine derartige Lifte gefunden worden. Stellvertr. Bolizeipräsident Friedensburg: Diese Antlage ist so ungeheuerlich und für eine Behörde so außerordentlich bes deutungsvoll, daß ich den Herrn Borfizenden bitten möchte, den Zeugen zu ersuchen, hierüber genauere Angaben zu machen. Zeuge Kußmann erklärt dazu, es sei ihm solches zu Ohren gekommen im Gespräch mit Kriminalbeamten. Wer es ihm genau gesagt habe, wiffe er nicht. Es sei aber der Name Jünten gefallen, bei diesem soll die Liste gefunden worden sein mit Aufzeichnungen über einzelne Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Berlin und einer Notiz über ihre politische Einstellung. Von einem amtlichen Auftrag sei aber nichts gesagt und mur davon gesprochen worden, daß der Mittelsmann der sozialdemokratischen Parteimünsche Kriminalinspektor Krüger gewesen sei. Friedensburg: Ich lege Wert darauf, für die Deffentlichkeit festzustellen: Herr Zeuge Kußmann weiß persönlich fein Material anzugeben, durch das eine Beipigelung von Kriminalbeamten durch ihre Borgesehien veranlaßt worden ist. Regierungsdireitor Weiß fragt den Zeugen Kußmann, ob er das Gespräch über den angeblichen Erlaß einer gemeinsamen Verfügung des Ministers des Innern und des Justizministeriums auch an andere Beamte als an ihn bei der friminalpolizeilichen Aktion berichtet hat. Kußmann: Nicht daß ich wüßte. Regierungsdirettor Weiß erflärt dann: Kriminaloberinspektor Krüger werde jederzeit bezeugen fönnen, daß Affeffor Kußmann Krüger aufs Glateis zu führen versucht habe, aber dabei von diesem eine entsprechende Antwort bekommen habe. Wenn aber Herr Kußmann jetzt eben erflärt hat, so betont der Regierungsdirektor weiter, er müßte nicht, daß er zu einem anderen so etwas gesagt hat, so hat er andererseits doch auch erklärt, er habe mich unter pier Augen aufs Glatteis zu führen versucht. Bezüglich der Aeußerung des Regierungsdirektors über seine Aeußerung, die Maßnahmen gegen die sowjetrussische Handelsdelegation betreffend, erklärt der Zeuge, er habe Herrn Kußmann gegenüber seine Aktion gegen die russische Handelsvertretung nicht mit einem Sterbenswörtchen erwähnt. Bon einem Durchgreifen habe von ihm gar nicht die Rede sein können. Das ganze Verfahren sollte durchgeführt werden von der Staatsanwaltschaft. Zeuge Kußmann erklärt zu diesen Ausführungen, daß es fió dann hier um ein Mißverständnis handeln müsse; er habe etwas ganz anderes sagen wollen. Dr. Weiß erflärt weiter: Herr Assessor Kußmann hat allerdings an mich die Frage gerichtet, ob nicht das Justiz ministerium hinter dieser ganzen Attion ftehe. Ich bin nun vielleicht nicht ganz lo dumme, wie Herr Kußmann mich ein. schäßt. Ich wußte fofort, wo er hinaus wollte. Herr Kußmann wollte offenbar von mir eine Anklage gegen das Juftiz ministerium provozieren, um sie nachher zu verwerten. Ich habe deshalb wahrheitsgemäß gefagt:„ Das Justizministerium hat mit dieser ganzen Attion nichts zu tun. Es ist möglich, daß ich auch gesagt habe: Diese Attion ist zurückzuführen auf das eigene pflichtgemäße Ermessen der Kriminalpolizei und nicht auf die Veranlassung des Justizministeriums. Auf Fragen des Abg. Könnede( Dnat.) erwidert. Regierungs. direktor Weiß, das Material stamme von einem Herrn, den die Deutschnationalen für würdig hielten, bei ihnen Anstellung zu erhalien.( Heiterkeit.) Regierungsdirettor Weiß ertiärt weiter, persönliche Be. iehungen zwischen ihm und Kuttner bzw. Heilmann beständen nicht; er sei auch nicht Sozialdemokrat. Eine Frage des Abg. Nusate( Dem.), ob auch gegen Cafpary Material gefunden sei, verneint Regierungsdirektor Weiß. Abg. Renkel( Dnat.) erhält hierauf das Wort zu einer Erklärung, daß er weder direft noch indirett jemals einen Staatsoder anderen Beamten bespielt habe noch habe bespigeln lassen, oder einen solchen zu einem Vertrauensbruch verleitet noch habe verleiten lassen.( Aber er hat dieses Spigelmaterial in Zeitungsartikeln verwendet! Red. d.„ B.") Regierungsdirektor Weiß erwidert, in der ganzen Sache habe er fich zum Sprachrohr der allgemeinen Entrüstung über die Befpigelung und über das Zuträgermesen gemacht, die in der Be. amtenschaft zum Ausdrud gefommen sei. Mit Rücksicht auf die soeben gehörte Erklärung stehe er nicht an, besondere Vorwürfe gegen den Abg. Renfel zurückzunehmen. Die weitere Fragestellung des Abg. Kuffner( Soz.) an den Assessor Kußmann bezieht sich auf die Tätigkeit des Herrn Knoll Knoll habe in seinen Artiteln immer für Korruptionserscheinungen gemisse politische Parteien verantwortlich gemacht So habe er in einem Artikel über die Reichspräsidentenwahl gesagt, die Wahl von Marg würde eine erschlimmerung der Kor ruption bedeuten. Wenn jemand bas berufsmäßig sage, so hätte ein Beamter der Staatsanwaltschaft von ihm Material nicht an nehmen dürfen. Außmann entgegnet, daß bei den Informationen fi anden habe. Der Vorsitzende Dr. Leidig( Dnat.) macht darauf für ihn ein politischer Einschlag nicht in Frage ge. aufmerksam, daß die Angelegenheit ja Sache des Disziplinar verfahrens jei. Auch Staatssekretär Frige legt Berwahrung ein gegen eine weitere Besprechung in dieser Richtung; man tomme sonst zu einer materiellen Vorwegnahme des Disziplinarverfahrens. Abg. Kuffner( Soz.) tommt dann auf die Berichtigung an den Borwärts zu sprechen, die Kußmann auf die gegen ihn gerichteten Angriffe erlassen hat und in denen er erklärt, niemals mit Herren der deutschnationaien Boltspartei in enger Fühlung gearbeitet felbft erklärt habe, daß er seit April mit Bacmeister mit den beiden Herren in enger Fühlungnahme gearbeitet zu und Leopold befannt ist. Zeuge Kußmann betont, daß er nach wie vor dabei bleibe, nie haben. Beuge Weiß: Es hat an der Besprechung auch eine Stenotypistin teilgenommen, die erflärt hat, sie habe eine solche Aeußerung des Herrn Assessors nicht gehört. Ebenso Inspektor Krüger. Der Zeuge geht dann ausführlicher auf den Fall ein und erklärt ihn als innerlich unwahrscheinlich. Er gibt eine Schilde- u haben. Er fragt, ob Kußmann das aufrechterhalte, nachdem er rung, die er von anderer Seite über Kußmann erhalten hat. Nach treten pflege, wie er wohl in der Sonnabendfihung aufgetreten sei, dieser wird Kußmann als junger Herr geschildert, der so aufzuals ein sehr felbft bemußter, etwas it art überheb licher Herr. Dem Zeugen ist dabei gesagt worden, daß sich Kußmann bei der Kriminalpolizei schon verschiedentlich wegen seines Wesens außerordentlich mißliebig gemacht hat. I. a. habe ihn der stellvertretende Leiter der Berliner Kriminalpolizei einmal wegen ungebührlichen Auftretens aus dem 3immer weisen müssen. Zu einem Kriminaloberinspektor habe Rußmann vor der Tür geäußert:„ Der Herr Regierungsdirektor Weiß will mich vernehmen! Der gleiche Kriminal Dem sage ich überhaupt nichts. beamte sei dann aber um so erstaunter gewesen, als Kußmann sich im Zimmer vollständig gemandelt hatte und ein außerordentlich kleinlautes, bescheidenes, ja beinahe devotes Wesen zur Schau trug.( 3euge Kußmann: Das lektere ist nicht wahr; auf eine weitere unverständlich gebliebene Aeußerun wird Kußmann vom Borkenden ermahnt, sich in seiner Ausdrucksmeise zu mäßigen.) Sufmann habe auf ihn den Eindruc des personifi3ierten böjen Gewiffens gemacht. Die große Beste habe er nicht zur Schau getragen. minaloberinspektors Krüger in seiner Wohnung erklärt Reg.Zu der Aussage Rußmanns über die Haus fuchung des KriDir. Weiß, zur Rechtfertigung des Beamten folgendes fagen zu müssen: Wenn Kußmann erklärt habe, der Beamte habe sich in den Salon gelegt und eine 3igarette geraucht, so set das darauf zurückzuführen, daß sich in diesem Zimmer Kußmanns die Dackel der Brüder Kußmann aufhielten und drei häufchen auf den Boden gefegt hatten. Der feinnervige Kriminalbeamte mußte um deswillen eine Zigarette rauchen.( Lebhafte Burufe im Ausschußz. Abg. Bartels( Komm.) ruft: Jetzt find wir vom Hund auf den Hundedred gekommen. Glocke des Präsidenten.) Db der Kriminalbeamte richtig oder falsch vorgegangen ist, wird einer disziplinarischen Nach prüfung unterliegen. Wäre er aber schärfer vorgegangen, so würde sich Herr Kußmann sicher erst recht beschwert haben. Beuge Kußmann erflärt hierzu: Die Hunde machen es sonst nicht! Ich war erstaunt.( Stürmische Heiterfeit.) Damit schließt der Ausschuß die Besprechung dieses Kompleres. Der Borsitzende wird ermächtigt, die nächste Sigung einzuberufen. Gewerkschaftsbewegung Endlich Arbeitskammern! Aber nicht im Reich, sondern im Saargebiet. Saarbrüden, 21. September.( WTB.) Die Regierungs. fommission hat in ihrer lehten Sitzung die Bildung einer Arbeitstammer für das Saargebiet beschlossen, durch die nicht nur die Lohnempfänger, sondern auch die Handelsangestellten erfaßt werden sollen. Der Entwurf wird demnächst dem Landesrat zu gehen. Wir haben schon die beschämende Tatsache verzeichnet, daß im Saargebiet der Achtstundentag voll aufrechterhalten worden ist, während man ihn im Reich mit Hilfe der Arbeitszeitverordnung und der Schlichtungsinstanzen abbaute. Nun wird gleichzeitig mit dem Referentenentwurf über den Abbau des Reichswirt. schaftsrates von der Errichtung von Arbeitskammern ist teine Rede befannt, daß die Regierungsfommission für das Saargebiet die Errichtung einer Arbeitskammer vorschlägt. Wenn auch ziemlich klar die Absicht hervorleuchtet, durch Erfüllung sozialpolitischer Forderungen die Arbeiter des Saargebiets in Gegensag zum Reich zu bringen, so ist es um so beschämender, daß ein derartiger Versuch überhaupt gemacht werden kann. Unsere nationale" Regierung versteht sich wunderbar auf die Wahrnehmung der ,, nationalen Belange". Wie Arbeiter geprellt werden. Bir berichteten fürzlich über den Konkurs bei der Firma Calm u. Bender Aft.- Ges. Wir teilten u. a. mit, daß die 39 bis zum Ronfurs beschäftigten Arbeiter, die mit einem dreiwöchigen Lohn rückstand entlassen wurden, am fühlbarsten getroffen sind. Die meisten von ihnen haben bis heute anderweitig noch keine Beschäftigung gefunden und befinden sich mit ihren Familien in bitterster Not. Eine eigenartige Doppelrolle spielt der ehemalige Betriebsleiter und Prokurist Joseph. Während er früher gegenüber dem Direktor Bender sich einer äußersten Liebedienerei befleißigte, zieht er jetzt gegen ihn alle Register. Seinen Geist atmet der auch vom Konkursberwalter unterzeichnete Revers, der den noch beschäftigten Ange stellten zur Unterschrift vorgelegt wurde und in dem den Angestellten jeder geschäftliche, telephonische und private Verkehr mit Herrn Bender bei Androhung fristloser Entlassung im Uebertretungsfalle untersagt wird. Das soll den Anschein erwecken, als ob der Direttor Bender der allein Schuldige an dem Zusammenbruch der Firma sei. Herrn Joseph als Betriebsleiter dürfte es nicht unbekannt gewesen sein, daß die Invalidenversicherungsmarken Der Arbeiter seit einem halben Jahre und die Versicherungsmarken der Angestellten schon seit einem Jahr nicht geflebt worden find. Ueberhaupt war die Betriebsführung eine ganz eigenartige. Der Betrieb war schon im Laufe des letzten Jahres pon über 100 Arbeitern auf 39 Mann reduziert worden. Trotzdem fungierte die Betriebsleitung, bestehend aus 2 Direttoren, 2 Brotu riften, 1 Obermeister, 3 Meistern mit einer unnötigen Zahl von Bureauhilfsträften weiter. Die Belegschaft hat bis zum letzten Tage mit einer Intensität gearbeitet, die einfach bewundernswert ist, obwohl fie feinen Lohn bekam. Es bleibt auch dem Konkursverwalter und den Gläubigern schleierhaft, wie ein so eingespielter und mit Aufträger über. häufter Betrieb zugrunde gehen konnte. Die ganze Ange: legenheit scheint aber eine wohlangelegte Fehde zwischen der Firma und dem Rheinhandelskonzern zu sein, dem sie angehört. Das Bestreben, von diesem Konzern loszufommen, war schon lange vorhanden und soll jezt allem Anschein nach auf dem Rücken der Arbeiterschaft in die Tat umgesetzt werden. Die Betroffenen verlangen, daß von dem Kontursverwalter endlich Schritte unternommen werden, um sie wenigstens in den Besiz eines Teiles ihres rückständigen Lohnes zu bringen. Sie erinnern ihn an seine Versprechungen, die er ihnen gemacht hat. Oder find die Versprechungen eines Kontursverwalters, der doch eine gerichtliche Person ist, ebenso viel oder ebenso wenig wert wie die des Herrn ehemaligen Direktors Bender? Attacke auf den Betriebsrat. Buchdruckereibefizer Meusel, in dessen Betrieb die neu. töllner Zeitung" hergestellt wird, beantragte beim Gewerbegericht die Amtsenthebung des Betriebsratspor. fizenden und eines Betriebsratsmitgliedes, weil sie ihre Pilichten cus dem BRG. gröblich vernachlässigt hätten. Der Kläger behauptete, die Beklagten hätten eines Tages ein Saufgelage im Gegerfaal veranstaltet, dabei sei gelärmt und gegrölt morden, die Eezer hätten ihre Arbeit vernachlässigt und deshalb habe sich die Fertigstellung der Zeitung um eine halbe Stunde verzögert. Die Beweis erhebung vor Gericht ergab ein wesents lich anderes Bild als es der temperamentvolle Kläger gemalt hatte. Der zuletzt erwähnte Borfall hat sich so abgespielt: Herr Meusel ließ die beiden Beklagten in sein Bureau rufen und Mengenabgabe vorbehalten! empfing fie, ohne ihren Gruß zu erwidern, mit den Worten:„ Meine Herren, ich muß Sie wegen der gcftrigen Borgänge zur Rede stellen." „ Ach, ich glaubte, Sie wollten wegen der schwebenden Lohnverhandlung mit uns reden," bemerkte darauf der triebsratsvorsitzende. Proteststreik der Telephonistinnen in Frankreich. Paris, 21. September.( Eigener Drahtbericht). Die Forderung der Beamten der Post- und Telegraphenverwaltung auf GleichBestellung ihrer Bezüge mit den übrigen Staatsbeamten bat am Montag das weibliche Personal der Telephon- und Telegraphenverwaltung sowohl in Paris als in der Provinz zu einem Proteststreit veranlagt, der von 11 bis 1 hr mittags gedauert hat. Die in den Telephonzentralen beschäftigten Damen fordern Gleichstellung ihrer Bezüge mit den Gehältern der Lehrerinnen. Die oberste Gehaltsstufe für die Lehrerinnen ist 12 000 Franken im Jahr, während die Postbeamtinnen nur 9200 Franken erhalten. Diese Forderung wurde von der zuständigen Kommission bisher abgeleğnt. im Ruhig, jest rede ich," herrschte ihn Herr Meusel an Bitte, dann wollen wir Sie nicht stören," entgegnete der Be triebsratsvorsitzende und entfernte sich mit seinem Kollegen. Hinsichtlich des„ Saufgelages" ergab die Beweisaufnahme, daß an dem betreffenden Tage es war in der größten Julihihe Segersaal einige Flaschen Bier getrunken wurden, daß aber die Seger ihr Arbeitspensum wie an jedem anderen Tage geleistet hätten. Das angebliche Lärmen und Grölen stellte sich dar als eine furze lebhafte Unterhaltung zwischen den Segern, die beim Schichtwechsel famen und gingen. Herr Meusel bemühte sich, das verspätete Erscheinen der Post- Abonnenten Dam amit die regelmäßige Zustellung des Vorwärts" im nächsten Monat feine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. = Beitung auf mangelhafte Arbeitsleistung der Beflagten zurüd. zuführen, worauf ihn der Borsitzende belehrte, das sei, selbst wenn es als wahr unterstellt würde, vielleicht eine Verlegung des Arbeitsvertrages, aber doch eine Berlegung des Betriebsrätegesezes. Betriebsratsmitglieder als haltlos erwiesen hatten, jah er Nachdem sich also die Anschuldigungen des Klägers gegen die fich auf Anraten des Gerichts einschließlich der Arbeitgeberbeifizer veranlaßt, seine Klage zurückzuziehen. Metallarbeiterstreik in Hohenlimburg. Hagen i. W., 21. September.( WTB.) In der vergangenen Woche traten 400 Metallarbeiter in Hohenlimburg in den Streik. Daraufhin haben die Hohenlimburger Arbeitgeber sämtlichen zurzeit noch beschäftigten Arbeitern zum 1. Oktober ge= fündigt. Von dieser Maßnahme werden 3000 Arbeiter betroffen. Für den Fall, daß bis zum 1. Oftober feine Einigung erzielt wird, beabsichtigt der Arbeitgeberverband, die gesamte Metallindustrie im Regierungsbezirk Arnsberg stillzulegen, wodurch 50 000 Arbeiter arbeitslos werden würden. Man rechnet mit dem Eingreifen des Regierungspräsidenten in Arnsberg. Anmerkung der Redaktion. Die Unternehmerverbände machen es sich zur Gewohnheit, jedem fleinsten Streif automatisch die Drohung mit Massenausfperrung folgen zu lassen. Handelt es sich in fast allen Fällen auch nur um einen Bluff, der für die beteiligten Gewerkschaften leicht erkennbar und deshalb von vornherein wirkungslos ist, so tragen doch diese Solidaritätsfundgebungen des Profits in hohem Maße zur Beunruhigung der Deffentlichkeit bei. Sie wachsen sich zu einem groben Unfug aus, dem gesteuert werden muß. Da solche Drohungen hauptsächlich dem Zwecke dienen, die Schlichtungsausschüsse und die Schlichter zu beeinflussen, sind sie überflüssig. Um so mehr erweisen fie fich als grober Unfug, weil sie lediglich die Deffentlichkeit erregen. Das Exekutivkomitee der Bergarbeiter. Bochum, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Das Exekutivfomitee der Bergarbeiterinternationale hat in der soeben beendeten Sigung beschlossen, die internationale Regelung der Kohlenwirtschaft erst in der nächsten Tagung zu beraten. Eine Rundfrage der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale über Maßnahmen der Bergarbeiterschaft im drohenden Kriegsfall soll nach schriftlicher Aussprache der Einzelverbände beantwortet werden. Die nächste Sigung wird sich u. a. auch mit den Anträgen für die internationale Produktions- und Absazregelung an das Internationale Arbeitsamt in Genf beschäftigen. Der Streik in der indischen Baumwollindustrie. London, 21. September. Times berichtet aus Bombay: Am Ende der vergangenen Woche haben die Arbeiter von weiteren Baumwollspinnereien sich dem Streit angeschlossen. Im ganzen sind nunmehr etwa 40 Spinnereien von der Bewegung betroffen. In den beiden Spinnereien, in denen die Streitbewegung ihren Anfang nahm, wurde dagegen die Arbeit wieder aufgenommen. London, 21. Eeptember.( Eigener Drahtbericht). Die Sabl der in Bombay in den Streit getretenen Baumwollarbeiter hat sich im Laufe der letzten Tage auf 125 000 erhöht. Verbandstag der Porzellanarbeiter. Magdeburg, 21. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag wurde in Magdeburg der Verbandstag der Porzellanarbeiter er= öffnet. Oberbürgermeister Genosse Beims begrüßte die Delegierten im Namen der Stadt. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist von 75 000 im Jahre 1923 auf 50 545 am Schluß des Jahres 1924 zurücgegangen. Einen breiten Raum in den Berhandlungen wird die Frage der Neuorganisation bzw. der Verschmelzung des Verbandes einnehmen. Aus diesem Grunde sind Vertreter des Glasarbeiterverbandes, des Baugewerksbundes und des Fabrikarbeiterverbandes eingeladen und erschienen. Den ADGB. vertritt Genoffe Silberschmidt auf der Tagung. Der erste Tag wurde mit einer Begrüßungsansprache des Borsigenden Wollmann, mit einer mündlichen Ergänzung des Berichtes des Hauptkassierers und der Aussprache über diese Berichte ausgefüllt. Der zweite Tag der Verbandsgeneralversammlung wurde teils mit der Fortsetzung der Aussprache über die Geschäftsberichte ausgefüllt. Die Opposition gab sich dabei die Mühe, sachlich zu bleiben. Es gelang ihr aber auch damit nicht, die Mehrheit der Delegierten von ihren Anschauungen zu überzeugen. In den Schlußworten konnten die Berichterstatter feststellen, daß ihre Tätigkeit von allen Delegierten anerkannt worden ist. Der Vorstand hat also die richtige Linie eingehalten. Am Nachmittag berichtete der Redakteur der Ameise" über den Gewerkschaftstongreß in Breslau. Achtung! Alle Arbeitnehmer der Firma Calm u. Bender, die infolge des Konturies der Firma entlassen wurden, treffen sich am Donnerstag, den 24. September, nachmittags 4 Uhr, im Verbands. haus des DMV., Linienſtr. 83/85. Wer am persönlichen Erſcheinen verbindert ist, kann seine Lohnforderungen schriftlich bei uns anmelden. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten mitteilt, sind die folgenden Gastwirtsbetriebe gesperrt: alais des Oftens, Inhaber Pfeilstifter, Warschauer Straße 34/35; Franz Wiz schnewsti, Faldensteinstraße 47; Brälaten des Ostens, Große Frankfurter Straße 16; Böhmisch Brauhaus, Landsberger Allee 11; Restaurationsbetrieb und Tunnel im Walhallatheater, Weinbergsweg 21; Jordans Alte Bierstube, Inhaber Stodflet, Rosenthaler Platz; Restaurant 3 ur Münzflause, Inhaber 3ur Flick, Münzstraße. E Achtung, Bezirksamt Kreuzberg! Am Donnerstag, 24. Geptember, 7 Uhr, bei Bieler, Dieffenbachstr. 76, Bersammlung aller SPD.. Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung: Referat des Gen. Stadtrat Conrad. Bollzähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Zentralverband der Schuhmacher. Morgen, Mittwoch, 62 Uhr, allgemeine gierten Overhagen, Essen, über Rußland. Berschiedenes. Mitgliederversammlung in Bökers Festfälen, Weberstr. 17. Bericht des DeleBerantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Eaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ehiorn; Feuilleton: K. H. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Bermärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Perlin GW. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". Besonders preiswerte Angebote Mengenabgabe vorbehalten! in feinen Zoilette- u. Kernseifen, Haushaltartikeln Badeselie 25 30.35 und Artikeln für den sanitären Bedarf Kohlensäurebäder 130 1200 garantiert rein.... Toiletteseite, 275 60P Kart, mit 3 Stück Hertie- Wundermild Toiletteseife, das Feinsto in Qualit. n. 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Seilage öes vorwärts Aeastag, 22« September 1425 �Was muß man von Serlin wissend Juterefsantes aus Charlottenburg. Die Thorlottenburger Lezirksversammlung beschäftigte sich mit einem demokratischen Antrag, der verlangt, die Wohnungssuchenden, die auf der Dringlichkeitsliste stehen, in eine Wohnungsbaugenossen- fchaft zu vereinigen. Der Antrag wurde abgelehnt, weil der empfoh- lene Weg nicht zum Ziel sührt. Von der sozialdemokratischen Fraktion wurde aber nachdrücklichst gefordert, daß die dringendste Aufgabe der Stadt jetzt die sein muß, das Wohnungselend zu beseitigen. Bürgermeister A u g u st i n teilte mit. daß die vtadt sobald wie irgend möglich die Aufschließung eines Geländes südlich der Iungfernheide und in Nord-Westend in Angriff nehmen will. Mit größter Eile soll die Anlegung von Straßen und Wegen auf diesem Gelände betrieben werden, damit die Bebauung recht bald erfolgen kann. Es ist auf die Dauer unerträglich, daß täglich tlöOOO Arbeiter angewiesen auf miserable Derkehrsmöglichkeiten weite Wege zurücklegen müffen nach den großen industriellen An- lagen in Siemensstadt, während in nächster Röhe der Werk« un- bebauter Grund und Boden liegt, auf dem fast die doppelte Anzahl Wohnungen errichtet werden könnte. Interessant ist, daß nach den Berechnungen des Bezirksamtes der Bau für»in« Wohnung, be- stehend aus 2 Zimmern. Kammer und Küche, unter Berücksichtigung aller Aorteile der Hauszinssteuer, für jeden Mieter«ine dauernde jährliche Belastung von 800 bis 900 Mark mit sich bringt. Dann wurden zwei wichtig« Anfragen der sozial- demokratischen Fraktion behandell. Di« erst« lautet: Aus dem Erwesterungsbau des Elektrizitätswerkes am Spreebord haben sich wiederholt schwere Unglücksfälle ereignet. Es sind eine Reihe schwerer Verletzungen durch Einsturz eines Gerüstes und durch schlechtes Abdecken der Rüstungen vorge- kommen. Ist das Bezirksamt bereit, durch schärfft« Ausübung der baupolizeilichen Kontrolle die Wiederholung solcher schweren Un- glücksfälle so weit wie irgend möglich zu verhindern? Vom 1. Mai bis 1. Juli d. I. haben sich auf dieser Baustell« 420 Unfälle er- eignet, darunter 50 schwere, von denen 3 tödlich verliefen. Das fluchwürdige Antreiber- und Prämiensystem, dos auf dieser Arbeits- statte herrscht, und die ungenügend ausgeführte Baukontrolle ist schuld daran, daß es zu einer so unerhörten Häufung von Unglücks- fällen kommen konnte. Die Baupolizei hat sonderbarerweise von den vielen Verletzungen, mit Ausnahnie der schweren Unfälle, nichts gewußt. Bürgermeister A u g u st i n ist als Thef der Baupolizei in Charlottenburg unserer Meinung nach für diese bedauerlichen Zu- stände mitverantwortlich. Er teill mit, daß die Baupolizei gegen die Art, in der die Baugelküste ausgeführt wurden, keine Ein- Wendungen erhoben hat, und daß ihm bisher nur zwei Unfälle ge- meldet wurden. Gegen den Versuch von bürgerlicher Seite das jetzt auf der Baustelle übliche Hasten und Treiben auf den Bauarbeiter- streik zurückzuführen, wurde von uns energisch Einspruch erhoben. Wie tief einige Mitglieder der Rechten von den tragischen Vor- kommnissen berührt wurden, geht daraus hervor, daß der deutsch- nationale Bezirksverordnete Decker auf die Ausführungen unseres Redners über den mangelhaften Zustand der Rüstungen mit dem Zuruf„Quatsch' onwortete. Die zweite Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion beschäftigte sich mit dem deutschnationalen Stadt- und Bezirksverordneten Herrn Fedler Fm Februar 1924 wurde gegen Herrn Fedler als Mitglied der Chor- lottenburger Wohnungszuweiiungskommiffion der schwere Vorwurf erhoben, daß er in mehreren Fällen seine ehrenamtliche Tätigkeit dazu mißbraucht hat, für sich geschäftliche Vorteile zu erringen. Herr Fedler hat sich für berechtigt und verpflichtet gehalten, seinen Parteigenoffen bei Wohnungsbeschaffungen besonders eifrig behilflich zu fein und ihre Angelegenheiten so vorzubereiten, daß die Beamten des Wohnungsamtes in allen Fällen im Sinne seiner Klienten entscheiden mußten. ErhatfürseineParteigenossen sogar ofsizielle Sprechstunden in Wahnungsangelegenheiten abgehalten und es ist Tatfache, daß in Charlottenburg versucht wurde, ehrenamtlich« Beziehungen im Interesse deutschnationaler Wohnungssuchender aus- zunutzen. In der Bezirksversammlung vom 26. März 1924 wurde nach eingehender Untersuchung durch das Bezirksamt der größte Teil der gegen Herrn Fedler erhobenen Vorwürfe bestätigi. Herr Scholz, der damals noch Bürgermeister von Charlottenburg war und Stadt- rat Hirsch erklärten, das Verhalten Fedler» fei geeig- net gewesen, Korruption in die Beamtenschaft hineinzutragen. Trotzdem hat die deutschnational« Fraktion Herrn Fedler nicht zur Niederlegung seines Mandats gezwung« n. Sie brachte zwar in einer langen Erklärung zum Ausdruck, daß Herr Fedler taktlos gehandelt habe, es erkläre sich das jedoch aus der Eigenart feinesWesens und könne die Fraktion nicht veranlassen, Fedler aus ihren Reihen zu entfernen. Die Sozialdemokraten sahen in dem Verhalten dieses deutfchnotio- nalen Herrn eine schwere Schädigung des Ansehens der Bezirksversammlung und ersuchten das Bezirks- a m t, vom Berliner Magistrat zu verlangen, Herrn Fedler aus dem Ausschuß für Wohnungswesen zu entfernen. SiebzehnMonate sind seitdem vergangen und erst unsere Anfrage führte da- zu, da» Bezirksamt zu einem Bericht über den Stand der Angelegen- heit zu bringen. Der Vertreter des Bezirksamts, Genosse Hirsch, teilte mit, daß man sich sehr eifrig mit der ganzen Sache beschäftigt hat, insbesondere ist untersucht worden, ob«in Vorgehen gegen Herrn Fedler auf dem Wege des Disziplinarverfahrens möglich ist. Da» ist leider nicht der Fall. So ist denn Herr Fedler, vom disziplinar-recht- lichen Standpunkt aus betrachtet, vom Scheitel bis zur Sohle ein Ehrenniann. Getreu den Traditionen der Fraktion Halb und Halb gehören 50 Proz. seines aktiven Wesens der Ausübung seiner ehren- amtlichen Tätigkeit, die andere Hälft« der Wahrnehmung seiner ge- schäftlichen Interessen. Herr Fedler hat kürzlich vor den deutsch- nationalen Wählern über das Thema„W a s muß man von Be r l i n wissen' gesprochen. Wenn er vergessen haben sollte, sein segensreiches Wirken im Berliner Ausschuß für Wohnungswesen zu behandeln, so sind wir bereit, die von Herrn Fedler gelassene Lücke gründlich auszufüllen. Zreilust-Päöagogit in Potsdam. In Potsdam trifft man fest längerer Zeit auffällig viel auf einem Ausflug begriffene Schulkinder. Diese Schulklaflen, und zwar nicht wenig Dolksschulklassen, wandern fast ausnahmslos nach einem ganz bestinnnten Programm, das sich also abspielt: Man fährt bis Wildpark, geht an dem Neuen Palais vorbei und sodann spornstreichs zu dem unweit des Palais gelegenen Rund- tempel, durch dessen Gitterpforte man die Kmder in das Innere spähen läßt, wo Boden und Wände mit schwarzweihroten Schleifen bedeckt sind. In der Gruft ruht die verstorbene Frau Wilhelms II. Von hier au» geht man mit den Kindern zu dem Schloß des Mannes, den man auch heute in Deutschland noch immer mit einem fremden lateinischen Namen, mit Fridericu» Rex bezeichnet, und der selbst die deutsche Sprache so wenig liebtg. daß er am liebsten nur fran- zösisch sprach und seinem Lieblingsschloß einen französischen Namen gab: Sanssouci. Er hätte auch gut deutsch sagen können: .Ohnesorge' oder.Meine Ruh". Er tat es ober nicht. Wenn dann die Kinder weniger das Schloß als die Stelle bewundert haben, wo Fritzen» Windhund« ruhen, dann geht es voller Andacht in die Stadt hinunter, wo man still das Glockenspiellied.Heb' immer Treu und Redlichkeit!' vor der Garnisonkirche anhört. Dort läßt man mich die lieben Kinder von einem mit schwarzweißroter Fahne stehenden Postkartenmann Bilder vom.ollen Fritzen' und vom .holländischen Willi' kaufen, erklärt ihnen, daß die Hohenzollern Preußen groß gemacht haben und gibt sich eben als guter Pädagoge auf diese und andere zweckmäßige Weise olle Mühe, die Kinder zum neuen republikanischen Staat zu erziehen. Man hat über diese prachtvollen Pädagogen seine herzinnig« Freude, denn man weiß bei ihnen immer gleich, wie und wo, aber mit dem Ausdruck dieser .Freude' hält man als wohlerzogener Mensch zurück. Manche dieser herrlichen Dolkserzieher tragen auch allerlei geheimnisvolle Ab- zeichen auf den Rockauffchlägen. Eine kleine Königstrone scheint als republikanisches Abzeichen ganz besonders beliebt zu sein. Davon abgesehen steht Potsdam aber augenblicklich in.gutem Geruch', es findet nämlich in der Orangerie ein« Osthavelländische Gartenbauausstellung statt, die in geschmackvollen Arrangements sehr viel schönes Obst für jene, die zahlen können, aufweist. Mit Betrübnis stellt der Freund guten Obstes wieder fest, daß die Obst- preis« in diesem Jahr eine Höhe haben, die es dem Minderbemittel- ten unmöglich machen, gutes Obst zu erwerben. Einen recht erfreulichen Eindruck bekommt man aber auch, wenn man in Potsdam ankommt. Nicht allein, daß fast zu jedem an- kommenden Zug die drei vorhandenen städtischen Straßendahn- linien bereitstehen, es stehen auch zu vielen Zügen nicht weniger als vier oerschieden« Postautobusie bereit, ein angenehmer Anblick, den man in der Tat sonst nirgends in ganz Berlin hat. Mit diesen Postautos kann Geltow und Baumgartenbrück, Bckrnstedt und Bor- nim, Nedlitz und sogar Templin, Caputh und der Schwielowsee er- reicht werden. Der akaüemifthe Kommunist. Eia Vorkämpfer dcutschnaftonoler.Belange". Daß die Kommunisten nur bestrebt sind, gegen die Sozialdemo. traten zu Hetzen, um der Hetze willen, beweist der Artikel des Zahn- arztes Dr. Ewald Fabian in der.Roten Fahne' vom 16. Sep- tember 1925, der wohl zur Wahlprvpaganda unter den Aerzten und Zahnärzten bestimmt ist. Herr Fabian wendet sich besonders gegen seinen Berufskollegen, den Zahnarzt Genossen Dr. Drucker, der an der Spitze einer Vereinigung von Zahnärzten steht, die bestrebt ist, reibungslos mit den Kassen im Interesse der Versicherten zusammenzuarbeiten. Er beklagt in seinem Artikel, daß die Zahnärzte viel„sried- fertiger' sein müßten, als die Aerzte, da sie nicht fo lebenswichtig sind. Seine wahr« Gesinnung enthüllt aber dieser Ealonkonununist. indem er mit echt akademischem Dünkel aus den Zeilen sein Be- dauern durchblicken läßt daß die Zahntechniker zur Behau» lung bei den Kasien zugelasien sind und daß sie ihre Honorarsorde- rungen dem Einkommen ihrer Patienten anpasien. In der Theorie faselt der Verfasser von der.Gewerkschaft der Sanität s» arbeite r' und in der Praxis denunziert er die Zahntech. niker. Gerade er. der in einer hochfeudalen Gegend, in der Uhland- straße, praktiziert, spielt sich dem Genossen Drucker gegenüber, der immer m Proletariervierteln behandelt hat. als.volksfreund' auf. Warum Hot sich ober Genosse Dr. Drucker den besonderen Haß der kommunistisch- deutschnational- völkischen Zahnärzte zugezogen? Weil er während seiner fünfföhrigen Tätigkeit als Referent i« Wohlfahrtsministerium für ein friedliches Zusammen- arbeite n mit den Krankenkassen eintrat, weil er sich de» Zahntechnikern gegenüber objektiv verhielt und sich nicht den Wünschen der standestreuen Zahnärztefchaft beugte, die die Den- tisten natürlich aus rein ethischen Gründen aus der- Kasienpraxis ausschließen wollen. Ferner erreichte Genosse Drucker durch ein Gesetz, daß die Zahntechniker, die bei den Kasien zu arbeiten gewillt sind, ihre genügenden Kenntnisse durch eine Prüfung nachweisen müssen. Dann hat Genosse Drucker bei der Schaffung des Gesetzes zur Errichtung von Zahnärztekammern durchaesqst, daß den Zahn» ärztekammern keine Ehrengerichtsbarkeit zusteht. Das sind natür- lich in den Augen eines Kommunisten alle» Berbrechen, um derent- willen ein Herr Dr. Fabian den Genossen Drucker in der.Roten Fahne' angreifen muß, denn es wäre für einen kommunistischen Zahnarzt doch zu schön, wenn auch er einer Ehrengerichtsbarkeit unterworfen wäre und diese Ehrengerichte würden doch, wa» genau so schön wäre, wie die ärztlichen Ehrengerichte im Höfle-Skandal. versagen. Herr Dr. Fabian verschweigt aber in edler Bescheiden- heit bei, seinen Angriffen gegen den Kossenzahnarzt Dr. Drucker, daß auch er, wie noch viele andere Zahnärzte,«inen fünfjährige» Vertrag mit der Allgemeinen Ortskrankenkasie der Stadt Berlin abge- schlosie» hat. Wie so häufig, macht sich also auch hier wieder ein Kommunist und noch dazu ein Akademiker, trotz de» Briefes des Ekki und der Reuorientierung der KPD. zum Vorkämpfer deutsch. nationaler Belange: dos ist aber um so besier zu oerstehen, als auf der Versammlung der deutschen Zahnärzte in Hannover«in großer Teil dieser„nur gezwungen friedfertigen' Mitbürger mit Stahlhelmabzeichen und Hakenkreuzen herumlief und diese Tagung unter den schönen Farben schwarz-weiß-rot erfolgt«. Selbstmord au» Furcht vor Operallon. Ja dem Hause Preußen« ring 19 in Neu-Tempelhof erschoß sich am Sonntag der bSjährige Kunsthändler Fritz B. Ein sofort herbeigerufener Srzt der dortigen Rettungsstelle konnte nur noch den Tod feststellen. Wie aus hinterlassen«» Papieren hervorgeht, ist 8. aus Furcht vor einer unumgänglichen Magenoperatiou freiwillig aus dem Leben geschieden. Das unbegreifliche Ich. 40s GeschichteeinerIugend. i Roman von Tom krisieasen. (Berechtigte llebersetzung aus dem Dänischeu von F. E, Vogel.) Sie war ganz weihe, damenhafte Touristin in ihren Be- wcgungen geworden. Deshalb also hatte sie einen Führer gewünscht! Waldemar fing an zu lachen, und dieses Gelächter trieb den heißen, phantastischen Gedanken in die Flucht. Ich ging zum Einsegnungsunterricht, und hier erlebte ich zum erstenmal den Unterschied zwischen Oberklasse und Unterklasse.... Er lag nicht nur in den Kleidern, sondern auch in der Sprache und in der Art, zu lachen. Die Jungen aus dem Bredgadequartier waren größer und gerader gewachsen als wir anderen. Sie konnten niemals ihre Gesangbuchverse auswendig, aber wußten sich trotzdem zu helfen, und wenn Stellen aus der Bibel erklärt werden sollten, redeten sie sich schließlich stets irgendwie beraus. Wir anderen waren schwerfällig. Hatten wir nicht ge- lernt, blieben wir stecken...... � � Der Prediger war am freundllchsten gegen die Dredgade- jungen Von uns anderen genoß nur ein Milchjunge seine Protektion. Er schlief immer ein und wurde nur geweckt. wenn er an zu schnarchen fing.„Armer Junge, murmelte k" Eines�Taaes. als wir keine Schule hatten, und ich im Geschäft half, trat eine breite Gestatt in kurzem Regenmantel ?«--wÄch-»®u. m.w«OT»; fr.«!« ich und»1. die Hände auf den Ladentisch, wie ich es so oft von Sa- muelsen gesehen hatte: doch im selben Augenblick erkannte ,ch den Prediger und wurde rot. �. „Guten Tag. Waldemar Rasmussen, treffe ich deinen Water oder deine Mutter an?'. „Nein, aber �errn Samuelen, ich ifyn rufen, j)crr Pastor?' Samuessen, der das Gespräch gehört hatte, steckte den Kops aus dem Hinterzimmer heraus. „Zu dienen. Herr Pastor, bitte schön, treten Sie naher. Hier ist nicht viel Platz. Ader eng ist der Pfad zur Tugend, Vicht wahr, haha.'! „Sind Sie der Vormund des Knaben, wenn ich fragen darf?' „Ija— Vormund oder nicht Vormund. Die Mutter dieses Burschen ist totkrank und der Dater ist gestorben." „Sind Sie sein Onkel" .Las kann man nicht sagen. Rein, Vormund ist der richtige Ausdruck. Das paßt am besten. Aber kommen Sie doch herein. Im Laden kann man nicht so frei von der Leber weg sprechen, nicht wahr. Herr Pastor? Der Prediger ging herein.<> Ich blieb draußen im Laden und unkersuchte die Ziga- retten: ich war ein einfriger Raucher geworden. „Ein gefährliches Viertel, Herr Samuelfen. Viele schlechte Elemente! hörte ich den Pastor sagen. Samuelsen brummte. „Wie stehen Sie zur Refigion?" fragte der Prediger,„ich entsinne mich nicht, Sie in meiner Kirche gesehen zu haben. Lich bin aber mal dagewesen," sagte Samuelsen. „Da? ist merkwürdig. Ich erinnere mich durchaus nicht an Ihr Gesicht, und ich pflege doch sonst ein recht gutes Ge- dächtnis zu haben."..., Samuelsen brummte wieder. „Ach so," sagte der Prediger lauk.„meinen Sie, Man hätte so wenig von einer Predigt? Das wäre doch traurig. Wir wollen einander helfen, nicht? Ich tue mein Bestes, und es könnte doch vorkommen, daß gerade bei Ihnen ein paar Worte auf den rechten Boden fielen." Samuelsen brummte immer nur. „Sind Sie denn nicht gläubig, mew guker Mann?" „Ich folge Jesus und seinen Lehren, und das will ich dem Jungen auch beibringen, das kann ich Ihnen versprechen," antwortete Samuelsen. Einige Stuhlbeine schrabten. und der Prediger kam in den Laden. „Also dann leben Sie wohl?" „Gott, solch ein Schafskopf!" grinste Samuelsen, als er gegangen war. „Weshalb haben Sie gelogen?" fragte ich. „Gelogen? Verdammt noch mal, ich habe nicht gelogen. Daß alle Menschen früher oder später, nach zehn, nach zwanzig Daseinsformen, vielleicht nach noch mehreren, Gottmenschen werden, wie Jesus und Buddha es waren, das ahnt der Tropf, Gott soll mich strafen, nicht, und dabei ist er vom Staate an- gestellt und hat Examen gemacht. I du Gerechter! Rein, ich habe nicht gelogen; aber»oes halb sollte ich Perleo vor die Säue werfen, weshalb sollte ich dem eingebildeten Aas bei- bringen, wie das Ganze zusammenhängt? Er hat noch Zeit genug, achtzig Leben lang. Laß ihn sich nur in der Volts- tirche herumtreiben, das iftseine Sache, sage ich!" Samuelsen zog seine Weste straff und fühlle sich, wie er da oben aus der Treppe zum Hinterzimmer sprach, wie ein Standbild. Ein Kunde kam in den Laden. „Guten Tag. guten Tag, ist das aber ein Wetter heute. solche Kälte, nicht?" damit stürzte er sich ohne jeden Uebergcmg auf ihn los. Samuelsens tägliche Ausfälle gegen die Volkskirche machten den Prediger und die Kirche in meinen Augen lächer- lich, und ich war noch so jung, daß alles, was lächerlich wurde, seinen Wert für mich verlor. Ich wollte dann nichts mehr davon wissen. Wenn ich nach der Kirche kam, musterte ich sie überlegen. Das rote Gebäude war hübsch und imposant: doch in meiner Respektlosigkeit übersah ich das. Ich vergnügte mich damit, Zigarettenstummel zwischen die Stuhlreihen zu werfen. Das wurde jedoch von dem Prediger entdeckt und er hielt mir eine donnernde Strafrede. Es wurde auch ein Sport von mir, Bibesstellen fo gvt auswendig zu lernen, daß ich sie herunterleiern konnte, und wenn der Prediger mich in meinem Redefluß anfhiett, empfand ich das wie einen Sieg. Aber manchmal schwankt« ich und wurde fromm; und der Prediger konnte mich überrascht und mißtrauisch ansehen. wenn ich so voller Eifer die Psalmen und Bibelsprüche erklärte. „Du mußt auf dich achtgeben, Waldemar Rasmussen,' sagte er, denn mein verschiedenartiges Benehmen berührte ihn unangenehm,„du hast einen gefährlichen Charakter!' Ich nahm feine Warnung mit überlegener Ruhe entgegen Er wußte ja nichts von dem geheimen Kampf, den ich mtt Gott führte. Er konnte nicht wissen, daß Gott fein« besondere Art hatte, mich zu strafen, und daß ich die entdeckt hatte. Einmal hatte ich drei Zigarettenstummel mitgenommen und hatte sie zwischen die Bänke geworfen, aber als ich dann später zum Krankenhaus ging, hatte Mutter so hohes Fieber gehabt, daß ich nicht hereingelassen wurde. Ich begriff sofort den Zusammenhang und bereute die folgenden Tage mit frommem Eifer meine Sünde, und im Laufe der Woche ging es Mutter auch etwas besser: doch dann wurde ich wieder verrucht und begann aufs ne« niit Ziga- rettenfiummedl z» werfe».(Fortsetzung folgt.) leiten. योग fofort herbetgerufene Bagent des Städtischen Rettungeamtes Tonnte wieber leer abfahren, da die Berlegungen ganz leichter Ratur waren, fodaß die Arbeiter sämtlich ihre Wohnungen auffuchen fonnten. Eine baupolizeiliche Untersuchung ist bereits eingeleitet worben. Reichsbannerfest in Plane a. d. Havel. Um die Fleischpreise. Energischer Kampf der Polizei zum Schutz der Konfumenten. Am Montag nachmittag fand im Bolizeipräsidium unter dem Borsiz des Polizeipräsidenten Gen. Grzesinsti eine von den Labenfleischern gewünschte Besprechung statt. Die Ladenfleischer erflärten, mit der von der Mittleren Preisprüfungsftelle als zulässig erachteten Bruttospanne von 15 Broz. nicht Es ist etwas Eigenes um diese märkischen Kleinstädte, wie auch austommen au tonnen und gaben der Befürchtung Ausdrud, Blaue so eine ist. Schon von weitem bietet sich einem mit dunkeldaß die Kontrolle der Fleischerläden eine dem Ansehen ihres Ge- getönten heimischen Ziegeldächern, die aus Baumgrün hervorlugen, werbes abträgliche tiefe Beunruhigung der Bevölkerung hervor ein freundliches, anheimelndes Bild. Im Innern dann Kargheit rufen werde. Sie gingen dabei von der irrigen Ansicht aus, und Schlichtheit der Bau- wie der Lebensformen und die eingedaß diese Kontrolle durch uniformierte Beamte feffenen Bollbürger tragen biedermännische Treuherzigkeit zur vorgenommen wird, während tatsächlich Beamte in Zivil diesen Dienst Schau. Krazt man aber ein wenig an der Oberfläche, das heißt: versehen. Zur Frage der Preisspanne von 15 Broz. stellte der spricht man mit fundigen Einheimischen, dann merkt man sofort, Polizeipräsident fest, daß die Ladenfleischer an dieser Festseßung baß auch in diesem fleinsten Gemeinwesen der politische und durch die Mittlere Preisprüfungsstelle selbst Schuld trügen, da fie wirtschaftliche Kampf und der Kampf um Kulturfragen ebenso scharf trog wiederholter Aufforderungen teinerlei und heftig gefämpft wird wie an jeder anderen Stelle. Man konnte ausreichende Unterlagen eingereicht hätten. Die das auch rein äußerlich am letzten Sonntag sehen, an dem das Mittlere Breisprüfungsstelle sah sich daher gezwungen, sich die er- Blauer Reichsbanner seine Bannermeihe vollzog. forderlichen Unterlagen anderweitig zu beschaffen. Sache der Bolizei Es schien doch nicht so ganz zufällig und ohne Bedeutung zu sein, jei es, gegen strafbare Handlungen einzuschreiten und die vom Bolizei- daß das Straßenpflaster der Hauptstraße aufgerissen war, so daß präsidium eingereichten Kontrollftreifen hätten eben den 3wed, sich der Festzug durch Nebenstraßen schlängeln mußte. Die Rauf etwaige ftrafbare Handlungen, d. h. Uebervorteilung des leute und Gewerbetreibenden, die doch in der Hauptsache von den Bublifums im Fleischergewerbefestzustellen und an Arbeitern, die das Reichsbanner in der Mehrheit bilden, leben, die Staatsanwaltschaft zur Aburteilung durch die Gerichte weiterzu- hatten es vielfach vorgezogen, die deutsche Nationalfahne nicht zu zeigen. Man wird noch deutsch mit ihnen reden. Hingegen mar Dabei richtet sich, wie der Polizeipräsident betonte, diese Kontrolle eine außerhalb des Städtchens gelegene Gartenstadt ganz in Schwarzder Fleischerläden nicht nur gegen die Ladenfleischer, sondern sie stellt Rot- Gold getaucht, ein höchst erfreulicher Anblick. Der Festzug von für die Polizei das einzige Mittel dar, an Hand der Buchführungen etwa 600 Teilnehmern mit dem schon bekannten, aber immer wieder und der Rechnungen die Entwicklung der Preise im Flei. überraschend und anfeuernd wirkenden Tambourkorps der Branden schergewerbe rüdwärts über den Großschlächter und Kom burger auch ein prachtvolles Banner des Landarbeiterverbandes missionär bis zum Biehhändler und Landwirt zu ver- wurde viel bemertt hatte einen riesigen Zustrom aus allen umfolgen. Wenn die Ladenfleischer sich weiter darüber beschweren, daß, liegenden Dörfern bewirkt. Die Weiherede des Kameraden Genossen während sie selbst zum Preisabbau gezwungen und auch bereit seien, D. Butttamer mit der ernsten und eindringlichen Kennzeichnung die Biehhändler und Kommiffionäre die Preise unbegründet in bieber gegenwärtigen Situation machte auf alle einen tiefen Eindrud. Höhe trieben, dann hätten doch die Ladenfleischer in ihren Organi. Sein hoch auf die deutsche Republik und das deutſche Bolt fand fationen ein wirksames Mittel, diese Preistreiberei zu unterbinden, jubelnden Widerhall. Besonders beachtenswert aber war die aufindem sie einfach ein- oder zweimal fein Fleisch zu den teueren Breifen fällig große Anzahl älterer Reichsbannerleute einfaufen. Das Publikum würde durchaus Verständnis für eine aus Plaue und Brandenburg, die wohl sämtlich den Krieg folche zu seinen Gunsten getroffene Maßnahme haben. Außerdem draußen mitgemacht hatten und von denen die Brandenburger auch follten doch die Ladenfleischer derartige Fälle von Breistreiberei fofort noch aus einem foeben ehrenvoll beendeten Wirtschaftstrieg, einem der Polizei mitteilen. Auf diese Weise tönne eine wirkliche Mitarbeit zehnwöchigen Streif tamen. Der Opfermut diefer Männer aus dem mit den Behörden herbeigeführt werden, und diese Mitarbeit liege Bolte ist vorbildlich und muß auch den noch beiseife Stehenden durchaus im Intereffe des Fleischergewerbes und der Allgemeinheit. Hochachtung abnötigen. So fonnte man feststellen, daß auch die mitunter und leider ein wenig mitleidig so genannten„ fleinen Im weiteren Verlaufe der Besprechung wurde von den Ladenfleischern zum ersten Male eine Untoftenberechnung eingereicht, die Rester" eine sehr wichtige und notwendige und darum höchst aneinen Untosten jag von 19,5 Proz errechnet. Selbstver- ertennenswerte Aufgabe republikanischer Aufklärung und Sammständlich wird diese Untostenberechnung von der Mittleren Preis- lung erledigen. Der fefte zusammenschluß der Repu. prüfungsstelle zunächst eingehend nachgeprüft werden. Auf Borschlag blitaner aller Richtungen aber geht auch in der Provinz vorwärts und ist unaufhaltsam. Das nahm man als erhebendes des Polizeipräsidenten werden sich in den nächsten Tagen zwei Bertreter des Ladenfleischergewerbes mit der örtlichen Breisprüfungs- Erlebnis aus dem kleinen Blaue an der Havel mit. stelle zusammensehen und die in der Aufstellung enthaltenen Ziffern auf Grund genauer Unterlagen erläutern. Unappetitliche Fleischtransporte. Trog aller Vorschriften und Verordnungen über die Behandlung von Eßwaren und Genußmitteln fann man täglich mit Erstaunen beobachten, wie sehr die Schlächter vielfach die nötige Sorgfalt beim Fleischtransport außer acht Iaffen Besonders ift es aufgefallen, daß die Fleischstücke bei dem Transport über den Wagenrand hängen, von den Rädern geftreift oder bei nassem Wetter mit dem Straßenschmug ber Räder besprigt werden, daß ferner Personen auf dem Fleisch figen oder liegen, daß die Woll- und Blandeden zum Zudecken und bie Unterlagen für das Fleisch so unsauber sind, daß man fich fcheuen muß, fie anzufaffen. Nunmehr sind die Straßenaufsichtsbeamten erneut darauf hingewiefen worden, gegen biese misstänbe energis einzuschreiten und jede Uebertretung zur Anzeige zu bringen. Sympathiekuren. Der 54 Jahre alte Schloffer Ostar Hoffmann in Neufötin, Walterstraße 73, betrieb merkwürdige Sympathieturen. Er erzählte feinen Bekannten, er könne durch Sympathie Krankheiten heilen. Drei junge Mädchen, die ihm als Patientinnen zugeführt wurden, äußerten sich ihren Eltern gegenüber, H. habe sich an ihnen durch unfittliche Berührungen vergangen. Der Mutter eines Mädchens erMarie Hoffmann, er tömme feine Sympathietur nur an einem Kreuzweg vornehmen und auch dort nur, wenn an der Kreuzung Bäume mit herabhängenden Zweigen ständen. Daraufhin ging er mit dem Mädchen nach Buch, um eine geeignete Stelle auszusuchen. In Wirklichkeit führte er es in ein Kornfeld. Das Mädchen wollte ich aber die Berührungen nicht gefallen laffen und drohte mit Schreien. Das Deranlaßte Hoffmann, mit ihm wieder nach Hause zu fahren. Daraufhin schritt die Kriminalpolizei ein und ermittelte noch mehrere derartige Heilversuche. Der Beschuldigte wurde in Saft behalten. Alle, die über diese Kuren Hoffmanns etwas befunden fönnen, werden ersucht, fich bei dem Kriminalfommiffar Johannes Müller im Polizeidienstgebäude in der Magazinstraße zu melden. Gerüsteinsturz in der Mten Leipziger Straße. Gestern nachmittag gegen 5 hr ereignete fich in ber Alten Leipziger Straße, Ede Oberwallstraße, auf dem Neubau der Reichs band ein großer Gerüsteinstura, bei bem wie durch ein Wunder leiner der Arbeiter erheblich verlegt wurbe. Ueber bas Unglüd erfahren wir folgendes: Die Reichsbant errichtet in ber Alten Leipziger Straße ein ernbeiswert Gestern nad mittag follte ein Schornsteinteil in die Höhe gezogen werden. Aus bisher noch ungeklärter Ursache riß das Schornsteinfell und brachte bas Gerüift zum Einstürzen. Bier Arbeiter, die sich in etwa awei Etagen Höhe auf dem Gerüst befanden, wurden mit in bie Tiefe geriffen, tamen aber glücklicherweise mit leichteren Duetschungen und Santabschürfungen babon. Der auf ben Alarm Ein Synagogeneinbrecher gefaßt. Biele jüdische Gotteshäuser wurden in der letzten Zeit erbrochen und bestohlen, am Donnerstag auch die Synagoge in der Rantstraße 12. In der Nacht zum Sonntag gegen 12 Uhr beobachteten mun Leute, die an der Synagoge in der Bütow straße vorübergingen, daß ein junger Mensch sich an der Tür zu schaffen machte. Als er mertte, daß er aufgefallen war, ergriff er die Flucht. Die Baffanten verfolgten ihn, ergriffen ihn auch bald und übergaben ihn der Kriminalpolizei. Man fand bei ihm Brecheifen und andere Einbruchswerkzeuge. Der Ertappte murde feftgestellt als ein 24 Jahre alter Galizier Moses Sochaczewsti, ber sich wohnungslos in Berlin umhertrieb. Er bestreitet die Einbrüche, ist aber so schwer belastet, daß er dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. und Liebe zum Latenspiel. Im übrigen ist es nicht unfere Aufgabe, ie auf die Möglichkeiten, die ein bewegter Sprechchor und eine straffe Handlung der Maffendarstellung gibt, hinzuweisen. Da, wo die Masse sich selbst spielt, wirkt sie immer überzeugend und so war auch der Hammerchor die einzige erfreuliche Angelegenheit. Die Bereinheitlichung der Elektrizitätsverforgung wird vom Magistrat angestrebt durch die geplante Uebernahme der Versorgung von Dahlem, die der privaten Gesellschaft Berliner Vorortelektrizitätswerte" durch Vertrag bis 1941 eingeräumt ist. Da die Gesellschaft höhere Strompreise als die der städtischen Elektrizitätsmerte nimmt, so brächte die Uebernahme auch eine Berbilligung. Den einst von der Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem ge= schlossenen Vertrag will jetzt der Magistrat fündigen. Meuterei in einem polnischen Zuchthaus. Feuergefecht zwischen Zuchthausinfaffen und Polizei. Aus Rielce wird nach Danzig gemeldet: In dem größten polnischen 3uchthaus in der Nähe von Kielce brach eine Riesenmeuterei aus, der etwa 30 Personen zum Opfer fielen. Als 20 Zuchthäusler_am Vormittag von zwei Wärtern zur Arbeit geführt wurden, machten fie einen Fluchtversuch, fehrten aber rasch zurück und töteten die Wärter. Dann tamen sie ins Zuchthaus zurüd, töteten hier zwei Torwächter, verlegten einige und besetzten zwei Hauptgebäude des Zuchthauses. Innerhalb einer Stunde wurden 400 Häftlinge freigelassen, die Aufsichtsbeamten verhaftet, die vorhandenen Gewehre verteilt, die Telephonleitungen zerschnitten und handenen Gewehre verteilt, die Telephonleitungen zerschnitten und die Mauer befestigt und durch Wachtposten besetzt. Bis 2 Uhr nachmittags hatte man in Kielce noch feine Ahnung von dem Gefchehenen. Erft als ein entflohener. Gefängnisbeamter dorthin zu Fuß antam, wurde der Wojewode verständigt, der mit einer starten Abteilung berittener Polizei sich zum Buchthaus begab. Der Woje wode führte eine Stunde lang mit den Aufständischen Unterhandfungen und wollte sie zur llebergabe bewegen. Die Zuchthäusler lehnten jedoch ab und es begann ein regelrechtes Feuer. gefecht, das bis 7 Uhr nachts andauerte. 11 3uchthäusler sind getötet und sechs schwer verlegt, ein Polizist ist getötet und sechs find schwer verlegt. Militärische Verstärkung ist angerufen worden. Batermord in Oberschlesien. In Rudzist, Kreis Ratibor, wurde der 57 Jahre alte Bauer Milotta bon seinem Sohne unter Beihilfe der Mutter ermordet. Man glaubte zunächst an einen natürlichen Tod des Mannes, so daß bereits die firchliche Beerdigung angesagt war. Ein Bandjäger stellte furz vor der Beerdigung Ermittelungen an, die zur Auffindung der Mordwerkzeuge und Entlarbung der Täter führten, die im Sterbehause verhaftet wurden. Der Grund zur Tat sollen Familienzerwürfnisse sein. Ein Ordenspriester als Mörder. Jm Karmeliterflofter in gemberg erschlug der Ordenspriester Adam den seit bier Lagen bort weilenden Oberpfarrer Jdec mit einer Art. Der Mörder stellte sich selbst der Polizei. Er ist früher wegen unmoralischen Lebenswandels von einer Pfarrei in der Diözese Przemysl entfernt worden und wurde einige Zeit lang von einem Krakauer Nerbenarzt behandelt. Der Mörder soll auch die Abficht gehabt haben, den Prior zu erschlagen. Dieser wurde aber wach und schlug Lärm. Jugendveranstaltungen. Sugen bor. Mittwoch abend pünktlich 7% Uhr im Sihungsfaal des Preußischen Staatsrates, Leipziger Str. 3. Heute, Dienstag, den 22. September, abends 7% Uhr: Webbing- Norb: Schule Müllerstr. 4. Aussprache: Auguft Bebel Rordoften II: Danziger Str. 62. Dichterabend. Schönhauser Borstadt I: Schule Jbfenftr. 17. Bortrag:„ Rörperkultur". Schöneberg I: Stubens. Bortrag: Jugend und Gewerkschaft". Wilmersdorf: Ede Sauptstraße. Sildegardstr. 4. Bortrag: Grundidee des Gozialismus". Röpenid: Grünauer - Neukölln V: Schierkeftr. 44. Vortrag: Bolitik und Sport". Reiniden borf- Dst: Seebad Residensstraße, Bortrag: Bursche und Mädel in der SAJ.". Beften: Straße 5. Bortecg: Wie verwenbe ich meine Ferienzeit". Resibenaftraße. Rolle, Maffe, tolle! Dies Stüd, zu dem die Proletarische Spiel. gemeinschaft am Donnerstag in den Pharusfälen einlub, wird bem rollenden Titel in feiner Weise gerecht. Es ift erstaunlich, mit welchen veralteten Mittelchen der Verfasser die russische Revolution Don 1905 und 1917 einfangen wollte. Kein Hauch dieser gewaltigen Ereignisse in diesem Stück, das nur manchmal durch den Schwung guter rhetorischer Bilder aufhorchen ließ. Diese Beurteilung ist ganz unbeeinflußt von der politischen Einstellung, im Gegenteil, lieber hätte man noch eine glänzende kommunistische Propaganda gesehen, ein wirkliches Einfühlen der fommunistisch orientierten Masse als diesen armseligen Aufguß. Die Proletarische Spielgemeinschaft täte gut daran, mit ihren beschränkten Mitteln zu rechnen und auf diesen aufzubauen, benn es ist wirklich schade um so viel verpuffte Kraftfahrt brachte bei den Berufsfahrern den Sieg Ostar Tick Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 22. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 99 4.30-6 Uhr abends: Ferdinand Hummel- Feier, anläßlich des 70. Geburtstages des Komponisten( 6. September). 7 Uhr abends: Literarische Stunde(„ Um Goethe und Weimar. 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse) Abteilung Völkerkunde. Dr. Georg Wegener: China, Land und Leute". 6. Vortrag. Die ostasiatische Frage in Gegenwart und Zukunft. 8.30 Uhr abends: Abendunterhaltung. 1. a) Lucio d'Ambre: Herbstserenade, b) Dickens: Amra, c) Tosti: Serenade( Hans Heinrichs, Mathilde Tenko, Violine; Giuseppe Becce). 2. Goldmark: Wünschet Euch mit Blumen, Arie der Perditta aus Wintermärchen"( Vilma Delmar, Sopran). 3. a) Lecocq: Lied des Ange Piton, aus„ Mamsell Angot", b) Lehár: Ich darf nur eine lieben, Lied aus„ Die blaue Mazur, c) Eißler: Weinlied aus der„ lachende Ehemann' ( Reinhold Pasch, Tenor). 4. a) Bellini: Casta Diva aus" Norma", b) Benedict: La Capinera( mit Flötenbegleitung)( Vilma" Delmar). 5. a) Stolz: Ein Garterl mit blühendem Weine, b) Fall: Lied aus Die spanische Nachtigall", c) May: Aimez( Reinhold Pasch). 6. Becce: a) Liebestraum, b) Légende d'Amour, c) Erinnerung an Capri, d) Scéne Passionée( Hans Heinrichs, Mathilde Tenko, der Komponist). Am Flügel: Artur Andrae. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetter dienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Gaule Ballasftr. 15. Bortrag: Sozialdemokratie und Staat", Sport. Rund um Berlin". Die am Sonntag vor sich gegangene Rundin 8 Stunden, 18 Minuten, 41 Sefunden. Bei den Amateuren fiegte Mar Kohl( Borussia) in 8 Stunden, 43 Minuten, 0,3 Setunden. G. Richter( 3ugvogel) siegte bei den Altersfahrern in 9 Stunden, 34 Minuten, 31 Sefunden. Start war der Bahnhof Heerstraße, Biel das Deutsche Stadion, wo die Amateure an läßlich der Rundfahrt einige Rennen, die durchweg interessant ver= liefen, ausfuhren. So gewann im Preis von Berlin", ein Hauptfahren über 1000 Meter, zu" dem zahlreiche Vorläufe und 3wischenläufe notwendig waren, Mühlbach( Krampe) vor Longardt( Tempo), W. Packebusch( Konkordia) und Beinert( Konkordia). Das Paul- Bruns Erinnerungsrennen" über tausend Meter gewann ebenfalls Mühlbach gegen Longardt, D. Rütt ( B. R. C. 89) und Schuffenhauer( Kontordia). Lehmann ( Diamant) siegte im Vorgabefahren über drei Runden gegen Wette( Kontordia), H. Schulz( Iduna) und Kantorowicz, während im 50- Runden- Bunftefahren D. Rütt als erster das Ziel in 54 Minuten, 11,4 Gefunden( 21 Buntte) passierte. Zweiter wurde Krupkat( Hermes, 18 Punkte) vor W. Pacebusch( 14 Punkte) und 5. Streubühr( Tempo, 12 Punkte). Das 3 weisigerhauptfahren über drei Runden brachte den Sieg der Mannschaft Muhlbach Longardt vor W. Packebusch- Fatschild( Konfordia), H. und E. Streubühr und Rahne- Tonn( Hermes). ㄓ Weffer für Berlin und Umgegend: Anfangs noch ziemlich trübe und fühl mit einzelnen Regenschauern, später zeitweise aufllarend. Für Deutschland: Anfangs im Often, später im äußersten Westen Niederschläge Wenn Ihr Friseur Sie fragt, womit er Ihnen den Kopf waschen soll, dann antworten Sie ihm bitte:„ Mit Pixavon!" Regelmäßige PixavonHaarwaschungen sind das beste Mittel, den Haarwuchs gesund und kräftig zu erhalten. Pixavon reinigt und wirkt durch seinen Teergehalt anregend auf den Haarwuchs. Schon nach kurzer Zeit läßt sich diese wohltuende Wirkung deutlich verspüren. Zwischen Pixavon und gewöhnlicher Teerseife ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Pixavon gibt es nur in den bekannten, geschlossenen Originalflaschen. Eine Flasche Pixavon Preis M. 2.50, überall erhältlich, reicht Monate. PIXAVON 1300: Arbeiter Boort Quer durch den Osten. Mitgliederversammlungen jeden Freitag nach dem 1. und 15. jeben Monats im Vereinslokal„ Ideal Klause", Neukölln, Mareschstr. 14. Dortfelbft Aufnahme neuer Mitglieder. Geschäftsstelle des Bereins: Friz Paschte, Berlin SO. 26, Oranienftr. 35. Der Fall" Fichte. Die Geschichte dieses Falles ist so alt wie die Geschichte des Bereins, der ihm den Namen gab. Nur der, der diesen Berein seit Beginn seiner Kindertage fennt Sie sind immer noch nicht beendet-, der allein ist berufen, über besagten Fall zu urteilen. Die Leute in diesem Verein haben immer abseits des politischen Lebens gestanden; fie fanden in ihrem Verein ihre Welt, und diese Welt hatte ihr befonderes Gesicht. Die Gründer waren aus der„ Deutschen Turnershaft" gefommen, wo sie eine Erziehung genossen hatten, die ihrem Denten eine fleinbürgerlich- revolutionäre Richtung gab. Die Parteipolitik war diesen Leuten von seher zuwider, denn es fehlte ihr jene Wald- und Wiesenromantit, die im Leben der Turner immer eine große Rolle gespielt hat. Kaum einer dieser Leute hatte zur Partei engere Beziehungen, und wo immer einer sich dahin verlaufen hatte, spielte er bald die Rolle des Nichtverstandenen". So hat man die Politit nicht gelernt, sondern sich immer nur ungebunden barin getummelt. Der Geist der Deutschen Turnerschaft faß so tief in diesen Leuten, daß man heute noch deutlich seine Spuren sieht. Historisch falsch gesehene Vorgänge, wie die Teilnahme der Hanauer Turner an der Revolution des tollen Jahres, wurden romantisch verbrämt und in naiver Dichtung als das Erbe der Fichteturner" befungen. Das erzeugte jene primitive Revolutionsstimmung, die wir noch heute beobachten fönnen, und die von jeher das Wesen des Vereins bestimmte. Nur die Dummheit des milhelminischen Systems fonnte diesem Verein einen politischen Stempel aufdrücken und ihn dadurch in eine Bahn drängen, die seiner ganzen Wefensart fremd war. Wider Willen in das politische Getriebe hineingezogen, fonnte der Verein keine andere Bolitit So betttelte sich der große Werbestraßenlauf der Leicht. athletik Bereinigung des 1. Kreises im Arbeiter- Turnund Sportbund, der am Sonntag bei herrlichstem Wetter vor sich ging. Als um 2 Uhr die Läufer und Läuferinnen aus der Schule in der Diſtelmeyerstraße, die als Umfleidelotal diente, in schönem Gleich schritt nach Vereinen geordnet auf den Landsberger Play zogen, hatte sich dort schon eine große Zuschauerschar eingefunden. Die Anordnung des Laufes war folgendermaßen getroffen: vom Lands: berger Blah, als dem Sammelpunkt und später dem Ziel bes förderten Lastautos die Teilnehmer an den Start, der sich für die Hauptstaffel, die Einzelläufer und die Einzelgeher in der Frankfurter Allee Ede Müllerstraße befand. Unterwegs wurden bei den Etappen die Staffelläufer abgefeht. Bom Start war also die Frankfurter Allee und Straße, die Strausberger und Friedenstraße, die Straße am Friedrichshain, Birchomstraße und Landsberger Allee bis zum Landsberger Blah mit einer ununterbrochenen Läuferkette besetzt. Die kleine Staffel hatte ihren Start am Ringbahnhof Frankfurter Allee und das Ziel ebenfalls am Landsberger Plaz, brauchte aber nicht den Friedrichshain zu umfreisen. Die Sportlerinnen und die Schülerabteilungen durch liefen die Landsberger Allee von der Petersburger Straße bis zum Biel am Blaz. So wurde ein größerer Teil der Verkehrsstraßen des Ostens durch die Läufer berührt und die Propaganda dahin getragen, wo sie am wirksamsten ist. Puntt 3 Uhr wurden an allen Starts die Läufer auf die Reise geschickt. In dichten Reihen standen die Zuschauer, zufällig Passierende und wissende Sportinteressenten, an den Bürgersteigen. Mit sichtlicher Anteilnahme wurde der Berlauf der Veranstaltung verfolgt und besonders an den Ablösungs stellen stieg das Interesse bis zur Begeisterung. In schnellem Tempo ging's die Hauptstraße des Ostens, die Frankfurter Allee, hinunter. Es war den Vereinen selbst überlassen, wie sie sich die 7500 Meter lange Strecke einteilen wollten. Einige Bereine setten gleich am Start einen Tausendmetermann ein, andere dagegen betreiben, als es zum Entsezen aller verständigen Leute geschehen ist. folgten eine Bermürbungstaktit, lösten schon nach einigen hundert Metern ab und sparten sich die Langstreckenläufer bis zum Ziel auf. An der Warschauer Straße hatte sich das Feld geklärt. Die Spitze der Hauptstafette hielt der Athletit- Sportklub", dem furzauf Fichte- Südost" und" Freie Turnerschaft Schöneberg" folgten. Die Langstreckenläufer lagen weiter zurüc; ihre Beine und Lungen follten noch bis zum weiten Ziel arbeiten. Die Geher machten den Schwanz. Ede Koppenstraße war Schöneberg" an Südoft" vorbei an die zweite Stelle gerückt und in dieser Reihenfolge beendete die Hauptftaffel auch das Rennen. Bei den Einzelgebern war Bendin Germendorf, der am vergangenen Sonntag beim 7500- Meter- Lauf des Sportvereins Moabit gut gegen den Olympialäufer Wagner. Leipzig abgeschnitten hatte, von vornherein der beste Mann. In der glänzenden Zeit von 26,35,3 Minuten( Wagners Bahn zeit am 13. September war 25,49,4 Minuten) ging er durchs Ziel. Die Geher hatten fich infolge eines Regiefehlers verlaufen. Sie umgingen den Friedrichshain in der falschen Richtung, was aber faum einen Einfluß auf die Zeiten hatte. Erster wurde hier LehmannASC. vor Eiche Fichte West. Die Läuferinnen und die Schüler mannschaften fanden auf ihrer furzen Reise viel Beifall und haben nicht wenig zum Gelingen des Festes beigetragen. In der Klasse B der Hauptstaffel siegte die Abteilung Wedding der Freien. Turnerschaft Groß- Berlin, die sich auch die 10x100Meter Staffel für Schüller und Sportlerinnen holte. Unzweifelhaft hat dieser Werbelauf dem Berliner Arbeitersport viel neue Anhänger gebracht, wenn sie auch nicht alle attive Sportler werden. Die Werbekraft hätte durch mehr Reklameplakate und durch die Fernhaltung des Roten Frontkämpferbundes noch erhöht werden fönnen. Gewiß waren die Autos mit guten Inschriften versehen, aber an den Staffelplätzen und besonders am Start und am Ziel hatte der Reklamechef verjagt. Unsere Arbeitersportler sollten nicht nur auf die bürgerlichen Sportvereine schimpfen, sondern sollten da, mo es etwas zu lernen gibt, ruhig abguden. Bei der Reflame muß noch viel abgeguckt werden. Doch das ist Arbeit für den Winter. Die Sommersaison hat mit Quer durch den Osten" gut abgefchlossen. Hier die Ergebnisse: 1 Sauptstaffel RT. A. 1. AGC. 18, 59,8 in.; 2. Schöneberg, 200 Meter Sauptstaffel RI. B. 1. Freie Turnerschaft Groß- Berlin- Webbing aurelid, 20: 24,5 in.; 2. Wilmersdorf. Sauptftaffel RL. C. 1 Schönow 21: 27,1 Min.: 2. Ablershof.-2., 3. unb 4. Mannschaften 7,5 Rilometer. 1. AGC.; 2. Schöneberg II. Schüler 10X100- meter- Stafette. 1. F. Groß- BerlinWedding, 2: 24,1 min.; 2. AGC., 2:30 Min. Schülerinnen 10 × 100- meter Stafette. 1. Röpenid, 2:40 Min.; 2. Lichtenberg 1. Mannschaft. Aleine Staffel 3,6 kilometer, Turner, Schwimmer, Fußball- and Sodenspieler. 1. Freie Schwimmer Neuföln 8: 48,4 in.; 2. Schwimmverein Bormärts, Norden. Sportlerinnen 10 × 100 Meter. 1. FT. Groß- Berlin- Wedding, 2:26 min.; 2. Röpenid, 2: 29,2 min. Gingelläufer 7,5 Kilometer. 1. Bendin- Germenborf 26: 35,3 Min.; 2. Gronwaldt- Fürstenwalbe 26: 46,1 Min. Weltere Sportler 7,5 Stilometer. 1. Blankenburg- Moabit 27: 28,3 Min.; 2. Sonnenburg- Moabit. Gehen 1,5 Rilometer. 1. 2ehmann- AGC. 39: 58,9 Min.; 2. Giefe Wichte- West 40: 34,8 Min. Regatta der Freien Kanufahrer Berlin E. B. Die am Sonntag, den 13. b. M., nachmittags bei schönstem Herbstwetter veranstaltete Regatta bot einen ausgezeichneten Sport. Die einzelnen Rennen waren vom Start bis zum Ziel scharf und spannend und wurden zumeist erst im Biel entschieden. Die gefahrenen Zeiten fönnen als vorzüglich bezeichnet werden, zu mal gewöhnliche Wanderboote benugt wurden, die 3. T. im Selbst. bau hergestellt sind. Auch hier ist wieder einmal ohne Breis jägerei bewiesen, daß der Arbeiter auf seine Art Sport treiben fann. Nachstehend die Resultate: in. 1. Rennen Doppeltajat Rundspant R. B( 1000 rber) männl. Mitol. 1. Gebr. Maffier( B. Borwärts), 5,24 Min.; 2. Gebr. Sprung( FR.), 2. Rennen Doppeltajat Rundspant RI. A( 600 meter) weibl. 5,25% Min, 11. männl. Mital. 1. Marg. Rubic- Art. Fechner( FAB.), 3,10 Min.; 2. Charl. 3. Rennen Doppellanadier Bürger- O. Birger( FAB.), 3,10% in. ( 600 Meter) weibl. u. männl. Mitgl. 1. Mara. Schein- Willy Schein( FKB.), 8,41 Min.; 2. Marg. Hennemann- W. Kort( FRB. Gr.- Tegel), 3,50 4. Rennen Doppeltajat Rundfpant RI. B( 600 Meter) weibl. u. männi. Mitgl. 1. Lucie Sante W. Sprung( FKB.), 3,15 Min.: 2. Wally Eichel R. Sprung ( FAB.), 3,19 Min. 5. Rennen Dreier- Kajat( 1000 Meier) männl. Mitgl 1. Ruromsti- Rremaow- Siege( FKB. Gr Tegel), 4,47 min.; 2. Görig Baths Bürger( FAB.), 4,50 Min. 6. Rennen Doppeltajal Runbfpant RL. A ( 1000 Meter) männl. Mitgl. 1. Bübler- Büttner( FB.), 5,6% Min.; 2. Wende- Graf( FAB.), 5,16 Min. Die Freien Kanufahrer Berlin verfügen über ein aus eigenen Mitteln erbautes Bootshaus. Es ist hiet den Arbeiter- Kanu Sportlern Gelegenheit gegeben, preiswerte Bootsstände zu beziehen. Ist es darum ein Wunder, daß dieser Verein ein Opfer der tommunistischen Revolutionsromantit wurde? Das ist ganz der Gelft des aus unpolitischen Romantikern bestehenden Bereins der neunziger Jahre. Das ist derfelbe Gelst, dem die Faust im politischen Weltgeschehen das allein wirksame Interpretations. mittel ist. Aber diese Revoluzzer find immer noch Romantiker, die alle Andersdentenden als arme Opfer sozialdemokratischer Berworfenheit betrachten. Warum hat die Arbeiterturnbewegung mr in Berlin diesen Werdegang, warum in teiner anderen Stadt? Well nur in Berlin fie fich abseits des Barteilebens entwickeln fonnte. Hier bildet ich jeder Birtel seine Welt und treibt in dieser Welt auch seine Politit. Es ist fein geringer Teil der Jugend, der noch heute abfeits des Parteilebens steht und im Unorganisiertsein die Lösung aller politischen Rätsel sieht. Die Kommunistische Partei hat diefer Jugend wohl die Köpfe umnebelt, aber sie hat nicht vermocht, fie der Parteidisziplin zu unterwerfen. Das fieht man jest wieder deutlich, wo der zuweit nach links gerichtete Kurs der Kommunistischen Partei nach rechts zurüdgeführt werden soll. Es wird faum noch gelingen, diese Romantiker der politischen Bernunft näher zu bringen, hier scheitert die Kunst des Demagogen an der Untauglichkeit des Objekts. Turnen ist die beste Medizin! Diefes alte Turnerlied erschaffte am Sonntag aus einigen hundert Kinderfehlen. Im Süden Berlins hatten sich die Jungen und Mädels ber Freien Turnerschaft Groß- Berlin eingefunden. In langem Zuge zogen sie mit Gesang durch die zu einem Propagandafest für das Kinderturnen Straßen zum Sportplatz Am Urban. Aus den Fenstern sah die Einwohnerschaft wohlgefällig den flott marschierenden Jüngern Jahns zu. Biele Erwachsene und Kinder schlossen sich dem Zuge an, und bald begann auf dem Plaz ein lustiges Treiben. Leider fehlte eine Musikkapelle; dafür mußte um so mehr gesungen werden, was auch schon eine gute Leibesübung ist, mit Gesang wurden die allgemeinen Freiübungen begleitet, dann tamen bic Red und Sondervorführungen: Barrenturnen, rhythmische Parteinachrichten Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. 24.- 31. Abt. Die Gammellisten für die fefttonzerte find umgehend beim Genossen Morana, Danziger Str. 46, abzugeben. Heute, Dienstag, den 22. September: 82. Abt. Steglig. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Bon 4-8 Uhr Mbalen im Jugendheim Albrechtstr. 47. Sunafezialisten, Gruppe Süden. 7½ Uhr Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3, Bericht vom Barieitag. Ref.: Franz Lepinski. Morgen, Mittwoch, den 23. September: Mitgliederversammlungen und Zahlabende: Die Mit3. t. 8 Ule Funktionärsigung bei Emil Krüger, Engelufer 23. gliederversammlung findet Mittwoch, 30. September, Gaal 5 des Gemertfchaftshauses, Engelufer 25, ftatt. 6. Abt. 8 Uhr Rahlabende: Bezirke 486/87 und 503 bei Büttner, Schwedter Straße 23. 491/95 Albrecht, Veteranenstr. 4. 496/500, 505-508 bei Dobroh. Law, Swinemünder Str. 11. Bortrag. 501/2 bei Deblig, Schwedter Str. 227. Beairt 504 bei Bardeleben, Rheinsberger Str. 46. 8. Abt. 7% Uhr bei Gründer, Schwerinstr. 18. Vortrag des Gen, Stadtv. Sorlik. Die kommenden Stadtverordnetenwahlen". 9. Abt. 7% Uhr Zahl- und Diskutierabend bei Hufenbach, Berlebenger Str. 64. Die Bezirksführer laden ein. 10. t. 7% Uhr Schule Alt- Moabit 23 Mitgliederversammlung. Vortrag des Gen. Dr. Paul Levi: Weltwirtschaftsfragen". 11. Abt. Die angesehte Mitgliederversammlung fällt aus. 14. Abt. 8 Uhr Schule Buttbuser Str. 3 Mitgliederversammlung. Referent: Gen. Karl Wermuth. 15. Abt. 7 Uhr bei Goldbach, Binebaplak 7. Bortrag des Gen. Reimann: ..Unser Wahlkampf". 17. bt. 7% Uhr Abteilungsversammlung Triftstr. 63. Ref.: Gen. Stadtrat Fabiunte. 18. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Sachfe, Bindower Str. 26. Bortrag des Gen. Miethte: ,, Eegualprobleme". 19. Abt. 7 Uhr Graue Schule, Gothenburger Straße, Mitgliederversammlung. Bortong des Gen. Stadto. Alose: Unsere Tätigkeit im Rathause". Borwärtsleser und Sympathisierende sind eingeladen. 20. Abt. 7% Uhr bei Wende, Koloniestr. 147. Bortrag des Gen. Urich über Die Stadtverordnetenwahlen". 21. t. 7% Uhr im Schraderhaus, Malplaquette. 14/16. Bortrag des Gen. Bublik: Die Aufgaben der Stadtverordnetenversammlung". 22./23. 26t. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Hagenbeck, Müller- Ede Seestraße. Referent: Cen. Kreuziger. 24. st. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Gesangsfaal des Engeums Greifs walder Str. 24/25. Referent: Gen. Bezirksverordneter Burgemeister: Die Sozialpolitik der GPD.". 25. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Raeftner, Elbinger Str. 24. Vortrag des Gen. F. Seinrich: Entwidlung im Sozialismus". 27. Abt. 7% Uhr öffentliche Bersammlung in den Schönhauser Festfälen, Schönhauser Allee 129. Thema: ,, Die tommenden Stadtverordnetenwahlen". Referentin: Stadträtin Frau Wenl. 28. t. 7% Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23, Abteilungsverfammlung. Ref.: Gen. Robert Breuer. 30. Abt. 7 Uhr Rahlabende: Bezirke 813/19 bei Bobst, Enchener Str. 103. 824/27 bei Soffmann, Lychener Str. 8. 847/55 bei Mahnkopf, Carmen. Gnlva- Str. 123. 855/59 bei Stoltmann, Ransowstr. 10. Die Bezirksführer müssen bis zum 24. d. M. beim Gen. Lehmann abrechnen. 32. bt. 7% Uhr Mitgliederversammlung Schmidts festfäle, Fruchtste. 36a. Tagesordnung: Bericht vom Bezirkstag und die Kommunalwahlen. 33. Abt. 7 Uhr Schulaula Hohenlohestraße Mitgliederversammlung. Bortrag des Gen. Dr. v. Ungern- Sternberg über: Die gegenwärtige Lage der Snbufivie". 34. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung in den Comeniusfälen, Memeler Straße 67. Bericht vom Bezirkstag. " 35. bt. 7% Uhr bei Neumann, Samartterfte. 12, Mitgliederversammlung. Ref.: Gen. Bethge. 36. Abt. 7 Uhr Aula Petersburger Str. 4 Mitgliederversammlung. Ref.: Gen. Klobt. Ergänzungswahlen. 37. bt. 7 Uhr Mitgliederversammlung Babenhofer Braueret, Landsberger Allee 24/27. Vortrag des Gen. Judrian: Die kommenden StadtDerordnetenwahlen". 38. Abt. 7% Uhr Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Bortrag des Gen. Banba über: ,, Wirtschaftsfragen". 33. 41. bt. 7% Uhr Jugendheim Lindenstr. 3 Mitgliederversammlung. Bortvag des Gen. Gomeilardt über: Der Heidelberger Barteitag". t. 7% Uhr Blücherfäle, Blicherstr. 61. Bortoag des Gen. Stabtrat Conrad: ,, Bohmungspolitit im Bezirk Aveuzberg". 42. Abt. 7% Uhr Blücherfäle, Blücherstr. 63, Mitgliederversammlung. trag des Gen. Bruhns: Sozialdemokratie und Gemeindepolitik". 43. bt. 7% Uhr bei Rabe, Fichteftr. 20, Mitgliederversammlung. Gen. Klütfener. 45. Abt. Bor. Stef.: 7% Uhr Mitgliederversammlung Schulaula Forster Ede Reichen. berger Straße. Bortrag des Gen. Hugo Voetsch. 46. Abt. 8 Uhr Sahlabende bei Eichholz, Cuornftt., 23, und Valentin, Gör. Tiger Gtr. 72. 47. 20. 7% Uhr bei Behrendt, Manteuffelstr. 95, Mitgliederversammlung. Ref.: en. Litle: Der Heidelberger Parteitag". Charlottenburg 55. Abt. 7 Uhr Rahlabende: 8. Gruppe bet Eggert, Wall, Hraße 90. 9. Gruppe bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. 10. Gruppe vei Bohne, Schloßftr. 45. Tagesordnung: Die Stadtverordnetenwahlen". Die Bezirtsführer laden ein. 56. Abt. 7 Uhr bei Justowiat, Holpen. dorfftr. 20, Mitgliederversammlung. Vortrag mit Lichtbildern: Die deutsche Reichsverfassung"( Gen. Bredigkeit). 2. Bericht vom Parteitag. 57. bt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Thunad, Wielandstr. 4. Bericht vom Seidelberger Parteitag. Ref.: Gen. Adolf Hoffmann. 81. Abt. Friedenau. Pünktlich 8 Uhr Mitgliederversammlung im Gesellschafts. zimmer des Friedenauer Ratskellers. Bericht vom Parteitag. Ref.: Gen. Maderholz. 125. Abt. Weißenfee. 8 Uhr Bezirksversammlungen. 1. Bez. bei Minge; 2. Bez. bei Gollas; 8. Bez. bei Bohlmann 4. und 5. Bez. bei Jädel. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. 7% Uhr Schützenhaus, Residenaftr. 1. Mitglieder. versammlung. Ref.: Gen. Dr. Löwenstein: Schul- und Kulturfragen". 16. Streis Köpenid. 7% Uhr Frauen- Kaffee bei Ostar Schulze, Bahnhofstr. 34, Alle Abteilungen find bazu eingeladen, Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. 6. With. Reinik, Gottscheb ftr. 33, ist gestorben. Einäfcherung heute, Dienstag, 1½ Uhr, Krematorium Gerichtstraße. lebungen, Singspiele, Reulenübungen, alles mit Beifall belohnt. Frauenveranstaltungen morgen, Mittwoch, den 23. September: Bon gutem Können zeugte auch der Dreikampf der Knaben und Mädchen, ebenso die 10 x 75- Meter- Bendelftaffel. Der humo. ristische Bettlauf erfüllte feinen 3wed, allgemeine Heiterkeit zu verbreiten. Beim Hindurchfriechen unter die Schwebebäume und das große Meh, beim Sprung und Lauf fonnte man auch viel Geschicklichkeit beobachten. Ein hübsches Bild boten die Pyramiden. Die Darbietungen der Kinder waren durchweg gut. Bei einbrechenber Dunkelheit loďte der Kindergesang beim Abmarsch des Zuges noch einmal viele Zuschauer herbei. Mit den Beranstaltern wollen wir hoffen, daß recht viel neue Freunde für das Kinderturnen gewonnen wurden. Der Arbeiter- Turn- und Sportverein Frisch- Fret e B., Niederschöneweide, bittet uns mitzuteilen, daß der im Lotalblatt wegen unfittlicher Berfehlungen gekennzeichnete Turnwart seinem Berein nicht angehörte. Arbeiter- Sport- und Kulturkartell 6. Bezirk( Krenzberg). Die Mitglieder der bem Rorbell angeschlossenen Bereine tönnen folgende Badeabende in der Bärwaldstraße als Gäfte benuken: Mittwochs 7-169 Uhr Schwimm- Union und Schwimmverein Borwärts", 9-10 Uhr Turnverein Fichte"; Freitags. 7-9 Uhr Schwimmverein Borwärts". Ohne Mitgliedsbücher fein Einlaß. Die Sportliche Bereinigung Rorb- DR hält am Mittwoch, 23. Geptember, 8 Uhr, für sämtliche Abteilungen( Boxen, Jiu- Jitsu, Ringen) ihre fällige Bollversammlung in den Union- Festfälen, Greifswalder Str. 222, ab. Tages. ordnung: 1 Ergänzungswahlen zum Hauptvorstand; 2. Stellungnahme zum Städtekampf Braunschweig- Berlin am 30. November im Gaalbau Friedrichshain. Freie Schapimmer Reukölln. Freitag, 25. September, Jdeal- Klaufe, Maveschftraße 14, außerordentliche Männerversammlung. Es ist Pflicht eines ieben männlichen Mitgliedes, außer Altersriege, diefe Versammlung zu befuchen. Beginn 7% Uhr. Tagesordnung: Wahl eines Männerleiters. Touristenverein Die Staturfreunde"( Sentrale Wien), St. Webbing. Dienstag, 22. September, im Beim Bütticher Stt. 48. Thema: Naturwissen schaftliches". Sonnabend, 26. September, Banderung nach ber Schorfheide. Treffpunkt 8.15 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Gäste willkommen. Abt. Frie benan. Dienstag, 22. Geptember, im Seim Offenbacher Str. 5/6, 8 Uhr. Bortrag bes Gen. Dr. Viktor Engelhardt über Spanieneife" mit Bildern. Gäfte willkommen. 18. Streis Beigenfee. Die Einäfcherung des Genoffen Ludwig Berneder findet am Mittwoch, den 23. Gepiember, abends 62 Uhr, im Krematorium, Baumschulen. weg, statt. Sege Beteiligung erwünscht. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin S. 14, Sebaftianstr. 37/88, Sof 2 Tt. Stealth. Di., b. 22., Mitgl.- Bers. 8 Uhr Albrechtshof. Lichter felbe. Mitgl.- Verf. Mi., b. 23., 8 Uhr, Scherbels Festfäle, Behlen. Dorfer Str. 5. Nächste Pflichtveranstaltung: Reinickendorf 27. 9. Waunt Schulenweg Jugendgruppe. Di., b. 22., 7% Uhr, 1. Sugendversammlung bei Streubel, Baumschulenstraße. Arbeiter Radio- Klub, Technische Kommiffion. Dienstag, 22. September, in der Geschäftsstelle Betersburger Str. 89 Vortrag von Funtfreund Frost über Funkenfender an Sand eines Modells". Beginn 8 Uhr. Gäfte willkommen. Arbeiter, benukt unsere Radio Klinik, täglich von 147 Uhr an geöffnet. Mieterverband Berlin, 4. Berwaltungsbezirt, Berlin, Tresdorftr. 58. Generalversammlung am Dienstag, 22. September, bei Bittner, Schwedter Straße 23. Tagesordnung: Unser Bauvorhaben. Arbeitsgemeinschaft entschiebener Republikaner. Dienstag, 22. September, im Restaurant Simburg, Charlottenstr. 81, 8 Uhr, öffentliche Gigung bes Arbeitsausschusses; 9 Uhr Weiterberatung des Themas Einheitsrepublit". Entschiedene Republikaner aller Parteien willkommen. Verein der Freidenter für Feuerbestattung, Gau Berlin. Die angefagte Filmoorführung auf der Spielwiefe im Treptower Park findet heute nicht statt. Die zum tommenden Freitag abend 7 Uhr festgefekte Bevanstattung im Friedrichshain wird bei günstigem Wetter abgehalten. Reichsbund ber Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter bliebenen, Ortsgruppe Neukölln, Geschäftsstelle Donaufte. 128. Donnerstag, 24. Geptember, 7% Uhr, in der Aula des Raiser- Friedrich- Realgymnasiums, Raiser- Friedrich- Str. 209/10, Mitgliederversammlung, verbunden mit einem Lichtbildervortrag: Die Entstehung des Menschen aus der Urzeit". Referent: Rudolf Rimmer, Berlin, vom Verein der Freidenter für Feuerbestattung E. B. Eingeführte Gäste haben Rutritt. Aufnahme von Mitgliedern am Eingang der Aula. DUNLOP CORD BALLON Diebolda Weltmarke ark bürgt für Qualität! FIM FRANKFURTER HERBSTMESSE ALLGEMEINE MESSE 4-7.0KTOBER 1925 TECHNISCHE MESSE 2-7.OKT. 1995 Residenz- Th. Komische Oper 8: Jugendfreunde Boeklin, Dewis, Emmering, Elzer, Rommer, Ley, Merkwitz Sabo, Semmier Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie DiegelBaselt, mann, Heidemann Dora, Meteika, Spira, Wilfan Theater in der Kommandantenst. Zum 304. Male 8 Uhr: Marie Escher a G Anneliese von Dessau Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Lady Fanny und die Dienstbotenfrage Lustspielhaus 8 Uhr: Ritter Blaubarts achte Frau 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X 400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! LUNA PARK Täglich Voller Betrieb Erw. 50 Pig, Kinder 30 Pfg. Reichshalien- Theater Allabanillich 8 Ohr n. Sonntag nachan. 3 Ubr Steffiner Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'l: Familien Varleté. Anfang& Uhr. Sonntags 5 Uhr. Trabrennen Theat. Westens Mariendorf d. Das große Operettenhaus Har noch bis 31. 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Tauber Musik. Leitung E. W. Korngold Eine Nacht in Venedig Operette in 3 Akten von Johann Strauß Th. a. Hollendorfpl. & Uhr: Die hellblauen Schwestern Die neue KünneckeOperette Deutsches Künstler- Theater Tägl. 348 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Die Teresina Vh. am Kurfürstendamm Mittwoch, 23. Sept 7 Uhr: Premiere Der glas. Pantoffel SCALA 8 Uhr Internat. Täglich 8 Uhr. Parkett Mk..3. Rang Balkon, Mk. 4.1. Rang Mk. 3.2. Rang Mk. 1.50 0.75 Logen u. Klubsessel Mk. 7-12. Vorverkauf nnunterbrochen.Norden 2951. WALHALLA RosenthalerTor 734 Uhr: Die lustige Revue Mal was anderes mit Lotte Werkmeister- Agni Wilke Lambertz- Paulsen- Hob.Steidl usw. Preis 0,60-4.50. Vorv.ab 11 8.annaibr. Apollo- Theater 8 Unr Dir. 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Septbr., abends Wahlberechtigten der berechtigten Gruppe a Weinbrand Verschnitt, 38% 7 Uhr, im Rofenthaler Hof. mit zufammen mindeftens 30 Stimmen Echter Weinbrand, 38% unterzeichnet fein Die Stimmabgabe ift la Spezial- Likör, 35%. Rofenthaler Straße 11/12: la Liköre, alle Sorten, 38% an die Wahlvorschläge gebunden. Mit Preise mit Steuer Allgemeine Klempnerversammlung bem alvorlage für Bersicherte ift von jebem Bewerber eine Ertlärung barüber Tagesordnung: 1. Bericht vom porzulegen, daß er zur Annahme der Wahl Gewerkschaftstongreß. Referent: Benoll- bereit ist. mächtigter Rollege Urich. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung! Gürtler- Branche Achtung Donnerstag, den 24. Septbr., nachm. 4 Uhr, in den Jentral- Feftfalen", Alte Jalobftr. 32: Vollversammlung Die aus den eingereichten Wahlvor. fchlägen fich ergebenden Anftände müssen bis zum Mittwoch, den 21. Ottober 1925, befeitigt fein. Die Arbeitgeber- und Mitgliederver zeichnisse tönnen werttäglich von 91 Uhr im Raffenlotal Berlin- richterfelde, Roonftraße 13, cingefehen werden Einsprüche gegen die Richtigkeit find spätestens bis zum Dienstag, den 6. Oktober 1925, beim Raffenvorstand unter Beifügung von Beweismitteln einzulegen. Die Wahlvor Ltr. M. 2.95 19 3.20 " 4.20 9 19 3.40 99 4.45 Keine Ausstattg.- Nur Qualität. Ausschank direkt vom Faß Kostproben gratis. Likör- und Essenzen- Fabrik Eduard Süsskind schläge liegen vom 7. Oktober 1925 ab von Hauptgeschäft: Brunnenstraße 43 der Kronenfchloffer, Gürtler, Gürt- 9-1 Uhr im Kaffenlokal zur Einsicht aus. Tel.: Humboldt 7011& 7012 lermonteure und-Monteurinnen, Bronzierer. Tagesordnung: 1. Die 2age in unferer Branche. 2. Disfuffion. Butritt nur gegen Borzeigung des gliedsbuches! Auf die einschlägigen Bestimmungen der Sagung und Wahlordnung wird besonders hingewiesen. Niederlagen: Der Wahlausschuß ist befugt, die Wahl- Berlin: Koppenstr. 87 und Stimmberechtigung jedes Wählers zu Tel.: Königstadt 8075 Tel.: Neukölln 1994 Mit- prüfen und wird daher die rechtzeitige Neukölln: Berliner Str. 13 Beschaffung eines Ausweises empfohlen. Die Ausweise werden von den jeweiligen Arbeitgebern oder der Raffe in ben Ge- Charlottbg.: Friedr.- Karlpl. 5 Bahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. schäftsstunden von 9-1 Uhr ausgegeben und find dort einzufordern. ist fast gekommen, wo Sie Ihren Fall als hoffnungslos aufgeben. Achtung! Arbeiterinnen Achtung! Ohne Ausweis darf nicht gewählt werden. Sie haben keine Lust mehr, noch Geld zu vergenden. Darum biete ich Ihnen unentgeltlich eine Behandlung von Olivers Fusspflastern an im Werte von M. 5,00. Ich weiss, was die Pflaster bewirken werden. Ich weiss, dass sie mehr als 100 000 Fälle von Rheumatismus genesen haben. Ich verlange aber nicht, dass Sie mir auf mein Wort allein glauben. 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Wolff, Charlbg., Berliner Str. 110, nahe Wilhelmplatz Berlin O 17, Madaistr. 15, Ecke Koppenstraße Schlafe patent"-Jaekel- Möbel von 20 Mk. an R. Jaekels Patent- Möbel- Fabrik, Berlin Markgrafenstraße Ecke Kochstraße Potsdamer Straße 112b Dienstag 22. September 1925 Unterhaltung und Wissen Der Nestor der Afrikaforschung. Bon Arnold Köllner. schon auf der Rückreise befand, vernichtete ein Lagerbrand einen Teil feiner Sammlungen und Tagebücher. Er ergänzte fie wieder, soweit es möglich war, und als er im August 1871 wieder in Chartum eintraf, verfügte er abermals über ein ungemein reichhaltiges Forschungsmaterial. Er legte es in seinem zweibändigen monumen Gepackt. Wie ein Marfstein aus längst vergangener Zeit ragte die Bertalen Bert J m Herzen von Afrika" nieder, das 1874 erschien fönlichkeit Georg Schweinfurths, der nunmehr, fast 89 Jahre alt, aus seinem arbeitsamen, von unermüdlicher Forschertätigkeit erfüllten Leben abberufen worden ist, in unsere Tage. Bei der Erinnerung an das Lebenswert dieses Mannes werden in unserem Gedächtnis die Zeiten wieder wach, in denen der dunkle Erdteil der Menschheit sein ganzes Inneres noch hinter dem Schleier unerforschter Geheimnisse verbarg. Unter den Pionieren, die sich die Erhellung des großen afrikanischen Rätsels zur Lebensaufgabe gesetzt hatten, haben deutsche Männer stets mit an erster Stelle gestanden. Eduard Vogel, Gerhard Rohlfs, Heinrich Barth, Gustav Nachtigal, Eduard Schnizer( Emin Pascha), Georg Schweinfurth fie alle, Aber die ihren Forschermut zum Teil mit ihrem Leben haben bezahlen müssen, find unter den großen geographischen Entdeckern des 19. Jahrhunderts mit rühmlicher Auszeichnung zu nennen. von ihnen allen, die in der großen Zeit der Afrifaforschung gewirkt haben, hatte nur ein einziger, Georg Schweinfurth, das 20. Jahrhundert erlebt. Er war der letzte Vertreter jener polyhistorischen Forschergeneration, deren Wissen und Wirken die Schranken der einzelnen Disziplinen sprengte, die auf den verschiedenartigsten Gebieten gleich große Leistungen zu verzeichnen hatte. Das moderne, oft einseitige Spezialistentum in der Gelehrtenwelt hat längst die universalen Forscher abgelöst, die im vorigen Jahrhundert gerade durch ihre unbegrenzte Bielseitigkeit bahnbrechend gewirft haben. Und Georg Schweinfurth war von einer Vielseitigkeit, daß die meisten heute gar nicht mehr wissen, welchem Fach sich der Forscher ursprünglich zugewandt hatte. Als der am 29. Dezember 1836 als Sohn eines aus Baden stammenden Kaufmanns zu Riga geborene junge Student die Universität Heidelberg bezog, wandte er sich der Botanik zu, beschäftigte sich aber in seinen späteren Semestern zu München und Berlin gleichzeitig mit zoologischen, anthropologischen und geographischen Problemen. Auch die Paläonthologie intereffierte ihn start; überdies war Schweinfurth ein vorzüglicher Zeichner. Nachdem er in Heidelberg promoviert hatte, unternahm er botanische Studienreisen nach Rußland, Desterreich, Ungarn und Sardinien; doch weit mehr reizten ihn die ungelösten Rätsel des dunklen Erdteils, und im Jahre 1863 landete Schweinfurth in Alexandria zum erstenmal auf afrikanischem Boden. Während der nächsten beiden Jahre durchforschte er die Flora des Niltales und drang als erster Europäer in die nubischen Küstengebirge am Roten Meer vor. Das Hinterland von Suatin, die Landschaft Galabat und das abessinische Grenzgebiet waren damals noch völlig unerforscht; schon hier wuchs Schweinfurth weit über seine ursprünglichen botanischen Aufgaben hinaus; er betätigte sich als Geograph mie als Zoologe und brachte reiche Sammlungen nach Europa zurüd. Rwei Jahre später, 1868, trat er seine zweite bedeutsam gewordene Reise im Auftrag der Berliner Akademie der Wissenschaften mit einer Unterstügung durch die Humboldt- Stiftung an. Das Ziel dieser Expedition war die Erforschung der Gebiete westlich vom oberen Nil und der Wasserscheide zwischen Nil und Kongo, eine Aufgabe, deren Lösung nicht nur einen Gelehrten von größter Vielseitigkeit, sondern auch einen Mann von großem Mut, Ünerschrockenheit und unermüdlicher Zähigkeit erforderte. Von Chartum aus ging Schweinfurth mit einer Karamane eines einflußreichen Elfenbeinhändlers namens Chattas, eines toptischen Chriften, in den inneren Sudan; ein zweiter Elfenbeinhändler, der Nubier Mohammed- Abd- es- Sfammat, ein ritterlich gefinnter Muselmann, übernahm weiterhin Schweinfurths Führung, mobei der Forscher die Quelle eines wichtigen Zuflusses des Weißen Nils fand. M Nun drang der fühne Pionier bis ins Herz des dunklen Erdteils vor. Durch die Gebiete der Dinka und Bongo gelangte er zu dem großen und ethnographisch sehr interessanten Kannibalenstamm der Niam Niam, den er eingehend erforschte, und nachdem er deren Land durchzogen hatte, fam er in das Gebiet der Mobuttu, wo er gleichfalls längere Zeit verweilte, um auch die benachbarten Negerstämme tennenzulernen. Hier erhielt Schweinfurth auch die Gewißheit von der Eristenz des Zwergvoltes der Atta, von dem schon Herodot berichtet hatte, ohne daß es je gelungen wäre, das Vor handensein dieser Negerzwerge nachzuweisen. Auf der Retse durch das Land der Monbuttu entdeckte Schweinfurth weiterhin den mäch tigen Uelle Fluß, deffen Unterlauf ihm freilich noch unbekannt war, und den er infolgedeffen für den in den Tsadsee mündenden Schari hielt. Erst später ließ sich feststellen, daß der Uelle der Oberlauf des Ubangi, eines mächtigen Nebenflusses des Kongo, ist. Wiederholt hatte der Forscher bei seinem Bordringen durch die völlig ungebahnte Wildnis und zwischen feindselig gesinnten Stämmen mit den größten Schwierigkeiten und Gefahren zu kämpfen; als er sich 6] Der Hochverräter. Erinnerungen aus schweren Tagen. Bon Adolph Hoffmann. Der Untersuchungsrichter legte mir nach Feststellung meiner Berfonalien einen Brief vor mit der Frage, ob ich ihn geschrieben habe. Der Brief hatte ungefähr folgenden Inhalt: An einen hochwohllöblichen Königlichen Polizeipräsidenten zu Berlin Der Unterzeichnete erlaubt sich, einem verehrten Polizei präsidium ergebenſt mitzuteilen, daß er bis zum 10. Dezember 1883 auf seine Majestät den deutschen Kaiser und König von Preußen, Wilhelm I. ein Attentat machen wird. Der Unterzeichnete wird dann nicht nur als Befreier Deutschlands, sondern als Erlöser der ganzen Welt gefeiert und berühmt werden. Hochachtungsvoll der baldige Attentäter. Mit einem mitleidigen Lächeln schob ich dem Richter den Brief zurüď. Nun," sagte er, machen Sie feine langen Ausflüchte, sondern gestehen Sie ein, den Brief geschrieben zu haben." " Das ist ja kondensierter Blödsinn, entfuhr es meinen Lippen. " So," sagte der Untersuchungsrichter, sonst haben Sie nichts zu sagen?" " Jawohl," fuhr ich auf, daß ich meine sofortige Freilassung verlange." „ Verlangen können Sie alles. Aber was geschieht, darüber habe ich zu befinden. So einfach, wie Sie sich das denken, ist die Sache nicht," entgegnete der Richter gedehnt. Mir scheint, fuhr ich jetzt noch erregter auf, die Sache liegt sehr einfach. Entweder ich habe den Brief nicht geschrieben, dann muß ich freigelassen werden. Oder ich habe ihn geschrieben. Dann gehöre ich nicht hierher, sondern in ein Irrenhaus." " Das haben Sie fich fein ausgedacht," höhnte der Richter. Borläufig haben wir aber die Beweise, daß Sie ihn geschrieben haben." Auf die Beweise bin ich gespannt," mar meine gereizte Entgegnung LUTHER STRESEMANN SCHIELE Unter fichrer Garantie pact Dich der Zug der Zeit am Kragen. Und das Spiel vom Garantiepatt Schafft den Beiden nur Behagen. Und du fühlst dich eingeseift Möchtest for: noch vor dem Ziele Doch der Haten greift und schleift Immer weiter diesen Schiele. D th und in fieben Sprachen, darunter ins Arabische, übersetzt worden ist. Im Jahre 1918 wurde das Werk in einer neuen Ausgabe vom Verlag F. A. Brockhaus herausgebracht. Schweinfurths Sammlungen haben in hervorragendem Maße die Berliner Museen bereichert; namentlich das Material über Aegypten ist infolgedessen in feinem anderen Museum so umfangreich. Im Winter 1874/75 war Schweinfurth einem Ruf des Khedive nach Kairo gefolgt, wo er eine Geographische Gesellschaft gründete und bis zum Jahre 1888 dauernden Aufenthalt nahm. Während dieser Zeit unternahm er noch zwölf größere Expeditionen in die Wüstengebiete zwischen dem Nil und dem Roten Meer, die er zum erstenmal fartographisch festlegte. 1881 erforschte er die Flora der Insel Setetra; in den Jahren 1888/89 durchstreifte er das füdwestliche Arabien. Dann siedelte der Forscher ganz nach Berlin über; sein riesiges afrikanisches Herbarium vermachte er dem preuBischen Staat. Mit Ragel gab Schweinfurt auch die Reisebriefe Emin Paschas heraus, wie der Forscher überhaupt noch Jahr für Jahr Forschungsreisen nach dem geliebten Nilland unternahm, wo er bis zum Ausbruch des Krieges alljährlich den Winter und Frühling verbrachte, um zu Beginn des Sommers immer wieder in sein Berliner Heim und zu seinen Sammlungen zurückzukehren, die in ihrer Reichhaltigkeit nicht ihresgleichen haben. Ganz langfam, jedes Wort betonend und die Wirkung be, obachtend, fam es aus seinem Munde: Da haben wir erst das Gutachten eines vereidigten Schreibsachverständigen, der den Brief als unbedingt von Ihrer Hand herrührend bezeichnet." ,, Wie kann er das behaupten?" stieß ich hervor. Der Rat blätterte in den Aften. „ Geben Sie zu, dieses Schriftstück verfaßt zu haben," fragte er lauernd, mir eine Eingabe an das Polizeipräfidium megen eines Wandergewerbescheins für das Jahr 1884 vorlegend. „ Das ist meine Eingabe wegen eines Gewerbescheines, die ich Anfang November, ehe ich abreifte, gemacht habe," erflärte ich * Na also," meinte der Richter, nicht nur dem Dezernenten des Bglizeipräsidiums, der die eingehenden Briefe prüft und sortiert, war, als der Drohbrief gegen S. M. den Kaiser einging, sofort die Aehn lichkeit der Handschrift aufgefallen, sondern der vereidigte Polizei Schreibsachverständige Segert stellte die unbedingte Uebereinstimmung der Schriftzüge fest und kommt in seinem Gutachten zu dem Gesamtresultat, daß der Brief zweifellos von Ihrer Hand herrührt. Also machen sie feine langen Ausflüchte und gestehen Sie ein, das ist für Sie das beste." " Ich habe Ihnen meine Meinung gefagt und habe dem nichts hinzuzufügen," lautete meine Antwort. dem Er flingelte, indem er kurz angebunden zu mir sagte:„ Na, dann muß ich Ihnen Zeit zur Ueberlegung geben." Und zu eintretenden Gefängnisbeamten gewendet: Führen Sie den Ge fangenen hinter." Gute Nachbarschaft Zehn Minuten später saß ich wieder in meinem vornehm möblierten Zimmer 585. Bornehm und ein Schmuckfaſten gegen den Schweinestall am Moltenmarkt. Sauber, hell getünchte Wände, eine Lagerstätte, die am Tage an der Wand hochgekettelt wurde, aber mit sauberer Wäsche und nagelneuer Matraße, die nur einen Fehler hatte, steinhart zu sein. Als ich dem Richter bei der nächsten resultatfosen Bernehmung über diese Matraße Beschwerde führte, meinte er lafonisch, wenn ich so halsstarrig mir bisher bliebe, würde ich schon Zeit und Gelegenheit finden, sie weich zu liegen. Die Belle enthielt außer der Lagerstätte Tisch und Bant, die ebenfalls an der Wand hochzuflappen waren, an der einen Türede eia doppeltes Konsolbreit für Eimer, Futternapf, Löffel, Brot und Beilage des Vorwärts Das letzte Jahrzehnt seines beispiellos reichen und erfolggekrönten Lebens vei brachte Georg Schweinfurth in Berlin. Er wohnte in der Kaiser- Friedrich- Straße auf Schöneberger Gebiet, drei Treppen hoch in einem Miethause, und von hier fuhr er fast täglich mit der benachbarten Wannseebahn nach dem Botanischen Museum in Dahlem, wo seine botanischen Sammlungen untergebracht sind. Dort, in dem riesigen Botanischen Garten, einmal seine legte Ruhestätte zu finden, war sein Lieblingswunsch, der nun wohl in Erfüllung gehen wird. Sein Naine aber wird meiterleben, solange die Menschheit der großen Entdecker und Erforscher der Geheimnisse des dunklen Erdteils gedenken wird. Ein spiritistisches Experiment. Ein Experiment, das die Spiritisten vor eine schwere Prüfung ftellte, hat der amerikanische Arzt Dr. J. Allen Gilbert gemacht. Als er im Jahre 1917 seine Gattin durch den Tod verloren hatte, versuchte er zunächst, wie in der Umschau" berichtet wird, das Problem von der Wiederkehr der Geister mit allen ihm erreichbaren wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Hilfsmitteln zu lösen, und als er damit feinen Erfolg hatte, wandte er sich an die Deffentlichkeit. Er schrieb einen Brief, der in vielen amerikanischen Zeitungen verbreitet wurde; darin teilte er mit, daß er nach dem Tode seiner Frau, der schon Monate vorauszusehen war, von Freunden, die Anhänger des Spiritismus warer, zwar Nachrichten von ihr erhalten hätte, denen aber die genügende Sicherheit fehlte. Um indessen eine wissenschaftliche Basis zu gewinnen, hätten seine Frau und er, da sie ein startes Interesse an diesen Problemen hatten, sich vor dem Hinscheiden auf ein Zeichen, Paß- oder Kennwort ge einigt. durch das er erfennen würde, ob eine Mitteilung, die von ihr stammen sollte, tatsächlich auf sie zurückzuführen sei. Sie sollte jedmögliche Anstrengung machen, zurückzukehren. Wiederholt wären nun Botschaften, die angeblich von seiner Frau stammten, an ihn gelangt. In feinem Falle ist es den Uebermittlern dieser Botfchaften gelungen, fich das Losungswort zu verschaffen, so einfach dieses auch ist. In einigen Fällen wurde von langen Unterredungen berichtet, die man mit Mrs. Gilbert gehabt hatte; doch sobald nach dem Losungswort gefragt wurde, tam nichts mehr heraus und Botschaften aus dieser Quelle blieben ganz aus. Ich möchte hinzufügen, daß diese Botschaften, wenn sie echt wären, auf einen bedauerlichen geistigen Berfall bei Mrs. Gilbert hinwiesen- verglichen mit meiner Erinnerung an sie. Gilbert, der das Losungswort schriftlich dreifach versiegelt niedergelegt hat, fett mun in seinem Briefe eine Belohnung von 500 Dollar für jeden aus, dem es gelingt, sich das Kennmort auf dem Wege über Mrs. Gilbert zu verschaffen. Die Frist läuft bis zum 1. November 1925, aber Gilbert hat bereits eine Unmasse von Buschriften erhalten. 130 Kennworte wurden ihm als von Mrs. Gilbert stammend eingesandt fie waren alle untereinander bis auf drei verschieden und alle falsch! Ueber ihr Aussehen und ihre Kleidung wurden Beschreibungen gegeben. die lächerlich meit von der Wirklichkeit entfernt waren. Manchmal hatte man sich berufsmäßiger Medien oder auch der Geisterschrift bedient, eine Nachricht war angeblich vom Planeten Venus gekommen, aber augenscheinlich fonnte sich Mrs. Gilbert nicht einmal mehr des Vornamens ihres Mannes und ihres eigenen erinnern, denn sie unterzeichnete sich falsch. Sie ist auch anscheinend nicht fähig, sich ihrer eigenen früheren Berfassung gemäß auszudrücken, sondern bedient sich der Ausdrucksweise eines geistig tieferstehenden Mediums. Jedenfalls lag nicht in einem einzigen Fall irgendwelche Manifestierung offulter Kräfte vor. Was Obitterne werf find. Während bei uns die im Kriege begonnenen Versuche, die Obstterne zu verwerten, wegen der Umständlichkeit der Einsammlung sich nicht bewährt haben und daher wieder aufgegeben sind, entwickelt sich in den Vereinigten Staaten die Industrie der Obftkernverwertung immer großartiger. Zunächst bestand, wie die Umschau" berichtet, ein Werk in San José in Kalifornien; die„ California Nut Product Co." gewann mit ihrer Arbeit jährlich nicht weniger als 100 000 Dollar. Dieser Erfolg medte natürlich Nacheiferung, und heute bestehen schon drei solcher Werte, in West Berkeley, Astoria, und San Franzisto. Auf 500 bis 800 Tonnen Aprikosen oder Pfirsiche rechnet man etwa 80 Tonnen Kerne mit einem Marktwert von 200 Dollar für die Tonne. Die Kerne werden zunächst zerstoßen, dann wird die Masse mit einer Seefalzlösung übergossen, in der die Schalen oben schwimmen, während die Kerne unters gehen. Die Kerne werden dann gewaschen und gehen in die Delmühle, die Preßrückstände dienen als Viehfutter. Die gewaschenen Schalen werden destilliert und liefern eine Kohle, die der zur Ents färbung dienenden Kokosnußkohle durchaus gleichwertig ist. Die Abgase merden dabei zur Heizung der Destillationsöfen verwendet. senstige Speisevorräte. In der andern Türede war ein richtiges Wasserklosett und dann das schönste: Dampfheizung, die wirklich funktionierte. Während es am Moltenmarkt hundefalt war, herrschte hier eine angenehme Temperatur. Dazu ein zwar unerreichbar hohes Fenster, aber mit Lüftungsvorrichtung. „ Na," sagte mein Schließer, der, soweit es sein Amt zufieß, Mensch war, es geht wohl doch nicht so schnell wieder raus, wie Sie es fich dachten." TOE Ach," brummte ich, die Geschichte ist ja zu faudumm." Ja, ja, hier heißt es für die meisten: Mensch, der Du hier eintrittst, Laß alle Hoffnung hinter Dir." Als ich ihm noch etwas entgegnen wollte, legte er den Finger auf den Mund und sagte:„ Ich darf nicht mit den Gefangenen über ihre Untersuchungsfache sprechen, schloß hinter mir die Zelle ab, und ich saß mit den auf mich einstürmenden Gedanken allein. Es wollte in meinen harten Schädel nicht hinein, daß ein Be amter, dem täglich Tausende von Eingängen durch die Finger gehen, sich bei dem Attentäterbrief plöglich entsinnt:„ Donnerlittchen, das ist ja dieselbe Handschrift wie in der Eingabe vor 6 Wochen von Hoffmann." Da stimmte irgend etwas nicht. Hier galt es einzuhaken. Ein Klopfen an den am Fußboden der Fensterseite langführenden Heizungsröhren riffen mich aus meinen Betrachtungen. Da ich auch eine Stimme hörte, trat ich näher und vernahm die wahrscheinlich aus der Nebenzelle kommenden Worte: Du, Du, Kolleg, warum bist de hier. Was hafte ausgefressen?" ,, Aha," dachte ich, natürlich einer, der dich aushorchen soll", und gab selbstverständlich keine Antwort, denn gab ich einmal Antwort, hielt ich jetzt auch für möglich, daß der betreffende dann auch das Gegenteil von dem behaupten fönnte, was ich gesagt hätte. Nochmals wurde geflopft und gerufen und schließlich ertönten ärgerlich die Worte:„ Bist wohl das erstemal hier. Na warte man, wenn Du erst ein halbes Jahr hier bist, wirst Du froh sein, wenn sich mit Dir einer was erzählt." Als das Mittagessen hineingereicht wurde, flopfte er noch einmal und rief:„ Du, heute ist Fleischtag. Wenn Du ein Stück findest, mußt Du es dem Schließer melden, dann wirst Du sofort freigelaffen." ( Fortsetzung folgt) Wirtschaft Ein ungerechtfertigter Boykott. Benn ein Bontott überhaupt eine Rechtfertigung hat, sodann doch nur in den Fällen, in denen man mit Hilfe des Boykotts etwas erreichen oder etwas verhindern will. Niemals aber fann ein Boykott dadurch gerechtfertigt werden, daß man ihn gegen eine Firma oder gegen ein Unternehmen verhängt, das sich angeblich in der Zeit der Ruhrbesetzung im besetzten Gebiet antinationale" Geschäftsmaßnahmen erlaubt hat, antinationale Geschäftsmaß nahmen, von denen in einem Prozeß festgestellt ist, daß es zum mindesten zweifelhaft ist, ob sie antinational waren. Gegen die Firma Gebr. Simmelsbach haben die preußischen, die bayerischen und andere Landesforstverwaltungen den Boykott verhängt, d. h. fie haben die ihnen unterstellten Forstbeamten ange wiesen, bei Holzverkäufen feinen Bertauf mit dieser Firma abzuschließen. Außerdem hat die Reichsbahn- und die Reichspost der wichtigsten Lieferantinnen für Holzschwellen und Telegraphenverwaltung, für welche die Firma seit einer Reihe von Jahren eine maften war, feine Abschlüsse mehr mit der Firma im letzten Jahr vorgenommen, angeblich, weil der Prozeß der Firma Gebr. Himmels bach gegen den Herausgeber des Holzmarktes", Otto Fernbach, foviel Staub in der Deffentlichkeit aufgewirbelt hat, daß es für die Behörden zweckmäßig wäre, sich von Geschäften mit der Firma fernzuhalten. Nun beruht aber der Geschäftsbetrieb einer Firma wie Gebr. Himmelsbach darauf, daß sie sich die Rohmaterialien von der Forstverwaltung beschafft, und wenn sie das nicht fann, so muß sie die Rohmaterialien durch den Zwischenhandel doch von der Forstverwaltung beziehen. Zwar haben auch diesen Weg die Forstverwaltungen der Firma versperrt, indem sie den jenigen Firmen, die das erstandene Holz weiter an Gebr. Himmelsbach verkauften, den Boykott androhten, aber ganz zu verhindern haben sie es doch nicht vermocht. Der Betrieb der Firma ist eingestellt auf die Fabrikation von Holzschwellen für die Eisenbahnverwaltung und von Telegraphenstangen für die Boftverwaltung und die Elektrizitätsindustrie. Auch die letztere hat sich in großem Umfange dem Bontott der Postverwaltung und Eisenbahnverwaltung angeschlossen. Es blieb dem Unternehmen, um nur einigermaßen seinen Betrieb aufrechtzuerhalten, nichts anderes übrig, als, so gut es anging, feine Baren im Auslande abzusehen oder unter Breis durch den Zwischenhandel im Inlande zu verlaufen. Es ist genug bekannt, unter welchen Schwierigkeiten die Wirtschaft an fich schon zu leiden hat, um so mehr ist es angebracht, daß diese Schwierig feiten nicht durch völlig ungerechtfertigte Maßnahmen der Behörden bei einem Unternehmen erschwert werden. Wenn das Unternehmen infolge der wirtschaftlichen Situation seine Existenz perliert, so muß man das eben hinnehmen; wenn aber in einer Zeit, in der es darauf ankommt, möglichst viel leistungsfähige Arbeitsstätten für Arbeiter und Angestellte zu erhalten, die Eristenzmöglichfeit eines derartigen großen Unternehmens erschwert wird, so verdient das die schärfste Berurteilung. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß es nicht bloß die Entrüftung über angebliche antinationale Maßnahmen der Firma im Ruhrkampf gewesen sind, die diesen Boykott veranlaßt haben, sondern uns will es scheinen, als ob hinter diesen Boykottmaßnahmen politische Motive steden. Man will damit die dem Zentrum und besonders dem linken Flügel des Zentrums sehr naheftehenden Inhaber der Firma treffen und damit die wirtschaftliche Kraft dieses linten Flügels schwächen. Das ist die Absicht der Boykottmaßnahmen. Es ist aber noch nicht einmal erwiesen, ob dieser ganze Schlag gegen den linken Flügel des Zentrums nach dieser Richtung hin nicht ein Schlag ins Wasser ist, denn die Verbindungen der Firma Gebr. Himmelsbach mit dem linfen Zentrumsflügel sind in Wirklichkeit nur sehr, sehr lose und find höchstens äußerlich dadurch gefennzeichnet, daß die Firma Gebr. Himmelsbach Attionarin der Mologa ist, in deren Aufsichtsrat die bekannten Linkspolitiker Dr. Wirth und Dr. Haas fizen. Erreicht haben die Behörden mit diesem Borgehen nur das eine, daß bisher die Firma 5 Arbeitsstätten still. gelegt hat und daß dadurch ungefähr 500 Menschen brotlos gemorden sind, die jetzt durch Arbeitslosenunterstügung aus Staatsmitteln erhalten werden müssen. Die Firma arbeitet noch in 10 Betrieben mit einer Belegschaft von ungefähr 1500 Menschen, doch Am 15. September verunglückte bei Ausübung seines Berufes plötzlich mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Zimmermann Ludwig Bernecker im Alter von 61 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Einäscherung: Mittwoch, den 23. Sept. abends 6%, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Stein der Weifen Die ideale Nagelpflege überall erhältlich KOPP& JOSEPH BERLIN W. Hämorrhoiden? dürften auch diese im Laufe des Winters zum Erftegen tommen, wenn die Behörden es nicht vorziehen, ihrem Bontott so schnell wie möglich ein Ende zu machen. Herrmanns Erzählungen. Uns wirb geschrieben: 17 Der Herrmann- Konzern, zu dem eine Reihe von Uhrenfabriken, zusammengefaßt in der Thüringer Uhrenfabrik A.-G." und in der " Deutsch Schweizerischenuhrenfabrif gehören, steht vor dem Zusammenbruch. Wir haben uns schon vor einiger Zeit mit einem eigentümlichen Kreditgeschäft befaßt, der das die Raiff eisen- Bant mit der Deutsch- Schweizerischen Uhrenfabrik gemacht hat. Die Deutsche Girozentrale, die der Thüringeruhrenfabrit A.-G. ein Darlehen von 550 000 Mart gegeben hat, scheint aus den Erfahrun gen, die sie selbst und verschiedene ihrer Untergesellschaften mit Bersonalkrediten an zweifelhaften Unternehmungen gemacht hat, jetzt die richtige Folgerung ziehen zu wollen; sie betreibt mit der größten Rücksichtslosigkeit die Bezahlung der Schuldsumme. Für diese Schuldsumme ist der Grundbesitz der Thüringer Uhren ver haftet und gleichzeitig der Warenbesig der Gesellschaft. Durch die legtere Pfändung ist der Betrieb des Unternehmens so gut wie lahmblid, in dem ein Stild der ihr verpfändeten Waren verkauft wird, gelegt, da die Deutsche Girozentrale verlangt, daß in dem Augendieses durch ein gleichartiges ersetzt wird. Die Gesellschaft ist dazu nicht in der Lage, da ihr vollständig die Betriebsmittel fehlen, und es heißt, daß, solange Herr Herrmann an der Spize des ganzen Konzerns steht, diese Berhältnisse sich nicht ändern werden. Es haben sich deshalb eine Reihe von Aktionären in dem Schutzverband zusammengetan, dessen erstes Ziel sein wird, Herrmann aus allen den Unternehmungen, die er bisher geleitet hat, auszuschalten. Die Goldbilanzen, die Herrmann den Pressevertretern in einer besonderen Konferenz vorgelegt hat, zeigen deutlich, daß die Gesellschaft überschuldet ist, und daß die vielleicht lebensfähigen Unternehmungen nur der Zuführung von Geldmitteln bedürfen, um wieder in die Höhe zu kommen. Herr Herrmann selbst ist aus dem Verband aller seiner Unternehmungen ausgeschieden. Die Majori tät der Thüringer Uhrenfabriken befigt er nicht mehr. Wie weit er in der Lage ist, in den anderen Unternehmungen seines Konzerns Einfluß auszuüben, läßt sich nicht beurteilen. Intereffante Kapitalzufammenlegung in der Bosch- Eisemannschen Intereffengemeinschaft. Aus der Interessengemeinschaft der RobertBosch- A.- G. und der Eisemann- Werke A.-G. wird eine Kapitalzufammenlegung gemeldet, deren Charakter besondere Beachtung ver. langt. Wie bekannt, wird durch den Interessengemeinschaftsvertrag die Produktion der Eisemann- Werte A.-G. von der Robert- Bosch A.-G. übernommen, während die Eisemann- Werte A.-G. ausschließlich Handelsgesellschaft der durch die Interessengemeinschaft ver. bundenen Werte wird. Nun wird gemeldet, daß infolge einer Verfiändigung mit der Robert- Bosch- A.- G. die Eisemann- Werte ihr Attienkapital von 3 Millionen auf ein Fünftel, auf 600 000 m., zusammenlegen werde. Die Verwaltung der Eisemann- Werte erklärt hierzu, daß es sich dabei um feine Sanierungsmaßnahme handele; da die Eisemann- Werte A- G. in der Zukunft nur mehr eine Großhandelsfirma sein wird, sei das Aktienkapital einfach zu hoch und würde auf die für den neuen Unternehmungszwed angemessene Höhe deshalb ermäßigt. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß es sich bei der vorliegenden Transaktion um eine sehr beachtenswerte Maßnahme weitfichtiger Rapital. und Gewinnpolitit der beiden Werte handelt. Eine Sanierungs. maßnahme im gewohnten Sinne liegt tatsächlich nicht vor. Einmal hatte die Robert- Bosch- 2.- G. für 1924 einen Reingewinn von über 7,9 Millionen Mart, das sind bei einem Aktienkapital von 30 Millionen mehr als 25 Proz.( die Dividende betrug 8 Proz.). Zum anderen handelt es sich bei dem Eisemann- Wert M.-G. um hochleistungsfähige Betriebe, die mur deshalb in der Interessengemeinschaft mit Bosch aufgingen, weil Bosch durch die Bereinigung mit dem qualitätsstarten Konkurrenten feine eigenen hochrentablen Betriebe noch wirksamer ausbauen mollte. So mag die Kapitalzusammenlegung, zu der die Gruppe Bosch- Eisemann im Verhältnis viel weniger Anlaß hätte, als viele andere weniger rentable Werfe, zunächst als ein Rätsel eriheinen. Das Rätsel dürfte sich aber löjen, menn man sich aus dem Geschäftsbericht der Robert- Bosch- 2.- G. für 1924 der neugegründeten Sonderrüdlage von 5 Millionen erinnert, Möbel über deren Verwendung jeweils die Generalversammlung beschließen soll. Es ist flar, daß die Interessengemeinschaft die Aktionäre der Eisemann- Werte A.-G. nicht einfach um vier Fünftel des Aktienwerts bringen darf, menn feine finanzielle Notlage vorliegt, die diesen Verluft aufzwingt. Also bleibt nur der Schluß, daß aus der Sonderrüdlage eine Entschädigung der Eisemann- Aktionäre erfolgen wird und daß die Transaktion den Zweck verfolgt, durch einmalige Ausschüttung theraufierter Gewinne das gemeinsame Aktienkapital zu verringern und durch die gleichzeitig eintretende dauernde Verringerung der Dividendenansprüche die Konkurrenzfähigkeit und den Absazradius der vereinigten Werte zu vergrößern. Eine Transaktion also, die als Must erbeispiel weitfehender Kapital- und Betriebspolitik angesprochen werden darf und die in der heutigen Kapitalfrisis von um so größerer Bedeutung iſt, als fie zeigt, wie eine an der Absagverbreitung und Stärkung der Konkurrenzfähigkeit orientierte Gewinnpolitik durch Herabsfehung des gewinnberechtigten Kapitals gleichzeitig die Produktionskosten fenft und Kapital zu anderer Verwendung freimacht. Der Wirrwarr im Kohlenhandel wird immer größer. Eine ganze Reihe von Kohlenhändlervereinigungen hatte gegen Kohlenhändler Lieferungssperren der Syndiftate erwirft, weil umgenossenschaften. Auf eine Anfrage beim Reichswirtdiese dem Verbrauch die Kohlen billiger zur Verfügung stellten, als die Händler es vorschrieben. Darunter befanden sich auch Konschaftsministerium, wie es sich gegenüber solchen Fällen verhalte, wurde uns der Bescheid zuteil, daß dieses Amt mit den Syndikaten eine verbindliche Abrede getroffen hätte, wonach die Sperren nur gegen unlautere Konkurrenz verhängt werden dürfen. Wenn also irgendein Kohlenhändler oder eine Genossenschaft in der Lage sei, nach Maßgabe ihrer Einkaufspreise und ihrer Verteilungsfoften die Kohle unter den von den Händlervereinigungen vorgeschriebenen Preisen an den Verbrauch zu liefern, so sei daraus ein Grund zu einer Sperre nicht herzuleiten. Diese Mitteilung wurde auch von uns veröffentlicht. Es find uns ferner Einzelfälle bekannt, in denen das Reichswirtschaftsministerium auch mit den Syndifaten verhandelt hat mit dem Ergebnis, daß diese die Rurücknahme- verhängter Lieferungssperren zusagten. Inzwischen hören wir aber, daß ein mitteldeutscher Konsumverein, gegen den eine solche Sperre verhängt war, und gegen den die Sperre auf Grund der Anordnungen des Reichswirtschaftsministeriums hätte zurückgenommen werden müssen, noch immer nicht vom Synditat beliefert wird. Man muß sich fragen, was das ganze Borgehen gegen den Preiswucher" für einen Sinn haben soll, wenn sogar feste Abmachungen zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und den Syndikaten nicht innegehalten werden. Die Behörden sollten, wenn ein Verschulden der Syndikate selbst nachweisbar ist, gegen diese mit aller Rücksichtslosigkeit vorgehen. Denn daß der Handel, der allein aus den Sperren Nugen zieht, unnötig stark befeßt iſt, haben wir schon oft gehört; es wäre 3eit, daß auch an den geeigneten Bunften etwas dagegen getan wird. " Der Abbau des Sichel- Konzerns. Auf der A.-G. für Industriewerte in Luzern, der Spizengesellschaft des Sichel- Konzerns, wurde festgestellt, daß die Liquidation des Unternehmens notwendig geworden ist, weil von dem Aftienkapital von 16 Millionen Franken nicht weniger als 15 Millionen verloren find. Der Verlust entstand hauptsächlich durch den Rückgang der Kurse von Sichel- Unternehmungen, die größtenteils in Geschäftsaufficht gehen müffen. So ist jetzt über die deutsche Hauptgesellschaft, die Julius Sichel u. Co. in Mainz, und die Duisburger Zweigstelle des Sichel- Konzerns die Geschäftsaufsicht verhängt worden. Die Amerikanisierung der Industrie verfolgen die deutschenGewerkschaften mit großer Aufmertfamteit. Sur 3eit meilt der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung des Deutschen Wertmeister- Berbandes, Siz Düsseldorf, Kurt Heinig. Berlin, in Nordamerita, um in Gemeinschaft mit den Vertretern des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes die wirtschaftlichen Verhältnisse in Amerika zu studieren. Er wird sich dabei besonders mit den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Wertmeister befaffen und die dort gemachten Beobachtungen der von ihm vertretenen Organisation mukbar machen. Im Zeichen des Preisabbaues: Preiserhöhung für Samt. Der Verband Deutscher Samt- und Plüschfabrikanten, Krefeld, hat, wie Die Textil- Woche erfährt, infolge der gestiegenen Rohseidenpreise beschlossen, die Preise für schwarze und farbige Seidenpoljamie um 5 Broz. zu erhöhen. Für das Ausland beträgt die Erhöhung 10 Broz Dürkoppfahrräder. Berkaufsstelle: Kaufgesuche Mehrere Teppichleger u. Teppichnäher von au möglichst sofort. Eintritt gesucht. 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