Abendausgabe Ur. 448+ 42.Jahrgang Ausgabe B Nr. 221 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Dienstag 22. September 1925 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag un Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29T Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Spaltung der KPD.? Hinauswurf von Rosenberg- Scholem- Ruth Fischer usw. Immer heftiger wird der Kampf in der Kommunistischen Partei. Die Rofe Fahne" besteht überhaupt nur noch aus der Berichterstattung über fraftionelle Auseinandersehungen. Wir registrieren aus diesen Diskussionen, die für einen normalen Menschen mit gesundem Menschenverstand nicht mehr ganz einfach zu fapieren sind, nur das Allernotwendigste, nur die Vorgänge, die ein gewiffes Algemeininteresse beanspruchen fönnen. Heute bringt die Rote Fahne" eine Kampfansage von Rosenberg und Scholem. Diese beiden Häuptlinge des ultralinken Flügels beweisen in ihrer Kampfansage, daß allein die Linke" in der KPD. 17 baseinsberechtigt sei: Rosenberg und Scholem lehnen den„ offenen Brief" des Etti rundweg ab. Unsere Ablehnung ergibt sich aus folgenden Gründen: 1. Der Brief des EKKI bestreitet nachträglich die historische Berechtigung des Kampfes der Linken innerhalb der Kommu nistischen Partei Deutschlands seit dem 3. Weltkongreß. 2. Der Brief bietet objektiv der Rechten innerhalb der KPD. die Plattform zur Wiedereroberung der Partei. 3. Der Brief bezeichnet die Linte innerhalb der Partei als ultralints, antibolschewistisch und antikommunistisch. Wir überlassen es der Genoffin Ruth Fischer, durch ihre eigene Unterschrift unter dieses Dokument ihr politisches Todesurteil selbst zu vollziehen." Rosenberg und Scholem sehen die vollständige Rüctehr der abgesägten Rechten voraus. " Wir erkennen durchaus an, daß die neue führende Gruppe in der Zentrale, die aus der alten Linken hervorgegangen ist, den guten Willen hat, im Sinne der linken Tradition die Partei zu leiten. Aber die Brandler- Fraktion innerhalb der KPD. nimmt den Brief des EKKI. zum Anlaß, um auf der ganzen Front vorzuftoßen. Schon fordert man die Rückkehr der ausgeschlossenen Frattionsmacher in führende Parteistellungen, schon schicken sich die durch das Mißtrauen der Mitgliedschaft von ihren Bosten entfernten Offiziere der Brandler- Zentrale an, die alten Boften wieder einzunehmen. Schon nutzt man die Verwirrung der Mitgliedschaft und breiter Funktionärschichten aus, um in geschickt formulierten Refolutionen Berdammnisurfelle der finfen Vergangenheit der Partei zustande zu bringen. Der im Kern rechte Angestellten- und Sefretärapparat der Partei jubelt über die Befeitigung der linken Führung. Typisch ist die Resolution der rechten pommerschen Bezirksleitung, die im wesent. lichen der Partei empfiehlt, auf den Boden der bestehenden Republik und der Dawes Gefeße zu treten und nur, wie Sozialdemokraten, durch einige radikal sein sollende Steueranträge ihr Gesicht zu wahren. Wir glauben nicht, daß die führende Gruppe der Zentrale aus eigener Kraft imftande sein wird, den erneuten Ansturm der Brandlerianer abzuwehren. Die Rüderoberung der Partei durch die Brandler- Fraktion ist nur zu verhindern durch den ZusammenLandtagsbeginn. Wiederzusammentritt des preußischen Landtags. Der preußische Landtag tritt heute nach mehrmonatiger Sommerpause wieder zusammen. Er wird verfuchen müssen, endlich zu positiver Arbeit zu gelangen, nach dem die Bartei des Herrn Stresemann bis dahin In treuer Gemeinschaft mit Deutschnationalen und Kommunisten viele Monate hindurch nichts als Regierungsfrise ge spielt hatte. Jetzt mag es immer noch Leute geben, die dieses Krisenspiel wieder anfangen und das 3entrum mit hinein ziehen möchten. Aber seit einiger Zeit sind die Stimmen stiller geworden, die danach schrien, denn die Laune ist nicht überall mehr die gleiche, die vor der Reichspräsidentenwahl und vor der Rollwuchergejezgebung vorherrschend sein mochte. Die preußische Staatsregierung, die bei ihrem Amtsantritt ein glattes Vertrauensvotum erhielt mit kleiner Mehrheit, wird den Landtag vor eine Reihe wichtiger Aufgaben stellen. Hat doch infolge der Krisenspielerei bisher noch nicht einmal der Staatshaushalt für 1925 verabschiedet werden können! Noch immer nicht erledigt find auch Gemeinde, Kreis- und Provinzialordnungen, die schon wiederholt kurz vor dem Abschluß standen und dann immer wieder verlagt wurden. Durch die Denkschrift des Ministers des Innern über die Verwaltungs reform ist eine große Aufgabe in den Bordergrund des Interesses gerüdt, an der bisher nur sehr wenig gearbeitet worden ist. wenn auch nur Der Landtag, der zur gesetzgeberischen Arbeit gewählt Der Landtag, der zur gesetzgeberischen Arbeit gewählt morden ist, wird jetzt Gelegenheit haben, diese Arbeit zu leisten. worden ist, wird jetzt Gelegenheit haben, diese Arbeit zu leisten. Aber er wird sich darüber klar sein müssen, daß feine volksObstruktion porteilich- fommunistisch- deutschnational- völkische auf die Dauer Duldung finden kann. Denn schließlich wird der ähler befragt werden müffen, ob er einen arbeitenden ober einen obftruierenden Landtag wünscht. Und da sind wir nicht im Zweifel, wie der Wähler entscheiden wird! Briand für Ausgleich mit Deutschland. Offiziöse Abwehr reaktionärer Treibereien. Paris, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Die der Reglerung naheffehende Ere nouvelle" tritt am Dienstag morgen in energifcher Weise für den Sicherheitspattein. Die reaffionäre Presse, schreibt das Blatt, behauptet seit einigen Tagen, daß Briand jede Illusion bezüglich der deutschen Demokratie verloren habe und daß er erafilich die Möglichkeiten eines& rieges erwäge. fchluß aller ehrlich linken Elemente in allen Bezirken der kommunistischen Partei Deutschlands. Gelingt es den Rechten, sich der Bartei zu bemächtigen, so werden sie die Losung Bildung eines linken Flügels der Arbeiterflaffe" dazu ausnutzen, um die Rolle der Kommunistischen Partei zu verwischen und durch Bündnis politit mit der sozialdemokratischen Führer= chaft die RBD. zum Anhängsel der SPD. zu machen. Diese schreckliche Entwicklung ist nach Rosenberg und Scholem nur durch ein Bündnis der Linken gegen die dräuenden Ruth Gefahren zu bannen. Für das Erki ist die taktische Lage in der KPD. Mar. Mit einer linken Opposition im Rücken läßt sich der Rechtsabmarsch nicht durch führen. Nach berühmten Muster muß deswegen der linte Feind provoziert zum Rampfe gestellt werden. Entweder wird dann die linke Gruppe fich vollständig unterwerfen und den Umstellungsprozeß in der Mitgliedschaft nicht weiter stören, oder aber die linke Gruppe wird sofort hinausgeworfen. Zum Ausgleich dafür stehen die abgefägten und hinausgeworfenen Funktionäre der rechten Gruppe zur Verfügung, wobei man namentlich an alle diejenigen denkt, die in den Gewerkschaften irgend welche Funktionen innegehabt haben. Deswegen sind die Spalten der„ Roten Fahne" mit der heftigsten Kanonade gegen die „ Ultralinfen" ausgefüllt. Wie gewöhnlich bedient man sich dabei des sehr bequemen Mittels der Bonzenheze. Auf diese Weise hat man früher mit Hilfe der Linken die Rechten hinausgeworfen, marum soll man jetzt nicht mit Hilfe der Rechten die Linken hinauswerfen? Ein Bonze, ein Intellektueller, ist für das Effi immer der, der anderer Meinung als die Moskauer iſt. Sinowjem der olle, ehrliche Seemann hält es natürlich immer mit den guten revolutionären Arbeitern", die selbstverständlich immer für Moskau sind und blindlings für jeden Blödsinn durchs Feuer gehen, der ihnen von den ollen, ehrlichen Seeleuten im Mostauer Kreml anempfohlen wird. Das furchtbarste Berbrechen der Linken besteht darin, daß sie gelegentlich von einer fapitalistischen Bolitit der Sowjetstaaten" geprochen haben. Zweifel an der Unfehlbarkeit der Moskauer Päpste ist allerdings Todsünde. Das Tohuwabohu in der KPD. beginnt sich erst zu entfalten. Der Gruppen und Grüppchen gibt es jetzt schon nicht mehr drei oder vier, wie am Anfang der Diskussion, es gibt ihrer schon Dußende. Ein Ende ist nicht abzusehen. Um so weniger, als schließlich die arme neue Zentrale ihren Anhängern doch auch einmal sagen muß, was sie nun felber eigentlich will. Und um die Linie der Komintern ohne Abweichungen auszubalanzieren, mug man einen Seiltänzer an die Spize stellen und feinen Transportarbeiter. ganz gewiß nicht fchaffen. Der wird es Diese Behauptungen entbehrten jeder Grundlage. Briand habe bald nach Friedensschluß versucht, zu einem Ausgleich mit Deutschland zu gelangen, jedoch habe ihn daran der Nationale Blod gehindert. Man habe sich dann in das Ruhrabenteuer geBlod gehindert. Man habe ich dann in das Ruhrabenteuer gestürzt und auf diese Weise in Deutschland eine Mißftimmung und eine Angst entstehen laffen und das deutsche Empfinden schwer verleht. Heute beftünde zwischen Deutschland und Frankreich nur noch ein Mißverständnis. Nichtsdestoweniger fei es erforderlich, daß der Pattvertrag abgeschloffen werde. In späteren Jahren werde niemand verstehen, daß die zwei großen Völler ein derartiges diplomatisches Berstedspiel getrieben hätten und dies in einem Augenblid, wo von ihrer Berständigung das Schichal Europas abgehangen habe. Der Pakt ist fertig!" Die Regierung nicht. Heute morgen war hier gesagt, ein Rücktritt Deutschlands von den Paktverhandlungen würde einen Zusammenbruch der deutschen Außenpolitit bedeuten; es handle fich also nur noch um die Frage, ob dieser Zusammenbruch wirklich herbeigeführt merden müsse, weil das Agitationsbedürfnis der Deutschnationalen eine folche katastrophale Schädigung Deutschlands verlange. Jetzt bestätigt die„ Deutsche Tageszeitung", das Organ des Reichslandbunds die Richtigkeit dieser Auffassung, indem fie schreibt: Unsere eigenen grundsätzlichen Bedenken gegenüber der von Herrn Stresemann eingeleiteten Paktpolitik sind hier mehr als einmal ausführlich dargelegt worden. Trotzdem würde heute die Gesamtlage Deutschlands sicherlich nicht gebessert werden, wenn man die Einladung zur Außenministertonferenz ohne triftige Begründung ablehnen oder die Antwort mit ganz neuen Forderungen und Vorbehalten, die offenkundig über jene der deutschen Note vom 20. Juli hinausgehen, belasten wollte. Die Verantwortung hierfür und für ein auf solche Weise etwa verursachtes Scheitern der Paktverhandlungen könnte von der deutschen Rechten nicht getragen werden. Positiv erklärt das deutschnationale Blatt: Wie die Dinge heute liegen, erscheint es wahrscheinlich, daß die Einladung der Alliierten angenommen werden wird. leber die Modalitäten werden voraussichtlich erst die nächsten Tage eine Klärung bringen. Grundfäßlich hat das Reichskabinett schon am 27. August in seiner Antwort auf die französische Note Dom 24. Auguft sich damit einverstanden erklärt, daß der Notenwechsel abgeschlossen werde und mündliche Verhandlungen zur weiteren Klärung der mit dem Sicherheitspakt zusammenhängenden Fragen" an seine Stelle treten. Die Erklärung des Landbund- Organs ist um so bedeutfamer, als heute der deutschnationale Parteivorstand und die Landesverbandsvorstände über ihre weitere Haltung beraten und erst nach Abschluß dieser Beratung die Kabinettssitung fortgesetzt werden soll. " 1 " Die Deutsche Tageszeitung" tröstet ihre nationalistische Leserschar damit, daß es sich auf der geplanten Konferenz ja nur um, vorbereitende Berhandlungen", nicht um endgültige Formulierung und Abschluß eines Pafts" handeln werde. Bordem sprach man von Borerörterungen" im Gegensatz zu Verhandlungen", jezt ist man immerhin schon auf" borbereitende Verhandlungen" gefaßt. Es bleibt aber bei dem Bestreben, Dinge, die außenpolitisch notwendig, nur innenpolitisch unbequem find, auf die lange Bank und die Wahrheit möglichst weit von sich wegzuschieben. Die Wahrheit ist, daß die nationalste" Regierung, die Deutschland jemals besessen hat mals beseffen hat- felbst im taiserlichen Deutschland war der Einfluß nationalistischer Parteiorganisationen auf die Reichsregierung nie so groß und so unmittelbar wie heute, die deutsch- französische Verständigung mit allen Mitteln und um den Preis des ewigen Verzichts auf Elsaß- Lothringen erstrebt. An dieser Wahrheit fann man nichts ändern, man möchte sie der Mut, sich zu ihr zu bekennen. nur so lange wie möglich den Wählern vorenthalten. Es fehlt Darum diefes lächerliche Durcheinander, das Stoden der das Aufwerfen und Dazwischenschieben von hundert EinzelKabinettsberatung, die Lähmung der Entschlußkraft. Darum fragen, u. a. auch der, wer zur Konferenz gehen und wenn schon jemand zur Konferenz gehe, dann dürfe es nicht wer ihn begleiten soll. Einst hieß es bei den Deutschnationalen, Stresemann sein, dann müsse der gegenwärtige Außenminister durch einen„ nationaleren" ersetzt sein. Namen wurden schon genannt. Dann fand man sich mit Stresemanns Reise ab, schien aber darauf bestehen zu wollen, daß dem national nationale Gardedame mitgegeben würde. Allerdings war Unzuverlässigen oder doch wenigstens Berdächtigen eine streng vollen Aufgabe betrauen folle- Luther war nicht zuverman ein wenig in Verlegenheit, wen man mit dieser ehrennach seinem berühmten Brief an Brüninghaus die nötige läffiger als Stresemann. Konnte man aber Herrn Schiele Beobachtungsgabe zutrauen? England und der Völkerbund. Lord Cecil verteidigt die Haltung der englischen Regierung Genf, 22. September.( WTB.) Lord Robert Cecil wies gegenüber Breisevertretern die von französischer Seite erhobenen Anschuldi britische Regierung ihre Haltung gegenüber dem Bölkerbund nicht gungen gegen die britische Delegation zurüd und erklärte, daß die geändert habe und nach wie vor sich für die Stärtung feiner Autorität einfege, was schon daraus hervorgehe, doß fie fich verpflichtet habe, die Entscheidung des Bölkerbundsrats in Herrn Stresemann allein gehen lassen zu wollen. Jezt ist die Deutsche Tageszeitung" schon so weit, auch der Moffulfrage anzunehmen. Lord Robert Cecil nahm dann Sie begründet diesen ihren Entschluß mit der Behauptung, daß Stellung zu verschiedenen Arbeiten der gegenwärtigen Böllerbunds die Bindung Deutschlands weniger start sei, versammlung, wobei er Letente, daß die englische Regierung genau se wie jede andere Regierung beftrebt gewesen sei, die drei Pro- darunter der Reichsfangler selbst wären. Sie schafft sich zu wenn nur ein Minister verhandle, als wenn es mehrere, bleme Schiedsgericht, Sicherheit und Abrüstung diesem Zweck eine Theorie der diplomatischen„ Reserveſtellunmöglichst bald zu einer prattischen Lösung zu bringen. In der Frage gen", beruft sich auf englisch- französische Vorbilder und verder Abrüstung sei bereits eine Einigung erzielt. Die Abrüstungssichert, auch die großen Weststaaten vermieden in den ersten fonferenz werde von England auf keinen Fall verzögert werden. Stadien der Verhandlungen Bindungen durch entschei Ihre Einberufung werde dem Bölkerbundsrat überlassen, und Eng. den de Kabinettsmitglieder". Danach wäre die Paftkonferenz land hoffe, daß bei dieser Konferenz gute Ergebnisse erzielt werden ein erstes Stadium" und Herr Stresemann, der Außenfönnen. Auch bezüglich des franzöfifchen Antrags auf Einberufung minister, tein entscheidendes Kabinettsmitglied". einer Wirtschaftstonferenz bestehe kein Gegensah, denn behält sich vor, die Abmachungen, die er in Luzern treffen England sei grundfäßlich zur Mitarbeit bereit und habe nur im wird, ebenso zu einer Privatarbeit des Außenministers" umInteresse der Sache darauf hingewiesen, daß bei dem Plan mit der zufügen, wie man das mit seiner ersten Note, in der die größten Borsicht vorgegangen werden müsse. Battverhandlungen angeregt worden waren, getan hatte. Spanische Offensive. Paris, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Aus Madrid mird gemeldet, daß der spanische Diktator Brimo de Rivera in Cebadilla gelandet sei. Er habe dort mit den kommandierenden Generalen beraten und die Stellungen besichtigt. Die Truppen würden hente zum Angriff übergehen. 17 Man Grotestere Formen kann die Scheu vor der Berantwortung nicht annehmen. Die Deutschnationalen handeln nicht nur nach dem Grundsa si fecisti nega", ,, wenn du es getan hast, leugne es ab," nein, fie ver leugnen das, was sie tun, schon während sie es tun! Aufrichtiger als die Deutsche Tageszeitung" und über haupt die Rechtspresse der Reichshauptstadt ist nur derjenig Teil der deutschnationalen Presse im Reich, der an der Opposition gegen den Baktplan noch immer festhält. So bringen Die Hamburger Nachrichten" in größter Aufmachung eine Meldung der„ Chicago Tribune", wonach zwischen Deutschland, Frankreich und England über den Patt bereits ein vollkommenes Einverständnis bestehe und der Paft, wie er in den bisherigen Erörterungen besprochen wurde, zweifellos von der Paktfonferenz Anfang Oftober a agenommen werden würde. Die Hamburger Nachrichten", die als wohlinformiertes Blatt in die Richtigkeit dieser Meldung feinen Zweifel fetzen, brechen über sie in folgendes Lehgeschrei aus: Wenn die„ Chicago Tribune" nicht phantasiert, und das pflegt sie eigentlich nicht zu tun, sondern sich immer auf sehr gute Informationen in Baris zu stützen, dann ist also der Sicherheitspatt schon fir and fertig, and die Konferenz der Minister wäre nur die theatralische Schlußapotheose, mit der man den Völkern, vornehmlich natürlich dem deutschen vormachte, daß man keine Geheimdiplomatie treibt, sondern im Licht der Oeffentlichkeit verhandelt. Diefe theatralische Schlußapotheose" könnte allenfalls immer noch beffer ausfallen, als die Komödie, die die Deutschnationalen ihrem sehr leichtgläubigen, aber trotz alledem längst stuzig gewordenen Anhang vorführen. Kläglicher kann man nicht dastehen als diese größte Regierungspartei", die sich in entscheidenden nationalen Fragen regieren läßt und regieren laffen muß, weil sie sich durch ihre demagogischen Hansmurstereien selber den Weg zur Vernunft verbaut hat. Der„ König" ohne Land. Aber mit allergetrenesten Landjunkern. Auf der Klitsche Bahrenbusch in Hinterpommern sitzt ein Junker von Bonin, der sich selbst als Königlicher Landrat a. D." be zeichnet. Dem Braven fällt es täglich schwerer aufs Herz, daß er auf seinem Gute kein kleiner König mehr sein darf. Aber ganz aus dem Häuschen gerät er, wenn er daran denkt, daß er und feine Gefinnungskameraden feinen richtigen, waschechten König mehr haben, dem sie zu Zeiten die Hand wie die Stiefel abschlecken tönnen. Deshalb ist besagter Bonin auf einen bonierten Gedanken verfallen. In seiner Eigenschaft als" Kirchenpatron" hat er an die pommersche Provinzialsynode den folgenden Schreibebrief gerichtet: Die Hochwürdige Provinzialsynode von Pommern bitte ich. an die Geistlichen der Provinz die Aufforderung zu richten, die durch die Agende vorgeschriebene Fürbitte für den König und das Königl. Haus nicht zu unterlassen. Begründung: Durch ein Verbrechen, wie es schwerer wohl noch niemals gegen ein ganzes Volf begangen worden ist, wurde im Monat November 1918 unfer König vertrieben und im Widerspruch zu der beschworenen Verfassung in ille galer Beise dierepublikanische Staatsform in Preußen eingeführt. Durch Verfügung vom 31. Dezember 1918 teilte das Konfiftorium den Geistlichen der Provinz mit, daß der Evangelische Oberkirchenrat annahme, daß die Geistlichen der Landeskirche in der von der Agende... vorgeschriebenen Fürbitte für den König und sein Haus diejenigen Aenderungen eintreten lassen, die sich aus den veränderten politischen Ver hältnissen ergeben. Viele Geistliche haben diesem viel deutigen Erlaß des Oberkirchenrats dadurch Rech mung tragen zu sollen geglaubt, daß sie die Fürbitte für den König und sein Haus einfach fortließen. Dies ist von vielen Kirchenbesuchern jahrelang schmerzlich empfunden worden, und nachdem Se. Majestät unser rechtmäßiger König das Alter der Großjährigteit erreicht hat, nicht mehr zu ertragen. Nachdem Se. Majestät Wilhelm II. die Krone niedergelegt, heer und Beamtenschaft von ihrem Treueid entbunden und Se. Kaif und Königl. Hoheit der Kronprinz auf die Thronfolge verzichtet hat, nimmt seit dem 2. Dezember 1918 deffen ältester Sohn Prinz Wilhelm nach göttlichem und menschlichem Rechte den Preußischen Königstyron ein.( Bergl. Artikel 53 der Pr. Verfassung vom 31. Januar 1850.) Durch verbrecherische Handlungen kann selbst verständlich kein neues Recht geschaffen werden. Preußen ist da her immer noch rechtlich ein Königreich, wenn der König auch augenblicklich durch die Macht der Berhältnisse an der Ausübung feiner unverbrächlichen Rechte behindert ist. Um so mehr bedarf er der Fürsorge der Gläubigen. So bumm das ganze Schreiben zunächst aussieht es hat doch| Privatpersonen erhalten hätte. Das ist natürlich nichts einigen Wig. Denn plöglich wird da ein Trohnprätendent mitten in die Erörterung gestellt, von dem bisher niemand etwas wußte. 3war halten wir auch die pommerfche Provinzialsynode trotz der junkerlichen Umgebung für flug genug, daß sie den Boninschen Vorschlag ablehnt. Denn einmal hat die Kirche den biblischen Satz zu befolgen: Seid untertan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hatt" Und dann wird sich die Synode doch wohl selbst fagen müssen, daß fie den schwersten politischen Kampf in die Kirche tragen würde, wenn sie einem König ohne Land" eine besondere Fürbitte weihen lassen wollte, was gleich bedeutend mit offenem Kampf gegen die Republik wäre. Die evangelische Kirche hat doch wirklich alle Ursache, ihre Anhänger zusammenzuhalten. Sie laufen ja ohnehin in Scharen davon. Wenn sie auch die letzten Anhänger noch beseitigen wollte, brauchte sie nur den ausgefallenen Vorschlägen des Kirchenpatrons von Bahrenbusch zu folgen. Aber sie wird es nicht tun, und der Jüngling von Dels, der jetzt schon als„ Se. Majestät" gefeiert wird, dürfte deshalb gut tun, fich auf die Fürbitte der Gläubigen" nicht allzu fest zu verlassen. Antisemitische Roheit. Gegen Herrn Duaat. Auf der deutschnationalen Schulungswoche hielt Herr Geheimrat Qua a tz einen Vortrag, in dem er über die Auslieferung Deutschlands an das internationale Finanzfapital flagte. Dabei sagte er: „ Die dafür erforderliche Intelligenz hat die Demokratie gestellt." Hier fielen nach dem Bericht der Kreuzzeitung" 3urufe: Die Juden! heim passieren! Außerdem ist aber der Vorwurf ganz unbeDas muß ausgerechnet dem Sohn einer geborenen Oppen gründet. Denn Herr Quaaz steht außerhalb jedes Verdachts, zu irgendeinem Zweck der Welt die erforderliche Intelligenz" geliefert zu haben. Die Krife im Zentrum. Berlin gegen die Reichstagsfraktion. In der Germania" hatte türzlich der württembergische Abg. Andre das Verhalten der Reichstagsfraktion zu verteidigen versucht. Gegen ihn wendet sich jetzt an gleicher Stelle der Vorsitzende der Berliner Zentrumspartei Friz Kellermann. Er tritifiert scharf die enge Bindung seiner Partei an die Deutschnationalen und stimmt die enge Bindung seiner Partei an die Deutschnationalen und stimmt dem Abg. Schlad zu, der in der Effener Bolkszeitung" geschrieben hatte, das Zentrum ftehe zum Kabinett Luther treuer, als es jemals zu einer früheren Koalitionsregierung gestanden habe. Mißtrauen geht nun einmal durch unsere Reihen“ fügt Herr Kellermann hinzu und fonstatiert: 3wischen Abgeordneten und Wählern besteht heute nicht mehr das Bertrauen, das gerade bei uns traditionell war." Der Kußmann- Reigen. Randbemerkungen zur Entlarvung der deutschnationalen Korruption. Zwischen den einzelnen rechtsstehenden Blättern ist ein wahrer Wettbewerb entstanden: Es gilt, den unanständigsten, tendenziösesten Bericht über die Entlarvung der deutschnationalen Justiz forruption im Preußischen Untersuchungsausschuß zu liefern. Die Herrschaften haben sich förmlich gegenseitig überboten. Wenn wir Preisrichter wären, würden wir zwischen Lokal- Anzeiger" und der Deutschen Tageszeitung" fchwanken. Au den ausgezeichneten Erklärungen des Regierungsdirektors Dr. Weiß wäre vielleicht eines zu bemängeln: Er hat sich u. E. wohl allzu berettwillig mit der Erklärung des deutschnationalen Abgeordneten enkel zufrieden gegeben, daß dieser mit dem Be= amtenbefpigelungssystem der Knoll- Backmeister- Leopold nichts gemein habe. Herr Rentel erklärte, er hätte seine Beröffentlichungen in der„ Berliner Börsenzeitung"( und übrigens auch in den führenden deutschnationalen Blättern der Provinz) auf Grund von Angaben gemacht, die er nicht von beamteten, sondern von anderes als Wortflauberei: Wenn Herr Kenkel von Privatpersonen lies: Knoll- Bacmeister- Mitteilungen über interne Vorgänge im Bolizeipräsidium und im Justizminifterium erhält, dann muß er wissen, daß sie von Beamtenspigeln stammen; und wenn er sie veröffentlicht, dann macht er sich zum Mitschuldigen an dem von Dr. Weiß so vortrefflich gebrandmarkten Beamtenbespizelungssystem. In der Germania" schreibt ein Mitglied des Untersuchungsauss schusses, daß die Kußmann und Caspary einen bestimmten Typ innerhalb der deutschen Justiz darstellen: " Was man früher mit dem Ausdruck Assessorismus zu bezeichnen pflegte, das findet in Kußmann und Caspary eine unerhörte Steigerung. Man hat das Empfinden, daß die beiden jungen Männer viel zu früh in der Behandlung der schwierigsten Fragen größten öffentlichen Interesses hineingeworfen, die innere Haltung und Selbstkontrolle verloren haben. Die Machtmittel, die dem Staatsanwalt zur Verfügung stehen, haben sie in einen Ma chtrausch versetzt, der bei der Jugend dieser Staatsanwälte grotest wirkt. Die Fülle der ihnen zur Verfügung stehenden Machtmittel verleitet sie zu Maßnahmen, bei denen man die Empfindung nicht zurückdrängen kann, daß hier mehr die Sucht, fich in Szene zu sehen, maßgebend ist, als die nüchterne Prüfung, welche sachliche Maßnahmen in einem bestimmten Falle zu ergreifen feien. Aber das. ist nur der eine und eigentlich noch harmloseste Teil dieses Ueber- Affefforiums. Insbesondere Herr Kußmann, der eine gewisse Offenheit zeigte, wenn es ihm paßte, ließ uns auch Blicke in die tieferen Gründe der sittlichen Grundlage seines Handelns fun, die äußerst bedenklich genannt werden müssen. Die Berhandlungen haben doch ganz zweifellos ergeben, daß seine Berbindungen zu dem völlischen Abenteurer Knoll sehr unerfreulich sind. Man dente sich einmal im alten System die Verbindung eines föniglichen Staatsanwaltes mit einem bekannten anarchistischen Agitator! Man denke sich weiter: ein föniglicher Staatsanwalt verteidigte sich müsse man ihnen Freundschaft gewähren, da man manches von ihnen erfahren könnte. Ein solcher Staatsanwalt würde teine drei Tage mehr im Dienst sein." damit, solche Leute verfügten über gute Beziehungen und deshalb Der Artikelschreiber ftellt weiter mit Empörung die ostentative Solidarität, die die, deutschnationalen Ausschußmitglieder Kußmann gegenüber zur Schau trugen, feft und bemerkt wehmütig dazu: Wie tief find in Deutschland die Begriffe vou Takt und Anstand gesunken! Aber das ist wohl nur eine Folge der Revolution: Wenn sich die Herren Kaufhold und Könnecke im Ausschuß dermaßen benchmen, daß der Kammergerichtsrat Deerberg, ihr Fraktionskollege, von ihnen wiederholt abrüden mußte, so ist selbstverständlich die Republik daran schuld. * Es steht also jetzt schon fest, daß die Leitung des Verfahrens in jener Sache, die durch systematische Verdrehungen Millionen von Menschen in eine Banifftimnung gegen die republikanische Korrup tion" versetzt hat, in den Händen eines Menschen gelegen hat, der fich nicht nur disziplinarisch unmöglich gemacht, sondern auch kriminell schwer belastet hat. Es ist erwiesen, daß dieser Mann eine Berdaß er unter seinem Eide glatte Märchen erzählt hat. Das ist dächtigung nach der anderen ausgestreut und weitergetragen hat, und allerdings der Schlüffel der ganzen Barmat- Hetze, wenn nicht auch der Schlüssel des eigentlichen Barmat- Verfahrens. ** Der Oberstaatsanwalt Linde hatte Herrn Rußmann fünf Monate lang freie Hand gelaffen. Er befand sich offenfundig in geistiger Hörigkeit von dem 31jährigen großschnäuzigen Assessor. Und der Affeffor befand sich in geistiger Hörigkeit von einem völfischen Abenteurer, der unter drei verschiedenen Namen lebte und ftrafrechtlich unerlaubte Bege ging. Und diefer Herr Knoll- Kluge Klaufing befand sich in materieller hörigkeit von Herrn Leopold, deutschnationalem Mitglied des Reichstags, dem Vertrauensmann des Braunkohlensyndikats. Der Reigen ist geschlossen. Für Belgien auffällig großzügige Kavalleriemanöver finden gegenwärtig in der Nähe von Eupen und Malmedy stait, um den erschütterten Glauben an den Verteidigungswert der Kavallerie zu stärken. fabriken kann der zu erwartende Mehrgewinn mur außerordentlich Die„ Tribüne":„ Zurück zu Methusalem". ichen, die Staatsmänner befonders, nur Mullen bleiben, weil fie gering fein. Das Paradies, die Schlange, Adam und Eva. Der Dichter macht do ziemlich deutliche Angaben, ohne die Phantasie des Bühnen meisters allzu eng einschnüren zu wollen. Man kann sich denken, daß die„ Tribüne wenig Raum für ein Paradies bietet. Alles ist stilisiert, der Garten Eden mußte etwas zerquetscht werden, und so geht viel Illusion verloren. Trotzdem sprühen die Worte Shams, es leuchtet aus ihnen Wig und leberwig. Adam, Eva und die Schlange unterhalten sich. Die ersten Menschenfinder lernen, was Sünde und Sinnenluft ist. Die ersten Menschenkinder tragen es schwer, daß sie vielleicht allein für alle Ewigkeit und in unvermin= derter Unsterblichkeit bleiben sollen. Da lernen sie, daß fie aus ihren Lenden Kinder zeugen werden und selbst nicht fürchten müssen, daß fie ewig leben werden. Lächelnd über diese Gewißheit danken fie es der schillernden Schlange und es verklären sich die Züge Evas, der zur ilrmutter bestimmten Frau. Solche Menschen, die so viel Bedeutsames sprechen, die so viel Nachdenklichkeit im Gehirn des Zuschauers lockern müssen, dürfen nicht stimmlich behindert sein. Ueberredung, jubelnde Süßigkeit und ein föstlicher Schmelz müßten erflingen aus den Kehlen der Schlange und Adams und Evas. Johanna Hofer ist aber eine etwas flachtönige Eva, und die liebtosende Berführung wird auch nicht verspürbar, wenn der vielfarbige Mund der Schlange, die Fräulein Anni Kersten spielt, sich auftut. llebrig bleiben noch in diesem Paradies Adam, Herr StahlNachbaur, und sein Sohn Kain, Herr Wilhelm Dieterle. Adam und Kain, Gegensätze der Mannsnatur. Der Urwaldtölpel aufgeredt gegen den erwachenden Schlaufopf. Rain mordet seinen Bruder Abel, weil er dessen geröstete Fleischspeise an sich bringen will. Kain träumt, daß er wütende Menschen in Heerscharen gegeneinander hetzen möchte, damit sie fich töten. Erfinder des Mordes ist Kain, und er hat sich dessen auf der Bühne zu rühmen. Abel ist die dunkle Boden- und Friedensnatur, gestellt gegen die flammende Kriegsnatur. Zwei Schauspieler sollen sich geistreich balgen und alle Gedankenfehde austragen mit geläufigster Bunge. Die Schauspieler wußten nicht recht, ob fie realistisch wirken oder fich phantastisch ins unwahrscheinliche hinübersteigern sollten. Das iöfte sich nicht auf. Aber dann fällt dem Dichter jene großartige Szene ein, wo Eva, die Urmutter, den friedlichen Tölpel und den tölpischen Krieger zugleich bändigt, nur durch die Inbrunst ihrer Mütterlichkeit. Eva erzählt von ihrer tausendfachen Söhne- und Töchterschaft. Wie sie nicht nur dem Erfinder des Mordes. sondern auch Dichter und Flötenspieler und Bildschniger aus ihrem Schoße gebar, das rühmt sie. Und man wird ganz stille bei dieser die Welt überspannenden, trotzdem gar nicht überspannten Lyrit, die plöglich durch das Theater hallt. Und nun unsere Zeit: nach dem Urwaldprolog die Gegenwartskomödie, in der zwei weltberühmte Streithähne fritischer Politit jo deutlich und doch wieder so übermütig und flug zerzauft werden, daß mon geamungen ift, Sham zum mirklich mizigsten Mam Europos zu ernennen. Die Brüder Barnabas haben entdeckt, daß die Mennicht alt genug werden. Darum ihre Lehre, daß die Welt besser werden wird, wenn die Menschen älter werden können. Und Burück zu Methusalem!" Dieses ist ihr Schlachtruf. Nun sehe man zu, wie die politischen Schlachthähne, die nicht an eine Seelenparole glauben wollen, sondern nur meinen, daß sie durch ein BarnabasElixier die Unfterblichkeit gewinnen werden, die Lehre annehmen. Sie glauben, fie tönnten das Eligier einlöffeln, und sind äußerst entrüstet, daß man mur seelischen Aufschwung von ihnen verlangt. Wer sind die beiden Streithähne? Shaw läßt feinen Zweifel darüber, daß er Englands Lieblingsmatadoren der Politit, die Herren Asquith und Lloyd George zwiden wollte. Startere Prügel haben die beiden wohl nie bekommen als in diesem Stüd. Der falsche Liberalismus und der oberflächliche Sozialismus, alles erhält seinen Buff. Die föstlichste politische Satire mischt sich in die entzückendste Metaphyfit. Holterdipolter und mit Hurra mird jede Antiquität verfalfter Politik und Religion eingemottet. Mit dem großen Frage zeichen, ob die Menschen es ertragen werden, das Methusalemalter zu erreichen, endet das erste Spiel nach dem paradiesischen Prolog. Es follen noch die übrigen drei Teile folgen. Der Regiffeur jammelt alles Interesse auf Asquith und Lloyd George, damit das unendliche Gespräch einen Mittelpunkt findet. Herr Stahl- Nachbaur und Herr Kurt öz fechten dieses Duell der Worte aus, und wirklich: eine fanguinische Natur, die vor dem Böbelhaften nicht ausweicht, und ein Weltmannstemperament, das fröhlich mit den Daseins schwierigkeit balanziert, entpuppen sich föstlich. Mar Hochdorf Alkoholgewinnung in der Bäderei? Mit den Stichworten Eine umwälzende Erfindung Spiritus aus Rauchschwaden Riesenmengen von Korn und Kartoffeln für die Bolksernährung frei" machte eine Berliner Zeitung fürzlich fenfationelle Mitteilungen über ein Verfahren des Italieners Andrusiani, aus den während des Brotbackens entweichenden Dampfschwaden hochprozentigen Alkohol zu gewinnen. Es sollen aus je 100 Kilogramm verbadenem Mehl 1 Liter 65- bis 85prozentiger Alkohol erzielt, damit 500 000 hektoliter jährlich an Brotdampfalkohol" erzeugt und dadurch jährlich 9 Millionen Zentner Kartoffeln oder eine entsprechende Menge Getreide und 2 Millionen Zentner Kohlen erspart werden. Hierzu bemerkt das Institut für Gärungsgewerbe: Die Möglichkeiten einer technischen Gewinnung des in den Schwaden der Backöfen enthaltenen Alkohols find schon seit langer Zeit in Erwägung gezogen worden, aber immer wieder hat man von einer Anwendung aller möglichen Berfahren wegen ihrer ab. soluten Unwirtschaftlichkeit Abstand genommen. Es entsteht bei der in den Zehntausenden über das ganze Deutsche Reich zerstreuten Teiggärung nur verhältnismäßig wenig Alkohol, und es können Bäckereien im Einzelbetrieb nur ganz geringe Mengen Alkohol gewonnen werden, so daß der zu erwartende Mehrgewinn in gar feinem Verhältnis steht an den Kosten, Auch in größeren Boot Der aus den Schwaden gewonnene Alkohol gilt als aus Stoffen hergestellt, die vor dem 1. Oftober 1914 gewerblich nicht zur Alkoholerzeugung verwendet worden sind. Die Herstellung von Alkohol aus solchen Stoffen ist durch das Branntweinmonopolgefeh der Reichsmonopolverwaltung vorbehalten; fie tann allerdings auf dieses Recht verzichten. Ob sie sich dazu aber angesichts der Tatsache, daß viele tausende neuer Kleinbetriebe, denen übrigens auch erst ein Brennrecht verliehen werden müßte, dann mit großen Kosten unter Steuerkontrolle genommen werden müßten, verstehen wird, erscheint äußerst fraglich. Der Schriftsteller Morih Heimann ist in der Charité gestorben. Er war seit Jahren leidend und hatte auch in der Einsamkeit des Dorfes Kagel teine Heilung gefunden. Heimann ist in der Dessentlichkeit, wenig hervorgetreten. Er war lange Jahre hindurch der literarische Berater des Verlages S. Fischer und hat hier in der Auswahl der Werke und im Verkehr mit den Autoren als getreuer Eckardt der deutschen Literatur gewirft. Sein eigenes Schaffen trat erst spät hervor. Er hat einige Bände prosaischer Schriften gejaminelt und auch einige Novellen herausgegeben, in allem ein feiner geistiger Mensch, aber fein starter Gestalter. Seine Dramen haben auf der Bühne faum Echo gefunden. Das Herrnfeld- Theater, das sich jetzt im früheren Intimen Theater" in der Bülowstraße niedergelassen hat, eröffnete die Saison mit zwei Schwänten aus dem früheren Repertoire. Die Welt geht unter" ist eine tolle Luftigkeit, die alle Verrücktheiten aufzeigt, zu denen ein braver Produktenhändler durch die Falschmeidung eines bevorstehenden Weltuntergangs verleitet wird. Was tut fich im Separé" ist ein Berwidlungsstüd, das seinen Ausgang von einem harmlosen Ausflug einer Ehefrau ins Separé ninumt und zu immer bedenklicheren Enthüllungen des ganzen Kreises führt, bis man sich in die Zeiten einer vollkommenen Bromisfuität zurückersetzt fühlt. Das Durcheinander ist mit allen Trifs der Schwantliteratur ausgestattet. Anton Herrnfeld und Ferd. Grüneder zeigten, daß sie mit ihrer Drastit immer noch die Zuschauer zu erheitern verstehen. Auch die anderen Mitspieler halfen wacker zum Erfolge mit Naturschuhpart in der ruffischen Steppe. Die ukrainische Afademie der Wissenschaften hat belm Rat der Volkskommissare beantragt, das Karlowsche Steppengebiet im Bezirk Boltawa zu einem Naturschutzpart zu erklären und jede landwirtschaftliche Ausnutzung bzw. Jagd zu verbieten. Die Akademie begründet ihren Antrag damit, daß dieser Teil der Steppe der einzige fet, in welchem die Natur noch durch feinerlei Siedlungen verändert oder zerstört worden ist. Gerhart Hauptmanns Beland"( eine Tragödie) ift soeben be S. Fischer, Berlag Berlin, erschienen. * Die erste staatliche Privatmufiflehrerprüfung für die Provinz BrandenMeldungen find bis spätestens 10. Oftober an das Provinzial- Schulkollegium burg und Berlin findet Dienstag, 27. Oftober d. J. und folgende Tage statt. in Berlin- Lichterfelde, Zehlendorfer Str. 52, einzureichen. Maria Orsta mußte in ein Sanatorium gebracht werden. Das Heine Theater hat für ihre Rolle in Pirandellos Beffer als früher" Ersatz gefunden. Abschiedsfeier für Scheidemann. Die Kaffeler Arbeiter stehen zu ihrem Führer. Kaffel, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Heute abend nahmen in Kassel tausende von Parteigenossen und Reichsbannerfameraden Abschied von dem Genossen Scheidemann. Um 8 Uhr sammelten sich vor seinem Hause in der Wilhelmshöher Allee die Bannergruppen des Kasseler Reichsbanners, auch die Arbeiterjugend trat mit ihren Fahnen an. Die Kapelle des Reichsbanners intonierte Beethovensche Melodien und der Gesangverein Typographia trug dem ehemaligen Kameraden ihre Lieder vor, worauf der Gauleiter Kamerad Göpffarth an den Kameraden Scheide mann die Abschiedsgrüße des Gaues richtete. Mit weithin schallender Stimme gedachte er der Verdienste, die gerade Scheidemann als Mitglied des Reichsausschusses im Reichsbanner für die Entwicklung des Gaues hat. Er ließ seine Rede ausflingen in ein Frei Heil auf Scheidemann, in das die Versammelten brausend einstimmten und die Kapelle die Hymne erklingen ließ. Scheidemann dankte in bewegten Worten den Reichsvannerkameraden und ermahnte sie dringend auszuhalten, nicht zu ermüden, wenn es um den Schutz der Republik, um das Fundament des neuen Staates gehe, möge fommen was wolle. Republik und Demokratie müsse unter allen Umständen vor den Angriffen der Reaktion bewahrt bleiben. Daß das Reichsbanner diese seine Aufgabe erfüllen werde, hoffe er von ganzem Herzen und er glaube auch daran, da das Reichsbanner in der furzen Zeit seines Bestehens zu einem Machtfaktor ersten Ranges geworden ist. Scheidemann schloß seine begeistert aufgenommene Rede mit einem Hoch auf die Republik und das Reichsbanner, in das die Tausenden wiederum wie ein Mann einstimmten. Darauf wurde der dritte Vers des Deutschland liedes gesungen. Damit hatte die Kundgebung des Reichsbanners ihr Ende erreicht. Bu gleicher Zeit versammelten sich im Stadtpark die Partei genossen, um Abschied von ihrem alten Führer zu nehmen. Der große Saal, feftlich geschmückt mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen, reichte nicht aus, um die Massen aufzunehmen, so daß auch noch der zweite Saal geöffnet werden mußte. Der Vorfizzende der Raffeler Parteigenossenschaft, Bornemann, richtete an die Bersammelten eine herzlich gehaltene Ansprache, in der er des Werdeganges Scheidemanns gedachte und die vielen Verdienste hervorhob, die Scheidemann nicht nur für die Kaffeler Bewegung, sondern auch für die deutsche und darüber hinaus für die internationale Arbeiterbewegung für sich in Anspruch nehmen fann. Der Schluß seiner Rede murde zu einer stürmischen Ovation für den Genossen Scheidemann. Genosse Scheidemann dankte dem Vorredner und den Kaffeler. Parteigenossen, die ihm einen solchen Ehrenabend beschert hatten. Unter Beifall erklärte er, daß all die Unbill, die er infolge der Berleumdungen der politischen Gegner ertragen mußte, in ein Nichts perfinte, gegenüber der großen Freude, die ihn angesichts der Beranstaltung erfülle. Der Höhepunkt seiner Ausführungen war, als er fagte:„ Solange ich die Feder führen und die Zunge rühren fann, bleibe der Kampf mein liebstes Tun." Mit dem Gelöbnis, daß er an seinem neuen Wirkungsort die Heimat nicht vergessen und nach mie vor seine ganze Kraft in den Dienst des Sozialismus ftellen werde, und in der Erwartung, daß auch die Parteigenossen Kassels ihrer Pflicht genügten und nach einem besonderen Wort an die Jugend, schloß Scheidemann mit einem Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie. Dann kam die Arbeiterjugend zu ihrem Recht. Ein Jugendgenosse widmete dem Genossen Scheidemann ein Abschiedsgedicht. Muntere Jungen und Mädels tanzten über die Bühne. Dem Genossen Scheidemann wurden im Verlaufe des Abends noch von vielen Seiten Blumenfträuße überreicht. Gegen Mitternacht fand die Abschiedsfeier ihr Ende. Die Zikewise auf der Anklagebank. In dem Prozeß über die Kredite der Landespfandbriefanstalt wurden heute zunächst die Auskünfte über die Herren v. Ehdorff, v. Karstedt und v. Carlowig verlesen. Sie find derartig, daß kein Mensch begreifen kann, wie darauf hin diesen Tagedieben Hunderttausende von öffentlichen Geldern ausgehändigt wurden. Der Borsitzende des Gerichts geht mit dem Angeklagten Nehring sehr ernsthaft ins Gebet. Bekanntlich hat die legten großen Zahlungen an das Konsortium der Edelarier Direktor Lüders veranlaßt. Der Borfizende hält es für unverständlich, daß Geheimrat Nehring fich in feiner Weise um diese Geschäfte gefümmert hat. Borf.: Alles, was Sie sagen, flingt menschlich nicht verständlich, meder vom Standpunkt des Be a mten, noch vom Standpunkt des Kaufmannes. Sie waren bo durch die Berluste im Falle Schappach gewarnt, die Ihr Kollege Lüders herbeigeführt hatte. Nun gab dieser selbe Herr Lüders ohne Ihr Wissen weitere 250 000 m. an eine Gruppe aus, über die Sie pofitiv nicht viel mußten. Ich halte es für ausgeschlossen, daß Sie gegen Herrn Lüders gar nichts unternommen haben, als Sie von diefem neuen Kredit hörten. Glauben Sie, Herr Nehring, daß in einer Privatbant eine solche Geschäftsführung vorkommen fönnte? Ihre Pflicht wäre es gewesen, sofort den Verwaltungsrat zu benachrichtigen. So unerfahren in geschäftlichen Dingen fonnten Sie doch wohl nicht sein, daß Sie nicht klar Ihre Pflicht zum Eingreifen erkannt. Die 250 000 m. find an Ezdorff in zwei Raten ausgezahlt worden. Hörten Sie nach der ersten Rate schon von der Kredithergabe? Nehring: Ich glaube, erst ganz zum Schluß. Bors.: Ist Ihnen denn nie das Gefühl gekommen, daß Herr Lüders vielleicht andere Interessen gehabt hat, wenn er Ihnen, seinem Mitdirektor und gewissermaßen doch dem Leiter des Unternehmens, folche Geschäfte einfach verschwieg. Angell. Nehring: Ich war ja auch nicht damit einverstanden und habe Lüders hinterher Borhaltungen gemacht. Borf.: Herr Nehring, fagen Sie doch die Wahrheit. Weshalb haben Sie als Beamter und Raufmann nach dieser Geschichte nicht einfach zu Lüders gesagt: Jegt hat es geschnappt, ich fann Dich nicht weiter deden." Der Angeklagte Nehring schweigt. Vorf.: Herr Nehring, man sieht, Sie ringen mit sich, fagen Sie doch die Wahrheit. Angell. Nehring( nach längerer Bauje): Ich hatte keinen Augenblick etwa die Anficht, daß Lüders nicht im besten Glauben handelte. Ich habe ihn auch zur Rede gestellt, daß er den Kredit über 250 000 Mart an Ezdorff und v. Carlowig gab, ohne daß Herr v. Sizewiß sich zur Deckung verpflichtet hatte. Uebrigens hat v. 3igemig später diese Verpflichtung übernommen. Bors: Im nächsten Monat, am 14. Mai, hat die LPA. der Gruppe 3izemiz dann einen dritten Kredit über 400 000 Mart eingeräumt. Damals mußten doch auch Sie schon flar sehen. Die drei jungen Herren, Ezdorff, Karstedt und Carlowitz hatten Ihnen damals erzählt, daß Herr v. 3igewig die notwendigen Hypotheken bekommen habe, die zur Rückzahlung der Kredite not wendig waren. Sie hatten behauptet, daß das Geld bereits auf einer Berliner Bant liege, eine Behauptung, die, wenn ich mich ganz gelinde ausdrücke, ohne jeden Rückhalt war. Hatten Sie nu noch immer fein Mißtrauen? Nehring: Gewiß, aber den Herren, die jetzt hier auf der Anflagebant figen, war es ja sehr peinlich, daß die Hypotheken auf die Güter des Herrn v. Zizewiß nicht recht flappten und mir wiederum war es peinlich, daß ich die Wechsel des Herrn v. Bizemiz Protest gehen lassen sollte, so daß nun die ganze Geschichte an die Deffentlichteit tam ลบ Auf der Pilzjagd. Geschenke hätte machen müffen. Die mitangeflagten beiden Mädchen wurden freigefproden, während der Bräuti. wurde zu 2 Jahren 3uchthaus, 3 Jahren Ehrverlust und 500 Marf Geldstrafe verurteilt. Wenn es auch, so hieß es in der Begründung, in dem Finanzamt anscheinend nicht ganz so zu gegangen fei, wie es sich gehöre, so müßten doch derartige Leute mie der Angeklagte aus der deutschen Beamtenschaft entfernt werden. Ein geheimnisvoller Mädchenmord. Wer ist der Täfer? Zur Aufklärung eines rätselhaften Mordes in Bremecu ist die Berliner Kriminalpolizei um Mitfahndung nach dem untetannten jugendlichen Täter ersucht worden. Am Sonnabend voriger Woche, den 12. d. M., fam eine 15 Jahre alte Wilhelmine Frerts aus der Mühlenburgftraße 17 in Bremen furz vor 10 Uhr abends mit ihrer jüngeren haus betreten wollte, fam ein junger Mann heran und ver Schwester von einem Ausgang zurück. Als sie gerade das Elternfegte ihr einen Stich ins Herz. Das Mädchen brach tot zusammen. Der Mörder enttam. Nach Aussage von Zeugen war er schon 3 oder 4 Wochen vorher eines Tages um 7 Uhr abends, von der Haftedter Heerstraße in die Mühlenburgstraße einlentend, hinter den beiden Mädchen hergegangen, ohne sie jedoch anzureden oder zu belästigen. Weshalb er nun vor 8 Tagen diese Tat ausführte, ist bisher noch unerklärlich. Die Bremer Kriminalpolizei rechnet auch mit der Möglichkeit, daß der Stich nicht dem getöteten Mädchen gegolten hat. Der Mörder, von dem man noch feine Spur gefunden hat, ist etwa 18 bis 20 Jahre alt, mittelgroß und schlank, hat ein blasses Gesicht, eine gerade Nase und angeblich mittelblondes Haar und trug einen grauen Schlapphut mit grauem Band, eine graue Jade, eine ähnliche vielleicht gestreifte Hose, eine Stridjade mit grasgrünem Knopfftreifen, die am Halfe zugefnöpft und deren grasgrüner Kragen über die Jade gelegt war und schwarze Stiefel. Der Verfolger hat einen eigenartigen schlotterigen Gang bei unstraffer Körperhaltung. Als Mordwerkzeug muß er ein 10 millimeter breites und 3 Millimeter dickes Instrument, wahrscheinlich ein Messer, be= nugt haben. Auf seine Ergreifung hat die Bremer Kriminalpolizei eine Belohnung von 1000 mart ausgesetzt. In Berlin nimmt Mitteilungen über sein Auftauchen die Diensstelle B. I. 14 im Zimmer 96a des Polizeipräsidiums entgegen. Der Jäger oder Angier kann keine tiefere Leidenschaft empfingam 9 Monate Gefängnis erhielt. Behrens selbst den in seiner Erwartung der Beute, als der Pilzjäger. Es gibt hier auch Sonntagsjäger, wie es Jäger und Angler für den Sonntag gibt. Es ist merkwürdig, wie Pilzsuchen die Menschen in seinen Bann zieht. Wer es einmal begonnen, den läßt es so bald nicht wieder los und die Herbstsonntage sind ihm dazu da, seiner Leidenschaft zu frönen. Mögen andere paddeln, tanzen, ringen, Fußball spielen, lässig spazieren gehen, ihn treibt es hinaus in den Wald, an seine sorglich geheim gehaltenen Stellen. Er flucht, wie ein Türke, wenn sie schon abgesucht sind, wird glühender Vertreter feines vermeintlichen Vorrechtes, was ihm aber nichts hilft. Wenn Blicke töten tönnten," um im Courths Mahler- Stil zu schreiben, würde das Leichenschauhaus einer Erweiterung bedürfen. So muß er andere Plätze suchen, natürlich ausgerechnet gibt sich dann überall die Familie Giftpilz ein Rendezvous. Knollenblätterpilze, Satanspilze, Gallenpilze und die leuchtendroten Fliegenpilze mit ihren Tupfen, aber feine echte", wie er in vollständiger Verkennung ihrer Eigenschaft behauptet. Echt sind sie schon, aber giftig. Wenigstens für den homo sapiens, manch anderem Getier bekommen sie ausgezeichnet. In Umfehrung des Schiffers im kleinen Kahn, der nur in die Höhe zur Loreley schaut, starrt er nur auf den Boden. Endlich ein Kuhpilz, noch einer und noch einer. Da eine Marone, ein Hutpilz. Sein giftiger Gesichtsausdrud verschwindet, er paßt sich der Süße der Pilze an. Dann wieder eine Weile nichts, nur Gift. Wundervoll, wie im gotischen Dom, streben die Buchen zum Licht und bilden Säulenhallen. Er gewahrt es faum, er wohnt sozusagen im Keller, der nur Schuhwerk und die mehr oder weniger verhüllten Beine fieht. Eichen stehen fnorrig da, Birken grüßen anmutig inmitten von Kiefern, er starrt auf den Boden. Da Birkenpilze, dort am Stamm einer alten Eiche ein riesiger fester Steinpilz. Das gibt seine erste stolze Freude, wie sie der Jäger wohl bei Sichten eines starken Rehbods empfinden mag. Er sucht die Gegend ringsherum ab, friecht unter jedes Gebüsch, wühlt in dem trockenen Laub, von starter Erwartung geschwellt. Nichts als ein paar Rehfüße und ein Waldchampignon. Dennoch, er sucht mit verdoppeltem Eifer weiter und sieht im Geiste eine ganze Steinpilzkolonie. So geht es fonn täglich Tausenden und abermals Tausenden. Nicht nur er" sondern auch fie" und die Kinder find angesteckt. Und es ist nicht zuerst die Rochtopffrage, sondern die Freude an der Spannung, die das Bilzesuchen zu einer solchen Leidenschaft macht. Doch auch der Pilzjäger muß waidgerecht sein, und die ungeschriebenen Geseze hochhalten. Nicht niedertrampeln, was er nicht mag. Auch die Giftpilze beleben den herbstlichen Wald. Und er muß seine Sache verstehen und nur die guten Pilze sammeln, die er wirklich kennt. Je mehr er mit erfahrenen Bilajägern zusammenkommt, um so mehr eßbare, fein schmeckende Sorten wird er fennen lernen. Für die ihm unbefannten Sorten, von denen die giftigen mun einmal feinen Toten topf tragen, muß er sich nach einem Thüringer Sprüchlein richten, das auch abgewandelt für die Pilze gelten fann: Schwarzbeerlein, bist du noch so schön, fenn' ich dich nicht, laff ich dich stehn." Amerikanische Bankräuber. Hohe Belohnung auf ihre Ergreifung. Eine Belohnung von 1000 Dollar hat die Regierung der Provinz Ontario auf die Ergreifung zweier Banfräuber ausgesetzt, die vermutlich nach Europa entkommen sind und jetzt auch in Deutschland gesucht werden. Es handelt sich um zwei Berbrecher namens William G. Murrell und George Ernst Norton, der auch Bat genannt wird. Diese beiden beraubten mit einem Bruder des ersten, Sidney Murrell, und einem John Williams am 11. April 1921 die Home Bant in der Nähe von London( Ontario) und schossen dabei einen Bantbeamten nieder. Sidney Murrell und John Williams wurden gefaßt und zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. William G. Murrell entfloh am 2. September 1921 aus dem Gefängnis zu London( Ontario), wo er mit seinem Bruder der Abherigen Ermittlungen ist anzunehmen, daß sich die beiden Flüchtlinge urteilung entgegengesehen hatte, auch Norton entkam. Nach den bis. let in Europa, vielleicht in Deutschland, unter falschem Namen auf halten. Die von der Regierung ausgeschriebene Belohnung von 1000 Dollar erhöht sich noch wesentlich durch Auslobungen von anderer Seite. Murrell ist 29 Jahre alt, 1,70 Meter groß und 150 Pfund schwer, hat dunkle Gesichtsfarbe, dunkelbraunes Haar, hafelnußbraune Augen und mehrere Tätowierungen, auf dem linten Arm einen Kopf, ein Bein, einen Stern, eine Schlange und einen Vogel, als anderes Kennzeichen eine Narbe auf dem rechten Handrüden. Norton ift 37-39 Jahre alt, 1,72-1,76 Meter groß und 160 Pfund schwer und hat hellblondes Haar, das er zuletzt lang und zurüdgetämmt trug. Er war Liniensoldat, Eisenbahnbeamter und Automechaniker. Die Belohnungen sind ausgesetzt für die Ergreifung oder für Mitteilungen, die zur Festnahme eines der beiden Verbrecher führen. Angaben über ihr Auftauchen an die Streife B. I. im Polizeipräsidium. Um den Margarinepreis. Träume brachten es an den Tag. Eine Bariante zu dem Wort:„ Die Sonne bringt es an den Tag" hat sich in dieser Woche in der nordböhmischen Kohlenstadt Brüg ereignet. Bor fast sechs Jahren war eines Tages ein bildschönes Mädchen, Maria Kolaret, die Geliebte des Bergmannes Josef Jetschny, in einer Kohlenspringe ertrunten aufgefunden morden. Derselbe Bergmann, der inzwischen mit einem anderen Mädchen in gemeinsamen Haushalte lebt, wurde nun über deren Anzeige und auf Grund von Nachforschungen diese Woche als mörderseiner ehemaligen Geliebten verhaftet. Jetschny, eine ge= walttätige Natur, hatte der jezigen Geliebten wiederholt gedroht, er werde sie umbringen, wie er seine Erste ertränkt habe. Auf die Reden hätte das Mädchen nicht so viel gegeben, wenn Jetschny nicht jahrelang in schweren Träumen laut über den Mordan der Kolaret gesprochen und sich so verraten hätte. Als der Rohling jeßt nach einem Streite das Mädchen fürchterlich zerschlua, raffte fie sich zur Anzeige bei der Behörde auf, und der weit zurück liegende Mord dürfte nun seine Sühne finden. Er setzte sein Leben ein. Arnsdorf, 22. September.( BTB.) In der vergangenen Nacht fuhr ein Automobil der Hannauer Papierfabrik bei Steudnih gegen eine geschlossene Schranke, die es zertrümmerte. Als der Bahnwärter die Trümmer der Schranke beseitigte, wurde er von dem heranbraufenden Schnellzug erfaßt und erlitt einen doppelten Beinbruch und Kopfverlegungen. Durch opferbereite Pflichterfüllung hat der Bahnwärter die Insassen des Schnellzuges Dor unübersehbarem Unglück bewahrt. Weiterreise der japanischen Flieger auf Donnerstag verichoben. Die japanischen Flieger, die ursprünglich schon heute wieder Berli verlassen wollten, haben ihren Start nach Paris auf Donnerstag verschoben. Gestern abend begaben sie sich unter Führung des Aero- Lloyd kennen zu lernen; fie flogen später mit einem Boſtflug. Hauptmanns Abe nach Staalen, um den Nachtflugbetrieb des zeug nach Hamburg. Zusammenstoß zweier estnischer Panzerzüge. Im Verlauf der gegenwärtig stattfindenden estnischen Manöver fam es zu einem schweren Unglüdsfall. Auf der Strede Walt- Reval stießen zwei Banzerzüge zufammen. Nach den bisherigen Meldungen sind fünf Zote und acht Berlegte zu beflagen. Jugendveranstaltungen. Abt. Pankow. Jugendheim Breitenr. 32. Heute abend 7% Uhr: Bortrag Polttische Tagesfragen". Referent: Genosse Franz v. Puttkamer. Arbeitersport. Der Bundesvorstand zu den Ruffenspielen. Die letzte Sigung des Bundesvorstandes des Arbeiter- Turnund Sport- Bundes" beschloß in der Sache der RussenfußballIn den letzten Tagen war in der Verbraucherschaft und in der spiele folgendes:„ Die Bereine, die gegen die Russenmannschaft Preffe das Gerücht verbreitet, daß eine Erhöhung der Marein Spiel ausgetragen haben, sowie die Leitung der Märtischen garine preise bevorstehe. Verhandlungen des Reichsminifte- Spiel- Beremigung, die Schiedsrichter und die Laienrichier, die riums für Ernährung und Landwirtschaft mit den Organisationen während der Spiele tätig waren, werden auf em Vierteljahr, vom der Margarine- Industrie und den maßgebenden Konzernwerfen 20. September bis 20. Dezember 1925, disqualifiziert. Das haben nun zu der Feststellung geführt, daß die Margarine- Industrie Spielverbot gilt für jede sportliche Tätigkeit. Erforderliche Auseine Breiserhöhung nicht beabsichtigt, folange die führungsbestimmungen werben noch bekanntgegeben. Von einem gegenwärtigen Lohnverhältnisse teine Beränderung erfahren.( Ausschluß der Vereine bzw. einzelner Mitglieder wird Abstand In diesen Verhandlungen hat das Ernährungsministerium die großen Konzerne der Margarine- Industrie und einige andere sogenannte freie Margarinewerte auch ersucht, im Interesse einer völlig freien Preisbildung mit dem Ziel der Preis fenfung die eft feßung der Kleinvertaufspreise für ihre Spigenmarken" fallen zu lassen. Das luftige Finanzamt. Sehr heiter muß es auf dem Finanzamt Luisenstadt zugegangen sein, wenn den Angaben des Finanzhilfsbeamten Georg Behrens Glauben zu schenken ist, der gestern wegen Amtsverbrechens vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte angeklagt war. Behrens war bei dem genannten Finanzamt beschäftigt und benutzte diese Tätigkeit dazu, sich aus den Bosteingängen Briefe anzueignen, die Schecks für das Finanzamt enthielten. Diese entnahm er den Kuverts und machte sie in der Weise zu Geld, daß er sie von einer seiner Freundinnen in der nötigen Form unterschreiben und dann von dem Bräutigam der einen, der auch einmal selbst die Unterschrift leistete, bei den Banken abheben ließ. Erhebliche Beträge fielen ihm dadurch in die Hände. Nach seiner Behauptung ist der 36jährige Angeklagte, der etwa bis vor einem Jahre ein wohlgefittetes Leben führte und unbestraft war, dadurch zu seiner Tat gelommen, daß er im Dienste das Trinten lernte. Wie er angab, vermittelte dort ein Beamter Käufe von einen und Lifören auf Kredit, was weidlich ausgenutzt worden fei. Infolgedessen hatten sich schon während der Dienst stunden große Bechereien entwickelt, so duß mancher schon am Vormittag betrunken gewesen sei. Diese Festgelage seien dann abends in Likörstuben fortgesetzt worden. Dadurch wollte der Angeklagte auch als verheirateter Mann zu feinen Freundinnen gekommen sein. Da er oft nachts ipät nach Hause fam, habe seine Frau nichts mehr von ihm miljen wollen, und so habe er mit Mädchen angebandelt, denen er genommen, doch wird in Zukunft jeder Verein und jedes Bundesmitglied mit Ausschluß bestraft, der gegen die Geseze des Bundes verstößt. Außerdem erhält der Arbeiterturnverein Fichte"-Berlin wegen Beteiligung des ausgeschlossenen Mitgliedes 2ieste an dem 35. Bereinsjubiläum sowie wegen seiner Bestellung als Referent eine strenge Berwarnung." Im weiteren Berlauf der Sigung wurde der geschäftsführende Ausschuß beauftragt, Umschau zu halten, ob das für 1928 geplante 2. Bundesfest durchgeführt werden kann. Der Bundestag soll für die Zeit vom 25. bis 27. Juli 1926 nach Hamburg einberufen werden. Städte- Borkampf Berlin- Braunschweig. Am Freitag standen sich im überfüllten Braunschweiger Konzert baufe die erste Bor- Rampfmannschaft der Sportlichen Bereinigung Nord- Ost" Berlin und der nordwestdeutsche Meister des AAB.„ Berein für Boltssport Braunschweig" gegenüber. Der Kampf endete mit 8: 8 unentschieden, jedoch entspricht dieses Resultat nicht dem Das Kampfgericht zeigte sich sehr parteiisch wirklichen Verlauf. zugunsten der Braunschweiger, und insbesondere erwies sich der Ringrichter als vollkommen unerfahren. Der Rückfampf wird in Berlin Saalbau Friedrichs hain am Montag, den 30. November d. I. stattfinden. Berliner Arbeiter- Schachklub. Die Abt. Lichterfelbe- Lantmis spielt jeben Dienstag abend 28 Uhr in Rattums feftfälen, Lichterfelbe, Bäfefir. 7. Die Jugendabteilung Arbeiter, fpielt Schach! Gäfte jeberzeit willtommen. Steglik hat fich mit der Abt. Friedenau- Steglik vereinigt und finbet der Spielabend jest jeden Dienstag 8 Uhr bei Richter, Felbstt. 8, statt. Sport- Club Surich 02, Mitglied des Arb.- Athl.- Bundes. Die Trainings abende der Borabteilung find ieht jeden Montag und Donnerstag von 128 bis 10 Uhr in der Turnhalle Bromberger Str. 13/14( 9ähe Stadtbahnhof War. fhauer Straße). Die Seber- und Ringerabteilung trainiert jeden Dienstag und Freitag von 8-10 Uhr in der Turnhalle Wrangelstr. 128( 9ähe Man teuffelstraße). Ccftballine Trainer gewährleisten eine gute Ausbildung. # Gewerkschaftsbewegung Das letztemal? erlitten, da die Organisierten meist nicht wieder eingestellt wurden. I betriebsweise Lohnforderungen zu ftellen. Sollten diefe Maßnahmen Es muß daraus die Lehre gezogen werden, daß es so wie bisher in der chemischen Industrie nicht weiter gehen fann. Die Organisierten fönnen sich von den Unorganisierten nicht diftieren lassen, um immer wieder die Leidtragenden zu sein. Man hatte die Hoffnung, daß es bis zum Ablauf des jetzigen Lohnabkommens mit dem Organisationsverhältnis anders aussehen würde. Die Arbeit der Funktionäre, die der Organisation neue Die RD. hat son mostau strengen Befehl, die mühsam richteten selbständigen Gewerkschaften zu„ liquidieren". Weil Ruth Fischer nicht schnell genug einschmentte, ist sie gegangen worden. Die Rote Fahne" muž also auch gegen Raiser und seinem Ber- Mitglieder zugeführt haben, soll nicht unterschäßt werden, aber die band angeblich ausgeschlossener Bauarbeiter auftreten, so sehr sie diesen bisher auch verhätschelt haben mag. Raiser, der offenbar übergeschnappt ist, ertiärt, die Stämpfe, die zum nächsten Frühjahr im Baugewerbe zu erwarten find, fönnen nur dann erfolgreich durch geführt werden, wenn alle Bauarbeiter jeiner Splitterorganisation beitreten. Die„ Rote Fahne" bemüht sich nun, diesen gemeingefährlichen Pathologen abzuschütteln, wobei fie freilich nur zeigt, wie eng liiert die KBD. mit diesen Feinden der gewertschaftlichen Einheitsfront ist. Sie schreibt: Angesichts dieser Behauptungen fönnen wir nicht umhin, ein ernstes Wort zu dem neuen Raisermanöver" zu sagen. Gemiß werden die fünftigen Bauarbeiterfämpfe nicht allein mit gefüllten Raffenschränten geführt. Das hat auch Kaiser eingesehen und deshalb die Hilfe der Jah., der kommunistischen Presse und der Fraktionen, Bellen und Bezirtsorganisationen der KPD. gern und aus= giebig in Anspruch genommen. Insbesondere die Rote Fahne", wenn fie auch teilweise die Beröffentlichungen des B. d. a. B., als den gemertschaftlichen Grundfäßen der APD. zumiderlaufend, ablehnte, hat in der Propagierung der Sammelaftion für die Streifenden Bauarbeiter ihr möglichstes getan. Wir erklären aber ausdrücklich, daß es das leztemal war, wenn Kaiser und seine Freunde weiterhin an seiner selbständigen Organisation um der Organisation und einiger Boften willen festhalten, und menn fie meiterhin versuchen follten, BGB.- Mitglieder und Unorganisierte auf Grund niedriger Beiträge zu geminnen. Zu dieser Krippenbeißerei Bachmann tontra Raiser einige Bemerfungen: Daß auch zum gemerffchaftlichen Kampf erstens Geld, zweitens Geld und drittens wieder Geld gehört, daß die Kaisertreuen erstens fein Geld, zweitens tein Geld und drittens wieder fein Gelb haben, ist eine Wahrheit, die sich jeder wirklich gemertschaftlich organisierte Bauarbeiter längst an den Schuhfohlen abgelaufen hat. Das hat die Rote Fahne" aber nicht gehindert, nicht nur während des Streifs, sondern vor allen Dingen vorher die Reflametrommel für die Ausgefchloffenen zu rühren. Als zwischen Bachmann und Kaifer der Krach losging- wenn das Futter fnapp ist, beißen die Bferde einander murde die Liebe der Roten Fahne" zu den Kaiserlichen wohl um einige Grade fälter, was sie aber nicht hinderte, während des Streits mit Bonne und in großer Aufmachung alle Auslaffungen des Kaiser abzudruden, die den Kampf irgendwie schädigen konnten. Und die angstschwizenden Hilferufe um Unterstützung mußten den Unternehmern ein sonderbares Bild von der Widerstandskraft der Bauarbeiter geben. Als die Stoßtrupps des Kaiser während des Kampfes gewalttätig gegen die Bauarbeiter vorgingen, die, ent sprechend einem Beschluß der Tariforganisationen( also auch der fommunistisch geleiteten Zimmerer) bei der Bauhütte" arbeiteten, da fanden sie den ungeteilten Beifall der ,, Roten Fahne". murde Und nun soll es das legiemal" gewesen sein! Und zwar hauptfächlich deshalb, weil Kaiser wie er das so gewohnt ist und gelehrt dem jegt auch Berbande der ,, Ausgeschlossenen die Beiträge sperrt. Nach der Erziehung zu den gewerkschaftlichen Grundsägen der KPD.": wie zahle ich möglichst niedrige Beiträge? die logische Schlußfolgerung: Wir zahlen überhaupt keine Beiträge mehr an den Verband.( Das Geld fann Raiser selber brauchen, zumal fein Organisationchen von dem legten Streit start mitgenommen wurde.) Aber wie wird uns? Als der Vorstand des Baugewertsbundes die Propagandisten der Beitragssperre beim Kragen nahm, da fonnte fich die Rote Fahne" nicht genug entrüften. Nun schreit sie selbst nach Beschlüffen, die nicht im Interesse Kaisers... liegen". Bird es wirklich das legtemal" fein, daß die Rote Fahne gegen die Gewerkschaften und für die Gewerkschaftszerstörer das Wort nimmt? Daß der B. d. a. 3. heute nicht viel beffer ist, als eine gelbe Drüdebergerorganisation, ftimmt. Das wird aber das Bolschemistenblatt nicht hindern, die Kaifertreuen wieder in feine Arme zu schließen, wenn diese bei einem Kampf den Unternehmern Handlangerdienfte leisten. Lohnbewegung in der chemischen Industrie. Die Arbeiterschaft muß sich fammeln zum Vorstoß. In einer vom Fabritarbeiterverband einberufenen Bersammfung der chemischen Arbeiter am Montag im Gewerkschaftshaus fprach Reimann über die Lohn- und Organisations: verhältnisse in der chemischen Industrie. Er gab einleitend einen Bericht über die Entwicklung der Löhne in diesem Jahre und die Wirkungen der Einzelstreits. Bei Beginn diefes Jahres betrug der Tariflohn 58 Pf. Er wurde im Jamuar auf 62 Bf. erhöht. Als dieses Lohnabkommen im März ablief, fonnte megen des äußerst schlechten Organisationsverhältniffes ein höherer Lohn nicht durchgedrückt werden. Um menigstens einzelnen Betrieben die Möglichkeit zu geben, einen höheren Lohn durchzulehen, schloß die Organisation feinen neuen Tarif ab, sondern ließ tariflos arbeiten. Der tariflose Zustand erwies sich aber bald als ein Geschent an die Unternehmer, da die Arbeiter überall für die alten Löhne weiterarbeiteten. Im Mai murde ein neues Lohnabfommen abgeschlossen, das eine Lohnerhöhung von 4 Pf. vorsah und bis zum 6. Oftober gilt. Während der Laufzeit dieses Abkommens tam es infolge der eingetretenen Teuerung in einigen Betrieben zu Arbeitseinstellun gen, um außertarifliche Teuerungszulagen zu erhalten. Die Be wegungen verliefen mit ganz geringen Ausnahmen ergebnis. Los. Dies war auch vorauszusehen, da in den streitenden Betrieben die übergroße Mehrzahl der Beschäftigten un organisiert war. Durch die Bewegungen haben die Organisierten den größten Schaden Siegmund Flatows FLORA 66 Schöneberg, Hauptstraße 144 Täglich 8 Uhr: = 11 erstklassigo=== Varieté Attraktionen Vkstümliche Preise Sonntags 4 Uhr: Kleine Preise. Alle 15 Tage neues Programm. Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb, sozialer Banbetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Former her: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf alle: elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sandl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Massen der chemischen Arbeiter flehen der Organisation noch fern. Die von den einzelnen Betrieben verlangten Erhöhungen des Lohnes von 66 Bf. auf 80 f. oder 1 M. sind der Lebenshaltung entsprechend nicht zu hoch gegriffen. Ob die Organisation diese Forderungen durchfezen tönnte, ist eine andere Frage. Es zeigt sich alltäglich, daß sich das Lohnniveau einer Industrie immer nach dem Organisationsverhältnis richtet. Die Organisation wird jedenfalls versuchen, zu erreichen, was nur irgend möglich ist. Sie verbittet sich aber schon heute jede Kritik der Unorganisierten. Nach einer regen Diskussion wurde eine Entschließung im Sinne des Referats einstimmig angenommen. Schiedsspruch im Schriftgießerstreik. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde im Schrift gießerstreif folgender Schiedsspruch gefällt: 1. a) Der Spizenlohn für einen gelernten Arbeiter über 24 Jahre beträgt ab 23. Eeptember 1925 49,44. wöchentlich, d. h. 1,03 m. arbeitsstündlich. Die Lohnfäge für die übrigen Klassen erhöhen sich entsprechend. b) Für die Stücklohnarbeiter wird vom 23. September 1925 ab, die Grundgebühr für die höchste Altersklasse wöchentlich um 4,32 m., für die übrigen Klassen entsprechend erhöht. 2. Für die Arbeitnehmer, die noch Anspruch auf Urlaub haben, wird der Urlaub entgegen den tariflichen Bestimmungen ausnahms. weise abgegolten und zwar in Höhe von 50 Proz. des dem Einzelnen zustehenden Urlaubsgeldes. Dieser Betrag ist je zur Hälfte am ersten und zweiten Lohnzahlungstage nach Arbeitsaufnahme des Einzelnen 3. a) Bei den Betrieben oder Betriebsabteilungen, die neue Arbeitsträfte bisher nicht eingestellt haben, werden alle früheren Arbeitsträfte am 23. September 1925 wieder eingestellt. b) Bei den übrigen Betrieben oder Betriebsabteilungen wird die Arbeit so schnell und soweit mieder aufgenommen, wie dies die betrieblichen und wirtschaftlichen Verhältnisse irgend gestatten. Die Wiedereinstellung soll möglichst am 23. September 1925 beginnen und spätestens bis zum 21. Oftober 1925 beendet sein. Für die bis gum leggenannten Zeitpunkt wieder Eingestellten gelten die Urlaubsfriftbestimmungen nach Bunft 2 diefes Schiedsspruches. Maßregelungen aus Anlaß der Arbeitsunterbrechung dürfen nicht vorgenommen werden. Die Durchführung der Wiederaufnahme der Arbeit und des Ingangöringens der Betriebe hat in entgegenkommender, auf spätere reibungslose Zusammenarbeit abzielende Weise zu erfolgen. Das Arbeitsverhältnis der Wiedereingestellten gilt als nicht unterbrochen. Mit der Beilegung etwaiger Streitigkeiten zwischen einzelnen früheren Arbeitnehmern und Arbeitgebern über die Frage, ob Mazregelung vorliegt, werden die örtlichen Tarifschiedsge= richte als Sonderschiedsgerichte beauftragt. Zur Leitung haben die örtlichen Tarifparteien einen unparteiischen Borsigenden zu wählen; sollten sie sich über die Person des unparteiischen Vorsitzenden nicht einigen, so ist der örtliche Schlichter um Bestellung des Borfizenden zu bitten. Die Sonderschiedsgerichte fünnen von den einzelnen früheren Arbeitnehmern oder Arbeitgebern nur bis zum 4. November 1925 einschl. angerufen werden. Sie entscheiden für den Fall, daß eine Einigung nicht zu erzielen ist, möglichst binnen 8 Tagen nach Anruf über die bezeichneten Streitfälle endgültig und bindend. Die gegen eine Firma eingebrachten Beschwerden sind von den Sonderschiedsgerichten zufammen zu behandeln. 4. Bei Bedarf an Arbeitskräften sind in erster Reihe die vor der Arbeitsunterbrechung beschäftigt geweſenen Arbeitsfräfte gleicher Art zu berücksichtigen. Hierbei haben Arbeitsfräfte, die aus Anlaß des derzeitigen Streits gerichtlich rechtsgültig bestraft worden sind, eder gegen die ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft noch fchwebt, auf Wiedereinstellung feinen Anspruch. 5. Die vorstehenden Regelungen gelten bis zum 31. Dezember 1925, soweit nicht andere Fristen vorgesehen sind." * Wie wir erfahren, ist der Schiedsspruch von beiden Parteien angenommen worden. Damit ist der Streit, der zwölf Wochen währte, erfolgreich beendet. Die Unternehmer hatten jede Lohn erhöhung abgelehnt; durch den Streit ist eine Lohnerhöhung von rund 10 Proz. erzielt worden. Es ist zu hoffen, daß die Unternehmer aus diesem Streif die notwendige Lehre ziehen und nicht den vergeblichen Versuch machen, durch die Streifbrecher die Konflittsatmosphäre zu verlängern. Die Arbeiterschaft kehrt ebenso geschlossen und entschlossen in die Betriebe zurück, wie fie fie vor zwölf Bochen verlassen hat. Sie wird feine, auch feine verstedte Maßregelung dulden. Lohubewegung der Glaser. In einer Bersammlung der Glaser am Montag im Gewert schaftshaus berichtete Burfürst über die Lohnverhandlungen. Die Glaser hatten ihre Organisation beauftragt, das am 17. September ablaufende Lohnabfommen zu fündigen und eine Erhöhung ihres Lohnes von 1,25 auf 1,50 M. zu verlangen. In den Verhandlungen mit der Glaserzmangsinnung am Donnerstag voriger Woche fonnte eine Einigung nicht erzielt werden. Die Unternehmervertreter behaupteten, daß der jetzt gezahlte Lohn durchaus den Lebenshaltungsfoften entspreche. Sie erklärten, im Laufe des Oftober zu neuen Berhandlungen bereit zu sein, wenn die am 1. Ottober in Kraft tretenden Zölle eine Teuerung hervorrufen sollten. Wegen dieses Standpunktes der Unternehmer cheiterten die Verhandlungen. Nach eingehender Diskussion beschloß die Versammlung, in einigen Betrieben fofort Betriebsversammlungen einzuberufen und Hausmusik auf Kredit! Erstkl. Sprechapparate mit Plattenzugabe Nur geringe Anzahlung und kleinste Rate Platton aller Marken zu Listenpreisen in großer Auswahl Fordern Sie kostenlosen Prospekt ein oder besichtigen Sie meine Vorführungsräume TOR 9 bis 7 Uhr( auch Sonnabends) Musikhaus E. Feldhammer Berlin$ 42, Ritterstr. 34 Donhoff 2334 Telephon: A. Beheim- Schwarzbachs Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Eggert) Heukölln, Anmeldung. Ganghoferstr. und Berliner Str. 22( Privatwchnung) Beginn neuer-Jahres- und JahresLehrgänge. 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September in der zweiten Septemberwoche eine wesentliche Entlastung ihrer Geldverhältnisse dadurch, daß für 78,4 Millionen Marf Privatwechsel zurüdgezahlt und für 20,5 Millionen Wechsel von öffentlichen Stellen angetauft wurden. Auch die Lombarddarlehen zeigten einen kleinen Rüdgang. Infolgedessen flossen 145,9 millionen Reichsmart an Geldscheinen in die Kaffen der Reichsbank zurück, und der Notenumlauf verminderte sich auf 2413,3 Millionen Mart. Auch an fremden Geldern flossen der Reichsbant erhebliche Beträge zu. Die umlaufenden Noten wurden am 15. September zu 47,4 Broz. in Gold allein und zu 61,2 Proz. in Gold und Devisen zusammen gedeckt. 11 Seehandlung und Zinsabbau. Ueber den Reichsverband der Deutschen Industrie" wird bekannt, daß die Preußische Seehandlung infolge der Verbilligung der Post- und Reichsgelder in den letzten Tagen begonnen hat, erste Warenwechsel zu einem um etwa Proz. verbilligten Sage aufzunehmen. Es ist erstaunlich, daß die deutsche Deffentlichkeit von einer solchen Maßnahme über den Reichsverband der Deutschen Industrie und nicht von der Preußischen Seehandlung selbst Kenntnis erhält. Wenn es auch befannt ist, wie sehr die Geehandlung in Mißachtung ihres öffentlichen Charakters verstedt und offen vielmehr den privatwirtschaftlichen als den öffentlichen Interessen die Stange hält, so ist es doch höchste Zeit, daß die Seehandlung Veränderungen ihrer Konditionen öffentlich bekanntgibt, wie es sich für ein staatliches Bank. institut gebührt. Wie man angesichts der relativen Geringfügigkeit der für Wirtschaftskredite verfügbaren öffentlichen Mittel erwarten fonnte, ist die von der Seehandlung durchgeführte Kreditverbilligung, die übrigens mur ersten Warenwechseln und den Banken zugute fommt, natürlich minimal. Selbst wenn die Privatbanken ihrerseits der Seehandlung folgen würden, fönnte von einer KreditDerbilligung, wie sie die Luthersche Kreditkostensentung will, feine Rede sein. Ein Zinsabbau im Sinne der Verkleinerung der Zins fpanne ist eben nur möglich, wenn sie durch eine Disfont. erhöhung der Reichsbant oder durch eine ernsthafte Kreditkonkurrenz der öffentlichen Banten gegen. über den Konditionskartellen der Privatbanken erzwungen wird. zentige Kreditverbilligung bei der Seehandlung aber nicht entfernt Wir haben beides seit Monaten gefordert. Leider dürfte die proals Konkurrenzmaßnahme aufzufaffen sein, so daß man sich, so be grüßenswert der Schritt zu sein scheint, von ihm keinerlei Erfolg wird versprechen dürfen. Erhöhung der Kalipreife? In der Generalversammlung des Gumpelfonzerns ertlärte Herr Kommerzienrat Gumpel, daß demnächst eine Kalipreiserhöhung eintreten müsse. Die Preisfrage werde in nächster Zeit noch viel erörtert werden. Dem gegenüber wollen wir daran erinnern, daß roch vor etwa 6 Wochen das Kalijyndikat erklärte, daß vor dem Herbstgeschäft selbst mit einer mäßigen Preiserhöhung noch nicht zu rechnen" sei. Diese Formulierung schließt in sich, daß damals eine Preiserhöhung für den gegenwärtigen Augenblic offenbar noch nicht geplant war. Es ist mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß eine Preiserhöhung des Synditats den öffentlichen Interessen und insbesondere den Interessen der Landwirtschaft außerordentlich schädlich sein müßte. Sorgfältige Untersuchungen von landwirtschaftlicher Seite haben bereits gezeigt daß die zunehmende Verwendung von verarbei teten abritaten der Kaliindustrie an Stelle der Rohsalze eine Vers teuerung für Reintali bedeutet, die in vielen Fällen die Berwendung von Rali in verarbeiteter Form bereits bei den heutigen Preisen faum rentabel erscheinen läßt. Da jedoch die Landwirte sich nun einmal daran gewöhnt haben, Fabrikate statt der Rohsalze in steigendem Maße zu verwenden, bedeuten diese Untersuchungen, daß bei einer Breiserhöhung die Verwendung von Kali als Düngemittel stark zurüdgehen müßte. Diese Gefahr läge um so näher, als im Augenblick die Getreidepreise sinkende Tendenz aufweisen, so daß das rechnerische Verhältnis zwischen Düngemittelaufwand und landwirtschaftlichem Ertrage sich ohnehin zu ungunsten des Landwirts rerschiebt. Immerhin wird man hoffen dürfen, daß der Plan einer Breiserhöhung innerhalb der Kaliindustrie selbst auf starken Widerstand stoßen wird. Gründung eines Drahtseilverbandes. Die Verhandlungen zur Bildung eines Drahtseilverbandes haben nunmehr zu einem Er gebnis geführt. Wie die„ Kölnische Zeitung erfährt, wurde auf ber in Düsseldorf abgehaltenen Versammlung grundfäßlich die Gründung des Drahtseilverbandes G. m. 5. H. beschlosse. 10- Millionen- Dollar- Anleihe Bremens. Zwischen der Finanz deputation der freien Hansestadt Bremen und einem unter rung der Guarantee Trust Company New Jort mit der J. F. Schroeder- Bant Kommanditgesellschaft auf Aktien Bremen, der Berliner Handelsgesellschaft Berlin und den Herren M. M. Warburg u. Co. Hamburg gebildeten Konsortium ist heute der Vertrag über eine siebenprozentige Anleihe in Höhe von 10 Millionen Dollar mit einer 10jährigen Laufzeit zum Abschluß gekommen, die an der New Yorker Börse, sowie in Holland, der Schweiz und England zum Kurse von 943 Pro3. aur Zeichnung aufgelegt werden soll. Berantwortlich für Bolitik: Graf Steuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebz. Calorn; Feuilleton: 2. H. Döfer; Lokales und Sonstiges: rig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich) in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Vaul Singer u. Co., Berlin E. 68, Lindenitrake 8. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Riefenauswahl in allen Preislagen herrliche Mufter Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, fein Laden. ( Ringfret, baher konkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. Gegr. 1691. tepp: n. Daunen- Decken am preiswertesten, bestes Fabritat. 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