Str. 44942. Jahrg. Ausgabe Nr. 229 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart poraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Volk und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen* das fettgedruďte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erite Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen file amei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. 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Oftober werden einem intensiven und heftigen Wahlkampf gewidmet sein müssen, in dem die Sozialdemokratie in der Lage sein wird, ihre politischen Auffassun= gen gegen den Ansturm ihrer Gegner von rechts und links erfolgreich durchzusetzen. Ein Blick in die gegnerische Presse genügt, um zu sehen, mie sehr sich die Sozialdemokratie dabei nach den Rückschlägen der Inflationszeit wieder in der Offensive befindet. Nur der unfeligen 3ersplitterung vergangener Jahre fonnten die bürgerlichen Parteien es verdanken, daß in das Berliner Note Haus eine, wenn auch knappe bürgerliche Mehrheit einzog. Heute herrscht in allen bürgerlichen Parteien, am ausgesprochensten bei den Rechtsparteien, die Ueberzeugung vor, daß der Wahlfieg von 1921 der legte gewesen ist, der unter der einfältigen und furzsichtigen Parole: Bürgerblod gegen die Sozialdemokratie! geführt werden fonnte. Bor vier Jahren mochte man noch eingeschüchterten Spießbürgern einreden, daß die Herrschaft der Sozialdemo= fratie eine Art Weltuntergang für Berlin bedeuten mürde, und daß nur eine bürgerliche Mehrheit imstande sei, solches Unheil abzuwenden. Bier Jahre bürgerliche Mehr heit im Rathaus haben die vollkommene politische Unfähigkeit dieses Bürgerblods gezeigt, dessen einzige fchöpferische Leistung" die Wahl des Herrn Dr. Caspari zum Vorsteher und der Abbau sozialdemokratischer Stadiräte gewesen ist. Bier Jahre bürgerlicher Mehrheit haben zur Genüge gezeigt, was es mit der albernen Redensart von angeblich sozialistischer Mißwirtschaft auf sich hatte, haben gezeigt, daß wirkliche aufbauende Arbeit für die Ge meinde nur im Bunde mit der Sozialdemokratie und gestützt auf die von ihr vertretene Politik geleistet werden kann. " 1 Der Berliner Stadtstaat ist ein solches Reservoir mirtschaftlicher und politischer Energien, daß der Kampf um die Beherrschung seiner Verwaltung geeignet ist, alle politischen Kräfte zur Entfaltung zu bringen. Die Riesenhauptstadt mit ihren Millionen Menschenmassen und der Fülle ihrer wirtschaftlichen, sozialen und fulturellen Beziehungen schafft für eine moderne, fortschrittlich gesinnte Kommunalverwaltung ausgedehnte Zukunftsmöglichkeiten. Die im Verhältnis zu ausländischen Hauptstädten immerhin noch leidlich ausgedehnte Selbstverwaltung gibt die Möglichkeit einer umfassenden und schöpferischen Betätigung für die Stadtverwaltung und für die Parteien, die hinter ihr stehen. Das Bürgertum ist niemals die Furcht los geworden, daß die Arbeiterbewegung in diesem Riefentompleg die Möglichkeit ungehinderter Entfaltung erlangen fönnte. Uebertrüge man sich nur in Gedanken die politischen Machtverhältnisse der Wiener Gemeindeverwaltung auf Berlin, so würde die moralische Rüdwirtung einer solchen Machtposition der sozialistischen Arbeiterbewegung auf das ganze Land eine ungeheure sein. In Berlin war die Sozialdemokratie bisher dazu verurteilt, als Minderheitspartei ihre Schöpfung Groß- Berlin zu verteidigen. Sie hat diese Aufgabe mit einem Mut zur Verantwortlichkeit gelöst, den selbst die Gegner gelegentlich wider Billen haben anerkennen müssen. Sie muß aber darum kämpfen, daß durch eine sozialdemokra tische Mehrheit im Roten Haus die Borbedingungen für einen wirklich modernen Aufbau unserer Berliner Berhältnisse geschaffen werden. Dazu zwingt sie vor allen Dingen vollständige un zuverlässigteit aller bürgerlicher Parteien. Das fleine 3entrum tommt bei grundlegenden Entscheidungen faum in Betracht. Die Berliner Demotraten stehen unter einer ausgesprochenen Rechtsführung. Nur unter dem Druck der sozialdemokratischen Taftit sind sie im Rat haus gezwungen worden, ihre Beziehungen zu den Rechtsparteien gelegentlich etwas zu lodern. Nach wie vor werden fie aber von dem primitivften Sozialistenhaß beherrscht. Auch in diesem Wahlkampf haben sie wieder die lächerliche Parole ausgegeben, daß eine sozialistisch- kommunistische Mehrheit unter allen Umständen verhindert werden" müsse. Die Demokraten wissen natürlich ganz genau, daß eine fozialdemokratisch- kommunistische Mehrheit als solche so lange attionsunfähig fein würde, folange die Kommunisten eben Rommunisten sind und nicht den Willen haben, die politische Verantwortung für die Verwaltung der Gemeinde zu übernehmen, den Berliner Etat zu bewilligen und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zu | arbeiten. Die Redensart von der zu bekämpfenden Gefahr| Haltung der Volkspartei, die sich immer als geistige Führerin einer sozialistisch- kommunistischen Mehrheit ist nur eine Ablenfung für die eigene, im Grunde genommen antitom munale, betont privatwirtschaftliche Einstellung der Demokraten. Sie unterscheiden sich darin nur in Nuancen = Jm Kampf um Berlin des Bürgerblods betrachtete, in vorsichtiger, aber doch deutlicher Form Ausdruck gegeben. Sie malt, genau wie die Demofraten, das rote Gespenst an die Wand: " Wer in der Sozialdemokratie die Partei sieht, die die Revolution abgefangen habe, die als Trägerin des neuen republikanischen Staatsgedankens zur pofitiven aufbauenden Arbeit in erster Linie berufen sei, mag sich mit solcher Entwicklung abfinden können. Wer aber erkannt hat, daß die Sozialdemokratie ihren Einfluß auf die Massen im wesentlichen durch Entfesselung materieller Triebe ge= wonnen hat, daß sie diese Massenleidenschaften nicht beherrscht, sondern von ihnen beherrscht wird, daß sie als Klassenkampfpartei notwendigerweise dem Staatsgedanken in seiner Totalität wesensfremd gegenübersteht, der muß fürchten, daß die sozialistische Parteiherrschaft über Berlin zu den schwersten Konflikten mit zum Kampf aufgerüttelt und mit dem nötigen Rüstzeug für ihn der Staats- und Reichsgewalt führen muß und daß, ausgestattet werden. Die legte Septemberwoche ist erfahrungsgefalls Reich und Staat nicht start genug sind, die Konflikte durch mäß die Zeit, in der die Werbung neuer Leser den größten Erfolg Ausdehnung der eigenen Machtbefugnisse zu beenden, eine erneute perspricht. Diese Zeit bis zum äußersten auszunutzen, ist Ehrenpflicht schwere Erschütterung des Staatsgefüges bevoriebes Parteigenoljen! fällt am 1. Oftober eine Vorentscheidung. Der Ausgang der Wahl hängt davon ab, wieviel Berliner durch den Vorwärts Genossinnen und Genoffen! Bollt Ihr, daß am 25. Oftober über der Hauptstadt der Deutschen Republik die roten Fahnen der Sozialdemokratie wehen, wollt Ihr den Sieg, dann werbt für den 44 ,, Vorwärts" von der rein privatkapitalistisch orientierten Politik der beiden Rechtsparteien, die mit allen Mitteln die Entfaltung der Kommunalwirtschaft befämpfen wollen, die ihre einzige Aufgabe nur darin sehen, als Bremsflöge an der Berliner Entwicklung zu wirken. Die Tägliche Rundschau" hat dieser antisozialistischen steht." Jeder Satz der hier gegen die Sozialdemokratie gerich teten Bemerkungen müßte in Wirklichkeit gegen die Intereffentenpolitik der Rechtsparteien gerichtet werden. Sie sind es, die aus der Entfeffelung der materiellen Triebe" tapitalistisch maßgebender Schichten ihre politischen Kräfte ziehen. Sie sind es, die als bewußte Bertreter privater Interessen den Notwendigkeiten des Gemein mesens feindlich gegenüberstehen, die, genau wie im Reich und in den Ländern, so auch in Berlin immer die Gemeinde bekämpft haben und bekämpfen werden, die das stumpfsinnige Schlagwort von der roten Gefahr" nur gebrauchen, um ihrer privaten wirtschaftsautotra= tischen Auffassung den allein felig machenden Nimbus zu erhalten. In diesem Sinne gilt der Berliner Wahlkampf Deutschnationale Entschließung. Vaterländische Kundgebung.- Vertagte Kabinetissigung. Der Parteivorstand der Deutschnationalen hat gestern zusammen mit den Landesverbandsvorsitzenden gelagt. Nach Reden des Parteivorsitzenden Windler und des Frattions vorsigenden Grafen e starp wurde mit wieviel Stimmen, wird nicht gefagt- folgende Entschließung angenommen: Parteivorstand und Landesverbandsvorsitzende der Deutsch nationalen Volkspartei billigen die Ausführungen, die die Vorsigenden der Partei und der Reichstagsfraktion sowie der Reichsminister des Innern Schiele über die programmatische Stellung nahme zur gegenwärtigen außenpolitischen Lage gemacht haben und geben ihre Zustimmung zu der hiernach zu führenden Bolitik der Reichstagsfraktion. Das ist eine Entschließung. Ist es aber auch ein Entschluß? Man hat die Reden von Winckler, Weftarp und Schiele gutgeheißen, aber was in diesen Reden ausgeführt wurde, wird mit feiner Silbe gesagt. Die deutschnationalen Parteigänger erfahren, daß ihre Instanzen wieder einmal einig sind, aber worauf sie sich geeinigt haben, das erfahren sie nicht. Immerhin läßt die Einfilbigkeit, um nicht zu sagen die Geschämigkeit der deutschnationalen Entschließung den Schluß zu, daß man zum ilm fall entschlossen ist. Inzwischen haben die ,, Vaterländischen Berbände" eine Rundgebung losgelaffen, die auch vom Stahlhelm und vom Kyffhäuserbund mitunterzeichnet ist. Darin heißt es: Will eine deutsche Regierung wiederum in Verhandlungen mit den Feinden eintreten, ehe die Lüge von der Schuld Deutschlands am Kriege beseitigt ist? Wollen Deutsche freiwillig den Anspruch auf deutsches Land aufgeben? Wollen Deutsche, daß wir im sogenannten Bölfer. bunde, dieser Fortsetzung der Kriegspolitik der Ententemächte, in neue Fesseln gelegt werden? Wollen Deutsche in einem Völkerbund mitarbeiten, der täglich die Rechte deutscher Minderheiten in den uns entriffenen Ländern und im ganzen deutschen Sprachgebiet mit Füßen tritt? Wir rufen allen Deutschen in dieser Stunde zu: Wir wollen nicht Berräter an unseren unerlöften Brüdern und nicht Verräter werden an uns selber. Wir wollen nicht ein neues freiwilliges Berfailles! Kennzeichnend ist, daß Kreuz- Beitung" und ,, Deutsche Beitung" diesen Aufruf an leitender Stelle feierlich und tommentarlos wiedergeben, während die. Deutsche Tageszeitung", die beim Rückzug die Führung übernommen hat, für die Veröffentlichung eine weniger auffälüge Stelle wählt und den aufgeregten Brüdern einige talte Kompressen verabreicht. Wohl seien die schweren Sorgen der ,, Vaterländischen" begreiflich, andererseits aber hingegen Auf der anderen Seite läßt sich aber praktische Politik nicht allein mit noch so berechtigten Stimmungsmomenten machen. Die verantwortlichen Staatsmänner tönnen nicht immer den direkten und scheinbar fürzesten Weg gehen. Diesem Swang hätte die vorstehende Erklärung der Vereinigten Baterländischen Verbände unserer Ansicht nach in stärkerem Maße Rechnung tragen sollen. So kann sie gerade in vaterländischen Kreisen zu Mißverständnissen führen. Die befürchteten Mißverständnisse bestehen offenbar darin, daß die Baterländischen" in ihrem löblichen Eifer außer Herrn Stresemann auch Hindenburg, Schiele, Neuhaus, Schlieben, Raniz, estarp, Windler usw. als Berräter" abtun könnten. 11 Das Kabinett hat gestern seine vorgestern unterbrochenen Beratungen nicht wieder aufgenommen. Es tritt erst heute wieder zusammen, um die sehr verschiedenen deutschnationalen und„ vaterländischen Kundgebungen" mit gerechten Händen gegeneinander abzumägen. Die Szene wird zum Kasperltheater. * Am späten Abend meldet schließlich WTB.: Im Laufe des heutigen Tages fand eine Reihe von Erörterungen zur Vorbereitung des morgigen Ministerrats statt. Der unter Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten stattfindende Kabinettstat ist für Donnerstag in Aussicht genommen. Zu Freitag sind die Ministerpräsidenten der Länder zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen; der Auswärtige Ausschuß wird am Sonnabend um 10 Uhr zusammentreten. den Kräften des Bürgertums, die, mie sie früher politisch feine Fortentwidlung wollten, so jezt auch auf wirtschaftlichem Gebiet und auf dem Gebiet der Kom munalpolitik nur die Kräfte des Beharrens und des Widerstandes gegen eine neue Entwicklung verförpern. hingewiesen wird, die durch ben norliegenden Gesetzentwurf ent stehen können. Gerade in Thüringen, das bisher die Gemeinschaftsschule besaß, mürde sich die Durchführng des Reichsschulgesetzentmurfes in geradezu tatastrophaler Weise auswirken. Die sozialde mokratische Fraktion richtet deshalb an die Regierung die Anfrage, welche Stellung fie bei den bereits stattgefundenen Verhandlungen der Länderregierungen über den vorliegenden Entwurf ein genommen hat und ob sie bereit ist, die geplante Zerschlagung und genommen hat und ob sie bereit ist, die geplante Serschlagung und Berkirchlichung der Staatsvolksschule abzumehren. Die Krise im Zentrum. Unendlich sind die Aufgaben, deren Lösung in der großen Berliner Verwaltung in Gegenwart und Zukunft von uns erheischen. Sie lassen sich nur lösen, wenn die Berliner Berwaltung von einer Partei gestützt wird, die keine anderen Interessen, als allein die des Gemeinwesens tennt, die nicht privaten, sondern nur öffentlichen Intereffen dienen will. Die Sozialdemokratie weiß, daß sie allein diefer großen Aufgabe gewachsen ist. Sie wird den Wahlkampf als eine Etappe für die Erreichung dieses Zieles führen. Sie wird mit dem Bürger blod genau jo gründ- chluß der Bayerischen Boltspartei an das Zentrum lich abrechnen wie mit der fommunistischen Demagogie und Verantwortungslosigkeit. Sie muß und wird über beide Gegner den Sieg erringen, damit die Berliner Die Haltung der Bayerischen Volkspartei. München, 22. September.( Cigener Drahtbericht.) Der Anbildet ein ständiges Thema in der Presse der Bayerischen Volkspartet. Deren führendes Münchener Organ, der Bayerische Kurier", nimmt nunmehr auch Stellung zu den Erklärungen, die 2. gefeßliche Sicherstellung eines bezahlten Urlaubs pon 3 Bochen für alle erwerbstätigen Jugendlichen bis zum 16. Lebens jahr und von 2 Wochen bis zum 18. Lebensjahr: 3. Reform der beruflichen Ausbildung unter Bes rücksichtigung der wiederholt von den Organisationen der arbeitenden Jugend gestellten Forderungen hinsichtlich der Begrenzung der Höchstdauer der Lehrzeit auf drei Jahre, Heberwachung der Berufs ausbildung durch paritätische Kommissionen und Anerkennung des Rechts der Gewertschaften auf Festlegung der Arbeitsbedingungen für Lehrlinge in den Tarifverträgen. Von den Gewerkschaften und der Partei wird erwartet, daß sie feine Mittel unversucht lassen, diesen Forderungen zum Recht zu verhelfen." Der Streit um die Kölner Zone. Räumung bis Mitte November beschloffen? & öln, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Das& ŏIaer Tageblatt" berichtet am Dienstag unter der Ueberschrift Arbeiterschaft endlich in die Lage versezt wird, zu zeigen, daß Marg vor furzem zum Fall Wirth einem Bertreter der Hohen. Räumung Kölns Mitte November" u. a. folgendes: Bel den Juzu schaffen und zu erhalten, sondern auch zu einer Must er bei das Zentrum als ausgesprochene Mittelpartei charakterisiert und giens in Genf und anläßlich der jüngsten Berichterstattung Briands gemeinde auszubauen. Echt national. Großagrarier und Polenausweisungen. Als die polnische Regierung von dem unmenschlichen, aber juristisch nicht anfechtbaren Mittel der Optanten ausweisungen Gebrauch machte, fonnte sich die Presse der Deutschnationalen, der Landbündler und der Bölfischen nicht genug daran tun, nach Gegenmaßnahmen zu schreien. Wie diese Gegenmaßnahmen da aussehen, wo die Deutsch nationalen mit Hilfe der Völtischen regieren, zeigt folgende Verfügung des deutschnationalen thüringischen Innenministers Sattler: „ Es ist mit tunlichster Beschleunigung festzustellen und zu berichten, wieviele polnische Staatsangehörige in der dortigen Gemeinde bzw. im dortigen Landgendarmeriebezirk vor handen sind, deren Ausweisung aus dem Reichsgebiet auf Grund von gerichtlichen Bestimmungen wegen Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege oder wegen staatsfeindlicher Betätigung erfolgen fönnte. Polnische Landarbeiter sind mit Rücksicht auf den derzeitigen Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften hierbei außer Betracht zu laffen. Die Angelegenheit ist vertraulich zu behandeln." Hunderttausende von deutschen Arbeitskräften liegen brach. Tausende der aus Polen ausgewiesenen Optanten sind erstklassige landwirtschaftliche Arbeitskräfte. Aber die nischen Landarbeiter sind billiger als die deutschen, und die nationalistische Rage der Deutschnationalen und Völkischen hört da auf, wo ihre mirtschaftlichen Interessen beginnen. Damit das mit nationalistischen Damit das mit nationalistischen Phrasen gefütterte Stimmnieh den Betrug nicht merkt, verfucht man hinter verschlossenen Türen zu vollziehen. Echt national! Echt deutsch national! Schieles Schulgesetz. Proteste and Thüringen. Weinar, 22. September.( Cigener Drahtbericht.) Der Reis -Ichulgejezzeniwurf hat namentlich in Thüringen große Entrüftung unter den Lehrern hervorgerufen. In verschiedenen Stödten hat die Lehrerschaft zum Reichsschulgesehentwurf Stellung genommen. Sie erblidt in ihm eine große Gefahr für bie ruhige Entwicklung des thüringischen Volksschulwesens und erwartet, taß bei der Beratung diefes Entwurfs im Reichstag der Gemein fchatisschule als Regelichule gemäß den Bestimmungen in der Reichs. rerfassung zu ihrem Recht verhoffen wird. Die sozialdemo tratische Fraktion des thüringischen Landtages hat inzwischen eine große Anfrage eingebracht, in der besonders auf die Gefahren für das deutsche und für das thüringische Baltsschulmesen Die Wachspuppe. Bon Hans Bauer. Nachdem es erwiesen ist, daß Erzberger eigentlich Herzberger geheißen hat und ein Krotoschiner Jud war, daß Rathenau als erster Vorsitzender einer aus dreihundert Jsraeliten bestehenden Geheimgesellschaft Deutschland im Interesse dieses Klubs verwaltete, daß Zeigner um ein Entgelt von 3 Millionen Goldrubeln Sachsen an Rußland verkaufte, hat ein süddeutscher Ingenieur auch das letzte Geheimnis enthüllt. Er ist dahinter gekommen. daß Friedrich Ebert gar nicht gestorben ist. Der erste Präsident der deutschen Republi fürchtete seine Berhaftung, die wegen Landesverrats und wegen Lebensmittelschiebungen bevorstand, ließ eine Wachspuppe anfertigen und begraben und flüchtete in die Schweiz, wo er ein vergnügtes Leben führt. Männer von der Gesinnung dieses Ingenieurs haben in Dugen den von Fällen lebende Sozialisten, denen es vielleicht vorbehalten gewesen wäre. noch lange zu wirken, durch Revolverlugeln in Tote verwandelt. Es ist immerhin eine ganz abwechslungsreiche Methabe, nun auch einmal einen toten Sozialisten in einen lebenden zu perwandeln, denn unmöglich fann eine Reaktion, die etwas auf sich hält und nicht einseitig werden will, auf die Tauer allein mit dem Mittel der Brutalität arbeiten und das der Dummheit verschmäher Der jüddeutsche Ingenieur ist durchaus kein Einzelfall, der nur als luftige Kuriosität gewertet zu werden verdiente, er ist eine der unendlich vielen Blüten, die auf dem Beet des heiligen Blödsinns gedeihen und sie sich nur nicht allzuoft in der fritisch beachteten Ceffentlichkeit, dafür aber um so häufiger auf den Berrons der Straßenbahnen, an Treppengeländern und an abendlichen Stammtischen zeigen. Ein Ingenieur hat beruflich mit eraften Größen zu rechnen. Seine Arbeit ist so unphantastisch wie möglich und doch ist nicht anzunehmen, daß jener Sozialistenfreier das Bewußtsein hatte, einen Schwindel in die Welt zu sehen. Ein böswilliger 3ügner lügt anders. Er behauptet nicht wirres Zeug, deffen Sinnlosigkeit auf der Hand liegt, er arbeitet mit untontrollierbaren Biertel, Drittels, Achtelwahrheiten. Er legt sich nicht auf eine positive Angabe feft, er ergeht sich in vagen Andeutungen und versteckten Anspielungen und hat ja gar nichts gesagt, menn man ihn paden will. Der Ingenieur hat gewiß an seine Behauptung geglaubt. Er wird von der Geistesverfassung soundsovieler anderer Spienbürger sein, die als Reaktion auf ihre völlig ungeiflige, ganz materielle Lebensauffaliung in politische Dinge eine buntschillernbe Romantit hineingetragen, die im privaten Leben talt, sleptisch, berechnend und seelenlos sind, in der Abwicklung des öffentlichen Lebens aber mystische Kräfte am Wert sehen, die nicht das mögliche pom inmog. lichen, das Wahrscheinliche nom Unmahrscheinlichen zu unterscheiden wiffen. Sie glauben daran, daß Friedrich Ebert lebt, wie sie daran glauben, daß der Sozialismus tot ist. Bir aber fönnen darauf pet " vor doreiligen Entschließungen lofaler Bartelorganisationen zum Fall Birth gewarnt. Der Bayerische Kurier" lobt diese Haltung Don Marg und ebenso ähnliche Auslaffungen in der Kölnischen Boltszeitung und der„ Germania"." Falls sich auf dem tommenden Parteitaa des Zentrums diefe Grundsäge durchfezen würden," erklärt das Blatt, wäre damit der entscheidende Schritt zur Wiederannäherung des Zentrums und der Bayerischen Bolts partei getan. Das zu verkennen, ist nur möglich auf dem Boden einer Auffassung, die sich parteipolitisch und weltanschaulich von den Grundfäßen der alten Zentrumspartei ebenso weit nach rechts entfernt, wie gewiffe Streife des Reichszentrums nach lints abgeirrt find." Das ist ein sehr deutlicher Wink. gegen den Bauern. führer Dr. Heim, der in seiner Tuntenhausener Rede vom Zen. trum Umfehr und Widerruf verlangt hat, bevor die Bayerische Boltspartei sich ihm anschließen könne. Die Forderungen der Jugendlichen. Konferenz der sozialistischen Arbeiterjugend. Bochum, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Die fozia. liftische Arbeiterjugend nahm in einer Konferenz Stel lung zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage der arbeiten. den Jugend im Industriebezirt. Die Ausführungen fanden ihren Niederschlag in einer Entschließung, in der es heißt: Die Wirtschaftsentwicklung hat dahin geführt, daß gegenwärtig im Ruhrbergbau nur noch zirta 16000 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren beschäftigt find, im Gegensak zur Vorfriegszeit, wo die Zahl der beschäftigten Jugendlichen zirka 38000 betrug. In der Metallindustrie und in anderen Gewerbe zweigen werden ebenfalls meniner Jugendliche beschäftigt, als es vor dem Krieg der Fall war. Die verantwortlichen Arbeiterjugendführer halten es unbedingt für notwendig, daß die dazu berufenen Körperschaften in Verbindung mit den Führern der Wirtschaft und der arbeitenden Jugend zusammentreten, um gemeinsam Mittel und Bege zur Abhilfe zu finden. Die Durchführung folgender Maßnahmen ist dringend notwendig: 1. Förderung der Einrichtung besserer Lehrlings wertstätten mit Hilfe staatlicher Unterſtügung; 2. Gewährung einer austömmlichen Arbeitsloten. unterstügung der erwerbslosen Jugend unter 16 Jahren; lofenfürsorge und Erteilung obligatorischen Shulunter 3. porzugsweise Einreihung der Jugendlichen in die Erwerbs rights an diese Jugendlichen; 4. weitgehende Unterstützung der Jugendpflege treibenden Vereine, um der Arbeitsgefährdung der Jugendlichen entgegenzu mirten. Die Konferenz unterläßt nicht, auf die Lage der Jugendlichen hinzuweisen, fomeit fie beute im Erwerbsleben ftehen. Die Konfe renz appelliert an das fogiale Gemiffen aller Beteiligten und erwartet eine baldige Erfüllung nachstehender Forderungen: und Arbeiterinnen, insbesondere der jugendlichen Arbeiter im Berg, 1. Erhöhung der Löhne für die fugendlichen Arbeiter bau, damit der Lohn im entsprechenden Verhältnis zur sozialen Be faftung steht; zichten, sie von, der Irrigfeit jener Ansicht zu überzeugen. menn wir es nur verstehen, durch die Beweiskraft unubleugbarer Tatsachen ihnen diese Annahme als eine irrtümliche por Augen zu führen. Die„ Nationalbühne". friegen. Sie gründen, was nur das Zeug hält. Es gibt in Deutsch Unsere nationalistischen Kunstbefliffenen find nicht flein zu land einige Filmunternehmungen, die segeln unter volfischer Flagge. Es gibt in Deutschland auch pölkische Theatervereine. Aber die blühen im verborgenen. Das soll nun anders werden. Eine auserlesene" Gesellschaft hat sich da zusammengetan, hohe Fürstlichkeiten, Parlamentarier, Künstler und fogenannte Kunstmiffenfchaftler, die gründeten vor furzem die Nationalbühne E. B." mit ihrem Sig im Schöneberger Hinterland. Erst marf man fich auf das Berschicken von Prospekten zum Zwecke der Schnorrerei. Der Propagandafonds ist da und also erscheinen in diesen Tagen an den Berliner Anschlagsäulen großfpurige Aufrufe, die sich an die Berliner Bevölkerung menden. Der nationale Klopfgeist geht um. Er appelliert an den Stumpf finn verbissener Eigenbrötler. Bielleicht werden der National bühne einige Groschen aus der Tasche begeisterungsmütiger Knechtsnaturen zufließen. Seien wir unbesorgt: Auch dieser Bersuch, einen politischen Bühnenverein ins Leben zu rufen, wird ähnlich jenen anderen in letzter Zeit sich überhäufenden Bersuchen sang und flanglos beigesetzt werden. An sich wäre die ganze Angelegenheit recht belanglos. Der deutsche Arbeiter wie der deutsche Intellektuelle ist gescheit genug, por folchen Klaffenkampfunternehmungen des Feudalismus nur Mitleid zu empfinden. Aber es ist von nicht geringem Intereffe, fich ein mal die Namen näher zu befchauen, bie ben teutschen Aufruf zieren. Daß ein Prinz im Präsidium figt, ist ganz in der Ordnung und ſymbolisch eindeutig. Daß sich zu den Protektoren dieses Geschäftsunternehmens die prominenten Persönlichkeiten der völlischen Bar teien zählen, nimmt nicht meiter wunber. Aber jegt fommt das Be merkenswerte: Im tünstlerischen Ausschuß der antisemitischen Nationalbühne E. V." sigen unter anderem die Herren Loos, Klöpfer, Thimig, Gülstorff. Künnede, Frau Straub und Frau Höflich. Freilich haben diese bereits erklärt, daß ihnen der Aufruf" überhaupt nicht vorgelegen habe und sie sich mit feinem Inhalt nicht identifizieren. Aber die Nationalbühne" widerspricht in einem Rundschreiben: Gewiß haben die Genannten den Aufruf unterzeichnet, der, abgesehen von einigen Weglassungen" wörtlich mit dem Blatataufruf übereinstimmte. Wer löst das Rätsel? in Paris spielte die Frage der Räumung der Kölner Zone bekanntlich eine Rolle. Es wurde beschlossen, fie bis spätestens Mitte November durchzuführen. Gleichzeitig wurde auch die damit zusammenhängende Berlegung des Sizes der Rheinlandtommission von Koblenz nach Wiesbaden befchloffen. Nachdem die englische Absicht, die aufzugebende Bejahungszone Köln mit der Besagungszone Wiesbaden zu vertauschen, an dem WiderStand Frankreichs gescheitert ist und die Engländer dafür den Bezirk Koblenz beziehen werden, rüstet sich Wiesbaden bereits zur Aufnahme der um Personal und Räumlichkeiten etwas verminderten Rheinlandkommiffion." Der Sozialdemokratische Pressedienst" bemerkt hierzu: Auf Grund der uns aus Genf vorliegenden Informationen tit die Räumung der Kölner Zone wenige Tage vor der Abreise Banderveldes von Genf nach Brüffel von den alliierten Außenministern besprochen und grundsätzlich befchloffen morden, die Räumung der Kölner Zone im No vember vorzunehmen. Dieser Beschluß wurde in der Erwartung gefaßt, daß Deutschland bis dahin die alliierten Forderungen der letzten Kontrollnote verwirklicht hat. Da das anzunehmen ist, bürfte mit einer Räumung in der Beit vom 15. bis 25. November gerechnet werden. Deutschland Mandatsmacht? Der Natürlich erst nach Eintritt in den Bölkerbund. Brüssel, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Genfer Korrespondent des fozialistischen Peuple" feilt mit, daß, allerdings hinter den Schleiern ffrengften Geheimnisses eifrig über den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund verhandelt würde. Der Korrespondent erfährt von unterrichteter Seite, daß beabsichtigt sei, Deutschland ein Bölkerbundmandat über eine feiner früheren Kolonien anzubieten. Es sei geplant gewesen, gewiffe britische Dominions aufzufordern, Deutschland eines oder mehrere Mandate über australisch- asiatische Jufeln zu überlassen. Heute dürfe aber schon gefagt werden, daß Großbritannien selber vorschlagen werde, bie jeht britisch verwalteten früheren deutschen Kolonien Togo und Kamerun Deutschland unter Bölterbundmandat anzubieten. an Frankreichs Erfolge. Gegen Niftabylen und Drufen. Baris, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Dem Minister. rat berichtete Painlevé in seiner Eigenschaft als Kriegsminister: Die Lage in Maroffo verbeffere fich non Tag zu Tag infolge Untermerfung verschiedener aufständischer Stämme. Auch bestätige fich die schmere Niederlage der Drufen in Syrien. Painlevé machie ferner vertrauliche Angaben über die Borbereitungen zum Vormarsch der franzöfifchen Truppen auf Sueida Helden der Zerstörungswut dieser sonderbaren deutschen Kulturträger zum Opfer. Sie wurde unter Jubelgefchrei aus dem Fenster auf das Pflaster herabgestürzt und vollständig zertrümmert. Glanflügel war ausgesprochener Realist. Seine fünstlerische Ausbildung hatte er in Berlin, Dresden und Paris erhalten. Seine Werte zeichneten fich durch Lebendigkeit und Frische aus. Ein langjähriges Augenleiben erschwerte ihm in den legten 3 Jahrzehnten das Arbeiten. Er starb in größter Armut. Die Trauerfeier für Profeffor Schweinfurth. Am heutigen Mittwoch um 12 Uhr findet im Botanischen Museum in Dahlem die Trauerfeier für den im Alter von faft 89 Jahren verstorbenen Neftor der deutschen Afrikaforscher, Profeffor Dr. Georg Schweinfurth, statt. Dem Wunsche des verstorbenen Forschers entsprechend, findet im Anschluß an die Trauerfeier die Beerdigung der sterblichen Hülle im Botanischen Garten in Dahlem statt, den der Forscher bei Bebzeiten faft täglich besuchte, um seine bort untergebrachten bota nischen Sammlungen zu besichtigen. Die Infendanz der Städtischen Oper feilt auf zahlreiche Anfragen mit Abonnementspläte sind nur noch im Drchefter und I. Nang zu baben. Die berausgabten Abonnements find von bente bis Mittwoch, ben 30. September, aur Erleichterung des Bublikums awanglos, also obne Bindung an einen bestimmten Tag, einlösbar. Die Stäbtische Oper nimmt am Mitt woch ben reiicht" in ihren Spielplan qui. Svielleitung: Dr. Saum; musikalische Zeitung: Krih Zweig: in den Hauptrollen die Damen Bettenborf und Balb; die Herren Guttmann, Sauer, Graarub, Edarb, Kipnis Heher. In der Tribüne beginnen die' Aufführungen von Shaws Zurüd zu Methusalem allabendlich um 8 br. Franz Molnar wird der deutschen Uraufführung feines Aultiplels Der gläserne Bantoffel", bie am Mittwoch, ben 28. September im Theater am Surfürstendamm stattfindet, beiwohnen. Staatsoper. Am Sonnabend, den 26. b. M., in völlig neuer Aus ftattung und Einstudierung Beethovens Fidelio unter musikalischer Leitung von Generalmusikdirektor Kleiber und szenischer Beitung von Marl Solv. Gesamtausstattung: F. Arabantinos. Sämtliche Bartien find doppelt befebt. Hedwig Bangel, bie nad langer Abwesenheit zur Bühne zurüdfebrte. um dadurch die Mittel zum Bau des von ihr nevlanten elms für Straf entlaffene und einer Schule zu deren Berufsausbildung zu bekommen, be gebt beute ibren 50. Seburtstag. Bon Streifen, die ihr unbe stehen, wird darauf hingewiesen, bas fraglos die beste Geburtstagsfreude für die gefeierte Stünstlerin daher ein Anwachsen des Bosschedfontos der HedwigBangel- Hilfe, Berlin Nr. 37 213, fein mirb. Zum vierhundertjährigen Jubiläum der Universität Marburg im Zabre 1997 foll in Marburg ein Kunsthaus errichtet werben, bessen wichtigsten Teil eine große funftwiſſenſchaftliche Bibliothek bilden wird, der das kunſte geschichtliche, das archäologische und das vorgeschichtliche Institut der Univer fität mit ihren Arbeitsräumen für Foricher angegliedert werben sollen. binzu wird ein Berlag des funsthistorischen Seminars und ein Museum Bildhauer Otto Glanflügel ist im Berliner Augusta- Bittoria- für ble reichhaltige Sammlung des bessischen Geschichtsvereins tommen. als Studienfach. Auf Grund einer Stiftung des Buch Krankenhaus in feinem 73. Lebensjahre gestorben. Seine Hauptbändler- Bärfenvereins wurde an der Leipziger Handelskolchule ein Lehrwerte waren der„ Austernverkäufer", Kampfbereit, die Berle des fubl, für Betriebswirtschaftslehre des Buchhandels errichtet und auf ihn Beines", der„ Waffenschmied", sowie eine große, nach der Natur Dr. Gerbart Meng als außerordentlicher Profeffor berufen. Wena ift früber mobdellierte Büfte Vollmars. Durch diese ist er namentlich in Partei Jounaltit und felt 1920 polfswirtschaftlicher und journalistischer Beirat bes treifen betannt geworden. Ein Abguß diefer Büfte fiel gelegentlich Buchhändler- Börsenvereins gemeien und bat auch verschiedene Schriften der Erftürmung der Münchener Bost" durch die Hitler- Ludendorff über Technik und Wirtschaftslage des Buchhandels veröffentlicht. PP Zihewitdebatte im Landtag. Deutschnationale Ausflüchte. Der Landtag nahm gestern feine Sigungen mieder auf; nach Ablehnung einer Reihe völtischer Anträge, die die Tagesord nung betreffen, wird der Urantrag der Abgg. Stieler( 3) und Genossen auf Schaffung von Wohnungen für ausgewiesene verheiratete Suspolizeibeamte des Ruhrgebiets an den Hauptausschuß überwiesen. Auf der Tagesordnung steht ferner der Bericht des Untersuchungsausschusses zur Untersuchung der Bor: tommnisse bei der Preußischen Landespfandbrief. anstalt. Der Ausschuß, für den Abg. Riedel- Charlottenburg( Dem.) referiert, beantragt, die Regierung zu ersuchen, das in Frage fom mende Geschäft ohne Schädigung der Landespfandbriefanstalt ab zuwickeln, dafür zu forgen, baß die Anstalt feine Geschäfte mehr außerhalb des Rahmens ihrer Sagungen tätigt, und daß die Anstalt in Zukunft beffer überwacht wird. Die Regierung soll endlich in Erwägungen darüber eintreten, ob nicht ein Staatsfom missar im Hauptamte für alle öffentlichen Geldanstalten zu bestallén sei. Berichterstatter Abg. Riedel legt eingehend die Grundstücksgeschäfte der Herren v. Žigewig, v. Ehdorff. v. Karstedt usw. mit der Landespfandbriefanstalt dar, die zum Schaden der Anstalt verlaufen find. Abg. Leinert( Soz.), # der den Vorsitz im Untersuchungsausschuß geführt hat, meist zunächst darauf hin, daß in diesem Fall, nicht wie im Fall Barmat, es sich um Ostjuden handelt, sondern gerade um Unregelmäßigkeiten von Personen aus den nationalistischen Kreisen, die die Barmat Hege betreiben. Die Direktoren der Landespfandbriefanstalt Nehring und Lüders hätten den Herren v. Ehdorff, D. Karstedt usw. ohne Dedung Millionen Kredite gegeben zum Schaden ihrer Anstalt, allein auf die Vermutung hin, der Landbund würde diesen Herren eine Hypothet von einer Million geben. Für diefen zwed feien öffentliche Gelder verwendet worden. Herr v. Bizewiß, die einzige sympathische Persönlichkeit unter diesen Leuten, müsse nun für die Sache gerade stehen, aber der eigentliche Schuldige sel der Landbund, der sein Versprechen, eine Million Hypothet zu geben, gebrochen habe. Herr v. 3izemiz ist in das Geschäft wohl hineingeschlittert aus Liebe zu seinem Schwiegerjohn v. Carlowig, der es vor30g, mit dem Geld der Landespfandbriefanstalt ein arbeits. lofes, üppiges Leben in Berlin zu führen. Er wohnte im Hotel Ablon, hielt sich als Freundin die sogenannte polnische Lotte" und gab in wenigen Monaten über 180 000 m. für seine perfönlichen Bedürfniffe aus.( 5ört, hört!) Aehnliche Ausgaben machten für sich persönlich seine Genossen v. Karstedt und v. Egdorff. Das Geld dazu lieferte den jungen Leuten die Landespfand briefanstalt Die gerissensten Geldvermittler haben ungeheure Gewinne an dem Ehdorff- Konsortium gemacht. Es handelt sich hier um Herren, die den Kreisen nahestehen, die früher in Preußen die Herrschaft üblen. Das sind die Epigonen der Leute, die früher vom Herren. haus aus ihre Berachtungsurteile über das werftätige Bolt fällten. Welche politische Heze gegen die Republikaner wäre mohl entstanden, wenn es sich um Leute von den Linfen gehandelt hätte. die in dieser verbrecherischen Beise das für die Siedler bestimmte Geld verschmenbeten. Eröffnung des Wahlkampfs. Aufstellung der Stadtverordneten- Kandidaten. Der Bezirksverband Groß- Berlin hielt gestern abend im Deutschen Hof" einen außerordentlichen Bezirtstag ab, um die Kandidatenaufstellung zu den Bezirks und Stadtver. ordnetenwahlen vorzunehmen. Das einleitende Referat hielt Stadtverordnetenvorsteher Genosse Haß. Stadtverordnetenmahlen haben in der Bergangenheit bei der Bevölkerung nicht das Interesse ausgelöst, wie andere Barlaments. wahlen. Im Jahre 1920 beteiligten sich an den Gemeindewahlen im alten Berlin nur 60 Broz. und nach Schaffung von Groß- Berlin auch nur 66 Broz. Diese Beteiligung steht in feinem Berhältnis zu der Bedeutung des Parlaments einer Biermillionenstadt. Schuld baran war nicht zuletzt die Hetze, die von den Bürgerlichen gegen das Zustandekommen von Groß- Berlin entfacht wurde. Die Befürchtungen, daß eine so große Gemeinde nicht von einer Haupt stelle aus geleitet werden fonne, haben sich, gemäß unserer Voraus jage, nicht erfüllt. Die Geschäftsführung, die von den meisten anderen Parteien anfänglich in der Stadtverordnetenversammlung beliebt wurde, ging zunächst offenfundig darauf aus, dieses Parlament zu diskreditieren. Genosse Haß ging dann auf einige besonders traffe Fälle von Gefchäftsordnungswidrigkeiten besonders der Kom muniften ein. Die Kommunisten pflegen, um die Sozialdemokraten zu treffen, nur Schwierigkeiten zu machen, wenn ein Sozialdemokrat als Vorsteher amtiert. Was die Arbeitsleistung des Stadtparlaments anbetrifft, so tann heute mit vollstem Recht festgestellt werden, daß eine Unjumme Arbeit zum Wohl der Bevölkerung vollbracht worden ist. Die Tätigkeit der 1921 gewählten Bersammlung fiel in die schlimmste Zeit, die die Stadt Berlin durchzumachen hatte. Heute fann man sich faum noch vorstellen, daß zu einer Beit gearbeitet merden mußte, mo man vor der Frage stand, ob die Kranten, häuser noch offengehalten werden fönnten, wo die Werte feine Betriebsstoffe hatten und wo 10 Broz. der Kinder megen Unterernährung vom Schulbesuch befreit merden mußten. Mit besonderer Genugtuung fönnen wir Sozialdemokraten heute die Feststellung eines bürgerlichen Blattes entgegennehmen, daß nur die reale Einstellung der sozialdemokratischen Fraktion Groß Berlin lebensfähig erhalten hat. Und dabei ist der allerschlimmste Anjang von einer sozialistischen Mehrheit und einem sozialistischen Anjang von einer sozialistischen Mehrheit und einem sozialistischen Magistrat geschafft worden. Das Einspielen der Bezirke und der Zentrale wird natürlich noch längere Zeit dauern Troy allem ist es gelungen, der Ge meinde wertvolle fommunale Einrichtungen neu anzugliedern. So ist das Anschlagwesen in die Hände der Stadt gefommen, das Meffeamt ist neu geschaffen worden und das Fremdenver. fehrsamt ist trop der bekannten Einwände der Bürgerlichen da und funktioniert gut. Die Umwandlung der städtischen Werke in Aftiengesellschaften fann man nur verstehen, wenn gleichzeitig die wirtschaftlichen Berhältnisie pon damals berücksichtigt werden. Die bürgerlichen Bar. teien strepten mit allen Mitteln danach, die Werte dem Brivat. fapital auszuliefern. Dem fonfequenten Berhalten der sozialdema. fratischen Fraftion, die ohne Unterlaß danach drängte, die Berke Abg. Koch Berlin( Dnat.): Mit den hier in Frage tommenben und Berkehrsanstalten der Gemeinde zu erhalten, ist es zu banten, leichtfertigen jungen Leuten und Verbrechernaturen haben die wenn die Bläne der Bürgerlichen vereitelt wurden. Die Werke und Deutschnationalen nichts zu tun. Herr Leinert als Borsigender des besonders die Straßenbahn find fast aus dem Nichts wieder aufgeUntersuchungsausschusses muß wissen, daß der Reichslandbund mit der ganzen Sache gar nichts zu tun hat, und daß die Behaup baut worden. Gerade die Straßenbahn ist in einem Zustande übergeben worden, der jeder Beschreibung spottete, und es bedurfte tung, er habe Geld versprochen und nicht gezahlt, fich als Legende großer Anstrengungen und des großen Geschickes der Beteiligten, erwiesen hat. Es steht fest, daß die Landespfandbrief- bie Straßenbahn zu dem zu machen, was wir heute haben. Ohne anstatt fagungswidrige Geschäfte machte, die mir in feiner Weise die Hereinnahme von Brivattapital ist der Aufbau gelungen. Bei verteidigen. Milderungsgründe find freilich genug für die Anstalt der Verpachtung der städtischen Häfen hat es sich gezeigt, daß es porhanden. Staatsgelder find bei der Sache überhaupt nicht vor. richtig mar, auf diesem Umwege eine beffere, ja geradezu glänzende handen. Der Wert des als Dedung gegebenen Bureauhauses Börse Beanspruchung der Hafenanlagen zu erreichen. Während früher bei übersteigt bei weitem die von der Landespfandbriefanstalt herge. ben Stabtgütern ständig Zuschüffe gegeben merden mußten, gebenen Summen.( Hört, hört! rechts.) Es handelt sich in dieser ist seit der Umwandlung in eine G. m. b. 5. bas Gegenteil einges Ungelegenheit um ein reines Brivatgefchäft, an bem feine führenden treten. Durch all diese Maßnahmen ist das Eigentum der Stadt Bolitifer irgendwie und irgenbmo beteiligt gemejen find. Es ist erhalten geblieben und alle Anwürfe von rechts und links fönnen feine Schädigung der Landespfandbriefanstalt eingetreten( lebh. Widerspruch links). Es ist auch nicht ber Schatten eines Beweises unfere zielbewußte Arbeit nicht herabfegen. Bei ber Bersorgung und Betreuung der Erwerbslosen dafür erbracht, daß Beamte der Anstalt forrumpiert gewefen feien ( Sehr gut! rechts). Reine politisch rechtsstehende Organisation iſt ging unser Bestreben besonders dahin, für sie Arbeitsgelegen. irgendwie bei der Sache beteiligt gewesen. Es ist also ein parlamenheit zu schaffen. Dabei haben wir uns streng gegen die tarischer Untersuchungsausschuß eingefeht worden gegen brei leicht: 3mangsarbeit der Erwerbslosen gewandt. Die Größe der linnige junge Leute( Burufe links). Mit Genugtuung tönnen mir Wohlfahrtspflege erhellt am besten aus der Tatsache, daß in feststellen, daß das Ergebnis nicht uns belastet, sondern die Linke. unserer Millionenstadt fast eine halbe Million Einwohner in irgend ( Beifall rechts, lautes, lange anhaltendes Gelächter lints), einer Form zu unterstügen sind. Dabei ist der Wohlfahrts: etat heute größer, als der frübere Gejamietat von Berlin. Die bürgerlichen Parteien und die Rommunisten haben diese unsere Gemeindearbeit stets nach Kräften fabotiert. Wenn heute ein günstiger Beschluß infolge einer günftigen Mehrheit gefaßt wurde, so verstand man oft schon in der nächsten Sizung Das Gegenteil herbeizuführen. Ein trübes Kapitel ist immer noch bie ohnungsfrage in Groß- Berlin. Die Bürgerlichen haben fich dabei darauf beschränkt, die außeretatsmäßigen Mittel für den Wohnungsbau nach Möglichkeit zu beschneiden. Wenn es nicht möglich war, etwa nach dem Wuster Wiens Wohnungen zu bauen, fo liegt das eben an den unterschiedlichen Finanzverhältniffen beider Abg. Grundmann( D. Bp.) meint, es fei nicht gerecht, aus den Städte. Die schwersten Rämpfe in der Stabtverordnetenverfamm traurigen Berfehlungen der adligen jungen Leute den Schluß zu tung hat die Schulreform des Stadtschulrats Genoffen ziehen, daß der ganze preußliche Abel verdorben sei. In jedem Baulsen heraufbeschwaren. Hierbei ist mit großer Zähigkeit und Stande gebe es schwarze Schafe. Die gründliche Arbeit des Unter. Erbitterung gekämpft worden. Nicht nur die Rechtsparteien, sondern fuchungsausschusses haben nichts dafür ergeben, daß die Angelegen auch gerade die Kommunisten haben ihr möglichstes gefan, dem heit irgendetwas mit Bolitit zu tun hat. Es sei also nicht zu Genoffen Deulfen die Arbeit unmöglich zu machen. Schließlich ver rechtfertigen, wenn der Ausiu meiter im Dred hereinigten sie sich, um Baulsen gänzlich zu beseitigen, ihn abzubauen. umwühlte. Wegen der fazungswidrigen Geschäfte fel der Direttor Nehring ohne Bension verabschiedet worden. Der Rebner erklärte, feine Freunde mürben grundsäglich für die Ausschußen träge filmmen. Abg. Dr. Grah( 3tr.) verurteilt vor allem das Borgehen ber Stettiner Spartalle, die an diesem Finanzflanbal beteiligt jei. Durch ihr Vorgehen fei das Bertrauen in die Spartassen all gemein erschüttert worden. Die Regierung follte einen Gefeß: entwurf vorlegen, ber bie Tätigkeit der Sparkassen wieder auf die früheren Grenzen beschränkt, auf die Hereinnahme von Spar. geldern und auf die Hergabe non apotheken. Das würde ein mirtlich praktisches Ergebnis des Untersuchungsausschusses fein. Solche Ausschüsse könnten nügliche Arbeit nur leiften, wenn sie ben Urfachen der mißlichen Zeiterscheinungen nachspüren und auf ihre Abstellung hinwirken. hindern Wenn der Bürgerblod wieder fommen follte, ift teine Befriedigung der Bedürfnisse unserer Industriestadt zu erwarten. nur von einer sozialdemokratischen Mehrheit ist die Schaffung neuer Monopolbetriebe zu ermarten. Die Neuerwerbung von Grund und Boden, der Ausbau und die Erweiterung der Nord. fübbahn und auch die Webernahme der Charlotten bemotraten. Unser Wahlkampf dorf sich nicht nur gegen die Rechts parteien richten, fondern er muß ebenso darf auch gegen die Kommunist en geführt werden. Diese Bartelen find gleich zu bewerten, denn im Stabtparlament haben sie getreulich ausammen aearbeitet. Nicht selten haben sich Pastor Koch und Dörr die Stichworte geliefert. Das Ergebnis war stets eine Schädigung der Intereffen der werftätigen Bevölkerung. Deshalb muß unfere gefamte agitatorische Kraft auf das Ziel gerichtet sein: Berlin muß eine 103ialdemokratische Mehrheit ins rote Haus fiden! Lebhafter Beifall folgte dem Vortrag. Ohne Diskussion über das Referat schritt der Bezirkstag zur Aufstellung der Abg. Doerr( Komm.) betont, die Barteien der Rechten hätten sich im Ausschuß immer bemüht, eine gründliche utlä rung der Berhältnisse in den fogenannten oberen Gesellschaftsburger affermerte find Zukunftsaufgaben der Sozial treifen, also in dem Milieu dieser unsauberen Affäre, zu Der Nach 6 1hr wird die Weiterberatung auf Mittwoch, 12 Uhr. vertagt. Außerdem stehen fleinere Borlagen auf der Tagesordnung und die 2. Beratung des Haushalts des Boltswohlfahrtsministeriums. Der Weltestenrat des Landtages nahm gestern in Aussicht, Dom 5-12. Oftober eine Baufe in den Blenarsizungen ein treten zu laffen, damit der Barmat Ausschuß weiter verhandeln fann. Der genaue Zeitpunkt steht jedoch noch nicht feft. Er ist davon abhängig, ob es vielleicht noch möglich wird, an dem ur sprünglich für den Wahltag für die Brovinzialfandtags. und Kreistagswahlen festgelegten Termin, dem 25. Oftober, festzuhalten. Die zweite Befung ber Borlage über die Brovinzial fandtags. und Kreistagswahlen foll em Freitag dieser Woche erfolgen: für die britte Lesung ist der Dienstag der fommenden Woche in Aussicht genommen. Der Vertreter Deutschlands in Liberla, Generalfonful Arthur Kruede ist gestorben. Er war erst am 29. Mai d. 3. zum Bertreter des Reichs in Monrovia eraannt worden. Absehung und Berbannung eines Staatsanwalts.. Der litau ische Staatsanwalt Brufatewitsch ist feines Amtes enthoben morden, da ihm geheimés Einverständnis mit bois chemistischen Agenten zur Last gelegt wird. Bisher hat die Untersuchung aber nicht genügende Anhaltspunkte für eine Anttage ergeben, boch bleibt es bei der Amtsentsegung, auch wird er aus Kowno auf Grund des Belagerungszustandes ausgewiesen. Bezirks- und Stadtverordnetenkandidatenliften. Die Vorschläge der einzelnen Bezirke murben ohne Einmendungen gutgeheißen. Nur bei der Stadtliste erhoben die Spanbauer Genossen durch Stadtrat Münsinger die Forderung, einen Kandidaten ihres Bezirtes an aussichtsreicher Stelle auf die Stabilifte zu legen. Genosse Lüdemann bat darum, den Geschäftsführer der Bauhütte, Gen. Dr. Wagner, als unbeftrittenen Sachverständigen in Wohnungsbau- und Siedlungsfragen auf eine Stelle der Stadt. lifte zu setzen, wo seine Wahl sicher ist. Außer diesen wurden noch eine ganze Anzahl weiterer Einwendungen gegen und Spezial. forderungen für die Stadtlifte vorgebracht. Nach längerer Distuffion wurde schließlich die Stadtiste nach der Vorlage bes erweiterten Bezirksvorstandes gutgeheißen. Damit waren alle Abänderungs anträge abgelehnt Die Stadtratsliste wurde ohne Diskussion nach dem Borsag des Bezirksvorstandes angenommen. Sie enthält folgende Genoffen: 1. Klara Weyl. 2. Dr. Treitel, 3. Schlichting, 4. Ahrens, 5. Hedwig Wachenheim. 6. Herzberg. Schöneberg, 7. Oppel, 8. Rühne, 9. Dr. Martin Wagner, 10. Bittor Noad. Die Listen enthalten zusammen rund 1000 Bezirksperordnetenoder Stadtverordnetenkandidaten, deren völlige Aufzählung hier der Raummangel verbietet. Wiedergeben können wir hier nur die Stadtliste ber Stadtverordnetenfandidaten und aus den 15 Wahlfreisen( mit 20 Verwaltungsbezirken) die obenan stehenden Namen der als Stadtverordnetenkandidaten geltenden Genossen und Genoffinnen. Kreis 1, Mitte: Dr. Herm. Weyl, Siegb. Loemy, Baul Horsch, Ad. Hoffmann sen., Dr. Siegfr. Weinberg, Willi Riefe, Mar Thomas, Frizz Thiemece, Röschen Wollstein, Ad. Hoffmann jun., Ernst Lehmann, Baul Brendel, Rich. Nagel, Friz Bilfe, Ottilie Gernot. Kreis 2, Tiergarten: Karl Bublib, Herm. Clajus, Alfr. Pärsch, Dr. Käthe Frankenthal, Gust. Hädicke, Friedr. Schlegel, Alfr. Krüger, Mag Appel, Jul. Bethge, Heinr. Hellwig, Wilh. Reichert, Ernst Wenzel, Karl Weiner, Georg Giese, Paul Kowald. Kreis 3, Wedding: Frig Brolat, Wilhelmine Weide, Mag Urich, Walter Rief, Bruno Krause, Friz Drems, Guft. Blaschzid, Karl Klose, Marie Scholz, Louis Flesch, Willi Pfeiffer, Karl Bahle, Frizz Kreienbrink, Friedr. Kiefer, Rud. Ziegler, Guft. Beide, Martha Sprengel, Hans Kaasch, Hugo Hennide, Rob. Fendel, Aug. Battloch, Gust. Fuß. Erich Tschirschwitz, Oskar Bollmann, Jul Breitenfeld. Kreis 4, Prenzlauer Berg: Theod. Fischer, Helene Schmiz, Mar Remniz, Mar Kreuziger, Ad. Döhnert, Georg Maderholz, Lisbeth Bern, Mar Hecht, Georg Kermes, Kurt Knopf, Ella Key, Jul. Meyer, Artur Gürne, Wilh. Schent, Heinr. Meßte, Herm. Huhn fleisch, Franz Seelbinder, Anna Blaube, Gust. Kiehlreiter, Paul Garn. Kreis 5, Friedrichshain: Michael Kanser, Agnes Fahrenwald, Christ. Gutetunst, Karl Klingler, Martha Hoppe, Alfr. John, Karl Siegle, Friz Bohling, Bruno Theet, Friedr. Schlienz, Willi Günther, Gust. Franke, Rich. Lenz, Marg. Wengels, Georg Buchmann, Bruno Siemer, Otto Büchner, Alons Döring. Felig Fischer, Rob. Görg, Martha Schröter, Hugo Miething, Ostar Winkelmann, Heinr. Beyer, Alb. Schipper. Kreis 6, Kreuzberg: Friedr. Jubeil, Herm. Schweifarbt. Dr. Erich Witte, Gust. Häußer, Dr. Rich. Lohmann, Lisbeth Riedger, Otto Zäpfel, Heinr. Schröder, Otto Kraag, Reinh. Eichberg, Baul Robinson, Karl Litte, Willi Marske, Theod. Glocke, Eugen Grün, Karl Siewert, Gust. Sänger, Karl Heßschold, Alfr. Kossaz, Otto Wansti, Martha Grumbach, Georg Maier, Alfr. Sidert, Rob. Gerber, Lisbeth Maier. Kreis 7, Charlottenburg: Alb. Horlig, Otto Schmidt, Dr. Siegfr. Ramerau, Johanna Kühn, Aug. Gebert, Reinh. Seifert, Siegfr. Charlinski, Simon Kazenstein, Wilh. Mickler, Jda Rausch. Karl Schilling, Friz Bart, Wilh. Bergemann, Else Kemptens, Kreis 8, Spandau: Mar Schulze, Frizz Kranz, Marie Franz. With. ßmus, Wilh. Schwerin, Paul Fechner, Kreis 9. Wilmersdorf: Georg Oppel, Hans Moymod, Enni Stod, Gottl. Hez, Hugo Emmel, Dr. Hans Bieprecht, Elise Bahr, Mar Anton, Manfred Biermann, Mag Steinhöfel. Kreis 10, Zehlendorf. Steglik. Tempelhof: Friedr. Binte, Otta Klose, Riwy. Draemert, Rich. Hentschel, Ludw. Theissinger, Hans Holz, Heinr. Jaeger, Emil Groß, Mar Floerte, Joh. Rohrbeck, Otto Burgemeister, With. Schnorre, Friedr. Marz, Friedr. Huhn, Peter Balentin, Rich. Hille. Kreis 11. Schöneberg: Franz Czeminati, Georg Mendt, Erich latau, Ernst Wilberg, Laver Ramromsli, Friz Kaspar, Minna Diederich, Mar Herzberg, Ernst Obst, Baul Rathmann. Kreis 12, Neufölla: Herm. Harnisch. Franz Gutschmidt, Anna Bormann, Kurt Gärtner, Aug. Händel, Mar Fechner, Aug. Heit. mann, Billi Großmann, Wilh. Wittbrodt, Oskar Juriffo, Mag Aschenbrenner, Herm. Marschall, Hugo Albrecht, Luije Siedel, Alfr. Schröder, Artur Fritsche, Friß Höhne, Friz Schulz, Luise Mpl, Guft. Gehrte, Otto Schulze, L. Radnih, Paul Feller, Mag Grabe, Walter Drosdatius. Kreis 13, Treptow, Köpenid: Wilh. Reimann, Friz Boid, Wilh. Strieder, Ernst Reuter, Herm. Lempert, Ermin Mante, Friz 9eumann, Rich. Agmann, Dito Schneider, Rob. Robbe. Kreis 14, Lichtenberg: Friz Thurm, Guft. Tempel, Ernst Arndt, Franz Käming, Karl Schubart, Oskar Wigte, Karl Gronwald, Aug. Becker, Dito Briebe, Herm. Weiß, Willt Küsener, Rich. Peterhansel, Elfe Scheibenhuber, Leop. Junemann, Emil Richter. Kreis 15, Weißenfee, Pantow, Reinidendorf: Herm. Amberg, Aug. Schmidt, Lubw. Hodapp, Heinr. Schäfer, Jol. Mühlmann, Ernst Fischer, Gustav Kreutlein, Otto Miermeister, Mar Thiele, Rud. Rückert, Otto Gütig, Mag Jahn, Rud. Neunzig, Oph. Buchmeiß, Oits Merlich, Dito Krüger, Bernh. Blank, Rud. Malaffrey, Hans Bitscho, Karl Bitte, Willi Falkenstein. Stadtliste: Hugo Heimann, Tiergarten: Joh. Hab. Treptow; Ernst Reuter, Köpenic; Rich. Krifle, Neukölln; Minna Tobenhagen, Treptow; Eric Flatau, Schöneberg; Theod. Blacke, Kreuzberg: Rob. Rohde, Köpenic; Dr. Slegfr. Beinberg, Mitte; Georg Rogas, Lichtenberg; Dr. Martha Wygodzinski, Mitte; Ernst Fischer, Weißenfee; Walter Reinhold, Treptow; Bruno Lösche, Brenzlauer Berg: Mar Reichert, Spandau; Dr. ing. Wagner, Wilmersdorf: Dr. neftriepfe, Wilmersdorf: Siegfr. Charlinsti, Charlottenburg; Dr. Paul Bosener, Wilmersdorf; Paul Judrian, Lichtenberg: Alfr. Schneider, Charlottenburg: Dr. Schemen. Steglig: Ernst Ruben, Streuzberg. Danzig- polnische Garnison? Genf, 22. September.( BTB.) McDonnell, der Böllerbundskommiffar in Danzig, hat heute den Ratsmitgliedern mit geteilt, daß Polen beabsichtige, auf der Westerplatte, die fraft Beschluß des Völkerbundsrates pom legten Sonnabend für 3mece eines Munitionslagers an Polen übergeben werden muß, eine ständige militärische ache von mindestens 88 Mann einzurichten, die die für Bolen eintreffenden Munitionstransporte überwachen soll. Der Bölterbundskommissar erinnert an den Umftanb, baß seinerzeit auf Veranlassung des Bölferbundes in die Danziger Berfaffung eine Bestimmung aufgenommen werden mußte, monad) in der Freien Stadt Danzig ohne Genehmigung des Böllerbundes feine Flottenbalis und auch teine militärische Balis eingerichtet werden darf. McDonnell fügt hinzu, daß Zweifel darüber bestehen könnten, ob bie polnische Abficht nicht unter dem gleichen Gesichtspunti betrachtet werden muß, befonders angesichts der Tatsache, daß Bolen im Danziger Hafen bereits 15 Rriegsidiffe mit einer Befagung von rund 600 Mann unterhalte. Der Mosulkonflikt. Rote an den Bötterbundrat ertlärt bie englife Delegation, Genf, 22. September.( Eigener Drahibericht.) In einer neuen baß die von den Türken vorgenommene Deportation der Chriftlichen Bevölkerung eine Berlegung des politischen Status quo Da die englische und türkische Regierung sich gegenseitig ber Grenzperlegung beschuldigen, wirb her at ersucht, in die umstrittenen Gebiete eine Unterfuchungsfommiffion zu entfenden, um ben mahren Sachverhalt feststellen zu fönnen, De Gewerkschaftsbewegung Rußlanddelegation der Berliner Metallarbeiter. Unter bestimmten Vorausfehungen. Die Berliner Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes am Montag im Verbandshaus nahm zu nächst die Erläuterungen des Kassierers zu dem gedruckt vorliegen den Kaffenbericht für das zweite Halbjahr entgegen. Die Bilanzziffern weisen für die Hauptkaffe 416 945,50 m. aus, für die Lokaltaffe 62 644,85 M. Anträge auf Abänderung der§§ 8 und 9 des Drtsstututs, sowie auf Herabsetzung der Wahlförperfrequenz von 300 auf 200 Mitglieder unter Ausschaltung der Branchenvertreter und der Vertreter der Bezirksleitungen von der Generalversammlung wurden abgelehnt. Hierauf erfolgte die Beratung eines Antrags, beim Verbandsvorstand die Entsendung einer Delegation des Verbandes nach Sowjetrußland zu beantragen, um die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Berhältnisse zu studieren und mit der russischen Metallarbeiterorganisation Beziehungen anzubahnen, um die organisatorische Einheit in der Metallarbeiterinternationale herbeizuführen. Bei der Zusammensetzung der Delegation sollen die polis tischen Richtungen im Verband und die Industrie- Untergruppen berücksichtigt werden. Niederfirchner begründete den Antrag und als er durch 3mischenrufe auf die Dolmetscherkontrolle hingewiesen wurde, verteidigte er diese Bedingung der Sowjetregierung mit der Ausrede, daß den russischen Arbeitern nicht zugemutet mer den könne,„ Konterrevolutionären", die als Dolmetscher präsentiert würden, Rede und Antwort zu stehen. Das hieße dem internationalen Solidaritätsprinzip Hohn sprechen.( Die Unterstellung, als ob die Bergarbeiter etwa Konterrevolutionäre als Dolmetscher nach Rußland mitnehmen wollten, richtet sich von selbst. Die in Deutschland lebenden russischen Sozialdemokraten find feine Konterrevo lutionäre, sondern Genoffen, die uns mindestens ebenso hoch stehen wie die beamteten Bolschewisten in Rußland. D. B.) Im Auftrag der Ortsverwaltung ging Ulrich ausführlich auf den kommunistischen Antrag ein. Er schilderte den Verlauf und das Ergebnis der bereits por fünf Jahren mit den Bertretern der russischen Metallarbeiter. organisation aufgenommenen Verhandlungen, die an der Gründung der Roten Gewerkschaftsinternationale und an den 21 Punkten scheiterten. Der Internationale Sekretär der Metallarbeiter, Kollege 31g, hat auf dem Kaffeler Verbandstag eingehend darüber berichtet und nachgewiesen, daß es nicht an dem Internationalen Metallarbeiterbund gelegen hat, wenn keine Berständigung mit den ruffi schen Metallarbeitern zustande fam. Im übrigen wies Urich auf die Verhandlungen des Breslauer Gewerkschaftsfongreises hin. Zu dem Antrag Niederfirchner waren Zusaganträge gestellt. Schühe beantragte: " Die zu erwählende Studienkommission ist berechtigt: a) den Zeitpunkt felbständig zu bestimmen, b) Führung und Dolmetscher zu bestimmen, c) ungehindert und völlig frei an selbstgewählten Orten Untersuchungen anzustellen." Die Ortsverwaltung brachte folgenden Antrag ein: „ Die Generalversammlung beantragt weiter, daß die russische Regierung, oder die wirtschaftliche Organisation, d. h. der Russische Metallarbeiterverband, eine Einladung an den Vorstand des Deut. schen Metallarbeiterverbandes meds Studium der Verhältnisse in Rußland ergehen läßt, und daß die Regierung von Sowjetruhland fich bereit erklärt, der Delegation der Metallarbeiter Deutschlands feine Reiseroute vorzuschreiben und der Delegation das Recht ein räumt, ihre eigenen Dolmetscher in Deutschland zu wählen und nach Rußland mitzunehmen." Urich erklärt hierzu. daß weder Bolschemisten noch Menschewisten als Dolmetscher gewählt würden, und feine Konterrevolutionäre dafür in Frage fämen. Die Abstimmung ergab die 2nnahme der beiden 3ufaanträge gegen drei oder vier Stimmen bei einigen Stimmenthalhingen, worauf der Antrag Niederkirchner samt diesen Zusakanträgen angenommen murde. Einem weiteren Antrag der Ortsverwaltung, auf Aendering des Drtsstatuts dergestalt, daß die Fristen für die Veröffentlichung und Einbeufung der Generalversammlung um eine Woche auseinandergezogen werden, wurde einstimmig zugestimmt. Rur Beendigung des Schriftgieherstreiks. Am Dienstag wurde auf Grund des von den Parteien anges nommenen Schiedsspruches zwischen den einzelnen Firmen und den Betriebsräten über die Wiederaufnahme der Arbeit verhandelt. Mit Ausnahme der Firma Berthold, Gneisenaustraße und Belle Alliance Straße, ist mit allen Firmen eine Einigung erzielt worden. Die Firma Berthold will die Wiederein stellung der alten Arbeiter entgegen dem Schiedsspruch nach ihrem Belieben vornehmen. Die bis zum Ausbruch des Streits bei ihr Beschäftigten haben in der Schriftgießereiverfamaniung am Dienstag im Zentral- Kasino gegen diese Schikane entschieden Stellung genommen und die Organisationen beauftragt, mit der Firma heute noch einmal zu verhandeln. Sollte die Firma die Bes dingungen des Schiedsspruches nicht erfüllen und von Maßregelungen nicht absehen, werden die Beteiligten sofort die weiteren Maßnahmen beschließen. Wie unser Parteiblatt in Köln weiter mitteilt, sind die Antreiber und Agenten der Arbeitswilligen mit Waffen aus= gerüstet, ohne daß die Polizei ihnen die Genehmigung hierzu erteilt hat. Von welcher Qualifikation übrigens die Streitbrecher find, beweist die Tatsache, daß die Polizei unter ihnen einige ste ck= brieflich Berfolgte festnehmen konnte. Schiedsspruch in der Bielefelder Metallindustrie abgelehnt triftigen Grund vier von den aufgestellten Randidaten| maren. entlassen. Die Belegschaft beauftragte sofort den Deutschen Metallarbeiterverband, mit der Firma in Verhandlungen über die Rücknahme der Entlassungen zu treten. Der erschienene Verbands. vertreter wurde mit dem Bemerken von dem Sohn des Inhabers abgefertigt, daß bei der Firma alles in Ordnung" und somit nichts zu regeln sei. Die Belegschaft beantwortete diese Ünverschämt heit mit dem Beschluß, am Dienstag die Arbeit einzu stellen. Dieser Beschluß ist einmütig durchgeführt worden. Der Firmeninhaber bedrohte die Streitposten von seinem Auto aus mit dem Stod und beschimpfte sie als Strolche. Die Belegschaft ist entschlossen, den Kampf so lange zu führen, bis die Entlassungen der vier Mann zurückgenommen und die reibungslose Durchführung der Betriebsratswahl von der Geschäftsleitung zugesagt ist. Sie ersucht alle in der Spiraflederindustrie Beschäftigten, Soli darität zu üben. Zum Lohnabkommen in der Bolle- Meierei. Eine Funktionärkonferenz der bei der Meierei Bolle Beschäf tigten nahm am Montag abend zu dem Bergleisvorschlag des Gewerberats Körner Stellung und beschloß, denselben anzu. nehmen. Die Löhne der Handwerker erhöhen sich um 2 M., die der Arbeiter um 1,50 m. und die der Frauen um 1 M. bzw. 1,50 m. Die Firma hatte anfänglich versucht, die Annahme des Bergleichsverschlages mit den Manteltarifverhandlungen zu verbinden. Davon ist aber im Vergleichsvorschlag nicht die Rede. Es heißt dort lediglich, daß sich das jetzt geltende Lohnabkommen bei Annahme lediglich, daß sich das jetzt geltende Lohnabkommen bei Annahme des Vorschlages bis zum 30. Oftober verlängert. Die Meierei Bolle hat daher ihren Vorbehalt aufgegeben und den Vorschlag ebenfalls angenommen, doch nur unter dem neuen Borbehalt, daß der Verfehrsbund bemüht sei, die Manteltarifverhand Iungen auf friedlichem Wege zum Abschluß zu bringen. Die Gewerkschaften sind stets bereit, Differenzen friedlich beizulegen. Wenn das nicht immer gelingt, so liegt dies meist an der anderen Seite, an der Unnachgiebigkeit der Unternehmer. So auch in diesem Falle. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß der Verkehrs. bund die Berhandlungen, die in dieser Woche beginnen sollen, friedlich beenden will. Ob dies m sein wird, ist aber noch fraglich. Die Firma felber hat den telvertrag gekündigt und beabfichtigt, hauptsächlich in der Frage des Urlaubs und des Kranken geldzuschusses einschneidende Verschlechterungen einzuführen. Geht die Firma davon nicht ab, ist an einen friedlichn Abschluß der Verhandlungen wohl nicht zu denken. Auf dem Wege zur Einigung im Gastwirtsgewerbe. Die am Montag dieser Woche vor dem Schlichtungsausschuß geflogenen Verhandlungen waren insofern nicht ergebnislos, als eine Kommiffion von 6 Arbeitgebern und 6 Arbeitnehmern einDie Kommission geicht wurde, die eine Einigung anbahnen soll. tritt am Sonnabend, den 26. September, erstmalig zusammen Hamborner Erwerbslosendeputation in Berlin. Hamborn, 22. September.( TU.) Die von den Hamborner Erwerbslofen nach Berlin entfandte Abordnung hat im preußischen Wohlfahrtsministerium und im Reichsarbeitsministerium ohne Erfolg Die Forderungen der Abordnung nach Ver. verhandelt, doppelung der Unterstügungssäge und einer ein maligen Beihilfe für Ermerbslose wurden abgelehnt. In dem von der Abordnung erstatteten Bericht wird besonders her vorgehoben, daß die Gewerkschaften jede vermittelnde Hilfe abgelehnt hätten. ( Die Gewerkschaften hatten sicher alle Ursache dazu. Der Hin meis läßt erkennen, welch Geistes Kinder diese Deputation bildeten. Red. d. V.) Konflikte in der Kölner Metallindustrie. Köln, 22 September.( Eigener Drahtbericht.) In der Kölner Metallindustrie stehen heftige Kämpfe bevor. Da ein nochmaliger Verfuch der Organisation, in dem Lohnstreit zu einer Berständigung zu gelangen, an der Haltung der Unternehmer gescheitert war, stellten am Dienstag in einer Reihe von Fabriken die Gehilfen die Arbeit ein. Auch bei den Elektromonteuren droht ein Konflikt aus zubrechen. Anfongs September stellte der Deutsche Metallarbeiter verband Köln bei der Vereinigung der elektrotechnischen Installations. firmen den Antrag auf eine Lohnerhöhung. Das Verlangen lehnte die Unternehmerornanisation furzerhand ohne jede Begründung ab. Es find auch hier Arbeitseinstellungen zu erwarten. Extraurlaub. Dorfmund, 22. September.( Eigener Drahtbericht.). Die Berwaltung des Eisenwerfes Phönix hot wegen Auftragsmangels die Belegschaften des Stahl- und Blockwalzwerks, des Thomas- Werkes und des Blockwalzwerts für acht Tage„ beurlaubt". Es besteht die Möglichkeit, daß in der nächsten Zeit noch Kündigungen in geringem Umfange in der Eisen- und Bauabteilung des Werkes erfolgen. Bielefeld, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Schiedsspruch in der Bielefelder Metallindustrie wurde in der Vertrauensleuteversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes in geheimer Abstimmung abgelehnt. Der christliche Metallarbeiterverband hat sich ebenfalls für Ablehnung des Schiedsspruches erklärt. Der Arbeitgeberverband der Metallindustrie hat sich dagegen mit knapper Mehrheit für die Annahme des Schiedsspruches entschlossen. Die Verhandlungen über eine Erhöhung der Angestelltengehälter haben ebenfalls zu feinem Ergebnis geführt, so daß sich der amtliche Schlichtungsausschuß demnächst mit der Regelung dieser Frage zu befassen hat. Streik in der Bielefelder Wäscheindustrie. Bielefeld, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag morgen traten die Belegschaften einiger größerer Werke der Herrenwäscheindustrie in den Streit. Die Arbeitnehmerschaft verlangt eine Lohnerhöhung, die über die im Schiedsspruch vorgesehene Erhöhung von 5 Broz. hinausgeht. Dieses Verlangen wurde vom größten Teil der Arbeitgeber abgelehnt. Ende des Bergarbeiterstreits im unteren Lahutal. Oberlahnflein, 22. September.( TU.) Der Streit der Bergleute in den Blei- und Zinkerzgruben der unteren Lahn und bei Blaubach, der volle drei Monate dauerte, ist beendet. Durch ein vom Reichsarbeitsministerium eingeleitetes 3wangsschlichtungsver fahren wurde ein Vergleich herbeigeführt, den die Vertrauens= männerkonferenz des Bezirksverbandes annahm. Die Arbeit wurde unter Beibehaltung der alten Löhne wieder aufgenommen. Die französische Regierung gegen Proteststreiksünder. Paris, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat beschloß am Dienstag, gegen die Urheber des Proteststreits der weiblichen Telephon- und Telegraphenangestellten Strafmaßnahmen auf dem Verwaltungswege durchzuführen. Auch eine gerichtliche Verfolgung soll eingeleitet werden. Der Post- und Handelsminister Chaumet hat am Schluß des Ministerrats erklärt, daß die Regierung solche Kundgebungen nicht dulden und sie nach aller Strenge der Geseze verfolgen werde. Diefer Streif sei auch deswegen unzulässig, weil das Personal der Post- und Telegraphenverwaltung sowohl von ihm, Chaumet, als auch vom Ministerpräsidenten die wiederholte Zusicherung erhalten habe, daß seine Forderungen in williger und wohlwollender Weise geprüft würden. Andere Saiten im britischen Seemannsstreik. London, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Die auftralische Regierung hat jetzt in den Streit der Seeleute vermitteind eingegriffen. Eine Untersuchungsfommission soll eingesetzt werden. General Herzog hat bereits eine Abordnung der Streifenden empfangen. Man hofft, eine baldige Einigung zu erzielen. Londen, 22. September.( TU.) Wie die„ Daily Mail" be= richtet, wünschen die australische und die afrikanische Regierung, den Seemannsstreit so schnell wie möglich beizulegen und mon plant deshalb, die englische Regierung zu bitten, einen Untersuchungsausiauß einzusehen. Die füdafrikanische Regierung hat diesen Plan bereits zu einem Rabinettsbeschluß erhoben und zwar soll der Untersuchungsausschuß in England eingesetzt werden. Der internationale Unternehmerpatriotismus. In Lyon find am Dienstag auf die Ankündigung hin, daß die Arbeitgeber im Baugewerbe beabsichtigen, italienische Ar= beiter einzustellen, auf Anordnung der Gewerkschaften 4000 Maurer in den Streit getreten. Der Buchdruckerffreit in Antwerpen geht weiter. Die Arbeitgeber haben die Brüsseler Vereinbarung nicht angenommen. Achtung! Firma Dr. Paul Meyer, Drontheimer Straße 35, Zusammenkunft der SPD.- Genossen morgen, Donnerstag, 4% Uhr, bei Fritsch, Drontheimer Straße 4. Wichtige Tagesordnung. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Achtung, SPD. Musikinstrumentenarbeiter! Scute abend 7 Uhr im Reiden. berger Sof, Reichenberger Gir. 147, Versammlung aller SPD.- Vertrauensleute, Betriebsfunktionäre und Generalversammlungsdelegierten. Wichtige Tages. odnung. Jeder muß erscheinen. Der Werbeausschuß. Rentralverband der Angefelten, Sektion Richtständige Angestellte der Stadt Berlin. Mitgliederverfammlung morgen, Donnerstag, abend 7% Uhr im Ortsbureau, Belle- Alliance- Straße 7/10, Gikungsfaal. Rabelwerke Siemens- Scuderi in Gartenfeld. Freitag, 25. Geptember, nach. mittags 3 Uhr, freigewerkschaftliche Mitgliederversammlung bei Lehmann in Gartenfeld. Tagesordnung: Betriebsratswahl. Das Kölner Streikbrechergesindel und seine Vermittler. Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn: Feuilleton: K. H. Döscher; Lokales und Köln, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Streif im Kölner Hafen geht unverändert meiter. Wie unser Kölner Parteiblatt mitzuteilen weiß, find die nach Köln importierten Streitbrecher in Hamburg von einem Streitbrecheragenten Heßberg angeworben worden, der bereits vor dem Kriege als Streitbrecheragent eine unrühmliche Rolle spielte. Sämtliche Streitbrecher sind Mitglieder des Stahlhelms und durch den Deutschnationalen Streik in der Spiralfederfabrik von Sauerbier. Durch allerlei Spizfindigkeiten und rücksichtslose Maßregelungen der organisierten Arbeiter und Betriebsräte hat es die Firma Sauerbier, Forster Straße. 4/6, verstanden, ungefähr seit einem Jahre jede Betriebsratswahl Arbeiterverein Berantwortlich für Bolitik: Ernft Renter; Wirtschaft: Artur Eaternus; Sonstiges: Frih Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet Berlin SB 68 Lindenstraße 3. und Verlagsanstalt Baul Einger u. Co. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Lavaren und nie mehr etwas anderes fähr drei Wochen wurde in einer Betriebsveriammiflung wieder zu" amburg vermittelt worden., Inzwiſchen find, wie bereits früber zum Haarewaschen: der Betriebsratswahl Stellung genommen und beschlossen, eine ein heitliche Liste aufzustellen. Die Firma hat daraufhin ohne jeden mitgeteilt, die meisten Streitbrecher aus dem besetzten Gebiet wieder abgefchoben worden, da sie nicht im Besitz eines Personalausweises Einfach wundervoll und wundervoll einfach. Moderne Herbst- und Winterkleidung zu billigen Preisen! Fesche Formen aus Flauschsiother in verschiedenen Herren- Winter- Ulster Farben Schwedenmantel Herren aus Grätenstellen mit Abseite. 55.Herren- Ulster Phantasiestollen m. Ueberkaros, je nach Qual. 75,-, 706560.in den modernsten Formen aus Marengo and braun gemustertem Cheviot, Diagonal und Ersatz für Maß, ane hervorragendem Velours lungen 100,-, 90, 85-. Herrennister End Rafinéstoffen in den neuesten Farbenstel. 80.Modellmäntel 150.-, 130. für Herren, a. uns. Maßabig., in versch. Form. aus reinwoll, Flat- chstoff, in vollend. Paßiorm schwarz Cheviot u Eskimo 90-, 80-, 70Marengo- u. schwarz Cheviot auf gut, Safine la, 120.Winterpaletots m. Sammelkrag ,, Ein- u Zweireihert, a, matengo. 60.Rock- Palelots, 30.27. 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Jedem kann es geschehen, daß er sich auf einmal in einer kleinen. oft schmutzigen Zelle sieht, die kaum Platz für ein Eisengestell mit «-trohsack hat und deren einzig« Verbindung mit der Welt der Lebenden das hochangebrachte Gitterfenster ist. ?eöen kann es treffen. Es genügt, daß man einer Verwechslung zum Opfer fällt. Zu- weilen aber kann eine unglückselige Kette von Verhältnissen den stillen Zellenkampf um Freiheit notwendig machen. Aber auch da, wo ein wirklich Schuldiger der Verurteilung entgegenharrt, wollen w i r nur das Menschliche sehen und aus Mitgefühl, nicht aus Neu- gierde, wollen wir wissen, wie es um den Gefangenen aussteht und wie stch seine Seele in dieser kleinen und doch so abgrundtiefen Welt des Neuen zurechtfindet. Vielleicht ist es gut, daß nicht allzuviel aus den Kerkern aller Art zu uns dringt, und daß befreite Ge> fangene nur ungern wieder seelisch in die Enge ihrer Haft zurück- kriechen. Gefangenschaft ist etwas so unsagbar Bitteres, daß sich der Durchschnittsmensch der Freiheit im tiefsten betrofken und erschüttert fühlen mühte, wenn er ihr ganzes Grauen auf sich wirken lassen mühte. Jn der Zelle. Folgen wir dem Gefangenen in seine Zelle. Durchleben wir mit ihm die Einzelhaft. Ilm ihn ist Stille. Er steht außerhalb der Zeit. Zur Stille gesellt sich dir Enge. Sechs Schritt vor— wenn es gut geht— sechs Schritte zurück ist sein Bewegungsraum. Wie aber haust der Gefangene in dieser atembeklemmenben Enge, wie schlägt er einen Tag tot, der nach den Verordnungen erwürgt werden muß? Zn den ersten Tagen wird bei den meisten Zelleniniaste« die Betäubung Hast genösse. Der Gefangene sinkt in sich selbst zusammen. er ist nichl fähig, ernstlich über irgend etwas nachzudenken. Diesen Häftlingen aber bleibt nicht der Schrecken der Nächte erspart— und es läßt sich kaum ein Schmerz denken, der so wild vom Herzen kommt, als wenn einer nach irgendeinem Traum von Freiheit zum Bewußtsein seiner Gesängnisumgebung erwacht. Viele halten sich tapfer tagsüber aufrecht— den Nächten aber unterliegen sie. So schrecklich ist das Erwachen des Gefangenen, daß man zuweilen in schweren Fällen versucht, einem Gefangenen dadurch da» Geständnis zu entreißen, indem man ihn aus dem Schlaf rüttelt. Elnzelhafi. Es darf als sicher hingestellt werden: längere Einzelhaft führt zu seelischer Erkrankung. Schon in den ersten Tagen tritt das lieberwuchern der PhaMasie in Erscheinung. Der Gefangene flüchtet. »m sich ausrecht erhalten zu können, in die Welt des Nichtwirklichen, er ruft den Klang hervor, er bewegt sich zu eigenem Summen in rhythmischen Wendungen, um doch immer wieder niederzusinken und sich dumpfem Schmerz.zu überlassen. In seinem Innern vollzieht sich, geboren aus Notwendigkeit, eine Hinwendung zum übertriebenen Keisiiaen, die vielfach im Religiösen ihren Ausdruck findet. Auf' alle Fülle ist der Mensch, der schuldig oder nicht, längeve Zeit in der Einzelhast der Ilnteifuchung verbracht hat, für lange, lang« Zeit, wenn nicht für das ganze Leben gesteigerten seelischen Trieb- äußerungen verfallen, deren Eigenart besonders in den Ueberirei- bungen von Empfindungen besteht. Es dürste kaum etwas geben. was für eine Seele so gefährlich werden kann wie Eiozethast. Jeder Arzt müßte beurteilen können, ob und wann diese Gefahr eintritt. Wie viele werden freigesprochen, nachdem sie durch die Untersuchungs- hast mehr als bestraft waven, und niemand kann wieder gut machen, was an Ihnen gesündigt wurde. Dem freieren Volkstum unserer Tage entspricht es, daß wir uns mit allen Gebieten des öffentlichen Lebens beschästigen, auch mit den Erscheinungen, vor denen uns bisher gesellschaftliche wcheu zurückhielt. Die alte Gesellschaft, selbst durch unendliche Schuld gegongen, sieht viele Gefangene von heute als Ernte ihres eigenen Tuns. Sind wir bestrebt, neue, wirkliche Demokratie an Stelle bisherigen Treibens treten zu lasten, so werden wir auch hier für viel Gutes, viel Befreiendes wirken können. » Eine Untersuchungshaft ist nicht dazu da, um Menschen zu zer- brechen, noch ehe der Richter sie verurteilt hat. Es ist unser« Auf- W/e lange noebf Zruhherbstliche Menöe. In erleuchteten Geschäften trifft man Vorbereitungen zun Ladenschluß. Leute, die stets im letzten Augenblick erscheinen müssen, drängen sich noch in den Läden. Vor den Fenstern lagert silberne Dämmerung. Die Dinge erscheinen merkwürdig unwirtlich. sie sehen beinahe flächenhaft aus, das Leben verläuft so lautlos wie im Film. Geräusche tönen gedämpft. Die Straßenbahnen sind überfüllt, denn die Kontore haben bereits geschloffen, und In den großen Verkehrsstraßen des Westens eine ununterbrochene Flut von Automobilen. Aber alles entwickest sich weniger geräuschvoll als in den Mittagsstunden. Die Zeit der langen Dämmerung ver- wischt grelle Gegensätze. Die ersten Bogenlampen glühen auf, die Scheinwerfer der Automobile sind wie riesige Leuchtkäfer, sie kämpfen mit dem versiegenden Tageslicht, sie hoben noch keine Strahlkraft. Alles ist in Grau getaucht, die Farben verschwimmen und wirken stumpf, die Gegenstände verlieren ihre harten Umrisse und sehen wie Kulissen aus. über ollem lastet etwas Traumhaftes. Diese Abende sind nervös und sentimental, in ihnen lebt die verschämte Poesie de, Großstadt, eine Romantik, die man sich nicht eingestehen will, sie sind gleichzeitig ermüdend und spannend. Man läßt sich treiben, man fällt vor den Schaufenstern in Träumerei. Es ist die Zeit der Ungebundenheit, der Phantasie, des Spielens mit Wünschen: aber man versinkt nicht in wesenloses Träumen wie in der Klein- stadt oder auf dem Lande, man Ist nicht allein, man fühlt immer wieder, daß man nur ein Teil dieser Riesenmaschine ist, deren Rhythmus die Dämmerung dämpft. Hin und wieder wird bereits ein Wohnungsfenster erleuchtet. Allmählich versinkt das Tageslicht. Die Gegenstände werden nun in dem beherrschenden Schein der Bogenlampen wieder plastisch. Schwarz und Weiß stehen schroff gegeneinander. Die Lichtkegel der Automobile reißen klaffende Lücken in die Dunkelheit, die Geräusche haben ihre alte Stärke wiedergewonnen. Alles ist wirklich ge- worden. Perserteppiche. Teppichschmuggel uuter der diplomaftschen Maske. Ein umfangreicher Strafprozeß wegen unerlaubter Einfuhr von Perserteppichen fand vor dem Schöffengericht Wcdding gegen den türkischen Untertan Achmed Sia Bey statt. Seit langem hatte die Zollbehörde gegen den in Berlin mit seiner Familie ansässigen jetzigen Angeklagten den Verdacht, daß er einen umfangreichen Teppichschmuggel betreibe. Bei einer Haussuchung wurden in seiner Wohnung 3 7 Perserteppiche gefunden. Er selbst war aber abwesend. Während der Durchsuchung der Wohnung hatten die Beamten aber das Glück, daß der Angeklagte gerade aus Wien seiner Frau schrieb, und ihr scine Rückkehr ankündigte. Es wurde darauf das Frachtgut auf dem Anhalter Bahnhof unter Bc- obachtung gestellt, und als die Ehefrau mit einem anderen Türken auf dem Bahnhof erschien, um«inen großen Koffer abzuholen, griff man ein. Es ergab sich die überraschende Tatsache, daß die Frau des Angeklagten im Besitze eines diplomatischen Ausweises war. stach welchem den Behörden empfohlen wurde, dem Inhaber bei der Zollabfertigung die größtmöglichste Er leichterung zu gewähren, ein Ausweis, der nach der Angabe der Be- amten mit Sicherheit die Gewähr bot, daß eine Durchsuchung unter- blieben wäre. Der Kaiser enthielt wiederum einen großen Posten Teppiche, die ollem Anscheine nach ans Wien stammten. Nach der Behauptung des Angeklagten will er die Teppiche als Umzugsgut aui legale Weise aus Konstantinopel nach Verlin übergesüyrt haben, und er behauptete weiter, daß eine solche große Anzahl von Teppichen in einer vornehmen türkischen Wohnung nichts Außergewöhnliches sei. Achmed Sia Bey hatte einst in der Türkei eine große politische Rolle gespielt. Er war Mitglied einer junglürkischen Vereinigung und seine Frau ist die Tochter eines ehemaligen Groß- vesirs. Die politische Entwicklung in seiner.Heimat nötigte ihn zur Flucht. Er hatte dann in verschiedenen Ländern gelebt und sich schließlich in Deutschland niedergelassen. Er ist auch weiterhin mehr- Das unbegreifliche Ich. Stj � Geschick) teeinerIugend. Roman von Tom Kristcnsen. (Berechtigte llebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Eines Tages, als ich nach dem Krankenhaus heraus sollte, kam ich an der Kirche vorbei, und plötzlich siel es mir ein, daß ich ain vergangenen Tage wieder eine meiner Heiligtums- schändungen begangen hatte. Ich bekam es gleich mit der Angst wegen meiner Mutter und schlich mich deshalb in die leere, halbdunkle Kirche, um zwischen den Bänken zu suchen: ober kaum war ich bis zum Altar gekommen, als ich eine schwere Tür hinter mir ins Schloß fallen hörte. Es blieb mir keine Zelt, mich zu verstecken, und ich drehte mich er- schrvcken um. um zu sehen, wer das war. Es war der Prediger, und er kain zu mir hingegangen. „Was machst du hier?" fragte er, so daß seine Stimme durch den Raum schallte. Ich sah seine Gestalt im Halbdunkel Ich_ ich sehe mir die Kirche an," stammelte ich. �Die hast du doch schon vorher gesehen." Ja__ ja, das habe ich-- aber nicht allein." Er sah mich mit festem Blick an, denn er glaubte, er könnte mich durchschauen: doch ich wußte, daß er meinen geheimnis- vollen Kamif nicht sehen konnte, und starrte ihm ruhig in die Auaen Er stutzte etwas und dann sagte er: ilu solltest einmal am Abend in den KVJM.*) herüberkommen, du weißt wohl, wo das ist?" '«Bc» solltest du wirklich. Ich möchte mal mit dir reden. Es wäre mir lieb, wenn du heute abend um 8 Uhr kämst, denn da haben wir eine Zusammenkunft." "Es' gibt Tee und Kuchenbrötchen," sagte er und lächelte. „Ich werde schon kommen." � Als er gegangen war. duckte ich mich unter dm Bankreihen und fing an zu suchen. Ick kroch auf der Erde herum und fand endlich den Zigarettenstummel. Vorsichtig trug ich ihn heraus, so daß die Äsche mir nicht zwischen den Fingern zer- fiel und Gottes Boden beschmutzte, und werf ihn auf die Straße. Lristlicher Verein Junger Männer. Darauf machte ich mich pfeifend nach dem Kronkenhaus: meine Mutler hatte trotzdem einen Rückfall bekommen, und ich wurde nicht hereingelassen. Diese Strafe verstand ich nicht, und am Abend ging ich deshalb nicht in den KVJM. Bei meinem nächsten Zusammentreffen mit dem Pre- digcr blickte er mich kalt an. Ich konnte ihm ansehen, daß er mich zum Erröten bringen wollte, und antwortete ihm des- halb mit einem bösen Blick. Die Periode der Verhärtung, die jetzt einsetzte, wurde noch wilder als die frühere. Ich pfiff in der Kirche, und ich wagte sogar, auf den Altar zu gehen und den Leuchter schief zu drehen. Die anderen Jungen lachten: doch ich merkte wohl, daß sie mich deshalb nicht leiden konnten. Erst in den letzten Tagen unmittelbar vor der Kpnfir- mation wurde ich von einem feierlichen Gefühl ergriffen. Ich wurde gleichsam von einem Licht umgeben, das von oben herniederströmte. Ich sprach eifrig mit meiner Mutter darüber, und zu- weilen verstand sie mich und nickte: doch zuweilen starrte sie nur in den langen Spiegel, den sie hartnäckig draußen im Krankenhaus verlangt hatte. Dann hörte sie nichts von dem, was ich sagte. Daheim im Laden ging Samuelsen dagegen mit einem verschmitzten Lächeln umher. „Ja. jetzt sollst du also konfirmiert werden." grinste er und stieß mich mit der Schulter an,„nun mußt du aber auch recht laut„ja" sagen. Es ist ein starkes Stück, zu all dem ja sagen zu müssen: aber mach nun deiner Mutter die Freude." Ich blieb Samuelsens Spöttereien gegenüber taub und war ganz besessen von dem strahlenden Glanz, der von meinen Einsegnungssachen ausging, die an einem Riegel vor dem Regal hingen. Es war wie das Futteral für einen kleinen, blitzenden Herrn. Ich träumte, daß ich am Tage nach der Einsegnung auf die Straße gehen und die Jungen rufen hören würde:„Kon- firmand. gib einen Schilling!" Dann würde ich die Hände tief in die Hosentaschen senken, eine Hand voll Kupfergeld nehmen und es mitten unter die Jungen werfen, so daß sie sich darum prügeln konnten. Zögernd wandten sich meine Gedanken dann zu der Ein- segnung selbst. Sie schien von übermächtigem Glanz erfüllt. Es mußte ja in dem Augenblick, wo der Prediger die Hand auf meinen Kopf legte, etwas Wunderbares geschehen, dachte ich. Es mußte eine Leuchtkraft von seiner Hand ausstrahlen, die mir durch den Kopf und weiter durch den ganzen Körper dringen würde. Aber wer sollte mit mir gehen? Sollten die Stühle hinter mir leer stehen, so daß ich ganz verwaist aussah? „Samuelsen, Sie müssen mitgehen, hören Sie," bat ich. „In die Landeskirche, das fehlte grade noch!" fuhr er mich an. Das war mein täglicher Kampf, und schließlich erregte mich der Gedanke an die leeren Stühle hinter mir so, daß mir die Tränen in die Augen stiegen. „Wollen Sie denn, daß ich ganz arm und elternlos aus- sehen soll?" „Habe dich doch nicht gleich so! Na. dann muß ich wohl mitgehen und mir die Heulboje anhören." Am Einsegungstage saß ich in einer Reihe mit den ande- ren die Kirche entlang. Auf der anderen Seite saßen die Ein- segnungsmädchen, und ich mußte mir eine Stelle zwischen zwei Mädchenköpfen suchen, um meinen Blick darauf zu richten, damit meine Gedanken nicht in Verwirrung gerieten: aber bald wurde der Blick von einer weihen Haarschleife, bald von einer Locke, einem Hals, einer Schulter abgelenkt: und mit einem Satz mußten meine Augen schließlich über ein strahlend weißes Mädchen springen. Besser, ich starrte auf den Boden. Meine Sachen saßen steif und neu an mir. Der Kopf hing über einem scharfen Kragen. Auf meinem Schoß mußte ich mit meiner Mütze, meinem neuen Gesangbuch und meinen weißen Handschuhen herummanövrieren, um sie nicht zu verlieren. Hinter mir saß Samuelsen: doch ich drehte mich nicht um, denn entweder hatte er eine gemachte väterliche Miene auf- gesetzt oder auch den verächllichen Zug um den Mund, den er immer hatte, wenn er von der Landeskirche sprach. Ich dachte daran, wie Mutter sich jemals was aus ihm gemacht haben könnte: doch im selben Augenblick stieg mir eine starke Röte ins Gesicht. Daran hätte ich gewiß jetzt nicht denken sollen! Es war ein Unrecht gegen sie. Sie lag draußen im Krankenhaus und konnte sicher in ihrem Innern merken, daß ich jetzt eingesegnet wurde. Meine Gedanken durften nicht auf meine Mutter und nicht auf Samuelsen gerichtet sein. An Gott mußte ich jetzt denken, und ich wiederholte leise:„Es ist ein Licht oben unter der Kirchenkuppel, an das muh ich denken, denn es kommt von Gott."(Fortsetzung folgt.) Kinder selbst vor. Die wachsende Zuwanderung nach Palestina| angetauft. Das dritte Bild, 25 X 30 Zentimeter groß, ist von legt Zeugnis von der Wichtigkeit dieser Frage ab, die im großen zwar einem unbekannten Maler, W. S. 50 figniert. Es stellt ein Liebesschon geklärt, im einzelnen aber noch mancher Reformen bedarf. paar in einem Kahn dar. Vor dem Ankauf der wertvollen Kunstwerke wird gewarnt. Mitteilungen über ihr Auftauchen an Kriminaltommiffar Trettin im Zimmer 103 des Polizeipräsidiums. Es muß aufs äußerste befremden, daß so wertvolle Gemälde offenbar ohne genügenden Schuh geblieben find. Der Freund der Diebesfamilie. Affeffor Kußmann als Zeuge.. fach in politischen Miffionen zwischen Deutschland und der Türkei verwendet worden und soll Beziehungen zum Auswärtigen Amt gehabt haben. Die Anklage gehe davon aus, daß er seine Beziehungen ausgenugt habe, um einen schwunghaften Teppichhandel zu betreiben, wobei er die Einfuhrbestimmungen und die Zollaften geschickt zu umgehen verstand. Vom Angeklagten wurde das entschieden bestritten. Er war, als er aus Wien zurückkehrte, am 20. August vorigen Jahres im Café Vaterland verhaftet worden Eine Art Nachspiel zu dem großen Diebstahlsprozeß Röberund hatte sich 7 Monate in Untersuchungshaft befunden. Das Ge Morvilius, der vor drei Jahren Aufsehen erregt hatte, beschäftigte richt fah die Schuld des Angeklagten hinsichtlich der Wiener Sendung das Schwurgericht des Landgerichts I, unter Vorsitz von Landfür erwiesen an und verurteilte ihn wegen unerlaubtergerichtsdirektor Tolt, und zwar ein Meineidsprozeß gegen den Einfuhr zu 12900 m. Geldstrafe. Davon wurden jedoch 10 000 m. auf die fiebenmonatige Untersuchungshaft in Abrechnung Buchmacher Arthur Schubert. gebracht. Wegen der in der Wohnung vorgefundenen 37 Teppiche fonnte dem Angeklagten ein Berschulden nicht nachgewiesen werden und die Teppiche wurden demgemäß freigegeben. Der zweite Zecher. Selbstmord oder Kapitalverbrechen? Geffern mittag gegen 12 Uhr wurde der 30 Jahre alte Techniker Erich Sprafte in der Wohnung seiner Eltern in der Torgauer Straße 3 zu Schöneberg tot aufgefunden. Kurze Zeit vorher war der Bruder des jungen Mannes auf dem 176. Polizeirevier erschienen Schubert war befreundet mit dem in dem Prozeß mitangeflagten Ehepaar Förster und Morvilius und war auch als Zeuge über Republikanischer Abend Heute Mittwoch, den 23. September, abends 7%, Uhr, im Bittoriagarten, Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114/115 Thema: Die kommenden Sonntagssonderzüge ab Berlin. Wie die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung erfährt, hat die Reichsbahndirektion Berlin für Sonntag, den 4. Oktober, einen Sonderzug nach der Sächsischen Schweiz und für Sonnabend, den 10., und Sonntag, den 11. Dltober, einen zweis tägigen Sonderzug nach Hamburg in Aussicht genommen. Die Einrichtung der zweitägigen Wochenendfahrten, die am bergangenen Sonntag mit dem Sonderzug nach dem Riesengebirge zum ersten Male versucht worden ist, dürfte voraussichtlich weiter ausgebaut werden. Großfeuer in Wilmersdorf. Am Dienstagabend fam aus noch nicht ermittelter Ursache in Wilmersdorf, Nassauische Str. 23, ein Großfeuer zum Ausbruch. Das Feuer wurde von Hausbewohnern und Straßenpassanten be= mertt. Auf Meldung waren in and hatte gemeldet, daß ſein Bruder vermißt sei. Da die Beamten Wucherzölle und Steuern! und Preisabban-?" minuten fechs sofchalige mit 24 Gahrzeugen zur Stelle. Bier auf Klopfen und Klingeln keine Antwort erhielten, so drangen fie ein und fanden den Bermißten tot auf. Die Begleitumstände waren fo eigentümlich, daß die Mordkommission der Kriminalpolizei alarmiert wurde. Der Tote lag, nur mit einem Hemd bekleidet, dicht an der Tür des Wohnzimmers auf dem Rücken auf der Erde. Neben seiner rechten Hand lag ein leeres Weinglas, das den typischen Bittermandelgeruch von 3yantali aufwies. Da an dem Toten teine äußeren Verlegungen festzustellen waren, ist der Tod offenbar durch Vergiftung eingetreten. Der junge Mann muß fremden Besuch gehabt haben, denn auf dem Wohnzimmertisch standen zwei Kognatgläser und ein Weinglas, die alle benutzt morden waren. Neben dem Sofa fand man an der Erde eine leere Flasche Liebfrauenmilch 1922", die noch halbvoll war. Unter einem Lisch entdeckte man dann noch eine leere Rognafflasche einer guten Marte. Das alles läßt darauf schließen, daß in dem Zimmer mindestens 2 Personen miteinander gezecht haben. Die merkwürdigen Begleitumstände bei der Auffindung des Toten machen ein Berbrechen nicht unwahrscheinlich. Die sofort angestellten Ermittlungen der Mordkommission ergaben, daß der Techniker Erich Spraffe. seinen Bruder am Donnerstag, den 17. d. M., abends gegen 8 Uhr besuchte. Der Bruder, der in der Potsdamer Straße ein Delikatessengeschäft betreibt, behielt den jungen Mann zum Abendeffen bei sich. Gegen 10 Uhr entfernte sich Erich Sp. und gab an, daß er jetzt nach Hause gehen wolle. Möglicherweise hat er aber noch ein Lotal aufgesucht und dort eine Bekanntschaft gemacht. Das Mitkommen einer zweiten fremden Person tonnte nicht auffallen, da der Vater des jungen Mannes sich mit seiner Frau seit 10 Tagen auf einer Urlaubsreise befindet und der Sohn allein in der Wohnung war. Diese zweite Berson muß die Wohnung in großer Eile verlassen haben und hat die Schlüssel zu der Korridor und Haustür mit sich genommen. Geraubt ist nach den bisherigen Feststellungen nichts. Aus einem Briefe der Braut des jungen Mannes geht hervor, daß er sich von ihr Geld leihen wollte. Die Frage ist mun? Wer ist der geheimnisvolle zweite Becher? Ist es ein Mann oder eine Frau? Die Ermittlungen zur weiteren Aufklärung sind noch im Gange. Steinwürfe und Schüsse auf Eisenbahnzüge. Abermals muß sich die Kriminalpolizei mit jenen leider nur felten gefaßten Strolchen beschäftigen, deren heimtüdisches Vergnügen es ist, auf fahrende Büge Schüffe abzugeben oder die Büge mit Steinen zu bombardieren. So wurde auf den D- 8ug 29 am Sonntag nachmittag um 6 Uhr 40 Minuten in der Nähe der Unter führung Wannsee- Stahnsdorf von der Seite der Strede Berlin- Magdeburg her ein fauft großer Feldstein geschleudert. Dieser zertrümmerte eine Scheibe des Speisewagens, traf einen Studienrat und brachte ihm eine blutende Verlegung an Kopf und Ohr bei. Auf dem Bahnhof Grünau meldeten Reisende, daß nachmittags um 2 Uhr 24 Minuten aus einem ausfahrenden Vorortzuge heraus nach dem Bahnsteig A, auf dem fie standen, geschossen worden sei. Getroffen wurde nie Abends um 8 Uhr erhielt ein Vorortzug einen Schuß auf der Strede zwischen Schöneberg und Bape straße. Das Geschoß durchschlug eine fleine Scheibe neben der großen Türscheibe.. mand. Margarine. Wenn sich die Verwaltung der Meierei Bolle mit der Sorgfalt, mit der sie sich der Fabrikation von Margarine annimmt, der Regelung der Arbeitsbedingungen ihrer Belegschaft annehmen würde, dann wären die ständigen Konflitte der Verwaltung mit der Arbeiterschaft sehr leicht vermeidbar. Was die Presse bei der Besichtigung der Bolleschen Margarinefabrit zu sehen befam, war daz angetan, etwas von dem Vorurteil, das in weitesten Kreisen immer noch gegen den Genuß von Margarine herrscht, zu beseitigen. In dem Betrieb herrscht erfreuliche Sauberkeit. Der Handbetrieb ist volltommen beseitigt und einzig und allein der Maschinenbetrieb eingeführt. Während bei dem Handbetrieb 300 Arbeiter innerhalb acht Stunden eine Leistung von 250 Zentnern vollbrachten, erreichen jezt 82 Arbeiter in derselben Zeit eine Leistung von 600 Zentnern. Das bedeutet eine erhebliche Berringerung der Arbeitsunfosten. Man kann zwei Arten von Margarine unterscheiden: tierische und pflanzliche. Bei beiden Arten tommen die Rohstoffe, mit Ausnahme der Milch und des Salzes, aus dem Ausland. Das Schmelzen der Fette geschieht in großen, 60000 Liter fassenden Lants. Die Mischung der verschiedenen Delsorten und der Milch erfolgt in den Temperierwagen. Bon hier aus erfolgt eine intensive Bearbeitung in den„ Kirnen", das sind maschinell betriebene Butterfäffer. Durch Kühlwasser wird dann das Fabrikat kristallisiert und es erhält hierbei das butterähnliche Aroma. Die Verpackung geschieht ebenfalls maschinell. Die Leistung einer Packmaschine beträgt 30000%-fundBatete in ber Stunde. Die Margarinefabrik Bolle ist augenblicklich die einzig größere Margarinefabrit, die in Berlin in Betrieb ist, da verschiedene Berliner Margarinefabriken stillgelegt worden sind. Städteban in Palästina. In den Räumen der Zionistischen Bereinigung für Deutschland hielt der Architeft R. Kauffmann am Dienstag einen Vortrag über„ Die städtebaulichen Probleme der jüdischen Siedlung in Palästina". An Hand von Blänen, Zeichnungen und Entwürfen gab der Vortragende, der selbst als Städtebauer am zionistischen Kolonisationswert mitgewirkt hat, einen flaren lleberblick über den in Palästina in flottem Tempo vor sich gehenden Bau neuer, mit allem Komfort der Neuzeit und technischen Errungenschaften ausge= statteten Städte. Früher entstanden uneinheitliche Siedlungen, die durch An- und Neubauten ein Winkelgassensystem ohne irgendeinen Zentralpunkt im Innern der Stadt bildeten. Jetzt werden groß= zügige Baupläne entworfen und ausgeführt. Die Siedlungen teilen fich in Gartenvorstadt, städtische und landwirtschaftliche Sied lungen, je nach der Lage und Bodenbeschaffenheit in den größtenteils hügeligen Ländergebieten. Vornehmlich um Jerusalem herum sind mächtig aufblühende Siedlungen entstanden. Bon großer Bedeutung sind die landwirtschaftlichen Siedlungen, in denen der genossenschaftliche Gedante eine große Rolle spielt. Biele Familien bewirtschaften gemeinsam ein großes Terrain, wohnen zusammen in denselben Räumen und nehmen die Ausbildung der Referent: Dr. Herz, M. d. R. feine Beziehungen zu den Angeklagten und über die Ein- und Bertäufe, die er mit ihnen zusammen gemacht hatte, vernommen worden. Er hatte unter Eid jede Mitwirkung an den Ladendiebstählen bestritten. Später aber hatte seine Ehefrau Anzeige erstattet, daß diese Aussage falsch gewesen sei. Schubert wurde darauf verhaftet und hatte sich jetzt megen Meineides und gewerbsmäßiger Hehlerei vor den Geschworenen zu verantworten. Als Zeuge war Assessor Dr. Rußmann, der in jener Berhandlung die Anflage vertreten hatte, geladen. Er sagte aus, daß Reinigkeiten von Frau Förster bezogen. Tatsächlich sei aber inder Angeklagte unter Eid behauptet habe, er habe nur einige zwischen festgestellt, daß er große Mengen Belze, Textilmaren, Silbertaschen und andere Dinge für den Röber- Morvilius- Konzern vertrieben habe. Rechtsanwalt Dr. Braun wies darauf hin, daß Assessor Dr. Kußmann unmöglich ein so scharfes Gedächtnis haben tönne, um noch nach 2% Jahren genau zu wissen, was jeder der vielen Zeugen in dem umfangreichen Brozeß ausgesagt habe. Außerdem aber führte der Verteidiger mehrere Zeugen vor, die bekundeten, daß Schubert für sein Geschäft auch andere Bezugsquellen gehabt habe, Schubert bestritt, seine Aus fage in der Form gemacht zu haben, wie die Anflage behaupte. Staatsanwaltschaftsrat Reiler beantragte trotzdem im vollen Umfange das Schuldig und die Verurteilung zu 1 Jahr 3 Monaten Buchthaus. Das Schwurgericht schloß sich jedoch den Ausführungen der Berteidigung an und sprach den Angeklagten frei. Während der Verhandlung im großen Schwurgerichtssaal gab es draußen auf dem Flur einen fleinen heiteren 3mischen. fall Der ebenfalls als Zeuge geladene frühere Angeklagte Förster machte, als Assessor Dr. Kußmann an ihm vorüberging, zu seiner Frau laut die Bemerkung: Der liebe Gott forgt schon dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen." Dr. Kußmann, der das auf sich bezog, eilte davon und fehrte mit einem Schupomann zurüd, an den er die Aufforderung richtete: „ Stellen Sie den Mann mal feft." Förster erwiderte darauf:„ Wer ist dieser Mann Ich bitte, ihn auch festzustellen." So wurden die Namen beider festgestellt. Brot, Alkohol und Zollbehörde. In der Großbäderei der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend in Lichtenberg wird zurzeit die Erfindung eines italienischen Ingenieurs namens Andrufiani ausprobiert, dem es gelungen ist, einen Apparat zu fonstruieren, mit dessen Hilfe man aus dem beim Brotbaden entweichenden Dampf. schwaden Alkohol gemin nen tann. Diese Erfindung wurde vor einigen Tagen vor einer Rommission von Interessenten vorgeführt, wobei gute Erfolge erzielt worden sein sollen. Bisher ist dem Erfinder von der Konsumgenossenschaft nur die Genehmigung erteilt worden, seine Erfindung in dem dortigen Betrieb a us= zuprobieren. Die übereifrige Zollbehörde schien aber die in dem größten und modernsten Berliner Bäckereibetrieb angestellten wissenschaftlichen Versuche mit den Braftiten irgendeiner Schwarz brennerei gleichstellen zu wollen, denn sie scheute sich nicht, die Experimente durch Plombierung der dazu be. nötigten Apparate und Maschinen einfach unmöglich zu machen. Reguläre und ermäßigte Autofahrvreise? In der letzten Zeit ist verschiedentlich darauf hingewiesen morden, daß man bei Ausgabe der Autodroschfenmarten auf den Fernbahnhöfen nicht vorher unterrichtet ist, ob man eine gewöhnliche Autodroschke oder eine solche zum ermäßigten Preise erhält. Seit einiger Zeit werden nun auf den Fernbahnhöfen durch den diensthabenden Polizeibeamten Marken für Drostenautos getrennt ausgegeben und zwar für solche, die nach der gewöhnlichen Taer und solche, die zum ermäßigten Breise fahren. Die Beamten sind angewiesen, den Reisenden zu fragen, welche Droschtenart er wünscht. Gemäldediebstahl im Schloß Nieder- Schönhausen. Im Schloß Nieder- Schönhausen, das im Laufe der Jahre wohl nicht sehr sorgsam behandelt worden ist, werden jest umfangreidy und durchgreifende Erneuerungen vorgenommen. Diese Gelegenheit hat ein Einbrecher wahrgenommen, ist durch ein in eine Wand gehauenes Loch eingestiegen, hat drei Gemälde aus den Rahmen geschnitten und diese leer an der Wand hängen laffen. Das eine, von van Muyden gemalt, stellt die Malerin Emma Gagiotti Richarts- Malin dar. Es ist 140 X 103 Bentimeter groß und wurde im Jahre 1850 für 1700 m. angetauft. Das zweite ist ein Selbstporträt der Emma Gagiotti in Brofatkleidung mit Schwert und Lorbeerkranz, 152 x 97 3entimeter groß, 1856 für 2000 m. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 23. September. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Plauderstunde für unsere Kleinen. 4.30 bis ( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. 6 Uhr abends: Konzert. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule Dr. Leonhard Frank: " Löschzüge Motorsprigen waren fast unausgefeßt tätig, aber erst nach mehrstündiger Löscharbeit fonnte die Behr wieder abrücken. Der mächtige Dachstuhl ist zum Teil niedergebrannt und muß, da die Hauptstützpuntte zerstört sind, vollständig er. neuert werden. Kriminalbeamte vermuten Brandstiftung. Auch die Feuerwehr neigt zu dieser Ansicht, weil es zugleich an mehreren Stellen gebrannt hat. Von den geschädigten lichen Schaden. Auch der Hauswirt ist nicht voll versichert und Mietern find einige nur sehr mäßig versichert und erleiden erheb erleidet den größten Verlust. Brandstiftung und Hausschuh. In Groß Berlin sollen bekanntlich die Häuser um 8 Uhr abends geschlossen werden. Man trifft aber noch in später Abendoft felbst da, wo die Säufer unter Kontrolle einer Bach- und stunde und selbst zur Nachtzeit sehr zahlreiche Haustüren offen an, Schließgesellschaft stehen. Die Schuld hieran haben viele Mieter und namentlich jüngere Leute, die das verschlossene Haus verlassen oder betreten, es aber aus reiner Bequemlichkeit nicht wieder verschließen. Mit Vorliebe unterlassen angetrun tene das Zuschließen. Ebenso wird morgens von Mietern, die nm 4 oder 5 Uhr das Haus verlassen, die Tür oft nicht verschlossen. Alle solche Fehler begünstigen natürlich Diebstähle und gerade jest das verbrecherische Handwerk der Brandstifter. Fortwährende Kontrolle durch die Hauspförtner läßt sich gar nicht durchführen. Sier hilft nur Selbsterziehung aller Mieter zu erhöhtem Berantwortlichkeitsgefühl Keine Mieteerhöhung im Oktober. Nach einer Mitteilung des Preußischen Wohlfahrtsministeriums findet für den Monat Oftober feine mieteerhöhung flatt. Es bleibt also für Oktober der auch im September erhobene Anteil von 82 bzw. 86 Proz. der Friedensmiele bestehen. Ein Fefttag der weltlichen Schule am Leopoldplak. Von Woche zu Woche mußte das von der weltlichen Schule am Leopoldplatz geplante Sommerfest des schlechten Wetters wegen Derlegt werden. Nun war der Sonntag dazu ausersehen, und man hatte diesmal Glück in der Wahl. Hell und freundlich strahlte die Sonne auf die einfachen Baraden der Schule hernieder. In den Klassen und auf dem Schulhof herrschte ein lustiges und fröhliches Treiben, und die Augen und Gesichter der fleinen und größeren Kinder strahlten faum meniger freundlich, als der Sonnenschein aus dem Azurblau. Es herrschte ein wichtiges Getue, ein Kommen und Gehen, das von einem geheimnisvollen Etwas umgeben war. Und bald erschienen auch die ersten Sonnenfinder, angetan mit lieblichen und freundlichen Papier- und Flitterfleidchen, eine Rose, Mohrrübe oder gar einen Blumenkohltopf darstellend. So formierte sich dann der beinahe 500 Kinder starte Festzug, voran eine Musikkapelle. Es folgten die Kleinsten der Kleinen in ihren Kostümchen als Tau-, Sonnen- und Regenscheinchen. Klassenweise reihte sich die übrige Schar an, tostümiert als Rohlkopf oder Baumfrucht, als bunter Falter oder leuchtende Blume. Und in der Mitte des Zuges Rönig Daufus Carota, der König der Möhren, der sich seine Königin suchen wollte. Dornröschen und der Koch folgten. Auch die Sieben Schwaben" fehlten in diesem farbenprächtigen Zuge nicht, der sich durch die Straßen des Bezirtes bewegte und überall große Heiterfeit erregte und Anerfennung fand. Das Ziel war ein Spielplay im Schiller- Barf, wo Lehrer Genoffe Schröter die Festansprache hielt und auf die Bedeutung des Festes hinwies. Er gab der Hoffnung Ausdrud, daß, wo heute noch brachliegende Felder oder provisorische Lauben stehen mögen, in denen Zufriedenheit und bescheidenes Glüd wohnen. stehen, ein ft mals freundliche Siedlungshäuser entIm Abenddämmern und bei Regenwetter zog die fröhliche Schar im Scheine der Fackeln beglückt zur Schule zurück. Bei roter Fackelbeleuchtung verabschiedete Genosse Schröter die fleinen und großen Festgenoffen und bat sie, weiter ernst mitzuarbeiten an dem großen sozialen Werk der weltlichen Schulen. Mit dem Freiheitslied Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" fand die gelungene Veranstaltung ihren Austlang. Die weltliche Schule aber hatte ihren Kindern und Eltern einen wahren Sonnentag bereitet, der allen unvergeßlich bleiben wird. Metropol- Barlefé. Die Direktion Siegmund Flatom hat einer Diretton Baul Rudmann Blaz gemacht, die fich überraschend wirksam und geschmackvoll einführt. Das Septemberprogramm weift eine größere Anribollo und Smiles, die ganz vorzüglichen 4 Netty Kopf. zahl ausgezeichneter akrobatischer Nummern auf, so die brillanten afrobaten, die teilweise sehr drolligen afrobatischen Phantasien Fortuna und Bazola und der gute equilibriftische Art der Ifa Arbra. Es ist immer ein gutes Zeichen für den Geschmad eines Barietés und seines Publikums, wenn es gute Alrobatik bieten fann. Dazu gehören hier der föstliche amerikanische Musikalt Alfa und die famosen spanischen Tänzer Juli und Fernan. Andere gute wirfame Nummern runden das in jeder Hinsicht erfreuliche Brogramm. Man darf nicht unerwähnt laffen, daß dieses durchaus intim wirkende Barieté dennoch auf mäßige Preise hält. Briefkasten der Redaktion. 3. D. 38. Ueber die Höhe der Aufwertung täht fich zurzeit nichts Beftimmtes fagen. Im Streitfalle entscheidet die Aufwertungsstelle. Fr. H. 100. Die Kosten des Fußbodenanstrichs haben Sie nicht zu tragen. Das Streichen ber Dede tönnen Sie nur dann verlangen, wenn hierzu eine Notwendigkeit be. " Unsere Speisefette, ihre Herstellung und Bedeutung für die steht. 6. B., Riethenstraße. Bezüglich der Dachreparatur wollen Sie sich menschliche Ernährung und Volkswirtschaft". 3. Vortrag. Schmalz, an das Wohnungsamt wenden. Schadenerfaspflichtig ist der Sauswirt nur Talg, Tran, Kunstspeisefette u. dergl.". 7.25 Uhr abends: K. W. dann, wenn ihn ein Verschulden trifft.$. 13. Rach unserer Ansicht find Gie deutscher Staatsangehöriger, En. Unter 3986. Ein Anmeldeawang be Goldschmidt:„ Vom Norden zum Süden Italiens". 3. Vortrag. Die steht in Ihrem Falle nicht. Die Aufwertung tritt fraft Gefeßes ein, Stadt der Jahrtausende. Römische Wanderungen". I. Teil 8 Uhr 5. M. 4. Der Antrag Bann nach Bollendung des 60. Sebensjahres wiederholt abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronswerden. D. 3. Die Unterſtühungsfähe des Sveifes find uns nicht bekannt. Die Saussinsiteuer beträgt 28 Bros. der Frietensmiete. Eine Stundung geest. Spielzeit 1925/26. 5. Veranstaltung, Alessandro Stradella", romantische Oper in drei Teilen. Text von W. Friedrich. Musik oder Befreiung von ihr tritt nur auf Antzca ein, ber bon dem Sauseigen von Friedrich v. Flotow. Für den Rundfunk eingerichtet von tümer geftellt werden muß. M. S. No. 10. Ruheftörenden 2ärm muf sich Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Selmar Meyrowitz von der Berliner übersteigt. 8u Feftiichteiten in Bohnungen ist eine polizeiliche Erlaubnis jeber Mieter infoweit gefallen tallen, als er nicht das Maß des Erträglichen Staatsoper. Allessandro Stradella, ein Sänger: Hans Batteux; erforderlich. Parteigence 1967. 1. Der Sik der Landesversicherungsanft Bassi, ein reicher Venetianer: Ernst Lehmann; Leonore, sein ift Merseburg. 2. Machen Sie zunächst der Landesversicherungsanstalt Berlin von dem Berlust der Aufrechnungsbescheinigungen Mitteilung und warten Gie Mündel: Irene Eden; Barberino, Malvolio, Banditen: Waldemar thren Bescheid ab. 3. Das bleibt dem Ermessen der Berficherungsanstalt Henke, Leo Schützendorf. Ort der Handlung: Im ersten Aufzuge überfaffen. R.. 81. 1. Nach unferer Ansicht find Sie zur Bahlung nicht Venedig, im zweiten und dritten Aufzuge Gegend bei Rom, drei verpflichtet. 2. Die Roften hat der Wirt felbft au tragen. Monate später. Zeit: Zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. 10 Uhr Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Film- fühlung. abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Wetter für Berlin und Umgegend: Trübe mit Regen. Für Deutschland: Bon Best nach Oft fortschreitende Trübung Später Ab dienst. und Regenfälle. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit find Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin frets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. 2. Streis Tiergarten. Donnerstag, 24 September, 7% Uhr, bei Trimper, Flensburger Str. 3, Sigung aller Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt und Rinderfreunde. Vertretung der Arbeiterjugend ist erwünscht. 7. Kreis Charlottenburg( 52.- 58. Abt.). Donnerstag, 24. September, 8 Uhr, Berfammlung des Beamtenwerbeausschusses und parteigenössischer Beamten bei Bogel, Spreefir.&. Wichtige Besprechung über die nächste öffentliche Beamtenversammlung. 14. Kreis Neukölln. Donnerstag, 24. Geptember, 7 Uhr. in Erbes Festfälen ( früher Aliem), Sasenheide, Mitgliederversammlung. Bericht vom Barteitag. Mitgliedsbuch vorzeigen. Die Abteilungsleiter werden gebeten, umgehend Wahlmaterial in Bureau, Nedarftuaße, abzuholen. 19. Kreis Bankow. Donnerstag, 24. Geptember, 7% Uhr, Kreisbelegierten. versammlung bei Meier, Türkisches Belt", Pankow, Breite Str. 14. Sämtliche Kandidaten für die Stadt- und Bezirksverordnetenliste müssen aweds Unterschrift anwesend fein. Ronferenz der Kreisleiterinnen für Agitation Freitag, 25. Gep tember, 7% Uhr, im Gymnasium Rochftr. 13( unweit Friedrichstraße). Jeder Kreis muß vertreten fein. Heute, Mittwoch, den 23. September: 13. Abt. Die für Mittwoch feftgelegte Mitgliederversammlung fällt aus and findet am 30. September statt. 22./23. Abt. Die flie Hagenbed eingeladene Mitgliederversammlung findet wegen Scalfchwierigkeiten in einen Gaal der Phatusfäle, Müllerftraße 142, ftatt. 24. Abt. 7% Uhr im Gefangsfaal des Ungeums Greifswalder Str. 24/25 Mitgliederversammlung. Bortrag des Gen. Stadtn. Gutekunst: Die Rommunalpolitik der SPD." 84. Abt. Lankwik. 8 Uhr Vorstandsfihung bei Runge, Riethenstraße. Frauenveranstaltung: heute, Mittwoch, den 23. September: 1. Abt. 7% Uhr bei Afchiefing. Aderftr. 1, Bortrag der Genoffin Schmik: ..Die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen". Morgen, Donnerstag, den 24. September: 82. bt. Staglig. 8 Uhr im Jugendheim Stadtpart, Albrechtstraße, Konferenz der Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde, Arbeiterwohlfahrt, Jugendund Frauenausschuß. Elternbeiräte find herzlich eingeladen. Bortrag des Gen. Weimann. Besichtigung des Borwärts". Treffpunkt der Genoffinnen 6 Uhr Vorwärtsgebäude, Linden ftz. 3. 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr in der Linde", Friedrich- Rarl. Ede Berberfreaße, Funktionärsihung. Die Genoffinnen und Genoffen, welche BählerTiften abschreiben, find aleichfalls eingeladen. Jungfozialisten, Grappe Treptow. 7 Uhr Jugendheim Elsenstr. 3. des Gen. Dirnbaum: Stadtverordnetenwahlen und die arbeitende Jugend". Die Löhne in der Landwirtschaft. Das landwirtschaftliche Lohnkonto vor und nach dem Kriege. Im gesamten Unternehmerlager wird über die angebliche Ueberlastung des Produktionstoftentontos durch die Arbeitslöhne Klage geführt. Die Ueberlastung sei jezt eine viel stärfere wie in der Borkriegszeit. Nun trifft das ja nicht zu. wie jeder Lohnempfänger an der geringen Kauffraft seiner Lohn bezüge spürt, aber trotzdem hört die Forderung der Unternehmer nach einem Verzicht auf Lohnsteigerungen oder gar nach einem Lohn abbau nicht auf. Ganz besonders in der Landwirtschaft er tönt dieser Ruf, obgleich die Löhne der Landarbeiter die niedrig. ften im Reiche sind, das Untostentonto des Betriebes also am geringsten belasten. Während sonst das Unternehmertum sehr schnell dabei ist, mit Sahlen( richtigen oder aus der Luft gegriffenen) seine Behauptungen zu beweisen, hütet es sich, Berechnungen über die Belastung des Lohnfontos in der Vor- und Nachkriegszeit aufzuzuführen. machen, weil es sehr wohl weiß, daß es damit die Unrichtigkeit seiner Behauptungen selbst dartun würde. Wie hoch war die Belaffung in der Borkriegszeit? In den Erhebungen, die die Landwirtschaftskammer für die Proving Ostpreußen über die Landarbeiterverhältnisse in der Bor friegszeit durchführte, stellt Professor Dr. B. Stalweit fest, daß in der Provinz Westpreußen die Arbeitslöhne um das Jahr 1900 40 bis 60 mart je Heftar betrugen. Dabei betont er aber ausdrücklich, daß die Intensität der Bewirtschaftung durch niedrige Preise herabgedrückt wurde, denn er schreibt: perbandes liegen Arbeitsverträge vor, nach welchen Deputanten ohne Hofgänger 6 bis 12 Zentner Getreide und bis 100 Marf BarLohn in der Borkriegszeit mehr erhielten als nach dem jetzt bestehenden Tarifvertrage. Professor Gerlach führt in den schon genannten Erhebungen eine Untersuchung Paul Schüzes an, nach welcher im Kreise Gerdauen eine Arbeiterfamilie mit einem Hofgänger im Jahre 1908 insgesamt 1117 Mart an Lohn erhalten hat. Nach dem jetzt geltenden Larif beträgt der Gesamtlohn 1171 Mart, während er unter Berüdfichtigung der gesunkenen Kauftraft des Geldes um mindestens 40 Broz. höher sein, also 1563,80 Mart betragen müßte, um dem Reallohn des Jahres 1908 zu entsprechen. In der Hauptsache ist die Senfung des Arbeitslohnaufwandes aber auf die Beschäftigung einer erheblich größeren 3ahl billigerer Arbeitsträfte, nämlich der Hofgänger, zurüdProfeffor Gerlach stellt fest, daß auf 300 Deputantenarbeitstage entfallen: Hofgänger FrauenArbeitstage Arbeitstage auf Güter von: 1000 ha und darüber 500 bis 1000 ha. 200 500 " 150 Of 100 200 150 IP 22428 285 278 32 243 46 189 72 132 90 Also einschließlich der Frauenarbeitstage tommt mur in Betrieben über 500 Heftar auf jeden Deputanten eine zweite " Bei den folgenden Angaben aus mir bekannten Koppelwirt billigere Arbeitstraft, während in der Nachkriegszeit unter schaften ist jedenfalls zu berücksichtigen, daß gerade zur Zeit der der Auswirkung des Arbeitsmangels in den gewerblichen Berufen vorliegenden Erhebungen um die Jahrhundertwende besonders faft allgemein auf jeden Deputanten zwei billigere Arniedrige Preise herrschten, die den Landwirt nicht zur Erbeitskräfte( Hofgänger oder Frauen) entfallen. Das ist auch höhung des Betriebsaufwandes ermutigten, sondern thn zur die Meinung des Gutsbesitzers Brandes Krausenhof, denn er stellt in äußersten Sparsamteit zwangen." feiner Rentabilitätsberechnung die Gestellung von zwei Hofgängern als Regel hin. Einige Zeilen vorher führt er an, daß die Bra che durchschnittBortraglich 10,76 Broz. der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche betrug, wodurch felbstverständlich der Arbeitslohn je Heftar um faft ben gleichen Prozentjah gesenft wurde, so daß in einem gleichartigen, ohne Brache arbeitenden Betriebe mit Unfosten für Arbeitslöhne von 44 bis 46 Mart oder im Durchschnitt aller Betriebe 55 Mart je Hektar gerechnet merden muß. 99. Abt. Brik. Rinderfreunde. Somming, 27. Geptember, 18 Uhr, follen in der 1. Gemeindeschule, Chauffeeftr. 137, Gefang, Mufit, Bolkstanz und Schattenspiele- Borfilhrungen unserer Rinder Freude zeigen. Eintritt 25 Pf. Die Genofinnen und Genossen find eingeladen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 84. Abt. Lankwik. Gen. Rudolf Schulze, Quifenfte. 9a, in verstorben. Beerdigung heute, Mittwoch, nachm. 3 Uhr Steglißer Friedhof, Bergstraße. Jugendveranstaltungen. Funktionärverfammlung im Sigungsfaal des Preußischen Staats vabes, Leipziger Str. 3. Ohne Ausweis tein Zutritt. Ferner führt Professor Stalweit an, daß sich der Kunstdüngerperbrauch durchweg unter 5 Mart pro Hettar gestellt habe. Hierdurch entstanden im Regierungsbezirt Königsberg Durch schnittsernten von nur 15,5 Doppelzentner Weizen je Heftar gegen über 26,3 Doppelzentner im Regierungsbezirt Magdeburg, wo der Kunstdüngerverbrauch 50 bis 60 mart je Hettar betragen habe. Dieser Umstand benachteiligt das Bild des oft preußischen Lohnfontos, mas sich am besten aus der Tatsache ergibt, Heufe, Mittwoch, den 23. September, abends 7% Uhr: taz Brofeffor Stalweit die Lohnuntoften im Regierungsbezirt EFECTELEFFETELEEFTIELEFET[ Magdeburg mit 140 bis 160 mart veranschlagt. Man geht mit der Annahme nicht fehl, daß bei der Intensität, die heute durchschnittlich in der Provinz Ostpreußen üblich ist, der Lohnaufwand um min destens 20 bis 30 Broz höher gewesen wäre, also 65 bis 70 Mart betragen hätte. Der Berechnung Professor Stalweits sind Getreidefich bet seinen Angaben wohlgemerkt um die Zeit des Jahres 1900, wodurch die bis zum Ausbruch des Krieges erfolgten ahnsteigerungen unberüdsichtigt geblieben find. Diese sind aber ganz erheblich und betragen, wiederum nach den Angaben Stalweits, 3. B. vom Jahre 1889 bis 1908 im Kreise Insterburg 100 Broz fomohl des Barlohnes als auch des Gesamtlohnes. Durch die Steigerung des Barlohnes ist bewiesen, daß die Steigerung des Gesamtlohnes nicht nur auf die höheren Naturalienwerte zurüd zuführen ist. Wie hoch ist nun der Webbing: Schule Ruheplat Ede Antonffraße. Bortrag: Sind wir Gemeinschaftsmenschen?" Baltenpies: Rigaer Str. 102/103. Distuffionsabend: preise von 6 Mart je Zentner zugrunde gelegt. Dann handelt es Reformtleidung". Friedrichshain: Große Frankfurter Str. 16, Bortvog: SAJ. und Naditultur". Warschauer Viertel: Tilsiter Str. 4. Bortrag: ,, Das Mädel in der Gemeinschaft". Lankwig: 1. Gemeindeschule, Schulstraße. Distuffionsabend: Reichspräsident und Reichsverfaftung". Ertner: Bolts fiche. Bortrag: Wirtschaftsentwicklung". Werbebezirk Reinickendorf: Jugendheim Tegel. Mädchenabend Donnerstag, 24. September. " Dorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Wilmersdorf. Rug Sud. Mi., b. 23., 7½ Uhr, Antreten Bittoriagarten, Wilhelmsque, zum republikanischen Abend( Saalfchuk). Die übrigen Rüge nehmen ohne Bannerkleidung teil. Fr., d. 25., 8 Uhr, Bollnerf. bei Rroibs, Holsteinische Ede Gasteiner Straße. Bid tenberg. Do., d. 24., non 8-10 Uhr, Antreten untere Turnhalle Holteischule, Bödlinstraße. Turnen im Winterhalbjahr regelmäßig wie angegeben. Untergruppen haben zu er abend. Diensteinteilung nach Hermsdorf. Lohnaufwand in einem landwirtschaftlichen Betriebe in der Nachkriegszeit? Es sind bisher feinerlei gleichartige Erhebungen veranstaltet worden, so daß es nicht leicht ist, einen Bergleichsmaßstab zu finden. Um nun nicht den Anschein mangelnder Objektivität zu erweden, foll nur von Arbeitgebern flammendes Material bei Feststellung des Lohn fcheinen. Weißenfee. Do., d. 24., Grüner Baum Sport und Uebungsaufwandes eines landwirtschaftlichen Betriebes als Grundlage geBerein der Freibenker für Feuerbestattung, Bezirk Stealth, Santmis, Bidderfelbe. Mitgliederversammlung am Donnerstag, 24. September, 7 Uhr, bei Schellhafe, Ahornftr. 16. Bezirk 5 Friedrichshain. Sente abend 7% Uhr Mitgliederversammlung in Heinrichs eftfälen, Große Frankfurter Str. 30. Tagesordnung: 1. Bortrag bes Gen. Roth: Gegenseitige Silfe in der Tier. und Menschenwelt. 2. Bericht über den Urnenhain. 3. Bereinsangelegen heiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Mieterverband Rupenid. Mittwoch, 23. Geptember, 18 Uhr, im Stadtmahl und Referat: Wie urteilt das Amtsgericht öpenick in Miets. angelegenheiten?" theater außerordentliche Generalversammlung. 11. a. Borstands Ergänzungs Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, 25. September, im Reichen faal ber 6. Ereptower Gemeindeschule, Wildenbrud ftraße 58 III, 8 Uhr: Das Rechtsbewußtsein der Jugendlichen( Amtsgerichts rat S. Frande). Cintritt fret. Der Verein für Sprachpflege Demosthenes" hat am 24. Geptember einen Einführungswerbeabend. Der Berein erteilt, an Sprachgeftörte( Stotterer) unentgeltlichen Unterrigt aur Seilung ihres Leibens. Die Uebungen finden regelmäßig jeden Dienstag und Donnerstag, abends& Uhr, in der Schule Berlin C, Niedermallstr. 7, ftatt. Zentralverband der Wohnungssuchenben, Mieterverband Große öffentliche Boltsversammlung am Freitag, 25. Geptember, 8 Uhr, in den Kammerfälen( großer Gael), Teltower Gte. 1-2. Thema: Wohnungs not und Stadtverordnetenwahlen. Referent: Adolf Herzog. Stadtverordneten aller Parteien find eingeladen. Groß- Berlin. Reidsbund Deutscher Mieter E. B., Drtsverein Neukölln- Brik. Monatsversammlung Freitag, 25. September, 8 Uhr, Restaurant Balewski, Boddinfroaße 57. Tagesordnung: 1. Die Organisation und die Aufgaben des Reichsbundes Deutscher Mieter( Neferent: Otto Thäle). 2. Aussprache. Gäste willkommen. Arbeitersport. Unsere nächste Sigung findet am Freie Nanufahrer Berlin e. B., Gruppe Tegel- Seiligensee, Gefchäftsstelle: Freitos, 25. Geptember, 8 Uhr, im Lokal von Otto Ginlow, Pantstr. 27, ftatt. Mar Braune, Berlin, Wolliner Str. 12. Cäite willkommen. ropagandaturnen ber Jugendlichen. Am nächsten Sonntag veranstaltet die Freie Turnerschaft, Groß- Berlin ein öffentliches Turnen der männlichen Jugend in der Turnhalle des Leibniz- Gymnasiums( au der Thomaskirche, Köpenider Brüde). Das Programm ist recht vielseitig: Allgemeine FreiKürturnen, Handball übungen, Mannschaftshochsprung, Riegenturnen, Die Trainingsübungen. Benbelstafetten, Spiele, Tauziehen, Byramiden usw. Freie Turnerschaft fordert alle Jugendlichen auf, diese Beranstaltung zu befuchen. Seute, Mittwoch, Turnratshaung in der Geschäftsstelle, Bunft 7 Uhr. Urbeiter- Radio- Klub e. B., Bezirk Brenzlauer Berg, Donnerstag, 24 Sep tember, 7 Uhr, Treffpunkt zur Generalprobe Ropenhagener Str. 9. Büntt Freitag, 7 Uhr, Chönhauser feftfäle. Schönhauser Tichkeit ist Ehrenpflicht. Frei Allee, Erscheinen aller Funffreunde zu den lekten Vorbereitungen. tag,& Uhr, Sende- Abend" mit großem Programm. nommen werden. Somit ist der Beweis erbracht, daß das Unfostenkonto' eines landwirtschaftlichen Betriebes in der Nachkriegszeit auch nicht annähernd jo start belastet ist wie in der Borfriegszeit. Alles Geschrei der Betriebsinhaber von den hohen, untragbaren Arbeitslöhnen ist deshalb eitel Heuchelei. Dabei wundert es die Kenner der oftpreußischen ländlichen Berhältnisse gar nicht, daß die Ab wanderung der gesündesten und fräftigsten Landarbeiter immer größeren Umfang annimmt. Sie ziehen troh ihrer Heimatliebe die nicht rosigen Berhältnisse der westlichen Industriegegenden Deutschlands dem ostpreußischen Suntereldorado mit den erschreckend niedrigen Löhnen vor. die Großlandwirte holen sich polnische Arbeiter und tragen dadurch lieber zur Polonisierung der Provinz bei, als daß sie den eigenen Profit etwas schmälern ließen. Reichsverband gegen Kartellbekämpfung. Und Der geschäftsführende Ausschuß der Kartellstelle des Reichsverbandes der deutschen Industrie hat sich bekanntlich fehr eingehend mit den Maßnahmen der Reichsregierung gegen die Rartelle beschäftigt. Die ernsten Bedenten, die dort zum Ausdruck gebracht wurden, haben nunmehr den Vorstand des Reichsperbandes veranlaßt, an den Reichstanzler ein Schreiben zu richten, worin die Stellungnahme des Reichsverbandes in dieser Angelegenheit deutlich und prägnant zum Ausdruck gebracht wird. Wie die Konjunktur Korrespondenz mitteilt, wird in diesem Schreiben auf den Widerspruch aufmertfam gemacht, der zwischen dem bekannten Rabinettsbeschluß zur Kartellfrage und der Busage des Reichswirtschaftsministers vom 20. Auguſt besteht, wonach man erst einmal abmarten wollte, welchen Erfolg die von der Wirtschaft selbst getroffenen Maßnahmen haben würden. Es war damals ausdrüdlich betont worden, daß erst nach diesen freiwilligen Aftionen nötigenfalls die Kartellperordnung in Anwendung gebracht werden sollte. Die Kabinettsbeschlüsse, die unmittelbar nach jener Erklärung des Reichswirtschaftsministeriums gefaßt wurden, tündigen aber ein sofartiges Boraehen auf Grund der KartellverSchließlich wird in dem Schreiben der Reichstanzier darauf aufmertsam gemacht, daß das Borgehen gegen die Kartelle eine gewisse Gefahr für die Wirtschaft bedeute.( 1) Besondere Misstimmung ist offenbar beim Reichsverband dadurch entstanden, daß die Regierung in der Frage der Goldmartfatturierung heute einen anderen Standpunkt einnimmt als vor wenigen Wochen, Der Bruder des Präsidenten der ostpreußischen Landwirtschafts- ordnung an. fammer, Herr August Brandes zu Krausenhof, veröffentlichte fürzlich eine Rentabilitätsberechnung eines landwirtschaftlichen Betriebes in der Georgine", dem Organ der Landwirtschaftskammer Citpreußen, in der er den Arbeiterbedarf bei 250 Settar auf 11 Deputanten, einschl. eines Kämmerers, 20 Hofgänger und 300 Frauenarbeitstage angab. An diese Arbeitskräfte märe nach dem Tarifvertrage für die oftpreußische Landwirtschaft an Bar- und Naturallohn zu zahlen: Barlohn( einschl. Gespannzulage) an Deputanten und Kämmerer Barlohn an 20 Hofgänger( je B AL. A, B, C weibt., und D.) 571 8entner Getreide à burchihnittlich 9 m., 154 rm Bolz= 770 8tr. Briketts à 1,40 2. Freie Kubbaltung für 11 Familien à 144 m. 11 Morgen Aderland à 54 m. 11 Wohnungen à 60 M. . • 2085,-. 4643,60 m. 5139, 1078, " 1584, " 594, " 660,-" 360, 500, " " " 300 Frauenarbeitstage à durchschnittl. 1,20 m. Arbeitslohn f. Schmiede u. Stellmacherarbeiten Sa. 16648,60 W. Insgesamt Arbeitslohn für 250 ha=.. 66,57 oder je ha Der Lohnaufwand in der Nachkriegszeit entspricht somit nominell dem unteren Durchschnitt der Borkriegszeit. Stellt man aber den Geldwert der Naturalien einander gegen. über, so ergibt sich ein wesentlich anderes Bild. Es wurde schon gefagt, daß Professor Stalweit der Errechnung des Arbeitslohnauf wandes pro Hettar einen Getreidepreis von 6 Mark je Zentner zugrunde legte. In vorstehender Berechnung sind dagegen 9 Mart, also ein um 50 Broz. höherer Preis, angenommen. Das selbe Verhältnis dürfte bei den Preisen aller Naturalien herrschen, so daß bei zugrundelegung der heutigen Naturalienwerte der Ar. beitslohnaufwand in der Borfriegszeit fast 50 Broz. höher gewesen wäre, als er es jegt ist, wobei, wie gesagt, Lohnsteigerungen von 1900 bis 1914 unberücfichtigt geblieben find. Die Senkung des Arbeitslohnaufwandes ist in erster Linie auf die Sentung des Reallohnes Wie die genannte Korrespondenz weiter mitteilt, ist die Kartellstelle des Reichsverbandes der deutschen Industrie mit der Borbereitung einer größeren Dentschrift zur Kartellfrage befchäftigt. Konzentration in der Kunstfeideindustrie. Bon gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt: Zwischen der Intereffengemeinschaft der deutschen Leerfabriten einerseits und der Bereinigten Glanzstoffabriten A.-G. und der J. P. Bemberg A.-G. andererseits find Berständigungen auf dem Gebiete der Kunstseide getroffen worden. Die Interessengemeinschaft und die Bereinigten Glangstoffabriken A.-G. haben gemeinschaftlich eine G. m. b. 5. unter dem Namen Aceta G. m. b. 5. zur Herstellung von Kunstseide aus Acetyl- Bellulose( Acerat- Seide) gegründet. Die Fabrik wird in Lichtenberg bei Berlin errichtet. Auf dem Gebiet der Kupferfeide geht die Verständigung dahin, daß die J. B. Bemberg A.-G. als mitgesellschafterin in die Hoelfen- Seide G. m. b. H. eintritt, an der die Intereffengemeinschaft in erheblichem Umfange beteiligt ist. Baumarkt und Ziegeleigewerbe. Die von den Unternehmern des Baugewerbes provozierte Lohnauseinandersetzung, die dieses Gemerbe lange Zeit zum Stilliegen zwang, wirkt jetzt auch auf die Biegefeien start über. Im August blieb der Ablaß an Mauerziegeln nach dem Bericht der Ziegelverkaufsvereinigungen um 20,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück; eine große Bahl der geplanten Bauten fonnte nicht in Angriff genommen wer den, so daß auch dadurch der Absatz litt. In den Ziegeleien und auf den Lagerplzen der Händler haben sich bereits starte Bestände angehäuft, die nicht so leicht mehr in diejer Saison zu verfaufen sein bürften, obwohl die Industrie sich in diesem Frühjahr nur auf die 45-50 prozentige Ausnuzung ihrer Anlagen zurückzuführen. Dem Gau Ostpreußen des Deutschen Landarbeiter eingestellt hat! Maggi Würze altbewährt SOEBEN ERSCHIEN: Der Terror gegen die sozialis tischen Parteien in Russland und georgien Preis 2.50 Mark Zu beziehen durch: J. H. W. Dietz Nachf., Berlin SW.68, Lindenstraße 2. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne 8 Uhr: Schluck undJau Morgen 8 Uhr: Der Kantmann von Venedig Hellmer- Bühnen Lessing- Th Tägl. 7% Uhr: Götz v. Berlidningen Wegener, Höflich, G. 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Ottober, nachmittags 5 hr, im Berbandshause, Cinienste. 83 88, vertagt Die Tagesordnung wird in ber Bersammlung betanntgegeben. Wir ersuchen die Kollegen pünktlich gu erfcheinen. Die herausgegebenen Cammellisten find unverzüglich per Post an den Branchenleiter Koch in Firma Malkah einzusenden. Achtung! Drahtarbeiter hung! Donnerstag, den 24. September, abends 7 Uhr, bei allin, Belersburger Plag 9: Versammlung der Drahtspinner. Die Ortsverwaltung. Unserm Genossen Weczereck nebst Gattin Berlin, Dennewigstr. 7, zur Silber- Hochzeit die besten Glückwünsche. Die Genossen und Genoffinnen ber 8. Abteilung. 1101/14 Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Breis 1 Mart. Borto 5 Pfennig. Borrätig in allen BorwärtsAusgabestellen. Küchen Riesen- Auswahl, enorm preiswert! roh Anrichte- Richa Gerty emaillier! 85 M. 130. 95 N. 150 M. Anrichte- Küche Marta Anrichte- Küche Bremen.150 M. 215 M. Kleiderschränke, 90 cm. 39 M. 55 M. Hüchenmöbel- Fabrik Laserstein, Luckauer Straße 1 Ecke Oranienstr., nahe Moritzplatz 396lspetoni Bela Nr. 44942. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 23. September 1925 Sozialdemokratische Frauenkonferenz. Der Stand der Bewegung. Im Anschluß an den fozialdemokratischen Parteitag tagte in ber Stadthalle zu Heidelberg die Reichsfrauenfonferenz der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Die Tagung wurde mit einer Begrüßungsansprache der Genoffin Juchacz und einem Gedenkwort für die inzwischen verstorbene Genoffin Ottilie Bader eröffnet. Als Bertreter des Parteivorstandes wünschte Genosse Dittmann den Delegierten besten Erfolg. Im Anschluß an eine Begrüßungsansprache der badischen Genoffin Frau Blase konstituierte sich die Frauenkonferenz und wählte zu Vorsitzenden: JuchaczBerlin, Remiz- Berlin und Blase- Mannheim. Dann erhält Marie Juchacz- Berlin das Wort zum ersten Punkt der Tagesordnung: " Frauenbewegung und Sozialdemokratie". Der Parteivorstand hat aus der Beobachtung der Frauen bewegung kritische Schlüsse ziehen müssen, die feine restlose Befriedung auslösen fonnten. Die Frau steht heute gleichberechtigt im politischen Leben. Die Sozialdemokratie ist es gewesen, die zu einer günstigen Stunde den Frauen die Gleichberechtigung mit ben Männern gegeben hat. Wenn das damals nicht historische Tatsache geworden wäre, würden die Frauen um ihre Gleichberechtigung heute noch einen sehr schweren Kampf führen müssen. Sehen Sie fich die Tabelle bes Geschäftsberichtes an den Parteitag an. bann werden sie leider finden, daß der Prozentsaz der politisch organi fierten Frauen noch relativ flein ift.( Sehr richtig.) Das hat natürlich seine Auswirkung auch auf die Mitarbeit der Frauen im politischen Leben und auf ihre Stellungnahme zu öffentlichen politi schen Fragen. Ich habe schon auf dem Parteitag angedeutet, daß bie Grauen innerhalb der gesamten Bewegung Bewegungsfreiheit brauchen, wenn sie eine Frauenbewegung haben sollen. Prüfen Sie aber einmal, ob sie diese Bewegungsfreiheit haben, prüfen Sie aber bitte vorurteilslos. In dem Geschäftsbericht ist mit voller Absicht ein alter Beschluß des Parteiausschusses hineingearbeitet worden, nachdem wir m. E. nicht etwa eine besondere Frauenorganisation, wohl aber die Möglichkeit haben, innerhalb der Ge Jamtbewegung durch die Bildung von Frauengruppen und durch den schriftlichen Berkehr fruchtbare Arbeit zu leisten und untereinander engste Fühlung zu nehmen. Wenn nun die Berichte von Partei Dorstand eingefordert werden, stellt sich noch immer heraus, daß die zwanglose Fühlungnahme unter den Genoffinnen nicht in dem wünschenswerten Maße vorhanden ist. Das bedeutet aber, daß die Genossinnen von dem Recht der Bewegungsfreiheit immer noch nicht ben nötigen Gebrauch machen. Dasselbe muß ich bei den Besuchen Don Frauenkonferenzen der Bezirke immer wieder feststellen. Der prozentuale Anteil der Frauen an den Mandaten im Reichstag und im preußischen Landtag schwantt felbftverständlich, wie es bei prozentualen Berechnungen gar nicht anders jein fann. Aber wir tönnen hier mit der Beteiligung insofern zufrieden sein, als wir feine Abnahme zu verzeichnen haben. Anders liegt es auf einem Gebiet, von dem wir vor der Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland immer gesagt haben, daß bort der Anfang munalpolitischem Gebiet. Wenn Sie die Entwicklung bis heute verfolgen, werden Sie bemerken, daß eine relative und prozentuale Abnahme der weiblichen Stadtverordneten und Gemeinde vertreter eingetreten ist. An den Stadtverordnetenvertretungen sind wir als Frauen tatsächlich nur mit 4 Broz. beteiligt, und der Prozent. fat in der Gemeindevertretung der ländlichen Gemeinden ist überhaupt taum noch festzustellen, so gering ist er. Die Frau und das Strafrecht. werbenden Veranstaltungen fernstehende Frauen mitzubringen. Mathilde Wurm- Berlin: Da wir eine gemeinsame Organisation sind und selbständige Beschlüsse auf der Frauenfonferenz nicht faffen fönnen, liegt es in der Natur der Sache, die Frauenkonferenz vor dem Parteitag abzuhalten, damit unsere Wünsche sofort auf dem Barteitag zur Erledigung fommen tönnen. Die Gleichheit" ist nicht eingegangen wegen zu wenig Abonnenten, sondern infolge der Inflation. Ich möchte nur wünschen, daß wir recht bald wieder dazu tommen, vielleicht in Form einer Erweiterung der Genossin" internationale Mitteilungen in regelmäßigen Zeitabschnitten zu veroffentlichen. Der Antrag, Antifriegstage zu veranstalten, ist an fich sehr gut, nur ist dieser Wunsch längst erfüllt. Die Gewerkschaften ver anstalten Jahr für Jahr Antikriegstage. Marseiller Konferenz jetzt jedoch die Möglichkeit zu einer Berstän| Bildung zu pflegen, die es den Genofsinnen möglich macht, zu digung in den internationalen Frauenfreisen dadurch gegeben, daß aus den einzelnen Ländern Delegierte für dauernd ernannt werden, zu einem Frauenfomité, das fünftige Frauenkonferenzen vorbereiten und der Erefutive in allen Frauenangelegenheiten zur Seite stehen sollen. Es wird nicht ausbleiben, daß auch auf internationaler Basis in Zutunft weitergehende Fragen von Frauen erörtert werden und dadurch dazu beigetragen wird, daß selbstverständliche Grundsäge, die die führenden Frauen sich bereits zu eigen gemacht haben, in weite Kreise der Menschheit eindringen und zum Allgemeingut werden. Ich glaube, daß Sie heute Beschlüsse für die zufünftige Arbeit faffen müssen. Abschließend möchte ich Ihnen noch mitteilen, daß die Genoffin Buchruder, die in Ihrer Mitte meilt, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt geworden ist. Im übrigen wollen wir wünschen, daß unsere heutige Tagung in bezug auf die Entwicklung der Frauenbewegung zu Beschlüssen führt, die uns die nötige Bewegungsfreiheit geben und die Stimmung vermittelt, damit wir, wenn der nächste Parteitag einberufen wird, über einen äußeren und inneren Fortschritt der Frauenbewegung berichten fönnen, wie er noch niemals dagewesen ist."( Lebh. Beifall.). Die Disfuffion. Alwine Wellmann- Osnabrück: Die Sicherstellung des Weltfriedens, die unter allen Umständen die Grundlage für die Berwirtlichung des Sozialismus bringen muß, geht in allererster Linie die baß im deutschen Bolt die Kriegspfychose noch längst nicht beseitigt Frau an.( Sehr richtig.) Die Wahl Hindenburgs hat uns gezeigt, ist. Gerade weil wir uns noch inmitten einer reaktionären Welt befinden, und die Striegsgefahr jeden Tag afut ist, haben wir alle Maßnahmen zu treffen, um die Menschen immer wieder darauf hinzuweisen, daß ein neuer Krieg den Untergang Europas und der gefamten Menschheit bedeutet. Die Rednerin beantragt deshalb zur attiven Förderung dieses Kampfes, alljährlich einen allgemeinen Antitriegstag in allen Orten Deutschlands zu veranstalten. Außerdem wird in einem weiteren Antrag die Durchführung regel mäßiger internationaler Frauentage gefordert. Frau Arning- Magdeburg: Leider haben wir in den legten Jahren mit großer Behmut feststellen müssen, daß der Frauenein fluß auf allen Gebieten start zurückgedrängt worden ist. Die Auffassung muß immer mehr zum Gemeingut gemacht werden, daß die Frau ein Mensch ist, der propagandistisch für die sozialistische Idee wirkt. Ich glaube, baß wir Frauen selbst erheblich dazu beitragen können, wenn wir uns an den geeigneten Blaz stellen. In der " Genoffin" haben wir ein besonders gutes Organ. Ich fann denjenigen Genoffinnen nicht beipflichten, die auf dem Parteitag der Meinung waren, wir müßten ein anderes Frauenorgan haben. ( Lebhafter Beifall.) Berta Schulz Westfalen: Die Tagespresse muß im Interesse Wenn wir in unserem Bezirk unserer Frauen ausgebaut werden. bringen wollen, wird das von den Redaktionen stets mit Freuden an die Zeitungen herantreten und unsere Wünsche zum Ausdruck begrüßt. Aber wir hören immer die Klage, daß die Frauen viel zu wenig an den Zeitungen mitarbeiten. H Frau Zaber Hamburg: Ich begrüße die stärkere Vertretung der Genofsinnen im Parteiausschuß. Die Frauenkonferenz, die zur Klärung der im Laufe des Jahres aufgetretenen Probleme dienen foll, halte ich nicht für zwecklos, sondern für notwendig, solange wir Frauen im öffentlichen Leben noch feine Gleichberechtigung haben. Selbstverständlich sind auch wir von Hamburg für einen allgemeinen internationalen Frauentag. Frau Ziegler- Leipzig: Von der Frau, die im Erwerbsleben steht, von den Mühen des Alltags abgehärmt ist, können wir nicht fordern, daß sie als vorderster Pionier in unseren Reihen steht. Wir fönnen ihr aber sehr viel Beistand leisten, wenn wir ihr die Mittel geben, die wir dant der Tatkraft unserer Frauen in unserer Bewegung gefunden haben, indem wir ihnen in erster Reihe die Die großen Massen der Frauen müssen ganz intensiv mit allen uns zur Berfügung stehenden Mitteln aufgetlärt werden, und diese Auftlärungsarbeit tann nur von ben bereits politisch organisierten Frauen geleistet werden. In Ertenntnis dieser un umstößlichen Tatsache dürfen wir aber auch die Mittel nicht ab. lehnen, die uns für diese Zwecke in die Hand gegeben werden, und deshalb hat jede Genossin die Pflicht, dafür zu sorgen, daß über den Kreis der organisierten Frauen hinaus die Frauenwelt Ber- Wertschägung der Arbeit beibringen. Den Hauptwert müssen wir breitung findet. Ueber die fleine Zeitschrift, die den Genofsinnen fostenlos als Informationsorgan zugestellt wird, hört man sehr wenig Kritit. Im Zusammenhang mit dem auf dem Parteitag ge äußerten Wunsch nach einer weiteren Zeitschrift muß ich darauf hinweisen, daß es ungeheuer schwer ist, Frauenliteratur gegen Be zahlung unterzubringen. darauf legen, die Hausfrauen zu gewinnen, die auch in unseren Reihen der Arbeiterbewegung zu finden find, sofern die Stellung des Mannes fozial gehoben ist.( Lebh. Beifall.) Minna Todenhagen- Berlin: Der Ansicht über die Notwendigkeit internationaler Frauenfonferenzen schließe ich mich an. Wertvoller aber noch sind Bezirksfrauenkonferenzen. Ich glaube, unsere Agita tion macht sehr häufig allerlei Fehler. Wir haben jetzt wieder einen Kampf um die Schule vor uns, in dessen Mittelpunkt die Frage der Religionsschule steht. Da ist es sehr schwer, das richtige Maß und die richtige Form der Agitation zu finden. Da wir mit der Propaganda bei den Frauen oft das Gegenteil von dem erreichen, was wir wollen, warne ich davor, die Propaganda mit zu scharfen mitteln zu betreiben. Der Parteitag hat einen Antrag angenommen, die Zahl von 10 000 organisierten Frauen, die zur Entsendung eines Bartel ausschußmitgliedes berechtigt, auf 7500 herabzumindern. Infolge deffen werden im nächsten Jahr ohne weiteres 10-12 Genofsinnen dem Parteiausschuß angehören und hoffentlich in Zukunft sehr bald 20 und mehr. Es tommt in letzter Zeit sehr oft vor, daß Genossinnen, die politisch geschult sind, sagen: brauchen wir denn überhaupt noch Reichsfrauentonferenzen, follte man sie nicht nur dann Frau Schumann- Stettin: Bon Stettin ist der Antrag gestellt, einberufen, wenn sich von außen her ein dringendes Bedürfnis dafür die Frauenfonferenzen zu beseitigen. Wir sind der Ansicht, daß, zeigt? Wir arbeiten nicht darauf hin, unbedingt Sonderveranstal nachdem wir die Gleichberechtigung in jeder Beziehung erhalten ist. Wenn aber gesagt wird, die Probleme, die den Frauen ganz be- haben, wir mit unseren Genossen gemeinsam arbeiten müffen. sonders nahestehen, sollten doch auf allgemeinen Barteiveranstal- Frauenbewegung Bommerns, wie es in der„ Genoffin" heißt, troft tungen erörtert werden, dann müssen wir immer wieder tonstatieren, daß hier wohl der Wunsch der Vater des Gedankens ist, daß aber die Tatsachen dem leider bis heute aus mancherlei Gründen nicht folgen. Die Partei beschäftigt sich bis jetzt noch nicht mit den uns nahe liegenden Fragen in dem wünschenswerten Ausmaße, weil die Flut der politischen Ereignisse dazu gar feinen Raum läßt. Wenn die Propagandawirkung auch von der Erörterung dieser Fragen ausstrahlen soll, dann ist es schon notwendig, daß die Frauen in die Bresche springen und selbst die Erörterung aller fie betreffenden Fragen vornehmen. Mit einem Ich möchte wünschen, daß die Beteiligung der Frauen an den allgemeinen Bartetveranstaltungen immer stärker wird, und daß sich daraus die zwingende Notwendigkeit zur inneren Ausgestaltung der allgemeinen Parteiarbeit in dem Sinne ergibt, wie ich es bereits gekennzeichnet habe. Aber mit der gleichen Schlußfolgerung, mit der man vielleicht die Frauenkonferenzen ablehnen fann und will, fommt man auch dahin, davon zu sprechen, daß man eigentlich im Zeitalter des Frauenwahlrechts teine besonderen Frauenveranstaltungen mehr braucht, z. B. die politischen Ber fammlungen. Hier gebe ich den Leuten, die gegen besonder politische Frauenversammlungen sind, vollkommen recht. politischen Thema locken fie alle Frauen, die politisch interessiert find, und die gehen mit den Männern.( Sehr richtig.) Es ist doch falsch, wenn wir politisch tätige Frauen, die in Bersammlungen reden, dazu verurteilen, nur vor Frauen über politische Themen zu sprechen.( Sehr richtig.) Es ist erwünscht, daß die in der Partei tätigen Frauen ihre ganze Agitationstraft barauf verwenden, Frauen in die allgemeinen politischen Versammlungen mit den Männern gemeinsam hineinzubringen. Was die Frauenabende, Frauenfeierstunden und Arbeitsgemeinschaft für Frauen anbetrifft, fo müssen wir viel enger als bisher mit unseren Bildungsgemeinschaften zusammenarbeiten und die Frauen zu Kursen, Arbeitsgemeinschaften und Bildungsveranstaltungen führen. Ich glaube, wir müssen uns auch hier mit der Frage des Internationalen Frauentages beschäftigen. Der Kongreß in Marseille und die voraufgehende Frauenkonferenz haben bewiesen, daß man sich den Notwendigkeiten nicht verschließt, die aus dem Vormarsch des Frauenwahlrechts in der Internationale fich ergeben. Bor dem Kriege war es nicht möglich, eine wirklich anerkannte Fraueninternationale zu schaffen. Es ist auf Grund eines Beschlusses der Frau Höfs- Stettin: Ich bestreite, daß die Verhältnisse in der los sind. Wir haben von 134 Ortsvereinen 74, wo weibliche Mitglieder organisiert sind und befizen 28 Ortsausschüsse für Arbeiter wohlfahrt, wo die Frauen die Hauptarbeit leisten. Es folgt dann eine Mittagspause. hunderts In der Nachmittagsfizung folgte das Referat des Genossen Dr. Saenger- München über„ Die Frau im neuen Strafrecht". Alles, was Sie in Moral und Sitte, in Wirtschaft und Kultur in dieser Zeit, in der es gärt, erleben, findet seinen Rückschlag im Recht. Zunächst ein Wort über die Kriminalität unter Heranziehung von ziffernmäßigen Angaben, um Ihnen die ungeheure Bedeutung des Strafrechts und der Strafrechtspflege vor Augen zu führen. Was Recht und Unrecht ist oder als solches gilt, ift je nach dem kulturellen Erleben eines Boltes vollkommen ver. Jahrtausenden nicht in allen Fällen strafbar. Die Griechen befchieden. Mord war in gewissen Zeiten der Entwicklung vor lohnten die Tötung lebensschwacher Kinder, in gewiffen Berioden die Tötung von Zwillingen, von altersschwachen Frauen und Greifen. In Bayern gab es unter den alten Herzögen am Ende des 17. Jahres war die Hochblüte des geheiligten Eigentums im Anfang der kapitalistischen Periode nicht weniger als sieben Todes= arten gegen das Verbrechen des Bettelns. Wer damals einen Dieb. stahl im Werte von 20 Gulden verübte, wurde mit dem Tode durch ben Strang bestraft. Wie heilig früher das Eigentum im Gegenfatz zu heute war, ersehen Sie daraus, daß nach authentischen Nachrichten Heinrich VIII. von England während seiner Regierungszeit nicht weniger als 60 000 Bettler hinrichten ließ. Im 17. Jahrhundert wurde das unberechtigte Fischen und Krebsen mit dem Tode, in leichteren Fällen mit den schwersten Schand und Körperstrafen und Landesverweisung bestraft. Wie der Staat, so bas Strafrecht! Im Staate, in dem die Theofratie galt, d. h. alles mit dem Begriff des regierenden Gottes durchsetzt war, wie das Gesetz bei den Juden, war die Gotteslästerung das schwerste Berbrechen und die Grenzsteinverrückung das leichteste. Als im Anfang des römischen Rechtes in Rom und im römischen Kolonialgebiet die Bevölkerung hauptsächlich Landwirtschaft betrieb, war die Grenzsteinverrückung das schwerste Verbrechen. Im Handelsstaat wurde das Münzverbrechen mit sofortiger Enthauphing bestraft. Im Militärstaat waren die Bergehen gegen die Autorität die schwersten, in der mittelalterlichen Republit das Streben nach föniglicher Macht. Kurz, die Reaktion des Rechtsgefühls der Staaten und der Individuen ist da am heftigsten, wo sie sich in ihren eigentümlichsten Lebensbedingungen unmittelbar bedroht fühlen. Die Behauptung, daß das ungeheure Anwachsen der Kriminalität in Deutschland eine Folge der Revolution sei, ist eine der übelsten Lügen. Im Jahresdurchschnitt 1911-1915 sind im Deutschen Reich 1 139 997 Anflagen erhoben worden, 1916-1920 waren es 1 266 012. Unter der Einwirkung der Inflation tam eine Steigerung, so daß das Jahr 1923 die bisher größte Zahl von Anlagen in Deutschland gebracht hat, nämlich 1742 780. In Deutschland beträgt die Zahl der Rücfügen 18,6 Proz, fo daß jeder Fünfte, Mann oder Frau, der vor den Richter kommt, mindestens schon einmal mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen ist. Diefer prozentuale Anteil wird vom Mann überschritten bei Raub, Mord, Totschlag, Betrug, Unzucht, Diebstahl, Brandstiftung, Hehlerei und Unterschlagung. Von hundert verurteilten Personen find 80 Männer und 20 Frauen; 11,8 find Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren. Der Mann stellt bei den Verbrechen der Unzucht und Notzucht 99,3 Proz., beim Raub 96,8 Proz., bei der Nötigung 93 Proz. Ferner ist der Mann stärker beteiligt an Körperverlegung, Betrug und Hausfriedensbruch; am geringsten bei den Verbrechen des Meineides und der Beleidigung. Die Frau dagegen ist weit über die 30 Proz., die ihr zukommen, beteiligt beim Meineid mit 34 Proz, wobei die katholische Frau einen ungleich höheren Prozentjag stellt als die protestantische und jüdische. ( Bewegung.) Bei der Beleidigung stellt die Frau 33,6 Proz.; hier sind viele Frauen rücffällig.( Heiterfeit.) Weniger beteiligt ist die Frau bei Sachbeschädigung, wo sie nur einen Prozentsaz von ungefähr 8 stellt, also 12 Broz. weniger als sie von Rechts wegen zerschlagen und demolieren dürfte.( Heiterkeit.) Das Strafgesetzbuch von 1871 gründet sich noch auf den Gedanken: der Staat straft aus dem Grunde der gerechten Bergel. tung. In dem neuen Strafgesetz entwurf flingen schon die Gedanken durch: Unsache und Verhütung der üblen Wirkungen des Berbrechens, bis eben in Jahrzehnten ein anderes Strafgesetzbuch den Grundsatz zum Ausdruck bringen wird: Verhütung der Ursachen des Verbrechens. Der Bankrott des jetzigen Strafrechts zeigt sich in der erschütternden Tatsache, daß unmittelbar vor dem Kriege ein Zuchthausdirektor bei 2093 Buchthausgefangenen von 2297 mit absoluter Sicherheit den Rückfall vorausfagte, daß er bei 128 zweifelhaft war und nur bei 76 an Erziehung durch das Zuchthaus glaubte. 92,3 Proz. der Insassen der preu Bischen Zuchthäuser sind wieder rückfällig geworden. Im vorigen Preise stieg, auch ein Diebstahl mehr auf die Zahl von 100 000. 1909 betrug die Kriminalistit 63 Broz. mehr als 1882, die Zahl der vorAls weiteren Fattor der Kriminalität ist neben der wirtschaftlichen bestraften Jugendlichen ist von 1889 bis 1909 um 60 Proz. gestiegen. Not der Alkohol Frau Nemig- Berlin: Die Frauen werden dafür verantwortlich gemacht, daß die Sozialdemokratische Partei nicht den Aufstieg nimmt, wie wir ihn alle wünschen. Unsere männlichen Partei genossen haben auch erst nach Beseitigung des ungerechten Wahlsystems den ersten Schritt machen müssen. Wir geben das Wahlrecht nicht mehr preis. Bei der Zollvorlage, die für die arbeitende Klasse eine Lebensfrage ist, ist die Arbeiterfrau im Ausschuß start in Er- Jahr entfiel in Bayern auf jeden Sechser, um den das Getreide im fcheinung getreten. Wo aber bei der Beratung der Zollvorlage eine einzige bürgerliche Frau? Auch keine Zentrumsfrau hat versucht, für die Intereffen der minderbemittelten Klasse einzutreten. Ru dem Antrag betr. den Antifriegstag möchte ich sagen, daß wir auch eine wichtige und heilige Frage im Interesse der Menschheit bei unseren Weltfeiertagen in den Vordergrund gerückt haben. Wollen wir nicht auch den 1. Mai zu einem Antifriegstag machen?( Sehr richtig.) Diffmann- Berlin verweist auf einen Brief, der ihm von einem jungen Mann aus sehr wohlhabendem, bürgerlichem Hause zuging und der sich mit der Dienstbotenfrage befaßt. In ihm wird feftgestellt, daß, während bei den Wahlen in dem betreffenden Ort im Mai und Dezember 1924 sehr viele Dienstmädchen überhaupt nicht gewählt haben, bei der Hindenburg- Wahl alle restlos ihre Stimme abgegeben hätten, ein Beweis, daß von der Herrschaft auf die Stimmabgabe eingewirkt worden sei. Warum sollten die sozia liftischen Eltern, Brüder und Schwestern nicht einen Brief an diese jungen Dienstmädchen schreiben und ihnen auseinandersetzen, wen fie in ihrem eigenen Interesse zu wählen haben? Bei den bevor. stehenden badischen Landtagswahlen kommen viele Tausende in Betracht. Herta Funk- Niederrhein: Die Ausbreitung der sozialistischen Tagespresse muß unbedingt größer werben. Den Kampf gegen die bürgerlichen Zeitungen müssen wir unbedingt aufnehmen. Ueberall machen wir auch die traurige Wahrnehmung, daß uns die Jugend in der Frauenbewegung fehlt; das muß uns zu denken geben. Frau Wolff- Münsterland: Auch ich möchte Ihnen dringend ans Herz legen, die Jugend in der Arbeit mehr als bisher zu berüc fichtigen und sich mit ihr zusammenzusetzen. Bei der Werbearbeit tommt es vor allem darauf an, auf dem Boden der Gefelligkeit eine zu nennen. Mehr als die Hälfte aller Körperverlegungen werden am Sonntag begangen und zwar 66 Proz. derfelben im Wirtshaus. Unter den Landstreichern befinden sich in Deutschland 80 bis 90 Broz. Gewohnheitstrinker. In Bayern sind von 100 Berurteilten etwa 13 Proz. Trinker. Die Zahl der alkoholischen Jugendlichen, die in Bayern Verbrechen begehen, ist doppelt so hoch gestiegen als die der anderen Jugendlichen. Ein Münchener Schularzt hat allerdings festgestellt, daß von den sechsjährigen Schülern 26 Broz. der Knaben zweimal täglich regelmäßig Bier befamen und 72,8 überhaupt Bier; bei den Mädchen bekamen fogar 77,6 Proz. regelmäßig im Elternhaus Altohol. In der obersten Volksschulklasse waren es nur 11,7 Proz. der Kinder im Alter von 14 bis 16 Jahren, die nicht regelmäßig Alkohol zu trinken befamen. Der ledige Mann verübt mehr strafbares Tun als der verheiratete, bei der Frau ist es umgefehrt. Darin brücken fich die unfagbaren Tragödien vieler Ehen im Arbeiterstande aus, da die Ehe des fapitalistischen Staates für die arbeitende Frau durchaus nicht eine Quelle des Glückes und der Freude bedeutet. Die Männer, besonders die sozialistischen, sollten es so weit bringen, daß in einer proletarischen Familie die Frau nicht mehr vom Manu geschlagen wird.( Lebhaftes: Sehr richtig!) Wir sind noch lange nicht soweit. Einen flaren Beweis für die enge Berbindung zwischen Wirtschaft und Recht liefert die Witwe. Während die ledige Frau »Um« tat OBar von 40 Ms SO Saht» Mn Kriminalität» zifskr von 178 anfwetst. auf 355. In dem neue» Entwurf de» Strafgesetzbuche» P»tel enthtaten, wo» nicht darin stünde, wenn es keine Sozialdemokratie und keine sozialistisch« Arbeiterbewegung gegeben hätte. Neu ist, daß künftig Frauen- und Kinder Handel auch dann in Deutschland bestrast werden kann, wenn er im Ausland betrieben worden ist. Neu ist, daß man unter Freu auch jede un- verheiratete Person weiblichen Geschlechts zu verstehen hat. Ein neuer Schutz soll dadurch sür die Frau geschaffen werden, daß aus- drücklich auch Hypnose und Suggestion gegenüber der Frau als Gewaltmittel bezeichnet werden. Beseittgt ist das Lächerliche, daß eine Frau wegen Abtreibung. bestraft wurde, wenn sie zu diesem Zweck eine Tasse Schokolade trank oder eine Portion Gurkensalat mit Pfeffer aß. Eine Neuerung, die für die Frauen von höchstem Interesse ist, besteht darin, daß bei der Strafzumessung das Vor- leben des Täters, feine persönlichen Verhältnisse und seine wirk- schaftliche Lage vom Richter berückstchttgt werden müssen. Auch bei der Bemessung der Geldstrafe ist die Wirtschaftslage des Täters zu berücksichtigen, wobei dem sozial Schwächeren die Geldstraf« ge- stundet werden muß, um sie in kleineren Beträgen abzuzahlen. Was die Frauen vor allem bekämpfen müssen, ist, daß die Todesstrafe noch grundsätzlich im Strafgesetzbuch enthalten ist.(Zurufe: Leider!) Denn die Todesstrafe ist eine Barbarei, sie ist kriminalistisch und kriminalpolittsch ein Unsinn. Etwas vom Gemeinschaftsgedanke« des Sozialismus findet sich in dem Strafgesetzentwurf in der Ueberschrist Angriffe gegen die volkskrafk. Dagegen findet sich nicht m e h r die Ueberschrift.Strafbare Der- brechen wider den Besitzt. Neu ist. daß künftig auch derjenige bestrast wird, und zwar mtt Zuchthaus bis zu fünf Jahren, der von dem Verbrechen des Frauen- oder Kwderhandels Kenntnis erhakten und sein« Kenntui» nicht sofort an die Behörde weite» gegeben hat. Derjenige, der einen anderen auf ausdrückliches und ernstes Verlangen tötet, soll künftighin nur mtt Gefängnis be- straft werden: die Mindeststrase wird danach statt bisher 3 Jahre 8 Tage bestrafen. Der Selbstmord ist in dem Entwurf, wie bisher, nicht strafbar, aber derjenige, der einen anderen zum Selbstmord verleitet, wird künftig mit Gefängnis bestraft werden. Das ist wichtig, weil es schon vorgekommen ist. daß Frauen von Männern aus egoistischen Gründen zum Selbstmord bestimmt worden find. Bisher wurde die Mutter eines unehelichen Kindes, die dieses un- mittelbar nach der Geburt tötete, mit Zuchthaus nicht unter drei Iahren bestraft. In dem neuen Entwurf ist das Merkmal des nn- ehelichen Kindes weggefallen und die Kindesmörderin wird nur mit Gefängnis bestrast. d. h. die Mindeststrafe beträgt statt drei Jahre Zuchthaus 8 Tage Gefängnis. Wichtig ist die Bestimmung des neuen Entwurfs:.Eine Frau, die ihre Frucht im Mutterleibe oder durch Abtreibung tötet, wird mit Gefängnis bestrast.' Der Versuch ist strafbar. Aber in besonders leichten Fällen kann der Richter die versuchte Abtreibung straflos lassen. Das sst viel zu wenig für das. was wir über die Gründe und Ursachen der Ab- treibung wissen.(Sehr richttgl) Aber e» ist«in Ansang, der uns Stärke und Berechtigung gibt, mehr zu verlangen. Die jetzige Fassung des neuen Abtreibungsparagraphen mtt) des sogenannten Nothilseparagraphen ist so, daß im neuen Strafrecht der Arzt auch wider Willen der Mutter das Kind töten darf,»m das Leben der Mutter zu retten.(Bravo!) Bis jetzt sst nach dem Strafrecht jedes Ausstellen von Gegenständen, die der Verhütung der Empfängnis und der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten dienen, verboten. (Hört! hört!) Auch hier ist eine leise Aenderung zum Bessern ein- getreten. Nach dem künstigen Strafgesetzbuch wild nur derjenige bestraft, der in einer Sitte und Anstand oerletzenden Weis« solche Sachen öffentlich ankündigt, anpreist oder allgemein zugänglich macht. Das sst ein Weg, auf dem man weiterfchretten kann. Auf dem Gebiete der Nöttgung und Unzucht geht mir persönlich der Schutz der Kinder nicht weit genug. Derjenige, der ein Kind, das noch nicht 14 Jahre alt ist, zur Unzucht mißbraucht, soll mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren bestraft werden. Nach meiner An- schauung ist die Geschlechtsichre des Kindes das höchste Gut, das überhaupt im Etrafrecht zu schützen ist(Sehr richttg!), weil»in Schaden angerichtet werden kann, der in den messten Fällen nie- mals wieder gutzumachen ist.(Zustimmung.) Ich verlange also hinsichtlich des Schutzes der Frauen- und Kinderehre de» Höchstsatz, das sind 15 Jahre Zuchthaus. Ein Fortschritt sst darin zu erblicken, daß die Bestimmung geändert wird, wonach der Mann bestraft wird, der ein unbescholtene» Mädchen oerführt, während bis- her der Mann mit einem Mädchen machen kann, was er will, ohne daß er bestrast wird, wenn es bereits oerführt worden ist. Der Strafgesetzgeber hat jetzt das Merkmal der Befcholtenhest au, dem Gesetz herausgelassen. Wo ein Fortschritt in dem Strafgefetzentwurf enthalten ist, ist es das alleinige Ergebnis der Tlhahrigen Kulturarbeit der deutschen Sozialdemokratie und der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutschland. wo» der Sozialdemokrat flir die In» im künfttge» Straf» recht verlangt. ist folgend«»: 1. Wenn die Frau ihre sozial« und geselkschastllche Aus- gab« nicht erfüllt, so kann sie die Gesellschast nur dann bestrafen. wenn sie der Frau auch die Voraussetzungen zur Erfüllung chrer ve» pflichtungen gibt. Das bezieht sich vor allem auf die Frage, inwie» wett ein« Frau frei Über Körper und Seele verfügen darf. i. Mutter und Kind als die Grundlage der Gesellschaft sind gegen jede Los- beutung durch höchste Strafe und höchste Sicherungsmaßregelu zu schützen. 8. Dieser Schutz hat sich insbesondere zu erstrecken gegen jede Gewalt, die gegenüber der Frau und dem Sind« In körperlicher und seelischer Hinsicht angewendet wird oder angewendet zu werden versucht wird. 4. Die Frau ist gleichberechtigter Faktor, die Frau ist neben dem Manne in der kriminellen Fürsorge, Rechtsprechung und im Strafvollzug heranzuziehen. 5. Weg mtt dem Arbeitshaus und ähnlichen Zwangsmitteln, die durch heilende soziale Faktoren ersetzt werden müssen. Arbeiten für die Emanzipation der Frau, der Glaub« au die Frau ist uns Sozialdemokraten heilig und teuer. Lassen Sie uns in diesem Glauben an die heilig« Kraft des Sozialismus in dieser Stunde vor den Kümmernissen und Schmewen der leidenden Frau verneigen und grüßen in der Ferne da» befreite Vaterland.'(Leb- baster anhallender Beifall.) Auf eine Diskusflon wurde verzichtet. Der Parteivorftand wurde ersucht, dieses Referat als Broschüre verbrette« z» lassen. Die Konferenz war von 105 Teilnehmern besucht. Noch einer kurzen Aussprache Über da» Referat der Genossin Juchacz, ander sich die Genosssnueu Sachse- Thüringen. Matschte- Brandenburg und R ö p e r t beteiligten, und dem Schlußwort der Genossin Juchacz wurde die Konferenz mtt einem Hoch auf die deutsche und die internationale sozialdemokratisch« Frauenbewegung geschlossen. Die verpulverten Staatsgelöer. Bankdirektor Nehriug und sei« Adelskonsortinm. Die gestrige Sitzung im Landespfondbriefonstaltprozeß wurde inst der Vernehmung de» ehemaligen Direktor, der Anstalt Mehring ausgefüllt. Der Angeklagt« Mehring, einer jener De- rufsbeamten.alten Schlages', wie ihn die Deutschnattonalen nicht genug rühmen können, macht eine klägliche Figur. Während der Vorsitzende immer wieder feststellen muß, daß dos Verhallen dieses Beamten unverständlich und einfach sinnlos war. versucht sich Nehring damit zu entschuldigen, daß er sich teils von den Zitze« witzen übers Ohr Hab« hauen lassen und daß er in anderen Fällen, wo er sich bewußt gewesen sei, daß die Mitangeklagten ihn auf einen falschen Weg drängen wollten, zu schwach war, um aus die Dauer Widerstand zu leisten. Wenn man den Aussagen des ehemaligen Bankdirektors Glauben schenken wollte, müßte man annehmen, daß er sich in einem Derhällnis der absoluten Hörigkeit zu den Zitzewitzen befand. Ungelöst bleibt bei dieser Annahme da» Rätsel, wie sich ein aller.erfahrener' Der- waltungsbeamter von ein paar jungen Dachsen derart ins Schlepptau nehmen lassen konnte, daß fein« Maßnahmen auch von einem Laien als sinnwidrig erkannt werden müssen, wenn man nicht zu der Schlußfolgerung kommen will, daß auch andere Gründe als dieser unerklärliche Grad von Hörigkeit eine Rolle gefpiell haben. Ja, wetteren Verlauf der Sitzung erklärt der Angeklagt« zu- nächst, daß er dem Adelskonsortium geglaubt habe, wenn es sagte, der Landbund habe Hypotheken vermitteln wollen und an den diesbezüglichen Verhandlungen habe' der Präsident de« Reichs- landbundes teilgenommen, da e» nicht üblich fei..daß man Unwahrheiten erzählt, wenn man derselben Gesellschafksfphäre angehört'. Vors.: Der Reichslandbund hat doch aber mit der Sache gar nichts zu tun. llebrigens hat Herr v. Z l t z e w i tz den Kreditantrag mit der Begründung gestellt, er wolle mit dem Geld« feine Güter verbessern. Das sst auch ein Verfahren, das nicht nur vom ge- sellschastlichen, sondern auch vom menschlichen Standpunkt nicht üblich ist. Auf dt« Frage des Vorsitzenden, wie er bei dieser kitzlichen Sachlage denn habe ans Urlaub gehen können, erklärte Mehring. daß er in dringenden FamMeuaugelegenheiten. nämlich zum Geburtslage feiner TNutter. habe verreisen müssen(!), daß er aber itt telephonischer Verbindung mit den übrigen Herren geblieben sei. Der Sachverständige Bankdirektor Dr. Poppelauer bestätigte. daß es in Bankkreisen erste Pflicht sei. im Falle von Kreditgewäh- rang Auskünfte einzuholen. Der Angeklagte betonte dabei, daß die Herren von Etzdorff usw. e» mtt dem Kredtt sehr dringend gc- macht hätten. Im übrige» habe er sich doch auch darauf verlassen, daß v. Etzdorff Bankfachmann(!) gewesen sei. Vors.: Ich will dem Angeklagten keineswegs unterstellen, daß er lügt, ich glaube ihm sogar, aber von einem hohen Beamten, der gewissermaßen doch Bankdirektor war, ist mir ein solches Ler- halten unverständlich. Der Angekl. Mehring schildert dann weiter, daß die Landes- pfandbriefanstalt sich schließlich Über die Gesamsschulden von Millionen Mark ein« Sicherheitshypothek auf die beiden Güter des Herrn v. Zitzewitz geben und daß sie sich außer- dem die Antette sicherstellen ließ, die die Gruppe Zitzewttz von Sequi erworben hatte. Vors.: Ich versteh« überhaupt nicht, daß Sie, der Sie doch täg- sich durch Bewilligung und NichtbewIMgung der Kredite die Ge- schäfte zu lenken imstande waren, im Handumdrehen Kredite be- willigten, weil die Gruppe Zitzewitz ihre Schuld an Sequi in Dollar abtragen wollte. Nach dem Vertrag« zwischen dem Konsortium Zitzewitz und Sequi stand es Herrn v. Zitzewitz frei, entweder sofort in Dollar oder erst Ende des Jahres in Lire zu bezahlen. Sie hätten ja die Deckung in Lire abwarten können, der damals tat- sächlich monatelang gefallen ist und hätten Sie Ende 1924 in Lire gezahlt, so wäre das Geschäft für Zitzewitz und für Sie mtt einem ansehnlichen Gewinn verbunden gewesen. Angl. Mehring: Das wollte ich ja auch, aber die drei Herren machten immer wieder Einwände. Sie meinten. Sequi könne doch inzwischen sterben und dann müsse man mtt dem Erben langwierige Verhandlungen führen. Und da habe ich mich leider nicht so stark gezeigt, wie ich es hätte tun sollen. Vors.: Herr Nehring, sind Sie denn nie auf die Idee gekommen, daß diese drei Herren dort nur immer Geld von Zhne» l» die Hönde zu bekommen trachteten?' Angekl.(leise): Das habe ich erst z» spät erkannt. iSr Zur Beschaffung der Dollar(250 000!) wurde der Kaufmann Dr. Kann herangezogen, vorüber sagt Nehring ans: Am 24. Mai kam Dr. Kam und erklärt«, daß er die Dollar erheblich über Kurs einkaufen müßte und verlangt« ein« Nachzahlung von 848 000 Mark, widrigenfalls er (ofork die Beschaffung der Dollar einstellen würde. Er stützte sich dabei auf eine Vollmacht, die ihm Herr v. Karstedt gegeben hatte. Vors.: Run lag et doch nqh«. Herr Nehring, daß Sie einen Juristen zuzogen und deni Herrn Dr. Kann erklärten, sein Verhalten grenze an. Strafrechtliche. Angekl. Mehring: Es war leider so, daß Dr. Kann einen Juristen, den Rechteanwalt Solomon, zuzog, und dieser erklärt« mir, die Forderang des Dr. Kam bestehe zu Recht.(I) Vors.: Ich glaube recht gern, daß Dr. Solomon Herrn Dr. Kann, bei dem er Angestellter war, recht gegeben hat. Di« Sache hat für Herrn Rechtsanwalt Solomon vielleicht auch noch Folgern Angekl. Mehring: Wir haben dann schließlich, um den Zahlung»- termin an Sequi nicht zu versäumen, auch die Forderang de» Dr. Kann noch an» Bein gebunden und bekamen mm schließlich die Dollar. Vors.: Bei dem Geschäft find Sie, mn mich banttechnssch an»- zudrücken, geradezu furchtbar geschnitten worden. Es folgt nun die berühmte i-s Londoner Reife der Etzdorf. Eartowlß nttd Karstedk unter Führung des inzwischen von seiner Bank entlassenen und nach England übergesiedelten Direktors Fleischmann. Zweck der Reise war angeblich die Unterbringung holländischer Pfandbriefe zugunsten der Anstatt,.«ine nie wiederkehrende Gelegenheit', wie sich die Zitzewitze ausdrückten. Aegekl. Mehring: Direktor Fleischmam rief mich telephonisch an und verlangt« für diese Angelegenhett für Provisionen usw. eine Vorauszahlung von 50 000 Mark. Das war mir zuviel, doch erklärte Fleischmann, daß bis zum Abend die Zahlung erfolgt fein müsse, widrigenfalls er sich für die Jlngelegenheii nicht interessieren könne. Mr haben uns dann auf 30 000 vlark geeinigt. Vors.: Es scheint mir doch etwas ungewöhnlich zu sein, daß im Verkehr zwischen zwei Banken der Direktor des einen In- stitutes für einen Geschäftsauftrag eine so hohe Summe voraus verlangt. Die Bewilligung dieser 30 000 ist mir restlos unver- st ä n d l i ch. Ein Beamter in Gruppe 12 bekommt 12 Mark tägliche Reisespesen. Selbst wenn man berücksichtigt, daß ein Bankdirektor repräsentieren muß, kann ich mir nicht denken, daß er für die Londoner Reise mehr als 5000 Mark verlangt haben kann. Die Bewilligung der 30 000 Mark ist um so bedenklicher, Herr Nehring, als es sich um Staatsgelder handelt, die Sie ange- wiesen haben. Angekl. Mehring: Die Herren kamen dann aus London zurück und teilten mir als positives Ergebnis mit, es sei unmöglich, die Pfandbriefe unterzubringen. Vors.: Die drei Angeklagten haben ja im kaufmännischen Sinne geradezu sinnlos gehandell. Sie haben versucht, ein Akkreditto auf Rom über New Port zu erhalten, und dieses unsinnige Manöver Hai Spesen in Höhe von 10 000 Dollar ver- schlungen. haben Sie, Herr Mehring, denn nicht versucht, so etwas zn verhindern? Angekl. Mehring: Ohne Erfolg, denn die drei Herren be- wnten mir gegenüber, daß dieser Weg ihnen von Sequi im Pertrage oorgezeichnet sei. Es waren auch andere Dinge noch schwer zu durchschauen. So meldeten sich z. B. viele Leute, Agenten usw.. die vollstreckbar« Urkunden gegen das Bureauhaus Börse in der Hand hatten, und die Beträge mußten von der Landespfandbriesanstalt gezahlt werden, weil die Vertreter des Herrn o. Zitzewin kein Geld hatten. So ist mir z. B. die Forderung ein«» gewissen Haake gegen das Bureauhaus Börse auch heute noch nicht verständlich. vorf.: Wie konnten Sie dann aber dem Manne einen Betrag — e» handelte sich um 15 000 Mark— bezahlen, wenn Sie sich nicht einmal über die Forderung klar waren! Die Verhandlung wendet sich dann der Frage der Verwendung der Kredite M- vorf.: Haben Sie niemals berechnet, wieviel die Herren f ü r ihre persönlichen Zwecke verbraucht haben? Etzdorf hol 41 300 Mark, v. Karstedt 113 800 Mark und o. Carlowitz 163100 M. verbraucht, Herr Wähler 120 000 Mark, das sind zusammen 5 00000 Mark nur für persönliche Ausgaben, Herr Nehring. Ist Ihnen niemals auf gefallen� daß diese jungen Herren dort, die nicht einmal die relativ kleinen Forderungen der Agenten befriedigen konnten, im Hotel Bristol wohnten und in eigenen Autos spazieren führen? Haben Sie nie bemerkt, daß die drei wie ganz große Herren auftraten? Angekl. Mehring: Rein, denn ich selbst bin nie ta Lokal« gekommen. wo die Herren zu verkehren pflegten. Vors.: Da Sie den Angeklagten aber Kredite von 2 Millionen eingeräumt haben, mußten Sie doch wenig st«ns wissen, daß die Adresse Ihrer Schuldner da» Hotel Bristol war. Wenn ich aber nicht einmal kleine Schulden selbst bezahlen kann, sondern dazu die Landespfandbriesanstalt heranziehe, dann wohne ich nicht im Hotel Bristol, wo ein Zimmer bestimmt mehr al» 2,50 Mark kostet, sondern nehme mir ein möbliertes Zimmer. So würde ich denken. wenn ich Staatsgelder zu verwalten hötte. Angekl. Mehring: Ich habe mtt den drei Herren auch oft ernst gesprochen.(!) Vors.: Dann wundert es mich doch, daß Sie, ein sonst er- fahrener Mann, nicht den drei Herren die Autos haben psän- den lassen. Angekl. Mehring: Ich war darüber absolut nicht im Bilde, ob die Herren nicht privat die Mittel besaßen, um so leben zn können, wie sie e» taten. Darum habe ich mich auch nicht ge- kümmert. Vors.:«l, Gläubiger und Sachwaller von Stacttsgeldern hallen Sie aber durchaus die Pflicht, sich um da» Privallebea Ihrer Schuldner z» bekümmern. Angekl. Mehring: Mir ist nur unklar, daß Herr v. Z l st« w i tz sich nicht mehr um die drei Herren bekümmert, denn schließlich ging es ja doch bei der ganzen Sache um sein Geld. Vors.: llch hätte dem Staat und den Steuerzahlern nur gc- wünscht, daß Zhr Glaube Tatsache gewesen wäre, denn eingesprungen lst der preußische Staat. Hierauf wurde die Sitzung auf Mittwoch morgen 914 Uhr vertagt. Der ßlieger CofU verurteilt. Wege»««defugten UeberfliegeuS«»besetzte« deutsche« Gebiets. Karlsruhe, 22. September.(Eigener Drahtbericht.) Bor wenigen Tagen stürzte im Höllental der französisch« Flieger C o st e ab. Er trag leichter« Verletzungen davon. Der Flieger sst auf Grand des Gesetze« über den Luftverkehr vom Jahre 1922. das ein Ueber- fliegen deutschen Gebietes durch Privat flieger ohne Genehmigung oerbietet, in das Zentrallandesgefängni« Freiburg übergeführt worden. Außerdem wurde ein Strafbefehl auf 5000 Mark erlassen. Dieser Befehl ist rechtskräftig innerhalb der vorgeschriebenen Zeit, wenn Einspruch nicht erfolgt. Das Flugzeug trag, ohne ein Militärflugzeug zu sein, die Abzeichen eines solchen. ilstessor Kußmann als Tlerqväler. Zn diesem von nn» au, dem»Sersiner Tageblatt' entnommenen Bericht hatte der Assessor Kußmann im Ausschuß triumphierend mitgetellt. daß nicht er, sondern sein Bruder damit gemeint sei. Wie un» inzwischen von informierter Seite erklärt wird, beruhten die Angaben des.B. T.' tatsächlich auf einer Verwechslung, die jedoch damit begründet wird. daß auch der Bruder neuerdings Gerichtsassessor geworden sst und als solcher wegen Tierquälerei polizeilich s estgestellt und gerichtlich angeklagt wurde. CORD BALLON Weltmarke fhe QuaUtätJ .. Unterhaltung unö A9lssen Der Schauspieler. von August Skrindberg. Die Kunst des Schauspielers ist die schwerste und die leichteste van allen Künsten. Aber sie ist, wie das Schöne, fast unmöglich zu definieren. Sie ist nicht Verstellungskunst, denn der grohe Schau- spieler verstellt sich nicht, sondern ist aufrichtig, wahr, ungeschminkt: nur der niedrige Komiker tut alles, um sich durch Maske und Kostüm zu verstellen. Sie ist nicht Nachahmung, denn schlechte Schauspieler besitzen sehr ost eine dämonische Fähigkeit, bekannte Personen zu imitieren, während dem wirklichen Künstler diese Gabe fehlt. Der Schauspieler ist auch nicht ganz das Medium des Dichters, nur in ge- wisser Weise und mit Vorbehalten. Die Kunst des Schauspielers wird in der Aesthetik nicht zu den selbständigen Künsten gerechnet, sondern zu den abhängigen. Sie kann ja nicht für sich existieren, ohne den Text des Dichters. Ein Schauspieler kann einen Dichter nicht entbehren. Ich habe nie den zweiten Teil von Goethes.Faust" aufführen sehen, nie Schillers .Don Carlos", nie Shakespeares.Sturm", aber ich habe sie doch gesehen, als ich sie las: und es gibt gute Stücke, die nicht aufgeführt werden dürfen, es nicht vertrogen, gesehen zu werden. Aber es gibt schlechte Stücke, die gespielt werden müssen, um leben zu können: die von der Kunst des Schauspielers vervollständigt und veredelt werden. Der Dichter weiß im allgemeinen, für was er dem Schau- spieler zu danken hat, und er ist gewöhnlich dankbar. Das ist auch der überlegene Schauspieler gegen seineu Dichter, und ich sähe am liebsten, sie dankten einander, da die Verpflichtungen gegenseitig sind; aber im besten Einverständnis würden sie leben, wenn die unberufene Frage nie gestellt würde. Aber sie wird oft von ein- gebildeten Narren und von Sternen gestellt, wenn sie zufällig»in untergegangenes verdientes Stück zu Ehren gebrocht haben. Für die ist der Dichter ein notwendiges Uebel oder jemand, der den Text zu ihrer Rolle schreibt, da ja ein Text da sein muß. Die Kunst des Schauspielers scheint die leichteste von allen Künsten zu sein da ja jeder Mensch im Alltagsleben sprechen, gehen, stehen, Gebärden und Mienen machen kann. Aber dann spielt er sich selbst, und das erweist sich bald als etwas anderes: soll er eine Nolle lernen und wiedergeben, wird er auf die Bühne gelassen, so merkt man bald, daß der kenntnisreichste, tiefsinnigste, stärkste Charakter unmöglich ist, während sich eine sehr einfache Natur sofort zu Hause fühlt. Den einen ist die Kunst der Wiedergab« angeboren. die anderen haben diese Kunst nicht erhalten. Aber es ist immer schwer, über einen Anfänger zu urteilen, denn Anlagen können vorhanden sein, ohne sich sogleich zu offenbaren, und große Talente hoben oft einen recht dürftigen Anfang gehabt. Darum müsten Direktor und Regisieur vorsichtig im Urteil sein, denn sie haben da» Schicksal eines jungen Menschen in ihrer Hand. Was den Schauspieler macht und welche Eigenschaften er haben muß, ist sehr schwer zu sagen, aber ich will versuchen, einige anzu- geben. Zuerst soll er seine Aufmerksamkeit auf die Rolle richten, alle seine Gedanken auf sie konzentrieren können, darf sich nicht zer- streuen lassen. Wer ein Instrument spielt, weiß, was es zu be> deuten hat, wenn die Gedanken ihr Spiel zu treiben anfangen. Dann verschwinden die Noten, die Finger irren umher, machen Fehler. und man bleibt stecken, auch wenn man da» Stück kann. DI« zweite Bindung ist wohl: Phantasie besitzen, das heißt hier: sich Gestall und Situation so lebendig vorstellen zu können, daß sie Form annehmen. Ich vermute, der Künstler wird in eine Trance versetzt, vergißt sich selber und wird schließlich der, den er vorstellen soll. Das erinnert an Schlafwandeln, ist aber wohl nicht ganz das- selbe. Kein« Kunstart ist so unselbständig wie die des Schauspielers: er kann sein Kunstwerk nicht isolieren vorzeigen und sagen: da, ist mein». Findet er nämlich nicht Resonanz beim Gegenspieler, wird er von diesem nicht unterstützt, so wird er niedergezogen, in falsche Tonlagen gelockt: auch wenn er sein Bestes tut, es nimmt sich nicht aus. Die Schauspieler haben einander in Händen: es gibt un- gewöhnliche Egoisten, die den Rivalen niederspielen. ihn in den Hintergrund drängen, um selber und allein in den Vordergrund zu treten. Der Hochverräter. 7] Erinnerungen ans schweren Tagen. Bon Adolph Hoffmann. Bei Dunkelwerden wurde die Gasflamm« über dem Tisch— sogenannter Schnittbrenner— angesteckt, der punkt 8 von außen aus- gedreht wurde. Das war das Signal zum �Langmachen." Kaum war dos geschehen, ging ein unglaubliches, allseitiges Klopfen an den Wänden los. Telegraphieren. Lange Zeit brauchte ich. das System zu ergründen— und es war doch so einfach. Während die Heiz- röhren als Telephon mit gutem Erfolg dienten, waren Wände und Fingerknöchel der Morseapparat der Telegraphie. Jeder Takt war in der Reihenfolge des Alphabets«in Buchstabe. Aus den so ge- gebenen Buchstaben wurden Worte zusammengesetzt und hinter den letzten Buchstaben des Wortes ein doppeltes Schlußzeichen gegeben. Die Beendigung des Telegramms wurde durch Scharren mit der flachen Hand und folgendes flinkes Trommeln mit allen Fingern gegeben Der Empfänger des Telegramms antwortete als Beweis, daß er verstanden hätte, mit demselben Zeichen hinter jedem Wort und Schluß. Im Telegraphieren selbst habe ich da. da ich es nicht versuchte, keine Uebuna erhalten, aber verstanden habe ich in schlaflosen Nöcbten lehr gut und manches Interessante gehört. Auch wie Alibis geschaffen werden. Wenn einer ein schweres Ding gedreht hat. das ihn übern Berg'(ins Zuchthaus) bringen kann, gibt ihm«in anderer den man nach langem telegraphischen Suchen ausfindig gemacht hat Einzelheiten über eine leichte Sache, die zur gleichen Zeit.aedrebt" ist so daß der Zuchthauskandidat durch Eingeständnis dieser Sichren Tot beweist, daß er bei der schweren Kiste gar nicht dabei gewesen sein kann. Ja. Gefängnisse sind Hochschulen des Verbrechens: auch das drei- fach streng überwachte Untersuchungsgefängnis. Die Insassen tele- graphieren erst, wenn sie ihr Loger eingenommen haben. Da es unter der Schlafdecke geschieht, kann auch der kontrollierende Nacht- aufseher sie selten erwischen. Uebrigens hatte mein Zellennachbar Recht behalten. Ich war schon nach acht Tagen sroh. wenn er�sich mü mir was erzählte. Nachdem ich bei einem Bärentanz(Frei. stunde. Rundgang) ihn persönlich gesehen halte, riskierte ich es, von Zeit zu Zeit an den Heizungsröhren mit ihm zu plauschen. Darum ist der Geist, ein gutes Verhältnis, beim Theater von größter Bedeutung, damit das Stück wirkt und sich ausnimmt. Die Schauspieler müssen sich über- und unterordnen, sich ein- und neben- ordnen, vor allem ober sich zusammenordnen. Das ist viel verlangt von Menschen, besonders auf einem Feld, auf dem ein löblicher Ehrgeiz jeden antreibt, sich bemerkbar zu machen, Anerkennung zu erringen und mit erlaubten Mitteln einen wohlverdienten Preis zu gewinnen. Trost. »Sie sollten Gott danken, daß die Not Sie so schlank nnd damit arbeitsfähig erhalten hat!' Wasserlinsen. Entengrütze nennt sie bezeichnenderwesse da» Bokk. Run sind Enten nicht gerade Pflanzenfresser. Aber indem sie unge- zählte Mengen der kleinen Pflänzchen durch ihren Schnabel schlabbern, erwischen sie Legionen des kleinen Getiers, das an, unter und zwischen den Wasserlinsen lebt. Man kann sich leicht von dem Reichtum dieser Lebewelt überzeugen, wenn man mit dem Kätscher oder noch besser mit einem nicht wasserdurchlässigen Gefäß einen Klumpen der grünen Scheibchen herausfischt und daheim, etwa in einem Einmacheglas, wieder in Wasser �auflöst". Klein« Wasser- köser, rote kugelrunde Wassermilben, klein« Schnecken, die als „lebendes Fischsutter' bekannten Daphnien und zahlreich« andere winzig« Vertreter au» der weiteren Verwandtschaft der Krebstiere pflegen rasch das Wasser zu bevölkern, während die Linsen sich von selbst wieder zu einer grünen Decke zusammenschließ«». Aus der Mitte jedes Scheibchens senkt sich nach unten eine oder mehrere fadenförmige Wurzeln, die wie ein Senkblei das Scheibchen am Umkippen hindern. Beschaut man da» untere Ende dieser Würzelchen mit einem gewöhnlichen Vergrößerungsglas, so sieht man, daß ihm wie ein spitzer Trichter eine zarte Haube aufsitzt. Diese sogenannte Wurzelhaube ist den Wurzelspitzen aller höheren Pflanzen eigen, aber bei keiner so leicht zu beobachten, wie bei der Wasserlins«. Wenn nach einiger Zeit das Wasser in dem Gefäß völlig zur Ruhe gekommen ist, dann findet man fast regelmäßig an der Unterseite der Scheibchen und an den Würzelchen hier und da eine der«igen- artigsten unserer niederen Tiersormen, den Wasserpolypen. Er be- steht äußerlich betrachtet aus einem etwa zentimeterlangen Stielchen, da» mit dem einem End« an der Pflanze festsitzt, am anderen Ende ober nicht, noch dünnere Fongarme aussendet, die die winzige Mund- öffnung des schlauchförmigen Polypen umstehen. Di« Fangarnie sind mit mikroskopisch kleinen Nesselapparaten besetzt, die jedes nahende kleine und kleinste Lebewesen mit giftigen Schleudergeschossen in kurzer Zeit kampfunfähig machen, woraus sie dem Schlauch einver- leibt werden. Hermetisch abgeschlossen von der Welt, in Einzelhaft, da» macht selbst Menschen mit Nerven wie die Schifsstaue auf die Dauer ver- rückt, und doch protestierte ich eines Tages dagegen, gemeinschaftlich gelegt zu werden. Zwei Dinge v«ran lohten mich dazu: Ersten» das Menschen- Material, da» ich am Molkenmarkt kennen gelernt hatte und dann die eigentümliche Art meines Hochverrats, bei dem falsche Zeugen- aussagen geradezu in der Luft lagen. Warum wir Gefängnisse brauchen. ver erste Sonntagl Ich begreife die Gefangenen, welche b'e Sonntage als gräßlich bezeichnen. In der Woche gab es allerlei Unterhaltung. Die beiden Glocken in der Zentrale spielten fast ununterbrochen. Die große— ein bis fünf Schläge— gab die Flügel A. bis E. an und die kleine die Etagen. Dann hörte man den Schließer der gerufenen Etagen den Beamten, der in der Mitte de» Rondells der Zentrale saß, zurufen:.Was ist los?" und eine Nummer zurückschallen. So wußte man es auch, wenn man selbst geholt wurde, eher, als es der Schließer einem mitteilen konnte. Beim Vor- und Rllcksühren gab es allerlei Kurzweil: heulende. fluchende oder tobend« Gefangene, oder auch wilde Männer. Sonn- tags aber herrschte Friedhofsstille. Es war daher eine wirklich angenehme Unterbrechung, als am Sonntag vonnittag die Tür aufgestoßen wurde und plötzlich ein« mir unbekannte Größe, ein Beamter in langem hellen Mantel gegen- über stand. Ehe ich was sagen konnte, kam es von seinen Lippen: .Was wollen Sie hier?" Auf meine Antwort:.Können Sie mir das nicht sagen," erwiderte er:.Nein, ich bin nur der Arbeits- Inspektor und wollte mal hören, ob Ei« nicht Lust hätten zu arbeiten." .Was haben Sie denn?" fragte ich mißtrauisch..Düten kleben oder Wolle zupfen tue ich nicht." .Hallen Sie sich dafür zu schade," entgegnet« er spitz..Da, wird bei uns nur im Gemeinschaftssaal gemacht." »Da gehe ich nicht rein!" .Na also," gab er zurück und holt« aus einem Mantel ein Paar Strümpfe heraus..Ich habe hier Sttümpfe zum Ketteln. Eine schöne saubere Arbeit." Der Herr Arbeitsinspektor hotte sich aus meinen Tisch gesetzt und zeigte mir, wie die auf der Maschine gestrickten Strümpse mit einer Kloppnadel an den Spitzen. Versen und Schäften zugekettelt wurden und erkundigte sich dabei interessiert nach dem Grund meines Hierseins. Seilage Ses vorwärts In botanischer Hinsicht sind die Wasserlinsen bemerkenswert als die kleinsten aller Blütenpslanzen. Bisweilen sieht man, unter der Lupe, die Scheibchen am Rande gespalten und in jedem Spalt sitzt dann entweder ein Staubgefäß oder ein Stempel. Aber die Pflanze blüht sellen, und die außerordentliche Verbreitung der verschiedenen Arten von Wasserlinsen fast über die ganze Welt verdankt sie ihrer ungeschlechtlichen Vermehrung durch„Sprossung", indem aus jedem Scheibchen seitlich neue herauswachsen. Die Natur, die, bcispiels- weise bei den Orchideen und Cacteen, die Mannigfaltigkeit der Formen auf die Spitze getrieben hat, hat andererseits an den Wasserlinsen, die sich aus höher entwickellen Pflairzen in ihre heutige Kleinheit zurückentwickelt haben, gezeigt, was sie auch auf dem Gebiete der Vereinfachung der Formen zu leisten vermag, ohne deren Lebens- fähigkeit damit zu beschränken. Es würde, im Gegenteil, wahrschein- lich viel leichter sein, alle Eichenbäume auszurotten, als die Wasser- linsen. Und niemand sieht diesen Gewächsen an, daß sie einer großen Pflonzenklasse mit zum Teil prachtvoller Beblöttexung und auffälligen Blüten angehören, zu denen viele unserer Zierpflanzen (z. B. Calla und Anthurium) und übrigens auch unser Kalmus gehören. Es ist«ine Well voller Wunder für sich, ein« in sich geschlossene Lebensgemeinschaft, diese grüne Decke auf unseren Teichen, die unsere Enten leider besser zu fchätzen wissen, als der meist achtlos vorüber- streifend« Wanderer._ L. L. verbrechcrfang mit Zwirnsfäden. List ist im Kampfe mit der Verbrecherwelt eine ebenso wertvolle Waffe wie Stärke und offene Ueberleqenheit. Zu den kleinen Mitteln, mit denen oft der Kampf gegen das nächtliche Treiben der Spitzbuben aufgenommen wird. gehören die von den Hütern des Gesetzes quer über die sichernden Schlösser oder Torwege gespannten feinen Daumwoll- und Zwirns- fäden, deren Beschädigung ein sicheres Zeichen bieten. So wurde in London kürzlich das Eindringen von Verbrechern in einen Juwelier- laden an der Verletzung einer solchen.Schutzmarke" festgestellt. Der Polizist benachrichtigte sofort von seiner Wahrnehmung einen zweiten, und die beiden entdeckten zwei Diebe, die sich vergeblich in dem Dunkel einer Ecke zu verbergen suchten. Bei einem derselben wurde ein Zettel entdeckt, der die Adresse eine» der Hehlerei Ver- dächtigen trug.-Der Polizist eilte sofort in den bezeichneten Laden, verhaftet« den Geschäftsinhaber und spielte in dessen Kleidung einig« Stunden lang die Rolle des Verhafteten, mit dem Erfolg, daß er noch vier andere Diebe abfing, die gestohlenes Gut verkaufen wollten. Alle diese Verbrecher hatte er also mit einem Zwirnsfaden gefangen. Eine andere ebenso grtte Waffe im Kampf gegen die Wilddiebe hatte ein Wachtmann in einem englischen Dorfe in einer Spule feiner Seide gefunden, die er im Eingang de« Hauses eines der Wilddieberei verdächtigen Mannes so befestigt hatte, daß der Herausgehend« sie ein« Streck« weit mitschleppen und den Faden abspulen mußte. Dadurch war die Richtung, die er einschlug, verraten. Bisweilen freillch werden natürlich auch diese.Marken" von den Einbrechern erkannt, die dann bemüht sind, den Tatort, nachdem sie ihn betreten, wieder genau in den früheren Zustand zu versetzen, so daß der draußen vor übergehende Polizist die Fäden, Hölzchen, Papierstücke oder was sonst ihm al» Erkennungszeichen dienen sollte, unverändert findet. M« man ein Z«hamNNoust«l Millimeter mißt. Die El«k. tronenröhre, die beim Radio«ine so große Rolle spielt, hat jetzt ein« neue überraschend« Anwendung erfahren, indem man sie zu einer überaus empfindlichen Mehvorrichtung ausbildete.� Jeder Radioamateur weiß, daß bei ganz geringfügigen Kapazitätsände- rungen im Röhrenkrei» lautes Heulen und Pfeifen im Kopfhörer entsteht. Diese Erscheinung fft nun. wie Erich Echwandt in der .Umschau" berichtet, dazu ausgenützt worden, ein« sehr empfindliche Mikrometeranordnung zu bauen, die selbst ein Zehnmillionstel Millimeter zu messen vermag, also fast den Durchmesser eines Wasseratoms. Diese Mehvorrichtung kann durch geringe Aenderungen auch als Thermometer benutzt werden und gestattet dann, Temperaturschwankungen von einem Sechzehn- tausendstel Grad Celsius festzustellen. Die Erfindung, die in dem Aufsatz näher beschrieben wird, beruht auf der Anwendung der Elektronenröhre, die überhaupt der messenden Wissenschaft noch große Dienste leisten wird..Es wird immer klarer," sagt der Ver- fasser,.daß die Elekttonenröhre nicht nur für die drahtlose Tele- graphie und Telephoni« ein unschätzbares und durch nichts anderes ersetzbares Univerfalinstrument ist: auch auf anderen Gebieten der Wissenschaft und Technik findet sie«ine immer ausgedehntere An- wendung, besonder» zur qualitativen und quantttattven Bestimmung physikalischer Eigenschaften. E» ist zu erwarten, daß uns die nächste Zell in dieser Beziehung überraschend« Neuerungen bringt." Al» ich ihm da», was ich wußte, mitgeteiv hatte, sagt« er: .Ra, und wenn es so ist, wi« Sie sagen, ist e» doch dumm, daß ein junger Mensch sich mit Politik einläßt." Ich antwortete beleidig«: .Erlauben Sie, ich bin bereit» 25 Jahre alt, also schon wahlberechtigt." .Na ja." meinte er wegwerfend,.aber warum lassen Sie sich mit der Sozialdemokratie ein. Sehen Sie die Führer an. wie die in Saus und Braus leben." .Wer denn?" fragt« ich. .Sehen Sie mal, so«in armer Schlucker, wie der Hasenclever war, und jetzt wohnt er in einer eleganten Villa in Halle," erklärte der Arbeitsinspektor. .Wer hat Ihnen denn den Schwindel aufgebunden?" stieß ich hervor. .Erlauben Sie. das ist wahr. Ich weiß es von meinem Kriegs- kollegen, der Aufseher am Halleschen Zuchthaus ist." »Sagen Sie ihm nur. e» wäre der gemeinste Schwindel. Ich habe Hasenclever erst vor einigen Monaten in Halle besucht. Und wenn Ihnen mal wieder jemand solchen Bären ausbinden will, dann sogen Sie ihm. er wohnt Anhaltstraße 9 in Halle und hat eine Mietswohnung, mit der Sie nicht tauschen." Meine Erregtheit paßte ihm nicht..Na. wenn Sie so gut orientiert sind, dann werden Sie auch wissen, warum Sie hier sind." antwortete er gereizt und setzte, ehe ich entgegnen konnte hinzu:.Aber was wollen Sie denn. Sehen Sie mal, die Sozial- demokraten wollen doch auch die Gefängnisarbeit abschaffen. Sie haben ja jetzt kennen gelernt, daß da» für die Gefangenen zum V-r- rücktwerden wäre." .Wir wollen nicht di« Arbeit der Gefangenen, sondern nur die dem freien Arbeller als Schmutzkonturrenz gegenübertretende Arbell beseittgen." »Was sollen sie denn arbeiten?" fragte er erstaunt. .Einmal, wa, sie selbst brauchen, also für das Gefängnis. Wenn di« Arbeit nicht zureicht, entlasse man di« Oetonomiehandwerker beim Militär und fertige dies« Sachen im Gefängnis an. Dann behalten die Bauern, di« Kleingewerbetreibenden und Handwerker, die armen Witwen ihre Söhne." Ich war äußerst erregt geworden: ihm schien di« Situation un- angenehm zu sein. Er stand auf, sagte ziemlich kurz:.Sehn Sie mal zu, ob es geht. Ich bringe Ihnen nachher noch Strümpse." Legt« mir das eine Paar hin und verschwand. 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