Abendausgabe Nr. 450 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 222 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zel.- Horeffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Mittwoch 23. September 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Beclag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 63, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Deutschnationale Umfallberatungen. Kabinettsizung voraussichtlich am Nachmittag. Die deutsch nationale Reichstagsfraktion ist heute Dormittag einhalb elf Uhr unter dem Borsiz des Grafen Westarp wieder zusammengetreten, um die Beratungen über ihre Haltung zum Sicherheitspatt fortzusehen. Wie die Telegraphen- Union von gutunterrichteter Seite erfährt, wird die endgülle Stellungnahme der Deutschnationalen die Note der Reichsregierung vom 20. Juli dieses Jahres zur Grundlage nehmen. Das Reichstabinett wird erst am Nachmittag, voraussichtlich zwischen fünf und sechs Uhr zusammentreten. Man erwartet, daß bis dahin die Parteiberatungen zu Ende geführt fein werden. „ Das Band wird zerrissen!" Drohung der BVB. Bayerns gegen die Deutschnationalen VVV. München, 23. September.( Tul.) Die Bereinigten Vater ländischen Verbände Bayerns haben an die Reichstagsfraktion der Rechtsparteien folgenden offenen Appell erlaffen: ,, Wenn immer es galt, für die nationalen Belange einzutreten, haben die Bereinigten Vaterländischen Verbände und ihre Mitglieder ihre Pflicht getan. So war bei den Wahlen zum Reichstag, so bei der Reichspräsidentenwahl. Daraus leiten sie das Recht und die Bflicht ab, sich in dem Augenblick an die Rechtsparteien zu wenden, in dem die Baktverhandlungen zu einem neuen Unglück für Deutschland zu werden drohen. Der vaterländisch denkende Teil des deutschen Boltes betrachtet diese Verhandlungen mit dem größten Mißtrauen, er erblidt in ihnen das Bestreben unserer bisherigen Gegner, all den Verzicht auf deutsches Land und deutsches Volt, den man uns mit der Unterschrift des Versailler Vertrages abgezwungen hat, nach sieben Jahren durch einen freiwilligen Verzicht besiegeln zu lassen. Keine deutsche Regierung hat aber das Recht, in dieser Fassung Verpflichtungen einzugehen, die der Deutsche von heute und noch mehr der Deutsche späterer Generationen fchroff ablehnen muß. Darum würden Vertreter der Rechtsparteien, die ihre Wahl in den Reichstag den vaterländischen Kreisen verdanken, mit der Unterstühung einer solchen Politik das Band zwischen Wählern und Gewählten zerreißen. Man täusche sich nicht! Schon die Behandlung mancher innerpolitischen Frage durch den Reichstag, zum Beispiel der sogenannten Auswertungsfrage, hat tiefe Ber stimmung erzeugt. Müßte das deutsche Volk auch noch die bittere Erfahrung machen, daß diese Pattverhandlungen trotz der Reichspräsidentschaft Hindenburgs zu einer erneuten - diesmal freiwilligen Berfilavung Deutschlands führen, so würde in Bayern wenigstens tein vaterländischer Wähler zu folchen Parteien nochmals das notwendige Bertrauen aufbringen. Deshalb ergeht an die Vertreter der Rechtsparteien im Reichstage die dringende Bitte, dem deutschen Volke diese Enttäuschung zu ersparen. In Kenntnis der wahren Volksstimmung sei aber ebenso eindringlichst gewarnt, auch nur eines jener Rechte preiszugeben, auf die ein Volf, wenn es sich nicht selbst um Achtung und Weltgeltung bringen will, aus freien Glüden um tleinlicher Augenblidserfolge willen niemals verzichten darf." Vorbereitungen zur Paktkonferenz. Tagungsort wahrscheinlich Locarno. Paris, 23. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Miniſterfonferenz in der Battfrage soll, wie der Matin" zu wissen glaubt, in den letzten Tagen Gegenstand zahlreicher Besprechungen gewesen fein. Die Auswärtigen Aemter der beteiligten Länder seien mit den Borbereitungen start beschäftigt. Das Datum scheine auf den 5. Oktober festgesetzt zu sein. Was die Frage des Ortes angehe, so habe man sich für Locarno in der italienischen Schweiz entfchieden, jedoch werde eine endgültige Regelung dieser Frage erst nach den Eingang der deutschen Antwort möglich sein. Zur Konferenz werden Vertreter aus sieben Ländern erscheinen, und zwar die Vertreter von Deutschland, Frankreich, England und Belgien zur Prüfung des West pattes, von Polen und der Tichechoflowakei zur Ausarbeitung der Ost verträge und endlich ein Bertreter Italiens, vermutlich Mussolini selbst, der sämtlichen Verhandlungen beiwohnen würde. Noch kein Beschluß in der Kölner Frage? Paris, 23. September.( WTB.) Die von einem Berliner Blatt veröffentlichte Meldung aus Köln, daß die erste Rheinzone im Laufe des November geräumt werden würde, wird von der Agence Havas als vollkommen aus der Luft gegriffen be= zeichnet, da die alliierten Regierungen nod) teinen Beschluß gefaßt hätten. Internationale Wirtschaftskonferenz. Loucheur und Jouhaug fordern ihre Einberufung. Genf, 23. September.( WTB.) Im Technischen Ausschuß des Bölkerbundes entwickelte Loucheur Frankreich in einer vielbeachteten Rede die Gründe, die die französische Regierung zur Borlegung des Antrages auf Einberufung einer Weltwirt schaftstonferenz veranlaßten. Er erinnerte in seinen Ausführungen daran, daß Kriegsursachen vielfach wirtschaftlicher Natur jeten. Es sei eine Tatsache, daß die gegenwärtige allgemeine Wirtschaftsfrisis morgen eine schwere Gefahr werden fömme, Denn tatsächlich habe sich die Weltwirtschaftslage nur dem Anschein nach gebessert. Er wolle offen sagen, daß nach seiner Auffassung die heutige Welt nicht nur unter den Mißständen des Krieges, sondern auch eben so sehr unter der wirtschaftlichen Organisation der Vorkriegszeit leide. Der Krieg habe nur dazu geführt, daß diese schwierige Lage sich noch weiter verschlimmerte. In Wirklichkeit sei es die industrielle Weltorganisation und das Fehlen einer Regulierung der allgemeinen Produktion, die Europa 1914 in den Krieg gestürzt hätten, und die morgen zu einem neuen Kriege führen fönnten. Wenn man nach den Ursachen dieser Sachlage fuche, so könne man fie in dem Umstande finden, daß man der individuellen Initiative ohne irgendwelche Kontrolle allzu freien Lauf laffe. Er persönlich habe zwar fein Vertrauen in die besonderen Fähigkeiten eines Staates, der gleichzeitig industrieller Unternehmer sei, aber er habe sich auf Grund zahlreicher Erfahrungen in allen Zweigen der Produktion davon überzeugt, daß die Staaten dem übermäßigen wirtschaftlichen Individualismus gewisse Fesseln an legen müßten. Man sei heute an einem tragischen Punkte der Geschichte angekommen. Ebenso wichtig sei aber die Erscheinung, daß in Desterreich, Ungarn und Deutschland nach der Stabilisierung der Währung ernste wirtschaftliche Krisen ausgebrochen seien, so daß man zu dem erstaunlichen Paradoxon kommen müsse, daß mit der fortschreitenden Stabilisierung der Währung der Ausbruch von Wirtschaftsfrifen unmittelbar gefördert würde. Der Hauptgrund aber, der die französische Regierung zur Einbringung ihres Borschlages veranlaßte, liege darin, daß fie mit Schreden das Drängen nach möglichst hohen Schutzöllen beobachte, das man mit dem Wettrüsten der Vorkriegszeit vergleichen könne. Schließlich ging Loucheur auf die Zusammensetzung des vorgeschlagenen Komitees für die Vorbereitung der Wirt schaftskonferenz ein und forderte, daß nicht nur die technischen Organisationen des Völkerbundes und des Internationalen Arbeits amtes vertreten seien, sondern daß auch Männer der Praxis zu diesen Vorarbeiten herangezogen würden. Von der Internationalen Wirtschaftstonferenz fönne ein Erfolg nur erwartet werden, wenn alle Bölfer daran teilnehmen würden. Nach seiner Meinung sei es völlig finnlos, überhaupt die Wirtschaftslage Europas noch einer Prüfung zu unterziehen, wenn Deutschland an den Beratungen nicht teilnehme. Man müsse also auch bei der Bildung des vorbereitenden Komitees auf jene Nationen Rücksicht nehmen, die zu den Arbeiten der Konferenz selbst unmittelbar hinzugezogen werden sollen. Außer dieser Rede fand noch allgemeine Beachtung eine längere Darlegung des franzöfifchen Generalsekretärs der CGT. Jouhaug. Er entwickelte als Vertreter der internationalen Arbeiterschaft und als Mitglied des Internationalen Arbeitsamts die Forderungen der Arbeiterschaft, die seit Kriegsende von der Notwendigkeit internationalen Borgehens zweds Gesundung der Wirtschaftslage aller Länder im Interesse der Arbeiterschaft selbst überzeugt sei. Er gebe sich freilich feinen Illusionen hin über die unmittelbare Brauchbarkeit der Ergebnisse, da man heute wegen des allgemein herrschenden wirtschaftlichen Individualismus mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen müsse. Immerhin habe man aus den letzten Jahren manches Beispiel erfolgreichen internationalen Zusammenwirtens, und schließlich werde man mit ernſtem Wollen auf der Wirtschaftskonferenz zu brauchbaren Ergebnissen gelangen. Das Programm zu der Konferenz müffe so vollständig als möglich aufgestellt werden. Auch die Frage der Ein- und Auswanderung sowie die der Rohstoffverteilung fönnte nicht ausge. schlossen werden, da alle diese Probleme aufs engste zusammenhingen. Auf der geplanten Konferenz müsse man wirklich zu einer allgemeinen Prüfung der Weltwirtschaftslage gelangen, damit man auch zu einer allgemeinen Regelung gelangen tönne. Für eine erfolgreiche Vorbereitung der Konferenz sei es außerdem notwendig, daß in der Kommission Mitglieder der Praxis aus allen Zweigen des Wirtschaftslebens vertreten sind, die bestrebt seien, im internationalen Geist zu lebens vertreten sind, die bestrebt seien, im internationalen Geist zu arbeiten. Krupp und der Montanblock. Solingen, 23. September.( Eigener Drahtbericht.) Die„ Kölnische Zeitung" berichtet: Wie wir erfahren, hat die Firma Friedr. Krupp in Effen ihre Beteiligung an der Gründung der neuen Eisengesellschaft jetzt formell zurückgezogen, jedoch werden, weiterem Bernehmen nach, Verhandlungen über eventuelle Unterbeteiligung mit dieser fortgefeßt. Dieses Ausscheiden der Firma Krupp aus den Gründungsverhandlungen wird unseres Erachtens das Zustandekommen der neuen Eisengesellschaft nicht stören, denn der Anlaß zu diesem Schritt dürfte vorwiegend in traditionellen Erwägungen der Verwaltung des Effener Unternehmens zu suchen fein. Der Anilin- Blod. Solingen, 23. September.( Eigener Drahtbericht.) Wie aus Wiesbaden mitgeteilt wird, ist der Fusionsvertrag innerhalb der Interessengemeinschaft der deutschen chemischen Großindustrie nunmehr unterzeichnet worden. Einzelheiten dieser Trustbildung sind noch nicht bekannt. Sozialistische Friedensarbeit. Der australische Commonwealth Labour Council" hat Arbeitervertreter von China, Japan, Kanada, den Philippinen, Hawai, Singapur, Indien, Südafrika und den Bereinigten Staaten für den 1. Mai 1926 zur Teilnahme an einer Pan Pazifistischen Konferenz in Sydney zur Befprechung der Kriegsgefahren im Stillen Ozean eingeladen. Justiz gegen Kunst. Fesselung der Kunst durch die Rechtsprechung. Bon Rechtsanwalt Dr. Adolf Hamburger. Der Verfasser dieses Auffages war der Verteidiger des Schauspielers Rolf Gärtner, der vom Staatsgerichtshof wegen Rezitation revolutionärer Dichtungen zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Das Urteil im Verein mit staatsanwaltlichen Vorstößen gegen die künstlerische Produktion bekannter Dichter und Schriftsteller hat eine Abwehr bewegung ins Leben gerufen, von der hier die Rede ist. Red. d. ,, Vorm." Die auf politisch- strafrechtlichem Gebiet starf versagende Rechtspflege hat es nun fertig gebracht, auch folche un politischen Kreise mit Unruhe und Besorgnis zu erfüllen, die man zusammenfassend die geistigen Arbei ter nennen faur. Diesem Umstand liegt insbesondere der Fall des vom Staatsgerichtshof zum Schuße der Republik zu ein Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilten Schauspielers Rolf Gärtner zugrunde. Rolf Gärtner, der schon einmal zu 1½ Jahre Festung wegen Hochverrats verurteilt worden war, weil er während der bayerischen Räterepublik einen ihm von den damaligen Rätemachthabern erteilten Auftrag ausführte, hatte es übernommen, bei einer von der Stuttgarter KPD. veranstalteten russischen Revolutionsfeier den fünstlerischen Teil zu leiten. Bei dieser Gelegenheit rezitierte Gärtner Verse von Mackay, Mühsam, Kannehl und anderen und brachte eine Szene zur Aufführung, bei der die Außenfront eines Gefäng niffes mit den üblichen vergitterten Fenstern gesehen wurde, aus welchen die Gefangenen schauten, davor, wie üblich, die Gefängnisbeamten patrouillierend. Die Feier, die auch dem Andenken Lenins galt, wurde Don Walter Steinbach zitiert: durch dichterische Vorträge belebt. U. a. wurde ein Aufruf Und Nehmt eure Schwerter von den morschen Wänden Und trefft ins Herz die ewig Unbewehrten, Krampf eure Fäuste aus geballten Händen, Stampft mit dem Fuß den Taft der Ungeehrten, Schlagt Trommelwirbel, wedt die Schlafesträgen, Stürzt die Gerüste einer tranfen Laune Und flirrt mit neugeschliffnem Stahl und Degen Als klinge schon des jüngsten Tags Posaune. Auf die Bastille schürt die Feuerbrände, Troht mit der blut'gen Stirn dem schwarzen Tod, Errichtet eure Fahnen an des Schicksals Wende an anderer Stelle: und euer Blut wird flammend Morgenrot Uns verlassend, gebot Lenin die Diktatur des Proletariats zu behüten und zu feſtigen, Wir schwören dir Lenin, daß wir unsere Kräfte nicht schonen werden.. Der Leninismus lebt, Mit ihm, das schwören wir, Werden sterben oder siegen wir! Sämtliche vorgetragenen Szenen und Gedichte sind überall in der Buchhandlung als nicht verbotene Lektüre zu erwerben. Schon aus diesem Gesichtspunkte, von allem andern abgesehen, müßte die besondere Gefährdung der Staatsgewalt oder der Verfassung durch die rollender Berse als ausgeschloffen gelten. Trotzdem hat der Staatsgerichtshof in llebereinstimmung mit der Auffassung des Oberreichsanwalts den Tatbestand des§ 86 StGB.( Hochverrat) und zugleich denjenigen des§ 7 3iffer 4 des Republikschutzgesetzes in dem Vortrag der Gedichte erblickt, u. a. auch mit der Begründung, daß die KPD., wie in zahlreichen vor dem Staatsgerichtshof anhängig gewesenen Straffachen festgestellt fei, das Ziel verfolge, auf dem Wege des gewaltsamen Umſturzes und des Bürgerkrieges die Diftatur des Proletariats zu errichten, und daß Gärtner sich in den Dienst dieser Umsturz bemegung gestellt habe! Der Fall Gärtner steht nicht vereinzelt da. Der Berurteilung dieses Schauspielers folgte die Verhaftung des Dichters und Schriftstellers Johannes R. Becher. Dieser hielt sich in Urach erholungshalber auf, wo er auf Grund eines vom Untersuchungsrichter des Polizeipräsidiums Berlin erlassenen Haftbefehls verhaftet wurde. Becher hatte einen Gedichtband " Der Leichnam auf dem Thron" veröffentlicht, in welchem die Strafverfolgungsbehörde neben der Aufforderung zum gewaltfamen Umfturz auch noch eine angebliche Gotteslästerung erblickte. Das war nun selbst dem unpolitischen Schutzverband Deutscher Schriftsteller zuviel. Er hat eine Protesterklärung veröffentlicht, in der er auf die inzwischen erfolgte Berurteilung des Rezitators Gärtner Bezug nahm, und in welcher er zum Ausdruck bringt, daß er in diesen Ereignissen Vorzeichen einer neu herausziehenden Aera in der deutschen Republik sieht, die geistige Angriffe mit ungeistiger Härte niederschlägt. Den Fällen Gärtner und Becher ist der Fall Bertha Last vorausgegangen. Deren Bauernfriegsdrama Thomas Münzer" wurde beschlagnahmt unter Bezugnahme auf das Gesetz zum Schuße der Republik. Zu alledem kommt foeben die Nachricht von der Verhaftung Otto Wulfs wegen einer Broschüre Krieg dem Kriege". Diese Symptome( nicht Einzelfälle) heben die Angelegen heit weit aus dem Rahmen jedweder Parteipolitik heraus und habert bisher den einen erfreulichen Erfolg gehabt, daß die| Es mangelf auch da an einer Fülle von Borausfegungen, intereffierten intellektuellen Kreise, wie die Genossenschaft worauf die Verteidigung pflichtgemäß hingewiesen hat. Es Deutscher Bühnenangehöriger, der Goethe- Bund, fehlt insbesondere an dem Begriff der echten Teilnahme an der Schugverband Deutscher Schriftsteller, der geheimen oder staatsfeindlichen Verbindungen, ganz abgesehen Verband Berliner Theaterkritiker, die Gemeinschaft für neue davon, daß die Teilnahme immer auf den Einzelfall abTheaterkultur, die Gewerkschaft Deutscher Geistesarbeiter, die zustellen ist. Daß aber in diesem Einzelfall nicht gewaltsam Weltjugendliga, die Volfsbühne e. V., der Verband der zum Umsturz aufgerufen wurde, daß die Absicht Gärtners Deutschen Volksbühnenvereine, sich unter Führung des in gei- in erster Linie darauf ging, fünstlerisch zu wirken, verstigen und sozialen Dingen bewährten alten Kämpen, Gustav mag jeder Unbefangene zu beurteilen. So primär war Ridelt, dem Präsidenten der Deutschen Bühnengenossen dieses Wollen, daß der Vorsatz zu einer strafbaren Handlung schaft, zu einer gewaltigen Protestbewegung gar nicht auffommen konnte. zusammengeschlossen haben, die an einem der nächsten Sonntage im Großen Schauspielhaus die geistig und sozial intereffierten Kreise aufrütteln will. Mit Recht haben diese völlig unpolitischen Verbände erkannt, daß die Handhabung einer solchen Rechtspflege jene der wilhelminischen Zeit noch in den Schatten stellen, und daß es follegiale Pflicht der Verbände ist, den betroffenen Schrift stellern und Künstlern zu Hilfe zu kommen, in der Ueber zeugung, daß dem unhaltbaren Zustande ein Ende gemacht werden muß. Sie gehen dabei von der Erwägung aus, daß revolutionäre Kunst nichts destoweniger Kunst ist, und daß es die Besten aller Zeiten und anderer Völker waren, die im start durchsetzten revolutionären Empfinden an der bestehenden Gesellschaftsordnung Kritik übten und neue Wege wiesen. Sie haben empfunden, daß über dem Haupte jedes links stehenden Autors, und Schauspielers bei der gegenwärtigen Einstellung des deutschen Richtertums ein Damokles: Schmert schwebt. Man hat bisher noch nicht ein einziges Mal gehört, daß die Staatsanwaltschaft sich den literarischen Auswüch ſen der zahlreichen rechtsradikalen Schriftsteller, die zum Klassen- und Rassenhas, zur Nichtbefolgung der Gesetze, zum Widerstand gegen die Staatsgewalt und auch zum Hochverrat auffordern, entgegengestellt hat. Noch kein völkischer Bersemacher wurde behindert, Bürgerkriegsstimmungen vorzubereiten. Wie das ungeheuerliche und in seiner Auswirkung gefähr liche Fehlurteil gegen Gärtner zustande gekommen ist, erklärt allein die Tatsache, daß der Staatsgerichtshof den von der Berteidigung geladenen Sachverständigen, Präsidenten Rickelt, zu hören, ablehnte, im wesentlichen mit der Begründung, daß der Staatsgerichtshof selbst sachverständig genug sei. Borher hatte die Berteidigung vor solcher Selbstherrlichfeit gewarnt und den Antrag, den Präsidenten Rickelt zu hören, insbesondere damit begründet, daß für einen Angeflagten der best e Sachverständige gerade gut gemug fei, und daß, da hier ausnahmsweise einmal die Republik nicht durch Granaten und Bomben gefährdet sein soll, sondern durch geistige Dinge, es unerläßlich notwendig sei, jemanden zu hören, der über die geistige Einstellung eines Schauspielers zu feinem Tun und Wirten wesentliches bekunden könnte. Hinzu kommt aber folgendes: Der Staatsgerichtshof hatte verkannt, daß der Hochverrat ein bestimmtestontretes Unternehmen vorausfegt und ein bestimmtes Angriffsobjeft vorhanden und ein bestimmtes Ziel ins Auge gefaßt sein muß. Man hat niemals bisher unter Borbereitung zum Hoch verrat fünstlerische oder schriftstellerische Aeußerungen gezählt, sondern nur bestimmte Handlungen tatsächlicher Natur. Der Hochverrat fegt einen fontreten Tatbestand voraus, der unmöglich in dem Vortrag revolutionärer Lyrik erblickt werden kann. Das Angriffsobjekt des Unternehmens muß feststehen und die Ausführung als bestimmtes Endziel in be: stimmter Form ins Auge gefaßt sein. Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Tragit, daß der Oberreichsanwalt Ebermayer in seinem vorzüglichen Kommentar zum Strafgesetzbuch diese seibe Begriffsbestimmung gibt, während die Reichsanwaltschaft im Prozeß selbst den Kommentator Ebermayer verleugnete. Aber auch aus dem Gesichtspunkte des Republikschutzgesetzes muß das Urteil als Fehlurteil angesehen werden. „ Der Ludergeruch der Revolution" Von Paul Gutmann. Ein Berliner Mittagsblatt bringt die köstliche Mitteilung, daß der frühere Landrat v. Bonin ein Ersuchen an die Pommersche Provinzialsynode gerichtet habe, in den Kirchen die„ Bitte für das Königliche Haus" nicht zu unterlassen, da Preußens König durch ein Verbrechen vertrieben worden sei, wie es wohl noch niemals schlimmer gegen ein ganzes Volt begangen worden ist. So unglaublich diese Meldung flingt, so braucht man in Deutschland, dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, an ihrer Richtigkeit nicht zu zweifeln. Dieser Gedantenblik erleuchtet die Geistesfinsternis eines großen Teiles jener Kreise, die ein Patent auf nationale Gefinnung zu haben glauben. Er ist ein sehr deutliches Sympton einer Denkweise, die nicht nur im Lande Bommern, sondern in weiten Schichten des Deutschen Reiches zu finden ist. Echtes, unverfälschtes Breußentum! Als König Friedrich Wilhelm IV. nach der Revolution vom Jahre 1848 davon Nachricht erhielt, daß der Gedanke, ihm die deutsche Kaiserwürde anzutragen, in vielen Köpfen reise, schrieb er an seinen Freund Bunsen, damaligen Gesandten in London, folgende Worte:„ Die Krone, die ein Hohenzoller annehmen dürfte, wenn die Umstände es möglich machen könnten, ist keine, die eine, wenn auch mit fürstlicher Zustimmung eingesetzte, aber in die revolutionäre Saat geschossene Versammlung macht, sondern eine, die den Stempel Gottes trägt, die den, dem sie aufgesetzt wird, nach der heiligen Delung ,, Don Gottes Gnaden macht, weil und wie sie mehr denn 34 Fürsten zu Königen der Deutschen von Gottes Gnaden gemacht hat. Die Krone, welche die Ottonen, die Hohenstaufen, die Habsburger getragen, fann natürlich ein Hohenzoller tragen; sie ehrt ihn überschwänglich mit tausendjährigem Glanze. Die aber, die Sie meinen, verunehrt überschwänglich mit ihrem Ludergeruch der Revolution von 1848, der albernsten, dümmsten, schlechtesten, wenn auch gottlob nicht bösesten dieses Jahrhunderts. Einen solchen imaginären Reif, aus Dreck und Letten gebacken, soll ein legitimer König von Gottes Gnaden und mun gar der König von Preußen fiá) geben lassen, der den Segen hat, wenn auch nicht die älteste, doch die edelste Krone, die niemandem gestohlen worden ist, zu tragen?" Inzwischen ist eine bösere Revolution eingetreten und hat nicht nur die Krone des Königs von Preußen, sondern auch die von einigen zwanzig anderen Bundesfürsten hinweggefegt. Vielmehr saßen die Kronen bereits so madlig, daß ein Kopfniden genügt hätte, fie fallen zu lassen. An diesen Tatsachen ist nicht zu rütteln, und die Borgänge von 1918 sind ebenso geschichtliches Recht geworden, wie die Berufung des Nürnberger Burggrafen in die Mart. Wenn alles recht bleiben sollte, was einmal recht gewesen ist, so würden wir erbauliche Dinge erleben. Es war einmal geheiligtes Recht, bem Endlich ist übersehen worden, daß der Vortrag Gärtners als nicht öffentlicher zu bezeichnen ist, weil er vorgetragen wurde vor einer geschlossenen Mitgliederversamm lung, alfo vor einem durch persönliche Beziehungen zu fammengehaltenen Kreise von Personen. Gegen das Fehlurteil ist ein Rechtsmittel nicht zugelassen. Es bleibt der Verteidigung nichts übrig, als die Bundesgenossenschaft der einschlägigen Kreise zu suchen und auf diesem Wege die Geifter ganz ähnlich wach zu rufen, wie es seinerzeit im Fechenbach- Prozeß geschehen ist und darüber hinaus davor zu warnen, die durch die Verfaffung zum größten Teil erledigte 3ensur auf dem Umwege über die Rechtsprechung wieder einzuführen. Wenn das den reaktionären Kreisen gelingt, dann blüht ihr Weizen beffer als unter dem alten Regime. Dieses begnügte sich mit der Zensur des Polizeiamtes. Den Gefängnisdirektor rief es im allgemeinen nicht. Das alte Regime fühlte sich sicherer. Seine Richter, die fast durchweg auch die jegigen sind, fällten fein Urteil gegen das Kaiserreich. Urteile gegen die Republit zu fällen, dazu ist nunmehr auch der Staatsgerichtshof übergegangen auf Grund eines Gesetzes, das nach der Ermordung Rathenaus geschaffen wurde, um die junge Republik tunlichst gegen Mordbuben zu schüßen! Gibt dieses Gefeß aber wirklich die format juristische Möglichkeit, fünstlerischer Betätigung, ganz gleich welcher Art, zu hemmen, dann ist es Zeit, daß dieses Gesetz verschwindet. Moskau zermalmt alles. ,, Die Antimoskauwiter bleiben auf der Strecke." Die„ Rote Fahne" feßt das Schlachten fort. Augenblic lich werden Werner Scholem und Arthur Rosenberg endgültig erledigt. Eine Schimpfkanonade von zwei Seiten wird auf die Häupter dieser Sünder losgelassen.„ Gesichtsfreis von Honoratioren einer hinterpommerschen Kleinstadt, Geist des Stammtisches; Stupidität ohne gleichen; Ignoranz wie sie bisher faum glaublich erschien; dünne, langgezogene, bis zum lleberdruß eintönige Musik der Kazenjammerstim mung vom Aschermittwochmorgen; Gequate aus dem Froschteich" mit solchen Liebenswürdigkeiten werden die bisherigen Heroen des wahren Bolschewismus bedacht. Der Stand der Lage- um im Stil der„ Roten Fahne" zu reden ist flar. Die Ultralinken sollen hin ausgeschmissen werden, an ihre Stelle trefen die Rechten. Schon taucht Baul Böttcher, der verflossene Sachsenminister, aus der Versenfung wieder auf, um tiefgründige Weisheiten über„ abzusägende Führergarnituren" vorzutragen. Wie sich die Sache in der KPD. entwickeln wird, das schildert sehr niedlich ein gläubiger Kommunist im Halleschen Klassentampf": die inte", nachdem sie in Frankfurt gefiegt" hatte. ,, Nieder mit der Fraktionsbildung innerhalb der Partei," schrie In Wirklichkeit hieß das: Die linke" Fraktion ist am Ruder, es hat einzig und allein nur noch Daseinsberechtigung, diese infe"! Die Linke", das ist die KPD. Punktum!- Ehemals herrschten die ,, Brandlerianer", jetzt die Linken"! Ach, es war eine fraurige Komödie, diefe ganze Reinigung der Partei". Und jetzt? Genoffen, jetzt ist die Gruppe Fischer- Maslow" gestürzt, jezt besteht die Gefahr, die Sache einfach umzustülpen wendischen Moloch Menschenopfer darzubringen. Der Gutsherr hatte das geheiligte Recht auf die Hochzeitsnacht bei seinen weiblichen Untergebenen. Die ehemalige Königslinie von Hannover fönnte den Hannoverschen Thron für sich beanspruchen. In evangelischen Kirchen müßten die Heiligenbilder wieder verehrt werden, die von einer Revolution, die schönfärberisch Reformation genannt wird, beseitigt worden sind. Ja, man müßte noch weiter gehen, und z. B. in der Peterskirche zu Rom dem Jupiter und den übrigen heidnischen Gott heiten Opfer bringen. Was aber wiederum gegen das noch ältere latinisch- etrusfische Recht verstoßen würde. Frankreich müßte mit Deutschland zu einem Reiche vereinigt werden, und Aachen müßte die Hauptstadt sein. Alle deutschen Klöster und Bistümer müßten nein dieser Salat von altem Recht wieder eingesetzt werden und wäre gar nicht auszudenken. Die Reaktionäre, die das Rad der Weltgeschichte zurückdrehen möchten, find sich nicht klar darüber, in welchen Wirrwarr sie geraten würden. Die bedeutendsten geschichtlichen Tatsachen in der Welt find die Ergebnisse irgendeiner Revolution, ob sie nun vom Volt, ob sie Don gesalbten Königen gemacht worden ist. Friedrichs Kriege gegen Habsburg waren revolutionär, wie die Kämpfe der französischen Könige gegen den Adel revolutionär gewesen sind. Rechte müssen erworben werden, veraltete Rechte verbreiten einen übleren Gestank als der„ Ludergeruch der Revolution". Die das nicht einsehen, und dem lebendigen Dienst am Staat einen überlebten Gözentult entgegenstellen, sind Schädlinge am Gemeinwohl. Aber auch diejenigen, die an den vordersten Stellen der Republik stehen, sollten, wenn sie auch die Republik nicht offen bekämpfen, doch die Scham beiseite lassen, die Republik beim Ramen zu nennen. Das Hoch auf das deutsche Vaterland, das wir alle lieben, müßte selbstverständlich ein Hoch auf die deutsche Republik sein. Der Kapitän mit Hörnern. Ein famoser Seebär, dieser Kapitän Berella; daß er nicht zu seiner legitimen Frau ins Bette steigt, verdenkt man ihm faum. Denn die tugendhafte Dame hat schon allzuviel von ihren Reizen eingebüßt. Dieser bläßliche Reft gefällt nur noch dem Oberlehrer Paul, der bald Vater eines aus dieser heimlichen Vertrautheit gewordenen Kindes sein soll. Nun ist große Not. Wie wird die tugendhafte Frau ebenso tugendhafte Mutter? Der Doktor und der Apotheker helfen aus. Sie ftreuen in die Nachtischtorte ein Pülverlein, das den Seebär ganz außer Rand und Band bringt. Nicht nur die Schlampe von einen Dienstmädchen muß daran glauben, sondern es zeigt sich auch, daß die tugendhafte Frau Perella ganz wider Erwarten ihres Gatten genoß. Hurra, der Vater des fittlich verwaisten Kindes ist gefunden! Die Dame wird die Nase wieder hoch tragen können. Der Oberlehrer Paul wird wieder seine ganze Heuchelei und all die anderen Schulmeistertugenden, mit denen er sich lästerlich auftafelt, prahlen lassen. Luigi Pirandello nennt dieses Hahnreistück Mann Lier Tugend und dazu das Ganze noch ein Gleichnis, und zu schreien: Nieder mit der Linken", es lebe die Rechte"! Natürlich ist man nicht so dumm, diefe nackten Worte zu gebrauchen. Unsere Rechten" nennen sich„ Komintern= treue" und empfehlen sich als diejenigen, die es schon längst gewußt haben". Es wäre unverzeihlich, wenn jetzt die Parole auffäme: Ablösung vor! Dann wäre alles umsonst, dann würden nur die„ borfähigen Fraktionen wechseln und das ganze Bogfyftem bliebe erhalten! Diese. Gefahr ist größer als es scheint. So wie sich damals die Linte" hinter einer angeblichen Bolschemisierung" verbarg, ver steckt sich jetzt der Brandler- Anhang hinter neuen uni verfellen Parolen. Die breiten Mitgliedermassen der Partei müffen dafür sorgen, daß die Parteileitungen tollettive Körpers schaften werden, die selbst Gemeinschaftsarbeit leisten und auch Gemeinschaftsarbeit wecken und pflegen können! Die ganze Fraktionskomöde muß endlich einmal aufhören. Und das kann nicht durch Borerei, das kann nur durch gemeinsames Lernen( das ist allerdings mehr als nötig. D. Red.) an Hand der gemachten Erfahrungen und der leninistischen Theorie geschehen. Da sehen wir jetzt schon wieder, wie sich die Funktionäre herumftreiten. Genug damit! Es muß mehr gearbeitet werden. Im Briefe des Ekki wird ein„ neuer Ton" gegen die Arbeitsbrüder, die noch nicht zur Bariei gehören, gefordert. Auch innerhalb der Partei müssen wir Schluß machen mit allen frattionellen und personellen Anrempelungen und einen neuen Ton" finden!" So ungefähr entwickeln sich augenblicklich die Dinge in der KPD. und diese Entwicklung begrüßt die Rote Fahne" im Fettdruck: " Mostau marschiert! Moskau marschiert unbarmherzig und zermalmt alles mit seinem ehernen Millionenschritt, was da wagt, fich diesem Vormarsch entgegenzustellen, sei es außerhalb oder innerhalb der Partei!" Ganz so redete Wilhelm. Auch er zerschmetterte, was sich ihm entgegenstellte", mit dem bemerkenswerten Resultat, daß er zerschmettert am Boden blieb, Moskau tann beruhigt sein: wenn es so weiter zermalmt, wird es dem Schicksal Wilhelms nicht entgehen. Ehrhardt wird wählerisch. Er hat eine unbegreifliche Abneigung gegen Leipzig. Ertlärung, wonach er seine Ausschließung von der Amnestie Meineids- Ehrhardt veröffentlicht in Münchener Blättern" eine begrüßt. Er lehne es aber nach wie vor ab, fich vor dem Staats. gerichtshof zu verantworten, jei dagegen bereit, vor dem zu ständigen ordentlichen Gericht zur Verhandlung zu er scheinen! Justiz tomödie vor einem Münchener Amtsgericht. Das tät ihm passen, dem„ Conful"! Eine fleine, rührselige über dem als oberste Instanz Ehrhardts Putschkomplize von 1923, der Herr Oberlandesgerichtsrat v. Kahr schwebt! Seit wann ist es für steckbrieflich verfolgte gemeine Verbrecher üblich geworden, sich das Gericht aussuchen zu dürfen? Uebrigens: Hat sich die Münchener Kriminalpolizei überzeugt, welchen Poststempel die Zuschriften an die Münchener Blätter" tragen? Ermordung fommunistischer Jugendpioniere in Rußland. Unweit der Eisenbahnstation Scharja sind zwei tommunische Jugendpioniere ermordet und mit abgeschnittenen Röpfen gefunden worden. Die Mörder find nicht entdeckt worden, man ver mutet fie unter Bauern, die der kommunistischen Jugendbewegung feindlich find. flugzeug landete auf polnischem Boden im Wilnaer Gebiet. Das Bolnisch- litauische Luftnachbarschaft. Ein fitauisches MilitärFlugzeug wurde von den polnischen Behörden beschlagnahmi, Flugzeugführer und Beobachter fe ft genommen. Japan verbietet eine franzöfifche Funkstation. Wie Reuter meldet, erklärte ein Vertreter des japanischen Außenministeriums, daß die kürzlich eröffnete französische Funkstation in Mutden auf den amtlichen japanischen Einspruch hin ihren Dienst eingestellt hat, obwohl Tschangtfolin die Fortführung des Dienstes zugesichert hatte. | Die Rammerspiele führen es auf. Für die Farce sind Titel und Artbezeichnung zu großmäulig. Doch es muß gesagt, werden, daß die Grazie hinter den Worten des Farceurs spielt. Er fagt die Schweinerei, die nicht sehr beleidigend ist, viel besser als ein anderer. Ja, feine dramaturgischen Entgleisungen sind das hübschefte, man möchte sagen, das philosophischste. Dort, wo das Stüd eine Krone erhalten soll, also im dritten Aft, wird die ganze Geschichte zum. ge= wöhnlichen Schwank Doch alles übrige ist leise, liftig und mehr als geschickt vorbereitet. Man versteht es, warum Pirandello auch die fchlaueren Köpfe Europas für sich gewinnt. Der Kapitän mit den Hörnern wird von Ostar homolta gespielt, jenem jungen Künstler, der durch Bewegung und ausgiebige Rundlichkeit und bizarres Geficht schon sehr auffällig wirken fann. Noch fehlt ihm die Kraft, durch das Wort alles zu bezwingen, was ihm mimisch schon gelingt. Die verschüchterte, eher unmoralisch als tugendhafte Natur der in all diesem Wirrwarr eingewickelten Frau Berella entspricht durchaus der Theaternatur des Fräuleins Denera, die sich schon oft bewährte als eine Virtuosin des auf richtig oder verlogen gebrochenen Herzens. Mar Gülstorff ist sich gibt. Dazu dieses verschwommene, etwas fettig verquollene Geein ganz besonderer Flüsterer, der seine Rede niemals dickflüssig von Darstellung der sublimierten Blödheit, scheint besonders gut für die ficht mit den unbestimmten Augen. Gülstorff, meisterlich in der durch Gefühl und Gedanken überreizten Narren Birandellos zu passen. Dieser Italiener, begabt mit einem gefunden Schuß Trivialität, flettert immer wieder vom Kitsche in die Kunst hinauf. Seine Taucherkunststücke, die geradeaus hineinzielen in den Sumpf der Weltenforportage, aus der er das Ergötzlichste an den Tag hinaufbringt, wirken durchaus erfreulich. m. h. Die„ Nationalbühne" und die Schauspieler. Von den meisten der Künstler, die die„ Nationalbühne" vor ihren Reklamewagen gespannt hat, ist schon auf die erneute Ausbeutung ihrer Namen geantwortet worden. Sie wollen entweder mit dieser nationalistischen Gründung nichts zu tun haben, oder haben überhaupt nichts von dem Aufruf, unter dem ihr Name steht, gewußt oder doch nach Kenntnisnahme der wahren Sachverhalts ihre Unterschrift zurück. Wie muß es um den inneren Kern einer Sache stehen, die mit so großen Worten loslegt und so merkwürdige Methoden anwendet, um Gimpel zu loden? gezogen. Die Stäblische Oper beginnt am Donnerstag die Erstaufführung des Ring der Ribelungen" mit dem Rheingold. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Neuß, die Spielleitung Dr. Paulh. Die Beerdigung von Moritz Heimann findet am Freitag 12 Uhr in Weißenfee statt. Blumen Bühne Presse. Die deutsche Gartenbaugesenschaft, die deutsche Bühnengenossenschaft und der Reichsverband der deutschen Bresse, verband Berlin, veranstalten ain 12. November in den Gesamte, Bezirks Boo ein großes gemeinsames Ballfest unter dem Titel Blumen Bühne Breffe". Ein Gorfi- Roman im Bücherfreis". Ein in deutscher Sprache bisher nicht veröffentlichter Roman von Marim Gorki, Der Sohn der Noune", erscheint Anfang Dezember im Büchertreis". Der Büchertreis" eröffnet mit diefer Bablitation jein 2. Gefäftsjahr. Die Geschäfte der Zikewise. In der heutigen Sigung wird ausführlich die Frage erörtert, ob die Landespfandbriefanstalt, nachdem ihr die Anteile an der" Gift" und am Bureauhaus Börse verpfändet waren, genügend gededt war. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Mieteingänge rund 670 000 m. betragen und daß der Grundstückswert höchstens mit dem zweifachen Mietwert hätte eingesetzt werden können. Die Landespfandbriefanstalt hat das Gesamtobjekt um eine Million Mark zu hoch angenommen. Es zeigt sich, daß Nehring stets nur auf Grund der Angaben der Carlewize und Ehdörffer gehandelt hat, ohne eine genaue Nachprüfung vorzunehmen. Selbst bei Annahme der höheren Einschätzung der Ob jette ist die Beleihung weit über die Wertgrenze hinausgegangen, die bei einem Hypothekengeschäft zulässig und üblich ist. Der Vorfizzende kommt zu dem Ergebnis, daß möglicherweise unter Hinzunahme der Sigewiß- Güter die Pfandbrief= anftalt noch gerade ohne Schaden aus der Sache heraustommen fönne. Angeklagter: Ich glaube, das wäre auch der Fall ohne die Zigewiß- Güter. Borf.: Auf der anderen Seite freilich sind heute bei der Geldfnappheit selbst billige Häuser nicht zu verkaufen. Wenn man Ihre taufmännischen Mißerfolge in einer Linie zusammenstellt, Schappach mit 140 000 m., die verfehlten Spekulationen mit 114 000 m., die deckungslose Kredithingabe von 200 000 m. und nun noch diese legten Manipulationen des Herrn Lüders, ist Ihnen da als Jurist nicht der Gedanke gekommen, daß dahinter etwas mehr stecke, als bloße Unfähigkeit? Ist Ihnen nicht der Gedanke gekommen, daß Lüders mit den übrigen Angeklagten oder mit der Firma Schappach irgendwie liiert war. Angefl. Nehring: Nein, das halte ich auch heute noch für ausgeschlossen. Lüders war mir auch hinsichtlich seines Charakters von der Girozentrale Pommerns und von der Stettiner Spartaffe so günstig geschildert worden, daß ich daran nie gedacht habe. Borj:„ Ich stehe bis jetzt vor einem völligen Rätsel, wie ein Kaufmann so etwas machen fann. Dem Juristen, aber auch dem Kaufmann mußte doch zunächst der Gedanke kommen, daß da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Dag in dieser Richtung auch irgend etwas nicht stimmt, geht ja auch aus den Anträgen des parlamentarischen Inter suchungsausschusses hervor, die einen offensichtlichen linterschied zwischen Ihnen und Herrn Lüders machen. Wir werden Lüders ganz eingehend Gelegenheit geben, sich zu diesen Bunkten zu äußern. Seine Bernehmung wird ta gelang dauern. Ihnen ist also nie der Gedante gelommen, daß das Schicksal Lüders' in irgendeiner Weise an das des Schappach oder der anderen gebunden war. Angell. Nehring: Nein, niemals, auch heute noch nicht. Ich habe in Stettin mit dem Oberbürgermeister und mit dem Stadtrat der Sparkasse ausführlich über Lüders gesprochen. Borj.: Na, die Stettiner Spartaffe hat als öffentliches Institut eine Haltung angenommen, die sehr schweren Anfechtungen ausgesetzt war und noch heute ist. Dann hat die Pfandbriefanstalt einen Honorarschein über 10000 Mart für Justizrat Behrend ausgestellt. Wie famen Sie dazu? Sie hatten doch keine Veranlassung, dem Anwalt der Bertragsgegner mit einer Summe zu bezahlen, die das Mehrfache eines Amtsrichtergehalts ausmacht. Angell.: Wir brauchen einen juristischen Berater. Der Vorsitzende hielt dann dem Angeklagten vor, daß die LPA. auch die Rechtsanwaltstoft en für das Zitzewig- Konsortium getragen habe und knüpfte daran die Frage, aus welchem Grunde Geheimrat Nehring auch diese Zahlung geleistet habe. Angetl.: Die Herren v. Carlowig, Etzdorf und Karstedt hatten selbst kein Geld. Borf.: Herr v. Zitzewig ist doch aber ein notorisch reicher Mann gewesen und hatte bis dahin keinen Pfennig Geld in das Geschäft gesteckt. Warum zogen Sie den nicht heran? Angefl: Herr v. Zitzemiz fagte mir, daß ihm die Güter verwaltung zu viel Geld fostete. Bors.: Dann hätten Sie eben mal mit der Faust auf den Tisch gehauen und gesagt:„ Bitte jetzt zahlen Sie endlich", denn schließlich war es doch Herr v. 3itzemi, der bis dahin ohne einen Pfennig zu riskieren, mit den Krediten der LPA. ein Riesengeschäft machen wollte. Angefl: Ich habe mich nach dieser Richtung hin bemüht, aber in der nächstfolgenden Zeit hat Herr v. Zitzewig nicht gezahlt. Vorf.: Es war Ihnen eben unangenehm, gegen Herrn v. Zitzewig vorzugehen. Angell: Im Interesse des Geschäftes allerdings, Die deutsch- polnischen Verhandlungen. Neue Schwierigkeiten. Warschau, 23. September.( TU.) Mehrere Mitglieder der polnischen Bertretung bei den deutsch- polnischen Handelsvertrags: verhandlungen sind aus Berlin in Warschau eingetroffen, um von der Regierung neue Informationen einzuholen. Sie erklärten Journalisten, daß die deutschen Vertreter nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Fragen erörtert hätten. So seien von ihnen gewisse Forderungen in der Optantenfrage gestellt worden. Die deutschen Vertreter hätten ferner den Abschluß eines WirtBürgerliche Zersplitterung. Es scheint Leute im Bürgertum zu geben, die Gewicht darauf legen, die politische Unfähigkeit des Bürgertums deutlich zu demon strieren. Jedes Kind weiß, daß auch in der Gemeinde wirkliche Leistungen nur von großen und starten Parteien durchgeführt werden können, daß die Zersplitterung nicht nur für die in Betracht kommenden Kreise selber schädlich ist, sondern daß barunter überhaupt das gesamte Getriebe des staatlichen und fommunalen Lebens leidet. Zu den Parteien, die das Bürgertum im Berliner Rathaus augenblicklich vertreten, sollen jetzt noch weitere Splittergruppen hinzutreten. Von den Deutschnationalen werden sich selbstverständlich die Bölkischen absondern, die den schmählichen Umfall der Retterpartei an den Sicherheitspaftverhandlungen auszumuzen gedenken. Herr Kunze scheint auf seinen eigenen Laden bestehen zu wollen. Und als Genossen und Genosſinnen! Sonntag, den 27. September, vormittags, in allen Abteilungen Groß- Berlins Berbreitung der Extra- Ausgabe des Vorwärts Für alle Parteimitglieder ist es Ehrenpflicht, hierbei mitzuwirken. ganz besonders mit staatsmännischen Eigenschaften behaftete neue Gruppe gefellt sich jetzt die Nationalliberale Reichs partei all den Splittern hinzu. Diese aus der Deutschen Bolts partei ausgeschiedene Generaldirektorengruppe hat vergeblich verfucht, bei den beiden Rechtsparteien Unterschlupf zu finden. Als sie mit diesem Verlangen abbligte, faßte sie kühn den Entschluß, sich in eigenen Listen an den Berliner Stadtverordnetenwahlen zu beteiligen. Jeder blamiert sich eben so gut wie er tann. Das Groteske an der ganzen Sache ist mur das, daß ausgerechnet diese lächerlich fleinen Grüppchen in der Deffentlichkeit so tun, als ob sie staatsmännische Weisheit förmlich mit Löffeln ge= freffen hätten. Die Sozialdemokratie verkörpert demgegenüber die Geschlossenheit großer, einheitlich zusammenhaltender Boltsmassen; nur sie ist imftande, eine wirkliche Politik auf lange Sicht mit Erfolg durchzuführen. KammerZentrumskandidaturen fürs Rote Haus. Das Berliner Zentrum hat dieser Tage seine Kandidaturen für die Stadtverordnetenwahlen aufgestellt. Bon den bisherigen Zentrumsstadtverordneten scheiden verschiedene aus: gerichtsrat Dr. Schmidt ist im Dezember in den Preußischen Landtag gewählt, wo er häufig als Wortführer der Zentrumsfraktion hervortritt. Er verzichtet deswegen auf sein Rathausmandat. Ferner scheiden aus: Obermeister Biethen und der Gewerkschaftsbeamte Reder, der nach Hannover verzogen ist. Außerdem legt die Regierungsrätin Fräulein Ehlers ihr Mandat nieder. Die Stadtverordnete Ehlers erfreute sich großer Beliebtheit bei allen Fraktionen des Hauses dant ihrer außerordentlichen Sachfenntnis auf allen sozialen Gebieten. Die neue Liste der Zentrumsfrattion heißt jetzt Dr. Salzgeber, Fräulein Frohn- Charlottenburg, Stadtrat Treffert- Neukölln( der in Neukölln Frohn- Charlottenburg, Stadtrat Treffert- Neukölln( der in Neukölln abgebaute), Stadtverordneter Lange, Stadtverordneter Anton Schmidt, Dr. J. Birt, Stadtrat Esders( bisher unbefoldetes Mitglied des Magistrats), Kaufmann Riethmüller und Direttor Galle. Eine Menderung de politischen Haltung des Zentrums, das im allge= meinen im Rathaus eine mittelparteiliche Stellung eingenommen hat, in wirtschaftlichen Fragen oft mit der Zinten, in fulturellen Fragen aber ftets mit der Rechten ging, ist von dieser neuen Liste nicht zu erwarten. Eine nächtliche Autofahrt. Mord und Selbstmord. Eine geheimnisvolle Droschenfahrt beschäftigt die Charlottenburger Kriminalpolizei. In der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr erschien auf dem 132. Revier ein Kraftdroschkenführer und meldete aufgeregt, daß seine beiden Fahrgäste, ein Herr und eine Dame, schwerverlegt im Wagen lägen. drückte. Im Aschenbecher lagen nun drei Stummel, die so behandelt worden sind und drei andere, die ausgefohlt und nicht durch Zu sammendrücken gelöscht worden sind. Wer diese zweite Berson war, meiß man noch nicht. Auf dem aufgeschlagenen Klavier stand ein moberner Schlager: Wenn die Liebe nicht so teuer die beim 25. Stapitel des 3. Buches Mose aufgeschlagen war. wär'". Auf dem Stuhl neben seinem Bett lag eine Bibel, Spraffe wird als ein solider Mann geschildert. Den Wirten, bei denen er in der Gegend des Kaiser- Wilhelm- Plages zu verkehren pflegte, war er ein angenehmer Gaft. Er tranf nur wenig und war stets still und ruhig. In weiblicher Begleitung jah man ihn nur selten. Wie festgestellt wurde, hatte er die Flasche Cherry Brandy am Donnerstag voriger Woche furz vor Geschäftsschluß in einem Laden in der Sedanstraße gekauft. Boher die Flasche Lieb= frauenmilch stammt, ist noch nicht ermittelt. Liegt tein Selbstmord Dor, so ist mohl anzunehmen, daß eine Frau ihre Hand im Spiele Mitteilungen zur Aufklärung nehmen die Kommissare Morig und Dr. Anuschat im Zimmer 53 des Polizeipräsidiums entgegen. Wenn Steuer und Bremse versagen. Folgenschwere Autounfälle. Bei Eidenborn im Saargebiet fuhr ein mit fünf Personen besetzter Last traftwagen infolge des Berjagens der Steuerung über einen Düngerhaufen gegen ein Haus und drückte die Mauer vollständig ein. Während der Wagenlenter rechtzeitig abspringen fonnte, wurde von den vier Insassen einer sofort getötet, die anderen schwer verletzt. In Dederan in Sachsen fuhr ein von einer Dame gesteuertes Auto infolge Bersagens der Bremse in eine einer Feuerwehrübung zu= schauende Menschenmenge. Dabei wurde ein achtjähriger Knabe lebensgefährlich verlegt, während zwei Mitglieder der Feuerwehr Beinbrüche erlitten. Auf der Landstraße bei Rhens im Rheinland überfuhr ein Bersonenkraftwagen 4 Personen aus Rhens. Das Ehepaar Meyer und deren 18jährige Tochter wurden auf der Stelle getötet, während die vierte Verunglückte, eine Dame aus Rhens, schwerverletzt ins Krankenhaus Kornelymünster bei Aachen fuhr eine Automobilistin geschafft werden mußte. Auf der Landstraße von Brand nach in eine Gruppe von Fußgängern hinein. Einer von diesen wurde sofort getötet, drei wurden schwerverlegt, von denen einer noch in der Nacht starb. Keine Mieteerhöhung im Oktober. Unsere Mitteilung über die gleichbleibenden Mieten für den Monat Dftober im heutigen Morgenblatt enthält einen Drudfehler. Statt 86 Proz. muß es 78 Proz. heißen. Es sind also im Oftor 82 bzw. 78 Broz. der Friedensmiete zu zahlen. Zur Verschönerung des Stadtbildes. In Berlin ist die Zahl der auf öffentlichen Blägen und in städtischen Barfanlagen aufgestellten Kunstwerten nicht groß. Zu ihrer Vermehrung will der Magiftrat auf Borschlag der städtischen Kunstdeputation und im Einvernehmen mit den Bezirksämtern folgende aus Mittein des städischen Kunstfonds erworbene Kunstwerke aufstellen: 1. Bronzefigur Anbetung" von Prof. Ernst Seger auf dem Johannaplat in Grunewald; 2. Bronzefigur Jüngling im Kampf mit einem Eber" von Prof. Ludwig Cauer auf dem Plaz am wilden Ever in Zehlendorf; 3. Bronzegruppe Fuchs mit Gans" von Erich Schmidt- Kestner im alten Park in Tempelhof; 4. Steinbildwerk Dämmerung" von Otto Blaczet in den Gartenanlagen am Weißen See in Weißensee; 5. Bronzefigur„ Der Vogler" von Prof. Artur Lewin- Funde auf dem Schmudplag am Markt in Pantow. Der Magistrat ersucht die Stadtverordnetenversammlung um Zustimmung. Das Rose Theater erzielte am Sonntag nachmittag mit Sudermanns Schauspiel Die Ehre" die lebbafteste Zustimmung eines ausverkauften Hauses. Obwohl das Stüd bereits 36 Jahre alt ist, pact es auch heute noch ein theaterfrohes Publikum. Es waren alle bei der Sache und Traute Rose, Lotte v. Sh rom, Ellen Maria Treburg, Martin Snapfel, Kurt Mitulsti usw. hatten den Beifall wohl verdient. Die Stadt Berlin und die Hochbahn. Bor der Ziviltammer des Landgerichts I fand die Verhandlung der Klage statt, die von einer Reihe von Aktionären der Stadt Berlin gegen die Hochbahngesellschaft wegen der bei der Goldmarferöffnungsbilanz mit tausendfachem Stimmrecht ausgestatteten 50 000 Schußftammaftien angeftrengt war. Die Vorgänge der damaligen Generalversammlung sind in der Deffentlichkeit allgemein bekannt. Das Gericht teilte nach kurzer Beratung mit, daß es seine Entscheidung am 19. Deteber verkünden werde. Das Humboldtgymnasium begeht fein 50jähriges Jubiläum Freitag, 25. September, vormittags 10 Uhr, durch einen Festakt in der Aula und ein Schauturnen in der Turnhalle. Abends um 8 Uhr findet im Kriegervereinshause, Chausseestraße 94, ein Gesellschaftsabend statt, an dem musikalische und deflamatorische Vorträge geboten werden und„ Wallensteins Lager" von ehemaligen und jezigen Schülern aufgeführt wird. Nach der Vorstellung Tanz. Zur Deckung der beträchtlichen Unfoften wird ein Eintrittsgeld von 1,50 m. erhoben.( Sarten beim Schulwart. Herrn Ruht, Gartenstraße 25.) Ein etwa erzielter Ueberschuß ist zur Unterstügung bedürftiger Schüler für die Teilnahme an mehrtägigen Wanderfahrten sowie zur Unterhaltung des Schülerheims in Stolpe an der Nordbahn bestimmt. Besichtigung dieses Schülerheims am nächsten VorSchüler. Am 26. September um 8 Uhr ein Bierabend im mittag, 26. September; beim Heim sportliche Wettkämpfe der Kriegervereinshause, Chauffeestraße 94. Alle ehemaligen Schüler sowie Freunde der Anstalt und deren Angehörige find zur Teilnahme an diesen Festlichkeiten herzlichst eingeladen. Spenden für die oben genannten Zwecke nimmt Herr Prof. Carl Cohn, W. 50, Bamberger Straße 4, entgegen. Die Beamten fanden den Herrn in der einen und die Dame in der anderen Ecke des Wagens mit start blutenden opf berlegungen bewußtlos daliegen und brachten sie gleich mit der Kraffbroschke nach dem Krankenhaus Westend. Hier fand man bei dem Herrn Papiere, die auf einen Freiherrn Arnold von Krane vom Kaiserdamm in Charlottenburg lauten. Die Dame hatte feinerlei Ausweis bei sich. Beide sind schwer verletzt und auch jetzt noch befinnungslos. Bei dem Manne wurden im Krankenhause zwei Kopfschüsse, darunter ein Siedschuß, bei der Dame ein Kopfschuß, der ebenfalls aus nächster Nähe abgegeben ist, festgestellt. Die beiden hatten den Chauffeur, wie dieser berichtet, an der Ecke der Suarezstraße und des Kaiserdamms zu einer Fahrt über die Reichsstraße in der Richtung nach dem Reichsstraße zurzeit gesperrt ist, durch die Baden- Allee. Hier hörte Spandauer Bod angenommen. Der Chauffeur fuhr jedoch, weil die er einen knall. An einen Echuß dachte er nicht, er nahm an, daß seine Fahrgäste ein Liebespärchen seien, das eine Nachtfahrt mit zunächst unbestimmtem Ziele machen wolle. In der Annahme, daß ihm ein Reifen geplakt jei, hielt er in der etwas dunklen Aliee an, um nachzusehen, ging um den Wagen herum, untersuchte ihn, fand alles in Ordnung und fuhr weiter. Die Dame hatte ihn aus dem Wagen heraus, als er hielt, gefragt, ob etwas los fei. Auf seine Erwiderung, es sei nichts passiert, gab sie ihm die Weisung, in derselben Richtung die Fahrt fortzusehen. An der Rennbahn Wie die Telegraphen- Union hierzu von zuständiger Stelle erRuhleben rief sie wieder hinaus, diesmal mit der Weisung, fehrt zu fährt, haben zwischen der deutschen und der polnischen Delegation machen und in der Richtung nach Berlin zurückzufahren. Dann Verhandlungen stattgefunden, in denen die Grundfragen der beider pernahm der Chauffeur noch einmal ihre Stimme. Sie gab jetzt seitigen Wirtschaftsbeziehungen eingehend erörtert wurden. Hierbei den Auftrag, wieder nach der Baden- Allee und dem Kaiserdamm zu stellte sich heraus, daß die polnische Regierung im Begriff ist, neue fahren. Seitdem hörte er nichts mehr. In der Baden- Allee wollte 3olltarife auszuarbeiten. Bei dieser Sachlage wurde daher der Mann endlich wissen, wohin denn nun die Fahrt eigentlich gehen von der deutschen Delegation vorgeschlagen, die weiteren Ber- Revolverschüssen ähnlich war. Wieder ging er um den Wagen herum ereignete fich gestern abend um 18 Uhr auf bem Bromberger Flughandlungen bis zur Bekanntgabe der neuen polnischen Zoltarifsäge auszusetzen. Die polnische Delegation hat zugesichert, febald wie möglich die neuen polnischen Zollsätze der deutschen Regierung befannt zu geben. schaftsprovisoriums für ein Jahr verlangt, während die polnischen Vertreter ein solches nur für neun Monate bewilligen wollten. Deutschland verlange außerdem die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel und die Festsetzung von bestimmten Zöllen für die deutschen Waren. Die deutschen Vertreter waren andererseits bereit, in der Einfuhr polnischer Kohle gewisse Zugeständnisse zu machen. In politischen Kreisen Bolens herrscht die Ansicht, daß trotz dieser Differenzen eine Aussicht auf eine Verständigung mit Deutsch land bestehe. Nach den letzten Meldungen aus Warschau wird im polnischen Finanzministerium an dem neuen Zolitarif gearbeitet, da er die Grundlage für die Handelsvertragsverhandlungen bilden soll. Hungerstreik in Toulon. Protestaktion gefangener französischer Matrosen. Paris, 23. September.( WTB.) Der kommunistische Abgeordnete Cachin hat, wie„ Humanité" mitteilt, an den Marineminister ein Schreiben gerichtet, in dem er diesen davon in Kenntnis fegt, daß seit dem 17. September die Mehrzahl der im Militärgefängnis ven Toulon fizenden Watrosen, von denen einige wegen Teilnahme an der Meuterei auf den Panzerfreuzern Paris und Courbet verurteilt worden sind, in den Hungerstreit getreten ist, um gegen die von ihnen behauptete schlechte Nahrung und schlechte Behandlung zu protestieren. Unterwegs hatte er wieder zweimal ein Geräusch gehört, das und fand ihn auch jetzt wieder unbeschädigt. Nunmehr fragte er in den dunklen Wagen hinein nach dem Ziel der Fahrt, erhielt aber feine Antwort. Jetzt sah er die beiden Fahrgäste blut übers strömt und besinnungslos in den Eden liegen und fuhr nach dem Revier. Nach dieser Darstellung hat es den Anschein, als ob die Dame zunächst dem Herrn einen Schuß, später den zweiten beigebracht und endlich auch sich selbst in den Kopf geschossen hat. Ihre Persönlichkeit ist noch nicht befannt. Sie ist etwa 28 Jahre alt, dunkelblond und elegant gekleidet. Die Charlottenburger Kriminalpolizei hat sofort alle Ermittelungen zur Aufklärung des noch dunklen Borganges eingeleitet. Selbstmord oder Verbrechen? Zu dem Tode des Technifers Erich Sprafte wird mitgeteilt, daß die Frage, ob ein Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, noch nicht geflärt ist. Um einen Raubmord handelt es fich jedenfalls nicht, weil in der Wohnung nichts fehlt. Möglich ist, daß ein Verbrechen aus Rache vorliegt. Daß zwei Personen in der Wohnung gewesen sind, geht schon aus der Benutzung zweier Wein- und Rognatgläser hervor. Es wird weiter bestätigt durch den Fund von Zigarettenjtummeln. Sprafte tötete seine abgebrannten Zigaretten jedesmal, indem er den Stummel zer Der nächste Jahrmarti in Charlottenburg findet am Dienstag, den 6. Oktober, statt. Er wird in der Kaiserin- Augusta- Allee zwischen Schloßbrüde und Gustav Adolf- Plaz abgehalten. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Uebungsstunde am Donnerstag, den 24. September, abends pünktlich 7, Uhr, im Gesangsaal der Sepbiens schule, Weinmeisterstraße 16/17. Ein polnisches Flugzeug abgestürzt. Bromberg, 23. September.( TU.) Ein schweres Fliegerunglüc play. Einem Flugzeuge, das sich in 600 Meter Höhe befand, wurden durch eine Windboe die Tragflächen zerbrochen, und der Apparat fauste in die Tiefe. Die Maschine wurde vollständig zertrümmert, und die beiden Insassen, Oberleutnant Glo biti ais Pilot und Feldmebel Bittoromjti als Beobachter fonnten mur als verstümmelte Leichen geborgen werden. Groß- Berliner Parteinachrichten. 54. Abt. Charlottenburg, 5. Gruppe: Donnerstag 7%, Uhr bei Bühnemann, Helmbolgstraße 39, 8ahlabend. Jungfozialisten, Gruppe Mitte: Beginn des Esperanto- Rurfus heute pünktlich 6 Uhr in der Schule Gipsstraße 23 a. Rurfusgebühr mit Buch 4,60 Wt. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 109. Abt. Friedrichshagen. Am Sonntag, den 22. Geptember, starb unser Mitglied Rarl Klüppel. Cinäfcherung am Donnerstag, den 24. September, abends 5% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Jugendveranstaltungen. Der Jugendchor trifft sich heute abend 7 Uhr im Borraum des Gigungsfaales des Staatsrats, Seipsiger Straße& Gewerkschaftsbewegung Die Schlichtungsbehörden 1924. 16 480 Streitigkeiten, 839 Zwangsschiedssprüche. n Reichsarbeitsblatt vom 1. September ist eine Statistik verjentlicht, welche die Tätigkeit der Schlichtungsbehörden in Jahre 924 registriert. Aus der Zusammenstellung der Schlichtungsaus schüsse geht hervor, daß 119 Schlichtungsausschüsse mit 21 felbfländigen Zweigfammern sich mit der Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten beschäftigt haben. Bon den 16 480 Schlichtungsverfahien burden nach der Statistik erledigt: 1. Bor Anberaumung der Berhandlung 1634, 2. im Borverfahren 2319, 3. im Verfahren vor der Schlichtungstammer 11533, 4. auf andere Weise 994. Bon den vor der Schlichtungsfammer ausgetragenen Fällen( 3iffer 3) wurden erledigt: 1211 durch Eimgung, 9460 durch Schiedsspruch, 862 durch sonstigen Beschluß. In 4492 Fällen wurde der Schiedsspruch von beiden Teilen an= genommen und in 4968 Fällen erfolgte die Ablehnung des Schiedsspruches durch einen oder beide Teile. Die Zahl der Streitig feiten, die für ein Verfahren auf Verbindlicherflärung durch den Schlichter also für den sogenannten Zwangseingriff theoretisch in Betracht famen, betrug nur fnapp ein Drittel aller vor den Schlichtungsausschüssen bearbeiteten Streitfälle. leber zwei Drittel der Berfahren konnten bereits erledigt werden, ohne daß die Boraussetzungen für eine Verbindlicher flärung Ablehnung des Schiedsspruches durch eine Bartei- gegeben wurden. Nach der Tabelle lagen insgesamt 3559 Anträge auf Berbindlicherklärungen vor. Die Gesamtzahl der Anträge bleibt schon wesentlich hinter der Zahl der von den Parteien abgelehnten Schiedssprüche zurück. Noch nicht in einem Viertel aller Fälle wurde, wie die Zusammenstellung zeigt, die Verbindlicherklärung aus gesprochen. Der größte Teil der Anträge wurde infolge Cinigung der Parteien noch vor dem Schlichtetermin gegenstandslos. In Hamburg war es möglich, in 100 Prog. aller eingeleiteten Berjahren zu einer Einigung der Parteien zu fommen, so daß für Hamburg feine ausgesprochene, aber auch feine abgelehnte Berbindlicherflä rung verzeichnet ist. Noch erwähnt sei, daß Ende Juni 1925 insgefamt 1302 allgemein verbindliche Tarifverträge in Kraft waren. Davon entfielen 581 auf die Angestellten. Die Tabellen über die Tätigkeit der Schlichtungsausschusje und Schlichter lehren, daß nur in einer verschwindenden Anzahl aller Fälle ein unmittelbarer Zwang erfolgte. Insgesamt 16 480 Streitig. ' feiten vor den amtlichen Schlichtungsausschüssen stehen nur 839 ausgesprochene, Berbindlicherflärungen gegenüber. Es tommt freilich richt so sehr auf die Quantität als auf die Qualität an. tommt auch darauf an, auf reffen Antrag oder Arbeiter d. h. also gegen men die Verbindlicherklärung in der Regel ausgesprochen wurde. Und es linternehmer Wie schafft man ein deutsches Scarborough? Politt, der Sefreiär der englischen Minderheitsbewegung", d. h. der bolichemistische Organisator der englischen Gewerkschajis. Spaltung, berichtet in der Roten Fahne" in einem langen Artikel über die Ergebnisse des britischen Gewerkschaftstongresses. Er ist effenbar nicht sehr befriedigt von diesen Ergebnissen. Bei allen entscheidenden Fragen hat der Gewerkschaftstongreß die bolschemistischen Anträge niedergestimmt oder ihnen ein Begräbnis erfter Slaffe bereitet. Er hat woh! einige Demonstrationsanträge angenommen, er hat darüber hinaus dem Generalrat der englischen Gemertschaften Bollmacht erteilt, die internationale„ Gewerfichajiseinheit" herbeizuführen was als Demonstration gegen Amsterdam er hat aber zugleich den rechten Flügel des zu werten ist Generalrats durch die Wahl von Thomas und Margarete Bondfield gestärkt und so sich und die Internationale vor unüberlegten Entschlüssen gesichert. Die Redaktion der Roten Fahne" bemüht sich, den optimistisch gefärbten Bericht Bolitts innenpolitisch auszuwerten. Einmal gegen die deutschen Gewerkschaften, dann aber insbesondere gegen die ,, linten Abweichungen" der Ruth Fischer und Genossen. Wie schafft man ein deutsches Scarborough? fragt die„ Rote Fahne, d. h. wie frempelt man die deutschen Gewerffchaften fo um, daß sie wieder zum Tummelplay fommunistischer Alamaufpolitifer werden und daß auf dem deutschen Gewertfchaftstongreß die hohlen Tiraden boischemistischer Demagogen den rauschenden Beifall der Delegierten finden. Ein unlösbares Problem. Denn die Voraussetzung, die in Scarborough gegeben war die völlige unerfahrenheit der Delegierten bezüglich der bolfchemistischen Experimentierpolitif- dieje dieje Boraussetzung wird sich in Deutschland nie wieder schaffen Iaffen. Selbst in einer Mitgliederversammlung einer beliebigen Rahlstelle einer Organisation genügt es, daß ein Redner offen als Kommunist auftritt, um ihm in 99 pon 100 Fällen einen glatten Reinfall zu sichern. Wenn Gewerkschaftsmitglieder hören, daß ein Antrag von der RBD. ausgeht, dann ist ihr erster Gedanke:„ Schon foul." Bie soll nun unter erfahrenen Bewertschaftsdelegierten, die durch die harte Schule der Spaltung, Berleumdung, Fraktions- und Bellenbildung, Beitragssperre, Gagungssabotage usw. gegangen find, die das ganze Register fommunistischer Gewerkschaftspolitik austosten mußten, wie foll ba Begeisterung entstehen, wenn ein Abgesandter Sinnwjews spricht? In ihrem Eifer, die Zähmung der Widerspenstigen vorzunehmen, auf die mit den Problemen der Arbeiterbewegung nicht vertrauten Politikanten und Professoren"( die gestern noch die Allmächtigen in der KPD. waren) loszuhauen, verrät das Bolfche wiftenblatt, marum Mostau Heran an die Massen", die Einheitsfront" und alle die anderen Barolen ausgibt: „ Es gilt vielmehr, die Tartit der KPD. in den großen Strom der welthistorischen Entwicklung einzu fügen, ohne auch nur für einen Moment den Gebanfen auf zugeben, daß das industrielle Deutschland nach wie vor das Durabruchsgebiet für die proletarische Revo Iution in Westeuropa ift.... Die Aufgabe der deutschen, se der Gewerkschaftsbewegung ist die Sicherung und Hebung der Lebenshaltung der Arbeiter, das Eindringen in die Produktionsleitung, die Durchdringung der Birtschaft mit sozialistischem Geist, bis die Arbeiterschaft geistig und organisatorisch in der Lage ist, die fapitalistische durch die sozialistische Produtton zu ersehen. Für Mostau, mer auch in Deutschland KrauseBerliner Elektriker- Pianos Genossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernspredier: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße gerade Führer spielen darf, bleibi die deutsche Gewerkschaftsbewegung nach wie vor nur Menschenmaterial" zu imperialistischen tussischen Zwecken. Bewundernswert ist nur die Hartnäckigkeit, mit der die russischen Diktatoren einen Kampf ausfechten, der längst verloren ist. Ein deutsches Scarborough wirb es nie geben. Rahmenvertrag in der Autoreparaturbranche. Am Dienstag abend nahm eine gut besuchte Vollversammlung der Autoreparaturschlosser Stellung zu dem Abschluß des Rahmenvertrages. Riedel vom Deutschen Metallarbeiterverband berichtete über die Tarifverhandlungen und den Inhalt des neuen Vertrages. In den meisten Puntten ist es gelungen, den Entwurf des Metallarbeiterverbandes wörtlich oder finngemäß in den Vertrag hineinzubekommen. Start umstritten war nur der Bunit Arbeitszeit". Hier gelang es nicht, die beabsichtigte Fassung durchzudrücken. Die Unternehmer bestanden darauf, ihre dem BBMJ.- Tarif entnommene Fassung aufzunehmen. In der regen Disfuffion war auch dieser Punkt der am heftigsten umstrittene. Die Bersammlung beschloß jedoch, den Rahmen: vertrag in der vorliegenden Fassung anzunehmen, da vor allem ein wichtiger Parapraph aufgenommen ist, der besagt, daß dort, wo bereits bessere Arbeitsbedingungen bestehen, diese beibehalten werden müssen. Ebenso war für die Annahme die furze Giltigkeitsdauer bis zum 31. März 1926 ausschlaggebend. Die Versammelten verpflichteten sich, die Zeit bis zum Ablauf des Bertrages zu mügen und die Organisation auszubauen, damit beim Vertrages zu mügen und die Organisation auszubauen, damit beim nächsten Abschluß besonders hinsichtlich der Arbeitszeit ein besseres Ergebnis gezeitigt werden kann. Zur Lohnbewegung der Brauereiarbeiter. Die Mitglieder der am Tarifvertrag mit den Brauereien betel ligten Organisationen hatten diese becuftragt, mit den Brauereien wegen Erhöhung der Löhne zu verhandeln. Es wurde verlangt, entweder das bis zum 30. September laufende Lohnabkommen um vier Wochen zu verfürzen und neue Löhne festzusetzen, oder eine außertarifliche Wirtschaftsbeihilfe zu gewähren. In den Berhandlungen am Dienstag lehnten die Unternehmer jedes Sie weigerien sich weiter, wegen Entgegenkommen rundweg ab. der angeblich übertriebenen Forderungen der Brauereiarbeiter selbst ein Angebot zu machen. Die Parteien einigten sich dahin, den Schlichtungsausschuß zur Fällung eines Schiedsspruches in dieser Lohnstreitigkeit anzurufen. Geächtet. Ein Arbeiter hatte in einem Großbetriebe der Metallindustrie Beschäftigung gefunden. Vor feiner Einstellung wurde ihm ein Revers zur Unterschrift vorgelegt, wodurch er versichern sollte, daß er von feinem seiner früheren Arbeitgeber megen eines Eigentumsvergehens entlassen worden sei. Der Arbeiter wurde hierdurch an einen dunklen Bunft in seiner Lergangenheit erinnert. Im Jahre 1923, in der schlimmsten Inflationszeit, wo ein Stückchen Kupfer, das man in der Bestentasche forttragen konnte, einen Wert von Millionen Papiermart hatte, war er der Versuchung erlegen. Er hatte gestohlen. Das Schöffengericht hatte ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, ihm aber eine Bewährungsfrist von drei Jahren zugebilligt. Jezt liegt der Revers vor ihm. Soll er befennen, daß er ihn nicht unterschreiben fann? Dann wird er nicht eingestellt. Rein Betrieb der Berliner Metallindustrie nimmt einen Arbeiter an, der einmal firauchelte und sich am Eigentum des Unternehmers vergriff. Also: die Wahrheit sagen, bedeutet in diesem Falle unabsehbare Arbeitslosigkeit. Der Arbeiter, von dem hier die Rede ist, will fich ehrlich durchs Leben Ichlagen und dadurch den dunklen Bunft in seiner Vergangenheit auslöschen. Er will arbeiten. Um sich die Arbeitsgelegenheit nicht entgehen zu lassen, unterschreibt er den Revers und wird eingestellt. Doch die Metallindustriellen haben ein gut funktionie. rendes Spürsystem. Es fam bald heraus, daß der eingestellte 2rbeiter ein Eigentumsvergehen auf dem Kerbholz hat. Also wurde er entlassen. Vor dem Gewerbegericht focht der Betriebsrat die Entlassung als unbillige Härte an. Der Bertreter des Unternehmers jagte, der Arbeitsvertrag sei nichtig, meil durch eine argli stige Täuschung" die wahrheitswidrige Angabe im Revers- zu= ftandegekommen sei. Das Gericht wies die Klage ab mit der Begründung: Es könnte dem Kläger nicht verdacht werden, wenn er megen einer Lappalie bestraft wäre und dies nicht angegeben hätte, um Arbeit zu befemmen. Aber der Diebstahl sei, wie die Strafatten ergeben, ein ganz erheblicher gemejen. Es sei ja für den Kläger hart, menn er megen seines Bergehens von der Arbeit zurückgewiesen werde, aber das Gericht fönne es nicht billigen, wenn die ausdrückliche Frage nach einem Eigentumsvergehen mit einer Unwahrheit beantwortet werde, jei es auch, um sich Arbeit und Brot zu verschaffen. Gewiß: Man soll nicht stehien, man soll auch der Wahrheit die Ehre geben. Aber auf der anderen Seite: Man soll nicht jemanden, der einmal strauchelte, vor eine Frage stellen, deren wahrheitsgemäße Beantwortung ihm den Weg zu ehrlicher Arbeit versperrt. Proteststreik in Merifo. Merifo, 23. September.( WTB.) Der merikanische Arbeiterverband, dem 90 Gewerkschaften angeschlossen sind, hat seine Mitglieder aufgefordert, zum Protest gegen den Beschluß der Regierung, der den Streit bei der Merican Eagle Oil Company für rechtswidrig erflärt, in den Generalstreit zu treten. Wirtschaft Die Waggonfabriken im September. -Die wenigen fleinen Aufträge auf Reparaturen, die von der Reichsbahn an die Waggonfabriken vergeben werden und einige Orders auf Spezialwagen usw. sind die einzigen Objekte, welche die Waggonfabriken vom Eisenbahnzentralamt zurzeit er halten. Die Waggonbauanstalten haben ihre Betriebe mehr oder weniger umgestellt, außer der Fabrikation von Straßenbahnwagen und Omnibussen usw., auch auf die Ausführung von Eisenfonstruktionen. Die Straßenbahngesellschaften, die Städte bzw. Kommunen, die durch die Eigenart ihres Betriebes meift ziemlich liquid find, haben in letzter Zeit durchweg eine umfangreiche Ergänzung ihres Parks an rollende m Die Autobusgesellschaften, besonders Material vorgenommen. aber die Reichs post, treten zurzeit auch als Auftraggeber auf den Markt, so daß die Waggonfabriken teilweise noch Beschäftis gung haben. wohl Das Auslandsgeschäft liegt fast ganz danieder, tritt das Ausland mit Bedarf auf den Markt, aber die gestellten Preisgrenzen sind zum Teil so niedrig, daß ihre Annahme von vornherein vollkommen ausgeschlossen ist. Wie verlautet, soll es jetzt allerdings einer mitteldeutschen Waggonfabrik möglich gemesen sein, einen großen südamerikanischen Auftrag auf rollendes Material hereinzuholen. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, daß verschiedene Aufträge dadurch illusorisch werden, weil die genannten Offertpreise infolge zu hoher Notierungen für Rohmaterial, wie beispielsweise für Stabeisen, Waggonprofile und Universaleisen, über den Angeboten der Konkurrenz liegen. Diese Rohmaterialien und Halbfabrikate werden bekanntlich durch die Zölle start verteuert. Es ist festgestellt, daß besonders für schlesische Waggonfabriken der Bezug von Material aus der Tschechoslowakei, trotz der Nebenabgaben usw., günstiger ist wie von deutschen Berken mit Basis Oberhausen. Die Arbeiterschaft als Prügelfnabe. Wenn Unternehmungen in Konturs gehen, versuchen die leitenden Personen gewöhnlich die Schuld für den Zusammenbruch bald auf die Banken, bald auf die Der Boas ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse abzuschieben. Schuhfabrift ist es vorbehalten, für den Konturs die Arbeiter verantwortlich zu machen, obwohl sie selbst zugeben muß, daß der ganze Betrieb infolge des unrationellen Aufbaues den Verhältnissen nicht gewachsen war. Die Boa- Schuhfabrik 2.- 3. machte in der Inflationszeit in den mit dem kaufkräftigsten Bublifum besetzten Stadtvierteln eine Reihe von Verkaufsläden mit dem größten Luxus auf. Die Umsätze waren in der Inflationszeit aus den bekannten Gründen sehr gut. Als dann aber die Stabilisierung fam und die Konkurrenzfähigkeit eine sehr erhebliche Rolle spielte, da war das Unternehmen den Berhältnissen insofern nicht gewachsen, als es mit Handbetrieb arbeitete und die für die notwendige Umstellung erforderlichen Mittel weder besaß noch sich beschaffen fonnte. Und für diese Unzulänglichkeit der Verwaltung sollen Arbeiterstreits verantwortlich sein! Die Arbeiterschaft muß es sich verbitten, zum Prügelknaben für die Unfähigkeit der Verwaltung gemacht zu werden. 3m Zeichen des Preisabbaues: Erhöhung der Zinkblechpreife. Die Rheinisch- Westfälische Zinkblechhändlervereinigung, Düsseldorf, erhöhte, wie die„ Konjunkiurforrespondenz" meldet, mit Wirkung ab 22. Geptember ihre Lagerpreise für Binkbleche um eine Mark pro Doppelzentner. Die heutige Rolierung steht also auf 100 Mart frei Station und auf 101 Mart frei Berbrauchsstelle: Die letzte Preiserhöhung war am 22. August um 2,50 Mart auf 99 Mart bzw. 100 Mart. Arbeitersport. Fußballrefultate vom 20. September. Eisenspalterei gewann gegen Briz 4: 1. Helvetia mußte die Ueberlegenheit von Wacker 20 mit 0: 6 anerkennen. Teutonia verlor fnapp gegen Nordiska 3: 2. Bantom 08 fertigte Vittoria leicht mit 6: 0 ab. Borussia blieb über Fichte- Nord mit 3: 2 fiegreich. Leichtes Spiel hatte Einigkeit mit Sportverein 22, 5: 0 war das Refuítat. Birkenwerder tonnte über Briefelang nur den knappsten aller Siege feiern, 1: 0 stand es am Schluß. Hoch gewann Siemensstadt gegen Wacker 24 8: 1. Spandau 03 mußte sich Arminia mit 2: 1 beugen. Hanja unterlag gegen Wittenau tnapp 1: 2. Tegel 24 gewann gegen Staaten 3: 0. Stralau schlug feinen alten Meisterschaftsrivalen mit 2: 0 aus dem Felde. Merfur verlor gegen Zeuthen 1: 4. LustigFidel und Treptower Ballspiel- Club trennten sich 0: 0. Bor märts 20 gemann gegen Hertha 22 4: 2. BSB. 16 und B3V. 22 trennten fich 3: 3. Lichtenberg 11 holte sich von Johannisthal mit 4: 2 die Punkte. Richterswalde fuhr nach Fredersdorf, um mit 4: 0 geschlagen nach Hause zu fahren. Sadoma verlor gegen Brandenburg 24 2: 4. Lichtenberg I und Lichtenberg 1II spielten 1: 3. Sparta unterlag gegen Britannia 1: 2. Astania hotte sich von Komet die Bunfte mit 5: 1. Germania gewann gegen Friedrichshagen 3: 1. Brandenburg 02 blieb über Tasdorf mit 6: 0 Sieger. Woltersdorf und Brandenburg a. 5. trennien fich unentschieden 2: 2. 3BC. mußte gegen Steglig mit 5: 1 die Segel streichen. Nowawes gemann gegen Berolina 4: 0. Knapp mit 2: 1 schlug Kreuzberg die Neuköllner. Wilmersdorf fonnte gegen Bittoria nur 1: 0 gewinnen. Kolzenburg holte sich von Ludenwalde eine 5: 0 Niederlage. Die beiden Ortsvereine Hertha und Frisch- Auf trennten sich 1: 2. RüftigBorwärts mußte fich mit 3: 2 ron Charlottenburg geschlagen be fennen. Neuköllner Ballspiel- Club verlor gegen Potsdam 0: 4. Teltom gewann gegen Schmargendorf hoch mit 7: 0. Buden wolde III und Luckenwalde V trennten sich 2: 1. Arbeiterradfahrerbund Solidarität", 1. Bezirt. Die Renn fahrer des Bezirks halten ihr Bahnrennen am Sonntag, den 27. September, im Stadion Grunewald mittags 1 Uhr ab. Sportfreunde Gegen die öfferreichische Regierungsvorlage zum Schuhe des Inlandarbeiters, welche allen Ausländern, die nach dem 8. Juni 1919 sich im Bundesgebiet niedergelassen und aus irgendeinem Grunde ihre Arbeitsstelle verloren haben, die Uebernahme einer neuen Arbeitsstelle untersagt, haben die Organisationen der Sudetendeutschen und Reichsdeutschen in Desterreich und die reichsdeutschen Vertretungen in Wien Protest erhoben. Darin wird auf die große Zahl österreichischer Arbeitskräfte vermiesen, die in reichsdeutschen Industrien Erwerb gefunden haben und die im Falle unvermeidlicher Gegenmaßnahmen des Reiches bei einer Industriekrise als Arbeitslose nach Dester Berlag: Borwärts.Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderei reich zurückkehren müßten. Zähne willkommen. Berantwortlich für Bolitik: Ernit Renter; Wirtschaft: Artur Eaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döfcher; Lokales und Sonstiges: Fri Razstöbt; Anzeigen: Zh. Glede; fämilich in Berlin. und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin G. 68, Lindenstrake 3. 1 und 2 Mark. Goldkronen von 8 Mark an. 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