Abendausgabe Nr. 458 42. Jahrgang 10 Pfennig = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 226 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 28. September 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Verzögerung der Konferenz. Mißverständliche Erklärungen der Botschafter.- Deutschnationale Sabotage. Paris, 28. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Sonderforrespondent des„ Matin" in Berlin, Herr Sauerwein, hatte Gelegenheit, Außenminister Stresemann zu interviewen. Strejemann soll erklärt haben, Botschafter von Hoesch werde Briand über die Absichten der deutschen Regierung aufklären. Die Erklärung, die hinsichtlich der moralischen Stellungnahme Deutschlands zur Kriegsschuldfrage abgegeben worden sei, stelle in feiner Weise eine Vorbedingung zur Beteiligung Deutschlands an der Ministerkonferenz dar. Das Ziel der deutschen Regierung sei, die Schwierigkeiten, die auf dem Wege zur Einigung lägen, zu beseitigen und die zufünftigen Berhandlungen zu erleichtern. London, 28. September.( Eigener Drahtbericht.) Die am Sonnabend vom deutschen Botschafter überreichte Note der Reichsregierung ist äußerst furz. Sie bezieht sich auf die letzte Note Briands und erklärt die Bereitschaft der Reichsregierung, an einer mündlichen Besprechung über die Frage der Sicherheit teilzunehmen. An die Uebermittlung schlossen sich mündliche„ Erläuterungen" im Auftrage der Reichsregierung über die Auffassung des Kabinetts vom Sinn der Konferenz, ihren Aufgaben und schließlich über die Kriegsschuldfrage sowie die Räumung der Kölner Zone. Es verlautet, daß diese„ Erläuterungen" ausdrücklich unter dem Hinweis auf innerpolitische Schwierigteiten" gemacht würden und die Reichsregierung lediglich unter dem Drud der Deutschnationalen gehandelt habe. Mit Rücksicht darauf mißt man den Erläuterungen taum befondere Bedeutung bei. 3m übrigen ist die Erklärung über die Kriegsschuldfrage nichts anderes als eine Wiederholung jener Erklärungen, die das Kabinett Marg im vorigen Jahre gegenüber dem Böllerbundsrat und den Alliierten abgegeben hat. Sie entspricht teinesfalls der deutschnationalen Forderung eines endgültigen Widerrufs und stellt an die alliierten Mächte nicht im geringsten das Anfinnen, eine entsprechende Antwort zu geben. Paris, 28. September.( TU.) Dem Berliner Sonderbericht erstatter des„ Matin" wird von maßgebender deutscher Seite bestätigt, daß die Erklärungen, die die deutschen Botschafter in den alliierten Hauptstädten bei der Ueberreichung der deutschen Antmortnote abgaben, die Räumung des Kölner Gebietes und die Kriegsschuldfrage zum Gegenstand hatten. Die deutsche Regierung habe dem dringenden Wunsche Ausdrud verliehen, daß die Räumung der Kölner Zone beschleunigt werde und alle strittigen Bunkte in der Räumungs- und in der Militärkontrollfrage noch vor der Unterzeichnung des Sicherheitspaktes endgültig geflärt würden. Die Erklärung über die Kriegsschuldfrage habe in einem Hinweis auf das Bölkerbundsmemorandum bestanden, das Dr. Marg im November v. 3. nach Genf gerichtet hat. Wenn sich Dr. Stresemann veranlaßt gesehen habe, die deutschen Botschafter mit der Abgabe einer darauf bezüglichen Erklärung zu beauftragen, so habe er es in der Ueberzeugung getan, daß die Garantievertragsverhandlungen zu einem Abschluß führen würden und Deutschland in den Bölkerbund eintrete. Dr. Stresemann werde entweder in Locarno oder später in Genf gezwungen sein, den moralischen Vorbehalt in der Kriegsschuldfrage erneut abzugeben, einen Borbehalt, der durchaus einseitig sei und der von den Alliierten sicherlich ohne Antwort gelassen werde, ohne daß damit der Eindrud entstehe, daß sie ihn anerkennen. Dr. Strese mann ziehe vor, diesen Schritt schon jetzt zu unternehmen. Eine diplomatische Betriebsstörung ist über Sonntag eingetreten. Man spricht von einer Verschiebung der Konferenz, ja von ihrer Gefährdung. Was ist die Ursache diefer plötzlich eingetretenen und unerwarteten Schwierig feiten? Die deutsche Antwortnote, die am Sonnabend überreicht wurde, ist furz und enthält nichts Störendes. Aber die mündliche Erklärung, die die deutschen Bertreter bei ihrer Ueberreichung- infolge einer Instruktion, die ihnen in legter Stunde zuging abgeben mußten, hat es, wie man zu sagen pflegt, in sich. Leider kennt man den Wortlaut dieser Erklärung bisher nicht. Aber nach allem, was über ihn bekannt wird, haben auch die Ministerpräsidenten der Länder und die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses allen Anlaß, von ihm überrascht zu sein. Darauf, daß die Botschafter einige gut eingewickelte Worte über den Artikel 231 des Versailler Vertrags( Kriegsschuldfrage) vorbringen würden, war man gefaßt. Nicht gefaßt war man darauf, daß diese platonische Erklärung mit der Formulierung verschiedener Bedingungen und Vorbehalte verbunden sein würde, wie das nun der Fall zu sein scheint. Die Botschafter, die durch die Instruktion der letzten Stunde gezwungen waren, folche Erklärungen abzugeben, find zu bedauern, sie können sich dafür bei den Deutschnationalen und bei der Regierung in Berlin bedanken. Das deutsche Bolk erhofft und erwartet von der Konferenz einen wesentlichen Fortschritt in der Räumung der be fetzten Gebiete. Ginge es nach unseren Wünschen, so müßte das ganze Bejagungssystem, das von der deutschen Sozialdemokratie und der sozialistischen Internationale verworfen und bekämpft wird, noch heute ein Ende finden. Aber so geht es ganz bestimmt nicht, daß man den Gegnern sagt: Ihr müßt ins diese und jene Zugeständnisse in der Räumungsfrage gemähren, menn bei der Battfonferenz etwas heraustommen foil." Das heißt die Widerstände gegen die Räumung fünstlich versteifen, heißt die ganze Konferenz und ihren Erfolg in Frage stellen! Die Sicherung des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich- Belgien ist an sich ein erstrebenswertes Ziel. Ist es erreicht, so hat Deutschland mit seiner Forderung nach Räumung eine überaus starte Position. Wenn die deutschen Delegierten versuchen wollen, die Räumung schon während der Konferenz sicherzustellen, so werden sie daheim allgemeine Billigung finden, vorausgesetzt, daß der Versuch geschickt unternommen wird. Die Alliierten aber mit dieser Frage jetzt schon ins Gesicht zu springen, wäre das denkbar Ungeschickteste, was getan werden könnte, und stände auch in striktem Gegensatz zu der bisherigen vernünftigeren Haltung der deutschen Regierung. Die Deutschnationalen, unter deren Druck die Regierung gehandelt hat, berufen sich immer auf Bismard. Aber während dieser gelehrt hat, daß man Artischocken blattweise essen müsse, versuchen sie immer wieder, das edle Gewächs auf einmal in den Mund zu stecken. Wir vermuten, daß sich die deutschen Botschafter bemühen werden, den Fehler, der ihnen von Berlin aus aufgezwungen worden ist, zu forrigieren und daß sie dabei mit der Zustim mung ihrer Regierung rechnen dürfen. Denn diese selbst hat ihnen die törichte Instruktion nur wider besseres Wissen erteilt. Eine andere Frage ist allerdings, wie eine Regierung zu beurteilen ist, die sich von einer einzelnen Bartei zu Fehlern zwingen läßt, obwohl sie diese selbst als solche erkennt. " = Reaktion in der Kirche. Evangelische Kirche, Arbeiterschaft und Weltfrieden. Bon Pfarrer Bleier Charlottenburg. Die evangelische Kirche hat richtig erkannt, daß der demokratische Staatsgedanke gefiegt hat über den monarchischen. Sie hat weiter erkannt, daß sie nur dann innerhalb der fulturellen und religiösen Strömungen der Gegenwart ihre Existenzberechtigung zeigen fann, wenn sie das demokratische Staatsprinzip zum mindesten nicht verneint. Aus diesen Erwägungen heraus ist ihr Vorgehen im letzten Jahre zu beurteilen. Sie hat damit von der Taktik der katholischen Kirche gelernt. Es ist gar nicht zufällig, daß die maßgebenden firchlichen Kreise danach streben, den Generalsuperinten denten zum Träger und Sprecher der Kirche zu machen, ihm den Titel und die Funktionen eines Bischofs beizulegen. Kürzlich tagte die Brandenburgische Provinzialsynode hier in Berlin und begründete die Forderung des neuen Titels ausdrücklich damit, daß früher der Generalsuperintendent föniglich" war. Seitdem er sich nicht mehr so nennen dürfe, habe der Titel entschieden an Bedeutung verloren. Deshalb müsse er, um mit den nordischen Bischöfen, mit den Bischöfen der englischen Hochkirche und nicht zuletzt mit den Purpurträgern der katholischen Kirche fonturieren zu fönnen, er noch volkstümlicher Bischof" werden. Dann werde werden! Wie stellt man sich diese Bolkstümlichkeit vor? Vielleicht im Sinne der Provinzialsynoden, die vor dem Kriege ihrem Seelenschmerze darüber Ausdruck gaben, daß bei höfischen Empfängen der Bischof wie ein Fürst empfangen wurde, die Wache ins Gewehr trat, während der„ königliche" Generalfuperintendent, trotzdem der König ein König von Gottes Gnaden und bewußter Protestant mar, offenbar weniger geachtet wurde bei Hof und weit hinter dem Bischof kam, trotzdem er gerade im Verkehr mit dem König und sämtlichen Mitgliedern des föniglichen Haufes das Bischofstreuz zu tragen hatte, das einfach dem katholischen Bischofstreuz nachgebildet ist. erMan darf hoffen, daß sich der Konferenzgedanke von diesem Stoß wieder erholen wird. Aber fann es so weiter gehen? Noch ehe die erste Störung überwunden ist, hat der badische Landesparteitag der Deutschnationalen nach einer Rede des Herrn Schlange Schöningen einen ganzen Ratalog von Siegfriedens"-Forderungen aufgestellt, den er der deutschen Regierung zur Konferenz als Instruktion mit geben will. Läßt sich die Regierung diesen Unfug weiter gefallen und macht sie ihm weitere Zugeständnisse, statt ihn sich Diese tatholische Entwidlung der pros energisch zu verbitten, so trägt sie für ihn die Verantwortung. teftantischen Kirche wird ihre Popularität nicht er Die Deutschnationalen mögen glauben, daß sie durch ihren Be- höhen, jedenfalls bei den Volksmassen sie noch unbe schluß ihren Bankerott bei den badischen Landtagswahlen verliebter machen als sie schon ist. Dort sehnt man sich nicht hindern können, aber sie schädigen durch ihn und durch ihr nach Hirtenbriefen, die von jeder Kanzel verlesen werden, ganzes Treiben die außenpolitischen Interessen des Reiches. nach Paraden, die unter großem Pomp die firchliche SehnEs kann nicht geduldet werden, daß sich neben der verantwort- fucht nach staatlicher Machtfülle offenbaren, nicht nach einem lichen Regierung eine deutschnationale Neben evangelischen Zentrum, wie es der Evangelische Bund sein regierung etabliert, die in die Verhandlungen hinein- möchte. Tägliche Rundschau" und„ Tag" sind seine Sprachpfuscht. Wahrscheinlich wird es nötig werden, sehr bald wieder rohre. Das geht so weit, daß von der Zeitschrift„ Das evanden Auswärtigen Ausschuß des Reichstags einzuberufen, um gelische Berlin", die von dem Evangelischen Breßverband in dort die Frage zu klären, wer eigentlich die auswärtige Bolitit Stegliz herausgegeben wird, gerade diese Organe ange= des Reiches dirigiert. priesen werden, trotzdem sie nichts meiter sind als Dr gane der Rechtsparteien, der deutschen Nationalisten und Militaristen. Alle schönen Erlasse des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses, die sich gegen Boltsnöte, wie Alkoholismus, Wohnungsnot, richten, fönnen daran nichts ändern, sondern müssen lediglich als Gesten erscheinen, solange fie ausschließlich im Sinne der Rechtsparteien gelöst werden sollen, die das Boden-, Hausbefizer- und Alkoholtapital stärken und stüßen, wo sie nur fönnen. Was geht vor? Erklärungen von deutscher amtlicher Seite. Bon deutscher amtlicher Stelle wird zu diesen Meldungen folgendes erklärt: Der deutsche Botschafter in Paris hat erst heute nachmittag Gelegenheit, dem französischen Außenminister die deutsche Ant wortnote zu übergeben. Aus diesem Grunde tann amtlich noch nichts über den Inhalt der Erflärungen gesagt werden, die die deutschen Botschafter abgegeben haben oder abgeben werden. Gegenüber den verschiedenen Meldungen über die Aeuße rungen Dr. Stresemanns zu Herrn Sauerwein wird von zuständiger Stelle erklärt, daß der deutsche Außenminister mur ungefähr das folgende gesagt habe: Ich begrüße es, daß der deutsche Botschafter in Paris morgen Gelegenheit haben wird, Herrn Briand gegenüber die von deutscher Seite abzugebenden Erklärungen auch persönlich aussprechen und erläutern zu fönnen. Die deutsche Regierung hat wiederholt er flärt, daß sie ein pofitives Ergebnis der Verhandlungen über den Sicherheitspakt begrüßen würde und die von unseren Botschaftern abgegebenen( oder abzugebenden) Ertlärungen be3weden gerade, diejenige Atmosphäre innerer Gleichberechti gung und Zusammenarbeit zu schaffen, welche eine Vorbedingung für ein gutes Arbeiten der Konferenz iſt." Nein, volkstümlich wird die evangelische Kirche nicht dadurch, daß sie Bischofskirche wird, sondern dadurch, daß sie auf weltliche Machtfülle klar Berzicht leistet. Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter Euch. Sondern so jemand will unter Euch gewaltig sein, der sei Euer Diener. Und wer da will der Bornehmste sein, der sei Euer Knecht. Gleichwie des Menschen Sohn nicht gekommen ist, daß er sich dienen laffe, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele," sagt Jesus von Nazareth. Diejenigen Pfarrer aber in der protestantischen Kirche, die klar diesen Weg gehen wollen, gehen einen Märtyrer weg, drangfaliert, verleumdet, gerade von den kirchlichen Kreisen als Schädlinge empfunden und entweder aus der Rirche herausgedrängt oder, wenn ihnen das nicht durch offene Borstöße gelingt, so durch zähe, planmäßige Arbeit hinter den Kulissen, wozu auch gesellschaftlicher Bontott gehört, mürbe zu machen versucht. Das Londoner Sonntagsblatt Sunday Times" hatte gemeldet, daß Botschafter Sthamer gegenüber dem britischen Das neueste Opfer in dieser Hinsicht ist der sozia= Außenminister Chamberlain auch betont habe, die Batt- listische Pfarrer D. Emil Fuchs. Er ist aus dem konferenz der Außenminister könne die beteiligten Mächte freien Brotestantismus hervorgegangen, hat im Gegensatz noch nichtendgültig binden. Hierzu wird von deut- au der Mehrheit der liberalen Theologen die einzig mögliche scher zuständiger Stelle gefagt, die Art des Abschlusses der bevorstehenden Verhandlungen sei wohl nicht so gedacht, daß ein Traktat aufgelegt und mit allen Einzelheiten von den Teilnehmern der Konferenz unterschrieben werde; der Vor gang werde doch voraussichtlich der sein, daß man bei den bevorstehender Verhandlungen eventuell zu einem Ergebnis fomme, welches dann den beteiligten Regierungen und gegebenenfalls auch den Parlamenten zur Genehmi gung vorgelegt werden würde. Ueber den Wortlaut dessen, was Botschafter Sthamer Herrn Chamberlain erklärt habe, jei man in Berlin amtlich noch nicht unterrichtet. Ebensowenig dürfte auch die englische Deffentlichkeit unter richtet sein, so daß die Mitteilungen englischer Blätter wohl lediglich Kombinationen wären. Die Veröffentlichung der deutschen Antwort erfolgt nach erteilter Zustimmung Briands, also möglicherweise in den deutschen Morgenzeitungen am Dienstag. ( Siehe auch 2. Seite.) Konsequenz gezogen und es abgelehnt, den Katholisierungsprozeß der Kirche mitzumachen. Er ist Sozialist ge= worden, Bazifist, Quäfer, Freund der Unterdrückten, Gegner der herrschenden Gewalten, und hat in einem Auffah im Eisenacher Parteiblatt der deutschen Justiz bescheinigt das, was sie ist: Klassen justiz, aber keine Justiz des Rechts für alle, gerade für die Mühseligen und Beladenen. Grund genug, daß er zur Strede gebracht werden soll. Er muß fallen. Go will es der evangelische Bund zur Bahrung deutschprotestantischer Intereffen". Dieser hat die Hege entfesselt und den traurigen Ruhm, ihn denunziert zu haben. Die firchlichen Körperschaften in Eisenach haben ihn bereits fallen gelassen. Die letzte Entscheidung liegt bei dem Landeskirchenrat, der foeben bestätigt hat, daß Herr Maurenbrecher thüringischer Pfarrer wurde. Fuchs ist Doktor der Theologie, hat viele Bücher geschrieben von anerkannt wissenschaftlicher Bedeutung, ist ein gereifter Mann voll Liebe zur Religion, zum Protestantismus. Tut nichts, er foll fallen, so schreten fetne Gegner. Vielleicht hält man es nicht für opportun, ihn je t fallen zu lassen; vielleicht fommt er mit einem Verweis davon, vielleicht sogar mit einer Ermahnung, sich allen Gemeindegliedern verpflichtet zu fühlen. Das ändert an der Gesamtsituation nichts, daß dieser eine Fall mal wieder den Arbeitern, den Republikanern, allen fortschrittlich Gerichteten zeigen wird, welch ein Geist in der Kirche möglich ist. Dieser eine Fall Fuchs wird der Kirche größeren Schaden zufügen, als sämtliche Austrittsveranstaltungen der proletarischen Freidenker. Denn er wird die tatsächliche Lage beleuchten. Er wird zeigen: Seht, so geht es einem aufrechten Republikaner in der Kirche, einem Manne, dem das Herz schlägt für das Volk! Was geschieht gegen die ungezählten politischen Pastoren bei den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei?, was gegen die Pfarrer, die im Talar bei Stahlhelmparaden einen Feldgottesdienst veranstalten, die Fahnen weihen und von der ..gottverfluchten Revolution" reden? Das ist natürlich voll fommen unpolitisch, weil das jeder ,, nationale" Mann billigen muß. Bei der Abschiedsfeier des Herrn Geheimrat Kuzinger im Dom wurde ein Telegramm des Ertaisers verlesen. Darüber berichtet der Lokal- Anzeiger": Kaiser Wilhelm hatte als Patron des Domes telegraphisch herzliche Worte der Anerkennung und gute Wünsche für einen sonnigen Lebensabend übermittelt." Wie mögen sich diese Verbindungen zwischen dem Domkirchenkollegium und ,, Kaiser Wilhelm" in Doorn vollziehen? Aeußern sie sich auch in der Er= nennung der Domprediger, so daß ohne das Placet des Kaiserlichen Herrn" teine Ernennung vollzogen werden fann? Wie fommt es, daß nach Berichten demokratischer Zeitungen in Stockholm über dem Heim der deutschen Delegation die schwarzweißrote Fagge wehte, daß namhafte Delegierte im Glanze taiserlicher Orden marschierten, daß fein Pfarrer, fein Kirchenältefter den sozialistischen, pazifistischen Kreisen entnommen war, daß ein Arbeitervertreter den freien Gewerkschaften angehörte? Wenn von der Kirche das soziale Problem erörtert wird, werden nur christliche Gewerkschafter zugezogen, die selbstverständlich immer, wie Stöcker es getan hat, das Arbeitgeberinteresse vertreten, das Deutschnationale vertreten mit einer fozialen Gefte, die dann in Stockholm den Ausländern viel zu erzählen wissen von dem jozialen Deutschland unter dem faiserlichen Regime. Wenn fo die Kirche weiter arbeitet, sich hermetisch abschließt von dem neuen Geist in Deutschland, dem republikanischen Deutschland, dann braucht sie sich nicht zu wundern, wenn dieses, ihr politisches Verhalten, die Kritik herausfordert, gerade bei den jenigen, die die Politik aus der Kirche beseitigen wollen. Dann braucht sie nichts zu erzählen von all ihrer fozialen Arbeit an Armen, Kranten. Wenn diese Arbeit mur geleistet werden soll in Verbindung mit Damen und Herren der politischen Reaktion, dann werden die Republitaner, die Sozialisten es sich ernstlich überlegen, ob eine solche Kirche noch zu unterstützen ist, ob man ihr neutral gegenüber stehen und fie ruhig gewähren laffen kann oder ob einer fo politischen, schwarzweißroten Kirche gegenüber nicht die Parole der Freidenfer: Kampf um des fultureffen Fortschrittes willen die einzig gegebene Parole iſt. Wir warnen deshalb die kirchlichen Kreise, die gerade jetzt Berichte entgegennehmen über Stockholm: Glaubt Ihr wirklich, der Kirche auf diesem Wege zu dienen, wenn Ihr denkt an die Engländer, Amerikaner, für die Demokratie, lleberwindung des Nationalismus durch die internationale Bufammenarbeit glatte Selbstverständlichkeiten sind? Die portugiefifchen Revolutionäre, die angeklagt waren, an der Aufstandsbewegung am 18. April teilgenommen zu haben, find freigesprochen worden. Einige werden noch in Haft behalten, weil sie sich wegen der Teilnahme an dem Aufstand vom 19. Juli zu verantworten haben. Gémier spricht zu den Schauspielern. Nachdem Firmin Gémier tagelang die Berliner Theaterverhältnisse studiert und sich auch besonders mit der Organisation der Deutschen Bühnengenossenschaft vertraut gemacht hatte, trieb es ihn. zu der Gesamtheit der Berliner Schauspieler zu sprechen. Er wollte den Plan darlegen, dessen Verwirklichung er nun schon seit Jahres frist erträumt. Er wollte von der internationalen Theatergesellschaft reden, zu deren Mitarbeitern der französische Künstler auch seine Kameraden heranziehen will. Man versammelte sich im Hotel Adlon, feierlich und gespannt. Es waren wirklich die besten der Berliner Schauspieler erschienen. Gerhart Hauptmann fonnte nicht kommen, aber es war charakteristisch, daß der Dichter zur Begrüßung des französischen Gastes Worte telegraphierte, die wie eine leidenschaftliche Abwehr gegen jene Leute flangen, die sich schon nicht mehr zurückhalten fönnen, all die Freundesworte, die während der letzten Tage zwischen deutschen und französischen Künstlern gewechselt wurden, der Uebereilung oder Taftlosigkeit zu verdächtigen. Gerhart Hauptmann tritt in diesem Begrüßungstelegraman an Gémier für eine Boltstheaterkunft ein, die dem Zufall der kapitalistischen Ausbeutung entDeutschnationale und Sicherheitspakt. Entschließung auf dem Deutschnationalen Landesparfeitag in Baden. Mannheim, 28. September.( Eigener Drahtbericht.) Der deutschnationale Landesparteitag für Baden faßte am Sonntag nach einem Referat des auf dem völkischen Flügel der Deutschnationalen stehenden Reistagsabgeordneten Schlange= Schöningen folgende Entschließung: 1. Vor allen etwaigen Verhandlungen über einen Sicherheitsheitspaft und einem Eintritt in den Völkerbund hat die amtliche Notifizierung des Widerrufes der Kriegsschuldlüge zu erfolgen, muß die Räumung der ersten 3one vollzogen und die Beseitigung der Unwürdigkeiten des Besagungsregimes im Rheinland und Saargebiet sichergestellt sein. Außerdem müssen Entwaffnungs- und Luftnote und Investigations beschlüsse sistiert und über den Schutz der deutschen Minderheiten in fremden Ländern und die Rückgabe der Kolonien aussichtsreiche Busagen gegeben sein. 2. Ein etwaiger Sicherheitspatt darf sich nur auf die Weftgrenze beziehen und niemals einen Verzicht auf deutsches Land enthalten. 3. Ein Eintritt in den Völkerbund, der sich auf die Paragraphen 10 und 16 des Versailler Bertrages und die Schuldlüge aufbaut, ist von vornherein abzulehnen. 4. Der Abschluß endgültiger Berträge ist davon abhängig zu machen, daß a) über die frühere Räumung der zweiten und dritten Zone und die frühere Abstimmung im Saargebiet bindende Abmachungen erzielt; b) über die Durchführung einer allgemeinen Abrüstung, entsprechend dem Versailler Bertrag und der Völkerbundsidee bindende Zusagen gegeben sind. 5. Diese Forderungen sind als Mindestprogramm zu bezeichnen, von denen unter feinen Umständen abgewichen werben darf, auf die Gefahr hin, sich in Zukunft nicht mehr an der Regierung zu beteiligen." Außerdem nahm die Konferenz eine Entschließung gegen den Reichsschulgefeßentwurf an. Stresemann spricht... durch den Mund von Curtius. Reichstagsfratfton der Deutschen Boltspartet nach Berfin einzuberufen. Das hätte zur Folge gehabt, daß alle Reichstagsfraktioner in Berlin zusammengetreten wären. Das Ergebnis wäre eine innerpolitische Machtfrage gewefen. Es sei aber zu einer solchen Nebenregierung der Deutschnationalen nicht gekommen.(?) Inhaltsangabe des Paktentwurfs. London, 28. September.( WTB.) Dem diplomatischen Kor refpondenten der„ Sunday Times" zufolge ist der von den Juristen in London vorbereitete Pattentwurf ein kurzes Dokument. Seine Einleitung sei in weitem Maße von der Form der belgischen und luremburgischen Neutralitätsverträge von 1867 und 1889 beeinflußt. Die wesentlichsten Klauseln bezögen fich auf den Fall eines sogenannten flagranten Angriffs. Diese Fälle feien 1. in großem Umfang erfolgende Berlegung der Grenze einer der Signatarmächte durch die Streitkräfte einer anderen und 2. militärische Massentonzentration an der entmilitarisierten Rheinzone mit der offenbaren Absicht, anzugreifen. Andere Klauseln bezögen sich auf Deutschlands Eintritt in den Völkerbund und auf die Befristung. In beiden erwähnten Fällen würde Großbritannien oder jede andere Garantiemacht sich das Recht vorbehalten, mit bewaffneter Macht einzugreifen, um die nichtschuldige Partei zu verteidigen, ohne zu warten, daß der Völkerbund eine Partei als den Angreifer bezeichnet, mit anderen Worten, Großbritannien würde selbst die Tatsachen beurteilen, 3. B. ob der Angriff unprovoziert ist, und würde seine Handlungsweise entsprechend wählen. wobei in zweifelhaften Fällen die Entscheidung des Völkerbundes abgewartet werden würde; aber auch nach dieser tatsächlichen Intervention würde der Fall vom Völkerbunde zu beurteilen sein. Konferenzort Locarno? Genf, 28. September.( Eigener Drahtbericht.) Hier verlautet, daß zwischen der englischen und französischen Regierung eine Ver. ständigung über Locarno als Konferenzort erzielt worden set. Die deutsche Regierung solle hierüber am Dienstag verständigt werden. Die französische Regierung habe bereits 16 Räume im Grand Hotel Palace bestellt. Journal" berichtet, die französische Delegation zur Sicherheitskonferenz bestehe aus Briand und Philippe Berthelot sowie einigen technischen Beratern. Konferenzbeginn erft am 12. Oktober? London, 28. September.( BTB.) Der diplomatische Bericht erstatter des„ Daily Telegraph" schreibt, wenn auch die Deutsche Regierung die Einladung zur diplomatischen Konferenz für den 5. Oftober angenommen habe, sei es doch nicht sicher, daß sie an diesem Tage stattfinde. Möglicherweise werde sie erst am 12. be. ginnen. Auch der Ort, ob Locarno oder Luzern, sei noch unbe stimmt. Daß das Datum noch ungewiß sei, erkläre sich daraus, werde. daß der deutsche Botschafter in Paris Briand erst heute sprechen Die belgische Vertretung. Gestern wollte Herr Stresemann in Baden- Baden sprechen, er sah sich aber in letter Stunde, vermutlich durch Nachrichten aus London und Paris, veranlaßt, die Reise aufzugeben. An seiner Stelle sprach Herr Curtius, der am Sonnabend im Auswärtigen Ausschuß war und wohl auch sonst über die Absichten der Regierung unterrichtet ist. Er berichtete, daß es Herrn Gaus bei der Londoner Juristenkonferenz gelungen fei, wirkliche Gegenseitigteit in der Frage des westlichen Garantiepattes zu erlangen. Die automatische Garantie Englands für den Fall einer friegerischen Bedrohung steht nach dem Londoner Ergebnis nicht nur Frankreich, sondern auch Deutschland zur Verfügung. Es sei auch weiter gelungen, zu vereinbaren, daß alle Streitigkeiten zwischen Deutschland und Frankreich, auch aus dem Versailler Friedensvertrag, in sich die belgische Delegation für die Baktkonferenz wie folgt zu Butunft unter ein Schiedsverfahren fallen sollen. Es sei der deutsche Typus durchgesetzt worden, der dann eventuell auch im Often gelten würde und der dahin gehe, daß bei rechtlichen Fragen ein endgültiges Schiedsgericht entscheidet, in politischen und sonstigen Fragen dagegen eine Bergleichstommiffion eingesetzt wird, deren Urteil nicht unbedingt bindend ift. Ferner werde die deutsche Delegation einen feften Räumungstermin für Köln und die Abschaffung der Ordonnanzen fordern. Für den Artikel 16( Durchmarschrecht) des Bölterbundes werde eine Auslegung im Sinne des deutschen Memorandums gefordert Herr Curtius fagte dann weiter, daß das Ergebnis der Kon ferenz zweifellos eine Bindung Deutschlands bedeuten werde, und fuhr dann fort: Die Schritte der Deutschnationalen als ob eine Art Nebenregierung neben dem Reichsin den letzten Tagen hätten vielfach der Meinung Raum gegeben, tabinett eingerichtet werde. Wenn es zu einer solchen Nebenregierung getommen wäre, dann hätte er fich genötigt gefehen, die stattfinden, bei denen die besten Dramen und Opern der Welt jeweilig von den besten Künstlern dargestellt werden sollen. Alles habe zu geschehen, damit die Nationen fich kennen lernen und damit sie sich lieben und besonders lieben die kostbaren fruchtbringenden Kräfte der Kunst, die in jedem einzelnen Bolke schlummern und Ge= ftalt gewinnen. Als vor Jahren im„ Borwärts" der Roman„ Die Klarheit" von Henry Barbuffe abgedruckt wurde, fonnte man schon einmal in diesem Berke, das der moralischen Ermutigung und der Idee der geistigen Internationale dient, solcher Sehnsucht begegnen. In den Tagen der internationalen Theaterfestspiele sollen die Teilnehmer durch alle Mittel der Kunst für die Idee des Weltfriedens gewonnen und eingestimmt werden. Gémier zweifelt nicht daran, daß sein Blan, der schöner Nachklang vieler Dichterträume ist, nun bald Wirklichkeit werden kann. In allen Kulturnationen sollen die nationalen Gruppen begründet werden, damit entstehe und lebensfähig werde, was der Redner nannte: Den Völkerbund der Künstler. Sogleich schallte ihm Echo und liebendes Berständnis entgegen. Der Berliner Schauspieler Ebert sprach im Namen seiner deutschen Rameraden, und da er den Franzosen mit dem brüderlichen Du anredete, spürte man, daß die Berständigung schon weit vorgeschritten war. Gemessener antwortete Dr. Ludwig Fulda für die deutderen Verband er repräsentierte. Aber Brüffel, 28. September.( WTB.) Etoile Belge" meldet, daß ſammenſehen wird: Außenminister Bandervelbe, sein Kabinettschef Rolin, der Mitglied der Juristenkonferenz in London war, und der Referent für westeuropäische Angelegenheiten im Außenministerium, va'n 3uyden Die Antwort auch Italien übergeben. Rom, 28. September.( Agenzia Stefani.) Der deutsche Ge. ichäftsträger teilte dem Minifterium des Aeußern vorgestern nachmittag mit, daß die deutsche Regierung an der Ministerkonferenz über den Sicherheitspakt teilnehmen werde. Zurückhaltung der Börse. Die Nachrichten über die bevorstehende deutsch- ruffische Einigung, über die 10prozentige Tarifermäßigung für die Lebensmittel auf der Reichsbahn und schließlich über die Zunahme der Sparkassengelder hätten wohl auf die heutige Börse befestigend gewirkt, wenn nicht gleichzeitig in den Pattaussichten eine neuerliche Dollarpreise bei der Städtischen Oper. In der Deffentlichkeit beschäftigt sich die Regierung jetzt sehr viel mit dem Preisabbau. Sie wendet sich u. a. gegen die Preisfartelle und von diesen hat sie in allererster Linie die Textilfartelle aufs Korn genommen, die unter ihren Berkaufsbedingungen noch immer die sogenannte ValutaPlaufel, d. h. die Möglichkeit, die Warenpreise in ausländischer Währung zu bestimmen, haben. Was soll man nun dazu sagen, wenn in dieser Zeit die Städtische Oper, deren Verwaltung diejes Preisabbauaktionsschauspiel nicht ganz unbekannt sein dürfte, die Berlaufspreise für Abonnements in Mart und in Dollar ausdrückt? Diese Tatsache an sich ist bezeichnend für das Zutrauen, das man in Kommunaltreisen zu der Ernsthaftigkeit der staatlichen Preisab bauaktionsmaßnahmen hat und zeigt, welche Autorität die Regierung genießt. Gegen die Vergewaltigung der Schule. Die am 22. September tagende Generalversammlung des Bundes entschiedener Schulreformer" Bezirksverband Groß- Berlin, ruft die deutsche Deffentlichkeit aufs entschiedenste zur Wachsamkeit und zum Widerstande auf gegenüber den Plänen der fleritalen und reaktionären Parteien, dem ungeheuerlichen Reichsschulgeſehentwurf, der unbezweifelbar eine Berfassungswidrigkeit und einen Rechtsbruch darstellt, in aller Eile und möglichster Stille durchzupeitschen. Das Deutschland dar aus drohende Unheil ist unermeßlich. Der Bund entschiedener Schulreformer fordert von allen fulturwilligen Deutschen, daß fie beseitigt. Nur in einer Schule der Denkfreiheit können der Deutschen Republik echte Bürger heranreifen. 30gen sei. Es war ein schöner Augenblick, als diese Säße vorgelejen auch dieser vorsichtige Mann konnte sich nicht der aufrichtigen, herz- fich zu einem Proteststurm vereinigen, der dieses dunkle Machwerk wurden. stören! M. H. Rickelt, der Präfident der Bühnengenossenschaft, stellte den lichen, in feiner Weise theatralisch verschminkten Ueberredungskunst lichen, in feiner Weise theatralisch verschminkten Ueberredungefunft französischen Gaft vor. Auch er hatte die offenen und geheimen Gémiers entziehen. Der Völkerbund der Künstler ist im Werden. Widersacher zu tadeln, die jetzt schon dieser französisch- deutschen Ver- Man fann ihn nicht mehr zerstören, man darf ihn nicht mehr zerständigung im Wege sein wollen. Dann begann Gémier selber zu reden. Er sprach schlicht und dennoch begeistert. Er charakterisierte jich als einen Sohn des Volkes, als einen Sohn der Straße sogar, der heraufgekommen ist von unten, der hinauf will zu der Höhe der Kunst, der aber mitziehen will dorthin all seine Landsleute und auch die Welt. Das ist der Traum Gémiers, dessen Erscheinungen er vor seinen deutschen Hörern darlegte. Dieser Franzose hat ein sehr starkes internationales Gewissen. Er hat von jenen Rarthagern gelesen, die das Geheimnis des Kompasses schon lange vor der Zeit des Mittelalters erfunden hatten. Aber die Karthager, so erzählt Gémier, mären Barbaren gewesen, versessen darauf, ihr Geheimnis zu wahren. Und als sie in Gefahr waren, siegreichen Römern ihr Geheimnis ausliefern zu müssen, da zogen sie es vor, Schiff und Kompaß in die Tiefe zu rammen, damit auf dem Grunde des Meeres das Geheimnis begraben werde. Und Génier ruft aus: Hätten die Griechen das Wunder des Kompaffes getannt, sie würden ausgefahren sein, um die ganze Welt mit dem Wunder zu beglücken. Ihr Deutsche seid Griechen! Nach dieser Cufforderung, die schmeichelnd und zugleich stark den Deutschen entgegengetragen wurde, legte Gémier dar, was praftisch zur Verwirklichung der internationalen Theatergesellschaft zu leiften sei. Hier im Borwärts" wurden diese Dinge schon erörtert. Neberall in den Hauptstädten der Erde follen die großen Sestiniele wärtig in England, weil neuerdings die Zahl der tödlich verlaufenen Schlafgrippe in England. Große Beunruhigung herrscht gegen tranften nicht weniger als 5039 Personen, von denen 1407 gestorben Fälle von Schlafgrippe wieder im Anwachsen ist. Im Vorjahr erfind, an dieser merkwürdigen und tüctischen Krankheit. In diesem Jahr wurden bisher zwar nur 1969 Fälle gezählt, was verhältnis mäßig wenig ist, doch ist der Prozentsaz der Fälle mit tödlichem Ausgang außerordentlich groß. Die Schlafgrippe, die nebenbei bemerkt mit der afrikanischen Schlaffrankheit nicht das Geringste zu tun hat, ist in Europa zum ersten Male in Wien im Jahre 1917 beobachtet worden. Auch in Deutschland ist sie ungefähr zur gleichen Zeit aufgetreten. Nach England kam sie im April 1918. Sie bedroht insbesondere die jugendlichen und mittleren Altersklassen und ist noch völlig ungeklärt in ihren Ursachen. Die ersten Symptome der Ertranfung bestehen in einer außerordentlich großen Mattigkeit, starken Kopfschmerzen, Doppelsichtigkeit und gelegentlichem Erbrechen. mitunter zeigen fich auch Hautausschläge, die jedoch rasch wieder verschwinden, und zwar meist schon innerhalb von 24 Stunden. Oft stellen sich auch heftige Halsschmerzen ein. Das Ende der dritten Woche pflegt die Krise zu bringen. Wenn der Patient sie übersteht, Andernfalls tritt der Tod ein, und zwar auf eine sehr qualvolle so ist er in weiteren zwei bis drei Wochen wieder hergestellt. Weise, die durch eine langsam fortschreitende Lähmung der Atmungs organe verursacht zu werden scheint. Fund eines antifen Bootes in Wales. In dem Llangorsesee in Wales wurde ein altes Boot von 16 Fuß Länge, 2 Fuß Breite und 18 Zoll Tiefe gefunden, das aus einem großen Eichenstamm hergestellt ist. Das Boot ist ausgezeichnet erhalten. Das hintere Ende läuft spitz zu und das vordere ist ein Blod von massivem Holz und endet mit einer gekrümmten Spize. Vorrichtungen zum Rudern wahrscheinlich stammt es aus der Zeit der römischen Besetzung des fehlen, so daß man annimmt, daß es eine Art Paddelboot war. Landes; wenige Meilen von den See entfernt befand sich damals ein römisches Lager. Clond George geht unter die„ Sittlichkeitsapoftet". Dem Bertreter des Illustrated Sunday Herald" teilte Lloyd George mit, er werde in dem deutschen Film Wege zur Kraft und Schönheit", der für die Körperkultur Propaganda mache, und in dem nackte Frauen eine hervorragende Rolle spielten(!), beim Golfspiel ge= zeigt. Lloyd George bezeichnete seine Aufnahme in einem derartigen Film als Infamie und erklärte, wenn der Film in England gezeigt werde, werde er ernstlich erwägen, welche Schritte er dagegen unternehmen könne. 10 Millionen für den neuen Friedenspalaff, Das Finanzlomitee des Böllerbundes bat beschlossen, den bisherigen Sit des Völkerbundes in Genf zu verkaufen und neue Gebäude zu errichten, die auch einen Ston ferenzfaal enthalten sollen. 10 Millionen wurden als Bautosten dafür be willigt. Die Architekten aller Böller, die zum Böllerbund gehören, sollen zu einem Wettbewerb aufgefordert werden. Der schwedische Schriftsteller Ola Hansson ist gestern in Bnjul- Dere isa der Nähe Konstantinopels gestorben. Berschlechterung eingetreten wäre. Infolge des Fetertages blieb das Geschäft heute sehr gering. Ausgehend vom Montanmarkt und hier wieder von neuerlichen Verkäufen in Rheinstahi gestaltete sich die Tendenz einheitlich matter. Auch der Geldmarkt ist infolge herausgekommener Nachfragen noch zum Ultimo etwas gespannt, selbst erste Firmen müssen 9 bis 11 Prozent für tägliches Geld bewilligen. Die übrigen Säge sind unverändert. Geld über den Ultimo toftet 10 bis 12 Prozent. Montanaktien fast durchweg schwächer. Auch Phönig mußten ihren anfänglichen Widerstand auf geben. Kaliattien still, Elektroaktien eher gefragt mit Ausnahme von Poege. Anilinaftien nicht einheitlich und zum Teil schwächer. Auch Maschinenaftien der Mehrzahl nach weichend. Schiffahrtsaftien eher fester. Bon Bantwerten Reichsbant beachtet, Deutsche Bank nach gebend. Am Rentenmarkt herrscht Stille. Schußgebiet 5,20, Kriegsanleihe 0,245. MeisingerSizler. Die Chriftlichen gegen das Reichsarbeitsministerium. Köln, 28. September.( Mtb.) Eine Vertrauensmännerfizung des christlichen Metallarbeiterverbandes, die gestern in Köln stattfand, nahm zu der neuen Zollgesetzgebung und ihre Auswirkungen Humboldthain und Sillerport. Wie traurig steh'n die Auen und Matten, die Sonne brennt, die Luft ist schwül, fein flüchtig Wölfchen bringt uns Schatten, tein Lüftchen fäuselt sanft und kühl. Man enteilt so gern des Zimmers Gefängnis: die Arbeiter verlaffen nach Feierabend die heißen Fabrikräume und Werkstätten, die Bureaubeamten die dunstigen Schreibstuben, um auf den öffent. lichen Plätzen und in den Anlagen Erholung zu suchen. Im Norden Berlins haben wir den Humboldthatn, der unter der kunstsinnigen Leitung des Parfdirettors Germer und des Stadtgärtners Röhler so vieles Schöne in der Pflege ausländischer Blumen, Bäume und Sträucher bietet. Um die Wißbegier der Besucher zu befriedigen, sind daneben Tafeln mit dem Namen der betreffenden Pflanzen angebracht. Aus erratischen Blöcken ist dem berühmten Naturforscher ein Denkmal gesezt worden mit der Inschrift: Dem Andenken Alexander von Humboldt die Stadt Berlin. Etwas außerordentlich Braktisches und Gutes hat der Magistrat des Berbandes und zwar für ben technischen und den nicht technischen Dienst. Wenn sich Teilnehmer genug finden, die sich für die Brüfung zum Eisenbahnassistenten und für die Fachprüfung erster Klasse vorbereiten wollen, so wird auch für sie Fernunterricht eingerichtet. Alle Fernunterrichtsteilnehmer sollen mindestens an einem Tage im Monate noch mündlichen Unterricht durch Fachlehrer der Schule ihres Direktionsbezirkes erhalten. Die Ferienunterrichtsteilnehmer legen schließlich bei der Fachschule ihres Bezirks in Anwesenheit eines Kommissars der Eisenbahnverwaltung eine Prüfung ab, die der Vorprüfung für die betreffende Beamtenlaufbahn entspricht. der Vorstand des Verbandes deutscher Eisenbahnfachschulen um unver Eisenbahner, die am Fernunterricht teilnehmen wollen, bittct bindliche Meldung bis spätestens 5. Ottober bei der Geschäftsstelle in Berlin( Teltower Straße 16). Beizufügen sind ein Lebenslauf, aus dem die Vorbildung und etwa schon bestandene Brüfungen ersehen werden, und eine Zehnpfennigmarke für die Antwort. Je mehr Teilnehmer fich melden, desto niedriger wird die Teilnehmergebühr. Der Verband hofft, mit diesem Fernunterricht den Beifall vieler Eisenbahner zu finden. auf die wirtschaftspolitische Lage Stellung. Sie legte ihre Auffassung in der Umgestaltung des Blochplazes getan. Da fönnen die fleinen Tagung nach den Ferien unter der Leitung des neuen Borsigenden, in folgender Entschließung nieder: " Die Vertreterversammlung nimmt Kenntnis von den Vorgängen, die fich auf dem Gebiet des Schlichtungswesens in den letzten Monaten herausgebildet haben. Wenn von seiten der Schlichter und des Reichsarbeitsministeriums eine Berbindlichkeitserflärung auf der minimalften und berechtigsten Lohn erhöhung in den letzten Monaten nicht erfolgt ist, so erblickt die Bersammlung darin eine einseitige Stellungnahme zugunsten der Arbeitgeber. Die durch die Presse bekannt gewordenen Ber handIungen im Reichsarbeitsministerium mit dem Syndikus der Vereinigung Deutscher Arbeitgeber, Dr. Meisinger, und das Zugeständnis, das von Ministerialdirektor Dr. Sizler gemacht wurde, find als Einverständnis mit den reaktionären Bestrebungen der Arbeitgeber zu bezeichnen. Entspricht dasjenige, was Dr. Meißinger durch Aktennotizen den Arbeitgebern aus der Besprechung mit Ministerialdirektor Dr. Sizler mitgeteilt hat, der Wahrheit, dann ist die Unparteilichkeit des Reichsarbeitsministeriums, vertreten durch Ministerialdirektor Dr. Sigler, nicht mehr ge= geben. Die Vertreter des christlichen Metallarbeiterverbandes Köln erwarten und verlangen vom Reichsarbeitsministerium in allen Fragen unparteiische Stellungnahme unter voller Berücksichtigung der wirtschaftlich Schwachen." Junker und Nationalgefühl. Polnische Familienfefte" auf oftelbischen Gütern. In Ostelbien, auf dessen Gutshöfen nach Auffassung preuBischer Patentpatrioten die nationale Würde" in Reinkultur zu Hause ist, scheut man sich nicht, schriftlich und mündlich" pol nische Arbeiter" zu suchen. So befindet sich im„ Rostocker Anzeiger" folgende Annonce: In Nienhagen bei Hoppenrade i. M. werden sofort 8 polnische Schnitter mit ordnungsgemäßen Papieren gesucht. Fürstliche Gutsverwaltung." Und im streng tonservativen Byrizer Kreisblatt" vom 21. Septamber folgende Notiz: Als am Sonntag den 6. September, der Frühzug in Brießig hielt, standen dort zwei Gespanne von Müzelburg, das dem Re gierungsrat Schlange, Rosjin, gehört. Sie hatten eine polnische Hochzeitsgesellschaft zur Bahn gebracht. Die Pferde maren mit polnischen Nationalfarben geschmückt. Außerdem befand sich auf dem einen Wagen eine polnische Fahne. Die aus Bolen zusammengesetzte Mufiftapelle spielte die polnische Nationalhymne und polnische Märsche. Zeugen sind vorhanden." Während die deutschnationale Bresse sich überschlägt in Bolen jeindschaft, sammeln die deutschnationalen Gutsbesitzer polnische billige Arbeitskräfte und feiern mit polnischen Nationalfarben! Wir find nicht so bösartig, das Berbot der polnischen Nationalfarben zu fordern oder gar die Nichtbeschäftigung polnischer Arbeiter. Aber man wird an diese Dinge wieder erinnern dürfen, wenn bie deutschnationale Regierungs- Preffe die Reichsfarben be ichimpft und ihren Trägern die nationale" Gesinnung abspricht. Die„ nationale" Zuverlässigkeit der Nationalisten hat schon von jeher einen doppelten Boden gehabt. Republikanertag in Altona. Begrüßungsrede des Gen. Severing. Altona, 28. September.( BTB.) Ein von der Ortsgruppe Altona einberufener Republikanischer Tag vereinte hier am Sonnabend und Sonntag Tausende von Reichsbannerleuten. lleber 100 Einzelgruppen aus Hannover und Schleswig- Holstein hatten Delegierte entsandt. Heute nachmittag sprach in der überfüllten Riesenhalle der Altonaer Gartenbauausstellung, stürmisch begrüßt, der preußische Innenminister Severing. Er erinnerte an die Zeit vor zwei Jahren, da am 30. September 1923 in Düsseldorf blutige Bruderkämpfe stattfanden und am folgenden Morgen die Kunde vom Küffriner Butsch alle Deutschen in neue Sorge verjette. Solchen Ereignissen zu steuern, Frieden im Lande zu halten, den Staat zu schützen er betone das im Hinblick auf die Auslegungen, die seinerzeit seine Rieler Rede gefunden sei das Reichsbanner Schwarz Rot Gold ins Leben gerufen worden. Diesem Reichsbanner, Hüter des Friedens, gelte sein Hoch. Der Kundgebung wohnten beide Altonaer Bürgermeister, Senator Eisenbarth Hamburg und zahlreiche Mitglieder beider Stadtparlamente bei. Der Arbeitsplan des Landtags. Beratungen mit furzen Unterbrechungen.- Pause während der Provinzialwahlen. Der Aeltestenrat des Landtages beriet am Montag vormittag noch einmal über die Geschäftslage. Nach Erledigung des Wohlfahrtshaushaltes, voraussichtlich am Mittwoch, wird, wie bereits in Aussicht genommen war, der andelshaushalt den Landag noch in der laufenden Woche beschäftigen. Es tritt dann die geplante Pause bis zum 12. Oftober ein. Der Landtag will den Haushalt des Innern in Angriff nehmen und vom 13. bis zum 23. Oktober sitzen. Daran schließt sich wiederum eine Bause bis zum 27. Oftober. Bom 28. Oftober ab foll wieder bis zum 6. November gesessen werden. Dann soll wiederum eine Bause folgen bis zum 10. November. Nach einem weiteren Tagungsabschnitt vom 11. bis zum 20. November einschließlich will dann der Landtag mit Rücksicht auf die Wahlen zu den Kreisund Provinziallandtagen eine Pause vom 21. bis zum 30. November eintreten lassen. Nach dem Haushalt des Innenministeriums sollen pon großen Etats noch beraten werden: der Haushalt der Justiz, der Bergverwaltung, des Staatsminifteriums, der Kultushaushalt und die beiden Finanzetats. Ueber die Weihnachtsferien find Dispositionen noch nicht getroffen worden. Buben unter der ihrer Eltern Geschwister sich austollen, im Sande bauen, Ball spielen und sich fonft vergnügen. Nachmittags ist der Humboldthain oft so start be sucht, daß man taum eine Sitzgelegenheit findet. Alles ist so schön angelegt nur läßt der Hain feine Erweiterung zu. Anders ist es mit dem Schillerpart. Vor etwa 18 Jahren ist er angelegt worden. Die Anregung gab damals die Vereinigung der Schiller. partfreunde unter Borfik des Architekten und Baumeisters Schölske. Der Magistrat von Berlin hat sich mit der Ausführung diefes Planes ein großes Verdienst erworben. Der Part ist großzügig angelegt, er gestattet nach der Jungfernheide zu sogar noch eine bedeutende Erweiterung. Die Rosenterrasse bietet den älteren Leuten die ersehnte Erholung. Die kleinen Buben und Mädel vergnügen sich nachmittags auf der Planschwiese und Mittwoch, Sonnabend und Sonntag ist die Benutzung der Wiesen zum Lagern freigegeben. Ueberall eitel Freude und Vergnügen in dem schönen Bart, der noch Generationen nach uns Erholung bieten kann. Tragisches Ende eines Schwerkriegsbeschädigten. Sonntag die Mordkommission nach dem Hause NauDas Gerücht von einem Kapitalverbrechen rief in der Nacht zum garder Straße 12 im Nordosten der Stadt. Von feinen Angehörigen war hier der Ingenieur Weerts mit einer furcht baren Verlegung im Rüden neben seinem Bette liegend tot aufgefunden worden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben ein wandfrei, daß Weerts sich selbst getötet hatte. Als Waffe diente ihm hatte. An dem Abzug hatte er aus der Leitungsschnur einer elektrischen ein altes russisches Infanteriegewehr, das er aus dem Felde mitgebracht Tischlampe eine Schlaufe befestigt. Nach dem Laden beugte er fich mit der Brust über die Mündung des auf dem Fußboden stehenden Gewehrs, trat mit dem Fuß in die Schlaufe und 30g ab. Der Schuß brang linksfeitig in die Brust und trat an der rechten Schulter wieder heraus. Das Geschoß wurde in der Zimmerede gefunden. Durch das feste Aufpressen des Körpers auf die Mündung wurde nicht nur der Schall gedämpft, sondern auch der Umfang der Ber wundung erklärt. Der Grund zu dem Selbstmord ist in nervöser wundung erklärt. Der Grund zu dem Selbstmord ist in nervöser Ueberreizung zu suchen. Weerts war mit einer schweren Ober fchentelverlegung aus dem Weltkriege heimgefehrt und litt immer noch starte Schmerzen. Um diese zu betäuben, hatte er Morphium genommen. Alle diese Umstände veranlaßten ihn endlich, Hand an fich zu legen. Bodenbrand in Neukölln. Ein neuer Bodenbrand wurde am Sonntag vormittag gegen 10% Uhr im Hause Goethestraße 16 zu Neukölln Feuer zuerst wahr und alarmierten die Feuerwehr und die Mieter entdedt. Bewohner des gegenüberliegenden Hauses nahmen das des Brandhauses. Beim Eintreffen der Behr hatten die Hausbewohner jedoch den Brand schon bezwungen, so daß die Löschzüge gleich wieder abrüden fonnten. Die Untersuchung ergab, daß auf dem Boden Wäsche in Brand gesteckt worden war. Da mehrere Stücke vermißt werden, so ist anzunehmen, daß das Feuer einen Wäschediebstahl zu angelegt wurde, um fchleiern. Die Ermittlungen hierüber sind noch nicht abgeschloffen. * ber. Zu der Verhaffung der beiden Männer, die sich nach Aussagen von Zeuginnen im Hause Hohenzollerndamm 111 am 24. b. M. furz vor Ausbruch des Dachstuhlbrandes verdächtig machten, wird mitgeteilt, daß beide immer noch bestreiten, in diesem Hause gewesen zu sein. Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Beide bleiben darum vorläufig noch in Haft. Bildungsmöglichkeiten für Eisenbahner. Zur Aus- und Weiterbildung von Eisenbahnpersonal bestehen im Deutschen Reich seit längerer Zeit die Eisenbahnfachschulen. Sie haben bisher eine beträchtliche Zahl Eisenbahner erfaßt und gute Erfolge gebracht. Die Lehrstätten des Berbandes Deuscher Eisenbahnfachschulen haben schon über 60 000 Arbeiter und Beamte auf Prüfungen vorbereitet. Jetzt will diefer Verband für die vielen Eisenbahner, die infolge ihres Dienstes entweder über. haupt nicht oder doch nicht regelmäßig an dem Klaffenunterricht Der Fachschule teilnehmen können, den Notbehelf eines brieflichen Fernunterrichts schaffen. Er will hiermit für diejenigen sorgen, die abseits von den großen Verkehrswegen an einsamer Stelle ihren Dienst tun müssen und dort nicht die Möglichkeit haben, durch Besuch einer Fachschule fich weiterzubilden. Der briefliche Unterricht soll aber auch denen zugute tomen, die zwar eine Fach schule besuchen, doch wegen dienstlicher Abhaltung oder wegen Krankheit dem Unterricht zeitweise fernbleiben müffen. Der geschäftsführende Borstand des Verbandes hat in einer Denkschrift dargelegt, wie der geplante Fernunterricht durchgeführt werden fönnte. In Amerita ist dieses Unterrichtsverfahren schon feit Jahrzehnten sehr verbreitet, in Deutschland aber hat man es bis her nur wenig angewendet. Die Vorteile des Fernunterrichts find die, daß er unabhängig von Ort und Zeit genommen wird und daß man zur Ausarbeitung der Unterrichtsbriefe die besten Fachleute heranziehen kann. Wenn die Teilnehmer ernst arbeiten, fönnen gute Erfolge erzielt werden. Durch gelegentliche mündliche Unterweisungen fann ihre Arbeit noch unterstügt werden. Die Unter richts briefe dürfen nicht fahle„ Leitfäden" sein, sondern müssen sich dem Verfahren des mündlichen Unterrichts möglichst annähern. Sie müssen methodisch ausgearbeitete Lektionen bieten, denen die notwendigen Zeichnungen und Abbildungen beigegeben sind. Die Denkschrift betont das als unerläßliche Forderungen für die Ausarbeitung der Unterrichtsbriefe. Nebenbei weist sie darauf hin, daß fünftig vielleicht auch die drahtlose Telephonie noch einen münd lichen Fernunterricht ermöglichen fönnte. Die schwierige Frage der Unterrichtsversorgung nach Weiterbildung verlangender, aber abseits wohnender Eisenbahner, wäre hiermit zu lösen. Der briefliche Fern unterricht ist so gut gedacht, daß jeder Teilnehmer je nach der ihm verfügbaren Beit regelmäßig alle acht bis vierzehn Tage zusammen mit der Korrektur der von ihm an die Fachschule gesandten legten Arbeit eine neue Aufgabe erhält. Der Lehrstoff für den Fernunterricht entspricht vollständig dem Plan des Klassenunterrichtes der Fachschule. Die Kosten des Fernunterrichts einschließlich Unterrichtshilfsmittel sollen nicht höher bemessen werden als die üblichen Beiträge zu den Kosten des Klassenunterrichtes. Begonnen wird mit den Unterrichtsfächern der Unterstufe vom Normalstundenplan Die Raubzüge der drei Brüder Heinrich. Erfte Tagung des Schwurgerichts nach den Gerichtsferien. Das Schwurgericht des Landgerichts III begann heute die erste Die übrige Richter. Landgerichtsdirettors Bombe. befeßung des Schwurgerichts mit den Landgerichtsräten Fride und Vormbaum ist dieselbe geblieben. Zur Verhandlung stand der schwere Raubüberfall in der Vorstadt Oranienburgs am 23. April 1921, bei dem von den Räubern auf der Flucht der Schlächtermeister Mangelsdorf erschossen worden ist. rich sind verwegene Räuber, die eine ganze Reihe von Die drei Brüder Mar. Hermann und Paul Hein Raub überfällen verübt haben. Das größte Aufsehen erregte der kühne Handstreich auf den Autoomnibus bei Strausberg. Dieser Fall ist bereits vom Schöffengericht Lichtenberg, zusammen mit einem Raubüberfall im Waldkater in der Bernauer Forst, abgeurteilt worden. Bei dem Strausberger Ueberfall war der damalige attive Polizeiwachtmeister Stiehlte mitbeteiligt. Auch Hermann und Baul Heinrich waren früher im Polizeidienst tätig. Mar Heinrich, obwohl er bereits wegen schweren Raubes mit 5 Jahren Zuchthaus vorbestraft worden war, war bei einer Anstellung mit den Papieren seines unbestraften Bruders Hermann aufgetreten. In Lichtenberg fonnte nur mit Stiehlte die zwei Brüder abgeurteilt werden und erhielten schwere Zuchthausstrafen. Hermann Heinrich spielt den Geistestranten, und das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt, nachdem er vor Gericht eine Tobsuchtsszene aufgeführt hatte. Er ist inzwischen nach Herzberge gekommen. Auch in der heutigen Verhandlung spielte er wieder die Rolle eines Geistesverwirrten. Das Gericht beschloß aber nach Anhörung des Gerichtsarztes zunächst in die Berhandlung auch gegen Hermann einzutreten, wird aber auch noch Sanitätsrat Dr. Leppmann zur Begutachtung heranziehen. Unter den Rädern der Antos. In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde der Polizeiwachtmeister Popofcha auf einer Streifenfahrt in der Berleberger Straße von einer Autodroschte überfahren. Mit schweren inneren Berlegungen wurde er nach dem Staatsfrankenhaus übergeführt.Ebenfalls von einer Kraftdroschke überfahren wurde die 23jährige Hausgehilfin Katharina artfuß aus der Rodenbergstraße. Mit 5) erheblichen Kopfverlegungen und einem Oberschentelbruch tam fie nach dem Norbertfrankenhaus. Bon einer Kraftdroschte wurde auch der 51jährige Straßenbahngleisreiniger Otto Sn aus der Heimstraße überfahren. Er fand im Urbanfrankenhaus mit schweren Kopfperlegungen Aufnahme. Wassereinbruch auf Zeche Haniel. Menschenleben nicht gefährdet. Auf Schacht I der Zeche Haniel bei Stertrabe ereignete sich am Freitag und Sonnabend ein großes Unglüd. Am Freitag nachmittag machte sich auf der zweiten Sohle des 600 Meter tiefen Schachtes ein affereinbruch bemerkbar, der sich erst am Sonnabend voll auswirkte. Anscheinend ist, wie die Bergbaufommission bis jetzt festgestellt hat, das Unglück auf den Die Wassers Drud einer Schachtmauer zurückzuführen. fluien ergossen sich am Sonnabend mittag in den Schacht. Sechs Bergleute waren zur Zeit des Unglücks auf der ersten Sohle beschäftigt und wurden von der ungeheuren Bucht des Luftdruds mehrere Meter weit fortgeschleudert. Außer einem Arm bruch eines Bergmannes erlitten die Bergleute feine erheb lichen Berlegungen. Sie fonnten sich noch rechtzeitig vor den Wasser- und Schlammfluten in Sicherheit bringen. Die Wasserfluten jetzten mit ungeheurer Geschwindigkeit den ganzen Schacht unter Wasser und fanden dann durch ein großen Zugangsstollen den Weg zu den benachbarten Bechen. Die 3 echen der Gute hoffnungshütte in Stertrade und Osterfeld wurden start gefährdet. Zurzeit wird hauptsächlich daran gearbeitet, die zwischen den Zechen Haniel" und Jatobi" bestehende unterirdische Berbindung durch eingeführte Erdmassen abzudämmen. Es ergeben sich hierbei jedoch Schwierigkeiten, da die Wassermassen mit stärkster Bucht von oben und unten einschießen Am Sonnabend nachmittag stürzte dann der Schacht der Zeche Haniel" vollständig ein. Die darauf befindlichen großen modernen Förderanlagen des Hauptbetriebsgebäudes und ein Teil der Nebengebäude sowie eine große Menge Maschinen verfanten in den sich bildenden Schlamm- und Waffermassen, die ein Ausmaß von 70 bis 80 Metern im Durchmesser haben. Das Ganze bildet ein müft es Chaos von Schlamm und Steinen und Balken. Der Schacht ist vollständig zerstört. Auch Schacht II der Zeche Haniel ist start gefährdet, und man rechnet unter Umständen mit derselben Katastrophe für diesen Schacht. Alle Arbeit beschränkt sich darauf, die umliegenden Zechengebiete vor der Katastrophe zu schüßen. Die 3echenanlagen in dem gesamten Gefahrengebiet find gesperrt und die Baulichkeiten zum Teil ge räumt. Der amtliche Bericht über den Wassereinbruch der Zeche, der foeben herausgekommen ist, und dessen erster Teil das Unglüd bestätigt, erklärt weiterhin: ,, Auf noch nicht einwandfrei auf geflärte Weise brachen einige Tübbingsfegmente des eisernen Schachtausbaues, wodurch sich große Schwemmsandmengen in den Schacht ergossen und den Schacht in seinem oberen Teil zum Einsturz brachten. Im Schacht selbst war zur Zeit des Einbruches niemand beschäftigt. Abgesehen von einem nur leicht Berletzten ist bei dem Unglück niemand zu Schaden gekommen. Bertreter der Bergbehörde waren sofort nach dem Unfall zur Stelle. Die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen find an Ort und Stelle sofort Bon einer Gefährdung der Nachbarzechen ist getroffen worden. feine Rede. Auch der Schacht I der Schachtanlage von Haniel ist nicht in Mitleidenschaft gezogen. Bolfsturje für Englisch, Französisch, Spanisch. Anfang Dftober Beginnen in der Sprachenschule für Bieletarier die neuen inter- Abendkurse in Englisch, Französisch und Spanisch. Es werden wieder Kurse für An fanger ohne Bartenntniffe und solche für Teilnehmer mit Bortenntniffen eingerichtet. Anmeldungen: Für das 3entrum am Mittwoch, den 30. September und Donnerstag, den Ditober abends von 6-9 Uhr in der Schule ipsitr. 23a( nabe Alexanderplatz und Bahnhof Böre); für Renf511n am Dienstag, den 29. September, abends von 6-9 Uhr im 2yzeum Richardplay( Seitencingang). Jugendveranstaltungen. Werbebezir? Often. Areisturnabend. Heute 28 Uhr, Turnhalle Geertstraße. Gewerkschaftsbewegung Mangelnder Bauarbeiterschuh! Mißstände auf städtischen Bauten. Der Zentralverband der Zimmerer, Rahlstelle Berlin, schreibt uns: Bereits am 13. September wurde im Vorwärts" auf zwei Baustellen der Stadt Berlin hingewiesen, auf denen jeder fachmännische Bauarbeiterschutz fehlte. Zur Baustelle Elektrizi tätsmert Charlottenburg am Spreebord nochmals fol. gendes: Diese Baustelle ist jetzt etwa ein Jahr im Gange; es werden gegenmärtig 1800 Arbeiter aller Art bei etwa 28 Firmen hier beschäftigt. Obwohl den Winter hindurch schon mehrere hundert Arbeiter dort beschäftigt wurden und die Vertreter der Arbeiterschaft auf Grund der vielen Unfälle eine angemessene Sanitätsstation verlangten, ließ die Betriebsleitung endlich zu, daß ab 1. April 1925 eine Sanitätsstation auf der Baustelle eingestellt Daß sie nicht überflüssig war, ergibt sich aus folgendem Verzeichnis, das ab 1. April 1925 geführt wurde. Berlegungen und Unfälle. murde. Jm April Mai 500 Unfälle, davon 12 schwer 516 " " Juni 894 Juli 721 " August 596 September bis 472 gum 14. 9 18 " 10 25 32 " Zusammen 3699 Unfälle, davon 106 schwer. Zu den als„ schwer" bezeichneten Fällen ist zu bemerken, daß darunter nur nochenbrüche und noch schwerere Un fälle zu verstehen sind. Fünf schwere Unfälle sind mit tödlichem Ausgang zu verzeichnen. Was hat nun die Behörde in letzter Zeit zur Berhütung der Unfälle getan? Im großen und ganzen nichts. Wohl haben einige Herren die Baustelle nach unserer ersten Meldung besichtigt und darauf wurde dann eine Firma damit beauftragt, für die nötigen Baumaterialien zur Herstellung von Rüstungen zu sorgen und auch dazu verpflic tet, die vorhandenen Rüstungen einigermaßen ordnungsmäßig herzustellen. Sehr viele Unfälle passieren in der Metallindustrie( Kesselmontage usw.). Diese bei der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter arbeiten unter einem Schweißtreibersystem 1. Ranges. Es sind stets Kolonnen von 3-4 Mann, wovon immer einer den Antreiber macht. Durch diese fapitalistise Arbeitsmethode werden viele Bauunfälle hervorgerufen, bei denen dann nicht nur die Metallarbeiter, sondern auch die übrige Bauarbeiter schaft oftmals in Mitleidenschaft gezogen wird. Bortrages den musitalischen Darbietungen einen anderen Charakter gebe. Das Gericht verurteilte den Beklagten, die Kläger entweder wieder einzustellen oder ihnen Entschädigungen zu zahlen, die das Gericht für mehrere Kläger auf je 500 bzw. 400 M. und bei einem, der erst kürzere Zeit beschäftigt war, auf 50 m. festsetzte. Das Urteil wurde damit begründet, daß gegen die Kapelle an fich feine Einmendungen erhoben seien, daß Mängel, die von einzelnen Gästen empfunden wurden, auf den Kopellmeister zurückzuführen seien und daß die Kläger, da sie jahrelang ohne Beanstandung im Betriebe des Beklagten gespielt hatten, doch wohl für das Restaurant Haeßler geeignet sein müßten. Streik der Heizungsmonteure in Hannover. Die Heizungsmonteure und Helfer in Hannover haben am 28. September die Arbeit eingestellt. Vor mehreren Wochen schon haben sie Forderungen auf Erhöhung der Löhne eingereicht. Die darüber geführten Verhandlungen ergaben kein befriedigendes Resul tat. Der Stundenlohn für Heizungsmonteure beträgt eine Mart, gefordert sind 1,30 M., außerdem angemessene Festsetzung der Helfer löhne, der Auslösungsfäße und der Schmuzzulage. Die Arbeitgeber wollten lediglich eine Erhöhung des Monteurlohnes um 4 Pf. pro Stunde bewilligen. In den meisten gleichartigen Städten erhalten die Monteure zurzeit einen Stundenlohn von 1,15 bis 1,35 m. Des gleichen sind dort die Helferlöhne sowie die Auslösungssäge bedeutend beffer geregelt. Da durch Verhandlungen eine Verständigung nicht zu erreichen war, erfolgte die Arbeitseinstellung. Die Kollegen im Reiche werden ersucht, dies zu beachten. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Hannover. Wie Wissenschafter von der Wirtschaft" belehrt werden. Gelegentlich der Veranstaltungen der Gesellschaft für Gewerbehygiene in Essen hatte ein großes westdeutsches Unternehmen die Männer der Wissenschaft, Gewerbeaufsichtsbeamte und Aerzte zur Besichtigung des Betriebes eingeladen. Der Einladung waren aber auch einige Arbeitnehmervertreter gefolgt, was den mit der Führung der Besucher betrauten Vertretern des Werts wahrscheinlich offenbar nicht bekannt war, wenigstens nicht dem Herrn Direktor des Werks, der u. a. auch auf die soziale Belastung der Industrie hinwies. Der Krantenstand fei bis zu 20 Broz. angewachsen. Das fäme daher, daß die Arbeiter es ja auch angesichts des hohen Krankengeldes nicht mehr notwendig hätten zu arbeiten. Sie sparen, wenn sie nicht arbeiten, Kleidung und auch Rahrung. Be züglich der Arbeitszeit meinte der Herr, die Industrie habe einwandfreies Material darüber, daß am Schlusse der Arbeitsschicht die größten Arbeitsleistungen vollbracht würden. Infolgedessen müsse die Arbeitszeit weit über 8 Stunden hinaus ausgedehnt werden. Der Arbeiter fomme früh um 6 Uhr zur Arbeit, ziehe sich um, dann besehe er sich die Arbeit und wenn er damit fertig sei, merde erst einmal gefrüh stückt, nach dem Frühstück fange er dann so langsam mit der Arbeit an. Wirtschaft Ueberorganisation in der Montanindustrie. Das System der den Werfen der Wertshandelsgesellschaften bei rheinisch- westfälischen Montanindustrie hat schon oft die Kritik herausgefordert. Bei allen Rationalisierungsbestrebungen wird der Unkostenfaktor, der mit dem Apparat des Wertshandels geschaffen ist, wenig oder auch gar nicht beachtet. Es ist charakteristisch, daß eben wieder die Gelsenkirchener Bergwerks- A.- G.( Konzern Rheinelbe- Union) eine neue Firma gegründet hat, die Gebo- Eisenhandelsgesellschaft in Düsseldorf, lediglich zu dem Zwed, die Vermittlung von Auslandsgeschäften in Röhren und anderen Eisenerzeugnissen im Rahmen der Zugehörigkeit der Gelsenkirchener Bergwerfs- A.- G. zu den Eisenkartellen zu betreiben. Darin liegt ein Beweis dafür, daß die rheinisch- mestfälische Schwerindustrie nicht daran denkt, die kostspielige Ueberorganisation ihrer Verkaufsabteilungen zu reduzieren. Sie baut an dieser wichtigen Stelle nicht ab, sondern auf. Rationalisierung ist anscheinend nur dazu gut, reaktionäre Absichten gegenüber der Arbeiterschaft durchzusetzen. MilDie Spareinlagen im Auguft. Zum ersten Male seit mehreren Monaten weist die Zuwachsziffer der Spareinlagen eine, wenn auch geringe, Steigerung auf; die Einlagen bei den preußischen Sparkassen sind im Auguft um 52 Millionen Marf gestiegen und beiragen nunmehr 898,56 Millionen Mart, also fait 90 lionen Mart( Ende 1924 waren es befanntlich 404,1 millionen). Bie durch eine Statistit der westfälischen Spartassen bewiesen wird, ist entgegen der weitverbreiteten Ansicht der Anteil der öffentfidhen Gelder an den Einlegern der Sparkassen außerordentlich gering, er beträgt bei den Spareinlagen ganze 6,7 Prozent, madr alfe ungefähr den 15. Teil der Gejami paremlagen aus. Der ganz überwiegende Anteil entfällt auf die Gelder der Privatwirtschaft, die öffentlichen Gelder sind demgegenüber ein verschwindend geringer Teil. Der Unilinkonzern dementiert die, auch von uns gebrachte, Nachricht über angebliche Verhandlungen des Zusammengehens der deutschen mit der japanischen Farbenindustrie. Richtig ist mur, daß Direktor H. Waibel von der Badischen Anilin- und Sodafabrik, zu dessen Ressort die Bearbeitung des Japangeschäftes gehört, und der früher Japan bereiste, wieder einmal auf Reisen geht, um mit den Organen in Japan an Ort und Stelle Besprechungen abzuhalten. Hedwigshütte, Anthrazit- Kohlen- und Kofswerfe. Das Unternehmen, das über eine Reihe von Seedampfern und Flußfahrzeugen perfügt, beschäftigt sich in der Hauptsache mit der Rohlenver Es war im Vorjahr frachtung und mit dem Kohlenhandel. erheblich an dem Absah englischer Kohle in Deutschland beteiligt. Wie die Verwaltung in der Generalversammlung mitteilte, ist der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr, das am 1. April begonnen hat, trog erheblich geringerer Einfuhr englischer Kohle, ungefähr auf der gleichen Höhe wie im Vorjahr. Die Bilanz schließt bei einem Aktienkapital von 4,560 Millionen Mart mit einem Verlust von 13 025 m. Die Sparren erhalten auf Die zweite Baustelle der Stadt Berlin, Große Frankfurter Straße 8, wies in der Zeit vom 13. bis 21. September feinerlei Berbesserung des Bauarbeiterschutzes auf. Am 21. September waren die Zimmerer dabei, auf dem eisernen Dachstuhl die Sparren heraufzubringen. Träger( N. P.) von 7 Zentimeter Breite und 15 Zentimeter Höhe ihre Auflage. Rutscht von dieser schmalen Fläche ein Sparren ao. jo fällt er nicht etwa eine Etage herab, sondern glei alle fünf Etagen hindurch bis zum Keller, wenn er nicht vorher in den Zwischenetagen durch Aufschlag feitwärts fliegt und dann einige von denen in der ersten Etage beschäftigten Maurern, die dort beim Rappenwölben beschäftigt sind, trifft. Mehrere Flächen von 1,25 Meter Breite und 4 Meter Länge find von unten bis oben offen. Nicht eine Etage ist vorschriftsmäßig abgedeckt, weil die Firma feine Rüftbretter zur Verfügung stellt. Schon am 13. September wurde der Bauführer Bergmann von der Firma Czarnikow in Gegenwart des Geschäftsführers des Beton- und Tiefbauarbeitgeberverbandes darauf hingewiefen, aber nichts ist zur Abhilfe geschehen. Auch die Revisionstätigkeit der technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft, der Baupolizei und der Stadt Berlin versagt hier. Die Herren sehen und hören nichts und unterstützen dadurch indirekt die halbtote Firma Czarnikom u. Co., die nicht imftande ist, für das nötige Rüftzeug zu sorgen und die Abortanlage wie die Unterkunftsräume den bestehenden polizeilichen Vorschriften anzupassen. Erst wenn, wie vor Jahren auf dem Mossebau, ein großes Bauunglück erfolgt, dann sind auch die Herren da und erklären, teiner habe Schuld. Die Stadt Berlin müßte in erster Linie dafür sorgen, weil fie eine solche halbtote Firma weiter diesen Bau ausführen läßt, nachdem seit vielen Wochen sich zeigt, daß die Firma Czarnikow u. Co. dazu nicht imstande ist. Eine Existenzfrage für Musiker. In Restaurant des Hotels Haeßler, einer vornehmen Gaststätte im Westen, wurde die Unterhaltungsmufit von einer Kapelle ausgeführt, deren Mitglieder seit Jahren unter wechselnder Leitung dort gespielt hatten. Kürzlich hat der Hoteldirektor die ganze Kapelle entlassen, weil seiner Angabe nach mehrere Stammgäste des Restaurants ihre Unzufriedenheit über die Musit geäußert und verlangt hätten, andere Gesichter auf dem Musikpodium zu sehen. Solchen Wünschen des Stammpublifums müsse natürlich im Interesse des Geschäfts Rechnung getragen werden und deshalb sei die alte Kapelle durch eine neue ersetzt worden. Die Mufifer empfanden ihre Entlassung als un billige Härte und flagten beim Gewerbegericht auf Wiedereinstellung. Zur Begründung ihrer Klage führten sie aus: Die Mufiler hätten wie jeder andere Arbeitnehmer Anspruch auf den Schuß des Betriebsrätegesetzes. Es würde die schwerste Schädigung ihrer Existenz be= deuten, wenn sie nicht geschützt würden vor solchen willkürlichen Entlaffungen, die lediglich von der Laune einiger Gäste abhängig seien. Der Umstand, daß sie jahrelang im Restaurant Haeßler gespielt hatten, beweise doch, daß ihre Leistungen feinen Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben haben. Wenn die Gäste Abwechselung in der Musit wünschten, so brauche man doch nicht die ganze Kapelle entlaffen, sondern nur einen anderen Kapellmeister nehmen, der mit einem neuen Programm auftrete und durch eigene Nuancierung des Für Dich Charell- Revue Grosses Schauspielhaus Täglich 8 Uhr. 3. Rang Parkett Mk. 5.Balkon Mk. 4.1. Rang Mk. 3.2. Rang Mk. 1.50 0.75 Logen a. Klubsessel Mk. 7-12. Vorverkauf ununterbrochen.Norden 2951. Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Steffiner Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'!: Familien Varieté. Anfang 8 Uhr. Scontags 5 Uhr. Städtische Oper Trauerfpenden Charlottenburg Heute 6 Uhr: jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, vormals Robert Mayer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. Die Walküre 108: 30 Elite- Sänger Kortbuser Str. 6 Tel. pl. 168 77. Tägl. 8 Uhr, auch Sonntag nachm, 3 Uhr( zu halben Preisen) Nur noch bis 30. September die erfolgreiche Revne Berlin... da kickste! Ab 1. Oktober völlig neues Programm. 1077 Bei diesen objektiven" Darlegungen des Herrn Direktors ging den Arbeitnehmervertretern die Geduld aus. Einer von ihnen erflärte, daß fie zwar die Gastfreundschaft der Firma nicht mißbrauchen wollen, aber doch erklären müssen, daß die Arbeitnehmervertreter anderer Ansicht über die Dinge seien als der Herr Direktor und ihre Auffassung auch mit einwandfreiem Material belegen fönnten. Das plögliche Dazwischentreten des Arbeitnehmervertreters brachte den Herrn Direktor in sichtliche Verlegenheit. In seiner Verwirrung erflärte er, ich habe nicht gemußt, daß Arbeitnehmer. pertreter hier bei wären". Sein unnüßes Gerede hätte der Herr sonst wohl unterlassen. Daraus ergibt sich für die Vertreter der Wissenschaft und der Fachkreise, Gewerbeärzte, Gewerbeaufsichtsbeamten die Lehre, stets Arbeitnehmervertreter zu solchen Besichtigungen hinzuzuziehen, damit fie nicht wissenschaftlich" eingeseift werden. \ Internationaler Schuh- und Lederarbeiterkongreß. Paris, 28. September.( WTB.) In der gestrigen Vormittagsfizung des Kongresses des Internationalen Leder- und Häutearbeiterverbandes unter dem Vorsitz von Simon- Nürnberg sprach sich der Gewerkschaftssekretär des Allgemeinen Arbeiterverbandes, Jou= haug, über den Hauptpunkt der Tagesordnung, die Frage der 3olltarife, aus. Er erklärte, diese Frage lasse sich wie folgt zusammenfassen: Der Friede in der Welt könne nur dann herrschen, wenn die wirtschaftlichen Beziehungen friedlich seien. Das Wohlergehen der einen Nation hänge vom Wohlergehen der anderen Nation ab. Weiter betonte er, daß der Friede und die Befreiung der Arbeiterklassen nur erzielt werden könnten, wenn das Proletariat national und international zusammengeschlossen sei. In der Nachmittagssigung wurde die bereits vormittags begonnene Disfuffion über den Achtstundentag und die 54- Stunden- Woche fortgesetzt. Kompetenzkonflikt durch den Seemannsstreit. Sydney, 26. September.( WTB.) Der Ministerpräsident der Bundesregierung, Bruce, erklärte zum Seemannsstreit, Australien jei von der großen Gefahr der Zerstörung der gefeßlichen Ordnung bedroht gewesen. Die Bundesregierung habe die Arbeiter regierung in Neu- Südwales aufgefordert, die Depor tationsgesetze des Commonwealth in Anwendung zu bringen, sei aber auf glatte Ablehnung gestoßen. Das bedeute, daß Neu- Südwales fich das Recht anmaße, zu bestimmen, was für Gesetze die gemeinsame Bundesregierung zu erlassen habe. Das bedeutet in Wirklichkeit, daß die Arbeiterregierung in Neu- Südwales vernünftiger ist. Ohne die Gewaltmaßnahmen gegen die Streifenden wäre der Streif durch Verhandlungen bei einigem Entgegenfommen der Unternehmer längst beendet. Der Streit der chinesischen Baumwollspinner in den britischen Spinnereibetrieben, der am 31. Mai begann, ist durch eine Vereinbarung zwischen den Spinnereibesitzern und der chinesischen Handelskammer, die die Streifenden vertrat, für beendet erklärt morden. Maler. Am Mittwoch, 30. September, abends 7%, Uhr, Funktionärkonferenz im Fürstenhof, Röpenicker Str. 137. Bortrag des Stollegen Streine- Hamburg über die gegenwärtige Situation des Gewerbes. 2. Distuffion. 3. Beitragszahlung. Die Drtsverwaltung. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pi. Niesenauswahl in allen Preislagen herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, kein Laden. ( Ringfrei, daher konkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. Bet fwwerem überaus störendem WIND CORTEN Sorist 1 6 TARZAN das amerikanische Original im Jubiläums- Spielplan. 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Gleichzeitig wurde ein Aufruf an die japanische Arbeiterschaft veröffentlicht, in dem den bürger lichen Barteien der Kampf der neuen Arbeiterpartei angekündigt wird. Welche Bedeutung diesem Schritt in Japan beigemessen wird, erfieht man zum Beispiel aus dem Urteil der Osaka Mainichi", die schreibt: Da diese Bewegung in der breiten Masse des Volkes tiefe Wurzeln hat, ist es bloß eine Frage der Zeit, daß die neue Partet cine mächtige politische Organisation wird.“ Sozialistische Studenteninfernationale. Gelegentlich einer Benfer Tagung der studentischen Völkerbundsvereine haben sozialistische Teilnehmer einen Ausschuß zur Vorbereitung einer sozialistischen Studenteninternationale eingesetzt. Geschäftsführer ist Genosse Dr. D. Friedländer, Berlin W. 30, Landshuter Straße 37. Sport. Rennen zu Grunewald am Sonntag, den 27. September. 1. Rennen. 1. Mistral( 2. Barga), 2. Mutatis mutandis, 3. Fraueninsel. Toto: 18:10. Plaz: 12, 14:10. Ferner liefen: Gytha, Engadin, Fehrbellin. 2. Rentne it. 1. Diavi( Balfe), 2. Sternschnuppe, 3, Automedon, Toto: 103: 10. Play: 26, 26: 10. Ferner liefen: Habicht, Leſe. 3. Rennet. 1. Stronos( Barga), 2. Silberfasan, 3. Stalliebling. Blak: 15, 13, 17: 10. Ferner liefen: Mädchentraum, Toto: 62: 10. Herbert. Hungaria, Bujdos. 4. Rennen. 1. Sonnenblümchen( Barga), 2. Ratchine, 3. Jdo meneus. Toto: 23: 10. Plat: 12, 17: 10. Ferner lief: Robelmann. 5. Rennen. 1. Sonnenwende( Barga), 2. Rom, 3. Rosanera. Toto: 73: 10. Plat: 18, 15, 17: 10. Ferner liefen: Nina, Eigensinn, Die Königin, Gegenwart. 6. Rennen. 1. Firn( Bregner), 2. Memmon, 3. Meteor. Toto: 57:10. Blat: 22, 17: 10. Ferner liefen: Maipring, Lolia. 7. Rennen. 1. Jojo( Barga), 2. Driola, 3. Cea. Toto: 56: 10. Blat: 19, 31, 18: 10. Ferner liefen: Neptun, Riesenstein, Glashäger, Biasti, Carl Heinz, Abendwind, Lava, Taiga, Hoboe, Einfalt, Berta. Berantwortlich für Bolitik: Ern Neuter: Wirtschaft: Artur Safernus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. 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