Str. 461 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 235 Bezugspreis: 283chentlich 70 Pfennig, monaffia 8, Reichsmart Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit mit Gieb Iung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich ameintal Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Abresse: Sozialbemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille eile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen das fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgebrudte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für awei Borte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Es ist zuzugeben, daß die deutsche Regierung die törichte Aftion, in die sie sich von den Deutschnationalen hineinhezen ließ, mit größter Behutsamfeit unternommen hat. Be hutsam war es, das Memorandum über Kriegsschuld und Köln von der eigentlichen Antwortnote zu trennen, behuts sam ist die höfische, fast überhöfliche Stilisierung, behutfam die Erklärung, daß es sich bei den deutschen Vorstellungen feineswegs um Vorbehalte und Bedingungen handle. Aus der ganzen Art, wie die an sich törichte Aktion unter nommen wurde, spricht die volle Kenntnis der Gefahren, die mit ihr verknüpft waren. Konnten nicht die Alliierten durch eine gemeinsame Zurüdweisung des deutschen Memorandums ihre Einheitsfront wieder herstellen, womit Deutschland in Locarno automatisch auf den Molierschemel gefeßt mar? Konnten sie nicht am Ende vom Konferenzplan zurücktreten? Die Sorge vor solchen Möglichkeiten hat der Regierung ficht lich die Feder geführt. Im Verhältnis zum Ton des deutschen Memorandums ist der des franzöfifchen und gar des englischen schroff zu nennen. Merkt man aus jeder Zeile des deutschen Schrift ftüds eine gewiffe Aengstlichkeit, so spricht aus jeder Zeile der Antworten der Aerger. Dieser hat besonders der englischen Antwort einen Unterton verliehen, der an Schnoddrigkeit antlingt. Sieht man von Aeußerlichkeiten des Wortlauts ab, fo ergibt sich ein Inhalt, den vorauszusehen die deutsche Regierung jedenfalls auch flug genug gewesen ist. Auch sie wird nicht er wartet haben, daß die andere Seite den angefochtenen Artikel 231 des Versailler Vertrags mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehmen würde. Noch selbstverständlicher war die Antwort über die Räumung Kölns. Nachdem sich die Alliierten darauf festgelegt haben, die Räumung von gewiffen Entwaffnungsforderungen abhängig zu machen, war ein Zurüdgehen von diesem Standpunkt und schon gar ein öffent lich erklärter in feinem Fall zu erwarten. Das Ergebnis ist, daß man die französische und die eng lische Regierung gezwungen hat, in der Deffentlichkeit mit aller Schärfe an Auffassungen festzuhalten, die sie selber wahrschein lich im innersten Schrein ihres Herzens längst nicht mehr als ganz haltbar anerkennen. Kein Widerruf, teine Aenderung ihrer bisherigen Haltung ist erreicht, man hat sie vielmehr auf diese feſtgenagelt, obwohl fie von ihr gern herunter möchten. Dabei muß man sich noch den hohn gefallen lassen, daß die Gegenseite mit Genugtuung die Wefenlosigkeit der deutschen Erklärung feststellt, die ja nicht als Vorbehalt" gedacht sei. Nutzen aufgewogen werden: nämlich, wenn man durch Erfahrung flüger werden wollte Wenn man endlich begreifen wollte, daß man nicht auswärtige Politik machen fann nach den Stimmungen eines aufgeregten Stammtisches Don pensionierten Offizieren. Der aufgeregte Stammtisch hat Hurra geschrien, als der Krieg begann, er hat die Annerion Belgiens und der Randstaaten verlangt, er hat nach dem unbeschränkten U- Bootfrieg gebrüllt und über den Eintritt Amerikas in den Krieg gelacht. Vernunft galt ihm stets als Landesverrat. Jezt hat er die glorreiche Aktion durchgesetzt, deren Ergebnis heute aftenfundig geworden ist es ist zuzugeben, es ist nicht das Alergste, was er angerichtet hat. Es ist nicht immer, wo er den Ausschlag gab, so wie diesmal abgegangen mit einem blauen Auge. Die Annahme der Konferenzeinladung. Die Antwort der Reichsregierung auf die von der französischen, englischen und belgischen Regierung ausgegangene Einladung zu der Ministerzusammenkunft ist am Sonnabend, dem 26. September, in Paris, London und Brüssel überreicht worden und hat folgenden Wortlautt: Die deutsche Regierung beehrt sich, auf die von( folgen die Namen der alliierten Missionschefs) überreichte Note zu erwidern, daß fie den Wunsch det alliierten Regierungen, die Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitspaktes nicht in die Länge zu ziehen, durchaus teilt. Sie erhofft auch ihrerseits von einem 3ufammentreffen der Regierungsmitglieder der beteiligten Länder eine Beschleunigung der endgültigen Lösung der zur Erörterung stehenden Probleme und stimmt daher gemäß ihrer Note vom 27. Auguft dem Vorschlage zu, diese Zusammenkunft alsbald ftattfinden zu laffen. Als Zeitpunkt für die in der Schweiz geplante 3ufammenfunft schlägt sie den 5. Oktober vor. Die Erklärung der Botschafter. Mit der vorstehenden Antwort haben die deutschen Missionschefs mündlich und durch Ueberreichung eines gleichlautenden Memorandums folgende Erklärung abgegeben: In dem Augenblick, wo die Minister der beteiligten Mächte im Begriff find, zu wichtigen Besprechungen über die Befestigung des Friedens zwischen ihren Ländern zusammenzutreffen, hält die deutsche Regierung es für notwendig, der pp. Regierung in aller Offenheit ihren Standpunkt in zwei Fragen bekanntzugeben, die mit dem Zwecke jener Besprechungen aufs engste verbunden sind. Die Die alliierten Regierungen haben in dem vorausgegangenen Notenwechsel den Abschluß eines Sicherheitspattes von dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund abhängig gemacht. deutsche Regierung hat der Verbindung der beiden Brobleme nicht widersprochen, sieht sich dadurch aber vor die Notwendigkeit gestellt, auf einen Bunft zurückzukommen, den sie im Zusammenhang mit der Böllerbundsfrage gegenüber der im Bölferbundsrate vertretenen Regierungen bereits in ihrem Memorandum vom September 1924 zur Sprache gebracht hat. Sie wiederholt aus diesem Memorandum die Das Ergebnis ist, daß die deutsche Regierung, nachdem fie eine Zurechtweisung erfahren hat, dennoch auf die Konferenz tommen darf. Allerdings nur unter der Bedingung, daß Erklärung, daß der etwaige Eintritt Deutschlands in den Bölkerfie die ihr erteilte zurechtweisung stillschweigend einsteckt und bund nicht so verstanden werden darf, als ob damit die zur jede Replit unterläßt! Frankreich und England erklären sich Begründung der internationalen Verpflichtungen Deutschlands noch einmal für die Rechtsbeständigkeit der Schulderklärung aufgestellten Behauptungen anerkannt würden, die eine moralische Belastung des deutschen Volkes in sich schließen. und für die Berechtigung der fortdauernden Befehung von Köln und damit ist die Debatte geschlossen. Jetzt Sie glaubt, daß die in diesem Sinne am 29. Auguft 1924 von geht man auf die Konferenz und redet nicht mehr darüber. der damaligen deutschen Regierung erlaffene öffentliche Rundgebung Gäbe es noch Ehrlichkeit auf der Welt, so müßten die dem Ziele der Verständigung und einer aufrichtigen Ber Deutschnationalen jetzt eingestehen, daß sie die deutsche Regie- föhnung der Bölker dient und macht sich ihrerseits diese Kund rung zu einer furchtbaren Efelei verleitet haben. Sie müßten gebung ausdrücklich in dem Wunsche zu eigen, dadurch den Zustand zugeben, daß dieses Vorspiel zur Konferenz dem Ansehen gegenseitiger Achtung und innerer Gleichberechtigung Deutschlands in der Welt nicht genügt, die Stellung der deut- herzustellen, der die Voraussetzung für einen Erfolg der jegt in schen Delegierten in Locarno nicht gestärkt, sondern geschwächt Aussicht genommenen vertrauensvollen Aussprache bildet. Das angestrebte Ziel der Verständigung und Bersöhnung würde hat. Jedermann sieht doch heute, daß die der Regierung ferner beeinträchtigt werden, wenn es nicht gelänge, anbefohlene Strategie zu einer fchweren Schlappe ge führt hat. Mit dieser Schlappe und mit der Bedingung belastet, daß über Schuldfrage und Räumung nicht mehr geredet werden darf, erscheinen die deutschen Delegierten jetzt auf der Konferen Das Tragitomische an der Situation ist, daß die deutsche Regierung offenbar sehr froh ist, so glimpflich davongetom men zu sein. Sie hatte viel Schlimmeres befürchtet, und so nimmt sie die gnädige Strafe der englisch- französischen 3u redytweifung zufrieden an. Es geht schon recht sonderbar zu, wo deutsche Ehre, deutsche Würde, deutsches Ansehen nach Deutschnationalen Vorschriften hochgehalten werden! Der Schaden, der entstanden ist, tönnte nur durch einen vor dem Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund und vor dem Abschluß des Sicherheitspattes einen Streit aus der Welt zu schaffen, der jetzt noch trennend zwischen Deutschland und den alliterten Ländern steht. Das ist die Räumung der nördlichen Rheinlandzone und die endgültige Bereinigung der deutschen Solange der gegenwärtige, vom deutschen Entwaffnungsfragen. Bolt als Unrecht empfundene Zustand der Verlängerung der Be legung eines großen deutschen Gebietes fortdauert, fann das Ber trauen auf friebliche Entwicklung, von dem die Wirksamkeit der in Aussicht genommenen internationalen Vereinbarungen abhängt, nicht wieder hergestellt werden. Die Reichsregierung gibt sich der Hoffnung hin, daß die pp. Regierung diese Mittellungen in dem gleichen Geifte der Loyalität aufnimmt, aus dem sie entsprungen find, und daß sie in ihnen den aufrichtigen Willen erkennt, für das Zustandekommen des jetzt in Angriff zu nehmenden großen Friedenswertes den Weg zu ebnen. schrift der deutschen Antwort auf die Einladung sowie auf das Die italienische Regierung hat am gleichen Tage Abvorstehende Memorandum erhalten. Von der französischen und englischen Regierung sind hierauf den deutschen Botschaftern in Paris und London heute nachstehende Antworten zugegangen: Französische Antwort. Die Regierung der Republit hat mit Befriedigung die Antwort erhalten, womit ihr die deutsche Regierung ihre Zustimmung zum Zusammentritt der Konferenz von Locarno mitgeteilt hat. Sie nimmt Bermert davon, daß diese Zustimmung feinen Bor behalt enthält. Die gleichzeitig vom deutschen Botschafter überreichte mündliche Erklärung bezieht sich auf zwei Fragen, die in feiner Weise mit den Berhandlungen von Locarno vermischt werden können, da sie in einer Beziehung zu der Erörterung des Sicherheitspattes stehen. Was die erste dieser Bemerkungen anlangt, so ist die französische Regierung der Ansicht, daß die Frage durch den Vertrag von Versailles geregelt worden ist, an dem, wie die französische Regierung in ihren Noten klar zum Ausdruc gebracht hat, die Verhandlung über den Sicherheitspatt teine one und die damit in Zusammenhang stehende Frage der Ab Aenderung vornehmen fann. Was die Räumung der Kölner rüstung Deutschlands betrifft, so erinnert die französische Regierung daran, daß es nur von Deutschland felbft abhängt, ihre Bereinigung durch die Erfüllung seiner Verpflichtungen zu beschleunigen. Die französische Regierung fann sich in dieser Hinsicht nur auf die alliierte Note vom 30. Mai 1925 beziehen. Die französische Regierung nimmt Bermert davon, daß die deutsche Regierung mit ihr darüber einverstanden ist, daß die in dem deutschen Memorandum niedergelegten mündlichen Bemerfungen nicht so anzusehen sind, als ob sie zu Bedingungen oder Borbehalten für die Konferenz führten. Paris, den 29. September 1925. Englische Antwort. Foreign Office, den 29. September 1925.| Euer Exzellenz! Seiner Majestät Regierung hat mit Befriedigung die Erklärung entgegengenommen, wonach die Reichsregierung den Vorschlag zu einer am 5. Oftober beginnenden Konferenz in Locarno angenommen hat. Seiner Majestät Regierung stellt mit Genugtuung fest, daß die Annahme ohne Vorbehalt erfolgt. In Beantwortung der gleichzeitig von Eurer Exzellenz abgegebenen Erklärung beehre ich mich von der Versicherung Eurer Exzellenz Bermerk zu nehmen, daß die darin aufgeworfenen Fragen teine Borbedingungen für eine Zusammenkunft der Außen minifter bilden. In der Tat stehen diese Fragen in feinem Zusammenhang mit den Verhandlungen über einen Sicherheitspakt und haben einen Teil des vorbereitenden Meinungsaustausches gebildet. Hinsichtlich des Teiles der Erklärung, der Deutschlands Eintritt in den Bölterbund betrifft, stellt Seiner Majestät Regierung mit Befriedigung fest, daß die deutsche Regierung feine Einwendung gegen diese wesentliche Bedingung jedes Gegenseitigkeitspattes erhebt. Die Frage der Berantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg wird durch den geplanten Baft nicht aufgeworfen und Seiner Majestät Regierung vermag nicht zu erkennen, warum die deutsche Regierung es für angebracht gehalten hat, fie in diesem Augenblick aufzuwerfen. Seiner Majestät Regierung muß bemerken, daß die Verhandlung über einen Sicherheitspaft den Vertrag von Bersailles und ihr Urteil über die Vergangenheit nicht zu ändern vermag. Hinsichtlich der Räumung der Kölner Zone beehre ich mich zu wiederholen, daß der Zeitpunkt der Räumung ausschließlich von der Erfüllung der deutschen Abrüftungsverpflichtungen abhängt, und daß Seiner Majestät Regierung die Erfüllung dieser Verpflichtungen begrüßen wird, weil sie den Alliierten de alsbaldige Räumung der nördlichen Zone ermöglichen wird. Mit dem Ausdruck der ausgezeichneten Hochachtung ufw. ( für den Staatssekretär) Bictor Nelles. Konferenzbeginn- 5. Oktober. meldet: 2 mtlich wird aus Paris mitgeteilt, dah die MinifterBern, 29. September. Die Schweizer Depeschenagentur daß tonferenz über den Sicherheitspakt am 5. Oktober in Locarno eröffnet wird. Locarno, 29. September. Der Gemeinderat von Locarno ftellt zur Ministerkonferenz über den Sicherheitspaft den großen Saal des Gerichtsgebäudes zur Verfügung. Im früheren Regierungsgebäude, dem Siz des kaufmännischen Vereins, werden Räumlich feiten für die Journalisten hergerichtet. Die Tessiner Regie. rung übernimmt die Ordming der Sicherheits- und Polizeimaßnahmen. Im Hinblick auf die Ministerfonferenz über den Sicherheitspatt in Locarno haben verschiedene Delegationen bereits in den hiefigen Hotels Zimmer refervieren laffen. Auch hat die Obertelegraphendirektion die nötigen Maßnahmen zur Verbesserung der Telegraphen und Telephonverbindungen nach der übrigen Schweiz und insbesondeere auch nach dem Auslande in Angriff genommen. Die Auffaffung in Belgien. notwendigen Wiederangliederung Sowjetrußlands an die europäische Böltergemeinschaft begrüßten, obwohl mir zunächst über die etwas feltsamen Begleitumstände seiner Unterzeich nung wenig entzückt maren. Mindestens so wichtig für das deutsche Bolt wie ein freundschaftliches Verhältnis zum großen russischen Volke ist indessen die Wiederherstellung eines wahren Friedenszustandes im Westen. Deshalb begrüßen und fördern wir die neuerdings angebahnten Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitspattes und über den Eintritt Deutschland in den Bölkerbund. Diese Verhandlungen, die schon seit mehr als einem halben Jahre schweben, haben in Rußland große Besorgnisse machgerufen, weil sie drüben als eine Abkehr von der Freundschaftspolitik des Rapallo- Bertrages und als den Beginn einer Einfreifungspolitit der Westmächte und Deutschlands gegen Sowjetrußland empfunden oder zumindest hingestellt werden. also mit der Erflärung des Reichsarbeitsministeriums nicht aus der Welt geschafft, denn die Veröffentlichung hat in der Arbeitnehmerschaft eine ungemein starte Erregung ausgelöst." ,, Eine ungemein starke Erregung" ist wohl das mindeste, was man sagen kann. Auch die Bossische Zeitung" sieht sich genötigt, eine Zuschrift aus Arbeitnehmerkreisen" zu veröffentlichen, in der es heißt: " " Gerade vom Standpunkt der gemäßigten Arbeiterbewegung muß es bedauert werden, daß durch den Inhalt der Beröffent lichung das Vertrauen in die Unparteilichteit und gerechte Abwägung der Interessen der sozialen Schichtungen im Reichsarbeitsministerium so schwer erschüttert worben ist." Wenn der Einsender schließlich hofft, der Reichsarbeitsminister werde den Ministerialdirektor Dr. Sizler abschütteln, so finden wir diese Hoffnung reichlich optimistisch. Der Ministerialdirektor hat selbstverständlich nicht auf eigene Faust die Schlichter instruiert". Er hat nicht auf eigene Faust erklärt, daß das Arbeitszeitgefeh mit allen Mitteln in die Länge gezogen und feines Kerns entfleibet würde. Es war nicht der Ministerialdirektor, der die Schiedssprüche mit zwölfftündiger Schichtzeit für verbindlich erklärte. Der Ministerialdirektor konnte die geradezu phantastische Zumutung, an den Reichsarbeitsminister eine Broschüre im Sinne der Unternehmerverbände zu schreiben, mur weiter. geben, weil er von vornherein wußte, der Reichsarbeitsminister würde eine solche Zumutung nicht zurückweifen. Berantwortlich tatsächlich und nach der Verfassung ist allein der Reichsarbeitsminister. Brüffel, 29. September.( Eigener Drahtbericht.) In unter richteten belgischen Kreisen ist man der Auffassung, daß die die deutsche Antwortnote begleitende. Berbalnote eine äußerst schwierige und für den Augenblick sogar kritische Lage geschaffen hat. Die Aufregung scheint in Paris und sogar in London sehr groß zu fein, größer als es den belgischen Kreifen gerechtfertigt erscheint. Immerhin glaubt man auch hier, daß die durch die Verbalnote er folgte Aufwerfung der Kriegsschuldfrage überhaupt ungültig fei, um so mehr als feinerlei 3wang dazu vorlag; denn den Alliierten ist es nicht eingefallen, irgendwelche Erneuerung des deutschen Schuldbekenntnisses zu verlangen. Der Draht arbeitete sehr eifrig zwischen Paris, London und Brüssel. In belgischen Kreisen herrschte trogalledem die Ueberzeugung, daß am Mittwoch oder Donners tag eine Einigung erzielt wird, und die deutsche Verbalnote zu gleich mit der Alliierten Antwort veröffentlicht werden kann. Be züglich der in der deutschen Verbalnote gleichfalls angeschnittenen Frage der Räumung der Kölner Zone ist nach belgischer Auf- vention gegen Sowjetrußland auf das schärfste verurteilt, hat Ein Zuchthausdirektor als Mörderfreund. faffung die Antwort der Alliierten einfach, nämlich: sobald diese Bedingungen erfüllt sind. Der sozialistische Peuple" bedauert die Aufrollung der Kriegs fchuldfrage und erklärt, Stresemann lege sich nicht genügend Rechen schaft von der Stimmung ber alliierten Boltsmassen ab, bei denen die Eröffnung dieser Debatte unpernarbte Bunden aufreißen würde. Damit sei weder Deutschland noch der Sache des Friedens gedient. Der belgische Außenminister Vandervelde wird voraus fichtlich am Sonnabend zur Konferenz nach Locarno abreifen. Tschitscherin in Berlin. Hochpolitische Etappen einer Badereise. Auf der Fahrt von Moskau nach dem Salzburger Kurort Bad Gastein trifft heute mittag der russische Bolkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, von War schau tommend, in Berlin ein. Es ist nicht das erstemal seit dem Abschluß des Rapallo- Vertrages, daß Tschitscherin in der Reichshauptstadt weilt. Aber seinem jetzigen Besuch ist unter den obwaltenden Umständen zweifellos eine besondere Be deutung beizumessen, ebenso wie seinen am Montag und am Dienstag in Warschau abgehaltenen Besprechungen mit den gegenwärtigen Lenkern der polnischen Politit. Denn im Hintergrunde aller Beratungen über den Sicherheitspatt, über die östlichen Schiedsgerichtsperträge und nicht zuletzt über den Eintritt Deutschlands in den Böl terbund steht das Problem der Beziehungen Sowjetrußlands zu Deutschland und zu der Welt überhaupt. Diese Beziehungen haben in den letzten sechs Jahren seit Kriegsende fehr wesentliche Aenderungen erfahren. Die ursprüngliche fünftliche Isolierung des Sowjetstaates vom übrigen Europa ist durch beiderseitige Zugeständnisse aufgegeben worden. Während auf der einen Seite Sowjetrußland von Jeinen starren bolschewistischen Theorien auf wirtschaftlichem Gebiete allmählich abfieß, hat die Entente die Bolitik der militärischen Interventionen aufgegeben und die diplomatischen Beziehun gen zur Moskauer Regierung größtenteils wieder aufgenommen. Entscheidend gefördert wurde diese Entwicklung durch Den Abschluß des Rapallo Vertrages zwischen Deutschland und Rußland, den wir als die erste Etappe der Wie untersucht Wir brauchen nicht zu betonen, daß diese Besart jeder Berechtigung entbehrt Rein vernünftiger Mensch in Deutschland denkt daran, eine aggressive Bolitif, fei es un mittelbar oder auf lange Sicht, gegen Sowjetrußland zu unter ftügen und selbst wenn dieser Hintergedanke gewissen englischen Konservativen vorfchweben sollte, die in der bolfchemi stischen Agitation in Asien die größte Zukunftsgefahr für das britische Reich erblicken und den Sicherheitspaft sowie den Völkerbund als Abwehrmittel bei einer fünftigen Ausein anderseßung betrachten, so würde sich die deutsche Arbei tertiaffe auf feinen Fall dazu hergeben, derartige Pläne zu unterstützen. Die Resolution des Internationalen Kongresses in Marseille, die jede direkte oder indirekte Interdie Billigung sowohl der englischen wie auch der deutschen Sozialisten gefunden. Aber es geschieht ihm nichts! Der Strafanstaltsdirektor Nitolai in Lichtenburg, der W Wir hoffen, daß Tschitscherin in Berlin bei seinen Unterredungen mit Stresemann und den sonstigen deutschen Anstalt, in der der bekannte Scheidemann Attentäter Politifern die Ueberzeugung gewinnen wird, daß das freundust ert seine zehnjährige Zuchthausstrafe verbüßt, hat sich alsbald fchaftliche Verhältnis zwischen dem deutschen und dem russischen nach der Einlieferung des Hustert dem Gefängnisgeistlichen, Pfarrer Bolle wegen des Partes und des Eintritts Deutschlands in den Hahn- 3umpt, gegenüber folgendermaßen geäußert: „ Das Hauptverbrechen des Huffert sei in feinen Augen, daß Bölkerbund keinerlei Aenderungen zu erfahren er Scheidemann nicht wirklich umgebracht habe. braucht und daß es daher für die Sowjetregierung feinen AnDieser Sachverhalt ergibt sich aus einem Urteil des Diszilaß gibt, nach neuen Freundschaften zu suchen, die eine Spike plinarhofes für nichtrichterliche Beamte, vor dem ein Bergegen Deutſchland tragen würden. Wir sind im Gegenteil überfahren gegen den Pfarrer Hahn- 3umpt ſchwebte, das jedoch mit zeugt, daß diese Fortenwicklung der deutschen Außenpolitik in dessen Freisprechung endete. Aus dem Urteil geht hervor, der Richtung nach einem wirklichen europäischen Friedenszu- daß nach der Aussage des Pfarrers Hahn- Zumpt Hustert stand auch dem mahren politischen und wirtschaftlichen Intereffe Rußlands dienen wird. Wir deutsche Sozialdemo fraten sind jedenfalls durchaus gewillt, uns in diefem Sinne zu betätigen. Die Auswirkungen der Aktennotiz. Die Verantwortlichkeit des Reichsarbeitsministers. Nunmehr bequemt fich auch ein Teil der bürgerlichen Breffe, gegen das Reichsarbeitsministerium auf Grund der Aftemnotiz Stellung zu nehmen. Bisher hat es selbst die demokratische Preffe, Volkszeitung" und" Morgenpost" ein. begriffen, nicht für nötig gehalten, ihre Lefer von dem Standal auch nur zu informieren. Nun bringt das Berliner Tageblatt" in seiner gestrigen Abenbausgabe eine Zuschrift aus Gewerkschaftskreisen", bie gemäßigt in der Form, aber ziemlich deutlich in der Sache gegen das Reichsarbeitsministerium Stellung nimmt. Es heißt da u. a; Wenn jetzt der Reichsarbeitsminister erflärt, daß ihn diese Unterredung nicht binde, so ist das selbstverständlich und gut, aber es zeigt dann, daß die Herren feines Ministeriums( und es waren doch teine gbeliebigen) auf eigene Fauft gehandelt haben. Das ist aber wieder sehr schwer vorstellbar durch den Charakter der Unterredung. Und es ist doch wohl ausgeschlossen, daß der nüchtern denkende Syndikus der Bereinigung feiner Bhantafie einen solchen freien Lauf gelaffen hat, daß nun mesentliche Bunfte falsch sein sollen. Die Tatsachen des Rundschreibens find von vornherein ausschließen. Diese als Infimus des Direktors bekannt gewesen und von diesem auf jede Weise verwöhnt, vorgezogen und mit allen möglichen Bergünstigungen als politischer Gesinnungsgenoffe beglüdt worden sei." Die Urteilsgründe erfennen ausdrücklich an, daß fein Anlaß vorliege, an der Glaubwürdigkeit des Pfarrers Hahn- 3umpt zu zweifeln. Troß dieser genauen Angaben ist, mie sich ferner aus dem Urteil ergibt, in dem viele Monate schwebenden Disziplinarverfahren gegen den Pfarrer Hahn- Zumpt der Direttor italai zwar über eine Reihe anderer Bunfte, nicht aber über die richtige Wiedergabe feiner eingangs erwähnten Aeußerung vernommen worden. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags richtet daher an das Justizministerium folgende Kleine Anfrage: 1. Aus welchen Gründen ist diese Bernehmung unterblieben? 2. Billigt das Justizministerium dieses Vorgehen feines Untersuchungstommiſſars? 3. Mann hat der Herr Juftizminister auf Grund diefes bereits am 14. Juli bei Gelegenheit der Beratung des Haushalt der Justizverwaltung in Hauptausichuß des Preußischen Landtags vorge tragenen Sachverhalts et pas veranlaßt und was hat er veranlaßt?" Meldung des Deunre" bereiten die Sozialisten einen Antrag vor, Für Aufhebung der belgischen Kavallerie Nach einer Brüffeler der die Auflösung der belgischen Kavallerie vorsteht. Sie stüßen fich auf die Erfahrungen des legten Manövers. In dem Antrag wird darauf hingewiesen, daß die Aufhebung der Kavallerie eine jährliche Ersparnis von 50 Millionen Franken bringen werde. man Okkultisten? ung hat aber auch auf die an der Gibung beteiligten Berfonen, ber Panthartlik find her murniang, gemiomét, bas-Bau ta Bon Dr. Paul Plaut, Berlin. Nachdem fich die Gemüter aller Beteiligten und Unbeteiligten über den bekannten Berliner Oftultistenprozeß beruhigt haben, und ein zweiter Prozeß noch in zu großer Ferne liegt, um seine Schatten vorauszuwerfen, war es besonders dankbar zu begrüßen, wenn der Angeklagte Geheimrat Mo IL in der Arbeitsgemeinschaft für prattische Psychologie vor einem wissenschaftlichen Forum jedweder Einstellung einen Vortrag über das Thema hielt: Bie unterfurcht man das Problem des Ottultis mus vom logischen und psychologischen Stand. punkt?" Moll hat seit 1889 in unveränderter Weise seine Gegnerpunkt?" Moll hat seit 1889 in unveränderter Weise seine Gegner Ichaft dem Oftultismus gegenüber zum Ausdruck gebracht, und dies, obwohl er immer wieder betont, daß man nichts von vornherein für unmöglich halten dürfe. Aber anderseits zwingt gerade diese Einftellung dem ernsthaften Wissenschaftler die Forderung ab, nur solche Erscheinungen als echt anzuerkennen, deren Existenz sich unter zwingenden Bedingungen ergeben hat. So zweckmäßig es auch bei okkultistischen Sizungen ist, zunächst solche zustande zu bringen, die bloß vorbereitender Natur sind, um überhaupt auf die Natur der Erscheinungen aufmerksam zu werden, so unbedingt und unerläßlich ist es, die Verfuchsanordnungen und Bersuchsbedingungen so zu gestalten, daß die Rejultate aus der Verschiedenheit der Bedingungen stets mit derselben Beweiskraft hervorgehen. Was wir bisher über offultistische Sigungen wissen, ist lediglich an Protokolle gefnüpft, die mitunter durch beigegebene Photographien die Beweis fraft erhärten sollen. Daß dies aber nicht ohne weiteres der Fall ift, daß vielmehr schon hier die Stepfis des wissenschaftlichen Forschers einsetzen muß, hat der Berliner Offultistenprozeß mit aller Deutlich teit bewiesen. Was die Photographien anbetrifft, so hat besonders Geheimrat Sommer auf die absichtliche Bertauschung von Bildern bei Schrend- Nothing hingewiesen, also einem Manne, auf den sich die Oftultiften in allererster Linie berufen. Wenn man von vornherein also mit einer gewissen Stepsis, die noch immer zum Fundament wissenschaftlicher Forschungsarbeit gehört, an solche Protokolle herangeht, so haben grade die Okkultisten dazu am meisten beigetragen, indem sie in feinem Falle bisher zwingende Verfuchsbedingungen einwandfrei nachweisen fonnten. Als Medien ihrer Sizungen benugten sie mit Vorliebe die Dame der Gesellschaft, bei der man aus fonventionellen Gründen nicht nur nicht die unbedingt notwendige Untersuchung vornahm, sondern überhaupt von vornherein die Möglichkeit eines Trids beftritt. Aus diesem Grunde muß die wissenschaftliche Untersuchung Wert darauf legen, fich von Jo belasteten Verfuchspersonen freizumachen und an statt dessen solche zu wählen, bei denen einer genauen Untersuchung nichts im Wege steht. Die Bertrauensfrage stellen, heißt grade bei Erscheinungen, die heute noch aller Naturgefehlichkeit spotten, die auch wenn fie Wissenschaftler sind, und ihren Aussagen feinerlei Rüdlichten zu nehmen, sondern fie, ganz abgesehen vom Standpunkte sagen der Sachverständigen bei obigem Prozeß, unter denen sich her. der Aussagepfychologie, ebenso scharf nachzuprüfen. Grabe die Aus vorragende Fachwissenschaftler befanden, bewies nur allzu deutlich, daß sie auf Gebieten, an denen sie nur gefühlsmäßig teilnehmen, diefelbe Naivität an den Tag legen wie andere Sterbliche. Auch sie unterliegen Suggestivfragen, durch die viele Brotokolle zustande kommen. Die Forderung eratter, möglichst stenographischer Proto. tolle fachlich unbeteiligter ist deshalb die erste, wichtigste Forderung, und bies trotzdem die Oftultiften immer wieder barauf hinweisen, fie urteilen wolle. Das widerspricht aber jeder wissenschaftlichen daß man den Gizungen selber beiwohnen müsse, wenn man über Arbeitstechnik; der Wert der Publikationen grabe auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Stasuistit zeigt sich schon in der bloßen Be fchreibung, zumal eine persönliche Nachprüfung nur an anderen, analogen Fällen grundsäglich zu gleichen Resultaten führen muß. Wie soll man nun wissenschaftlich vorgehen, um zu einwandfreien Resultaten zu gelangen? Die Bedingungen sind so zu gestalten, daß nach Borversuchen jede Möglichkeit einer fünftlichen Erzeugung effulter Erscheinungen ausgeschlossen ist. Bei der Telepathie wird man z. B. der Reihe nach die Sinnesorgane ausschließen müffen, zuerst etwa das Auge, dann das Gehör, unter Umständen auch das Gefühl. Für Dunkelsizungen muß jeder Experimentator zuerst nach zuprüfen haben, wie wenig er in der Dunkelheit, bei Abschluß der Augen mit dem Taftfinn wahrnimmt, wie er nicht unterscheiden tann, ober er mit zehn Fingern oder nur mit fünf berührt oder ob er überhaupt berührt wird. Dazu kommt, wie bereits betont, ständiger und vor allem strengste Kritik Wechsel der Versuchsbedingungen und vor allem strengste Kritik gegen sich selbst. Heinz Tieffen ist als Lehrer der Komposition an die Hochschule für Musik berufen morben. Diese Berufung ist eine Auszeichnung für den noch jungen Tonfeger, aber eine durchaus gerechte, denn Tieffen kann heute als einer der martantesten Köpfe der modern gerichteten Komponistengeneration gelten, feiner von den absolut futuristischen, feiner von den reaktionären. Der Geist der Hochschule zeigt sich im rechten Licht, wenn er dem im Namen Tiefsen veranferten handwerklichen Können und einem non der Zeit befruchteten Schöpfertum Eingang in ihre Räume schafft. Seine Arbeiten zeigen den vornehmen, eigene Wege suchenden, still und ohne Reflame schaffenden Mann cuf vielen Gebieten der Musit als sehr begabten Komponisten. Am bekanntesten sind seine Morgensternlieder, seine Sinfonie Stirb und werde", seine Naturtrilogie für Klavier und seine Begleitmufit zu Shakespeares Hamlet. Auch manche andere Bühnenmusik von ihm ist in Berlin gehört worden, und als Dirigent eines Männergefangvereins zeigt er jo gute fünstlerische Initiative mie Gewandtheit, 2. G " Covis dem Ostpreußen", ist Buch Erinnerung, Steiner bei Gräfe u. Unger in Königsberg erscheinen laßt. Es ift aus einer Anregung Corinths selber entstanden, die er im Berbindung mit seiner Heimat, als Kind seiner Scholle zeigen. Und vorigen Jahre in Königsberg gab, als feine in Dstpreußen zerstreuten Werke dort ausgestellt waren. Das Büchlein will den Künstler in so steht denn an der Spize ein eigener Beitrag des Malers: Kleinstädtisches aus Ostpreußen", marin er gar ergözlich seine erfie Kinderreise von Tapiau nach Behlau schildert. Bon 2. Corinths Künstlertum spricht der Königsberger Kunsthistoriker B. Ha end tte; er rühmt nach Rants Wort Jeinen Mut, original und deutsch zu fein. Corinths Schüler und Freund Bersönlichkeit und wird dem Maler wie dem Menschen Brof. Degner behandelt aus eigenster Kenntnis Corinths fritifer Ludwig Goldstein über. Corinth und feine gerecht. Den größten Beitrag endlich hat der Königsberger Kunſt Heimat beigesteuert. Er gibt uns feine Umwelt und seine Berwachsenheit damit, charakterisiert ihn als vollbürtigen, echten Ditpreußen und analysiert dann seine in Ostpreußen vorhandenen Bilder, die in Königsberg ausgestellt waren und in diesem Buche werden, eindringlich und zutreffend. So runbet sich die Gedächtnisgabe zu einem schönen Einklang zwischen dem Sohn der Heimat und feinem Bert. D. Walfischfang in der Straße von Gibraltar. Die Ausrottung der Walfische macht immer größere Fortschritte; jest folgt man ihnen sogar schon bis in die Straße von Gibraltar, wohin sie sich flüchten. So hat sich in Algeciras eine norwegische Gesellschaft niedergelassen, die bort Balfang betreibt. Im Jahre 1923 wurden gegen 1000 Tiere erlegt. Daraufhin hat sich, wie franzöfifche Blätter berichten, in Bigo eine andere norwegische Gesellschaft festgefeßt, und auch sie blickt in diesem Jahr auf eine gute Beute zurüd. unter mufifalischer Leitung von Kapellmeister Deffau und unter Spiel Die Städtische Oper bringt am Mittwoch, den 30. September, Rigoletto leitung von Dr. Bauly. In den Hauptrollen find befchäftigt die Damen Zvogün und Zador- Bastb sowie die Herren Bolina, Morro und Sauer. In der Boltsbühne, Theater am Bülowblas, beginnt die am Mittwoch, den 30. Sept., stattfindende Erstaufführung von Shakespeares Der Kauf. mann von Benedig um 7%, Uhr. Englisches Theater. Im Residenz Beater findet am Sonntag die erfte englische Aufführung von Alfred Gutros The Laughing Lady ftatt Beginn der Vorstellung 11, Uhr vormittags. im nächsten Jahre seine schöne Heberlieferung als Kunstausstellungsstadt Cine internationale Kunftaus ftellung in Dresden 1926. Dresden mill wieder aufnehmen und eine große internationale Kunstausstellung beran ftalten. Die Leitung wurde dem Dieltor der Dresdener Gemäldegalerie, Professor Sans Bosse, übertragen. Die Krife der Wiener Boltsoper. Die Schwierigkeiten des Unternehmens heinen überwunden zu sein. Die legten Borstellungen der Boltsoper maren so gut besucht, daß ein großer Teil der rüdftändigen Gagen ben Mitgliedern ausgezahlt werden tonnte. Bis zum 5. Oftober foll ein lebereinkommen amifchen der Bollsoper und den Kunstbehörden eine formelle Erlebigung erfahren. tellung aus lorens ift dort am Sonntag die Mitwe bes belannten Offo Julius Bierbaums Witwe geftorben. Nach einer privaten MitDichters and Schriftstellers Otto Julius Bierbaum im Biter non 40 Jahren geftorben Eine mpfteriöse Märe. ReichSregiervng und Reichsverbaud der deutsche« Industrie. Es ist bekannt, daß im Reichsverband der deutschen In- dustrie gegen die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung des Kartellwuchers eine erhebliche Mißstimmung herrichte und daß insbesondere, wie aus Artikeln der Fach- presse hervorging, die Frage der Goldpreise in der Industrie anders beurteilt wird als im Reichswirtschaftsministerium, dq<5 bekanntlich gegen einige Kartelle wegen der Valutapreisklausel mit einer Klage eingeschritten ist. Um so mehr war man erstaunt, in der gestrigen Morgenpresse einen Bericht über eine Kon- serenz derIndustrieführer mit dem Reichs- k a n z l e r zu lesen, deren- Ergebnis dahin zusammengefaßt wurde, das Reichswirtschaftsministerivm würde„nur noch in Verbindung mitden maßgebenden Stel- l e n der Industrie weitere Schritte unter- nehmen". Es wäre in der Tat ganz unrehört, wenn die Reichsregierung sich derart unter Kuratel des Reichsverbandes der deutschen Industrie gestellt hätte, daß sie nur noch auf seine Anweisungen hin handeln wollte. Das wäre unerhört, aber erklärlich, nachdem selbst das Reichsarbeitsministerium sich dem Diktat der Indusirieführer in so weitgehender Weise beugt, wie das in der berüchtigten Aktennotiz des Herrn Dr. Meißinger zum Ausdruck kam. Run veröffentlicht das amtliche Wolffsche Telegraphen- bureau von zuständiger Stelle der Reichsregierung sowie vom Reichsoerbaad der Deutschen Industrie, „daß die Mitteilung den Inhalt der Besprechung unrichtig und irreführend wiedergibt. Es ist insbesondere selbstverständlich freie Erfindung, daß das Reichswirtschaftsministerium weitere Schritte in der Kartellfrage nur noch in Verbindung mit den maßgebenden Stellen der Industrie tun werde". Ueber das, was wirklich vorgegangen ist und wer den angeblich irreführenden Bericht verbreitet hat, schweigt sich das amtliche Dementi aus. Man weiß hingegen, daß die Telegraphen-Union nicht nur von der Schwerindustrie bezahlt, sondern auch von ihr ständig unter- richtet wird, so daß es nicht allzu schwer sein kann, den Urheber der irreführenden Indiskretion ausfindig zu machen, zumal ja nur drei Herren von der Industrie und den Banken, nämlich Geheimrat Duisberg, Frowein und U r b i g an der Besprechung beim Reichskanzler teilgenommen haben. Die Regierung ist es chrem Ansehen schtildig, öffentlich zu er- klären, wer mit einer solchen Falschmeldung ihre Politik zu durchkreuzen versucht hat. Im übrigen wird der Konflikt, der sich offenbar l'ei dieser Besprechung gezeigt hat, nicht durch Worte aus der Welt geschafft. Seit jeher haben wir den Eindruck gehabt und dos auch öffentlich betont, daß die Zusagen der Inbustrieverbände zum Preisabbau nichts als leere Redensarten waren. Die Regierung, die mit chrer Preissenkungsparole die be- rechtigten Lohnforderungen der Arbeiterschaft bekämpft hat. ist jedoch an ihrWortgebunden. Morgen haben wir den 1. Oktober, an dem die Preissenkungsaktion fühlbar werden sollte, weil zu diesem Termin die Umsatzsteuer herab- gesetzt wird. Die Regierung hat mit Taten zu zeigen, daß sie den Preisabbau will. Auf diese Taten warten wir. Und man wird ja bald erkennen können, ob diese Taten besser aussehen als fragwürdig« Berichte und Dementis über mrzsre- riöf« Besprechungen. Die Seftechungsftage im �p?l.,prozeß. Neue schwere Belastuuge» für LüderS und Nehring. Di« gestrigen Verhandlungen im Lanhespfondhritfanstastprozeh endeten mit Feststellungen, die jede Wahrscheinlichkeit dafür nehmen, daß Lüders und Nehring dem Sldelskonsortium lediglich aus Tut, mütigkeit oder weil sie einmal in das Geschäft hickeingeschliUert waren, dauernd Kredit« bewillig! haben. Nachdem im westercn Verlauf der Verhandlungen festgestellt worden war. daß v. Eßdorf aus den Zahlungen der LPA. 3ö 000 bis 40 000 M. für rein persönlich« Zwecke ausgegeben, daß er aus den Mitteln des LPA. auch seinem Better v. Etzdorf in Dresden als dem angeblichen An- reger zum Geschäst 2 4 000 M. übermittelt hat und daß Ritter. gutsbefitzer v. Zitzewitz, nachdem es zum großen Krach ge- kommen war, v. Etzdorf seine Anteile aus Steuerfurcht zurück- übereignet hat, nohmm die Verhandlungen einen sensationellen Verlauf. In einer Zest, in der die Direktion der LPA. bereit» ganz klar sehen mußte, was von dem AM-tonsortium zu halten war be- willigte L ü d« r» dem Angeklagten v. Etzdorf und einem gewissen Beckhoff einen Kredit in Höhe von 500000 M., damit sie sich unabhängig von den anderen fehlgeschlagenen Spekula- tionen in eine neue Häuserspekulation einlassen tonnten. Frage des Vors.:.Wie kamen Sie dazu?"— L ü d e r e:.Etz- darf und Deckhosf behaupteten, die Einwilligung des Dl- rettors Nehring zu besitzen"(der sich damals in Zinnowitz auf Urlaub befand). Anstatt sich bei Nehring telephonisch nach Richtigkeit der Angaben zu erkundigen, was nach den vielen Enttäuschun- gen, die man bereits mit dem Adelekonsortium erlebt hatte, das Gegebene gewesen wäre, räumt Lüders den Kredit ein und orientiert den Hauptdirektor erst einige Zeit darauf gelegentlich einer tele- phänischen Anfrage Nehrings. Nehring will nun sehr wütend geworden sein, das ganz« eine Schweinerei genannt und Etzdorf der Lüge bezichtigt haben, was ihn aber nicht verhindert, einige Tage darauf den Lügner Etzdorf, der angeblich feinen Namen dazu mißbrauchl hat. um sich von der LPA. eine» 500 000-M.-Sredit zu erschwindeln, in Zinnowitz zu empfang en. mit ihm in, Ease zu gehen und ihm— einen neuen Kredit von 75 000 M. zur Durch. sührung eines holzgeschäfts in Zinnowitz zu geben! Und— nach Berlin zurückgekehrt— hat dieser famose Direktor eines amtlichen Zahlungsinststut» nichts Eiligeres zu tun. als B e ck h o f f. der den Etzdorf nach den Angaben der Angeklagten bei der neuen Spekula- tion über das Ohr hauen wollte, Regrehansprüche in höh« von 600 000 M. avstandslo, zu bewilligen! Man wird sich vergeblich kragen, wie die ehemaligen Direktoren der LPA. dazu kamen, Leuten, diefie als Schufte erkannt hatten, unbeschränk- ten Kredit einzuräumen, wenn sie nicht dabei persönlich zu prost. tieren hofften. Der Angeklagte Mehring freilich»ersucht sich zunächst in Sachen der Zahlungsanweisung von 75000 M. für da» Holzgeschäst, die ihn am meisten bloßstellt, darauf herauszureden, er habe einige Monate nach der Bewilligung sem«n Vertreter in der LPA. Direktor V o r b o u m brieflich gefragt, ob da, Geschäft statthaft sei und ihn dann angewiesen, nicht zu zahlen. Al» aber der Vorsitzende die kon- krete Frage stellt: halten Sie Hsrrn Dorbaum geichrieb-», er solle prüfen ob da» Dejchas» überhaupt zu machen fei. oder haben Sie ihm geschrieben, er solle zusehen, ob er die 75 000 M. nicht noch aus den Mitteln der LPA. hergeben könne? gesteht der Angeklagte Rshring mit heiferer Stimme:«Zch schrieb, a solle zahlen." Und diese Art des Geständnisse» ist noch belastender als die" Tatsache an und für sich. Die Vernehmung des Angeklagten Etzdorf gilt mit der gestrigen Verhandlung als abgeschlossen. Heute werden v. Tarlvwitz und v. Sarstedt vernommen. Am Freilag werden voraussichtlich die ersten Zeugen gehört werden. Wohlfahrtspflege in Preußen. Anregungen und Anträge im Landtag. Nach Annahm? des Provinzialwahlgesetzes war die gestrige Landtagssitzung mit den Beratungen über den Wohl- s a h r t s e t a t ausgefüllt. Aus der sehr eingehenden Debatte ist ein Z c n t r u m s a n t r a g aus vermehrte Staolshilse für die private Wohlfahrtspflege hervorzuheben. Einen sozialdemokratischen Antrag. die Jugendpflege amtlich zu gestalten, lehnt das Zentrum ab. Die Volks partes wünscht, daß die Iugendpflegeorgani- sationen sich unabhängig von den Jugendämtern frei entwickeln. Sie beantragt Schassung einer weiblichen Wohlfahrtspolizei, die fiirsorgerisch aufgeoaut sein soll, ohne in kriminelle Belange ein- zugreifen, und reichsgefetzliches Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche bis zu 18 Iahren. sowie Sicherung«in«» Gesundheit»- Urlaubs für die Jugendlichen. Di« Demokratische Partei regt an, von den Renn- wetten und dem Totalisator einen größeren Anteil für die Förde- rung der Wohlfahrtspflege im allgemeinen zu verwenden, und fordert ein Reichsgcsctz zur Fürsorge für die kinderreichen Familien. die steuerlich durchgreifend entlastet werden müßten und nicht zum Unterhalt von Rentnerangehörigen herangezogen werden dürsten. Wirtschastspartei und Völkische wiederholen ihre Anträge auf Aufhebung des Wohlfahrtsministeriums. Die Sozialdemokratie beteiligte sich an der Debatte mit den Abgg. Frau Ehristmann und Frau Klrschmauo-Röhl. Genossin Chnslmann weist auf den Zusammenhang zwischen sozialem Elend und der Iugendoerwahrlosung hin und begründete daraus die Pflicht des Staates, eine großzügige Wohlfahrt zu treiben. Vor allem muß die Wohlfahrtspflege der heranwachsenden Jugend zugute kommen, die nicht nur körperlich, sondern auch geistig und seelisch stark und gesund gemacht werden soll. Zur seelischen Gesundung der Jugend kann die Pflege der Ethik gewiß viel beitragen. Die ethischen Gedanken, für die der deutschnational« Abg. Schuhmann so mit Wärme eingetreten ist, paßt aber schlecht zu der pon den Deutschnationalen seit Jahren geschürten Revanche st im in ung. mit der die Jugend vergiftet wurde- Wenn das Ministerium über Mangel an Mittel für die Wohlfahrtspflege klagt, und sogar mit dem Gedanken umgeht, wichtige Erziehungsanstalten aufzulösen, wogegen wir uns mit Entschiedenheit wenden, dann sollte es einmal recht gründlich den Etat durchsehen: ee wird da manche Position finden, deren Gelder besser zugunsten der Wohlfahrtspflege ver- wendet werden können. Der Wert der Fürsorge» a n st a l t e n hängt nicht zuletzt von der Qualität des Erziehung»- personal» ab. Daraus geht die Bedeutung unseres Antrags her- vor, der eine gründliche soziale Schulung des Anstaltpersonals fordert. Ebenso muß der Unterricht in den Anstalten ausgebaut werden. Man muh den Zöglingen die Erzieher geben, die die Umgebung kennen, aus der die Zöglinge stammen. Für die Groß- stadlmädchen Beraterinnen aus der Großstadt! In den Mädchen- anstasten muß für ausreichende Badegelegenheit Sorg» getragen werden: sie müssen auch in der Säuglingspflege besser ausgebiwet werden. Bei dieser Gelegenheil sei der Minister darauf hingewiesen. daß noch immer in der Nähe des Echlesischen Bahnhofs Fürsorgeanstasten in unmittelbarer Näh« van Absteigequartieren sich befinden. Ebenso sollte der Minister sein Augenmerk darauf richten, daß gewisse Wohlsahrtsinstitutionen nicht gar zu viel politische Propaganda treiben. So beteiligt« sich das Rote Kreuz mehr al» ausgiebig an der Agitation für die Wohl Hindenbirrgs zum Reichspräsidenten. Di« monarchistisch« Prope- ganda des Roten Kreuzes leistet« flch, z. K. folgend« pivuesk«$«• schmacklosigkeiten gegenüber den Schutzbefohlenen: Wir müssen erst wieder eine Kaiserin hoben, dann werden die Rosen wieder schöner blühen in den Gärten von Sanssouci. Im Äegenjag zu allen engherzigen konfessionellen Bestrebungen fordern wir vom Minister, daß die Wohlsahrtspslege allen Bedürftigen ohne Unter-' schied de» Glauben» zuteil wird. Im Kamps um die Aufhebung des Abtreibungsparagraphen» werden wir nicht er- lahmen. Wir werden solange für sein« Aushebung«intreten, bis der Staat der werdenden Mutter auch die Mittel gibt, ihr« Kinder auszuziehen. Genossin Sirfchmann-Röhl behandelte die Tefährdetenfrag«. Seit dem Z5. Februar 1 9 2 0 haben wir in Preußen bei, Beschluß aus Neuregelung der polizeilichen Reglementierung der Geschlechtskrank- hellen. Aber heute, nach S Iahren, ist die Fürsorge für geschlechtskranke Frauen noch immer nicht völlig durchgeführt. Di« Gebiete der Kriminalpolizei und der Fürsorge müssen endlich«in- mal geordnet werden. Wenn der Herr Ministerialdirektor un» jetzt Hoffnung macht, so müssen wir sagen: es ist auch wirklich an der Zeit, daß der Beschluß des Jahres 1920 ausgeführt wird. Sozial- pflegerifch geschulte weibliche Beamte müssen mit p p l i- z etlichen Befugnissen ausgestattet werden. Di« Er- sahrungen, die Köln mit der Frauenwohlfahrtspolizei gemacht hat, sind durchaus ermutigend. Bis zuin Kriege gab es in Preußen überhaupt keine staatliche Gefährdetensürsorge und bei den privaten Organisationen hierzu nur einige schwache Ansätze. Leider ist noch immer nicht das Reichsgesetz zur Bekämpfung der Ge> schlechtskrankheiten zur Verabschiedung gekommen. Dir fordern seine rasche Fertigstellung mit allem Nachdruck. Gerade in der Frage des Gefährdetenschutzes oermissen wir die Initiative des Wohlsahrtsministeriums. Die Bestrebungen zur Schaffung einer weiblichen Wohlsahrtspolizei finden unser« Unter- slützung: nur wollen wir die Tätigkeit dieser Wohlsahrtspolizei nicht lediglich aus die Jugendlichen beschränkt wissen. Dringend nötig ist lchließlich ein Reichsbewahrungsgesetz. damit asoziale Personen vor sich selbst und die Gesellschaft vor ihnen geschützt werden. Wir treten für jeden humanen und sozialen Ausbau der Gejährdetenfürsorge deswegen mst besonderem Nachdruck ein, weil es sich hier ja in erster Linie um Menschen des Proletariats, um die Opfer der kapitalistischen Gesellschaft handelt. Damit schließt die Aussprach«: Mlltwoch Wellerbepawng und Haushast der Handels- und Gewerbeverwaltung. Der Zlieger Cofles verurteilt. Der Strafbefehl bestätigt. Freiburg, 29. September.(TU.) In dem Prozeß gegen den französischen Flieger C o st e wurde um vier Uhr das Urteil gefällt. Es lauiete auf 5 0 0 0 M. Geldstrafe, oder für je �00 M. einen Tag Gejängnis. Die Untersuchungshaft wurde mit 2000 M. angerechnet. Die Begründung führt aus, es fei zuzugestehen, daß keine Boshastigkell oder Feindseligkeit in der Handlung gelegen habe. Das I« auch in dem Ausmaß der Strafe berücksichtigt worden, die sonst für solche Vergehen außerordentlich hoch laute(bis zu 100 000 M. oder zwei Jahren Gefängnis). Andererseits habe Notstand nicht vorgelegen. Deutschland müsse die Staatshoheit zur Lust für sich in Anspruch nehmen, wie es die anderen Staaten auch tun. Mit dem 1. Januar 1925 hob« Deutfchlond wieder völlig freie Hand bekommen, um über den Flug von Zioilfliegern zu bestimmen. Der Angeklagte fei diesen Bestimmungen unterworfen. Das Urteil wurde vom Verteidiger de» Angeklagten angenommen. Er sprach aber die Vitt« aus, daß Eoste möglichst bald in Frfiheu gesetzt und der Rest der Strafe erfassen werde. Da» Urtell ist damit rechtskräftig.'•*'•• t �~ � i«1*- Der �abour-Kongreß. vollständiger Ausschluß der Komiv«niste«. Liverpool, 29. September.(Eigener Drahtbericht.) Die Jahre»- konfsrenz der Arbeiterpartei wurde am Dienstag ootmittag» um KlO Uhr in der St. Georgs-Halle, einen der schönsten Sqie Europas, in Anwesenheit von rund 1200 Delegierten eröffnet. Auf Vorschlag des mit großem Beifall begrüßten Genossen Macdonald wurde Gen. C r a m p zum Borsitzenden gewählt. Im Gegensatz zu der stark mit Kommunisten kokettierenden Eröffnungsrede Smyle» auf dem Gewerkschaftskongreß in Scarborough war die gemeinschaftlich mst der Exekutive der Arbeiterpartei ausgearbeitete Rede C r a m p s von tiefer Verantwortlichkeit gegenüber der Ge- samtbewegung und von genauer Kenntnis der Auffassung der inter- nationalen sozialistischen Bewegung diktiert. Cramps Rede mit ihren zahlreichen scharfen Angriffen gegen die Kommu. nisten und dem unzweideutigen Bekenntnis zu den Methoden der Demokratie wurde ohne wahrnehmbaren Widerspruch mit roßem Beifall aufgenommen. Die Kommunisten erlitten ereits in der ersten Vormittagssitzung«ine bezeichnende schwere Niederloge. Sie versuchten entgegen dem Beschluß der Parteierctutioe von neuem eine Diskussion-über die Wiederaufnahme der kommu- nistischen Partei und die Zulassung von Kommunisten als Parka- mentskandidaten der Arbeiterpartei durchzusetzen. Gegen den kam- munistischen Vorschlag stimmten die Vertreter von annähernd Z Millionen Mitgliedern, für ihn wurden lediglich 300 000 Stimmen abgegeben. In seiner Erössnungsrede wies Tramp gegenüber Aeuße- rungen der Enttäuschung aus das ungeheure Wachstum der Arbeiterpartei fsin, die es innerhalb der 25 Jahr« ihres Bestehens zu einer Mltgsied» chaft von 3s4 Millionen gebracht hat, was In der Geschichte der Par- teien ohne Parallele sei. Nachdem Cramp in scharfen Worten gegen die Befürworter undemokratischer Gewaltmethoden im Kampfe um die politische Macht polemisiert, die Tätigkeit der A r b e i t e r r e g i e- rung gewürdigt und die innerpolitische Lage umrissen hatte, ging« zur großen Politik über, der der größte Toll seiner Rede gewidmet war. Auf keinem Gebiet habe sich der reaktionäre Charotter der Kon- servativen so deutlich gezeigt wie in der Außenpolitik. Kein Pakt wie der gegenwärtig erörtert« Sicherheitspakt könne das Genfer Proto- koll wirtlich ersetzen. Das Genfer Protokoll bleibe für die Friedens- Politik der Arbeiterpartei die Grundlage. Die einzig wahre Sicherung gegen einen Krieg sei der allumschließende Völker- b u n d- Die Zeit sei nahe, wo beim Versagen oller anderen Mittel die international organisierte Arbeiterschaft in der Lage sein werde den Ausbruch von Feindseligkeiten durch Verweigerung jeglicher Kriegsdienstteistung zu verhindern. In deutlicher Polemik gegen Beschlüsse de» letzten englischen Gewerkschasstskongreß wandt« sich Tramp dann dem Dawes-Plan zu. Die Forderung nach Verkverfung des Dawes- Planes klinge äußerst heldenhaft, sie sei aber in ihren Folgerungen nichts anderes als«ine indirekte Aufforderung an die deutschen Ar- beiter, die Ansätze zu einem europäischen Frieden zu oer- nichten und Deutschland der Gefahr einer militärischen B e- s e tz u n g auszusetzen. Solch eine Forderung stehe im Widerspruch gegen die bisherige Auffassung der britischen Arbeiterbewegung und sämtlicher Beschlüsse der internationalen Organisationen der Arbeiter» klasse. Wenn auch der Dawes-Plon der deutschen Arbeiterschaft schwer« Bürden auferlege, so habe er doch andererseits unzweiselhast dle Lage des deutschen Volkes erleichtert und insbesondere die Ruhr- besegung beendet. Wir hassen, so erklärte Cramp, auf ein« baldige Herabsetzung der von Deutschland zu leistenden Jahres- Zahlungen. Cramp betonte dann, daß die Partei am Scheidewege stehe und zu wählen habe zwischen den Mittelst der Demokratie und denen du Diktatur und schloß mtt der Warnung an gewisse bürgerliche Kreis«, dl« alles täten, um den Glauben der Arbeiter an die demokratifch.parlamentarischen Methoden zu zerstören und Verwirrung unter der G«Iamtbewsgung der Arbesterkloss« onzu- richten Nachdem der Kongreß am Bormittag abermals die Erörterung der Frage der Zulassung von Kommunisten in die Parteiurgani, sation im Rohmen d«r Arbeiterpartei abgelehnt hatte, erreichten die Kommunisten am Nachmittag«in« entscheidend« Niederlage. Es stand zunächst eine vom Parteiporftand ein- gebrachte Entschließung zur Diskussion, durch die für die Zukunft die bisher mögliche Einzelmitgliedschast von Kommunisten tu der Arbeiterpartei unmöglich gemacht wird. Dies« Entschließung wurde nach einer glänzenden Red« Macdonold». die sturmischen minutenlqngen Beifall fand. unter großer Bewegung de» Parteitage» mit annähernd 3 Mil- lionen gegen rund 300 000 Stimmen angenommen. Hierauf nahm der Kongreß mit beinahe ebenso großer Mehrheit eine zweit« Entschließung des Parteioorstandes an, die die Entsendung von Kommunisten durch die in die Arbeiterpartei eingegliederten G e» w e r k s ch a f t e n zu den Parteitagen in Zukunft unmöglich macht. Aus dem Kongreß herrscht allgemein dos Bewußtsein, damit einen für die Zukunft der britischen Arbeiterbewegung e n t» scheidenden Schritt von historischer Bedeutung getan zu haben. Im Verlaus« der Debatte wurde bekannt, daß der Sekretär der Bergarheitergewerkschaft Cook. Mitglied des äußersten linken Flügels, seine Kandidatur für die Parteileitung zurückge, zogen hat._ Leon öourgeois gestorben. Vom Pazifisten durch den Krieg zum Poincaristen. Paris. 29. September.(Eigener Drahtbericht.) Der französisch« Senator Leon Bourgeois ist am Dienstag im Atter von 74 Iahren gestorben. Mit Leon Bourgeois ist ein französischer Polttiker von inter- nationalem Ruf gestorben. In der inneren Politik seines Landes hott« er in den letzten zwei Jahrzehnten keine besonders aktiv« Roll» mehr gespielt, vordem in verschiedenen Kabinetten wichtige Ministerien geleitet. Wiederholt war man in den letzten Iahren vor dem Kriege an ihn herangetreten, damit er besonders schwierige Regierungskrisen durch Uebsrnahme be, Ministerpräsidentenposten» löse. Doch hatte er unter Berufung aus seinen Gesundheit,» zustand er litt schwer an einem chronischen Augenleiden— diese Ausgabe stets abgelehnt, ebenso lehnte er die Würbe der Präsident- schasl der Republik im Jahre 1913 ab. obwohl bei einer Annahm« der Kandidatur seine Wahl gesichert gewesen wäre. Seinen europäischen Ruf verdankte Bourgeois der Förderung der bürger- lichen Friedensbewegung: e: war Wortführer der französischen Delegation auf dem Haog-r Friedenskongreß 1907, wo er die groben Ungeschicklichkeiten der Vertreter des kaiserlichen Deutschland im Interesse semes Lande» geschickt auszunutzen verstand. Während de» Krieges nat er wieder aktiv hervor, wobei die Tatsache, daß «r Senator de» besetzten und uerwüsieten Marnedepartements mar. dqzu beitrug, daß«r m das n a t i o n o l i st i s ch e Fahrwasser geriet. Als Hauptdelegierfer Frankreich» auf den ersten Völkerbunds- Versammlungen nach dem Kriege war er«in williges Werkzeug der Regierungen Clemenceau. Millerond und Poincar«. Zwar ent» sandte ihn noch im vorigen Jahre die Regierung Herriot als Dele» gierten nach Genf, aber gewissermaßen nur aus aller Tradition. Bei der Finanzabkeilzug der Reaierungskommtssion de» Saar. Sebiel» sind 630 000 Franken Steuerbeträg« unterschlagen worden. sind ein« Anzahl Saarländer oerhaftet, die zum Teil Deutsch- nationale sew iove»..»«qfry p«.■). Gewerkschaftsbewegung daß er berufen ist, zum Abbau der Arbeiterrechte beizutragen, so wollen wir ihm gleich erklären, daß er sich auf einen sehr gefähr lichen Weg begibt. Es ist schon genug abgebaut worden. Damit muß endlich einmal Schluß gemacht werden! Zwölfftundenschicht im Braunkohlenbergbau. Im übrigen erfahren wir, daß die zahlreichen Spediteure, die der Unternehinerorganisation nicht angeschlossen sind, sich bereit Ein Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums. Am Montag und Dienstag fanden im Reichsarbeitsministerium erklärt haben, die Forderungen der Speditionsarbeiter zu be Berhandlungen über die Frage des Manteltarifes und der willigen. Der Deutsche Verkehrsbund dürfte unter diesen Umständen diese Angebote annehmen. Also auch nach dieser Richtung Arbeitszeit im mitteldeutschen Braunkohlen= wird ein Notstand nicht eintreten. Wir warnen eindring: bergbau statt. Am Dienstag wurde unter dem Vorsitz des Re- lich davor, ben geplanten Raub des Koalitionsrechts und den gierungsrats Dr. Clasen ein Schiedsspruch" gefällt, der im Versuch der Verlängerung der Arbeitszeit durchzuführen. Ein solcher Tarifvertrag nunmehr die achtstündige Arbeitszeit festsetzt. Anträge Versuch fönnte nur verhängnisvoll sein. der Arbeitgeber auf Beseitigung der Urlaubsbestimmungen für 17. bis 21jährige Arbeiter wurden abgelehnt. Der Manteltarif ist nach dem Schiedsspruch unfündbar bis zum 31. März 1927 und ist von da mit einer Frist von sechs Wochen fündbar. Der Lohn tarif fieht eine monatliche Kündigung vor und ist nicht be. fristet. In der Mehrarbeitszeitfrage fällte das gleiche Schiedsgericht einen Schiedsspruch, der für den Tagebau des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues die zehnffündige Arbeitszeit und zwölfftündige Schichtzeit vorsieht. Für den unterirdischen Braunkohlenbergbau ist die Arbeitszeit auf acht bis achteinhalb Stunden festgesetzt. Am Sonnabend beträgt für die Arbeiter in der Früh- und Nachtschicht im Tagebau die Schichtzeit 10 Stunden und die reine Arbeitszeit 8½ Stunden. Wöchent. lich beträgt also die reine Arbeitszeit im Tagebau 58 Stunden, die Schichtzeit 70 Stunden. Der Schiedsspruch für Mehrarbeit läuft untündbar bis zum 31. März 1926. Das Reichsarbeitsministerium hat auch hierdurch wieder be wiesen, wie es zur Arbeitszeitfrage steht. Das Reichsarbeitsministerium wird sich jetzt entscheiden müffen, ob es weiter Schiedssprüche im Bergbau, die in der Arbeitszeitfrage gefällt werden, auf Antrag der Arbeitgeber für verbindlich erflärt und auf der anderen Seite für Schiedssprüche mit Lohner höhungen, die von den Arbeitgebern abgelehnt werden, die Berbindlichkeitserklärung ablehnt. Zuzutrauen iſt dem Reichs arbeitsministerium alles. Es ist selbstverständlich, daß der Bergarbeiterverband diesen Schiedsspruch ablehnt. Das Reichsarbeitsministerium hat bereits für heute, den 30. d. M., zu Ber handlungen über die Verbindlichkeitserklärung eingeladen. Man hat es sehr eilig, die Zwölfftundenschicht für verbindlich zu erklären. Reichsbahn gegen Koalitionsrecht. 3m Speditionsarbeiterstreit. Wie wir in unserer geftrigen Morgenausgabe berichteten, haben bie Speditionsarbeiter, nachdem die Verhandlungen mit den Unternehmern gescheitert sind, die Arbeit gestern früh niedergelegt. Be= vor der Beschluß noch gefaßt war, hat die Reichsbahndirektion Berlin bereits beim Polizeipräsidenten den Antrag gestellt, die Technische Nothilfe einzufezen. Wohl verstanden, nicht die Unternehmer, sondern die Reichsbahndirektion, die offenbar mit den Unternehmern so eng liiert ist, daß sie im voraus weiß, die Arbeiter würden in den Streit treten, weil die Unternehmer entschlossen waren, die Forderungen abzulehnen, die Reichsbahndirekton, die noch vor einem Streitbeschluß den Antrag stellte, die Technische Nothilfe einzusetzen. Auf Grund dieses Antrages fanden gestern im Polizeipräsidium unter dem Borsiz des Polizeipräsidenten Berhandlungen statt, an denen außer den Vertretern des Deutschen Verkehrsbundes die Reichsbahndireftion Berlin und die Unternehmerorganisation teil nahmen. Die Reichsbahndirektion Berlin ließ erklären, daß die Technische Nothilfe sofort eingesetzt werden müsse, weil sonst eine Verstopfung der Güterbahnhöfe eintreten würde. Die Vertreter des Berkehrsbundes erflärten, daß sie bereit wären, die Notstandsarbeiten auszuführen und den Begriff der Notstandsarbeiten sehr weit auszudehnen. Nicht nur die Pferde würden gepflegt und die Grundstücke bewacht werden, auch das Reisegepäd würde befördert und darüber hinaus alle Lebensmitteltransporte abgerollt werden. Die Vertreter der Reichsbahndireftion Berlin erflärten darauf, daß das nicht genüge, daß die Reichsbahndirektion fich nicht auf eine solche Unterscheidung der Frachtgüter einlassen tönne und daß sie deshalb die sofortige Einfeßung der Technischen Nothilfe fordere. Auf die Frage, warum denn diese Forderung so dringend gestellt werde, da doch unmöglich eine Verstopfung zu einem Zeitpunkt vorliegen fönne, in dem der Streif faum ausgebrochen sei, wußte die Reichsbahndirektion keine Antwort. Auf die weitere Frage, ob die Reichsbahndirektion zur Abrollung der Güter durch die Technische Nothilfe sich der Fuhrwerte der be. streiften Betriebe bedienen wolle, da die Teno doch teine Fuhrwerte befize, erfolgte gleichfalls feine Antwort. Dieses Schweigen war sehr beredt. Die Vertreter des Deutschen Verkehrsbundes erklärten schließlich, daß sie, wenn eine Verstopfung der Güterbahnhöfe eintreten sollte, bereit fein würden, diesem Not stand abzuhelfen. Auch diesem Angebot gegenüber beharrte die Reichsbahndirektion auf ihrer Forderung der sofortigen Einsetzung der Technischen Nothilfe. Da der Schlichter die Parteien zu einem nochmaligen Einigungsversuch geladen hatte, wurden die Verhandlungen unterbrochen. Zu einer Einigung fam es jedoch nicht, weil die Unternehmer nur unter der Bedingung, daß die regelmäßige Arbeitszeit um eine Stunde verlängert werde, bereit waren, den Rutschern eine weitere Lohnzulage zu gewähren. Die Dinge liegen nun tatsächlich so, daß von einem Rotstand nicht gesprochen werden kann. Der Deutsche Verkehrsbund ist bereit, jeden Notstand, der durch die Verstopfung der Güterbahnhöfe ein treten fönnte, zu beseitigen bzw. ihm vorzubeugen. Die Reichsbahndirektion verlangt troydem die Einsetzung der Technischen Nothilfe. Das bedeutet nichts anderes als das Verlangen, das Koalitionsrecht der Speditionsarbeiter zu beseitigen. Die Vertreter des Deutschen Verkehrsbundes haben teinen Zweifel darüber gelassen, daß sie einem solchen Versuch nicht mit verschränkten Armen zusehen werden, sondern entschlossen sind, durch einen allgemeinen Transportarbeiterstreit ihre Rechte zu verteidigen. Durch das parteiliche, ungeheuerliche Eingreifen der Reichsbahndirektion droht somit ein verhältnismäßig unbedeutender Lohntampf die größten Dimensionen anzunehmen. Wenn der neue Reichsbahndirektor von Berlin der Meinung sein sollte, Freitag, den 2. Oktober, abds. 7 Uhr Referenten- Konferenz " im Deutschen Sof"( Musenfaal), Lucauer Straße 15. Vortrag des Genoffen Ernst Reuter über: Berliner Kommunalpolitit. Die Wahlen am 25. Offober. Alle auf kommunalpolitischem Gebiet tätigen Funktionäre der Partei sind eingeladen. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Der Bezirksvorstand. Streik bei Bolle? Die Firma scheint ihn zu wünschen. Am Sonnabend, den 26. September, fand zwischen der Direktion der Meierei C. Bolle, dem Deutschen Berkehrsbund, Deutschen Metallarbeiterverband und dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer über den von der Firma zum 30. September dieses Jahres gefündigten Manteltarif eine Verhandlung statt. lleber das Ergebnis dieser Berhandlung erstattete die Verhandlungsfommiffion in einer gut besuchten Versammlung, die am Montag, Versammelten lehnten das Ergebnis der Verhandlung ein stimmig ab. Nachstehender Antrag fand einstimmige Annahme: Die am 28. September tagende Vollversammlung der Bolle Belegschaft beschließt, daß der alte Manteltarif bestehen bleiben foll. Sollte die Firma C. Bolle auf der Verschlechterung des Manteltarifs bestehen bleiben, sieht sich die Belegschaft gezwungen, die Arbeit niederzulegen. Da die Firma C. Bolle den Lohnvorschlag, der den Parteien am 17. September vom Gewer rat Körner zur Annahme empfohlen wurde und von der Belegschaft angenommen ist, von der Firma C. Bolle abgelehnt wurde, wurden die Verbände beauftragt, das Lehnabkommen vom 10. Juni zum 15. Ottober 1925 zu fündigen. Die Belegschaft fordert eine Lohnerhöhung von 25 Prez. auf alle Lohngruppen und beauftragte ferner die Verhandlungskommission, über den Manteltarif erneut mit der Direktion in Verhandlung zu treten. Streit im Eisen- und Stahlgroßhandel. Die letzte, Ende August geführte Lohnbewegung im Eisen- und Stahlgroßhandel verlief mit ungenügendem Ergebnis. Ein Schieds. spruch wurde von den Unternehmern abgelehnt; fie diftierten einfach unzureichende Lohnsäge. Es wurden nunmehr erneut Verhand lungen angebahnt. Die Arbeitgeber ließen jedoch mit der Antwort auf sich warten. Eine Vollversammlung der Arbeiter beschloß daher, den Arbeitgebern ultimativ eine Lohnforderung von 48 m. pro Woche zu unterbreiten und verlangten bis Montag, den 29. September, eine zustimmende Ertlärung bzw. eine Verhandlung. Trotz wiederholten Drängens durch den Deutschen Berkehrsbund famen Verhandlungen nicht zustande. Auch der Vorsitzende des Schlich. tungsausschusses vermochte die Arbeitgeber für die von ihm in Aussicht genommene Verhandlung zum Montag früh nicht zu bewegen. Durch Schreiben wurde vielmehr mitgeteilt, daß die Herren nicht in der Lage sind, zu der Forderung irgendwelche Stellung zu nehmen", nicht in der Lage sind, noch weitere Belastungen zu ertragen und endlich nicht in der Lage sind in Verhandlungen über Lohnerhöhung einzutreten". Die Arbeiter beschlossen daher, in mehreren großen Betrieben die Arbeit ein zustellen. Das ist am Dienstag früh geschehen. Als die Lohnkommission der Arbeiterschaft im Schlichtungsausschuß zur Verhandlung erschien, fagte der Vorsitzende Gewerberat Körner, daß eine Verhandlung, nachdem der Streit bereits ausgebrochen sei, sich wohl er übrige.(!) Diesem Standpunkt schloß sich dann der Syndikus der Interessenvereinigung der Unternehmer prompt an. Oder foll man sagen, daß Gewerberat Körner sich der Ansicht der Unternehmer angeschlossen hat? Ob er der Sache damit gedient hat, ist eine große Frage. Wenn die Unternehmer Ruhe und Frieden in den Betrie ben und eine leistungsfähige Arbeiterschaft haben wollen, muß eine Die Arbeiterschaft ist wesentliche Erhöhung der Löhne eintreten. zum Rampf um ihre Eristenz gerüftet; die Solidarität aller Handels. und Transportarbeiter ist ihnen gewiß. Die Landwirte als Tarifgegner. Der Reichsverband der land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen schickt uns unter Bezugnahme auf§ 11 des Breffegeseges nachstehende Berichtigung zu dem Artikel„ Die Landwirte als Tarifgegner" in der Montagabendausgabe vom 21. Sep. tember 1925, Ausgabe B. Nr. 220: Es ist unwahr, daß in der durch den Reichsverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen an das Breußische Landwirtschaftsministerium gerichteten Denkschrift der landwirtschaftlichen Arbeitgeber ein eklatanter Beweis für die Tariffeindschaft der landwirtschaftlichen Arbeitgeber erbracht werde: daßz daraus„ das Ersuchen an die Regierung spricht, weitere Tarifabschlüsse für Forstarbeiter mit den Landarbeiterverbänden zu unterlassen", und daß wenn man diesen Ratschlag nicht befolge und falls durch weitere Tarifabschlüsse der Tarifgedanke genährt werde, man die behördlichen Stellen für die weiteren Tarifauseinandersetzungen in der Landwirtschaft verantwortlich machen müsse". Nichtig ist, daß nach§ 2 der Sagung des Reichsverbandes dieser den Zweck verfolgt: auf ein gedeihliches Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Land- und Forstwirtschaft und deren beider= feitigen Organisationen hinzuwirken; daß in der Denkschrift weder den Worten, noch dem Sinne nach von einer Ablehnung des Tarifvertragswesens die Rede ist, sondern daß es sich darin lediglich um einen Einspruch der privaten Land- und Forstwirtschaft gegen die schematische zentrale Regelung der Lohn- und ArbeitsDerhältnisse durch die preußische Staatsforstverwal tung in Berlin handelt; daß die örtlichen Tarifverhandlungen durch die Forderungen der Denkschrift in feiner Weise entbehrlich gemacht oder gar bekämpft werden; daß die Denkschrift vielmehr lediglich den notwendigen Uebergang zur Dezentralisation der Tarifverhandlungen durch Verlegung derselben in die Provinzen oder in noch leinere Bezirke fordert, wie dies in der Privatwirtschaft seit Jahren durchgeführt ist. Unser Gewährsmann teilt uns zu dieser Berichtigung folgendes mit: Nach den mir zuteil gewordenen Informationen ist eine andere Auffassung, wie sie in dem vom Reichsverband der deutschen landund forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen erwähnten Aufsatz zum Ausdruck gebracht wurde, nicht möglich. Wenn der Reichsver band den Nachweis liefern will, daß diese Auffassung falsch ist, dann hat er dazu ein sehr einfaches Mittel: die Veröffentlichung der bisher geheim gehaltenen Denkschrift. Wenn man das Licht der Deffentlichkeit nicht zu scheuen hat, warum dann diese Geheimnistuerei? Im übrigen ist die langstielige Berichtigung nicht so, daß sie jemand, der zwischen den Zeilen zu lesen vermag, von der Tariffreudigkeit des Reichsverbandes überzeugen wird. Irrtümlich. In unserem Artikel Berbindlichkeitserklärungen" in der geftrigen Abendausgabe ist ein sinnentstellender Druckfehler ent halten. Es heißt dort:„ Aber es find irrtümlich nicht alle Anträge der Unternehmer abgelehnt worden." Es muß heißen: Natürlich nicht alle Anträge der Unternehmer abgelehnt wor den." Solche Irrtümer begeht das Reichsarbeitsministerium nicht. Lohnerhöhung im rheinischen Braunkohlenrevier. Köln, 29. September.( Eigener Drahtbericht.) In dem Konflift der Bergarbeiter des rheinischen Braunkohlenreviers mit der Organisation der Unternehmer ist es jetzt zu einer Einigung gelommen. Da die Verhandlungen zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergebnislos verliefen, wurde vom Schlichter ein Schiedsspruch gefällt, der eine Lohnerhöhung mit Wirkung vom 1. Oktober um 8 Proz. vorfieht. Die Regelung gilt unfündbar bis zum 1. März 1926; von da ab tritt monatliche Kündigung ein. Die Bergarbeiter des linksrheinischen Braunfohlenreviers haben sich mit diesem Schiedsspruch einver= standen erklärt. Auch die Arbeitgeber, die sich zunächst gegen jede Lohnerhöhung aussprachen, haben ihre Auffaffung geändert und dem Schiedsspruch zugestimmt. Man geht nicht fehl, wenn man diesen Frontwechsel der Arbeitgeber auf die Tatsache zurückführt, daß im rheinischen Braunkohlenrevier gegenwärtig ein glänzender Geschäftsgang zu beobachten ist. Die Bausperre gegen die Firma Unfergrund Baugesellschaft, Baustelle Nord- Süd- Bahn, Berliner Straße, ist aufgehoben. Die Lohndifferenzen bei der Firma find erledigt. DWB.- und Butab- Mitglieder ber Start- und Schwachstromindustrie sowie des Eisenhoch und Brückenbaues. Morgen, Mittwoch, abend 7 Uhr außerordentlich wichtige Mitgliederverfamlmung der genannten Betriebe im Nordischen Sof. Berlin R., Invaliden. ftraße 126. Stellungnahme der Werkmeister und Techniker zu der Tarifsituation. Restloses Erscheinen notwendig. Bund der technischen Angestellten und Beamten: Günther. Deutscher Werkmeisterverband: Rothe Berband bez graphischen Silfsarbeiter und Ortsverwaltung Berlin. arbeiterinnen Deutschlands, Seute nachmittag 5% Uhr im Gewerkschaftshaus ( Großer Saal), Engelufer 24-25, Mitgliederversammlung. Eintritt nur genen Borzeigung des Mitgliedsbuches. Wer länger als 4 Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstande ist, hat teinen Rutritt. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuk Teltow. Bollverfammlung Donnerstag abend 7% Uhr bei Rupsch. Tagesordnung: Bauarbeiter ftreit, Rußlanddelegationen, Krankenkassenwahlen, Verschiedenes. Deutscher Baugewerke bund, Fangruppe Stud- und Ginsbau. Freitag abend 7 Uhr im Dresdener Rafino, Dresdener Str. 96, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Unser Arbeitsnachweis, Wahl eines Arbeitsnachweisverwalters, Gewerkschaftliches, Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch fein Rutritt. Lichten Die Gruppenleitung. RDA.- Bezirksversammlungen. Seute, Mittwoch: Wilmersdorf, Salen fee, Schmorgendorf, Grunewald, Berlin 23. 15,. 50: Augustahof, Auguftaftraße 1. Beginn 8 Uhr. 1. Lebenslaft Lebensfreude?( Ein Beitrag zur Berufsfrage.) Referent Rollege Walter Eschbach. 2. Verbands- und BezirksMorgen, Donnerstag: Schönangelegenheiten. 3. Berschiedenes. hauser Borstadt: Schönhauser Festfäle, Schönhauser Allee 129, Beginn 8 Uhr. 1. Streifallge durch Solland, England und Frankreich. Referent Kollege Bruno Ladhe. 2. Berbands- und Bezirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. bera, Friedrichsfelbe, Biesborf, Raulsdorf, Mahlsdorf, Rummelsburg, Stralan, Berlin D. 112: Wegners Vereinshaus, Frankfurter Allee 236, Beginn 8 Uhr. 1. Probleme der internationalen Gewertschaftsbewegung. Referent Kollege Curt Gwolinsti. 2. Verbands- und Bezirksangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Webbing- Gesundbrunnen: Germania- Brachtfäle, Chauffeeftr. 110, Beginn 8 Uhr. 1. Die Binchologie im Kampf ums Dafein. Referent Redakteur Hans Krauß. 2. Verbands- und Bezirksangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade: Restaurant Ringler, Tempelhof. Berliner Str. 100, Beginn 8 Uhr. Bunter Abend: Mufit, Rezitation, Lieber zur Laute, Bollstänze. Berantwortlich für Politit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: R. H. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruckerel und Berlagsanftalt Paul Ginger u. Co. Berlin G. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". in die Wichtig für Lotteriespieler en fimmung in dem neuen Reichseintommensteuergesetz vom 10. August 1925, daß Lotteriegewinne fünftighin steuerfrei find. Dadurch werden die Zweifel, die bisher bei dem Publikum über die Frage entstanden sind, ob es überhaupt lohne, in der Lotterie zu spielen, beseitigt. Es leht nunmehr unbedingt feft, daß im Falle eines Gewinnes in der Preußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie lediglich die planmäßigen 20 Proz. und weiter nichts, insbesondere feinerlei Steuern tommenszuwachs aufzugeben. Demgemäß werden dem Spieler eines Achtellofes, gekürzt werden. Auch ist der Gewinn dem zuständigen Finanzamt nicht als Eindas nur 3 M. in jeder Alaffe loftet, im Falle eines Gewinnes von 100 000 m., die und, falls er das große Los in der Haupt- und Schlußtlaffe gewinnen follte. 50 000 m. bar ausgezahlt. Es find dies Summen, die in heutiger Zeit schon ein großes Bermögen bedeuten und die glücklichen Gewinner von jeder Gorge befreien. Wer noch kein Los hat, fäume daher nicht, fich fofort ein folches zu sichern. da dem Bernehmen nach bei der bevorstehenden 26/252. Breußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie, deren Blan erhebliche Gewinnverbefferungen aufweist, bereits eine solche Nachfrage nach Losen eingefeht hat, daß abermals mit einem Ausverkauf zu rechnen ift. Die Ziehung 1. Klasse findet bereits am 16. und 17. Oktober d. J. statt. schon in jeder der vier Borklaffen als höchste Gewinne ausgespielt werden. 10 000 32. Mufitaufträge DUNLOP CORD BALLON übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27. Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbefuch Die Weltmarke bürgt für Qualität! Nr. 461 ♦ 42.�ahrgakg 1. Seilage Ses vorwärts Mttwoch, ZV. September 1425 Die Brandstiftungen der letzten Wochen k Berbindung mtl J gröheren Bränden, die aus Fahrlässigkeit oder anderen Ursachen entstanden, haben in der Berliner Bevölkerung lebhafte Unruhe er- weckt. Aller Grotzfeuer zum Trotz aber ist es immer gelungen, die weitere Umgebung der Brandstelle vor Schaden zu bewahren. Eine vorzüglich ausgebildete, von hohem Pflichtgefühl beseelte Berufs- feuerwehr, die mit den modernsten technischen Hilfsmitteln misge» rüstet ist und umsichtig geleitet wird, hat das neue Berlin bisher vor Katastrophen bewahrt, die das mittelalterlisch« Berlin mehrfach heimsuchten, lieber die in diesem alten Berlin herrschenden bau- lichen Zustände, die bei einem Bekämpfen der Brände die größten Hindernisse bereiten mußten, sowie über die Regelung des Feuer- löschwesens jener Zeit, unterrichten die folgenden Zeilen. �Ut-Serlmer Stände. Bis weit in das 14. Jahrhundert hinein waren auch in Berlin und in Kölln die meisten häufer�aus hol; aufgeführt und mit Stroh gedeckt. Da damals in beiden Städten noch viel Landwirtschaft be- l rieben wurde, gab es auch poch häufig Scheunen und Schuppen mit feuergefährlichem Inhalt. Dies, sowie der Umstand, daß die Gassen sehr eng waren, hatten zur Folge, daß sich Schadenfeuer sehr schnell und weit ausbreiten konnten. Im 14. Jahrhundert, in den Jahren 1343 und 1381 ist Berlin zweimal fast vollständig niedergebrannt. Um gegen die Feuersgesahr etwas mehr geschützt zu sein, wurden dann auf den Straßen Ziehbrunnen angelegt. Weiter wurde ver- ordnet, daß beim Anschlagen der Feuerglocke jeder Hauseigentümer cinen Zober mit Blasser vor die Haustüre zu stellen hatte und daß diejenigen, die mit einem Wassergefäß als erste an der Brandstelle erschienen. Gelddclohnnngen erhalten sollten. Int 15. Zahrhnndert kam eine Verordnung heraus, wonach an verschiedenen Straßen- ecken Feuerleitern, Feuerhaken und anderes Löschgerät unterzu- dringen sind, außerdem wurde eine besonder« Gasse angelegt, mc Leilergasse, die zur Ausbewuhrung von Feuergerät der verschieden- slen Art diente. Diese Gasse führte von der Spaudouer Straße bi, zum Neuen Markt und ist schon seit langer Zeit wieder zugebaut. Die Berliner Zenerordnung vom Jahre 1436 verbot zum erstenmal die weiteu Anbringung von Stroh- und Rohrdächern, aber es dauerte noch sehr lange, ehe diese feuergefährlichen Dächer aus dem Straßenbiih Berlins verschwanden. Leueralarm. Läutet« die Feuerglocke, so hatten sich sofort alle die. die zur Lvschorbeit verpflichtet waren, an den Alarmplätzen oder an der Brandstelle einzufinden, war der Brand zur Nacht ausgebrochen. so waren alle Hauseigentümer verpflichtet, vor den Häusern Feuer- Pfannen aufzustellen und zu unterhalten. Nach einer neuen Feuer- ocdwmg, die am Anfang des 17. Jahrhundert» herauskam, mußten alle Feuerstellcn, Schornsteine, Backöfen und Darren halbjährlich auf ihre Feuersicherheit untersucht werden. Außerdem wurde ver- boten, in der Nacht mit pechsackein oder mit Holzbränden Über die Straße zn gehen, es sollten nur noch Laternen benutzt werden. Aus der Feucrordmmg vom Zahre 1670 geht hervor, daß es damals in Berlin noch immer viele Häuser gab, die überhaupt kein« Schorn- steine hatten, in denen der Rauch aus den Türen und Fenstern ab- zog, ein anderer Teil der Häuser hatte nur hölzerne Schornsteine Nun wurde vermdnet. daß in Häusern ohne Schornflein keine Fener- slcllen bestehen dursten und daß die hölzernen Schornsteine sofort durch solche an» einem feuersicheren Stoff ersetzt werden mühten. Aber auch diese Derordnung blieb zunächst ans dem Papier stehen. Ebensowenig wurde die Verordnung vom Zahre 1670 durchgeführt. wonach auch die Schindel- und Bretterdächer abgerissen und durch Ziegel- oder Schieferdächer ersetzt werden müssen. Erst im Jahre 17Z7 konnte festgestellt werden, daß in Berlin keine Schindel-, Bretter-, Stroh- und Rohrdächer mehr anzutreffen seien. Die erste« Jeuerspritze«. Im Zahre ISIS wurden zwar schon die ersten Feuerspritzen angeschafft, aber diese Spritzen sollen nicht sehr brauchbar gewesen sein. Es dauerte dann noch ein Jahrhundert bis bessere Spritzen eingeführt wurden. Im Jahre 1743 sind 23 Spritzen gezählt worden. die in der verschiedensten Weis«, auch in Privathäusern unterge- bracht waren. Das erste städtische Spritzenhaus ist im Jahre 1706 gebaut worden. Zu jeder Spritze gehörten ein Spritzenmeister und eine Anzahl Leute ans den verschiedensten Gewerken. Die Spritzen, die in der Nähe der Spree untergebracht waren, wurden fast aus- schließlich von Fischern bedient. Jeder Bürger, der sich nicht durch /rawliT" Berliner Feaersprltze aus dem IS. Jahrhundert. eine besondere Steuer losgekauft hatte, mußte bei Ausbruch eines Feuers ausrücken, die einen zum Wasser heranholen, die anderen zur Bedienung der Spritzen, zu Absporrungen oder zur Bewachung gerotteter Besitztümer der Abgebrannten. Die Bauhanbwerker, die Schornsteinfeger und die Schmiede mußten sofort zur Brandstelle eilen, um die Dächer der benachbarten Häuser zu besetzen. Sie sollten vor allem ein Weitergreifen des Brandes über die Dächer hinweg ' verhüten. Jeder pserdebesitzer war verpflichtet, feine Pferde zum heranschaffen von Wasser herzugeben. Auch Bürgermeister, Rats- Herren und Stadtbedienstete der verschiedensten Art mußten bei einem Brande zur Stelle sein. Srauöbrief rniö öraaöbettel. Nach Bezwingung des Brandes trat der Rat sofort zn einem Gericht zusammen. Die Bewohner des abgebrannten Hauses und die Nachbarn wurden eidlich über die Ursachen de» Brandes ver- nommen. Kamen die Ratsherren zu der Ansicht, daß das Feuer durch Fahrlässigkeit entstanden ist, so wurde der abgebrannte Haus- eigentümer für ewige Zeiten aus der Stadt verwiesen. Konnte Fahrlässigkeit nicht angenommen werden, so wurde dem Geschädigten das zum Wiederaufbau des Hauses notwendige holz ans den Stadt- Waldungen zur Verfügung gestellt. Da ober zum Wiederaufbau noch andere Mittel gehörten, hatte der abgebrannte Bürger das Recht, sich vom Rat der Stadt einen Brandbrief ausschreiben zu lassen. Mit diesem Brandbrief konnte er dann in Berlin und auch noch weit in der Umgegend ans den Vrandbettel ausgehen. * Gegen Ausgang des 17. Jahrhundert» wurden Versuche ge- macht, eine Fenerversicherungskaffe zu gründen, wie sie in Hamburg schon seil längerer Zeit bestand. Diese Versuche scheiterten zunächst. Erst im Jahre 1718 wurde der Anfang zur Gründung der Berliner Fenersozietät gemacht. Dabei mag als Kuriosität erwähnt werden, daß im Jahr« 1670 zum erstenmal da» Verbot herauskam, auf offener Straße zu rauchen und daß in der Berliner Feuerordnung au» dem Anfang des 17. Jahrhunderts angegeben war, ein Feuer, da» durch einen Blitzstrahl hervorgerufen worden ist, könne nicht durch einfaches Wasser gelöscht werden, sondern nur mit Ziegen- milch oder mit Wasser, das gewisse Zutaten erhalten hat. Der erste Blitzableiter in Berlin wurde im Jahre 1784 ausgerichtet. Gerichtssaal. .Litt« wettergehen. meine herrschaftenl' Der Schupomann auf dem Platz vor dem Moabiter Kriminalgericht ruft es einmal, zweimal und öfters. Aber er hat nicht sehr viel Glück mit seinen Bestrebungen. Immer wieder bilden sich Menschengruppen, morgens um zehn geht das schon los, nachmittags gegen zwei hört es erst auf, und was da diskutiert wird, bannt mehr als jede verkehrspolizeiliche Vorschrift. In wenigen Minuten wird oft von den Richtern entschieden, was Jahre brauchte, um zu geschehen, Situationen werden rekonstruiert, die dem Kenner der Sache ganz anders im Gedächtnis leben und rasch werden Sprüche gefällt, die Schweres und Schlimmes bewirken. Und immer trifft man sich dann vor den Toren, jeder ist noch auf» geregt von der Verhandlung, jeder bedrückt von der Notwendigkeit, schleunigst die eigene Meinung zur Sache kundzutun. Da stehen sie nun beisammen und reden wirr durcheinander, fünf, zehn und mehr Menschen, und der Angeklagte ist auch dabei, falls man ihn nicht gleich in Haft behalten hat. Aber er ist schon nicht mehr die Haupt- person, seine Schuld oder Nichtschuld kannte man ja, viel wichtiger sind jetzt Verteidiger und Zeugen. Das ist ein tolles Durcheinander, immer wieder blldeit sich neue Gruppen, zufrieden sind die einen mtt dem Urteil, unzufrieden die anderen, aber jeder redet sich frei und gestikuliert sich frei, es geht nicht anders. Und es dauert eine lang« Weile, bis man ein paar heimwärts gehen sieht, noch immer in Eifer, noch immer in Spannung. Nur ein altes Mütterchen zieht ihren Sohn schnell fort, wegen Diebstahls war er angeklagt gewesen, aber mangels an Beweisen freigesprochen worden, nun, im herzen der Mutter ist die Sache längst zu seinen Gunsten entschieden, was soll der Glücklichen jetzt die Unterhaltung mit den anderen? Und noch einer geht still für sich nach Hause, bei sich trägt er einen Brief vom 13. August 1924, in dem der S t a a t s g e- richtshof zum Schutz der Republik von der„Weiter- l e i t u n g' einer Anzeige über Geheimorganisationen Das unbegreifliche Ich. 47] Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. 4L Bogel.) Zwei gewichtige Schutzmänner tauchten auf. Es blitzt« von ihren schwarzen Köpfen: das waren die blanken Helm- kämme. Sie sprachen lange mit mir. Endlich sah ich eine breite, faltenreich« Gestalt mit«wem großen Künstlerhut. Das war Samuelsen., „Was zum Teufel sitzt du denn da, Dengel?" „Mutter ist gestorben, nicht wahr?"' fragte ich. .La!" antwortete er. Seine Stimme kam ganz tief unken aus der Kehle. Dann sagte er brutal:„Marsch nun ins Bett mit dir, was ist das für eine Wirtschast, hier draußen auf der kalten Treppe rum zu sitzen und sich zu erkällenT Ich stand auf und ging langsam herein. „Beeile dich, zum Donnerwetterl' rief Samuels«» und trat nach mir. „Was ist denn, was ist denn?� schrie ich und fing an zu laufen. Ich heulte laut, stürzte in meine Stube und schloß ab. Samuelsen prustete. Er zog sich hastig aus, warf sewe Sachen in alle vier Ecken und sprang ins Bett. Kurz darauf hörte ich einen neuen Laut. Der lief mir wie ein Schmerz den Rücken herunter. Ich wurde ganz starr und stierte so intensiv in die Dunkelheit, daß es mir vor den Augen zu flimmern begann. Ein Lichtschein hüpfte auf und ab. Samuelsen stieß ein tiefes Gegrunze drinnen aus. Es wiederHolle sich häufiger und häufiger. Er weinte. Ich kroch ins Bett und schloß die Augen, denn ich wollte nur an eins denken, an Mutter. Aber wo war sie jetzt in dem großen, dunklen Weltenraum? Wo? Ich konnte nirgends Hingehn und sie sehen und mit ihr sprechen. Sie war an keinem Ort. Sie stand nirgends da. Da, wo sie gestanden haben mußte, konnte ich hin- und hergehen, gerade auf der- selben Stelle, denn sie lebte ja nicht mehr. Sie hatte stets ein schwarzes Kleid angehabt. Ich konnte es vor mir sehen, schien mir. Aber ihre Augen, ihr Gesicht? Wie war ihr Gesicht? Ich konnte es nicht sehen. Da stand nur ein Körper in schwarzem Kleide— ohne Kops. �, Rein, nein! Ich konnte sie nicht finden, und es gab keine Photographien von ihr. Ich war unten in Ryhavn gewesen in ihrer Todesnacht und hatte versäumt, an sie zu denken, und nun war die Strafe da. Jetzt hatte ich die Erinnerung an eine Mutter, an meine Mutter— ohne Kopf. Ich schrie vor Angst. Samuelsen sprang auf und klopst« an die Tür. Ich erhob mich aus dem Bett und öffnete. „Was ist denn?" fragte er.> „Ach, machen Sie Licht!" bat liS. Er tastete stöhnend herum und steckte schsießsich Licht an. Ich konnte sehen, daß seine Augen rate Ränder hatte». „Ich will nicht allein sein!" sagte ich. „Dann setze dich da in den Stuhl, du kannst dich w ein paar Decken wickeln." Ich setzte mich bestem zurecht und ließ mich durch das Licht der Lampe beruhige». Samuelsen ging wieder ins Bett. „Ja," murmelte er,„nun ist sie in der afttalen Welt auf dem Weg nach oben. Aber das wird lange, lange dauern. bis ich sie treffe. All"— meine— tierische— Sinnlichkeit hat das so in die Länge gezogen." Er sprach leise gegen die Wand gekehrt, und sein ew- töniges Gerede wiegte mich langsam in Schlaf.„Run leuchten Siwas Augen, fünf rote, glühende Räderl" horte ich ihn sagen, und dann schlief ich ein. Drei Tage später wurde Mutter begraben. In der kleinen Kapelle des Krankenhauses standen einige schwarze Ständer mit Lichtern und ein schwarzer Sarg mit ein paar ärmlichen Kränzen. In der ersten Reihe saß Samneffen mtt einem schwarzen Flor um den Arm, und die Schwester meiner Mutter und ihr Mann. Ich kannte diese Tante gar nicht. Sie trug ein hoch- geschlossenes, schwarzes Kleid und hatte ein Gesicht, wie aus holz geschnitzt, mit flinken, funkelnden Augen. Mein Onkel hatte einen grauen Schnurrbart, der in dürftigen Zotteln herunterhing. Er war im Gehrock und Zylinder. Ein Prediger trat in die Erscheinung. Er war glattrasiert und selbstzufrieden. „Also laßt uns singen: Lehr mich, o Wald, fröhsich zu verwelken!" sagte er und begann mit lauter Sfimme loszu- brüllen, während wir in unseren Gesangbüchern herumsuchten. Nach anderthalb Verslinien hielt er verwirrt an, warf uns einen bösen Blick zu und sagte uns die Nummer des Liedes,.Dir blätterte» eifrig: aber der Prediger war bereits wieder in Gang. Er hatte eine starte und hastige Stimme, die viele Menschen am Tage begraben konnte. Bon unseren Stühlen her ertönte unsicheres Gequake. Wir stolperten über die Worte, wir beeilten uns vorwärts zu kommen, wir übersprangen einige Zeilen, und als wir ihn allmählich eingeholt hatten, sah ich, wie sich meine Tante hochreckte wie ein Hahn, der kräht. Mit böser Stimme fing sie an loszukreischen. Der Prediger zwinkerte nervös mit den Augen: doch die Stimme erhob sich immer lauter mit ttiumphierender Rücksichtslosigkeit gegen Nebengeräusche, und ließ uns frieren in dem kahlen Raum. Ich faß tränenlos. Dann klappte der Prediger das Gesangbuch mit einem Knall zu. Fertig! Darauf erhob er sich und hielt eine kurze Rede, wobei cr geradeaus ins Leere starrte. Seine linke Hand ruckte im Takt mit seinen Worten: sie ließ sie ein bestimmtes Tempo einhalten. Zum Schluß sangen wir noch ein Lied und trugen den Sarg hinaus. Einige zufällige Zuschauer, die in der-Tür der Kapelle standen, mußten mit helfen, so wenig waren wir. Der Leichenwagen fuhr fort, und wir folgten in der Straßenbahn hinterher. „hier hobrn wir wohl unseren sieben Neffen Waldemar!" sagte meine Tante und legte ihre klamme Hand auf meine, „da« ist ein großer Kummer für dich, du Kleiner. Wir haben so an dich gedacht. Der Kleine, sagte Oliver und schüttelte den Kopf, als er hörte, daß unsere liebe Schwester gestorben war." „Ja, das sagte ich," bemerkte der Mann leise. „Weshalb sagten Sie das denn?" grollte Samuelsen und zog die Nase kraus. In diesem Augenbsick kam der Schaffner wegen der Fahr- karten. „Herr Samuelsen." sagte meine Tante,„wir und unsere Schwester waren in den letzten Iahren ganz auseinander gekommen. Das war wohl Gottes Wille und der Lauf des Lebens. Jeder hat ja an seiner eigenen Plage genug." „Ja." seufzte der Mann, sein Bart hing traurig herunter. „Wir haben wahrhaftig olles getan, was in unserer Macht stand, damit unsere liebe Nina nicht allzuweit von uns wegkommen sollte." Ich rutschte unruhig auf meinem Sitz herum. Ich sah zu Samuelsen auf: doch jetzt legte er den Kopf auf die Seite und war freundlich,., " Gortsetzung folgt.) Mittettung macht, ohne aber feltbem jemats wteber etwas vou ft hören zu lassen. Wohl aber wird G., der die Anzeige vor Jahr und Tag erstattet hat, wegen einer recht harmlofen Beleidigung zu hundert Mart Geldstrafe verurteilt. Wer aber fühlte sich beleidigt? Ein Herr vom Roten Kreuz, im Nebenamt Werber eben für jene Geheimorganisation! Aber das hat den Herrn Richter nicht interessiert. Der Preisabbau". Eine Konferenz im Polizeipräsidium. Nachdem am gestrigen Vormittag der Polizeipräsident Grze finsti auf Einladung des Reichskanzlers Dr. Luther an einer Besprechung über die Preissenfungsaftion teilgenommen hatte, fand am Nachmittag des gestrigen Dienstags im Polizeipräsi. dium unter dem Borsiz des Polizeipräsidenten eine Sigung mit den leitenden Exekutivbeamten und der mittleren Preisprüfungsstelle über die Senkung der Lebensmittelpreise statt. Es wurde dabei megen Der hohen, Preissteigerung auch bei anderen Gegenständen des täglichen Bedarfes die Ergreifung weiterer Maßnahmen beschlossen. Zunächst wurde angeordnet, daß die jest schon bei den Fleischpreisen durchgeführte Kontrolle auch auf Brot ausgedehnt werden soll, und zwar hinsichtlich des Gewichtes des Brotes. Weiter soll auch die Preisgestaltung auf dem Obst- und Gemüsemartt fontrolliert werden, da festgestellt wurde, daß die Preise, die insbe fondere auf dem Gemüsemarkt vom Publikum gefordert wurden, teilweise um ein Vielfaches die Preise übersteigen, die der Erzeuger erhält. Außerdem wurde beschloffen, die Zahl der für diese Preisfontrolle zur Verfügung gestellten Beamten zu erhöhen. фол Dir Raubüberfälle der Brüder Heinrich. Zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt. Der Raubprojeß gegen die dret Brüder Heinrich wurde gestern vom Schwurgericht zu Ende geführt. Das Schwurgericht verurteilte mag Heinrich zu der Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus, Hermann Heinrich zu 7 Jahren 3uchthaus und Paul Heinrich zu 12 Jahren 3uchthaus. Gegen fämtliche drei Angeklagten wurde auch auf 10 Jahre Chr| Gefängnis zu beaufsichtigen hatte, war die Berführerin, Ste wußte unter Schilderung ihrer eigenen Notlage die Herzen ber armen Gefangenen so zu rühren, daß sie sich verleiten ließ, also aus reiner Gutmütigteit, immer und immer wieder etwas Wolle abzugeben. Schließlich hat die Angeklagte, um die Firma vor weiteren Verlusten zu bewahren, das ganze Treiben selber aufgedeckt. In der Verhandlung hörte man von der Besizerin des Geschäfts und auch von der Vorsteherin des Frauengefängnisses nur Worte des Lobes über die Angeklagte. Ist es nicht tief bedauerlich, daß die jetzt so freimütig gespendeten Anerkennungen die Erhebung der Anklage nicht überhaupt verhindern konnten? Die Straftammer ließ weitgehendste Milde malten, hob das Urteil wegen Diebstahls auf, nahm Unterschlagung an und sprach eine eldstrafe von 50 Mart aus. Der Gerechtigkeit ist entschieden auf menschlichste Art Genüge geschehen, aber der Menschlichkeit auf keinen Fall! Die Angeklagte wird die 50 m. bestimmt nicht bezahlen tönnen, wird sie also wieder absigen müffen, wenn ihr nicht auf andere Weise geholfen wird. Oeffentliche Wählerkundgebung! heute Mittwoch, abends 7 Uhr in Charlottenburg, Aula der 1. Gemeinde- Schule, Pestalozzistr. 89-90 Bortrag über: Bartel Sympathifterenden zu einer Bartetorgantfatten örtlich zufammenzufassen, wollen die Genoffen aus Eichwalde gern übernehmen. Der Parteimahlverein von Eichwalde hat sich daher mit dieser Angelegenheit eingehend beschäftigt. Borstand und Mitgliederversammlung haben übereinstimmend dem Genossen Fromfe Eichwalde, Waldstraße 21/23, den Auftrag erteilt, die erforderliche Fühlung mit den Siedlungsbewohnern zu suchen, um das Parteileben zu heben. Da die Parteiaufbauarbeiten für NeuSchulzendorf in befchleunigtem Tempo vor sich gehen sollen, werden alle Vorwärts"-Leser und die mit der Sozialdemokratischen Partei Sympathifierenden ersucht, ihre Adresse sofort an den genannten Ge nossen gelangen zu lassen. Zum guten Gelingen der gestellten Aufgaben werden alle hilfsbereiten Kräfte zur Mitarbeit eingeladen. Zwei Bluttaten. Sie hatten die Besinnung verloren. Die beiden gegenwärtig in Moabit tagenden Schwurgerichte hatten sich gestern zu gleicher Zeit mit zwei Bluttaten zu beschäftigen. Wegen Mordes ist vor dem Schwurgericht I der Bäder Otto Bogel angeklagt. Hier handelte es sich um eine Eiferfuchtstragödie. Der Angeklagte hatte am 19. Juli feinen früheren besten Freund, den Gärtner Franz Kummerow, durch mehrere Revolverschüsse zu Boden gestreckt. Rummerom war von dem Angeklagten, da er arbeitslos war, bei sich aufgenommen worden. Ueber ein Jahr wohnte Kummerow dort unentgeltlich und wurde auch miternährt. Eines Tages, als der Angeflagte nach Hause fam, fand er seine Frau im Bette liegend und vor demselben Zigarrenasche und eine Streichholzschachtel im Bett. Dadurch entstand der Verdacht, daß K. ihn mit Die Bedeutung der Berliner Wahlen am 25. Oktober feiner Frau betrüge. Er habe dem Störer seiner The einen DenkRebner: Stadtrat Emil Klodt, M. d. 2. Zwei Kinder in einer Badeanstalt ertrunken. Sonderbare Begleitumstände. zettel geben wollen und sich einen Revolver getauft. Am 18. Juli habe er Kummerom, der sein Haus verlassen und eine eigene Wohmung bezogen hatte, aufgesucht und ihn angetroffen, als er gerade mit einer Frau ausgehen wollte. Daraufhin habe er Kummerow gejagt, daß er sich mit ihm aussprechen müsse, und er werde am nächsten Tage um 11 Uhr wiederfommen. Troß dieser Verabredung hatte der Angeklagte aber am Hause bis 2 Uhr nachts Summerom aufgelauert und ist dann erst nach Hause gegangen. Ein tragischer Vorfall spielte sich gestern in der städtischen Bade. Am nächsten Tage war er pünktlich um 11 1hr dort und wartele verluft und Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. Staatsanwalt- anstalt Oberberger Straße ab. Nach Schluß der Babezeit auf Rummerow, der nicht zu Hause war, sondern erſt um 12 Uhr schaftsrat Schwieger hatte gegen Paul Heinrich wegen der fah der Bademeister vorschriftsmäßig noch einmal die Badezellen heimkehrte. Im Flur ist er mit den Worten: Du hast mir Tötung des Schlächtermeisters Mangelsdorf in Oranienburg durch und fand babet in einem Anfleideraum die Sachen von meine Frau genommen" auf Kummerow zugegangen. lebenslängliches 3uchthaus beantragt. Das Schwur- wei Kindern liegen. Nichts Gutes ahnend, benachrichtigte der Dieser rief noch: Du bist verrückt!", als auch schon zwei gericht fonnte aber wegen dieses Falles nicht zu einer Berurteilung Beamte die Polizei und nahm fofort Tauchversuche im Schwimm. Revolveriqüise trachten, Rummerow, der getroffen war, fommen, da fich nicht nachweisen ließ, mer von den drei Räubern bassin vor. In furzer Zeit wurden beide Kinder, es handelt es sich ging noch auf den Angeklagten zu, und da krachten noch zwet den Schuß abgegeben hatte. um einen zehnjährigen und einen vierzehnjährigen Knaben, als Schüsse, von denen einer in den Kopf ging und den Tod Leichen aus dem Waffer gezogen. Rummerows herbeiführte. Der Angeklagte blieb dabei, daß er einen Aus der Verhandlung ist noch folgendes nachzutragen: Oberarzt zu dieser Meldung teilt das Gesundheitsamt der Stadt Berlin Mord nicht geplant habe, wie die Anflage annimmt, und RechtsDr. Hasse aus Herzberg erklärte zunächst Hermann Heinrich, der mit, daß der Vorfall Gegenstand einer eingehenden Untersuchung ist. anwalt Dr. Georg Jakobjohn hatte nach dieser Richtung einen umam ersten Verhandlungstage den Irrfinnigen gespielt hatte, für ver- Vielfach geäußerte Vermutungen, daß das Wasser von schlechter Be- fangreichen Beweis angetreten. Es soll auch die Ehefrau des Anhandlungsfähig. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß die Anschaffenheit sei und den Tod der Kinder verursacht habe, sind nicht geflagten als Zeugin vernommen werden. geklagten nach deus Raube nicht nur in Oranienburg, sondern auch begründet. Das Wasser des Schwimmbeckens wird dauernd um in Hohenneuendorf und in Stolpe ein wahres Schnell feuer auf die Verfolger abgegeben hätten. In einem Falle hatte gewälzt, über Filter geschickt und desinfiziert und hält sich in diesem Zustand längere Zeit tlar und hygienisch einwandfrei. Bei sehr ein Beuge 18 bis 20 diffe gezählt. Bekanntlich waren die starkem Besuch wird allein durch die Bewegung des Waffers feine Räuber erst vier Jahre nach der Tat infolge eines Geständnisses, Durchfichtigkeit an den tiefen Stellen naturgemäß beeinflußt. An das die Frau des Mar Heinrich auf dem Sterbebette ablegte, er. dem Unglückstage selbst war das Wasser keineswegs so trübe, daß es mittelt worden. Sie haben dann in rascher Folge den Raub in Oranienburg, bei dem der Schlächtermeister Mangels. an fich hätte abgelassen werden müssen. Das Ablaffen ist vielmehr nur erfolgt, um die erforderlichen Feststellungen bei dem Unglücksdorf getötet wurde, den Raubüberfall auf den Personenomnis fall treffen zu können. Das auch in der Oberberger Straße ange. bus in Strausberg und den Ueberfall auf den Waldkater" bei wandte Verfahren ist das zurzeit hygienisch beste und ein Bernau verübt. Mar und Paul Heinrich sind beide wegen der wandfreieste. Auch auf dem Tag des deutschen Badewesens anderen beiden Fälle schon vom Schöffengericht Lichtenberg zu hohen in Karlsruhe ist es in diesem Sommer von allen Babefachmännern Buchthausstrafen verurteilt worden, während gegen Hermann Hein ausdrücklich als vorbildlich anerkannt worden. rich seinerzeit das Verfahren zwecks Beobachtung auf seinen Geisteszustand abgebrochen wurde. Ein fauberer Landbündler. Auch ein„ Wahrheitsfucher". Der Landwirt Friz Giese aus Alt- Landsberg, Befizer eines großen Gutes, hatte am 13. Dezember v. 3., als in Desow das Landbundfest gefeiert wurde, ein Zusammentreffen recht eigen artiger Natur mit einer feiner Hausangestellten. Er hatte das Mäb chen aus seiner Rammer, in der es sich bereits zur Ruhe begeben, herausgelockt und auf dem Flur des Hauses unzüchtige Handlungen mit ihr vorgenommen. Durch Zufall hatte einer seiner Knechte diesen Vorfall beobachtet. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt folgendes mit: In der städtischen Badeanstalt in der Oberberger Straße sind am Montag, den 28. d. M., gegen Abend zwei Knaben im Baffin tot aufgefunden worden. Als nach Beendigung der Badezeit der Schrank Nr. 1 nicht geöffnet und die Kleider nicht entnommen waren, wurde das Bassin mit Stangen abgesucht und das Waffer zum Ablaufen gebracht. Gleichzeitig wurde getaucht. Hierbei fand ein Wärter die Leichen zweier Knaben. Ein Knabe lag an der linken Längsseite des Bassins, der andere 6 meter weiter davon entfernt in der Gegend der Sprung bretter, Der hinzugerufene Arzt der städtischen Rettungsstelle Nr. 10 stellte den Tod der beiden Knaben fest. Am Morgen des nächsten Tages wurden die Namen der ertrunfenen Knaben ermittelt. Sie heißen: Hans Tornow, 15 Jahre alt, Schivelbeiner Straße 45 wohnhaft, und Thomas Swiejtomsti, 9jährig, Schivelbeiner Straße 42 wohnhaft. Außerordentlich auffallend sind die Begleitumstände des Unglücksfalles. Es sind zwei Knaben ums Leben gekommen, die gemeinsam die Anstalt aufgesucht und ihre Kleider in demselben Schranke abgelegt hatten. Die Leichen murden aber in erheblicher Entfernung von einander im Bassin gefunden. Bertrampfungserscheinungen wie sie bei einem gleichzeitigen Ertrinken mehrerer Bersonen beobachtet werden wurden nicht fest gestellt. Möglicherweise wird die Obduktion der Leichen, die nach dem Schauhaufe gebracht worden sind, Aufklärung schaffen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß vielleicht Bergiftungserfch ei. nungen, evtl. hervorgerufen durch Nahrungsmittel, die plöglichen Bersinten Veranlassung gegeben haben. u smis bie Knaben vorher gemeinsam genossen haben könnten, zu ihrem of 30 Es dauerte daher auch nicht lange und die ganze Umgebung mußte, was der reiche Bauer und Gutsbefizer mit dem Mädchen vorgehabt hatte. Besonders ein Friseur Thele hatte genaue Angaben gemacht. Giese, der sich in seiner Ehre geträntt" fühlte und den Borfall nicht wahr haben wollte, betam es nun fertig, gegen den Friseur eine Klage wegen wissentlich falscher Beleidigung anzuftrengen. Inzwischen war jenes Mädchen aus seinen Diensten geschieden. Er suchte nun das Mädchen mehrere Male in Berlin auf und wollte es hier veranlassen, in der stattfindenden Berhandlung gegen den Friseur alles, was geschehen war, abzuleugnen, damit dieser bestraft werden würde. Er stellte ihr to ft bare Ge [ chente in Aussicht, versprach ihr, wenn sie eine folche Aussage machte, Geld in Hülle und Fülle und versuchte auf alle mögliche Art und Weife fie zu einer unwahren Aussage zu verleiten. Das Mädchen ließ sich aber durch seine Bersprechungen nicht beeinde Neuland für die Partei. olu flussen, sondern sagte in der Verhandlung gegen den Friseur, die in Alt- Landsberg stattfand, die volle Wahrheit, die durch den Knecht, der den Vorfall seinerseit auch beobachtet hatte, noch er gänzt wurde. Es tam so auch zur Sprache, wie der Landwirt versucht hatte, das Mädchen zu einer falschen Aussage zu verleifen. Der Richter, der den Beleidigungsprozeß führte, jah fich daraufhin genötigt, den Landwirt wegen Berdachts zur Berleitung eines meineids in Haft zu nehmen. Im übrigen wurde natür lich dessen Klage tostenpflichtig abgewiesen, weil die Angaben des Friseurs auf voller Wahrheit beruhten. Giese wurde jedoch nach 12 Tagen wieder aus der Haft entlassen, nachdem er eine Raution in Höhe von 10000 m. gestellt hatte. Bor dem Großen Schöffengericht in Lichtenberg hatte er sich nun zu verantworten. Giese ist Borsigender des Landbundes in Defow und befleidet außerdem verschiedene Ehrenämter. Er beftritt die ihm zur Laft gelegte Tat und behauptete, das Mädchen bei seinen Besuchen nur zur Wahrheit ermahnt" zu haben. Hauptbelastungszeugen machten jedoch so genaue Angaben, daß das Gericht von einer Schuld des Angeflagten überzeugt war und diesen wegen Berleitung zum Meineid zu 1 Jahr Zuchthaus ver urteilte. hods this Als Zweigsiedlung von Eichwalde hat sich der Ort Neu Schulzendorf in verhältnismäßig furzer Zeit start entwickelt. Schulzendorf in verhältnismäßig furzer Zeit start entwidelt. Die Siedler fezen fich fast duchgängig aus Arbeitern, fleinen Beamten und einigen felbständigen Handwerkern und Gefchäftsleuten zufammen. Das sonst bei uns in Deutschland start pulsierende poli tische Leben hat diese Waldsiedler noch nicht erfaßt und sie werden von der politischen Brandung noch nicht umspült. Die Die Siedlung zählt gegenwärtig annähernd 1200 Einwohner. Soweit aus der politischen Einstellung der Bewohner Feststellungen möglich find, wird der Borwärts" von 20 bis 25 Siedlerfamilien gelesen. Darüber hinaus foll es noch einige Borwärts" lefer geben, die die Zeitung auf den Bahnhöfen entnehmen. Durch das Borhandensein der„ Borwärts" Leser ergibt sich eine Sympathie mit der Sozial demokratischen Partei. Die Aufgabe, wie es möglich ist, die mit der Die mit Das Rundfunkprogramm. Statt 4 Monate Gefängnis- 50 Mark Geldstrafe. Man muß sich manchmal leider immer wieder vergebens fragen, ob es denn für gewisse bemitleidenswerte Menschen teine andere Fürsorge mehr gibt, als die bes Staatsanwalts. Die 27 Jahre alte Ellen B., die vor der Straffammer des Landgerichts I in einer Berufungsverhandlung stand, hat wohl taum noch etwas vom Leben zu erwarten. Der Gesundheitszustand dieser tleinen, schwächlichen Frau ist derart, daß sie an eine ernste Arbeit nicht mehr denten fann. In ihrer grenzenlosen Not hat sie sich wieder. holt fleinere Diebstahle zuschulden kommen lassen, und der Umstand, Eaß in ihren Atten zwei Vorftrafen geführt werden, fann nur tiefstes Mitleid erregen, weiter nichts. Jeht hatte die Ange flagte Berufung gegen eine Gefängnisstrafe von vier Manaten eingelegt, zu der sie das Schöffengericht wegen folgenden Diebstahls verurteilt hatte. Als Strafgefangene im Frauengefängnis in der Barnimstraße war die B. mit der Anfertigung von Jumpern für eine Firma, die dort arbeiten läßt, beschäftigt. Dieser Firma hat die Angeklagte eine ganz geringe Menge Wolle unterschlagen. Aber nicht etwa für sich. Die eigene Bertrauensperson des Geschäfts, die die Arbeiten im 16 Mittwoch, den 30. September. D 10 engin mand day Aus einem geringfügigen Anlaß, nämlich um ein Paar Lauben, ist der Tab eines Menschen herbeigeführt worden, welche Tat gestern ihre gerichtliche Sühne fand. Der Schlosser Gustav Dietrich hatte sich vor dem Schwurgericht III megen Körperverlegung mit Todesausgang zu verantworten. Der Angeklagte war Tauben. züchter in Reinickendorf, ebenso fein Nachbar Maruti chat Beide beschuldigten sich, daß sie einander die Tauben fortnahmen, und es hatte sich daraus bitterste Feindschaft entwickelt. Marutschat gilt als streitfüchtig und war an dem verhängnisvollen Tage auch angetrunken. Er wollte nicht dulden, daß der Angeklagte in demselben Lotal bleibe, in welchem er selbst schon bei einer Geburtstagsfeier saß, und stürzte, als Dietrich hereintam, auf diesen los und zerriß ihm das Hemd. Auf Veranlassung des Wirtes gingen die beiden hinaus und hier fam es zu einer Schlägerei, in beren Verlauf der Angeklagte den Marutschat zu Boden warf, nachdem er selbst von diesem Fußtritte erhalten hatte. Nun geriet er in felch eine But, daß er mit seinen Stiefeln den Kopf und Geficht des am Boden Liegenden derartig bearbeitete, daß der Schädel und das Geficht vollkommen zertrümmert wurden und Marutfchat alsbald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Ent gegen dem Antrage des Staatsanwaltschaftsrats Weiffenberg vertrat Rechtsanwalt Dr. A. Grün den Standpunkt, daß der Angeklagte als Angegriffener in Notwehr gehandelt habe und schließlich so schwer gereizt worden set, daß er die Besinnung verloren habe. Schäferhundschau. Eine Herbstschau deutscher Schäferhunde veranstaltete die Ortsgruppe Neutölln des Deutschen Schäferhundverbandes E. V. in der Berliner Kindlbrauerei, Hermannstr. 214/219. Die Hundeausstellungen, die sich in legter Beit start mehren, find zu einer Notwendigkeit geworden, ohne die der Hundesport nicht bestehen tann. Die Ausstellungen sollen der weiteren Oeffentlichkeit zeigen, wie der Hund beschaffen sein soll und den Züchtern Gelegenheit geben, fachkundigen Fachleuten ihre Zuchtprodukte vorzuführen und bamit gleichzeitig in Wettbewerb mit den anderen Ausstellern zu treten, um immer edlere Tiere heranzuzüchten. Die Schau, die im Garten der Brauerei stattfand, brachte etwa 100 meldungen. Schöngebaute und raffige Rüben und Hündinnen gab es in der Alters- wie auch in der Jugend und Gebrauchshundklasse zu sehen. Nach der Schau, die einigen Besitzern der schönsten Tiere wertvolle Ehrenpreise einbrachte, fanden noch sehr gute Borführungen von Polizei und Schuhhunden statt, die die Bewunderung und den Beifall der Zuschauer fanden. Die Ortsgruppe fann mit dem Erfolg des Tages, ber ihr wahrscheinlich auch viele neue Anhänger gebracht hat, recht zufrieden sein. Einige Ergebnisse: Alfers. laffe für Rüden über 18 Monate. 1. Preis Adele von Reindorf sehr gut. 2. Preis Gisar von Ragnißsee sehr gut. Jugend. lasse für Hündinnen von 12-18 Monate. 1. Preis Adda v. Buchholzer Grund sehr gut. 2. Preis Disa von Geggersdorf sehr gut. Gebrauchshundklasse für Hunde mit erworbenem Ausbildungskennzeichen. 1. Preis Ella v. Basevalt( Hündin) sehr gut. 2. Preis Cilo v. Obernhagen( Rüde) gut. Am Die Neue Straßenbahnverbindung nach Friedrichshagen. 1. Ottober d. J. wird eine durchgehende Straßenbahnverbindung von Berlin nach Friedrichshagen eingerichtet. jetzt in der Lindenstraße in Köpenid endigende Linie 187 wird im 30- Minuten- Verkehr über Bahnhofstraße, Kaiser- Wilhelm- Str., Brandenburgplaz, Bellevueftraße, Berliner Straße( Hirschgarten), Seestraße, Friedrichstraße bis zum Bahnhof Friedrichshagen weiter geführt. Gleichzeitig damit tritt auf den Linien 88, 87 und 88 ein neuer Fahrplan in Straft, der eine geringfügige Veränderung der Abfahrtszeiten borsieht. pa plicit m Died 100 dat in as and tisu oid ni o said nie atmis Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Plauderstunde für unsere Kleinen. 4.30 bis 6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 16.45 Uhr abends: Hanshard Frank:„ Unsere Speisefette, ihre Herstellung und Bedeutung Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Dr. Leonfür die menschliche Ernährung und Volkswirtschaft". 1. Vortrag. 7.15 Uhr abends: Magistrats- Oberbaurat E. Lichthorn: Hygiene des Wohnhauses". 3. Vortrag. Licht, Luft und Wärme da dru im Wohnhause". 7.45 Uhr abends: Forschungsreisender Paul Spatz: Die westliche Sahara. 1. Teil. 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Spielzeit 1925/26. 6. Veranstaltung. Das Nachtlager von Granada, romantische bombi Oper in drei Teilen von Konradin Kreutzer. Text nach 10 Friedrich Kinds gleichnamigem Schauspiel von Karl Johann Braun, Ritter v. Braunthal. Für den Rnndfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler Personen: Gabriele: Grete Merrem- Nikiseh; Gomez: Maximilian Willimsky; sda noz: Maximilian Willimisky Ein Jäger: Cornelis Bronsgeest; Ambrosio: Ludwig Flaschner; Hirten, Hirtinnen, Gerichtspersonen. Ort der Handlung: Spanien. Vasco: Alexander Fleßburg; Pedro: Rudolf Krasa. Jäger, Diener, Zeit: Mitte des 16. Jahrhunderts. 10 Uhr abends: Ellen Richter spricht über Erinnerungen aus meiner Filmtätigkeit", schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. se Odol erfrischt, konserviert, und reinigt Mund und Zähne. Justed Odol Mapud Magiftrat gegen Gefundheitsdeputation. Zu dem im Borwärts" erwähnten Streit um die Wahl eines Reiters der dermatologischen Abteilung vom Virchow Krantenhaus hat in der Stadtverordneten bersammlung die sozialdemokratische Frattion jetzt folgenden Dringlichkeitsantrag eingebracht, der dem schon mitgeber teilten Proteft der sozialdemokratischen Mitglieder der Gesundheits deputation entspricht:„ Nach Zeitungsmeldungen hat der Magistrat zum Leiter der dermatologischen Abteilung im Birchow- KranfenHaus Herrn Profeffor& öhe gewählt im Widerspruch mit den Vorschlägen der Gefundheitsdeputation, die an erster Stelle Herrn Professor Bintus, an zweiter Stelle Serrn Brofeffor Blumenthal vorgeschlagen hatte. Wir betrachten diese Wahl als eine Brobo tation der Gesundheitsdeputation und fordern Rüdverweisung der Angelegenheit an die Deputation." Musterschau für das Uhrmacher- und Juweliergewerbe. Arbeitersport. Jugendherbergen. fag für die nur im Freien möglichen Betffplete beachten eine Rethe intereffanter Turnspiele:" der Schellenmann, Komm mit( im ftzenden Stern), Bater Hecht usw. Den Abschluß bildeten freie Pyramiden des Bezirks Wedding. In einer Ansprache wurden die Schlußlied fand die interessante Veranstaltung ihr Ende. Jugendlichen zur größeren Propaganda aufgefordert. Mit einem Der Winter naht! AWI." bewegung unter der städtischen Jugend. Als aber die Steinmauern Noch vor einigen Jahrzehnten gab es teine große Wanderder Großstädte sich immer mehr ausdehnten und Wiesen und Wälder verschlangen, da entstand nicht nur das stürmische Verlangen nach Der Winter ist voller Freuden. Die in der Licht, Luft und Sonnenbädern sowie Sport in der freien Natur, sondern auch die große Wandervogel bewegung, die große Maffen( Arbeiter- Wintersport- Interessengemeinschaft) zusammengeschlossenen brückung des Arbeitersports in der Borkriegszeit fonnten große Teile heimnisse des Wintersports, damit ihr im Winter einen neuen der Jugendlichen in ihren Bann zog. Durch die behördliche Unter- Groß- Berliner Arbeitersportler wollen euch einweihen in die Ge dieser Jugend nur von den bürgerlichen Berbänden erfaßt werden, Kräftequell findet. Was ist zur Ausübung des Wintersports nötig? die in enger Berbindung mit den Behörden und der Lehrerschaft Biele Genossen schrecken vor den hohen Anschaffungskosten der arbeiteten. Aus dieser Wandervogelbewegung entstand auch der Sportgeräte zurüd. Wenn dein Rodel noch nicht sportgerecht ist: Berband für deutsche Jugendherbergen, der auf in der AW." befommst du Ratschläge, wie du dir selbst helfen bürgerlicher Grundlage arbeitete. Die Nachtriegszeit hat jedoch eine fannst. Auch in die Kunst des Eislaufes will die 23. unterso grundsähliche Verschiebung der ganzen Situation gebracht, daß weisen und der Kunstnovize braucht nicht gleich formvollendete der Arbeitersport in seinem eigenen Interesse dazu Stellung nehmen Kunstläuferschienen mitzubringen. Wer schon jetzt seinen Geldbeutel muß dazu rüstet, fann auch zur höchsten Freude aller Wintersportler vordringen: Ein Baar schlanke Eschenbretter sind noch zu teuer. Der Winter ist es wert, daß sich jeder einzelne darauf vor= bereite. Schon für viele Tausende ist er der Quell hoher Freude geworden, viele Tausende Genossen beginnen jetzt schon mit den Vorbereitungen. Wer Schifahrer werden will, muß bei uns die Zeit nußen; wer im Irodenturs die Theorie begriffen hat, der erspart sich draußen im Schnee manchen Sturz und manche Enttäuschung. In den Kammerfälen ist gestern eine, Musterschau für das Uhr macher und Juweliergewerbe eröffnet worden. Es ist teine öffent liche Messe, sondern eine Ausstellung für die einschlägigen Gewerbe. Eie dient besonders der Deckung des Bedarfs für den Einzelhandel. Troh der ungeheuren Schwankungen im Wirtschaftsleben und obwohl die Leipziger Herbstmesse und auch andere Messen ungünstige Ergebnisse hatten, zeigt diese Musterschau eine sichere Aufwärtsentwicklung der einschlägigen Branchen. Es werden teine besonderen Einzelstücke, sondern gebrauchsfähige Marktware ausgestellt. Dies Ausstellung zeigt die Arbeitsstücke der einzelnen Firmen, die diese im Konkurrenz- und Wirtschaftskampf aus sich selbst heraus entwerfen und herstellen müssen. Neben Uhren aller Art, den dazu gehörigen Fournituren und Uhrmacherwerkzeugen find Jumelen, Bojouterien, filbergefaßte Glas- und Porzellanwaren und allen am Sonntag, den 4. Oktober 1925, vormittags Nebenartikel zu sehen. Mit der Messe, die bis zum 1. Oktober dauert, ist die Herbsttagung des Uhrmacherprovinzialverbandes Brandenburg verbunden. Aus der privaten Initiative eines bürgerlichen Berbandes ist nunmehr die amtliche Organisation des gesamten Jugendherbergswesens entstanden. Aus den Einnahmen Die da Bei der Arbeit schwer verunglüdt. Am Dienstag vormittag zwischen 10 und 11 Uhr ereignete fich auf dem Hofe der Anhalter Maschinenfabril in der Reutlingenstraße ein schwerer Unfall. Der Arbeiter W. Lenz aus der Lübeder Str. 15 geriet zwischen eine Lore und einen Kran und erlitt schwere idenqueticun gen. In bewußilosem und sehr bedenklichem Zustande wurde 2. in die Unfantlinit Johannisstraße eingeliefert. Der erste proletarische Groß- Film Schmiede hat in ganz Deutschland den lebhaftesten Beifall aller Wertätigen gefunden. Ein neuer proletarischer Film Freies Volt" Zu neuen Ufern Iodt ein neuer Tag ist in Vorbereitung. Am tommenden Sonntag, vormittags 10 Uhr, soll in Schloß Schönhola eine Maffenizene aufgenommen werden. Wir bitten alle Barteigenoffen durch zahlreiche Beteiligung dazu beizutragen, baß das Werk gelingt. Es wird gebeten, viele rote Fahnen mitzubringen. Der Bezirksvorstand der SBD. Groß- Berlins. Schulreformertagung: Der neue Lehrer( 30. 9.- 4. 10.). Heute ( Mittwoch) um 9 Uhr beginnt im Schöneberger Rathaus die große Schulreformertagung. Sie wird eröffnet durch Brof. B. Deftreid. Der 1. Tag ist dem Thema:„ Die Kulturtrife und die Erziehungsaufgabe gewidmet. Am Vormittag sprechen Prof. B. Deftreich und Brof. Honigsheim in grundlegenden Referaten, am Nach mittag gehen Direktor Dr. Ganz enmüller, Dr. B. 8hlmann, Studienrat Lydia Stöder auf Einzelfragen zu obigem Thema ein. Die Tagung ist öffentlich und gerade auch Richtlehrer find eingeladen. Mus Zu der Katastrophe auf Zeche Haniel I. Oberhausen, 28. September.( Eigener Drahtbericht.) fachmännischen Streifen wird zu dem Wassereinbruch auf Zeche Haniel I mitgeteilt, daß die Ursache der in ihrer Art in der Geschichte des rheinisch- westfälischen Bergbaues einzigartigen Ratastrophe noch vollkommen im Dunkeln liegt. Das bisherige Ergebnis der bergbehördlichen Untersuchungen läßt noch teine Schlüsse zu, ob menschliches Verschulden, etwa durch fehlerhafte Berechnungen sowie durch technische Unzulänglichkeiten, oder teftonische Einflüsse, d. h. Gebirgsverschiebungen, den 3u fammenbruch des Schachtes bewirkt haben. Eigenartig erscheint, daß, obwohl bereits Freitag nachmittag fich auf der zweiten Sohle des 600 Meter tiefen Schachtes Wassereinbruch sich bemerkbar machte, die Schlammsandflut einen derartig tata. strophalen Umfang annehmen konnte. In der Regel wird der Schacht beim Nachlaffen des Gefrierverfahrens unter strengster Beobachtung gehalten. Es wird Sache der zuständigen Stellen sein festzustellen, ob es an der erforderlichen Beobachtung des Gefrier Schachtes gefehlt hat. Immerhin ist es möglich, daß durch Gebirgs verschiebungen von unten tettonische Borgänge, die natürlich außer menschlicher Berechnung und Kontrolle liegen, der Schacht eine Krümmung erfahren hat, der die Tübbing- Segmente zum Einbruch brachte. Wiederholt find im Ruhrgebiet zwar Schächte verfoffen, die im Abtäufen begriffen waren; bei Haniel handelt es sich aber um einen bereits vorgerichteten, hochmodernen Grubenbau. Mit dem Auto in den Neckar. Mannheim, 29. September( WTB). In der vergangenen Nacht geriet zwischen Ladenburg und Jlvesheim das Auto des Verficherungsdirektors Mord aus Mannheim infolge des Rebels in den Nedar, wobei der Sohn des Besizers, der das Auto steuerte, ertrant. Die beiden anderen Infassen des Wagens, der Vater und die Schwester des Verunglückten, batten den Wagen vorher verlassen. Das Auto ist in der Nähe des Nedarfanals im dichten Rebel auf den Seitenweg zum Nedarvorland geraten und beim Anfahren in den Nedar gestürzt. Das Auto liegt etwa 10 Meter vom Ufer entJernt im Wasser. Der erste Tote vom U- Boot S. 51" ist gefunden und geborgen. Die Hoffnung, Lebende zu finden, ist aufgegeben worden, obgleich dies amtlich nicht zugegeben wird. Jugendweihe der Arbeiterschaft Groß- Berlins 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße. Mitwirkende: Berliner Volladhor: Lellung Dr. Zander An der Orgel: Will Jaeger Cello- Trio: Armin Liebermann, Fritz Hoppe, Karl Lenzewskd Welherede: Dr. Lohmann. Der Sprechchor der Proletarischen Felerstunde, Leitung Albert Florath u. Einzelsprecher Heinrich Witte Gastkarten an der Kasse. der Kommunen werden überall Jugendherbergen errichtet und erhalten, auf deren Benutzung der Arbeitersport nicht nur ein An Die Stadtgemeinde Berlin ist an dieser Jugendherbergs recht hat, sondern wozu er im Allgemeinintereffe verpflichtet ist. arbeit ganz besonders start beteiligt, ebenso die Berlin umgebenden Kreise. Im Spreewald wird mit Unterstügung des Kreises Kalau der Neubau einer großen Jugendherberge mit 100 Betten in Angriff genommen. Am Gamensee bei Tiefensee ist durch den Kreis Oberbarnim und die Stadt Berlin eine neue Jugendherberge Gelände überlassen hat. Gut eingerichtete Tagesräume bieten dem mit 112 Lagerstellen eingerichtet, wozu die Forstverwaltung das Jugendlichen geeigneten Aufenthalt. Zwei schwimmende Jugendherbergen stehen für die Sommerszeit( bis Ende Oktober) ebenfalls zur Berfügung. Etwa 90 Jugendherbergen sind innerhalb der Broving Brandenburg, faft durchweg mit be hördlicher Unterstützung, bisher geschaffen worden. Das Jugendamt der Stadt Berlin gibt zur Förderung des Jugendwanderns und der Jugendherbergen einen vierzehntägig erscheinenden Wanderdienst heraus, der neuerdings auch einen Bildwanderdienst" enthält. Ein neues Berzeichnis der märtischen Herbergen ist soeben erschienen und zum Preise von 25 Pf. von der Hauptwanderauskunftsstelle, Bost ftraße 16, Zimmer 28, sowie bei allen Bezirksämtern erhältlich. Hier wird auch Auskunft über die Benutzung der Jugendherbergen gegeben. Bom Standpunkte der organisierten Arbeiterschaft wie des Arbeitersports sind gegen die jeßige Organisation des Jugendherbergss wesens erhebliche Bedenken geltend zu machen, da der Berband für Jugendherbergen" trotz der starten behördlichen Unterstützung Der Touristenverein Naturfreunde( Bentrale Bien) ist deshalb nicht als amtliche, sondern bürgerliche Organisation anzusprechen ist. auch teilweise zur Gründung eigener Herbergen geschritten. Auch der Arbeiterturn- und Sportbund hat im Prinzip die gleiche Absicht befundet. Eine großzügige Errichtung von Wanderherbergen ist aber ohne behördliche Unterstützung nicht denkbar. Deshalb müssen die leitenden Stellen auf die Bedürfnisse und Wünsche der Arbeitersportler auch die entsprechende Rücksicht nehmen. W Jugend und Arbeitersport. Darum, Arbeitersportler, tommt am 1. Oftober zur Bersamm lung der AWS.", Beginn 7,30 Uhr, bei Praffer, Michaelkirchstraße 29a. Dortselbst Anmeldungen zu den Kursen. Es werdent folgende Kurse abgehalten: Für die Jugendlichen der Groß- Berliner Arbeitersportorganisationen ein Schitursus. Teilnahme gegen Aus. weis tostenlos; lebungsgerät wird zur Berfügung gestellt. Beginn 9. Oftober, 7,30 Uhr, Sportplay Fichte, Baumschulenweg. Ein Schifurfus für Erwachsene. Mitglieder der AWJ." fostenlos, Nichtmitglieder 6 M.; Uebungsgerät steht zur Verfügung. Beginn 8. Oktober, Fichteplah, Baumschulenweg. Anmeldung zu den Kursen ab 15. September bei Otto Steinide, Stafiger Straße 25. Achtung, Olympiade- Film! Die Intereffentenaufführung dieses Films findet am Donnerstag, 1. Oktober, a bends 6% Uhr, statt. Arbeiter- Turn- und Sportbund, 1. Kreis, Kreisidele. Turn und Sportnenoffinnen und genoffen, bead bringen der Die Kinder, Jugend Knaben, Jugend und Männer turnen Montags in der Turnhalle Bouchéstake ( Nähe Bhf. Treptow), Knaben von 6 bis 8 Uhr, Männer und Jugend von 8 bis 10 Uhr. Mädchen ebenda Donnerstags von 6 bis 8 Uhr. Jungmädchen: Schöneberg, Rolonnenstraße, uhlandschule( Bhf. Schöneberg), von 7 bis 9 Uht. Anfragen find zu richten an Rarl Rienbaum, Naunynftr. 6. und Männerklassen bedürfen noch Auffüllung. Turnzeiten: Achtung, Leichtathleten! Folgende Gegenstände find auf dem 3. Serbst Beberhandschuhe. Berlieber melden sich in der Geschäftsstelle des Bereins. fportfeit des GB. Moabit gefunden worden: 2 Bedergürtel, 1 Seidenschal, 1 Geifenbilde mit Geife, 1 Taschenspiegel mit Ramm, 1 Taschenmeffer, 1 Bear Berloren gegangen ist ein neues Bandmaß. Wer hat dasselbe irrtümlich mit. genommen? Bitte in der Geschäftsstelle des GB. Moabit abzugeben. straße 42. Achtung, Funktionäre! Am Donnerstag, den 1. Oktober, findet bei Sportverein Moabit. Geschäftsstelle: B. Broste, Berlin N. 87, WaldKrüger, Butlikftr. 10, eine erweiterte Borstandsfigung ftatt. Da reichhaltige Mitglieder werden aufgefordert, fich an der Bereinspartie am 11. Oktober zu beteiligen. Fahrt bis Sangelsberg- Fürstenwalde( Waldlantf). In Frage tommen alle Sparten und Abteilungen. Am 15. Ottober fällige Bereinsver fammlung. Näheres über beide Veranstaltungen jeden Dienstag und Freitag in der Halle. und wichtige Tagesordnung, muß alles pünktlich um 7 Uhr erscheinen. Bezistofarbell Friebrichshain. Nächste Rotteflfihung Montag, ben 5. Oftober, abends 7 Uht, bei Mechler. Borhagener Str. 114. Wichtige Tagesordnung. Ausgabe der Werbeplatate für die Olympia- film. Kartellvereine, beteiligt endy am Gonntag, den 4. Oktober, an der Werbeveranstaltung von Solidarität im Stadion Friedrichshain. anschließendem Festball, im Orpheum", Safenheibe 32-38. Freie Schwimmer Renkölln. Am Sonnabend, ben 3. Oktober, abends 8 Uhr, veranstalten die Freien Schwimmer Neukölln andäßlich ihres 21jährigen Be ftehens eine Feier, bestehend aus Ronzert und turnerischen Borführungen mit Gäste herzlich willkommen.- Die Uebungsftunden des Bereins find am Montag und Diens der fleinen, die Männer in der großen Halle von 448-9 Uhr. tag im Stadtbad Neukölln, Ganghoferstraße. Montags üben Anaben und Mädchen von 8-9 Uhr in der großen Halle. Dienstags üben die Frauen in Dorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftian ftr. 37/38. Sof 2 Tr. Lichtenberg: Do., b. 1., 8 Uhr, Softeischule, Eingang Bödlinstraße. Untergruppen haben vollzählig anzutreten. Zur Autofahrt nach Bohnsdorf: Müncheberg milffen Meldungen bis Fr., d. 2., abgegeben sein. Mi., b. 30., abends 6 Uhr, Bhf. Grünau, Ankunft der Brandenburger Jugendabteilung Wilmersdorf: Do., d. I., Rug Nord abends 7% Uhr vollzählig Spichernfäle. Sämtliche Kamerabschaftsfahnen zur Stelle. Abends 8 Uhr Rug und Gruppenführerversammlung bei Rroihs. Borstandsmitglieder und Rugführer ab 7 Uhr daselbst. Im Winterhalbjahr feine Sportplatilbungen. Turn- und Sportübangen jeden Do.; Mannschaftsilbungen( Teilnahme Bflicht) jeden Fr., abends 8-10 Uhr, Turnhalle Oberrealfcherie am Scepart. Sonntag, ben 4., Fahrt mit Kraftwagen nach Belaia zum Republikanischen Tag. TeilErtner: nehmer melden sich bei den Führern spätestens bis Fr. abend. Autofahrer am 4. Oktober nach Müncheberg melden sich sofort bei Wilte, Rientamp. Arbeiter Rabio- Klub, e. B. Vezie! Prenzlauer Berg: Donnerstag, den 1. Oktober, 8 Uhr, bei morat, Kopenhagener Str. 9. Wir basteln einen Kurz wellenempfänger. Sandwerkzeug ist mitzubringen. Außerdem Morsefursus. Gäste willkommen. Die männliche Jugend von 14-17 Jahren begeistert fich hauptfächlich für Betttämpfe, wie sie die Leichtathletik und das Fußballspiel bieten. Auch in unzähligen fleinen Wander. gruppen find diese Altersklassen in großer Bahl zu finden. Die Ursache liegt wohl darin, daß diese Sportarten der rein indivi. duellen Betätigung den weitesten Spielraum lassen. Für den Turnbetrieb mit seiner auf Disziplin und Erziehung bedachten Methode waren die Jugendlichen schon in der Vorkriegszeit nur in geringer Zahl zu gewinnen. Auf Grund dieser Erfahrung sind die Turnvereine dazu übergegangen, in den Jugendabteilungen Leichtathletik und Wettspiele in den Vordergrund zu stellen. Eine gute Schaustellung dieses modernen Jugendsports brachte das Zusammenturnen der Jugendlichen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin am Sonntag in der Turnhalle des Leibniz- Gymnafiums. Die Einleitung bildeten Freiübungen neuer Art, bei denen das Disziplinare wegfällt, desto mehr aber der ganze Körper intensiv durchgearbeitet wird. Kräftiges Arm- und Beinschwingen, leichtere Loderungsübungen, Atemgymnaftit und Rumpfdrehungen wechseln miteinander ab und im Gegensatz zu den alten Freiübungen werden fie mit großer Freude geübt. Fünf Mannschaften( a 3 Mann) veranstalteten dann einen Wettkampf im Mannschaftshochben fprung. Durchschnittsleistung, über 16 Jahre: Wedding I 1,55 Meter, Wedding II 1,43 Meter, Südosten 1,35 Meter, Norden II 1,25 Meter; unter 16 Jahren: Wedding 1,43 Meter, Südosten 1,18 Meter, Süden 1,15 Meter. Beim Riegen und Kürturnen an den Geräten wurden recht gute Leistungen gezeigt. Als beicht athletischer Teil folgten dann die Bendelstafetten. Guten Ertrag: Spielen", verbunden mit einer Spielausstellung. Gesellschaft fir Segualreform. Geschäftsstelle: Lebbin, Salenfee, Friedrichsruher Str. 5., Vortrag Mittmech, den 30. September, abends 8 Uhr, in der Schulaula Friedrichstr. 126, Nahe Bhf. Friebrichstraße- Oranienburger Tor. Ostar Hübner: ,, Boreheliche Probleme". Eintritt für Gäste 75 Pf. infl. Steuer, für Mitglieder 80 Bf. inf. Steuer. Deutscher Internationaler Anwalt- Berband, e. V. Vortrag Freitag, den 16. Ottober, Ghadowftr. 6-7. Rechtsanwalt Dr. Th. Tichauer- Berlin: Rechtsentwidlung und Bölferbund". Gäste haben Rutritt. Berliner Handwerkerverein, Sophienstr. 18. Mittwoch, ben 30. September, 8 Uhr, Vortrag von Jens Lügen: Was find die Weltenkörper und bie räfte bes Weltenraums?" Erläutert durch Lichtbilder. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptom. Freitag, 2. Oktober, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindefoule, WildenbruchStraße 53, 3 Tr., abends 8 Uhr. Dr. med. Saaler: Moralische Entartung im Jugendalter". Eintritt frei. Bund der finderreichen Familien Berlin- Webbing. Geschäftsstelle: Lehrer Rummelbera, Müllerstr. 184a, 2 r. r. Die nächste Monatsverfammlung findet am Mittwoch, den 7. Oktober, in der Schulaula der 78. Schule, Wiesenstr. 66, Ede Grenzstaße, statt. Beginn 7½ Uhr. Tagesordnung: 1. Landesverbandsund Reichsbundsangelegenheiten. 2. Die Sterbefaffe. 3. Steuerfragen. 4. BorGroße Kaffee- Reklame 02 von heute bis einschließlich Dienstag, den 6. Oktober Reichelts Kaffee ,, Extrafein" 1/4 Pfd. 70 jetzt 60 Pf. Reichelts Kaffee ,, Hochfein" 1/4 Pfd. 85 jetzt 75 Pf. Kaffee- Groß- Rösterei V tvoje dau lexade Reichelts Kaffee ,, Exquisit" 1/4 Pfd. 105 jetzt 95 Pf. Reichelts Kaffee, Spezial" 1/4 Pfd. 15 jetzt 105 M. Reichell guten die firma der bei 146 Geschäfte Qualitäten 12 Parteinachrichten Stufendungen für diese Rubrik sind Berlin B. 68, Sindenftraße 3, für Groß- Berlin fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Sot, 2 Trev. rechts, au richten 4. Areis Brenzlauer Berg. Die gemeinsame Sigung der Foaltion und bes engeren Kreisvorstandes heute abend 7% Uhr findet nicht im Rimmer 29, fondern im großen Sigungsfaal bes Bezirksamtes, Danziger Str. 64, ftatt. Donnerstag, den 1. Oftober, 7 Uhr, Kreismitgliederversammlung im Lebigenheim, Bappelallee 15. Berichterstattung vom Parteitag. Mit gliedsbuch vorzeigen. 5. Kreis Friedrichshain. Donnerstag, den 1. Oftober, pünktlich 7 Uhr, im Lotal Wegener, Stralauer Allee 31, Sigung des engeren Kreisvorstandes mit den Funktionären der 37. Abteilung. 7. Areis Charlottenburg. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde: Donners tag, den 1. Ottober, 7% Uhr, Lichtbildervortrag: ,, Bom Land der 8weibeinigen ins Land der Vierbeinigen" in der Schulaula Biklebenstr. 32. Rarten find zu 30 Pf. bei der Jugend und den Jungfozialisten sowie an der Abendkaffe zu haben. 13. Streis. 86., 87, 88. Abt.: Heute, Mittwoch, 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Stechert, am Bahnhof Maciendorf. Tagesordnung: Bericht vom Barteitag. 14. Rreis Reukolln. Sämtliche Genossen, die auf den Stadt- und Bezteks verordnetenlisten kandidieren, werden erfucht, zur Leistung einer UnterSchrift ins Parteibureau Nedarftr. 3 au fommen. Heute, Mittwoch, den 30. September: 3. t. Seute abend Abrechnung in der Wohnung bes Genoffen Ben, Beymeftraße 25 Anschließend 8 Uhr Sigung bei Lojad, Benmeftr.& Rein Begirtsführer darf fehlen. Sungsozialisten. Gruppe Mitte: 6 Uhr Esperantofurfus in ber Schule Gipsftoaße 23a. Intereffierte Genoffen önnen noch teilnehmen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3, 1. Sof Tints, Selferfihung. Referat: Bie feiern wir Weihnachten?" Referent Genosse Löwenstein. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 30. September: 43. Abt. Treffpunkt der Genoffinnen zur Besichtigung der Anstellung im Alten Urban" am Eingang. 12. Abt. Baumschulenweg. 7% Uhr im Lobal Sak. Baumschufenste. 72, Bor trag des Genoffen Stadtjugendpflegers Birnbaum: Alte und junge Miteraieber unserer Jugend". Morgen, Donnerstag, den 1. Oktober: 12. 6. The Funktionärversammlung bei Schmidt, Wicleffz. 17. 34. bt. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Rosin, Gubener Str. 19. 98. bt. Reutolla. 7% Uhr Funktionärsigung bei Nud, Ringbahnfte. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 47. st. Am Sonnabend, den 26. September, verstarb Genoffin Berta B8tter, Röpenider Ste. 10. Einäscherung heube, Mittwoch, den 30. Gep tember, nachmittags 12 Uhr in Baumschulenweg. 137. Abt. Reinidendorf- West. Genoffe Rarl Bradlow ift verstorben am 26. September, Einäscherung am Donnerstag, den 1. Ottober, mittags 12 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungstaffiezer! Abrechnen der Beitragsmaries and s gabe des Oktober.,. Jugend voran und der Oktober ,, Arbeiter- Jugend nachmittags von 5-7 Uhr. Bitung, Bücherkreismitglieber! Das L. But Das 2and der Gehnfacht" erschienen. Achtung! Auf der Beranstaltung am Sonntag in Schönbola ift ein Borte atonnaie gefunden worden. Heute, Mittwoch, den 30. September, abends 712 Uhr: Bedding: Schule Ruheplak, Ede Antonstraße, Borbrag: ,, Darwinismus". Belmholzplag: Neues Jugendheim heute in der Eberswalder Str. 10, 8. 11. Baltenplak: Jugendheim Rigaer Str. 102, Mitgliederversammlung. Frich richshain: Sugendheim Große Frankfurter Str. 16, Funktionärversammlung um 47 Uhr, nachdem Mitgliederversammlung. Warschauer Piertel: Juoen heim Silfiter Str. 4, Vortrag: Arbeiter- Olympiade". Siboft( Reichenberger Biertel): Jugendheim Reichenberger Str. 66, Vortrag: ,, Biochemie". Bant mik: Gemeindeschule Schulstraße, Behn- Minuten- Referate. Bannsee: Schule Charlottenstraße, Mitgliederversammlung. Rieberschönemeibe: Schule BerFiner Str. 31, Vortrag: Rörperpflege und Reformfleidung". Lichtenberg Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22, Aussprache: Unsere Winterarbeit". Lichten berg- Norb: Jugendheim Bartaue 10, Bortvag: Frembenlegion". Werbebezirk Renton: Wichtige Funktionärtigung abends 7 uhe im Beim Canner Straße. Pünktliches Erscheinen wegen umfangreicher Tagesordnung ambedingt notwendig. Werbebezirk Ofbabs: Donnerstag, ben 1. Dhobee, abends T% he in ber Aula der Schule Marktstr. 11-12, Elternabenb. Bortrag füber Jugenberziehung". Sport. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, den 29. September. 1. Rennen. 1. Bau Robert( 5. Blume), 2. Gravitas( D. Schmidt), 3. Rotborn( Elflein). Soto: 81:10. Blab: 15, 12, 21: 10. Ferner lesen: Brolog, Hilarius, Himalaya, Countryside, Bien Benu, Alleluia. 2. Rennent. 1. Sirano( Sabor), 2. Atbalberga( D. Schmib), 3. Donnertolte( H. Schmidt). Toto: 37: 10. lak: 14, 18, 18: 10. Ferner liefen: Enzian, Mirlo, Casanova, Torre, Malus, Ingo, Moros, Dpponent. 3. Rennen. 1. Ramtschatla( Grabsch), 2. Floree( Gabor), 8. Bejel ( Schmid). Toto: 1100: 10. Blag: 150, 57, 59: 10. Ferner liefen: bata girl, Jfonzo, Abendwind, Palamedes, Rapores, Licht Alberich, Dalberg, Brobefahrt, Chiemgaunerin, Gradatim, Drizaba, Houlgate, Antoinette, 28intermeide. 4. Rennen. 1. Dbaliste( Barga), 2. Lampos( D. Schmidt), 8. Heiliger Rarr( Hahnes). Soto: 48:10. Drei liefen. 5. Rennen. 1. Sonnenblümchen( Barga), 2 Frohfinn( DRein), 8. Marbud( Olejnit). Toto: 21: 10. Blag: 14, 22: 10 Ferner lief: Dlympier. 6. Rennen 1. Mohn( Strüger), 2. 3mpreffionift( Barga),& Schnee wittchen( Haynes). Toto: 41: 10. Blag: 14, 21, 16:10. Ferner liefen: Maifahrt, Venezianerin, Trianon, Prinzeß Frohsinn, Mandarine, Lydia, Cambrena, Jilderim, Nerita. Geschäftliche Mitteilungen. Diät halten bedeutet fast stets ben Berzicht auf irgendeinen lieben Genuß. Die Tasse Kaffee morgens oder nachmittags ist file viele folch ein Genuß. Ein großer Rummer ist es daher für fie, wenn der Arzt ihnen fagt, daß sie ihres Serzens, ihrer Nerven oder ihrer Nieren wegen den Raffeegenuß einschränken ober ganz aufgeben müßten. Shnen allen kann geholfen werden. Es gibt nämlich einen echten Bohnenkaffee, der alle angenehmen, anregenden Eigenfchaften des gewöhnlichen Raffees hat, aber feinerlei schädliche Wirkungen aus üben kann. Das ist der coffeinfreie Kaffee Sag, der von der Kaffee- Handels Aftten- Gefellfchaft, Bremen, nach Entferming Ses Coffeins ens ben Raffee bohnen in den Berkehr gebracht und in jedem guten Rolonialmarengeschäft in den bekannten Originalpadungen mit der Schuhmarke Rettungsring zu haben ist. Das bekannte Möbelhaus G. Gottlieb, Nosenthaler Str. 54, blidt am 1. Oftober 1925 auf ein 50jähriges Bestehen zurüd. Ein vollgültiger Beweis für die Beliebtheit, deren fich die Firma dank ihrer Reellität und Kulanz erfreut. Die Firma hat sich infolge des feltenen Jubiläums entschlossen, einen vierwöchigen Verkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen zu veranstalten und wird jedem Käufer ein Präsent überreichen. Es ift empfehlenswert, von diefem außergewöhnlichen Angebot weitgehendst Gebrauch zu machen. 50 Jahre Am 1. Oktober besteht unsere Firma 50 Jahre, ein Beweis unseres soliden, leistungsfähigen Unternehmens. Wir veranstalten einen 4 wöchentlichen Jubiläumsverkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Weitgehende Zahlungserleichterung, ohne Preisaufschlag. Jeder Käufer erhält ein Präsent überreicht. Möbelhaus S. Gottlieb Berlin nur Rosenthaler Straße 54 gegr. 1875 ATA HENKEL'S SCHEUERPULVER ATA HOH Der ATA- Engel ist vergnügt, Teil seine Arbeit nur so fliegt. 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Von der Reise zurück: Dr. Jacobson Arzt für Biochemie 8-10, 212-51/ 2Humboldt 4297 Weißenburger Str. 80 Guter Schlafit bas beſte Heilmittel. Metallbetten für Groß u Klein, mit oder ohne Zubehör, Stahlmatragen, an Pri vate. Bequeme Beding Kat. 30 a fret. Eisenmöbelfabrik Sahl( Thür.) Ziehung 3 MK 10000 C.25 B der 1.Klasse der Preußischen Staats- Lotterie am 16.- 17.Okt. 18 3M, 6M, 12 M. 24 M Juergens Alexanderpl. Postscheck: Berlin 309 80 Billige Preise für gute Ware Anzüge 39 haltbare Stoffe Anzüge 45 gute Qualität. Anzüge 55 neueste Form. Anzüge 65 gute schwarze Ware Anzüge 75 in vielen Farb. Maß- Ersatz Tanzanzige 85 hochelegant Paletots 45 marengo.... Mäntel 55 sehr warm... Paletots Maß- Ersatz 65 Mäntel 75 das Neueste. 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Die hatte ein Soldat wurfbereit in der gespannten Hand. Jezt... whß, tam eine Kugel, legte den Soldaten um, Handgranate und Soldat legten sich in einen Trichter schlafen, Mutter Kanonenkugel fam und breitete über beide sorgsam eine dicke Rieseldede Kies, und dann schliefen fie, Soldat und Handgranate, so manches Jahr, so manches Jahrhundert. Der Soldat verschlief. As es Weckenszeit gewesen wäre, war nichts mehr da von ihm, tein Zahn mehr und fein Haar. Unversehrt jedoch war die Granate. Denn sie hatte ihre Explosion noch vor sich. Wer seine Explosion noch vor sich hat, der fann warten, unversehrt, an tausend Jahre. Sie wurde nicht roh mit einem Schlag geweckt, sondern zart und nach und nach. Erst durch einen Bach. der sich nah zu ihr ein neues Bett gegraben hatte. Der versuchte sie vermittels Murmeln aufzuweden. Aber sie drehte sich, wie Langschläfer nun einmal find, nur auf die andere Seite, um noch ein paarmal' rumzuschlafen. Dann durch einen Baum, der sie mit den äußersten Wurzeln ein wenig zupfte: Du, wach auf,' s ist Zeit." Und wieder drehte sich die Granate schlaftrunken um. Das drittemal durch einen Pflug, der fizelte sie schon stärker: Aufsteh'n, bitte, Zeit ist's!"-u -ah!" brummte die Granate, wobei zwischen jedem Botal ein Duzend Jahre lagen, und zog die Decke höher: Da man doch nicht in Ruh' gelassen wird, um ein wenig auszuschlafen vom Weltkrieg." Aber da fuhr ein Kindersteden durch die Schlafbecke und legte die Handgranate bloß. Frierend zog sie ihre Knie an: Uh, es zieht, mer läßt mich denn nicht schlafen?" Aber dann mußte fie fich doch entschließen, die Augen aufzuschlagen. Kinderköpfe fab sie über sich. Bon Hand zu Hand fühlte sie sich gehen. Eine Kinderunterhaltung hörte sie: ... " Nein, schaut das mal tomisch ans. was ist es denn? Vielleicht der Lutschbeutel eines Riefentindes... nein, zum Schnul len ist es nicht. dann vielleicht zum Essen, versteinerte Schotolade vielleicht... nein, ich hab hineingebissen, schmecken tut es auch nicht... tommt, wir wollen es heimtragen ins Dorf.. .. Im Dorfe war es Feierabend. Und es war ums Jahr dreitausend. Die Leute saßen auf den Bänken vor den Häusern und streckten die Füße aus und waren glücklich. Verspätete Beide ziegen flingelten den Weg entlang. Aus den Ställen brüllten Rühe wohlig Muh". Ein Räferpaar summte in einem Extraabendtanz um den Kamin. Ein Frosch inspizierte vor dem Schlafengehen aufgeblasen seinen gepachteten Quadratmeter. Ein Bogel wetzte feinen Schnabel an der Zintdachrinne, um am nächsten Mor gen besser in den Frühgesang einsehen zu können. Mückenschwärme zogen ihre letzten Schleiermuster durch die Luft. Friede war und frohe Müdigkeit.... Da tamen die Kinder mit ihrem Funde um die Ede. Mutter, Schau, was wir gefunden haben." Die Mutter hielt's, die Mutter brehte es, die Mutter ftreichelte es. Lebendig ist es nicht. Müßt mal Bater fragen." " Bater, schau, was ist das?" Brille: Alt ist es, Kinder, alt." siginal subido you de Die Einfuhrscheine. 790919 drier sid dailo gudmuls@ d and g Wenn über'm Herzen uns die Börse schwillt, Das ist die rechte Freiheit, die wir meinen. Und unser Hunger wird erneut gestillt Mit diesen wundervollen Einfuhrscheinen. HO Bellage des Vorwärts Was kümmert uns der armen Leute Zorn? Verhungern sie, wir haben keinen Schaden. Verladet ihr im Schweiße unser Korn, So wird das ganze Volk von uns verladen. Und in dem Blut der Schlafenden, wo es schon leise zu sieden die geaudürren Rispen, die Laufröhre darunter ineinander und Der Bater hielt's, Großvater drehte es, Großvater holte feine angefangen hatte und die Sturmhauben hingefundener Borfahren fest zu. fich in Bläschen heben wollten erinnerungsbehangen und verAelter als du, Großvater?" ftört-glättete es sich wieder friedlich und kristallhell floß das Der fam gerade durch die Gaffe. Herr Lehrer, wir haben das Dorfblut durch die Nacht im Jahre breitaufend. im Ries gefunden, was ift es?" " Biel, viel älter. Müßt mal den Lehrer fragen." Der Lehrer hielt es, der Lehrer drehte, der Lehrer setzte sich zu. ihnen auf die Bant und schaute lange die Dorfgaffe hinauf, meinten die Kinder. Aber in Wahrheit schaute er weit zurück in die Ber gangenheit und sagte langsam und mit einem Ton, als erzähle er ein Märchen: Was ist das. Herr Lehrer, ein Krieg?" „ Ein Krieg ist, wenn Menschen miteinander fämpfen Was ist das, Herr Lehrer: fämpfen?" Kämpfende Maulwürfe. Im Verlage von Iwin Sable in Dresben erschien foeben eine neues Wert des bekannten Tier- und Naturschilderers swin Rath unter dem Titel teret, aus bem bie nach. stehende Probe entnommen ist. " Wenn ihr Schnellauf spielt und Fußball, so kann man das auch Belargonienbeete in der Mittagsglut brennenden Dächern von fämpfen heißen." Jezt verstehen wir. Und weiter?" Also, es war einmal vor tausend Jahren ein Krieg, ein Weltfrieg Bar da ein Schnellauf um die ganze Welt, Herr Lehrer?" „ Ja, ein schrecklicher. Und wer hat gefiegt, Herr Lehrer?" „ Geflegt? Zuerst der Haß und dann das Feuer. Täglich haben Haß und Feuer so viele Menschen umgebracht, wie in einer mittelgroßen Stadt find. Einen kleinen Rest von diesem Feuer habt ihr heut gefunden, Kinder." Die Kinder sahen sich betroffen an: Und wir dachten, es jei ein Märchen, Herr Lehrer, ein schönes Märchen?" Nein, grause Wirklichkeit ist es gewesen, in den alten Büchern Steht es Großvater lächelte: Märchen stehen auch in alten Büchern. „ Leider aber war der Weltkrieg gar kein Märchen, sondern " Na, Herr Lehrer nichts für ungut, aber wenn wir glauben follten, daß es eine Zeit gegeben haben foll, wo Haß und Feuer täglich eine ganze Stadt auslöschten " So müßten wir von diesem Fener in dem Grundstück auch mas fehen," ergänzte ihn der Bater. Während es doch ganz brav und harmlos aussieht," sagte die Mutter. Schweigend schwang der Lehrer die Handgranate. In einem Bogen flog sie auf den leeren Dorfplaß. In diesem Augenblick rannte ein Huhn aus einem Haus quer über den Play. Ein Bliz, ein Knall, Erdreich, Steine sprigten. . Scheu umftanden sie den Blayz. Vor einem Loch lagen zwei arme Hühnerfüße. Krampfig die Behen dahin, dorthin. Auf ein mal schienen sie in Haß und Feuer um die ganze Erde in einen wie hatte es der Lehrer doch geheißen, Lange lag das Dorf an diesem Abend schlaflos in den Betten: Kein Märchen? So etwas Gräßliches foll es einmal gegeben haben... Und nicht nur Hühnerfüße, nein, Menschenhände, Menschenglieder sollten...? Gut, daß jetzt die Kühe im ganzen Dorf wie verabredet, noch ein spätes gütiges„ Muh, Kinder, muh, es ist schon lange her, und mer weiß, ob's wirklich wahr war .. ihr wißt ja, Lehrer machen sich dann und wann ein wenig wichtig.. muh, Kinder, muh, vielleicht hat er probieren wollen, ob ihr das Gruseln nicht ganz verlernt habt in den letzten tausend Jahren... es soll sich doppelt gut drauf schlafen lassen- gute Nacht, muh, muuh..." Auf dem fandtrockenen, jonnenheißen Krähenberg liege ich im graudieren Rispengras, habe meine Blide nicht mehr auf dem atlas weichen Schimmer des Schwielowsees, nicht mehr auf den wie rote Caputh, sondern fehe ganz erstaunt, wie einige Meter ab an zwei Stellen nah beieinander die Sanderde in krausen, kleinen Schollenbroden hastig fich emporwirft. Wie in der Kette von niedrigen Maulwurfshügeln, die in einem flachen Halbfreis vor uns ausmeicht, plöglich sozusagen eine breite Schnalle von neuen rechts und lints ausspringenden Hügeln fich einfügt, fich stürmisch emporfrümelt. Wie fasziniert starre ich nach dieser stillen, so selten ge fchenen vulkanischen Tätigkeit. Was mich um so mehr frappiert, gleich zwei dieser unterirdischen Wühler sind hier an der Minier. arbeit, wo sonst bei zwei dieser famipelzigen, fünf Degen an jeder Pfote tragenden, mordwütigen Haudegen der Unterwelt das Sich wiftern, Sichfehen, Miteinanderkämpfen, Sichauffchligen und auf freffen gewöhnlich der Effekt weniger Minuten ift. Auch die Kneifergläfer meines Wandergenossen, meines grün rötigen, des Forstaffessors, der hochftieflig neben mir im Grafe sich street, blizen überrascht und festgebannt nach den peienden niedrigen Erdvulkanen.„ Ein Bärchen?" frag ich ebenso leise wie lafonisch futz. Die Reifergläser schütteln ein verneinend wirres Schillern, Dann legt er den Finger auf den Mund und hat ihn noch darauf, als die Erde an zu schreien fängt. Dumpf pfeifende, quietende, ächsende, auch an das Gellen eines in zuschnappender alle ge peinigten Hafen erinnernbe Wutlaute dringen bunte und doch higig imò lampftoll, fich wirr miteinander mischend, aus dem Erdinnern herauf. Die so ungemein heftig emporgeschüttetan Haufen sind still geworden. Aber um so lauber, wenn auch dunkel verschluckt von dem überlagernden Boden, wird es darunter. Gequälte Jammerlaute von schwer zu beschreibender Art fauchen diese Nachtkobolde, die da wohl ein Liebesturnier im Erdinnern ausfechten, herauf. 3ischen grimmen Angriffes und ein wunderlich wirres Reifen, rattenartiges Gewinset und Geheul murffen wie aus einem gräßlich verstimmten, erd bewohnenden Phonographen, der sich bemüht, feine schlimmste Magentolit anschaulich zu beschreiben, in verworrenem Tumult zu unseren gespannt hordenben Ohren. Was macht mein Grünrod da? Mit der zierlichen Schaufel an feinem Eichstock wühlt er vorsichtig den ihm zunächst liegenden Maul. wurfshügel beiseite, dann auch die Sanderde, die leichtlockere, dar. unter weg, bis jetzt die Laufröhne wie ein hohler, schmaler Trog zutage liegt. Behutsam friecht er, wie ein Maulwurf beschleichend Wiesel es faum zehenleichter machen fann, jede Erderschütterung, die die beiden Kampfbolde auseinandertreiben tömte, ängstlich ver meidend, an den Sandtrichter heran und verstopft mit der fest netenden Hand den Eingang des fleinen, dunklen Tunnels, der sich nach rechts weiterhin unter den Maulwurfshügeln durchbohrt. Jäh ist er dann, mir Ruhe zumintend, aufgeschnellt, der Grüne, nach links jenseits des unterirdischen Kampfplages, jenseits der frisch aufgeworfenenSandoullane gefprungen und tritt hier mit den Langstiefeln, den schweren Abfägen, den nächft erreichbaren in der weiter schwenkenden Rette der fraufen Erbhaufen fest ineinander. Stampft mit der ganzen Wucht des Beines der Sneijer fliegt glibernd in Sui, schnellt es wie zwet schwarzbadierie Rohrpoftzylinder auch schon hier bei mir vor dem eben verstopften Tunnel aus dem Sandtrichter. Bestürzt halten sie, von der Glutsonne getroffen, ein, die Nacht fobolde. Der eine der Spißfhnauzen aber, der rasch befonnene, fährt mit feinen breitern hornblühenden tolossalen Grab. Schüppen an den Vorderpfoten umber und baftet, tappt unb wühlt, daß das Gras fliegt, nach dem Ausschlupf herum. Der zweite, etwas fleinere, der so etwas wie eine blutroie Stickerei in dem blauschwarz schimmernden Sand auf dem Kopf trägt, läßt den Flüchtling nicht so weit kommen, fährt mit grunzendem Grimmton die spike Regelschnauze unter den Bauch des aber, herumgezudi; und schon stehen fie aufrecht, wie zwei Stafperie Dideren, offenbar, um ihn herumzuschleudern und aufzuschlitzen. Der machende, sehr unbeholfen fabrizierte Lumpenpuppen gegeneinander. Weiße Zähne funkeln, die Spißschnabel praffein gegeneinander, die Grabeschaufeln hagein mit mütigen Hieben, der Sand sprizt in hoch gemirbelten fleinen Fontänen. Die blutrote Stiderei auf dem Kopf des Kleineren wird noch dichtmaschiger. Jetzt reißt er sich jählings von dem Dicken los. Hächend fißen sie, mit fraus gezogenen Schnauzen, zähnefletschend, augenlos, eben wie zwei unbeholfene Lumpenpuppen, unglaublich drollig anzusehen, eine Handiparme breit voneinander und speien fich gegenseitig ihren todeshungrigen, mutteuchenden Giftatem ins Gesicht, die breiten Grabeschaufeln gleich zwei allzu groß geratenen Handschuhen wie erschöpft rechts und ints von sich streckend. Damit rudert sich unversehens der Didere, vor dem unterm Hals im Gras es wie ein paar verlorene Korallenperlen liegt, wieder stürmisch, fast im Sprung gegen den Meineren an. Der flizt zurüd, macht hintenherum eine blitzschnelle Schwenkung und fällt, wie der Didpelz im Sturm des Angriffs die Nase unter sich bekommt und sich zu überfugeln droht, biefem fchleunigst in den Noden. Bie würgend fahren die Grabepranken zu. Die Zähne hageln eine blutige Saat... darüber im unklaren, warum gewisse Raubvögel aus großer Höhe Weshalb sehen die Raubvögel so gut? Lange Zeit war man darüber im unflaren, warum gewisse Raubvögel aus großer Höhe fleine Gegenstände zu erkennen vermögen. Namentlich die Geier, die wegen ihrer plöglichen Ueberfälle auf fleine Kinder und Tiere in üblem Rufe stehen, haben schon oft Beweise ihres außerordentlich gut entwickelten Gesichtsfinnes gegeben. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen( von Hans Henning im Archiv für Physiologie des Menschen und der Tiere) erbringen den Nachweis, daß das Gelb und das Gelb- Rot in der Nezhaut vieler Bögel ihnen einen schärferen Gefichtssinn verleiht als den übrigen Lebewesen. Die langen Lichtwellen, die durch die roten und rotgelben Strahlen hervorgerufen werden, durchbringen beffer den Dunst und Sonnenrauch wie überhaupt die undurchsichtigen unteren Luftschichten. Diesen Farbfiltern haben die Vögel es zu verdanten, daß sie felbft bei unflarem Wetter die afrikanische Küste schon, wenn sie sich noch über Italien befinden, sehen fönnen. 3mmer Philosoph. Jean Jacques Rousseau hatte eines Tages Diderot zu sich geladen. Rousseau führte seinen Gast in den An lagen feiner Landvilla spazieren. Am äußersten Ende des Gartens befand sich auch ein Teich, der still und stumm dalag. Rousseau blieb cm Ufer des Teiches stehen und sagte zum Freunde: An dieser Stelle habe ich bereits zwanzigmal gestanden, um mich in das stille Das Leben hat doch tetnen Wert, warum be Wasser zu werfen. halten wir es?" Diderot aber sah sich nicht einmal um. Mit ruhiger Stimme sprach er:„ Warum hast du es denn nicht getan?" Rousseau war über die ruhige und geschäftsmäßige Frage seines Freundes nicht wenig erstaunt. Aber schnell erfaßte er die Situation und lachend erwiderte er dem Freunde: Ich habe jedesmal erſt meine Hand in das Baffer gehalten. Und jedesmal war es zu falt." Sparer, Lanöfthasten und Hypothekenbanken. Zum Abschluß der Preußische« Zentralbodenkredit A.-G. bedeutet alles weniger als ein Mißtrauen gegen die neu« Währung, als welches z. B. die Gold- und Dollarklausel in den Kartellkon. ditionen unbedingt ausgesprochen und verurteilt werden muh. Im Gegenteil bringt sie damit nur die Notwendigkeit zum Ausdruck, für die Wiederher st ellung des Spareroertrauens keine Sicherung zu stark erscheinen zu lassen. Mit Genugtuung stellt der Geschäftsbericht fest, daß die phantastische Zinshöhe der ersten Stabilisierungszeit verschwunden sei, die für den Pfandbrief- absatz geradezu vernichtend war. In dem Hinzufügen aber, daß auch der heutige Zinsfuß noch weit über das erträg- l i ch e Maß hinausgehe, liegt ein« scharfe Krjtik der Zins» und Provisionspolitik der Privatbanken, deren große Zin-spann« nicht nur die hochverzinslichen Pfandbriefe zu Spekulationspapieren für Wirtschaftsgelder gemacht hat, sondern durch die hohen Verkaufs- Provisionen für Pfandbriefe den Realkredit auch unmäßig ver- tcuert. Endlich nimmt der Geschäftsbericht auch kritisch zu den Bs- mühungen Stellung, deutsche Pfandbriefe im großen im Ausland abzusetzen. Und wenn dabei mit unoerkenn- barer Wendung zur Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypotheken- danken die Mahnung ausgesprochen wird, daß, wenn der Grund- besitz zum Borgen gehen will, er erst in seinem Hause Ordnung schaffen soll, so wird damit eine Wahrheit ausge- sprechen, die in der ganzen deutschest Wirtschaft beachtet werden sollte. Die Bilanz läßt erkennen, daß die Preußisch« Zentralboden- kredit A.-G. im Verhältnis zu den übrigen Hypothekenbanken jene Führung wiedererlangt hat, die sie in der Vorkriegs- zeit innehatte. Ihr Umlauf an Pfandbriefen und Kam- munalobligationen(Roggen und Gold) hat sich von 13,7 Millionen Ende 1913 auf 3S.7 Millionen Ende 1924 erhöht. 13,7 Millionen Ende 1923 auf 35,7 Millionen Ende 1924 erhöht. Der Zuwachs von 22 Millionen kommt mit 18 Millionen auf Pfandbriefe, mit 4,9 Millionen auf Obligationen Nach den Ver- öffentlichungen im Reichsanzeiger erfolgte im 1. Halbjahr 19 2 5 ein« weitere Steigerung(fast Verdoppelung) auf ca. 68 Millionen. Entsprechend sind die Hypotheken- und Kommunal darlehen ge- stiegen, die der Zahl nach zu an ländliche Schuldner gegeben sind. Da» Wachstumsverhältnis entspricht ungefähr dem der s 2 m t- lichen deutschen Hypothekenbanken(ohne Landschaften), das im ganzen Jahre 1924 278 Millionen und im 1. Halbjahr 1925 260 Millionen neue Pfandbriefe und Kommunalobligationen gebracht hat; gegenüber der Vorkriegszeit mtt einem jährlichen Zuwachs von 4