Nr. 465 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 237 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlic 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Eaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und 8eit" mit„ Gied. Jung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile So Pfennig. Reflamegeile 5, Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( aulässig amei fettgedruckte Worte). febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig. fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben älylen für awei Wori Arbeitsmarkt Retle 60 Pfennig. 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Durch Befanntgabe umfangreichen Tatsachenmaterials wurde der Nachweis erbracht, daß die Meisingersche Darstellung in den wichtigsten Einzelheiten unrichtig und als Gesamtbild von der Haltung des Reichsarbeitsministeriums unzutreffend ist. Der Reichsarbeitsminister hat sich sodann eingehend über den tatsächlichen Etandpunkt des Ministeriums zu allen diesen Fragen ausgesprochen. Er hat sich bereit erklärt, den Gewerkschaften darüber eine aus= führliche Darstellung zukommen zu lassen, die in der gewerkschaftlichen Preise veröffentlicht werden soll. Ein endgültiges Urteil über den Rechtfertigungsversuch des Reichsarbeitsministers wird man erst fällen können, wenn der schriftliche Bescheid des Ministers zu den von den Gemertfchaften vorgelegten 22 Punkten vorliegt. Wie dieser Recht fertigungsversuch aber auch ausfallen mag eins steht ganz flar und deutlich fest: das Reichsarbeitsministerium hat seit Jahr und Tag eine Haltung eingenommen, die bei der Arbeitnehmerschaft zu tiefer Berstimmung und zu Mißtrauen führen mußte, so daß schließlich die Mei Bingersche Attennotiz gar feine besondere lleberraschung mehr hervorrufen fonnte. Was hat das Reichsarbeitsministerium& B. für die Sicherung des Achtstundentages getan? Sein schon sehr lange versprochener Gesezentwurf ist heute noch immer nicht fertiggestellt. Schlimmer als das: es hat in der Frage der Arbeitszeit Schiedssprüche für verbindlich erklärt, die die Arbeitszeit zuungunsten der Arbeitnehmer regelten. Wir haben im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau die 3wölfftunden schicht und auch sonst in einer ganzen Reihe von Berufen Arbeitszeitverschlechterungen für die Arbeitnehmer. Wenn das Ministerium darauf hinweist, daß die Löhne Die belgische Note. Wie Deutschnationale die deutsche Ehre retten. Die Deutsche Tageszeitung" beschäftigt sich mit unseren Ausführungen von gestern morgn über die belgische Note. Dabei passiert ihr das Mißverständnis, daß sie unsere Zustimmung zu der Erklärung Bethmanns vom 4. Auguſt 1914 auch auf die damals versuchte Rechtfertigung des deutschen Einmarsches bezieht. In Wirklichkeit bezog sie sich nur auf die damals von der kaiserlichen Regierung freiwillig anerkannte Pflicht der Wiedergutmachung. Bethmanns Versuch, den Einmarsch zu rechtfertigen, ist durch die Tatsachen erledigt. Für den Einmarsch gab es nur eine Rechtfertigung, die freilich vor dem Richterstuhl einer Strengeren Sittenauffassung nicht standhält, den Erfolg. Auch der ist ausgeblieben. Der Einmarsch, der von den Militärs aus militärischen Gründen unter Außerachtlassung aller politischen Bedenken vollzogen wurde, hat Deutschland nicht genügt, sondern geschadet. Der militärische Erfolg wurde an der Marne verspielt, der Bernichtungsangriff auf Frantreich mißlang. Es blieb die jahrelang fortwirkende moralische Aufpeitschung der Welt gegen Deutschland, das die von ihm selbst garantierte Neutralität eines fleinen Landes mit seinen ungeheuren militärischen Machtmitteln verletzt hatte. Der taiserliche Reichskanzler v. Bethmann und die hinter ihm stehende Diplomatie tannten die Welt etwas beffer, als die Militärs fie fannten. Die offene Erklärung, daß Deutschland das Völkerrecht verletzt habe und zu frei milliger Gutmachung an Belgien bereit sei, sollte die gefährlichen Wirkungen, die der Einmarsch in der ganzen Welt hervorrief, abmildern. Sie fönnte auch heute noch ein Attivum der deutschen Außenpolitik sein, wenn allezeit an ihr festgehalten morden wäre. Leider setzten alsbald die Versuche der deutschen Annerionisten ein, diese feierliche Erklärung als aus falschen Voraussetzungen entsprungen zu widerrufen und mirfungslos zu machen. Wir bedauern, daß die Deutsche Tageszeitung" auch heute noch ein Treiben fortsetzt, das uns stets als unehr lich und unehrenhaft erschienen ist. Inmitten eines deutschnationalen Feldzugs, der angeblich die Rettung der deutschen Ehre" zum Ziel hat, unternimmt es ein deutschnationales Blatt, das an seinem Kopf die Worte trägt für deutsche Art" ein von der deutschen Regierung einem fremden Staat gegebenes feierliches Versprechen für nichtig zu erflären. Gehört das Stehen zum gegebenen Bort night -P zu spät. nicht allein von ihm, sondern vor allem von den Machtfattoren im Ringen zwischen Kapital und Arbeit abhängen, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß bei allen Lohnverhandlungen das Ministerium und seine Beamten bestrebt waren, die Löhne so niedrig wie möglich zu halten. Die Beauftragten des Miniso niedrig wie möglich zu halten. Die Beauftragten des Ministeriums haben sich fast immer die Argumente zu eigen gemacht, die die Unternehmer im Munde führen. Diese sind mit der Sozialpolitik des Reichsarbeitsministeriums froß ihres Geschreis sehr zufrieden. Soll man an den neuen Entwurf zur Arbeitslosen versicherung erinnern, der so überaus bedenkliche Paragraphen enthält? Soll man an das Arbeitsgerichts gefeß erinnern, das selbst von rechtsstehenden Kritifern als unzulänglich charakterisiert wurde? Es interessiert uns wenig, daß der Syndifus der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände ganz gegen seine Gewohnheit sich nicht gegen die Rolle, wehrt, die ihm durch das Dementi des Dr. Sizler zugeschrieben wird, entweder ein templetter Idiot oder ein gewiffenloser Aufschneider zu sein. Niemand wird glauben, daß Dr. Meisinger nicht in der Lage ist, Niemand wird glauben, daß Dr. Meisinger nicht in der Lage ist, den Inhalt einer Besprechung sinngetreu wiederzugeben. Niemand wird glauben, daß die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände schöne Worte für bare Münze nimmt. Es ist nicht die Schuld Dr. Meisingers, wenn seine Attennotiz den Weg in die Deffentlichkeit gefunden hat. Aber selbst menn diese Attennotiz mur zur Kenntnis des beschränkten Personentreises gefommen wäre, für den sie bestimmt war, wäre dadurch an den Tatsachen, die diese Aktennotiz aufzählt, etwas geändert? Die Arbeiterschaft denkt mur mit tiefem Groll daran, daß das Reichsarbeitsministerium, das berufen ist, die wirt schaftlich Schwachen geçen Uebermacht des Kapitals zu schützen, in der fritischen Zeit sich zu den Mächtigen geschlagen hat. An dieser Tatsache, die auch ohne Artennotiz feststeht, ändern alle Dementis und alle Versprechungen nichts. Gerade als sie am dringendsten notwendig war, wurde die Sozialpolitit abgebaut. Wir werden ja bald sehen, ob und wie sie der Reichsarbeitsminister wieder aufbauen wird. Jedenfalls werden die Gewerkschaften ihre Wachsamkeit fünftig verdoppeln. zu„ deutscher Art"? Wahrlich! Für solche Ehrenretter fann fich Deutschland bedanken! Die monarchistische Deutsche Tageszeitung" verleugnet das Wort der kaiserlichen Regierung. Uns aber schimpft fie, weil wir zu ihm stehen, sozialdemokratische die einer fremden Macht gegen Bezahlung dienen. Wir be greifen das Verhalten der Deutschen Tageszeitung" aus ihrer Gesamteinstellung zu Fragen der Ehre. Wer so wenig Verständnis hat für die Ehre des deu aschen Bolles, von dem kann man auch kein Verständnis erwarten für die Ehre der größten Partei im deut schen Volke. Lügen und verleumden ist sein Handwerk, mag er es üben! Gesindel kann uns nicht beleidigen! Keine Gehaltserhöhung. Jedoch Empfehlung der Konsumvereine! Gestern nachmittag fanden zwischen den Vertretern der Spikenorganisationen der Reichsbeamten und Reichsancestellten und dem Reichsfinanzminister Besprechungen über eine etwaige Erhöhung der Bezüge statt. Reichsfinanzminister p. Schlie ben legte im Laufe der Aussprache die Finanzlage des Reiches und die gegenwärtige Wirtschaftskrise dar und bedauerte, zurzeit teine Gehaltserhöhung in Aussicht stellen zu fönnen. Besonders wies er auf die Preis senkungsaktion der Regierung hin, die eine Besserung der Lage der Beamten und Angestellten des Reiches mit sich bringe, und forderte die Organisationen zu ihrer Unterstügung auf. Wohl im Gefühl des bevorstehenden Mißerfolges dieser Attion rief er aus: Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536- Banktonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3. Des Volkes Not. Sprechende Zahlen in amtlicher Denkschrift. Die vor einem Jahr erschienenen Denkschriften des preu Bischen Wohlfahrtsministeriums über den Gesundheitszustand der Jugend und über die Beeinflussung des Gesundheits zustandes durch die Teuerung im Jahre 1923 haben ein Bild so grauenhafter Berelendung weitester Schichten geboten, daß es die furchtbaren Zeiten des dreißigjährigen Krieges ins Gedächtnis rufen mußte und für alle Zukunft ein Zeugnis für die Nachwirkungen des Weltkrieges und die Erfolge der Poincaré- Politit bleiben wird. Die soeben erschienene neue Dentschrift über Bevölkerungsbewegung Gesundheitszustand in Preußen im Jahre 1924 zeichnet im ganzen ein etwas lichteres Bild. In den zahllofen Einzelheiten aber enthüllt sie nom immer die furchtbarste Not, Wirkungen vergangenen und Wurzeln fünftigen Massenelends. und Die Feftigung der Währung brachte eine Erleichterung der im Gefolge der Entwertung eingetretenen Nöte. Gehalt vollere Nahrungsmittel verdrängten minderwertige. Geflagt wird über die hohen Preise, namentlich des Fleisches, die der amtlichen Breissenfungsarbeit wenig Aussicht auf Erfolg machen. So bleibt für anderen Lebensbedarf faum etwas übrig. Da der Arbeitslohn all. gemein gering ist, geht der größte Teil des Verdienstes für Nahrung darauf. Für Wohnung, Oberkleidung, Schuh wert bleibt wenig, für Unterzeug, Wäsche, Reinigungsmittel faft nichts übrig." Da die Stadt- und Induſtriebevölkerung am meisten gelitten hatte, wurde die bessere Ernährung bei ihr mehr fühlbar. Eine schwere Uebergangserscheinung war die Arbeitslosigkeit. Wurden doch in Preußen im Jahre 1924 1 433 500 Erwerbslose( ohne besetztes Gebiet), am 1. April noch 694 600 gezählt. Am 1. Juli war diese Zahl auf 283 100 einschließlich des befesten Gebietes gefunten, stieg dann wieder langfam bis auf 329 600 am 31. Dezember. Im Industriegebiet stieg sie bis auf 47 Broz. in Wattenscheid.. Nach wie vor bewirkte die Geldknappheit mangel. hafte Ernährung, teilweise selbst auf dem Lande. Einen starten Rüdgang zeigen die Sterblich. te its zahlen. Es starben 458 732 Menschen( 11,77 auf 1000) gegen 521 247( 13,5) im Vorjahre. Die Sterblichkeit an Tu berfulose ging von 58 691( 15,20) im Vorjahre auf 46 042 ( 11,8), die Säuglingssterblichkeit von 104 053 ( 13,13 auf 100 lebend Geborene) auf 82 806( 10,57) zurüd. So erhöhte sich, bei fast gleichbleibender Geburtenzahl ( 783 265 20,09. auf 1000, gegen 790 67820,48 im Borjahr), der Geburtenüberschuß von 269 431( 6,98) wieder auf 324 533( 8,07). Die Sterblichkeitszahlen sind die niedrigsten, die bisher in Preußen gemeldet wurden. schen zu den Lebensaussichten, den Lebensmut, fennzeichnen, Dagegen zeigten die Zahlen, die die Einstellung der Meneine ungünstige Entwicklung. Die Eheschließungen erreichten den Tiefstand von 273 097( 7,00) gegen 364 171 ( 9,43) i. V. und 462 107( 12,07) im Jahre 1921. Und die Zahl der Selbstmorde von 7339( 18,91 auf 100 000 Lebende) i. V. auf 8059( 20,7). sich von 65 270 i. V. auf 73 319. Sie werden meist auf AbDie Zahl der Früh und Fehlgeburten erhöhte treibung zurüdgeführt. Doch ist ein Teil Folge zu schwerer Arbeit in der letzten Zeit der Schwangerschaft, die wieder vielfach auf Erwerbslosigkeit des Mannes beruht. Todesfälle ereigneten sich dabei in 1223( i. B. 1139) Fällen. Fast alle Bezirke melden Mangel an Bekleidung und Bettwäsche, hohen Preis und schlechte Beschaffenheit der zum Ersatz des Ausfalls des letzten Jahrzehnts erforderlichen Waren. Die Wohnungsnot hat sich nach allen Berichten noch erheblich vermehrt. In einem Dorf in Friesland lebte eine Familie mit 12 Kindern in einer unfertigen Scheune und Schweineställen. In 10 Städten mit 1 443 000 Einmohnern zählte man 84 346 Wohnungsuchende, in Halle 27 300 auf 200 000 Einwohner. Die Wohnungsnot hat in allen Bezirken zugenommen. Gefundheitsschädliche Wohnungen konnten des Mangels wegen nicht geschlossen werden. Im Regierungsbezirk Gumbinnen wurden im ersten Halbjahr 592 Wohnungen geschaffen bei 12 286 Wohnungsuchenden. 5126 Familien mußten hier in anderen Haushaltungen untergebracht werden, ebenso in Tilsit 2275 bei rund 10 000 Haushaltungen. Im Bezirk Köslin wurden in den Städten von 17 729 Wohnungsuchenden 1431 Familien untergebracht. In Jülich waren 13 Broz. des Wohnraums von der Besagung beschlagnahmt. Bei 8800 Einwohnern waren 880 Familien ohne „ Sie müssen durch Ihre Organisationen dafür sorgen, daß Ihre Mitglieder nur in Jhren Beamtentonfumgeschäften und den konsumgenossenschaften faufen, damit der Preissenkungsaktion der nötige Nachdruck verliehen wird. Ohne Mithilfe des Boltes ist ein Erfolg nicht zu erzielen. Boy- Wohnung. fottieren Sie die Geschäfte, die zu hohe Preise verlangen!" Die Besprechungen gingen schließlich wie das Hornberger Schießen aus. Der Reichsfinanzminister bat immer wieder um meitere Geduld. Lediglich in der Frage der mehrmona tigen Gehaltszahlung wurde eine weitere Prüfung und eventuelles Entgegenkommen in Aussicht gestellt. Die Dr ganisation erflärte hierauf, jede Verantwortung für die weitere Entwicklung der Dinge ablehnen zu müssen. Die Folge ist ungeheure Ueberfüllung, Zusammenpferchung Kranter, selbst Tuberkulöser mit Gefunden in denfelben Zimmern, ja Betten. Aus Magdeburg wird geklagt, die Wohnungsämter hätten nicht das geringste Berständnis für die Notwendigkeit, Raum zur Absonderung tuberkuloser Angehöriger zu schaffen. Schlagend ist das Urteil aus dem Bezirk Kaffel: Gelingt es nicht, den noch immer zunehmenden Wohnungs mangel in absehbarer Zeit zu beseitigen, so sind alle vom Staate und de» prtoaicn Otgonffaftetten ganoihleu Snfhrengmtgen, We Gesundheit und die ftraft unseres Volkes zu heben, als aussichtslos zu bezeichnen.� Betrachtet mcm die Altersklassen, so stehen am günstigsten die Säuglinge. Bis 95 Proz. wurden natürlich ernährt, was gutenteils mit dem S t i l l g e l d zusammenhängt. Daher ist der Plan der Regierung, dies durch eine Abfindung zu er- setzen, schärfsteus abzulehnen. Auch die Stillfähigkeit der Mütter hat sich gebessert. Die Säuglings st e r b l i ch k e i t war mit 10,57(i. B. 13,13) auf 100 Lebendgeborene die nie» d r i g st e bisher in Preußen beobachtete: neben der Brustnah- rung hauptfächlich eine Folge der wachsenden Fürsorge- maßnahmen. So ist bezeichnend, daß in Königsberg die all- gemeine Sterblichkeit 10,05, jedoch die der befürsorgten Säug- linge, die an sich kaum die günstigsten Bedingungen gehabt haben werden, nur 4,32 Proz. war. In Halle i. Wests, sank die allgemeine Säuglingssterblichkeit gar auf 4,4 Proz., ein Beweis, daß die anderswo bestehenden Uebelstände vermeid- bar sind. Da finden sich weit schlimmere Zahlen, namentlich in Industrieorten als Wirkung von mangelhafter Ernährung der Mütter. Die R h a ch i t i s wies noch keine Abnahm« auf. Sie wurde bei etwa einem Fünftel der untersuchten Säuglinge festgestellt. Groß war noch die W ä s ch e n o t und natürlich auch der Einfluß des allgemeinen Wohnungsmangels. So hatten in Elbing 20 Proz. der Säuglinge kein eigenes Bett. K0 Proz. schllefen in engen, ungenügend gelüsteten Räumen, 5 Proz. in einer engen Wohnung mit zwei Familien, 10 Proz. in unbezogenen Betten. Besonders trüb ist das Bild der Kleinkinder, der ännsten Opfer der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Zahl der unterernährten ist mit 23,9 Proz. angegeben. Zurück- bleiben an Wachstum und Gewicht; Rhachitis(29,7 Proz.)> Skrofulöse(27 Proz.), Blutarmut kennzeichnen die Not, als deren Ursachen konstitutionelle Schwäche, der hohe Milch» preis, schwierige Gemüsebeschafsung, enge, ungelüftet« Wohnungen genannt werden. In Cell« erhielten 44 Proz. genügend, 20 zu wenig, 30 Proz. kein« Milch, was noch eine Besserung gegen das Borjahr bedeutet. Bell- und Wäschenot treffen diese Kinder besonders schwer. So hatten im Kreis Sagan 52,3 Proz. kein eigenes Bett. Im Kreise Schweidnitz l— Schlesien, Ostpreußen und das besetzte Gebiet zeigen die schwärzesten Bilder— wohnten von 616 Kleinkindern 66 mit 5 oder mehr Menschen in einem Zimmer. 167 schliefen mit anderen Kindern, 120 mit Erwachsenen zusammen, 5 über- Haupt nicht im Bett. 50 hatten kein warmes, 6 gar kein Mittagessen. Wen wundert es. daß unter diesen Kindern alle Krankheiten bis zur Syphllis ihre Beute finden? Den Schulkindern haben Schulspeisung und anderes verbesserte Ernährung gebracht, doch sind die Kriegsfolgen noch nicht überwunden. Besonders schlecht stehen die Jahr- gänge 1317 und 1918. Vor allen geschädigt sind natürlich die kinderreichen städtischen Arbeiterfamilien. So zeigen im Bezirk Kassel je ein Linder unterernährt sirohrN« taScrfut. ges. rhachitich normal Arbeiterdorf 108«4 14 4 4 52 Bauerndorf 109— 6— 1 10B Im Durchschnitt der Berichte waren 35.5 Proz. gut. 42,7 �befriedigend", 21,8 Proz. schlecht ernährt. Die zweite Jahreshälfte war günstiger als die erste. Doch gibt ee auch viel« dunklere Bilder. So waren in Tilsit 9,9 Proz. stets hungrig, und 46,9 Proz. erhielten nie oder nur gelegentlich aus öffentlichen Mitteln Milch Die höchst« Zahl linterernährter meldet Kreis Blumenthal mit 55.9 Proz. Im Durchschnitt werden 27,5 Proz, reichlich«in viertel, als unter- ernährt angegeben. Freilich ist das im Vergleich mit den furchtbaren Zu- ständen der Borjahre(1920 waren 52,5 und im zweiten Halb- jähr 1323 gar 68 Proz. als unterernährt bezeichnet) wieder eine Berbeflerung. Aber für sich bettachtet, zeigen die Zahlen doch nur, daß unser Volk aus der Hölle in ein sehr quälendes Fegefeuer übergegangen ist, dessen Ende niemand abzusehen vermag. Unterernährung... Wohnungsnot mit ollen furchtbaren Folgen... bitterster Mangel an Betten, Wäsche. Kleidung, Schuhwerk... die Folge alles dessen in Form der verschiedensten, namentlich der konstitutionellen Krankheiten: eine schwere Anklage nicht nur gegen den Krieg und jene, die ihn willkürlich gegen ein unterlegenes Volk fortgesetzt haben, sondern gegen das ganze wirtschaftliche und politische System, unter dem wir heute leiden. Das den.Zusammenbruch der Geldwirtschaft benutzt hat. um die widerstandsunfähigen Massen noch tiefer m ihr Elend hineinzustoßen, und die polittsche Verwirrung breiter Schichten, um mit Hilfe erschlichener Mehrheiten durch Steuer-, Zoll- und Aufwertungs- gefetzgebung die Reichen reicher, die Armen noch ärmer und kränker zu machen. Möge die amtliche, preußisch« Denkschrift in den weitesten Valkskreisen beachtet und studiert werden. Und möge sie als Anttieb wirken, der Rot durch gerechteres Eingreifen der Staatsgewalt, durch menschlichere Gestalrung der wirtschaftlichen Machtverteilung sofortige Linderung und baldige endgültige Abhilfe zu schaffen. Dazu bedarf es der grundsätzlichen Umgestaltung unserer politischen Mochtverhält- nisse in Staat und Gcmekchen. Das preußische Volk hat in Provinzial- und Kreistagswahlen gerade jetzt Gelegenheit, ebenso wie bei den Stadtverordneten- wählen in Berlin, aus den erschütternden Schilderungen der amtlichen Denkschrift praktische Nutzanwendungen zu ziehen. Deutstbnationaler patentpatriotismus. Unterschlagung von Kriegshinterbliebenengeldern. Eine Unterschlagungsaffäre übelster Art ist vor wenigen Tagen in Dresden aufgedeckt worden. Wegen Verdachts der.Unter- schlagung und groben Vertrauensbruchs" wurden der Major a. D. L ö f f l e r und ein Dr. Meißner, früher Syndikus des Ver- bandes sächsischer Industrieller, verhaftet. Beide Ehrenmänner ge- hören der deutschnationalen Voltspartei an und haben sich als Führer der.nationalen" Jugend gewisse Verdienste er- warben. Sie bekleideten«ine Ehrenstell« in der»Verwaltung des Sächsischen Dolksopfers", einer Organisation, die mit öffentlichen und privaten Geldern unterstützungsbedürftig« Kriegerhinter- blieben« versorgt. Ein« Revision des Kassenbestande» bei dem .Sächsischen Dolksopfer" deckte einen Fehlbetrog von 8 0 0 0 0 M. auf. Trotzdem konnte man sich lange nicht zur Anzeige und Verhaftung der beiden.nationalen" Ehrenmänner entschließen, da sie vorgaben, es handle sich um«in Mißverständnis und es werde in kurzer Zeit Deckung für den Fehlbetrag erfolgen. Unterdessen lebte Major Lösfler immer noch von dem veruntreuten Geld in einem Seebad in Saus und Braus. Erst nach mehreren Monaten. als die beiden Herren keine Mittel zur Deckung de» Fehlbetrages herbeischaffen konnten, schritt man zur Festnahm«. Man steht: die Leute mit dem.nationalen" Patentpatriotismus haben allen Grund, über Barmat und weiß Gott wen zu zetern! * Wie TU. mitteilt, sst inzwischen unter Heranziehung derjenigen. die für die ordnungsmäßige Geschäftsführung des.Volksopfers" verantwortlich waren, die Deckung der Fehlbettäg« gesichert worden. Die provinzialwahlen. Auslegung der Wählerlisten»ach de««enen Gesetz. Der Landtag hat soeben das neue Wohlgesetz für die Pro- vinziollandtage und Kreistage verabschiedet. Auf Grund dieses Ge- setze? sind am 2 9. November d-I. sämtliche Provinzialland- tage(Kommunallondtage) und sämtliche Kreistage mit Ausnahme der von dem Minister des Innern zu bestimmenden Grenzkreise in Oberschlesten neu zu wählen. Die Ausnahme wird sich er- strecken auf die Kreis« BeutheN-Land. Hindenburg. Ratibor-Land, R y b n i k, Tornowitz und T o st- G l e i w i tz. Für sämtliche Wahlen find die Wählerkisten gemäß de» Vorschriften des neuen Gesetzes auszulegen: wo die Aus- legung gemäß dem Runderlaß vom 20. August d. I. bereits be- gönnen hat, ist sie daher zu wiederholen. Die Auslegung?- frist beträgt 2 Wochen und beginnt spätestens 5 Wochen vor dem Wahltage. Ein Ausführungserloß zu dem neuen Gesetz und ein« neue Wahlordnung für die Provinziallandtags- und Kreistags- wählen werden in Kürze erscheinen. Deutsche Politiker in Amerika. Beginn der interparlamentarischen Konferenz. Washington. 1. Oktober.(MTB.) Gestern nachmittag trafen über Philadelphia die deutschen Delegierten zur interparlamentari- schen Konferenz in Washington ein. Unter ihnen befinden sich die Sozialdemokraten Adolf Braun, Toni Pfülf, Reichstagspräsident Löbe, sowie Dr. Wirth, Die deutschen Parlamentarier wurden vom deutschen Botschafter. Freiherrn v. Maltzan. am Bahnhos begrüßt. Der Kongreß, an dem etwa 400 Delegiert« aus 38 Ländern teil- nehmen, wurde vom Staatssekretär Kellog im Namen der amerikani- schen Regierung begrüßt. Die Anwesenheit einer solch bedeutenden Schar von Vertretern aus sich selbst regierenden Ländern beweist, mit welcher Aufmerksamkeit sich die Well mit den Fragen der Demo- kratie beschäftigt. Das Zusammentreffen von Mitgliedern verschie- dener Parlamente diene dem Frieden. Di« Böller würden durch solche internationalen Besprechungen einsehen, daß es zur Erledigung internationaler Streitigkeiten bessere Mittel gebe als die Zufalls- entscheidungen eines Krieges. Der sich immer weiter ausbreitende Brauch, Sl'aatsoerträge den Parlamenten zur Ratifizierung zu unter- breiten, förder« die Erhaltung des Friedens. Er sei kein Schwarz- seher, aber er könne nicht blind sein gegenüber den Kräften, die in vielen demokratischen Ländern das ordnungsmäßige System der aus der Wahl durch dos Bolk beruhenden Regierung zu zersetzen und ein« Klassenherrschaft aufzurichten streben. �abour für Sicherheit. Kommunistische Niederlage auf dem Parteikongrest. Liverpool. 1. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die groß« außenpolitische Aussprache auf dem Kongreß der Pabour Party endete mit einer ausgesprochenen Niederlage der Kommu- n I st e n. Ihr Versuch, dem Parteitag eine mit der Entschließung des Gewerkschaftskongresses gleichlautende Erklärung gegen den Dawes-Plan aufzunätigen, wurde nach einer Rede des Führers der britischen Bergarbeiter, Herbert Smith, und Mac« donalds, in der dieser dos Ergebnis der Londoner Konserenz ver- teidigte, abgelehnt. Hierauf nahm der Kongreß eine Rejolution zur Außenpolitik an, in der das Bekenntnis der Partei zum Genfer Protokoll erneuert, dl« Einberufung einer inter« nationalen Entwaffnungskonfercnz sowie die sofortige Unterzeichnung jener Klausel in dem Statut des ständigen Schiedsgerichtshofes gefordert wird, die die Unterzeichner verpflichtet, alle Streitfragen der Schledsgerichtsbarleit zu unterwerfen. Ueber die Frag« des Sicherheitspaktes heißt es in der Resolution:.Die Partei wird jeden Pakt bekämpfen, der den Charalter aller Militär-Alllanzen hat und nicht völlig auf der wechselseitigen Garantie bzw..der obligatorischen Schiedsgerichts» barkert aufgebaut ist." Die Konferenz veruttcill schließlich die llebernahme des Irak« Mandats für die Dauer von 25 Jahren für den Fall der Zu- Weisung Mossuls an den Irak und spricht zuletzt die Hossnung aus. daß«s der Arbeiterschaft Bulgariens, Ungarns, Italiens und Spa- Niens bald gelingen werde, die reaktionäre Gewaltherrschaft in chren Ländern zu brechen. v. Bülaw kalkgestellt. Der durch seine Opposition gegen ein« aktwe Döllerbundspolitit bekannt« Geheimrat von Bülow, Referent des Auswärtigen Amtes für Völkerbund sangelegenheüen. fährt nicht nach Locorno. Die norwegisch-deutschen Verhandlungen über die gegenseitig« Aufenthallsverweigerung und Ausweisung von Staatsangehörigen haben jetzt dazu geführt, daß beide Staaten ihre Maßnahmen gegen die Bürger des anderen Landes zurückgezogen haben. „Sin einig Volk.. Bon Max Eck-Troll. Kennt Ihr nicht diese Tisch« in Wirtshäusern und Wohnungen. wo sie zusammen sitzen von der Dämmerstunde an. da das liebe Federvieh die Hühnerleiter hinaufwackelt, um schlafen zu gehen, bis zur Dämmerstunde der aufgehenden Sonne, da die Hähne auf die ländlichen Misthaufen steigen, um durch schmetterndes.Kikeriki" ihre Harems nebst Bauersleuten aus dem Schlummer zu wecken? Diese runden und eckigen Tische findest du zu Hunderttausenden in Germanien. An ihnen sitzt Tage und Nächte der Deutsche; ohne Ermüden und mit Andacht vertieft er sich in das.Gebetbuch der 3 2 Blätter". Und führt dabei«ine eigene Sprache, die nur der .Gleichgesinnte" oersteht. Wie der Kongoneger vom Lateinischen nichts kapiert, so der Nichteingeweihte von der Geheimnissprache, die an diesen deutschen Stammtischen geführt wird:»Grand mit Bieren",.Schippen-Solo", »Null ouvert" usw. Der Ritus des Gebetbuches der 32 Blätter läßt seine Gläubige« alles in der Well vergessen. Er eint den Christen und den Juden, den Hakenkreuzler und den Demokraten. Selbst der Stteit um schlechtes oder gar.falsches"' Spiel findet nur zwei Parteien, denen konfessionelle und politische Motto« fremd sind. Käme ein Gelehrter einmal auf den Gedanken, ein Buch de» Inhalts zu schreiben:»Skatspiel, Politik und Religion", er könnte nur zu der Erkenntnis kommen, daß in der Politik die Skatspielwut des Deutschen mit daran schuld ist, daß wir in Deutsch» land noch so viele Monarchisten haben, die für das Königtum und Hindenburg sind, weil es im Kartenspiel auch Könige gibt. Da e» sogar vier davon gibt, ist der deutsche Skatspieler Parttkularist und mächte recht viele Könige in Deutschland haben. Und in der Frage der Konsession? Dem schärfften Antisemiten ist jeder Jude als Bruder der Skat- gemeinde erwünscht, vorausgesetzt, daß der Israelit so schlecht Karten spielt, daß der christliche Skatspieler regelmäßig gewinnt. In solchem Falle läßt der deutsche Dauerskat polittsche und konfessionelle Gegen- säße verschwinden. Der echte deutsche Skatspieler kennt nur zwei Gruppen von Menschen. Gruppe 1: Spielt Skat, Gruppe 2: Spiell keinen Skat. Zum Beweis diene eine große zweispaltige Annonce die ich in der Inseratenfarm eine sogenannten deutschen bürgerlichen»Welt- blattes" gefunden habe: .A e l t e r e s Ehepaar, da« gern«inen gemütlichen Sckat spielt, sucht Gleich- ' gesinnte. Offerten unter... Gleichgesinnte?! Da» Wort steht erzern hingegossen, ohne jede näher« politische, konfessionelle, nationalistische, wellanschaullche Bezeichnung. Gleichgesinnt iß tu Germanien au der Karlenspieler. Im Norden grassiert der Skat, in Baden und Württemberg der Tarot und in Bayern»D e r S ch a f» k o p f". Dergestalt stuft sich auch die Politik i» den deutschen Landen ab. Weil Millionen Deutscher so gerne Skat. Tarok und»Schafs- topf" spielen, und da» mtt heldenhafter Ausdauer vom Gang auf die Hühnerleiter bis zum Marsch auf den Misthaufen(Näheres sieh« oben!), darum sieht es bei uns in Deutschland so traurig aus. Hindenburg in Beklin. Held in München, Va« zille in Stuttgart verdanken dem Skatspiel ihre politischen Erfolge. Nur Goethe, Kant, Fichte, Karl Marx und einige andere Leuchten deutschen Geiste« stehen der germanischen Sitte des Skatspiel» skeptisch gegenüber, weil die Andacht de» Datterskates es Millionen lieben Deutschen zur physischen Unmöglichkeit macht, die Werke deutscher Geisteihelden zu studieren. Für die deutschen Skatspieler aber schuf Gott im Zorne die un> politisch«, interkonfessionelle deutsche Tageszeitung. Der Kampf um den INounl Everest. Dreimal wurde nach dem Kriege der Versuch unternommen, den höchsten Berg der Erde zu ersteigen, dreimal scheitert« er, trotzdem die besten Bergsteiger Eng- lands sich daran wagten. Kapitän Finch, einer der Teilnehmer der beiden letzten Expeditionen und der Führer der nächsten, sprach gestern abend im Blüchnersaal über die zweite Besteigung de» Mount Everest. Er ging davon aus, daß die Besteigung leichter gewesen wäre, wenn man sie vom Süden unternommen hätte, aber das Königreich Nepal, das am Südrande des Himalayagebirges liegt, verweigert« den Durchmarsch. Noch monatelangen Umwegen um den Himalayn durch Sikkim und Tibet wurde deshalb der Auf» stieg von Norden versucht. Bereits in 6000 Meter Höh« begannen die Schwierigkeiten. Die Maultiere konnten nicht mehr die eisig« Temperatur vertragen und wurden durch Paks ersetzt, die Lust wurde so dünn, daß man sich der Sauerstoffapparate bedienen mußt«, selbst die Tibetaner, die die Expedition begleiteten, blieben zurück. Nur vier Europäer wagten sich weiter vor, aber 500 Meter vor Erreichung des Zieles mußten sie umkehren. Die Schwierig- keilen, die sich den Bergsteigern entgegenstellten, lagen weniger in der Struttur des Berges, als in den klimatischen Berhältnissen. Die Temperatur glich ungefähr der der Polqegenden, hinzu kamen wochenlang anhaltende Schneestürme.— Die Ausführungen des Kapitän Finch wurden durch ausgezeichnete Lichtbilder unterstützt. Finch ist ein hochbegabter Redner. Er hat nicht, Dozentenhastes in seinem Vortrag, er macht Salonunterhaltung, spricht fließend und witzig. Wie russische Conferenciers zieht er einen Teil semer Wirkung aus der nicht immer einwandfreien Beherrschung der deutschen Sprach«. Finch kennt kein Vachas, auch die größten Entbehrungen ssnd in der Erinnerung nicht mehr so schlimm: und «in Erlebnis verliert nicht an Bedeutung, wenn es mit Ironie behandell wird. Feinstes Einfühlungsvermögen zeigen seine Schilderungen der Tibetaner, der Tiere und der Landschaft: ein großer Sportsmann kann auch guter Psncholog« sein. Und wozu öer Kamps um den Mount Everest? Was hat die Menschheit da- von, wenn er bezwungen worden ist? Aber diese Fragen stehen nicht zur Diskussion. Warum entdeckte Amundsen den Südpol? Es gibt Ereignisse und Taten, die nicht mit dem Nützlichkeitsinatz- such gewertet werden dürsen._ F S. Der Berliner Bolkschor brachte Verdis.Requiem" zu einer wohlgelungenen und abgerundeten Aufführung. Dieses Werk, ist erfüllt von südlicher Melodienglut und naivem sinnlichem Wohl- klang, sein Singen ist ganz im Klang verankert und strebt gar nicht nach bloßem linearen Schwung, seine Hallung ist durchaus vom Sinn für Klang, für berückendes und berauschendes Tonfluten be- stimmt, seine Doltstümlichkeit ist gegründet in der Freude der Musik als Wohlklang genießenden unbesangenen Hörers. Und so ist es eigentlich zu den Bestrebungen junger und alter Reformatoren, die Musik zum klangunstnnllchen Liniengeflecht, zu einer von aller Sinnlichkeit befretten Lebensäutzerung. zu impotenter Abstraktion, zu .Ethos" oder zur Erformung nur vitaler Rhythmik zu machen, der beste, schlagendste und durchdringendste Gegenbeweis. Berdi hält ihnen insgesamt das Wesen aller Vollblutmustk vor: Klang! Wohl denen, die ihn können!— Ernst Zander ließ denn di« be- rauschenden und berückenden Klänge in der Fülle ihrer Leuchtkraft erstehen, fteigebia in der Dynamik und in den gegensätzlichen Ab- tönungen. Er packte das Wert von der Drastik des»Dies irae* aus. unterstrich die stark repräsentative An und die Theatralit dieser von beißem Atem, von Bühnenblui erfüllten und mit dem sicheren Grits des scharf charakterisierenden Genies geformten und gestalteten Musik. Er ließ den Solisten unbegrenzte Freiheit im Ausleben der Stimmen durch ein anschmiegsames Mitgehen. Selbst dos Quartett, sonst der wunde Punkt solcher Aufführungen, war in bester Forin.(Herta Stolzenberg, Eleanor Schloßhauer. Reynolds, Anwnt K o h m a n n. Albert Fischer). Der E h o r zeigte sich im Besitz einer hohen Kullur und war in Zanders Hand«in gefügiges uno belebtes Instrument. Ihm wäre ein tüchtiger Zustrom junger Männerstimmen noch zu wünschen. Das Berliner Sinfonie- Orchester spielle mit Schwung und war von fesselnder Ton- schönhcit. S. G. Gedenkseier für Prof. Dr. Alfted Merz. Für den am 16. August 1925 in Buenos Aires verstorbenen Direktor des In- llitut» und Museums für Meereskunde, Prof. Dr. Alfred Merz. den wissenschaftlichen Leiter der deutschen atlantischen Expedition, wurde gestern mittag im Institltt iür Meereskunde in Berlin«in« Gedenkfeier abgehallen. Die Feier wurde eingeleitet durch den Gesang des Madrigal-Chor« der Staallichen Akademie für Kirchen» und Schulmusik. Nach Verlesung des Nachrufes der deutschen atlantischen Expedition und der Besatzung des Forschungsschiffe« „Meteor" durch den Kustos des Instituts für Meereskunde, Prof. Stahlberg, fanq der Chor„Es ist genug" von Johann Sebastian Bach. In einem langen Nachruf entwickelte Prof. Stahl- berg ein Lebensbild de. Verstorbenen. Er würdigte darin vor allem die wissenschaftlichen Taten des an der Schwelle seines Er- folge? verstorbenen Dr. Merz. Die eindrucksvolle Feier schloß wieder mit Gesang. DI« Premiere der reuea Revue.von A—Zm in der Komischen Oper flndez nicht heute, Freitag, sondern morgen, Sonnabend, um 7 Uät stöu Die gelöst« Kart« behalt« ihre Sülligleit. Weg von der Futterkrippe! Ein reaktionärer Anschlag auf das Berliner Schulwesen abgewehrt! Die Borgänge in der gestrigen Berliner Stadtverord netenversammlung verdienen über die Grenzen Berlins hin. aus Beachtung. Im vorigen Jahre haben die bürgerlichen Parteien im Berliner Rathaus mit Ach und Krach und mit Hilfe der Kommu niften den Abbau des ihnen unangenehmen Sozialdemokraten Baulsen von dem Posten des Groß- Berliner Stabtschulrats durchgefekt. Seitdem war diese Stelle, deren Wiederbesegung felbstverständlich auf die Dauer unumgänglich war, permaist und wurde von dem unbefoldeten volfsparteilichen Stadtrat Benete verwaltet. Seit einigen Wochen herrschte hinter den tuliffen der bürgerlichen Parteien och betrieb im Ruhhandel. Je näher die Wahlen für die neue Berliner Stadtverordnetenversammlung heranrüdten, um fo größer wurde die Ueberzeugung, daß die furze Herrlichkeit einer tnappen Bürgerblodmehrheit von fünf Stim men endgültig ausgespielt sein würde. Unter diesen Umständen galt es, mit allen Mitteln in letter Stunde den Bosten des Stadtschulrats unter Dach und Fach zu bringen. Monate und mochenlang gingen die Berhandlungen hin und her, ohne daß die bürgerlichen Barteien sich einigen fonnten. Die Boltsparteiler, deren Halbierung bei der Neuwahl so gut mie sicher ist, versuchten unter allen Umständen, ihren Benete an den Mann zu bringen, die Deutschnationalen sefundierten in Ermangelung eines geeigneten Kandidaten und aus prattischen Gründen. Das Zentrum schluckte offenbar den auch ihm unangenehmen Benete lieber als einen später mit fozialistischer Unterſtügung gewählten neuen Mann. Nur die Demokraten fonnten sich nicht entschließen. Die große Mehrheit ihrer Fraktion wußte offenbar zu genau, daß der aalglatte Boltsparteiler feine reattionären Krallen erst zeigen würde, wenn er fest in Eattel faß. Auch wollten die Demo. fraten bei der Gelegenheit eventuell durch Zweiteilung des Postens tischen Verhältnisse erschwerte wohl den Abschluß eines solchen Pattes mit den Rechtsparteien, ausgerechnet drei Wochen vor einer Neuwahl! Für die Freiheit der Kunst. Aufruf an die breiteste Oeffentlichkeit. Die wichtigsten Organisationen schaffender Geistesarbeiter erlaffen einen Aufruf für die Freiheit der Kunst, der von den besten Namen des geistigen Deutschland unterzeichnet ist. Der Gegenstand des Aufrufs foll am 11. Ottober in einer Riefenversamm Iung zu Berlin öffentlich besprochen werden. Runst muß fret fein. Ganz gleich, in welcher Beltan. schauung, welcher Gesinnung fie murzelt. Nur dann wird sie ihre Sendung erfüllen tönnen: Die Menschen zum schöpferischen Mit. erlebnis großer Gefühle zu führen. Bieder einmal scheint diese Freiheit bedroht, schwerer Dielleicht als je. Denn nicht um tunstfeindliche Anschläge privater Gruppen handelt es sich heute, wie in den Kampftagen der Leg Heinze. Die Gefahr erwächst diesmal aus den bestehenden Gesezen oder doch aus einer um fich greifenden bedentlichen Auslegung dieser Gesetze. Nicht soll den Gejegen das Recht bestritten werden, die Verfassung des Staates vor gewaltsamen Angriffen zu schützen. Aber es fann nicht Aufgabe des Staates oder seiner Drgane fein, Gesinnungen zu verfolgen, ganz gleich, ob sie den Staat in seiner heutigen Ge. stalt bejahen oder verneinen, und auch nicht die Aeußerung irgend. einer Gesinnung, folange fie in künstlerischer Form geschieht und bes halb ,, revolutionierend" nur in jenem allgemeinen Sinne wirten fann, der den Gedanten einer bestimmten planmäßigen Aftion ausschließt. Die Fälle aber mehren sich, in denen staatsfeindliche Gesinnung auch im Kunstwerf gerichtlich verfolgt wird. Neben den Strafgeseh buchparagraphen über Hochverrat und Aufreizung zum Klassenhah wird vor allem auf Grund des Gesetzes zum Schutz der Republik vorgegangen. Und nicht nur untergeordnete Instanzen verfolgen das fünstlerische Schaffen: voran geht der Staatsgerichtshof zum Schuß der Republik" mit bedauerlichem Beispiel. Aus diefem Hin und her und aus Mißverständnissen bei der Abstimmung fam es schließlich dazu, daß die Magistratsoorrische Bauerndrama Thomas Münzer". Antage murde erhoben lage auf Reubesezung der Stelle gestern abgelehnt wurde. Damit ist die Absicht der Rechtsparteien, noch vor den Wahlen an die Stelle Wilhelm Paulsens einen reaktionären Nach folger zu setzen, endgültig gescheitert. Es dürfte feine Möglichkeit mehr geben, in den noch verbleibenden zwei oder drei Sigungen mit neuen Mitteln das heiß ersehnte Ziel zu erreichen. Die gestrige Abstimmung ist eine efíatante Schlappe des Bürgerblods und noch dazu eine wohlverdiente! Sie ist symptomatisch für die vollständige politische Unfruchtbarkeit dieser fünstlichen nur Dom Sozialistenhaß getragenen politischen Kombination, die zwar beim Abbau von Sozialdemofraten mit tommunistischer. Unterstügung Siege erringen fann, die aber unfähig ist, zu eigenen positiven Entscheidungen zu kommen. Diese Schlappe der Bürgerblödler ist ein guter moralischer Auftakt für die fommende Wahl, denn im Kampf gegen den Bürgerblod hat die Sozialdemokratie im Berliner Rat haus in den lezten Jahren ihren Mann geftanden, und die Gegner selber haben ihr bezeugen müssen, daß sie ihr Ziel, die Bürgerblodfoalition zu sprengen, fast stets erreicht hat. Die gestrige Nieder lage der Rechtsparteien hat wieder bewiesen, daß nur mit der Sozialdemokratie und nicht gegen sie in Berlin Politit gemacht werden tann. Bisher haben die Berliner Demofraten infolge ihrer flanbig nach rechts, neigenben Führung aus all biefen Tatsachen nicht die nötigen Konsequenzen zu ziehen gelernt. Auch in diesen Wahlkampf zichen sie wieder mit der lächerlichen Barole non der Gefahr einer sozialistisch- tommunistischen Mehrheit. Diese Gefahr besteht in Wirklichkeit nur in den Gehirnen der leider bei den Rathaus- Demofraten noch maßgebenden Führer, die sich immer noch nicht von dem Traum eines Bürgerblods gegen die Sozialdemokratie frei machen tönnen. dieser Braris ein Ende zu machen. Sehen die verantwortlichen Stellen in dem geschilderten Borgehen die richtige Auslegung der Gesezze, so heißt es, diese selbst so rasch wie möglich umzugestalten! An die breiteste Deffentlichkeit ergeht der Ruf, biefe Forderungen zu unterſtügen. Erhebt, die Ihr mit uns in der Freiheit der Kunst ein höchstes Gut seht, überall Eure Stimme! 3eigt geschlossen den Begnern des Staates, daß es des Volkes me ift: Freiheit allem tünstlerischen Schaffen.! Genoffenschaft Deutscher Bühnen- Angehörigen: Ridelt. Ballauer. Goethe- Bund: Friß Engel. Dr. Ludwig Fulda. Heinrich Eduard Jacob. Schuhverband Deutscher Schriftsteller: Dr. Monty Jacobs Berband Berlluer Theaterkritiker: Dr. Emil Faftor. Gemeinschaft für neue Theaterkultur: Bardach. Gewerkschaft Deutscher Geiftesarbeiter: Prof. Carl Fries. Welt- Jugendliga: Friz R. Schulz. Bolfsbühne e. B.: Springer. Reft. Berband der deutschen Volksbühnenvereine: Staatssekretär Baafe. Dr. Neſtriepfe. Berliner Sezeffion: Eugen Spiro. Charlotte Berend- Corinth. kartell Eyrischer Autoren: Alfred Richard Mener, Geschäftsführer. Reichswirtschaftsverband bildender Künffler Deutschlands: Otto Marcus. Berband deutscher Kunstkritiker: Dr. Mar Osborn. Bereinigung der Freunde von Religion und Bölferfrieden: Pfarrer August Bleier. Verband Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten e. V.: Dr. Goldbaum, Schriftführer. Dr. h. c. Graf von Arco. Rechtsanwalt Dr. Gustav Aßmann. Julius Bab. Hermann Bahr. Intendant Paul Better. Chefredakteur Beschlagnahmt wurde ein Buch von Berta Last, das histo Georg Bernhard. Professor Dr. Ostar Bie. Generalmusifdirettor Leo Blech. Pfarrer Auguft Bleier. Walter Bloem. Profeffor Dr. gegen den Dichter Johannes R. Becher wegen verschiedener aus M. Bonn. Dr. Paul Bourfeind. M. Bonn. Dr. Paul Bourfeind. Mar Brod. Oberregierungsrat ihrem Zusammenhang gerissener, den Aufruhr verherrlichender Carl Bulce. Paul Caffierer. Mar Deri. Reichsminister a. D. Verse in einer Sammlung seiner Gedichte. Gegenüber dem jungen Dernburg. Dr. Alfred Döblin. Käthe Dorsch. Louise Dumont. RI aeber verfügte ein Gerichtshof Einziehung seiner Stizzensamm Carl Ebert. Profeffor Dr. Einstein. Herbert Eulenburg. Gertrud lung ,, Barrikaden an der Ruhr". Dazu tritt als vielleicht ergstes. Fischer. S. Fischer. Dr. jur. Josef Frant. Senatspräsident Ensoldt. Pastor Emil Felden. Dr. Lion Feuchtwanger. Dr. Hans die vom Staatsgerichtshof in Leipzig erfolgte Berurteilung des A. Freymuth. Alexander Granach. Chefredakteur Hellmut v. Ger Schauspielers Rolf Gärtner zu der ungeheuerlichen Strafe von lach. Heinrich George. John Glaefer. Alexander von Gleichen 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis, obgleich dieser Schauspieler nichts Rußwurm. Dr. Ludwig Goldstein. Senatspräsident Dr. Hermann anderes beging, als daß er bei einer erlaubten fommunistischen Großmann. Pfarrer Dietrich Graue, M. d. L. Dr. Ludwig Haas, Revolutionsfeier in Stuttgart nicht tonfiszierte Gedichte revolutio M. d. R. Walter Hasenclever. Intendant Carl Hagemann. Dr. nären Inhalts vortrug und eine Sprechchoraufführung Teitete, in der Mar Halbe. Rechtsanwalt Dr. Hamburger. Intendant Ernst Hardt. Gerhart Hauptmann. Bürgermit primitiven fünstlerischen Mitteln die Befreiung politischer Ge. Julius Hart. Gustav Hartung. fangener dargestellt wurde. Erschüttert steht man vor der Tatsache rat a. D. Dr. Ludwig Herz. Eduard Heß. Hermann Heffe. Professor meister Dr. Heimerich. Georg Hermann- Borchardt. Amtsgerichts. dieser fünf Bierteliahre Gefängnis für einen Menschen, der nichts Dr. Baul Hildebrandt. Dr. Kurt Hiller. Staatsminister a. D. Baul tat, als jene durch Drud allgemein verbreiteten und nicht verbotenen Hirsch. Hugo v. Hofmannsthal. Direktor Friz Holl. Felix Hol Berse au sprechen, einen Menschen, deffen ideale Gesinnung das Geländer. Landgerichtsrat Dr. jur. D. Holten. Oberpräsident D. Hör richt selbst anerfennt! Aber es gilt hier feineswegs, Mitgefühl mit dem Unglüd eines einzelnen zu befunden. Ebensowenig: für die Ideen der mit ihm verfolgten Bartel zu ergreifen. Es gilt vielmehr, das fünftle rische Schaffen als solches von der Gefahr weiterer Beeinträchtigungen zu befreien! Was heute jenen ge, schah, die aus ihrer Gesinnung heraus fünstlerische Werte zu ge ftaften suchéen ganz gleich, ob man sie als gelungen betrachten mill, das fann morgen auch Andersgesinnten zustoßen. Mo fann die Grenze für das gezogen werden, was der Kunst in der Gestaltung politischer Gefimmung erlaubt sein soll? Zebt nicht in hundert Berten, und staatliche Einrichtungen? Wer bürgt uns heute dafür, daß nicht und zwar den beften, ein Geist der Auflehnung gegen gesellschaftliche einmal Staatsanwalt und Gerichte auch gegen Schillers Räuber" vorgehen und gar jene ins Gefängnis werfen, die solchen Berten und„ Tell", gegen Büchners Danton" oder Hauptmanns Weber auf der Bühne Leben gaben?! sing. Siegfried Jacobsohn. Intendant Leopold Jeßner. Herbert bering. Grete Ilm. Georg Kaiser. Dr. Rudolf Kanier. General intendant Albert Kehm Bernhard Kellermann. Dr. Hermann Alaar. Klabund. Eugen Kloepfer. Annette Kolb. Profeffor Georg Reffer. Hermann Kienzl. Justizrat Kempner. Professor Dr. Alfred Solbe. Profeffor Käthe Rollwig. Regierungs- und Schulrat Christoph König, M. d. 2., Paul Kornfeld, Direktor Dr. Alwin Kronacher. Landgerichtsdirektor Wilhelm Kroner. Intendant Ernſt Legal. Rudolf Leonhard. Professor Dr. h. c. Mar Liebermann. Emil Lind. Direttor Gustav Lindemann. Reichstagspräsident Baul Läbe. Ostat Loerte. Direttor Theodor Boeme. Heinrich Mann Thomas Mann. 3. Meier- Graefe. Pfarrer Moering. Gerba Miller. hörigen. Dear Ballenberg. Dr. Alfons Baquet. Profeffor Dr. MilDito Ruschke, M. b. 2. Profeffor Dr. Oppenheimer. Erich Duo, Mitglied des Präsidiums der Genossenschaft Deutscher Bühnenange helm Baters. Ben Beutert. Robert Brechtl. Reichsminister a. D. Ernst Rohwolt. Intendant Leopold Sachle, Felix Salten, Direktor Brofeffor Dr. Guftan Rabbruch. Hans Jose Rehfilch. Erich Reiß. Die politische Bertretung der Arbeiterschaft, die Sozialdemo. Die politische Vertretung der Arbeiterschaft, die Sozialdemo. tratte, hat sich als dem Bürgerblod überlegen gezeigt. Ihre Einheitlichkeit und Geschlossenheit gegenüber der Bersplitterung, der Eigenbrötelei, der Interessenten und Cliquenbildung Organisationen völlig unpolitischen Charakters, Männer und in den bürgerlichen Reihen legt das Uebergewicht und die Führung Frauen jeglicher politischen Gesinnung, einig aber in der lleber zeugung, daß eine Fortentwidlung unserer Kultur unbedingt eines auf bie Dauer naturgemäß in ihre hand. Die arbeitende Be völkerung Berlins wird daraus den einzig richtigen politischen Schluß freien fünstlerischen Schaffens bedarf, erheben hiermit als Unter ziehen müssen und der Sozialdemokratie in der Industriestadt Großzeichner Proteft gegen die Berfolgung von Künstlern und Kunst Berlin zu einer arbeits- und Leistungsfähigen Mehrheit verhelfen. merten. So darf es nicht weitergehen! Auch die Würde bes Staates ift in Gefahr! Ein Staat, der nicht die Autonomie der Kunst wie die der Religion und die Ausübung beider frei ge- eichert. Porfeffor Adolf Weißmann. Baul Wiegler. Dr. Bruno währleistet, kann nicht verlangen, als Kulturstaat bewertet zu werden. Handelt es sich um eine falsche Anwendung der Gefeße, so haben die verantwortlichen Stellen die Pflicht, durch eindeutige Erklärungen Reichsbanner vor Gericht. Bölkische Angreifer als Zeugen. Der Reichsbannerprozeß von Grevesmühlen wächst sich immer mehr zu einer Ratastrophe der Justiz aus. Schon die Ber lesung der Anklageschrift, die Bernehmung der schwarzrotgoldenen Angeklagten und der schwarzweißroten Zeugen gestaltete sich zu einem völligent Fiasto der Staatsanwaltschaft. Das Mileu, in dem der Prozeß stattfindet, ist ein Stüd Medlen burg für sich. Ein winziges Zimmer in einem kleinen Amtsgericht, in dem nicht einmal das Dutzend deutscher Breffevertreter Tische zur Arbeit erhalten fonnte, wie das doch in den zivilifierten Ländern, im Zeichen der Deffentlichkeit der Rechtsprechung üblich ist. Mürrisch erklärt der Saaldienst: Beitungen? Das geht uns nichts an!" Den Borfiz führt Amisrichter Dr. 3uerents, der sich fichtlich bemüht, mit Ruhe und Objektivität diesen merkwürdigen Landfriedensbruch"-Prozeß zu einem„ guten" Ende zu führen. Die An flage vertritt ein schneidiger Schweriner Staatsanwalt, Berteidiger ist Rechtsanmalt Dr, Bäreniprung aus Magdeburg. Gin ganz mertmürdiges Licht auf das Gericht wirft ein Inter mezzo zu Beginn der Berhandlung. Einer der Attentäter" ist unigefallen und angesichts der drohenden Gerichtsverhandlung vom Reichsbanner" zu den Bölkischen überġejchwenkt. Er nahm sich einen eigenen völlischen Rechtsanwalt und nun erlebte das Gericht das wunderbare Schauspiel, daß sich der Vorsitzende und der Staatsanwalt a u B er st an be erflärten, gegen den Heberläufer mit seinen ehemaligen Kameraden zusammen zu verhandeln, deshalb den Fall ehemaligen Kameraden zusammen zu verhandeln, deshalb ben Fall abtrennten und einen eigenen Termin dafür anfeßten. Die Bernehmung der Angeklagten, die offen und ehrlich einräumten, daß sie mit dem Frontbann" in eine schwere Schlägerei verwidelt worden sind und daß sie in der Abwehr der völlischen Attaden den Angreifern anständige Brügel verabreicht haben, förderte ganz merkwrbige Dinge zutage. Troß der schweren Belaftung der Roßbacher, hinter denen offenbar sehr einflußreiche Personen stehen, trop des unmißverständlichen Berichts der Kriminalpolizei hat es die Staatsanwaltschaft nicht für angezeiat gehalten, gegen die Völlischen Anflage zu erheben. Berteidiger Bärensprung wies mit Recht darauf hin, daß diefes eigenartige Borgehen ber Antlagebehörde ben Mittelpunkt und den eigentlichen Kern des Prozesses darstelle, und daß hier über und vor allem über die Ungeheuerlichkeit, daß man die Roßbacher noch als 3eugen" unter dem 3eugeneid vernehme, bas Urteil die Deffentlichte it fällen werde. Im übrigen hat sich die Staatsanwaltschaft außerordentlich angeftrengt, die Anklage förmlich aus dem Nichts aufzubauen. Das ist nicht immer so einfach gewesen, nachdem die mit der Boruntersuchung betraute Landeskriminalpliget dem Justizministerium sehr ein deutig berichtet hatte, daß Schuld an dem Zusammenstoß der Frontbann und nicht das Reichsbanner war. So befundete der Bolizeikommissar von Grevesmühlen an Gerichtsstelle, daß die Roßbachleute in Uniform mit hochgefrempelten Rodärmeln, mit Schußwaffen, Seitengewehren und Dolchen die Reichsbannerleute zunächst vor sich hergetrieben hatten. Auf sein Einschreiten hin sei er von den Frontbannfenten lediglich erhöhnt und bedroht morden. Das Reichsbanner hätte sich zum ersten Male gegen ben pölfischen Terror durch fein organisiertes Auftreten zur Wehr gefeßt und die Roßbachleute gründ lich verprügelt. Bedeutungsvoll ist vor allem die Aussage der Polizeibeamten, daß die Roßbacher unter Leitung eines der Kriminalpolizei wohl befannten früheren Oberstleutnants non einer er mitt lungszentrale" eigens nach Grevesmühlen geschafft worden find, daß fie in feften Berbänden auftraten, auf den Befehl ihres führers ausfchwärmten und von ihren Waffen Gebrauch machten. Einer dieser Roßbachpffaiere sei in der Nacht nach dem Zusammenstoß im Gefängnis erschienen und habe einen verhafteten Roßbacher, der freimütig geftanden hatte, daß er seinen Revolver von einem Kameraden erhalten hätte, solange au gefeht, bis er die Behauptung aufstellte, die Schugwaffe dem Reichsbanner abgenommen zu haben. Die Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft stehen im übrigen auf einem sehr unsicheren Grund. Die Rädelsführerin wurde auf die Anzeige, es jei eine kleine bide Frau" am Tatort gefeben worden, unter Antlage gestellt. Ein Schneidergefelle, der in der Arbeitsstube von dem Borfall berichtet hatte, wurde auf Grund wurde wegen eines Leberfleds auf der Bade als Erfennungszeichen dieser Erzählung angeflagt, ein anderer Reichsbannermanat feiner Täterschaft vor Gericht zitiert, obwohl der Vorsitzende feft ſtellen mußte, daß man dieses Erkennungszeichen bei Nacht mob1 taum bemerken würde; ein meiterer Reichsbannermann wurde an feinen D- Beinen identifiziert, ein anderer vor Gericht gezogen, weil er von den Roßbachern einen Dolchffich in den Rüden erhalten hat. Die Bernehmung des ersten„ Belastungszeugen", der bezeich. nender Weise in Bayern beheimatet und seit Jahren im Dienst Hermann Heinz Saltenburg. Intendant Professor Dr. Mar von Schillings. Justizrat Dr. Ernst Schlesinger. Wilhelm Schmidtbonn. Wilhelm von Scholz. Brofeffor Franz Schreter. Brofeffor L. Schüding. Staatsfatretär Heinrich Schulz, M. d. R. Prof. Dr. Hugo Singheimer. Professor Mer Slepoat Hermann Stehr. Agnes Straub. Profeffor Dr. Fritz Strich. Bibliotheksdirektor Dr. Eugen Sulz. Ernst Toller. Ferdinand Tönnies, Fris v. Unruh. Ballentin Clara Bicbig. Intendant Robert Bolfner. Arnim T Wegner. Dr. Hildegard Beafcheider,. b. 8. Intendant Richard Bille. Eduard v. Winterstein. Professor Dr. Philipp Wittop. Dr. Alfred Wolfenstein. Chefredakteur Theodor Wolff. Paul Bech. Di reftor Erich Riegel. Dr. Leopold Ziegler. Brofeffor Heinrich 3ille. Stefan Zweig. der Hakenkreuzler tätig ist, beleuchtete so recht die Glaubwürdigkeit dieser Art Zeugen. Er erklärte sich bereit, zu beschwören, daß bie Roßbacher friedlich und ohne jebe Waffe hinter dem Reichs banner hergezogen feien, mußte sich aber dann unter dem erbrückenden Beweismaterial des Berteidigers zu dem Geständnis bequemen, daß er selbst ein Seitengewehr unter dem Rod trug und daß seine Kameraden mit Hieb- und Schußmaffen ausgestattet waren. So wird dieser Reichsbannerprozeß von Grevesmühlen, menn bie weiteren Verhandlungstage ähnliche Ergebnisse zeitigen, zu einer Blamage der medlenburgischen Juftig und nicht zur Berurteilung der Reichsbannerfeute führen. Caillaux' Kampf in Washington. Wandlung in den Finanzverhältnissen. Durch seine gefchidte Darlegung der franzöfifchen Staatsfinanzen erreichte Caillaur in den Vorverhandlungen mit dem amerikanischen Schagsekretär Mellon ein verhältnismäßig günstiges Abkommen. Bor allem murde Frankreich ein Sicherheitsventil zugesichert; für den Fall der Gefährdung der französischen Währung sollte Frankreich zur Beiterzahlung nicht ohne weiteres verpflichtet sein und beide Regierungen miteinander über einen Zahlungsaufschub oder über Zah. fungeerleichterungen verhandeln. Wie Havas aus Washington meldet, soll das zwischen der französischen und amerikanischen Delegation abgeschlossene vor. iäufige Uebereinkommen fünf Jahre in Straft bleiben. Nach dem Zusammentritt der Delegation habe Caillaug erklärt, daß er die legten amerikanischen Borschläge seiner Regierung vorlegen werde. Verurteilung der Attentäterin Carniciu. Nachdem das Wiener Schwurgericht mit acht gegen vier Stim men die bulgarische Attentäterin Mencia Carniciu für schuldig erklärt und der Staatsanwalt um milde Bestrafung sowie Aufschub des Strafantritts ersuchte, fällte der Gerichtshof sein Urteil: Acht Jahre schweren Kerters und Landesverweisung. Die Frage der Ausfegung des Strafvollzugs wird erst entschieden, wenn die Berurteilte das Urteil angenommen haben wird. Gewerkschaftsbewegung Neuer Konflikt in den städtischen Gaswerken. Die Direktion der Berliner städtischen Gaswerte A.-G. scheint es darauf abgesehen zu haben, dauernd Erregung in die Belegschaft zu tragen. Die jetzigen Differenzen haben folgende Ursache: Im Tarifvertrag der Werke ist unter§ 2 die Bestimmung Arbeiter, die nicht im enthalten, daß diejenigen Schichtwechsel beschäftigt find, wöchentlich eine Ruhepause von durchschnittlich 36 Stunden erhalten müssen, d. h., daß diejenigen, die aus betriebstechnischen Gründen am Sonntag arbeiten müssen, dafür einen freien Tag in der darauffolgenden Woche bekommen. Eine ähnliche Bestimmung befindet sich auch in der Gewerbeordnung § 105 c. Da sich nun in den letzten Monaten in den Gaswerten durch die Urlaubsperiode und die technischen Neubauten, die in fast allen Betrieben durchgeführt werden, die Arbeit erheblich angehäuft hatte, haben die Belegschaften für diesen Ausnahmefall nicht auf der stritten Durchführung dieser Beftimmungen bestanden. So tam es, daß ein größerer Teil der Arbeitnehmer. 5, 6 auch 7, ja sogar bis 13 Sonntage hinter. einander arbeiten mußte. Die Betreffenden waren also in allen diesen Wochen 56 Stunden beschäftigt, ohne einen Sonntag oder sonst einen freien Tag zu haben. Außerdem mußten in zahlreichen Fällen noch leberstunden geleistet werden. Nachdem nun die Urlaubsperiode beendet und die Neubauten zum größten Teil fertiggestellt waren, mußten die Betriebsräte natürlich verlangen, daß der eingeriffene Mißstand beseitigt und das reguläre tarifliche Ver hältnis wieder durchgeführt wird. Statt dessen wurde die Nachsicht der Betriebsräte dadurch belohnt, daß man, ohne die gesetz und tarifwidrigen Zustände abzustellen, in einzelnen Abteilungen und Betrieben Kündigungen von Arbeitern ausge sprochen, und weiterhin mitgeteilt hat, daß in sämtlichen Betrieben Entlassungen durchgeführt werden müssen. Bor dem Schlichtungsausschus begründete der Be triebsrat und die Organisationsvertreter den Einspruch mit dem Hinweis, daß jede Entlassung als unbillige härte angesehen werden muß, solange nicht die 48- stündige tariflich festgelegte Arbeitszeit wieder voll in Geltung gesetzt ist. Der Vorsitzende des Schlichtungsaus, schusses regte an, daß die Entlassungsangelegenheit nochmals zwischen den Tarifkontrahenten und dem Betriebsrat verhandelt und die am 1. Oktober sich auswirkenden Entlassungen bis zu dieser Verhandlung zurüfgestellt werden sollten. Nicht einmal dieser Vorschlag wurde von dem Diret. afzeptiert. Im Gegenteil, am Tage nach der Schlichtungsausschußverhandlung wurden weitere 20 Kündigungen ausgesprochen. tionsvertreter Auf diese Weise wird also das Entgegenkommen der Belegschaft, in Ausnahmefällen die 48stündige Arbeitswoche zu überschreiten, belohnt. Die jetzigen skandalösen Verhältnisse sollen also in den städtischen Gaswerten Dauerzustand werden Die noch beschäftigten Arbeiter uneingeschräntt follen Sonntags und leberstundenarbeit leisten, um zuzusehen, wie ihre schon jahrelang beschäftigten Mitkollegen aufs Straßenpflaster fliegen. Die Belegschaft wird sich wahrscheinlich eine derartige Provo. fation nicht gefallen lassen. Die Unternehmer sabotieren die Notstandsarbeiten 3m Streit der Speditionsarbeiter. Wie wir bereits im gestrigen Abendblatt berichteten, haben verschiedene ringfreie Firmen fich dem Diftat ber Unternehmer. organisation unterworfen und haben die Ausführung von Notstandsarbeiten eingestellt. Die Begründung für dieses nach jeder Hinsicht aufsehenerregende Berhalten war der Hinweis auf die Anordnung der Unternehmerorganisation, die die Ausführung von Notstandsarbeiten verboten hat. Insgesamt haben 7 Firmen fich diesem Gebot unterworfen.| Referat nach, daß der Schiedsspruch zwar für die Gruppen I und II Dagegen haben sich 15 weitere Firmen zur Ausführung der Not standsarbeiten erboten, die übrigens auch- das sei nur nebenbei bemerkt die Forderungen der Streifenden bewilligt haben. Wenn die Unternehmerorganisation gehofft haben sollte, die Durch führung der Abrollung der Frachtgüter zu unterbinden, so hat sie fich gründlich geirrt. Der Deutsche Verkehrsbund ist nach wie vor in der Lage, entsprechende Firmen nachzuweisen. Adresse: Engelufer 24/25, 2 Tr., Zimmer 34; Fernruf Morigplak 2382, 4747 und 4509. Was denkt nun der Direktor der Reichsbahndirektion Berlin von seinen sonderbaren Bundesgenossen? Oder findet er es ganz in der Ordnung, daß die Unternehmerorganisation die Abrollung der Frachtgüter verbietet, nachdem diese Arbeit nicht zur Niederknüppe lung ehrlicher Arbeiter und zur Verlängerung der Arbeitszeit dient? Wir erwarten und verlangen von der Reichsbahndirektion nicht, daß sie die Partei der Arbeiter ergreift. Aber was wir verlangen fönnen, ist stritte Neutralität. An der hat sie es fehlen laffen. Wenn wir heute in Berlin feine Berkehrskalamität haben, so danken wir das trotz Reichsbahndirektion und Unternehmerring- allein dem Deutschen Verkehrsbund. Aussperrung bei Maffei- Schwarzkopff. Die Firma Maffei Schwarzkopff in Bildau hat am Dienstag ihre gesamte Belegschaft von etwa 1400 Mann ausgesperrt. Sie begründet dies damit, daß durch den Streit der Werkmeister feine genügende Aufsicht für die Arbeiter vorhanden sei, so daß der Betrieb nicht ordnungsmäß weitergeführt werden könne. Eine Belegschaftsversammlung wird sich heute mit der Situation befassen. Die Stellungnahme der Organisationen, die fich mit der Angelegenheit beschäftigen, ist noch nicht bekannt. Die Firma hat auch zwei Technifern, die sich weigerten, Berkmeisterfunktionen auszuüben, gekündigt und ihnen das weitere Betreten des Betriebes untersagt. Die Firma hatte anfänglich die Freistellung des Kafinos zu der Versammlung verboten, diese Anordnung nach einer Unterredung mit dem Betriebsrat jedoch wieder zurückgenommen. Der Kampf im Baugewerbe. Einigung in Braunschweig. Kampf in Ostpreußen. Gestern fanden im Reichsarbeitsministerium wieder Berhandlungen für das Baugewerbe statt. Bom Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe waren am 17. September Schiedssprüche für die Freistaaten Thüringen und Braunschweig, sowie für die Provingen Hannover und Ostpreußen gefällt worden. Die Schieds. fprüche für Braunschweig und Ostpreußen hatten die Gewerkschaften abgelehnt. In Ostpreußen standen bereits vor dem 16. September 6000 Bauarbeiter im Kampf. In Braunschweig fam es nach Fällung des Schiedsspruches zu Teilstreifs. Die Unternehmer beantragten daraufhin die Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Schiedssprüche. Zu Nachverhandlungen darüber waren die Parteien am 1. Oftober ins Reichsarbeitsministerium geladen. Für Braunschweig wurde zwischen den Parteien vor den Berhandlungen eine Einigung erzielt, die über den Schiedsfpruch noch für den ganzen Freistaat eine Lohnerhöhung brachte von 2 Pf. für Facharbeitern und 1 Pf. für Hilfsarbeitern. Die ostpreußischen Unternehmern Berhandlungen mit dem blieben erfolglos. Beringe Berbesserungen für die Stadt Königsberg sollten mit einer Berschlechterung für die ganze übrige Provinz in Kauf genommen werden. Die Starrfinnigkeit der Unternehmer ist umso unverständlicher, als bereits die fast doppelte Zahl der Ausgesperrten in Königsberg zu den neuen Bedingun gen in Arbeit steht. Der Kampf im ostpreußischen Baugewerbe wird von den Gewerkschaften planmäßig und mit aller Entschiedenheit bis zur besseren Einsicht der Unternehmer weitergeführt werden. Die Werkmeister lehnen den Schiedsspruch ab. Eine gut besuchte Versammlung der im DWV. und Butab organisierten Wertmeister und Techniker der Start, und Schwachstromindustrie, sowie des Eisenhoch und Brückenbaues nahm am Mittwoch abend im„ Nordischen Hof" zu dem am Dienstag gefällten Schiedsspruch Stellung. Günther vom Butab wies in seinem wohl eine kleine Erhöhung der Gehälter bringe, für die Gruppen III und IV jedoch, in denen die meisten Werkmeister und Techniker stehen, bedeutet der Schiedsspruch eine Verschlechterung. Rein theoretisch betrachtet bringt hier der Schiedsspruch nicht nur feine Erhöhung, sondern eine Reduzierung der Gehälter. In vielen Gruppen liegen die Gehälter der technischen Angestellten noch weit unter den Metallarbeiter löhnen. Der BBMJ. gibt das auch unumwunden zu, zieht aber daraus nicht die Konsequenz, die Gehälter dieser Angestellten wenigstens den Metallarbeiterlöhnen anzugleichen. Bezeichnend für die Einstellung des BBMJ. ist eine der letzten Verhandlungen, in der er erklärte, daß die Gewerkschaften von der Wirtschaftspolitik sehr wenig oder gar keine Ahnung hätten und infolgedessen„ die Not der Industrie" nicht im entferntesten würdigen könnten. Dazu ist zu bemerken, daß die Gewerkschaften die Wirtschaft nur zu gut fennen und gerade deshalb dem Bestreben der sogenannten Wirtschaftsführer entgegenwirken, das darauf gerichtet ist, die Wirtschaft durch Niedrighaltung der Löhne und Gehälter zu heben. Diese Argumentationen der Unternehmer sind eben nur Spiegelfechtereien. Die technischen Angestellten müssen sich endlich an den Arbeitern ein Beispiel nehmen und den machtgeblendeten BBMJ.- Gewaltigen den Kampf anfagen. Der Schiedsspruch muß nicht nur wegen der furiofen Gehaltsregelung, sondern auch wegen seiner langen Geltungsdauer bis zum 31. März 1926 abgelehnt werden. Die Versammelten hatten sich dahin zu entscheiden, ob sie den Kampf auf der ganzen Linie eröffnen oder zu Leilstreits schreiten wollen. Nach einer eingehenden, sehr sachlichen Diskussion, in der u. a. noch Rothe vom DWB., sowie Langer vom ZdA. und einer der streifenden Werkmeister von Maffen- Schwartzkopff sprach, beschloß die Versammlung einstimmig, den Schiedsspruh abzulehnen. Es wurde weiter beschlossen, den Kampf in einzelnen noch festzulegenden Betrieben zu eröffnen. Lohnerhöhung im bayerischen Bergbau. München, 1. Dltober.( Eigener Drahtbericht.) Jm Oberbayert fchen Bechfohlenbergbau haben am 1. Oftober Lohuverhandlungen stattgefunden, in deren Verlauf die Schlichtungsfammer in einem Schiedsspruch eine Erhöhung des Schichtlohnes um 7 Broa. billigte, so daß der jetzige Hauerschichtlohn von 4,40 m. auf 4,70 M. erhöht wurde. Von einer weiteren Lobnerhöhung wurde mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Werke und in Erwartung eines günstigen Ergebnisses der von der Reichsregierung eingeleiteten Preissenfungsaktion abgesehen. Die fällige Verbindlichkeitserklärung. Der Lohnschiedsspruch für den Niederschlesischen Steinkohlen. bergbau vom 8. September, sowie der Schiedsspruch im Mitteldeutschen Braunkohlenbergbau über Arbeitszeit und Manteltarif find vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Wie unfere Lefer wissen, behält der Schiedsspruch im mitteldeutschen Braunkohlengebiet die zwölfftündige Sichtzeit Fi Der dritte Internationale Kongreß der Union der Arbeiter der Lebensmittelindustrie in Kopenhagen endete mit der Annahme verschiedener Entschließungen. Die erste bezeichnet die Washingioner Beschlüsse über den Achtstundentag als das Mindest= maß dessen, was die gesamte Arbeiterschaft vorläufig verlangen müsse. Der Kampf für die Erreichung, Erhaltung und gesetzliche Festlegung des Achtstundentages wird zum wichtigsten Programmpunkt der Union und der ihr angeschlossenen Landesorganisationen erflärt. Zu dem von der siebenten internationalen Arbeitskonferenz mit 81 gegen 26 Stimmen angenommenen llebereinkommen des Verbotes der Nachtarbeit in den Bäckereien, das in den nächsten Wochen den Regierungen zur Ratifizierung vorgelegt wird, richtet die Union an alle Landesorganisationen und an die gesamte Arbeiterfchaft den dringenden Appell, alles einzulegen, um die Ratifizierung zu erreichen. Eine weitere Entschließung fordert ein internationales Berbot des Tragens von Lasten über 75 Kilo durch einen Mann. Ais nächster Kongreßort wurde Wien bestimmt. Der Vorstand behält die bisherige Zusammensetzung. Sekretär Schifferstein wurde ebenfalls wiedergewählt. Der Siz der Union bleibt in Zürich. Achtung, Zimmerer! Alle Verbandskameraden werden hiermit aufge fordert, an den am Sonnabend in allen Bezirken stattfindenden Bezirksver fammlungen restlos zu erscheinen. Rentralverband der Rimmerer, Rahlstelle Berlin u. Umg. Berantwortlich für Politif: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friß Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel Lindenstraße 3. und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68 Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch ■ Vorderfleisch, Pid. 80Pf. HammelHammel- Keule und Rücken ganz u.geteilt, Pid. Schweinebauch u. Rücken Pfund 95pt. 125 58 Pf. Prima Gefrierfleisch Rinderkamm und Brust Pfund Kalbskamm und Brust Pfund 70 pf. Kalbskeule und Rücken 90pt. Junge Gänse ausge schlachtet Rückenstücke 115 Keulenstücke Piund Plund 175 Klein m. Magen 195 Liesen mit Darmfett 2M Pökelkeulen Pid. 160 Pfund Hirschragout 48 Pl. Pfund Hirschblätter 85 Pl. Pfund Pfund und Fleischwurst, Pfund und 140 gefüllter Schinken, Pid. Bratschollen 15P Plund 30 Pt. u. Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat. Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Bücklinge Pl. Rotbarse ohne Kopt, Pfund 18Pf. Heringe Blund grüne Karpfen bend, Pid. Spiegel Camembert 22 Pl. 140 140 fett, Pfund Flundern Ahlbecker, Pfund Räucheraale großes Bund 42Pt. Wirsing-, Rot-, Weißkohl holländisch, Pfd. 4PI. 48 pr. Kürbis 60Pl. Sprotten Pland 85 PI. märk. Pld. Pfund 4 Pl. Rübchen 10PT. Zwiebeln 2 Pld. 15 Pl. Schmorgurk. 15 Pf. 2 Plund Kochäpfel Pland 5Pf. Tafeläpfel 20 Pl. Bergamotten 20 PI. große, Pfund ( Birnen) Pfund Goldparmän.30 PT. Plund Allg., vollfett, Schacht. 32 pr. Margarine pid. 45 Pt. Blumenkohl 15P. Weintrauben 22 Pl. Tilsiterkäse Schwan im Blauband Goudakäse, dän, Pid. 78Pt. Speisetag 72P Holländerkäse u. Tilsiter vollfett, Pfund Schweizer dan. 115 bayr. Flund 125 165 Pfund 1- Pfund- Paket PI. Bratenschmalz 705 Piund dän. Kopf von gold, Pid. 40, blau 5 Pfund Preiselbeeren 95PI. Prima Winteräpfel Tafelbutter 108 115 Landsberger Reinette Prund 40 Pt. / Pfd.- Pak. 97 Pt. 1/2 Stück Stück Auszugmehl 23 Pl. Blenenstich 45 Pl. Tafelrels Pfund 22 Pf. Apfelstrudel 55 Pl. Bismarckkränze 55 P. Napfkuchen und 135 Makkaroni Bruch, Plund Landleberwurst 20 Mettwurst robe 38 Pf. Leberwurst felne 170 Schnittnudel.32pt. Leberwurst felne Zervelat- und Salamiwurst, Holst., Pfd. Schinkenspeck und Filetwurst, Plund In 1- Pfund- Sticken, Pfd. Hirschrücken Plund Hirschkeulen Plund 195 120 145 Besonders preiswerte Schokolade 2 2 6 Tafeln 2 Tafeln à 50 Gr. Gut Deutsch Tafeln à 100 Gr. GOPf. 2 Tafeln à 50 Gr. 30 Pt. Bitter Tafeln 40 Th 68 Schmelz Tod 30 PL. Napolitains bitter und Nuborange, 2 Kartons à 50 Gramm 50PL. à 50 Gr. à 25 Gr. Plund Würstchen 160 320 Halberstädt., Dose Corned Beef 75 Pl. D.2Pid. engl.1.50,1 Pfd. Oelsardinen 52 Pl. portug., 1/ 4D.95, Klubd. Stück Stollen, Stück Konfitüren Erdbeer 142 Aprikos., Kirsch, 2 Pid- Eim. Hawal- Ananas in Scheiben/ Dose frisch 250 Kaffee. 260 460 gebrannt, Pid. v. Holländ. Blumenzwiebeln Hyazinthen stuck 35-65PL Schneeglöckchen 2 st. 15 Pt. Tulpen. Stick 10 Pt. 15 PL Scilla........ 2 st. 15 Pt. Narzissen... 2 Stick 25 PL Hyazinthengläser- Krokusschalen Cox- Pomona Nathusius Taubenäpfel Cellini Originalkiste ca. 30-35 Pfund Inhalt Preise für 11 Flasche einschließl. Stener ohne Glas Renettenapfelwein bad. 58Pt. Frankf. Apfelwein 75 PL. " Rackles Urquell 1922 Wöllstein. Wäldchen guter Tischwein 1M 1922 Oppenheimer mild 115 guter Tischwein 130 1922 Aldegund. Palmbg. 1920 Gimmeldinger Kieselberg Wachstum Koch Plalzwein 150 1922 Briedeler Herzchen 1922 Briedeler Herzchen 170 1920 Deidesheim Gutenblumiger Mosel berg Plalzwein, blumig. voll 2 M bestech. 230 1921Berncasteler Mosel 1921 Liebfraumilch I 275 lleblicher Damenweln Kiste 1075 1M 150 165 1922 Kirchheimer 1922Domaine de Novéant milder Rotwein französischer Rotwein 1922 Ingelheimer lieblicher, rhein., Rotwein 1921 GundersheimerBerg 2M voller, rheinischer Rotwein 1918 Château Puisseguin 240 Bordeaux Jamaica- Rum- Verschnitt tein, Extra" 45 Vol. Prz.430 Deutscher Weinbrand einschließlich Flasche Wieder eingetroffent Mampe Halb und Halb mit dem Schimmelgespann 320 550 Nr. 4*5 ♦ 42.�ahrga«g 7. Seilage öes vorwärts Ireltag, 2. Oktober 1925 hundert Jahr« MaschinenzeitaVerl Hundert Jahre genügten, um die Welt von Grund auf zu verändern, weil der nimmer rastende Menschengeist die Trägheit von Jahrtausenden auf dem Gebiete der materiellen Arbeit besiegte und die eisernen Sklaven, die Maschinen in seinen Dienst stellte. Wir gedachten des hundertjährigen Iubi- läsn der Dampfmaschine und der Eisenbahn, wir wollen heute des Jubiläum eines bescheideneren Werkzeugs gedenken, das in im- gezählten Arbeitsstätten und Wohnungen heimisch ist, der Näh- Maschine. Der Tiroler Schneidermeister. Vor genau hundert Jahren hatte der Tiroler Schneidermeister Joses Niodersperger eine Nähmaschine vollendet, deren Gestalt unser Bild wiedergibt. So unvollkommen sie auch war, sie tot dennoch ihre Aufgabe, sie nähte. Heute schläft sie ihren hundertjährigen Schlaf Im Wiener Polytechnikum. Dort kann man sie geruhsam betrachten und Vergleiche anstellen zwischen«inst und jetzt: Maders- vergers Maschine war bereits mit einer Nadel ausgerüstet, die an der Spitze mit einem Oehr verschen war und mit einem Untersoden zusammen arbeitete, den ein Schiffchen aufgenommen hatte. Das war eine grundgescheite Idee und nur die mangelhaste technisch« Ausführung lieh den Wert dieses Gedankens, der sich etwa noch einen, Menschenalter jenseits des großen Teichs, in Amerika, sieghaft durchsetzte, damals noch nicht erkennen. Später aber setzte man dem klugen Schneider in seiner Heimatstadl Kufstein ein Denkmol. Trotz- dem war Madersperger nicht der erste, der mit dem Gedanken umging,«ine Nähmaschine zu schaffen. Nach urkundlichen Auf- Zeichnungen des englischen Patentamtes— England war das erste Land der Welt, das sich ein Patentgesetz gegeben hatte— wurde bereits in den Jahren 1755 und 1790 je ein Patent aus Nähmaschinen erteilt. von denen die eine zur Herstellung von Schuhen diente und mit Kettenstichen arbeitete. Charles Frcderic Weisenthal und Thomas Saint waren die ersten erfolgreichen NSHinaschmenkoitstrukteure, von denen die Geschichte meldet. Aber ihre Methoden und die vieler ihrer Nachfolger unterschieden sich von der Maderspergerschen da- durch, daß sie nicht neue Wege gingen, sondern sich bemühten, das Arbeiten der Hand zu kopieren. Die Nähmaschine ist also schon älter als IM Jahre, aber dos Grundprinzip, das sich durchsetzte, wurde erst vor einem Jahrhundert in dem Kopse eines schlichten Handwerkers geboren.. Die moöerne Nähmaschine. Heute gibt es zahlreiche Nähmalchinenkonstruktionen, die olle ihre Vorzüge haben und bei denen Wissenschaft und Erfahrung zu- iammenwirkten, um ihnen ihre jetzige Vollkommenheit zu geben. Der Mann, der zuerst in umfassender Weise Nähmaschinen bauen ließ, und seinen Namen mit ihnen verknüpfte, so daß er bis zum heutigen Tage inu dieser Majchme verbunden ist, war Isaac Nierst Singer. Von Benif war er Leiter einer Komödiantentruppe und schien daher nicht für die Industrie vorher bestimmt. Er scheint einigen technischen Scharfblick und noch größeren Geschäftsgeist be- sessen zu haben. 15tf3 hatte ein tüchtiger Mechaniker Elias Howe die Nähmaschine vollendet, die später unter dem Namen„Singer- Niaschine" in der ganzen Welt bekannt wurde. Howe hatte sowohl in England als in Amerika Patente erhalten. Das englische stahl ihm ein skrupelloser Geldmann, William Thomas, der Millionen damit verdiente, und Singer kümmerte sich nicht um das amerika- nische Patent, sondern fabrizierte lustig drauf los, bis es dem mit Not und Entbehrung kämpfenden Howe endlich gelang, ihn durch ein Gerichtsurteil zu zwingen, ihm einen Anteil an dem herein- aesträmten Verdienst zu gewähren. lSSZ stellte eine öffentliche Zählung in Amerika rund ZOO 000„Singer"-Nähmaschinen fest. S&t jede mußte die„Singer Manufacturing Company" fünf Dollar an Howe zahlen und sich außerdem noch verpflichten, für jede weitere Maschine, die ihre Werkstätten verließ, den gleichen Betrag zu geben. Howe überlebte diesen Sieg nicht lange. Er starb an den Folgen der vielsährigen Kämpfe und Entbehrungen im Jahre 1867, nachdem er mit dem Geld«, das ihm nun zuteil geworden war, ein« eigen« Großfabrik in Bridgeport errichtet haste. Der Großbetrieb in Wittenberge. von Amerika wandert« die Nähmaschinenfabrttaston nach Europa. Die.Singer Eompany" errichtete unter anderem auch in Wittenberge a. d. Elbe einen Großbetrieb, der dieser Stadt dos Gepräge gibt. Hier kann man erkennen, zu welchem Kunstwerk die Nähmaschine wurde, wie sie in Serien unter Anwendung der raffiniertesten Fabrikationsmethoden hergestellt wird, so daß während der Arbeitszeit nach je 25 Sekunden immer eine Maschine fertig wird und ihre Reise in die Welt beginnen kann. Diese Zeitangabe allein kennzeichnet den technischen Fortschritt. Howe und Singer standen wohl am Ansang des Ganzen, aber das Werk, das sie im harten Kampf miteinander schufen, ist über die Einzelverfönlichkeit hinausgewachsen. Tausende von Menschen, Ingenieure, Arbeiter und Kaufleute haben ihren Geist und ihre Schaffenskraft an dieses Werk Joseph Maderspergers Nähmaschine 1825. gewandt und es zu dem gemacht, was es heute ist. Die Gegenwart triumphiert über die Vergangenheit. 3200 Arbeiter und Angestellte find allein in Wittenberge mit der Herstellung der Nähmaschine beschäftigt. Die Gießerei liefert den„Rohguß", sauber aus- sehende Teile der Nähmaschinen, die alsbald in die mechanischen Werkstätten wandern. Jeder Arbeitsvorgang ist in Teiloperationen ...... Spii..... packi Reihen stehen automatische Werkzeugmaschinen. Vier von ihnen gegliedert. ipiralbohrer in das graue Bohrmaschinen senken ihre W Eisen, Fräser, Dreh- und Hobelstähle packen es �an. In langen kzeuan unterstehen der Aufsicht eines Arbeiters, der mit wachen Sinnen ihr Werk verfolgt. Nach jeder Operation werden die Teile genau nach- gemessen und dem Ausschuß wird die weitere Teilnahme an der Wanderung durch die Werkzeugmaschinen verwehrt. Zum Schluß werden die Maschinen zusammengebaut, sauber lackiert und mit Abziehbildern versehen, die ihnen den Stempel ihrer Herkunft geben, wandern sie in die Schlußkonlrolle. die sehr scharf ist. Erst, wenn nicht das geringste mehr an der Maschine zu tadeln ist, empfangen sie die Packer, um sie für ihre Fahrt in die Welt vorzubereiten. Natür- lich gibt es in Deutschland noch eine große Zahl nicht minder modern eingerichteter Nähmaschinenfabriken, die auf Grund eigener dem- scher Patente mustergültige Maschinen erzeugen. Der Ärbeitsgang bleibt im Prinzip der gleiche. Das Wittenberger Werk wurde hier erwähnt, weil es den geraden Weg von der ersten Howeschen Ma- schine bis zu ihrer jetzigen Gestaltung am klarsten aufzeigt. -ü Zunftgeist fürchtete in früheren Jahren jede Maschin«. Auch die Nähmaschine wurde von Handwerksmeistern und Gesellen miß- traulich betrachtet. Da» Vorurtell ist heute geschwunden. Di« Maschine ist anerkannt und es mag wohl keinen modernen Schneider geben, der ohne sie arbeiten möchte und keine Hausfrau, die nicht zugesteht, daß sie dieser kleinen Maschine eine große Arbeitserleichte- rung verdankt. Nur dort, wo Engst, rnigkeit die Profitgier nicht Zügclt, kann dieses Wunderwerk der Technik keinen Segen stiften. Die Heimarbeiterin insbesondere, die vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht an die Maschine gefesselt ist, mag ihr oftmals fluchen. Aber nicht die Maschine sollte sie hassen, sondern jene, die in der Maschine nur ein neues Mittel zu verstärkter Ausbeutung unorganisierter Kräfte sehen. Die Nähmaschine selbst ist ein Geschöpf' vollendeter Organisation. Dem Zusammenschluß zahlreicher schas- fender Menschen verdankt sie ihre weite Verbreitung. Jeder, der sich durch sie geknechtet fühlt, sollte bei ihrem Anblick erkennen, welch« Macht in der Organisation wohnt und daß nur durch sie der Weg zur Freiheft führt._ ßür die freie Schule. Gegen das reaktionäre Reichsschnlgesetz. Zu einer eindrucksvollen Demonstration gegen da» geplante Reichsschulgesetz, da» die Volksschulen der Kirche ausliefern will. gestaltete sich die vom Bunde entschiedener Schulreformer am Donnerstag einberufene Kundgebung. Redner der Demokratischen und Sozialdemokratischen Partei sprachen gegen die drohende Unter- drückung der Lehrfreiheit. Professor O estreich eröffnete die Kundgebung. Professor Eeyfert-Dresden, der frühere sächsische Kultusminister, erklärte, daß wir von der Freiheit bei der heutigen politischen Lage weiter denn je entfernt seien. Wir fordern Geistesfreihcit. Heute ober versucht man die Masse in geistiger Unfreiheit zu erhalten. Gertrud Bodin sprach als Mutter gegen das Reichsschulgesetz. Hermann K ö l l i n g führte als Vertreter der Volksschullehrer aus, daß das neue Neicbsschulgcjetz das Gegenteil vom Geiste der Wei- marer Verfassung sei. Wir verteidigen die Verfassung auch gegen die Versassungsbrecher in den höchsten Stellen. Mit begeisterten Worten wandte sich Paul H o n i g s h e i m an die Jugend.„Wo bleibt die deutsche Jugend, die ein Deutschland der Brüderlichkeit will? Glaubt ihr, daß das Deutschland des Reichsschugesetzentwurses ein Deutschland der Brüderlichkeit ist? Jugssd, reihe dich mit ein in den Kampf für die freie Schule." Senatspräsident F r e y m u t h wies darauf hin, daß nicht nur jeder Pädagoge, sondern jeder politisch Interessierte die Wichtigkeit der Erziehungsfrage erkennen müsse. Der Redner betonte, daß auf der kürzlich in Leipzig ab- gehaltenen Reichsschulkonferenz von allen Ländern außer Bayern»nd Mecklenburg das Gesetz ab- gelehnt wurde, weil es sich mit dem Geist der Verfassung nicht verträgt. Landtagsabgeordncter N u s ch k e zeigte, daß das Reichs- schulgesetz nichts anderes bedeute, als den Versuch dos Zentrum im rechten Vager festzuhalten. Auch wenn dieser Ge- sctzentwurf fällt, so komme ein neues Gesetz, das nicht viel besser fein werde. Genosse Heinrich Ströbel schloß den Reigen der Redner. Die Rechtskreise, so führte er aus, wollen das Zentrum in ihren Bon» bekommen, um dann weiter reaktionäre. Kul- tur- und Wirtschaftspolitik zu treiben. Dafür ist ihnen kein Opser groß genug. Man versucht nicht nur die M a s s e n zu verdummen, sondern man fesselt auch die Wissen- s ch a f t. Nach dem bayerischen Konkordat sollen in Würz- bürg und München- an der Universität ei nkatholischer Historiker und ein katholischer Pädagoge wirken! Die Bersammluna billigte ...... fste zum Schluß einstimmig eine Entschließung, die aufs schär das geplante Reichsschnlgesetz protestierte. gegen Das unbegreifliche Ich. 49]„. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom krislensea. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) „Das ist doch übrigens putzig." bemerkte er.„sie ist doch etwas hellseherisch veranlagt. Einmal sagte sie zu mir in ihrer hinreißend naiven Art: Erst kommt ein Mann mit schwarzem Huar, so wie wir anderen, und ihn habe ich sehr gern: doch dann kommt ein Mann mit fremdem Haar, und ihn habe ich noch lieber, und er verheiratet sich mit mir. Es hat den Anschein, als ob sie uns beide gemeint hätte; sie kannte dich damals noch nicht." „Ich verheirate mich nicht mit ihr!" rief Waldemar heftig: doch Seott antwortete ruhig: „Das würde gar nicht so dumm sein, wie du glaubst. Die weißen Frauen werden hier draußen faul und hochmütig. Du brauchst dich ja bloß umzusehen! Sie können das Klima nicht verlragen und werden reizbar und erotisch verwirrt. Sie betrachten den Mann als eine Art übergeordneten Boy, und sie haben ihre Kavaliere zum Tanzen und zu ihrer Unterhaltung. Nein, ein Mischblut, das sich mit einem Weißen verheiratet, wird ihr ganzes Leben lang voller Hingebung ssm— und dann glaube ich in Paranthese an Mays hellseherische Veranlagung." Eines Tages trat mein Onkel in die Tür. „Guten Tag, mein lieber Neffe! Kann ich Herrn Samu- eisen sprechen?" Samuelsen kam aus dem Hinterzimmer heraus.„Treten Sie näher! Diesen Weg hier! Die Verhältnisse sind zwar eng, aber das Herz ist weit!" rief er. Mein Onkel drehte nervös an seinen äußersten Schnurr- bartspitzen. Ich bediente gerade einen Kunden und empfahl ihm eine neue Sorte Zigarren, doch als er gegangen war, legte ich mich über den Ladentisch und lauschte. „Ja, das freut mich aufrichtig?" sagte der Onkel.„Für die Zukunft des Jungen wäre gesorgt. Das ahnte mir schon, und ich sagte auch zu meiner Frau: Der Samuelsen sieht mir aus, als ob er ein Mann wäre, der das Herz auf dem rechten Fleck hat." „Sie sind Menschenkenner, nicht?" „Ach ja, ohne mich zu rühmen, ich verstehe in den Augen der Menschen zu lesen. Sie sind ja der Spiegel der Seele, wie man so richtig sagt. Aber— verzeihen Sie, wenn ich danach frage— ich suhle— wir fühlen beide eine gewisse Verantwortung dem armen Jungen gegenüber. Essen be- kommt er Kleidung auch, doch die geistige Nahrung? Wie ist Ihr Verhältnis zu Jesus?" Ich hörte Samuelsen aufstehen und ein paar Schritte machen. „Dieses Buch verläßt mich niemals," sagte er. „Das freut mich aufrichtig. Der Junge ist in den besten Händen, wie ich sehe. Aber nun will ich lieber gehen. Ich möchte Sie nicht gern länger stören als nötig: doch wenn man Verantwortungsgefühl hat— nicht wahr, Sie verstehen mich. Aber Gott lohne Sie für Ihre Güte." Onkel kam in gehobener Stimmung in den Laden. „Ich soll dich von deiner Tante grüßen, lieber Viggo!" sagte er zu mir. Ich wurde rot; doch er hielt das für Ver- legenheit, nahm meine Hand und streichelte sie.„Komm nun oft, recht oft zu uns. Wir sehen dich gern, und wir können dir vielleicht auch behilflich sein, Viggo." Samuelsen scharrte ungeduldig mit dem Fuß. Entwickle dich nun gut, Viggo, wir wissen, daß du Händen befindest, lebe wohl, lieber Viggo." Als er gegangen war, sagte ich zu Samuelsen:„Dann ' � f f— L2•••(X'D a X ri viXl'rt»» /i««X V soll ich also hierbleiben und Zigarrenhändler werden? „Ja, mein lieber Neffe, ja, lieber Viggo!" höhnte Sa- muelsen. „Das sind Sie auch meiner Mutter schuldig! sagte ich hart. Samuelsen trat überrascht einen Schritt zurück und schlug ein höhnisches Gelächter an. „Schuldig? Was, zum Teufel, weißt du davon? Da Hort denn doch alles auf!" Er ging wütend in das Hinterzimmer und warf die Türe zu. Von diesem Augenbück an war er wie verwandelt. Er schalt mich vom Morgen bis zum Abend, er be» handelte mich ganz niederträchtig und paßte auf Schritt und Tritt auf mich auf. Der Tag fing stets damit an, daß er den Kopf zur Tür hereinsteckte und rief:„Ist das eine Zeit zum Ausstehen, du jauler Lümmelt Hier gebe ich dir Esten und Kleider und Taschengeld und Tabak, und was ist der Dank? Nichts. Paß du auf, daß es nicht ein Ende mit Schrecken nimmt. Ich kann dich jeden beliebigen Tag rausschmeißen!" „Ich kann ja sofort gehen!" antwortete ich darauf. „Du kannst gehen? So, nichts kannst du! Du hast zu bleiben, sonst werde ich dir den Kopf waschen, verstehst du!" Doch da war ich bereits aus dem Bett gesprungen und kleidete mich an. Samuelsen ging auf und ab und schäumte vor Wut. „Das ist der schwärzeste Undank!" fauchte er.„Hier tut man alles für den Jungen, und was hat man dafür? Was hat man dafür? Saure Gesichter, Großschnäuzigkeit, das hat man dafür!" Und dann schrie er:„Aber der Teufel soll mich holen. wenn ich jetzt lüge! Ich setze eine Anzeige in die Zeitung, und morgen habe ich einen Verkäufer. Ja, ich bekomine mindestens zehn zur Auswahl, und dann kannst du dich fortscheren, du Bastard!" Ich wusch mein Gesicht, trocknete mich ab und ging heraus, um die Ladentür aufzuschließen. Samuelsen ging herum und lauerte. Er bettachtete die Zigarrenkisten und die Pakete mit Tabak. „Habe ich nicht gesagt, daß Obels Melange llnks stehen soll? Wie oft soll ich das denn sagen? Bist du taub. Junge!" Ich schnitt ein Gesicht. Später konnte er plötzlich brüllen:„Willst du denn nicht deinen Kaffee trinken, Bengel? Da steht er und wird kalt!" Und so verging der Tag. . Ich fuhr hinter dem Ladentisch umher, lächelte den Kunden diensteifrig zu. empfahl und schleppte herbei: doch der Schweiß strömte mir die game Zeit von der Stirne, denn ich wußte, daß die Tür zum Hinterzimmer bloß angelehnt stand, so daß Samuelsen lauschen konnte. Hatte ein Kunde geschimpft und war gegangen, trat er auf die Stufen zum Hinterzimmer hinaus und sah auf m!ck mit einem bösen Blick hermiter:„Du ruinierst das Geschäft!' fuhr er mich an. Hatte ich falsch herausgegeben, kam er wieder vor. „Das Einmaleins ist wohl nicht so leicht, was?" Und trotzdem war Samuelsen eigentlich gut gegen mich. Bemerkte er, daß meine Sachen abgetragen waren, fuhr er mich an und schickte mich zum Schneider. Waren Löcher in meinen Sohlen, drohte er mir mit Schlägen, wenn ich nicht machte, daß ich zum Schuster käme.(Fortjetzung folgt.) Der 25. Oktober. Die Termine der Stadtverordnetenwahlen. Die Bestimmungen über die Wahlen zur Stadtverordnetenverfammlung und zu den Bezirksversammlungen beruhen auf der Wahlordnung vom 26. August 1925. Sie weichen in einigen wesentlichen Punkten von den früheren ab. Auch sonst herrscht in vielen Kreisen noch mancherlei Unklarheit, weswegen wir in folgendem nachmals das Wichtigste der Wahlordnung, kurz zusammengefaßt, wiedergeben wollen: Wer darf wählen? Alle reichsdeutschen Männer und Frauen, die am Wahlfage über 20 Jahre alt sind und die an diesem Tage seit sechs Monaten im Gemeindebezirk Berlin wohnen, sind berechtigt, zur Stadtverordnetenversammlung und zur Bezirksversammlung zu wählen. Wer ist wählbar? Wählbar sind alle Wahlberechtigten, die am Wahltage das 25. Lebensjahr vollendet haben. Nicht wahlberechtigt und nicht wählbar sind ent mündigte oder geistestrante Personen, ferner Straf- und Untersuchungsgefangene, sowie diejenigen, denen die bürgerlichen Ehren rechte aberfannt sind und schließlich die Soldaten. so lange fie der Wehrmacht angehören. Militärbeamte gehören nicht der Wehrmacht an. werden. Personen, die sich aus politischen Gründen in Schutzhaft befinden, dürfen an der Ausübung ihres Wahlrechts nicht behindert Für alle aber gilt: Wählen fann nur, wer in der Wählerliste ist oder einen Wahlschein hat. Wo wird gewählt? Die Stadt Berlin wird für die Wahl in Abstimmungsbezirke eingeteilt, die je nicht mehr als 2500 Einwohner umfassen sollen. Für jeden Abstimmungsbezirk wird ein geeigneter Wahlraum bestimmt, der innerhalb des Abstimmungsbezirks oder eines benach barten Bezirks liegt, der zu demselben Wahlkreis gehören muß. In großen Abstimmungsbezirken tann die Wahlhandlung geteilt, die Wahlen können gleichzeitig in zwei verschiedenen Räumen oder im selben Wahlraum, aber dann an zwei verschiedenen Wahltischen, vorgenommen werden. Für jeden Teil ist ein besonderer Wahlvorstand zu bilden. Die Bildung des Wahlvorstandes soll unter tunlichster Berücksichtigung der verschiedenen Barteirichtungen geschehen. Die Bezirtsämter machen spätestens fieben Tage vor der Wahl durch Anschlag die Lage der Wahlräume, Tag und Stunde der Wahl usw. befannt. Wer erhält einen Wahlschein? Große Bezirks- Frauenkonferenz Sonntag, den 4. Oftober 1925, vormittags 91%, Uhr, im Plenarsaal des Staatsrats, Leipziger Straße 3 Tagesordnung: 1. a) Bericht über die Internationale Frauenfonferenz in Marseille. Berichterstatterin: Genoffin Clara Bohm- Schuch. b) Bericht über die Deutsche Frauenkonferenz in Heidelberg. Berichterstatterin: Genoffin Helene Schmit. 2. Die Auswirkung der Zollpolitik auf die Arbeiterschaft: a) Lebenshaltung und Zölle. Referentin: Genoffin Wurm. b) Wirkung auf Bolfsgesundheit und soziale Lage. Ref.: Gen. Dr. Stegmann. c) Auswirkung auf die Gemeindepolitit. Referenfin: Genoffin Minna Todenhagen. Zutritt nur mit Delegationsausweis oder Gafffarte. Türkontrolle 1. und 2. Kreis. Wahlscheine werden nur erteilt an Wähler, die in der Wahllifte schule wird durch die Elastizität des Lehrplanes genügend Gelegen. nicht eingetragen oder darin gestrichen sind, Der fugendliche Mensch und der Erzieher. Als erster Redner sprach am Donnerstag Studienrat Dr. Heinrich Müller über Schülertypen und ihre Auslese". Neben den Unterschieden des Stammes, der Herkunft aus Land oder Stadt und den jozialen Verschiedenheiten gebe es Besonderheiten in der intellektuellen Begabung. Diesen besonderen Spielarten müsse durch entsprechende Gestaltung des Schulwefens, vor allem durch Schaffung von Begabtenschulen, Rechnung getragen werden. Auch die Lehrerbildung müsse eingetragen, der Leiter des Schulheims Südstrand auf der Insel Föhr nach diesen Gesichtspunkten gestaltet werden. Hermann har fprach über die Beitgefeße in der Erziehungs. aufgabe". Unter Zeitgesez versteht Harleß die Ablaufsform der Erbzeit, den Einfluß des Ablaufs des Jahres und Tageszeiten auf den jungen Menschen. In seinem Landheim hat Harleß Gelegen heit gehabt, die vernünftige Einteilung des Tages und ihre Wirkung auf das Kind zu beobachten. Er gab ein allgemeines Schema, nach dem der Tageslauf für das Kind des Schulheims Südstrand geregelt ist. Als lezte Rednerin des vormittags sprach Henny Schumacher über das ,, Kleinkind als Vorbestimmung des Erwachsenen". Sie zeigte in ihren Ausführungen die große Bedeutung der Beeinflussung des Kleinkindes. In der Kleinkindperiode entscheide es sich, ob der heran wachsende Mensch sozial oder asozial werde. Die Rednetalismus burch den Sozialismus hin, denn die ver rin wies auf die Notwendigkeit der Beseitigung des Kapi. zweifelten wirtschaftlichen, politischen, geistigen und fittlichen Zerriffenheiten und Kämpfe erlebe das Kleinkind mit aufgeschlossener empfänglicher Seele. Eine lebhafte Debatte schloß sich an die drei Bormittagsreferate an, in der Paul Destreich sich gegen die Vorschläge Müllers zur Begabtenschule wandte. In der Produktionsheit sein, auch hochbegabte Schüler entsprechend zu behandeln. In der Nachmittagssigung sprach Genosse Dr. Mar Hodann über den Lehrer und das anormale Rind". Hodann unterscheidet geistige, förperliche und seelische Anormalitäten. Unter geistig abnormen Kindern schildert er drei Typen: debile( geiftig zurüdgebliebene) imbezille( geiftesschwache) und idiotische Kinder. Idiotische Kinder sind vollkommen unerziehbar, debilen und imbezillen Kindern helfe man am besten, indem man auf ihre geistigen Be sonderheiten verständnisvoll eingehe. Bei förperlichen Krüppeln handele es sich darum, das ausgesprochene Geltungsbewußtsein der Krüppel sozial einzuordnen. Für die pädagogische Behandlung von psychopatischen Kindern gebe es fein Schema. Auch hier handele es sich darum, Abweichungen der Psychopaten, die sich in einem besonderen Geltungsbedürfnis ausdrücken, jozial einzuordnen. Den zweiten Tagungsabschnitt beschloß Frau Käte Feuerstat durch einen Vortrag über die Rückkehr der Lehrerin ins bildung der Lehrerin. Der Weg von der Schule dürfe nicht mehr Leben. Sie wandte sich gegen die bisherige geltende Ausüber das Seminar wieder zur Schule führen, sondern über das Seminar erst zur Arbeit, irgendwo im werttätigen Leben und in einer heimgebundenen Erziehungsgemeinschaft. Nicht Abwehr, sondern träftige Auseinandersetzung mit dem Geschlechtsproblem sei notwendig. Letzte Forderung an die neue Lehrerin ist: Wieder Mutterschaft im tiefsten Sinne, damit die Menschheit wieder zu den Müttern" hinabsteigen tönne. a) wenn sie nachweisen, daß sie ohne ihr Ber. fchulden die Einspruchsfrist versäumt haben; b) wenn ihrem Einspruch erst nach Schluß der Wählerlifte ftattgegeben ist; c) wenn bei Ruhen des Wahlrechts der Grund hierfür nach Ablauf der Einspruchsfrist weggefallen ist. Der Wahlschein berechtigt zur Abgabe der Stimme nur in dem für den Wähler zuständigen Abstimmungsbezirt. Ueberhaupt fann jeder Wähler sein Stimmrecht nur in einem Abstim mungsbezirf ausüben. Wahlscheine können nur bis zum Lage vor der Wahl ausgestellt werden. % Die Wahlzeit ist durch die Wahlordnung festgesetzt von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags. Die Stadtverordneten und die Bezirksver. orbneten werden gleichzeitig in einheitlicher Wahlhandlung gewählt. Bei den Wahlen am Sonntag, den 25. Oftober, find zu wählen: 225 Stadtverordnete für den Gesamtbezirk der Stadt Berlin. und 780 Bezirksverordnete für die Verwaltungsbezirke der Stadt Berlin, und zwar je 45 Bezirksverordnete für die Berwaltungsbezirke Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Charlottenburg, Schöneberg und Neukölln; je 40 Bezirksverordnete für die Verwaltungsbezirke Spandau, Wilmersdorf, Steglitz, Lichtenberg. Pankow und Reinickendorf, je 30 Bezirksverordnete für die Berwaltungsbezirfe Tempelhof, Treptow, Köpenid und Weißensee; 15 Bezirksverordnete für den Berwaltungsbezirk Zehlendorf. Das beliebte Gefrierfieisch. wenn man's nicht hat. Bekanntlich wurde gegen die Fleischverarbeiter in Deutschland vor furzem der Vorwurf erhoben, daß sie einen großen Teil des Gefrierfleisches zu. Burst verarbeiten. Die Wurst war deswegen nicht billiger; der Gewinn, der sich aus dem hohen Wurstpreis und dem niedrigen Gefrierfleischpreis ergab, floß den betreffenden Unternehmern zu und manchem Armen, der sich gern einmal billiges Auslandsfleisch getauft hätte, fehlte jede Möglichkeit, es einzufaufen. Gegen diesen Vorwurf haben sich die Fleischverarbeiter mit der üblichen sittlichen Entrüstung gewehrt. Wer wird denn auch solche unmoralischen Geschäfte machen. Denn erstens: Gefrierfleisch, na ja, und zweitens sind. doch Konserven und ähnliche schöne Dinge bekanntlich Qualitätsware. Dazu konnte man doch unmöglich Gefrierfleisch gebrauchen. Nun hat die Reichsregierung durch Zölle die Einfuhr frischen und gefrorenen Fleisches nahezu unmöglich gemacht. Nur zur Verforgung der Minderbemittelten wurde eine tnappe Menge zur zollfreien Einfuhr zugelassen. Eine forgfältige lleberwachung soll bewirken, daß dieses Gefrierfleisch wirklich nur in die Hände Minderbemittelter kommt, denn sonst reicht es für die Versorgung des Bedarfes nicht aus. Und da geschah das Unbegreifliche: Bertreter der deutschen Fleischwarenindustrie murden bei den Reichsbehörden vorftellig, man möchte ihnen doch ja um Gottes Willen nach wie vor Gefrierfleisch zur Verfügung stellen, sonst gingen fie taputt. Woraus man die Lehre ziehen soll, daß Gefrierfleisch vielleicht gar nicht so schlecht ist, wenn man es hat und daß auch unmoralische Geschäfte gemacht werden, wenn nur der Profit wintt. Hoffentlich bleibt man uns das nächstemal mit der moralischen Entrüstung vom Leibe. Ermäßigung der Wechselstener. Bon 1. Geptember 1925 a find die Wechselsteuerfäße durch Artikel III des Gefeßes zur Aenderung der Verkehrssteuern und des Berfahrens vom 10. uuft 1925 neu feitgefekt. Die Steuer beträgt 0,10 9hnr. für ie 100 ml. der Wechselsumme, angeforgere 100 Rmt. werden fite voll gerechnet. Bei Wechseln, die auf einen beftimmten Rahlungstag gestellt sind, erhöht sich die Steuer auf 0,20 Rmt. für ie 100 Rmt., wenn die Fälligkeit des Wechfels fpäter als brei Monate nach dem Ausstellungstag eintritt. Tritt die Fälligkeit später als ein Jahr nach dem Ausstellungstag ein, so erhöht sich die Steuer auf 0,30 Smt. für ie 100 mt. Für jebe weiteren sechs Monate der Laufzeit des Wechsels oder einen Teil diefes Reitraums erhöht sich die Steuer um je 0,10 Rmt. für je 100 mt. der Bed, selsumme. Die neuen Steuerfäre betragen also die Hälfte der bisherigen Säke. Eine weitere Ermäßigung tritt bei den pom Inland auf das Ausland nezogenen und nur im Ausland zahlbaren Wechseln ein. Hier ermäßigt fich Die Steuer auf die Sälfte der vorstehend genannten Beträge. Die Steuer beträgt aber mindestens 0,70 Rmt. Höhere Beträge find auf volle 0,10 Smt. nach oben abzurunden. Zwei Arbeiter verschüttet. Berliner Straße Ede Hoben. zollerndammi stürzte gestern in den Abendstunden ein Kanalifationsschacht ein. Zwei Arbeiter wurden dabei ber ichüttet. Die Feuerwehr wurde alarmiert und befreite beide. Der eine der Arbeiter hatte nicht unerhebliche Verlegungen und der andere, der 26jährige Rohrleger Albert Hempa, war bereits tot. Er wurde nach dem Schauhaus gebracht. mit Pferd und Wagen in die Spree. In Moabit, am Zollhaus, ging das Pferd eines Geschäftsfuhrwerts durch und Pferd und Wagen rasten in die Spree. Die Feuerwehr wurde alarmiert, holte den Wagen heraus und das Pferd wurde von den Arbeitern bom gegenüberliegenden Kran mittels einer Hebewinde wieder auf das Trockene befördert. Gräfin von Bothmer. Eine Potsdamer Geschichte. Bor etwa 14 Tagen fand man den Regierungsrat Grafen Ludwig von Bothmer mit einer schweren SchußDerlegung in seiner Wohnung Markgrafenstr. 12 in Potsdam auf. Der Regierungsrat liegt zurzeit in einem Potsdamer Krankenhaus schwer darnieder. Man sprach von einem Duell und allerhand anderem, Gestern abend bringt die deutschnationale Potsdamer Tageszeitung" einen aufsehenerregenden Artikel mit der Ueberschrift Ermittlungsverfahren gegen Frau Gräfin von Bothmer!" Am 5. August trat der Geheime Oberjustizrat im Ruhestand Otto Riech, Kurfürstenstraße 33 in Potsdam, eine Reife an und betraute die 34jährige Frau des Re gierungsrats Graf von Bothmer, eine geb. Ellinor von Birke, mil der Aufsicht über seine Wohnung. Einer Aufwärterin fiel es auf, daß plötzlich zwei Teppichbrüden fehlten. Als später Berwandte von dem Justizrat eintrafen, fehlte foft bares Silbergerät und Kristallvasen. Inzwischen war der Geheimrat eingetroffen, der Verdacht richtete sich gegen mehrere Personen, bis er schließlich auf die Gräfin fiel, die häufig in Geldnot war. Es kam der Selbstmordversuch ihres Mannes hinzu und ein ermittelter Abschiedsbrief des Grafen mit Vorwürfen gegen seine Frau ließen feinen Zweifel mehr offen, daß der Graf aus Berzweiflung die Waffe gegen sich gerichtet hatte. Eine schwer be= lastende Wendung für die Gräfin nahm die Ermittlung, als eine Berliner Firma ermittelt wurde, an die die Gräfin die Berserbrüden verkauft hat. Die Potsdamer Kriminalbeamten beobachteten, daß die Gräfin eine der Kristallvasen im Vorgarten der Potsdamer Sache in die Hände genommen. Inzwischen trat eine neue fatholischen Kirche versteckte. Gestern hat die Staatsanwaltschaft die Sensation auf. Die Gräfin ließ den tatholischen Pfarrer fommen. Bei seinem Erscheinen in ihrer Wohnung übergab sie ihm plötzlich einen Brief. Der Brief brachte eine leberraschung. Eine angeblich sterbenstrante Frau, die aber nirgends zu ermitteln ist, schreibt, sie wolle vor ihrem Ableben ihr Herz erleichtern und gegen die Berdächtigungen der Frau Gräfin protestieren. Ihr Sohn habe alles gestohlen und etwas liege noch am Marmorpalais im Neuen Garten. Sofort begab man sich mit der Gräfin und dem Geheimrat Riech und dem Landgerichtspräsidenten zum Marmorpalais und siehe da, man hoite aus dem Wasser ein verschnürtes Batet mit einigen Silbergeräten,.fechs Eklöffel, Speifelöffel und Meffer. Niemand glaubt natürlich in Potsdam an diese Komödie, denn jeder normale in ihrer Todesstunde von Verdächtigungen gegen eine Gräfin Mensch fragt sich, wie mag wohl eine unauffindbare Sterbensfranie von Bothmer etwas erfahren haben. Schwere Verkehrsunfälle. Chemnih, 1. Oftober.( WTB.) Die Eisenbahnbetriebsdirektion Chemniz teilt folgendes mit: Von dem Güterzuge 9842 entgleisten gestern nachmittag 12,20 Uhr auf der freien Strede zwischen Elte lein und Scheibenberg bei Kilometerstein 20,7 die otomotive und vier Wagen. Die Lokomotive und zwei Wagen stürzten den 12 meter hohen Damm hinab. Das Lokomotiv. personal ist leicht verletzt worden. Der Verkehr wurde zunächst durch Umsteigen aufrechterhalten. Beuthen, 1. Oktober.( WTB.) Bon einem schweren AutoRatiborer Stadtverordneten auf ihrer Rückfahrt nach Ratis unglüd murden die gestern zu Besuch in Beuthen weilenden scharfen Kurve ein Reifen des ersten Autos. Diefes kam ins bor betroffen. In der Nähe von Rauden platte beim Nehmen einer Schleudern und stürzte in den Chauffeegraben. Die Injassen wurden hinausgeschleudert. Während die drei Stadtverordneten Gloger, Miegisch und Kinne mit mehr oder weniger schweren Verlegungen davonfamen, wurde die Stadtverordnete Frau Stiller gegen einen Preulstein geschleudert, wobei ihr die legungen erlegen. Die Berunglückten wurden nach Ratibor Schädeldede zertrümmert wurde. Sie ist ihren Verbefördert. bat am 30. September befchloffen, das ehemalige Stammlager Das Kinderheim der Stadt Berlin in 3offen. Der Magistrat Behrendorf- 3offen für Kindererholungszwede auf die Dauer bon 25 Jahren zu pachten. Jugendveranstaltungen. Borfhendenkonferenz am Sonnabend, ben 3. Dtober, abends 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Zutritt. Achtung Abteilungslaffiever! Seute, Freitag, von 5-7 Uhr, Abrechnung ber Beitragsmarken. Ausgabe des Oktober, Jugend voran" und der Arbeiter. Jugend". Heute, Freitag, Abteilungs- Mitgliederversammlungen: Moabit I: Schule Siemensfte. 20. Moabit II: Schule am Stephanplak. Nordosten I: Jugendheim Neue Rönigstr. 21. Nordosten II: Jugendheim Danziger Str. 62. Rosenthaler Borstadt: Jugendheim Sophienstr. 21, 2. Hof. Weißenfee: Jugendheim Roeldestr. 157, Ede Charlottenburger Straße. Biertel): Jugendheim Goßlerstr. 61( Rudolfplak). Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 102/103. Often( Straleuce Warschauer Biertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Schöneberg II: Jugendheim Frankenstr. 10( Schule). Steglig I: JugendRöpenis: heim Holsteinische Str. 3. Reukölln I: Jugendheim Bergstr. 29. Jugendheim Grünauer Str. 5, Sof redits. Fallenberg: Jugendheim Am altenberg, 117. Lichtenberg- Nord: Jugendheim Barbaue 10. Neu- LichtenSchule Prinz- Albert- Str. 44. berg: Reinidendorf- West: Jugendheim Seibelstraße. Tegel: Jugendheim Bahnhofftr. 15. Niederschönhausen: Schule Blankenburger Str. 70-71. Bankow: Jugendheim Breite Straße. Neukölln II: Jugendheim Nogatstr. 53, Bortrag: ,, Alt- Berlin". Baum schulen weg: Jugendheim Ernstfte. 16, Bortvog: Was will die SAJ.?" Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3, Bortrag: Geruelle Fragen". Auf die Straßenkleidung von Malergehilfen hat es eine Diebesbande abgefeben, die feit einiger Zeit im Osten Berlins und Neuföln ihr Unwesen treibt. Sie beobachtet, wo die Gehilfen ihre Kleidungsstüde mit dem Arbeitsfittel auswechseln und aufhängen. M istens geschieht das in einem Keller oder einem leeren Laden des Hauses, in dem die Leute arbeiten. Die Diebe steigen dann un bemerkt ein und stehlen alles, was fie vorfinden. Mitteilungen, die dazu dienen tönnen, fie unschäblich zu machen, nimmt LEEEEEEEEEE}}}}}}}}|{{{ Kriminalkommissar Ziegler im Polizeipräsidium, Sausanruf 608/609 engegen. Der erste proletarische Groß- Film Schmiede" hat in ganz Deutschland den lebhaftesten Beifall aller Werftätigen gefunden. Ein neuer proletarischer Film Freies Volt Zu neuen Ufern lodt ein neuer Tag ist in Vorbereitung. Am fommenden Sonntag, vormittags 10 Uhr, foll in Schloß Schönholz eine Massenfaene aufgenommen werden. Wir bitten alle Parteigenoffen, burch aahlreiche Beteiligung dazu beizutragen, daß das Werk gelingt Rote Fahnen mitbringen. Der Bezirksborstand der SPD. Groß- Berlins. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 2. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: " 4.30-6 Uhr abends: Konzert. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau(„ Der Frauen Recht auf Jugend"). 7 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abt. Gartenbau. Regierungsrat Dr. Zacher: Winterkampf gegen Gartenschädlinge". 7.25 Uhr abends: Dr. med. E. Mosbacher:" Gemüsegenuß und Gesundheit". 2. Vortrag. Kartoffeln und Wurzelgemüse". 7.50 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Völkerkunde. Prof. Pandit Tarachand Roy( Lahore):„ Einführung in die indische Kultur". 5. Vortrag. Die religiösen Strömungen der Gegenwart. 8.30 Uhr abends: Populärer Abend. 1 a) Dom. Ertl: Hoch- und Deutschmeistermarsch, b) Jos. Strauß: Flattergeister, Walzer c) F. Schubert: Scherzo B- Dur( Dietrich- Quartett). 2. Schumann: a) O Sonnenschein, o Sonnenschein, b) Sonntags am Rhein, c) Frühlingsfahrt( Franz Baumann, Tenor). 3. Rezitation( Ulrich Franz Krolop). 4. St. Dietrich: Die Operette von 1914( Liederfolge)( Dietrich- Quartett). 5. a) Eberle: Ein Vöglein sang im Lindenbaum, b) Pressel: An der Weser, c) Yradier: La Paloma, d) C. Löwe: Die Uhr( Franz Baumann). 6. Rezitation( Ulrich Franz Krolop). 7. P. Dietrich: Das einschmeichelnde Wienerlied, Potpourri( Dietrich- Quartett). Am Flügel: Prof. Oskar Wappenschmitt. 10 Uhr abends: Hans Adalbert v. Schlettow spricht über Erinnerungen aus meiner Filmtätigkeit". Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 97 Abt. Nieberschöneweide: Schule Berliner Str. 81, öffentliche Elternversammlung mit dem Thema Binchologie des Jugendalters". Werbebezirk Ostbahn: Schulaula Marktstraße, Elternabend mit öffentlichem Vortrag. Abt. Friedrichshain: Maula des Andreas- Gymnasiums, RoppenStraße 76, Schulentlassungsfeier am Sonnabend, den 3. Oktober, abends 7 Uhr. Gozialistische Arbeiter- Jugend Eichwalbe. Elternabend anläßlich unseres einiährigen Bestehens am Sonnabend, den 3. Oktober, abends 7 Uhr, in der Turnhalle. Weller für Berlin und Umgegend. Troden und meist helter, am Tage mäßig warm, morgens und abends wieder sehr fühl. Für Deutschland. Im Südwesten strichweise etwas Regen, sonst überall troden. Im nördlichen Binnenlande vereinzelt Nachtfrost. Die echten holländischen aid POLAK ajo PUDDINGE Nach dem EssenPolak's Delikatessen. t Um den Stadtschulrat für Berlin. Eine Niederlage der Schulreaktionäre in der Stadtverordnetenversammlung. Wahlagitation gegen die SPD.- Fraffion und gegen lozialdemofratische Bezirksleitungen auszuschlachten. Wo wäre die Tuberkulosefürsorgestelle Wedding geblieben, wenn das Bezirksamt nicht eingegriffen hätte? Gerade diese aber habe Dr. Mazdorff zum Gegenstand seiner Angriffe in einem ärztlichen Fälle" vor, und feine ärztlichen Kollegen um Mitteilung weiterer Fachorgan gemacht, darin habe er erflärt, ihm lägen derartige Fachorgan gemacht, darin habe er erflärt, ihm lägen„ derartige Fälle ersucht. So etwas sei unter dem früheren Regime undenkbar gewesen. In der Bezirksversammlung habe Reftor Troll gemeint, Dr. Magdorff werde wohl seine Gründe gehabt haben, warum er nicht antwortete! Tatsächlich sei auch wegen einer Rücksprache ein Termin in Aussicht genommen gewesen, aber unmittelbar vor demTermin in Aussicht genommen gewesen, aber unmittelbar vor dem felben sei die Verhängung der Sperre erfolgt. Mit Recht habe die Bezirksversammlung in einer Entschließung die Haltung des Bezirksamts gebilligt. Koch( Dnat.) berichtigte, daß im Landtage Dr. Weŋl die Sache zwar vorgebracht, der Landtag aber nicht Stellung ge nommen habe. Genosse Dr. Weyl: Im Landtag hat der Wohlfahrtsminister erklärt, er werde den Oberpräsidenten als Aufsichtsinstanz veranlassen, den groben Unfug der Sperre zur Die Berliner Stadtverordnetenversammlung,| Deutschnationalen einmal gründlich zu beleuchten. Bis heute hätten deren Mandat nun bald abläuft, erlebte gestern einen erbitter fie abgelehnt, die Begründung zu geben, offenbar in der Absicht und ten Rampf um die Wiederbesehung des Stadt. Hoffnung, die Sache in der fchulrats post ens. Schon sehr rasch nach dem Abbau unseres Genossen Paulsen, bei dessen Beseitigung den Bürgerlichen die Kommunisten willige Helfershelfer gewesen sind, hat der Magistrat die Wiederbesetzung des Postens verlangt. Den rechts stehen den Parteien lag daran, daß die Sache schleunigst und momöglich noch durch die im Sterben liegende alte Stadtverordnetenversammlung erledigt würde; denn den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen, die über die 3u famunensetzung des neuen Stadtparlaments entscheiden werden, fehen fie mit Sorge entgegen. Ueber den Ausschußbeschluß, der die Zu stimmung zu der Wiederbesehung empfahl, sollte noch gestern Beschluß gefaßt werden. In der Debatte sagte der sozialdemokratische Redner, unser Genosse Loewy, den Freunden dieser ver dächtigen Eile fräftige Wahrheiten über das von ihnen geplante Vorgehen, das zu dem ungesetzlichen Abbau Baulsens passen würde. Die Linfe forderte, daß die Entscheidung ausgesetzt würde, und unser Redner legte dar, warum selbst darüber, ob der Stadtschulratsprsten überhaupt wiederbesetzt werden soll, noch nicht abgestimmt werden dürfe. Die Rechte tobte, aber sie entging ihrer Niederlage nicht. Das Vergnügen sofortiger Abstimmung über die Wiederbesegungsvorlage wurde ihr zuteil, doch das Ergebnis war die Ablehnung, die von der Linken mit schadenfrohem Gelächter begleitet wurde. Der Magistrat wird nun mit einer erneuten Vorlage tommen, aber an die alte Stadt. verordnetenversammlung wird er, wenn er sich nicht lächerlich machen will, nicht nochmals mit ihr herantreten lönnen. Es bleibt dabei, daß der Kampf um den Stadtschulrat von Berlin nur durch die neue Stadtverordnetenversammlung schieden werden kann. entIn der geftrigen vom Vorsteher Genossen Haß nach 5 Uhr eröffneten Sigung der Berliner Stadtverorndeten wurden die folgenden beiden eingebracht: Dringlichkeitsanträge der SPD. 1. Im Tarifvertragsausschusse sind die Vorschläge der Gemertschaften, den Stundenlohn der städtischen Arbeiter um 10 Proz. zu erhöhen und das( tarifliche) Lebensalter der Bollarbeiter auf 21 Jahre herabzusehen, angenommen worden. Der Magistrat soll diesen Beschlüssen nicht zugestimmt haben. Wir beantragen, zu be schließen, den Beschlüssen des Tarifvertragsausschusses beizutreten." 2. Die Versammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, neben den zwei amtierenden Bautontrolleuren weitere zwei Rontrolleure aus dem Kreise der baugewerb lichen Arbeitnehmerorganisationen anzustellen." Beiden Anträgen segte die Rechte widerspruch ent. gegen, so daß die sofortige Beratung nicht stattfinden fonnte. Gingelaufen waren fünf Anfragen, wovon zwei den schweren Unclüdsfall in der städtischen Badeanstalt Oderberger Straße betreffen. Zur Berhandlung gelangte zunächst die vom 4. Juni datierende Anfrage der Deutschnationalen, wie sich der Magistrat zu dem Jugend weihe der Arbeiterschaft Groß- Berlins am Sonntag, den 4. Oktober 1925, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße. . Mitwirkende: Berliner Volkschor: Leitung Dr. Zander An der Orgel: Willi Jaeger Cello- Trio: Armin Liebermann, Fritz Hoppe, Kari Lenzewski Weiherede: Dr. Lohmann. Der Sprechchor der Proletarischen Feierstunde, Leitung Albert Florath u. Einzelsprecher Heinrich Witte Gasticarten an der Kasse. Aufhebung zu bringen, bazu bedurfte es feines Landtagsbeschuffes. Der Oberpräsident hat der Aerztekammer untersagt, die Stellen denn auch nicht mehr veröffentlicht worden. Der Boykott durch den das ganze Vorkommnis, das wieder zu einer weiter zu sperren, und ſeit zwei Monaten ist der Boykottbeschluß Leipziger Aerztevereinsbund besteht fort. Ich bedaure aufs tiefste Rommunisten und der Sozialdemokratie; der Ausschußvorschlag wurde angenommen. Die Erhöhung der Hundesteuer wurde ohne jede Debatte gemäß dem Ausschußvorschlag abgelehnt. Für die Verbreiterung der Dorfstraße in Gatow wurden jetzt 35 000 m. bewilligt. Um 8 Uhr gelangte die Versammlung zur zweiten Beratung der Borlage wegen Wiederbefehung der Stelle des Stadtschulrats. Genoffe Dr. Borchardt hatte den Ausschußbeschluß zu vertreten: Die Versammlung stimmt zu und seht das Gehalt gemäß der Besoldungsordnung auf Einzelgehalt II feft." 3u einem Vorschlag über die Personenfrage ist es im Ausschuß nicht gefommen; es wurden von den Fraktionen genannt Stadtrat Benecke und Studienrat Dr. Ehin. Der Referent refapitulierte die Borstadien, die die Angelegenheit seit dem Abbau Paulsens durchlaufen hat. Man habe auf einen Stadtfchulrat zurückgezogen; auch der Termin für dia zuerst drei Stadtschulräte einsehen wollen, dann aber sich wieder Neuwahl der Versammlung habe hineingespielt. Der Antrag, die ganze Wahlangelegenheit der neuen Stadtverordnetenversammlung zu überlassen, sei mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt worden. Für Benecke hätten sich 5, für Egin 3 Stimmen erflärt; Paulsen fei nicht genannt worden, de die Partei, die ihn hätte nennen fönnen, ihn bekanntlich für zu Unrecht abgebaut hält. Ein Antrag der Deutschnationalen, Deutschen Boltspartei, Wirtschaftspartei und des Zentrums geht dahin, die Wahlin der nächsten Sigung vorzunehmen. Die Kommunisten beantragten die Bertagung bis nach der Neuwahl. Müller- Franken( Bp.) meinte, der auch von seiner Fraktion mit unterschriebene Antrag spreche für sich selbst; man fönne eine so wichtige Sache nicht einer eben neugewählten Versammlung überlassen.( Aha! lints.) Dove( Dem.) beantragte die Bertagung und die Uebertragung der Wahlvorbereitungen an den 25er Wahlausschuß; er sprach sich gegen die Vornahme der Wahl in der nächsten Sizung aus. Genoffe Lowy: Der Abbau des Stadtschulrats ist seinerzeit be schlossen, aber die Stelle beibehalten worden; jetzt will man diese Stelle wieder besetzen. Die Wahl muß aber erst vorbereitet und es muß abgewartet werden, ob der Oberpräsident die Person sanftioniert, die ihm in Borschlag gebracht wird. Der gemeinsame Antrag der vier Parteien sieht mir etwas nach do- ut- des- Politik aus. ( Lebhafter Widerspruch rechts.) Wer weiß denn, ob die heutige Rechtsmehrheit nach dem 25. Oktober noch vorhanden ist? ( Lärm und Lachen rechts.) Wir werden für den kommunistischen Antrag stimmen.( Der Redner wurde von der Rechten fortgesetzt mit solchem Lärm unterbrochen, daß ein Teil seiner Ausführungen perloren ging.) Die Versammlung hat dem Geifte und dem Bortlaut der Personalabbauverordnung zuwider gehandelt. Der Antrag der Kommunisten auf Vertagung der ganzen Sache bis nach der Neuwahl wurde mit 101 gegen 97 Stimmen abgelehnt; der Antrag Braun- Dove, die Wahlvorbereitungen dem Wahlausschuß zu übertragen, fam mit den Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten zur Annahme. Der Antrag unserer Genossen, die Beschlußfassung über den Ausschußantrag bzm. über die Magiftratsvorlage zu vertagen, bis der Wahlausschuß Bericht erstattet habe, wurde abgelehnt. Auf Verlangen des Herrn v. Ennern mußte auch über den gemeinsamen Antrag der Rechten abgestimmt werden, der gegen Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten der Ablehnung verfiel. ( Stürmischer Beifall links.) Zuletzt blieb aber auch der Ausschußantrag, gegen den jetzt auch die Demokraten stimmten, in der Minderheit, so daß der Wahlausschuß einen Auftrag nicht erhalten hat und die Wiederbesetzung der Stelle überhaupt abgelehnt ist! Nach Erledigung einiger Vorlagen von minderer Bedeutung erfolgte um 9 Uhr Schluß der Sizung. fehr betrüblichen Minderung des Ansehens der Aerzteschaft beiträgt. Ich appelliere bei dieser Gelegenheit an alle Bezirksämter, beim Abbau jo milde und glimpflich zu verfahren, wie es irgend mit der Wahrung der städtischen Intereffen vereinbar ist. Genoffe Urich erachtete es ebenfalls für erforderlich, über das neueste Wahlmanöver der Deutschnationalen Licht zu verbreiten. Diese Partei fuche eifrigft nach Material, um den Wählern zu be weisen, wie in Bezirken, wo sozialistische Bürgermeister amtieren, alles drunter und drüber gehe. Das Bezirksamt habe die neben amtlichen Schulärzte gefündigt und beim Magistrat um die Anstellung von zwei hauptamtlichen Schulärzten ersucht. Der 68jährige Arzt sei seinen Aufgaben gar nicht mehr gewachsen gewesen, den habe das Bezirksamt nicht gebrauchen fönnen. Dr. Magdorff habe fich als Parteigänger der Deutschnationalen hervor. getan und ebenso in Ausfällen gegen die Republit. Gegetan und ebenjo in Ausfällen gegen die Republit. Ge- Geit länger als Jahresfrist lassen die Berkehrsverhältnisse in brandmarkt werden müsse Vorgehen der ärztlichen Standesvertretungen stelle, die gemeinschaftlich und übereinstimmend über die neben amtlichen Schularztstellen im Schulbezirk Wedding die Sperre verhängt haben mit der Maßgabe, daß fein Berliner Arzt die Gemeinheit, mit der die Deutschnafionalen vor der Wahl vercine dort etwa ausgeschriebene Stelle übernimmt. Nachdem fuchen, so demagogisch die Sozialdemokratie zu verdächtigen, Dr. Kirchner( Dnat.) die Anfrage begründet, gab Stadtrat Genosse Treitel die Antwort, daß das Bezirksamt Wedding zu der Kündium ihre Parteisuppe zu tochen. In der weiteren gung( die die Sperre nach sich gezogen hat) durchaus berechtigt war. erregten Auseinandersehung verfocht Der eine der beiden Herren, Dr. Mahdorff, hatte sich als Dr. Falkenberg( Wp.) die Auffassung, daß die beiden Herren gemaß städtischer Arzt über städtische Institutionen ungünstig ausgeregelt seien, weil sie den Mut ihrer Meinung gehabt hätten, und wurde darin von Troll( Dnat.) unterſtügt. Genoffe Patiloch trat sprochen, ersucht, sein Material mitzuteilen, antwortete er dem Bezirksamt, er fuche noch nach Material( Hört, hört! links); ihnen nochmals unter Berufung auf den Wortlaut des Mahdorffzwei Monate später nochmals gemahnt, hat er überhaupt nicht fchen Artikels entgegen. Zur Fortführung der Arbeit des bis geantwortet( hört, hört! links). Darin sah das Bezirksamt eine herigen Disziplinsofigkeit. Der andere Herr ist 68 Jahre alt und hätte erflärt, er könne die Vorträge über Aufklärung wegen vorgeschrittenen Alters nicht halten. Nach der Kündigung hat die Merztekammer die Stellen gesperrt; fie gab an, fie habe feine Möglichkeit gehabt, mit dem Bezirksamt in Verbindung zu treten. Der Landtag hat in diesem Vorgehen der Aerztekammer eine unzu fäffige Ueberschreitung ihrer Kompetenz erblickt. Auch der Magistrat ist dieser Meinung. Der Stadtmedizinalrat hat aber weiter mit der Kammer verhandelt; die Aufhebung der Sperre ist zugesagt, wenn auch noch nicht formell erfolgt. In der Besprechung der Anfrage erflärte Genosse Battloch es für angezeigt, das Vorgehen der „ Notdienstes der Berliner Frauen", der Bezirksarbeitsgemeinschaften der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, hat der Magistrat 36 000 art angefordert. Der Ausschuß will die 36 000 m. durch die zentrale Wohlfahrtsdeputation den Bezirkswohlfahrtsämtern zur Verfügung stellen, mit der Maß gabe, daß die Verbindung zwischen öffentlicher und freier Wohlfahrtspflege durch eine berufliche soziale Fachkraft gepflegt werde. An diese Borlage fnüpfte sich eine längere Debatte, an welcher Frau Rosenthal( Komm.), Genossin Todenhagen und Bürgermeister Scholh fich beteiligten. Ein Antrag der Kommunisten, der die freie Wohl fahrtspflege hier ausschalten wollte, erhielt nur die Stimmen der Unhaltbare Verkehrsverhältnisse im 2. Bezirk. dem Teile des Bezirks Tiergarten zu wünschen übrig, der unter dem Namen Neues Hanjaviertel befannt ist. Vor der Stillegung der Straßenbahn im Herbst 1923 verfehrten durch die Levekomstraße die Straßenbahnlinien 4 und 17. Nach Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebes wurde die Linie 4 ebenfalls durch die Levezowstraße geführt. Nach kurzer Zeit erfolgte die Linienführung der Straßenbahnlinie 4 durch die Lessingstraße an Stelle der Linie 3, die eine andere Richtung fuhr. Das neue Hansaviertel war also chne Straßenbahn, zumal auch die Linien 14, 114 und 44, die früher durch die Straße Alt- Moabit verkehrten, teils eingecgen, teils verlegt wurden. Die Linie 14 verfehrt zwar wieder, ist aber durch die Turmstraße umgeleitet. Seit einigen Monaten verfehrt nun eine Omnibuslinie, die aber gleichfalls durch die Lessingstraße geleitet wird. Auf vielfache Wünsche aus den Kreisen der Einwohner des Neuen Hanseviertels hat die Bezirksversamm lung bereits einmal durch Beschluß den Magiftrat ersucht, die Straßenbahngesellschaft zu veraniaffen, eine Abänderung dieser Verhältnisse herbeizuführen. Es ist auf die Dauer unhaltbar, einen reich bevölkerten Stadtteil ohne ausreichende Verkehrsgelegenheiten zu lassen. Die sozialdemokratische Fraktion der Bezirksversammlung Tiergarten hat daher in der lehten Sitzung der Bezirksversammlung erneut Veranlassung genommen, eine AlendeWirtschaftskris billig! 000 0.00000 darum Devise: HerrenSchnürstiefel prima schwarz Rindbox, moderne spitze Form, Original- Goodyear- Welt Schulstiefel besonders kräftige, wetterfeste Verarbeitung, mitOesen und Agraffen Grösse 31-35..... 5,75. 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Hoffentlich tut nun auch der Magistrat jeine Schuldigkeit gegenüber der Straßenbahngesellschaft, damit die Einwohner des Hansapiertels zu ihrem Rechte tommen. Bürgerliche Kleingärtnerfreunde. In der letzten Bezirksversammlung in Tempelhof murde in Anwesenheit zahlreicher Kleingärtner um einen Antrag der SPD. wegen Ausweisung von Dauertolonien gefämpft. Die Baudepu tation hatte einen Beschluß gefaßt, die einzige in Mariendorf auf städtischem Gelände liegende Laubenkolonie im Hinblid auf den Wert des Geländes zu Industriezweden nicht als Dauerkolonie auszuweisen. Unsere Genossen betonten, daß dieses Gelände von der Gemeinde Mariendorf im Jahre 1916 für Heimstättenzwede angetauft sei und daß es zurzeit feine Schwierig. teiten mache, solche Kolonien zu Dauerkolonien auszuweisen, die auf städtischem Gelände liegen, während der Magistrat bei den auf privatem Gelände liegenden Kolonien auf die Unmöglichkeit des Ankaufs wegen Mangel an Mitteln hingewiesen habe. Wem es also ernst sei mit der Ausweisung als Dauerkolonie, der müsse da anfangen, wo ein Ankauf nicht mehr nötig ist, also auf städtischem Gelände. Mit 13 Stimmen der Bürgerlichen einschließlich der Demokraten gegen 11 der Linken wurde die Ausweisung der städtischen Kolonie abgelehnt, dagegen der Magiftrat aufgefordert, die Ausweisung der übrigen Kolonien vorzunehmen. Die Mehrheit weiß genau, daß dem Magistrat die Mittel zum Ankauf dieser Kolonien fehlen und daß deshalb der Beschluß gar teinen Wert hat. Den anwesend gewesenen Kleingärtnern wurde so von der bürgerlichen Mehrheit demonstriert, daß zurzeit immer noch, trotz aller platonischen Liebesbeteuerungen das Spe tulationsinteresse vorangeht und daß sie meiter verurteilt find, von Ort zu Ort mit ihrer Laube und ihren Bäumen zu ziehen, menn ,, im Hinblick auf den Wert des Geländes" die Stadt eine andere Berwendung des Grundstücks beabsichtigt. Was sagt übrigens der Wohlfahrtsminister dazu? Und will man mit solchen Beschlüssen die Privateigentümer zwingen, still zu halten bei der Ausweisung ihrer Ländereien als Dauertolonien? Ein weiterer Antrag unserer Genoffen auf Anforderung von Mitteln für Notstandsar. beiten, zu Straßenausbefferungen usw. wurde allseitig sympathisch Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne 8 Uhr: Fiesko Morgen 8 Uhr: Hellmer- Bühnen Lessing- Th. Tägl. 7 Uhr: Götz v. Berlidaingen Der Kaufmann G. Müller, PraschGrevenberg, von Venedig Müthel, Wegener Staats- Theater Opernhaus Preise: 1,50-12 M. MicinesTheater 12 Uhr: Sinionic. Heute geschloss. Mittagskonzert Sonnabend, 3.Okt. 7 U: 1. SinfonieKonzert Opernhaus am Königsplatz 8 Uhr: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus 8: Die große Katha rina Der Bär Schiller Theater 8 Uhr: Doppel selbstmord Städtische Oper Charlottenburg Heute 7 Uhr: Der 7 Uhr Zum 1. Male: Hochzeitstage Schauspiel von Geraldy Preise: 3,00-15,00 Trianon- Th. Tag. 8 Uhr Im Damenconné Schwank ven Hennequin and G. Mitchel Preise 1,00-3,00 Täglich 8 Uhr: 7. Woche HALLER Troubadour REVUE 1925/26 ftraße 23 ein. Gestern tonnte fie also auf eine 50jährige ununterbrochene Mieterschaft in dem genannten Hause zurüdbliden. HID Cine 201ährige Tätigkeit als Austrägerin des Borwärts" übte 1. Ottober Frau Selene Strathmann, Bödideritr. 9, aus. 19 Jahre der Jubilarin recht gute Gesundheit zur weiteren erfolgreichen Mitarbeit. davon war fie in unserer Filiale Borhagener Straße beschäftigt. Wir wünschen begrüßt und es steht zu hoffen, daß langjährige Wünsche der Be- mählt als erfte Mielerin in das damals neuerbaute Saus Manteuffelvölkerung auf menschenwürdiges Pflaster nun endlich erfüllt werden. Als Schieds mann für Mariendorf wurde Herr Christoph Gärt. ner gewählt, für den ausgeschiedenen Bezirksverordneten Witthauer trat unser Genosse Hille in verschiedene Deputationen als Mitglied ein. Nach der Wahl des Baurats Bräuning zum stellver tretenden Bürgermeister wurde der Gedanke erwogen, ihn mit seinem ganzen Bauamt von Mariendorf nach Tempelhof zu verlegen, dafür sollten das Jugendamt, Arbeits- und Gewerbeamt und viele andere Dienststellen nach Mariendorf ziehen. Unsere Genossen fragten nach der Höhe der Kosten und nach der Notwen 50 Jahre bei einer Firma beschäftigt waren: der Schloffer. Emil Groffe, Neukölln, Emfer Str. 138, Firma Raiser& Schmidt, Charlottenburg; der Arbeiter Otto Girnt, Reinidendorf, Bankower Allee 38, Firma Karl Rühn firma Neue Berliner Meffingwerke, Neukölln. & Söhne, Breite Straße; der Metallarbeiter Albert BuII, Luisenufer 53, digkeit des Umzugs und wiesen darauf hin, daß durch diese Umzüge Vorträge, Vereine und Versammlungen. nur neue Verwirrung in das Publikum hineingetragen werden mürde. Der Bürgermeister antwortete, daß der Gedanke schon wieder fallen gelassen wurde, er sprach im übrigen der Bezirksversammlung das von unseren Genossen gar nicht gefordert Recht ab, bei einer eventuellen Verlegung mitzuwirken. Nur das Recht zur Kritik will er der Bezirksversammlung geben. Heute, Freitag, den 2. Oktober, abds. 7 1hr Referenten- Konferenz im Deutschen Sof"( Musenfaal), Ludauer Straße 15. Vortrag des Genoffen Ernst Reuter über: Berliner Kommunalpolifit. Die Wahlen am 25. Ottober. Alle auf kommunalpolitischem Geblet tätigen Funktionäre der Partet sind eingeladen. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Der Bezirksvorstand. meßstraße 6( 8. Abteilung), feiert heute seine goldene Hochzeit. Seit Genosse Wilhelm Schlicht, Maurer, wohnhaft in Berlin, Steinüber 30 Jahren in der Sozialdemokratischen Bartet, hat er immer in der vordersten Reihe gestanden. Noch heute finden wir den Jubiunseren alten Genossen Schlicht und seine treue Weggenoffin am lar bei jeder Parteiarbeit, in jeder Versammlung. Wir grüßen heutigen Tage. Leider ist beiden nicht der forgenfreie Lebensabend beschieden, den fte verdient hätten. mus und feine Ehefrau Luise, geb. Schneider, Friesenstr. 4, Am gleichen Tage feiert auch der Buchdruderinvalide Karl das Fest der goldenen Hochzeit. Ein feltenes Jubiläum. Die icht 73 Jahre alte Witwe Emilie Gers. dorf og vor einem halben Jahrhundert, am 1. Oktober 1875, jungverKomische Oper- Premiere ist Verschoben um 1 Tag Unwiderruflich Premiere Sonnabend, den 3. Oktober 1925, 7 Uhr Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Zum 315. Male Marie Escher a G. Anneliese v. Dessau Stg nachm. 3 U. Kleine Preise! Anneliesey.Dessau Die Komische Oper hofft mit dieser Revue die führende Revue- Bühne der Welt zu werden Alle gelösten Karten behalten Gültigkeit! Tageskasse ununterbrochen geöffnet! Preise 2 bis 20 Mark. Deutsches Theater ACHTUNG! Taeat. d. Westens 8 Uhr: Man kann WELLE nie wissen 505!" 505!" von Shaw Regie: Engel Preise v. 1,50-12 M. THEATER IN ADMIRALS Kammerspiele PALAST 8 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor von Pirandello Regie: M. Reinhardt Friedenspreise! II. Rang von 2 Mk. Parkett von 4 Mk. Logen von 8 Mark Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr Wiener Blut Mittwoch, 7 Okt.: MarischkaPremiere per Grlow Karten vom 1. Oktober sind zur Premiera gültig. Theater in der Klosterstr. 43. 8 Uhr: Elektra 2 vorstellungen 2 Der zerbr. Hrus 3 u 8 Uhr Nachm die ganze Die Komödie Vorstellung zu Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy halben Preisen BarnowskyBühnen. Theater in der Central Theater Königgrätz.Str. ŏ Trieschübel Heute 7 Uhr: Zum 1 Male: Regie: M. Reinhardt Metropol- Theater Don Juan u. Faust Berliner Theater Täglich 8 Uhr: Claire Dux als 8 Uhr: Mamsell Angol Gastspiel Kammersän er Kirchhoff, Leux Hansen, Arno Rich. Tauber Karsavina Preise der Plätze: Musik. Leitung E. W. Korngold von Mark 2,- an Stg nachm. 3 Unr Mansell Angot Eine Nacht in Venedig Operette in 3 Akte von Johann Strauß Residenz- Th. 8: Jugendfreunde Die Koblanks Boeklin, Dewis, Täglich 8 Uhr Im Theater i.d Lützowstr. 112 Ecke Flottwellstr. Sonntag a, Mitiw. nachm. 4 U. Eggstorf, Emmering, Elzer, Ley, Merkwitz Sabo, Semmler Vorzeiger Gr. K ndermärchen die Anzeig.zahlen Hansel u. Gretel nur halbe Preise. Vorzeig dies. zahlen nur halbe Preise von 50 Pfg. an. Thalia- Th. SCALA Lotte Neumann, 8 Uhr Internat. Varieté Die Tribtine Tágl 8 Uhr: Zurück zu Methusalem Komödienhaus Tägl. 8 Uhr: Margarine Neues Theater amoo Täglich 810 Uhr: Olly- Polly Onerette von Kollo Emmy Sturm Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Deutsches Künstler- Theater Tägi 8 Uhr: Gastspiel 8 Uhr: Annemarie Fritzi Massary: Paul Heidemann, Die Teresina Josefine Dora, Baselt, Diegelmann, Metelka, Wilfan Sonnt. nachm. 31% Kleine Preise! Im weißen Röß'I Lustspielhaus 8 Uhr: Für Dich Charell- Revue Grosses Schauspielhaus Täglich 8, Uhr. Parkett Mk. 5.Balkon Mk. 4. 1. Rang Mk. 3.2. Rang Mk. 1.50 8. Rang 0.75 Logen u. Klabsessel Mk. 7-12. - Vorverkauf ununterbrochen.Norden 2951. WINT BARTEN Amarantina im Rahmen des abwechslungsreichen Oktober- Spielplans Sonntag nachm. 3½ Uhr halbe Preise. DS Rauchen gestattet LUNA Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsftelle: Berlin 6. 14. Sebaftianfte.$ 7/ 38, Sof 3£ 2. Rehlendorf: Fr., d. 2., abends 8 Uhr, fämtliche Aftiven bei, Midlen. Besprechung der Fahrt nach Müncheberg. Köpenick: Achtung! Der erfle Eportabend mit Medizinball Ft., d. 2., abends 7 bis 9 Uhr, Turn halle Amtsstraße. Adlershof: Go., d. 3., abends 6.10 Uhr, Bhf. Adlers. hof, Fahrt nach Grünau. Webbing: Sonntag, den 4., vormittags 9 Uhr, bei Müller. Rein Fahrgeld. Um 1 Uhr wieder zurüld. Fahnen mit bringen. Wilmersdorf: Gonntag, ben 4., Frith 6.45, Antreten Fehrbelliner Blat zur Autofahrt nach Belzig Schöneberg- Friebenau: Gonntag, den 4., nachmittags 2% Uhr, vor der Schule am Bartburgplag. Pflichtbeteili gung an Fahnenweihe Berband der Kriegsbeschädigten" auf der Spiel wiefe Stadtpart, Arbeiter- Abstinentenbund, Drtsgruppe Bedia, Sonnabenb, ben 2. Dito ber, 7 Uhr, im Jugendheim Schönstedtftr. 1, Mitgliederversammlung. Referat: Die altoholgegnerische Bewegung im Befreiungskampfe der Ar beiterklasse". Mitgliedsbücher mitbringen. Arbeiter- Radio- Klub, Bezirk Reulonn. Freitag, ben 2. Ottober, 8 bis 10 Uhr, Rütlischule, Gruppenabend. Gäste willkommen. Berliner Arbeiter- Schachflub. Mit dem beginnenden Winterhalbjahr nehmen die Meisterschaftskämpfe des Vereins ihren Anfang. Während die Abteilungs- Meisterschaftsfämpfe in vier Gruppen in den verschiedenen Lokalen und Stadtgegenden ausgefochten werben, finden bie Einzelfämpfe um die Berliner Meisterschaft jeden Sonnabend im Lokal von Ewald, Stalizer Straße 126, ftatt. Da die Einzelwettkämpfe nur von den stärksten Spielern des Vereins ausgetragen werden, stehen außerordentlich interessante Treffen bevor und find alle Schachspieler besonders darauf hingewiesen. Die Spiele beginnen am Sonnabend, den 3. Oktober, abends& Uhr. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Bezirk Lichten. berg: Mitgliederversammlung Montag, den 5. Oktober, pünktlich 18 Uhr abends, im Restaurant Pidenhagen, Scharnweberstr. 60. Apotheker Baul Heifer spricht über Die Frau und der Rampf gegen die AbtreibungsBeairt Brenzlauer Berg: Mitgliederversammlung am 5. Oftober bei Gliefche, paragraphen 218/219". Eintritt nur für Mitglieder und eingeführte Gäste. Ropenhagener Str. 74, pünktlich 8 Uhr abends. Dr. Fraenkel spricht über ,, Nervenerkrankungen". Anschließend Aussprache und Fragenbeantwortung. Gäste willkommen. Berein der Freibenker für Feuerbestattung, e. B., Gan Berlin und Vororte, Charlottenburg, Bezirk 7. Montag, den 5. Oktober, abends 7 Uhr, Mitglieder versammlung im Lofal Rum Birnbaum", Galvaniftr. 13. Tagesordnung: Bericht von der Beiratsfizung, Bezirtsangelegenheiten, Berschiedenes. Männerchor Harmonie, Charlottenburg. Jugendabteilung: Die UebungsStunde findet heute abend im Gesangsfaal bes 2ngeums Scharrenftt. 26 vou 5-7 Uhr ftatt. Circus Teilzahlung Busch Tg.7. Stg. a 3 U.: Der große Erfolg! Seil des Todes Russ. Cin. Durow Fliegend. Torpedo und das Bbr Circusprogr. 1000 Jahre Deutscher Rhein Große WasserApotheose Apollo- Theater BU. Dir. J.Klein 8 U. Der Mann, der sich verkaufte Sensat.- chauspiel in 10 Blid. nach dem Roman d. Barl Morgenp Bruno Kastner als Gast Varverk. den ganz Tag Th. a. Hollendorfpl. Rose- Theater Der Massen- Einkaut 8 Uhr: 814 Die hellblauen König Kranse Schwestern Tham Kurfürstendamm Die neue KünneckeOperette Täplich 8 Uhr: Der glas. Pantoffel Th. am Schiffbanerdamm Casino- Theater 8: Lady Fanny und Lothrin er Str. 37. ( Heces Operetten hans) die Dienstbotenfrage Tägl. 8 Uhr gestattet mir folgendes billiges Angebot 50000 Liter Fruchtwe ine in bekannt. Güte, Zucker gesüßt, ca. 14 Heidelbeer- u. Apfelwein Fruchtwein, Portweintyp Johannisbeerwein Stachelbeer- u Kirschwein. Ltr. M. 6.87 8.96 99 1.02 99 1.18 92 86 25000 Liter Südweine Das neueOkt- Prog. garantiert rein, unverschnitten Martin Laws Arter Wright Tarragona süß 17% Ltr. M. 1.50 Wallner- Theater Dazu nur noch we- Malaga 99 165 4 99 99 1.74 2.70 99 8 U.: Meiseken rige Aufführungen Douro Portw. 20% Der kobne METROPO Swimmer 20000 Fl. Rot- n.Weißweine à M. 0,90, 1,32, 1,80, 2,36 MEIRANTE L Trauerfpenden Heine erstki. Spirituosen 8 Täglich& H.Kohlbrandt Rich. 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Auch der Beitspanne ständig gewachsen, wobei die Haupterweiterung auf Warenausfuhr( in erster Linie Halbfabritate), die von 33 600 auf Kupfer und Aluminium entfiel, wähernd das bei Blei, Binn 48 300 Tonnen gestiegen ist und somit sich erheblich den Ziffern und Zint nur wenig der Fall ist. Innerhalb dieser erweiter= von 1913( 69 300 Tonnen) nähert. Der Eigenverbrauch nach ten Metallwirtschaft hat sich nun eine Umschichtung der Abzug der Ausfuhr ist von 69 300 auf 90 000 Tonnen( gegen art vollzogen, daß das Schwergewicht mehr und mehr von Europa 201 100 in 1913) gestiegen und erfordert 1924 infolge der relativ auf die übrigen Erbteile, namentlich die Bereinigten größeren Bedeutung der Warenausfuhr nur noch rund 70 Broz. Staaten von Nordamerika sich verschoben hat. Auf der einen des Gesamtverbrauchs gegenüber rund 80 Proz. in 1913. Die deutsche Seite ist fast durchweg die Bergwerks- und Hüttenproduktion in Kupferwirtschaft hat also, abgesehen von ihrer allgemeinen AusEuropa mengenmäßig zurückgegangen, während sie in der übrigen dehnung, 1924 auch ihrem ganzen Aufbau nach den Vorzug zu Welt, namentlich in den Bereinigten Staaten, mächtig anwuchs. verbuchen, daß im Vergleich zu 1913 einer größeren nab Nach den von der Metallgesellschaft, Metallbant und Metallurgischen hängigkeit vom Ausland in bezug auf die Rohstoffverfor Gesellschaft A.-G. herausgegebenen Statistischen Zusammenstellungung eine verhältnismäßig größere Warenexporttätigkeit gegenüber gen über Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Silber, 3int, und Zinn" ist die geschilderte Entwicklung nun im Jahre 1924 nicht nur zum Stillstand gekommen und hat sich sogar auf einigen Spezialmärkten etwas umgebogen, so daß die Stellung Europas in der Weltwirtschaft sich 1924 merklich gebessert hat, ohne natürlich wieder den Borkriegsstand zu erreichen. Weltproduktion und-verbrauch in Blei, Kupfer, Zinn, Zint, Aluminium. 1913 1923 1924 Jabres Taufend Pro- Tausend Pro- Taufend Produrchschnittsmengen Tonnen zent Tonnen jent Zonnen zent Bergwerksproduktion Europa Erde Europa Erde Sütten produktion Berbrauch Europa Erde 16 942 28 597 16 641 3418 100 3734 100 3991 100 • 1522 44 862 3421 100 3655 24 977 100 3959 25 100 2171 63 1513 42 1808 45 3450 100 3632 100 4007 100 In der Zinn wirtschaft hat sich die an sich nicht sehr be deutende deutsche Bergwerksproduktion in den letzten Jahren etwas gebessert. Hüttenproduktion, Roheinfuhr, Gesamt- und Eigenver brauch find gewachsen, und zwar derart, daß infolge des Darnieder liegens der Warenausfuhr der Anteil des Eigenverbrauchs am Gefamtverbrauch ständig wächst. Die ungeheure Ausdehnung der Aluminium wirtschaft findet auch in Deutschland in einer ständigen Steigerung der Probuftions- und Verbrauchsziffern ihren Niederschlag. In der Kupferwirtschaft ist die allgemeine Belebung des Jahres 1924 besonders ausgeprägt. Die Bergwerksproduktion hat fich von 18 400 auf 19 500 Tonnen( gegen 26 900 in 1913) gehoben, die Hüttenproduktion sogar von 26 200 auf 34 600( gegen 41 500 in 1913). Gleichzeitig hat sich der Außenhandel in Rohmetall belebt; infolge der Stabilisierung der Währungsverhältnisse fonnten, haupt fächlich aus den Vereinigten Staaten, 110 300 Tonnen gegen 83 500 in 1923( 1913 225 400) eingeführt werden, während die Rohmetall. ausfuhr von 12 400 auf 13 600, also über die Ausfuhr von 1913 ( 7200 Tonnen) stieg. Der gesamte Roh metallverbrauch ist infolgedessen von 97 300 auf 131 300( gegen 259 700 in 1913) gestiegen, wobei ebenso wie schon 1923 der Anteil der Eigenproduktion Der Der Kampf um die Valutaklauseln. Reichswirtschaftsminister hatte bekanntlich gegen sechs Verbände der Textilindustrie und des Textilhandels Klage auf Beseitigung von Balutatlauseln aus den verbandsmäßigen Lieferungs- und Zahlungsbedingungen erhoben. In dieser Sache stand gestern Termin vor dem Kartellgericht an. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat unmittelbar vorher die Ausübung des Kartellzwanges mit dem Ziele, die Preisstellung in Reichsmart zu verbieten, für unzulässig erklärt und demzufolge seinen Mitgliedern in erster Linie die Preisstellung und Fakturierung in Reichsmart empfohlen. Eine Preisstellung in fremder Währung soll nur auf Grund einer besonderen Berständigung mit dem Reichswirtschaftsministerium in den Ausnahmefällen, in denen fie unerläßlich erscheint, zugelassen sein. In dem Termin vor dem Kartellgericht erklärten die Bertreter der beklagten Verbände, daß sie in Zukunft entsprechend diesem Beschlusse des Vorstandes des Reichsverbandes der Deutschen Industrie verfahren, insbesondere also von einer fartellmäßigen Bindung ihrer Mitglieder, in anderer als Reichswährung zu fafturieren, absehen werden. Da nach dieser Erklärung eine neue Sachlage geschaffen war, willigte der Vertreter der Reichsregierung in eine furzfristige Ber= tagung ein, um den Verbänden die Möglichkeit zu geben, entsprechende Beschlüffe ihrer Mitgliederversammlungen herbeizuführen und inzwischen dem Reichswirtschaftsministerium die Abänderung der Bestimmung ihrer Bedingungen über Preisstellung und Fakturierung vorzulegen. Fin Beispiel selbstverschuldeter Unrentabilität. Die Farbwerte Franz Rasquin A. G. Köln- Mühlheim, ein seit über 40 Jahren bestehendes Unternehmen der Farben industrie, vollständig elektrifiert, technisch auf der Höhe und noch aus baufähig, bleibt für 1924 ohne Dividende. 1910 bis 1914 hat es dreimal je 13 und zweimal je 6 Broz. ausgefchüttet. In den Kriegsjahren wurde noch besser verdient: 1918 brachte 20 Proz. Dividende und 10 Broz. Extradividende in Kriegsanleihen. Heute ist es ohne Dividende. Man fragt sich, warum. Der Geschäftsbericht sagt, der Steuerfistus habe der Gesellschaft große Beträge zu Unrecht entzogen, indem er der Besteuerung statt Das wirkliche Vermögen von 3 Mill. ein aus den Börsenkursen von Ende 1923 berechnetes Vermögen von 6,48 Mill. zugrunde legte. Darin mag tatsächlich eine Ungerechtigkeit liegen. Sie geht aber alle Attiengesellschaften an. Tatsächlich liegen die Dinge anders. Es wird immerhin ein Ge. winn von 41 800 m. noch vorgetragen. Dann sind auf Effet ten durch Kursverluste 53 100 m. verloren gegangen. Dafür ist nicht der Fiskus, sondern die Gesellschaft verantwortlich. Ohne diesen Verlust wäre immerhin eine Dividende von 3% Broz. möglich gewesen. Weiter: es mußten 94 300 m. auf Gebäude, Maschinen, Fuhrwerk und Gleise abgeschrieben werden. Das sind im einzelnen 3, 10, 25 und 10 Proz.; sicher nicht zu piel. 1910-12, wo 13 Pro3. Dividende verteilt wurden, betrugen die Abschreibungen aber nur 24 000, 22 000 und 55 000 m. Also ein Biertel bis die Hälfte. Aller. dings betrug auch das Aktienkapital mur 1,5 mill. Mart; nicht 2,58 Millionen Mart, wie heute, wodurch die Fabrikanlagen und Maschinen eine bedeutend höhere Bewertung erhalten mußten. Nun soll das Aktienkapital nicht höher sein, als daß der Ertrag ausreicht, es mit Dividende zu versehen. Der Ertrag hängt vom Umfag ab bzw. von dem Betriebsüberschuß, der sich ergibt. Der Be. triebsüberschuß nun, der 1913 bei einem Kapital von 1,5 Millionen erzielt wurde, war höher als der von 1924 bei einem faft doppelt fo großen Rapital Im Jahre 1918 betrug er jogar 1.66 millionen steht. Was mun Deutschland betrifft, so geht es im ganzen mit der allgemeinen europäischen Entwicklung parallel, doch sind die Schwankungen nach beiden Seiten infolge der spezifisch deutschen Wirtschaftserschütterungen heftiger gewesen als im übrigen Europa. Während in den Kriegsjahren die Abdrosselung von Produktion und Berbrauch weiter ging als in anderen europäischen Ländern, wurde die allgemein beobachtete Erholung der Nachkriegsjahre in Deutschland durch die Inflationskonjunktur der Jahre 1921/22 perstärkt. Das Hochinflationsjahr 1923 brachte dann einen neuen heftigen Rückschlag der zum Teil noch über die Ziffern von 1919 zurückging und den Wiederaufbau nach der Stabilisierung in um so hellerem Lichte erscheinen läßt. Tatsächlich hat, was von Europa im allgemeinen nur teilweise und in begrenztem Umfange gesagt werden kann, das Jahr 1924 in Deutschland auf faft allen Gebieten der Metallwirtschaft eine ausgesprochen günstige Ent. midlung gezeitigt. Am härtesten mitgenommen ist immer noch die Blei und 3int wirtschaft Deutschlands, die durch die Abtretung Oberschlesiens wichtige Teile ihrer Rohstoffbafis verloren hat. Der Rückschlag des Jahres 1923 mar daher hier in der Produktion besonders empfindlich, doch ist 1924 die Hüttenproduktion für Blei bereits von 31 900 auf 50 200, für 3ink von 32 400 auf 41 500 Tonnen gestiegen. Gleich zeitig ist die Roheinfuhr beträchtlich gewachsen, zum Teil deshalb, weil die früher als Eigenproduktion auftretenden Lieferungen aus weil die früher als Eigenproduktion auftretenden Lieferungen aus den abgetretenen Gebieten jezt als Einfuhr erscheinen. Die früher sehr erhebliche Rohausfuhr an Zint ist minimal geworden und 1924 noch weiter zurückgegangen, während sie bei Blei 1924 etwas geftiegen ist. Die Folge ist, daß bei beiden Metallen der Anteil der Eigenproduktion am Gesamtverbrauch gegen 1913 im Verhältnis zur Reheinfuhr sich erheblich vermindert hat. Der Rohmetallverbrauch selbst hat sich befriedigend entwickelt: er ist bei Blet von 56 400 auf 89 700, bei 3int von 58 500 auf 78 900 gestiegen. Warenein- und ausfuhr sind bei Blei 1924 etwas zurückgegangen, bei Zink dagegen gestiegen, ohne daß die Ausfuhr entfernt an die Borkriegsverhältnisse heranreichte; infolgedessen macht 1924 der Eigenverbrauch, der sich entsprechend dem Gesamtverbrauch in auffteigender Linie bewegt, einen bedeutend höheren Prozentsatz des Gesamtverbrauchs aus als vor dem Kriege, auch eine Auswirtung der durch den Gebietsverlust verminderten Rohstoffbafis, auf die sich unsere Handelspolitik noch viel zu wenig eingestellt hat. ( bei 1,8 Millionen Rapital); d. h. das Doppelte von heute( 0,81 Millionen). Sogar die Geschäftsuntoften einschließlich der Steuern waren 1918 höher als heute( 1,01 gegen 0,67 Mill.), obwohl das Rapital um ein Drittel fleiner war. Daraus ergibt sich, daß die Umfäge gesunken sind, während die Gewinnansprüche ver= doppelt worden sind. Das Kapital ist zu hoch angesetzt für das Umfaßergebnis, das heute möglich ist. Es ist die alte Geschichte. Man hat große Kriegsgewinne gemacht, man hat in der Inflation neu gebaut, den Betrieb aufs höchste modernisiert und Werke angegliedert. Bei der Goldumstellung woll ten die Aktionäre von ihrem neuen Reichtum auch etwas sehen. Was mit dem Ertrag wurde, war Nebensache. Heute tommt das dicke Ende: Kursverluste und schlechter Absatz, feine Dividende. Nun ist der Staat schuld, die Arbeiterschaft und alle Welt; nur nicht die eigenen Sünden. Der Fall der alten Rasquin- Werte ist geeignet, das wieder einmal deutlich zu machen, als ein Beispiel für den größten Teil der deutschen Unternehmungen, die so leichtfertig über die Arbeitslöhne und mangelhafte Arbeitsleistung flagen, selbst aber ihren Aufgaben nicht gewachsen sind. Zum Indexproblem. als Einen wesentlichen Beitrag zum Inderproblem hat foeben das Landessekretariat Preußen des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes geliefert. Durch die Veröffentlichung seiner Anträge unter dem Titel: Ueber den Mißbrauch des Reichsinder für die Lebenshaltungskosten bei der Berechnung des Realeinkommens von Lohn- und Gehaltsemp: fängern" hat er den Nachweis erbracht, daß die Berechnungsgrundlagen des Inder von der Inderkommission selbst nie Eristenzminimum aufgefaßt wurden, daß der Inder hier sowohl als vom Statistischen Reichsamt nur als Hilfs. mittel zur Beurteilung der allgemeinen Wirtschaftslage in Deutschland, nicht aber als absoluter Maßstab der Teuerung be trachtet worden ist, trotzdem von amtlicher Stelle berechtigte Gehaltsforderungen der Beamtenschaft unter Hinweis auf den Inder abgelehnt wurden. Freitag, 2. Oktober 1925 je 49 Broz. und der frühere Generaldirektor der Tolas- Gesellschaft Karl Goette mit 2 Broz. Die Telos- Gesellschaft und die Aga gehören zur Gruppe Dr. Edmund Stinnes. Abbau im Konzern des holländischen Stinnes. Der Stinnes wärtig ebenfalls vor einem Abbaut. Dieser Konzern hat viel ArynRonzern von Holland, der sogenannte Kroeller- Konzern, steht gegen lichkeit mit dem Stinnes- Konzern. Er ist ebenso weit verzweigt und erstreckt sich auf Kohlen- und Erzbergbau, Schiffahrt, Getreidehandel, außerdem hat er Beteiligungen an zahllosen RohstoffDeutschland hat dieser Konzern umfangreiche Beteiligungen in der Schiffahrt und in der Hütten- und Textilindustrie usw. Rapital und Reserven der eigenen Unternehmungen belaufen fich auf über 70 millionen Gulden. Die Lage des Konzerns ist gleich der des Stinnes- Ronzerns infolge der schlechten Finanzierung der Gesellschaft erschüttert. Er hat zu große Kredite in Anspruch genommen, und als infolge eines Ronjunkturumschwungs die Erträge genommen, und als infolge eines Ronjuntturumfchwungs die Erträge aus den Konzernunternehmungen, vor allem im Bergbau, in der Schiffahrt und im Getreidehandel santen, sind diese Kredite eingefroren. Ein wahlloser Zusammentauf der verschiedensten Objekte erfolgte jedoch beim Stroeller- Konzern bei weitem nicht in dem Ausmaß wie bei Stinnes, und so fann auch der Konzernabbau im soll das Getreibegeschäft abgebaut werden. In diesem GeKroeller- Konzern systematischer vorgenommen werden. Vor allem schäftszweig hat früher der Kroeller- Konzern riesige Geschäfte abgewickelt, auch für die Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte, außerdem für die tschechoslowakische und ungarische Regierung. Im amerikanischen Getreidehandel war der Kroeller- Konzern Vertreter der großen amerikanischen Genossenschaft, der die Lager und die Kapitalien der vier größten Getreidefirmen überlassen wurden. Diese Genossenschaft wurde im vorigen Jahre gegründet und brachte Getreide im Werte von 200 Millionen Dollar auf den Markt. Sie mußte aber vor furzem aufgelöst bzw. start eingeschränkt werden, da sich die amerikanischen Landwirte nicht daran beteiligen wollten. Diskontermäßigung in England. Die Bank von England ermäßigte den Diskont von 4% auf 4 Proz. Aufwertungsberechtigte Obligationen. In der Berordnung über die Anmeldung, den Nachweis und den Ausschluß von Rechten aus aufgewerteten Industrieobligationen und verwandten Schuldver schreibungen vom 10. August 1920 ist für die Anmeldung von Ansprüchen aus solchen Schuldverschreibungen, die bereits ausgeloſt oder gekündigt find, und darauf bei einer Bant zur Einlösung eingereicht find, sich aber noch im Besize der Bank befinden, eine Frist bis zum 30. September 1925 gesezt worden. Wie sich aus Eingaben der Beteiligten ergeben hat, sind zahlreiche Gläubiger solcher Obligationen nicht in der Lage gewesen, diese Frist einzuhalten. Um ihnen nicht die Geltendmachung von Rechten, die ihnen das Aufwertungsgesetz gibt, abzuschneiden, hat sich die Reichsregierung veranlaßt gesehen, durch eine rechtzeitig veröffentlichte Verordnung die Frift um zwei Monate, also bis zum 30. November 1925, zu ver längern. Dementsprechend find auch die anderen in der genannten Berordnung vom 10. August festgesetzten Fristen hinausgeschoben worden. 3wedverband nordostdeutscher Handelskammern. Zur Vertretung der gemeinsamen Interessen haben die an den polnischen Korridor angrenzenden Industrie- und Handelskammern für den Regierungsbezirk Westpreußen und das westliche Ostpreußen zu Elbing, für die Grenzmark Posen- Westpreußen zu Schneidemühl und für den band nordostdeutscher Industrie und Handels. Regierungsbezirk Röslin zu Stolp in Pommern den 3wed ver tammern errichtet. Der preußische Herr Minister für Handel und Gewerbe hat die Errichtung genehmigt, womit der Zweckverband eine Körperschaft des öffentlichen Rechts geworden ist. Die Geschäftsführung, die zwischen den drei Kammern wechselt, liegt zunächst bis Ende 1926 der Industrie- und Handelskammer für den Regierungsbezirk Röslin zu Stolp in Pommern ob. Ein Zwischenfall auf der Generalversammlung der Dema. In der Generalversammlung der Deutschen Margarine und Speisefettfabriken A.-G. Berlin- Spandau( Dema), welche die Liquidation des Unternehmens beschloß, erhob ein Aktionär, der sich als deutsch nationaler Arbeitervertreter bezeichnete, die schwersten Borwürfe gegen die Verwaltung. Er bezichtigte sie der Bilanzfälschung, der Beiseiteschaffung von Belegen. Unterlagen vermochte er nicht beizubringen. Der Herr Deutschnationale überreichte ein Schriftstück des früheren fristlos entlassenen jüdischen Generaldirektors Lewin, aber auch in diesem Schriftftüd waren feine ins einzelne gehenden Angaben vorhanden. Die Liqui dation dürfte nach den Angaben der Berwaltung für die Gläubiger feine Verluste erbringen. Dagegen sind die Aussichten für die Aktionäre nicht sehr günstig. Das Reich besitzt entgegen anderen Meldungen feine Aktien des Unternehmens. Verbandstag der Gärtner. Dritter Berhandlungstag. Erfurt, 30. September. Die Betriebs- und Arbeitsverhältnisse in der Privat- und Handelsgärtnerei besprachen) au de und Klatt. Besonderes Interesse müsse den Gärtnern auf dem Lande, den Gutsgärtnern usw. entgegengebracht werden, die oft unter unwürdigen Lohn- und Arbeitsverhältnissen angestellt sind. Die Agitation müsse noch mehr auf das Land hinausgetragen werden, um das Landproletariat aufzurütteln. Bernotat sprach über die Verhältnisse im Erwerbsgartenbau und in den Blumen geschäften. Er betonte besonders die Rückständigkeit der Unternehmer, nicht nur in Lohn-, sondern auch in technischen Fragen. Die Aussprache war lebhaft und brachte noch reiches Material zu den behandelten Fragen. Besonders wurde auf die im allge= meinen schlechte Zusammenarbeit mit den Nachbarverbänden hingewiesen. Eine Reihe organisatorischer Anregungen entsprangen noch der Aussprache. Eine Entschließung zur Lohnfrage wurde einstimmig angenommen. In ihr wurde besonders die ungesunde Lohnspanne zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern befämpft, ebenso das niedrige allgemeine Lohnniveau. Ferner wurde in der Frage der Arbeitszeit an den Beschluß von 1920 erinnert, wonach in den Landschaftsgärtnereien, Deforationsgärtne reien, den Privatgärtnereien sowie in den Gärtnereibetrieben des arbeitszeit 8 Stunden beträgt. In den übrigen GärtnereiReichs, der Länder und der Gemeinden die tägliche Höchstbetrieben beträgt die Höchstarbeitszeit in vier Monaten 8, in den übrigen acht Monaten 9 Stunden täglich. An dieser Regelung ist unbedingt festzuhalten und ihre Durchführung mit allen Mitteln Heute hat sich herausgestellt, daß die Teuerung auf vielen Gebieten weit über die fummarischen Durchschnittszahlen des Inder hinausgeht. Der Index fann eben nur als Hilfsmittel zur Beurteilung der Preise betrachtet werden. Somit ist der Index auch nur in dieser Richtung zur Begründung von Lohn- und Ge haltsforderungen zu verwenden, nicht aber zur Berechnung des Realeinkommens von Lohn- und Gehaltsempfängern im Vergleich zur Vorkriegszeit, wie es leider irrtümlicherweise Unternehmertum und amtliche Stellen getan haben. Ein Anspruch auf höhere Löhne und Gehälter fann durch die Inder begründet werden kann zahlen nicht zurückgewiesen werden ein solcher Anspruch aber sehr wohl durch die Konstatierung der feststellbaren Teurung auf den verschiedensten Am Nachmittag wurden einige Erfurter Gärtnereigroßbetriebe Gebieten der Lebenshaltung. Diese Teuerung geht, wie erwähnt, weit über das Einfommen der Lohn- und Gehalts besichtigt. In der Schlußsizung wurde der Bericht der Statutenempfänger hinaus, die in vielen Fällen noch nicht einmal die Borberatungskommission entgegengenommen, der die Verbandsleitung auffordert, der Schaffung einer Sterbetasse für Verbandsmit friegsbezüge erhalten. glieder näherzutreten. Somit ist auch die Forderung der Beamten nach höheren, der Teuerung angepaßten Gehältern durchaus berechtigt. Konkurs im Konzern Edmund Stinnes. Wie die Kölnische Volkszeitung" meldet, haben die Kölner Industriewerfe G. m. b. H, in Köln- Ehrenfeld( Stammkapital 500 000 Reichsmarf) am Dienstag den Antrag auf Verhängung des Konfurjes über sich felbst gestellt. Die Gesellschafter sind: die Telos Berkehrsgesellschaft m. b. in Berlin, die Aga- für Automobilbau in Berlin mit anzustreben. Die Wahlen gingen rasch von statten. Wiedergewählt wurden Busch als Vorsitzender, Lehmann als Raffierer und Reinhold als Schriftleiter der Berbandszeitungen. Zu Beifizern wurden gewählt Thull, Bonowski, Basolt, Löcher, Fahldied und D. Müller. Der Ausschuß wurde in Hamburg belassen und Kunze als Borsigender wiedergewählt. Busch danke in warmen Worten für das dem Borstand entgegengebrachte Bertrouen jomie den Dele. gierten für ihre raftloje Arbeit Preußen und der Preisabbau. Parteinachrichten Wirtschaftsdebatte im Landtag. Im Landtag eröffnete gestern Handelsminister Dr. Schreiber die zweite Beratung des Haushalts der Handels- und Gewerbeverwaltung mit längeren Ausführungen, in denen er betont, das Ministerium lege den größten Wert auf eine beffere Heranbildung des Nachwuchses in Handwert, Handel und Gewerbe. Der Minister geht dann auf die Entwid lung des deutschen Flugwesens ein, die gegen die ungerechten Hemmungen. fämpfen mußte, die der Versailler Vertrag dem deutschen Flugverkehr bietet. Dennoch habe der deutsche Flug verkehr sich gegenüber dem Vorjahr verfünffa ch t. 62 000 Fluggäfte wurden in diesem Jahre auf deutschen Flugzeugen befördert. Der Minister schließt diesen Teil seiner Ausführungen unter großem Beifall mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die dem deutschen Flugwesen angelegten Fesseln bald fallen möchten, da sie mit den Erfordernissen des technischen Fortschritts und der Verföhnung der Völker nicht vereinbar seien. In der Wirtschaftspolitik habe Breußen seinen Einfluß im Reiche dahin geltend gemacht, daß das Interesse der Gesamtheit dem Sonderinteresse einzelner Berufsstände vorangestellt werden muß. Eine entschlossene Sozialpolitik iſt im, Interesse der Zukunft unseres Boltes eine nationale Notwendigkeit.( Beifall.) In der Kohlenwirtschaft sei eine Wendung zum besseren zu beobachten. Das sicherste Mittel, die Ausfuhr zu heben und die Einfuhr zu drosseln, sei eine Gentung der deutschen Preise. Dabei sei auch eine Erleichterung der Steuerlaften zu wünschen und eine entschiedene Verwaltungsreform. Die wirtschaftlichen Befferungszeichen würden sich deutlicher abheben, wenn die Paftverhandlungen in Locarno zur Befriedung Europas und zur Befreiung Deutschlands führen. ( Beifall.) Abg. Osterroth( Soz.): Wir hoffen, daß die Befreiurg der Ruhr auch die Befreiung der Kölner Zone folgt, und wir schließen uns dem Wunsch des Ministers an, daß man in Locarno nicht allein an die politische, sondern auch an die wirtschaftliche Befriedung Europas herangeht. Wenn man unsere Wirtschaftslage verstehen will, muß man immer mieder an den furchtbaren Schaden der Ruhrbefegung erinnern. Dieser Wirtschaftsschaden beträgt für Deutschland nicht meniger als 15 Milliarden Goldmart( Hört! hört! bei den Goz.) und ich glaube, daß Frankreich nicht viel glimpflicher meggekommen ist. Hoffentlich wird diese fürchterliche Lehre für die Politik und die Wirtschaft von den europäischen Machthabern beherzigt. Denn wir sind in unserer Wirtschaft noch lange nicht gesund. Trübe und schwere Wolfen hängen noch über Europa. Die meisten Staaten Europas find jetzt zu einem Abschließungssystem übergegangen. Die deutsche Regierung erklärt, die autonomen provisorischen 3ölle seien nur ein Instrument zum Abschluß der Handelsverträge. Wir hören die Botschaft, allein uns fehlt der Glaube. Wir kennen den Appetit der Nuznießer der Zölle. Ihr Appetit ist so groß, daß der Reichswirtschaftsminister vor einigen Tagen selbst besorgt erflärt hat, die autonomen Zölle würden un verständigerweise von vielen Wirtschaftsgruppen als Antriebsmittel zu einer neuen Teuerungswelle benutzt. Der Minister felbst warnt vor einer Ueberspannung des Bogens. Um nun den Sturm der Konsumenten zu beschwichtigen, gab. die Reichsregierung die Parole des Preisabbaus Das verfehlte Preisabbauerperiment der Reichsregierung vom vorigen Jahr follte eine Warnung sein. Halbheiten sind oft fchlimmer als ganze Unterlaffungen. Die Gewerkschaften haben gegen den Preisabbaugebanten gewiß nichts, denn der Nominallohn bedeutet dem Arbeiter nicht viel; Geihm fommt es nur auf die Kauftraft des Lohnes an. rade deshalb wünscht die Arbeiterschaft, daß der Preisabbauattion der Regierung ein wirklich durchschlagender Erfolg beschieden sein möge. Allein wir fürchten, daß die Cromwell- Naturen nicht in der Reichsregierung, sondern wo anders figen. Nicht Dr. Luther ist der Herold, der verkündet, was die Reichsregierung zu tun hat, sondern die Herren Duisburg, Frohwein und Urbig verkünden, daß der Reichstanzler in der Frage des Kreditwuchers tapi tuliert hat. Wie in der Reichsregierung im allgemeinen, so steht es auch im Reichsarbeitsministerium. Auch dort versuchen die Machthaber der Industrie, mehr und mehr das Heft in die Hand zu betommen. Der Fall Dr. Meisinger gegen Arbeitsministerium zeigt deutlich, worauf die Herren hinauswollen. Bir fennen Herrn Dr. Meisinger. Er ist das Urbild des deutschen Syndikus, der nichts Wichtigeres zu tun hat, als seine Daseinsberechtigung durch Schreib- und Redseligkeit zu beweisen. Wir wollen nicht vorschnell über irgendjemand den Stab brechen, weil das Arbeitsministerium ja auch uns und einer Reihe von GewerkSchaftlern ungefähr dieselben Eröffnungen gemacht hat, die Herr Dr. Meißinger für seine Zwecke ausschlachtete. Ministerialdirektor Dr. Sizler hat beide Parteien zusammengeholt und ihnen zugeredet, daß nunmehr für die Dauer der Preisabbauperiode auf beiden Seiten etwas abgestoppt werden müsse. Und als die Unternehmer erflärten: Ja, haben wir denn die Garantie, daß wir von Lohnerhöhungen verschont werden?, da hat unvorsichtigerweise das Arbeitsministerium gesagt: Natürlich für die Periode des Preisabbaues muß auch die Lohnmelle abgestoppt werden. Die Arbeitnehmer in Deutschland werden Herrn Meißinger zuliebe nicht blindlings auf das Ministerium losschlagen; aber auch das Reichsarbeitsministerium wird begreifen, daß, wie die Dinge nun einmal heute liegen, die Arbeiter gegenüber der Reichsregierung und dem Arbeitsministerium von tiefstem Mißtrauen erfüllt sind. Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern ist an dem Machtwillen des Unternehmertums zerbrochen. Das Unternehmertum redet zwar noch da und dort von der Arbeitsgemeinschaft, aber der Geist der Arbeitsgemeinschaft ist auf der Unternehmerseite nicht mehr vorhanden. Die Arbeiter wissen, daß sie ohne Kampf nicht auskommen; aber sie haben fein Interesse daran, den Kampf unter allen Umständen als brutalen oder gar blutigen Machtkampf auszufämpfen. Das Unter nehmertum wird noch eines Tages, hoffentlich nicht zu spät, die Ent deckung machen, daß es in der Zusammenarbeit mit der Arbeiterfchaft noch immer am besten und am leichtesten die Wirtschaftstraft Deutschlands hätte wiederherstellen können. Die Linie, die der Minister aufgestellt hat, tönnen wir im großen und ganzen annehmen. Sie ist ohne wesentliche Unterschiede die Linie, die sein Vorgänger, Genoffe Siering, einge halten hat. Zum Schluß noch ein Wort für die sterbende Stadt am östlichen Zipfel Westfalens, für das früher so blühende Lippstadt mit den großen Artilleriemerfstätten, die 7000 bis 8000 Arbeiter beschäftigten. Die Stadt ist heute eine vollkommene Ruine. Man fann nicht wertvolle Industriestädte einfach ihrem Schicksal überlassen. Wir fordern hier Hilfe vom Ministerium. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten. 2. Kreis Bilmersdorf. Sonnabend, den 3. Oktober, abends 8 Uhr, Gikung des erweiterten Kreisvorstandes und der Bezirksverordneten fraktion bei Rroths, Holsteinische Str. 60. Erscheinen Pflicht. Handzettel und Blabate für die Versammlung am 6. Oftober abholen. 10. Kreis Rehlendorf, 12. Kreis Gteglig, 13. Kreis Tempelhof. Die für Sonnabend, den 3. Oktober, im Stegliker Rathaus verabredete Busammenfunft fällt aus, da die Stegliger Genossen wegen der Rürze der Zeit alle Formalitäten felbft erledigt haben. 8. Abt. Ru der am Dienstag, den 6. Oktober, im Nationalhof ftattfindenden Versammlung werden die Handzettel am Sonnabend abend bei Ridert, Steinmenftr. 36a, ausgegeben. Die Gammelliften find a conto abzurechnen in der Versammlung. 17. Abt. Die Mitglieder beteiligen fich an der Filmaufnahme Freies Boll" am Sonntag, den 4. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Schloß Schönholz. Wir ersuchen um zahlreiche Beteiligung. 45. Abt. Die Funktionärversammlung am Montag, den 5. Oktober, fällt wegen Ueberlastung aus. Die Genossen werden gebeten, zur Gruppenversammlung einzuladen und verstärkten Rartenvertrieb zum Familienabend am Sonntag, den 11. Oktober, im Gewerkschaftshaus, Großer Gaal, vorzunehmen. 82. Abt. Steglig. Bezirksführer: Freitag abend Rarten für die Jugendweihe abrechnen. Am Sonntag, den 4. Oktober, Treffpunkt aller Genossen aur Fahrt nach Schönholz am Bohnhof Steglik früh 8 Uhr. Rote Fahnen mitbringen. Es müssen ebenfalls alle Jugendgenossen erscheinen. 102. Abt. Baumschulenweg. Die schreibgewandten Genofsinnen und Genoffen treffen sich am Sonnabend, den 3. Oktober, nedymittags 5 Uhr, und am Sonntag, den 4. Oktober, vormittags 9 Uhr, vor dem Nebeneingang des Rathauses Treptow aweds Abschreibung der Wählerlisten. 114. Abt. Lichtenberg. Freitag, den 2. Oktober, abends 7½ Uhr, Funktionär131. Abt. Rieberschönhausen. Die Bezirksführer haben die Handzettel für die Wählerversammlung am Freitag abend vom Genossen Amberg, Uhlandstraße 44, abzuholen. 141. Abt. Rosenthal. Die Funktionärsikuna am Sonnabend fällt aus und findet am Dienstag, den 6. Oktober, abends 28 Uhr, bei Moeller statt. Am Sonntag, den 4. Oktober, vormittags 19 Uhr, Treffpunkt fämtlicher, Genossen und Genoffinnen und der Jugend am Blag vor der Kirche. Geschlossener Abmarsch nach Schönhola aur Filmaufnahme Freies Bolt". Sämtliche roten Fahnen müssen mitgebracht werden. Jungfozialisten. Gruppe Mitte: Freitag, den 2. Oktober, 8 Uhr, Gruppenabend in der Schule Gipsstr. 23a. Aussprache über Die Karte von Europa". versammlung bei Schwarzer, Gabriel- Mag- Str. 17. Morgen, Sonnabend, den 3. Oktober: Eintrittskarten 38. Abt. 7 Uhr in der Schulaula Roppenstr. 76, Einführungsabend der Arbeiterjugend. Festansprache: Genosse Bruno Teed. au 30 Bf. find am Gaaleingang erhältlich. Die Genoffen und Genoffinnen müssen vollzählig erscheinen. Am Sonntag, den 4. Oktober, vormittags 9% Uhr, treffen sich die Genoffen und Genofsinnen im Schloß Schönholz aue Filmaufnahme Freies Bolt". Banner und rote Fahnen find mitzubringen. 52. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärkigung bei Babe, Raiferin- AuguftaAllee 52. Erscheinen Pflicht. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr wichtige Aufammenkunft der Bezirksführer bei Niendorf. 117. Abt. Zichtenberg. 6 Uhr und Sonntag frlih 8 Uhr Sandzettelverbreitung. Uebermorgen, Sonntag, den 4. Oktober: Jungfozialisten. Gruppe Reinickendorf: Treffahrt mit der Gruppe Norden nach Bernau, Treffpunkt früh 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen( Borortbahnsteig). Jungfozialisten. Am Montag, den 5. Oktober, abends 18 Uhr, im Preußischen Landbag, Brinz- Albrecht- Str. 5, Mitgliederverfammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Internationalen Konferenz und vom Parteitag in Seidelberg. 2. Organisatorisches. Mitgliedstarten find am Gaaleingang vorzuzeigen! Geschäftliche Mitteilungen. Ein Triumph ber beutschen Teppichindustrie. Es ist eine viel au menig bekannte Tatsache, daß es deutschem Fleiße und deutscher Intelligenz gelungen an Golidität und Farbenpracht den orientalischen Teppichen vollkommen gleichwertig sind, und ben großen Borteil haben, daß man für einen deutschen Edelteppich nur einen Bruchteil des fonft für Orientteppiche anzuwendenden Betrages zu zahlen braucht. Den Kreisen, die dennoch glauben, ihr Heim mit einem echten Teppich schmücken zu sollen, fei bringend empfohlen, vor Einkauf die reichen Läger deutscher Edelteppiche in maßgebenden Spezialgeschäften zu überzeugen fönnen. ift, deutige Lurusteppiche berzustellen, die Die Beratung wird dann durch Abstimmungen unterbrochen. Ein Gesetzentwurf zur Ueberfettung der Gewerbe besichtigen: man wird sich schnellstens von der Richtigkeit obiger Behauptungen( heraus. An fich ist diese Parole nur allzu zeitgemäß und die Rede des Handelsministers zeigt, daß auch in Preußen die Auffassung geteilt wird, daß unsere Preisfurve weit überspannt ist. Aber auch bei der Preisabbauparole hören mir wohl die Botschaft, der Glaube fehlt. Die Arbeiterschaft hat nämlich schon ähnliche Preisabbauzenen erlebt. Am 1. Oftober vorigen Jahres wurde auf Drängen der Reichsregierung der Kohlenpreis zum zweiten Male im Laufe des Jahres abgebaut, und zwar um 10 Broz.; gleichzeitig wurde die Umsatzsteuer ein Stüd abgebaut und ebenso die Fracht- ste u er in das regelmäßige Beranlagungsver fäße um 10 Pro3. Was war aber die Wirkung? Die weiterverfahren geht an den Hauptausschuß. arbeitende Industrie reagierte nicht und von einer Wirtung zum Nuzen der Konsumenten haben wir absolut nichts perspürt. Wir haben nur gesehen, daß dem Preisabbau bei Kohle und Fracht und der Herabjegung der Umsatzsteuer steigende Eisenpreise, steigende Baustoff, Textil- und Agrarpreise auf dem Fuße gefolgt sind.( Sehr richtig! links.) Statt einer Entspannung der Lebenshaltungskosten fam ein allmähliches, sehr bedauerliches Ansteigen der Teuerung. Es war für die Rohstoffindustrie und vor allem für die in ihr beschäftigten Arbeiter eine sehr bittere Bille, die da verabreicht wurde. Es fam zur Kohlenkrise und ihren schweren Folgen für die Arbeiterschaft. Nicht weniger als 36 000 Berg Teute sind in fürzester Frist entlassen worden. Sie haben vorübergehend im Baugewerbe ein Unterfommen gefunden. Allein niemand in diesem Hause wird darüber im Zweifel sein, daß in wenigen Wochen der Baumartt in Deutschland zusammenbrechen rcird. Besonders im besetzten Gebiet werden tausende Arbeiter, die aus dem Bergbau tamen und porübergehend im Baugewerbe Unterschlupf fanden, ohne Arbeit sein. Der Ausschußantrag, bei den Bergrevierämtern Grubentontrolleure aus den Reihen der praktisch erprobten Hauer zu bestellen, wird in namentlicher Abstimmung einstimmig angenommen. Die Deutschnationalen und die Abgeordneten der Deutschen Volkspartei haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Dann werden die angefochtenen Titel des Haushalts des Bolts wohlfahrtsministeriums nach den Anträgen des Ausschusses angenommen. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten meindebestimmungsrechts über Schanktonzeffionen abgelehnt. Der und Kommunisten wird dabei der Antrag auf Einführung des Gesozialdemokratische Antrag, das Staatsministerium möge bei der Reichsregierung die Vorlage des sogenannten Bodenreform. gefeßes anregen, wird in namentlicher Abstimmung mit 187 gegen 149 Stimmen angenommen. Nicht zu schnell essen! Heutzutage, wo alles mit Eile zu geschehen hat, überanstrengen Dieser schlechten Angewohnheit liegt manchmal die Bildung überdie meisten Leute ihre Verdauungsorgane durch zu schnelles Essen. schüssiger Magensäure zugrunde. Letztere ist die häufigste Ursache von Gastritis, Dyspepsie und anderen Magenstörungen. Zunächst wird sie wohl nur Unbehagen verursachen, das entweder nach der zeitig behandelt, leicht chronisch werden und zu schlimmen ErMahlzeit oder sonst bemerkbar wird, fann aber, wenn nicht rechtfrankungen der Verdauungsorgane und anderen Beschwerden führen. 3ur Verhinderung dieser üblen Folgen wirkt Biserirte Magnesia, welche die überschüssige Magenfäure neutralisiert und so eine leichte und normale Verdauung sichert. Biserirte Magnesia ist in jeder Apotheke erhältlich. Die Aussprache über die Handels- und Gewerbever. waltung wird hierauf nach Ausführungen der Abg. Jacobs- fähreiben Sie an das Generalbepot C. f. Afche& Co., Hamburg 19, BinneWenn Sie Biferirte Magnesia bei Shoem Apotheker nicht haben können, hagen( Dnat.) und Hager( 3.) auf Freitag 11 Uhr vertagt. berger Weg 22/24. Herbft- Winter- Kleidung Winter- Ulster 2reihig Rücken mit Gürtel aus modernen dunklen Ulster 5750 stoffen. M. 12.50, 68.-, 62 50 2 Winter- Ulster relig m. glatt. 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Oktober 1925 Unterhaltung und Wissen Triumph der Optik. Die Kino- und Photoausstellung in Berlin 1925. Von M. Büttner. Das Licht im Dienste von Wissenschaft, Kultur und Kunst! Wenn irgendwo, so ist hier das Faustische Wort des Stolzes berechtigt, wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht". Welch weiter Weg von der mühseligen Arbeit eines Daguerre um 1830 herum bis zur heutigen Bollendung in der Lichtbildkunst, vom primitiven Groschentino auf den Jahrmärkten in unserer Jugend bis zum modernen Lichtspieltheater der Vier- oder Fünftausend! Eine lebendige Darstellung der beispiellosen Entwicklung auf diesem Gebiet, auf dem die photographische und finematographische Industrie aufbauend auf den Lehren der Optifin ungeahntem Maße das Element des Lichts der Menschheit untertan gemacht. und eine imposante Probe der erreichten Leistungshöhe bietet die umfassende Kino und Photoausstellung, die erste ihrer Art. a m Ein Gang durch diese ausgedehnte Schau in der riesigen Funthalle und der neuen Automobilhalle Kaiserdamm zeigt dem Fachmann mancherlei technische Neuerungen und Fortschritte und vermittelt dem Laien einen eindrucksvollen Begriff von der hochwertigen Präzisionsarbeit einer deutschen Industriegruppe, die Millionen von Menschen Beschäftigung bietet, in der nebst den verschiedenen Hilfsindustrien ein Milliardentapital investiert ist und die für die deutsche Volkswirtschaft, insbesondere für Ausfuhr und Handelsbilanz, einen höchst bedeutjamen Faktor darstellt. Die führenden Firmen unserer optischen Industrie mit Namen von.Weltruf sind hier vertreten und zeigen in fünft. lerisch sinnvoll angeordneten Ständen, Kojen und zum Teil äußerst wirksamen monumentalen Aufbauten ihre vielseitigen Erzeugnisse: Kameras in erstaunlich mannigfaltiger Größenordnung und Formenwahl, die komplizierten Rinoaufnahme und Projektionsapparate, die Filmentwicklungs-, Perforier und Kopiermaschinen, die zahlreichen Systeme der Jupiterlampen, Beleuchtungsanordnungen, Bergrößerungsapparate, Heimtinoeinrichtungen und manches andere damit Verwandte. In sehr instruktiver Darstellung, ausgehend von gewaltigen blizenden Rohglasblöden, zeigen einige der großen Werte den Werdegang eines Objektivs und einer Kamera, andere die Fabri tationsgeschichte des Films in allen Phasen. Eines der bedeutendsten Unternehmen der chemischen Industrie stellt in sorgfältigster Ausführung ein Modell seiner ausgedehnten Fabrikanlagen namentlich in Bitterfeld aus und demonstriert andererseits den für medizinische Zwecke- hohen wissenschaftlichen Wert der Farben photographie, die überhaupt, wie auch der Farbenfilm, offensichtlich an Bedeutung und Vollkommenheit zunimmt. Daß in einer photographischen Schau auch sonst die industrielle Chemie mit ihren Biatten, Bädern. Entwicklern, Berstärkern, lichtempfindlichen Papieren usw. einen breiten Raum einnimmt, ist selbstverständlich. Den Besonders fesselnd und geschickt aufgemacht sind die Darbietungen unserer eigentlichen Filmunternehmungen. Mittelpunkt der großen Ausstellungsgruppe des Ufa Konzerns bildet in Lebensgröße der graufige Drache aus dem be. fannten Nibelungen- Film, der ja inzwischen den Weltmarkt er. obert hat. Im übrigen sieht man naturgetreue Modelle einer Anzahl malerischer Szenerien, Architettur- und Landschaftsausschnitte aus erfolgreichen Filmwerfen, die die Summe der in der Filmindustrie stedenden intellektuellen und künstlerischen Arbeit ahnen laffen. Abbildungen und Modelle zeigen die schönsten Lichtspiel theater des Unternehmens im ganzen Reich; ein Klassenraum mit einem Schultino gibt eine Andeutung der pädagogischen Möglich. teiten des Films, eine Sonderausstellung von Plakaten usw. fennzeichnet Umfang und Niveau der Reflame. Die größte füddeutsche Herstellerfirma Emelta" hat ein interessantes umfangreiches Modell ihres malerischen Aufnahmegeländes in Gaiselgasteig im Isartal aufgestellt, eine ausgedehnte romantische Filmstadt von überraschender Mannigfaltigkeit der Motive, stilgerechter Gestaltung und weitgehender Naturtreue. Die tulturelle und wissenschaftliche Seite der Lichtbildkunst tommt in einer Reihe ausgezeichneter Sammelausstellungen zum Ausdruck. So z. B. in det Kollektivschau des Bundes deutscher Lehr- und Kulturfilmhersteller, in der die Geheim nisse der Zeitlupe, des Zeitraffers, der Trickaufnahmen usw. erklärt merden, oder in den Sondergruppen der Technischen Hochschule Darmstadt, der Höheren Fachschule für Photographie und Kinotechnit in München sowie der photographischen Lehranstalten des Lette- Vereins in Berlin. In den eindrucksvollen Sammlungen der Verbände der Fachphotographen und der deutschen Amateurphotographenvereine zeigt sich der erfreulich hohe Leistungsgrad unferer Lichtbildkünstler von Beruf und aus Liebhaberei. Auf dem Gebiete der Landschafts- und Porträtaufnahmen finden sich da wahre Runstwerte mit tiefem Stimmungsgehalt, die man zuweilen von Originalradierungen faum noch unterscheiden tann.. Ein besonderes Intereffe darf schließlich die Geschichte der Photographie und des Kinowefens beanspruchen, die auf der Ausstellung die gebührende Berücksichtigung gefunden hat. Ungemein wertvoll und anregend sind in dieser Beziehung z. B. die hervorragenden Sammlungen von Prof. E. Stenger- Berlin und Ed. Liesegang- Düsseldorf. Dem historischen Teil ist auch das Freige lände gewidmet, wo in einer altmodischen Bude die Amerikanische Schnellphotographie"(" Bilder gleich mitzunehmen!") zu finden ist Locarno. DV -- mir fuf mein Holzbein weh, wenn ich an die Herren dente, die heute in die Schweiz fahren, um sich fonnten sie das nicht schon 11 Jahre vertragen zu lernen früher machen? und daneben das erste Kinematographentheater im Leinwandzelt mit Brettersißen und Drehorgeln pietätvoll wiederhergestellt wurde. Mit Riesenschritten wird man dann gleich nebenan in der neuen Autohalle in die großzügigere Gegenwart versetzt, wo ein Aus. stellungsfina für 4000 Zuschauer sowie modernste Ateliers und Aufnahmeräume eingerichtet worden sind, wo richtiggehend nach allen Regeln der Kunst und mit allen Schikanen der Neuzeit gefilmt, ein Mastenwettbewerb der Prominenten sowie eine Filmeignungs- und Schönheitsprüfung veranstaltet wird. Einst und jetzt ein weiter Weg und zugleich ein Ruhmesblatt für die deutsche optische und finematographische Industrie! Religion im Hühnerstall. Folgende wahre Begebenheit" wird in Reclams Universum" erzählt: 3wei Nachbarn, der Paftor und der Apotheker, liegen wegen ihrer Hühner in Streit. Eines Tages bemerkt der Pastor wieder ein Huhn des Apothekers in seinem Garten. Der Pastor fängt das Huhn ein und befestigt ihm einen Bettel am Bein:" Du sollst nicht stehlen." Der Apotheker sinnt auf Rache. Am nächsten Tage trifft er den Hahn des Pastors in seinem Garten. Er fängt ihn ein und befestigt ihm ebenfalls einen Bettel am Bein. Auf dem Zettel stehen die Worte:„ Du follft nicht ehebrechen." Seit diesem Tage hielten beide Nachbarn ihre Hühner eingesperrt. Beilage des Vorwärts Neues über die Vererbung erworbener Eigenschaften. Die Bererbung erworbener Eigenschaften ist ein Kampffeld der Forschung, auf dem ein zähes und mühevolles Ringen ausgefochten wird, ein heiß umstrittenes Gebiet, wo mur zu häufig gegenteilige Meinungen hart aufeinander prallen. Nun werden neuerdings Ergebnisse bekannt, die so recht geeignet sind, die Frage in den Mittelpuntt des Intereffes zu rüden. Unbeschwert vom Gelehrtendünkel zünftiger Bererbungsforscher gelang es einem Ranarienzüchter in Bremen, namens Karl Reich, neues, bedeutungsvolles Tatsachenmaterial der Wissenschaft vorzulegen. Seine Versuche, die er seit dem Jahre 1910 eigentlich zu geschäftlichen Zweden durchführt, gipfeln darin, daß er jungen Kanarienhähnen Nachtigallen zu Lehrmeistern gab und die männlichen Nachtommen jener Ranarienhähne, die den Nachtigallenschlag erlernten, schon von Anfang an wie Nachtigallen sangen. Dabei muß hervor. gehoben werden, daß nicht etwa alte und junge Vögel in Hörweite beieinander blieben, denn dann würde es sich ja bestenfalls um Nach ahmung, nicht aber um Vererbung handeln. Vielmehr wurden( und als Augenzeuge hierfür tann Paul Kammerer namhaft gemacht werden, der die Reichszuchtanstalt besuchte) die angelernten alten Bögel nach erfolgter Begattung sofort entfernt und die junge Brut in schalldichten Räumen aufgezogen. Die Jungvögel hörten also überhaupt feinen Bogelsang, weder den einer Nachtigall, noch den ihrer eigenen Art. Nicht weniger als zwölf Generationen wurden dem als Vorbild erwählten Nachtigallenschlag ausgefeßt und zwei Generationen Kanarienvögel find nunmehr aufgewachsen, die wohl selbst niemals eine Nachtigall gehört haben, dennoch aber deren Ge fang besigen. Von dem bekannten Bogelstimmentenner Dr. M. Braeß wurde bezeugt, daß fie in den gleichmäßigen Tonfolgen des Edelrollers plöglich die charakteristischen stoßenden und schluchzenden Laute der Nachtigall ertönen laffen. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Dogmatiter der Vererbungslehre mit diesen Züchtungsergebnissen auseinandersezen werden. Hoffentlich wird ein baldiger Meinungsaustausch, für den immerhin einige Anzeichen vorhanden sind, durch sie bald in die Wege geleitet. Die Tatsache der Bererbung erworbener Eigenschaften ist ja hinsichtlich ihrer Anwendung auf den Menschen und die menschliche Gesellschaft von unübersehbarer Bedeutung. Es ist auch gar Teine Phantasterei anzunehmen, daß sich auch solche planmäßig Dorgenommenen förperlichen und seelischen Veränderungen vererben, wie sie heutzutage durch Eingriffe in das System der Drüsen mit innerer Absonderung unseres Körpers möglich find. Das Zaubergesetz" der Kenjakolonie. Die gefeßgebende Körperschaft der britischen Renjakolonie in Oftafrita hat jetzt das sogenannte Baubergefeß angenommen, durch das schwere Strafen auf alle abergläubischen Gebräuche und Maßnahmen gelegt werden. Bei den Berhandlungen über dieses Gesetz wurden eingehend die verschiedenen Formen des Aberglaubens und der Zauberei besprochen, die noch unter den Eingeborenen im Schwange sind und von den Verwaltungsbeamten festgestellt wurden. Es zeigte sich, daß diese Afrikaner, die doch schon so lange die Segnungen einer europäischen Herrschaft genießen, noch immer Bon dem Augenblick der Beschneidungszeremonie an, durch die der von der Wiege bis zum Grabe ihren uralten Gebräuchen folgen. Knabe in den. Kreis der Männer aufgenommen wird, tritt er von einer geheimnisvollen Gemeinschaft in eine andere, bis er sich allmählich dem heiligsten Bunde nähert, der alle Mediziniänner umschließt und aus dem die zwei oder drei wirklichen Beherricher des Stammes hervorgehen. Es ist nicht ganz flar, wie ein Eingeborener zum Medizinmann und damit zum einflußreichsten Manne seines Dorfes wird. Manchmal herrscht das Prinzip der Erbfolge, dann Jedenfalls herrscht bei den Stämmen ein Tabu"-System, das auf den Angaben der Medizinmänner beruht. Wollen die jungen Männer Krieg führen, so fönnen sie es nur, wenn der Zauberer günstige Zeichen findet; nichts fann gepflanzt werden gegen den Fluch des Medizinmannes. Wenn die Polizei die Benuzung eines Wasserloches verbietet, so hat die Anbringung einer Tafel gar feine Wirkung; aber ein zerbrochener Zweig oder ein bemaltes Stück Holz, das der Bauberer hinlegt, hält jeden davon ab, aus diesem Wafferloch zu trinken. Wie bei aller Zauberei gibt es auch hier eine weiße" und eine schwarze Magie". Die weiße Magle ist wohltätig oder wenigstens harmlos; durch die schwarze aber werden furchtbare Qualen, Tod und Verdammnis auf den Unglücklichen herabgeschworen. Es gibt einfache Kräuterkenner, die durch die schwarze Magie zu Giftmischern werden; es gibt Zauberer, die gewiegte Hypnotiseure sind; es gibt Regenmacher und Beschwörer, Für die Eingeborenen find diese die ahnungslose Wesen beheren beiden Arten der Bauberei vollkommen verschieden, aber das neue Baubergefeß macht teine Unterschiede, sondern es verfolgt alle Zauberer, mögen sie nun meiße oder schwarze Magier sein. Danach aber findet er außer dem ersten Stelett( denn an dem Der Fund des Vaters Roulette. aber steht sie da, die kleine schwarzhaarige Person mit ihren zwei Schädel fitzt noch alles dazu Gehörige in der Erde) noch fünf weitere, Bon Georg von der Bring. Wie unterm 24. September aus Baris gemeldet wurbe, find im Walde von Ailleville fechs Gtelette aufgefunden worden, die noch mit deutschen Uniformen bekleidet waren. Da die Regiments abzeichen vollkommen erhalten sind, dürfte wohl nicht allzu schwer Jein, die Jdentität der Toten festzustellen. In der Nähe wurden zwei Kanonen entdeckt, die in dem Gestrüpp des Waldes rosteten. Am Sonntag, den 20. September 1925, geht der Vater Roulette aus Ailleville mit seiner kleinen Entelin Maria in den Wald. Es ist morgens, und sie hören durch das dichte Unterholz die Dorfglode flingen. Häher schreien über ihnen in den einzelnen hohen Eichen. Der Vater Roulette, eine blaue Brille auf der Nase, stampft mit seinen verwachsenen Füßen hinter der kleinen Maria drein, schaut sich die Pilze an und wendet sie mit seinem Stocke um. Er ist ein alter verbrauchter Mann und schnüffelt gern ein wenig herum. If er es nicht gewesen, der die verlorene Brosche der Lehrerin wiederfand noch dazu in einem Brennesselbusch? Hat er nicht bei dieser Herumtreiberin Moiret die neue Wäscheleine entdeckt, die man Catherine Roug, der Wäscherin, gestohlen hatte?! Allerdings meinte er, eine blaue Brosche und eine blaue Wäscheleine gefunden zu haben doch das rührte von seiner Brille her, an die er in all den zwanzig Jahren noch nicht Zeit gehabt hatte, sich zu gewöhnen. Sodann: ist er es nicht gewesen, der damals die meisten Kriegs. andenten von der Erde aufgelesen hat für den englischen Pfarrer, von dem Koppelschloß Gott mit uns" bis zu den Hosenknöpfen der Soldaten des Kaisers?! Sie gehen durch den Wald, und Maria ist vorgerannt. Blötzlich Sonntagsschleifen an den Schultern, zeigt eine Blume, die sie gepflückt, eine Orchis. Diese Blumen wachsen in allen Waldstücken und Wiesenniederungen um Ailleville, sie haben für Bater Roulette feine Bedeutung. Maria aber sagt: į alle mit grauen Uniformen bekleidet, und mit ihren zu weit ge wordenen Koppeln Gott mit uns" um die Hüften. Vier der Toten sind während dieser sieben Jahre in die Erde gesunken und fast verdeckt durch Waldgras und Moos. Zwischen ihnen blinkt die Wölbung eines Stahlhelms wie ein blanter Felsstein aus dem Ich fand sie aus einem Topfe wachsen." Nun wird Roulette neugierig, er betrachtet die Blume, die seinen Boden. ugen ebenso blau ist wie Marias Mund, und fragt nach dem Topfe. Maria berichtet, sie habe ihn dort gelassen, denn er sei ja in der Erde vergraben. Sie gehen hin. Da machte Roulette seinen Fund. Da er nämlich diese gelbe erdgefüllte Krugöffnung freilegen will, wölbt sich der Krug an der einen Seite übermäßig, bekommt er an der anderen Seite Höcker, Kanten und Löcher. Jetzt mertt Roulette, daß er einen Menschens ädel gefunden hat, aus dessen einer Augenhöhle eine Blume erblüht ist, eine Orchis, die seine kleine Entelin gepflückt. Sofort steht er auf und sagt: Maria, geh nach Hause. Schau, ob Großvater Roulette an das Brikett gedacht hat. Und stelle die Kartoffeln auf." Denn das Kind muß fort. Maria ist bestürzt, die Blume in ihrer Hand berührt den Boden, und nun hat sie Tränen in den Augen. Auch sie ist eine Roulette, eine, welche viele Dinge finden möchte. Der Großvater aber hebt die Brille von den Augen und blidt -sofort geht sie. die Kleine streng an Bater Roulette horcht ihr gesenkten Hauptes nach. Dann setzt er seine Brille wieder auf und macht in der folgenden Biertelstunde feinen erstaunlichen Fund, nämlich zwei Ranonen, verrostet, von Brombeersträuchern überhangen, welche noch ihre brunnentiefen Mäuler gegen die Wipfelöffnung der Eichen richten. Als er sie genau betrachtet und mit seinem Stod beflopft hat, wendet er sich wieder dem freigelegten Menschenschädel zu. Wieviele hat er so gefunden, Bater Roulette geht beständig herum auf seinen verfluchten Füßen, und Maria, die kleine Entelin, begleitet ihn. Außer ihr hat er nichts durch den Krieg hindurchgerettet. Er späht links, er späht rechts, sucht sein, Leben zu erheitern. Manchmal findet er einen Nagel von solcher Größe, daß er für Christi Kreuz passend gewesen märe. Manchmal aber ist es nur eine alte Zeitung oder ein Häuschen| halb begraben, unbegraben! Aber Kanonen find es heute zum Holzwolle. An diesem Sonntag aber, den 20. September 1925, macht der Vater Roulette den größten Fund seines Lebens vielmehr war es Maria, die ihn machte. -www oder erstenmal. O er weiß, daß er an dieser Stelle noch vieles finden wird und läßt sich Zeit beim Suchen. Er blidt sogar absichtlich zunächst dorthin, wo nach seiner Ueberzeugung nichts sein fann. 3wei Stelette aber sind nicht in die Erde gefunden. Das eine lehnt mit dem Nasenbein an dem von Ranten umschlungenen Schloß seiner Kanone aber ihm fehlt ein Arm. Das ist merkwürdig, denkt Roulette, die anderen Stelette find heil. Sie sind vielleicht durch den Luftdruc einer großen Granate getötet worden. Es gilt jetzt für Bater Roulette, der die Ordnung liebt, diesen Arm zu finden. Er humpelt herum, findet ihn nicht, steht aber plötzlich dem sechsten Stelett gegenüber, welches in seiner schlotternden, halb fandfarben, halb roftrot gewordenen Uniform vor ihm auf dem Walle sigt, die Hände zwischen den Knien, den Rüden übermäßig gekrümmt, die ausgeleerten Augenhöhlen ein wenig wie ein Schauspieler in die stille Waldferne gerichtet, und einige Farrenwedel als Kulissen hinter sich. Bater Roulette humpelt im Kreise, wobei er wiederum die Ranonen berührt, beschaut sich die Erde, aber findet nicht den Arm des Richtfanoniers. Eine ganze Weile geht er herum und sucht. Ihm ist beklommen zumute, doch zugleich gespannt, als besuche er ein wildes Schauspiel, eines ohne Bewegung, dafür aber im Wald an einem schönen Sonntagvormittag im September. Die Zeit wird ihm nicht lang. Einzig der Wind durchbricht die Stille, stößt an die Bäume und schüttelt Eicheln ins Unterholz. Da vertraut sich Bater Roulette seinem getreuen Stod, legt den Kopf in den Nacken, vorsichtig, und sieht: Ueber ihm hängt der Arm mit seiner bläulichen Knochenhand im Gezmeig. Und da hat er alles beieinander. Und plöglich ist ihm, als feien sie seine Söhne, alle sechs, und er humpelt davon, schluchzend und schnaufend, durch den mehenden Bald. Billige Lebensmittel Wurstwaren Delikat.- Sülze Pid. 48Pf. Sülzwurst..... Pfand 100 Speckwurst... Pfand 125 Hausm.- Leberw. P. 125 Bln. Mettwurst P. 125 Jagdwurst.... Pfund 150 Mettw. Braunsch Art, Pld. 10 Teewurst...... Pfund 185 Zervelat u. Salami Prand 195 11. pomm. Fische 2000 Makrelen Pfund 18Pt. Rotbars o. K., Ptand 20Pt. GrüneHeringerrand 20PL Seelachs o.K., Lg. Pid. 26 Pt, Fettheringe 3 Stack 20P. Matjesheringe Stack 10PL. Pf Mengenabgabe vorbehalten Obst u. Gemüse Weisskohl..... Pfand 3Pt. Rotkohl......... Pfund 4Pt. Möhren gow..... Pfund 5PL Kochäpfel grosse, Pd. 9Pt. Goldparmänen Pfand 15P Goldrenetten Pfand 15Pt. Kochbirnen... 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