Nr. 139. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, nionailich 1,10 Ml., wöchentlich 28 Psg. frei t»'S Haus. Einzelne Nummer 6 Psg. Sonntags- Nummer mit tlluftr. Sonntags- Beilage„Neue Welt" lOPfg. Post-Abonnement: 8,30® l. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungar» 2 Ml., für das übrige Ausland ZMl.pr.Monat.Eingetr. in der Post- geituugs- Preis liste für 1895 unter Nr. 718». 12. Jahrg. Insertions-Gebühr beträgt für die sünfgespaltene Pelilzetle oder deren Rain» so Psg., für Vereins- und VersanimlungS- Anzeigen 20 Psg. Juserale für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags i» der Erpeditton abgegeben werben. Die Expednio» ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr AbeudS, an Sonn- und Issttagen bis 9 Uhr Vor- mittags geöffnet. Lerufprecher: Amt l, Ur. 1508. Telegramm-Adresse: „Koiialdemokrat Keriin!' Verliner Volksbkalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. MedaKtion: LV. 13, ZZeuth-Stratze 2. Dienstag, den 18. Juni 1893. Expedition: LV.l9. Ueuty-Stmße 3. Die Regelung der Kohlenproduktion. Paris, den 13. Juni 1895. Die Sozialisten werden in einer sehr nahen Zukuilft die letzte Hoffnung der Kapitalisten sein. Das Kleinbnrgerthllm, das von den L e s s e p' s und R o t h s ch i l d' s der großen jüdisch- christlichen Flibuster- gesellschast schmählich betrogeli und ansgeranbt worden ist, zählt schon jetzt nur noch auf die Sozialisten, daß sie nn- ermüdllch und unbarmherzig ohne Unterschied der Rasse und der Religion dicscil zynischen Bcntelschneidern zu Leibe gehen. An die Sozialisten wenden d> e Bourgeois, welche das Vorurtheil der Ehrlichkeit noch i icht abgestreift haben, sich jedesmal, wenn es gilt, die Riederträchtigkeiteu der Staatsverwaltung zu entlarven, und die Rouvier, die Roche und andere Panamisten des Senats und der Kammer von der Leitung der politischen Geschäfte zu ent- fernen. Und stehe da, jetzt kommen die Kapi- talisten Frankreichs und Belgiens, und verlangen von den Sozialisten, daß diese in die Anarchie der Berg- werks-Produktion Ordnung bringen. Auf dem soeben beendigten internationalen B ergarbeiter-Kongreß ersuchte ein Bergwerks- Ingenieur durch Bermittelung des belgischen Telegirte», die Arbeiter-Syndikate(Gewerkschaften), sie möchten doch ihren Einfluß aufbieten, daß die Kohlcn-Produktiou geregelt werde, was zu thnn die Grubenbesitzer außer stände seien. Diese Syndikate, diese Gewerkschaften, diese Trades-Unions, die von den Kapitalisten als die Ruhestörer der Industrie, als Brutstätten des Hasses und der Zwietracht, als die Urheber des Kriegs zwischen Arbeitern und Unternehmern dennnzirt werden— sie waren mit einem Male vorzügliche Werkzeuge der Ordnung, Organe zur Versöhnung und Einigung der Klassen geworden. Diese Syndikate, welche die Regierung in Frankreich zu vernichten sucht, wie man vor dreißig und mehr Jahren die Trades-Unions in Eng- land zu vernichten suchte— sie sind für die Grubenbesitzer die einzige Aussicht geworden, die ihnen noch geblieben ist, um das Znsammenschmelzen ihrer skandalösen Dividenden zu verhindern. Um die Lohntaxe aufrecht erhalten zu können, verlangten die Grubenbesitzer von den Arbeitern, daß sie die Kohlen- förderung regeln sollten; aber sie dachten dabei nur an ihre durch die Ueberproduktion gefährdeten Dividenden. Die Aktien der Kohlengruben des Nordens(von Frankreich) sind, IseuiNekon. lNachdruS oevßole«.] Berliner Marztage. � Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Keine Demonstration, keine Drohung, kein Akt der Gewalt erfolgt von seiner Seite. Weder Schimpfreden noch politische Zurufe ertönen; nur jene unreifen Elemente der Straße, die von jeher eine Begleiterscheinung militärischer Schauspiele bilden, lassen ihre Hallohrufe, ihr Pfeifen und Lärmen erschallen. Das Volk, das eigentliche, wahre Volk, ist zu tief er- griffen von der furchtbaren Gewißheit, die ihm geworden, als daß es seine Enipfindungen nach Gassenbubenart zum Ausdruck zu bringen vermöchte. In ernstem Schweigen zügclt es sein zornbebendes Herz und drängt nur vorwärts mit düsterer, entschlossener Miene, um jene Gewißheit auch voll und ganz zu haben, um endlich sonnenklar zu wissen, woran es sei mit den Machthaberu, die ihm heut ihre Kriegerschaaren entgegengestellt haben. „Nach dem Schloßplatze hatte die Parole des Volkes gelautet— zu jenem altersgrauen, weitläustigen Gebäude, das vor Zeiten am Ufer der Spree als eine Zivingburg errichtet worden war. Seit der unabhängige Bürgersinn der alten Berliner sich in demüthige Unterthancntreue ver- wandelt hatte, war dieses Gebäude als ein Hort des Friedens, der Volksbcglückung, der ewig sprudelnden Gnade ausgegeben und angesehen worden. Wenn dieser Hort des Friedens, dieser Quell der Gnade wirklich das war, was er zu sein vorgab, so niußte sich das jetzt klarer denn jemals zeigen: jetzt, wo zehntausende. hunderttausende ruhiger Menschen plötzlich mit dem Schwerte bedroht wurden, weil... weil... weil... ja, wo war denn auch nur der Schein eines Grundes vorhanden für dieses unglaub- liche Beginnen? Doch sieh, was war das? Ging das nicht plötzlich wie ein Gegendruck durch die vorwärtsfluthende Menge, als ob der breite Strom der Menschen unerwartet ans einen starken Widerstand gestoßen wäre und sich nun rückwärts staute, ivie dies B a s l y ziffernmäßig nachgewiesen hat, innerhalb der letzten 4V Jahre gestiegen von 1090 auf 17 259 Franks für Noeux; von 490 ans 14 799 Franks für Brnay; von 399 auf 22 190 Franks für Lcns; von 350 auf 42 990 Fr. für Courrisvcs— und ähnlich für die übrigen Gruben. Während der fetten Jahre der Miuenprodnktion haben die Herren Grubenbesitzer die Löhne auch nicht um einen Sou erhöht, und jetzt, wo die mageren Jahre beginnen, reden sie davon, die Löhne zu erhöhen. Ilm zu diesem Ergebniß zu gelangen, wäre es nur nöthig, England daran zn hindern, daß es das europäische Festland mit den 37 Millionen Tonnen Kohle überschwemme, die es über seinen Bedarf hinaus prodnzirt. Bon einem Kongreß, auf welchem die englischen Kohlenarbeiter beinahe die Mehrheit hatten, verlangte man den Schutz Frankreichs und Belgiens gegen die englischen Steinkohlen! Die Gruben- besitzer sind ebenso blödsinnig wie Euere deutschen Agrarier. Der Kongreß hat den Vorschlag zurückgewiesen— nach einer ausgezeichneten Rede des deutschen Telegirten Möller. Und es liegt ja auf der Ha»d: Da die Arbeiter jetzt nicht die Leitung der Produktion haben, so können sie die Produktion auch nicht regeln. Sache der Herrn Kapitalisten, die alles besitzen, ist es, auch alles zu regieren. Bei der Anarchie der kapitalistischen Produktion ist übrigens jede Regelung unmöglich. Angenommen, man brächte es fertig, die Kohlen- Produktion der Welt zu regeln— was nngesähr'ebeuso leicht ist, als den Mond mit den Zähnen zu packen— so wäre es ferner auch nöthig.- die Produktion des Petroleums zu regeln, das eine Quelle der Bcivegnngskrast sowohl wie des Lichtes geworden ist. Man hat viele Maschinen, für welche das Petroleum au stelle des Stein- kohlen- Gases gebraucht wird; und man hat jetzt die Möglichkeit gefunden, bei der Heizung der Lokomotiven das Petroleum neben den Kohlen zu verwenden. Und dann hätte n>an es mit dem i n t e r nationalen P e t r o l e u m- S y n d i k a t zn thnn, das von keiner europäischen Regierung, einzig die russische ans- genommen, erreicht werden kann. Aber nach dem Petroleum müßte auch noch die Produktion der Elektrizität ge- regelt werden, welche den Wind und das Wassergefälle in Licht, Wärme und Kraft umsetzt. Die Stadt B n f f a l o in Amerika bcrathct in diesem Augenblick einen Kontrakt mit einer Elektrizitäts-Gesellschast betreffs Lieferung von 10 990 bis 50000 Pfcrdckräften, die durch den Niagara- Fall erzeugt werden. Und was mehr ist, die Entwicklung der industriellen Mechanik müßte aufgehalten werden. die vordrängenden Echaaren zu immer dichteren und dichteren Knäueln ballend? Und in der That, so war es: während von den Linden her gewaltige Jnfantericniassen, unterstützt von Gardes-du- Korps und Ulanen, das Volk»ach dem Schlosse zu trieben, drängten andere, noch stärkere Truppenabtheilnngen, die aus dem waffcnstarrenden Schloßhofe hervorbrachen, die wogende Menge wieder zurück nach den Linden. Das war nicht Krieg, nicht offener, ehrlicher Männer- streit, sondern ein jäher Ueberfall im abendlichen Dunkel, ausgeübt an unschuldigen, wehrlosen Menschen. Das war der Triumph der Pilgram und Schildburg, des kalt berechnenden, brutalen Strcberthnms und der in jahrhundertelangem Genußleben entarteten Jnnkerschaft, deren Phantasie durch die Vorstellung brutaler Jagdszenen, zu Tode gehetzter Renner und entehrter Weiber verderbt und für ein edleres Empfinden unempfänglich geworden war. Diese Menschenmassen ringsum waren in ihren Augen nichts weiter, als Rudel zitterndes Wildes, auf das sie ein 5?esseltreibett veranstalten und nach Herzenslust losstechen, loshanen, losschießen konnten. Das Wild war gestellt, das Revier geschlossen, die lustige Arbeit der Jäger konnte beginnen. Und sich, in gestrecktem Galopp sprengen zuerst ans dem Schloßplatz wuchtige Kürassier- Abtheilnngcn mit ge- schwungenem Pallasch in die dichtgestaute Menge hinein, ohne Warnungsrnf, ohne Signal zum Auseinandergehen, als ob es sich, wie beim eingetriebenen Wild, nur ums Abmetzeln handelte. Nieder sausen die blitzenden Klingen auf die Köpfe, Männern und Weibern, Greisen und Kindern die Schädel spaltend und das Pflaster der Straße mit Blenschenblnt färbend. Und dem Beispiel der weißröckigen Pallaschreiter folgen die Ulanen, die Dragoner, die Garden zu Fuß, und Pallasch und Lanze, Bajonnet und Kolben, die schlanke Waffe des Offiziers und die schwere Plempe des Gemeinen färben sich gleichmäßig roth in dem warmen Lebenssafte des Volkes. Furcht und Entsetzen war die erste Empfindung, die sich der Angegriffenen bemächtigt hatte. Mit lähmender Gewalt wirkte das Unerhörte, das sie noch immer nicht für möglich halten wollten, auf ihre erschreckten Sinne. Ein ein- Die Mechaniker suchen eine Maschine, welche es möglich macht, die durch die Explosion von Dynamit und anderen Körpern ähnlicher Art entwickelten Gase zn benützen, wie man schon jetzt die Explosion des Leuchtgases benutzt. Die Maschine wird gefunden oder erfunden werde», denn wenn die menschliche Gesellschast sich ernsthast auf ein solches Problem wirft, so ist sie bei dem heutigen Stande der Technik auch sicher es zu lösen. Und dann wird man die bewegende Kraft, statt sie in Gestalt von Steinkohlen aus dem Schooß der Erde zu holen, in Gestalt chemischer Zu- sammcnsetzung fabrikmäßig herstellen. Dieser lächerliche Schritt, den die Grubenbesitzer bei dem Kongreß der Bergarbeiter versucht haben, ist charak- teristisch— nicht nur, weil er eine Huldigung ist, dar- gebracht der von Tag zu Tag wachsenden Macht der ar> bcitenden Klasse, sondern namentlich weil er auch den blödesten Augen die große Thatsache sichtbar macht, daß die Kohlcnprodnktion die Bedürfnisse der Konsumtion übersteigt. Und doch war die Steinkohle wie das Eisen eins der am schwersten zu beschaffenden Produkte. Vor kurzem stellte die„Revue des Sciences"(Wissen- schastliche Rundschau) fest(in der Nummer vom 15. Mai 1895), daß ganz Europa von einer Z.uckerkrisis heim- gesucht sei und daß„die Verbesserung der Werkzeuge zur Hcrausziehung des Zuckers diese Krise hervorgerufen hat. Die 5trisis ist allgemein und es ist wahrscheinlich, daß jedes der Zucker produzirenden Völker, nachdem es lange unter der Krise gelitten hat, sie dadurch beseitigen wird, daß es die für den Rübenbau bestimmt« Bodeufläche vermindert und einen ThLil seiner- Fabriken opfert." Die kapitalistische Zivilisation kann also für die Kapitalisten nur noch unter der Be- dingung profitabel sein, daß sie die Entwicklung der Zivilisation aufhalten und die P r o d u k» t i o n s m i t t e l zerstöre». Das ist ein schönes Schlußergebniß! Zum Glück haben wir noch ein anderes. Eins der„unwiderstehlichen" Ärgu, m ente gegen die Sozialisten ist, daß sie angeblich den Fort- schritt aufhalten und zur Einfachheit der Wilden zurück- kehren wollen, während lhatsächlich die Sozialisten allein es sind, die auf dem Punkt, wo die kapitalistische Zivilisation angekommen ist, die Entwicklung der industriellen Pro- dnktiou fortsetzen könne», ohne daß sie eine Ursache sozialer Krisen und eine Quelle des Unglücks selbst für die Besitzer der Arbeitsinstrumente wird. Die Soziali st en werden die Netter der Kapitalistenklasse wider deren Willen und ihr zum Trotz sein. Galhw. ziger gellender Schrei aus tausend und abertausend Kehlen dnrchzitterte die Luft. Ein wildes, wirres ChaoS von Mcn- scheu wälzte sich in dem abgesteckten Revier hin und her, bald da, bald dort nach einem Ausgang suchend. Aber immer wieder stießen die Verfolgten auf neue Soldatenketten oder auf andere, dicht gedrängte Haufen, die den Abfluß nach den Seitengassen hemmten und die allgemeine Angst und Verwirrung von Minute zn Minute steigerten. Tie einen bemühten sich, ihre Frauen, ihre Bräute, ihre Kinder vor der erbarmungslos drcinhauenden Garde zn schützen, indem sie ihre eigenen Leiber den Säbelhieben und Kolbenschlägcn darboten. Andere suchten einen Bruder, einen Vater, einen Freund unter den Hufen der Rosse hervorzuziehen oder vor den Bajonnctstichen zn bewahren. Zerrissen und durcheinandergeworfen waren die einzelnen Gruppen, in denen die Spaziergänger von ihrem Ausflug ins Sonnenlicht heimgekehrt waren. Die zwanglose Ordnung, in der sie eingerückt waren, war urplötzlich vernichtet, es gab nnr noch Verfolger und Verfolgte. In wilder Auf- lösung stürzte alles nach den Winkeln und Gäßchen, nach den Hausfluren und Thorwegen. Die aber waren zumeist von den vorsorglichen Eigcnthümern verschlossen, und ans den sonstigen Verstecken trieb der blinkende Stahl die Flüch- tenden immer wieder hervor, bald dahin, bald dorthin, ohne Zweck, ohne Ziel, wohin gerade die beivaffnete Uebermacht die Wehrlosen drängte. Nach zweistündiger Arbeit war das Treiben beendet. Tic Umgebung des Schlosses war„gesäubert", wie der militärische Knnstausdruck lautete. Die Straßenecken, Ueber- gänge und Brücken in der weiteren Nachbarschaft des alten grauen Gebäudes an der Spree waren vom Militär besetzt. „Ruhe und Ordnung" herrschte in Berlin, die bewaffnete Macht war siegreich ans dem Kampfe hervorgegangen— dem Kampfe gegen einen Feind, der sich nicht vertheidigt hatte. Keine Waffe hatte sich gegen die Soldaten erhoben, kein taar war ihnen gekrümmt wordeip Nur an einer einzigen tclle, an der Grnnstraßenbrücke, hatte das Volk den Ver- such gemacht, sich zur Wehr zu setzen. Es hatte die Brücke ausgezogen nno das Straßenpflastcr auszureißen begonnen, »m eine Barrikade zu errichten. Aber das Militär ver- VoMifcho TtebevNMk. Berlin, 17. Juni. Fürst Bismarck ist bitterböse über den kalten Wasser- siraht des„Reichs-Anzcigers"; er betont zum tausend und ersten Male, daß er ein Gegner der Arbeiterschutz-Politik mar, die durch die Erlasse vom 4. Februar 1890 eingeleitet, aber freilich blos eingeleitet rourde. Er führt seine Ent- lassung blos auf diese Gegnerschaft, die Herrn v. Boetticher zu theil geivordene Gunst auf dessen Vielseitigkeit zurück, zuerst die Bismarck'sche und dann die kaiserliche Sozialpolitik zu unterstützen. Bei dieser Gelegenheit sagt Bisniarck der „Kölnischen Zeitung" nach, daß sie öfters ihre Meinungen als ihre Hemden wechsele. Die gekränkte Eitelkeit des abge- sägten Staatsmannes kann Bismarck nicht verbergen, er erklärt feierlich, keinen politischen Rath den Machthaber», auch wenn er gefordert würde, geben zu wollen. Das sind die dem Fuchse zu sauren, weil zu hoch hängenden Trauben. Ter Kaiser hat mit nnverkcnubarer Absichtlichkeit am 1. April dcnst Generaloberst und nicht dem Staatsmanne, dem „Gründer des Reiches" gratulirt und damit zu erkennen gegeben, daß, mag er auch von anderen anderes fordern, er selbst mit Bismarck als Politiker längst die Rechnung abgeschlossen habe. Fürst Bismarck leidet an der Krankheit alt gewordener Primadonnen, denen nichts fürchterlicher erscheint, als daß über sie nicht mehr gesprochen ivird, er reizt deshalb den Reichsanzeiger zu neuer Antwort. Wir glauben nicht, daß man ihm seinen Willen thnn wird.— Buudesrnth. In der am 14. d. M. unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriuuls, Staatssekretärs des Innen» Dr. von Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung des Bundes- raths»vnrde der Ei»t>vnrf eines Gesetzes über die Abänderung des Branntiveinsteuer- Gesetzes in der von» Reichstag be- schlossene» Fassung angenommen. Den zuständigen Aus- schnssen wurden überiviesen die Beschlüsse des Reichstags zu der Reichshaushalts- Uebcrsicht für IL92/93, die Vorlage wegen Abänderung des Paragraph S3 der Eisenbahn� Bcrkehrsordnung, die Vorlage»vegen Abänderung der Anlage L zur Eisenbahn- Verkehrsordnung in bezug auf die Beförderung von Brom u. s.>v., die Beschlüsse des Landesausschusses zu den Entivürfen von Gesetzen für Elsaß-Lothringen»vegen Abänderung des Grundeigenthum- k. Gesetzes und des Grundbuchgesetzes, foivie der Entivurf von Bestimmungen über die Bearbeitung der Ergebnisse der diesjährigen Berufs, und Ge»vcrbe- Zählung. Der Vorlage, betreffend die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Besatzung der Hochseefischerei- Dampfer,»vurde mit der Maßgabe die Zustimmung ertheilt, daß die Versicherungspflicht mit dem 1. Juli d. I. eintritt. Endlich»vurde über eine größere Zahl von Vorlagen, Ausschußanträgen und Eingaben in Zoll- und Steuerangclegenheitcn. sowie über die allerhöchsten Orts zu uuterbreitenden Vorschläge wegen Besetzung von Stellen bei verschiedeucn Disziplinarkaiuiner» Beschluß gefaßt. Heute hielten die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Zoll- und Steuerivesen und für Rcchnungsivesen, sowie die ver- einigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr Sitzungen. Noch ein erledigter NeichStagSsitz. Der Zentrums- Abgeordnete Conrad, Vertreter für Pleß-Nybnik im Reichs- und Landtage, Gutsbesitzer auf Buchivald in Schlesien, ist gestern Nachmittag gestorben. In den Reichstag»vnrde der verstorbene Abgeordnete mit LI 239 Stimmen gegen 66 sozialdemokratische, 50 sreisilinige und 86 antisemitische Stimmen gewählt.— Zum Fall Babing schreibt die„Vossische Ztg." noch: Sollte es nicht hohe Zeit sein, daß sich die Schriftsteller- Vereine gründlich mit den» Recht der Presse und seiner Hand- habung durch die Gerichte beschäftigten und bei dem Reichstage uiid dem Bundesrathe gegen den heutigen Zustand entschiedenen Einspruch erhöbe», um allgemach der Presse die ihr gebührende Rechtsstellung zu schasse»? Der Graudenzer„Gesellige" schreibt: Der sogenannte„eventuelle Dollis" bei Preßvergehen ist gegen den Drucker der sozialdemokratischen Flugblätter zun» 18. März, Babing, von diu» Gericht in einer Weise konstruirt worden, welche so ziemlich alles bis dahin Dageivesene übertrifft. Es wird zugegeben, daß der Drucker Babing die Flugblätter selbst vor der Heransgabe gar nicht gesehen und den Anhalt des Manuskripts nicht gelesen hat. Es ist nur fest- gestellt, daß der Faktor Rosen dem Druckereibesitzer Bading mit- gctheilt hat, es handle sich um den Druck„einer rothen Nunimer" Der Inhalt der Druckschrist sei i»,»vesentlichen eine Wieder- holung des Inhaltes der in früheren Jahren zun, 18. März gedruckten Blätter. ES»vird unseres Erachtens nothivendig sein, im Reichstage die Behandlung der Presse— daß es sich um die sozialdemokratische eitelte diesen Widerstandsversuch, indem es über die Roß- straßenbrücke setzte, den Barrikadenbauern in den Rücken fiel, und die emporgezogene Brücke»vieder herabließ. Unter den Barrikadenbauern hatten sich anch Bruno Bolkmuth, Florian Schnick, soivie Tora und Ferdinand bc Funden. Sie waren am Petriplatz, wo die Kürassiere auf die dicht zusammengepreßte Menschenmenge wüthend ein- gehauen hatten, von der übrigen Gesellschaft getrennt und durch die nachsetzende Reiterei in die Grünstraße gedrängt worden. Ferdinand war es geivesen, der hier zuerst den lauten Ruf:„Nach der Brücke! Barrikaden!" ausgestoßen und eine Schaar von jungen Burschen mit sich fortgerissen hatte. Der Uebermacht gegenüber mußte der ohnmächtige Versuch der Nothwchr mißlingen, und es»var ein Glück für die waghalsigen Jungen, daß sie von der Friedrichsgracht her den Zugang zur Petristraße erreichen konnten, bevor sie von der letzteren abgeschnitten wurden. Athemlos langten Schnick und Ferdinand vor dem Plüdde- wann'schen Hause an. Dicht hinter ihnen kamen Bruno und Tora, die aus die Straße gestürzt»var und von ihrein Begleiter halb geführt, halb getragen werden mußte. Keius von ihnen war fähig, auch nur ein Wort zu sprechen— zu tief hatten die Eindrücke der letzten Stunden in ihr Jiinerstes eingegriffen. Sie waren verstummt gegenüber den jäh hereinbrechenden Ereignissen, die sie zu bloßen Atomen in einer Massenbewegung, im Gegenspiel geivaltiger sozialer Kraftäußerungen herabdrückten. Wie eine tiefe Erschöpfung war es über sie gekommen. Mechanisch blickten sie die menschenleere Petristraße hinunter: was war aus den andern, ans Vater Mathias, aus Lotte, aus Härtung geworde»»? Mit schmerzlichem Druck lag der Gedanke an die Theueren auf ihren Ge- mütheru. Sie hatten die Hausthür verschlossen gefunden— Plüddemauu, der sich schon vor Anbruch des Abends ganz allein von der Gesellschaft in den Zelten hinweggestohleu hatte, war gerade noch zeitig genug in seinem Hause handelt, ist für die Sachlage umvesentlich— einmal gründlich zu besprechen und das Preßgesetz derart zu erläutern, daß Sinn und Absicht des Preßgesetzes für weitere Kreise genügend klar ge- stellt»verde». Die strafrechlliche Verfolgung wegen Preßvergchens gegen Personen, die nach dem Preßgesetz gar nicht die Verant- »vortung trage», nimmt inimer mehr zu und wenn die Auslegungen so weiter gehen, dann werden»vir im Deutschen Reiche wohl noch dahinkoininen. daß der Maschinenineister bestraft»vird, der einen eventuell strafbaren Artikel, den er„im Blei" vor sich sieht, in die Forin bringt, vielleicht auch gar irgend ein Setzerlehrling oder Laufbursche»vegen Beihilfe. Ter„Hann. Kurier" schreibt: „Die preßgesetzliche Verantwortlichkeit hat in den letzten Jahren durch die Rechtsprechung eine nicht nur sehr unerfreuliche, sondern auch so überaus künstliche Eriveiterung er- fahren, daß es in der That Zeit»väre,»venn die berufenen Stellen diese Entivickelung einmal einer genaueren Prüfung unterzögen und in Erivägung nähmen, inivieweit eine präzisere Fassung der gesetzlichen Bestimmungen erforderlich ist. Die hier beobachtete Erscheinung hat eine Bedeutung,»v e l ch e »veit über die Grenzen des Preßrechts hinaus- geht, dem» in ihr ist zweifellos ein Grund dafür zu suchen, daß die Presse strafgesetzlichen Vorschriften etwas dehnbaren Charakters mit»vachsenden» und sehr berechtigtem Mißtrauen gegenübersteht und die gleiche An- schauung natürlich auch auf weitere Kreise überträgt. Daß dadurch»veder das Ansehe» unserer Gerichte, noch die Ent- »vickelung unserer Gesetzgebung gefördert wird, liegtauf der Hand. Die Seltsamkeiten in bezug auf die Recht- sprechung der Presse gegenüber sind ja bereits ganz außerordentlich zahlreich. Roch»nnncher Leser»vird sich der Verivunderung erinnern, mit der die Richtersprüche auf- genommen»vurde», die neben dem Autor, dem verantwortlichen Redakteur und dem Verleger schon Drucker und Maschinenineister, Korrektoren und Metteure, Schriftsetzer, Kolporteure für den Inhalt von Druckschriften strafrechtlich vcrantivortlich machten, an deren Herstellung und Verbreitung sie»nit thätig ge- »vesen sind." Eine Komödie nannten»vir von Anfang an den ganzen Uiusturz-Spektakcl. Ter Zweck, welcher, datik der „Kaltblütigkeit" der deutschen Wählerschaft, nicht erreicht »vurde, war: die Erzeugung des„rothen Schreckens" mit obligater Reichstagsauflösung und reaktionären Angst- »vahlen ii la 1878. Die Umsturzvorlage selbst»var voll- kommen überflüssig, denn sie enthält»» i ch t s und k o i»»» t e nichts enthalten,»vas»»»sere deutschen Richter nicht mit Hilfe ihrer iveltberühmten Aus- und Eiulegekuust aus den bestehenden deutschen Gesetzen herauslesen konnten. Die famose Interpretation des Z 130 durch das Reichsgericht hat in der ebenso kunstreichen Interpretation des Unfug- Paragraphen durch das Reichsgericht eine klassische Ergänzung enipfangen. Und wer etiva noch daran ziveifeln»vollte, daß man mit den b e st e h e n d e n Gesetzen sehr viel machen kann, der wird durch die„Begründung" des Urtheils gegen Bading eines besseren belehrt»vorden sein. Die Herren, »velche uns während des Umsturz-Spektakels vorzcterten, daß die bestehenden Gesetze nicht ausreichten, uui jede„um- stürzlcrische", d. h. den herrschenden Parteien nicht gefallende Gesinnung und Bestrebung»»nter das Fallbeil des Straf- gesetzes zu bringen, haben eutlveder unsere Gesetze»ind unsere Justiz nicht gekannt, oder sie haben b e»v u ß t dem dcut- scheu Volke ein 3c für ein U vorgemacht. Ignoranten oder Komödianten— sie haben die Wahl.— Grober Unfug. Der Strafsenat des Reichsgerichts hat sich bekanntlich dahin ausgesprochen, daß die Aufforderung zum Boistott als grober Unfug strafbar sei,»venu dadurch Beunruhi- guug des Publikums enlstehe. Hierzu beinerkt die„Münchener Post": Dieser Desinition zufolge dürsten die allverchrlcn Militär- behörden vom grobe» Uusugparagraphen demnächst auch betroffen und gehörig verknurrt»verde». Bekanntlich kommaiidiren diese den Boykott und senden noch Patrouillen aus, die den verhängten Boykott streng überivachen müssen. Ob mit derlei Maßnahme» eine Beunruhigung des Publiknins verbunden ist und ob die Militär-Boykolls Anlaß geben zu öffentlichem Aergerniß, kann ernstlich wohl kaum in Frage kommen."— Alle Preuße» sind vor dem Gesetz gleich. Gestern, heute und morgen, so berichtet der„Volkslville" in Hannover vom 16. d. M., findet in den Mauern der königliche» Haupt- und Residenzstadt Hannover das„Achte Kreis-Tnrufest des 6. Turn- kreises" statt. Stadtdireklor und Bürgenvorthalter richtete» bereits an die Beivohner Hannovers die Bitte,»vähreud dieser Tage zu Ehren der hier eingetroffenen deutschen Turner die Häuser festlich zu beflaggen. Heute Nachmittag vo» drei Uhr ab bcivcgt sich ei» großer Festzug, der allein vier Militärmusikkapellen zählt, über eine ganze Reihe vo» Straßen deS inneren Stadtgebietes. Die Arbeiter- Turnerschaft gedachte heute und»norge» auf einer Wiese in den» früheren Vororte List ebenfalls, ober ein angelaugt,»in» dasselbe gegen den„Pöbel" � ab- pcrren zu können. Ferdinand begann heftig an der Thür zu rütteln— keine Antwort erfolgte. Vorsichtig schlich er,»vähreud die anderen sich dicht an die Mauer des Hauses drückten, bis au die Biegung vor, welche die Petristraße etwa in der Mitte ihrer Länge macht. Am Ende der Straße, an der Ecke des Petriplatzes, sah er Bajouucte und Helme blitzen. Sonst war es unheimlich still in der Runde. „Sie müssen zu Hause sein",»neiute Ferdinatid, als er zu den anderen zurückkehrte. Wiederum begann er, noch lauter als vorher, au der Thür zu poltern. Da öffnete sich im obere» Stockiverk ein Fenster, uud die kreischende Stimme der Frau Muckenich ragte ärgerlich: „Wer ist da?" „Wir siud's, von Weruicke's hinten", versetzte Tora, die ich ermattet aus den zur Hausflur emporführcndeu Stufen niedergelassen hatte. „Ach, das Schueiderpack— bleibt Ihr nur hübsch draußen," rief die ehrenwerthe Dame und schlug knurrend das Fenster zu. „Machen Se sofort uff," rief Ferdinand ihr nach,„sonst chlag' ick Ihn alle Fenster kaput!" In rasender Wuth steckte Frau Muckenich den Kops zum Fenster heraus und begann zu schreien: „Heda! Hilfe! Räuber! Mörder!!.." Und zu Ferdinand gewandt, zischte sie boshaft:„Wart', Bengel, Dir Hab' ich's 'chon lange zugedacht— Dir und Deinen sauberen Schwestern, den Menschern!" Von der Friedrichsgracht her schien sich eine Militär- Patrouille zu nähern. Wenn man sie hier abfaßte, dann waren sie rettungslos verloren und wurden alle miteinander verhaftet. Aber schon klirrte der Hausschlüssel im Thürschloß, und Lotte trat heraus, mit besorgtem Blick nach den Ab- »veseuden ausspähend. Im Nu»varen sie geborgen und die Hausthür hinter ihnen verschloffen. (Fortsetziliig folgt.) ganz bescheidenes Turnfest abzuhalten, ohne jedweden Uinzu» Dieses Turnfest ist aber„aus Rücksichten der öffentlichen Sicher- heit und Ordnung von dem kgl. Herr» Polizeipräsidenten ver- boten»vorden, und zwar unter Bezugnahme auf§9 des Vereins- gesetzes vom 11. März 1850. Ten Arbeiter-Turner» ist also nicht gestattet, was de»» „deutschen" Turnern erlaubt ist! Diese können ungehindert mit Pauken und Trompeten frisch, fröhlich, fromm und frei in» Festzuge durch die Straßen der Stadt sich beivegen; dadurch»vird die„öffentliche Sicherheit und Ordnung" nicht gestört. Bei den Arbeiter- Turnern ist die öffentliche Sicherheit und Ordnung bereits gefährdet,»venn sie auf einem eng begrenzten, bescheidene» Plätzchen ihr Fest feiern»vollen. Das Turnfest der Arbeiter-Turner wird eben als eine„Versaminlung unter freiein Himmel" angesehen und die Genehmigung dazu versagt. Herr von Kardorff erläßt eine lauge Erklärung z»t guusten der nordamerikanischen Bimetallisten in den„Verl. Neuesten Nachrichten". Er scheint jetzt als Agent der uord- amerikanischen Silberbergwerksbesitzer noch mehr alle Hände voll zu thuu zu haben, wie früher als wohlhonorirter Ver- »valtungsrath. Es bleibt ihm»vohl jetzt wenig Zeit für andere Thätigkeit, und so erklärt es sich vielleicht, daß er sein Landrathsamt niedergelegt hat uud seine parla»nentarische Thätigkeit einzuschränken gedenkt.— Die Boykottiruug sozialdemokratischer Blätter ist für unsere Leser nichts Neues. Die„Rheinische Zeitung" berichtet jetzt über eine» neuen derartige» Fall: Der städtische Bei- geordnete Herr Piecq hat in allen hiesige» Blätter»», ausgenommen der„Rheinischen Zeitung", die Äekannlinachung bezüglich der Berufs- und Gciverbe-Volkszählung veröffeiillichen lasse». Herr Piecq scheint den Leserkreis der„Rheinischen Zeitung" als eine„quautite negHgeablo", als eine verschwindend geringe Größe, die garnicht in betracht kommt, anzusehen. Er übersieht aber dabei, daß die Berufs- und Geiverbestatistik, sobald sie mangelhast ausfällt, jeden Werth verliert,»veil ihre Ergebnisse dann, statt als Richtschnur zu dienen,»othiveudig irreleiten müssen. Und serner übersieht er, daß viele Tausende in Köln eben nur die„Rhein. Zeitung" lesen,»veil diese ihren politischen Ansichten entspricht, daß also viele tausende Kölnischer Einivohner von der Bekanntmachiing, die Herr Piecq in den von ihm bevorzugten Organen erläßt, keine blasse Ahnung bekommen»»»»d darum beim besten Willen dieselbe nicht befolgen köniien.— Gegen eine Anzahl Alexianerbrüder ist nach der „Kölnischen Volks-Zeitung" auf Antrag der Staatsanivallschaft die Voruntersuchung»vegen Mißhandlung eröffnet»vorden. Die Meldung, daß der Regierungspräsident, der Erste Staatsanwalt, so>vie der Krcisphysikus um Amtsenthebung vorstellig geivordcu seien, treffe jedoch nicht zu. Daß übrigens nach dem Erscheinen der Mellage'schen Broschüre nicht mit Schärfe gegen die Alexianerbrüder vorgegangen, sondern Herrn Mellage der Prozeß gemacht»vurde, daran soll nicht der Regierungspräsident in Aachen, sondern der Herr Minister von Köller schuld sein. Wie die„Kölnische Zeitung" schreibt, hat Regierungspräsident von Hartman»» in Aachen sofort nach dem Erscheinen der Schrist Mellages alles nöthige veranlaßt, auch»vurde dem Minister Vortrag gehalten und erforderliche Maßregeln zur Abhilfe vorgeschlagen. Diese wurden aber des- halb nicht ausgeführt>»veil man höheren Orts den Aussall des Prozesses gegen Mellage abivarten»vollte. Wie serner gemeldet»vird, soll nicht der Staatsanivalt,»vohl aber der Vertreter der Nebenkläger, Rechtsamvalt Oster, Revision gegen das freisprechende Urtheil angemeldet haben. � Tie Legitiiniste»» von der„Kmiz-Zeitung" schreiben heute folgenden hochverräthcrischei» Satz: Dem lippeschen Lande»vird es im allgemeinen gleich sein' »ver zum Thron berufen»vird, der Graf Ernst zur Lippe-Biester- seid, der Graf Ferdinand zur Lippe-Biesterfeld oder der Fürst zu Schaumburg-Lippe. Wie sich dieser Satz mit der Lehre vom Gottesgnaden- thuu» vereinbaren läßt, bcgreifen wir nicht.— Zur Abschaffung der Gesindcordnnng. Die„Kreuz- Zeitung" ärgert sich weidlich darüber, daß»vir die Arbeiterfeind- lichkeit der christlich-sozialen Partei»vieder einmal klar gelegt haben, vor allen» darüber, daß wir unseren Tadel über das Schiveigen aussprachen, mit dem über die wichtige Frage der Gesiudeordnung von Herrn Stöcker und seinen Anhänger» hin- »veggegange»»vurde. Das»vahrheitsliebende Organ des Herrn von Hammerstein schreibt: „Sie(die Sozialdemokraten) verlangen die Aufhebung der Gesiudeordnung nicht, um den Iand»virthschaftlichei» Arbeiter»» das Dasein„geinülhlicher" zu gestalten, sondern weil die Gesindeordnung ein Hinderniß für die Gründung sozial- dcniokratischer Landarbeitervereine bildet. Ueber den»veileren modus procedendi haben die Herren sich ja schon mit dankens- »verther Deutlichkeit arisgesprochen. Man hat gesagt, daß uian nach der Begründung einer großen sozialdemolratischen Land- arbeiter-Koalition nichts besseres thnn könne, als einen großen Streik von der Elbe bis an die Weichsel z» inszeniren. Dieser Streik müßte dann gerade zu Beginn der Erntezeit unternommen »verde»», dann hätte» die Grundbesitzer das kaudinische Joch zu passircn, denn die Ernte muß unter allen Umstände» eingebracht»verde». Die Sozialdemokraten haben aber heute auch gelernt, allniälig vorzugehen. Deshalb fängt man ganz„bescheiden" mit der Aushebung der Gesindeordnung an, »vomit ja natürlich die Freisinnigen und auch manche„christ- liche Sozialreformer" gleich einverstanden sind. Aber»vomit hört man auf? Deshalb muß es für uns in Sachen der Ge« sinde-Ordnung„principiis obsta" heißen." Uns kommt es darauf an, die menschenunwürdige, der Gleichheit vor dem Gesetz»vidcrsprechende Stellung des länd- lichen Gesindes zu ändern. Von Streiks haben wir mdst gesprochen. Kommen diese, dann sind die patriarchalischen Groß- grundbesitzer und nicht die Arbeiter daran schuld.— Ter Klassenstaat hat kein Verständniß für Arbeiter- fordernngen. Ties hat»vieder aufs neue der Bericht der v o l k s ,v i r t h s ch a f t l i ch e n Kommission der ,v ü r t t e m b e r g i s ch e n Äl b g e o r d n e t e n k a m m e r be- »Viesen. Wie bekannt,»vurde ein Antrag der sozialdemokratischen Abgeordneten Kloß und Glaser auf Schaffung vo» Arbeiter- kammern ec. während der Adreßdebatte der volksivirthschastlichen Koniinission zur Begutachtung überiviesen. Von feiten der Al«eß- kommifsion war für Art. 34 damals folgende Faffnng vor- geschlagen:„Die Gewerbe-Jnspektion sollte durch Heranziehung vo» Hilsskrästen aus dem Kreise der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer, einschließlich der Arbeiterinnen, umgestaltet»verde»»." Hierzu stellten nun die beiden sozialdemokratischen Abgeordneten den Zusatzantrag:„Die Geiverbe- Inspektion solle mit größeren Machlbesugnissei» versehen und auf die Ueberivachnng der handwerksmäßigen Betriebe und der Hausindustrie ausgedehnt»verde»». Für Kcffelrevision sind besondere Beamte zu bestellen. Zum Schutze der in landivirthschaftlichen Betrieben be- schästigten Personen erscheint die Bestellung von lilufsichtsbeamten mit ähnlichen Befugnissen,»vie diejenigen der Geiverbe-Jnspcktore», geboten. Berechtigten Wünschen der Arbeiter entspräche die Schaffung einer Zentral st elle für Arbeiter» an gelegen heiten, von Arbeiterkammern und von Arbeite rsckretäre» in den Industrie- bezirke n." Aus dem neu erschienenen Berichte ist z» ersehen. daß die Mitglieder der volksivirthschastlichen Kommission für derartige Fragen absolut kein Verstäudniß besitzen, denn sie empfehlen der Kaminer die Ablehnung sämmtlicher Pnnkle, mit Ausnahme der Kesfelrevision, und zwar oft unter ganz sonderbarer Begründung. und leider ist anzn« nehmen, daß auch bei der jetzigen Zusammensetzung die Kammer selbst zu gleichen Ziesuliaten kommen wird. Die Kommission kam zu folgenden Beschlüssen: 1. Trotz der formellen Möglichkeit soll den Gewerbe-Aufsichtebeamten keine orispvlizei- liehe Befugniß zustehen, um nicht das Vertrauen von Arbeit- gcbern und Arbeitnehmern zu verlieren und ist daher A b l e h- n u n g dieses Punktes zu empfehlen. 2. Die Ausdehnung der Ueberwachnng auf die Handwerker und Hausindustrie sei k e i n B e d ü r s n i ß. Die Meister behaupten, ihre Gesellen seien zur Zeit besser daran, als sie selb st, und bei vielen von ihnen mag dies(nach Ansicht des Berichterstatters) auch zutreffen. Die Kommission empfiehlt daher auch A b- l e h» u ng dieses Punktes. 3. Die Unterstellung der landwirth» fchastlichcn Betriebe unter die Aufsicht, kann die Kommission in anbetracht der unregelmäßigen Arbeitszeit und in Rücksicht auf den kleinbäuerlichen Betrieb ebenfalls nicht gut- beißen und empfiehlt die Ablehnung dieses Punktes. 4. Betreffs der Forderung einer Zentralstelle, von Arbeiterkammern und Arbeitersekreiären empfiehlt die Kommission U e b e r g a n g zur Tagesordnung in Rücksicht darauf, daß für die Schaffung von gewerblichen Aussichtsorganen das Reich zuständig ist und empfiehlt den Antragstellern die im Reich zurückgewiesenen Forderungen an den zuständigen Stellen wiederum geltend zu machen. Speziell von Württemberg aus die Initiative zu ergreifen, liege kein Grund vor. S. Da in den übrigen Bundesstaaten noch keine Arbeite rsekretariate bestehen, so wird auch diese Forderung einstimmig abgelehnt. Die württembergischen Arbeiter sehen sich somit wieder um eine Hoffnung ärmer und werde» daher sich umsomehr bemühen, dafür zu wirken, daß immer inehr Arbeitervertreter in die gesetz- gebende Körperschaft kommen werden. Der württembergische Landtag soll in der ersten Woche des Monats Juli geschloffen werden, doch soll nach Beendigung der Etatsberalhung noch das Malzsteuergesetz und die erste Lesung des Einkommensteuergesetzes aus die Tagesordnung kommen.— Tas österreichische Ministerium hat seine De- Mission gegeben, die der Kaiser sofort annahm. Das Kabiilet ist mit der Fortführung.der Geschäfte betraut, es soll sich beniühen, das Budget und die Zivilprozeßordnung zur Erledigung zu bringen, dagegen soll die Wahl- und Steuerreform dem neuen Kabinet als Erbschaft überwiesen werden. Das neue Kabinet dürfte aber kaum vor dem Herbste gebildet werden.— Anluestie für eine» Pauamiste». Der frühere Bauten- minister Baihaut, welcher bekauutlich in den Pauamaskaudal ver- wickelt war und zu einer mehrjährigen Gesängiiißstrafe veruriheilt wurde, soll einer Blättcrmelduug zufolge am 14. Juli begnadigt werden.— Criöpi hat anscheinend einen großen äußeren Erfolg davongetragen, indem er durchsetzte, daß alle, also auch die seine Korruptionsaffäre betreffenden Jnterpeliationen bis nach Erledigung des Etats vertagt wurden. Er hat eine Galgenfrist gewonnen, aber nicht mehr, die Stunde der Vergeltung wird auch ihm schlagen. Aus dem Verlaufe der Sitzung heben wir das folgende hervor: Die Sozialisten Bercmm und Colajanni ersuchten Crispi, daß er mindestens die Interpellationen über die Handhabung der Ausnahmsgesetze beautivorten möge. Tausende von Unglück- liche», führte ein sozialistischer Redner aus, schmachten in Ge- fäugnissen und in Verbannung, und in bitterer Angst harren zahlreiche Familien des erlösenden Wortes. Die Willkürakte der Polizei seien himmelschreiend. Schon beginne das Volk gegen das unwürdige Treiben sich aufzulehnen. In der Kammer selbst sitzen lebendige Beweise der tiefen Aufregung der Massen. Tie Regierung aber verschließe sich dem allgemeinen Rufe nach Ge- rechtigkeit; sie wolle den Etat haben, um die Kammer zu eut- lassen und allen peinlichen Fragen aus dem Wege zu gehen. Die Mehrheit müßte fühlen, daß die Regierung ihr nur die Rolle einer Schashcerde zumuthe.(Murren, Lärm.)— Crispi bestand auf seinem Antrage.— Herr Villa, der italienische Kammerpräsident, bedarf wahrlich wie die italienischen Reuten des ihm zu theil gewordenen Schutzes der„Vossischen Zeitung". Schreibt doch selbst der für Crispi ebenso sehr wie die„Vossische Zeitung"„begeisterte" römische Korrespondent des„Berliner Tageblattes" über Herrn Villa: „Herr Villa ist Exminister und Nechtsauwalt und hat als solcher mit Geschick und Erfolg Leute wie T a n l o n g o, L a z z a- r o u i u. f. w. vertheidigt, ja sogar frei geredet— Leute, die darum doch kein Jota von ihrem Spitzbubencharakler verloren haben und dem Volksgewissen wie dem Geiste der Justiz gegen- über auch in Zukunft Galgenvögel bleiben werden. Villa hat damals u. a. Aussprüche gethan wie die folgenden:„Es freut mich, der edlen, großartige» Aufführung Tau- l on go's(!) öffentlich Lob zollen zu können."—„Wer Lazza« roni gekannt hat, weiß, daß er wohlthätig und edel war." „Kein Verdacht darf sich an das gewissenhaste und ehrliche Werk B e r n n r d o T a n l o n g o' s(!) jheranwagen."—„Tie Nihilisten in diesem Prozesse sind nicht wir Vertheidiger, nein, es ist vielmehr der Herr Staatsanwalt."—„Der heimliche Notenumlauf i st kein Vergeben; denn er ist weiter nichts als eine nicht bekannt gemachte Erhöhung der in Umlauf gesetzten Scheine" zc."— Amnestie in Italien. König Humbert wird bei der dem- »ächstigen Hochzeit des Herzogs von Aosta für die in Sizilien wegen politischer Vergehen Veruriheilten eine Amnestie erlassen, von der nur diejenigen ausgeschlossen sind, die dem Komitee von Palermo angehören. Unter letztere» befinden sich De Feiice und Barbato.— Ein russischer Polizeischerz ist die ans P e t c r s b u r g in die Welt telegraphirte Verurlheilimg des internationalen Lock- fpitzels„U n g e r n- S t e r n b e r g" zu LOjähriger Zuchthausstrafe. Ter betreffende Lockspitzel wurde in seiner Abwesenheit veruriheilt, denn er treibt sich im Auftrag der russischen Polizei und Regierung in der Schweiz und Frankreich herum und ist auch angewiesen, in Deutschland Gastrollen zu geben, falls es thimlich erscheint.— In Cnba wird die Situation für die spanische Regierung von Tag zu Tag ernster. Der spanische Ministerrath beschloß den Ankauf von 20 Kanonenbooten für Euba und die Entsendung von 2S 000 Man», außer den 10 000 Mann, welche in der nächsten Woche abgehen werden. Der Krieg aus Euba ist also ein wirklicher Krieg. Ein halboffiziöses Blatt, die„Correspondencia de Espana" stellt dar- über folgende Betrachtung an: „Nach amtlichen Angaben kostet Spanien der Feldzug aus Euba eine Million Realen täglich. das sind. bis zur Stunde, 90 Millionen Realen. Nach amtlichen Angaben sind bislang zusammen 180 Insurgenten gefallen, so daß jeder getödtete Aufständische uns auf eine halbe Million Realen zu stehen kommt. Wenn das so weiter geht, wetden wir tief in den Beutel greife» müssen, bis allen Insurgenten der Garaus ge- uiackt ist." Freilich, zumal wenn man bedenkt, daß binnen kurzem die Kriegskoste» nicht eine, sondern zwei Millionen Realen täglich betragen werde».— Wahlrechtsvewegmtg und KoalMonsara in Oesterreich. Wien, 13. Juni. Fürst Windischgrätz war sehr empfindlich für die Katzen- mnsik, welche ihm die Wiener Arbeiter nach der imposanten Rnthhausversammlung am 30. Mai bereitet hatten. Seine Empfindlichkeit spiegelte sich in dem Verbot der Volksversamm- lung, welche für den 9. Juni in ein Prater-Lokal einberusen war. „Mit Rücksicht ans die gesetzwidrigen Vorgänge bei den letzten Straßendemonstrationen" war die Begründung des ungesetzlichen Versammlungsverboles. Man hatte damit zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen: die Be- sprechung über die glorreiche Wahlresorm des denkwürdigen Snbkomitees unmöglich gemacht u»d zugleich das Versammlungs- recht beschnitten. Die hohe Regierung und ihre Polizei rechneten ohne den festen Willen der Arbeiter. Diese waren nicht gewillt, die Beschneidung des Versammlungsrechtes zu dulden und rekursirten an die Statthalterei. Am Sonntag, um 8 Uhr früh, zogen die Arbeiter in den Prater, entschlossen, die Erledigung des Rekurses abzuwarten. Zugleich war Sonntag früh im Annoncen- theil der„Arbeiler-Zeitung" ein großes, auffälliges Inserat erschienen, womit den Genossen mitgetheilt wurde, daß Sonntag, um 9 Uhr früh, in Swoboda's Restauration im Prater„ein Anstich frischen Lagerbieres" sein werde. Dies ist dieselbe Restanration, in welcher die verbotene Versammlung stattfinden sollte. Tie Massen kamen und—— Swoboda's Restauration war, angeblich freiwillig, von der Wirthin gesperrt. Frühe Besucher des Praters erzählten aber von einem Manne, der einem Polizeikommissar zum Verwechseln ähnlich sah— vom Kops bis zum Polizeisäbel. Nach einer Unterredung mit diesem hat die Wirthin frei- willig ihr Lokal gesperrt und verzichtete voll loyaler Gesinnung auf ihren Gewinn. Ten Arbeitern that dies wenig. Sie fanden in cinenl anderen Lokal willige Auf- nähme. Selbst nach bürgerlichen Schätzungen waren es 10 000 bis 12 000 Männer und Frauen, welche gekommen waren, gegen das Versammlungsverbot zu protestire». Einige Genoffen be- stiegen Stühle und theilten mit, daß man hier die Erledigung des Rekurses abwarte. Tie in einer noch nie gesehenen Masse aufgebotene Polizei kam und erklärte die angebliche Versammlung für aufgelöst und„räumte" das Lokal. Bald darauf wiederholte sie in einem zweiten Lokale ihre staatsretterischen Leistungen. Und nun zeigte die Polizei ihre„Heldennalnr". Mit gezückten Säbel» sprengten die Berittenen in die Massen, nichts verschonend, das ihnen nicht schnell genug aus- weichen konnte. Wiesenzäune wurden übersetzt, um den dort Schntzsuchenden nachzusetzen. Ter äußersten An- slrengung besonnener und bekannter Genossen bedurfte es, die empörten Massen zu beruhigen. Und sonderbar, während hier die Polizei ihre Auszeichnungen verdiente, tagte in einem anderen Lokal eine dritte„Versammlung", welche ungestört, in„Ruhe und Ordnung" verlief, weil die Polizei diese vergessen hatte. Die Polizei bestrebte sich, die Arbeiter aus dem Prater zu drängen, um ans der Praterstraße einem aus- zeichnnngslüsternen Herrn Inspektor— Anger heißt der gute— Gelegenheit zu bieten, sich als Unruhesiisler zu zeigen. Wenn den Arbeitern, die zwischen Pserdeleiber» und Hänsernianern gedräng! wurden, endlich die Geduld riß und sie mit ihren Stöcken die Säbelhiebe der Polizisten parirten, dann ist es mehr als frech und provozirend, wenn das Organ des klerikalen Adels, das„Vater- land" schreibt, daß die Grenze des Erlaubten von den A r d e i t e r n überschritten ist un d Geduld und Schonung ei» Ende nehmen müßte. 19 Arretirungen wurden am Sonntag vorgenommen und dies alles, weil die Polizei der Koalition den Arbeitern verbot, über die Wahlresorm des Snbkomitee zu sprechen. Das Windisch- grätz-Palais war in ein Heerlager verwandelt, welches bereit war, die etwa komnienden Arbeiter mit Koalitionsehrcn„eiilschiedenst" zu empfange». Tie Arbeiter verzichteten darauf und beriefen für Dienstag acht Volksversammlungen ein, um Regierung, Parlament und Polizei die Verachlung auszudrücken, die sie verdiene». Diese acht Volksversammlungen, welche einen Maffenbejuch aufwiesen, legte» beredtes Zeugniß ab für die Stimmung, welche die Koalitionsära in den Arbeitern erzeugt. Man konnte sehen, daß die Geduld des Zuwartens bald die Grenze erreichen wird. Tie Arberter waren in beispielloser Erregung und begleiteten die Ausführungen der Reserenten„über die Wahlreform und d a s V e r s a m m l u n g s g e s e tz" mit stürmischen Rufen. Die Erregung stieg, als von der Straße her das Pfcrdegetrappel der wieder massenhast ausgebotenen Polizisten drang. Wie gerne hätte sich die Polizei wieder ausgezeichnet! In einem einzigen Bezirk gelang es. Das Unerhörte, Beispiellose ereignete sich am Dienstag, daß Polizisten mit gezogenen Säbeln die flüchtenden Arbeiter bis in die Häuser und sogar über die Treppen ver- folgten. Doch konnten die„Wackeren" nebst einigen Ver- letznngen nur drei Verhaftungen vornehmen. Ja, in Oesterreich wird die Polizeilnfl immer schärfer, wurden doch Sonntags im Parlament 200 Polizisten mit 745 Krügel Bier bewirthet! Erzählt man sich doch, daß nach einer Audienz, welche der kommandirende Feldzengmcister Schönfeld am Sonntag beim Kaiser halte, der Befehl erging, Schießübungen in Knie- r i ch t n n g zu machen. Der österreichische Militürgeist wird großmnlhig, nur die Knice sollen getroffen werden. Doch nur zu;~ die Wahlrechts- Bewegung wird auch durch Schießübungen nicht erstickt und mit srischerem Geist denn je geht sie seit Sonntag weiter. Die Koalition beginnt zu krachen und das slovenische Gymnasium in Cilli scheint die Vereinigung einer verbrecherischen Stunde zu gefährden. Die Sozialdemokratie der Provinzen Posen«ud Schlesien hält ant 21. Juli im„Deutschen Kaiser" in Alt- wasser bei Waldenburg ihren Parteitag ab. Die Tages- ordnung lautet: 1. Bericht der Agitationskommission. 2. Presse. 3. Anträge pp. Die Anträge sind bis spätestens 10. Juli bei Friedrich Weyhe in Breslau, An den Kasernen 7b, schriftlich einzureichen. AnS dem Neichötagswahlkreise Kolberg-KöSliu. In Kolberg sprach Reichstags-Abgeordneter Herbert vor etwa 500 Personen in einer Versammlung, die einen ausgezeichneten Verlauf hatte. Kolberg ist bis jetzt der einzige Ort im ganzen Wahlkreise, wo unsere Partei einen Saal erhalten konnte, und auch hier ist es nur dadurch möglich gewesen, daß die Stadt- Verwaltung nicht nur dem Namen nach, sondern auch in Wirk- lichkeit liberal �ist. Die Versammlung fand im Ctrandschloß statt, das der Stadt gehört. Die übrigen Saalbesitzer gaben ihre Lokale aus Furcht vor dem Militärboykott nicht her, nur der Pächter des Strandschloßhotcls erklärte stch dazu bereit. Der Saal war anfangs in der Erivariung zugesagt worden, daß Bebel den Vortrag halten werde, die Zusage wurde aber auch dann nicht zurückgezogen, als Bebel nicht kommen konnte. Die konservativ-antisemitische„Kolberger Volksztg." brachte vergebens einen Wuthartikel darüber, daß die Sozialdemokraten in einem städtischen Lokale, wo sonst die„besseren" Bürger und die Bade- gäste verkehren, eine Versammlung abhalten würden. Auch auf den Bürgermeister war ein Druck ausgeübt worden; dieser aber ist ein unparteiischer Beamter, der den Grundsatz vertritt, daß alle Parteien das Recht zu Versammlungen haben; er lehnte es ab, den Pächter zur Zurücknahme seiner Zusage zu bestimmen. Die Antisemiten haben ihre Hanptthätigkeit auf den Kreis Vublitz konzentrirt. da in de» übrigen Gegenden thre Aktien schlecht stehen. Auch dort scheinen sie sich ihrer Sache mchts iveniger als sicher zu fühlen, was daraus zu entnehmen ist, daß sie in einer von ihnen in B u b l' tz veranstalteten Versammlung, wo ihr Haupt- Schwadroneur A h l w a r d t gesprochen hatte, unser» Kandidaten Kaufmann Lotze, der an der Diskussion theilnahm, gleich nach den ersten Worten seiner Rede nieder- schrieen. Und eine solche Gesellschaft giebt vor, sür das„Recht" zu„kämpfen"! Zur ReichStagswahl im Kreise Meseriff-Vontst, die mit 5. Juli vor sich gehl, ist von unseren Parteigenossen der Redakteur der„Gazeta Robotnicza", Franz Morawsli in Berlin, als Kandidat ausgestellt. Die Kandidaten der Gegner sind der Pole Szymanski und der bisherige Vertreter Dziem- bowski, der von konservativer Seite aufgestellt ist. Wie früher, so ist der Wahlkamps auch diesmal für uns schwer. Bei der vorigen Wahl erhielt unser Kandidat Grünberg ans Stolpe 197 Stimmen. Diesmal wird von unseren Parteigenossen auf eine größere, Stimmenzahl gehofft, denn, obwohl uns Säle zu Versammlungen überall verweigert werden und die Gegner überhaupt kein Mittel scheuen, um die Sozialdemokratie nicht erstarken zu lassen, geht unsere Bewegung doch vorwärts. Die Parteigenossen in Meseritz- Bomst sind aber bei der Wahl ans die Unterstützung der klaffenbemußten Arbeiter der benachbarten Kreise, namentlich der von S ch w i e b u s und Z i e l e n z i g angewiesen, und bitten deshalb diese um thätige Mithilfe an der Agitation. Meldungen sind zu richten an Oswald Gutsche in Meseritz, Probsteistraße. Potzkottirt hat der in seiner Mehrheit aus„Liberalen" be- stehende Magistrat von Erlangen unsere Partei, indem er den städtischen Redontensaal zu einer Versammlung verweigerte. wo Liebknecht einen Vortrag halten sollte. Derselbe Saal ist der deutschsreisinnigen Partei erst jüngst noch zu einer Ver- sanimlung anstandslos überlassen worden. Man sieht, mit dein „gleichen Recht" in Bayern geht es immer mehr bergab. Ans de» Parteiorganisationen. Der Sozialdemokratische Verein inErfurt faßte nach einer Erörterung des Mellage'schen Prozesses eine Resolution, worin reichsgesetzliche Regelung des Irre»rechts gefordert wird. Adresse» ans der österreichischen Partei. Alle Zu- schriften:c. für die R e d a k t i o n der„A r b e i t e r- Z e i t u n g" sind zu adressiren: Wien, IX. Schwarzspanierstr. 10; alle die Administration der Zeitung betreffenden Zuschriften und Gelder: Wien, IX. Ferstelgasse. Alle Zuschriften in Partei- an gelegen heilen sind zu richten an den Parteisekretär Jakob Reuinmin, Wien. VI. Kopernikusgasse 12; sämmlliche Geldsendungen für die Partei an den Parteikasstrer Jul. Popp, Wien, IX. Ferstelgasse 0. Todtenliste der Partei. In Hamburg sind die Partei- genossen Karl Hen necke und Wilhelm Fulde aus dem Leben geschieden, in Ottensen der Parteigenosse I. Lauer. Polizeiliches, Gerichtliches:e. — Wegen des Vertriebes der Berliner M a i f e st- Zeitung wurden in Frankfurt a. M. im Ermittelnngs- verfahrcn vernommen: der Expedient des Verlags der„Volks- stimme", Georg Meier, die Buchhändler Faust und Ehr- m an n, sowie drei Kolporteure. Man eröffnete ihnen, daß sie als Sozialdemokraten durch die Verbreitung der genannten Schrift des Vergehens gegen§ 130 des Straf- Gesetzbuchs in subjektiver Hinsicht dringend verdächtig seien, da sie jedes von der Partei- leilung in Berlin ausgehende literarische Erzeugniß mit Interesse anzunehmen, anzusehen und zu lesen gewohnt seien. Mit den hier erwähnten sechs Personen beträgt in Frankfurt die Zahl derjenigen, die sich gegen ß 130 vergangen haben sollen, gegen- wärtig nenn. — In Luckenwalde, dessen Bürgermeister Suchsland durch seine Schneidigkeit weithin bekannt ist, wurde das zum letzten Sonntag geplant gewesene B o l k s f est polizeilich v er« boten. Beschwerde ist eingereicht. — Das„Stettiner Tageblatt" hatte die Beschuldigung aus- gesprochen, die Sozialdemokratie Stettins hätte bei der Reichs- lagswahl im Jahre 1887 für den Freisinnigen Brömel deshalb gestimmt, weil sie Geld dafür bekommen hätte. Diese durch nichts gerechtfertigte Behauptung war vom Stettincr„Boiks- boten" mit scharfen Worten zurückgewiesen worden. Dadurch fühlte sich der Besitzer des„Stettiner Tageblatts", Graß mann senior, beleidigt. Er klagte. Herbert, der sich als Verfasser bekannte, erhob Widerklage, da er von Graßmann vorher be- leidigt worden war. Zu einer Entscheidung in der Sache kam es nicht, da Graßmann die Klagt zu spät erhoben hatte und ans diesem Grunde das Verfahren wegen Verjährung eingestellt wurde. Die Klage Graßmanu's ist am 17. Mai v. I. beim Gericht eingereicht worden, die Verjährungsfrist beträgt 3 Monate nach erhailencr Kenntniß der Beleidigung; da die Artikel des „Volksboten" am 7. und 8. Februar erschienen sind, so war die Klage am 8. Mai verjährt. Graßmann behauptete nmt, er habe erst am 24. April in einer Unterredung mit dem Stadt- verordneten Dr. Kolisch Kenntniß von den Artikeln erhalten, und schlug den genannten als Zeuge vor. Von Herbert wurden dem- gegenüber die Nummern des„Stettiner Tageblatts" vom 10. und 15. Februar v. I. vorgelegt, worin stch Notizen befinden, die sich aus die Leitartikel des„Volksboten" vom 7. und 8. Februar be- ziehen. Es sei doch nicht anzunehmen, daß Graßmann sei» eigenes Blatt nicht lese. Trotzdem blieb Graßmann dabei, daß er die Artikel damals nicht gekannt habe; er lese sein Blatt nicht so genau durch. Das Schöffengericht trat jedoch Herbert's Aus- fassung bei, indem es die Einstellung des Versahrens wegen Ver- jährung der Sache beschloß und dies wie folgt begründete: Es sei nicht anzunehmen, daß Graßmann seine eigene Zeitung nicht lese. Graßmann habe damals Versammlungen abgehalten und die Sozialdemokraten angegriffen; es sei doch nicht denk- bar, daß er sich nie darum gekümmert habe, was nun die Sozialdemokraten dazu sagen. Dr. Kolisch könne höchstens bekunden, daß Graßmann in der Unterredung so gethan habe, als kenne er die Artikel nicht; daß er aber wirklich die Artikel nicht gekannt habe, könne unmöglich durch den Zeugen bewiesen werden. — Wegen Beleidigung des Jabrikdirektors Heck in Mühl- dorf bei Glatz und der Hebamme Schmidt in Blumenau wurde der Retakteur des„Proletariers" in Lange nbielau, Ge- nosse F e l d in a n n, vom Reichenbacher Schöffengericht zu je 50, zusammen 100 M. Geldstrafe oder 10 Tagen Gesängniß und den üblichen Nebenstrafen veruriheilt. Der Amtsanwalt halte sechs Monate Gesängniß beantragt, da der Angeklagte„unverbesserlich" sei und Geldstrafen nur von der Partei bezahlt würden. Der Gerichtshof sah aber von der Gesängiiißstrafe ab, da die Be- leidigungen nicht aus unedlen Motiven begangen seien, und billigte dem Angeklagten auch den Schutz von§ 193 in beiden Fällen zu. — Redakteur Brecour in Kiel wurde wegen Veröffent- lichung des Artikels„Die Zeugung des Menschen" vom Land- gericht in abermaliger Verhandlung zu vier Wochen Gesängniß veruriheilt. In der ersten Verhandlung, am 24. Dezember, hatte ihn das Landgericht zu 60 M. Geldstrafe verurtheilt. Das Reichsgericht hob dieses Urlheil ans und so mußte das Gericht über die Sache nochmals entscheiden. Sowohl in der ersten wie der zweiten Verhandlung war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. — Die Chemnitzer Amtshauptmannschaft hat gegen den Redakteur des„Beobachter s" Slrafantrag wegen Belei- digung gestellt. Die Beleidigung soll in einem Artikel stecken. worin eine amtliche Aufstellung über die Lage der Weber be- sprochen ist. — Eine Versammlung in Mülhausen i. E., wo Reichs- tags- Abgeordneter B u e d über seine Thätigkeit im Reichstage Rechenschaft ablegte, wurde aufgelöst, als er eine Aeußerung er- wähnte, die der deutsche Kaiser bei der Eidesleistung der Rekruten gethan hat. — Das Abendblatt der Freitagsnummer der Wiener „ A r b e i t e r» Z e i t un g" sieht infolge von Konfiskationen wieder lustig aus, wie folgendes Pröbchen darlhun wird: Das furchtbare Polizeiausgebot,— Konfiszirt! Konfiszirt!— -olamage gemacht hat. Die weisen Politiker der reifen Bourgeoisie, von den-- ,----- Konfiszirt! Konfiszirt!— Rechte, das wir besitzen, zu greife». Aber die Arbeiter haben ja Gewalt verübt: schreien— -------— Konfiszirt! Konfiszirt!— der Polizist. In einem freilich haben sie recht: Der arme Teufel von Polizist------- Konfiszirt! Konfiszirt!--- als ihn Fürst Windischgrätz besuchte. Es giebt aber auch boshafte Leute, die------ Konfiszirt! Konfiszirt— den Herrn Ministerpräsidenten. Soziale UevevlliSil: Die Berufsgcuossens chafteu hielten am 14. Juni in Danz ig ihren neunten Verbandstag ab. Nach dem Geschäfts- bericht des Reichstags-Abgeordneten Dr. R ö s i ck e gehören dem Verbände zur Zeit 46 Berufsgenossenschyften gegen 44 im vorige» Jahre an, ferner hat er 126 außerordentliche Mitglieder. Nach den Angaben desselben Redners sind jetzt 18 Millionen Arbeiter gegen Unfälle versichert. An Entschädigungen für Unfälle sind 45 Millionen Mark gezahlt worden, während die Verwaltungskosten nicht weniger als SO Millionen Mark ver- schlangen. Diese eine Thatsache genügt zrw Kritik der ganzen Unfallversicherung in ihrer jetzigen Organisation. Der Verbands- tag beauftragte den Vorstand, dem Unfallstationswesen und dein Samariterdienst seine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden, und den Ausschuß, sich wegen Gründung von Samariter-Einrichtungen mit dem Vaterländischen Frauenverein und ähnlichen Kor- porationen in Verbindung zu setzen. Das Unsallversicherungs- gesetz wünscht der Verbandstag u. n. wie folgt abgeändert: Z 2 des Gesetzes: Durch Statut kann bestimmt werden, in- wieweit die E n l s ch ä d i g n n g s p f l i ch t auf Unfälle ans- gedehnt wird, welche versicherungspflichtige Arbeiter bei einer Thätigkeit erleiden, zu der die Arbeitgeber Veranlassung gegeben haben. Durch Statut kann ferner bestimmt werden, daß Betriebsunternehmer, auch wenn sie keine Arbeiter beschästigen, berechtigt sind, sich selbst zu versichern, wenn ihr Betrieb gemäß§ 1 ohne Rücksicht aus die Zahl etwa beschäftigter Arbeiter versicherungspflichtig wäre. § b des Gesetzes: Die Entschädigung eines Ver- letzten, der b e r e i t s eine U n f a l l r e n t e bezieht oder für eine solche eine Abfindung erhalten hat(Z 67 des Gesetzes vom 6. Juli 1884 und Z 72 des Gesetzes vom b. Mai 1886), erfolgt in der Weise, daß das Maß der ge- Lammten, durch die Unfälle herbeigeführten Erwerbsbeschränkung festgestellt, und für den neuen Unfall nur derjenige Theil der letzteren entschädigt wird, der über den Grad der früher bereits vorhandenen Minderung der Erwerbssähigkeit hinausgeht. Der Berechnung der Entschädigung ist derjenige Arbeitsverdienst zu gründe zu legen, nach welchem die erste Rente berechnet wurde, sofern nicht der Arbeitsverdienst des Jahres vor dem letzten Unfall höher war. Den Gelegenheitsarbeitern, welche gegen Krankheit nicht versichert sind, Hai die Gemeinde des Be- schäftigungsortes während der erste» 13 Wochen nach dem Unfall die Kosten des Heilversahrens zu gewähren. § LSo des Gesetzes: Für die übernehmende Berufsgenossen- schaft gelten vom Entschädigungstage ab die für die Berechnung -des Jahresarbeitsverdienstes der bei ihr verficherlen Personen maßgebenden gesetzlichen Bestimmungen, jedoch mit der Ein- schränkung, daß, wenn bis zur Entscheidung des Reichs- Ver- sicherungsamtes dem Verletzten ein höherer Jahresarbeits- verdienst angerechnet werden mußte, dem Verletzten der bis dahin gezahlte Mehrbetrag nicht wieder ei»behalten werden kann. s 98 des Gesetzes: Die H a f t u» g d r i t t e r P e r s o n e n ist, wenn nicht die in den§fj 95 und 96 vorgesehene Feststellung durch strafgerichtliches Urtheil stattgefunden hat, aus- geschlossen, sofern der Anspruch sich richtet gegen Unter- nehmer. Bevollmächtigte oder Repräsentanten, Betriebs- oder Arbeiteraufseher eines Betriebes, auf dessen Betriebsbeamte und Arbeiter sich die reichsgesetzliche Unfallversicherung erstreckt. In diesem Fall ist die Betriebsgenossenschaft(Versicherungsanstalt, Ausführungsbehörde), welcher der letztere Betrieb angehört, der die Entschädigung leistenden Genossenschaft zum Ersatz der ge- machten Auswendungen verpflichtet. Neben anderem wurde auch die Beschlußfassung über den Vorschlag vertagt, wonach wegen des zehnjährigen Bestehens der Arbeiter» Unfallversicherung im Herbst dieses Jahres die Genossenschaften besondere Feierlichkeiten abhalten sollten. Es wurde dem Ausschüsse des Verbandstages aufgegeben, diese Punkte auf einem noch einzuberufenden außerordentlichen Berufs- genossenschaftstage zur Erledigung zu bringen. Der dann er- stattete Kassenbericht ergab, daß der Verband im abgelaufenen Geschäftsjahre 23 742 M. Einnahme und 14 293 M. Ausgabe halte. Unter de» Ausgaben sind 2351 M. Kosten für die Be- theiligung des Verbandes an der Antwerpener Weltausstellung, 1495 M. für die Kommission zur Berathung von Normal-Unfall- Verhütungsvorschriften und 995 M. für die Ausstellung von Un- sall-Verhütungsgegenständen im Reichs-Versicherungsaint. Zum Vorort für den 189ger Verbandstag wurde Berlin bestimmt. Nach diesem Bericht, dessen Material dem„Berliner Tage- blatt" entnommen ist, scheint man auf dem Verbandstage de» seinerzeit von einigen Personen angekündigten Feldzug gegen die „Trunksucht" der Bau- und anderer Arbeiter unterlassen zu habe». Wohl in der zutreffenden Vermuthung, daß man sich dabei nur grenzenlos blamiren könne. In Beziehung ans die sächsischen Fabfikiiispektoren- Berichte wurde der Buchhandlung der„ L e i p z i g e r V o lks- z e i t u n g" von der Firma I. A. S ch r ö e r in Dresden mit- getheilt:„Die zum Verkauf bestimmten Exemplare— wenige übrigbleibende, wenn die Vertheilung erfolgt ist— der Jahresberichte der königl. sächsischen Gewerbe- Inspektoren habe ich noch nicht erhalten, sobald dies geschehen, werden Sie sofort in den Besitz des Bestellten kommen. Hochachtungsvoll! A. S ch r ö e r." Da eine Anzahl von Blättern sich bereits eingehend mit den Berichten beschäftigt hat, so ist der Schkuß berechtigt, daß bei der Ausgabe der Berichte bestimmte Zeitungen bevorzugt wurden. Die Kosten der Berichte werden aber ans Landesmitteln gedeckt. Tauach charakterisirt sich dieses Verfahren genügend von selbst. Deutsche und polnische Landarbeiter seien hiermit aus das ernstlichste gewarnt, sich nach Dänemark locken zu lassen. Die Stellen, die ihnen dort offen stehen, sind in der Regel so schlecht, daß sie kein dänischer Landarbeiter haben will, und oft genug kommt es vor, daß die eingewanderten fremden Arbeiter den dänische» Gutsbesitzern, von denen sie wie Sklaven behandelt werden, bei Nacht und Nebel davon gehen. So waren, wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, vor einigen Tagen 13 polnische und deutsche Arbeiter von einem Gute auf Lolland, wo sie sehr schlecht behandelt worden waren, geflohen und es war ihnen auch gelungen, Gjedser zu erreichen, von wo sie mit dem Schiffe nach Warnemünde abgehen wollten. In Gjedser wollte jedoch die Polizei die Leute zwingen, zurückzukehren, die Unglück- lichen vertheidigten sich jedoch mit dem Muthe der Verzweiflung und es entstand ein förmlicher Kampf, wobei auf beiden Seiten niehrere Personen verwundet wurden. Die armen Leute ver- suchten, das Schiff zu erreichen, wurden jedoch von den Aufsehern zurückgedrängt. Einige fielen ins Wasser, während es anderen Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl i gelang, wenn auch aus vielen Wunden blutend und mit zer- rissenen Kleidern, das Schiff zu erreichen und an Bord zu kommen. Sechs Arbeiter wurden gezwungen, zurückzukehren. Mehrere Passagiere des Schiffes ergriffen die Partei der Ar- beiter. Die Kopenhagener Presse weist mit großer Entrüstung auf die abscheulichen Szenen hin, die sich beim Schiffe abspielten und die doch in einem zivilisirten Staate nicht vorkommen dürsten. Krankcukassentvesen. Ter Kranken- und Sterbekasse des Vildnngsvereins für Arbeiter in Heide und der Kranken- und Sterbekasse zu Nassau(E. H. Nr. 89) ist auf grnnd des Z 75 u des Krankenversicherungs- Gesetzes von, preußischen Handels- minister bescheinigt worden, daß sie, vorbehältlich der Höhe des Kraukengeldes, den Slnforderungen des§ 75 a. a. O. genügen. Tie Wienerberger Ziegel- Gesellschaft hatte gegen die Verfügungen, die der G e w e r b e- I n s p e k l o r zur Verbesserung der Arbeiterwohuuugen auf den Werken der Gesellschaft getroffen hatte, Rekurs beim Wiener M a g i st r a t eingelegt. Charak- teristisch für die Schmierigkeit der Gesellschaft— ein salon- fähiger Ausdruck ist hierbei wirklich nicht am Platze— ist der Punkt des Rekurses, wonach die Gesellschaft von der Vorschrift entbunden sein wollte, für jede Familie einen eigenen, durch vom Fußboden bis zur Decke reichende Wände abgegrenzten Raum anzuweisen und sämmtliche Wohnräume zu dielen. Mit diesem Beschwerdepunkr blitzte die Gesellschaft ab. Da- gegen hatte sie sich bei ihrer Spekulation auf die Sympathie des klassengenössischen Wiener Magistrats insofern nicht getäuscht, als sie hoffte, diese Behörde werde die Vorschrift des Gewerbe-Jnspektors umstoßen, aus jede erwachsene Person solle in den Wohnungen 15 ldubikmeter Raum kommen, und jedes Zimmer solle 3 Meter Höhe haben. 16 Kubikmeter Raum hielt der Magistrat für ausreichend und für die bereits bestehenden Gebäude giebt er zu, daß die Zimmerhöhe weniger als 3 Meter, nämlich mindestens 2,6 Meter, betragen kann. Diese beiden abderilischen Entscheide find unter Berücksichtigung der Gutachten der städtischen Baudeputativn und des S t n d t p h y s i k a t s ge- fällt worden! Der Gewerbe-Jnspektor wird dagegen bei der Statthalterei Beschwerde führen. Wir wollen sehen, ob diese die Bezeichnung„Höhere" Behörde verdient. Mezuevklfchlaftliiftes: An die Textilarbeiter aller Länder! Unserem Auftrag gemäß unterrichten wir Euch hiermit über den dieses Jahr in Gent abzuhaltenden internationalen T e x t i l a r b e i t e r- K o n g r e ß. Die französischen und belgischen Textilarbeiter-Vereine werde» zahlreich vertreten sein. Deutschland hat seine Betheiliguug zugesagt und sandle bereits einen sehr wichtigen Bericht ei». Mit Oesterreich, der Schweiz, Holland, Italien und Spanien wird sich das Organisationskomitee noch beschäftigen. Die englischen Gewerkschaften der Textilarbeiter schlugen zur Tagesordnung folgende Punkte vor: I. Bericht über die Lage der Industrie und über etwaige Ver- änderungen, die seit beul letzten Kongreß in der Situation der Arbeiterwelt vorgekommen sind; 2. Aushebung der Sonntagsarbeit; 3.Zlufhebung der'lleberzeitarbeit und Nachtarbeit; 4. Zlchtstundentag; 5. Strengere Durchführung der vorhandenen Strbeilerschutzgesetze; 6. Mittel, um eine bessere Arbeitergesetzgebung zu bekoinmen; 7. Vertretung der Arbeiter in der Gesetzgebung und Verwaltung; 3. Aufbringung der Kosten des Kongresses. Bereits diese Punkte, lverthe Genossen, machen Eure An- Wesenheit nochwendig. Wir bitten nun die Textilarbeiter der einzelnen Länder, soweit es noch nicht geschehen, uns die Berichte bald zuzusenden, ebenso die Punkte anzugeben, die auf die Tages» ordnung kommen sollten, ferner uns die Zahl der Delegirten zu bezeichnen, damit wir die nöthigen Maßregeln wegen der Be- herbcrgung treffen können. Der Kongreß wird a m 4. A u g u st eröffnet und a m 16. A u g u st geschlossen werden. Brüder! Die belgische Arbeiterpartei und insbesondere die Arbeiter Gents sind glücklich. Euch empfangen zu können. Ihr werdet brüderlich aufgenommen iverden, damit das Band der Solidarität, das alle klassenbewußten Arbeiter zusammenhält, noch enger geknüpft wird. Es ist nöthig, daß sich die Textilarbeiter der einzelnen Länder einander besser kennen lernen, um sich gegen- seitig voll zu würdigen und im Rahmen der internationalen Organisation die Kräfte zur Verwirklichung ihrer Wünsche zu konzentrireu. Textilarbeiter aller Länder, seid'.villkommen in Gent! Das Organisation s-5ioiiutee: Für die Geuter Flachsarbeiter Für die Genter Weber F. H a r d y n s. I. F o u c a e r t. Für die Baunuvollen-Spiuncrei P. B a u d e w y n. Für das Maiichesler-Komitee: D. Holmes, I. M a w d s l y. Der Leipziger Maurerstreik ist, nachdem am Sonnabend das Einiguugsamt des Gewerbcrgenchts den bereits in gestriger Nummer unter„Depeschen" milgetheitten Spruch gefällt hat, beigelegt, da, wie der Wolff'sche Telegraph berichtet, sowohl die Maurer wie die Unternehmer den Spruch anerkannten. Die Maurer faßten diesen Entschluß anr Sonntag in einer von 1266 Mann besuchten Versammlung mit allen gegen 2 Stiininen, die Unternehmer am Montag in einer von 166 Mann besuchten Zusammenkunft, wo cbensalls nur zwei Stimme» gegen den Spruch des Eiuiguugsamls abgegeben wurden. Man ersieht auS dem Verlaufe des Leipziper Maurer- streiks, daß derartige Differenzen leicht in friedlicher erledigt werden könne»,»venu die Unternehmer es nicht an Entgegen- kommen fehlen lassen. Den Arbeitern ist der Streik ein Selbst- zweck gewesen. Wir wollen hoffen, daß die Unternehmer den Vergleich ebenso streng innehalten, wie die Arbeiter Verträge zu halten gewohnt sind. Und den Maurern Leipzigs wünschen rvir Glück zu dcm Erfolg, den sie zweifellos errungen haben. Daß fürs erste noch der Zuzug von Maurern nach Leipzig zu vermeiden ist, damit nicht diesen oder jenen Unternehmer über Nacht die Lust anwandelt, den Vertrag zu brechen, versteht sich, wie bei allen Streiks, so auch bei diesem, von selbst. In Dresden haben die Stuhl- und Möbelpolirer der Stuhlsabrik von D. Neu»i a n n, Zirkusflr. 29, zehn an der Zahl, wegen Lohndifferenzcn die Arbeit niedergelegt. Der Streik der Arbeiter am Dortmuud- Ems- Kanal ist, nach nur eintägiger Dauer, zu Ungunsten der Arbeiter be- endet. Ju Frankfurt a. M. ist die Differenz, die zwischen den Inhabern der Gebr. F r e i t a g'schen Brauerei und deren Küfern schwebte, beigelegt. Die Fahrburschen hatten sich mit den Küfern solidarisch erklärt und dadurch die Firmeninhaber zur Nachgiebigkeit bewogen. Durch Vermittelung des Gewerks- kartells kam dann ein Vergleich zu stände, wonach die gemäß- regelten Küfer wieder eingestellt werden, die Arbeitszeit auf 16 Stunden reduzirt und der Minimalloh» für Küfer und Fahr- burschen auf 26, für Hilfsarbeiter auf 19 M. festgesetzt ist. Der Fachvereiu der Maler, Anstreicher nud ver- ivaudten Berufsgeuossen in Bukarest erachtet es als Pflicht, seden Kollegen zu warnen, dorthin zu reisen, da die Arbeits- Verhältnisse in Bukarest sehr ungünstig sind, so daß in gegen- wärtiger Zeit selbst Kollegen, die mit den örtlichen Verhältnissen bekannt sind, keine Beschäftigung finden. Auch wer aus Ver- chreibuug nach Bukarest kommt, sieht sich vielfach getäuscht, denn die Zahlungsfähigkeit liegt bei vielen Unternehmern sehr im arge», und aus dem Rechtswege zu seinem Lohne zu gelangen, ist für den Arbeiter in Rumänien, man darf wohl sagen, eine Unmöglichkeit. Die Arbeiterpresse wird um Nachdruck des Vor- stehenden ersucht. Zmil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing Die Wiener Metallschläger fordern von den Meistern: l. Per Schlagform(zu 1656 Blatt) 65 Kr, der Einlegerin für Leeren und Einfüllen 24 Kr.; Schlagform Nr. 2(zu 866 Blatt) 45 Kr., der Einlegerin 16 Kr. Für Schlagform Nr. 2Vs 56 Kr., Nr. 3 55 Kr., Nr. 4 65 Kr.. Nr. 7 96 Kr. Für Packlform schlagen(zu 866 Blatt) 15 Kr., für Buchform schlagen(zu 866 Blatt) 36 Kr., der Einlegerin für Leeren und Einfüllen 16 Kr., für Schlagumlege» 2 Kr. und für Packeleinziehen 2 Kr. Dem Zurichter für 165 Blatt schlagen 9 kkr. Alles dies kommt einer I2l/sprozentigen Lohnaufbesserung gleich. 2. Zehnstündige Arbeitszeit für Gehilfen und Einlegerinnen. 3. Freigabe deS 1. Mai. Bewilligt haben diese Forderungen bisher 16 Meister, bei welchen gegenwärtig 27 Gehilfen und 22 Einlegerinnen beschäftigt sind. 9 Meister bewilligten noch nicht. Bei 3 von ihnen streiken insgesammt 26 Arbeiter und 14 Arbeiterinnen. Streikbrecher sind bis jetzt nicht vorhanden, was hoffentlich so bleibt. Die Bauarbeiter Reicheubergs i. B. verlangten von der Unternehmer-Genossenschaft eine Aenderung der Arbeitsordnung und eine Lohnaufbesserung von 1 Kr. pro Stunde. Die Genossen- schaft versprach, die Arbeitsordnung zu ändern, aber von der verlangten Lohnaufbesserung will sie nichts wissen. Es steht demnach in nächster Zeit ein Lohnkampf in Neichenberg bevor, weshalb Zuzug von Bauarbeitern fernzuhalten ist. Der Streik der Maurer in Mera» in Tirol steht gut. Es ist noch kein Streikbrecher zu verzeichnen. Die städtischen Maurer, die der Kurverwaltung und die einer Bauunlernehmerin erhielten die Forderungen(Zehnstundentag und bisheriger Lohn) von vornherein bewilligt, 8 kleine Bauunternehmer bewilligten während des Streiks. Gegen 556 Maurer und Hand- langer streiken noch, über 46 sind abgereist. Zum Siege ist aber sinanzielle Unterstützung nöthig, da viele der Aus- ständigen verhcirathet sind. Sendungen sind an die Gewerkschafts- Kommission, Wien VI, Kopernikusgasse 12, zu senden. Aus Mährisch-Tchönberg wird gemeldet: In der Seiden- waaren- Fabrik von Franz Bujatti wurde den Arbeitern der bisherige Lohn um 36 bis 56 pCt. reduzirt und als Ersatz die Bedienung von zwei Maschinen angeboten. Es dürfte am 22. d. Mts. deshalb zu einem Ausstande kommen. Beschäftigt sind in der Fabrik 666 Arbeiter und Arbeiterinnen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Znr Ergänzung der frühere» Meldungen sei berichtet, daß der Streik der B e r g a r b e i t e r i n R a s ch i tz a deshalb ausbrach, weil der mit dem Betriebsleiter im Einverständniß mit dem Werkstättenchef ausbedungene Akkordlohn bei der letzten Auszahlung nicht gezahlt wurde. Die Streikenden ver- langen: 1. Ausfolgüng des bedungenen Akkordlohnes; 2. Be- seitiguug des Betriebsleiters v. Bene und des Obersteigers Karl Lager. Ter Streik dauert fort. Die Oberverwaltung ließ in Eile die Lohnlisten ausfertigen und machte Miene, die Streiken- den alle zu entlassen. Im letzten Moment besann man sich jedoch eines besseren, dafür wurde Militär requirirt, und that» sächlich sollen schon 16 Waggons Militär nach dem Streikgebiet abgegangen sein. In den Gasthäusern wurde sür 466 Mann Menage bestellt. I» Budapest hatten die Bäckermeister, da kein Ersatz für ihre streikenden Arbeiter eintraf, sich schlüssig gemacht, deren sämmtliche Forderungen zu bewilligen. Doch wollte» die Herren unter Berufung darauf die Brotpreise um 16 pCt. erhöhen. Das war am Sonntag. Der Streik schien beendigt. Am Montag brach die nette Gesellschaft bereits wieder ihr Wort, und nun ist der Streik aufs neue erklärt. In K es mark in Ungarn hat der kürzlich gemeldete Streik der S t i ck e r e i- A r b e i t e r mit deren vollständigem Siege geendet. Die Schuhmacher in Uiigvar stehen in einer Bewegung um kürzere Arbeitszeit, besser» Lohn und anständiger» Be« Handlung. Die Bandfabrikanten Basels haben den Zehnstundentag und 4 F. garantirten Tagesverdienst im Prinzip anerkannt und sich damit den Wünschen der Arbeiter entgegenkommend erwiesen. Beide Theile werden infolgedessen vermuthlich in Frieden aus« eiiianderkommen. Aus Holland wird gemeldet, daß die vielen Streiks, die dort ausgebrochen waren, jetzt fast alle beendet sind. Die Möbel« tischler, Drechsler und Bildhauer in Amsterdam, sowie die Hand- langer der Maurer und die Steinhauer nahmen die Arbeit unter den alten Bedingungen wieder auf. Die Weber i» Enschedee ver- loren leider auch. Ebenso die Zigarrenarbeiter in Boxmee. Nur die Tvrfarbeiter gewannen einige Vortheile. In Amsterdam sind noch 94 Familienväter, die nicht wieder in Arbeit genommen wurde», mit 162 Kindern zu unterstützen. NevssmmUmaeni Metallarbeiter. Am 11. Juni fand im Lokal des Herrn Beyer in Charlottenburg, Wallstr. 96, eine öffentliche Metall- arbeiter-Versammluug statt, in welcher Kollege R o h r l a ck aus Berlin einen Vortrag über Organisation und Gründung einer Veriv. d. deutschen Metallarbeiter-Verbandes für Charlotten- bürg sprach; er erntete am Schlüsse seiner Ausführung reichen Beifall. In der Diskussion meldete sich ein Gewerkvereinler zum Wort und empfahl uns, die Arbeilsloseu-Unterstützuug einzuführen, wurde aber vom Referenten wie von anderen Kollegen zurecht ge- wiesen, daß er sich erst etwas besser um die Metallindustrie bekümmern solle, bevor er uns solche Vorschläge macht. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: Die heutige öffentliche Metallarbeiter-Versammlung erklärt sich init den Ausführungen des Referenten einverstanden und beschließt die Gründung einer Verwaltungsstelle des deutschen Metallarbeiter-Verbandes für Charlottenburg. Nachdem ging man sofort zur Gründung der Verwaltung über nud wurden die Kollegen Barowski, Spandauerberg Nr. 6, als Bevollmächtigter, G. Schulze, Potsdamerstr. 17, als Kässirer, Siepke, Baxmann und König zu Revisoren gewählt. Die Zahl- stellen befinden sich bei P. Wolter, Magazinstr. 15, Tanchert, Spandauerberg I, Beyer, Wallstr. 96, Gaumert, Marchstraße 24. Gimpel, Osuabrückerslraße, woselbst die Beiträge entrichtet werden können. Charlotteubnrg. I» der am 12. Juni stattgefuudenen Mitgliederversammlung der Filiale der Maler und verwandten Berufsgenossen sprach Genosse R o h r l a ck- Berlin in interessanter Weise über:„Das Werkzeug als Kulturträger". In der Tis- kussion über den Provinziallandtag in Guben wurde das Ver» hallen des Delegirten Kollegen Düker für richtig anerkannt. In die Agitationskommissio» sür die Provinz Brandenburg rvurde sodann Kollege F l e m m i n g gewählt. Der Vorsitzende Kollege Najork thcille zum Schlüsse mit, daß am 22. Juni in, Lokale„Bisniarckshöhe" unser diesjähriges Stistungs- und Sommerfest stattsindet. Vctresrherr. Wolff's Telegrapheu-Bureau. Madrid, 16. Juni. Die Besatzung des russischen Schisse? „Abrahs", welches vor San Sebastian vor Anker gegangen ivar, empörte sich. Der Kapitän wurde mit Hilf« von spanischei, Zoll- und Polizeibeanrten Herr des Aufstandes. Der Hoch- bootsmaun und die Köche wurden verwundet. Die Untersuchung ist eingeleitet. �. fDeveschen-Bureau Herold.) Pari?, 16. Juni. Aus dcm Place de la Madelaine stürzte sich ein russischer Nihilist, der von einem Polizisten verfolgt wurde und verhaftet werden sollte, aus dem sechsten Stock eines Hauses auf die Straße. u Berlin, 8.W., Leuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. i Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoMlatt. Ur. 139. Dienstag» den 18. Juni 1895. II. Jahrg. Abgeordueteilhanö. 76. Sitzung vom 17. Juni 18Sö, 11 Uhr. Am Ministertische: Miquel, Schönstedt und Kom vttfsarien. Der Abg. Conrad- Pleß(Z.) ist am 15. d. M. in seiner ©eiurntt) verstorben. Das Hans ehrt sein Andenken in der üb licheu Weise. Ans der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweite» rathung des Entwurfs eines S t e m p e l st e u e r g e s e tz e s; nach> dem der Tarif erledigt ist, wendet sich das Haus der Berathung des Gesetzentwurfs selbst zu. Nach K 1 sollte auch der Briefwechsel oder der Aus� tausch sonstiger schriftlicher Mittheilungen stempelpflichtig sein wenn dadurch eine den förmlichen Vertrag ersetzende Beweisurkunde errichtet werden sollte. Die Komnnssion hat die Bestimmung dahin gefaßt, daß der Stempel in diesem Falle eintreten soll, wenn nach der Verkehrs- silte über das betreffende Geschäft ein förmlicher, schriftlicher Vertrag errichtet zu werden pflegt und von einem Betheiligten beabsichtigt ist, den Vertrag durch den Briefwechsel zu ersetzen. Abg. Stephan- Benthen(F.) beantragt die Fassung:„und diese Errichtung von den Betheiligten in der Absicht, die Stempel- pflichtigkeit zu umgehen, unlerlassen wird"; eventuell will er an stelle der Worte„von einem der Belheiligten" setzen:„von den Belhciligten". Der Prinzipalantrag des Abg. Stephan wird abgelehnt. der Eventualantrag dagegen angenommen. Nach§ 3 richtet sich die Steinpelpflichtigkeit einer Urkunde nach ihrem Inhalt; die Hinznfügung von Bedingungen, die Wicderaufhebung und die unterbliebene Ausführung des Geschäjls sind ohne Bedeutung. Tie Abgg. Jansen und Stephan- Beuthen(Z.) wollen statt„Bedingungen" sagen:„anslösenden Bedingungen", und wollen ferner hinzufügen:„Wird die Geltung einer Willens erklärung in der Urkunde bis zum Eintritt einer Bedingung auf geschoben, so wird die Urkunde erst mit dem Eintritt der Be dingung stempelpflichtig." Die Anträge Jansen werden abgelehnt und Z 3 unverändert in der Kommissionsfassimg angenommen. Zu§ 4, der von den sachlichen Steuerbefreiungen handelt, beantragt Abg. Mies, daß auch Abschristen, Auszüge und Bescheinigungen jeder Art ans den bei der Kataster- Verwaltung geführten bezw. aufbewahrten Karten und sonstigen Schriftstücken von der Stempelsteuer befreit sein sollen. § 4 wird mit diesem Zusatz angenommen. 8 5, welcher von den persönlichen S t e m p e l st e u e r be freiungen handelt, und 8 6, der von der Werth er Mittelung handelt, werden unverändert angenommen. 8 7 handelt von der Verpflichtung der Privat Personen, Behörden und Beamten zur Aus kunsts-Ertheilung und dem amtliche» Erwitte lungs-Verfahren. Ein Antrag des Abg. Jansen will die Verpflichtung zur Vorlegung von Urkunden, welche für die Beurtheilung der Stempel pflichtigkeit von Einfluß sein könnte», aus den Kommissions beschlüssen entfernen. Ein anderer Antrag Jansen will der Steuerbehörde, für den Fall, daß ihren Aufforderungen nicht genügt wird, die Fest- setzung einer Ordnungsstrafe nur von dem Gesammtbetrage von 60 M. zugestehen, während nach den Kommissionsbeschlüssen die Steuerbehörde die Säumige» zur Befolgung der betreffenden An- Ordnung durch wiederholte Ordnungsstrafen bis zu 60 M. soll anhalten können. Ein Antrag des Abg. S ch e n ck will von einer Ordnungs strafe in> Falle der Nichlbefolgung der von den Behörden ge- trosfenen Anordnungen überhaupt absehen und den Säumigen nur die Kosten für die amtliche Ermittelung des Werthes auferlege». Nach den Kommissionsbeschlüssen sollen die Kosten der Er niiltelung dem Steuerpflichtigen zur Last fallen, wenn der er- inittclte Werth den von dem Steuerpflichtigen angegebenen Werth um 10 pCt. oder mehr übersteigt. Der Anlrag Jansen wird angenommen. 8 12 bestimmt u. a., daß von mehreren zur Zahlung der Stempelsteuer verpflichteten Personen jeder einzelne als Gesammtschuldner haften soll. Nachdem durch die Annahme der Tarifnummer 40 nicht die Miether und Pächter, sondern die Vermiether und Verpächter stempelpflichtig gemacht worden sind, ist eine Erweiterung dieser hier in Nede stehenden Bestimmung uothwendig geworden. Abg. Kirsch beantragt deshalb den Zusatz:„insoweit der Tarif nicht abiveichende Bestimmungen enthält". 8 12 wird mit diesem Znsatz angenouunen. 8 13 handelt von der Haftbarkeit für die S t e m p e l sl e u e r. Für die Entrichtung der Stempelsteuer solle» unter Vorbehalt des Nückgriffs ans die eigentlichen Ver pflichtete» auch die Beamte» einschließlich der Notare hasten. 8 13 wird unverändert angenommen. 8 14, handelnd von der Art der Erfüllung der S t e m p e l p s l i ch t, und 8 k5, handelnd von der Zeit der S t e m p e l v e r w e n d u n g bei den von den Behörden und Beamten aufgenomineiien Verhandlungen werden ohne Debatte genehmigt. 8 16 spricht von der Zeit der S t e in p e l v e r w e n- billig beiVerhandlungen von Privatpersonen. Dersellbe wird mit einigen redaktionellen Aenderuiigen nach kurzer Debatte angenomnie»; ebenso 8 der von der Fest- setzung von Geldstrafen gegen Privatpersonen handelt. 8 18 handelt von der Festsetzung von Ordnungsstrafen gegen Privatpersonen und bestimmt u. a, daß, wenn aus den Umständen sich ergiebt, daß eine Steuerhinterziehung nicht verübt werden konnte oder nicht beabsichtigt worden ist, statt der Geldstrafe eine Ordnungsstrafe von 300 M. eintritt. Abg. Jansen beantragt, in diesem Falle eine Ordnungs- strafe bis zum Betrage des nicht verwendeten Stempels, jedoch nicht über 150 M. eintreten zu lassen; er be- antragt ferner, dem Paragraphen hinzuzusllgen:„Ist eine Urkunde in der für die Verivendnng des Stempels z» derselben bestimmten Frist bei einer unmittelbaren oder mittelbaren Be- Hörde eingereicht, so tritt auch eine Ordnungsstrafe nicht ein." Ter erste Antrag Jansen wird abgelehnt, der zweite da- gegen angenoinmcn und mit diesem Zusatz auch der ganze Paragraph. s 10. welcher von der Festsetzung von Ordnungsstrafen gegen Beamte und Notare handelt, wird mit einer kleine» redaktionellen Aenderung angenommen. Im 8 24 wollen die Abgg. Jansen und Stephan bereits verwendete Stempel auch dann erstattet wissen, wenn dem Ge- schüft eine Bedingung beigefügt ist, durch welche feine Geltung ausgeschoben wird, und diese Bedingung nicht ein- getreten ist. Der Antrag wird abgelehnt. Im 8 20 will Abg. Schmidt- Warburg den Haupt-Steuer- und Haupt. Zollämtern, sowie den Stempelsteuer- Aemtern die Verpflichtung auserlegen, gegen Erstattung der ihnen an Schreibgebühren und Porto erwachsenen Kosten, den zur Verwendung des Stempels verpflichteten Personen nicht nur über die Höhe des Stenipels, sondern auch über die Stempel- pflichtigkeit Auskunft zu ertheilen. Diese Bestimmung empfehle sich im Interesse des Publikums. Die Auskunft müsse natürlich schriftlich ertheilt werden. Minister Miguel hält diese Bestimmung für überflüssig. Der Antrag wird abgelehnt. 8 30 behandelt die A u f s i ch t s f ü h r u n g. Nach dem- selben sind Behörden und Beamten, ferner Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, eingetragene Genossenschaften, Gewerkschaften, Gesellschaften m. b. H. und Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit und diejenigen Personen, welche gewerbsmäßige Auktionen abhalten, verpflichtet, den Vorständen der Stempelsteuerämter die Einsicht ihrer Akten. Bücher und Schriftstücke zu gestatten. Abg. S ch e n ck beantragt,.von dieser Bestimmung die Ge- nossenschaflen m. b. H. auszunehmen. Privatpersonen sind verpflichtet, sich über gehörige Veobach- tnng der Stempelsteuergesetze auszuweisen, wenn Thatsachen vor- liegen, welche die Vermuthung rechtfertigen, daß die Stempel- gesetze verletzt sind. Hierfür beantragt Abg. Jansen zu sagen:„wenn That- fachen vorliegen, welche den dringenden Verdacht rechtfertigen, daß im besonderen Fall die Stempelgesetze verletzt sind." Die Konimissionsbeschlüsse besagen dann weiter: Unter dieser Voraussetzung hat auf Antrag des Vorstandes des Stempel- steueramts das Amtsgericht über die Anordnung einer Beschlag- nähme oder Durchsuchung Entscheidung zu treffen. Abg. H a a ck e beantragt hierfür die folgende Fassung:„Wird einer dahingehenden Aufforderung nicht Folge geleistet, hat ans Zlntrag des Vorstandes des Stenipelsteucramts, welcher durch Angabe und Glaubhaftmachung der vorliegenden Thatsachen zu begründen ist, das Amtsgericht, in dessen Bezirk die Privatperson ihre» Wohnsitz oder in Ermangelung dessen ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort hat, über die Anordnung einer Beschlagnahme oder Durchsuchung Entscheidung zu treffen." Finanzminister Miifnel bittet»im Ablehnung sämmtlicher Anträge. Der Antrag S ch e n ck wird abgelehnt. Die Anträge Jensen und H a a ck e weiden mit großer Mehrheit a n g e- n o in m e n und in dieser Fassung der ganze Paragraph. Die§8 54 und 35 werden ohne Debatte genehniigt. Nach- träglich bittet Minister Miguel als Termin des Inkrafttretens dieses Gesetzes den 1. April 1806 zu wähle». Bis zum 1. Ok- tober d. I. würden die Steuerbehörden, Gerichte und das Publikum sich kaum in das Gesetz hineinarbeiten bezw. sich mit demselben vertraut niachen können. Gegen diesen Vorschlag wird von keiner Seite Widerspruch erhoben. Damit ist die zweite Berathung des Stempelsteuer- Gesetzes erledigt. Es folgt die Fortsetzung der dritten Berathung des Gesetz- entwurfs über die E i n s ü h r u n g der G r u n d b u ch o r d- nung in einigen Theilen der ProvinzHessen- Nassau. Der Gesetzentwurs wird nach den Beschlüssen der Komnnssion angenommen und die dazu vorliegenden Petitionen für erledigt erklärt. Schluß 4>/s Uhr. Nächste Sitzung Dienstag II Uhr. (Zeiitralgenossenschasts-Kasse event. Interpellation Mellage.) Loltcrles. Die Parteigenossen von Johannisthal-Niedepschöniveide und Umgegend werden auf den Parteiversammluugsheschluß auf- merksam gemacht, wonach der Vertrieb unserer Presse und Literatur in eigene Liegte genommen werden soll. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, eifrigst im Sinne dieses Beschlusses zu wirken und dafür zu sorgen, daß in unseren Orten der„Vor- wärts", das„Volksblatt", der„Wahre Jakob"-c. die Verbreitung finden, welche ihnen der Bedeutung unserer Ortschafleu entsprechend zukomnit. Parteigenossen, welche gewillt sind, diese Blätter, sowie sonstige Parteilileratur von der Parteispedition zu bezichen, werden ersucht, ihr Blatt rechtzeitig bei ihrem bisherigen Spediteur abzubestellen und ihre Adresse in die Abonnemenls- listen eintragen zu lassen oder sie dem Unterzeichneten zuzusenden. Aboniinemeiitslisteu liegen aus in Niederschönweide bei Karl Weber, Barbiergeschäft, Berlinerstraße 22, und bei Strecker, Nestaurateur, in Johannisthal im Lokal von Senftlcbe», in Oberschönwcide in Haberland's Lokal. Der Vertrauensmann: Otto Jahn, Johannisthal, Friedrichstr. 10, 2 Tr. Ohne Sonntagöcutheiligiiug ist es auch in der Aegir- kirche nicht abgegangen. Am Dienstag sollen, wenn wir recht unterrichtet sind, in Gegenwart des Kaisers, die Glocken dieses neuen„Gotteshauses" zur Probe geläutet werden. Die mit der Anbringung des Geläutes beschäftigte» Arbeiter mußten am verflossenen Sonntag frisch und fromm das heilige Gebot des Gottes übertreten, dessen strafende Lehren von demselben Institut aus, wo solches geschah, der sündigen Menschheit verkündet werden sollen. Während die Frommen in der modernen Christenheit mit gottgefälligem Augenausschlag beteten, daß das von der christlichen Religion abgewendete Volk wieder zur allen Einfalt zurückgebracht werde, während unsere modernen Mnsterchristen inbrünstig für noch niehr ragende Kirchen schwärmten, hatten eine Reihe Arbeiter im Schweiße ihres Angesichts am Tage des Herrn ini Gotieshause ,u schuften, was das Zeug halten wollte. Und bei olchem praktischen Christenlhum wundert mau sich in»nast gebenden Kreisen der Orthodoxen noch, daß das arbeitende Volk über fromme Lehren wie über ihre sroiiinicn Verkünder lacht und rein gar nichts von beiden wissen will. Wie mag der künftige Kulturhistoriker über die Art spotte», mit der das Christenthuni von ordensgeschmückten Staatsstütze» zum theil praktisch bethätigt wird! Recht komisch macht es sich übrigens, weni! das Stöcker'sche „Volk", dem gleichfalls die Nachricht von der verübten Sabbalh- 'chändung zugeht, wehklagt: Am Dienstag soll in der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche Probcläuten sein. Folglich wird am Sonnlag gearbeitet. Kann denn nicht auch am Mittwoch Probe geläutet werden? Wollen denn die Herren königlichen Baumeister christlicher Kirchen garnichts lernen? Wer hat den Muth, den Kaiser von diesem Mißbrauch des Sonntags zu unterrichten? Unseren Leser» wird dies Jammergestöhn einige recht heitere Augenblicke bereiten. Zum Sommerlirlaub der Post-Unterbeamteu wird uns geschrieben: Die„Wohlthat" der Soniinerferieii, die den niedrig- lezahlten Angestellten im Reiche des Herrn v. Stephan zu tbeil ge- worden, ist in mancher Beziehung von recht fragwürdigem Werthe. Soweit aus einigen Postämtern ivahrnehmbar, hat sich die Post- Verwaltung von vornherein insoweit salvirt, als ihr aus der Urlaubsbeivilliguug kein pekuniärer Nachtheil erwächst. Denn die entstehenden Lücken werden meistens durch Posthilfsboten ausgefüllt, welche auscheineud nicht allein auf den Urlaub verzichten müssen, sondern außerdem noch die Arbeitslast, welche die in die„Sommerfrische" gehenden Post-Unterbeamten zurücklassen, aufgehalst erhalten. Entweder müssen diese am allerschlechtesten gestellten Beamten ihr bischen freie Zeit opfern oder während ihrer regulären Dienststunden so schanzen, daß der Ausfall wieder eingeholt wird. Dabei sind die Uulerbeamten noch im Unklaren darüber, ob für sie sämmtlich einige Tage der Erholung reservirt sind, oder ob nur diejenigen von dem Wohlwollen der Postverwaltnng zehren sollen, welche bereits ein höheres Dienstalter innehaben. Zu wünschen wäre, daß dem Urlaub nicht nur die weiteste Ausdehnung gegeben, sondern auch, daß die seiner theilhaft werdenden Angestellten von dem ihnen bevorstehenden Heil nicht erst im letzten Augenblick, sondern so zeitig in Kenntniß gesetzt würden, daß sie für die paar Feiertage recht- zeitig ihre Vorbereitungen treffen könnten. Auf einigen Post- ämtern ist es vorgekonimen, daß man den Uuterbeamten erst einen oder zwei Tage im voraus die Urlaubsbewilligung ver- kündet hat. Bei rechtzeitiger Mittheilung hätte mancher seine Verwandten ans dem Lande benachrichtigen können, um in der freien Natur die paar freien Tage zuzubringen; bei der quasi Ueberraschung büßt die Ferienzeit jedoch einen großen Theil ihres Werthes ein. Ob es gar so unmöglich für die Post- Verwaltung ist, derartigen bescheidenen Wünschen ihrer An- gestellten Rechnung zu tragen? Bezeichnend für die Lage der.HaudelSaugestelltt» ist ein Vorkomniniß, welches der'„Konfektionär" mit naiver Enl- rüstung für seine Zwecke auszunutzen sucht und welches, wenn es nicht gar so ernst wäre, zum Lachen reizen könnte. Dieses Uiiternehmerorgan hat neben seinem Lebenszwecke, die Interessen des Großkapitals zu vertreten, auch arbeiterfreundliche Allüren. die sich indessen geziemenderweise in gewissen Grenzen halten, so daß sie mit den Kapilalsinteressen nicht kvllidiren. So tritt eS z. B. für einen Schluß der Engrosgeschäste abends nm 7 Uhr— während der Monate Juni und Juli, der stillsten Zeit in der Konfektion, mit waruiei» Eifer ein. Wenn dies au und für sich auch ein ganz vcrnünstiger Gedanke ist, so ist derselbe nach Lage der Sache aber auch durchaus ungefährlich! Des weiteren be- geistert sich das Unternehnierblatt auch für Ertheilung von Sommer- urlaub an die Haudelsaugestellteii, dabei die Humanität der terren Chefs nach dieser Richtung hin in das hellste Licht rückend. um tiefsten Schmerze des„Konsektiouär" macht aber die be- kaiinte„Begehrlichkeit" der Arbeiter, welche sie veranlaßt,„Uli- angeinessene Forderiingen" zu stellen, den Herrn Chefs die Be» thätignng ihrer Hiiuianität unmöglich, was er au folgendem Beispiele glaubhaft zu niachen bestrebt ist: In einem hiesigen sehr großen Koufektioiishaiise wurde dem Personal bekannt gegeben, die Urlaubsgesuche einzureichen. Es wurde aber gleich- zeitig gebelen, diesmal besonderer Verhältirffse halber nur dann um Urlaub ciiizukommen,„wenn der Gesundheitszustand den- selben unbedingt nothwendig macht". Was war nun die Folge dieser Anordnung? Die sämmtlichen 206 Angestellten dieses Geschäftes, ohne Ausnahme, haben um Urlaub nachgesucht!! Dieser wie gesagt fast kölnisch wirkenden Thatsache steht nun der„Konfeklionär" verblüfft gegenüber und hat als Er- klärung für dieselbe nur den charakteristische» Stoßseufzer: „Kann man es da einem Chef verdenken, wenn er jede Rücksichtnahine für unangebracht hält?" Der„Konfektionär" und inil ihm wohl auch die Herren Chefs betrachten die Urlaubs- gesuche sämmtlicher Angestellten des gedachten Konfektionshauses für eine„unangeniessene Forderung". Und doch wird dadurch nur bewiesen, das der Gesundheitszustand eines jeden einzelnen Angestellten ein derartiger ist, daß er eines Sommerurlaubs dringend bedarf. Und wer woll� das bezweifeln? Wer wollte abstreiten, daß die abgerackerten Angestellten der Erholung be- dürftig sind? Aber da hilft man sich sehr schön aus der Klemme. Da inan nicht allen Urlaub gewähren kann, so gewahrt man überhaupt keine». Man hat es so gut gemeint mit den Au- gestellten, aber die niiangemessenen Forderungen derselben zwingen leider die armen humanen Chess dazu, jede Rücksichtnahine für unangebracht zu halten. Fürwahr, wenn es nicht so furchtbar ernst wäre, man könnte— lachen! Der Rückgang dcö Antisemitismus unter der studirenden Jugend tritt durch das Ergebniß der Wahlen des Ausschusses der Akademischen Lesehalle offen zu tage. Früher waren die Antisemiten unumschränkte Gebieter in diesem für die politische Ausbildung der Stndeiiten bcdentiingsvollen Institute. Die vom Liektor gemaßregelte sozialwiffenschaftliche Stiidentenvereinigung hat de» antisemitischen Verein deutscher Studenten geschlagen. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, daß dem Verein deut- scher Stndeiiten der Vorsitz entrissen worden ist. Der neue Vor- sitzende, Herr Schultze, leitete bekanntlich die aufgelöste Sozial- wissenschaftliche Stndeiiteiivereiiiignng; seine Wahl hat daher eine besondere Bedeutung. Welche weiblichen Ansgebeuteteu haben die längste Arbeitszeit? Diese Frage ist für Berlin bei dem in der Heim- arbeit der Konfektion verborgen liegenden Elend mir unsicher zu brauiworleii. Aber wir glauben nicht, daß wir fehlgehen, wenn wir die Palme in der Ausbeutungskiinst einem Unternehmen zu- schreiben, das vor aller Augen auf offener Straße betrieben wird. Wir ineiueu die T rin k h a l l e u- G ese l l s ch aft. In den Pavillons dieser Gesellschasl haben die Berkünferinnen eine Dienstzeit, die zwischen 15 und 17 Stunden schwankt. Morgens 7i/e Uhr muß die Halle geöffnet sein und der Dienst dauert dann für die eine Verkäuferin, die sich nur im Pavillon besiudet, ununterbrochen bis abends lvi/e oder 11 Uhr und zuweilen noch länger. Und das bei einem Gehalt, das sich zwischen 30 und 51 M. im Monat bewegt! Wir denken, das ist so ziemlich das von plus ultra, der Ausbeutuiigskuiist, eine Leistung, die der ge- riebensie Konfektionär erst nachmachen soll! Die Ernennung des Herrn v. Windheim zum Polizei- Präsidenten von Berlin läßt die Blicke auf Stettin, die Stätte seines bisberigeu Wirkens, lciikeu. Stettin ist seit einiger Zeit eine Art Durchgangsstation für Leute, welche Karriere machen. Seit dem Jahre 1879 hat die Stadt nicht weniger als fünf Polizcidirekloren gehabt. Es waren dies der jetzige Regierungs- Präsident von Potsdam. Graf Hue de Grais, der Freiherr von Müffling, welcher jetzt Polizeipräsident von Frankfurt am Main ist, Graf Stolberg, der als der humanste Pvlizeidirektor galt, der äußerst energische Oberpräsidialrath i» Pose», Thon, und schließ- lich Herr v. Windheim. Von dem letzteren wissen die Stettin«? natürlich nicht viel zu sagen, da er nur zwei Monate dort als Polizeidirektor wirkte. Die Berliner HanSwirthe als Arbeiterfrennde, das ist die neueste Leistung au�eni Gebiete sozialpolitischer Komik. Ter Bund der Berliner Grundbesitzer versendet nämlich an die hiesige bürgerliche Presse eine Zuschrift, in der bittere Klage über die von uns dieser Tage gebrachte Rüge geführt wird, wonach bei dem jetzt beliebten Umschütten des Mülls ans dem Hofe die Miether weit mehr als vordem durch Staub belästigt werden. DieseUnannchmlichkeit bildet nach dem Bund derBerlinerHausbcsitzer nur ein Uebergangsstadinni, welches dadurch hervorgerufen ist, daß „die Lieferanten der Müllkästen nicht in der Lage waren, in der kurzen Zeit zwischen der Vollendung der Organisation der Müll- abfuhr und dem Inkrafttreten der Polizeiverordiiung die ersordcr- liche Anzahl von Kästen fertig zu stellen, und daß mithin in ein- zelncn Häusern die Wechselkästcn fehlen. Gerade mit Rücksicht auf die Berliner Arbeiter aber, denen man Beschäftigung und lohnende Arbeit sichern wollte, sind die Bestellungen auf Müll- kästen seitens der Wirthschaftsgenofsenschaft an Berliner Fabri- kanten ertheilt worden, die sich weniger leistungsfähig, als auswärtige zeigten, und Rücksichten auf die Arbeiter sind auch zum großen Theile für die Einführung des Wechselkasten- Eysteuis maßgebend gewesen; denn darüber kann man nicht ini Unklaren sein, daß bei den Abfnhrwagen der ver- schiedensten Koiistruklioncn die Gesundheit der Arbeiter mehr oder »ninder gefährdet wird." Die Sache wird, die Nichtigkeit der von den Hausbesitzern gebrachten Mittheilnng vorausgesetzt, so liegen, daß die„lohnende Arbeit" von derartiger Beschaffenheit ist, daß gewissenhafte und tüchtige Arbeiter sich höflichst vor der Fabrizirung von Müllkasten bedanken. Oder glauben die Berliner Hausbesitzer im Ernst, daß bei anständiger Entlohnung sich nicht mehr als zuviel Ar- beiter gefunden hätten, um die Müllkästen zur rechten Zeit fertig zu stellen? Boykottireude Schliichtmneister. Der dänische Fleisch- iniporteur Nielse», der durch die Einsuhr geschlachteter dänischer Rinder den hiesigen Engros« Schlächtermeistern eine ganz bedeutende Konkurrenz bereitet, hatte seine Geldgeschäfte bisher durch die Berliner Viehkommissions- und Wechslerbank vermittelt. Auf dem Zentralviehhofe verbreitete sich, wie der„Lokal-Anz." schreibt, am letzten Markttage die Nachricht, daß Nielsen die finanzielle Unterstützung der Berliner Vieh- Kommissionsfirma Sponholz genieße. Eine Anzahl von Engros- Schlächtermeistern beschloß infolge dessen, diese Firma zu boykottiren, und der Be- schluß gelangte auf dem Rnidermarkte zur Ausführung. Die Firma, welche ungefähr 400 Rinder zum Verkauf gestellt hatte, erhielt von diesem Boykott erst Kenntniß, als der Markt bereits eröffnet war, und es gelang ihr nicht, die völlige Unwahrheit des Gerüchts zu widerlegen. Nur mit Unterstützung befreundeter Vieh- Kominissionsfirmen und mit nichl unbedeutendem Verlust gelang es Herrn Sponholz, die aufgetriebenen Rinder zu ver- raufen. Die Angelegenheit soll ein gerichtliches Nachspiel haben, da die Firma Schritte gegen die Urheber des Boykotts eingeleitet hat. Kein grober Unsugs'prozeß gefällig? Staatsanwalt vor! Zum UmzugStermiu giebt der Polizeipräsident bekannt- daß der am l. Juli d. I. beginnende Umzug bei kleinen, aus höchstens zwei Zimmern mit Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen am 2. Juli, mittags 12 Uhr, bei großen, mehr als vier Wohnzimmer umsaffenden Wohnungen am 3. Juli, mittags 12 Uhr, beendigt sein muß. Bei der hiesige« Universität sind im Sommerhalbjahre »ach dem soeben ausgegebenen Personal-Verzeichnisse 426S Studi. rende(240 mehr als im Sommer 1894) eingeschrieben. Zu diesen find noch 264 Studirende der militärärztlichen Bildungsanstalten hinzuzuzählen, die als Militärpersonen nicht eingeschrieben werden, den anderen Medizin Studirenden aber gleichstehen. Von den 426ö Eingeschriebene» studiren 403 Theologie, 1218 die Rechte, 1080 die Heükunde; 1504 gehören der philosophischen Fakultät an. Diese vertheilen sich auf die einzelnen Fächer wie folgt: Philosophie, Philologie, Geschichte 7SS. Mathematik und Natur- Wissenschaften 537. Kameralia und Landwirthschast 46, Pharmazie und Zahnheilkunde 232. Von den eingeschriebenen Studirenden sind 3612 Reichsdeutsche; unter diesen sind 3031 Preußen. 69 Bayern, 53 Sachsen, 51 Württemberger, 4SHamburger, 44 Hessen, 42 Braunschweiger, 41 ans den sächsischen Herzoglhümern, 39 Mecklenburger, je 29 Badenser und Elsaß- Lothringer, 23 Brenienser, 19 Anhaltiner. Ans Oesterreich-Ungarn stammen 83 Studirende, aus der Schweiz 54. Die übrigen europäischen Staaten sind mit den folgenden Zahlen vermerkt: Rußland 177, Großbritannien 32. Niederlande 20, Italien 18, Bulgarien. .Frankreich, Schweden und Norwegen je 13, Rumänien 9, Türkei 5, Dnnemark und Luxemburg je 4, Belgien 3, Spanien 2, Von fremden Erdtheilen siud Amerika und Asien vertreten! Amerikaner studiren in Berlin 189, Asiaten 12. Nen ein- geschrieben wurden im Sommerhalbjahre 1188 Studirende, IIS Theologen, 351 Juristen, 273 Mediziner. Von den 399 nen ein- geschriebenen Studirenden der philosophischen Fakultät studiren Philosophie. Philologie und Geschichte 190, Mathematik und Naturwissenschaften 112, Kameralia und Landwirthschast 20, Pharmazie und Zahnheilkunde 77. StaatScrhaltende Knust. Auf der Langen Brücke in Potsdam stellt man jetzt die von dem Kaiser gestifteten, von Professor Ernst Herter in Berlin gemeißelte» überlebensgroßen Sandstein-Fignren, preußische Soldateritypen darstellend, ans. Da sage noch einer, daß der Militarismus der Entfaltung der Kunst im Wege stehe! Im Friedrich- WilhelmstädtisS>e« Konzert-Park hat Direktor Qnarg, dem Zuge der Zeil folgend, ein Chantant und eine Spezialitätenbühne eingerichtet. Unter den mannigfachen Kunstgenüssen, welche die Reichshauptfiadt dem Fremden, wie dem Einheimischen offerirt, gilt bekanntlich das Spezialitäten- theater so ziemlich als das einzige, dessen Besuch noch für Umlauft, der Dichter. Von dem Mißbrauche, der mit dem Worte Natur getrieben wird, brauchen wir nicht erst zu rede». Wir sehen die Gesell- schast der Naturalisten in der Dichtung, wie sie sich bläht und spreizt, und Wunder meint, was sie geleistet hat mit ihren Werken, die der eigenen, wohlgefälligen, aber daruni nicht minder auf den» Holzwege befindlichen Meinung nach in der Sprache des Volkes geschrieben sein sollen. Nein, das sind sie nicht. Wären Haupt- mann's Weber in einer dem Volke zukömmlichen Sprache ge- schrieben, so würde auch Köster hinter dies sür die sog. neuere öiich- tung ja irohl maßgebendeWerk nicht seine Gendarmen schicken. Froh und friedsam könnte es sammt seinem Verfasser in preußischen Landen leben, gleichwie Kollege U m lauft zwar bescheiden, aber darum nicht minder froh und und friedsam innerhalb der zebräisch-geflreiften Grenzpfähle horstet. Umlauft? Wer ist Um- lauft? Schon diese Frage kennzeichnet die Entfernung des großen Publikums von der Natur. Umlaust ist das, tvas andere nur zu sein v orgeben, er ist der aus der unverfälschten Natur heraus geborene Dichter. Umlaust gehört nicht zu denen, die erst über Schiller und Goethe hinwegstolpern muffen, um dann zu beweisen, daß diese beiden Kerle ganz überwundene Standpunkte seien. Umlauft in E d e r s w a l d e— denn das ist der Ort, der ihn, den Böhmen aus Tißa, seit einem halben Jahrhundert mit Stolz beherbergt— Umlauft bekennt freudig und offen, daß er nicht bei den immer noch weit über Gebühr geschätzten Dichlergrößen in die Lehre gegangen, er setzt seinen Werth darein, daß er„nie Dichtungen anderer Dichter, wie Goethe oder Schiller gelesen".„Ich habe das Dichten nie g e l e r n t", so schreibt er in seiner Selbstbiographie,„sondern der Drang dazu ist ganz aus mir selbst entsprungen. Daruin ist auch alleS O r i g i n a l d i eh t u n g, weil ich mich an keinen anderen Dichter angelehnt habe". Wem» wir dieser Selbst- einschätzung noch hinzufüge», daß Herr Umlaust in seinem Alltagsberufe ein ehrsamer Dachdeckermeister ist, und, trotzdem er nach eigenem Geständniß bereits Ausgang der fünfziger Jahre zu allem anderen auch mit dein Dichten angefangen, es dennoch bereits auf das respektable Alter von 71 Jahren gebracht bat. so können»vir uns von der Person des Schivans von der Finow trennen und ganz seinen Werken leben. Diese sind, von einen» Verehrer des Dichters gesammelt nnd mit Aninerkungen versehen, erst vor»venigen Wochen bei Adolf Leu» m e in E b e r s>v a l d e herausgegeben»vorden. Das Sprichivort, daß der Prophet nichts in seinem Vater- laude gilt, ist nicht immer zutreffend. Mag der Mann z. B., lohnend gehalten wird. Aufregung und Abwechslung im Ge nießen, ohne daß der Geist dabei zum Nachdenken gebracht »vürde, bietet ja diese Art der Schaubühne, und mehr bedarf es für das gebildete Durchschnittspnbllkuin bekanntlich nicht. Auch im Friedrich-Wilhelinstädtiscben Konzert-Park ist die Entwickelung »vahrzunehmen. In düsterein Schiveigen liegt nebenan das Theatergebäude, auf dein die darstellende.Kunst bereits so ziem lich auf die letzte Stufe nach unten gebracht»vorden ist. Man kam dem Publikum mit Operetten albernster Gattung entgegen und dennoch war der Kassenersolg, den dies Theater erzielle, von Jahr zu Jahr elender geivorden,»vogegen die Ehantants, soweit sie nur das rasfinirteste boten, überfüllt waren. Auch der neuen Spezialilätenbühne im Friedrich- Wilhelmstädlischen Garten scheint das Glück hold zu sein. Zahlreich war vorgestern der Be such und mit Verständniß folgten die Zuschauer den Künsten, in denen die in mannigfaltiger Abivechslung auftretenden Artisten sich zeigten. Als Stern der Bühne erglänzt seit einigen Tagen eine Pariser Chansonnette„Dille. N ini", eine Dame, die in vortheilhaftefter Weise sich von ihren merschtendeels nur im Ordinären leistungsfähigen deutschen Kolleginnen unterscheidet. Ihre prickelnden Chansons singt sie mit ebenso viel Deeenz als Grazie und im Auftrete» ist sie die echte Pariserin voller Feuer und Leben. Die Erfolge, die»ach dem lange» Winter des Miß Vergnügens,»venn auch nicht in, so doch»»eben dem Kunsttempel in der Chauffeestraße jetzt erreicht werden, dürsten zu einem wahrlich nicht geringen Theil dem französischen Gaste zuzuschreiben sein. Im Berliner Aquarium sii»d außer den Beständen an Sumpfvögeln und Amphibien namentlich die Abtheilungen der eigentlichen Wasserbewohner in den letzten Tagen um seltene und neue Arte»», so namentlich durch sogen.„Entenmuscheln" bereichert worden. Mehrere Einbrüche sind in den letzten Tagen wieder i» verschiedenen Stadttheilen verübt»vorden. Der Destillateur Schulze, der an der Ecke der Ritter- und Brandenburgstraße sein Geschäft betreibt, ist in der vorletzten Nacht bestohlen»vorden. Als seine Ladenmamsell Montag früh gegen 7 Uhr das Geschäft öffnete, sah sie, daß das iin Laden stehende Komtoirpult erbrochen »var. Die Diebe hatten hier jedoch vergebliche Mühe gehabt, da das Pult leer geivesen»var. In der Ladenkasse dagegen hatten sie gegen 20 M. gefunden nnd mitgenommen. In der Nacht zun» Sonnabend»vurde der Kaufmann Badt in der Neuen Schön- Hauserstraße 7 heimgesucht. Einbrecher drangen in seinen Laden ein und entivendeten Schuhivaaren i»n Werlhe von mehr als 100 M.. u. a. vier Paar farbige Damenstiefel mit Lackblätter» und ein Paar gelbe Schnürschuhe. In Lebensgefahr geriethen vorgestern 7 P o st e l e v e n, die in der 3. Nachmitlagsstunde in einem Miethsboote eine Lustfahrt auf dem von, Wind recht be»vegtei, Templiner See unternommen hatte». Als plötzlich eine unerwartete Böte einsetzte, kam das Boot zn»n Kentern und alle sieben geriethen in ernste Gefahr. Zuin Glück»var der Unfall von i» der Nähe befindlichen Jachlei», sowie von den Paffagieren eines Sterndainpfers bemerkt, die de» Kapitän veranlaßten, die Schiffbrüchigen auszunehmen und nach Werder zu bringen. Durch Hundebisse wurde am Sonnabend Abend der Handels- mann Major aus der Naunynstr. 71 schiver verletzt. Bon dem große» Hunde eines Bekannten wurde ihm ein Glied vom Mittel- finger der rechten Hand abgebissen nnd der linke Unterarm stark zerfleischt. Es gelang endlich, das»vüthende Thier zu verscheuchen, indein man ihm Wasser über den Kopf goß. Major»var so schwer verletzt worden, daß er, nachdem er auf der nächsten Sanitäts»vache einen Nothverband erhalten hatte, in das städtische Krankenhaus am Urban gebracht»Verden mußte. Witternngöiibersicht von» 17. Juni 1895. Wetter-Proguose für Dienstag. 18. Juiri>895. Zunächst trübes, nachts etivas wärmeres, au» Tage etivas kühleres Wetter»nit Regenfällen und mäßigen»vestlichen Winden; nachher ausklärend. Berliner Wetterbureau. dessen Loreley jeder Schulknabe und dessen Lobgesänge auf Seine Majestät den Kaiser von China fast jeder Arbeiter kennt, auch in seiner Vaterstadt Tüffeldorf so»venig gewürdigt werden, daß ihin das Bürgerthun» ein erzenes De»k»»al veriveigert, mag Heinrich Heine auch an Königshösen verpönt sei»,»vie die Sozialdemokratie; dem guten Dichter Umlauft geht es anders. Er. der noch im»veiten Lande leider völlig unbekannte, ist außer in Eberswalde, seiner z»veiten Vaterstadt, gerate am Fürstenhose gekannt und gewürdigt.„Tank des Königs von Preußen", „Tank des Prinzen Friedrich Karl",„Tank des Kaisers von Rußland", so sind die Anerkennungsschreiben betitelt. die der Dichter in geiviß verzeihlicher Eitelkeit seinen Werken untermischt hat. Wir sind ein sozialdemokratisches Blatt. Aber das hält uns nickt ab, neidlos davon Kenntniß zu nehmen,»vie ein Poet, der seine Kraft aus der Oberbarnimer Natur gesogen, die guten und bösen Momente seines Landesherr», in wirklich würdiger Weise besingt. Als Probe smvohl von den» Können als auch von den Ge- fühlen des Dichters möge gleich das erste Poem dienen, das sich in den gesammelten Werken findet. Trotz seines Alters wird es „ach unserer felsenfesten Ueberzengung selbst die verhärtete» Herzen unserer Parteigenossen bis zu Thränen rühren. Es ist ei» Dankgedicht über die glückliche Rettung des an» 14. Juli 1861 auf unseren geliebten nnd hochverehrten König Wilhelm von Preußen ver- übten Mordversuchs. (Attentat Becker.) Der Mordversuch auf unsern König, Der in Bade» jüngst verübt, Hat nicht nur die Unterthanen Wohl alle sehr betrübt. Auch in jedem fremden Land, Wo das Attentat bekannt. War die Theilnahine auch sehr groß, Daß man aus unsern König schoß. Ans Odessa Oskar Becker, Der in Leipzig hat studirt, Hat an Sr. Majestät Diese Sch recke,»sthat vollführt. Kurz vorher kam der vermess'ne, Gottvergeff'ne junge Mann Per expreß in Leipzig Dazu in Baden an. Gesperrt sind für Fi»hrlverk und Reiter die Hochstraße von der Wiesenstraße bis Nr. 32 und die Oranienstraße von» Moritz- platz bis zum Oranienplatz. Polizeibericht. Am 15. d. M. früh fiel in der Lützow- straße ein Kastenwagen infolge Radbruches um. Der Kutscher »vurde auf das Pflaster geschleudert und erlitt eine schivere Ver- letzung des Fußes.— Vorinittags stürzte in der Königstraße ein Mädchen auf den» regenglatten Bürgersteige ui»d brach ein Bein. Nachmittags fiel in der Wienerstraße ein Mann beim Abspringen von einein Möbelwage»», ans den er unbefugt ausgestiegen»var, hin nnd gerieih vor ein Hinterrad, das ihm das linke Ohr ab« quetschte.— Am 16. d. M. abends leistete in der Katzbachstraße ein obdachloser Arbeiter einen» Schutzmann, der ihn»vegen Be- reitung groben Unfugs festuehnien»vollte. thätlichen Widerstand. sodaß der Beainte von seiner Waffe Gebrauch mache» mußte und ihn an der Stirn erheblich verletzte.— Am 13. und 16. d. M. fanden sechs kleine Brände statt. Gevirftls-Beittmg. Wegen Beleidigung der königlich preußischen Berg- Verwaltung standen gestern der Redakteur des„Vorwärts", unser Genosse Hugo P ö tz s ch, und der Bergarbeiter Nikolaus Fries vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I. Es handelte sich um einen von dem ziveilen Angeklagten verfaßte» Artikel, der aus Anlaß des Bergarbeiter-Kongreffes die Zustände iin Saargebiel kennzeichnete. Es»vurde darin geschildert, daß die Grubenarbeiter»ach Beendigung des Bergarbeiter- Aus- standes im Saar-Revier durch die Bergbehörde arg drangsalirt und namentlich alle diejenigen ohne»veitereS enllaffen würden,»velche irgend eine Rolle in jenem Ausstande gespielt hätten. Es»vurde u. a. ausgeführt, daß„alle Mittel, die im Kampfe gegen die Arbeiter von den Ausbeutern bisher ausgeheckt»vorden, im Saar-Revier gehand- habt würden", daß„bei der Unterdrückung der Bestrebungen zur Besserung der Lage der Arbeiter sich die Bergverwaltuug und Herr von Stumm freundschaftlich die Hand reichen", daß die Arbeiter auf die freie Bethätigung ihrer staatsbürgerliche» Rechte verzichten müssen, wen» sie in Arbeit bleiben wollen. Die Angeberei und Spitzelei»verde geradezu gezüchtet,»»»»glanbliche Bedrückungen und schainlose Vergeivaltigungen seien an der Tagesordnung, die Scham im Saar-Revier sei zu den Hunden entflohen, die Demoralisation»vurde systematisch betrieben, bei der Reichstags- »vahl hätten die Grubenbemuten die Arbeiter an» Arme vor die Urne geschleppt und ihnen den ihnen genehmen Zettel in die Hand gedrückt. Tie Arbeiterorganisation iverde in jeder Be- Ziehung verfolgt»». s.»v. Rechtsanwalt Heine hatte den Wahr- heitsbeiveis angetreten und es ist eine große Reihe von Gruben- arbeitern konilnissarisch vernoinmen»vorden. Ein großer Theil der letzteren hat unter Eid bekundet, daß sie nach ihrer volle» Ueberzengung nur entlassen»vorden seien, weil sie bei der Ar- beiterorgauisation irgend einen Posten bekleideten. Einige Zeugen haben bekundet, daß sie verivarut»vorden seien, da sie„beobachtet" »vürde». Was dieVersolgung derArbeiterverein« durch dieBergbehörde betrifft, so verlas der Verlheidiger ein Schreiben der unter dein Einflüsse des Herrn von Stumin stehenden Handelskammer zu Saarbrücken,»vorin diese von der Bergverwaltung ausdrücklich sordert, daß sie nur solche Arbeiter wieder annehme,»velche aus den, lliechtsschutzverein arlsgetreten»vären.— Eine Anzahl von Zeugen hat bekundet, daß ihnen direkt die Bedingung gestellt »vorden sei, a»ls dem Verein auszutreten,»venn sie»vieder Arbeit haben»volllen. Einem Zeugen Klicker habe der Bergassessor Hilger nach Einsicht der Akten erklärt, er sei entlassen»vordei»,»veil er„Führer" der Arbeiter geivesen sei, obgleich dieser niemals agitatorisch aufgetreten war. Nach den Bekundungen eines anderen Zeugen hätten die Beamten sogar den Austritt a»ls dem Konsumverein gefordert uud eine schriftliche Erklärung verlangt, daß die Arbeiter nie»vieder ein- treten»volllen. Ein Zeuge»vill lediglich deshalb entlassen worden sein, weil er kurze Zeit Vertrauensmann des Vereins geivesen sei. Besonders charakteristisch»vare» die verlesenen Ailssagen, die sich auf die Vorgänge bei der Reichstagsivahl beziehen. Durch eine große Zahl von Zeugen wurde bestätigt, daß vor den Thüren der Wahllokale oder i» diesen selbst Grubenbeamte standen, die den Wählern scharf aus die Fingern sahen. Dabei sei es leicht geivesen, zu erkennen,»vie jemand»vählte, denn die Zettel der Parteien unterschieden sich schon äußerlich in sehr auffallender Weise. In D»»d>veiler habe ein Steiger den Wählern die Zettel aus den Finger» genommen und sie den Wahlvorstehern gegeben. In Buchenschacher habe der Wahlvorsteher selbst versucht, Zettel zu öffnen,„um zu sehen, ob sie ai»ch rein seien". Eine Reihe anderer Grubenarbeiter haben bezeugt, daß sie von Wahl- beeinflussunge» nichts bemerkt haben.— Staatsa»»valt Müller II beantragt das Schuldig gegen beide Angeklagte. Die Anklage sei nur aus§ 185 erhoben, denn es handle sich bei dein Artikel nicht um Thatsachen, sondern um Schlußfolgerungen, für welche es keinen B e»v e i s gebe. Der angetretene Be>veis habe aber auch nichts erbracht, was die schiveren Voriviirse gegen die Berg- Wo der König proinenirte, Sich der Freche nicht genirte, Abzufeuern ein Terzerol, Doch Gott erhielt de» König»vohl. Georg Herwegh läßt in seinen bekannten„Preußischen Konfliltspoesien" den alten Wilhelin sagen: „Ick, habe wenig»nich befaßt „Mit Dichtern, nur den Kinkel „Ken»»' ich, den ich erschossen fast „In eine»» Festungswinkel." Wer erfährt, daß der Hofralh Borck aus der Privatkanzle» des Königs von Preußen am 22. Oktober 1862 für obiges und noch ein anderes Gedicht„Zrir Krönungsfeier" aus Allerhöchsten Befehl dem Dichter Umlaust handschristlich hat den Dank Sr. Majestät abstatten müsse», der»vird das schnöde Urlheil, das Herivegh über die poetische Auffassungsgabe des todten Monarchen fällt, erheblich korrigiren. Die diversen Attentate,»velche deutsche und ausländische Potentaten in den letzten Jahrzehnten ausgestanden haben, scheinen dem Dichter Umlauft überhaupt stets den Anstoß zu entsprechenden Gegen- maßnähme»» gegeben z»i haben. So finden wir in de»» Werken ein Dankgedicht über die glückliche Rettung.... des Mordversuchs(»vörtlich. D. R.), den Hödel an» 11. Mai 1878 verübt hat. Die Scheußlichkeil, die dieser Mensch mit seinem Sackpuffer veranstaltete,»vird von Herrn Uinlanft u. a. in folgendein Vers verdammt: Durch Schießen wollt, man soltt's kaum glauben, Ein gotlvergeß'ner Böseivicht Unser»»» Kaiser das Leben rauben, Doch Gott sei Dank, er traf ihn nicht. Drum rufen Vivat»vir nun heut' Gleich de in Schrecke hocherfreut. Aber auch das Nobiliug-Attentat sindeu wir in poetisch ver- klärter Entrüstung behandelt: An» 2. Juni wollte fahren Unser lieber Kaiser aus, Da„Unter Lindeii 18" kamen Zivei Schuß aus Ihn» zum Fenster raus. „Ach Gott, getroffen! der Kaiser blut'!" Ruft gleich darauf das Volk in Wuth. Wer iiiit Bedacht versucht zu rauben Das Leben feines Landesherr», Hat nicht au Gott den rechten Glauben, Oder es fehlt ihn» der Verstand. Denn»ver Verstand und Religion Ist dem Kaiser ein rechter Sohn. Verwaltung rechtfertigte. Tie Verfehlungen beider Angeklagten seien lehr schwer und gefährlich und deshalb beantrage er gegen P ö tz sch der übermorgen eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten abgebüßt hat, «ine Zusatzstrafe von acht Monaten, gegen Fries eine Strafe von einem Jahre Gefängniß.— Rechtsanwalt Heine dielt eine Freisprechung für geboten. Der Wahrheitsbeweis sei bis aus Kleinigkeiten durchaus gelungen und damit die thatsäch- lichen Behauptungen des Artikels bestätigt. Die Beweisaufnahuie habe zur Evidenz ergeben, daß die Grubenarbeiter im Saar- revier aufs äußerste bedrückt und in der Ausübung ihrer staats- bürgerlichen Reckte beschränkt würden, thatsäcklich hätten die Unterbeamten Wahlbeeinflussungen gröbster Art ausgeführt und thatsöchlich sei die Lage der dortigen Grubenarbeiter eine solche, daß sie mit dem Wunsche des Kaisers, die staatlichen Bergwerke zu Musteranstaltcn zu machen, im schroffsten Widerspruch stehe. Welche Bezeichnung solle man dafür finden, wenn man höre, daß ohne Erbarmen der„blaue Brief" an Leute kam, die schon ein Menschenalter hindurch auf der Grube arbeiteten und nun lediglich deshalb abgelegt wurden, weil sie dem Rechlsschutzverein oder auch nur dem ganz»»schul- digen Konsumverein angehörten. Ganz dramatisch und ergreifend sei eine Szene gewesen, wo ein Arbeiter dem andern den blauen Brief zu überbringen hatte und beide Männer kein Wort zu sagen wagten, sondern sich gemeinsam hinstellten und bitterlich weinten. Tie Form, in welcher der Artikel die Mißstände gegeißelt, sei eine durchaus maßvolle und beiden Angeklagten müsse der Schutz des§ l93 zugesprochen werden. Eingehend setzte der Vcr- theidiger auseinander, daß die staatsanwaltschastliche Ansicht, wonach formellen Beleidigungen gegenüber eine Beweisführung überhaupt nicht zulässig wäre, eine irrthümliche sei. Der Zweck des Artikels sei gewesen, nachzuweisen, daß das Verfahren der Bergbehörde weder menschlich schön, noch politisch richtig sei und den sozialen Frieden nicht verbessern könne, sondern die Konflikte noch verschlimmern müsse.— �Der Gerichtshof stellte sich durchaus auf den Standpunkt des Staatsanwalts und war mit diesem der Meinung, daß in dem Artikel nur Meinungsäußerungen in Frage ständen, deren Form die Absicht der Beleidigung klar zeigte und denen gegenüber eine Beweis- «rhebung überhaupt nicht in betracht käme. Dem zweiten An» geklagten wurde an sich der Schutz des tj 193 zugebilligt, dem Angeklagten Pötzsch aber versagt. Das Urlheil lautete gegen P ö tz f ch zusätzlich auf 2 Monate, Fries auf 4 Monate Gefängniß unter Anrechnung von 14 Tage», Publikations- befugniß für die Bergverwaltung in Saarbrücken und Unbrauchbar- machung der Platten und Formen. Der Oberlehrer Dr. Heutig trat gestern vor dem hiesigen Schöffengericht als Privalkläger gegen den Redakteur des„Ber- liner Tageblatts", Sigismnnd Perl, auf. Es handelt sich um zwei Artikel des„Berliner Tageblatts", in welchem Herrn Dr. Heutig der Vorrvurf des gewerbsmäßigen Wuchers ge- niacht wurde. Der Privalkläger war unter Beistand des Assessors Laue persönlich zur Stelle, Herr Perl wurde durch Rechts- anwalt M o s s e vertreten. Als Dr. Hentig sein Mandat als Stadtverordneter niederlegte, wurde in dem ersten Artikel des „Berliner Tageblatts" ausgeführt, daß keineswegs der Zorn über die Angriffe des Stadtverordnelen Riemer oder über die Ver- Weigerung der Ehrung des Fürsten Bismarck, sondern die That- fache den Dr. Heutig zur Mandatsniederlegung bewogen habe, daß ein Strafverfahren wegen Wucher? gegen ihn eröffnet worden sei. In Hangelsberg a. d. Spree kenne man den Dr. Hentig als Geldgeber für hilfsbedürftige Bau-Unter- nehmer, dessen Hilfeleistung aber einen besonderen metallischen Beigeschmack habe. So habe ein Lokomotivführer a. D. Scheling Herrn Dr. Hentig für ein Tarlehn von 3900 M. ein sehr hohes Damnum zahlen müssen. Gerade wegen des letzteren Vorfalls sei gegen Dr. Hentig ein Strafverfahren wegen Wuchers eingeleitet , norden. Verschiedene Personen, die Darlehne von Herrn Dr. Hentig erhalten, hätten Schiffbruch gelitten und Dr. Hentig hätte dann deren Grundstücke an sich gebracht. Welche Gesinnungen in Hangelsberg über Dr. Hentig jherrschen, beweise die Thatsache, daß die nachgesuchte SInfnahme des Dr. H. in den Hangelsberger Verschönerungsverein einstimmig abgelehnt worden fei.— In dem zweiten Artikel wurde erzählt, daß ein Mann, der durch Zeilungsinserat zur Vergrößerung seines Ge- schäfts ein Darlehn von S00 M. suchte, zum Dr. Hentig be- schieden worden sei und mit diesem über das Darlehn ver- handelt habe. Die Verhandlungen hätten sich aber zerschlagen, Wir sind der Meinung, daß die Aussicht auf solche Verse ein weit besseres Präservativ gegen Attentate bildet, als alle Polizeimaßregeln der Welt zusammenoenonimen. Zu wahrhaft grausiger Hohe lodert der Zorn des Ebers- walder Poeten anläßlich des geglückten Attentats auf den Kaiser Alexander II. von Rußland empor. Man ermesse die reale Kraft der folgenden Strophe, die nur eine von den zwölfen bildet, die der Dichter als Balsam um das schmerzersüllte Herz des trauernden Alexander III. ge- gössen hat: Furchtbar hat der Kaiser gelitten Auf dem Thatplatz und im Schlitten, Und als man mit Ihm nach Hause kam, Er von der Welt bald Abschied nahm; Nachmittags in der vierten Stunde. Drang durch's Land und Welt die Kunde, Daß infolge einer mörderischen That Der Kaiser beendet sein Leben hat; Doch noch die heilige Kommunion empfing, Eh Er zu seinen Vätern ging. Ties Gedicht hat Herrn Umlauft naturlich ein Dankschreiben des Kaisers von Rußland eingebracht. Ein Wert von ähnlicher Schönheit hat der Herr Dachdecker- nie ister verfaßt, nachdem die Königin von England am 2. März 1882 glücklich gerettet aus dem Attentat des Jrländers M'clean hervorgegangen war. Hier angekommen er stille stand, lltahm seinen Revolver in die Hand, Feuerte diesen aus Dich ab Und wollt Dich bringen schon ins Grab. Doch Gott sei Dank, er traf Dich nicht Dieser verirrte Bösewicht, Weil es Gott nicht wollte haben, Daß man Dich schon sollt begraben. Die Köngin von England ist eine höfliche Frau. Auch sie hat sich bei Herrn Umlauft bedanken lassen. Mit dcni Tode Wilhelms I. verstummt die politische Muse des Dichters. Die neueste Zeit muß ihm zu creignißlos er- schicnru sein, als daß er zu besingen sie werth gefunden hätte. Sein Nachruf an den tobten Heldengreis beginnt: Kaiser Wilhelm ist nicht mehr bei uns hienicden Und aus dieser Welt geschieden Am 9. März 1388, Vormittags 8�/2 Uhr..... In den letzten Jahren ist der Dichter innerlicher geworden. Er, der vorher am Leben und Weben des Makrokosnios den regsten Autheil nahm, hat sich jetzt gewissermaßen auf die Urzelle fori- zcntrirt. Alle seine poetische Kraft ist vereint in einem der „ganzen zivilisirten Welt" gewidmeten Lehrgedicht„Das F a- »> i l i e u g I ü ck. Wegweiser zu demselben für Jünglinge und Jung- frauen nebst Mahnruf an Eltern und Vormünder von I. Umlaust, Eberewalde in Deulschland." Der Leser wird den didaktischen wie den poetischen Werth des in einem Prolog, einer Vorbemerkung einem Motto, zwei Abtheilungen und einer Echlußbenierkung eingclheiltcn Werkes vollauf würdigen, wenn er den solgenden Probevcrs liest: Drum, wenn die Eltern doch immer möchten An der Kinder Zukunft dächten; Tain würd' man manche Lieb nicht stören Noch dessen Heirathen wehren. weil Dr. Hentig IS pCt. Zinsen gefordert und es für nöthig erklärt habe, statt der geforderten 500 M. 1000 M. Darlehn zu entnehmen.— Dr. Hentig erklärte jeden Satz des ersten Artikels für unwahr und den ganzen Artikel für eine tendenziöse Entstellung einzelner Vorkommnisse Er habe niemals Grundstücke von Leuten, denen er Geld ge- liehen und die Schiffbruch gelitten hätten, an sich gebracht und habe niemals Leute bewuckert. Der einzige, dem er Baugelder gegeben, sei Scheling gewesen, der sich aber keineswegs in einer Rothlage befunden, sondern nur eine augenblickliche Verlegenheit zu überwinden hatte. Dieser habe, um einen Bau zu beendigen, 3000 M. gebraucht und sich an ihn, den Privalkläger gewandt. Er habe ihm dann 3000 M., die seiner Frau gehörten, in Konsols gegeben und diese Summe sei hypothekarisch ein- getragen worden. Das Geld war mit 5 pCt. verzinsbar. Scheling habe seiner Frau 150 M.(außer den Zinsen) gezahlt, davon entfielen aber 114 M. auf Kursdifferenz. Scheling habe das Gebäude fertig gestellt und beim Verkauf 6000 M. verdient. Scheling sei darüber schon in Finsterwalde vernommen worden und habe ihm einen Brief geschrieben, in welchem er seiner Eni- rüstung über den Artikel Ausdruck verliehen habe.— Rechts- anwalt M o s s e erklärt, zunächst dabei bleiben zu müssen, daß der von Scheling bezahlte Damno 250 M. betragen habe. Nach des Privatklägers eigener Erklärung habe also Herr Scheling statt des verlangten baaren Geldes Werlhpapiere erhalten, und den Kursverlust ersetzen müssen, den Herr Hentig würde erlitten haben.— Dr. Hentig erklärte es ferner für unwahr, daß seine Aufnahme in den Hangelsberger Verschönerungsverein, den er selbst s. Z. begründet, einstimmig abgelehnt worden sei. Seine Aufnahme sei mit einer Mehrheit von zwei Stimmen abgelehnt worden, aber nicht wegen des angeblichen Wuchers, sondern weil er mit dem Gastwirth Gräbert und dem Kaufmann Hempel Differenzen gehabt habe. Er sei lange Zeit Vorsitzender des Vereins der Berliner Vororte gewesen und habe manchmal aus lokal- patriotischem Interesse an Gesinnungsgenossen Geld gegeben. — Rechtsanwalt M o s s e: Hat nicht ein Strafverfahren wegen Wuchers gegen den Privalkläger thalsächlich geschwebt?— Dr. Hentig: Er habe sosort nach dem Erscheinen des ersten Artikels an die Staatsanwaltschaft zu Berlin und zu Frankfurt a. O. die Anfrage gerichtet, ob ein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Die'Berliner Staatsanwolischafl habe ihm schon unterm 10. April geantwortet, daß hier ein solches Verfahren nicht schwebe, von der Staatsanwallschaft zu Frankfurt a. O. sei ihm der vom 3. April datirte Bescheid geworden, daß infolge einer amtlichen Anzeige eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet, das Verfahren aber bereits eingestellt worden sei.— Er habe gegen das Amtsgericht Fürstenwalde den Weg der Beschwerde betreten und gegen die beamtete Person, von welcher nach seiner Meinung die Strafanzeige nur ausgehen könne, die Beleidigung?- klage eingeleitet. Dieser Beamte habe ihm in Konzcsstons- Angelegenheiten oft Schwierigkeiten bereitet und große Verluste beigebracht. In vier Fällen habe der Kreisausschuß zu seinen gunsten entschieden und er habe nun gegen den Beamten die Klage auf Vermögensentschädigung eingereicht.— Rechtsanwalt M o ss e stellte den Antrag, die Gerichtsakten einzufordern, um daraus feststellen zu können, ob das Verfahren wegen Wuchers definitiv eingestellt oder ob etwa Beschwerde dagegen eingelegt worden sei. Der Vertheidiger beantragte serner, eine Reihe von Personen zu laden, eben solchen Antrag stellte der Privalkläger. Der Gerichtshof beschloß, zur Ausklärung des Thatbestandes den Beweisautxägen stattzugeben. Wege« schwerer Sittlichkeitsverbreche« stand gestern der Schneider Samuel Moses und dessen Tochter Torothee vor der III. Strafkammer des Landgerichts l. Wie die Anklage ergab, hat der schon bejahrte Angeklagte viele Jahre hindurch ver- brecherischen Umgang mit der eigenen Tochter gehabt, welcher nicht ohne Folgen geblieben ist. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehr- vertust, die Tochter zu 6 Monaten Gefängniß. I» der Nntersuchuug dcS Londoner HandelSamteS wegen des„Elbe"-Uuglücks entschied der Gerichtshof am Montag dahin, daß der Steuermann der„Cralhie" in erster Linie an dem Zusammenstoße schuld trage und entzog demselben das Befähigungszeugniß. Gerade diesem, seinem letzten Werke legt Herr Umlauft einen hohen Werth bei. In einem am Schluß der sänimtlichen Werke abgedruckten Schreiben des Dichters an den Herausgeber äußert er sich u. a.: „Daß Sie das Buch nicht für 50 Pf. würden herstellen können, habe ich mir gleich gedacht, auch ist der Preis für diese Dichtung, 1 Mk., nicht zu viel, da das Gedicht„Familien- glück" schon allein IM. werth ist. Ter Preis pro Exemplar 50 Pf. würde selbst die Dichtung mit entwerthet haben, denn mancher würde sagen, was kann wohl für 50 Pf. sein! » »» Es ist meiflentheils leider der Beruf des Dichters, unter des Lebens Roth zu darben. Auch Herr Umlauft befindet sich, wie der Herausgeber seiner Werke an einer Stelle durchblicken läßt, am Ende eines langen Lebens, trotz mühevollen fleißigen Schaffens thalsächlich in nicht günstiger Vermögenslage. Anerkennungen in der Art der Bismarckspende sollen auch ihm nicht unwillkommen sein. Uns dünkt, daß nicht die große Masse, die den Dichter Umlaust doch oft genug nicht zu würdigen wissen wird, sondern eine höhere Stelle berufen ist, den Lebendsnbend des alten Herrn zu verschönen. So leicht kriegt der preußische Staat keinen Poeten wieder, der sich seiner so, wie Herr Umlauft, annimmt. Preußen würdigt sich selber, wenn es den Dichter Umlauft einer Kroudotation würdigt. Kteravtsches. E Merkel' S S p a r- H a u s h a l t u n g s-B u ch. Eine praktische Anleitung zur richtigen Führung eines Haushalts mit Bei- spielen und Mustern nebst Tabellen zur Ausschreibung für ein Jahr. Druck und Verlag von Edler u. Krische, Hannover XXXVI. und 183 S. 8°. Preis in Pappband 3 M. 50 Pf., in Halblederband 4 M. 50 Pf. M. Neiuhard's H a u s w i r t h s ch a f t s b ü ch e r. Mit einer kurzen, leichtfaßlichen Anleitung zu einer praktischen und mühelosen Buchführung im Hause. Hauptbuch und Haus- Hallungsbuch. München, Verlag der M. Reinhard'schen Haus- wirlhschaftsbücher(L. Cohn, Giselastraße 22). 2 Bände Quer- folio in Leinen gebunden 2 Mark. Die Beschäftigung mit den Haushaltungsbudgets oder, wie man richtiger sagt, den Haushaltungsrechuungen der Privat- wirlhschaften, ist alt. Wir finden dieselben schon in der englischen Literatur über das Armenwesen im vorigen Jahrhundert ver- arbeitet, in ber ersten Hälfte dieses Jahrhunderls zog Duepetiaux durch die Samnilung derartiger Materialien und die Schlüsse, die er ans denselben zog, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Le Play in Frankreich, E. Engel in Teutschland folgten ihm. Immer breiter wurde die Literatur über dieses Thema,'in großer Anzahl kamen in den Buchhandel Formulare zur Führung der Haus- haltungs-Rechnungen der Privatwirlhschaft. Bei diesen wurde von zwei verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen. Die einen wollten eine möglichst verständige und sparsame Ordnung des tuushalts erzielen, die anderen strebten in erster Linie die ammlung statistischen Materials zur Beurtheilung der Lage und der Veränderungen der Lebenshaltung der verschiedenen Ge- sellschaflsklassen an. Vevskrurntluttgen. Ter Verein der Bauanschläger Berlins und Umgegend hielt am 9. d. M. seine monatliche Vereinsversammlung(General- Versammlung) ab. Genosse Thiemig sprach sich über die Mängel im Baugewerbe aus. Alsdann hielt der Genosse Millarg einen Vortrag über:„Sind die Bauanschläger im Sinne der Gewerbe- Ordnung als Unternehmer oder als Arbeit- n e h m e r zu betrachten?" und ermahnte die Kollegen, fest zu- sammen zu halten, um daß bei event. Streitigkeiten selbigen auf dem Gewerbegericht zu ihrem Recht verHolsen werden kann, und wurde folgende Resolution angenommen: Indem sich die Versammlung mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt, beauftragt sie den Vorstand, sowie die Beisitzer unseres Berufs beim Arbeiter-Gewerbegericht, von dem„Ausschuß für Gutachten und Anträge" ein Gutachten über folgende Frage einzufordern: Ist ein Bauanschläger, welcher zu verabredeten Pauschal- oder Akkordsätzen Arbeiten dergestalt übernimmt, daß der für den Anschläger und seine Kollegen benöthigte Lohn vom Bauherrn oder Meister gezahlt, die Meldungen event. Beitragsleistungen zur Kranken- und Juvaliditätsversicherung entrichtet werden, als „Unternehmer" im Sinne der Gewerbe- Ordnung oder als „Arbeitnehmer" Titel VII der Gewerbe-Ordnung zu betrachten? Nächstdem wurde noch von mehreren Kollegen die immer mehr überhand nehmende Schundkonkurrenz unter den Kollegen hervorgehoben und sprachen sich fast sämmtliche Redner dahin aus, daß wenn derartige Fälle ruchbar würden, selbige stets zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Tie freie Vereiuiguug der Graveure, Ciselenre tc. berieth in ihrer, am 11. Juni stattgehabten Versammlung über die Erweiterung der Bibliothek und des Arbeitsnachweises. In der regen Diskussion, an der sich mehrere Kollegen bethciligten, wurde auf die Lücken hingewiesen, welche in der Bibliothek aus- zufllllen sind. Insbesondere wurde der Mangel in poetischer, geschichtlicher und naturwissenschaftlicher Hinsicht einer einge- henden Erörterung unterzogen. Der Antrag des Vorstandes zur Anschaffung eines kunstgewerblichen Werkes, sowie ein aus der Versammlung gestellter, zur Anschaffung lile- rarischer Werke 30 Mark zu bewilligen, wurden ange- nomnien.— In Sachen des Arbeitsnachweises giebt der Verwalter desselben einen Rückblick des Arbeitsnachweises von dem Anfang unserer Organisation bis zu seiner heutigen Ent- Wickelung. Im Anschluß hieran forderte mau eine möglichst rasche Erledigung der Korrespondenz und bewilligte die Ver- sanimlung eine monatliche Entschädigung für die Verwaltung.— Unter Vereinsangelegenheiten wurde vor einem Graveur Otto Radtke gewarnt, der einen Kollegen der Majestätsbeleidignng denunzirte, welche Denunziation, wie die Untersuchung ergab, voll- ständig aus der Lust gegriffen war. Unter stürmischer Heiterkeit wurde die Vielseitigkeit der Erwerbsweise des Radtke beleuchtet und diese Angelegenheit dem Vorstande zur weiteren Erledigung überwiesen. Beigetreten sind der Organisation 26 Kollegen. In Sachen der Sonntagsruhe verhandelte am Mittwoch Abend eine Sektiousversammlung der Barbierherren des Ostens. Es wurde mitgelheilt, daß der Beschluß, die Geschäfte Sonntags um 2 Uhr zu schließen, nicht überall durchgeführt wird; durch eine Kommission, welche die einzelnen Geschäfte kontrollirt, wurde festgestellt, daß ca. ein Dutzend Geschäfte bis Abend geöffnet bleiben. Der Referent empfahl, die Namen dieser unsolidarischen Kollegen regelmäßig durch Inserate in der Presse bekannt zu geben. Die Arbeiterschaft des Ostens, welche den größten Theil der Kundschaft bilde, werde jedenfalls die Geschäfte, welche die Sonntagsruhe illusorisch machen, entsprechend behandeln.(Bei- fall.) Der Zlnsicht des Referenten, auch im„Vorwärts" zn inse- riren, da dieses Blatt die weitaus größte Verbreitung im Osten habe, trat ein Jnnuugsmitglied Pattki entgegen. Eine Reihe anderer Redner war jedoch anderer Meinung. Die Versanim- lung akzeptirte darauf den Vorschlag des Referenten und wählte eine Kommission, welch« die Durchführung dieses Beschlusses ver« anlassen soll. Der Verein zur Wahriuig der Juteresse» der Maurer Berlins und der Umgegend hielt am 13. Juni in Bühler's Lokal, Rosenthalcrstr. 33, eine Mitgliederversammlung ab, in welcher Genosse Jahn einen sehr lehrreichen Vortrag über„Volks- Nach dieser Richtung können die beiden obengenannten Schriften als Beispiele der erfieren Gattung betrachtet werden. Sie streben nichts anderes als genaue, geordnete, zur Sparsamkeit anreizende Buchhaltung an. Die erstere ist nach Preis, Aus» statlung, vor allem aber nach der Einrichtung und spießbürger- lichen Ausfassung für die Mittelklassen bestimmt, die andere sucht unter dem Proletariat Abnehmer. Merkel'? Buch ist für Leute mit einem Einkommen von 3000 und mehr Mark bestimmt, die über Bankguthaben, Vermögen in Wertpapieren u. drgl. verfügen. Wir glauben, daß es dieser Gesellschaslsschicht vou Stutzen sein kann, denn es ist unzweifelhaft für die Zwecke praktisch und übersichtlich eingerichtet. Was die Formulare anlaugt, so fordert es zu Ausstellungen nicht heraus, dafür desto mehr, was die Einleitung anlangt. Dieselbe läßt die häusliche Buchführung viel komplizirter er- scheinen, als sie thatsächlich ist und wir glauben deshalb, daß so manche Hausfrau, die die Einleitung gelesen hat, eher abgeschreckt als angeeifert wird. Buch zu führen. Aus jeder Zeile guckt der Buchhaltungslehrer und der Spießbürger heraus, man wird förmlich augeödet, wenn man die Binsenwahrheiten vom Werth« des Sparens so oft mit wichligthuerischen Worten wiederholt findet. Manchmal tritt selbst der unfreiwillige Humor zu tage, so z. B. bei den tiefsinnigen Bemerkungen der Hausfrau über den Koursrückgang der Brauerei- Aktien. Der Verfasser löst auch ein klein wenig mit seinem Haushaltungs- buche die soziale Frage, wie der folgende Satz der Einleitung beweist: „Beachten und befolgen wir die im Spar- Haushaltsbuche enthaltene Anleitung zum Sparen, die auf wissenschaftlicher Grundlage den praktischen Bedürfnissen entsprechend gegeben ist, so werden für uns die Zeiten des häuslichen De- izits, des Nichtreichens, vorbei sein, und wir fwerden niit innerer Befriedigung unsere täglichen Eintragungen im Spar-Haushaltsbuche machen, uns zur Lehr', den andern zum Vorbilde." Run so einfach sichert man sich freilich nicht eine defizillose Hauswirthschaft. Doch da das Buch in unserem Leserkreise kaum praktische Verwendung finden wird, so können wir uns weitere Bemerkungen ersparen. Wir haben uns bloS deshalb so lange mit dem Buche aufgehalten, weil es ein Beispiel einer besonderen Gattung von Haushaltungsbüchern ist. Für einfachere Haushaltungen sind die Reinhardt'schen Laushaltungsbücher bestimmt, sie sind billiger, gewähren mehr Raum für die Eintragungen und besitzen mehr Rubriken, so daß eine statistische Berwerthung der Matenalen sich eher lohnen würde. Das umfangreiche Format könnte im Arbeiterhaushalt die Eintragungen leicht erschweren. Eine Reihe nützlicher hauswirlhschaftlicher Angaben sind dem Buche beigefügt. Die Einleitung enthält übrigens auch ein Lob des Sparen?, wenn auch nicht in der über- Iriebenen und weitschweifigen Meise des erstgenannten Buches. Aus die sozialstatistijche Bedeutung der Haushaltungsrechuungen ist nicht hingewiesen, was doch die einzige Erklärung der Heraus» gäbe eines solchen Buches durch Parteigenossen wäre. Lediglich ein Hnushaltungsbuch mit der spießbürgerlichen Begründung des Werthcs der Buchführung und des Sparcns herauszugeben, scheint uns keine genügende Begründung jür eine derartige Veröffeut- lichung.—Ii. nmlljfdjnft und die soziale Lage des Volkes« hielt, welcher bei den IZlnivesenden lebhaften Beifall sand� Von einer Diskussion wurde Abstand genommen, um die Wirkung des Vortrags nicht abzuschwächen. Unter Vereinsangelegenheiten wurde ein Antrag i>es Kollegen Metzle angenommen, am 24. November d. I. einer Vorstellung in der„Urania" beizuwohnen und werden für die Mitglieder Billels zum Preise von S0 Pf. ausgegeben. Nachdem noch auf das Stiftungsfest hingewiesen ivorden, welches am 22. Juni in der Brauerei Friedrichshain stattfindet, wurde die Versammlung geschlossen. Die Freie Vereinigung der Militärniützen> Arbeiter Berlins hielt am 15. d. M. bei Röllig, Neue Friedrichstraße, eine öffentliche Versammlung ab. Genosse T h. M e tz n e r referirte über die Nothwendigkeit und den Nutzen einer Organi- sation, insbesondere auf gewerkschaftlichem Gebiet. Redner war erstaunt über den schwachen Besuch dieser Versammlung, geißelte sodann scharf die laue Betheiliguug der Kollegen an den Arbeiten innerhalb der Organisation und wies darauf hin, daß die Folge hiervon Zerrüttung und gänzliche Unfähigkeit seien, die in «iner Lohnbewegung errungenen Vortheile aufrecht zu erhalten. 'Redner führte die Nachtheile des Heimstättenwesens gegen« über den Vortheilen der Betriebswerkstätten vor Augen, schilderte die Lohnverhältnisse im allgemeinen gegenüber der Verschlechte- rung der Lebensweise der Arbeiterklasse; beleuchtete sodann die Absichten des Unternehmerthums, welche auf Reduktion der Löhne und Verlängerung der Arbeitszeit ausgingen und kritisirte zum Schluß das Verhalten des Staats in der Gejängnißarbeit. Da nach dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage eine Diskussion nicht stattfand, ging man zum dritten Punkt der Tagesordnung über: Wahl eines Delegirten zum Gewerkschaftskartell. Mit diesem Amte wurde Kollege Frick betraut. Die Sattler und Tapezirer Rixdorfs und Umgegend waren am 16. Juni vormittags in Nilschke's Lokal, Steinmetz- straße 45 in Rixdorf, versammelt. Der Kollege P ö r s ch hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Unsere Organi« sation und die bevorstehende Militärarbeit." Er führte u. a. aus: Die Organisation der Sattler und Tapezirer hat sich die Verkürzung der Arbeitszeit als erste Hauptaufgabe gestellt; als weitere Aufgabe die Beseitigung der Akkordarbeit und des damit verbundenen Zwischenmeister- Systems und Ueber- wachung der Jnnehaltung der gesetzlichen Sonn- und Feiertagsruhe. Trotz der gesetzlichen Bestinimungen wird Sonn- tags lustig weiter geschustet, man sieht sogar die Kollege» des Sonntags mit ihrer Arbeit in Rixdors vor der Thür sitzen. Wegen Ueberschreitung der Sonntagsruhe-Bestimmungen wurde der Firmeninhaber der Barschat'schen Wagensabrik in der Chaussccstraße in 40 Mark Strafe genommen. Im allgemeinen haben die Verhältnisse in der Sattlerei theilweise eine Besserung erfahren; nach dem Berichte der Orts-Krankenkasse sind in diesem Jahre in Berlin 600 Kollegen mehr beschäftigt, wie im Vorjahre, aber die Löhne haben keine Verbesserung erfahren. Angesichts der in Aussicht stehenden Militärarbeit, Umänderung der Mon- tirungsstücke u. s. w., sowie der zu nächstjähriger Ausstellung nothwerrdigen Arbeiten verspricht die Konjunktur für IV, bis 2 Jahre günstig zu werden. Daher sei es Pflicht, dieselbe wahr- zunehmen. Hierbei machte der Vortragende auf die am Mitt- woch, den 10. Juni nach Cohn's Festsälen, Berlin, einberufene öffentliche Versammlung ganz besonders aufmerksam, in der dies- bezügliche wichtige Punkte zur Verhandlung gelangen. Die sich hier anschließende recht ausgedehnte Debatte betraf meist die Verhältnisse bei Elkan und Vielrandt, welche jedoch in der Mittwochs-Versammlung als erster Berathungspunkt in Aussicht genommen sind. Hierauf gab Kollege V o ß, Telcgirter zur Ge- werkschafts- Kommission, in Kürze einen Bericht über seine Thätigkeit, wonach der Kollege M ü n t n e r aus der Neuwahl als Delegirter zur Gewerkschastskvmmission, Kollege Kunze als dessen Stellvertreter hervorging. Die Schlußdebatte über UnHalt- barkeiten in einzelnen Werkstätten nahm noch reichlich iVe Stunden in Anspruch, und führte schließlich zu dem Resultat, daß seitens der Berliner Agitationskommission die Arbeiter der Firma Elkan zu einer Besprechung zum Dienstag Abend nach Pasch, Alte Jakobstr. 33, einzuladen sind. Rixdorf. Der sozialdemokratische Verein„Vorwärts« tagte am 13. Juni im Kummer'schen Lokal, Berlinerstr. 136. Vor einer leider schwach besuchten Versammlung referirte unter großer Aufmerksamkeit der Zuhörer Genosse Antrick über den Bimetallismus. Von einer Diskussion des Vortrages wurde Ab- stand genommen.— Genosse W u r b s verlas hierauf die Ab- rechnung vom Stiftungsfest bei Wirsing; die Einnahmen be- trugen 148,10 M., die Ausgaben 131,65 M.; mithin verblieb ein Ueberschuß von 16,45 M. Genosse S i g i r i st nahm Gelegenheit, Beschwerden über die schlechte Beschaffenheit der Getränke, über zu kleine Biergläser und über das Gebahrcn einiger zweifelhafter Elemente während des Festes vorzubringen, und wurde hierbei auch von anderen Mitgliedern unterstützt. Bei späteren Festlich- ikeiten sollen die respektive» Komitees soviel als möglich derartigen Mißständen größere Aufmerksamkeit zuwenden. Der Kassirer des Komitees, W u r b s, wurde entlastet. Nach Annahme eines Antrages: für die nächste Versammlung einen Referenten und einen Korreferenten für Vorträge über freie Arztwahl zu bestellen, gab der Vorsitzende Hoppe bekannt, daß der Schriftführer die Aufstellung einer neue» Mitgliederliste 'begonnen habe. Demzufolge empfahl er die Beachtung des Z 6, Absatz b, des Statuts; wer 3 Monate lang, ohne Stundung nachgesucht zu haben, keine Beiträge entrichte, gehe der Mitglied« schast verlustig. Auf Anregung des Genossen Sigirist wurde der Schriftführer angewiesen, die Streichung säumiger Beitrags- zahler bis zur nächsten Versammlung aufzuschieben, damit jedem Gelegenheil werde, seinen Pflichten nachzukommen. In der nächsten Versammlung soll auch Beschlußfassung erfolgen über die in der„Urania" aufzuführende Vorstellung. Zuni Schluß forderte der Vorsitzende zur regen Betheiligung an dem am 23. Juni in den Viktoriasälen stattfindenden Vollsseste auf. Die Pankotver Genossen hatten zum 15. Juni eine Volksversammlung nach Lehmann's Lokal, Wollankstr. 113, Pankow, einberufen, um die Zweckmäßigkeit und Durchführbar- keit des Planes, den Vertrieb der Parteiliteratur in eigene Regie zu übernehmen, zu besprechen. Ter recht regen Debatte ging ein beifällig ausgenommener Vortrag des Genossen T i m m- B e r l i» über die Presse und ihre Be- deutung voran. In der Diskussion wurde eingehend das Für und Wider erwogen; zu einer definitiven Beschlußfassung kam es noch nicht. Man wählte vorerst eine llgliedrige Kommission, der die Aufgabe obliegt, auf möglichst schnellem Wege Erhebungen anzustellen über die Zahl der am Orte ge- lesenen„Vorwärts«,„Volksblatt" und sonstiger Parteilileralur. In einer demnächst einzuberufenden Volksversammlung soll die Kommission über das Ergebniß ihrer Thätigkeit berichten, woraus bann die Beschlußfassung der dazu in Ilussicht genommenen Ver- sammlung hervorgehen wird. Längere Zeit nahm hiernach noch eine Debatte über örtliche Angelegenheiten in Anspruch. Die Rummelsburger Glasarbeiter hatten am 16. d. M. eine sehr gut besuchte Versammlung, in welcher Genosse Rüther- Berlin unter Beifall über Trusts, Ringe und Kartelle referirte. Die in dem Vortrage dringend empfohlene gewerkschaftliche Organisation soll nach Kräften gefördert werden durch eine Agrtationskommission, welche die Versammlung einsetzte und in welche Buck, Schwabe, Kaufmann, Frick, Philipp, B a t h und K a u f h 0 l d gewählt wurden. Die von letzterem als Vertrauensmann gegebene Abrechnung für die Atonale Februar, März und April, bis wohin revidirt ist, bot zu Ein- sprächen keine Veranlassung. Die folgende Besprechung über die Nothwendigkeit eines Gewerbegerichts für Rummelsburg. Stralau. zu welcher Angelegenheit auch der sozial« demokratische Arbeiterverein für Stralau- Rummclsburg be- reits Stellung genommen hat, war nicht ohne Interesse. Im Jahre 1831 hatte der Herr Amtsvorsteher eine Konserenz zur Berathung der Frage der Errichtung eines Gewerbe-Schieds- gerichtes für Rummelsburg veranlaßt. Zu dieser Konferenz wurden die größeren Fabrikanten hinzugezogen, welche je einen Arbeiter mitbrachten. In dieser Zusammensetzung wurde gegen zwei Stimmen die Frage der Errichtung eines Gewerbegerichts im verneinenden Sinne begutachtet und demgemäß offiziell ab- gelehnt. Auch eine beim Regierungspräsidemen eingelegte Be- schirerde hatte keinen Erfolg. Unter dem Hinweise auf die bald erfolgende Einverleibung der Vororte in Berlin und auf den Umstand, daß jährlich nur etwa 20 gewerbliche Streitfälle zu verzeichnen seien, wurde die Beschwerde zurückgewiesen. In an- betracht dessen, daß die im Jahre 1831 vorausgesagte Einver- leibung bis dato noch nicht erfolgt ist und möglicherweise noch etwas lange auf sich warten lassen könnte, soivie daß die geringe Zahl der gewerblichen Streitfalle nur aus die Schwierigkeiten der Slagesühmng beim Amtsgericht für die Arbeiter zurückzuführen sei, infolge dessen die Roth- wendigkeit eines Gewerbegerichts sich für die Arbeiter immer fühlbarer mache, hat der Arbeiterverein beim Ortsvorstand be- antragt, zur Errichtung eines gemeinsamen Schiedsgerichts einen Verband der Vororte zu bilden oder aber dahin zu wirken, daß Rummelsburg dem Berliner Gewcrbegerichte unterstellt werde. Diesem Antrage schloß die Versammlung sich voll und ganz an und wird Buck als Gemcindevertreter von Stralau diese An- gelegenheit auch im Stralauer Gemeinderathe zur Berathung bringen. Eine öffentliche Versammlung der Bau- und ge- werblichen Hilfsarbeiter von Schöneberg und Umgegend tagte am 16. Juni in> Lokale des Genossen K e ß n e r, Grnnewaldstr. 110. Da der Referent, Genosse Karl Behrendt, nicht erschienen war, mußte der Vortrag von der Tagesordnung abgesetzt werden.— Eine längere Debatte entspann sich hierauf über die elende Lebenshaltung der Arbeiterschaft im allgemeinen und die Mißstände, unter denen besonders die nicht- gewerblichen Arbeiter zu leiden haben. Von mehreren Bau- arbeitern wurde gerügt, daß sie von den Putzern, die doch vor- geben, an der Spitze der organisirte» Arbeiter zu marschiren, sehr oft, und namentlich dann, wenn in„Kolonnen« gearbeitet wird, ebenso ausgebeutet würden, wie von den Unternehniern; Berufung auf die Satzungen der Organisation nutze nichts, im Gegentheil ziehe sie häufig baldige Entlassung nach sich. Von diesen Rednern wurde jedoch nicht gefolgert, daß demnach der Anschluß an die Organisation nutzlos oder gar schädlich wäre, wie es den Anschein habe, sonder» im Gegentheil, sie schrieben diese Erscheinungen auf Konto der großen Masse der Indifferenten, welche durch ihr mehr als stupides Verhalten jeglichen Unternehmern erst die Möglichkeit geben und immer anreizten, die Löhne zu drücken und die Arbeitszeit zu ver- längern. An der weiteren Debatte belheiligte sich auch ein Bergmann aus dem anhaltischen Braunkohlcnrevier, der sich seit etwa sieben Wochen mit noch 24 Kameraden in Berlin befindet, damit von Woche zu Woche in der königlichen Klinik (Ziegelstrahe) der Heilungsprozeß ihrer vier Wochen vor Weih- nachten bei Gelegenheit eines größeren Grubenunglücks erlittenen Verletzungen beobachtet werden könne. Wie er erzählte, hätten sie bis zu ihrer Reise nach Berlin in einem Halle'schrn Krankenhaus gelegen, wo sie leidlich verpflegt wurden; indeß hier in Berlin erwecke es den Anschein, als sollten sie zu Hungerkünstler» aus- gebildet werden. Sie erhielten pro Tag 75 Pf.(die erste Zeit gar nur 50 Pf.), wovon sie Schlafgeld zahlen und sich beköstigen sollen; betteln zugehen, sei ihnen streng verboten und wiederholt wäre es vorgekommen, daß sie arretirt wurden, wenn Polizei- bcamte gesehen hätten, daß sie vom Publikum kleine Geld- geschenke erhielte». Seine 24 Kollege», die am Sonnabend ihre Kameraden in Rüdersdorf- Kalkberge besuchten, seien dein» Ver- lassen des Bergwerks von zwei Gendarmen verhaftet. nach dem Amtsbureau transportirt und bisher(Sonntag Mittag) nicht wieder freigelassen ivorden. Zum Schluß wurde zum Beitritt in die politische ivie ge- werkschaftliche Organisation aufgefordert und bekannt gegeben, daß die letztere ihre Versammlungen jeden Sonntag nach dem 15., nachmittags l'je Uhr, im selben Lokal abhält. Devimstfikes. Zum Prozeß Mevage ergreift nunmehr auch eine der be- kannlesten ärztliche» Fachzeitschristen, die„Deutsche medizinische Wochenschrift" in ihrer jüngsten Ausgabe das Wort zu folgenden Auslassungen: „In dem eine Woche hindurch vor der ersten Strafkammer des Landgerichts Aachen verhandelten Prozeß„Mcllage" ist das gerichtliche Urtheil so ergangen, wie es die den Verhandlungen mit fieberhafter Spannung folgende öffentliche DIeinung, nicht zum wenigsten in Aerztekreisen, nach den Beweisergebnissc» allgemein erwarten mußte. Wir können an diesem denk- würdigen und in mehrfacher Hinsicht tief beklagcnswerthen Ergebniß nicht vorübergehen, ohne zu unserer eigene» Recht- fertigung darauf aufmerksam zu machen, daß wir den jetzt zu allgeineiner Anerkennung gelangten Standpunkt, dem Beweis- Material der Mellage'schen Broschüre gegenüber, schon vor einem halben Jahre bestimmt vertreten und uns dadurch eine ge- harnischte Erklärung des Herrn Dr. Capellmann zugezogen habe», auf die ihr Absender gegenwärtig wohl nicht mehr uiit Stolz blicken wird." Die„Deutsche mediz. Woch.« hatte nämlich bereits am Ende des Jahres 1834 in einer Abhandlung erklärt:„Daß auch in Preußen auf dein Gebiete des Jrrcnwesens noch manches zu wünschen übrig bleibt, ist durch einzelne bedauerliche Vorkomm- nisse der letzten Zeit, wie durch den in jeder Beziehung beklagens- werthen Prozeß Feldniaun und durch die bisher unwiderlcgt ge- blicbene Darstellung der Erlebnisse des katholischen Geistlichen Fordes im Alexianerkloster Mariaberg in Aachen i» Erinnerung gebracht worden." Taraufhin hatte der vielgenannte Sanitätsrath Capellmann im Januar dieses Jahres eine Erklärung zugehen lassen, i» welcher er ausdrücklich betont, daß die Veröffentlichung der Widerlegung der Mellage'schen Broschüre je. so lange unmöglich sei, als die gerichtlichen Untersuchungen und Verhandlungen über die Angelegenheit schwebten. Vor deren Abschluß aber dürste eine Verwerthung des„Falles Fordes« als Material zu Reformvorschlägen recht verfrüht erscheinen. Im übrigen habe es Herr Dr. Capellmann nicht für anständig gehalten, mit dem Mellage sich in einen Zeilungskrieg einzulassen.— Nach den Ergebnissen der gerichtlichen Verhandlung hat Herr Capell- mann allerdings Grund genug gehabt, solch ein„anständiges« Schweigen zu bewahren. Herr Mellage dürste jetzt mit einiger Heiterkeit auf die Noblesse seines Gegners hinabblicken. Zu dem bereits tclegraphisch gemeldeten Schiffönnfall im Llordostsee- Kanal schreibt unser itieler Korrespondent: Ter deutsche Aviso„Kaiseradler", früher„Hohenzollern" genannt und zum speziellen Gebrauch des Liaiscrs seinerzeit erbaut und de- nutzt, sollte am Sonnabend früh 6 Uhr von Kiel durch den Nordoslsce-Kanal fahren. Um 3 Uhr morgens, als das Schiff durch den Audorfersce fuhr und etwa 300 Meter vor Nobiskrug sich befand, verließ es die Fahrrinne auf 32 Meter und lief fest, sodaß es vorn bis zum Radkasten(es ist ein Raddampfer) ungefähr 4 Meter Waffertiefe hatte, während am Hinteren Ende der Grund 13 Meter lief>var. Mit Hilfe von 4 Schleppdampfer», darunter dem äußerst starken Bergungs« dampfer„Norder« von der kaiserlichen Werft und 1 Dampsbaager kam das Schiff um 7 Uhr abends vom Grund tvieder frei. Zum Glück ivar der Grund loser Kiessand, sodaß das Schiff wohl ohne Schaden davon gekommen sein wird. An Bord befand sich ein Lootse, der den Kurs richtig angegeben haben soll, über daS Kommando aber nicht verfügte, da, wie es auf Kriegsschiffen der Fall ist, dasselbe vom Kommandanten stets selbst ausgeführt wird. Später fuhr der„Kaiseradler" nach Brunsbüttel und dürfte, wohl ohne weiteren Unfall erliteen zu haben, durchgekommen sein. Aus Belgrad wird über ein E r d b eb e n vom Sonntag berichtet: Heute früh 9 Uhr 50 Min. fand hier eine leichte, dm Sekunden dauernde Erderschütteruug in der Richtung von Norden nach Süden statt, in Palanka Czpria eine etwas hctigere. VviekK&lkett Vsv Aedakkiou. Wir biten bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben oder«ine Zah!) anzugeben, unter der die Aiuwori erlhetlt werden soll. Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag ivird von 7 bis 3 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelege ilheiteu erthejlt. Otto Ehlert. Ohne Interesse. F. S. Wir müffen nochmals um Ihren Besuch bitten. Sprechen Sie am Mittwoch Abend bei uns vor. K. H. Die alte deutsche Kaiserkrone befindet sich im Besitz der Wiener Schatzkamnier. Koblitz. Was enthielt der Brief? Sprechen Sie ev. auf der Redaktion vor. Franz Sperliug. Zum Räthsellösen haben wir keine Zeit. Sie sehen doch selber, daß Ihr Arithmogryph richtig ist. A. Gr. Es war ein Druckfehler. Die Sammelbons sind bei Nix, Weberstraße 45, abzuliefern. H. K. 317. Ihre Braut soll sich behufs Ausstellung des Zeugnisses über ihr Vermögen an den Bezirksvorsteher wenden und dann unter Ueberreichung des Attestes und Darlegung des Sachverhaltes sich an das Landgericht zu Thorn mit dem Antrag wenden, ihr das Arnienrccht zu bewilligen. Ist es nicht ge- rathencr, niit; der Klage bis � n a ch der Heirath zu warten? Ihre Braut bedarf der Einwilligung zur Ehe- schließung bis zum zurückgelegten 24. Lebensjahr.— Grüne Tulpe und Andere. St. wohnt Potsdamerstr. 29, läßt sich aber dort nur bis höchstens 3 Uhr morgens sprechen. — T. B., Alte Jakobstvaste. Mit dem Zuschuß zum Kranken- geld bei Unfällen verhält es sich wie folgt. Vom Beginn der 5. Woche nach Eintritt des Unfalles bis zum Ablauf der 13. Woche ist das Krankengeld, welches der Verletzte erhält, auf mindestens Vg des bei der Berechnung desselben zu gründe ge- legten Arbeitslohnes zu bemessen. Die Differenz zwischen diesen 2/8 und dem gesetzlich zu gewährenden niedrigeren Krankengelde ist der Krankenkasse von dem Unternehmer des Betriebes zu er- statten, in dem der Unfall sich ereignet hat. Leistungen aus einer Kasse, der der Verletzte neben der Kasse angehört, der er angehören muß, werden nicht mitgerechnet. — A. Z. Ivo u. Tchm. Belzig. Ohne Angabe des Inhalts der Briefe nicht zu ermitteln.— E. K. I4v. An das Polizei- Präsidium.— A. Schulz. Wird ein Haus verkauft, ohne daß Subhastation staltgesuuden hat, so gehen Rechte und Pflichten aus dem Miethsvertrag auf den neuen Eigenthümer über. — H. B. 18S5. Sie sind offenbar arg beschwindelt und können wegen Betrugs denunziren. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor.— Klammer 8, 1. Jeder Arbeiter, insbesondere auch der Heimarbeiter, hat ein Pfandrecht an den von ihm gefertigten, in seinem Besitz befindlichen Waaren. Diese braucht er vor Zahlung des Lohns nicht herauszugeben. 2. Nach richtiger Ansicht steht Heimarbeitern insbesondere dann, wenn sie nur für einen Arbeitgeber arbeiten, eine 14tägige Kündigungs- frist zu. 3. Heimarbeiter sind dann bei der Krankenkaffe anzu- melden, wenn sie nur für einen Arbeitgeber arbeiten.— R. P. G. 34. I» der Ausübung des betreffenden Gewerbes liegt«in Mißbrauch der Wohnung, der Sie zur sofortigen Lösung des Vertrages berechtigt. Lösen Sie den Verlrag nicht, so setzen Sie sich der Gefahr einer Kuppelei-Anklage aus. — Zwei Unwissende. Ein Mädchen bedarf der Einwilligung ihres Vaters zur Verehelichnng bis zum zurückgelegten 24., ein Sohn bis zum zurückgelegte» 25. Lebensjahr. Nur die Groß- jährigen können auf richterliche Ergänzung der Einwilligung bei Gericht klagen. Sie müssen also noch warten.— H. D. 3VV,§?., Z. 26. Sprechen Sie gelegentlich mit Alten in der Sprechstunde vor.— K. S., A. B. 50. Ja. — C. A. IVO. Klagen können Sie, würden aber wahrschem« lieh verlieren und das dreifache des Objekts als Kosten zuzahlen, weil Sie den Beweis, daß Klalbleder und nicht Roßleder ver- sprechen ist, kaum führen können.— R. M., Rixdorf. Sie können dem Fußapparatbauer eine Nachfrist zur Lieferung der Fußverhüllungs- Instrumente stellen und, falls er auch diese Frist verstreichen läßt, auf Rückzahlung des Geldes klagen. K. M. In der Mark Brandenburg erbt, ivenn kein Testa- nrcnt vorhanden, in erster Reihe: der Ehegatte und die Deszen- deuten(d. i. Kinder, Enkel, Urenkel), sind Deszendenten nicht vorhanden, so erbt der Ehegatte mit den nächsten dem Grade nach von den den Erblasser überlebenden Aszendenten(Eltern, Großeltern u. f. w.), den vollbürtigen Geschivistern und den Kindern vorverstorbener vollbürtiger Geschwister. Der Ehegatte hat einen Anspruch auf die Hälfte des Gesammtvermögeus, das von seiner und seines Gatten Seite am Sterbetage vorhanden war. Erfolgt unter den Erben keine gütliche Einigung, so können Sie den Antrag auf Erbregulirung beim Amtsgericht stellen und, wenn auch dann eine Einigung nicht erfolgt, klagen. H. K. 66. Nein: gefundenes Geld wird aber nicht Eigen- thuii» des Finders. Dieser kann nur ein Aufgebot erlassen und hat, falls der Verlierer sich meldet, einen Anspruch aus Fund- geld.- N. L. Ivv, T. W.. H. H. 25: Nein.- N. I. 1. Sie müssen eine bestimmte Nachfrist stellen, innerhalb welcher der Stiefel zu liefern ist. 2. Nein.— Direkt Ivv. Die Steuer für die ersten Steuerstufen(900-1050 M.) beträgt 6, für die zweite Stufe(1050-1200 M.) 9, für die dritte(1200-1350 M.) 12, für die vierte(1350—1500 M.) 16, für die fünfte(1500 bis 1650 M.) 21, für die sechste(1650-1800 M.) 26 und für die siebente Stufe(1800—2100 M.) 31 M. jährlich. — W. Z. 137. Sie können nur gegen die Erben klagen und dann den Nachlaß pfänden und verkaufen lassen.— R. M. 10. Betriebe, bei denen weder der jährliche Ertrag 1500 M, noch das Anlage- und Betriebskapital 3000 M. erreicht, bleiben von der Gewerbesteuer befreit.— Alter 48cr. 1. Ja. 2. Nein.— C. L. Ivv. Das Schulgeld muß gezahlt werden. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor. K. IVV. 1. Bei Hand- lungsgehilsen und bei Werlmeistern muß spätestens sechs Wochen vor dem ersten des Quartals gekündigt werden. Soll zum 1. Juli gekündigt werden, so muß die Kündigung also spätestens am 13. Mai in den Händen dessen sein, dem gekündigt wurde. 2. Lohn ist auch dann bevor- rcchligt, wenn er in Gestalt einer Provision gezahlt wird. — K. G. Sch. 20. Sie bedürfen der väterlichen Genehmigung bis zum vollendeten 21. Lebensjahre zum Ergreifen des Schiffs- mannsberuss.— W. Gegen Ilrtheile der Geiverbegerichte, die einen Streitgegenstand unter 100 Mark betreffen, ist keine Be- rufung zulässig. Das abweisende Urtheil ist also rechtskräftig. — K. Ivv. Nach fruchtlosem Ablauf des Sühnetermins müssen Sie unter Ueberreichung des Sühncattestes und des Armnlhs- attestcs beim Landgericht, Zivilkammer, unter Darlegung des Sachverhalts Bewilligung des Armenrechts zwecks Anstellung der Ehescheidungsklage beantragen. Es wird Ihnen dann ein Anwalt bestellt.— Elise 2V. Darüber, ob und welche Beweise erhoben werden solle», beschließt das Gericht erst in der Sitzung, nicht vor dem Termin.— F. R. Iv. I. Ja. 2. und 3. Nein. — 11. W. Sie haben sich nicht strasbar gemacht. Sie und Ihr Mitarbeiter sind krankenkassen- und Altersrenten-pflichlig. Ver- pflichtet zur Entrichtung der Beiträge ist der Arbeilgeber(P. T), für den allein Sie beide arbeiten. Ihre Beiträge zur Kranken- lasse betragen V», zur Altersversicherung Vs der Beiträge. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl.(E»iil Roland) in Verlin. Druck und Verlag von Max Badiua in Berlin. SV7. Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 139. Dienstag, den 18. Juni 1893. 1Z. Jahrg. cm-rr.. Gewerbegericht. Weil s i e s i ch n, ch t gegen den Kolonne nführer, sondern gegen desten Auftraggeber uiit ihrer Entschädigungsklage gewandt hatten, wurden drei Putzer von der Kammer III unter /m" res Assessors Lohmeicr abgewiesen. Tie Kläger (Graben und Genossen) behaupten, von dem Putzer Sommer, enicnl sogenannten Kolonnenführcr, z>w Zlrbeit bestellt worden zu sein, ohne daß sie dieselbe nachher antreten durften. Sie ver- langten deshalb eine angemessene Entschädigung für die Zeit vom �.nge des Engagements bis zu dem Tage, an welchem sie ander- ncitig Beschäftigung erhielten. Als ihre eigentlichen Arbeitgeber betrachteten sie die Bauunternehmer Ernccle und Pietsch, welche ihrerseits die Passivlegitimation bestritten und sich zuin Beweise i ce Fehlens derselben auf das Zciignijz des Sommer bezogen. Dieser sagte aus. er habe die Kläger nicht vorbehaltlos eingestellt. sondern ihnen in Aussicht gestellt, daß sie Arbeit bekommen würde», wenn sein Freund Seifert gleichzeitig niit anfange. Seifert habe über die neu zu bildende Kolonne die Kontrolle über- nehmen sollen, da er, Zeuge, acht Kolonnen gchallen und diese natürlich niäzl allein habe übersehen können. Tas Gericht sah Ernecke und Pietsch nicht als Arbeitgeber der Kläger an. Das abweisende Urtheil begründete der Vorsitzende damit, daß ans der Aussage des Zeugen dessen Unternehmerstellung hervorgehe, die infolge der obwaltenden Unrstände nicht zu verkennen sei. Wenn jemand über acht Kolonnen verfüge, könne er unmöglich als bloßer Akkordarbeitcr betrachtet werden.— In diesen, Urlheil ist unschwer der Einfluß des Landgerichls-Urtheils. daß von uns veröffentlicht und besprochen wurde, zu erkenne», allein es be- deutet noch nicht die absolute Anerkennung desselben durch das Gewerbcgericht. Diese soll jedoch bereils in einige» andere» Entscheidungen der Kammer III ihre» Ausdruck gesunde» haben. Nachdem die Versammlung sämmtlicher Arbeilnehmer-Beisttzer des Gewerbcgerichts gegen die erwähnte Landgerichts-Entscheidung einstimmig einen energischen Protest beschloffcu hat, darf man gespannt darauf sein, wie sich von nun ab die übrigen Mit- gliedcr des Gewerbegerichts einschließlich des Vorsitzenden zur Frage:„Kvlonnensührer— Sub-U»tcrnehi»cr?" stellen werden. Lbcv-Verwaltuugsgericht. Eine Verleitung zum Meineide, wegen welcher der Händler Opper mit 4 Jahren Zuchthaus bestraft worden war, bcwog den Bezirksausschuß zu Wiesbaden, dem Manne zunächst durch Bescheid, später durch Urtheil die Legitimationsknrte zu versagen, welcher nach§ 44a der Gewerbeordnung jeder bedarf, der als Angestellter oder In- Haber eines stehenden Gewerbebetriebes auch außerhalb des Gemeiudebezirkes dieser gewerblichen Niederlassung für die Zwecke des Gewerbebetriebes Waarenbestellungcn aussucht oder Waarcn auskauft. Tas Gericht war der Meinung, daß die 44a, Abs. 3 und 37, Abs. 3 der Gewerbeordnung die Versagung rechtfertigten. Nach de» angezogenen Bestinimunge» ist die Legitimationskarle z» versagen, wenn der Nachsuchende wegen sUasbarcr Handlungen ans Gewinnsucht gegen das E i g e n t h u in». s. rv. zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monate» vcruriheilt ist, und seit der Abbüßung der Strafe 3 Jahre noch nicht verflossen sind. Im Falle Opper waren die drei Jahre noch nicht um. In der Verleitung zum Meineide fand der Bezirksausschuß das Motiv der Gewinnsucht. Er führte aus, der Kläger habe sich jener Strasthat schuldig gemacht, uur einer Bestrafung wegen Forstdiebstahls zu entgehen, aber auch noch deshalb, iveil er nicht e r s a tz p f l i ch t i g g e m a ch t werden wollte, rvas bei Forstdiebstählen gesetzlich zuläsflg sei. Ter Bezirksausschuß zog außerdem das Vergehen gegen das Eigenthum, welches der Forstdiebstahl darstellt, zur Begründung feines llrlheils heran. Dasselbe wurde vom Ober-VerwaltungSgericht aufgehoben. Tie Gründe dafür waren nach den Aussührnngen des Senats- Präsidenten Rommel folgende. Tas von, Remstonskläger begangene Vergehen gegen das Eigenthum scheide von vornherein aus, denn die Bestrafung wegen des Holzdiebstahls wäre so geringfügig gewesen, daß§ 57 der Gewerbe-Ordnnng in dieser Beziehung nicht anwendbar sei. Es bliebe also nur die Ver- lcitung zum Meineide. Diese aus den gedachten beiden Gründen begangen zu haben, hätte Kläger jedoch nicht zu- Der Uord-Gstsee-Kmml. i. Eine Festwoche ist angebrochen.„Alldeutschland" rüstet sich, um sich an dem höfischen Gepränge zu berauschen, das bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Nord-Ostsee-Kanals entfaltet werden soll. Seil Woche» jagen stch in den Spalten der bürgerlichen Zeitungen die Notizen über diese Feierlichkeiten, und in dieser Woche werden die Fcstberichte zu wahrhast beängstigenden Dimensionen anschwellen. Freilich, mit 1 700 000 M., i» Worten eine Diillion siebenhunderttausend Mark, die der ganze Krempel kostet, muß sich schon etwas Herrichten lassen. Wir werden unsere Leser damit natürlich nicht behelligen, da es ihnen wahrscheinlich im Grunde genon men höchst gleich- giltig sei» wird, was die hohen Herrschasten bei dieser Gelegenheit trinken, essen und reden werden. Es wird sich übrigens von dein Bisherigen wohl auch nicht viel unterscheiden. Dennoch erfüllen wir unsere publizistische Pflicht und werden auch hier vertreten (ein. Sollte stch also dennoch etwas Erwähnenswcrthes ereignen, o werden nnsere Leser rechtzeitig unterrichtet werden. Je gleichgiltiger uns die Eröffnungsfeierlichkeiten des Kanal? lassen, desto niehr interessirt uns der Kanal selbst. Tie Bestrebungen, die Nordsee und die Ostsee durch eine künftliche Wasserstraße zu verbinden, find ganz außerordentlich alt; sie reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Man konnte eine ganze Geschichte dieser Bestrebungen schreiben. Ten hauptsächlichsten Anlheil daran hatten die dänischen Könige, die schlesivig-h olstein ischen Herzoge, sowie die Allerweltskrämer der Freien und Hansastädte Hamburg und Lübeck. Es fehlten aber auch kleinere Lichter nicht, die theils im Eigenintercsse, thcils auch im Gemcinintercsse mit Wort und That diese Bestrebungen unterstützten. Tie erste Verbindung zwischen den beiden Meeren kam bereits in de» Jahren 1391— 9S zn stände, in denen der Stccknitz- lanal gebaut wurde, der Hamburg und Lübeck verband und nur sür die kleine Schiffsahrt brauchbar war. Sin seine Stelle tritt jetzt der Elbe-Trovc-ftanal. 1525 wurde eine neue direkte Ver- bindnng zwischen Hamburg und Lübeck hergestellt durch den Alster- Trave-Kanal, der aber nach 25 Jahren bereits vollständig unbrauchbar geworden war. Einen wirklichen Nord- Ostsee- Kanal zu bauen, daran hatten die beiden Hansnstädte damals gar kein Interesse; sie konnten in, Gegentheil nur fürchten, daß ihnen dadurch un- licbsame Konkurrenz gemacht werden könnte und sie an ihrem Prosite etwas einbüßen könnten. In den folgenden Jahrhunderten wurden eine Menge Pläne geschmiedet, von denen jedoch keiner zur Aussührung kam. Besonders interessant sind die Thalsachen, daß Wallenstein einen Nord- Ostsee- Kanal in Angriff nahm, um sich in den Meeren die Herrschaft zu sichern, die er zu Lande bereits ausübte, sowie daß der englische Diktator und„Königsmörder" Crom- well einen solchen Kanal von der Elbe nach Wis- mar plante um dem englischen Handel nach den gegeben. Nach seiner freien Beurtheilung der Sache sei nun der Senat zu der Ueberzeugung gelangt, daß nicht festgestalt iverden könne, daß die Verleitung zum Meineide aus Gewinnsucht statt- fand. Am nächsten liege die Annahme, sie fei nur begangen, um einer Bestrasung zu entgehen. Dieses ideale Motiv müsse als vorliegend angenlnnmcn werden, da keine thatsächlichen Umstände für einen materiellen Beweggrund sprächen. Somit sei die Revision des 5ilägers begründet. Ter verfolgte Bankier. Ter Kellner Erich Böhme, der gestern unter' der Anklage der versuchten Erpressung stand, gehört zu jenem lichtscheuen Gesindel, welches abends im Kastanienwäldchcn sein Wesen treibt und Jagd auf Männer macht, die einem gewissen Laster fröhncu. Es besteht eine ganze Zunft solcher Subjekte und ihr häusiges Erscheinen vor Gericht beweist, daß es nicht schwer sein muß, Opfer für ihr er- presserisches Gewerbe zu finden. Böhnie, ein noch jugendlicher Mensch, ist in die Schliche und Kniffe dieser Zunft schon völlig eingeweiht und verbüßt zur Zeit eine ihm wegen Erpressung zudiktirle Strafe von 1 Jahr 9 Monaten Gesängniß. Diesmal trat als Belastungszeuge ein Bankier Fr. aus der Dorotheensiraße auf. Dieser war eines Nachts gegen 2 Uhr aus dem Klub von 1791 aufgebrochen, um nach Hause zu gehen. Er hatte sich im Kastanienwäldchcn einen Augenblick ans eine Bank gesetzt, als der Angeklagte sich zu ihm herandrängte, ein Gespräch mit ihm begann und in deutlicher Weise den Zweck seiner Annäherung zu erkennen gab. Ter Bankier will nun, da es ihm unheimlich wurde und er in der Nähe noch einige Männer sah, dem Angeklagten einige Mark geschenkt haben und dann nach Hanse gegangen sein. Nunmehr unter- nahm der Angeklagte mit Hilfe seiner Komplizen einen förmlichen Raubzug gegen F. Wohnung und Komptoir wurden förinlich bc- lagert, F. wurde von Abgesandten des Angeklagten mehrmals herausgcrufen und ihm allerlei dunkle Andeutungen sgcmacht; wenn er in seiner Equipage von Hause fortfuhr, wurde er von einer ganzen Gesellschaft verfolgt— kurz er befand sich gewisser- maßen im Belagerungszustände. Schließlich richtete der Zlngcklagte noch einen dreisten Brief an sei» Opfer, in welchem er in leicht erkennbarer Absicht ihm androhte, daß er ihn wegen Sittlichkeitsvergehen denunziren werde. Der Empfänger des Brieses übergab letzteren der Kriminalpolizei und daraushin wurde die Anklage erhoben. Der Angeklagte versuchte, den Charakter des Belastungszeugen anzu- schwärzen und sein Verthcidiger Dr. Coßmann halte nach dieser Richtung hin einige Zeugen vorgeladen. Ter Gerichtshof halte keinen Zweifel daran, daß hier ein ganz unverschämter und gemeingesährlicher Erpressnngsversuch vorliege und er verurtheille deshalb den Angeklagten zusätzlich zu noch'9 Monaten G e- f ä n g n i ß. Wie er über die Tonntagörnhe denkt. Vor der 3. Siraff kammer des Landgerichts II. sührte in gestriger, unter dem Vorsitz des L a n d g e r i ch t s- D i r e k t o r s Hcllwig stattgehabter Verhandlung die Naivetöt dcS Angeklagten zu einem erheiternden Zwischenfall. Wegen Mißhandlung de? Waisen- knabcn Kottlick war der S ch i f f s e i g n c r Johann Ludwig Schulze aus Tenpitz angeklagt. In der Sache hatte die Staatsanwaltschaft gegen ein freisprechendes Urtheil des Schössen- gerichls Miltenivalde Berufung eingelegt und Bestrasung des Schulze beantragt, weil derselbe bei einer gelegenilichen Prügelei seines Sohnes mit dem Waisenknabe» 5d. sich zu brutalen Mißhandlungen des letztere» hinreißen ließ.— Vom Vorsitzenden, Landgerichts-Direklor Hcllwig, wurde der An- geklagte bei Beginn des Verhörs gefragt:„Nun sagen Sie'mal, Schulze, weshalb haben Sie den Kottlick gehauen?" Im Schuldbewußtsein und trockenen Tons nutwortcle Schulze: „Na et war ja Sonntagsruhe!"—— Tie Heiterkeit der Zn- Hörer wurde daraus allerdings gedämpst durch die Gegenrede des Herrn Vorsitzenden:„Nein, Schulze Sie meinen wohl, weil es ein Waisenknabe ivar!"— Nach der kundgegebenc», landläufigen Anficht des Angeklagten glaubte derselbe berechtigt zu sein, den Kottlick, welcher ans Kosten.des Berliner Magistrats einem Nachbarn des Schulze in Pflege gegeben war, ohne alle Ikmständc züchtigen z>l dürscn. Die Bcivci-nusnahme ergab, daß Schulze, als Kottlick dessen Sohn bedrohte, auf Elrümpsen aus seiner Woh- Ostseeplätzen einen neuen, vom dänischen Einflüsse unabhängigen Weg zu schaffen. Erst in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts wurden die Bemühungen, einen Wasserweg zwischen den betreu Meeren herzustellen, von Erfolg gekrönt. In den Jahren 1777 bis 17b5 cutstand der Eiderlanal. Dieser Kanal gehl von der Kieler Bucht aus bis in die Stahe von Rendsburg, wo er durch eine Schleuse in die Eider fällt, die nach einem stark gekrümmten Lause bei Tönning in die Nordsee fließt. Der Eiderlanal mag den Cchiffahrtsbcdürsnisscn seinerzeit ganz gut gedient habe». Als aber die kapitalistische Ent- Wicklung auch das Cchiffsgewerbe ergriff und die Schisse immer größer wurden, da genügte der Kanal mit seiner Tiefe von 3,2 Metern sehr bald nicht mehr den Ansoidernngcn, den die große Schiffsahrt an einen Stord-Ostsee-Kanal stellen mußte. Ter Nord-Ostsce-Verkchr wuchs immer mehr an, und der Kanalvcrkchr ging immer mehr zurück. Da tauchten den» auch bald wieder neue Pläne zu einem neuen Nord-Onsce-Kanal ans, der im stände sein sollte, den großen Schiffsahrtsvcrkehr auszunehmen. Aber in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts hatte» die Regierungen bckaimllich besseres zu thun, als sich um solche Tinge zu kümmern. Tcmagogenverfolgungen und ähnliche schöne Sachen nahmen ihre Zeit vollauf in Anspruch. Erst als das Volk sich 1348 aus sich selbst besann, bekam die Frage einen neuen Anstoß, der aber von der schnell folgenden Rcaltion glück- lieh parirt wurde. Dann kam die Blut- und Eisenzeit, die eben lein anderes Interesse hatte als Blut und Eisen. Ter Soldat war Trumpf in Teutschland, und die militärischen Interesse» gingen allen anderen voran. Und so ist es bis ans den heutigen Tag auch geblieben, das sieht jeder, der mit offenen Singen einhergeht. Wenn wir in diese» Tagen trotzdem die Eröffnung des Siord-Ostsee-5ianals, ohne Frage eines Kulturwcrkes allerersten Ranges, erleben dürfe», so verdanken wir daS eben nur der zufälligen That- fache, daß sich in diesem Falle militärisches und kulturelles Interesse die Hand reichten, ein Zufall, den man leider nicht allzu oft konstatireu kann. Ja, darüber kann gar kein Zweifel herrschen: Der Nord-Ostsce- Kanal ist in allererster Linie bestimmt, militärischen Interessen zu diene» und verdankt auch, ivcnn nicht ausschließlich, so doch voriviegcnd, nnlitärischen Erwägungen seine Entstehung. Man war natürlich klug genug, das nicht so kraß hervortreten zu lassen und benutzte sehr gern die unleugbar vor- handene kulturelle und wirlhschastliche Seite des Kanals, um dem Volke und der Volsvcrtretung gegenüber den bei diesen Faktoren in nicht sehr gutem Gerüche stehenden krassen Militarismus in schamhafter Weise etwas z» verkleiden. Aber ein naiver Mann hat einmal die Ideen, die in diesen maßgebende» Köpfen herrschten, in unvorsichtiger Weise ausgeplaudert. Es war das niemand anders, als der Feldmarschall Mvltke, der ursprünglich ein Gegner des Kanals war und das in einer Reichstags- Verhandlung ungefähr so motioirte: Wen» Sie 150 Millionen nung gelaufen war und den ans der Flucht gestürzten Waisenknaben durch Fanstschläge gegen den Kopf mißhandelt hatte. Unter Aufhebung des ersten Urlheils erkannte die Straskammer ans 20 M. Geldbuße event. 4 Tage Gesängniß. Ter Silberdiebstahl beim Admiral Stengel in Lichter- selbe, der am 26. März d. I. verübt wurde, gelangte am Sonn- abend vor der ersten Strafkammer am Landgericht II zur Ab- urtheilnug. Es erhielten als Diebe Sattler Pospisch 2 Jahre 1 Monat Gesängniß und Arbeiter Odebrccht 2 Jahre Gesängniß, wogegen die Näherin Dümke und der Schuhmacher Will als Hehler mit je 6 Monaten Gesängniß davonkamen. Dazu wurde ans je 2 Jahre Ehrverlust erkannt. Jskrant, der Wahrheitsfreund In Bischhansen fand dieser Tage ein Privatklagc-Prozeß des antisemitischen Reichs- tags-Abgeordnetcn Pfarrers Jslraut gegen den Zigarren» fabrikanlcn Heffc-Waldkappel statt. Nach dem Bericht der „Fuld. Wer. Ztg." war Herr Hesse beschuldigt, den Herrn Jskrant zweimal einen„Lügner" genannt zu haben. Er gab das zu, erbot sich, den Wahrheitsbeweis zu erbringen, und erhob Widerklage wegen beleidigender Aeußerungen. die Jskrant über ihn gethan. Stach fünfstündiger Verhandlung, in welcher zehn Zeugen vernommen worden waren, verkündete das Gericht das Urtheil dahin, daß der Angeklagte und der Privatkläger wegen Beleidigung zn je 30 M. Geldstrafe verurtheilt ivorden, die Kosten aber von jedem Theil zur Hälfte zn tragen seien. In einein Falle hat das Gericht den Wahrheitsbeweis als erbracht erachtet, also angenommen, daß Jskrant bewußt die Unwahrheit gesagt hat. Dieser Fall betrifft eine Aenßerung des Jskrant in einer Wahlversamnilung zu Wanfried. Auö Bochum wird über einen inieressanten Beleidigungs« prozeß berichtet: Ter Pnpierfabrikant Robert Barle» wurde bc- kanntlich Anfang des Jahres von der hiesigen Slraskainmcr wegen Beleidigung des hiesigen Ersten Staatsanwalts Ruckser »ach einer sehr interessanten Verhandlung, über die wir damals ausführlich berichtete», zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt. In jener Verhandlung wurde der Erste Staatsanwalt als Zeuge ver- nomine». Herr Robert Barle» hat nun ans den Ergebnissen der Verhandlinig und den Bekundungen des Ersten Staatsanwalts Veranlasinng genommen, demselben eine» geharnischten Brief voll der schwersten Beschuldigungen zu schreibe». Er wird sich dieser- halb am 21. Juni vor der Straskammer zu Düsseldorf wegen Be» leidigung des Ersten Staatsanwalts zu verantworte» haben. Auch diesmal wird die Beweisa»siiahme ziemlich umsangreich werden, da der Angeklagte den Wahrheitsbeweis antreten will. Devsiammlimgen. Eine Konferenz der Textilarbeiter der Provinz Brandenburg wurde am Sonntag im oberen Saale bei Keller abgehalten. Aus neun Orten waren siebzehn Delcgirte erschienen, vertreten waren Berlin, Braiidenburg, Bernan, Nowawcs, Nixdorf, Guben, Nieder-Echönweide, Finsterivalde und Luckenwalde. Punkt 1 der Tagesordnung: Organisation und Agitation, behandelte in einem Referat Hubs ch- Berlin. Der Redner mißbilligt es, daß die Kollegen ans der Provinz zn einem Theil immer noch an den lokalen Vereinignngcn hängen, die in keiner Weise leistungsfähig sind. Die Agitation sür die Gewerkschaft müsse in ganz anderer, schärferer Form be- trieben werden; Redner schlägt vor, zu diesem Zweck Agitations- kommissioncn zu bilden. L c hm a n n-Berlin beantragte, den beiden Kommissionen je einen Regierungsbezirk zu überweisen, die- selben sollen ihren Sitz in Berlin rcsp. Guben haben. G a l l a s ch- Nildcr-Schöiiwcide gab ein Bild der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse seiner Mandatgeber; 9 bis 10 Mark Wochen- löhne sind keine Seltenheiten. Ter Streik von Kuhnheim ivud von dem Redner eingehend behandelt. Galke-Gnben bcllagt die Lauheit der Berufsgeiiosscn gegenüber der gewerk» schastlichcn Organisation; der Lohn am Orte ist bis ans 3 M. hernnter gegangen. Man solle die Frauen mehr zur Organi- salion heranziehen, sagt der Redner, der Prozenksatz derselben innerhalb der Gewerkschaft sei ein lächerlich geringer. Ein Tßeil der Telkgirten ging auf die Frage der Orgmiisation ausfuhr- für maritime Zwecke ausgeben wollen, dann bauen Sie lieber eine zweite Flotte; denn dann haben wir in jedem Meere eine starke Flotte, durch den Kanal hätten wir aver mir die Möglichkeit, die eine Flotte bald hier, bald da erscheinen zu lasse». Das ist doch nnrklich prächtig! Ein Kanal»nd eine 5niegsfloUc sind ihm vollständig gleichartige Dinge, die nur mili- lärischeii Zivccken zu dienen haben>l»d nnr vom militärischen Standpunkte aus bewerlhet werden können! Diese, übrigens auch vom rein niilitnrischen Standpunkte aus rückständige Ansicht Moltke's wurde aber von den maß- gebenden Kreise» nnd auch von ihm selbst bald überwunden. Als»>aii erst eine namhafte deutsche Flotte hatte, erkannte man, wie außerordcmlich ihre Aktionsfähigkeit durch den Mangel eines, Nordostscc-llanals gebennnt wurde und daß ein solcher Kanal auch in militärischer Beziehung eine Flotte aufwiege. Als diese Erkcnntniß sich erst Bahn gebrochen halte, da ging es mil Niesenschritie» voiwärls. Man lnüpstc an das 1378 ver- öfsentlichte Projekt eines Hainburger Rheders, namens Dahlström, an, weil dieses Projekt die de» militärischen Interessen am besten dienciide Linie Brnnsbüttel-Kiel vorschlug, die in wirthschastlichcr Hinsicht durchaus nicht an erster Stelle steht. Wie der Kanal überhaupt militärische» Erwägungen seine Entstehung verdault, so ist mich die gewählte Linie durchaus von militärischen Jnter- essen diltirt worden. Lübeck hätte als Endpunkt den wirthschast- liehen Interessen weit besser gedient; bei der Wahl von Eckern- sörde als Ausgangspunkt hätte man fast ein volles Dritlel der Hcrstelliingskostcii gespart. Aber Kiel war NN» eben eininal unser Ostscc-Kricge Hafen nnd deshalb mußte der Kanal von Kiel ausgehen. Im Jahre 1881 wurde mit de» Vorarbeiten begonnen, nnd 1885 wurde die fertige Vorlage im Sicichstage eingebracht. Der Kostenanschlag lautete ans 156 Millionen Mark, wovon Preußen einen»lnverziusliche» Voraiisbetrag von 50 Millionen über- »ehuien sollte. Am 25. Februar 1880 wurde die Vorlage im Reichstage endgillig in dritter Lesung angenoininen. Auch n n s c r e Vertreter im Reichstage konnten sich entschließen, für dieses Gesetz zu stimmen, da dieser Kanal in hohem Maße auch den wirthschasllichen Interessen zu dienen im stände ist, wie wir in einem weiteren Aufsatze zeigen werden. Daß unsere Partei dagegen im Reichstage der Forderung von 1 700 000 M. für die Einweihungsfcicrlichkeitcn nicht zugestimmt hat, wird den Genossen wohl noch im Gedächtnisse sein nnd ist ja auch selbstverständlich. Im Juli 1836 bewilligte auch der preußische Landtag den Voraiisbetrag, und nun stand dem Beginn des Baues nichts mehr im Wege. Am 3. Juni 1887 wurde durch Kaiser Wilhelin I. au der Schleuse zu Holtenau der Grnndstein gelegt. Am Freitag wird die Feier der Schlußsteinlegimg stattfinden, und damit ist dann ein Riesenwerk beendet, ein glänzendes Zeligniß»iciischlichcn Könnens, das viel Nutzen schaffen wird. das>v i r aber erst in Zukunft zu dem machen werden, waL cZ der Menschheit sein könnte. Iidja- ein. I» seinem Cchlnßwort betonte Hübsch, daß mancher Genosse der gemerkschafilichen Organisation Schmierigkeiten in den Weg lege, meil er für den gute» Fortgang der politischen Neivegnng furchte. Tas Gegentheil sei richlig: durch den Ans- schwnug der gewerkschaftlichen gewinne ar.ch die politische Be- wegung; Redner zilirt Langenbielau al- Beispiel. Tas Schwer- gewicht der Agitation müsse auf die Lausitz gelegt werde».— Die Versammlung erllärte sich einstimmig damit einverstanden, daß zwei Kommissionen nach dem Antrage Lehmann gebildet werde». Der nächste Gegenstand der Tagesordnung war die Beschickung des i n t ernationalenTextilarbeiter-ttongresseS, der für August d. I. in Gent projeklirt ist. I» Zürich war seinerseit beschlossen, den nächsten Kongreß(ISS6 in London) ab- zuhalte». Entgegen dieser Bestimmung wurden im Vorjahre Ein« ladungen zum Kongreß nach Manchester erlassen, wo dann wieder die nächste Tagung i» Gent festgesetzt ward. Ter Referent W a g n e r befürwortete die Beschickung der letzteren voruchmlieh aus dem Grunde, um zu veranlassen, daß das internationale Sekretariat nicht künftig ähnliche Beschlüsse fasse. Ein Brief, der vom Genter Komitee eingelaufen ist, besagt, daß Frankreich, Oesterreich, England und Rußland dort vertreten sei» würden.— Tie Telegirten sprachen sich in ihrer Mehrzahl entschieden gegen die Beschiekung aus. Ter thatsächliehe Werth der jährlich stattfindenden internationale» Kongresse sei zu ge- ring; man verwies außerdem darauf, daß ja schon zwei deutsche Telegirte— in Mühlhaufen und in Krefeld— ge- wählt find; Sachsen würde voraussichtlich sich auch vertreten lassen.— lieber diesen Punkt wurde nach Orlen abgestimmt: mit 6 gegen 3 Stimmen lehnte man die Be« theiligung ab. Damit waren die beiden nächsten Punkte der Tagesordnung gleich mit erledigt; der L a n d e s k o n g r e st, der event. zu Weihnachten einberufen werden soll, wurde zur Debatte gestellt. An- träge zum Kongreß, beschloß man, sollen später beralhen werden; die Konferenz erklärte sich damit einverstanden, daß der Kongreß am gleichen Orte und zu gleicher Zeil tagt, wo die General- Versammlung des Verbandes der Textilarbeiter einberufen wird. Eine Resolution, dur-ch welche gegen die systematische Ver- kümmerung der wichtigsten Nieehte der Arbeiterschaft entschiedener Protest erhoben wird, gelangte zur Annahme. Gegen b Uhr nachmittags wurde die Versammlung geschlossen. Jnhamiisthal und Niederschöutveide. Am Ib. Juni fand im Saale der Brauerei Borussia in Niederschönweide eine gut besuchte öffentliche Volksversammlung statt, in welcher der Gemeinde-Vertreter für Niederschönweide, Genosse S t e i n s e l d, über seine Thätigkeit im Gemeinderath berichtete. In der Diskussion verurtheilte es Genosse Galasch, daß dem größten Theil der Wähler die Möglichkeit genommen werde, den Verhandlungen im Gemeinderathe beizuwohnen, indem die Sitzungen stets nachmittags 4 Uhr angesetzt würden, zu welcher Zeit sich die Arbeiter in den Fabriken abmühen müßten. Redner empfiehlt den Gemeinde- Angelegenheiten mehr Interesse ent- gegenzubringe». Hierauf würbe der Antrag ans Uebernahme der Parteipresse und Partei- Literatur in e i g e n e Regie verhandelt, und wurde dieser Antrag von der Versammlung gegen 2 Stimmen angenommen. Die Uebernahme selbst erfolgt am I. Juli dieses Jahre?. Genosse John ermahnte. die Anwesenden eindringliehst, die Parteipresse und Literatur kräftig zu unterstütze» und nicht, wie es häufig vorkomme, gegnerische Blätter zu lesen, da solche niemals die Interessen der Arbeiter vertrete». Hinsichtlich der Lokalsrage, welche noch ans der Tages- ordnung stand, führte Genosse John noch aus, daß es besonders in de» ländlichen Kreisen die Praxis der Gegner sei, der Sozial- dcmokratie, die sie sonst nicht anders beläwpien können, die Säle zu entziehen. Auch in Johannisthal und Niederschönweide seien Wirthe, die ihre Säle nicht hergeben. Zu verwerfen sei es nun, daß immer noch Arbeiter bei diesen Wirlhen verkehren, was be- sonders in den Lokalen von Kluge in Johannisthal und Wilhel- minenhof in Oberschönweide zutrifft. Dieses dürfe ferner nicht geschehen, vielmehr seien die Lokale zu beachten, die von der Lokalkommission freigegeben sind. Genosse Galasch meint, daß es gerade Berliner Arbeiter seien, die, trotzdem die freien Lokale überall bekannt gemacht seien, in jedes erste beste Lokal lausen, in der Meinung, daß sie hier nicht wie in Berlin bekannt seien; dieses müsse auf jede» Fall verhindert werden, umsomehr, da genügend gute Lokale, welche frei find, vorhanden sind. Hierauf wurde noch der Ver- trauensmau» Genosse John beaustragt, das nähere betr. der Uebernahme der Partei- Zeitungen zu veranlasse», während die drei Revisoren, Genossen Bersinski, Krone und Garlepp die Kommission zur Uebermachuug des Unternehmens bilden sollen. Mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie wurde alsdann die Versammlung geschlossen, deren Theilnehmer dann »och durch Vorträge des hiesige» Gesangsvereins bei einander- gehalten wurden. prutschir K-n-frldir-Kuad. Milgliedschast Lerlin. Heute Abend S Uhr Im Restaurant Nölltg, Neue Friednchsir. 44: Mitgliederversammlung und IvorstandZslhung. Frrir zirr«i»ig»»g bit Vravcurr, Cis»I»ur«»38 bei Gold.- Handschuhmacher-E-sangver-tn Arion III, Brandenburg a H.. Hanptstrabe, Winkei's Salon.- Männer-Sesangvercin Adler» hos in AdlerShof, Grünauer Chausseestraße bei Schubert. Kund der o-leliigrir Arbeitervereine D-rli»« und zirngetzen» Alle Zuschriften, den Bund beiresfend, stnd zu rschteu an P. Gent, Adalbcrtstrotze 95. Dienstag. Mustkverein Hoffnung, Görlitzerstr.os bei Meier. — Mlisttverein Mi: n st ermann, Hochstr. Z5a bei Wille.— Vergnügung«- velei» Nordwacht, Perlebergerstr. 58 bei H-rmerschmidt.— Privat- Thcnter gesellschaft Z l e l b e w n tz t, Franksurterstr. II bei Hermann.- Lotterie- kinb Fortuna, Görlitzerftr. 60 bei Siewert.— B-rein für volkilhum- lichs K u» st, Bieslauerstr. 27 bei Schmidt.— Geselliger Verein Hertha. Adalbcrtstr. 21 bei Roll.— Spezialitäienverein Normvniria, Graudenz-r- strotze Ii bei Fiehe.— Th-atergesellschast Liberte, Reichenbergersir. 34 bei Schaper.— Theaterverein Freier Wille. Jeden Dienstag Abend im Lolale dcs Herr» Möhring Sldmiralstr. ise.— Geselliger Verein Hertha. Adawertftr. 51 bei Noll.— Geselliger Verein Anne- Marie, Adalberijir. ,i bei Roll.— Geselliger Verein Unter u n S. Beuss-Istr.«« bei Fisch-r. - Turnverein DeutscheSraft. Eisenbahnstr. 7 bei Engelhardt. ««kr.,10-. Suiu- und gesellige Derei»». Dienstag. Männer«csang» verein Cangestreue jede» Dienstag von 8jj— loss Uhr bei Protz, Annen» ftratze 9.— Mustkverein„Frisch au s", Reichenbergerstr. 24 be! Tauschke. — Gesangverein A n a k r e v n, jeden Dienstag von 9— n Uhr abend» trn Louisenftädtischen«iubhauS, Annenstratze is dei Bergner, früher Ehr-nberg. Arbeiler Zilheiklud F r e i h e i I S k l ä n g e. Jeden Tienstag Abend, von 8� b» ll Ubr bei W. Richter, Bülowftr.«s am D-nnewi«- Platz.— Zither- iLhne Rheingold ist. Sitzung, Dienstag, UO Uhr im Vorstadlischcn Kasino, Ackerstr.>44. nebst Fidelita».— Geselliger Verein Bruderschaft Berlin Nord- West, Perlebergelstr. 9, Restaurant Dilima»», lagt Dienstags abends 9 Uhr mit daraus folgender Fidelita«.— Tamboniver-iU Frei-weg, gegiündet>890. UebungSstunde Dienstag bei W. Raddatz, Elsafserstr. II.— Skaiklub„Schlechte Karte", jeden Dienstag von 9 hl» II Uhr bei Pauk», Schiestlchestratze 38. Gäste willkonime». Turnverein Gesundbrunnen. Die i. Männer-Abtheiluna turnt von sx-l0Zl Uhr in der Turnhalle des Lesfliig-SymnastumS, P-Ntftratz«»— lo- Berit n erTu rn gen a sfenfch a f t. Die 9. Männerabtheilung turnt leben Dienstag und Freitag in der Gcmeindeschule, Blnmenstr. 63 0.— Turnverein Fichte(Mitglied deS Teuischen Arbeiler- TurnerdundeS) 6. Man»er-A0< Iheilung turnt jeden Dienstag und Freiiag abendZ von 8 bis 10 Uhr. — Turnverein Norden, jede» Dienstag Abends von sz bis 10 Uhr in der Turnhalle, Prinzen- Allee s.— T h ea lerv er- t ne: ThealerverelN reter Wille tagt jeden Dienstag Abend sjj Uhr im Märlifchen >of, Admiralstr. ise.— Rauchllub Sorgenfrei tagt bei Bariel. alltsadenstr. 55, um 9 Uhr.— Rauchllub Deutsche Flagg« leben Dienstag Abend 8 Uhr Wrangelstr 32.— Rauchllub Grüne Quaste (Mitgl. de» Bundes) jede» Dienstag Abend 9 Uhr. bei Ast, Ostbahnhos 7.— Rauchklub S ch m o l-' s Werte, jede» Dienstag Abend 9 Uhr bei Drittel. Witz. Falckensteinstr. 7.— Rauchllub Ruhtga Dienstag Abend Uhr bei Wehrend. Gräfestraße s: Sitzung. Rauchklub Gutgesinnte Freunde jeden Dienstag Abend 9 Uhr bot Spät. Georgenlirchstr. 66.-«ergnugung«. -~--■-■• T,aoicki, Barnimstr. 22.— Rauchklub verein Im Brand, Dienstag, bei Gr>>» e E i ch e,' Berein E t n t r a bei Wählisch, Adaldertftr. bei WuUke, Graudenzerftratze 2 bei Hcrralh, Plan-Ufer 92 a.— Arbeiter> ch t, Unterricht und UebungSstunde Dienstag llbertstr. 4.— Rauchllub«M e l I a l t n a", D Stenographen- abend« sjj Uhr Dlenslaz Sitzung Für drnJuhnlt dcr Jnsrtnte iiberi nimtiit die Rediiktio» dem Pnblikui» gegettüber keinerlei Verautwortliiig Theater. Dienstag, den 13. Juni. Kerlitier Thentev. Der Herr Senator. ZU««« Tlseater. Tata-Toto. AchiUer- Tffeater. Die Hochzeitsreise. Flaltersucht. Kleranderplnff-Tdeater. Heuirich Heine. Ein Modell. Zlational- Tffratrr. Im Irren hause. Theater Unter de» Linde». Miß Helyelt. Apollo- Theater. Ein Nbenleuer im Harem. Sehiller-Theater. (WalSsser- Theater.) Dienstag: Die Kochzeitorrise.— Fiattersucht. Dliiiwoch: Die Uenliermählte». Ein Diener sweter Herren. Donnerstag: Die Neuuermähiten. Ei» Diener zweier Hcrrelr. Freitag: Die Hochzritorrise.— Fiattersucht. Konnadend: Die Hochzettoreisr.— Ftaiterfucht. liatilmal'Ikeatei'. Große Frankfnrterstraße 132. Heute zum ersten Male: Im Irrenhanse. Seusatiolis-Schauspiel mit Melodramen in 5 Akten von H. B. Regie: Max Samst. I. Bild: Zwei Hallunkeii. 2. Bild: Ein tiefes Geheimniß. 3. Bild: Der Rächer. 4. Bild: Die' Geheimnisse des Irren- Hauses. 5. Bild: Ei» Verräther. C. Bild: Ter Plan des Teufels. 7. Bild: Die Tochter des Verbrechers. 3. Bild: Der Giftmord. V. Bild: Der Flammentod. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Nationaitheater» Garten i Großes Konzert «. Spezialitäten-Vorstellung. Alle 5 Barrisons. Ein Modell. Fernand's Ehekontrakt. Kasseiiöfsmuig 5 Uhr. Anfang C Uhr. Entree 20 Pf. Rcservirter Platz 40 Pf. Edisonsi Kinctoskop-Ansstellung. Friedrichstr. 65, nahe der Mohrenstr. geöffnet von früh 9'/t bis lOVs Uhr abends. 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Fröbel u. des beliebt. Franz Heska. Drrliu hfl llurfit, Kassenöffnnng 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 80 Pf. Reserv. Sperrsitz 50 Pf. Mittwoch, den 19. Juni: 1. grosses Kinder- Frendenkest verb. mit allerlei Volksbelustigungen. Entree 20 Pf. W. Noaclt's Sommer-Theater� Krunnrnstr. 16. Täglich: Concert, Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung. Die goldkm Insel. Ansstatlnngs-Operette v. Zlnlon Arno. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag Im Saale: GrSSSOr Ball. Casfau's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weiblictto Eitelkeit. Victoria-Brauerei Liihowstrast» 111—113 Täglich außer Sonnabends Garten resp. Saal: Soirrc htv oiihrlirMitt Sängen (Meysel, Pietro, Britton, Steidi, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 8 Uhr.(Sntrce 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. und Familien- billeis für 3 Personen giltig 1 M. (siehe Plakate). Evolirs Hutnor-Dvoyr'awm. Dirigent gesnd>t Wienerstr. 31 bei Klein. Dienstag abends 3— 9, Ges.-Ver. F. Nagel's Sommer-Theater Schwedtersfr. 23|24. Jeden Dienstag und Donnerstag: Hamburger Sänger beliebteste Gesellschaft(8 Herren). Anf. 8 ühr. Näheres die Anschlagsäulen. NB. Saal n. Garten(I200Pers.),tleine u. gr. Bereinszimmer noch zu vergeben. Achtung! Achtung! AUg. Verein der Töpier n. Berufsgen. Deutschlands. MUgliedschait Berlin. Mit Rücksichl aus die om 19. d. M. stattfindende öffentl. Töpfer-Versamm- l»ng fällt die regelmäßige Mitglieder- Versammlung am Donnerstag, den 20. d. M., aus. Der Vorstand. Aufforderung. Die ehemaligen Mitglieder Zllbert Schröder, Chorinerstr. 60, und Karl Wegeuer, Weißenburgerstr. 30 wohn- Haft,' fordern wir hierdurch anf, ihre» Pflichten im Gesangverein Vorwärts II »achzukominen. 1651 b Der Vorstand. I. A.: R. Eckel. Unserem Freunde und Genoffen Karl R y I s k i, gen. Zahn-Athlet, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! Unserem Freund und Genossen Albert Schley ,u seinem gestrigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch. Na, Albert, noch eenen Landwer- Topp! Die Schweinelreiber und Freunde 16346 ans der Nannynsiraße. Todes-Anzeige. Theile hierdurch allen Ver- 1 wandten, Bekannten und Kollegen> die traurige Nachricht mit, daß! | meine liebe Frau 1C591| Marie Schröter geb. Ledig [ im 65. Lebensjahre»ach langem, I schwerem Leide» am 17. Juni früh | 6>/2 Uhr sanft entschlafen ist. Dies theile» hierdurch sehr be- I trübt die Hinterbliebenen mit. Fritz Schröter«rhft Kindern, 1 Manleuffelstr. 10. Die Beerdig, findet am Donners- 1 [ tag, den 20. d. M., nachm. 2 Uhr, Krankenhaus Bethanien aus stall. 1 ■IIKIIIIIIIWlIHmilllllllllH II I Danksagung. Für die herzliche Theilnahme und die reichen Blumenspenden ani Grabe meines lieben Mannes, sage ich allen Freunden n»d Be- kannte», sowie dem Herrn Fabrik- besitzer Zeisig und den Kollege» des Verbandes der Metallarbeiter meinen tiefgefühltesten Dank. Die trauernde Wittwe. I654bj Lina Jork. Allg- Arbeiter«.Arbklttrme«. Ich fordere hierdurch unwiderruflich zuin letzten Mal diejenigen, die noch Material von der Agitationskommissio» der Hilfsarbeiter»nd Arbeiterinnen aus dem Jahre 1394 habe», auf, bis zum 1. Juli d. I. beim Unterzeichneten ab- zurechnen, widrigenfalls ich genöthigt bin, mit dieser Sache vor die Oeffent- lichkeit zu treten. 70/10 Drrtranenomaun G. Schüler, Tresckowstr. 30. Ehrenerkläruug. Dem Waller Höhne gebe ich hier- durch die gewünschte Ehrenerklärung. 1655b] Res seil, Falckensteinstr. 26. Wo kauft man gut», rrrU» u. dauerhafte Stiefel? Bei 0. Mülle, S., Diessenbachstr. 37. Für Sommergäste möbl. Zimmer z» verm. Johannisthal, Friedrichstr. 37 ll.l. Destillation mit Nebenräumen u. gr. Vereinszimmer (ca. 60 Pers.), gutgehend, an Partei- genossen zu verL Swinemüuderftr. 45, Achtung! Achtung! HlmMener, Kutscher» Möbeltransport- u. SpeöitiousarbeLter. Dienstag, den 18. Juni 1895, abends 9 Uhr: Sr Grosse öffentliche Versammlung-S* im Louiftustiidiisch«« Konzrrthauje, Alte Jakobstraßr 37. Tages-Ordnung: I. Vortrag über:„Kirchen und Kasernen". Referent Wslitall Manasse. 2. Diskussion. 3. Abrechnung und Neuwahl des Vertrauens- mannes.— Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 137/12 Der Vertrauensmann, vsvald Schumann, Adalbertstr. 47, H. pt. Ostbalm-Park ROdersdorfersip. 71. Am KUstrinep Platz. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Regie: R. Hintsche. Garten-Coneert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlonö. Kaffeekiichr 3 bis 5 zlbr.- Entre» S0 Pf. Uolksbelustigungru jeder Arck. 4 Kegelbahnen zur Uerfngnng. Gut» Kier», ausgezeichnet» Küche zu solide» Preise». Wechenge. Wz Spezialität fUr Bauhand werken, Zimmerer, Tischler, Schlosser, Schmiede, Klempner. Allner, Mulackstr. 84, Ecke Gornianustrabe. Vollst. scbmersl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 M. Rep IVIIliail.�iclillllCgot �nienZi ZahnarztWolf, Lelpzlgerstr. 22. Spr. 8-7ühr. Ausstellung Italien in Berlin. Station Zoologischep Gaptcn. 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Kerl. Reichstags-Mahlkreis. ISMvoed, 19. Juni, abends sva Uhr, im Louiseustädtischen Konzerthause, Alte Jakobstr. 37: Grosse Versammlung. Gäste haben Zutritt. 302/13 Der Vorstand. Ganverein Kerliner Kildhauer. Krute, Dienstag, de» 18. Juni, abends 8� Uhr, Aunenstraße 16: General- Versammlung."WW Tages-Ordnltng: 73/9 1. Geschäftliches. 2. Wahl eines Verwalters. 3. Verschiedenes. Dienstag, den La. Juni, findet die Wahl des Zentralvorstandes statt. Vttblind tiller in der Kerlins und Umgegend. Mittwoch, den IS. Jnni I8SS, Abends 8'/- Uhr: Bezirks-Versaminlnng für Moabit u. Charlottenburg im Saale der Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 4V— 4S. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Hotfmann über:„Recht und Gesetz". 2. Diskussion-L�. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes.___ 194/20 Gäste willkommen."Wl Mittwoch, den 19. Juni 1895, Abends 8V- Uhr: Bezirks-Versammlung für den Norden im Restaurant Grüudel, Brunuenstr. 188. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Valdek Manasse über:„Krieg und Frieden". 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verbandsangelegenheite» und Verschiedenes. Die Kollegen der Firma?, F. A. Schulze, Fehrbellinerftraße, werden hierdurch besonders eingeladen. Donnerstag, den 29. Juni 1895, abends 8'/- Uhr: Brauchen- Versammlung der Mechaniker und Optiker, Büchsen-, Jnstruinellten- und Uhrmacher im Restaurant Berguer(fr. Ehrenberg), Annenstr. 1«. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Otto Näther über:„Die Pläne der Reaktion". 2. Diskussion. 3. Vorschläge zur Wahl eines Beisitzers zum Vorstande. 4. Aufnahme neuer Mitglieder, Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen der Firma Bergemsun& Co., Fenustr. 21, sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Ben Vorstand, Umi« der Wlmraplitu, Mudruckkl und Verufsgen. Deutschlands(Filiale Berlin). Donnerstag, den 29. Juni, abends 8�- Uhr, in Stein's Festsäleu, Rosenthalerstr.»8: Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht von der zweiten Generalversammlung in Nürnberg. 3. Diskussion. 4. Wahl des Hauptvorstandes und der Hauptkassen- Revisoren. 5. Abrechnung der Malinee-Kommission. NU. Diejenige» Kollegen, welche noch im Besitz von Streiklisten(Leipzig), Maimarken und Urania-Billets sind, werden ersucht, dieselben abzurechnen. SßF" Quittungsbuch legitimirt."VC Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 163/13 Bie Verwaltung._ Mittwoch, den 19. Juni, abends 6 Uhr: Große öffentliche Versammlung ein l'OP'fer Bttlus«N llWMi> im Lokale des Herrn S i v f t, Weberstraße Nr. 17. Tages-Ordnung: Aericht der Kommtsston über die Lage des Streiks. Die Kollegen werden ersucht, in dieser Versammlung zahlreich und pünkklich zu erscheinen. 24S.'9 Die Kommission. Achtung! Maurer- Achtung! Mittwoch, den 19. Juni, abends S /s Uhr, in Cohn s Festsälen (gr. Saal), Beuthstrasse 20-21 1 Gr. öffentliche Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend. T ages-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Erhöhung des Lohnes resp. Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Alle Maurer sind hierzu dringend eingeladen. 196 9 Die Drrtranensmänner. I. Ä.: H. Schwabe. 3 allgemeine öffentl. Uersammlnngen aller im wer Graphischen Gewerbe (Buch- und Steindruckereien, Buchbindereien und Präge-Anstalten) beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen WtT Dienstag) den 18. Juni 1893, abends 8� Uhr, finden in folgenden Lokalen statt: Cokn's Festsäle(großer Saal) Beuthftr. 20121. Ref.: Frau V. �öhler-Hamburg. Niett's Salon, Weberstr. 17. Refereutin: Frau Enmm Ihror-Pankow. Köslinei*»ot, Kdsliuerstr. 8, Referentin: Frau Llarn üethw- Stuttgart. Tagesordnung in allen Versammlungen: Welche Aufgaben erwachsen den Arbeitern und Arbeiterinnen im Kampfe um bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse? 2. Diskussion. Arbeiter und Arbeiterinnen, agilirt alle für diese Versammlungen. 139/3 Bie Berliner Gewerhsohatts-Kemmiseion. I. A.: Jost. Sillier. Hassini. Achtung! 1 m—ammmm i> Achtung! Sonntag, den 33. Juni 1895: Großes sozialdemokratisches im Müggelschlösschen in Friedrichshagen, unter Mitwirkung des Arbeiter-Säugerbundes, der Arbeiter-Vildungsschule sowie von Mitgliedern der Freien Volksbühne. Lrosses Doppel-Goncert ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker Berlins. lteenpaiiiie. Volksbelustigungen. Tbeatraliscbe Aufführungen. 1291/11 Zur Aufführung gelangt unter anderem: Erbauliche, lebensuxrhre Darstellungen aus dem Kulturleben der alten byzantinischen Zeit. Unter.Mitwirlnng von 100 Personen. Geschichtlich treue Kostüme und Dekorationen. Großes Schauturnen des �nrmroneiins„Fichte", Mitgl. des Brand. Arb.-Turner-B. Große Under-Uegatta, veranstaltet vom kiillen'hliih„Vorwärts�1. Kinberbelnstignugen(Kasperle-Theater). Spiele für Kinder. Lüelier- ninl kiMer-Verlot�ung;. anf Die Kaffee-Kiiche ist während des ganze» Tages geöffnet, Im Saale vou früh au: AllslNlg ilts ßoiitcrtö srilh 8 lljr. Biilet 25 Pf., Wemulige üeliersilhrt gratis. Falirgrlrgenheit: Von allen Stationen der Stadt- und Ringbahn, Dampfer und Kremser. Für Hin- und Rückfahrt ist in jeder Hinsicht Sorge getragen und ersuchen um zahlreiche Betheiligung 291/10 Die Bertraueuspersone». Sattler! Am Mittwoch, de» 19. J»»!, abettds 8 tthr, i» Cohn's Feftsälen, Be»thftraste Nr. 29: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: I. Die jüngsten Vorgänge bei Elkan u. Fiebrandt. 2. Petition an das Kriegsministerium betreffs der Hansindustrie. 3. Ortskrankenkasse und Hans- industrielle.— In anbetrachl der wichtigen Tagesordnung bitten wir die Kollegen, recht zahlreich zu erscheinen. 214/9 Die Anitationviiommissto». I. A.: Bruno Pttrsch, Rixdorf, Steinmetzstrabe 24. illxdorf- Gr. sozialdemokratisches Kolks Fest Sonntag, den 23. Juni 1895, in den Uilitoria-SiUr», Hermannstraße 48—50, bestehend in »ttter AM- Concert und komischen Vorträgen. Mitwirkttttg des Gcsattgvcreius„Melodia", Mitgl. des Arbeiter SpExialBtätsiBs -Sättgcrbttttdcs. Aufiüiiruug der„Bismarckspende" durch den Verein„Rhetorik". Lebende Bildei*. Volksbelustigung. Kinder» Fackelzug, wo jedes Kind eine Stocklalerne gratis erhält und eine Knrousselfahrt frei._ 54 U Von 4 Uhr ab Herren, welche sich daran betheiligen, Die jlatferkiiche ist von im groben Saale VillHj- zahlen 60 Pf. nach.«tirSSr 4 Uhr im orölfiitt. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Pf. Der Vertrauensmaun. gSST Wur für Damen. Nach beendeter Saison werden(einzeln) verkauft: Jackels, sonst 15— 20, jetzt 4—3, Kragen, Capes, Sainmet, Seide, Stoff sonst 15—30, jetzt 2—15, Regenmäntel 5—15, Kindermänlel, Kinderjackets von 2 M. an im Engro«- grschiift Landsbergerltr. 59, eine Treppe._ 50/9* «Upr-HpH it et Max Kocll> Melthiteßr. 1? V �•V 4- W W(zw. Brandenburg- u. Alexandrinenstr.), � empfiehlt sich den Genossen zur Lieferung sä in m tl ich er Biere für Werkslütlen sowie den Hausbedarf. Wegen Todesfall gänzlicher Ans- verkauf, auch im ganzen, Frau SIcdt- mann, Vogelhandlung, Berlin, Grüner Weg 65. 1582b K Pfund Albreclit's Brot für Rjirlrprpj 50 Dfennig IJmwIvCI Cl, liefert Wrangel- Strasse 8. Langostr. 26, Falkensteinstr. 28. Verantwortlicher gtedakleur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, LW., Beuthstraße 2.