Abendausgabe Nr. 472 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 233 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Bebattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Döuhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Dienstag 6. Oktober 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-20% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Guter Start." Fortsetzung der Juristenbesprechung. Der Kampf ums Rheinland. Auslieferung des gegenwärtigen Reichspräsidenten als eines V. Sch. Locarno, 6. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Infolge der Verschiebung der zweiten Plenarsizung auf Kriegsübeltäters oder die des bekannten Sultanschädels nicht den Nachmittag herrschte heute morgen völlige Ruhe. ausgeführt habe, wäre ein juristisch unzulänglicher Einwand; Das Tagesgespräch war die Ertranfung von Stresemann, die die Vertragspartner haben ja auf ihre Durchführung vernamentlich den amerikanischen Zeitungsvertretern An- ichtet. Und etwa anzunehmen, daß dieser Artikel deshalb laß zu jeden Kombinationen im Zusammenhang mit nicht angeführt werden könne, weil Deutschland gegenwärtig Gerüchten zu den geplanten Attentaten gab. Es geht übrigens( innerhalb von 15 Jahren) feine Reparationsverpflichtungen dem Außenminister heute besser und man hofft, daß er im nicht völlig bezahlt habe, das hieße zuzugeben, daß die Laufe des späten Nachmittags in der Lage sein wird, der Verfertiger des Vertrages vorausgefegt hätten, Deutschland Konferenz beizuwohnen. merde innerhalb dieser Frist dazu imftande sein: eine Idiotie, die einer verständigen Vertragsauslegung unmöglich zu Grunde gelegt werden kann. So bleibt die beachtenswerte rechtliche Tatsache bestehen, daß Deutschland jederzeit in der Lage ist, sich auf diesen Artikel zu berufen. Ob es das tut, ist allein eine Frage politischer Zweckmäßigkeit. Des Inzwischen geht die persönliche Fühlungnahme zwischen den einzelnen Delegationen weiter vor sich. Staatsfefretär Sd; ubert hatte eine mehrstündige Unterrebung unter vier Augen mit dem Generalsekretär französischen Auswärtigen Amtes, Berthelot. 2uch die Juristen der einzelnen Delegationen trafen sich heute vormittag im Palace- Hotel. Aus bester Quelle wird erklärt, daß die Juristen zu einer völligen Einigung gelangt sind, wobei allerdings bekannt werden muß, daß die heifle Fragen bisher von ihnen nicht besprochen wurden, weil fie den Ministern vorbehalten bleiben sollen. Bisher hatte es fich bei den Juristenbesprechungen lediglich darum gehandelt, ihren privaten Londoner Entwurf nunmehr offiziell zu bestätigen, wobei eine Einigung über einzelne von der deutschen und Ser belgischen Delegation eingebrachten Abänderungsanträge redaktioneller Art leicht erzielt werden könnte. Geschäfte mit dem Rheinlande? Mussolini will mit dabei sein. Paris, 6. Oftober.( WTB.) Der Sonderberichterstatter des Petit Journal" in Locarno erklärt, daß Mussolini in vier oder fünf Tagen nach Locarno fommen werde, um dort einen 24 st ündigen Aufenthalt zu nehmen. Westarp nicht in Locarno. Das Pariser Journal" hatte aus Locarno gemeldet, daß der deutschnationale Reichstagsabg. Graf Westarp gestern in Locarno angekommen sei und mit Außenminister Strese mann verhandelt habe. Amtlich wird dazu festgestellt, daß Graf Westarp in Berlin ist. Der Bersailler Vertrag sieht die frühere Räumung vor! Paris, 6. Ottober.( Tul.) Der Sonderberichterstatter des Matin", Sauermein, hält es nicht für ausgeschlossen, daß die franzöfifche Regierung in der Frage des rheinischen Be. jagungsregimes gewisse 3ugeständnisse an Deutsch fand machen werde, vorausgeseßt, daß die Reichsregierung ihre Eedenken gegen die französische Garantierung der Schiedsgerichtsverträge im Osten aufgebe. Boraussichtlich würden die deutschen Minister, wenn diese Frage zur Sprache tomme gel- fpäre des Eröffnungstages feft. Jedoch wird vor Unterschätzung tend machen, daß sie ohne Konzessionen in der Verwaltung des Rheinlandes und des Saargebiets unmöglich die 3ustimmung des deutschen Parlaments zu dem geplanten Garantie vertrag erhalten werden. Gewisse Schwierigkeiten dürften jedoch nicht außer acht gelassen werden. Das Saargebiet stehe unter der Aufsicht des Völkerbundes. Das rheinische Besagungsregime sei von der Botschafterkonferenz festgelegt worden. Alles, was ein französischer Minister den deutschen Delegierten sagen fönne, fei, daß ber Garantiepaft eine große moralische Tragweite habe und notgedrungen zu einer Entspannung führen werde, die sich in allen Fragen, daher auch in der Verwaltung der Rhein lande fund tun werde. Der erste Konferenztag im englischen Licht. London, 6. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Guter Start. Diese von den„ Times" gewählte Ueberschrift gibt den Zon wieder, auf dem die gesamte englische Bericht. Ton mieder, auf dem die gesamte englische Bericht erstattung über den ersten Tag der Konferenz von Locarno geftimmt ist. Die Blätter vom Daily Mail" bis zum Daily Herald" stellen übereinstimmend die außerordentlich gute Atmo der Schwierigkeiten gewarnt. So weisen die„ Times" insbesondere darauf hin, daß auf deutscher Seite unverkennbar das Be. streben besteht, die Diskussion über alle Ostfragen bis nach der Einigung über den Westpakt zurückzustellen, während Frant. reich in diesem Punkt genau den entgegengesezten Standpuntt vertrete. Die Aufrollung des Kölner Pro. blems durch die deutsche Delegation sei wohl unvermeid. lich. Die Frage müsse jedoch nicht unbedingt zu ernften Schwierig feiten führen. Man werde sich vielleicht darauf einigen, daß der Patt nicht vor der Räumung Röins unterzeichnet zu werden braucht und daß Deutschland in der Zwischenzeit seine Eniwaffnungsverpflichtungen erfüllen wird. Das Ziel der Weg. Auftakt in Locarno. Sind diese Ausführungen Sauerweins über die Möglich- Die einzige Pressemeldung aus Locarno, die sensationellen feit zufünftiger Erleichterungen des Befagungsregimes auch Charafter beanspruchen darf, ist die Feststellung des Sonderforre ein willkommenes Zeichen für den Geist europäischer Gespondenten der„ Morning Post", daß Briand bereit sei, meinschaftlichkeit, mit der die Locarno- Konferenz auch auf Deutschland weitreichende Konzessionen hinsichtlich der franzöfifcher Seite begann, so ist doch von deutschem Stand Rheinbeseßung, der Herabsetzung der Rheinlandpolizei und punft die Frage der Garantieverträge und des Be der Aenderung des Saarregimes zu machen, ja eventuell fagungsregimes ftreng auseinanderzuhalten. fogar einer früheren Boltsabstimmung im Saargebiet zustimmen Die beiden Fragen haben nichts miteinander zu tun. Deutsch würde, falls Deutschland mit Polen und der Tschechoslowakei abschließe, den Danziger land fann feinesfalls eine Erleichterung des deutschen Westens Schiedsgerichtsverträge gegen ein Patronat über das ganze Deutschland eintauschen. Rorridor garantiere, sich verpflichte, die Ostgrenzen nicht Das läge am wenigften im Sinne der Rheinbevölkerung felbft, auf dem Wege der Gewalt zu ändern und Frankreich das Recht beren geschichtlicher und fittlicher Anspruch auf Abbau und zum Abschluß eines Sicherheitspattes mit den Oststaaten zuerkenne. Milderung des neuerdings wiederum Poincarésche Methoden anwendenden Besagungsregimes erst neuerdings auf dem Heidelberger Parteitag ergreifenden Ausdruck fand. Jede Bertnüpfung der Rheinbesetzung und der östlichen Schiedsverträge widerspricht auch dem Geist des Versailler Bertrages. Dieser jah die Rheinlandbelegung einerseits als Sicherung für die Durchführung der Reparation, andererseits für die Sicherung Frankreichs vor. Da durch das Dawes Abkommen der Grund der Berpfändung des Rheinlandes für die Reparationsleistungen wegfiel, bleibt allein noch die Sicherung Frankreichs zur Begründung der Rheinlandbesetzung übrig. Erhält num aber Frantreich durch die Zustimmung Deutschlands zu dem geplanten Nie wieder- Krieg- Bertrag" eine weit über die Sicherheit des Bersailler Bertrages hinausgehende Sicherheit vor einem deutschen Angriff und sogar die internationale Garantie feines europäischen Befißstandes, so entfällt jeder Anspruch auf eine Aufrechterhaltung der Besatzung im besetzen Westen. Dabei ist daran zu erinnern, daß sogar der Bersailler Friedensver. trag in seinem Artikel 431 ausdrücklich bestimmt: ,, Leistet Deutschland vor Ablauf der 15 Jahre allen aus dem gegenwärtigen Vertrag erwachsenden Berpflichtungen Genüge, so werden die Bejagungstruppen sofort zurückgezogen." Die deutsche Delegation in Locarno hat, falls fie von der deutschynationalen Etappenpolitit nicht mehr behindert wird, also fogar die formale Berechtigung, auf eine Milderung nicht nur, sondern auf eine Abkürzung der Besazungsfristen hinzumirfen, und dabei innerhalb des Versailler Bertrages zu bleiben. Daß dieser bedeutsame Artikel über die Verkürzung der Bejagungsfristen etwa des halb teine Unwendung finden dürfe, weil Deutschland die Locarno, 6. Oftober.( Drahtbericht unseres Sonderforresponden denten.) Alle über Artifel 16 strittigen Fragen mit Ausnahme einer Garantie der Oftgrenzen follen offiziell auf der Konferenz nicht behandelt werden. Damit ist aber noch nichts gefagt. Auch auf der Londoner Konferenz hieß es ähnlich. Auch hier sollte die Ruhrräumung nicht einmal gestreift werden und doch tehrte Marg mit der bestimmten schriftlichen Versicherung zurück, daß die Ruhr, wie es inzwischen auch geschehen ist, von den fremden Truppen entsegt werden sollte. Das Londoner Beispiel dürfte auch auf Locarno anwendbar sein und es fann deshalb jeder strittige und zwischen Deutschland Buntt Alliierten hier, wenn auch außerhalb des Rahmens der offiziellen Erörterungen, besprochen werden. Wir denken da vor allem an die Räu mung Kölns und die Entwaffnungsfrage. Die Lösung beider Fragen ist infolge der Haltung der Alliierten untrennbar miteinander verbunden. Grundfäßlich und das wird auch hier wieder bestätigt ist die Räumung der Kölner Zone im, November beschlossene Sache. Ihr endgültiger Termin hängt von der Erledigung der Entwaffnungsfrage ab, die im großen und ganzen be reinigt scheint und bei der man fich in Locarno nur noch über Streitpunkte zu einzelne immerhin aber fritische Streitpunkte zu befaffen braucht. Ja mir glauben fogar annehmen zu sollen, daß der Eintritt Deutschlands in den Bölterbund gleichbedeutend ist mit der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund gleichbedeutend ist mit der Räumung Kölns. Im übrigen aber sei jetzt schon darauf verwiesen, daß eine vertragliche Festlegung des Rau mungstermins in Locarno überhaupt nicht möglich ist, well es sich hier formell um eine Angelegenheit der Botschafter tonferenz handelt. Wirtschaftsdemokratie. Wo bleibt die Ausführung des Art. 165 der Verfassung? Aus dem Bureau des ADGB. wird uns geschrieben: „ Die Arbeiter und Angestellten sind dazu berufen, gleichRegelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie an der berechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken." Go lautet der Programmsatz im Artikel 165 nehmer an der Wirtschaftsführung ist aber nach wie vor heftig der deutschen Reichsverfassung. Die Beteiligung der Arbeit umstritten. Die Regierung stüßt sich auf die Macht der Kapitalbefizer und bemüht sich, ihren Schüßlingen das„ autonome" Recht zur Führung der Wirtschaft zu erhalten. Der in Borbereitung befindliche Entwurf des Reichswirtschaftsministeriums über die Gestaltung des endgültigen Reichswirtschaftsrats trägt diesem Bestreben besonders Rechnung. Die Regierung will - nach Geist und Inhalt dieses Entwurfs zu urteilen, daß über Richtung und Tempo der Produktivität der Wirtschaft allein die privaten Profitintereffen einer verhältnismäßig fleinen, aber sehr straff organisierten Schicht der Kapitalbefizer entscheiden sollen und nicht das Allgemeininteresse. In einer Regierungstundgebung des Reichsministers Dr. David vom 5. März 1919 wurde das Versprechen gegeben, daß die Wirtschaftsräte in der Verfass fung verantert würden. Im Artifel 165 der deutschen Reichsverfassung ist die Bildung von Betriebs- und Bezirks arbeiterräten und einem Reichsarbeiterrat vorgesehen; sie sollen mit den Vertretungen der Unternehmer und sonst beteiligten Boltstreifen zu Bezirkswirtschaftsräten und einem Reichswirtschaftsrat zusammen treten, zu dem aus gesprochenen 3med, um an den gesamten wirtschaftlichen Aufgaben mitzuwirken. Außer der Schaffung der Betriebsräte und des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats ist bisher von den Regierungen nicht der Versuch gemacht worden, dies Programm zu verwirklichen. Die Bezirkswirtschaftsräte werden in dem Referentenentwurf nicht einmal erwähnt, und da der Reichsarbeiterrat als Bestandteil des Reichswirtschaftsrates nach dem vorliegenden Entwurf unberüdsichtigt bleiben foll, fo setzt die Durchführung der Regierungsvorlage ein verfassungsänderndes Gesetz voraus. Mit der beabsichtigten Verfassungsänderung wird aber auch zugleich das Recht der Mitwirkung der Arbeitnehmer an den gesamten Aufgaben der Wirtschaft auf lange Zeit begraben. Dagegen müssen sich die Arbeitnehmer und ihre Organisationen mit aller Kraft wehren. Weiter wird die Forderung des Verfassungsausschusses des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates nach paritätischer Befehung der vorhandenen amtlichen Wirtschaftskammern, die noch immer als reine Unternehmerorganisationen in den Handels- und Gewerbe, Handwerks- und Landwirtschafts tammern als öffentlich- rechtliche Organisationen vom Staate gefördert werden, völlig ignoriert, trotzdem diese Borschläge dem Reichswirtschaftsministerium bereits seit Jamuar 1923 befannt sind. In diesen Kammern werden alle Fragen der Wirtschaft entscheidend beeinflußt, sie werden von allen Regierungsstellen als die allein fachlich und fachlich maßgebenden Zentralstellen der Wirtschaft angesehen und ihr Urteil wird entsprechend bewertet. Den Millionen Arbei= tern und Angestellten in Handel, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft wird der Zutritt zu diesen amtlichen Wirtschaftskammern nicht mur von den Unternehmern, sondern jetzt auch von der Reichsregierung verwehrt. Der Staat sorgt aber anderseits durch die Gesetzgebung dafür, daß die z Unternehmer in diesen Organisationen zwangsweise 3 u sammengeschlossen werden. Es ist, gelinde gefagt, eine grobe Mißachtung der deutschen Arbeitnehmer, wenn die Staatsorgane sie trotz des Botums des Reichswirtschaftsrats aus den amtlichen Wirtschaftskammern für alle fünftige 3eit ferns halten wollen. Die Regierung verfolgt aber besondere Absichten mit ihrer Borlage. Sie will den endgültigen Reiswirts schaftsrat zu einem wirtschaftlichen Beirat der Regierung degrabieren. Seine Tätigkeit soll teine selbständige, sondern eine von der Regierung mehr oder weniger angeordnete fein. Die Regierung versucht damit nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob der Staat tatsächlich über den großen fapitalistischen Mächtegruppen der Wirtschaft stände. Dabei ist jedermann 3euge dafür, welchen geradezu verheerenden Einfluß die fogenannten„ Kreise der Wirtschaft" durch ihre verschiedenen Organisationen in Industrie, Handel, Landwirtschaft und Banten auf die Gesamtwirtschaft und die gesamte Wirtschaftsund Staatspolitik ausüben fonnten und besonders auf eine Rechtsregierung ausüben. Gegen eine derartige Bormachtftellung der sogenannten Wirtschaftstreife wendet sich die Regierung nicht, wohl aber dagegen, daß die Arbeiter und Angestellten, die wertvollsten Wirtschaftsglieder, auf Grund ihrer praktischen Tätigkeit und Erfahrung als Subjette der Wirtschaft betrachtet sein wollen und Einfluß auf die Wirtschaftsorganisation verlangen. Regierung wie Wirtschaftsführer betrachten die Arbeitenden als Fremdkörper, denen man schließlich die politische Gleichberechtigung nicht mehr versagen tann, die aber in der Wirtschaft nur als notwendige Ausbeutungsobjekte ihre Pflicht zu erfüllen haben. So stehen denn dem Aufstieg der Arbeiter flaffe zum gleichberechtigten Mitwirkenden in der Produftion unendliche Schwierigteiten entgegen, die aber überwunden werden müssen, wenn die Schaffende Menschheit aus einem Objekt zum Subjett allen Schaffens werden soll. Die Durchführung des Referentenentwurfs bedeutet die Berewigung der hemmungslosen Profitwirtschaft. Schleunige Errichtung paritätisch von Unternehmern und Arbeitern verwalteter Wirtschaftskammern für Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft und Umgestaltung des Borläufigen Reichswirtschaftsrates zu einem wirklid organisd aufgebauten Wirtschaftsparlament nach dem Wortlaut des Artikels 165 der Reichsverfassung bedeutet aber den Beginn einer Wirtschaftsordnung, den ersten Auftakt zur wirt lichen Wirtschaftsdemokratie. Für dieses nächstliegende Ziel werden Arbeiter und Angestellte den Kampf in den kommenden Wochen mit aller Entschiedenheit führen. Sinowjews schwielige Faust. Wie das unverschämte und freche intellektuelle Bonzentum geschlachtet wird. Das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale das Ekki, wie es die Moskauer ohne Gefühl für die deutsche Sprache nennenappelliert gegenüber der bisherigen linten Führung der deutschen Kommunistischen Partei an die schwielige Fauft. Es hat plötzlich entdeckt, daß es die einfachen Arbeiter gegen eine Clique von frechen und anmaßenden intelleftuellen Bonzen" zu vertreten hat. Es hofft, daß die einfachen, naiven Arbeiter", wie es bei Sinomjem heißt, sich den Moskauer Befehlen ohne zu muden fügen werden. Aus diesem Grunde wird der einfache Arbeiter Thälmann als Sprech und Schreibautomat in das Bordertreffen des Kampfes gegen die Ruth- Fischer Maslom Leute geschoben, und Sinomjew streckt ihnen zwar nicht die eigene, aber die schwielige Faust Thälmanns entgegen. Mit dem fann er alles machen. 3 # Die Tonart des Kampfes der feindlichen Brüder in der APD. ist entsprechend brüderlich. Die linke Opposition, die beschimpften und abgefägten Führer, benußen das von M a sLom geschaffene Organ der Berliner Funktionäre" Der Junte", um gegen die Erefutive zu polemisieren. Diefer Bersuch, wider den Moskauer Stachel zu löden, wird von der Roten Fahne" mit der grobfloßigsten Antwort bedacht. Sie polemifiert im besonderen gegen den verantwortlichen tommunistischen Parteileiter in Groß- Berlin. Er muß sich jagen laffen, er treibe mit bewußten Entstellungen und Verdrehungen Pogromheze gegen Sinomjem"-armer, bearmer, bedrohter Sinowjem!- er sei umehrlich, demagogisch", er lüge, fälsche, entſtelle mit Liſt und Schlauheit", und schließlich wird ihm der folgende massive Saz von Sinowjew an den Kopf geworfen: „ Ich kenne die Psychologie von vielen Arbettern: Ja, wie kann ich, ein naiver Arbeiter, die Bartei führen, und solche ehrliche proletarische Bescheidenheit hindert ihn, diese historische Mission zu übernehmen. Das ist ein sehr schönes Gefühl, das man verstehen und schäzen muß, aber in der jezigen Lage ist es nicht am Plazz. Bei den Intellettuellen haben Sie eine andere Psychologie. Dort haben Sie diese Zweifel nicht. Lenz wird sagen: Es wundert mich nur, warum man mich nicht schon vor zwei Jahren vorgeschlagen hat. Ich kann das gut machen. Dieses unverschämte und freche intellektuelle Bonzenfum man hat drei Broschüren gelefen und nicht verdant und darum fann man alles. Wenn Sie in ein anderes System verfallen, so werden Sie dieser Frechheit helfen. Einer allein fann es nicht, aber wir werden unsere Kräfte verbinden, mir werden das zusammen machen." Sino wjew wird sich also mit der schwieligen Fauft Thälmanns verbünden, um den unverschämten und frechen intellektuellen Bonzen Rögler zu zermalmen. Einstweilen wird dem bescheinigt, daß er ein Trottel sei: " Der Genoffe Rögler ift der Leiter der Berliner Organisation, der größten Parteiorganisation in Deutschland und dieser Genoffe Rögler fennt noch nicht einmal das ABC der fommunistischen Organisationsform." Stilleben in Locarno. Bon Hans Besemann Der Fremdenverkehrsverein von Locarno hat es leicht, den Fremden zu imponieren. Der berühmte ewig blaue Himmel, der Schimmernde See, romantische Berge, Zypressenhaine- furz, alles, was zu einer richtiggehenden italienischen Landschaft gehört, ist in reichstem Maße vorhanden. Aber man tut noch mehr. Straßen werden aufgeriffen und gepflastert, und auf der Piazza Grande fährt ein Sprengwagen herum und verscheucht die angestammten Köter und Spaßen. Die Taris haben neue Zähler angeschafft ( der Preis wird je nach der Nationalität des Fahrgastes mutiplizierf), und jeden Abend deklamieren alle Hausdiener vor dem Bahnhof: Durch diese hobie Gaffe müssen sie tommen!" An der Bia del Palme liegt das Gerichtsgebäude. Hier wird die Weltgeschichte gemacht werden. Im großen Saal im ersten Stock steht ein feierlicher grüner Tisch. Da merft man gleich, was los ift. Unten vor der Tür aber steht ein alter Harfner mit seiner Mignon und singt die ergreifende italienische Canzone: Ich möchte einmal, ich möchte zweimal.. Bir Journalisten aber tagen im früheren Regierungsgebäude. in einem richtigen Balazzo mit Turm und Zinnen, mit großen Höfen und Sälen, und ein ganz berühmtes Deckengemälde von einem ebenso berühmten Maler ziert unser Arbeitsgemach. Auf schauend von Stimmungsbild und Interview sehe ich eine angenehm rundliche nackte Göttin in den indigoblauen Himmel steigen. Rings herum Rosen, mufizierende Engel und fröhliche Greise, die gern mitmachen möchten. . Die Hoteliers find jympathische Leute, alle loben sie Deutsch land und sind von seiner Wiedergeburt aufrichtig überzeugt- besonders wenn man bei ihnen wohnt. Deutschland kommt wieder hoch nehmen Sie doch noch etwas Spaghetti.." sagte der freundliche Wirt gestern abend zu mir. Ich dankte ihm im Namen meines schwergeprüften Baterlandes es geht wirklich wieder vorwärts. Welch eine Wendung durch Stresemanns Fügung! Diese Wiedergeburt farm man übrigens auch in der Spielhölle wahrnehmen nebenbei gesagt, eine neckische Sache. Ein fleiner Schlit: ten bekommt einen Schubs, und wenn er irgendwo anhalt, dann hat die betreffende Ede gewonnen. Diese besagten Ecken bedeuten verschiedene Länder: England, Frankreich, Italien, Belgien, die Schweiz und seit der Konferenz auch Deutschland. Bolen und die Tschechoslowakei sind nicht vertreten.( Was wird Herr Benesch dazu sagen!) Deutschland gewann so ziemlich während Frankreich schlechter abschnitt am besten ging es natürlich England. Der Croupier aber, ein Schweizer, blieb neutral und fäckelte ein. Am späten Nachmittag besuchte ich die Madonna del Sasso. Hoch hinaufgestellt am Bergeshange, von Rofen und Flieder um geben, steht die schöne, mütterliche Madonna, die Hände jegnend über See und Band erhoben zu ihren Füßen faß ein eifriger Aber das Verbrechen des Funfen" ist auch zu arg. Er hat es gewagt, fieben„ antifinowjewistische Artikel" bitte nicht mit der Zunge zu stolpern zu veröffentlichen, und sich ein Alibi zu verschaffen, indem er einen älteren Artikel von Sinowjem voranstellte. Darüber tobt die Rote Fahne" in moralischer Entrüstung: „ Aber gerade dieses Alibi ift die frechste Verhöhnung der Erefutive und des Genossen Sinomjew, den man über ein ganz anderes Problem zu Worte kommen läßt, als zu dem strittigen, über das man beabsichtigt, selbst zu sprechen. Das ist ein Vorgehen, das bisher in der Partei ohne Beispiel dasteht. Die Nr. 17/18 des Funken" wurde herausgegeben zu dem 3wed, zu den im Etti- Brief aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen. Bierzehn Seiten dieser Nummer sind dieser Aufgabe ge= widmet, zwei Seiten sind Sinowjem eingeräumt, um damit zu dokumentieren, daß man auch die andere Seite" zu Worte tommen nicht in der Streitfrage, um die es geht, erteilt, sondern in ganz läßt. Aber wie wir oben schon festgestellt haben, wird das Wort anderen, diese Streitfrage nicht berührenden Problemen. Das ist das frivolste Spiel, das wir je erlebt haben. Warum hat die Bezirksleitung Berlin- Brandenburg gegenüber ihren Funktionären und den Lesern des Funken" nicht auch Sinom jew über die deutsche Streitfrage sprechen lassen? Liegen doch gerade von Sinowjem hierüber genügend Dokumente und Auslaffungen vor. Also ein Mangel an Material, Sinomjem zur deutschen Frage reden zu lassen, besteht absolut nicht. Die Absicht, die mit der Methode der Bezirksleitung verfolgt wird, ist doch gar zu offensichtlich. Wenn das die Methoden der Diskussion in Berlin werden sollen, dann hört jede sachliche Distuffion auf. Wir sind überzeugt, daß auch die Funktionäre und die Mitglieder in Berlin es entschieden ablehnen werden, folche Distussionsmethoden als Grundsatz der Partei disfuffion in Berlin gelten zu lassen." Diefe Distuffionsmethoden, die hier so entrüftet gebrandmarkt werden, sind nämlich der Erefutive vorbehal ten. Sie hat unter dem Titel„ Der neue Kurs" eine Sie hat unter dem Titel„ Der neue Kurs" eine Anklageschrift mit Reden von Bucharin und Sino wjem, mit Resolutionen und Erklärungen gegen die bisherige linfe Führung veröffentlicht. Von der abgefägten Führung, speziell von Ruth Fischer, liegen genügende Dokumente und Auslaffungen vor, ein Mangel an Material, sie zur deutschen Frage reden zu lassen, besteht absolut nicht. Aber in der 87 Seiten langen Broschüre tommt sie nicht mit einem Wort und einer Zeile zu Worte. Der Leser fragt sich immer wieder: was haben die so grausam Geschächteten geantwortet? Haben sie nur meinend und reuig ihr Haupt verhüllt, als man ihnen nicht mir Unterwerfung, sondern auch ausdrücklichen Widerruf und Vergewaltigung des eigenen Intellettes und der eigenen Würde zumutete? Man sieht aus Sinomjews und Buchárins Reden, daß Ruth Fischer geantwortet hat. Warum dürfen die deutschen kommunistischen Arbeiter nicht erfahren, was sie sagte? Es ist sicher eine freche, unverschämte intellektuelle Bonzenanmaßung, daß die von Ginowiew als schlachtreif angesehenen linten Kommunisten im Funfen" gewagt haben, diese Disfuffionsmethode von Sinowjem nachzuahmen. Da hört freilich jede fachliche Diskussion auf, wenn neben Sinomjew auch noch ein anderer sich untersteht, zu reden! Die fommunistischen Führer, die fo graufam von Sinom iem geschlachtet werden, tun uns nicht leid. Sie haben es felbft genau fo getrieben. Aber die fommunistischen Arbeiter tun uns leid. Sie werden von den Sinomjem und Ronforten in Moskau samt und fonders für Joioten gehalten, mit denen man alles anfangen kann, wenn man nur etwas der schwieligen Faust schmeichelt und gegen das freche intellektuelle Bonzentum donnert, legten Kämpfen in Marotto neue, faft geräusch lose ante Fortschritt. Wie Havas aus Fes berichtet wird, find bei den berwendet worden; sie haben einen Attionsradius von 50 km und eine Schnelligkeit von 12 km. Journalist und studierte in der Gera" die neuesten Depeschen. Da bei drehte er der Madonna oftentativ die Kehrseite zu. Sie hat es ihm aber nicht übel genommen, sondern nur still gelächelt. Tragödie der Elternschaft. An Paul Graldys Schauspiel Hochzeitstage", das gestern das kleine Theater" zum erstenmal aufführte, fann man feine an Ereignissen reiche Handlung und keine dramatische Zuspizung bewundern. Es behandelt auch nicht ein tiefgründiges, weit abliegendes Problem. Was auf der Bühne vorgeht, ist ganz alltäglich. Ein junges Paar heiratet, entschwirrt dem sorgenden Elternhaus, ein Jüngling wird zum Mann, hat unglückliche Liebschaften und vertraut sich weder Bater noch Mutter an. Alles dreht sich um die junge Welt, die fieghaft und rücksichtslos fich und ihre Angelegenheiten wichtig nimmt. Niemand denkt in dem haftigen Wirbel, den die Jugend aufrührt, an die Eltern. stehen sie ohnmächtig in der Ede. Abgehalfert. Sie wagen nicht sich Sie wollen raten und wollen helfen; aber zur Untätigkeit verurteilt, über diese aus Beichtfertigkeit geborene Herzlosigkeit zu beklagen, weil sie fürchten, das Restchen von Kindesliebe auch noch zu verlieren. Was das Stück über die dramatische Serienproduktion hinaushebt, ist der tändelnde und selbstverständliche Ton, in dem das schwermütige Lied ertönt. Der Regisseur Erich Pabst hatte es an sich nicht schwer, uns fteller stand ihm zu Gebote. Auf seine Gutseite kommt das Gefchic, einen genußreichen Abend zu schenken. Eine Reihe erlesener Dardie Klippe der Rührfeligkeit zu umschiffen und ein harmonisches Zu sammenspiel zu schaffen. Das Elternpaar spielen Lucie Höflich und Eugen Burg. Eugen Burg vornehm mit verhaltenem Tempe rament, das Muster eines fürsorglichen Vaters. Alles verstehen heißt alles verzeihen, wollte jede seiner Szenen jagen. Luci Höflichs Kunst fließt von der Bühne ins Partett herab. Wer dachte gestern nicht an die Tragödie der eigenen Mutter, wenn diese Künstlerin ganz Innerlichkeit, ganz Entsagungsbereitschaft sich an das letzte Quentchen Liebe ihrer Kinder flammert. Wolf ersten, Otto Schmöle, Dagny Serva es fügten sich gut in den Rahmen. Nur Grete Jacobsen ließß es an Natürlichkeit mangeln. Es schien alles gewollt, nicht aus dem eigenen Herzen strömend und auch teit, was sicherlich nicht dem Willen des Autors entspricht. Dgr. nicht durchdacht. Ihre Leichtfertigkeit grenzte an herzlofe GrausamRuhe ist die erste Gesundheitspflicht. Der Sport ist heute die Parole des Tages, und derjenige, der sich gegen den Rugen der törperlichen Uebungen wenden wollte, dürfte tauben Chren predigen. Aber wie jede llebertreibung bringt auch das allzu eifrige Training gar manche Gesundheitsschädigung mit sich. In unserem haftigen Lebenstempo verlernen wir das geruhjame Behagen immer mehr, und der nervösen Anspannung aller Kräfte entspricht auch die so leidenschaftlich betriebene Steigerung der förperlichen Leistung. Da darf denn wohl auch ein Lobredner der Ruhe einmal gehört werden, und es ist bezeichnend, daß es eine englische Stimme ist, die sich gegen den Trainingwahnsinn" wendet. Neill Bell schreibt in einem Londoner Blatt:„ Der Anblick Don Sportsleuten, die sich trainieren, ist ein trauriges Schauspiel. Rein Sklave auf den Galeeren hat jemals härter gearbeitet als diese Leute. Und doch überanstrengen fie damit nur ihre Herzen und verkürzen ihr Leben. Die Leiden Stahlhelmpleite. die nationale" Bresse Mitteldeutschlands auf den StahlhelmSporttag aufmerksam gemacht, der am Sonntag stattfand und angeblich eine Wiederholung des Ludendorff- Tages sein sollte. Flugzeuge und Automobile sollten in ungeahnter Schönheit durch ihre Darbietungen Publikum und Fremde herbeiziehen. Wer jedoch am Sonntag die historische Rennbahn sehen konnte und dort statt der versprochenen nationalen Fronikämpfer die armselige Gesellschaft betrachten durfte, die sich zum Teil in blauer Friedensuniform mit den ungeheuren Ordensschnallen, einem Gemisch von unverdienten Kriegs- und sicher hoch verdienten Phantasie orden der„ Baterländischen Verbände" dort bewegte, den packte tatsächlich Mitleid. Auch die Herbeiziehung des alten Herrn Mack ensen und seine Beförderung zum Ehrenmitglied des Bundes der Frontsoldaten hat den Tag nicht verschönen können. ganzen Berlauf des Festes" war, von der Ehrung alles andere, els Offensichtlich ist Mackensen, der zwar sichtlich erfreut über den begeistert gewesen; denn der mangelnde Flaggenschmuck, die Gleichgültigkeit des Publikums mußten ihm sagen, daß es vorbei ist mit der erstrebten Herrschaft der Stahlhelmleute. Der Regierungspräsident von Merseburg hatte für diesen Tag das Tragen von Stöden verboten. Es war daher ein er freulicher Anblick, die Herrlein, die sonst mit Knüppelschwenken durch die Straßen gingen, diesmal ihre Hände in der Hosentasche verbergen zu sehen. Während des Tages kam es daher nicht zu Zusammenstößen und Unruhen irgendwelcher Art. Erst als die ,, na tionalen" Herrlein in der Nacht wieder im Besiz ihrer Knüppel waren, fam es in einer Anzahl von Stadtteilen zu Schlägereien, aber nicht zwischen Stahlhelmleuten und Andersdenkenden, sondern die Stahlhelmmer prügelten fich untereinander, augenscheinlich unter dem Einfluß des um 20 Prozent verbilligten Alkohols. Halle, 5. Oftober( Eigener Drahtbericht). Seit Monaten hatte Gegen Schieles Schulgesetz. Köln, 5. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Eine Konferenz der der Demokratischen Partei des Wahlkreises KölnAachen beschäftigte sich mit dem neuen Reichsschulgesetentwurf und nahm nach gründlicher Aussprache eine Entschließung an, in der der Parteitag mit aller Schärfe prote stiert gegen den Reichsschulgefeßentwurf, weil er die Berfaffung verletzt, die Hoheitsrechte des Staates über die Schule aufgibt und Bildung und Erziehung unter den alleinigen Einfluß der Kirche( oder der Weltanschauungsgesellschaften) stellt und weil er die rechtliche Stellung des Lehrers gefährdet. Der Parteitag er wartet von der Parteileitung, daß fie mit aller Energie dahin wirft, daß dieser Entwurf zurüdgezogen und durch ein Reichsschulgeset ersetzt wird, das der Berfassung entspricht und die Gemein. schaftsschule( Simultanschule) mit Religionsunterricht erstrebt. Pariser Zeitungsgründungen. „ La Volonté" ein nenes Blatt des Kartells. Paris, 6. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem Namen a Bolonté"(„ Der Wille") wird Ende dieser Woche in Paris ein neues Blatt erscheinen, das sich die Förderung der Kar tell politit zum Ziele fezt. Der Neugründung soll u. a. auch Herriot nahestehen. Der Anlaß zu dieser Neugründung dürfte die Tatsache sein, daß vor einiger Zeit der Finanzminister Caillaug die Ere Nouvelle", die bis dahin die Vorfämpferin des Ge bantens eines engen Zusammenschlusses der Linksparteien gewesen ist, an sich gebracht und sie in ein ausgesprochen antisoziali. stisches und demigemäß fartellfeindliches Fahrwaffer ge leitet hat. Die politische Leitung des neuen Blattes wird der bisherige politische Direktor der„ Ere Nouvelle", Dubary, übernehmen, dem ein großer Teil seiner bisherigen Mitarbeiter in die Redaktion der Bolonté" folgen wird. Wie wir weiterhin hören, soll auch Tarbien, der ehemalige Mitarbeiter Clemenceaus, die Absicht haben, das von ihm gegründete Echo National", das nach der Niederlage des Nationalen Blods im vergangenen Jahre eingegangen ist, wieder erscheinen zu laffen. | schaft für Körperübungen ist der letzte Wahnsinn der Menschheit. Man vergißt darüber, daß die Ruhe die Mutter aller großen Entschlüsse und aller genialen Taten ist, daß im Stillen das Ewige reist. Es gibt zu denken, daß man großen Männern immer wieder Trägheit nachgesagt hat. Diogenes in seiner Tonne, Sokrates auf seinem Zager, Napoleon in seinem Wagen begnügten sich mit dem Mindeſtmaß förperlicher Bewegung, um ihre geistige Arbeit nicht zu beeinträchtigen. Man betrachte die Tiere. Das Pferd rennt wie wahnsinnig, wenn es angestachelt wird, und es stirbt mit 30 Jahren; der Hund ist sein ganzes Leben in ewiger Bewegung und bringt es mit Mühe auf ein Dugend Jahre; die beweglichen Katzen, die Nacht für Nacht durch die Gärten und über die Dächer turnen, werden nicht älter als 15 Jahre. Kein Tier, dem das Bedürfnis nach schneller Bewegung angeboren ist, bringt es zu einem hohen Alter. Auf der anderen Seite aber wird der schwerfällige, fich mühsam bewegende Elefant 100 Jahre; der Papagei, der seine und die Riesenschildkröte, die sich faum bewegt, überdauert zehn Stange nicht verläßt, bringt es sogar bis auf zwei Jahrhunderte, Generationen der Menschen. Der Mensch scheint mir von Natur nicht zu den beweglichen Tieren" zu gehören. Auch er bedarf der Ruhe, und je weniger er sie sich gönnt, desto stärker zehrt er an seinem Lebensmart." am Londoner Court- Theater Shaw ohne Striche. Shaw hat jetzt bereits in England die klaffische Geltung erreicht, daß man seine Werke ohne Striche spielt. gabe auf der Bühne starke Ansprüche an die Aufmerksamkeit der Nun sind manche von ihnen so lang, daß ihre mortgetreue WiederBuschauer stellt. Sein umfangreichstes Drama ist Burück zu Methu falem", und dieses Werk murde 5 Abende hintereinander gespielt, so daß die Aufführung des ganzen Stückes 22 Stunden dauerte. Bei der Berteilung auf 5 Aufführungen ließ sich das immerhin noch aushalten. Jezt aber wird im Regent- Theater Mensch und lebermensch" gegeben und zwar mit dem 3. Aft„ Don Juan in der Hölle", der sonst gewöhnlich fortbleibt. Die Aufführung dauert länger als 6 Stunden und wird daher schon um 5 beginnen. Die Siegfried- Aufführung in der Stadtijden Dper" beginnt heute um 6 Uhr. Ueber Jugendbewegung und Voltshochschule fpricht Dr. Billor Engelhardt am Donnerstag, 8 Uhr, in der Gemeindeschule Treptow, Wildenbruchstr. 33. Eintritt unentgeltlich, Für die Freiheit der Kunst, der unter Borantritt der Bühnengenoffen. ihaft zahlreiche Verbände und Persönlichkeiten in der vorigen Boche einen Aufruf widmeten, findet am Sonntag, borm. 11 Uhr, eine öffentliche werden sprechen; Staatsminister a. D. Bolfgang Heine, SenatsProtestversammlung im Theater am Rollendorfplatz statt. präsident Freymuth und Dr. Ludwig Fulda. Eintritt frei. Eine neue Zeitschrift. Am 9. Oktober beginnt im Ernst- Rowohlt- Verlag, Berlin W 35, unter der Schriftleitung von Willy Haas eine neue illuftrierte literarische Wochenzeitung, die Literarische Welt" zu erscheinen, die den Versuch machen will, im Rahmen des Zeitungsformats ein breites Bublifum für die wichtigsten Probleme der deutschen und ausländischen neueren Literatur zu gewinnen. Preis der Nummer 20 Pf. Der Maler der Bretagne" gestorben. Der Maler der Bretagne", Charles Gottet, ist dieser Tage im Alter von 62 Jahren nach einem langen Leiden gestorben. Seine letzten Arbeiten liegen schon verschiedene Jahre zurüd. Der Staatsanwalt von Grevesmühlen. Zuchthausantrag gegen die leberfallenen. Der Landfriedensbruchprozeß gegen die Reichs banerleute in Grevesmühlen ist so weit gediehen, daß am Mittwoch wahrscheinlich das Urteil gesprochen werden wird. Am Montag hielt der Staatsanwalt seine Antlagerede. Die Ergebniffe der Beweisaufnahme find für ihn einfach nicht vorhanden. Die Tat sache, daß die völkischen Landfnechtshorden mit Doichen und Schießeisen die Reichsbannerleute überfallen haben, daß sie sogar die einschreitenden Polizeibeamten fchmer mißhandelten, spielt für diesen mecklenburgischen Staatsanwalt feine Rolle. Er hält die Reichsbannerleute, die sich in der Notwehr befanden und bestenfalls die Notwehr überschritten haben, für Landfriedensbrecher und die Roßbach- Leute für Ehrenmänner, die am Zeugentisch erscheinen dürfen. Aus diesem Gedankenfreis heraus beantragle er gegen den Arbeiter Kühn, den er als„ Rädelsführer" beim Landfriedens bruch ansieht, einundeinhalb Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust(!), gegen die Arbeiterfrau Schmedemann ein Jahr Gefängnis und gegen die übrigen Angeklagten ebenfalls Gefängnisstrafen von vier Monaten bis zu einem Jahr! Mit Recht protestierte der Berteidiger Dr. Braun gegen diese einseitige Brozeßführung. Er wies darauf hin, daß, wenn überhaupt ein Landfriedensbruch in Frage fäme, ihn nach der Beweisaufnahme die Bölkischen begangen hätten. Es gehe nicht an, wie es der Staatsanwalt getan habe, den Roßbachern allein Temperament und Ehrgefühl zuzuerkennen. Das Gebäude der Anklagen sei doch unter den Zeugenaussagen völlig zufammengebrochen. Aus diesem Grunde beantragte der Berteidiger die Freisprechung fämtlicher Angeklagten. Es ist möglich, daß noch einmal in die Beweisaufnahme einge treten wird, da die Verteidigung neues Material erhalten hat, wonach in der einem Roßbacher abgenommenen Pistole die Hülfe einer abgeschossenen Patrone gefunden worden ist. Frauentagung in Weimar. Nationalsozialistische Sprengungsversuche. Weimar, 5. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die fiebente Tagung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit wurde am Montag abend durch eine öffentliche Ber: fammlung im Weimarer Stadthaus eingeleitet. Als die Verfammlung ihren Anfang nehmen sollte, unternahm der Schriftleiter eines thüringischen nationalsozialistischen Wochenblättchens einen Stö. rungsversuch, der durch seine im Saal geschicht verteilten Anhänger in jeder Hinsicht unterstügt wurde. Das von den Nationalfozialisten verlangte Wort zur Geschäftsordnung war das Signal zu einem großen Lärm, der inszeniert wurde, um die Versammlung unmöglich zu machen. Als es der Borsigenden der Frauenliga, Frau Heymann, nicht gelang, Ruhe zu schaffen, schloß sie die Versammlung und ließ durch die inzwischen verstärkte Polizei den Saal räumen. Die Räumung des Saales nahm infolge des renitenten Betragens der Nationalsozialisten eine geraume Zeit in Anspruch. Der Besonnenheit des anderen Teiles der Besucher der Versammlung ist es zu danken, daß es nicht zu den beabsichtigten Zusammen. stößen gekommen ist. Die auf eine Stunde später anberaumte Versammlung tonnte die Vorträge von Augufte Kirchhoff Bremen und Milena Jlowà über die Arbeit und das Ziel der Frauenliga entgegennehmen. An der Bersammlung nahm auch Marguerit Go bat- Genf teil Es geht los! Es geht los. Die nationalistischen Barteireisenden paden ihre Musterfoffer mit den Wahlschwindelofferten. Sie haben allerdings diesmal einen recht schweren Stand, die jungen Leute der schwarzweißroien Parteien. Auch die Hoffnung auf die Dummheit darf nicht ins Grenzenlose gehen. Luthers Hungeroffensive, die Raubzüge der Agrar- und Schwerindustrie, der grenzenlose Betrug an den gläubigen Rentnern, die Margarine, die heute mehr foſtet als gestern, das alles sind zu harte harte Nackenschläge für die Minderbemittelten, das alles berührt die Lebensinteressen des fleinen Mannes zu unmittelbar und einschneidend. Allzu lange hat man dem Bolle vorgegautelt, daß Revolution und Republik Ursache allen Elends seien. Allzu lange hat man mit den Methoden der Mistgabel und der persönlichen Berunglimpfung die Vertreter des Bolles unschädlich zu machen versucht. Sie hezen wohl noch wie früher, aber es fehlt der alte Elan. Was ihnen an Mut mangelt, werden die Gegner der Republik durch verstärkte Offenfiven der Gemeinheit auszugleichen fuchen. Die Richtlinien der deutschnationalen Barteileitung, die für die bevorstehenden Wahlen cusgegeben sind, eröffnen in dieser Beziehung eine ungewöhnliche Fernsicht. An den breiten Massen des Bolfes liegt es, mit der politischen Hochstapelei gründlichst aufzuräumen Der Wahlkampf beginnt! An unseren Parteigenossen ist es, Mann für Mann auf dein Posten zu sein. Der Wahltag vom 25. Oftober muß ein Tag der Abrechnung mit allen Gegnern des Boltsstaates werben, mögen sie stehen, wo sie wollen. Dem Block der Boltsfeinde wird die Arbeiterschaft den Block der kämpfenden Boltsfreunde entgegenstellen. Die heutigen Maffenversammlungen der Sozialdemokratie in allen Stadtteilen Berlins müssen ein imposanter Auftakt der einjezenden Wahlschlacht sein. Anfang gut, alles gut, lautet ein alter Spruch. Sorgen wir dafür, daß der Anfang gut und das Endergebnis vortrefflich ist. Brandstiftung eines Nervenkranken. Eine vorsätzliche Brandlegung eigener Art rief heute früh die Feuerwehr und die Brandtommission nach dem Grundstück Dahlemer Str. 73 in Groß Lichterfelde. Hier steht in einem Garten eine fleine Billa, die von dem Erbauer, dem 69 Jahre alten aus Wien gebürtigen Schriftsteller Emil Beschtau und seiner Frau bewohnt wird. Früher wehnten auch die sieben Kinder des Ehepaares bei den Eltern. Seit einem Jahr hat das Ehepaar zwei Räume im Erdgeschoß an den Schriftsteller Fiedler und dessen Frau vermietet. Beschtau ist nerventrant und gilt allgemein als ein Sonderling. Seit Jahren schon ist er mit seiner Familie zerfallen. Nach neuen Streitigkeiten, die sich gestern abspielten, machte sich ein Brandgeruch im Hause bemerkbar. Die Brandkommission der Kriminalpolizei wurde alarmiert und die Beamten stellten vier Brandherbe fest, die mit großer Sorgfalt angelegt waren. Beschkau hatte zunächst auf dem Boden unter Benugung von Wolle, Sofatiffen, Bapier und Reifig einen mit Petroleum begoffenen Schrank und Stuhl angestedt. In seinem Wohnzimmer hatte er ein mit Papier umwideltes und mit Betroleum begoffenes Sofafiffen unter einem Stuhle angezündet, ebenso ähnliche Sachen in seinem Arbeitszimmer. Im Keller hatte er fleingeschlagene Riftendeckel und Gerümpel in der Nähe eines Rohlenstapels in Brand gejetzt. Um der Feuerwehr den Zugang zum Steller zu versperren, hatte er die Treppe mit Betroleum begoffen. Dieses anzuzünden hatte er jedoch beim Weggang vergessen. Im Keller hatte er den Haupthahn der Gasleitung und oben alle Gashähne geöffnet. Durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr wurden jedoch alle Verfuche, bte ganze Billa in Asche zu legent, bereiteft.| schichten zufammen, die natürlich auch verschiedener politischer Ein Beschlau erklärte, als Fiedler ihn einholte und anhielt, daß er auf dem Wege zum Polizeirevier gewesen sei, um jeine Brandlegung selbst anzuzeigen. Er habe die Absicht gehabt, die ganze Mörder höhle" niederzubrennen. Der alte Mann wird dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Dann werden sich aber wohl zunächst die Psychiater mit ihm zu beschäftigen haben. Mehr Rücksicht auf Kriegsbeschädigte! Es gibt immer noch Leute, die nicht zu wiffen scheinen, daß wir einen mörderischen Krieg durchgemacht haben, der uns ein Millionenheer von Rriegsbeschädigten hinterlassen hat. In den meisten öffentlichen Gebäuden fucht man vergeblich nach Einrichtungen, die es Schwerkriegsbeschädigten lichen erleichtern könnten, die in den oberen Stodwerten und übrigens auch anderen Gebrechlichen, Schwächlichen und Kräntuntergebrachten Bureaus aufzusuchen. Klage zu, daß beim Amtsgericht in der Neuen Friedrich Aus den Kreisen der Schwerfriegsbeschädigten geht uns die straße, wo das Bureau zur Abgabe der Kirchenaustrittserklärungen sich nicht zu ebener Erde befindet, anscheinend tein Fahrstuhl vorhanden ist, den ein Gebrechlicher benutzen Wähler- kundgebungen stellung sind. Wir betreiben lediglich Wassersport und sind mit den zahlreich in unserem Klub vertretenen Kameraden gleicher Parteigesinnung der Ausgeschiedenen einer Ansicht, jedwede politische Tendenz, ob Reichsbanner, Sowjetstern oder Hakenkreuz, dem Sport unter allen Umständen fernzuhalten. Anwürfe wie feudaler Monarchistenflub", Flaggenstürmer", mon archistische Gefilde" usw. weifen wir als unwahr energisch zurüd. Unsere Räume find geöffnet für jeden Sportler zur Gesundung und Erhaltung seines Körpers, verschlossen aber für alle die durch politische Agitation den Frieden und die Ordnung bei uns zu stören gedenken. Interessant an dieser Berichtigung ist, daß der Kanu- Cinb Treptom nicht unterscheiden fann zwischen den verfassungs. mäßigen Farben der Republik und den Parteiabzeichen, Ausrede von dem„ nicht Politik treiben“ ist zu abgedroschen, als mie fie etwa ein Sowjetstern oder ein Hatentreuz darstellen. Die daß sie auf wirkliche Politiker noch einen Eindruck machen könnte. unserer eingangs erwähnten Mitteilung auch nur gegeißelt haben! In diesem Falle bedeutet die Abstinenz den Reichsfarben gegenüber eine Stellungnahme gegen die Republik. Das wollten wir in Die unauffindbare Berta. 12 Jahre Zuchthaus für einen Einbrecher. Eine große Schar junger Verkäuferinnen aus den Zweiggeschäften einer Buttergroßfirma mußte vor dem Schwurgericht III in einer Schießaffäre als Zeugen auftreten. Zur Verhandlung stand heute, Dienstag, den 6. Oktober, 7½ Uhr abends eine Anflage gegen den mehrfach vorbestraften Händler Mag Stein, Miffe: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Straße 71. Nationalhof Bülowstraße 37. Wedding: Pharusfäle, Müllerstraße 142. Prenzlauer Berg: Oberrealschule, Pasteurstraße 44. Friedrichshain: Andreas- Festfäle, Andreasstraße 21. Kreuzberg: Rabe, Fichtestraße 29. Charlottenburg: Leibniz- Oberrealschule, Schillerstraße 126. Wilmersdorf: Spichernsäle, Spichernstraße 3. Schöneberg: Uhlandschule, Kolonnenstraße 24. Steglitz: Oberrealschule, Elisenstraße. Mariendorf: Realgymnasium, Raiserstraße. Neukölln: Wintergarten( Schultheiß), Hasenheide 22. Treptow- Baumschulenweg: Nitschke, Am Treptower Park. 26. Köpenid: Stadttheater, Friedrichstraße 6. Lichtenberg: Cecilien- Lyzeum, Rathausstraße 8. Bohnsdorf: Lokal Schulz, am Dorfteich. Weißensee: Borussia- Brauerei, Berliner Allee 202. Weißensee: Borussia- Brauerei, Berliner Allee 202. Panlow: Linder, Breite Straße 32. Reinidendorf: Ramlow, Kaftanienwäldchen, Schönholz 14. Redner: Aufhänser, Clara Bohm- Schuch, Brolat, Brolat, Crispien, Czeminski, Edardt, Flatan, Dr. Käte Frankenthal, Gutschmidt, Hah, Ad. Hoffmann, Hörfing, Horlitz, Heltmann, Kuttner, Künstler, Dr. Lohmann, Lüdemann, Dr. Levi, Litte, Leid, Otto Meier, Mielih, Dr. Moses, Rohde, Reuter, Liesbeth Riedger, Reimann, Scheidemann, Mathilde Wurm, Stelling, Adele Schreiber- Krieger, Rob. Schmidt, Urich, Dr. Weyl, Dr. Weinberg, Wendt, Wermuth, Dr. Witte. Mittwoch, den 7. Oftober, 7% Uhr abends: Prenzlauer Berg( 31. Abt.): Schulaula Schönfließer Str. 7. Schöneberg: Siedlung Lindenhof im Ledigenheim. Johannisthal: Botha( Bartrestaurant), Stubenrauchstraße. Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Niederschönhausen: Sanssouci, Kaiser- Wilhelm- Straße. Redner: Clajus, Gebauer, Heilmann, Hiege, Kafper, Dr. Lohmann, Lempert, Rohde, Reimann. Tagesordnung in allen Rundgebungen: Der Rechtsturs in Deutschland und die Parteien! Warum muß Berlin am 25. Oktober fozialdemokratisch wählen?" Frauen- Kundgebung aus Minst gebürtig, wegen versuchten Totschlags in drei Jällen, mit dem erschwerenden Moment, sich der Ergreifung auf frischer Tat zu entziehen. Anfang März d. 3. beobachtete ein in einem Hause in der Schönhauser Allee wohnender Hausdiener, daß in den Abendstunden ein unbekannter Mann auf leisen Sohlen die Treppen heraufgeschlichen fam und sich mit einem Schlüssel an der Wohnungstür, die zu den Schlafräumen der Buttermamsells führte, zu schaffen machte. Auf seinen Anruf: Was machen Sie dort?" ging der Unbefannte mit vorgehaltenem Revolner auf den jungen Mann zu. Der Hausdiener umflammerte den Angreifer und rief um Hilfe. Darauf tamen auch die Eltern des jungen Mannes aus der Wohnung zu Hilfe. Dem Angreifer war es aber gelungen, sich freizumachen, und er feuerte nun blindlings Schüsse ab. Der alte Bater erhielt zwei Kugeln in die Bedengegend, und nur einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, daß er mit den Leben davonfam. Auch der junge Mann wurde durch einen Schenkelschuß zu Boden gestrecki. Inzwischen waren andere Hausbewohner herbeigeeilt, denen es gelang, den Revolverhelden festzunehmen und ihn, nachdem man ihm eine tüchtige Tracht Prügel verabreicht hatte, der Polizei zu übergeben, die ihn als einen schon mit Zuchthaus wegen Einbruchsdiebstahls verurteilten Mag Stein feststellte. Man fand bei ihm außer den Nachschlüssel zu den Schlafräumen der Berkäuferinnen auch einen Nachschlüssel zu dem in diesen Räumen befindlichen Tresor für die Tagestasse des Buttergeschäftes sowie einen Dietrich. Stein behauptete, daß er ein Liebesper hältnis mit Berta", einer der Verkäuferinnen, gehabt habe besuchen könnte. Für den Besiz des Tresorschlüssels gab er die Erund von dieser den Schlüssel erhalten hätte, damit er sie zu jeder Zeit flärung, daß Berta" ihn habe anstiften wollen, die Geschäftstasse auszuleeren. Aus diesem Grunde waren auch die sämtlichen Verfäuferinnen der zahlreichen Filialen geladen worden. Es befand fich aber unter ihnen feine Berta. Der Angeklagte fonnte auch feine der jungen Damen als seine Geliebte erkennen. Das Gericht fam daher zu der Ueberzeugung, daß Stein einen Einbruch versucht habe, und glaubte, den gemeingefährlichen Berbrecher auf lange Zeit unschädlich machen zu müffen; er erhielt 12 Jahre 3uchthaus und 10 Jahre Chrverlust zudittiert. An der Quelle der Brauer. In den geräumigen Ausstellungshallen des Instituts für bas Garungsgewerbe in der Seestraße wurde am Montag Dormittag um 10 Uhr die 20. Brauerei und Kellerei. maschinen Ausstellung, die mit der 22. Deutschen Gersten. heute, Dienstag, den 6. Oktober, 7/2 Uhr abends Apparate zur Erzeugung tohlensäurehaltiger Getränke in mannigRosenthal: Lokal Moeller, am Bahnhof. Rednerin: Erna Kreffe. und Hopfenausstellung verbunden ist, eröffnet. Im Anschluß an die formelle Eröffnung der Ausstellung fand ein Rundgang durch die Ausstellungshallen statt, die ein plastisches Bild vom Wirken dieses Spezialzweiges der deutschen Industrie bot. Die unendliche Fülle der ausgestellten Waren verbietet es, auf Einzelheiten einzugehen. Neben Kellereimaschinen wie Pumpen, Flaschenreinigungs- und Abfüllanlagen, Faßbierabfülleinrichtungen, Berschluß- sowie Etikettier. maschinen, Tants und Bottichen, sind Transportfäffer in Metall und Holz, Modelle von Mälzereien und Brauereieinrichtungen sowie fachster Nuancierung ausgestellt. Es ist eine Revue technischen Bettrennens, wie sie umfangreicher wohl taum gedacht werden kann. Die Galerie der großen Halle ist für die Gersten, Brauweizen- und Hopfenmuster der diesjährigen Ernte reserviert. Einzelne Zahlen geben ein Bild, in welchem Maße sich die Züchter dem Hervorbringen neuer Arten widmen. So find u. a. 286 Sommer- und 17 Bintergerften sowie 136 Hopfen ausgestellt. Für die Ausstellung find mehrere Tage vorgesehen. Im übrigen eine Frage: Warum sieht man unter sovielen Fahnen der Berlegenheit nicht eine Fahne des Deutschen Reiches? Segelflug als Jugendsport. tönnte. Soll vielleicht diesen Bedauernswerten überhaupt bie Möglichkeit entzogen bleiben, ihren Kirchenaustritt zu Brotokoll zu geben? Lezthin erlebte es ein Kriegsbeschädigter, daß ein Beamter, den er für einige in Rollstühlen heran gefahrene Schwertriegsbeschädigte um Rücksicht bat, ihm turz antwortete, so etwas tönne er nicht machen. Gewiß, ein und vielleicht hätte er sich auch einen Anschnauzer geholt, wenn er folcher Fall mag in seinen Dienſtvorschriften nicht vorgesehen sein, Die Berliner Arbeitsgemeinschaft für motorlofen durch die den Schwerkriegsbeschädigten gewährte Rücksichtnahmeorf. Vor allem handelte es sich darum, den Segelflug als ge Flug veranstaltete Vorführungen ihrer Apparate in Ra bns. die Erfüllung der anderen ihm auferlegten Pflichten verfäumt oder eigneten Sport für die Jugend hinzustellen. Die staatliche Haupt. verzögert hätte. Aber wenn das zutrifft, dann wird dadurch doch ftelle für naturwissenschaftlichen Unterricht batte einen Lehrfuriué nicht die berechtigte Forderung entfräftet, daß in solchen Ge für Studienräte eingerichtet, der sie mit den Vorzügen des Segel bäuden überhaupt mehr Rücksicht auf Schwer. friegsbeschädigte genommen und zu diesem Zwed eine flugsports vertraut machen sollte. Die Vorführungen, denen Ver treter der Regierung und des Magistrate beiwohnten, zeigten von genügende Zahl von Fahrstühlen eingebaut wird. Die Kriegs beschädigten können boch wahrhaftig nichts dafür, daß sie das Opfer neuem, daß der Segelflugiport ungefährlich ist. Trotz des böiger eines Krieges geworden sind, den die ruchlose hehe nationalistischer rung. Vorträge erläuterten die Technik und die Prinzipien del Wetters gelangen die Vorführungen ausgezeichnet, ohne jede Sto. Kreise mitverschuldet hat. Segelflugbaues. An den Vorführungen beteiligten sich Schüler des Herder- Gymnasiums und Mitglieder des Berliner und Branden burgischen Segelflugvereins. Man fönnte auch erwägen, ob nicht Bureaus, in denen ein Massenandrang, wie bei den Kirchenaustrittserklärungen, zu bewältigen ist, an leichter erreichbaren Stellen unter gebracht werden könnten. Bei Bureaus, die im Laufe eines Bormittags vielleicht nur ein halbes Dugend Besucher zu verzeichnen haben, ist es eher zu ertragen, daß man ihnen Räume in einem entfernt liegenden Winkel oder in einem oberen Stockwerf des Gebäudes anweist. Nochmals: Der gefürchtete ,, Reichsbannerwimpel". Vor etwa drei Wochen brachten wir die Mitteilung, daß der anu Club Treptow ein Mitglied deshalb aus dem Berein ausgeschlossen hatte, weil der republikanisch gesinnte Wassersportler sich erdreiftet hatte, anläßlich der Verfassungsfeiern des Reichsbanners die schwarzrotgoldene Reichsfahne an seinem Boot zu hissen. Erft jetzt fällt es dem Klub ein, uns eine Berichtigung zu schiden, mobei er sich, noch dazu unberechtigterweise, auf das Pressegesetz beruft. Gleichwohl stehen wir nicht an, diese Berichtigung unseren Lesern mitzuteilen weil sie ein bezeichnendes Licht auf die politischen Gedankengänge diefes bürgerlichen Sportflubs wirft. " Die Gründe die zum Ausschluß der betreffenden Mitglieder geführt haben, sind durchaus irreführend wiedergegeben. Es ist unwahr, daß unser Klub übelste antirepublikanische Minierarbeit betreibt und daß unseren Mitgliedern das Führen der Farben der Republik verboten ist. Wir verbieten unseren Mitgliedern gemäß eines in einer außerordentlichen Hauptversammlung gefaßten Beschlusses das Führen unseres Klubwimpels in Berbinbung mit Abzeichen politischer Art, ganz gleich welcher Richtung. Unser Klub seßt sich aus Mitgliedern aller BerufsFreispruch im Bettauer- Prozeß. Der Mörder in einer Jrrenanstalt untergebracht. Wien, 6. Oftober. Im Prozeß gegen Otto Rothstod, der den. Schriftsteller Hugo Bettauer getötet hatte, wurde am späten Abend das Urteil verkündet. Die Geschmorenen hatten die erste Hauptfrage auf Tötungsabficht mit zwölf Stimmen bejaht, dagegen die Zusatzfrage, ob der Angeklagte des Gebrauchs der Bernunft ganz beraubt war, mit sechs Stimmen bejaht und sechs Stimmen ver neint. Der Vorsitzende verkündete hierauf den Freispruch des Angeklagten. Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß das Gericht, daß der Freigesprochene in einer Irrenanstalt untergebracht werden soll. Gefellenprüfungen im Metallgewerbe. Die Gefellenprüfungen für Mechaniker, Maschinenbauer, Werkzeugmacher, Schloffer und Former finden von jetzt ab vierteljährlich statt. Die Anmeldungen zu diefen Prüfungen haben spätestens 3 Monate vor Beendigung der Lehrzeit bei der Geschäftsstelle der Kommiffion für das Prüfungswesen, Berlin SW. 61, Teltower Str. 1-4, zu erfolgen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Bernau. Am Mittwoch. den 7. Oftober 1925, abends 71, Uhr, Frauenabend bel Modisch, Raiserstr. 79. Tagesordnung: Das Bordellwesen". Referentin: Ge noffin Hodann- Berlin. Gewerkschaftsbewegung Mühlenarbeiterlohn und Brotpreis. Die reaktionäre Bresse berichtet von einem bevorstehenden Streit im Nahrungsmittelgewerbe. Nachdem der Mee hitutscherstreif durch Bewilligung vom Zulagen beendet worden sei, seien jetzt gie Mühlenarbeiter mit furzfristigen, weit über der letzten Zulage liegenden Forderungen unter Androhung der Anwendung aller Kampfesmittel hervorgetreten. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, wie die Mühlenarbeiter ihre erneute Lohnforderung nach Ablauf weniger Wochen begründen wollen und wie sich die Vertreter der Mühlenarbeiter den Preisabbau und die Entwicklung der Brot und Badmarenpreise denten, wenn sie alle sechs Wochen mit mehr oder weniger hohen Lohnforderungen fämen. Unverständlich oder nur zu verständlich sei, daß die sehr hohen neuen Forderungen auf einen Termin befristet worden seien, der turz por dem 1. Oftober läge, wo die Preissenfungsaktion der Regierung in Kraft treten foll, die durch derartige, alle Steuerermäßigungen weit übersteigende Lohnforderung natürlich illusorisch werde. Der Verband der Lebensmittel- und Getränke arbeiter als die zuständige Organisation der Mühlenarbeiter einer Mühlen= Groß- Berlins hat am letzten Sonntag in arbeiterversammlung dazu Stellung genommen. RappIer von der Hauptverwaltung des Verbandes ging in einem Dorzüglichen Referat auf alle Einzelheiten der Materie ein. Den Anteil des Mühlenarbeiterlohnes am Fertigfabritat der Mühlen und am Brotpreis zeigte der Redner an dem Beispiel ciner Berliner Großmühle. Diese Mühle hat eine durchschnittliche Mahlleistung von 1200 Tonnen Getreide pro Woche bei einer Befchäftigungszahl von 70 Arbeitern. Die Löhne in dieser Mühle betragen zurzeit pro Woche 2953 Mart, mithin beträgt der Lohn anteil 2,46 Mart pro Tonne. Der Prozentjazz des Arbeitslohns pro Tonne zum Preise des Fertigfabritats ist aus folgender Aufstellung ersichtlich: Eine Tonne Weizen ergibt 700 kg Beizenmehl à 100 kg M. 29.00 50 Nachmehl à 50 220/. Kleie Mithin Erlös 8.50 19 " à 50 5.00 " " P M. 203.00 M. 8.50 = M. 22.00 M. 233,50 Dieser Erlös ist mit 2,46 Mart Mühlenarbeiterlohn rund 1 Pro 3. belastet. Oder: Eine Tonne Roggen ergibt: 700 kg Roggenmehl à 100 kg M. 22.50 50 " à 50 Rachmehl m. 8.00 220 Kleie à 50 M. 450 " 12 " M. 159.25 M. 8.00 WR. 19.80 M. 187.05 Mithin Erlös Dieser Erlös ist mit 2,46 Mart Mühlenarbeiterlohn 1,3 roz. belastet. = = rund Der Anteil des Mühlenarbeiterlohns am Brotpreis gestaltet fich folgendermaßen: Eine Tonne Roggen ergibt 700 Kilogramm Roggenmehl. 700 Kilogramm Mehl ergeben 952 Kilogramm Brot, die mit dem Mühlenarbeiterlohn von einer Tonne( siehe oben) von 2,46 Mark belastet sind, also das Kilogramm Brot mit 44 Pf. An dem Beiſpiel der betreffenden Mühle weiter gemessen, ergebe fich folgende Rechnung: Jeziger Lohn 2953 Mart, eventuelle Zulage von 14 Mark für die 70 Arbeiter 980 Mart, insgesamt 3933 Mart. Bei 1200 Tonnen Leistung würde also, wenn die Forderung von 14 Mart pro Woche restlos bewilligt würde, der Arbeiterlohn pro Tonne von 2,46 Mar? auf 3,27 Mart steigen, also um 81 Bf. pro Tonne. Hiernach mürde also ein Kilogramm Brot um einen achthundertstel Pfennig mehr belastet werden. Die bisherige Belastung von Pf. und die durch die Zulage gegebene. neue Belastung pro Kilogramm von achthundertstel Pfennig ergibt insgesamt 0,3 Pf. pro Kilogramm. Somit ist es eine feststehende Tatsache, daß der Arbeitslohn beim Preis von Mühlenfabrikaten eine ganz geringe Rolle spielt. Selbst wenn man annehmen müßte, daß nicht alle Berliner Mühlen technisch so auf der Höhe sind wie die angezogene Großmühle, und selbst unter zugrundelegung, daß der Lohnanteil emer Mühle am Fertig fabrikat 100 Broz. größer sein sollte wie in dem angezogenen Beispiel, so würde sich auch dann erst nur% Pf. pro Kilogramm Brot ergeben. Der Referent tam zu dem Schlußergebnis, daß entweder die bürgerlichen Zeitungen die Dinge nicht fennen oder eine bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung herbeizuführen rersuchten. Die Mühlen könnten die Lohnzulage ohne eine Preissteigerung ihres Fabrikfats sehr wohl tragen, denn die verlangte Zulage würde nur ein Bierzigstel des Rohgewinns ausmachen. Urabstimmung der Mühlenarbeiter. In einer allgemeinen Mühlenarbeiterversammlung am Sonntag. erstattete Schmitz vom Verband der Lebensmittel- und Getränke arbeiter Deutschlands Bericht über das neuere Angebot des Arbeit geberverbandes btr. Erhöhung der Löhne der Mühlenarbeiter. In der Diskussion wurde das letzte Angebot in Anbetracht der Teuerung als zu niedrig bezeichnet. Entsprechend dem Beschluß der Lohntommiffton sollte eine am Montag stattfindende Funktionärversammlung der Mühlenarbeiter fich mit der Angelegenheit nochmals eingehend beschäftigen. In der Funktionärversammlung am Montag wurde beschlossen, eine Ur. abstimmung über Streit oder Arbeit in den Betrieben vornehmen zu laffen. Zur Berufswahl. Bom Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter wird uns geschrieben: Der Verband der Berliner Buchbindereibefizer gibt in der Morgenpost" vom 30. September den Schülern, die vor der Schulentlaffung stehen, wie auch deren Eltern so eigenartige Städtische Oper Traueripenden Charlottenburg Heute 6 Uhr: Siegfried Abonnem-Turnus 1! 99 jeder Art lietert preiswert Paul Golletz. Dormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 103 03 Siegmund Flatows FLORA6 Schöneberg, Hauptstraße 144 Täglich 8 Uhr: = 11 erstklassige Varieté Attraktionen Volkstümliche Preise Für die Dame Mäntel mit und ohne Pelzkragen Kostüme Kleider Ratschläge, daß es unsererseits eine Unterlassungsfünde bedeuten mürde, wollten wir eine mehr als sonderbare Berufsberatung unwidersprochen lassen. " Die Frage Wo wird am meisten verdient?" wird in den Bordergrund gestellt. Voll Erstaunen liest das Publikum, welche ungeheuren Löhne die Buchbinder verdienen. Alle Leser, die das Unglück haben, den Buchbinderberuf nicht erlernt zu haben, werden vor Neid blaß geworden sein und es tief bereuen, sich als Handwerfer, Kaufmann oder Regierungsrat durchs Leben schlagen zu müssen. Am meisten erstaunt sind aber die Buchbinder gehilfen selbst. Sie wissen nur folgendes: Die Stundenlöhne für gelernte Buchbinder betragen ab 13. August 1925 in der 1. Stufe 60 Pf., 2. Stufe 65 Pf., 3. Stufe 72 Pf., 4. Stufe 80 Bf., 5. Stufe 85,5 Pf. und 6. Stufe als Spizenlohn bei einer Berufstätigkeit von mehr als 10 Jahren 92 Bf. Im Affordlohn werden im allgemeinen bei sehr anstrengender Tätigkeit 25-30 Pro3. über den Zeitlohn verdient, d. h. so lange wie genügend Arbeit vorhanden ist. Bei gutgehendem Beschäftigungsgrad werden natürlich Ueberstunden eingeschoben, die den Verdienst künstlich erhöhen. Lassen die Aufträge nach, so füllt sich in unheimlicher Weise der Arbeitsnachweis für Buchbinder in der Rückertstraße. Dahin sollten die Eltern sich wenden und das Glend sehen. Sie werden sofort merfen, welchen Bert die„ Berufsberatumg" des Verbandes Berliner Buchbindereibefizer hat. Es find gegenwärtig trotz leidlich guter Beschäftigung bereits 350 männliche und 390 weibliche Berufskollegen auf dem Arbeits350 männliche und 390 weibliche Berufskollegen auf dem Arbeits nachweis gemeldet. Welche Wirkungen der Berufswahlartikel des BBB. ausgeübt hat, möchten wir noch mitteilen. Eine Unmasse von Anfragen wurden im Laufe des folgenden Tages an uns gerichtet, wo man Lehrlinge unterbringen könnte. Auch ältere Berfonen haben den Wunsch, umzusatteln, um hochverdienende Buchbinder zu werden. Und was ist der 3wed der Uebung? Man verspricht den jungen Leuten goldene Berge in der Hoffnung, ein Ueberangebot von Arbeitsfräften heranbilden zu können, um die begehrlichen Buchbinder in Zaum zu halten. Es ist eine sehr gewagte Behauptung der Herren Buchbindereibefizer, wenn fie fagen, es fehle an tüchtigen Fachleuten! Damit schlagen sie sich selbst ins Gesicht. Wenn es den Herren früher nicht möglich war, tüchtige Fachleute heranzubilden, so läßt sich das heute erst recht nicht durch. führen, weil die Buchbinderei- Großbetriebe derart ameritanifiert werden, daß bald die ausgeprägtefte Teilarbeit vorherrschen wird. Es wird mancher Junge später als Gehilfe eine bittere Ent täuschung erleben. Alen Es ist anzunehmen, daß die Beröffentlichung selbst im Bager der Unternehmer gemischte Gefühle hervorgerufen hat. Eltern aber raten wir dringend, nicht ohne weiteres auf die„ Berufsberatung der Herren Buchbindereibefizer hereinzufallen, sondern sich zunächst beim Verband der Buchbinder und Papier berarbeiter Deutschlands, Ortsverwaltung Berlin, SD. 16, Engelufer 24/25 II, zu erkundigen. Zum Konflikt bei Bolle. Wirtschaft Steinkohlenbergbau und Schiffahrt. Das Rheinisch- Westfälische Rohlensyndikat verfügt im Rohlentontor Weyhenmeŋer u. Co., Kommanditgesellschaft in Mülheim an der Ruhr, über eine straffe Zusammenfassung des Kohlenhandels. Durch das Kohlenkontor verfügt das Syndikat aber auch über den größten Teil der Transportfirmen, die den Rohlenversand per Schiff betreiben. Die Verteilung der Berjandaufträge des Syndikats auf die einzelnen Transportfirmen ist nun auch nach festen Anteilziffern( in Tonnen) erfolgt, sowohl nach Laderaum( bezüglich der Schlepptähne), wie auch nach Schleppkraft( bezüglich der Schlepper). Dabei hat sich folgende Gruppierung ergeben: Franz Haniel u. Co., Duisburg- Ruhrort einschl. Walsum- Maatschappij, Rotterdam Thyssensche Handelsgesellschaft, Brudhausen, einschl. Bulcaan Vennootschappen, Rotterdam Mathias Stinnes, Mülheim- Ruhr, und Hugo Stinnes, Duisburg, einschl. Gelder. land- Maatschappij, Rotterdam Sarpen Bergbau Abt. Schiffahrt, Duisburg- Ruhrort = Raab, Karcher u. Co., Duisburg( Rheinelbe Union) einschl. Rijn u. Zeevaart, Rotterdam Binschermann, Duisburg- Ruhrort( 20thringen Konzern) Schürmann- Duisburg( Rheinstahl- onzern) einschließlich Seam- Maatschappij, Rotterdam de Gruyter u. Co., Duisburg( Stumm. Konzern) Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft, Köln ( Bergfistus) Stachelhaus u. Buchloh, Mülheim- Ruhr, und Gebrüder Dörfelmann, Duisburg ( Krupp) Paul Disch, Duisburg- Ruhrort( RomKahn- Schlepp beteiligung beteiligung 1 699 980 1 030 000 1 321 720 688 436 2 370 000 1 090 000 2510 000 1 227 550 750 490 882 500 562 800 750 000 638 780 487 500 415 170 513 750 549 045 397 103 349 500 626 250 bach- Konzern) 325 310 520 000 Berlin Linden- Reederei, Duisburg( Effener Steinfohlenbergwerfe) 159 806 290 570 Hansen, Neuerburg u. Co. und Roll u. Co. ( Mannesmann) 157 140 253 750 C. G. Maier, Ludwigshafen( Mont- CenisRochling) 152 457 218 310 149 900 87.000 95 500 82 630 Eine Bollversammlung der Belegschaft der Meierei Bolle befaßte fich am Montag mit der Frage des Streitbeschlusses. Bon den Organisationsvertretern wurde darauf hingewiesen, daß es nicht zweckmäßig sei, sofort den Streit zu beschließen, ohne das Ergebnis der Schlichtungsverhandlungen am Donnerstag abzuwarten. Die Stimmung der Bersammelten war angesichts der von der Meierei Bolle beabsichtigten Verschlechterungen des Manteltarifs eine derart gereizte daß es den Organisationsvertretern nur mit großer Mühe gelang, die Entscheidung über einen Streit bis nach den Schlichtungsverhandlungen auszusehen. Sollte der Schlichtungs ausschuß den Wünschen der Meierei entgegenkommen und einen Schiedsspruch fällen, der eine wesentliche Berschlechterung des alten Manteltarifs bedeutet, so ist bestimmt damit zu rechnen, daß die Vollversammlung am Donnerstag den Streit beschließt. Aussperrung gegen Verbindlichkeitserklärung. Breslau, 6. Oftober.( WTB.) Wie der Verein für die Bergbaulichen Interessen Niederschlesiens mitteilt, haben die Grubenverwaltungen in dem Waldenburg Neuroder Steinfohlenrevier am gestrigen Montag den gesamten Belegschaften von rund 30 000 Mann ohne Ausnahme die Kündigung zugestellt. Den Arbeitnehmern ist in dem Kündigungsschreiben Gelegenheit gegeben, sich mit den Grubenverwaltungen über tragbare Lohnbebingungen zu verständigen. Die Kündigung ist als Protestaktion gegen den vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärten Schiedsspruch erfolgt, der eine Lohnerhöhung von 7 Prozent vorsieht. Faschistische Arbeitsgemeinschaft. Georg Reiz, Duisburg( Hoesch) Klodner, Reederei und Kohlenhandel, Duisburg Adolf Thomae, Mainz( 3eche Ewald) Die Beteiligung des Bergfistus wird durch die Firma Stromeyer in Konstanz noch einen Zuwachs erfahren. Für die Firmen Fendel und Westdeutsche Schiffahrts- Akt.- Gef.( Zeche Diergardt) muß noch eine Festsetzung erfolgen. Die Gruppierung innerhalb der Steinkohlen- Transportorgani. fation ist im einzelnen recht verschieden von der Machtverteilung innerhalb der Produktion. Aber auch hier zeigt sich die mono. polistische Zusammenfassung der der Transport. mittel in wenigen Händen. Aus der Partei. 3m Saargebiet wird seit dem Austritt der Sozialdemokratie aus der Arbeitsgemeinschaft der Parteien ein heftiger Kampf geführt, in dem unser Parteiblatt, die Bolksstimme", in vorderster Linie steht. Ein Teil der bürgerlichen Barteien hat sich nicht gescheut, auch per fönliche Momente in den Kampf hineinzuwerfen und insbesondere Vorwürfe gegen den Redakteur der„ Boltsstimme", Genossen Braun, zu erheben. Eine Untersuchungstommiffion, bestehend aus den Genoffen Bartels( Berlin), Leverberg( Köln), Schwarz und Zimmer( Saarbrüden) beschäftigte sich mit diesen Vorwürfen und beschloß, folgende Erklärung der Deffentlichkeit zu über. geben: Rom, 5. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Der italienische Ber. band der Großindustriellen vereinbarte mit den faschistischenfion, die am 8. April d. J. in Angelegenheit des Gen. Braun Gewerkschaften, daß sich beide Organisationen gegenseitig die ausSchließliche Bertretung ihrer beiden Klaffen in bezug auf Lohn verträge und alle zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entstehenden Streitfragen zuerkennen. Die bisherigen Betriebsausschüsse merden aufgelöst, den sozialistischen und chriftlichen Gewerkschaften jeder Boden ent. zogen. Nun wohl, den sozialdemokratischen Arbeitern in Deutschland war der Boden" 12 Jahre lang entzogen. Ihre Organisationen gewannen dennoch Boden. Der faschistische Größenwahn in Italien muß auch einmal den Boden verlieren. Achtung Töpfer! Die Lohnverhandlungen find endgültig gescheitert. Damit besteht seit dem 1. Oftober der tariflose Zustand. Die heute abend 5% Uhr im Dresdener Kasino, Dresdener Straße 96, stattfindende Generalversammlung wird über die meiteren Schritte beschließen. Jeder Kollege ist verpflichtet, zu erscheinen. Die Fachgruppenleitung. Deutfcher Berkehrsbund, Abteilung Straßenbahn. Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, im Lotal Neue Welt", Safenheide 108-114, große Waffenfundgebung aller im Straßenbahn, Sochbahn- und Omnibusdienst tätigen Ber fonen gegen die ablehnende und verfchleppende Saltung zu den erhobenen zohnforderungen. Knaben- und MädchenGarderobe Röcke Kasacks Pelze Wäsche Alle Welt Ohne Geld Lieber heuta Wie morgen Ohne Sorgen Borgen! Drum schnell Auf der Stell' Geh' fix Für den Herrn Rockpaletots Ulster Anzüge Gummimänt. Hosen Sonntags 4 Uhr: Kleine Preise. Alle 15 Tage neues Programm. B I L L I G und B Kulantes Kredithaus 11315 b E E Heft., Gesäß 1. Etage L E M Ecke Brunnenstr. vis- a- vis Jandorf L Bur 25 jährigen arbeitsreichen Partelarbeit unseres Genoffen Kratzert begleiten ihn unsere besten Wünsche. Möge es ihm noch recht lange pergönnt sein, in jo vorbildlicher Beise für die Bartei tätig au wirten. SPD. 85. Abt.. Tempelhoi. Ischias and Bein, wenn ärztl. festgestellt, In 15 Tagen sind dware Fälle beseitigt worden. Unantastbare Heilerfolge Bestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. validenstraße 106 9-11. 1-4. Senstag 10-12. Jacoby Spezial behand far för zu Felix Veteranenstr. 2 U KOLANT RE und Küchen Riesen- Auswahl, enorm preiswert! rob emaillier Anrichte- Küche Gerty. 85 M. 130 M. Anrichte- Küche Marta. 95 N. 150 N. Anrichte- Küche Bremen 150 M. 215 M. Kleiderschränke, 90 cm... 38. 55 M. Küchenmöbel- Fabrik Laserstein, Luckauer Straße 1 Ecke Oranienstr., nahe Moritzplatz Die von der Partei eingesetzte Untersuchungstommif( Saarbrüden) eine erfte Entscheidung fällte, hat sich auf Antrag des Gen. Braun mit dem Artikel der„ Saarbrücker Zeitung" vom 18. Auguft d. I. beschäftigt. Sie hat festgestellt, daß in jenem Ars tifel auch nicht der Schatten eines Beweises dafür erbracht wird, daß sich Gen. Braun einer landesverräterischen Handlung schuldig gemacht hätte. Insbesondere wird nicht der Schatten eines Beweises für die Behauptung erbracht, daß Gen. Braun der Saarregierung geheime Berichte über vertrauliche Sigungen der Sozialdemokratischen Partei geliefert hätte. Die Unterzeichneten bleiben daher bei ihrem Entschluß vom 8. April, der die gegen Braun geschleuderte Beschuldigung des Landesverrats als haltlos bezeichnet und die von der Saarbrüder Volfsstimme" eingehaltene Linie der deutschen Politit als vom fozialdemokratischen Standpunkt aus einwandfrei anerkennt. Das Borgehen der Saarbrücker Zeitung" gegen den leitenden Redakteur der„ Boltsstimme", Gen. Braun, charakterisiert sich demnach als leichtfertige Ehrab schneiderei. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eslorn; Feuilleton: R. S. Difcher; Lofales und Sonstiges: Frig Karftabt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanftalt Baul Singer u. Co. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Neue Gänsefedern Preisete gratis gerissene u un gerissene liefert. konkurrenzlos billig Willy Manteuffel, Neutrebbin ( Oderbr.) Gänsemastanstalt Von 2 Mark an Wochent Iche Tei zah'ung Hefere bei kleiner Anzahlung HUNDE eleg. Herren- Moden Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. fertig und nach Maß nur Qualitätsware In großer Auswahl. Garanile 1. tadelles. Sitz a. Verarbeitung. Tierärztliche Poliklinik Maßschneiderei J. Kurzberg Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr A. Beheim- Schwarzbachs Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Eggert) Neukölln, Anmeldung, Ganghoferstr.1 und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Oranienstraße 160, I. Chausseestraße 1, I. Eingang Elsässer Straße Pelzwaren Beginn neuer Jahres- und-Jahres kaufen Sie gut und billig Lehrgänge- Fernsor: Neukölln 1063. 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