Nr. 473 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 241 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Luxemburg Desterreich, Litauen, 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit Gieb. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen* und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareile acile 80 Pfennig. Reflamezeils 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen das fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( auläffia zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Pfennig, tebes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Der Sonderforrespondent des" Sozialdemokratischen Preffedienstes" erfährt, daß der bisher als streng vertraulich behandelte paktentwurf durch schwere Indiskretion bereits heute abend um 9 Uhr im„ Popolo d'Italia" und im„ Corriere della Sera" veröffentlicht worden ist. In Konferenzfreifen herricht allgemeine Ueberraschung und Aufregung. Man vermutet, daß ein Mitglied der italienischen Delegation den Bertrauensbruch begangen hat. Der veröffentlichte Pattenwurf joll bereits die letzten Abänderungen der Juriften enthalten, so daß es sich scheinbar um den endgültigen Entwurf handelt. Er besteht aus elf Paragraphen und einer Einleitung. Die ersten sechs Paragraphen befassen sich ausschließlich mit dem Sinn des Pattes. Der § 7 soll den Eintritt in den Bölferbund betreffen, während Deutschland sich im§ 11 verpflichtet, einen ähnlichen Sicherheitspaft für seine Off grenze abzuschließen. Briand erfuhr von der Veröffentlichung, als er von einer Ausfahrt in fein Hotel zurüdfehrte. Er war ob dieser Kunde geradezu entfeht und ließ fofort Maßnahmen treffen, um sich zu überzeugen, daß der Bertrauensbruch wirklich erfolgt ist. Die deutsche Delegation erfuhr gleichfalls spät abends hiervon. Ein deutscher Regiefehler". V. Sch. Locarno, 6. Oftober.( Eig. Drahtber.) Bährend schon in den Mittagsstunden Persönlichkeiten aus dem Lager der Alliierten versicherten, daß die Juristen zu einer völligen Einigung gelangt wären, wurde diefe erfreuliche Nachricht seltsamerweise von der deutsch en Delegation zunächst in brede gestellt. Man möchte faft annehmen, daß diese an Pessimismus grenzende Zurückhaltung inner politisch taftischen Gründen entspringt: nur mit äußerster Schonung darf den Deutschnationalen beigebracht werden, daß der Pattfriedensgedante in Locarno Fortschritte machen könne; nur mit äußerster Borficht foll ihnen die Hoffnung genommen werden, daß die Batttonferenz scheitern könne. Die deutsche Delegation ist zweifellos aufrichtig bemüht, unter bestmöglicher Wahrung der deutschen Interessen zu einer Einigung mit der Gegenseite zu gelangen. Aber sie steht fortwährend unter dem Alpdruck der Frage: Wie sage ich es meinem Vormund, dem Grafen Westarp?" Aus dieser Stimmung ist am Montag abend ein Artikel der Deutschen Diplomatischen Korrespondenz" entsprungen, dessen fast miesmacherischer Pessimismus zur Beruhigung der deutschnationalen Bresse dienen sollte. " Nun ist aber durch einen fleinen Regiefehler dieser Artifel auch in Locarno vervielfältigt und verbreitet worden. Im Pressehause wurde er massenhaft verbreitet und in den Hotels avisiert. Die Engländer, Franzosen und Italiener fragten sich verwundert: Was soll das? Warum diefer bewußte Pessimismus einer offiziellen deutschen Korrespondenz, der von der freundlichen hoffnungsvollen Stimmung im Konferenzfaal und in Locarno absticht?" Sogar offizielle Berfönlichkeiten der alliierten Delegationen machten aus ihrem Erstaunen fein Hehl. Man dürfte sich inzwischen mit der Erflärung beruhigt haben, daß der Artikel nur für Westarp und die Seinen bestimmt war, also nicht ernst zu nehmen sei. In Zukunft werden ähnliche Beschwichtigungsauffäße aus der Deutschen Diplomatischen Korrespondenz" nicht mehr in Locarno, sondern nur noch in Berlin verbreitet werden. Heute a bend wurde nun auch von deutscher Seite halb bestätigt, daß die Juristen sich geeinigt hätten, freilich nur als Privatpersonen, deren Einigung noch der Zustimmung der Minister bedürfe. Wir, die wir nicht so schonungsbedürftig sind wie die sogenannten Stüßen der Regierung, wir legen diesem Vorbehalt teine Bedeutung bei und begrüßen aufrichtig diese Einigung. Natürlich darf nicht verhehlt werden, daß diese Einigung sich nur auf die verhältnismäßig leichteren Fragen bezog. Von elf Paragraphen, die der endgültige Bertrag umfassen wird, sind neun als schon allfeits genehmigt anzusehen. Die mehr redaktionellen Abände rungsanträge zu dem Londoner Entwurf find von den Juristen schon bereinigt worden. Die zwei schwereren Probleme, die sich auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die Ostverträge beziehen, sind erst in der zweiten Delegationssihung am Nachmittag in Angriff genommen worden. Diese Sigung fand, nachdem Stresemann wiederhergestellt ist, um 125 Uhr nachmittags statt und dauerte zwei Stunden. Das Kommuniqué, das am Ende ausgegeben wurde, ist so nichtssagend, daß seine Bekanntgabe von den Journalisten aller Länder mit allgemeiner Heiterfeit, zum Teil auch mit einiger Unzufriedenheit aufgenommen wurde. Dies klassische Dokument der Geheimdiplomatie öffnet Tür und Tor den Kombinationen, mit denen unter Umständen mehr Schaden angerichtet werden kann, als wenn sich die offiziellen Stellen zu größerer Offenherzigkeit herbeilassen würden. Darin ist fein spezieller Vorwurf gegen die deutsche Delegation, die an eine strenge Vereinbarung des Stillschweigens gebunden ist, welche diesmal, wie es scheint, auch von den übrigen Delegationen strikt innegehalten wird. Zur Erläuterung des Kommuniqués wäre noch folgendes mitzuteilen: Man ist nur dazu gekommen, die zwei wichtigsten Probleme einer ersten allgemeinen Prüfung zu unterziehen. Jede Delegation hat lediglich Gelegenheit gehabt, zu beiden großen Fragen ihren generellen Standpunkt darzulegen, ohne daß man auf Einzelheiten eingehen fonnte. Die Berhand lungen waren etwas schleppender als am ersten Tage, da Luther und Stresemann angesichts der Wichtigkeit des Themas um die Uebersetzung der französischen Ausführungen ihrer Verhandlungspartner ersuchten. Die Diskussion vollzog sich in derselben freundlichen Atmosphäre wie am ersten Tage. in derselben freundlichen Atmosphäre wie am ersten Tage. Der deutsche Standpunkt wurde von Stresemann entwickelt, und Reichskanzler Luther unterstügte ihn in bestimmten Punkten und benutzte dabei die Gelegenheit, um in fließendem Französisch einzugreifen. Ehe man in die spezielle Debatte eintrat, wurde die Sigung auf Mittwoch mittag vertagt. Damit beginnt der eigentliche diplomatische Kampf um die empfindlichen Nervenstellen. = Nach der Sitzung bat Vandervelde die Presse zu fich, um eine kurze Erklärung abzugeben. Er las eine Stelle aus dem„ Popolo d'Italia", dem Organ Mussolinis vor, in dem von einem Borstoß Banderveldes in der ersten Sigung die Rede war. Danach sollte er einen Abänderungs= antrag zur Präambel des Londoner Juristenentwurfes eingebracht haben, dahingehend, daß es nicht mehr heißen sollte: Frankreich und Belgien einerseits und Deutschland andererseits vereinbaren usw.", sondern Frankreich und Deutschland sowie Belgien und Deutsch land vereinbaren usw.". Aus diesem Abänderungsantrag hatte das Faschistenorgan den Schluß gezogen, daß sich Belgien bewußt von Frankreich trenne, das sei das Ende der französisch- belgischen Allianz. Dazu erklärte Vandervelde, das sei unrichtig:" Ich darf auf die Einzelheiten der Verhandlungen nicht eingehen, aber ich erkläre, daß der von mir eingebrachte Abänderungsantrag in vollem Einvernehmen mit Briand erfolgt ist." Dies Dementi richtet sich offenbar nur gegen die Schlußfolgerungen des Faschistenorgans. Die Tatfache des Abänderungsantrages bestätigte er indirekt und hob das Einverständnis mit Briand hervor. Richtig wird sein, daß Belgien immer bestrebt ist, die Zeiten der Ruhrbefeßung vergessen zu machen, in denen es mur ein Anhängsel der französischen Außenpolitik war. Die amtliche Verlautbarung. Locarno, 6. Oktober.( Drahtbericht unseres Sonderkorrespondenten.) Die Ministerkonferenz trat am Dienstag nachmittag um 4% Uhr bei vollzähliger Anwesenheit aller maßgebenden Delegierten im Justizpalast zur zweiten Beratung zusammen. Auch Stresemann war erschienen Er sah angegriffen aus und scheint noch nicht vollkommen wiederhergestellt zu sein. Amtlich wird über den Verlauf der Gigung folgendes mitgeteilt: „ Die Konferenz trat am 6. Ottober um 4,30 Uhr zum zweiten mal zusammen und setzte die Aussprache über den Garantie patt fort. Sie begann mit der Diskussion über diejenigen Fragen, die in der vorigen Sigung nicht erledigt worden waren. Es fand eine allgemeine Aussprache über diese Fragen statt. Nächste Sigung Mittwoch nachmittag um 4 Uhr." S Die Ostfragen am Ende der Woche. Locarno, 6. Ottober.( Drahtbericht unseres Sonderforrefpondenten.) Aus amtlichen Konferenzfreifen wird mitgeteilt, daß die Berhandlungen über den Rheinpatt wahrscheinlich bis Freitag oder Sonnabend beendet sein werden, fodaß dann die und fchwierigere Frage der Dftverträge auf die Tagesordnung gefeßt werden könne. So wie die Dinge gegenwärtig liegen, ist es ganz ausgeschlossen, daß in Locarno keine gründliche Aussprache über die Ostfragen stattfindet. Die Einladungen an Polen und die Tschechoslowakei sind offiziell erfolgt und Strczynski wie Benesch dürften spätestens am Freitag hier eintreffen. Von polnischer Seite sind bereits einige halboffiziöse Vertreter hier, die sich jedoch sehr zurückhaltend benehmen. Ueber den Grund befragt, weshalb Polen das Beispiel der Tschechoslowakei, die vor der Konferenz in Locarno der deutschen Regierung den Vorschlag gemacht hat, einen Schiedsgerichtsvertrag abzuschließen, nicht nachgeahmt habe, wurde von polnischer Seite erwidert, daß nur rein formelle Gründe dafür maßgebend gewesen seien und man fann feineswegs daraus schließen, daß Polen etwa dem Abschluß eines solchen Vertrages mit Deutschland a b.geneigt sei. Das soll auch in den hiesigen Verhandlungen nochmals zum Ausdruck gebracht werden. Ankündigung französischen Entgegenkommens. Paris, 6. Offober.( Eigener Drahfbericht.) Obwohl die Berichte der franzöfifchen Presse aus Locarno nach wie vor auf einen recht zuverlässigen Ton geftimmt find, sieht man hier der weiteren Entwidlung der Konferenz nicht ohne ernste Besorgnis entgegen. So groß die Genugtuung darüber gewesen ist, daß der erste kontakt zwischen der deutschen Regierung und den Alliierten reibungslos verlaufen ist und die Einigung über die Frage der Prozedur sich eher viel leichter gestaltet hat, als man hier angenommen hatte, so gibt man sich andererseits doch keinerlei Jllusionen darüber hin, daß die eigentlichen Schwierigkeiten erst am Mittwoch oder Donnerstag beginnen werden. Insbesondere sind es die Fragen des Eintritts Deutschlands in den Böllerbund und der französischen Garantie für die Ostverträge, für die man hier sehr schwierige Diskussionen vorausfieht. Dazu kommt die hier noch immer sehr lebhafte und durch das sinnlose Geschrei der deutschen Rechtspreise immer wieder von neuem genährte Befürchtung von irgendwelchen Ueber. raschungen von deutscher Seite. Selbst in den Kommentaren derjenigen Blätter, die einen posi tiven Erfolg der Konferenz aufrichtig wünschen, fommt immer wieder die Besorgnis zum Durchbruch, Herr Stresemann könnte, dem Drängen der Deutschnationalen nachgebend, den Versuch wiederholen, die Frage der deutschen Kriegsschuld, die Räumung der Kölner 3one oder des Offupations regimes aufwerfen und damit das Gelingen der Verhandlungen aufs ernſtefte in Frage stellen. Jedenfalls scheinen die alliierten Delegationschefs fest entschlossen zu sein, eine Erweiterung der Diskussionsbasis unter feinen Umständen zuzulassen, so daß Stresemann, wenn er sich von Hergt, Westarp und Genoffen ein zweitesmal zu einem von vornherein zur Ausfichtslosigkeit verurteilten Borstoß verleiten lassen würde, ein neues diplomatisches Fiasko riskiert, das in seinen Folgen diesmal allerdings erheblich verhängnisvoller sein würde als das erstemal. Das bedeutet teineswegs, daß in allen diesen Fragen von allierter Seite teinerlei konzeffionen zu erwarten wären. 3m Gegenteil! Bon einer absolut vertrauenswürdigen Seite wird uns verfichert, daß Briand bereits vor Wochen ent. fchloffen gewesen sei, im Falle des Zustandekommens des Sicherheitsvertrages Deutschland spontan durch Entgegenkommen in der Frage von Köln und durch eine weitgehende Milderung des Besahungsregimes im Rheinland fontrete Bewetfe der französischen Berständigungsbereitfchaft zu geben. Diese Absicht sei durch die plumpe Einmischung der Deutschnationalen in die Führung der Verhandlungen natürlich wesentlich erschwert worden, da Briand nunmehr befürchten müffe, daß jede Konzeffion diefe Art von seinen eigenen innerpolitischen Gegnern falsch gedeutet würde. Aber auch jeht noch find feineswegs alle Möglichkeiten verschüttet. Man begreift hier fehe wohl, daß die deutsche Regierung, um ihren Gegnern im Innern den Abschluß des Sicherheitsvertrages schmackhafter 30 machen, pofitive Gegenleistungen aufzuweifen haben möchte, und felbst der„ Matin" erklärt am Dienstag, daß die politische Entspannung, die dem Zustandekommen des Garantiepattes folgen werde, sich ganz selbstverständlich auf den Gefamttompleg Be. der deutsch- franzöfifchen 3iehungen einschließlich der Besetzung des Rheinlandes und des Saargebietes erftreden werde. Resultate dieser Art aber find nicht durch die Methoden der Deutschen Tageszeifung" und ihrer Berwandten, sondern nur durch geschickte Tattit zu erreichen, die es vermeidet, die Verhandlungskontrahenten unnötig vor den Kopf zu stoßen Neuer Befehl nach Locarno. Graf Westarp hält seine Forderungen aufrecht. Der Führer der stärksten Regierungspartei, Graf Bestarp, hat gestern abend auf einem staatspolitischen Abend der Deutschnationalen Bolkspartei in Wilmersdorf ausdrücklich seinen Befehl an die verhandelnde deutsche Delegation in Locarno aufrechterhalten, trotzdem der Reichskanzler und der Reichsaußenminister in Locarno deutlich genug zu verstehen gegeben haben, daß sie die Berhandlungen in Locarno nicht nach den Vorschriften des Grafen Westarp führen würden. Graf Westarp hat noch einmal mit aller Schärfe betont, daß die Erledigung der Entwaffnungsfrage und die Räumung Kölns Vorauslegung feien für den Abschluß der Verträge. Diese Forderungen dürften nicht mehr Gegenstand der Konferenzverhandlun gen fein, sondern müßten vor der Abschlußton ferenz fichergestellt werden. Dasselbe gelte von der Forderung der Aenderung des Besagungsregimes des Rheinlandes und des Saargebietes. handele sich hier um Borleistungen, die Deutschland fordern müsse. Es Der bisherige Berlauf der Konferenz in Locarno läßt er fennen, daß die deutsche Delegation diese Borleiftungen nicht gefordert hat. Die betonte Wiederholung der deutschnationalen Forderungen an die deutsche Delegation fann nur von der Abficht getragen sein, den Verhandlungen in Locarno Schwierigteiten zu machen, die unter Umständen den Fortgang der Konferenz gefährden könnten. Furcht vor der Verantwortung. Vorstandssitzung des Zentrums. Parteitag am 17. November in Kaffel. Außer dem " Fall Wirth" ein Fall Fehrenbach". In Paderborn fand unter dem Vorsitz des Reichstanzlers a. D. Marg eine Borstandssigung des 3entrums statt. Sie beschäftigte sich in erster Linie mit der Borbereitung des Reichsparteitages. Der Reichsparteitag des Zentrums foll zum 16. und 17. November nach Raffel einberufen werben. Am 15. November foll ihm eine Tagung des Reichspartelausschusses vorangehen. Der Befchluß des Reichsparteivorstandes, den 3en trumsparteitag in Raffel abzuhalten, hat in unterrichteten Kreisen überrascht, nachdem bisher Frankfurt a. M. vom Barteivorstand in Aussicht genommen war. Die Berlegung des Reichsparteitages von Frankfurt a. M. nach Raffel stellt ein Rompromiß zwifchen den füddeutschen und mehr demokratischen Zentrumsvertretern, welche auf Frankfurt a. M. als Tagungsort bestanden, und dem rechten Flügel der Partei dar, welcher den Reichsparteitag in Berlin sehen wollte. Als Kompromißlösung wurde Kaffel gewählt, obgleich hier nur eine schwache Zentrumsorganisation vorhanden ist. Der Reichsparteivorstand hat in Paderborn außerdem zur Außenpolitit eine Entschließung angenommen, in welcher die Hoffnung ausgesprochen wird, daß in Locarno das Problem der völligen Befriedung Europas unter Wahrung der deutschen Ehre gelöst werde. veranlaßt, die Direttion zu warnen, da das Institut darunter leiden könne. Er habe auch Geh. Rat Nehring gegen über seine Bedenken unverblümt geltend gemacht, aber Nehring habe ihm erklärt, daß auch andere Institute sich mit derartigen Gefchäften abgäben. Am Schluß dieser Aussprache habe Geh.- Rat Nehring erklärt:„ Die Jungfernfchaft haben wir ja doch nicht mehr." Darauf habe der Zeuge in einem Schreiben an die Direktion erklärt, daß er die Verantwortung für diese Art der Geschäftsführung nicht mit übernehmen könne, und daß er als alter Beamter die Folgen für fich ablehnen müffe. Lüders habe außerdem eine untrag bare Buchführung eingerichtet. Gebucht wurde auf Zetteln, und zwar in einer Art und Weise, daß schon nach acht Tagen niemand mehr aus den einzelnen Belegen flug geworden sei. Nächste Sizung: Mittwoch 9% Uhr.( Bernehmung der Zeugen v. 3izemiz und Dr. Kann.) Tilgungsversuch der Aktennotiz. Die Denkschrift des Reichsarbeitsministers. Die den Gemertschaften zugesagte Darlegung über die im Reichs. verkehrsministerium geübte Bragis liegt nunmehr vor. Die Denkschrift nimmt nicht direkt Bezug auf die Attennotiz von Dr. Meißinger, geht jedoch im einzelnen auf die darin berührten Buntte ein. Die Lohnpolitit sei Sache der Gewertschaften und Arbeitgeber. Derbände, in die das Ministerium nur vermittelnd eingreife. Die Schlichter 11 nabhängigkeit ber gewahrt. Schlichterbesprechungen feien notwendig und zuläffig, wie auch eine ständige Fühlung mit Arbeitgeber und Arbeitnehmer treifen. An eine Preisgabe der Berbindlichkeitserklärung sei nicht gedacht. merde 3ur innerpolitischen Lage wurde eine Entschließung vom Reichsparteivorstand nicht vorgelegt. Man hat sich selbstverständlich fehr gründlich mit dem Fall Birth beschäftigt, gebentt jeboch die Entscheidung darüber dem Reichsparteiausschuß und dem Partei tag zu überlassen. Eine Klärung der brennendsten Konfliktsfragen in der Zentrumspartei ist also in Paderborn noch nicht erfolgt. Ausführlich geht die Denkschrift auf die Arbeitszeitrege Ein Zwischenfall hat den Parteivorstand des Zentrums eingehend Lung und die Ratifizierung des Washingtoner Abtom mens ein, welch lettere ohne England und Belgien nicht erfolgen beschäftigt, nämlich die Tatsache, daß der ehemalige ReichsWährend die Delegation der deutschen Regierung in tangler Fehrenbach bei der Wahl des Parteivorst an tönnen. Zunächst gelte es, den§ 7 der Arbeitszeitverordnung durchLocarno verhandelt, muß die Bolkspartei die stärkste Re- des für die badische Zentrumspartei in Offenburg fürzdes für die badische Zentrumspartei in Offenburg fürzzuführen. Das Arbeitszeitgefeß, für das bereits ein Komgierungspartei, die Deutsch nationalen darauf aufmert lich mit ganz wenigen Stimmen durch gefallen ist. Diese Tat- miffionsentwurf vorliege, müsse besondere Borschriften für Frauen, fam machen, daß es nicht gerade die Aufgabe einer Regie- fache ist als Stimmungssymptom für Baden vom Barteivorstand Jugendliche und Kinder einbeziehen, wie auch die Sonntagsruherungspartei fei, der verhandelnden Delegation Oppofition zu wesentlich gewürdigt worden. Schließlich hat der Parteivorstand auf bestimmungen. Es soll eine einheitliche Regelung des gesamten machen. Die parteioffizielle Korrespondenz der Volkspartei, Grund seiner Befugnisse Fehrenbach in den badischen Parteivorstand Arbeiterschutzes auf dem Gebiet der Arbeitszeit bringen. Wir wer die Nationalliberale Rorresponden3", schreibt tooptiert. in ihrer Ausgabe vom Montag: Hier erwächst der deutschen Deffentlichkeit während der Ver. handlungen in Locarno eine Aufgabe von geschichtlicher Bedeutung. Die Heimat muß sich in einmütiger Front hinter die deutschent Verhandlungsführer stellen und barf nicht den Anschein erweden, als ob fie fich in mefentlichen und wichtigen Fragen von der Auffassung ihrer Delegierten unterscheide." Diefe Mahnung richtet sich nicht an die Parteien der parlamentarischen Opposition, fondern an die Deutschnationalen, und die„ Nationalliberale Rorrefpondenz" schreibt ihnen obendrein noch folgenden Satz ins Stammbuch: „ Das abschreckende Bild der Schiffsmannschaft, die im entscheidenden Augenblicke ihren Rapitän an den Maft bindet und ihm Befehle über die Segeltunft erteilt, trifft auf alle zu, die noch in diesem Augenblide bemüht sind, durch Aufstellung von Bedingungen, Boraussetzungen und Vorschriften aller Art den Berhandlungsführern in Locarno die Hände zu binden. Das ist die Antwort der Boltspartei und wahrscheinlich auch die Antwort Stresemanns auf den Befehl des Grafen Bestarp, des Führers der stärksten Regierungspartei, nach Locarno. Der raditale Flügel der Deutschnationalen feht inzwischen die Opposition gegen die Regierung und die verhandelnde Delegation fort. Der Abg. v. Freytagh Loringhoven veröffentlicht in der Deutschen 3e tung" einen seiner bekannten Artikel gegen die Außenpolitif der Regierung. Aber auch die Deutsche Lages zeitung" gefällt sich darin, von vornherein zu versichern, baß die Konferenz von Locarno fchlechte Ausfichten habe. Man fühlt die Furcht der Deutschnationalen, die Berantwortung für den Nie wieder- Krieg- Bertrag zu übernehmen, der das Ergebnis der Konferenz von Locarno sein muß. Italienische Komödianten. Bon Mar Hochdorf. Die italienischen Tenöre und Primadonnen haben häufig in Berlin ihre flingenden Künfte gezeigt. Aber große Schauspieler Staliens jahen wir felten. Gemiß, wir bewunderten in Berlin die Leonore Dufe, die Tragiterin, die es verstand, nur mit ihrer weichen Stimme und mit ihren flirrenden Händen alle Gefüble bes Schmerzes und des Mitleides in dem Zuschauer zu erweden; aber im allgemeinen mißtrauten wir dem italienischen Komödianten. Wir hielten ihn meist für einen allzu hurtigen Stegreiffpieler, der nur nach wirtungsvoller Mimit trachtete und sich gar nicht erst die Mühe gab, in die Schächte des Gemüts einzubringen. Selbst Rovelli und Cacconi, die in ihrem Vaterlande dröhnend gefeiert murden, schienen uns eher geniale Clowns als Ausdeuter der modernen Seele. Ernesto Grasso und Ninia Agulia haben wir vor Jahren auch in Berlin gesehen. Sie spielten föstlich, leidenschaftlich und mit einer ungeheuer erregenden Naturalistit. Doch das Charakteristische an ihnen waren nicht die beseelten Worte, sondern die fabelhaft echten Schreie uneingedämmter Gefühle der Wut, Berzweiflung, Brunst Eifersucht. Solche Eindrücke sind uns von den italienischen Komödi anten geblieben. Und auch der Italienreifende hat sie nicht nachhaltig berichtigen fönnen. Das Theater blieb dort immer Theater der Improvisation. Wollte es Theater der Disziplin sein, so wirfte es höchft altmodisch, ja fogar langweilig. Das ernsthafte italienische Theater schien spanisch verpanzert und noch nach jenen Methoden geführt zu werden, die in einer steifen, die Tradition engherzig anbetenden Zeit allein Gesetz waren. Nun wollte vor ungefähr Jahresfrist Luigi Pirandello die Hemmungen dieser Tradition überwinden. Er wollte das moderne italienische Theater nicht nur durch den dramatischen Stoff, Jondern auch durch die mitwirkenden Komödianten reformieren. Aus impropisierenden vielleicht sogar genialen Bühnen pagabunden wollte er ordentliche Schauspieler erziehen, die imftande find, sich dem Bühnenwert zu unterwerfen. Als Dramatiter scheut Birandello zwar nicht vor der groben Wirkung zurüd. Aber in jeinen beften Werken trifft er doch rein Menschliches, das ihnen internationale Gültigkeit verschafft. Seine Berte fonnte er selber erfinden. Seine Schauspieler find aber schon vorhandene Menschen mit einer jahrelangen fünftlerischen, wenn auch vielleicht nur mit der Wanderschmiere zusammenhängenden Bergangenheit. Da war die Arbeit des Um modelns, die Inspiration schon schwieriger. Soffte es ihm wirklich gelungen fein, innerhalb eines Jahres seine italienischen Romödianten so zu erziehen, daß sie sich von den Bagabundenimanieren wie von der Tradition freimachten und wirklich zu modernen, für jede Seele von 1925 erfreulichen Schauspielern wurden? Wir werden das zu beurteilen haben, wenn die Leute Briandellos in den nächsten Lagen am Staatstheater auftreten. den auf die Denkschrift zurückkommen und sie einer gründlichen Als Tagesordnung des Reichsparteitags wurde vorläufig feftürdigung unterziehen. gesetzt: 1. Das Wesen und die Aufgabe der deutschen Zentrumspartei in der deutschen Bolitit; Referent: Reichskanzler a. D. marg. 2. Bericht der Reichstagsfrattion; Referent: Reichsfangler a. D. Fehrenbach. Belastungen für Lüders. LPA., Buchführung und Privatgeschäft. Die geftrige Zeugenvernehmung im 22.- Prozeß endete mit schweren Belastungen des Angeklagten Lüders. Aus den Aussagen des Bantiers kreipe ging hervor, daß übers bei der Firma Kreipe, Albrecht u. Co. nicht nur ein Ronto hatte, sondern baß er auch bei dieser Firma in Schuld stand und im Gegenfas au allen anberen Kunden und zu der Praris teine 3injen zu zahlen brauchte. Lüders hat dafür die Firma, die bei der Börse nicht zugelassen war, bevorzugt. Das ist das Gegenteil von dem, was Lüders bisher behauptet hatte. Ebenso belastend verläuft die Bernehmung der Angestellten ber 22. Der Oberbuchhalter nennt Büders' Manipulationen im Fall PA. des Echappach Krebits eine glatte Berimleierung bes wahren Sachverhalts. Die Dame, die von übers mit ben Kaffengeschäften betraut wurde, muß zugeben, daß sie feine ge lernte Bantbeamtin fei und noch nicht einmal gemußt habe, baß für tägliches Gelb Depots gestellt werden mußten. Ein weiterer 3euge, Bantbeamter, fagt aus, daß erst auf Anordnung übers' von der 2. Rrebite ohne Dedung gegeben wurden. Am schwerwiegendsten waren die Angaben des Bantprofuriffen der LPA., die auch den Angeklagten Nehring mit be lafteten. Der Zeuge erflärte u. a., die von dem Angeklagten Lüders eingeleiteten, nicht fagungsmäßigen Geschäfte hätten ihn, ben 3eugen, Jmmer neue Verhaftungen. Ehrhardt- Offiziere in den Fememordskandal verwickelt. Korrespondenz BS. melbet: Wie wir erfahren, sind gestern von der Polizei weitere Merhaftungen vorgenommen worden, und zwar hat man Berfönlichfetten inhaftiert, bie feinerzeit zu dem Kreis bes Ober leutnants o. Senden gehörten. So ist zunächst ein gewiffer Guttnecht in Haft genommen worden, der sich in Mecklenburg aufhielt und der früher zum Regiment Senden gehörte. Ob Gutfnecht in direkter Berbindung zu den Femeleuten gestanden hat, ist allerdings noch nicht ermittelt worden. Weiter ist Oberleutnant Ebersbach festgenommen, der auch unter dem Ramen Graffunder eine Rolle gespielt hat. Ebers. bach wird beschuldigt, daß er im Oftober 1923 ein Attentat auf General v. Geedt geplant habe, bas sehr forgfältig vot. bereitet gewefen fet, das aber nicht ausgeführt wurde, weil die Teilnehmer an diesem Unternehmen es im legten Augenblic vor30gen, aus Berlin gu perschwinden. Wie aus Schwerin gemeldet wird, hat die dortige Staats. anwaltschaft am verftoffenen Sonnabend mehrere Personen verhaftet, die ebenfalls im Berbacht stehen, um die von Oberleutnant Schulz geleitete Feme gewußt zu haben. Wir erfahren hierzu noch, daß der verhaftete Ebersbach als Offizier früher dem Wachregiment Berlin angehört hat und vorbem in der Brigade Ehrhardt Dienst getan hatte. Guttnecht ist ebenfalls Ehrhardt Offizier ge mesen und hat während der oberschlesischen Aufstände das Freikorps Gleimis befehligt. Barieténummer: Nationalbühne". Die humoristischen Gestalten, I flage Dermeifen. Mit der Borbereitung von Ausstellungen werden die vor etwa zwei Wochen unter der Firma Rationalbühne" mit die wirtschaftlichen Berbände fich, someit wie Berhandlungen mit einem ebenso schwülstigen wie dilettantischen Kunft" gewäsch die den Behörden und Privaten wegen Beschaffung von Räumen und 3werchfelle threr Mitmenschen in Schwingung verfeßten, machen Geldmitteln in Frage tommen, jehr nachdrücklich befaffen, dagegen immer noch von sich reben. Nachdem den fragwürdigen Bätern jeder Ginmischung in die fünstlerische Ausgestaltung der Aus dieser noch fragwürdigeren Reflameinstitution der Deutschnationalen ftellungen und in funstpolitische Dinge sich fireng enthalten. Boltspartei jene Künstler, mit deren Namen sie ihre Gründung ach fo gern schmüden wollten, in nicht mißzuverstehender Weise ben Rücken gedreht hatten, dachte man, daß das tägliche Unter Drudpapier ist gebuldig und noch sind anscheinend die gepumpten nehmen endgültig in die Bersenkung verschwunden fei. Weit gefehlt! nehmen endgültig in die Versenfung verschwunden sei. Weit gefehlt! Taufenbmartscheine der Hintermänner nicht völlig Derbraucht. Gestern fonnte man erneut ein Blafat der unentwegten Gründer bewundern, das reichlich mysteriös von einem geheimnisvollen 3u. famunenbruch ber erwähnten und mißbrauchten Künstler berichtet, die irgendwelchen finsteren Mächten erlegen wären. Das, jo fagt das Blafat, sei ein vollgültiger Beweis für die Griftenzberechtigung des arischen möchte gern- Theaters. Schließlich wird aufgefordert, der imaginären Gründung unentwegt Treue zu halten. Soweit der pußige Klagegefang. Sollten sich die Herren Gründer nicht besser nach aussichtsreichen Rabarettengagements umsehen? Die nötige Bortion Komit dazu hätten sie ihren Publitationen nach schon. Zu Englische Lehrer und der Friedensgebante. Die englische " Nationale Lehrervereinigung" hat die Absicht, eine internationale Lehrertonferenz einzuberufen, um in allen Schulen den Unterricht Schülern lebendig macht. Den Schülern soll das Furchtbare des so zu gestalten, daß er die Ideale des Bölterbundsgebantens den Strieges vor Augen gestellt und die Schönheit einer Welt bes Friedens gezeigt werden. Es gilt, so meinen die englischen Lehrer, Dor allem den Geschichtsunterricht umzustellen und auf den Wert der Friedensgüter der Kunst, der Wissenschaft, der Wirtschaft hin zuweisen, die alle ber Krieg zerstört. Man muß dem Blan der Nationalen Lehrerunion" Englands den besten Erfolg wünschen, bamit eine neue Generation des Menschengeschlechts ein anderes Weltideal gewinnt, als es früher in den Schulen gezeigt wurde! Keifchrifftafeln aus dem alten Babylon. Auf ber Stätte ber altbabylonischen Stadt Kisch wurden bei den legten englischen Ausgrabungen zahlreiche Keilschrifttafeln gefunden, deren Entzifferung Stadt Harfagfalamma ermöglicht hat. Eine der Tafeln enthält ein bie Auffindung der schon seit langer Beit gesuchten altbabylonischen aftronomisches Dokument, das ben geschichtlichen Nachweis liefert, daß die Geschichte des alten Babylon bis mindestens 3000 Jahre vor Chriftus zurüdreicht. Gerhart Hauptmann hat seinen Vortrag im Herrenbaus, der am 7. DL tober stattfinden sollte, aus gesundheitlichen Rüdfichten absagen müssen. Mody Impefoven bringt in ihrer Tanz- Matinee am 11. Dfiober im Metropol- beater unter anderem folgendes Brogramm: Crebo, Gloria, Blume", Bas ihr wollt" usw. ubilate au Mufit von J. S.Bach; Andante grazioso zu Mufil von Mozart; Das Märchen zu Mufit von Schumann;„ Das Leben der Berliner Theater. Freitag, den 16. Oftober, beginnt unter Zeitung bes Gründers und Sauptregiffeurs Wladimir Nemirowitsch- Dantfchento bas berühmte Ensemble sein hiesiges Gastspiel vor Antritt seiner Amerifareise Gastspiel bes Mostaner Künstler- Theaters( Musikalische Bühne) im Der Reichswirtschaftsverband bilbenber Künstler Deutschlands hielt Jahrestagung des Reichswirtschaftsverbandes bildender Künffler. feine diesjährige Tagung vom 2. bis 4. Oftober in Hamburg ab. Aus allen Teilen des Reiches waren Abgesandte in sehr großer Baht erschienen. Ein Bertreter des Hamburgischen Senates be grüßte die Künstler und gab die dankbar aufgenommene Erklärung ab, daß der Senat eine namhafte Summe zur Förderung von Kunst und Künstlern in den regelmäßigen Haushalt eingestellt habe. Brofeffor Richard Mener, der Leiter der Staatlichen Hamburgischen Kunstgewerbeakademie, forderte den Verband auf, von den Berwaltungen der übrigen Großstädte einen ähnlichen Entschluß zu er unerheblichen Prozentsaz der Gesamteinnahme für fünstlerische bitten, und verwies auf Schleswig- Holstein, das dauernd einen nicht 8wede Derwendet. Die Berhandlungen beschäftigten sich dann mit der Atelierfrage und ihrer oft erstaunlich unsozialen Behandlung burch manche Magiftrate, die nicht nur teine Ateliers errichten, sondern die vorhandenen anderen Zweden anheimfallen laffen. Der Fortfall der Frachtermäßigung bei Ausstellungen erschwert die Arbeit der Künstler ungemein, die außerdem von manchen Ausstellungsspediteuren in unmäßiger Beise ausgebeutet werden. Man betämpft zum Teil mit gutem Erfolg den unfozialen Runithandel, Geographischen Geſellſchaft in Breslau eingeladen worden, einige Borlelungen ber den Rünstlern oft unberechenbaren Schaden zufügt. Der Ber bandsinditus, Rechtsanwalt Rodlin, berichtete über Rechtsschutz und Steuerfragen. Der Synditus des Münchener Gaues, Dr. Dieß, forderte mit Zustimmung aller Delegierten die Gleichstellung der Werke der bildenden Kunst mit denen der Literatur und Tonkunft in bezug auf die gesegliche Schußfrift und den Schutz von Werfen der Graphit für 10 Jahre nach ihrer Beröffentlichung, unbeschadet der Schußbauer nach dem Tode des Urhebers. Endlich wurde verlangt, baß wieder die Staatsanwälte, wie es bis vor kurzem gefehlich gewährleistet war, von Amts wegen Strafverfolgungen megen Ber letzungen des Urheberrechtes aufnehmen müssen, statt daß sie, wie es neuerdings geschieht, die Geschädigten auf den teuren Weg der Zivil. Prof. Tolmatfchew, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften ift bom preußischen Meteoreologischen Inftitut in Berlin und von der über die Ergebnisse der von ihm geleiteten Expedition nach Nowaja Semije und nach der Insel Kolgujem zu halten. wiftischen Umwälzung war in sämtlichen Schulen böherer Ordnung auf ben Gründung eines franzöfifchen Inffituts in Mostan. Seit der bolle gefamten Gebiet bes Sowjetbundes der Unterricht nur in einer einziges remdsprache obligatorisch und zwar in der deutschen. Jetzt hat bai Bildungskommissariat die Erlaubnis zur Gründung eines befonderen In ftituts für franzöfifche Sprache und Literatur in Moskau erteilt. Efflands Kriegsgeschichte. Die franzöfliche Regierung hat sich an die estnische mit ber Bitte gewandt, ihr alle Dokumente über die Striegs, unl Nachfriegsgeschichte, melde Eiland betreffen, zur Berfügung zu stellen, be bie Herausgabe eines Bertes über die Geschichte des Weltkrieges und be ersten Nachfriegsjahre geplant ift. wer soll die Kpd. retten! Ter sterbende preußische Barmat-Ausschust! Der Kommunistischen Partei geht es spottschlecht. Statt der immer wieder vertagten Weltrevowtion, die Sknowjew sogar ossiziell abgesagt hat, muß man sich mit gegenseitiger Absägerei beschastigen, was offenbar eine besondere Werbctraft auf die Massen der deutschen Arbeiter nicht entfaltet. In der Suche nach neuen Zugmitteln ist man wieder einmal auf Barmats Beziehungen zur Sozialdemokratie und zur sozialdemokratischen Internationale verfallen, und der Kommunist S t« l l e r im preußischen Barmat-Ausschuß mußte des- halb noch eiiwial die schon so oft erörterten Fragen nach diesen Dingen stellen. Da jedoch Julius Barmat nach amtsärztlichem Gut- achten zu krank ist, um vor dem Untersuchungsausschuß zu erscheinen und die verschiedenen„Fragen', Verdächtigungen und Beleidigungen von äußerst links und rechts über sich ergehen zu lassen, beauftragte man den Lorsitzenden, Professor Leidig(D. Vp.)» sich mit dem Berichterstatter o. Waldhausen(Dnat.) und einem Stenographen in die Wohnung Julius Barmats zu begeben, um ihm die Fragen vor- zulegen. Sie bezogen sich in erster Linie darauf, ob irgendwelche Be< Ziehungen Barmats oder irgendwelche Protektion durch sozialdemo- kratische oder Gewerkschaftsführer zur Einleitung einer Geschäfts- Verbindung zwischen Barmat und der Großeinkaussgesell» s ch a f t e n tätig gewesen seien, was Barmat entschieden verneinte. Es folgte die Frage nach Geschenken oder sonstigen finan- ziellen Zuwendungen Barmats an Persönlichkeiten des deutschen össeMlichen Lebens, wie Abgeordnete, hohe Beamte u. dgl. m. Dazu erklärt Barmat, daß er und seine Freund« sich bei privaten Feiern, wie chochzeiten, Geburtstagen, Jubiläen u. dgl. gegenseitig beschenkt haben, ohne daß er für seinen Teil dabei irgendeine Gegenleistung erwartet oder gewünscht habe. Die angeblichen Geschenke von Aktien und Obligationen beschränken sich darauf, daß Barmat einigen seiner Freunde Koksanleihe der Stadt AUenburg, die er sehr billig für holländische Gulden erworben hatte, zum Selbst. kostenpreis gegen Barzahlung abgegeben hatte, als sie in de? Inflationszeit Bargeld wertbeständig aufbewahren wollten. Diese ganze Koksanlcih« betrug 2000 Gulden, woraus sich die Geringfügigkeit der einzelnen.Geschenke', die gar keine waren, ergibt. Barmat betont ausdrücklich, daß er von dem gewesenen Polizeipräsidenten Wilhelm Richter niemals Gegenleistungen erhalten hat, auch gar kein« braucht«, denn seine Sichtvermerke bekam Barmat ordnungsmäßig vom deutschen Generalkonsulat Amsterdam und brauchte Richters Hilf« dazu nicht. Die Staatsbank- direktoren chellwlg, Rühl usw. haben von Barmat lediglich gegen De- mhlung des Selbstkostenpreises Aktien erhalten, die sie dann, zum Teil für«in« Wohltätigkeitsstiftung verwendet haben. Der Borsitzende wies zwischendurch auf da» varmal'sche Darlehen an den kommunislenführer Kaenen hin, das als eine harmlose Gefälligkeit betrachtet werden könne, da Herrn Koenen in Holland das Geld ausgegangen war. Ebenso hat Barmat Wilhelm Richter ausgeholfen, als seiner Familie in der Sommerfrische auf Rügen das Geld ausgesfangen war: sie hätte sonst ihren Erholungsaufenthalt abbrechen müssen. Richter selbst hat dem Ausschuß erklärt, daß er bei dem damaligen Jnflationr. tempo«ine Rückzahlung nur in Pfenniqwerten hätte leisten können. Barmat fügt hinzu, daß den Empfängern solcher Gelegenheilt!» darlehen mindestens die üblichen Zinsen berechnet worden sind. Gustav Bauer hat kein Darlehen, sondern«ine Geschäfts- Provision erhallen. Otto Wels hat nie«in Geschenk bekommen. Dr. K r a d n a u e r hat einmal etwa 2000 M. für eine Reise nach Belgien geliehen und sie zurückgezahlt. Der sächstschc Wirt» schaftsminister Genosse Schwarz hatte Barmat von dem sächsischen Kinderelend erzählt, worauf Barmat«inen größeren Betrag für«in Kinderheim stistote, davon aber, daß Schwarz sich zwei Zimmer in T5em Heim ausbedungen habe, hat Barmat nie gehart. Lieferung»» cmgelegenhellen an Sachsen hat Barmat nie mll Schwarz, sondern nur mll anderen sächsischen Beamten besprochen. Al« Barmat im Hotel Bristol wohnte, hat er zwar ihn dort besuchend« Geschäfts- oder private Freunde manchmal zum Essen eingeladen, aber selbst- verständlich ist es eine Verleumdung, zu behaupten, daß solch« Personen in Abwesenheit Barmats auf sein Konto sich an Speis und Trank gut getan hätten. fUeber diese, zwar höchst gleichgültige, aber durch ihr« Auf- rollung für das Niveau des deutschen politischen Lebens bezeichnende Frage entspann sich sogar eine längere Unterhaltung!) An die II. Znlrrnatlonale hat Darmol gleichfalls kelverlei makerielle Zuwendungen gemacht. Gr hotte blaß zwei frei« Räume eines seiner Amsterdamer Häuser für einige Zeit dem Bureau der Zwesten Internationale zur Ler. fügung gestellt und er hat weiter, wenn angeschlossene Parteien in vorübergehender Finanzknappheit waren, und ihre Besträge nicht leisten konnten, auf Anfrag« des Bureaus, das auf diese Beiträge angewiesen war, dies« Summen vorgeschossen, sie dann aber von den betreffenden Parteien zurückerhallen. Ebensowenig hat er irgendwie an der Finanzierung der seinerzeitigen Studienreise noch Georgien mitgewirkt, die die Zweit« Internationale oeranjlnllcte. Ein von der georgischen Regierung beabsschtiqtes Einfuhrgeschöst mit Barmat kam infolge der Unterjochung Georgiens durch den Moskauer Imperialismus nicht mehr zustand«. Schließlich wurde Darmat gefragt,. ob er finanzielle Zuwendungen an dte Sozlaldemotratisch« paclei Deutschlands geleistet habe, was Varmal entschieden verneinke. Er versicherte, daß er lediglich auf Vermittlung des verstorbenen Franz Krüger einen Betrag für das Parteiblatt in Köpenick, einmal für Wahlzwecke 20 000 Mt., sonst aber nur bei verschiedenen An- lassen auf Listen kleine Beträge für die Partei, der er in Holland seit vielen Jahren anqchört habe, hergegeben hat. Damit war die Vernehmung beendet, aber Julius Barmat bat, noch auf etwas hinweisen zu dürfen: Assessor Casparq habe vor dem Ausschuß behauptet, mit der Angelegenheit Barmat nichts zu tun gehabt zu haben. Dabei war Easpary bei jeder staatsonwalt- jchaftlichen Vernehmung Barmats dabei und hat sich immer sehr lebhaft betätigt. Easpan, hat auch gelagt, wenn er aus den Ge- richtsakten über das Verhältnis zwischen Heilmann und Darmat erzichlen könnte, so würde man viel mehr erfahren als bisher. Barmat erklärt dazu, daß mehr als Heilmann und er rückhaltlos darüber mitgeteilt haben, überhaupt nicht besteht. Und nun richtete Barmat in großer Erregung«inen eindringlichen Appell an den Untersuchungsausschuh als Organ der höchsten preußischen Instanz, nämlich der Dolksvertretung, einen Appell um Gerechtigkeit. Man habe ihn und seine ganze Familie wirtschaftlich, ihn selbst auch ge- sundheitlich ruiniert, Behörden haben Ihm sein Eigentum wegge- nommen, auch wenn sie gar keine Forderungen an ihn hatten, so das Finanzamt, und nach so langer Untersuchungshaft und noch längerer Untersuchung hat ihm der Untersuchungsrichter noch om gestrigen Dienstag auf feine Frage erklärt, er könne nicht sagen, ob überhaupt eine Anklage gegen Barmat erhoben werden würde. Die Staatsanwattschost erklärte, bi» Weihnachten noch mll der Sichtung der Akten zo tun zu haben. dann könne sie erst einen Auszug machen und dann erst die Frage der Antlageerhebung erwägen. Das sei doch einem Rechtsstaat« kaum angemessen... Der Vorsitzende aber brach mst den Worten ab, der Ausschuß dürfe in die Justiz nicht eingreifen. Tekuan uaker Feuer. Schwer« Rifartillerie beschießt diese der- bältnismäßig große marokkanische Stadt. Spanisch« und französische Truppen stehen noch IS low voneinander. Räch ihrer Bereinigung sollen sie die Kabylen umzingeln. Ein verheißungsvoller /toftokt. Massenbesuch unserer Wählerversammlungen in Graf;-Berlin. Der Kampf um die Stadtverordnetenwahlen hat eingesetzt. Daß die Berliner Bevölkerung ihre Wichtigkeit erkannt hat» bewies der hervorragende Besuch und der glänzend« Verlauf u n-s e r e r g e st r i- gen Veranstaltungen in allen Gegenden Groß-Berlins. Die Männer, die Frauen, die Jugendlichen, eben noch im Tageewerk eingespannt, jetzt den Worten der Referenten lauschend, das ist nun längst ein altes und gewohntes Btld, aber doch immer wieder ein ergreifendes Bild, weil man das Gelöbnis spürt: sie mögen uns durch Hungerlöhne und Riesenpreise noch so quälen, mürbe kriegen sie uns nicht. Die Reaktion macht verzweifelte Versuche, die Herr« schaft der Stadt an sich zu reißen, denn sie weiß ganz genau, daß die„kleine Politik' ebenso wichtig ist wie die große. Aber es ist ein gewaltiges Glück, daß sie proletarische Massen zum Gegner haben. denen diese Erkenntnis ebenfalls zu eigen ist. Berlin steht bereits in gutem Ruf als republikanische Stadt. Wenn e« auch den Ruf als einer sozialen Stadt erwerben will, dann ist es notwendig, om 28. Oktober viele jener Männer tn die Stadtverwaltung hinein- zuwählen, deren Rame und deren bisheriges Schaffen uns die Garantie geben für weiteres soziales Wirten. Die gestrigen Der- sammlungen waren ein guter Auftakt für den krästigen Marsch, den c» am 28. Ottober in Berlin der Reaktion zu blasen gilt. » Ttergarten. In der gut besuchten Wählerversammlung in den Arminiushallen sprachen die Genossen Adolf H o f s m a n n und M i e l i tz. Genosse H o f f m a n n verbreitete sich eingehend über den Rechtskurs in Deutschland und die Stellung der Partei dazu. Diejenigen in Deutschland, die an dem Zusammenbruch schuld sind, gehen heute wieder mit dem Sozialistenschreck ködern. Selbst Leute aus den früheren konservativen Kreisen haben in Broschüren niedergelegt, daß es die Unfähigkeit Wilhelm» IL und seiner Regierung war, die den Krieg mit all seinen unglückseligen Folgen zu einem großen Teil verschuldet hat. Wenn Deutschland allmählich wieder zum Aufstieg geführt werden soll, dann kann dies nur im Frieden und in der Republik geschehen. Wir müssen uns die Freiheit erhalten und besonders die Jugend im Geiste einer neuen Zeit erziehen. Um dies zu ermöglichen, müssen Männer sowohl wie Frauen am 28. Oktober ihre Stimme für die So- zialdemokratie abgeben. Sehr treffend wies Genosse M i e l.i tz alle Anariffe der Reaktion gegen die sozialdemokratische Arbeit im Roten Hause zurück. Trotz unserer Minoerheit im Rat- Hause sei viel für die arbeitende Bevölkerung geleistet worden. Bor allem auch die Kommunisten tragen sehr viel Schuld daran, daß die bürgerlichen Parteien im Rathause wieder die Oberhand gewinnen konnten. Die Bürgerlichen nützen ihre Mehrheit rücksichtslos gegen die schwer ums Dosein ringende Arbeiterschaft aus. Dagegen muß unser schärfster Kampf einsetzen. Berlin«ls größte kemmune des Reiches muß wieder eine sozialdemokralisch« Znehrheit erhallen. Daran mitzuhelfen, sei Ehrenpflicht eines jeden Arbesters, Ange- stellten und Beamten. Reicher Beifall lohnte beide Redner. Friedrichshain. In der stark besuchten Versammlung in den Andrcos-Festsälen behandelte Genosse Dr. Levi vor allen Dingen die allgemeinen politischen Fragen, die aus Anlaß der Stadt- verordnetenmohlen zur Debatte stehen. Genosse Reimann wies in seinem Referat darauf hin, daß da» jetzige Grvß-Berlin gegen die Rechtsparteien geschaffen sei und erhalten werden müsse. Er zeigte die Erfolge der sozialdemokratischen Politik aus ollen Gebieten des kommunalwirtschaftlichen Lebens in Grvß-Berlin auf und betont« besonders, daß die KaMmunalpoliilk deswegen von so großer Wichtigkeit sei, well sie die Zelle der allgemeinen poUtik darstelle und in ihr die wirklich reale Politik betrieben werde. Es sei zu bewundern, daß die K o m m u n i st i s ch« Partei, die uns stets als Arbsiterver- röter bekämpft habe, mit diesen Arbeiterverristern«ine gemeinsame Wahl machen wolle. Wenn wir im Rathause erkennen werden, daß die Kommunistische Partei willens fer. vernünftige Kommunal- Politik zu machen, so seien wir berest, mst ihr in diesen Fragen zu gehen. Vorläufig müsse jeder Arbeiter, der fortschrttiltche Arbesterpolilik treiben wolle, der Sozialdemokratie in diesem Wählkampf zum Siege verhelfen. Lreuzberg. Die Säle in der Ficht« st raße waren schon vor Beginn der Kundgebung überfüllt. Ale erster Redner sprach C r i s p i e n, der in seinem Referat zunächst die einzelnen Partei- gruppcn bis zu den Dculschnotionalen ins rechte Licht rückte. Cr schilderte ihre verlogene und demagogische Politik und brandmarkte die heuchlerischen Versprechungen, die sie vor der letzten Reichstag»- wähl gegenüber leichigläubigen Wählern abgegeben hatten. Man braucht nur da» Kapitel der berühmten hunderpro.zentigen Auf- wertung zu nennen und man weiß genug. Genosse Criepien schildert« dann das Werden des Zolltarifs und dessen verderbliche Wir- kungen, wie Teuerung und schwere Lohnkämpse, und streifte die un- gesunde Steuerpolitik und unsozialen Auiwertungsmaßnahmen der Rettcrreaierung, die die einen sozialen Geist atmenden Berbesse- rungsanträge der Sozialdemokratischen Partei nur wenig anerkannt«. Mit einem bedeutsamen Ausblick auf die Loearno-Konferenz und mit der Mahnung, om 28. Ottober die alle rot« Fahne der Sozialdemokratie in Groß-Berlin zum Siege zu führen, schloß der Redner sein« Aussührungen. Das Referat des Genossen Leid schildert« zunächst die kommunalpolitische Arbeit der Sozialdemo- kratie und die Schafsung des einheitlichen Groß-Berlin, das mit als ein Werk der stärksten Arbeiterpartei zu bezeichnen sei. vorbildlich für eine soziale Gemeinde ist heute das sozialistisch verwalkeie Wien. Um diesem guten Beispiel nocheifern zu können, ist es notwendig, daß dte Sozialdemokratie am 2 5. Oktober den Sieg erringt. Neukölln. Di« sehr gut besuchte Versammlung von Neu- k ö l l n im„Schultheiß', in welcher hunderte keinen Sitzplatz finden konnten, wurde eröffnet mit dem Liede:„Empor zum Licht', gesungen vom Neuköllner Sängerchor. Als erster Reierent über die Stadtverordnetenwahl sprach der Stadtverordnete Gen. U r i ch. Er gab zunächst einen Rückblick über die Entwicklung der Einhe'ts- gemeinde, das Werk der Sozioldemokrotie. Wir haben die Zer- splitterung der Arbeiterbewegung zum Teil überwunden und treten geschlossen, trotz der reaktionären Gegenwirkung der Kommunisten öl» Sozialdemokratie in den Wahlkompf. Eingehend schildert Urich die Arbeit der sozialdemokratischen Fraktion. Er behandelt ganz besonders die Stellung der Fraktion zu den städtischen Werken. Trotz der Wehrhett der bürgerlichen Parteien haben wir der Ein- heltsgemeinde dt» städtischen Werke erhallen. Di« Straßenbahn wurde ausgebaut. Ihre besondere Aufmerksamkeit wandt« die Fraktion dem Wohnungsbau und der Wohnungsfürsorge zu. Wenn gebaut wurde, so nur durch die Initiative der Sozialdemokraten. Heftige Entrüstung löste die Miftetlung des Gen. Urich aus, daß der mit Hllfe der Sozialdemokratie gewähbc Direktor einer Höberen Schule, der Kommunist Stadtverordneter Goß,'für den Abbau de» Genossen Paulsen eintrat. Mit aller Schärfe rechnete Urich mit den Kommunisten und den anderen bürgerlichen reaktionären Parteien ab. Der Zeugenpfarrer Koch wurde als Führe? der Dcutschnationalen ins recht« Licht gestellt. Es gibt für die Arbeitnehmer nur eine Partei, da» ist die Sozial- demökratie, dte Wähler müssen am 28. Oktober eine sozial- demokratisch« Mehrheit im Rathaus Hersteller Die großen politischen Begebenheiten und die Stellung der Sozialdemokratie dazu behandelte der Oberpräsident Gen. Hörstng. Er schilderte das Verhalten der nationalistisch-monarchistischen Parteien in der großen Politik, Im Reiche und im Lande. Er zog mit diesen Potentpatrioten gehörig zu Gericht, deren Kopflosigkeit sich gerade jetzt bei den außenpolitischen Fragen zeigt. Ihnen gesellten sich die Kommunisten zu, die sich einein Aufstieg de? Arbeiterbewegung ständig hindernd in den Weg stellen. Die völkische Welle, die dem Volke Erlösung bringen sollte, verpufft« schon anläßlich de« Kapp- Plüsches, durch welchen politische Kindsköpfe Deutschland erneut in» Unglück gestoßen haben. Die große politische Linie bei dem Wieder- ausbau Deutschlands fand nur die Sozialdemokratie. Der Auf- wertungsschwindel der bürgerlichen Parteien rächt sich schon jetzt. Die armen Betrogenen, die damals den Devlschnotionalen die Stimme gaben, haben erkannt, ee war nur ein Wohlversprechen, da» die Parteien nicht einhalten wollten. Die Sozialdemokratie nimmt sich auch dieser Betrogenen an. Würdig an diese Vergehen der bürgerlichen Parteien reiht sich die Zollpolitik. Dte Sozial- demökratie hat mit allen Mitteln gegen die Zölle gekämpft. Die Sozialdemokratie hatte leider nicht die Mehrheit. Das muß anders werden. Den Anfang können die Berliner om 28. Oktober machen. Jeder Arbeitnehmer mutz am 28. Oktober sozialdemokxattsch wählen. Großen lebhaften Beifall ernteten beide Referenten. Mit dem Lisdc: „Tord Foleson' und einer zündenden Schlußansprache de« Gen. Harnisch endete unter lebhafter Zustimmung und einem Hochruf der gesamten Versammlung aus die Sozialdemokratie diese würdige Kundgebung. Ein guter Auftakt für das wiederkommende rote Berlin. Wilmersdorf. In den Spichersälen, Wilmersdorf, sprachen die Genossen Philipp Scheide mann. Albert H o r l i tz und Dr. Käthe Frantenthal. Schridemann skizzierte in seiner ruhigen, überlegenen Weise, die keine Phrase kennt, In oller Kürze. was nach ihm die Gen. Frankenthal und Horlitz in Einzelheiten aus- füd-rten. Trotzdem die Ungerechtigkeiten des Dreiklassenwahlrechts beseitigt sind, muß heute wie srüher in der imperialistischen Aera die Sozialdemokratie das politische Element in der Wahlpropaganda in die erste Reihe stellen. Denn was nützen soziale Gedanken und Fürsorge m den Gemeindevertretungen, wenn die Gemeinde nicht ihre richtige Stellung im Staatswesen erhält. Der heutige deutsche Staat nimmt keine Rücksicht auf die Wünsch« der Gemeinden. Alle sozialen Bestrebungen der Gemeinden werden zerschlagen durch die ungerechte Steuerpolitik und durch die wahnsinnige Zollvorlage, die trotz des Protestes der Sozialdemokratie Wirklichkeit geworden ist. Ucbcrall arbeitet die Reaktion: in der Steuer, im Zoll und in der Schule. Ueberoll derselbe Betrug der Rechteparteien, di« sich brüsten, ganz allein nationale Gesinnung gepachtet zu haben, und di« dank ihrer Politik das deutsch« Volk in dos Elend treiben. Die ganze Reaktion lebte von der verlogenen nationalen Phrase. Bald nach dem Friedensschluß begann di« Unterwühlung des Volkes durch die Rechtsparteien, die hinter der berauschenden Phrase ihr« schranken- lose Raubgier verbargen. Ueberall, sowohl in der Außen- wie in der Innenpolitik, dieselbe Verlogenheit. Nach dem neuen Zoll- kompromiß versuchen auch die Nationalen von Bersöhnungspolitit ä» faseln- Der geschäftliche Teil ist ja gesichert. Deshalb Abrechnung mit diesen Heuchlern! Die kommenden Sladkverordnetenwahlen müsse« ein großer moralischer Sieg der Sozialdemokratie werden! Begeisterter Beifall dankte dem Redner, ebenso den Genossen Dr. Käthe Frankenthal und Horlitz, die nach ihm da, Wort ergrisfcn. Steglitz. In der dichtgesüllten Aula der Oberreasschule in der Elisen st raße sprach Stadtverordnetenvorsteher Genosse Haß. In ausführlichen Darlegungen gab er ein« Schilderung der kom» munolpolitischen Aufgaben der Gegenwart. Er ging aus die Eni- tommunalisieruntzspläne der bürgerlichen Reaktion ein, die er als in jeder Beziehung für das Gemeinwahl schädlich be- zeichnete. Die sozialdemokratische Fraktian der Stadtverordnetenver- sammlung hat sich jederzeit gegen diese Gelüste gewandt, auf dje die rechtsstehenden Gruppen stets eifrig hingearbeitet haben. Nachdem der Redner die Emwicklungsmögltchkeiten Berlins in kultureller und wirtschaftlicher Hinficht an Hand de« umfangreichen Materials dar- gelegt hatte, behandelt««r die sozialen Aufgaben, die der kommenden Stadtverordnetenversammlung harren werden, wenn wir«Ine Ideal- konimune schassen wollen, so müssen wir in rastloser ArbeU dafür sorgen, daß der 25. Oktober eine sozialdemokratische Wehrheil in» Stadtparlament bringt. Bor Haß hatte Genossin Wu r m evenfalls unter lebhaftem Beifall der Versammlung gesprochen. Schöneberg. In einer sehr stark besuchten Versammlung in der U h l a n d s ch u l e in der K o l o n n e n st r o tz e eröffnete die Schönebcrger Ortsgruppe ,n wuchtigem Auftakt den Wahlkampf für das Berliner Stadtparloment. Die Versammlung unterbrach die Aue- sührungen der Referenten, der Genossen Dr. L o h m a n n und Volksoarlei, indem er auf dos auch von uns behandelte gejchmack- lose Plakat dieser Partei einging. Es gilt nicht, den Berliner Bären die roten Hosen anzuziehen, so führte Genosse Lohmann unter lebhaftem Beifall aus, sondern ihm die schwarzweißrote Drapierung abzureißen. Seit vier Jahren haben wir eine bürgerliche Mehrheit in der Berliner StadtverordnetenversaMm- lung. Dar dem Wirten dieser Mehrheit scheint demnach der volks- parteilichen Reaktion selbst bonge geworden zu sein, da sie so auf. dringlich die Verantwortung leugnet. Die Sozialdemokratie braucht sich ihrer unermüdlichen positiven Arbeit, die sie in den verflossenen vier Jahren im Dienste des Berliner Boltes geleistet hat. in keiner Beziehung zu schämen. Genosse Lohmonn zog«ine Bilanz der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Arbeit der Rathausfraktion der Partei in, unermüdlichen Kamps mit den Gegnern eines geistig und materiell freien Berlins und schloß unter stürmischer Zustim- mung der Versammelten, indem er die Anwesenden aufforderte, in rastloser Propaganda für den überwältmenden Sieg der sozial- demokratischen Volksliste am 28. Oktober Sorge zu tragen. Weddina. Die Versammlung in den„Pharussälen' war überfüllt. Frau Stadträtin W e y l wandte sich besonders den Frauenfrogen in der Kommune zu. Neben anderen Arbeiten, so führte die Rednerin au«, muß auch auf dem Gebiete der Wohtfahrts- pflege mehr als bisher geleistet werden. Genosse Dr. Moses sprach über den Rechtskur» in Deutschland, der nur zu sehr in den Er- «ignissen der letzten Zeit seinen Niederschlag finde. Er berührte dabei häuptsachlich dos Problem der Devölkerungspolittk. Stadtverordneter Heitmann referierte speziell über die Tätigkeit der Sozialdemo- traten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, vqrt müsse unser Einfluß erheblich gestärkt werden. Sämtliche Redner fanden in der Ennahnnng, am 25. Oktober nur sozialdemokratisch zu wählen, die stürmische Zustimmung der Versammlung. Mit einein begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß di« Kund- gebung. Den anwesenden Kommunisten war e« nicht gelungen, die Versammlung zu stören. Einige Krakeler versuchten noch beim 'Verlässen des Saales Lärm zu schlagen und diesen aus der Straße fortzusetzen. Trotz der großen Menschenansammlung mußten diese tommunislischen„Helden sehr bald das Nutzlose ihres Be- ginnens einsehen. Die Versammlungsteilnehmer zeigten sich viel zu sehr politisch geschult, um sich mit derartigen Leuten einzulassen. Köpenick. Die Kundgebung im Köpenicker Stadttheater fand unter riesiger Beteiligung statt. Es waren etwa 1000 Personen anwesend. Referenten waren Klara Bohm-Schuch und Rhode. Eingeleitet wurde die Versammlung durch die Knaben- kapell« de» Brandenburger Reichsbanners. Der Eindruck, den das geschlossene Bekenntnis zur Sozialdemokratie hinterließ, war von stärkster Wirkimg. * Auch die Versammlungen in den anderen Bezirken waren sehr gut besucht und gingen— soweit uns in später Abendstunde Berichte vorlagen— ohne Störung vor sich. Gewerkschaftsbewegung Aus der Berliner Reichsbahndirektion. Nadelftichpolitik gegen die Gewerkschaften. Man schreibt uns: Im Kampf um den sozialen Rückschritt, den die Arbeitgeber zurzeit mit allen Mitteln durchzuführen gedenken, steht die Reichsbahnverwaltung unbestreitbar mit an führender Stelle. Daß einzelne Reichsbahndirettionen darüber hinaus noch ein übriges leisten zu müssen glauben( Aussicht auf Leistungszulage), dafür bot das Verhalten der Direktion Berlin erst wieder beim Streit im Speditionsgewerbe einen anschaulichen Beweis. Sie wollte den Unternehmern ihre Hilfe direkt aufdrängen. Durch die geschickte Führung und den raschen Abschluß des Kampjes im Speditionsgewerbe scheint nun manche Stelle in der Reichsbahn direktion darüber verärgert, daß ihr die Gelegenheit entgangen ist, der Deffentlichkeit die Wirksamkeit der mit soviel Kraftaufwand und erheblichen finanziellen Mitteln eingerichteten Bersonal betriebshilfe" und des Bahnschußes" gegen unbotmäßige" Arbeiter zu zeigen. " Die Leitung der Reichsbahndireftion Berlin will nun wahrscheinlich erst recht den Ruhm als reaktionäre Verwaltung ernten. In dieser Woche veranstaltet der Allgemeine Deutsch e Beamtenbund einen sechstägigen Funktionär furfus für seine Mitglieder. Aus allen Teilen des Reiches haben fich 150 Teilnehmer gefunden, darunter der überwiegende Teil Reichsbahnbeamte. Aus Berlin beabsichtigte man die Entsendung von vier Beamten. Unter Ersatz der möglicherweise entstehenden Stellvertreterkosten wurde für diese Personen Urlaub bei der Verwaltung beantragt und der Urlaub abgelehnt. Der Reichsbahnoberrat Arnold scheute sich nicht, die Richtgewährung des Urlaubes auf Personalmangel" zurückzuführen. Wäh rend man auf alle mögliche Art und Weise, sogar durch Rundfunk, der Deffentlichkeit die Notwendigkeit eines meiteren Perjonalabbaues beweisen will und man auch tatsächlich immer noch abbaut, fann man auf einmal vier Beamte nicht eine Woche lang entbehren. Diese Taktik ist denn doch zu durchsichtig! Hätte es sich um eine andere Richtung" gehandelt, als um den freigewertschaftlichen AD B., der Urlaub wäre anstandslos gewährt worden. Der Ablehnungsgrund muß dirett als Provokation wirken, wenn man berücksichtigt, daß zu den Uebungen des Bahnschuhes, zu Schießübungen, nicht nur Urlaub, sondern auch Bezahlung gewährt wird, und daß mehrtägige Konferenzen der Direktionsvertreter in irgend einem Ort stattfinden, wo man sich über die Durchorganisation der Bersonalbetriebshilfe, Bahnschutz, Lagern Don" Waffen und Munition" unterhält. Berglichen an diesen letzten Dingen, ist doch klar ersichtlich, daß die Reichsbahndirettion jede freiheitliche Regung ihres Personals im Reim eritiden will und in fanatischem Haß in jedem bildungsbeslissenen Eisenbahner einen Feind" sieht. Die Reichsbahndirektion hat sich mit diesem Verhalten selbst als ein Sort schwärz efter Reaktion" angeprangert. Nur so weiter, Herr Stapf, diese Saat bringt uns sicher gute Früchte! Gas- und Wasserwerke lehnen Lohnzulage ab. Die Lohnverhandlungen zwischen dem Verbande der Gemeindeund Staatsarbeiter und den Direktionen der städtischen Gas- und Wasserwerke A.-G. am gestrigen Dienstag sind gescheitert. Der Verband hatte eine Erhöhung der Stundenlöhne, die gegen wärtig für Ungelernte 70 Pf., für Angelernte 76 Pf. und für Handwerter 87 Pf. betragen, um 10 Pfennige gefordert. Trog ein gehendster Begründung dieser Forderung durch die Verbandsvertreter lehnten die Direktoren jedes Entgegenfommen rund weg ab. Sie wünschten eine Bertagung der Verhandlungen bis zum 1. november. Die Arbeitervertreter gingen auf diese Ver schleppung nicht ein. Sie werden die tarifliche Schiedsstelle, den Schlichtungsausschluß zur Entscheidung anrufen. Die Direktoren der städtischen Werte in Gemeinschaft mit dem Magistrat als Berfechter der Lohnpolitik der Arbeitgeberverbände, trotz der so schmählich gescheiterten Preisabbauaktion wahrlich ein netter Auftakt zur Stadtverordnetenwahl. ,, Mangelnder Bauarbeiterschutz". In der unter dieser Ueberschrift in Nr. 458 des„ Borwärts" veröffentlichten Beschwerde der Berliner Zahlstelle des Zimmerer verbandes wurden insbesondere auch gegen die Firma Czarnikom u. Co. Beschuldigungen erhoben. Die angegriffene Firma erklärt nun, daß die gegen sie gerichteten Angaben nicht den Tatsachen entsprechen. Der 13. September, an dem der Bauführer auf Mißstände hingewiesen worden sein soll, war ein Sonntag. Von einer Ermahnung des Bauführers Bergmann ist weder diesem, noch dem Geschäftsführer des Beton- und Tiefbauarbeitgeberverbandes etwas bekannt. Die gemachten Angaben rühren lediglich von Zimmerern her, die zwei wegen tätlichen Angriffes auf den 66jährigen Bauführer gemaßregelte Kollegen mit einem zehntägigen wilden Streit unterſtüßten. Die technischen Ausführungen sowie die Beobachtung der baupolizeilichen Vorschriften find hier, wie auf einem anderen städtischen Bau der Firma, so fachgemäß, daß die Firma von dem städtischen Auftraggeber ohne Aufforderung weiter empfohlen worden ist. Die Bemerkung über die halbtote Firma ist von gleicher mangelnder Objektivität getragen. Die Firma verfügt über ausreichende Mittel, um große Bauten ausführen zu können. Was die Erklärung des Herrn Herbert Czarnitom betrifft, so ist zu sagen, daß er allerdings nichts mehr mit der Firma m. Czarnifom u. Co. zu tun hat, und zwar seit seiner vor einem Jahre erfolgten Entziehung der Prokura und seiner Entlassung aus der Firma." Proteft der Beamten. Die Ablehnung jeder Besoldungserhöhung durch den Reichsfinanzminister in den Besoldungsverhandlungen, hat in der Beamtenschaft. insbesondere in den schlecht bezahlten unteren und mittieren Besoldungsgruppen große Erregung hervorgerufen. Die Erregung ist um so stärker, als die Forderung durchaus bescheiden war und die Steuerüberschüsse eine Erfüllung leicht hätten ermöglichen laffen. Die Berliner Beamtenschaft wird in einer Proteftfundgebung am Donnerstag, abends 8 Uhr, in den Germania- Brachtfälen, Berlin, Chauffeestraße 110, zu der Verweigerung jeglicher Notstandsbeihilfen Stellung nehmen. Arbeitsgemeinschaftspolitik. In den Kreisen der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände wird von Zeit zu Zeit die Trommel gerührt für eine neue Arbeits: gemeinschaft. Daß in den Kreisen der ADGB.- Gewerkschafter, zumal bei der gegenwärtigen Einstellung der Wirtschaft", dazu keine be fondere Neigung besteht, ist auch der Gegenfeite nicht unbekannt. Trotzdem appelliert man immer wieder an die„ Vernunft" der Ge merkschaften und spekuliert darauf, daß ihre Absage an radikal schillerndes Phrasenfum einen Rud nach rechts" bedeute. Der Arbeitgeberverbandssyndikus von 3engen hat erst fürzlich einen Fühler in dieser Richtung ausgestreckt, da er persönlich, im Gegensatz zu manchem Politiker und Wirtschaftler seiner Kreise, der Auffassung sei, daß der Breslauer Gewerkschaftskongreß einen Verlauf genommen habe, der den Arbeitsgemeinschaftsplänen günstig fei. Wie fachkundig dieser Herr v. 3engen ist, geht aus dem einen Sah seiner Ausführungen hervor, der Gewerkschaftsfongreß nahm nicht einfach wie früher die vorgeschriebenen Grundsäge der Sozialdemokratischen Partei an, sondern faßte eigene, wenn auch noch rein negative und dogmatische Resolutionen und begann damit vielleicht unbewußt eine gewisse Emanzipierung von der Er verlangt von den Gewerkschaftsführern es ihm zu Bartei." sagen, wenn er sich in seinem jugendlichen Optimismus getäuscht habe. Einerlei, ob diese Naivität echt oder gespielt ist, sie ist nutzlos. Ein neuer Kampf im Baugewerbe. Köln, 6. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Dem Baugewerbe Rheinland- Westfalen droht eine große Ratastrophe. Der Arbeitgeberberband batte das 2obnablommen, das für den Bezirk Rheinland- Westfalen abgeschlossen war, aum 30. Sep tember gefündigt. Darauf fanden am Montag in Düsseldorf Verhandlungen mit dem Ziel einer Neuregelung der Löhne statt. Die Verhandlungen mußten ergebnislos abgebrochen werden. Daraufhin wurde die Lohnstreitfache der beim Reichs arbeitsministerium eingerichteten Schlichterstelle übertragen. Was geht im Bergbau vor? von Bichornewitz angeschlossen. Die Funktionärtonferenz hat den Zentralverband der Maschinisten und Heizer ersucht, die planmäßige Durchführung dieser Bewegung in die Hand zu nehmen. Wenn es nicht gelingt, diese Bewegung in richtige Bahnen zu lenken, dürfte Berlin und große mitteldeutsche Unternehmen bald ohne Stromzufuhr sein. Sabotage des Schiedsspruchs in Niederschlesien. 31 000 Mann mit Aussperrung bedroht. Für den niederschlesischen Steinkohlenbergbau ist am 8. September 1925 ein Schiedsspruch gefällt worden, der eine 2ohnerhöhung von 7 Prozent vorsieht. Dieser Schieds. spruch ist vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erflärt worden. Die Unternehmer weigern sich, diesen Schiedsspruch durchzuführen und drohen mit der Aussper= rung. Gestern wurde der gesamten Belegschaft von faft 31000 Mann gekündigt. Damit wird ein Arbeitskonflikt von unübersehbarer Tragweite heraufbeschworen. Da die Arbeitgeber in den letzten Monaten in allen Teilen des Reiches Arbeiter nach Niederschlesien gesucht haben, warnen wir, jetzt dort Arbeit anzunehmen. Die Arbeitsverhältnisse sind in Anbetracht der schweren Arbeit die schlechtesten in ganz Deutschland. Dazu kommt, daß die Wohnungsnot geradezu katastrophale Formen angenommen hat. Es ist deshalb dringendes Erfordernis. Dor 3uzug nach dem niederschlesischen Steinfohlenrevier zu warnen. Lohnforderung der Ruhrbergarbeiter. Bochum, 6. Oftober.( Eigener Drahtbericht). Bei einer am 6. Ottober stattgefundenen Sigung der am Ruhrbergbautarif be= teiligten Arbeiterverbände wurde beschlossen, beim Zechenverband die Wieder infraftsegung der bis zum 30. August d. J. geltenden Lohnordnung zu beantragen mit der Maßgabe, daß die darin vermerkten 2öhne am 15. Oftober um 15 Pro3. erhöht würden. Krise im holländischen Bergbau. Wie uns aus Amsterdam berichtet wird, hat der Minister für öffentliche Arbeiten die Direktionen der holländischen Bergwerksunternehmungen veranlaßt, die angekündigte fünfprozentige Lohnfürzung fallen zu lassen. Von der Verlängerung der Arbeitszeit auf 48 Stunden, durch Ausdehnung der sechsstündigen Sonnabendarbeit auf acht Stunden, wollen die Unternehmer jedoch nicht abgehen. Der Minister erklärte, daß er in der letzten Zeit in Deutschland verschiedene Untersuchungen angestellt und Besprechungen geführt habe, von denen er hoffe, daß sie zu einer langanhaltenden Sta= bilisierung in der Limburger Bergwerksindustrie Dic Vertreter der Bergwerksorganisationen erführen werden. flärten, daß sie die neuen Lohnvorschläge den Vorständen der einzelnen Berbände zur Beratung und Beschlußfassung vorlegen werden. Allgemein wird angenommen, daß die Vorschläge von den Bergarbeiterorganisationen angenommen werden. Der Sekretär des Niederländischen Bergarbeiterverbandes teit in het Bolk" zu der Angelegenheit mit, daß die Bergarbeiter feine Veranlassung hätten, sich ohne weiteres auf Verschlechterungen einzulassen. Seit 1920 seien die Löhne bereits um 34 Proz. gefunten, so daß heute hunderte erwachsene Untertagearbeiter weniger als 20 Gulden die Woche verdienen. Diangel an Initiative und verfehrte Sparsamkeit der Unternehmer seien die Ursache, daß kein befriedigender Gewinn erzielt würde. Obwohi die Arbeiter der Staatsbergwerte 2 Gulden mehr die Woche verdienten, würde hier ein größerer Gewinn erzielt. Die schlechten Erträge seien die Folge der Untüchtigkeit einiger ausländischer Kapiialisten. Nur indem man den gesamten Bergbau in den Niederlanden in die hand des Staates bringe, werde die AusArbeitszeit erzielt würden, ohne daß der Staat dabei Verluste zu ficht verbessert, daß ein angemessener Lohn und eine angemessene leiden brauche. Deutscher Berkehrsbund, Abteilung Straßenbahn. Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal ,, Neue Welt", Safenheide 108-114, große Massen. fundgebung aller im Straßenbahn., Hochbahn- und Omnibusdienst tätigen Berfonen gegen die ablehnende und verschleppende Haltung zu den erhobenen Lohnforderungen. Achtung, Zimmerer! Seute abend 7 Uhr im großen Gaal des Gewerkschaftsist Pflicht. Gegen den Schiedsspruch in Mitteldeutschland. Eine von etwa 100 Funktionären des Zentralverban= des der Maschinisten und Heizer besuchte Konferenz hauses, Engelufer 24/25, allgemeine Mitgliederversammlung. Erscheinen aller aus dem mitteldeutschen Braunkohlenbergbau nahm in Senftenberg Stellung zu dem Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers, der für sie den 3wölfftundentag bringt. Die Besprechung gestaltete sich sehr erregt. Eine Entschlie Bung, die sich gegen die Haltung des Reichs. arbeitsministeriums richtet, fand einstimmige Annahme. metallarbeiter statt, die sich gleichfalls mit den SchiedsGleichzeitig fand in alle eine Bezirkskonferenz der sprüchen im Braunkohlengewerbe beschäftigte. Allgemein fam der nmille der Arbeiter über die Art zum Ausdruck, in der " Die Zimmerer haben in der Zeit vom 12. bis 22. Gep tember auf dem Neubau Große Frankfurter Straße 8 geicht das Reichsarbeitsministerium die Arbeitszeitfragen behandelt. streift, waren also in dieser Zeit auf dem Bau feiner Gefahr Gusgesezt. Die Dede über dem Erdgeschoß war bereits am 19. September fertig, die Decke über dem 2. Obergeschoß abgedeckt; darüber ist das Dachgeschoß, an dem die Zimmerer vom 22. September an ohne Gefährdung für die übrigen Arbeiter das Dach aufbrachten. Ledig lich eine durch Gerüst geschüßte Kappenöffnung in jeder Etage blieb, wie üblich, zum Materiaîtransport offen. Die Belegschaft des Groß Kraftmertes 3ichornemig hat einstimmig beschlossen, die Kündigung des Arbeitsverhältnisses vorzunehmen. Durch Zwangsschiedsspruch ist die Arbeiterschaft gezwungen, unter dem Tarifvertrag für den mittel deutschen Kohlenbergbau zu arbeiten. Das will die Arbeiterschaft nicht mehr länger mitmachen. Eine Funktionärtonferenz der Werte Trattendorf und Lauta hat sich dem Vorgehen Roblenarbeiter! Morgen, Donnerstag, abend 7 Uhr in Bökers Festfälen, Weberstr. 17, Bollversammlung. Berband der Gemeinde. und Staatsarbeiter, V. Berwaltungsbezirk ( Friedrichshain). Morgen, Donnerstag, abend 7 Uhr im Lokal Freischüß", Fruchtstr. 36a( oberer Gaal), Versammlung aller im 5. Berwaltungsbezirk be. schäftigten und wohnenden Berbandsmitglieder. Stellungnahme aur Stadtverordnetenwahl. Musikinstrumentenarbeiter. Bertrauensmännerversammlung morgen, Don Die Mitglieder der nerstag, nachmittag 5 Uhr in Reichenberger Hof. Branchenkommission treffen sich in demselben Lokal eine halbe Stunde früher. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R. H. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". Mujifaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27. Andreasstr. 21( stönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch Bewahren Sie Threm Liebling das duftende Seidenhaar des Kindes, das man so gerne streichelt und küßt. Pflegen Sie es ständig mit Elida- Haarpflege. die gründlich reinigt und absolut unschädlich ist. Prachtvoller Glanz und entzückende natürliche Wellen sind der sichere Erfolg einer Waschung mit dem sodafreien Shampoo PARFUMERIE» ELIDA A. G., II LEIPZIG- WAHREN 103 Senden Sie mir kostenlos ein Originalpäckchen ELI DA- HAARPFLEGE. 30 Pfennige Ladenpreis Name: Adresse:.. Kleben Sie, bitte, den ausgefüllten Kupon auf die Rückseite einer Postkarte. ELIDA Nr. 473 ♦ 42.�ahrgattg 7. Seilage ües vorwärts Mittwoch, 7. Oktober 1925 warum öie hohen Ileifthpreise? Wer die Preissenkungen verhindert. Es muß schon ziemlich schlimm um die V i e h p r e i s e bestelli sein, wenn selbst das politische Organ des landwirtschaftlichen Groß- grundbesitzes, die„Deutsche Tageszeitung' zugeben muß, daß sie zu hoch sind. Wenn man berücksichtigt, daß vor dem Kriege die Schweine pro Pstind Schlachtgewicht 44 bis 45 Pf. kosteten und hi.ute der Durchschnittspreis 1 M. pro Pfund Lebendgewicht, in Schlachtgewicht umgerechnet 4,25 M. beträgt, wenn man serner weiß, daß vor dem Kriege der Durchschnittspreis im Kleinverkauf 90 Pf. betrug, und heute Z M. pro Pfund, dann wird man es begreisen, daß selbst ein Organ, das sicherlich nicht die Interesien der Verbraucher vertritt, bei diesen Preissteigerungen etwas die Fassung verliert. Die höhe üer Schweinepreise ist nur aus der Zlrt zu erklären, wie in Berlin der Viehverkaus organisiert ist. Kurz vor Pfingsten hatten wir einen sehr erheblichen Austrieb von Schweinen. Dieser verringerte sich sofort, al» der Zolltans- rummel einsetzte und als ein handelspolitischer Kriegszustand mit Polen eintrat, der verhinderte, daß aus Polen Schweine kamen. Die Landwirtschaft hielt eben die Schweine zurück. Begünstigt wurde dies dadurch, daß in der heißen Sommerzeit der Fleischverbrauch an sich rückläufig ist und daß durch die Spekulation in Getreide und Futtermitteln in dieser Zeit eine Erhöhung der Futtermittelpreise eintrat. Die Landwirte nahmen an, daß die Preise weiter steigen würden, und gaben daher nur in dem Maße Vieh ab, als sie Geld nötig hatten. Der Durchschnittsauftrieb von Schweinen betrug in den erwähnten Monaten ungefähr 5000 für jeden Markttag. Auf dem Viehhof in Berlin finden zwei Markttage statt, am Mittwoch und Sonnabend und zwar ist am Mittwoch das Geschäft im oll- gemeinen viel größer als am Sonnabend. Es ist min festzustellen, daß am 30. September ein Schweineaustrieb von 41 377 Schweinen nach dem amtlichen Bericht zu verzeichnen ivar. Und während noch am Zb. September der Preis auf etwa 400 M. pro Zentner Lebendgewicht war, ging er infolge des starken Auftriebes am 30. September um Z M.. bei einigen Gewichtsgrenzen noch weiter, zurück. Die Preisnotierung am viehmarkt erfolgt durch eine Uotierungskommission, in der alle am Vieh- und Fleischhandel interessierten Erwcrbskreise ihre Vertreter haben. Es fehlen nur die Verbraucher und das ist bezeichnend. Der Vorsigende dieser Notierungskommission ist der Direktor des Viehhofes und die Notierung geichichr in der Weif«, daß die sogenannten Koinmissions- zettel, d. h. die Zettel, die die Viehkommissionare über jeden Ver- kaufsabschluh ausschreiben, bei der Gewichtsabnahme der verkauften Tiere notiert werden, daß die Preise in die betreffenden Oualitäts- rubriken eingezeichnet werden und daß aus der Zahl der verkauften Tiere und den erzielten Preisen der rechnerische Durchschnitt gezogen wird. Also eine Statistik völlig einwandsreier Feststellungen, gegen die Bedenken durchaus nicht zu erheben sind. Wenn die Viehpreise so hoch sind, so ist nicht zum wenigsten die Einrichtung der viehkommissionare eine der Hauptschuldigen. Die Viehkommissionär«, die ein Interesse daran haben, dauernd mit War« beliefert zu werden, müssen sich mit ihren Lieferanten gut stellen und für sie die höchsten Preise herausholen. Sie wirken, ob sie wollen oder nicht, am Markte als preistreibende Kraft an den Markttagen. Sie entschließen sich erst dann mit ihren Preisen herunterzugehen, wenn sie sehen, daß sie zu den erhofften Preisen ihre Ware nicht los werden. Ein weiterer Antrieb zur Preis» steigerung ist die Tatsache, daß der Schweinebestand vor dem Kriege in Deutschland etwa 25 Millionen Stück betrug, während heute nur 46 Millionen Tiere gezählt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß gerade die haupttieseranten Berlins, Westpreußen und Posen, weil sie ja an Polen gefallen sind, für die Versorgung des Berliner Bedarfs nicht mehr in Frag« kommen. Der Schweinebestanü reicht für die Versorgung der deutschen Bevölkerung nicht aus und es muß auf jeden Fall zur Sicherstelliing der Versorgung Vieh eingeführt werden. Es ist daher notwendig, daß wir zu polen In irgendwelche handelsvcriragliche Beziehungen treten, damit wir in der Lage sind, durch Einfuhr polnischer Schweine unsere Fleisch- Versorgung sicher zu stellen und auch die Preise zu regusseren. Ein weiterer Regulierungssaktor wird die Einfuhr von Gefrierfleisch sein. Daß die Qualität des Gesrierfleisches in keiner Weise dem des Frischfleisches nachsteht, wurde an dieser Stelle schon oft genug betom. Im September betrug der Großhandelspreis für den Zentner Gefrierfleisch vom Rind 50 bis 04 M., für den Zentner Gefrierfleisch vom Hammel 80 M., für Rindfrischfleisch wurden 80 bis 400 M. pro Zentner bezahlt und Hammelfleisch kostete sogar noch etwas mehr. Nun sollen pro Jahr 90 000 Tonnen Gefrierfleisch noch Deutschland zollfrei hereinkommen. Auf Berlin entfallen davon 42 000 Tonnen. Die Verteilung geschieht durch eine Kommission, in der Vertreter der Güterverwattuirg, der Konsumgenossenschaft und der Fleischerinnung sitzen. Die mit dem Verlaus Betrauten müssen sich verpflichten, den festgesetzten Preis innezuhalten, da sie sonst von der Weiterbelieferung ausgeschlossen werden. So gering auch im Verhöttnis zum Gesamtverbrauch die Gefrierfleischmenge sein mag, so kann sie dennoch preisregulierend wirken. Viel verspricht man sich auch für die Regulierung des Fleischpreises von dem am 42. Oktober zu eröffnenden Zleifthgrohmarkt. Bisher ist nur eine Halle von 42 000 Quadratmeter fertiggestelkt und es ist geplant, eine weitere Halle von 7000 Quadratmeter und eine kühlhalle von 42 000 Quadratmeter zu bauen. Aber schon die Tatsache, daß es möglich ist, in Kühlhallen Fleisch in größeren Mengen aufzubewahren, das beim Anziehen der Preise sofort als Preisregulator nach unten auf den Markt kommen kann, zeigt, daß der Lau der zweiten Halle möglichst beschleunigt werden muß. Sehr wesentlich für die Viehpreise sind auch die Kornpreise. Dank einer guten Ernte sind die Getreidepreise in den letzten Wochen bekanntlich gesunken. Und es ist deswegen die Annahme nicht unberechtigt, daß die Landwirte mit dem Sinken der Getreidepreife auch ein Sinken der viehpreise befürchten und aus diesem Grunde jetzt größere Vieh- mengen auf den Markt bringen. « Bei der Betrachtung der Preisgestaltung auf dem Berliner Viehhof zeigt es sich, daß die dem Großgrundbesitz nahestehenden Parteien des Roten Hauses olles tun, um Preissenkungen zu ver- hindern, und daß es einzig und allein der sozialdemokratischen Ver- tretung im Stadtparlament zu danken ist, wenn die Preissteigerung nicht noch weiter übertrieben wurde. Die Rechtsparteien, besonders aber die Wirtschaftspartei, hätten es sehr gerne gesehen, wenn auch der letzte Rest der Preisüberwachungsorganisationen verschwunden wäre. Dann wäre für ihre Machinationen kein Hindernis mehr vorhanden gewesen. Der Sozialdemokratie ist es gelungen, wenigstens etwa» von diesen Maßnahmen zugunsten der Verbraucher zu er- hallen, und daran sollten alle bei der Stadtverordnetenwahl am 25. Oktober denken. Falsche lQ-Mark-Reichsbanknoten. Don den seit November vorigen Jahres zur Verausgabung ge- langenden Reichsbanknoten über 40 Reichsmark mit dem Datum des 4 1. Oktober 1924, die ihren Schutz in einem natürlichen, über die ganze Notenfläche reichenden Wasserzeichen (stilisierter Reichsadler mit darüber befindlichem. Worte„Reichs- dank") und in den im Papierstoff eingebetteten, purpurroten Pflanzenfasern sowie in der die ganze Fläche des Schaurandes de- deckenden gemusterten Blindprägung tragen, ist eine mangelhaft ausgeführte Fälschung sestgesteilt worden, die als solche an nachstehenden Merkmalen zu erkennen ist: Papier: Glatter, weicher Griff, von ähnlicher Stärke, leicht grünlich getönt.— Pslanzensasern: Fehlen.— Wasserzeichen: Durch farblosen Aufdruck nachgebildet.— Gemusterte Blind- prägung: Schlecht nachgebildet, nur teilweise scharf sichtbar.— Vorderseite: Aehnlicher Gesamteindruck. Das Männerbildnis ist in roher Zeichnung dick und klecksig, die Zeichnung im netzartigen Irisuntergrund nur teilweise wiedergegeben.— Rückseite: Durchweg auffällige Abweichungen in der Zeichnung. Das netz- artige Muster in der Rahmung der seitlichen Ovale ist durch Punkte und dicke Striche ersetzt.— Kontrollnummer: Dickeres Typenbild.— Vor Annähme dieser Fälschung wird gewarnt. Für die Ausdeckung von Falschmünzerwerkstätten zahlt die Reichsbank Belohnungen. vas Perpetuum mobile. �Diplomingenieur" Johann O-Hmann als Erfinder. Wenn auch nicht gerade das Perpetuum mobile, so doch ein Ding, das der ersehnten Lösung dieses seit alten grauen Zeiten van unzähligen Grüblern und Tüftlern bearbeiteten Problems nahe- kommt, behauptete Johann Lehmann erfunden zu haben, als er sich jetzt wegen zahlreicher strafbarer Handlungen vor dem Schöffen- gericht Mitte zu verantworten hatte. Lehmann, der schon vorbestraft ist, gab sich als Diplomingenieur aus und behauptete, einen Apparat erfunden zu haben, in dem durch einen Verstärker im Dynamo- Motor der Energieverlust wieder gewonnen werde. Auf diese Weis« müßte dann eigentlich ein Perpetuum mobile herauskommen. Es war ihm gelungen, für seine„Entdeckung' verschiedene Geld geber zu gewinnen. Als es aber darauf ankam, den Apparat i» Gang zu setzen, ging es ihm wie bisher dem Erfinder Unruh mit seinem I/-Stro in erzeuge r. Die Erklärungen, die Lehmann über seine Erfindung dem Gericht gab, waren sehr unklar, sodaß sich niemand ein Bild machen konnte, auch der«achverständige nicht. Lehmann aber versicherte mit dem Bnistton innerster Ueberzemp.-� daß der Apparat fertig werden würde, sobald er nur wieder in Freiheit gesetzt werde und arbeiten könne. Das Gericht war nahe daran, die Sache zu vertagen, um dem Erfinder Gelegenheit zu geben, in der Praxis zu beweisen, ob er wirklich etwas Neues ent- deckt habe. Di« Vernehmung derZeugen brachte das Gericht jedoch bald zu der Ueberzeugung, daß Lehmann weniger ein Erfinder auf technischem Gebiete, sondern ein solcher auf dem Gebiete der Hoch- stapele! sei. Die beiden Inhaber einer Architektursirma hatte er ver- anlaßt, ihm 3000 M. zu geben, damit er seine Maschine in Hamburg auslösen könne. Als die Maschine ankam, erklärte Lehmann, daß er sie jetzt erst zusammensetzen müsse, da er sie auseinander genommen habe, weil einige Ausländer van Hamburg aus damit durchgehen wollen. Die Arbeit dauerte aber ewig. Er wurde nicht fertig und die Geldgeber vertrösteten sich monatelang und gaben ihn, weiter Geld. Inzwischen hatte er aber auch einem Juwelier 0000 M.„ab- geknöpft' und ihn an den Einkünften seiner Erfindung„beteiligt'. Die ganze Zeit lebte Lehmann auf Kredit. Cr mietete angeblich als Besitzer eines Autos und Inhaber einer Fabrik mit großem Bank- konto Wohnungen und einmal eine Villa und blieb die Miets-, Telephon-, Gas- und Lichtrechnungen schuldig. Selbst seine Auf- Wärterin pumpte er an. Als die beiden Architekten ungeduldig wurden, erzählte er ihnen, daß er auch ein Leichtmetall er- funden habe, das sogar gegen Kugeln sicher sei. Als aber seine Geldgeber sich an das Materialprüstingsany wandten, bekamen sie den Bescheid, daß es sich auch hier um einen Schwindel handelte. Darauf wurde Lehmann endlich das Handwerk gelegt. Herr Diplom- ingenieur Lehmann hat nunmehr Gelegenheit, in 20manatiger Muße über das Problem des Perpetuum mobile weiter nachgrübeln zu können. Der verschwundene Cstanffenr. Zu. dem rätselhasten Verschwinden des Chauffeurs Anton P o l c z y n s k i wird mitgeteilt, daß trotz aller Nachforschungen der Kriminalpolizei von deni Vexmißten noch keine Spur gesunden Ist. Die U n t e r s u ch u n g d e r D r o s ch t e ergab, daß sie auch dann nicht weiter gekommen wäre, wenn die Chauffeure vom Lands- berger Platz sie nicht angehalten hätten. Der Motor ist schwer beschädigt, das Oel war ausgelaufen. Spuren eines etwaigen Zusammenstoßes mit einem anderen Fahrzeug oder sonst einem Hindernis stich nicht zu finden, auch nichts, was auf einen Kampf im Inneren des Wagen« schließen ließe. Nichts ist beschmutzt, nichts zerrissen. Festgestellt ist, daß Polczynski am Sonntag 103 Kilo meter mit Fahrgästen und 22 Kilometer leer zurück- gelegt hat. Dem verschwundenen Chauffeur wird auch nach den weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei von allen Seiten das best« Zeugnis ausgestellt. Bei seinem letzten Dienstherrn war er seit sechs Jahren tättg. Mitteilungen an die Mordkommission Trettin-Dr. Berndorff im Zimmer 103 des Polizeipräsidiums. Ter Wriff in die Armenkasse. Wegen Amtsunterschlagung und Urkundenfälschung hatte sich der Armenvorsteher Reinhard vor dem Schöffengericht Wedding zu ver- antworten. Er hatte aus der ihm anverlrauten Armenkasse Gelder entnommen und in die eigen« Tasche gesteckt. Dabei hotte er auch den Unter st ützungsbcdür.stigen geringere Beträge ausgezahlt, als er in feine Bücher eingetragen hatte. Das Schössen- gericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu. da, wie Landgerichtsdirektor Friedniann ausführte, Amtsunterschlagungen bei 53s Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom kristensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Ich schlug ein Hohngelächter an und hinkte weiter. Aber als ich ganz auf Grönningen heraus gekommen war, sah ich ein junges Mädchen aus einem Auto aussteigen und über den Bürgersteig in eine Haustür gehen. Ich sah nur die schöne und sichere Art, womit sie die Füße setzte, und ich ahnte, daß sie der Inbegriff von allem war, wonach ich mich sehnte. Es waren bloß die seingeschwungcncn Schuhe, die aneinander vorbeiglitten, die ich sah. Sie flogen nicht in die Höhe: sie wurden bei jedem Schritt ruhig auf das Pflaster gestellt, und es lag etwas Aufrechtes über den Beinen, was auf Bornehmheit deutete. Ich ging auf die andere Seite der Straße hinüber: doch es wurde in keinem der Stockwerke Licht angesteckt. Dieses Erlebnis veränderte meinen Weg durch die dunkeln Straßen am Abend. Nyhavn, mein eines Glas Bier für das gestohlene Geld, und meinen eingebildeten Rausch gab ich auf wegen dieser neuen Wanderung nach einem heiligen Ort. 13. Waldemar verstand Robert Scotts guten Rat, seine Auf» forderung, daß er sich mit May verheiraten sollte und seinen beständigen Refrain, daß er. Scott, trotz alledem an Mays hellseherische Veranlagung glaubte, nicht recht. Aber eines Abends sollte Waldemar Wacht auf einem Frachtdampfer draußen auf dem Flusse halten, um auf Schmuggeleien aufzupassen, und das hatte er May erzählt. Zufällig war er jedoch von Croncy abgelöst worden, und da er nun wider Erwarten frei hatte, ging er in der Dämme- rung nach der Straße, wo May wohnte. Bor ihrem Hause hielt ein Auto. Waldemar stutzte. Was war nun das? Und sofort trat er in den Häuserschatten urück. Es befand sich ein offener Laden da mit einer spär- lichen Beleuchtung, und die Chinesen hinter dem Ladentisch genierten ihn die ganze Zeit mit ihren anpreisenden Zurufen. Einen Augenblick später sah er May über den Bürger- steig gegangen kommen, und hinter ihr erblickte er Roberts Scotts lange Gestalt mit dem gebogenen Rücken. Sie stiegen in das Auto und fuhren fort... ,r; Eine heiße Welle stieg Waldemar zu Kopf. Ihm schien, als ob er das Erlebnis und sich selbst darin wiedererkannte. War denn sein ganzes Leben zu Wiederholungen bestimmt? Rings herum standen die fremden, schwarzen Chinefen- Häuser, mit den merkwürdigen Giebeln und den langen, schwankenden Ladenschildern, und aus den niedrigen Stock- werken, aus den offenen Läden fiel ein fcywacher, rötlicher Sazein, und dunkle Gestalten bewegten sich in dielen Höhlen mit Waren und Ladentischen. Die Straßen tönten von dem Geschrei der Kulis. Alles war fremd: doch mitten in dieser Fremdheit fand er sein altes Selbst, klein, unruhig, stets de- ttogen. Damit Scott umsonst eine Geliebte bekommen konnte. eine feste Frau, hatte er Waldemar aufgefordert, sich mit May zu verheiraten! Das war das Ganze! Jetzt, wo es Waldemar klar geworden war, mußte er lächeln. Durch einen glücklichen Zufall war er sehend gc- worden! Aber hätte er sich denn überhaupt mit May v--,- heiratet? Nein, das hätte er bestimmt nicht getan, obgleich Scott tagtäglich ihr Lob gesungen hatte! Er hätte es wcht getan. Doch hotte Scott in der letzten Zeit angefangen, davon zu reden, daß es schade um sie wäre, und da war er etwas unsicher geworden. Er nahm eine Rickshaw und ließ sie ohne bestimmtes Ziel fahren. Er wollte sich durch den Anblick der Stadt, die er liebte, betäuben. Er wollte das Rufen und Lärmen und all die Violinen aus den Hotels und Restaurants hören, und wieder fühlen, daß er unmöglich derselbe sein konnte. Nein, er war ruhig, nicht? Er lächelte mit einem asiattschen Lächeln, gewiß doch? Er mußte ein ganz anderer sein, nicht wahr? Aber die Leute kamen ihm fremd, die Musik wie ein unverständliches Getön vor, und die Gesichter aller der Menschen waren ihm fern. Er sah weiße Männer und we.ße Frauen, er sah Chinesen: doch er war allein. Ein paar Jahre waren vergangen. Alle Nerven in mir waren angespannt, und ich lebte in einer Welt, wo alles un- wirklich war. Samuelsen wurde mächtiger und mächtiger für mich. Er war unüberwindlich, ob er nun tyrannisch mar und auf seine Wohltaten mir gegenüber pochte, oder ob er sich besänftigte und mein Leben mit Geistern erfüllte, die ich nicht sehen konnte, weil ich nicht einmal hellsichtig war. In seinem Zimmer roch es stets nach Frauenparfüm, und ich hatte so viele Stimmen und Schreie und Gekicher da drinnen gehört, daß ich dies ganze Stimmengewirr vor meinen Ohren ertönen lassen tonnte, wenn ich allein zu Hause saß und auf die Stille lauschte. In dem matten, gelben Schein der Lampe schien es mir auch, als ob ich die Gestalten sich dort im Bett umarmen sehen konnte, den widerlichen. fetten Samuelsen und viele nackende Frauen. Ich ahnte, daß sie dort waren. Wenn sie einmal dort gewesen waren, kann- ten sie nie ganz verschwinden. Etwas von ihnen mußte bleiben. Und ich hatte das gleiche Gefühl diesem Zimmer gegenüber, wie einem Orte, den eine unheimliche Begeben- heit historisch gemacht hat. Die Frauen waren mir immer noch ein Rätsel. Sie kamen mit Kleidern gegangen: doch ich glaubte nicht an ihre Nacktheit. Des Nachts konnte ich träumen, daß eine Frau zu mir hereinkäme und sich entkleidete, und wie ich mit Ent- setzen entdeckte, daß sie einen schwarzen Tierleib hatte. Keine Bilder konnten mich überzeugen. Was da in der Nacht in Samuelsens Zimmer vor sich ging, wußte ich wohl: doch ich verstand es nicht. Wollte meine Phantasie die Ge- sthehnisse verdeutlichen, sprang die blonde Frau Petersen mit einem Tierleib herum, und ich mußte den Kopf schütteln und höhnisch über mich selber lachen, um die Erscheinung fortzu- scheuchen. Mein Leben war unwirklich. Des Abends ging ich aus, um den Betrunkenen oder den Einäugigen oder den Hinkenden zu spielen. Ich suchte die Straßen aus,'wo mich keiner kannte und versuchte dort meine Rollen zu geben. Wenn ich dessen müde war, ging ich nach Grönningen und sah nach der Frau aus, die so hübsch über den Bürgersteig gegangen war. Sie wohnte im zweiten Stock. Ich hatte sie am Fenster sitzen und lesen sehen. Sie hatte leuch- tend gelbes Haar, und eine Zeitlang glaubte ich, sie wäre das Mädchen, das ich vor vielen Jahren auf Trianglen getroffen hatte. Es mußte doch ein Zusammenhang in allem sein. Selbst- verständlich traf man nicht die Frau, die unsere große Liebe werden sollte, so ganz zufällig eines Tages. Es mußte eine Verbindung bestehen, die sich durch wiederholtes, mystisches Zusammentreffen offenbarte: ein flüchttger Blick auf sie in Trianglen, ein flüchttger Blick auf sie in der Bredgade und einmal in der Zukunft ein weit längerer Blick auf sie, und immer näher mußten wir zueinander treiben. (Fortsetzung folgt.) Ehrenbeamten nicht so schwer ins Gewicht fallen, wie bei Berufs.| beamten, die von Anfang an so erzogen werden, daß ihnen der Beamtenbegriff in Fleisch und Blut übergehe. Andererseits aber habe sich der Angeklagte an den Aermsten der Armen versündigt und das Gelb, das für diese bestimmt war, an sich gebracht. Da er auch nicht aus Not gehandelt hatte, sei eine empfindliche Strafe angebracht und das Schöffengericht erkannte auf 1 Jahr Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Das vereitelte Eisenbahnattentat. 1000 Mart Belohnung auf Ermittlung des Täters. Da die Möglichkeit der ernstlichen Gefährdung der Eisenbahn transporte im Bublifum ganz besondere Unruhe auslöst, hat sich die Behörde veranlaßt gesehen, auf die Ermittlung jener Männer, die, wie bereits mitgeteilt, in der Nähe der Station Rummelsburg ein Eisenbahnattentat beabsichtigten, eine Belohnung von 1000 m. auszulegen. Das Attentat felbst ist noch nicht weiter aufgeklärt, der Täter leider auch noch nicht ermittelt. Der zum Aufschrauben der Muttern an den Laschen benutzte Schlüffel, der zwischen den Gleisen gefunden wurde, ist mit der Schnur im Lichthof des Polizei präsidiums ausgestellt. Der Schlüffel trägt auf der großen Bahnfeite das Zeichen 39%, auf der anderen Seite 33%. Der Schliffel ift nach gewissen Spuren in Gebrauch gewesen, wahrschein lich in einem landwirtschaftlichem Betriebe, in dem berartige Schlüssel bei Dreschlaften usw. benutzt zu werden pflegen. Auf eine Hertunft aus der Landwirtschaft läßt auch die Schnur schließen. Es ist eine Sisalschmur, eine grobfaferige und grob verarbeitete Schnur, wie man sie benugt, um Breßftroh zu binden. Unter Hinweis auf die Belohnung von 1000 m. werden alle, die zur Aufflärung beitragen fönnen, ersucht, fich die Sachen auf dem Lichthof anzusehen und sich bei Kriminalkommissar Walter Müller im Zimmer 108 des Polizeipräsidiums zu melden. Verkehrserschwerung. Manche Autobuslinien scheinen vom Glück beschienen zu sein. In Abständen von wenigen Minuten folgen die Wagen aufeinander, und manchmal findet man tatsächlich auch einen Sizplay. Jedenfalls treffen aber die Wagen mit mathematischer Sicherheit zur festgesezien Zeit ein. Andere Linien dagegen werden von der Borsehung stief mütterlich behandelt. Die Wagen verfehren in unwahrscheinlich langen Zeitabständen, kommen mit großer Verspätung an und find berart besetzt, daß beim besten Willen tein Mensch mehr hineingeht. Zu diesen Stiefkindern des Glücks gehört die AutobusTinie 12, die die Verbindung vom Oliva er Plaz zur Greifswalder Straße herstellt. Die Wagen sollen in einem 2bstand von 12 Minuten fahren. Das geschieht aber nur in Zeiten, in denen fein Mensch fährt. Sonst ist der Wagen so überfüllt, das Aus- und Einsteigen dauert so lange, daß Berspä tungen von einer Viertelstunde die Regel bedeuten. Könnte hier nicht Wandel geschaffen werden? Fachwissenschaft werde vor allem gepflegt und so fämen Rechts. und Wirtschaftswissenschaft in erster Linie in Betracht. Der Besuch im letzten Wintersemester betrug 3000 Hörer und im Sommer 1200 Hörer. Um aber auch den Beamten außerhalb Perlins Gelegenheit zu geben, sich fachwissenschaftlich weiterzubilden, würden Ferienkurse eingerichtet. Reichsminister a. D. Schiffer gab einen historischen Ueberblick über die Bildung des deutschen Berufsbeamtentums. Nach dem Zerbrechen der monarchistischen Brücke siand das Berufsbeamtentum dem neuen Staate zweifelnd und umentschlossen gegenüber. In 24 Stunden läßt sich zwar ein Staat republikanisieren, aber nicht organisieren. Dieselbe Treue jedoch, die die Beamten dem alten Staate geleistet hätten, müßten sie auch dem heutigen Staate halten. Wähler- kundgebungen heute, Mittwoch, den 7. Oftober, 71% Uhr abends: Prenzlauer Berg( 31. Abt.): Schulaula Schönfließer Str. 7. Schöneberg: Siedlung Lindenhof im Ledigenheim. Johannisthal: Botha( Bartrestaurant), Stubenrauchstraße. Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Niederschönhausen: Sanssouci, Kaiser- Wilhelm- Straße. Redner: Clajus, Gebauer, Heilmann, Hiege, Kasper, Dr. Lohmann, Lempert, Rohde, Reimann. Donnerstag, den 8. Offober, 72 Uhr abends: Lichtenrade: Waldrestaurant Rohrmann. Baumschulenweg: Aula Lyzeum, Baumschulenstraße. Redner: Hermes, Edardt, Lempert, Reimann. Tagesordnung in allen Rundgebungen: Rundfunk auf dem Meeresgrunde. Bochenlange Bersuche auf dem Sandgrund der Interelbe bereiteten ein großes rundfunktechnisches Experiment vor, das am 9. Oftober, abends 8 Uhr, von allen Rundfunkhörern gehört werden soll. Als erste Sendegesellschaft geht die„ Norag" mit dem Aufnahmemifrophon bei Helgoland auf der Meeresgrund. Vertreter der Presse sollen Beugen beim Abstieg des Lauchers Harmstorf sein, der am Meeresgrund seine Eindrücke und Erfahrungen beim Tauchen schildern wird. Das ganze Brogramm, mufitalische Umrahmung, ausführliche Erläuterungen, wiegespräche von Bord mit dem Taucher tief unten, werden über Helgoland und Curhaven auf den Sender in Hamburg und von dort auf die anderen Sender übertragen, so daß Hunderttausende diesem neuen und eigenartigen Schauspiel bei wohnen werden. Mit viel Intereffe werden auch die ständigen Hörer der deutschen Rundfunkdarbietungen in England, Dänemark und Holland der Vorführung lauschen, die einen weiteren Schritt vorwärts in der Pionierarbeit am Rundfunk bedeutet. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. „ Die Wählerin" lagert auf den Abholestellen. * 2. Kreis Tiergarten. Donnerstag, den 8. Oktober, 8 Uhr, bei Krüger, Butligstr. 10, erweiterte Rreisvorstandssitung. 5. Kreis Friedrichshain. Donnerstag, den 8. Oktober, 7 Uhr, in den Comeniusfalen, Memeler Str. 67, Areismitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. Distuffion. 3. Mitteilungen zur Stabtverordnetenwahl. Mitgliedsbuch mitbringen. Ohne Buch kein Eintritt. 7. Kreis Charlottenburg. Die Abteilungsleiter der 51.- 58. Abteilung werden gebeten, am Freitag, den 9. Oktober, von Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, Sandzettel abholen au laffen, die für die am Dienstag, den 13. Oktober, ftattfindende öffentliche Beamtentumdgebung verteilt werden sollen. Sum Abschreiben der Wählerlisten zahlreiche Beteiligung der schreibgewandten Genoffen und Genoffinnen unbedingt erforderlich. Täglich nachmittags ab 5 Uhr Treffpunkt bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. 13. Rreis Tempelhof- Marienborf. Mittwoch, den 7. Oktober, 6% Uhr, in Tempelhof, Lyceum, Germaniastraße, Aussprache über den Raffentraub in der Bezirkslaffe. Alle Genoffen müffen erscheinen. Der Rechtsturs in Deutschland und die Parteien! 13. reis Sempelhof Marienbort. Warum muß Berlin am 25. Oftober fozialdemokratisch wählen?" • Vom Postantomobil totgefahren. Heute, Mittwoch, den 7. Oktober: 47. bt. Alle fchreibgewandten Genoffinnen und Genossen melden fich zum Abschreiben der Wählerliften fofort beim Genoffen Bruste, Waldemar ftraße 65a, vorn 2 Trp. 81. Abt. Friedenau. Den Bertrieb der oauenwelt" bat jest wieder die Genoffin Jäfde, Friedenau, Raiferallee 89. 121. Abt. Karlshorst. 8 Uhr im Restaurant Sur Rennbahn, Tresdow allee 94, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Batteitag Referent: Gen. Georg Maderholz. Sungiotalien Charlottenburg. Jugendheim Softnenstr. 4, 7% thr:„ Unsere Blätter" und Agitationsfragen. Morgen, Donnerstag, den 8. Oftober: Ein schwerer Unglüdsfall ereignete sich gestern auf der Chauffee Potsdam Geltow. Dort fuhr der Elektromonteur Karl Shuichent aus Geltow mit seinem Rade neben einem Boft auto, in dem seine Frau und Kinder faßen. Blöglich lam aus entgegengesetzter Richtung ein Bostautomobil. S. geriet zwischen die beiden Wagen und wurde tot gefahren. Bu gleicher Beit wurde bei Bornim auf der Heerstraße der Wertführer Gustav Thiele aus Nowawes von einem Post automobil überfahren. Thiele war ebenfalls auf einer Rabtour. Er starb verfamantung. Da ist z. B. furze Zeit nach dem Unglücksfall. Er hinterläßt Frau und fünf unversorgte Kinder. Bannerweihe der Kriegsopfer. Aehnliche Zustände herrschen auf manchen Linien der Straßenbahn. Hier fehlt vielfach der Anhängemagen. die Linie 21, die drei Bahnhöfe, den Lehrter, Pots damer und Anhalter Bahnhof freuzt. Zwischen 10% Uhr vormittags und 2 Uhr nachmittags fehlt der Anhänger, obwohl in dieser Zeit auf den genannten drei Bahnhöfen 12 Eisenbahnzüge antommen und faft ebensoviele abfahren. Die Direktion der Straßen- Schöneberg des Reichsbundes der Kriegsbefa bahn wird allerdings einwenden können, daß ja noch mehr Linien diese Bahnhöfe treuzen. Das stimmt schon, aber wer weiß, daß jeder Reifende mit Gepäd natürlich danach trachtet, ohne Umsteigen sein Ziel zu erreichen, der wird den Aerger und Mißmut dieser Menschen verstehen, wenn sie die Bahn stets vollgepfropft vorfinden. Berlin sollte auch auf die Bequemlichkeit der Reisenden mehr Rücksicht nehmen, schon um den Fremdenverkehr zu heben. Dann ist die Linie 32, die fast den ganzen Tag mit Anhänger fährt, nur nach 12 1hr nachts nicht. Dabei freuzt gerade diese Linie faft das gefamte Zeitungsviertel. Daß in diesem Gewerbe bis nach Mitternacht gearbeitet wird, scheint der Straßenbahndirektion unbefannt zu sein. Dann darf nicht vergessen werden, daß auf der Straße gerade nach Neukölln der Zuzug der Fahrgäste am Halleschen Tor groß ist. Für eine Großstadt wie Berlin sind derartige Verkehrsmißstände auf die Dauer unerträglich. Es geht doch in anderen Städten, wo die Straßenbahnen den ganzen Tag, sogar in den Hauptverkehrszeiten, nicht überfüllt find. Neue Kursbücher und Fahrpläne. 5. 906. 8 Uhr bei Berkheim, Bothringer Str. 65, Ede Gormannstraße, Funktionärverfammlung. 7. Abt. 7 Uhr bei Bärmalbe, Schlegelfire. 8, Funktionärverfammlung. 27. bt. 7% Uhr bei Booßmann, Gleimstr. 10, michtige Funktionde 30, bt. 7 Uhr bei Soffmann, Enchener Str. 8, Funktionärverfammdung. 67. Abt. Grunewald. 8 Uhr im Lokal von Grucza Borstandsfigung mit allen Funktionären. 128./130. bt. and Heinersdorf. 7 Uhr im Jugendheim, Bantom, Breite Straße, wichtige Funktionärversammlung. Borstandsfizung um 7 Uhr. 139. bt. Tegel. 8 Uhr im Jugendbeim Bahnhofstr. 15 Funktionärversammlung. Sunglozialisten, Spielgemeinschaft. Mittwo), ben 1. Oftober, 7½ he, int Jugendheim Danziger Str. 23 Probe file die Veranstaltung der Frauenwelt- Beferinnen.( Tollers Wandlung mitbringen.) Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 8. Oktober: 8. 6. 7 Uhr bei Sufenbach, Berleberger Str. 34, Bortrag der Gen. Selene Schmik über Ernährungsfragen". Jugendveranstaltungen. Die Mittwoch- Gruppe der Arbeitsgemeinschaft bes Gen. Abraham bagt Bienemann spricht über: Gesellschafts- und Staatenbildung im Tierreich". Neue Teilnehmer werden noch aufgenommen. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute Abrechnung der Beitragsmarken. Ausgabe der Oktober- ,, Jugend voran" und der Arbeiter- Jugend". " Webbing: Schule Ruheplak Ede Antonftraße. Often B.- B.: Jugendheim Ebertnftr. 12. Lant Sibolt R.- B.: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Tempelhof: Sneeum, Germaniaste. 4/6. wih: 1. Gemeindeschule, Edulſmoke. Erkner: Jugendheim Boltstüche. Friebrichshagen: Jugendheim Scharn weberfte. 105. Rieberfchöneweide: Schule Berliner Str. 31. Raulsborf: Schule Adolfftr. 25. Einführungsabende: Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22. Am Sonntag, den 4. Ottober, veranstaltete die Ortsgruppe digten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen im Schöne berger Stadtpart eine Bannerweihe, an der fich die Schöneberger republikanischen Parteien, viele Kameradschaften des Reichsbanners sowie die Berliner Ortsgruppen des Reichsbundes der Kriegsbe schädigten beteiligten. Auf der Spielwiese hatten sich Tausende eingefunden. Nachdem der Ortsgruppenvorfigende Luta die Ber sammelten begrüßte, hielt der Gründer der Ortsgruppe Schöneberg und Gauleiter des Reichsbundes Mende die Weiherede. Er gedachte einleitend der Toten, für deren Angehörige die Organisation zu fämpfen und zu streiten hat. Den Parteien und Korporationen, heute aum ersten Male im Jugendheim Lindensie. 3, pünktlich 7½ Uhr. Frau welche für eine gerechte Kriegsopferversorgung eintreten, fagte er Dant, aber gleichzeitig fündigte er auch den Rampf all benen an, die glaubten, die Wahlversprechungen, die man den Kriegsopfern gemacht hatte, nicht innehalten zu brauchen. Nachdem er das Banner der Ortsgruppe als Wahrzeichen Heute, Mittwoch, 7% Uhr: Abteilungsmitgliederversammlungen: zum gerechten Kampf für Frieden und Versorgung übergab, schloß er seine eindrucksvolle Weiherede mit einem Hoch auf die Internationale der Kriegsopfer, den ewigen Bölter frieden und den Reichsbund. Der Arbeitergefangverein Die 1. Winterausgabe 1925/26 fomie die Sonderausgaben der Schöneberger Männerchor Freundschaft" umrahmte brei ersten Teile des Reichs Kursbuchs, enthaltend die zahl die Beranstaltung mit seinen Gefängen, und nachdem der Gauvor reichen Menderungen des Winterfahrplans 1925/26, find foeben sigende Ebert im Namen des Gauvorstandes mit dem Motto:„ Durch erschienen. Der Bertaufspreis für ein Reichs- Kursbuch Kampf zum Sieg" den ersten Bannernagel überreicht hatte, begab teträgt 6,50 m. Auch der Taschenfahrplan für den Berfich ein nach vielen Tausenden zählender Festzug unter Vorantritt liner Stadt, Ring- und Borortverkehr ist er des Schöneberger Tambourtorps vom Reichsbanner schienen. Neben dem Fahrplan für den Nahverkehr enthält er eine Schwarz Rot Gold und Bläserchor Simon zur Schloß lebersicht der von und nach Berlin verfehrenden brauerei Schöneberg, wo das 8. Stiftungsfeft stattfand. Ternzüge sowie als Anlage ein Berzeichnis der auf den einzelnen Bahnhöfen aufliegenden Sonntagsrüdfahrtarten. Taschenfahrplan ist zum Preise non 90 Pf. bei den Fahrkartenausgabestellen und den Bahnhofsbuchhandlungen erhältlich. Im Ver. hältnis zum Reichstursbuch und zum Friebenspreis( 20 bis 30 B3f.) ist der Preis viel zu teuer. Beachtenswert ist auch wieder die Binterausgabe der Storm Rursbücher. Neben dem Storm- Kursbuch Reich( 4 m.) hat sich in unserem Verkehrsgebiet tas Storm- Norddeutschland( 2,50 M.) sehr gut eingeführt. Für Berlin sind außerdem als sehr praktisches Hilfsmittel die Storm. Reiseberbindungen von und nach Berlin, die Ber bindungen nach etwa 600 Orten übersichtlich enthalten, zu nennen. M Sechfter Jahrestag der Verwaltungsakademie. Der In der neuen Aula der Berliner Universität fand am Montag nachmittag eine Feier statt, in der Dr. Kastel, Professor an der Universität Berlin, über Rudblid und Ausblid über bie Tätigtett ber Berwaltungsafademie" und Reichs minifter a. D. Schiffer, Präsident der Berwaltungsakademie, über bas Berufsbeamtentum in der Gegenwart" sprachen. Profeffor Dr. Rastel mies barauf hin, daß die Hochschule für Beamte nicht zur Ausbildung zum Beruf, sondern zur Weiter bildung im Beruf da sei. Der Lehrplan sei dementsprechend für Berufsbeamte eingerichtet und lasse so nicht dazu gehörende Fächer wie Literatur und dergleichen selbstverständlich unberücksichtigt. Die Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 7. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: beim Varkaue 10. rifiengefeh". 1 Lichtenberg- Rorb: JugendSelmbolkolah: Jugenbheim Eberswalder Str. 10. Bortvag: ,, Das GoziaBaltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 103. Bortrag: Der einzelne in der Gemeinfchaft". 99 Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Rehlendorf. Mi., b. 7., 8 Uhr, bei Schnorve Mitgl.- Berf. fite Attive und Paffive. Friedrichshain. Do., b. 8., 71 Uhr, Diestel menerftraße. Charlottenburg. Do., d. 8., 7% Uhr, Bereinslokal Spreeftr. 8. Neukölln- Brig. Do., b. 8., 72 Uhr, Antreten Turnhalle Mahlower Straße. Karlshorst. Do., d. 8., 8 Uhr, Mitgl.- Berf. bei Hausmann, Tresdowallee 94. Weißensee. Do., b. 8., 8 Uhr, Berf. Grüner Baum. hard Frank:„ Unsere Speisefette, ihre Herstellung und Bedeutung bort jeben Donnerstag. Oranienburg. Do., b. 8., 8 Uhr, Mitgl.- Berf. im Schüßenhaus. Rünftig Eichwalbe mit Untergruppen. Fr., d. 9., 6,45 Uhr, Theofophische Gesellschaft, weig Berlin. Mittwoch, ben 7. Ottober, 7 Uhr, in den Gesellschaftsräumen Wilhelmstr. 120 öffentlicher Bortrag: Gott- Chriftus in der unverfönlichen Natur" von Br. Boldt. Distuffion. Eintritt fret. 3.30 Uhr nachm.: Plauderstunde für unsere Kleinen. 4.30 bis 6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Dr. Leon- flichtabend. für die menschliche Ernährung und Volkswirtschaft". 2. Vortrag. Antreten Bahnhof. 7.15 Uhr abends: Wilhelm Timm- Egert: 20 Jahre Südafrika". 8 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Spielzeit 1925/26. 7. Veranstaltung. Der Waffenschmied", komische Oper in drei Teilen von Albert Lortzing. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dir.: Georg Széll von der Berliner Staatsoper. Hans Stadinger, berühmter Waffenschmied und Tierarzt: Leo Schützendorf; Marie, seine Tochter: Violetta Schadow; Ritter Graf von Liebenau: Cornelis Bronsgeest; Georg, sein Knappe: Waldemar Henke; Adelhof, Ritter aus Schwaben: Bernhard Köhler; Irmentraut, Mariens Erzieherin: Emma Zador- Bassth; Brenner, Gastwirt, Stadingers Schwager: Artur Grosse. Schmiedegesellen, Bürger und Bürgerinnen, Ritter, Herolde, Knappen, Pagen, Volk. Ort der Handlung: Worms. Zeit: 16. Jahrhundert. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Berband Bollsgesundheit, Ortsverein Berlin. Am Donnerstag, den 8. Dr. tober, 8 Uhr, in der Schule Sfflandftr. 9/11( Nähe Jannowigbrüde) fpricht Gen. Dr. Littwik über Aerztliche Betrachtungen über die Wirkung von Sport und Leibesübungen". Am Freitag, den 9. Ottober, 7-10 Uhr, im Jugendheim Goßlerstr. 61 Distuffionsabend der Jugendgruppe über Groß- ober Rietn landwirtschaft". Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. Arbeiter Samariter- Bunb e. B., Rolonne Berlin. Aur Bropaganbafahrt Ede Gustav- Mener- Allee. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. am Mittmod), den 7. Oktober, treffen fich die Radfahrer 6% Uhr Brunnenstraße Arbeiter- Nabis- Klub e. B., Bezirk Kreuzberg, Ortsgruppe Rottbuser Tor. Donnerstag abend 8 Uhr Restaurant Bolschläger, Adalbertftr. 21, Bastelstunde. Gäste willkommen. bliebenen, Bea. Webbing 3. Mitgliederversammlung Mittwoch, ben 7. Oktober, Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. 8 Uhr, Chauffeeftr. 64, Bakenhofer. Die Osram N- Lampe verkörpert den neuesten Fortschritt auf dem Gebiet der elektrischen Glühlampen. Der neue, durch Patente geschützte Wendeldraht ermöglicht eine bisher bei luftleeren Spiraldrahtlampen unerreichte Dekonomie und Lichtkonstanz, seine Anordnung eine vorteilhafte Lichtverteilung. Die Dsram- N- Lampe ist in hohem Maße geeignet, die bisherigen Lampen mit geftrecktem Draht zu ersetzen. Sie wird in dem Umfange geliefert, den die Umstellung der Fabrikation zuläßt. OSRAM 2 Arbeitersport. Berliner Arbeiter- Schachklub. 8 Uhr: Lustspielhaus Th. am Schiffbanerdamm ( Neues Operettenbaus) Bitter Blaubarts 8: Lady Fanny und achte Frau die Dienstbotenfrage Wallner- Theater Die Wettkämpfe um die Einzelmeisterschaft nahmen am Sonnabend mit den ersten Kämpfen der Vorrunde ihren Anfang. Es ge- 8 U.: Meiseken METROPO wannen: Eyber gegen Bahlom, Deutschmann gegen Rauch, SchildVARIETE 8 Täglich berg gegen Schwenke. Schaffertzit überließ Kubiczet tampflos einen Circus wertvollen Punkt durch Nichtantreten. Im Nebenturnier gewann Raputan gegen Seidel und Henneberg tampflos gegen Schwenz- Busch Heinr. Kohlbrand 8 der Urkomische feuer. Fortsetzung der Kämpfe am 17. Oktober, abends 8 Uhr, bei Tägl.7%. Stg. a. 3 Und das große Ewald, Skalitzer Straße 126. Der große Erfolg! Programm Seil d. Todes" Eintr. 1, 2 u. 3 M. Russ. Clown Durow Damen- Schwimm- Berein Berlin 1923, Mitglied be. A.-.. Sp.-B. Die Fliegender Torpedo Sigungen finden jeben Freitag nach dem 1. und 15. jeden Monats im und d. übrige gr. Circusprogr. ,, Aleinen Schultheiß", Kastanien- Allee 23, abends 8 Uhr statt. Uebungsstunde jeden Mittwoch abend von 26-7 Uhr in der Badeanstalt Oberberger Straße: deutscher Rhein 1000 Jahre Sport- Klub Adler 1905", Mitglied des WBD. Der fällige Serienfampf Gr. Wasser- Apoth. in ber Ligaflaffe zwifchen Abler 05 und Norden 98 findet am Freitag, en Voranzeige: Stg. nachm.z 1.. Fritzi Massary: 9. Oktober, 8% Uhr, im Klublobal von Abler 05, Neichenberger Str. 147, ftatt. Der Rattenfänger Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelbe. Mittwoch, ben 7. Oftober, " Deutsches Künstler- Theater Tägl. 48 Uhr: Gastspiel Bereinsvorturnerstunde von 8-10 Uhr in der Turnhalle Schreiberhauer Straße zu halben Preisen Die Teresina 66. Jung- Birke Pankow 99, Mitglied des Arb.- Athl.- Bundes Deutschlands. Unfer neues Uebungsheim befindet sich ab 13. Oktober in Pantow, Wollantftraße 131, in der Turnhalle der 5. Gemeindeschule. Uebungsabende: Dienstag und Donnerstag 8-10 Uhr im Ringen, Gewichtheben, Artistit. Wir eröffnen unfer neues Seim mit einem Gerienkampf gegen Sturm"-Oberschöneweide und laden alle Freunde zum 18. Oktober ein. Mannschaftsvingen. Der Rampf um die Berliner Meisterschaft im Mannschaftsringen innerhalb des WABD. für das Jahr 1926 nimmt feinen Anfang. 10 Bereine in der Liga, 14 in der A- Abteilung und 7 in der B- Abteilung fämpfen um bdie Punkte. Am Freitag, den 9. Oftober, trifft nun die Ligamannschaft des GC. Berolina in Neukölln, Turnhalle Thomasstraße, um 8 Uhr auf die Kraftsport- und Artistenvereinigung Röpenid. Berolina, der für das Jahr 1925 nad hartem Ringen die Meisterschaft erkämpfen konnte, tritt in ftärkter Aufstellung an. Ruberverein Collegia e. B., Charlottenburg( Bootshaus Tiefwerber 7a bet Spandau). Am Sonntag, den 11. Oftober, pünktlich 2 Uhr, Bootshausmeihe und Bootstaufe. Ab 4 Uhr interne Regatta. Alle Bundessportsgenoffen und Freunde des Vereins find herzlichst eingeladen. Fahrverbindungen: ab Behrter Bahnhof 12,55 Uhr, ab Charlottenburg 1,23 Uhr, oder mit der Straßenbahn Nr. 54, 154 und 155 E( über Spandauer Bod) bis Tiefwerder Beg. Die Bereinigung ist in diefer Boche auf Donnerstag verlegt. Sport. Schlußrennen auf der Olympia- Radrennbahn in dieser Saison. Am tommenden Sonntag, den 11. Oftober, öffnet bie DIympia- Radrennbahn zum legten Male in dieser Saison ihre Pforten. Beim Schlußrennen durfte natürlich der Matador der Olympia- Radrennbahn Walter Sawall nicht fehlen. Dieser trifft auf Franz Krupkat, den Franzosen Parisot, den Araber Nefatti, Emil 2ewanow und Mag Do be. Die Dauerrennen betiteln sich wieder Die hundert Kilometer" und werden in zwei Rennen zu 40 und 60 km ausgefahren. Zu den drei Fliegerrennen liegen bereits zahlreiche Meldungen vor, die fich aber noch erhöhen werden. Die Rennen beginnen um 3 Uhr. Geschäftliche Mitteilungen. Apicius, ein bekannter unb berüchtigter Schlemmer im alten Rom, ftellte eines Tages feft, baß er mehr als die Sälfte feines Vermögens, etwa 17 Millionen Mark, für die Befriedigung feiner Eßluft ausgegeben hatte. Aus Furcht, au verhungern, nahm er fich das Leben. Wie töricht erscheint uns biefer Grund, uns, die wir feit Einführung der Feinkostmargarine Schwan im Blauband so delitate und nahrhafte Speisen bereiten tönnen, ohne viel Geld auszugeben. Auch als Brotaufstrich ist die Blaubandmargarine, ber feine anbere in bezug auf Gilte, feinen Geschmack und hohen Nährwert gleichtommt, vorzüglich. Das Warenhaus S. Joseph u. Co. in Neukölln kann am 11. Oftober 8. 9. auf fein 25jähriges Beftehen zurüdbliden. Der ungeahnte Auffdymung, ben Neukölln, damals noch Rigdorf, in den neunziger Jahren nahm, veranlaßte den Schöneberger Raufbausbefizer Wilhelm Joseph, ein Grundstück für den Bau eines Raufhaufes zu erwerben. Auf seine Veranlassung eröffneten bann fein Bruder Hermann Jofeph und fein Schwager Sally Rehfisch unter der Firma S. Jofeph u. Co. ein Raufhaus. Schon 1905, dann im Jahre 1908 wurde das bisherige Raufhaus au einem ftattlichen Warenhaus erweitert. Anfang 1914 tonnte der lekte Teil des heutigen Geschäftspalaftes in Batt ge nommen werden. Während 1900 die Firma etwa 20 Angestellte zählte, find heute etwa 350 beschäftigt, bie in einem guten Verhältnis zur Firma ftehen. Briefkasten der Redaktion. %. C. 100. Sie find an die Vereinbarung gebunden, önnen alfo Dom Raufvertrag nicht zurücktreten.. 1000. Stommen Sie in unsere Juristische Sprechstunde. F. G. 120. Gie tönnen felbstverständlich Ihre aufünftigen Schwiegereltern um das Du" bitten. B. 2. Ch. 1. und 2. Ja. 3. Bis 1. November. 4. Nein. E. G., Lichtenberg. Bei der freiwilligen Berficherung find Beiträge mindestens der Lohnklasse 2, alfo 50 Bf., zu entrichten. Latein. Private Institute empfehlen wir nicht. Vielleicht wenden Gie fich an bie Bumboldt- Schule oder an die Bolkshochschule. Wetter für Berlin und Umgegend. Stühl, meift bewölft, nur vorüber Komische 814 8% Oper Dir.: James Klein 8 GrößteRevue der Welt Von Apis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Unter anderem: Die Pracht der Pelze and Brillanten ( Dies.Bild erscheint erst nächste Saison im Original in Amerika) Die Federn u. Fächer Das Unerhörteste, was an Kostümen je gefertigt wurde Das silberne Rom Das Paradies Sanssouci mit 60 Knaben u. Zwergen und weitere 40 Bilder Auftreten 7 Hassans Karinska u. Dolinoff Samby v. Folies Bergère Juanita Casanova Overburg 120 Girls! Darsteller: Paul Beckers Paul Westermeyer Erich Poremski Else Balzer Oliy Stüwen Lotte Dobischinsky usw. Vorverkauf ununterbr. geöffnet. gehend aufheiternd. Später etwas Regen. Für Deutschland. Im Dften Ufa- Palast am Zoo Bewölft und vielfach etwas Regen. Jm Westen zunächst noch heiter, dann auch dort unbeständig. Ueberall tühl Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Heute 7 Uhr: HAMLET Morgen 8 Uhr: Datterich Hellmer- Bühnen Lessing- Th. Tägl. 7 Uhr: Götz Berliner Theater Residenz- Th. Letzte Woche! Gastsp. Kammersg. Letzte Verstellungen! Rich. Tauber 8: Jugendfreunde 48 Uhr: Ev. Berlichingen: G. Müller, Prasch- Eine Grevenberg, Nacht in Venedig Müthel, Wegener: Operette in 3 Akten Staats- Theater Preise: 1,50-12 M. von Joh. Strauß Ab Freitag, 16. Okt. Gastspiele des Moskaner Künstler- Th. Opernhaus 7 Uhr: Fidelio: KleinesTheater Opernhaus Tägl, 8 Uhr 72: La Traviata Schauspiel von Geraldy Schauspielhaus Prefse: 3,00-15,00 am Königsplatz Hochzeitstage Muskel Banne 8: Wallenst. Lager Die Piccolomini Schiller Theater Trianon- Th. Tägi. 8 Uhr 8 Uhr: Minna vonm Damenconpé Barnhelm Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Maskenball Abonnem Turnus 2 Deutsches Theater 7½ Uhr: Die heilige Johanna Im Schwank von Hennequin and G. Mitchel Preise: 1-12 M. Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy 1. Abd.: Lysistrata Täglich 84 Uhr: 8. Woche HALLER REVUE 1925/28 ACHTUNG! WELLE 505!" THEATER Boeklin, Dewis, Eggstorf, Emmering, Elzer, Ley, Merkwitz Sabo, Semmler Vorzeiger dieser Anzeig. zahlen nur halb.Kassenpreise Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Lotte Neumann, Paul Heidemann, Josefine Dora, Baselt, Dingelmann, Metelka, Wilfan Theater in der Kommandant.Str. 8 Uhr: Zum 325. Male Marie Escher a G. Regie: M. Reinhardt ADMIRALS Anneliese v. Dessan PALAST 11. Rang von 2 Mk. Metropol- Theater Friedenspreise! Regie: Uhr: Claire Dux als Parkett von 4 Mk Theat. d. Westens Max Reinhard Mamsell Angot Logen von 8 Mark von Shaw Preise v. 1,50-12 M. Kirchhoff, Leux Kammerspiele Hansen, Arno & Uhr: Mann Tier Karsavina Central Theater Das große Operettenhaus Heute 74 Uhr: Sonntag, 11. Oktbr Uhr Trieschübel Marischka12 Uhr mittags Niddy Impekoven Neue u alte Tänze Tugend Vorverk. ununterbr Apollo- Theater von Pirandello Casino- Theater Dir. Jam.Klein Th. a. Nollendorfpl. Lothringer Str. 37. 8 Uhr: Tägl. 8 Uhr Nur noch bis 9. Okt Schwimmer Die hellblauen Der kohne 8 Uhr Der Mann, der sich verkaufte mit Premiere Der Orlow Philharmonie 8 Uhr: Mozart- Abd. des Philharm. Orch. Dirig.: Prof. Julius Prüwer Charleys Tante mit Sid Chaplin Uta- Symphonie- Orchester, 75 Mann Ufa Ballett. Wochentags 7.9 Ubr. Sonntags 5, 7, 9 Uhr. Preise 1.50 bis 4Tel. Bestellung Kollai 62, 1397, 5280, 5281. 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Pantoffel ferner Winzerfest am Rhein Rose- Theater IEN BERUN WH Jägerstraße 63a Täglich& Uhr unter Leifzug des Komponister Erich Ziegler 8114 Uh: König Krause 14 Die Koblanks Täglich& Uhr im Theater i. d Lützowstr. 112 Ecke Flottwellstr. Morgen Mittwoch nachm. 4 U. Gr. Was alles in der Kindermärchen Zeitung steht Else Böttcher. Berliner Theater Eugen Rex und andere Sonntag 4 Uhr: Nachmittags- Vorstellung mit Engen Rex Berlins größtes Bier- Kabarett Kalte u. warme Küche Hänsel u. Gretel Vorzeig dies. zahlen nur halbe Preise von 50 Pfg. an. SCALA 8 Uhr Internat. Varieté Stottern Rennen zu Karlshorst Fachellangt Dauererfolg! unt. get! Mitwirk. v. Mittwoch, den 7. Oktober Ganz neues System! Prosp. frei. G. Rädel Schwestern Vorber das neue Programm Bruno Kastner James Simon( Klavir) nachmittags 12 Uhr Sint G- Moll, Klav.- Preußen- Preis Bilmersdorf, Bran Die neue KünneckeAb 10. Oktober Vorverk. den ganz Tag Operette Die Frau im gefährl. 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Die Verhandlungen beinahe eines Jahres find also nuglos gewesen und haben die für den Abschluß eines Bertrages notwendige Stimmung nicht zu fchaffen vermocht. Es erscheint deshalb angezeigt, offen über die Rolle der deutschen Schwerindustrie in den bisherigen Berhandlungen zu sprechen. Wir Saarländer mußten mit wachsen dem Befremden feststellen, daß troz aller nationalen Beteuerungen seitens der deutschen Schwerindustrie unsere Interessen nicht immer genügend gewürdigt worden sind. Es hat besonders schmerzliche Empfindungen bei uns ausgelöst, daß unser zum mindesten mora. lisches Recht auf Rüdtehr des Saargebietes in das deutsche Reichs3ollgebiet vereinzelt aus Konkurrenz Uns find Aeußerungen in schrift. gründen bestritten wurde. lichen Eingaben bekanntgeworden, deren Kern man etwa wie folgt ausbrüden tann: Bis zum 10. Januar 1925 litten wir unter faar. ländischer Konturrenz. Es wurde freudig von uns be grüßt, daß die Bestimmungen des Versailler Vertrages uns am 10. Januar von dieser Konkurrenz befreiten und wir empfinden es schmerzlich, daß man uns dieser erfreulichen Wirtung des Versailler Bertrages(!) wieder berauben will. Es handelt sich zwar um zahlreiche, aber doch vereinzelte Stimmen, und man wird sich hüten müssen daraus verallgemeinernde Schlüffe zu ziehen. Man fann ferner mit Genugtuung feststellen, daß zahlreiche andere Wirtschaftskreise gänzlich anderer Meinung find. Wohltuend hat es auch hier berührt, daß eine Industriefirma, deren Berband vielleicht die schärffte Agitation gegen das Saarabkommen entfaltet hat, in deutlichem Abrücken von dieser Agitation schreibt: Kein vaterländisch eingestellter deutscher Geschäfts. mann wird es übelnehmen, daß die deutsche Reichsregierung die Industrie des Saargebietes derjenigen im befezten Deutschland gleichzustellen bedacht ist." Es bestätigt sich leider, daß die Meinung französischer Kreise, die deutsche Schwerinduftrie wolle lieber ganz auf einen Bertrag mit Frankreich verzichten, als ihre autonomen Zollfäße aufgeben, wenigstens für einen Teil der deutschen schwerindustriellen Kreise zutrifft. Wenn in den kommenden Verhandlungen nunmehr wirklich ein Provisorium zustande gebracht werden sollte, so wird man abwarten müssen, ob dieses Provisorium die wesentlichen Fragen zwischen Deutschland und Frankreich regelt, oder aber ob es inhaltlich nur so mager ausfällt, daß fast nur der Name und die Form des Handelsvertrages übrig bleibt Wir Saarländer stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Abschluß eines, sowohl für die innerdeutsche Wirtschaft als auch für die Saarwirtschaft günstigen Bertrages mit Frankreich nur dann möglich ist wenn der deutsche Eisen zoll der deutschen Dele gation als Rompensationsobjett zurüdgegeben und aus den privaten smerindustriellen Berhand. lungen ausgeschaltet wird. Wir im Saargebiet geben die Hoffnung nicht auf, daß es gerade dieser Reichsregierung nicht schwer fallen fann, die deutsche Schmerindustrie zum Nachgeben in der Eisenzollfrage zu bemegen, weil diese Wirtschaftsgruppe zu den parlamentarischen Stüßen des gegenwärtigen Reichstabinetts gehört. stände. Dem Abschluß gingen langwierige Berhandlungen voraus. Er ist im Interesse des deutschen Exportes zu begrüßen. Die Ruffen begründen die Notwendigkeit des Kredites damit, daß der Bedarf der Landwirtschaft an Geräten und an Textilien groß ist, daß aber der Auftauf der Ernte zu langsam vor sich geht, als daß man fofort Baren importieren fönnte. Zur Ueberbrüdung der Zeitspanne bis bis zum Auftauf der Ernte dient dieser Kredit, der auf den deutsch- russischen Warenverkehr von großem Einfluß sein wird. stabilität scheint Dr. Schacht danach höher einschätzen zu dürfen als| In der Woche ist ein großer Teil dieser Kinos sehr schlecht besucht die mancher Kreise in Deutschland die die Währung verdäch tigen, um von der selbst veranlaßten Teuerung abzulenten. Die sonstigen Veränderungen des Bilanzbildes der Reichsbanf gegen über der Vorwoche entsprechen im wesentlichen der zum Monatswechsel gewohnten stärkeren Inanspruchnahme der Mittel der Reichsbant. Besondere Erwähnung verdient nur die Zunahme des Best andes an Dedungsbevisen um 34,3 Mill, die in der Bestandes Hauptsache aus den Dollardevisen stammt, die die Rentenbant. trebitanstalt aus ihrem amerikanischen Kredit bei der Reichs bant eingewechselt hat. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man den Abschluß vom 30. September als Quartals abschluß dem letzten Monatsabschluß den beiden vorhergehenden Quartalsabschlüssen gegenüber ftellt: Noten und Schulden • Reichsbanknotenumlauf.. Giroeinlagen der Wirtschaft Kredite an d. Wirtschaft Lombardkredite Wechselkredite Notendedung durch Gold durch Devisen zufammen. 3. Quart. Ende Aug. 2 Quart. 1 Quart. ( in millionen Mart) 2649 2595 2474 2315 620 743 701 564 • 56 1717 • 33 1765 46 1 691 27 1578 1175 319 1138 357 1494 1 496 1061 354 1415 1004 884 1338 56,4 57,7 57,2 57,8 ? 5.000 5227 5 351 und nur am Sonnabend und Sonntag fönnen sie, wenn sie etwas Butes bieten, mit einem vollbesetzten Hause für alle drei Vorstellungen rechnen. In den Kinos der Konzerne werden auch die Filme der aus= ländischen Gesellschaften vorgeführt. Man spielt jetzt mindestens zu 50 Proz. amerikanische Filme in deutschen Theatern. Die deutsche Filmproduktion ist einmal auf ausländische Filme angemiesen, weil sie gar nicht in der Lage ist, den Filmbedarf der deutschen Theater zu befriedigen und außerdem weil sie selbst ge= nötigt ist, ihre Filme im Ausland abzusetzen, denn nur der Absatz im Ausland macht die Filmproduktion rentabel. Wie schon erwähnt, besteht infolge der hohen Theaterpreise eine starke Kinofreudigkeit; sie würde noch größer sein, wenn die Eintrittspreise des Rinos erschwinglicher für die große Masse mären. In Borfriegspreiszeiten war der Durchschnittspreis für einen Kinoplag 20 Pf. Nimmt man einen Teuerungsfaktor von 50 Proz. hinzu und dazu 15 Proz. Bergnügungssteuer, so ergibt das einen Preis von ungefähr 35 Pf. Es gibt heute aber in Deutschland kaum ein Kino, in dem nicht der Eintrittspreis mindestens das Doppelte beträgt. In den eleganteren Theatern bezahlt man für den schlechteften Platz mindestens 1 M. Das ist natürlich viel zu teuer und bringt die große Menge der Kinos um erhebliche Einnahmen. Es find eben die Verleihgebühren für die Filme noch zu teuer, und wenn die Herren Berleiher uns noch so viel vorrechnen werden, daß für sie die heutigen Verleiherpreise Berlustpreise sind, so wird man ihnen das doch nicht glauben fönnen. Dedungsverhältnis burch Gold und Devisen(%) GesamtgeIdumlauf Die erste Verbindung mit ausländischen Konzernen in größerem Reichsbanknoten, Rentenbank fcheine, Br.- Banknoten, Münzen Umfange und von längerer Dauer war das Zusammengehen des Dann zeigt sich nämlich, wenn man die im ganzen sinkende efti. Konzerns mit der bekannten französischen Filmfirma Dann zeigt sich nämlich, wenn man die im ganzen sintende Pathé Frères. Westi ist eine Filmfirma, die aus der ZuKurve der Giroeinlagen der Wirtschaft der st ei genden Kurve sammenarbeit von Wengeroff, einem russischen Eisenkaufmann, und der Kreditgewährung an die Wirtschaft gegenüberstellt, eine ständig Stinnes entstanden ist. Sie operiert gemeinsam mit der Hugenberg zunehmende Beanspruchung der Reichsbankmittel. Diese Tendenz nahestehenden Deulig, sie schloß mit der Paladin in Ropenwird verschärft durch die Abnahme der bei der Reichsbank depo- hagen eine Arbeitsgemeinschaft ab und übernahm die Herstellung nierten öffentlichen Gelder einerseits und der von öffent lichen Stellen aufgenommenen Reichsbankwechsel andererseits Ob es erlaubt ist, daraus schon den Schluß einer Anspannung des Reichsbankstatus zu ziehen, wie es naheliegt, ist fraglich. Der Schluß würde erst berechtigt sein( da die Reichsbank nicht nur Kredit, sondern auch Notenbant ist, die sich durch Notenausgabe Luft schaffen darf), wenn die Vermehrung der Wirtschaftskredite eine unsolide wäre, auf die hin die Mehrausgabe von Noten erfolgt. Die Steigerung des Notenumlaufs, die gegenüber dem 1. Vierteljahresabschluß immerhin 334 mill, oder 14 Broz. beträgt, ist auf jeden Fall eine Folge der erweiterten rebit. gewährung. Auch wenn man den steigenden Anteil des Abrechnungs- und bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit in Rechnung setzt, dürfte die zweifellos steigende Tendenz der Umfäße in der deutschen Volkswirtschaft die ersichtliche Vermehrung der Zahlungsdeutschen Volkswirtschaft die ersichtliche Bermehrung der Zahlungs. mittel noch rechtfertigen. Die Notendedung durch Gold ist sowohl gegenüber dem Bormonat als auch gegenüber dem 2, und 1. Quartal verstärft. Die Devisendecke ist verkürzt. Die Gesamtbedung bleibt jedoch mit 1494 Mill. um 79 Mill. höher als am zweiten, und um 156 Mill. höher als am ersten Vierteljahresabschluß. Das Deckungs. verhältnis beträgt 56,4 Proz. Es ist an sich sehr hoch, aber doch niedriger als an den vorhergehenden Quartalsschlüffen. Aus der Filmindustrie. Der deutsche Kredit für Rußland. Benn die Filmindustrie unter der Stabilisierungsfrise erheblich Nach einer Meldung von ruffischer Seite ist das geplante mehr gelitten hat als viele andere Gewerbe, so liegt das in erster Rreditgeschäft zwischen der ruffischen Staatsbant und einer Linie an der langen Umschlagsfrist, die ein Film durchLinie an der langen Umschlagsfrist, die ein Film durch Gruppe deutscher Großbanken zum Abschluß gekommen. Zur Finanzumachen hat. Es dauert eine geraume Zeit, im Durchschnitt zierung der Einfuhr deutscher Waren nach Rußland gibt das Ron- 3 Monate, che ein Film fertigestellt ist; die Kapitalinvestierungen, fortium 75 millionen Mart, die eine Wareneinfuhr in Höhe die für einen derartigen Film gemacht werden müssen, müssen in von 100 Millionen Mart ermöglichen sollen. Zum Import nach bar erfolgen, denn ein großer Teil der Kosten der Filmprodut. Rußland bestimmt sind vor allem Maschinen und Gebrauchsgegen- tion fällt auf die Löhne und Gehälter derjenigen, die bei der Produktion eines Films beschäftigt sind. Aus diesem Grunde ist es begreiflich, daß ein großer Teil der Filmproduzenten in der Stabili fierungskrisis ihr Dasein beendet hat und daß noch ein weiterer Teil der in der Inflation entstandenen Firmen ihr Leben wird lassen müssen. Aber auch die übrigen sind nicht auf Rosen gebettet. Um sich die für die Filmherstellung notwendigen Mittel zu verschaffen, haben sie sich nach ausländischen Geldgebern umsehen müssen, und zwar geschah die ausländische Finanzierung gewöhnlich durch Amerika. Die amerikanischen Filmproduzenten schlossen mit den Leihfirmen, die an eine deutsche Produktionsfilm gesellschaft angegliedert war, Leihverträge. Den Filmproduzenten Deutschlands stand aber noch eine andere Geldquelle zur Verfügung. Die Idee der Produktionsgesellschaften, sich Theater anzugliedern, die ihnen einmal die Möglichkeit gaben, ihre Filme der breiten Deffentlichkeit zu zeigen, außerdem ihnen damit ein gewiffes Absatzgebiet verschafften und ihnen ferner erhebliche Einnahmen in bar erbrachten, machte immer mehr Schule. Die Ufa verfügt über eine Reihe von Aufführungstheatern nicht bloß in Berlin, sondern auch in der Provinz, ebenso hat sich der Phöbus- Konzern eine Reihe von Uraufführungstheatern in Berlin und in der Proving gesichert. Auch die Terra bedient sich derselben Mittel und neuerdings versucht sich auch die National- Filmgesellschaft auf diese Weise Absatzgebiete für ihre Films sich zu verschaffen. Allerdings ist es sehr zweifelhaft, ob diejenigen Konzerne, die über nur wenige Theater verfügen, in der Lage sein werden, die recht beträchtlichen Untoften herauszuholen. Man darf nämlich nicht übersehen, daß die Filmtheater, besonders diejenigen, die mit den über dem Durchschnitt stehenden Eintrittspreisen arbeiten und dazu zählen fast alle Filmtheater der Konzerne fich nicht bloß damit begnügen tönnen, ihren Film abrollen zu laffen, sondern, daß sie, um das Publikum heranzuziehen, in einer Bühnenschau artistische Dar bietungen, Rabarettporträge oder fleine Theaterstücke bieten müſſen. Daß bei seinem Zustandekommen handelspolitische Gründe mitgewirkt haben, liegt auf der Hand. Zum mindesten mar von großem Einfluß die Tatsache, daß beide Länder bemüht find, ihre Handelsbeziehungen wieder aufzubauen und einen Handelsvertrag abzuschließen, der in feinen großen Umriffen bekanntlich bereits feststeht. Die russische Staatsbant ist bemüht, auch mit den großen Finanzgruppn anderer Länder- Italien, Frankreich, Tschecho flowatei ähnliche Kreditverträge zustande zu bringen. Das Vierteljahrsende bei der Reichsbank. Der Wochen ausweis der Reichsbant zum 30. September zeigt in einem Bosten eine starke Veränderung. Man darf sie als Rommentar auffassen zu einer Rede des Reichsbantpräsiden ten Dr. Schacht am 5. Oktober in Karlsruhe, in der er die Stabili. tät der Reichsmartwährung nachdrücklich unterstrich. Aus dem Golddepot, das im Auslande, hauptsächlich in London, von der Reichsbant unterhalten wird, wurden für 30 Millionen Reichsmart Gold in die Berliner Tresors übergeführt, so daß bei ausländischen Zentralnoten banten nur mehr 98,6 mill. Golddepots aus. gewiesen werden. Die Zuversicht des Auslandes in die Währungsder bekannten Pat und Bautachon Filme. Die Westi vereinigte sich mit der Vita- Filmgesellschaft in Wien, diese verfügt über die besten österreichischen Fabrikationsanlagen und besitzt ein gut organisiertes Bertriebsnetz auf dem Weltmarkt. Mit dem Bathé Film gründete sie die Dachgesellschaft Pathé Wefti; durch diese wurde die Verteilung der beiderseitigen Produktion auf dem internationalen Markt geregelt. Die Westi geriet in Schwierigkeiten, ihr wurden die Kredite gefündigt, ihre deutsche Produktion mußte sie zeitweise stilllegen. Bei der Ufa lagen die Dinge ähnlich. Sie erwarb von der tion und erhielt damit eine moderne großzügig ausgestaltete KopierLandlicht A.-G. die Majorität der Aktiengesellschaft für Filmfabrikaanſtalt. Die Züricher Helvetia- Film A.-G., an deren Gründung sie sich beteiligte, war dazu bestimmt, den Filmvertrieb im europäischen Auslande zu propagandieren. Die Ufa traf Abmachungen mit einer Reihe amerikanischer Gesellschaften, mit der Famous Players Lasty, mit der Metro- Goldwyn, mit der Firma Warner Brothers und der First National Film Com pagnie, um auf diese Weise den deutschen Markt vor Ueberflutungen mit amerikanischen Films zu schützen. Die Ufa erhält das Recht, die Gesamtproduktion der amerikanischen Gruppen in Deutschland zu verteilen. Die Terra Film A.-G. hat mit der United Artist in New York einen Vertrag geschlossen, der den Film vertrieb der beiden Firmen gemeinsam organisiert. 3 * Aus alledem ist ersichtlich, daß es auch den Firmen darauf antommt, die Regelung des deutschen und ausländischen Filmmarttes in ihrer Hand zu haben, und wenn vorerst auch die Ansäge 34 Truft- und Konzernbildungen in der Filmindustrie, weil sie noch zu zersplittert ist, sehr schwach sind, ähnlich wie in allen anderen Industrien, wird diese Entwicklung in dem Maße ihren Fortgang finden, in dem die kleinen und fleinsten Filmunternehmungen infolge ihrer ungünstigen finanziellen Boſition verschwinden. Dann ist der Weg auch in der Filmindustrie für größere Konzern- und Truftbildungen frei. Allgemeine Bau- Afiengesellschaft. In der Generalversammlung dieser Gesellschaft, die eine Dividende von 8 Proz. zur Verteilung bringt, wurde mitgeteilt, daß die Aussichten des Baumarktes zurzeit günstige seien. Die Gesellschaft sei mit Aufträgen von Behörden und von der Großindustrie reichlich versehen, so daß auch für das laufende Geschäftsjahr ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erwarten sei. Eine Schmälerung könnte das Ergebnis durch den Bauarbeiter. streit erfahren, der zu einer langen Bause in den Arbeiten des Unternehmens geführt habe, Arbeiten, die jetzt nachgeholt werden müssen. Es ist interessant, daß eine Gesellschaft des Gewerbes, das fich über die hohen Arbeiterforderungen betlagte und erst durch einen langen Streit gezwungen werden mußte, ihren Arbeitern bessere Arbeitsbedingungen zu gewähren, in der Lage ist, im Gegensatz zu den meisten anderen Aktiengesellschaften eine immerhin ganz beträchtliche Dividende zu zahlen. Also scheinen doch die Bauarbeiterlöhne trop Erhöhung nicht so hoch zu sein, daß sie das Gewinnergebnis ungünstig beeinflussen könnten. Das zeigt wieder einmal deutlich, was von dem Geschrei der Unternehmer über Lohnforderungen zu halten ist. Schleich's Schleichs Aftee Lavendel Wasser Blauer Lavendel Kolben Schleich's Eau de Cologne supérieur Eau de Cologne russe CHEMISCHE FABRIK SCHLEICH BERLIN NW6 15000 für frohe Gesichter! Warum machen Sie ein so böses Gesicht? Muß Jhnen alle Welt ansehen, daß Sie irgendwo der Schuh drückt? Vom 14.0ktober d.J.ab lohnt sich's, eine heitere Miene zu zeigen. Herr X zahlt täglich 10X 50 Mark für frohe Gefichter, wo immer er sie findet. Mittwoch 7. Oktober 1925 Unterhaltung und Wissen Beilage des Vorwärts „ Staatsanwalt von Grevesmühlen. Obdachlos. Nun legt die Nacht sich schlafen Ich wante machen Schritt, Die Häuser trotten mit. Der Himmel will mich strafen Und weiß nicht, was ich litt Das war im Rerfergrab, Als ich ein Heim gefunden; Ich hab mein Herz zerschunden Am rohen Eisenstab. Der Himmel und die Richter Sind falt wie schriller Wind. Es steh'n so viele Lichter, Es geh'n so viele Dichter, Die arm wie Bettler find. Und morgen wird ein Morgen sein, Doch ist es nicht bestimmt. Wen Nacht nicht mit sich nimmt, Der findet sich zum Morgen ein. Die Nacht hat tiefe, fiefe Flut, Die manchem Friede scheint, Und tief im Herzen weint So manches arme welte Blut. Und was die Nacht, und was der Tag, Mir fällt es nimmer ein Du stiller, müder Stein, Was ist nur mit uns beiden, fag? elbe Franz Rothenfelber. Münchener Herbstbotanik. Gloffen von W. Wächter. Wenn das Grummet, der zweite Grasschnitt, troden in die Scheunen gebracht ist, dann rüftet sich der bayerische Bauer zum Münchener Oktoberfest, das zu den bayerischen Belangen gehört wie die Weißwürfte, die gelben Brieffästen und das Königshaus, wofür die Preißen" natürlich kein Verständnis haben. Die Berliner haben ihren Lunapark und die Rummelpläge, wo sie jeden Tag Karussell fahren oder auf der Rutschbahn durch die Lüfte faujen, wo fie fich über die Dame ohne Unterleib oder ohne Kopf oder über die dicke Berta amüsieren fönnen, aber München hat dergleichen nur einmal im Jahre. Das kommt daher, daß man in Isarathen noch eine richtige Jahreseinteilung hat, die vom ganzen Volke respektiert wird. Nach dem Fasching fommt das Fastenbier, dann der Salvator, dann der Maibod, dann der Sommer, dann das Oktoberfest, dann Allerheiligen und schließlich Weihnachten. Die Norddeutschen und zumal die Berliner haben überhaupts" teine Einteilung, fie kennen nur die vier Jahreszeiten, um die sich nie. C 0000000 GW ,- 100 Stahlhelmleute sind von 20 Republikanern immer provoziert. Außerdem und überhaupt mand so recht fümmert, und eine geregelte Nachtrube haben sie auch gehören alle Republikaner ins Zuchthaus!" nicht, da die Polizeistunde viel zu spät oder gar nicht funktioniert. In München aber herrscht Ordnung, seitdem die Fremden wieder fort sind, man geht um zwölf Uhr zu Bett und um drei Uhr nach mittags auf die Wiesen, wo die Wiesenmaß heuer eine Mart foftet. Die protestantische Geistlichkeit hat ganz recht gehabt mit ihrem Protest gegen das Oktoberfest, menigstens insofern, als die übrigens prachtvollen Bierpaläfte in der Tat dazu verleiten, mehr Geld aus zugeben, als man besitzt. Beim Schottenhamel ist kein Blag zu friegen, beim Löwenbräu fihen die Leute aufeinander, beim Wingerer Fähndl wird man fast zu Tode gedrückt, und in allen anderen Schant- und Gaststätten ist es ebenso. Wieviel Geld würde man sparen, wenn die Maß nur sechzig Pfennige fostete! Aber der Einfluß der protestantischen Herren auf die Brauereibefizer ist offen bar mur ein sehr geringer, und so ist man verpflichtet, über feine Berhältnisse zu leben, wenn man studienhalber oder aus Neugierde oder aus Sitte die Oktoberwiese besuchen muß. Es soll aber nicht nerschmiegen werden, daß Tausende standhafte Arme sich den Wiesendurft verkneifen und auf die nahen Bierfeller gehen, um dort für normales Geld sich eine Maß zu taufen. Natürlich ist auch auf den Kellern alles geſtedt voll, ebenso wie im Mathäfer oder Hofbräuhaus. Wer jetzt noch nicht einsehen will, daß das Bier ein Nahrungsmittel ist, an dem ist Hopfen und Malz verloren. Man hört jezt von Leuten, die es wissen müssen, so oft darüber flagen, daß wir keine einheitliche Weltanschauung mehr hätten, und daß wir infolgdeffen teine gotischen Dome mehr bauen tönnten. Solche Ansicht kann natürlich nur in Berlin ausgeheckt werden, denn das Münchener Bürgertum und das bayerische Bauerntum hat immer noch eine einheitliche Weltanschauung, die sich um den Maßfrug, die Kirche und den König dreht. Das ist weder Scherz noch Satire noch Ironie, sondern die nackte Wahrheit. An dem Mangel einer einheitlichen Weltanschauung tann es also nicht liegen, wenn feine Dome mehr gebaut werden können. Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus ist das übrigens ziemlich gleichgültig, besonders die angewandte Botanit und Zoologie leiden nicht unter Dem Mangel an mirklich großen Runstwerten; für diese Wiffen. schaften ist das Oktoberfest Kunstwert genug. Daß das Bier zur landwirtschaftlichen Botanit gehört, wird niemand zu bestreiten magen und daß am Spieß gebratene Ochsen, Hühner und Gänse, Fische und am Rost gebratene Schweinswürstel, deren lederer Duft die ganze Festwiese erfüllt, von den Zoologen für sich in Anspruch genommen werden, ist auch verständlich, wiewohl die Zoologen sich meistens nur bis zu den Würmern hinaufarbeiten und vielleicht deswegen neuerdings an der Abstammungslehre Kritik üben. Aber bleiben wir bei der Botanit. Der eigentliche solide Kern des Münchener Oktoberfestes ist die Landwirtschaftliche Ausstellung, die jeden Fremden entzücken muß, auch wenn er fein Landwirt ist, Was diese Ausstellung von einer norddeutschen unterscheidet, ist vor allem der Hopfen und der Tabat. Die bayerischen Hopfenbauer, besonders die Hallertauer und Pfälzer, haben ganz prächtige " Hopfendolden", die unter ihren Deckblättern das würzige„ Hopfenmehl" bergen, ausgestellt. Die Chemie hat in Bayern den Hopfen noch nicht verdrängt, das sieht man hier, und die Gerste, aus der das Malz bereitet wird, ist ebenso schön. Was sollten diese tüchtigen Bauern, die um die Wette arbeiten, um immer herrlichere Sorten zu züchten, anfangen, wenn die Abstinenzler Oberwasser bekämen! Der pfälzische Tabakbau wirkt ebenso imponierend. Es macht das ausgestellte Tabatgut den Eindrud, als ob man in der Herstellung von Qualitätsware immer weitere Fortschritte mache. Theoretisch ist es möglich, unter den günstigen flimatischen Verhältnissen der Bfalz eine dem amerikanischen oder ostindischen Tabat gleichwertige Ware zu fabrizieren. In der Udermart wird ja auch Tabat gebaut, aber guter Tabat braucht Weinklima oder Maisklima, das im Norden nicht vorhanden ist. Das auch prächtiger Mais in Bayern aedeiht, zeigt die Ausstellung der landwirtschaftlichen Schule in Pfarrkirchen. Die Moorfultur ist von Norddeutschland ausgegangen, aber die bayerische Landesanstalt für Moorwissenschaft hat gezeigt, haß sie der Bremer Moorfulturanstalt in feiner Weise nachsteht. Die Landesanstalt stellt ganz wundervolles Gemüse aus, Hanf, Flachs, Korbweiden, Getreide u. a. Was eine rationelle, auf missenschaftlicher Grundlage beruhende Kultur hier vermag, fett manchen Bauern in Erstaunen, der mit seinem Moorboden bisher nichts weiter anzufangen wußte, als Torf zu graben. Seit der Kriegszeit sehen wir überall wieder die blauen Flachs felder. Ob es gelingen wird, in Zukunft die Konkurrenz der Baum wolle zu ertragen, müssen wir abwarten. Jedenfalls wird noch eifrig für den Flachsbau und die Leinpflanze Propaganda getrieben, zumal der Leinsamen ja auch ein ausgezeichnetes Del und Kraft futter für das Vieh liefert. Kuh und Kalb und auch das Schwein lechzen nach dem guten Lein" heißt es in den luftigen Flachsbauregeln des Landwirtes Weidner. Was Norddeutschland vor Suddeutschland voraus hat, sind die Kartoffeln. Diese nehmen daher in norddeutschen landwirtschaftlichen Ausstellungen einen breiteren Raum ein als auf der Münchener Ausstellung. Die Bauern aus dem ganzen Lande besuchen die Ausstellung mit großem Intereffe und die ganze Stadt erhält in diesen Tagen noch mehr das Gepräge einer Landstadt als zu anderen Seiten. Der norddeutsche und fächsische Fremde, für den München lediglich die Kunst- und Bierstadt ist, in der er tun und lassen fann, was er will, und der in den Sommermonaten das Straßenbild völlig verändert, merkt natürlich nichts von der Landstadt". Er betrachtet den Bauern, der in seiner Landestracht ihm hier und da begegnet, als farnevalistische Figur, steckt sich selbst in furze Lederhosen, fauft fich einen Hut mit Gamsbart, versucht zu jodeln und geht ins Hofbräuhaus, wo er herumlärmt und sich mit den Einheimischen anzubiedern versucht. Der Münchener fieht gutmütig diesem Treiben zu, und da er selten die Donau oder gar den Main passiert, fo hält er samt liche Preußen und Sachsen für entsprungene Dalldorfer. Auf diese Weise lernt sich Nord und Süd ausgezeichnet tennen. Kommt dann ein Literat aus dem Romanischen Kaffee um die Sommerzeit nach München oder ins Gebirge, wo es nicht viel anders zugeht, und sicht das Affentheater aus der Kurfürstendammperspektive an, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn er München und ganz Oberbayern für einen Rummelplay hält. Wenn auch panis et circenses, zu deutsch Bier und Gaudi, in München und Umgegend von jeher hoch im Ansehen standen, so darf man doch nicht vergessen, daß diese nur das Gewand find, in das sich der Ernst des Lebens fleidet. Die guten Sommerfrischler sollten fich mur einmal die Mühe geben, die Augen etwas aufzufverren. Dann würden sie erkennen, wie der Gebirgsbauer sich abschinden muß, nur um sein bißchen Heu, auf dem sein Reichtum beruht, trocken zu bekommen, und sie würden dann besser verstehen, was das Oktoberfest in der Landes hauptstadt für den Bauern bedeutet. Und der Münchener selbst fühlt, wenn auch oft unbewußt, mit dem fleinen Bauer, da hier außer der Brauindustrie nur die Fremdenindustrie, die natürlich wie überall die Bevölkerung leicht etwas demoralisiert, in die Erscheinung tritt. Das Industrieproletariat, das in anderen Städten von der gleichen Einwohnerzahl wie München eine ganz andere Rolle spielt als hier, hat bisher noch nicht vermocht, der Stadt München ein wesentlich anderes Aussehen zu geben, als vor dreißig Jahren Darum hat die Oktoberfestwiese auch noch immer ein Recht auf Existenz; man muß fie nur mit den Augen des Bauern betrachten, um ihr gerecht zu werden. Woher kommen, neue" Sterne? Bon Zeit zu Zeit flammt bekanntlich urplöglich am Himmel ein neuer Stern auf, erstrahlt einige Tage in glanzvoller Helligkeit, um dann langsam immer mehr zu verblassen, bis er nach mehreren Monaben oftmals faum noch sichtbar ist. Wie ist dieses plötzliche Auftreten und allmähliche Verschwinden zu erklären? Früher olaubte man allgemein, daß zwei dunkle, daher für uns unsichtbare Weltförper aufeinandergestoßen und explosionsartig entflammt seien. Diese Auffassung hat sich aber als unhaltbar erwiesen. Denn wenn die große Masse eines Sternes durch eine Er plosion zu glühendem Nebel zerstäubt würde, wie man es annahm, müßten ungeheure lange Zeiträume vergehen, ehe die Leuchtkraft verschwunden ist. In Wirklichkeit nimmt aber die Lichtintenfität schnell ab. Außerdem zeigen die neuen Sterne" eine auffallende Schwankung ihrer Lichtstärke und diese Schwantungen erfolgen periodisch. Die Dauer dieser Perioden nimmt mit dem Alter" der neuen Sterne zu; d. h. furz nach dem Aufflammen folgen Ab- und Zunahme der Leuchtkraft rasch aufeinander, später werden die Zwischenräume immer größer und können schließlich Monate um faffen. Weiterhin hat man festgestellt, daß sich die Farbe der neuen Sterne gefegmäßig änderte: anfangs erscheinen sie hell bläulich- weiß, dann orange, und zuletzt nehmen sie einen rötlichen Ton an, um schließlich ganz unbestimmt zu verschwimmen. Alle diese Erscheinungen lassen sich einleuchtend erklären, menn man davon ausgeht, daß die Lichterscheinungen von leuchtenden Gasbällen ausgehen. Prof. Emden in München hat nämlich gezeigt, daß man aus den periodischen Lichtschwankungen, die eine leuchtende, pulfierende Gastugel zeigt, Schlüsse auf die Dichte dieser Gaskugel ziehen tann. Der Astronom Barabascheff hat diese physikalischen Erfenntnisse auf die Verhältnisse der neuen Sterne übertragen, die ja nichts anderes als sich ausdehnende Nebelmassen darstellen. Er hat für den berühmten neuen Stern im Perseus, der 1901 auftauchte, diese Methode benutzt und tam zu dem Ergebnis, daß entsprechend der Zunahme der Lichtschwankungsperiode die Dichte des neuen" Sternes bzw. dessen Nebelmasse von ein Zehntel der Sonnendichte auf ein Millionstel der Sonnendichte gefunten war, als die Periode ein Jahr betrug. Die leuchtenden Rebelmassen hatten sich also ungeheuer ausgedehnt und dabei an Leuchtkraft und Farbe eingebüßt. Zu dieser Ausdehnung ist natürlich auch Energie nötig. Nach neueren Anschauungen stammt sie nicht aus einer Explosion zweier aufeinandergestürzten Weltkörper diese Energiemenge wäre viel zu gering, auch die Energie der Radio- Elemente, die eventuell in Freiheit gesetzt würde, reicht nicht aus, um die Ausdehnung und das Aufleuchten zu veranlassen. Man glaubt vielmehr, daß die Atome einer dünnen Oberflächenschicht vollkommen zertrümmert merden, wodurch ungeheure Energiemengen frei werden. Diese Zerstörung soll eintreten, wenn Weltförper in Nebelmassen geraten und durch den Widerstand start erhigt werden. Die Sammelschiene. Leiten die verschiedenen Elektrizitätsmerte eines Landes die von ihnen hergestellte Energie auf einen gemeinfamen, das ganze Land durchziehenden Strang, so fönnen sich die Verschiedenheiten in der Produktion ausgleichen. Hat ein Wert Ueberschußenergie, so fann die Kraft längs ber Sammelschiene in ein weit entfernt gelegenes Gebiet desselben Landes geleitet werden, wo Kraftbedarf herrscht. Neben vielen fleineren und mittleren Kraftwerken find in Deutschland hauptsächlich drei große Energiegebiete zu unterscheiden: Wasserkraft. Die besten Aussichten für ein gemeinwirtschaftliches das Steinkohlengebiet, das Braunkohlenreich und die bayerische im Sommer Ueberschuß an Wasserkraft ist, kann die Braunkohle zu Zusammenarbeiten bietet die Wasserkraft und die Braunkohle. Wenn Briketts verarbeitet und auf Vorrat gelagert werden, während im Winter, wo die Wasserkräfte abnehmen, die Braunkohle mit voller Förderung in Elektrizität umgesetzt wird. Eine fünftige Sammelschiene wird nun gleichwohl auch die Steinkohle einbegreifen müssen, weil die von ihr hergestellte Elektrizität ein unentbehrlicher wirtschaftlicher Artifel im nordwestlichen Deutschland ist. Voraussichtlich wird sich die technische Entwicklung der Energiewirtschaft in den nächsten Jahren so gestalten, daß eine Sammelschiene vom Ruhr. gebiet über das in Mitteldeutschland befindliche Braunkohlengebiet durch Thüringen nach Bayern gelegt wird. Längs dieser Schiene fönnen die drei Hauptzentren der deutschen Energieproduktion zum Ausgleich gebracht werden. Während das Vorbild dieser Anlage, die schweizerische Sammelschiene, vom Bodensee bis zum Genfer See nur etwa 300 Kilometer mißt, wird die deutsche Sammelschiene über 1000 Kilometer lang werden. Dementsprechend werden die Leitungs| rerlufte sehr groß, und um sie möglichst herabzusehen, wird die Spannung auf eine ungewöhnliche Höhe gebracht werden müssen, vielleicht 200 000 Bolt WARENSCHAU WERBE WOCHE WIR ZEIGEN DIE HERSTELLUNG VIELER ARTIKEL DURCH MASCHINELLE VOR FÜHRUNGEN VERBUNDEN MIT BESONDEREN AUSNAHME/ ANGEBOTEN! Leipziger Strasse Vorführung im III. Stock: „ Die Steingutfabrikation" Steingut Waschgarnituren 5 tlg. 345450975 Weiß Porzellan mit feinen Fehlern mil Gold rand rand Dorzellan Speiseteller tet oder flach....... 75PL 35 Pt. Abendbrotteller............... 50P. 45 Pt. Kompotteller. ......... 20 P. Satz Töpfe 6tellig Speiseteller ah....... Suppenteller Her.. Abendbrotteller Kompotteller Terrinen............... Waschbecken creme...... creme...... 85Pt. 225 85Pt. 225 Kartoffelschüsseln 225 Waschkrüge creme.... 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