Abendausgabe Nr. 47442. Jahrgang Ausgabe B Nr. 234 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Cindenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-201 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Mittwoch 7. Oktober 1925 Beclag und Anzeigenabteilung Seschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 202-29% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Die Indiskretion der Faschisten. Auch die Deutschnationalen wollen sprengen. V. Sch. Locarno, 7. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Alliierten gegen Deutschland eine Politif der Ganttionen und Am gestrigen Dienstag abend gegen 11 Uhr verbreitete des Mißtrauens gemacht, die charakterisiert werde durch die sich in Locarno das Gerücht, daß italienische Blätter in den Ruhrbesetzung und des Abschlusses der Militärbündnisse Besitz des Pattentwurfs gelangt seien und das Dokument zwischen Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei. Nun heute früh veröffentlichen würden. Unter den Delegierten und mehr hätten sich die Alliierten zu einer Politie gegenseitiger Berden Journalisten aller Länder frat darüber große Er träge und Abmachungen entschlossen, eine Aenderung, zu der die regung auf und manche Delegationsmitglieder meinten, daß Anregung von Deutschland ausgegangen fei. Welche diefer eine solche Beröffentlichung die Konferenz auf das höchste beiden Methoden die tessere sei, möge dahingestellt bleiben.(!) gefährden, wenn nicht sprengen würde. Man befürchtete Jedenfalls fönne man nicht beide zugleich anwenden, b. h. man könne vor allem davon eine große Erich merung der Stel nicht Berträge auf der Grundlage der vollen Gegenseitigkeit ablung Stresemanns gegenüber den Deutschschließen und gleichzeitig die volle Aufrechterhaltung der früher nationalen. Es ist mun nicht recht ersichtlich, warum die ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen verlangen. Unter diesen Umstän Veröffentlichung des Entwurfs eine solche Katastrophe gewesen den werde man taum von den Deutschen erwarten können, daß fie märe, denn der Baktentwurf der Juristen ist von Stresemann in Locarno die ausgesprochen gegen Deutschland gerichteten Abim Auswärtigen Ausschuß des deutschen Reichstages verlefen machungen zwischen den Alliierten anertennen und fie noch und tommentiert worden, die Deutschnationalen fennen ihn durch ihre ausdrückliche Zustimmung bestätigten. also und haben in voller Renntnis feines Besens und seines Inhalts der Teilnahme an der Konferenz zugestimmt. Es ist also nicht einzusehen, warum die Leser der deutschnationalen Zeitungen noch nicht reif für eine Veröffentlichung sein sollten, wenn doch acht Tage später voraussichtlich der endgültige Bakt vertrag veröffentlicht wird. Sehr start war in der französischen Delegation die Einschätzung der angeblichen Erschwerung der Stellung Stresemanns. Aber in Wirklichkeit befürchtete Briand von einer solchen Veröffentlichung Schwierigteiten mit feinen eigenen Nationalisten. Wenn nämlich an dem Baktentwurf Aenderungen vorgenommen werden, die deutschen Wünschen entsprechen, so würde jede solche Aenderung vom französischen Nationalen Blod der Regierung als Landesverrat angetreidet werden- ebenso wie die Deutschnationalen jede Aenderung zugunsten der anderen Seite als ein folches Berbrechen hinstellen würden. So werden die Regierungen durch die Angst vor ihren Nationalisten zur Geheimdiplomatie gezwungen. " Gegen Mitternacht dementierte die italie nische Delegation entschieden, daß die Veröffentlichung des Baktentwurfes in Mailänder Blättern erfolgen würde. Tatsächlich waren einzelne italienische Blätter, zumindestens der Mailänder Secolo im Besitz des Paktentwurfes. Angesichts der Entrüstung der Delegationen und der Bresse foll der faschistische Staatssekretär Grandi, der vielleicht dieser Indiskretion nicht fern steht, den Mailänder Zeitungen den Befehl erteilt haben, die Beröffentlichung zu unterlassen. Der faschistische Behördenapparat wurde in Bewegung gesetzt die Zenfur hätte sofort Blätter, die den Battentwurf enthalten, beschlagnahmt. So erklärt sich auch das Ehrenwort Grandis und seines Pressechefs, das sie den alliierten Delegationschefs gaben, daß kein italienisches Blatt heute das Dotument veröffentlichen würde. Auch hat der Chefredakteur des„ Secolo" hierher telephoniert, daß sein Blatt diese Veröffentlichung unterlassen würde. Man muß aber darauf gefaßt sein, daß der Entwurf jeden Augenblid, sei es in Italien, sei es anderswo während Der Diskussion in Locarno veröffentlicht wird. Nach einer anderen Version foll die Indiskretion nicht von italienischer, sondern von polnischer Seite erfolgt sein, da Bolen als einziges Land ein Interesse daran haben sollte, die Konferenz zu sprengen, um ein Resultat der Verhand lungen zu verhindern. Die deutsche Delegation hat bis 22 Uhr nachts unter sich beraten. Man behauptet, daß deutschnationale Forderungen den Gegenstand der Beratung ge bildet haben. Hier anwesende deutschynationale Bressevertreter sagen, daß der Abg. v. Lindeiner Wildau als Beauftragter der deutschynationalen Parteileitung heute hier eintreffen würde, um deren Wünsche zu vertreten. Frankreich und die Ostverträge. Offiziöse franzöfifche Meldung. Paris, 6. Oftober.( WTB.) Die„ Agence Havas" meldet aus Locarno: Nach der Ansicht der Alliierten fann der Sicherheitspakt unverzüglich ratifiziert werden, er wird aber erst in Kraft treten, wenn Deutschland Mitglied des Böllerbundes sein wird. In der heutigen Nachmittagsfihung der Konferenz legie Briand dar, Frankreich fei der Auffaffung, daß der Paft fein Hindernis dagegen fei, daß Frankreich auf die Seite Polens und der Tschechoslowatei frete, falls Deutschland zur Gewalt seine Zuflucht nähme, obwohl es mit diesen beiden Mächten Schiedsverträge abgefchloffen hätte, die von Frankreich garantiert werden müßten. Chamberlain, Bandervelde und Scialoja slimmien Briand 3. Durchschlagskraft deutscher Gegengründe anerkannt. Paris, 7. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Zu der am Dienstag in Locarno begonnenen Erörterung der Frage der franzöfilchen Garantie für die östlichen Schiedsperträge, die zweifelios den heitelsten Bunft der Berhandlungen bilden und die im Berlaufe des Mittpech vormittag Gegenstand einer Sonder besprechung zwischen Briand und Stresemann sein wird, schreibt der Sonderberichterstatter des„ Matin", es sei nicht zu leugnen, daß die ron deutscher Seite gegen die franzöfifchen Forderungen ins Feld geführten Argumente einer gemiffen Durchschlagstraft nicht entbehrten. Während der legten fünf Jahre hätten die Londoner Informationen. Die Entscheidung von Liverpool. Die Niederlage Moskaus auf dem Labourkongreh. ( Von unserem englischen Rorrespondenten.) Liverpool, 3. Oktober. Aus den nach Deutschland übermittelten Depeschen mag vielleicht der Eindruck entstanden sein, als ob die ganze viertägige Debatte des Parteitags der Arbeiterpartei nichts als eine einzige große Auseinandersetzung mit Moskau gewesen wäre. Das ist im technischen Sinne gewiß falsch. Anders als die Tagesordnungen der fontinentalen Parteien, die sich im wesentlichen bewußt auf einige wenige besonders brennende Probleme fonzentrieren, besteht die Tagsordnung einer solchen englischen Parteikonferenz aus einer Ünzahl von verschieden artigsten Fragen, die in der Form von Resolutionen einge reicht, der Reihe nach durchdiskutiert werden müssen. Auch die eben beendete Konferenz hat außer der Frage der Zulaffung der Kommunisten als Einzelmitglieder die allgemeine Politik der Partei, die Stellung der Partei zu den kolonial politischen Problemen, zu Aegypten, Indien behandelt, über bie Arbeitslosenfrage und Wohnungsnot Beschlüsse gefaßt und sich zwei Tage lang mit Finanz- und Kreditfragen, agrar politischen und Gesundheitsfragen beschäftigt. Benn dennoch nicht nur für den Leser auf dem Kontinent London, 7. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Die Morgenpreffe jondern auch für die Konferenzteilnehmer selbst die Aus verzichtet auf Kommentare und überläßt das Feld den Konferenz einanderseßung mit Moskau als die entscheidende berichterstattern, die zum Teil mangels anderer Informationen über Tatsache im Bewußtsein bleibt, so liegt das zunächst einmal die Erkrankung Stresemans drahten. Im Gegensatz zu den übrigen daran, daß feine der zur Diskussion stehenden Fragen von Blättern bezeichnet die Morning Post" die Erfranfung als eine fo unmittelbarer tief einschneidender Bedeutung für die enga durch die Wiederaufrollung der belgischen Neutralitäts- fische Arbeiterbewegung und damit für die gesamte britische frage hervorgerufene diplomatische Krankheit. Die englischen Be Innenpolitit war, als gerade diese. Es liegt aber auch daran, richterstatter erwarten übereinstimmend im Hinblick auf die daß bei der Taftit, die die Kommunisten eingeschlagen hatten, Schwierigkeiten wegen der deutschen Borbehalte inbezug auf den das Schicksal der gesamten Konferenz und jeder einzelnen Eintritt in den Völkerbund ein Nachgeben Deutschlands Resolution indirekt von dieser Entscheidung abhing. Die und erblicken in der Wiederaufrollung der Vorbehalte lediglich ein Rommunisten hatten nämlich zu jeglicher ein= deutsches Rudzugsgefecht. Zum Problem der Rückwirkung des einen Resolution, die die Erefutive dem Parteitage Battes auf die Rheinlandbelegung stellt der Times"-Korrefpondet vorlegte, eine radikalere, durch und durch kommunistische in einer deutlich inspirierten Bemerkung feft, daß Gegenresolution einreichen lassen. Der Barteitag hatte fich also nicht mur direft mit der Kommunistischen Partei, sondern Schritt für Schritt, bei jeder einzelnen Frage, sei es mun Hausbau oder Aegypten, mit der fommunistischen Me Gegenrefolutionen von einem Redner vertreten, von einem thode und Ideologie auseinanderzusehen. Da jegliche dieser zweiten statutengemäß unterstügt werden mußte, so ist es flar, daß sich der Parteitag einem ingenios ausgearbeiteten Trommelfeuer von fommunistischer Seite gegenübersah. 315 Anzeichen für eine Veränderung der alliierten Politik in der Besatzungsfrage nach Unterzeichnung des Paffes unverkennbar, jebo eine Diskussion in Locarno ausgeschlossen sei. Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" glaubt eine neue deutsche Demonstration in ber Kriegsschuldfrage in Locarno anfündigen zu sollen. Südflawien und der Anschluß. Eine bemerkenswerte Stimme. Der Gedankengang der Kommunisten war ganz offenbar der: Die Maffe der Mitglieder der Arbeiterpartei, die ranks and files", sind mit den Bonzen Macdonald. Die Belgrader. Politita" veröffentlichte fürzlich einen Snowden und wie sie immer heißen mögen, unzufrieden Artitel über die Anschlußfrage, der darum besonderes Interesse ver. dient, weil er von ihrem Berliner Berichterstatter stammt, ber, wie Sie sind durch niedrige Löhne und Arbeitslosigkeit radikali in eingeweihten Kreifen bekannt ist, ein hervorragender Diplomat fiert( für die Kommunisten sind die Massen immer ,, radika ist. Der Berfasser weist darauf hin, daß seit einiger Zeit die lisiert" im Gegensatz zu den Führern, die immer reaktionär Anschlußbewegung sowohl in Deutschland wie in Defterreich be find). Diese auf der Konferenz vertretenen, radikalisierten foners von Bertretern demokratischer und sozialistischer Massen werden also immer nach der Auffassung der koma finnungsgenollen den Anschluß nur erstrebten, um durch Machtve: des Barteivorstandes ablehnen und damit automatisch für Parteien geführt werde. Während Ludendorff und feine Gemumistischen Uebertaktiker die reaktionären Resolutionen größerung Deutschland die Revanche zu ermöglichen, seien Reichs tagspräsident Löbe und seine Mitkämpfer der Ansicht, daß der An- unfere, d. i. die kommunistischen Resolutionen stimmen, um schluß nur denkbar wäre als Folge einer aufrichtigen Berföhnung so mehr, als sie ebensowenig wie die Vertrauensleute der Geder Völker, und daß er nicht den Anstoß zu neuen Konflikten geben wertschaften merten werden, daß es sich hier um tommu dürfe. Die Kreuzzeitung" rufe den Defterreichern zu:" Noch nicht, nistische Refolutionen handelt. habt Geduld, wir sind noch nicht gefund genug. Die demokratischen Barteien aber arbeiteten für die Heimkehr Deutschösterreichs ins drücklich zu. Für die Ordnung der Verhältnisse in Europa, fagt Deutsche Reich. Der Verfasser stimmt der letzteren Richtung aus er wörtlich, fann eine solche demokratische und sozialistische Attion nur gute Folgen zeitigen. Auch für ihn ist ber Anschluß nur durchführbar auf der Grundlage einer Europa befriedenden deutschfranzöfifchen Aussöhnung, die ihrerseits zu einem Bunde der europäischen Staaten führen würde. Es ist gewiß nicht unwichtig, daß dieser Diplomat und bedeutende Journalist Südflawiens für den Anschlußgedanken eintritt. Belgische Reformen. Ein großes Regierungsprogramm. Brüffel, 7. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Der Generafrat der belgischen Arbeiterpartei behandelte eingehend die politische Lage, insbesondere das Programm der Regierung hinsichtlich der Sozialreform, das Finanzproblem, die Teuerung und die Frant. entwertung. Mertens legte die Forderungen der Gewerkschaften vor und bedauerte, daß das Barlament nicht schon mehr geleistet habe. Nady anderen Rednern sprach Arbeitsminister Wauters für alle fozialistischen Minister. Er führte zunächst aus, was von der Regierung und dem Parlament innerhalb der fünf Wochen der Herbstfesfion zu erwarten ist, nämlich ein Mieterschußgefeß, die Ratifizierung des Washingtoner Abtommens, ein Ge feb über Bleivergiftung, ein Altersrentengejek, ein Finanzgefez mit einer Steuerreform und mit einer Berdoppelung des feuerfreien Einkommens, und schließ lich, was die Regierung für fehr richtig hält, die Herstellung des unbedingten Budget gleichgewichts als ersten Schritt der Währungsjanierung. Neue Steuern im Betrage von 400 bis 500 millionen find unerläßlich. Baufdirettor Meißner enflaffen. Der stellvertretende Direktor der Thüringischen Staatsbant, Silmar Meigner, wurde aus noch unbekannten Gründen entlassen. Auf Intrigen Meigners ist bekanntlich das Borgehen gegen ben ehemaligen Direktor der Thüringischen Staatsbant 2 oeb zurüdauführen. Roch im Unter fuchungsausfang gegen Roeb beringte diese Säule des Drdnungsblods bas große Bort zu führen. Der Plan war gut, die fommunistische Regie ausges zeichnet- nur die fommunistische Psychologie miserabel. Die fauer Generalftäbler hatten sich verrechnet. Sie hatten mit der kommunistischen. Partei Großbritanniens zugeteilten Mos einer innerlich unentschlossenen Erefutive, mit einer märchenhaften Unpopularität und Intätigkeit Macdonalds gerechnet. fie hatten vor allem damit gerechnet, daß die Bergarbeiter mit ihrem tommunistischen Sekretär Cook, der ganze radikale linke Flügel der Partei, die Gildensozia listen und der überaus populäre George Lansbury zwischen den Parteivorstand und eine fommunistische Re folution gestellt, die letztere als das fleinere lebel ansehen würden. Alles dies erwies fich als falsch. Die Erekutive, burch Scarborough gewißigt, zeigte sich gerüstet. Macdonald. Schon die Rede des Vorsitzenden, die hier eine Art Programmrede des Parteivorstandes darstellt, war auf einen Ton ausgesprochener Bolemit gegen die Kommunisten stilisiert. Das war der erste Schlag. Der zweite mar Macdonald hatte sich im letzten Jahre, seit seinem Rücktritt als Ministerpräsident, mehr oder weniger im Hintergrund gehalten, er hatte im Parlament und als Versammlungsredner in den vergangenen Monaten unverkennbar den Eindruck eines müden Mannes gemacht. Als er aber in Liverpool zum ersten Male die Rednertribüne betrat, da fühlte die Verfanumfung mit einem Schlage, daß hier der alte Macdonald vor ihr stand. Der minutenlange Jubel, der ihn. umbrauste, mußte den Gegnern zeigen, daß er die Schlacht gegen die Kommunisten gewonnen hatte, ehe er nur ein Wort sprach, und nicht init Unrecht liefen die Korrespondenten der Weltpreffe zum Telegraphen, um die Wiederkehr Macdonalds" aller Welt zu melden. Die Hauptursache aber für diese unerwartete Bereit willigkeit der Masse der Delegierten und auch der„ Raditalen", auf die die Kommunisten als Brücke zum Kommu nismus fo große Hoffnung gefeht hatten, die Kommunisten fallen zu lassen, lag nicht außen, im Berhalten der Exekutive, in der Autorität Macdonalds oder anderer Führer, die sich in ben schärfften Ausbrüden gegen die tommunistische Agi tation ergingen, fondern fn efner Reatfton der Massen selbst. Sie sahen es vielleicht zum ersten Male mit voller Deutlichkeit, daß die von den Kommunisten gepredigte Einheitsfront eine Bergiftung des Verhältnisses zwischen Führern und Massen, also die denkbar größte un einigkeit, bedeuten müffe, fie fahen vor allem- und diese Erfenntnis geweckt zu haben ist mit ein Hauptverdienst der Haltung Macdonalds auf dieser Konferenz, daß der ihnen von ihren radikalen Freunden empfohlene Radikalismus eine von außen importierte Ware darstellt, die nach einem bewußten Plane der Bewegung aufoftroniert werden sollte. Nichts fonnte der kommunistischen Bewegung in Großbritannien einen tödlicheren Schlag versehen, als die plögliche Erkenntnis dieser Tatsache, die den Stolz des britischen Arbeiters verlegt und ihm weitaus größeren Eindruck macht, als eine theoretische Auseinandersehung über die verschiede nen Methoden der beiden Parteien. Eine solche Frage fonnte Hergt natürlich nicht beantworten, denn es gibt einfach keinen Punkt, wo er nicht umgefallen ist. Henning warf Hergt vor, daß die Deutschnationalen dieselbe Er Rathenau füllungspolitit mie Erzberger und trieben und daß sie mit ihrer Bolitit den Reichspräsidenten verrieten. Hergt mußte schließlich das Rednerpult verfaffen. Selbst die Anfündigung, daß die Deutschnationalen eventuell wieder zur nationalen" Opposition zurüdtehren würden, wenn Sicherheitspaftverhandlungen in Locarno ohne Berücksichtigung ihrer unveräußerlichen Vorbehalte erledigt würden, fonnte Hergt nicht von die Erregung der Versammlung schützen. So fallen die Demagogen jelber in die Grube, die fie anderen glaubten graben zu können. Auf der Spur der Fememörder. Weitere Verhaftungen. die Die Berfiner politische Polizei hat im Laufe des Dienstag im Sobald der Kongreß fühlte, daß er hinters Licht geführt zusammenhang mit der Aufklärung der Fememorde weitere werden sollte, sobald er den Charakter dieser Entschließungen in ihrem wahren Lichte fah, lehnte er mit einer nicht zu über- erbaftungen vorgenommen. Zunächst wurde ein Mitglied bietenden Entschloffenheit diese Gegenrefolutionen eine nach des früheren Regiments Senden namens Guttnecht verhaftet, der anderen ab, unbekümmert darum, ob er sich damit mit fowie ein Oberleutnant Ebersbach, der im Oktober 1923 ein Attentat auf General von Seedt geplant haben soll. Auch in Schwedem Gewerkschaftskongreß in Widerspruch setzte oder nicht. rin wurden in den letzten Tagen mehrere Berhaftungen vorgenom men, die mit der Femeorganisation der Rechtsradikalen in Berbindung stehen. Die beiden Verhafteten Ebersbach und Gutfnecht gehörten einst der Brigade Ehrhardt an des So ist Liverpool mit einem Schlag zu einem Wende puntt in der Geschichte der britischen Ar= beiterbewegung geworden. Die Konferenz stellt den Beginn bewußten Klärungsprozesses zwischen Sozialisten und Kommunisten dar, jenes Prozesses, der hier aus einer Reihe von äußeren und inneren Gründen so lange verzögert worden ist. Aber es ist erst ein Beginn, nicht der Abschluß. Denn wenn nicht alle Anzeichen trügen, fo wird nunmehr von den als Partei und als Einzelmitglieder ausgeschloffenen Kommunisten ein Ringen einsetzen, teils über die Ortsgruppen, in denen fie fich bis jekt gehalten haben, teils über ihre Gewerkschaften, die als Ganze ja befanntlich Mitglieder der Arbeiterpartei sind, weiter ihren Einfluß auf die Partei auszuüben und weiter auf diesem Wege ihre Bertrauensmänner für Funktionen in der Labour Party vorzuschieben. Gewiß, der Kongreß hat auch hier Riegel vorzuschieben versucht, aber die besondere Organisation der Labour Party als einer größtenteils aus Gewerkschaften zusammengesetzten Rahmenpartei, macht die organisatorische Durchführung dieser Beschlüffe nicht leicht. Schon hat außerdem, entgegen den Beschlüssen des Kongresses, die Kommunistische Partei Großbritanniens die Parole Hinein in die Ortsgruppen der Labour Party" für ihre Mitglieder ausgegeben und damit ganz offen einen Borstoß zur Unterhöhlung des Parteitagsbeschlufjes gemacht. Die Kommunisten werden versuchen, eine Revolte der lokalen Ortsgruppen, in denen fie die Kontrolle ausüben, gegen die Partei zu inszenieren und gleichzeitig die Gewerkschaftstollegen unter Appell an die Klaffensolidarität gegen die wörtliche Durchführung des Beschlusses scharf zu machen suchen. Niemand fann nach Liverpool zweifeln, daß dies Ringen schließlich mit einer Niederlage der Kommunisten enden wird. Aber man darf sich auch darüber nicht täuschen, daß es einen schmerzlichen, erbitterten, vielleicht sogar verIuftreichen Kleinfrieg geben wird, ehe es gelingt, den letzten Kommunisten aus der Arbeiterpartei zu entfernen. Hergt in Nöten. Wann fiel er nicht um? 道 Immer heftiger werden die Auseinandersetzungen unter ben Deutschnationalen und zwischen ihnen und den Bölfifchen. Der tebauernswerbe Hergt( Hier stehe ich, ich kann nicht anders!) Sprach in Elberfeld in einer Berfamlung, zu der die Völkischen start erschienen waren. Er wurde dauernd unterbrochen. Besonders stürmisch ging es in der Bersammlung zu als der Abg. Henning an Hergt die Aufforderung richtete, doch einmal einen Punkt der Polifit zu nennen, wo er nicht umgefallen fei. Der Optimist. Bon Paul Gutmann. Im Rundfunt und in der ihm verwandten Presse lebt noch voraugsweise jener Glaube, der bekanntlich Berge verlegt, dieweil sonit nicht mehr viel zu versehen ist. Ansonsten giebt es von Zeit zu Zeit eine Gauperfammfung, eine Denkmalsenthüllung andere Enthüllungen gelten als Bandesverrat eine Interessentenkonferenz, und überall ertönt als Einleitung die innige Baßstinnne jenes Mannes, der den Glauben an die Zukunft hochhält. Es ist immer ein anderer und scheint doch immer derfelbe. Der Platz, auf dem er steht, ist der Gemeinplay. Boll Siegesbegeisterung schwingt er stolz die Fahne des Ideals. Er tennt als Politiker zwar nur Gegen fage: schwarz und weiß. Aber wenn er voll und ganz seine Glut ausströmen darf, so tommt noch ein beuchtendes Rot hinzu. 3u einer richtiggehenden nationalen Tagung gehört der Optimist wie die Mufit zum Film. Wenn hier die gierige Fauft des Verführers die zarte Mädchenblüte knickt, so versöhnen uns die süßen Klänge einer Opernarie. Im Kampf ums Dasein eines Raffezüchtervereins macht der Optimist Laune, und im Del seiner Beredfamkeit glätten sich alle feindseligen Strömungen. Er zieht in tiefer Weisheit das Nichts jagende der verlegenden Deutlichkeit vor. Rofig malt er die Zukunft und verschweigt tattvoll die rauhe Gegenwart. Im Krieg nannte er eine verlorene Schlacht zarifühlend eine Zurücknahme der Front. So hat er für das infame Wort: Klassenfampf den bescheidenen Ausdrud: Meinungsverschiedenheit. Alles läßt sich nach seiner Meinung überbrücken. Seine Weltanschauung ähnelt jener, die auf dem Münchner Obelisten in Erz gemeißelt ist. Da heißt es von den vielen tausend Landestindern, die, vom König an Napoleon ausge liefert, in Rußlands Schneewüften umgekommen waren: Auch sie starben für das Baterland." Ja, das Baterland ist des Optimisten Meblingsdomäne. Für das Baterland het er sein Thema zu Tode; für das Baterland baucht er seine letzte Phrase aus. Auf den Geigen, von denen sein Himmel voll ist, spielt er patriotische Weisen und andachtsvoll lauscht er der inneren Stimme, die alles gutheißt. Sein Auge glänzt, feine Lippe ist feucht, sein Plastron und sein Bauch find edel gerundet. Jede beffere Bereinigung, die etwas auf sich hält, jede stramme Ortsgruppe hat ihren Optimisten. Er ist der goldstrogende Portier, der Vertrauen einflößt und Schlechtangezogene zurückhält. Optimis mus ist nur etwas für Gutgefleidete und solche, die es werden wollen. Er ist staatserhaltend und hält daher üble Manieren und Kritik fern. Wo der Optimist seines Amtes waltet, da herrscht von vornherein ein guter Ton. Der Optimist geht daher immer mit dem Erfolg. Erfolglose, Bechvögel find Beffimiften. Deshalb trieft seine Beredsamkeit vor banter Wohlwollen für alle diejenigen, die etwas erreicht haben. Neue Morde in Mecklenburg. leber einen politischen Mord in Mecklenburg, dem am Tage vor der Reichspräsidentenwahl ein zwanzigjähriger Butsinfpettor Schramm vom Rosenhof bei Feldberg zum Opfer fiel, berichtet die Boffische Zeitung": Schramm, der der Sozial demokratischen Partei nahestand, trat nach einer politischen Auseinandersetzung mit dem Sohne seines Gutsbefizers und einem Gärtner den Heimweg an, wurde aber in derselben Nacht ermordet. Mehrere Zeugen find dafür vorhanden, daß sich der Gärtner am anderen Morgen von Blutspuren reinigte. Der Gutsbesizer Lempte, bei dem Schramm tätig war, meldete als Amtsvorsteher den Erschlagenen erst nach vier Tagen als„ Der mißt. Eine Untersuchung durch die Gendarmerie brachte teine Aufklärung. Anfang Auguft wurde die Leiche dann in einem Gleichzeitig wurde in benachbarten See gefunden einem Haferfeld eine Stelle entdeckt, wo die Leiche ausgegraben worden sein muß. Alle Verdachtsgründe sprechen für einen Mord, dennoch wurde die Leiche ohne gerichtliche Untersuchung freigegeben. Niemand vom Gute wohnte jedoch der Beerdigung bei. Am Sonntag wurde in der Nähe des Bahnhofs Glauchau in Sachsen die Leiche eines jungen Mannes gefunden, deffen Hände gefesselt maren. Auch hier rechnet man mit einem politischen Mord. Der Tote war Mitglied des Roten Frontfämpfer bundes. Um das Reichsschulgeset. Zentrumsstimmen. Köln, 7. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Die starte Entrüstung. die der Entwurf zum Reichsschulgesetz in den lintsorientierten Boltsschichten und Barteien hervorgerufen hat, zwingt munmehr auch die 3entrumspresse, die bisher zu dem Entmurf nicht viel zu fagen mußte, zur Aufgabe ihrer Zurüdhaltung. In einem längeren Artikel sucht am Mittwoch vormittag die Röl nische Boltszeitung" den Entwurf zu verteidigen, indem fie u a schreibt: Niemand würde es. aufrichtiger beflagen als die Zentrums partei, wenn wirklich die Berhandlungen über den Reichsschulgesetzentwurf einen wilden Schultampf entfeffeln sollten. Aber es steht nicht in unserer Macht, ihn dem deutschen Volk zu ersparen und nicht uns wird die Verantwortung treffen, wenn er ausbricht. In einem so zerrissenen Volt, wie es das unfere ift, fann der tunere Frieden nur bestehen, wenn alle darauf verzichten, einander Gewalt anzutun. Er wird nie wünscht den Schuftampf nicht herbei, Aber es ist sicher, daß es ihn, wenn er ihm aufgezwungen würde, nicht zu fürchten hätte. Vor Drohungen weicht es nicht zurüd; einschüchtern läßt es sich nicht. Es ist. zur Verständigung bereit. Es ist gewillt, jedem zeugung entspricht. Dies allein ist wahre Demokratie. Ein BolksTeil des deutschen Volkes die Schule zu geben, die feiner ueberstaat ohne Gewissensfreiheit wäre nur eine traurige Rarifatur." Diese Berteidigung täuscht nicht darüber hinweg, daß der vom Innenminister deutschnationalen eingebrachte die Entwurf Staats- Schulhoheit verlegt, indem die Schule der Kontrolle der Kirche ausgeliefert wird. Die Sozialdemokratie wird jedenfalls nichts unterlassen, um diesen die Reichsverfassung gründlich verlegenden, Entwurf so schnell wie möglich zu Fall zu bringen. Gemeindewahlen in Pommerellen. Die Mandate der Deutschen. Danzig, 7. Oftober.( TU.) In den verschiedenen Städten haben deutsche Liften folgende Mandate erhalten: in Thorn Don 42 Gizzen 4, in Culmsee von 30 Mandaten 2, in Meme von der Kaufleute und Handwerker, zu denen die Deutschen zu rechnen 12 Sigen 2, in Culm von 36 Sigen 3, in Tuchel hat die Lifte find, von 18 Mandaten 3 erhalten. In Schulig errangen die Deutschen und Sozialisten die Mehrheit mit zusammen 9 Sizen. In Fordon erhielten Deutsche und Juden 3 Mandate, in Nakel errangen die Deutschen 1 Mandat. Sonntag wählt Bromberg. Hohenzollern in Not. Sie prozeffieren zwar mit dem Staate sehr eifrig, sie jammern wie alle Großagrarier über die schlechten Zeiten, aber das Geld scheint bei ihnen doch nicht auszugehen. Wenigstens nicht bei dem Brinzen Sigismund von Preußen auf Haus Glienidė bei Potsdam. Im Auguft d. 3. gab er nicht weniger als 6783,65 Mark für Perserteppiche aus. Die Landwirtschaft wirft also erheblich Ueberschüsse ab. Von dem Betrag, den der Hohenzollerprinz in einem Monat für seine Teppiche ausgibt, leben andere Familien jahrelang. Die Hohenzollernprinzen scheinen jedenfalls feine Not zu leiden. Durch den Widerstand aller bürgerlichen Parteien gegen eine reichsgesetzliche Regelung der Abfindung unserer ehemaligen Botentaten sind die Herrschaften imstande, ein offenbar sehr sorgenfreies Leben zu führen. Hohenzollern in Not! Flaue Börse. Die gestrige feftere Haltung konnte heute nicht behauptet werden. Man glaubt die Nachrichten aus Locarno ungünstig ansehen zu müssen, auch verstimmen die Extrawünsche Thyssens, die bereits weitere Werte zu neuen Forderungen angeregt haben. Im übrigen werden dauernd Wünsche und Gerüchte über großen Geldbedarf in der Industrie laut. Die Geschäftstätigkeit war heute minimal, die Tendenz einheitlich matter als im weiteren Berlaufe auf Grund der ermäßigten Kurse holländische und englische Räufe vorgenommen wurden, trat eine fleine Befestigung ein, die sich namentlich auf Montanaftien und hier wieder auf Phönig richtete. Die Montanaftien lagen zu Beginn sämtlich bis zu 2 und 2% Proz. matter, oberschlesische Werte dagegen verhältnismäßig widerstandsfähig, vor allem Schlesische Zink und Laura. Phönig im weiteren Verlaufe gebeffert. Kaliaktien bis zu 1% Proz. nachgebend, auch Farbaftien abbrödelnd, nur Riedel behauptet. Bon Elettromerten fonnten sich Accus und Deutsch- Atlanten befestigen, sonstige Industrieaftion lagen stiller und nachgebend, Sarotti feft. Der Rentenmarkt ist für heimische Werte etwas freundlicher, Ungarn vernachlässigt. Der Geldmarkt ist leicht, aber zu veränderten Säßen. Seitens der Berkehrskreditbant mird täglich Geld zu 8½ Proz. an die Großbanten gegeben. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen mit Griechenland find unterbrochen, wie aus Belgrad gemeldet wird. Ueber die Ereignisse, besonders über die Verhängung des Belagerungszustandes fönnen feinerlei Mitteilungen hierher gelangen. Tschiffcherin, der am Dienstag mit Botschafter Krestinski Hindenerrungen und behauptet werden, solange die Gewissensburg besucht hat, geht zur Kur nach Meran im faschistisch gefnechtefreiheit nicht unbedingt respeffiert wird Das Zentrum ten Südtirol Aber man braucht mer mit ihn Hurra zu rufen, fo wird alles gut werden. Jubel umbrauft überall den Optimisten. Bie gut muß unsere Sache stehn, sagen die Kandidaten jeglicher Pleite, wenn dieser Mann se vom Gegenteil überzeugt ist. Dafür wird er bezahlt, mit Bier beföftigt oder beglückwünscht. Sein Name wird dereinst gerühmt, auch wenn er der schlechteste Musikant gewefen ist, als der eines Mannes, der Sonne im Herzen hatte. Ein griechisches Pompeji. Die Akademie der Arbeit in der Universität Frantfurt a. M. hat am 1. Oktober thren fünften Lehrgang eröffnet. An diesem Lehrgang nehmen 60 Hörer teil. Bon ihnen find 41 vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund entsandt und zwar auf Grund des Kulturbeitrages", den die freien Gewerkschaften seit einigen Monaten von ihren Mitgliedern erheben. Drei Hörer hat die Stadt Frankfurt aus den Reihen ihrer Arbeiter, Angestellten und Beamten entsandt. Zwei Hörer nehmen an dem Lehrgang teil auf Grund eines naffauischen Stipendiums. Die 14 übrigen Hörer fommen aus eigenen Entschlüssen und auf eigene Berantwor tung, allerdings erhalten die meisten Studienbeihilfen von Städten, Ländern, Provinzen und Boltsbildungseinrichtungen; so gewährt zum Beispiel der Landeshauptmann in Schleswig- Holstein drei hörern bedeutende Stipendien Die christlichen Gewerkschaften haben auch in diesem Jahr auf eigene Roften tommen, 5 christlichen Verbänden oder Bereinigungen an. Besonders zu begrüßen ist es, daß sich 5 Frauen unter den diesjährigen Hörern befinden. Die Leitung des fünften Lehrgangs liegt in den Händen von Herrn Dr. Ernst Michel. Entdeckung jüdafrikanischer Wüstensiedelungen. Nach seiner Rückkehr nach Johannesburg von einer Expedition zu dem Gebiet des ausgetrockneten Sees in der Kalahari- Wüste erflärte Professor Schwarz, daß er bisher unbekannte Ortschaften und weite Strecken fruchtbaren Landes entdeckt habe. Man stellte bei diesem Erfundungsverstoß am Sambesi entlang fest, daß der ausgetrocknete Ngani- See heute eine große, mit Gras bededle Ebene bildet, auf der zahllose Rinderherden leben. Die Expedition folgte in Einbaumbooten dem Laufe des Botletli- Flusses. Der Walb jei im Absterben begriffen und mache Dornbüschen Platz. Die Bevölkerung der Flußufer gehöre zu dem großen Etamme der Matalakas, der nicht afrikanischen Ursprunges, jondcin vermutlich ein Zweig der Safal vas auf Madagaskar fei. Diefe Stämme bewohnten zahlreiche Dörfer, umgeben von riesigen Reisfeldern. Manche dieser Siedelungen seien von bedeutender Größe und eine davon habe einstmais den Einfuhrhofen zum Ngani- Land gebildet, von dem regel mäßig große Barten zu dem jezt ausgetrodueten Ngani- See vertehrten. Das Theaterquartier, das von der französischen Archäologischen Schule in Athen auf Delos ausgegraben worden ist, befigt für die Erkenntnis des altgriechischen Alltagslebens eine einzigartige Bedeutung Nirgends sonst in Griechenland ist ein fo voll- offiziell teine Hörer entsandt. Doch gehören von den Hörern, die ständiger und gut erhaltener Kompler von Gebäuden ausgegraben worden, der ein durchschnittliches Wohnviertel einer altgriechischen Stadt darstellt. Mit vollem Recht hebt daher Chamonard in seinem Wert, das er dem„ Theaterquartier" jezt widmet, hervor, daß dieser delische Stadtteil für unsere Anschauung vom griechischen Hause in der hellenistischen Epoche, also im 3. und 2. vorchriftlichen Jahr hundert, die gleiche Bedeutung hat wie Pompeji, für unsere Kennt nis des römischen Hauses im 1. nachchrijftlichen Jahrhundert. Zwar hat das Theaterquartier nicht die Ausdehnung von Pompeji; die Wohnungen, die hier freigelegt wurden, find weniger prächtig und haben nicht den reichen Schmud; aber für die Archäologie sind sie nicht weniger wertvoll, denn sie liefern ein unerschöpfliches Material für die griechische Privatarchitektur, für unsere Anschauung davon, wie die Griechen der spätklassischen Zeit lebten. Wir fannten ja bisher eigentlich nur das Griechenland der Tempel, der Theater und Statuen. In welcher Ilmgebung sich der Durchschnittsgrieche jener Tage bewegte, wird uns erst durch dieses griechische Pompeji" flar. Ein Besuch von Delos führt uns in diesen Alltag der klassischen Zeit ein und zeigt uns die Unimelt, in der der Durchschnittsgrieche feinen Geschäften nachging, die Straßen, durch die er Tag für Tag ging, das Haus, in das er zurückkehrte, nachdem er an einem Opfer im Tempel oder an einer Borstellung im Theater teilgenommen. Der Rahmen seines häuslichen Lebens wird uns hier enthüllt, und wir fönnen uns im Anblick dieser Steine, dieser unveränderten Mosaiken, der mancherlei Zeichen der Benutzung dieser Häuser, das intime Leben der Griechen vor 2000 Jahren, ihre stillen Freuden und Leiden, ihr Dasein im Schoß der Familie" vergegenwärtigen Das ist ein sehr viel bescheideneres und nüchterneres Bild, als das jenige, das die großen Tempelstätten von Delphi und Olympia, das die athenische Afropolis mit ihren Burgen und Palästen offenbart. Chamonard hat in feinem Wert alle Einzelheiten über das griechische Haus zusammengetragen und schildert die Anordnung der einzelnen Zimmer, die hygienischen Anlagen, die Einrichtung der verschiedenen Etockwerke, die Wasserzufuhr, die Fragen des Verschlusses der Tore und Türen usw. So bringt er uns die Zeit der griechischen Klassit menschlich näher und erschließt uns eine neue, stille und intime Welt aus diesem„ griechischen Pompeji". Die Boltsbühne bereitet für die Spielzeit 1925/26 folgende Uraufführungen bor: Herzog Theodor von Gothland" von Grabbe, Das trunkene Schiff" von Baul Rech, Der befreite Don Quichotte" von Lunatscharsti. Außerdem schweben Berhandlungen mit Alfons Paquet, Rolf Lautner und Marcel Achard über Aufführungen ihrer jüngsten Berke. Die Jurnfrele Kunstschau am Lehrter Bahnhof ist täglich von 10 bis 4, an hellen Tagen bis 5 Uhr nachmittags geöffnet. Vorträge. Statt Gerhart Hauptmann bat Thomas Mann den erften diesjährigen Dichterabend des Berbandes Deutscher Erzähler übernommen, und zwar für Montag, den 19. Dtt., 8 Uhr, im Herrenhaufe. eingeladen, wieder in Deutschland zu fonzertieren. Scholander wird an Der Bund Deutscher Gitarren- nud Lautenspieler hat Sven Scholander läglich des 6. Musikfestes dieser Bereinigung am 10. Dtober im Meifterfaal spielen. Die Denksthrist Dr. Drauns. Das Reichsarbeitsmiuisterium zu der Aktennotiz. Man mag von der Aktennotiz des Dr. Mesisinger ein ziemliches Teil auf Konto der Betriebsamkeit und nicht geringen Selbstgefällig- keit dieses Herrn setzen, es bleibt immer noch ein erheblicher Rest peinlich zu trogen iibng� Das Reichsarbeitsministerium hatte sich zweifellos der Lohnpolirik der Regierung angeschlossen, die ihr von dem Unternehmertum suggeriert wurde und die darin bestand, Lohnerhöhungen zu verhindern. Die als Gegengewicht gedachte Preisabbauaktion läßt sich jetzt in ihrem Ergebnis so zieinlich überblicken! es bestätigt vollauf— gelinde gesagt— die starken Zweifel, denen die Ankündigung des Preisabbau» von vorn- herein begegnen mußte. Und solange im Reichsarbeitsministerium noch Schiedssprüche möglich sind, die im Braunkohlenberg« bau eine zehnstündige Arbeitszeit und eine zwölf- stündige Schicht zeit zulassen, solang« kann sich diese» Mini- sterium zum Schutze der Arbeiter in Arbeitnehmerkreisen keine besonderen Sympathien erwerben. Die„Aktennotiz" hat das Mißtrauen der Arbeit- nehmerschaft gegen die Tätigkeit des Reichsarbeitsministeriums nicht erst hervorgerufen, sie Hot vielmehr dem Faß den Boden vollends ausgeschlagen. Diese Aktennotiz ist insofern zu begrüßen, als sie den G e w e r k s ch a f t e n einmal Gelegenheit gab. über die Wirksamkeit des Arbeitsministeriums ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen, wie auch dem Reichsarbeitsmini- sterium sein Verhalten zu erklären, was m der D e n k s ch r i f t ge- schehen ist. aus der wir hier das Wesentliche wiedergaben. In der Frage der Lohnpolitik betont der Minister in der Denkschrift, stets den Standpunkt vertreten zu haben, daß es in er st er Linie Sache der Gewerkschaften und der Arbeit- gebervereinigungen sei, sich über die Löhne und sonstigen Arbeits- bedingungen zu verständigen. Nur wo eine solche Verständigung nicht gelinge oder eine Partei zu schwach sei, um die notwendige soziale Gestaltung der Arbeitsbedingungen durchzusetzen, greife das Ministerium ein. Dabei beschränke es sich zunächst aus Bestellung eines Schlichters. Die Unabhängigkeit der Schlichter be- zeichnet der Minister als besonders wichtig. Deshalb seien in Fällen, in denen das Ministerium schon vorher mit der zu schlichtenden Angelegenheit befaßt war, absichtlich vom Ministerium unabhängige außenstehende Personen zu Schlichtern bestellt worden, so insbesondere auch bei dem Arbeitskampf im B a u g e- werbe. Ständige Fühlung mit Arbeitgeber- und Ar- beitnehmerkreisen sei zulässig und zur Infor- mation notwendig. Das Ministerium habe sich n i e m a l» all- gemein gegen Lohnerhöhungen ausgesprochen, sondern jede wirtschaftlich tragbare Verbesserung(!) de: Arbeitsbedingungen begrüßt und sich im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen für den Schutz derwirtschastlich Schwächeren eingesetzt. Auch in den letzten beiden Monaten haben nach einer vom Minister beigefügten Uebersicht Schiedssprüche oder Eini- gungen im Reichsarbeitsministerium fast durchweg Lohner- höhungen, und zwar zwischen 3 und tll Proz., erbracht. Wa« die vom Reichsarbeitsministerium in den letzten Monaten ausgesprochenen Verbindlichkeitserklärungen betrisst, so werden folgende Zahlen angegeben: Im September haben in sieben Fällen die Arbeitnehmer, in sechs Fällen die Arbeitgeber Verbindlichkeit beantragt; in vier Fällen wurde Einigung er- zielt. Drei Arbeitgeber- und zwei Arbeitnehmeranträge wurden abgelehnt, je zwei Anträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern würde stattgegeben. Die in den letzten Monaten für verbindlich er- klärten Schiedssprüche bringen Lohnerhöhungen bi» zu 8 Proz. Auch die Begründung der Entscheidungen wende sich nirgends allge- mein gegen Lohnerhöhungen und niemal» sei Material dieser Art an die Arb eitgeberverbände gesandt worden. Auch abgesehen von den angeführten Beispielen der Verbindlichkeftserklarung von Schiedssprüchen habe sich die Stellung de» Ministerium» zu dies« Frage nicht geändert. So wünschenswert fortschreitende Selbstverantwortung und freie Verständigung der Parteien sei, so könne, zumal die Parteien selbst wirksam« Tarifinstanzen leider nicht geschassen hätten, eine G e- setzesänderung in der Richtung einer Preisgabe der Verbind- lichkeitserklärung nicht erfolgen. lieber die viel erörterten Schlicht erbesprechnngen sagt der Minister, sie seien nach der Schlichtungsordnung zulässig und in der Praxis notwendig. Die Schlichter müßten sich über recht- lich«, soziale und wirtschaftliche Fragen, das Ministerium über die Anregungen und Erfahrungen der Praxis unterrichten. Heber die Wirtschaftsfragen werde regelmäßig vom zuständigen Sachbe- orbeiter des Reichswirtschaftsministeriums«in Dortrag gehalten, auch seien Vertreter der Sozialministerien der Länder zugegen. Schon die Größe des Teilnehmerkreises, zu dem auch gelegentlich die Spitzenoerbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehört haben, schließe eine unzulässige Beeinflussung der Schlichter au«. Totsächlich seien bindende Anweisungen in lohnpolitischen Fragen niemals gegeben worden. Sehr ausführlich be- handelt der Minister dann die Fragen der Arbeilszeilgefetzgebanz-- und der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens. Der Stand- punkt der gegenwärtigen Reichsregierung fei unverändert der gleiche wie derjenige des früheren Kabinetts. In Bern fei zwischen den Arbeitsministern von Frankreich, Belgien und Deutschland die Ratifizierung nicht vereinbort worden. Man habe damals nur ge- meinsam den Eindruck festgestellt, daß es möglich sein würde, zu einer gemeinsamen Ratiftzierung zu gelangen. Tatsächlich habe nur Frankreich ratifiziert, aber unter der Bedingung, daß auch Deutschland ratifiziere, wobei man in Frank- reich sehr gut wisse, daß Deutschland ohne England und Belgien nicht ratifizieren kann. England aber, wo ja inzwischen ein Regierungswechsel eingetreten ist, Hobe die Absichi der Ratifizierung nicht mehr erkennen lassen. Inzwischen habe das Ministerium all« nach dem Personal- a b b a u noch verfügbaren Referenten des Ministeriums und der Reichsarbeitsverwaltung für eine befriedigende deutsche Rege» lung eingesetzt. Einmal handelte es sich darum, die Arbeiten zur Durchführung des§ 7 der Arbeitszeitoerordnung zu fördern. Der Reichswirtschafterat wurde am 9. Oktober 1924 gebeten, die ol- besonders dringlich erachtete Regelung für Hochösen- und Kokerci- betriebe vorweg zu erledigen. Nach mehrfachem Drängen des Ministeriums habe es am 10. Januar 19ZS das Gutachten des Reichswirtschaftsrates erhalten und am 20. Januar 192S die Der- ordnung über die Arbeitszeit in Hochöfen und Kokereien erlassen. Da» Ministenum habe mit den Landes- regierungen vereinbart, daß von der Besugins des Inkrafttrelcns aus Artikel 2 der Verordnung f|ar kein und von behördlichen Aus- nahmedewilligungetz nur ein möglichst sparsamer Gebrauch gemacht werden soll. Dem sei auch entsprochen worden. Für die endgültige Regelung der Arbeitszeitgcsetz- g e b u n g habe das Ministerium die Mitarbeit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem paritätischen Ausschuß angestrebt. Als dieser endlich zustande gekommen sei, hätten die Arbeitgeber sich auf den Standpunkt gestellt, man könne an eine endgültige gesetzliche Rege- lung erst herantreten, wenn die vollen Auswirkungen des Dawes- Planes sich übersehen ließen. Schließlich habe sich gezeigt, daß die gesetzliche Regelung nicht auf die reinen Arbeitszeitoor- schriften für erwachsene männliche Arbeiter be- schränkt werden könne, sondern daß man die besonderen Arbeitszeit- beschränkungen für Frauen, Jugendliche und Kinder mit einarbeiten müsse, wie auch die Vorschriften über Sonn- t a g s r u h e. Das geplante Arbeikszeikgessh soll zu einem vollständigen Arbeiterschutzgesetz ausgestaltet werden, das mit dem Wust der jetzt in Gewerbeordnung, Ausführungsver- oldnungen, Kinderschutzgesttz, Demobilmachimgsverordnungen und Arbeitszeitverordnung zersplitterten Bestimmungen reinen Tisch mache und eine einheitlicheRegelungdes gesamten Arbeiter- schütze?«inschließllch der Arbeitszeit bringe. Die Arbeiten seien mit äußerstem Nachdruck und ohne Rücksicht auf die Urlaubszeit gesördert worden. Mehr als 60 Sitzungen haben dazu stattgcftinden, der Minister selbst habe die Arbeiten dauernd überwacht. Der Ministerialdirektor Sitzler habe noch elbst am 17. August 1926 nach Ausweis der Akten seinen Vertreter christlich beaustragt, die' Arbeiten beschleunigt und umfassend zu ordern, dazu ins einzelne gehende Anweisungen gegeben und mit >en Worten geschlossen:»Bei der Wichtigkeit des Arbeiterschutzgesctzes müssen sonstige Arbeiten unbedingt hinter diesem zurücktreten.. Tatsächlich liege zurzeit bereit» ein abgeschlossener Kom- missionsentwurf vor, der allerdings noch eingehender Nach- Prüfung bedürfe. Der Minister schließt mit dem Hinweis,„daß sich da» Reichs- arbeitsministerium In all seinen Teilen auch heute noch mit derselben inneren Ueberzeugung und mit der gleichen Unparteilichkeit s ü r den sozialen Fortschritt einsetze, wie es das seit jeher getan habe". Neben dieser Darstellung des Ministsrs geht den Gewerkschaften noch eine ausführliche Mitteilung des Ministerialdirektors Sitzler zu, in der er im Anschluß an die von den Gewerkschaften ousge- stellten 22 Fragepunkte den tatsächlichen Inhalt seiner Unter« redung mit Dr. Meißinger und dessen Mißverständ- nisse im einzelnen klarlegt. Das Ministerium versichert, es habe sich für jede wirtschaftlich tragbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt. Hier taucht die Frage auf die den Kern der Dinge berührt. Wa» ist wirtschaftlich trogbar? Wer zieht den Rahmen des wirtschaftlich Möglichen? Für die Unternehmer ist die Lohubelastung, die Sozialbclostzing, Ist längst alles untragbar, was irgendwie den Profit beengt. Schließlich kommt es doch aber auch mit darauf an. was für die Arbeiterschaft tragbar ist. Auch darauf muß wähl oder übel Rücksicht genommen werden. Der deutsche Arbeiter kann sich nicht zu dem Experiment der Unternehmer gebrauchen lassen, zu erproben, mit wie wenig Lohn er noch vegetieren kann. Bezeichnend ist. daß das Ministerium extra versichern muß. es Hobe sich nicht allgemein gegen jedwede Lohnerhöhung go wandt. In Fällen, in denen selbst die Unternehmer einsehen, daß r« nicht ganz ohne eine Zulage davonkommen, wird es nicht gut möglich sein, die Lohnforderung prinzipiell abzuweisen. Es kommt auf die Fälle an, in denen die Unternehmer sich absolut weigern, eine Lohnerhöhung zuzugestehen. In dem trüben Kapitel der Z w ö l s st u n d e n s ch i ch t an Hochöfen und in Kokereien sei nur aus die Entscheidung des Oberbergamts Breslau hingewiesen, das die Der- Ordnung des Re'.chsarbeitsministcrs für die oberschlesische Montan- industrie„aus Gründen des Gemeinwohls" einfach außer Kraft setzte, den Z e-h n st u n d e n t a g bi» Ende d. I. verlängerte. Wir hoffen, daß durch da» angekündigte Arbeitszeit- bzw. A r b e i t e r s ch u tz g e f e tz die Frage der Arbeitszeit in absehbarer Zeit eine befriedigende Regelung findet. Im übrigen wird durch die fernere Tätigkeit des Reichsarbeitsnnnisteriums, dessen schwierige Stellung nicht verkannt werden soll, dos Mißverständliche der Aktennotiz zu erweisen sein. Die Setrugspartel. Ein Urteil aus dem eigenen Lager. Den vielen Grüppchen der Rechtsparteien im Berliner Rat- Haus, die meistens noch in den politischen Babyschuhen einher- trippeln, passieren zuweilen so kleine Molheurchen. Zum Beispiel ist da der Wahlvorschlag„Deutschnatiönaler Bund der Hauswirte" von dem deutschnationalen Stadtwahlleiter Dr. Richter beanstandet worden,„weil er eine Irreführung der Wähler der Deutschnationalen Volkspartei befürchtet". Nun, man kann die Bedenken des Herrn Richter verstehen; er hat ja schließ- lich Ursache dazu. Denn wenn selbst die Hausbesitzer nicht mehr mitmachen, wer wählt denn noch deutschnational. Das wird auch ebenso treffend wie liebenswürdig in einem Protest des Bundes der deiiischnationolen Hauswirt« an das Hauptwahlamt Berlin er- örtert. Wir lassen das klassische Schreiben, unter Weglassung einiger unwesentlicher Stellen, im Wortlaut folgen: Berlin, den 6. Oktober 1925. An das Haupt wahlamt Berlin Berlin T., Rathaus, Zimmer 16. Auf das Schreiben vom 5. Oktober erwidere ich ergebenst folgendes: Der Siadtwohlleiter hat das Kennwort unseres Wahl- oorschlages:„Deutschnationaler Bund der Hauswirte" beanstandet, weil er eine Irreführung der Wähler der Deutschnationalen Volks- Partei befürchtet. Das Wort �Deutschnational" soll geeignet sein, diese Irreführung herbeizuführen. Wir bestreiten, daß ein normal veranlagter Wähler nicht imstande sein soll, die Bezeichnungen „Deutschnationale Volkspartei" und„Deutschnationaler Bund der Haus wirte" zu unterscheiden und sind der Ansicht, daß es heißt, die deutschen Wähler geradezu beleidigend minderwertig ein- zujchätzen, wenn man ihnen dieies Unterscheidungsvermögen ab- spricht. Wer das nicht unterscheiden kann, kann überhaupt nicht lesen und nicht schreiben und das deutsche Boll besteht doch nicht aus lauter Analphabeten. Die Deutschnationale Volkspartei hat kein Monopol oder Prioritätsrecht auf das Wort„Deutschnational", sie ist auch nicht die erste gewesen, die dieses Wort benutzte, sondern schon 20 Jahre früher gab es einen Deutschnationalen Handlungs- gehilfenverband.... Als die Sozialdemokratische Partei sich spaltete in Sozialdemokratische Partei Deutschlands und in Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, hat niemand diese Kcnnworte dieser Parteien beanstandet, trotzdem sie in der Tat sehr ähnlich klingen. Sollten wirklich die deutschnationalen Wähler beschränkter sein als die sozialdemokro- tischen??? Bei der letzten Reichstagswahl gab es nicht weniger als drei Auswertung?- und Aufbauparteicn und diese Bezeichnungen wurden nicht beanstandet. Diesmal gibt es eine Wirtschastspartei des deutschen Mittelstandes und eine Deutsche Mittelstandspartei. Das sind sehr ähnliche Bezeichnungen.... Bei unserem Kenn- wart ist lediglich das Wort.deutschnational" gemeinsam, alles andere ist verschieden!!! Wer das nicht unterscheiden kann, kann auch schwarz und weiß nicht unterscheiden. Es kommt nicht daraus an, od es gelingt, irgendeinen schwachsinnigen Menschen heranzufchleppen, der so blöde ist, daß er beide Bezeichnungen verwechselt, sondern darauf, ob ein normaler Mensch den Unterschied sieht.... Nicht freiwillig, sondern nur wenn wir durch«ine uns ungünstige Entscheidung des Wahlausschusses dazu gezwungen würden, würden wir da» Kennwort umändern in ,.S t a e g e- manns Bund der Hauswirte", wobei wir uns durchaus bewußt sind, daß durch diese plötzliche Aenderung unseres Namens, den wir seit fünf Iahren führen, unsere Wahloussichten bedeutend verschlechtern würden, da die meisten gar nicht wüßten, daß es sich um den Deutschnationalen Bund der Hauswirte handelt und wir gar nicht in der Lage sind, unsere Wähler in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit zu verständigen. Im übrigen ist es gerade heute höchst zweifelhaft, wer mchr Anspruch aus die Bezeichnung deutfchnaiional hak. wir oder die veuisch- vokionale Volkspartei, die sich össenlllch al» Betrugspartei be- schimpfen läßt und nicht« daraus zu erwidern weiß. Unshatnoch niemand Betrüger geschimpft.... Wir traten immer für ehrliche, volle Aufwertung«in. Wir stehen aus deutfchnotionalem Boden und lassen uns deshalb auch nicht das Recht, die Bezeichnung„Deutschnational" zu führen, streitig machen. Es fragt sich noch sehr, wer die wahren Deutschnationalen sind. Zu Deutfchnational gehört Ehr- lichkeit und wa» man verspricht, muß man auch halten. Wir bitten den Wahlausschuß, die Beanstandung unseres mit Recht geführten Kennwortes zu verwerfen. Deutschnatiönaler Bund der Hauswirt«. Staegemann. Ob die deutfchnattonale Partei wohl von dieser Seite solche markigen und treffenden Bemerkungen erwartet hat. E» fft doch immerhin nicht ganz angenehm, sich von Gesinnungsgenossen sagen lassen zu müssen, daß da» Wort„Betrugspartei" nicht so ungerecht- fertigt war und daß zum deutfchnationalen Wesen Ehrlichkeit gehört und die Bedingung, daß man auch hält, was man verspricht. Unbeantwortet bleibt vor allem die Frage: Wer sind nun die wahren Deufschnatioualen: Die Brotverteuerer oder dir Hauswirte?_ der Autounfall am kützowufer. Verhandlung vor dem Schöffengericht Schömberg. Der folgenschwere Autounfall, der sich am 8. Januar dadurch ereignet«, daß ein Autoomnibus zwischen der Bendlerbrücke und Genthiner Straße umkippte, wodurch ein Fahrgast getötet und 36 weitere mehr oder weniger schwer verletzt wurden, beschäftigt gegenwärtig in einer mehrtägigen Verhandlung das Groß« Schöffen- gericht Schöneberg. Die Berhondlungen, die heute früh begannen, finden mit Rück- ficht auf die große Zahl der geladenen Sachverständigen im Schwur- gerichtssaal statt. Die von Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmonn er- hoben« Anklage richtet sich sowohl gegen den Krajtwagenführer des Autoomnibuffe» Karl N e u m a n n als auch gegen den praktischen Arzt Dr. Max Silberberg, der fein Auto an dem Verhängnis- vollen Tag« lenkt« und angeblich durch ein Ueberholen de» Auto- vmnibusies mit dem rechten Rad den Raddeckel des linken Rade» des Autoomnibusses gestreift haben sollt«. Beide Angeklagte Höpen sich daher unter der Anschuldigung der fahrlässigen So r p« r- verletzung und in einem Falle wegen schwerer Korper- Verletzung mit Todesausgaug zu verantworten. Zunächst wurde der Angetlaate Karl Neumann vernommen, der behauptete, daß er in gleichmäßiger Fahrt von der Po�damer Brücke her ge. kommen fei; hinter der Bendlerbrücke aber habe ihn«in Privat. wagen überholt und fein Auto am linken Rod« berührt, was er durch den Ruck am Steuer bemerkt«. Der Privatwagen sei ohne Hupen ganz schnell vorbeigefahren. Da er nun bemerkt hatte, daß er durch den Ruck au» der Richtung und in eine knttfch« Situation kommen mußt«, wenn der Wogen zu weit noch links aus die Bordschwelle käme, habe er die Brems« angezogen und mit dem Fuß den Motor abgestellt. Er muhte aber wohl infolge des Bremsens gegen einen Baum gekommen sein. Als der Wogen dann kippte, habe er sich noch aus dem Führersitz befunden. Es sei ihm nichts passiert und er sei dann josort dem Privatwogen de» Dr. Silberberg nachgelaufen, der schon über die Genthiner Straß« hinaus hielt. lfr habe sofort zu Silberberg gesagt, daß er ihn anqriahren hätte. Dieser hotte erwidert, daß er nichts davon gemerkt hätte, ober der Chauffeur des Dr. Silberberg habe schon an dem Motor gearbeitet. Nachmftiagsvorstellangen in der.Rakete". Wutzrend des Oktobers veranstaltet dos Kabarett der Komiker,„Die Rakete", in der Santstraße, Nachmittogsooiftellungea. Zur Ausführung gelangt die parodistisch« Operette.Ovo o a d i»" von Kurt Roditschek und Paul Morgan. Musik von Willy Rosen, die gestern ihr« hundertste Wiederholung erlebte. Das Stück wirkt noch immer, trotzdem es reichlich abgespielt fft. Aber das Beiprogramm sällt- manchmal aus dem Rahmen diese« Kabaretts heraus. Zauber- künstler, die Kartenkunststücke und Aehnliches vorführen, find ganz unterhaltend, passen aber wenig in das Programm der.Rakete". Und da» Ehanson, mit dem Leo Balberg, ein ausgezeichneter Conferencier, auswartet, ist bereits dagewesen und erinnert zu sehr an.Nur eine Nacht" und ähnliche Dinge. Ausgezeichnet allein ist Willy Rosen, der Schlager au» seiner Operettenpartie.Aspasia" vorträgt._ drei Nackttavzstätten ausgehoben. Eine warmmg. die zu spät kam. Nach kurzer Pause schemen neuerdings die Nockttonz-Unter- nehmungen wieder zur Blüte gelangt zu sein. In� den letzten Nächten wurden drei derartige.Vergnügungsstätten" von dem Sonderdezernat der Kriminalpolizei ausgehoben. In einem der alten Häuser der Hedemannstraße in der Nähe der Königgrätzer Straße waren in einem Keller, der höchst dürsttg ausgestattet war. «in« Anzahl Personen versammelt, die von den eindringenden Be- omten zur Feststellung Ihrer Personalien mit zur Wache genommen wurde». Wesentlich eleganter war der Nachtbetrieb in einem Rureauraum in der Zimmer st raße. in dem tagsüber eine Konfektionzfirma tätig ist. Die Geschäftsinhaber hatten keine Ahnung, welchen Zwecken ihr Bureau zur Nachtzeit diente. Die nüchternen weißen Arbeitslampen waren nächtlicherweile mit roten und violetten Schleiern verhängt worden, vermutlich,«n.Stim- mung" zu erziel«». Während die Polizei noch«tt der Aufuechm» des Befunde, beschäftigt war, läutet« das Telephon. Erst nach län- gerem Suchen entdeckte man den Apparat unter einem mit Stosf bezogenen Pilz. Eine ängstliche schüchterne Stimme teilt« mit, daß die Polizei im Zlnzuge sei, und daß man sich schleunigst au» dem Staub« machen solle Der am Apparat stehende Beamte dankt« verbindlich für die gutgemeinte Warnung, die für den Unternehmer und die Gäste leider zu spät kam. Schließlich wurde noch eine sehr luxuriöse Nackttanzstätte in der Grunowoldstraße ausgehoben. Zeuge« gesucht! Zeugen, die am 4. September 192ä gegen 12 Uhr mittags den Su tabu«, Linie 2, benutzten und beobachtet haben, wie der Schaffner mehrmol» fragte»Wer bekummt den Fahrschein," ohne daß flch der betr. Herr. für den er bestimmt war, meldete, werden um Angabe ihrer Adresse gebeten. FnSbesonder« wird der betr. Herr um Mitteilung von Kamen und Wohnung ersucht. Der Schaffner ist diese» vor- fglls wegen unter dem Verdacht de« vetruge» entlassen worden. Gest. Zuschriften erbeten an Johannes Köstermann, Berlin dl. Ll, Swindemünder Str. 40. II. Qu., IV. vi« Hmuboldl-hochschnle eröffnet ihre Ardelt durch eine Feier an, nächste» Sannadend, abend« 8 Uhr, An!« Dorotheenstr. 18, mit einer Anlprack« de» Vorsitzenden Proi. Dr. Gram»a«:.Die geistig« Kriie der»»«genwart--, und einem Ltchtbildernorttag de« Studien- rat« Schubert:.Mit der Humbaldt-Hochschule durch die Schwei».' Hroß-Seeliner parteinachrichten. lt.*vtu«MBIIa. che*«ta*»»»«Utk AmiMMchMMtnB d» feffli Ix tarnten SdCqE. Unsere Wählerversammlungen. Zu dem Bericht über unsere gestern abgehaltenen Wählerverfammlungen tragen wir noch folgende Veranstaltungen nach: In der Versammlung des Bezirks Mitte, die in den Musikersälen tagte und die von den Wählern und Wählerinnen außerordentlich start besucht war, so daß viele später Kommende umtehren mußten, sprach zunächst Genosse Scheidemann, bei seinem Erfcheinen lebhaft begrüßt. Er gab einen historischen Ueberblick und erinnerte daran, daß vor Jahrzehnten, als die Partei das erstemal fich mit eigenen Kandidaten an der Stadtverordnetenwahl beteiligte, fidh feineswegs alle Genossen über die Bedeutung der Wahl einig maren. Heute denkt niemand mehr daran, den Bürgerlichen das Feld zu überlassen. Nachdem Scheidemann näher auf die politische Lage eingegangen war, forderte er unter lebhaftem Beifall die Anmejenden auf, bei der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl ihre Pflicht zu erfüllen, indem sie nur den sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme geben. Stadtverordneter Genosse Wendt ging mit den Parteien rechts und links von uns im Rathouse scharf ins Gericht. Die Bersammlung war ein verheizungsvoller Auftakt unserer Wahlarbeit im Herzen Berlins. Die Ge nossen des Prenzlauer Bergs hatten in der Oberrealschule in der Pasteurstraße ihre Wählerversammlung neranstaltet. Langtagsabgeordneter Genosse Meyer hielt ein Referat über die neue ,, Zollpolitik und die Steuergefeßgebung". Der Vortrag des Genossen Dr. Weinberg, der für die Wahrung der sozialen Intereffen der Groß- Berliner Bevölkerung in der Stadtverwaltung sprach, fand den lebhaften Beifall der Versammlung. Der Gefangverein„ Brenz lauer Berg umrahmte die Kundgebung wirkungsvoll mit gefanglichen Darbietungen. Die glänzend besuchte Bersammlung in Charlottenburg nahm mit lebhaftem Beifall das Referat des Genoffen Liedtte entgegen, der die Bedeutung der bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen behandelte. Er geißelte scharf das Verhalten der Deutschnationalen und der Volkspartei, wobei er daran erinnerte, was diese beiden Wolfs" parteien während der letzten Wahlen versprochen und später nicht gehalten haben. Genoffin Stadtverordnete Ried ger behandelte die fulturellen Aufgaben der Stadtgemeinde und fand die lebhafte Zustimmung der Versammlung. Während der Rede erschienen plöglich im Saal eine Anzahl junger Bürschchen vom Roten Fronttämpfer bund. Ihr ganzes Auftreten ließ erkennen, daß fie es auf eine Bersammlungsstörung abgesehen hatten. Durch das energische Gin greifen unserer Genossen fonnte das jedoch vereitelt werden. Borfall war eine treffende Illustration zu dem plumpen Anbiederungsverfuch, den die Kommunisten aus Anlaß der Stadtverordnetenmahlen bei uns gemacht hatten. Als letzter Redner sprach noch Genoffe Scheidemann. In Reinidendorf Ost hatte Genosse Aufhäuser das politische Referat übernommen. Der Beifall, den er erntete, bewies, daß die Sozialdemokratie hier im Norden Berlins an führender Stelle steht. Das mußte auch ein Trupp Kommunisten erfahren, der vor dem Lokal die Verfammlungsteilnehmer belästigte. Die Genossen Robert Schmidt und Friz Brolat geißelten in der Wählerversammlung in Pantow die gewissenlose Stellungnahme der Rechtsparteien im Stadtparlament und in der großen Bolitif. Besonders Brolat wies darauf hin, wie gerade die Sozialdemokratie im Rathaus die vorwärtsdrängende Führerin bei der Fürsorge, der allgemeinen Wohlfahrt, der Vertretung der Mieterinteressen und nicht zuletzt bei den städtischen Werten gewesen ist. Großer Beifall dankte den Rednern und ein hoh auf die Sozialdemokratie beschloß die Kundgebung. Zahlreich war die Zuhörerschaft, die in Marien dorf die Borträge der Genossen Lüdemann und latau an. hörte. Der Versammlungsleiter gab einige bisher nicht befannte Einzelheiten über den Kassenraub im Bezirk Tempelhof zum besten und forderte die Zuhörer auf, am heutigen Abend in der Bezirksversammlung die Anklagen unserer Barteigenossen gegen die verantwortlichen Berfonen anzuhören. Das begeistert aufgenommene Hoch auf unsere Partei bewies das Einverständnis der Anwesenden mit unseren Zielen. Der Gutsbesitzer als Falschmünzer. Der Gewerkschaftsbewegung Die AfA- Funktionäre gegen den Schiedsspruch. Eine AfA- Funktionärversammlung nahm am Dienstag in den Arnimhallen" zu dem Schiedsspruch Stellung. Sie von Gottfurcht vertretene Auffassung des 3d2. ging dahin, den Schieds spruch nicht bedingungslos abzulehnen. Es sollte vielmehr versucht merden, unbeschadet der ablehnenden Stellungnahme des Butab und DWV. durch nochmalige Verhandlungen mit dem BBMI. eine Berkürzung der bis zum 31. März 1926 festgesezten Laufzeit des Schiedsspruches durchzusetzen. Diese Stellungnahme wurde damit begründet, daß die Verhältnisse innerhalb des 3d2. anders gelagert find als in den beiden anderen dem 2f2- Metallfartell angeschlossenen Verbänden und daß für die Grup pen 1 und 2, denen eigentlich die meisten vom 3dA. erfaßten Angestellten angehören, eine menn auch nicht erhebliche Zulage in Frage tomme. Nachdem noch Günther pom Butab und Rothe vom DWB. die ablehnende Stellungnahme ihrer Berbände begründet hatten, fegte eine eingehende Distusfion ein Fast sämtliche Diskussionsredner aller drei Verbände wandten sich mit aller Schärfe gegen die Annahme des Schiedsspruches, der nicht nur durch seine lange Geltungsbauer, sondern auch wegen der minimalen Gehaltserhöhung der Gruppen 1 und 2 und der tatsächlichen Verminderung der Gehälter in Gruppe 3 und 4 unannehmbar sei. Die im Anschluß an die Diskussion vorgenommene organisationsweise Abstimmung ergab die Ablehnung des Schiedsspruches bei den 36A.- Funktionären gegen eine schwache Minderheit, bei den Butabund DWB. Funktionären einstimmig. Die anläßlich der Ablehnung des Schiedsspruches notwendigen Beschlüsse werden von den drei Organisationen im engsten Einvernehmen miteinander gefaßt werden. Aus der Berliner Zahlftelle der Fleischer. Da der bisherige Bevollmächtigte Ben I die, Redaktion des Verbandsorgans übernimmt, war die Stelle des Bevollmächtigten für Groß- Berlin neu zu besetzen. In der außerordentlichen Generalversammlung vom 8. Geptember war der bisherige zweite Bevollmächtigte Schulz einstimmig zum 1. Bevoll mächtigten gewählt. Der größte Teil der Mitglieder der Ortsgruppe Berlin des Zentralverbandes steht jedoch der kom munistischen Partei nahe, und Schulz lehnte daher die Annahme des Boftens mit der Motivierung ab, daß die kommuni stische Richtung auch den Bevollmächtigten stellen müsse. In der außerordentlichen Generalversammlung am Dienstag in Bökers Festsälen wurde nach sehr heftiger Debatte der Rommunist Loos zum Bevollmächtigten gewählt. Es ist bemerkenswert, daß von 1000 Stimmberechtigten, die in der Versammlung anwesend waren, 450 ihre Stimme ab. gegeben haben. Bon diefen 450 Stimmen erhielt Loos 259 Stimmen. Es scheint also, als ob felbst die meisten tom munistischen Mitglieder start bezweifeln, daß Loos als Bevollmächtigter der richtige Mann ist. Beendete Lohnbewegung in der Seifenindustrie. " Montag abend im Gewerkschaftshaus berichtete Karl Boch vom In einer Bersammlung der Seifenarbeiter Groß- Berlins am Fabritarbeiterverband über die Lohnverhandlungen und erklärte einleitend, daß bei allen Berhandlungen in legter Zeit die Arbeitmiesen. Die Arbeiterschaft hat bis heute von einem Preisabbau geber stets auf den bevorstehenden Preis abbau" hinnichts gemerkt. Die Arbeitgeber der Seifenindustrie haben die Berhandlungen lange hingezogen. Die erste Berhandlung verlief völlig resultatlos, und im Bezirksschlichtungsausschus fam fein Sprud zustande. Die Zentralschlichtungsstelle wies ebenfalls auf eine Breisfenfungsaftion hin und empfahl mit Rücksicht darauf eine bezirkliche Die Nürnberger Kriminalpolizei entdeckte in diefen Tagen auf halten der Arbeitgeber vor fich gehen sollte, war der Arbeiterschaft Berständigung. Bie diese Verständigung bei dem hartnädigen Bereinem Gut in der Nähe von Rupprechtstegen bei hers schleierhaft. Die Berhandlungen vor dem 3SA am 1. Oktober brud eine vollkommen modern eingerichtete Falschmünzer führten zu einem Schiedsspruch, worin der Lohn der männwertstätte mit Kraftanlage. Alle einschlägigen Maschinen lichen Arbeiter auf 71 Bf. pro Stunde festgesetzt wurde. maren vorhanden, ebenso verschiedene Stempel zur Anfertigung von Stüden zu 50- Rentenpfennig und 2 und 3- Mart. Es wurde feft. Lohnbewegungen eine gute gewerffchaftlich organisierte Arbeiter gestellt, daß der Gutsbesiger mit seinem Kraftwagenführer und mit Hilfe weiterer Bersonen in wochenlanger Arbeit die Maschaft vorhanden sein muß. Alle Arbeiterinnen und Arbeiter müß schinen montiert und schon eine Menge 50- Pfennigftüde geprägt ten aber ihr Augenmert darauf richten, daß die in der Industrie hatte. Die Prägung der 3- Marfstücke war nicht gelungen. Nach fach- werden. Eine dementsprechende Entschließung fand einstimmige Annoch Unorganisierten dem Verbande der Fabritarbeiter zugeführt männischem Gutachten wäre der Besitzer diefer Faljchmünzermerfstätte in der Lage gewesen, täglich bis zu 25 000 Stüd Falschstücke herzustellen. Es wurden Falschstücke gefunden. Die Untersuchung wird ergeben, ob und inwieweit bereits Falschstücke in den Verkehr gebracht worden sind. Die Festnahme der Täter verhinderte die Ausführung der in großem Stil vorbereiteten Falschmünzerei. Außer dem Gutsbesizer wurden ein Graveur aus Augsburg, bei dem die Polizei acht Gipsmodelle beschlagnahmt hatte, und der Berwalter des Gutshofes in Haft genommen. Zum Freispruch Rotstocks. Wien, 6. Oftober( Eigener Drahtbericht). Zum Freispruch des röltischen Mörders des Schriftstellers Bettaner schreibt die Biener Arbeiter- Zeitung":„ Wenn Rotstock wahnsinnig ist, so ist er ein feltfamer Bortführer der Böllischen, die ihn zu einem Heros proflamiert haben. Ift er aber nicht irrsinnig, so ist der Bursche, der mordet und mit einer feigen Komödie die Verantwortung perfcugnet, ein noch seltsamerer Held. Entweder wahnsinnig oder verfammen. Die Hafenkreuzler, die ihn hervorgebracht, die Chriftlich. fozialen, die ihn gepriesen haben, mögen sich aussuchen, was thnen als Helbentum mehr willkommen ist." Das englische Luftschiff R. 33, das vor sechs Monaten bei einem Sturm schweren Schaden gelitten hatte und inzwischen wiederher gestellt worden ist, überflog auf seiner Probefahrt London und landete nach neunzehnftündiger Fahrt ohne Unfall in Bulham. Die Leistung des Luftschiffs wird amtlich für vollkommen befriedigend erflärt. Segelflugreford eines deutschen Fliegers. Der deutsche Flugzeugführer Ferdinand Scholz hat bei einem internationalen Bettfliegen in Feodoffia( Krim) mit 12 Stunden 6 minuten 22 Gefunden den Weltreford im Gleitfluge geschlagen. Er hätte sich noch länger in der Luft gehalten, doch wurde er durch die einbrechende Dunkelheit zur Landung gezwungen. Berliner ElektrikerBoch wies darauf hin, daß zur erfolgreichen Führung von nahme. Sozialpolitische Kundgebung der Angestelltenjngend. Der Zentralverband der Angestellten hatte am Freitag zu einer im Plenarsizungssaale des Reichswirtschaftsrates stattfindenben Kundebung eingeladen. Nach einem Prolog und Borien der Er öffnung und Begrüßung sprach Jugendsekretär Balter ich bach über: Jugend in Not was ist zu tun?" Nach einem historischen Rückblid über Jugendausbeutung und Jugendschutz gab er feiner ernsten Sorge um die erwerbstätige Jugend von heute Ausdrud. Die Jahre des Krieges und der Inflation und auch die der Kapitalvertnappung hinterließen ihre furchtbaren Spuren. Ungeheure Berbreitung der Tuberkulose, der Rachitis und Herzneurose. Dazu kommt die geistige Not der Jugend, eine moralische Berwilderung, hervorgerufen durch wirtschaftliche und seelische Depreffio. nen. Die unterernährte, tranfe, zurüdgebliebene Jugend beiderlei Geschlechts wird mehr und mehr von den Unternehmern ausgenutzt. Bahllos sind die Fälle der Lehrlingsausbeutung, ja auch der Lehrlingsschinderei. Auch die Lehrlingszüchterei floriert wieder. Dieser Jugend müffen alle intereffierten Rreise beistehen und der starte Bille aller Angestellten die Mißstände beseitigen helfen. Nach dem gutdurchdachten und gründlichen Vortrag wurde einstimmig eine längere Entschließung im Sinne des Vortrags angenommen. Dr. Begscheiber über: Was fordern wir vom fommenden Nach Eschbach sprach die Genoffin Landtagsabgeordnete Frau Berufsausbildungsgeseh?" Aeußerste Besorgnis sei am Platz, denn wie der Entwurf des Reichsschulgefeges beweist, fann man auch hier von der reaktionären Regierung alles, nur nichts gutes, erwarten. Bom Arbeitsministerium ist die schleunigste Herausgabe eines Entmurfs zu fordern. Die Sozialdemokratische Partei hat schon längst ihre sozialen Forderungen zu einem Entwurf aufgestellt, dessen Gefezwerdung fie zum 1. April 1926 fordert. Einer hierzu einftimmig angenommenen Entschließung entnehmen wir folgendes: B Genossenschaft Wirklich billige Angebote angesch. dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Lidit-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. ... Ausführung sämtl. 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Das Recht der Lehrlingsausbildung darf nur Betrieben erteilt werden, die in sachlicher und personeller Beziehung eine umfassende Berufsausbildung ermöglichen; 2. die Lehrstellenvermittlung hat ausschließlich durch öffent liche Einrichtungen zu erfolgen, die in engster Berbindung mit der öffentlichen Berufsberatung stehen müssen; 3. die öffentliche Be ratungsstelle hat zu prüfen, ob sich der Bewerber für den erwählten faufmännischen Beruf eignet; 4. der Lehrvertrag muß schriftlich abgeschlossen merden; die Lehrzeit darf höchstens drei Jahre betragen; 5. das Gesetz hat zwingende Vor schriften über die Grundsäge der Bezahlung zu enthalten; 6. die Durchführung und Ueberwachung des Lehrlingsschußes und der Lehrlingsausbildung ist unter Heranziehung der Handels- und Gewerbeaufsichtsbeamten besonderen öffentlich- rechtlichen Organen unter maßgebender Mitwirkung der Angestellten zu übertragen. Diese haben auch Bestimmungen über das Verhältnis der Zahl der Lehrlinge zu jener der Gehilfen sowie Vorschriften über die Mindestentschädigung zu erlaffen. Soweit diese Fragen durch Tarifvertrag geregelt find, gelten diese Bestimmungen nur dann, wenn sie nicht ungünstiger find. In einem Schlußwort gab Hans Gottfurcht der Erwars tung Ausdrud, daß überall die Angestellten sich über ihre Klassen. lage flar werden. Er wandte sich scharf gegen die rechtsstehende Propaganda der Lehrkräfte in den Berufsschulen und forderte die Anwesenden auf, in organisatorischer Gemeinschaft und Bereinigung der jugendlichen Maffen dem Ziele zuzuftreben. Wie die Bergarbeiter provoziert werden. Das Schindludertreiben in Niederschlesien. Breslau, 7. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Die niederSchlesischen Steinkohlengruben haben sich zu einer schweren Brovo tation ihrer gesamten Arbeiterschaft hinreißen lassen. Zum Protest gegen die Verbindlichkeitserklärung einer durch Schiedsspruch bewilligten 7prozentigen Lohnerhöhung ftellten fie am Dienstag ihrer ganzen Belegschaft. insgesamt etwa 30 000 Bergarbeitern, die Kündi gung zu. Die Verwaltungen erklären gleichzeitig, daß sie zur Zurüdnahme der Kündigung bereit feien, falls die Arbeiter auf die zuerfannte Lohnerhöhung ver. zichten. Diefer provozierende Schritt der Bergherrn muß gleich zeitig als eine eigenartige Begrüßung des Ost ausschusses bes Preußischen Landtages angesehen werden, der in Gebiet den nächsten Tagen in das Waldenburger tommt, um dort die möglichen Staatshilfsmaßnahmen zu prüfen. Bon den bisherigen Maßnahmen des Reiches und des Staates zur Erleichterung der Schwierigkeiten des Waldenburger Bezirkes, die allerdings nicht sehr umfangreich waren, und ebenso von den Egtraprofiten der Waldenburger Bergherren durch die Ausschaltung der ostoberschlesischen Kohle infolge des deutsch- polnischen Zollfrieges jollen die Arbeiter überhaupt feinen Borteil haben. Der Oftausschuß wird daher auch die Hilfsmaßnahmen genau zu prüfen haben, die er dem Waldenburger Bergbau zuzuwenden gedentt, damit nicht auch da einseitige neue Borteile für die Unternehmer ohne Nußen für die schwer notleidende Arbeiterschaft dieses Hungergebietes entstehen. Darüber hinaus wird geprüft werden müssen, wie eine derartige Berhöhnung der rechtsverbindlichen Maßnahmen des Reichsarbeitsministeriums durch Zwangseingriff von Staat oder Reich gegen solche leichtfertige Stillegungen und Entlassungen verhindert werden kann. Volks- und Gewerkschaftshäuser. gemeinschaft der Bolts- und Gewerkschaftshäuser". Bor einiger Zeit tagte in Halle a. d. E. die Arbeits Die Tagung treter des AD G B. besucht. Der Vorsitzende der Arbeitsgemein war von 86 Delegierten aus 55 Orten und einem Ber. fchaft Genoffe Odenthal, Hamburg, berichtete zunächst über die Aufgaben und Pflichten der Arbeitsgemeinschaft, wobei er lebhaft häusern bisher erft 22 regelmäßig Beitrag zahlen. Dringend bedauerte, daß von rund 115 Bolfs- und Gewerkschaftswarnte er vor der Neugründung von Gewerkschaftshäusern im jezigen Zeitpunft, zumal von der jezigen Reichsregierung die An erfennung der Gemeinnüßigkeit nicht zu erhoffen sei. Ueber wirtsprache wurde darauf hingewiesen, daß die Boltshäuser start unter schaftliche Betriebsführung sprach Genosse Bidlein. In der Ause den Treibereien der RP D. leiden. Aufgabe der Geschäfts. leitungen müſſe es sein, Notstandsfpeifungen für Streifende und Arbeitsloje einzurichten. Beschlossen wurde, alle zwei Jahre Konferenzen der Arbeits gemeinschaft stattfinden zu laffen, ein engstes Gegenseitigkeitsver hältnis mit dem ADGB., dem AFA- Bund und dem ADB. herbeizu führen und ein eigenes Blatt herauszugeben. Ueber„ Die Antialfoholbewegung und ihre Folgen sprach der Vorsitzende des ( Berlin), der vor den llebertreibungen der an sich guten Bewegung. Lebensmittel- und Getränkearbeiterverbandes, Genosse Tröger die auch in den Gewerkschafts- und Volkshäusern unterstützt werde, warnte. In einer Entschließung wird erklärt, daß Mißbräuchen des Alkoholgenuffes, insbesondere durch Berabreichung von Alkohol an Jugendliche, entschieden entgegenzutreten sei. Jedoch wendet sich die Entschließung gegen eine Trodenlegung Deutschlands nach amerikanischem Muster, hält aber eine gefeßliche Regelung der Er teilung von Schanffonzeffionen für erforderlich. Einstimmig wurde beschlossen, die im Jahre 1926 in Düffeldorf stattfindende Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen mit Material zu beschicken. In den Borstand wurden die Genoffen Oben. thal( Hamburg), Bidlein( Leipzig), Hennig( Altenburg), Bickerobt ( Hannover) und Rasch( Breslau) gewählt. Das Afl- Ortskartell teilt mit, daß morgen, Donnerstag, abends 7,50 Uhr, das Vorstandsmitglied Benno Marr Dom Berliner Rundfunk spricht über die deutsche AnAllgemeinen Berband der Deutschen Bantangestellten durch den gestellten bewegung". Baugewerksbund. Achtung Rohrer! Morgen, Donnerstag abend 7 Uhr Rohrerverfantmlung in Gemertfchaftshaus, Gaal 5. Bericht von den legten Lohnverhand lungen. Wir erfuchen alle Kollegen, vollzählig zu erscheinen. Die Gruppenleitung. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Csorn; Feuilleton: 9. 8. Döscher; Lotales und Gonftiges: Fri Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin: Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstraße 8. Damentaschen- Fabrik Party- Cases, die große Mode von 3.25 an!- Auch Einzelverkauf! Lederwarenfabrik Metzel Prinzenstr.89, zw. Moritzpl. und Ritterstr. Newe Pretste gratis Gänsefedern gerissene u ungerissene liefert konkurrenales billig Willy Manteykel, Neutrebbin ( Cderbr. Gansemastanstalt Adolf Hoffmann Stein der Weifen Episoden und Die ideale Nagelpflege überall erhältlich KOPP& JOSEPH BERLIN W. Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat. 650 frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifterzeit. Breis 1 Mart. Porto 5 Pfennig Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen.