Nr. 475 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 242 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8.- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit ber Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gied Jung und Aleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme" erfcheint mochentäglich ameimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Gozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille Beile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 fennig ( auläffia awei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Morte über 15 Buchftaben zählen für zwei Borie. Arbeitsmarkt geile 60 Pfennig. 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Die heutige Plenarsizung, von der nach dem geftrigen Kommuniqué erwartet werden konnte, daß sie nunmehr die großen und heiflen Streitfragen in harter Dis fussion der Lösung näherbringen würde, hat einen unerwarteten Verlauf genommen. Um 4 Uhr traten die Deles gierten zusammen, und bereits nach weniger als einer Stunde fuhren sie wieder heim. Es hatte sich nämlich die Notwendigkeit ergeben, die ftrittigen Puntte an die Juristen zurückzuverweisen. Die Juristen spielen hier die Rolle einer Redaktionsunterkom mission auf unseren sozialistischen Kongressen. Sie sind die eigentlichen Fachleute, die die Probleme nach allen Richtungen beherrschen und allein imftande find, sie durch geschickte For mulierungen zu lösen. Zum Glück verstehen sich die Juristen vortrefflich, und Deutschland wird in diesen Beratungen durch einen Diplomaten, den Ministerialdirektor Gaus, vertreten, ber das volle Bertrauen der Gegenseite genießt und fowohl in London, wie auch jetzt wieder in Locarno verschiedene greifbare Erfolge für den deutschen Standpunkt erzielt hat, so daß man der Tatsache, daß die jetzt noch schwebenden Fragen eine Auslegung des Arifels 16 der Bölferbunds afte nach dem etwaigen Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund und vor allem die Garantierung der Ostverträge entgegen der ursprünglichen Absicht doch wieder den Juristen übertragen wurden, eine günstige Bedeutung beimessen Lann. Die Plenarsizung der Konferenz war um so überflüffiger, als die Hauptdelegierten bereits Gelegenheit gehabt hatten, ihre verschiedenen Ansichten in privaten Unterhaltun gen am Bormittag gegenseitig zu erläutern. So fand außer halb von Locarno im stillen Ort Ascona am Lago Maggiore eine Besprechung zwischen Dr. Luther und Briand statt, ebenso eine ausgedehnte Aussprache zwischen Banderpelbe und Staatssekretär v. Schubert im Hotel Esplanade. Das velde und Staatssekretär v. Schubert im Hotel Esplanade. Das Ergebnis dieser Aussprache war es, daß die Hauptdelegierten Ergebnis dieser Aussprache war es, daß die Hauptdelegierten die Juristen mit bestimmten Anweisungen versehen und ihnen die weitere technische Arbeit überlassen fonnten. Wie steht es nun mit den Schwierigkeiten felbft? Der eine Punkt: der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund, wird relativ leicht gelöst werden fönnen. Es handelt sich um den bekannten Artikel 16, um das sogenannte Durchmarsch recht. Die Alliierten sind sich durchaus bewußt, daß Deutsch land als einseitig entwaffneter Staat im Herzen Europas fich in einer schwierigen Lage befindet. Sie sind infolgedessen geneigt, diesen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen, zwar nicht durch Abschaffung von Artikel 16 der Bölkerbundsakte, wohl aber durch eine spezielle Erläuterung. Man meist dabei auf einen Präzedenzfall hin. Allerdings glauben die Alliier ten nicht, daß sie das Recht haben, diese Erläuterung auf dieser Konferenz im Namen aller Bölferbundsmitglieder mit bindender Kraft abzugeben. Sie wollen nur ihre grundsähliche Bereitwilligkeit aussprechen, daß der Völkerbund die deutschen Wünsche berücksichtige und selbst darüber entscheiden werde. Etwas schwieriger ist es mit der Frage der sogenannten franzöfifchen Garantieansprüche zu den deutsch polnischen Schiedsgerichtsverträgen. Hier ist eine Lösung nur sehr schwer zu finden. Bielleicht bietet eine belgische Anregung einen Ausweg. Diese Anregung geht dahin, daß, nachdem Deutschland in den Bölkerbund eingetreten und der Sicherheitspatt dem Völkerbund zur Kenntnis gebracht sein wird, Frankreich von sich aus dem Völkerbund eine einseitige Erklärung übermittelt, wonach für den Fall, daß ein Angriff Deutschlands auf Polen von einer unpartei ischen Körperschaft festgestellt wird, es bereit sei, als Garant Bolen zur Seite zu treten. Dieser Ausweg hätte den Vorteil, daß diese Erklärung nicht in den Schiedsgerichtsvertrag hin eingenommen, sondern eine ganz einseitige Erklärung Frankreichs an den Völkerbund bilden würde. Paris, 7. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Havas- Agentur veröffentlicht am Mittwoch abend ein Rommuniqué offizi ösen Ursprungs über die Berhandlungen von Locarno, in dem die diplomatische Situation wie folgt gekennzeichnet wird: Das Ziel, das man sich in Locarno gefeht habe, fel, die Aufrechterhaltung des Friedens am Rhein zu sichern, der felt Jahrhunderten der Schauplah zahlreicher Konflikte gewesen fel. Das Mittel, mit dem diefes Biel erreicht merben foll, sei die Ergänzung ber einfchlägigen Beftimmungen bes Friebensvertrages burch Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 536 Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Sindenfte. 3. Machtkampf. Kommunistische Führer untereinander. - Ein belgischer Vermittlungsvorschlag. deutschen Kommunistischen Partei durch die Erefutive der neue Garantien. Zu diesem Zwed verpflichten sich Deutschland sowie Frankreich und Belgien, die ihnen auf Grund des Verfailler Friedensvertrages gemeinsamen Grenzen sowie die darin vor. gesehene Neutralisierung der Rheinzone zu respektieren. 3u gleicher Jeit erklärten diese Mächte fich zum Berzicht auf jede Gewaltanwendung bereit mit Ausnahme des Falles, daß eine von ihnen die eingegangenen friedlichen Verpflichtungen verlehen follte. Die Neuheit des Systems, das man in Locarno aufzurichten bemüht sei, bestehe darin, daß es vollständig auf der Idee der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit für alle konflitte sowohl rechtlicher als politischer Natur beruhe, die zwischen den vertragschließenden Parteien entstehen könnten. Bom Abschluß des Vertrages an würde die Regelung aller Differenzen entweder Schlichtungsorganen wie dem Internationalen Gerichts. hofe oder besonderen Schiedsrichtern zu unterbreiten sein, die die Möglichkeit hätten, jederzeit an den Völkerbund zu appellieren. In diesem Verfahren werde der Völferbund die bedeutsame Rolle spielen, die ihm durch seine eigenen Sagungen vorbehalten worden sei derart, daß er zu intervenieren habe, falls eine der Parteien sich der Anrufung des Schiedsverfahrens oder der Ausführung einer schiedsrichterlichen Tendenz widerlegen sollte. Weiterhin würde der Völkerbund mit jeder Anwendung von Gewalt am Rhein oder jeder Berletzung der entmilitari. fierten 3one zu befaffen sein, wobei jedoch jede ber intereffierten mächte im Falle eines flagranten und nicht provozierten Angriffs das Recht zu sofortigen Berteidigungsmaßnahmen behalte, bis der Bölkerbund offiziell den Angriff tonstatiert und die durch die Situation gebotenen Maßnahmen ergriffen habe. Die aus flaggebende Rolle, die in diesem Sicherheitssystem dem Bölkerbund vorbehalten sei, macht es begreiflich, daß der Patt erst nach dem Eintritt Deutschlands in den Bölterbund in Kraft treten könne, indem Deutschland in den Genuß aller den Mitgliedern des Bundes zustehenden Rechte treten werde. Die Abfägung der bisherigen linken Führung der Dritten Internationale hat den lange im geheimen geführten persönlichen Machikampf zwischen den Mitgliedern der Die linke Führung der beiden Körperschaften entschieden. deutschen Zentrale ift dabei unterlegen. Sie ist nicht nur von ihrem Einfluß und ihren Funktionen entfernt worden, sie ist zugleich zu einer schmählichen intellektuellen Unterwerfung gezwungen worden, wie sie eben nur ein fommunistischer Führer wagen darf, ohne daß er den letzten Rest von Ansehen und Achtung bei seinen Parteigenossen verliert, und ohne daß er mit Verachtung zu den politisch Toten gerechnet wird. Die deutschen Arbeiter, die Kommunisten wie die Sozialdemokraten, müssen wissen, daß solche Machtkämpfe, die nicht ohne Rückwirkung auf die deutsche Arbeiterbewegung bleiben, zum Wesen der kommunistischen Internationale ge= hören. Die Hauptschwierigkeit der gegenwärtigen Berhandlungen bestehe in der Formulierung des Rheinland. pattes und der Schiedsverträge im Osten, die Deutsch- strebtewie Gott am Anfang der Welt. land, in seinem Angebot vom 9. Februar selbst vorgeschlagen habe. In dieser Frage sei Frankreichs Augenmerk von Anfang an darauf gerichtet gewesen, Bolen und die Tschechoslowakei, mit denen es durch gegenseitige Schutz- und Trußzverträge verbündet sei, gegen die Möglichkeit einer Nichtinnehaltung der Schietsverträge durch Deutschland zu garantieren. Demgemäß dürfte nach fran zösischer Auffassung der Rheinlandvertrag Frankreich unter teinen Umständen hindern, seinen östlichen Verbündeten zu Hilfe zu eilen im Falle, daß Deutschland im Widerspruch mit seinen Verpflichtungen zur Gewalt greife, ftatt Konflikte, die zwischen ihm und feinen Nachbarn entstünden, der friedlichen Regelung zu unterbreiten. Um diese Formel, die von weittragendsten Folgen für die Zukunft Europas sei, spiele sich gegenwärtig die diplomatische Schlacht in Locarno ab. Frankreich Tschechoslowakei- Polen. Locarno, 7. Oktober.( Drahtbericht unseres Sonderforrefpondenten.) Die Konferenz nimmt weiterhin einen befriedigen den Fortgang. Am Mittwochnachmittag ist der tschechische Außenminister in Locarno eingetroffen und hat im Grand Hotel, dem Siz der französischen und englischen Delegation, mit einem fleinen Stab von Mitarbeitern Wohnung genommen. Er hatte sofort mit Briand eine kurze Besprechung, um sich über den bisherigen Gang der Konferenz zu informieren. Nicht mit Unrecht schließt man aus der vorzeitigen Ankunft, die eigentlich erst für Ende der Woche erwartet wurde, daß die zwischen den Alliierten und Deutschland zu flärenden Fragen so weit gediehen sind, daß eine Erörterung der östlichen Probleme möglich sein wird. Die Zwischenzeit soll zu Verhandlungen der polnischen und teschechischen Delegation, die am Donnerstagvormittag hier eintrifft, mit Briand bzw. Berthelot ausgenutzt werden, um die Auffaffungen auf eine Linie zu bringen und nach außen eine gefchloffene Berhandlungstaftit zu ermöglichen. Es wäre ein Irrtum, anzunehmen, daß fich z. B. Palen mit der französischen Regierung über die Art des Schiedsvertrages völlig einig ist. Die polnischen Ansprüche an einem solchen Vertrag werden selbst von Briand nur zu einem fleinen Teil anerkannt. Benesch nimmt schon heute teil. Cooarno, 7. Oftober.( Drahtbericht unseres Sonderforrespon benten.) Der tschechische Außenminifter Benesch traf am Mitt woch nachmittag um 12% Uhr in Locarno ein. Er hatte am Nachmittag bereits verschiebene Unterredungen mit ben Mitgliedern der alliierten Delegationen. Er wird sehr wahrscheinlich schon am Donnerstag nachmittag an der offiziellen Sigung der Minister teilnehmen, da bann die Ostfragen zur Berhandlung fommen werden. Der polnische Außenminister Streagnifi wird am Donnerstag nachmittag 12% Uhr in Locarno erwartet ( Weitere Melbungen auf der britten Seite.) Die russische Erefutive der fommunistischen Internationale in Moskau läßt die angeschlossenen Parteien durch ihre Organe überwachen wie Fußvöller durch Profofen. Sie wacht eifersüchtig darüber, daß ihr der Nimbus der obersten, allein weisen Führung erhalten bleibt und daß in den angeschloffenen Parteien niemand es wagt, eine eigene Meinung zu äußern, die von ihrer Ansicht abweicht. Die Führer der kommunistischen Internationale sehen in den Arbeitern der Länder, in denen sie zu mirten versuchen, eine st um pfe unwiffende masse, die sich weder über ihre Stellung in der Gesellschaft, noch über die notwendige Richtung ihrer politischen Attivität im flaren ist. Sie sehen in dem häuflein der Kommunisten die berufenen Führer dieser Massen. In sich selbst aber erblicken sie wiederum die berufenen Führer der Kommunisten. Die Kommunisten sehen sie, im Vergleich zu sich felbst, ebenso als unwiffende führungsbedürftige Maffe an, wie die Arbeiterschaft gegenüber den Kommunisten. Die Executive der kommunistischen Internationale ist für sie die Störperschaft, die unfehlbar ist wie für den Katholiken der Bapst in Rom. Sie ist in Rom. Sie ist wie Bucharin aus Entrüstung darüber, berriet, daß die deutsche Zentrale nach der gleichen Stellung Dieser Anspruch der Erefutive in Moskau auf unfehlbarteit hat bisher noch jede Zentralleitung der deutschen Kommunistischen Partei in den Konflikt mit der Exekutive hineingetrieben. Auch die bisherige linke Führung der deutschen Kommunistischen Partei hat erkennen müssen, daß die russische Erefutive in Moskau sich absonderliche Bilder über die Zustände in Deutschland und über die Kampfbedingungen der deutschen Arbeiterschaft macht. Sie hat deshalb gewagt, eine eigene Meinung zu haben. Sie hat versucht, zu differenzieren zwischen Deutschland und Rußland, und hat es gewagt, den, wie Sinowiem wutschnaubend sagt, sozialdemo fratischen Gedanken zu äußern, daß manches, was in Rußland gut wäre oder zur Not anginge, in Deutschland unmöglich wäre. Das hat nicht nur die Egefutive in Moskau als Angriff auf ihre Unfehlbarkeit empfunden, sie hat sich auch in ihren allsowjetistischen, allrussisch- patriotischen Gefühlen getränkt gefühlt. Sie hat ihre geheime politische Parteipolizei gegen die bisherige Zentrale der Rommuniften mobil gemacht, und die hat eine Gegenaktion verfucht, indem sie Emissäre in die anderen Sektionen der kommunistischen Internationale versandte. Bebend vor Entrüstung hat Sinomiem bei den Auseinandersehungen in Mostau Ruth Fischer und ihren Anhängern dies Verbrechen wider den Unfehlbarkeitsglauben vorgehalten: ,, Die Anmaßung dieser Intellektuellen war, nicht nur die deutsche Partei zu führen, sondern auch die Komintern. Glauben Sie, daß wir das nicht gesehen haben? Wozu diese Emiffäre...? Die Anmaßung dieser Gruppe war, daß fie die richtige mest europäische Vertreterin des revolutionären Marrismus ift. Wir in Rußland sind demoralisiert durch den Nep, wir sind ein Bauernland, Lenin ist tot, aber Maslow ist am Leben. So war die Parole und so ist sie jeht noch. Maslow ist der rechtseuropäische Lenin. Er kennt die Verhältnisse und wird den Weg zeigen. Was sollten wir hier antworten, wo große Schichten von Arbeitern dieser Legende Glauben schenften. Leute, die hier fitzen, haben das geglaubt, daß die Russen einen großen Staat haben, daß fie in großen Schwierigkeiten sind und wir haben Kerle in Berlin, die die Lage kennen. Manche von uns haben sich manchmal gefagt, daß wir vielleicht in einer Lage sind, wo wir nicht alles sehen. Ruth Fischer und Konsorten sind also abgesägt worden, weil sie sich anmaßten, flüger zu sein als Sino wjem und Bucharin, und weil sie in dem„ patriotisch- preußischen Gefühl" wie Bucharin sagt- befangen waren, daß zwischen Rußland und Westeuropa ein fleiner Unterschied sei. Sie wollten selbst Papft spielen, und das hat der Parteipapft Sinomjew mit dem großen Bannstrahl beantwortet. Die erbitterten Ausführungen von Sinomjem gegen biefe Anmaßung verraten aber ein weiteres. Große Schichten Don fommunistischen Arbeitern haben, wie er zugibt, diese An schauungen geteilt. Sie fühlten, daß man in Deutschland nicht unentwegt sowjetrussische Methoden einführen könne. Sie haben nicht mehr an den Götzen geglaubt, den die kom- munistische Internationale aufgerichtet hat. Sie stehen Ruß- land nicht mehr mit absoluter Gläubigkeit und Kritiklosigkeit gegenüber, sondern machen für sich gewaltige Abstriche von dem, was ihnen von der unfehlbaren Leitung der kommu- nistischen Erekutive über die russischen Verhältnisse gesagt wird. Die leidet nämlich daran, daß sie maßlos übertreibt und damit entwertet, was im russischen Wiederaufbau an wirklichen Fort- schritten erreicht worden ist. Trotz dieser kritischen Einstellung versucht die russische Exekutive in Moskau immer wieder, die russischen Methoden als alleinseligmachend hinzustellen und die Kommunisten in Deutschland durch die Diktatur von oben zum Glauben daran zu zwingen. Dieser intellekwelle und jmrteiadministrative Druck hat, wie man aus den kommunistischen Auseinandersetzungen er- fährt, ans der Seite der kritisch gewordenen Arbeiterschichten mindestens dieselbe Erbitterung gegen die Moskauer Befehls- erteilung und ibre Methoden ausgelöst, die die Führeran- maßung von M a s l o w und Ruth Fischer bei S i n o w j e w hervorgerufen hat. Diese Erbitterung hat auf dem letzten Parteitag der Kommunisten zu einem offenen Ausbruch geführt. Den Vertretern der Exekutive wurde höhnend entgegengerufcn: Geht doch nach Moskau! Das ist ein bedeutsames Stimmungszeichen für die Si- tuation in der Kommunistischen Partei, und B u ch a r i n hat in seiner Anklagerede gegen die abgesägte linke Führung der deutschen Kommunisten mit großer Schärfe auf dies Stim- mungszeichen verwiesen: „Diese levitischen Töne in dem Ruf„Geh nach Moskau! Du bist ein Moskowtt" sind ein Ausdruck des Zurücktretens vom kom- munistischen Standpunkt zur Sozialdemokratie...* „Man sagt, daß man in der Erregung schreien kann: Geh nach Moskau. Ich sage, das ist der Ausdruck des absolut faulen Geistes der sozialdemokratischen Orientierung, der teilweise reformistischen patriotisch-preußischen Ge- fühle, die da eine oersteckte Nolle spielen und zum Ausbruch kommen... Wissen Sie, wenn ein Merkmal des guten Tones auf dem deutschen Parteitag das ist. daß derjenige ein Schurke ist, der die Antröge der Komintern unterstützt, wenn man als Merkmal des guten Tones dos hält, so ist das Verrat.* Nach solch offenherzigen Geständnissen von beiden Seiten ist man allerdings versucht, den Schluß zu ziehen, daß auf beiden Seiten in diesem Machtkampf um die Führung n a t i o- nale Imponderabilien eine Rolle gespielt haben, deutsche oder vielmehr westeuropäische in der deutschen Kom- munistsschen Parte«, allrussische bei S i n o w j e w und bei B u ch a r i n, der sich über die oersteckten patriotisch-preußi- schen Gefühle bei den deutschen Kommunisten beschwerte. Aber in diesem Machtkampf um die Führung und um die Rolle des unfehlbaren Papstes haben die Russen entschieden die Vorhand vor jeder deutschen kommunistischen Zentrale. Die abgesägte linke Führung der deutschen Kommunisten hat es erfahren müssen. Sie muß zusehen, wie die kommunisti- schen Mitglieder, die sie noch auf dem letzten kommunistischen Parteitag umjubelt haben, sie heute treulos im Stich lassen und sich hinter die russische Exekutive in Moskau stellen. Sie haben ja selbst der Exe- bative zu dieser Machtstellung verholfen, indem sie den Versuch unterstützt haben, vor den deutschen kommunistischen Arbeitern das Götzenbild einer allwissenden und unfehlbaren und allmäthtigen Zentralleitung der" kommunistischen Jnter- nationale in Moskau aufzurichten. Sie selbst haben aus dem Demagogen Sinowjew einen Dalai Lama gemocht, und dieser Dalai Lama reißt ihnen nun die Sympathie derer hinweg. die sie für ihre treuesten Anhänger hielten. Moskau zer- malmt alles. Sie liegen vor Sinowjew am Boden. Viel- leicht sagen sie sich in einem Augenblick der Erkenntnis resignierend und seufzend:„Am Ende hängen wir doch ab van Kreaturen, die wir mallsten." Thema mit Variationen. Konzertumschau von Kurt Singer. Man ist in Berlin um Abwechslung nicht verlegen. Bei diesen Variationen über das einsame Thema„Konzert* spielt die Rücksicht auf bas Publikum eine nicht so große Rolle, wie die Vorsicht des Künstlers oder die Rachsicht mit seiner Verletzbarkeit. Wären diese Zufälle nicht relativ selten, man könnte an Absicht glauben. Wie herrlich und edel ist doch die Kunst, wie profan est das künstlerische Arbeiten! Der Glorienschein schwindet schnell, die Goldkrone oer- blaßt, wenn das Klingen der Goldkronen im Kasten zum Grund- ntkord des Schaffens wird. Oder ist der Negertenor � a y e s anderer Ansicht? Beschämend, Zeuge zu sein, wie er aus materiellen Gründen sein schon dezimiertes Publikum eine geschlagene Stunde aufsitzen läßt, weil die fällige Zahlung noch nicht geleistet ist. Der Agent hatte sich wohl verrechnet: auch schwarze Tenor« verlieren an sensationeller Wirkung. Der Betriebsleiter ober hat die Pflicht, sich und seinen Schützling reinzuwaschen! Zweite Variation: in einem Orchestertonzert erscheinen die Noten zur einzigen Novität des Abends„nicht rechtzeitig*, fjm, hm. Der Komponist lebt in Berlin. Allzu abgegriffene Ausrede. Man sinne auf neue. Dritte Variante: die Programms treffen erst eine Stunde nach Beginn des Lieder- abends ein. Der berühmteste Rezitator Deutschlands, einer der größten Gedächmiskllnftler und erlebnisstärksten Sänger(bei brüchiger Stimme) bleibt dreimal stecken. Das Programm in der Hand, wäre er nie gestrauchelt. Welche Bequemlichkeit, welche Gleichgültigkeit führt hier das Regiment! Abwechslung muß sein. So dachte auch Furtwängler.als er das erste philharmonische Konzert inhaltlich durchging. Haydn, Mozart, Weber, Strauß, Bartök. Ein bißchen bunt? Zugestanden. , Doch verträgt sich alles recht gut miteinander. Furtwängler ist ein großer Mann. Die G-dur.Militärsinfonie chaydns gerät unter seiner Hand zu einer Filigranarbeit von seltener Durchsichtigkeit. Wunder- voll, wie gemäßigt und stark er das Menuett nimmt, wundervoll die Grazie des Allegretto und die unübertriebene Hurtigkeit des Presto. Eine Partitur klingt auf. als sei jeder Notenstrich mit einer Silber- nadel hmgelegt. Dann begleitet er mit äußerster Zurückhaltung. fast unhorbar. die Dusolina G i a n n i n i. Sie sst zu einem Star erster Oronimg in Verlin gemacht worden. Sie ist gar kein Star oder viel mehr als das. Die schönste, weicheste, im Ausdruck quellende. leichtest ansprechende Sopranstimme gehorcht einem musikantisch- kühlen� Menschen. Was man bewundert, ist Klarheit. Sauberkeit, Sicherheit, Reiz eines Raturinftruments. Der Mensch wird sich auf der Bühne entfalten. Mit der.Tanzsuite* Bart äks brachte Furt wangler em wertvolles Stück Musik nach Berlin. In einer wahrhaft üppigen und farbensatten Instrumentation verrät sich allein schon weiseste Künstlerhond. Darüber hinaus hat dies« Variationenreihe, die ein falkloristisch interessantes Ritarnellchema bindet, wilden rhythmischen Schwung. Der Tanz verläßt kaum die Gefilde urständiger Volksmusik, auch wenn tollste Bläsersprünge jeder Tonalität zu spotten scheinen. Witz und Behagen füllen die die Lücken. Ein alarmierender Rausch treibender Bewegung setzt sich sröhlich, tumultuarssch in die Glieder. Es lohnt sich kaum'zu sagen, daß die Suite, prachtvoll exekutiert, mft gemischten Gefühlen und Han� oder Mundbewegungeu hingenommen wurde. Der rote Gberbürgermeifter. Nachträgliche Anerkennung der Arbeit Scheidemanns. Bei der Einführung des neuen Oberbürgermeisters Stadler in Kassel, bisher Regierungsvizepräsident, wurde mehrfach der Amts- tätigkeit Scheidemanns in bemerkenswerter Weis« gedacht. Der Regierungspräsident Springorum, ebenso wie Stadler alter Beamter aus kaiserlicher Zeit, sagte in seiner Einführungsrede u. a.: „Kassel ist ein wichtiger Mittelpunkt deutscher Arbeit und beut- schen Schaffens und feit dem Kriegsende bestrebt, auch eine soziale Stadt zu werden, das heißt eine Stadt mit vorbildlichen sozialen Maßnahmen und Fürsorgeeinrichtungen. Sie übernehmen eine geordnete Verwaltung, die während der Amts- führung Ihres Herrn Lorgängers auf wichtigen Gebieten Gutes und auch sehr Gutes geleistet hat. Als Vertreter der Staats- regierung erkenne ich dies gern an und danke dafür allen beteiligten Stellen.* Der neu« Oberbürgermeister begann seine Rede mft Hinweisen auf die Tätigkeit seines Borgängers: Oberbürgermeister Scheide- mann ist im Jahr« 1919/20 in ernsten Zeften an die Spitz« der städtischen Verwaltung berufen worden. In den fünf Iahren seiner Amtstätigeft haben schwerste Räte politischer, finanzieller und wirt- schaftlicher Art auf unserem Vaterland und damit auch auf der Stadt Kassel und ihrer Bevölkerung gelastet. Trotzdem ist unsere Stadt in diesen fünf Jahren vorwärts gekommen und hat Erfolge auf den verschiedensten Gebieten kommunaler Tätigkeft zu verzeichnen. Ich erinnere an die Aufrechterhallung der Ordnung der Finanzen, an die Errichtung des Rentnerheims und des Ent- bindungsheims, an die Anlage eines großzügigen städtischen Schwimmbades und an die Entwicklung von Wohnungsfürsorge und Siedlung durch umfangreichen städtischen Grunderwerb, städti- schen Eigenbau und Förderung des genossenschaftlichen und privaten Wohnungsbaues. Wenn mein Herr Amtsvorgänger sich nunmehr entschlossen hat, infolge seines Gesundheitszustandes von seinem Amt vorzeftig zurückzutreten, so begleiten ihn die besten Wünsche zur völligen Wiederherstellung auf seinem wetteren Lebensweg.* Es ist gewiß nicht ohne Interesse, gerade jetzt, vor den Wahlen zu den Stadtverordnetenversammlungen, zu den Bezirks- und Provinziallandtagen festzustellen, wie sozialdemokratische Arbeit geschätzt werden muß, wenn man die Wahr- Heft nicht direkt vergewaftigen will. Was in Kassel„seit dem Kriegs- ende*, um mft dem Regierungspräsidenten zu sprechen, auf kom- munalem Gebiet geleistet worden ist, wurde von zentralen Behörden vielfach als vorbildlich bezeichnet.„Soft dem Kriegsende* aber begann die vielgelästerte sozialdemokratische Herrschaft, die unter dem Oberbürgermeister Scheidemann als dessen«System* unaus- gesetzt heruntergerissen worden ist. Die anerkennenden Wort« der beiden Herren Springorum und Stadler smb deshalb um so bemer- kenswerter, weil, dem„Kasseler Volksblott* zufolge,„Bestrebungen im Gange waren, die den Regierungspräsidenten beeinflussen wollten, den bisherigen Oberbürgermeister überhaupt nicht zu erwähnen*. Ghrfeigen für Schiele. Die Mttglieder des Deutschen L eh r er» er sin» im Kreise Solingen waren vor einigen Tagen versammelt, um zum ssceichsschulgesetzentwurf Stellung zu nehmen. Einstimmig wurde die folgende Entschließung angenommen: Die Lehrerschaft des Kreises Sollngen stellt sich einmütig hinter dre Entschließung und den Aufruf des DLL. Si« verurteilt auf das schärfste den von der Reichsregierung vorgelegten Gesetzentwurf, weil er«inen glatten Bruch der Reichs- Verfassung bedeutet und dadurch das Vertrauen zu joder Gesetz- gebung untergräbt, die Staatshoheit zugunsten anderer Mächte ausgibt und die Schuft: verkirchlicht, den Lehrerstand entrechtet, den Aufbau eines großen einheWchen Schulwesens hindert, in seinen Auswirkungen die völlige Aushebung der Volks» «inheit bedeutet und eine unerträgliche finanziell« Belastung der Gemeinden mit sich bringt. Die Versammlung ist entschloji'en, in einer Kampffront mit der gesamten Lehrerschaft im DLV. mft aller Macht das Zustandekommen eines solchen Gesetzes zu verhindern. Eva Liebenberg besitzt eine Altstimme von großem Um- fang, von einer Sattheit des Tons, der glockenhaft zu Herzen geht. Mühelos der Atem, rein die Intonation, blühend der Vortrag. Keckheit und Phatos zu gleichen Teilen, jedes zur rechten Zeit. Auch der warme Strom des Erlebens und des Erfülltseins klingt durch, etwa im„Ave Maria* von Schubert. Wir möchten dieser monumen- talen Stimme in monumentalem Werk, bei Händel, wieder begegnen. Myra M o rti m e r singt gleichfalls Schubertsche Lieder. Die prächtige Stimme scheint noch nicht zu Ende entwickelt, Anstrengung der Halsmuskeln ist noch unüberwunden. Aber das Organ in seiner dramatischen Lebendigkeit, geführt vom Willen einer zielsicheren und sehr musikalischen Frau, erösfnet schönste Zukunftsperspeltivs. Hans Erich Riebensahm, ein neuer Name. Der njährige spielt(nach Beethoven und Bartök) die Goldberg-Vartationen Bachs, 39 an der Zahl. Ich darf bekennen, daß mir 29 genügten. Wie dieser Musikant aber Bachsche Musik erlebt und gestaltet, das darf schon al» außerordentlich gepriesen werden. Die Lyrik und das Andante zwar verweichlicht und dehnt er in junger romantischer Gefühlsschwärmerei allzu sehr. Das Bachische, formell Strasse. Männliche, Auftrumpfende, Orgelstarke aber weiß Riebensahm mit absoluter äußerer wie innerer Beherrschung klarzulegen. Ein Tem- perament, das sich im Zaum Hot, ein Begeisterter, der Begeisterung ausstrahlt, ein ernster Künstler, der. Schnobel-Schüler, in Momenten der Dollgriffigkeit und des schönen Aufruhrs an Edwin Fischer erinnert. Er wird seinen Weg gehen. Merkt euch seinen Namen. Ilse Scharrer ist noch nicht so weft, daß sie über dem Werk stände. Die Kleinarbeit gelingt ihr dennoch, bei Purcell, bei Scar- latti, elegant, einschmeichelnd, lieb. Ein sympathisches Wesen mit ausgeprägtem Klang- und Formsinn. Das G l a s u n o f f- Quartett, dem ein großer Ruf voraufläust, enttäuschte in Beethovens op. 89 Rr. 2; es fehlt dem Primgeiger Sukafchewski vor ollem an Kraft und Sonorität des Tons, es fehft allen an einer Größe der Auffassung, die etwa dem Adagio-Gesang oder dem großen ersten Satz gerecht würde. Das Spielerische, Tändelnde, leicht Be> wegliche gelingt bei der Tonschönheit der Instrumente viel besser. Es singt sich gut aus solcher Bratsche, solcher Geige. Bei russischer Musik wollen wir dem Gesang der Russen wieder lauschen. Zu de» Urwäldern Brasilien». Dieser Deullg-Film, der In der Urania gezeigt wird, hat sich die dankenswerte Aufgab» gestellt, die Urwälder Brasiliens mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt festzu. halten. Freilich das, was dem Urwald seinen unheimlichen Zauber verleihen soll, die tropische Fülle, die märchenhaften Farben kann der Film uns nicht geben. Eine photogrophische Aufnahme kann, was den Stimmungsgehalt anbelangt, in diesem Falle nicht ein Gemälde ersetzen, da» Sonne, Farbe und seelische Wechselwirkung ganz anders einfangen würde. Und doch, der Film nimmt gefangen, nicht allein durch großartige landschaftliche Bilder, sondern oesonder, durch die liebevollen Ausnahmen aus der mannigfaftigen Tier- und Pflanzenwell. Gürteliier«, wie sie den Boden aufwühlend ihre Nahrung suchen, Schlangen aller Art, Wasserschweine, Riesenkrabbcn, Papageien, der brasilianische Aasgeier Urubu bei seiner Mahlzeft und als wundersames Gegenspiel der flüchtig von Blüte zu Blüte schwirrende, mft dem nadeldünnen Schnabel Nektar suchende Kolibri. Zwei Vogelarten, die so ein berückende» Gleichnis des Formenreich- tums der Natur geben. Auch die Pflanzenwelt ist mft Lieb« auf- und sie ruft die Oeffentlichkeft auf, im Interesse der ErhaSuug da deutschen Staatsschule ihr darin beizustehen. Dresden. 7. Okwber.(TU) Der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenvsrein lehnte in seiner Gefamtvorstandssitzung in Dresden den Reichsschulgesstzentwurf ab. Selbst Stahlhelmregierung Sankt. Braunschweig. 7. Oktober.(TU.) In der heutigen Sitzung des braunschweigischen Landtags, die sich mft dem Reichs- schulgesetzentwurf beschäftigte, gab Mini st erpräsident Marquardt die Erklärung ab, daß der Reichsschulgesetzentwurf durch eine Indiskretion in die Oeffentlichkeit gelangt sei und daß er eigentlich nur informatorischen Charakter für die Länderregierungen gehabt habe. Gegen die Bestimmungen dieses Gesetzentwurfes würden auch von der braunschweigischen Regierung nicht uner- hebliche Bedenken gellend gemacht, denn die Regierung habe kein Interesse daran, die geistliche Schulaussicht wieder ausleben zu lassen. Es wurde ein Antrag der Bürgerlichen angenommen, in dem das Ministerium ersucht wird, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß in Kürze ein Reichsschul- gesetz vorgelegt wird, das die Staatshoheitüber das Schul- wesen sichert, das in der Reichsverfassung verbürgte Recht der Eltern auf Schulen ihres Glaubens oder ihrer W e l t a n- s ch a u u n g verwirklicht und den Religionslehrern ihre Lehr- und Gewissensfreiheit unter Wahrung der Grundsätze ihrer Religionsgemeinschaften verbürgt. Eine Ueberwachung des Reli- gionsunterrichts durch Geistlich« wird abgelehnt. Rittergutsbesitzer und£PB. Weshalb die Landwirtschaft Kredite braucht, und keine Steuern zahlen kann. Gestern erf.-.lgts im LPA.-Prozeß die Vernehmung des Ritter» gutsbesitzer» v. Zitzewitz. Dieser Rittergutsbesitzer, der von der reaktionären Presse at» der Typ eines zuverlässigen deutschnatio- nalen Landwirts bchandeft wird, entpuppt sich als ein sehr ge, rissener Spekulant. Er besitzt zwar keinen Pfennig baren Geldes, aber als er von dem Plan des Häuferkaufs hört, beschließt er sofort in das Geschäft hineinzusteigen. 690 099 M. will er durch Hypotheken ausbringen, die übrigen IVb Millionen, die zum Kauf nötig waren, sollen durch Beleihung der zu taufen» den Häuser aufgebracht werden. Deshalb bemüht er sich uni englische Kredite, die der Landwirtschaft unter der Bedingung, daß sie zur Boden, und Wirtschastsoerbesserung ver. wandt werden, zur Verfügung gestellt werden sollten. Di« Kredit« sind zwar noch nicht da und etwas Genaueres kann er über sie nicht erfahren, aber trotzdem läßt er sich zunächst einmal von der LPA. den Kredft vorschießen. Auch hier unter der Vorspiegelung der Bodenverbesserung. Die englischen Kredfte bleiben dann aus. well sie überhaupt nicht vorhanden sind, und die LPA. sitzt mft ihren Zitzewitz-Krediten. die zur Bodenoerbesserung gegeben worden sind, fest, weft sie zu Häuserspetulationen aufge- braucht worden sind. Aber das geniert Herrn Zitzewitz wenig. Er kümmert sich zunächst nicht mehr um das Geschäft, weft er nicht mehr flug daraus wird, und wird erst ungemütlich, als er merkt, daß er von seinen Standesgenossen noch Strich und Faden übers Ohr gehauen wird. Da setzt er den Earlowitzen kurzerhand den Stuhl vor die Tür und übernimmt ihre Anteile,« mit der Begründung, daß das Geschäft kein» Belastung mehr vertrage» Er selbst aber belastet da» Geschäft sofort wieder mft ÄS 900 M.» um Schulden zu bezahlen und seinen Sozius Möhler z u sanieren« Als er dann ollerding» für 709 999 bis 899 999 Mark Grunderwerbs steuern zahlen soll, besinnt er sich eine» anderen und er gibt die Anteile dem Adelskonsortium zurück. Und es ist bemerkenswert, daß ihm das Finanzamt die An- regung dazu gab. Man weiß also jetzt, weshalb die notleidend« Landwirtschast Kredite gebraucht und weshalb sie keine Steuern bezahlen kann. genommen, wenn man auch für die Orchideen mehr Raum und vor allem Grohausnahmen gewünscht hätte. Hochinteressant waren die Mangroven mit ihren Stelzwurzeln und die großartigen Aufnahmen des Amazonas. Der menschlichen Arbeit, die den tiefen Urwaio schrittweise urbar macht und auf dem jungfräulichen Boden oft mit primllivsten Mitteln Kulturpflanzungen wie Mais und Bananen anlegt, waren mehrere Bftder gewidmet. Eine Kolonie in Santa Rosa zeigte uns ein Stückchen deutsches Volkstum im fernen Urwald. ' Ein'Film über Eisberge und ein Fox-Film über die hoch. interessante, vom Urwald für viele Jahrhunderte oerdeckte meri- konische Kulturstätte Dukatons in Mittelamerika, ging voran. Dieser Film zeigte dem Unna» wieder entrissene Tempel. Wohnhäuser und Pyramiden mit unheimlich stark wirtenden Ornamenten und reichen Götter, und Tierbildern. Ein einleitender Vortrag von Josef Cammer führte in die Schwierigkeiten ein. die der Eroberung des Urwaldes mit seiner überreichen Tier- und Pflanzenwelt und den unzähligen Quälgeistern, wie Ameisen, Termiten und mikroskopisch kleinen Lebe- wesen entgegenstehen und so«inen großen Heroismus seiner Urbar« macher und Durchsorscher voraussetzen. ich. Entdeckung einer Schlüker-Ztakuelke. Man wußte au» der Lite- 'ratur, daß sich das Modell eines Merkur von dem Gießer Johann Jacob! im Homburger Schloß befand, ober das Kunstwerk war lange Zeit nicht aufzufinden, und erst setzt ist es, wie Prof. Franz Weinitz im„Kunstwanderer* mitteill, wieder ans Licht gekommen. Iacobi, der Gießer de« Reiterdenkmals de» Großen Kurfürsten in Berlin, war mit Andreas Schlüter eng verbunden, und so liegt die Vermutung nahe, in dem Bildner des kühn aussteigenden Merkur, der zwar der bekannten Figur der Giovanni Bologna nachgebildet ist. sich aber von ihr in wesentlichen Momenten unterscheidet. Schlüter zu erkennen. Befindet sich doch bereits im Homburger Schloß ein anerkanntes Werk Schlüters, die prächtige Büste des Landgrafen Friedrich II. über dem Tore zum Alten Archtogebäude. Wabrschein- lich hat Schlüter auch den Merkur für den Landgrafen, der übrigen» Kleists Prinz von Homburg war. gearbeitet. Das schöne und charakteristische Werk ist aus Bronze verfertigt, die einen dunkelfarbigen Ueberzug erhallen hat. Die Höh« der Figur betrögt rund 69 Zentimeter, die Kugel etwa 19 Zentimeter, der dunkle Marmor- sockel 19 H Zentimeter. Das Werk Schlüters wird damit um eine neue interessante Arbeit bereichert. ZllaMa VoNIssin! veranstaltet am S. Oktober in der Philharmonie eine» Arien- nnd Liederabend. Dusolina Glannial, die in Berlin im Konzertsaal mit so außerordent- liihcm Erlolg ausgenommene ilaNer.ische Sängerin, ist vom Intendanten Tietien jür ein zweimalige» Mast'piel w der Städtischen Oper verpflichtet worden. Sie fingt am 17. und SO Oktober in der Städtischen Over die .Wido*. Die Vorftevung findet zu gewöhnlichen Preisen statt. Der Por- verkaus hat bereit» begonnen. Da» Hamburger hriue-renkmal. ba» einst die Kaiserin Elilabeih lfir Korw errichten liest, da» aber nun ichon seit gabrzehnten in der ftreicn Reich»- und Hansastadt unter einem Hoftvei schlag lein Dasein sristele, soll, wie gemeldet wird, jetzt endlich restauriert und in Altona öxcntlich ausgepellt werben. Ein Petra« ca- INllsenm soll in der ftanzöfischen Stadt vaucluse errichtet werden, tn der der berühmte italienilch« Dichter der»Sonett« an Laura* eine» wichtigen Abschnitt seine« Leben» verbracht hat. Die Vorbereitung üer Wahlen. Anordnungen des Innenministers. Um dl« Vorbereitung der Wahlen zu fördern, hat der preußische Innenminister in einem Runderlaß folgendes angeordnet: Die Wählerlisten sind spätestens fünf Wochen vor dem Wahstage(29. November), d. h. späte ftens vom 2S. Oktober a b. auszulegen. Der Provinzialausfchuß(Landesausschuß) hat mit größter Beschleunigung 1. die Zahl der zu wählenden Provinzialland- tags-(Kommunallcndtags-)A bgeordneten festzusetzen, für die auf Grund des neuen Wahlgesetzes das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni d. I. zugrunde zu legen ist. wie es in Nr. 28/29 der Statistischen Korrespondenz vom 19. Juli d. I. veröffentlicht ist: 2. die Einteilung der Provinz(des Vezirksverbandss, Landeskommunaloerbandes) in Wahlbezirke vorzunehmen. Für die Prooinziallandtagswahlen sind Wahlbezirke(Stadt- und Land- kreise), auf die nach der Einwohnerzahl nicht mindestens 1 Zlbge- ordneter entfällt, durch Beschluß des Prooinzialausschusics mit einem benachbarten Wahlbezirke zu vereinigen. Hinsichtlich der Zusammen- legung ist zu benierken, daß ein Wahlbezirk, der die Durchschnitts- zahl nicht erreicht, sowohl mit einem oder mehreren Wahlbezirken, die ebenfalls die Durchschnittszahl nicht erreichen, verbunden werden kann, wie mit einem Wahlbezirk, der die Durchschnittszahl erreicht; vorausgesetzt, daß es sich um benachbarte Wahlbezirke handelt. 3. Einreichung der Wahlvorschläge. Voraussichtlich wird die demnächst erscheinende Wahlordnung dahin Bestimmung treffen, daß die Wahlvorschläge spätestens eine Woche vor dem Wahltage, d. h. am 22. November, bekannt zu machen und daß sie spätestens bis zum 21. Tage vor dem Wahltag«, d. h. bis zum 8. No- vember um Mitternacht, einzureichen sind. Wahlvorschläge können an und für sich auch schon vor der öffentlichen Aufforderung zur Ein- reichung von Wahlvorschlägen eingereicht werden. Bis zum Erlaß der Wahlordnung bestimmt der Minister, daß die Wahlvorschläge für die Prooinziallandtagswahlen einheitlich für sämtliche Wahlbezirke beim Provinzialausschuß. für die Kreistagswahlen beim Kreisausschuß einzu- reichen sind. Die Wahlvorschläge müssen von mindestens 19 Wahl- berechtigten unterschrieben sein. Die Wahlberechtigten können für die Prooinziallcndtagswahleu aus dem ganzen Bereich der Provinz. für die KrÄstagswahlen aus dem ganzen Kreise entnommen werden. Was hier für die Provinziallandtagswohlen gesagt ist, gilt entsprechend für die Kommunallandtagswahlen: an die Stelle des Pro- vinzialausschusses tritt der Landesausschuß. Die ßeme. Bisher IS Verhaftungen.— V. Setiben, Gutknecht und Schür», ann stark belastet. Die Korrespondenz BS. teilt mit: Im Moabiter Unter- suchungsgefängnis befinden sich jetzt nicht weniger als 16 Per- fönen, denen zur Last gelegt wird, an den Mordtaten der Feme entweder aktiv mitgewirkt oder es unterlassen zu haben. Anzeige wegen der ihnen bekannten Straftaten zu erstatten. Landgerichtsrat Dr. Graßk« vom Landgericht III hat am Witt- woch den Oberleutnant Frecherrn v. Senden mehrere Stun- den lang vernommen und daraufhin angeordnet, daß Ober- leutnont Senden, dessen Verteidigung RechtsanwaU Bloch(Berlin) übernommen hat, weiter in Haft verbleibt. Oberleutnant von Senden wird zunächst aktive Beteiligung an den Morden der Feme nicht vorgeworfen, sondern vielmehr die Tatsache, daß er in Kenntnis gewisser Derbrechen die Anzeige unterlassen hat. Unter den Verhafteten, denen zum Teil aktiv« Täterschaft bei Ausübung der Fememorde zur Last gelegt wird, erscheint der eben- falls" verhaftete Hauptmann a. D. Guttnecht neben Schür- mann sehr stark belastet. Inzwischen ist von der Staatsanwaltschaft ein« neue Fest- nähme erfolgt, und zwar ist der ehemalige Leutnant Denn ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Ben» war Führer eines nach ihm benannten Stoßtrupps im Regiment Senden und lag im Juni 1923 in Döberitz. In dem Stoßtrupp sind dann ge- wisse Dinge vorgekommen, die die Mannschaften mst der Polizei und dem Garnisonältesten in Berührung brachten, so daß der ge- samte Stoßtrupp strafweise nach Frankfurt(Oder) versetzt und dort dem Führer der A. K., Leutnant Damm, unterstellt wurde. Schon zwei oder drei Wochen später wurde dann der Stoßtrupp Venn wiederum versetzt und kam in die Spandauer Zitadelle, wo er bis zum Zusammenbruch des Küstriner Putsche« verblieb. Später ist Beim mit seinen Leuten dann nachMecklenburg gegangen und wurde Führer eines Arbeitskommandos auf einem großen Gut. Denn selbst hat sich längere Zeit in Schwerin aufgehalten, flüch- tete jedoch wiederholt, als ihm die Polizei auf den Fersen war. C» wird vermutet, daß der Ermordet« Pannier Angehöriger des Stoßtrupp« Benn gewesen ist und daß Venn um diese An- gelegenhest weiß. Am gestrigen Mittwoch ist der Verhaftete seinem ehemaligen Regimentskommandeur, dem Freiherr» v. Senden, gegenübergestellt worden. Schlußsitzungen ües Sarmat-�usschusies. Vortrag beS Hanptberichterstatters. Zu Beginn der Mittwochsitzung des Untersuchungsausschusses des Landtags in Sachen Barmat-Kutisker beschwerte sich der Kam- niunist Bartels, der Abg. Heilmann habe, nachdem die kommu- nistischan Fragen am Dienstag im Ausschuß bekanntgeworden waren. sich mit Barmat telephonisch in Verbindung gesetzt. Der Vor- sitzende stellt dazu fest, daß er selbst sich am Dienstag nachmittag an Heilmann gewandt habe, damit dieser auf Barmat einwirke, sich dem Ausschuß für die Vernehmung zur Verfügung zu stellen. H e i l m a n n erklärt, er habe, seitdem der Ausschuß die Frage- stellung an Barmat beschlossen hatte, mit Barmat weder telephoniert nach gesprochen, um irgendwie auf ihn einzuwirken. Er habe ledig- lich dem Wunsche des Vorsitzenden entsprochen und sich in der Mittagszeit, vor Bekanntwerden der kommunistischen Fragen, mit Barmat in einem Cafe getroffen. Nach Verlesung des Stenogramms der von Barmat am Diens- tag abend auf die kommunistischen Fragen gemachten Aussagen oer. wc.st Abg. Bartels(Komm.) darauf, daß Heilmann vor dem Aus- schuß lediglich von Auslagen gesprochen habe, die von Barmat wiedererstattet worden seien. Jetzt aber habe Barmat selbst die Möglichkeit eine» Darlehns an Heilmann zugegeben. Heilmann bemerkt dazu, er könne sich nicht entsinnen, daß er jemals ein Dar- lehn von Barmat erhalten habe. 2lbg. Dr. Kauf hold bemängelt, daß der Ausschuß sich über die Vernehmungsfähigkeit Barmats unterhalle, während dieser sich in einem Cafä mit Heilmann treffe. Eigenartig berühr« auch, daß sich der Vorsitzende gerade an Heitmann wende, um Barmat über die Absicht des Ausschusses, ihn zu vernehmen, zu unterrichten. Heil- mann betont nochmals, daß der Vorsitzende ihn bisher bei jeder Vernehmung Barmats gebeten habe, die Verbindung mit Barmat herzustellen. Das fei dann in der Weise erfolgt, daß er(Heil- mann» Barmat telephonisch fragte, welche Zeit ihm am besten passe: so sei das auch am Dienstag vormittag gewesen. Bei dieser Gelegen- hest habe ihm Barmat erzählt, daß er mittags eine Besprechung mildem Untersuchungsrichter Hab« und sich gern nachher Gegen Schlieber Eine Entschließung des Der Bundesvorstand des ADD. hat sich mit der durch die Ablehnung einer Besoldungsausbesserung für die Beamten ge- schaffenen Lage befaßt. Gegenüber den Gründen, die der Reichs- stnanzminister von S ch l i e b c n für die ablehnende Haltung der Rcichsregierung gellend gemacht hat, stellt der Bundesvorstand folgendes fest: 1. Der Reichsfinanzminister erklärte am 31. Juli 1923 i m Reichstag:„Sobald wir den Beamten helfen können, ohne Schädigungen der Reichsfinanzen heraufzubeschwören, dann werden mir auch helfen.* Nach Ausweis der amtlichen Veröffentlichungen zeigen die Einnahmen des Reiches aüch in diesem Etotsjahr schon wieder einen Ueberschutz von mehreren hundert Millionen Mark. Trotzdem also die vom Minister selbst auf- gestellte Voraussetzung erfüllt ist. will er die gegebene Zusage nicht einlösen, indem er auf einen zu erwartenden Rückgang der Einnahmen hinweist. 2. Soweit ein solcher Rückgang eintreten kann, ist er die Folge einer Reihe von Steuerermäßigungen, die durch die neuen Steuergesetze eingeführt sind. Diese Ermäßigungen bedeuten aber bestimmt eine Schädigung der Reichsfinonzen: trotzdem hält sie die Regierung für erträglich, denn sie kommen fast ausschließlich der Wirtschaft zuoute, die damit eine wesentliche Erleichte- rung ihrer Lage erfahren hat. Dennock begründet der Minister seine ablehnende Haltung weiter mit der Krisis des deutschen Wirt- schaftslebens, das bei einer Verbesserung der Beamtenbesoldung zum Erliegen kommen müsse. Diese schon seit Jahren angeführten Argumente können auf die Beamtenschost keinen Eindruck in ehr machen: sie muß die Zumutung ablehnen, daß es ihre Auf- gäbe fei, die Wirtschast gesund zu hungern. 3. Ferner kann die Behauptung des Ministers, daß mst Rücksicht auf die Üohnfrage in der Industrie eine Befoldimsssauf» besserung unerträglich fei, keinesfalls anerkannt werden. Sett De- zember 1924 sind die Beamtengehälter stabil geblieben, während die Löhne steigend« Bewegung aufweisen. Der Zustand, daß Beamte über 49 Mark monatlich weniger verdienen als der ihm unterstellte Arbeiter, ist völlig unerträglich. 4. Ebenso unhaltbar und unbewiesen ist die Be- hauptuna, daß eine Besoldungsaufbesserung zu einer weiteren Preis st eigeruna führen müsse. Die Preise sind seit einem Jahre dauernd gestiegen, trotzdem die Beaintengehälter keine Erhöhungen erfahren haben. Die sogenannte Preisabbau» mit ihm(Heilmann) treffe. Die Zusammenkunft habe im Cafä Belleoue stattgefunden, und zwar etwa um 1 Uhr mittags. Dabei sei über die kommunistischen Fr a g e n, die zu diesem Zeit- pnnkt noch gar nicht bekannt gewesen seien, nicht gesprochen worden. Sett dieser Zusammenkunst habe er mit Barmat weder mündlich noch telephonisch gesprochen. Don irgendeiner Beeinflussung könne daher absolut keine Red« sein. Nachdem der Vorsitzende noch einmal sein Dorgehen gerecht- fertigt hatte, bezeichnet Abg. K u t t n e r(Soz.) es als unverständlich, daß man an die Zusammenkunft fteilrnann» und Barmat Kombinationen knüpfe. Solche Kombinationen hätte man dann auch an die Besprechungen knüpfen können, die deutschnatio» nal« Abgeordnete während der Verhandlung des Unter- suchungsäusjchusses vor dem Ausschußzimmer mit Zeugen wie Kling Hammer und K u ß m a n n gehabt hätten.— Abg. Schwerin«(Z.) erklärt, der Vorsitzende verdiene für sein Vorgehen zwecks Beschleunigung der Verhandlungen des Ausschusses nicht Kritik, sondern Dank.— Hierauf gibt der Berichterstatter Abg. v. W a l d h a u s ern(Dnat.) einen Ueberblick über die Tätigkeit des Ausschusses, der am 16. Januar auf deutschnationalen An- trag eingesetzt wurde. Es fanden 47 öffentliche Dollsitzungen und 5 Vernehmungen statt: die stenographischen Berichte umfassen bereits 2799 Dnickspolten. Damit hotte der Dortrag des Hauptberichterstatters fein Ende gefunden. Nächste Sitzung Donneretag 19 Uhr: Bericht des zweiten Be- richterftatters Dr. Badt(Soz.)_ Deutschnationale für Zwangswirtschaft. Lanbwirtschaftsfrageu im HauPtauSschust. Der Houptausschuß des Landtags nahm am Mitt- woch einen Antrag an, der für die Rückzahlung der land- wirtschaftlichen Kredit« Erleichterungen fordert. Diese Erleichterungen wurden aus die Forderung unserer Genossen hin an die Bedingung geknüpft, daß keine Gefährdung der Währung dabei eintreten dürfe. Die Seehandlung will der Landwirt- schaft dadurch entgegenkommen, daß das erste Drittel bis zum 13. November, dos zweite bis zum 19. Dezember und das letzte Drittel bis zum 1. Januar beglichen werden soll. Der Preußische Staat, der 89 Millionen gegeben hat, will im Notfall bis zum 1. Januar warten. Die Reichsbank hält grundsätzlich an der Rückzahlung bis zum 31. Dezember fest und gestattet nur in be- sonderen Notfällen eine Hinausschiebunq bis zum 31. Januar. Zlngenommen wurde ferner ein Antrag der Deutsch- nationalen, dem reellen Handel unter Bürgschaft der Gemeinden oder Kreise zum Ankauf von Kartoffeln ausreickende Geld» mittel zur Verfügung zu stellen. Auf Antrag unserer Genossen er- hallen die Verbraucherorganisationcn die gleiche Vergünstigung. Die Agrarier, die mit Groll sehen, wie sich die Spanne zwischen Erzeuger- und Ladenpreis bei den Produkten der neuen Ernte, vor allem bei Getreide und Kartoffeln, zusehends vergrößert, wären heute froh, wenn die Kommunen wieder, wie zur Zeit der von den- selben Agrariern verfluchten und verwünschten Zwangswirtschaft, wenigstens einen Teil der Kartoffelernte zu einem besseren Preis, als der Händler ihnen bietet, kaufen würden. Daher erlassen sie bereits große Ausruf« an die Verbraucher, doch ja Kartoffel zu kaufen. Offen an die Hilfe der Kommunen zu appellieren, das erlaubt den Deutschnationalen ihre„Mtttelstandspolttik* nicht. Rußland für den europäistten frieden! Tschitschcrin straft seine Enten Lügen. Paris, 7. Okkobcr.(Eigener Dralitberichi.) Di« Bo-schast der vereinlgken Sowjettepnbliken In Paris dementiert kategorisch die von einigen pariser Llättern veibreitete Nachricht, daß der russische Volkskommissar der auswärtigen Angeiegeufteiteu T j ch i t s ch e r t n bei seinem Aufenthalt In warschon und verliu Polen uud Den' land eiue MititSratltauz vor- geschlagen habe. S cm Litt da» Dementi der Vchauptuvg entgegen, die ko egiernng widersetze sich einer fran- zösisch. deutsche. Annäherung. Die vereinigten Sowjetrepubliken begrüßen j e d e» Abkommen, das geeignet fei. dem europäischen Frieden eine feste Grundlage zn geben. Nur in diesem Sinne habe sich Tschttscherin in Lerlin uud Warschau geäußert. Macüonald besucht Serlin. London, 7. Oktober.(TU.) Ramsay Macdonald wird am Dienstag, den 13. Oktober, in Legleitung des ehemaligen Unter- staatsfekretärs für die Kolonien, Lord Arnold, fein« Rundreise durch Europa antreten. Macdonald wird Prag, Wien, Berlin und Brüssel besuchen. lS Hungerpolitik. Vorstandes des ADV. aktion der Reichsregierung hat fühlbare Ergebnisse bis- her nicht gezeitigt. Zudem steht die Ansicht, daß Produzenten und Händler jede Besoldungserhöhung der Beamten durch willkürliche Preissteigerung für sich beanspruchen könnten, in krassem Wider. spruch zu den von der Regierung bekundeten Preissenkungsabsichten. Mit dieser Begründung könnte schließlich auch in der Zukunft jede Verbesserung der wirtschaftlichen Notlage der Beamten abgelehnt werden. Der Lundesvorsland sieht sich daher zu der Feststellung ge- zwungen, daß die Reichsregierung die unerträglich gewordene Not« löge der Beamten, besonders der unteren Besoldungsgruppen, nicht beseitigen will, obwohl sie anderen Kreisen des Volkes In der weltsft« gehendeu weife durch Skeuececmäßigungeu und eine Reihe anderer Maßnahmen(die Einfuhrfcheine bedeulen allein ein Geschenk voi, 199 Millionen Mark für die Lindwulschafl) entgegengekommen ist. Der Bundesvorstand erblickt hierin einen Ausfluß der arbeit» nehmerfeindlichen Politik der gegenwärtigen Reichs- regierung und der hinter ihr stehenden Parteien, einer Politik, die nicht zu der Beruhigung unseres innerftaallichen Lebens führen kann, die die Regierung bei ihrem Amtsantritt als ihr Ziel auf» gestellt hat. Der Bundesvorstand fordert daher alle Beamten auf, in klarer Erkenntnis dieser Zusammenhänge sich um die Organisationen zu scharen, die gewillt sind, den auch der Beamtenschaft aufgezwungene» Kampf gemeinsam mst allen übrigen Arbeitnehmern zu führen. den Kampf gegen eine einseitige Herrschaft der Kapitals- und Profit- interessen, den Kampf gegen eine völlig unsoziale Steuer» Politik, den Kampf gegen eine Lohn- und Besoldungs» Politik, die die große Masse immer wetter in die V e r, elendung hineintreibt. Die Oeffentlichkeir weist der Dundesvorstand eindringlich darauf hm. daß mit einer Beamtenschast, die sich im Dauerzustand« des Hungers und der schwersten wirtschaftlichen Not befindet, die Auf» gaben der Verwaltung und der sichere Fortgang des Staatsleben» nicht aufrechterhalten werden können. Beamte, wacht auf! Der Kampf geht weiter! Allgemeiner Deutscher Zeamlenbuud. Der Dorftand: Falkenberg. Kriegsschulü unü Pakt. Tie beutfchnationale Opposition— int Lichte Locarnos. Locaruo, 7. Oktober.(Drahtbericht unseres Sonderlorrefpon- deuten.) In den englischen und französischen Konferenztreisen ver- folgt man. wie der Sonderkorrespondent des„Soz. Pressedienst* aus zuverlässiger Quelle erfährt, die gegenwärtigen i n n e r p o l i- tischen Vorgänge in Deutschland mst größter Auf- merksamteit. Chamberlain und Briand sowie der belgische Außen- minister Vanderveld« lassen sich regelmäßig genauen Bericht übet die Borgänge in der Deutschnationalen Partei erstatten E» ist schon fühlbar, daß die Hetze der deutschen Rechts- presse gegen die AußeNpolstik Stresemanns und da» Dränge« der Deutschnationolen auf eine nachmalige Erörterung der Kriegs- schuldfrage in Locarno gewiss« Wirkungen ausgelöst hat. die die Stellung..der deutschen Delegation gerade nicht erleichtern, .AllLersten Konferenztag haben die Vertreter England», Frankreich, und Belgiens in Privatgesprächen, als sie gefragt wurden, ob sie befürchten, daß die deutsche Delegation in Locarno oersuchen würde auf die Kriegsschuldfrage zurückzukommen, kategorisch erklärt, daß sie das für'a u s g e s ch l o s s e n hielten, da andernfalls die ganz« Konferenz scheitern könnte. Es wird besonders in englischen Kreifeti betont, daß Chamberlain entschlossen ist, wenn von deutsch« Seite irgendwie versucht würde, während der Konferenz die Schuld- frage noch einmal auszuwerfen, in nicht minder schrofferForm zu antworten, als er es jüngst anläßlich der Ueberreichung der Verbalnote in London getan hat. Im Zusammenhang damit ver- lautet bestimmt, daß Chamberlains mündliche Antwort, di« er dem deutschen Botschafter S t h a m e r gab, noch energisch« gehalten mar als die schriftliche. Der englische Außenminister soll dem Botschafter gegenüber die Worte„Provokation* unt „wahrer Wahnsinn* gebraucht haben, um die W t r k u n z der Verbalnote am Vorabend der Sicherhestskonferenz zv kennzeichnen. Seitdem nun inzwischen die neueste Berliner Red« des Grafen Westarp hier bekannt wurde, ist bei den Alliiertev die Befürchtung stärker geworden, daß die deutsche Delegation untet dem deutschnationalen Druck sich verleiten lassen könnte, die Schuld- frage hier wieder anzuschneiden. In diesem Fall müßte man damit rechnen, daß die Alliierten eine gemeinsame Antwort ertellten. die für die zukünftige Entwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und den Weststaaten nicht weniger als glücklich wäre. Den der Verständigung feindlich gesinnten Elementen in Frankreich würde das Handwerk dadurch sehr erleichtert werden, wenn sie vor der öffentlichen Meinung und vor allem bei den künftigen parlamentarischen Verhandlungen darauf hinweisea könnten, daß die deutsche Delegation in Locarno sich dem Befehl der Deutschnationalen unterwerfen mußte. Nach allem, was wir zuverlässig erfahren, besteht zwischen den Zlußenministern der Alliierten nicht die geringste Meinungsver- schiedenheit über die gefährlichen Folgen, die eine E r< örterung der Kriegsschuldfrage in Locarno haben würde. Jeder derartige Versuch dürfte alg ein Sabotageakt bewertet werden und man scheint auf alliierter Seite nicht im ge- ringsten geneigt zu sein, in diesem Punkt auf die sogenannten „inneren Schwierigkeiten* des Kabinetts Luther Rücksicht zu nehmen. » München, 7. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Münchener Deutschnationolen haben sich nach außen hin mit farblosen Res» liitionen zum Sicherheitspakt begnügt. Intern aber wurde die Berliner Parteileitung von München mis flehentlich beschworen, daß mit Rücksicht auf die Stimmung in den vaterländischen Kreisen im Süden jeder freiwillige Verzicht und jede Uebernahme irgendwelcher Bindung unterbleiben müsse, well sonst das Ende der Partei sicher eintreten würde. Di« Partei. leiwng wurde aufgefordert, wenn sie die Außenpolitik Stresemcnns nicht mehr durchkreuzen könne, in' die Opposition einzu- treten, in welchem Falle die Partei einen neuen gewalti« gen Aufschwung nehmen und bei den kommenden Preußen- wählen endlich selbst die Macht an sich reißen und damit auch im Reich wieder ans Ruder kommen werde. Eine Amnestleoorlage de? Stahlhelmeegierung in Braunschweig, die ganz einseitig reaktionäre Beleidiger von republikanischen Ministern für straffrei erklärt, ist vom braun- schweigischen Landtag mit einer Stimme Mehrheit an- genommen worden. Alle Verbesserungsanträge der Sozialdemo- kratie wurden niedergestimmt. Die Stimmung der Bevölkerung in Braunscbweig Ist durch die Taten der Stahlhelmregierung in den letzten Monaten derart umgeschlagen, daß die Regierung in&<•'• Wählerschaft keine Mehrheit hinter sich hat. Gewerkschaftsbewegung Eine Verteidigung des Reichsarbeitsministers. Durch ein Unternehmerblatt. Nahezu zwei Wochen brauchte die„ DA3." als potenziertes Unternehmerorgan, um zu der Veröffentlichung der Aften notia Stellung zu nehmen. Nach einer langstieligen Einleitung, in der Bernünftiges und Konfuses durcheinander gemischt sind, behauptete die„ DA3.", daß die Aktennotiz den„ sozialistischen Arbeiterführern längst bekannt war, die die Veröffentlichung jedoch zur Einleitung einer neuen Lohnkampagne turz vor dem 1. Oktober vorgenommen hätten. Diese eine Behauptung enthält drei handgreifliche unwahrheiten. Erstens, daß man furz vor dem 1. Oftober eine Lohnfampagne in die Wege geleitet hätte, womit zweitens gesagt sein soll, daß diese Lohnkampagne zum 1. Oftober eingeleitet worden sei, um das für dieses Datum angekündigte Wunder der Preissenkung zu verhindern, und drittens, daß die famose Aktennotiz uns längst porher befannt gewesen sei. Das ist nun die„ objektive" Darstellungsweise eines Unternehmer. blattes. Das Unternehmerblatt geht sogar so weit, zu behaupten, daß bei der Veröffentlichung der Attennotiz die Verleumdung eine große Rolle gespielt habe. Und zwar folgert die„ DA3." das aus der Veröffentlichung der Aftennotiz, in der wörtlich nicht nur stand, daß Dr. Meißinger vom Reichsarbeitsminister die Veröffent lichung einer Broschüre über die Lohnpolitik gewünscht hat sondern daß die beiden Vertreter des Reichsarbeitsministers für diesen Borschlag nach der Darstellung des Dr. Meißinger vollstes In tereffe" gezeigt hätten und daß überhaupt erfreulicherweise feft. gestellt werden muß, daß bei der Betrachtung der Lohn- und Wirtschaftslage wohl restlose Uebereinstimmung( zwischen dem Vertreter der Vereinigung der Arbeitgeberverbände und den Vertretern des Reichsarbeitsministers) bestand". Diesen Teil der Beröffentlichung unterschlägt die DA3.", um anderen den Vorwurf der Berleumdung machen zu fönnen, ein Vorwurf, der somit auf sie selbst zurückfällt. Es wird dann in dem Artikel noch ein unvollständiger Ausschnitt aus einem anderen Rundschreiben der Vereinigung gegeben, der das Gegenteil von der Aktennotiz beweisen soll, und es wird schließlich ein Aufsatz zitiert, den Dr. Sizler veröffentlicht hat und in dem Anschauungen enthalten sind, die in einigen Punkten abweichen von den Anschauungen, die Dr. Meißinger in der Aftennotiz dem Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium zuschreibt. In dem Uebereifer, das Reichsarbeitsministerium reinzuwajchen, unterlaufen der DA3." jedoch einige erheiternde Eingeständnisse. Sie schreibt unter anderem: " Daß Dr. Meißinger die Bitte des Ministerialdirektors Sizler, nichts Schriftliches über die Unterredung aus der Hand zu geben, nicht erfüllt hat, ist eine Angelegenheit, die wir hier nicht erörtern brauchen. Der Wunsch, den ihm nahestehenden Organisationen eine Rechtfertigung seiner Tätigkeit in einer etwas gefärbten Faffung zu liefern war wohl stärker als die notwen Daß die katastrophale Wirtdige taktische Borsicht. schaftslage von der Unternehmerschaft besser ertannt wird als von den meisten Gewerkschaftsführern, und daß daher zwischen dem Arbeitgebersyndikus und dem Arbeitsministerium, dem die Volfs= .. wirtschaft auch kein Buch mit sieben Siegeln ist, weitgehende Uebereinstimmung besteht, ist sicherlich kein Verbrechen an der Arbeiterschaft. Und daß sich der Arbeitgeber, der Lohn erhöhungen aus eigenem Intereffe steptisch gegenübersteht, in diesem Augenblick mit dem sozialen Ressort des Reichskabinetts, das sich in der Durchführung einer Preisabbauaftion befindet, auf den Wegen der Lohnpolitit trifft, bedeutet noch feineswegs die Aufgabe der ministeriellen Selbständigkeit." Im Grunde haben wir selbst auch nicht viel mehr behauptet. Auch wir haben von vornherein angenommen und es auch gesagt, daß Dr. Meisinger die Zugeständnisse des Reichsarbeitsministeriums für fich möglichst auszumuzen gesucht hat. Wir sind durchaus der Meinung, daß der Unternehmerfynditus, als er die Bitte des Ministes rialdirektors, nichts Schriftliches aus der Hand zu geben, nicht erfüllte, es an der notwendigen taktischen Borsicht" fehlen ließ. Aber ist das etwa ein Beweis zugunsten des Reichsarbeits, minifteriums? Oder ist die von der„ DA3." festgestellte weitgehende lebereinstimmung" zwischen der Vereinigung und dem Reichsarbeits. ministerium ein zu dessen Verteidigung anzuführender mildernder Umstand? Spricht es etwa gegen die Aktennotiz des Dr. Meißẞinger, wenn die„ DA3." feststellt, daß sich das Reichsarbeitsministe rium und die Unternehmervereinigung gegenwärtig auf den Wegen der Lohnpolitik" treffen, um die famose Preisabbauattion zu recht fertigen? In der Hige der Verteidigung ist der„ DA3." entgangen, daß die linterredung Meisinger- Sigler am 8. August stattgefunden hat, also zu einer Zeit, wo selbst die Reichsregierung von einer Preisfentungsaktion" noch nichts gewußt hat. Man fann wohl zu der reichlich verspäteten, aber nicht reiflich überlegten Berteidigung des Reichsarbeitsministeriums durch die" DAR." sagen, was diese etwas fuperflug von der Aftennotiz des Dr. Meißinger fagt, nämlich, daß diese Verteidigung die notwendige tattische Borsicht" vermissen läßt. Der latente Konflikt im englischen Bergbau. Den Zechenbesitzern Riesengeschenke, den Arbeitern Abzüge. London, 7. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In der letzten Septemberwoche wurde an die englischen Kohlenbergwerke von der britischen Regierung über eine halbe Million Pfund Sterling an Unterstügungen gezahlt. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was ursprünglich für diesen 3wed vorgesehen war.( Anderer. seits haben aber verschiedene Kohlenzechen Lohnreduktionen vor. genommen. Da die Einigung in dem drohenden Bergbaufonflikt auf der Grundlage abgeschlossen wurde, daß eine Lohnreduktion nicht eintreten, die Regierung bis zur Feststellung der wirtschaftlichen Lage im Kohlenbergbau den Bechenbesizern Buschüsse leisten soll, scheint somit der Erfolg der Bergarbeiter doppelt in Frage geftellt.) feßt sich zusammen aus einem Standard. oder Basislohn, meistens der Saß, der in dem Bezirk bisher der Ausgangspunti für Lohnverhandlungen war. Hierzu tritt ein prozentualer 3u. schlag, dessen untere Grenze festgelegt ist und die nicht unter schritten werden darf, auch wenn das Revier mit Zuschüssen arbeitet. In dem für das ganze Reich geltenden Manteltarif wird eingehend bestimmt, in welcher Weise in den Revieren die Ueberschüsse zu ermitteln sind. Diese werden im Verhältnis von 88:12 zwischen Arbeitern und Besizern verteilt. Da jedoch gegenwärtig feine Ueberschüsse erzielt werden, hat sich die Regierung mit der theoretischen Frage, wie sich ihre Bestimmungen über die staatlichen Zuschüsse in Grenzfällen auf den Manteltarif eventuell auswirten tönnten, nicht befaßt, sondern ist einfach von der vor handenen Notlage ausgegangen. Die Regierung erklärte sich be, reit, die zur Zahlung des Mindestlohnes fehlenden Beträge aus Staatsmitteln zuzuschießen. In den von der Regierung erlassenen Bestimmungen wird finn gemäß gesagt, die Zahlung erfolgt nur an jene Betriebe, die sich bereit erklären, den gekündigten Manteltarif und die bezirklichen Tarifverträge für neun Monate unverändert bestehen zu lassen. Die Buschüsse werden nicht an das einzelne Werk gezahlt, sondern an den Bezirk auf Grund einer Bezirksabrechnung gegeben. Die Ermittelung der Höhe des Zuschusses geschieht in der folgenden Weise: Von den gesamten Einnahmen werden wie bisher sämtliche Betriebsausgaben erflusive Löhne abgezogen. Von dem Rest erhielten bisher die Arbeiter den Standardlohn, die Unternehmer 1/87 dieses Standardlohnes zur Deckung von nicht reinen Betriebsausgaben. Der dann noch verbleibende Reft wurde im Verhältnis von 88:12 auf Arbeiter und Unternehmer verteilt; unbedingt mußte jedoch die garantierte Mindestlohn summe gegeben werden. Nach der neuen Regelung erhalten die Arbeiter wie bisher die Mindestlöhne, die Unternehmer erhalten dagegen 1,25 M., voraus. einen festen Betrag von 1 Schilling 3 Pence gefeßt, daß bei der üblichen Berechnung dieser Betrag überschritten worden wäre. Wird nach der üblichen Berechnung dieser Betrag unterschritten, erhalten sie nur diesen geringen Satz. Welche Summen als Zuschuß in Frage kommen, zeigt nachstehende Aufstellung, die die geschäßten Zahlen der wichtigsten Reviere für August enthält: Schottland: Basislohn 12 Mill. M., 49,22 Broz. Zuschuß 5,84 mill. M. Northumberland: Basislohn 4,6 mill. M., 49,37 Broz. Durham: Basislohn 14 mil. m., Buschuß= 2,46 mi. M. 6,58 Mill. M. Süd- Wales: Basislohn 47,16 Proz. Zuschuß 8,16 Mill. M. Yorkshire u. 34 Mill. M., 24,26 Broz. Zuschuß 5,92 Midland: Basislohn 52 Mill. m., 11,32 Broz. Zuschuß Mill. M. Lancashire: 18 mill. m., 20,72 Prog. Buschuß= 3,76 Mill M. Nord- Wales: 2,4 mill. m., 28,53 Broz. Zuschuß= 0,7 Mill. M. Die Konsequenzen, die diese Zuschüsse nach sich ziehen, müssen ganz außerordentliche sein." Verhandlungen bei Maffei- Schwarzkopff. Eine Vertrauensmänner? onferenz der Belegschaft der Firma Maffei- Schwarzkopff beschäftigte sich am Mittwoch mit der Situa tion, die durch die Aussperrung anläßlich des Streits der Werkmeister geschaffen ist. Im Laufe der Konferenz wurde durch die Firma mitgeteilt, daß sie gewillt ist, mit den anwesenden Organisations. vertretern in eine Aussprache zu treten. Sämtliche Organisationsvertreter sowie der Betriebsrat famen dieser Einladung nach. Im Laufe diefer Verhandlungen erklärte die Direktion, feine bindenden Zusagen machen zu können, sich aber mit ihrer Generaldirettion wegen der Beilegung des Konflikts in Verbindung zu fehen. Am Donnerstag bzw. Freitag sollen dann die endgültigen Verhand lungen gepflogen werden. In der anschließenden Versammlung der Belegschaft berichtete Kraag vom Deutschen Metallarbeiter Verband neben organisato rischen Angelegenheiten über die Veränderung der Situation. Die Versammelten beschlossen, in einer neuen Bersammlung am Sonn abend, in der ebenfalls wieder alle Organisationsvertreter des Metallfartells und des DWB. vertreten sein werden, zu dem dann vorliegenden Verhandlungsergebnis Stellung zu nehmen. Es besteht die Aussicht, daß die Verhandlungen zu einer Beilegung des Konflikts führen werden, sofern nicht die Direktion in bezug auf die Ein. stellung der streifenden Werkmeister als auch der ausgesperrten Arbeiter einen scharfmacherischen Standpunkt einnehmen wird. Das würde zu einer Verlängerung des Kampfes führen, die gewiß nicht im Interesse der Firma liegt. Zum Streit im Eiseits und Stahlgroßhandel. Mit allen mur denkbaren Mitteln versuchen die Unternehmer des Eisen- und Stahlgroßhandels die streitenden Arbeiter gefügig zu machen. Es ist ihnen gelungen, eine organisierte Streifbrecher garde in die Betriebe zu bekommen. Jeden Morgen marschiert solch ein Trupp von der Wache in der Beusselstraße bis zur Sidinger. straße. Der Firma Thyssen ist es ebenfalls gelungen, eine Anzahl minderwertiger Objekte als Streifbrecher zu gewinnen. Laut Anschlag in den Betrieben wird den Angestellten dieses Betriebes mit Entlassung gedroht, wenn sie mit den streifenden, um ihre Existenz ringenden Arbeitern überhaupt nur sprechen. Der Firma Ravené gelang es gleichfalls einen fleinen Trupp solcher Elemente in den Betrieb hineinzubekommen. Es fällt dieser Firma aber schwer, arbeitswillige Kutscher zu erhalten. Handlungsgehilfen werden gezwungen, diese Arbeit zu verrichten. Sie werden getreu lich von Schuhleuten begleitet. Alle diese Mittel haben jedoch nicht vermocht, die Streifenden ungeduldig oder gar wankelmütig zu machen. Mit diesen Stüken der Gesellschaft find die Betriebe nicht aufrecht zu erhalten. Die Streifenden nahmen in einer Versammlung am Mittwoch zu diesen Dingen Stellung. Sie brachten zum Ausdruck, daß sie ungeachtet dieser bedauerlichen Borgänge nach wie vor im Kampf um ihre berechtigten Forderungen aushalten. Die Lohnbewegung der Töpfer. In einer Versammlung der Töpfer am Montag im„ Dresdener Kasino" berichtete der Branchenleiter John, daß die Töpfermeister es abgelehnt haben, in irgendwelche Verband Iungen über eine Erhöhung der Löbne und Afforde zu treten. Die angebahnten Verhandlungen fönnen somit als geHierzu wird uns von Steiger G. Werner geschrieben: scheitert betrachtet werden. Die Versammlung beauftragte nach furzer Am 30. Juli d. J. ging in England der Tarifvertrag für den Diskussion ihre Organisation, den Baugewerksbund, umgebend den Bergbau zu Ende und man rechnete mit einem schweren Berglichtungsausschuß zur Regelung des Streites anzurufen. arbeiterstreit. Da griff die Regierung ein und gewährte dem Bergbau staatliche Zuschüsse, um den Weiterlauf des Tarifvertrages für einen Zeitraum von neun Monaten zu ermöglichen. Der englische Tarifvertrag ist ein Manteltarif, der bestimmt, welche Grundsäge bei der Errechnung der Lohnhöhe in den einzelnen Bezirken zu befolgen sind. Die Löhne werden bezirk lich geregelt. Für alle Bezirke sind Mindestlohne fest gesetzt, die unter allen Umständen gezahlt werden müssen. Der Lohn Rücksichtslosigkeit bei der Reichsbahn. Ein Eisenbahner schreibt uns: Bei der Reichsbahn bestehen zwei Bensionstassen, A und B. Bei A handelt es sich um die Invalidenversicherung, bei B um eine Zusatzversicherung. Bei der Anstellung als Beamter wird die B- Versicherung überflüssig, da nach zehnjähriger Anstellung Beamtenpension gewährt wird. Die meisten der neuen Beamten bleiben in der A- Kaffe, um thre bis aur Anstellung geleisteten Beiträge nicht verfallen zu lassen. Diese Beiträge betrugen bisher 80 bis 100 Pf. monatlich. Die Beiträge zur Weiterversicherung als freiwilliges Mitglied wurden jetzt rückwirkend ab August auf 5 M. monatlich erhöht, laut Bekanntmachung vom 28. September. Bei der Gehaltszahlung für Oktober wurden die rückwirkend erhöhten Beiträge im Betrage von 14,60 m. mit einmal abgezogen. Man hat so schon zu rechnen, wie man mit dem geringen Gehalt zurechtkommen soll. Entweder mußten die höheren Beiträge schon ab August abgezogen oder aber nachträglich auf zwei Ge haltszahlungen verteilt werden, da ja etwaige Gehaltszulagen auch nicht rüdwirkend gezahlt werden. Der rücksichtslose Abzug hat aber eine bei den Beteiligten böses Blut gemacht. Kleinigkeiten tommt zu der anderen. Zur Tarifbewegung in der Metallindustrie. Bom Zentralverband der Angestellten, Drtsgruppe Groß- Berlin, wird uns geschrieben: Der in der Nr. 474 des„ Bortvärts" abgebrudte Versammlungs. bericht schildert durchaus zutreffend den Verlauf und die Stimmung der Versammlung der AfA- Funktionäre vom Dienstag. Lediglich der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, daß der Zentralverband der Angestellten sich entschlossen hat, seine endgültige Stellungnahme erst in einer neuen Funktionärversammlung zu fällen, die zum Donnerstag, den 18. Oktober, einberufen worden ist. Die Einberufung dieser neuen Funktionärversammlung ist zum Teil darum notwendig, weil eine große Zahl maßgebender Funktionäre am Dienstag abend durch Teilnahme an politischen Veranstaltungen verhindert war. Lohnabkommen in der Filmindustrie. 3wischen den Arbeitgeberverbänden und dem ArbeitnehmerLohnfartell in der Filmindustrie ist für die Zeit vom 1. Oftober bis 5. Dezember d. I. ein neues Lohnabkommen getroffen, das die bisherigen Löhne um 10 Pro 3. erhöht. Hiernach stellen sich die Spizenlöhne für männliche gelernte Facharbeiter auf 1 m., weibliche 75 Pf., männliche Bühnenarbeiter auf 90 Pf., weibliche auf 67 Pf., angelernte männliche Arbeiter 80 Pf., weibliche 60 Pf., für alle übrigen 70 Pf., weibliche 58 Pf. Mit diesem Lohnabkommen beschäftigte sich eine Versammlung aller in der Filmindustrie Beschäftig. ten, die am Dienstag abend in den Musiker- Festfälen in der KaiferWilhelm- Straße tagte. In seinem Referat betonte Schiemann, daß das Lohnabfommen unbedingt als Erfolg zu buchen sei. Aber größere Erfolge seien nur dann zu erzielen, wenn es möglich sei, die Organisation der in der Filmindustrie Beschäftigten zu stärten und für eine gefchloffene Front der Arbeitnehmer zu sorgen. Die„ Opposition" richtete sehr scharfe Angriffe gegen den Kartellvorstand. Er war ihnen nicht„ radital" genug. In zwei Anträgen verlangten sie, daß das Lohnfartell neu zusammengesetzt werde, ferner erhoben sie Protest gegen das Lohnabkommen, weil es ohne vorherige Befragung der Mitglieder abgeschlossen sei. Beide Anträge wurden zur weiteren Behandlung der Filmgewerkschaft" überwiesen, Weiberklatsch in der Berliner Hausfrau". Im Hause der Zeitung" Berliner Hausfrau" wurden fämt= fiche Reine machefrauen gekündigt. Als sie an aus ständiger Stelle nach dem Grunde der Kündigung fragten, wies man sie an den Pförtner. Der wisse Bescheid, hieß es. Sie erhob mit Die Frauen stellten den Pförtner zur Rede. Es gab eine Auseinandersehung, die sich nicht gerade in parlamentarischen Formen vollzog. Der Pförtner nannte die Wortführerin der Frauen ein. gemeines Weib. Natürlich bekam er darauf eine Antwort, die in feinem Komplimentierbuch zu finden ist. Aber über den Grund der Kündigung blieben die Beteiligten im Untlaren. Die Frauen wurden entlaffen. Nur eine von ihnen wußte, daß es gegen willkürliche Entlassungen einen Rechtsweg gibi Erfolg Einspruch beim Betriebsrat und Klage beim Gewerbegericht. Hier sollte nun der Entlassungsgrund festgestellt werden. Es wurde nichts als unbegründeter Klatsch gegen die Klägerin angeführt. Sie sollte ihre Arbeit nicht sauber ausgeführt haben, be hauptete eine von der Firma gestellte Beugin. Dagegen fonnte eine Reinmachefrauen von der Hausmeisterin als Muster hingestellt andere Zeugin angeben, die Arbeit der Klägerin sei den anderen worden. Die Klägerin soll während der Arbeitszeit geraucht haben, wurde behauptet, aber gesehen hatte es niemand. Schließlich trat noch eine Zeugin mit der Behauptung auf, es sei ihr gesagt worden, die Klägerin sei für alle Männer zu haben. Die Klägerin perlangte zu wissen, wer das gesagt habe. Die Zeugin wollte es von im Hause beschäftigten Arbeitern gehört haben. Sie behauptete aber, sie wisse nicht, wer es ihr gesagt habe. Nachdem sich so herausgestellt hatte, daß nichts als elender Klatsch zur Begründung der Entlassung angeführt werden fonnte, verurteilte das Gericht die Beklagte, die Klägerin wieder einzustellen oder sie mit 75 M. zu ent schädigen " Anglo- russische Einigkeit. In unferer Morgenausgabe vom 1. Oftober veröffentlichten wir eine Notiz aus dem Soz. Pressedienst, in der ein Artikel des Daily Herald" über die russischen Gewertschaften zitiert war. Die Rote Fahne", die von sich auf andere schließt, behauptet, wir hätten diesen Artikel erfunden. Nachdem wir uns überzeugt haben, daß tatsächlich am 13. September, einem Sonntag, der„ Daily Herald" nicht erschienen ist, womit alio ein Irrtum vorliegen muß, haben wir den Soz. Pressedienst ersucht, dem Irrtum nachzugehen. Wir werden unsere Leser informieren, sowie uns die entsprechende Aufklärung zugeht. Deutscher Bangemertsbund, Fachgruppe der Töpfer. Am Freitag abend 6 Uhr bei Nöhring, Neue Friedrichstr. 1, Bertrauensmännerversammlung. apsordnung: Unsere Lohnbewegung. Im Behinderungsfalle ist für Erfaz zu forgen. Die Fachgruppenleitung. Verband der Gemeinde. und Staatsarbeiter, Filiale Berlin( Bezir? 5 Friedrichshain). Heute abend 6½ Uhr im Freischük". Berlin D, Fruchtsir. 36a, Bezirksversammlung. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Cytorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Fri Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanitalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen, Unterhaltung und Wissen und Jugend- Borwärts". Sammeln Sie Gutscheine bann erhalten Sie Bonbonniere Jombust eine prachtvolle Vorsicht beim Einkauf von Palmin! Es werden vielfach nachahmungen mit ähnlich klingenden namen unterschoben. Salmin nur echt, wenn auf dem Etikete der Namenszug Drfchlinck steht! +42. add 1. Beilage des Vorwärtssid Jahrgang Nr. 475 42.Jahrgang Wie wählt der städtische Arbeiter? Donnerstag, 8. Oktober 1925 Aus der Geschichte sozialdemokratischer Arbeiterpolitik in den Gemeinden. Lohnfragen und Arbeitszeit. 50 000 städtische Arbeiter und Angestellte einschließlich der Be-| Genossen hinge, Weŋl und Zubeil, um nur einige Namen. schäftigten in den städtischen G. m. b. H. und Aktiengesellschaften zu nennen, haben in jener schweren Zeit die Interessen der städtischen wählen am 25. Oftober zur Stadtverordnetenversammlung. Mit Arbeiter auf das wärmste und entschiedenste vertreten. ihren Angehörigen ein Heer von annähernd 100000 Wählern. 1½ Dugend Parteien bewerben sich bei den bevorstehenden Wahlen um die Stimmen der Arbeiter und Angestellten. Es ist notwendig, an der Hand der Geschichte der Berliner Kommunalpolitik festzustellen, welche Parteien für sich das Recht in Anspruch nehmen können, als Vertreter der städtischen Arbeitnehmerschaft bezeichnet zu werden. Erste Arbeiterpolitik in der Gemeinde. Bis zum Jahre 1883, dem Jahre, in dem zum ersten Male Sozialdemokraten in die Berliner Stadtverordnetenversammlung einzogen, war die Behandlung von Arbeiter- und Angestelltenfragen durch die Stadtverordnetenversammlung unbekannt. Trotzdem Berlin schon damals in seinen Werken und Kämmereibetrieben viele Taufende Arbeiter und Angestellte beschäftigte, hielten es die Vertreter des Bürgertums unter ihrer Würde, die Angelegenheiten der Arbeiter und Angestellten zum Gegenstand von Erörterungen im Stadtparlament zu machen. Bezeichnend ist, daß noch im Jahre 1892 ein Führer der bürgerlichen Fraktionen, der Stadtverordnete Mener 1, erflärte, daß es unmöglich Aufgabe der Gemeindever tretung sein könne, sich über die Löhne und Arbeitsbedingungen der untergeordneten Domestiken der Stadt zu unterhalten. Von irgend welchen Grundfäßen in bezug auf Lohnpolitit, Arbeitszeit, foziale Einrichtungen usw. war keine Rede; der Herr- im- Hause- Standtpunkt" gegenüber den Tausenden von Arbeitern und Angestellten galt als Selbstverständlich. Die städtischen Arbeiter und Angestellten mußten demütig das entgegennehmen, was ihnen von den Bätern der Stadt wohlwollenderweise gewährt wurde. Mit dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Stadtverordnetenversammlung änderte fich das Bild. Neben den allgemeinen großen Gesichtspunkten sozialdemofratischer Gemeindepolitit war das Spezialgebiet der Arbeiterpolitit in allen ihren Einzelheiten Gegenstand von Anträgen der jungen Sozialdemokratischen Fraktion. Bei jeder Etatberatung und bei allen fich bietenden Gelegenheiten hielt es die kleine sozialdemokratische Fraktion für ihre Pflicht, die Interessen der Arbeiter und Angestellten der Stadt wahrzunehmen, und als im Jahre 1896 die Organisation der Gemeindearbeiter geschaffen wurde, war es die sozialdemokratische Fraktion, die mit allem Nachdruck die Forderungen und Wünsche der Organisation dem Magiftrat und der Stadtverordnetenversammlung gegenüber vertrat. In Hunderten von Anträgen hat die Fraffion im Laufe ihrer mehr als 40jährigen Tätigkeit im„ oten Haufe" ihre programmatischen Forderungen zur Arbeiterpolitik in der Gemeinde vertreten. Die erste Konferenz der sozialdemokratischen Ge meindevertreter der Proving Brandenburg, abgehalten in Berlin, im Jahre 1898, ftellte programmatische Grundsäge für die Regelung der Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter und Angestellten auf. Alle die sozialen Einrichtungen, die heute in den Gemeindebetrieben für die Arbeiter und Angestellten bestehen und als etwas Selbstverständliches angesehen werden, sind im allerschwersten ti Stampfe, mit Unterstützung und durch die sozialdemokratische Fraktion, spodem Berliner Magiftrat und der Stadtverordnetenverfammlung ab gerungen worden. Die Koalitionsfreiheit, heute ebenfalls etwas Selbstverständliches, war damals in den städtischen Betrieben unbekannt. Immer wieder mußte sich die Fraktion gegen die Be ftrebungen der Betriebsleitungen wenden, Arbeiter wegen ihrer Zu gehörigkeit zur und Tätigkeit für die Organisation zu maßregeln. Wenn vom Magistrat, dem Oberbürgermeister auch versichert wurde, bie Stadt dente nicht daran, das Koalitionsrecht der Arbeiter zu beschneiden, so stand diese Erklärung im Widerspruch zu den Hand lungen ber Betriebsleitungen. Nur nach und nach gelang es der Fraktion, die Maßregelungsmut der Beamten einzudämmen. Der ausschließlich aus Bertretern der bürgerlichen Barteien zufammen gelegte Magistrat lehnte jede offizielle Verhandlung mit Bertretern der Organisationen ab. Dies traf selbstverständlich auch auf die Betriebsleiter der städtischen Unternehmungen zu. Die sozialdemo fratische Frattion, wir nennen hier besonders die verstorbenen Genoffen Singer und Bergmann und die heute noch tätigen 54] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Ueberlegung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) Eines Sonntags sah ich sie mit einem Tennisschläger unterm Arm und einem Neg mit weißen Bällen angegangen tommen. Sie trug einen langen faltigen Rod, der sich über den Knien bauschte. Eine dünne, weiße Bluse lag wie ein Schleier über einigen Spitzen und der schimmernden Haut. Es schwebte gleichsam ein Leuchten um Hals und Gesicht, so daß alle Linien meich und verschwommen wurden. Jede Be megung war rund. Ich sah sie vom Maden aus. Ich verfolgte feine Linien von der Schulter an bis hinauf unter den gelben Haarknoten, und ich ahnte die Fortsetzung in ein edles Geficht und eine edle Seele. Bie konnte ihre Stimme flingen? Wie waren ihre Augen? Waren sie blau mit tiefviolettem Schein? An ihrer Seite ging ein junger Mann in einem grauen Anzug, der fest am Rüden anschloß. Er ging leicht nach vorn gebeugt mit den Händen in den Hosentaschen und machte lange Schritte, als ob nichts auf der Welt ihm imponieren fönnte. Ich fannte den Typ. Der war hin und wieder daheim in Samuelsens Laden aufgetaucht und hatte gefragt, ob mir eine rauchbare Bigarren hätten. Samuelsen pflegte stets über derartige Herren loszupruften und ich befam einen roten Ropf, benn fie fprachen mit einer Stimme, die höher lag, als ich für gewöhnlich zu hören gewohnt war. Ich bekam es mit der Angst. Wie leicht fonnte sie sich nicht in ihrem Schicksal irren und glauben, daß er es war, mit dem sie sich verheiraten sollte! Ich war arm und fonnte noch nicht in ihre Nähe gelangen. Was sollte ich tun? Ich stand hilflos da. An der Haustüre trennten sie sich. Sie niďte, und mir schien, als ob ich sehen könnte, wie die große Haarmelle über ihrer Stirn fich sentte, und wie ihre Augen darunter tiefer leuchteten, während fie den Kopf neigte. Schnell setzte ich mich in Bewegung und holte den Herrn im grauen Anzug ein. Er trug aufgeschlagene Beinkleider, und das war es vielleicht, was feinem Gang eine cornehme Gleichgültigkeit verlieh. Ich ging rasch an ihm vorbei und wartete vor dem Schaufenster eines Edladens auf ihn. Ich jah in dem Spiegelglas die Gestalt herangeschlendert tommen, von Ruhelohn und Hinterbliebenenversorgung für die ohne Pensions. berechtigung im Dienste der Stadt beschäftigten Personen ohne Bei tragsleistung der Arbeiter. Die Forderungen, den städtischen Arbeitern einen Rechtsanspruch auf diese Einrichtung zu geben, scheiterten immer wieder am Widerstand des Magistrats und der bürgerlichen Mehrheit, Bis zur Revolution und heute wieder erneut war und ist bis endlich nach der Revolution die sozialistische Mehrheit diese Fordie Lohnfrage stets Gegenstand heftiger Auseinandersehungen derung zur Durchführung brachte. Besonders energisch vertrat die in der Stadtverordnetenversammlung. Die Anträge der Organi fationen fanden stets die verständnisvollste Unterſtügung der Betrieben. Jahrelang wurden die Forderungen auf Errichtung von in der Stadtverordnetenversammlung. Die Anträge der Organi. Fraktion die Frage der Schaffung von Arbeitervertretungen in den Fratton. Es sei hierbei daran erinnert, daß zum erstenmal im Arbeiterausschüssen auf Grund des§ 137 d der GD. erhoben. Es hat Jahre 1886 der Genosse Goerdi die Forderung nach ausfömm eines Kampfes von fast zwei Jahrzehnten bedurft um die Arbeiterlicher Bezahlung der Gemeindearbeiter erhoben hat. Er beantragte, cusschüsse, die Vorläufer der Betriebsräte, in den Gemeindebetrieben die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat durchzuführen. Die Schaffung einer Arbeitsordnung, des Arbeitsaufzufordern, den Mindestlohn für die städtischen Arbeiter auf nachweises für städtische Arbeiter, sowie das gesamte Gebiet des 3 Mt. pro Tag festzusetzen. Der Antrag wurde damals durch die lozialen Arbeitsverhältnisses hat durch die sozialdemo bürgerlichen Fraktionen abgelehnt, die zwar immer erklärten, im fratische Fraktion stets Unterstützung und Förderung erfahren, und wie im alten Berlin, so waren bis zur Bildung der Einheitsgemeinde Wohlwollen sich von niemand übertrumpfen zu lassen, bei der Probe in Charlottenburg, Neukölln, Lichtenberg Schöneberg, Spandau, auf das Erempel aber stets versagten. Auch heute ist bei den Entfcheidungen in Lohnfragen die sozialdemokratische Fraffion die Köpenid, turz, in allen Vororten die sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gemeindevertreter die einzigen Bertreter der Insicherste und bewährteste Vertreterin der städtischen Arbeiter und Angestellten. Die gegenwärtige Lohnbewegung in den teressen der städtischen Arbeiter und Angestellten. In der Zeit nach der Revolution hat die Partei bis auf den letzten städtischen Betrieben, in der die bürgerlichen Barteien faft geschlossen Tag die Forderungen vertreten, die die städtischen Arbeiter und Anfich gegen eine mäßige Erhöhung der Arbeiterlöhne wenden, bestätigt dies aufs neue. Die Arbeitszeit betrug beim Eintritt der stätigt dies aufs neue. Die Arbeitszeit betrug beim Eintritt der gestellten und ihre Organisationen im Rahmen des möglichen und Sozialdemokratie in die Stadtverordnetenversammlung normal notwendigen erhoben haben. Bei der Umwandlung der städtischen Betriebe in G. m. b. H. und Akt.- Gef. hat, die Fraktion mit Erfolg 10 Stunden, in der Parfverwaltung 11 bis 12 Stunden, in den Gasdie Aufrechterhaltung der Rechte der Arbeiter in bezug auf Lohn, werfen war die 18- und 24stündige Wechselschicht die übliche. Die Hinterbliebenenversicherung, Urlaub ufro. vertreten. Daß die städti werfen war die 18- und 24ftündige Wechselschicht die übliche. Die Arbeitszeit in den Pflegeanstalten und auf den Gütern war über- schen Betriebe in der schweren Zeit der Inflation nicht dem Privathaupt unbegrenzt. Besonders in den Pflege anstalten haben tapital ausgeliefert wurden und auch in der umgewandelten Form die Genoffen Dr. Weyl und Dr. 3 adet sich stets für eine rein städtische Betriebe geblieben sind, ist der Sozialdemokratie zu menschenwürdige Existenz des dort beschäftigten Personals eingesetzt. verdanken. Als bei Beendigung der Inflation der Ansturm auf die Jm hartnäckigstem Kampf hat die Fraktion, gemeinsam mit der achtstündige Arbeitszeit auch in den Gemeindebetrieben unternommen Organisation, es erreicht, daß bis zum Jahre 1914 für die Schicht Organisation, es erreicht, daß bis zum Jahre 1914 für die Schicht wurde, hat die Fraktion, entsprechend ihren Grundsägen, sich mit arbeiter der Gaswerke und für den größten Teil der Straßenreiniger allem Nachdruck für die Beibehaltung der achtstündigen Arbeitszeit die 8stündige Arbeitszeit, für die übrigen Arbeiter, abgesehen von die 8stündige Arbeitszeit, für die übrigen Arbeiter, abgesehen von eingefeht. Dem Eintreten der sozialdemokratischen Aufsichtsratsmitden Pflegeanstalten und Gütern, die 9stündige Arbeitszeit ein glieder ist es zu verdanten, daß in den Gas- und Wafferwerfen im geführt wurde. Herbst 1924 die achtstündige Arbeitszeit wieder zur Einführung fam. Durch den Abbau sozialdemokratischer Magistrats- und Bezirksamtsmitglieder, bei dem die Kommunisten eus rein partetGründen ohne das ohne Rücksicht auf politischen Wohl der Arbeiterschaft mit den Deutschnationalen Hand in Hand Hand gingen, find die städtischen Arbeiter und Angestellten bei der Vertretung ihrer Interessen auf das schwerste benachteiligt worden. Durch den Ruf nach der Einheitsfront am 25. Oftober will die KPD. die schweren Sünden verdecken, die sie auch tommunalpolitisch zum Schaden des Broletariats in den Jahren 1921 bis jetzt begangen hat. Wie in den drei Jahrzehnten sozialdemokratischer tommunalpolitischer Bolitif vor der Revolution die bürgerlichen Parteien sich gegen die städtischen Arbeiter und Angestellten wandten, so auch heute noch. Die Wahrnehmung der Infereffen der städtischen Arbeiter und Angestellten und damit die Erzichung dieses großen Heeres von Proletariern zu denkenden Urbeitern und Gewerkschaftlern wird stets ein Ruhmesblatt in der Gefchichte der sozialdemokratischen Kommunalpoliit Berlins feln und Die städtischen Arbeiter und Angestellten und ihre Angehörigen mählen am 25. Ottober sozialdemokratisch. Karl Bolenste. Die Schaffung sozialer Einrichtungen. Ein besonderes Rapitel war die Einfübrung von jozialen Einrichtungen für die städtischen Arbeiter und Angestellten ( Krankenlohn, Urlaub, Alters- und Invalidenversicherung, Arbeiter. Bertretungen, hygienische Einrichtungen in den Betrieben). Die Gewährung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld im Krankheitsfalle ist, entsprechend den wiederholten Anträgen der sozialdemo. kratischen Frattion, zum ersten Male im Jahre 1901 burchgeführt worden und zwar bis zur Dauer von 4 Wochen. Die sozialdemokratische Fraktion hat jahrein, jahraus am Ausbau dieser Bestimmungen gearbeitet. Im Laufe der 90er Jahre beantragte die Frattion wieder. holt die Gewährung von Sommerurlaub an flädtische Arbeiter. 1902 gelang es endlich, zum ersten Male dem Antrag Geltung zu ver fchaffen. Der Antrag Hinge, allen Arbeitern, die länger als ein Jahr bei der Stadt beschäftigt seien, Urlaub zu gewähren, wurde abgelehnt. 3ur Annahme fam ein Antrag, der den städtischen Arbeitern nach 5jähriger Dienstzeit einen Urlaub von einer Woche gewährte. Die Berlängerung bes Urlaubs und die Berkürzung der Wartezeit ist mit in erster Linie der sozialdemokratischen Fraktion zu banten. Interessant ist, daß damals der Stadtverordnete Wallach seine ablehnende Haltung damit begründete, baß bei Annahme diefer Borlage auch die Kuhmägde auf den Gütern Urlaub erhalten würden!! Heute ist dies selbstverständlich. Schon im Jahre 1888 forderte Ge. noffe Singer bie Gewährung von Ruhelohn und Hinterbliebenenversorgung an die städtischen Arbeiter und Angestellten. Die wieder holten Anträge verfielen der Ablehnung durch die bürgerliche Mehr. heit. Ein Antrag der Fraktion wurde im Jahre 1897 von der Stadtverordnetenversammlung durch Uebergang zur Tagesordnung er. ledigt. Dem fortgesezten Drängen der Fraktion nachgebend, beschloß im Jahre 1899 die Stadtverordnetenversammlung, den Magistrat um eine Borlage wegen Einrichtung einer Benfionstaffe für die städtischen Arbeiter zu ersuchen. Die langwierigen Berhandlungen führten dann am 9. Mai 1901 zu dem Gemeindebeschluß über die Bewilligung und als er gerade neben mir war, drehte ich mich um und musterte ihn verächtlich. Er hatte keine Augenbrauen, und sein Blick war scheu und nervös. Ein Zuden seines schmalen Mundes verriet, daß ich ihn beunruhigte. Ich wurde milder gestimmt, und wie um eine Erklärung für mein Benehmen zu geben, lüftete ich den Hut und sagte: Berzeihen Sie, Sie haben wohl nicht zufällig ein Streichholz bei sich?" Ich zog eine Zigarette aus der Tasche. ,, Ja, das ist vorhanden, bitte!" sagte er mit einem leichten, fpigen Lächeln. Seine hellen Augen blizten mich scharf an. Ich machte schnell Feuer, bedantte mich und ging. Der Blid war wie eine Demütigung gewesen. Es war eine fremde Gesellschaftsklasse, die mich angesehen hatte. Als ich nach Hause fam, war Samuelsen nicht da. Auf dem Tisch lag ein Zettel: Ich tomme erst morgen früh. Essen steht für dich im Schrant. daß es einer seiner Sonntagsausflüge mit Frau Petersen sein mußte. Morgen würde er sich wie gewöhnlich die Hände reiben und sagen: Ach, es wohnt sich doch famos in einem Hotel, aber es ist rasend teuer." Wo er hingefahren war, wußte ich nicht; doch ich ahnte, " Ich setzte mich mit einem Heft Buffalo Bill und einer Dose Tabat zurecht und vertrieb mir so den Nachmittag. Als ich zu Abend gegessen hatte, fing ich an, feine Regale zu untersuchen; doch es waren feine von den mich intereffierenden blauen und gelben theosophischen Büchern vor handen. In dem illustrierten Decameron hatte ich oft genug geblättert. Ich ging in Samuelsens Zimmer und wollte ben neuesten Nid Carter hervorsuchen, als ich ein Lederalbum erblickte, das ich niemals vorher gesehen hatte. Ich öffnete es. Eine Menge weiblicher Gesichter sahen aus den Blättern des Buches hervor, eine Photographie nach der anderen, und barunter standen Daten und Jahreszahlen: 7. 8. 19013. 5. 1902-9. 11. 1901-1. 2. 1902. Ich starrte lange auf die Gefichter. Da war Frau Petersen mit der hohen Frisur und dem hochmütigen Mund, und das Küchenmädchen mit den dummen starren Augen; fie trug eine große Schleife an der Brust. Ich blätterte um. Acht neue Frauengesichter starrten mir entgegen. Ich fannte feine von ihnen, und feine von ihnen war so hübsch, schien es mir. Dann blätterte ich meiter. Da war Fräulein Lauritsen mit der spigen, ge puderten Nase. Aber wo war Mutter? Sie war nicht dabei! | bleiben. ㄨ Reine neve Polizeiverordnung über Kraftdroschtenpreise. Durch die Bresse geht eine Notiz, daß vom Polizeipräsidium eine neue Bolizeiverordnung vorbereitet merde, die eine einheitliche Preisregulierung für Kraftbroschten durd, führen solle. Wie wir dazu an zuständiger Stelle erfahren, ist diese Notiz weder vom Polizeipräsidium ausgegangen, noch ist dort von der Bor bereitung einer derartigen Polizeiverordnung nur das geringste befannt. Gott sei Dant, es war fein Bild von ihr da und auch keine tompromittierenden Daten mit zierlicher Schrift hingeschrieben, die so zynisch wirkten, weil sie so sorgfällig aufnotiert waren. Jah durchblätterte noch einmal alle Bilder und wurde immer froher. Mutter war nicht dabei und keine von den anderen war hübsch. Mein Schreck ließ nach. Was ging das mich an, daß Samuelsen mit all den dummen Gänsen in Berbindung gestanden hatte! Wenn sie nicht hübscher waren, lag nichts Unheimliches in all dem Getue und Geficher des Nachts. Es war kein Bild von Mutter dabei. Was sollte sie auch zwischen diesen dummen Gesichtern mit den schmutzigen Bliden? Ich flappte überlegen das Album zu und legte es wieder auf seinen Plaz. Darauf steckte ich die Lampe an und machte es mir mit dem legten Rid Carter gemütlich. Um die Mitternachtszeit flopfte es an der Küchentür ,, Wer ist da?" fragte ich ängstlich. Darauf hörte ich eine weibliche Stimme lachen. ,, Hast du Angst, Waldemar? Das brauchst du wahrhaftig nicht. Ich bin's bloß, Klara!" ,, Rlara?" rief ich aus. Ja, mach mal auf. Ich habe keine Luft hier draußen im Bechdunkeln zu stehen. Ich muß mit Herrn Samuelsen sprechen. Ich öffnete vorsichtig die Tür; doch sie drückte sie ganz auf und trat ungeniert näher. Sie hatte ein enganschließendes Jadett an und eine fleine Tasche in der Hand, ,, Herr Samuelsen ist nicht zu Hause," sagte ich. Sie blieb stehen und biß sich in die Unterlippe. ,, Ach, das alte Etel! Nun ist er nicht da, und ich sollte doch noch etwas Geld bekommen." Ich sah sie verständnislos an. Dann redte fie ihre ganze Gestalt, drehte sich auf den Hacen herum und lachte: ,, Gott, wie bist du dumm! Glaubst du, ich würde sonst bet so' nem Alten zu Besuch tommen!" Ist dir Samuelsen Geld schuldig?" Sie richtete ihre schwarzen funkelnden Augen gerade auf mich und schüttelte lächelnd mit dem Kopf. ,, Schuldig? Wenn er nicht hier ist, tann er mir auch nichts schuldig merden; aber ich muß zwei Kronen haben. Ich habe darauf gerechnet. Kannst du sie mir nicht geben?" ( Fortsetzung folgt.) Ich lachte verlegen. Die Wählerin" liegt auf den Abholestellen Aepfel auf der Spree. Es ist turz nach 7 Uhr morgens und noch hängt der Himmel voll dichter Nebelschwaden. Von der Weidendammerbrüde her beginnt merklich, von Minute zu Minute der stärker werdende Vertehr und das Jagen und Hasten. Nur über dem Wasser liegt noch tiefes Schweigen und leicht fräufeln sich die Wellen in dem schwachen Morgenwinde. Da naht pruftend und dampfend ein fleiner Schlepper, zieht einen riesigen Kahn hinter sich her. Er legt an. Schon einige Kähne haben an der hohen Uferböschung Quartier aufgeschlagen und ein vorsichtiges Manövrieren beginnt. Bald liegt der Neuling friedlich neben den anderen Holzfähnen. Lufen werden von fräftigen Männerhänden geöffnet und Rörbe voll föstlicher Aepfel und Birnen tommen ans Tageslicht. Die alljährlich zur Oftoberzeit in Berlin erscheinenden Aleppeltähne" find angelangt und haben an den Ufern der Spree, an der Weidendammbrüde und am Kupfergraben ihr Domizil aufgeschlagen. Bier volle Tage hat der Dampfer für die weite Strecke von etwa 450 Kilometern gebraucht, um von Nordböhmen die Elbe hinab bis zum Plauer Kanal, burch Havel und Spree die toftbare Last nach Berlin zu transportieren. Etwa 80 000 Zentner, manchmal find es sogar bis 100 000, vermag der Holztasten je nach seiner Größe aufzunehmen. Hier lagert das Obst troden und luftig in großen Räumen je nach der Qualität. Saftige Birnen, Williams, Salander und Kaiserfronen. Dort in bunter Folge appetitlich aussehende Aepfel, die bekanntesten Sorten, darunter Goldparmänen, Bostops und Reinetten. Schon nahen Fuhrwerte, Last- und Handwagen der Groffisten und Straßenhändler, um die Früchte in Empfang zu nehmen. Und die Preise? Es sind so alle Qualitäten das Auto steuerte, will teine Berührung beobachtet haben. Erst als der Wagen eine Strecke vorbei war, hörte er klirren und Krachen und beim Ummenden sah er, daß der Omnibus umgefippt war. Dr. Silberberg ließ gleich an der Bordschwelle halten und ging zur Unfallstelle, um den Verwundeten zu helfen. Erst 20 Minuten später tam Neumann herbei und behauptete, daß er gerammt worden sei. Der Zeuge bestritt auch, daß das Auto des Dr. Silberberg infolge eines Zusammenstoßes habe halten müssen. Erst als er nach der Rückkehr von Dr. Silberberg den Motor wieder anfurbelte, zeigte die elektrische Beleuchtung wieder eine Störung, die schon früher vorhanden gewesen war. Dr. Silberberg ließ abstellen, und als er dann nochmals starten wollte, funktionierte infolge Kurzschlusses der Motor nicht. Die Verhandlung wurde alsdann auf Donnerstag früh vertagt. Wähler- kundgebungen seines Gegenüber nicht viel, und der andere von ihm gar nichts. Durch Zeichen und Gebärden aber brachte es der Inder doch endlich dahin, daß der Fremde den Koffer wieder auspadte und alles auf den Tisch legte. Dann wollte er sich mit dem leeren Koffer empfehlen. Das schien dem Inder auch nicht richtig. Er suchte ihm beizubringen, daß es angebracht wäre, zu warten, bis die Wirtin wiederfomme. So hielt er den Eindringling hin, und unterdessen trafen die beiden Söhne der Wirtin ein. Diese führten eine etwas deutlichere Sprache, die der Fremde empfindlich zu fühlen bekam. Dann brachten sie den Mann nach der Polizei, die ihn als einen 32 Jahre alten arbeits- und wohnungslosen Mechaniter Georg Geese feststellte. Dem Ertappten fonnten bereits 6 Einbrüche, die er auf diese Art vorbereitet hatte, nachgewiesen werden. Der teure Bubenkopf. Zu den Berufen, die die Schwankungen der Mode auf das genauefte beachten müssen, gehört das Friseurgewerbe. Um mit Treuheiten aufzumarten, veranstaltete darum der Damenfriseur- und heute, Donnerstag, den 8. Off., 7%, Uhr abends: Berückenmacher- Gehilfen- Verein im 300 einen Mode abend. Er Lichtenrade: Waldrestaurant Rohrmann. Baumschulenweg: Aula Lyzeum, Baumschulenstraße. Redner: Hermes, Edardt, Lempert, Reimann. Freitag, den 9. Oftober, 7% Uhr abends: Oberschöneweide: Mörners Blumengarten, Ostendstraße. Reinidendorf- Oft: Hauptstr. 51( Kleingärtner- und Siedlerversammlung). Redner: Wermuth, Wendt. Tagesordnung: bis zur guten Mittelforte vertreten, und der Zentner ab Rahn toftet» Der Rechtsfurs in Deutschland und die Parteien! andere falsches Haar. Eigenes Haar bedeutete Bubentopf in allen 15 bis 45 Mart. Dieser ungewöhnlich hohe Preis, zu dem der Aufschlag des Grossisten und Kleinhändlers hinzufommt, wird vielen den Genuß eines guten Apfels unmöglich machen. Natürlich foll wieder die schlechte Obsternte an der hohen Preisstellung schuld sein. Nordböhmen, das Berlin sonst mit billigem Obst versorgt, flagt über eine unter dem Durchschnitt stehende Mittelernte in Aepfeln. An Birnen soll sogar nur der zehnte Teil der Vorjahrsernte gewonnen worden sein. Ob dem so ist, mag dahingestellt bleiben. Zentner auf Zentner verläßt den Kahn und oben stehen Schulkinder, um einige von den Angebufften" zu erhaschen. Dein Religionsbekenntnis? Die Frage nach dem Religionsbekenntnis ist durch die Reichsverfassung untersagt. Warum aber wird bei der Personenstandsaufnahme, die zum Zweck der Steuerveranlagung alljährlich im Herbst stattfindet, noch nach dem Religionsbekenntnis geforscht? Das erregt immer wieder Anstoß und Bedenten bei vielen der Haushaltungsvorstände, denen die Steuerbehörden die Haushaltungslisten zuschickt mit der Aufforderung, sich mit den vorgeschriebenen Angaben einzutragen. Die diesjährigen Listen sind den Haushaltungsvorständen gegen Ende September zugegangen und sollen in den nächsten Tagen zurüdgeliefert werden. Im Borwärts" ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, daß die Annahme, die Steuerbehörde dürfe nicht nach dem Religionsbetenntnis fragen, ein Irrtum ift. Gewiß, die Reichsverfassung untersagt diese Frage. Aber sie läßt eine Ausnahme da zu, wo aus bem Religions betenntnis fic Rechte und Pflichten ergeben Das gilt z. B. für die Reichssteuerveranlagung, weil sie zugleich als Grundlage für die Kirchensteuerveranlagung dient, soweit etwa noch eine Kirchensteuerpflicht besteht. Gewünscht wird, daß auch über ben Kirchenaustritt genaue Angaben gemacht werden. Wir empfehlen, diesen Wunsch zu erfüllen. Aus dem Kirchenaustritt ergibt sich ja der rechtliche Anspruch, zur Zahlung einer Kirchensteuer nicht mehr herangezogen zu werden. Wer die gewünschten Angaben nicht macht, fann es erleben, daß er trog längst vollzogenen Kirchenaustrittes noch mit einer Kirchensteuerveranlagung belästigt wird und dann Einspruch erheben muß. Die Kirche hat immer noch das Borrecht, daß fie teine Mitgliederliste zu führen braucht und daß für fie Steuern sozusagen aufs Gerate wohl gefordert werden fönnen. Daß solche unberechtigten KirchenSteuerforderungen sogar troh gewissenhafter Lieferung der gefor derten Angaben immer wieder irrtümlich noch vorkommen, ist im „ Borwärts" an Beispielen oft genug gezeigt worden. Das Autounglück am Lützowufer. Um den Zidzadkurs des Chauffeurs. In dem Prozeß gegen den Kraftwagenführer Neumann und den praktischen Arzt Dr. Silberberg wurde zunächst in der Bernehmung Neumanns fortgefahren. Neumann bestreitet, daß die Bekundung einiger Zeugen, daß er sich auffällig und unvorsichtig im Fahren gezeigt habe und daß er im 3id3ad gefahren set, zutreffe. Alto hol getrunken habe er weber unmittelbar vor der Fahrt noch in den vorhergehenden Tagen. Das Gericht beschließt dann, eine Zeugin Beiersdorff heute zu laden, weil sie ausgesagt hat, sie habe wegen seines Bidzadfahrens mit Neumann einen Streit gehabt. 3 Darauf wurde der zweite Angeklagte, der praktische Arzt Dr. Mag Silberberg, verantwortlich vernommen. Auf Befragen gibt er an, daß er erst seit November sein Auto selbst gefahren habe, nachdem er den Führerschein erhalten hatte. Bis zu dem Unfall sei ihm mit seinem Auto nie etwas passiert. Sein Chauffeur habe neben ihm gesessen. Zwischen der Bendlerbrücke und der Genthiner Straße habe er den Autoomnibus überholt, dabei aber ständig gehupt. Sein lints von ihm figender Chauffeur, der die Straße beffer übersah, habe ihm bejaht, daß die Straße frei sei. Die Ueberholung war vor der Genthiner Straße beendet. Auf Borhalt, daß nach den Untersuchungen seines Mercedes- Wagens an diesem Beschädigungen des Sicherungsringes der Radkappe und des Trittbrettes festgestellt worden seien, erwiderte der Angeklagte, daß er von einer Berührung nichts gemerkt hätte. Es wäre mit der technischen Möglichkeit zu rechnen, daß, als sein Wagen fast vorbet war, der Autoomnibus hinter ihm eine Schwenfung nach rechts ge= macht hätte, so daß das linke Borderrad des Autoomnibusses an das Hinterrad seines Wagens angestoßen habe. Bei der Berneh mung der zahlreichen Insassen des Autoomni. busses, der dicht besetzt war, tam zur Sprache, daß der Chauffeur sehr unerfahren war. Ueber die Fahrlässigkeit des Führers spricht fich eine Reihe von Zeugen sehr abfällig aus. Schon an der Pots damer Brücke wurde der Autoomnibus so scharf gebremst, daß die Fahrgäste durcheinandergerüttelt wurden. Man hatte den Eindruck, als ob da schon ein Unfall passiert sei. Nach dem Einbiegen in das Schöneberger Ufer fuhr der Autoomnibus in sehr schnellem Tempo und vielfach sehr dicht an der Bordschwelle. Der Wagen fuhr auch im 3idza d. Sehr ungünstig für den Autoomnibusfahrer äußerte sich ein Major R. Der Zidzadturs erweckte bei ihm das Gefühl, daß der Fahrer betrunten gewesen sei oder fahr untundig. Deshalb habe er die Absicht gehabt, an der Haltestelle Bendlerbrücke abzusteigen, weil er ein Unglüd befürchtete. Der Wagen habe aber nur so turze Zeit dort gehalten, daß er nicht zum Absteigen tam. Gleich hinterher passierte das Unglück. Der Beuge selbst wurde schwer verlegt und hat jezt noch an den Folgen zu leiden, so daß er vor Gericht nicht erscheinen fonnte, sondern tommiffarisch vernommen worden ist. Auch der Kraftwagenführer bes Dr, Silberberg, der neben biefem faß, während der Angeflagte Warum muß Berlin am 25. Oktober fozialdemokratisch wählen?" Wiederauftauchen des vermißten Chauffeurs. Das ganze eine Geschichte mit Alkohol? war nur im fleinen Rahmen gedacht, aber die Beteiligung. war eine Berartig große, daß vorerst nicht einmal die Frifierspiegel ausreichten. Als diese in genügender Anzahl zur Stelle geschafft waren, traten 42 Ronturrenten in den Wettbewerb. Sie alle hatten Köpfe vor sich, mit denen, Dom Friseurstandpunkt aus etwas zu machen war. Die in Frage kommenden Damen waren entweder vom Fach oder standen ihm doch sehr nahe, das sah man an der geschickten Handhabung der Utensilien und merkte man an ben wohlmeinenden Ratschlägen. Paris befürwortet zurzeit den Bubenkopf mit Ersatzteilen. Was bringt Berlin? Um das zu sehen hatten sich sehr viele Zuschauer eingefunden, die in staunenswerter Ausdauer, wie die Mauern standen. Die Konkurrenz war in zwei Abteilungen geschieden, die eine frisierte eigenes, die möglichen Bariationen und zuweilen auch mit eigenartigem Haarschmud. Bei den falschen Haaren sah man rote und weiße Perücken, von denen sogar eine ins Rote und eine andere ins Grüne spielte. Man gewahrte ganz raffinierte Farbenzusammenftellungen, zumal auch leider und Schmud mit den Frisuren harmonierten. Unter den Modellen war viel strahlende Jugend, darum war es eigentlich schade, daß manche im Gesicht fo furchtbar angestrichen waren. Alles in allem, der Bubentopi. macht sich schön, wenn er wohl gepflegt ist. Und da man ihn selbst ondulieren fann, tostet die Pflege leisten, spornte alle Frisierenden, ob sie nun echte oder falsche Haare verschönten, zu beachtenswerten Leistungen an und die Preisrichter hatten fein leichtes Amt. Die Prämiierung von Erfaßfrisuren findet erst als zusammengefaßtes Ergebnis von drei Modeabenden statt. Folglich suchte man unter den Bubiföpfen die schönsten aus, wobei der erste Preis Fräulein Weller zuerfannt wurde. In der Preisträgerliste folgten sodann Herr Willy Léfèvre, Herr Friz Jakob und Herr Bruno Gaditschte. Die Mordkommission hat nunmehr durch Vernehmung eines Beugen festgestellt, daß der Kraftwagen des Chauffeurs Polczynsfield und abermals Geld. Der Wille im Fach etwas zu in der Nacht zum Montag von einem Manne entführt worden war, der als ein Kellner namens Federmann ermittelt und nach dem Polizeipräsidium gebracht wurde. Die Annahme, daß es sich wieder einmal um eine„ betrunkene Geschichte" handelt, scheint nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein. Bolle Aufklärung ist bald zu erwarten. S Die Jmpfgegner unter dem ,, Hammer". Unser in Nr. 462 mit dieser Ueberschrift veröffentlichter Bericht über eine Versammlung des Deutschen Reichsverbandes zur Betämpfung der Impfung"( Bezirk Groß Berlin) scheint Mitgliedern dieses Verbandes nicht gefallen zu haben. Wir meldeten darin, daß ein mit vierfachem Doftortitel sich schmückender Herr Hammer in seinem Vortrag über die Impffrage auch An griffe gegen die Krantentaffen vorbrachte, daß die Bersammlungsleiterin ihm für feine Ausführungen dankte und daß er in der daran sich fnüpfenden Aussprache sich auch noch in Be 9 Federmann gibt zu daß er in der fraglichen Nacht angetrunken aus dem Kellerlofal gekommen sei und sich in das Auto gesetzt habe. Versehentlich müsse er dabei mit dem Fuß einen Hebel berührt haben, und da der Motor nicht abgestellt war, so setzte sich der Wagen sofort in Bewegung. Auf diese Weise kam er bis zum Landsberger Plaz, wo der Motor versagte. Als er sah, daß die anderen Chauffeure auf fein tolles Fahren aufmerksam geworden waren, sprang er rasch vom Wagen und verbarg sich im Friedrichs. hain, Als er dann beobachtete, daß die Polizeibeamten das Auto in Obhut genommen hatten, beruhigte er sich damit und ging davon. Er versichert, daß er sich nur einen Spaß habe machen wollen und die Absicht des Diebstahls habe ihm völlig ferngelegen. In feiner Betruntenheit habe er sich gar nichts Böses gedacht. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr tehrie nun auch der permißt gefchimpfungen gegen Abgeordnete erging, obwohl Abad wefene Kraftwagenführer Bolczynski in feine Woh nung in der Beuffelstraße zurüd. Der Mann, der am Sonntag mittag in beſter Gesundheit und in fast neuer Kleidung vom Hofe feines Arbeitgebers abfuhr, ist in einem Zustand, der auf eine Störung des feelischen Gleichgewichts schließen läßt. Bei seiner Bernehmung durch die Kommissare war aus ihm fein vernünftiges Wort herauszubekommen. Genaue Aufklärung über seinen Berbleib wird man erst befommen fönnen, wenn er sich von feinem Abenteuer so weit erholt hat, daß er eingehend befragt werden tann. Ein Inder als Diebesfänger. Schwierige Berständigung mit einem Einbredjer. Mit einem neuen Trid arbeitete in der letzten Zeit ein Einbrecher, der unter merkwürdigen Umständen unschädlich gemacht werden konnte. Der Spezialist fundschaftete aus, wo in den Vormittagsftunden die Frau eines Mictors allein in der Wohnung zu fein Pflegte. Hier steckte er dann in den Briefkasten an der Woh nungstür einen Zettel, durch den der Wohnungsinhaber bei einer Strafe von 2 Mart aufgefordert wurde, sofort von dem zuständigen Bostamt eine Lagerfarte abzuholen. Hierauf legte er sich auf die Bauer, um abzuwarten, was geschehen werde. Fand die Frau den Bettel im Raften und ging fie aus, um der Aufforderung nachzu fommen, so öffnete der Aufpasser eiligst mit einem Nachschlüssel oder Dietrich und stahl, was er für mitnehmenswert hielt. So tam er auch jetzt wieder in eine Wohnung, die er für unbewacht hielt. Er wußte nicht, daß ein Untermieter da mar, ein indischer Student, der von der Toilette aus hörte, daß sich jemand in der Wohnung zu schaffen machte. Er glaubte aber, daß es seine wirtin sei, weil er das Deffnen der Flutür gar nicht wahr genommen hatte. Als er nun das Zimmer betrat, sah er sich zu feiner größten Berwunderung einem fremden Manne gegenüber, der eifrig babei war, allerlei Sachen in einen ziemlich großen Handfoffer zu paden. Der Einbrecher war nicht viel weniger verblüfft als der Inder. Es begann eine Unterhaltung, bei der Borte nur eine geringe Rolle spielten, denn der Inder verstand von dem Deutsch Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 8. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-5.30 Uhr abends: Wilhelm Busch. Rezitation: Charlotte Hagenbruch. 535-6 Uhr abends: Beethoven: Trio für zwei Oboen und englisch Horn, op. 87. Allegro moderato Adagio menuett Finale, Presto( Wilhelm Siegesmund, Karl Heinz Müller, Adolf Fritze). 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Geh.- Rat Klingenberg: Die Technik des Güterumschlags". 7.25 Uhr abends: Prof. Sandkuhl: Die jury freie Kunstschau im Berliner Kunstleben". 7.50 Uhr abends: Benno Marx:„ Die deutsche Angestelltenbewegung". 8.30 Uhr abends: Konzert. 1. a) Tschaikowsky: Alles ist schlafen gegangen ,, Arie aus der Oper Pique Dame", b) Mascagni: Als Euer Sohn, Arie aus der Oper, Cavalleria rusticana", c) Kienzl: O schöne Jugendtage, aus der Oper Der Evangelimann"( Jeanette handelt, Arie aus der Oper Rigoletto", b) Bizet: Auf in den Schwarz, Sopran). 2. a) Verdi: Feile Sklaven, ihr habt sie verKampf, Arie des Terero aus der Oper Carmen", e) Leoncavallo: Arie aus der Oper Chatterton( Nicolai Melnikow, Bariton). 3. Tartini: Teufelstrillersonate( Max Rostal, Violine). 4. a) Pergolese: Si tu m'ami, b) Grotschaninow: Birke, beilgetroffen, c) Tschaikowsky: O Mutter, sing' mir die Weisen( Jeanette Schwarrz). 5. a) Verdi: Arie des Germont aus der Oper La Traviata", b) Leoncavallo: Romanze aus der Oper Zaza"( Nicolai telle, c) Schubert: Ballettmusik aus, Rosamunde"( Max Rostal). Melnikoff). 6. a) Mozart: Rondo, b) Wieniawski:" Scherzo taranAm Flügel: Bruno Seidler- Winkler. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. geordnete zu der Bersammlung eingeladen worden waren. Hierzu erhalten wir von der Versammlungsleiterin Frau Lubarsti, Geschäftsführerin des Bezirks Groß- Berlin vom Reichsverband, eine lange Erklärung, die den 3wed hat, den begangenen Fehler wieder gutzumachen. Frau Lubarsti schreibt uns, mur über Dr. Hammers Ausführungen zur Impffrage habe sie im Namen des Verbandes„ mit Dant quittiert, bei Ignorierung dessen, was nicht in den Rahmen des Themas und zu den Interessen des Verbandes gehörte". Sie stellt also felber fest, daß fie Dr. Hammers weder zum Thema noch zu den Interessen des Berbandes in irgendwelcher Beziehung stehende Angriffe gegen die Krantentassen igno riert hat, statt fie fofort als mindestens nicht hierher gehörig zurückzuweisen. Aus der Aussprache berichtet Frau Lubarsti, daß auch einer der anwesenden Abgeordneten gesprochen hat, und fie fährt dann fort: Nun allerdings vergaß Dr. H. ganz den Zweck unserer Veranstaltung. Er sprach nur noch von den Krankentassen und brauchte dabei auch äußerst scharfe Ausdrücke gegen die Abgeordneten. Leider entfernten sich diese trotz Frau L.s Bemühungen, fie noch zurückzuhalten, um ihnen Genugtuung verschaffen zu tönnen. Niemand fann es mehr bedauern als der RBBI. und mit ihm Frau 2., daß die Mitglieder des Landtages, welche unserer Einladung folgend gekommen waren, um uns zu raten und zu helfen, solchen Anfeindungen seitens Dr. H. bei Gelegenheit einer unserer Beranstaltungen ausgesetzt waren. Wir werden in Zukunft solche Berkommnisse zu vermeiden wissen und wir bitten die Mitglieder der Parlamente, uns den bedauerlichen Vorfall nicht zur aft zu legen, hingegen im Interesse der Gesundung unseres Volkes auch fernerhin unsere Bestrebungen zu unterstützen. Wir konnten die Möglichkeit eines solchen Berstoßes gegen unsere Grundsätze ( auch von einem Außenstehenden) nicht ahnen. Wir veröffentlichen diesen wichtigsten Teil der Erklärung, müssen aber bemerken, daß bei vorheriger Erkundigung über den Herrn Dr. Dr. Dr. Dr. Hammer ein solcher Verstoß jehr wohl zu, ahnen gewesen wäre. Wer und was dieser Herr Hammer ist, das ersieht man aus seiner gegen die Krankenkassen gerichteten Broschüre, auf deren Titelblatt er, mit seinen sämtlichen Würden behängt, sich vorstellt:„ Dr. med., Dr. phil., Dr. jur., Dr. dent. Hammer, Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, qualifiziert zum preußischen Kreis und Gerichtsarzt, in Preußen staatlich geprüft als homöo. pathischer Arzt, in Hamburg staatlich geprüft als Tropenarzt, Ehrenvorsigender auf Lebenszeit des Vereins Freie Hochschule Berlin, Ehrenmitglied des Bundes für Menschenrechte, Facharzt für fee lische und förperliche Leiden beider Geschlechter, die mit den Liebes und Fortpflanzungsorganen in Zusammenhang stehen." genügt wohl. Odol desinfiziert und erfrischt! opo Das Unsere Wählerversammlungen. Die gestern stattgefundenen Wählerversammlungen bewiesen durch ihren starken Besuch, daß sich die Wählermassen in steigendem Maß für die kommunalen Wahlen zu interessieren beginnen. Der Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin( SPD) Abendfeier Berlauf der Versamlungen war im höchsten Maß befriedigend und für die Leserinnen und die Freunde der„ Franenwelt" erfreulich. In Niederschönhausen im Restaurant Sanssouct sprachen geftern abend Genosse Dr. Lohmann und Stadtrat Genosse Jaeger. Lohmann führte aus: Die Stadtver ordnetenwahlen seien teineswegs von der großen Politit zu trennen. Seit vier Jahren hätte Berlin einen bürgerlichen Magistrat, trozdem die Massen in dem Wahn lebten, er sei sozialistisch. Das müsse jetzt anders werden. Mit größter Entschiedenheit müsse das Berliner Proletariat die Führung im Stadtparlament gewinnen. Dies sei durchaus notwendig, da die veränderten Zeitverhältnisse eine andere Verteilung der Steuern erforderten. Es sei selbstverständlich, daß Steuern zur Erhaltung der Kommunen notwendig seien, aber die Besitzenden müßten sie tragen. Vor allem sei entschieden zu fordern: Abwehr aller Ent= tommunalisierungsbestrebungen, gleichgültig ob es fich um Werte, soziale Wohlfahrt oder Schule handele. An dem Verlust an Einfluß, den die Sozialdemokratie erlitten hat, feien vor allem aber die Kommunisten schuld. Erst ihr Berhalten hätte einen Bürgerblod ermöglicht. Darauf sprach Genoffe Stadtrat Jaeger eingehend über die Interessen der Schönhausener Gemeinde. Er stellte die Etats von früher und jetzt gegenüber, erklärt, daß alle Loslösungsbestrebungen von Berlin unnötig seien und betonte mit Nachdrud, daß die Wichtigkeit der kommunalen Wahlen von den Massen gar nicht genug erkannt sei. An dem Beispiel von Wohnungs- und Siedlungsfragen, die erst restlos durch die Bodenreform gelöst werden könnten, legte er die Wichtigkeit der tommunalen Fragen dar. Er schloß dann mit einem Appell an die Frauen, die bei dieser entscheidenden Wahl unbedingt geschlossen ihre Stimmen abgeben müßten. Eine weitere, gut besuchte Wählerversammlung fand am Mittwoch in der Siedlung Lindenhof in Schöneberg statt. Die Genossen Clajus und Kaspar hatten hierzu die Referate übernommen. Vor allen Dingen, so führte Genosse Clajus u. a. aus, muß die Interesselosigkeit der Berliner arbeitenden Bevölkerung speziell auf dem Gebiete der Kommunalwahlen aufhören. Positive Kommunalarbeit hat in der Hauptsache doch nur die SPD. geleistet, so auf dem Gebiete der Wohlfahrt, Wirtschaft und vor allen Dingen bei der Erhaltung der Berliner Einheits gemeinde. Die Bürgerlichen treten heute mit 18 Listen an die Deffentlichkeit und buhlen um die Gunst der Arbeiterschaft. Schon beginnt die Reaktion Schmußtübel auf uns zu schütten. Die Antwort darauf wird ihr am 25. Oftober die Berliner Arbeiterschaft geben. Der Redner brandmarkte dann die verantwortungslose Politit der Kommunisten. Freiheit, Frieden, Recht sei unsere Parole. Die Bernunft wird und muß fiegen und der 25. Dttober wird zeigen, daß der Sozialismus einiger und stärker denn je dastehen wird. Nachher sprach in gleichem Sinne Genosse Raspar, der noch auf einige spezielle Kommunalfragen einging. Großer Beifall und ein Hoch auf die SPD. beendete die Rundgebung. Im äußersten Often Berlins, in Friedrichshagen, fand im Ge sellschaftshaus eine gut besuchte Wählerversammlung statt. Die Berfammlung wurde eingeleitet durch eine Mufittapelle Brandenburger Jungen, deren Väter lange Zeit ausgesperrt waren; sie verleben schon zum zweitenmal ihre Ferien bei Bohnsdorfer Genoffen, die so ein schönes Beichen proletarischer Solidarität geben. Dann sprach Genoffe Adolf Gebauer über Wohnungspolitit. Er wies auf die ungeheuren Schäden hin, die schon in Borfriegszeiten die privattapitalistische Baupolitik ver ursacht hatte. Bestanden doch schon in Groß- Berlin nach der legten Wohnungsstatistit 1900 42 Prozent aller Wohnungen nur aus Stube und Rüge und 84000 ohnungen" bestanden aus nur einer einzigen Stube Selbstverständlich haben die Verhältnisse sich nach dem Kriege ins unerträgliche verschlechtert. Die gesundheitlichen und moralischen Schäden der Wohnungsnot find ungeheuerlich. Die Sozialdemokratie allein fei für eine gerechte Wohnungspolitit jederzeit eingetreten und sie nur werde die Anschläge der Rechtsparteien zunichte machen. Die Mieterschutzgefeggebung sei in großer Gefahr, menn die Wählerschaft sich nicht auf sich selbst befinne. Im neuen Stadtparlament läge die Frage des Wohnungsbaues und des Siedlungswesens vor, die allein gelöst werden könne, wenn eine starte sozialdemokratische Fraktion dafür Sorge trage, daß nicht mur die Preise für Baumaterialien gefenft würden, sondern auch Grund und Boden vorläufig tostenlos zur Verfügung gestellt werde und ein großzügiges Bauprogramm durchgeführt wird, das zu erschwinglichen Preisen Wohnungen herstellt. Auf die Ungerechtigkeit der Hauszinssteuer, die den Berliner mit pro Ropf 56 m. belastet, während auf den Kopf im übrigen Preußen mur 10,30 m. fallen, müsse beseitigt werden, ebenso der Zustand, daß von den 28 Prozent Hauszinssteuer nur 8 Prozent für neue Wohnungsbauten zur Verfügung gestellt sind. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag sprach Genoffe Rohde, der auf die Verknüpfung der Reichspolitik und Kommunalpolitit und auf die Wichtigkeit der Wahlen für die Biermillionenstadt hinwies. Die Stadt Berlin müsse wieder gutzumachen versuchen, was von den reaktionären Reichsregierungen gefündigt würde. Stahlhelm übt Handgranatentwerfen gegen Arbeitersänger Don Mittwoch, den 21. Oktober, abends pünktlich 7½ Uhr, im Saalbau Friedrichshain Mitwirkende: Die Spielgemeinschaft der Jungsozialisten; Arnim Liebermann( Cello), Frl. Elli Brandenburg( Klavier). Ansprache: Clara Weyl. 1. a) Andante b) Menuetto. 2. Rezitationen Bortragsfolge: 1. Teil Maffenet Berler 3. b) Bolonäfe Bopper 4. Ansprache von Clara Beyi 2. Zeil 5. a) AndalufifcheSerenade Rämpf a) Religionsphilosophie. Arno Holz b) Bigeunertanz Jeral b) Lieb eines Armen. Ricarda Huch 6. Die Bandlung( 2 Szenen) Ernst Toller c) Brinz Redner. Robert Brug 7. a) Tambourin. Soffect Hoens 3. a) Elegie.. b) Tarantella Bopper Eintrittspreis 0.30 M. Karten find noch zu haben im Frauenfelretariat, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, 2. of Il gimmer 1( SPD). Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 8. Oktober, abends 7½ Uhr: Gesundbrunnen: Rote Schule, Gotenburger Str. 2. Seinrich- Heine- Abend. Schönhauser Vorstadt II: Schule Eberswalder Str. 17. Einführungsabend. Lichterfelbe: Albrechtstr. 14a. Bortrag: Was ist Gozialismus?" Abt. Schöneberg L Freitag, den 9. Oktober, 18 Uhr, Schulaula Feurigftr. 57/58( neben der Feuerwehr) Elternabend. Bortrag: ,, Weg und Wille der jungen Generation". Mufit, Resitation, Voltstänge. Die Eltern sowie Genoffinnen und Genoffen der Partei und Nebengruppen find herzlichst willkommen. Abt. Niederschöneweide- Johannisthal. Freitag, 9. Oktober, 28 Uhr, Elternabend. Bortrag: Alte und Junge". Ref.: Dr. Lange. " B.-B. Seute Gigung 8 Uhr pünktlich im Lesezimmer des Jugendheims Lindenstr. 3. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Webbing. Fr., b. 9., 8 Uhr, Sufammenkunft der Radfahrer bei Schuchardt, Chriftianiaftr. 116. Ober, Niederschöneweide, 30bannisthal. Fr., b. 9., 6,10 Uhr, Antreten Sauptportal Bhf. Niederschöne weide Johannisthal aur Fahrt nach Adlershof. Go., d. 10., 8 Uhr. Sigung bei Räthel. Borstand und Gruppenführer bereits um 6% Uhr. Adlershof. Fr. d. 9., 6 Uhr, Antreten Marktplan. Fahnen mitbringen. Wilbau. Bflichtveranstaltung. Um 6% Uhr Marktplan Adlershof. Neukölln. Notia vom Mittwoch hinfällig. Antecten findet nicht statt. Arbeiter- Rabio- Klub, Ortsgruppe Bedding. Donnerstag, den 8. Oktober, pünktlich 28 Uhr, bei M. Marzahn, Utrechter Str. 29, Fortfegung der Vorgeräten". Gäste willkommen. geht es übrigens zu, daß die die Polizei ausübenden Landjäger: 5. 9., 5% Uhr, Antreten am Bhf. Fahrt nach Adlershof. Werbeumzug. nichts dabei finden, daß hier Horden mit Gewehren bewaffnet durch das friedliche Land ziehen? Jm Heim des Bereins Abendheim, Charlottenburg, Goethe Straße 22, 2 r., das täglich abends von 8-10 Uhr( Sonntags bon 7-10 Uhr) geöffnet ist, find junge Mädchen sehr will. tommen. Rhythmisches Turnen, Vollstänze und Mandolinenspiel. Boltsfürsorge, Gewerkschaftlich- Genossenschaftliche Bersicherungsafliengesellschaft. Herbstvergnügen der Funktionäre und Versicherten in den oberen Sälen des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, am 10. Oftober 1925 ( Sonnabend). Beginn 8 Uhr. Eintritt 1,20 m. intl Zanz " tragsreihe des funtfreundes Kruppa:„ Einführung in den Bau von RadioFilchner Bandsmannschaft zu Berlin. Donnerstag, den 8. Oktober, Soets Bereinshaus, Oranienftr. 36, 8 Uhr. Gäfte willkommen. Der Reichsbund Deutscher Mieter E. B. und ber Berliner Mieterverein E. B. veranstalten am Freitag, den 9. Oktober, 8 Uhr, in Saverlands Festfälen, Neue Friedrichstr. 35, Eingang Rochstraße, eine öffentliche Mieterversammlung. Rechtsanwalt Dr. Walter Goekel spricht über Die Pläne der Regierung gegen den Mieterschuh! Besondere Gefahren für die Gewerberaummieter!" Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B., Bezirk Webbing. Mitgliederversammlung am Montag, ben 12. Oktober, 7% Uhr, im Lokal von Rak, Marstr. 12( Metallarbeiterbörse). Vortrag von Frau Dr. Held über Stoffwed felerkrankungen. Anschließend Aussprache. Gäste wiltommen. Deutsche Bandsmannschaft der Provinz Bosen, Groß- Berlin. Monats perfammlung am Donnerstag, den 8. Oktober, 8 Uhr, im ,, Deutschen Wirts Arbeitersport. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, ben 18. Dftober, nach mittags 3 Uhr, im Staatlichen Schiller- Theater Charlottenburg. Rheini. fche Rebellen, Schauspiel von Arnold Bronnen. Preis pro Starte 1,20 m.- Sonntag, den 25. Difober, nachmittags 3, Uhr, im großenbaus". Reutölln, Bergstr. 136/137. Bortrag des Landsmanns Pfarrer BaarSaal der Philharmonie, Bernburger Straße, Internationale Beranstaltungen 4 M., Einzelfarten für die erste Beranstaltung 1 M. Die Boltstänge und Boltslieder". Im Abonnement alle bier werden.- 1. Proletarische eierstunde am Sonntag, noch ausstehenden Einzeichnungslisten müssen umgehend zurüdgereicht ben 8. November, vormittags 11 Uhr, im Grohen Schauspielhaus. Sm Abonnement aller fünf Veranstaltungen 4 M. Einzelfarten 1,20 resp. 1 M. Einzeichnungslisten liegen in allen bekannten Stellen aus und überall da, wo Plakate aushängen. Karten für alle Beranstaltungen find in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an Das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Tren. rechts, au richten Der letzte Termin zum Abrechnen ist nunmehr schon wieder um eine Woche überschritten. Trotzdem fehlen noch die Abrechnungen von 39 Abteilungen. Nur vom 8., 12. und 19. Kreis find bisher alle Abrechnungen eingegangen. Die Kreis und Abteilungsleiter werden deshalb hierdurch dringend gebeten, für die fofortige Er. J. A.: Mler Bagels. lebigung der Abrechnungen zu sorgen. Bezirksausschus für Arbeiterwohlfahrt. Freitag, ben 9. Oktober, 7 Uhr, Sigung der Kreisleiterinnen für Arbeiterwohlfahrt im Rebaltionsfaal bes Bormärts", Sindenfte.& Seber Reis mus ver treten fein 1. Rreis mitte. Freitag, den 9. Oktober, 7 Uhr, beim Gen. Nagel, Rüdertstr. 8 II, Revision der Kreisbaffe. Die Obleute der Abteilungs. revisoren sind hierau gelaben. 8. Kreis Webbing. Freitag, ben 9. Dtober, 7 Uhr, Gigung bes erweiterten Rveisvorstandes an bekannter Stelle. 5. Streis Friebrichshain. Donnerstag, den 8. Ottober, 7 Uhr, in den Commeniusfälen, Memeler Str. 67, Kreismitgliederversammlung. Tages. ordnung: 1. Bericht vom Barteitag. 2. Distuffion. 3. Mitteilungen zure Stadtverordnetenmahl Mitgliedsbuch mitbringen. Ohne Buch kein Eintritt. 2. Streis Wilmersdorf. Donnerstag, ben& Oftober, bei Rroths, Holsteinische Straße 60, 7% Uhr, Sigung des engeren Kreisvorstandes mit den Abbeilungsleitern. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. 13. Areis Zempelhof, Marienborf, Marienfelde, Lichtenrade. Die Genoffen werden gebeten, fich an der Gründungsfeier des Reichsbanners am Sonnabend, den 10. Oftober, 8 Uhr, im Sportshaus Karlshöhe am Bahnhof Mariendorf zahlreich au beteiligen. 14. Kreis Reukölln. Die im geftrigen Abendblatt bekanntgegebene erweiterte Kreisvorstandsfihung findet heute, Donnerstag, den 8. Oftober, 7% Uhr, au der bekannten Stelle statt. Morgen, Freitag, den 9. Oktober: 1. Abt. 8 Uhr bei schiefing, Aderstr. 1, Bersammlung aller Mitglieder. 9. Abt. 7 Uhr beim Gen. Herrichen, Wilsnader Str. 40, Borsbandssigung. 45. Abt Freitag und Sonnabend Berbreitung der Wählerin" von den Gruppenlokalen aus. Die Gruppenführer holen das Material Don Bartsch ab. Schöneberg. 77. t. 7 Uhr bei Jürgens, Barbaroffafte. 5a, Funktionär perfammlung. Alle funktionäre müffen erscheinen. 78. Abt. 8 Uhr bei Rönig, Feurigstraße Ede Prinz- Georg- Straße, Funktionärversamm Iung. Wichtige Tagesordnung. 79. Abt. 8 Uhr bei Groß, Gebanstr. 17, Funktionärversammlung. Alle Bezirksführer und Unterlassierer müssen erscheinen, ebenso der gesamte erweiterte Borstand. 81.. Abt. Friedenau. 8 Uhr bei Klabe, Sandjernftr. 60/61, erweiterte Bov standssikung. 85. Abt. Tempelhof. Th Ubr bei Stuhlmann, Dorfftr. 50, Mitgliederversammlung. 86. Abt. Marienbort. 8 Uhr bei Niendorf. Chauffeefte. 19, Funktionär verfammlung. Die Genossen werden auf die am Gonnabend, den 10. Oftober ftattfindende Gründungsfeier des Reichsbanners aufmerksam gemacht. Reukölln. 89. Abt. 7 Uhr bei Schula, Sobrechtstr. 64, Borstands und Funktionärsizung. 90. Abt. 7 Uhr bei Schittler, Donauftr. 118, Funktionärversammlung. 91. Abt. 7 Uhr bei Müller, Reuterstr. 11, Funktionärversammlung. 95. Abt. 7 Uhr bei Rösler, Steinmekte. 46, Sigung aller Funktionäre. Einladen. 96, bt. 7% Uhr bei Lohan, Wipperstr. 18/19, Funktionärversammlung 101. Abt. Treptow. 7% Uhr bei Borch, Riefholaftoaße Ede Elsenstraße, Funktionärversammlung mit allen Wahlleitern. 125a bt. Mahlsdorf- Sib. 8 Uhr bei Dieg. Uhlandstraße, Mitgliederverfamm Iung. Einteilung der Wahlarbeiten. Unsere Blätter und Agitationsfragen. Gruppe Neukölln 1: Donners Am vergangenen Sonntag fand in dem fleinen Dorfe Wildenbruch bei Michendorf i d. Mart im Kreis Belzig ein Landbundfest statt, zu beffen Schuß die Stahlhelm Ortsgruppen der Umgegend, insbesondere Potsdam und Nowawes, herangezogen worden waren. Auf dem Rückweg gerieten die Stahlhelmer mit einigen jungen Burschen auf der Straße in Konflikt. Nachdem sie von Michendorfer Stahlhelmleuten darüber aufgeklärt worden waren, daß in der Gastwirtschaft von B. ein Bergnügen des Arbeitergesangper. eins stattfände, machten die Stahlhelmer tehrt und versuchten, das Lotal zu stürmen. Die Fensterscheiben wurden eingeschlagen und eichene Uebungshandgranaten in den Saal ge. worfen. Die lleberfallenen wehrten fich fo gut fie fonnten, zogen Jungfozialisten. Gruppe Charlottenburg: Jugendheim Roftnenste. 4. T½ Uhr: aber den fürzeren, da die Stahlhelmer mit Gewehren, Eichen. stöden, Spaten und anderen Instrumenten bewaffnet waren. Eine größere Anzahl Personen wurde perlegt. Es famen mehrere schwere Berlegungen, wie Lungenstiche, Gehirnerschütterungen vor. Das zu Hilfe gerufene Ueberfalltom mando aus Potsdam tam leider zu spät. Da in letzter Zeit gerade in Michendorf und Umgegend öfters Stahlhelmübungen Die Ortsgruppen üben regelmäßig wöchentlich in der Gegend von Wildenbruch stattgefunden haben, täte die Regierung gut, diesen Unfug zu verbieten. Wie bekannt ist, war der Ueberfall schon geplant und wurde durch Michendorfer Stahlhelmleute eingeleitet. Am Sonntag den 18. Oftober ist nun ein Stahlhelmtag in Michendorf felbst geplant. Hoffentlich wird ein derartiges Polizei. aufgebot herangezogen, daß Ausschreitungen unmöglich werden, zumal die Stimmung der Bevölkerung sehr erregt ist. Wie TO tag, den 8. Oktober, 8 Uhr, im Jugendheim Rogatstr. 11/12, Bortrag über Die neuesten Ronzentrationsbewegungen in der deutschen Industrie". Referent: Gen. Ufermann. Gruppe Treptow: Donnerstag, den 8. Dr. tober, 7 Uhr, im Jugendheim Elsenstr. 3 Vortrag des Gen. Otto Bach über den Sicherheitspatt. Gruppe Prenzlauer Berg: Donnerstag, den 8. Oftober, 8 Uhr, im Sugendheim Danziger Str. 62( Baraden) Aus Spracheabend. Marseille. Internationale und die Arbeiterschaft. Zeitung: Erwin Frehe. Gruppe Friedrichshain: Donnerstag, den 8. Oktober, 28 Uhr, im Jugendheim Tilfiter Str. 4 Bortrag des Gen. Schloß über: Sand- und Ropfarbeiter". Frauenveranstaltungen: 15. Areis Treptom. Donnerstag, den 8. Oktober, 7 Uhr, in der Schule Niederschöneweide, Berliner Str. 3 Funktionärinnentonferenz., 7. Abt. Freitag, den 9. Otiober, 7% Uht, bei Röhler, Tiedftr. 24, Bortrag der Genoffin Todenhagen über: Stadtverordnetenwahlen". 80. Abt. Schöneberg. Bestellungen auf die Frauenwelt" nimmt an Frau Lichtenberg, Friedenau, Freegeftr. 77, vorn part. Tags Erfrischung, nachts Erholung Freitag, den 9. Oktober, 8 Uhr, Bortrag über: Was fagt uns Suren in ,, Der Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Wien), Abt. Neuron. Am Mensch und die Sonne im Seim Ropfitt. 55( Schule). Gäste willkommen. Jugendgruppe vorher 7-8 Uhr Seimabend. Stabtelampf im Ringen und Seben. Am Sonntag, den 11. Oktober, feiert bie Berliner Sportvereinigung Nord- West 87 im großen Gaale des Moabiter Gesellschaftshauses. Wiclefftr. 24, ihr 38. Stiftungsfeft, verbunden mit einem Städtekampf im Ringen und Seben. Im Seben hat man die starte Mannfchaft aus Forst geholt: im Ringen weilt die Städtemannschaft aus Eberswalbe hier. Der Berein hat weder Mithe noch Roften gesdheut, einen genußreichen Abend zu bieten. Anfang der Kämpfe 6 Uhr. Arbeiter- Sportkartell Charlottenburg. Montag, den 12. Oftober, 8 Uhr, Rartelligung im Seim der Naturfreunde, Rosinenstraße. Außer den Delegierten werden die Vereinsvorstände ersucht, an der Sigung teilzunehmen. 1. Rennett. Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, den 7. Offober. 1. Laon( Bittner), 2. Teifi( lose), 3. Teufelsnärrin ( R. Thiele). Toto: 71:10. Plat: 25, 20, 50: 10. Ferner liefen: Rasvidr, Dieftel R., Karrara gef., Ariegsbruder, Protos, Madi, Bajalt gef., Felsen. rose, Berta. 2. Sennett. 1. Atlantic( S. Schols), 2. Depression( Schuller), 3. Duertopf( Bismart). Toto: 177: 10. Blat: 21, 23, 14: 10. Ferner liefen: Siegl. Wieselburg, Lebedame, Feingold, Misdroh. 3. Rennen. 1. Rotung( b. Borte), 2 Duo vadis( b. Steller), 8. Salamon( b.galtenbaufen). Toto: 89:10. Blaz: 27, 22, 20: 10. Ferner liefen: Ravenna, Pilatus, Donese, Biger!, Tippel, Mellarosa 4. Rennen 1. Erzbalunke( Schuller), 2. Messina( Bismart), 3. Mera ( Dertel). Soto: 18:10. Blat: 10, 10: 10. Ferner lief: Miratel. 5. Stennen. 1. Mara( E. Eichhorn), 2. Boruffia( Lüder), 3. Mildred ( Dertel). Toto: 29: 10. Blaz: 15, 22, 18:10. Ferner liefen: Friedchen, Aviator, Einfalt, Lichtung, Nordlicht, Nana. 6. ennen. 1. Hohe Sonne( Dertel), 2. Stebes Trumpf( Kränzlein), 3. Emigrant( Ch. Lange). Toto: 83: 10 Blaz: 19, 14, 34: 10. Ferner liefen: Kurfürst, Feuertaufe, Sankta Lucia, Erbfertel. 7. Stennen. 1. Tor di Quinto( Leutn. Jay), 2. Heid( v. Metsch), 3. Trumpf( v. Borke). Toto: 115: 10. Blaz: 28, 15, 24: 10. Ferner liefen: Dran, Eisentrone, Namen, Erbschleicher, Kadewitt, Humor, Tran fuse, Cea. Geschäftliche Mitteilungen. Man hate fich vor den vielen Nachahmungen, die Balmin" gefunden hat. Das echte Balmin mird nur in Bateten( niemals lofe) vertauft; jedes Batet trägt den Namenszug Dr. Schlink". Welter für Berlin und Umgegend: Noch beränderlich mit einzelnen leichten Regenschauern. Für Deutschland: Im Westen beginnende Aus heiterung, im Dsten noch bewölkt und vielfach Regenschauer. verbürgt nur Gesteigerte Wünsche bei Tisch, die das Ohr der Hausfrau zuweilen erreichen und mit dem Hinweis auf meist nicht gesteigerte Mittel abgelehnt werden, können doch sehr leicht erfüllt werden. Ueberraschung u. Freude wird immer groß sein, wenn ein herrlicher Oetker- Pudding Ihren Tisch ziert. Ihre Aufwendung dafür fällt sozusagen nicht ins Gewicht, weil Sie mit dieser außerordenti ch nahrhaften und wohlschmeckenden Nachspeise leicht ein Zwischengericht ersparen. Viele Geschmacksarten wie: Mandel, Vanille. Erdbeer, Himbeer, Citrone, Ananas geben Ihnen die Möglichkeit reicher Abwechslung. 10 Pfennig. 1 Päckchen, ausreichend für 4 Personen Die neuen Oetker- Feinkostpuddings stellen den verwöhntesten Geschmack zufrieden. Versuchen Sie: Schokoladenspeise mit gehackten Mandeln, Päckchen 20 Pfg. Makronen- Pudding. . Päckchen 30 Pfg. 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Jetzt hat der Reichswirtschaftsminister zum ersten Male den Abs. 2 des§ 4 der Kartellverordnung angewandt, der der Regierung das Recht gibt, auch ohne Befragen des Kartellgerichts die Kartellmitglieder von ihren Pflichten gegenüber dem Verband zu entbinden, also das Kartell zu Sprengen. Eine Bekanntmachung des Reichswirtschaftsministeriums im„ Reichsanzeiger" räumt den an dem Halleschen Verkaufs. verein für 3iegelfabrikate A.-G., Halle/ Saale beteiligten Firmen das Kündigungsrecht nach§ 4 Ziffer 2 der Kartellverordnung ein. Zu diesem Vorgehen sah sich der Reichswirtschaftsminister veranlaßt, weil der Verkaufsverein am 27. August eine Erhöhung seiner Preise für Hintermauerungssteine von 35 M. auf 40 M. vorgenommen und seine Verkäufe unter Vorbehalt freibleiben der Preise abgeschlossen hatte. Die Preiserhöhung trat in dem Zeitpunit in Rraft, in dem die Reichsregierung alle Wirtschaftskreise zur Unterstützung ihrer Bestrebungen zur Senfung des Preisniveaus aufgefordert und ihrerseits vor allem auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung fühlbare Erleichterungen für die Wirtschaft gefichert hatte. Bekanntlich hatten die Bauarbeiter nach langem Streif damals die Arbeit gerade wieder aufgenommen, nachdem sie in Anerkennung der schwierigen Lage des Baugewerbes auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet hatten. Die lange Arbeitspause hatte u. a. die Fertigstellung der Bauten erheblich hinaus. gezögert. Um den Rest der Bauperiode für die Herstellung des so notwendigen Wohnraumes nicht unbenutzt zu lassen, war Ende August die unverzügliche Beschaffung von Material um so dringlicher, als während des Streits die Lieferung von Ziegelsteinen nicht erfolgt war. In dieser Zwangslage war das Baugewerbe vor die Tatsache der Preis erhöhung gestellt, der sie weber wirt. fchaftlich noch rechtlich ausweichen fonnte, da die Abschlüsse unter dem Vorbehalt freibleibender Preise abgeschlossen waren. Die Preispolitik des Halleschen Verkaufsvereins wird auch dadurch gekennzeichnet, daß troz nicht unerheblicher Lohnsteigerungen der anfangs des Jahres festgesetzte Preis nach der auf Grund eingehender Preisprüfungen gebildeten Auffassung des Reichs. wirtschaftsministeriums auch heute noch einen ausfömmlichen Ge winn gesichert hätte. Dieses Vorgehen ist durchaus zu begrüßen. Leider ist man in zahlreichen anderen Fällen nicht so energisch, sondern beansprucht erst das Kartellgericht, das sogar sich vorher beim Reichsverband der deutschen Industrie informiert", che es gegen die Kartelle ein schreitet. Man macht so den Bod zum Gärtner, denn es ist bekannt, daß der Reichsverband der Kartellbekämpfung entgegen wirft. Es ist ferner nicht zu verstehen, wenn die Klagen gegen 34 weitere Verbände auf Wunsch des Reichsverbandes der deutschen Industrie von der Regierung zurüdgestellt worden sind, obgleich die Klage. faristen bereits fertiggestellt waren. Diese Berzögerung erklärt sich aber, wie die Konjunktur- Korrespondenz" meldet, daraus, daß der Reichskanzler in einer dreiftündigen Unterredung zwei Banten und Industrievertretern zugesagt hat, daß die Reichsregierung sich erst an den Reichsverband der deutschen Industrie zweds Bermitt I ung wenden wird, bevor sie gegen Berbände oder deren Mitglieder vorgeht. Es scheint, daß auch in der Kartellpolitik der Regierungsstellen die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Zum deutsch- spanischen Handelsvertrag. Am 16. Ottober läuft der deutsch- spanische Handelsvertrag ab, Am 16. Oktober läuft der deutsch- spanische Handelsvertrag ab, und noch immer verlautet nichts über eine vorläufige Berlängerung eder über neue Abmachungen. Es wird sich daher lohnen, einmal kurz sich ein Bild von der tatsächlichen Entwicklung des deutsch. spanischen Warenverkehrs nach den amtlichen Unterlagen zu machen. Dabei intereffiert uns vor allem die deutsche Ausfuhr von Fertigwaren nach Spanien, da ja die allgemein berech. tigte Auffassung besteht, daß es vor allem notwendig ist, diese Seite des deutschen Außenhandels besonders zu fördern. Es betrug die deutsche Fertigwarenausfuhr nach Spanien ihrem Werte nach( in Millionen Mart) gesteigert. im Jahre 1924 im 1. Quartal 1925 im 2. Quartal 1925 im 1. Halbjahr 1925. • 78,9 33,5 85,7 69,2 Donnerstag, 8. Oktober 1925 Die Ziffern über das Jahr 1924, die in dieser zweiten Auf 20 Proz. Der Rest befindet sich im freien Verkehr. Die für die stellung gegeben sind, sind der Deutschen Tageszeitung" nächste Generalversammlung vorgeschlagene Kapitalverdop entnommen, die bemerkenswerterweise teine Angaben über die pelung( auf 4 Mill.) wird den Einfluß der Reichsbahngesellschaft Entwicklung in 1925 macht. Die hier ergänzend hinzugesetzt sind. noch erweitern. So darf man die Verkehrskreditbank heute als Damit noch nicht genug, ergeben sich die gleichen Ausblicke auf die gemeinwirtschaftliches Bantinstitut ansprechen. Bedeutung Spaniens als eines Marftes für deutsche Fabrikate aus der amtlichen deutschen Statistik, soweit sie bisher die Ergebnisse des deutsch- spanischen Warenverkehrs zusammenfaßt. Ihr zufolge über stieg bei den folgenden Warengruppen die Ausfuhr des ersten Halbjahres 1925 die Ausfuhr des ganzen Jahres 1924: Kunstseiden- und Florettjeidengarn, Garn aus Flachs, Hanf, Jute und dergleichen, Gewerbe aus Baumwolle, Gewebe aus Flachs, Hanf, Jute und dergleichen, Paraffin und Waren aus Wachs oder Die Sozialdemokratie marschiert! Klar erkennbar schon aus dem Besuch unserer ersten Wählerkundgebungen und deren starter Kampfes- und Siegeszuversicht. Abrechnung soll am 25. Oftober in Berlin gehalten werden. Hunderttausende Betrogene warten darauf. Und wir schüren das Feuer und helfen nach kräffen mit, das„ Rote Haus" zu reinigen und die Retter" und„ Kettensprenger" zu dezimieren. Jeder Sozialdemokrat trift jetzt in Reih und Glied. Reines unferer Mitglieder darf in den nun tommenden Tagen paifio beiseite stehen. Es gilt, bis zum 25. Oktober alle kräfte anzuspannen. Berlin muß diesmal unser werden! Das ist die Parole der Berliner Partei! Darum, Genossen und Genofsinnen, mit Leidenschaft den Kampf geführt! Jeder Ruf zur Werbearbeit, zur Propaganda für die Partei maß jezt ein tausendfältiges Echo finden. Darum heraus zur allgemeinen Flugblattverbreitung am Sonntag, den 11. Oktober. Betten, Zellulose, Galalith und dergleichen, Farben, Firnisse und Lacke, Schwefelsaueres Kali, Chlortalium, sonstige chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Eisenröhren und-walzen, Stab- und Formeisen, Blech und Draht, Eisenbahnoberbaumaterial, diverse Eisenwaren( vgl. die obige Zusammenstellung), Dampflokomotiven usw., Werkzeugmaschinen, landwirtschaftliche Maschinen. Es gibt also nicht eine einzige große deutsche Industrie, die nicht in der Lage gewesen wäre, ihren Absatz recht beträcht lich zu steigern, es gibt aber ebenso faum eine einzige deutsche große Industrie, die bisher in der Deffentlichkeit gegen den Wahn finn ber Kündigung eines Handelsvertrages protestiert hätte, der für sie alle so vorteilhafte Ergebnisse gezeitigt hat. Andererseits ist die agrarische Propaganda ungeheuer rege, und selbst der obenerwähnte Artikel der„ Deutschen Tageszeitung", der die unvollständigen Angaben über die Ausfuhr diverser Eisenwaren machte, knüpft daran eine recht zweifelhafte Kalkulation über die Lage der Weinbauern, die bekanntlich als einzige deutsche Wirtschaftsgruppe gegen die Verlängerung des Handelsvertrages protestierten. Es liegt darum jezt im Interesse der übrigen deutschen Wirtschaft, sich endlich einmal über die Bedeutung des zukunftsreichen spanischen Markts flar zu werden. Die Bank der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Nicht immer gilt die Regel, daß das, was die Inflationszeit gefchaffen hat, die Stabilisierung wieder beseitigt. Daß die Deutsche Berkehrstreditbank A.-G. zu diesen Ausnahmen gehört, verdankt sie der guten Idee, die sie trägt: die Bahlung der Eisenbahn-( auch Binnenschiffahrts-) Frachten bankmäßig in ganz Deutschland zu organisieren sowie den Berfrachtern gegen eine geringe Gebühr die Frachtenzahlung zu stunden und zur halbmonatlichen oder monatlichen Abrechnung aufzusammeln. Die Geldknappheit in der letzten Inflationszeit und die Geldund Kreditnot in der Stabilisierungszeit mußten den Erfolg der Gründung begünstigen. Man brauchte schließlich den Berfrachtern nur noch den Vorteil zu bieten, billiger zu sein als die bahnamtliche Frachtenstundung und die Stundung auf längere Zeit zu gewähren, um auch zu ständig wachsender Kundschaft zu kommen. Das Experiment gelang um so besser, als auch die Reichsbahn von der bantmäßigen Organisation der Frachtenzahlung und Frachtenstundung Borteile hatte. Das führte zu einem zehn mithin hat sich die Ausfuhr von Fertigwaren um 75-80 Broz. jährigen Bertrag mit der Verkehrskreditbank, in dem die Es friſtigen, der Bank übertragen und die Bant verpflichtet wurde, in den Reichsbahndirektionsbezirken Niederlassungen zu halten. Als durch die Dawes- Gefeße die Verwaltung der Reichs 1.Salbi. 2. Salbj. 1.Salbj. Julf August bahn privatwirtschaftlich aufgezogen wurde, lag nichts näher, als Diesen Zahlen seien einige weitere Angaben hinzugefügt. betrug in Doppelzentnern die Ausfuhr an Röhrenberbindgasid.uft. 1924 1925 die Verkehrskreditbank mit ihren Tochtergesellschaften in allen Di reftionsbezirten zur Bantabteilung der Reichsbahn gesellschaft zu machen, als welche sie denn heute auch anzu11 sprechen ist. 1924 510 1886 8390 748 888 Bohrern usw. 199 411 623 83 118 Bangen 200 309 516 75 187 Meßwerkzeugen. 53 65 68 9 Aegten usw. 872 698 979 179 182 Hauswirtschaftl. Geräten 293 487 539 155 103 Drahtbesen 429 1154 1375 223 • Dfenrohren usw. 114 262 590 72 Schlössern und Schlüsseln 864 1058 2309 816 255 200 835 Feilen, Messern, Scheren Stugellagern. 231 462 664 99 90 134 161 216 17 44 Die Reichsbahngesellschaft besigt heute von dem 3meimillionenfapital der Verkehrskreditbank 72 Proz. Entsprechend ihrer privatfapitalistischen Vergangenheit( die Tochtergesellschaften insbesondere wurden mit Hilfe von privaten Groß banten gegründet und arbeiteten mit diesen) sind auch die Großbanten am Rapital beteiligt, und zwar mit 3 Da die Ausgestaltung der Verkehrskreditbank als Reichsbahnbank sich eigentlich erst in dem am 30. Juni abgelaufenen Geschäfts. jahr vollzogen hat, zeigen sowohl die Organisation als die Bilanz gegenüber dem Vorjahr sehr bedeutende Veränderungen. Die bisher als Aktien Gesellschaften aufgemachten 23 Tochtergesellschaften wurden zu Zweigniederlassungen der Ber liner Zentrale umgebaut. Das wegen der Einfachheit der Geschäfte verhältnismäßig geringe Personal beträgt insgesamt etwa 450 Köpfe. Die wenigen Ziffern der Bilanz zeigen Summen, die dem Riesenbetrieb der Reichsbahn entsprechen und gegenüber der Goldbilanz vom vorigen Jahre die Wandlung vom Privatinstitut zur Reichsbahnbank zur Geltung bringen. Die Bilanzsumme ist mit 363,5 gegenüber 18 Mill. verzwanzigfacht. Gegenüber dem Gläubigerkonto der Reichsbahngesellschaft mit 359,7 Mill.( gegen Gläubiger 1924 mit 17,3 M:.) sind Kapital und Reserven mit 2,25 Mill winzig zu nennen. Aus diesen Reichsbahnmitteln sind an Privat-, Landes- und Girobanten 278,2 mill. ausgeliehen. Die sonstigen Schuldner, über die der Geschäftsbericht leider nichts sagt, betragen 33,5 mill. Wechsel sind 49,3 Mill. ausgewiesen. Der erzielte Bruttogewinn( 2,62 mill.) stammt in der Hauptsache aus dem Frachtstundungsgeschäft( 0,6), aus 3insen( 1,7) und Provisionen( 0,24 Mill.). Als Reingewinn werden 1,15 Mill. ausgewiesen, was gegenüber dem Aktienkapital von 2 Mill. sehr viel, gegenüber den Riesenumfäßen aber sehr wenig ist. Aus dem Reingewinn fommen 12 Pro3. auf Dividende, 100 000 m. an die ordentliche, 500 000 m. an eine Berluftreserve für das Frachtenstundungsgeschäft, 100 000 m. an einen Unterſtüßungsfonds, 100 000 m. auf den Aufsichtsrat( 21 Mitglieder) und 109 000 m. auf neue Rechnung. Der Geschäftsbericht ist leider sehr unvoIIständig. Für die Deffentlichkeit mären nicht nur Zahlen über tie gestundeten und abgerechneten Fr a cht summen selbst, sondern auch die Zahl der Stundungs konten von großem Interesse geFrachtenanweisungshefte entnehmen lassen, welche Industrien wesen. Ebenso hätte sich aus einer Statistik der Bezieher der von der Frachtenstundung besonderen Gebrauch machen. Ferner ist weder die Rede davon, welche Stundungsprovision berechnet wird, noch davon, wieviel 3insen der Reichsbahngesellschaft vergütet und wieviel den Banten berechnet werden. Auch das Prozentverhältnis, in welchem die Kredite auf öffentliche und auf Privatbanken sich verteilen, wäre von Wichtigkeit. Da es sich bei der bankmäßigen Frachtenabrechnung und-stundung um cine neue Form des bargeldlosen 3ahlungsver fehrs handelt, hätte sich aus der Bekanntgabe der Abrechnungsfummen manches für den allgemeinen Geldverkehr entnehmen lassen, Hoffentlich wird die Verwaltung der Deutschen Verkehrskreditbank A.-G. in ihrer Generalversammlung am 20. Ottober davon etwas nachholen. 9 Die Bedeutung des Rußlandkredits. K- r. Ueber das Kreditabkommen, das dieser Tage zwischen einer deutschen Großbantengruppe unter führender Beteiligung der Deutschen Bant und der Reichs Kredit Gesellschaft Aktiengesellschaft einerseits und der Russischen Staatsbant anderseits in Berlin abgeschlossen worden ist, werden von russischer Seite folgende Einzelheiten mitgeteilt. Der 100- Mill.- Mark- Kredit, von dem 75 mill. Mark Bankkredite und 25 mill. Mart Waren. fredite sind, ist furzfristig. Die Tilgung dieser Kredite hat Anfang 1926 zu erfolgen. Eine Erneuerung des Kredits ist zwar nicht ausgeschlossen, zunächst handelt es sich jedoch nur um einen einmaligen Kredit. Der Kredit ist nur für Eintäufe in Deutschland und zwar ausschließlich deutscher Erzeugnisse beſtimmt. Die Kosten des Kredits sollen dem in Deutschland üblichen Diskontsatz entsprechen. Die Rückzahlung des Kredits hat in Wechseln auf New Dorf zu erfolgen. Die Bedeutung des deutschen 100- mill- Mart- Kredits wird in den maßgebenden russischen Finanz- und Wirtschaftskreisen außerordentlich hoch eingeschätzt. Das Abkommen mit der Deutschen Bant", schreibt die„ Ekonomitscheskaja Shifn", stellt zweifellos einen beziehungen des Sowjetbundes mit dem Westen dar. Be bedeutenden Schritt in der Entwicklung der Kreditfonders wichtig sei der Kredit deshalb, weil infolge der niedrigen beziehungen des Sowjetbundes mit dem Weſten dar." Be Getreidepreise der russische Getreideegport gefährdet und zum Teil unren tabel geworden sei. Infolgedessen hätte normaler weise das Importprogramm eingeschränkt werden müssen, oder aber es hätte, falls der Goldfonds der Staatsbank weiterhin für die schränkung der Banknotenemission und der Staatsbanktrebite erfolgen Importzwede in Anspruch genommen worden wäre, eine Einmüssen. Durch das Abkommen mit der Deutschen Bank werde ein us weg aus diefer Situation geschaffen. 3war seien die Kredite Erports einen Bettgewinn. Das ursprüngliche Importprogramm nur furzfristig, sie geben aber der Sowjetregierung hinsichtlich des für das erste Quartal 1925/26 tönne nunmehr eingehalten und evil. jogar etwas erweitert werden. Man könne damit rechnen, daß bereits in den nächsten Wochen in Deutschland russische Waren. bestellungen in Höhe von 90 bis 95 mill. M. erfolgen werden, die Deutschland im Laufe von 5 bis 6 Monaten in Dollar bezahlt werden. Schon in früheren Mitteilungen von russischer Seite war darauf hingewiesen worden, daß der 3 med der Kreditaufnahme für die Russen es sei, für den Export Zeit zu gewinnen, d. h. mit anderen Worten: abzuwarten, bis die gegenwärtige Baisse auf dem Getreidemarkt nachlassen wird. Tatsächlich hat sich als Folge des Russen15000 far frobe Gesichter! Herr Xverteilt vom 14.Oktober d.J. ab im.Auftrage einer bekannten Zigarettenfabrik täglich zehnmal 50 Mark an Leute, die frohen Mutes sind. fredits das bringende Getreideangebot am Weltmarkt fofort vermindert. Die Weltmarktpreise steigen, und mit ihnen auch die deutschen Getreidepreise. Märkischer Weizen notierte am Montag in Berlin 201 bis 205, gestern bereits 211 bis 214, Roggen verteuerte sich in dieser Zeit von 145 bis 148 auf 152 bis 155 m. je Doppelzentner. So ermeist sich der Russenkredit als eine Stüßungsaftion für die Getreidepreise und damit für die deutschen Agrarier. Aus der westdeutschen Montanindustrie. Wir erhalten folgende Buschrift: Die Verhandlungen über den Zusammenschluß der Werke der vier Konzerne Rheinelbe, Thyffen, Phönig und Rheinftahl nehmen, nachdem Krupp von dem Projekt endgültig zurückgetreten ist, wie alle Nachrichten der rheinisch- westfälischen Presse erkennen lassen, einen normalen Verlauf. Von der Absicht, die gesamten Werte in eine neue Firma unter Aufgabe der bisherigen Firmierungen einzubringen, ist man vorläufig abgekommen, jedoch betrachtet man die nunmehr angestrebte Form einer Dach gefellschaft nur als einen Uebergang zur endgültigen Verschmelzung. Ueber die wichtigsten Personenfragen scheint inzwischen eine Einigung erzielt zu sein insofern, als der Leiter des Rheinelbe- Konzerns, Herr Bögler, die Leitung der Dachgesellschaft übernehmen und Friz Thyssen derem Aufsichtsrat vorsigen soll. In den Kreisen der nordamerikanischen Hochfinanz verfolgt man die Gründungsverhandlungen mit großem Interesse. Obwohl noch keine formellen Verhandlungen über Kredite stattgefunden haben sollen, glaubt man dod) bereits jetzt die Bereitwilligkeit zur Kredithergabe an den Montanblod erkennen zu können. Ueber die Gründe, die Krupp bemogen haben, von dem Projekt zurückzutreten, werden die verschiedensten Nachrichten ver. breitet. Sicher ist, daß die Firma Krupp in der Lage gewesen ist, fich tapitalflüssig zu machen. Mit welchen Mitteln dies geschehen ist, ist im ganzen noch dunkel Ein einzelner Borgang steht aber schon fest. Der Krupp- Konzern hat die ihm gehörige Gewerkschaft Norddeutschland an die französische Bendelgruppe vertauft.( Dieser Vertauf bedarf allerdings noch der Zustimmung des Aufsichtsrates der französischen Gruppe.) Die Gewerkschaft Norddeutschland besigt im Kreise Mörs eine Bergbaugerechtsame von 12 Millionen Quadrat metern, die an die Gerechtsame der Zeche Friedrich Heinrich angrenzt, die bereits dem Bendel- Konzern gehört. lleber ben Kaufpreis ist noch nichts befannt. Dieser Kruppsche Bertauf beansprucht ein bedeutendes öffent. liches Interesse. Die Gerechtsame auf Ausbeutung der unter dieser Fläche von 12 Millionen Quadratmetern liegenden Kohlenvorräte hat sich die Firma Krupp vor dem Kriege als Reserve gesichert im Hinblick auf ihre Expansionsabsichten, die mit ihrem Rüstungsmonopol zufammenhingen. Eine Aufschließung dieses Eigentums hat bisher nicht stattgefunden. Die Firma Krupp hat also in ihrem privatfapitalistischen Interesse Bodenschäße peräußert, für deren Erwerb fie so gut wie nichts getan oder bezahlt hat. An diesem Falle ermeist sich wieder einmal, wie verhängnisvoll das deutsche Bergrecht die Interessen der Gesamtheit schädigt. Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, daß wenigstens die nicht produttiv aufgeschlossenen Bodenschäze Staatseigentunt find. Wie man sieht, verfügt aber das Privattapital auf Grund von Vorfriegsrechten zu seinem Borteil darüber. Um so notwendiger ist die Sozialisierung der Bodenschäze. Aft.- Gef. für chemische Produkte vorm. Scheidemandel. In der Generalversammlung dieser die Knochenleimindustrie beherrschenden Gesellschaft trat der Vorsitzende Geheimrat Kempner ben über die Gesellschaft verbreiteten ungünstigen Gerüchten entgegen. Er führte aus: Wir haben Kredite bei ersten Bantinstituten im laufen. den Geschäftsverfehr in Anspruch genommen, deren Laufzeit jeweils für einen größeren Beitraum firiert wird.( Beispielsweise sind die gegenwärtigen Fälligkeiten nicht vor dem 1. April bzw. 1. November nächsten Jahres vereinbart.) Längere Kredite haben wir nicht er strebt, mit Rücksicht auf die Mobilisierungsmöglichkeiten überflüssig gewordenen Grundbesiges und von Objekten, welche nicht in unmittelbarem Zusammenhange mit unserem Industrieprogramm 33.5 Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Groß- Berlin SC 2.2 April- September 1925 Männer Frauen 43.8 43.4 41.0403 37.836.0 31.1 38.6 31 29.1 28.8 26.0 24.7 21.5 34.8 33.6 23.3 24.0 36.3 178 Z In 1000 Personen 47.448.648.448.6 42.49 43.7 44.7 39.938.40.0 40.4 39.40.5 27.9 97.4 98.6 29.0 28.8 29.4 39.0 33.3 36.0 137.6 37.7 37.1 37.1 6. 13.20.27. 4. 11. 18.25. 1. 8. 15. 22.29. 6. 13. 20. 27. 3. 10. 17. 24.31. 2. 14. 21. 28. Mai Juni Juli April August September fiehen. Der Geschäftsgang im Inlande ist selbstverständlich| schafter starte Bedenten gegen dieses englisch- amerikanische Anburch die allgemeine Lage der Wirtschaft, insbesondere durch die gebot haben. In diesem Zusammenhang haben sie betont, daß eine Kreditnot der Käuferschaft beeinflußt, so daß fich wesentliche mit dieser Hilfe erfolgte rekonstruierte Bant als ganz neue Bant Bestände ansammelten. In dieser Richtung zeigt aber der leste zu gelten hat und das Firmenschild der dänischen Genossenschaften im September beträgt gegenüber August etwa das Doppeite. In zufammengerufen worden, und Ende dieser Woche soll endgültig Monat eine wesentliche Besserung. Der Abjaz z. B. in Leim nur fälschlicherweise führen tann. Die interessierten Kreise sind nun Das über das Angebot entschieden werden. Knochenmehl sind wir im allgemeinen immer ausverkauft. Fettgeschäft geht normal. Die Umstellung der Fabrication auf Berlenleim schreitet programmäßig fort und führt zu der erwarteten Stonzentration und Rationalisierung der Erzeugung. Die Nach frage nach Berlenleim steigt. Die ausländischen Gesellschaften geben im allgemeinen besser als die inländischen. Die Bersammlung beschloß die Herablegung des Attientapitals von 30 Millionen auf 25 Millionen Reichsmart. Nach den Aushalb des Erwerbsprogramms feine Rentabilitätsmög führungen des Borsigenden biete sich für diese 5 Millionen innerich teit. Die Verwaltung sei desmegen der Anregung des Reichs verbandes der Industrie auf Einziehung der Verwertungsaftien gefolgt. geteilt: 3ur Linderung der Kreditnot des gewerblichen und tauf 3insermäßigung für Mittelflandskredite. Amtlich wird mit niännischen Mittelstandes war vom Reich eine Kredithilfe ein geleitet worden, in Berfolg deren die Preußische Staats. bant über die mit der Weiterleitung vertrauten Zentralstellen den in Frage kommenden Kreisen im Darlehnswege 22 Millionen Reichsmart zur Verfügung gestellt hat. In Ergänzung dieser Maß schließung des Landtages folgend, ihrerseits ebenfalls 22 Millionen nahmen hat dann die Preußische Regierung, einer EntReichsmart durch die Preußische Staatsbant bereitstellen lassen. Gleichzeitig hat sie den Kreditinstituten, melche die Weiterleitung diefer Mittel übernommen haben, aufgegeben, für denselben 3med wird uns geschrieben: Die Bersuche, die zusammengebrochene it. Ende der dänischen Genossenschaftsbant? Aus Ropenhagen einen gleichhohen Betrag aus eigenen Mitteln her. wird uns geschrieben: Die Bersuche, die zusammengebrochene 2 it. zugeben. Damit sind nunmehr, abgesehen von Sonderkrediten für dels bant" mit Geldern der dänischen Genossenschaften wieder bestimmte Landesteile, dem gewerblichen und kaufmännischen Mittelaufzurichten, fönnen als endgültig gescheitert gelten, nachdem stand Preußens rund 66 Millionen Reichsmart zur Dor furzem die kapitalträftigsten dänischen Genossenschaften, die Ge. Verfügung gestellt worden. In Berfolg der fürzlich einnoffenschaftsschlächtereien, es abgelehnt haben, sich an der Refon geleiteten Sentung der Zinsfäße der öffentlichen Gelder hat die ftruftion der Bant zu beteiligen. Trogdem aber scheint bie Bant Breußische Staatsban auch bie 3insfäße für die ge. wieder aufzuerstehen, wenn auch in ganz veränderter Form. Die nannten Mittelstandstrebite um 1 Broz herab. Großeintaufsgenossenschaft der englischen Kongelegt. Damit wird der von dem legten Kreditnehmer zu zahlenbe fumpereine, die„ Wholesale Society", hat nämlich dem Liqui- 3ins auf 11 Proz. jährlich ermäßigt. bationsfomitee der Andelsbant Kapital zur Wiederaufrichtung ber Bant angeboten. Die Engländer wollen bis 48 Millionen Kronen zur Verfügung stellen, und zwar 8 Millionen als Attien fepital und 40 Millionen als Darlehen. Bemerkensmerterweise ist aber dieses Geld nicht solches der englischen Genossenschaften, sondern bie Wholesale Society" hat mitgeteilt, daß fie für den größten Teil der Gelder als Mittelsmann amerikanischer Gelblente auftritt. Es ist verständlich, daß gerade die überzeugten GenossenMonopolifierung der Geireideversorgung der Schweiz. Der schweizerische Nationalrat nabm am 1. Oftober unter bänderung des Artikels 28a der schweizerischen Bundesverfassung einen Gejeg entwurf an, der die Getreibeberiorgung der Eidgenossenschaft unter Monopol stellt. Die Durchführung wird einer Ge noffenfchaft gemeinnügigen Charakters übertragen, die unter der Aufsicht des Bundes steht und an der sich auch neben dem Bund und den Kantonen privatwirtschaftliche Organisationen beteiligen. VARENSCHAU VERBE WOCHE WIR ZEIGEN DIE HERSTELLUNG VIELER ARTIKEL DURCH MASCHINELLE VOR FÜHRUNGEN VERBUNDEN MIT BESONDEREN AUSNAHME ANGEBOTEN Aluminium Elektrische Heizleitung.. 20 1500 Bürste Sauswirtschaftliche Schmortöpfe 95p. 125150175210 und Kothappavate Maschinen Schmortöpfe Satz 3 SL. 4254 SL. 650 5 St. 875 Elektr. Bügeleisen ... 1es 385 850 875 Reibemaschinen mit Schnur und Stecker......... Kasserollen m.stlel. 75Pt. 90 Pt. 10 Elektr.Kocher vernickelt mit Zu- 750 Brotschneidemaschinen... 630 Wasserkessel........ 275 300 325 275 300 325 Elektr.Heizkissen 10000 1350 Messerputzmasch. 750 mit 1200 Maschinentöpfe Fleischhackmaschinen, 675 Stack95P- Elektr.Kaffeemaschinen Milchkocher.......... 125165 Aluminium, 1 Ltr. 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Paar 190 Essmesser zum Aussuchen 22, 45PL 40, 50P Bohnerwachs La Qualität 75PE Teemaschinenver 55011751250 innen HERMANN TIETZ 249 .rs?,. Unterhaltung unö AAissen Der Saum. Von Hedwig Schwarz. Cigenilich pahte er schon längst nicht mehr in die Gegend, der alte mächtige Kastanienbaum mit der breit aufladenden Krone. Es hatte sich doch gar zuviel geändert, seitdem er ofei rankes junges Bäumchen mit jedem Lufthauch hingegebenem Wipfel und spiele- rischen Zweigen seinen schmalen Schatten auf die Landstraße warf, die der Häuserhaufe dort hinten zu den fernen Dörfchen in die Ebene hinaucschickte. Es war wirklich ein Glück, daß er schon ein großer stämmiger Bursche war, als der unheimliche grau« Koloß der Stadt sich auf ihn zuwülzte. Erst hotte der nur seine harinlosen, bescheidenen Borboten geschickt, gebrechliche Bretter- tauben, von winzigen Gärtchen umgeben, auk denen milde und kühlend der Schatten des breitäftigen Beschützers ruhte. Dann aber griff die graue Straßenzeile nach ihm und wollte sali sein lebendiges Grün ersticken. Steine drückten schwer auf seine saugen- den Wurzelarms, Stein« beengten die Krone, die sich so gern in Lust und Sonne dehnte. Dtun aber hieß es zeigen, daß man von gutem Stamme- war. Rechts und links kreischte die Säge; junge Linden, Ahorne und Akazien starben in dumpfem Fall. Di« stattliche Kastanie allein ließ man stehen, weil«in bebrillter Herr mit einer Aktentasche im letzten Augenblick hsrau-gefundeu hatte, daß sie»zur Hebung des Straßenbildes unbedingt zu erholten fei". Da stand sie nun zwischen toten, grauen Wänden,«in Fremd- ling und einziger Zeuge einer sagenhaften Vergangenheit, und deckte mit dem grünen Vorhang ihres Geästes die kleinen Schicksal« kleiner Leute in kleinen Zimmern vor den begierigen Blicken eines allzu nahen Gegenübers. Unendlich« Labsal war sie den Bewohnern des Hauses, vor dem sie stand.— oder richtiger- das zufällig hinter ihr zu stehen gekommen war. Stall auf die Häßlichkeit grauer Steinwüstenei durften sie den ganzen Sommer über in dämmer» grüne Wildnis blicken. Die Blällsrporen des Baumes, die dem spärlich einfallenden Licht verlangend geöffnet waren, atmeten nachts den Dust sommerlicher Wälder in ihr« armen, dumpfigen Stuben. Und dann die köstlichen Wochen der Blüte, die hohe Zell des Jahres für die Leute aus Rr. Z7i Die gelähmte alte Frau aus dem drillen Stock konnte dann wohl für eine halbe Stund« ihr Strickzeug sinken lassen und auf die weißen, licncnumsummten Kerzen starren. Ach, sie stammte ja noch aus der Zeit der Bretterlauben: und von den Blüten wehte ihr Dust der Erinnerung zu. Gretel, das Jüngste des Flickschusters im Keller,«rzählle stolz den anderen Kindern auf der Straße, was ihr die Mutter gesagt hatte..Wir haben zu Weihnachten keinen Tannenbaum, weil wir im Frühling«inen Baum mit lebendigen Kerzen vor der Tür haben.* Selbst in die heißen, tränenden Augen der Rähmamsell im zweiten Stock fiel ein froher Glanz von dem leuchtenden Frühlingswunder am Fenster. So erschien der Daum den freudlosen Menschen ringsum als ein immer gütiger Spender. Im Sommer gab er erquickenden Schatten gegen die Glut der auf riesige Steinflächen brennenden Soime: im Herbst schenkt« er den Kindern langersehnte glänzende braune Kugeln zum Spielen: und im Wimer bot er unter der Schneelast seiner Zweig« den seilsam zarten Umriß eines fremd» ciügen, phantastischen Gebildes. Eines Tages im Frühjahr— die Kastanie prangte gerade im vollen Schmuck der gelblich-weißen, rotgetupften Blüten, erschienen Männer in langen schmutzigen Killeln mit Eimern und Pinseln vor Nr. 27. Ein Brettergerüst kletterte an der Front empor: wo es an die Zweige der Kastanie stieß, wurden sie abgehauen. Das Rascheln und Knacken der abgeheckten Baumglicder tönt« den Haus- bewohnern wie ein schmerzliches Seufzen. Wo sie zuvor vom Fenster aus die ihnen vom Baum dargebotenen, wie Hände ge- gliederten Blätter ergreifen konnten, starrten ihnen jetzt von fern weiße Holzwunden entgegen. An der grauen Fassade aber begann ein rühriges Pinseln: vom Dachfirst bis zur Erde wurde sie in ein kalkiges Weiß getaucht. Dann glitt da» Holzgerüst wieder von ihr ab, die Männer in den Kitteln nahmen wieder ihre Eimer zur Hand und verschwanden in der Richlung, aus der sie gekommen waren. Grell und knollig stach nun das weiße Haus aus der endlosen Reihe der grauen Nachbarn. So wollte es der Spekulant, in dessen raffend« Hände das Haus vor wenigen Wochen übergegangen war und der es schnell und mit Borteil wieder loszuschlagen gedachte. Breitbeinig, die Hönde in den Hosentaschen, stand, er vor den-, voll- endeten Werk, das er wohlgt fällig betrachtet«. Wenn da nicht mindestens ein paar Mille sür ihn herauesprangenl Die Unkosten des Anstrichs sollien sich reichlich rentieren. Verdammt, das oll« Grünzeug verkorkste die ganze Fassade! Man sah viel zu wenig von der frischen Farbe. Er klopft« mit seinem Stock gegen den Stamm: es klang fest und voll.„Dos da muß weg,* erklärte er dem eben vor seine Tür tretenden Flickschuster. Roch am gleichen Abend wußte ganz Rr. 27 von der drohenden Gefahr. Der Dreher im ersten Stock, der von seinem Verband her wußte, wie man so was onfoht. trommelte die Aufgeregten zu einer Sitzung in seiner guten Stube zusammen..Unser Baum.* das war das Losungswort, unter dem das von Zufall und Schicksal zusammengewürfelt« Menjchenkonglomerat zu einer Gemeinschaft zusammenschmolz. Unter dem Vorsitz des erfahrenen Verbands» manne» wurde die Absendung eines Gesuches an den Magistrat beschlossen, dl« Genehmigung zur Fällung des Baumes, der öffent- liches Eigentum sei. zu versagen. Vis spät in die Nacht fiel Lichtschein au, dem Fenster des Drehers. Da saß der groß?, starkknochige Mann in Hemdsärmeln vor einem Bogen Papier, aus da» die schwere Hand mühselig Buch- stoben um Buchstaoc» kritzelten.Da derselbe die größte Freude Hr Einwohner von Nr. 27 darsitlll.* Erleichtert legte er die kratzig« Feder beiseite. Seine Frau besorgte am nächsten Tag da» weitere, indem sie von Tür zu Tür bereitwillig gegebene Unterjchrijten sammelte. Das Schreiben wurde abgesandt und kam in die Abteilung, wo der Hepr mit der Brille saß, der.sich erinnerte*. Das Dertangen des Hauswirtes wurde abgewiesen. Der Hochsommer kam und trieb eine unerhörte Glutwclle durch die verödeten Straßen. Schlafs und unbeweglich hingen die Zweig« der Kastanie, früh, allzu früh begannen die gezockten Ränder der Blätter bräunlich zu welken. Eines Abend», als die Straße in Siille und Dunkelheit lag, machte sich der Flickschuster neben dem Baum, auf dem kleinen Stückchen Erde, das rund um den Stamm von den Pflastersteinen ansgewssen war. mit Spaten und Eimer zu schaffen Am nächsten Morgen konnte man ein tiefes, zu den Wurzelfasern hinabreichendes Loch bemerken, in dem Wasser stand. Begeistert machte sich die zum Schutz de» Baumes entstandene kleine Organisation den Gedanken dieses Hilfswerkes zu«igen. Reihum ging der Wasseretmer in den sorgenden Händen: jeden Abend wurde der Baum unter Hoffnung und Bangen reichlich getränkt. Die dörrende Hitze wich, aber der Daum siechte sterbend dahin. Lange vor der Zeit ließ er die verwelkten Blätter sinken. Er konnte ja den Menschen nicht klagen, daß eines Nachts ein kleines Loch ihm bis ans Mark gebohrt morden»nd ätzendes Schcidswasser den Kern seines Lebens zerfraß. Die fallende Axt traf nur noch«ine Leiche. Aus allen Fenstern der Straße gingen dem toten riesigen Freund« die tränenerfüllten Blicke der Frauen, die grübelnden der Viänner, die erstaunten der Kinder and die leeren der Greise nach. Einen Monat später wurde das Haus Nr. 27 mit erheblichem Gewinn verkauft. Die große Absäge. voltswlrtsihastliche Seöeutuag öer Mistel Bon Dr. W. Wächter. Ein Schmarotzer oder Parasit im biologischen Sinn« ist jeder Organismus, der auf oder in einem anderen lebt, seinem Wirt die Nahrung nimmt und ihn dadurch schädigt. Schon 1720 wurde der Name Parasit von Micheli sür alle Pflanzen, die sich von anderen ernähren, eingesührt. Das war zwar eine einfachere Definition, aber die fortschreitende Wissenschast kam mit dieser Erklärung nicht aus, da es sich zeigte, daß es auch Organismen gibt, die die Nahrung nur teilweise von der Wirtfchaftspflanze nehmen, die den Win dabei nicht schädigen oder die gar für den Wirt von Wichtigkell sein können. Man mußte darum die Begriffe Halbschmarogcr und Symbionten einführen, und es ist nicht immer leicht gewesen, sür eine Pflanz« die richtige Klasse ausfindig zu machen, zumal es auch solche Pflanzen gibt, die nur einen Teil ihres Lebens auf dos Schmarotzen ange» wiesen sind.— Der Begriff Schmarotzer in der Biologie ist natürlich dem gleichen Begriff in der menschlichen Gesellschaft entlehnt morde», und man versteht daruntre auch hier vielfach jeden, der aus Kosten anderer lebt. Betrachen wir aber die Sache bei Licht, so sinden wir, daß es auch hier keineswegs so einfach ist, zu sagen, wer denn nun «in wirklicher Parasit ist, zumal es ja hier noch auf die ethische Wertung ankommt:>öan will doch seine Verachtung ausdrücken, wenn man jemanden«inen Schmarotzer nennt. Aber es geht nicht an, jeden Landstreicher, Rentner. Krüppel oder ein Pumpgenie oder jeden Armenhäusler und Gefängnisinjassen einen Schmarotzer an der menschlichen Gesellschaft zu nennen, wie es so ost geschieht. Der Nachdruck muß auch hier darauf gelegt werden, ob die Gesellschaft oder ein Individuum geschädigt wird und ob nicht etwa eine Gegen- leistung aufzuweisen ist von einein„heterotrophen*. einem sich von andere» nährenden Menschen. Aber nehmen wir an, wir fänden bei cller Toleranz und unter Würdigung der psychopathischen Eigen- schaften solcher anti- oder asozialen Menschen wirtliche Parasiten in Menschengestalt, so würden wir ihnen kaum eine vnlkswirtschastlich« Bedeutung beimessen können, es sei denn, daß wir seine Leiche irgend- wie lukrativ verwerten. Nach der Berechnung eines Amerikaners soll der Mensch etwa 4,50 M. wert sein, wenn wir seine Bestandteile nach Art der Althändler bewerten— die Seele und was sonst un- sterblich am Menschen ist, hat besagter Amerikaner natürlich nicht in Geld umrechnen können. Mit der Mistel, die ein sogenannter Halbschmarotzer ist. da sie grüne Blätter hat und sich also zum Teil selbst ernähren kann, hat es nun eine eigene Bewandtnis in volkswirtschaftlicher Beziehung. Sie ist in der Tat der einzige Parasit in der ganzen Organismen- wclt, der einen Nutzen hat, dank der Stellung, die diese merkwürdige Pflanze sell dem Altertum, in der germanischen Sage und vor allem im religiösen Kultus der alten Kelten eingenommen hat. Der römische Schriftsteller Plinius berichtet ausführlich über die hohe Verehrung der Mistel durch die Gallier, deren Priester, die Druiden, wenn sie im weißen Kleide den heiligen Eichbaum bestiegen, mit einer goldenen Sichel die Mistel abschnitten. Sie wurde in einem weißen Mantel aufgefangen da sie den Bod-n nicht berübren durfte-, denn die Erde hebt die Zauberkraft der Mistel auf. Den Göttern opferten die Druiden bei ihren hohen Festen zwei weiße Stiere, und für die Menschen bereiteten sie den Misteltrank, der olle Krankheiten heilen und unfruchtbare Tiere fruchtbar machen sollte. Auch andere Völker, wie die alten Japaner, hielten viel von der Mistel, und so hat sich durch das ganze Mittelalter hindurch bis auf unsere Zeit der Glaube an die Wunderirost der Mistel in irgendeiner Form erhalten. Unter dem Einfluß der Engländer, die die Mistel mit ihren matt- weißen Perlenfrüchten zur Weihnachtspflanze machten, hat sich in den letzten Jahrzehnten fast in ganz Europa und Amerika die Sitte ein- gevürge'-t, zur Weibnachtszeit, gelegeistlicb auch zu Ostern und zu Allerheiligen, die frische wintergrüne Mistel auf den Markt zu bringen, und es hat sich«ine geradezu fabelhafte Mistelindustri« und ein ausgedebnter Handel mit frischen Misteln entwickelt. England erhält seine Misteln»um größten Teil au» Frankreich, und zwar sind es die Häfen St. Molo, Havr«, Granville und Honfleur, die in Seklage ües Vorwärts Körben von ungefähr 40 Kilogramm die Misteln ausführen. Pro» fessor von Tubeuf in München, dem wir eins vor kurzem erschienen« umfangreiche Mistelmonogrophie verdanken, hat nicht nur die inier- essante botanische Seite bearbeitet, sondern alles, was über die Mistel zu sagen ist, mit großer Gründlickkeil zusammengetragen und in vor» bildlicher Weise durch eigene Untersuchungen"in jahrzehntelanger Arbeit ergänzt. So hat er es sich auch nicht verdrießen lassen, den verschlungenen Wegen de» Handels nachzugehen, um statistisches Ma» terial zu gewinnen. Aus den genannten vier 5)äfen wurden 1906 z. B. über 12 000 der erwähnten Körbe, das sind über 500 000 Kilo- gramm, frischer Misteln nach England geschafft. Nun gibt ez in Frankreich wie auch anderswo Gesetze, die die Ausrottung der Mistel verlangen, da sie für den Obstbau und die Forstwirtschaft schädlich ist: infolgedessen müssen die Misteln eigens angebaut werden, wenn die wilden Pflanzen dem Handel nicht mehr genügen.— Ueber den Umfang des Handels in Deutschland war es unmöglich, sichere Zahlen zu gewinnen, aber es konnte festgestellt werden," daß fast in allen Ländern der Mistelhandel ebenso blüht wie der Handel mit Weih- nachtsbäumen, auch dort, wo die Mistel wild oder gar nicht vor- kommt, wie z. B. in Hamburg. Nach Rußland hat sich der Mistel- brauch noch nicht verbreitet, obwobl die Mistel dort, wenn auch nicht in allen Gegenden wächst. Die in Deutschland gehandelten Misteln stammen alle aus dem Lande selbst, und es werden besonders die Laubholzmisteln verwendet, die überall am häufigsten sind. Außer den Laubholzmisteln gibt es noch Tannen- und Kiefernmisteln, aber höchst selten kommt die Mistel auf Eichen vor, obwohl seit der Druidenzeit die Eiche und die Mistel stets in einem Atem genannt werden. Auf den Eichen schmarotzt eine Verwandte der Mistel, die Riemenblume, auf der die Mistel nun ihrerseits schmarotzend an- getroffen wird: die beste Strafe sür einen Schmarotzer,"wenn er wieder geschröpft wird. Die Riemenblume wirft im Winter aber ihre Blätter ab. während die Mistel immergrün ist: ein ungeübtes Auge hält nun natürlich die grün« Ricmenblumen-Mistel für ein« Eichenmistel. Daher erklären sich sicher viele Derwechslungcn der beiden Pflanzen, die durch die ganze Literatur gehen, da, besonders im Mittelalter, ein Autor immer gern vom anderen abgeschrieben hat. Durch den Kult, der mit der Mistel getrieben wird, hat sich nun weiter eine Kratulationskartenindustrie entwickelt, die nicht zu unter- schätzen ist. In England war es lange Sitte, auf Weihnachtstarten neben der Stechpalme Mistelzweige abzubilden, und in der Zeit zwischen 1900 und 1914 sehen wir in Deutschland, Oesterreich und Frankreich die Mistelneujahrskartcn weit verbreitet, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß die meisten Weihnachtskorten für Eng. land in Deutschland von deutschen Steindruckern hergestellt wurden. Diese sind also wahrscheinlich schuld daran, daß die Mistelmode sich bei uns oerbreiten tonnte.— Die Verwendung der Mistel als Zierrrll beschränkt sich aber nicht auf die Gratulationskarten: die ganze Papier- und Äortonnagenindustri«, auch die Lederindustrie und vor allem die Metallwarenbranche haben sich da» Mistelmotio für kunst- gewerbliche Zwecke zunutze gemacht. Man �ieht die wunderbarsten Gold- und Silberorbeiten, in denen man Mistelzwsig«,-blätter und -früchte verwertet hat. Es gibt aber auch kaum eine zweite Pslanze. die an sich schon so dekorativ wirkt wie die Mistel. Im Mittelaller wurde«in offenbar ziemlich bedeutender Handel mll.Aichmistlin-Paternostern*. mit Rosenkränzen aus Mistelholz getrieben. So wurden im 15. Jahrhundert Mistelrosenkränze aus Oesterreich, Böhmen und Mähren gehandelt. Von einem Ulmer Kaufmann Otto Ruland existiert heute noch«in Handelsbuch aus den Jahren 1446— 1462, aus dem hervorgeht, daß er Rosenkränze aus Mistelholz an die.Paternusterer*. Rosentranzhändler, in Frank- furt o. M. liefert«. Noch 1794 wird von dem Notursorscher Böhme der Mistelrosenkranz erwähnt, aber dann scheinen diese wunderwir- kenden Kugeln von oer Bildfläche zu verschwinden. Tubcuf hat kein« .Misllinpaternoster* in den Museen oder sonstwo austreiben können. aber er hat mit ziemlicher Sicherheit nachweisen können, daß es sich in allen Fällen, m denen diese Rojenkränze beschrieben werden, gar nicht um Mistelholz, sondern um das Holz der Riemenblume ge» handelt hat.— Auch der Dogelleim. der seit den ältesten Zeiten angeblich aus Misteln gemacht wird, Ist wahrscheinlich aus der Riemenblume hergestellt. Es ist merkwürdig, daß auch heute noch angegeben wird, der Vogelleim, der im Handel zu haben ist, werde aus Misteln hergestellt, aber es ist absolut nicht gelungen, auch nur eine einzige' Firma oder einen einzigen Mann namhaft zu machen, der Vogelleim wirklich aus Misteln herstellt. Wir be- gegnen hier, wie überall im Handel, den größten Schwierigkeiten, wenn wir die Wahrheit erfahren wollen. Das sogenannte Fabrik- geheimnis wird offenbar als Freibrief auch für salschs Auskünfte betrachtet: mögen sich die Gelehrten nur ihre Köpfe zerbrechen, wenn sie etwas erfahren wollen: das ist ja ihr« Ausgabe. Schließlich hat die Mistel bis In unsere Zeit hinein noch eine wirtschaftliche Bedeutung als Arzneipflanze, obwohl auch hier wieder Verwechslungen mit der Riemenblume vorkommen. Da die Mistel eine„heilige* Pflanze war, hatte sie natürlich auch eine fabelhafte Heilkraft. Besondere gegen Epilepsie ist sie stets empsohlyr worden, aber auch äußerlich in Salben und Pflastern gegen Beinschäden, Bruchschäden. Krankheiten der Milz usw. soll st« angewandt werden können. Di« neuestc Wissenschaft hat entdeckt, daß das Mistelextratt, unter die Haut eingespritzt, den Blutdruck herabsetzt m,d infolgedessen gegen Arterienverkalkung verwendbar ist. Auch Soponln hat man in der Mistel gesunden, und die Saponindrogen spielen ja jetzt ein« große Rolle. Professor v. Tubeuf gibt eine Anweisung zur Kultur der Misteln auf kleinen Bäumchen in Töpfen. Wenn gclchäftstllchtige Gärtner sich darauf legten, um die Weihnachszeii sruästend« Misteln in Töpfen aus den Markt zu bringen, so würden diese wahrscheinlich „reihenden* Absatz finden— wenigstens so lange, wie die Mistel- mode anhält. Der Komet Brook» wiedergefunden! Einer der merkwürdigsten unter den„Vagabunden des Himmels*, der Komet Brooks, der den Astronomen schon viel Arbeit gemacht ha», ist jed.t wieder aufge- taucht. Im Jahre 1889 entdeckte W. R. Brooks einen Kometen, der «ine bemerkenswerte Bahn aufwies. Di« Rechnung ergab, daß der Komet im Jahre 1885 sehr nahe an Jupiter vorbeigekommen war, dessen mächtige Anziehungskraft seine Bahn von einer llmlausszeit von 30 Jahren in«ine solche von 7 Jahren verkürzt halle. Aber diese Begegnung war auch in anderer Beziehung verhängnisvoll für den Schweifstern. Am 1. August 1889 kam der Komet— fast vor den Augen der Astronomen— mll nicht weniger als vier Milliaturkörperchen nieder, die dem Muttsrkometen in seiner Bahn folgten. Zwei von ihnen waren von Anfang an sehr schwach und gingen bald im Kampf ums Dasein unter. Die beiden größeren blieben länger am Leben. Einer von ihnen verschwand nach drei Wochen, der letzte war«in paar Monate hindurch sichtbar und zeit- weise lichtstärker als der ursprüngliche Komet.?lls der Komet 1895 wiedcrerschien, konnte man keine Spur ran seinen Begleitern mehr entdecken, und auch die Lichtstärke des ursprünglichen Kometen hatte stark abgenommen. Sieben Jahre später, 1905, konnte er nur mll den stärksten Fenirohren beobachtet werden. Auch 19l0 gelang es den Astronomen der Lick-Sternwart«, das schwach« Objekt aus- zufinden: aber bei der Wiederkehr 1917/1918 blieb er unsichtbar. Da der Komet vom September 1921 bis Mai 1922 wieder in der verderblichen Nähe Jupiters war, hatten die Astronomen diesmal recht gering« Hoffnung, daß er zur berechneten Zeit wiederkehren würde" Nach der Berechnung des russischen Astronomen Dubiago mußte der Komet um den 8. November dieses Jahres wieder in die Nähe der Sonne kommen, wenn er noch am Leben Ist. Wenn es gelingt, diesmal den Kometen genügend lange zu beobachten, so wird es möglich sein, die Mass« Jupiters mit bi-her v'ckt»leichter Genauigkeit zu berechnen. In der Nacht vom 6. auf den 7. Ottober verstarb in der Heilstätte Görbersdorf i. Schlef. nach unendlich schwerem Leldex anfer eingiger geliebter Sohn Armin Barkowski im 23. Lebensjahre. Jn tiefstem Schmerz die trauernben Eltern Offo Barforsti umb Fran Maria Martha geb. Drijala. Berlin, Waldenberger Str. 6. Die Einäscherung wird noch be fannt gegeben Theater, Lichispiele usw. 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