Abendausgabe Nr. 484 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 240 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Dienstag 13. Oktober 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Sefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 202-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Hugo Preuß' letzte Fahrt. Trauerkundgebung im Landtag. In würdigem Trauerschmud lag heute vormittag die Eingangs. halle des Landtagsgebäudes an der Prinz Albrecht Straße. Lorbeerbäume säumten die breiten Freitreppen. Die große Wandelhalle, die des Tageslichts entbehrt, ist der geeignete Rahmen für dieses schmerzliche Abschiednehmen. Die Stirnwand trägt reichen Laubschmud, davor steht der Sarg, von den Farben ber Republik überdeckt und von den Bannern der Demokratischen Partei und des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold zu beiden Seiten flantiert. Eine stattliche Versammlung füllt die Halle, in der die Hinter bliebenen Hugo Preuß vor dem Sarge Platz genommen haben. Man sieht u. a. den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, als Vertreter der Reichsregierung, den preußischen Ministerpräsidenten Genossen Otto Braun, den Minister des Innern, Genossen Severing, und die anderen Mitglieder der preußischen Regierung, zahlreiche frühere Minister, den Oberbürgermeister Don Berlin, Dr. Böß, den Polizeipräsidenten, Genoffen Grzesinsti, den Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Raupisch, mit mehreren hohen Polizeioffizieren. Die warme Anteilnahme der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bewies die offizielle Entsendung der Genossen Dittmann und Moltenbuhr als Vertreter des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion und die Anwesenheit zahlreicher weiterer Parteigenoffen in öffent lichen Funktionen. Auch der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Genoffe Leipart, wohnte der Trauerfeier bei. Einen großen Teil der Versammlung stellten die Kollegen Hugo Breuß' vom Preußischen Landtag mit dem Präsidenten, Genoffen Bartels, an der Spiße Die Gesandtschaft der Republik Desterreich war durch Legationsrat Pacher und Preffeattaché Dr. Wasserbad offiziell vertreten. Nach den Trauerflängen der Musik sprach zunächst Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der Hugo Preuß als den Schöpfer der Reichsverfassung feierte. Dr. Brauns führte u. a. aus, daß Preuß als Reichsminister des Innern sich dem entfehlichen Wechsel von rotem und weißem Terror entgegengeworfen und dadurch den Bolts ft a at gerettet habe. Daß Friedrich Ebert Preuß zu dieser Funktion berufen hat, zeugt von Eberts staatsmännischem Geift. Ueber die Pläne Hugo Breuß zur staatlichen Neugliederung Deutschlands, mit benen er nicht durchgedrungen ist, wird eine spätere Zukunft meitfichtiger und gerechter urteilen, als die beschränkte Gegenwart. Un geheure Arbeitskraft hat Breuß an sein Werf gefegt. Am 15. No. vember 1918 übernahm er sein Amt, am 18. November legte den Boltsbeauftragten schon den Entwurf einer Berer ordnung über die Wahlen zur Nationalversammlung Ausführungs bestimmungen, so daß am 19. Januar gewählt werden konnte, und schon am Tage darauf hatte die Regierung den Preußschen Entwurf eines Teiles der Reichsverfassung vor sich. Am 11. Auguſt 1919 war die Verfassung Gefeß, und das Deutsche Reich hatte wieder festen Boden unter den Füßen. Die Festigkeit dieses Baues ist dadurch bewiesen, daß Deutschland den Nachfrieg an der Ruhr und den neuen Zusammenbruch von 1923 überstanden hat. Jetzt geht es an den Wiederaufbau, der uns hoffentlich neuen Aufstieg bringen wird; möge er auch so manchen Wunsch erfüllen, ben der Berstorbene gehegt hat, um sein verdienstvolles Wert zu frönen und zu verewigen! Dor, am 30. November bereits Die Reichstagsabgeordneter Koch- Weser sprach im Namen der Deutschen Demokratischen Partei und wies den Vorwurf zurück, daß der Verstorbene hätte Preußen zerstückeln wollen; er wollte nur die monarchistische Berstückelung Deutschlands durch den Ausbau des demokratischen Boltsstaates überwinden. Friedrich Naumann, Konrad Haußmann, Walter Rathenau, Friedrich Ebert fie alle find, abgesehen von dem ermordeten Rathenau, seeli. Ichem Leiden erlegen, den ungeheuren Aufregungen der letzten zehn Jahre. Das gilt auch für Preuß. Der Redner schildert den Lebenslauf des Verstorbenen, der trotz all feiner fachlichen Bedeutung im alten Staat als Jude fein Staatsamt, nicht einmal eine Profeffur, erhalten konnte, sich deshalb der Kommunalpolitit zumendete und in der Berliner Gemeindeverwaltung Bedeutendes geleistet hat. In der Revolutionsregierung hat Preuß den rechten Flügel gestärkt, der sobald mie möglich durch die Wahl der Nationalversammlung die demokratische Entwicklung anbahnen wollte. Dr. Koch schloß damit, daß das Werf feinen Schöpfer überleben werde und daß die Ueberlebenden und die nach ihnen fommen, die im Sinne Hugo Preuß' erzogen werden, dieses Wert nicht antaften lassen werden. Landtagspräsident Genosse Bartels hob im Namen des reu Bischen Landtages die menschlichen, politischen und parlamentarischen Vorzüge des Verstorbenen hervor, der am preußischen Berfassungswert lebhaftesten unvergeßlichen Anteil genommen hat. Noch am Tage vor seinem Tode hat er als Berichterstatter des Ausschuffes für die Neuregelung der Provinzial- und Kommunalver faffung eifrig, geistvoll und fröhlich mitgearbeitet. Der Preußische Landtag wird dieses ausgezeichnete Mitglied nicht vergessen, dem Schöpfer der Verfassung aber stets ehrendes Gedenten bewahren. Landtagsabgeordneter Dr. Fald nahm für die demofratische Landtagsfrattion von Hugo Preuß Abschied, von dem er besonders seinen deutschen Willen hervorhob, wie denn Hugo Breuß ein ferndeutscher Mann gewesen sei. Major a. D. Hauff rief im Namen der drei Millionen Kame raden des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold dem Ber fiorbenen nach, daß sie sein Wert schüßen werden. Senatspräsident Großmann hielt im Namen des Republifanischen Reichsbundes die letzte Abschieds- und Gedentrede Bieber ertönte Musit, und durch das Spalter der Trauergäfte wurde der Sarg die Freitreppe hinuntergetragen. Ihm voran Schritten Fahnenabteilungen des Reichsbanners, hinter dem Garg geleiteten farbentragende republikanische Studenten die Angehörigen. Orgelflänge erfüllten die Eingangshalle, als der Sarg Hugo Breuß' hinausgetragen wurde, und draußen sentten sich die Fahnen der inzwischen zur legten Ehrung des Berstorbenen angetretenen Reichsbannertameradschaften. Dann setzte sich der Zug mit dem Garge nach dem Krematorium in der Gerichtstraße in Bewegung. Der Reichspräsident hat an die Familie Hugo Preuß eine Beileidsfundgebung gerichtet. Die Einladung zur Teilnahme an der Trauerfeier wurde vom Bureau des Reichspräsidenten mit der Begründung abgelehnt, daß er gleichzeitig an einem Familien begräbnis teilnehmen müsse. Schnell hatte es sich im proletarischen Webbing herum gesprochen, daß im Krematorium in der Gerichtstraße der Schöpfer der deutschen Reichsverfaffung seine letzte Fahrt antreten würde. Eine riesige Menschenmenge umfäumte die Zufahrtsstraße, als gegen % 1 Uhr der Trauerzug in Sicht tam; ein halbes Tausend Reichs bannerleute formierte am letzten Wegende eine würdevolle Ehrenstraße. Die Menge verharrte noch in ehrfurchtsvollem Die Menge verharrte noch in ehrfurchtsvollem Schweigen, als der lange schwarzrotgold umfäumte 3ug in dem großen Totengarten, hinter dem fahlen welten Laub herbstlicher Bäume, längst verschwunden war. Heller Sonnenglanz milderte die Düfternis der Stunde. Das Krematorium prangte in reichem Schmud des Lorbeers und der Blumenfülle. Biele der Kränze trugen schwarz rotgoldene Schleifen. Unter den wundervollen weichen Klängen des Cargo Don Händel wurde der Sarg hereingetragen, ihn deckte das Riefen banner der Republik. Die Witwe, der Sohn, tamen und dann das übrige große trauernde Gefolge. Biele bekannte Bersönlichtetten unter ihm. Schnell noch legen zmei junge Kamerade vom Reichsbanner einen herrlichen roten Riesentranz nieber, dann ergreift Paul Nathan, des Toten bester Freund, das Wort zu feiner Gedächtnisrede. Ihr fei entnommen: Das Raiserreich gab Hugo Preuß nicht die Entfaltungsmöglichkeiten, die er verdiente. Erst die Republit, erst ein Sozialdemokrat, der verstorbene Reichspräsident Friedrich Ebert, tat es. Es gibt wenig Menschen, denen die Ehrung zuteil wurbe, auf den alten Trümmern einer Staatsmacht ein großes Neues aufbauen zu dürfen. Preuß ist sein Wert über Erwarten gut geglüdt, und heute wissen wir schon, daß diese Berfaffung feine Improvisation, sondern eine sta a tsmännische Tat war. Aber dieser Mann, der diese große Tat vollbrachte, trat wieder zurüd, fast zurüd in das Leben des Privatmannes. Nur im preußischen Parlament war es ihm noch vergönnt, für sein Deutschland zu wirken. Aber das war wohl eben imminer ein Hinderungsgrund, baß Preuß ein Jude war. Jude in Deutschland zu sein, heißt ja leider bei gewiffen Teilen der Bevölkerung minderwertig zu sein. Preuß hat das oft und tief empfunden, und gerade deshalb war es ihm ein Glüd, seinem Volte fo dienen zu können, wie er es getan hat. Zu seiner Tat prädestinierte ihn sein soziales Empfinden, seine umfassende Bildung und sein moderner Geist. Wenn wir nun auch Abschied nehmen, bleibt er uns als eine Gestalt von Geist und Kraft, seine Leistung bleibt und seine Idee soll fortleben in einem freien Deutschland, das er geliebt und für das er gearbeitet hat. Die Verfammlung erhebt sich, es finten die Fahnen zu Ehren des Toten und langsam gleitet der Sarg in die Tiefe. Leife begleitet Schuberts Mufit Der Du von dem Himmel bist" und dann flingt wieder festigend Beethovens Trauermarsch aus der„ Eroica". Nun haben sie nach Ebert, dem ersten großen Hüter der Berfaffung, ihren Schöpfer selber zu Grabe getragen, aber das Wert Don Hugo Preuß, die Berfaffung der deutschen Republit, bleibt erhalten für nachrückende Geschlechter. Die reifende Entscheidung. Zur Reise Kempners nach Berlin. Bon zuständiger amtlicher Stelle wird erflärt, daß der Staatsfetretär der Reichskanzlei Rempner nur dazu nach Berlin tomme, um den hier anwesenden Ministern über die Berhandlungen Bericht zu erstatten. Es handle fich feineswegs um entfcheidende Beschlüsse, die in Berlin gefaßt werden follten oder um eine befristete Bebentzeit, die der deutschen Delegation von den Alliierten in Locarno gestellt worden märe, um sich über Artifel 16 zu entscheiden. Die Berichterstattung an die hier weilenben Minister sei von vorherein für einen gegebenen Zeitpunkt in Aussicht genommen worden. Da nun die verschiedenen Fragen gemeinsam der Entscheidung entgegenreifen, erscheine der 3eitpunft für diese Information geeignet. Es sei aber nicht der Zeitpunkt einer Krise, sondern lediglich, wenn man es so bezeichnen wolle, der Augenblick eines Wendepunktes der Aussprache von Locarno. Die Behauptungen ausländischer Blätter über eine Krise feien polltommen falsch. Bon einer Unterrichtung der Parteiführer durch den Staatsjetretär Rempner ist dieser amt lichen Stelle nichts betannt geworden. Herr Kempner werde fo schnell wie möglich wieder nach Locarno zurückreifen, Von Döberitz bis Armin. Denkmalsreden alter Generale. Die hochverräterische Rede, die der wilhelminische General Sirt v. Armin bei der Einweihungsfeier des Rache dentmals für die gefallenen Angehörigen des Regiments Augusta in Gegenwart einer Reichswehrkompagnie und eines Beauftragten des Reichswehrministers gehalten hat, besonders aber die Beteiligung des Reichspräsidenten an der Feier selbst hat plötzlich die tiefe Kluft erkennen lassen, die wischen den Anhängern des alten Systems und des gegenwärtigen Staates tlafft und die gefliffentlich von den Kaiserlichen" immer wieder aufgerissen wird. Die Tatsache, daß die Rechtspresse den Wortlaut der Armin- Rede bis heute ihren Lesern vor. enthält, spricht Bände. Das Reichswehrministerium hat bisher eine Erklärung nicht abgegeben. Gein Schweigen ist ebenso verlegen wie das der Rechtspresse. Der Reichs= wehrgeneral, dem der monarchistische Redner v. Armin im Auftrage des Kaisers" das Dentmal zur Pflege übergeben hat, muß seinem Vorgesezten doch wohl einen Bericht über die Vorgänge erstattet haben? Hat er nichts von den monarchistischen Auslaffungen des alten Sigt gehört oder hat er fie nicht hören wollen? Aber wenn er den Tatsachen entsprechend berichtet hat, welche Anordnungen hat das republikanische Reichswehrminifterium getroffen, um Wiederholungen solcher Zwischenfälle ein für allemal zu unterbinden? will es auch weiter die" Traditionsfompagnien" zu ähnlichen monarchistischen und kriegshegerischen Kundgebungen tommandieren, während die Reichsregierung in Locarno einen Nie wieder Krieg Vertrag abzuschließen sich bemüht. Die Teilnahme des Reichspräsidenten an der Enthüllung des Rachedenkmals ist ein politischer Akt, dessen Tragweite Hindenburg vielleicht nicht einmal felbst übersehen konnte. Er hat sich ja Zeit seines Lebens als Soldat gefühlt und sich um Politit nicht gefümmert. Und er hat vielleicht angenommen, daß er in dem Augenblid, wo er die Fahne des Reichspräsidenten von seinem Automobil entfernen ließ, wieder nur Solbat sei und tun fönne, was ihm beliebt. Auf das Irrige solcher Auffassungen hätte ihn der Reichswehrminister rechtzeitig hinweisen müssen, um so mehr, da er während der Abwesenheit Dr. Luthers ja auch Stellvertreter des Reichskanzlers ist und deshalb jede Be fugnis hat, den Reichspräsidenten daran zu ermahnen, daß mit dem Amt des Reichspräsidenten politische Verpflichtungen verbunden sind. Bon vornherein tann die Ausrede nicht gelten, daß man politische Rundgebungen bei der Denkmalsenthüllung nicht hätte erwarten tönnen. Gerade Dr. Geßler, der Reichswehrminister, ist persönlich davon unterrichtet, wie solche„ unpolitischen" Feiern zu monarchistischen Kundgebungen bemut zu werden pflegen. Er war ja doch selbst dabei, als am 6. Mai 1923 in Döberitz eine solche Denkmalseinweihung stattfand und wie damals auch ein alter Militär in seiner Gegenwart die folgende Rede hielt: " Freudig und stolz bekennen wir Alten und Jüngeren, um dieses Denkmal vereinigt, daß wir in dieser Stunde die Treue, Liebe und Ehrfurcht Seiner Majeftät, unferes allergnädigsten Kaisers, Königs und Herrn, unseres erhabenen Führers in dem fast übermenschlichen Ringen für die Ehre und den Bestand des Vaterlandes, gedenken, und daß wir die innigsten Wünsche hegen für Seine fönigliche Hoheit den Kronprinzen, der heute seinen Geburtstag begeht. Und dann erinnern wir uns mit warmem, dankbarem Herzen all der vielen, die in unseren Reihen freudig ihr Leben hingegeben haben, in dem festen Glauben an die Größe des Baterlandes. Sie ruhen in Frieden, denn sie haben ihre Pflicht treu getan gegen König und Vaterland..." Damals übernahm der Reichswehrminister Dr. Geßler selbst im Namen des Reichsfistus das Denkmal zu treuen Händen des Reiches und erklärte zum Schluß seiner kurzen Ansprache: „ Alles, was uns heute bewegt, wollen wir zusammenfassen in dem Gelöbnis treuefter Pflichterfüllung, für das deutsche Bolt, für den deutschen Staat, für die deutsche Republik." war, Durch dies Betenntnis zur Republif in Gegenwart der Bickelhauben fuchte damals Dr. Geßler die Wirkung der Ansprache des alten Militärs abzubiegen. Aber ihm ist ficher noch in Erinnerung, daß jener Redner, der das Be fenntnis der Treue für den ehemaligen Kaiser in Gegenwart des Prinzen Eitel Schieberich ablegte, niemand anders als der Generalfeldmarschall von Hindenburg, der heutige Reichspräsident! Dem Reichswehrminister mußte also bekannt sein, daß die Anwesenheit des gegenwärtigen Reichspräsidenten die Gefahr neuer monarchistischer Huldigungen einschließen würde. Was damals der Generalfeldmarschall a. D. in Döberig tat, war schon provozierend genug. Inzwischen aber ist Hindenburg in die politische Linie eingerückt, und er hat deshalb Berpflichtungen gegen die Republik durch feierliche Eidesleistung übernommen. Wenn er selbst nicht das Gefühl dafür hat, daß sein neues Amt ihm neue Pflichten auferlegt, so müssen die politisch verantwortlichen Minister ihn darauf aufmerksam machen. Nachdem die Veröffentlichung in der republikanischen Presse gezeigt hat, welcher Unfug auf dem Garnisonfriedhof angestellt wurde, findet die Rechtspreffe endlich Worte, um ihre Berlegenheit zu bemänteln. Die Hugenberg- Presse spricht von Bosheiten gegen Hindenburg", die von der Linkspresse perübt worden seien, die Kreuz- Beitung" meint, es habe sich nur um eine private Feier" gehandelt, obfchon auch die ,, Kreuz- Zeitung" nicht verrät, was der Reichspräsident und die Reichswehr bei einer solchen privaten Feier zu tun hatten! Am drolligsten ist freilich die ,, Tägl. Rundschau", heute das Organ Stresemanns. Sie findet von allen Rechtsblättern die wärmsten Töne in der Verteidigung der Rachekundgebung, monarchistischen während ihr Herr und Meister in Locarno um den Niewieder Krieg Bertrag handelt! Wenn man eine unhaltbare Sache halten soll, fommt man freilich oft ins Gedränge. So auch das Stresemann- Organ. Nachdem es zunächst alles, was sich auf dem Garnisonfriedhof ereignete, in schönster Ordnung befunden hat, stellt es plöglich fest, daß wenigstens in Anwesenheit Hindenburgs ,, nichts Ungehöriges" vorgekommen sei! Wer zuviel beweisen will, bemeist nichts! Aber wir werfen noch einmal die Frage auf, wie lange der Unfug dieser militärischen Rachedenkmalsfeiern noch dauern foll? Von Döberig bis zu den Augustanern läuft schließlich eine gerade Linie. Die Republikaner sind nicht blind dafür, wohin sie schließlich laufen könnte. Aber die Gefahr ist erfannt, und deshalb werden die Republikaner sich diesen Unfug nicht mehr bieten lassen. Wenn die Gegendemonstrationen, die unweigerlich kommen werden, wenn der Skandal nicht aufhört, sich schließlich auch gegen die Person des Reichs präsidenten richten, so wäre das im Interesse der Republik zu bedauern, aber unabänderlich, wenn er selbst und seine Rat geber nicht wissen, wie weit er gehen darf! Eine Erklärung des Reichswehrministers. Nachdem die vorstehenden Zeilen bereits gesetzt waren, erhielten wir diesen Bericht über eine Erklärung des Reichswehrministeriums: Das Reichswehrministerium erklärt, daß es zu den Angriffen wegen der Vorgänge bei der Enthüllung des Dentmals für die gefallenen Angehörigen des ehemaligen Garderegiments Augusta noch nicht Stellung nehmen fönne, weil noch nicht zweifeisfrei festgestellt sei, was der General a. D. Sirt von Arnim wirt fich gesagt habe. Es stehe Aussage gegen Aussage, und es feien Berichte von Ohren- und Augenzeugen eingefordert. Das Reichswehrministerium erflärt weiter, daß für solche Veranstaltungen, d. h. für die Mitwirkung der Reichswehr, feste Bestimmungen vorliegen, wonach der Antragsteller sich schriftlich verpflichten müsse, daß die Würde und der unpolitische Verlauf der Feier gewährleistet sei, Kosten für die Staatstasse nicht entstehen, feinerlei Reden oder Kundgebungen gegen die Regierungsform oder den Reichspräsidenten erfolgen, die firchliche Feier nicht gegen andere Konfeffionen zugeschnitten werde und Borbeimärsche und Ehrenbezeugungen der Reichswehr nur vor ihren direkten militärischen Vorgesetzten stattfinden. Der Borsigende des Vereins Alt- Augusta, General a. D. D. Saad hat diese schriftliche Verpflichtung abgegeben und noch hinzugefügt, daß bei unvorhergesehenen redne. rischen Entgleisungen er sofort einschreiten würde. Das Reichswehrministerium meint, wenn die Presseberichte über die Borgänge stimmen, dann habe v. Haad zweifellos gegen die von ihm abgegebene Berpflichtung verstoßen. Die Angriffe der republikanischen Presse aus diesem Anlaß haben sich befanntlich auch darauf bezogen, daß in Gegen wart des Reichspräsidenten, also der offiziellen Vertretung des Reiches, und gerade in der Zeit, wo man in Locarno über den ewigen Frieden verhandelt, ein Kriegerdenkmal enthüllt worden ist, auf dem die Worte stehen: Aus unferen Gebeinen wird ein Rächer erstehen." Auf den schreienden Widerspruch zwischen dieser Widmung und der offiziellen Reichspolitit aufmerksam gemacht, hat die zuständige amtliche Stelle teine Antwort gefunden. Auch in diesem Fall ist keine Antwort auch eine! Deutsche Wahlbeteiligung in Bromberg und Graudenz. Bei den gestern in Bromberg und Graudenz stattgefundenen Stadtverordnetenwahlen erhielten die Deutschen in Bromberg zehn Mandate von der Gesamtzahl sechszig und in Graudenz sieben von zweiundvierzig. Pirandellos Komödianten. ( Gastspiel im Staatstheater.) Diese Geschichte von den sechs Menschen und Menschlein, die um jeden Preis ihren Familienstandal vor die brennende Theaterrampe und das mitleidspendende Parkett bringen wollen, dieses Drama von den Sechs auf der Autorensuche keuchenden Persönlich feiten wird von den Komödianten des Dramatifers und Theaterdirektors Pirandello gewiß so forgfältig gespielt wie der Dichter, der cuch fein eigener Regiffeur ist, es träumte. Da sehen wir nun diese italienischen Komödianten zugleich in ihrem Glanze und ihrer Unzulänglichkeit. Sie sind nicht verwöhnt, wenn fie fich zum Auftreten schminken und tostümieren. Bajazzo freudigkeit, die auch manchmal in Melancholie verfällt, das ist ihr Temperament. Ihr Ehrgeiz zielt auf die starke Wirkung. Sie wollen das Parkett ebenso mächtig niederdonnern wie die Galerie. Sie zielen besonders auf die starke Einzelwirkung und zerlegen fich auch das ernste, psychologische, ausgerundete Theaterstück, genau so wie ihre Opern, in herrliche Arien und andere Bravourpartien. D, diese reine Komödiantenfreude, dieser ästhetische Vagabundentrieb, dieser füdliche Vulkan in Gemütern, die bereit sind, sich jeden Augenblick zu entladen, die aber natürlich auch manchmal ermüden müssen, weil selbst der leidenschaftlichste Mensch gelegentlich im Innersten erlischt. Da die vulkanischen Gemüter so leicht zusammenfallen fönnen, haben Zeremonienmeister und Hygieniker der Kunst im allgemeinen und der Theaterfunft im besonderen die Disziplin erfunden: jebe explo dierende Improvisation soll irgendwie gezügelt und im Drama dem ganzen Seelenstoff unterworfen werden. Pirandello, der sein Drama, d. h. seine Seelenabenteuer, so gut auswägt, wollte nun auch seine Sprecher und Spieler disziplinieren. Er wollte aus dem überlieferten Stegreif und Wandertheater ein richtiges Kunsttheater machen. Er wollte sein südliches Theater beinahe entnationalisieren, es durchtränken mit dem diceren und widerspenstigeren Theaterblut des Nordens und es schließlich jenen ernsten, methodischen Menschen- und Kulturbetrieben nähern, die im westlichen und zentralen Europa am höchsten geschäzt werden. Darum versuchte er, feinen Romödianten den Zigeunertrieb auszutreiben. Er machte sie zunächst seßhaft, indem er ihnen ein eigenes Haus gab. Prüfen wir nicht lange, fagen wir: die Italiener find famose Theaterzigeuner und Improvisatoren der schmetternden Detlamation trotz der Erziehung Pirandellos geblieben. Auch Birandello hat ihnen faum jenes Kunsttheater inspiriert, das von fandinavischen Reformatoren und von östlichen Erneuerern seine tieffte Befeelung und psychologische Beredelung empfing. Pirandello, der lateinische Kopf, der mehr flug als empfindsam ist, wollte ein nordisches Ideal erfüllen, als er seine Komödianten ausbildete. Dem Theaterdirektor gelang dieses Wert faum, auch nicht dem Regisseur. Cine entzückende, durchaus fesselnde Schmiere, mit einer Brimadonna und einem urfomischen Spaßmacher das brachte er zusammen. Für diese Leute dachte übrigens auch Pirandello, der das Theater mit allen Strippen und Kulissen fennt, sein Stüd aus. So mie er felbft es fpieten läßt, fteckt gar fein Ueberfinn darin. Unnüßg, eine Philofophie herauslesen zu wollen. Nur Schmiere und schmerzliches Leben sollen gemischt werden.( Man möchte eher mit dem Ruhiger Fortgang in Locarno. Das zufriedenstellende Ergebnis. Locarno, 13. Oftober:( Drahtbericht unseres Sonderforrefpondenten.) Die am Montag zwischen dem englischen und dem französischen Außenminister und Dr. Luther und Stresemann geführte Unterhaltung hat nach allgemeiner Auffassung zu einem voll. tommen zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Es bezieht sich weniger auf die Ostfrage als auf die Räumung der Kölner Zone, die Entwaffnung und die Milderung des Besatzungs. regimes in den vertragsmäßig auch weiterhin besetzten Zonen. Soweit die Ostfrage besprochen wurde, handelte es sich überhaupt nicht um die Garantierung Frankreichs, sondern um das Bestreben, den französisch- polnischen Militärvertrag und das französisch tschechische Bündnis mit den im Sicherheitspaft und Bölkerbundspaft enthaltenen gegenseitigen Verpflichtungen in Eintlang zu bringen. Die Arbeit galt ausschließlich der Form, in der das geschehen soll und kann. Die Besprechungen der übrigen, hier als Nebenfragen" bezeichneten Verhandlungsgegenstände sind am Montag so gut wie abgeschlossen worden. Die Zufage, die Kölner Zone zu räumen, ist nur die Bestätigung eines alten Be: schlusses, den die alliierten Außenminister schon vor Wochen gefaßt haben. Die deutsche Regierungspresse sollte sich schon deshalb hüten, von einem„ Sieg“ zu reden. Die baldige Räumung Kölns wurde schon vor Locarno auch von den Alliierten als eine Selbstverständlichkeit betrachtet. Die Ansprüche unserer Regierungsparteien find jedoch in den letzten Monaten so gering geworden, daß sie schon einen Erfolg sehen, wo es fich nur um eine Selbstverständlichkeit handelt. Es scheint, daß man auf dem besten Wege ist, die Formulierung über die Eintrittsformalitäten, oder wie man auch fagen fann, über das Beschwichtigungsmanöver, das vor dem Abschluß steht, zu finden. Die deutsch- polnische Beratung. Locarno, 13. Oktober.( TU.) Nach Beendigung der Besprechung zwischen Dr. Stresemann und dem Grafen Strzynski wurde von polnischer Seite offiziell erklärt, daß die Besprechung einen günstigen Verlauf genommen und bewiesen hätte, daß eine deutsch- polnische Verständigung über einen Ostpakt mög lich sei. Ein Bericht Vanderveldes. Brüffel, 13. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Im Ministerrat wurde am Montag ein äußerst optimistisch gehaltener Bericht Banderveldes aus Locarno verlesen. Kein Sowjetbeobachter. Mostau, 13. Oftober.( WTB.) Die Telegraphenagentur der Sowjetunion teilt mit: Die Meldungen der ausländischen Bresse, monach angeblich ein Sowjetvertreter als Beobachter der Locarnoer Konferenz in Strefa eingetroffen sei, entsprechen nicht den Tatsachen. Der Temps ist beunruhigt. dingt werden. Man würde einen schweren politischen Fehler begehen, wenn man die Unterzeichnung direkten oder indirekten Arrangements unterordnen würde, die nur von der Treue abhängen würden, mit der Deutschland in Zukunft seine allgemeinen Verpflich tungen erfüllen würde. Thüringische Landtagstagung. Völkische Kulturträger. Weimar, 13. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Landtag von Thüringen trat nach längerer Bause am Montag zusammen, um zur Amnestiefrage der Regierung Stellung zu nehmen. In der sich bis in die späten Abendstunden hinziehenden Sizung kam immer mehr zum Ausdruck, daß die bisherigen amtlichen Mitteilungen über den Umfang der beabsichtigten Amnestie mehr oder weniger die Deffentlichkeit irreführen mußten. Bon sozial bemokratischer Seite sprachen die Abgeordneten Dr. Rieß und Frölich, die die Wiederherstellung des geschwundenen Bertrauens der Bevölkerung zu der Justiz als eine unbedingte Notwendigkeit bezeichneten und die in der Amnestie einen Ausgleich für wendigkeit bezeichneten und die in der Amnestie einen Ausgleich für richterliche Fehlsprüche erblicken. Die Amnestie, wie sie die thürin gische Regierung durchzuführen beabsichtigt, sei nicht umfassend genug. Einmal müßte der Zeitpunkt hinter den 1. Oftober 1923 gelegt werden, da gerade die schlimme Inflationszeit eine große Menge Verurteilungen brachte. Dann müsse der Endtermin für die Amnestie nicht auf den 1. Juli d. J., sondern auf den Tag festgelegt werden, an dem das Gesetz von dem Landtag verabschiedet würde. Die sozialdemokratischen Redner, die eine Reihe thüringischer Urteils fprüche charakterisierten, forderten die Ausdehnung der Amnestie auf den Abtreibungs. paragraphen, auf die Baragraphen über Landesverrat und über Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die Zahl der Am. neftierungen würde in Thüringen nach der Regierungsvorlage nur 2600 betragen. Die Regierung sah sich durch die Ausführungen der sozialdemokratischen Redner so in die Enge gedrängt, daß sie durch den Minister Leutheusser bitten ließ, von der Besprechung von Einzelfällen abzusehen. Gegen 9 Uhr abends nahm Abg. Dinter als Antwort auf die Rede des Abg. Frölich, der auf die Vorfälle anläßlich der Tagung der internationalen Frauenliga in Weimar zu sprechen gekommen war, das Wort zu einer furzen Erklärung, in der er ausführte, er sei stolz darauf, daß die Weimarer Nationalsozialisten in der bekannten Form gegen die Internationale Frauenliga vorgegangen seien. Er könne ihr Vorgehen nur gut heißen. Mit erhobener Stimme erflärte er dann weiter, daß die Nationalsozialisten dafür sorgen würden, daß das Judengesindel aus Weimar verschwände, und wenn es nicht anders ginge, würde man sich dabei der Reitpeitsche bedienen. Der Montantrust perfekt. Solingen, 13. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Wie heute morgen die Rheinisch Westfälische Zeitung" mitteilt, sind sich in den legten Tagen die leitenden Persönlichkeiten der an der Bildung des Montantrusts beteiligten Werke darüber einig geworden, die Bilnehmen. Die Neugründung soll in der Form vor sich gehen, daß die beteiligten Werte ihren gesamten Besitz in die neue Aktiengesellschaft als Sachwerte einbringen gegen eine entsprechende Bahl von Aktien der neuen Gesellschaft. Die bisherigen Gesell fchaften bzw. Firmen bleiben beftehen, jedoch werden sie in Zukunft nicht mehr über Wertbesig, sondern nur über Aftien der neuen Gesellschaft verfügen. Die endgültige Regelung der ganzen Angelegenheit hängt nur noch davon ab, ob die Regierung der Industrie in der verlangten Weise bezüglich der Herabsetzung der Stempel Bertehrs- und Grundsteuern für die neue Gesellschaft zustimmt. Paris, 13. Oftober.( WTB.) Zu den Verhandlungen von Locarno schrieb Temps" in seinem gestrigen Leitartikel: Benn es richtig sei, daß die Verhandlungen von Locarno über die Tagesdung der neuen Aktiengesellschaft nunmehr vorzu ordnung der Konferenz hinausgegangen feien, fo werde dies bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge ziemlich beunruhigen. Die Konferenz der Außenminister sei nur zusammen berufen worden, um die Fragen des gegenseitigen Garantiepaftes für die Rheingrenze und die der östlichen Schiedsgerichtsverträge zu regeln. Es sei möglich, daß Briand, Chamberlain und Vandervelde bei ihren Verhandlungen mit dem Reichskanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Stresemann andere Probleme erwähnt hätten, die Deutschland und die alliierten Länder beträfen, und daß man durch die Verkettung der Tatsachen veranlaßt worden sei, eine Art Prüfung der Gesamtlage vorzunehmen. Aber es sei schwer zuzulassen, daß im Laufe diefer privaten Verhandlungen Verpflichtungen übernommen werden könnten bezüglich einer Regelung, die vom eigentlichen Batt selbst vollständig unabhängig bleiben müßte. Dieser dürfe durch feine Berpflichtungen hinfichtlich der Erfüllung irgendeiner Friedensvertragsflaujel be. Meister hinter der Bar sagen: gemirt.) Das bedeutet: es muß sich ein aufregendes Gebräu ergeben, dessen Genuß die Nerven tüchtig pact. Pirandello denkt gar nicht daran, das Schicksal seiner Berfonen ins Uebermenschliche oder Gespenstische zu erheben, wie das fürzlich Mar Reinhardt, sein phantastischer Regisseur, tat. Ihm ist schon genug an einem Theater, das der Vorstadt und der Hauptstadt gleichmäßig gefällt. So fönnen wir die wichtigsten Persönlichkeiten dieses Theaters bald begreifen: die Primadonna ist schön, förperlich verlockend, jede ihrer Bewegungen ist eine Augenfreude, mehr noch das rein Weibliche, das Üeppig- Körperliche, imponiert fofort. Die Primadonna liche, das Üeppig- Körperliche, imponiert sofort. Die Primadonna magnetisiert alles. Ist es zufällig, daß der Regisseur ihr eine wundervolle blonde Perücke auffezt, so daß sie einem internationalen, durch Kindermärchen und Kinofolportage geheiligten Frauentyp ähnlich wird und ihr ursprüngliches Nationalgesicht verliert? Die Prima donna Martha Abda ist ihr unvergeßlicher Name verfügt über erschütternde Töne. Sie ist der bessere Mensch unter den Runstzigeunern. Sie ist, wenn man will, das raffenlose Element unter ihnen. Sie ist die brillanteste Birtuosin und wird trotzdem schließlich mit Wehmut entlarvt. Denn, ach, man entdeckt, daß ihre Routine größer ist als der Reichtum ihrer Seele. Dann will noch der junge Held Renato Ferrari aus dem Zigeunertum heraus, und eine dauerhaftere Efstase überrascht bei ihm. Endlich der Romifer Barontini, närrisch auf flaffische Neapolitanermanier. Im Norden und im Zentrum Italiens lachen sich die Leute tot, wenn Spadaro und Pasquarello, Urenfel einer jahrhundertealten Narrendynastie, mit ihrem Sade voller Späße aus Neapel antommen. Von folchem zwerchfellerschütterndem Schlag ist dieser Romiter. * Der Chef und seine römische Truppe wurden von den Kindern Italiens, die in Menge erschienen waren, und von den Freunden Italiens mit Beifall überschüttet. Nach der Vorstellung bot Intendant Jeßner den beglückten Gästen die Ehrung eines Imbisses und einer wohlgeformten Rede. Der italienische Botschafter dankte geschmeichelt und schmeichelnd. Max Hochdorf. Künstler und Kunsthändler. Die Anwälte des Malers Marc Chagall fenden uns folgende Mitteilung mit der Bitte um Veröffentlichung: Der Maler Marc Chagall führt, wie bekannt, seit Jahren einen Prozeß gegen den Inhaber der Kunsthandlung Sturm", Herrn Herwarth Walden, in welchem er die Herausgabe des größten Teiles feiner künstlerischen Produktion verlangt, die Chagall Herrn Walden vor dem Kriege anvertraut hatte. Herr Walden ist bis zum Reichsgericht in allen Instanzen zur Ausfunfterteilung verurteilt worden, sodann vom Landgericht und vom Rammergericht zur Herausgabe von drei Bildern, da der Heraus. gabeprozeß zunächst auf drei Bilder beschränkt worden ist. Bei diesen drei Bildern handelt es sich um die größten Delgemälde von Chagall: Ich und das Dorf, Biehhändler", Ruß land den Eseln und den Anderen", Werke, welche aus der früheren Entwicklungsperiode Chagall's stammen und einen befonders hohen fünstlerischen Wert darstellen. Befremdenderweise war die Vollstreckung des auf Herausgabe lautenden Urteils erfolglos, obwohl die Bilder noch während des Schwebens des Prozesses vor. | Bei den lettländischen Parlamentswahlen hat die Sozialdemo fratie zwei neue Size erhalten. Die Rechtssozialisten zählen also insgesamt 33 Abgeordnete, der Demokratische Block 4, der Bauernbund 16, die Rechte 33 und die äußerste Rechte 16. handen waren und obwohl sich Herr Walden ausdrücklich verpflichtet hatte, während der Dauer des Prozesses an dem Bestand der Chagall'schen Bilder in der Walden'schen Privatgalerie nichts zu verändern. Herr Walden selbst erflärte dem Gerichtsvollzieher, der die Räume nach den Bildern durchsuchte, daß die Bilder nicht vor handen seien und daß er über ihren Berbleib teine Kenntnis habe! Herr Chagall wird jezt, um den Berbleib dieser Bilder zu ermitteln, Herrn Walden zum Offenbarungseid laden laffen. Da Herr Walden außer diesen Delgemälden noch zahlreiche andere Bilder aus der Periode vor dem Kriege Herrn Chagall vorenthält, wird allen intereffierten Kreisen empfohlen, sich vor dem Ankauf Chagall'scher Bilder mit Herrn Chagall selbst oder seinen Anwälten( Dr. Ernst Asch und Dr. Harry Knopf, Berlin W. 15, Kurfürstendamm 185), in Berbindung zu setzen. Bemerkt wird, daß die Bilder aus der Vorfriegszeit in der Chagall'schen Monographie, Verlag Gustav Kiepenheuer, Potsdam, 1921, behandelt und größtenteils abgebildet sind." Spielgemeinschaft Berliner Jung'ozlafiften. Heinrich erfch wird nafiums, Stoppenstr. 76, aus eigenen Werfen vorlesen. am Sonntag, 1. November, abends 8 Uhr in der Aula des Andreas- GymEintritt 50 Pi Borverkauf derStarten: Buchhandlung Diez, Lindenstr. 2, Buchhandlung des AD6B., Ballstr. 64/65, Landsgemeindehaus, Alte Schönhauser Str. 8. Luigi Pirandellos neuestes Bühnenwert, die Tragödie, Das Leben, ba si Dir gab, wird als nächste Erstaufführung des Renaissance Theaters vorbereitet. Für die Hauptrolle wurde Rosa Valetti ver pflichtet. Die Regie führt Theodor Tagger. Wilhelm von Scholz lieft am 14. Dftober, abends 8 Uhr, in der Buch handlung J. M. Spaeth, Berlin, Königstr. 52, aus einem ungedrudten Roman. Seminar für orientalische Sprachen. Mit dem Winter- Semester 1925/26 beginnt am Seminar für Orientalische Sprachen zum ersten Mal ein Kursus in Malatisch. Damit hat das Seminar ieinen Unterricht auf eine Sprache ausgedehnt, die unentbehrlich ist für alle, die in Nieder ländisch- Indien oder auf der Malaltabalbinsel irgendwo tätig sind, da sie als Vermittlungssprache auch gegenüber den vielen nichtmalalischen Völlern dieses Gebietes im Gebrauch ist. Herausgabe eines Riefenwerks der deutschen Lifera ur. Bie Wiener Blätter erfahren, findet in dieser Woche in Wien eine Beratung der Germanisten der deutschen, schweizerischen und österreichischen Hochschulen wegen der vom österreichischen Bundesbücherverlag geplanten Herausgabe des Riesenwerkes der deutschen Literatur statt. Das auf etwa 150 Bände veranschlagte Bert wird den Belamttitel führen: Deutsche Literatursammlung der Kunst- und Kulturdenkmäler in einzelnen Darstellungen". Die dentiche Faffung der Auguftana entdeckt? Wie ein Münchener Blatt meldet, ist es dem Pfarrer a. D. Dr. Bilhelm Gusmann gelungen, in einem Folioband der v. Scheurlschen Bibliotbet auf dem germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg die seit Jahrbunderten vergebens gefuchte deutsche Fassung des Augsburger Glaubensbefenntnisses zu entdecken, die die Nürnberger Gesandten in Augsburg am 15. Juni 1530 dem Rate ihrer Stadt übersandt haben. Jubiläum des Psychologischen Jnflituts in Ceipzig. Das Psychologische Institut der Universität Leipzig feiert am 21. November fein 50jähriges Bestehen. Das Institut ist im Herbst 1875 von Wilhelm Wundt als erste feiner Art begründet worden. Eine Fafitfchule in Paris. Vor einiger Zeit machte der Falir Thara Bei in Paris mit seinen schmerzloser Caratini- Demonstrationen von fich reden. Er will sich jest dauernd dort niederlassen und eine Fakirscule aufmachen. Die Zollpolitik der Deutschnationalen. Zwei weitere Briefe. Der Reichsdienst der deutschen Presse ist in der Lage, zwei weitere Briefe zu veröffentlichen, die die wirtschaftspolitischen Auseinandersegungen innerhalb der Deutschnationalen Partei betreffen. Es handelt sich um ein Schreiben an den Reichsinnenminister, das offenbar von diesem an den Reichswirt schaftsminister als die zuständige Stelle weitergegeben wurde, da die Antwort vom Reichswirtschaftsminister gezeichnet ist. In der Antwort wird auch auf den am 9. Oktober vom Reichsdienst der deutschen Presse wiedergegebenen Brief des Kreisvereins Siegen angespielt. Die beiden Briefe lauten: Deutschnationale Bolkspartei. Kreisverein Siegen. An den I. Die entlarvten Entlarver.n Das neue ,, Manöver" der Kommunisten. In dem berühmten Etti- Brief wird den deutschen Kommunisten ven den Moskauer Kirchenvätern befohlen, gegen die Sozialdemofraten einen neuen Ton" anzuschlagen. Man solle durch schlaue Manöver den Anschein zu erwecken suchen, als wenn man mit den Sozialdemokraten zusammen arbeiten wolle; in Birklichkeit soll dieses scheinbare Zusammengehen nur dazu dienen, um die Sozialdemokraten zu entlarven". Das Angebot der Berliner Kommunisten dn die Sozialdemokratie, mit ihnen für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen eine Liftenverbindung einezugehen, war ein Manöver" solcher Art. Es war selbstverständlich, daß die SoSiegen, den 12. September 1925. zialdemokratie dieses heuchlerische Angebot abgelehnt hat. Wir Reichsinnenminister Herrn Schiele, Berlin. Hochverehrter Herr Minister! Der Boltswirtschaftliche Ausschuß der deutschnationalen Boltspartei, Kreisverein Siegen, bittet Sie: 1. Dafür Sorge zu tragen, daß die 3inssäge verbilligt merden, da die heutigen Zinssäge zu einer Erdrosselung der gefamten Volkswirtschaft führen müssen. 2. Bei dem Generaldirektor der Reichseisenbahngefellschaft dahin vorstellig zu werden, daß die Ausnahme tarife für das Sieg, Lahn- und Dillgebiet weiter bestehen bleiben und auf die Erzeugnisse der Fertigindustrie ausgedehnt werden, da im hiesigen Bezirk nicht verstanden wird, daß man täglich 500 Waggons leer durch den Bezirk fahren läßt, statt die Ausnahmetarife zu erweitern, die die volkswirtschaftliche Lebens fähigkeit des Siegerlandes mit gewährleisten würde. 3. Dafür Sorge zu tragen, daß die Verbilligung der Lebensmittel mit aller Rücksichtslosigkeit durchgeführt wird. 4. Dafür einzutreten, daß für die schwedischen Erze feine freie Einfuhr geschaffen wird, denn diese würde den Sieger fänder Bergbau erdrosseln. Hochverehrter Herr Minister, wir hoffen, daß Sie sich mit ganzer Kraft für diese Anträge, von denen nicht nur das Wohl unserer engeren Heimat, sondern auch legten Endes in etwas das Wohl eines großen Teils unseres Boltes abhängt, eintreten werden. Indem wir Ihnen im voraus herzlich danken, zeichnen wir mit ausgezeichneter Hochachtung gez. Geschäftsführer. Der Reichswirtschaftsminister. II Berlin M. 10, den 24. September 1925. An die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei, Berlin SW. 11. Bon den mir durch den Herrn politischen Beauftragten unter dem 18. d. M. übersandten Schreiben des Kreisvereins Siegen vom 12. und 14. September habe ich mit Intereffe Kenntnis genommen. Ich halte es für selbstverständlich, daß bei den Handelsvertragsver handlungen auf die Belange unserer verarbeitenden Industrie Rüdficht genommen wird. Im übrigen erlaube ich mir darauf aufmerksam zu machen, daß die Ausführungen des Kreisvereins Siegen in den beiden Schreiben in einem gewissen Widerspruch zueinander stehen. Im Schreiben vom 14. d. m. werden die der Schwerindustrie zugestandenen autonomen Zollfäge als unvereinbar mit den Interessen der verarbeitenden Industrie dargestellt, während die Entschließung vom 12. u. a. darauf abzielt, die Einfuhr schwedischer Erze zu er schweren, d. h. mit Zöllen zu belegen. Eine Zollbelastung ausländischer Erze würde sowohl für die eisenschaffende wie auch vor allen Dingen für die eisenverarbeitende Industrie unerträglich sein. gez. Neuhaus. Ein deutschnationaler Wirtschaftsminister hat es schwer, wenn er die widerstreitenden Interessenteninteressen innerhalb seiner Partei befriedigen und unter einen Hut bringen will. Die Freizeit der Jugend. Der Ausschuß der deutschen Jugendverbände. Der Ausschuß der deutschen Jugendverbände ver anstaltete in Raffel eine große öffentliche Tagung, welche die Fragen der Verkürzung der Arbeitszeit und der Gewährung eines mehrwöchentlichen bezahlien Irloubs für die erwerbstätige Jugend bis zum 18. Lebensjahre behandelte. An der Veranstaltung nahmen außer den Vertretern der dem Ausschuß angeschlossenen 74 Jugendverbände eine große Anzahl von Bertretern der Behörden, der freien Wohlfahrtskörperschaften und der Arbeitgeberschaft teil. Dagegen fehlten Bertreter sowohl des Reichsarbeitsministeriums als des Reichsministeriums des Innern. Von den großen reien Wohl fahrtsorganisationen hatten Delegierte entsandt: der Caritasverband, der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt, die Innere Mission. Die Tagung hatte sich zum Ziel gefeßt, der Deffentlichkeit den Nachweis von der Notwendigkeit, Durchführbarkeit und zweckmäßigen Berwendung der vom Ausschuß in einstimmigen Entschließungen ge forderten Berkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden und der gesetzlichen Festlegung von zwei bzw. drei Wochen, Ferien für das Jahr zu erbringen. Nach Oberregierungsrat Bogusat und Ministerialrat Dr. Ziert mann vom Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe refe rierte Dr. H. Stammler Berlin als Nationalöfonom über die wirtschaftliche Durchführbarkeit der von der gesamten deutschen Jugend erhobenen Forderung. Er stellte fest, daß sie betriebstechnisch und finanziell möglich und tragbar ist. Pfarrer Donndorf- Hamburg vertrat unter lebhafter Zustimmung der Bersammlung die Auffassung, daß die Frage der Durchführbarfeit nicht nur vom Standpunkte der Wirtschaft zu entscheiden ist, fondern daß es sich beim Schutz der Jugend im Arbeitsprozeß um die Erhaltung der geistigen und seelischen Güter der Nation handele, und daß der Staat verpflichtet ist, für den Schutz der Jugend einzutreten. Obwohl im Verlaufe der Aussprache die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht verfannt wurden, brachte die Konferenz ihre Meinung in der Annahme einer Entschließung zum Ausdrud, in der es heißt: „ Die öffentliche Tagung des Ausschusses der deutschen Jugendverbände ist durch die Vorträge des Herrn Oberregierungsrats Dr. Bogusat vom Reichsgesundheitsamt über„ Die Bedeutung der Frei zeit für die Gesundheit der erwerbstätigen Jugend!" des Herrn Ministerialrat Dr. Ziertmann vom preußischen Handelsministerium über die Bedeutung der Freizeit bei der Erziehung der erwerbstätigen Jugend" und des Herrn Dr. Stammler von der Sozialpolitischen Abteilung der Siemenswerte über die Wirt schaftliche Durchführbarkeit einer jährlichen Urlaubszeit der ermerbstätigen Jugend" sowie durch die weiteren in der Aussprache erbrachten Belege aufs stärkste überzeugt worden, daß die Forderungen des Ausschusses der deutschen Jugendverbände vom Januar und April 1925 zur gefeglichen Regelung der wollen nun an einigen Beispielen zeigen, wie es die Kommunistische Partei bisher mit der Listenverbindung, mit dem Zusammengehen mit sozialdemokratischen Arbeitern gehalten hat. Am 30. Mai 1920 waren Neuwahlen für den Landtag des damaligen Freistaates Gotha vorzunehmen. Bis dahin hatten die unabhängigen Sozialdemokraten die Mehrheit in diesem Parla ment. Um nicht die bürgerlichent Parteien zur Herrschaft gelangen zu lassen, boten die unabhängigen Sozialdemokraten den Kommunisten die Listenverbindung an. Eine Landeskonferenz der kommunistischen Partei beschloß daraufhin eine Resolution, in der es heißt: Die Landestonferenz Stellt fest, daß eine aus Kommunisten und Unabhängigen zusammengesezte Mehrheit im Gothaischen Parlament teine wirkliche Machtposition für das Proletariat bedeutet. Sie verwirft daher die Haltung der USBD., die den Wahlkampf vornehmlich auf die Erzielung einer solchen Mehrheit abstellt und dadurch die Massen in ihren demokratisch- parlamentarischen Jllufionen stärkt und vom revolutionären Kampfe ab= lenft. Eine Listenverbindung fann nicht in Frage tommen." Die Zentrale der Kommunistischen Partei hat diesen Beschluß ausdrüdlich mit der Bemerkung bestätigt: Eine Liftenverbindung mit der USPD. tommt also unter feinen Umständen in Frage." Das Ergebnis dieser verrückten Tattif der Kommuniften war, daß am Wahltag die bisherige Mehrheit der Arbeiterparteien verloren ging. Bei den Kommunalwahlen haben die Kommunisten bisher nicht anders gehandelt. In einer Resolution der Bezirkskonferenz Bran Denburg der KPD. vom Juni 1920 heißt es, daß man gegen die Illufionen kämpfen müsse, in denen noch große Schichten des Proletariats gefangen seien, als ob in den Gemeindeparlamenten sozialistische, prattische Politit getrieben werden könne. Die Resolution schließt folgendermaßen:„ In Konsequenz dieser Auffaffung sind die Rämpfe von den Genoffen selbständig, ohne jede Verbindung mit anderen Parteien, zu führen." Man tönnte nun sagen, diese Dinge liegen fünf Jahre zurück und seitdem hätten sich die Kommunisten gebessert. Sehen wir uns daher die neuere Zeit an. Anfang dieses Jahres hat der kommunalpolitische Ausschuß der KPD. in Nordbayern Richtlinien für die Kommunalpolitit herausgegeben, in denen es heißt: „ Reinerlei Kompromisse mit den bürgerlichen Parteien oder der Sozialdemokratie. Reinerlei Unterstützung der bürgerlichen oder sozialdemofratischen Kandidaturen. Arbeits- und Freizeit der erwerbstätigen Jugend von der Gesez gebung bald erfüllt werden müssen, wenn nicht die gesundheitliche, geistige und wirtschaftliche Bolfstraft größten dauernden Schaden erleiden soll. Sie bittet alle Organisationen und behördlichen Stellen der Jugend- und Volkswohlfahrt, sich den wohlbegründeten einmütigen Forderungen der 74 Jugendverbände aller Richtungen anzuschließen und ihnen zur baldigsten Durchführung zu verhelfen. Sie erwartet von den Trägern des Wirtschaftslebens, daß fie die Bolts notwendigkeiten dieser Forderungen nicht ver= fennen und ihrer Durchführung keine Hindernisse entgegenstellen." Den Schluß der Tagung bildeten mehrere Referate über die zweckmäßige Verwendung der Freizeit der Jugend. Gen. Mar Westphal urd Anna Schulze als Vertreter der Jugendverbände über die Mithilfe der Jugendorganisationen. Westphal betonte, daß die Jugendverbände ihrer Verantwortung für richtige Verwertung der Freizeit sich durchaus bewußt find. Beide Referenten führten aus, was die Jugendverbände in dieser Hinsicht bereits auf diesem Gebiete leisten. Oberbürgermeister Dr. Luppe Nürnberg behandelte die Mithilfe der Gemeirden. Er forderte vor allem die Ausdehnung der Erholungsfürsorge auf die fortbildungsschulpflichtige Jugend, die Vermehrung der Sport- und Spielpläke, der Bäder, der Jugendheime und-herbergen. Er verlangte nach drücklich, daß bis zur Schaffung einer ausreichenden Zahl von Jugendheimen die Gemeinden allen Vereinigungen der Jugendpflege und Jugendbewegung Schulräume tostenlos zur Verfügung steller. Direktor Cohn von der Allgemeinen Ortskrantenfasse Berlin trat für weitgehende Mithilfe der Krankenkassen und Bersicherungsanstalten unter dem Gesichtspunkte der vorbeugenden Fürsorge für Jugendliche ein. | 4 Immer und überall Aufstellung eigener Kandidaten und Eintreten für dieselben in allen Wahlgängen." Man lese auch, was die kommunistische Tribüne" Dom 6. Januar dieses Jahres vor der Wahl eines Stadtverordnetenvorstehers in Bernburg schrieb: „ Die SPD. ist an uns herangetreten mit der Aufforderung, ihren Kandidaten zum Stadtverordnetenvorsteher zu unterstützen. Demgegenüber gaben wir die ganz eindeutige Erklärung ab, wir unterstützen feinen Bürgerlichen und auch keinen Sozialdemokraten, weil diese sich als die schlimmsten Feinde der Urbeiterschaft erwiesen haben und durch ihre Regierungsmänner die Kommunistische Partei mit allen Mitteln verfolgen und die politischen Gefangenen weiter in den Zuchthäusern lassen. Die SPD. Spekulierte auf unsere und auf die demokratischen Stimmen, um ihren Kandidaten als Stadtverordnetenvorsteher durchzusehen. Eine müßige Spetulation!" der Stadtverordnetenwahl in Gera am 22. Februar d. J. verübt. Eine der schlimmsten Schandtaten haben die Kommunisten bei Dort fonnte die Wiederherstellung der bisherigen Linksmehrheit nur dann erzielt werden, wenn durch die Verbindung der Listen der stimmen verhindert wurde. Die Kommunisten lehnten die Listen Sozialdemokraten und der Kommunisten der Verlust von Arbeiter. verbindung ab und schanzten dadurch den bürgerlichen Barteien gerade das eine Mandat zu, daß ihnen zur Mehrheit fehlte. Die Ostthüringer Tribüne" schrieb dazu am Tage nach der Wahl: Mit dem Angebot der Listenverbindung war den Kommu nisten weder eine Preisgabe ihrer Selbständigkeit noch ihrer Taktik zugemutet. Einzig und allein die Erfüllung einer elementaren proletarischen Pflicht wurde verlangt, nämlich zu verhindern, daß Arbeiterstimmen verlorengehen und daß dieser Berlust den Bürgerlichen Gewinn bringe. Aus purer Bosheit haben die Kommunisten es vorgezogen, die Kette ihrer Verrätereien um ein weiteres Glied zu vermehren. Die Kommunisten wußten, was für die Geraer Proletarier auf dem Spiele stand. Sie wußten, daß alle bisherigen Errungenschaften der Linksmehrheit in Frage gestellt sind, wenn es den getrennt marschierenden Bürgerlichen gelingt, fich nach der Wahl zu einer fompaften reaftionären Mehrheit zusammenzuschließen. Nunmehr ist auch in Gera die Situation für alle Proletarier geflärt. Wer jetzt den Kommunisten noch Gefolgschaft leistet, muß den schlimmst en Feinden der Arbeiterklasse gleichgestellt werden." Die Liste solcher Fälle, in denen sich die Kommunisten als Steigbügelhalter der Reattion", wie sich dessen der Kommunist Schlecht in der Bezirksversammlung in Treptow offen rühmte, tann um das Hundertfache vermehrt werden. Da der Etti- Brief den deutschen Kommunisten befohlen hat, vorübergehend statt des bisherigen Radaus mehr ernste und fachliche Arbeit zu leiften, also das zu tun, was die KPD. bisher der Sozialdemokratie überlassen hat, so ergibt sich für jeden selbständig denkenden Arbeiter die Schlußfolgerung von selbst: Er macht alle fommunistischen Manöver" zuschanden. Er stimmt bei der Stadtverordnetenwahl am 25. Ottober für die sozialdemokratischen Kandidaten! technische Ausgestaltung der Kinderzeitschrift herbeizuführen; ein Antrag, der die Herausgabe sozialistischer Jugendschriften und Bücher fordert, und ein Antrag, der die Reichsarbeitsgemeinschaft beauftragt, die Herausgabe eines Kinderliederbuches zu beschleunigen. Anträge auf Herausgabe von Liederblättern und Er richtung einer Einkaufszentrale wurden dem Vorstand als Material überwiesen. " In der Nachmittagssigung berichtete der Schriftleiter der " Sozialistischen Erziehung", Genosse Siemsen, über seine Arbeit. Die mit Unterstügung des Parteivorstandes herausgegebene sozialistische Erziehungszeitschrift muß nach seiner Ansicht das ge= famte Problem der sozialistischen Erziehung behandeln. Eine Beschränkung auf eines der pielen Arbeitsgebiete ist ebenso falsch wie unmöglich. Die Konferenz' wünschte, daß die Arbeit der Kinder= So sprachenfreunde in der Erziehungszeitschrift mehr als bisher zu Worte tommt. Die Reichsarbeitsgemeinschaft wurde beauftragt, beim Parteivorstand auf eine Erweiterung des Umfanges der Sozialistischen Erziehung" auf mindestens 16 Seiten zu drängen. Ueber die geistige Entwicklung im letzten Jahre sprach Genosse Löwenstein. Das vergangene Jahr hat eine wesentliche geistige Festigung gebracht. Die sozialistische Erziehung ist flassenbewußter geworden. Sie geht von einer Einstellung aus, die sich grundsäglich von jeder anderen unterscheidet, weil sie mit dem großen geschicht lichen Kampf der Arbeiterklasse zusammenhängt, denn alle Erziehung fann nur von dieser Seite aus verstanden werden. Wir glauben nicht, daß sich mit Erziehung alles erreichen ließe. Erziehung ist nur eine Funktion der Gesellschaft. Die Kinderfreunde wollen durch ihre Arbeit bewußt machen, was im gesellschaftlichen Prozeß aus dem geschichtlichen Werden folgt. Sie verzichten gern auf jede Einseitigkeit der Erziehung; gleichgültig ob sie aus theologisch- metaphysischer oder aus liberaler und idealistischer Einstellung erfolgt. Die sozialistische Erziehung fann ihre Erziehungsideale nur holen aus dem gesellschaftlichen Werden. Das gesellschaftliche Werden ist Ausgangspunkt, Inhalt und Zielfezung der Arbeit der Kinderfreundebewegung geworden. Unsere Kinder erleben das ganze Elend, die große Not unserer Zeit. Sie müssen so erzogen werden, daß sie ein Bewußtsein von ihrer Not bekommen, daß sie diese Not nicht ertragen fönnen und wollen. Nicht zum Sehen, zum Verändern der Gesellschaft wollen wir sie erziehen. Dann wurden die Beziehungen zu anderen Organisationen furz gestreift. Die Kinderfreundearbeit ist Arbeit im Dienste der Sozialdemokratie. Ihr Erziehungsideal wächst jedoch weit über den Rahmen der Partei hinaus zu dem großen gesellschaftlichen Ideal, das wir nicht der Partei, sondern dem geschichtlichen Werden entnommen haben. In dem Kampf gegen eine Welt von Feinden gilt es, eine einheitliche pädagogische Linie zu schaffen. Hierfür hat Tännich die Grundlage erarbeitet. Die Kinderfreunde sind einig in dem großen Ausgangspunkt, einig in der Marschroute. einig im Biel. Das ist es, was sie für das neue Jahr gebrauchen. Reichskonferenz der Kinderfreunde. Die Jenaer Tagung. Die zweite Reichstonferenz der Rinderfreunde, die am Sonntag den 11. Oftober in Jena stattfand, war der Abschluß eines achttägigen Leiterkursus im Reichsferienheim der Arbeiter jugend. Dieser Kursus hat für die Verständigung über die geistigen Grundlagen der Bewegung wertvolle Vorarbeit geleistet. Die Festlegung der pädagogischen Linie für die fünftige Arbeit war der Konferenz dadurch wesentlich erleichtert. So fonnte sie ihre eigene Arbeit in erster Linie der Erledigung praktischer und organifatorischer Aufgaben zuwenden. Der Geschäftsbericht des Genossen Weimann Berlin enthielt manches Erfreuliche. Mehrere neue Bezirksleitungen find ge= bildet worden, so daß die sozialistische Erziehungsbewegung heute in fast allen Ländern und Provinzen ihre Stützpunkte hat. Bezirkskurse wurden an vielen Stellen mit gutem Erfolge abgehalten. Eine Erziehungszeitschrift und eine Kinder zeitschrift find mit Unterstützung des Barteivorstandes geschaffen worden. Nur mit der pünktlichen Berichterstattung über die geleiftete Arbeit hapert es noch ein bißchen, zum Teil auch mit der finanziellen Unterstützung durch Partei und Gewerkschaften und mit der moralischen durch einige Nachbarorganisationen. In den Spizenverbänden ist jedoch der aufrichtige Wille zu engster Bufammenarbeit und zur Verständigung in allen Streitfragen vor. handen. Ganz unhaltbar ist nach Ansicht des Berichterstatters in der Arbeiterbewegung die unheilvolle 3ersplitterung auf dem Gebiete der Kindererziehung. Eine Vereinheitlichung muß schon aus pädagogischen Gründen unbedingt gefordert werden. Bon den Anträgen, die im Anschluß an den Geschäftsbericht angenommen wurden, verdienen Erwähnung: ein Antrag, der die Reichsarbeitsgemeinschaft beauftragt, durch sofortige Fühlungnahme mit den Spizenverbänden die Einführung des Kinderpfennigs in Deutschland anzustreben; ein Antrag, der sofortige Verhandlungen mit dem Verlag des Kinderfreund" verlangt, um eine bessere Genosse Löwenstein Neukölln wurde zum Bersihenden der Reichsarbeitsgemeinschaft, der Genosse Siemsen Jena zum Schriftleiter der Sozialistischen Erziehung" wiedergewählt. Im übrigen besteht die Reichsarbeitsgemeinschaft aus folgenden Mit Neddermeyer Braunschweig, Weinbergergliedern: Nürnberg, Maißlinger München, Adams Hamburg, GantRiel und Geburt Striegau. Dazu treten ein Vertreter des Berliner Bezirks, ein Vertreter des Bezirks Sachsen und die Organisationsvertreter. Anwesend waren auf der Konferenz 84 Delegierte, 12 Mitglieder der Reichsarbeitsgemeinschaft, Bertreter des Barteivorstandes und zahlreicher anderer Organisationen sowie viele Gäste. Die Selbstverwaltung Roms und zahlreicher anderer Städte wird abgeschafft; ernannte Oberfaschisten sollen auch die Stadtverwaltungen beherrschen. Ein Gesezentwurf will im Gerichtswesen nur noch Italienisch gelten lassen. An dieser schamlosen Ber gewaltigung der Deutschen und Südflawen Italiens ist gar nicht mehr zu zweifeln. Gewerkschaftsbewegung Kommunistische Gewerkschaftsarbeit. Wie in Deutschland so befinden sich auch in der Tschecho. flowakei die Kommunisten im Stadium der Konsolidierung". Das bedeutet, daß sie auch dort die heftigsten Kämpfe gegeneinander führen und daß die Leute, die die Arbeiterklasse einigen wollen, unter sich selbst so uneinig wie nur möglich sind. Zuweilen kommen bei dieser Rauferei Tatsachen ans Licht, die auch für den Nichtbeteiligten bemerkenswert sind. So hat sich der vor einigen Wochen in Prag abgehaltene Parteitag der tschechischen Ko m munisten mit der Gewerkschaftsfrage beschäftigt. Cermat ( Budweis) berichtete über einen von den Kommunisten geführten Streit in der Papierfabrik von Spiro in Krumau mit 1500 Arbeitern, einen der größten Betriebe in der Tschechoslowakei. Der Generalsekretär der roten Gewerkschaften Josef Sais habe sich erst sechs Wochen lang überhaupt nicht um den Streit gefümmert, als er endlich erschien, liquidierte er ihn gegen den Willen der Ar. beiterschaft. Besonders bezeichnend fei es gewesen, berichtete Cernat, daß Genosse Hais bei der Abfahrt mit dem politischen Kommissär vor den Augen der gesamten streifenden Arbeiter. schaft sich in ein Automobil sekte und wegfuhr." Sais verteidigte sich damit, daß er zunächst über einen ande. ren, von den Kommunisten geführten/' Streit berichtete, den der Oftrauer Bergarbeiter. Aus Mostau(!) fei ein Telegramm geschickt worden, mit dem Sinomjem und Losowski übereinstimmten und in dem gesagt worden sei ,,, daß, wenn die Sozialdemokraten nicht in den Streif treten, auch wir nicht gehen sollen". Der Streit bei Spiro in Arumau sei in einer Weise eröffnet worden, daß man fchon im vorhinein sehen konnte, daß er verloren gehen würde, wenn er verlängert werden sollte, und daß die Arbeiter schaft dann mehr geschädigt würde als heute. Deswegen habe ich den Streif beendet". Nun ging der Redakteur der fommunistischen ,, Arbeiterzeitung" Bierer aus Krumau mit Hais scharf ins Gericht. Der Bentralsekretär der roten Gewerkschaften habe den Streif so abgeschlossen, beiter, welche bis zu 10 und 20 Jahren in dem Betrieb tätig find, auf Grund der Vereinbarung als neue Arbeiter aufgenommen werden. Es sei unerhört, daß ein solches Protokoll abgeschlossen wurde, nachdem die Arbeiter, die wegen irgendwelcher Bergehen während des Streits zu mindestens 14 Tagen verurteilt wurden, aufs Pflaster geworfen werden, daß wir nicht von der Gewerkschaft aus für einen Arbeiter uns einsehen können, der einen Streifbrecher beschimpft hat". Bierer verlas dann einen Brief, der ihm von Hais zugefandt worden ist. Zuerst wird darin gegen die antisemitische Schreibweise des Blattes Stellung genommen; dann heißt es darin wörtlich: ,, Wir beharren darauf, daß alle Fälle, in welchen den Ar beitern Unrecht geschieht, dem JAV. Sektion der Chemischen Arbeiterschaft gemeldet werden und diese wird die nötigen Schrifte bei dem Industriellenverband unternehmen, um den Fall zu schlichten. Erst dann, wenn feine Schlichtung herbeigeführt werden kann, fann man die Oeffentlichkeit über die Berhältniffe in den Fabriken durch die Presse informieren. Dies muß aber felbstverständlich mit Zustimmung der Gewerkschaftsorganisation geschehen. Wir erfuchen, die Veröffentlichung der Artikel gegen die 2. E. Spiro einzustellen und in Zukunft sich vorher mit der zuständi gen Organisation in Verbindung zu sehen, damit auf ähnliche Weise, wie es diesmal geschah, nicht mehr Schaden als Nugen der Arbeiterschaft gebracht wird. Nachklänge vom Streit bei Bolle. Als Anfang März anläßlich eines Konflikts mit den Kannenwäscherinnen der Streit bei der Firma Bolle ausbrach, wurde der Teil der Belegschaft, der sich nicht am Streif beteiligte, ausgesperrt. Die Aussperrung erstrecte sich auch auf mehrere Arbeiter, die Schon vor dem Ausbruch des Streifs frant waren und nach dem Tarifvertrage einen 3uschuß zum Krankengeld von der Firma zu beanspruchen hatten. Da die Firma diesen Zuschuß vom Tage der Aussperrung ab nicht mehr zahlte, so forderten die betreffenden Arbeiter denselben jetzt durch eine Klage beim Gewerbegericht. Zur Nechtfertigung ihres Berhaltens berief sich die Firma darauf, daß der 3uschuß zum Kranfengeld nur so lange zu zahlen fei, als das Arbeitsverhältnis fortbestehe. Im vorliegenden Fall sei aber das Arbeitsverhältnis durch Entlassung( Ausfperrung) gelöst worden, also bestände für die Firma teine Bahlungspflicht. Uebrigens würden doch die Kläger, wenn sie nicht frank gewesen wären, am Streit teilgenommen und in der fraglichen Zeit feinen Lohn bekommen haben. Darauf erwiderte der Vertreter der Kläger, das fönne man nicht wiffen, denn es habe ja nicht die ganze Belegschaft gestreift, sondern ein Teil derselben sei ausgesperrt worden. Es wurde festgestellt, daß nicht nur für die Kläger, sondern auch für die ganze Belegschaft eine Kündigungsfrist bestand, die aber von der aussperrenden Firma nicht innegehalten worden ist. Aus diesem Grunde erkannte das Gericht dahin, daß die Aussperrung unter Vertragsbruch der Beklagten erfolgt sei und der Anspruch der Kläger zu Recht bestehe. Ob sie während des Streifs hätten weiterbeschäftigt werden fönnen oder nicht, sei Die unerheblich, da sie ja zu jener Zeit nicht arbeitsfähig waren. Firma wurde verurteilt, die Forderungen der Kläger anzuerkennen. Die Reeder lehnen den Schiedsspruch ab. Hamburg, 13. Oktober.( T.) Die Deds und Heizer mannschaften in Hamburg haben den Schiedsspruch über den neuen euertarif der Seeleute angenommen. Von den Arbeitgebern ist der Schiedsspruch jedoch abgelehnt worden, da eine solche Belastung nicht tragbar sei. Durch die geringste Erhöhung fönne der Betrieb bei mittleren und selbst bei größeren Reedereien in Frage gestellt werden. Der Arbeiterabban findet kein Ende. Effen, 13. Oktober.( Mtb.) Die Zeche Emscher Lippe" hat wegen starter Absatzschwierigkeiten am 1. Oftober 442 Mann entlassen müssen; zum 15. Oftober mußte außerdem weiteren 105 Bergarbeitern gekündigt werden. Zum Ende des Seemannsstreiks. London, 13. Oktober.( Eẞ.)„ Nachdem gestern in England und Südafrika der Schiffahrtsstreit zu Ende gegangen, glaubt man hier zuversichtlich, daß auch in Australien in dieser Woche die Schiffahrt wieder aufgenommen wird, zumal, da nach den Berichten der Rapitäne die Seeleute gewillt find, die Arbeit wieder aufzu nehmen. Nach einer Meldung des Daily Telegraph" aus Rap. stadt hat der Streit nicht dazu beigetragen das Ansehen der Arbeiterpartei und der Regierung zu stärken, da die laue Haltung der Regierung bei den Farmern, Expor teuren und Kaufleuten Mißfallen erregt hat." Die Berechtigung zur Klage über Mißfallen ist ganz auf der andern Seite. Hat doch Man beachte, daß der Generalsekretär der kommunisti. dieser Streif gezeigt, daß Gewaltmaßnahmen, Gefängnis strafen und Deportationsandrohung gegen Streifende nicht geeignet schen Gewerkschaften solche Forderungen an seine kommunistischen sind, den Weg der Verhandlungen zu ersetzen. Es ist eine Unver Barteigenossen stellt. Auch er will, wie die reformistischen Geschämtheit, einer Arbeiterregierung zuzumuten, den Unternehmern werkschaften, erst alle Einigungsmöglichkeiten erschönfen, bevor die Bütteldienste zu leisten gegen Streifende, um die Herren der NotArbeiterschaft zu ihrem äußersten Kampfmittel, dem Streit, greift. Er geht sogar noch weiter, er verlangt von seinen Genossen, daß fie menbigkeit zu entheben, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. nicht eher über Differenzen in den Betrieben in der Deffentlichfeit berichten, ehe nicht die Schlichtungsstellen entschieden haben. Dieser Berräter" Hais beruft sich sogar auf Sinomjem und Lojomsti! Man sieht aus alledem, daß die kommunistische Gemertschaftsarbeit immer verrücktere Formen annimmt. Wo die Arbeiterschaft, wie in einigen Teilen der Tschechoslowakei, vorübergehend ben schwersten Schaden davongetragen. schwersten Schaden davongetragen. Kaufmännische Lehrstellen im ZdA. Die Stellenvermittlung des 3entralverbandes der Angestellten, Geschäftsstelle Groß- Berlin, Belle. Alli ance Straße 7/10, vermittelt an schulentlaffene Jungen und Mädchen Lehrstellen in allen faufmännischen Berufen. Gegen märtig ist eine größere Anzahl solcher Lehrstellen noch zu besezen. Die Eltern, die ihre Kinder in eine faufmännische Lehre geben mollen, werden gut tun, sich bezüglich der Berufsberatung und der Lehrstellenvermittlung mit dem Zentralverband persönlich in Berbindung zu sehen. 6 Die Reaktion in Brasilien. ( 3GB.) Wenn man sich all der schönen Tiraden erinnert, mit denen Herr Castello Branco auf der siebenten Internationalen Arbeitstonferenz die herrlichen Zustände in Brasilien feierte, so tann es von großem Nugen sein, einiges über das Los der Arbeiter in diesem Lande zu sagen. Einer der Behauptungen des brasilianischen Regierungsvertreters tann man ohne weiteres zustimmen: In der Ver. faffung sind tatsächlich zahlreiche Freiheiten festgelegt. Allein im Laufe der Jahre sind so viele mit dieser Verfassung im Widerspruch stehende Gefeße eingeführt worden, daß die Kon ftitution mit Recht als tofer Buchstabe bezeichnet wird. So trat 3. B. im Januar 1921 eine Einwanderungs. verordnung in Kraft, die nicht nur jedem politischen Flüchtling den Aufenthalt in Brafilien so ziemlich unmöglich macht, sondern auf Grund vieldeutiger Formeln den Staat in die Möglichkeit ver fett, jeben anfäffigen Fremben, der ihm aus irgend einem Grunde unerwünscht ist, des Landes zu verweisen Die gleiche Verordnung setzt den eingewanderten Arbeiter außer ftande, attiv an der Arbeiterbewegung teilzunehmen oder in Wort und Schrift irgendwelche Kritit zu üben. Beteiligung an einem Streit fann für jeden eingewanderten Arbeiter die sofortige Ausweisung zur Folge haben. Jede Propa ganda für den Sozialismus ist ausgeschlossen. Es find Fälle bekannt, wo Personen, die bereits 25 Jahre in Brasilien anfäffig waren, wegen solcher Propaganda des Landes verwiesen wurden. Das Jahr 1923 brachte dann ein Pressegesez, demzufolge jeder, der in einer Zeitung an der Regierung Kritik übt, gefangen gesegt werden kann. Auf Grund dieser Verordnung sind im vergangenen Jahre verschiedene Journalisten ver. haftet und mehrere Blätter verboten worden. Seit drei Jahren herrscht im Zentrum des Landes der Belagerungs= zustand und die härteste poltische Dittatur. 3ensur geht so weit, daß alle Postsendungen aus und nach dem Auslande geöffnet werden und das Briefgeheimnis aufs schimpflichste verlegt wird. Die Laut Verfassung besteht allerdings das Versammlungs. und Vereinsrecht, die Unternehmer find jedoch in der Lage, jede Arbeiterversammlung, die eventuell" einen Streif beschließen tönnte, durch Polizeigewalt auflösen zu laffen. Es fann in solchen Fällen geschehen, daß die betreffenden Organi fationen aufgelöst, ihre Besizungen beschlagnahmt und die Leiter verhaftet werden. Schon unter dem Borwand, daß eine dem Streif günstige Stimmung herrscht, maßt fich die Polizei das Recht an, auch ohne Aufforderung der Unternehmer zu derartigen Schritten überzugehen. Daß bei einem tatfächlich ausbrechenden Arbeitskonflikt sofort alle Leiter verhaftet werden, ist nicht verwunderlich. Bei einem Streit, den die noch nicht organisierten Tegtilarbeiter von Sao Paulo im vergangenen Jahre durchführten, rüdte jogar ohne vorherige Warnung die Polizei mit blanter Waffe gegen die Demonstranten vor, wobei zahlreiche Männer und Frauen verwundet wurden. Das gleiche geschah bei einem Tertilarbetterstreit in- Rio de Janeiro, wo im April 1925 ohne jeden Grund auf die Arbeiter ge= schossen wurde. Im August 1924 wurden in Sao Paulo ebenfalls grundlos 50 Führer der Arbeiterorganisationen ver haftet. Noch heute sind diese Opfer der politischen Diktatur nicht in Freiheit. Andere Führer wurden in ungesunde Gebiete ver. bannt. Während die Polizei im Namen der Regierung in dieser Weise dem Unternehmertum beisteht, ist es andererseits unter Androhung der Verhaftung oder Entlassung den Arbeitern verboten, den Unternehmern KollektivvertragentWürfe zu unterbreiten, die irgendwelche Lohnerhöhungen Dorsehen. So sieht es in Brasilien mit den von Herrn Castello Branco so gepriesenen Freiheiten aus! Es ist kaum anzunehmen, daß es irgendwo auf der Welt so schlimm oder viel schlimmer zugeht als in Brasilien. Achtung, Karofferiearbeiter! Morgen. Mittwoch abend 7 Uhr in den Mufiteriälen Raiser- Wilhelm- Str 31, Mitgliederversammlung ber Snnungsund Wagenbauertrantentaffe 1. Wahlen zur Soit Iverficherung( eferat), 2 Bericht vom Berbandstag in Bonn Berichterstatter 1. Borfihend Värel). 3 Berschiedenes. Es ist Pflicht aller in der Wagentauer- Inmunestrantentaffe Ber sicherten in dieser Bersammlung zu erscheinen Das Karofferte- Rartell. Groß- Berliner Parteinachrichten. 1. Rreis mitte. Bilbungsausschus! Die Obleute der Abteilungen holen heut Dienstag abend Rarten ab pom Genoffen Wolfftein, Liegmannstr. 5. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 94. Abteilung Neukölln. Unsere langjährige, treue Funktionärin Berta Hagen, Steinmegftr. 54 tit am Sonntag verstorben Beerdigung am Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, Gemeindefriedhof, Mariendorfer Weg. Rege Beteiligung erwartet. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Die Arbeitsgemeinschaft entschiebener Republikaner hält ihren 4. republikanischen Abend am Donnerstag, den 15. Ottober, abends 8 Uhr, im Restaurant Himburg, Ede Charlotten- und Zimmerstraße ab. Referat des Herrn Falt:„ Die legten Rechte des Republikaners". Entschiedene Republitaner aller Parteien und Bünde willkommen. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eslorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Rarftäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin S. 68, Lindenftrake 3. Reklame- Tage Verkauf ab Dienstag Unsere erste Verkaufsveranstaltung dieser Art seit unserem Bestehen. eigensten Interesse. 9 Uhr Besuchen Sie uns unbedingt im Angebote von außerordentlicher Preiswürdigkeit. Damenkonfektion reine Flausch- Mantel, Wolle, 1975 Glockenform. Damen- Mantel, reine Wolle, Velours de laine, schwere Qualität, mit Seitengarnierung hübscher 3750 reine Velours- Mantel, Wolle mit pass guten Pelzkragen 44.u. Seitengarnierung reine Gabardine- Kleid, Wolle, gute Qualität, mit moderner 1950 Stickerei, in neuesten Farben Wolle m. Folienne- Kleid, Seide. Plissee- u. Rüschen garnierung 1975 Seidenstoffe Eolienne, bedruckt, eutzückende Muster, 100 cm breit gute Kleiderstoffc 425 Gabardine. . reine Welle, 130 cm breit, elegante weiche Ware, Mr. dop475 Popeline, peltbreit, 13 wun 26s dervolle Farben 3.90 Helvet'a Seide, Quali 300 Cheviol, breit. gute Qualität in 10 Farb., ca. cm, Mtr. Duchesse Seide, geant, schwere farbig a chanWare Taffet, ca. 5 cm breit, gute Kleiderware, eleg Streifen u Schotteu Damassé, glanzr. Qualit, wundervolle Dessins, 85 em breit 65 Wolle, doppelt- 165 marine, 130 cm breit 290 Wolle, 130 cm breit, 500 Flausch, dr Morgenröcke, 390 550 3.90 in vielen Farben Blusenilanell, gute Halbschöne Streifen. wolle, Gardinen Künstler- Gardine, a 275 engl. 2 Schals u. 1 Querbehang fehlerLinoleum Läufer, 195 frei, 90 cm br. Mtr.2.80, 65 cm br. PL. Etamine, 150 cm breit, gute 88P haltbare Ware Messing- Gardinenstange, galvan., ca. 3 cm stark, ca 160 × 210, 150 cm lang, mit Zubehör 145 110 Steppdecken, doppelt la Satin 18.75, Handarbeit 2150 Küchentischdecke, 100cm, 130 Gelegenheitskaut! reine Wolle, 180 cm breit. 490 Rips. marine Mtr. ca. 60x la Waschtaschentuch, Stück Strümpfe Kunstseide, Seidenilor. Prima Qualität 2.35 195 Prima Qual, klar Gewebe 2.35 rein195 Kinder- Strümple, wolle 135 Kaschmir Qualität 1.75 Jede weitere Größe 15 Pf. mehr reine Wolle in Strickwesten, schön. Farb. 6.75 Herren- Hemden, wollgemischt 3.65 woll490 265 Kinder- Trikots, gemischt, 165 Gr. 50 Jede weitere Größe 15 Pi. mehr. Große Auswahl in Damen- und Herren- Unterwäsche in guten Qualitäten u. billigen Preisen. Kaufhaus J. Rosenbaum& Co., Reinickendorfer Str. 14 Mengenabgabe vorbehalten! Am Bahnhof Wedding. Ecke Ravenéstraße. Anzahlung gestattet! Nr. 484 4 42. Fahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 12 Gktober 19 2s Preispolitik. Die teure Butter imÄ die gute Sartoffelerute. Die Preispolitik, die fetzt getrieben wird, ist weiter nichts, als eine Folge der Zollpolitik und alle Mittel, diese Folgen zu beseitigen, müssen eben daran scheitern, daß man die Ursachen bestehen läßt. Nichtsdestoweniger versuchen die herrschenden Par- teien unter dem Schlagwort„Preisabbauaktion" die Oeffentlichkeit zu täuschen, indem sie so tun, als ob sie nach Mitteln und Wegen suchen, um die durch die Zollpolitik hervorgerufen« Teuerung zu be- fettigen. Es werden Konferenzen über Konferenzen einberufen, und was ist der Erfolg? Eine Wirtschaftsgruppe kämpft gegen die ander«, es ist in der Wirtschaft ein Krieg aller gegen alle entbrannt, wie er kaum erwartet wurde. Wir haben schon erwähnt, daß die Preissenkungsaktion weiter keinen Erfolg gehabt hat. als daß(um nur eins der wichtigsten Produkte für die Ernährung zu nennen, die Butterpreise gestiegen sind. An Gründen für die Rechtfertigung dieser Butter- Preissteigerungen fehlt es nicht. Schon einmal, als die Butterpreise in die chöhe gingen, hat man mit dem Argument operiert, daß das Angebot an Butter aus der heimischen Produktion deswegen nach- gelassen Hab«,„weil die Landwirtschaft mit Erntearbeiten sehr stark beschäftigt, nicht in der Lage wäre, der Butterproduktion die not- wendige Aufmerksamkeit zuzuwenden". Merkwürdigerweise erscheint dieses Argument wieder einmal in der Oeffentlichkeit. Die Ernte- arbeiten sind zum größten Teil beendigt, nur die Kartosseln sind noch hereinzubringen, aber was tut's. Wenn das Argument auch falsch ist, die Hauptsache ist. es ist eins da. Die Lutterpreissieigerungen haben, ähnlich wie die Aleischpreissteigerungen, nur eine einzige Ursache. Diese liegt in der Tatsache, daß Deutschlands Landwirt- schast nicht in der Lage ist, den heimischen Butterbedarf völlig zu befriedigen. S<1 P r o z. unseres Butterverbrauches müssen durch Einfuhr gedeckt werden. In einer Zeit, in der durch eine land- wirtschaftliche Hochschutzzollpolitik der Einfuhr von Agrarprodukten, also auch von Butter, die allergrößten Schwierigkeiten gemacht werden, haben selbswerständlich die heimischen Produzenten voll- kommen die Preispolitik in der Hand. Sie sind in der Lage, je nach- dem es chren Interessen entspricht, das Angebot zu verstärken oder zu verringern. Wenn die Verhältnisse in Kartoffeln zurzeit etwas anders liegen, so hat das seinen Grund in dem besonders guten Ausfall der Ernte und ferner darin, daß die dies- jährigen Kartoffeln keine lange Haltbarkeit garantieren, d. h. sie müssen schnell verbraucht und aus den Markt gebracht werden. Wenn die Spiritusbrennerei, wie in früheren Zeiten, vollkommen freige- stellt wäre, dann hätte hier die Landwirtschaft ein Ventil, die Kartoffel zurückzuhalten und sie zu verbrennen und damit eine Preissteigerung herbeizuführen. Die Monopolgesetzgebung hat das Brennrecht der landwirtschaftlichen Brennereien ganz erheblich ein- geschränkt. Sie können also nur einen Teil der Kartoffeln, die sie nicht für Eßzwecke verwenden, in den Brennereien zu Spiriws ver- arbeiten, sind aber mit dem übrigen auf den Eßkartoffelmarkt an- gewiesen. Die Landwirtschaft macht nun dem Handel die aller- schwersten Vorwürfe darüber, daß die Spanne, die der Handel dem Verbraucher abnimmt, zu groß wäre. Die Landwirtschast weist darauf hin. daß sie für den Zentner Kartosseln heute 1,85 M. erhalt gegen 1,80 M. in der Vorkriegszeit, während der Konsument beim Händler 3.50 M. gegen 3 w. in der Vorkriegszeit bezahlt. Wir sind die Letzten, die den Handel gegenüber der Landwirtschaft in Schutz nehmen wollen. Aber das Eine muß man doch sagen, daß die Preis- spanne gegenüber der Vorkriegszeit bei der Landwirtschajt deswegen geringer fein kann, weil die Verwertungsmöglichkeit der Kartossel in der Landwirtschaft heute ein« ganz airdere ist, als in der Vor- kriegszcit. Gewiß, sie ist nur in der Lage, kleinere Mengen zu Spiritus zu verbrennen, als vor dem Kriege. Aber für die kleineren Mengen, die sie zu Sprit verarbeitet, erhält sie erheblich mehr als in der Vorkriegszeit: einmal ja schon deswegen, weil die Spritpreise höhere sind und dann auch, weil mit Hilfe der Reste aus der Sprit- Verarbeitung, der Schlempe, die Biehfütterung erfolgt, und das Vieh selbst und die Produkte des Viehs. Butter. Milch usw., ihnen heute weit größere Einnahmen bringen, als in der Vorkriegszeit Die den Agrariern nahestehenden Parteien des Rathauses möchten nun den Magistrat veranlasien, für einen stärkeren An- kauf vonKartoffelnzu sorgen. Entweder dadurch, daß er den kapitalschwachen Kartosfelgroßhandel mit Anleihen unterstutzt oder dadurch, daß er größere Mengen Kartoffeln einlagert. Ww wissen. daß für beide Vorschläge in Magistratskreisen keine sehr große Neigung besteht. Warum? Well sie dazu führen wurde, den Kon- sumenten eins der wichtigsten Nahrungsmittel zu verteuern. Es besteht aber auch gar keine Veranlassung dazu, denn nach Ansicht der für die Kartoffelversorgung in Frage kommenden Großhändler- kreise besteht nicht die geringste Gefahr, daß diese Versorgung ge- fährdet ist. Aus den Bahnhöfen, aus denen die Waggons mit Kartoffeln ankommen, ist eine Ueberfülle festzustellen. Die Händler sind garnicht in der Lage, die Mengen unterzubringen d,e hereinkommen. Diese ganze Art zeigt nur von neuem, daß di« Herrschaften von rechts nur ein Interesse kennen, nämlich ihre gefüllte Brief- tasche. Am ZS. Oktober wird ihuen gezeigt werden, daß es noch etwas andere» gibt._ Strafanträge im Potsdamer Giftmordprozeh. r Nachdem noch einige Zeugen, darunter der zum Tode verurteilte Raubmörder des Bierkutschers Haufe, Karl Simon, vernommen wurden, der aber nichts wesentliches aussagen konnte, gab der medi- zinische Sachverständige, Krcismedizinalrat Dr. Geißeler aus Pots- dam, sein Gutachten über die Förstcrsfrau ab.� Der Sachverständige hat die Angeklagte längere Zeit auf ihren Geisteszustand untersucht. Er bezeichnet sie als eine ausgesprochen hysterische Frau. An den angeblichen Kokaingenuß, dem sie sich hingegeben haben will, glaubt der Potsdamer Sachverständige im Gegensatz zu Dr. Heymann- Berlin nicht. Um 11 Uhr wurde die Beweisausnahme geschlosien, und der Anklagevertreter, Erster Staatsanwalt Gerlach, ergriff das Wort zu seinem Plaidoyer. Er hielt beide Angeklagte in allen Punkten der Anklage gemäß für überführt und beantragte bei Frau G e d k e unter Versagung mildernder Umstände vier Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust wegen Mordversuchs, und gegen Gardetz ki wegen Beihilfe zum Mordversuch zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehr- Verlust._ Die Feuerlöschdepukation zu den Dachstuhlbränden. Die städtische Feuerlöschdeputation beschäftigte sich gestern abend eingehend mit den D a ch st u h l b r ä n d e n in Berlin. Es wurde empfohlen, in den Kreisen der Haus- besitzer und deren Vereinen von Ingenieuren der Feuer- wehr belehrende Vorträge zur Aufklärung und Verhütung von Bodenbränden usw. zu veranstalten. Allen Beteiligten, Hauswirten, Verwaltern und Mietern, soll eine vor mehrte Aufmerk- samkeit über Besucher der Böden, über Sicherung und Ordnung, Sauberkeit u. dgl. zur Pflicht gemacht werden. Das Betreten der Böden soll nur zu bestimmten Zeiten stattfinden. Vorgeschlagen wurde eine bessere Sicherung der Boden- türen nach Angaben der Feuerwehr. Verlangt wurde u. a. eine erhöhte Feuersicherheit und Ilndurchlässigkeit der Fußböden, eine bessere Abgeschlossenheit der Boden- kammern und Bodenoerschläge, Ersatz der Latten durch feste Wände und ein« bessere Teilung der Bodenräume behufs schneller Orteutie» rung und Uebersicht. Zeitgemäß wäre auch das Anbringen von elektrischen Läutewerken und bei Neubauten Dachgärten, die von Brandstiftern gemieden werden. Leichenschänüung. Eine nächtliche Untat in der Ariedhofskapelle in Spandau. Große Aufregung herrscht unter der Bewohnerschaft von Spandau über eine Leichenschändung, die dort auf dem Friedhof unter Umständen verübt worden ist, wie sie in der Kriminalgeschichte wohl ganz vereinzelt dastehen. In der Kammer unter der Friedhofskapelle, in der die Leichen bis zur Bestattung aufbewahrt werden, standen in der Nacht vom Sonntag zum Montag sechs Särge, darunter ein weißer mit der Leiche eines Mädchens, das im Aller von 24 Jahren im Krankenhaus nach einer schweren Operation gestorben ist. Dieses Mädchen sollte gestern mittag beerdigt werden.' Als Friedhofsarbeiter, die mit den Vorbereitungen beauftragt waren, in die Kammer hinabgingen, um den Sarg in die Kapelle herauf- zuholen, entdeckten sie, daß die Vergitterung eines Fen- sters aufgerissen und eine Scheibe eingedrückt war. Gleich darauf sahen sie auch, daß der Deckel des Sarges, in dem das Mädchen ruhte, losgeschraubt war und daß die Schrauben neben dem Sarge lagen. Sie erstatteten Anzeige, und der Friedhofs- Inspektor benachrichtigte die Spandauer Kriminalpolizei. Die Unter- suchung der Leiche, die im Sarge mit der Decke und dem Kissen aus ihrer ursprünglichen Lage herausgebracht worden war, durch den Kreisarzt ergab, daß sie geschändet worden ist. Von dem Täter ist noch keine Spur gefunden. Die Berliner Kriminalpolizei entsandte mehrere Beamten nach Spandau, um an Ort und Stelle nach Spuren zu suchen. itaS immer wieder Meineid! Eine Verhaftung im Gerichtsfad. In die Kreise der Zuhällerzunst leuchtete eine Verhandlung hinein, mit der am Landgericht I die neue Schwurgerichtsperiode eröffnet wurde. Wegen Meineides, den sie zugunsten eines ehemaligen Liebhabers geschworen haben soll, war das Kontroll- mädchen Gertrud M. angeklagt. Noch während der Beweis- aufnähme mußte die Sitzung vertagt werden, da sich durch die Aussage der Angeklagten weitere wichtige Ermitllungen als not- wendig herausstellten. Ein als Zeuge erschienener Wilhelm Win- kelius, unter dem Spitznomen.A p a ch e n w i l l i" In seinen Krei- sen als gewalttätiger Mensch bekannt, wurde im Gerichtssaal verhaftet, da er dringend der Mittäterschaft verdächtigt ist. Dem Schicksal der Angeklagten kann man das Mitleid nicht ver- sagen. Gertrud M. ist ein auffallend Istibsches Mädchen. Ihre Schönheit ist ihr zum Verhängnis geworden. Stets eifrig um- worden, geriet sie bald in gewissenlose Hände. Die falsche Er- ziehungsart, solchen Mädchen sofort die elterliche Liebe und Hilfe zu entziehen, hat sich hier wieder einmal bitter gerächt. Die M. ging den Weg auf die Straße, wo man kein Mitleid mehr mit der Seele des Menschen kennt, wo nur Ausbeutung des Körpers in Frage kommt. Als die Angeklagte den„Apachenwilli" kennen lernte, stand sie bald unter dessen brutaler Gewalt und wurde sein willenloses Werkzeug. Vor kurzer Zeit mußte sich dieser gefährliche Liebhaber vor dem Schöffengericht wegen Zuhälterei verantworten. Er, der energisch jede Schuld bestritt, hatte sich wohlbedacht die M. als Entlastungszeugin bestellt. In der Verhandlung beschwor diese dann auch, daß er aus ihrem unsittlichen Gewerbe niemals einen materiellen Vorteil gezogen habe. Auf ihre Aussoge hin wurde das Verfahren eingestellt und W. kckm in Freiheit. Heute behauptet die Martens nun, kurze Zeit nach dieser Gerichtsverhandlung seien Kriminalbeamte in ihre Wohnung gekommen, die sie aus dem Bette heraus auf die Wache holen wollten. Als sie sich anfänglich wei- gerte, mitzugehen, habe ihr der Beamte einen Revolver vorgehalten und sie auf diese Weise gezwungen, ihm zu folgen. Auf dem Revier will sie dann ihre vor dem Richter gemachte Aussage schrift- lich widerrufen haben. Die Folge davon war die jetzige Anklage wegen Meineides. Das Gericht hielt diese Angaben der Angeklagten für so wichttg, daß es zu dem Beschluß kam, weitere Ermittlungen über diese zwangsweise Vorführung anzustellen. Da sich im ganzen Verlauf der Beweisaufnahme eine Mittäterschaft des Zeugen Winke- lius immer mehr zu ergeben schien, wurde dieser auf Antrag des Staatsanwalts sofort verhaftet. Entgegen seinem sonstigen Benehmen ließ sich„Apachenwilli" ruhig abführen und sieht nun mit seiner ehe- maligen„Braut" dem neuen Termin entgegen, in dem er sich als Mitangeklagter zu verantworten haben wird. Das humoristische Flugblatt. Am Sonntag haben die Deutschnationalen versucht, für ihre mißlungene Geschäftsbilanz ein wenig Reklame zu machen. Sie war auch danach. Ein Witzblatt hätte nicht erheiternder wirken können. Soviel Sinn für Humor sollte man den Herrschaften gar nicht zutrauen. Dos ist ein Flugblatt mit lauter Schwindeleien. Sozusagen von A bis Z. Darin aber, wie man diese kleinen Hoch- stopeleien an das Publikum bringt, mtt welcher Naivität die treue schwarzweißrote Seele dem Bürger kommt, liegt die Komik. In diesen rund 200 deutschnationalcn Druckzeilen wird mörderisch ge- schimpft: da spricht man von„der Korruption der roten Bonzen"(die Zitzewitze klopfen auf den Busch!),„von dem Skandal der Paulsen-Löwensteinschen Schulmißwirtschaft", von dem llnsittlichkeitsapostel Koch: das Gesundheitsamt ist„ein Museum für Sittenlosigkeit",„Berge Schmutz liegen in den sonst so sauberen Berliner Straßen"(Bürgerlicher Magistrat, wie wird dir?!) usw. usw. Soviel Humor auf einem einzigen Zettel!-- Aber warum sind sie so aufgeregt, die Biederen? Liegt ihnen das Wahlfieber dermaßen in den Knochen? Wer fo kkakeelt, muß doch höllische Furcht haben._ Tödlicher Strastenbahnunfall. Das leichtsinnige Aufspringen auf einen in voller Fahrt befind- lichen Straßenbahnwagen, hat wieder einen tödlichen Unfall herbei- geführt. Gestern abend gegen X9 Uhr oersuchte ein Mann an der Adlerweiche in Schmöckwitz auf einen in voller Fahrt befind- lichen Wagen der Userbahn hinaufzuspringen, kam zu Fall und geriet unter den Anhänger. Die zur Hilfe herbeigerufene Freiwillige Feuerwehr befrette den Unglücklichen aus seiner entsetz- lichen Lage und schaffte ihn nach dem Köpenicker Kranken- haus. Bei seiner Einlieferung war der Verletzte bereits seinen schweren Wunden erlegen. Bei dem Toten wurde nur ein Zettel mit der Aufschrist Kaufmann Wolf(Berlin) vorgefunden. Eine DchnlentlassnugSfeier. Alljährlich, lm Frühling und im Herbst, veranstaften die Werbe- bezirke der Sozialistischen Arbeiterjugend Schulentlassungsfeiern. Den Auftakt zu den Herbstfeiern dieses Jahres gab der Werbebezirk Kreuzberg mit Unterstützung des Werbebezirks Neukölln im„Etablisse- ment Orpheum" In der Hasenheide. Die Arbeiterjugend hatte ihre Brüder und Schwestern, die erst vor wenigen Tagen die Schulbank verlassen hatten, gerufen. Und sie kamen, einzeln und in hellen Scharen. Die Feier war ein voller Erfolg. Alle Mitwirkenden waren Arbeiterburschen und Mädel, die versuchten, das beste für die Gemeinschaft zu geben. Streichkonzert leitete den Abend ein. Der »Junge Chor" folgt« und brachte aus Wagners Meistersinger»Wacht auf" zu Gehör. Die Ansprache hiell Genosse Felix F e ch e n b a ch. der in packenden Worten die arbeitende Jugend aufsordert, mitzukämpfen, und, wenn es sein muß, das Leben einzusetzen für die Ideale der internationalen Arbeiterschaft. Unter der Regie Traute Neumanns sprach der Sprechchor den„Aufstieg" mit Wucht und Wirkung. Rezitationen, Volkstänze sowie heitere und ernste Schatten- bilder, die in einem Schwur zur alten roten Fahne chren Ausklang fanden, füllten den Abend weiter aus. Des Hamburger Hermann Claudius junger Gesang„Wann wir schreiten Seit an Seit", wieder vom Jungen Chor gesungen, beschloß den Abend, der sicherlich für die Jugend geworben haben wird. Schwere Sauunfälle. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich heute vormittag in der Engelhardt-Brauerei, Ält-Stralau 62. Mehrere Arbeiter waren mit der Errichtung einer Mauer beschäftigt, als aus bisher noch ungeklärten Ursachen die Mauerein st ürzte. Der 40 Jahre alle Maurer Friedrich Uebe aus der Ä d a l b e r t st r. 38 und der Arbeller Rudi Fritz aus der Kantstr. 2 in Lichtenberg wurden von der einstürzenden Mauer erfaßt und schwer verletzt. Mit schweren Schädelbrüchen und inneren Verletzungen wurde Uebe in das Viktoriakrankenhaus Rummelsburg und Fritz in das Lichten- berger Hubertus-Krankenhaus durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes eingeliefert.— Ein weiterer schwerer Bau- Unfall ereignete sich in Lichtenberg in der Prinz-Adalbert- Straße 14. Dort wird die Fassade des Hauses abgeputzt. Der öljährige Arbeiter Heinrich Storsch stürzte, wahrscheinlich infolge von Unachtsamkeit, vom Gerüst und wurde mll schweren inneren Verletzungen in das Viktoriakrankenhaus Rummelsburg übergeführt. Die Eröffnungsfeier öer Humbolüt-Hochfchule. Am Sonnabend abend fand die Eröffnungsfeier der Humboldt-Hochfchule in der überfüllten Aula des Dorotheen- städtischen Realgymnasiums statt. Die Feier war eingerahmt von musikalischen Vorträgen der Orchestervereinigung dieser Hochschule unter Leitung von Gustav Lenzewski. Hierauf sprach Prof. Dr. G r a m z o w über„Die geistige Krise der Gegenwart". In dem interessanten Vortrag zog er Vergleichserscheinungen mit anderen geschichtlichen Epochen und wies auf den ungeheuren Einfluß hin, den die S u g g e ft i o n jetzt im Leben der Völker spiele. Es sei eine W a ch s u g g e st i o n, die eine Ausschaltung des eigenen kritischen Bewußtseins hervorrufe und das gesamte politische und gesellschaftliche Leben beeinflusse. Aberglauben herrsche statt wahrem religiösen Gefühl und das Bedürfnis zu glauben und die Sucht nach Erfüllung der Wünsche zeigen sich in Erscheinungen wie Mhystit, Kurpfuscherei, Gesundbeterei, Spiritismus, Okkultismus und neben anderen vor allem auch in dem Fundamentalismus, der die Bibel als einzige Quelle wahren Wissens ansehe. 2n Deutschland sei es die Vereinigung ernster Bibelforscher, die ähnliche Zustände wie die Fundamentalisten Amerikas erstreben, wo schon in den Schulen und Hochschulen New Porks diese Bestrebungen zum Ziele gelangt seien. Der Aberglaube zeige-sich auch auf politischem Gebiete und'in einer Romantik, die Millionen Menschen den Himmel aus Erden und den ewigen Frieden verspreche. Tie Ausschaltung des kritischen Bewußtseins, die Wirkungen der Wachsuggestion, ließen mimer mehr Vernunft und Wissenschaft verachten und die Wahr- hell hintenanstellen. Die Wiedererweckung des krittschen Denkens, die Beseitigung der Suggestionswirkungen sei auch die Ausgabe der Hochschule. Der sehr interessante Vortrag des Redners brachte freillch in dem Bemühen, die Dekadenzerscheinungen unserer Zeit an Symptomen des Altertums zu messen, Vergleiche, die nicht unwidersprochen bleiben können. Wenn er die Genußsucht der breitesten Bolkskreise im späten Rom heranzieht und darauf hinweist, daß das Volk seinen Boden nicht mehr bebaute und deshalb Ansiedler heranrief, so ist doch der Vergleich mit Deutschland und den polnischen Ar- heitern höchstens ein Zeichen für die Dekadenz des Agrariertums, aber nicht der schwer ringenden deutschen Landarbeiterschaft. Ein- Lichtbildervortrag von Studienrat Schubert über eine Reise der Humboldt-Hochschule durch die Schweiz beschloß den rednerischen Teil des Abends._ Hoheitlicher Qualm. Der Oelser Gutsbesitzer aus der Konkursmasse von Wilhelms Erbschaft macht ja, ganz wie zu regierenden Zeiten, zuweilen in der Oeffentlichkeit von sich reden. Wenn keine Renntips mehr schwarzweißrot zu dekorieren sind und die Zugkraft des rührixen Herrn zum Entsetzen der deutschnationalen Manager bedenklich zu verblassen beginnt, müssen die Propagandachefs der Monarchie auf neue Lockmittelchen sinnen. Es ist nicht leicht, denn selbst dem Lokalanzeiger-Leser beginnt der Urenkel Ottos lies Faulen auf die Nerven zu fallen. So kursiert augenblicklich, von irgendeiner Winkelfirina in Vertrieb gebracht, eine„Kronvrinz-Wil- helm-Zigarette", die ebenso geschmacklos wie ihre Benennung ist. Der letzte der Hohenzollernmohikaner und seine Ausfrischungs- künstler stehen merklich auf verlorenem Posten, wenn sie mit solch kindlichen Scherzen den großen Schutthaufen der Monarchie zu restaurieren gedenken!__ llntersagung des Handels mit Fleisch und Flcischwarcn. Im Kampf gegen die Preistreiberei auf dem Fleischmarkt hat der Polizeipräsident auf Grund der Verordnung über Handelsbeschränkungen vom 13. Juli 1923 einem Fleischermeister in Berlin-Friedenau den Handel mit Fleisch und Fleischwaren wegen Unzuverlässigkeit untersagt. Der Fleischermeister hatte das Pfund Filet von Gefrierfleisch für den ganz außergewöhnlich hohen Preis von 1,80 M. verkauft, obgleich der Verkaufspreis nach den Feststellungen der Preis- Prüfungsstelle h ö ch st e n s 1, 2 0 M. für das Pfund bettagen durfte. Ein Dachstuhlbrand brach in der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr bei der Metallwarenfabrik von Rolenberg u. Söhne auf dem Grund- stück Kottbuser Ufer 8 aus. Die Feuerwehr bewältigte ihn mit drei Löschzllgen in zweistündiger Arbeit. Nach den Ermittlungen der Brandkommission der Kriminalpolizei ist das Feuer wahrscheinlich auf Fahrlässigkeit zurückzuführen. Vorsätzliche Brand- st i s t u n g liegt nicht vor. Der Artikel„Moderne Schulpolitik in Neukölln" in der heutigen Morgenausgabe(Stadtbeilage) enthält mehrere sinnentstellende Fehler, die der Leser gewiß schon selbst berichtigt hat. In der 18. Zelle muß es statt„Demokraten" heißen:„Dezernenten". Neue Neichspost-Autolinien. Die Reichspost hat auf der Strecke Teltow— Zehlendors einen Autobusvcrkehr eingerichtet. Die Wagen verkehren vom Ruhlsdorfer Platz in Teltow bis zum Bahn- Hof Zehlendorf-Mitte. Außerdem fahren Postautos vom Ruhls- dorfer Platz in Tellow zum Bahnhof in Tellow., Der Verkehr ist bereits am 10. Oktober aufgenommen worden. Spirilnsfchicbungen in Neiße. Umfangreichen, langfristigen Spirllusschiebungen ist man in Neiße auf die Spur gekommen. Wegen Vergehens gegen das Branntweinmonopolgesetz wurden verhaftet der langjährige Buchhalter in der Spiritusabteilung der Gießmannsdorfer Fabriken, Paluschkiewicz, ein Zollinspektor, ein Obersekrctär und die Inhaber der Pharmazeutischen Fabrik Pinkus u. Scheper. Diese Firma stand schon einmal wegen dieses Verdachts unter Polizeiaufsicht. Beginn: Montag, 0.12.Okiober ubiläum 25 Kleiderstoffe Bei unseren großen Einkäufen für diesen Jubiläums- Verkauf sind uns von unseren Lieferanten außergewöhnlich Velours de laine: 440 modernst. Karos u. Frette- Kansiseide 250 S.reifen. Popeline in Mtr. vielen Farben Farben 235 Mtr. 3.90 Gabardine 180 cm br. Mtr.7.50 RIGS 100-130 cm breit, Mtr. 6.95 395 elegante Ware. 460 für Kinderkleider, Sciotten mod Steilg, Mtr.1.4595PL. Wolle. Crepe marocaine 495 Muster... Mtr. Seidenstoffe und- Streifen Tall- Schotten 85cbr., Mir. in Schwarz 575 Creme de Chine und fartig. 650 guie Qualität, 98 cm breit, Mtr. für Damast- Halbselde Mantel- 225 and Jackenfutter, 84 cm br. Mtr. Velours- Chillon breit. Mir. ca. 100 cm 1350 schwarz und Koper- Veivel farbig. 70 cm 595 breit für Schirme for Herren und Damen. für Herren und Schirme Damen Halbseid. Mtr. Im Erfrischungsraum: Sahne 490 690 Bohnenkallee a 20 Pt. Torte mit Sahne.. 45 Pt. Wadbeutel m.Sahne 25 PL Am 10. Ottob. verftarb meine innig geliebte Frau und herzensgute Mutter Berta Hagen Um stilles Beileid bitten Hermann Hagen und Tochter. Die Beerdigung findet am Mittwoch, Den 14. Ditobe, nadm. 2% Uhr, auf bem Neuköllner Friedhof, Mariendorfer Weg, statt. 99 Slegmund Flatows FLORA" Schöneberg, Hauptstraße 144 Täglich 8 Uhr: = 11 erstklassige= Varieté- Attraktionen Volkstümliche Preise Sonntags 4 Uhr: Kleine Preise. Alle 15 Tage neues Programm. Beginn: Montag, 0.12. Oktober 25 erkas Herren- Konfektion| Damen- Konfektion Herren Jacketfanzug 3500 Schottenkleid Vorrat 80 a. haltb hev otstoff 48.Herren- Uster mit Gut sus gutem Stoff und Falte 49.krag., aus 32co Winter- Paletet mit SamtMareng- Chevio'st. 2rh. 60.- 5500 Original- Kiefer- Anzug für 3 Jahre 2Jede weitere Gr 1.50 mehr a moll Stoffen 1950 Knaben Mäntel 1250 Oberhemd 1w.Kig 6.75 Oberhemd Zephir, dopp, Faltenbrust, 790 weiß, m. prima Oberbend Pikee- Einsatz. für 3 Jahre. 19.50, 15.Perkal, 1 steif. 590 1 steifer u. 1 weich. Kragen steife od. Klappmanschetten Selbstbinder in den neuesten Farben 1.35 790 85 PL. $ 25 pfeph sow. in vielen Eolienne- Kleid en 1975 herrenm. 975 Wintermantel Velours- de- laine- Mant. verarbeit. Pelzkragen u. Mansche.ten Mantel 3950 aus reinwo lenem 1475 Flauschstoff ... Schürzen Jumperschürze gestr. 90 Pt. Jumperschürze gestreift, 190 Jumperschürze geblümt. 145 Rockscharze schwer. Panaweite Form ma, zum Kröpfen 375 Weißwaren Bubikragen, es 48 P. Apachensdials reine Seide 65 modernste Muster... 5.90 475 Wäsche Taghemd Motiva.Stickerei 275 träger. Stickerei, Windelform, reich 390 Hemdhose garn, m Stickerei u. Hohls.- Garn. Nachthemd half im.Stick. 475 m breit.Sticke- 360 Prinzekrock rel- Volant.. 1 Posten Bam.- Leder- Handschobe ganz gesteppt, streng moderne Farben, Paar nur 3.90 günstige Vorteile in bezug auf Preise gewährt worden, die wir restlos unserer Kundschaft zugute kommen lassen Stickereien in nur guter Ausführung Wäsche- Stickerel Auto in Stücklängen v. 2.30 Mtr 48 PL. Ton 125 do. 4,10 Mtr... per Stück per Stück 1.25 0.75 in Stück ängen Schuhwaren Brokat- Spangenschuh 1850 Silber, Absatz Louis XV.. Absatz Louis XV. Spangenschuh whwarz, 1750 für Leder- Niedertreter fur Damen, warm. Futter, biegs. 350 Ledersohle mit Pompon, 3.50 für Leder- Hausschuhe Dam warm Futt, biegs.Ledersohle, 390 feste Hinterkappe... 4.25 Unsere Jubiläums- Präsente Wir verabfolgen bei einem Einkauf von 5.- M. und mehr 1 vernickeltes Tablett, bei einen Einkauf von 10. M. und mehr nach Wahl entweder 1 Wachstuchdecke( als Wandschoner benutzbar) oder 1 cmaillierten Brotkorb. Neukölln Geschäfts 3 abilamm derma Sagoseph& Co 1900 1925 H.Joseph& Co. Neukölln Küchen Riesen Auswahl, enorm preiswert! roh emailliert 85 M. 130 M. 95 M. 150 N. . 150 M. 215 M. 55 M. Anrichte- Küche Gerty. Anrichte- Rüche Maria. Anrichte- Küche Bremen Kleiderschränke, 90 cm... 38 M. Küchenmöbel- Fabrik Laserstein, Luckauer Straße 1 Ecke Oranienstr., nahe Moritzplatz Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst: 3861 Sind Sie krank? So beachten Sie unsere, an 500 000 Berliner Familien gratis zur Ablieferung gelangende 80 Seiten starke Broschüre: Herbakalaja, eine neue Richtung in der Heilkunst. Das Büchlein ist in kranken und gesunden Tagen ein Hausschatz für jede Familie Machen Sie einen Versuch mit den durch ihre auffallende Wirkung schnell bekannt gewordenen Herbakalaja- Tabletten, der erfolgreichen biochemischen Kräuterheilmethode Erhältlich in allen Apotheken, wo nicht, erfolgt Nachweis durch uns. HerbakalajaHeilmittel- Vertrieps.G. m. b. H. Linkstr. 11, V:: Telephon: Lützow 8652. Oliva 6991. Herren- Stiefel echt Boxrind Größe 40-46 90 7.9⁰ Knabenstiefel Größe 36 39...... 8.90, 9.40 590 Dezimalwagen Tafelwag., Gewichte, Billigste Preise. Großes Lager Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Rein Ladengeschäft Keine SchaufensterReklame, dafür wesentl.billigere Preise Inferieren bringt ERFOLG! Unsere Leistungsproben: Fescher Glocken- Mantel aus Velours- Mouliné wie Abbild. mit Pelzkragen 45.Seal- Plüsch-Mäntel auf gutem Damast von 85.an Imit. Biberette- Mäntel auf gutem Futter von 59.an Der Geldknappheit Rechnung fragend, Zahlungserleichterung gestattett Uskcur யார் Extra- Abteilung für Trauer- Bekleidung Wollburg BERLIN N+ BRUNNENSTR.56 u.57 51/55 Leinenwaren solide Qualität, 68, Renforcé Meter, 58 Pr Mako- Renforcé 80 cm br.. gute Qualität.. Mtr. 85 PL. gute Qualität, 130 cm breit 2.30, 80 cm breit Bettsalin Bettbezüge aus gutem Linon, ohne Nant, Kopfkissen 1.75 und mit farbiger Kante, mit kl Schönheitsfehlern.. von 85 Pf. bis HalbFrottébanditicher glattweiß 145 675 190 Jacquard- Tischluch leinen, 3.90 120X150 .. 4.75, 120 x 135 Gardinen u. Decken Eleganter Halbstore Etamine mit Volant Künstler- Garnitur Steilig, engl. Tüllgewebe. Etamine, 490 690 Scheibenschleier reich ver- 120 arbeitet, mit u.ohne Volant, Paar Etamine- Halbstorem.breit. Fries und Volant. Steppdecke doppelseitig. Satin, Handarbeit, 150x200 Steppdecke doppels. Satin, mit Wollfüllung, 150 X 200 165 1950 2750 Im Erfrischungsraum: m. Mayonmit Bock warst 45 PL Italien. Salat Bot. 40 PL Salat- Brötchen..15 PL UNION Kredit an Jedermann bis zu 12 Monaten bei ganz geringer Anzahlung Herrenzimmer, Speisezimmer, Schlafzimmer, weiße und bunte Küchen, Kleider- Schränke, Vertikows, engl. und Metallbettstellen, Sofas, Ruhebetten usw, Fahrgeld wird vergütet Möbel- u. Waren- Kredit- Haus UNION G.m.b.H. Berlin N, Elsasser Str. 39( a.Oranienb.Tor) Besonders Billig guter Ware Wi bringen infolge unseres Preis Abbaues wiederum eine Reihe ganz besonders billige Angebote. Von unseren 500 Sorten Damen-, Herren- und Kinder- Schuhen hier nur wenige Beispiele: 75 273 für Damen, Kragen u. Niedertreter für Damen, dicke Filz- u. Ledersohle Warme Hausschuhe karierter Stoff, Orig.- Goodyear- Welt 1250 ROSS Herren Stiefel, mod. Form. Herren- Halbschuhe braun, Boxrind, Rand weiß gedoppelt 98⁰ sowie schwarz. Luxus- Straßenschuhe in verschiedegen Formen u. Ausführungen 11.90, 13.90, 16.80 9.80 DETAIL 125 Kinderstiefel und Kamelhaarschuhe billig! Schuh- Lokal Münzstr.25/ Kottbuser- Damm 13 Frankfurter- Allee 54 BEHAND wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des„ Vorwärts" und Echt Louis- XV.- Absatz mit verschied. farbig. Verzie. rungen, hochelegant, gutes Material 90 urd Fabrikat billig! Damen- Schnürschuhe 590 echt Chevreau u. R'Chevreau, mod. Form. 6,90 Damen- Spangenschuhe echt Boxkalf, R'Chevreau u. echt Chevreau, braun u. schwarz, gute Qualitäten. 7,90 6⁹⁰ 7.9⁰ Orig. Goodyear- Welt 90 Spangen- u. Schnürschuhe, echt Chevreau, moderne Formen 36-39. Lack- Spangen- und Schnürschuhe echt Louis XV. u. amerik. Absatz, mod. Formen 11,90 Hochaparte Luxussachen in Lack, Brokat, Wildleder, in den neuest.. Zusammenstellung. 13,80 14,80 16,80 9.80 1100