Nr. 485 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 247 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic 3. Reichsmark voraus zahlbaz. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit ber Gonntags beilage Volt und Reit" mit Gied luna und Kleingarten" fowie dez Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal reffe. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin til ali slamnaluld timele 12340 yilgid Ji ofalangelo didila and Denizli ni hod Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt d 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamescile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 25 Vfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wert 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Pfennig. 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Die Voraussehung für eine ersprießliche Aussprache ist danach gegeben, hinzu kommt die Tatsache, daß Chamberlain mit allgemein anerkannter Aufrichtigkeit und Geschicklichkeit die Rolle des Vermittlers spielt und darin von Bandervelde vortrefflich sekundiert wird. Man glaubt, einen Weg gefunden zu haben, um bei Abschluß des Sicherheitspattes bekannt geben zu fönnen, daß die Räumung der Kölner zone eine befchloffene und bevor stehende Tatsache ist. Größer find die Widerstände gegen feffe Verabredungen hinfichtlich des künftigen Befagungsregimes der befezten Gebiete, der Abkürzung der Fristen, der Borlegung des Plebiszits im Saargebiet usw. Hier erklären nicht nur die Franzosen, fondern auch die Engländer, daß sie Bindungen nicht eingehen werden und sie fträuben sich sogar gegen Erklärungen nach Art derer, mit denen in London seinerzeit die Räumung der drei Rheinhäfen in Aussicht geftellt wurde. Es heißt aber, daß Deutschland wenigstens wertvolle moraliiche Zusicherungen auf diesem Gebiet gemacht werden wurden. Es ist davon die Rede, daß die alliierten Minister verfprechen würden, nach der Unterzeichnung des Pattes bei der Begründung der Berträge vor den parlam nten dort Ertlärungen abzugeben, in denen die Rüdwirkungen diefes historischen Geschehens in Locarno auf das günstige Schidial der besetzten Gebiete als selbstverständliche Konsequenz bezeichnet würden. V. Sch. Locarno, 13. Oftober.( Eig. Drahtber.) Je mehr sich die Stunde nähert, in der die deutschen Delegierten ihre Unterschrift unter die vorläufigen Abmachun gen werden sehen sollen, desto größer wird die Spannung. Ein Symptom diefer Spannung ist die bligartige Berbreitung eines Gerüchts, monach Briand von einer Krise der Konferenz" im Zusammenhang mit der von Luther und Stresemann vorgetragenen Wunschliste Deutschlands hinsichtlich der Entwaffnungsforderungen, der Räumung der Kölner Zone, der Milderung des Besatzungsregimes gesprochen hätte. Dieses Gerücht erwies sich als völlig unrichtig. Daß diese Konferenz feine Krise durchmacht, darf auch aus der Plenarsizung, die um 5 Uhr stattfand, geschlossen werden. Gewiß, es gibt Schwierigteiten. Tschechen und Polen wünschen obligatorische Bolen wünschen obligatorische Schiedsgerichtsverträge, Deutschland nur Berträge nach dem Muster derer, die es schon mit Finnland und der Schweiz abgeschlossen hat und die nur für juristische, aber nicht für politische Streitfragen die Gerichtsbarfeit mit allen Konsequenzen vorsehen, also lezten Endes die Möglichkeit von Gewaltanwendung, wenn auch nicht ausdrückSchwere Strafen in Grevesmühlen. Ein empörendes Tendenzurteil. Grevesmühlen, 13. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Im Grevesmühlener Reichsbannerprozeß wurde am Dienstag nachmittag das Urteil verkündet. Sämtliche Angeklagte wurden für schuldig befunden und folgende Einzelstrafen verhängt: Kühn 1½ Jahre Gefängnis, Frau Schmedemann 1 Jahr Gefängnis, Hermann Arndt 9 Monate Gefängnis, Emil Arndt 4 Monate Gefängnis, Paffow 3 Monate Gefängnis, Bant 5 Monate Gefängnis, kraßmann 5 Monate Gefängnis, Gnaß 5 Monate Gefängnis, Hennig 8 Monate Gefängnis, Schulz 5 Monate Gefängnis, Darrmikel 4 Monate Gefängnis, Klenz 4 Monate Gefängnis, Roop 4 Monate Gefängnis, krufchle 1 Monat Gefängnis, Persen 4 Monate Gefängnis, Schütt 4 monate Gefängnis, insgesamt 7 Jahre 10 Monate Gefängnis. Gegen das Urteil ist sofort Berufung eingelegt worden. Dieses Urteil wird fein ehrlicher Mensch in Deutschland objektiv nennen! 3wanzig bewaffnete Roßbach- Leute fallen über Arbeiter her, die aus einer Wahlversammlung nach Hause ziehen. Sie geben Schüsse ab, sie teilen Prügel aus. Die Staatsanwaltschaft flagt nicht die bewaffneten Roßbacher, fondern die Ueberfallenen des Landfriedensbruchs an! Untersuchung und Prozeßführung waren der Anklage mürdig! Das Gericht hat die Angeklagten verurteilt zu hohen Freiheitsstrafen! Niemals ist eine Anklage leichtfertiger erhoben worden! Selten hat ein Gericht so unverhüllt aus politischem Haß gegen - Zugeständnisse an Deutschland. Schwierigkeit liegt u. a. darin, daß Skrzynski und Benesch lich erwähnt, so mindestens stillschweigend offen lassen. Eine gleiche Berträge mit Deutschland abschließen möchten, während die psychologischen Boraussetzungen auf deutscher Seite gegen über beiden Staaten nicht ganz die gleichen sein dürfen. Man hofft jedoch durch ein Kompromiß die Schwierigkeiten über brüden zu fönnen. Die Nachmittagsfizung der Konferenz sollte den Beweis dafür erbringen, daß von einer Krise gar feine Rede sein tönne. Auch das offizielle Kommuniqué fagt, daß die Arbeit wesentliche Fortschritte zur Einigung gemacht hat. Es handelt sich eigentlich schon um eine britte Lesung, die die endgültige Zustimmung aller Beteiligten zu den meisten Punkten des Baktentwurfes ergab. Die deutsche Fassung des Kommuni qués fagt zwar, daß einige Punkte noch zurückgestellt wurden, die englische Fassung jedoch spricht von wenigen Punkten. Das gilt nur insofern für den Artikel 16, als die Delegierten über eine ausgearbeitete Kompromißformel einig sind, zu der aber noch die Zustimmung des Reichsfabinetts abgewartet werden muß. Vor allem aber bezieht sich die Wendung auf die Garantie für die Ostverträge, die noch von den Juristen bearbeitet werden und deren endgültige Gestalt aud) von einer vorläufigen Einigung zwischen den Delegationen von Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei abhängig ist. Zur Frage der Unterzeichnung erklärte nur der Jta Liener, mit legten Vollmachten versehen zu sein. Die andern wollen, bevor sie Endgültiges geben, mit ihren Gefamifabinetten und Barlamenten Fühlung nehmen. Um mehr als eine Formalität dürfte es sich dabei jedoch nicht handeln. Augustaner- Feier und Paktkonferenz. V. Sch. Locarno, 13. Oktober.( Eigener Drahtbericht). Die Nachrichten aus Berlin über die monarchistische Kundgebung am Sonntag haben bei den alliierten Delegationen wenn auch nicht beunruhigend, so doch verftimmend gewirft. Sie tamen gerade in einem Augenblic, wo die Unterhaltungen über Entwaffnung und dergleichen ein befor deres Maß von gegenseitigem Bertrauen erforderlich gemacht hatten. Wieder einmal ist durch die Nationalisten unter Teilnahme des Reichspräfidenten und der Reichswehr an dem Rummel die Stellung der deutschen Delegation empfindlich erschwert. Kempners Berichterstattung. Staatssekretär Kempner ist zur Berichterstattung über das Ergebnis der Verbandlungen der Konferenz am Dienstag abend um 9 Uhr in Berlin eingetroffen. Gleich darauf fand eine Minister besprechung statt, in der Kempner seinen ersten Bericht erstattete. Mittwoch wird der Staatssekretär den Reichspräsidenten ins Bild feßen. Voraussichtlich wird der Staatssekretär auch den Führern der großen Parteien Kenntnis geben von dem, was die deutsche Delegation in Locarno erreicht hat. Die Besprechung der Minister dauerte in später Abendstunde noch fort. die Republik und ihre Anhänger ein so offenfundiges politisches Tendenzurteil gefällt. Dies Urteil ruft die gerechte Empörung aller rechtlich Denkenden hervor. Es ist eine Selbstentlarvung einer parteipolitisch eingestellten Justiz. Die Verhandlung in zweiter Instanz wird der Berteidigung Gelegenheit geben, die Methoden der mecklenburgischen Tendenzjustiz vor der ganzen Deffentlichkeit an den Pranger zu stellen. Es ist wahrlich kein Wunder, daß in einem Lande, in dem die Justiz wider Recht und Gerechtigkeit die Landfnechtsbanden der Roßbacher beschirmt und in ihrem Terror gegen die Bevölkerung fördert, diese Banden immer noch ihr Unwesen treiben fönnen. Mecklenburg, daß von einer stodreaktionären Rechtsregie rung regiert wird, erfreute sich bisher des Rufes, das Land der Fememorde zu sein. Es muß jetzt noch den traurigen Ruhm hinzunehmen, eine politische Tendenzjustiz schlimmster Art zu befizen. Der Kreis der Fememörder. Neue Verhaftungen. Korrespondena BS. meldet: Diplomingenieur Dr. Kurt Stantien wurde in feiner Wohnung in Dahlem von Beamten der Abteilung IA festgenommen. weil er der Mitwisserschaft an dem Fememord Bannier und der Begünstigung verdächtig ist. Stantien, der selbst einige zeitlang Angehöriger einer fchwarzen Fahrabteilung war, hatte nach der Auflösung aller diefer Formationen dem stedbrieflich verfolgten Oberleutnant Sula einige Beit Unterschlupf gewährt. Schulz wohnte dort unter dem Beudonym„ Dr. Schneider" und fonnte auf diese Weise lange versteckt gehalten werden. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Poftichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafse Lindenstr. 3. Neuhaus blamiert sich. Das Zugeständnis an Italien ein Rechtsbruch der Regierung. In der Industrie kriselt es nicht nur wirtschaftlich, auch der Fraktion und der Reichsregierung die Verarbeitungspolitisch. Deutschnationale Vereine orohen mit der Abkehr von ihrer Partei, weil die Zoll- und Handels politik industrien in ihrer Eristenz erschüttern. Der letzte Bericht des Bereins deutscher Maschinenbauanstalten, den wir gestern wiedergaben, ist nichts als ein Aufschrei der Empörung über die Unfähigkeit eines Kabinetts, dessen Träger die Industriewiedergaben, ist nichts als ein Aufschrei der Empörung über verbände sind. Eine Stimmung, die on Rebellion grenzt, herrscht in weiten Kreisen der industriellen Berarbeiter, auch wenn man mit öffentlichen Protesten noch vorsichtig ist. „ Herr Luther hat sich Deutschlands größten Kopf für seine Wirtschaftspolitit ausgesucht, aber nicht vorher nachgesehen, was drin ist" dieses Wort, das unter Industriellen kursiert, fennzeichnet geradezu die Stimmung derjenigen Kreise, die hofften, mit ihrer Zustimmung zur Polilit des Herrn Neuhaus ihrer Ware den Weg zum Weltmart zu öffnen, jest aber sehen, daß ein Staat nach dem anderen seine Grenzen gegen deutsche Fabrikate sperrt, weil die Führung der deutschen Handelspolitik versagt. Tatsächlich ist der Wirrwarr, der in der deutschen Handelspolitik eingetreten ist, nicht mehr zu überbieten. Um ja schleunigst eine Grundlage für Handelsverträge" zu haben, wurde die Zollvorlage durchgepeitscht, wurde eine starke parlamentarische Minderheit ihres Rechts beraubt, eine sachliche Diskussion im Reichstagsplenum abgeschnitten. Zwei Monate nach diesem in der Geschichte einzig bastehenden Gefeßgebungsatt ist man beim Abschluß von Handelsverträgen nicht vormärts, sondern rückwärts geschritten. Bon Tarifverträgen ist einzig das deutsch- belgische Abkommen perfekt. Was der Vertrag mit Rußland der deutschen Wirtschaft von den erwarteten Borteilen wirklich bringen wird, ist bei der komplizierten Organisation des russischen Außenhandelsapparates nicht leicht vorauszusagen. Sunächst erfordert seine Ausführung die Bereitstellung von Krediten, die der deutschen Produktion an anderer Stelle fehlen werden. Aber abgesehen von den kleinen und in ihrer Wirkung noch durchaus nicht zweifelsfreien Fortschritten hat die deutsche Außenhandelspolitik nichts als Mißerfolge aufzuweisen, die uns in der Gestaltung unserer Handelsbeziehungen zurückgeworfen haben und unsere Exportindustrie mit schwerer unmittelbarer Gefahr bedrohen. Seit mehr als einem Jahr verhandelt man mit Frankreich. Das ganze Ergebnis ist bislang ein fauler Waffenstillstand, von dem man froh sein muß, daß er nicht zum offenen Handelsfrieg ausartet. Für die Berarbeitungsindustrien jedenfalls ist der französische Markt gesperrt durch die hohen franzöfifchen 3ölle. Die deutschen Unterhändler haben bisher ihre Herablegung nicht erwirten fönnen. Im offenen 3ollkrieg steht Deutschland mit Polen. Kein Mensch gibt sich darüber Illusionen hin, daß er trotz mehrmonatiger Dauer innerhalb furzer Zeit beigelegt werden könnte. Andere Länder nehmen bereits eine mehr oder minder drohende Haltung ein. Der Handels= frieg mit Spanien ist durch das schimpfliche Kom promiß, das das Kabinett Luther mit den Deutschnationalen abgeschloffen hat und das die Kündigung des deutschspanischen Vertrages zum 16. Oftober vorsicht, in greif bare Nähe gerückt. Der vertragslose Zustand mit Spanien allein bedeutet die Anwendung dreimal so hoher 3ollfäße gegen die deutsche Ware als bisher. Der nächste, der nun mit einem Konflitt droht, ist vorläufig einmal für vierzehn Tage mit einer Beruhigungspille abgespeist worden. Man will ohne jede Rechtsgrundlage die ermäßigten 3olljäße des spa. nifchen Tarifs auf Italien anwenden, um den Zollfrieg mit diesem Land zu vermeiden. Ein anfechtbarer und denn er beseitigt nicht einmal sehr geistvoller Auswegnicht die neuen Sorgen, die dadurch entstehen, daß auch die Türkei und Portugal durch die Aufhebung des spanischen Vertrags vor den Kopf gestoßen sind und jedenfalls eine Neuregelung ihrer Beziehungen zu Deutschland suchen werden, wobei man durchaus noch nicht weiß, ob die Regierung Luther dabei nicht wieder den türzeren ziehen wird. Alles in allem: Anstatt erwarteter Freiheit der Weltmärfte, Sperrung der wichtigsten Auslandsstaaten gegen deutsche Einfuhren. Das fann ben wildesten Reaktionär nervös machen. Der Schuß der nationalen Arbeit ist eine schöne Sache, wenn aber darüber der Erport völlig ertötet wird, so geht es an den Profit. Zugleich geht es jedoch auch gegen die Beschäftigungsmöglichkeit der Arbeiterschaft. Denn ohne Absatz raucht fein Schlot, und ganze Industrien sind vom Export abhängig. Das Tohuwabohu, das bei einer Fortdauer dieses Rampfes über die deutsche Wirtschaft hereinbrechen muß, ist nicht abzusehen. Welches sind die Ursachen des Mißerfolges?- Bon rein schwerindustriellen Intereffen geleitet, hat der Reichswirt fchaftsminister Neuhaus schon die Zollpolitik vorwiegend auf die Wünsche der Roh- und Halbstoffindustrien eingestellt. Rücksicht auf die Eisenindustrie hat ihn daran ge hindert, in einem Handelsvertrag mit Frankreich das weichin sichtbare Zeichen handelspolitischer Verständigungsbereitschaft aufzurichten. Rücksicht auf die vom Landbund aufgeputschten Weinbauern hat die Berhandlungsmöglichkeit mit Spanien zerschlagen und den lebenswichtigen Export nach Spanien vernichtet, der uns den Absatz von Industriewaren im Werte von mehreren hundert Millionen Mark jährlich sicherte. In allen Unterhandlungen mit fremden Staaten hat sich die Reichsregierung, statt selbst Führer zu sein, von ihren inter- essierten Sachverständigen führen lassen. Das Fiasko ist nur die Quittung für die konzentrierte Unfähigkeit und Ohnmacht der sogenannten Fachmioister. Typisch für das Schuldbewußtsein der verantwortlichen Regierungsstellen ist der Ausweg, den man gewählt hat, um nicht Italien auch noch in den Zollkrieg gegen Deutschland hineinzutreiben. Bekanntlich sieht der spanische Handelsvertrag eine Reihe von Zollherabsetzungen besonders für Obst und Weine vor. Wegen des niedrigen Weinzolls mußte — so wollte es deutsche Demagogie— der spanische Vertrag gekündigt werden. Italien zog aus den niedrigen Weinzöllen ebenfalls Nutzen, da es die Meistbegünstigung genießt. Es fühlte sich daher durch die Beseitigung des spanischen Ver- trags in seinen Interessen bedroht und drohte nun seinerseits, auf das Abkommen mit Deutschland zu ver- sichten. Die deutsche Regierung nun bot als Beruhigungs- pille den Italienern an, für vierzehn Tage, nämlich bis zum Monatsende, die im spanischen Tarif vorgesehenen er- mäßigten Zollsätze gegenüber Italien aufrecht zu erhalten. Die deutschen Weinbauern, denen ab 16. Oktober der Schutz vor der Konkurrenz fremder Weine hoch und heilig versprochen worden war, haben nun den Trost, daß sie statt mit spanischen mit italienischen Weinen konkurrieren dürfen. Aber das Vorgehen der Reichsregierung fft nicht nur ein Wortbruch, es ist ein krasser Rechtsbruch und zwar ein Bruch des Rechts, das die Re- gierungsparteien unter Vergewaltigung jeglicher Oppo- sition selbst geschaffen haben. Tritt der spanische Vertrag außer Kraft, so ist den Zollermäßigungen aus Südfrüchte und Obst die gesetzliche Grundlage entzogen. 8 8 des Zoll- zesetzes sieht zu allem Ueberfluß und unter Einschränkung der dem Reichsfinanzminister auf anderen Gebieten gegebenen Vollmachten ausdrücklich vor, daß die erhöhten Wein- zolle f p ä t e st e n s am 16. Oktober in Kraft treten! Wenn also noch das Wort Gesetz irgendwelchen Sinn haben soll, so kann es doch nur der sein, daß die Re- gierung an das von ihr erlassene und vom Parlament ge- billigte Gesetz gebunden.ist. Dann aber ist das Vorgehen der Rsichsregierung ein Rechtsbruch. Will sie legale Zollermäßigungen in Kraft setzen, so hat sie auch dazu die Mogllchkeir gemäß 8 Zu des neuen Zollgeketzes. Danach kann die Reichsregjerung im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses mit Zu- stimmung des Reichsrats und eines Ausschus- fes des Reichstags Zölle abändern. Davon, daß eine Einberufung dieser gesetzgebenden Körperschaften geplant wäre, ist nichts bekannt. Um so mehr müssen wir sie fordern, nachdem sich die un-wahrhastige und unfähige Handelspolitik der Rechts- regisrug zu einer Gefahr für die gesamte Pro- duktion und für den Arbeitsmarkt auswächst. > Das Enüe öes Skandals. Die Beschlüsse des Barmat-AusschusseS. Berge haben gekreist— ein winziges Mäuslein wurde geboren. Wenn man die Beschlüsse ansieht, die der Na r m a t» Untersuchungsausschuß mit großer Mehrheit— auch mit den Stimmen fast der gesamten Rechten — gefaßt hat. wenn man sie vergleicht mit der nervösen und überreizten Stimmung der mehr als S6 Ausschußsitzungen, wenn man sie mißt an dem sensationellen Korruptionsgeschrei Märkische Keramik. Im Lichthof de» Staatlichen Kunstgewerbe. mufeums veranstalten die keramischen Betriebe der Mark Brandenburg eine Ausstellung, die eine gute Uebersicht über die Entwicklung dieses kunstgewerblichen Zweiges gibt. Die Entstehung der märkischen Töpferei reicht bis zum Mittelaller zurück. Durch die Einführung der aus Italien stammenden Faysncetechnik erlebte die Mark um die Wende de» 17. Jahrhunderts ein Aufblühen ihrer Keramik. Die siinzunahme des edelsten Materials, des Por- zellans, dessen Rohstoffe allerdings eingeführt werden mußten, be. deutete für die märkische Keramik eine glückliche Ergänzung und ver. schaffte ihr im In- und Auslande erhöhte Bedeutung. Die Versuche der Kunstfreunde, das für unsere Bolkskultur so wichtige Kunst. gewerbe veredelnd zu befruchten, führten nach dem Kriege zu einer erfreulichen Aufwärtsentwicklung der märkischen Keramik, besonders der Fayencesabrikation. Aus den emstigen Töpfereien sind nun moderne Betrieb« geworden, die auch in unserem Wirtschaftsleben einen wichtigen Faktor bilden. Der Hauptsitz der bodenständigen Keramik ist Velten, aus den vielen dortigen Betrieben ragen be. sonders die.Steingutfabrik Velten-Vordamm" und die.Ofenfabrik Blumenseld A.-G. hervor. Diese beiden Firmen bilden mit der Porzellanmanusaktur den Kern der Ausstellung. Ein Kranz kleiner Betriebe oder einzelner Keramiker schließen sich würdig an. Die von dem Museum in Vellen zur Verfügung gestellten älleren Erzeugnisse regen zu interessanten Vergleichen an. Wer diese Ver- gleiche nach erweitern will, findet im selben Gebäude eine Sammlung alter asiatischer und vorgeschichtlicher Keramik. Die größeren Betrieb« verfügen über einen ganzen Stab von .Künstlern und Künstlerinnen. Das wird erkennbar in der Vielseitig. keit des Schassens. Der liebe Kachelosen hat sich den neuen Anfor- derungen an Form und Schmuck unterwerfen müssen— zu seinem Vorteil. Das Modegewand, das ihm spürsame Hände geben, bewahrt durchaus das Anheimelnde, dos wir am guten alten Kachelofen so lieben. Gerade am Ofen, der doch einen festen Bestandteil jeder Wohnung bildet, haben sich in der hinter uns liegenden Epoche die Hausgrcuelproduzenten oft schwer versündigt. Hier erwerben sich die genannten Werke zweifellos Verdienste. Aber auch andere, wie Krause-Velten und Lindner-Berliiz besonders aber die Genossen. schast.Gildenhall' in Neuruppin bringen gediegene Stücke. Dem verantwortungsbewußten Bauwesen obliegt die Pflicht, diese Er» schernungen zu beachten. Reichhaltig ist besonders die Fnyence-Kleinkunft. Künstler wie Unger, Schnitzer, Koch, Kulemann, Hgrkurl und Mutter, um nur einige zu nennen, ragen besonders hervor. P o t t n e r er- weist seine Fähigkeiten als vielseitiger Tierplostiker, dem auch gute farbige Wirkungen gelingen, aufs neue. Die Entwürfe der Malerin Murach zeigen reiches Ausdrucksvermägen, sind aber kaum dem Por- zellan verträglich. Die Fayence g es chirrerzeugung bringt manch' Eigenartiges und Gutes in Fonn und Bemalung. Jedoch wird der heutige Kulturmensch im allgemeinen hier das ansprechendere Por- zellan bevorzugen. Auch die Preisunterschiede werden dieses durch die Entwicklung bedingte Vorurteil nicht beseitigen.— Interessant sind auch die Arbeiten der Fachschule Bunzlnu, der Handwerkerschule Beriin O, ferner die Schüler» und Kinderarbeiten der Steingutfabrik der Rechtspresse, so ist eins unwiderleglich klar: mit diesen Beschlüssen ist die monatelang betriebene Barmat-Hetz« völlig zusammengebrochen. Steht doch im Mittelpunkt dieser Be- schlüsse die Feststellung: ... daß bei der Gewährung der Staatsbankkredite an die behandellen Konzerne im politischen Leben stehende Personen sich direkte oder indirekte Vorteile nicht verschafft haben. Was will es demgegenüber besagen, wenn im Anschluß hieran einigen Politikern— unter ausdrücklicher Zuerkennung ihres guten Glaubens und ihrer persönlich lauteren Motive — unvorsichtiges Verhallen in einem Einzelfall oder nicht genügende Zurückhaltung im privaten freundschaftlichen Verkehr vorgeworfen wird? Derlei hat mit Korruption nicht das mindeste zu tun und wiegt gegenüber der ausdrücklichen Fest- stellung, daß eine Korruption nicht erwiesen ist, wie eine Flaumfeder neben einem Bleiklumpen. Da die Beschlüsse des Ausschusses insgesamt auch mit den Stimmen der Deutschen Volkspartei und der W i r t- schaftsparte i, zum allergrößten Teil auch mit den Stimmen der Deutschnationalen gefaßt wurden, und da selbst in den ein oder zwei Punkten, wo die Deutschnatio- nalen dagegen stimmten, ihre eigenen Formulierungen nur um ein geringes schärfer waren als die tatsächlich angenom- menen, so können sich die Reaktionäre auch nicht darauf aus- reden, daß die Beschlüsse ein Ergebnis zufälliger politischer MehrheitsverhSltnisse im Ausschuß wären und daß die .Barmat-Parteien", wie sie die Linksparteien zu nennen pflegen, sich selbst etwa ihre Unschuld bescheinigt hätten. Viel- mehr haben die Rechtsparteien durch ihre Zustimmung zu- gestehen müssen, daß die ganze Hetze einer tatsächlichen Grund- läge entbehrte. Die Rechtspresse vermag daher ihre tiefe Enttäuschung über diese Beschlüsse nur mühsam zu verhehlen. Die „Deutsche Zeitung" gibt allerdings offen ihrem Entsetzen über die unbegreifliche„Milde" des Ausschusses Ausdruck. Aber es ist schon«ine reichlich komische Vorstellung, an eine Müde der Rechtsparteien und ihrer Repräsentanten vom Schlage Kaufbold, Kenk el usw. zu denken. Hier haben einfach die Tatsachen gesprochen. Und es ist schon richtig, was der zweite Sprecher unserer Fraktion, Gen. K u t t n e r, am Man- tag hierüber ausführte: Wenn die Ergebnisse dieses Ausschusses so ganz von dem ab- weichen, was eine sensationslüsterne Hetzpresse monatelang der Be- völkerung als erwiesen vorgegaukelt hat, so liegt das nicht daran, daß hier etwas verschleiert oder vertuscht worden ist, sondern an der Gewissenlosigkeit dieser Sensationsmacherei. Will man die Ergebnisse dieses Ausschusse» überhaupt auf einen Nenner bringen wir dem, was der Oeffentlichkeit eingeredet worden ist, so gibt es nur einen Weg: man muß verfahren wie der kam- munistische Vertreter bei seinen„Feststellungen", in denen er in Dutzenden non Punkten schlankweg das Gegenteil dessen behauptet, was hier einwandfrei erwiesen ist, oder sich einfach angebliche Tat. fache, von denen wir nie im Ausschuß ein Watt gehört haben, aus den Fingern saugt. Ein solches Gebilde sind in der Tat die lächerlichen kommunistischen Fessstellungen, mit denen die„Rote Fahne"— die wirklichen Fessstellungen glatt unterschlagend— eine volle Seite füllt. Aber es genügt wohl, zu konstatieren, daß auch in diesem Ausschuß die Kommunisten treue Trabanten der Dcutschnationalen gewesen sind, allerdings unbewhnte. Denn als die Kommunisten mit chren Antrügen allein blieben, rief ihr Wortführer entrüstet:„W o bleiben die Deutschnationalen?", was als bestes Charakteristikum der Situation schallende Heiterkeit auslöste. Der volksparteiliche Abgeordnete Ptnkernell hat am Schluß seiner Ausführungen erklärt:„Von einem preußischen Panama kann mich den Ergebnissen des Ausschusses nicht gesprochen werden." Dieses Wort eines Rechtspartellers sollte genügen, um endlich die gesamte Hetze zum Schweigen zu bringen. Daß diese der Sozialdemokratie nichts geschadet hat, haben die Rsichspräsidentenwahlen schon vor Monaten er- wiesen, daß sie aber auch sachlich durch nichts begründet ge« Vellen. Die Versuche, das Formgefühl der Kleinen ganz zwanglos im Tonformen zu schulen haben sicher großen pädagogischen Wert. Die noch auf dieser Schau vertretene Rheinsberger Fabrik von Earstens zeigt Gebrauchssteingut in bekannten Typen.— Die Staatliche Porzell a�n Manufaktur bringt«ine sorgfäl- tige Auswahl gediegener«stücke. Kunsthistorisches Interesse beansprucht die Vitrine mit alten Servicemodellen— ein Gebiet, da» man neuerdings wieder mit besonderer Liebe zu beleben versucht. Das Beste dieses Werkes bedeuten zweifellos die modernen Plastiken, von denen Stücke von Schliepstein(Uhr Phantasie) und Scheurich (Ruhende) neben anderem Guten Höchstleistungen der Porzellankunst darstellen. Die Decore von Böhm beweisen, daß die Manufaktur sich bemüht, auch auf diesem Gebiet energisch in Neuland vorzustoßen. Neben Gelungenem steht hier manche», da» zunächst etwas Material- fremd anmutet. Ein Weiterarbeiten unter Beachtung der Bedingungen des Materials wird hier Befruchtendes schaffen. An einer serttgmontierten Destilliermoschino für Säurebereitung kann der Be. schauer die ungeahnten Möglichkeiten des Porzellans für chemisch. technische Zwecke bewundern. Die märkische Keramik kann aus diese sonst nirgends erreichten Leistungen auf diesem Sondergebiet besonders stolz sein. Verschieden« Firmen geben Darstellungen de» von ihnen ver» arbeiteten Materials, vom Rohstoff bis zum Endprodukt, die den Laien besonder» interessieren dürsten.— An dies.r Ausstellung(deren Besuch toglich von 1l) bis 6 Uhr bis 8. November kostenfrei ist), ist das erfreulich, daß jeder Geschmack und jede Kaufkraft da« jeweils Entsprechende findet. Die märkische Keramik zeigt sich von ihrer oortellhaftesten Seite. Sie beweist mit dieser Ausstellung, daß sie zu ihrem Teil die Bestrebungen des Kunstgewerbes tatkräftig fördert. Das Ziel, das anzustreben ist. ist. das Gefühl des Volkes sür Matrialechtheit. für gediegene zweckmäßige Formung in bewußtem Gegensatz zum Banalen und zum Kitsch, zu wecken. Diese Aufgabe darf die Keramik, die mit der Bau. und Möbelkunst unsere Wohn- kultur grundlegend gestaltet, nicht aus dem Auge lassen, wenn sie mehr sehen will als oen bloßen materiellen Erfolg. Heinrich Kühn. Die Gefahren des Rafienkriege». Aus den Debatten des Kon- gresses der anglikanischen Kirche, der kürzllch in Eastbourne bei London tagte, klang ein Alarmruf heraus, der in der ganzen zivili- sierten Well ein lebhaftes Echo erwecken sollte. Die Gefahr eine» erbitterten Krieges der Rassen, der ungleich schrecklicher und ver» beerender zu werden droht als der groß« Krieg, in dem die Na- tionen Europas einander gegenüberstanden, wurde hier in düsteren Farben von Männern geschildert, die im innigen Verkehr mit den verschiedensten Völkern de» Erdballs gelebt haben und leben. Ins» besondere gilt dies von den Ausführungen, die Reverend Oldham. der Schriftführer des Rats des internationalen Missionswesens, ge. macht hat. Oldham. der in seiner amtlichen Eigenschaft beständig von Kontinent zu Kontinent unterwegs ist, kam zu dem Schluß, daß das Verlangen nach Gleichberechttgung bei den sogenannten minderwertigen Rassen heute so übermächtig geworden ist, daß e»n Beharren aus der hoibmütigen Abweisung dieser elementaren Forderung mit zwingender Notwendigkeit unberechenbare Folgen zeitigen müßte. Man könne sich nicht länger verhehlen, daß der Gegensatz zwischen diesen und den europäischen Rassen sich immer wesen ist, kann nach diesem Ergebnis von 55 Ausschußsitzungen nur noch der leugnen, dem eisenstirniger Hang zur Lüge eine angeborene Eigenschaft ist. Monatelang hat die Person des verstorbenen Reichs- Präsidenten Ebert im Mittelpunkt einer schamlosen Hetze gestanden. Ohne Rücksicht auf das Interesse und die Ehre der Nation hat die Rechtspresse den ersten Repräsentanten des deusschen Volkes zu beschmutzen versucht.� Nichts, nichts,— nicht das winzigste Stäubchen ist davon übrig ge- blieben! Nichts ist davon übrig geblieben als ein weithin sichtbarer BeweisderVerwilderung. diedie Deutsch- nationalen mit ihren Methoden des skrupellosen persönlichen Kampfes in unser öffentliches Leben getragen haben. Kulturkampf-Iustiz. Ei« notwendiger Trennungsstrich. Bor einiger Zeit hatte ein völkischer Redakteur die Crzbischöse von Köln und München des Hochverrats beschuldigt und sie auch noch in anderer Hinsicht beschimpft. In einer Privatklage. die vor einem Hamburger Einzelrichter zur Verhand- lung kam. erfolgte Freispruch des völkischen Redakteurs mit der Begründung, daß„in dem Kampf der völkischen Presse gegen außerdeutsche Einflüsse, also auch gegen diejenigen der ultramontanen Partei die Wahrnehmung eines be- rechtigten Interesses aller nicht zur katholischen Kirche gehörigen Deutschen" zu sehen sei. Der preußische Innenminister Gen. Severing hat im Zu- sammenhang mit diesem Urteil einer Justiz, die natürlich beileibe weder eine Klassen- noch«ine schwarzweißrote Justiz ist. an den Vorsitzenden der rheinischen Zentrumspartei ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: Es kann nicht meine Sache sein, zu einem noch nicht recht«» kräftigen Urteil als solchen, zuinÄ dem eines nichtpreußischen Gerichts Stellung zu nehmen. Die Regierung der Republik Preußen, die in voller Verantwortung in mehr als sechs- jähriger Tätigkeit an dem Ziele der Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetz festgehalten hat und weiterarbeiten wird, kommt auch nicht in Verdacht, sich die Begründung dieses Ur- teils zu eigen zu machen. Jedoch kann ich nicht an der Tatsachs vorbeigehen, daß dos Urteil in Preußen, das von ollen deutschen Ländern bei weitem die größte Zahl von Katholiken umfaßt, namentlich in katho. lichen Kreisen eine besondere Erregung hervorge- rufen Hot. Hinzu kommt, daß die Mehrzahl der Katholiken in Preußen im besetzten Gebiet wohnt, das traft seiner vater» ländlichen Bewährung in schwerster Zeit einen besonderen An- spruch auf Achtung seiner Gefühle hat. Mehr denn je haben wir aber auch angesichts einer überaus schwierigen außenpolitischen und wirtschaftlicyen Lage eine Einheit des Volksganzen notwendig, die wiederum nur bei voller Achtung jeder Anschauung und jedes Berufes möglich erscheint. Im Interesse dieser auch für das besetzte Gebiet so wichtigen Einheit, glaube ich daher jei-t, nachdem ich vor kurzem von einer authentischen Urteilsschrift Kenntnis nehmen tonnte, ausdrücklich erklären zu sollen, daß die Preußisäie Staotsrcgie- r u n g nach wie vor nachdrücklichst sich einer nationalen Klassifi zierung oder gar D i s q u a l i f i z i e r u n g e i n e r Religion, einer sozialen Klasse und dergl. widersetzen und im Gegenteil für größte Duldung der Weltanschauungen ein- treten wird. Die Preußische Staatsregierung ist auch über- zeugt, daß sie hierbei alle Gutgesinnten auf ihrer Seit« haben wird. Die„Germania" veröffentlicht das Schreiben unter der Ueberschrift:«Severing und die Kulturkampf-Justiz" und gibt damit zu erkennen, daß auch das Zentrum den Glauben an die Objektivität der Rechtsprechung verloren hat. Der französische Alleger Eoste«. der kürzllch vom Freiburger Schötfengerichts we-�en de? Versuches, unbefugt deutsches Gebiet zu überfliegen, zu 5000 Mk. Strafe verurteilt worden war, wovon er nach 2000 Mark als nicht durch die Unbersuchungshaft oerbüßt, zu bezahlen hatte, hat Dienstag 2650 Frank, ungefähr 508 Mark, per- sölllich in Freiburg bezahlt, und weitere Zahlungen in Aussicht gestellt. schärfer ausprägt. Der erbittert« Wsttbewerb um die Waren. markte und den Zugang zu den Rohstoffen verschärfe diesen Wider- streit immer mehr, vor allem zwischen den Völkern des fernen Ostens und den europäischen Wcstmächten. Die Beschränkung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten und in die britischen Dominions habe daher auch gelegentlich bereits zu Sanktionen und Repressalien geführt. Man dürfe dabei auch nicht außer acht lassen, daß der Bolschewismus heute in den Ländern des Islams deshalb ständig an Boden gewinnt, weil die Bolschewisten die Moham- medoner auf dem Fuß voller Gleichberechtigung behandeln, während die Westvölker es stets unterlassen haben. Biscount Willington. der frühere Gouverneur Bombays, unterstrich scharf die Wahrheit dieser Ausführungen mit dem Hinzufügen, daß man es sich unbedingt ob- gewöhnen müsse, heute noch von minderwertigen oder niederen Rassen zu sprechen. Man beschwöre sonst einen Konflikt herauf, der sich zu der entsetzllchsten Tragödie entwickeln könne, die die Welt je erlebt hat. Das gelte im gleichen Maß hinsichtlich der gelben wie der schwarzen Rasse. Me'» gemacht wird. Bei der ersten Ausführung von Tollers „Hinke mann' kam es in Dresden, wie noch in guter Gr- innerung, zu einem wüsten Skandal. Die nationalen Jünglinge fetzten es schließlich durch, daß das Stück abgesetzt wurde. Und die sächsischen Gerichte sprachen sie frei, well angenommen wurde, daß sie nicht ins Theater gekommen seien, um Toller ein» auszuwischen. Außer dem Gericht war freilich jedem klar, daß hier eine organisierte Radaubond« am Werke gewesen war, die nur zu dem Zweck das Theater besuchten, um das Stück zu demolieren. Wie der„Voss. Zeitung' jetzt au» Dresden gemeldst wird, sind d-e Karten zu dieser nationalen Heldentat aus den unterschlagenen Geldern des Bolks- opfere bezahlt worden. Dl« stSbtiscb« Over gibt ibren Arbelttplan tür die erlte Hallte der Spiel» zeit bc.'annt: Ende Oktober kommt Richard Strand zum ersten Male zu Wort mit der„Ariadne rnii Naxot' in der neuen Fassung. Mitte Na» bembet folat Gluck«„Ipdlgenie-, End« November.Hoftmann« erzäblunacn- in einer völligen Neueinsiudiernng. Anfang Dezember beginnt der„Ring der Nibelungen- gleichiall« in einer gänzlichen Neueinstudierung unter Leitung von Bruno Walter. „vle Afttkanerln- als Aeflonifüh-nng. Au« Anlaß der-brnndgeln- legung de« Deutschen Tvorlforum« findet am Sonntag, den 18. Oktober. abend« � Uhr, im Siaatiicben Overnbanse eine Festauilübrung der Oper „Die Aiiitanerin' stait. Der Reinertrag wird dem Baufond« für da» .Deulfche Sportforum- zugesührt. kUmmersänqer kewrich finoi« gibt am Freitag, den 23. Okiober, tm Robmen der Konzert« der Deutschen Nothils« einen Lieder-«nd Arienabend in der Singakademie. va» Land«U den meisten Sibllokheken. Wenn man nach der Zahl der Bibliotheken auf die Sikdimg der Bevölkerung schließen köirnte, lo mühten die Bewobner der kanadischen Provinz Oniaiio die höchste Geikteskuliur vefitzcn. Die« Land hat nämlich die meisten Bibliotheken; e« kommen aus 2 Millionen Einwohner«60 öffentliche Lüchereien. VI« neue Zelt.„Uevermorgen wirst du sechzehn Jahre alt, mein Kind/ sagt die Mama zu ibrem Töchierchen.„Du bist also jetzt erwachse«. Lag» dir di« Haar« abschneiden und die Steider kürzer mach««." Stahlhelmausschreitungen in Osnabrück. 7. Reichsbannerkameraden verletzt. Aus Osnabrüd wird uns geschrieben: Anläßlich des Gautages des Stahlhelm in Osnabrüd tam es zu schweren Ausschreitungen des Stahlhelm, bei denen sieben Reichsbannermitglieder erheblich verlegt wurden. Da über diesen Vorfall in der Rechtspresse tendenziös gefärbte Meldungen verbreitet werden, sei hier eine genauere Darstellung der Vorgänge gegeben. Der Kampf um Severings Etat. Noch ein Mißtrauensantrag. Der Bandtag trat gestern in die Beratung des Haushalts des Innenministeriums ein. Neben den Deutschnationalen hat auch die Boltspartei ein Mißtrauensvotum gegen den Innenminister eingebracht. Bei der Debatte ergriff nach dem Ausschußbericht des Abg. Heilmann( Soz.) Abg. Hirsch( Soz.) das Wort: Zwei Mitglieder der Ortsgruppe Marl des Stahlhelm tamen in Uniform in das Gewertschaftshaus. Der Mirt machte sie darauf aufmerksam, daß sie sich im Haufe der freien Gemertschaften befänden und, um Zwischenfälle zu vermeiden, besser daran täten, das Lokal zu verlassen. Der ältere der beiden Die Rechte muß sich über die Situation flar sein. Will fie ihre Stahlhelmleute entfernte fich fofort, der jüngere erst nach bisherige Katastrophenpolitik fortfezen, dann bleibt der Regierung weiterem zureden eines älteren Gastes. Der junge Mann begab nichts anderes übrig, als der Appell an das Bolt. Die An fich in die naheliegende Stadthalle, in der der Stahlhelm fagte, und griffe der Rechten auf die Bersonalpolitik des Innenministers find alarmierte seine Marler Kameraden mit der Be- unbegründet. Obwohl die Herren der Rechten sich emsig bemühen, hauptung, ihm sei im Gewerkschaftshause ein Abzeichen gewaltsam soviel Material wie möglich gegen die Sozialdemokratie zu sammeln, abgerissen worden. Die Ortsgruppe Marl des Stahlhelm zog infolge ist dieses Material, wie die Ausschußverhandlungen gezeigt haben, dessen in geschlossener Kolonne vor das Gewerf überaus dürftig. Es bleibt im wesentlichen von diesem Material nur schaftshaus und fiel auf das fommando des Führers: Alles, der Fall des fozialdemokratischen Landrats von Liebenwerda übrig, was Stahlhelm ift, ran über ruhig vor dem Gewerkschaftshause Fall hat inzwischen seine gerichtliche Sühne gefunden. Auf diesem einen der die Kreisspartasse durch seine Maßnahmen geschädigt hat. Der stehende, unbewaffnete Reichsbannerleute mit schweren Eichen Fall reiten nun die Agitatoren der Rechtsparteien herum; fie verfnäppeln her. Zur gleichen Zeit fand im Gewerkschaftshause eine geffen aber, daß Landräte in großer Bahl, die aus den RechtsMitgliederversammlung der Sozialdemokratischen Partei freisen stammen, durch ihre Politif und ihre Maßnahmen Sparstatt. Ein Bersammlungsbesucher, der das Gewerkschaftshaus verfassen geschädigt haben.( Buruf rechts: Namen nennen!) In den laffen wollte, erhielt in dem Augenblid, wo er aus dem Hause trat, lehten Tagen ging durch die Presse der Fall des Landrats Dr. Mos. einen Schlag quer über den Kopf, so daß er blutüberströmt zu- bach in Wildungen tein Republikaner, sondern ein stramm rechts fammenbrach. Auch wurde ein Schuß auf die offenstehende stehender Mann. Die Spartaffe in Wildungen hatte einem HamDie Spartaffe in Wildungen hatte einem Ham Lür des Hauses abgegeben. Der Vorsitzende der Sozial burger Unternehmer, einem gewissen Grahn, mit Wissen und Bili demokratischen Partei rief telephonisch die Schußpolizei gung des Landrats zwei Sparkassenbücher ausgestellt, eins über 300 000 Mart und eins über 500 000 Mart, auf die feine Einherbei. Als dieselbe eintraf, hatten sich die Stahlhelmer bereits zu zahlungen geleistet waren.( hört, hört! lints.) Der Hamburger ihrem Quartier, der in unmittelbarer Nähe des Gewerkschaftshauses Unternehmer hat sich durch Beleihung der auf seinen Namen aus. gelegenen Bottgrabenschule zurückgezogen. Die Schutzpolizei ließ die gestellten Sparkassenbücher Geld beschafft und ist dann in Schwierig Stahlhelmleute vor der Schule in zwei Gliedern antreten, die sie um- teiten geraten; er fonnte seinen Verpflichtungen nicht mehr nach stellte. Polizeileutnant Reupfer verhörte den Führer, der zu- tommen. Der leidtragende Teil ist der Kreis. Obwohl geben mußte, das Kommando„ Alles, was Stahlhelm ist, ran" ge- die gemeldeten Tatsachen richtig sind, wurde das Berfahren einge geben zu haben. Aus dem Gliede fiel der Zuruf„ Ja, da sind wir stellt. In dem Einstellungsbeschluß heißt es, dem Beschuldigten habe das Bewußtsein der Rechtserheblich feit ordentlich ran- gegangen. Wir wollten ihnen mal zeigen, daß wir aus dem Ruhrgebiet find". Trotzdem aber ließ der Polizeileutnant den gefehlt.( Lachen links.) Also die Tatsache der Schädigung bei der Sparkasse bleibt bestehen. Barum sprechen die Herren auf der Stahlhelm abrüden, ohne genauere Jefiftellungen zu machen, dafür der Sparkasse bleibt bestehen. Warum sprechen die Herren auf der Rechten von diesem Falle nicht? aber wurden die Personalien der verwundeten Reichsbannerleute eingehend aufgenommen. Ein Polizeioberwachtmeister stellte das Stahlhelmmitglied, das behauptet hatte, ihm sei ein Abzeichen abgeriffen worden, den im Gewerkschaftshaus anwesenden Gästen gegenüber. Der Stahlhelmjüngling war nicht in der Lage, jemanden zu bezeichnen, der ihm das Abzeichen abgenommen hat und mußte im Kreuzverhör zugeben, daß er überhaupt fein Ab zeichen getragen hat. Gegenüber der in der Rechtspresse verbreiteten Lesart, daß der Schuß von einem Reichsbannermann abgegeben fei, ist inzwischen einwandfrei von der Polizei festgestellt, daß der Schuß von außen auf das Gewerkschaftshaus abgefeuert wurde. Es haben sich Zeugen gemeldet, die weder dem Reichsbanner noch einer republikanischen Partei angehören und bereit sind, unter ihrem Eide auszusagen, daß ein Mitglied des Stahlhelm geschossen hat, und daß auf Reichsbannerleute, die bereits am Boden lagen, noch weiter eingeschlagen wurde. Ein anderer Fall, der den Herren auf der Rechten gleichfalls unangenehm ist. Es handelt sich um den Landrat von Bederath im Landkreis Düsseldorf. Dieser hat Ende des Jahres 1922 eine Kreisbantaftiengesellschaft aur Stüßung gemeinnüßiger Unternehmungen bes Kreises ge gründet. Die Bank ist 1924 in Schwierigkeiten geraten. Sie hatte für die ihr zur Verfügung gestellten Gelder fingierte Sparfaffenbücher der Kreissparkasse in Höhe der beliebenen Summe ausgestellt. ( Hört, hört!) Es tam zur Liquidation der Bant, wobei der Kreis den Gläubigern gegenüber eine Garantie von 3 Millionen Mart übernehmen mußte.( hört, hört!) Wir wollen uns dann noch etwas ausführlicher mit der Angelegenheit des Landrats von Mettenheim beschäftigen. Es handelt sich da um die Verbandssparkasse der Mansfelder Kreise und Städte. Dem Vorstande dieser Sparkasse gehörten u. a. an der Landrat von Mettenheim, ein Geheimer Regierungsrat, der seit über 20 Jahren Landrat in Eis. -Von der Volkspartei! eine schmere Schädigung der Kasse zu verzeichnen ist. Diese Fälle gehen natürlich die Herren auf der Rechten alle gar nichts an, meil es sich um Leute handelt, die ihnen nahestehen, und nicht um fozialdemokratische Landräte. Wir fönnten das Material über ähnliche Mißstände turmhoch aufhäusen. Wir wollen für heute es jedoch bei der Frage belassen: Wozu angesichts dieser Fälle das demagogische Geschrei über die Miswirtschaft sozialdemokratischer Beamten?( Sehr gut! bei den Soz.) Die Herren auf der Rechten bevor sie sich mit anderen Leuten beschäftigen. Wir wissen genau, sollen erst mal den Augiasstall in ihren Kreisen sauber machen, lim was es sich bei dem Korruptionsgefchrei handelt: es handelt fich lediglich um die Heze gegen das neue System, gegen die Demotratifierung der Verwaltung. Wir müssen aber darauf bestehen, daß der heutige Staat nicht von Beamten geleitet wird, die im Geist des früheren Obrigteitsstaates arbeiten, sondern von Beamten, die fich als Diener des Bolksstaates fühlen. sehen haben, dann das eine, daß die Beschung der VerwaltungsWenn wir etwas an der Politik des Innenministers auszu fich geht. Im Ausschuß wurde mitgeteilt, daß in den letzten zweistellen durch republikanisch gesinnte Beamte nicht schnell genug vor einhalb Jahren 162 höhere Berwaltungsbeamte ernannt worden find, von denen 90 Angehörige der Rechtsparteien, 18 Demofraten, 14 Sozialdemokraten find; 50 bezeichnen sich als Ratholiten; man weiß aber nicht, ob nicht auch ein Teil davon Mitglieder der Deutschnationalen Boltspartei sind. Genosse Hirsch erinnert dann an die Statistit des„ Berliner Tageblatts", die vor einigen Tagen durch die Breffe ging. Nach dieser Statiftit ift von vier ministerial besetzt; von den drei übrigen sind eine mit einem Demokraten und direttorenstellen des Innenministeriums zurzeit eine unzwei mit rechtsstehenden Herren besetzt. Die wichtige Kommunal. abteilung hat unter ihrem Dutzend Referenten sage und schreibe: enen Republikaner.( hört! hört! bei den Soz.) Dos aus ichlaggebende erfassungsreferat lingt in der Hand eines Herrn, der der Deutschen Volkspartei nahesteht. Alles in allem ift das Berhältnis im Innenministerium so, daß von rund 65 höheren Beamten etwa ein Fünftel Republikaner find.( Hört! hört! bei den Goz.) Draußen im Lande sieht es natürlich noch schlimmer aus. Bon den Regierungspräsidenten ist nur ein Teil republikanisch. Bon den 398 Landräten sind ganze 58 Sozialdemokraten, 22 Demokraten, 71 Zentrumsleute, 7 Bolfsparteiler; bei 239 bieb ihre politische Stellung unbefannt; man weiß, was das bedeutet.( Sehr richtig! bei den Soz.) Diese Zahlen zeigen, wie ungeheuer viel auf dem Gebiete der Demokratisierung unserer Berwaltung noch zu fun ist. Die Zahlen zeigen aber auch, wie verlogen die Behauptungen der Rechtspartelen find, die fortwährend von einem Verwaltungsfyftem Severing sprechen. Beit wichtiger noch als eine richtige Personalpolitik ist die Reform der inneren Verwaltung nach der fachlichen Seite. Die angefündigten Reformvorlagen müssen sobald wie möglich dem Landtag zugehen, ein Teil der Entwürfe ist bereits 1919 fertiggestellt worden. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß sechs Jahre nach dem Zusammenbruch der wichtigsten gefeßgeberischen Aufgaben noch nicht vollendet sind. Die Verschleppung erfolgt nicht durch die Schuld des Ministers, sondern durch die Schulb der Parteien, die die fachliche Arbeit hier im Hauje unmöglich gemacht haben. In allen nerwaltung zum Durchbruch tommen. Die Vorfälle haben auch bereits eine Sigung der städtischen Leben ist, also bestimmt ein Mann, der nicht erst durch die Revolution diesen gesetzgeberischen Maßnahmen muß der Grundsatz der Selbst. Kollegien in Osnabrüd beschäftigt. Senator direktor der Stadt Osnabrud, mußte in dieser Sigung zugeben, daß die Schutzpolizei vollkommen versagt habe. Er hatte angeordnet, daß zum Schuße des Gewerkschaftshauses eine Polizeipatrouille dauernd vor dem Gewertschaftshause anwesend sein sollte. Diese Streife ist ohne Befragung des Polizeidirektors von dem Kommando der Schußpolizei um 9 Uhr abends zurückgezogen worden. Das unglaub liche Verhalten des Polizeioffiziers, der es nicht für notwendig gehalten hat, genauere Feststellungen bei den Stahlhelmleuten zu machen, hat nunmehr die Folge, daß von der Stadt Osnabrück Kriminalbeamte nach Marl geschickt werden mußten, um dort Ber. höre vorzunehmen. Daß hier der Stahlhelm der einzige schuldige Teil gewesen ist, ergibt sich auch schon aus der Tatsache, daß an anderen Stellen der Stadt der Stahlhelm sich mehr als provotatorisch benommen hat In einem Café murde ein bekannter republikanischer Rechtsanwalt von Stahlhelmmitgliedern in der übelsten Weise belästigt. Außerdem ist durch Bolizeiorgane feftgestellt worden, daß Stahlhelmmitglieder friedliche Paffanten dadurch bedrohten, daß sie ihnen Revolver auf die Bruft hielten. Die Anges legenheit wird ein Nachspiel vor Gericht haben. Stahlhelmgeist. Der Stahlhelm Halle Merseburg versucht, feine freche Lügendepelche an Innenminister Schiele durch neue Fälschun gen zu decken. Er hatte behauptet, jeit dem Verbot des Stod. tragens bei Umzügen und ähnlichen Anlässen seien die Stahlhelmmitglieder ihres Lebens nicht mehr sicher. Als Beweis führte er fünf Todesfälle und eine Reihe schwerer Berlegungen aus ber legten Zeit" an und machte den preußischen Innenminister fo mie bie Regierungspräsidenten Grüner und hörsing für die Fälle verantwortlich. Der Stahlhelm rüdt jegt mit den Namen der Todesopfer herausfie stammen alle aus der Zeit vor dem Berbot. Außerdem haben sich zwei der Borfälle gar nicht auf preußischem Gebiet abgespielt, in einem dritten Fall handelt es sich überhaupt night um eine politiche Angelegenheit. Der vierte Fall ist noch nicht aufgeklärt, beim fünften erhielt ein Stahlhelmer bei einer Rauferei mit roten Front fämpfern einer Schlag unters Kinn, worauf er jo unglüdlich auf die Straßenbordtante fiel, daß er einen Schädelbruch erlift. Was die Liste der Berlegten anbelangt, so haben sich nur 6 Fälle nach dem Stodverbot ereignet, und es wird nachgeprüft, ob diese Fälle nicht auf eine einzige Brügelei in Halle zurückzuführen find. Man sieht, die Lügen bleiben Lügen, auch wenn sich der Stahl. helm durch neue Behauptungen aus der Affäre zu ziehen versucht. Daß die deutsch nationale Bresse den Stahlhelm in seinem besonderen Unterfangen unterstützen würde, war vorauszusehen, denn der Lügengeist des Stahlhelms und der deutschnationale Lügen geift find verwandt. Umbildung des französischen Kabinetts. An Stelle des zum Generalresidenten in Marotto ernannten Ruftizministers Steeg wurde der bisherige Unterrichtsminister de Monaie ernannt, der damit zugleich den ftellvertretenden Vorfiz im Kabinett erhält. An feine Stelle als Unterrichtsminister tritt der bisherige Un'ers itaatsiefretär Delbos. Abg. Benaget ist sein Nachfolger als Unter staatsfekretär des Unterrichts. Ein Kongreß der nationalen Winderheiten tritt in Genf qu fammen. Er wird 80 Millionen Menschen vertreten. Im Beichen des nationalen Selbstbestimmungsrechts von Bersailles, St.- Germain, Trianon usw. ist die Zahl und Stärte dieser Voltsteile er heblich. Direttor ber Spartalfe von Cisleben Herr Bösel. Bei der Repifion in die Höhe tam, ferner der Landrat Beder von Mansfeld und der der Sparfaffe ergaben sich viele Unregelmäßigteiten. Es handelt sich, turz zusammengefaßt, um Berstöße gegen die Spar. faffenfagung, um fagungswidrige Kreditgewährung, um unzuläffige Beteiligung an privaten Bantbetrieben und unerlaubte Geschäfts. führung außerhalb des Sparkassenbezirks, beren sich die gesamten Borstandsmitglieder der Verbandssparkasse schuldig gemacht haben. Bisher ist weder gegen den Sparkassendirektor Bösel, noch gegen schritten worden.( Hört! hört! bei ben Soz.) Es wäre erwünscht, wenn der Herr Minister uns über das bisherige Ergebnis der Er. mittlungen Auskunft geben würde, namentlich darüber, ob es zu trifft, daß die bisherigen Ermittlungen bereits ergeben haben, bat der Landrat von Mettenheim für seine Aufsichtsrats: tätigkeit nicht unerhebliche Zantiemen bezogen hat.( Hört! hört! bei den Goz.) Ich fönnte noch eine ganze Reihe ähnlicher Fälle anführen; ich will aber nur ganz fummaris verfahren. Bei der Stadt Spartaffe Sinzig im Regierungsbezirk Roblenz traten wegen leichtsinniger Spekulationsgeschäfte ihres Direttors Flatten Schwierigkeiten ein, die den Zusammenbruch mehrerer Firmen in Raffel und Frankfurt zur Folge hatten. Aehnliches hat sich bei der Kreisspartaffe Bitterfeld durch fagungswidrige Gewährung des Leiters ereignet, wodurch ebenfalls erhebliche Schwierig. feiten entstanden sind. Der Berluft beziffert sich hier auf etwa 350 000 Mart. Aehnlich liegt ferner der Fall der Stadtipar taffe in Teligich, wo ebenfalls burch die Schulb des Leiters Republikanische Reichswehr in Teutschösterreich. Bien, 13. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag haben in Deutschösterreich die Wahlen der Bertrauensmänner der Wehr. macht stattgefunden. Der freigemertschaftliche Militärperband" hat dabei mit 218 Mandaten sehr gut abgeschnitten. Der hriftlichsoziale Behrbund erhielt nur 29 Mandate. Er hat damit zwar ein Manbat gemonnen, aber den einzigen bisherigen Regiments. pertrauensmann verloren. In Wien hat der Militärverband zwar 5 Mandate verloren, dafür aber in der Provinz, namentlich in dem sogenannten schwarzen Tirol, zahlreiche Mandate gewonnen. Die Sozialdemokraten haben 12 000 Stimmen auf. gebracht, die Chriftlichsozialen mur 3000. Bei der Wahl der Ber. trauensmänner der Unteroffiziere haben die Sozialdemokraten 23 Mandate bekommen, die Deutschnationalen 17 und die Chriftlich fozialen gar nur einen Vertreter. Nach den Bestimmungen von St. Germain beträgt die Wehrmacht der Republik Desterreich 30 000 Mann. Die oben stehenden Wahlziffern lehren drastisch, wie weit der christlich soziale Wehrminister Baugoin die Wehrmacht, die ihm viel zu sozialdemokratisch ist, schon abgebaut hat. Aber die über mächtige Stärfe der Sozialdemokratie auch im Heer fann man trotz allem Terror und allen Korruptionsmethoden nicht abbauen. gehälligen Kampfesmethoden der Rechtsparteien ein, vor allem auf Zum Schluß ging Genosse Hirsch noch auf die schmurzigen und gehäftigen Kampfesmethoden der Rechtsparteien ein, vor allem auf bas von den Deutschnationalen aufgebaute Enftem der politischen Schnüffelei. Trog aller Anfeindungen, schloß Banoffe Hirsch, hat bisher der Innenminister mit sesler Hand zugegriffen, wo immer der Beſtand der Republik burch unverantwortliche Elemente erschüttert zu werden drohte. Wir sollen dafür dem Minister unsere Anerkennung. Bir folgen ihm auf seinem Weg der Sicherung der Ordnung im Innern, der Hebung unseres Anjchens nach außen und der eftigung der Republit.( Beifall bei den Soz.) Der Redner der Deutschnationalen, Abg. Milberg, hatte bie Stirn, als Beweis für die Mißwirtschaft" des Innenministers die bereits miberlegten Lügen des Stahlheims Halle. Mer feburg anzuführen. Abg. Dr. Peuter( Bentr.) verlangte vollkommene Barität in der Besetzung der höheren Berwaltungsstellen und begrüßte die Reife des Dstausschusses nach Schlesien zur Linderung der Not in den Grenzgebieten. Er erinnerte bann an die großen Berdienste, die fich das preußische Innenministerium unter der Lei tung Severings um den Bestand des Staates und des Reiches in den letzten, vor allem in dem furchtbaren Inflationsjahr 1923, erworben hat, wo Deutschland pielleicht vor einem noch gefährlicheren Abgrund stand als am Ende des Krieges. Nach meiteren Darlegungen der Abgg. Schwear( Romm.) und Dr. Grzimeks( Dem.), der sidh energisch für eine entschiedene Demotratifierung der Verwaltung einsetzte, vertagte sich das Haus cuf Mittwoch 12 Uhr. ertlärte, er halte es unter seiner Bürde, auf die Rede Leuthners zu antworten; er habe tie Empfindung, daß etmas Schmußiges und Insauberes neben ihm geschehen sei. Darauf brach bei ben Sozialdemokraten ein Sturm der Empörung los. In dem großen Tumult fonnte der Minister nicht meiterreden und Bizepräsident Gen. Eldersch unterbrach die Sigung. Die Sozialdemokraten stürmten zum Miniftertisch und riefen Dr. Mataja zu, daß er im Parlament nicht mehr sprechen dürfe. christlichsoziale Bräsident rief eine Dbmännerfonferenz( Weltesten. ausfuß) zusammen, um über den 3roischenfall und den Fortgang der Verhandlungen zu beraten. Det In der Domännerfonferenz vermeigerte bie Regierung die von unferen Genoffen geforderte Genugtuung für das Benehmen des Mataja, worauf nach Wiederaufnahme und sofortiger wieder. vertagung der Ballfizung unsere Genoffen das Berfangen an die Regierung schriftlich figierten. Da die Regierung bei ihrer Beigerung blieb, erklärten die Sozialdemokraten, Mataja nicht weiterreben zu laffen. Die Bollfigung wurde nun wiedereröffnef, aber nur, um sofort auf Mittwoch nachmittags 3 Uhr vertagt zu werden. Befehung Panamas 19qmub Os durch nordamerikanische Truppen. Sturm im Nationalrat. Mataja wird gebrandmarkt abend ihre Hauptstadt Banama burch amerikanisches Militär und provoziert dafür. mien, 13. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Im Nationalrat tam es am Dienstag nachmittag zu großen Sturmizenen. Abg. Genoffe Leuthner griff bei der Aussprache über die neuen Genfer Ber. einbarungen" den Außenminister Mataja sehr haftig an, wobei er ihn als Feind Deutschlands und Agenten Frankreichs bezeichnete. Nachdem Leuthner unter stürmischem Beifall der Sozialdemokraten geendet hatte, erhob sich der Außenminister und Condon, 13. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Angeblich auf Ersuchen des Präsidenten der Repubiit Panama wurde am Montag befeßt, das eine vollständige Kontrolle übernahm. Die Besetzung geSchah als Folge von Demonstrationen für niedrigere Mieten und infolge eines zu diesem 3wed organisierten Sympathieftreifs. Als die Truppen die Straßenverfammlungen mit Ge walt zu zerstreuen begannen, flüchteten die Demonstranten in die Häuser und eröffneten von dort aus das Feuer auf die Truppen, welche nun ebenfalls schoffen. Ein Bürger Panamas wurde getötet, zwei andere verwundet. Die amerikanischen Behörden haben angekündigt, daß sie nicht beabsichtigen, den Streit zu brechen, sondern nur die Ordnung aufrechterhalten wollen. Gewerkschaftsbewegung Vertrauliche" oder öffentliche Sozialpolitik. Die Unternehmer melden sich. Allgemach fommen auch die Unternehmer dahinter, was ihr Syndikus Dr. Meisinger mit seiner Aften notiz angerichtet hat. Das Reichsarbeitsministerium, das nur dann eine Eristenzberechtigung hat, wenn es Sozialpolitik macht, und zwar nicht Sozialpolitit unter Anführungszeidjen, wird jetzt zu beweisen haben, daß es nicht die sozialpolitische Abteilung der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist. " Er die dadurch in die revolutionäre Stimmung gebracht werden joll, um für die Moskauer Heineslehre empfänglich zu sein. Bir Sozialdemokraten und Gewerkschaftler sind im Gegensatz bazu der Auffassung, daß die Arbeiterschaft nur in dem Maße die tapitalistische Gesellschaft zu beseitigen vermag, in dem sie selbst der Kapitalistentlasse überlegen wird an wirtschaftlicher, geistiger, politischer und sozialer Einsicht. Dieses geistige Emporeigen der Arbeiterklasse hat zur Voraussetzung auch das wirt. schaftliche Emporsteigen. Aus dieser entgegengesezten Auffassung ergibt sich auch die entgegengesetzte Taftif. Für uns hat jede Lohnbewegung nur den unmittelbaren 3wed, die Lohn- und Arbeitsbedingungen der betreffenden Arbeitsschicht zu verbessern. Je geringer die Entbehrungen find, mit denen diese Berbesserungen errungen werden, um so höher ist der Erfolg anzuschlagen. Wir wünschen also nicht die Kampf front zu verbreitern, sondern im Gegenteil, sie nicht breiter zu gestalten, als es unbedingt notwendig ist, um das gesteckte Ziel zu Die Wertmeister nahmen am Dienstag zu dem Berhandlungs. ergebnis Stellung. Sie beschlossen nach einer eingehenden und ernsten Diskussion, den Vorschlag im Interesse der Handarbeiter anzunehmen. In der Belegschaftsversammlung berichtete Kraatz vom Deutschen Metallarbeiterverband über den Stand der Bewegung. Er empfahl der Versammlung, angesichts der augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse des Betriebes dem Beispiel der Werkmeister zu folgen. Nach einer regen Diskussion stimmte die Versammlung dem Vorschlag des Verbandsvertreters zu, so daß heute die Arbeit von den Werkmeistern und einem Teil zu Aufräumungs- bzw. Instandsetzungsarbeiten bestimmten Transportarbeitern aufgenommen wird. Bis zum Freitag werden 30 Pro3. und innerhalb 8 bis 10 Tagen der Rest zur Einstellung Kommenden im Einvernehmen mit dem Betriebsrat eingestellt. Der Berichterstatter wies in seinem Schlußwort darauf hin, daß es eine harte Maßnahme der Erwerbslosenfürsorge ist, von den Arbeitern wohl die Beiträge zwangsweise zu erheben, ihnen aber im Falle einer von den Unternehmern vergefügten Aussperrung feinerlei Unterstützung zu gewähren. Er wies weiter darauf hin, daß die Arbeiter die Macht dazu haben, fich eine parlamentarische Vertretung zu schaffen, die derartige unDie fommenden soziale Gesetzesbestimmungen ausmerzt. Stadtverordnetenwahlen geben den Arbeitern und Angestellten die Macht, dafür zu sorgen, daß wenigstens in Berlin eine Arbeitervertretung gewählt wird, die solche Härten mildert und die wirklichen Interessen der Arbeiter vertritt. Wir wollen von vornherein gleich erklären, daß wir der kommen den Beweisführung ohne große Jufionen entgegensehen. Diese Umstellung der Situation ist aber den Unternehmern selbstverständ lich höchst unbequem. In der deutschnationalen Börsen- Zeitung" fündigt ein Journalist, dessen sich die Bereinigung der Deutschen Die Technische Nothilfe ist ein direktes Produkt der Arbeitgeberverbände gern bedient, eine Gegen offensive an. fommunistischen Kampftaftif. Diese Technische Nothilfe wird ge Der gute Mann tobt sich zunächst im Porzellanladen aus. wollt oder ungewollt, das mag dahingestellt sein immer mehr erzählt, daß unser Produktionsprozeß eine gründilche Be eine Gefahr für die streifenden Arbeiter in lebenswichtigen Betrieben. reinigung, insbesondere durch Verbesserung der Her Und der Begriff„ Lebenswichtiger Betrieb" wird immer umstritten stellungsmethoden unter Beseitigung des Kartell sein. unwesens durchmachen müsse. Man dürfe jetzt nicht mehr die Beim jüngsten Berliner Speditionsarbeiterstreit hatte sich die aus der Inflationszeit übernommene fünftliche Reichsbahndirektion von vornherein auf den Standpunft Berteuerung und Berfnappung des Angebots aufgestellt, daß die gesamte Abrollung der Frachtgüter lebens rechterhalten. Auch der Ueberfonsum, das leichtsinnige wichtig sei und deshalb die Teno vom ersten Tage an eingeseẞt Geldausgeben, der Mangel an Berücksichtigung werden müsse. Würde man nun nach der bekannten kommunistischen des billigen Preises, das Fehlen der Sorgfalt in Tattik verfahren sein, dann wäre je de Notstandsarbeit ab. der Wirtschaftsführung müßten ausgemerzt werden. Denn gelehnt, daraufhin wahrscheinlich die Teno eingefeßt einen Preisabbau fönne man nicht tommandieren! werden. Diese Beraubung des Koalitionsrechtes denn praktisch würde ein derartiger Mißbrauch mit der Teno darauf hinaus. laufen hätten die Transportarbeiter mit einem allgemeinen Streif beantwortet. Möglicherweise wäre es nicht bei dem Streit der Transportarbeiter geblieben. Dieser Preisabbau erfordere aber auch Opfer von den Konsumenten. Wer diese Konsumenten" find, die bei einer Berbilligung der Waren Opfer" zu bringen hätten, plaudert der gute Mann in dem nächsten Sag aus, der übrigens nicht von ihm, sondern von dem Direktor der Disconto- Gesellschaft, Urbig, ist: Man fann nicht nachts nach Breissenfung schreien und fags. über Bohnstreits tolerieren." Der gute Mann jammert dann über die Konfurfe alteingefeffener Firmen der Kleineifenindustrie, ohne einzugestehen, durch welche Wirtschaftspolitif diese alteingefeffenen Firmen ruiniert worden sind. Nach dem also reichlich Borzellan im Unternehmerlager zerschlagen wurde, tommt der Berfasser auf sein eigentliches Thema zu sprechen. Zunächst geht er etwas sehr flobig den pensionsberechtigten Beamten" zu Leibe, die die geringste Gefährdung für ihre Eri stenz haben" und die Not von sich abschütteln... durch eine ailgemeine Erhöhung des Lohnniveaus". Da man damit schwerlich die hohe Bureaukratie im Reichsfinanzministerium meinen fann, so zielt das offenbar auf die Beamten des Reichsarbeitsministeriums. Das Blatt des Tannenzapf tut dann so, als entrüste es sich über den angeblichen Diebstahl oder die ebenso vermeintliche Untreue, durch die die Aftennotiz zur öffentlichen Kenntnis gekommen wäre. Wenn wie der Schreiber dann hinzufügt die Aktennotiz nicht das Licht der Deffentlichkeit zu scheuen hätte, warum dann diese künstliche, im übrigen völlig beplacierte Entrüstung? Dann kommt die Anfündigung: ,, Nach der Veröffentlichung der Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums wird die Vereini gung der Deutschen Arbeitgeberverbände aber nicht mehr schweigen dürfen." Die Vereinigung will Brotest erheben gegen die in der Dentschrift angeblich versprochene Sozialpolitik für die Straße". Wie wir zur Denkschrift stehen, haben wir bereits gesagt. Daß die dort versprodjene Sozialpolitit grundverschieden ist von der Sozialpolitit, wie wir sie verstehen und fordern, brauchen mir nicht nochmal zu betonen. Aber immerhin ist die Alternative, die die Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände für unsere Sozialpolitik aufstellt, durchaus begrüßenswert. Es handelt sich in Wirklichkeit darum, ob unsere Sozialpolitif eine vertrauliche" sein soll, die hinter verschlossenen Türen mit den Unternehmer fyndizi vereinbart wird, oder eine öffentliche eine Sozial politif zum Schuße der Hand und Kopfarbeiter oder eine Sozialpolitit zum Schuge der Unternehmer. Die kaltgestellte Nothilfe. Die Lehren eines Streits. Es ist nicht zu spät, um auf die Lehren zurüdzukommen, die sich aus dem jüngsten Speditionsarbeiterstreit in Berlin ergeben. Wir möchten zunächst vorausschiden, daß wir nicht der Meinung find, es ließe sich für alle Streits eine allgemein gültige Regei aufstellen. Die törichte Barole der Kommunisten, die immer nach Berbreiterung der Kampffront" schreien, wenn irdenwo ein paar hundert Arbeiter um eine Lohnerhöhung im Streif stehen, erklärt sich aus der Gesamteinstellung der Kommunisten. Die Kommunisten betrachten alle Dinge unter dem Gesichtswinkel der Weltrevolution", wie man sie sich in Moskau vorstellt. Diese angebliche Weltrevolu tion, diese Bolschewisierung Europas soll hervorgehen aus einer allgemeinen Berelendung der Arbeiterschaft, Wie ein derartiger Rampf, bei dem schließlich sich die gesamte Staatsgewalt gegen die Arbeiterschaft im Kampfe befunden hätte, ausgegangen wäre, läßt sich natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen. Eicher ist jedoch, daß im günstigsten Falle die Speditionsarbeiter das erreicht hätten, was sie bei ihrem legten Kampf erreicht haben, nämlich eine Lohnerhöhung von 6 M. die Woche, die Sicherung des Achtstundentages und eine Erhöhung der Unfallunterſtügung. Was tat nämlich der Deutsche Berkehrsbund? Statt der Reichsbahndirektion und dem hinter ihr stehenden Unternehmerring den Gefallen zu tun, die Leistung jeder Notstandsarbeit abzulehnen, erflärte er sich bereit, nicht nur das Reisegepäck und die Lebensmitteltransporte abzurollen, sondern darüber hinaus alle Speditionsgüter abzurollen, um eine Verstopfung der Güterbahnhöfe zu vermeiden. Zu diesem Zwecke hatte der Deutsche Verkehrsbund rechtzeitig seine Borbereitungen getroffen und genügend Gespanne und Autozüge von ringfreien Unternehmern oder von Unternehmern, die feine Spediteure find, fich gesichert. Darüber hinaus besaß der Deutsche Verkehrsbund noch eine erhebliche Reserve, auf die wir aus begreiflichen Gründen hier nicht näher eingehen wollen. Was war nun das Resultat dieser Taflit? Die Mitgliedsfirmen der Unternehmerorganisationen sahen wohl, daß ihre Pferde, die von den Streifenden gepflegt wurden, die übliche Haferration fraßen, aber nichts verdienten. Von den Streifenden selbst war ein großer Teil beschäftigt, notabene fast durchweg zu den vom Verfehrsbund geforderten Bedingungen. Die Außenseiter im Unternehmerlager verdienten natürlich eine schöne Stange Geld, was aber den Mitgliedsfirmen der Unternehmerorganisation das Durchhalten nicht erleichterte. So fam es, daß der Streit nach furzer Dauer auf der ganzen Linie erfolgreich beendet werden konnte. Und zwar trotz der Sabotage, die die Reichsbahndirektion im Interesse der Unternehmerorganisation ausübte. Es ist ohne weiteres flar, daß ein solcher erfolgreicher Streif fich auch auswirken muß auf die nicht direkt beteiligten Transport arbeiter. Und insofern, aber auch nur insofern liegt auch hier eine Berbreiterung der Kampffront. Wesentlich ist aber auch, daß mit dieser Taftit gleichzeitig die Technische Nothilfe faltgestellt wird. Diese Lehre aus dem jüngsten Speditionsarbeiterstreit gilt es, auch für die Zukunft zu beherzigen. Die Aussperrung bei Maffei- Schwarzkopff beendigt. Am Montag fanden im BBMI. nochmals Berhandlungen statt mit der Direktion der Firma Maffei- Schwarzkopff, dem Betriebsrat und dem Werkmeister- und Metallarbeiterverband. Die Firma mar nicht zu bewegen, von der Nichtwiedereinstellung von 4 bzw. Kündigung von 6 Bertmeistern zum 20. November Abstand zu nehmen. Es wurde nur eine Aenderung dahingehend erzielt, daß die 6 zum 30. November zur Kündigung kommenden Werkmeister anstatt eines Monatsgehalts einundeinhalbes Monatsgehalt als Abfindung erhalten. Des weiteren wurde die bis zum 31. Dezember festgesezte Sperrfrist um einen Monat verlängert. Auf der anderen Seite wurde aber festgelegt, daß nicht 70 Broz. der Belegschaft, sondern nur 60 Broz. wieder eingestellt werden sollen. Bei einer Erweiterung des Betriebes soll in erster Linie auf die nicht wieder Eingestellten zurückgegriffen werden. Schiedsspruch für die chemische Industrie. Am 7. Oftober lief das Lohnabkommen in der chemischen Industrie Groß- Berlins ab. Chemiefartell und Tariffommission unterbreiteten dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie die Forderung, die Löhne auf 85 Pf. pro Stunde zu erhöhen. Gleichfalls wurde eine andere Regelung der Frauenlöhne sowie Erhöhung der Schmutzulagen gefordert. Verhandlungen, die am 1. Oftober 1925 stattfanden, führten zu feinem Ergebnis. Die Unternehmer erflärten, auch einen Pfennig Lohnzulage gewähren zu können und beriefen sich dabei auf die angeblich schlechte finanzielle Lage der chemischen Induſtrie in Berlin. Der tariflich vorgesehene Bezirksschlichtungsausschuß tam zu feinem Spruch, dagegen fällte das Haupttarifamt der chemischen Industrie am 8. Oftober folgenden Schieds. ipruch: Alle Der Lohn des über 21 Jahre alten männlichen Arbeiters in Fachgruppe II, Drtsklasse A, beträgt ab 7. Oftober 1925 71,5 f. in der Stunde. Dieser Lohn fann erstmalig am 31. Januar 1926 mit 14tägiger Frist gekündigt werden. übrigen Löhne werden in der bisherigen Weise errechnet." Hierzu nahm am 12. Oftober eine start besuchte Funktionärs fonferenz der chemischen Industrie Stellung, in der Poch vom Verband der Fabrikarbeiter über die Verhandlungen Bericht erstattete. In der Diskussion wurde hauptsächlich die lange Dauer des gefällten Schiedsspruches bemängelt. Auch die erreichte Lohnhöhe befriedigte feineswegs. Da nach den tariflichen Bestimmungen der Schiedsspruch endgültig bindend ist, fonnte die Versammlung nur ihrer Unzufrieden heit Ausdruck geben. Einstimmig waren alle Diskussionsredner der Meinung, daß die geltende Tarifzeit mit allen Mitteln ausgenutzt werden muß, die Unorganisierten für die Organisation zu gewinnen, um auch endlich die Löhne der chemischen Induftrie auf eine Höhe zu bringen, die ein menschliches Dasein ermöglichen. und Darum, Arbeiter der chemischen Industrie: Hin ein in den Berband der Fabritarbeiter Deutschlands, wo Thr auch in allen Fällen, die Euer Arbeitsverhältnis betreffen, Ausfunft und Hilfe erhaltet. Achtung, Zimmerer! Der bei der Firma Bahu. Freytag in Tempelhof, Ordensmeisterstraße, Lagerplaz, bestehende Streit geht weiter. Die Firma versucht die dort zur Ausführung gelangten Arbeiten auf anderen Arbeitsstellen fertigstellen zu lassen. Kameraden, übt Solidarität mit den Streifenden, verweigert die Ausführung von Streifarbeiten, die auf dem Lagerplatz in Tempelhof zur Aufführung gelangen follten. Zentralverband der Zimmerer, Bahlstelle Berlin und Umgegend. Baugewerksbund. Fachgruppe der Buyer. Donnerstag, 15. Oktober, abends 7 Uhr, Residenz- Feitfäle, Landsberger Str. 31, Mitgliederversammlung. Situa tionsbericht und Welche Folgen fönnen für unsere Kollegen entstehen?" Mit Die Fachgruppenleitung. aliebsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin GB. 68. Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Stönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. 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Bisher kannte man nur die schwarze Tulpe und die schwarze Ins(Iris susiana gleich Dame in Trauer). Also bitte, pflanzen Sie feste die letztere, dann ist Ihr Sehnen gestillt. Doch halt: diese Blumen haben ja ihre bestimmte Blütezeit, also werden Sie doch mit den anderen ein energisches Wörtlein reden müssen, damit endlich die schwarze Rose, der schwarze Flieder und die schwarze Aster zu den ver- schiedenen Jahreszeiten zur Verfügung stehen. Ober greifen Sie in den Anilin-Farbenpott und schminken Sie weißen Blumen die gewünschte Schwärze an.— Man sieht, wohin der Wahn der völki- schen Kreise führt. Was sie anfasien, wird von ihren täppischen Händen vergiftet. Aus dem erziehlichen Wander- und Laufsport haben sie ödesten militärischen Drill gemacht— das'Kino haben sie durch ihren„patriotischen" Rummel vergiftet— im Rundfunk schlägt der banalste Tamtam-Marsch Mozart und Beethoven und nun geht es über die Blumen her. Jeder Mensch mit gesunden Sinnen freut sich der leuchtenden Blumenforbe und jeder Trauernde hat die Möglichkeit, durch Wahl nicht ausdringlich, sondern ernst wirkender Farben, wie z. D. lila, den weihevollen Eindruck eines Kranzes zu verstärken— zudem ist durch Umwinden mit Flor und Krepp das Trauergemäße noch zu erhöhen. Ein Trost bleibt: bis die Dölkischen die Natur umgewandelt haben werden, wird ihr Spuk wohl hinweggefegt sein. Geistigen Epidemien, die sich nur auf Knüppel stützen, pflegt keine lange Lebensdauer beschieden zu sein._ Riefenunterschleife bei der Reichsbank. Ter ungetreue Reichsbankoberinspcktor. Durch einen Zufall ist man jetzt in der Reichsbankstelle Eharlottenburg unlauteren Manipulationen des fest langen Jahren bei der Reichsbank angestellten Oberinspektors Franz Arnold, Charlottenburg, Fritschestraße 65, auf die Spur gekommen. Augenblicklich wird von der ReichsbankdirektidN eine Prüfung der von Arnold geführten Bücher vorgenommen und am Dienstagabend hat sich bereits eine Versammlung des Reichs- bankdirektvriums mit dem vorläuiig noch nicht endgültig geklärten Fall beschäftigt. Wir erfahren über die Angelegenheit folgende Cinzelftfiten: Oberinspektor Arnold, der fest langer Zeit im Dienst« der Reichsbank steht, genoß durchaus das Vertrauen seiner vor- gesetzten Direktion in der Reichsbankstell« Eharlottenburq. Er selbst lebte mit seiner Gattin und seinem 24jährigen Sohn in geordneten Verhältnisien und niemand wäre auf den Gedanken gekommen, daß Arnold, mindestens seil dem Jahre 1924, sich Veruntreuungen zu- schulden hat kommen lasten, wenn nicht durch einen Zufall die ganze Angelegenheit ins Rollen gekommen wäre. Bei der Direktion der Rcichsbankfiliale in Breslau tauchte vor ungefähr 11 Tagen rne lleberweisungsaniorderung in Höhe von 6 0 0 0 0 0 Mark auf die Reichsbankstelle Chorlottenburg auf. Die Ucberweisung wurde geprüft und von der dortigen Kasse der Direktion vorgelegt. Den Kassenführern selbst war bereits aufge- fallen, daß die Unte-'schriften der beiden Charlottenburger Direktoren ein wenig von dem Vordruck abgewichen waren, der in allen Reichs- bankstellen zur Prüfung vorhanden ilt. Man fragte deshalb zu- nächst telephonisch bei der Charlottenburger Direktion an, ob die lleberweisung in Ordnung se,. Es stellte sich sofort heraus, daß hier eine Fälschung vorlag und durch eine unerwartete Re- vision in der Charlottenburger'Reichsbankstelle wurden sämtliche Bücher geprüft. Dabei stellte sich heraus, daß Arnold mindestens stit zwei Jahren Fälschungen schlimmster Art be- gangen hatte. Durch sehr geschickte Buchnnge» hat er größere Summen abgezweigt und diese für sich verbraucht. Es hat je» doch nach Ansicht der Reichsbank nicht den Anschein, als ob die unter- schlagenen Gelder, deren genaue Höhe erst festgestellt werden muß, für die Reichsbank verloren sind. Bielmehr dürfte noch dem bisher vorliegenden Ermittlungsergebnis Arnold mit den Geldern, die er uMerschlug, Börsengeschäfte gemacht und überdies zu sehr hohen Zinsen Kapitalien ausgeliehen haben. Infolgedessen glaubt man in der Reichsbank, daß der angerichtete Schaden nicht allzu groß sein wird und daß es gelingen dürste, einen Teil der veruntreuten Gelder wieder hereinzubekommen. Offenbar hat Oberinspektor Arnold den Betrugsversnch bei der Breslauer Reichsbankstelle ver- sucht, um einen legten„großen Coup" zu machen und mit diesem Gelde dann das Weite zu suchen, da er befürchten mußte, daß bei dem bevorstehenden Bücherabschluß im Dezember und bei der Re- Vision zu dieser Zeit seine Ber-ehlungen aufgedeckt werden würden. Schwarzweißrot bei öer Reichsbahn. Ein Leser schreibt uns: Ich fahre täglich vom Verl. Görlitz er Bahnhof nach W« i ß w a s s« r. Nun habe ich beobachtet, daß die Schranken resp. Schlogbäume der Eisenbahn an den Straßenübergängen einen neuen Farbenanstrich bekommen haben und zwar so: Diese Farbenanstriche habe ich beobachtet bei den Kilometer steinen ob Berlin: 75.5. 76.1 76.3. 76,5 77,3 77,5. Das ist zwischen Lübben und Lübbenau. Sind das, so fragt der empörte Einsender, die Farben der Republik oder sind das die alten Reichsfarben? Die Absicht einer Verhöhnung scheint hier so klar zu sein, daß die dafür verantwortliche Reichsbahn- d i r e k t i o n sich schleunigst über dies« Zustände in ihrem Bereich äußern sollte._ Verhaftung zweier Wegelagerer. In der Rächt zum 24. Juli d. I. stieß der Hilfspokizerbeamt« Bock auf seinem Rundgang in Hohen- Neuendorf auf zwei verdächtige Männer und hielt sie an. Während er ihr« Papiere prüfte, schoß der eine auf ihn und verletzte ihn sehr schwer. Bock oermochte noch seine Pistole zu ziehen und zweimal zu schießen, dann brach er ober zusammen und die Angreifer verschwanden und entkamen. Ein Fahrrad, das sie zurückließen, war eben vorher, wie die Ermittelungen ergaben, in Hohen-Neuendorf gestohlen worden. Der Verdacht fiel aus einen 23 Jahre alten aus Trier gebürtigen Dachdecker Hans Rosenkränzer und seinen 28 Jahre alten Freund, einen Schlaffer Walter Schnell« aus Brandenburg, mit dem er zuletzt in der Wadzeckstrahe gewohnt hatte. In der folgenden Nacht fuhr ein Kaufmann Erich Azurka aus Lindenberg von dort aui seinem Rad nach Weißensee. In der Höhe des Krcuzpsuhles überholte er zwei Männer, die zu Fuß gingen, ohne mit ihnen ein Wort zu wechseln Gleich darauf erhielt er von ihnen einen Beckenschuß.an dessen Folgen er noch heute leidet. Ein'kräftiger Mann, sprang er trotz der schweren Ver- letzung vom Rade, um sich den Wegelagerern zu stellen. Dies« liefen jedoch davon und entkamen. Azurka kam mit schwerer Mühe aus seinem Rade bis nach der Berliner Straße in Weißensee. Dort brach er zusammen und fand die erste Hilfe in einer Gastwirtschaft. Wie sich jetzt ergeben hat, hoben Rosenkrönzer und Schnelle auch diesen Ucbersall,'einen vorbedachten Mordversuch, verübt. Auf ein Fahndungsausschreiben der Berliner Kriminalpolizei wurde jener kürzlich in Gero und dieser daraus in E i s c n a ch festgenommen. Beide wurden nach Berlin gebracht. Als man ihnen hier aus den Kops zusagte, daß sie auch den Ueberfall aus den Kaufmann Azurka verübt hätten, gaben sie es nach längerem Leugnen zu. Wettet für Berlin und Umgegend. G, öhtenteils belvölkl unl> zlemllch kiibl mit rinzcln-n leichlc» Zteaenlchauern und triichen nordwestlichen Winden. Zür ventjchland. KübleZ. unbeständige«, vielfach regnerisches Weiler. Die Unfälle in den Saöeanstalten. Vermehrung der Sicherheiismaßnahmen. Die tödlichen Unfälle in den Badeanstallen in der Odcrberger, Dennewitz- und Bärwaldstraße beschäftigten am Dienstag den zu» ständigen Stadtvercrdnetenausschuß. Es wurde beschloffen, dem Plenum folgendes vorzuschlagen: Für jedes Schwimmbecken wird zur Aufsicht ein schwimm- und tauchkundiger Bademeister bestellt, der nur da? Schwimmbecken zu beaufsichtigen hat. Das Nichtschwimmerbeckcn ist bester als bisher abzugrenzen. Es sind der Neuzeit entsprechende Such- und Rettungsvorrichtungen anzuschaffen. Den Badenden ist kostenlos ein Stück Seife zu verabfolgen.— Ferner ist der Neu- bau mehrerer Badean st alten zu fordern und ein« bessere Beleuchtung, besonders der Schwimmbecken, ist anzustreben. Diese sind möglichst mit hellblauen oder weiße» Kacheln zu bekleiden. Abgelehnt wurde ein Antrag: das Wasser in den Schwimmbecken täglich zu erneuern und vor der Füllung zu desinfizieren. Die anwesenden Sachverständigen: Direktor Prof. Dr. Hofsmann vom städtischen Gesundheitsamt, Prof. Scligmann sowie Prof. Oettinger und Dr. Korach hielten die tägliche F i l- t r i e r u n g des Wasiers und die tägliche Zuführung von 25 Proz. Frischwaffer sowie Chlorierung für ausreichend, vielleicht sei dies schon jetzt geübte Verfahren der Erneuerung des Waffers hygienisch einwandfreier als die täglich« Erneuerung. Es wurde u. a. darauf hingewiesen, daß die bisherigen Unfälle ganz vereinzelt dastehen, zum Teil vollständig aufgeklärt seien und daß bei einer größeren Ordnung und vermehrten Aufsicht trotz der Ueberfüllung der Bade- anstalten tödliche Unfälle sich kaum wiederholen dürften. Der Magistrat hat auch schon Stellung zu den Unfällen genommen und beschloffen, miß er den beiden in, Vau begriffenen Badeanstalten noch einige zu errichten, wobei die bisher gemachten Erfahrungen verwertet werden sollen. Die Becken der Schwimmer und Nichtschwimmer sollen getrennt werden. Das Urteil im Potsdamer Sistmordprozeß. Zuchthau» für die Angeklagte«. Räch dem Antrage de» Anklagevertreters, Staatsanwalt Gerlach, wurde die Angeklagte Förstersfrau 83 3 die weg«« versuchten Giftmordes zu 4 Jahren Zuchthau«, 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Mitangeklagte Kneckt Willi G a r d e tz k i wegen Beihilfe zu dem Verbrechen zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust perurteilt. Die beiden Angeklagten nahmen da» Urteil vollständig gleichgültig an. Wieder ei« mißverstandener Erfinder! Weil man an den Wert seiner Erfindung nicht glauben wollt«, »aar gegen den früheren Schleifer und jetzigen Werkmeister B. An- klage vor dem Schöffengericht Mitte wegen Betruges erhoben worden. D. hatte behauptet, daß es ihm gelungen sei, aus weichem Eisen durch bestimmte Zusätze gehärtetes Eisen herzustellen. Zur Ausnutzung seiner Erfindung hatte er Interessenten gesunden, die mit ihm einen Vertrag schlössen, demzufolge ihm 40000 Mark für seine Arbeit zur Perfüguna gestellt werden sollten. Die Geldgeber fühlten sich hinterher geschädigt, weil B. mit seinen Versuchen nicht fertig wurde, in der Zwischenzeit aber an Gehalt und Borschüssen sowie für die Einrich.ung einer Härte- anstalt viel Geld verbraucht hatte. Die Vorführung der Versuche des Angeklagten waren mißlungen. Deshalb war gegen ihn Betrugs- anzeige'erstattet worden. B. behauptete nun in der Verhandlung. daß er unterdessen erfahren habe, daß seine Finanzleute selbst völlig verschuldet gewesen seien. Das Kapital für die Härteanstalt seien sie selbst schuldig geblieben. Es habe daher für ihn die Gefahr bestanden, daß sein Geheimnis preisgegeben werde, und deshalb habe er selbst den Vertrag gelöst. Die Mißerfolge bei seinen Versuchen seien darauf zurückzuführen, daß man ihm nicht geeignetes Material zyr Verfügung gestellt habe. Da der Verteidiger sich auf zwei Zeugen berief, die behaupteten, mit dem Verfahren des B. gut gearbeitet zu haben, beschloß das Gericht, dem Angeklagten noch einmal Ge- legenheit zu geben, seine Erfindung vor einem gericht- lichen Sachverständigen vorzuführen, ehe es eine Entscheidung darüber treffe, od man es bei V. mit einem ernst zu nehmenden Erfinder oder einem Erfindungsschwindler zu tun Hab«. Der An- geklagte erklärte sich auch bereit, die verlcmgten Vorführungen seines Verfahrens zu machen. Deshalb wurde die Verhandlung vertagt. eoz Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Krisiensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Ich war zu schwach. Ich konnte nicht hereingehcn und ihn verprügeln. Ich konnte rein gar nichts! Doch morgen abend konnte ich, morgen abend sollte ich sie wieder treffen. Ich sollte sie treffen. Und dann konnte ich grade auf sie zugehen in einem weißglühenden Augenblick, grade auf sie zugehen und idr'eii-« Ohrfeige geben. Wenn ich bloß treffen würde! Wenn ich bloß kräftig genug zuschlug! Nein, ich konnte sie beim Arm nehmen, und sie weil wegstoßen, so daß sie stolperte, und ich konnte schreien, sie beschimpfen, nur ein einziges Wort. ein rohes Wort sagen, und dann gehen und gehen und nicht mehr zu Samuelsen� zurückkommen. In. ich konnte zurück- kommen und ihm mit meiner geballten Faust mitten ins Ee- iicht schlagen. Ich konnte auch einen Vricf an den Vater chrciben. Er war ja blind. Ich konnte an die Kirchen- iienerin schreiben, daß Ejnar-- und an die Portierfrau, daß Georg-- aber ich hatte aus der Schublade gestohlen, und sie würde das sagen! Sie würde mich einen Dieb fchimnfcn! Ich sprang aus dem Bett, zog meine besten Sachen an, riß sie wieder hsnmter und zog einen schlechten Anzug an. Ich suchte nach meiner Uhr. Das war immerhin ein Wert- gegenständ! Ich rollte meine neuen Sachen zu einem Bündel zusammen, öffnete das Fenster und ließ mich in den Hof heruntergleitcn. So ging ich in der Morgendämmerung durch die Bred- oade. In einem gewissen zweiten Stockwerk waren die Ja- lausten heruntergerollt. Ich blleb einen Augenblick stehen und fror in der Morgenkühle. Em Milchwagen kam gepoltert. Darauf ging ich auf die Borgergade zu, um mein Kleider- bündel zu verkaufen. 24. Wasiiemar war ganz ausgelassen. Am nächsten Tag sollte er nach Charbin heraufreisen. Er war versetzt worden. Den ganzen Abend verbrachte er in einer freudigen Un- ruhe. Erst machte er eine Fahrt an Marys Fenstern vorbei und sah zu ihnen hoch. Sie glaubte, er hätte Nachtarbeit; doch am nächsten Tag würde er fort sein. Er war er selbst. fühlte er. trotz de: ganzen fremden Umgebung. Er zog fort, ohne ihr eine Erklärung zu geben. Hinter ihrem Rücken glitt er still in das Dunkel hinaus. Danach fuhr er in ein Hotel, um sich an der Bar einen Drink geben zu lassen, und hier traf er den alten Dänen, der ganz allein dasaß und mit den„schiefen" Augen blinzelte. „Morgen reise ich nach Charbin!" teilte er ihm mit. „Das ist ein gefährliches Pestloch. Viel Vergnügen!� Sie stießen darauf an. „Und das Mischblut, mit dem Sie herumgebummelt sind?" „Sie kann sehen, wo sie bleibt." „Na, Gott sei Dank! Man konnte ja zuletzt kaum noch mit Ihnen verkehren. Ein Mischblut und Scott! Nein, da ziehe ich denn doch die Chinesen vor. Aber Sie freuen sich wohl, daß Sie reisen können?" „Ja. es ist doch mal was Neues.' „Ich kann es mir denken. Neues und wieder Neues, und..man vergißt sich selbst". Gott weiß, weshalb wir eigent- sich solche Angst vor uns selbst haben und immerzu Klimbim und neue Häuser zu sehen verlangen. Europäische Krankheit, nicht wabr?" Waldemar sah ihn nervös an. „Es ist das letztemal, daß ich versetzt wurde. In fünf Iahren ist meine Dienstzeit abgelaufen: die ganzen sieben Jahre sind vorbei, und dann will ich nach Hause!" ant- wartete er. „Zum Teufel noch mal, was wollen Sie denn da? „Festwachsen!" „Hat die Fremde keine Probleme für Sie gelöst?" „Ja, einige. Aber ich kann nicht-- andauernd fliehen. Ich will nach Hause und meine Freunde und meine Feinde finden. Ich muß nach Hause und Ohrfeigen austeilen lernen. Was geht das mich an, was hier draußen alles geschieht. Ich betrüge das Leben, wenn ich hier bleibe." „Betrügen Sie nicht auch das Leben, wenn Sie auch aus Charbin fliehen wollen, bevor Sie noch hingekommen sind? Der Ort ist doch ganz gleichgültig Aber zum Henker mit all dem Tiessinn. Darauf habe ich keine Lust anzustoßen! Aber wollen wir nilbt darw'f, daß b;e Pest Sie nicht oben in der Mandschurei findet, und daß Sie das nächste Mal ein Rusienmädel kriegen und nicht ein verfluchtes Mischblut? Wollen w'r?" Und sie stießen darauf an. Es waren lange Wege zu gehen, und die Tage hatten viel zu viele Stunden. Die Zeil erschreckte mich mit ihrer mecha- nischen Langsamkeit und ihrer EinfLrmigftnt. Ich wurde wie besessen von Uhren. Alle Orte, wo Normaluhren hingen, bildeten Ruhepunkte in meinem Dasein, und ich dachte mir meine Wanderungen von einer zur anderen als ein Wirrwarr von kreuz und quer gehenden, punktierten Linien. Aber die Schaufenster der Uhrmacher mit den vielen Uhren, wovon keine wie die andere ging, war mein Entsetzen. Sie brachten Verwirrung und Unruhe in meinen einzigen festen Gedanken, daß die Zeit verging. Wenn es mir klar geworden war, daß es in fünf Minuten halb drei war, konnte es mich quälen, zu einem Uhrmacher hereinzusehen und zu entdecken, daß die Uhr alles Mögliche andere zeigte. Meine eigene Einsegnungsuhr war verkauft. Ich hatte sie wie einen Freund betrachtet; doch dann hatte ich mich gezwungen, zu denken, daß die Menschen voneinander scheiden müssen, und daß man nur seinen Schmerz vergrößert, wenn man zu viel von ihnen hält. Und ein Ding, eine Uhr durfte nicht die Ursache sein, daß ich traurig war. Ich hielt sie in der ausgestreckten Hand vor mich hin, als ob wir bereits Ab- schied genommen hätten, und ging hinein und verkaufte sie. Die billigen Kaffeehäuser waren mir ein Erlebnis. Wenn Ich mich an einem Tisch niederließ und die Spiegel und die vielen fremden Gesichter ansah, die noch einsamer und ver- schlossener waren als meins, fühlte ich, wie seltsam es war, daß ich grade hier in diesem Halbdunkeln Räume saß. Ich war ein Mensch, selbständig und allein, und keiner der ande- ren Gäste im Cafei wußte etwas von mir. Die Kellner schätzten stets mit einem hastigen Blick meine Sachen ab; doch solange ich Geld hatte, sorgte ich dafür, daß ich gerade dabei war, es zu zählen, wenn sie an meinen Tisch kamen. Wenn das Esten verzehrt war, lehnte ich mich zurück und siel in einen Halbschlaf. In meinem Lisblingscaf6 war das große Fenster nach der Besterbrogade hinaus mit glasierten, grünen Steinen ein- gerahmt. Wenn ich nun den Kopf zurücklegte und zu ihnen hochstarrte, konnte ich das Straßenleben sich verkehrt in ihnen spiegeln sehen. Die Gestalten zerflossen zu hellen und dunklen Flecken, und das ganze Leben wurde wie rinnendes Wasser, ein unaufhörliches Wogen, eine Bewegung, die mich ganz benahm und meine Gedanken einschläferte. Ich selbst war satt. Ich war in Ruhe. Vergangenheit und Zukunft hatten keine Bedeutung mehr. Es gab nur eine Bewcguna hm und her, hin und her, und das verbeigleitende Spiegelbild in den ala- sierten Steinen war so unwirklich, daß ich nach keinem Sinn suchte oder nach keiner Bahn, die mein eignes Ich einschlagen konnte.> (Fortsetzung folgt.) Der neue Schwager". Ein Ehezwift und seine Folgen. Das Schwurgericht des Landgerichts I beschäftigte sich gestern wieder mit einem Meineid. Ein Eheprozeß war der Borläufer diefes Meineidsverfahrens. Unbedachte Worte, die vielleicht der Haß dit. tierte, hatten den Arbeiter Alfred A. und seine Schwester, eine geschiedene Frau Ina G., unter die schwere Anflage des Meineids gebracht. Die Familie G. lernte einft in einem Lotal, in dem fie als Stammgaft verfehrte, einen Chauffeur P. tennen. Aus der oberflächlichen Belanntschaft entwickelte fich sehr bald eine recht intime Freundschaft. Und als Frau G., deren Cheleben nicht glücklich war, schließlich von ihrem Manne gefchieden wurde, war fie mit dem neuen Freund auf Du und Du. Aber auch die Frau des Chauffeurs führte bittere Klage über ihren Ehemann, der es mit der Treue wirklich nicht genau nahm. Eines Tages verließ sie turz entschlossen das gemeinsame Heim, nahm die gesamte Wohnungseinrichtung mit und ließ dem treulofen Gatten nur eine einzige Schachtel mit 50 3igaretten zurüd. Für B. fam jeßt eine schlechte Beit, ruhelos zog er als Aftermieter von Wohnung zu Wohnung. Aber plötzlich erinnert er sich seiner neuen Freundin, der Frau G. geht zu ihren Eltern und flagt diesen seine Not. Obwohl diese schon ihre Tochter zu sich genommen hatten und außerdem noch in sehr beschränkten Wohnungsverhältnissen lebten, nahmen fie schließlich den P. auch noch bei fich auf. Nun schien sich das Ber. hängnis für das neue Freundespaar nicht mehr aufhalten zu laffen. Durch das enge Zusammenleben in der kleinen Wohnung soll sich ein recht intimes Berhältnis zwischen den beiden entwickelt haben. Dem Bruder der G., dem Arbeiter A., war der neue S to ager" schon lange ein Dorn im Auge. Beide konnten sich in feiner Weise verstehen. Eines Tages fuchte der feindliche Bruder" die Ehefrau P. auf und erzählte diefer recht peinliche Vertraulichkeiten, die er zwischen seiner Schwester und dem B. belauscht haben wollte. Sofort ging Frau B. zu ihrem Rechtsbeistand, der die erhaltenen Mitteilungen zum Gegenstand eines Ehescheidungsprozesses machte. Frau G. und ihr Bruder wurden als Zeugen geladen. Obwohl manches Berdächtige zur Sprache fam, bestritt die Beugin unter ihrem Eide, jemals mit B. in unerlaubten Beziehungen gelebt zu haben. Auch 2. beschwor, der Frau P. nichts weiter als die Ar beitsstätte ihres Mannes mitgeteilt zu haben. Aber trotz dieser Ausjagen wurde die angefochtene Ehe geschieden. Gegen Frau G. aber und ihren Bruder strengte die Staatsanwaltschaft das jetzige Berfahren megen meineids an, da die beiden nach ihrer Anfidit missentlich die unwahrheit beschmoren hätten. Auch in der neuen Berhandlung blieb Frau G. feft bei ihrer ersten Ausfage, ja fie betonte noch ausdrücklich, daß selbst heute, wo sie dem B. die Wirtschaft führe, sich in dem einwandfreien Berhältnis zu B. noch nicht das geringste geändert habe. Auch 21. milf niemals etwas von den Berdächtigungen gesagt haben. Während sich in der Be weisaufnahme durch die Aussagen der Beugen die Schuld der Angetlagten nicht ganz einwandfrei feststellen ließ, wurde ihr Bruder durch den Eid der Frau P. schwer belastet. Das Gericht fam denn auch zu einer fostenlosen Freisprechung der Frau G. Bei A. aber hält es den meineid für erwiesen. Dem Angeflagten wird zugute gehalten, daß er sich in dem Chefcheidungsprozeß bei Verweigerung des Eides selbst der vorsäglichen falschen Beschuldigung geziehen hätte. Aus diesem Grunde wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt. Die an und für fid) verwirfte Punthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten wurde in eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten und 14 Tagen umgewandelt. Ein Kurfus der Arbeiterwohlfahrt. Wichtig für Wohlfahrtspflegerinnen. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt E. B. veranstaltet nom November 1925 bis Februar 1926 am Sozialpolitischen Seminar an der Hochschule für Politit in Berlin einen Nachschulungs. furfus für Wohlfahrtspflegerinnen. Die Genehmigung des preu Bischen Wohlfahrtsministeriums für diefen Rurfus liegt vor. Für den Unterricht ist folgender Plan vorgesehen: Boltswirtschaftslehre:( wöchentlich 1 Stunde) Dr. Hilde Oppenheimer, Referentin im Reichsarbeitsministe rium. Bürgerfunde:( wöchentlich 1 Stunde) Frau Re: gierungsrat Hedwig Wachenheim. Sozialpolitit: ( wöchentlich 2 Stunden) Luise Schröder, M. d. R.- GeGe sundheitsfürsorge:( wöchentlich 1 Stunde) Dr. med. Laura Thurnau. Sozialpädagogit:( wöchentlich 1 Stunde) Dr. Mennede, Direttor des Sozialpolitischen Seminars an Deutschen Hochschule für Bolitik in Berlin. Geschichte, Begriffe und esen Der Wohlfahrtspflege: ( wöchentlich 2 Stunden) Stadtrat Dr. Walter Friedländer. Jugendwohlfahrtspflege:( wöchentlich 2 Stunden) Dr. Ollendorf, Obermagistratsrat im Jugendamt der Stadt Berlin. Wohlfahrtspflege und Fürsorgepflicht verordnung:( wöchentlich 1 Stunde) Ministerialrat Dorothea Hirschfelb. Der Kursus schließt mit einer ftaatlichen Prüfung, die Borbebingung zu dem Erwerb der staatlichen Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin berechtigt Borbedingung für die Zulaffung zum Rurfus ist eine 5jährige hauptberufliche Tätigkeit in der Wohlfahrtspflege. Der Kursus bietet den zur Teilnahme berechtigten Bohlfahrtspflegerinnen die legte Gelegenheit, die staatliche Anerkennung nach furzer Ausbildungszeit zu erwerben, da ab 1926 Nachschulungsturse nicht mehr bewilligt werden und der ordentliche Lehrgang 2 Jahre beansprucht. Anmeldungen und Anfragen find ชน richten an ben Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt, Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Ausdehnung des elektrischen Vororrbetriebes in Berlin. Der Bieber bis Birtenwerder gebende elettrise Teilbetrieb ist seit dem 6. Oftober mit zwei Bagen Rügen Bis Oranienburg probeweise durchgeführt worden. Annabernb 80 Prog. der Dranienburger Büge werden damit eleltrisch Befördert. Die weitere Ausdehnung des elektrischen Betriebes ift abbängig von der Anlieferung neuer Wagenzüge. Wähler- Kundgebungen Die Franen zur Wahl. In einer gut besuchten Frauenversammlung im ngeum in der Greifswalder Straße sprach tie Genoffin Dr. Begfcheider zu der Tagesordnung: Warum muß Berlin fozialdemokratisch wählen?" Die legten unpolitischen Wahlen bewieder befinden wir uns in einer Strifenzeit. Nicht aber allein in einer Zeit der politischen und wirtschaftlichen, sondern auch einer geistigen Krife. Ueberall wird versucht, sozialdemokratische Berwal tungsbeamte abzubauen. Der Abbau des Gen. Paulsen, der mit der Hente, Mittwoch, den 14. Oktober, 7, Uhr abends: Mitte( 1. u. 7. Abt.): Schulaula Auguftstraße 68. ( 3. Abt.): Gewerkschaftshaus, Engelufer 25( großer Saal). deuteten eine Schädigung für das ganze Deutsche Reich. Auch heute ( 5. Abt.): Reichsfasino, Neue Königstraße 26. ( 6. Abt.): Büttner, Schwedter Straße 23. Wedding( 16. Abt.): Schulaula Wiesenstraße 66. Prenzlauer Berg( 29. Abt.): Schulaula Senefelderstraße 6. Friedrichshain( 33. Abt.): Schulaula, Hohenlohestraße 10. Kreuzberg( 48. Abt.): Gließings Festfäle, Wassertorstraße 68. Tempelhof: Turnhalle des Gymnasiums Neutempelhof, Deutfcher Ring. Karlshorst: Restaurant Fürstenhaus, Treschowallee 92. Tagesordnung: Warum muß am 25. Oftober Berfin fozialdemokratisch wählen? Redner: Bublih, Edhardt, Heh, Kreuziget, Künstler, Alodt, Dr. Löwenffein, Ciffe, Landa, Dr. Moses, Mielih, Reuter, Reimann, Dr. Wenl. Donnerstag, den 15. Oktober, 7 Uhr abends: Friedrichshain( 34. Abt.): Commentusfäle, Memeler Str. 67. Halensee: 8 Uhr, Florafäle, Johann- Georg- Straße 20. Tempelhof: Aula, Realgymnasium, Kaiserin- Augusta- Straße. Biesdorf: 8 Uhr, Bartsch, Dorfstraße. Heinersdorf: Luce, Kaiser- Wilhelm- Straße. Tagesordnung: Warum muß Berlin am 25. Oftober sozialdemokratisch wählen? Redner: Diffmer, Dr. Kawerau, Klodi, Marie Kunert, Cempert, Oppel, Rohte. Frauenkundgebung Donnerstag, den 15. Oktober, 7% Uhr abends: Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Rednerin: Frau Margarete Keil. Deutschland Oesterreich. Für Bölferverständigung und Völkerfrieden. unerhörten Mithilfe der Kommunisten den Bürgerlichen mur zu gut gelungen ist, legt Zeugnis davon ab. Hier ist ein Mann zurückgedrängt worden, der einen neuen Geiſt in das veraltete bezopfte Schulwefen tragen wollte. So wie feinerzeit die Kraft von Männern wie Ebert und Rathenau durch verleumderische, gemeine Winkelzüge gebrochen wurde, wird jezt erneut versucht, nicht zuguterlegt durch die Mithilfe der Kommunisten, die Autorität der Führer des schaffen. den Bolles zu untergraben. Werbende Betriebe, wie die Städtt schen Elektrizitätswerte wollte man privatifieren und nur mit Mühe ist dieses von der Sozialdemokratischen Partei verhindert worden. Auch die unerhörte Wohnungspolitit der Rechtsparteien geißelte die Referentin in scharfen Worten. Die Sünde der Bor friegszeit beginnt hier wieder Fuß zu faffen, denn die private Bauwirtschaft hat bewiesen, daß sie vor dem Kriege und wie auch ccieder heute dem Problem der Wohnungsfrage in feiner Weise gewachsen ist. Gen. Wegscheider richtete einen Appell an die Frauen, auch auf die anderen im Sinne des sozialistischen Gedankens einzuwirken, die heute noch indifferent und unwissend befeite stehen Dit dem gemeinsamen Gefang der Internationale und einem Hoch auf die SPD. schloß die Kundgebung. Dei In einer öffentlichen gutbesuchten Frauenversammlung in Reutölln, Aula Raifer- Friedrich- Straße, wußte die Refe rentin, Genoffin Anna Siemsen, von Anfang an die Frauen zu feffeln, indem sie Alltagserlebnisse zum Ausgang ihrer Betrachy fungen nahm. Von der Wahl Hindenburgs bis zur Konferenz in Rechtsparteien. Die ganze Breisfenkungsaktion der Regierung wächst Cem- ocarno zeigte sie den Frauen die Gegenfäge in der Politik der fich von Tag zu Tag immer mehr aus zu einem ungeheuren Betrug an der Boltsfeele. An zwei gleichen marfanten Urteilen zweier Gerichte gab sie den Frauen Gelegenheit, felbft zu entscheiden, wie es m heutigen Rechtsleben aussieht. Betrachtet die Schulen der Be Ein figenden, wie anders sehen fie aus als die Boltsschulen. Truberer franzöfifcher Unterrichtsminister, der einmal in Berlin diese befferen" Schulen besichtigte, fonnte nicht unthin zu sagen: Ja diese Schulen find schön, aber sie sind ja nur für die Reichen. Berliner Komuunalliberalismus hat in den ganzen Jahrzehnten feiner Herrschaft solch schwere Sünden auf sich geladen, daß er seine Rolle endlich ausgespielt haben sollte. Es gibt faum eine Stadt der Welt, wo die Wohnungsnot und die Miettafernen so zu Haufe find, wie hier in Berlin. Daß die sozialistische Mehrheit im Magistral verloren ging, verdanten wir jener Partei, die ihren Kampf nur führt gegen die Sozialdemokratie, den Kommunisten. Sie haben Baulfen abbauen helfen zur Freude der ganzen Reaktion. Daß die großen Werke für Gas, Waffer, Elektrizität und die Straßenbahn überhaupt noch in den Händen der Stadt sind, ist einzig das Berdienft unserer Bartel. Was eine große Gemeinde mit foziaiftischer Mehrheit zu leiften imftande ift, fehen wir an Wien. Die Erfolge unserer dortigen Genoffen fann feine gegnerische Berleum dung abstreiten. Sorgen wir auch in Berlin dafür, daß eine fezialistische Mehrheit ins Rathaus einzieht und damit der Realtion gezeigt wird, daß das Volf ihren Trug durchschaut hat. Die der Internationale des Post, Telegraphen- und Telephon personals( Siz Bien) angegliederten deutschen Boftbeamtenverbände veranstalteten am Dienstagabend in den„ Kammerfälen in der Teltomer Straße eine sehr start befuchte Rundgebung für die Bereinigung Deutschösterreichs und Deutschlands, für Bölferverständigung und Böllerfrieben. Bon stürmischem Beifall begrüßt, ergriff der erste Borsigende der Poſtgewerkschaft Deutschösterreicys, Alois Jaal- Bien, das Wort und betonte, daß die Idee des Anschlusses trog aller wirtschaftlichen und politischen Bedrängnisse nie geruht habe. Die Angst vor dem Anschluß habe die Entente zur Verlängerung der Kontrolle getrieben. Diese Bereinigung der beiden Republiten, so führte der öfterreichische Redner aus, ift teine Bartelange. legenheit, fondern eine Angelegenheit aller Deutschen. Der zweite österreichische Redner, der Landesobmann der Boftgewerkschaft Steiermart, Anton Straßeder Graz, zeichnete ein Bild der unglücklichen wirtschaftlichen Lage Deutschösterreichs. Das zerstückelte und in seinem organischen Zusammenhang zerrissene Land wird in Bermanenz von fchweren wirtschaftlichen Krisen erschüttert. In einem fleinen Staat von rund 6 Millionen Einwohnern hungert ein Arbeitslofenbeer von 150000 menjen. Soliert dann ergriff, von fehr lebhaftem Beifall begrüßt, als erfter deutscher Redner Genoffe Scherff vom Deutschen Berkehrsbund das Wort. Er befonte, baß die Gelbstbestimmung der Böller für die Deutsche Republik feine Geltung im hauvinistischen, sondern im freiheitlich demokratischen Sinne habe. Es sind, so betonte Scherff, nicht nur die Bande der Sprache, fondern auch engfte wirtschaftliche und politische Bande die Oesterreich und Deutschland zu einer Ein heit zusammenschweißen. Wir wollen nicht ruhen, bis wir mit unferen getrennten Brüdern zu einer einigen Republit verbunden find. Wir werden eins fein mit den österreichischen Kollegen im Rampf gegen die einde der Demotratie und der Repu= blit. Es ist hier nicht der Ort, so führte der Redner aus, darüber zu sprechen, wie es in unserer Republik aussieht, aber wir wollen am heutigen Tage eines großen Mannes gedenten, der den Grund. ftein zum neuen Staate legte und uns die Berfassung schuf und deffen Leib man heute der Flamme übergab. Es ist Hugo Breuß, der entschiedene Demokrat und Republikaner.( Die Versammlung erhob sich zu Ehren des verstorbenen Reichsministers von ihren Sißen.) Der Referent schloß mit einem nochmaligen Bekenntnis zum großdeutschen Gebanten. Im Anschluß sprachen noch Roishorn vom Berband der Deutschen Reichspoft und Telegraphenbeamtinnen, Schneider vom Verband Deutscher Bost. und Telegraphenbeamten. Ein im Sinne des Abends liegende Resolution wurde einstimmig angenommen. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 14. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Jugendbühne( Unterhaltungsstunde). 4.30 bis 6 Uhr abends: Konzert. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Dr. Leonhard Frank: menschliche Ernährung und Volkswirtschaft". 3. Vortrag. 7.30 Uhr Unsere Speisefette, ihre Herstellung und Bedeutung für die abends: Dr. phil. Olga Stieglits: Das musikalische Gedächtnis". & Uhr abends: Einführung zu dem Sendespiel am 15. Oktober. 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert unter Mitwirkung von Theophil Demetriescu, Klavier. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. 1. Mozart: C- Moll- Konzert( K. V. 491). Allegro Larghetto Allegretto Der Defterreichisch- Deutsche Boltsbund veranstaltet Donnerstag, 15. b. m.,( Kadenzen von Busoni)( Theophil Demetriesen am Flügel). abends 8 Ulor, einen Vortragsabenb im Bereinshaus Deutscher Ingenieure, 2. Bruckner: IV. Sinfonie Romantische. Ruhig bewegt, allegro Friebrich Ebert Str. 7, bei dem Abg. uste über bie politischen Ermolto moderato- Andante Scherzo, bewegt- Finale, mäßig begebnisse der Reise des Defterreichisch Deutschen Boltsbibes, die anfangs wegt( Berliner Funkorchester). 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe September unter Führung des Reichstagspräsidenten 25 be mit 300 Reichs der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportdeutschen aller Parteien nach Wien führte, sprechen wird. Eintritt frei! nachrichten. Theater- und Filmdienst. Bei Bredschneider am Königsdamm fand eine Wählerversamm lung statt, die fast ausschließlich von Kleingärtnern besucht war. Ge nesse emperi referierte zu dem Thema„ Rüftet zur Stadtverordnetenwahl. Er geißelte die Wahlagitation der Bürgerlichen, die mit allen Mitteln die sogenannte„ ote Mißwirtschaft“ zu beseitigen ver. fuchen. Daß aber die Berliner Einheitsgemeinde und viele soziale Einrichtungen, die der Berliner Bevölkerung zugute fommen, fiert die bürgerliche Preffe fein Wort. Der Referent streifte dann gerade von den Sozialdemokraten geschaffen wurden, darüber ver die unerhörte 3oll- und Steuerpolitit, die der arbeitenden Bevölkerung von neuem die Lebenshaltung erschwert. Zu der Ausweisung von Grüngürteln und Dauertleingärten hat die sozial. demokratische Partei viel beigetragen, denn die kulturelle Seite der Kleingartenbewegung ist von ihr von Anfang an richtig ertannt schöne Worte gehabt. Wer aber feinen Garten lieb hat, wer mit worden. Alle bürgerlichen Parteien haben für die Kleingärtner nur Aussicht auf Erfolg für die Ausweisung von Gartenheimſtättengebieten, die Schaffung von Dauerfleingartenfolonien erfämpfen will, gebe am 25. Ottober der Sozialdemokratischen Partei seine Stimme. Als Bertreter des Dezernenten der Bartverwaltung Sprach Stadtrat Gen. Wilf. Er mies darauf hin, daß von der Partei alles unternommen wird, die berechtigten Forderungen der Kleingärtner zu unterstützen. Gegen die Bühlarbeit und Demonftrations. politit der Kommunisten, die fich fast ausnahmslos gegen die Sozialdemokratische Partei richtet, ging Wilt mit scharfen Worten vor. Emige fommunistische Redner, die sich jedoch offen als solch nicht zu befennen wagten, wurden im Schlußwort vom Referenten geradezu vernichtend zurückgewiefen. Darum: gebt der Partei eure Stimme, die in Wort und Tat bewiesen hat, daß fie Großes zu leisten dermag, und die ihre Versprechen nicht nur in die Welt hinauspofaunt, sondern sie auch hält. Bannerweihe in Rameradschaft Mitte. " Der 4. Zug der Kamerabschaft mitte bes Reichs. banners Schwarz Rot Gold versammelte am Sonn abend feine Mitglieder und viele Gäste in den Sophien- Sälen zum geselligen Beifammensein mit anschließender Fahnenweihe. Kamerad Martin Schneider hielt die Weiherede. Wenn wir uns heute hier versammelt haben," so führte er aus, um die Fahne des 4. Zuges zu weihen, so denten wir daran, daß es gerade biefes Stadtviertel war, wo im Jahre 1848 der finnten Bürgertums am heißesten tobte. Hier in diesen Straßen Befreiungstampf des Proletariats und des freiheitlich ge waren Barrikaden der Freiheit aufgebaut, und obenauf flatterte das Wahrzeichen der Freiheit: die schwarzrotgolbene Fahne. Wir haben das Erbe unserer Bäter übernommen und damit die Pflicht, bas schwarzrotgoldene Tuch zu schüßen gegen jeden Angriff. Benn wir heute wieder eine Fahne weihen, so gedenten wir dabei unserer gefallenen Brüder im Felde, unferer gemordeten und zu Tode ge beßten Führer der Republit." Am Schlusse seiner Ausführungen ehrte Kamerad Schneider noch den vor einigen Tagen verstorbenen Schöpfer der deutschen Reichsverfassung, Hugo Preuß. Geselliges Beisammensein vereinte die Teilnehmer noch einige Stunden. Die Lichtwirtschaft lehrt, wie man die dem Licht innewohnenden wirtschaftlichen und fulturellen Kräfte nutzbar macht. Sie will dem Verbraucher von Licht zeigen, wie mit richtig angewandtem Licht Produktion, Absah, Sicherheit des Verkehrs und Behaglichkeit gesteigert werden. OSRAM Eine neue Schwergerichtsperiode. Mit dieser Woche hat die neue Periode des Schwurgerichts vom Landgericht I begonnen. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirettor Tolt. Wie am Montag und Dienstag, so stehen auch heute wieder Meineids. berfahren zur Verhandlung an. Am 17. lautet die Anklage auf Totilag, am 19. auf Rau bmord, dann am 20. noch einmal Totschlag. Den Beschluß machen der 21. mit Mord und der 24. wieder mit meineid. Jm kasinotheater in der Cothringer Straße ist jetzt neben einem unbedeutenden Scherzspiel Baul Lindaus Komödie „ Die Frau im gefährlchen Alter" auf dem Spielplan. Das Stüd ist nicht von gestern und eine Problematik ist es ebenfowenig; immerhin amüsiert sich das Publikum, zumal von Edith Lizel, Hans Berg, Hans Waldau und anderen recht gut gespielt man muß der wird. Ein wenig Kabarett ist eingegliedert Direktion das Lob aussprechen, daß sie sich Mühe gibt, für billiges Geld viel und mancherlei Gutes zu bieten. Getragene Serren garderobe, tabellos! erhalten, Gelegenheitsfäufe in Belz waren, große Auswahl, billige Breise. Leibhaus Spiegel, Chauffeestraße 7. Teilzahlung monatlich 20 Mart. Liefere elegante Herrengarderobe nach Mak. Tomporowski, Schneidermeister. Dreibundstraße 47, an der Belle- AllianceStraße. 13166* Monatsanzüge, Winterpaletots, Gefellschaftsangilge, forpulente Figuren, taunend billig. Nak, frither Mulad Straße, jest nur Gormannstraße 25/26 und Mariannenstraße 26. Möbel Teilzahlung. Möbel feder Art. Ge. ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. Möbelhaus Luisenstadt, Röpenicker ftraße 77/78. Ede Bridenstraße. Ankleideschränke 110.-, englische Betttellen 48. Blütschfofas, Einzelmöbel. Bahlungserleichterung. Stein, nur An Flamerstraße 20. Metallbetten, Auflegematragen, Batentmatraßen, Chaiselongues. Tapeaierer Walter, Stargarderfte. achtzehn. Möbelfabrik Georg Tennigkeit, OraDie Japanflieger in England eingetroffen. London, 13. Dltober.( T.) Die zwei japanischen Flieger, die gestern abend aus Frankreich abflogen, gerieten über dem& anal in dichten Nebel und hatten dadurch die Drientierung verloren. In der Dunkelheit landete ein Flugzeug in Farnnienstraße 172/173. Große Auswahl in borough und überschlug sich dabei, das andere fonnte Nußbaum- Schränken, Bettstellen, eichenen glatt landen. Eine Familientragödie. In dem Görlig benachbarten DberLudwigsdorf hat der 50 Jahre alte arbeitslofe Arbeiter Schulze, der mit einer Frau Alt zusammenlebte, die 15jährige Tochter und den sieben Jahre alten Pflegefohn der Frau Alt mittels eines Hammers erschlagen. Der Täter hat sich darauf selbst erhängt. Nach Unterschlagung von 22 000 Mart ist der Buchhalter einer Münchener Großfirma geflüchtet. Der Defraudant hat das Geld eintaffiert und die Eintragung unterlassen. In einem Brief an feinen Bater teil der Flüchtige, der im Alter von 28 Jahren stebt, mit, daß er fich nicht verhaften laffe, sondern eher Selbstmord berüben werbe. Arbeitersport. Freie Turnerfchaft Charlottenburg. Der Berein feiert am Sonnabend, ben 17. Oftober, fein 22jähriges Beffehen im Lokal Spandauer Bod" und ladet alle Brudervereine hierzu ein. Die Vereinsleiter werden gebeten, thren mit gliedern hiervan Renntnis au geben. Auch alle Freunde und Gönner unseres Bereins find herzlich willkommen. Bittenberger Schwimmverein Neptun 1894", e. B. Die neuen Bereinsadressen find: Borsigender: Willi Piper, Berlin 60., Staliger Str. 62; Raffierer: Bill Griepentrog, Lichtenberg, Pfarrfte. 83; Technischer Leiter: Frana Rühn, Lichtenberg. Sophienftr. 6a. Am Sonntag, den 25. Oftober, nach mittags 3 Uhr, findet unfer diesjähriges Schwimmfest in der Badeanstalt an der Schillingsbrüde statt. Eintrittstarten find zu haben beim Genoffen Griepen trog und Freitags während des Badeabends. Nachfeier in Wegners Vereins haus, Frankfurter Allee 236, Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefääftstelle: Berlin 6. 14, Sebaftianfte. 37/38. Sof 2 r. Bafferfport, Rug Savel: Ale Boote geschloffen aur Teltower Beranstaltung. Treffpunkt Sonntag, ben 18., vorm. 11 Uhr, Griebnis fee, Einfahrt vom Teltowbanal, Restaurant. Ruberheim. Rameraden ohne Mitte: Mi., d. 14., abends Boot um 1½ Uhr am Savelbeden in Teltow. 7 Uhr, Saalschus. Rüge 1 und 2 Gdywebter Str. 23; Bilge 3 bis 6 Gewert fchaftshaus. Streuzberg: Do., b. 15., abends 8% Uhr, Schwimmabend im Stadtbad Bärwaldstraße. Gonntag, ben 18., Pflichtfahrt nach Teltow. Be teiligung bei ben Abteilungsführern melden. Weißensee: Do., d. 15., abends 8 Uhr, Mital. Berf., Grüner Baum. Mitgliedskarten sind mitzubringen. Röpenid: Ft., b. 16., abends 7 Uhr, Turnhalle Amtsstraße, Sportabend mit Medizinball. Lichtenberg: Fr., b. 16., abends 7 Uhr, Bollversammlung, Aula der Schule Giegfriedstraße. Bortrag von Kamerab Emil Barth. Pflicht veranstaltung. Reinidendorf: Fr., d. 16., abends 7 Uhr, Lokal Ramlom, Reinidendorf- Oft, Schönhola 14, Bollversammlung fämtlicher Untergruppen. Bereinigung für Schul. und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, ben 16. Oftober, abends 8 Uhr, im Reichenfoal ber 6. Treptower Gemeinde Schule, Bildenbruch fir. 53, 8 Tr., Bortrag von Dir. Abomeit vom Grünen Saus" in Tegel: Jugendfürsorge und Fürsorgeerziehung". Eintritt frei. Die Comenius- Gesellschaft, Berlin, veranstaltet in diesem Binter wieder eine Bortragsreihe. Die erften drei finden noch vor Weihnachten im Zentral institut für Erziehung und Unterricht, Berlin B., Potsdamer Str. 120, ftatt. Am 24. Oftober: Profeffor Dr. Auguft Meffer- Gießen: Der ethische Idealis. mus": am 21. Rovember: Stabtschulrat a. D. Oberstudiendirektor Dr. Artur Budenau: Die Boltsschule und Bestalozzis soziale Bädadogi": am 12. Dezem. ber: Oberstudiendirektor Dr. Sans Schlemmer:„ Die religiösen Strömungen innerhalb der Jugendbewegung". Gäfte willkommen.( Untoftenbeitrag 50 f. pro Berfon.) Für Mitglieder Eintritt frei. Einheitsverband soz. Handel- und Gewerbetreibender unb fontiger Berufe. Monatsversammlung am Donnerstag, ben 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Rofenthaler Hof, Rofenthaler Str. 11-12. Genoffe Stadtrat Brühl spricht über ..Die fommenden Stadtverordnetenmahlen und das neue Berlin". Alle parteigenössischen Gewerbetreibenden werben hierdurch besonders eingeladen. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, den 13. Offober. 1. ennen. 1. Lufrezia( Huguenin), 2. Beleda( Ponce), 3. Roberta ( M. Schmidt). Toto: 231: 10. Blab: 45, 17, 16: 10. Ferner liefen: Transuje, Koloro, Toledo, Perlenkette, Nimrod, Begonia, Lava. 2. Rennen. 1. Senow( Barga), 2. Vishnu( Olejnik), 3. Moros ( B. Karras). Toto: 58: 10. Blah: 26, 23: 10. Ferner liefen: Pompejus. 3. Rennen. 1. Faljum( Pregner), 2. Manlius( O'Neill), 3. Eichwald ( Gabor). Toto: 30:10. Blat: 14, 14, 36: 10. Ferner liefen: Heid, Bromo, Probefahrt, Dalberg. 4. Rennen. 1. Barbleh Dell( O'Neil), 2. Blad Bridge( F. Kasper), Schlafzimmern, Speisezimmern, Herrenaimmern, Richen auf bar und Teilzahlung. Teilzahlung, tulant. Möbel- Misch. Zeilzahlung. billig. Möbel- Misch. Teilzahlung reell, Möbel- Misch, Große Frankfurterstraße 45/46. Möbel wirklich auffallend billig auf allerbequem fte Teilzahlung nut im Möbelhaus Sumboldt, An der Janno wigbrüde 3/4 und Butbufer Straße 14. Straßenbahn: Brunnenstraße, Ede Rügener Straße. 3 Minuten vom Bahnhof Gesundbrunnen. Herrenzimmer jeder Größe billig. Klubfofas 150, Klubtische 25, Flurgarderoben 55 Goldmart. Möbelhaus Ramerling, Rastanienallee 56. Shle Möbel Fabriklager, Friedrichtraße 7. 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Stahlproduktion 1913, 1924 u.1925( Jan: Aug) Monatsdurchschnitt reduziert auf den Gebiets um fang 1913 1396.8 In 1000 Tonnen 990.6 909.7 960.5 941. 873.3 896.4 885-9 651.80% 765.9 Roheisen 1466.6 1180.9 1966.9 1155.4 819.68 3 Jolvo 1209.3 1114.7 1031.0 1.064.4 1108.7 Rohstahl 器 899.4 1913 1924 Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug Monatsdurchschnitt 19 25 mit den belgiſchen und deutſchen Exportpreisen übereinstimmt. Man Parteinachrichten Die braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn Deutschland in der Welt wieder als der typische Schleudertonturrent gilt. welche Ausfuhrvergütungen, die deutsche Schwereisenindustrie an die deutsche eisenverarbeitende Export industrie bezahlen wollte, und die die Lockvögel waren, die die Fertigindustrie von lauten Protesten gegen die Schutzzollpolitik abs halten sollten, sind nach neueren Berichten für die Fertigindustrie eine schwere Enttäuschung geworden. Diese Exportvergütungen wurden zunächst summarisch auf zehn Prozent des Inlandspreises festgesetzt, find jetzt differenziert worden, betragen aber immer noch nur wenig mehr als 10 Proz. Die Inlandsverteuerung des Eisen- und Stahlmaterials macht aber, gemessen am Preis des Stabeisens, zu dem sich die Preise der übrigen Eisenmaterialien in bestimmter Relation hinordnen, nicht weniger als zwanzig Prozent aus. Es bleibt demnach für die exportierende Fertig industrie eine Belaftung übrig, die in vielen Fällen genügt, ihre Ronkurrenzfähigtet am Beltmarkte entscheidend zu schwächen. W Einsendungen für biele Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin frets an das Bezirkssekretariat, 2. Set, 2 Trev. rets. au richten. Die Sammelliste zur Stadtverordnetenwahl Nr. 1941 ist in der Bei einem 86. Abteilung( Mariendorf) abhanden gekommen. eventuellen Versuch, darauf noch weiter zu sammeln, ist diese Liste J. A.: Aler Bagels. anzuhalten und an das Bureau einzusenden. Achtung, Beamte! Die Mitglieder der Werbeausschüsse werben hierdurch aufgefordert, im Be girtsfettetariat( Jugendheim), Linden fir, 3, 2. Sof, 3 Treppen, Werbematerial Der Bezirksvorstand. für die Stadtnerstonetenwahl abzuholen. * 14. Rreis Reuföln. Abteilungsleiter fönnen material abholen im Barte bureau, Nedarstraße. Heute, Mittwoch, den 14. Oftaber: 5. bt. Die Barteigenossen haben fich restlos an ber heute abend im Reichsfafins, Neue Königftr. 26, stattfindenden öffentlichen Bersammlung zu be teiligen. 38. Abt. 7% Uhr Rahlabend in ben bekannten Sokalen. Die Randidaten find in ihren Bezitten. Genoffe Büchner bei Rofenberg, Sangenbedstr. L 41. bt. 7% Uhr zahlabend in den bekannten Bobalen. 58. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr Ranteftr. 4, vorn 4 Tr., Mitgliederver fammlung. Bortrag über Das Heidelberger Brogramm". Referent Ger noffe Livinsti. 72. A. Wilmersdorf. Zahlabend bei Walter, Wilhelmsaue 28, ex ber Auguftaftraße. 80. Abt. Schöneberg. 7 Uhr im Gefangfaat bes Selmholz- Gymnasiums, Rubenstraße, Mitgliedernerfammlung. Bortrag über Die Stadtver ordnetenwahl". Referent Genoffe Hirschberg. 81. Abt. Reukölln. Rahlabende wie folgt: 20., 21., 89. Bezirk bei Köfter, Rarlsgartenstr. 4; 40. und 50. Bezirk bei Lübbeke, Karlsgartenftr. 12; 37., 42. und 48. Bezirk bei Stehmann, Münchener, Ede Reuterstraße; 88. Bezir bei Namin, Mainzer Str. 12; 41. unb 49. Bezirk bei Mäufeler, Münchener Str. 23. 99. St. Budom, 8 Uhr bei Difcher( vormals Alein) Rahlabend. 104. Abt. Riederschöneweibe. 7½ Uhr bei Schmidt, Berliner Str. 97-98, tit gliederverfammlung. Das Seidelberger Brogramm." Referent Genoffe Stadtrat Wermuth. 105. Abt. Ablershof. 7 Uhr Schlabende: Oberhalb der Kaifer- Wilhelm- Straße bei Bogel, Bismardftr. 74; unterhalb der Raiser- Wilhelm- Straße bei Bielicht, Sedanfte. 25-26. 106. Abt. Johannisthal. 7 Uhr Mitgliederversammlung bei Schreiner, Fried rickr. 6. Vortrag des Genossen Stadtrat Rigner über Die Wohlfahrts pflege im Bezirk Treptow". Die erste Brauereibilanz 12 Proz. Dividende. Sie stammt son der Freiherrlich von Tucherschen Brauerei 2.-G. in Nürnberg, einem sehr alten Unternehmen, das vor bald 30 Jahren als Befiß des Freiherrlich von Tucherschen Gesamtgeschlechts" in die heutige A.-G. eingebracht worden ist. Sie hat eine ebenso alte Kundschaft wie ein gesuchtes Bier und hat in der Kriegs- und Infiationszeit mit Betriebsausdehnungen zurückgehalten, ohne die technische Einrichtung zu vernachlässigen. So hat man in der Tucherschen A.-G. eine Brauerei, aus deren Bilanz und Geschäfts. bericht auch für weitere Rreife der Brauindustrie fich Schlüffe ziehen lassen follien. Leider ist das nur sehr unvollkommen möglich. Die in der Borkriegszeit immer veröffentlichten 3iffern über den Bierabfaz fehlen diesmal ganz. So fehlt die wichtigfte Vergleichsgrundlage. Gewinnrechnung und Bilanz laffen immerhin erkennen, daß der Betrieb sehr rentabel war. Der Biererlös war mit 7.3 Millionen beträchlich höher als 1913. Allerdings sind auch die Unkosten gestiegen. Die Kostenſteige 118. Abt. Sichtenberg. 7% Uhr bei Tempel, Gudrunstraße, Abteilungsverfamme, rung für das verbrauchte Rohmaterial mit über 80 Proz. ist aber höher als diejenige für Behälter und Löhne, die nur etwa 50 Pro 3. beträgt. Die Steuern, die durch die Biersteuer bei Brauereien ziffernmäßig besonders ins Gewicht fallen, find gegenüber der Borfriegszeit nicht ganz verdreifacht( 1,7 millionen). Die Abschreibungen mit 0,25 millionen halten sich etwa an die Borkriegsfäße. Der verbleibende Reingewinn 708,374 m. zeigt jedenfalls, daß alle Belastungen auf die Bier- 1 tonfumenten abgemälzt merden konnten. Die Attionäre erhalten 12 Prog. Dividende( in der Vorkriegszeit im Durchschnitt 14 Proz.). Für Steuern und Aufwertung werden 150 000 m. reserviert, vor getragen werden 58 000 m. Die tatsächlich erzielten Gewinne find höher als die ausgewiesenen. So wurden neue Eisen. bahnwagen beschafft und die Faßbestände erweitert, ohne daß die Zugänge in der Bilanz voll erscheinen. Die Vorräte dürften beträchliche stille Reserven enthalten, da sie trog beträchlicher 13. Abt. Blankenburg 7½ Uhr in Blankenburg bei Alus. Dorfftr. 2, MitSteigerung der Rohstoffpreise bedeutend niedriger eingesezt sind, als in der Borfriegszeit. Don Kein Dreisabbau für Fleischwaren! Der Reichsverband der deutschen Fleischwarenindustrie schreibt in seinem Wirtschaftsbericht für September: Aufwärtsbewegung Die nahezu Daraus geht deutlich hervor, wie sich in mehreren Monaten, besonders bei Rohstahl, die Produktion weit über die Bor. triegsleistung erhebt, menn man dabei die infolge des Bersailler Dittates verloren gegangenen Produktionsstätten berüdfichtigt.( Hierzu ist die punktierte Linie zu beachten.) Die schraffierte Linie, die die Vortriegsproduktion im größeämtlicher Rohmaterialpreise bauerte im Berichts ren Deutschland von 1913 anzeigt, entspricht den vom Verein Deutscher Stahlindustrieller immer angegebenen Borfriegszahlen. Die Gegenüberstellung zeigt deutlich, wie irreführend ein folcher Bergleich ist und wie die tatsächlichen Ergebnisse ganz andere Broduktionszahlen aufweisen, als fie von den Unternehmern in der Regel angegeben werben. Für den Rüdgang der Produktion im Auguft und September ist noch folgendes zu berücksichtigen: Der augenblickliche Beschäftigungsgrad der Schwereisenindustrie ift deutlich durch die Beibehaltung der 35 prozentigen Bro. auttionseinschräntung seitens der Rohstahlgemeinschaft für die Monate September und Ottober bezeichnet. Die Produktion tönnte also ohne wesentliche Anspannung der Werte um die Sälfte größer sein als jeßt. 3m Inlande stößt jedoch der Abfah allenthalben wegen der Preishöhe auf Schwierigkeiten. Jezt meint fogar ein der Schwerindustrie so nahe stehendes Organ, wie die Rheinisch- Westfälische Zeitung": „ Es wäre zu wünschen, daß die Rohstahlgemeinschaft bzw. deren Unterverbände die Frage einer weiteren Preisherabjegung Im Anschluß an die Ermäßigung der Roheijenpreise bejahen würde. Namentlich bei Halbzeug ist die Berechtigung der vielfach in Abnehmerfreijen erhobenen Forderung auf Preis ermäßigung nicht von der Hand zu weisen." Die Spanne zwischen Inlands- und Auslands preisen der deutschen Schwereisenindustrie hat sich noch zu ungunsten der Inlandspreise erhöht. Stabeisen wurde ab 1. Oftober im Preise von 133 Mart auf 134,30 Mart ermäßigt. Inzwischen ist aber der Exportpreis, der bei 108 Schilling lag, auf 106 Schilling und noch darunter ermäßigt worden. Da dieser Breis in der Imrechnung 107,80 Mart ausmacht, so steht der InIanbspreis um 26,50 Mart höher,( Die Differenz ist in Birklichkeit noch größer, da die Berechnung für das Inland in Tonnen zu 1000 Kilo, für das Ausland aber in Longtons zu 1016 Stilo erfolgt, außerdem im Auslandspreis die Versandkosten frei an Bord ber Seeschiffe enthalten sind, im Inlandspreis aber feine solche Uebernahme von Bersandkosten stattfindet.) Die Schwer. eisenindustrie verdankt die Möglichkeit, das Inland in dieser Beise zu bewuchern, auf Inlandsfoften Schleuderegport zu betreiben, lediglich den 351len, die beispielsweise für Stabeifen 25 Mart pro Tonne betragen. Die Uebersteigerung der Preisspanne hat bereits dazu geführt, daß günftig zu deutschen Berbrauchsgebieten gelegene franzöfifch- luremburgisch- belgische Werke die deutschen Preise in Deutschland selbst unter Uebernahme der Zollbelastung unterbieten. Tung. Ausgabe des gesamten Wahlmaterials. 131. Abt. Ricberschönhausen. 7½ Uhr Rahlabende bei Aling, Friedensplag: Lott, Raiferweg und in Wilhelmsrub. Tagesordnung: Stellungnahme zur Kommunalwahl. 13. Abt. Reinidenborf- D. 7 Uhr Rahlabende: 1., 2., 3. Bestet bei Stoffad, Brovinastraße, am Bahnhof Schönhola: 4., 5., 6. Bezirk bei Runze, Aegir, Ede Seeftraße; 7., 8., 9., 12., 13. Beairt im Jugendheim Seebab; 10. 11. Bezir? bei Steinbad, Schillerpromenade 48; 14., 15., 16. Bezirk bei Lehmann, Sauptstr. 56. 137. 6. Reinidendorf- West. 7 Uhr Rahlabenbe: 1., 2., 8. und 5. Bezir! bet Mattern, Eichbornstr. 94; 4., 6., 7. und 8. Bezirk im Boltshaus, Scharn weberite. 114. t. 140a Mittenan. 8 Uhr bei Schuls, am Bahnhof, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Die Stadtverordnetenwahl. Röuinswuiterhausen. 7½ Uhr im Restaurant Rum Siegertrans", Storfower, Ede Rottbuser Straße, Mitgliederversammlung und Rahlabenb. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist Erscheinen aller Barteigenoffen und-genoffinnen Blicht. Morgen, Donnerstag, den 15. Oktober: gliederversammlung. Jungfozialisten. Spielgemeinschaft: Mittwoch, den 14. Dobet, abends 8 Uhr, in Neukölln, Troben ber Einzelfprecher zu Tollers Bandlung". Gruppe Bankow: Donnerstag, ben 15. Ottober, abends 8 Uhr, im Jugendheim Breite Straße, Beginn der Arbeitsgemeinschaft Staat und Schule". Gruppe Sympathifiterende und ältere Parteigenossen find eingeladen. Charlottenburg: Donnerstag, den 15. Oktober, 8 Uhr, im Jugendheim Rosinenfte, 4, v. 1 Tr., fpricht Gen. Rakenstein über ,, Marg und Laffalle". Rinderlzennde Realöln: Am Sonntag, den 18, Oktober, findet im Seim Böhmische, Ede Conner Straße, abends 7 Uhr, der erite Elternabend der ,, Aindergemeinschaft Bergstraße" statt. Rinderfreunde, Sugend- und Barteigenoffen find herzlichst dazu eingelaben. Eintritt frei. Jugendveranstaltungen. Abteilungstaffierer! Seute nachmittag von 5-7 Uhr Abrechnung der Beitragsmarken. Broletarische Feierfunde am Sonntag, ben 8. November, im Großen Schau. spielhaus, vormittags 11 Uhr. Rarten find zu haben im Jugendfekretariat. Abteilungsleiter, gebt die November- Brogramme ab! monat entsprechend der Entwicklung in den Bormonaten an. Die Echweinepreise find weiter um 7-8 Bros. gestiegen, obwohl das Angebot, das durchweg dem Bedarf vollkommen entsprach, in ver fchiedenen Bezirken überreichlich war. Hoffentlich tritt nun endlich die mit dem Abtriebe des Weideviehs in jedem Jahre übliche Breisfentung für Schlachtvieh ein und damit auch eine Stabilisierung sy der Fleischpreise. Durch die gestiegenen Rohmaterialpreise fonnte von einem Preisabbau teine Rede fein. obwohl die Fleischwarenindustrie wiederum den gestiegenen Diaterialpreisen nicht folgte. Die 3ölle werden sich in der nächsten Zeit in einer Berteuerung besonders der Kochwurftsorten auswirken, da z. B. Berteuerung besonders der Kochwurftsorten auswirken, da z. B. ausländische Lebern( frisch oder gefroren) vom 1. Oflober dieses Jahres ab eine beträchtliche Zollbelastung erhalten. Der Umfaß on Fleischwaren nahm im allgemeinen mit dem Eintritt der fühleren Witterung im Berichtsmonat wieder zu. Die Klagen über Kapital- und Kreditnot sowie über Berzögerung der Zahlungseingänge aus Kundenkreisen dauern an. Die von der Reichsregie rung angekündigte Ermäßigung der 3insfäße hat jich noch nicht bei den Banken unter sich, geschweige denn für die Wirts fchaftskreise selbst aus gemirft. Heute, Mittwoch, den 14. Oktober, abends 7% Uhr: Webbing: Schule Ruheplak, Ede Antonftraße, Einführungsabend. Selm Belgplak: Jugendheim Eberswalder Str. 10, Rimmer 10, Aussprache: Das gute und das schlechte Buch". Baltenplay: Jugendheim Rigaer Str. 103, Vortrag: Bas erwartet dich in der Lehre?" Diter( Petersburger Biertel): Sugendheim Ebertyfte. 12, Bortrag: Amed und Ziele der GAJ." Warschauer Biectel: Jugenbheim Tiffiter Str. 4, Bortrag: Entstehung und Entwicklung Silboft( Reichenberger Biertel): Jugendheim Reichenberger der SAJ." Straße 66, Wilheim- Busch- Abend. Renkölln V: Funktionärstzung bei Brennemann, Oferstr. 37. Tempelhof: Engeum, Germaniafr. 4-6, Bortrag: Ertner: Jugendheim Bollstüche, Bortrag: Jugendschuk und Jugendrecht" Bes ift Coziclismus?" Faltenberg: Jugendheim Am Faltenberg 117, beitsgemeinfchaft: Meine Schulzeit, fosiclifliche Erziehung und Schule". eicbrichshagen: Jugendheim Scharnweberstr. 105, Aussprache: ReformHetbuna. ZITIGATI Not. Niederfonewelbe: Schule Berliner Str. 31, Lichtbildervortrag: Die Sosialistische Arbetterjugend". Werbebegirt Oberspree: Ant Sonntag, den 18. Oftober, vormittags 10 Uhr, im E., Oberschöneweide, Chifonftraße, em Marktplag, Borführung des Hamburgfilms. Eintritt 40 Bf. Geschäftliche Mitteilungen. Intereffengemeinschaft in der optischen Industrie. Wie in einer Aufsichtsratsfizung der C. P. Goerz A.-G. Berlin- 3ehlen borf mitgeteilt wurde, hat die Konjunkturlage auch in der optischen Apparateindustrie zu Zusammenschlüssen geführt. Zwischen der C. P. Goerz A.-G., der Jca A.-G. Dresden( durch Interessengemeinschaft schon mit C. 3eiß Jena verbunden) und der Contessa ettel 2.-G. Stuttgart wurde ein lang jähriger Interessengemeinschaftsvertrag abgefchloffen. Als 3 wed Wirtschaftlichkeit der einzelnen Unternehmungen im Sinne einer der Intereffengemeinschaft wurde die Hebung der möglichst rationellen Ausnugung der Betriebsmittel angegeben. man erhofft davon im Laufe der Reit eine erhebliche Verminderung der Betriebskosten und eine allmähliche Befferung der Gesamtlage der Industrie. Auf diese fällt durch die Ausführungen des Vorstandes der C. B. Goerz A.-G. über die Lage bei dieser Gesellschaft einiges Licht. Danach seien die Umfäge gegenüber dem Borjabre mengenmäßig nicht unwesentlich gesteigert. Das Ergebnis sei aber unbefriedigend, da die erzielbaren Bertaufspreise Die nicht mit den Produktionstoften gleichen Schritt hielten. C. B. Goerz A.-G. verteile daher für das Jahr 1924 feine Divibende. Der Dividendenausfall dürfte bei der C. B. Goerz A.-G. noch andere Gründe haben. Es soll nämlich eine Kapitalerhöhung von 7 auf 8.4 millionen erfolgen. Die aus der Kapitalerhöhung hereinkommenden Mittel sollen zur Abdeckung von Bankfchulden verwendet, die Aftien von einem Banffonfortium unter Ausschluß des Bezugsrechts der Aktionäre übernommen werden. Das macht sehr den Eindrud, daß die heutigen hohen Bankzinsen die Lage der C. P. Goerz A.-G. schwerer bedrücken als das Mißverhältnis der Preise und der Selbstkosten. Das allerbings fäßt sich schwer aussprechen, wenn man von den Banken bund) ende Desember 1918 lagen tetfälio amei Anträge vor, bie bie mit. abhängt. Die deutsche Schwereisenindustrie macht übrigens bei solcher Behandlung des Inlands- und Auslandsgeschäftes international eine unrühmliche Ausnahme. Die belgische Industrie, die dieselben Berbilligung der Exportkredite. Die deutsche Golddis. Exportpreise hat wie die deutsche Industrie, beliefert das belgische ontbant, die die wichtigste Trägerin des Exportfrebites ist, hat Inland mit Stabeifen zu 575 Frank pro Tonne, das find 108,35 ihren Diskontsag mit Birtung ab Mittwoch von 7 auf 6 Broz. er. Mart gegenüber 107,80 Mart Ausfuhrpreis. Aehnlich die franmäßigt. Eine Veränderung des Reichsbantdistonijages tommt nicht zösische Industrie. die im französischen Inlande 530 Frent be in Frage. Seit 40 Jahren bewährt sind SJAZUAH Ein Lichtbeft für alle Sousfrauen und Wohnungsinhaben wird neuerdings bem Bublikum augänglich gemacht. Es ist das schmude, fehr lehrreiche und gut uftrierte Osram- Lichtheft mit dem Titel Ratgeber für Wohnungsbeleuchtung" Besonders erfreulich an dieser Drudschrift ift, bak fie auf Tangaimige und fchwerverständliche Darlegungen verzichtet und in wenigen Worten, einfach und fachlich, an Sanb vox Bildern das fast, was für jeden miſſens- und beachtens mert ift. Man findet guten Rat für bie awedvolle und wirtschaftliche Einrichtung der Beleuchtung der Wohnung. Das Osram- Lichtheft.Ratgeber fülr nagbeleuchtung in bei Elektrizitätsmerken, Osram feraufsstellen und anderen Elektro- Tadacfdäften zum Breife Dan 25 Bf. erhältlich. Die Damentonfettionshäuser Befimenn, Sauptgefchäft Berlin W., Mohren. fake 37a, Ameingefchäft Berlin NO., Große Frankfurter Str. 115( genante Be achtung ber Firma und Bausnummer erbeten), haben für den Monat Oftober einen Genderverkauf veranstaltet. Die Qualitäten sind im Publikum bekannt und bedürfen feiner besonderen Erwähnung. Siehe heutige Anzeige. Briefkasten der Redaktion. Greifenhagen. Auf dem Gründungstongreß der RPD.( vorher Spartakus alicdfchaft bei der RBD. fir unvereinbar erklärten mit der Mitgliedschaft bei einer Gewertschaft. Nachdem u. a. Sedert dagegen, Rofa Luxemburg dafür gefprod en batten, wurden diefe Anträge auf Borschlag der lekteren einer Rommiffion überwiesen, was einem Begräbnis 1. Rlaffe gleichfam. Tatsächfi fpiegelten diese Anträge die Stimmung wider. die damals unter den Rommunisten herrschte. Im übrigen hat die APD. jahrelang die Gewerf ünitiat, daß über die Herstörungsarbeit der ABD. gar kein Streit bestehen fdafien fo offen bekämpft und die Gründung von Gegenorganisationen be fann. Maggis Suppen Vollendete Qualität. Reiche Sortenauswahl. Ein Würfel zu 13 Pfennig reicht für 2 Teller. MAGGIESUPPEN MAGGI MAGGISSUPPEN Reis 2 Teller Unterhaltung unö des vorwärts CR freut sich. ,— fn unwanSelbarer Treue hat See General von firmln gesagt— öle Republik scheint herrliche« Zeiten entgegenzugehen.� Der ölinöe. Von Zaroslav Hulka. I. Sein Unglück lief ihm voraus. Als er nach Haufe kam, wußte es bereits das ganze Städtchen, daß der Toni Lexa. der, welcher früher Kutscher im Brauhaus gewesen war, im Kriege um das Augenlicht gekommen wäre. Es hätte wohl schlimmer für ihn sein können, wenn er ein Weib gehabt hätte, denn die Weiber kennen in einem solchen Falle nur zweierlei Dinge: entweder drehen sie einem dann den Rücken zu, oder sie hängen sich einem mit der ganzen Last ihres Weinens an den Hals. Er konnte also trotz seines Unglücks noch glücklich sein. Und so kam er also zurück, mit einem falschen Auge und mit dem zweiten eigenen, auf dem er aber auch nichts mehr sah. In der Hand trug er einen Stock. Und man hätte bei chm sagen könnnen: er hält seine Augen in seiner Hand. Di« Leute aber, die ihn durch die Stadt tappen sahen, sagten:„Gewiß wäre er lieber ohne Hand zurückgekehrt!' Er belehrte sie aber bald eines Besseren. Er sprach:„Wenn ein Mensch seine Hände hat, geht er nicht unterl" Er quartierte sich in einem kleinen Stübchen an der Peripherie der Stadt ein. Das Häuschen gehörte der Faniilie eines Maurer- meisters. Und man sagte zu chm, sein Unglück vergessend:„Sie werden von hier eine schöne Aussicht haben!" Und er gab zur Antwort:„Freilich!� Er fühlte überhaupt nicht die Bürde seiner Blindheit in ihrer Anwesenheit. Sie sprachen. Und es schien ihm. als ob er sie alle mit den Ohren sehen würde. Er dachte bei sich: Herr Maurermeister, Sie führen sicherlich«inen ehrenhasten Lebenswandel und sind besorgt, daß andere über Sie«ine gute Meinung haben. Ich habe Sie vor dem Kriege gekannt, und Sie haben sich nicht allzusehr verändert. Ich erinnere mich, daß Sie eine kleine Beule am Kopfe hatten, gerade über der rechten Schläfe. Ihre Augenbrauen waren zusammengewachsen und wenn Sie sprachen, strichen Sie sich Ihren Schnurrbart. Ich erinnere mich an Dinge, die ich früher nicht beachtet habe, ich erinnere mich auch an Ihre Frau. Damals war sie schwanger. Jetzt schreit hier«in Kindlein. Sicherlich ist es jenes. Ein Bübchen? Ja, ein Bübchen! Ich kenn' es auch, denn ich habe viele kleine Bübchen gekannt, und alle kleinen Bübchen sind einander gleich. Und er fühlte sich wohl inmitten ihrer Stimmen. Er vertrieb die schmerzlichen Gedanken aus seinem Kopfe und plauschte. Die Meisterin sagt«:„Wir haben uns olle verändert!" Er aber dachte bei sich:„Ihr habt Euch gar nicht verändert, Ihr seid so geblieben, wie ich Euch gekannt habe. Rein, Ihr habt Euch nicht oerändert. Ihr habt Euch nicht verändert weil ich blind bin." Und dann verstummte das Gespräch. Still« Minuten zogen vorüber. Er fühlte, daß er in sein Zimmer gehen sollte. Di« Meisterin sagte:„Warten Sie, ich werde Sie führen, bis Sie den Weg kennen werden. Und sehen Sie, gut, daß ich mich erinnert habe! Es könnte Sie eine Zeitlang, ehe Sie den Weg kennen lernen, der Franzel von den Nachbarsleuten führen. Er kennt sich darin aus, er hat auch die Anna Mrazek geführt. Kennen Sie sie?" Er antwortete:„Nein, ich kenne sie nicht!" Und sie sprach:„Ach, wie bin ich dumm! Natürlich, wie sollten Sie sie kennen. Sie kam ja erst in ihrem sechzehnten Lebens- jähre aus Wien hierher. Ihre Mutter stammt von hier und hat in Wien gedient. Und dort hat sie sie gehabt. Mit wem, das weiß man nicht. Sie ist eine Waise und sie ist deshalb hieher gekommen, weil ihr die Mutter gesagt hatte:„Wenn ich einmal sterben sollte und Dir bange sein würde, geh' in meinen Heimatsort, dort sind doch noch die besten Menschen." Und so kam sie hierher. Sie ist seit der Geburt blind. Sie spielt die Zither und singt dazu. Sie muß aber etwas von der Mutter geerbt haben, denn von dem Spielen allein könnte sie nicht leben. Aber sie ist ein hübsches Mädel. meiner Seel!" Er sagte darauf:„Seien Sie also so gut und sagen Sie dem Knaben, daß er morgen kommen soll. Ich muß ja doch meine Ve- kannten besuchen." Sie fragt«:„Soll ich Ihnen dos Fenster schließen?" Er antwortete:„Nein, ich werde es selber schließen!" Dann, als das„Gute Nacht" und der Ton der sich schließenden Türe verklag, senkte sich die Stille auf ihn hernieder, wie eine zweite Nacht. Alle sein« Gedanken beschäftigten sich mit seiner Blindheit. Es gab kein Entrinnen. Er dachte: So wäre ich also wieder daheim! Aber dieser Gedanke entglitt ihm und versank in seiner Blind- heit, in seiner schwarzen, ewigen Nacht, wie ein ruhiger, an nichts denkender Spaziergänger aus einem Kern ausgleitet, um auf seinen schmerzhast gebrochenen Fuß niederzusinken. aber ins Brauhaus komm' ich schon nicht mehr, well ich blind bin. Was würden sie dort mit mir anfangen? Er oersuchte einige Schritte. Finsternis, Finsternis. Und diese öde Nacht, die weder eine Stimme, noch ein Sich. rühren, noch ein Stern unterbricht, liegt nicht allein aus seinem Ge- Hirne, sondern sie breitet sich über seinen ganzen Körper, sie quält sein Herz, den Magen, die Lunge, sie schmerzt und ängstigt alle Eingeweide, wie ein Schrecken, der einem Kind« aus der Nacht hervorbricht. Er hatte den Schmerz des Blindseins nicht imjSpital empfun- den, er hatte ihn nicht gesühtt. als er durch die Stadt ging. Er fühtte ihn erst hier, als er einsam wurde. Nicht die Angst davor. daß er schon nie mehr sehen würde, war es. es war die Gegen- wart, die Finsternis, die chn hier umgab und die dem Blinden einen einzigen, elementaren, gleichen Aufschrei entlockte: Ich seh« nicht! Er ging in der Finsternis herum. Er wollte sein Unglück durch die Bewegung zermalmen und in der Tat, es gelang ihm. Er beruhigte sich. Doch das Unglück ist heimtückisch! Er stieß mit dem Fuß an die Wand an. und die Bewegung. die sein Unglück zermalmte, kam zum Stillstande, und jenes warf sich um so heftiger auf chn, denn wehe! er erkannt«, daß er beim Fenster„mit der schönen Aussicht" stand, wie sie zu ihm gesagt hatten. Er sank mit seinen Ellbogen auf das Fenster nieder. Und er dachte:„Ich vermag mich nicht zu erinnern, wie die Stadt von dieser Seit« her aussteht. Sind hier Felder oder Wiesen? Bäume? Auch Wälder? Und auf welcher Seite fließt der Fluß? Ich könnte mich nicht einmal ertränken. Nicht einmal aufhängen. Ich würde nicht den Haken finden, den Zweig oder den Strick. Nichts, nichts kann ich, als bloß durch die Finsternis tappen. Dann jedoch, weil der Käfer den Käfer, der Vogel den Vogel, der Mensch den Menschen sucht, suchte der Blinde den Blinden. Und die tiefe Nacht sprach diese drei Sätze: — Anna Mrazek. — Blind. — Seit ihrer Geburt blind. Er dachte vielleicht nicht an sie, well sie et» Weib war. Er dachte an sie, weil sie blind war. Sie war für ihn kein Lebewesen, kein« Gestalt, keine Ettmme, sie war für ihn bloß ein Unglück, an das er seinen Schmerz an- lehnen wollte; denn ein Mensch will weder in der Freude, noch im Leid« verlassen sein.(Fortsetzung folgt.) Vunöer öer Herbstfärbung. Im bunten Farbe.ikleide nimmt die Natur von uns Abschied. wenn sie sich auf die Winterruhe vorbereitet. Auch diesmal wieder erfreut sie uns durch wahre Farbenorgien, deren scheinbare Willkür aber auch bestiniinten Gesetzen und Regeln gehorcht. Der Gärtner hat es gelernt, die Palette, die ihm die herbstliche Natur darbietet, zu benutzen und selbst in der Auswahl der Gehölze zum Farben- künstler zu werden. Nicht alle Bäume und Sträucher verfärben ja zu gleicher Zeit ihr Laub, und man nimmt heutzutage bei Pflanzungen auf die Arten Rücksicht, die besonders schöne Herbst- färbung besitzen, und auf die Zeit, in der sie den Höhepunkt ihrer Farbenpracht erreichen. Der hervorragende Gartenschöpfer und feinfinnige Naturfreund Silva Tarouca erzähtt im neuesten Heft der.Gartenschönheit" von den Wundern der Herbstfärbung, die auf diese Weise entstehen. Der Zeitpunkt ist auch nach der Witterung verschieden. Ist der Herbst sehr trocken, so tritt die Färbung zeitig ein, und die Tön« sind be- sonders leuchtend: dagegen ist der ganze Zauber auf kürzere Dauer zusammengedrängt, weil die Bäum« infolge der Trockenheit sehr zeitig das Laub abwerfen. Ist jedoch der Herbst feucht und mcht so kalt, dann verfärben sich die Gehölze später, und der ganze Vor- gong erstreckt sich über mehrere Wochen. Zuerst sind es die Ahornc, die einen goldgelben oder rötlichen Ton ins Grün der Natur bringen. Ihnen folgen die Ulmen mit warmoioletter Färbung und die Vogelbeerbäume mit dem orangeroten Laub. Alle diese Bäume verlieren sehr rasch ihren Schmuck und ebenso unsere einheimischen Eschen. Fremde Arten halten ihr Herbstloub länger. Lamze leuchtet mit Hellem Rot der wilde Wein. Der Höhepunkt der Herbstfärbung setzt aber erst mit dem Buntwerden der Eichen und Buchen ein, unter denen die amerikanischen Eichen die Haupttolle bei der festlichen Illuminatton des Parkes übernehmen. Sie leuchten in Gelb, Rot. Purpur und Braun, und mit ihren sonoren Tönen vereinigt sich das Goldgelb des Tulpenbaums, das zarte Hellgelb der Virken, das rötliche Gelb der einheimischen Eichen, während die noch grünen Erlen und Weiden einen neuen Ton in diese Farbenharmonie ttagen. So schließen sich einzelne Baumgruppen zu wundervoller koloristischer Harmonie zusammen. Aber die große Malerin, die diesem Farbenwunder den rechten Klang oerleiht, ist die Sonne. Darum darf man von Bäumen, die zu den prächtigsten Wirkungen geschassen wären, keine schöne Herbst- särbung erwarten, wenn sie in den Schatten gepflanzt sind. Wer das Hochgebirge im Herbst gesehen hat, dem ist gewiß der gewattige Unterschied in der Herbstfärbung der Buchen. Lärchen und Vogel- beerbäume auf der Sonnenseite und auf der Schattenseite aufgefallen. Sonne und Licht müssen alle Bäume haben, wenn sie im Herbst ihre Farbenherrlichkeit entfalten sollen. Freilich manch« Bäume haben.ihre Mucken", und es kommt vor. daß zwei Exem- plare ganz derselben Art verschieden gefärbt sind. Daran ist zumeist das Wetter schuld, das ihnen im Wechsel der Jahre beschieden war. Ein einfaches verfahren zur Bestimmung der frische von Eiern. Jede tüchttge Hausfrau wird mit Interesse erfahren, daß es ein grundeinfaches und obendrein völlig kostenloses Mittel gibt, das sie jederzeit in den Stand setzt, sich über den Grad der Frische der in der Küche verwendeten Eier zu unterrichten. Es genügt für diesen Zweck ein mit einer Gradskala versehenes breites Glas, doch tut es in Ermangelung eines solchen auch eine einfache mit Wasser gefüllte Schüssel. Das Verfahren gründet sich auf die Tatsache, daß ein in Wasser gelegtes Ei je nach seinem Alter eine verschiedene Lage ein- nimmt. Je älter das Ei ist, desto schärfer zeigt es die Neigung, sich aufrecht zu stellen. Zahlreiche Versuche gestatten folgende Regeln aufzustellen: Das srisch gelegte Ei verharrt in der Flüssigkeit in horizontaler Lage. Ist das Ei drei bis fünf Tage alt, so bildet es zur Horizontallini« einen Winkel von 30 Grad. Dieser Winkel erweitert, sich zu 45 Grad bei einem vor acht Tagen gelegten Ei und zu 75 Grad bei einem Ei, das drei Wochen alt ist. Ein dreißig Tage altes Ei stellt sich auf die Spitze, und wenn es noch älter ist, so be« ginnt es zu schwimmen. Hat man ein Glas mit einer geeigneten Skala zur Hand, so kann man mit einem flüchtigen Blick den Grad der Frische eines jeden Eies einwandfrei feststellen. Biegen von Melallröhren durch Eis. Ein originelles Verfahren, um dünne Metallröhren zu biegen, wird jetzt in den Vereinigten Staaten angewendet. Um zu verhüten, daß sich Röhren beim Biegen abplatten, werden sie mit verschiedenen Massen gefüllt. Nach einem Bericht der.Umschau" verwendet das amerikanische Bureau of Standards dazu einfach Eis. Die Röhre wird mit Wasser gefüllt. das man durch Einsenken der Röhre in eine Kältemischung zum Gefrieren bringt. Beim Biegen gibt das Eis zwar nach, aber nicht soviel, daß dadurch der kreisförmige Querschnitt der Röhre ver- ändert würde. Vor anderen Füllmassen zeichnet sich das Eis dadurch aus, daß es sich aus den gebogenen Röhren ganz leicht wieder entfernen läßt. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Hellmer 8 Uhr: SU. Lessing- Th. Der Kaufmann Gier unter Ulmen von Venedig Morgen 8 Uhr: Der Kantmana Von Venedig von O'Neill Regie B. Viertel Großes Schauspielhaus SONNTAGS: 2 Verstellungen Täglich 8%, Uhr Norden 2951/2 nachm.& Uhr za ermäßigten Preisen. Für Dich! Die große Charell- Revue( 300 Mitwirkende) tägi. 8% Uhr Preise der Plätze: Parkett M. 5.- Balkon M. 4.1 Rang M. 8.2 Rang M. 1.50, Logen uni Klub sessel M. 7-12 3. Rarg M. 0.75 Gerde Müller Wegener, Müthel Neues BU Kleines Th Staats- Theater Hochzeitstage Opernhaus 8 Uhr. Salome Opernhaus Schauspiel von Geraldy 8U. Trianon- Th am Königsplatz Damencoopé 8 U: Der Barbler von Sevilla Schauspielhaus Schwank von Henuequio and G. Mitchel Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen. am Theater o Täglich 8 10 Uhr: Olly- Polly આ WINTO FORTEN Stimmen der Presse: HALLER REVUE Theater im Admiralspalast ..ACHTUNG! WELLE 505!" II. Rang von 2 Mk. Operette von Kolo Komiker aus aller Herren Länder geben Logen von 8 Mark Emmy Sturm Lustspielhaus Im Winter arten ist Lachen Trumpf. Parkett von 4 Mk. sich ein Stel dichein, um dem Publikum einige vergnügte Stunden zu bereiten. Es ist selten Gelegenheit, eine solche Fülle hervorragender Leistungen in har monischer Zusammenfassung zu sehen, wie jetzt im Wintergarten" 8 U.: Meiseken Rauchen gestattet 8 U: Gas sp. Pirandello: Enrico IV. Beriner Theater Curt Bois 18 Uhr: Vorletztes Parketpl.v. 2-1 M asts. Kammersg. Bidh. Tauber Wallner- Theater Eine Nacht Schiller Theater 8 Uhr: Weihnachtseinkäufe Liebelei Städtische Oper Charlottenburg 71 Uhr: Die Zauberflöte in Venedig Operette in 3 Akie von Joh. Strauß Ab Freitag, 16 Okt Gastspiele des Moskaner Künstler- Th. Musikal. Bilhue 16., 17., 18. Ot 8 Uhr: Lysistrata Abonnem Turnus 3 19 Okt. 2 U. CarDeutsches Theater 8 Uhr Man kann mencita u. d. Soldat Th. a. Mollendorfpl 8 Uhr: nic wissen Die hellblauen von Shaw Schwestern Preise v. 1.50-12 M. Die neue KünneckeOperette Kammerspiele Rose- Theater 8 Uhr Seths Personen Uh Rönig Konig Kranse Suchen einen Autor Th. am Schiffbauerdamm von Pirandello Regie: ( Menes Opereltenhaus) 8: Lady Fanny and Max Reinhardt die Dienstbotenfrage Die Komödie Deutsches Barfürstendamm 207 Künstler- Theater 8 Unr Gesellschaft v John Galsworthy Tägi 5 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Regie: M. Reinhard Die Teresina SCALA Herrnfeld8 Uhr Internat. Theater, Bülowstr.6 Tägl ch 8 Unr Was fut sidh Varieté im separé? mit Dir. Anton Herrefeld Komische 814 Oper Dir. James Elein 814 GrößteRevue der Weit Von A bis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezei, t worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende Das Tagesgespräch Berlins Sonntag 3 Uhr Jeder Erwachsene 1 Kind frei Halbe Preise Vorverkauf ununterbr. geöfmet. Elite- Sanger Kottbuser Str. 6- Tel. pl. 188 77. Tägi.SUhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( zo halben Praiseni. U. a. Großer Solotell u. Winzer est am Rhein Wandelndes Gilsk Reichshaiten- Theater Allabendlich 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger achm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'l: Familien Varieté. Anfang& Ukr Sonntags 51 Uhr. WIEN BERUN W Jägerstraße 63a Täglich 8 Uhr unter Lettung des Komponister Erich Ziegler Was alles in der Zeitung steht Else Böttcher. 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Die Kassen sind ununterbrochen ab 11 Uhr vorm. geöffnet Telephonische Bestellungen: Nollendorf 62, 1397,5280,5281 Nar noch bis Donnerstag Charleys Tante", 7 und 9 Uhr Residenz- Th Trabrennen Casino Theater Lothrin er Str. 37. Apollo- Theater Die & Uhr New! 8: Jugendfreunde Mariendorf be Frau Operettenhaus 7 Gastsp. Hubert Zum ersten Male Marischka Sortnab. 17. 8 Uhr Circes Heirat Mittwoch, den 14. Oktober im gefährl. Alter Der Orlow Trude Hesterberg Central Theater Uhr Trieschübel Metropol- Theater 8 Uhr: Claire Daxas Mamsell Angot Kirchhoff, Leux Hansen, Arno Karsavina Theater André Mattoni Oskar Sabo Adolphe Engers Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Lotte Neumann, Paul Heidemann, Josefine Dora, Baselt, Diegelmann. Metelka, Wilfan nachmittags 1 Uhr Vorher das bunte Programa Martin Laws Arthur Wright Barnowsky Circus Philharmonic Bühnen Theater in der BUSch 8 Uhr: Wagner- Abd. Dir. Jam.Klein & Uhr Der Mann, der sich verkaufte mit Bruno Kastner Vorverk. den ganz Tag Königgrätz.Str. 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Ottober, fällt bie Sonferenz aus. esee Die Ortsverwaltung. Unferem Genoffen Paul Hey. Dieffenbachstr. 37, und feiner lieben Frau zu ihrer Silberhochzeit bie herzlichsten Gladwin che. Die Genoffea des 133. Bezirks 99999990066eeeee Der Invalide, früh.Bhotograph Otto Matzke mit einer Chefcou Raftantenallee 25, begeben Mittw, 14. Ott, das Felt der Goldenen Hochzeit. Herzlichen Glüdwunsch Die Freunde 00000000000000 Unferem Kameraben Paul Hey und Gattin zur Silberhochzeit ein breifach ,, Frei Heil!" Kreisverein Kreuzberg, Abt. 10 0000000000000000 Fliegendes Torpedo des Philharm. Orch Dirigent: finden im Vorwärts Russ. Clown Durow Prof. Jul. Prawer beste Beachtung Sell des Tedes und das übrige sr. Circus- Programm! 19 U: 1000 Jahre denischer Rhein Gr Wasserapotheose METROPO 8 Täglich 8 Heior. Kohlbrandi der Ur- omische und das große Programm Eintr. 1. 2 u 3 M Magen- Rezept Wohltuende Wirkung bei chronischem Magentatarrh habe ich nach Ge empfunden. 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