Str. 48742. Jabeg. Ausgabe A nr. 24s Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monaftia 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzia, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Lucemburs 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit ber Gonntags beilage Boll und Reit" mit Gied lung und Kleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonparelle Bcile 80 Pfennig. Reflamezeile 6. Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 25 Bfennis ( auläffia zwei fettgebrudte Werte). jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, tebes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Bustaben aählen für awei Werte. Arbeitsmarkt Reile 80 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Bfennig. Angelgen für die Re Nummee milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden trake 8, abaegeben werden. Geöffnet son 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Donnerstag, den 15. Oftober 1925 Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheatonto: Berlin 37 536 Banktonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Sindenstr. 3. Severing erledigt die Opposition. Will sie wirklich Neuwahl des Landtags? Das also ist die Debatte, durch die angeblich dem„ System Severing" ein Ende bereitet werden soll. Ganz danach sieht fie nicht aus. Am ersten Tag gähnende Leere, als ob nicht ein Minister gestürzt, sondern der Etat der Gestütsverwaltung erledigt werden sollte. Eine Anklagerede des Deutschnationalen Milberg, die, je länger sie dauert, auf die wenigen Anwesenden immer beruhigender wirft. Am zweiten Tag volles Haus und volle Tribünen, man erwartet Severings Antwort Buvor gibt es noch allerhand Krimsframs. Nur die Rede bes Bolksparteilers Leidig sticht hervor, wenn auch nicht auf vorteilhafte Weise. Von Koalitionsfesseln befreit, fann der volksparteiliche Führer frei von der Leber weg sprechen, und er entdeckt ihre monachistische Beschaffenheit. Ein Befenntnis für die Galerie. Wir nehmen an, daß die Industrie nicht daran denkt, der Monarchie zuliebe einen Bürgerkrieg zu entfesseln, die Geschäfte gehen auch so schon schlecht genug. Es ist aber ein gefährliches Beginnen, Narren in ihrer Narr heit zu bestärken. Oder ist's mit der Sirt von Armin Affäre noch nicht genug? Für die Galerie ist es auch geredet, wenn Herr Leidig von einer neuen Völterfchla d) von Leipzig schwärmt, die dem Jena von 1918 folgen foll. Herr Stresemann ist in Locarno friedlicher. Draußen und baheim! Ist es wirklich national", wenn man immer wieder versucht, Deutschland in den Ruf der Doppelzüngigkeit zu bringen? W Die Bolkspartei ist im Reich Regierungspartei, in Preußen betonte Oppofitionspartei". Das erflärt für uns alles, aber für das Ausland nichts. " Im ganzen dürfte Leidigs Rede Deutschland mehr geschadet haben als Severing. Der sieht gar nicht so aus, als ob es mit ihm zu Ende gehen sollte. Wie er auf der Rednerfanzel steht, fann man nicht sagen, er stände da wie ein Mann im Sturm ſo tragisch sind die Dinge gar nicht. Aber nur ganz verhärtete Gemüter tönnen sich dem Eindruck entziehen, daß da ein Mann steht, der mit großer geistiger Ueberlegenheit Abrechnung mit seinen Gegnern hält. Ein Eindruck, der durch die Schlichtheit des Auftretens und die Berbindlichkeit der äußeren Form nur noch verstärkt wird. Er setzt sich mit seinen Gegnern fachlich auseinander und löst, mie es scheint, faft im Spiel eine Masche nach der anderen des Reges, das über ihn geworfen werden soll. Wenn man es tann, scheints feine Kunst. Den Junkern, die über die östliche Einwanderung schreien und doch nie genug polnische Landarbeiter bekommen fönnen, gibt er dann den Rat: Bezahlen Sie Ihren Arbei tern angemessene Löhne!" Herrn Leidig, der ihn verbrennen will, weil er Sozialdemokrat ist, erinnert er humorvoll an alte Zeiten, wo das alles ganz anders war, dann ruft er ihm zu: Ich werde immer Sozialdemo fratsein." Schließlich erhebt er sich ungewollt zum Bathos als Berkünder des kommenden neuen, mit dem sich, mie feine nie versiegende Menschenfreundlichkeit hofft, schließlich auch die Gegner versöhnen werden. Ganz so sehen sie einstweilen doch nicht aus. Einstweilen wirft nichts verföhnend als der Humor der Situation, in der sie sich befinden. Ihr Haß gegen Severing ist echt, das brauchen fie nicht zu beteuern, man glaubt es ihnen auch so. Nur fatal: fie fönnen Severing gar nicht stürzen, sie können mur fich felbst stürzen. Annahme der Mißtrauensanträge bedeutet Auflösung, Neuwahlen und für die Rechte am Ende Bernichtung der Möglichkeit, auch mit einem willigen Zentrum eine Mehrheit zu bilden. Brügel find höchstens dann eine angenehme Sache, wenn man sie nicht selber bekommt. Wenn also die Rechte bei der Abstim mung fiegte"- würde das ein Laufen geben! Für die Anhänger des verruchten Systems Severing" gibt es dagegen nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie werden den Gegnern eine parlamentarische Abfuhr erteilen oder sie werden ihnen im Wahlkampf eine noch viel gründlichere Niederlage bereiten. So fönnen sie gelassen abwarten, was tommt. In der geftrigen Landtagsfihung führte Abg. Leidig( D. Bp.) am Schluß seiner Rede aus: Deshalb werden wir Wann für Mann für das Mißtrauensvotum stimmen. Herr Severing muß sich in seinem hohen Amte loslösen ven der Auffassung, daß er nur seiner Partei zu dienen habe. Der alte Breußen Staat brach am Tage von Jena, am 14. Oftober 1806, zufemmen; aber wir haben gesehen, wie lebensfähig ber damals so Schmählich zusammengebrochene Staat war, wie bem 14. Ottober 1806 ein 18. Oftober 1813 folgte. In diesem Glauben an die Lebenskraft des Staates Preußen arbeitet jetzt auch die Deutsche Volkspartei am Wiederaufstieg; um ihn zu erreichen, ist die Mitarbeit aller ohne Unterschied der Partei notwendig.( Lebhafter Beifall rechts, Unruhe links.) Abg. Müller- Franken( Wirtsch.Bereinigung): Die Wirtschaftspartei steht programmatisch auf dem Boden der heutigen erfassung. Wenn das dem Buchstaben nach der Fall ist, so befindet sich doch feiner unter uns, der zufrieden ist mit dem Staat, wie er heute ist. Der selbständige Mittelstand fühlt sich angewidert von einem Staate, der das hohe Ideal der politischen und wirtschaftlichen Freiheit nur immer im Munde führt, in Wirklichkeit aber jo illoyal und unsozial handelt wie nie zuvor. Die schifanöjen Maßnahmen in der Preisschilderverordnung sind nichts anderes als Sonderbestimmungen gegen den Mittelstand. Was unter den Besen des Polizeiministers und des Berliner Bolizeipräsidenten gerät, ist der Mittelstand. Als politischer Faftor fann aber dieser mittelstand sehr unangenehm werden. Herr Minister! Nach weiteren Ausführungen des Abg. Dr. Koerner( Bölf. Freiheitspartei) werden die Abstimmungen zum Handelsetat vorge nommen. Die Anträge des Hauptausfuffes gelangen fast durchweg zur Annahme; einige werden Ausschüssen überwiesen. Abgezur Annahme; einige werden Ausschüssen überwiesen. A b ge lehnt gegen die Rechtsparteien wird in dem Ausschußantrag betr. einen neuen Berteilungsschlüssel bei Kreditgemäh, einen neuen Berteilungsschlüssel bei Kreditgem rung an den notleidenden Mittelstand die Bedingung, daß der A Nach Schlüssel die Zurüddrängung der Mittelschichten durch konsum vereine und Genossenschaften ausschließen soll. Erledigung der Abstimmungen fährt das Haus in der allgemeinen Aussprache über den Haushalt des Ministeriums des Innern fort. Minister des Innern Severing: Als ich hier im vergangenen Jahre den Haushalt des Innerи zu vertreten hatte, gab ich der Erwartung Ausdrud, daß es in perhältnismäßig furzer Zeit gelingen würde, in allen Teilen Preußens eine geordnete Verwaltung wieder herzustellen. Seit den Novembertagen des vergangenen Jahres haben wir auch im Rheinland wieder eine geordnete Verwaltung. Diese Wiederherstellung der staatlichen Ordnung in allen Gebietsteilen Preußens hat nun auch die Bahn freigelegt für die Inangriffnahme von Aufgaben des misteriums des Innern, die in der Zeit der politischen Berriffenheit der Be fagung notgedrungen zurückgestellt werden mußten. Ich denke babei on Eingemeindungspläne im Westen, die jetzt aufgegriffen, bearbeitet find und demnächst dem Hause vorgelegt werden. Ferner an die Aufgaben der Berwaltungsreform. Jegt sind die äußeren Fesseln gefallen und jest tönnen wir an die Arbeit gehen. 3 möchte jedoch die Formulierung der einzelnen Paragraphen nicht früher vornehmen, die Borlage nicht früher in Gefeßesform gießen, bevor nicht zwischen den Parteien des Haufes eine Bereinbarung über Einigung auch in den Ostfragen. Diskussion der Rückwirkungen". V. Sch. Locarno, 14. Oftober( Eig. Drahtbericht). Die Ronferenz hat heute insofern eine fleine Pause erfahren, als weder am Bormittag noch am Nachmittag eine Plenarsigung stattfand. Das ist aber nur eine Aeußerlichkeit, denn praktisch wird in den privaten Unterhaltungen und Bujammenfünften der Juristen mehr positive Arbeit geleistet als in den offiziellen Plenarverhandlungen. Gegenüber anders lautenden Gerüchten wird von der deutschen Delegation best ritten, daß die Reise Kempners irgendeine Stodung der wichtigen Beratungen zur Folge gehabt habe. Auch von maßgebender alliierter Seite wird die Erklärung der deutschen Delegation als richtig unterstrichen. Im übrigen weist die deutsche Delegation auf das entschiedenfte darauf hin, daß der Auftrag Kempner feine Rüd frage in Berlin bedeute und infolgedessen bei der Rückkehr Rempners, die für Donnerstag abend vorgesehen ist, feine Antwort, sondern nur ein Stimmungsbild erwartet wird. Die privaten Unterredungen haber sich in den letzten Tagen fo vermehrt, daß man unmöglich alle registrieren fann. Die deutsche Delegation hat folgende Unterredungen gehabt: Luther mit Benesch, Stresemann mit Chamberlain, v. Schubert mit Vandervelde, v. Schubert mit Scialoja. Es tann als feststehend angesehen werden, daß die meisten dieser Unterhaltungen immer weniger dem Paft und den Berträgen und immer mehr den Rüdwirtungen galten. Da dies letzte Thema aus bekannten Gründen besonders heifel ist, verlautet darüber noch weniger als über die eigentlichen Agenden der Konferenz. Der Besuch Scialojas bei Schubert, der später erwidert wurde, ist insofern von Intereffe, als der italienische Hauptdelegierte am Dienstag mit Briand eine längere Motorbootfahrt unternommen hat. Italien mehrt sich verzweifelt gegen die Isolierung, in der es von Anfang an und befonders in den legten Tagen gewesen ist und möchte um jeden Preis eine Rolle spielen. gut wie fertig. Die Juristen seilen nur noch gewiffe Formu fierungen aus. Die Frage der Garantie der östlichen Schiedsverträge wird jo geregelt werden, daß Frankreich an Bolen und die Tschechoslowakei außerhalb des Baltes einfeitige Erklärungen abgeben wird, wonach im Falle eines festgestellten Angriffes durch Deutschland Frankreich den n gegriffenen gemäß seinen Bündnisverpflichtungen zur Seite stehen werde. Die Juristen haben aber außerdem die Schiedsper träge bearbeitet, und zwar verhandelte Ministerialdirektor Gous den ganzen Tag über nicht nur mit feinen tschechischen und polnischen Kollegen, sondern es waren auch Fromageot und Hurst zugegen. Das Ergebnis der Beratungen war außerordentlich befriedigend: Drei Schiedsgerichtsverträge find auf der in London vereinbarten Basis also ohne die Stlaufel der restlosen Schiedsgerichtsbarkeit- endgültig ausgearbeitet worden. Erstens ein Schiedsgerichtsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich, zweitens zwischen Deutschland und Belgien, drittens zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Nur der Schiedsgerichtsvertrag mit Bolen ist noch nicht fertig geworden, sondern dürfte erſt im Laufe des morgigen Tages so weit fein. Daraus geht schon hervor, daß die Schiedsverträge awilen Deutschland und der Tschechoslowakei und zwischen Deutschland und Boien nicht wie ursprünglich angenommen wurde, völlig identisch sein dürften. Kempners Berichterstattung beendet. WTB. meldet: Heute mittag fand in der Reichskanzlei in Anschluß an die gefirige Sigung eine erneute minifter beipreuna unter Vorig des Reichswehrministers Dr. Geßler statt, in der Staatssekretär Dr. Stempner feine Bericht erstattung über den bisherigen Berlauf der Konferenz vox Locarno zu Ende führte. Staatssekretär Dr. Kempner hat gestern abend 9 Uhr die til d reise nach Locarno angetreten. Chamberlain äußerte sich heute der englischen Breffe gegenüber viel weniger zurückhaltend als bei Beginn der Ronferenz und sagte fogar, er fönne fich faum mehr denten, daß jemand die Verantwortung übernehmen würde, seine unterschrift unter die Abmachungen von Locarno nicht ist zu sehen. In deutschen Delegationsfreifen erflärt man, daß man darin feine Anspielung auf die deutsche Delegation erblicken fönne. Auf wen sie sonst gemünzt sein sollte, ich nicht zu ersehen. Es scheint, daß man in den alliierten Konferenzfreisen mit der Möglichkeit gerechnet hat, daß von Berlin aus der deutschen Delegation Schwierigkeiten gemacht werden tönnten, die eine Berständigung gefährden. Tat fächlich scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Luther und Stresemann find entschloffen, auf Grund des bisher Erreichten auf eigene Berantwortung im Sinne der Unterzeichnung des Baftes und der Schiedsverträge zu handeln. Der Batt ist so Mussolini will mit von der Partie fein. Rom, 14. Oftober.( WIB.) Ministerpräsident Mussolini heute abend nach Locarno abgereist. Laufende Angelegenheiten." Parts, 14. Oftober.( WIB.) Die Botschafterkonferenz heute vormittag zu einer Sigung zusammengetreten, in der sie die laufenden Ungelegenheiten erledigte. Es handelt sich hier offenbar um die Beratungen über die Entwaffnungsnote und die Räumung Kölns, für die die Bat schafterfonferenz zuständig ist. Die Zustimmung muß erfolgen, damit in Locarno die schriftliche Zusage der alliterten Regie rungen erfolgen fann. die Grundsätze vorangegangen ist. Ich glaube, in einigen Monaten| nehmen zu wollen: ber deutsche Landwirtfaftsrat, der Lönnen die fertigen Borlagen dem Landtage unterbreitet werden. Abrechnung mit den Völkischen. Wenn ich, um einen Ausdruck des Herrn Kollegen Leidig zu gebrauchen, rückblickend die bisherige Debatte verfolge, jo möchte ich zunächst sagen: der Ton, in dem in diesem Jahre die Debatten geführt sind, sticht wohltuend ab von dem Ton der Auseinander. fegzungen zu meinem Etat in früheren Jahren. Sogar Herr Kollege Roerner hat bemerkt, daß der Kampf der Deutschoölfffchen Freiheitspartei gegen mich nicht meiner Person gelbe, und er hat sogar positiv gesagt, daß man meiner Person auch in seinen Reihen etwas wie Achtung entgegenbringe.( Buruf: Auswertung! Heiterkeit.) Ich ertenne das mit Dant an, Aber, Herr Kollege Koerner, wenn ich als Redner der. Deutschvölkischen Freiheitsparbet an das glaubte, was Sie als Ihre Meinung oder als Feststellungen Ihrer politischen Freunde hier vorgetragen haben, dann hätte ich vor dem Minister des Innern teine Achtung. General Der Herr Abgeordnete Koerner hat dann auf eine Rebe egemplifiziert, die ich am 12. Ottober vergangenen Jahres in Ref gehalten habe. Natürlich hat er auch da wieder falsch zitiert Kurz dieser Rede hat ein verabschiedeter Dor von Ledebour in Altona bei einer vaterländischen Feier gesprochen; er hat Ausführungen gemacht, die zurückgemiesen we then mußten, und ich glaubte, dazu nicht nur berechtigt, sondern spgar verpflichtet zu sein. Kurze Zeit vorher waren in und um Hamburg bei vaterländischen Organisationen Pläne und Aufzeichnungen. gefunden worden, die nichts mehr und nichts weniger enthielten, als Bemerkungen arüber, wie man im Falle von außen- oder innenpolitischer Berwidlungen Hamburg und Altona zernieren urb die Arbeiterschaft zum Hungern bringen fönnte.( hört, hört! links. Heiterfeit rechts.) Aber nicht nur das, auch die Formationen waren schon aufgestellt, die gegen Hamburg und Altona marschieren sollten. Wenn folche Dinge zur Kenntnis der Arbeiterschaft kommen, fann das in politisch und wirtschaftlich erregten Zeiten einen sehr unangenehmen Zündstoff bilden und mir lag daran, die unangenehmen Stimmungen zu bannen. 3h habe für den Frieden, besonders für den Bürgerfrieden in Kiel gesprochen, habe allerdings gefagt: went es etwa die Kreise, die mit ihren Plänen aufmarschieren, wagen sollten, die Verfassung und die Mitglieder der verfassungstreuen Parteien anzutasten, dann würden allerdings die Mitglieder des Reichsbanners und der verfassungstreuen Parteien zeigen, daß fie feine Feiglinge und feine Weichlinge feien.( Sehr gut! linfs.) Und dabei bleibt es, das werde ich immer wieder sagen, und ich tin auch gesonnen, daraus die Konsequenzen zu ziehen.( Sehr gut! links.) mir einmal Mittelstand und Preisprüfungsstelle. Herrn Abg. Müller- Franken will ich folgendes fagen. Ich glaube, bei einer objektiven Betrachtung aller derjenigen Maßnahmen, die aus der Kriegswirts haft noch bestehen, werden Sie finden, daß einige dieser Maßnahmen fortbestehen müssen. Ein Mitglied Ihrer Partei ist fürzlich bei mir gewesen und hat gefragt, ob es angezeigt sei, gerade bei meinem Etat die Frage fagen Der Preiskonventionen zu behandeln. Darauf habe ich ihm gesagt:„ Natürlich, denn die Preiskonventionen müssen doch von der Polizei bekämpft werden!" Und jenes Mitglied Ihrer Partei hat dann darauf aufmerfjam gemacht, daß An gehörige des gewerblichen Mittelstandes daß fleine Kaufleute Martenartikel gern billiger verkaufen möchten, aber durch die Konven. tionen der großen Ringe daran gehindert würden. Benn Sie der Meinung sind, daß diese Untersuchungen und Feststellungen von einer objeftiven Behörde getroffen werden sollen, dann müs Sie auch für die Beibehaltung der Preisprüfungsstellen eintreten; denn nur die Preisprüfungsstellen find imftande, festzustellen, ob der fieine Raufmann oder ob der Ring, die Preistonvention schuld ist an der Teuerung Abrechnung mit den Deutschnafionalen. Und nun gestatten Sie mir, daß ich mich mit den Herren Rednern beschäftige, die gestern geredet haben, zunächst mit dem Herrn Abg. Milberg. Seine Bemertungen bem Abg. Hirsch gegenüber: Das war fein Heldenstüd, Ottavio!" haben auch mich zu einem Ausflug ins Literarische angeregt. Herr Milberg ist doch fein Queftenberg( Seiterfeit); aber ich glaube, ich barf ihm fagen, obgleich ich auch nicht für mich in Anspruch nehme, ein Wallenstein zu fein( 3uruf: Aber ein halber! Aber es fann noch werden! Heiterfeit.): Anklagen ist mein Amt und meine Sendung. Es ist mein Herz, das gern beim Lob verbleibt." Von diesem Lob habe tch allerdings wenig verspürt. Sie hatten ja eben den Beruf anauflagen, mildernde Umstände nicht gelten zu lassen und diesen Beruf haben Sie getreulich erfüllt. Aber wie so manchem Staatsanwalt, ging es auch Ihnen: es ist Ihnen manches Un. richtige unterlaufen. Che ich diese unrichtigen Angaben berichtige, möchte ich zu den Ausführungen des Herrn Abg. Milberg zu meiner Stellung als Kommunalaufsichtsminister folgendes sagen: Die mir freundlichst zugedachte Rolle, alles das zu droffeln, was in diejen früben Zeilen die Gemeinden unternehmen möchten zur Ausgestaltung Ihrer Aufgaben, lehne ich ab. ( Bravo! fints. Buruf rechts: Hat auch tein Mensch gewollt!) Was Herr Abg. Milberg mir zugemutet und was er zur Begrün dung seines Anfinnens gesagt hat, ftimmt aber auch gar nicht. Ge miß, als wir im vergangenen Jahre, nach der Inflation, wieder jo etwas wie einen festen Boden fühlten, da sind auch die Ge meinden daran gegangen, das, was He in den letzten Jahren des wirtschaftlichen Rieberganges hatten zurüdstellen müssen, zu errich ten. Gemig fie haben hier und dort ein Stadion gebaut, ste haben Sportplätze angelegt, fe haben auch ein Theater errichtet, aber, meine Herren, das find alles Dinge, die ich unter gar feinen Um Ständen miffen möchte. Ich bin aber eigentlich erstaunt gewesen über die Forderung des Herrn Abg. Milberg, eine straffere Aufsicht über die Ge meindefinanzen zu üben, die Gemeinden mehr in thre Schranken zu. rüdzuweisen, denn die Herren von der Deutsch natio nalen Boltspartei tönnen es sonst anders. Als ich mich einmal daran erinnerte, daß die Gemeinden doch auch nur Bellen des Staates und, wenn man so will, Zellen auch des Reiches feien, und als ich aus dieser Erkenntnis die Konsequenz zog, daß am Verfassungstage des Reiches insbesondere auch die Gemeinden in den Farben des Reiches zu flaggen hätten, waren Sie es ja ( Unruhe rechts.), die gegen den Innenminiffer zu Felde zogen, weil Sie der Meinung waren, daß das eine unerhörte Beschränkung der Selbstverwaltung fei. Reichslandbund, der Reichsverband der deutschen land und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberver. einigung.( Stürmische Rufe links: Hört, hört! Das sind Ihre nationalen Kreise! Burufe bei den Dnat.: Es handelt sich nur um die Rübenarbeiter! Lachen links. Große Unruhe.) Ich mache Ihnen einen Vorschlag: siedeln Sie die deutschen Arbeiter so an, wie Sie es mir empfohlen haben, als die Schneidemühler Dinge in den Zeitungen und in der Deffentlichkeit erörtert wurden, und be zehlen Sie die deutschen Arbeiter so, daß die deutschen Arbeiter mit diesen Löhnen ein menschenwürdiges Dasein führen können, dann haben Sie Arbeiter in Hülle und Fülle.( Lebhafte Zustimmung links. Große Unruhe und stürmische Zurufe bei den Dnat.) Ich stelle feft: ich bin der hemmungslosen Einwanderung Auswärtiger entgegenge treten, und die wirtschaftlichen Kreise, die dem Reichslandbund, die der Deutschnationalen Boltspartei nahe stehen, find für die hemmungslose Zuwanderung der polnischen und ausländischen Arbeiter. Blätter veröffentlichten vor einigen Tagen folgende Notiz, der frühere Raiser habe an den früheren Landrat des Kreises Elbing ein Telegramm folgenden Wortlauts gerichtet: Ich habe mit Bedauern vernommen, daß Sie den Landkreis Elbing verlassen, um eine anderweitige dienstliche Verwendung zu finden. Sie haben sich in Ihrer fast neunzehnjährigen Betätigung als Landrat mein volles Vertrauen erworben ( Heiterkeit links) und wird, des bin ich gewiß, auch der Landkreis feinem fcheidenden Landrat ein dankbares Andenken bewahren. 3ch fende Ihnen beifolgend mein Bild und wünsche Ihnen, lieber Graf Pojadowsky, für die Zukunft alles Gute. gez. Wilhelm R. ( Große Heiterfeit tints.) Ich spreche nicht über die scheußliche In version, die in diesem Telegramm liegt( Lachen und Zuruje rechts), aber ich spreche über die Anmaßung des früheren Kaifers, der der Auffassung ist, daß er heute noch sein volles Bertrauen einem preußischen Landrat zu befunden hat. Ich spreche aber auch über die Anmaßung, die darin liegt, daß der frühere Kaiser sich noch den Titel Reg, König, beilegt. Auf diefen Titel hat der Kaiser verzichtet. Aber das ist nicht das Wesentliche. Und nun verhält es sich mit diesem Landrat Bosadowsty so, daß ich schon vor einigen Jahren beabsichtigte, ihn zur Disposition zu stellen und daß ihm durch Gründe, die ich heute nicht erörtern möchte, diefes Schicksal erspart geblieben ist. Jetzt aber, in diesen Sommertagen, find Ihre politischen Freunde, meine Herren von der Deutsch natio nalen Bolfspartei, an mich herangetreten bzw. an die Herren meines Minifteriums mit dem Ersuchen, diesen Landrat recht bald abzuberufen.( Lebhafte Rufe: Hört, hört! ( Erneute stürmische Zurufe bei den Dnat. Andauernde große Unruhe.) Herr Abg. Milberg ist dann auf die Frage der Verbände zu [ prechen gekommen. Ich darf, ehe ich ihm antworte, Herrn Kollegen Müller- Franten bestätigen, daß ich als Polizeiminifter froh wäre, wenn es gar feine solcher Organisationen gäbe. Ich habe mich in diesem Sinne in den Jahren 1921, 1922, 1923 ausgesprochen. Meine Mahmungen an die Barteien und Kreise, die dem Stahlhelm ind dem Jungdeutschen Orden, dem Wikingbund u. dgl. nahestanden, diese Berbände doch zur Auflösung zu bringen, haben nichts gelints.) fruchtet. Als dann im Jahre 1923, in den Novembertagen dieses Jahres, gerade der Jungdeutsche Orden und der Stahlhelm in die Deffentlichkeit traten und die Reichsstellen aufforderten, die Diffatur zu proflamieren, da, meine Herren, habe ich es nicht mehr mit meinem Gewissen ver einzuwirken, von der Gründung anderer Behrorganisationen Ab. antworten fönnen, auf diejenige Partei und diejenigen Gruppen stand zu nehmen, die bis zum Jahre 1923 zum Teil infolge meiner Ermahnungen und meiner Einwirtung Gewehr bei Fuß geftanden haben. Als dann das Reichsbanner im Frühjahr 1924 ins Leben trat, da habe ich die Gründung des Reichsbanners begrüßt( Bravo! links), weil in diefer Gründung fo etwas lag, wie eine Storreftrr der irrtümlichen Auffaffung, daß das ganze offizielle Deutschland nur aus Stahlhelm und Jungdeutschem Orden bestand. Abrechnung mit der Boltspartei. Dann darf ich mich noch mit einigen furzen Bemerkungen zu den Ausführungen des Herrn Abg. Dr. Leidig wenden. gestellt, daß er und seine politischen Freunde nicht beabsichtigten, Der Herr Abg. Dr. Leidig hat an die Spize seiner Ausführungen gestellt, daß er und seine politischen Freunde nicht beabsichtigten, die Sozialdemokratie von der Mitarbeit am Staatsganzen auszuschließen. Aber Sie haben bas, was Sie so schön in dieser Präambel geſagt haben, burch Ihre weiteren Ausführungen gänzlich wieder zerstört. Sie haben bas Mißtrauensvotum der Deutschen offspartei mit dem Hinweise darauf begründet, daß die Verschiebenheiten in unserem Boltsleben ausgeglichen werden müßten, daß das insonderheit die Aufgabe des Mannes sei, der an der Spize des preußischen Innenministeriums stehe, und daß ich durch meine Amtsführung bewiesen hätte, daß ich dieser Aufgabe nicht ge wachsen wäre.( Abg. Dr. Leibig: Nicht gemachsen fein will! Bravo! rechts, Buruf: Also böser Wille!) Es gab einmal eine Beit, Herr Kollege Dr. Leibig, da dachten Sie über meine ben Gozialdemokraten und Demokraten.) Das war am 13. Auguft 1923.( Buruf des Abg. Dr. Leidig.) Ich entfinne mich da eines Gespräches, das ich nicht diskret zu behandeln brauche, denn es war ein politismes Gespräch, das ja auch später ganz effizielle Formen bekommen hat. Der Abg. Milberg hat dann das Telegramm des Stahl helms in Halle an den Reichsinnenminister zitiert. Ich muß fagen, daß dieses Telegramm des Stahlhelms an den Herrn Reichs. innenminister ungefähr das Tollste darstellt, was mir in der legten Beit begegnet ist. Die Polizeiverwaltung in Helle ist mit der Unterfähigtetten auf biefem Gebiete ganz anders.( hört, hört! bei suchung des Falles beauftragt morden und der Regierungspräfident in Merseburg erstattet mir einen Bericht, aus dem hervorgeht, daß für die Ermordung ter beiden Stahlhelmangehörigen in Anhalt und im Freistaat Sachsen preußische Behörden nicht verantwortlich gemacht werden fönnen. Von den anderen drei Fällen ist nur die Er. mordung des Bäckermeisters Billner als eine politische Tat zu be zeichnen. Sie aber als eine Folge des Stodverbots hin zustellen, ist ebenso wie in den übrigen vier Fällen deswegen vollständig abwenig, weil sie sich zu einer Zeit abgespielt haben, als der Ministerialertas vom 26. Mai und meine Verfügung vom 8. September noch gar nicht bestanden haben.( hört, hört!) Die Urlas- Briefe des Herrn Bachem. Ich darf dabei gleich auf die Dinge zu sprechen tommen, die geftern auch der Herr Ahg. Hirsch schon berührt hat. Drei mit. glieder dieses Hauses haben auf Befchluß der deutsch. nationalen Fraffion einen Ausschuß gebildet, um die Dinge festzustellen, die sich besonders in meinem Amtsbereich auf dem Gebiete der Beamtenförderung oder Beamten. zurüdfehung ereignen. Zunächst möchte ich Ihnen folgendes fagen. Eine Beantwortung aller dieser Fregen fonnten Sie boch nur von Beamten erlangen. Müffen Sie durch solche Anfragen nicht geradezu das Gefühl erweden, daß alle Beamten zu füdgeftellt worden find?( Abg. Milberg: Nein! Zurufe rechts.) Herr Abg. v. Gersdorff legt Wert auf die Feststellung, daß in den weiteren Baffagen dieses Erlaffes, dieses Rundschreibens verlangt wird, daß man nur zuverlässige Angaben macht. Ja, Herr Abg. von Gersdorff, Sie fouten nicht so unvorsichtig sein! Das ist nämlich das Eingeständnis der Pleite. Weil Sie zuverlässine Angaben nicht bekommen fonnten, deswegen haben Sie nichts gejagt. Ich spreche ja mur im Interesse der Deutschnationalen Partei, wenn ich feststelle, daß zuverlässige Angaben, die diese Auffassung und diefe Erwartung erhärten, nicht gemacht mer ben tönnen. Herr Abgeordneter Milberg, der Schluß liegt doch sehr nahe: Wenn Sie vom 15. Juli bzw. vom 3. Jufi d. 3. das erwartete Material befommen hätten, hätten Sie als erfter Nebner doch schon davon ausgiebig Gebrauch gemacht( Sehr richtig! links), und da Sie es nicht getan haben, provoziere ich Ihren zweiten Redner, damit herauszufommen.( Sehr gut! lints.- 3uruf rechts.) Und nun frage ich Herrn von Gersdorff: Wenn jede Partei ihre Angehörigen in dieser von Ihnen bellebten Art anweisen wollte, wenn jede Partei ein derartiges Spigelfyftem einführen wollte, dann wäre es mit der Moral in Preußen schlecht bestellt. Aber ich habe den Eindrud, als ob Sie auch auf diesem Gebiete doppelte Buchführung schrieben; denn drei Tage, nachdem Sie diesen Ausschuß eingefegt hatten, dem auch der Herr Polizeimajor a. D. Bord angehört, schrieb dieser Herr Polizeimajor mir einen Brief folgenden Wortlauts: Sehr geehrter Herr Minister! Ein meiner Partei nahestehender Rettor Trouet aus Sterf rade im Rheinland teilt mir mit, daß sein Sohn an Sie, fehr geehrter Herr Miniſter, ein Gesuch um Einstellung als Polizei anwärter in eine staatliche Polizeiverwaltung eingereicht hat. Da mir durchaus bekannt ist, daß Sie diesem Gesuch in der gewünschten Weise nicht nachkommen fönnen, ba aber andererseits in der Familie des Gesuchstellers eine Notlage vorliegt, so würde ich Ihnen außerordentlich dankbar fein, falls es sich in irgendeiner Weise ermöglichen ließe, daß der Gefuchsteller in einer bezahlten Hilfsarbeiterstelle verwandt wird. Bielleicht würde durch Ihren Einfluß in diefer Beziehung dem Gesuchsteller geholfen werden tönnen. Für eine gefällige Antwort wäre ich Ihnen außerordentlich verbunden und benuße ich diesen Anlaß zum Ausdrud meiner vorzüglichsten Hochachtung. ergebenst gez. Bord. m. b. a. ( hört! hört! und Heiterfeit links. Damen und Herren, der Herr Abgeordnete Bord fezt in Burufe rechts.) Alfo, meine mich das Bertrauen, daß ich den Sohn eines seiner Partei nahe stehenden Reftors in die Polizeiverwaltung aufnahme. Ich fann Ihnen fagen: der Herr Abgeordnete Bord hat sich in diesem Falle nicht getäuscht; der Mann ist in die Polizeiverwaltung aufgenommen worden.( Bravo!) Damit vergleichen Sie nun die Briefstelle, die auch der Herr Abgeordnete Bord unterzeichnet hat.( 3urufe und Heiterfeit.) bat.( 3urufe und Heiterfeit.) Benn für Straßenbau und Instandhaltung, dann aber auch auf sozialpolitischem Gebiet die Gemeinden und Gemeindeverbände Ausgaben machen, so tann ich nur sagen, daß fie diese Ausgaben leisten einmal im Interesse der deutschen Bolkswirtschaft und zum andern im Intereffe des sozialen Friedens,( Lebhafte Buftimmung bei den Soz.) und daß ich nicht gesonnen bin, da irgendwie von Aufsichts wegen mit Abstrichen vorzugehen. Der Herr Kollege Milberg hat dann weiter erklärt, daß die Deutschnationalen um deswillen mir ihr Mißtrauen aussprechen wollen, weil ich eine hemmungslose Buwande rung aus dem Often zugelassen hätte. Aber hemmungslos find Ausländer ins Reich, wenn ich recht unterrichtet bin, zu großen Massen in der Kriegszeit durch die Heeresleitung hereingelassen worden.( 3uruf links: Ludendorff!) Und hemmungslos, Herr Kollege Milberg, werden noch in jedem Jahr Ausländer durch Kreise hereingelassen, die Ihnen politisch und wirtschaftlich nahe stehen. Die Reichsarbeits. Es ist mir gefagt worden, ich hätte in der Personalpolitik teine verwaltung hat im vergangenen Jahre das Kontingent glüdliche Hand gehabt. für die Zulassung ausländischer Arbeiter auf 130 000 feftgelegt. Einige Stellen im Reich, insbesondere der Herr Reichsarbeitsminister, in Preußen der Herr Wohlfahrtsminister, der Herr Handelsminister und ich sind der Meinung, daß diese Zahl von 130 000 nicht vermehrt, sondern herabgesezt werden muß.( Hört, hört! lints) Und wer wehrt sich nun dagegen? Herr von Per Often, ich bitte von diesen Mitteilungen gefälligst Kenntnis Nun ein paar Bemerkungen zu meiner Berfonalpolitit. Ich gebe unumwunden zu, daß nicht alles Idealbeamte sind, die als neue Beamte im Jahre 1920 in die Verwaltung gekommen find. Aber glauben Sie, das sei eine Eigenart eines fozialdemokratischen Innenministers?( Burufe rechts: Ja!) Irrtümer und Mißgriffe fommen auch in den höchsten und allerhöchsten Stellen vor. Ich möchte Ihnen bas mal an folgendem pitanten Borgang beweisen, an einem äußerst pitanten Vorgang. Die ostpreußischen -www ein Ich entsinne mich, daß wir im Reichstage am Tage der Bildung des Kabinetis Stresemann über die weitere politische Ent midlung im Reiche sprachen, daß Sie es wie ich für er. forderlich hielten, daß zur Beendigung des paffiven Widerstandes, zur Rettung Deutschlands in den Augusttagen stand es fehr fritisch, die Augusttage waren der Ritt über den Bodensee Busammenschluß aller Kräfte erforderlich fei, die guten Billens für den Aufbau des Baterlandes wären. Da haben Sie, Herr Kollege Leidig, mich ersucht, auf die Reichstagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei einzuwirken. Es war nicht notwendig, fie hätte es freiwillig getan. Ich bin am gleichen Tage noch von anderen prominenten Führern ber Deutschen Bollspartel im gleichen Sinne aufgefordert worden. Sie haben sich nicht an mid gewandt, nur weil ich Severing hieß, oder weil ich besonders ftöne Augen das ist mir aud hatte( Seiterfeit), nein, Cie haben es getan meil Sie von mir mußten, von ihren Freunden gesagt worden baß ich grundsäglich auf dem Boden der Roalitionspolitit( lehe. Sie wollen aljo feinen Sozialdemofrafen ausschließen, mich halten Sie aber für die Bertretung der Idee, die Verschiedenheit der politischen Gruppen in Deutschland auszugleichen, für ungeeignet! Da möchte ich Ihnen die Auflage machen, Herr Kollege Leidig, fuchen Sie einmal bei meinen politischen Freunden, ob Sie da einen anderen, ich will nicht sagen, befferen finden, der Ihren Erwartungen mehr entspricht, der biefe Aufgabe besser erfüllt.( 3urufe.) Sie machen es mir zum Borwurf, daß ich Sozial. demokrat geblieben fei. Ich fann Ihnen versprechen, ich bleibe bis an mein Lebensende pon den politischen Idealen erfüllt, die mich in das politische Leben getrieben haben.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Ich glaube, es war nicht flug von Ihnen, Herr Kollege Leidig. cine Formulierung zu treffen, bie ungefähr den Wortlaut hat: Die Türen werden geöffnet, aber hineinfommen nur diejenigen, die die erforderliche Stärke und Größe haben. Die Türen zur gemeinschaft lichen Arbeit! Ja, aber das bestimmen doch Sie nicht allein, sondern die anderen sehen sich doch auch noch die Leute an, die durch die Tür gehen sollen! Wenn Sie nicht eine Bor. herrschaft der Bolkspartei oder der Rechten etablieren wollen, sondern auf die Mitarbeit der anderen Parteien Wert legen, dann müssen Sie auch den anderen Parteien ein Recht, fagen wir, für die Auswahl der Persönlichkeiten, die berufen sind, mitgeftatten. Herr Kollege Leidig, Sie haben ich fann bas gar nicht oft genug hervorheben als die Berpflichtung des Minifters des Innern betont, daß er zwischen den Ideen der alten Zeit und den Anforde rungen der neuen Zeit mitteln folle. Ja, ich bin da mit Ihnen einverstanden, ich mittle auch. Meine ganze Tätigteit im Staatsministerium und vorher meine ganze Tätigkeit im öffentlichen Leben ist nichts anderes gewesen als bas Bestreben, die grozen Gegensätze im deutschen Bolte, die bis zum Jahre 1918 bestanden, in Arbeiter. fchaft und Bürgertum, auszugleichen. Aber, Herr Abgeordneter Leibig, Sie müssen es mir schon überfallen, wie ich diese Bermittlung vornehme. Sie wünschen, daß ich ben Anhängern der neuen Zeit, den republifanischen Parteigängern fage: mie schön ist es in der alten Zeit gewesen. Nein, das fann ich nicht. Nach meiner Meinung ist es notwendig, den Anhängern der affen Zeit ins Gedächtnis zurüdzurufen, weil sie das schon vergessen haben, daß das Alte nicht wiederlehrt und es jeht darauf antommi, in der Gegenwart für eine bessere Zukunft zu arbeiten. ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ich miille wie der alte Attinghausen: Das Alte stirbt, es ändert sich die Zeit, und neues Beben blüht aus den Ruinen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) So mittle ich. Das Gesetz der Trägheit ift ein fo retardierendes Moment, ist ein Faftor, so start für das Alte, daß er überwunden werden muß und man gar nicht Temperament genug Beit zu verföhnen.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe cufbringen fann, um auf die Alten einzuwirken, sich mit der neuen die Hoffnung, daß diese meine Mittlertätigkeit schließlich zu dem Erfolge führen wird, daß die Träger, des Alten einstmals Jagen werden wie der Träger des Alten im Hohen Lied von Wilhelm Tell: Und frei ertlär ich alle meine nete!( Anhaltender stürmischer Beifall und Händeflatschen bei den Sozial demokraten und in der Mitte, Lebhafte Burufe und Bifchen rechts. Erneuter anhaltender Beifall links.) Nach Ausführungen des Aba. Möride( Romm.) vertagt bas Haus die weitere Beratung auf Donnerstag 12 Uhr. Schluß% 6 Uhr. Die Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen Minifter Severing wird erst am Donnerstag nächster Woche stattfinden. Der Fall Paul Oskar Höcker. Ein belgisches Todesurteil. Der Schriftsteller Paul Oskar Söder, der zu Kriegsbeginn als Hauptmann in Belgien stand, ist jüngst von einem belgischen Kriegsgericht in seiner Abwesenheit wegen einer von ihm befohlenen Erschießung eines belgischen Bürgers namens Schmez zum Tode verurteilt worden. Ueber die Sinnwidrigkeit folcher Prozeduren wird nirgends eine Mei nungsverschiedenheit bestehen. Urteile solcher Art werden durch den Umstand gekennzeichnet, daß sie nur in Abwesenheit der Beschuldigten gefällt werden können und nur in der Zuversicht, daß fie für ewige Zeit unvollstrecbar bleiben werden. Würde der zum Tode Verurteilte" nach Belgien fommen und sich zur Vollstreckung des Urteils ftellen, so gäbe das eine große Berlegenheit. Der Fall wird noch grotesker durch den Umstand, daß Höder von dem Verfahren nie benachrichtigt wurde, sondern Don ihm erst erfuhr, als das Urteil gefällt war. Das Urteil gründet sich auf die Annahme, die Erschießung des Schmetz sei befohlen worden, weil man in seiner Be haufung ein Flobertgewehr gefunden hatte. Nach Höckers Dar Stellung ist Schmez zur Zeit der Kämpfe zwischen deutschen Soldaten und belgischen Zivilisten auf dem Dachboden seines Hauses mit einem geladenen Gewehr angetroffen worden. Zweifellos hat Höder, als er den Befehl zur Erschießung erteilte, felbft mur einen ihm gegebenen Befehl ausgeführt. " Frankreich und die Rückwirkungen. 6au 22 Der Kampf um die Form der Zusicherungen. Paris, 14. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Ron| Rechten und Pflichten ein. Andererseits erffären alle in Locarno zessionen, auf die Deutschland im Falle des Abschlusses des vertretenen Länder, den§ 16 mit den Worten des Genfer ProtoGarantiepattes fowie der damit zusammenhängenden Schiedsver. folls zu interpretieren, nämlich, daß alle Länder zu gegenseitiger träge rechnen kann, macht am Mittwoch die Information" folgende Hilfe im Angriffsfalle verpflichtet sind, daß aber die militäAngaben: Angesichts der Tatsache, daß die Unterzeichnung des rische und geographische Lage der einzelnen Länder beSicherheitspattes die Rückkehr zu herzlichen Beziehungen rücksichtigt werden müsse. zwischen Deutschland und Frankreich bedeute, sei die französische Regierung grundsäglich bereit, eine Reihe von Maßnahmen, die diese neuen Beziehungen trüben fönnten, aufzuheben. Allerdings fönne es fich einstweilen nur um mündliche 3uficherungen handeln, die vielleicht in einem Sigungsprotokoll registriert werden würden und die sich vor allem auf die Räumung der befeßten Gebiete beBögen. Auf feinen Fall aber würden, da ausdrücklich vereinbart gewesen sei, daß in Locarno feine außerhalb des eigent. lichen Verhandlungsthemas liegende Fragen aufgerollt werden dürfen, diese Zusicherungen in Vertragsform gegeben werden fönnen, Diese auch in den Berichten anderer Blätter bestätigte Dar ftellung läßt deutlich erkennen, daß wenn die Alliierten formell an dem Standpunkt festhalten, daß Deutschlands Unter schrift unter die Berträge von Locarno bebingungslos gegeben werden müsse, sie nichtsdestoweniger zu weitgehenden Ron effionen an die von der gesamten öffentlichen Meinung in Deutschland geforderten politischen Kompenfationen bereit sind. Die Hauptsache ist, daß die zusagen, die den Herren Strese. mann und Luther zweifellos bereits gemacht worden sind, pünft. ich gehalten werden, und die Erfahrungen, die man mit dem im vergangenen Jahre in London gegebenen Zusicherungen ähn licher Natur gemacht hat, berechtigen nicht dazu, an der Ehrlich day ateit der Absichten ber alliierten Staatsmänner und der von ihnen gegebenen Versprechen zu zweifeln. Urteile solcher Art haben feinen andern Zweck als den der beiderseitigen nationalistischen Verhegung. Kein Wunder also, daß der Berl. Lofalanzeiger" und in ihm herr Söderselbst, die Gelegenheit freudig ergreift. Herr Höder erteilt aus Anlaß seines Falles den Deutschen den Rat, nach Bismarckschen Rürassierstiefelmethoden zu verfahren. Das ist ganz ungeheuer einfach! Dem belgischen Kriegsgericht ist neben anderem auch dies vorzuwerfen, daß es mit seinem Urteil Reflame gemacht hat für einen deutschen Schriftsteller, der feinen großen Lesertreis nur seiner nicht mehr zu über bietenden Blattheit verdantt. Krach im Arbeitgeberlager. Tagung hinter verfchloffenen Türen. te mir von unterrichteter Seite hören, sind zwischen dem Borstand und einzelnen Mitglieder der Geschäftsführung der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände erhebliche Meinungs. verschiedenheiten entstanden, die zu heftigen Zusammenstößen im Unternehmerlager geführt haben. Die Leitung der Bereinigung ist über die Blamage, die sich ihr Geschäftsführer Dr. Meisinger mit der berüchtigten Attennaliz geholt hat, begreiflicherweise un zufrieden. Ferner wendet sie sich gegen die Propaganda für eine Arbeitsgemeinschaft, wie sie insbesondere der Leiter der Propaganda. abteilung v. Bengen auf eigene Faust getrieben hat. Schließlich bricht fich allmählich die Empörung über die verschwenderischen Propagandaausgaben zur Beeinflussung oder Aufklärung" der Ar beiter durch. Daß es fid; hier um große Summen handelt, ist fürzlich in dem Prozeß gegen den Buchhalter Schubert zur Sprache getom. men. Besonders entrüftet ist man darüber, daß erhebliche Geldmittel zur Finanzierung äußerlich arbeiterfreundlicher Beröffentlichungen, bie aber im Dienste der Arbeitgeber erfolgten, aufgewandt worden fein sollen. In welcher Weise das geschehen ist, barüber fehlen noch genauere Ginzelheiten, man tann barüber nur Bermutungen anstellen. Es scheint da im Unternehmerlager verschiedenes nicht zu stimmen. Eine Bereinigung der Deffentlichkeit von den zulegt er. wähnten zweifelhaften Geschäften fann nur begrüßt werben. Die Arbeitgeber verhandeln bereits seit Dienstag hinter verschloffenen Türen und merden wohl in diesen Tagen mit einer Rundgebung aufwarten, die die geschilderten Differenzen nach außen hin zu verbergen fuchen wird. Die Anwesenheit der vorher eingeladenen Breffe hat man fich telegraphisch verbeten. Neue Verhaftungen in den Fememordaffären Festnahme des früheren Kommandanten der Spandauer Zitadelle. Vanderpelde:„ Die Konferenz geht zu Ende." Brüssel. 14. Oftober.( Eigener Drahtbericht) ander Delbe erklärte dem Korrespondenten des Peuple" in Locarno: Die Konferenz geht zu Ende. Der Rheinpatt ist fertig. Auch die Schwierigkeit bezüglich Deutschlands Eintritt in den Bolterbund ist behoben. Deutschland tritt mit gleichen Erbauliches aus dem ZPA.- Prozeß. 48 000 M. für ein Telephongespräch. Im Prozeß gegen die Leiter der Breußischen Landespfandbrief anstalt und das Abelstonsortium tamen am Mittwoch erbauliche Gepflogenheiten darüber zur Sprache, wie die pommerichen 2beligen nach ihrem Erwerb des Bureauhauses Börse in Berlin mit den eingehenden Gelbern gewirtschaftet haben. Um die Verwaltung der Häuser haben sich die abligen Herren Geschäftsführer" nur soweit gefümmert. als es sich um Beschaffung von Geldern für ihre persönlichen Swede brehte. Das verstanden ſie allerdings glänzend. Selbst Herr v. Carlowig, der sich gar nicht Geschäftsführer" schimpfte, erhielt ganz erfledliche Summen. Barum? Man mußte, dem armen Jungen aus der Batsche helfen". Der Angeflagte von Ehdorf will fich darauf hinausreden, daß fie auch wieder einen Teil des Geldes zurüdgezahlt hätten. Das ist richtig," bemertt ber Borsitzende, es find über 51 000 mart ent nommen und 227 Mart zurüdgezahlt worden. Sie haben mindestens 30 000 Mart perfönlich verbraucht." p. Egdorf will mur 21 000 Mart gelten laffen. Schließlich wurde noch festgestellt, daß ein Kaufmann alter von Cydorf in Dresden, ein Better des Angeklagten, 48 000 Mart, Provision" lediglich dafür bekommen hat, daß er dem jezigen Direktor der Berliner Kredit- und Handelsbant telephonisch Don Dresden aus riet, sich mit seinem Berliner Better in Berbindung zu fezen. Schuldkonto Stinnes. Wie Stinnes mit Dr. Heim den bayerischen Staat geschädigt hat. Was die französische Garantie des Ostvertrags anbetrifft, ist eine Stompromißformel gefunden worden dank der Tatsache, daß die polnischen Staatsmänner begriffen haben, daß die Substanz der französischen Garantie wichtiger ist als die Form. Bandervelde unterstric), daß nur noch Formschwierig. teiten vorhanden seien und fügte hinzu: Benesch sagte mir am Dienstagabend, daß ausgezeichnete Fortschritte festzustellen sind und daß die deutsch- polnischen und deutsch- tschechischen Schiedsverträge weifellos am Donnerstag fertig sein werden. Demnach ist Freitag ein erfolgreicher Konferenzschluß zu erwarten. Die Zustimmung der Deutschnationalen. Cocarno, 14. Oftober.( Drahtbericht unseres Sonderforrespon tenten.) Die Vollkonferenz foll am Donnerstag, wenn alles gut geht, den Abschluß der endgültigen Rebattion" bringen. ft das nicht möglich, dann erhofft man von dem Verlauf des Freitag die endgültige Entscheidung über die offiziellen Bunfte der Tagesordnung. Bis dahin dürfte Staatssetretär Rempner nach Locarno zurückgefehrt sein. Er foll, wie hier versichert wird, eine Billigung der bisherigen Arbeiten der Delegation durch das Rumpffabinett in der Tasche tragen, also auch die Zustimmung der deutschnationalen Minister zu dem Abschluß des Battes, dem Eintritt in den Bölkerbund und der Paraphierung der Schiedsgerichtsverträge für den Often. Eine offizielle Bestätigung dieser von gutunterrichteter Seite der deutschen Delegation stammende Versicherung war hier nicht zu erlangen. Aber es fann fein Zweifel Darüber bestehen, daß eine gegenteilige Auffaffung des Rumpf tabinetts die Berhandlungen der Delegation über die Nebenfragen" erschweren würde. Briand fordert Bertrauen gegen Ber. trauen für den Fall weiterer Zugeständnisse Was aber ist mit Diesem Vertrauen, wenn die Berliner Regierungsstellen nicht einmal den Mut haben, sich zu der Arbeit ihrer Delegation offen zu be. fennen? " Bundeskanzler an der Rebe des Abg. Leuthner übt, mit Entschiedenheit zurückgewiesen" und Kenntnis von der Erklärung genommen wird, daß sich die Bundesregierung mit den Aeußerungen des Außenministers nicht identifiziert. Der Beschluß der Fraktion ging bahin, jeden Verkehr mit dem Minister des Reußeren ab. zubrechen. Infolge dieser Berhandlungen wurde die Sigung des Nationalrates erft um 5 Uhr statt um 3 Uhr eröffnet. Der Bräsident erklärte zunächst, daß in der Dienstagsfihung der Abg. euthner Ausbrüde gebraucht habe, bie bas parlamentarisch zulässige Maß überschreiten; aber auch Minister Mataja habe sich solcher Ausdrücke bebient, die gerügt werden müßten. Darauf fegte der Außenminifter feine am Dienstag unterbrochene Rede fort. Als Dr. Mataja das Wort ergriff. verliehen die fozialdemokratischen Abgeordneten gefchloffen den Sihung faal. Der Außenminister fuchte in feinen Ausführungen die Genfer Ab. nachungen zwischen dem Völkerbund und der reaktionären öfterreichischen Regierung zu verteidigen. Maßregelungen im Faschismus? Selbst Mussolini wird das Treiben zu bunt. Rom, 14. Dtober.( WTB.) Die Agenzia Stefani veröffentlicht folgende Mitteilung: Infolge der Zwischenfälle in Florenz und in Rom, für die einige ertreme Elemente des Faschismus verantwortlich find, hat auf Befehl Mussolinis der leitende Ausschuß der faschisti. schen Partei energische Maßnahmen gegen alle egtremen faschistischen Organisationen ergriffen, die aufgelöft wurden oder bald aufgelöst werden sollen. Die Schuldigen find berhaftet worden und werden den Gerichten überliefert werden. Nach den Meldungen aller faschistischen Zeitungen und nach den Erflärungen der leitenden Persönlichkeiten der Bartei, insbesondere des Generalsekretärs Abg. Farinacci, find die ergriffenen Maßnahmen überall gebilliat worden. Man verlangt von den Foschisten vollfommene Disziplin. Gehorsam, Maßhalten und Diszi der erwähnten Zwischenfälle bestraft wurden, und die an Mussolini oder an den leitenden Ausschuß telegraphierten, daß sie die Strafe anerkennen und dem Faschismus treu bleiben.( 1) Die Interparlamentarier in Kanada. Für Minderheitsrechte. Die raftlafe Tätigkeit der politischen Polizei zweds völliger Aufflärung aller innerhalb der sogenannten schwarzen Formationen begangenen Fememorde führt fast täglich zu neuen Verhaftungen München, 14. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Aus einer 3uDon Angehörigen jener Streife. Wie die BS.Storrespondenz erfährt, schrift an unser Münchener Parteiblatt werden interessante Einzel, ist am Dienstagabend von den Beamten der Abteilung I A der heiten aus der Vorgeschichte der bayerischen 25 mi. plin werden von allen beobachtet, selbst von denjenigen, die infolge ehemalige Kommandant der in der Spandauer Zitadelle unter- lionen- Dollar Anleihe bekannt, die heute aus durchsich lionen Dollar Anleihe bekannt, die heute aus durchsich gebrachten schwarzen Formationen, Oberleutnant Bud. 3inity, festgenommen worden. Die Spanbauer Zitadelle spielte, tigen politischen Gründen widerrechtlich zu einem Spezialerfolg der wie erinnerlich, fchon während des Küftriner Butsches eine bayerischen Ordnungszellen- Regierung geftempelt werden. Nach diesen Mitteilungen wurden bereits im Jahre 1920 mit Hilfe bedeutsame Rolle. Im Zusammenhang mit den Fememorbaffären bayerischer Sozialdemokraten amerikanische Finanzkreise für die in der Gegend von Spanbau und Döberitz ist Budzinsky bereits bayerischen Wasserstraßen und die großen Strajiwerte interessiert, die wiederholt genannt worden, er scheint im Verdacht der Mit fich auch zur Hergabe einer Millionen- Dollar- Anleihe bereit erflärten. wisserschaft in einem, wenn nicht gar mehreren dieser Fälle Die damalige bayerische Regierung ging auf das Angebot ein, und so zu stehen fanden am 16. Dezember 1920 in Zürich offizielle Verhandlungen statt, die unmittelbar von Erfolg getrönt worden wären, wenn nicht in letzter Stunde durch Indiskretionen des bayerischen Finanzministers der damals übermächtige Dr. Heim und im Verein mit ihm Hugo Stinnes alle Hebel in Bewegung gefezt hätten, um diese Anleihe zu hintertreiben. Es gelang das umso leichter, da Stinnes das Aufbringen einer Inlandsanleihe durch feine eigenen Banten der bayerischen Regierung garan tierte. Diefe Treibereien bildeten später mit eine haupt stüge der Stinnesschen Inflationspolitit. Die betreffenden bayerischen Sozialdemokraten interessierten dann Rathenau für die amerikanische Geldquelle, und mur infolge seiner Ermor. dung fam die Angelegenheit im Reichstabinett wieder ins Stoden. aus dem Protokoll der Züricher Berhandlungen ist im übrigen zu ersehen, daß die damaligen Bedingungen der amerikanischen Geldgeber leichter gewesen sind als die heute vom bayerischen Staat einProzeß Kußmann- Knoll. Berhandlung Mitte November vor dem Schöffengericht. Gegen den früheren Staatsanwalt vom Barmat- Sonder. dezernat, Assessor Dr. Kußmann und gegen den Leiter eines Nachrichtenbureaus, Knoll, ist, wie die BS. Sorrespondenz meldet, nunmehr auf Grund der vielerörterten Vorgänge, die zu polizeilichen Hausfuchungen bei betden Herren geführt hatten, das Hauptverfahren eröffnet worden. Die Antlage lautet auf Gemahriamsbruch und Beiseiteschaffung amt. licher Urfunden( Vergehen gemäß§§ 133 und 348 Abs. 2 EtGB.). Termin für die Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht Mitte ist auf den 11. November anberaumt worden, und zwar will fich Dr. Kußmann selbst verteidigen, während dem Angeschuldigten Knoll Rechtsanwalt B. Bloch als Rechtsbeistand zur Seite steht. Die 3eugenlifte für diesen Prozeß weist eine ganze Reihe in diesem Zusammenhang bereits vielgenannter Namen auf. So sind geladen: Schriftsteller Wolfgang Breithaupt, der Berleger der„ Bergisch- Märkischen Zeitung, Bacmeister, Kriminalkommissar Müller, Oberstaatsanwalt Linde, die Staatsanwaltschaftsräte Belzer, Hölz und Steinhaus sowie Assessor Dr. Caspari Strafantrag gegen Sixt von Armin. Aufforderung zum Hochverrat. Die Republikanische Beschwerdefielle in Berlin hat beim Oberreichsanwalt gegen General a. D. Sigt von Armin Strafantrag wegen Aufforderung berrat gestellt. Sie fiebt den Tatbestand des§ 85 des Reichs Strafgesetzbuches durch seine Rede am Sonntag auf dem Garnison. friedhof in Berlin als gegeben an. gegangenen. Der Kampf gegen Mataja. Die Bundesregierung identifiziert sich nicht mit ihm". Wien, 14. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die sozial demotratije Frattion des Nationalrates beriet am Mittwoch mehrere Stunden über ihre weitere Stellung gegenüber dem Außenminister Dr. Mataja, mit dem Genosse Leuthner am Dienstag einen außergewöhnlich heftigen Zusammenstoß hatte. Nebenher gingen Bergleichsverhandlungen mit dem Bundes fanzler, der schließlich ein Entschuldigungsschreiben ber Regierung überbrachte, in dem die Anschuldigungen Leuthners gegen den Außenminister zwar als unbegründet zurüc gewiesen werden, aber gleichzeitig erflärt wird, baß fich bie Regierung auch nicht mit der Polemit des Außenminiffers gegen den Abg. Leuthner identifiziere. Nach dieser Erflärung faßte die sozial. demokratische Fraktion eine Entschließung, in der die der Regierung nicht zustehende unziemliche und unzutreffende Kritit, bie ber Ottawa, 14. Dftober.( WTV.) Die Interparlamen farische Union bielt gestern im Parlamentsgebäude eine Sigung ab, an der Vertreter von 41 Nationen teilnahmen. Die Aussprache, die in deutscher, englischer und französischer Sprache geführt wurde, galt den Rechten der Minderheiten und den Rechten der Heineren Nationen. Die Verfommlung eröiterte eine Entschließung, die den Grundlag der Bildung von ge mischten kommisiionen von Mehrheits- und Minderheitsvertretern billigt; ibre Aufgabe iole es sein, eine gerechte Lösung der strittigen Fragen zum Zwede der Beilegung von Korflitten herbeizuführen. Ein weiterer Teil der Entschließung spricht sich für die Verweisung der Fragen betreffend die Minderheiten bem Böllerbund an den Internationalen Gerichtshof tim Gaag aus. Der Lüneburger Reichsbannerprojeß, der in den Julitagen birth feine unglaublichen Urteile überall größtes Aufiehen erregte, burch seine unglaublichen Urteile überall größtes Aufiehen erregte, ist nach einer gerichtlichen Mitteilung jest jedenfalls durch das Die Amnestiegeiet des preußischen Staates erledigt. Kosten trägt die Staatstafie. Damit ist leider die Möglichkeit çenommen, in der Berufungsinstanz die sonderbare Lüneburger Gerichtepragis näher zu beleuchten. Einreisevifa für den Besuch von Gräbern in Elsaß- Lothringen. Die franzöfifchen Behörden in Eliaß Lothringen gewähren wie im vorigen Jahr Deutschen, die den Antrag stellen, Gräber von Familienangehörigen in Gliak- Lothringen gelegentlich des Aller heiligentages befuchen au wollen, gegen eine Gebühr von 5 M. ein Einreisevifum; es läuft vom 81. Oftober bis 4. November. Wenn der Antragsteller nicht mehr die Zeit hat, es beim fren öflichen Ronfulat zu beantragen, fann es der Polizeikommiffar der Grenzstation erteilen. Infrafftrefen des deutsch- amerikanischen Handelsvertrags. Zwi schen dem deutschen Botschafter, Freiherrn v. Malgan und Staatsletretär Kellogg wurden gestern im Staatsdepartement die Urfunden über die Ratifizierung des beutsch- amerikanischen Handelsvertrags vom 8. Dezember 1928 ausgetauscht. Hiermit ist der Bertrag in Kraft getreten, Gewerkschaftsbewegung Eisenbahner und Verkehrssicherheit. tischen Rammeretarbeiter Stellung, und beschloß, den| Die österreichische Bruberorganisation hatte ihren Bortzenden Schiedsspruch abzulehnen. Der Schiedsspruch sieht bekanntlich Petersilta entsandt. 30 eine Aufbesserung der Stundenlöhne um 3 Pf. vor, während die Forderungen der Arbeitervertreter auf 10 Pf. für die Stunde hinausliefen. Die Stellungnahme des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter steht bisher noch nicht fest. Die Erklärungsfrist für den Schiedsspruch läuft am heutigen Donnerstag ab. In letzter Zeit beschäftigt sich die breite Deffentlichkeit mit Mißständen unserer Verkehrseinrichtungen. Bei aller Rücksichtnahme Wie wir hören, wird sich die heutige lezte Sizung der Stadt auf die von der Reichsbahngesellschaft zu leistenden Reparations- verordnetenversammlung gleichfalls mit den Lohnforderungen der zahlungen dürfen doch unter feinen Umständen die Sicherheits. städtischen Arbeiter beschäftigen, fowie mit einem inzwischen einDorrichtungen vernachläffigt und das Personal der Unsicherheit gegangenen Dringlichkeitsantrag, der vom Magiftrat die 3ah preisgegeben werden. Uns liegen eine ganze Anzahl von Belung von Vorschüssen an die städtischen Beamten, Angestellten schwerden aus Eisenbahnerfreisen vor über Mißstände, die sich und Arbeiter fordert. Die Gemeindearbeiter werden gut daran tun, geradezu katastrophal auswirken müssen, wenn nicht schleunigft fich am 25. Oktober daran zu erinnern, daß die Bürgerlichen mit Hilfe der Kommunisten den Abbau der sozialdemo Abhilfe geschaffen wird. fratischen Stadträte betrieben haben, und daß diese Ablehnung selbst der 3 Pf. Lohnerhöhung der sichtbarste Ausdruck ist für die„, Arbeiterpolitit" der bürgerlichen Barteien. Noch nicht vergessen ist das am 4. Oktober erfolgte Eisenbahnunglück in Chemnitz, in dem von einem in Fahrt befindlichen Personenzug ein Wagen umstürzte. Das Resultat: drei Reisende tot und zwölf verlegt. Die wirklichen Ursachen, someit diese aus Kreisen der Stellwerksbediensteten geschildert werden, find folgende: Der Stellwertsdienst ist insbesondere auf großen Personen- und Güterbahnhöfen infolge des rasch aufeinander folgen den Zugverkehrs und des starten Verschiebebetriebes auch bei dem Borhandensein aller mechanischen und elektrischen Sicherheitsein richtungen ein fehr aufreibender. Wie leicht dabei einem Beamten ein Fehlgriff unterlaufen kann, fann nur derjenige beurteilen, der von diesen Dingen eine gewisse Fachkenntnis besitzt. Die Fehlgriffe find um so mehr möglich, wenn die mechanischen und elektrischen Sicherheitseinrichtungen eine Lücke aufweisen, wie dies bei dem Unglück auf dem Hauptbahnhof Chemniz der Fall war. Die Weiche, die das Unglück verursachte, ist nicht mit alten Sicherheitseinrichtungen ausgerüstet und bei Licht vom Stellwert aus nicht zu sehen gewesen. An solchen nicht zu übersehenden Weichen müssen sogenannte Sperrschienen angebracht werden, die ein Umstellen der Weiche während der lleberfahrt des Zuges verhindern. Solche Sperrschienen sind schon auf den meisten fleineren Bahnhöfen an den Weichen angebracht. In Chemniz fehlten sie aber an der Unglücksweiche. Es entsteht nun die Frage, warum die Anbringung einer derartigen Sperrschiene in Chemnitz unterlassen wurde. Außerdem bestehen an den Weichen, und zwar auch auf fleineren Bahnhöfen, sogenannte 3 u stimmungstontafteinrichtungen, welche eine Entriegelung der Weichen vom Stellwert aus nicht zulassen. Sind diese Kontakteinrichtungen ange bracht, so muß, um die Umstellung der Weiche zu ermöglichen, noch eine zweite Stelle, der Fahrdienstleiter, mitwirken. Es müssen also, um ein Unglück zu ermöglichen, immer zwei Stellen zu gleicher Zeit einen Fehler begehen. Merkwürdig mar nun, daß auf der Ost seite des Bahnhofs Chemnitz diese Einrichtungen schon seit zwei Jahren angebracht sind, während sie auf der Westseite, wo das Unglück geschah, heute noch fehlen. Wären diese Einrichtungen auch auf der Westseite angebracht gewesen, würde das Unglück nicht eingetreten sein. Es wären keine drei Menschen getötet und feine zwölf verlegt worden, und dem unglücklichen Stellwerksbeamten, der jezt den Sündenbock abgeben soll, wären mit seiner Familie die furchtbaren Seelenqualen erfpart geblieben. Die auf den Stellwerten diensttuenden Beamten und auch das reisende Publikum haben ein startes Interesse daran, daß die Sicherheitseinrichtungen jo ausgebaut werden, daß die Eilenbahnunglücke ab- und nicht zunehmen. Diese Pflicht besteht auch für eine mit Reparationslasten überladene Reichsbahngesellschaft. Menschenleben sind mehr wert als einige tausend Mark auf falsche Weise erspartes Geld. Aus dieser von fachmännischer und praktischer Kenntnis getragenen Darstellung geht hervor, daß es mit der so oft gerühmten technischen Bollkommenheit nicht so weit her ist. Es muß als grobe Nachlässigkeit der verantwortlichen Stellen bezeichnet werden, daß die als unbedingt notwendig erfannten Sicherheitseinrichtungen, wie oben geschildert, noch fehlen. Bersetzt man sich in das Seelenleben der beteiligten Cisenbahner, die eine tägliche Arbeitszeit von 15 bis 16 Stunden haben, bei unauskömmlichen Bezügen, dann ist es verständlich, daß in den Eisenbahnerfreisen eine Unruhe Blaz gegriffen hat, die zu den größten Befürchtungen Anlaß geben kann. Der Chemnizer Mißstand ist nicht vereinzelt. Die mangelnde Sicherheit des Verkehrswesens ist um so schlimmer, als der Personalabbau dabei eine große Rolle mitspielt. Die Not der Angestellten. Abbau bei Daimler. Die Direktion der Daimler- Motoren- Gesellschaft in Marienfelde fündigte der Betriebsrat an, daß die Belegschaft vermindert werden müsse. Es fehle zwar nicht an Aufträgen, nur fehle es der Kundschaft an Geld. Die zweite Schicht in Stärfe von etwa 70 Mann müsse entlassen werden. Der Betriebsrat machte daraufhin im Einvernehmen mit den Vertrauensleuten den Vorschlag, Kurz arbeit einzuführen, um die geplanten Entlassungen zu vermeiden. Die Direktion lehnte diesen Vorschlag ab, angeblich aus finanziellen Gründen und erklärte, daß eine noch größere Anzahl von Arbeitern entlassen werden müsse. In der jüngsten Verhandlung mit Gewerberat Bauer wurde befannt, daß die Firma bis zu 400 mann entlassen will. Die Bertreter der Belegschaft beantragten erneut die Einführung von Kurzarbeit. Die Entscheidung liegt beim Oberpräsidenten. Gegen die Entlassung eines 56jährigen Hilfsarbeiters, der bereits 7 Jahre bei Daimler beschäftigt ist, erhob der Betriebsrat Proteſt. Hand in Hand mit diesem Abbau geht e'n starter Lohnbrud. In der Automatenabteilung geht der von der NAG. gekommene Meister Wilhem dazu über, die Akkorde bis zu 50 Pro 3. zu türzen. Sollen auf diese Weise etwa bessere Leistungen erzielt werden? In der Musikinstrumentenindustrie drohen Differenzen. Nachdem die Mantelverträge am 30. September abgelaufen maren, haben die Vertragsparteien am 2. Oftober über den Abschluß eines neuen Tarifvertrages verhandelt. In sechs Verhandlungstagen ist versucht worden, die strittigen Fragen zu klären, es ist dies jedoch infolge der Hartnäckigkeit der Arbeitgeber nicht gelungen. Die Arbeitgeber verlangen, daß jahrelang in Geltung gewesene Vertrags. bestimmungen wesentlich verschlechtert werden sollen und lehnenes, grundsäglich" a b, über Festsetzung von Löhnen zu verhandeln. Trotz dieser Einstellung hat die Verhandlungsfommission der Arbeitnehmer sich bemüht, Differenzen zu vermeiden, solange noch Verhandlungsmöglichkeiten gegeben sind. Im Verlauf dieser Woche wird jedoch die Entscheidung über das Zustandekommen eines Tarifvertrages fallen, da nunmehr noch über die Hauptstreit frage verhandelt wird. Der Unwille der Arbeitnehmerschaft in den Betrieben über das bisher erzielte Verhandlungsergebnis ist jedoch so start, daß, wenn bis Ende dieser Woche keine Einigung erzielt wird, Differenzen, die bisher streng vermieden wurden, unvermeidlich sind. An der Arbeitgeberschaft wird es liegen, ob es in der Berliner Musikinstrumentenindustrie zur Verständigung oder zum Kampf tommt. Die Bremer Metallindustrie tariflos. Bremen, 14. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Wie in den Vorjahren haben sich auch in diesem Jahre die Tarifverhandlungen in der bremischen Metallindustrie fehr schwierig gestaltet. Da die Unternehmer jedes Eingehen auf die Forderungen der Arbeiterschaft ablehnten, mußte der Bremer Schlichtungsausschuß angerufen wer den. Die Gewerkschaften verlangten eine bessere Bezahlung der Gelernten, einen garantierten Affordmindestverdienst in Grundlohnhöhe für die Angelernten und Ungelernten, Durchschnittsaftordverdienst für Lohnarbeiter, höhere Entlohnung für jugendliche Arbeitskräfte, endgültige Regelung der Urlaubsfrage, achtstündige Arbeitszeit, höhere Buschläge für Ueberstunden usw. Der Schlichtungsausschuß entschied, daß bei Akkordarbeit nur 85 Broz. des Grundlohns garantiert sein foll gegen 75 Broz, bisher, und daß in allen den Tarifverträgen unterliegenden Betrieben grundsätzlich ein Urlaub zu gewähren ist. Ueber die Urlaubszeit müßten jedoch erst in jedem einzelnen Betriebe Verhandlungen geführt werden. Mit diesen Veränderungen sollte der alte Vertrag bis zum 30. September 1926 Gültigkeit haben. Eine Funktionärversammlung des Metallarbeiterverbandes lehnte einmütig diesen völlig ungenügenden Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses ab, so daß in der Bremer Metallindustrie jetzt ein tariflofer Zustand herrscht. Ein deutschnationaler Musterbetrieb. Der Af- Bund fordert 30 Millionen zur Linderung. Angesichts der wachsenden Not der stelleniosen Angestellten und des furchtbaren Elends, das vor allem unter den älteren Angeftellten immer mehr um sich greift, ist der Sozialpolitische Aus schuß des AfA- Bundes am Mittwoch zusammengetreten und hat feinen Vertreter im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrats beauftragt, unverzüglich, d. h. bereits in der heutigen Donnerstagsigung des Reichswirtschaftsrats, in der die Not der älteren Angestellten auf der Tagesordnung steht, einen Dringlich feitsantrag einzu bringen. In diesem Antrag wird darauf hingewiesen, daß die Reichsregierung seit Anfang 1924 der völligen Bergestellten einen oder mehrere Tage ausleben, worauf sie wieder elendung weiter Angestelltenfreise teilnahmslos und passiv zu ficht. Zur Milderung dieser unerträglichen Zustände wird die fofortige Bereitstellung von Reichsmitteln in Höhe Don 30 Millionen Reichsmar? zweds Gewährung einer erstmaligen Beihilfe an die stellenlosen Angestellten gefordert. Ueber die Art der Berteilung soll sich die Reichsregierung mit den Angestellten. verbänden verständigen. Gleichzeitig wird der Reichstag aufgefordert, für die fünftige Versorgung der berufslos geworde älteren Angestellten gefeßliche Maßnahmen zu nen treffen. Der Magistrat lehnt alles ab. Selbst drei Pfennig Lohnerhöhung sind ihm zuviel. Der Magistrat nahm in seiner gestrigen Sitzung zu dem in der vergangenen Woche gefällten Schiedsspruch für die städAb 1. Oktober 1925 verkaufen wir Engrospreisen Herren- und Damenstoffe zu auch an Privatkundschaft Tuchhaus Ehrig& Ticke Akt.- GCS., Leipziger Straße 104, I. Stock ( gegenüber Kempinski, kein Laden) Es handelt sich um die Firma Scherl, die die nationalistische Volksvergiftung mit Hochdruck betreibt, daneben u. a. das Adrehbuch herausgibt. In dieser Abteilung werden die Angestellten regelmäßig für drei Monate befristet angestellt. Dann müssen die Anwidrigen Handlungsweise versucht der Scherlverlag, sich um die gefet für ein Bierteljahr befristet eingestellt werden usw. Mit dieser rechtslichen Bestimmungen hinsichtlich der Kündigungsfristen für taufmännische Angestellte herumzudrücken, und außerdem bringt er hiermit alle diese Angestellte um ihren jährlichen Urlaub. Bei der Firma Scherl versteht es sich dabei am Rande, daß die Bezahlung dieser Angestellten eine elende ist. Sie erhalten pro Arbeitstag 4 Mart. Da hiervon, vor allem bei den älteren und verheirateten Angestellten, noch nicht einmal das nackte Existenzminimum bestritten werden fann, find die Angestellten gezwungen, Arbeiten mit nach Hause zu nehmen, um einige Mart mehr zu verdienen. Bis tief in die Nacht hinein müssen die Bedauernswerten schuften, um ihr Elendsdasein fristen zu können. So sieht es in einem Betrieb für deutschnationale Monarchistenverdummung aus. Das ist die Volksgemeinschaft", die zwischen daß dort einmal aufgeräumt wird, daß die fo schomlos Ausgebeuteten Hugenberg und seinen Angestellten besteht! Es wäre an der Zeit, endlich den Weg zum Zentralverband der Angestellten finden. Reichskonferenz der Sozialversicherungsangestellten. Angestellten und Beamten aller Sozialversicherungsträger( Kranken Am Sonntag trat in Rudolstadt eine Reichskonferenz der faffen, Berufsgenossenschaften, Reichsknappschaftsverein und dessen Bezirksvereine, Landesversicherungsanstalten und Reichsversiche der Angestellten einberufen war. Die Konferenz war von etwa 150 Delegierten und Gästen aus allen Teilen Deutschlands beschickt. rungsanstalt für Angestellte) zusammen, die vom Zentralverband Henko Die Tagung wurde vom Vorsitzenden des Zentralverbandes der Angestellten, dem Reichstagsabgeordneten Giebel, eröffnet und geleitet. Im Mittelpunkt der Vormittagsfizung standen die Referate von Brente( Verbandsvorstand):" Der Kampf um das Dienstrecht" und Brillfe( Berlin): Unsere Tarif bewegung". Brente entwarf ein Bild von dem jahrelangen heftigen Kampf der Sozialversicherungsangestellten um ein modernes und foziales Dienstrecht. Er mies nach, daß der wirtschaftliche und soziale Aufstieg dieser Angestelltengruppe nicht dadurch erreicht werden kann, daß man sie zu Beamten macht, sondern durch die Neuregelung des Dienstrechts auf privatrechtlicher Grundlage. Er wandte sich eindringlich gegen die Bevormundung der Angestellten durch die Aufsichtsbehörden und verlangte ein uneingeschränk tes Mitwirtungsrecht der Angestellten bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen, die Anerkennung des Tarif- und Betriebsräterechts unter Ausschluß des Genehmigungsrechts der Aufsichtsbehörden, Hinterbliebenenfürsorge Ruhegehaltsberechtigung, und ausreichende Sicherungen gegen Kündigung unter Wahrung wohlerworbener Rechte. Brillfe schilderte die Entwicklung des Tarifgedankens bei den Angestellten der Sozialversicherung und fennzeichnete scharf angestelltenfeindliche Haltung Der Aufsichtsbureaukratie. die Das Tarifrecht, das bei allen anderen Angestelltengruppen längst eine Selbstverständlichkeit ist, werde einem Teil der Angestellten der Sozialversicherung immer noch durch staatliche Organe streitig gemacht. Eine Klärung müsse endlich durch eine vollständige Befreiung der Angestellten von der behördlichen Aufsicht herbeigeführt werden. Den Referaten folgte eine eingehende Aussprache. Eine von den Referenten vorgelegte Entschließung, die den Kernange gebanten ihrer Referate enthält, wurde einstimmig nommen. Am Nachmittag hielt Frizz Spangenberg Hamburg ein großangelegtes Referat über: Die Reform der Sozial versicherung und die Angestellten". Er forderte Aufhebung aller Zersplitterung in der Sozialversicherung, Ausschaltung aller die Selbstverwaltung einengenden Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung, Ausbau der einzelnen 3meige in der Sozialversicherung unter größtmöglicher Vereinfachung von Berwaltung und Verfahren zu einem einheitlichen Selbstverwaltungsförper. Auch die von ihm vorgelegte Entschließung machte sich die Reichskonferenz zu eigen. Die Tagung war auf einen Ton ernster und ruhiger Sachlichkeit gestimmt. Der Vorsitzende Giebel forderte in seinem Schlußwort die Teilnehmer auf, die in der Konferenz zum Ausdrud gebrachten Gedanfen ins Land hinauszutragen und überall die Angestellten und Beamten der Sozialversicherung aufzurufen, gemeinsam im Zentralverband der Angestellten den Kampf um ein neues Dienst recht und um eine Reform der Sozialversicherung zu führen. Borläufige Einigung bei der Alpinen- Montangesellschaft. Wien, 14. Dftober.(@igener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Zwischen der Direktion der Alpinen- Montangesellschaft und dem Metallarbeiterverband ift eine provisorische Vereinbarung zustandegekommen, wonach die Alpinen- Montangesellschaft für die am Tonnerstag beginnenden Lohnverhandlungen folgendes Angebot macht: Arbeiter mit Löhnen bis zu 120 Schilling im Monat sollen sofort eine Rohnerhöhung von 10 Bros., bis zu 175 Schilling von 5 Proz. erhalten. Für die Arbeiter mit höherem Einkommen soll eine Erhöhung erst erfolgen, nachdem die Regierung die Lage des Unternehmens geprüft hai. Warnung für Arbeitsannahme nach England und Irland. Achtung, 3immerer! Auf die in letzter Beit wiederholt an uns gerichteten Anfragen, ob es ratsam sei, auf Verlangen deutscher Firmen als Zimmerer nach England und Irland zu gehen, teilen wir hierdurch mit, daß auf feinen Fall deutsche Zimmerer nach England and Irland gehen dürfen, weil fie dort nur als Lohnbrüder und Streifbrecher in Frage tommen sollen. Weiter weisen wir darauf hin, daß die Firma Siemens. Bauunion als Bauabteilung der Siemens- Schuckert- Werte Zimmerer nach Limerick in Irland sucht. In Limerick wird gegen. wärtig eine Talsperre gebaut; die dort beschäftigte Bauarbeiterschaft befindet sich im Streit. Auch legt die Firma Siemens- Bauunion einen Vertrag vor, in dem es den deutschen Arbeitern ver. boten ist, drüben an der gewerkschaftlichen und politischen Bewegung sich zu beteiligen. Es darf daher fein deutscher Bimmerer nach England und Irland gehen. Wir bitten alle Arbeiterzeitungen dieses zu veröffentlichen. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegend. J. A.: M. Repschläger. Das Ende des Seemannsstreiks. London, 14. Oftober.( E.) Der Vollzugsausschuß der Seeleute- Union hut Befehl gegeben, die Arbeit heute wieder aufzunehmen. Nach einer Meldung aus Durban liegen dort noch 13 vom Ausstand betroffene Schiffe feft. Deutscher Bangemerkebund, Fachgruppe ber Töpfer. Freitag abend 6 Uhr findet in den Andreas- Sälen, Andreasfir. 21, eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Bericht von den Berhandlungen beim Schlichtungsaus Die Fachgruppenleitung. Butab- Bertrauensleute der Berliner Metallindustrie! Wichtige Versammlung futa- Bertrauensleute bez Berliner am Freitag abend 7 Uhr in den Sophien- Sälen, Berlin C., Sophienstr. 17-18. Achtung, Feuerwehr! Montag, den 19., und Dienstag, den 20. Drieber, abends 7 Uhr, in der Aula der Schule Roppenplag, öffentliche Wählerversammlung. Cenoffe Stadtverordneter Rei. mann fpridt über Die Feuerwehr und die Stadtverordneten wahieu". Für rege Beteiligung haben alle Funktionäre zu jorgen. Der Berbeausschus. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eslorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonftiges: Fris Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruckeret Berlin SB 68 Birdenitroie 3. und Berlaasanitalt Baul Ginger u. Co. Sierzu 2 Beilagen, Unterhaltung und Wiffen" und Frauenstimme". Naturheil- Methode Kneipp! gene Sabe Knig chutzmarke Die weltberühmten Pfarrer Kneipp- Pillen das zuverlässige, blutreiniger de Abführmittel Rheum u. Sapo Je 2, Cal. 3, Junip. 1, Aloe 4 Zu haben in allen Apotheken Mk. 1Zum Einweichen der Wäsche gibt es nichts besseres. Die schmutzlockernde Wirkung der alt bewährten Henko, Henkel's Wasch- und Bleich- Soda ist geradezu überraschend. Nehmen Sie Henko, Sie erleichtern sich das Waschen außerordentlich! Nr. 4$7 ♦ 42. Jahrgang 1. Beilage des vorwärts Vonnerstag, 15. Oktober 1925 Noröfüöbahn vor öer Fertigstellung. iJWiAy Baugrube Hermannplatz. Mit �ochdmck wird In den Daugniben der NorMdfmhn Tag und Nacht gearbeitet. Ueber 1S Menschen schaffen an der Fertig- stellung der Bahnstrecken vom Bahnhos Belle- Alliance- Straße nach Kreuzberg am Eingang des Tcmpechofer Felde» und vom Bahnhof chasenheid» über den chermnnnplatz bis zum Bahnhof Bergstraße hinter dem Rathaus in Neu- kölln. Ursprünglich sollte diese ganze Strecke jetzt Mitte Ottober fertiggestellt sein. Die wochenlange Aussperrung der Bauarbeiter hat die Aufnahme des Verkehrs auf dieser wichtigen Strecke ver- hindert. Trotzdem hofft die Bahnleitung spätestens zu Beginn des neuen Jahre« den vollen Betrieb auf der ganzen Rest- streck« aufnehmen zu können. öahuhof hermannplatz. daß die Westseite wieder bebaut werden'muß. Da der Grund und Boden ausnahmslos der städtischen Gesellschaft gehört, ist dadurch Einheitlichkeit der Bebauung und die Schaffung eines modernen Städtebildes gewährleistet. Am Kreuzungspunkt chermaniwlatz und Berliner Straße ist auf der Skizze der Eingang zur AEG.-Bahn und Rordfüdbahn sichtbar, der Mit rollenden Treppen ver- sehen werden soll, die von der Straße zuerst bis zur AEG.-Bahn und dann bis zur Nordsüdbahn reichen werden. Bon da aus werdcn die rollenden Treppen zweifellos einen Siegeszug durch die Berliner Verkehrspunkte antreten. Schon jetzt find sie bei dem Umbau des Bahnhofs hallesches Tor vorgesehen. Selbstverständlich müssen sie später auch bei der Kreuzung der AEG.-Bahn mit der Hochbahn am Kottbufer Tor eingebaut werden. Ebenso wird man später auch die Uebergänge von der Stadt- und Ringbahn zu den Untergrundbahnen mit ihnen versehen müssen, wenn man dem wachsenden Schnellbnhnverkehr gerecht werden will. Wenn die Nordsiidbahnstreckcn soweit ausgebaut sind(der An- schluß an den Ringbahnhos Südring-Neukölln ist nur eine Frage ganz kurzer Zeit, da e» sich dabei nur noch um einen Tunnel von rund 400 Meter handelt), werden die Züge abwechselnd von der Hauptstrecke nach Kreuzberg und nach Neukölln durchfahren. Dadurch wird eine besiere Ausnutzung des Wagenmaterials möglich. Schon heute ist die Nordsüdbahn, die jetzt eine Aktiengesellschaft mit 4S,S Millionen Goldmark Kapital Ist, wovon die Stadt 98,5 Proz. besitzt, ein außerordentlich lukratives Verkehrsunternehmen. Bei ihrer Projektierung schätzte man den mutmaßlichen Iahresverkehr auf rund 50 Millionen Fahrgäste. Diese Zahl ist bereits heute er- reicht, so daß bei Fertigstellung der ganzen Fahrstrecke der Verkehr auf mindestens 75 Millionen in ganz kurzer Zeit anwachsen wird. Die Stadt Berlin hat durch den Ausbau dieses Unternehmens einen großen Wagemut bewiesen, der ihr jetzt außerordentlich zustatten kommt. ver Aufbau üer Noröfüöbahn. Es ist das verdienst der sozialdemokratischen Verwaltung, die sowohl m Berlin wie auch in Neukölln nach dem Krieg« gewählt wurde, daß sie sofort die Fortführung der Nordsüdbahn wieder auf- nahm, und zwar hat insbesondere die damalige Arbeiterstadt Neukölln praktische Erwerbslosenfürsorge geleistet, indem sie im Jahr« 1919 den Bau vom chermannplatz aus kräftig fortführte. Der Währungsverfall, der auch die Finanzen der inzwischen neu ge- wählten Gemeinde Groß-Berlin auf» empfindlichst« störte, droht« dann, die Vollendung der Bahn ins Stocken zu bringen. In dieser Situation faßte Berlin 1922 den Entschluß, die Ferttgstellung der Nordsüdbahn mit fremdem Kapital zu versuchen. Das Bestreben der Sozialdemokratie bei den Der- Handlungen ging dahin, die Mehrheit der Sladt von vornherein sicherzustellen und ihr das Recht zu sichern, die Anteile der Mit- gesellschäfter noch einiger Zeit aufkaufen zu können. Sie st a n d Bestreden allein da, weil die bürgerlichen Par- Uli in diesem teien, die inzwischen Versammlung erlangt Da sich am Hermannplatz die AEG.-Bahn und die Nordsüdbahn kreuzen, so bedeutet der Bau eine» Turmkreuzungsbahnhofes ein« vollständige Umwälzung des Hermannplatzes. Di« ganzen Häuser an der Westseste, die mst ihrer Hinterfront an einen großen eil l Rummelplatz angrenzen, werden bekanntlich niedergelegt, weil unter thneu der Bahnhos für die ATG.-Slrecke und die bei dem Sreuzungspunkt zweier Bahnen notwendigen Neben- und Werkstätten. räume eingebaut werden müssen. Di« Nordsüdbahnaktiengesellschaft hat dies« Häuser zum größeren Test freihändig erworben, nur zwei mußten auf dem Weg« der Enteignung in ihren Besitz gebracht werden. Die Räumung der ungefähr 200 Wohnungen wird dem- nächst beginnen. Die Mieter dieser Wohnungen sind ausnahmslos ihren Wünschen entsprechend in neuen Wohnungen untergebracht. Selbstverständlich wird nach Fertigstellung auf der AEG.-Bahn durch diese Häuserniederlegung die Möglichkest geschaffen sein, den ganzen hcrmannplaß gründlich umzugestalten und zu erweitern. Er wird einer der wichtigsten Verkeyrsplätze Groß-Berlins werden und es muß selbswerständlich alles geschehen, um ihn so geräumig und zweckmäßig wie möglich auszubauen. Unsere Bilder zeigen ihn in seiner heutigen und wahrscheinlich künftigen Gestalt. Wenn auch die endgültig« Bebauung noch nicht feststeht, so ist doch klar, Wie der Hermannplatz in Zukunft aussehen wird. die Mehrheit in der Stadtverordneten- hotten, nur daraus ausgingen, das neue Unternehmen in die Hände des Privatkapitals zu bringen: anderer- feit» fehlte der Sozialdemokratie jede Unterstützung seitens der Kommuni- ftifchen Partei, da die Verhandlungen in mühseligen und langwierigen ge- Heimen Ätzungen gefuhrt werden mußten, und die Kommunisten kein Interesse an einer Arbeit hatten, bei her sie nicht öffentlich Lärm schlagen konnten. So lag dann die Aufgabe. die Interessen der Allgemeinheit zu wahren, und die Macht des Privat- kapstals möglichst einzuschränken, bei den sozialdemokratischen Stodtv«- ordneten Loewy und B u b l i tz. Ihnen ist es vor allem zu danken, daß die Interessen der Stadt und der Allgemeinheit gewahrt werden konn- ten. Es gelang schließlich, der Stadt das Recht zu sichern, die Anteile der Mitgesellschaster bei Ablauf des Be- tricbsvertrazes erwerben zu können. Nachdem der Betriebsvertrag ge- schlössen war, erkannte die Hochbahn wohl, daß er nicht überall ihren Wünschen entsprach, und machte nun- mehr den Versuch, ihre Dorteile auf Kosten der Stadt zu vergrößern, in- dem sie den Betriebsvertrag durch einen Gssellschoftsvertrag ersetzen wollte. Es gelang der Sozialdemo- Das unbegreifliche Ich. Ms Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. lBerechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. C. Vogel.) Das war meine beste Stunde am Tag. Ich war geschützt vor dem Leben, das so schwer zu überwinden war: und ich döste in einer sanften Melancholie dahin, die weder Trauer noch Freude enthielt: doch dann kam die Zeit, wo ich nicht länger mehr dort sitzen konnte. Alle Zeitungen waren gelesen. Der Kellner bezahlt. Ich mußte gehen. Draußen auf der Straße überfiel mich eine Traurigkeit, und ich mußte täglich an Mutter? Angst vor den vielen Steinen, Steinen unter den Füßen, Steinen an den Seiten herauf, denken. Man ging wie unten auf dem-ooden eines steinernen Kastens, und man mußte sich die ganze Zeit lang aufrecht halten. Wenn man sich auf das Pflaster legte, um auszuruhen, würden die Menschen um einen herumstehen und lachen. Es gäbe Bänke: doch die Zwischenräume zwischen ihnen waren zu weit, allzu weit. Wenn man müde wurde, mußte man sich auf einer Treppe verstecken, und da konnte man dann auf den Stufen sitzen in beständiger Angst vor dem Verwalter. Wurde man krank, mußte man stöhnen und um- fallen, während andere Menschen zusahen. Die Straße war erbarmungslos. Zwischen fünf und sechs fühlte ich mich am wohlsten auf ihr. Da flutete der große Menschenstrom aus den Kontoren und Arbeitsstätten heraus: der dichte Schwärm der Radfahrer klingelte; die Straßenbahnwagen waren gedrängt voll. Ich liebte diese Zeit. Sie gehörte mir. Keiner von den Menschen war allzugut gekleidet. Ich verschwand unter ihnen, und das — ein Teil eines Menschenhaufens zu sein, stumpfte mich so ab, daß ich den Asphalt, die Pflastersteine und die Stein- fassaden vergessen konnte. Gegen die achte Stunde stieg der Mcnschenstrom wieder. Die erleuchteten Schaufenster strahlten über den Bürgersteig und den Damm, der blank von Benzin war: Lichtreklamen sprangen in die Dunkelheit hinaus und wieder zurück: vor den Lichtspielhäusern und Tanzlokalen wirbelte ein Heller Nebel über dunkle Köpfe dahin: die Radfahrer waren ver- schwunden: doch die Autos jagten um so rascher. Alles war Fieber und Fest. Gutgekleidete Herren und Damen gingen an mir vorbei. Ein paar lustige Worte, der Klang einer eifrigen Frauenstimme, ein vertrauliches Flüstern, streiften mich.„Da war wirklich mal Leben und frohe—",„wird außerordentlich interessant, daß—„Rein, aber weißt du!" fing ich auf. Es waren wertlose Bruchstücke: doch ich wandte und drehte sie, genoß ihren Klang und das Leisvertrauliche, das Gelächier, das Lächeln, das Urteil, das in den Worten liegen konnte. Ich stellte sie zu langen, sinnlosen Sätzen zusammen, die ich vor mir hinmurmelte. „Sie ist fabelhaft, verdammtes Geld und dann sagte er." So war mein Spiel mit der Straße, und es machte mir Spaß. Ich sprang in Gedanken vor eine Menschengruppe hin, hörte ein paar Worte und hüpfte über ihre Köpfe zu einer neuen Gruppe hernieder, um die Fortsetzung zu ver- nehmen. Dann entstanden größere Zwischenräume zwischen den Spazierenden. Ich sah den hellen Grund der Straße hindurch» schimmern. Run waren alle Theater gefüllt. Alle Menschen waren drinnen bei bunten Festen unter vielem Licht: doch ich stand draußen- Ich war allein im Dunkeln, und meine Beine waren müde vom Gehen. Unten in den dunkeln Querstraßen konnte ich sedock meinen Schmerz unterdrücken und zur Ruhe kommen. Ich kannte mich in einen Kellerhals setzen so tief unten, daß das Dunkel über mir zusammenschlug, und mich darüber freuen, daß die Schritte, die oben auf dem Bürgersteig ertönten, nicht anhielten. Keiner sah mich also. Ich ruhte unter der Erde. Ich ruhte im Bett oder im Grabe. Aber immer war da ein Klavier, das mich weckte, und ich dachte an die glücklichen Menschen, die viereckige Höhlen in den Sieinwänden hatten und um einen Tisch mit einer Lampe herumsaßen. Sie wärmten einander, die Menschen, und sprachen miteinander, um nicht trocken im Hals und in der Seele zu werden. Es waren viele, viele, und plötzlich konnte ich von den allzuvielcn Haustüren, den ouzuvielen Fenstern, den allzuvielen Menschen überwältigt werden. Ganze Familien waren da den langen Weg durch die Straße entlang aufgestapelt. Es war eine behagliche Bürgerlichkeit: doch sie hatte nichts Betäubendes und nichts Anregendes. Hier war ich im Ernst ausgeschlossen. Rein, lieber die hellen Haupt- straßen, wo die Menschen hin- und herfuhren. Auf den Haupt- straßen gab es vielleicht einige, die ebenso heimatlos waren wie ich. Wenn die Leute aus dem Theater kamen, war ich wieder mitten in der Menge und begann meine Unterhaltung mit der Straße. Ich kannte die Theatermenschen. Die Damen gingen in weiten Abendmänteln und hatten Tücher über den Frisuren. Dieser hastige Strom schwemmte mich mit fort: doch wenn ich dort hinauskam, wo die Hauptstraßen sich verzweig- ten, oder wo ein Platz den Strom in mehrere Arme teilte, kehrte ich wieder um. Des Abends fürchtete ich die Leere und die Ziellosigkeit. Und dann der letzte Wirrwarr. Die Gäste kamen aus den Cafös. Sie lärmten und schrien. Das Unmöglichste konnte sich ereignen. Ein angetrunkener Herr mit weißer Hemd- bnist gab mir eine Blume und seine Visitenkarte. Ich ver» suchte zu betteln und hatte, ehe meine Schüchternheit recht überwunden war, die Hand schon voller Kupfergeld. Endlich war es Nackt. Die Straßen wurden dunkel, und einige Mädchen schlenderten die Biirgersteige auf und ab. Die Schutzleute kamen je zwei und zwei anmarschiert. Zu dieser Zeit des Tages traf ich meine Leidcnsgenossen. Sie waren übriggeblieben und wurden jetzt sichtbar, gerade wie die Steine bei niedrigem Wasserstand. Ich kannte sie schon von weitem an ihrem langsamen Gang. Sie blieben an den Ecken stehen. Aber ich suchte keine Verbindung mit ihnen, denn ihre Augen waren lauernd. Langsam schlenderte ich weiter und setzte mich auf eine Bank, wo ich einschlief. Es hatte angefangen, kalt des Nachts zu werden, und ab und zu wachte ich davon auf, daß ich am ganzen Körper zitterte: doch lieber das, als zu Samuelsen zurückkehren. Bei ihm würde es nicht zum Aushalten fein. Ich würde das gemeine Lächeln und die runden, dummen Augen nicht mehr ertragen können. Ich würde nicht mehr ertragen können, Klaras Stimme in seinem Zimmer zu hören. Ich wollte sterben, ja bestimmt: doch noch nicht jetzt— „Was sitzt du hier herum?" fragte eine böse Stimme. Es war ein Schutzmann. „Ich ruhe mich aus." „Das hat aber mal hübsch lange gedauert!" „Ich will nach Hause— gleich!" »Na, denn mach, daß du"fortkommst!"(Forts, folgt.). fratifchen Bartet, diesen Borstoß abzuwehren und die Mehrhett zur Ablehnung des neuen Vertrages zu bestimmen. Daß die Sozialdemokratie hierbei nichts Unbilliges verlangte, bewies fie dadurch, daß sie später bei der Feststellung der Goldmarkbilanz der Hoch bahngesellschaft für die geleisteten Werte, insbesondere die Wagen, einen angemessenen Ersatz an Aktien gewährte. In ihrer heutigen Form wird die Nordfüdbahnaktiengesellschaft bei den kommenden Verhandlungen über die Schaffung eines einheitlichen Verkehrssystems in Berlin noch eine große Rolle spielen. Die Stadt verfügt durch sie über einen außerordentlich wertvollen Besitz, deren Wert noch gesteigert werden wird, wenn erst die sogenannte AEG.- Bahn vom Bahnhof Hermannplatz nach dem Gesundbrunnen im Norden fahren wird. Damit wird die Stadt zum wichtigen Fattor im Schnellbahnverkehr. Polizei und Wahlkampf. Zusammenarbeit mit den Parteien! Falfche Fünfzigpfennigftäcke und Zehnmarkscheine.| Teilnehmern an der Sonderfahrt Halle Berlin, beteiligten fich etroa Dreihundert an der Straßenrundfahrt und an der Besichtigung des Zoologischen Gartens. Zwei Falschgeldwerkstätten entdeckt und ausgehoben. Der Inhaber einer Schlosserwerkstatt in der Nähe des Alexanderplages hatte sich mit der Herstellung falscher 50- Pfennig- Stücke abgegeben. Der Mann besaß früher eine fleine Fabrit, tam aber damit wirtschaftlich so weit zurück, daß er schließlich nur noch eine Weiler wenig zu tun hatte, tam fleine Werkstatt betrieb. er auf den Gedanken, Münzen zu fälschen, in der Hoffnung, fich damit über Wasser zu halten. Sein Unternehmen wurde jedoch balb entdeckt. Kriminalbeamte fanden in seiner Werfftatt Präge stöde für 50 Pfennig- Stüde, mit denen er es zunächst versuchte. In einem Nebenraume entdeckten sie auch eine fleine Die Reichsbahndirektion Berlin hatte für ihre Sonntags- Sonderfahrt noch einmal hamburg gewählt, diesmal den Zug aber schon Sonnabends abfahren lassen. Dadurch gewannen die Reisenden mehr Zeit für die Exkursionen in der Hansastadt. Für 12,50 Mart gewährte der Hamburger Fremdenverein Uebernachtung, Frühftüd, Auto- und Hafenrundfahrten, einen Ausflug nach Stellingen und noch ein Mittagessen. Mit der Führung und der allgemeinen Aufnahme überhaupt, ganz besonders aber mit den Sehenswürdigkeiten des alten und des repräsentablen Hamburg waren die Gäste sehr zufrieden. Es fiel angenehm auf, daß Behörden und Private die Anwesenheit der Berliner, Mecklenburger und Holsteinischen Besucher benugt hatten, die schwarzrotgoldene neben der ham. burgischen Flagge zu zeigen. Die Sonderfahrten der Reichs. und man tann nur wünschen, daß diese Einrichtung beibehalten und ausgebaut wird. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin( SPD) bahn erfreuen sich eines steigenden Interesses bei der Bevölkerung Abendfeier Unter dem Vorsitz des Polizeipräsidenten fand am Mittwoch für die Leserinnen und Freunde der„ Franenwelt" nachmittag im Berliner Polizeipräsidium eine Besprechung mit Ber tretern der verschiedensten Parteien über die Gewährleistung von Ruhe und Ordnung im gegenwärtigen Wahlkampf um die Stadtverordnetenversammlung statt. Der Anlaß zu dieser Besprechung haben verschiedene Borkommniffe gegeben, die schon in den ersten Wochen des Wahlkampfes zu Ver fammlungsstörungen und teilweise auch zu blutigen Zusammen stößen führten. Der Polizeipräsident wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß die Polizei selbstverständlich alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen habe, um die Ordmung aufrechtzuerhalten, daß fie aber den Hauptwert darauf lege, ihre Maßnahmen im 3u. fammenarbeiten mit den Parteien durchzuführen. Schuh in den Versammlungen fönne von der Polizei nur auf direktes Ersuchen gewährt werden. Bei den Beran staltungen auf den Straßen sei zu beachten, daß Sonntags von 10 bis 11 Uhr weder Umzüge stattfinden, noch fogenannte Werbeautos umherfahren dürfen. Selbstverständlich müßten die Teilnehmer an solchen Zügen und Wagenfahrten unbewaffnet sein. Es erscheine zweckmäßig, daß die Veranstalter von Umzügen aller Art sich vorher mit der Schußpolizei in Berbindung setzen und die Straßen genau bezeichnen, durch die der Zug fich bewegen soll. Ferner jei das Antleben von Blafaten an Häuser und Bretterzäunen verboten. Wenn ein Hausbefizer polizeiliche Hilfe gegen Plakattleber in Anspruch nehme, so müsse die Polizei selbstverständlich eingreifen. Der Polizeipräsi dent teilte weiter mit, daß die Straßenstreifen der Polizei ain Wahltag und an den letzten Tagen vor der Wahl bedeutend verstärkt würden. Besonders gegen die Kolonnen, die nächtlicherweise die Häuserwände befleben, soll rücksichtslos vorgegangen werden. Der Segen des Privatbetriebs. Ueber den Segen der Privatbetriebe auch in fommunalen Dingen wissen die deutschnationalen und volksparteilichen Redner in den Wahlversammlungen jetzt wieder ein hohes Lied zu singen. Von dem Standal der Charlottenburger Wasser. merte schweigen fie aber in allen Tonarten. Das völlige Versagen dieser Werke in den heißen Sommermonaten sollte aber noch nicht vergessen sein. Ebensowenig darf die wucherische Preis gestaltung dieses musterhaften Privatbetriebes vergessen werden, der seinen Direktoren und Aktionären Tantiemen und Dividenden in fetten Raten zu zahlen pflegt. Bor. Ein Mufter dieser Preisgestaltung liegt uns heute erst wieder Die Charlottenburger Wasserwerte berechnen nach ihrem „ Staffeltarif" bei einem Verbrauch bis zu 33 Rubitmeter für jeden Kubifmeter 30 Pf., für weitere 34 bis 100 Rubikmeter je 15 Pf. usw. Trotzdem der Preis also feststeht, schlagen die Werte auf jeden Rubikmeter weitere fünf Pfennig auf. 3u welchem 3wed, ist nicht zu ersehen. Damit der Zwangskunde dieses Privatwertes aber ja nicht etwa in üppige Launen gerät, berechnet das Wert für jedes Vierteljahr noch eine Berwaltungs gebühr von 4,90 m.! Aus dem Rechnungszettel für ein fleines Siedlungshaus ergibt sich bei einem Verbrauch von 25 Rubitmeter im Vierteljahr von Juli bis Oktober: Grundpreis( 25 x 30+ 5$ f.=) 8,75. Verwaltungsgebühr 4,90 Summa 13,65 217. Ein Abnehmer der städtischen Werke zahlt für denselben Basserverbrauch nur 25 X 15 f.= 3,75 M! Der segensreiche Privatbetrieb übervorteilt also den 3wangsabnehmer um rund zehn Mart pro Vierteljahr! Aber die durch Listenverbindung vereinigten Rechtsparteien auf dem Rathause halten diesen privattapitalistischen Unternehmern noch immer die Stange und waren noch bis zuletzt bemüht, zu verhindern, daß die Stadt wenigstens in Steglig und Schöneberg in ihre Rechte eintreten fonnte. Am 25. Oktober wird daher auch über diese fegens reiche Privatwirtschaft und ihre Stüßen das Urteil gesprochen werden! Folgen einer Vergeßlichkeit. Traurige Folgen sollten für den kaum neunzehnjährigen Reiter Karl Schneider vom Reiterregiment IV in Potsdam ein paar Liebesstunden haben, die er mit einer jungen Dorfschönen im Auguft vorigen Jahres in Damrow bei Röslin verlebt hat. Der Reitersmann fuhr zu seinem Regiment nach Potsdam zurüd, hatte das fleine Abenteuer wohl bald vergessen und war nicht wenig erstaunt, als nach Monaten sich bei ihm ein 22jähriger Landwirtssohn meldete, den die Dorfschöne als Bater für ihr inzwischen geborenes Rind geltend gemacht hatte. Der Landwirtssohn wollte von dem Reichswehrsoldaten bescheinigt haben, daß auch er mit der Mündelmutter zu tun gehabt habe. Das tat Schneider auch auf einem Stück Notizpapier. Drei Mart und ein Glas Bier wurden von dem Landwirtsjohn dafür spendiert. Eines Tages wurde Schneider aufgefordert, auf dem Potsdamer Amtsgericht in der Alimentationssache als Zeuge zu erscheinen. Der junge Reitersmann, der vollkommen vergessen hatte, daß er jene Bescheinigung ausgestellt hatte, beschwor, daß er mit der Mündel= mutter nie etwas zu tun gehabt habe. Da tam aber der Gegenanwalt mit der Liebesbescheinigung nach einigen Wochen hervor. Die Folge war die Anflage megen missent lichen Meineides. Der Angeflagte war vor dem Potsdamer Schmurgericht geständig. Das Regiment, das einen Oberleutnant als Verteidiger entsandt hatte, bezeichnete den Angeklagten als einen der besten des Regiments. Aber es half alles nichts. Das Urteil erging auf 1 Jahr Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust, dauernde Aberkennung der Befähigung für öffentliche Aemter und Ausstoßung aus dem Heere. Die Geschworenen haben einstimmig ein Gnadengefuch zu Protokoll gegeben, um die Zuchthausstrafe in Gefängnis umzuwandeln, denn so schwer die Verfehlung des jungen leicht fertigen Mannes auch sein mag. ist die Rechtspflege doch dazu da, begangenes Unrecht wieder gutmachen zu lassen, nicht aber, wie es hier mohl geschehen würde, eine menschliche Eristenz endgültig zu vernichten. In der ägyptischen Abteilung der Staatlichen Museen( Neues Museun finden vom 15. Oftober ab bis auf weiteres jeben Donnerstag von 11 bis 12 Uhr Führungen durch wissenschaftliche Beamte statt. Die Führungsgebühr beträgt je Teilnehmer 30 Bf. Mittwoch, den 21. Oktober, abends pünktlich 7%, ühr, im Saalbau Friedrichshain Mitwirkende: Die Spielgemeinschaft der Junasozialisten; Arnim Liebermann( Cello), Frl. Eli Brandenburg( Klavi r). Ansprache: Clara Weyl. 1. a) Andante b) Menuetto 2. Rezitationen Vortragsfolge: 1. Tetl Ansprache Maffenet Berier 4. Polonäfe 5. Elegie 2. Teil Bopper Svens 6. Die Wandlung( 2 Gjenen) Toller Soffed 3. a) Andalusische Serenade. Rämpf 7 a) Tambourin b) Zigeunertanz Jeral Bopper b) Tarantella. Eintrittspreis 0.30 M. Karten sind noch zu haben im Frauen fekretariat, Berlin SW 68, Lindenstr. 8, 2. Hof II, Zimmer 1( SBD.) Anzahl bereits fertiger Münzen, die sie ebenso wie die Geräte beschlagnahmten. Ein Parte veteran. " Heute vor fünfzig Jahren trat unser Genosse Karl SchoTz, im Südosten bei den älteren Genossen unter dem Namen ,, Kitt- Karl" bekannt, in die damalige Berliner politische Organisation der Ar. beiterschaft, den Verein zur Wahrung der Interessen der werttätigen Bevölkerung Berlins" ein. Während dieses halben Jahrhunderts hat Genosse Scholz als Funktionär immer in der ersten Reihe der Bewegung gestanden. Während der Dauer des Sozialistengesetzes war er jahrelang Mittelsmann für den Züricher Sozialdemokrat", gleichzeitig Obmann der Agitationsfommiffion für die Provinz Brandenburg und auch Vorsitzender der Lokalfommission. Bei seiner umfangreichen und aufopfernden Tätigkeit für die Partei hat er stets das vollste Verständnis und liebevolle Rücksichtnahme seiner Frau gehabt, was ihm manches Schwere leichter machte. Wenn Genosse Scholz als alter Angler an den freien Sonntagen in Rauchfangswerder seinem einzigen Bergnügen und feirer Erholung nachgeht. o wollen wir ihm das neidlos und aufrichtig noch viele Jahre gönnen. 300 000 Mark unterschlagen. Das Opfer einer Leidenschaft. Die unjelige Leidenschaft des Bettens hat zwei bisher un Im fleinen arbeitete auch der zweite Fälscher. In einem Zigarrenladen in der Swakopmunder Straße bezahlte ein bescholtene Männer, die dreißig und achtzehn Jahre hindurch bei einer Firma tätig waren, für immer ins Unglüd gestürzt. Der stellungsloser Kutscher D. einen fleinen Einkauf mit einem gefälschten 10.Reichsmart- Schein. Der Geschäftsinhaber erste Buchhalter K. und der Angestellte M. des Bantunternehmens erfannte gleich die Fälschung, hielt den Kunden hin und ließ ihn Sperling heiten sich wegen fortgesetten Diebstahls und festnehinen. Bei seiner Bernehmung auf der Reichsbank- Falschgeld- ehlerei vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zu verantworten. Es ist fast unglaublich, daß ein Buchhalter, der in einer Verabteilung fand man nichts mehr bei ihm. Er gab aber im Laufe des trauensstellung, noch dazu ein Monatsgehalt von 600 m. Berhörs zu, daß er vorher bereits 12 gefäischte Scheine der gleichen Art ausgegeben habe. Alle wollte er auf der bezog, sich so von seiner Leidenschaft beherrschen lassen fonnte. Er Straße gefunden haben. Die weiteren Ermittlungen ergaben jedoch, ſelbſt foul Tag und Nacht gearbeitet und treu für seine Familie daß D. sie unmittelbar von dem Fälscher selbst, einem Stuben gesorgt haben, in jeder freien Minute aber stürzte er sich auf die Rennberichte des In- und des Auslandes. Seit Jahren wettete K. maler B., erhalten hatte. Dieser ist seit längerer Zeit stellungslos mit seinem Freunde M. bei Buchmachern und am Toto, hauptsächlich und stellte die Falschscheine auf geeignetem Bapier in sehr mühevoller und stellte die Falschscheine auf geeignetem Bapier in sehr mühevoller cuf französische Pferde setzte er so bedeutende Summen, daß sie bald Arbeit durch Handmalerei her. Die ersten Scheine waren Es fonnte selbstverständlich nicht ausbleiben, daß die Verluste sehr schlecht nachgemacht und erregten in allen Geschäften Verdacht. in den Ruf famen, mit zu den größten Wettern zu gehören. Er redete aber auf die Verkäufer so lange ein, bis sie die Scheine doch immer größer und größer wurden. Und als sie schließlich in gar feinem Einklang mehr mit dem Verdienst der beiden zu bringen für echt hielten und annahmen. waren, da begann die alte Geschichte, die leider immer wieder neu wird. Erst nur mal eine kleine Summe om Geschäftsgeld nehmen, wieder mal Glüd man fann sie ja wieder ersetzen, wenn man hat. Aber dann hat man fein Glüd mehr! Niemals mehr! Die veruntreuten Gelder wurden höher und höher und hatten schließlich die ganz refpeftable Summe von 300 000 m. erreicht. Was fommen mußte, tam. Der Chef seht für einen bestimmten Tag eine außer ordentliche Revision an. Jegt padt R. die Reue, er sieht die Folgen feiner Berfehlungen, er fieht das Unglüd seiner Familie deutlich Dor seinen Augen! Er rafft sich noch einmal zusammen, vertraut sich seiner Frau an und sucht mit dieser gemeinsam seinen Arbeitgeber auf. Durch sein offenes Beständnis gelingt es ihm, vom Chef bie Zusicherung gewisser Milde zu erhalten und eine Beit auszumachen, in der er das Geld ersehen sollte. Aber das Schicksal wollte es anders! Als der Sohn des Inhabers von den Beruntreuungen erfuhr, übergab er fie beide furzerhand dem Gericht. So fand, wie schon manche Jagd nach dem Glüd, auch diese ihr Ende mit der Berurteilung der beiden Angeklagten. R. erhielt 1½ Jahr. M. 1 Jahr Gefängnis. Sittlichkeitsverbrechen eines Schupowachtmeisters. Fünf Jahre Zuchthaus und Ehrverlust. In dreitägiger Verhandlung beschäftigte sich die Straftammer des Landgerichts I mit den Sittlichkeitsattentaten des Polizeiwacht meisters Otto W., gegen den das Schöffengericht mitte auf 8 Jahre war Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust erfannt hatte. W. mar beschuldigt und nach dem Schöffengerichtsurteil überführt, in zahl reichen Fällen unter Mißbrauch seiner Amtsgewalt junge Frauen vergewaltigt und mit unzüchtigen Anträgen belästigt zu Frauen vergewaltigt und mit unzüchtigen Anträgen belästigt zu haben. Er pflegte abends und nachts Bärchen aufzulauern, trat plöglich in Uniform dazwischen und erklärte, daß er das Pärchen ber Sittenpolizei zuführen müsse. Geschicht gelang es ihm meist den Liebhaber zu entfernen, während er das Mädchen abführte. Er ging mit ihm dann durch die Straßen zunächst zu einem Bolizei revier, wo er vor der Tür erflärte, daß sie zu einer anderen Wache gehen müßten. Auf diese Weise schleppte er sein Opfer bis zu einem Gebüsch, wo er sich dann an ihm perging. Da der An geflagte zunächst seine Schuld bestritt und behauptete, verwechselt worden zu sein, mußte ein umfangreicher Zeugenapparat aufgeboten werden. Er blieb bei seinem Leugnen, obwohl er auf frischer Zat ergriffen morden war, nachdem er zufällig von einem des Beges tommenden Polizeioberwachtmeister feines Revters ertannt worden war. Uebrigens hatte sich auf W. der Verdacht gelenkt, daß er der Mädchenmörder vom Arnswalder Platz sei, was sich jedoch als hinfällig ermies. Da sein Alibibeweis in dem gegenwärtigen Prozeß völlig versagte, ließ sich. schließlich zu einem Geständnis bewegen. Er gab zu, daß er wirklich die Schandtaten selbst verübt habe, behauptete jedoch, es in einem Zustand der Bewußtlosigkeit und fanthafter Beranlagung getan zu haben. Während Staatsanwaltschaftsrat Hanne die Berufung zu verwerfen beantragte, bten die Verteidiger, zu berücksichtigen, daß man es weniger mit einem Schwerverbrecher, als mit einem be dauernswerten franken Mann zu tun habe. Die Straftammer faßte diesen Fall als besonders werwiegend auf, weil es sich um einen Polizeibeamten handelte, der zum Schuße des Publifums und der Frauen da sei. Dennoch hielt die Straffammer eine Strafe von fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust für ausreichend. Sieben Monate wurden auf die Untersuchungshaft angerechnet. Erft Profit, dann Verkehrsrücksichten. Das ist unumstößlicher Grundfaz der Hochbahn- Gesellschaft. auch ihre Leitung erfährt natürlich schon am frühen Morgen, daß die Sonne zum Ersatz für den verregneten Sommer herrlich scheint, woraus logisch hervorgeht, daß ab Mittag eine Massenwanderung in die Außengebiete der Biermillionenstadt einfegen wird also vor allem nach dem sonst leicht zu erreichenden Dahlem. Aber von einem dritten Wagen für die Pendelzüge Fehrbelliner Play Thielplag ist trotzdem teine Rede. Sardinenmäßig zusammengepfercht müssen die Berliner ins Freie hinaus- und von da wieder zurückfahren. So will es, so befiehlt es S. m. der Hochbahn Brofit. Weil er aber gerade schon am Werke ist, besetzt er die Bahnsteigzugänge sehr lebhafter Statio nen mit nur einem Knipser, läßt die anderen Kontrollposten unbesetzt, die übrigen Zugänge geschlossen und die Leute sich an dem einzig geöffneten Durchgang schimpfend stauen. Das Ganze heißt dann privatwirtschaftliche Verkehrswerbung. Die Wochenendfahrten. Das Eisenbahnverkehrsamt alle ist dem Beispiel Berlins gefolgt und hat ebenfalls Sonderfahrten an Sonntagen eingerichtet. Gestern vormittag traf der erste Sonderzug aus halle am Anhalter Bahnhof ein. Die Reisenden unternahmen dann eine Straßenbahnrundfahrt durch Berlin, die das Fremdenver te hrsbureau Berlin veranstaltet hatte. Die Fahrt ging durch die Geschäftsviertel: Zimmer, Jerufolemer Straße, Hausvogtei- über den Schloßplag, Köllnischen den Schloßplag, Köllnischen Fischmarkt, Spandauer Straße, Beşirtsbildungsausschuß Groß- Ber fia. Staaffiches Schillertheater Char lottenburg: Sonntag, den 18. Dllober, nachm. 3 Uhr, ftatt Rheinische Rebellen Doppelfelbft morb von Angengruber. Die ausgegebenen Karten behalten für diese Borstellung ihre Gültigkeit. Die Aufführung Rheinische Rebellen" findet am Sonntag, den 15. November, statt. Für diese Borstellung werden neue Karten berausgegeben. Internationale Boltstänge und Bolkslieder. 1. Veranstaltung Sonntag, den 25. Dffober, nachm. 3, Ubr, im großen Caale der Philharmonie, Bernburger Straße. Alle vier Beranstaltungen im Abonnement 4 M. Einzelfarte pro Ver anstaltung 1,20 M. Wir biften, die noch ausstehenden Zeichnungslisten so fort zurüdzureichen. Fünf große Proletarische Feierstunden im Großen Schauspielhaus. Im Abonnement alle fünf Beranstaltungen 4 M, Einzelfarte 1,20 M. Die Abonnementslisten für die Feierstunden Am Sonntag, müssen bis 25. Oftober bestimmt zurückgereicht werden. den 15. November, nachm. 3 Uhr, im Staatlichen Schillertheater, Charlottenburg, Rheinische Rebellen. Die Streise werden ersucht, die Am für fie reservierten Starten schnellstens bom Bureat abzubolen. Sonntag, den 1. Rovember, abends 8 Uhr, lieft der Arbeiterdichter Heimich Lersch aus eigenen Werfen im Andreas Realgymnafium, Koppenstraße 76. Eintritt 50 Bf. Karten für sämtliche Beranstaltungen in ben befannten Berkaufsstellen. Wintergarten. Die Direktion bes intergartens hat für den Ditober ein entsprechendes Programm zusammengestellt. Der Tanz steht im Vor dergrunde: Eli und Rati Bitter, zwei deutsche Tänzerinnen, die nach Amerila verpflichtet sind, bringen in der alten Schule Darbietungen, die Haffisch zu nennen sind. Saja 2eontje w tanzt dazwischen die mo berne Schule. Die Spanierin Amarantina weiß ihrer typisch fpaniſchen Stunit neue Seiten abzugewinnen. Die ernste Afrobatik und Gymnaftit vertreten die 4 Serlongs und die beiden Sermanab Rubio, zwei Spanierinnen, benen man ibre Leistungen beim Auftreten nicht zutraut. Die Komit vertreten die Morner Amorod, in ihrem Buden zauber, Novin und BimboI, der fomische Kanonentönig und besonders Richard Hayer, ein Jongleur, der als Robinson austritt und mit seinen Jonglierballen wirklich neue Trids bollbringt. 2ittle Zi, ist ein englischer Brotestfomiter, der zwerchfellerschütternd wirkt. XAV PIXAVO PIXAVON Alexanderplay, Hackescher Markt, Museumsstraße, Charlottenburger Waschungen mit Pixavon Chaussee und endete am Bahnhof 300. Es folgte dann eine zweistündige Besichtigung des Zoologischen Gartens und ein gemeinfames Mittagessen im Hause des Fremdenverkehrsbureaus. Dieje regen die Kopfhaut in erstaunlicher Weise an. Beranstaltungen verdienen besonderer Beachtung, da fie es auch Die Haare werden weich und geschmeidig, die natürliche Minderbemittelten erlauben, für billiges Geld Berlin, wenn auch nur flüchtig, fennen zu lernen. Bon den annähernd neunhundert Schönheit und Farbe des Haares kommen voll zur Geltung Wohnungsnot und Stadtverordnetenwahl. Aus unseren Wählerversammlungen. Kasperletheaters, das nachgerade langweilig wird, schloß die Ber fammlung mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie. motratte bel ber Eingemeinbung und bei der Schaffung von Groß-| merden fönnen. Rach dem Intermezzo etnes fommunistischen Berlin hervor. Jeder Arbeiter, Angestellte und Beamte hat alles Interesse daran, daß bei den Oktoberwahlen eine sozial de motratische Mehrheit zustande kommt. Die Berliner Stadtverordnetenwahlen müssen der Auftakt zu einer neuen Aera sein. Die Wahl vom 25. Ottober wird endlich zeigen, wohin der Kurs gehen wird, ins Elend oder einer besseren Zukunft entgegen. In der außerordentlich gut besuchten Rundgebung des 29. Bezirks sprach Genosse Künstler. Er streifte das falsche Spiel der Deutschnationalen in der Aufwertungsfrage. Nachdem sie Fachleute wie Dr. Beest als Wahlköder benugt hatten, ließen sie ihn fallen und damit ihr Versprechen, den fleinen Sparern zu helfen. Der Redner ging dann näher auf den Solltarif ein. Eine fünftöpfige Familie wird durch dies Mundraubgesetz mit 150 m. pro Jahr neu belastet. Aber der Entwurf mußte durchgejagt werden, weil die Tarife der Kaufpreis für die Außenpolitit sind, denn die Deutsch nationalen unterschreiben jetzt, wofür sie Walther Rathenau ermordet haben. Nun flagt sogar der Landwirtschaftliche Hauptverband von Württemberg und Hohenzollern, daß die neuen Zölle für Getreide und Vieh noch zu niedrig seien. Genosse Künstler wandte sich dann gegen die Steuerpolitik der Rechten. Die Lohnsteuer macht auf den Kopf 83 m. pro Jahr, alle übrigen zusammen nur 71 m. Die Umjagsteuer von 1 Proz. muß der Konsument zahlen, und sie beträgt für Brot 5,3 Proz., für Fleisch sogar 10 bis 12 roz. Der Verbraucher bezahlt an Umfassteuern 10 Proz. seines gesamten Einkommens. Der Redner gab zum Schluß noch einige Blüten aus den Richtlinien der Kommunisten bekannt. Danach sollen die Abgeordneten der Sozialdemokratie, die natürlich keine 2rbeiterpartei ist, gefährlichere Arbeiterfeinde als die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien seien... Genosse Künstler fand mit seinen Ausführungen den reichen Beifall der Versammlung. In einer sehr gut besuchten Versammlung des Bezirks Mitte sprachen in der Aula in der Auguststraße unter startem Beifall der Reichstagsabgeordnete Genosse Moses und Stadtverordnetenvor steher 5 a B. Genosse Moses zeichnete ein lebendiges Bild der augenblicklichen politischen Situation, charakterisierte die unehrliche, volkszerstörende Politik der Deutschnationalen und die Zerfahrenheit der täglich wechselnden fommunistischen Taktik und schloß unter stürmis schem Beifall mit der Aufforderung, am 25. Oftober sozialdemokratisch zu wählen. Genosse a B behandelte die fommunalpolitischen Aufgaben, die der neuen Stadtverordnetenversammlung harren. Der Redner schilderte die drängenden wirtschaftlichen Probleme, die mit Tatkraft und sozialem Verantwor tungsgefühl in Angriff zu nehmen seien, und beendete seine Ausführungen mit dem Appell an die versammelten Wähler, am 25. Oftober aus Berlin eine Kommune des Boltes zu machen. Auch feine Ausführungen wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. In Tempelhof sprach in einer namentlich von Kleingärtnern und Siedlern gut besuchten Bersammlung Genoffe Kreuziger über das bisherige Wirken und die künftigen Aufgaben der Sozialdemokratie im Berliner Rathaus. Er zeigte an treffenden Beispielen die verhängnisvollen Auswirkungen nationaler Privatinteressen in der üblichen Zusammenarbeit mit furzsichtigster fommunistischer Demagogie. Genosse Eckhardt behandelte die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands und das Verhalten der einzelnen Barteien zu den großen Fragen der äußeren und inneren Politik. Beide Redner fanden starken Beifall. In der sehr gut besuchten Bersammlung, die von der 48. Abteilung nach Gießings Festfälen einberufen war, sprach Genosse Litte. Er tennzeichnete die Rechtsparteien, die genau wie in der großen Politit auch in der Kommunalpolitik gegen die werkende Bevölkerung gearbeitet haben. In allen entscheidenden Fragen haben diese Parteien die Unterstützung der sich auch Arbeitervertreter nennenden Kommunisten gefunden. Wenn die Berliner Bevölkerung will, daß in Zukunft eine erprießliche Komforgen, daß am 25. Oktober vom Berliner Rathaus das Wahrmunalpolitit in ihrem Sinne getrieben werden soll, muß sie dafür zeichen der Sozialdemokratie weht. Eine Wählerversammlung, die ein gutes Omen für die Stadtverordnetenwahl am 25. Oktober bedeutet, wurde in Brig abgehalten. Seit langem hat Briz teine so gut besuchte Versammlung mehr gesehen. Der Saal war bis auf den legten Plaz gefüllt. Auf der Tagesordnung stand: Brizer Wohnungsbau, Stadtverordnetenwahl und Britzer Bürgervereinspolitit. Als erster Redner unterzog Stadtverordneter Genosse Gutschmidt die Berliner Wohnungspolitit einer vernichtenden Kritit. Schon vor dem Kriege stand es fest, daß die Berliner Wohnungswirtschaft zur Wohnungskatastrophe führen müsse, da für 30 000 zuziehende nur 20 000 Wohnungen hergestellt wurden. Zurzeit gibt es in Berlin 100 000 Wohnungsuchende, wozu noch jährlich 25 000 3u ziehende kommen. Für diese wurden im Jahre 1924/25 10 000 Wohnungen gebaut, im Jahre 1925/26 werden es nur 8000 fein. Diesem Wohnungsjammer will das Manchestertum im Berliner Rathaus mit dem Freien Spiel der Kräfte" zu Leibe gehen. Das heißt, es will die Wohnungszwangswirtschaft gänzlich beseitigen und der Bau- und Wohnungsspekulation Tür und Tor öffnen. Bei Wohnungen mit 5 und mehr Zimmern wurde bereits der Anfang gemacht. Gutschmidt führte einen ungeheuerlichen Fall an, wo die Berliner Bant für wertbeständige Finanzierung"( heute Stadtschaftsbank) für ein Baudarlehen von 600 000 Mart 4% Proz. Zinsen auf 6 Wochen und eine Gewinnbeteiligung von mindestens 150 000 Mart verlangte. Für Neuwohnungen müssen heute an Monatsmieten gezahlt werden für 2 Zimmer 104 Mart, 3 Zimmer 130 Mart und 4 3immer 156 mart. In einer Mittagszeitung wurden 20 Dreizimmerwohnungen angeboten, für die der Mieter pro Wohnung 6000 Mart Bautostenzuschuß zahlen sollte. Aehnlich war ein Angebot im Gemeindeblatt", wo für 1 3immer 50 Mart Monatsmiete und 100 Mart Bautostenzuschuß gefordert wurden. In den Casinosälen in der Neuen Königstraße wies So ist der Zustand entstanden, daß für zehntausende Wohnungs- Genosse Dr. Weyl auf die Wahlen im Oftober 1921 hin, bei fuchender die Wohnungsämter feine Wohnungen beschaffen können, tenen durch die Barole„ Los von Berlin" reges Leben in die Verund auf der anderen Seite durch Vermietungsbureaus, Presse uns sammlungen fam. Träger des Gedankens Groß- Berlin waren die Zirkulare Wohnungen angepriesen werden, die tein Mensch wegen Sozialdemokraten. Heute ist der Schrei Los von Berlin" ver des hohen Mietspreises beziehen kann. Die Politit der SPD. Frattion im Rathaus war deshalb tiar. Sie zielte baß feine Gegenströmung mehr zu spüren ist. Der Redner wies stummt: der Gedanke der Einheitsgemeinde hat sich so durchgesetzt, vor allem auf billiges Bauland und billige hypo- auf die Taten der unter deutschnationalem Einfluß stehenden Reichs. thefen hin. Es gelang im vorigen Jahre, die Bewilligung von 5 000 000 m. als Zusaghypotheken zu niedrigem Binsfuß durch regierung hin. Allein der Auswertungsschwindel müßte die Begebaut werden. Deutschnationale, Boltsparteiler genoffen zu einer deutlichen Antwort auffordern. Man dente an und Wirtschaftsparteiler lehnten die Bewilli- tie schwarzweißrote Dentmalsschande vom vergangenen Sonntag, wenn man wissen will, was uns unter der Herrschaft der Reaktion gung ab. In diesem Jahre wurden wiederum gegen die vorgenannten Stimmen zweimal 5 000 000 Mart bewilligt, mit deren noch blühen kann. Leider ist der hierfür mit verantwortliche Demofrat Dr. Geßler typisch für die Mentalität unserer preußischen Hilfe 3300 Wohnungen, davon 1000 in Brig, gebaut werden. Diese und Berliner Demokraten. Als es um den Abbau Paulsens ging finanzamts im Inseratenteil der vorliegenden Ausgabe. Wohnungen werden ohne Baukostenzufchuß durch die Wohnungs- oder um die Forderungen der Gemeindearbeiter, immer haben die ämter vergeben. Gutschmidt schilderte dann noch eingehend die beDemokraten des Rathauses gegen uns gestimmt. Daraus sollte tannten Manöver der bürgerlichen Rathausmehrheit, um das von man nun endlich die entscheidenden Konsequenzen ziehen. der Stadt gekaufte Gutsgelände in Briz dem privatkapitalistischen In der gutbesuchten Bersammlung in der Schulaula Wie Bauunternehmertum, insbesondere der Firma Ph. Holzmann, zu fenstraße sprach Genosse Ernst Reuter über„ Die Bezuschanzen. Es ist das Verdienst der SPD- Fraktion, wenn den deutung der Stadtverordnetenwahlen für die Berliner ArbeiterBauspekulanten das nicht gelungen ist und heute zwei gemeinnüßige schaft". Von der Geburt an greife die Gemeinde in das Leben ihrer Gesellschaften, die ,, Gehag" und die Degewoh", die 1000 Wohnun Gen in Brig errichten. Zum Schluß fegte sich Gutschmidt mit dem Bewohner ein. Geburtshilfe, Krankenhäuser, Kleinkinderpflege und so fort. Die Gemeinden sind Zellen staatlichen Lebens. Die öffentBriger Bürgerverein, inbesondere seinem 2. Borsitzenden, Architekt liche Verwaltung sei durch die Arbeiterschaft im sozialen Sinne zu Sans Tiedt, auseinander. Dieser Gernegroß führt seit einiger beeinflussen. In den Inflationsjahren häite ebenso wie der private Beit im„ Neutöllner Tageblatt eine gehässige Polemik gegen die Haushalt auch der Gemeindehaushalt aufs schwerste zu leiden geBehag"" im allgemeinen und gegen Gutschmidt im besonderen. habt. Die agitatorische Ausnutzung der Inflation durch die Bürger Selbst zur Berliner Wohnungsfürsorgegesellschaft ist er gelaufen, lichen und die Uneinigkeit der Arbeiterparteien zerbrach die rote um diese zu bewegen, der„ Gehag" die Baugelder zu verweigern. Mehrheit. Doch trotz allem wurde die von der Sozialdemokratie geSo sieht bürgerliche und sozialistische Wohnungspolitik aus. schaffene Einheitsgemeinde behauptet. Schritt für Schritt werden schmidt schloß unter lebhaftem Beifall der Versammlung, der letztes jetzt Einrichtungen geschaffen, die fich früher nur der begüterte ren am 25. Oktober burch Wahl der sozialdemokratischen Lifte zum Besten leisten konnte. Betrage doch der werbende Birt Siege zu helfen. Der zweite Redner Dr. Ing. Wagner ergänztechaftsbefit Berlins über eine Milliarde Goldmart. ratoch wertvoll Gutschmidts Ausführungen. Der 3. Redner Stadtrat Dieser Besitz ist die festeste Stüge unserer Gemeinde, die sich rühmen Genosse Schröder zerpflückte zunächst den Inhalt eines deutsch. fann, die billigsten Tarife zu haben. Kein Wurder, daß die Privat nationalen Flugblattes und führte den Nachweis, daß die 6 Jahre industrie die Gemeindewirtschaft mit allen Mitteln bekämpfe. Ein fozialdemokratischer Gemeindepolitit in Neukölln mehr an sozial- und einheitlicher Bebauungsplan müsse mit aller Macht durchgeführt fulturpolitischen Erfolgen aufzuweisen haben, als 50 Jahre bürger- werden, der genügend Parts, Freiflächen schaffe, Klein. licher Dreitlaffenpolitit vorher. Troß der heftigen Angriffe der gärten erhalte und die Mietfasernen alten Stils beseitige. Alles drei Redner und trotz Aufforderung fand feiner der zahlreich andas sind Fragen, die nur von einer sozialistischen Mehrheit gelöst wesenden Bürgerlichen den Mut zur Entgegnung. Deshalb verSo tonnte zichtete auch der Kommunist Restel auf das Wort. die gut verlaufene Versammlung mit einem träftigen Hoch auf die Sozialdemokratische Partei geschlossen werden. zusetzen. Mit Hilfe dieser Summe fonnten 1200 billige Wohnungen völkerung mit 3orn erfüllen und sie durch die Wahl unserer Partei sich zur Auswanderung entschlossen haben, finden Rat und Hilfe Guts In Charlottenburg fand in der Leibniz- Oberreaffchute eine Beamtentundgebung statt, in der der Ministerialrat Genoffe Faltenberg sprach. Er wies darauf hin, daß sämtliche bürgerliche Parteien nicht das geringste Interesse an der Bertretung der Beamteninteressen hätten. Sie möchten die Beamten wieder roie in dem vorrevolutionären Deutschland zu Hörigen der oberen Schichten machen. Sie hätten fein Interesse an einem freien Berufsbeamtentum, auch in der Besoldungspolitit ständen ihre Interessen denen der Berufsbeamten schon deswegen entgegen, weil sie verhindern müssen, daß die Besoldungsverhältnisse der Beamten von den Angestellten und Arbeitern als Vorbild und zur Nach achtung hingestellt würden. Einzig und allein die Sozial demokratie habe es bisher unternommen, die Interessen der Beamten mit aller Energie wahrzunehmen. Und deswegen müßten die Beamten auch bei den Kommunalwahlen am 25. Oktober sozialdemokratisch wählen. Der lebhafte Beifall, der diesen Ausführungen folgte, zeigte, daß sie bei den Erschienenen ein nachhaltiges Echo gefunden haben. Die öffentlichte Wählerversammlung der 33. Abt. Friedrichshain, Schulaula Hohenlohestr., war überfüllt. Genoffe Reimann zeigte als Referent den Wählerinnen und Wählern an packenden Beispielen, wie der Bürgerblod im Rathaus versagt hat und hielt Abrechnung mit den Kommunisten. Im Gewertschaftshaus am Engelufer sprach Ge noffe Rimroth. Er hob vor allem die Verdienste der Sozialde Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 15. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. OberIng. Siegfried Hartmann: Quellen der Kraft. 1. Vortrag. Muskel und Wind". 7.25 Uhr abends: Weltschachmeister Dr. Emanuel Lasker: Das Aesthetische im Schach". 8 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Spielzeit 1925/26. 8. Veranstaltung. Der Postillon von Lonjumeau", komische Oper in drei Teilen von Adolf Karl Adam. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Selmar Meyrowitz von der Berl. Staatsoper. Personen des ersten Teils: Chapelou, ein Postillon: Karl Jöken; Bijou, ein Schmied: Ludwig Flaschner; Marquis von Corcy, Intendant der Belustigungen des Königs: Robert Philipp; Madeleine, Wirtin: Erna Kroll- Lange. Bauern, Bäuerinnen. Ort der Handlung: Dorf Lonjumeau im Jahre 1756. Personen des zweiten und dritten Teiles: Saint- Phar( Chapelou), erster Sänger der königlichen Oper: Karl Jöken; Marquis von Corcy: Robert Philipp Alcindor( Bijou), Bourdon, Chorführer der königlichen Oper: Ludwig Flaschner, Gottfried Hagedorn; Frau von Latonr( Madeleine): Erna Kroll- Lange. Sänger und Chorführer der königlichen Oper. Nachbarn und Gäste der Frau von Latour. Ein Gefreiter. Eine Abteilung Landreiter. Diener. Ort der Handlung: Landhaus der Frau von Latour nahe bei Fontainebleau, zehn Jahre später, im Jahre 1766. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik. Wo findet der Auswanderer Rat und Hilfe? Bersonen, die bei der Gemeinnügigen öffentlichen Auswandererberatungsstelle in Berlin W 10, önigin August a Straße 19( an der Potsdamer Brücke). Die Verlegung des Finanzamts Greifswalder Straße nach Schönhauser Allee 10/11 behandelt eine Betanntmachung des Präsidenten des Landess Der erste Schnee. Klingenthal, 14. Oftober.( WTB.) Aus den höher gelegenen Orten des Erzgebirges und des Vogtlandes, aus Reizenhain und Klingenthal werden Schneefälle gemeldet. Die Felder, in denen überall noch die Kartoffeln stecken, sind bereits von einer Schneedede überzogen. Schnee in Erfurt. Bei stürmischer falter Witterung herrschte in Erfurt am gestrigen Tage beftiger Schneefall. Gerüffeinffurz in Hamm. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf den Phönigwerken in Hamm. Bei dem Wiederaufbau der fürzlich niedergebrannten Verzinkerei brach ein Gerüst zusammen und Anstreicher und Glaser stürzten aus einer Höhe von 12 Metern in die Tiefe. Einer der Berunglückten ist seinen Berlegungen bereits erlegen. Die drei übrigen liegen mit schweren Arm-, Beinund Schädelbrüchen im Krankenhause darnieder. Sport. Rennen zu Mariendorf am Mittwoch, den 14. Oftober. 1. Rennen. 1. Good Boy( H. Grube), 2 Attorie( Jauß jun.), 3. Altmart( Hedert). Toto: 58:10. Blab: 17, 27, 15:10. Ferner liefen: Flamingo, Dompfaff I, Meister B., Erzellenz, Pedra. 2. Rennen. 1. Frida Magowan( Großmann), 2. Manrico( E. Tren berz), 8. Heroftrat( Hedert). Toto: 43: 10. Blab: 19, 12, 14:10. Ferner liesen: Ropele, Gthing I, Quftschiffer, debemann, Eff, 12, 4. Rennen. 3. Rennen. 1. Flatterrose( J. Mills), 2. Frechheit( H. Grube), 3. Simpel( Jauß jun.). Toto: 16:10. Blaz: 14, 17, 21: 10. Ferner liefen: Fenelon, Cadiac Arworth, Fafner J, Pechfadel, Filmdiva, Crassus, Gawein, Tell, Klud. 1. Sudan( Ch. Mins), 2. Paula A.( M. Ringius), 3. Kapellmeister( Großmann). Toto: 13:10. Blaz: 12, 25, 17: 10. Ferner liefen: Kammerfänger, Cotta, Diagonale, Buchdruder, Doris, Zora. 5. Rennen. 1. Gaffenmädel( Buhrmester), 2. Sybill( F. Schulz), 3. Jeffries jun.( W. Lemzer). Toto: 144: 10. Blaz: 84, 17, 43: 10. Ferner liefen: Angriff, Heidemann, Precious Watts, Kazbach, Wildfake, Wasserfall, Manfred, Copal, Simpler, Heideprinz, Verdun, Altgold, Dela. 6. Rennen. 1. Colonel Bosworth( Ch. Mills), 2. Doritha( Sauß jun.), 3. Feuerwehr( Jauß ſen.). Toto: 16: 10. Blak: 15, 16, 48: 10. Ferner liefen: Aqua viva, The Great Midwest, Kittyschor, Fels, Stella Harf. 7. Rennen 1. Pontresina( Weidner sen.), 2. Stapellauf( F. Brandt), 3. Höhensonne( v. Solohl). Toto: 30:10. Blak: 15, 14, 27: 10. Ferner liefen: Wainsca, Blaumeife, Else B. I, Unbeil, Interessent, Flora Bingen, Bessiebel, Duera, Fürst. 8. Rennent 1. Friedrich Reg( Elias), 2. Fiametta( J. Mills), 3 Parillia D.( F. Schulz). Tots: 51: 10. Platz: 21, 20, 37: 10. Ferner liefen: Morgentau, Stohlentönig, Ludwig, Baron Gabler, Denkmünze, Mg Darling, Hellina, Notula, Hoffnung II. 9. Rennen. 1. Ocean Girl( Ch. Mills), 2. Alarich( Prahrembel), 3. Langemann( J. Mills). Toto: 30:10. Blag: 21, 59, 15: 10. Ferner liefen: Dichtung, Gladiator I, Baron Tregantle, Letter Mohikaner, Inge L, Schwarzwaldmädel, Burmida, Modern, Etatshöferin, Terazzo, Venus. Wetter für Berlin und Umgebung: Etwas Besserung, aber noch ver änderlich. Temperaturen sehr niedrig. Nachts leichter Frost. Für Deutschland: Im Nordosten noch Niederschläge in Schauern, im übrigen i Deutschland allmähliche Abnahme der Bewöllung. Weit verbreiteter Nacht'rost. Auch Sonntags KI 25 MASSARY DELFT MASSARY Delfi EA- SA zebn 50 mart- Scheine für frohe Gesichter! EDEL WIE DER NAME Herr X macht keinen Feiertag. Auch Sonntags ist er unterwegs, um frohe Delft- Raucher aufzustöbern und zehn von ihnen mit je einem Fünfzigmarkschein zu beglücken. Wir wollten das nur im Vorbeigehen gesagt haben. Wer nun am Sonntag von Herrn X angesprochen wird und keine Massary- Delft bei sich hat, ist für diese Fahrlässigkeit selbst verantwortlich Die Auswahl macht's! die jede Dame, die zu uns kommt, das für sie am besten Geeignete finden läßt. Und genau so ist's, wenn es sich um Kleidung für Backfische und Kinder handelt. Eine gewaltige, allumfassende Auswahl in allen Formen und allen Größen, alles streng modern, ohne doch namentlich für Kinderdas Praktische vermissen zu lassen. Und dabei alles zu den berühmten CA- Preisen. Falten- Kleid neueste Form, schick und reizvoll aus gutem, farbprächtigen Wollschotten. In verschiedenen Mustern 14 75 Zu Fest und Tanz erscheinen Sicentzückend schick in diesem Stilkleid aus duftig- zart. Eolienne. Gule Ware, mod. Farben 8 12°° C& A BRENNINKMEYER Königstraße 33 Chausseestr.113 Am Bahnhof Alexanderplatz Oranienstraße Beim Stettiner Bahnhof " Die neue Ecke" Mantel Mädchen mollig, hübscher Flausch; Seitenfalten mit Taschen ( Neuheit), hoch zu schließ Gr. 60( And entsprech.) mür. 50 Mädchen- Mantel Behaglich- warm fesch, modern.Pr.Velours, sogen. Herrenform" mit Samtkrag, Falte u. Riegel. Gr. 60( And. entsprech.) 00 15 der praktische Mantel aus schön. Flausch- mouliné. Fesche Herrenform, hoch z.schließen, mit Taschen. 75 魚 Woll Plüsch der bevorzugte Besatz zu molligem Flausch prägt diesen praktischenMantel als letztmod Gute Ware 17 50 Obige Angebote stehen ab Donnerstag zur Verfügung!-Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt werden! Der Massen- Einkauf gestattet mir folgendes billiges Angebot 50 000 Liter Fruchtweine In bekannt. Güte, Zucker gesüßt, ca. 14% Heidelbeer- u Apfelwein Ltr. M. 0.87 Fruchtwein, Portweintyp Johannisbeerwein Stachelbeer- u Kirschwein. 25000 Liter Südweine 0.96 1.02 1.68 garantiert rein, unverschnitten Tarragona süß 17% Malaga Ltr. M. 1.50 16% 1.74 2.70 Douro Portw. 20% 20000 Fl.Rot- u.Weißweine à M. 0,90, 1,32, 1.80, 2,88 Meine erstkl. Spirituosen Ia Aquavit, 35% la Weinbrand Verschnitt, 38% Ia Reiner Weinbrand, 38% la Jam.- Rum- Versch. 450 Die bek. Süskind- Liköre 38% Ltr. M. 2.95 9 " 3.20 4.20 9 4.45 99 4.45 8 la Jam.- Rum- Verschnitt( Teerum) 55% Ltr. M. 5,20 Alle Preise sind mit Steuer Kostproben gratis Ausschank direkt vom Faß Likör- Fabrik u. Weingroßhandlung Eduard Süsskind Hauptgeschäft: Brunnenstr. 42-43 Moabit: Wilsnacker Str. 25, Ecke Birkenstr. Berlin SO: Koppenstr. 87 Charlottenburg: Friedrich- Karl- PL 5 Neukölln: Berliner Str. 13 Mar Weinverkauf Neu eröffnet: Steglitz, Schloßstr.121 Unreiner and Sommmppreffen Berr Dr. meb. S. in 8. Dat mit Obermeyer's Medisinal Serba- tife eralett Der St-65, 80% verstärkt bel unreinem eint prächtige Erfolge Mt. 1- Sur Nachbehandlung ist Berba Creme besonders zu empfehlen. Bu haben in allen Apotheken, Drogerien uud Barfümerien P. Simmel Der Mann, der diese Worte schreibt, Jst noch bis dato unbeweibt, Doch nie' ne Frau nimmt dieser Mann, Die nicht mit Landbu backen kann. Kauft Landbu- Margarine, lest Landbu- Männchens Abenteuer, die neue spannende Halbmonatsschrift Monatsgarberabe, BOR feinsten Bindhorf Möbeltischleret, Brunnen. Ravalieren wenig getragen, teils auf ftraße 162, vertauft direkt an Brivate Geibe gearbeitete Jadettanalge, Frad Möbel. Großläger in Speifeaimmern, anzige, Smolinganallge, chrodanzüge, Serrenzimmern. Schlafzimmern, Rüchen, Qualitätsarbeit aller Cutawans, außerdem ein Boften wenig Einzelmöbeln. getragener interpaletsis au ftaunend billiaft. Befuch unbedinat lohnend. billigen Breifen. Gelegenheitstäufe in Bolsterteller, Srautstraße 2, Gabriel Sportpelsen, Gehpelaen, Belgmänteln. Mar- Straße 4. Unibertreffbare, bildBelajaden, Alfen aller Art auffallend schöne Chaiselongues. Raftenruhebetten, billig im Beihhaus Lomici, Brinzen Bolsterauflagen, Metallbetten, Feldbetten. freake 105, eine Treppe. Bochenabzahlung. Berleth botheleganter Gefellschafts Analge Beibhaus Lowidi. Bringen ftraße 105. Bettenverlauf! Neue Betten 17.50! Musikinstrumente Klaviere, tabellofe Berarbeitung, lang22.50! 27.501 Brachtvolle 30.- 1 37.501 jährige Garantie. Teilzahlung gestattet. Co., Brunnenstraße 191, 42.- 1 Einzelfiide! Reine Zombarb. Serer u. mare. Bettwäfdje! Gardinen! Tü. 1. Etage, am Rosenthaler Blak beden!( pottbillig. Seibhaus Brunnen Bianes preiswert. Klaviermacher Straße 47. Lint. Brunnenstraße 35. Bots Staunenerregend! Silbermölfe! Drei- Bianos, Flügel, erftfiaffiges FabriBig! Rreusfilchfe! Fünfzehn! Robel- tat bequeme Rahlungsbedingungen. fülchfe! Stuntsfragen! Monatsgarbe. Römhildt-.- G.- Goege, B. 9, Brachtteppide 24,-! Betten, damerstraße 126. Stand 88,-! Gardinenlager!( Reine Berfagware.) Bequemfte Teilzahlung! Bfanbleibhaus Schönhauser Allee 115 zobe! ( Nordring). Fahrräder Dürkoppfahrräder. Berkaufsitelle: #isd Fahrräder 50,-, Freilaufräder 55,-, 60,- Lurusräder, Farbenemaillierung, Sändler, Saufieret, Wiederverkäufer. 78, 85,- Teilschlungen! Branden Ber einmal bei mir fauft, bleibt bau- burgftraße 4, Sochbahnfiation Bringen ernder Runde. Fragen Sie Ihre Rol- firane. Tegen! Sämtliche Kleiderftoffe, Mantel foffe, utterftoffe und Seidenstoffe ftets Bager. Einige Beispiele: Flanell 085, Rnoch. Gneifenaustraße 111. Günstigste Mollpopeline 2,50, Ottomane 3.75, Fou Tarbine 1,65, Damaffee 2,85, Glangfeide 3.50, fomie hunderte anderer Kleiderftoffe. Besichtigung ohne Raufawana. Sie werben boch mein Runde! Rak, Friedrichstraße 235, gegenüber Linden. markthalle. Marfiliusfitake 2, eine Treppe, an der Großen Frant e, faufen Bedingungen. Kaufgesuche Febrräder kauft Linienſtrake 19 Unterricht Sie Winter- Belleidung für Damen und Technische Privatschule Dr. Werner, Serren auf Teilsahlung befonders preis- Regierungs- Baumeister, Berlin, Neanwert. Mäßige Anzahlung, eine Raien. derftrake 3. Maschinenbau, Elektrotechnit, Sochbau. Abendlehrgänge, Taceslehrgänge. Möbel Maschinenbau, Elektrotechnik, Tageslehrgänge, Abendlehrgänge. Privatfhule Diplomingenieur Stellmacher, Friedrichytraße 118. Semesterbeginn Oftober. Möbeltrebit unb bar an jedermann Heine Anzahlung. Gärifa. Stralauer plak 1 Schlefifcher Bahnhof. Teilzahlung. Möbel feber Art. Ge ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. Sonckfurfe. Englisch, Französisch, Möbelhaus Luifenftabt, Röpenider Deutsch, Korrespondenz, Auslandsstudi traße 77/78 Ede Brüdenftraße. um. Urbanstraße 176. Antleidefchränke 110.-, englifche Bett Hellen 48. Blülffofas, Cinzelmöbel. Verschiedenes Rahlungserleichterung. Stein, nur An flameritrake 20. Gale für Vereine, fauber renoviert, Metalbetten, Auflegematragen, Ba- fehr folide Preise, nur fitz Lichtgeld, tentmatragen, Chaiselongues, Tape vergibt Rellers festfäle, Roppenstr. 20. aierer Walter, Stargarderfte. achtzehn. Möbelfpeicher. Neue und gebrauchte Teilzahlung ohne Auffahian. Generalvertreter Burghardt& Bohne, Berlin, Landsberger Str. 95 komitraße 95. Geöffnet bis 7. Verkäufe Telephon: Amt Königstadt 176 u. 1630 Arbeitsmarkt Stellenangebote Rüchen jeber Größe, verfchiebener Farben, Abwaschtische, Defenfa ränte, Elektro- Mechaniker file Licht b Billigfte Bezugsquelle für alle Litöre, Monatsgarderobe, Lothringerstraße 56, Schuhschränke, billig. Möbelhaus Ra Starter- Arloren Bon merling. Raftanienallee 56. und Altu- Badestelle Beine und Spirituosen. Märtische Litör- eine Treppe, Rofenthalerplak. fabrit, Neukölln, Bürknerstraße 6. Millionären, Aerzten, Anwälten turze Möbelforgen! Bei Lechner borgen! gefucht. Es wollen fich nur Leute melTeppich- Reschke verkauft fpottbillige Bettfebern, fullfertig, auch ungeriffen, Beit getragene Ravaliergarderobe, fabel Möbel- Lechner, Brunnenstraße 7, Liefe- ben, bie Autodynamos aller Art repa Teppiche, Brilden, Bettoorlagen, Diwan- aus erster Hand. Paul Baegelow mäntel, baft billige Breife. Anzüge, Taillen- rant der Berliner Beamtenvereinigung. tieren fönnen und langjährige Braris Paletots, Frad, Smoking, deden ufm. Teilzahlung gestattet. Briezen, Oderbrud 40. M3- Ma- Mabel find bekannt, überall baben. 10-12 vormittags. Sodenholz, Gehrodanzüge, Sofen, elegante Sport in Stadt und Sanb. Möbel- Magazin Wilhelmstraße 6. Neukölln, Raifer- Friedrich- Straße 5. Gehpelze. Rein Raufawang. Beitester Berlin, Invalidenstraße 131, Sof, am Bekleidungsstücke. Wäsche asw. Beg lohnend. Bitte genau Saus Stett. Bahnhof. Teilzahlung defbattet. nummer 56 beachten. Moebel- Boebel, Oranienstraße 58( toPerfekte Leihhaus Friebrichstraße 2. Gelegen rikplak). Fabrikgebäude. Aeukerft nie Getragene Serrengarderobe, tabellos erhalten, Gelegenheitstäufe in Bela- heitsläufe: Sportpelse, Gehpelae. Bela brige Breise für einfache und elegante Flachmaschinen-, Jacquardmaschinenwaren, große Auswahl, billige Breife, mäntel, Belajaden, fühle aller Art, Galafzimmer. Sveifeaimmer, Serren enorm billig! Spottbillige Angebote: simmer, Rüden, Bücherichränke, Schreib Raumann- Rahmaschinen für Sausge. Leibhaus Spiegel. Chauffeeftraße 7. brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re Schuhwaren für Herren, Damen und Anzüge, Ulster, Baletots, Sofen, in tifche, Büfetts. Anrichten, runde Tilde paratur- Werfitatt Standuhren, Antieibeldrante, alle Gr. für alle Snfteme Rinder au billigsten Breifen gibt ab befter Berarbeitung. Emil Salbarth 6. m. b.$.. Friedrid Martus, Wallnertheaterstraße 28. Fahr. Berleih Don Gefellfhaftsanzügent, Ren, Sofas, Ruhebetten. Rraße 55. Rettur 6268. geld wird vergittet. Brunnenstraße 4, Norden 5177. Rahlungserleichterung. Seikzeuge( Sichter- Bräsifion), Sicher heits- Goldfülfeberhalter. Bureaubedarfs Lindner, Neukölln, Friedrich- Straße 36/37. haus Raifer Eventuell und AchtschlossmaschinenStricker werden sofort eingestellt. Kaufman& Jabkowski, Berlin, Seydelstr.29 Nr. 487 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Moderne Verkehrsgestaltung. Eines der wesentlichsten Merkmale der fortschreitenden Rationalisierung des Verkehrswesens ist die Elektrifizierung der Eisenbahnen, der Uebergang vom Dampf zum elektrischen Betrieb. Diese gewinnt allenthalben in der Welt schnell an Bedeutung. Demnächst soll in den Bereinigten Staaten ein entschiedener Fortschritt in dieser Beziehung geschehen. Die Leiter der bekannten Schweizer Elektrizitätsfirma Brown Boveri u. Co. und der Schweizerischen Lokomotivwerfe befinden sich seit einigen Tagen in den Bereinigten Staaten, um mit mehreren großen Bahn gesellschaften Elektrifizierungsprojekte zu beraten, die insgesamt einen Rapitalaufwand von faft einer Milliarde Mart erfordern. Auf Anregung dieser Eisenbahngesellschaften wurde die American Boveri Electrical Co. mit 13 Millionen Dollar Aktienkapital gegründet, der praftisch die Ausführung der Elektrifizierung zufallen wird. Die Beteiligung einer europäischen Firma an diesen Projetten ist geschehen, um das Monopol des großen nordamerikanischen Elektrizitätstrufts zu brechen und um technische Neuerungen europäisojen Ursprungs bei der Elektrifizierung zu verwenden, für die der Trust tein Berständnis zeigte. Gleichzeitig bewerben sich eine englische und eine französischSpanische Rapitalistengruppe um die Elektrifizierung der ungari chen Bahnen. Augenscheinlich hat die zweite Gruppe die meisten Aussichten, da sie bereits große Teile der ungarischen Elektrizitätswirtschaft beherrscht. Die dabei führende französische Loucheur. Gruppe hat fürzlich die Bhöbus- Elettrizitätswerte erworben, die die Umgebung der ungarischen Hauptstadt mit Strom versorgen. Außerdem ist es ihr gelungen, den ungarischen Trust für elektrische und Berkehrsunternehmungen unter ihren Einfluß zu bringen. Dieser Trust befigt zahlreiche ungarische Elektrizitätsmerke. Falls die französisch- Spanische Gruppe den Elektrifizierungsauftrag tatsäch lich erhalten follte, würde sie auf Grund ihrer Borerwerbungen die ungarische Elektrizitätswirtschaft größtenteils beherrschen. " Schließlich schwebt auch in Belgisch Kongo ein großes Elektrifizierungsprojeft. Im vorigen Jahre hat der belgische Rolonialminister eine Kommission berufen, welche die Möglichkeit der Elektrifizierung der Kongobahn prüfen sollte. Die Kongobahn verbindet den Hafen Matadi mit dem Hauptorte Léopoldsville der Rolonie. Sie ist in ihrem jeßigen Zustande derart überlaftet, daß neuerdings der Güterverkehr rationiert werden muß. Die Kommission hat die Möglichkeit der Elektrifizierung bejaht. Zur Stromgewinnung fönnen die Kongofälle zwischen Ausgangs- und Endpunkt der Bahn benutzt werden. Die Rationalisierung des Verkehrswesens betrifft natürlich nicht mur die Eisenbahnen. Sie wirkt sich auch in der Schiffahrt aus. Die Weltschiffahrt befindet sich bekanntlich in einer schweren Krise. Seit Borfriegszeiten hat das Fassungsvermögen der Weltflotte sehr start zugenommen, während die Güterbewegung zur See geringer geworden ist. Große Teile der Weltflotte sind deshalb beschäftigungslos bzw. nur teilweise beschäftigt. Gegen alle Widerstände sezt sich trozdem das Prinzip durch, die Ueberproduktion durch weitere Ueber. produktion zu überwinden. Das heißt, daß die kapitalstarten Schiffahrtsfirmen neue Schiffe vorteilhaftester Ronstruttion bauen laffen, um durch deren Konkurrenz die technisch rückständigen Schiffe abzudrängen. Indem man solcherart veraltete Produktionsmittel brachlegt und zum Abbruch zwingt, hofft man die Konkurrenz im ganzen zu vermindern. Die Times" behaupten, daß die modernen Schiffe eine solche Rationalisierung des Seeverfehrs herbeiführen berden, daß selbst die jetzigen niedrigen Frachtsäße eine Rentabilität Ser in Schiffsneubauten investierten Kapitalien gewährleisten. Eine Verkehrsrationalisierung besonderer Art wird sich wahrscheinlich aus der Verbindung von Schiffahrt und Luftfahrt ergeben. In gewissen Grenzen bedeutete die in den letzten Jahrzehnten geschehene Beschleunigung der Schiffahrt bereits eine Berschwendung. Ein Schiff mit schnellerer als sozusagen normaler Geschwindigkeit fahren zu laffen, erfordert unverhältnismäßig größere Aufwendungen an Betriebsmitteln, erfordert eine Beschränkung des Nußraums der Schiffe für Betriebszwede. Infolgedessen stellt gerade der Betrieb der schnellen Schiffe durchaus feinen Fortschritt ratio: neller Methoden, sondern sogar das Gegenteil dar. Abgesehen von Rivalitätsgründen der verschiedenen Reedereien mar für die immer weitere Beschleunigung der Schiffahrt in erster Linie das Bedürfnis des verhältnismäßig fleinen Prozentjages eiliger Reisender maß gebend. Von der Entwicklung des Uebermeer- Flugwefens erhofft man nun, daß sich die eiligen Reisenden dem neuen Verkehrsmittel zuwenden werden. Dann könnte die Geschwindigkeit der Seeschiffe auf das rationellste Maß zurückgeführt werden, was gleicherweise eine Erleichterung wie auch eine Berbilligung des Reifens zur See ermöglichen würde. Donnerstag, 15. Oktober 1925 Russenvertrag und Russenkredit. Die Hoffnung auf höhere Getreidepreise.. So erfreulich der Abschluß des deutsch- ruffischen Handels. vertrags für die wirtschaftliche Annäherung der beiden beteiligten Völker ist, so sehr muß man sich doch vor voreiligen Hoffnungen hüten. Die Bedeutung Rußlands für den deutschen Außenhandel ist gegenüber der Borkriegszeit nicht nur deshalb zurückgegangen, weil die wirtschaftliche und politische Umwälzung in Rußland und Katastrophen wie Mißernten nachteilig auf den Außen handel wirften. Bielmehr bleibt auch die Tatsache bestehen, daß ein großer Teil des deutschen Exportes nach Rußland vor dem Kriege nicht in das heutige Sowjetrußland ging, sondern in die jetzt von ihm abgetrennten neuen Staatengebilde. Die nachstehende graphische Uebersicht, zeigt das aufs deutlichste. Deutschlands Ausfuhr nach Rußland 1913, 1923 1924 880.9 Rußland, einschl. Randstaaten u.Polen In Millionen Reichsmarke Sowjet- Rußland" Randstaaten Polen 538.8 513.6 75.8 90.9 140.3 121.0 322.7 301.7 Z 1913 1923 1924 Man erkennt, daß der größte Teil der deutschen Ausfuhr nach dem Osten in den Jahren 1923 und 1924 nach Polen und den Rand. staaten ging, und daß der Anteil Sowjetrußlands sehr gering ist. Allerdings ist der Export nach Sowjetrußland während der beiden letzten Jahre von 75,8 auf 90,9 Millionen Mart angewachsen. Die Bahlen sind der deutschen Reichsamtlichen Statistit entnommen. Nach dem neuen Kreditabschluß soll allein in den nächsten Monaten für 100 Millionen Mark Ware nach Rußland ausgeführt werden wenn die Ruffen auch wirklich kaufen. Als wir in einer furzen Würdigung des Russenvertrages darauf hinwiesen, daß der 75- Millionen- Kredit der deutschen Banken es den Ruffen ermöglichen soll, ihre Getreideegporte zurüdzuhalten, bis am Weltmarkt bessere Getreide preise eingetreten sind, da verfiel die ,, Rote Fahne" in die von Moskau vorgeschriebenen Schreiträmpfe und erflärte das für eine Vorwärts"-Heze. Nun tann man zwar einem kommunistischen Redakteur das Maul verbinden, nicht aber einem amtlichen Organ der russischen Handelsvertretung. Denn im Gegensatz zu der Aufregung der Roten Fahne erklärte der Leiter der Handelsvertretung der UDSBR. K. Begge, einem Vertreter des Eildienst Osteuropa folgendes: Das Kreditabkommen mit dem unter Führung der Deutschen Bant stehenden Bankenkonsortium ist unsererseits durch die Konjunttur auf dem Getreidemarkt begründet, die in diesem Jahr ein sehr eigenartiges Bild bietet und noch nicht völlig geklärt ist. Die Verhältnisse auf dem internationalen Getreidemarkt zwingen uns, das Getreide vor der Hand zurückzuhalten. Zweck des Kreditabkommens ist es, die Kontinuität unserer Importoperationen tro der zeitweiligen absichtlichen Verringerung unseres Getreideer portes in gewissem Grade zu sichern. Die Kurzfristigkeit des uns gewährten Kredites bietet allerdings der völligen Ausnutzung des Kredites gewisse Schwierigkeiten. Wir find jedoch nach einer Abhaltung einer Reihe von Konferenzen entschlossen, den Kredit nach Möglichkeit voll und ganz auszunugen, wobei wir damit rechnen, daß diesem ersten Abkommen andere für uns leichter auszunukende folgen werden. Rußland hält also seine Getreideausfuhr zurüd und steigert damit die Weltmarktpreise. Das aber ist es, was die deutschen Agrarier wünschen und deshalb haben wir die Kreditation als eine Stüßungsaktion für die deutschen Agrarier bezeichnet wie man sieht, selbst nach russischem Urteil zu Recht Aber man braucht sich nicht einmal auf die Worte des russischen Handelsvertreters zu berufen, Berichte vom internationalen Getreidemarkt wissen nämlich zu melden ,,, daß die Befestigung an der Chicagoer Getreidebörse zum großen Teil auf die plötzliche Wendung an der Berliner Börse zurückzuführen ist, wozu die Nachrichten über ruffische Rüdfäufe bereits nach England verschifften Getreides beitrugen. Die eigentliche Exporttätigkeit Rußlands hat tatsächlich in der abgelaufenen Woche sehr nachgelaffen." Die Rote Fahne", die ihren Lesern derartige Berichte ge= fliffentlich verschweigt, will nun den Anschein erweden, als ob nur die Zölle und die Einfuhrscheine die inländischen Getreidepreise in die Höhe trieben. Sie tut das wider besseres Bissen. Denn sie weiß genau so wie wir, daß der Weltmarktpreis von den 3oden un ab= hängig bleibt, daß diefer zunächst den inländischen Preis bestimmt, und daß zu ihm noch obendrein die Zollprämie als Auffchlag hinzukommt. Wenn also jetzt die Weltmarktpreise für Getreide durch den Russenkredit in die Höhe gtrieben werden, so hat das zunächst mit den Zöllen gar nichts zu tun, denn diese wirken bei hohen und bei niedrigen Weltmarktpreisen. Dann aber werden eben die Kredite an Rußland zur Stügungsaktion für die deutschen Agrarier, das ist eine Nebenwirkung, die den deutschen Kommunisten unbequemer fein mag als ihren Moskauer Brüdern, die zu leugnen jedoch zwecklos und überflüssig ist. Gelder, das sind die auf längere Zeit verfügbaren Kaffenüberschüsse Gelder, das sind die auf längere Zeit verfügbaren Kaffenüberschüsse| nahmen und mit Zinsverzichten von Staatsstellen ebensowenig bei der Finanzverwaltungen und der Reichspoft, der Preußischen Seeder Finanzverwaltungen und der Reichspoft, der Preußischen See- zufommen ist wie der Preislamine, die das wirtschaftshandlung und wenigen anderen Kreditnehmern um etwa 1 Bro3. politische Pfuschwert des Zolltarifs und die lückenlose Kartellherrschaft billiger überlassen wurden. Der Staat, d. h. die Gesamtheit der Industrie zur Ursache hat. Wie hier nur die schleunigste Kor verzichtete also auf Zinsgewinne, die natürlich in geringeren Ein- rettur der begangenen Fehler helfen kann, die die lückennahmen der Finanzverwaltung und in geringeren Ueberschüssen der lose Kartellmauer der Industrie selbst zum Einsturz bringt, so fann Reichsbetriebe sich äußern und in höhere Steuerbelastung gegen den Zinswucher der Bankkartelle nur die Aufhebung fich verwandeln mußten, wenn die Binsfenfung nicht auch in der Kreditrationierung und eine vorübergehende aber der Industrie und Landwirtschaft weiter wirfte. ausreichende Diskonterhöhung der Reichsbank helfen. Man muß nur nach wie vor die sorgenvolle Hoffnung aussprechen, daß es damit nicht so lange dauern möge, bis es wieder einmal zu spät ist. Inzwischen scheint es, daß sich bestimmte Uebermeer- Flugprojefte der Ausführung nähern. Man spricht allen Ernstes von einer Luftverkehrslinie Lissabon- Buenos Aires. Aus Groß fonnte die Wirkung an sich nicht sein; dafür sind die Beeinem Bericht von Dr. Perlewig- Hamburg im Ibero- Amerikanischen träge zu gering und die Basis ist zu groß, auf der sie wirken sollten. Archiv" ergibt sich, daß dieser zur Vorbereitung dieses Flugprojektes Bei der Preußischen Seehandlung, wo sich die Gelder in der Hauptim vorigen Jahre eine meteorologische Studienreise nach Süd fache sammelten, verwandelte sich das eine Prozent schon in ein amerifa unternommen hat und in der Lage war, für die Luftfahrt Biertel Brozent, um das sie erstklassige Warenwechsel billiger auf dieser Strede einen genauen Flugplan zu entwerfen. Zunächst soll sich dieser Verkehr auf die Beförderung von Bost beschränken. hereinnahm. Auch diese kleine Ermäßigung der Kreditkosten fam Aber schon die regelmäßige Luftpoftverbindung zwischen Europa wieder gerade nur denen zugut, die die Ermäßigung am wenig und Südamerika würde den Geschäftsverkehr zwischen diesen Gesten brauchen, den allerbesten und sichersten Firmen, denen die bieten wesentlich vereinfachen und verbilligen. Schließlich darf auch die Ausdehnung des Automobilverfehrs als ein Stüd Rationalisierung des Verkehrswesens gewertet werden. Für die Automobilisierung" der Erde sind vor läufig immer noch die Zahlen der Bereinigten Staaten maßgebend. Dort waren am 1. Juli dieses Jahres 17 548 377 Automobile registriert, 2 108 407 mehr als am gleichen Tage des Vorjahres. Bon einer Ueberfättigung des nordamerikanischen Automarktes tann also nicht gesprochen werden. Für die Automobilproduktion in den Bereinigten Staaten feien nur einige Zahlen gegeben. Produktion 1916 1920 1923 1924 Stüd 15° 3 600 2 205 200 4 013 700 8 558.500 2173 077 1925( 1. Hälfte) Für das ganze Jahr 1925 erwartet man eine Automobilproduktion von 4 345 000 Stüd, also eine Berdoppelung gegen das Jahr 1920. Das Flasfo der Zinssenkung. etzDie Absicht der Regierung Luther, die Kosten für Wirtschaftstrebite zu senken, war dem Wunsche nach vielleicht die ehrlichste von allen Breissenfungsabfichten, der Wirkung nach wäre sie die wichtigste gewesen. Denn die hohe 3ins spanne, die die privaten Banten sich gutschreiben, ist eine schwere Last für die Industrie Darüber sind die Unternehmer einig, wo sie nur unter sich find. Aber die von den Berliner Großbanken geführten deutschen Bantiers haben auf den bescheiden- demütigen Wint ihres Ranglers zwar verbindlich lächelnd, aber ungweideutig abgewintt. Und dabei ift es geblieben. So blieb dem Kangler ber großen Gesten und schlimmen Taten such hier nichts übrig, als fo zu tun, als ob etwas ge. shahe oder geschehen wäre. Es blieb dabei, daß die öffentlichen Großbanten querschreiben. längerer Zeit überhaupt feine von den Banten mit ihrer UnterWie nun festgestellt worden ist, hat die Seehandlung seit schrift versehenen Wechsel mehr angetauft, weil sie dafür kein Geld hatte, und nachdem sie wieder Geld hatte, diskontierte sie die Wechsel nicht wie versprochen zu 8%, fondern zum Reichsbantsat von 9 Proz. oder bestenfalls zu 87% Proz. Wie das Berliner Tageblatt" hört, begründet die Seehandlung das damit, daß sie ihren Lombardfat um ½ Proz. ermäßigt habe, und daß dadurch die Zinssenfung für Bechsel nicht mehr möglich sei. Das ist ein außerordentlich interessanter Tatbestand. Wie das ,, Berliner Tageblatt" mit Recht hervorhebt, handelt es sich bei den Bombardsägen um Marktpreise für tägliches und Monats. geld, die durch Angebot und Nachfrage reguliert werden. Die Seehandlung hat also die Lombardsäge ermäßigen müssen, einfach weil sie eine mittonfurrierende Bant ist. Die Senkung der Einnahmen, die ihr daraus erwächst, trägt sie aber nicht selbst, sondern schlägt sie durch die Beseitigung der prozentigen 3ins sentung auf die mit öffentlichen Geldern angetauften Wechsel. Nun ist die Seehandlung als Bant entweder dazu ge3wungen. Sie muß ja auch Gewinne machen, um die vorjährigen Berlufte gutzumachen. Dann braucht die Seehandlung die Zinsen auf, auf die die Staatsverwaltungen und die Reichsbetriebe zu Zweden der Kreditverbilligung für die Wirtschaft verzichtet haben, und die Binsverbilligung der öffentlichen Gelder war über flüffig. Oder die Seehandlung hätte es als Bant nicht nötig, fie dürfte es auch nicht nachdem sie die Zinsermäßigung feft zuge. fagt hatte, dann durchkreuzt die Seehandlung die Binsfentungsaftion der Reichsregierung. In jedem Falle ist damit auch das Wenige an Kreditverbilligung, das die Luther Regierung zu schaffen fähig fchien, ein Fiasto. Bie es auch lei, as erweist fich auch für die zentrale Frage des 3insmonopols ber Privatbanten, baß ihr mit Regierungsmaß Die Zinsfäße für öffentliche Gelder der Kommunen und Kom-. übereingekommen, bei der Ausleihung ihrer verfügbaren Gelder an munalverbände. Die Kommunen und Kommunalverbände sind die mit der Weitergabe betrauten Girozentralen und Spar fallen bis auf weiteres feinen höheren Binsfag zu fordern als 7% Pro 3., mit der Maßgabe, daß diese Institute sich verpflichten, diese Gelder im fommunalen Kreditverkehr im Durchschnitt mit feinem höheren Aufschlage als 1 Proz. über dem Satz von 7% Broz. meiter zu geben und in ihrem gesamten Geschäftsverkehr die Zins. fie, Kommunen oder Kommunalverbände verbilligte Kredite an marge auf einen möglichst niedrigen Sag zu beschränken. Soweit private Banken geben, sind sie zu verpflichten, die Zinsermäßi gung ihrem Kundenfreis voll zugute tommen zu lassen, widrigenfalls der Kredit sofort fällig wird. Diese Bereinbarung er. streckt sich nur auf Termingelder, nicht aber auf tägliche Gelder. Die neue große Auslandsanleihe des Kalisyndikats. Zu den Anleiheverhandlungen des Kalisyndikates mit Amerita erfährt die Ronjunttur- Korrespondenz", daß es sich hierbei um einen Betrag handelt, der sich vermutlich in der Höhe von 50 millionen Dollar oder etwas mehr bewegt. Der Zweck dieser Anleihe ist, m erster Linie das Handelsgeschäft zu finanzieren und hier wiederum das Exportgeschäft, das recht gute Erfolge bis jetzt gezeitigt hat, no zu verstärken. Die aufgenommenen Gelder sollen dazu dienen, dein Kalisyndikat einen Fonds zu verschaffen, aus dem es seinen Abnehmern bei dem Bezuge von Kali feinerseits möglichst lang. fristige Kredite geben fann. Scharfer Konkurrenztampf in der Rheinschiffahrt. In der Rheinschiffahrt ist ein scharfer Konkurrenztampf ausgebrochen. Der größte Teil der Steinkohlenverschiffung nach Holland wird in Rotterdam fontrolliert, die eine Tochtergesellschaft des Rheinischschon jetzt von der Steinfohlenhandelsvereinigung Westfälischen Kohlensyndikats ist. Nun verhandelt die Rotterdamer Firma mit Schiffseigentümern über den Erwerb von Frachtkähnen und Schiffen mit einem Gesamtinhalt von 400000 Tonnen. Der Ankauf soll zum Preise von 18 bis 20 Millionen Gulden erfolgen. Gegen diese Monopolisierung der Rheinschiffahrt durch das Rohlensyndikat lehnen sich die am 3echenhandel interessierten Reedereien auf und sie haben sich zu einer Arbeitsgemeingefchloffen. Das Ende des intereffanten Kampfes um die Monopol fchaft für das Frachtgeschäft nach holland zusammen. ftellung in der Rheinfohlenschiffahrt läßt sich natürlich nicht voraussehen, obwohl die größere Rapitalfraft fragios bei der Syndikats gefellschaft und nicht bei den freien Reedereien liegt. * Rechtsparteien und Beamte. Wo steckt das Hindernis? Bon Willy Steintopf. Die Rechtspresse hat einen neuen Kniff. Die sozialdemokratischen preußischen Minister sind über Nacht zu deutschnationalen und voltsparteilichen Kronzeugen geworden, weil der demokratische preußische Finanzminister Herr Höpfer Aschoff im Haushaltsausschuß des Landtages erflärt hat, daß zurzeit fein Weg vorhanden ist, um den Forderungen der Beamten nachzukommen". Daraus wird mit einem Salto, cuf den gewisse Tiere im 300 neidisch sein könnten, eine zweideutige Haltung der Sozialdemokraten in der Frage der Beamtenbesoldung fonstruiert, obgleich die sozialdemokratischen Fraktionen sowohl des Reichstags wie auch des Landtags flar und deutlich und ohne Umschweife für die Bewilligung der bescheidenen Forderungen der Beamten der unteren Gruppen eingetreten sind. Wir haben auch keinen Anlaß, von unseren Genoffen Braun und Sepering abzurüden, oder unsere Kritik an der Haltung der Reichsregierung preiszugeben, wie die Rechtspreffe dies gern möchte, weil zwischen der Haltung unserer Landtagsfraktion und der Stellungnahme unserer Minister im preußischen Kabinett in dieser Frage scheinbar ein Wider fpruch au getreten ist. Wie die Herren auf der Rechten genau missen, ist derartiges bei ihnen an der Tagesordnung, und zwar in Fragen, die die Lebensinteressen des ganzen deutschen Boses auf das empfindlichste berühren. Jetzt schließen sie von sich selbst auf andere. Mit Unrecht! Was die Besoldungsfrage anbelangt, so steht die Sozialdemokratie nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Münsche der Beamten berechtigt find und erfüllt werden müssen. Dies um so mehr, als es sich lediglich darum handelt, die ärgste Not der unteren Gruppen zu lindern, die durch die Zoll- und Steuerpolitik der deutschnationalen Reidsregierung noch vergrößert worden ist. Dabei ist es durchaus denkbar, daß auch eine Landesregierung, in der Sozialdemokraten fizen, unter dem Druck des deutschnationalen Reichsfinanzministers in der Frage des Finanzau 5= gleichs fich genötigt sieht, wohl oder übel den Standpuntt Der Reichsregierung zu teilen. Wie dieser Stellungswechsel zustande gekommen und ob er berechtigt ist, ob der Drud des Reichsfinanzministers nicht über das zulässige und für die Länder erträgliche Maß hinausgegangen ist, und was nun zu geschehen hat, das wird allerdings in den Fraf: tionen der Parteien der Länderregierungen noch zu flären fein: Fest steht jedenfalls, daß die Finanzierungsfrage im Reich feine Schwierigkeiten bereitet. Die Finanzierungsfrage in den Ländern wird sich daher auch lösen lassen. Im übrigen ist die Stellungnahme der Länder in der Besoldungsfrage von sekundärer Bedeutung. Wie auch die Herren der Rechten wissen, besteht nach wie vor das Be foldungssperrgefeß, dessen Leben ja gerade sie ver längert haben. Den Ländern wäre es also, felbft menn fie Beschlüsse zugunsten der Beamten faßten, einfach ein Ding der Unmöglichkeit, diese in die Tat umzusehen, sobald der Reichsfinanzminister" nein" sagt. Und daß Herr v. Schlieben dant der Unterstügung der Rechtsparteien im Reichstag ,, nein" fagt, wissen die Heuchler auf der Rechten ebenso wie wir Es ist und bleibt Tatsache, daß die Entscheidung über eine Erhöhung der Bezüge der Beamten des Reichs, der Länder und Gemeinden nach wie vor im Reichstag fällt. Hier haben aber die Rechtsparteien zusammen mit ihren Koalitions freunden alle ihre tausend Versprechen schmählich im Stich gelaffen und„ nein" gesagt, obwohl die Erfüllung der Forde rungen nachweislich ohne jede Mehrbelastung der Steuerzahler möglich gewesen wäre. Würden sie im Reichstag ihre Ber fprechen eingelöst und den Reichsbeamten geholfen haben, so unterliegt es feinem Zweifel, daß die Länder, die ja zur Hilfe bereit waren, Wege gefunden hätten, für ihre Beamten dasselbe zu tun. Dies ist aber an der Weigerung der Rechtsparteien gescheitert. Das Manöver, das jetzt aufgeführt werden soll, ist also zu durchsichtig, als daß es verfangen könnte. Die Biedermänner auf der Rechten versuchen die Dinge zu verschieben, den Beamten wird dabei wieder einmal die Rolle der Dummen zugemutet. Wenn der deutschnationale Reichsfinanzminister Die noch immer bestehende finanzielle Abhängigkeit der Länder benutzt, um von ihnen unter schärfstem finanziellen Druck die Stügung feiner Weigerung zu erzwingen, so bedeutet dies auch nicht die geringste Abschwächung einer Verantwort lichkeit für das Fortbestehen des Elends in den unteren Be amtengruppen. Dasselbe gift von den Reichstagsparteien, die ihn stügen. Deshalb find sie einzig und allen die Schuldigen. Daran wird auch nichts geändert, wenn ein volksparteilicher Abgeordneter in der Presse als weiteren Kronzeugen zugunsten des Reichsfinanzministers den Genossen Ministerialrat Dr. Staudinger heranzieht, von dem er ganz genau weiß, dieser nicht feine eigene Meinung fundgab, sondern namens und im Auftrage feines Borgesetzten, des deutschnationalen Reichswirtschaftsministers Neuhaus gehandelt und gesprochen hat, und als Reichsbeamter hierzu verpflichtet war. Frauenveranstaltungen: Abt. 124a Mahlsdorf- Süd. Freitag, den 16. Oktober, 8 Uhr, Frauenabend. 137. Abt. Reinickendorf- West. Donnerstag, den 15. Oktober, 7½ Uhr, im Bolks haus Scharnweberstraße, Vortrag der Genoffin Liljeberg über ,, Die Stadt verordnetenwah!". * Meinung der Rechtsparteien vereinbar, daß den Beamten der unteren Gruppen, die ebenso wie jeder ehrliche Arbeiter bei einem nerkannten Elendslohn und sehr langer Dienstzeit im Produktionsprozeß stehen und im Schweiße ihres Angesichts den Hunger mit ihrem Speichel hinunterschlucken müssen, ihre Lage erleichtert wird. Und wenn, wie z. B. bei Betershagen, Fredersdorf und Bogelzbork, der Reichs post die Mittel für sie bereits bewilligt sind, infolge der Weigerung des Reichsfinanzministers aber nicht ausgezahlt werden dürfen, so spielt das für das„ Rechtsempfinden" jener Barteien feine Rolle. Sie wollen eben nicht. Wähler- Kundgebungen Sonnabend, den 17. Oftober, 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal Graßmann, Petershagen, Dorf. straße. 1. Vortrag des Genossen Adolf Hoffmann über Die Zusammen legung der Ortsgemeinden". 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Um rege Beteiligung und pünktliches Erscheinen bittet der Borstand des Wahl. vereins Petershagen. Einheitsverband sezialistischer Unternehmer. Heute, Donnerstag, den 15. Ofto. ber, 7% Uhr, im Rosenthaler Hof. Rosenthaler Str. 13-14, Monatsver fammlung. Refcient Genofie Stadtrat Brühl. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Gebt die November- Monatsprogramme ab. Proletarische Feierstunde am Sonntag, den 8. November, im Großen Schau fpielhaus, vormittags 11 Uhr. Karten sind zu haben im Jugendsekretariat. heute, Donnerstag, 15. Oktober, 7% Uhr abends: Friedrichshain( 34. Abt.): Commeniusfäle, Memeler Str. 67. Halensee: 8 Uhr, Florasäle, Johann- Georg- Straße 20. Tempelhof: Aula, Realgymnasium, Kaiserin- Augusta- Straße. hanse: Borflade II: Jugendheim Eberswalder Sir. 10. Rimmer 11. Arbel er Biesdori: 8 Uhr, Bartsch, Dorfstraße. Heinersdorf: Lucke, Kaiser- Wilhelm- Straße. Heute, Donnerstag, den 15. Oftober, abends 7% Uhr: Gefundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2. Einführungsabend. SchönNorden: Scule Butbufer Str. 3, Bortrag Rifotin und Alkohol". dichterabend. Sübweflen: Schule Rochstr. 13, Bortrag: Was ist Sozialis mus?" Friebenen: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Dichterabend: Heinrich Seine Echmargendorf: Rathaus, Berkaer Blaz, Aussprache Gaat und Kirche Lichterfelbe: Jugendheim Albrechtstr. 14a, Hermann- Löns- Abend. Redner: Dittmer, Dr. Kawerau, Klodt, Marie Kunert, Cem- Rehlendorf: Südschule, Wilhelmftraße, Bortraa:„ Selbſterziehung". pert, Oppel, Rohde. Freitag, den 16. Oktober, 7%, Uhr abends: Prenzlauer Berg: Ledigenheim, Pappelallee 15 Schöneberg- Friedenau: Bürgersaal, Friedenau, Rathaus am Lauterplay. Steglig: Gymnasium, Heesestraße. " Werbebezirk Obesfpzee: Jm Jugendheim, Straße am Faltenberg 117, Mädchenarbei's emeinschaft: Die Frau in der Mythologie". Werbebesisk Rentölu: Jm Jugendheim Canner Straße Ueben zur Revolutionsfeier. Erscheinen aller Genossen und Genossinnen ist dringend notwendig. Spandau: Restaurant Markthalle. Bichelsdorfer Straße. Lichtenberg, Anabenmittelschule, Marktstraße. Mahlsdorf: Restaurant Nordstern, Hönower Straße. Redner: Ud. Hoffmann, Gertrud Sanna, Culfe Kähler, Cempert, Leimbach, Peters, Reimann, Rosemann, Stelling, anaefekte Berfemmlung in der Siegfrieditraße fällt aus. wendt. Tagesordnung: Warum muß Berlin am 25. Oftober fozialdemokratisch wählen? Frauenkundgebung Vorträge, Dereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsste Le Berlin G 14. Gebaftianfte. 37/38 Sof 2 Tr. Tempelhof: Do., d. 15., atends 7 Uhr, Antreten zum Gaalschut vor dem Boftamt Tempelhof. Lichtenberg: Die für Fr., d. 16., Excpiow: Alle Rameraden der Untergruppen Co., b. 17., abends 6% Uhr, Antreten Haupt portal Bhf. Niederfcöneweide- Sohannisthal zum Propagandaumzug. Able: s hof 6.15 Uhr Antreten Bhf. Adlershof. chrt nach Schöneweide. Fahnen mit bringen. Brenzlauer Berg, Bug 6. Do., b. 15., abends 8 Uhr. Berfammlung bei Klug, Danziger Str. 71. Kamerad Eidler spricht über die Berfaffung. -Wilmersdorf: Aug 2: Fr., d. 16., abends 8 Uhr. bei Böhm, Pafteurftr. 6. Do., d. 15., abends 716 Uhr. pollzählig mit Fahnen zum Saalfchuß. Rame zabichaft Weft Johann- Georg- Säle, Salenice; Ramerad fchaft Gild: Bittoria Luise- Schule, Wilmersdorf, Caffeiner Straße. Jeden Freitag abend 8 Uhr Pflichtteilnahme an den Mannfdafisübungen in der Oberteclfchule am See part. Die Kameraten, weldje am Republikanering in Teltow teilnehmen, fahren Sonntag, den 18., mit 77 bis Endpuntt, Marso nach Bannfcebahnhof Webbing: Sonntag, ben 18., mittags 12 Uhr, Antreten bei Müller. Fahrt nach HennigsdorŤ. Krenzberg: Sonntag, den 18., vormittags 9.15 Uhr, Antreten zur Pflicht. fahrt nach Teltow vor dem Potsd. Ringbhf.( Röthener Straße). Rarten nach Lichterfelde- Olt( 20 f.) Iöfen Charlotenburg: Sonntag, den 18., vorheute, Donnerstag, 15. Oktober, 7% Uhr abends: Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Rehlendorf Mite. Dort Saffpunkt il Uhr vormittags. Rednerin: Frau Margarete Keil * 9 Fahnenweihe nach Sennigsdorf. Köpenid: Sonntag, den 18.. nadmittags 12 nach Bunter Abend am Freitag, den 16. Oftober, mittens 8 Uhr, Antreten Bof. Jungfernheide( Gefundbrunnen umſteigen) aur abends 7 Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Straße. Uhr, Antreten mit Tambourkorps und Fahren auf dem Glasplak zum 11 hr. Antreten mit Spielmannzug bei Krüger. Fahrt nach Pankow mit Unter Fredersdorf. Untergruppen 12 Uhr Bhf. Raulsdorf. Befang, Rezitationen, Vollstänze. Ansprache Clara Bohm- ari na nochem. Gaalfduk.- 2iddenberg: Canntag, den 18, Dor Schuch, M. d. R. gruppen: Sonntag. ten 18., vormit cas 11.45 Uhr, Antreten mit Tambour torps. Banner und Fahnen Nordbhi. Wellantstraße zur Pflichtveranstaltung in Hennigsdorf. Sidwalde mit Untergruppen: Sonntag, den 18., Teltow. Neuenhagen Hoppegarten Birkenstein: Sonntag, den 18., Pflichtfahrt nach Frebersdorf; ab Hoppegarten 12.52 Uhr, ab Reuenhagen 12.56 Uhr nach mittags. Petersbagen- rebe: sborf: Sonntag, den 18., mittags 12 Uhr, Treffen bei Grchmann. Erscheinen Bilicht. Aus der Partei. Die Arbeiterpartei Jayans wird mitte Oftober ihre Gründungsperfammlung abhalten und dabei fofort Stellung nehmen zu dem Entwurf eines Parteiprogramms. Die Hauptpunkte dieses Brogramms find: Politif: 1. Allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen über 18 Jahre: 2. Abschaffung des Herrenhauses, des Geheimen Rates( beratendes Organ des Kaisers), des Generalfiabes und des Admiralstabes; 3. Abschaffung der Unterdrückungsgesetze gegen die Arbeiterbewegung. Militär: 1. Einjähriger Militärdienst; 2. Beffere Behandlung der Goldaten in den Kajernen; 3. Beffere Unterstützung für Berwundete und Hinterbliebene; 4. Abschaffung der Gendarmen. Wirtschaft: 1. Gemeinsame Kontrolle des Grundbesizes durch die Bächter( Arbeiter); 2. Nationalisierung der Zentralbanf. 3. Sicherung des Koalitionsrechtes; 4. Abschaffung des Lehrburschen Arbeit: 1. Achtstundentag; 2. Festsetzung von Minimallöhnen; instems. Sozialpolitik: 1. Abschaffung der Gebrauchssteuern für wichtige Lebensmittel; 2. Einführung der Kapitalertragssteuer und der Lurussteuer; 3. Beffere Gesundheitspolitif; 4. Arbeitslosenverficherung durch den Staat. Schulwesen: 1. Völlige Gleichberechtigung der beiden Geschlechter; 2. Staatliche Unterstügung für arme Kinder. Auswärtige Politif: 1. Abschaffung der geheimen Diplomatie; 2. Abkehr von jeder imperialistischen Politik. * Achtung, Couvorstand! Alle Rameradidaften Fr., d. 16., abends 8 Uhr, antreten Gendarmenmarkt zur Rundgebung. Arbeiterverein für Bochemie und gebensreform i. B. B. Bezirk Reutilu: Mitgliederversammlung Donnerstag, den 15. Oftober, pünktlich 8 Uhr, im Restaurant Angelrath, Glbeftr. 28. Kosthefer Baul Seifer fpricht über„ Die Krau und der Kampf gegen die 88 218/219. Eintritt nur für Mitglieder und eingeführte Reidsbund jütischer Frontsoldaten. Bezir 800. Donnerstag. ben 15. Ot'o. Ministerialrats Dr. F. Cohn über Jüdische Politiker und Staatsmänner" mit anschließendem Herren Bierabend. ber. 84 Uhr, im Bichor haus, Lauenzien, Ede Ranteſtrake, Bortrag bes Herrn Arbeiter- Robio- Slub, e. B., Rentrale: Petersburger Str. 39, 1 Tr. 4. Aus ftellung des AMA., Gendebezitt Berlin, vom 17.- 26. Otober: Bom einfach ften bis zum vollendetsien Empfangsapparat!" Sonntags Rindernachmittage von 3-4 hr. Borträge. Borführungen. Geöffnet mochentags von 5-9 Uhr, Sonntags von 12-8 Uhr. 25. Diteber: Bekanntmachung der Mahlrefultate. Bezirksgruppe Brenzlauer Berg: Donnerstag, den 15. Oftober, 8 Uhr, Ropen. Dienstag, den 20. Ottober, abends 7½ Uhr, im Sngienifmen Inſtitut der Unis bagener Str. 9. Baftelabend Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege, e. B. Gihung am verfität, Dorotheenftr. 28a. Herr Dr. Cafpari, Landeshauptmann der Proving Grenzmark Bofen- Beftpreußen: Arat und Wohlfahrtspflege". Gäfte mil. fommen. Radioflinit. Gäste willkommen. Kirche Berband Ballsgesundheim, Ortsverein Berlin. Am Donnerstag, den 15. Oftober, abends 8 Uhr, in der Schule Sfflendir. 9-11( Nähe kannowit brüde), furidt Genoffe Gustav Miller über Staat Am Freitag, den 16. Oktober, Diskussionsabend der Jugendgruppe über Das Schachfviel" Eclesierverein bezahl", Charlottenburg. Berfammlung jeden zweiten Sonntag im Monat: jeden Freitag 8 Uhr, Uebungsstunde des Gemifiten Chors im Bereinsiofol Spreeftr. 8. Würzburger Hof. Sonntag, ben 18. Oftober, Serbstfest, Berliner Str. 88, Ableris Feffäle. Beginn 414 Uhr nachmittags. Gefang, fchlefifche Vorträge und Tanz. 2ands! eute und Freunde vom Rübe zahlreich willkommen. Arbeitersport. Ramsay Macdonalds Kontinentreise. Genosse Ramiah Macbonald bat. begleitet von Lord Arnold, feine Rundreise durch Deutsch- Desterreich, Deutschland, die Tschechoslowakei und Belgien angetreten. Er erklärte, daß seine Reise nicht den geringsten politischen Hintergrund habe, sondern ausschließlich Sonnabend, den 17. Oktober, abends 8 Uhr, im total von Otto Lange. Buch, privater Art sei. Die deutiche Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei bat wegen der Mitte November erfolgenden Neuwahl beider Häuser des Barlaments den Parteitag auf den Sonnabend und Sonntag dieser Woche vorverlegt; er tagt in Aussig a. d. Elbe. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat. 2. Hof, 2 Tren. rechts, au richten. 3. Kreis Webbing. Freitag, ben 16. Oftober, nachmittags 5 Uhr, Ordner aufammenkunft an bekannter Stelle. 11. Kreis Echöneberg- Friebenau, Gonnabend, den 17, Oktober, nachmittags von 3-6 Uhr in der Spedition Belziger Str. 27 Sandzettel und Plakate abholen. Am Dienstag, den 20. Oktober, 7% Uhr, Gigung des Wahlaus. fouffes bei Rönig, Keurig, Ede Prinz- Georg- Straße. Morgen, Freitag, den 16. Oftober: 27, Abt. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich an der öffentlichen Versammlung im Ledigenheim Pappelallee 15. Wenn man aber den Zweck dieser Behandlung der unteren Parteinachrichten Beamtengruppen durch die Rechtsparteien ganz klar erkennen will, fo braucht man sich nur ihrer Stellungnahme zu erinnern, als es hieß, den Offizieren höhere Benfionen zu bewilli gen, als diesen nach ihrem Rang zukommen, und die Pensionsfürzungen zugunsten der pensionierten oder abgebauten hohen Beamten und Offiziere fallen zu lassen, auch wenn sie noch über ein großes Arbeitseinkommen verfügen. Ihr Rechtsempfinden" hält es für richtig, daß jeder Leutnant, der im Kriege, ohne je Hauptmann geworden zu sein, eine Kompagnie geführt hat, neuerdings die Hauptmannspen on, jeder Hauptmann, der, ohne je Major geworden zu sein, ein Bataillon führte, neuerdings die Majorspension usw. erhält. Und ebenso richtig ist für sie, daß z. B. ein faiserlicher General a. D., der für den größten, von der Staatsanwalt schaft verfolgten Schieber der Inflationszeit, Michael, gegen hohe Vergütung die famosen Buchergeschäfte vermittelte, trotz feiner ungefchwächten Arbeitsfähigkeit daneben von der Repu blik die ungefürzte Pension bezieht und nach Herzenslust auf fie schimpfen darf. Da wurden die Millionen zu Dußenden hingeworfen aus Rechtsempfinden. Das Bolt zahlts ja! Nicht mit diefem famosen Rechtsempfinden" aber ist nach Bekanntmachung. Das Finanzamt Greifswalder Straße auracit Alexanderstraße 48 wirb am 12, und 13. Oftober nach Schönhaufer Allee 10 11 perlegt. Die Dienst ftellen der Steuerbezirke 412 und 413. die Finanztaffe, die Bollftredungsstelle, bie Dienststellen für Schnsteuer, Straßenhändler und erhöhte Umfassteuer und der Gueraußendienst siedeln jedoch erst am 20. und 21, Oftober 1925 nach Schönhaufer Allee 10/11 über. An den Umzugslagen bleiben die vom Umzug betroffenen Dienststellen gefchloffen. Berlin, den 12. Oftober 1925. Der Präsident des Landesfinanzamts Berlin. 38. Abt. 8 Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88, Funktionärversammlung. Die Bezirksführer finden fich bereits um 7 Uhr ein. 80. Abt. Schöneberg. Alle Mitglieder nehmen an der öffentlichen Berfamm Tung der 80. und 81. Abt. im Bürgerfaal, Rathaus Friedenau, teil 101. und 102. Abt. Ereptom- Baumschulenweg. Bildungsausschus: 7 Uhr 39. Borführung missenschaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte: Die Wunder des Meeres".( Was der Forscher von feiner Tieffceftation aus auf dem Meeresboden beobachtete: Polnpen, Saie, Schiffstrümmer ufw.) ..Natururkunden aus dem deutschen Wald."( 1. Teil: Säugetiere, 2. Teil: Bogelwelt.) Karten au 60 Pf. in der Spedition Reßler, Graegstr. 50, und an der Abendtaffe. 110. Abt. Grünau.& Uhr bei Berner, Stöpenider Str. 108, Mitgliederver127. Abt. Sohenschönhausen. 7% Uhr in der Schule Freienwalder Str. 5-6 Mitgliederversammlung. Bortrag über Die Stadtverordnetenwahl". Referentin Genoffin Schenkalowstn. fammlung. Wahlangelegenheiten und Einteilung. ** Junglozialisten. Gruppe Friedrichshain: Donnerstag, den 15. Oftober, abends 7 Uhr, im Jugendheim Tilfiter Str. 4, Walter G. Ofchilewett lieft eigene Gedichte. Gruppe Neukölln I: Abends 8 Uhr im Jugendheim Rogatite. 11-12, Fortfehung des Referats über Das Wesen und die nerfchiebenen Formen der Rölle". Referent Genoffe Salernus. Gruppe Brenzlauer Berg: Abends 8 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 62 ( Baraden). Bortrag: Siderheitspatt" Referent Genoffe Otto Bach. Gruppe Schöneberg: Freitag, den 16. Oftober, abends 8 Uhr, im Sugendbeim Rubenstraße, mit der SA3. aufammen, 1. Arbeitsgemeinschafts abend: Die Anfänge der Renaissance". Die Arbeiter- Turn- und Sportvereinigung Berlin- Buch veranstaltet am ein Gaalfportfest, freiübungen der Jugend und Jungmädchen, Geräteturnen. Bereine, die davan teilnehmen wollen, wenden sich an Ernst Unnasch, Berlin. Buch, Balderfeestr. 7b. Selbstgebackener Kuchen steht sehr hoch im Nährwert! Die besten Nahrungsmittel, wie Butter, Zucker, Eier, Milch, Mehl usw. sind in ihm vereinigt und durch Dr. Oetker's Backpulver ,, Backin" zu einem lockeren, aromatisch. u.leicht verdaulichen Ganzen geformt. Diese Tatsache sollte niemand unterschätzen. Machen Sie einen Versuch mit: Dr. Oetker's 500 g Mehl Rodonkuchen 200 g Butter te 200 Zucker Tig- 1/ 4 Milch Zutaten: 5 Eier, das Weiße zu Schnee geschlagen 1. Päckchen Dr. Oetker's Backpulver Backın" 150 g Rosinen 150 g Korinthen / Päckchen Dr. Oetker's Vanillin- Zucker Salz nach Geschmack Zubereitung: Die Butter rühre schaumis, gib Zucker, VanillinZucker, Eigelb Mehl dieses mit dem Back in gemischt, Milch hinzu und zeletzt die Rosinen, Korinthen, Salz und den Eierschnee. Fülle die Masse in die gefettete Form und bac..e den Kuchen 1 bis 1 Stunden. In den Berliner Hausfrauen- Vereinen kommt nur Dr. Oetker's Backpulver, Backln" zur Verwendung, Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld Unterhaltung unö �Dissen Jtz Locarno. Vanöervelöe Stcesemana Schubert örianü Chamberlain Theodor hosemann. (t IS. Oktober 1875.) Zur Erinnerung an den Chronisten Alt-verKns. Eine alte Familientradition besagt, daß Dosemann und Menzel ein« Zeitlang das Atelier geteilt hätten. Es spricht nichts dagegen: die Art ihrer Ansänge, ihre lithographischen Lehrlingsjahre, die vor» treffliche Gebrauchsgraphik beider, die bisweilen zum Verwechseln ähnlich ist, paart die fast Gleichaltrigen in den dreißiger Iahren wie Brüder.(Hosemann ist 1897 in Brandenburg a. d. H., Menzel 1815 in Breslau geboren.) Aber in späteren Iahren stieg Menzels Stern gewaltig hoch und hat schließlich das bescheidene Lämpchcn choscmanns fast bis zum Vergessenwerden oerdunkelt. Er war halt nur ein Illustrator und Cenremaler Berliner Kleinlcutelebens. Es gibt aber heute schon Leute, denen das großartige Wesen des Fridericusmalers und Distorienziseleurs Adolf von Menzel auf die Nerven geht, und diese finden, daß man chosemann sehr zu unrecht vernachlässigt hat. Eine Ehrenrettung war has schöne unkt sorgfältige Such Lothar Briegers(1920 im Delph noerlag). Der fünfzigste Todestag des Alt-Berliner Meisters kommt uns sehr ge> legen, die Bilanz seiner Taten und seiner Zeit zu ziehen. Nein: nicht mit Menzel, sondern mit Heinrich Zille wollen wir Hcsemann in Gedanken zusammenstellen. Vielleicht hat Zille der Knabe noch den'yüen Herrn in seinen letzten Lebensjahren mal gesehen. Sein geistiger Erbe ist er gewiß: nicht bloß, weil sie beide so bescheiden als Lehrlinge in lithographischen Anstalten angefangen haben, und weil sie ihre Lieblinge aus den untersten Voltsschichten meist in schlichten Illustrationen und Einzelblättern geschildert haben. Sondern weil sie beide aus innerster Hsrzensneigung und treu nach dem Leben die soziale» Chronisten ihrer Zell geworden sind. Aber da ergeben sich schon Differenzen� Sie liegen weniger im Wesen der Küns.ler, als ihrer Zeit. In Hosemanns Jugend und besten Jahren gab es noch keinen Sozialismus, gab es in Berlin überhaupt noch keinen eigentlichen Arbeiterstand. Was er vorfand und was ihm ans Herz gewachsen ist, der vierte Stand der Bieder- meierzeit(aus den dreißiger und vierz'ger Iahren des vorigen Jahr- Hunderts), das waren die unteren Schichten der Kleinbürger. Da gibt es Hausmeister und ihr« Tochter, Schusterjungen. Erdarbeiter (und was für Prachtfigurcn: die„Rehberger* mit ihrer unge, zähmten Kodderschnauze), Köchinnen und Straßenmusikanten. Man sieht, es ich mancherlei da, was auch unserm Meister Zill« beglückt. Aber eine» fohlt: Die sozial« Einstellung zu den Entrechteten. Und dies ist das Entscheidende und ein Unterschied zweier Jahr- Kundert«. Hosemann konnte noch nicht daran denken, seinen vierten Stand als Anklage gegen hie Gesellschaft hinzustellen, durch treue Wiedergabe seiner Existenz Bei ihm. der aus ärmlichen Verhält- nisten kam und sein Lebelang ums tägliche Brot schuften muß.e, war jeder Gedanke auch an die leiseste Lpposüion ausgeschlossen. Wlr sehen in manche seiner ergrelsenden Illustrationen die lautlose Klage der Kreatur hinein, vielleicht: bei Hosemaim gibt es aber nur Klein- bürgertum und kleinbürgerlichen Humor, mit dem das Leben dieser, och so unsagbar beengten und kärglichen Seelen umhüllt und bei- nahe„vergoldet"' wird. Soziales Pathos lag Hoseinann nicht nur deshalb fern, weil es seiner Zeit unbekannt war: er halle auch ein« viel zu skeptische Seele. um an der Gesellschaft Kritik zu üben. Seltsamer Widerspruch: aus Skepsis war er kritiklos. Aber dies lost sich ganz einfach: wo- gegen er eine sehr gegründete und tiefinnere Abneigung besaß, war ein ganz anderes Zeitübel: war d:e romantische Sentimentalität der zeitgenöjsischen Bourgeoisie. War das geschwollene Pathos jener Düsseldorfer Historienkunst, die wie eine Pest ganz Deutschland mit „gemalten Unglücksfällen" überschwemmte und mit Unwahchoftigkeit vergiftete. Von hier aus wird fein Verdienst klarer, seine Neuerung erst revolutionär. Es war schon viel, paß ein kleiner kecker Lithograph in Berlin es wagte, das Volk bei seiner Arbeir und seinem Pläsier zu schildern, daß er sich weigerte, die Großen der Gesellschaft und die Geschwollenen der Geschichte darzustellen, wie alle Maler, die es zu etwas bringen wollten. Vis an sein Lebensende blieb Hosemann der Zeichner und Maler der kleinen Leute. Er erlebte das Dalein aus der Perspektive des Kellerfenster» und der Berliner Destille,' und dos eint ihn letzten Endes doch immer wieder mit Z lle. Dies« Handwerks- burfchen und„sähigen Maurer", diese genügsamen Sonntagsspießer, Sonntagsjäger und Sonntogstänzer sind seine Welt, er war als Künstler einer der ihren: und am besten ist er immer da, wo er, mit einem ganz leisen Stich ins Ironische, das Beengte und Ber- lorene ihrer Existenz mitschwingen läßt. Er vermeidet durchaus, das Leiden des Proletariats fühlen zu lassen, wie es die größeren franzä- fischen Brüder, wie es Daumier und Gavarni vermochten. Ihm ist die biedermeierliche Ausfajsung«igen, die optimistisch gutheißt, was sie schildert, weil, nach Goethe, nun einmal,„wie es auch sei, bas Leben, es ist gut." Das ist Hosemanns Zeitbedingtste t. Dx,Paul F. Schmidt. der östnör. 2) Von I a r o s l a v H u l k a. II. Dann kamen sie eines Tages vermittels ihrer Blindheit mit Nachbars Fronzl zusammen. Es war aus einer Bank im Park«. Sie sprach:„Ich heiße Anna Mrazek." Er sagte:„Ich heiße Anton Lexa, Kriegsblinder!" Es llang, als ob er einen Beruf mlttellen würde. Doch reichten sie einander nicht die Hände. Der Raum der Blindheit war ein unendlicher. Er fragte sie:„Ist Ihnen hier nicht traurig zumute?" Ei« antwortete:„0 nein!" Dann sagte sie zu Franzi:„Du kannst heimgehen, ich finde mich überall zurecht!" Und sie fuhr fort, während sich der Bursche entfernte:„Wissen Sie. manchmal wird mir's bange. Gewöhnlich, wenn ich auf der Zither spiel«. Ich erinnere mich all der schönen Ding«, die ich in Wien gekonnt Hab'. Ach, ich erkenne eine schöne Sache nach dem Klange. Ein« schöne Sache kann nicht häßlich klingen, nicht wahr? Im Prat«r war es sehr, sehr schön. Mütterchen pflegte mich zu fragen: Willst Du nicht mit dem Ringelspiel fahren? Und Ich sagte: Nein, ich möchte lieber der Musik zuhören. Dort gab'» soviel Musik. Und so einen schönen Lärm. Auch ein Lärm kann schön sein, nicht was»:?" Er e,itgeg»ete:„Ich denke. Fräulein, nur ein durch Glück und Unterhaltung verursachter Lärm ist schön. Ich kenne einen Lärm aus dem Krankenhause. Er gleicht einem glühenden Drahte, der durch einen Körper gezogen wird. Und man wußte nie, wann er zu End« wäre.— Das war das Schrecklichste!" Sie sagte:„Auch im Lachen gibt es einen Unterschied. Warten Sie, Sie werden es erkennen. Man möchte sagen: Lachen Ist Glück. Aber Sie werden sehen, daß ein Lachen, aus dem ein unbefriedigter Gedanke liegt,«inen ganz anderen Klang hat. als ein glückliches Lachen. Es klingt nicht. Es schlägt!" Er unterbrach lie:„Ms ich im Kronkenhause lag, hörte ich. wie mein Nachbar lachte, wissen Sie, wie man zu lachen pslcgt: aus vollem Halse. Ich sprach zu ihm: Worüber, Mensch, wieherst Du so? Er gibt keine Antwort. Und lacht weiter. Aber die Kranken- schwester beugt sich zu meinem Ohr herab und slüstert mir zu: Er lacht nicht, er weint. Er hat erfahren, daß man ihm beide Füße abgenommen hat.— Sehen Sie, man unterscheidet nicht das Weinen vom Lachen!" Sie sagte:„Nur am Ansang ist es so. Sie werden schon sehen!" Und eine Weile nachsinnend, fuhr sie fort: „Ich weiß, es ist unmöglich, aber wenn jemand zu mir käme und spräche: Du wirst sehen, aber dafür taub sein, glauben Sie mir, ich wäre nicht einverstanden damit!" „Nein, ich wäre nicht einverstanden damit." Es war die Ueberzeugung eines Menschen, der etwas Be- kannte? nicht gegen etwas Unbekanntes eintauschen möchte, aus Furcht, sich zu betrügen. Und ihr Glaub« an die Schönheit des Klanges war so stark, daß er ihr Unglück zähmte. Es stach sie nicht mehr. Nur auf ihm lag es. wie ein schwerer und unbeweglicher Gegenstand in einem Schranke siegt, den wir nicht benötigen, ober an den wir von Zeit zu Zeit anstoßen, wenn wir notwendige Sachen herausnehmen. ni. Er sprach:„Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Ms H ich durch diese Blindheit gefesselt wäre, so daß ich von diesem Müßiggang fast krank bin." Sie antwortet«:„Das habe Ich nicht kennen gelernt. Niemols zat mir meine Blindheit die Lust zur Arbeit benommen. Ich weiß von jedem Töpfchen, sedem Möbelstücke in meinem Zimmer. Ich weiß von den Streichhölzern, vom Holz« und von der Kohle. Ich hakte ein Tüpfelchen in der Hand und gieße Wosier darüber. Ich erkenn« nach dem Gewichte, ob gemig Wasser darin ist oder Kaffee oder Suppe. Ich habe auch eine Zither, auf der ich spiele. Wissen Sie. spielen und spielen ist ein Unterschied. Manchmal sitz' ich daheim und meine Finger gleiten über die Saiten. E» ist mir, als ob sie spazieren gehen würden. Ich weiß nicht einmal, daß ich es bin, die spiell. Ich höre zu. wie man den Vöglein zuhört. Und es unierhält mich. Manchmal spiele ich im Wirtshause. Da um- ringen sie mich mit Wünschen, da bin ich auf einmal notwendig! Spielen Sie! Als ob ich der Pfarrer wäre! Und da mühen sich meine Finger ab, sie sind müde wie ein Bote, der übers Land gehl und der sich weder um die Vöglsin noch um die Gegend schert, sondern bloß denk«: Noch eine Stunde Weges, noch eine halb« Stund«. Und das ist Arbeit. Und Sie werden arbeitenl Wenn schon für nichts anderes, so zu Ihrer Zerstreuung!" Er erkannte bald, daß sie sich nicht getauscht hatte. Tagtäglich spürt« er stärker die Last seiner Fäuste. Die untätigen Hände hingen ihm wie welke Zweige vom Körper herab. Er über- legte. Di« Blindheit ist keine Krankheit, die Blindheit ist ein Unglück. Der Kranke kann untätig sein, der Unglückliche keinesfalls. Dann bot er feine sehnsuchterfüllten Arme der Frau Meisterin an und sprach:„Ich werde Ihnen Ihr Holz hacken!" Sic erschrak beinahe und machte Ausflüchte. Er ließ sich aber nicht abfertigen, indem er all« ihr Gründe widerlegte. Endlich aber spielte er seinen höchsten Trumps aus:„Bis zum Tode kann ich doch nicht müßig gehen!" Sie sah es endlich ein und gab ihm den Schuppenschlüssel, wobei sie ihn zur Borsicht ermahnte. Er hackte das Holz. Zuerst langsam, indem er jede seiner Bewegungen überlegte. Es war Abfallholz vom Baue, das mit einigen Schlägen zersplitterte. Es gab da Latten, bei denen er dachten sie sind dünn, ich zerhacke sie mit einem Schlag«. Ms es ihm gelang, wuchs sein Mut. Er hockte rascher und vergaß die Bewe- gungen. Er dachte bei sich: Als wlr noch Buben waren, pflegten wir die linke Hand mit ausgestreckten Fingern auf den Tisch zu legen: wir schlössen die Augen und mit der rechten Hand trafen wir mit einem offenen Messer in den Raum zwischen den Fingern der linken Hand. Und so hackte er Holz. Und als ihm ein Stück Brett zwischen die Hände kam, erinnerte er sich wieder der Kinderspie'erei. Er konnte nicht widerstehen. Seine Linke spreizte er über das Brett aus. Und nun hackte er zu, sich an der Erinnerung mit seinem Fortschritt erfreuend. E» fiel glücklich aus. Cr streifte nicht einmal«inen Finger. Er wurde fröhlich gestimmt über seine Geschicklichkeit und rief in der Richtung gegen das Gebäude zu:„He. Frau Meisterin!" Sie lief bestürzt herbei, ob er sich vielleicht gehackt hätte. Er aber sagte zu ihr: Jeht werbe i Ihnen zeigen, was ein Rriegsblinder guftanbe bringt!" Und er wiederholte virtuos das Stüdchen, ein leines Brett durch die Finger zerhackend. Sie ängstigte sich:" Pfui, ich fann so etwas nicht ansehen. Sie werden sich hacken!" Er lachte:„ Ach, ich tönnte so bis zum jüngsten Tage hacen und würde mich nicht verlegen!" Das erstemal wird ein Mensch jedoch früher müde. Er lehrte mit der Meisterin ins Zimmer zurüd. Die Luft des Zimmers war mit dem Geruch des Mittagessens geschwängert. Und Lera fagte: Wie ist es doch gut, daß ich Holz hacken gelernt habe. Jezt werde ich schon leichter leben. Der Mensch fann doch nicht ewig müßig gehen. Wenn Sie jemand wissen sollten, werden Sie mir es fagen." MASKE GOLDSTUC WEINBRENNEREIEN Stück A. Hana REINER WEINBRO Goldstück Deutscher Weinbrand Stück Fitöre Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Helimer 8 Uhr: BU. Lessing- Th. Der Kaufmann Gier unter Ulmen von Venedig Morgen 8 Uhr: Der Hanfmann von Venedig Staats- Theater Opernhaus 7 U: Afrikanerin Opernhaus von O'Neill Regie B. Viertel Gerde Müller Wegener, Müthel Sonntag, 18. Okt nachm 31, U. Biberpelz zu halb. Preisen BU. Kleines Th Theat. d. Westens Das große Operettenhaus Täel. 7% Uhr: Sie antwortete: Marten Ste, ich werbe nachmittags fragen, wieviel für das Meter gezahlt wird, und sage es Ihnen dann." Und neugierig, wie es mit seinem Herzen stehe, fragte fie: Bie haben Sie sich denn mit dem Fräulein Mrazet unterhalten?" Er erwiderte:„ Aber Sie wissen doch gleich alles! Sie fönnen be Eva in sich nicht verleugnen. Ich bedauere, daß ich sie nicht fehen kann. Wie sieht sie aus?" Die Meisterin überlegte ein Beilchen. Wie foll ich es Ihnen fagen? Auf die Frau Berwalter, ats fie noch jung war, tönnen Sie sich nicht befinnen, was? Nein! Nun warten Sie mal. No, eben so gerade! Kennen Sie das Bild der Jungfrau Maria in der hiesigen Kirche? Wissen Sie, von der unbefledten Empfängnis? Ja? Nun, so sieht sie aus. Schön ist sie. Großes Schauspielhaus SORTAGS: 2 Vorstellungen Norden 2851/58 nachm. 3 Uhr su ermäßigten Preisen. Für Dich! Die große Charell- Revue( 800 Mitwirkende) tägl. 8%, Uhr Preise der Plätze: Parkett M. 5.-. Balkon M. 4.-, 1. Rang M. 8. 2. Rang M. 1.50, Logen uni Klub sessel M. 7-12 & Rag M. 0.75 Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen. Neues Z am Rose- Theater Täglich 8, Uhr: Theater König Krause HALLER REVUE 81/4 U: Täglich 8 10 Uhr. Th. am Schiffbauerdamm Theater im Olly- Polly Operette von Kollo ( Henes Operettenhaus) 8: Lady Fanny and die Dienstbetenfrage Admiralspalast Emmy Sturm Residenz- Th. 99 ACHTUNG! WELLE Curt Bois Parketpl.v. 2-12 M 8: Jugendfreunde Th. am Kurfürstendamm Tarlich 8 Uhr Der glas. Pantoffel 505!" Wallner- Theater II. Rang von 2 Mk. 8 U.: Meiseken Parkett von 4 Mk. Freitag Uhr: Geschloss. Vorstellg. Sonnab. 17. 8 Uhr zum ersten Male Circes Heirat Trude Hesterberg André Mattoni Oskar Sabo Logen von 8 Mark Herrnfeld- Adolphe Engers 2vorstellungen 2 Theater, Bülowstr.6 3 u 8. Unr Tägl ch 8 Uhr Nachm die ganze Was int sich Vorstellung halben Preisen zu Gastsp. Hubert Central Theater Marischka Uhr Trieschäbel Séparé? mit Dir. Anton Herrnfeld BarnowskyBahnen. Theater in der Königgrätz.Str. 8 Uhr. Der Orlow Metropol- Theater Konserniz.str. Theater in der Klosterstr. 43 8 Uhr: Claire Dax is SU: Frau Warrens Mamsell Ango! Gewerbe Deutsches Kirchhoff, Leux Hansen, Arno Karsavina Künstler- Theater St. nachm. 3%, U. Tägl. 8 Uhr: Gastspiel am Königsplatz Hochzeitstage Fritzi Massary: 8U.: Mad. Butterfly Schauspiel van Geraldy Schausplefhaus 8 Uhr: Jugend SU. Trianox- Th. Schiller- Theater im Bamento Doppel Schwanz von Reapzin wad&. Mitchel selbstmord Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Ber Bare Hoheit Ele Tänzerin Die Teresina Circus Don Juan u. Faust Freit, 8: Wie es euch gefällt Die Tribune Tagl 8 Uhr: Zurück zu Mefinsale Komödienhaus Tägl. 8 Uhr: Margarine Thalia- Th. Lotte Neumann, 8 Uhr: Annemarie Paul Heidemann, Josefine Dora, Baselt, Biegelmann, Metelka, Wilfan stg rachm 31%, U. Kleine Preise! Im weißen RŎB'I Theater in der Kommandant.Str. 8 Uhr: Annelisse v. Dessau Marie Escher a G. tg nachm. 31 U. Kleine Preise! Annelieser Dessan Die Koblanks täglich 8 Uhr im Lustspielhaus Busch Casino Theater Theater in a 8 Uhr: Ecke Flottwellstr. Tägl- 3 Uhr Men Sonn'anchm. 4 U Tägi. 71, Stg. a 30: Lothrin er Str. 37. Ritter Blaubarts Fllegendes Torpedo Hea! Seil des Todes usw. 19 U: Man- Schaust. achte Frau Troubadour Komische Abonnem- Turnus 3 Deutsches Theater 7 Uhr: Die heilige Johanna von ShawRegie: Max Reinhard Preise v. 1,30-12 M. Kammerspiele 3 Uhr. Sechs Personen suchen einen Autor von Pirandello Regie: Max Reinhardt Die Komödie Kurfürstendamm 207 & Unr Gesellschaft ▼ John Galsworthy Regie: M. Reinhardt) Berliner Theater 8: Abschiedsgastsp. Kammersänger Ridh. Tanber Letzte Aufführung: Eine Nacat in Venedié Operette in 3 Akte.. von Joh. Strauß Ab Freit. Gastsp.des Moskaner Künstler- Th. Musikal. Bahne 16., 17., 18, 20, Okt. 8 Uhr: Lysistrata 19. Okt. 7, U. Carmencita n. d. Soldat Th. a. Nollendorfpl. 8% Oper Dir.: James Klein 8% A GrößteRevue der Welt Von A bis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Sonntag 3 Uhr Jeder Erwachsene 1 Kind frei Kalbo Preise Parkett 6.- M. Preise 2.- bis 12.- M. ( Logen 15.-M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet. Die Frau 1000 Jahre im gefährl. Alter Deutscher Rhein Sig.achm: Rattenfänger Vorher das bunte Programm Hameln b halb. Pr| Martin Löwe Arthur Wright vorzeig dies. zahlen von 50 Pfg. an. nur halbo Preise KrausePianos Elite- Sänger Miete Kottbuser Str. 5- Tel. Mpl. 150 77. TäglSUhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( zú halben Preisen) Da Wandeindes Gifick Großer Seletell u. Winzer.cs! am Rhein Amtliche Wettannahme des Union- Kimbs Berlin NW 7, Schadowstr. 8. Annahme von Wetten für alle Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße KLEINE ANZEIGEN In der Gesamtauflage des Vorwärts" sind besonders wirksam und trotzdem Ren. en in der Zentrale, schr billig! Schadowstr. 8, in allen Fi1.alen und bei den größeren Renn- Vereinen im Reiche. Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug. Schrittliche Aufträge und Anträge auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. Traueripenden ieber Art lietert preiswert Paul Golletz. vormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl 103 03 Ziebung 1. Klasse 16. und 17. Oktober Preuß.Staats- Lotterie 600 003 Lese, 234 000 Geldgewlane, Gesamtbetrag über 45 Millionen R.-M. Höchstgewinn auf ein Doppellos: R. RTEN 2 Millionen A Stimmen der Presse: Als Tanzparodist ist er( Little Tich) noch heute genau so überwältigend komisch wie vor Jahren. Sein ständiger Kampf mit der Tücke des Obiektes Die hellblauenst im höchsten Grade erheiternd 94 Rauchen gestattet 8 Uhr: Schwestern Die neue Künnecke- Reichshallon- Theater Operette Apollo- Theater SU Dir Jam Klein 8U Der Mann, der sich verkaufte Yorverk. den ganz Tag SCALA 8 Uhr Internat. Varieté Allabendlich 8 Uhr. Sennt ag nachm. 3 Bhr Steffiner Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'i: Familien- Varleté. Sonntags 51% Uhr. Anfang& Uhr Rennen zu Grunewald Donnerstag, 15. Oktober nachmittags 1, Uhr Höchstgewinn auf ein ganzes Los: R. 1 Million R: 4 Hauptgewinne und Prämien: x500 000 .x 300 000 M. 200 000 100 000 R 2 X 10X Les1/8 R. Pl. 1/4 1/ 1/1 Boppellose 12.- 24.- 48.-R.-M. preise: 3.- 6.Heinz Staat!. LotterieBerlin W8 Friedrichstr. 83( zwischen Behrenstraße and Buter den Laden Postsebeckkonto: Berlin 40221 Ihre cutter war auch nicht häßlich, ich habe sie ein wenig gefannt, bevor fie nach Wien ging. Damals war ich selber noch ein Fraz. Und jetzt gehe ich schon in die Vierzig. Wie die Zeit vergeht!" Bierzig Jahre sind eine lange Zeit im Leben eines Menschen und viel läßt sich darüber erzählen. Wir sind reich an Erfahrungen, haben unsere Freuden und unsere Leiden. Sie sprach. Er meinte, fie werde vierzig Jahre lang sprechen. Er hörte ihr nicht mehr zu, denn er hatte erfahren, was er wissen wollte. Er wußte, wie die Anna Mrazet aussieht. Mehr brauchte er nicht. 舍 ( Schluß folgt.) Ufa- Palast am Zoo Morgen, 8 Uhr: Uraufführung Der Mann, der die Ohrfeigen bekam Regie: VIKTOR SJÖSTRÖM In der Hauptrolle: CON CHANEY Metro- Goldwyn- Film der Ufa Für die Premiere Abendanzug erbeten Ab Sonnabend täglich: Wochentags: 3 Dorstellungen um 5, 7, 9 Upr Sonntags: 4 Vorstellungen um 3, 5, 7, 9 Uhr Preise: 1.50 bis 5.- Mark + Der Vorverkauf für 3 Tage Im voraus Ist ununterbrochen ab 11 Uẞr vormittags geöffnet- Telephonische Bestellungen Amt Nollendorf Nr. 62, 1397, 5280, 5281 Nur noch Heute ,, Charley's Tante", 7 und 9 Uhr Admirals- Café im Admirals- Palast am Bahnhof Friedrichstraße ERÖFFNUNG nach erfolgtem Gesamt- Umbau heute 3 Uhr nachmittag. Eig.Konditorei- Spezial- Frühstück ab 700 früh KAPELLE LUCZKOWSKI Besuchen Sie auch gleichzeitig unsere neueröffnete Frühstücks- Stube neben dem Admirals- Café Ziehung 1. Klasse am 16. u. 17. Oktober 1925 Preußisch- Südd. Klassen- Lofferic 234 000 in 8 Klassen verteilte Gewinne und 2 Prämien insgesamt über 45 Mill. Reichsmark Höchst und Hauptgewinne: Unferem bewährten Genossen Karl Renne und feiner lieben Frau zu ihrer Silberhochzeit bie herzlichsten Gladwün the. Die Genossen des 2. Bezirks der 125. Abt.( Weissensee). 99999999** eessece Allen Freunden und Befannten zur Rachricht, daß am 12. d. M. im Krankenhaus Friedrichshain mein inniggeliebter Mann und Bater, der Rohrleger Paul Unglaube Ederifte. 4, verschieden ist Marie Unglaube nebst Sohn und Schwiegertochter. Einäscherung: Sonnabend, 17 d M.. 4 Uhr nachmittage, im Krematorium Baumschulenweg. Deutscher Metallarbeiter- Verband Die Bertrauensmännerfonferenz ber Metallformer findet heute nicht tatt, jondern am Donnerstag, den 22. Ditober. Die Bertrauensmännerfonferens ber Hiljsarbeiter fällt in diesem Monat aus. Achtung! Berwaltungsmitglieder! Am Freitag, den 16. Oftober, findet teine Sigung der mittleren Ortsverwaltung ftatt. " hung! Bauanfaläger Achtung! Die ordentliche Branchenversammlung für den Monat Oftober fällt aus. Die Sperre über die Bauten der Firma Blume& Benede ist hiermit aufgehoben. In der Zeit vom 15 Ditober bis 1. April wird jedem Anschläger zur Pflicht gemacht, nur bet verglasten Fenftern zu arbeiten. Die Ortsverwaltung. 2 Million. M. 1 Million M. Ruilos Knoblauchsaft 4x500000 M. 2x200000 M. 2x300000 M. 10x100000 M. Lospreise//// Doppellos 812 24 48 R pre Klasse Porto und Liste 30 Pf. extra. Zahlung nach Empfang des Loses. Hahn Standorte Berlin S 14 Prime Elanahme Postscheckkonto: Berlin 311 31: straße 79 ift stets frisch in a len Apotheken Berlins und, falls irgendwo nicht Dorrätig, im General depot für Berlin, Andreas- Apothek, Andreasitr 15, Tel. Königst 2789, erhältlich. Pelzwaren kaufen Sie gut und billig Berlin, Neue König. Schlesinger, Straße 21, 2 Treppen.