Nr. 489 42. Jahrg. nih slobo 48942. Ausgabe A nr. 249 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlid 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelaebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart sts Monot. Der„ Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. lung und Kleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint mochentäalich aweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: „ Sozialbemokrat Berlin* 01 Morgenansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedruckte. Wort 25 Biennia ( auläffia amei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Wort 15 Bfennig, jebes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für awei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Es fann aber folgendes gesagt werden: Die dreieinhalbstündige Sigung der meisten Haupts delegierten, über die ein nicht gerade rosiges Communiqué ausgegeben wurde, ist fast ausschließlich von der Erörterung über die sogenannten Rüdwirtungen ausgefüllt worden. Die deutsche Delegation hat ihre vorgetragene Wunschliste er gänzt und ist dabei auf den einmütigen Widerstand der Gegenseite gestoßen. Obwohl von deutscher Seite eine Ausfunft verweigert wird, wird hier vielfach angenommen, daß diese Ergänzung mit der Rückkehr Rempners zu fammenhängt. Es wäre sonst ganz unerklärlich, daß die deutsche Delegation in ihren zahlreichen Unterhaltungen der legten Tage ihre Wünsche zurückgehalten hätte, die sie jetzt zum Ausdruck bringt. Abend entwickelt hat. Die andere Seite ist eine Schwierigkeit Das ist die eine Seite des Zustandes, der sich am heutigen megen der östlichen Schiedsgerichtsverträge. Hier sind es Die Bolen, die, zum Teil von den Tschechen sekundiert, Forderungen erheben, die für Deutschland unannehmbar sind. Obwohl man auch hierüber genaueres nicht erfährt, scheint so viel sicher, daß die Polen Formulierungen beantragen, die auf nicht weniger hinauslaufen, als daß Deutschland seine Ost grenze genau in derselben Weise garantieren solle, wie die Westgrenze durch den Sicherheitspalt. Damit wäre legten Endes die Möglichkeit einer friedlichen Revision der Oftgrenzen auf unabsehbare Zeit genommen. Eine solche Forderung steht im Widerspruch mit der gesamten Grundlage, auf der die Konferenz von Locarno bisher geführt worden ist. Das Communiqué. Cocarno, 15. Offober.( WTB.) Heute Abend fand eine Besprechung zwischen Luther, Stresemann, Briand, Chamberlain und Vandervelde statt. Es wurden in etwa dreistündiger Aussprache die im Zusammenhang mit dem weftlichen Sicherheitspakt stehenden allgemeinen Fragen erörtert. Eine Bollfigung der Konferenz ist für morgen noch nicht festgefeht. In den Verhandlungen der Rechtsfach verständigen über die östlichen Schiedsverträge ist eine Einigung bisher nicht erzielt worden. Geftern mittag hatten die Staatsmänner der in Locarno vertretenen Länder ihren gemeinsamen Erfolg gefeiert am Abend desselben Tages aber schien dieser Erfolg schon wieder gefährdet und in Frage gestellt. Die unvermutet aufgestellte Forderung Polens, Deutschland folle ihm die gleiche Gebietsgarantie gewähren wie Frankreich, stieß, wie nicht anders zu erwarten war, auf den unüberwindlichen Widerstand der deutschen Delegation. Es mag taftisch verfehlt gewesen sein, von Anfang an zwischen dem westlichen und öftlichen Nachbar Deutschlands zu differenzieren, man hätte vielleicht für beide Teile eine gemein fame Formel suchen und finden können, die beide befriedigt hätte, aber daß die Formel der gegenseitigen Gebietsgarantie auf Deutschland- Bolen nicht anwendbar ist, stand von vornherein fest. Es war ein Wagnis Stresemanns, den ,, Berzicht auf Elsaß- Lothringen" anzubieten. Seine deutsche Regie rung wäre imftande, die psychologischen Hemmnisse zu über minden, die sich einem ausgesprochenen Verzicht auf den Rorridor und Oberschlesien entgegenstellten. Es ist also flar, daß an der polni en Forderung der ganze Konferenzplan noch in letter Stunde scheitern müßte, wenn nicht noch ein Ausweg gefunden würde. Ihn zu finden, daran find alle beteiligten Regierungen interessiert. Höchstens die polnische fönnte als Triumphator nach Hause zurüd fehren, wenn es ihr gelungen wäre, alles zunichte zu machen, die deutsche, die englische und die französische Regierung wären dann aber gleichermaßen die Geschlagenen. Darum ist das Bertrauen berechtigt, daß das gemeinsame Interesse der Hauptmächte in Locarno das überwinden wird, was man gestern am Konferenzort selbst die Polentrise genannt hat. reicht. Reiner von uns allen hätte bei Beginn der Konferenz dieses Resultat erwartet.( Lebhafte Zustimmung Luthers und Strefes manns.) Es ergab sich aus dem festen Willen aller Delegationen, zu einem guten Ergebnis zu tommen. So tam ein Resultat zustande, das uns alle überraschte.( Bustimmung Luthers.) Die Schwie. rigkeiten wurden überwunden wie die Nebel der Nacht durch die Morgensonne. Rein Mißtrauen darf nach Abschluß der Konferenz mehr bestehen bleiben. Wir haben uns hier zum erstenmale nach dem Kriege auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung getroffen und verhandelt. Wenn es nach Abschluß der Verhandlungen noch Triumphatoren gäbe, so wäre das gleichbedeutend mit einem miß erfolg. Denn das Schicksal der Welt und unserer Bölfer hängt von unserer Arbeit hier ab. Ich glaube, daß die internationalen Beziehungen jegt eine neue Bendung nehmen werden, denn der Friede ist von uns allen gewünscht und beschlossen worden. Die Befriedung der Welt soll jezt endlich nach so viel Opfern und Leiden zur Tatsache werden. Am Schluß seiner Rede richtete Chamberlain einen Appell an die Journalisten zur Mitarbeit an dem Friedenswert. Er trant dann, mit Luther und Briand anstoßend, auf den Frieden der Welt. Freude in Paris. Paris, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Nachricht von der Annahme des Westpaktes durch die Konferenz von Locarno levé erhielt die telephonische Mitteilung davon während eines ist in Paris furz nach 12 Uhr eingetroffen. Ministerpräsident painPreffeempfanges. Er gab seiner Genugtuung darüber freudigen Ausdrud und sprach von einem Ereignis von welthistorischer Bedeutung. Er richtete an Briand im Namen der französischen Regierung ein überaus herzlich gehaltenes Glüdwunschtelegramm. Auch die Breffe äußert Befriedigung über das nunmehr als ge sichert angesehene glückliche Ergebnis der Konferenz. Selbst Blätter, die von Anfang an den Verhandlungen sehr steptisch gegenüber. gestanden haber und die bis zuletzt an der Möglichkeit einer wirt. lich ehrlichen deutsch- französischen Berständigung gezweifelt hatten, sprechen jetzt von einem Wendepunkt in der europäischen Geschichte. Der„ Temps" erflärt, das große Ziel der Konferenz fei nunmehr erreicht. ein für die Entwicklung der europäischen Politit entscheidender Schrift sei nunmehr getan. Ueber die praktische Tragweite des Pattes dürfe man sich feinen gefährlichen Illusionen hingeben, denn er sei ein Ber trag wie jeder andere auch, der nur so lange Geltung habe, als das Gewissen, der gute Wille, das Ehrgefühl und die Achtung vor dem gegebenen Worte bei den Nationen, die ihn unterzeichnet hätten, lebendig bleibt. Immerhin dürfe man bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß, wenn das kaiserliche Deutschland 1914 gewußt hätte, daß es England auf der Seite Frankreichs und Belgiens finden würde, es sich wahrscheinlich gehütet haben würde, diesen Krieg zu erflären. Die große Bedeutung der zustande gekommenen Berträge liege barin, daß sie nach dem gewaltigen Erdbeben des Weltkrieges, das die Beziehungen zwischen den europäischen Mächten pollständig zerrüttet habe, dazu beitrügen, das gegenseitige Vertrauen wieder erstehen zu lassen und die Solidarität der moralischen und wirtschaftlichen Interessen, ohne die ein Nebeneinanderleben zivili fierter Völker unmöglich sei, wieder herzustellen. Wenn Muffolini fommt, fliegt Bandervelde aud. Locarno, 15. Oftober.( Drahtbericht unseres Sonderforrefpon denten.) Mussolini traf am Donnerstag nachmittag 4 Uhr, begleitet von einem großen Autogefolge mit Geheim polizisten, hier in der Billa seines Freundes Farinelli ein. Die Befürchtung, daß ein Attentat auf ihn verübt werden könnte, war bei der italienischen Delegation so groß, daß die Fahrtroute mehrfach ge. ändert worden war. Sie ging zunächst bis Mailand, von dort Sie ging zunächst bis Mailand, von dort mit dem Automobil nach Strefa, dann im Motorboor nach Brisago, mit dem Automobil nach Strefa, bann im Motorboot nach Brisago, von dort wieder im Automobil bis zum Ziel. Seine Anfunft voll. 30g fich ohne jebe Demonstration der Neugierigen. Eine Stunde später machten ihm die Hauptdelegierten Anstandsbesuche, um die Mussolini unter Hinweis auf die Gefahr eines Attentats und mit der Entschuldigung bat, daß er in folgedessen die diplomatischen Gepflogenheiten nicht einhalten fönne. Die schweizerische Bundesregierung nahm von seiner Ankunft teine Renntnis; lediglich der Vertreter der Regierung des Kantons Tessin machte einen furzen Besuch. Bandervelde war auf einem Ausflug unter wegs! Erfte Paftteirkung: Eine Begnadigung. Köln, 15. Oftober.( BTB.) Wie der Berichterstatter der Köln. 3tg." in Locarno aus bester Quelle erfährt, fand zwischen Dr. Strefemenn und Briand eine Unterredung statt über die durch das französische Kriegsgericht in Bonn erfolgte Verurteilung des Chamberlain fefert den Weltfrieden. Reichswehrangehörigen Bührig, der zu einem Jahr Gefängnis Cocarno, 15. Oftober.( Drahtbericht unseres Sonderforrefpon- und 2000 mart Geltstrafe verurteilt wurde, weil er ohne die für Reichswehrleute notwendige besondere Erlaubnis bas befeßte Gebiet denten.) Bei dem von den Bölkerbundsjournalisten veranstalteten( mit schwarzweißroter Fahne am Fahrrad! Red. d. 2.) betreten Bankett ergriff Chamberlain bas ort, um zunächst ben Jour hatte. Der französische Außenminister teilte Dr. Stresemann heute nalisten für ihre eifrige Mitarbeit zu banten. Cr führte dann meiter mit, daß er aus Baris einen Bericht eingeforbert habe, und bas bie aus: Die Ronferenz geht zu Ende. Das erhoffte Resultat ift ez- Begnabigung des Berurteilten erfolgen werbe Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin GW. 68, Lindenstr.3 Bostichedlonto: Berlin 37 536 Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Verträge mit Polen. Zum Frieden im Osten*) Eine Empfindung drängt sich auf: hat ein beutschpolnischer Schiedsvertrag einen Sinn, ist er überhaupt zu rechtfertigen und gleicht er feiner Spiegelfechterei, wenn faft gleichzeitig mit seinem Abschluß, am 1. November, wiederum 3000 deutsche Optanten, aber diesmal feftgewurzelte, seit Jahrzehnten, manchmal feit Jahrhunderten Grund und Boden Besitzende, von den polnischen Behörden gezwungen werden, das Land zu verlassen? Dieser Empfindung, die juristischer Logit nicht zu entsprechen braucht, liegt ficher ein gerades, gesundes Gefühl zugrunde. Das nämlich, daß es unangängig und widerspruchsvoll ist, mit all den Friedensgarantien des Schiedsgerichtsverfahrens heraufzu führen, während gleichzeitig in die Tage von Locarno noch die harten Riffe einer zum Untergang bestimmten, eisernen Beit ragen, an denen sich das Verständigungsschiff nur zu leicht zerschlagen fann. Wäre es nicht richtig, gleichzeitig mit der beabsichtigten Ausschaltung der Gewalt auch die letzten, verhängnisvollen Vorrechte diefer Gewalt, die letzten Gewaltmittel zu beseitigen? Ein ähnlicher Widersinn beherrscht die Fortsetzung der Liquidation deutschen Eigentums im abgetretenen Gebiet. Abschluß eines Handelsvertrages bedeutet die Schaffung von Möglichkeiten, neue Bermögenswerte zu erzeugen. Kommt er zustande, so entstehen in Polen neue deutsche Bankguthaben, neuer industrieller oder kommerzieller Grundbesig in deutscher Hand, vielleicht hier und da auch eignet, den alten Besitz zu liquidieren? Was soll es heißen, landwirtschaftlicher Grund und Boden mit deutscher Saatzuchtwirtschaft oder ähnlichem. Ist dieser Augenblic nun geenteignen, wo auf Grund eines Handelsvertrages und dessen einer deutschen Bantfiliale ihr Haus in dem Augenblid zu enteignent, wo auf Grund eines Handelsvertrages und dessen Niederlassungsrechtes sie daneben ein neues faufen tann? nebeneinander, gleichzeitig und auf demselben Raum, zwei Solche Widersinnigkeiten häufen sich natürlich, wenn schroff entgegengesetzte Prinzipien sich durchsehen wollen, Bernichtung deutschen Eigentums und Schaffung neuen, deutschen Eigentums. schaffen, seine ersten Sporen verdienen. Abschluß von Hier sollte der Bersuch, neues internationales Recht zu Schiedsverträgen bedeutet ja nichts anderes als Einschränkung des staatlichen Egoismus; es ist eine Eindämmung des zwischen den Staaten immer noch bestehenden Faust rechtes; nicht mehr das manchmal recht falsch verstandene Interesse des einzelnen Staates soll ausschlaggebend sein, und darf mit jedem, von dem interessierten Staat zu wählenden Mittel verteidigt werden, sondern im allgemeinen Weltinteresse soll erst einmal die Tragweite des Streitfalles, die Verteilung der Schuld und die Mittel der Abhilfe untersucht und festgestellt werden. Es ist von diefem, heute fiegreichen Brinzip faum ein Schritt zu dem andern, daß die Souveränität auch im Innern, in der Gefeßgebung und Verwaltungsgebarung gewissen Beschränkungen unterliegt. Den ersten Ausdruc dieses Prinzips, das zu den heftigst bekämpften gehört, ist der sogenannte Minderheitenschußvertrag, der unabweisbar schien in einem Augenblick, wo die Neuziehung der europäischen Grenzen Minderheiten schockweise den verschie denen, insbesondere neuen Staaten zuwies Aber dieser Schuh fommt nur den fremdstämmigen Staatsangehörigen des be treffenden Landes zu, nicht den in ihm ansässigen fremdstämmigen anderer Nationalität, also z. B. nicht den in Polen angefeffenen Reichsdeutschen, die vielmehr der Liquidation in vollem Umfange anheimgegeben wurden. Daß dies gegen die logische Entwicklung aus Minderheitenschutz- und Schiedsvertrag ist, bedarf kaum des Nachweifes. Heute befinden sich beide Länder im Wirtschaftsfrieg". Objektiv gefehen, liegt die Hauptursache für diesen Rampfzustand und insbesondere für seine Berlängerung in ein beden polnischen Wirtschaftsnöten, die wiederum fannter Fehlerfreis ihr Entstehen und ihre Berschärfung diesem Kampfzustand verdanten. Seit Wochen auf jeden Fall schwankt der polnische Ministerpräsident Grabsti zwischen fämtlichen verfügbaren Heilmitteln und Wirtschaftssystemen, ohne daß ihm bis heute etwas anderes eingefallen wäre, als ohne daß ihm bis heute etwas anderes eingefallen wäre, als stets erneute Droffelung der Einfuhr, ein Zustand, der( wie das tschechische, österreichische, ja franzöfifche Beispiel zeigt) geeignet ist, auch den schönsten Handelsvertrag mit Polen wertlos zu machen. Lang fann dies Experimentieren nicht mehr dauern; vielleicht macht schon der Parlamentszusammentritt diesem Hin und Her ein Ende und versucht ein wirtschaftlicher eingestellter Nachfolger von der Zwangswirtschaft wieder zu einem freieren Spiel der Kräfte zu fommen. Wie dem auch sei und ohne die geringste Prophetengabe fann gefagt werden: Der deutsch polnische Handelsver trag muß und wird tommen, vielleicht begleitet oder gefolgt von einer wirtschaftlich und finanziell weit engeren Rusammenarbeit, als wir heut zu hoffen wagen, weil dieser Bertrag nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Siehe auch ben Artifel in ber geftrigen Abendausgabe Selbstverständlichkeit und infolgedessen eine Leichtigkeit ist, wenn nian ihn nicht mit unsachlichen Hindernissen belastet. Es existieren nicht noch einmal zwei Länder, die sichso glücklich ergänzen, die ein- ander gegenseitig so Genüge tun können, wie Deutschland und Polen: gibt es ja sogar Anhänger des Gedankens einer Zoll- union, wogegen wirklich nur politische, keine wirtschaftlichen Gründe sprechen. Dies Auseinander-Angewiesensein wird sich durchsetzen, in einer klaren, politischen Atmosphäre natürlich schneller und unverfälschter, als in der stickigen Luft gegen- seitiger Abneigung und Schikane. Wieviel Zeit Polen noch braucht, um seine wirtschaftliche Linie zu finden, stehe dahin: der Tag. wo es bereit ist, über einen Prooinzchauvinismus hinaus wirtschaftliche Dinge wirtschaftlich zu sehen, muß uns in derselben Geistesverfassung finden. Der Leser dieser Bilanz wird vielleicht den Eindruck ge- Winnen, daß die Forderungen, die in diesen Zeilen an P o l e n gestellt werden, weit zahlreicher sind, als die an Uns selbst;- daß wir mit anderen Worten mehr verlangen als zu geben beabsichtigen. Diese Tatsache, die aus rein politischem Gebiet richtig ist, entspringt nicht dem Egoismus, sondern der nun einmal bestehenden Sachlage. Polen hat vormals deutsches Gebiet erworben, nicht wir polnisches: an ihm ist es daher, für dieses Gebiet und seine Bewohner Lebensbedingungen zu schaffen, die dem 20. Jahrhundert und der europäischen Solidarität entsprechen. Ganz einerlei, wie Posen und Pommerellen einmal zu Preußen gekommen sind und was in früheren Zeiten geschehen ist.— Es ist nicht angängig, die Achiver noch nach Jahrhunderten für die Taten ihrer Könige zu strafen, und man kann nur mit Schauder daran denken, daß noch einmal so umstrittene Gebiete ihre Staatszugehörig- keit wechseln und dann die Umschichtung und Aussiedelung mit den gleichen Mitteln, aber umgekehrten Borzeichen sich voll- ziehen könnte! Wenn aber auf politischem Gebiet unsere Forderungen an Polen die zahlreicheren sind: auf wirtschaftlichem können und sollen wir dafür die Gebenden sein. Negativ hat der im Gang befindliche Handelskrieg gezeigt, wie stark die polnische Abhängigkeit von der deutschen Wirtschaft ist. Nach hoffentlich baldigem Abschluß dieser Episode wird es an uns fein, die positive Seite dieser Zusammenhänge zu zeigen und für beide Teile fruchtbar zu machen. Es ist kein Geheim- nis, daß die meisten Wege der Hochfinanz nach Warschau über Berlin führen. Unser wohlverstandenes Interesse wird es sein, diese Tatsache nicht zu mißbrauchen, sondern in einem Geiste zu gebrauchen» der Polen, diesem fünftgrößten und noch bedeutend steigerungsfähigen Kunden der deutschen Wirtschaft und eben dieser selbst zugute kommt. Ob das mög- lich fein wird, solange Polen eine extrem egozentrische Po- litik treibt, und des zum Zeichen die Hälfte seines Budgets (eine Milliarde schweizer Franken) für Militärzwecks ausgibt, ist eine Frage, die sich fast von selber beantwortet. Nur muh sich bei uns jetzt schon und allgemein die Erkenntnis durch- setzen, daß polnische Nachteile nicht einfach deutschen Vorteilen gleich zu achten sind, daß die Zerrüttung der Wäh- r u n g eines unserer besten Kunden für uns kein Aktivum darstellt, daß vor allem der Wirtschaftskrieg kein Selbstzweck ist, sondern sobald als möglich in einem fruchtbaren Wirt- schaftsfrieden enden muß. Gewiß dürfen wir eine Katze eine f:atze nennen: aber über objektive Berichterstattung hinaus eil Kredit unserer polnischen Nachbarn zu schädigen, ist ein Anschlag auf unsere eigene Wirtschaft, der dieser Nachbar als Kunde und zahlungsfähig erhalten wer- den muß. Nicht nur die internationale Hochfinanz bedient sich ihrer Berliner Korrespondcnzbanken in großem Umfange als Sach- verständiger in polnischen Dingen, sondern ein großer Teil der Zeitungen der ganzen Welt holt seine polnischen Nachrichten, mangels Kenntnis der Landessprache, aus deutschen Zeitungen. Es ist keine Uebertreioung, wenn man sagt, daß, abgesehen von wenigen französischen, englischen und amerikanischen Blättern, die Weltmeinung über Polen in Berlin durch Berliner Zeitungen und Berliner Korrespon- denten festgestellt wird. Das ist ein starkes Mittel gegen, es kann aber auch ein treffliches Werkzeug für Polen sein. Es gebe auch dem gewissenhaften Berichterstatter andere Stoffe als Optantenaustreibungen und Schließung deutscher Schulen, Gefängnisterror und Standgerichte. Dann wird auch diese Abhängigkeit von Berlin ihre guten Seiten hervor- kehren und das Wort, daß der Deutsche und der Pole ein- ander Feind bleiben müssen, solange der Himmel steht, wird seine Aktualität verlieren, ob auch dabei dem einen oder anderen chauvinistischen Hetzer wirklich ein Himmel voller Baßgeigen einstürzt._ Ermittlungsverfahren gegen Sixt v.flrmi'n« Eine Erklärung des Beschuldigte«. Die Reichsanwaltschaft hat gegen den General Sirt o. Armin ein Ermittelungsverfahren wegen Hochverrat eingeleitet. Der Angeschuldigte erklärt nunmehr in der»Kreuz- zeitung": »In dem Beiblatt zu Nr. 481 der„Zkreuzzeitung" vom 14. Oktober 19?S sind einzelne Sätze aus der Ansprache wiederge- geben, lbelche ich bei dsi Weihe des Denkmals für die Gefallenen des Regiments Augufta und der Referoe-Infanterie-Regimenter Sä und 202 gehalten habe. Diese dem.Vorwärts" entnommene Wiedergabe ist falsch, und die Fälschung hat zweifellos den Zweck, die An spräche in parteipolitischem In- teresse zu mißbrauchen. Ich stelle der Schristleitung an- heim, von dieser Erklärung Gebrauch zu machen." Die„Kreuzzeitung" bemerkt dazu, sie hätte ja gleich die Richtigkeit unseres Berichts in Zweifel gezogen. Das hat sie allerdings vorsichtshalber getan, zugleich hat sie aber unvor- sichtigerweise ihrer Freude und Genugtuung gerade über diesen Text Ausdruck gegeben. Was die„Fälschung" des„Vorwärts" betrifft, fei fest- gestellt: Unser Bericht entstammte einer der Sozialdemokratie völlig fernstehenden, aber von der Rechten oft in An- spruch genommenen Korrespondenz, der man „Fälschungen" im Interesse unserer Partei sicherlich nicht nach- sagen kann. Derselbe Bericht erschien auch in zahlreichen an- deren Blättern. Die Blätter der Rechten freilich haben ihn ent- weder unterdrückt, obwohl sie mit fleißige Benutzer jener Korespondenz sind, oder gerade jene Sätze weggelassen, die wir zum Gegenstand unserer Kritik machten und mit denen sich jetzt verschiedene Amtsstellen beschäftigen müssen. Die Zensur, die von der Rechtspresse an jenem Bericht geübt wurde, ist für unsere Kritik die stärkste Bekräftigung. Nachdem die Rechtspresse durch uns aus ihrer Zurück- Haltung heraus gelockt war, sah sie sich genötigt, sich zu den Vorgängen am Friedhof und zur Rede des Generals v. Armin zu bekennen. Aber nirgends meldete sich ein Teilnehmer, der behauptete, daß der General anders gesprochen hätte als berichtet worden war. Läge wirklich eine„Fälschung" vor, so wäre es merkwürdig, daß außer dem Redner selbst niemand sie als solche erkannt haben sollte. Auch der General o. C r a m o n, der zugleich mit Herrn Sixt v. Armin in der „Kreuzzeitung" alsAugen-undOhrenzeugeder Feier das Wort nimmt, hat von einer Fälschung nichts bemerkt. er verteidigt vielmehr die ganzen Vorgänge so wie sie hier berichtet worden sind. General Sixt v. Armin unterläßt aucki zu erklären, in- wiefern eine Fälschung zir parteipolitischen Zwecken vor- liegen soll. Was will er eigentlich nicht gesagt haben? Daß er von„S. M. dem Kaiser und König" be- auftragt sei, das Denkmal einzuweihen? Will er nicht von „ehrfurchtsvoller Dankbarkeit und unwandelbarer Treue" zum Exraifer gesprochen haben? Will er nicht zur Treue auf- gefordert haben für„den Fahneneid, den wir Seiner Majestät geschworen haben"? Aber gerade diese von der republika- nischen Presse scharf kritisierten Stellen sind bisher von der Rechtspresse als Selbstverständlichkeiten und rls völlig einwandfrei verteidigt worden. Dicht über der Erklärung des Generals Sirt v. Armin in der.Kreuzzeitung" liest man z. B. folgenden Satz des Generals v. Cramon: .Daß wir alten Offiziere, ob hoch oder niedrig, die wlr an einen Gott glauben, denunseremKaisergeschworenen Eid der Treue hochhalten und ihn nicht als.wesenlose Fcrmel" betrachten, das leugnen wir allerdings nicht, und wenn ich erkläre, daß wir Schufke ersier Klasse wären, wenn wir das, wo- für wir in vielen Dezennien gelebt, gestritten und gekämpft haben, wie einen Handschuh auszögen und fortwürsen.* Also erstens wären die alten Offiziere Schufte, wenn sie nicht zur Rede des Generals Sirt v. Armin stehen würden, und zweitens will der General selbst diese Rede gar nicht so gehalten haben! Man sieht, für den Politiker wie für den Kriminallsten wird die Sache immer interessanter. Die erieüigte Opposition, Tie Kommunisten als Prügelknabe«. In der Opposition gegen die Preußenregierung geht der Katzenjammer um. Sie hat für den Wiederzusammcn- tritt des Landtags einen großen Angriff gegen die Regierung, im besonderen gegen den Genossen Severing vorbereitet. Sie hat sich den Anschein gegeben, als wolle sie einen großen, entscheidenden Kampf. Run ist sie erledigt, zerschlagen, noch ehe die parlamentarischen Auseinandersetzungen zu Ende sind. Sie hat durch Severing eine Absuhr erhallen, wie sie ver- nichtender nicht sein konn.e. Bei den Abstimmungen in der nächsten Woche wird ihre wahre Stärke zahlenmäßig fest» gestellt werden. Nachdem die Kommunisten nicht mehr Seite an Seite mit den Deuischnationalen Mann für Mann gegen Severing stimmen wollen, sind die Hoffnungen der Rechtsparteien unter Null gesunken. Sie sitzen an den Wassern Babylons und weinen. Die.Deutsche Zeitüng" klagt laut:„D i e P r e u ß e n- Opposition zerschlagen!" Ja, sie ist zerschlagen. aber nicht durch den„neuen Kurs der Kommunisten", die der Reaktion erst als Hansknecht gedient haben und nun als ihre Prügelknaben herhalten müssen! Sie ist zerschlagen durch ihre eigene Unehrlichkeit und Demagogie. Sie wollte ja gar nicht den Sturz der Regierung Braun-Severing: denn sie fürchtet die Landiagsauflösung und die Neuwahlen. So offenherzig w'.e die„Deutsche Zeitung" sind frellich nicht alle Organe der Opposition. Die.Kreuz- zeitung" redet ihren Lesern vor. nun werde man den Kampf bei der Etatsabstimmung zur Entscheidung bringen. Sie zitiert die Versicherung von W i lhelm Pieck, daß die Kommunisten den Etat ablehnen würden, und fügt hinzu: .Ganz vortrefflich. Da auch die bürgerliche Opposition dein Minister Severing das Gehalt nicht bewilligen kann, wird diese Etatposition abgelehnt werden, was ein Miß- trauensvotum in schärfster Form wäre. Es könnie unter diesen Umständen sogar auf die Abstimmung über die Miß- trauensanträge verzichtet werden." Aber das ist doch eben nur Trost von einem Tag auf den andern. Die„Deutsche Zeitung" wünscht auch diese Form der Opposition, aber ohne große Hossnungen auf Erfolg: .So bleibt nur das zweite, was wir in unserer Kritik der Echternacher Oppositionsmcthoden im Landtags ebenfalls und ais in erster Linie notwendig von vornherein gefordert Haben: die grundsätzliche Ablehnung der von Braun-Severing e'n- gebrachten D o r l a g e n. insbesondere also auch die Ablehnung der Etats des Ministerpräsidenten und des Innen- minister». Allerdings dürft« nunmehr auch dieses Mittel verspätet und in» zwischen wirkungslos geworden sein: wenn auch die Komnui- nisten(jedenfalls heute noch) erklären, diese Etats gleichfalls abzu- lehnen, so ist doch auf die Unterstützung der Wirtschaftlichen Ver- «inigung in dieser letzten Kampfmöglichkeit kaum zu rechnen(viel- leicht nicht einmal auf die der Deutschen Bolls- Partei)." Diese Form der Opposition wird gewiß sehr klärend sein /stlzu öequemes. Konzertumschau von Kurt Singer. Das Berliner Sinfonieorchester ist durch den neuen Dirigenten Oskar Fried auf neuen Boden gestellt worden. Die geschossene stärkere Resonanz prägt sich bereits im Publikum aus. Aufmerksame, feierlich gestimmte Mienen, statt des früheren Vereinspublikums. Das Orchester selber in guter Haltung, gelegent- lich von einem inneren Schwung, der mitreißend ist.'Man hört in der Obsron-Ouvertüre ein Piano, das nicht dufllos bleibt, eine Rhythmisierung, die von dem motorisch geladenen Kapellmeister auf die Musikerschaft übergeht. Selbst ein Zuviel an ekstatischer Bewegung stört nicht mehr? stürmt Fried los, so ist er im Geist wohl schon bei der phantastischen Sinfonie Berlioz' angelangt. Ein Führer von starkem Willen, dessen Leistung vom Vertrauen des Or» chesters getragen wird, ein Arbeitsmann, dessen Sehnsucht nach ort- licher Stabilisierung seiner musikantischen Kräfte andauern möge. Das>tsanwaU Dr. Graf- Leipzig hatte in einer D« r fa m m. lung der Sozialdemokratischen Partei nach einem Referat über„Die Reaktion in der Justiz' als Diskussionsredner u. a. erklärt, die deutschen Richter übten gegen Arbeiter und Repu- blitaner Klassenjustiz, ivenn auch diese Klassenjustiz nur eine snbjek- tioe und aus der ZNentolität der Richter zu erklären sei. Die Richter seien bis auf geringe Ausnahmen Feind« der Republik, das deutsche Richtertum habe bei seiner Aufgabe, die verfassungsmäßige Staatssorm zu schützen, vollkommen versagt. Die Väter der Em- mingerschen Justizreform hätten die Absicht, mit Hilf« der Gerichte die Arbeiterschaft dauernd niederzuhalten. Wegen dieser Aeußerung hatte sich Gknoss« Dr. Graf zunächst vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer in Dresden zu verantworten. Er wurde zu der geringsten Straf« der Warnung Äwrteilt. Segen das llrtell hasten jedoch Dr. Graf und der General» stiwtsanwalt Berufung eingelegt. Die Berufungsverhanblung fand vor dem Ehrengerichtshof für deutsche Rechtsanwälte in Leipzig statt. Borsitzender war Senatspräsident O« g g. Berichterstatter Justizrat Geutebrück, dar Der leidiger eines Kappisken vor dem Reichsgericht, Beisitzer drei Reichsgerichtsräte und zwei Rechtsan- wälte beim Reichsgericht. Unter den Zeugen befand sich Landgerichtsrat Dr. Zilling, der die Anzeige gegen Dr. Graf erstattet hatte, sowie Landgerichtsdireltor Hünersdorf, der sich bei feiner Aussage zu der Behauptung verstieg, daß bei der Sozialdemokratischen Partei Befehl« ausgegeben seien und Partei- tagsbeschlüsse bestünden, wonach ihre Redner im Sinne der 2luz- sührungen des Genoffen Graf sprechen müßten. Den Beweis für seine kindliche Behauptung blieb der Landgerichtsdirektvr allerdings schuldig. Reichsanwalt Riethommer. der wohlwollende Ankläger im Prozeß gegen die Organisation„Eonsul", vertrat die Anklage gegen den Genoffen Graf. Die deutschen Richter, erklärt« er, seien zwar auch nur Menschen, aber innerhalb ihres Amtes pslcgten sie sich vollkdmmen von allen menschlichen Fehlern loszulösen. Der Vor- wurf der Klassenjustiz sei daher völlig unbegründet, sowohl ob- jektio als subjektiv.(!) Und dann kam ein scharfer Angriff gegen die Sozialdemokratie als solche. Auf dem' Heidel- berger Parteitag habe Scheidemann in dürren Worten den deutschen Richtern den Borwurf bewußter Rechtsbeugung gemacht und damit die wahre Meinung der Sozialdemokratie zu erkennen gegeben. Der Vorwurf der Klassenjustiz sei daher im Munde eines Sozial- demokraten immer ein Vorwurf der bewußten Rechtsbeugung. Genosse Wolfgang He ine wies als Verteidiger Dr. Grafs die Behauptungen Niethammers zurück und hielt dem deutschen Richtertum den Spiegel seiner Sünden vor. Auch Eenoffe Graf selbst rechnete scharf mit der staatsfeindlichen Gesinnung des deut- fchen Richtertums ab:«r habe von seinen Behauptungen und seiner Meinung nichts zurückzunehmen, kein Urteil könne ihn dahin be- irren, diese Meinung auch fernerhin bei gebotener Gelegenheit zu oertreten. Diese Ausführungen Dr. Grass oerfehlten chre Wirkung nicht. Entgegen dem Antrage des Anklägers erhöhte das Richterkollegium, das sich anmaßte, über seine eigene Makellosigkeit zu Gericht zu sitzen, die Strafe der Warnung auf einen Verweis und sietlte noch einmal ausdrücklich fest: Der Vorwurf der Kloffenjustiz gegen das deutsche Richtertum ist in jeder Beziehung unbegründet! Die Zusammensetzung des Eerichishofes erklärt das Urteil. Wie kann man von Richtern, die selbst dazu bei- getragen haben, den Glauben an die Objektivität der Gericht« zu erschüttern, erwarten, daß sie ein objektives Urteil über die Berechtigung des Borwurfs der Klafienjustiz abgeben, so- weit darin überhaupt ein Vorwurf, nicht eine'tutsächlich« Feststellung enthalten ist. Das Urtell ist lediglich ein komischer Zwischenfall innerhalb des Kapitels: Justiz der deutschen Republll!_ Preußen und die öeamten. Höpker-Aschoff im Schatten SchliebeuS. Wie wir es bereit» getan haben, stellt nunmehr auch die „Vpffische Zeltung" fest, daß die Entscheidung über die Besoldungs- erhöhung auch der preußischen und der Kommunalbeamten infolge des Desoldungssperrgesetzes und der finanziellen Abhängigkeit Preußens vom Reich einzig und allein in den Händen der Reichs- tagsloalition und des deutschnationalen Reichsfinanzministers liegt. Anstatt aber dies festzustellen, so sagt die„Doff. Zeitung", habe der Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff„eigenartigerweise sich bemüht, die Beamtenbcsoldungxpolitik seines deutschnationalen Kollegen, des Reichsfinanzministers v. Schrieben, zu verteidigen. Dazu lag vom Die Gememöesrbeiter im Kampf. Magistrat und Schlichtungsausschutz gegen jede Lohnerhöhung. Nachdem der Mogistrat den Schiedsspruch der Ober- schiedsstelle für die Kämmereiarbeiter abgelehnt hat, hat die Tariskommission für die Kämmereiarbeiter am Donnerstag ebenfalls die Ablehnung des Schiedsspruches be- schloffen. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat sofort die notwendigen Schritte unternommen, um die Streitfrag« vor die nächste Instanz zu bringen. Das gegenwärtig« Lohnabkommen datiert vom 2. August l9ZS. Es ist nicht befristet und am 17. September aufgekündigt worden. Um einen genauen lleberblick über das Verhältnis der derzeitigen Löhne der Gemeindearbeiter mit denen der Vorkriegszeit zu er- Hollen, ist es notwendig, einig« Zahlen anzuführen. Der Wochenlohn des ungelernten Vollarbeiters mit den höchsten Dienstalterszuiagen beträgt zurzeit Z3.Z2 M. Hierzu kommt eine Wochenzulog« für Frau und Kind von je 1 ,4i M. Das höchste Vorkriegseinkommen der Ar- beiter der Berliner Straßcnreinigung, der Kanalisation, Markt- ballen, Schlacht- und Viehhof usw. betrug ZZ.SS M. pro Woche, wobei zu berücksichtigen ist, daß die damaligen Ab- z ü g e für Sozialversicherung usw. etwa l,1S bis 1,20 M. pro Woche betrugen, während heute bei einem Wochenlohn von 33,12 M. die wöchentlichen Abzüge etwa 3,50 bis 4 M. betragen, so daß das Nettoeinkommen der städtischen Arbeiter auch in, gegenwärtigen Augenblick unter dem Einkommen des Zahre» 1914 steht. Aehnlich sind die Derhällnifse bei den angelernten Ar- bcitern und Handwerkern. Die Arbeitsleistungen selbst sind heute höher als im Jahre 1914. Dies geht schon daraus hervor, daß die Belegschaften in den einzelnen De- trieben wesentsich unter dem Personal st and des Jahres 1914 heruntergegangen sind. Ziehen wir in Berück- fichtigung, daß die Reichsinderziffer zurzeit 14S,0 des Standes vom Jahr« 1914 betrögt, so geht daraus hervor, daß das derzeitige Lohneinkommen der Ge- meindearbeiter nur eine Lebenshaltung ermöglicht, die ungefähr 65 Proz. der Lebenshaltung des Jahres 1914 beträgt, wobei noch zu beriicksichiigen ist, daß die Indexziffer die erhöhten Lohnabzüge usw. nicht einbegreift. » Die Lohnregelungen, die in den letzten Wochen in verschiedenen deutschen Städten und Bezirken für die Gemeindearbeiter durchgeführt worden sind, gehen in ihrem Ausmaß zum Teil erheblich über die Berliner Gemeindelöhne hinaus. So beträgt der Spitzenstundenlohn für den Handwerker in W ü r t t« m- berg 95 Pf. Hierzu kommen noch drei Dienstalterszulagen von je 2 Pfennig. Der Spitzenlohn für Köln a. Rh. beträgt 82 Pfennig. Der Spitzenlohn für A a d e n/ Mannheim 1,06, ab 1. Dezember 1,07 pro Stunde. Die letzten Lohnvereinbarungen, die mit dem Landesarbeit. geberverband Bayern geführt wurden, haben den Spitzen- stundenlohn in München, Nürnberg und Fürth auf 96 Pf. erhöht. Dabei sind auf Grund der statistischen Feststellungen der Reichsbehörden die Koskea der Lebenshalkung in Verlin wefenMch höher als in den genannten Stödten und Bezirken. Zum Be- weise führen wir die Ortslohnzulagen für die Reichs- und Staats- arbeiter an. Die Ortslohnzulagc beträgt für �Stuttgart 22 Proz., in Köln, Nürnberg, München je 10 Proz. Für Berlin ist die Ortszulage der Reichs- und Staatsaibeiter auf 40 Proz. erhöht worden. Durch diese Erhöhung und die Verkürzung der Arbeitszeit von 51 auf iB% Stunden ohne Lohnverminderunz er- höhen sich die Stundenlöhne der Reichs« und Staatsarbeiter um durchschnittlich 10)4 Pf. für die S�t u n d e. Auch im Berhällnis zu den Löhnen wderPrivatlndustrie müssen die Löhne der Eemeindearbeiter als rücksiändig bezeichnet werden. Die Lohnsätze im Baugewerbe betragen gegenwärtig 1.25 bis 1,96 M.. für ungelernte Arbeiter 78 bis 1,11 M. In der Konfettion werden Wochenlöhne für mann. liche gelernt« Arbeiter bis zu 58 M. bezahll, für Arbeiterinnen bis zu 37 M. In der H o l z i n d u st r i e find für Facharbeiter Löhne bis zu 1.40 M. vre Su-nd« üblich. Die Löhne der Lebens- mittel, und Genußmittelindustrie sind in der Reichs- monopolverwallung ab 7. August 1925 für ungelernte Arbeiter auf 33 M. festgesetzt. Die Löhne in der Fleischerei, für Gesellen, schwanken zwischen 46,80 und 57,60 M. Die Stundenlöhne der Elektriker in der Metallindustrie betragen in der Spitz« 1,25 M. für die Stunde, bei den Kupferschmieden 1,12 M. für die Stunde. * Die Arbeiter der städtischen Gas- und Wasser. werke und der Gasbetriebsgesellschaft hallen, wie wir seinerzeit niiiteillen. gleichfalls eine Lohnerhöhung van 10 Pf. gefordert. Für die Ungelernten sollte der Lohn vyn 70 auf 80 Pf., füll A n g e l e r n l e von 76 auf 86 Pf. und für die Hand- w e p k e r von 87 auf 97 Pf. erhöht werden. Bescheidene Forde. rungen, die hinter den in der Privalindustrie gezahllen Löhnen zurückbleiben. In den direkten Verhandlungen mit den Direltionen, die am 6. Oktober stattfanden, sind diese Forderungen abgelehnt worden. Di« Direktion der Gaswerke stand auf dem Stand- punkt, daß eine Lohnerhöhung ohne eine gleichzeitige Erhöhung der Tarife für sie nicht tragbar fei. Die Direktion der W a f f e r w e r k e tellte diese Bedenken zwar nicht, schloß sich aber trotzdem den Gaswerken an. Alfa Ablehnung auf der ganzen lliate. Schließlich wurde vereinbart, daß der Schlichtungsausschutz zur Entscheidung angerufen werden soll. Gestern vormittag hat der Schlichtungsausschuß getagt. Sein Spruch ist mehr als merkwürdig: Mit Rücksicht auf die„unsichere politische Lage"(!) und den noch völlig ungeklärten Verlauf der Verhandlungen in Locarno(!!) müßte von einer Lohner- höhung abgesehen werden. Die alten Löhne sollten bis zum 1. November b e ll e h e n bleiben. Die Tariskommission und die Obleute der Betrieb« haben am Nachmittag sofort zu diesem sonderbaren Schiedsspruch Stellung genommen und haben ihn«in st immig abgelehnt. Der ijunktitmärkonsereiiz, die sich noch gestern abend versammelte, wurb» empfohlen, den Spruch ebenfalls abzulehnen. Die Funktionäre sind der Empfehlung e i n st i m m i g gefolgt. In den in Frage kommenden Betrieben findet nunmehr eine Urabstimmung statt, die bis Montag mittag beendet sein muß, und die über die A n n a h m e des Schiedsspruches oder über den Streik entscheiden wird. Eine Obleute- und Funktionär- konferenz wird am gleichen Tage aus dem Ergebnis du Urab» stimmung die notwendigen Schlußfolgerungen ziehen. » Das sind die nüchternen Tatsachen. Wir haben nicht nötig, sie aufzubauscben. Der Magistrat, der ja gegenwärtig dank der cln- trächtigen Zusammenarbeit der Kommunisten und der Rechtsparteien wieder eine feste bürgerliche Mehrheit hat, scheint aus- gerechnet den gegenwärtigen Zeitpunkt für besonders günstig zu halten, um eine Politik zu machen, die man beim besten Willen, die Dinge nicht zu übertreiben, nicht anders bezeichnen kaim als eine Katastrophenpolitik. Begreift man denn nicht, welche Enttäuschung der aus» gebliebene Preisabbau hervorrufen muß? Begreift man denn nicht, daß die Ärbeitcrschajt, die sieben Jahre lang durch die WÄte der Einschränkungen und Entbehrungen gegangen ist, der man chre in der So-Ialoeisicheruno ersparten Groschen durch den Zusammenbruch du Mark geraubt hat, der man olle Lallen aufgehalst und alle sozlalpalitischen Errungenschaften abgebaut hat. daß dieser mit Versprechungen gewmtcn Arbeiterschaft auch einmal der Geduldsfaden reißen muß? Und nun kommt, um das Maß zum Ueberkaufen zu bringen, der Schlichtungsausschuß und verweigert den' Gas, und Wasserarbeitern jede Lohnerhöhung. Dieser merkwürdine Schiich. tungsau-schuß beruft sich dabei— auf die volitische Situation und die Vsrhandlungen von Lorgrno! Also weil man endlich wirk- lich-n Frieden macht, weil man e n d l i ch zu einem Aurgleich kommt, weil endlich die Unsicherheit von uns genommen wird, deshalb sollen die Arbeiter weiter entbehren! Wenn abgetakelt« Ofsiziera diese Befrieduna als K tollrophe betrachten, so ist da» normal. Aber ein staatlicher Dchl.'cHimgsausschutz sollte seine wirtschaftliche Weiebeit aus anderen Quellen als aus der völkischen Presse schöpfen. Wenn der Magistrat, wenn der amtliche Schlichtungsausschuß derart versagen, was bleibt dann der Arbeiterschaft zu tun übrig � Diese Frage mögen sich die Herrschaften einmal selbst vorlegen. Dann werden sie sich nicht wundern über die 2lntwon. die mit tragischer Gew ßheit kommen muß. preußischen Standpunkt aus gar kein Anlaß vor. und man geht wohl auch nicht sehl in der Annahme, daß die meisten übrigen Mitglieder des preußischen Kabinetts in dieser Frage mit Dr. f)opker-Aschoss nicht übereinstimmen". Auch wir haben inzwischen erfahren, daß das Preußische Staats- Ministerium Herrn Dr. Höpker-Aschoff wohl ermächtigt hatte, jene den Tatsachen entsprechende Feststellungen zu machen, aber ihm leinen Auftrag zu seinen weiteren Ausführungen gegeben halte. Wir zweifeln nichi daran, daß zu den Mitgliedern des preußischen Kabinetts, die. wie die„Voss. Zeitung" schr richtig sagt, mit dem preußischen Finanzminister in dieser Frage nicht übereinstimmen. auch die sozialdemokratischen Mitglieder gehören. Herr Dr. Höpker- Aschoss scheint ein Opfer seiner deutschnationalen Referenten ge» worden zu sein. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen der sozial- demokratischen Frakiion des preußischen Landtags»nd den sozial- demokratischen Ministern im Prcußenkabinett besteht also auch in dieser Frage nicht._ Republikscbeu im Rundfunk. NichtS von Preuh. In Nr. 480 teilten wir mit. daß der Berliner Rimdfimk am Abend de? 13. Oklobcr nickit'mit einem einzigen Worte der Trauer- seieilicbkeiten für Hugo Yreuß gedackt hätie. Tat sä» Ii» ist unserem Berichterstatter dabei»in bedauerlicher Irrtum unterlauien. Ter Berliner Rundfunk hat«m 18. Lltober nach- mitiag« 1 Uhr 8 Minute« einen sehr ausführlichen Be- r icht über die Trauerfeier im Gebäude de» Preußischen Landlag? verbreitet.__ Schwarzweißrote Provokation. Unter Duldung der ReichSregieruug. Bei dem Besuch des Reichspräsidenten Hindenburg im Ruhr- gebiet hielten sämtlich« Zechen es für angebracht, auf ihren Schachitürmen große schwarzweif) rot« Flaggen zu hissen. Offenbar handelte es sich dabei um einen Beschluß des Dergbauoer- eins, des Zechenverbandes oder einer sonstigen Korporation. Auch die Zechen„Victoria Matthias",„Friedrich Ernestine" und„Graf Baust", deren Kuxe- stch vollständig im Besitze de« kommunalen rheinisch- westfälischen Elektrizitätswerke» be- finden, flaggten schwarzweißrot. Das Aktienkapital dieser RWE.- Werke befindet sich zu einem großen Teil in der Hand des Reiches. Trotzdem antwortet die Reichskanzlei auf eine Be- schwerd« an den Reichskanzler, daß da» Reich keine Möglichkeit habe, auf da» RWE. Einfluß zu nehmen! Da» ist natürlich eine Aus- red«, selbstverständlich kann die Finanzverwalwng ol» Inhaberin eines bedeutenden Aktienpakets von dieser Gesellschaft verlangen, daß sie sich beim Besuch des Rolchspräsidenten einer vifenkundigen schwarzweißroten Provokation der verfassungstreuen Bevölkerung enthält und daß sie mit den Reichssarben und nicht mit den Hoch. verratsfarben flaggt, ganz abgesehen davon, daß es ihre Pflicht ist, überall für Einführung der verfassungsmäßigen Farben zu sorgen. Wenn die Reichskanzlei auf diese Gesellschaft keinen Einfluß nehmen „kann", dann wohl mehr deshalb, weil sie unter Dr. Luthers Reqi- ment solchen Einfluß nicht nehmen will. Auch ein Zeichen zur De- urteilung der Rechtsregierung! Um das Kabinett painlevs. Nongrest der radikalen Regierungspartei. Mzza. 15. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Kongreß der radikalen und radikalsozialen Partei ist hier eröffnet worden. Diesem Kongreß, an dem zahlreiche Regierungsmitglieder teilnehmen. kommt angesichts cher politischen Neugruppierung, die man nach dem Wiederzusammentritt des Parlaments erwartet, besondere Be- deutung zu. Die starke Mißstimmung gegen das Kabinett Painleve, die durch den Mißerfolg der Eoilloux- fchen Schuldenverhandlungen mit Amerika und feine Inneren Sa- nierungsmaßnahmen noch gewachsen ist. hat bereits am Mittwoch- abend zu einem Zwischenfall g-sührt. Die Vertreter der südölliichcn Departements richteten nämlich an H e r r i o t eine Adresse mit einem versteckten Tadel gegen die Politik Painleves. Der der Sitzung beiwohnende Innenminister Schramek legte heftig Der- Währung dagegen ein. und auf fein Verlangen wurde die betresfend« Stelle abgeändert. Dieser Zwischenfall Kch nach der Eröffnung des Kongresses den Gegenstand lebhafter Diskussion ge- bildet. Während sich die Abgeordneten aus der Provinz und namentlich die der südlichen Departements sehr scharf gegen das Kabinett Painleve äußerten, sind die au» Paris gekommenen Par- lamentarier in ihrer Kritik gegenüber der Politik Painleves weniger unversöhnlich gewesen. H e r r i o t wies in groß angelegter Rede d!« von der Reaktion gegen die Politik der Linken gerichteten Vorwürfe zurück und unterstrich mit starkem Nachdruck die Notwendigkeit, unter allen Umständen das Kartell, das den lebendigen Ausdruck des politischen Wollens der großen Volksmehrheil bilde, aufrechtzuerhalten._ Ischl scherin fährt heute Freitag, van Berlin nacki einem Kur« ort im beteyle» Gebiet Teutiedlonds. Die Aerzte erschien eine Kur von wenigsten« sechs Woche» für rat'arn. Die britisch- indischen vasavcnsiaaken Zemmv and Kaschmir hoben wieder einen Henslber. Der biitsiche Resident Srinagar Sir Jahn W o o d i n übermittelte Sir H a r i S i n g h die formelle Bestätigung al« Herrscher. Di« Thronfolge Sir Hart Singh» goli bisher al» zweifelhaft. Gewerkschaftsbewegung Beratungen des Reichswirtschaftsrats. Arbeitslosenversicherung, Angestelltennot, Achtstundentag. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrats behan. belte gestern den Gesezentwurf des Reichsarbeitsministeriums über Arbeitslosenversicherung, der die provisorische Regelung der Erwerbslosenfürsorge in den gefeßmäßigen 3 stand überführen will. Der Gesezentwurf wurde ohne weitere Stellungnahme einem Arbeitsausschuß überwiesen. Weiter nahm der Sozialpolitische Aus schuß Stellung zu der in der Deffentlichkeit vielfach erörterten Notlage der älteren Angestellten. Dem Reichsarbeitsministerium schien der Weg einer gewissen Einstellungs. pflicht der Unternehmerschaft gegenüber den älteren und ver heirateten Angestellten möglich, um wirksam der Notlage dieser Angestellten entgegenzutreten. Der Entwurf lehnt sich an die im Gefetz über die Beschäftigung Schwerbeschädigter ver wirklichten Gedanken an, ohne allerdings dem Gefeß in allen Einzelheiten und insbesondere in seinen weitgehenden Zwangsbe. stimmungen zu folgen. So sieht z. B. der vorliegende Entwurf lediglich ein Rahmengesetz vor, dessen Durchführung in der Regel besondere Anordnungen der Landesarbeitsämter voraussehen würde. Nur im Ausnahmefalle soll die Anordnung gleichzeitig für das ganze Reich ergehen können. Auf diese Weise foll der Notstandscharafter stärker gewahrt und der Schutz auf das unbedingte Mindesimaß beschränkt werden. Der Entwurf will den Arbeitgebern die Pflicht auferlegen, nach vorheriger Meldung offene, d. h. freigewordene oder neu geschaffene Stellen vorzugsweise mit geeigneten älteren verheirateten Bewerbern zu besetzen. Für die Angestellten ist Borausseßung. daß sie das 40. Lebensjahr erreicht haben und den Nachweis einer mindestens zehnjährigen Berufszugehörigkeit und außerdem einer dreimonatigen Beschäftigungs. Lofigkeit führen. Die Frage wurde zur weiteren Behandlung einem Arbeitsausschuß überwiesen. Eine weitere Aussprache über die Fortsetzung der Tätigkeit des Arbeitsausschusses zur Beratung de Entwurfs eines Verzeichnisses zu§ 7 der Arbeitszeitper ordnung betreffend den sanitären Arbeiterschutz ergab, daß die Arbeiten mit Beschleunigung weitergeführt werden sollen, da eine endgültige Regelung durch ein Arbeitszeitgefeß noch nicht zu erwarten fei. Aussperren, auch wenn sie zahlen können. Keine Nachprüfung der Schwindelzahlen der Zechenbefizer. Breslau, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Im Waldenburger Bergbau ist ein Schlichtungsversuch des Breslauer Regie rungspräsidenten gescheitert, ber die angekündigte Aus fperrung von 30 000 Bergarbeitern in diesem Notstandsgebiet zu vermeiden suchte. Es war vorgeschlagen worden, daß eine Kommission, bestehend aus zwei Vertrauensleuten der Unternehmer, ferner aus dem Genossen Löffler als Vertrauensmann der Berg arbeiter und schließlich aus dem bürgerlichen Regierungspräsidenten, die Selbst kosten der Waldenburger Kohlenbergwerfe nach prüfen sollte. Auf Grund dieser Nachprüfung sollte dann entschieden werden, in welchen Fällen die vom Schlichter für Niederfchlesien bewilligte und vom Reichsarbeitsministerium bereits für verbindlich erklärte Lohnerhöhung von 7 Proz. zu zahlen wäre. Die Arbeitgeber erflärten jedoch, daß fie eine Nachprüfung ihrer Selbstfosten grundsäglich ablehnen müßten. Schon nach den bisherigen niedrigen Bergarbeiterlöhnen stand dieses Revier ungünstiger als alle anderen deutschen Bergbau. repiere, obwohl es in letzter Zeit infolge des deutsch- polnischen Handelstrieges und des Fernbleibens polnischer Kohle nicht schlecht beschäftigt war. Die Durchführung der Kündigung würde die Joeben erst vom Ausschuß des preußischen Landtages festgestellten furchtbaren sozialen Zustände dieses Reviers ins tatastrophale steigern. OMEG Lohnregelung im Steinfeggewerb Nachdem die Attiengesellschaft für Bauausfüh| rungen wegen Herabsetzung der Hilfsarbeiterlöhne von 78 auf 74 Pf. jowie Nichtzahlung des Fahrgeldes und des sozialen Zuschlags non 3½ Pf. je Stunde durch die Tarifinstanzen tarifuntreu er flärt wurde, hatte die Firma das Schlichtungsamt zur endgültigen Entscheidung angerufen. Dieses stellte fest, daß alle mit Kabelarbeiten beschäftigten Arbeitnehmer nach den Lohnfäßen des Steinfegtarifs bezahlt werden müssen. Am 14. d. M. fanden wieder Berhandlungen statt. Die Firma perpflichtete sich, den Tarif anzuerkennen und fand sich grund fäglich bereit, die Lohndifferenz usw. nachzuzahlen; ebenso den Lohnausfall für die Tage, an denen auf Grund des Tarifftreits nicht gearbeitet worden ist. Da das Lohnabkommen für die Zeit vom Juli bis September von den Unternehmern gefündigt wurde, verhandelte die Schlichtungsfommission in drei langfristigen Sigungen über die Kündigung und über die Gegenforderungen. Am 13 d. M. ist nunmehr beschlossen worden, mit Rücksicht auf die Gesamtverhältnisse es bei den bis. herigen Stundenlohnsägen zu belassen. Verstöße gegen dieses Abkommen sind zu melden an das Bureau der Steinarbeiter, SD 16, Engelufer 25. Schiebungen im Mehlfuhrgewerbe. Durch den letzten Streit der Mehlkutscher und-Mitfahrer ist es gelungen, die unwürdigen Arbeits- und Entlohnungsverhältnisse abzuschaffen. Burden doch bis dahin die Kutscher nur schlecht und die Mitfahrer meist gar nicht entlohnt. Diese waren gezwungen, das zum Leben Notwendige durch sogenanntes Mehlkragen" zu er werben. Das heißt, sie entwendeten aus den Säden Mehl, um es zu verkaufen. Durch den Streit wurde nicht nur der Schwerfuhr wertslohn von 53 Mart für Kutscher und Mitfahrer erreicht, sondern zugleich, zum Vorteil der Mehlfuhrherren, eine Erhöhung der Rollgeldfäße von bisher durchschnittlich 55 Pf. auf 75 Bf. pro Gad. Die Fuhrunternehmer sind durch Innungsbeschluß angewiesen, diese Rollgeldfäße von den Mehlhändlern zu fordern. Trog dem finden sich schon wieder Fuhrunternehmer, die diese Säge aus Konkurrenzneid unter bieten. Den dadurch entstehenden Gewinnausfall versuchen sie wettzumachen, indem sie ihre Kut scher und Mitfahrer an vier Tagen in der Woche bis zu 14 Stunden am Tage ohne Ueberstundenbezahlung beschäftigen, fie an den übrigen Tagen jedoch aussehen lassen. Auf diese Weise hat das Fahrpersonal trotz des tariflich fest. gefekten Lohnes von 53 Mart nur wieder einen Wochenlohn von 30 bis 35 Mart. Er soll nämlich zum Stehlen von Mehl gezwungen werden, um feinen Lebensunterhalt bestreiten zu fönnen. feinen Mitfahrern ganz unverblümt, er fönne ihnen feinen Der Fuhrunternehmer Raspared, Aderstr. 109, erflärt Lohn zahlen, sie müßten eben fragen". Diese Zustände sind geradezu skandalös! Wenn die Fuhrherreninnung ein Interesse daran hat, in ihrem Gewerbe den start erschütterten Wirtschaftsfrieden wieder herzustellen, muß fie alles daranfeßen, diese Außenseiter zur Ordnung zu rufen. Sollte diesen Zuständen nicht bald Einhalt geboten werden, so ist in nächster Zeit mit einem neuen Kampf der Mehlkutscher und Mitfahrer zu rechnen. Die Teno" in der Glazer Glasindustrie. " Zu welchen Zweden Unternehmer die Technische Nothilfe miß brauchen, zeigt der seit voriger Woche ausgebrochene, von den Glasindustriellen heraufbeschworene Lohntampf in der lager Glasindustrie. Weil die Glasarbeiter auf der Erfüllung eines für verbindlich erklärten Schiedsspruches bestehen, sind sie auf Beschluß des Verbandes der Glasindustriellen der Grafschaft Glag entlassen worden. Trotzdem sämtlichen Arbeitnehmern gefündigt worden war, beließ man doch die zur Ausführung der Notstands arbeiten benötigten Arbeiter in den Betrieben, dazu in reichlichstem Maße. Dennoch erfolgte bereits am ersten Tage von einem Betriebe der Anruf der Technischen Nothilfe zur Stellung von Padern, weil nach der Meinung der Direktion Berpadung und Versand von Glaswaren Not. standsarbeiten" feien. Tatsächlich erschienen im Eiltempo mit Rraftwagen bie in bem dortigen Gebiet zuständigen Führer der Teno" und nach vorheriger Besprechung mit der Direktion wurde dem dann hinzugerufenen Betriebsrat nach dessen Anhörung erklärt, daß die von der Firma als notwendig befundenen Arbeiter gestellt werden müßten, weil es fich in der Tat um eine Lebensnotwen digkeit für den Betrieb handle. Was bisher als unmöglich erfchien, war Tatsache geworden: die Berpadung und der Verfand von Lurusglaswaren war lebenswichtig geworden! Die beiden Führer der Technischen Nothilfe gaben sich die redlichste Mühe. dem Betriebsrat die Notwendigkeit dieser Arbeitsleistung vor Augen zu führen und drohten im ablehnenden Falle mit der Stellung von Arbeitsfräften durch die Tech nische Nothilfe. Aber auch diese Drohungen konnten den Betriebsrat nicht beeinflussen, sondern es wurde immer wieder be. tont, daß von Rotstandsarbeiten teine Rede sein tönne, wie im übrigen die Firma ja selbst allen Arbeitern ge= fündigt habe und nur den Schiedsspruch zu erfüllen brauche, um allen unangenehmen Dingen aus dem Wege gehen zu können. Erst durch das Eingreifen der Gewertschaftsvertreter bei den Provinzialstellen der Technischen Nothilfe gelang es, die Stellung von Arbeitskräften für die von der Firma gewünschten Zwecke zu verhindern und die beabsichtigte Provokation der Arbeiterschaft abzuwehren. Diefer Vorfall beweist wieder einmal, daß die einseitige Einstellung der Teno" zugunsten der Unterneh mer, selbst dann, wenn diese einen verbindlich erklärten Schiedsspruch sabotieren, dem Wirtschaftsfrieden nicht förderlich ist. Die Arbeitnehmer, die durch ihre Bewegungen nicht ihre Arbeitspläge verlieren, sondern ihre Arbeitsbedingungen verbessern wollen, haben an der Verrichtung der wirklichen Notstandsarbeiten ein so großes Intereffe, daß die Teno" dabei gänzlich überflüssig ist. Die Bettelentschädigung der Ruhrkämpfer. Bochum, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Eine Konferenz der Delegierten der freien Gewerkschaften nahm zu den Richtlinien des Reichsarbeitsminifteriums für die Entschädigung der durch Auswirkungen des Ruhrkampfes unterstützungsbedürftig gewordenen Arbeitnehmer des besezten Gebietes Stellung. Nach lebhafter Debatte, in der die Entrüftung über die Maßnahmen des Reichsarbeitsminifteriums deutlich zum Ausdruc tam, gelangte einstimmig eine Ent fchließung zur Annahme, in der gegen die Richtlinien des Reichs. arbeitsministeriums energisch Einspruch erhoben wird. Die Verfammlung, fo heißt es, stellt fest, daß die Spigenorganisationen des ADGB. an dem Zustandekommen dieser Richtlinien nicht mit. gewirkt haben. Den Arbeitern gibt die Regierung Steine statt Brot. Demgegenüber war die Regierung in der Unterstüßung der Unternehmer großzügiger; rund 715 millionen wurden für diese ausgeworfen, obwohl die Einnahmen mancher Grubenbefizer aus dem Bertauf der anfangs von der Besatzung beschlagnahmten, später aber freigegebenen Rohlenhalben nicht allzu gering gewesen find. Den Unternehmern gibt man doppelt, während man den Arbeitnehmern die kleinste Zuwendung durch allerlei Klauseln vorenthält. Die Delegierten erwarten von den Spizenverbänden, daß sie ihre Bemühun gen fortfehen und der Arbeitnehmerschaft des besezten Gebietes eine wirkliche Erleichterung ihrer Notlage verschaffen. Aussperrung in der chemischen Industrie Bayerns. München, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht). Die auf den 21. Oftober angelegte Aussperrung in der chemischen Industrie Bayerns hat bereits auf eine Reibe Betriebe übergegriffen. Nach Mitteilungen der Münchener Zahlstelle des Fabrifarbeiterverbandes beträgt die Zahl der ausgesperrten Arbeiter son über 5000. Die Arbeiterschaft felbst ist bereit, ihren berechtigten Forderungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln zum Erfolg zu verhelfen. Einigung im holländischen Bergbau. Amfterdam, 15. Oftober.( WTB.) In einer gestern in Heerlen abgehaltenen Sigung der Schlichtungskommiffion für den Bergbau wurde eine vollständige Einigung erzielt. Die neue Lohnübereinkunft, die bis zum 1. März 1926 gilt, tam hauptsächlich dadurch zustande, daß die Bergwerksdirektionen von ihrer Forderung nach einer fünfprozentigen Lohnfürzung abfahen, während die Arbeitervertreter sich zur Annahme der Verlänge. rung der Arbeitszeit an Sonnabend en bereit erklärten. Funktionäre des 3dA.! Bente, Freitag, 7% Uhr, in ben Armin- Sälen, Rommandantenstr. 58-59, allgemeine Funktionärversammlung. 1. Das Arbeitsgerichtsgefeh. 2. Angestellte unb Rommunalpolitik Rein Funktionär barf fehlen! Zum Eintritt bereaftigt Der gültige Funktionärausweis. Berband der Gemeinde. and Staatsarbeiter, Bezirke Neukölln, Brik, Rubom nub Butow. Montag abend 7 Uhr in Jonas Festfalen, Reukölln, Jonasfir. 22 Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Städtisce und Staatsarbeiter und die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent Rollege Bolenste. 2. Bericht über die Lohnbewegungen. 3. Berbandsangelegenheiten und Berschiedenes. Bollzähliges und bestimmtes Erscheinen ist notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. Gewerkschaft beatscher Bolfsschullehrer und Ballsschullehrerinnen. Nächste ( außerordentliche) Sigung am 17. Oftober, 8 Uhr, Rathaus, Rimmer 245. Tages ordnung: Referat des Genossen Ausländer:„ Die wirtschaftliche und gewert. fhaftliche Stellung des ruffifchen Boltsfajullehrers". Verantwortlich für Bolitik: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Entorn: Feuilleton: R. S. Doscher; Sotales und Sonstiges: Friz Raistädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Einger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstrake& Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch u. Kamm Pfund 130 Kaẞler Rippspeer Hammel- Vorderfleisch, Pfd. 80 pt. Hammelkeule Pfund u. Rücken 95pl. Rücken u. Schweinebauch Blak, Prd: 120 Schweineschinken Pfund 125 Liesen Pfund 120 Gehacktes... 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Jagdwurst und Hildesheimer, Pfund 155 Zervelat- und Salamiwurst, Holst., Pfd. 195 Speck magerer Plund 190 ca. 2 Pfund schwer, Prd. 210 Nußschinken u. Gouda Camembert vollett, Schachtel 25PI. Tilsiter 78 P dan., Pid. Limburger 95 Pl. u. Steppenkäse, Pid. Holländer und Tilalter, vollett, Plund 115 Schweizer Flund 160 125 finn. dan. weiße, Pland 18 Pf. Kuchen( Streuße) 30Pl. glasiert, Plund gut kochend, Plund 18PI. GelbeErbsen 24 Pl. Rübchen 5 pr. Neue Erbsen Viktoria, Plund 25 P 5pf. Neue Linsen 8 pt. Piund 5Pf. Mohrrüben 5 Zwiebeln Pfund Blumenkohl 35. große Köpfe von Winterkartoffeln Zentner 295 ( Zusendung in Groß- Berlin ir kl. Eack per Zentner 80 Pt. mehr.) Tafelbuiter 108 115 Dan. Butter Pid.- Paket 128 ungefüllt, Bienenstich Silick Wild u. Geflügel Wilde Kaninchen gestreift und ausgeworfen, Plund 98 pl. Gänserücken... Plund 115 Gänsekeulen ... Plund 170 Gänseklein mit Magen 175 Suppenhühner holländisch frisch geschlachtet, Pfund Dose 1 dal? Konserven Karotten In Streifen.. 42 PL In Schelben 65 PL Kohlrabi I in Schelber Schnitt-, Brechbohnen 75 Pt. Junge Erbsen fein.... 155 Junge Erbsen sehr fein 210 mit Grün 155 Dose mittelfein tein 2- Ptd.Junge Erbsen m Karotten 90 Pt. Junge Erbsen mit Karotten 155 142 Erdbear- Konfitüre Emer Znaimer Gurken Glas 130 Rindfleisch ohne Knochen 125 Wein .. Preise für Flasche einschtel. Stener ohne Glas 40P. Reinetten- Apfelwein Kuchen( Streußel) gefüllt, Sit 50 Pl. Apfelstrudel Stück 50P. Thuringer, Plund 40 Pr. Käsekuchen 50PI. Kaffee frisch gebr. 260 6 Sorten, von 260 4.60 Malzkaffee pid- 40 Pl. u. Roggenkafee, Pak. Kakao stark entBit, Marke Saturn", in Pak., Pid 80 Pl. Schokolade bitter, 2 Til. à 50 Gr. 40 Pl. Schokolade 68 PI. bitter, Til.& 25 Gr. Napolitains 50 Pl. naturrein Frankf. Apfelwein 1923 Hainfelder 58 PL Rackles Urquell 75 PL milder Pfalzwein 90 Pt. 1923 Mesenicher Brünnchen suffiger Mosel 1N 1923 Wonsheimer lieblich 1922 Dürkheimer Rotwein 140 1918 Chât. de Corneillan Margaux Bordeaux... 230 135 Tarragona rot, sin Ruster Gold su. Stärkungswein, Tokayera. gute Qualität 150 Malaga golden oder dunkel 180 Martinsberg Rheinhesse 105 Jamaica- Rum- Verschnitt 1922 Caseler würzig pikant 1922 Kirchheimer Rotwein 150 1 M 40 Vol. Prozent.... 320 Weinbrand Verschnitt 310 Extra*** Manegold Magen- 570 Jubiläums 6M Elixir orange" Nr. 4S9 ♦ 42.7ahrgaag 1. Seilage öes vorwärts Irekag, 16. Gktober 1425 Das Staötparlament vor Toressthluß Die Berliner Stadtverordnetenversammlung dat in ihrer gestrigen Sitzung, der letzten vor den Neuwahlen, noch ein paar wichtige Beschlüsse gefaßt. Tin Dringltchteits- a n t r a g der Sozialdemokratischen Fraktion, der zugunsten der Beamten, Ange st eilten und Arbeiter den Magistrat auf die Notwendigkeit schleunig st er Dorschußzahlung hinweist, wurde angenommen. Angcnom- men wurde in gestern nachgeholter Abstimmung auch der in der vorigen Sitzung erörterte sozialdemokratische Antrag, der ein Ortsstatut zur Schaffung von Kleingarten- Dauerkolonien fordert. Gegen ihn stimmte die ganze Rechte, was hoffentlich die Kleingärtner für die bevorstehenden Stadtver- ordnetenwahlen sich merken werden. Eine Debatte über die Neu- köllner Grobhandelsgesellschaft sollt« den Partelen der Rechten als Borwand dienen, wieder einmal gegen die Kom- munalifierung gewerblicher Unternehmungen Sturm laufen zu können. Sie glauben, hiermit ihre Wahlagitation beleben zu können. Genosse Großmann fertigt« die Angreifer kräftig ab. Er stellte fest, daß von bürgerlicher Seite alles getan worden ist, das Unternehmen zu Fall zu bringen. Di« Sitzung endete in Defchlußunfähigkeit. • Der Borsteher Gen. chaß eröffnete die gestrige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nach 5M Uhr mit einem Nachruf für den am 9. Oktober verstorbenen Landtags- nbgeordnetenProf. Dr. Hugo Preuh, der auch 23 Jahr« lang der Kommune Berlin als Stadtverordneter und Stadtrat fein« Kräfte zur Verfügung gestellt hat. Die Verdienste des Verstorbenen um die deutsche Reichsverfassung und um das Wohl Preußens und Berlins würdigte der Vorsteher in Worten höchster Anerkennung: die Versammlung nahm die Ansprache stehend entgegen. Eine Dring lichkeitsvorlage des Magistrats wegen der Uebernahme der Bürgschaft für eine von den Städtischen EleNriz'.tötswerfen JL- Frau Hausier(Dnat.) referierte, hat beantragt, die Vorlage dem Magistrat zurückzugeben, mit dem Anheimstellen, eine neue Vorlage einzubringen, aus der ersichtlich ist, wie sich der geforderte Betrag von 128 999 M. zusammensetzt. Es ist nämlich im Ausschuß zur Sprache gekommen, daß 23 999 M. für ein Säuglingsheim verwendet werden sollen. In der Beratung wurde vom Gen. Michael Sayser die Notwendigkeit der Bewilligung warm empfohlen; es würde ein großes Unrecht sein, die Erledigung hinauszuschieben. Er beantragte die Bewilligung von 195 999 M. Die Vorlage sei im Ausschusse nur sehr mangelhaft oertreten worden, da die Dezernentin Frau Stadträtin weyl auf einer DienstreiD ab- wesend gewesen sei. Nach längerer Aussprache wurde der Antrag«ayser mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und des Zentrums angenommen. In der A b st i m m u n g über die in der letzten Sitzung berate- nen A n t r ö g e der Sozialdemokraten und der Kommunisten wegen Vorlegung von Ortssatzungen gemäß Z 4 des preußischen Aussührungsgesetzes zum Reichs heim st öttengesetz stimmt die Versammlung mit einer aus der Linken, den Demokraten und dem Zentrum bestehenden Mehrheit dem Antrag unserer Genossen zu.— Im Gegensatz zu dem Magistratsbeschluste, dem Fiskus die Restkaufgelder für die Dauerwaldungen mit 79 Proz. aufzuwerten, hat der Ausschuß für den Antrag der Deutschnationalen. der gegen diesen Beschluß Einspruch erhoben wisten wollte, be- schlössen, den Magistrat um ein« besondere Vorlage zu ersuchen. Di« Versammlung stimmte zu. Die.Anweisung der Stadt Berlin für die Ausführung der Fürsorgeerziehung' wurde mit einer mehr redaktionellen, von unseren Genosten beantragten Aenderung ohne Debatte ge- nehmigt. Schwien(D. Vp.) erstattet« darauf Bericht über die Ausschuß- Verhandlungen in Sachen der Neuköllner Großhandels-G. m. b. h. Di« weltschichtigen Beratungen de» vusschustes, der auch zahlreich« Zeugenvernehmungen veranstaltet hat, haben zu dem Beschluß geführt. den Magistrat zu ersuchen, zivil- und strafrechtlich gegen den Direktor der Gesellschaft vorzugehen. Der Magistrat sei auch dabei, zu er- wägen, ob Strasantrog auch gegen den Aufsichtsrat gestellt werden solle. Jedenfalls sei eine Menge von Verstößen gegen eine einwand- freie Geschäftsführung erwiesen. Tatsächlich seien die Verkaufs- stände der Gesellschaft in den Markthallen an die Stadtgüter-G. m. b. H. und die Anteile an die Konsumgenostenschaft Berlin und Um- gegend verkauft worden. Den Verlust der Stadt berechne der Magistrat auf 499 999 M., der Ausschuß halte den Ausfall für beträchtlich höher, einige Mitglieder beziffern ihn auf etwa 1 Million. — Sestel(Komm.) erklärte, der Direktor habe geradezu verbrecherisch gewirtschaftet: eine heillos« Korruption habe in dem Betriebe Plag gegriffen. Es müste verlangt werden, daß der Magistrat mit allen Mitteln gegen diesen.Direktor' vorgehe, um ihn der verdienten Strafe zu überantworten.— Vorsteher-Stellvertreter Meyer bat die Redner, in ihrem Urteil nicht zu stark vorzugreifen und nicht per- sönliche Angriffe gegen Personen zu richten, die sich hier nicht ver- teidigen können.— Dr. Micha eli» und Müller-�ranken mesten dem Magistrat einen Teil der Schuld bei und erklären, daß hier die Kom- munalisierung oersagt habe. Das System ist das Verderbliche, da» System muß fallen. Diese Erkenntnis ist mit einer Million nicht zu teuer bezahlt.— Kämmerer Dr. K a r d i n g: Der Magistrat und der Oberbürgermeister haben nach aller Möglichkeit für schleunige Aufklärung der Sache gesorgt. Der Abschluß für 1923 war günstig: im Laufe des Sommer» 1924 ist eine Wandlung eingetreten: erst Anfang Dezember 1924 erfuhr der Magistrat davon und ist dann sofort eingeschritten eh« die Anfragen in der Versammlung ein- gereicht wurden. Der Magistrat hat also seine Pflicht qetan.— Virbach(D. Vv.) erklärt, daß die Kommunalisierung in diesem Falle versagt habe,(koch: Weil der Sozialismus pleite ist! Gelächter und Lärm. Glocke des D o r st« h e r s, der dringend ersucht, Zwischenrufe zu unterlassen.)— Bunge(Dnat.): Der Aufsichtsrat und der Magistrat haben schwere Unterlasiungssünden zu beantworten. Die Gelder der Steuerzahler sind verwirtschaftet und die Allgemeinheit hat jetzt den Verlust zu tragen. Genosie Großmann: Nicht am Grabe eines zusammengebrochc- nen, sondern am Grabe eines gemeuchelten kommunalbetriebc» stehen wir.(Lochen rechts.) Diese G. m. b. H. ist entstanden aus den kommunalen Einrichtungen in Neukölln unter Leitung des deutschnationalen Stadtrats Lier.(Große Unruhe rechts.) Sie sollte gerade in der Inflationszeit die Warenbclieserung des Klein- Handels und der Bevölkerung sicherstellen, man hat sie kaputt gemacht.„weil sie Schmutzkonkurrenz triebe", das Bestreben der ver- einigten Rückwärtser ging dahin, dem Unternehmen auf jeden Fall den Hals umzudrehen. Die ganze Debatte zeigt das Leslrebeu, den Aufsichtsrat verantwortlich zu machen. Hat er wirklich dem Geschäftsführer zu sehr freie Hand gelassen, so kann er sich immer- hin auf das Urteil des Revisors berufen, der bei Prüfung der Goldmarkeröffnungsbilanz der G. m. b. H. große Widerstandsfähig- keit nachgesagt hat. Die Versuche, den kommunalisierten Betrieben dm Garaus zu machen. haben sich ja nicht auf die Neuköllner G. m. b. H. beschränkt. Na- türlich haben diese Bestrebungen, an denen sich auch das„Berliner Tageblatt' mit P.-M.(Paul Michaelis)-Artiteln beteiligte, die Kreditfähigkeit der G. m. b. H. schließlich erschüttert(Gelächter rechts), so daß es zur Liquidierung kam. Von einem Verlust von einer Million für die Stadt zu reden, ist direkt skandalös: davon kann gar keine Rede sein. Da die Hausbesitzer auch noch an der Liquidation des Unternehmens bei dem Verkauf der einzelnen Ge- schäft« zuviel verdienen wollten, blieb zuletzt nichts übrig als der Verkauf an die Konsumgenossenschaft. Die weiteren Darlegungen unseres Genossen suchten die Parteien aus der Rechten durch an- dauernden Lärm und wiederholte Unterbrechungen wirkungslos zu machen: auf tobenden Widerspruch stieß er mit der Behauptung, daß die Vrivalwirlschaft sich noch viel schlimmere Blößen gegeben habe, wobei er sich auf die Vorortelektrizitätswerke und auf die Charlottenburger Wasierwerke berief.— Der Kämmerer wies noch- mals den Vorwurf mangelnder Aufsicht namens des Magistrats zurück und verlas aus dem vom Vorredner angezogenen Urteil über dl« Goldbilanz noch einen weiteren Passus, der das damalige Verhalten des Magistrats durchaus zu rechtfertigen geeignet erscheine. Nach%19 Uhr beantragte Genosse Reimann die Vertagung und bezweifelte die Beschlußfähigkeit des Hauses. Nachdem Dr. Dierbach gegm die Vertagung gesprochen, schloß der Vorsteher- stelloertreter Dr. C a s p a r i die Sitzung, da das Bureau über die Defchlußunfähigkeit einig war. Schluß nach 9U9 Uhr. Gesinnungsschnüffelei. Arbeitgeber gegen die weltliche Schule? Die fortschreitende Entwicklung der weltlichen Schulen und die Mehrung ihrer Schülerzahl scheint den Freunden der überkommenen Bekenntnisschule schwere Sorg« zu bereiten. Sie greifen zu allen möglichen Abwehrmitteln und scheuen sogar nicht davor zurück, gegen die aus weltlichen Schulen abgegangenen und ins Erwerbsleben tretenden Kinder die Arbeitgeber mobil zu machen. Ein Fall dieser Art wird uns aus einem Betrieb der Elektrizitätsfirma Berg- mann bekannt. Ein im Oktober dieses Jahres nach Dollendung der Schulpflicht aus einer weltlichen Schule abgegangener Schüler wandte sich, so teilt man uns mit, an das Bergmansche Werk See- straße mit einem Gesuch um Einstellung. Als der Direktor Laßwitz aus dem Abgangszeugnis ersah, daß der Junge keinen Religion?- Unterricht gehabt hatte, erklärte er, dann kenne er sicher auch nicht das siebente Gebot. Da er. fügte der Herr Direktor hinzu, auch nicht getauft sei, so komm« ein« Einstellung nicht in Frage. Wird die Firma ein derartiges Vorgehen decken? Der Junge, der Sohn einer Witwe, ist durchaus zuverlässig, und das Zeugnis bescheinigt ihm Betragen und Fleiß als tadellos. Will der Herr Direktor fein Verhalten.christlich' nennen? Don der Firma erwarten wir, daß sie von diesem Direktor ab- rückt. Die Arbeiterklaffe kann nicht dulden, daß die in weltlichen Schulen vorgebildeten Kinder durch eine derartige Behandlung ge- schädigt werden. Vor dem Religionsunterricht braucht der G e- finnungsunterricht weltlicher Schulen sich mit seinen Erziehungserfolgen nicht zu verstecken. Schlechte Beleuchtung im 20. Bezirk. Zahlreiche Klagen sind im» wegen der mangelhaften Beleuchtung im 29. Bezirk zugegangen. Insbesondere in Reinickendorf-West, in der Gegend der E i ch b o r n- st r a ß e, wo ein reger Verkehr durch die Belegschaften der dortigen Induftriewerke herrscht, wird über diesen Mangel geklagt. Vielleicht genügt dieser Hinweis, um hier Abhilfe zu schaffen. Das unbegreifliche Ich. klf GefchichteeinerJugend. Roman von Tom Krislensea. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. S. Bogel.) Ich stand auf. Die Füße brannten und waren wund. Meine Schultern schmerzten, und ich fror am ganzen Rücken. Eine Haustür stand auf. und ich schlich mich vorsichtig bis zum vierten Stock hinauf. Hier legte ich mich auf den Ab- satz, die Hände um ein Geländer, das sich vor einem Fenster befand, und schlief ein. Früh am nächsten Morgen wurde ich von einem Milch- jungen geweckt, der mit Flaschen in einem Drahtkorb heran- gerasselt kam. „Donnerwetter, hier darfst du nicht schlafen, bist du denn verdreht!" sagte er und kitzelte mich mit der Fußspitze. Er war auf Strümpfen. Ich rieb mir die Augen und schnitt Gesichter. Meine Züge waren ganz steif. Dann streckte ich den Arm aus, auf dem ich geschlafen hatte. Er schmerzte, und der Aermel war hochgeglitten, so daß ich dunkelrote Streifen auf der Haut sehen konnte. .Jas muß ein kaltes Vergnügen sein!" sagte der Milch- junge.„Willst du einen Schluck Milch haben?" Ich trank und fühlte mich ganz wach. „Du solltest runter in den„Stern" da um die Ecke gehen. Da bekommt man einen Eimer voll heißem Kaffee und ein mächtiges Stück Kuchen fast umsonst. Hast du Geld?" „Ja, etwas!"• „Na, dann ist es ja gut. Auf Wiedersehen!" Ich ging in den„Stern" hinunter und erwärmte mich mit einer Tasse Kaffee. Es saßen einige Chauffeure da und tranken Bier. „Da muß ein Taubenschlag fein unten in dem Winkel in der Rantzausnade," sagte der eine und spuckte auf den Boden. „Dann ist es aber einer für Unbemittelte!" grinste der andere. Da war also mein Spiel mit der Straße, das wieder anfing.?ch erhielt einen verständlichen Satz, ja, sogar zugleich einen Bescheid. Als ich befahlt hatte, ging ich nach der Rantzausgade. Ich hatte vorläufig kein Ziel. Ich wollte den Winkel sehen. Es wurde acht Uhr. Ich geriet in einen neuen Menschen- ström, der auf die Kontore und Arbeitsstätten sollte. Ihr Gang war ruhig: doch als die Uhr fünf Minuten vor voll war, wurde das Tempo schnell. Einige liefen. Etwas vor neun war ich wieder in einer der Hauptver- kehrsstraßen, um dasselbe Tempo und die in der Morgensonne glitzernde Schar der Radfahrer zu erleben. Ich bekam Plötz- lich Lust, in einem überfüllteen Straßenbahnwagen zu fahren und zwischen den Fahrgästen auf dem Hinterperron hin- und hergeschüttelt zu werden: doch das war Geldverschwendung. und ich würde zu viel Zeit übrig behalten. Was sollte ich mit den vielen, langen Minuten mitten in der Stadt anfangen? Jetzt gab es die Zeitungsaushänge zu lesen. Dann mußte ich in eine Filiale oder zu einem Glaskasten und alle Reuig- leiten und alle Anzeigen lesen. Vielleicht war ein Platz für mich darunter. Dann wollte ich in einen Wartesaal gehen und mich ausruhen, und um die Mittagszeit wollte ich nach der Kaserne in der Sölvgade und der Wachtparade durch die Stadt folgen.., An dem Tage las ich folgende Anzeige: „Verkäufer gesucht. E. Samuelsen. Store Strandsträde." Ich lachte laut. Das war die erste Botschaft, die ich aus der Welt, die ich verlassen hatte, erhielt: doch dann fing ich an zu zittern. Die Buchstaben verschwammen vor meinen Augen, und das Ganze wurde zu einem weißen Nebel mit dunklen Punkten. Mein Gesicht war ganz steif. Ich konnte merken, daß ich nicht gewaschen war. Das war das einzige Gefühl, was ich hatte: doch es half mir über den Schwindel hinweg. Am Rachmittag saß ich im Rathausgarten und sah die Tauben unter dem Dach aus- und einflattern. Das war eine st?ue Art, mich zu zerstreuen; und ich versuchte, mich ihr völlig hinzugeben, mich ganz der Sonne und dem blauen Sep- temberhimmael und den roten Mauern aufzuwn: doch ich lehrte rasch zur Wirklichkeit zurück. Das Geld reichte nur "vch zu einer einzigen Mahlzeit in meinem Lieblingscaf6 mit den glasierten Steinen, nur eine einzige Mahlzeit, und dann stand ich morgen einem unendlich langen Tag ohne Mferi gegenüber, einem großen, leeren Raum. Die Stadt wurde ungeheuer anwachsen, die Straßen würden länger .die Uhren langsamer gehen, ja, die Zeiger würden wohl schließlich ganz stehen bleiben. Konnte ich heute nicht hungern? Der fade Geschmack des Kaffees mit Kuchen von heute morgen stieß mir auf. Nein, etwas mußte ich haben, bloß damit ich den Geschmack los wurde! Aber war es doch nicht besser, wenn ich wartete? Morgen konnte ich vielleicht einen Platz als Laufjunge finden, das war das Einzige, was ich weichen konnte! Ich stand auf und fing wieder an zu gehen. Hinaus aufs Land wollte ich, weit hinaus, und mich auf eine Wiese legen, und am Abend wollte ich wieder zurückgehen. Um die Zeit waren vielleicht welche hier, die ich anbetteln konnte. Unterwegs kam ich an einer Bäckerei vorbei. Der An- blick von all dem ausgestellten, gelben Brot brachte mich zum stehen, und ich bekam plötzlich einen Einfall. Doch erst mußte ich feststellen, wie das Ladenfräulein aussah. Ich legte die Hände wie Scheuklappen seitlich an die Augen und beugte mich gegen das Fenster vor, und im Schatten der Hände, wo keine Spiegelreflexe mehr glänzton, entdeckte ich, daß sie glück- licherweise so häßlich war, daß es keine Demütigung für mich wäre, hinzugehen und eine Anstellung zu suchen. Ich stellte mich bescheiden an die Tür hin und starrte auf die rote, eckige Nase der. Verkäuferin. Ich war so müde, daß ich alles, was ich bemerkte, zu lange betrachtete, und ich sah, daß sie mit' ihrer mageren, blauen Hand unwillkürlich ihre Nasenspitze rieb, als ob sie juckte. „Was wünschen Sie?" fragte sie scharf. Und in leisem, demütigem Tone murmelte ich eine Frage) ob sie nicht einen Laufjungen gebrauchen könnten, oder ob ich ihr nicht einen Dienst leisten könnte, der ein Viertel Schwarzbrot wert wäre. Sie lachte und gab mir das Schwarzbrot, und mit ihm unterm Arm sockte ich weiter. Ich war schlaff und faßte die Umgebung nur in verschleierten Umrissen auf, lange Reihen gelblicher Häuser, weltende Baumkronen, ein langgestreckter Hügel und endlich Felder. Es wurde weich unter mlr. Ich trat auf Erde. Eine kräftige Luft blähte meine Nasenflügel und fuhr wie ein Leuchten durch mich hindurch. Da war ein Grabenrand mit etwas Gras und einer hohen Hecke. Hier müßte man gut liegen können! Und ich sank, während ich das dachte, zu Boden. Wie meine Arme und Bein« lagen, war mir gleich- gültig, ich stürzte einfach um. In halber Betäubung spürte ich das Schwarzbrot, schob es unter Mund und Nase und fing wie ein schläfriges Tier zu knabbern an. Schwarze Brotklumpen glitten merkwürdig beruhigend in mir herunter und schließlich schlief ich, das Ge- sicht gegen die weiche Krume gepreßt, ein. __(Fortsetzung folgt.)! Fahnen auf der Universität. Der neue Rektor. Schwarzrobgoldene und schwarzweiße Fahnen wehten gestern mittag auf den Gebäuden der Universität; dem neuen Reitor, der feierlich in sein Amt eingeführt wurde, waren sie zum Gruß gehißt. Der im Leben der Universität bedeutende Aft, dem Vertreter des Reiches, des Staates, der Stadt und das ganze Profefforenkollegium neben zahlreichen anderen Gästen beiwohnten, wurde in der Aula des neuen Universitätsgebäudes am Franz Joseph- Platz vollzogen. Der Einzug der studentischen Korporationen bot ein hübsches Bild und der schöne Vortrag Corellischer Musit durch das akademische Orchester vermittelte einen großen Genuß. Interessante Einzelheiten waren dem Bericht des bisherigen Reftors Holl über das vergangene Reftoratsjahr zu entnehmen: man hörte, daß die Universität den Tod unverhältnismäßig vieler Lehrfräfte zu bedauern habe, unter ihnen Geheimrat Bumm, Alois Riehl und auch der ehemalige Reichsminister Hugo Preuß. Im letzten Semester waren 7250 männliche und 1225 weibliche Studenten, mehr noch als im vergangenen Halbjahre, immatrifuliert. Die früher nicht ungefährliche Kriminalität und Disziplinlofigkeit ist schau, schau, trop der Republik! so start zurückgegangen, daß im vergangenen Jahre nur vier Strafen verhängt zu werden brauchten. Aber es ist bedauerlicherweise auch zu fonstatieren, daß die Wirtschaftsnot unter den Studenten noch immer sehr groß ist und daß viele von ihnen sich daher ihre Existenzmöglichkeit unter beträchtlichem Aufwand von Arbeitstraft und Zeit noch erarbeiten müssen. Nach seinem Jahresbericht übergab Holl die Würdezeichen des Rektorats dem neugewählten Profeffor Pompedie, einem bekannten Wissenschaftler, der nunmehr feine Antrittsporlesung über Umwelt, Anpassung, Beharrung im Lichte erdgeschichtlicher Ueberlieferung" hielt; strengste, reinste Wissenschaft, sehr wichtig für den Studenten, interessant auch für den Laien, aber in der eingehenden und gründlichen Form, in der es nach alter Tradition geschah, wenig freundlich gegen die unruhig auf ihren Plähen hin- und herrutschende Zuhörerschaft. beln, handeln fie auch mit anderen Baren". Daß der Reichsland. bund eigene Brotfabriken, Mühlen und Fleischereien betreibe, be tämpfte er ebenso energisch. Der Redner war einsichtig genug, zu verstehen, daß nur eine faufträftige Arbeiter und Beamtenschaft den Handel florieren lassen tönne. Brand in einer Möbelfabrik. Weilburg a. d. Cahn, 15. Oftober.( TB.) Heute morgen gegen 7 Uhr brach in der Bau- und Möbelfabrit Moser, der auch eine Sägemühle und Getreidemühle angegliedert sind, Feuer aus, das bei dem herrschenden Wind und den großen Holzvorräten gewaltigen Umfang annahm. Den vereinten Feuerwehren von Weilburg und Umgegend gelang es nach fünfftündiger Arbeit, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Während die Tischlerei und das große Holzlager völlig nieberbrannten, fonnten die Mühle und die angrenzenden Gebäude gerettet werden. Der Schaden ist sehr beträchtlich, doch zum Teil durch Versicherung ge dedt. Drei Arbeiter der Nachtschicht wurden von der Polizei unter dem Berdacht der Brandstiftung verhaftet. Zwei Wanderburschen verbrannt. Siegburg, 15. Oftober.( WTB) In der Nacht zum Mittwoch brannte in der Nähe von Troisdorf eine große, mit Frucht gefüllte el bienne ab. Unter der Afche fand man die verkohlten Zeichen zweier Männer. Es wird vermutet, daß zwei Wanderburschen die Scheune als Nachtlager gewählt und geraucht haben und daß durch diese Unvorsichtigkeit der Brand entstanden ist. Raubüberfall auf einen Straßenbahnzng. Düffeldorf, 15. Oktober.( WTB.) Ein frecher Raubüberfall wurde hier gestern abend gegen 11 Uhr auf einen Straßenbahnaug berübt. Der Führer eines aus Ratingen kommenden Straßenbahn auges bemerkte vor der Haltestelle Rath auf den Schienen einen schweren Gegenstand. Kaum war der Zug zum Halten gebracht, als vom Walbe her drei mastierte und mit Revolvern Diese Tatsache, die bei den Zünftigen auszusprechen wahr bewaffnete Banditen auf den Bug austürzten. Awei scheinlich viel Mut verlangt, war typisch für unseren ganzen Banditen entrissen den drei Schaffnern, die das Hindernis weg Universitäts, betrieb". Man follie nicht nur die Einweisungsräumen wollten, die Geldtaschen, während der dritte Bandit feierlichkeiten ein wenig dem Geiste unserer Zeit anpassen, man mit vorgehaltenem Revolver die wenigen Fabrgäfte, die sich nicht follte fich überhaupt einmal über die Reformbedürftigkeit des Lehr zu rühren wagten, in Schach hielt. Nach erfolgtem Raub wurde und Lernsystems auf unseren Hochschulen an den zuständigen Stellen ernstliche Gedanken machen. Und dann stellen wir bei dieser Ge- der Führer gezwungen, weiterzufahren, und die Räuber berswanden im Walde. Obwohl furz nach der Tat ber Wald ablegenheit die Frage: Wann werden wir soweit sein, daß das Kind gesucht wurde, hat die Bolizei bisher noch leinen der Verbrecher armer Eltern, wenn es begabt ist, nicht nur theoretisch, sondern entbeden fönnen auch praftifch ebenso leicht eine Universität besuchen fann, wie der Bögling von oben"? Auch wir wünschen zum neuen Semester Glüd aber nicht um der Sache, sondern um des Boltes willen! Strafanzeigen gegen 550 Bäckereien. Bis zu 350 Gramm Mindergewicht. Die im Berfolg der polizeilichen Aktion zur Sentung der Lebensmittelpreise gestern durchgeführte Kontrolle der Bäderelläden hat ergeben, daß in außerordentlich zahlreichen Fällen sowohl das Brot wie auch die Schrippen ein ganz erhebliches Mindergewicht aufwiesen, wodurch von den Bäckereien ein übermäßiger Gewinn erzielt worden ist. Die Kontrolle wurde bei rund 2000 Bädereien durchgeführt, von denen ungefähr 550 zu den schwersten Beanstandungen megen minder. gewichts Anlaß gaben. Statt des für die Schrippen angemessenen Gewichts von 40 Gramm wurde ein Gewicht von 25 bis 30 Gramm festgestellt und statt des für Brot für angemessen erklärten Gewichts von 1450 Gramm fogar bis herunter zu nur 1100 Gramm. Gegen die Inhaber der 550 Bäckereien wird von der Polizei Straf anzeige wegen Preistreiberei bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Die ehrfamen" Bäckermeister, die Badware von zu geringem Gewicht verkauften, dürfen froh sein, daß sie im zwanzigsten Jahr. hundert in Berlin wohnen. Es wird ihnen troß der für ihre Handlungen zu erwartenden Strafanzeigen nicht allzu viel geschehen. In anderen Jahrhunderten, die wir glücklich hinter uns haben, wurden gegen solche Freuler wesentlich härtere Strafen verhängt, ja in der Türkei soll man sie sogar mit den Ohren am Eingang ihrer Läden festgenagelt haben. Bei uns begnügt man sich damit, den Betrug an fich öffentlich festzunageln", ohne daß die Bevölkerung erfährt, mer diejengen waren, die sich auf ihre Kosten bereichert hatten. So lobenswert der Eifer der Behörden an sich ist, so würde eine öffentliche Befanntmachung der Namen dieses Borgehen mesentlich unterstügen. Die Kleingewerbetreibenden müßten damit durch aus einverstanden sein, da auch fie ein Intereffe an der Ausschaltung der Schmugtonfurrenz haben. Die Messe des Kaufmanns. Für den Kaufmann" hat sich in der Neuen Welt", Hafenheibe, wieber eine Messe, veranstaltet von dem Berband Berliner Kaufleute der Kolonialwarenbranche e. V. und dem Provinzial. verband Brandenburg im Reichsverband Deutscher Kolonialwarenund Lebensmittelhändler, aufgetan. Alle verfügbaren Säle find mit den Dingen angefüllt, die die Hausfrau im täglichen Einkauf von ihrem Kaufmann" bezieht. Es sind auch noch einige dazu vorhanden, die in das Gebiet des Feinkosthändlers fallen, der be fanntlich eine besondere Schau von Genüffen für den Lurusbedarf feilhält. Die Reihe dieser Dinge ist aber nicht sehr zahlreich, wenn man nicht die billigen Südmeine( neuerdings verteuert durch die Kündigung des Handelsvertrages mit Spanien) und tie Fischfonferven dazu rechnet. Dem 3med der Unterrichtung dient die in die Messe eingegliederte Sonderausstellung der biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwissenschaft gegen tierische und pflanzliche Schädlinge. Bei der Eröffnung nahmen die Beranstalter Gelegenheit, fich gegen die Angriffe zu mehren, denen besonders der Lebensmitteleinzelhandel ausgesetzt ist. Man wandte fich gegen die sogenannte Preisfentungsaktion der Regierung, und der Führer durch die Messe zeigt als bisherigen Erfolg" folgendes auf: Die Umfaßfteuerermäßigung von Proz. soll sich in den Breifen auswirken. Bei Fabritant, Großhändler und Einzelhändler wird in den nächsten Wochen die Umschsteuerermäßigung zusammen etwa 1 bis 2 Broz. ausmachen. Das Pfund Buder dürfte also beiipielsweise nicht mehr 38 Pf., fondern 37,24 Bf. toften. Der Kolonialwarenhandel befleißigt sich bereits einer so genauen Kalkulation, daß wir sicherlich auch gerne diese Ermäßigung der Berbraucherschaft fofort zugute bringen würden, wenn wir nur folche fleinen Münzeinheiten hätten." Die Messe bleibt bis zum 16. Oftober geöffnet. Der Einzelhandel und Luthers Preisabbau. In einer großen Massenversammlung des Verbandes Berliner Raufleute der Rolonialwarenbranche in Kliems Festsälen sprach der Landtagsabgeordnete Lange Dittersbach, der sich scharf dagegen wandte, daß der deutsche Einzelhandel als Brügelknabe für die perfehlte Wirtschaftspolitik hinhalten müsse. Er zerpflüdte bie Preisfenfungsaftion Luthers und wandte sich unter startem Beifall gegen die Konsumvereinsrede Luthers. Tüchtiger Mann!" Eine Schande" hagelte es zurufe. Als der Redner gar in feinen Ausführungen auf die Empfehlungen Luthers einging, daß die Gemeinden Lebensmittelgeschäfte einrichten sollten, stieg die Entrüstung noch mehr. Der Redner sprach gegen die hohen Bantzinsen und versuchte an einzelnen Martenartiteln nachzuweisen, daß der Bruttogewinn taum 20 Broz. betrage. Dann folgte eine große Zitatenrenue der Breffe von rechts nach links, von denen teine es dem Einzelhandel recht machte. Der Redner wandte sich gegen die Aufhebung vor. geschriebener Berkaufspreise durch die Trusts und fah für die 3u funft viele Einzelhändler ruiniert und Arbeitslosenunterstüßung be. ziehen, weil sie aus lauter Sucht, nur zu verkaufen, fogar unter Breis verkaufen würden. Er trat ein für die Beschränkung des Straßen handels und teilte mit, daß im Preußischen Handelsministerium die Breissenfungsa on start peffimistisch angesehen würde. Zu dem Ber fauf von Kartoffeln durch die Gemeinden prägte er das mit viel Bei fall aufgenommene Bort Wenn die Gemeinden mit Kartoffeln han Ueberall Schneewetter. Ramerabfchaft su balten unb fi en offen en Befer Chelle belangegebene Bflichtveranstaltungen zu beteiligen. Behinderungen find mitzuteilen. findet Teilnehmerkontrolle statt. Mandolinenkonzert. Der Arbeiter- MandolinenHub Stern"( Mitgl. b. DUMB.) veranstaltet am Sonnabend, den 17. Oftober, abends pünktlich 8 Uhr, im Ballhaus ,, Bellevue"( direkt am Stadtbahnhof Bellevue) ein größeres Ronzert. Derbunden mit Solovorträgen. Berliner Arbeiter- Schachklub. Die zweite Runde im Rampf um die Ber Tiner Meisterschaft, die bei Ewald, Staliger Str. 126, am Sonnabend, den 17. Ottober, ausgetragen wird, fent fich wie folgt aufammen: Bahlow- Rauch, Grothe- Enber, Rubized- Schildberg, Bogt- Schaffaraid. Außerdem Nebenturnier den 18. Oktober, vormittags 10 Uhr, zufammen: Webbing- Osthafen bei Nak, fämpfe. Bei den Mannschaftstämpfen tommen in der C- Gruppe am Sonntag, Marstr. 13: Weften- Friedrichshain, Schöneberg, Raiser- Friedrich, Ede Reut Rulmstraße: Nordwest- Südwest. Bremer Str. 72-73; Friedrichsfelde- Weißen. fee bei Alofe, Lichtenberg. Eitel, Ede Rupprechtstraße. Arbeitersport. Fußballspiele am 18. Oftober. Rorben, Gruppe A: In der Böhowstraße in Belten stehen sich ant Sonntag der dortige Ballspielklub und die Freien Fußballer- Hegermühle gegenüber. Nordiska und Sportverein 1920- Eisenspalterei spielen auf dem Egerzier plag in der Schönhauser Allee. Wader 20 und Adler 12 treffen sich auf demfelben Blak. Der Turnverein Bantow hat Selvetia in Bankow, Andreas. Sofer- Plak, aut Gaft. Bernau fährt zum Arbeiter- Sportverein 24, um auf dem Teutonia- Sportplak in der Chriftianiastraße zu spielen. Gruppe B: Minerva empfängt in Borsigwalde, Ernststraße, den Besuch von Fichte- Nord. Alemannia und Fichte- Gesundbrunnen spielen auf dem Adler- Sportplag, Chriftianiaſtraße. Bantom 08 an. Spandau 25 wird fich von Hertha- Steinfurth die Punkte marimilianſtvaße. Or uppe C: Spandau 08 spielt gegen Staaten in SpanBoruffia tritt auf dem Sportplak in Reinidendorf, Lindauer Straße, gegen Union Bankow und Vorwärts- Hennigsdorf treffen fich in Bankow, dau, Falkenhagener Chauffee. Einigkeit 25 und Tegel 24 meffen ihre Kräfte in Repernid. am Bahnhof. Die Turn- und Sportvereinigung Siemensstadt erhält den Besuch von Amateure. Birkenwerder fährt zu Wittenau an der Nordbahn. Bader 24 empfängt Sanfa- Sohen neuendorf in Lichterfelde bei Eberswalde. Bezirk Often. Gruppe A: Ein interessantes Spiel gibt es in der Reutölner Straße in Rudow. Lustig- fidel und Adlershof find bie Gegner. In der Goklerstraße treffen fich Stralau und Alt- Glienide. wei aleichwertige Mannschaften stehen fich auf der ftädtischen Spielwiese Wuhlheide gegenüber. Oberfpree und Treptower Ballspielflub, Berein für Bewegungsfpiele und Merkur- Grünau fpielen in Röpenid am Friedhof. Gruppe B: Berliner Sportverein 16 gegen Arbeiter- Sportverein Reuenhagen auf dem Tasmania gegen Ber Gemeindefpielplag in Friedrichsfelde, Trestowallee. liner Sportverein 22 in Fredersdorf am Bahnhof. Sertha- Lichtenberg gegen Brandenburg 24 auf dem städtischen Spielplak in der Wagnerstraße. Lichten. berg II gegen Sadoma im Lichtenberger Stadion, Serzbergstraße. Der ArbeiterTurnverein Weißenfee empfängt den Sportklub Richterswalde auf der Rennbahn in Weißensee. Borwärts 20 fährt au feinem Namensvelter nad) Straus berg Gruppe C: Lichtenberg III und Retfchendorf spielen auf dem Kartellplay an der Treskowallee. Lichtenberg I gegen Friedrichshagen in der AnnastAskania gegen Britannia in ftraße ant Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Röpenid in der Grünen Trift, Sparta 11 trifft auf feinen Ortsrivalen Brandenburg 02 in der Sauffirake in Lichtenberg. Tasdorf gegen GermaniaWeißensee in Tasdorf. Bezirk Sübweft. Abt. A: Neukölln gegen Nowames in Neukölln, Dammweg. Brandenburg gegen Schöneberg in Brandenburg a. d. S. Ludenwalde I gegen Rehlendorfer Ballspieltlub in Ludenwalde. Ball( pielflub Moabit gegen Kreuzberg im Beuffelgrund am Bahnhof Beuffelstraße. Abt. B: Wilmersdorf gegen Stern- Marienfelde in Wilmersdorf, 8ähringer, Ede Württembergische Straße. Wader- Lantwik gegen Bittoria in Lankwig, Gemeindepart. Charlottenburg gegen Ludenwalde II in Charlottenburg. Frisch Auf gegen Rüftig- Borwärts in Ludenwalde. Abt. C: Jüterbog gegen Sport ftedter Feld, an der Pappelallee. Neuköllner Ballspielflub gegen Britannia Neukölln auf dem Tempelhofer Felb. Ludenwalde V gegen Gdymargendorf in Budenwalbe. Mariendorfer Sportklub gegen Trebbin in Mariendorf. ant Edernpfuhl. Bflichtspiele: Wittenberge gegen Gomjet in Wittenberge. Ayrik gegen Nauen in Anris. Soachimsthal gegen Brik in Joachimsthal. 8euthen gegen Johannisthaler Ballspielflub in Reuthen- Miersdorf. Betersdorfer SportDereinigung gegen Fichte- Gibost in Petersdorf. Kirchmöser gegen Kreuzberg 2. Berolina gegen Abler 08 auf dem Tempelhofer Feld. Neuköllner Ballspielflub 2 gegen Frankenfelde 1. Müncheberg 1 gegen Borwärts 20 II. Berliner Sportverein 16 II gegen Abler- Mahlsdorf I. Beginn der Spiele: 1. Männermannfchaften 3 Uhr; Dorher, 1.15 Uhr, 2. Männermannschaften: 3. und 4. Männermannschaften 12 Uhr; vormittags ab 8 Uhr auf allen Blägen Schüler. und Sugendmannschaften. München, 15. Oftober.( WTB.) Aus Immenstadt wird berichtet, daß nach einem längeren Schneewetter am Donnerstag früh die ganze Algäuer Gebirgstette im winterlichen Schmucke erstrahlte. tiub Seltom in Jüterbog. Botsdam gegen Fußballring in Botsbam, BornDas Thermometer zeigte 3 Grad unter Null. Breslau, 15. Oftober.( WTB.) Im Laufe des heutigen Bor. mittags trat hier ziemlich heftiges Schneetreiben ein. Schneefälle im Schwarzwald. Am Mittwoch und am Donners. tag vormittag gingen leichte Schneefälle auf dem Feldberg nieder. 7,2 Grad. Donnerstag früh Die Temperatur betrug in der Nacht wurden noch etwa 6 Grad Kälte gemeldet. Die Trockenlegung Amerikas. New York, 15. Oftober.( WTB.) Der Inhalt eines Speichers mit beschlagnahmten Spirituosen im Werte von 1 Million Dollars, darunter alter Burgunder, Champagner berühmter Marten ebenso wie Branntwein und sogenanntes Hausbräu wurde gestern in den East River geschüttet. Untergang eines Motorschoners in der Offfee. Ein Motorschoner von der Insel Aerol, der vorgestern mit einer Ladung Hafer von Hadersleben nach Kopenhagen abgegangen war, ging in der Ostsee zwischen Alsen und den dänischen Inseln infolge eines an Bord ausgebrochenen Brandes unter. Die Besagung verließ das Schiff in einem Beiboot. Der Motorschoner flog einen Augenblic später infolge Explosion des mitgeführten Benzins in die Luft. Jugendveranstaltungen. Abteilungsleiter! Gebt die Monatsprogramme für November ob. Abteilungstaffierer! Heute von 5-7 Uhr Abrechnung. Mitglieber! Aur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, ben 8. November, im Großen Schauspielhaus find Rarten aum ermäßigten Breife au haben. Heute, Freitag, den 16. Oftober, abends 7% Uhr: Moabit I: Schule Siemensftr. 20, Fontane- Abend. Rorbon 1: Jugendheim Rönigstr. 21 Bortrag: Der Bauernkrieg 1825". Norboft II: Jugendheim Danziger Str. 62, außerordentliche Mitgliederversammlung( Wahlen) und Nejen Bortrag: Die Brigelfirafe als Methode bürgerlicher Erziehung". thaler Borstadt: Landsgemeindehaus, Sophienftr. 21, Bortrag: 1848. Weißenfee: Jugendheim Roeldeftr. 157, Bortrag: Borlämpfer des Sosialis mus". Dften( Stralauer Biertel): Jugendheim Goßlerstr. 61, Vortrag: Reisen au Großvaters Reiten". Warfbauer Biertel: Jugendheim Tilsiter Str. 4. Bortran: wed and Riele der SAJ." Charlottenburg: Jugendheim Rosinen ftraße 4, Bortrag: Bürgerliche Jugendbewegung". Schöneberg H: Eule Frankenstraße 10, Naturwissenschaftliche Plaudereien. Neukölln I: Jugendheim Bergftr. 29, Bortrag: Geschichte des Gozialismus". Rentölln II: Jugendheim Nogaiste. 53, Einführungsabend. Baumschalenweg: Jugendheim Ernststr. 16, Bortrag: Unfer Wandern". Treptow: Beteiligung an der FilmDorftellung in der Treptower Sternwarte. Lichtenberg- Norb: Jugendheim Bartaue 10, Bortrag: Jugend und Großstadtgefahren". Tegel: Jugendheim Bahnhoffte. 15, Bortrag: Warum milffen wir uns in den Gewerkschaften organifleren?" Buchholz: Lokal von Roffad, Sauptstr. 71, Einführungsabend. COLFELLEFTELLEFEFEFEFCEE TE Berbebegir! Webbing: Jugendheim Schönstedtfte. 1, Mitgliederver fammlung. Fris Schmidt sprint über„ Meine Reiseeindrüde in Gomjet Tukland. Mitgliedsbllcher mitbringen. Werbebezirk Oberspree: Am Sonntag, ben 18. Oftober, vormittags 10 Uhr, im WBT., Oberschöneweide, Edisonstraße, am Marktplag, Bor führung des Samburgfilms. Eintritt 40 Bf. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gef& aftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 37/38. Sof 2£ 2. Ramerabschaft Reinidenborf: Die Kameradschaftsvollverfammlung findet nicht statt. Sämtliche Untergruppen beteiligen fich an der ortbbf.). Rundgebung auf dem Gendarmenmarkt. Anfreten 7 Uhr Stett. Bhf.( Bore Rehlendorf einschl. Dahlem und Wannsee: Alle Rameraben werden aufgefordert, fich bis zum 25. Oktober bebingungslos aur Verfügung der Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 16. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Dichter und 4.30-5.15 Uhr abends: Wanderungen durch die Mark. von Theodor Fontane. Vorgetragen von Georg Paeschke. 5.20 bis Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.40 Uhr abends: Zehn 6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Minuten für die Frau( Von Kindern, die so etwas" bestimmt nicht tun"). 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Gartenbau. Dr. Ebert: Der Obstgarten"( IV. Teil). 7.25 Uhr abends: San.- Rat Dr. W. Brock: Die moderne Reizbehandlung der Krankheiten". 7.50 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Literatur. Theoder Kappstein: „ Deutsche Denker". 1. Vortrag:„ Friedrich bis Schönberg. 1. Abend. Havemann- Quartett: Professor Gustav von Schiller"( I. Teil). 8.30 Uhr abends: Kammermusik von Haydn Havemann, 1. Violine: Georg Kniestädt, 2. Violine; Hans Mahlke, Viola; Adolf Steiner, Cello. Mitwirkende: Rudolf Schmidt. Klavier; Karl Dechert, 2. Cello. 1. Jos. Haydn( 1782-1809): Streichquartett G- Dur. Allegro moderato Adagio Menuetto-Finale: Presto. 2. Jos. Haydn: Sonate für Violine und Klavier, F- Dur.. Allegro Finale: vivace assai. 3. v. Dittersdorf moderato Andante Menuetto non ( 1739-1799): Streichquartett Es- Dur. Allegro Streichquintett E- Dur. Amoroso troppo presto Finale Allegro. 4. Boccherini( 1743-1805): Allegro conspirito- Menuetto Rondo: Andante. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. -PO Freie Schwimmer Reulögn. Sonnabend, ben 17. Oftober, abends 8 Uhr, tm Lobal von Road, Inn-, Ede Beferstraße, Bersammlung der Altersriege. Erscheinen fämtlicher Alterstiegenmitglieber ist Pflicht. ATB. Pantow. Männerabteilung: Freitag, ben 23. Oktober, Sigung nach dem Turnen. SB. Sparta, Berlin. Geschäftsstelle: Walter Wächter, Berlin, Brunnenftraße 82. Waldlauftraining: Mittwochs 6 Uhr Sportplan Friedrichshain. Turnen: Freitags 6-8 Uhr Turnhalle Elifabethftr. 58. Melbungen für unsere taas in der Turnhalle, dort werden auch männliche und jugendliche Gäfte als neu eröffnete Frauen und Rinderabteilung an die Gefchäftsstelle oder Frei Teilnehmer begrüßt. Der BSB. Belle, Mitgl. b.-.- u. Sp.-B., veranstaltet am Sonntag. den 18. ber, nachmittags 3 Uhr, im Stadtbad Friedrichshain ein internes Samimmfest. Aus dem gut aufgestellten Programm ist der 8wed und das Wesen der Arbeiter- Schwimmvereine au erkennen. Besonders au erwähnen ist der Frauenkunftreigen, bas Runft- und Gruppenspringen, Einzelschwimmen, Stafettenkämpfe, die Lehr- fowie die Rettungsvorfillyrungen, Wasserballspiele und elektrischer Lampionreigen. Breis 50 Bf. Sportverein Moabit. Uebungsabende: Männer bis auf weiteres Freitags 8-10 Uhr, Frauen Dienstags 8-10 Uhr, Schüler und Schülerinnen Dienstags und Freitags 6-8 Uhr; fämtlich Turnhalle Rostoder Str. 32. Jugend Donners tags 8-10 Uhr Siemensstraße, außerdem Freitags ab 7 Uhr im Jugendheim Wiclefftraße. Die Bereinsversammlung findet am Sonnabend, den 17. Oliober, abends 7½ Uhr, in den Arminiushallen, Bremer Straße, statt. Am Sonntag, ben 18. Oktober, ab 2 Uhr, finden auf dem Sportplak Tiergarten folgende Bandballspiele flatt: Frauen I- Neukölln 1, Männer I- Stettin( Städiemannfchaft), Männer II- rei( Stettin). außerdem findet ein Jugendspiel statt. Abends geselliges Beifammenfein im Artushof. Kartellverband, 3. Bezirt, Webbing. Montag, den 19. Oftober, abends 7% Uhr, findet im Lebigenheim Schönstedtstraße, Rimmer 22, eine Kartellfihung ftatt. Seber Verein und jede Abteilung muß einen Bertreter entfenden. Arbeiter Radfahrer- Verein Groß- Berlin. Gonntag, den 18. Oftober, nor. mittags 8 Uhr, Streifzüge durch den Grunewald. Nachmittags 1 Uhr nach Rehlendorf bei Geride, Rarifte, 12. Gäste willkommen. Sonnabend, den 24. Oftober, 15. Stiftungsfest in Treptow. Am Treptower Part 27. Touristenverein Die Naturfreunde"( Bentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Abt. Friedenau: Freitag, den 16. Oftober, im Jugendheim Offenbacher Straße, Lichtbildervortrag: Auf Edhards Spuren". Freie Schwimmer Charlottenburg 04, e. 8. Ranu and Segelabteilung: Seute, Freitag, 7½ Uhr, wichtige Gigung bei Gerling, Grün. Ede Kirchstraße. Reiner barf fehlen. Sonntag, den 18. Oktober, 11 Uhr vormittags, findet unfer diesjähriges Abpaddeln statt. Alle Bootseigner werden gebeten, sich daran au beteiligen. Arbeiter Rabfahrer- Bund Solibarität", Drisgruppe Berlin und Umgegend. Sonntag, den 18. Oftober, Bereinstour und Treffpunkt der Bundesgenoffen in Rudow, Restaurant Bindenpart, Snh. Webler, Bendastraße. Start 2 Uhr an den bekannten Stellen. Straßenbahn: Linie 47 bis Rudow( Naiswage). Dafelbft Tana und Unterhaltung. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, den 15. Offober. 1. Rennen. 1. Hobe Sonne( W. Wolff), 2. Formint( Walt. Müller), 8. Berlenkette( Br. Müller). Toto: 35:10. Blag: 20, 43, 106: 10. Ferner liefen: Fuchsie, Mildred gef.. Coran, Laokoon, Hebe, Dieftel. 2. Rennen. 1. Phyllis( v. Metsch), 2. Maral( Hr. Staudinger), 3. Mero( Lent. Jay). Toto: 34: 10. Platz: 18, 18: 10. Ferner liefen: Hagelslag. Samos gef., Sanch gef. 3. Rennen. 1. Abenteurer( Haufer), 2. Solberg( Mate), 3. Labrador ( Bismart). Toto: 39: 10. Blat: 14, 12, 14: 10. Ferner liefen: Narr, Rappelfopf, Eigilolf, Dtavi, Melfina, Oceana. 4. Rennent. 1. Cebria( v. Borte), 2. Credulite( Hr. Staudinger), 3. Primadonna( v. Metsch). Toto: 73: 10. Pat: 18, 13, 16: 10. Ferner liejen: Ma Berthe, Nogulna, Sulamith, Gradatim, La Mirabelle. 5. Rennen. 1. Schwarzamiel( Mesa), 2 Erzhalunke( Schuller), 3. Fichte( Kränzlein). Toto: 148: 10. Blag: 27, 13:10. Ferner liefen: Minenbof, Solo, Centrifugal. 6. Nennen. 1. Schelmerei( Stränglein), 2. Sedes Trumpf( Kurzawa), 3. Ulter( Ch. Lange). Toto: 38:10. Blaz: 21, 40, 142: 10. Ferner Lightiirabl, Gerold, Stieglit, Sandaron, Miela, Erdfertel liefen: Lichtung, Sturm, Dzema, Fenelon, Allotria, Antoinette, Tornado, 7. Rennen. 1. Falter( Dyhr). Toto: 28: 10. Blat: 21: 10. it. Georg( Mannchen). Loto: 125: 10. Blag: 27:10. 3. Nasvior( Derfel). Blaz: 17:10. Ferner liefen: Zeifi, Felsenrose, Sonnenschein, Calderon, Karrara, Berta. Briefkasten der Redaktion. C. R. 89. Schneiderkarfe haben die meisten Berufsschulen( Fortbildungsfhulen) in Berlin. Für Sic tommt a. B. die Schule in der Waldemarftrage in Betracht. mit dem schwarzen Kopf für die Kopfnfäfche Abrechnung mit der Opposition. Eine zweite Rede Severings im Landtag. In der geftrigen Landtagsligung schloß Genoffe Ceinert feine Rede mil den Worten: Die Herren auf der Rechten, die von Gevering verlangen, er solle allen seinen Jdealen abschwören, müssen zu ihrem Entfeßen sehen, daß Severing noch geraume Zeit die Verwaltung in Preußen im Interesse des Voltes und zum Schuge der Republik führen wird.( Beifall links.) Abg. Marehty( Dnat.): Die Deutschnationalen bestreiten, daß das System des Innenministers zur Konsolidierung der preußischen Berhältnisse geführt hat, der preußische Innenminister tue nicht das Geringste auf dem Gebiete seiner Berwaltung, die Sanierung sa maßnahmen des Reiches zu unterstügen. Ebenso sei die Aufsichtspflicht gegenüber den Kommunen gröblich außer acht gelassen worden. Der Besoldungsaufwand der Gemein den stehe in gar feinem Berhältnis zur Leistungsfähigkeit des Voltes und der Wirtschaft. Nach wie vor mißbilligten die Deutsch nationalen die Stellung des Ministers zu den nationalen Fragen. Verbände wie den Stahlhelm und den Jungdeutschen Orden müßte jeder Minister, ob er links oder rechts stehe, in den Dienst der Befreiung unseres Landes zu stellen miffen.(!) Die Deutschnationalen würden sich mit der Herrschaft der Sozialbemotraten in Preußen unter feinen Umständen zufrieden geben. ( Lebhafte Zustimmung bei den Deutschnationalen.) Die stärkste Stüße der sozialdemokratischen Machtstellung sei der preußische Innenminister Severing, den die Deutschnationalen als den gefährlichsten Feind der nationalen Bewegung befämpften. bg. Dr. Heß( 3.) meint, wenn heute die Deutschnatto. nalen die Berschleppung der Berwaltungsreform auf das heftigste tadeln, so müsse doch daran erinnert werden, daß aus der Dor etwa 20 Jahren zur Bereinfachung der Verwaltung eingefekten Kommission nichts herausgekommen ist, und zwar unter ganz wesentlichem Einfluß der damaligen Konservativen. Gerade die Deutschnationalen hätten der Konsolidierung und Wiederaufrichtung des Reiches feit 1918 die denkbar größten Schwierigkeiten bereitet.( Stürmische Zustimmung linis und in der Mitte.) Der Redner verliest dann einen Brief des deutschnationalen Landtagsabgeordneten Bachem an die Zentrumsfrattion, den er folgendermaßen fommentiert: Handelte es sich nur um Herrn Bachem, fo wäre die Sache belanglos. Das fatale ist, daß die Deutsch. nationale Boltspartei für diesen Brief haftbar ist, der eine Intrige aller übelster Art zu einer Zeit einfädelt, in der diefelbe Bartet im Reiche gemeinsam mit dem Zentrum die wich tigsten Reichsgeschäfte betreibt. Weiter erklärt der Redner: Sehr ungern gehe ich wieder auf die fortgesette Hege des Evangelischen Bundes gegen die fatholische Kirche ein. Der Oberhofprediger Dr. Döhring scheint diese Hehe zu seiner Do. mäne gemacht zu haben. Wir verbitten uns diese unverschämten Anpöbeleien auf das Energischste. Die sogenannten„ vaterlän dischen Verbände" bekämpfen wir, weil sie uns weder national noch staatserhaltend erscheinen. Den Tendenzen des Reichsbanners stehen wir sympathisch gegenüber als einem Gegengewicht gegen bie nationalistischen Treibereien und die Störenfriede Don rechts. Das deufschnationale Mißtrauensvotum richtet sich gegen das Syftem Severing. Dieses System hat den Anhängern des alfen Regimes die Staatsämter als Versorgungsstätten für ihre Söhne beschränkt, daher die Opposition.( Lebhafte Zustimmung.) 2n ber zielbemußten bemotratifchen Einstellung des Sentrums würde sich nichts ändern. Das Sentrum halte noch heute die Große Roalition für das Wünschenswerteste, merde aber auch jedem anderen Borschlage zur Verbreiterung der Regierungs. basis gern nähertreten. v. Ennern gefunden und würde er mir atteftieren, daß ich eine staatsmännische Rede gehalten hätte, so verdiente ich nicht mehr auf diesem Posten zu stehen.( Sehr wahr! Sehr gut! linfs.) Etwas Törichteres, als was Herr v. Eynern heute vortrug, ist mic feit langem nicht vorgekommen.( Sehr wahr! links.) Über auch etwas Tatiloferes ist mir noch nicht vorgekommen, denn Herr v. Eynern hat rundmeg erflärt, daß ich meine Stellung nahme zu den Fragen der Selbstverwaltung und zu den Gemeindefinanzen von dem Beifall meiner politischen Freunde abhängig ge macht habe. Ist ihm denn nicht bekannt, daß meine Freunde im Reichstage eigentlich mehr Herrn v. Schlieben die Stange gehalten haben in der Frage des Finanzausgleichs? Wenn ich aber auf Grund meiner Kenntnis der Verhältnisse in den Gemeinden einen anderen Standpunkt einnehme, so habe ich dafür wichtige [ achliche Gründe; sonst könnte Herr v. Ennern vielleicht sagen, ich suche nach der Gunst und hasche nach der Prpularität bei feinen Freunden. Nicht ich, sondern Herr v. Ennern hat mit seinen Er flärungen ins Blaue hineingeredet. Ist Herrn von Ennern denn nicht bekannt, daß bis April 1927 im Reiche die letzte Entscheidung über den Finanzausgleich fallen muß? Soll ich in dieser Zeit, in der das Reich und der Staat ein 3ntereffe daran haben, zum Finanzausgleich zu tommen, als Minister der Berwaltung und der Kommunalaufsicht über die Gemeinden dafür stimmen, daß die Gemeinden bei dem Finanzausgleich zur Ader gelaffen werden können? Hinter dem Reich stehen die Länder, hinter den Ländern die Ge meinden, hinter den Gemeinden steht nichts mehr. In diesen Tagen der Armut zerren alle an der Decke, da habe ich als Kommunal minister die Verpflichtung, nicht zuzulaffen, daß alles zu Laften der Gemeinden und nicht auch des Staates geht. Den Reichskanzler Luther schäße ich als aufrechten und erfahrenen Mann, der auch in der Kommunalverwaltung Autorität genießt. Aber darum fann ich nicht alles als Evangelium ansehen, was er seinerzeit als Reichs finanzminister zur Begründung feines Standpunktes über die Belaftung zuungunsten der Gemeinden gesagt hat. Ich habe beim Reichskanzler auch schon fürzlich gesagt, daß feine Auffassung unter feinen Umständen richtig wäre, und ich hatte feine Auffassung unter feinen Umständen richtig wäre, und ich hatte den Eindrud, daß er daraufhin feinen Standpunft in ganz wesent. lichen Bunften modifiziert hat. Der Abg. v. Eynern hat mir nun Borwürfe wegen der Neubesetzungen im Berliner Boli. zeipräsidium gemacht. Einige Wochen vor diesen Maßnahmen hatten sich im Polizeipräsidium derartige Zustände herausgebildet, daß es notwendig erschien, neue Männer in die ganzen Spigen hereinzubringen. Der Erfolg hat mir Recht gegeben Die Dinge haben sich jeßt mejentlich gebeffert. Dann hat ber Abg. v. Ennern meine Grundfäße in der Personalpolitit bemängelt. Ich kann demgegenüber nur nochmals feststellen, daß ich es für notwendig halte, alle politischen Parteien, die am Aufbau des Staates mitarbeiten wollen, an der Berwaltung des Staates zu beteiligen. Das ist teine Berbeugung vor der Straße. Eine solche Unterstellung weise ich mit Entschiedenheit zurüd.( 3uftimmung links.) Ich darf darauf hinweisen, daß im Rheinland im Jahre 1923 es zum großen Teil Ar betterfäuste gewesen find, die dem Herrn Dorten usw. den Garaus gemacht haben. Ich halte den Einbrud nicht für staatsfördernd, der entstehen könnte, wenn man die Bertreter dieser Gruppen von der Berwaltung ausschließen molle. Ich fann mich dem Standpunkt des Herrn v. Ennern hier nicht anschließen und merbe das gerade Gegenteil tun.( Lärm rechts.) Die Herren, über deren misführung fich Herr v. Ennern beschwerte, find zum größten Teil überhaupt nicht von mir ernannt. Es ist auch nicht richtig, daß die Polizei in Bochum bei der Befreiungsfeier der Bevölkerung das Aushängen schwarzweißroter Flaggen verboten hat. Das Flaggen wurde ganz allgemein untersagt und das geschah durchaus im Einvernehmen mit den Reichsstellen, die politisch Herrn v. Eynern sehr nahe stehen. Bochum war eine der ersten befreifen Städte, und die Reichsftellen wollten nicht, daß durch geräuschvolle Freudenfeste und die dabei zu befürchtenden Ausschreitungen die Räumung der weiteren Städte verzögert würde. Abg. v. Ennern( DBp.) unterstreicht die Aeußerung feines Parteifreundes Leidig, daß Minister Severing sich mehr als Partei. mann denn als Staatsmann fühle. Bon einer Abhängigkeit der Deutschen Boltspartei von einer Nachbarpartei tönne feine Rede sein. Die Deutsche Boltspartei richte aber ihre Stellungnahme zu den übrigen Parteien so ein, mie es ihr für die Erreichung ihrer Biele am zmedmäßigsten erscheine. Minister Severing habe es durch Schaffung und Förderung des Reichsbanners tatsächlich er reicht, daß fich jetzt 3 mei große Heeresorganisationen in Deutschland gegenüberstehen.(!) In der Kriegsschulbfrage nehme der Minifter durch den Schutz von franzöfifchen Bersamm. lungsrednern durch das Reichsbanner nicht die deutschen Intereffen, sondern bie der Entente wahr. Der Redner möchte wahrheitsgeber Bresse der Rechten als Matrofe" bezeichnet worden ist. Gerade mäße Auskunft vom Minister Severing haben, aus melchem Grunde die Ernennung des Herrn Kroner zum Oberverwaltungsgerichtsrat erfolgt ist. Abg. Riedel( Dem.): Der Reichstanzler hat in Bocarno zur Hintansehung innenpolitischer Streitigkeiten aufgefordert; aber in Breußen richten sich seine Barteifreunde nicht danach. Minister Severing, ein tüchtiger Mann, folle nur gestürzt werden, weil er Sozialdemokrat fei. Die nationale Würdelosigkeit, die Severing vorgeworfen wird, habe auf der anderen Seite bestanden, als man im Sommer die Notlage der armen Optanten zu par. teipolitischen 3weden ausgenugt hat. Zum Schluß trilt der Redner für Hilfsmaßnahmen in Ober- und Niederschlesien ein und betont, baß seine Bartei geschloffen hinter Minister Severing stehe. Minister Severing stellt in Aussicht, daß in den nächsten Tagen ein Brogramm von der Regierung herausfommen werde, das den Wünschen des Ostausschusses tunlichst Rechnung tragen wird. Die Bewohner Oberschlesiens, so möchte ich dem Borredner auf feine legten Bemerkungen( agen, tennen mich und hatten das Vertrauen zu mir, daß Bertreter im Juli zu mir famen und mich baten, im Reiche Borstellig zu werden, damit die Wünsche der Flüchtlinge berüdsichtigt werden.( hört! hört! bei den Soz.) 3h habe das getan. Die Reichsregierung hat nachher die befannte algemeine Erklärung abgegeben. Zu den erhobenen Borwürfen wegen Schneidemühl habe ich geschwiegen, nicht weil ich fie für berechtigt ansah, sondern meil ich das als im allgemeinen Interesse liegend erachtete. Ich hatte ein gutes Gewiffen und fonnte schweigen. Jetzt will ich nur sagen, wenn gewiffe Maßnahmen nicht richtig waren, fo ist das nicht zurückzuführen auf das Innenministerium, fondern auf ganz führen auf andere Stellen. Abg. Dr. Klamt( Wirtschaftl. Bereinigung) betont, von Freiheit und Gleichheit in der Haltung des Ministers fönne der Mittelstand nichts merten. Trogdem halte die wirtschaftliche Bereinigung den gegenwärtigen Moment für die Einbringung der Mißtrauens. anträge gegen Severing für ungünstig, obwohl sie den Mißtrauensanträgen grundsäglich zustimme. Das Rheinland würde es aber nicht verstehen, wenn man jetzt in Neuwahlen hineingetrieben würde. Dann vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 12 Uhr, Schluß 7 Uhr. " Aus der Partei. nald Heinrich Scheu achtzig Jahre aff. Bie eine Geftalt aus einer längst verflungenen Zeit, aus dem Heldenzeitalter der Arbeiterbewegung, steht Heinrich Scheu in der Gegenwart; und die Jüngeren wissen faum mehr, was er für ihre Bäter geleistet hat. Heinrich war der jüngste des Dreigestirns der Brüder Scheu Andreas, der Agitator und Dichter, Josef, der Arbeitertomponist, und Heinrich, der Schriftsteller und Redakteur die an der Wiege der österreichischen Arbeiterbewegung ftanden. Schon 1870, als sein Bruder Andreas in dem berühmten Hochverratsprozeß verurteilt und eingeferfert murde, trat Hein rich Scheu in die Bresche und führte mit vielem Mut und Talent die Redaktion des Boltswille". Die Zeit der Verfolgungen trieb auch ihn ins Ausland und wir finden ihn in London, dem Asyl so vieler Berbannter, später in Zürich, wo er sich seit 1893 dauernd niederließ. Er war auch Delegierter auf mehreren internationalen Rongreffen, so in Brüffel 1891 und in Zürich 1893. Später war er Mitarbeiter des Züricher Boltsrecht", wo er namentlich über Kunstfragen schrieb. Seit mehreren Jahren lebt er völlig zurüd gezogen bei seiner Tochter in Sternenberg bei Zürich, wo er troz seines hohen Alters bis vor ganz furzer Zeit noch regelmäßiger 19. Oftober feinen achtzigften Geburtstag. Nicht weit von ihm Mitarbeiter verschiedener Arbeiterblätter mar. Dort feiert er am perbringt sein um einige Jahre älterer Bruder Andreas, gleichfalls in der Schweiz, feinen Lebensabend. Die Gemeindewahlen in Neupolen haben in einer Reihe pon Städten beträchtliche Erfolge der Arbeiterparteien, ins besondere der PPS., gebracht. Insgesamt wurden in 112 Städten, darunter Bojen, 67 Bertreter der PPS. gewählt, während sie bis dahin nur 6 gehabt hatte. Dieses Ergebnis ist um so bemerkensmerter, als gerade in diesen neupolnischen Grenzprovinzen die sozialistische Bewegung verhältnismäßig fchwach war und die Arbeiterschaft vorwiegend im nationalistischen Lager stand. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Sinbenitraße 3. für Groß- Berlin fiets en das Bezirkssekretariat, 2. Sot, 2 Trev. rechts. an richten. 1. Atreis Mitte. Sonnabend, 17. Oftober, abends 6 Uhr, Gigung bes erweiterten Kreisvorstandes bei Bidhiefing, Aderstr. 1. 3. Kreis Bedding. Die 21. Abteiung labet zu ihrem Unterhaltungsabend am Sonntag ein. 21. Abt. Sonntag, 18. Oftober, Unterhaltungsabend in den Tharusfälen. Anfang nachmittags 4 Uhr. Konzert, Gesangsvorträge, Rezitationen, turnerische Vorführungen, Tans. Cintritt 60 f. Alle Genoffen find herz. lichst eingeladen. 7. Streis Charlottenburg. 52, 53. und 54. bt. Sonntag, 18. Oktober, vor. mittags 9 Uhr, Wahlkundgebung am Goslarer Blag. Anschließend Bropagandauntzug burch die Straßenzüge piger Abteilung.. 15. Kreis Tretem. Der Werbebeşirt Oberipree ber Sozialthischen Arbeiter. jugend veranstaltet am Conntag, ben 18. Oktober, eine Borführung des Samburg- Films( Tom Reichsjugendtag in Samburg am 8. und 9. Auguſt d. 3.) im WBT. Oberschönemeide, Edilonftraße, am Marktplaß. Entritt 40 f. Wir ersuchen bia Varteigenoffen, fich rege zu beteiligen. 42. Abt. Die Bablversammlung findet nicht am Mittwoch, fondern am Mon tag, ben 10 Sftober, in ben Blicherfälen statt. Die Sandzettel find ab Sonnabend mittag von Wiersboelf abzuholen. Heute, Freitag, den 16. Oktober: 29. St. 8 Uhr bel Burg. Brenslauer Alec 185. Funktionärversammlung. Ausgabe von Material. Morgen, Sonnabend, den 17. Oktober: 95. Abt. Renköln. Bon 6 bs 7 Uhr Bezirksführer bestimmt Material abholen von Sürtler, Prinz- Sandjern- Str. 34. Jungfozialisten. Grape lite. Freitag, 16. Oftober, 8 Uhr, in der Schule, Gipsstr. 23a, Beginn der beiben Arbeitsgemeinfcaften. Reatan 2. Etädtische Handelsschule, Bergftr. 15. Seute Discussion itber den Nelson. bund. Leiter: Genoffe Regeler. Gruppe Lantwig. Freitag, 16. Oktober, 8. 2hr, im Restaurant Sportede", Raiser- Wilhelm- Straße. Diskussions abend über die deutsche Außenpolitic, Genppe Reinienbort. Monter. 19. Oftober, abends 7 Uhr, im Jugendheim Geebad, Residenaftr. 49. Tagespolitische Aussprache. Gruppe Forden. Gemeinsame Veranstaltung mit der SAJ. Wedding. Schul- und Erziehungsfragen in Ruhland." Das Material ( Broschüren usw.) wird um 7 Uhr ausgelegt. Beginn 8 Uhr abends. Charleitenburn. abfahrer und Sportler treffen sich zur Wahldemonstration am Gonntag, den 18. Oktober, vormittags 9.30 Uhr auf dem Goslarer Plaz. 133. Abt. Buchholz. Die am Mittwoch vertagte Mitgliederverfamm. Tung finbet nunmehr bestimmt am Sonnabend, den 17. Oktober, abends 71 Uhr, hei Stoffed, Saupiste. 71, ftatt. Bortrag des Genoffen Mag Landa über: Die Aufwertungsfrage". Seit dem 1. Januar bis jest find 26 Landräte neu ernannt worden. Davon find 24 vorgebildete Berwaltungsbeamte und 2 Außen. letter. Der eine Außenfeiter ist ein früherer aftiper Referent: Fr. Schmidt. Jugendheim, Schönstedtstr. 1. Major, der andere ein früherer edatteur Fisch, der in diesem Mann sind von Bereinigungen, die der Rechten des Hauses sehr nahe stehen, und von amtlichen Stellen die allerbesten Zeugnisse über die von ihm bei den oberschlesischen Abstimmungsfämpfen be wiesene nationale Buverlässigkeit und Tatkraft ausgestellt worden. Diejenigen müßten fich fchämen, die die nationalen Berdienfte des Herrn Fisch heute leugnen wollen. Der Minister bestreitet, die Dftjuben hemmungslos hereingelassen zu haben. Dem Abg. Maregty gegenüber bemerkt der Miniſter, er habe sich nicht entschuldigen wollen, habe sich auch nicht verschanzt, das habe er nicht nötig. An der Konfolidierung der Berhältnisse es sei doch ein Fortschritt auf wirtschaftlichem Gebiete im Jahre 1919 zu verzeichnen gewesen boch einen fleinen Anteil. is Reichsfommiffar müffe er zur Be habe er insonderheit durch seine Tätigkeit in Rheinland- Westfalen friebung dieses Gebietes doch wohl einiges geleistet haben. Gestört habe diese Entwicklung u. a. der Kapp- Putsch. Alles schien auf dem besten Wege der Cefundung, da tam dieser Kapp- Butsch. Was er an Opfern, an Blut gekostet habe, wolle er hier nicht aufführen. Wirtschaftlich habe er aber ungeheure Nachteile im Gefolge gehabt. Was ich 1923 getan habe, das werde ich vielleicht später noch einmal ausführlich erörtern. Heute will ich nur fragen, wo Herr Marekfy in jenen Jahren war, als es sich um das Schicksal Deutschlands handelte. Damats hat sich herr Marehty nur zögernd in die Reihe derer gestellt, die an der Verbesserung der Zustände mithelfen wollten. Herr Marehty hat ferner darauf hingewiesen, daß die Reichsregie rung zur Sanierung der Verhältnisse im Reiche ein Programm aufgestellt und mich gefragt habe: Wo haben Sie, Herr Minister, Ihr Brogramm? Ich bin gern erbötig, Ihnen bis morgen eins vor zulegen.( Heiterfeit links, Zwischenrufe rechts.) Aber ich habe die Auffassung, daß mit einem Brogramm die wirtschaftlichen und politi fchen Schäden nicht geheilt werden können. Nicht die Ankündi gung von Maßnahmen, sondern Männer fun uns not. Auch das Programm der Reichsregierung wäre wohl in der Schublade geblieben, wenn die Reichsregierung fich nicht bei der Ausführung auf die preußischen Ausführungsorgane stühen fönnte. ie preußische Regierung ist aber bei unangenehmen Dingen immer ut genug, ben Budel hinzuhalten. Fünf Jahre habe ich das er. lebt. Ich habe jest so eine bide haut, daß ich schon etwas vertragen fann.( Buruf rechts.) Uteine Herren von der Rechten, provozieren Gie mich nicht, ich tönnte versucht sein, diese Dinge hier zu verlejen, ( Der Minister zeigt ein Aftenbündel vor. Burufe: Tun Sie es Es ist wohl fein Zufall, daß die intimsten Besprechungen doch!) Ich möchte dem Versuch widerstehen. Ich ertenne an, daß über das Programm des Reichsfanglers nicht nur in den Reichs in Schneidemühl auch der Landbund fein Möglichstes an Hilfestellen, nicht nur in den Reichswirtschaftsstellen oder im Reichsleistung getan hat neben anderen Stellen. Von den anderen Stellen finanzministerium stattfanden, sondern die entscheidenden Be erwähne ich besonders amerikanische, die mit Geld und Na fprechungen gerade im preußischen Innenministerium turalien geholfen haben. In Schneidemüht find jetzt noch etwa und mit ben Borfigenben der preußifden Breis1300 Röpfe vorhanden, davon find 930 Optanten und überprüfungsstellen gepflogen worden sind. Ein schönes Bro. 400 Berbrängte. Zum 1. November haben wir einen weiteren gramm fann vielleicht bies ober jenes vortäuschen, ich lege aber Schub zu erwarten. Es werden vielleicht noch 1500 im Wert darauf, nicht in einem Programm etwas zu versprechen, was Lager Aufnahme finden müssen. Die Lage für diese Optanten ist ich nicht durchführen tann; ich beschränke mich darauf, von Tag zu insofern schwieriger, als sie Grundbefizer find, und wir werden Tag den Weg zu finden, der aus der Not ins Freie führt. Wenn noch manche Klage von ihnen hören, ohne daß wir etwas dagegen wir feine Schlacken mehr aus dem Wege zu räumen brauchen, wenn tun tönnen. Der Abg. v. Eynern hat erklärt, daß meine Rede wir wirtschaftlich und politisch konsolidiert sind, dann will ich auch nicht den Anforderungen entsprochen habe, die man an die Rede die einzelnen Buntte des Programms entwerfen und was mich eines Staatsmannes stellen müßte. Hätte ich den Beifall des Abg. tiger ist mich für die Ausführung einsetzen.( Lebh. Beifall links.) RESEMBL Mebeltsgemeinschaft der Rinderfrenabe. Freitag, 16. Ottober, fält die SprechStunde der Kinderfreunde aus. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 30. bt. infer langjähriges Dorianbemitglieb, Cenoffe Baul Unglaube, edertftr. 4, ift verstorben. Cinäfcherung findet am Sonnabend, ben 17. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Strematorium Baumschulenweg ftatt. Bur Teilnahme treffen fi fämtliche Mitalieber bis nachmittags 3 1hr bei Dedert. Maternfit. 1. 108. Abt. Rörenig. Unfer aller Bartelveteran Gustav Soffmann, Rubomer Straße 15, it verftorben. Die Einäfcherung findet am Dienstag, ben 20, Oftober, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Welter für Berlin und Umgenend. Milber, no slemlich beiter. Jür Deutschland. Nordosten noch Niederschläge in Schauern, fonit ziemlich better. Später im Besten Bewölkungszunahme. Süblich des Mains milber. Stelle Dir Deinen Hustensirup selbst her. Probiere dieses Rezept; es fpart Dir Geld. Husten, Erkältung und Influenza find jetzt sehr häufige Gäste; darum dürfte manchem Leser das nachstehende Rezept willkommen sein. Man befchaffe sich in der Apotheke 60 Gramm dreifach tonzentriertes Any und tue dies in einen Sirup, den man sich durch Auflösung von einem halben Pfund reinem geftofenen Zuder in einem viertel Liter heißem Waffer herstefft. Man verrührt das gut, bis alles vermischt und aufgelöst ist, und läßt es dann erfalten. So befommt man auf billige und einfache Weise beinahe einen halben Liter ausgezeichneten Hustensirup, der sich gut hält und in jeder Beziehung zufriedenstellt. Man nimmt davon ein bis zwei Teelöffelvoll viermal täglid); die lindernde Wirkung auf rauben Sals und die Brust ist großartig. Das läftige Husten verschwindet meist schon nach 24 Stunden. Eine forgfältige Hausmutter hält sich daher immer eine Quantität von diesem Hausmacherhustensirup bei der Hand. Er wirft leicht abführend und hat auch eine gewiffe fräftigende Wirkung auf die gesamten Atmungsorgane. Stinder nehmen ihn sehr gern, und da er keine schädlichen Drogen, Narkotika u. dgl. enthält, fann er ihnen vertrauensvoll gegeben werden. Wenn Sie nicht selbst zur Apothete gehen, schärfen sie dem Boten ein, daß er dreifach tonzentriertes Ansy verlangen muß. Generaldepot für Deutschland: C. F. Aide& Co., Hamburg 18. Die Deomten und die Stadtwahlen. Es läßt sich nicht leugnen, sehr viele Beamte, Lehrer und An- gestellte in öffentlichen Diensten stehen dem politischen Leben noch immer fremd gegenüber. Ueberlegen sagen sie, die Politik kümmere sie nicht, womit sie freilich nicht verhindern können, daß die Politik sich um s i e kümmert. Als Konsumenten, als Staatsbürger und Beamte sind sie dauernd Objekt der Gesetz. gebung. Diese Gleichgültigkeit den politischen Tagesströmungcir gegenüber bringt es mit sich, daß die Beamten über ihre eigenen Interessen und über die Parteien, die sich ihrer annehmen, vielfach nicht genügend unterrichtet sind. Sie fallen deswegen auch leicht der demagogislyen Berhetzung reaktionärer Politiker zum Opfer. Diese tun alles, den Beamten vor der Sozialdemokratie graulich zu machen, sie als eine Feindin der„F e st b e s o l d e t e n"' hinzustellen. In Wirklichkeit hat der durch die Revolution geschaffene D o l k s st a a t und die unter starkem Einfluß der Sozialdemokratie entstandene Weimarer Verfassung die Beamten erst zu freien, gleichberechtigten Staatsbürgern gemacht. Im„O b ri g k e i t s st aa t* war der Beamte tatsächlich der un- freieste Mensch in der staatlichen Gemeinschaft. Sein Dasein hing. nicht bloß dienstlich, sondern auch außerdien st lich ganz und gar von dem.Wohlwollen' seiner vorgesetzten Dienstbehörde ab. Ihre Organisationen, soweit solche überhaupt bestanden bzw. erlaubt wurden, hatten für die Staatsdiener nur geringen Wert, denn auch sie standen ganz unter dem Einfluß der Borgesetzten. Den Beamten war es verboten, sich mit Beschwerden an die Vertreter des Volkes in den Parlamenten zu wenden, Petitionen an diese gelangen zu lassen. Wollten sie heiraten, mußten sie dies melden oder gar die Erlaubnis dazu einholen. Heute können die Beamten sich nach Wunsch organisieren und sich als freie Staatsbürger betätigen. Dos versprochene Deamtenrecht, das die besonderen Verhältnisse der Beamten regeln soll, ist von der Sozialdemokratie wiederholt gefordert worden. Für die Erhöhung der Gehälter der Gruppen 1 bis 7, für eine ein- malige Unterstützung ist die sozialdemokratische Partei mit aller Energie eingetreten: die setzige deutschnational-oolks- parteiliche Regierung hat jedes Entgegenkommen abgelehnt. Als Konsumenten sind die Beamten wie die Arbeiter und Angestell. tan durch die Zoll, und Steuerpolitik der Regierung aufs s ch w e r st e betroffen. Für sie hat der deutschnationale tfinanzminister nichts übrig, obgleich sie durch die„L o h n st e u e r' mit am meisten zum Haushalt des Reichs beitragen. In der Gemeinde Berlin war es die sozialdemokratisch« Fraktion, die immer wieder die Aushebung der Abbau» und Sperrgesetze gefordert hat. Sie hat auch dafür gesorgt, daß der Unfug der Geheimakten verschwunden, daß die Einsicht. nähme der Personalakten gestattet werden muß. Bei Reugruppie- rungen und Neueinstellungen haben die Bertreter der Beamten das Recht der Mitwirkung. Diese Rechte auszubauen, liegt im Pro» gramm der Sozialdemokratischen Partei begründet. Hier liegt der große Unterschied zwischen der Sozialdemokratie und den bürgerlichen Parteien. Diese oersprechen vor den Wahlen aus agitatorischen Gründen in der Regel alles Mögliche, um es nach den Wahlen nicht zu halten. Siehe Auswertung. Die Sozialdemo. kratie ist auf Grund ihre» Programm», ihrer ganzen Ziel« ge- radezu verpflichtet, für die Interessen der großen Masse der Lohn» und Gehaltsempfänger einzutreten. weil sie in diesen Klassen die wahren Träger des Staates und der Gesellschaft sieht. Je mehr die Macht der Sozialdemokratie gestärkt wird,, desto mehr ihrer Forderungen vermag sie durchzusetzen. Zeder Beamte und Angestellte hat deswegen im eigenen Interesse die UZflicht. am 25. Oktober zur Wahl zu gehen und sein« Stimme für die sozialdemokratische Liste abzugeben. Das Jugenüamt üer Staöt öerlia hat soeben seinen zweiten Tätigkeitsbericht herausgegeben, der die Zeit vom 1. Januar 1923 bis 31. März 1925 umfaßt. Ein stattliches Buch von 128 Seiten mit 49 Abbildungen und Anlagen. Bei der parteigenöfsischen Frage:»Was hat der sozialistische Ma- «istrat, was hat die sozialistische Mehrheit im Rathaus geleistet', braucht man nur auf diesen Bericht, aus die Tätigkeit des Jugend- rmte» zu verweisen, um die hämischen Kritiker zum Schweigen zu bringen. Mit unermüdlichem Fleiß und zäher Ausdauer hat das Jugendamt, das unter der Leitung der Genossin Stadtrat W e y l steht, gearbeitet und e» sind bereits schöne Erfolge erzielt worden. Alle Abteilungen de» Jugendamtes sind jetzt in der Post- st r a ß e 1 ö, im ehemaligen„Ephraimschen Palais', untergebracht. Die Kindergruppen, die als Statuetten und Reliefbilder da» Gebäude schmücken, erscheinen wie Sinnbilder der Arbeit, die in diesem Hause für die Jugend geleistet wird. Im Jugendamt ist die Zentralisation und Dezentralisation in glücklicher Weise durch. geführt. Mit dem Hauptjugendamt zusammen arbeiten die Bezirks- ämter durch ihre Dezernenten: engste Verbindung sst geschossen mit dem Gesundheitsamt, Berussamt, mit der Zentralarbsitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, den Schul- und den Polizeibehörden. Alle Gebiete der Jugendpflege und-fürsorge hat das Jugendamt organisatorisch unter sein« Fittiche genommen: die vorbeugende, die Heilfürsorge, wie für aufsichts-. lose Kinder und für K r ü p p e l, wie für beruflich tätige Kinder und Jugendliche. Feiner die Jugendberatung, Bekämpfung de» Alkoholmißbrauches. Jugendgerichtshilfe, die Sorge für sittlich gefährdete Mädchen und Frauen. In zehn städtischen Anstalten werden Kinder und Jugendliche in Erziehung genommen, in landwirtschaftlicher und gewerblicher Arbeit unterrichtet. Andere sind zu Heil- und Er» holungszwecken in eigenen Heimen untergebracht. Wir unterlassen es für heute, auf alle die interessanten Einzelheiten des Berichts einzugehen und behalten uns vor, später noch manches nachzuholen. Rur«ine Zahl sei angeführt, um den Umfang dieses Liebeswerkes der Stadt Berlin an den Kindern zu kennzeichnen: am 31. März 1925 befanden sich insgesamt 13152 Pflegekinder in städtischer Pflege. Man darf dabei nicht übersehen, daß zu dieser Zeit der Höhepunkt der Jnflationskatastrophe erst 1� Jahr hinter uns lag. Die Befriedigung über das gute Resultat wird die Sozialdemokratie nicht verleiden, in ihrem Interesse und ihrer Sorge um die heran- wachsende Jugend zu erlahmen. Nach den Wahlen, die ihr hosfent- lich einen weit höheren Machtbereich bringen, wird auch die Arbeit zieMar fortgesetzt werden._ Knüppel-Kunze in Neukölln. Mit großem Tamtam und allen bekannten Reklametricks hatte die Deutschsoziale Partei, alias Knüppel-Kunze, eine öffentliche Ver- fammlung nach dem Karlsgarten einberufen. Zahlreich waren die Neuköllner Arbeiter erschienen, um diesen.Wahrheitsverkünder' persönlich kennen zu lernen. Lange mußte die Versammlung warten. Als die Anwesenden ungeduldig wurden, bemühte sich ein„Anbeter' Kunzes, über»Politik und Geschäft' zu orakeln. Da der angesagte Kunze immer noch nicht erschienen war, wurde diskutiert und Ge- nosse Heitmann erhielt mit unbeschränkter Redezeit das Wort. Kaum begonnen, betrat..Er', Kunze, den Saal, vom größten Teil der Dersaminlung mit nicht gerade schmeichelhaften Zurufen emp- SNgen. Nun sollte Heitmann abtreten, damit Kunze„reden' könne. as ließ die Versammlung nicht zu, sie verlangte stürmisch, daß Gen. Heitmann weiter red«. Da» mit Kunze-Gardisten besetzte Bureau wollte auf keinen Fall dal auf eingehen. Nun steigerte sich die Unruhe soweit, daß aus der Versammlung herau» ein Antrag gestellt wurde, die unfähige Leitung durch zwei kundigere Leute zu ersetzen. Jetzt wurde Kunze erregt. Ein Ueberfallkommondo sollte Helsen. Da die Kunze-Mannen sich aus nichts einließen, stieg die Erregung der Versammlung so, daß sich die Polizei oeranlaßt fühlte, den Saal zu räumen. Kunze blieb mit seinen Anhängern. eiwa 15 Mann, allein. So konnte dieser deutschsozialc Held seine Wahltiraden in dem Arbeiterbezirk Neukölln nicht an den Mann bringen._ f\u6 den Sezkrten. 16. Bezirk— Köpenick. Die wahrscheinlich letzte Bczirksverordnetensitzung hatte nur eine kurze Tagesordnung zu erledigen, war aber dasür um so bedeut- samer. Unter den Eingängen besand sich eine Mitteilung des Bezirks- amts an die Bezirksversammlung. wonach das Amt den Druck eines Bücherkatalogs der Städtischen Bibllothek dem Bezirks- oerordneten Stein als dem Mindest fordernden übertragen habe, demselben Stein, der vor einiger Zeit in einer öffentlichen Er- klärung vom hohen Roß jeden Mitbewerb um städtische Arbeiten in Abrede gestellt hatte. Die Angelegenheit gab unserer Fraktion Veranlassung, an das Bezirksamt einige Fragen über tarifliche Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Betriebe des Auftragnehmers zu stellen. Die Frag« dürfte von Organisationswegen nachgeprüft werden, da nach der Erklärung de» Bezirksamts Gegenteiliges nicht bekannt ist. Der Hauptpunkt der Tagesordnung betraf Einver- ständniserklärunq zum Bau einer Turnhalle in Rahns- dorf. Bei dieser Gelegenheit führte der deutschnational« Bezirks» verordnete M i e r«inen Ja- und Nein-Sagetanz auf, um der mit der ganzen Angelegenheit zusammenhängenden Zentralschule— Bauangelcgenheit für die Ortsteile Rahnsdorf, Wilhelmshagen und Hessenwinkel— das Rückgrat zu brechen. Sein« Bemühungen waren aber refultallos. Die Bezirksamtsvorlage wurde abgelehnt und damit der Weg freigemacht für die dringend notwendige Rege- lung der Schulverhältnisse dieser Ortsteile. Die sozialdemokratische Fraktion hatte ferner«ine Anfrage betreffend Einleitung von Maß- nahmen zur Milderung der in Aussicht stehenden Arbeits- l o s i g k e i t an das Bezirksamt gerichtet, die in befriedigender Weise von Genossen Stadtrat H« r b st beantwortet wurde. Hemelnöe-Vemokratte. Unter diesem Titel ergreift in der»Bosstschen Zetwng' vom Mittwoch abend der demokratisch« Stadtverordnete Dave da» Wort zu den bevorstehenden Gemeindewahlen. Unter den Demo- kraten Männer von wahrhast demokratischer Gesinnung zu finden ist sehr schwer: Dave gehört zu den sellenen Exemplaren aufrechter Demokraten. Daher kann er auch nicht umhin, seinen Freunden etliche schwere Sünden aus der Zeit ihrer unbeschränkten Herrschast im Sladtparlament vorzuhalten. In seinen beachtenswerten Aus- führungen spricht er von dem Aufstieg der Arbeiterklosse und sagt wörtlich: »Die dritte Klasse der Wählerschaft ging allmählich ganz in da» sozialdemokratische Lager über. In sophistischer Begründung suchte der um seine Kommunalherrschaft besorgt« „Kommunalfreisinn' die Gewährung des allgemeinen gleichen Wahlrechts, das er in Reich und Staat anstrebt« und in jenem erreichte, für die Gemeinde abzulehnen: hier Handel« es sich um«ine Teilnahme an der Verwaltung, nicht wie im Staatsleben um die Gesetzgebung. Als wenn nicht auch in der Verwaltung die verschiedenen Klassenintercssen Anspruch auf gleiche Berücksichtigung in den Grenzen der staotllchen Rechtsord» nung hätten.' In diesen wenigen Worten istdieganzeISmmerlichteit des Berliner Kommunalfreisinns, aus dem dl« Demo- kraten entstanden sind, Haarschars gekennzeichnet. Und wie in Berlin, so war es auch in den Vororten. Aus Charlottenburg vermag ich ein bezeichnendes Beispiel anzuführen. Al» ich dort— es mögen zwanzig Jahre her sein—«inen Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrecht» auch für die Gemeinden be- gründete, trat mir ein Freisinniger— übrigens einer, den ich sonst wegen seiner demokratischen Gesinnung schätzte, und der heute einer der Führer der Demokraten im Landtag sst— entgegen und setzte sich zwar nicht für Beibehaltung de» Dreiklassenwahlrechts, aber für Beibehaltung des»Housbesitzerprivileg»' für die Gemeindewahlen ein. Heute mögen sich die Herren wohl nicht gern an solche Ding« erinnern, die mit Schuld sind, daß in immer weitere Kreis« die Ueberzeugung eindrang, die einzigen wirklichen Vertreter demo- kratischer Weltanschauung und der Demokratisierung der Staats- und Verwaltungseinrichtungen seien die Sozialdemokraten. Wir aber haben allen Anlaß, an diese zwar vor der Staatsumwälzung liegenden Dinge zu erinnern— bilden sie doch für alle werktätig schaffenden Männer und Frauen«ine ernste Mahnung, am 25. Oktober nur wirklichen Demokraten, also Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben._ Dr. Bruno Borchardt. Vorsicht beim WohnnugStausch. Nach dem zurzeit geltenden Wohnungsmangelgesetz haben Parteien, die ihre Wohnungen miteinander tauschen wollen, die Ge- nchmigung hierzu bei der Gemeindebehörde(Wohnungsamt) unter Beifügung der schriftlich gegebenen Zustimmung des Vermieters einzuholen. Es kommt in der Praxis häufig vor. daß der Der- näeter oder dessen Vertreter die Zustimmung verweigert. In diesen Fällen haben die Tauschparieien das Recht, das Mieteinigungs- omt anzurufen. Von diesem kann nach mündlicher Verhandlung, sofern die Einwendungen des Vermieters nicht als berechtigt an- gesehen werden, die Zustimmung zum Tausch ausgesprochen worden und die Parteien können nunmehr die Wohnungen tauschen. E» ist in diesem Verfahren aber von den Tauschpartnern größte Vor- ficht zu üben. Nach einer Entscheidung de» Kammergerichtes <17 P 98'24 vom 5 Januar 25)„tritt durch einen Wohnungstausch, bei dem das Mieteinigungsamt die Zustimmung des Vermieters zum Wohnungstausch ersetzt hat, der anziehende Mieter in die Rechte und Pflichten des abziehenden Mieters dem Vermieter gegen- über ein". Es hat sich im Bereiche des Bezirks Friedrichshain der rraurige Fall ereignet, daß eine Witwe ihre Hauswartwohnung tauschen mußte, weil sie die Arbeiten nicht mehr oersehen konnte. Sie tauschte und erhielt die versagte Genehmigung des Wirtes durch das Mieteinigungsamt ersetzt. Da der Vermieter keinen neuen Vertrag schloß und der abziehende Mieter noch erhebliche Mictrück stände schuldete, wird sie von ihm nun auf Zahlung der Rückstände bzw. Räumung der Wohnung verklagt. Sie steht in Gefahr, ihre Wohnung ganz zu verlieren und obdachlos zu werden. Es ist daher geboten, sich bei allen Wobnnngstaulchen vorher genau zu vergewissern, welche Rechte und Pflichten man mit seiner neuen Tauschwohnung übernehmen muß und will. Reaktionäre Schulpolitik in Pankow. Auf dem Gebiete der Schule konnten schon immer Erfolge nur gesichert werden im schärfsten Kampfe mit den bürgerlichen Parteien. ob unter dem DreiNassenwahlrecht in den Einzelgemeinden oder heute im neuen Berlin. Zur Wahrnehmung der Interessen der Schulen sind gebildet für die Volks schulen die Schuldeputation und für die so- genannten höheren Schulen der S ch u l a u s s ch u ß. In den beiden Kommissionen sitzen nun fast ausschließlich Fachleute, vom Direktor bis herab zum Lehrer. Was haben nun diese Fachleute zur Weiterentwicklung unseres Schulwesens geleistet? Eine große Enttäuschung wird die Antwort auf die gestellt« Frage sein. Es hat sich immer mehr bestätigt, daß beide Kommissionen überwiegend als reine Jnteressenorganisation für Lehrerinteressen angesehen werden müssen. Die Elternschaft des Bezirks Pankow forderte die Errichtung einer Gemeinschaftsschule nach dem Paulienschen System. Bezirksoersammlung wie auch Schuldeputation lehnten unter heftigsten Angriffen auf Paulsen und die Sozialdemokratie die Errichtung einer Gemeinschaftsschule ob. Nach langem, zähem Kampf« durch unsere Genossen und unermüdlicher Arbeit mit den Eltern konnte schließlich doch noch aus Grund einer ministeriellen Anordnung die Gemeinschaftsschule in der Bismarckschule in Nieder- schönhausen eingerichtet werden. Nun setzte in den Schulen eine beispiellose Hetze gegen die neue Schule ein, um doch noch manches Kind von dem Besuch abzuschrecken. Der Schöpfer des neuen Systems, unser Genosse Schulrat Paulsen, st zwar von den Bürger- lichen und den Kommunisten abgebaut, aber unsere Schul« hat sich unter der Führung des Rektors und des Lehrerkollegium» als lebensfähig erwiesen. Nicht nur haben Kinder und Eltern ihre helle Freude an der Entwicklung ihrer Schule, wiederholt haben auch Vorführungen der Gemeinschassen vor anderen Kollegien Freude und Anerkennung ausgelöst.— Die Kinderfreunde, getreu nach�dem Muster unserer Genossen in Oesterreich gebildet, hotten in Schulräumen Kinder versammelt und in bewunderns- würdiger Weife bei Spiel und Arbeit einige Stunden beschäftigt. Das konnte die Schuldeputation nicht dulden. Sie beschloß, die Her- gäbe der Räume zurückzuziehen. Und die Begründung? Es bestände ein«„hygienische Gefahr' für die übrigen Kinderl Damit war also gesagt, daß dieselben Kinder, die in den Vormittagsstunden die Klassenräume bevölkern, eine gesundheitlich« Gefahr bedeuten, wenn sie des Nachmittags bei den Kinderfreunden wellen. Da die Tätigkeit unserer Genossen durchaus anerkannt werden mußt«, sollten nunmehr von allen anderen Schulen sofort auch ähnliche Veranstal- tungen arrangiert werden. Es stellten sich zwar Kinder ein, aber die Lehrer fanden sich nicht bereit, unentgeltlich eine solch« Tätigkeit aufzunehmen. Paulsen hat vor wenigen Tagen an dieser Stell« ausgeführt: „Nichts würde Berlin oder andere Gemeinden hindern, über die staatlichen Mindestgrundsätze hinaus den Unterricht der Volksschule gualitativ so auszubauen, ihre Leistungsfähigkeit zu überhöhen, daß sie bei aller Eigenart und Selbständigkeit ihres Erziehungs- und Arbeitsprogramms zur vollwertigen Schwesterorganisation der höheren Schule wird, neben der diese als ihre Fortsetzung und Er- gänzung erschien«.' Wie findet hier diese Auffassung Anwendung? Indem man unablässig an der Grundschule rüttelt und soviel Schüler als möglich schon mit drei Jahren zur höheren Schule nimmt. Die gegenseitige Konkurrenz der höheren Schulen macht es notwendig, recht viel Neuaufnahmen verzeichnen zu können. Die Notwendigkeit, solch« Kinder noch in der Volksschule zu halten, findet kein Verständnis bei den Studienräten und Direktoren. Als bei der Oberrealchule der Errichtung einer dritten Sexta vom Standpunkte der Stadt Berlin nicht zugestimmt werden konnte, wurde ein« niederträchtige, verleumderische Hetze gegen den Schul- rat und den Bürgermeister eingeleitet. In ihrer sachlichen Kampfes- weife warfen sie dem Schulrat vor, er beherrsche nicht einmal das kleine Einmaleins und dem Bürgermeister, er wäre bildungsfeindlich. Als der Schulrat gegen ein Mitglied des Kollegiums das D i s z i- plinarverfahren einleitete, war es erst nach Monaten und nachdem man der Katze die Schelle umgehängt hatte, möglich, eine befriedigende Antwort zu erhalten. So muß sich der Gemeinschafts- gedanke der großen Stadt Berlin erst durchsetzen gegenüber den Interessen der einzelnen Schulen. Im ständigen Kampfe mit diesen Kirchturmsinteressen konnten trotzdem auch allgemein« Wünsche und Forderungen berücksichtigt werden. In der Inflationszeit war es den Eltern zeitweise unmöglich. Lernmittel für die Kinder zu beschossen. Das Schulamt sicherte sich große Posten und gab diese billiger als im Einzelhandel erhältlich, an die Eltern ab. Der Werkstättenunterricht wurde ausgebaut. Heute sind in allen Schulen Einrichtungen und Werkzeuge vorhanden für Papp- und Holzarbeiten. In den Mädchenschulen, in denen K o ch k ü ch e n vorhanden sind, ist der Unterricht darin durchgeführt. Leider ist es immer noch nicht möglich gewesen, für Buchholz eine Turnhall« zu bauen. Die Weiterentwicklung unsere» Schulwesens muh der Kampfruf bei den Stadtverordneten- wählen sein._ kprechchor für Vrolekarlsche Aelerflundea. AetzungSstnnbe am Freitag, den 16. O t t o b e r(nicht Donnerstag) im Gesangs- saal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16/l7. „Aas zv« Kamps»m die freie V»lk»schal«t» Die NrkeitSgemeinschall sreigeistiger Verbände, QrlSqriipve Berlin, beruft»um Freitag, den 16. Oktober, abends 7'/, Ubr, in Habcrlands Fcftiäle», Reue Friedrichktr. 36, eine össentliche vcr-ammlung mit vorstehendem Thema ein. Neserent: Stadtrat Dr. L ö w e n st e i n. Zille Gegner der Verkirchlichung und Zerlib lagung der Volksschule und alle Freunde der Wclllichkeit dcS gesamten Schulwesen» werden um ihr Erscheinen gebeten. Berllner Lehrerverei». Am Freitag, den 16. Oktober 1SZ5 abend» Vf, Uhr, im großen Festsaal de» UehrcivcreinShauIe». Alexanderstraße 41, Vereinsversammlung.— Tagesordnung:.Der ReichSschulgesetzcntwmst. Vortragender: Herr Joh. TewS.— Gäste willkommen! Ms echten hottäncftschen Nr. 489+42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Wirtschaftslage und Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit wächst Steigender Andrang der Arbeitsuchenden. Die Reinigungstrije- wie man die scharfen Zuckungen, Abſagſtörungen, Stillegungen und Neugruppierungen in der deutschen Wirtschaft während der letzten Monate gern bezeichnet muß naturgemäß auch auf den deutschen Arbeitsmartt start zurückwirken. Es ist ja bekannt, daß die Stillegungen und Betriebseinschränkungen besonders im Ruhrgebiet einen großen Umfang angenommen haben, daß aber auch in der verarbeitenden Industrie vielerorts infolge des Abfahrüdganges und der Kapitalnot Betriebe eingeschränkt oder stillgelegt worden sind. Besonders schwer be troffen wurde dabei der Arbeitsmarkt der Angestellten, da in ber Inflation gerade der Handel und die Betriebsverwaltungen sehr viel Personal an sich gezogen hatten und der Abbau an dieser Stelle zuerst einsetzte. Da die geringsten Veränderungen im Gesamtverlauf der Birtchaft, jede Schwankung des Absatzes und der Kapitalsversorgung automatisch sich in einer 3u- bzw. Abnahme des Bedarfes an Arbeitsfräften äußern, ist die Arbeitsmarktstatistik der zu verlässigste Gradmesser der industriellen Ronjunt. tur. Die Zahlen, wie sie regelmäßig auch von uns an Hand der lieberblicke des Reichsarbeitsblattes veröffentlicht werden, beziehen ich allerdings auf den Gesamtburchschnitt fämtlicher er faßten Arbeitsnachweise oder Gewerkschaftsmitglieder, sowie auf die Gesamtermittlung der unterstützten Erwerbslosen. Ste geben also sozusagen nur einen Querschnitt durch die Entwicklung der Wirtschaft. Es ist dabei durchaus möglich und tritt sehr oft ein, daß der Arbeitsmarkt im ganzen Reiche einer starten Anspannung ausgesetzt ist, die sich in einer Zunahme der Arbeitsuchenden und der Erwerbslosen äußert, während es einzelnen Gewerbe 3 weigen gleichzeitig gut geht dafür ist dann eben die Lage in anderen Industrien entsprechend schlechter. Auch umgekehrt wird man in Seiten eines günstigen Gesamtbildes für einzelne Gewerbezweige noch kritische Zustände am Arbeitsmarkt feststellen; im Verlaufe einer Konjunkturperiode werden nämlich die verschiedenen Ge mei bezweige zu verschiedenen Zeiten von der Auf- und Abwärts. bewegung erfaßt, so daß sich die Linien für die einzelnen Berufe meist überfreuzen. Wir haben mun in einem Schaubild die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes von Mai bis Auguft d. I. an Hand der wichtigsten Angaben der Reichsstatistik dargestellt. Wir sehen da, wie die Arbeitsgesuche, auf je 100 offene Stellen berechnet, von Januar bis zum Juli dauernd, nämlich von 314 auf 171 finfen, um danach wieder anzusteigen. Faft genau den gleichen Berlauf nimmt die Kurve der Arbeitslosigkeit, wie sie von den Gewerkschaften ermittelt wird. Die Arbeitslosigkeit geht bis zum Arbeitsgesuche Arbeitslose in% auf je 100 314 offene Stellen 274 195 237 199 171 175° 175 ohZ 8.1 der erfaßten 7.39 심 으로 Unterstützte Erwerbslose Gewerkschaftsmitglieder In 1000 Personen 4.6 5.8 4.4 4.3 4. 4.5 4.9 3.5 3.6 3.7 5.9 593 5.9 4.3 Arbeitslose Kurzarbeiter 3541 466 320 234 231 196 197 JFMAMJ JAJ F M A M J J A J FMAMJ JA Freitag, 16. Oktober 1925 Juni zurüd, um dann im Juli und August anzufteigen. Schon einen Monat früher, nämlich im Mai, ist der Tiefpunkt der Kurzarbeit er reicht, von da ab bewegt fie fich nach ruhiger Abwärtsentwicklung scharf aufwärts. Das ist ganz natürlich. Denn Betriebsbeschränkungen pflegen bereits früher einzusehen, als die umfangreichen Ent laffungen. Die amtliche Erwerbslosenstatistit umfaßt bekanntlich nur einen Teil derjenigen Arbeiterschaft, die infolge von Ronjunfturstörungen ihres Rechtes auf Arbeit beraubt ist. Aber auch hier ist die Gesamtbewegung die gleiche wie in den beiden anderen Spalten des Schaubildes. Bom Junt ab nimmt die Zahl der Erwerbslosen dauernd zu. Sie betrug Ende August 231 500 und ist dann, was im Schaubild aus technischen Gründen noch nicht berückfichtigt wurde, bis zu Ende Oktober sogar auf 265500 angestiegen. -Die Entwicklung des Arbeitsmarktes deutet also auf eine Krise hin. Allerdings spielen bei den verhältnismäßig geringen Schwanfungen der letzten Monate auch Saisoneinflüsse start mit, so daß zu weit gehende Schlüsse aus der Arbeitsmarktstatistik vor täufig noch nicht gezogen werden können. Es kommt hinzu, daß manche Störungen im Wirtschaftsprozeß weniger durch den Mangel an Absatz als durch den Mangel an Rapital herbeigeführt sind und vielleicht wieder ausgeschaltet werden, wenn jetzt mit den großea Auslandskrediten der deutschen Wirtschaft neues Blut zu geführt wird. Es gibt Leute, die darauf sehr start bauen und infolgedessen die Zukunft in den rosigsten Farben malen. Ob das begründet ist, muß sich erst noch zeigen. Tatsächlich hängt der weitere Berlauf der Wirtschaft in entscheidendem Maße davon ab, ob es ge lingt, die Um säge zu erhöhen. Preise und Löhne müssen zueinander in ein besseres Verhältnis fommen, als es jetzt der Fall ift, wo selbst der Vollbeschäftigte feineswegs immer in der Lage ist, auch mur annähernd den durch Kriegs- und Inflationsfolgen start erhöhten Bedarf an Waren aller Art zu decken. Die starten Ansprüche der Unternehmer an den Kapitalertrag der einzelnen Unternehmungen, die durch die Schutz zoll politit der Rechtsregierung noch sanktioniert worden sind, haben eine Bervollkommnung der Betriebe und eine Erhöhung des Umsatzes in zahllosen Fällen verhindert. Deshalb ist es unwahrscheinlich, daß von der Kapitalseite her allein die Krisengefahr gebannt werden kann. Allerdings sind die bisherigen Ergebnisse der Arbeitsmarktstatistit, wenn man die absolute Höhe des Andrangs zu den Arbeitsnachweisen und ber Erwerbslosen ins Auge faßt, weder im Verhältnis zu anderen Ländern noch im Berhältnis zur Borfriegszeit bedrohlich groß. Sie werden aber langsam und dauernd steigen müssen, wenn nicht eine wesentliche Vermehrung der Umfäße bewirkt wird, die im Inland durch Preissenkung und Lohnerhöhung, im Ausland durch eine vernünftige Handelspolitit zu suchen ist. Auf diesem letzten Gebiete hat die Reichsregierung bekanntlich im einem erschreckenden Maße versagt. Noch einiges vom Preisabbau. Besonders umstritten ist die Frage, welcher Kleinhandelspreis für Kohle angemessen ist. Alle bisherigen Auseinandersetzungen zwischen Konsumvereinen und Händlervereinigungen haben bisher ergeben, daß die von den Händlerverbänden festgefeßten KleinDertaufspreise wesentlich höher sind als sie bei sorgfältiger Ralfulation sein tönnten. Nun hat fürzlich eine BeiSTARTE TU LOLYM K КАТОТ КАТОТ КАТОТ KATOT KATOT Unser preiswertes Winter Angebot * Winter- Ulster, II reihig Farben. M. 88, 84, 48, 48 moderne Formen, in allen 39.00 * Winter- Ulster, II reihig 8 8 8 78, 74 69 la Verarbeitung, solide Dessins 64.00 marengo M.84746064 59 * Winter- Paletots, I a II reihig ago and schwar 83. 49.00 * Rock- Paletots, marengo, blau u. braun 138 79.00 Knaben- und Burschen- Mäntel, große Auswahl, sehr preiswert Winter- Joppen, Ilreihig 439,288, 12, 18-18 warm gefüttert, 12.50 bis Winter- Joppen, Ireihig Sponformen, offen geschlossen, 22.00 483083 28 28 * Pelzjoppen 68.-* Sportpelzetter 98.- bis 300Loden- Mäntel in verschied. Formen, M. 48 28 29 23 21.00 Winter- Chauffeur- Kleidung * Fahrmäntel* Fahrpelze Lederjacken]* Anzüge, marengo 59.00 95.00 290 braun und schwars kraft.Cord 64.00 bis sehr preiswert M. 92.M. 16.50, 12.80, 10.50, 9.50, Stets große Auswahl in Herren-, Burschen- u. 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Wogegen fie fich aber auf das entschiedenste wehren, das ist die Wiedereinführung der freien Konfurren z. Der Kohlenhandel wird, so heißt es in der Entschließung, auf die Festsetzung eines einheitlichen Ber. taufspreises nicht verzichten. fönnen. Wenn aber weiter wie bisher die Spesen der am schlechtesten arbeitenden Handelsbetriebe den Unkostenzuschlag des Handels bestimmen, so nuht auch die Einführung eines Kaltulationsregisters nichts, das der Zentralverband in Aussicht stellt. Da obendrein die Braunfohlensyndikate erklären, daß sie ihrerseits an einen Preisabbau nicht denken, so bleibt schließlich von dem Preisabbau bei der Kohle so gut wie nichts mehr übrig und es ist schade um die vielen schönen Borte, die man seinetwegen macht. An dieser Stelle müßte das Reichswirtschaftsministerium eingreifen. In der Inflation hat es sich eingebürgert, daß viele Werte von ihren Abnehmern die Bezahlung der Ware bereits forderten, noch ehe die Lieferung erfolgt war. In der modernen Kreditwirtschaft sind derartige 3Zahlungsbedingungen unhaltbar. Tatsächlich gewähren selbst rigorose Kartelle in der Regel ein 3ah lungsziel von mindestens dreißig Tagen. Es gibt aber auch noch andere Werke, die nicht glauben, daß die Inflation vorüber ist und die daher zu den Zahlungsbedingungen der Inflationszeit zurückkehren. So hat die Aktiengesellschaft für Berg. bau, Blei und 3intfabritation zu Stolberg und in Westfalen, Aachen, neuerdings die Zahlungsbedingung: Netto Kasse vor Versand" festgelegt. Eine derartige Preisstellung bedeutet tatsächlich für den Abnehmer, der nun erst teure Banktredite aufnehmen muß, eine wesentliche Verteuerung der Ware. Diese läßt sich verTheater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Hellmer 8 Uhr: BU. Lessing- Th. Der Kaufmann Gier unter Ulmen von Venedig Morgen 8 Uhr: Der Kaufma von Venedig Staats- Theater Opernhaus 6: Tristan u. Isolde Opernhaus von O'Neill Regie B. Viertel Gerde Müller Wegener, Müthel Sonntag, 18. Okt nachm. 32 U. Biberpelz zu halb. Preisen BU. Kleines Th. Theater am | melden, wenn sich alle Werte gerade in der Roh- und Halbstoffindustrie, die ihre Abnehmer mit unbilligen Zahlungsbedingungen sehr häufig benachteiligen, zu normalen faufmännischen Gepflogenheiten zurückkehren. Es scheint jedoch Werte zu geben, die das nicht für notwendig erachten. Vielleicht findet sich eine zuständige Stelle, die hier Abhilfe schafft. Die Bedeutung der Freihäfen in der Gegenwart. Die überall errichteten hohen Schutzölle sind sowohl für den Handel wie für die Ausfuhrindustrie, die mit ausländischen Rohstoffen arbeitet und für diese Zölle bezahlen muß, ein großes Hinder nis. Um dieser Schwierigkeit zu begegnen, hat man seit dem Kriege einen in der Borkriegszeit weniger begangenen Weg eingeschlagen: Man begründete Freihafengebiete, das heißt aus dem Zollgebiet ausgesonderte Pläge, wo vor allem diejenigen Waren 30llfrei gelagert und bearbeitet werden können, die nicht für den inneren Verbrauch und nicht für die Bearbeitung im Inlande bestimmt sind, sondern Gegenstände des Durchfuhrhandels bilden. Die Freihäfen bringen für die mit ausländischen Rohstoffen arbeitenden Industrien in solchen Zollausschlußgebieten außer ordentliche Vorteile gegenüber der Lage der Betriebe im 3ollinland, welche den hohen Zoll entrichten müssen. Die Entwicklung solcher Freihafengebiete seit dem Kriege schildert Wilhelm Tucker mann in seinem Buche„ Die Aenderungen in der Weltwirtschaft seit 1913". Nach dem Kriege sind vor allem an der Ostsee eine Reihe von neuen Freihafengebieten entstanden, so in Flensburg, Kiel, übed, Königsberg, Libau, Riga, Baltischport, Reval, Helsingfors, Hangö, Stockholm. Dazu tommen in der Seeverkehrsstraße zwischen Ost- und Nordsee Göteborg und Kristiania. In Europa ist es noch Spanien, in den außereuropäischen Ländern sind es die Bereinigten Staaten, Merito und Südamerika, die Freihafengebiete errichtet haben. Hauptsächlich Industrien, welche Rolonialwaren für den endgültigen Berbrauch zurichten, siedeln sich gern in Freihafen gebieten an, zum Beispiel Kaffeereinigungsanstalten und Röstereien, Katao- und Reisschälfabriken, Tabatsortierungsanstalten, Tabat fabriken usw. Residenz- TheKomische Heute Uhr: schloss. Vorstellg. Circes Heirat Sonnabend 8 Uhr Zum ersten Male Circes Heirat Trude Hesterberg Oskar Sabo Adolphe Engers André Mattoni Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Lotte Neumann, Heidemann, Dora Baselt, Metelka am Königsplatz Hochzeitstage nachm 32 U 7% U: Zauberflöte Schauspielhaus 8 Uhr: Candida Schauspiel von Geraldy 8 U. Trianon- Th. Kleine Preise! Im weißen Röß'l Theater in der Täglich 8 10 Uhr. Olly- Polly Operette von Kollo Emmy Sturm Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Rose- Theater König Krause Uhi: Deutsches Künstler- Theater Tägl. 348 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Schiller Theater Im Damencoupé Kommandant.Str. Die Teresina 8 Uhr: Jungfrau von Orleans Städtische Oper Charlottenburg 71% Uhr: Schwank von Hennequin and G. Mitchel 8 Uhr: Anneliese v. Dessau U. Theater 8U. Marie Escher a. G. Stg nachm. 314 U. Kleine Preise! Täglich 8 Uhr: Anneliesev.Dessau Don Pasquale HALLER Abonnem-Turnus 3 REVUE Deutsches Theater Theater im 8 Uhr: Man kann Admiralspalast mic wissen von Shaw Th. am Schiffbanerdamm in der Klosterstr. 43 Fr WarrensGewerb Berliner Theater Gastspiele des Moskaner Künstler- Th. Musikal. Bühne unt Lto.d. Gründ. u. Hauptreg. Wladimir Nemirevitsch- Dantschenko ( Neues Operettenhaus) 8: Lady Fanny und die Dienstbotenfrage 8 Uhr zum 1. Male Lysistrata von Okt Lustspielhaus 1820 01 Lysistrate 8 Uhr: 19. Okt. 7 U. CarRitter Blaubarts mencita u. d. Soldat Trag. Spiel von K. Lipskerow Mus. Carmen, Bizet! ACHTUNG! achte Frau Preise v. 1,50-12 M. WELLE Kammerspiele 505!" 8 Uhr: II. Rang von 2 Mk. Sechs Personen Parkett von 4 Mk. Suchen einen Autor von Pirandello Logen von 8 Mark 2 vorstellungen 2 3 u 8 Uhr Die Komödie Nachm die ganze zu Vorstellung Kurfürstendamm 207 halben Preisen 8 Unr Gesellschaft Central Theater John Galsworthy 8 Regie: M. Reinhardt Uhr Trieschübel Barnowsky- Bühnen Metropol- Theater Theater in der 8 Claire Dax als Königgrätz.Str. Uhr: 8 Uhr: Wie es euch gefällt Mamsell Angol Sonnab. u. Sonnt. 8 Uhr: Kirchhoff, Leux Hansen, Arno Karsavina Don Juan u. Faust Sig. nachm. 3, U: Die Tribune 8 Uhr z. 25 Male Zurück zu Methusalem Hire Hohelt die Tänzerin Komödienhaus HerrnfeldTägl. 8 Uhr: Margarine Theater, Bülowstr.6 Täglich 8 Unr Th.a. Nollendorfpi. Was ful sich 8 Uhr: Im Séparé? Die hellblauen mit Dir. Anton Herrnfeld Schwestern Die neue KünneckeOperette Theat. d. Westens Das große Operettenhaus Tägl. 7 Uhr: Gastsp. Hubert Marischka Der Orlow Wallner- Theater 8 U.: Meiseken SCALA & Unr Internat. Varicié Sonntags 30 zu ermäßigt. 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Attienkapital von 2 Millionen Mark eine Dividende von 8 Proz. zur und für Steuern 267 850 M. aufgewandt wurden. Wenn die Zölle, so erklärte Direktor Buslepp nach der Generalversammlung auf Anfrage, in den Getreide, Mehl und Brotpreisen nicht in die ErGetreideernte dieses Jahres. Die Gesellschaft selbst muß wohl der scheinung treten, so ist das eine Folge der außergewöhnlich günstigen Ansicht sein, daß die Preise für die erwähnten Produkte ihren tiefsten Stand erreicht haben. Denn sonst könnte man keine Erklärung dafür finden, daß die Geſellſchaft große Getreidemengen eingekauft hat. Berschärfte Krise, steigende Gewinne. Daß die Verschlechterung der Konjunktur, Rückgang der Produktion und der Ausfuhr nicht unbedingt auch den Rückgang der Profite mit sich bringe, dafür zeugen die Bilanzen der englischen Industrieunternehmungen, welche von der Zeitschrift ,, Economist" gesammelt und untersucht werden. In dem Ende März beendigten Wirtschaftsjahre, das sich durch heftige Krisen mit umfangreicher Arbeitslosigkeit ausgezeichnete, haben die untersuchten 492 Industricunternehmungen einen Nettogewinn von 57 millionen Pfund erzielt, gegenüber 51 Millionen im Vorjahr; die Steigerung beträgt also 11 Proz. Für die vergangenen 12 Monate wurden Dom ,, Economiſt" 1443 Bilanzen untersucht, die eine 9-7prozentige Steigerung der Nettogewinne aufweisen. Auch an diesem Beispiel zeigt sich, daß, während die Arbeitnehmer in der Zeit der Krise durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Lohnherabsehungen die größten Opfer tragen müffen, die Unternehmer gut abschneiden. Derufra. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, haben die Interessenten der Derutra, Deutsch- russische Lager- und Transportgesellschaft m. b. H., angesichts des Aufschwungs der Geschäfte der Gesellschaft sich darüber verständigt, ihr weitere Mittel im Betrage Don 8 000 000 Mart zur Verfügung zu stellen. 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Wandelndes Glück Großer Solotell u. Winzer csi am Rhein Erfolg haben Inserate im Vorwärts& Ufa- Palast am Zoo Heute 8 Uhr: Premiere 5. 1. Duett aus Alda" von 2. Ufa- Wochenschau 3. Nußknacker- Sulte Verdi Tschaikowsky Choreograpɓie: Alexander Oumansky a) Tanz der Blumen; b) Chinesischer Tanz; c) Arabischer Tanz; d) Puppentana; e) Trepak( Russischer Tanz) 4. Eine Fabel Aesops( Paté Film der Ufa) Der Mann, der die Ohrfeigen bekam dom Regie: VIKTOR SJÖSTRÖM nolim Hauptrolle: CON CHANEY Metro- Goldwyn- Film der Ufa Ufa- Symphonie- Orchester. Dirigent: Ernö Rapeé Ufa- Ballett. Ceitung: Alexander Oumansky Einlaß 630 Für die Premiere Abendanzug erbeten Einlaẞ 630 Eröffnung des Borchardt- Bufetts 3115 Ab morgen täglich: Wochentags: 3 Vorstellungen um 5, 7, 9 Uhr Sonntags: 4 Vorstellungen um 3, 5, 7, 9 Uhr Preise: 1.50 bis 5.- Mark Der Vorverkauf für 3 Tage im voraus ist ununterbrochen ab 11 Ubr vormittags geöffnet- Telephonische Bestellungen Amt Nollendorf Nr. 62, 1397, 5280, 5281 -----Unterhaltung unö ANissen Settage öes vorwärts Die Jährt zum Irieüen. 0t-' ft w #— ich sehe endlich iond— wird es auch bewohnbar fein— 1# Der ölinöe. 3] Von Iaroslav �utfa. (Schluß.) IV. Die Leute hotten mit ihm wirklich Mitleid.(Es gab viel Holz zum Hacken. Und dann, denkt doch einmal! Der Herr Bürgermeister gab ihm gor eine Krone mehr, als er verlangte. Er durfte zufrieden fein und an keine Dummheiten denken. Aber wie es sich heraus- stellte, dachte er an solche. Er kam fegt oft mit der Anna Mrazek zusammen.' Sie pflegten im Parke zu sitzen, weil das Gehen viel Gedanken in Anspruch nimmt. Seine Blindheit glich jetzt einer offenen Wunde, die zwar schon nicht mehr so hcitig schmerzt, aber die neu verbunden und gepflegt werden muß. Er fagte:„Manchmal ist es furchtbar. Ich erwache, und bevor ich die Augen öffne, denke ich mir: wie ist es denn heute draußen? Ich vergesse meine Blindheit und öffne die Augen, um mir Antwort zu geben und— Finsternis umgibt mich. Es ist mir, als ob ich neuerlich erblindet wäre. Meine Blindheit ist entsetzlich und unerträglich!" Da sie von Geburt aus blind war, entgegnet« sie:.Meine Finsternis ist mir eine Selbstverständlichkeit, wie meine Hand oder mein Ohr. Wenn ich sage: ich sehe nicht, ist es nicht entsetzlicher, als wenn ich sage: ich höre. Uebrigens sehe ich mit dem Gehör. Wie könnte ich es Ihnen am besten sagen? Sehen Sie, so kenn« ich die Farben: weiß, das ist der höchste Ton auf meiner Zither, gelb ein tieferer, rot noch ein tieferer, und schwarz, das ist dort unten, der letzte, tiefe, schwere und traurig« Ton. Schwarze Kleider, ein Begräbnis, Damen in Trauer, dies alles ist dort unten, auf der letzten Saite meiner Zither. Ein Ton ist noch nicht verklungen und schon schwirrt ein zweiter, ein dritter und ein vierter, die ganz« Zither mit einem Male. So sieht mefn Frühling aus!" Er antwortete:.Ja, so sieht Ihr Frühling aus, ich verstehe Sie. Ihre Rede ist für mich mehr als ein Trost." So also wurde der unendliche Raum ihrer Blindheit enger zwischen ihnen, und ihre Hände begegneten einander. Und so verliebten sie sich ineinander. Sie kannten einander gut. Er, der Kriegsinvalide, sprach: .Sie haben mir erzählt, daß Du einen kleinen roten Mund hast und strohgelbe Haare, daß Du schön seist, wie das Bild der Jungfrau Maria in unserer Kirche, das mir immer so gefallen hat!" Und sie, die seit ihrer Geburt blind war, sprach: .Du hast ein« schön« Stimme. Man spürt sie am ganzen Körper, wenn Du sprichst. Sie ist weich und biegsam. Sie ist glatt. Weißt Du, es gibt Stimmen, bei denen man, wenn man ihnen zuhört, Furcht haben muß, daß sich einem nicht«in Splitter«in- bohre. So rauh sind sie!" Sie dachten, daß dies die Liebe sei. Aber die Stadt sagte ihnen, daß es«ine Dummheit sei. V. Zur Frau Bürgermeister kam die Frau Sekretär zu Desuch. Arme, abwesende Damen! Hier steht ihr jetzt vor der Frau Bürger- meister und vor der Frau Sekretär, wie euch der lieb« Herrgott erschaffen hat! Gerade am reinsten seid ihr eben nicht, das kann man entschieden nicht behaupten! Wißt ihr auch, warum die Däckermeisterin beständig zu dem Zahnarzt geht? Oh, man erzählt sich schön« Dinge! Und der Bäcker spürt es nicht, daß er Hörner trägt. Uebrigens, der ist ja gleichfalls ein schöner Kampel. Sie erinnern sich doch, gnädige Frau, wie ihn voriges Jahr der Hund des Försters im Walde aufspürte? Das war ein tüchtiger Hase und gleich zwei Hasen auf einmal! Nicht wahr? Eine Schweinerei stinkt immer! Aber schließlich und endlich, selbst die hehren Göttinnen haben ihre eigene Sorgen. .Wer hackt Ihnen das Holz, Frau Bürgermeister? Der alte Witaschet hat die Hand gebrochen." .Das Holz? Ach ja. das Holz spaltet uns dieser Lexa, wissen Sie, der Blinde. Mein Gott,«in armer Teufel. Man könnte weinen, wenn man ihn ansieht." Der Lexa! Jetzt wird ihr die Frau Sekretär etwas Schönes erzählen! Hat die Frau Bürgermeisterin noch nichts gehört? Dieser Lexa zieht mit der Blinden, der Mrazek, herum und wie sie mein- ander verliebt sind! Ein Blinder mit einer Blinden, dos ist noch nicht dagewesen! Ein Buckliger mit einer Buckligen, so ein Fall ist bekannt. Aber das ist der Gipfelpunkt! Der Herr Bürgermeister trat gerade zur rechten Zeit ein, um davon zu erfahren. Er nahm die Sache gleich sehr ernst und sagte: Es ist schlimmer, als man im ersten Augenblick meinen könnte. Stellt euch vor, daß sie Kinder haben könnten!" Die Frau Sekretär sagte:.No, dos vielleicht doch nicht!" Er fuhr fort:.Das ist mehr als sicher! Soviel mir bekannt ist. hat die Blindheit auf so eine Sache keinerlei Einfluß. Was wird aber aus den Kindern werden? Und werden sie sie überhaupt erziehen können? Sie, eine Blinde, er, ein Blinder. Geld für eine Kinderrfau haben sie keines. Der Mensch soll stets in die Zukunft vorausschauen. Ein Blinder und eine Blinde, es wäre komisch, wenn es nicht zum Weinen wäre!" Und dann sprach er einen würde- vollen Satz, als ob ihn die ganze Gemeinde sprechen würde:.Wir werden ihn zur Besinnung rufen!" Am nächsten Tage sandte er den Wachmann zum Lexa. Er zweifelte nicht an seinem Siege über diese Dummheit und an der Allmacht seines Einflusses. Und Lexa kam also. Der Bürgermeister sagte:.Setzen Sie sich. Herr Lexa. Wir haben miteinander zu reden!" Nachdem er sich gesetzt hatte, fuhr er fort:.Ich habe also erfahren, daß Sie mit dem Fräulein Mrazek gehen. Wissen Sie, ich will mich mcht hineinmischen, Gott behüte! Aber ich denke mir so, ob Sie darüber nachgedacht haben. Und ich befürchte, daß Sie darüber nicht gebührend nachgedacht hoben. Stellen Sie sich vor, daß es so weit käme, nun, ich meine bis zu einem Kinde. Was dann? Ein Kind braucht Pflege, ein Kind braucht ständige Aufmerk- samkeit, viele Augen möchte ich sagen, braucht ein Kind, damst es wohlgeraten emporwächst. Ich denke, daß es von euch eine Dumm- heit wäre! Ueberlegen Sie sich's, überlegen Sie sich es reiflich! Ich verlasse mich auf Ihre Lebenserfahrung. Nun also?" Er antwortete:.Ich werde mir's überlegen, Herr Bürgermeister!" Und er ging hinaus, schwer, geschlagen, gekrümmt. VI. Bis zum Abende gingen ihm des Bürgermeisters Worte im Kopf- herum. Und er dachte:.Mein Glück rief« das Unglück herbei!" Die Blindheit sank wieder in ihrer vollen Schwere auf ihn herab. Um fünf Uhr faßte er den Entschluß:„Ich werde ihr alles erzählen!" Er ging mit schwerem Kopfe zu feiner Geliebten, als ob er mit diesem schrecklichen, unglücklichen Kinde schwanger wäre. Dies war ein neuer Schmerz der Blindheit. Ein hestiger Schmerz, als ob eine Wunde neuerlich ausbrechen würde, ein Schmerz in den Augen und einer im Herzen. Er sagte ihr alles. Sie sprach:.Komm!" Er fragte:.Wohin?" Sie wiederholte:.Komm!" Sie führte ihn an der Hand wie eine Mutter ihr Kind. Dann sagte sie:.Gib acht, hier sind Stiegen!" Sie schritten empor. Endlich, als er unter seinen Füßen die Ebene des Fußbodens spürte, sprach sie:.Wir sind bei mir. Warte!" Er fühlte, wie sie sich aus der Nähe seines Körpers entfernte. Nach einem Weilchen kam sie wieder, legte ihm etwas in die Hände und fragte:„Was ist das?" Er antwortete nach sorgfältigem Abtasten:.Das ist wohl ein Stoff!" Sie sprach:.Es ist Barchent. Hast Du die Form erkannt?" Er antwortete:.Ein Quadrat, nicht wahr?" Sie schwiegen. Er hörte das Mappern einer Schere, eilend und schnell, wie der Lauf eines Menschen, der seinem Glücke entgegenläuft. Dann verstummte es. Sie reichte ihm jetzt den Stoff hin und sprach:.Betaste aufmerksam die Form!" Er arbeitete mit den Händen, langsam, angestrengt. Eine Biegung, gerade, eine Biegung, gerade— ja, Ta, ja, es war ein Geisertüchlein für ein Kind! Er vernahm ihr Lachen..Nun, selbstverständlich, selbstoerständ- lich, es braucht nur noch eingesäumt zu werden. Ich treffe es auch, ein Hemdchen zuzuschneiden und zu nähen, ich trefs dies alles! Ich kenn« die Form der Sachen. Mein Geliebter, glaubst Du mir?" .Ich glaub« Dir!" So kam die Liebe und das Glück zu ihnen. (Berechtigte Uebersetiung von Z. Reismann.) ,Rhpchmische� Rechtschreibung. Die deutsche Rechtschreibung, die auch für den Erwachsenen so manch« Fallgrube bringt, ist für das Kind außerordentlich schwer zu«rlernen, und der Lehrer muß alljährlich aufs neue die Qual und Plage miterleben, die die Kinder beim richtigen Schreiben der Wörter haben. Ein« Mittelschullchrerin. Mari« Rauch in Frankfurt a. M., hat sich nun eine Methode zur leichteren Erlernung der Recht- schreibung ausgedacht, di« sie selbst.Rhythmische Kunst tm Dienste der Sprachlehre" nennt. Die Methode besteht nach einem Bericht vcn A. Treichel in der„Umschau" darin, bestimmte körperliche Be- wegungcn als Symbol für bestimmte Buchstaben und Sprechgruppen zu setzen und diese von dem lernenden Kinoe ausführen zu lassen. Die Art der Bewegungen ist naturgemäß dem Charakter der ein- zelnen Laute sorgfältig angepaßt. Wenn z. B. ein Dehnungo-i wie b«im Wort.dienen" geschrieben werden soll, dann zieht dos Kind die Arme wagerccht nach beiden Seiten auseinander. Ein Dehnungs-h wird natürlich anders versinnbildlicht. Das Kind spricht das Wort „nehmen", unter Berücksichtigung der e-Schleifen des deutschen h, indem es erst mit beiden Händen die Oberschleif« des h über dem Kopf und dann die Unterschleife durch HerabgleUcn der Hände andeutet. Eine Dehnung durch Doppelvokal wird durch zweimaliges Klatschen ausgedrückt. Das schärfende„ß", z. B. in dem Wort heiß, wird dadurch" markiert, daß beide Fäuste im Armbeuge fahren und so den Laut gewissermaßen festhalten. Die Schärfung durch einen Doppelkonsonant wird mit einer raschen zweifachen Zuckbewegung der Fäuste bezeichnet. Konsonanten, die oft verwechselt werden, müssen in die Luft geschrieben werden. Im ersten Schuljahr spricht der Lernende jedes Wort und jeden Satz mit den dazugehörigen Bewegungen vor; im zweiten Schuljahr machen dann die Schüler die rhythmischen Bewegungen, erst im Chor, dann einzeln nach. Daran schließen sich im dritten Jahr Uebungen, in denen die Klasse schlecht vorgesprochene Wörter und Sätze richtigstellt, rhythmisch bezeichnet und schreibt. Das bisherige Lautieren und Buchstabieren wird damit ausgeschaltet. An sein« Stelle tritt aber eine an- schauliche rhythmische Methode, an der das Kind lebhaft Anteil nimmt, durch die es die Buchstaben und Worte leichter eifaßl und sich besser einprägt. Die Erfahrung soll gezeigt haben, daß die Kinder mit viel größerer Frische und Ausdauer bei der Sache sind und die Leistung dadurch naturgemäß gehoben wird. Mit Lust uno Freude, ohne sich der Anstrengung bewußt zu werden, lernt das Kind in drei Jahren seine Sprache richtig lesen und schreiben. dichterueteile über C.§. Meper. Gottfried Keller(in einem Briefe an Rodenberg):„Daß Ihnen die Gedichte Ferdinand Meyers gefallen, glaub' ich wohl. Wenigstens der rein lyrische Teil hat trog des uralten Stoffs jene eigentümlich edle Klangfarbe, welche so selten ist und macht, daß ein solcher Band Gedichte, der vielleicht 30 Jahre lang entstanden ist, doch wie erst gestern und heute geschaffen erscheint." In einem Briese an C. F. Meyer über„Die Leiden cirns Knaben":„Diese Geschichte ist wieder ein recht schlankes und fein gegliedertes Reh aus Ihren alten Jagdgründen, und ich wünsche neuerdings Glück zu der Sprache, mit cher sie gesprochen ist. Ei» vortrefflicher Kontrost sind die beiden Knaben: Julian, der stirbt, wenn er von schlechter Hand geschlagen wird, und der junge Argen- son, der„sehr gut" sagt, wenn er von guter Hand eine Ohrieige erhält. Und beide sind gleich brav" Fr. Th. Bischer(in der Vorbemerkung zu dem G. Keller- Aussatz„Altes und Neues", l880>:.Längst drängt es mich, auch über einen Landsmann und Geistesverwandten G. Kellers etwas zu sagen, über Conrad Ferdinand Meyer. Wer leinen„Georg Ienatsch" und seine Novelle„Der Schuß von der Kanzel",„Das Amulett" und„Der Heilige" kennt, wird mir beistimmen in den, Urteil, daß hier eine echt stahlhaltige Kraft in unsere Literatur eingetreten ist, wiederum ähnlich wie in G. Keller, ein« Kraft, die das Ideole in den Granitgrund der unerbittlichen Lcbenswahrheit einzusenken versteht und wie ein streNger Arzt vor das Angesicht unseres verwöhnten und verweichlichten Geschmacks und Seelen- lebens tritt, zugleich«in« Krast. die ihr Deutsch vom Urquell der Sprache schöpft. Der innere Reichtum knapp zusammengehalten. alles gegenständlich, nirgends das Subjekt mit uberflüssiger Red« vordringend, der Stoff'mit durchdringendem Denken gehegt, zur Reife verarbeitet, der Stahl künstlerisch blank geschliffen." Der Ursprung der warlburq. Bor einigen Tagen wurde auf der Wartburg im ehemaligen Pferdestall der Thüringer Landgrafen unter hochausgeschichtetem Gerumpel ein alter, reichverzierter Deck- stein der Säulen des Landgrafenhauses entdeckt. Die Form dieses D-cksteins bildet«ine Bestätigung dafür, daß die Wartburg vom Baumeister der berühmten romanischen Kapelle in Schwarz-Rhein- darf bei Bonn erbaut worden ist. Da auf der Bauinschrift der Kapelle in Schwar.z-Rheindorf die Jahre 1150 und 1151 als Entstehungszeit angegeben sind, so kann damit als erwiesen gelten, daß das Landgrafenhaus bei Eisenech ans dem dritten Viertel des 12. Jahrhunderts stammt. Hermann Billige Lebensmittel Tiefz Mengenabgabe vorbehalten Frische Schweineköpfe mit Fettbacke. 35Pf. Pa. Ochsenschmorfieisch Knochen, 130 Pfand Pa. Ochsenrouladen .......... Pfund 140 Schweineschinken Schulterblatt Schweinekotelett Schwaineliesen 114 Pfund ............. Pfund .Pfund 120 Ptand 140 Pfund 12 120 Hammelvorderfl. 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