Abendousgabe Str. 494+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 245 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Moreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig 19. Oktober 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berleg und Anzeigenabteilung: Sefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Beratungen über Locarno. Reichskabinett- Rheinlandvertreter- Landesminister- Auswärtiger Ausschuß. Das Reichskabinett ist heute vormittag 11 Uhr unter dem Borfiz des Reichspräsidenten zusammengetreten, um den Bericht der deutschen Abordnung in Locarno entgegenzunehmen und zu beraten. Die Sigung dauert zur Stunde noch an. Morgen vormittag wird die Reichsregierung die Bertreter der politischen Parteien, der Unternehmer- und der Arbeiterverbände des Rheinlandes über die Berhandlungen in Locarno informieren. Für Mittwoch sind die Ministerpräsidenten der Länder zur 3nformation über Locarno durch den Reichskanzler nach Berlin gebeten. Um Donnerstag fritt der Auswärtige Ausschuß des Reichstags zufammen. Geplanter Unterzeichnungstermin: Anfang Dezember. Condon, 19. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Das Außen ministerium ist von Locarno aus unterrichtet worden, daß die offizielle Unterzeichnung des Sicherheitspaltes in London zu Beginn des Monats Dezember stattfinden werde. Man ist hier der Ansicht, daß sich die allierten und der deutsche Außenminister selbst nach London begeben werden, um in feierlicher Sizung die endgültige Unterzeichnung des Friedenswertes von Locarno vor zunehmen. Erste Milderung des Rheinlandregims. Die Interalliierte Rheinlandkommission hat den Artikel 1 der Berordnung Nr. 297 über bedingte Berurteilung durch eine Bestim muung ersetzt, wonach bei Berurteilung zu Gefängnisstrafen bis zu einem Jahre Aufschub der Bollziehung der ganzen Gefägnisstrafe oder eines Teiles derfelben angeordnet werden kann. Heimkehr der deutschen Abordnung. Der britische Botschafter beglückwünscht fie auf dem Bahnhof. Die deutsche Delegation ist am gestrigen Sonntag nach mittag im Sonderzug von Locarno um 1,20 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin eingetroffen. Die Ankunft war ftreng geheim gehalten, der Bahnsteig abgesperrt. Als Vertreter der Reichsregierung hatte sich Reichsarbeitsminister Dr. Brauns eingefunden, für das preußische Staatsministes Wie einen Hund erschlagen! Völkische Parole gegen Stresemann. Der„ Bölkische Beobachter", die Münchener Tageszeitung Adolf Hitlers, veröffentlicht unter der Ueberschrift Kampf dem Stresemann!" einen Leitauffag, in dem die Parteigänger der Bölkischen im ganzen deutschen Sprachgebiet zum erbittert ften Kampf gegen die Auslieferung unserer Nation", d. h. gegen den Vertrag von Locarno, aufgefordert werden. In welcher Weise diefer Kampf geführt werden soll, darüber läßt der„ Bölkische Beobachter" feinen Zweifel. Denn er erflärt: Damit ist alles Maß übergelaufen. Ein Mensch, der an Strejemanns Stelle für Frankreich etwas Aehnliches unterschrieben hätte, wäre nadh feiner Rüdfunft in Paris wie ein Hund erschlagen worden. Die furchtbaren Erfahrungen. die in Deutschland gemacht tourden, gestatten es nicht, derartige Aeußerungen einfach als Entgleisungen eines hemmungslosen Temperaments beiseite zu Legen. Man weiß, wie diese nationalistischen Mord buben mit deutschen Außenministern zu verfahren pflegen, die sich meigern, nach ihren unsinnigen Rezepten Politit zu machen. Offener fann man gar nicht zum Mord auffordern, als es hier durch das Münchener Nationalistenorgan geschieht. Bas werden die Deutschnationalen tun, um den Außenminister ihrer Regierung vor den Plänen nationalistischer Mordbuben zu schützen? Es kann uns nichts geschehen! Ter Troft der neuen kommunistischen Führer. Der fommunistische Bezirk Halle hat sich nach einem Referat des Zentralevertreters Dengel und einem Rorreferat des Ultralinten Scholem hinter den Brief des ruffischen Exekutivfomitees in Moskau gestellt. Der Kommunist Dengel gehört zu den Leuten vom Neuen Kurs". Bes Geistes Kinder diese Leute von der neuesten Führergarnitur der KPD. sind, geht aus folgenden Sägen seines Referats hervor: ,, Benn wir z. B. verlangen werden, daß auch die Einheits. fronttattit in den Gemeindepartamenten richtig und konsequent durchgeführt werden muß, werden wir einen Haufen von opportunistischen Schweinereien erleben. Roch etwas anderes ist vorhanden. Es ist die Gefahr porhanden, daß eine wenig gefestigte Führung der Partei nicht versteht, die Grenze der Einheitsfronttattit richtig einzusetzen, sondern über diese Grenze hinausmarschiert in den Opportunismus. Diese große Gefahr ist vorhanden, und ein nicht gefestigtes 3. fann ihr unterliegen. Für den Augenblid besteht diese Gefahr nicht. Sie besteht deshalb nicht, weil die jetzige Führung der Partei gegen diese Gefahr insofern gefeit ist, als diese Führung entfchloffen ist. in allen Fragen der Pragis in engster 3usammenarbeit mit der Komintern, mit der Erefutive und den russischen Genossen zu stehen." | rium Staatssekretär Dr. Weismann. Ferner waren neben Mitgliedern des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei zum Empfang erschienen die Botschafter Großbritan niens, Frankreichs und Englands, die Gesandten Bel giens und der Tschechoslowakei und ein Bertreter des päpstlichen Nuntius. Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister wurden von den diplomatischen Vertretern herzlich begrüßt und der englische Botschafter Lord d'Abernon hielt folgende Ansprache: Ich bin ausdrücklich von Herrn Chamberlain beauftragt, Sie zum Erfolg der Konferenz in Locarno zu beglückwünschen und zum Ausdruck zu bringen, daß Herr Chamberlain immer mit Freude an das erstmalige Zusammentreffen in Locarno und an den Geist der Aufrichtigkeit und Offenheit zurückdenken wird, den die deutschen Delegierten den Erörterungen aufgeprägt haben. Der deutschen Regierung wird immer die Ehre bleiben, die Initiative er griffen zu haben, welche zum Vertrag von Locarno geführt hat. Lord d'Abernon fügte hinzu, daß der englische Außenminister über zeugt sei, die in Locarno getroffenen Abmachungen würden ein Wendepunkt der europäischen Geschichte werden. Er gab der Zu versicht Ausdruck, daß die persönlichenfreundschaftlichen Beziehungen, die zwischen der britischen und der deutschen Delegation entstanden sind, sichere Anzeichen neuer Beziehungen zwischen den beiden Bölfern sein mögen. Luther und Stresemann sprachen ihren Dank für die freundlichen Worte der Begrüßung aus und versicherten, daß euch die deutsche Reichsregierung dieselben Hoffnungen für das Bertragswert von Locarno hege. Kampf um die Selbstverwaltung. Die Bedeutung der Berliner Wahlen. diesen Wochen und Monaten, von der Deffentlichkeit viel zu menig beachtet, entscheidende Veränderungen vor sich. Die porübergehende Geldflüssigkeit, die im Etatsjahr 1924 für einzelne Großstädte bezeichnend war, hat nach außen hin den Anschein erweckt, als ob die Gemeinden int Gelde schwimmen, und als ob sie ihre Ausgabewirtschaft nicht in genügendem Maße der allgemeinen Notlage anpaßten. Dabei hat man vollständig vergessen, daß die Geldflüssigkeit der Gemeinden eine durchaus relative war. Sie war groß im Berhältnis zu dem fatastrophalen Tiefstand der gefamten öffentlichen Wirtschaft beim Ausgang der Inflation, und sie wurde auch nur möglich, weil somohl die fachlichen wie namentlich auch die persönlichen Ausgaben auf ein unerträgliches Minimum heruntergeschraubt waren. Ein großer Teil der Ueberschüsse dieser Städte, namentlich im ersten Halbjahr 1924, ift buchstäblich auf Roften der städtischen Arbeiter und Angestellten entstanden, die genau wie die übrige Arbeiterschaft unmittelbar nach der Inflation eine menschenunwürdige Entlohnung erhielt, und die erst einigermaßen ausgleichen fonnten, ohne daß jemand belangsam das Niveau ihrer Lebenshaltung auch nur haupten wird, die Verhältnisse dieser Arbeitnehmer feien bereits heute irgendwie zufriedenstellend. Auf dem Gebiete der fachlichen Ausgaben waren die notwendigsten Dinge in der Inflationszeit so sehr abgedrosselt, daß natürlich der Gegensag bei der Wiedergefundung der städtischen Wirtschaft in die Augen springen mußte. In den Finanzverhältnissen der Gemeinden gehen in aller steht, daß die ersten günstigen Reiten vorbei sind und daß Heute weiß jeder, der in der praktischen Gemeindearbeit sie in dieser Form vorläufig nicht wiederkehren werden. Die Nachmittags erschien der amerikanische Bot äußerste angespannt. Die Folgen des FinanzausRaffen Gemeinden sind augenblicklich aufs schafter beim Reichsaußenminister, um persönlich seinen gleichs, der starken Steuerermäßigungen der letzten Monate Glückwunsch zum Ergebnis der Konferenz auszusprechen. Nachmittags 5 Uhr berichtete der Reichskanzler dem Reichs machen fich bemerkbar und bereits herricht in vielen Städten eine Art Baniftimmung. Die Fülle der Aufgaben ist präsidenten von Hindenburg über Locarno. Reichskanzler und Reichsaußenminister berichten ausführlich in dem heute vor. Stadtverwaltungen oft gar nicht wissen, wo sie anfangen nach den langen mageren Jahren so groß geworden, daß die mittag 11 Uhr begonnenen Kabinettsrat. Der Reichstanzler hat beim Berlassen der Schweiz an den sollen, um auch nur das Notdürftigste zu leisten. Die Städte Bundespräsidenten Dr. Mufn ein Danktelegramm für die Vor- find in der modernen Entwicklung in so startem Maße durch fereitung, Beherbergung und Begrüßung der Konferenz getriebe und Unternehmungen entscheidende Antriebsrichtet. Den guten Leuten ist nicht wohl. Sie sollen Oppor tunismus" machen, und dürfen zugleich feinen Opportunis mus" machen. Wie sie das machen sollen, wissen sie selber nicht. Da sind sie auf den schlauen Gedanken gekommen: mir machen nur, was von Mostau befohlen wird. Alles, was Mostau tut, ist richtig. Bir haben feine Berantwortung, man tann uns nicht anflagen und verurteilen wie Ruth Fischer und Maslom, turzum: es fann uns ja nichts geschehen! Das ist eine schlaue Rechnung, aber eine zu schlaue Rechnung. Bor jeder parlamentarischen Entscheidung, vor jeder praktischen politischen Stellungnahme werden diese guten Leute also in Mostau, bei der Erefutive und der russischen Kommunistischen Partei anfragen. Dengel und Thälmann schwören: wir werden sein wie die Kindlein am Gängelband! Ihre Rechmung hat aber ein Loch. Wenn der KPD. unter fo glorreicher Führung die Geschichte schief geht, wird die ruffische Erefutive in Mostcu teineswegs die gegängelten Rindlein entlasten und großmütig die Verantwortung über nehmen, sondern wird die Dengel und Thälmann in Anflagezustand versetzen, weil sie so strohdumm maren, gegebene Befehle nicht einmal zu verstehen. Beschlußunfähigkeit des Landtages. Die Sozialdemokraten für die Pensionäre. In seiner heutigen schwach befeßten Sigung begann der Land. tag die Beratung der fleineren Ctats. Den Bericht des Ausschusses für den Haushalt der Porzellanmanufattur gab Genoffe Offerroth ( Soz.), der dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß die parteipolitischen Bestrebungen in diesem Betrieb nunmehr erledigt sein sollten. Ge noffe Meyer- Rheine schloß sich diesem Wunsche an und trat für die Befferstellung der Bensionäre ein. Die Porzellanmanufattur müßte bazu übergehen, auch für die minderbemittelten Kreise zu produzieren. Vielleicht wäre das auf Grund eines besonderen Berfahrens möglich. Bei den Abstimmungen war ein Ergebnis zweifelhaft. Es mußte ein Hammelsprung vorgenommen werden, wobei sich die Beschlußunfähigkeit des des Ausschusses herausstellte. Präsident Bartels beraumte eine neue Sigung auf sofort an Genoffe Ramjan Macdonald ist in Budapest eingetroffen und wurde auf dem Bahnhof von dem britischen Gesandten und den Führer der ungarischen Sozialdemokraten begrüßt. Er gedenkt zwei Tage in Budapest zu bleiben. flagten beendet. Der legt, ein rumänischer Lehrer, schrie den richten 3m Rischinewer Maffenprozeß ist die Bernehmung der Angeden Offizieren ins Gesicht, mie gräßlich ihre Kameraden und die Gendarmen ihn und so viele andere mishandelt haben. Ein Befehl Der Kriegsministeriums bestimmt, daß täglich 50 3eugen vernommen werden müssen; also gibt es fein Fragerecht der Angeklagten und ihrer Verteidiger! fattoren der gesamtwirtschaftlichen Entwidlumg geworden, daß ein Stocken im Ausbau der Kommunalwirtschaft auch für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verhängnisvoll werden müßte. Wenn z. B. in einer Stadt wie Berlin der Konsum an elektrischem Strom von einem Jahr zum andern sich um 50 Broz. steigert, so müssen einfach die Anlegen geschaffen wenn nicht die gesamte industrielle Entwicklung aufs schwerste werden, die zur Erzeugung dieser Energie notwendig sind, gefährdet werden soll. Hier handelt es sich nicht um Fragen, bei denen man nach seinem Belieben so oder so entscheiden tann, hier handelt es sich um zwingende Notwendigfeiten der Gesamtentwicklung. Um so verhängnisvoller ist es, daß die öffentliche Meinung fast ausschließlich von den Auffassungen der maß gebenden privatwirtschaftlichen Industrieverbände und ihrer Syndici beherrscht wird. Bei den Berhandlungen über den Finanzausgleich hat man es erleben müssen, daß die Rechtsparteien, die sich früher gegenüber der Erzbergerschen Steuerreform mit Borliebe als die Berteidiger der guten alten Selbstverwaltung hinstellten, mit fanatischem Eifer gegen die Wirtschaft der Gemeinden anfämpften. Die Rechtsparteien maren es, die beim Finanzausgleich Bestimmungen über die Rontrolle der Gemeindefinanzen durchfezten, die in der praktischen Ausführung durch die Verwaltungsbureauratie des Reichs und der Länder zu einer vollständigen Er drosselung der Selbstverwaltung führen müssen. Der Reichsverband der Industrie geht planmäßig daran, durch feine Syndici und Beauftragten, durch die Industrie- und Handelstammern gegenüber der Arbeit der gewählten Gemeindevertretungen eine Art industrielle Reben. regierung zu errichten. Die Etats der Gemeinden werden von den Bureaus der Großunternehmer aus mit einer oft geradezu erstaunlichen naiven Untenntnis über die Frage der fommunalen Berwaltung auf jede einzelne Ausgabe hin fontrolliert und unter die Lupe genommen. Jede Borlage an eine ist, wird in der von der Schwerindustrie beherrschten Bresse Stadtverordnetenversammlung, die mit Ausgaben verbunden ist, wird in der von der Schwerindustrie beherrschten Bresse und das ist die große Mehrzahl gewöhnlich zu einer ebenso unsachlichen wie heftigen Rampagne gegen die Verschwendungssucht der Städte ausgenugt. Die Stadt Berlin, über deren tommende Entwicklung bei den Wahlen am nächsten Sonntag entschieden werden soll, steht unter dem besonderen Druck dieser von den Rechtsparteien inszenierten Heke. Im preußischen Staatsrat mar es der deutschnationale Abgeordnete Dr. Steiniger, der den Mut hatte, allen Ernstes zu behaupten, die Stadt Berlin sei durchaus in der Lage, eine 100prozentige Aufwertung zu gewährleisten(!), fie treibe eine unverantwortliche Ausgabemirt volksparteiliche Abgeordnete von Eynern in der schärfften werden. Im Preußischen Landtan hat erst dieser Tage der schaft(!) und fie müffe finanziell aufs schärffte tontrolliert Weise gegen Berlin Stellung genommen. Bon der Bolkspartei und auch von den Den'schnationalen gingen die größten Schwierigkeiten bei der Beratung über die Aufnahme von Auslandsanleihen zum Ausbau der Berliner Werke aus. An allen Eden und Enden versucht man die Gesetzgebung| fie die städtischen Werte dem Pripaitapital in ble des Reiches und der Länder gegen Berlin wie gegen die übrigen Städte mobil zu machen. Man darf den Einfluß dieser Heze unter feinen Umständen unterschäzen. Bekannt sind die Aeußerungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der angeblich sich tategorisch geweigert haben soll, überhaupt noch eine weitere Anleihe irgend einer deutschen Großstadt zu genehmigen und der die finanziellen Bedürfnisse der modernen Kommunalwirtschaft lediglich unter dem Gesichtspunkt eines Privatbantiers ansieht. Diese Kreise, die Schwerindustrie, die Banten, die großen Unternehmerverbände glauben dem auf ihnen lastenden Drud am bequemsten dadurch ausweichen zu können, daß sie den Gemeinden das Leben finanziell so schwer wie möglich machen. Aus diesem Grunde unterstützen sie jede bei der zen. tralen Bureaukratie vorhandene Tendenz zum Abbau und zur Einschränkung der Selbstverwaltung. Die Wurzeln dieser rückschrittlichen Tendenzen fiegen in dem steigendem Einfluß der Arbeiterschaft auf die Rommunalverwaltungen, in der Beseitigung des Haus und Grundbesigerprivilegs und der damt zu sammenhängenden Zurückdrängung des Einflusses der Deutschnationalen und der Volkspartei in den Industriegemeinden. Den sozialen Aufstieg der Arbeiterschaft versucht man durch gesteigerten Druck auf die Gemeinden auszugleichen oder unmöglich zu machen. bes 18. Oftobers the Detorationen in Brand geftedt. Borüber Hände spielen und deswegen befämpfen sie jeden weiteren gehenden gelang es, den Brand im Entstehen zu erstiden. In der Schritt, den die Stadt nicht aus Uebermut und nicht aus Ber- Nähe der Brandstelle wurden 39 scharfe Infanteriepatronen geschwendungssucht, sondern unter dem Druck der Erfordernisse funden. Zwei der Tat Berdächtige wurden der Wache zugeführt. der Entwicklung tun muß. Die Rechtsparteien find die Im Rahmen des ersten deutschen Reichstriegertages veran wahren Feinde der Selbstverwaltung im ftalteten Sonntag nachmittag Angehörige nationaler Bünde einen Innern Berlins und in allen entscheidenden Stellen des Reichs Berbeumzug durch den zumeist von Arbeiterfamilien bewohnund des Landes. Der Haß gegen die Arbeiterschaft, die findische ten Stadtteil Stötterip, wobei es zu 3usammenstößen Angst vor dem Aufsteigen einer sozialistischen Entwicklung mit roten Frontfämpfern fam, die furz vorher bort eine Protestmacht sie blind und turzsichtig. In ihren eigenen Reihen versammlung gegen ben Reichstriegerbund abgehalten hatten. Auf rufen sie dadurch ununterbrochen erbitterte Fraktionstämpfe Seiten der Hakenkreuzler fielen mehrere Schüsse. Durch das Einhervor, bei denen ihre mit Scheuflappen vergreifen des Ueberfalltommandos wurden weitere Tätlichfeiten ver sehenen Führer den Männern der prattischen Mitarbeit hindert. Bei einer durch die Polizei vorgenommenen törperlichen in ihren eigenen Reihen ständig hemmend im Wege stehen. Durchsuchung der ungefähr 300 Mann zählenden Hakenkreuzler Die Zukunft Berlins fann sich nur auf die Sozial wurden zahlreiche Gummischläger, Schanzzeug und eine Pistole bedemokratie stüßen, die beides, Opferwilligkeit und Einsicht schlagnahmt und mehrere Namenfeststellungen vorgenommen. Der in die Notwendigkeiten der Entwicklung mit einander ver Berbezug wurde unter polizeilicher Begleitung aus dem Stadtteil bindet. Der Kampf um Berlin ist ein Stück des Kampfes geführt. Die roten Frontkämpfer haben 6 bis 8 zum Teil erheblich um die Selbstverwaltung aller Gemeinden und verletzte zu verzeichnen, von denen einige ins Krankenhaus eingeStädte, der in den nächsten Monaten und Jahren noch viel liefert werden mußten. Bei den schwereren Berlegungen handelt es schärfere Formen annehmen wird. Auch in diesem Kampfe sich zumeist um Schläge mit dem blanten Spaten gilt es, die Stellung der Sozialdemokratie zu stärken, die als Partei der Millionenmassen das stärkste Bollwert demokratischer Selbstverwaltung darstellt. Der Reichskriegertag. Schwarzweißrote Demonstranten schießen auf die Bevölkerung. * Der Standal von Leipzig reiht sich dem Standal der Einweihung des Rachebentmals in Berlin würdig an. Reichspräsident Hindenburg und Reichsinnenminister Schiele haben einer Versammlung Begrüßungstelegramme geschickt, die eine einzige Demonstration für Schwarzweißrot gegen die Republik war. Ganz unabhängig von dem besonderen Interesse, das die minderbemittelten Schichten an einem Ausbau der Gemeindedemokratie haben, ist diese Haltung der UnternehmerDie Generäle, die diese Demonstration dirigierten, haben organisationen so turzsichtig wie nur möglich. Sie vergessen dabei vollständig, daß die öffentliche Wirtschaft heute famten Kriegervereine Deutschlands hielten am Sonntag in 2n- zahlt. Der Herr General Kaden, der sich berufen fühlt, den Leipzig, 19. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die ge- wieder einmal die Republik beschimpft, die ihnen Pensionen nicht nur ein sehr beachtlicher Teil der Gesamtwirtschaft ist, wesenheit des früheren ronprinzen von Bayern und Dred der Republif" abzuwaschen, nimmt nichtsdestoweniger sondern daß ohne ihren Aufbau und ihre forgfältige Pflege unter Leitung des Borsitzenden des Kyffhäuserbundes General- ihr Geld. auch die Privatwirtschaft nicht gedeihen kann. obert von Heeringen in Leipzig einen ersten deutWie verbohrt war& B. der Widerstand, den in Berlin die fchen Reichstriegertag" ab, der ein großer monarchistischer Rechtsparteien gegen den Ausbau des Berliner Messe- Kummel wurde. Eine unerhörte Beschimpfung der Republik eramis, gegen den Bau des Haufes der Funkindustrie usw. laubte fich der eigentliche Festredner Generalmajor& aden, bis zum legten Augenblid geleistet haben. Wie kindlich ist die der die alten Soldaten aufrief, mit ihren Fingernägeln den Dred These, daß die Unterhaltung der städtischen Oper eine Berwegzutragen, den die Republik über die deutsche Heimatschwendung sei. Umgekehrt, die Berliner Wirtschaft ist durch erde gebreitet habe. diese Einrichtungen in außerordentlichem Maße befruchtet worden, und wenn Berlins Ansehen im Inland und im Ausland im Steigen begriffen ist, so auch deswegen, weil jeder objektive Beobachter der Berliner Entwicklung die Rührig keit der städtischen Berwaltung auf den mannig fachsten Gebieten anerkennen muß. Zu Beginn des Wahlkampfes drohte die volksparteiliche ,, Tägliche Rundschau" in einem sehr lehrreichen Artikel ganz offen mit verstärktem Gingreifen des Staates in Berliner Berhältnisse, wenn etwa die Linte ans Ruder fommen sollte. Allerdings werden hier wie auf allen anderen Gebieten die Tatsachen stärker sein als die der Bequemlichkeit ent springenden Rückschrittsgelüfte der zurzeit in Deutschland maß gebenden Faktoren. Aber aus dem Kampf der Industrie gegen die Gemeinden droht der Selbstverwaltung, die das sicherste Fundament jeder Demofratie blbeiben muß und immer fein wird, eine Gefahr, die gar nicht hoch genug ein. geschägt werden kann. Gegen diese Gefahr gilt es schon bei den jetzigen Wahlen alle Kräfte zu mobilisieren. Berlin ist kein Krah mintel und darf fein Krähmintel werden. Die Entwicklung feiner Wirtschaft, das Blühen seiner Industrie, die Möglichkeit ausreichender Beschäftigung für seine Biermillionenbevölferung hängt sehr wesentlich davon ab, ob die Berliner Ber waltung sich auf Barteien ftüßen tann, die weitsichtig und opferwillig genug find, trotz aller Schwierigkeiten an dem Ausbau unserer Wirtschaftsunternehmungen, unserer Berkehrsverhältnisse, unseres Wohnungswesens zu arbeiten. Die Rechtsparteien haben sich stets nur als Bremsflöte am Wagen der Berliner Wirtschaft gefühlt, weil sie wie hypnotifiert auf die nur in ihrer Einbildung bestehende Gefahr einer angeblichen fozialistischen Mißwirtschaft starren. Deswegen haben sie Groß- Berlin betämpft, deswegen wollten Der 1000 jährige Meyerbeer. Nur Utopisten fönnen glauben, es müsse in einem Opernhaus immer Neues gemacht werden. Wenn die Produktion so stockt wie heutzutage, dann ist es durchaus am Blaze, die alten Meister, denen unsere Vorfahren huldigten, wieder aufleben zu lassen. Es gehört dazu eben nur, daß im aften Rörper noch auffrischendes Leben ist, daß Sänger fich der Rollen annehmen und daß ein Publi tum mitgeht. Was alfo Meyerbeer betrifft, so wurde gestern in der Staatsoper mit der Afritanerin das Galvanisierungsexperiment gemacht. Ohne Erfolg, wie man fonstatieren muß. Die Befehungsschwierigkeiten waren zwar überwunden, aber auch beste Kräfte fonnten über die Kinoromantit dieser endlosen fünf Atte, über das Banale des Gesamtkunstwerks, über das auf Effekt zugeschnittene, aber gar nicht mehr effektvolle Orchester, über die Gejangslitaneien und den Mischmasch von Stilen hinwegbringen. Die Stimmung blieb aus, und man vergrößerte die Müdigkeit durch Riefenpausen. Das Allzulängliche hier ward's Ereignis. 3u gegeben, daß in der Romanze des Basco, in der Ballade des Nelusco, in der Liebesszene zwischen Selisca und Basco, im Juustrieren von Sturm und Wellen, daß auch im Tanz des Dierten Aktes die Hand eines genialen Musikanten zu spüren ist. Aber was bedeutet das gegen ein paar Stunden breitgesponnener Richtig feiten, gegen ein halb Duhend chorischer Gleichförmigkeiten, gegen eine blaffe Rezitatiofunft und eine Menge Füllsel, unisono schmach tend- sentimentale und lärmhaft äußerliche Gesänge. Nein, dieser Meyerbeer wäre heute tot, auch wenn nicht Wagner sein Verdikt über ihn gesprochen hätte. Wer ein Ohr für Geschichte hat, der spürt allerdings noch den Einfluß Meyerbeers auf Wagner, Berdi. Aber damit scheint beinahe die Bedeutung Meyerbeers erschöpft oder sie wäre es, wenn nicht ein Hugenotten". " aft und der Prophet" noch immer an die dramatische Kraft des einstigen preußischen Operntönigs glauben ließen. Der Tegt von Scribe, oftmals reduziert, verworfen, zusammengestrichen( man lese Kapps vorzügliche Choreographie!) häuft die abenteuerlichen Geschichten, ohne Zeit zu behalten, Psychologie zu treiben, Menschen lebendig und intereſſant zu machen. Die Justamentstechnit, die 3uWillkürlichkeit ebensowenig mitgehen wie mit dem äußerlich groß fallsregie, bie Bapierwahrheit regiert, und man fann mit dieser artigen Getue des einmal erfinbungsreichen, ein andermal so qualvoll geistschwigenden Komponisten. Wenn also schon Meyerbeer, dann der Prophet", und wenn ein Prophet, dann Richard Wagner, der das Ende des 1000 Jahre alten Meyerbeer prophezeit hat. Bleibt die Aufführung, für die sich Meyerowit mit bewundernswertem Fleiß einsetzte. Man wünschte diesem gefchmad vollen Musiker, daß auch er einmal einen Monat an jedem Aft studieren dürfte. Nicht seine Schuld, wenn die Zeit über diese Bartitur, über dieses verlebte Brunten mit Amusement und Ausstattung 1 Im Laufe der Beranstaltung fam es zu mehreren 3ufammenstößen zwischen dem Frontbann und Kommuniffen, wobei von Seiten der Rechtsradikalen mehrere Schüsse fähr 300 Mann feft. Der amtliche Polizeibericht fiellt fest, daß die fielen. Die Polizei verhinderte größeres Unglüd, und nahm ungeKommunisten ohne Waffen waren, während bei den Angehörigen der Rechtsorganisationen alle möglichen Waffen beschlagnahmt wurden. Acht schwerverlette Arbeitet wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Leipzig, 19. Oktober.( WTB.) Der umtliche Polizeibericht fagt: Der Festzug des Reichstriegertages nahm unter starter Anteilnahme der Bevölkerung einen ungestörten Berlauf. Im übrigen haben sich während des Reichstriegertages einige un bedeutende Ereignisse abgespielt. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend wurden an zwei Stellen der Stabt schwarzweiß rote Fahnen abgerissen In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag fand in der Eisenbahn- und Kirchstraße ein 8u jammenstoß statt zwischen Kommunisten und Angehörigen von Rechtsorganisationen, wobei auf beiden Seiten leichte Berlegungen vorgekommen find. 14 Beteiligte wurden der Mache zugeführt und nach Waffen durch sucht. Hierbei wurden bei den Angehörigen der Rechts organisationen 5 Spaten, ein Gummischlauch, zwei fest stehende Meffer und eine Scheintotpistole gefunden und beschlagnahmt. Die zugeführten Kommunisten waren nicht im Besik von Waffen. Die Demonftranten von Leipzig find aber auch dazu übergegangen, die Bevölkerung zu terrorisieren. Der Polizeibericht läßt deutlich genug erkennen, daß ihr Auftreten eine einzige freche Provokation gewesen ist. Un vielen Stellen sind bewaffnete Schwarzweißrote über unbewaffnete Einwohner hergefallen. Es ist der Geist des Terrors und des Bürgerkrieges, der in den schwarzweißroten Provokationen spuft! Die Rede des Generals Raden, die eine freche Beschimpfung der Republit enthält, wird hoffentlich den Reichsanwalt interessieren. Der Reichspräsident ist Ehrenpräsident des Ryffhäuſer- Bundes, der die Demonstration von Leipzig arrangiert hat. Berträgt sich diese Ehrenpräsidentschaft mit der staatsrechtlichen Stellung des Reichspräsidenten? Die Hamburger Unentwegten. Deutschnationale Entschließung gegen Locarno. Die Parteileitung des Landesverbandes Hamburg der Deutschnationalen Bolkspartei gibt folgende Stellungnahme des Landesverbandes befannt: Die Vertreter des Landesverbandes Hamburg haben bei der Berliner Tagung des Hauptparteivorstandes und der Landesverbandsvorsigenden einen Antrag eingebracht, der die Beschickung der Außen. ministerkonferenz in Locarno abhängig machte von der oorherigen Erfüllung oder Garantierung der bekannten Forderungen. Die Hamburger Vertreter haben dann folgerichtig auch gegen den von der großen Mehrheit gefaßten Beschluß geftimmt, der zur Beschichung der Außenministerbesprechung unter den bekannten deutschnationale Bedingungen geführt hat. Demgemäß feßt der Landesverband Hamburg auch dem Wert von Bocarno" ein entschiedenes ein entgegen, weil er durch den Ausgang der Besprechung in Locarne die deutsche Ehre und Würde nicht genügend gemahrt sieht und die oom nationalen Standpunit aus unannehmbare freiwillige Preisgabe beut. Weiter sind in den frühen Morgenstunden des 18. Oftober nichen Landes und deutschen Boltes als unannehmbare rempeleien in der Berliner und Dresdener Straße vorge Folge von Locarno voraussieht. Der Landesverband beabsichtigt, fommen. Auch in diesen Fällen find mehrere Berfonen cine außerordentliche Landesparteitagung einzuberufen. leicht verlegt worden. Für die Entscheidung der deutschnationalen Reichs tagsfrattion sagt dieser Beschluß natürlich nichts. Am Café Felsche wurden in der vierten Morgenstunde norr, ein eindringlicher Relusco, neben ihm bie zarte Jur. hinwegschreitet. An der Spitze der fingenden Darsteller stand Schnorr, ein eindringlicher Nelusco, neben ihm die zarte Jurjemstaja und die nicht ganz disponierte, dennoch padende Remp, die sich mit 2ußmann zusammen für den Aft Kraft und fäßlich der Grundsteinlegung des Deutschen Sportforums. Aus dem Stimme spare. Die Aufführung fungierte als Festvorstellung anGeist des Sports heraus war Meyerowitz sehr geschicht über einige verderbliche a- capella- Ralamitäten hinweggeturnt. Der Film als Entdecker. R. 5. Die ungeheure Bedeutung des Films, die Dinge objektiv und getreu wiederzugebn, wird lange nicht genug ausgenügt und gewür digt. Der Film ist der hervorragendste Reporter der Welt- und gewähren tann, zeigte der Film„ llrwelt im Urwald", der im Naturgeschichte. Welch ungeahnte Einblide in fremde Welten er uns Mozartsaal läuft. Unter der Leitung des Herrn A. v. Dun gern, der von einigen Naturwissenschaftlern begleitet war, wurde eine Expedition in die Regionen des Amazonenstromes unternommen. An den Ufern diefes größten Fluffes der Erde dehnen sich undurch dringliche Urwälder. Wenn man fie nach Norden durchschreitet, fommt man in die Campos, unermeßliche Ebenen, die der Wiehzucht dienen. Hier zählt alles nach tausenden und zehntausenden. Man hat die Expedition begnügt sich nicht damit, die Reiter- und Laffofünfte ben Eindruck der unbegrenzten Fülle an Ochsen und Pferden. Aber der Biehhirten vorzuführen, fie will uns das feltsame Tierleben in Balb und Feld erschließen. Und so belauschen wir denn entzückende Bilder. Der Kolibri, ein fingergroßes Rerlchen, baut zwischen zwei schwankenden Halmen fein Nest und füttert die Jungen. Die Gottesanbeterin", eine wahrhafte Freßmaschine, verzehrt einen Schmetterling. Und dann schauen wir einem Faultier zu, wie es mit größter Behäbigkeit, aber auch Gewandheit mit allen Bieren den Baum hintummeln sich in dichtem Schwarme handgroße Fische mit einem furchtaufflettert. Plötzlich gibt es eine große Ueberraschung: in den Flüssen baren Raubgebiß, die Piranhas. Ein paar Zentner schweres Schwein haben sie in 6 Minuten pöllig ftelletiert! Intereffanter noch sind die Blattschneider Ameisen, die eine höhere Stufe der Tierwelt durch die Arbeitsteilung und Staatenbildung repräsentieren. Dicht neben diesem friedlichen Arbeitervolk hausen zu hunderten, ja zu tausenden, in den Sümpfen die Krokodile, faul und schläfrig. Erst die Jagd mit Laffo, Keule und Büchse bringt Leben in fie. Man jagt fie ihres Fleisches wegen. In zwei Tagen waren 2000 zur Strede gebracht. nicht gemerkt hat. Aber sie find in solchen Mengen da, daß man den Abgang gewiß gar Durch das Land Abdel Krims und durch die Wüste Sahara" führt ein Film, der in der Urania vorgeführt wurde. Dr. v. Leßel wies in dem Begleitvortrag auf die große Bedeutung des Hinterlandes für die Bildung des großen nordafrikanischen fran3öfifchen Kolonialreiches hin. Der Film selbst hatte sein Schmer. gewicht weniger in der Schilderung des Rifgebietes als in der Beranschaulichung einer Reise durch die Wüfte nach Timbuftu, das seine märchenhafte Existenz vor uns entfaltete. Daran schloß sich eine abenteuerliche Fahrt auf dem Niger bis an die Küfte. Der Film vermittelte nicht bloß interessante Landschafts- und Kulturbilder, sondern eröffnete auch Einblicke in große weltpolitische Zusammenhänge. D. Ein Cuftspiel mit Moral. Das Lustspiel der Herren Geralby und Spigherr Wenn ich wollte" enthält einen ernsten Kern, sozusagen eine Moral, was dem aufmerksamen Zuschauer trotz des sonst durchaus aufgefragten Tones im Dialog alsbald auf fällt. Die sehr verheiratete und glückliche Frau Germaine behauptet, fie tönne Männer genau so verrüdt machen mie ihre Freundin Stüdes.) Als Marcelle das in leisen Zweifel zieht, möchte Ger Marcelle, wenn, ja wenn sie nur wollte.( Daher der Titel des maine durchaus den Grad ihrer Gefährlichkeit festgestellt wiffen. Da fie, wie man sich denken fann, von dem erstaunten Gatten feine befriedigende Antwort bekommt, versucht fie ihre Verführungsfünfte bei anderen Männern mit dem Erfog, daß die Autoren Ge legenheit bekommen, volle drei Atte auszufüllen. Die Lösung des entstandenen bramatischen Konfliktes ist von derartiger Harmlosig feit und Blattheit, daß ich mich geniere, ihn zu beschreiben. Ich Spiele vergnüglicher sind, aus denen man teine Lehre fürs Leben zu nehme mir nur die Kühnheit, die Ansicht zu vertreten, daß Luft. ziehen hat. Das eine Gute hat aber das Stüd, daß es im Balerie von Martens vergönnt, ihre amüsante Darstellungs. Theater am Kurfürstendamm Max Adalbert und funft glänzen zu laffen. Adalbert, ber feine Worte wieder so über hastend dahinnuschelt und die Betonung auf Säge legt, wo sie fein Mensch erwartet, der plöglich ganz abfurde Einfälle bekommt und fo viel Ertempores macht, daß seine Kollegen auf der Bühne vor Lachen die Langstieligkeit des Lustspiels. Und die Martens ſprüht vor steden bleiben, entschädigt mit seiner trodenen Komit reichlich für lauter Lebendigkeit und ist das zierlichste Lurusmeibchen( Marcelle), das man sich benten fann. Hubert v. Meyerind erweist von neuem feine Begabung in der erzentrischen Berförperung bumm. licher Typen. Merkwürdigerweise enttäuschte Käthe Dorich. Sie war weniger ein glückbedürftiges, gelangweiltes Frauchen mit plöŋlichem Abenteuerburst, als ein verzogenes Kind mit findlichen 2üren, zu denen die gewollt aufgetragene feelische Zartheit nicht paßte. Dgr. Gonntag wurden in den ständigen Wiener Arbeiter Symphoniekonzer Johann Strauß und die Wiener Arbeiter. Sonnabend und ten( der Kunststelle der Sozialdemokratischen Partei) zum Teil felten zu hörende Werke Johann Strauß' geboten. Darunter die Scherzpolta für Orchester und Chor Liguorianerseufzer", die der Meister 1848 nach der Austreibung diefer Mönche komponiert hatte. Die Arbeiter Zeitung" reproduzierte das Titelblatt von Johann Strauß Revolutionsmarsch" für Pianoforte, auch von 1848. Man sieht darauf Barrikadenkämpfer und die Fahne Schwarz- Rot. Gold! woh 8 Uhr im Faldrealgymnasium, 2ügomstraße 84d, einen Lichtbilder. Humboldt- Hochschule. Diplom- Ingenieur eo Nachtlicht bält Witt. vortrag über Architettur unb Runstgewerbe", speziell über Stadthauser, Landhauser, Theater, Kinos. Ludwig Bartning ftellt bei Bernhard Sebbe, Tiergartenstraße 8, seine neuesten Arbeiten, Blumen- und Gartenbilder und Landschaften aus der Schweiz, aus. Eine Strauß- Gedenktafel. Die Reihe der öffentlichen Beranstaltungen wurde in Wien durch die Enthüünng einer Gedenttafel au feinena aus Anlaß der Feier des 100 jährigen Geburtstages von Johann Strauß Geburtshause in der Lerchenfelderstraße eingeleitet. Gegen die Boden- und Wohnungspolitik. Maffenprotest im Zirkus Busch. 5 d Eine über 5000 Befucher zählenbe Broteftfundgebung fand Sonntag vormittag im 3irfus Busch statt. Achtzehn Verbände, darunter der Bund deutscher Bodenreformer, der Allgemeine Be: amter- Bund, fast sämtliche Angestelltenverbände, Mieter, Kleingärtner und Siedlungsverbände, hatten fie gegen die unzulängliche Boden, Siedlungs- und Wohnungspolitit von Reich, Ländern und Gemeinden veranstaltet. Als erster sprach Gen. Bittor Road. Er führte aus, der Staat und auch die Gemeinden hätten bis jetzt so gut wie nichts für den Wohnungsbau getan. In Berlin gibt es ungefähr zweihunderttausend Menschen, die nach den statistischen Aufstellungen mindestens zu vieren in einem Raum schlafen. Die Raumnot zwingt die Menschen dazu, daß Kinder und Erwachsene in einem Bett schlafen müssen, was mit den schlimmsten Folgen in gesundheitlicher und moralischer Beziehung verknüpft ist. In das Virchow- Krankenhaus wurden 1924 allein 250 geschlechtstrante Kinder eingeliefert, die sich von den Erwachsenen angesteckt hatten. Die Mietstaserne ist die Brutstätte der Geschlechtskrankheiten und der Sittlichkeitsver: brechen. Und nichts wird getan, um diesem Uebel abzuhelfen. Aus Angst vor einer eventuellen Senfung der Wohnungspreise möchte man am liebsten das Wohnungselend übersehen, und die Regie: rung läßt lieber die Sieges allee ausbessern, als daß sie Wohnungen baut. Nach Nood sprach der bekannte Bodenreformer Dr. Adolf Da majchfe. Er fnüpfte an den Vortrag Noads an, indem er die Gründe für das augenblickliche Wohnungselend entwickelte, die nicht allein im Kriege zu suchen sind. Deutschland hat immer an der Boden- und Wohnungsfrage getrantt. Die Reformpläne des Freiherrn v. Stein hatten eine Aufteilung des Bodens vorgesehen, aber nach dem Sturze Napoleons wurden die Versprechungen vergeffent, ein Erlag vom 29. Mai 1816 hob die Zusagen auf. Nichts hat man in dieser Zeit in Deutschland getan, um den Boden zu parzellieren, im Gegenteil, bis 1870 wurden 1 Million Hektar in den östlichen Brovinzen Breußens dem Großgrundbefiz eingefügt. Die Folge davon war die Auswanderung nach Amerita und der Zug zur Stadt. In ten Städten Mietstafernen und auf dem Lande, besonders in Mecklenburg und Bommern, ungeheure Ländereien, die eine fleinere Bevölkerungsdichte aufweisen, als entvöfferte sibirische Landstriche, meil fie in den Händen des Großgrundbesizes find. Und diese Kultur fchande mährt bereits über hundert Jahre. Die neue Ber faffung sieht im§ 155 bas Anrecht eines jeden auf den Boden vor, aber noch niemals hat eine Regierung fich auf die Existenz dieses Paragraphen besonnen. Der ausgearbeitete Ent wurf einer großangelegten Barzellierung liegt vor, aber die Regie. rung tut nichts, ihn Wirklichkeit werden zu lassen. Danach solle die Gemeinde das notwendige Land schaffen, indem sie das Vorkaufs recht erhält. Aber außerhalb dieses Entwurfes find Millionen Deutsche dem Drang zur Scholle als Kleinftebler und Kleingärtner gefolgt. In Berlin allein gibt es 170 000 Familien, die einen Klein garten befizen, 6250 Heftar märkischen Sandbodens sind durch ste fultiviert worden. Jeber weitfichtige Staatsmann müßte gerade von hier den Ausgangspunkt zu Reformbestrebungen nehmen. Bege zu einer rationellen Bauwirtschaft wies dann Dr. Martin Wagner in seinem Referat. Zuerst verlas er einen Brief, den Friedensarbeit des Roten Kreuzes." In Parade vor einem Reichswehrgeneral. Nach Schluß des Krieges hat das Rote Kreuz, wie damals bekannt gegeben wurde, sich ganz auf Friedensarbeit umgestellt. Daß auch die erste Hilfe bei Massemunfällen zu den vom Roten Kreuz in Friedenszeiten zu erfüllenden Aufgaben gehörte, unterliegt feinem Zweifel. Man braucht sich daher nicht zu mundern, menn tie Samaritermannschaften des Roten Kreuzes eine lebung im Transport Don Verwundeten ausführen, mie es an einem der letzten Sonntage im Grunemaid geschah. 2uffchen hat es aber mit Recht erregt, daß bei dieser llebung auch non der Reichsmehr eine Gruppe höherer Offiziere anwesend war und daß nach Schluß der Uebung die Samaritermannschaften des Roten Kreuzes samt den Mitgliedern eines Kriegervereins in Pa. rabe vor einem Reichswehrgeneral vorbeimarfchierten. Die Schilderung, die man uns von diesem an der Sprungschanze bei„ Ontels Toms Hütte" veranstalteten Schauspiel gibt, läßt uns glauben, daß der Anblick auf die meisten zuschauenden 3iviliften weniger erhebend als er heiternd gewirkt hat. Den ftärtsten Heiterfeitserfolg hatte der Führer des Kriegervereins, ein Herr, der zu seiner Ziviltleidung einen richtigen Offiziersfäbel trug und mit ihm vor dem Reichswehrgeneral würdevoll falutierte. Der General, der diese schnurrige Parade abnahm, schnitt ein Gesicht, wie wenn er selber die Empfindung hätte, daß die ganze Gesellschaft fich und ihn dazu lächerlich machte. Die Barade schien nicht aus dem Stegreif veranstaltet, sondern mit Sorgfalt vorbereitet morden zu fein. Nicht weniger als fünf Mufitforps waren zur Stelle, und es verstand sich von selber, daß der Barademarsch sich unter den Klängen bes Fridericus Reg" vollzog. Sonderbar ist, daß auch eine Abteilung des Jung do fich an der Barade beteiligte und in femilch mirtendem Stolz an dem Herrn Reichswehrgeneral vorbeimarschierte. Bermutlich waren die Jungen eigens zu dem Zweck hinbestellt worden, den Glanz" der Parade zu erhöhen. Auf die Barabe folgte eine Ansprache des Generals, anscheinend eine Kritik nach militärischer Art. Hat der Herr Reichswehrgeneral das Rote Kreuz zu dieser gelungenen Friedensarbeit" beglüdwünscht? " Die rasenden Bädermeister. in maßloser Das war allerdings eine pußige Rundgebung". Die Berliner Bädermeister hatten sich gestern vormittag in den Germaniafälen versammelt, um gegen die Uebergriffe der Polizei" zu protestieren. Nachdem aufs heftigste geschimpft und wieder gekimpft worden mar, ohne daß von irgend einer Seite positive Materialien zur Entfräftung der Polizeivorwürfe vorgebracht wurden, ergriff Obermeister Grüßer das Wort, um Weise gegen die Kriminalpolizei vom Leder zu ziehen. Er gebrauchte die heftigsten Ausbrüde, sprach davon, daß die Polizeiattade dem Sah den Boden ausschlüge und wandte sich dann gegen die anwesenden Breisevertreter, bie er in gaffenbubenhafter Manier anpöbelte. Die Breffenertreter zogen aus dem Berhalten dieses Ferrn die einzig mögliche Konsequenz und ließen die tobende Bersammlung unter sich. Trog aller Entrüftungsphrasen war bis dahin das sach liche Thema in feinem Buntte berührt worden, ein Beweis dafür, daß die Sache der Bäder auf recht schwachen Füßen ficht. Es soll später den Bersammelten noch eine flammende Proteft resolution vorgelegen haben, die gegen alles polizeiliche Vorgehen Berwahrung einlegt. " Benn die Bädermeister ihren Kredit in der Deffentlichkeit meiterhin in diesem Tempo untergraben, jo fann es einem um fie tatsächlich leib tun. Als interessante Parallele zu der Berliner Bäckeraffäre sei festgestellt, daß Kajfel mit einem Bierpfundbrot zum Preise von 55 Pf. den niedrigsten Brotpreis von allen deutschen Städten hat. Im übrigen ist es besonders föstlich, wenn die Bäder als mit Recht schwer Beschuldigte noch die Angreifer martieren wollen. Ihre Bflicht wäre es gestern gewesen, fich fachlich ausführlich zu rechtfertigen. Grundsteinlegung des Sportforums. Dicht neben dem Stadion im Grunewald ift ein gewaltiger Sportplag im Entstehen begriffen. Beite Flächen find bereits urbar gemacht worden. Am gestrigen Sonntag fand nun die Grundsteinlegung bes Sportforums im Beisein des Reichspräsidenten, staatlicher und städtischer laffen die Schulverhältnisse fehr zu wünschen übrig, und wenn es nach den Machthabern in rechtsorientierten Gemeinden girge, hätten mir wohl bald wieder Analphabeten, weil ein durchgebildetes Boit ihnen doch recht unbequem mird. In Malchow sprach Genosse Bolenste und forderte besonders auch Besserung der Straßen und Anschluß an das Verkehrsneg. Auge und Herz erfreuende Darbietungen, Mufifvorträge and Deflamationen aus der Jugendgruppe machten die Kundgebung zu einer schönen, von sozialdemokratischem Geifte erfüllten Feier. Moderne Wegelagerer. Ms Bettler und„ Kriminalbeamter". Frechheit mitten im belebtesten Berlin harmlose Fußgänger Die Kriminalpolizei verhaftete zwei Berbrecher, die mit ungiauo ausgeplündert hatten. Hindenburg 1916 an Dr. Damaschte gefchickt hatte, in dem es hetzt, daß jeder deutsche Fronttämpfer Anspruch auf eigenen Boden hätte. Auch dieses ist bergelien morden, wie so vieles andere. Die Regierung Luther hat die wird hauptsächlich für die Beamtengehälter verbraucht; eine RegieReichswohnungspolitik begraben, und der Ertrag der Mietssteuer rung, die legten Endes mit der Großindustrie verschmägert ist, fann faum anders handeln, denn die Großindustrie spricht direkt von dem Unfug des Bauens. Und wenn selbst eine Regierung geneigt seintlicher mürde, Reichswohnungspolitik zu betreiben, so würde sie doch vielleicht an der Geldfrage scheitern. Das Geld wäre aber zu beschaffen. Versicherungsgesellschaften, Sparkassen, Hypothefenbanken und ähnliche Institute müßten das Geld zum Bau von Boltswohnungen vorstrecken. Vor allem sei aber eine Berbilligung der Bauftoffe notwendig. Die Betriebe müßten sich mehr amerifanifieren, es geht nicht an, daß bei geringem Umfag mit hohem Nuken gearbeitet würde, das umgekehrte sei das richtige Prinzip. Es geht nicht weiter so, daß der Plan zu einem Haus durch 26 Aemter man dern muß; es fehlt eine straffe Organisation im Wohnungsbau. Berlin braucht einen Baudirektor, der auch tatsächlich organifieren tann und der über die nötige Initiative verfügt, fich energisch für den Bau von Wohnhäusern einzusetzen. Augenblicklich hat Berlin 250 000 Wohnungslose und baut höchstens im Jahr 8000 Wohnungen, eine Zahl, die verschwindend gering ist. Wichtig bleibt es, daß eine Rangordnung im Bauen geschaffen wird. Das Wichtigste find heute Wohnhäuser und nicht Rathäuser und Messepaläste, hier muß Wandel geschaffen werden. Als letter sprach Stadtrat Treffert. Er beleuchtete die Bestrebungen der Regierung, das Mieterichußgefeß aufzuheben oder strebungen der Regierung, das Mieterschußgefeß aufzuheben oder derart einzuschränken, daß diese Einschränkung einer Aufhebung gleichkommt. Auch in der Wohnungsfache tönnte die Zwangswirt schaft aufgehoben werden, wenn genügend Wohnungen und würde bestimmt eine Revolution herbeiführen. zur Verfügung standen, heute ist dieser Vorgang unmöglich Die Ausführungen der vier Referenten wurden mit startem, lange währendem Beifall aufgenommen. Der Bogen ist überspannt worden, schließlich reißt auch die Geduld des ruhigsten Boltes. Die gestrige große Massenfundgebung zeigt, daß das Bolt es über hat, sich dauernd mit Versprechungen abfüttern zu lassen. Die Bersamm. lung nahm am Schluß einstimmig eine Resolution an, die darauf ging, die Erträge der Mietssteuer feien nur für den Woh nungsbau zu verwerten, das Mieterschutzgesetz dürfe unter feinen Umständen Einschränkungen erfahren und die verantwortlichen Stellen hätten die Pflicht, endlich einmal ernstlich mit dem Woh nungsbau zu beginnen. Da die Bodenreformerteine eigene Sie zur Stadt verordnetenwahl aufgestellt haben, wandten fie fich an ble einzelnen Parteien um Auskunft, wie diefe zu den bodenreformatorischen Be ftrebungen ftänden. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ist diefe Frage nur von der Sozialdemokratie bejahend und zuftimmend beantwortet worden. Die bürgerlichen Barteien haben bis jegt ge. schwiegen. Behörden, Vertreter des Handels und der Industrie sowie Abordmungen von Sportverbänden statt. Große massive Gebäude, so u. a. eine Schwimmhalle, eine Sport und Turnhalle, Anund Austleideräume jollen hie: entstehen, die in ihrem Ausmaß als richtige Sportstadt dem Namen Sportforum durchaus gerecht merden. Die Festrede wurde von dem Borstzenden des Deutschen Reichsausschuffes für Letbesübungen 2emald gehalten, der darauf hinwies, daß zur Ertüchtigung der Jugend und zur törperlichen Erziehung Leibesübungen und Turnen in meit größerem Maße mie bisher betrieben werden müßten. Dann richtete Innenminister Schiele im Namen der Reichsregierung einige Morte an die Festesteilnehmer. Die Grundsteinlegung selbst wurde mit drei Hammerschlägen des Reichspräsidenten eingeleitet. Es folgten n. a Frauenkundgebungen heute, Montag, den 19. Oktober, abends 7%, Uhr: Tiergarten: Artushof, Perleberger Straße 26. Rednerin: Landtagsabg. Frau Dr. H. Wegscheider- Ziegler. Wedding: Turnhalle Putbusser Straße und Schulaula, SchulStraße 99. Redner: Stadtverordnete Minna Todenhagen und Dr. Julius Moses, M. d. R. Prenzlauer Berg: Ledigenheim, Pappelallee 15. Rednerin: Reichstagsabg. Frau Clara Bohm- Schuch. Wilmersdorf- Grunewald: Realgymnafium, Grunewald, Caspar- Theyß- Straße. Rednerin: Frau Adele Schreiber. Anschließend musikalische Darbietungen und Rezitationen. Feuerwehr- Wählerversammlung heute, Montag, 19. Oktober und Dienstag, 20. Oktober, abends 7 Uhr, in der Schulaula Schule Koppenplag. Tagesordnung: Feuerwehr und Stadtverordnetenwahlen. Referent: Stadtverordneter W. Reimann, Mitglied der Feuerlöschdeputation. Ministerpräsident Genoffe Otto Braun, Oberbürgermeister Böß und andere. Nach Beendigung der Feier fanden im Stadion noch sportliche und turnerische Borführungen statt. Unsere Wahlkundgebungen. Einen gut wirkenden Werbeumzug für die Stadtverord netenwahlen veranstalteten am geftrigen Sonntag einige Abteilungen unserer Bartei in Charlottenburg. Eine Bersammlung unter sprach und der Männerchor Harmonie" einige Lieber vortrug. leitete die Kundgebung ein. Inter Borantritt eines Tambourkorps fermierte sich dann ein Werbeumzug, der allgemeines Aufsehen erregte. Ein großes Schild, das die Aufschrift trug:„ Wir wählen nie Sozialdemokraten wurde von einigen Bertretern des Tierreiches getragen, die nicht gerade im Geruch besonderer Intelligenz stehen. Nach einer Kindergruppe und der jozialistischen Arbeiterjugend famen dann die Werbeplatate für unfere Partei. Eine große Anzahl Freunde und Anhänger der Sozialdemokratie hatten sich dem Zuge angeschlossen; viele Fahnen und Abteilungsbanner, darunter auch eine Fahne der Abteilung Charfottenburg des Baugewerksbundes, wurden mitgeführt. Der Zug bewegte fich durch die Kaiserin- Augusta- Allee, die nördlichen Ar. beiterbezirke Charlottenburgs, über den Lüzom. und den Wilhelmplatz wieder zurüd zum Goslarer Platz, wo er sich mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie auflöfte. Die Wirkung des Umzuges war ganz außergewöhnlich gut. freiem Himmel auf dem Goslarer Play, in der Genoise orli Auch in den fleineren Gemeinden wird eifrig zur Wahl gerüstet. Gemeindevertretungen, die mehr um ihren Geldbeutel, als um das Wohl der Gemeinde besorgt find, tun nichts, um den ihnen Anver trauten die Borteile der Einheitsgemeinde zukommen zu lassen. Oft Bor furzem wartete in den Abendstunden ein junger Mann an der Mauerstraße auf seine Braut. Dabei wurde er von einem Bettler angesprochen, der ihn nm Geld bat, damit er für die Nacht ein Obdach finden tönne. Plöglich mischte sich ein angeblicher Kriminalbeamter in das Gespräch und erklärte, daß er beauftragt fet, gegen das fittenwidrige Treiben in den Bedürfnisanstalten einzuschreiten. Er gab dem Bettler, der ihm ins Bort fiel, ein paar Ohrfeigen und forderte dann den Kaufmann auf, sich auszuweisen. Er erklärte die Ausweispapiere für ungenügend und durchsuchte dessen Taschen, nahm ihm einen goldenen Ring, sein Geld samt Brieftasche und auch den Mantel ab. Diesen gab er zurüd. Unterdessen tam die Braut hinzu, die der angebliche Beamte barsch anfuhr und ebenfalls aufforderte, zur Mache mi zu kommen. Nach einigen Schritten aber erflärte er, daß er von einer Meldung Abstand nehmen werde, wenn ihm eine Bürg= schaft von 50 m. außer den bereits abgenommenen Wertgegenständen gegeben werde. Er gab darüber eine Quittung, die er mit dem Namen„ Spindar" unterzeichnete und notierte sich die Adresse des Kaufmanns. Wenige Tage darauf erschien der Bettler bei dem Kaufmann und verlangte für die Rückgabe der Wertsachen 500 M., fonit müßte doch noch Anzeige wegen der angeblichen Verfehlungen in der Bedürfnisanstalt erstattet werden. Der Kaufmann hatte jedoch inzwischen Anzeige erstattet und es gelang der Kriminal.. polizei, die beiden Burschen, einen 20 Jahre alten Otto Heinede und den 24jährigen Wilhelm Frante aus der Raumerstraße festzunehmen. Es stellte sich nun heraus, daß die beiden in zahl= reichen anderen Fällen ähnlich vorgegangen waren und daß sie Supo beamte heranriefen, wenn die von ihnen Berhafteten" fich weigerten, ihnen zu folgen, und sie beschuldigten, von ihnen bestohlen worden zu sein. Der angebliche Kriminalbeamte ging dann fogar auf die Bache mit und ließ die Leute feststellen. Er wies fich dabei selbst mit den Papieren eines jungen Mannes namens Spindar aus, die er gestohlen hatte. Leute, die mit diesen Burschen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, ohne bisher Anzeige zu erstatten, werden ersucht, sich bei Kriminalfommissar Strewe im Polizeipräsidium zu melden. Brandstiftung als Großbetrieb. Zahlreiche Berhaftungen in Böhmen. In dem tschechischen Bezirke Königstadti in Böhmen, einer durchaus agrarischen Gegend mit wohlhabender Bevölkerung, müteten seit Januar dieses Jahres im Bezirke zwei und sechzig Brände. Die Gesellschaften zahlten mehrere Millionen Kronen an Bersicherungsfummen aus. Die Bermutung, daß die gleichartigen Brände auf Brandstiftung zurückzuführen sind, hat sich bestätigt. Zwanzig Personen wurden bisher in dieser An gelegenheit verhaftet und mehrere hundert neue Ber haftungen stehen bevor. Es hatte sich eine regelrechte Brandstifterbande gebildet, die Prämien bezog. Je nach der Größe des Objetts und des zu erwartenden Gewinnes aus der Bersicherungssumme wurden den Brandlegern 1500 bis 6000 Kronen( 750 Rmt.) Prämien geboten. Die Flaschenpoft vom Meeresgrund. Hamburg. 18. Ottober.( BTB.) Die Flaschenpoft, die der Taucher Harmstorf bei dem Rundfunterperiment des Hamburger Rundfuntfenders vor Helgoland auf dem Meeresboden der Stromung übergab, ist nach fünftägiger Wanderung durchs Meer ans Ufer geworfen worden. Der glüdliche Finder der Flaschenpost( fie enthielt eine Anweisung der Norag auf 100 m.) ist der Arbeiter Otto Post el, der sie am Berenschen Strande bei Cuxhaven am 14. Oktober 1925 vormittags fand. Groß- Berliner Parteinachrichten. 6. Kreis. Kreuzberg: Heute Montag, abends 7 Uhr, 41. und 42. Abt. Saalfehus in ben Blücherfälen. Mittwoch, ben 21. Oftober abends 7 Uhr, 44, 45., 46. und 47. Abt Saalfout Manteuffelfte. 95. 19. Kreis. Panlow: Heute Montag, abends 6% Uhr, Frationsfigung mit den Bürgerdeputierten im Rathaus. 8immer 17. 46. Abt. Die heute Montag abend stattfindende Sigung der Funktionäre, Orbner, Wahlhelfer findet nicht bei Eichhola, fondern um 8 Uhr im Restaurant Kras, Görliber Str. 32 statt. 85. Abt. Tempelhof. Der Frantenabend finbet nicht heute Montag, sondern am Mittwoch, den 21. Ottober an der angegebenen Stelle statt. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. 19 Arbeiter Samariter Rolonne Berlin. Ausweis Nr. 499, auf den Stamen Serrmann Gräfenig lautend. ift verloren gegangen; ebenso Armbinde Nr. 192 Finder werden gebeten, gegen Surüderftattung bes Fahrgeldes, an Sieger, Schön holzer Str. 20, zu übermitteln. Mißbrauch zicht Strafverfolgung nach sich. Berliner Esperanto. Bereinigung". Dienstag, den 20. b. Mis., abends Uhr, obere Räume Café Jofty, Potsdamer Blag: Borirag des Herrn Lehrer n. Baldowski( in Esperanto) über„ Celabo al ibeals". Eintritt fret. Gäfte herzlich willkommen. Sport. Rennen zu Mariendorf am Sonntag, den 18. Oktober. 1. Mennen. 1. Stall Alemannias Dnifi quasi( A. Jrmer), 2. Conn. tagspring, 3. Cilento. Toto: 34:10. Blag: 227, 75, 119: 10. Ferner liefen: Baron Sylvester, Möglich, Hildburg, Franlet, Leffing, Baladin, Cone ftanz. Daisy Borthy, Draga Waatis, Kerrigan jr., Ditmart, Armenier, Stüraffier, Baron Gabler, Wintermärchen, Dina Batts, Duitte B., Erita, Edeltrau. 2. Rennen. 1. E. Bleis' Altmar!( Hedert), 2. Königsadler, 3. Natalis. Toto: 99: 10. Blag: 22, 27, 34: 10. Ferner liefen: Mailönigin I, BurMagowan. Zoto: 50: 10. Blat: 16, 18, 15: 10. Ferner liefen: Erasmus, mida, Meister B., The Kitty, Broschüre, Attorie, Corona Mc Kinney, Liliac. 3. Rennen. 1. A. Bolles Belwin( E. Treubers), 2. Ropele. 8. Frida Laterne, Ellen, Kohlenkönigin. glaube, 3. Native Forbes. Loto: 31: 10. Blas: 14, 15, 16: 10. Ferner 4. Rennen. 1. Geft. Höfleins Florian( m. Schleufener), 2. Aberliefen: Michelangelo, Erdmann, Fels, Stella Harf. 5. Rennen. 1. Stall Kleebergs Torrero( D. Kleinau), 2. Interessent, 3. Duera. Tots: 246: 10. Blat: 70, 117, 47: 10. Ferner liefen: Divifionär, Belfiebell, Novelle I, Diagonale, Alpenfer, Rumb, Stapellauf, Bone tresina, Seiberose B., Jeffries jr., Flora Bingen, Tell, Sybill. 6. Rennen. 1. Geft. Damsbruds Buchdruder( Ch. mins), 2. Addie, 3. Margot I. Zoto: 22:10. Plap: 21, 43, 40: 10. Ferner liefen: Alt gold, Trotteur, Carleta, Marcel, Gaffenmädel, Feuerwehr, Clematis blau, Edith Worthy, Progres. 7. Rennen. 1. Goldschmidts Fiametta( 3. mins), 2. Denkmünze, 3. Bunier. Toto: 55: 10. Blat: 20, 24, 18: 10. Ferner liefen: Heide frau, Ocean Girl, Burgritter, Drbensjäger, Railuft, Leuchtfadel, Rotula, Kletterrofe, Elfenfönigin, Benus, Siegleicht, Friebrich Reg. Kapitain Halle, Salome, Barillia D. 8. Nennett. 1. Mills Langemann( Bel.), 2. Weinminze, 3. Lenz L Zofo: 60: 10. Blaz: 23, 24, 76: 10. Ferner liefen: Gladiator I, Sfarmelle, Lumpi, Delos, Drelise Anvil, Heidefee, Billy I, Unbeil, Harlekin, Fiscus, Heidemann, Fürst, Ludmill I, Flieger I, Simpler, Della, Ebonit. 9. Rennen. 1. J. Adamliewicz' Allene( Jaug jr.), 2. Frechheit, 3. Karneval. Koto: 49: 10. Plat: 18, 16, 16: 10. Serner liefen: Tafna, Koranna, Filmdiva, Elfchen, Precorious Batts, Hetman. 4 Gewerkschaftsbewegung Vor dem Streik der Gas- und Wafferarbeiter. Vorläufiges Abstimmungsresultat in den Gaswerten. Bis heute mitfag liegt das Abstimmungsresultat aus dem größten Teil der Städtischen Gaswerte und der Gasbetriebsgesellschaft vor. Das Ergebnis der Abstimmung in den Wafferwerten, fieht noch aus. Das bis zur Stunde vorliegende Abstimmungsergebnis zeigt eine Mehrheit von über 90 Proz. für den Streif. Die noch ausstehenden Abstimmungsresultate werden an dem Endergebnis nichts mehr ändern. Es muß also mit Bestimmt heit damit gerechnet werden, daß die Belegschaft der Gas- und Wassermerte infolge Ablehnung der Lohnerhöhungen in den Streit fritt. Wie wir erfahren, ist infolge der heranrüdenden Katastrophe vom Aufsichtsrat die Anregung zu Besprechungen gegeben worden, die Aussicht bieten, daß neue Cohnverhandlungen zuffande fommen. Wir möchten aber jetzt schon, um nicht einen vorzeitigen Optimismus aufkommen zu laffen, darauf hinweisen, daß die durch aus berechtigte Erbitterung der Belegschaft die Streitgefahr sehr nahe radt. Vorarbeiten zur Arbeitskonferenz. Beschlüsse des Internationalen Arbeitsamts. Genf, 19. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Verwaltungs rat des Internationalen Arbeitsamtes hat am Sonnabend abend eine dreitägige Session geschlossen. Er genehmigte den Quartals. bericht des Direttors, und nahm dessen Berichte über seine Sommerreise nach Südamerita somie Berichte des Budget und Bauausschusses entgegen. Hierauf wurden verschiedene Borarbeiten des Arbeitsamtes über die von der internationalen Arbeitskonferenz und der Völkerbundversammlung überwiesenen Aufgaben beraten, fo die Untersuchung über Arbeitszeit und ohnver hältniffe in der Kohlenindustrie, Kontrolle der Anwendung der Arbeitszeitgefege und Gewährung einer Bertretung für die Organisation, geistiger Ar. beiter auf der Arbeiterkonferenz. Die erste Auswahl für die Geschäfte der Arbeiterkonferenz für das Jahr 1927 fiel auf folgende Themen: Krantenversiche. rung, Roalitionsrecht, bezahlte Ferien, mindest 1öhne für schwache Arbeiterfategorien, Unfallverhütung. Bei der Frage des Koalitionsrechtes fam es zu eingehender Dar legung der Berhältnisse in Italien mit feinem neugeschaffenen faschistischen Monopol Auf die scharfe Kritik mehrerer Arbeitervertreter wurde von dem italienischen Regierungsvertreter mit dem befannten Sniff geantwortet, nämlich, daß es sich hierbei um eine Bermengung von politischen und gewerkschaftlichen Fragen handle. Die Aufnahme des Koalitionsrechtes auf die Tagesordnung ber Arbeiterfonferenz von 1927 wurde hierauf fast einstimmig beschlossen. In den Budgetausschuß wurde der deutsche Regierungsvertreter gewählt. Die nächste Sigung des Verwaltungsrats findet am 26. Januar in Warschau statt. Lohnbewegung im Versicherungsgewerbe. Bie uns vom 3entralverband der Angestellten mitgeteilt wird, hat in der Streitfache mit dem Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen zweds Neuregelung der Ge hälter ab 1. Oftober, der tarifvertragliche Reichsschlichtungsausschuß am 16. Oftober in paritätischer Belegung getagt. Da weder über die von den Angestelltenverbänden geforderte Gehaltserhöhung, noch auch über die Person des nunmehr hinzuzuziehenden unparteiischen Borfizenden eine Einigung zustande fam, ist das ReichsarbeitsReichshallen- Theater Volksbühnel Allabendlich 8 Uhr a. Sonntag nachm. 3 Ubr 3 Uhr Datterich 8 Uhr. Steffimer Sänger Der Kaufmann achm. halbe Preise' Dönhoff- Brett'l: Familien Varieté. Anfang 8 Uhr Sonntags 5 Uhr. 12 WIND CORTEN Little Tich Englischer Excentricvon Venedig Morgen 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig Apollo- Theater BU Dir Jam.Hieia 8U Der Mann, der sich verkaufte Vorverk. den ganz Tag Amarantina, der Stern Sevillas Städtische Oper sowie der große Oktober- Spielplan! Charlottenburg Sonntags nachm. 5, U., halbe Preise Montag, 19. 10. 7% Rauchen gestattet 0 Elite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl. 160 77. Tägi.SUhr, auch Sonntag nachm. 8 Uhr( zu halben Preisen) U. Wandeindes Glück Don Pasquale Abon nem- Turnus 4 Inferate im Vorwärts Broßer Soletell u. 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Die entscheidenden Berhandlungen follen im Laufe dieser Woche stattfinden. Scharfmacherei im Töpfergewerbe. Beschlüsse der Federation of Labor. Die American Federation of Labour, die größte und einflußreichste amerikanische Gewerkschaft, tagte in der abgelaufenen Woche in Atlantic City. Sie beschloß, vorläufig von der Bildung einer besonderen politischen Arbeiterpartei nach dem Muster der engDie Töpfer hatten vor mehreren Wochen eine Erhöhung ihres lischen a bzusehen. William Green, Nachfolger non Gompers Lohnes von 1,40 m auf 1,55 m. verlangt, sowie eine Herauflegung als Vorsitzender der Federation, erklärte, daß die amerikanischen Urder Attordbasis von 130 auf 145 Pro3. Da von den Unter beiter früher oder später ihre eigene politische Partei nehmern jede Berhandlung barüber abgelehnt wurde, haben müßten, daß aber heute die Zeit noch nicht reif sei. war der Schlichtungsausschuß angerufen worden. Gestern| Bis auf weiteres sollten die Mitglieder der Federation für die Partei follten nun die Schlichtungsverhandlungen stattfinden. Die Unterstimmen, welche jeweils am meisten den Interessen der Arbeiter entnehmer lehnten jedoch den Vorsitzenden des Schlichtungsaus schuffes, Gemerberat Rörner, als befangen ab. Auf die vom Gewerberat Körner verlangte Begründung seiner Ab. lehnung gaben sie eine nichtssagende Erklärung ab und teilten mit, daß sie die Begründung schriftlich einreichen mürden. Damit waren auch diese Verhandlungen gescheitert Die dem Baugemertsbund angeschlossenen Töpfer nahmen Freitag abend in den Andreas- Sälen zu diesem Ausgang Stellung und beschlossen nach eingehender Diskussion, zum Montag vor. mittag eine öffentliche Töpferversammlung einzu rufen, in der die zu ergreifenden Maßnahmen besprochen werden follen. Eins muß aber heute den Töpfern schon gefagt werden, was auch in der Versammlung vom Fachgruppenleiter John betont worden: Diese herausfordernde Stellungnahme der Unternehmer ist zum größten Teil darauf zurückzuführen, daß, von den Unorgani fierten abgefehen, noch immer zwei Töpferorganisationen beftehen. Die Töpfer müssen endlich begreifen lernen, daß fie nur burch eine geschlossene Organisation bem einheitlichen Unternehmertum gegenübertreten fönnen. Der Tank vom Hause Habsburg. Zu der in Nr. 483 des Bormärts" veröffentlichten Zuschrift erhalten mir folgende preffegefeßliche Berichtigung: 1. Die Beränderungen bei der Firma G.. Loewenberg u. Co. haben am 30. Juni 1925 stattgefunden. Der Angestellte Ernst Firma ausgeschieden. ist im Januar 1924, also lange vorher, aus den Diensten der 2. Sämtliche Verpflichtungen der Firma vor dem 30. Juni 1925 sind auf Grund des Uebereignungsvertrages ausschließlich von den früheren Inhabern der Firma zu erfüllen. 3. Demzufolge tangiert der von Ihnen ermähnte Borfall nicht mehr die Firma G. Loemenberg u. Co., sondern die ehemaligen Inhaber. Schiebungen im Mehlfuhrgewerbe." Zu dem Bericht mit dieser Ueberschrift in Nr. 489 des„ Borwärts" erhalten wir folgende Berichtigung: „ Es ist unrichtig, daß der Fuhrunternehmer Rasparet, Aderstr. 109, den Mitfahrern erflärt habe, er fönne ihnen teinen Lohn zahlen, sie müßten eben fragen". Bielmehr hat Rafparet von dem Zeitpunkt des Infrafttretens des Tarifver. trags fämtliche feiner Kutscher und Mitfahrer mit dem wöchentlichen Tariflohn von 53 m. entlohnt. Die Zahlungen werden durch die Lohnbücher erwiesen, in welchen die Kutscher und Mitfahrer sämtlich Quittung geleistet haben. Irgendeine gegen. teilige Erklärung ist von Kasparet seinen Leuten gegenüber nicht abgegeben. Vielmehr hat er sie bei Inkrafttreten des Tarifs ausdrücklich aufgefordert, für die Zukunft das Mehffragen zu unterlaffen." Abwehrstreit der Frankfurter Straßenbahner. Frankfurt a. M., 19. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Straßenbahner Frankfurts sind, um eine Verlängerung der Arbeits. zeit von 9 auf 10 Stunden(!) abzumehren, in den Streit getreten, wodurch der gesamte Straßenbahnbetrieb Groß- Frankfurts lahmgelegt ist. Grösste ausgiebigkeit und absolute Reinheit zeichnen das feine Kokosfett Palmin main aus. aus. man hute sich vor nachahmungen! Verkäufe Palmin nur echt wenn aufdem Eti kett der Namenszug: DrSchlinck steht! Leibhaus Friedrichstraße 2 Gelegen- Ankleibeschränke 110.-, englifche Bettheitstäufe: Sportpelze, Gehpelae, Belz- ftellen 48.-, BIüschfofas, Einzelmöbel. mäntel, Belajaden, Füchse aller Art, Rahlungserleichterung. Stein, nur nSpottbillige Angebote: Mamerstraße 20. Raumann- Rähmaschinen für Sausge. enorm billig brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re- Anzüge, Ulster, Valetots, Sofen, in Teilzahlung. Mabel feder Urt. paratur- Werkstatt für alle Softeme befter Berarbeitung. Bon • Be ringe Anzahlung, bequeme bzahlung. Emil Balbarth 6. m. 5. S. 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Sape Brunnenstraße 4, Storben 5177. aierer Balter, Stargarderftr. entschn. Musikinstrumente gegenfomme. Die Federation hat ferner den großen Kohlenstreit gebilligt und erklärt, daß die Zechenverwaltungen durch falsche Gewichtsangaben über die Förderung die Bergarbeiter jährlich um 20 Millionen Dollar betrügen. Eine Teilnahme der eng lisch russischen Arbeitertonferenz, die demnächst zweds Bereinheitlichung der Arbeiterbewegung in der Welt stattfinden soll, hat die Federation fa ft einstimmig abgelehnt mit der Begründung, daß der amerikanische Arbeiter mit dem Kom munismus nichts zu tun haben wolle. Keine Aussperrung im schlesischen Bergbau. Vorläufige Durchführung des Schiedsspruchs. Breslau, 19. Offober.( Eigener Drahtbericht.) Die auf Auordnung des Reichsarbeitsministers durch den Regierungspräsidenten Dr. Jaenide geführten Berhandlungen, um die von den Zechenbefizern des Waldenburger und Neuroder Kohlenreviers zum 20. d. m. angekündigte Aussperrung zu verhindern, haben gestern endlich zu einer vorläufigen Einigung geführt. Die Aussperrung findet also nicht statt. Die Einigung ist auf folgender Grundlage zuffande gekommen: Die Zechenbesitzer ziehen ihren Antrag auf Lohnabbau zurüd. Andererseits zieht der Bergarbeiterverband feine Kündigung des Mehrarbeitsabkommens gleichfalls zurück. Die durch Schiedsspruch für verbindlich erklärte Cohnerhöhung von 7 Proj. wird für die Monate September und Oktober gezahlt, bzw. nachgezahlt. Für die Neuregelung der Löhne ab 1. November finden Berhandlungen statt, deren Dauer befristet ist. An den durch staatliche Maßnahmen in Aussicht genommenen Erleichterungen für den niederschlesischen Bergbau( Tarifermäßigungen usw.) werden die Arbeiter mit 50 Proz beteiligt. Ueber die Auswirkung diefer Ermäßigungen entscheidet eine paritätische Kommission unter dem Vorsitz eines Unparteiischen. Ob es zu einer endgültigen Regelung fommt, ob insbesondere der letzte Punkt zu einer Regelung führen wird, fteht noch dahin. Jedenfalls findet die angedrohte Aussperrung nicht statt und wird für September und Oktober die Zprozentige Cohnerhöhung durch geführt. Achtung SPD. Schuhmacher. Seute 5 Uhr bei Blamert. BeberStr. 24 wichtige Besprechung aller SPD. Schuhmacher. Sahlreichen Besuch erwartet Der Werbeausschuß. Berantwortlich für Bolitik: Ernft Reuter: Wirtschaft: Artur Sateruns; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buch bruderet und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstrake 3. Willst du deinen Susten stillen, nimm Fays Sodener Pastillen. Gewinn- Auszug 1. Klaffe 26. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lofferie 1. Ziehungstag 16. Oktober Auf jede gezogene Nummer find swei gleich bobe Ge. winne gefallen, und zwar je einer auf die 2oje gleicher Summer in ben beiden Abteilungen 1 und 2 Nachdruck verboten Ohne Gewähr In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 60 Mk. gezogen 2 Gewinne zu 100000 n. 178081 2 Gewinne zu 10000. 223975 4 Gewinne au 800 M. 14 Gewinne u 500 224031 224531 276206 21161 238672 25173 28359 82150 159444 72 Gewinne au 200 m. 10230 15651 66941 112850 118289 118808 132981 145396 148400 151953 160888 165959 166154 168477 168775 174189 176019 187774 188992 205657 209165 216582 218387 220963 222475 226379 245941 250668 255761 262220 264549 265948 266529 268064 292731 292797 19791 224 Gewinne au 120. 2521 5983 11219 13891 24206 26305 29525 31534 32903 37719 38735 39679 39934 40335 44408 44848 45402 45425 48983 49293 52601 55857 57124 64774 71095 71898 75221 85294 86732 87488 90663 94683 94687 94717 95116 95650 96835 96886 98134 98910 100046 100361 100383 109500 109828 113.86 114133 115511 119099 123823 124980 126506 128561 130523 130719 143636 148122 149899 151992 158849 154761 158436 159003 160797 161222 163524 163939 164691 173698 174340 175292 175726 179273 181030 181689 187626 188042 190059 190780 192745 197006 202449 205634 205922 207491 208944 217174 221901 234069 234232 237771 247279 248180 248201 250122 250982 258264 258710 259411 267166 267400 268088 269286 271844 272037 275500 289014 290328 290897 295959 298734 In ber Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 60 Mk gezogen 2 Gewinne zu 3000 2. 238880 4 Gewinne zu 2000 m. 119396 144521 6 Gewinne zu 1000 m. 83917 83887 216079 2 Gewinne zu 800 227. 48616 10 Gewinne zu 500 2. 60403 83563 98707 130897 195936 76 Gewinne au 200 m. 3908 23687 31545 47204 65124 66536 72935 82489 88128 97792 98847 102942 114068 117898 122986 123979 133401 135146 135958 155186 169844 174471 178803 179952 194971 198725 199128 281602 221173 231199 234559 235976 247895 256047 257526 265129 278776 292686 242 Gewinne zu 120 m. 1702 2013 4224 4705 8460 10721 11311 14325 18763 24388 25933 33617 37840 38617 39247 4551 145589 48566 55114 55327 63160 65765 67131 67871 73944 78057 86477 91790 92510 92820 99658 103118 113132 113561 119887 120233 125045 126202 129162 135334 139760 140156 140294 141175 147798 148576 154454 164516 166247 167844 169818 173099 178881 180925 181457 181907 192609 182216 183944 185131 188541 191065 192714 194867 196287 192627 198293 202780 204982 205895 206192 206726 207951 209716 210542 216424 216738 218112 220989 221625 230496 281857 232568 233192 283450 234855 237781 2.0721 241072 241709 243853 247025 249088 252424 252821 253051 255237 255289 258147 264059 264682 265469 265720 268169 269165 271182 273276 276596 278954 278990 281299 281974 286273 286947 288031 289697 990919 299778 294562 297248 297564 Fährräder Fahr aber 50,-, Freilaufräder 55,-, Klaviere, tadellose Berarbeitung, Iang 60,-, Luxusräder, Farbenemainierung, jährige Garantie. 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