Nr. 497 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 253 Bezugspreis: öchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmark voraus zahlbar. Unter Areusband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich. Litauen, Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. lung und Kleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint mochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille eile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 25 Vfennig ( zuläffia amei fettgedruckte Worte), jedes meitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Bfennig, tedes weitere Wort 10 Bfennig. Borte über 15 Buchs staben zählen für amei Borie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Der Auf Einladung der Reichsregierung fanden sich heute nachmittag Paris Spir" bezeichnet als das wichtigste Ergebnis die An in der Reichskanzlei eine größere Anzahl Bertreter der beerkennung des territorialen Status quo, d. h. den Verzicht Deutschlegten Gebiete ein. Außer Reichstags- und Landtagsabgelegten Gebiete ein. Außer Reichstags- und Landtagsabge ordneten waren Vertreter der Staats- und Kommunalverwaltungen, der Wirtschaft und der Gewerkschaften erschienen. Der Reichskanzler und der Reichsminister des Auswärtigen gaben eine Darlegung der Bertragsentwürfe von Locarno unter besonderer Berücksichtigung ihrer Rüdwirtung auf die Rheinlandfragen. Hieran schloß sich ein fängerer, eingehender Gedanfenaustausch über die Sorgen und Forderungen der Bevölkerung des besetzten Gebietes. Bon den Vertretern des besetzten Gebietes murde erneut zum Ausdruck gebracht, daß das Rheinland keinerlei Vorteile auf Kosten allgemeiner deutscher Interessen anstrebe. Das Rheinland erhebe jedoch mit Nachdruck die Forderung, daß alsbald Maßnahmen der Bejagungs machte in allen 3onen in Erscheinung treten, welche die in Locarno feierlich gegebenen Erflärungen der Außenminister von Frankreich, England und Belgien folgerichtig in die Tat umsetzen. Der Soz Breffedienst" erfährt über den Fragenkompler, der bei dieser Besprechung behandelt wurde, noch folgende Einzelheiten: Die Räumung der Rölner 3 one ift zweifellos für die nächsten Wochen zu erwarten. Ihr endgültiger Termin hängt von der Erledigung der Entwaffnungsfrage ab, ohne daß die restlose Erfüllung der 101 Forderungen, die von den Alliierten in der Entmaffnungsnote aufgestellt wurden, vorausgelegt wird. Schon bevor bie deutsche Regierung ihre Vertreter nach Locarno entsandte, waren 80 der aufgeftellten Forderungen ausgeführt. Gegenwärtig steht das deutschnationale Kabinett im Begriff, soweit es sich um rein techniche Forderungen handelt, auch noch die letzten Boraussetzungen für die Räumung von Köln zu erfüllen. Dagegen fallen die mehr politischen Fragen der Entwaffnungsnote nicht mehr unter diefe Boraussetzung. Sie werden vorläufig ausgeschaltet, weil ihre Lösung nicht ganz leicht ist und langwierige Beratungen erfordern dürfte. Von den rein technischen Fragen fann das nicht behauptet werden. Auch Briand und Chamberlain haben eingesehen, daß es fich hier teilweise um Schifane handelt, und wir glauben annehmen zu dürfen, daß ihre gemeinsame Reise nach Paris zur Beratung mit dem französischen Kriegsminister schließlich den Sinn hatte, diese Schikanen aus der Welt zu schaffen und die Durchführung der letzten technischen Entwaffnungsforderungen schneller zu ermöglichen, als es ohne ihr Eingreifen vielleicht der Fall gewesen wäre. Es entspricht außerdem einer Zusage der alliierten Regierungs vertreter an die deutsche Delegation, wenn in Paris gleichzeitig auch über die Abänderung bestimmter Rheinland ardonnanzen und entsprechende Anweisungen an die Botschafterfonferenz beraten wurde Bir glauben darüber hinaus annehmen zu dürfen, daß inzwischen auch direkt von französischer und englischer Seite den Spigen der Zivil- und Militärbehörden im Rheinland der Auftrag erteilt wurde, in Zukunft die in Locarno besiegelte Politif in ein bestimmtes Verhältnis zu den noch erforderlich scheinenden Maßnahmen zu bringen. Soweit das ohne entsprechende Instruktionen durch die Botschaftertonferenz möglich ist, sollen die alliierten Behörden unseres Wissens von sich aus zur Behebung der Schwierigkeiten und Lasten für die Bevölkerung die Hand bieten. Bon Paul Hery. Die Uebersicht über die Einnahmen bes Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben für das erste Halbjahr des Rechnungsjahres 1925 ist von besonderer Bedeutung. Denn durch diese Zahlen wird die heftig umstrittene Frage geklärt, ob das jüngst beschlossene Steuersystem eine Ueberbelastung der deutschen Boltswirtschaft ent hält. Zugleich wird damit ein Urteil ermöglicht, ob und in welcher Höhe im ganzen Rechnungsjahr 1925 ein Ueberschuß erzielt bzw. ob und welche Steuern weiter ermäßigt werden tönnen. Die wichtigsten Tatsachen aus dem Halbjahrsergebnis wurden im Borwärts" bereits mitgeteilt. In der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahres wurde ein Ueberschuß von 412 Millionen Mart lands auf Elsaß- Lothringen. Es sei nicht mehr das besiegte Land, das fich 1919 den Forderungen der Sieger beugen mußte, sondern Provinzen an Frankreich auf Grund von Verhandlungen in voller es fei die freiwillige Anerkennung der Rückgabe der beiden Gleichberechtigung. Der Temps" legt das entscheidende Ge. wicht auf die ausdrückliche Verpflichtung der beteiligten Mächte, in feinem Falle zu friegerischen Handlungen zu schreiten. Wenn alle Signatarmächte in gleicher Weise von dem guten Willen und von der Achtung vor dem gegebenen Wort beseelt seien, dann sei für die Zukunft wirklich jede Kriegsgefahr im Westen beseitigt. Auch warten fönnen, da die ausdrückliche Anerkennung des Grundjages, gegenüber dem Voranschlag erzielt. In den einzelnen Modie Ostschiedsverträge erfüllten alles, was man von ihnen habe er daß die Modifikation der Rechte eines Landes nur mit deffen aus. brüdlicher 3 u ftimmung möglich fei, jedem diplomatischen Manöver Deutschlands einen Riegel vorschiebe. Selbst der nationalistische Intransigeant betont, daß der Frieden von Locarno nicht nur durch die Garantie des Völkerbundes, Englands und Italiens gesichert sei, sondern vor allem durch das frei willige Berfprechen Deutschlands, in teinem Falle einen Angriff auf Frankreich zu richten. 900000 Nichtwähler. Schon wieder Wahlen! Zwei Reichstagswahlen und eine Landtagswahl im vorigen Jahr, in diesem Frühjahr zweimal Präsidenten. wahl und am tommenden Sonntag follen wir neue Stadtverordnete wählen! Ist das wirklich so wichtig? Wird meine Stimme da von Bedeutung sein? Ift überhaupt die Zusammensetzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung von großer Wichtigkeit? Das sind Gedanken, die zwar nicht den" Borwärts"-Lesern und Leserinnen aufsteigen. Sie fennen die Bedeutung des Wahlrechts und fie verstehen die Wichtigkeit der bevorstehenden StadtIhre Entscheidung ist. verordnetenwahlen richtig einzuschätzen. bereits getroffen. Sie wählen sozialdemokratisch. Wie aber steht es diesmal mit der Gruppe, die bei den letzten Stadtverordnetenwahlen bei weitem am stärksten war die Nichtwähler? 2,6 Millionen Männer und Frauen waren wahlberechtigt. 1,7 Millionen haben gewählt. 0,9 millionen haben nicht gewählt. Warum? Ein Vergleich mit den Reichstags und Präsidenten. mahlen zeigt, daß bei diesen Wahlen die Wahlbeteiligung viel starter war. Offenbar wurden die Stadtverordnetenwahlen für weniger wichtig gehalten. Sind sie wirklich im Verhältnis zu anderen Wahlen so bedeutungslos? Das Wohlergehen von vier Millionen Menschen wird durch diese Wahl berührt. Die Inflations. zeit hat uns den Respekt vor millionen ein wenig abgewöhnt. Und doch vier Millionen Menschen das ist ein faum verstellbarer Begriff. In Berlin mit feiner nicht allzugroßen räumlichen Ausdehnung wohnen mehr Leute als in Norwegen, Dänemart, der Schweiz, Irland, Litauen, Lettland, Estland oder Finnland. Einen ganzen Erdteil Australien bewohnen mur ungefähr doppelt sovie! Menschen als das fleine Stückchen Erde, auf dem Berlin steht. Viele Länder, von denen manche in der Geschichte eine bedeutende Rolle spielten, haben taum mehr Einwohner als Berlin. So Dester. reich, Griechenland, Bulgarien, Schweden, Schottland, die Niederlande, Belgien und Portugal. es Rann das politische Geschid einer fo großen Stadt, wie Berlin ist, ihren Einwohnern gleichgültig sein? In vielen Fällen dürfte das infolge bestimmter Bindungen der alliierten Behörden im Rheinland an die Instruktionen der Botschafterfonferenz nicht möglich sein. Diese Institution aber dürfte mieder zu dem Befehl an die untergeordneten Instanzen, bestimmte Aenderungen der Ordonnanzen vorzunehmen, im Augenblid nicht in der Lage sein, weil ihr vorläufig noch die erforderlichen Instrut. tionen der Regierungen fehlen. Hier setzt nun die Tätigkeit der Reichsregierung ein. Ihre Aufgabe ist, durch ständigen Verkehr mit dem Rheinland die Beschwerden zu sammeln, die Notwendigkeit be. ftimmter Abhilfsmaßnahmen zu prüfen und sie den alliierten Re- Richtwähler aus feiner Gleichgültigkeit aufzurütteln und ihn zur gierungen zur Kenntnis zu bringen. In den nächsten Tagen und Wochen wird deshalb unseren diplomatischen Vertretern in London, Paris und Brüssel wiederholt Gelegenheit gegeben sein, im Interesse der Rhein lande ihre Kunst zu beweisen. Ihre Mission gilt dem mo ralischen Abbau des Besagungsregimes, und wir hoffen mit unseren Freunden im besetzten Gebiet, daß wir hoffen mit unseren Freunden im besetzten Gebiet, daß diesem Abbau bald die endgültige Rückkehr der fremden Truppen in die Heimat folgt. Briands Konferenzbericht. Paris, 20. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In der Dienstag fizung des Ministerrats hat Außenminister Briand Bericht über die Berhandlungen von Locarno erstattet. Painlevé beglückwünschte ihn nochmals zu dem glücklichen Ergebnis. In seiner Erwiderung hat Briand die günstige Rüdwirtung der verschiedenen Rundgebungen der französischen Regierung auf den Verlauf der Verhandlungen betont In den Kommentaren der Abendblätter zu den Terten der Größe und Bedeutung unserer Stadt fordern gebieterisch von allen Bürgern und Bürgerinnen die Ausnutzung ihres Wahlrechts. Jeder Borroärts"-Leser kann das Gewicht seiner eigenen Stimme Der dopp ein, wenn es ihm gelingt, nur einen einzigen früheren Stimmabgabe für die Sozialdemokratie zu veranlassen. Die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung ist für die Einwohner Berlins mindestens ebenso wichtig wie die der größeren Parlamente. Ueber zahllose Fragen, die Dinge des täge lichen praktischen Lebens betreffen, wird durch die Stadtverordneten entschieben. Ob Untergrund. und Straßenbahn im Ar. beiterviertel ebenfo häufig fahren wie im Viertel der Reichen, ob in den Schulen die tommende Generation zu widerstandslosen Aus beutungsobjekten oder zu selbstbewußten Menschen herangebildet wird, ob Sportpläge in der Nähe von Arbeiterwohnungen an gelegt werden, ob die Wohnungs not energischer bekämpft wird, ob in Wohlfahrts- und Gesundheitspflege bie Intereffen des Broletariats ausreichend berücksichtigt werden, darüber und über viele gleich wichtige Fragen haben die neu zu wählenden Stadtverordneten zu entscheiden. Es wäre beschämend, wenn auch bei dieser Wahl ein Drittel aller Wahlberechtigten interesselos abseits stände. Bartei genossen und Parteigenossinnen, tut Eure Pflicht! Agitiert unter den Nichtwählern! naten waren die Steuererträge verschieden hoch, am höchsten im Juli mit 713 Millionen, am niedrigsten im September mit 522 Millionen. Für die Gesamtbewegung der Einnahmen aus Steuern haben diese Unterschiede feine ausschlaggebende Bedeutung, denn sie beruhen auf der Tatsache, daß die Zahlungstermine verschieden sind und für eine ganze Reihe von Steuern die vierteljährliche Zahlungsweise statt der monatlichen neu eingeführt worden ist. Bor allen Dingen ist die Annahme unberechtigt, daß fünftig der Ertrag der Reichssteuern in feinem Monat höher sein werde als im Monat September. Bon großer Bedeutung aber ist eine andere Erscheinung, nämlich der dauernde Rüdgang der Besizsteuern. Es brachten die Steuern auf: Cist tommen schaften mögen in Millionen Mar! Rörper- Ber Erb. Sapital 8tt schaften verkehr Tammer April 95 23 20 3 16 157 Mai 64 28 83 8 12 185 Juni 82 8 14 B 11 68 Juli 131 80 7 2 10 180 Auguft 86 ŏ 6 1 7 55 September 22 4 4 2 8 40 zusammen 380 93 84 14 64 635 Die höchsten Erträge lieferte alfo der Monat Juli, dessen hohe Einnahmen an Einkommensteuer und Körperschaftssteuer sich aus den Abschlußzahlungen für das Jahr 1924 und den Quartalszahlungen ergeben. Aber auch die Monate April und Mai haben mit 157 bzw. 135 Millionen wesentlich höhere Einnahmen erzielt als der Monat August mit 55, der Monat September mit 40 Millionen. Zum Teil ist das jedoch darauf zurückzuführen, daß im April und Mai Fälligkeitstermine für die größeren Befizsteuern bestanden, die im Auguft und September nicht vorhanden waren. Trotzdem ist kein Zweifel, daß die Ermäßigung des Tarifs bei der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer, der Bermögens steuer sich in einem Rückgang des Ertrages dieser Steuern auswirken wird. Umgekehrt ist jedoch die Entwicklung bei den Massen. ft e uern. Ihr Ertrag ist nicht nur stabil, sondern zeigt deutliá die Tendenz zum Steigen. Es erbrachten: in millionen Mart Umfag Beförderungs- Zölle. Berbranche 8fteuer fleuer abgaben fammen 2ohn Steuer April 126 187 26 148 437 Mai. 137 116 26 144 428 Juni 182 118 28 160 488 Juli. 119 e 146 31 182 478 August 115 • 117 31 168 481 116 81 184 451 750 173 986 2658 . September 120 zusammen 749 Der Ertrag der 3ölle und ber Berbrauchsabgaben sowie der Beförderungssteuer ist also bauernd gestiegen. Auch der Ertrag der Umfassteuer in den Monaten Juli bis September ist etwas höher als in den Monaten April bis Juni. Lediglich die Lohnsteuer meist einen Rückgang des Ertrages auf. Er ist zurückzuführen auf die Erhöhung der steuerfreien Grenze ab 1. Juni von 60 m. auf 80 M. monatlich. Der Rüdgang ist aber verhältnis. mäßig unbedeutend und jedenfalls viel geringer als ihn die Reichsregierung vorher angegeben hatte. Während nach ihren Angaben der Ausfall monatlich 40-50 Millionen betragen sollte, ist er in feinem Monat über 15 Millionen hinausgegangen. Bergleicht man die wirklichen Erträge der Steuern mit dem Boranschlag, so ergibt sich, daß das Reichsfinanzministerium den Ertrag sämtlicher Maffen steuern unterhätte, mährend es gleichzeitig den Ertrag der Besihfteuern erheblich zu hoch angab. Es fällt außerordentlich schwer, dabei an einen Zufall zu glauben. Vielmehr drängt die gesamte Haltung der Regierung die Meinung auf, daß man analog dem berühmten helfferischen Vorbild absichtlich mit irreführenden Zahlen arbeitet. Denn warum follte man, wenn man ben Ertrag der Massensteuern richtig fchägen fann, nicht auch die Kunst verstehen, die Einnahmen Berträge findet die Sufriedenheit der franzöfifchen öffent. Ertämpft den Wahlfieg der Sozialdemokratie! aus den Besigſteuern richtig anzugeben! Welche Folgerungen ergeben sich aus den erwähnten Tatsachen? Bereits die Entwicklung der Steuereinnahmen des Reichs im ersten Halbjahr des Rechnungsjahres 1925 hat zu einer Verschärfung des Steuerunrechts gesührt. Trotz der viel holderen Belastung durch die Lohnsteuer ist im Jahre 1924 der Anteil der Massensteuern an den Gesamtsteuerlasten nie über 70 Pro� hinausgegangen. Jetzt dagegen ist er bereits auf 74 Proz. gestiegen. Also fast dreiViertel aller Einnahmen werden durch die Belastung des Arbeitseinkommens und des Verbrauchs der unteren Voltsschichten aufgebracht, nur ein Viertel durch Steuern auf die übrigen Einkommen, Bermögen und Erbschaften. Und wenn diese Steuern auch im Einzelfall oft unangenehm und drückend empfunden werden mögen, als Gesamtlost des Besitzes sind sie nicht zu hoch, sondern zu niedrig. Eine bessere Berücksichtigung der Vsrhqltnisie des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes, der klein- und mittelbäuerlichsn Bevölkerung sowie weniger Ent- gegenkommen an die großen Steuerzahler würde die Klagen wesentlich eindämmen. Jetzt aber wird gerade den großen kapitalistischen Unternehmungen ein Ent- gegcnkommcn gewährt, das nichts anderes bedeutet als daß die ihnen fehlende.» Betriebsmittel durch Erlaß oder Stun- d u n g von Steuern aus der R e i ch s k a s s e gewährt werden. Diese Beträge muffen also von den Nichtlei st ungs» fähigen erpreßt werden, um den Lei st ungs- fähigen zu helfen! Zu einem allgemeinen Abbau ser Besitzstenern aber liegt keine Veranlaffung vor. Die Ein- kommen- und Vermögenssteuern sind in Deutschland nie- drigcr als im Auslande und rechtfertigen in keiner Weise die Ueberweltmarktpreise. Auch ohne Ermäßigung dieser Steuern ist das Verlangen nach Abbau der Preise volks- wirtschaftlich berechtigt. � Dringend erforderlich aber ist eine erhebliche Er- Mäßigung der Lohnsteuer. Die bisherigen Sen- hingen dieser Steuer sind völlig ungenügend und durch die Preissteigerungen mehr als ausgeglichen. Am 1. Oktober ist überdies für viele Lohn« und Gehaltsempfänger init der Neu- regelung der Lohnsteuer sogar eine Erhöhung ihrer Steuer- leistung eingetreten. Nachdem überdies die Regierung alles tat, um die Lohnerhöhungen zu verhindern, trotzdem die Preis« weiter steigen. nn»ß der Senkung des Reallohnes durch die Ermäßigung der Lo.'msteuer entgegengewirkt werden. Ferner ist mit fortschreitender Sanierung der Reichsfinanyen der Abbau der Umsatzsteuer anzustreben, nachdem sich erwiesen hat, daß die langsam« und allmähliche Senkung keine Wirkung auf die Preisgestaltung ausgeübt hat. Vor«inigen Wochen hat der Reichsfinanzminifter S ch l i« b e n erklart, daß der Gesamteingang der Steuern im ganzen Rechnungsjahr den Voranschlag kaum erreichen»verde. Auch der preußisch« Finanzminister Höpker-Aschoff hat diese Ansicht vertreten. Richtig ist sie aber durch diese Wieder- holung dennoch nicht geworden. Beide Herren berufen sich darauf, daß die neuen Steuergesetze sich erst vom 1. Oktober ab voll auswirken werden. Das ist teilweise richtig. Die Er- Mäßigung des Tarifs der Vermögenssteuer»vird ihren Ertrag sicherlich unter die geschätzten 500 Millionen herabdrücken. Auch bei der Körperschafts st euer wird man mit einem geringeren Ertrage rechnen muffen, sofern die Be- günst'gung der Großunternehmungcn höher gestellt wirb als " das Relchsintereffc. Anders aber ist es schon bei der Ein» kommensteuer der Veranlagungspflichtigen. � Hier hängt viel von der Durchführung der Veranlagung der Landwirtschaft ab, die jetzt nach dem am 30. Juni endenden Wirtschaftsjahr besteuert wird. Deshalb sollte ein Minder- ertrag völlig ausgeschlossen sein, so daß nicht nur die aus der Entfornmensteuer erwarteten 500 Millionen eingehen müssen, sondern noch mehr, zumal bereits in den ersten sechs Monaten 380 Millionen eingegangen sind. DieBesitzsteuernzu- faminen werden also keinen wesentlichen Fehlbetrag aufweisen können. Bei den M a s s e.n st e u e r n ist das sogar völlig ausge- schloffen. Hier ist ein lleberfchuß absolut sicher. Das gilt in erster Linie von der Lohnsteuer. Die Be- merkung des preußischen Finanzministers, ihr Ertrag gehe ständig zurück, entbehrt jeder Berechtigung. Die Neuregelung ab 1. Oktober wird das Steigen des Ertrags der Lohnsteuer nicht aushalten. DieZölleundBerbrauchsabgaben dagegen werden noch wesentlich steigen. Lediglich die Um- s a tz st e»i e r wird infolge der Herabsetzung auf 1 Pro.i. sinken. Der hierdurch verursachte Ausfall wird im zweiten Halbjahr 1925 höchstens 215 Millionen betragen. Gewiß sind alle derartigen Berechnungen Schätzungen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß sie zuverlässiger sind als die des ReichssinanMimsteriums. dag sich dabei stets mehr von der Tendenz des Schutzes der Besitzenden hat leiten lassen alz von der Tendenz zur Sachlichkeit. Bei vorurteilsfreier Betrachtung der bisherigen Steuereinnahmen und ihrer vor- aussichtlichen weiteren Entwicklung im zweiten Halb- jähr des Rechimngsjahres 1925 ergibt sich folgendes G e- samtbild: Neberichuh im t. Halbjahr......... 412 Mikl. M. a) bei der Lobmieuer...... 120 Mill. 51. b),. VeiörderiinaSsteiier... 42,» c), den llollen u Berbronchgabeab. 270. 432 Jnlflesam! 844 äm 5t .... 21S.. Minderertrag der Umlotzstener �_ verbleibt ein Gc omlüberlchvb von 629 Hiil». Bl Angesichts dieser Sachlage ist es die dringend« Pflicht de» Reichstags, sich alsbald mit der S e n k u n g d e r M a s s e n» st e u e r n zu beschädigen, zumal da die Gefahr besteht, daß die Mehrerträge der Steuern unzweckmäßig verwekrdet werden. Innerpolitische Komplikationen! Ter RcichSlandbund hat Angst vor ihnen. Die deutschnationale Presse hält es diesmal mit dem Grundsatz, daß man n i e in a l s„Niemals!" jagen soll. Zwar hat sie der Zweifel und Bedenken eine game Menge. aber sie ist zu vorsichtig, daraus den Schluß zu ziehen, daß deswegen alles abgelehnt werden müsse. Nur die„Deutsche Zeitung" tobt weiter, indem sie aus Anlaß der französischen Ostoerträge verkündet, der Ring um Deutschland sei ge- schloffen, und das kleine Pastorenblättchen, der„Reichsbote", nennt den Bertrag den„Hexenhammer von Locarno", wobei die Frage offen bleibt, ob das Lob oder Tadel fein soll: denn der vom„Reichsboten" vertretenen Auffassung nach ist der „Hexenhammer" doch wohl ein recht sympathisches Buch. Die„Deutsche Tageszeitung" hat es mit dem„Vor- warte". Hätte der allem, was in den Verträgen steht, begeistert zugestimmt, so hätte sie gewiß gesunden, er halte es mit den Feinden. Da«r, trotz grundsätzlicher Zustimmung, an Einzelheiten Kritik übt, kommt sie anders herum, nämlich so: Wenn der.Vorwärts", und gerade er. sich auf Zweifelspunkte. die noch der weiteren Klärung bedürfen, verbeißt und sie in einer den deutschen Interessen abträglichen Welse auslegt, so stellt er damit wieder einmal sein Parteiinteress« über da» Allgemein- wohl, denn es ist ihm dabei nur darum zu hm, innerpolitisch« Komplikationen zu schassen. E, wird auch rociterhin, abge- sehen von der Frag« der Rückwirkungen, sorgfältig zu prüfen sein, wieweit und mit welchem Gewicht sich aus dem in Locarno Formu- Herten Zweifel und Bedenken erheben. Für dies« Prüfung wird man sich auf der Rechten aber schwerlich des„Vorwärts" als Anwalt bedienen. Die.Leulsche Tageszeitung" unterstellt uns damit die Absicht, den Deutsch»rationalen die Zustinunung zu dem Per- trag zu erschweren. Die GereiMeit, mit der sie sich des- halb gegen uns wendet, ist überaus aufschlußreich. Sie meint. wir wollten„innerpolitische Komplikationen schaffen", d. b. die Ablehnung des Vertrags durch die Deutschnatiorialen und damit die Zertrümmerung des Rechtsblocks herbeiführen. Solchen„innerpolitischen Komplikationen" ist das Organ des Reichslandbimdes gänzlich abgeneigt. Das heißt: die mächtigste Jntereffentengruppe in der deutschnatio- nalen Partei wünscht Annahme, weil sonst die Vormacht- stellung des Großgrundbesitzes in der Reichswirtschaftspolitit verloren gehen könnte. Wir können der„Deutschen Tageszeitung" zur Teruhi- gung versichern, daß»ms die Annahme des Vertrages durch die Deutschnationalen mindestens ebenso angenehm ist wie die Ablehnung. Denn durch sie wird auch dem Blindesten klar werden, daß die nationale Phrase der Deutschnatlonalen nur ein Köder war, um das Boll in die Z o l l f a l l e zu locken. Deutjchlonö streicht feine Kriegsflagge. Zur LebenSgefchichte einer Fälschung. Zum eisernen Bestand unserer Gegner von rechts gehört die Behauptung, der„V o r w ä r t s" habe es während des Krieges als seinen Willen verkündet: Deutschland solle seine Kriegsslagge für immer streichen, ohne sie das letztemal sieg- reich heimgebracht zu haben. Daraus wird gefolgert, daß der„Vorwärts" und die von ihm vertretene Partei die Nieder- läge Deutschlands gewünscht hätten. Wir haben dieses Zitat, das sich jetzt auch pünktlich wieder in den Flugblättern der Voltspartei zu den Stadt- verordnetenwahlen«instellt, schon längst als eine der gemein- sten Fälschungen nachgewiesen. Die zitierten Worte waren Ende Oktober 1918 geschrieben, d. h. zu einer Zeit, als die Niederlage DeuiMands schon besiegelt war, und sie stellten einen Appell an die Entente dar, Deutschland einen g e r e ch- ten und menschlichen Frieden zu gewähren. Ge- rade weil es für Deutschland eine schwere Zumutung sei. seine Kriegsslagge für immer zu streichen, ohne das letztemal gesiegt zu haben, sei ein Frieden der Versöhnung notwendig, andernfalls würde In Deutschland der Revanchegcdanke über- mächtig werden. Wir hätten darauf verzichtet, diesen Tatbestand noch ein- mal darzulegen— die Fälschung wird ja deswegen gewiß auch nitbt aus der Welt verschw'nden— wenn sich nicht gerade in diesem Augenblick eine interessante Ueberlegung ein- stellte. Durch den Vertrag von Locarno wird näm- lich zur Tatsache, was der„Vorwärts" damals als Ziel in Aussicht nahm: Deutschland verzichtet frei- willig durch Vertrag trotz seiner Nieberlage auf den Revanchekrieg,„Deutschland streicht seine Kriegsslagge für immer, ohne sie das letztemal siegreich heim- gebraHt zu haben"— und das geschieht, genau sieben Jahre später durch eine Nechtsregierung, und die Rechts- Parteien werden dazu ihre Zustimmung geben! Reinige? Veutscklanös. Tannenzapf wegen Wuchers vernrteilt. Der berühmte Sensationszeuge im Barmat-Ausschuh Herr Tannenzapf, ist rvn einem peinlichen Malheur vetroffen worden: Er wurde vor kurzem vom Amtsgericht Wedding wegen Zinswucher» an Stell« einer verwirkten Gefängnisstrafe auf Grund des Geldstrasengcsstzes zu 2000 M. Geldstrafe verurteilt. Herr Tannenzapf ist entschieden vom Pech verfolgt. Bereits in einer der letzten Ausschutzsttzungen hatte Rechtsanwalt Dr. Reis, der Vertreter der Staatsbank in der Treuhandgefelllchast, misget-ilt, daß Tannenzapf ihn am Schluß einer Unterredung in nicht nllßzu- verstchender Form rm Ersatz seiner hohen Auelagen gebeten hatte, die ihn angebHch au» seiner E nt h 2 lle rt ä ti g. keit erwachsen scken. Herr Dr. Reis hat das Ersuchen Tannen- zapf» glatt abgelehnt, da er für Ersatz von Auslagen nicht zusrünt-ig sei und offenbar auch nicht gewillt war. K dieser verkappten Form Herrn Tannenzapf für dessen Angebot zu honorieren. Die» hat bisher mir der Chefredakteur dar deutschnationalen „Börsenzeitung" fertig bekommen. Herr Dr. Oest»:eich, der an Tannenzopf für Auslagen 500 Mark in bar ausgezahlt hat. Die Deutschnationolen haben an Ihrem ostgolizischon Schützling und Sensatümszeugen wenig Freud« erlebt. Ein Herbstausflug. vou Ernst Schermer. Grau i» Grau ist der Himmel, als wir von der Bahnstotion «uibrechen, um einen Tag draußen zu verbringen. Räch dem Wetter- bericht sollte es trocken bleiben, nach dem Aussehen der Luft knnn es in einer Viertelstunde Bindfaden regnen.—„Also wo» wollen wir?"—.Losgehen!"—„Sehen uns die Welt einmal bei Regen- wetter an."— Ein von Knicks eingefaßter Landweg nimmt uns auf. Aber die Lücken bieten häufig genug schöne Ausblicke. Wir sind noch garnicht weit gegangen, da huscht der erste Sonnenstrahl über die Flur. Da werden auch die Farben lebendig und beginnen zu leuchten, hellgelb die Hainbuche, bräunlich die Eiche, orange die Esche und scharlachrot die Brombeere und wilde Kirsch«. Und mit den Blättern wetteifern die Früchte, die roten Beeren des Schneeball» und des Weißdorns, und die Hagebutten wollen alles übertreffen. Wie armselig nehmen sich dagegen die verspäteten Bluten einiger Sommerblumen au». Rur einzeln« sind es, die sich schüchtern an den Grabenrand drücken oder an windgeschützten Stellen am Hange des Knicks einsam ver- blühen.— Rrrrr..!— Ein Volt Rebhühner!— Mitten' auf dem Wege waren sie. Wir wurden sie nicht gewahr. So erdfarben ist ihr Kleid. Da lassen sie sich aus der Koppel nieder und— weg sind sie. Aber was steht denn dort?—Ein Rehbock— da auch ein Tier! Da noch eins. Wie gebannt verhoffen sie und äugen zu uns her» über. Ihr Gesicht ist schwach, und ihr Eeruchsinn läßt sie im Stich«, denn der Wind steht ab. Jetzt äsen sie ruhig weiter. Nur eiu Tier schaut noch immer beunruhigt her. Ein Pfiffl— Wie sie die Köpfe hochwersenl— Gefahr?— Alle Augen sind auf un» gerichtet.— Ein zweiter Pfiff!— Da gehen sie hin. In wetten Fluchten über den Sturzacker und die Wiese zum Wald«. Ein prächtige» Bild. Da tauchen breite Strohdächer auf. Ein Dorf liegt vor uns. Wir durchqueren es. Kaum«in Mensch läßt stch sehen. Alles ist draußen beim Kartoffelsammeln. Ein schönes Dorf!— Schade, daß ein paar städtisch gebaut« Häuser es verschandeln. Selbstbewußt nehmen die zahlreichen Gänse unsere Lobsprüche entgegen, die nicht nur dem Dorfe, sondern auch ihnen gellen. Befriedigt schnattern die Dorsschänen ab. Bergan geht es in den Wald hii»in. Di« mit glitzernden Tau- tropfen bedeckten Zweige der Fichten prahlen mtt ihrem frischen Grün. Doch die leichtbewegten Birken wollen nicht zurückstehen und wiegen Ihre goldgelben Blätter im Wind«. Gelbbraune» Farnkraut breitet stch am Wege au». Da flitzt ein Eichhörnchen über den Weg. Heidi geht e» an der Buche empor und verbirgt sich im gelbroten Laube. Run haben mir die Höh« erreicht, und frei schweift der Blick «Iber die Fluren. Am Waldrand ertönt die Stimme des einzigen Sänger» in dieser Zeit. Zaunkönig ist es, der muntere kleine Kerl. der keine Sorgen kennt und stch weder vom Herbst noch vom Winter unterkriegen läßt. Rätsch!— Der Eichelhäher!— Er hat un» erst jetzt entdeckt und glaubt sich oerpflichtet, uns den Bewohnern des Walde» melden zu müssen. Wir schauen hinunter ins Tal. Unten Hegt ein kleiner See. so windgeschützt, daß kein Luftzug das Wasser kräuselt. Aus der einen Seite spiegelt sich ein dunkler Erlenbusch in der klaren Flut, auf der anderen Seite dehnen sich frischgrüne Weiden aus. Schneeweiße Haufenwolken ziehen darüber hin. Hinunter ans Wasser!— Auf der Koppel, die wir üderschretten, treiben wir Stare auf. Ein« dichte Schar stiebt davon. Auch am See Ist der Herbst eingekehrt. Die Zeit der schönen Wasserpflanzen ist vorüber. Di« Seerosen geben ihr« Blätter preis und ziehen stch in ihr« schuppigen Wurzelstöck« zurück. Der Froschbiß hat bereits seine Winterknospen angesetzt, die am Boden den Frühling erwarten. Und die Tierwett zieht sich in die Tiefe zurück, um den Gefahren des Einfrierens zu entgehen. Da fährt ein Windstoß in den Crlenbusch und führt abg«. schüttelte Blätter spielend über die Wasserfläche. Eine Wolke schiebt sich langsam vor die Sonne. Wir fühlen die Herbstkühle und brechen auf. Heimwärts geht es. Wohl den», der«in« wann« Stube zu Haufe findet._ Kellermanns �Wiedertäufer von Münster� (Uraufführung in Dessau.) Es gibt Romane, die einen starken dramatischen Schwung haben, und es gibt Dramen, die in der Brette und Getragenheit ihrer Schilderung episch wirken. Die größte Gefahr, in romanhafte Breite der Schilderung zu verfallen, laust der Romancier, der den Schritt aus seinem eigensten Gebiet auf das ihm fremd« der Dramatik tut: und auch Bernhard Kellermann, der allfettig Bekannte und Geschätzt«, ist dieser Gefahr in ieinen„Wiedertäufern von M ü n st e r" nicht entgangen. Trotzdem ist das Drama so stark, daß dies« Unzulänglichkeiten überbrückt werden und e» bei der Urauf- sührung in D e s s a u zu einem schönen Erfolg für den Dichter wurde. Die Handlung des Werkes spiell in der Zell der Wiedertäufer. bewogung in Münster: Mittelpunkt de» Geschehens ist Johann von Leyden. um dessen Wesen und Wirken häufla schon Strettfragen ent- standen sind. Ist er der Fanaiiker. der an seine Gottgesandthctt al, zweiter Christus und Erlöser der Vtenschhett glaubt? Oder ist der Willensstärke, suggestiv wirtende Spekulant, der sich die Wirrnis der damaligen Zeit zunutze machte, um iu der Maske de» Erlöser» dl« Menschen zu seine« Füßen niederzuziehen? Kellermann macht einen Märtyrer aus ihm, der von reinstem Feuer beseett für seine Ideen und seine Erfüllung einer göttlichen Ausgab« an der leidenden Menschhett lebt und stirbt. Di« tragende Roll« des Johann wurde von dem begabten und ganz an da» Wert hingegebenen Herrn Bar thel gespielt, eine gleichwertige Leistung der Knipperdolllng de» Herrn Eichhorn. Auch die kleineren Rollen waren durchweg gut besetzt, und man ist freudig überrascht zu sehen, über welch reichhattiqe» und gutes Schauipielermaterial das Dessauer Theater ocriüqt. Der Spielleirer, Herr Echoen selb, hatte in den vielen Mossenszenen auf dem historisch-schönen Hintergrund der allen Bischofsstadt Münster 0c lcgenheit zu weitester Kroftentfaltung. Die große ihm geltell!« Auf- gab« gelang ausgezeichnet. Das Werk wurde vom Publikum mtt größter Anteilnahme oerfolgt, die sich zum Schluß in lebhaftem Beifall äußert«. Der Autor, der der Uraufführung beiwohnte, Darsteller und Spielletter wurden oft und leb hast gerufen. W. B. vi aller Zellen. Man hätte gewünscht, daß Garten» £- vf k 6''! 1' �er dies.'m Thema im Rahmen der H u m- b�o ld t. 4) o cy s ch ule sprach, den Stoff doch etwas begrenz» hätte. ?.? K1® es. durch die wohlbekannten Gartenstile einen onberlhakb- stundigen Eilmarsch, dessen Ausbeute für die Hörer kaum großer !??!' v i',e dasselbe Thema im Lexikon nachgelesen hätten. „ü rn r? J*41, k" einzelne wie zufällig unterlaufende Worte, daß füx �.b�ufener Führer durch Gärten stand, der in meiser Be- über.Schöne Gärten überaus plestisch hält« gcflallcn können. Schölt« Gärten der Renaissance, schöne Gärten der cvecicnwart. schöne Gärten nord- oder südeuropäischen Einschlags, schöne Gärten des Orients— hätte nicht schon eins dieser Themen reichen Stoff für 144 Stunden geboten und dabei dem Redner erlaubt, statt eines trockenen üWerat» einen perfö nlichkeitser s ülllen Vortrag zu geben? Allzu auffällig wurde allerdings der Manr.tl wohl den wenigsten, da der Abeich gleichzeitig von geschickt gewählten Lichtbildern ausgefüllt wurde, die neben Dekanntem manche. Neu« und Ueberraschende zeigten:(a das pittoreske Rofengärtchen de» Schlosses F ü r st e n st e i n. das mit feinen zahllosen Rofen- rabatten und Springbrünnlein wohl kaum einer der Hörer in Schlesien,«ett eher im maurischen Spanien gesucht hätte. Te». Auch einer. Weshalb Joseph Otto Günther zu der Vorlesung aus seinen Werken im L e s s I n g- M u s« u m die Presse lud, ist nicht recht zu verstehen. Mag er stch au» der bereiten Familien- gewürztonne«in Lorbeerkränzlein winden lassen! Wozu behelligt er die OeffentHchkeit mit feinem unfertigen, meist ganz inhattlosen Geschreibe? Nur zweimal, in»Nachtgestalten" und»Der große Wurf", fand er überhaupt eine Fühlung zu echten Problemen, ohne daß es ihm aber gelang— noch dem Gebotenen zu urteilen— diese wirklich dichterisch zu gestatten. Auch seine Lyrismen geben durchaus nichts originell Empfundenes und sind auch formal nicht so beachten»- wert, daß sie damit wenigstens über diesen Mangel hinwegsehe» ließen. Alles in allem: ein verlorener Abend, an den die Vor- tragende. Paula Fischer, chre Begeisterung vergeben, ver- schwendete._ abend» Rudolf* ixinnn. um prrdiaq. nuDf■-), iibt, roiro eaicBtmtr« Pawloc wfillrnt de» Stoalistlicken Instiiul» in Leningrad, einen Bortraa über.Da« neue Tdeater in Sowlelrubl-md' dalten Ja der cvaieri« Jteamann A Jtlereabotf, Lütowflr. 82, gz« Paul Seit 6(im au, deuitaen Mittwoch.«>», abend«, eine«»«ltiaai»Die Kunst verrdett de« Mensch«»", Giossen»um Lunstbe trieb. Die Hehe gegen Berlin. Eine Ohrfeige für die Volksparket. Zeuge Hildebrandt: Dann mußte ich doch hervorheben,| gericht Beuthen mitgeteilt. Am 2. September 1925 hat D. sich von daß die jungen Soldaten überhaupt nicht mehr ausschlaggebend an der Front gewesen sind. R... irichberg: Ja, wo ist denn dann der Deichstoß mirtfam geworden? 3euge Hildebrandt: Der Doldstoß hat dadurch eingefeßt, daß die Soldaten vorn an der Front die Waffen weg geworfen und nicht mehr getämpft haben. Bei der Beratung der neuen Berliner Auslands. anleihe im städtischen Haushaltsausfchuß ereignete fich gestern ein bezeichnender Zwischenfall. Der Kämmerer Dr. Rarding berichtete über die Berhandlungen mit ten Aufsichtsbehörden und erwähnte dabei die Schwierigteiten, die der Genehmigung R- 2 Hirschberg: Nach dem Waffenstilstand! Zeuge Hildebrandt: Wenn die Truppe nicht verfeucht auch der allernotwendigsten Anleihen für Berlin durch die worben wäre durch den Einfluß der Sozialdemofratte, bann wäre es dauernde heze gegen Berlin und seine Berwaltung benach meiner lleberge gung nie so weit gefommen und nie au einem Waffenstillstand. reitet würben. Dem Sinne nach führte Rarding aus: Es laffe sich selbstverständ lich bei einer so großen Stadt wie Berlin niemals vermeiden, daß einzelne Beschlüffe nicht von allen Geiten gebilligt würden, es fei aber sehr bedauerlich, wenn durch die dauernden Behauptungen von der angeblichen Verschwendung und dem Leichtsinn der Berliner Verwaltungswirtschaft immer wieder entgegen ber Wahrheit der Eindruck erweckt werde, als wenn man in Berlin bei den notwendigen Entschließungen nicht nach der Stufenleiter: nötig, nüßlich, angenehm, sondern umgelehrt verfahre. " Wie gewöhnlich brachte der Kämmerer diese seine treffenden Bemerkungen in absolut ruhiger und verbindlicher, wenn auch sehr bestimmter Form vor. Aber jeder im Saale fühlte, für wen die Darlegung bestimmt war. Ste galt dem arroganten und hoch mütigen Führer" der Volkspartei, der sich einbildet, in der lächer lichsten Weise die ganze Versammlung dauernd schulmeistern zu fönnen. Seine Photographie, oder vielmehr die Einbildung, die et von fich selber hat, ist am schönsten in der volksparteilichen Wahl zeitung getroffen, mo über ein Heer mehr oder minder idiotischer Beitgenoffen der Mann mit dem weiten Blid" um Haupleslänge hervorragt. Dieser Mann mit dem weiten Blic" und nicht zu vergeffen mit 15 Zentimeter hohem Stehfragen, ift der Herr Oberver. waltungsgerichtsrat a. D. Hans von Eynern, der Führer" der Bollspartei! Die Dhrfeige hatte gefeffen. Bleich vor But versuchte von Ennern, entrüftet darüber, daß der Rämmerer in die sachlichen Erörterungen die Politit hineintrage, das Wort zu einer Antwort zu nehmen. Aber er tam nicht dazu, benn er hafte fich mal wieder in eine sp hoffnungslose Isolierung hineingerannt, daß selbst seine eigenen Fraktionsfreunde ihn im Stich ließen und schließlich, wie schon so oft, die Fraktion der Männer mit dem weiten Blid" in zwei Hälfte auseinander fiel. Welche dieser Hälften nun den„ weiten Blic" hatte und welche zu dem bebauernswerten Gewürm am Erdboben friechender Idioten gehörte, bas vermögen mir nicht zu ent. scheiden, das überlassen wir der volksparteilichen Graftionsberatung. Im übrigen war die Attade des Kämmerers, die offensichtlich aus gepreßtem Herzen tam, bezeichnend für den Kampf, der jeber, auch bürgerlichen Stadtverwaltung, durch das irrfinnige Beschrei der Industriellen über die angebliche Mißwirtschaft der Kommunen auf gezwungen wird. Mit der Boltspartei und ihrem weiten Blic" mögen die Geschäfte des Reichsverbandes der Industrie besorgt werben können, ble Geschäfte Berlins werden durch fie nicht gefördert, sondern nur gehemmt! Der Dolchloß- Prozeß Die alten Generäle fennen nur ,, Eindrüde", feine Tatsachen München, 20, Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Kläger Coßmann und feine nationalistischen Hintermänner erfiten am weiten Berhandlungstage im Münchener Dolchftos Brazes eine Bifene Miederlage. Die erften brei ihrer Beugen, Lauter alte mi färs, etiopften fi in allgemeinen Retensarten über langft be forte und von niemandem befittitene Dinge, durch die die Sozial demokratie und ihre führer in feiner Welje belaftet werden fonnten. As biefe Beugen auf bie praalie Frage bes Beriebigers Hirschberg ach fontretem Tatsachenmaterial über die behauptete fozialdemp frafische Bermrbung der Front antworten follten, derfagten fie pöllig. Das war insbesondere bei dem General a. D. Gilbe brandt, dem intimen Freunde Ludendorffs, der Fall, ber, in ble Enge getriebent, fich schließlich mit dem Geständnis retten mollte: Ich bin fein Polititer, fondern reiner Militär, und rede hier überhaupt nicht von Tatsachen, sondern nur von Eindrüden." Interessant war auch, daß der Beuge Major v. Roeber als Ceiter der Spionage- Abwehrabteilung im Kriege die von der Dhe durch Ueberführung von Lenin- Tropti aus der Schweiz nach Rußland geförderte Bollewiftenpropaganda, bie nach dem Frie ben von Brest- Ellowst durch die russische Gesandtschaft in Berlin betrieben wurde, glaubte, der Sozialdemokratie an die Rodschöße hängen zu fönnen, dabei aber zugestand, daß die faiserliche Regierung nicht den Met hatte, durch Beschlagnahme des Suriergepads des Gesandten Joffe der riesenhaften Einfuhr von Antitriegsflug blättern aus dem Auslande einen Riegel vorzuschteben. Dieser Major n. Roeder machte feine Aussagen übrigens an Stelle des als Hauptzeugen benannten Obersten Nicolat, ber feiner Bernehmung ausge michen ist, indem er sich durch Krankheit entschuldigte, ebenso wie Majora. D. Hildebrandt, an dessen Stelle unter letjem Widerspruch des Gerichts felbftherrlich sein Vater, General Hildebrandt, trat Aus dem Prozeßverlauf am Dienstag, zu dem sich Oberst Schwerdtfeger als Sadyverständiger eingestellt hatte, sei folgende Einzelheit mitgeteilt: Die Klägerpartei hatte telegraphisch un mittelbar Zeugen gelaben, darunter bie beiden Generale von Stein unb risberg, bie fich fchon in Magdeburg Lorbeeren verbient batten. Unter dem Widerspruch Hirschbergs lehnte aber der Borfihende die Bernehmung biefer unmittelbar geladenen 3eugen ab. Bet der Bernehmung des alten Hildebrandt ergab sich dieses intereffante Frage unb Antwortspiel: Bert. rfchberg: Nach Annahme aller militarifer Sachverständigen, auch bes von ber Gegenpartei gelabenen Generals von Ruhl, war bie nieberlage mit den Schlachten Dom 7. August 1918 endgültig befiegelt und Sie glauben troßdem, daß der Dolchstoß die Niederlage herbeigeführt hat? Beuge 5ilbebrandt: 3ch habe eine andere Auffaffung; ich fann das nur nicht so mit Beweisen belegen. Unfere Truppe hat fich in überwiegender Zahl vortrefflich gehalten. Der alle Heldensinn ist nicht verloren gegangen. Die feindliche Nebermacht hat die Truppe nicht erschreckt. Trogdem mugte die Oberste Heeresfelfung den ungeheuer schweren Entfluß fallen, der bekannt ist. Enifheidend für diesen Ausgang find vor allem swel Zafladen, einmal die Tants and refilos entfeldend die Erfahfrage." R.M. Hirichberg: 3si dem Zeugen befannt, daß der Borwärts" als erfte deutsche Zeitung am 26. Offober 1918 sum nailonalen Widerstand aufgerufen hat, und wie erklärt er den widerspruch mit felner eidlichen Aurfage, daß die Sozialdemokratie die Maffen mit Unzufriedenheit erfüät hat? Zeuge Hildebrandt: Das vom Borwärts" weiß ich nicht. Ich fann mich nach fieben Jahren nicht mehr an Einzelheiten erInnern. R... Hirschberg: Der Beuge hat den sozialdemokratischen Agitatoren auch vorgeworfen, daß fie fich gegen Annegionen gewandt haben. Erblidt der Zeuge auch hierin heute noch einen Borwurf? Zeuge Hildebrandt: Ich habe nur gefagt, daß die Sozialdemokratie ausgesprochen hat: Wir wollen einen Berständigungsfrieden! Und der war nach meiner Zelnung undentbar. So wurde bei uns eine feichte Stimmung hervorgerufen. -A. Hirschberg: 3ft dem Zeugen nicht bekannt, beß für diesen schlappen Frieben außer den Sozialdemokraten auch an. bere große Borteten des Bolles eingetreten find? Beuge Hildebrandt: 3ch bin nicht Politiker. Ich bin reiner Militär. Ich rede nur von Ginbrüden, bie ich während meiner Tätigkeit als Soldat im Saarland gewonnen habe. Nach diesen Zeugenaussagen beschäftigte sich der Kläger Cop. mann mit Bitaten aus den Antibolchftoßschriften Röfters und ver. fuchte an der Hand einer Schrift von Edstein nachzuweisen, daß die 115. während des Krieges niemals auf dem Boden der Landesverteidigung gestanden habe. Mittwoch Weiterverhandlung. Das Memelland wählt deutsch. noch nicht 10 Proz. litanische Stimmen, aber litanisches Staatsgebiet! Memet, 20. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In der Stabt Memel haben erhalten: Sozialdemokratie 2949 Stimmen, Memelländische Volkspartei 12 186, Stommunisten 1139, Memell. Landwirtschaftspartei 202, die Titauischen Parteien und fleineren Splittergruppen insgesamt 521 Stimmen! Die Sozialdemokratie hat in der Stadt Memel gegenüber der letzten Wahl einen Rückgang zu verzeichnen. Dies beruht in erster Linie darauf, daß über 1000 organisierte Parteigenoffen infolge Option nach Deutschland abgewandert sind. Dann hatte die Memelländische Boltspartei einen ausgedehnten Schlepperbienft mit Fuhrwerfen und Automobilen eingerichtet, wodurch sich viele Indifferente für biefe Bartel gewinnen ließen. Die Rommunisten haben über 60 Bro3. ihrer Stimmenzahl verloren. In dem zweitgrößten Ort hende. trug murben 444 fozialbemofratische und 1447 Stimmen für die Boltspartei abgegeben. Die anderen Barteien mußten sich jebe mit weniger als 100 Stimmen begnügen. Boltspartei, Landwirtschafts. partei und Sozialdemokraten, die alle brei eine Einheitsfront bilben, haben nach der bisherigen Bählung zusammen 20 826 Stimmen er halten. Ihnen stehen nur 2646 Stimmen der litauischen Splitter. parteien gegenüber.. Auf dem Lande hat unsere Bartet wesentliche Sortfritte gemacht, mas jedes neue Dorfresultat bestätigt. Die litauischen Bartelen in Memelgebiet bleiben in einer absoluten Minderheit und die Wahl ist zu gleicher Seit ein Grich für die Boltsabfiimmung, hie feinerzeit, als das Memelgebiet burdy litauischen Butsch annettiert murbe, non ber Entente nicht Damit sind die Memelländer für bie gestattet worden ist. memelländischen Stultur, bie überwiegend Erhaltung ber Deutsche Büge trägt, eingetraten. Bon ber tilauischen Verwal tung des Gebietes find bisher Wahlergebnisse nicht zu erhalten. Sie bat sich nicht die Mühe gemacht, auch nur Teilresultate festzustellen, fo daß das amtliche Ergebnis nicht vor 8-14 Tagen zu erwarten ist. Die bisher errechneten Zahlen beruhen auf den Feststellungen der Parteizentralen und der Zeitungen. Die Wahllolate maren auf dem Sande fo gelegt, daß viele wähler bis zu 26 Rilometer hin un b zurüd zur Wahl. urne laufen mußten! Da gerade in der Nacht vor dem Bahl tage starter Schneefall eingelegt hatte, ist das Wahlergebnis auch dadurch teilweise beeinflußt worden. Immerhin ist die außer ordentlich große Wahlbeteiligung ein Beweis dafür, daß die Memel länder mit der bisherigen Derwaltung des Gebietes nicht zufrieden find. Der Lemberger Prozeß. Der wahre Täter nach Preußen geflüchtet. Auf die Anfrage des Genoffen Bobt, ob fich der eigentliche Täter des Bemberger Attentats auf ben polnischen Staats. präsidenten in Deutschland aufhalte und daß das Verfahren gegen den angeblichen Täter zu einem zweiten Dreyfus Brozeß zu werden drohe, hat der preußische Innenminister folgende Antwort erteilt: Berlin nad) Marienburg abgemeldet. Von Marienburg ist er wieder nach Berlin abgemeldet, ohne jedoch bisher in seine frühere Wohnung zurüdgefehrt zu sein. Die Ermittelungen nach seinem gegenwärtigen Aufenthalts. ort find noch nicht abgefchloffen.. Ob der vorstehend geschilderte Sachverhalt zur Kenntnis der zuständigen polnischen Behörden gebracht worden ist, ift gegenwärtig noch Gegenstand von Ermittelungen, Unabhängig Favon habe ich im Hinblick auf das in der Anfrage erwähnte Berfahren gegen den Studenten Steiger in Lemberg das Auswärtige 2mt gebeten, den geschilderten Sachverhalt mit tunlichster Be fchleunigung zur Kenntnis der zuständigen polnischen Dienststellen zu bringen." Hermine im Bad.. Raiserliches aus der Republik. Die nijerin ermine ist bekanntlich zur großen Greube aller Hoffieferanten und Untertanen stolz in Wildbab als taiferin und Königin in der Sturliste verewigt morden. Auch ein hofphotograph", Karl Blementhal in Wildbad, hat eine Postlarte Raiserin ermine in Bad Wild. bab. 1925" verbreitet, was nicht gut ohne die Zustimmung der abgebildeten Majestät geschehen tonnte. Nun hat die Republikanische Beschwerdestelle, wie die Stuutt garter Sonntagszeitung" meldet, bei der Polizeiverwaltung in Wildbad Strafantrag gegen Frau Hermine, Brinzessin von Preußen, gestellt, weil sie fich in unrechtmäßiger Weife Titel zugelegt habe ( Strafgesetzbuch§ 360 blah 8). Der Antrag wurde von dort an Das Oberamt Reuenbürg weitergegeben. Dieses lehnte eine Beitergabe der Strafanzeige an die Amtsanwaltschaft ab. Die Republitanische Beschwerdestelle stellte nunmehr dirett Strafantrag beim Oberstaatsanwalt in Tübingen. Auch er iehnte die Eröffnung eines Verfahrens ab, well die Angelegenheit inzwischen burch die Berschleppung ber republikanischen Behörden verfährt war! Bemerkenswert an dem amtlichen Utas ist vor allem, daß bie Staatsanwaltschaft die Frau des flüchtig geworbenen Raisers als Hermine, Gemahlin Seiner Majestät Wilhelms II., ehemaligen Raisers, König von Preußen" bezeichnete. Auch gegen diese Titulierung einer Brivatperson mit ber Flostel Seiner Majestät", bie lediglich einem regierenden Landesoberhaupt vor Schwerbe eingelegt. behalten war, murde beim württembergischen Justizministerium BeDer belgische Stabilisierungsplan. Er wird der sozialistischen Kritik angepakt. Brüffel, 20. Oftober.( Eigener Drahtbericht.). Der Stabill lerungsplan der Regierung ist offenbar febr mefentlige. an bert worden, um der Kritik der sozialistischen Partei und vor allem des Urbeitsministers Genoffen Wauters Rechnung zu tragen. Die Aenderungen dürften so groß fein, daß von der Stabilisierungsaftion des Finanzministers überhaupt abgesehen wird. Es foll versucht werden, den belgischen Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen und, ftatt eine Auslandsanleihe aufzunehmen, foll ein frel verfügbarer Bands, zu dem man aber nur im Notfalle und vor. aussichtlich nicht vor nächstem Frühjahr greifen wird, geschaffen werden. Die Durchführung dieser Blane würde vermutlich genügen, den Rurs des belgiiden ranten zu halten und ihn vom franzischen unabhängig zu machen. Locarno und die Feinde Vanderveldes. Tagen, als ber Bertrag abfolus in Preário Bereits fefifiarb, Beze bätigungen gegen Deutschland erhoben, daß es Franfre d unb Belgien doch wieder überfallen würde. Besonders tut sich das Blatt XX. Siècle"(.Das 20. Jahrhundert) in der Richtung Fer jene Brüffeler Zeitung, bie, bas. Blatt ber iteben bor 5568" genannt wird, weil Geiftliche bas Blatt maden. Aber bom Geist von Locarno, tie bon bem der christlichen Nächstenliebe ift in biefer Hege. die fich in Wahrheit gegen den sozialistischen Außenminister Bandervelde richtet, feine Epur zu erblicken. Eine Anzahl Belgischer Blätter haben noch in den legten Bölkerbund erft im Jannar. pirb nicht im Dezember, sondern erst mitte Januar eine Genf, 20. Oftober.( Eigener Trehtbericht.) Der Bällerbumb außersrbenfle Sigung abbalten, in welder der Eintritt Deutschlands in den Bolterbund auf der Tagesordnung steht. Griechisch bulgarische Grenzkämpfe. Paris, 20. Dliober.( IB.) Havas berichtet aus Galoniff: Der Stab des 3. Armeeforps veröffentlicht folgende Nachricht: Gestern haben reguläre bulgarische Streitfräfte überraschend griechische Besten in der Gegend ron Demir- Capu angegriffen. Gin griedlicher Offister, der als Parlamentär bie meiße Fahne frug. ift durch die bulgarischen militärischen Einheiten getötet morben. Der 3 wischenfall ist über einen einfachen Grenz tonflitt hinausgewadien. Der Kampf ist heute vormittag von Seiten der Bulgaren wieder aufgenommen. Bpn fetten ber Griechen sind Maßnahmen getreffen, um der Lage zu begegnen. Zum Kifchinewer Prozeß. Die Gesellschaft der Beffarabier in Deutschland Um 3. Oftober 1924 nadymittags wurde der Student Theophil Disganfti, urtrainischer Staatsangehöriger, wegen unbefug ten Grenzübertritts burch Beamte des Polizeiamis Beuthen ( Oberschlesien) festgenommen und eingeliefert. Bei seiner palizeilichen Bernehmung am gleichen Tage hat D. ertlärt und durch eigenhändige reibt uns zu dem legihin veröffentlichten Art fel: Der Aufstand Namensunterschrift bestätigt, baß er aus Polen geflüchtet fel, weil fanb im äußerten Süden( nicht Sorben) Bessarabiens( bort liegt R- 2. Hirschberg: Wie erflärt fich der Beuge, nachdem er er vor einigen Wochen an einem Freitag nachmittag gegen 3 Uhr Tatar Bunar) statt und der D njeft ift fo weit von Talar. Bunar jagt, daß die militärische Niederlage nur durch Unterwühlung ber ein Attentat auf den polnischen Staatspräsidenten entfernt, daß eine bollchemistische Bande vom Dnjestr aus niemals Front herbeigeführt wurde, die Tatsache, daß der Bertreter der ojczechowiti in Lemberg verübt habe. Er habe auf Tatar Bunar erreid en tönnte. Denn fie wäre lange vorher von Obersten Heeresleitung, major von dem Bussche, am 2. Oftober 1918 vor den Bertretern des Reichstags folgendes gebenten eine 23 ombe geworfen. Den Auftrag hierzu habe er ben am Mariagfyplaß in Lemberg vorbeifahrenden Staatspräfi rumänien Truppen sernichtet worden. Schuldig an dem Blutjagt hat: denten eine Bombe geworfen. Den Auftrag hierzu habe er pergießen in Tatar Bunar ist einstg und allein die rumänische von der ukrainischen Organisation( Utrainsta- Bischtowa- Organisatia). Regierung Wir betonen das, nicht um die Kommunisten zu erhalten. Gleichzeitig machte D. genaue Angaben über eine Reihe begünftigen, fonbern um eine unangebrachte Entlastung der rumápon Personen, die ihm bei seiner luhtaus Bolen beiden teglerung zu verhindern. hilflich gewesen felen Bei feiner gerichtlichen Berneh Landgerichtsdireffor Wessel in Ilenftein Batte seinerzeit mung hat D: in der öffentlichen Sigung des Amtsgerichts Beuthen eine Mitteilung an die Steltoren ber bortigen Schulen gerichtet, am 4. Oftober 1924 biele Angaben vor dem ichier in dem den Rektoren nabe gelegt wurde, ibre& ulex bei wiederholt. Das Gericht hat fein Geftändnis füir glaubhaft er, der Begrüßung des reneringen erscheinen zu achtet und D. wegen unbefugter Grenzüberschreitung zu einer Belaffen. Wie tas preußische Juhizminifterium mitteilt, wird besfängnisstrafe von 2 Wochen und zu den Roften des Berfahrens balb gegen Weffel bifziplinarii bergegangen. verurteilt. Es wurde ihm Etrafausfeßung bis zum 1. Oftober 1926 unter der Bedingung gewährt, daß er alsbalb eine Geldbuße von 30 RM. bezahlte. Bei der Bemeffung ber Strafe hat das Gericht als ftrafmildernd berücksichtigt:„ feine Jugend, fein Geständnis, ferner daß er durch Borlegung von Ausweispapieren feine Berson glaub. haft ausgewiesen habe, und daß er ein politischer lüht ting fei." Olszanski hat sich am 15. Oftober 1924 in Berlin unter Borlage einer Bescheinigung des Amtsgerichts Beuthen bes Inhalts, daß er politischer Flüchtling lei, ordnungsgemäß angemeldet. Seine Berliner Adreffe hat er alsbald bem Amts leitung nicht? Der Zeuge teilt also diesen Standpunkt der Obersten Heeresleitung Benge Hildebrandt: 3 fann natürlich nicht fagen, mir die Unterwühlung hat die Niederlage herbeigeführt. Ich will nur fagen, daß fie mit bazu beigetragen hat. -21. trichberg: Wie erflärt sich der Zeuge, daß felbft Kronprinz Wilhelm an mehreren Stellen feines Buches cusdrücklich befundet, daß der Kampfgeist der Truppe noch im Jahre 1918 nicht perfagt hat? Der Zeuge hat er flärt, daß die revolutionäre Unterwühlung vor allem ben jungen Er faß erfaßt hatte, baß diefer an ble Front fam und badurch die Front verseuchte und auf diese Weise die Niederlage herbeigeführt wor. den ist. Rumänien, Sibilawien, Bulgarien und Griechenland baben ihre Vertreter nach Ancora entsandt, um dort eine enferens zur Beseitigung der Differenzen auf dem Ballan zustandezu bringen. " fein wird, findet sich in dem gestern morgen veröffentlichten Tert tes Berichfgangie unieren Sefern bereits felbft qufgefallen Rheinpalies" eine luftimmi feit. Sie beruht auf einem Store! tur verleben. Es muß im Artifel 8 beigen: es verpflichten fich frant reich und Belgien fowie Deutschland und Frankreich( nicht Frante reich, Bolen, Tschechollowater"), Gewerkschaftsbewegung Gewerkschaften und Wahlen. Warum die Gewerkschaften für die Sozialdemokratie eintreten. Der Aufruf des Vorstandes des Ortsausschusses Berlin des ADGB., am kommenden Sonntag den Kandidaten der Sozialdemo. fratie ihre Stimme zu geben, ist der KPD. auf die Nerven gefallen. Die Rote Fahne" schreibt dazu insbesondere: „ Der Ortsausschuß Berlin des ADGB. setzt mit diesem Aufruf nur die Linie fort, die er und die freigewerkschaftliche Spizen. organisation bei den Wahlen der letzten Jahre eingeschlagen haben. Der Aufruf bestätigt, daß die Führer der freien Gewerkschaften in ihrer großen Mehrheit die Gewerkschaften als Ausführungs organe der sozialdemokratischen Politik benuzen. Die reformisti schen Führer fehen sich hohnlächelnd über die Tatsache hinweg, baß 90 Prozent der freien Gewerkschafter feine Sozialdemokraten find. Die reformistischen Führer, die in den letzten Jahren unter bem Schlagwort der parteipolitischen Neutralität einen Kreuzzug gegen die Kommunisten veranstalten und dadurch die Gewerf schaften an den Rand des Abgrundes führten, beweisen erneut, melchen Wert Berbandstagsbeschlüsse haben, wenn sie von den Führern durchgeführt werden sollen. Der ADGB.- Ortsausschuß Berlin erließ auch vor vier Jahren, anläßlich der legten Stadtverordnetenwahl, einen Aufruf. Da mals hüteten sich die Sabath und Genossen wohlweislich, ausfchließlich für die SPD. Propaganda zu machen. Es wäre ihnen auch schlecht bekommen. Nachdem der größte Teil des freigewerk. schaftlichen Funktionärförpers durch Maßregelung und Hinaus murf tommunistenrein gemacht ist, erlaubt man sich eine derartige Provokation der Mehrheit der Mitglieder." Zunächst eine kleine Berichtigung. Daß der größte Tell bes freigewerkschaftlichen Funktionärförpers fommunistenrein ist, stimmt. Da die Funktionäre aber von den Mitgliedern gewählt werden und diese Wahl in feiner Weise der Bestätigung durch andere Berbandsinstanzen unterliegt, so zeigt diese Tatsache allein, daß die ,, Maßregelung" und der hinauswurf" von den Mitgliedern vorgenommen wurde, sofern die Funktionäre nicht von sich aus vor zogen, der APD. den Rücken zu fehren. Damit ist auch die Behauptung, daß 90 Proz. der Mitglieder keine Sozialdemokraten feien, ins rechte Licht gerückt. Der Roten Fahne" ist da offen bar eine Berwechslung mit ihrer eigenen Partei unterlaufen. Auf der gleichen Linie liegt die Behauptung, die Führer der freien Gewerkschaften benutzten die Gewerkschaften als Ausführungs. organe der fozialdemokratischen Politif. Die sozialdemokratische Bolitik wird von den Organen der Sozialdemokratischen Partei burchgeführt. Die Gewerkschaften beschränken sich durchaus folgerichtig auf die Durchführung ihrer eigenen Aufgaben. So wenig die Sozialdemokratische Partei sich einmengt in die Aufgaben der Gewerkschaften, fich stets enthält, diesen etwa Vorschriften zu machen über die Führung der Lohnfämpfe ufm., ebenso enthalten sich die Gewerkschaften, fich in die inneren Parteiangelegenheiten einzu mischen. Es tommt aber selbstverständlich sehr häufig vor, daß die Gewertschaften bezüglich der Ausgestaltung der Sozialgefege usw. be. stimmte Forderungen und Wünsche haben. Es entspricht der Tradition der Sozialdemokratischen Partei, daß sie diese Forderungen und Wünsche der Gewerkschaften zu den ihren macht und sich bemüht, fie zu verwirklichen. Das geht jo meit, daß die Partei bereits bei der Kandidatenaufstellung darauf Rücksicht nimmt. Auch für die bevorstehende Stadtverordnetenwahl find von der Partei eminente Vertreter der freien Gewerkschaften an aussichtsreicher Stelle aufgestellt worden, und zwar gerade die verantwortungsvollen und fachfundigen Gewerkschaftsführer. Man märe viel eher berechtigt, zu behaupten, daß die Gemertschaften es nerstanden haben, die Sozialdemokratische Partei zum ausführenden Dtgan der Gewerkschaftspolitik zu machen, wenn eine derartige Behauptung nicht eine Selbstverständlichkeit ausspräche Und das ist der große Unterschied zwischen der Stellung, die wir gegenüber den Gewerkschaften einnehmen und der der KPD. Diese will sich der Gewerkschaften bemächtigen, sie zum Hilfsorgan der russischen Bolitit machen. Wir dagegen find bemüht, die Forderungen und Kämpfe der Gewerkschaften zu unterstügen. Die KPD. ist bemüht, sie zu durchtreuzen. Es gibt feinen Gewerkschaftstampf, es gibt feine 2ftion, bei der die APD. nicht versucht, die Unorganisierten und die Mitglieder gegen die Gewerkschaften aufzuheben. Diese Tatsachen, die nicht von heute und gestern sind, haben es mit sich gebracht, daß die Gewerkschaften die KPD. als ihre natür liche Gegnerin betrachten, daß sie dagegen die Sozialdemofratische Partei als ihre natürliche Bertretung ansehen. Wenn die Gewerkschaften noch vor einigen Jahren bemüht waren, auch die KPD. als Vertreterin der Interessen der Gewerkschaften gelfen zu lassen, so sind sie durch die KPD. selbst davon geheilt worden. Diese allein hat es sich zuzuschreiben, daß alle freien Gewerkschaftler heute uneingeschränkt anerkennen, daß nur die Sozialdemokratie jederzeit rückhaltlos die Forderungen der Gewerkschaften vertritt. Noch kein Streik in den städtischen Werken. Neue Verhandlungen angebahnt. Am Donnerstag nachmittag verhandelt der Schlichtungsaus. fchuß über die Differenzen zwischen den Kämmereiarbeitern und dem Berliner Magistrat. Nachdem Borbesprechungen über eine Beilegung der Differenzen in den Gas- und Wasserwerken ergeben haben, daß eine Grundlage hierzu gefunden werden kann, soll versucht werden, im Anschluß an erstgenannte Verhandlungen, auch im Lohnstreit der Gas- und Wafferwertsarbeiter zu einer Einigung zu tommen. Eine Proflamation des Streitbeginns dürfte also schlimmsten falls nicht vor Donnerstag abend erfolgen. Inwieweit die Mahnung des Reichsfinanzministers v. Schlie ben am gestrigen Tage, die Gemeinden müßten durch strengste Sparsamkeit den sächlichen und persönlichen Ausgaben. bedarf so fart wie möglich einschränten, das Ber halten des Berliner Magistrats in diesem Lohnstreit beeinflußt, wird sich zeigen. Bei dem bisherigen Berhalten des Magistrats hätte es für ihn nicht erst der Auffrischung der bekannten Barole bedurft. Immerhin ist bezeichnend, daß sie erneuert wird, trotzdem ihr Stühpunkt des Preisabbaues inzwischen zusammengebrochen ist. ,, Unfantere Geschäftspraktiken". Mit dieser Aufschrift versehen, hatten wir in Nr. 180 des„ Borwaris" dem Bericht einer Gemertschaft Raum gegeben, der die Entschädigung der Zigarren und Zigarettenverkäufer in größeren Gastwirtsbetrieben betraf. Bon der Firma Rudolf Jahn, die den Tabatwarenvertrieb in verschiedenen Lokalen gepachtet hat, war behauptet worden, daß von den 10 Proz. Bedienungsgeld, die auf 6 Broz bekämen, während der Pächter 4 Proz. in seine Tasche den Verkaufspreis aufgeschlagen werden, die Angestellten nur stedte. Diese Behauptung erwies fich als falsch, weshalb wir in Str. 191 eine entsprechende Berichtigung brachten. Trotzdem strengte Herr Jahn Brivatflage gegen den Redakteur Friedrich Eforn an. In dem Termin vom 29. September tam es zu folgendem Bergleich: Barteien vergleichen sich vor Eintritt in die Hauptverhandlung wie folgt: Der Privatbeflagte erflärt, daß er die in dem Artikel Nr. 180 des„ Vorwärts" vom 17. April 1925 unter der Ueberschrift: ,, Unlautere Geschäftsprattifen" gegen die Firma Rudolf Jahn erhobenen Borwürfe nach eingehender Prüfung nicht aufrecht erhalten fönne und bedauere, daß diese Vorwürfe in den erwähnten Artikel aufgenommen sind. Der Privatbeklagte übernimmt die Kosten des Berfahrens und das außergerichtliche Honorar des flägerischen Anmalts in Höhe von 150 Rmf., das an Stelle der gesetzlichen Gebühren tritt. Die Brivatflage wird zurückgenommen. Der Brinatbeflagte verpflichtet sich, den Tenor des Bergleiches in einer der nächsten Nummern des Vorwärts" zu veröffentlichen." Aus der ruffischen Gewerkschaftspraxis. ( RED.) Die Grundlage einer jeden gefunden Gewerkschaftsbewegung ist die Demokratie, der Aufbau der Organisation von unten nach oben, die Berantwortung der gewählten Organe der Bewegung vor der organisierten Arbeiterschaft, der eigentlichen Trägerin der Bewegung. Auf dem Papier find die Gewert schaften auch in Rußland demokratisch aufgebaut, in Wirklichkeit jedoch herrscht auch in den Gewerkschaften, wie überall im Lande, bas autofratische Regiment. Dies fommt u. a. in den willkürlichen Bersetzungen" ber gewählten Gemertschaftsfunktionäre durch die übergeordneten Organe zum Ausdrud, die wir an der Hand eines Artikels des Setretärs der ruffischen Gewerkschaftszentrale Melnitihanity( Trub" vom 15. August) vor kurzem geschildert haben. Die Ausführungen Meinitschansins gingen durch die deutsche Arbeiterpreffe und wurden u. a. auch im„ Borwärts"( Nr. 414) abgedruckt. Jeßt sucht Melnitschansty in der Roten Fahne" vom 27. und 29. September seine früheren nicht für den deutschen Leser bestimmten Ausführungen zu entfräften. Daß er dabei auf den Borwärts" in gröbster Beife fchimpft, braucht nicht ernit genommen zu werden: Die Lage Melnitschanskys ist in der Tat recht heifel und da braucht man fich nicht zu wundern, daß er die Fassung perliert. Wichtiger ist, was Melnitschansky zur Sache felbst zu sagen hat. so führt er aus werden in loyaliter Form durchgeführt und bilden überhaupt eine sehr seltene Er Gr. scheinung:„ ur Charakteristik der Zahl der Versehungen weise id darauf hin, daß in den 23 Industrieverbänden, die in den 90 Be8irfen 1400 Gemertschaftsabteilungen haben, im letzten Jahre im ganzen 80 Personen zur Berjezung vorgeschlagen wurden, tatsächlich wurden aber nur 60 verfest. Die Versetzungen So schreibt Melnitschansty jetzt. Ganz anders aber lauten feine Ausführungen im rud" pom 15. August: In fast allen Zentral- und Gouvernementsinstanzen der Gewerffchaften" ist man mit den Berfegungen beschäftigt, faft leden Tag" werden Leute verseßt, ganze Kaders von Gewerkschaftsfunktionären" werden periodisch von einem Ort zum anderen geworfen", so daß Sorglofigfeit und Berantwortungslosigkeit gegen über den zu erfüllenden Funktionen wie auch den Wählern" gezüchtet wird. So hieß es in dem Artikel im" Trud"; und dies alles foll wegen der 60 in loyaliter Form durchgeführten Ver fegungen geschrieben sein? Selbst die gutgläubigsten Leser der Roten Fahne werden das wohl nicht glauben und unseren Lesern tönnen wir das bestimmt nicht zumuten. Daß die gewählten Funktionäre verfekt werden und durch Rooptation Sig und Stimme in den Organen erlangen, in die fie nicht gewählt worden sind, will melnitschansky besonders energisch bestreiten: Unsere Gewerkschaftsbewegung ließ vom ersten Tage ihrer Entwicklung an das Prinzip der Kooptierung nicht zu. Es gibt bei uns teinen einzigen Fall, wo ein Arbeiter als Borstandsmitglied, Mitglied des Betriebsrates oder eines anderen Berbandsorgans, das beschließende Stimmrecht hat, nicht gewählt worden wäre." ,, Reinen einzigen Fall?" Aber, bitte. Da liegt vor uns ber letzte Informationsbrief" des Allrussischen Ge. werffchaftsrates( Nr. 7, Beilage zum Trud" vom 18. Juli). Darin heißt es wörtlich: ,, Das Wahlprinzip wird auch durch die völlig unzulässige Pragis der Ergänzung der Betriebsräte burch Kooptation durchbrochen. Dem Allrussischen Zentralen Gewert schaftsrat find Fälle befannt, wo felbst die Leiter der Betriebsräte durch Kooptation herangezogen wurden, ohne daß die Rooptation in der Versammlung der Belegschaft oder in der Dele giertenversammlung bestätigt wurde." Kann nach alledem noch ein Zweifel bestehen, daß mie Melnitschansty schreibt der Vorwärts" ein Falschspieler" fei, der mit gefälschten Karten in der Hand erwischt wurde? Unternehmerkampf gegen Sozialpolitik. Die Firma Thyssen hat sich bisher schon immer durch besonberes unsoziales Berhalten gegen ihre Arbeiter ausgezeichnet. Obwohl ihre Inhaber sich auf ihren fatholischen Glauben viel zugute tun und in der Zentrumspartei eine erhebliche Rolle spielen, fehrt die Firma jetzt rücksichtslos den Nützlichkeits ftandpunkt heraus und sagt jeder sozialen Politit offen den Kampf an. Noch unverhüllter läßt das Vorgehen der Rombacher Werke auf der Concordia Hütte in Bendorf a. Nh die Motive der Arbeiterentlassungen erkennen. Auf der Concordia Hütte wurde am Montag der legte Hochofen ausge. blasen, weil die Arbeiterschaft nicht bereit war, auf die ihr ge fetzlich zustehende Acht stundenschicht zu verzichten. handelt sich also um eine direkte Sabotage der Arbeits. nehmer befämpfen diese, indem sie in geeigneten Fällen ihre Arzeitverordnung für Hüttenbetriebe. Die Unters beiter einfach entlaffen. Es Hamborn, 20. Oftober.( WIB.) Am 1. November wird auf den Thyssen- Bechen weiteren 1000 Bergleuten zum 15. NoDember gekündigt werden. Die Einschränkungen werden zum größten Teil auf den Zechen Behhofen in Walsum und Lohberg in Dinslafen vorgenommen werden. Gemeinschädlichkeit der Stillegungen. Bochum, 20. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Infolge der Auswirkungen der Stillegung der Doppel- Schachtanlage Nordstern in Horst, durch die 4425 Arbeiter und Beamte zur Ent. laffung gelommen find, von denen 3350 in Horst wohnen, steht die Gemeinde Horst vor dem finanziellen 3ufammen. bruch. lleber ein Sechstel der Horster Bevölkerung lebt von Er. werbslosenunterstügung. Die Erwerbslosenfürsorge umfaßt gegen wärtig 1492 Hauptunterstügungsempfänger mit 3945 Angehörigen. Die Gemeinde Horst ist eine reine Bergarbeitergemeinde leber 80 Broz. der Bevölkerung gehören dem Bergarbeiterstande an. Das Rechnungsjahr 1925 meist ein ungedecktes Defizit von über 413 000 m. auf. Die Gemeindeverwaltung hat Schritte zur Ein leitung einer Hilfsaftion der Staatsregierung unternommen. Falls diese Hilfsaktion nicht zustande kommt, ist es fraglich, ob die Gemeinde Horft ihren Berpflichtungen weiter nachfommen fann. Schon jetzt fann die Gemeinde die vom Wohlfahrtsministerium genehmigten Notstandsarbeiten nicht ausführen lassen. Schiedsspruch für die Metallindustrie Hagen- Schwelm. famistreitigkeiten der Metallindustrie des Bezirks Hagen, Dorfmand, 20. Otiober.( Eigener Drahtbericht.) In den Geschwelm wurde folgender Schiedsspruch gefällt: I. 1. Das bisher bestehende Arbeitszeitablommen gemäß Schiedsspruch vom 12. Februar 1924 wird mit der Maßgabe ver längert, daß die in Ziffer 1 vorgesehene wöchentliche Arbeitsgelung fann mit monatlicher Frist erstmalig zum 31. mai 1926 8eit von 37 auf 56 Stunden festgelegt wird. 2. Diese Re gefündigt werden. IL abfommen wir mit der Maßgabe wieder in Kraft gefeßt, daß dem 1. Der Rahmenpertrag einschließlich UrlaubsUrlaubsabkommen folgende Einleitung gegeben wird: Der Urlaubsanspruch der Arbeiter bildet einen Bestandteil seines Lohnes, ben er an jedem Arbeitstage des Urlaubsjahres zu einem Bruchteil verdient. Die Urlaubsgewährung erfolgt unter Fortzahlung des verdienstes. 2. Diese Regelung fann mit monatlicher Frist geim legtvergangenen Monat erzielten arbeitstäglichen Durchschnittstümbigt werden, erstmalig zum 31. Mai 1926. III. Das Lohnablommen laut Schiedsspruch vom 10. März 1925 wird wieber la Rraft gelegt. Für sämtliche Schiedssprüche ist eine Erflärungsfrist bis zum 26. Oktober 1925 feffgefegt. Die Scharfmacherei der Hohenfimburger. Dorfmund, 20 Oftober.( Cigener Drahtbericht.) Die vom Schlichter für Westfalen, Reichsfommissar Meblich, angeichten Einigungsverhandlungen zur Beilegung des Lohnfonflikts in der Sosenlimburger Metallindustrie sind gescheitert, da die Arbeitgeber fim geweigert haben, an den Lohnvers bandlungen teilzunehmen. Der Schlichter für Westfalen hat für heute, Mittwoch, neue Berhandlungen anberaumt. Der auftralisaje Seemannsstreit geht weiter. Cordon, 20. Diteber.( T11.) Wie aus Sydney gemeldet wird, find die Einigungsverbondlungen im australischen Germanne. streit gescheitert, da die Arbeitervertreter zu ihnen nicht erfcheinen wollen, solange noch ein Streifender im Gefängnis festgehalten wird. Für Hausangeftellte in Geschäfts- und Induftriehäusern wurden durch Schiedspruch des Schlichtungsausschusses die Lobniäße ab 11. Dftober durchschnittlich um 10 Prog. erhöht. Der Schiedss ipruch wurde am 17. Oftober vom Schlichter für verbindlich erflärt. Tarifabzüge find im Bureau des Deutschen Bortierverbandes ( Sektion VII des Deutschen Verkehrsbundes) Berlin W. 62, Bahreutber Straße 31 und Engelufer 24/25, Zimmer 82, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches zu haben. Muffinftrumentenarbeiter. Morgen, Donnerstag, nachmittag 5 Uhr in der Neuen Welt", Safenheide 108/114, im Gartenfaat Branchenversammlung aller in der Snduftrie beschäftigten Mitalieber. 1. Das Ergebnis der Bertragsverhandlungen. 2. Entscheidung über Streit oder Arbeit. Rutritt haben me Solingen, 20. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Firma aliedsbuches. Mitglieder des Deutschen Solzarbeiterverbandes unter Borlegung des Mit Die Ortsverwaltung. August Thyssen in Hamborn hat am Sonnabend 600 Unterausschuß des Orteansschusses des AD6B., Berlin, 17. Berwaltungs Arbeitern gefündigt und alle Bauarbeiten einbezirk. Die aut morgen vom Einheitskomitee des 17. Berwaltungsbezirles, i. A Schula, einberufene Betriebsversammlung fämtlicher Betriebe Lichtenbergs int stellen lassen, wodurch weitere 400 Arbeiter brotlos ge- nicht vom Drtsausfch uk einberufen. Wir erfuchen deshalb, diefe worden sind. Hierzu gab die Berwaltung des Thyssen- KonBeranstaltung au meiden. zerns jetzt eine außerordentlich provozierende Erklärung. Sie behauptet, fein anderes Mittel zu fennen, um über die ungünstige Wirtschaftslage hinwegzufommen, als Arbeterentiaffun. sahen, durch dauernde soziale Belastungen die Industrien gen, nachdem Reich, Staat und Gemeinden ihre Aufgabe darin völlig zu ruinieren. Unter solchen Umständen müsse die Wirtschaft fich felbft helfen. Die Firma Thyssen droht wiederholt, feinen Betrieb mehr aufrecht zu erhalten, der Berlust bringe und fündigt einen weiteren Abbau an. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eklorn: Feuilleton: R. S. Doscher; 2oteles und Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet Conftiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Taul Singer u. Co., Berlin S. 68. Lindenstvage 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Mujitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasftr. 21( Rönigstadt 4310, 4048) Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefuch immer ein guter Wurf MAGGIS Fleischbrüh Würfel zur sofortigen Herstellung einer schmackhaften Fleischbrühe Kreuzstern MAGGIS FleischbrühWürfel MAGGI Gesellschaft Singen- Berlin Würfel 4Pfg. Nr. 497 42.Jahrgang 4 1. Beilage des Vorwärts Sozialistische Großstadtverwaltung. Eine mustergültige städtische Wohnhausanlage in Wien. Die Sozialdemokratische Partei spannt alle Kräfte an, um eine arbeitsfreudige Mehrheit im Stadtparlament der Reichshauptstadt zu erzielen. Was in zäher Kleinarbeit eine sozialistische Gemeindes verwaltung erreichen fann, zeigen die Leistungen der sozialdemofratischen Stadtverwaltung Wiens, der zweitgrößten Stadt der fünftigen großdeutschen Republik. Fester Zusammenhalt der Arbeiterschaft, der Männer und Frauen des arbeitenden Voltes, ohne die unjelige Zerspaltung der deutschen Arbeiterbewegung, haben in Wien ein Wert sozialer Gemeindepolitik geschaffen, das selbst dem Gegner Achtung, dem Gleichgesinnten freudige Begeisterung einflößt. Das sozialistische Wien. Die Borauslegungen für das große Bert liegen be. schlossen in erster Linie in der glänzenden politischen Organisation der Wiener Arbeiterschaft. Die Stadt Wien hat 1,8 millionen Einwohner. Unter diesen sind 186 000 männliche und 80 000 weibliche Mitglieder der Sozialdemokratie. Jeder fünfte männliche und jeder zwölfte weibliche Wiener Bürger ist organisierter Sozialdemokrat. In Wien wählen 55 Proz. der Wähler sozialdemokratisch; von der männlichen abstimmenden Bevölkerung 57,5 Broz, von der meiblichen 53 Proz. Da amtsführende Stadträte in Wien nur Angehörige der Mehrheit sein tönnen, ist die eigentliche Stadtregierung rein fozialdemokratisch, desgleichen ist der Bürgermeister Sozialdemokrat. Als die Sozialdemokraten die Berwaltung übernahmen, richteten sie ihr Hauptaugenmert sofort auf das während des Krieges gänzlich verwahrlofte Wohlfahrtswesen, das vom üblen Geist hoch. mütigen Almofengebens beherrscht war. Hilfe war dringend not, denn die Sterblichkeit hatte gegen die Borkriegszeit um 60 Proz. zugenommen, bei den Kindern sogar um 100 Broz.! Jugendfürsorge. Im Mittelpunkt der Wiener Fürsorgetätigteit steht die Fürsorge für die junge Generation. Jede werdende Mutter fann sich spätestens im vierten Monat der Schwangerschaft im Jugendamt melden, um Rat und Hilfe in Anspruch zu nehmen. 15 Mütterberatungsstellen fiehen zur Untersuchung und gesundheitlichen Unterweisung zur Ber65] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Ueberfegung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) ,, Was stieren Sie so, nehmen Sie doch die Augen weg!" schrie ich. Dam wurde rot und stand auf; doch ich ging in den Rorridor hinaus, ergriff meinen Hut und lief die Treppe hinunter. Ich hörte eilige Schritte hinter mir. Sie waren furz und leicht. Das mußte Richard Dam sein. Ich tastete an der Haustür herum und fonnte sie nicht aufbekommen. ,, Na, Sie sind also noch nicht ausgerüdt, Genie," sagte er, das ist schön, ich möchte Sie gern begleiten. ,, Das ist Bergewaltigung!" rief ich. Alles ist Bergewalti gung, das ganze Leben! Samuelsen vergewaltigt die Religion Klara vergewaltigt die Liebe- Raavad vergewaltigt die Kunst. Zu Hilfe! Ich schreie! Alle vergewaltigen mich. Ich fann nicht mehr! Ich schreie!" Und ich bekam einen Weinkrampf. 15. Waldemar saß auf den Stufen, die zu einem der Gebäude des Sommerpalastes führten und betrachtete einen feltfamen, löchrigen Stein, der auf einem kunstvollen Sockel stand. Warum steht der dort?" fragte er den chinesischen Führer. ,, Schön! Schöner Stein! Wir Chinesen lieben schöne Steine!" antwortete der Führer und lächelte überlegen. Waldemar fuhr fort, den Stein anzuftieren und seine Phantasie fing an zu arbeiten und glitt durch die Löcher aus und ein und auf und ab an den fnoligen Formen; er versuchte ihn zu verstehen, er spielte in Gedanken mit ihm und entdeckte neue Bahnen über den Stein, ständig neue. Er stellte sich einen Regentropfen vor, der über ihn herunterfloß; er fonnte an diefer Rinne entlanglaufen und nach rechts abbiegen; aber fonnte ebenso leicht nach links fließen und in eins der Löcher niederfallen. Und Waldemar dachte an seine Jugend, die er auch zu verstehen gesucht hatte, indem er sie niederschrieb. In dem einen Augenblicke glaubte er eine Bahn zu erkennen; doch im nächsten Moment sah er viele Rinnen, viele Bertnotungen, | fügung. Das Jugendamt gewährt eine fleine Geldunterstützung für den ersten Monat nach der Entbindung, Rechtshilfe und alle erforderlichen Erleichterungen. Zu jeder Wöchnerin wird eine Fürsorgerin gefchickt, um sie zu beraten und gegebenenfalls zu unterſtügen. Be fonders bedürftige Mütter bekommen eine Gäuglingsausstattung. Das Jugendamt ist Generalvormund für alle unehelichen Kinder, besorgt die Eintreibung der Alimente, gewährt Vorschüsse, überwacht die Kinderziehstellen und leistet Sachbeihilfen. An sieben Stellen finden von Fachärzten Beratungsstunden für Eltern und Pflegeeltern schwererziehbarer Kinder statt. 57 städtische Kindergärten stehen gegen geringes oder gar fein Entgelt geöffnet. Dort wird den REUMANN HOT Greende wien BAARA Fassade einer anderen Wohnhausanlage. Mittwoch, 21. Oktober 1925 Kindern für 1,45 Mart wöchentlich, für Bedürftige umsonst, Früh stück und Mittagessen auf Wunsch der Eltern gegeben. Der Jugendpflege dienen ferner 15 städtische Horte, 70 öffentliche Schülerspeisungen, Ferienheime und Tageserholungsstätten, Wanderherbergen, Spielplätze mit fachkundigen Spielleitern, Eislaufplätze, Kinderfreibäder usw., alles dies zum Teil oder ganz unentgeltlich. Ergänzt wird dies System durch städtische Jugendfürsorgeanstalten, wobei besondere Anstalten für Säuglinge und größere Kinder porgesehen sind. Außerdem gibt es heilanstalten für tranfe, Waisen häuser für gefährdete und zwei eigene Anstalten für besonders verwahrlofte und schwer erziehbare Kinder, in denen sie nach den Ergebnissen der neuesten Seelenforschung erzogen werden; Lehrwert stätten und eine Landwirtschaft sind ihnen angeschlossen. Ergänzt wird diefer gewaltige Apparat durch eine Haushaltungsschule, eine Frauengewerbeschule und eine Unterfunftstelle für ehemalige städtische Pfleglinge während ihrer gewerblichen Ausbildung. Neuerdings ist ein großes, wundervoll eingerichtetes Aufnahmeheim für Kinder hinzugefommen, in welchem sie einige Wochen bis zu ihrer endgültigen Unterbringung bleiben. Zur Heranbildung des zahlreichen Personals bienen ein zweijähriger Jugendfürforget ursus, ein zweijähriger Kindergärtnerinnenfursus und Fortbildungskurse. Erwachsenenfürsorge. An die Jugendfürsorge schließt sich eine umfangreiche Fürsorgefäfigkeit für Erwachene. Ihre Bedeutung ist darum so groß, weil es eine Alters- und Invalidenversicherung in Desterreich nicht gibt. Auch ist die Arbeitslosigkeit in Wien noch enorm. Die Stadt leistet Erhaltungsbeiträge, Mietaushilfen, Geldaushilfen, Sachaushilfen, Krantenbeihilfe und Wärmestuben. In 12 Heimen lucht man den alten Leuten den Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten. Pfleglingsräte führen die Kontrolle, und die Sterblichkeit ist unter das Borfriegsmaß heruntergedrückt. Im dachlosenheim finden einzelne und ganze Familien vorübergehend Unterfunft. Auch auf dem Gebiet der Gesundheitspflege wird viel geleistet. Gegen die Tuberkulose ist ein wahrer Feldzug eröffnet,- etwa 5000 Krante wurden 1924 in Anstalten untergebracht. In die Alpen und an die Adria verschickt die Stadt tuberkulöse Kinder. Lupus franken und Krüppeln wird ebenfalls durch Behandlung und Liefe rung von Prothesen geholfen. Schwächliche Lehrlinge und Schulentlassene werden gemeinsam mit den Krantentassen auf vierwöchigen Erholungsurlaub in die Heime geschickt. An Krankenanffallen befitzt die Stadt ein mustergültiges Krankenhaus mit 1000 Betten, Rinderpitäler, die früher von Stiftungen erhalten wurden, ein städtisches Entbindungsheim und zwei große Anstalten für Geistes und Nervenfrante. Ueberall werden die geistlichen Ordensschwestern allmählich durch weltliche Pflegerinnen ersetzt. Für sie soll eine Schule mit zweijähriger Ausbildung errichtet werden. Dem Gesundheitsdienst ist angeschlossen die Eheberatungsstelle, die von dem Genossen Dr. Karl Kautsty jr. geleitet wird. Wir berichteten Dor furzem über ihre Arbeit. Ein Berufsberatungsamt, das ebenfalls von vielen Laufenden aufgesucht wird, gibt ärztliche und berufstechnische Ratschläge vor der Berufswahl Das Schulwesen. Die größte Sorgfalt widmet ien seinem Schulwefen. Den gewaltigen Schülerrückgang nach dem Kriege benutzte es nicht zum Lehrerabbau, fondern betrachtete es als günftige Voraussetzung für seine Pläne, daß die Durchschnittsschülerzahl einer Klaffe von 47 auf 29 heruntergegangen ist. Mit frischem Mut wurde das große Wert der Schulreform in Angriff genommen. An die Stelle der Lernschule ist die Arbeitsschule getreten. Der Uebergang zur Einheitsschule ist angebahnt mit der Schaffung von sechs allgemeinen Mittelschulen, bestehend aus vierjähriger Grundschule und vierjähriger Mittelschule. Klassen für langsam arbeitende Schüler und Nachholstunden sind eingerichtet worden, für schwerhörige und furzfichtige Kinder ist besondere Borforge getroffen. Das Gegenstüc bilden Sonderkurse für begabe Kinder, und Begabtenturfe für Mufit, Sprachen, Werfunterricht, Chemie, Physit usw. Die Stadt gibt für jedes Kind jährlich 252 Mart aus! Was hier die Verwaltung geleistet hat, fann erst ganz begriffen werden, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Lehrerschaft dem Gedanken der Schulreform zunächst zum großen Teil feindlich gegenüberstand. Ohne Zwang. seinen funsthistorischen Studien. piele Löcher. Er entdeckte Löcher, die er bis jetzt übersehen| einer Dreizimmerwohnung und war nicht besonders fleißig in hatte. Er entdeďte Bertnotungen, die er unbewußt vergrößert und andere, die er verkleinert hatte und er mußte nicht, was Wahrheit und was Dichtung war. Wie ein solcher Stein stand fein Leben vor ihm. Die Chinesen nannten einen solchen Stein schön. Er fonnte fort fahren zu starren, und wenn er recht genau starrte, zeigten sich neue Bahnen. Den Weg war er auch gegangen, und die Bahn hatte er auch eingeschlagen. Seine Vergangenheit bildete einen ungeheuren Blod, und der Block hatte tausend Formen. Dann stand er auf und setzte seinen Weg an dem Sommerpalast und dem Lotossee entlang fort, und die Farben aller Gebäude leuchteten flar und fühl in dem milden Frühlingswetter. Draußen wartete das Auto, das ihn nach Peking zurüd bringen follte. Er hatte nur Urlaub für wenige Tage. Morgen ging der Zug weiter nach Norden mit ihm, nach Norden in die Mandschurei nach Charbin hinauf, einer Stadt, wo er bloß fünf Jahre lang bleiben sollte, einer zufälligen Station auf dem Heimweg. Wie lange ich bei Richard Dam wohnte? Ich weiß es nicht. Ich zählte die Tage nicht. Jede Stunde war ein Kampf mit mir selbst, um Boden unter den Füßen zu fühlen, um glauben zu können, daß ich ein Maler wäre. meiner Gedanken trocken wurde, erdichtete ich eine neue Spur In den Nächten, wo die Luft um mich herum vom Fieber durch meine Vergangenheit. Alles andere räumte ich bei Seite, die Religion, die Liebe, den Kampf mit den Menschen, alles an einem Fenster und zeichnete Blumen und Modeschönheiten schaufelte ich fort, um die neue Spur aufzudecken. Ich saß mit langen Beinen, einmal vor langer Zeit in meiner fernsten Bergangenheit. Ich faß bei Remy und fah seine Bilder an. Ich betrachtete den Delbrud mit dem Hafen und dem Mann, der sich bewegen tonnte, wenn ich lange genug darauf starrte. Ich zeichnete Karikaturen von meinen Klassentameraden. Waren nicht alle diese Erlebnisse in mir hochgestiegen, als ich draußen bei Raavad angefangen hatte seinen Kopf zu malen? hatte ich es nicht deshalb an jenem Abend wie die Kräntung eines Heiligtums gefühlt und aufgeschrien? Ich wohnte umsonst bei Richard Dam. Er war der Sohn eines Fabritanten, aber er wohnte nicht bei seinen Eltern. Ich wurde mir nie darüber klar, was der Grund dazu wäre, und Richard Dam erwähnte nie mit einer Silbe seine Eltern; doch er mußt Geld von zu Hause bekommen, denn er wohnte in Er war freundlich und nett zu mir und gab mir Essen und Obdach und Leinwand und Farben; doch jetzt bin ich mir flar darüber, daß er nicht an mich als Künstler glaubte. Damals dachte ich es, obgleich er sich stets geschickt davon drückte, meine Bilder zu beurteilen. Er redete mir zum Verkauf zu, und half mir häufig, Kunden zu finden; doch wenn sie gegangen waren, flopfte er mich jedesmal auf die Schultern und lächelte, als ob er mir Glück zu dem gelungenen Schwindel wünschte. Er sagte dahingegen niemals etwas Direktes. Ich ahne mur dunkel den Grund, weshalb er mich bei fich wohnen ließ. Raavad hängen und dann die Landschaft mit den blauen Bäumen, die er sich bei Börgesen eingetauscht hatte. Seine Stimme zitterte vor innerer Befriedigung, wenn er von dem Handel oder von den Bildern sprach. In seinem eigenen Zimmer hatte er zwei Stilleben von „ Sieh mal, der Teil des Bildes, der ist verteufelt gut gemalt. Ein bißchen mehr Abklärung, ein bißchen mehr Sonne, so wird er gut!" sagte er und fah zu der Landschaft mit den Bäumen hinauf. Ich verzog den Mund. ,, Du tannst Raavad nicht leiden," fuhr er lächelnd fort. die Wellen gegen eine Klippe. Seine Gehirnschale ist unSeine Gedanken müssen auch so gewaltsam hochstürmen, wie erhört massiv, möchte man meinen. Das war übrigens ein glänzender Ausdrud, den du da auf ihn anwandtest: Vergewaltigung! Direkt Bergewaltigung!" Darauf stedte er sich eine Zigarette an. " Du solltest sehen, etwas von seiner Brutalität, mit der er alles Ueberflüssige wegwirft, zu lernen; dann würdest du nicht mehr so empfindlich sein. Aber darüber haben wir ja fchon so oft gesprochen, und du willst dich ja nicht von diesem Gewebe aus Christentum und Theosophie trennen. Der Bigarrenroller da, Salomonsen, hieß er nicht so? hat dir einen schlechten Dienst erwiesen, indem er dich damit vollgestopft hat. Ich lehnte mich mit herrschaftlichen Bewegungen in den weichen Stuhl zurück. Ich hatte gelernt, nachlässig dazusitzen. „ Es kann schon möglich sein, daß du recht hast; aber wie soll ich denn das Ganze verstehen? Den Sinn, du?" Richard lächelte überlegen. ( Fortsegung folgt.) " lichen arbeitsfreien Tagen noch einen besonderen Urlaubstag erbeten, der ihm aber abgelehnt wurde. Aus Aerger darüber legte er das Feuer an, hoffte aber, fich durch schnelle Entdeckung des Brandstifters" als ein forscher Kert" zu zeigen und als Belohnung den Urlaubstag doch noch bewilligt zu erhalten. Die Berlegung hatte er fich am Oberarm mit dem Dolch selbst beigebracht. durch Kurse und Arbeitsgemeinschaften, wurde fie dafür gewonnen. I haben. Roth hatte von feinem Arbeitgeber außer feinen gewöhn. Ein Pädagogisches Institut und eine Pädagogische Zentralbücherei größten Stils wurden eingerichtet, sie werden von den Fachleuten der ganzen Welt besucht. Unterstützt wurde das neuzeitliche Er ziehungswerk durch die rege Teilnahme der Elternschaft an Eltern vereinigungen der Schulen. Sämtliche Cernmittel werden unentgeltlich geliefert. An den Mittelschulen sind im vorigen Schuljahr Schulgemeinden, d. h. die Mitbestimmung der Schüler in allen Schulangelegenheiten, von der äußeren organisatorischen Ge staltung bis zur Erledigung von Disziplinarfällen, eingeführt. Das Fortbildungsschulwesen ist gleichfalls wesentlich verbessert worden. Der Unterricht ist am Tage, und jede Schule hat für jedes Fach gut ausgestattete Lehrwerkstätten. Schulärzte, Sport- und zwei Lehrlingsheime für Bedürftige borgen für das leibliche Wohl der Schüler. Auch an den Fortbildungsschulen haben sich Schul gemeinden vortrefflich bewährt. Der Bau eines neuen großen Fort bildungsschulgebäudes ist geplant. Das Endziel ist, die Schüler dort, ohne Meisterlehre, völlig für ihr Fach auszubilden, wie dies für die Uhrmacher bereits erreicht ist. Das Wohnungswesen. Ein weiteres Gebiet gemeindlicher Fürsorge bildet das Wohnungswesen. Desterreich hat unter allen Staaten den radikalften Mieterschutz. Der Hausbesizer betommt seine Miete in Papierfronen, was auf eine Enteignung des Hausbesites hinauskommt. Auch der Sah für Betriebskosten und Instandhaltung ist außer erdentlich niedrig gehalten. Infolgedessen ist die ganze private Baufatigfelt unrentabel, was der Stadt die größten Berpflichtungen hinsichtlich eigenen Neubaues von Wohnhäusern auferlegt. Wähler- Kundgebungen heute, Mittwoch, den 21. Oktober, abends 7% Uhr: Kreuzberg: Bodbrauerei, Fidicinstr. 2.( 39. u. 48. Abt.): Alexandriner, Alexandrinenstr. 37.( 43. Abt): Rabe, Fichteftr. 29.( 47. Abt.): Behrends Festfäle, Manteuffel straße 95. Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Str. 8. Neukölln( 92. u. 95. Abt.): Passage- Festfäle, Bergstr. 151/152. Oberschöneweide: Mörners Blumengarten, Oftendstraße. -( 96., 97. u. 98. Abt.): Aula Emfer Str. 133/137. Alt- Glienice: Bohn, Grünauer Str. 55. Lichtenberg( 117. Abt.): Schule, Lüdstr. 60. Friedrichsfelde: Tempel, Prinzenallee 30. Rofenthal: Manthey, Hauptstr. 1. Redner: Bublik, Rob. Breuer, Edhardt, Gutschmidt, Ad. Hoffmann, Kuffner, Landa, Leid, Dr. Löwen fein, verfügung rechtsfräftig wurde, ohne daß ein Gericht die Berechtigung nachgeprüft hätte. Er zahlte die Geldstrafe nicht, sondern stellte sich zum Antritt der Haftstrafe. Die Pforte des Polizeigefängnisses fchloß sich hinter ihm. Da der Mann aber auch an der Zuckerkrank= heit leidet, ließ er sich im Gefängnis vom Arzt untersuchen. Der diensthabende Arzt kam zu dem Ergebnis, daß der Krante haftunfähig fei. Daraufhin durfte der Einbeinige schon am zweiten Tage aus dem Polizeigefängnis wieder hinaushumpeln, ausgerüstet mit der amtlichen Bescheinigung, daß er haftunfähig sei und man ihn nach Verbüßung von einem Tage Haft entlassen habe. Er be= gab sich nach Hause und dachte, nun werde alles erledigt sein. Aber schon eine Woche später tam ihm ein Polizeibeamter am frühen Morgen in die Wohnung, um ihn zur Berbüßung bes Restes feiner Haftstrafe abzuholen. Die Vorweisung des Entlaffungsscheines bewog den Beamten, auf fofortige Ab führung zu verzichten. Doch hat seitdem die Polizei ihren Besuch bei ihm noch etwa sechsmal wiederholt, so daß im Hause unangenehmes Aufsehen erregt wurde, wie wenn die Jagd einem Schwerverbrecher galt. Die Polizei begründete ihr Verhalten damit, daß der Mann ja inzwischen wieder haftfähig geworden sein fönnte. Schließlich erreichte er, daß ihm Aufschub bis zum 29. Oktober gewährt wurde. Seitdem hat man ihn in Ruhe gelassen, aber mit Sorge sieht der Einbeinige dem Tag entgegen, wo die Frist abläuft. Soll wirklich, wenn der 29. Oftober vorüber ist, das Spiel" von neuem beginnen? Oder wird man nicht lieber einen Weg suchen, den Strafreft durch Niederschlagung zu erledigen? Udo, der Schimpfgermane. Dr. Lohmann, Robinson, Rohde, Reuter, Reimann, Stelling, ubo. Bereits im Troß Armins des Befreiers( nicht zu verwechseln Karl Schneider, Thurm, Dr. Treitel, Urich. Frauen- Kundgebung Die Wiener Stadtverwaltung griff mit einer umfassenden Propaganda für die Wohnbaufleuer ein, die von allen Mietern für den Neubau von Wohnungen geleistet werden muß. Die Gemeinde gab threrseits noch Mittel dazu; so wurden 1923 bereits 5000 Woh nungen, 1924 rund 6000 Wohnungen von der Stadt gebaut. Das Bauprogramm für die nächsten Jahre sieht etwa 20 000 neue Woh- heute, Mittwoch, 7% Uhr, in Wilmersdorf- Halenfee, in den nungen vor, so daß man binnen einiger Jahre den gesamten Wohnungsbedarf der Bevölkerung zu decken hofft. Die städtischen Wohnungen find gesund, luftig und hell gebaut. Während früher fast elle Wiener Kleinwohnungen ohne eigene Wasserleitung und Abort waren, ist dies auch bei den fleinsten Wohnungen vorgesehen. In den großen Anlagen befinden fidy große Aufenthaltsräume. Höfe und Gärten für die Kinder, Badegelegenheiten, eine maschinelle Dampfwäscherei mit Trocknungsanlagen und elektrisch betriebener Wäschemangel. Einen weiteren Schritt zur Rationalisierung und Sozialisierung des Haushalts bedeutet die Errichtung eines großen Einfülchenhauses. Neben der Wohnungsfürsorge hat die Wiener Stadtverwaltung auch die fenfligen, einer modernen Großstadt gestellten technischen Aufgaben angegriffen und mit der österreichischen Schlamperei" energisch aufgeräumt. Pflafferung, Säuberung und Beleuchtung der Straßen werden nach amerikanischem Borbild betrieben, das eine von der Stadt entfandte Ingenieurfommission auf ihren Auslandsreifen studiert hatte. In einem Proletarierbezirt wird die größte Badeanlage Europas gebaut. Wafferversorgung, Straßenbahn, Gas und Elektrizitätswerte, alles wurde bedeutend ausgebaut, verbessert und verbilligt. Rund 100 000 neue Abnehmer für Gas und 230 000 neue Abnehmer für Elektrizität wurden in den letzten Jahren gewonnen, die sozialdemokratische Berwaltung hat diese Bärmeund Beleuchtungsquellen überhaupt erst den breiten Massen zugäng lich gemacht. So fehen wir, wie es eine vom neuen Geiſt echter Menschlichkeit beseelte Verwaltung verstanden hat, aus dem Berwaltungsapparat der Gemeinde, der gar zu oft dem Befiginteresse der herrschenden Klaffen dienstbar gemacht murde, ein wahrhaftes Gemeinwesen zu schaffen, das den einzelnen von der Wiege bis zum Grabe forgend betreut und damit zu einer Angelegenheit aller geworden ist. Smar fann die neue Wirtschaftsform des Sozialismus nicht von Rat häusern aus defretiert werden, aber unendlich vieles fann von dort aus im Geifte der neuen Zeit aufgebaut werden, wie es das glänzende Beispiel von Wien, bemeift, das alle Zweifelnden und Entmutigten zu neuen Taten aufrufen will. Die Technik der Stadtwahlen. In manchen Beziehungen unterscheidet sich die Technit der Berliner Stadtverornetenwahlen von der der Reichstagswahlen. Bei der Reichstagswahl steht die Zahl von 60 000 Stimmen für ein Mandat fest, bei der Stadtverordnetenmahl entscheidet der Bahlquotient. 3ur näheren Erflärung dieses Begriffes sei bemerti: Flora- Sälen, Halenfee, Johann- Georg- Straße 21. Rednerin: Frau Bohm- Schuch, M. d. R. Donnerstag, den 22. Oktober, abends 7% Uhr: Prenzlauer Berg( 29. Abt.): Schulaula Senefelderstr. 6. Friedrichshain( 35. Abt.): Schulaula Samariterſtr. 20. Kreuzberg( 46. Abt.): Schulaula Stalizer Str. 55/56. ( 37. Abt.): Schulaula Hausburgstr. 20. Dahlem: Schilling, Königin- Luife- Str. 42. Steglitz: Gymnasium, Heesestraße. Marienfelde: Zweig, Berliner Straße 114. Tempelhof: Aula Realgymnasium, Raiserin- Augusta- Straße. Brit- Budow: Turnhalle in Budow. Baumschulenweg, Lyzeum, Baumschulenstraße. Köpenid: Stadttheater, Friedrichstr. 6. Karlshorst: Fürstenhaus, Trestow- Allee 92. Biesdorf: Schillerfäle, Königstraße 120. Hohenschönhausen: Schulaula Röderstraße. Blankenburg: Klug, Dorfstraße 2. Reinidendorf: Hartmanns Brauerei, Scharnweberfir. 104. Hermsdorf- Waidmannsluft- Lübars:„ Bellevue", am Bahnhof Hermsdorf. im Udo Aschbrenner heißt er und mit Vornamen schlicht- germanisch mit Sigt von Armin) soll sich ein Keltogermane namens Udo befunden haben. Besagter Udo Aschbrenner übte einstmals den Beruf letzteres vor dem Schöffengericht Lichtenberg. eines Leutnants aus. Jezt aber ist er Bertmeister und Angeklagter, Aschbrenner marschiert, angetan mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, mit Abzeichen nationaler Berbände, mit umgeschnalltem Koppel und der Offiziersmütze in der Hand, in den Verhandlungsraum, jeder Zoll reinblütiger Germane. Nun hat man zwar gehört, daß Germanen tämpfen und auch trinken fonnten. Daß sie aber Helden im Schimpfen waren, hat man uns nicht überliefert. Also scheint es mit dem Germanentum Udo Aschbrenners nicht weit her zu sein, denn sein pöltisches Heldentum äußerte sich Schimpfen. Am 16. Juni, morgens 2 Uhr, war Udo Aschbrenner mit seiner Braut durch die Hauptstraße in Lichtenberg gekommen. Vor der Tür einer Badeanstalt hing eine schwarzrotgoldene Fahne, die von mehreren jungen Männern heruntergeholt wurde. Nun ist das wahrlich feine Kleinigkeit, wenn man Udo heißt, Leutnant war, völkisch ist, und mit seiner Braut an einer schwarzrotgoldenen Fahne vorbeikommt. Da hilft es nichts, da muß man ein Heldentum auch beweisen. Und Udo bewies! Als nämlich das Fahnentuch auf der Erde lag, trampelte er auf demselben herum( Udo ist nicht etwa 5, sondern 29 Jahre alt!) und gebrauchte dabei die Worte: Diesen D... lappen, diese Juden fahne und 2... lappen müßte man zum Stiefelpuzen anwenden." Und schließlich auf dem Gipfel heldischer Erregung zerriß er die Ein Schutzpolizist, der Fahne und schimpfte.... fchimpfte benahm er sich weiter, wie auf der Straße, und unterließ es auch hinzufam, nahm Udo, den Schimpfgermanen, mit zur Wache. Hier nicht darauf hinzuweisen, daß er einmal Leutnant war. Als der Borsitzende ihn jegt mild und väterlich darauf aufmerksam machte, daß die Reichsfarben Schwarz Rot Gold feien. und daß man diese respettieren müsse, entgegnete der Angeklagte pazig:" Ja, leider sind sie Schwarz- Rot- Gold." Das Gericht fah nach dem 15. Juni geschehen war und bis zu diesem Datum der artige Bortommnisse unter die Amnestie fielen. Redner: Breuer, Beffen, Ewald, Edhardt, Gufschmidt, Harnisch, Hoffmann, Hermes, Haß. Horlih, Dr. Kawerau, Krause, Dr. Löwenstein, Ciffe, Lempert, Rogah, Reuter, Dr. Röder, Schneider, Schlichting, Urich, Dr. Hildegard Weg- bie Sache milde, wirklich sehr milde an, da die Tat zwei Stunden scheider. Donnerstag, den 22. Oktober: Kreuzberg: Nachmittags 4% Uhr Deffentliche Versammlung aller Arbeiter, Angestellten und Beamten des Bezirksamts Kreuzberg im Bezirksversammlungsfaal, Bordstraße 11. Referent: Genoffe Stadtrat a. D. Boekich. Friedrichshain: Abends 7% Uhr Deffentliche Bersammlung aller im Bezirksamt Friedrichshain beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeiter in Schmidts Festfälen, Frucht ftraße 36a. Referent: Stadtv. R. Rohde. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Welche Vorteile bietet eine fozialdemokratische Mehrheit im Stadtparlament den Beamten, Angestellten und Arbeitern?" Die neue Auslandsanleihe der Stadt. Die Zahl der zu wählenden Stadtverordneten beträgt 225, dlefe Zahl wird in die Gesamtfumme der abgegebenen Stimmen Der Städtische Haushaltsausschus hat sich gestern eingehend geteilt, das Resultat ist dann der Wahlquotient. Nehmen wir an, mit der Magistratsvorlage über die Aufnahme einer neuen mit der Magistratsborlage über die Aufnahme einer neuen 2 250 000 Stimmen seien bei der Wahl abgegeben worden, dann Auslandsanleihe befaßt. Befanntlich soll diese Anleihe zur wird diese Summe durch 225, die Zahl der zu wählenden Ab- Finanzierung der Bauten an dem Großkraftwer! Rummelsburg geordneten, geteilt. Das Resultat wäre in diesem Falle 10 000. Das heißt auf 10 000 Stimmen entfällt ein Mandat. Natürlich liegt die die seit mehreren Wochen in Angriff genommen worden sind, berwandt werden. Bahl in Wirklichkeit etwas höher, denn Berlin verfügt über 2 600 000 Einzelne Bestimmungen des Anleisevertrages Wähler. Der Borgang vollzieht sich nun derart: Die einzelnen ftießen aber bei den Stadtverordneten auf starten Biber. Wahlbezirke geben die Zahl der bei ihnen abgegebenen Stimmen stand. Infolgedessen wurde der Kämmerer ersucht, noch ein. zum Rathaus durch, auf dem die Gesamtfumme der Stimmen fest mal in Verhandlungen über den Anleihevertrag einzutreten gestellt und der Wahlquotient errechnet wird. Sofort nachdem die Ueber das Ergebnis dieser Verhandlungen wird der Hausbalis. rechnerische Feststellung erfolgt ist, wird das Resultat den einzelnen ausschuß am Dienstagnachmittag beraten. Die näcfie BlenarMahlbezirken bekanntgegeben, die mun ihrerseits die Mandate, bie auf ihren Bezirk entfallen, feststellen. Bei den Berliner Stadt Donnerstag der lommenben Woche stattfinden. auf ihren Bezirk entfallen, feststellen. Bei den Berliner Stadtigung der Stadtverordnetenverfammlung soll dann erst am verordnetenwahlen gehen fast teine Stimmen verloren. Sagen wir einmal, eine Bartel hätte in einem Bezirt 48 000 Stimmen er halten, ferner der Wahlquotient sei 10 000, dann hätte diese Partei vier Mandate erhalten. Die übrig gebliebenen Stimmen werden von den einzelnen Wahlbezirken dem Wahlvorschlag auf dem Rathaus bekanntgegeben, und hier erfolgt die weitere Berteilung der Mandate nach dem Höchitzahlensyftem Sagen wir, daß durch die erste Bertellung nach dem Wahl quotient 180 Mandate bestimmt wären und daß bemnach noch 40 zu verteilen wären, bann vollzieht sich diese Verteilung nach folgendem Brinzip: In eine Bifte werben bie übrig gebliebenen Stimmen aus allen Wahlbezirken nebeneinander gestellt. Die Partei, die hiernach die höchste Stimmenzahl hat, erhält jofort ein Mandat. Nehmen wir einmal an, es feien, um das Beispiel zu erleichtern, nur vier Bar. teien vorhanden und nicht achtzehn. Die erste Partei hätte 90 000 Stimmen, die zweite 60 000, die dritte 30 000 und die vierte 15 000. Dann erhielte die erste sofort ein Mandat. Die Stimmenzahl der erften wird dann durch zwei geteilt, bleibt also 45 000. Darauf er hält die zweite ein Mandat, weil ihre Zahl 60 000 höher ist, geteilt ergibt sie 30 000. Da die Teilungszahl der ersten größer ist, erhält diefe wieder ein Mandat, und so geht es fort, bis die Zahl der zu verteilenden Mandate aufgeteilt ist. Diese Art der Wahl kommt hauptsächlich den Splitter Barteien zugute, die nach dem System der Reichstagswahl faum ein Mandat erhalten würden. Die Brandstiftung in Pichelsberge aufgeklärt. In den späten Abendstunden des 28. September d. 3. brach in einem zu dem Restaurant Seeschloß" in Pichels. berge gehörigen Bootshaus Feuer aus. Der Spandauer Feuer wehr gelang es, den Brand' im Steime zu erstiden. Der bort an gestellte 19 Jahre alte Erich Kloth hatte abends in Bertretung feines Baters einen Rundgang durch bie verschiedenen Gebäude gemacht und dabei aus dem Bootsschuppen heraus Licht gesehen. Als er hineinging, um nach der Ursache des Bichtscheines zu fehen, sprang ihm plöglich, so behauptete er später, ein Mann entgegen, der ihn zu Boden schlug und ihm einen Stich in den Oberarm beibrachte. Nach eingehender Untersuchung durch die Kriminal polizei mußte Rioth jest zugeben, selbst den Brand angelegt zu bo Aschbrenner erhielt an Stelle einer vermirtten Gefängnisstrafe von einer Woche 200 m. Geldstrafe. Er nahm die Strafe nicht rufung gegen dieses Urteil einlegen zu müffen. an und erklärte mit lauter germannisch- fraftvoller Stimme, Be ,, Wir von der Deutschen Volkspartei". von der Boltspartei; fie weichen feinen Finger breit vom rechten Sie find doch tüchtige, gerade. charatierfeste Kerle, die Herren Wege ab. Stellen sie da jemanden auf den Reichsfanzlerplay in Charlottenburg immer standesgemäß in der Wahl des Absahreviers und lassen ihn herrlich fizelig- bunte Poftfarten verteilen mit Bildern wehender altpreußischer Fahnen. Diese Fahnen sind aber noch nicht militärisches Symbol genug, ihnen ist auch noch ein .Gedicht" beigedruckt. Denn fie führen troy Nacht und trotz Not in ein wieder feindfreies Morgenrot". Nun, es ist wenigstens ein Glück, daß da noch die geschäftliche Mitteilung z lejen ist: 21s erste dabei, wir von der Deutschen fich über das naturwissenschaftliche Wunder eines„ feindfreien Morgen Tolfspartei!, modurch wenigstens die Möglichkeit gegeben ist. rots" an der zuständigen Stelle follte es gar die Partei selber sein? zu informieren. Diese Leute sind aber nicht nur eminent -gebildet", sie haben auch Sinn für grotesten Humor; die Karte wurde just an dem Sonntag verteilt, an dem Herr Dr. Strefe mann aus Locarno zurücffam. Wir von der Deutschen Boltspartei" scheinen doch reichlich doch einen ordentlichen Rud weiter links wählen. damlich zu sein. Und wir anderen werden am 25. Oftober wohl Bölkische Banditen. Der hatenkreuzlerische Wahlterror, der vor und nach der Hindenburg- Wahl die Straßen Berlins, vornehmlich die des Westens, zum Schauplah wüfter Brügelegzeffe machte, scheint wieder einzufezen. Am Montag abend fam es erneut zu brutalen Ausschreitungen einer Rotte von 30 bis 40 Perfonen, die die Hardenbergstraße entlang Berlinogen. Als ein Vorüberkommender, der 63jährige M., den DemonMann und verletzten ihn durch heftige Schläge mit Gummi ftranten ein Bfui!" zurief, stürzten sich die Burschen auf den alten Der Einbeinige als„ Verkehrsstörer". Die Berfehrsregelung, ble bas Recht des Fußgängers und das des Wagenführers gegeneinander abgrenzt, war für längst eine Notwendigkeit. Sie will erreichen, daß die Wagen führer die gebotene Rücksicht auf die Fußgänger nehmen, daß aber auch die Fußgänger den Wagenführern möglichst wenig Erschwerungen bereiten. Man muß münschen, daß beibe, die Fuß gånger und die Wagenführer, verständnisvoll die Borschriften befolgen; denn hiermit werden beide einander am besten dienen. Aber auch die Polizei, die über beide wacht, sollte möglichst Rüdficht üben. Sie sollte zu einer Zeit, in der die Verordnung noch jung und neu ist, mehr mit Ermahnungen als mit rasch fertigen Strafverfügungen zu wirken suchen. beschädigter. Am 20. Juni dieses Jahres, als die Berordnung erst Zu den allererften Opfern der Berfilgung gehört- ein Kriegsfeit fünf Tagen in Kraft war, überschritt er in der Königstraße unter der Stadtbahnüberführung den Straßendamm, der in diesem Augenvon Personen, die über den Damm gingen, schloß der Kriegsblid nur für den Fahrverkehr freigegeben war. Einem Trupp beschädigte sich an. Ein Polizeibeamter wollte sie zurückweisen, aber sie achteten seinen Worten nicht und erreichten den jenseitigen Bürgersteig. Nur der ein beinige Kriegsbeschädigte, der auf seinen Krüden über den Damm humpelte, tam nicht so schnell hinüber. Als er in der Mitte des Dammes angelangt war, fagte ihm der Beamte, er solle zurückgehen und an anderer Stelle den Damm überschreiten. Der Einbeinige lehnte das ab, weil er fich nicht noch einmal der Gefahr aussehen wollte. Er sei ja schon faft drüben, sagte er dem Beamten, Dieser aber drohte, er werde den Mann, wenn er nicht umfehre, zur Bache bringen schließlich griff er tatsächlich zu diesem äußersten Mittel. Der Name bes Kriegsbeschädigten wurde festgestellt, und am 22. Juni fam vom Polizeiamt Berlin- Mitte eine Strafverfügung, die auf Grund der damals 7 Tage alten Berordnung bem revler neun Mart Geldstrafe oder drei Tage haft aufpaďte. Der Einbeinige erhob- leider!- feinen Widerspruch, so daß die Strafund 10 nuppeln so schwer, daß er zusammenbrach und von Bolizeibeamten nach feiner Wohnung gebracht werden mußte. Mit folchen Gemeinheiten betreibt die Fememordgesinnung ihren Wahlfampf. Die republikanische Bevölkerung wünscht unter feinen limjopo Nach den übereinstimmenden Acußerungen hervorragender Forscher entspricht Odol den Anforderungen der Hygiene am vollkommensten und wird daher als das beste von allen gegenwärtig bekannten Mundwässern bezeichnet. 24. Oktober letzte Flugblattverbreitung Ständen, daß fich die unerhörten Belästigungent, die fich der völfische, Mob schon so oft am Kurfürstendamm geleistet hat, auch bei dieser Wahl wieder abspielen und erwartet pon dem Polizei. präsidium, daß es alles tut, um gerade an dieser gefährdeten Stelle und im übrigen auch auf dem Play vor dem Bots. damer Bahnhof jede völkische Flegelei unmöglich zu machen. es So erschwert man das Jugendwandern! Jeder Freund der Jugend muß seine Freude daran haben, daß heute bei unseren Jungen und Mädeln das Wan. bern in hohem Ansehen steht. Finden aber die Jugendlichen immer bei den Behörden das wünschenswerte Verständnis dafür, daß diese Wanderlust alle nur mögliche Unter. ftügung und Förderung verdient? Bei den Fahrpreisen, die den jugendlichen Wanderern bei Benuzung der Eisenbahnen gemacht werden, tann man von verständnisvoller Förde rung wohl faum sprechen. Noch mehr lassen die Forstver. waltungen das Entgegentommen permissen, das man zugunsten des Jugendwanderns wünschen muß. Gewiß, nicht alle Jugendlichen beachten bei ihren Wanderfahrten die Mahnung, den Bald zu schonen und zu schützen. Einem Forstmann, der seinen Wald liebt, wird niemand es verdenken, daß Waldverwüster gibt folche nicht nur bei der Jugend, sondern auch unter den Ers wachsenen ihm verhaßt find. Aber sind Erschwerungen nötig, wie z. B. die Borschriften über das Recht, im Walde ein Zelt aufzuschlagen, um darin zu übernachten? Zu einer rechten Wanderfahrt Jugendlicher gehört, daß fie schon am Sonnabend beginnt und daß die Nacht vom Sonnabend zum Sonntag im Freien zugebracht wird. Im Walde zu übernachten, ist nicht nur ein gefundes Vergnügen, sondern auch für viele jugendliche Wanderer auch ein Gebot der Sparsamkeit, zu der sie bei ihrem der sie bei ihrem fargen Einkommen genötigt sind. Aber wenn du da draußen dein Zelt aufschlagen willst, mußt du dir vorher an zuständiger Stelle" einen Zeltschein besorgen, der nur für ein bestimmtes Gebiet und für eine bestimmte Beit gilt. Für Großstadtbewohner, die ihre Wanderfahrten bald hierhin bald dorthin richten wollen und ihre Entschlüsse oft sehr plöglich faffen müssen, wirft die Zeltscheinbestim mung wie eine üble Schifane. Doch wer die Vorschrift außer acht läßt, der fann darauf rechnen, daß der Förster, der ihn Dabei erwischt, ihm ein Strafmandat besorgt. Ein junger Mann, der im Juli sein Zelt unbefugt" im Walde aufgeschlagen hatte, hat jetzt im Oktober warum erst jetzt? fein Strafmandat erhalten. Er soll 5 M. zahlen oder einen Tag sizen. Es wird Zeit, daß man mit diesen wanderfeindlichen Bestim. mungen endlich aufräumt. Soll es dahin kommen, daß die Jugend in die Kneipe zurückgetrieben wird? Frontbann- Lümmel. Aus Beelitz wird uns mitgeteilt: In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag passierten drei Lastautos, mit Satentreuglern befeßt, auf der Fahrt zur Feier des 18. Oftober zum Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig die Stadt Beeliz. An dem Lotal von Lintow in Beeliz, wo zufällig ein Gefangverein eine gefchloffene Feier veranstaltete, machten fie Halt und forderten, mie üblich, einen Vorwand zum Kaufen zu finden, von dem Gastwirt Bier. Dieser lehnte es ab mit der Begründung, daß sein Lotal an eine gefchloffene Gesellschaft vermietet und im übrigen die Polizeistunde überschritten fei.( Es mar bereits nach 2 Uhr morgens.) Darauf verlangten die FrontbannLeute Waffer für die Motoren, was ihnen der Wirt anstandslos ver abfolgte. Diesen Moment, als der Wirt nach dem Hofe ging, benuzten die Hakenkreuzler und brangen auf Kommando ihres Führers in das Lokal ein. Als die Anwesenden ihnen Widerstand entgegen. fetzten, schlug die Horde mit Gummitnüppeln und Eichen= toden auf die Festteilnehmer ein und verlegte zwei davon schwer. Als man die Türen von innen verriegelte, schlugen fie mit Spaten die Füllungen der Türen ein und demolierten im Lokal sämtliche Fensterscheiben. Auf der Straße fchoffen fie mit Revolvern hinter einem friedlichen Bürger her. So mie fie gefommen, war diese Gesellschaft auch verschwunden. Nur dem Zufall, daß der Wirt Befizer eines Autos war, ist es zu verbanken, daß man die Besizer der Wagen feststellen fonnte. Unter Begleitung eines Beelizer Polizeibeamten wurde die Verfolgung aufgenommen und die Wagen hinter Treuenbriegen eingeholt. Die Wagen führten die Nummern IA 19 923, IA 26 421, IA 38 780. Die Insassen gehörten der berüchtigten Organisation " Frontbann Berlin- Nord, Abt. 24" an. Auch die Obst und Gemüsepreise follen herabgesetzt werden Schon vor einiger Zeit wurde von uns auf die Tatsache hingemiesen, daß die Kartoffelpreise in Berlin viel zu hoch feien und daß die kleinhandelsspanne 100 bis 110 Pro3. betrage. Wie wir hören, beabsichtigt jetzt die Regierung, diesem Uebelstand entgegenzuwirken und eine Uffion zur Herabsetzung der Preise für Obst, Gemüse und Kartoffeln in die Wege zu leiten. In der nächsten Zeit werden, wie wir weiter erfahren, im Reichsernährungsministerium Berhandlungen mit den in Frage tommenden Organisationen stattfinden, und es soll dabei versucht werden, für Obst, Gemüse und Kartoffeln Angemessenheitspreise festzulegen. Die örtlichen Kontrollorgane, die Preisprüfungsstellen und Polizei, werden dann darüber zu machen haben, daß diese Preise innegehalten werden. Neben der beabsichtigten Festfeßung von Angemessenheitspreisen für inländische Erzeugniffe foll auch der Preisbildung für Einfuhrwaren, wie Südfrüchte und ausländisches Gemüse, Beachtung geschenti werden. Der fällige Dachstuhlbrand. Am Dienstag nachmittag um 8 lbr stand der Dachstuhl des modernen Wohnbaufes Landhausstraße 41 in folder Ausdehnung in Flammen, daß außer der Feuerwache von Wilmersdorf noch Rüge aus Charlottenburg und Schöneberg ausrüden mußten. G3 ist dies der zweite Dachstuhlbrand in der Landhaus. ftraße. Wie in vielen anderen Fällen wurde die Gefahr von den Hausbewohnern erft bemerkt, als der ausgedehnte Dachstuhl fchon an mehreren Stellen bell brannte und die Treppen voller Qualm waren. Der Energie der Feuerwehr gelang es, das Feuer auf den Dachstuhl zu beschränken. Feuerwehrleute als Kommunalwähler. In der Schulaula am Roppenplay fand am Montag eine Wählerversammlung ber Berliner Feuerwehrleute statt, in der Stadtverordneter Gen. Urich referierte. In sachlicher und anschaulicher Weise setzte er den Bersammlungsteilnehmern ausein ander, welche großen Verdienste die Sozialdemokra tische Partei fich speziell um das Wohl der Feuerwehrleute, aber auch um den großzügigen Ausbau des Feuerlöschwesens der Einheitsgemeinde Berlin erworben habe. Wie würde es in den fleinen Gemeinden heute mit dem technischen Material aussehen, wenn nicht der Anschluß an Berlin erfolgt wäre? Denn so an erfennenswert der Opfermut der einzelnen Feuerwehrleute im Ernft fall fein mag, jo fönnen sie doch nichts ausrichten, wenn sie mit auf dörfliche Berhältnisse zugeschnittenen Feuerlöschgeräten Brände in Industrieanlagen und Großwohnhäusern löschen sollen. Hier hat Groß- Berlin gründlich Wandel geschaffen und ist unausgefeßt bemüht, die Verhältnijje weiter zu verbessern. Auch in der Befol. dungspolitit hat die Sozialdemokratische Partei einen beftigen Kampf gegen die Bürgerlichen geführt und wird ihn in der Folge auch noch weiter führen müssen. Die Bürgerlichen fragen nicht nach Leistungen und Berdiensten der Wehrleute. Es sind ja nur Feuerwehrleute, ohne Bildung und Studium. Was können diese Leute schon beanspruchen," heißt es im bürgerlichen Lager. So wurde eine Gehaltserhöhung für die Feuer mehr, die eines der wichtigsten Hilfsmittel der Gemeinde darstellt, auf infame Weise sabotirt. Der Referent schilderte dann die überaus segensreiche Kommunalpolitik der Partei in der Bau und Schulpolitit. Die städtischen Werke und die städtischen Güter haben namhafte Ueberschüsse. Und dann mird in unerhörter demagogischer Weise von Roter Mißwirtschaft“ gesprochen. Bei den Wahlen am 25. Oktober dürfen die Feuermehr leute nicht vergessen, mer für sie einen heißen, oft von Erfolg ge= fronten Kampf ausgefochten hat. In der Diskussion traten die Redner dafür ein, nur der Sozialdemokratischen Par= tei die Stimme zu geben. Städtische Arbeiter! Bei der Stadtverordnetenwahl am kommenden Sonntag wird über Euer Schicksal entschieden! Die bürgerlichen Parteien waren stets Eure Gegner bei jedem Lohnkampf, bei jedem Versuch, eure Lage zu bessern. Die Kommunisten machen zwar große Worte, aber sie fümmern sich niemals um die Finanzen der Stadt, von deren Gefundung Eure Existenz abhängt. in allen Abteilungen Groß- Beriins 99 Vorträge. Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftente: te: Berlin S 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Reinidenborf. Mi., b. 21., 7 Uhr, im Lotal Böhme, Rosenthal, Sauptfit. 1, Antreten aller Untergruppen zum Gaalfchub. Köpenid. Do., b. 22., 7 Uhr, im Stadttheater Gaalschuß. Wilmersdorf. Kamerabschaft Nord! Die für Mi., d. 21., angefeste Rundgebung der DDP. in den Spichernfälen fällt aus.- Tempelhof. Mi., d. 21., 7% Uhr, Antreten zum Gaalfout vor dem Bostamt Tempelhof. Mitte. Do., d. 22., 7% Uhr. Enallchus. Treffpunkt Sohenschönhausen, Schule in der Rödernallee. Friedrichshain. Do., d. 22., 7% Uhr, Difteĭmenerstraße. Gaalfchuk hat in allen Bersammlungen der nächsten Abende zur Stelle zu fein Kreuzberg. Der ( ohne Bundeskleidung); Berfammlungen republiffeindlicher Parteien find streng aut meiben. Weißenfee. Do.. d. 22., 7 Uhr, Antreten Grüner Baum. PflichtDeranstaltung. Fr., d. 23., ebenso. Die Kameraden find angewiesen, sich der Barteien zur Verfügung zu stellen. Reinidendorf. Do., d. 22., 7 Uhr, Untergruppen Hermsdorf, Glienice, Weidmannsluft, Wittenau, Rosenthal, Reiniden. borf- Oft Antreten Lokal Bellevue ip Sermsdorf, Schloß- Ede Waldfeeftraße zum Saalimuk. Untergruppen Reinickendorf- Weft, Borfigwalde, Tegel Antreten in Hartmanns Brauerei, Reinidendorf- West, Scharnweberstr. 104, zum Saalfchup. Fr., b. 23., 7 Uhr, Untergruppen Reinidendorf- Oft, Rofenthal, Wittenau, Weidmannsluft. Sermsdorf, Glienice Antreten Lobal Schilkenhaus in Reiniden dorf Oft, Resibenaftr. 1/2, zum Saalfdus. Untergruppen Tegel, Borfigmalde, Reinidendorf- West 7 Uhr Antreten Lotal Strandfchloß in Tegel aum Saalschuk. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Mitglieder, die ben großen anatomischen Rurfus ab 17. November 1925 mitmachen wollen, fenden ihre Abreffe umgehend an Billy Steffen, Berlin N 58, Am Faltplan 2, ein. Teilnahme noraussichtlich fostenlos. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 23. Oftober. Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchftraße 53, 3 Trp., 8 Uhr. Aus der Pragis der Jugendgerichte"( Amts gerichtsrat S. France). Eintritt frei! Die Sozialdemokratie war immer die Vorfämpferin für die Interessen der städtischen Ar. beiter. Sie hat Jahrzehnte für Euch gearbeitet, den 23. Oktober 1925, 8 Uhr, im„ Albrechtshof" in Steglik( Nähe Rathaus) fie wird auch in Zukunft für Euch sein. Wählt Sozialdemokraten! Zweckmäßige Wäsche. " Auch die Wäsche ist heute bereits der Mode unterworfen. Doch sich auch gegenwärtig bei der Anschaffung ihrer Wäsche nicht nur wird eine Frau, die mit ihrem Gelde hauszuhalten gezwungen ist, nach der Mode richten. Beachtenswerte Borte sprach im Berband für deutsche Frauenkleidung und Frauenfultur E. B., Charlottenburg, Leibnizftr. Nr. 79, Frau Deutsch über Zweckmäßige gute Wäsche". Die Rednerin betonte, man müsse die ganze Frage unter dem Motto betrachten: Weniger Kunst, mehr 3wed". Beder Oberkleidung, noch Unterkleidung dürfen Atmung, Berdauung, Blutkreislauf und Ausdünstung behindern. Die meisten Frauen find für unser Klima zu leicht befleibet. Luftdurchlässig muß die Unterkleidung sein, aber nicht luftig. Luftige Wäsche kommt nur für Frauen in Betracht, die zu Hause Zentralheizung und gegen die Unbilden der Straße Belzmantel und Auto haben. Für zweckmäßige Wäsche empfahl die Rednerin leichte Reffelstoffe, Kreppstoffe und Trifot. Die Wäsche muß einfach in der Herstellung, einfach im Auspuh und leicht zum An- und Ausziehen sein. Rüschen und dergleichen Zierrat dürfen nicht verwendet werden. Bei einem solchen Auspuh nimmt das Blätten und Tollen der Frau vielzuviel Zeit. 29 Jahre fämpft der Verein für die forsettloje Tracht. Gegenwärtig ist sie Mode. Es ist aber nötig, darauf hin zuweisen, daß beim Korsett nicht allein die Stange, jondern ebenso die Form schädlich sein.fann. So fann auch ein schlecht angebrachter Bruftträger die Atmung behindern. Biel Gutes wurde dem Strumpf nachgesagt, der nur rechts oder lints( nicht wie bisher nach Belieben) zu tragen ist, weil man tei ihm den Plaz für den großen Beh besonders ausarbeitete. Cine Ausstellung und eine Borführung gaben Anregungen für die Bragis. Die Betrogenen als Ankläger! In einer tumultuösen Bersammlung der Deutschnatio nalen Boltspartei in den Kammersälen, in der BezirksStadtverordneter Rosenthal und Reichstagsabgeordneter Schulze in geradezu unglaublicher Weise wüste ft e Verhegung betrieben, fam es in der Diskussion zu einem fchmeren 3ufammenstoß. Als ein oppofitioneller Redner, schmeren Zusammenstoß. Als ein oppofitioneller Redner, ber anscheinend den Aufwertungsverbänden an gehörte, den Betrügern der Rentner ihr illoyales Berhalten vorwarf, erhob sich ein so enijeglicher Lärm, daß der Redner gezwungen mar, abzutreten. Als er vor dem Podium von der hysterischen Menge tätlich angegriffen wurde, fam es zu einer Brügelei, in die die Schußpolizei in Stärte von 20 bis 30 Mann mit bem Gummifnüppel in der Hand eingriff. Die Versammlung löste sich dann unter allgemeinem Lärm auf. Dentscher Monifienbund. Am 23. Oftober, 8 Uhr, fpricht in der Aula der Elisabethschule, Rochftr. 66, Brof. Sartwig, Brinn, über Religion und Wissenschaft". Der Mieterbund Berlin- Steglih E. B., Sorstkohlstr. 1, hält am Freitag, eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der das Bauvorhaben der Mieterfchaft endgültig befchloffen werden soll. Ferner wird die Beteiligung an den Kommunalwahlen besprochen. Arbeiter Abftinentenbund Berlin, Gruppe Rorboften. Danziger Str. 62, Barade 3, 7 Uhr, Genosse Schmidt: Bon meiner Rußlandfahrt".( Mitgliedsbücher mitbringen.) Reichsbund deutscher Mieter, Ortsgruppe Köpenid. Deffentliche Mieterverfammlung Donnerstag, den 22. Oktober, 7 Uhr, in der Aula der Dorotheenschule, Köpenid. Tagesordnung: Attentat auf das Mieterschuhgefes". Referent: Landgerichtsrat Ruben. den 22. Oftober, im Vereinslotal Frankfurter Sof. Frankfurter Allee 318 Somöopathischer Boltsgesundheitsverein Sahnemann, Berlin. Donnerstag, ( Eingang durchs Lokal), Bortragsabend mit dem Thema: Magin, Indisches fratirwunder und Magnetismus". Referentin: Frau Jones, Schöneberg. Gäste als passive Mitglieder willkommen. nehmen gegründete Esperantoidule Berlin" hat nunmehr ihre unterrichtliche Esperantosdule Berlin. Die im Jahre 1921 als gemeinnügiges UnterTätigkeit wieder aufgenommen, indem in allen Stadtteilen Berlins und für verfchiedene Berufe Sprachkurse eröffnet werden. Nähere Auskunft erteilt bereitwinfiaft die Gefchäftsstelle, Berlin- Friedenau, Raiferallee 90. Arbeitersport. Athletik- Sport- Club e. B., Sodenabteilung. Donnerstag, ben 22. Dktober, 8 Uhr, Sodenfigung im Lofal von Wegener, Frankfurter Ace 236. SB. Sparta. Geschäftsstelle: Walter Wächter, Berlin N 31, Brunnensfr. 82. Donnerstag, den 22. Oktober, 7 Uhr, Vorstandssigung beim Genossen Meißner, Löweftr. 7. Turnen: Freitags 6-8 Uhr Turnhalle Elisabethstr. 58. Dor felbft Intereffenten für Sandball und Seden tönnen fich bort melden. Neuaufnahmen für unfere neugegründete Frauen. bzw. Anabenabteilung. Auch ARB. Colibarität. Achtung, Rennfahrer! Das für den 1. November von der 4. bt, angejagte Rennen wird hiermit abgefagt, da der Sportplag Friedrichshein für biefen Tag nicht mehr zu heben ist. 30- Jahr- Feier her Freien Turnerschaft Reukölln- Brih am Sonntag, den 25. Ottober, im Großen Gaal der Neuen Welt, Safenheide. Ronzert, Fests aufführungen, Ball. Anfang 4 Uhr. Karten für Erwachsene 1 9., Kinder 30 Bf. Brudervereine und Organisationen find herzlichst millfommen. Freie Turnerschaft Richtenberg- richtichsfelbe, Sportabteilung. Anfchriften: in Trarel. Lichtenberg, Kronoringenftr. 27/28. Sallentraining: Jeden Mitt mom van 8-10 Uhr im Realanmnasium an der Parkaue. Mösendorfstraße. Babeabenb: Freitags ab 8 2hr in der Gtäsfifchen Badeanstalt Schillingsbrüde Sportlokal jekt: Sugo Wegner, Lichtenberg, Frankfurter lee 263. Donnerstag, den 22. Oktober, findet außer der an diesem Tage aliwöchentlichen Sodenfinung die monatliche Sportlerversammlung ftatt, au der um reges Er scheinen ersucht wird. Am Lichtenberger Schwimmverein ,, eptun 1834" e. B. Sonntag, ben 25. DEtober, nachmittags 3 Uhr, Schwimmfeit in der Badeanstalt an der Schillings. brüde. Eröffnungsreigen, Einzelwettkämpfe, Stefelten, Rettungsvorführungen, Wasserballspiele. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Dienstag, den 20. Difober. 1. Mennen. 1. Dillator( Bleuler), 2. Diando( F. Kalper), 3. Ledine ( Ludwig). Zoto: 45:10. Blat: 22, 30, 103: 10. Ferner liefen: Bortia, Haarfchleife, Saperlot, Hilf Dir selbst, Floßbilde, Silhouette, Bijdos, Rom, Finsternis, Billa. 2. Nenne 1. 1. Batrizier( D. Müller), 2. Ban Robert( Bleuler). 3. Bajuware( Gabor). Toto: 64: 10. Blat: 22, 20, 20: 10. Ferner liefen: General Höfer, Taugenichts, Bardes Bruder, Manlius, Ondina. 3. Rennen. 1. Magnet( D.Echmidt), 2 Marienburg( Haynes), 3 Mala tefta( Suguenin). Zoto: 58: 10. Blat: 19, 29, 57 10. Ferner liefen: Ritotin, Rofentelch, Dirndl, iterbe, Rheintochter, Porta Westfalica, Hansa, Frechdachs, Perlentrone. 4. Rennen. 1. Marbud( Dlejnil), 2. Großinquifitor( Sahnes), 8. Nubia( Breßner). Toto: 21:10. at: 21, 17, 18: 10. Ferner lielen: Maira, Frohsinn, Automedon, Banter. 5. Rennen. 1. Aurelius( D. Schmidt), 2. Rheinwein( B. Tarras) 3. Ferie( t. Torfe). Toto: 42: 10. Blag: 24, 36: 10. Ferner liefen: Wachholder, Sigtuna. Vom Dach gestürzt. Der 28 Jahre alte Schlosser Helmuth Bomadt aus der gietenstr. C6, Neukölln, verunglückte am Dienstag nachmittag auf seiner Arbeitsstelle auf dem Neubau am 300 schwer. Er stürzte vom Dach aus etwa drei Etagen Höhe auf die Straße hinab, wo er mit schweren inneren Verlegungen und meh. reren Beinbrüchen bewußtlos liegen blieb. Durch das Rettungsamt wurde der Berunglückte in das Elisabeth- Krankenhaus eingeliefert. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 21. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 6. Rennen. 1. Bieilung: 1. Rolfini( D. Schmidt), 2. Roberta, Schmidt), 3. Piasti( W. Tarras). Toto: 44:10. Blaz: 19, 22, 29: 10. 2. bteilung: 1. Sfelberg( M. Jengich), 2. Traniuse( Varga), 3. Beleda Ferner liefen: Felfenquelle. Lenor, Trumpf, Caracas, Motle, Barioli, Ode. ( once). Toto: 40: 10. Plat: 17, 18, 16:10. Ferner liefen: Taiga, Abendwind, Mauleturm, Glaskäger, Japs, Mainberg. Esto, Brinz. Friedel. 7. Rennen. 1. Letter Ritter( Breßenr). 2. Frauchinsel( Grabsch), 3. Maestoso D. Schmidt). Toto: 56: 10. Plat: 25, 36, 37:10. Ferner Defen: Nettelbed, Prospero, Tuberose. Connengott, Nimmermabr, Amarylis, Duffeltop, Eigiljaga, Natibor, To: rone, Petronius, Triebtrast, Carlotta. Geschäftliche Mitteilungen. Gemüse, wie Bohnen, Razotten, Erbsen, Rartoffeln, Weiß oder Wiring fohl, in leifschbrühe cus Maggis Fleischbrühwürfeln gargefocht und mit etwas mehl gebunden, fameden wie mit leisch zubereitet. Eine große, fiets brohenbe Gefahr für die Gefundheit bilden bie Bazillen, bie mikroftopisch leinen Rrantheitserreger, welche durch die Berührung mit unfauberen Sänden, auch leicht dura liegen in unfere Nahrungsmittel geTangen. Um Erkrankungen zu vermeiden, ist es für jede Sausfrau ein Gebot der Borfint, nur hygienisch einwandfreie Nahrungsmittel zu verwenden, Es ift wertvoll au missen, daß die Feinkostmargarine Schwán im Blauband" auch in dieser Beziehung mustergültig ist. Sowohl ihre Herstellung als auch die Berpadung gefchicht auf maschinellem Wege unter Berücksichtigung aller hygienischen Regeln. Briefkasten der Redaktion. M. D., Köpenid. Berfönlich melden in der Raferne Rathenower Straße, 4 Uhr nachm.: Sendespiele. Abteilung Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun. Spielzeit 1023/26. 1. Veranstaltung. Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht von Gotthold Ephraim Lessing. Personen: Sultan Saladin: Georg Paeschke; Sittah, dessen Schwester: Paula Knüpffer; Nathan, ein reicher Jude in Jerusalem: Ferdinand Gregori: Recha, dessen angenommene Tochter: Edith Fritz; Daja, eine Christin, aber in dem Hause des Juden als Gesellschafterin der Rechs: Agathe Prasch- Grevenberg; ein junger Tempelherr: Alfred Braun: ein Derwisch: Robert Abmann; der Patriarch von Jerusalem: Karl Wallauer; ein Klosterbruder: Erwin Kopp. Die Szene ist in Jerusalem. 6.45 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Dr. Leonhard Frank: Unsere Speisefetto, ihre Herstellung und Bedeutung für die menschliche Ernährung und Volkswirtschaft". 4. Vortrag. 7.15 Uhr abends: Professor Theodor Echtermeyer: Gartensiedlungen". 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Berlin- Moabit. Abteilung Musikwissenschaft. Geh. Regierungsrat Professor Max Friedländer: Das deutsche Volkslied( mit musikalischen Erläuterungen). 1. Vortrag, 8.30 Uhr abends: Abendunterhaltung. I. Teil: Meisterspieler auf Accordeon. 1. Herzer: Hoch Heidecksburg, Marsch. 2. Offenbach: Ouvertüre zu, Orpheus in der Unterwelt". 8. Ganne: La Zarina, russische Mazurka. 4. Hylton: Sure as you are born, Foxtrot. 5. Teike: Alte Kameraden, Marsch ( Gellin und Borgström). 9 Uhr abends: II. Teil: Alte liebe Erinnerungen. 1. Offenbach: Ouvertüre zu der Operette„ Die schöne Galathee"( Orchester). 2. a) Bittner: Laß' dir Zeit. Lied des Augustin aus, Der liebe Augustin". b) Millöcker: Ich hab' kein Geld, aus der Operette„ Der Bettelstudent", e) Jones: Lied des Katana aus der Operette Die Geisha"( Franz Baumann, Tenor). 3. a) Schubert: Militärmarsch D- Dur, b) Jos Strauß: Transaktionen, Walzer( Orchester). 4. a) Zeller: Wie mein Ahndl, aus der Operette Der Vogelhändler", b Schubert- Berté: Geh' Alte schau, aus der Operette Dreimäderlhaus". c) Suppé: Preghiera aus der Operette Die schöne Galathee"( Franz Baumann). 5 Fall: Berliner Funkorchester. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. Potpourri aus der Operette Dollarprinzessin"( Orchester). Kleines schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. Anreinigt die Hände mühelos von Schmutz, Fett, Öl und Farbe, ohne Gebrauch von Bürsten und macht die Haut glatt und geschmeldig. Unentbehrliches Reinigungsmittel für jeden Naushalt, Gärtner, Landarbeiter, Chauffeur, Schlosser, Dreher, Fabrikarbeiter Professor Dr. Schleich's Wachsmarmorseife CHEMISCHE FABRIK SCHLEICH BERLIN NW6 Löhne und Gewinne. Cine Entbehrungskur— für die deutschen Arbeitnehmer! .Der Zlrbeiiaek>«r*. die Zeitschrift der Vereinigung der deutschen Urbeitgeberverbände, brachte in Nr. 20 an erster Stelle eine Be- trachtung des Reichsministers a. D. Dr.-Ing.<3 o t h e i n über »Löhn«/ Gehälter und Preise in Deutschland und in Oesterreich". Gelegentlich einer Reise noch Wien hat Herr Gothein die Entdeckung E«macht» daß Deutschland heute eines der teuersten ander Europas ist. Das rühre daher» daß die Ucberlastung mit Steuern zu groß sei. Die Uebcrsteuerung habe das Preis» Niveau gesteigert, weshalb Beamte» Angestellte und Arbeiter höhere Gehälter und Löhne forderten, die ihnen auch zugestanden worden seien. Die öffsntluchen Verwaltungen hätten ja aus dem Ueberiluß an Steuergeldern reichlich Gelder dazu gehabt» und die arme Privatwinschaft habe—»unter dem Drucke der Schieds- und Schlichtersprüche"— mit den Lohn- und Gehaltserhöhungen folgen müssen. Jede Erhöhung von Löhnen und Gehältern wirke sich aber in höheren Betriebskosten aus, steigere den Bedarf an Betriebskapital» oergrößere die Kapitalknappheit und wirke der Entspannung de» Geldmarktes, der cherabjegung des Zinsfußes entgegen. Herr Gothein will nun nicht behaupten, daß die durchschnitt- lichen Löhne und Gehälter in Deutschland im Verhältnis zu� ihrer Kaufkraft besonders hoch feien. Allein den Maßstob der Sieger- staoten oder der neutralen Staaten dürften wir an die deutschen Löhne nicht anlegen» sondern sie nur mit den Löhnen in besiegten Staaten vergleichen, wie z. B. in D e u r i ch ö st e r r e i ch. Und nun gibt Goihein ein« für die deutschen Unternehmer geradezu herz- «rfrismende Darstellung über die Arveireriöhue und die Angestellten- und Beamtengehälter in Oesterreich. Wohl habe O c st e r r e i ch dasiir auch einen niedrigeren Lebens haltungs- index, allein die billigeren Lebensmittelpreise beruhten auf einer sparsameren Wirtschast' der Staatsgewalten in Oesterreich, wovon das Land Wien— und damit meint Goihein vor allein die Stadt Wien— in dieser Beziehung sehr viel zu wünschen übrig lasse. Deutschland könne wohl sein Lohn- und Gehaltsniveau höher stellen als Oesterreich, doch müsse es sich dabei nach der Decke strecken. »VI? heutige Cohn- und Gehalk-polMk, die jeder Preissteigerung m!k einer Erhöhung der Bezüge begsonel, machi jede Gesundung unmöglich, ja öerschlimmert das Uebcl, tührt es zur Katastrophe: wirft immer mehr Arbeitnehmer aus der Fabrik und dem Kontor auf die Straße." Die Arbeitnehmer dürften trotz Preiserhöhungen keine Lohn- «rhöhungen mehr fordern. Sie müßten eine Enkbehrungskur durchmachen, um wieder zu Sräfken zu kämmen. Verzichteten ste auf Lohnerhöhungen, dann verbilligten sich die Produktionskosten, so daß die Preise gesenkt werden könnten, wo- durch der Konsum sich hebe und damit die Lebenshaltung. Herr Gothein ist auf seine Weise ein ehrlicher Mann. Er spricht aus, was die Arbeitgeberverbände wollen. Offenheit gegen Ofsenheit! Wir müssen ihm sagen, daß die Arbeitnehmer in Deutschland sich nun schon so lange in der Entbehrungskur befinden, daß es höchste Zeit ist, sie wieder zu Kräften zu bringen. Die Entbehrungskur mühte vom anderen Ende eii-segen. Doch cherr Gothein erklärt dies als unmöglich.?n der Industrie sei von einem rentablen Betrieb nur noch in seltenen Ausnahmefällen die Rede. Das gehe aus den Abschlüssen der deutschen Aktiengesellschaften klar hervor.„W o sind denn deren Dividenden?" Einen Augenblick, Herr Gothein! Van Ertragslosigkeit bei der großen Zahl von Unternehmungen, die bisher für 1924 bilanziert haben, kann keine Rede lein. Daß der A n i l i n t r u st zwar nicht Dividenden» aber Gewinn« von 1 Z P r o z. auf sein heutiges Aktienkapital und reichlich 3 0 P r o z. aus die tatsächlich bisher erfolgten Goldeinzahlungen er- zielt hat, ist von niemandem bestritten worden. Für die Vau- Industrie wurde von der.Bauwelt" festgestellt, daß von 93 Gesellichaften 52 eine Dividende erteilt haben auf ein Kapital, das erheblich höher liegt als das Vorkriegskapital, obwohl es keine Industrie geben dürste» bei der der Leerlauf aus bekannten Gründen größer ist als bei der Bauindustrie. Don den übrigen Geiellschanen sagt die.Bauwelt" ausdrücklich» daß man absichtlich auf die D i v i d e n d e n v e r t e i l u n g ver- z i ch t e t hat, auch wenn Rentabilität vorlag, um die eigenen Milte! wegen der hohen Zinsen nicht zu schwächen: so bleiben nur 12 De- selllchasten, die einen Verlust ausweisen. Die Z e m e n t i n d u st r i e arbeitet nur mit 60 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit. Sic hat aber bei einem Absag, der den von 1913 gerade erreicht hat, wenigstens bei den in Berlin notierten 18 Gesellschaften ein gegenüber 1913 um mehr als 30 Proz. höheres Aktienkapital. Dennoch vertellte sie Dividenden, die nur um etwa 1 Proz. niedriger lagen als 1913, und nur vier von den 18 Gesellschaften(genau ebensoviel wie 1913) blieben dividendenlos. Die gute Lage der K a l i i n d u st r i e ist bs- kannt: sie hat ihren Absag heute gegen 1924 verdoppelt. Rosterg von der Wintershallgruppe Hai trotz der massenbasten Stillegungen nicht nur den arbeitenden, sondern auch den stillgelegten Gewerken eine reichliche Dividende versprochen. Die hohen Preise der Textilindustrie sind sprichwörtlich. Nirgend? sind die Zusaminenbrüche größer als im Textil Handel. Die' Textil i n d u st r i e hol durchweg gute und reichliche Gewinne erzielt." Dasselbe gilt für die Kroiterzeugungsindustrie in ganz Deutschland: bier liegen die Dividenden nirgends unter 1 O'P r o z.: die latfächlich erzielten Gewinne sind in den meisten Fällen doppelt so hoch, was sich bei jeder einzelnen Gesellschaft nachweisen läßt. Für die Elektrizitätsindustri« liegen noch erst wenige Bilanzen vor. Soweit Aeußerungen der Vor- stände und Auisichtsräte bekannt sind, z. B. AEG., wird mit einer guten Dividende gerechnet. Die Brauereien haben schon für die Kampagne 1923.24, die zum Teil noch in die Inflationszeit fiel, ganz allgemein Dividenden in Friedenshöhe(8 bis 12 Proz.) verteilt. Für die Kampagne 1924/25 liegen mindestens gleiche, zum Teil Höhere Bierablätze vor, was ein gleichgünstiges Gewinnsrgebnis erwarten läßt. Das Druckereigewerbe hotte 1924 eine Konjunktur und Gewinne wie selten in der Vorkriegszeit. Dasselbe gilt für die Druckerei m o s ch i n e n industrie. Auch jene Teile der Maschincnindustri«, die das Textil- und das Nahrungsgcwerbe sowie die Landwirtschaft mit Maschinen versorgen, hatten durchweg günstige Geschästsergeb- nisse. Für die Auto, und Auto Zubringer- sowie Zu- behörindustrie war dos Jahr 1924 durchaus günstig. Selbst die M o n t a n i n d u st r i e, auf der die Wirtschastslris« der Nachkriegszeit am schwersten lastet, kann nicht von Gewinn l o fl g k e i t Die Gewinne wurden nur nicht ausgeschüttet, sondern zu isiellungen und Neuanschaffungen.über Betrieb" verwendet: Gewinne waren also vorhanden, wurden aber kapitalisiert. Bon den Aktienbanken hat 1924 kaum«ine einzig« weniger als 8 Proz. Dividend« verteilt. Von den B« r- sicherungsgesellschaften gilt ganz ähnliches. Eine Kreditocrsicherungspesellschalt hat unbestritten 127 Proz. ihres Kapitals als Gewinn gebucht. Dabei ist zu berücksichtigen. daß sämtliche 1913 bereits vorhandenen Aktiengesellschaften heute ein um 20 Proz. höheres Aktienkapital haben. Die Gewinnansprüche sind also höher als damals, obwohl die Kaufkraft des Inlands- Marktes um mindestens 20 Proz. geschwächt und die Erportmöglich- keiten infolge der Autarkie der früheren Bezugsländer gesunken sind. Di« schwierige Lage der Industrie, die unbestritten ist, ist durch die Wucherzinsen der Banken und durch die eigenen Sünden in der Kriegs- und Inflationszeit verursacht. Die Unternehmerpresse selbst ist voll davon. Herr Gothein aber scheint alles das vergessen zu haben, wenn er für die Arbeitgeber gegen die Löhne vorgehen muß. sprechen. Umsiellu: Kommunen unü fluslanöskreüite. Durch die Zeitungen gehen jetzt fast täglich Meldungen über Ver- Handlungen oder Abschlüsse von Anleihen deutscher Städte mit amerikanischen Geldgebern. Dadurch kann in der Ocffentlichkeit der Anschein erweckt werden, daß bereits eine große Anzahl deutscher Stadtanleihen dem amerikanischen Kapitalmarkt zu- geführt worden ist oder in der»ächsien Zeit zugeführt werden soll. Di« beim Reichsfinanzministerium gebildete Beratungsstelle für Auslandskredite,>»»en Begutachtung die Auslandskredjte der Kom- munen unterliegen, weist nun in einem Kommunique darauf hin, daß bisher mit Zustimmung der Beratungsstelle nur die Anleihen der Städte Berlin» Köln und München in den Vereinigten Staaten von Amerika zur Ausgabe gelangt sind. In letzter Zeit find verschiedentlich Anträge anderer Kommunen durch die zustän- digen Landesregierungen der Beratungsstelle zur Begutachtung vor- gelegt worden. Die Beratungsstelle wird indes in allen Fällen die unbedingt« Notwendigkeit und Nützlichkeit derartiger Anleiheanträge prüfen. Die Beratungsstelle steht auf dem Stand- punkte, daß nur in ganz besonderen Ausnahmefällen die Pro- duktioität der von Städten erstrebten ffirslandskredite nachzuweisen sein wird. Sie ist aber der Vteiimng, daß in allen Fällen, in denen das nicht möglich ist, die Ausgabe von Auslandsanlechen deutscher Erädte im Hinblick aus den Schutz der deutschen Währung zu unter- lassen ist. Es muß auch verhütet werden, daß die vom Auslande für die deutsche Wirtschaft verfügbaren Gelder durch Anleiheauf- nahmen der Städte geschmälert werden: denn es erscheint viel dringlicher, Industrie und Landwirtschast, soweit sie die Kredite für He- bung des Exports oder mittelbar zur Minderung des Imports ver- wenden können, mit Auslandskredtten auszustatten, als den Koni- munen Mittel zuzuführen für Zwecke, die zwar an sich wertvoll sind, aber auf ein« spätere Zeit zurückgestellt werden können. Reparationslieferungen von Vieh an Frankreich. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird aus dem Land- «irtschastsministerium geschrieben: Nach dem Londoner Protokoll«st Frankreich da» Recht zu. gestanden, gewisse, beschränkte Viehmengen— die zulässige Höchst- zahl wird jeweils für den Zeitraum der nächsten 18 Monate durch Lereinbarung festgesetzt— im freien Handel auf Repa- rationskonto zu beziehen. Eine Mitwirkung einer amtlichen Stelle findet hierbei weder von französischer noch von deutscher Seite statt. Es ist vielmehr den einzelnen französischen Landwirten oder Gc- meinden in den Wiederausbaugebieten überlassen, ob und in welchem Ilmfange sie, in der Regel durch Vermittlung ihrer Händler, mit deutschen Händlern oder Viehhaltern Beziehungen anknüpfen wollen. Die Bereinbarung über Preis, Abnahme und Bezahlung erfolgt dabei ausschließlich zwischen den beteiligten Privatpersonen. Bisher sind nur vereinzelte Abschlüsse über die Lieferung von Schafen(zumeist in Süddeutschland) und von ganz wenigen Rindern und Pferden zustande gekommen. Es ist auch nicht anzunehmen, daß diese Käufe einen größeren Umfang annehmen werden, die vereinbarten Höchstmengen dürften nach der bisherigen Erfahrung nicht annähernd bezogen werden. Aus den Anfragen verschiedener Händler nach Angeboten von Bich zur Lieferung nach Frankreich sst zu folgern, daß vielfach der Glaube besteht, es handle sich hier um ein besonders umfangreiches Geschäft. Das ist aber in Wirtlichkut nicht der Fall. Darum besteht auch kein Anlaß zu irgendwelcher Beunruhigung, daß dies« Käufe einen Umfang annehmen könnten, durch den die Preis« dieser Tiergattungen beeinflußt würden. Der erste Abschluß einer größeren Zuckerfabrik. Dan der Zuckerfabrik Glauzig in Thüringen, die mit einem Kapital von 8 Millionen M arbeitet, liegt die Abschlußbilanz per Ende Mai vor. Sie oerteilt 8 Proz. Dividende. Der Roh- gewinn beirägl 804 000 M. Aus Abschreibungen kommen rund 100 000 M. Es wurden 1924 25 750 000 Doppelzentner Rüben verarbeitet(im Vorjahr nur 366 000) mit einem Zuckergehalt von 17,45(17,28) Proz. Ein Drittel der Rüben wurde in eigenen land- wirtschaftlichen Betrieben gewonnen. Die tatsächlichen Gewinn« scheinen beträchtlich höher gewesen zu sein, als die aus- gewiesene Dividende erkennen läßt/ Der Rübenmehrverbrauch stammt aus dem Erwerb der Zuckerfabrik Trotha, der zum mindesten zum erheblichen Teil aus Detriebsgewinnen eriolgt sein muß. Außerdem wurde offenbar.über Betrieb" der Bau einer Rübenentladevorrichtuna von großer Leistungsfähigkeit ausgeführt, da eine besondere Verschuldung aus diesem Anlaß nicht zu erkennen ist.— Die Bilanzen der Zuckerindustrie, die in diesen Wochen in größerem Umfange herauskommen dürften, verdienen das Int er» esse der Verbrauchermassen. Die Zuckerindustrie wurde bekanntlich lange Zeit zwangsbewirtschaftet. Die rück- gängige Erzeugung und das am 31. August wieder gefallen« Zucker- «infuhrverbot haben die Preise für das wichtigste Volks- Nahrungsmittel sehrtndieHöhe gehen lassen. Das neue Zoll- gesetz gewährt einen Zollschutz von 10 M. pro Doppelzentner, der von den Konsumenten den Zuckerindustriellen gezahst werden muß, da eine unterbietend« Auslandskonfercnz trotz der mannigfach im Ausland gewährten Prämien nicht zu fürchten ist. Einmal ver- hindert das die fürs Ausland ungünstige Frachtenlage. Die Auslandskonkurrenz muß die Frachten ab Grenze bis zum Ver- brouchsorr einrechnen, während die stark verteille Inlandsindustrie nur die Fracht vom Produltions- zum Derbrauchsort trifft. Zum anderen verhindert es der Zoll. Da der Zollsatz feststeht, kann Auslandszucker um so schwerer ins Inland, je niedriger die Welt- Marktpreis« stehen. Do noch eine Frachtsonderbelastung de? Auslands mit 2 bis 3 M. pro Doppelzentner hinzukommt, genießt die deutsche � Zuckerindustrie bei den hohen Inlandspreisen einen gewaltigen Vorteil. Die Konsumenten werden also den Zuckerindustriellen nicht nur hohe Preise zahlen, sondern auch den. Export zu um ein Drittel billigeren Preisen ermöglichen. Auch ein Beispiel verkehrter Zollpolitik, die den Absatz anderer Industrien schmälert, um land- wirsschaftlichen Epezialinreressenten gefällig zu sein. Reichsbank. Der Reichsbankausweis vom 15. Oktober läßt eine Entspannung der Geldverhältnisse beim Zentralnoteninstitut durch Rückgang der Wechselanlage erkennen. Es flössen auch insgesamt für 125,4 Millionen M. Geldscheine an die Bank zurück, so daß der Banknotenumlauf nunmehr 2493,9 Millionen, der Bestand der Reichsbank an Rentenbankfcheinen 319,2 Millionen beträgt. Unter Hinzurechnung von etwa 189 Millionen Privatbanknoten und 535 Millionen Scheidemünzen beträgt der gesamte Geld- umlauf am 15. Oktober etwa 4716 Millionen gegen 4671 Millionen am 13. September 1925. Der G o l d b e st a n d hat sich durch weitere Umwandlung von Devisen in Gold um 29,9 auf 1204,5 Millionen M. er höht, während sich die deckungsfähigen Devisen um 15 Millionen auf 306,4 Millionen M. vermindert hoben. Der gesamte Bestand an Gold und deckungsfähigen Devisen erfuhr somit einen Zuiluß von 14,9 Millionen aus 1510,9 Millionen M. der aus den Eingang des Erlöses weiterer Auslandsanleihen zurück- zuführen ist. Die Deckung der Noten durch Gold ollein hat sich von 43 Proz. in der Vorwoche auf 48,3 Proz., die Deckung durck Gold und deckungsfähige Devisen von 57,4 auf 60,6 Proz. gebessert. Deutsche verkehrs-kredik-Vank ZC-G-, Berlin. Die General- Versammlung, die ohne jede Erörterung die von uns schon be- sprochen« Bilanz genehmigte, beschloh die Kopitalserhöhung von zwei Millionen M. Don den neuen Aktien werden 1 420 000 M. von der Deutschen Reichsbahngesellschaft, die restlichen 580 000 M. von einem unter Führung des Bankhauses Bleichröder stehenden Konsortium übernommen, dem die Dresdner Bank, die Darmstädter und Nationalbank, die Diskontogesellschaft, die Commerz- bank, Mendelssohn u. Eo., die Bayerische Hypotheken- u. Wechselbank und die Bäuerische Vereinsbank angehören. Da der Kurs auf 150 Proz. festgesetzt wurde, fließen dem Unternehmen aus dieser Erhöhung 3 Millionen M. neu« Mittel zu. Die bisherige Majorität der Reichsbahn bleibt bei dieser Erhöhung des Aktien- kapitols im großen und ganzen erhalten. Was gehl mit den Virlschaslsnnlernehmungen des Veichsland- bundes vor? Am Dienstag sollte in der Generalversammlung der Reichslandbund- A.-G.» Hannooer eine Aussprache über den Stand der Unternehmungen stattfinden. Die wirtschasUichen Unternehmungen des Reichslandbundes sollen aus den Reichs- verband der landwirtschaftlichen Genossen- s ch a s t e n übergeführt werden, während die für die wirtschaftliche Betätigung des Reichslandbundes errichteten verschiedenen Gesell- schaften bestehen bleiben. Mit Rücksicht darauf, daß» der erwähnten Angelegenheit Verhandlungen mit der Preußenkasse stattfinden, wurde die in Aussicht genommen« Aussprach« vertagt. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Zweck der ganzen Transaktion ist. dem Landbund erhebliche Mittel aus den für landwirtschaftliche Zwecke unternommenen Kredit- aktionen in die Hände zu spielen, die dem Landbund sonst, als einem rein politischen Unternehmen nicht zugeflpssen wären. ver Splriloosenkonsum steigt. In dem Geschäftsbericht der be- kannten Spirituosenfirma Winkelhausen, die für das Geschäftsjahr 1924/25 eine Dividende opn 6 Proz. zur Verteilung bringt, wird vor allem auf die ungünstigen Wirkungen der betrüge- rischen Manipulationen vieler Spritbezieher und der Steuerhinterziehungen hingewiesen und die Ansicht vertreten, daß die von der Regierung und der Reichsmonopolverwolwng eingeleiteten Maß- nahmen zur Beseitigung der Mißstände schon sichtbaren Erfolg ge- zeitigt haben. Der Bericht beschwert sich, daß der Industrie mcht wie vor dem Krieg« eine Stundung von sechs Monaten für die auf dem Alkohol liegenden Verbrauchsabgaben gewährt wird. Da auch von den maßgebenden Stellen eingesehen werde, daß die hierdurch herbei- geführte Anspannung des Betriebskapitals auf die Dauer nicht zu ertragen, bestehe die Hoffnung, daß demnächst gewisse Erleichterungen eintreten werden. Sowohl dieser Geschäftsbericht als auch der der Tochtergesellschaft C. T. Hünlich stelll eine Besserungdes Um- iatzes im laufenden Geschäftsjahre fest. Reue Schachkanlogen im Buhrbergbao. Während auf der«inen Seite Schachtonlagen des Ruhrbergbaues Betriebseinschränkungen vornehmen oder sogar zu vollständigen Stillegungen gezwungen sind, werden auf der anderen Seite neu« Schochtanlaaen errichtet. So hört die„Konjunktur-Korrespondenz", daß die Harpener B« r g b a u- A.- G. an der Lippe bei Lanstrop in des Nähe des Grevcler Wasserturmes demnächst einen neuen Schacht abteujen läßt, wozu die nötigen Grundstücke den Landwirten bereits abgekauft worden sind. Dieser neue Schacht soll vorläufig der Per- sonenförderung und Wetterführung für die benachbarten Zechen dienen. Di« Gelsenkirchener Bergwerksgesellschast hat den neuen Schacht I V ihrer Zeche„Minister Stein_ fertiggestellt. der von autzergepzöhnlicher Größe in modernster Aufmachung ge- baut ist. Dazu kommt eine neu« Kohlenaufbereitungsanlage, so daß die Zech«„Minister Stein" ihr« Förderung bedeutend erhöhen kann. — Die Gewerkschaft E in s ch e r- L i p P«, die seit einiger Zeit aber vollkommen im Besitze des Norddeutschen Lloyds ist, sieht sich dagegen gezwungen, ihren Betrieb einzuschränken. In der ersten Oktoberhälite sind bereits über 500 Bergarbeiter entlassen worden. Die Schachtanlogen lll und IV sollen allmählich gan., stillgelegt werden, so daß sich die ganze Förderung durch die Schächte I und II vollzieht. Auch die Niederbringung eines neuen Schachtes dieser Gewerkschaft, der bereits soft 100 Meter abgeteuft war, soll bis zur Rückkehr besserer wirtschaftlicher Verhältnisse eingestellt werden. Bückersiattung de, gesamten deutschen Eigentum,>n Amerika? Nach einer Meldung des Reichsdienstes der deutschen Presse besteht die Absicht, gemäß einem von dem republikanischen Abgeordneten Bloom ausgearbeiteten Gesetzentwurf das gesamte deutsch« Eigentum in Amerika den früheren Besitzern zurückzuerstatten. Da auch andere Parteien ganz oder teilweise für eine solche Regelung sind, hat der Entwurf große Aussicht auf Annahme. Ueberhaupt ist die Stimmung in Amerika gegenüber Deutschland in den letzten Monaten allgemein freundlicher geworden und hat eine starke An- Näherung herbeigeführt, da man in der loyalen Erfüllung des Dawes- Abkommens im Handelsvertrag und in der Sicherheitskonferenz den guten Willen Deutschlands zur Verständigung der Völker sieht. 4 Henkelt ScHeuerpulver Qebraocbe Ata— und im Hans Siebt's stets bei Dir wie Sonntag anal Mit Ata kannst Du alle Sacben Blitzblank und appetltllcb machen! Hta putzt und scheuert alles! Nr. 497 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Justizdebatte im Landtag. Der Fall Höfle.. - Alle Parteien geben die Verfehlungen der Justizorgane zu. In der gestrigen Landtagssigung versuchte nach den Aus. führungen des Gen. Kuttner Abg. Dr. Boehm( D. Bp.) zu bestreiten, daß parteipolitische Einstellungen mit dem Schicksal Dr. Höfles etwas zu tun haben. Der Ausschußantrag stelle ein Kompromiß dar, das bie Schattenseiten eines solchen habe. Nachgewiesen sei nur, daß der Tod Höfles durch Einnahme zu großer Dosen von Schlafmitteln herbeigeführt sei, nicht nachgewiesen sei eine Selbst ver= giftung. Nachgewiesen sei auch die Mißwirtschaft mit Schlafmitteln im Gefängnislazarett. Ob Höfle durch die leberführung in ein Krankenhaus noch zu retten gewesen wäre, stehe dahin. Die feelischen Einwirkungen mögen einen gewiffen Anteil an dem ungeheuerlichen Ausgang gehabt haben, aber eine beabsichtigte Selbsttötung fönne weder behauptet noch mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die Volkspartei werde den Ausschußantrag annehmen. Abg. Eberlein( Komm.) bezeichnet Höfle als ein Opfer des Systems der besonderen Behandlung der Insassen der Untersuchungsgefängnisse, das auch unter der Republik unverändert fortgedauert habe und unter dem Sozialdemokraten und Kommunisten genugsam gelitten hätten. Die Aerzte hätten in schamlosester Weise ihre Pflicht versäumt und die Justizverwaltung hätte darum gewußt, ohne diesen Burschen a la Thiele ihr verbrecherisches Handwerk zu legen. Noch dieser Tage fungiere derselbe Thiele in einem Leipziger Kommunistenprozeß wiederum als Sachverständiger.( Lebh. hört! hört!). Abg. Wachhorst de Wente( Dem.) meint, die ganze Höfle- Angelegenheit wäre anders verlaufen, wenn die Straffammer öffentlich verhandelte. Die Methoden der jungen Staatsanwaltschafts- Assessoren, bei ihren Ermittlungen mit Flugzeugen usw. vorzugehen, feien Gegenstand peinlichsten Aufsehens in der ganzen Welt geworden. Mit ganz unnüßer Strenge und Härte sei auch Frau Dr. Höfle behandelt worden. An Selbstmord habe Dr. Höfle schon als treuer Sohn der katholischen Kirche nicht denken können. Die Untersuchung habe in geradezu mittelalterlich anmutende Zustände der deutschen Justiz hineingeleuchtet. Auf dem Wege der Gesetzgebung müsse Abhilfe erfolgen. Abg. Schwent- Oberhausen( Wirtschaftl. Bereinig.) erklärt: Ob Dr. Höfle schuldig oder nicht schuldig war, wird nie aufgeflärt werden. Sein tragisches Ende bedauern wir im Interesse seiner Familie, seiner Partei und im Interesse des Rechts. Abg. Dr. Körner( Deutschvölt.) meint, Höfle sei nicht schlechter behandelt worden als andere Untersuchungsgefangene auch. Staatssekretär Frige erflärt gegenüber Auslassungen des Vorredners, daß die Behauptung unrichtig sei, daß das Juftizminifte rium versucht habe, Kutister dem ordentlichen Richter zu entziehen. Abg. Quaft- Faslem( Dnat.) betont, daß man nicht etwa fchwarzweißrote Reattionen" für den Fall Höfle verantwortlich machen könne, denn die meisten daran Beteiligten feien Zentrumsangehörige gewesen. Mißgriffe in der Recht fprechung fönnten immer vorkommen. Man dürfe daher bei einer | Reform der Justiz nicht lediglich sentimentalen Erwägungen unter liegen. Die im Falle Höfle vorgekommenen Fehler und Härten seien vielleicht einer zu großen Korrektheit der Beamten entsprungen.( Lachen links und im Zentrum.) Zur Behebung der gerügten Mißstände würden die Deutschnationalen alle Maßnahmen unterstützen. Abg. Wefter( 3.) behauptet, der sogenannte Geheimerlaß des Wohlfahrtsministers sei zwar durch Mißstände dem Sinne nach leider notwendig geworden, aber von Juristen und Aerzten falsch ausaelegt. Katastrophal habe gewirkt, daß ärztliche Gutachten von den zuständigen Juristen falsch ausgelegt wurden. Ferner habe die Organisation versagt, in dem weder der Geistliche noch die Ehefrau Höfles bei der Schwertranfmeldung vorschriftsmäßig benachrichtigt worden sei. Die Frage, ob das Leben Höfles im Rahmen der bestehenden Gesetze und Verordnungen hätte gerettet werden können, müsse unbedingt bejaht werden. Der Fall Höfle sei wirklich fein Ruhmesblatt in der Geschichte der preußischen Justizverwaltung. Jeder Bürger des Staates sei gefährdet durch die Zustände, die in der Justizverwaltung bestanden haben und teilweise noch bestehen. man habe daher ein Interesse daran, mit allen Parteien einheitlich in dem für diesen Zweck gebildeten Ausschuß zusammenzuarbeiten und Sorge dafür zu tragen, daß der Geist, den Bolt und Parlament Mittwoch, 21. Oktober 1925 Damit schließt die Aussprache über den Ausschußbericht zum Falle Höfle und die Beratung des Haushalts der Justizverwaltung wird um 46 Uhr auf Mittwoch, 12 Uhr vertagt. In der Rede des Genossen Kuttner zum Fall Höfle läßt der Bericht infolge eines Druckfehlers Genoffen Kuttner sagen, der volfs= Ausschußberatungen von einem preußischen Panama gesprochen. Es muß umgekehrt heißen: Herr Binferneil hat als Resultat der Ausschußberatungen im Barmat- Ausschuß hervorgehoben, daß von einem preußischen Panama nicht geredet werden tönne. parteiliche Abgeordnete Dr. Binterneil habe nach Abschluß der sammlung der Deutschen Volkspartei in den Kammersälen der Die Feststellung ist auch deswegen wichtig, weil in der Ber volksparteiliche Redner Klinthardt große Töne über Korruption preußischer Abgeordneter in Beziehung auf den Fall Barmat gerebet hat. Man sieht, daß die volksparteilichen Agitatoren im Lande fich sehr wenig um das scheren, was ihre eigenen Abgeordneten auf Grund fachlicher Prüfungen feststellen müffen. Aus der Partei. „ Wir sind jung und das ist schön", dieses echt volkstümlich langbare und darum so schnell weitverbreitete Lied der Arbeiter Kinderfreunde- Schützlinge, hat den Wiener Genossen Heinrich Schoof zum Verfasser, den langjährigen Chormeister der Wiener Freien Typographia" und Dirigenten einer eigenen Kapelle, die bei zahllosen Parteiperanstaltungen mitgewirkt hat. Zum 60. Geburtstag hat das Unterrichtsministerium Heinrich Schoof den Titel besondere Auszeichnung) verliehen. Professor" und die Stadt Wien ihm das Bürgerrecht( bort cine BR einhellig verlangen, in der Justizverwaltung endlich Allgemeingut parteinachrichten wird. den Standpunkt der Deutschen Volkspartei teilte, daß Abgeordnete, Abg. Dr. Kriege( D. Bp.) bedauert, daß der Rechtsausschuß nicht die als Zeugen in einem Untersuchungsausschuß vernommen werden, beobachtet, daß die Zeugen leicht zu Angeklagten werden.( Sehr nicht gleichzeitig Mitglieder des Ausschusses sein können. Man habe festlegen will, daß untersuchungsausschüsse nicht in richtig!) Der Redner erwähnt dann den Antrag seiner Partei, der schwebende Rechtsverfahren eingreifen dürfen. Die Angriffe gegen die Justizbehörden weist der Redner zurück. Es müsse allerdings zugegeben werden, daß in der letzten Woche vor dem Tode Höfles der Haftbefehl hätte aufgehoben werden müffen. Reinesfalls aber könne man von einem Justizmord sprechen. Der Tod Höfles set vielmehr auf das Einnehmen von Giften zurückzuführen, ganz abgesehen davon, was dazu Beranlassung gab. Die Deutsche Volkspartei hielte jedenfalls daran fest, daß die deutsche Rechtspflege durchaus auf der Höhe steht.( Oho!-Rufe und lebhafter Widerspruch links!) Abg. Riedel( Dem.) erklärt, niemand bedaure mehr als die Demokraten, daß der Glaube an die Unabhängigkeit des deutschen Richterffandes durch gewisse Urteile und Erkenntnisse im Volte erschüttert worden ist. Zu hoffen sei, daß das Justizministerium mit dem Landtag alle Maßnahmen ergreifen wird, die dazu führen können, diesen Glauben wieder herzustellen. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat. 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten. Achtung, Abteilungen! Im Jugendheim Lindenstr. 3 find an Spezialflugblättern noch vorrätig solche für Sozial- und Kleinrentner, für eingärtner, fire Gewerbetreibende( Mittelstand) und Raufleute und fitr Beamte und Angestellte. Alle Abteilungen müssen davon verbreiten. 6. Kreis Kreuzberg. Die Versammlung heute, Mittwoch, in der Bodbrauerei wird von der 40., 41., 42., 44., 45. und 46. Abt. besucht. Arbeiterwohl. fahrt. Am Donnerstag, den 22. Oftober, 8 Uhr, Lichtbildervortrag über: Rulturaufgaben der Arbeiterwohlfahrt"( Referentin: Minna Todenhagen) im großen Sigungssaal des Bezirksamts Kreuzberg, Yordste. 11. Eintritt frei. Gäste willkommen. Sämtliche Mitarbeiter in den Wohlfahrts. tommiffionen find zur Teilnahme verpflichtet. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Donnerstag, den 22. Oktober, treffen fich fämtliche Genofsinnen und Genossen, die Arbeiterjugend und Janafozialisten zum Umzug um 6½ Uhr bei Rosenthal, Ebersstr. 66. Erscheinen ist umbedingt notwendig. Am Sonnabend, den 24. Oktober, Wahldemonstration. Treffpunkt: 6 Uhr bei Rosenthal, Ebersftr. 66. 13. Kreis Tempelhof. Freitag, den 23. Oktober, große öffentliche Rundgebung bei Crossel, Mariendorf, Chauffeestraße. Referenten: Paul Levi und Hermes. 20. Kreis Reinickendorf. Sermsdorf, Waidmannslust, 2übars, Wittenau, Rosen thal, Reinidendorf- Oft: Donnerstag, den 22. Oktober, 8 Uhr, äffentliche Wählerverfammlung im Lotal Bellevue, Hermsdorf, Schloß- Ede Waldsee. Straße. Reinidendorf- West, Borsigwalde, Tegel: Donnerstag, den 22. Oftober, öffentliche Wählerverfammlung in Sartmanns Brauerei, Reinidendorf- West, Scharnweberstr. 104. Heute, Mittwoch, den 21. Oktober: 9. Abt. 7 Uhr bei Faber, Stephanstr. 11, 8ahl- und Distuffionsabend. Alle Genoffen und Bezirksführer müssen anwesend sein. Die Bezirksführer rechnen ab. Am Donnerstag, den 22. Oktober, von Hibner, Wilsnader Straße 34, aus Handzettelverbreitung, nachmittags 5 Uhr. PLAS BARCY Delft 15000 Mark für frohe Gesichter! Wer sind die Glücklichen? Den 50 Mark- Schein erhielten unter anderen: 1 1 Herr Wilhelm Bunke, Kaufmann, Charl, Spandauer Berg 31 Herr Hermann Rehm, Elsasser Straße 47( Palais der Friedrichstadt) Herr Dr. Richard Baruch. Augenarzt, Flensburger Straße 21 Herr Hans Schimmangk. Kaufmann. Ottostraße 7- Herr Albrecht. Verlagsbuchhändler, Charl. Wielandstraße 51- Frau Cickscki, Verkäuferin. Bülowstraße 29 Herr Gerhard Willheim: Friedrichshagen. Köpenicker Straße 52( Pschorr- Bräu. Potsdamer Platz)- Herr Dr. Musefeld. Stabsarzt, Budapester Straße 8- Herr Rudolf Wyschick Bankbeamter, Neuk.. Boddinstraße 12. Herr Alfred Schubert. Kaufmann, Grunewald. Auerbachstraße 17- Herr Willi Klein, Tapezierer. Charl.. Wielandstraße 9- Herr Hans Woithe, Kaufmann, Eyke- von- Repkow- Platz 3( Café Vaterland. Turmstraße) Herr Hans Flück. Monteur, Chausseestraße 50.- Herr Max Orlomann. Pferdehändler, Seestraße 47 Herr Erich Lamprecht, Wickler. Martin- OpitzStraße 6 Herr Arthur Gabel, Schlosser. Borsigwalde, Conradstraße 6 Herr E. Geissler, Werkmeister, Schulstraße 38- Herr Liehr, Saatzuchtleiter, Wühlischstraße 1 Herr cand. med. vet. Otto Austen. Reinickendorf, Residenzstraße 123 Fräulein J. Jauk. Stenotypistin, Halensee, Joachim- Friedrich- Straße 12- Herr Leo Jachel. Tischler. Britz. Hermannstr. 11- Herr Hermann Gronwald, Polizei- Oberwachtmeister. Reichenberger Straße 181 Herr Arno Katz, Kaufmann, Wollinerstr. 4 Herr L. Schuster, Kaufmann. Pasteurstr. 2 Herr Fritz Rumlow, Lehrer, Helmstedter Str. 12 a Herr Paul Partz, Kaufmann, Stettin, Preußische Str. 19- Herr Otto Boden, Kaufmann, Schaperstr 31( Rhein. Winzerstuben) Herr Brüshafer, Damenfriseur. Uhlandstr. 14( Café Josty, Potsdamer Platz) Herr Albert Grandke, Cottbusser Damm 15 Fräulein Lilli Tamke. Verkäuferin, Große Frankfurter Straße 125 Fräulein Herta Galde, Verk., Romintener Straße 33 Herr M. Donski, Kaufm., Schönh. Allee 130 Herr Friedrich Ruschin, Zionskirchstraße 17 Herr Alfred Kitzing, Brunnenstraße 58- Herr Willi Lehmann, Reinickendorfer Straße 17 Herr Kurt Bendrix, Turmstraße 80 Herr Otto Heibutzki, Charl., Berliner Straße 150 Fräulein Agnes Sauer, Verkäuferin, Reichenberger Straße 15 Herr Karl Oertel, Prinzenstraße 109- Herr Arthur Natho, Hoteldirektor. Lichterfelde. Sternstraße 12- Herr Paul Eilenberg. Geschäftsführer. Charl. Kantstraße 38 a Herr Arthur Grob, Kaufmann, Charl., Kantstraße 38 a Herr Alfred Merten, Verkäufer, Alexanderstraße 1- Herr M. Meißner, Kürschnerei. Neuk.. Lichtenrader Straße 47( Café Aschinger, Alexanderplatz) Herr Ernst Franke, Handlungsgehilfe, Emdener Straße 30 Herr Friedrich Geschke. Verkäufer. Charl.. Bleibtreustraße 51 Herr Gerhard Müller, Kaufmann. Neuk.. Kaiser- Friedrich- Straße 167 Herr Bruno Raasch. Vertreter, Neue Hochstraße 32 Herr W. Pflug. Bürosekretär. Weidenweg 77 Herr Herbert Hoffmann, Kaufmann, Eisenacher Straße 88( Café am Nollendorfplatz) Herr Adolf Bochenek, Schneider, Ackerstraße 17( Café Vaterland. Potsdamer Platz) Herr Kurt Franke. Kaufmann. Berlin- Rosenthal, Reichskanzlerdamm 44( Café Fürstenhof, Potsdamer Platz) Frau E. Wicken.. Neuk., Böhmische Straße 45( Bellevue- Konditorei. Potsdamer Platz) Herr Julius Dahlke. Magistratsbeamter, Neuk., Richardstraße 60( Palast- Café, Potsdamer Platz) Herr Otto Sydow. Kaufmann, Friedenau. Dürerplatz 3( Pschorr- Bräu. Potsdamer- Platz) Frau Marie Sablowsky. Friedrichstraße 17 Frau Sommereisen, Tempelhof. Kaiserin- Augusta- Straße 75- Herr Hirsch, Verkäufer, Tauentzienstraße Herr Paul Graffunder, Motzstraße 66 Frau Käte Barz, Charl.. Herr Artur Bernadelli, Spandau, Charlottenstraße 29 Frau Ullrich. UhlandFrau Martha Becker, Neuk., Kaiser- Friedrich- Straße 237 Frau Hedwig Körner. Herr Max Schulz, Verkäufer, Königstraße- Herr Wilhelm Paschen, Alexanderstraße 37 a Herr Paul Basch, Verkäufer. Lindenstraße 109. Savignyplatz 6 straße 110 Wallstraße 66 Die zweite Namenliste folgt bald. Vielleicht enthält sie auch Ihren Namen! Rauchen Sie frohen Gesichts Massary Delft, Herr X kann Ihnen jeden Augenblick begegnen. EQET WIE NAME Die 56 Mark, ihr Lieben. sind schließlich bald zerronnen, Doch eins ist ench geblieben: Erkenntnis ward gewonnen. Man kann mit kleinen Sachen sich manche trübe Stunde doch recht erträglich machen: Frohsinn hat Delft im Munde! Zu dienes ist ihr Streben, zu helfen und aufs nege each frohen Mat zu geben, Der Marke wahrt die Trem! Delfit Edel E 38 KI Massary Zigarettenfabrik A.G.Berli habe ich die öffentlich ausgeschriebene Spende zur Hebung der Gebensfreudigkeit in Höhe von Von der Quittung MASSARY- ZIGARETTENFABRIKAG M50-( Fünfzig Reichsm erhalten. Ich bin damit einverstanden daß m Name in den Zeitungen veröffentlicht wird Name: M: bonski Stand: Kaufmann Saree N18, Lehörf. Allee, 130 Genaue BERLIN S- 42 18. 95. 7 1hr wichtige Wingblattverbreitung von Dbiglo, Straffumber Str. 11. 22. Abt. Bon 5-7 Uhr Kreisflugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. 23. Abt. 7% Uhr Rahlabende bei: Taube, Müllerstr. 62a; Tiche, Barfusftr. 9; Lewandowski, Geeftr. 104. 32. Abt. Die Gruppenleiter können heute von 5 Uhr ab Sandzettel bei Aromphardt abholen. Die Bezirksführer und alle Genoffen von 5% Uhr ab in den bekannten Gruppenlokalen. Charlottenburg. 51. Abt. 7½ Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. Ein53. Abt. teilung der Wahlarbeit. Alle Genossen müssen erscheinen. 7 Uhr bei Lux, Suttenstr. 26, und Schweitert, Erasmus ftr. 2, 8ahlabende. 71. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr Einteilung der Wahlarbeit bei Jonas, Duv lacher Straße. Sämtliche Genoffen müssen erscheinen. 95. Abt. Nenkön. 7½ Uhr Wählerversammlung in den Passage- Festfälen, Bergstr. 151. Gaalfchuk um 47 Uhr anErscheinen ist notwendig. mesend sein. 105. Abt. Adlershof. 6 Uhr Flugblattverbreitung bei Vogel, Bismarcstr. 74. 110. Abt. Grünau. Handzettelverbreitung. Material ist beim Gen. Klein in Empfang zu nehmen. Freitag, den 23. Oktober, 8 Uhr, im Jägerhaus öffentliche Berfammlung. Referent: Bezirksverordneter Rohde über: Wen wählen wir am 25. Oftober?" 119. ht. Lichtenberg. 7% Uhr bei Nene, Möllendorffftr. 43, Ede Rittergutstraße, außerordentliche Mitgliederversammlung und Sandzettelverbreitung. 136. t. Neinickendorf- Oft. Die Bezirksführer werden dringend gebeten, die Sandzettel für die Freitag- Bersammlung fofort vom Genossen Wahle, Borwärts- Spedition, Provinzstr. 56, abzuholen.. Theater, Lichtspiele usw. Volks bühne 71½ Uhr: Hamlet Morgen 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig Staats- Theater Opernhaus 8 Uhr: Jenufa Opernhaus am Königsplatz 7: La Traviata Dir. A. Hellmer Lessing- Th. 8 Uhr: Gier unter Ulmen von O'Neill Regie B. Viertei Gerde Müller Wegener, Müthel Kleines Th. 8 Uhr Schauspielhaus Hochzeitstage 8 Uhr: Hannibal Schauspiel von Geraldy Schiller Theater Morgen, Donnerstag, den 22. Oktober: 1. 26. 7 Uhr bei Richiefing, Aderstr. 1, Mitgliederversammlung. Me Genoffen müssen erscheinen. 4. Abt. 7 Uhr im Ronferenzzimmer der 5. Oberrealschule, Kleine Frankfurter Str. 6, Mitgliederversammlung. Thema: Sozialistische Erziehung". Referentin: Schulschwester Irma Epstein. Einteilung zur Bahlarbeit. Bezirksführer laden ein. 79. Abt. Schöneberg. 8% Uhr bei Groß. Gedanftr. 17, wichtige Besprechung. Alle Funktionäre, Wahlhelfer und helferinnen müssen erscheinen. 89. Abt. Neukölln. 7½ Uhr wichtige Funktionärsigung. Wahlvorsteher und Stellvertreter erscheinen. Bezirksführer laden ein. Jungfozialisten. Spielgemeinschaft: Mittwoch, den 21. Oktober, 6½ Uhr, Probe der Chöre für Tollers Wandlung". Um 7½ Uhr müssen alle Mitwirkenden anwesend sein im Saalbau Friedrichshain, nahe Rönigstor. Gruppe Mitte: 8 Uhr in der Schule Gipsstr. 23a Uebung zum Glazbrennevabend. Frauenveranstaltung am Mittwoch, den 21. Oktober: 79. Abt. Schöneberg. Frauenabend 7% Uhr bei Groß, Gedanstr. 17, Bortrag. Alle Genofsinnen müssen anwesend sein. * Kinderfreunde Reukölln, Elterngruppe der Kindergemeinschaft Bergstraße. Mittmoch, den 21. Oftober, 7 Uhr, in den Baraden in der Ganghoferstraße ( gegenüber dem Stadtbad) Besprechung der Winterarbeit. Großes Schauspielhaus SONNTAGS: 2 Vorsteilungen Norden 2951/53. nachm. 3 Uhr za ermäßigten Preisen. Für Dich! Die große Charell- Revue( 300 Mitwirkende) tägl. 8 Uhr Prelse der Plätze: Parkett M. 5.- Balkon M. 4.-, 1. Rang M. 3. 2. Rang M. 1.50, sessel M. 7-12 Logen und Klub 8. Rarg M. 0.75 Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen. Residenz- Th 8 Uhr: Circes Heirat Trude Hesterberg Oskar Sabo Adolphe Engers André Mattoni Thalia- Th. Theat.d. Westens Casino Theater Die Koblanks 8 Uhr: Annemarie Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Gastsp. Hubert Marischka Der Orlow 3 Täglich 8 Uhr Lothrin er Str. 37. im Theater in d. Neu! Tägl- 8 Uhr Heu! Lützowstr. 112 Die Frau Ecke Flottwellstr. Mittw.nchm. 4 Uhr Rotkäppchen im gefährl. Alter vorzeig dies. zahien Vorher das bunte Programm nur halbe Preise Martin Lowe Arthur Wright von 50 Pfg. an. Lustspielhaus 8 Uhr: Weibnachts- Trianon-Th.SU. Theater 8 U. Rose- Theater einkäufe Liebelei 8 Uhr Städtische Oper im Damen coupé Charlottenburg 7 Uhr: Tannhäuser Abonnem.- Turnus 4 Deutsches Theater 7% Uhr: * Der Schwank von Hennequin und G. Mitchel Täglich 8% Uhr: HALLER REVUE Theater im Kreidekreis Admiralspalast von Klabund Kammerspiele ACHTUNG! 8 Uhr. Parable will WELLE nicht heiraten 505!" von Jerome K. Jerome II. Rang von 2 Mk. Parkett von 4 Mk. Die Komödie Logen von 8 Mark Kurfürstendamm 207 8. Unr Central Theater Gesellschaft Frieschübel 8 Uhr v John Galsworthy Metropol- Theater Regie: M. Reinhardt Berliner Theater 8 Claire Dux als Uhr: in der Klosterstr. 43 81% König Krause Fr WarrensGewerb. Uhi: WIEN BERLIN Jagers63 Jägerstraße 63a Täglich 8 Uhr anter Leitung des Komponisten Erich Ziegler. Was alles in der Zeitung steht Else Böttcher, Berliner Theater Eugen Rex und andere Sonntag 4 Uhr: Nachmittags- Vorstellung mit Eugen Rex Berlins größtes Bier- Kabarett Kalte u. warme Küche Ufa Palast am Zoo Der Mann, der die Ohrfeigen bekam mit Lon Chaney Regie: Viktor Sjöström Metro Goldwyn- Film der Ufa Gastspiele des Mamsell Angol uta- Symphonie- Orchester, Dirigent: Moskauer Künstler- Th. Kirchhoff, Leux Musikal. Bühne Hansen, Arno unt. Lte.d. Grund. u. Neues Hauptreg. Wladimir Nemirowitsch- Dantschenko Heute 8 Uhr: Carmencita u.d.Soldat Theater am Traq. Spiel von K. Lipskereff Täglich 8 10 Uhr: Musik ,, Carmen"-Bizet Donnerstag 8 Uhr. zum 1. Male: Ange Pitou Olly- Polly ( Die Tochter der Mad. An, ot) Operette von Kollo Komische Oper Musik von Lecocq Emmy Sturm Curt Bois Th. a. Nollendorfpl. Parkettpl.v. 2-12 M 8 Uhr: Die hellblauen HerrnfeldSchwestern Theater, Bülowstr.6 Täglich 8 Uhr Die neue Künnecke- Was fuf sich Operette Deutsches Künstler- Theater Tägl. 348 Uhr: Im Séparé? mit Dir. Anton Herrnfeld Gastspiel SCALA Fritzi Massary: Die Teresina Th. am Kurfürstendamm 8 Uhr Internat. Ernó Rapée Ufa- Ballett, Leitung: Alexander Oumansky Wochentags 5, 7, 9 Uhr. Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr. Preise 1.50 bis 5.Tel. Bestellung Nolldi. 62, 1397, 5280, 5281 Vorverkauf für 3 Tage im Voraus täglich ab 11 Uhr ununterbrochen. Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger WINT Nachm. halbe Preise Dönhoff- Brett'l: Familien Varieté. Sonntags 5% Uhr. Anfang 8 Uhr 12 બા RIEN Little Tich Englischer ExceptricKomiker Amarantina, der Stern Sevillas der große Wenn ich wollte... Varieté Sonntags nadim. 3½ U. halbe Frelse 3, Rauchen gestattet Th. am Schiffbauerdamm ( Neues Operettenbaus) 8: Lady Fanny und die Dienstbotenfrage Komische Circus 81 Oper 84 Dir.: James Klein GrößteRevue der Welt Von A bis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräc Berlins Parkett 6.- M. Preise 2. bis 12,- M. ( Logen 15. M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet Busch Tägl. 712. Stg. a. 3 U.: Die gr. Sensation! Fliegend. Torpedo Russ. Clown Durow Sell d. Todes und das übr. gr. Circusprogr. 9 U: 1000 Jahre Deutscher Rhein Gr. Wasserapotheose ETROPO VARISTYL 8 Täglich leinr. Kohlbrand der Ur omische und das große Programm Eintr 1, 2 u 3 M Apollo- Theater BU Dir Jam.Klein 8U Der Mann, der sich verkaufte Vorverk. den ganz Tag 8 Uhr: Ritter Blaubarts achte Frau Lotte Neumann Paul Heidemann Josefine Dora Baselt, Diegelmann Metelka, Wilfan Theater in der Kommandant.Str. 8 Uhr: Anneliese von Dessau Marie Escher a G. Trabrennen Mariendorf Mittwoch, den 21. Oktober nachmittags 12% Uhr Elite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. pl. 160 77. Tägi.SUhr, auch Sonntag nachm 3 Uhr( zu halben Preisen). U. Wandelndes Glück a. Großer Solotell u. Winzer.est am Rhein abuco Pelzhaus Leipziger Str. 58 I verkauft Pelzmäntel, Amsel 4 Pf. Jugendveranstaltungen. Mitglieder! Rur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, den 8. November, im Großen Schauspielhaus find Karten zum ermäßigten Preise zu haben. Achtung, Abteilungsleiter! Gorgt dafür, daß die noch ausstehenden Wander sparmarken abgerechnet oder dem Sekretariat zurüdgegeben werden. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute, Mittwoch, von 5-7 Uhr, Abrechnung der Beitragsmarken. Heute, Mittwoch, den 21. Oftober, abends 7% Uhr: Bedding: Schule Ruheplaz Ede Antonftraße. Bortrag: 8wed und Ziele der SAJ." Selmholzplag: Schule Ebersbalder Str. 10, Zimmer 10. Bortrag: ,, Sozialismus und Kirche". Rosenthaler Vorstadt: Bortrag: ,, Bandern und Schauen". Warschauer Biertel: Schule Tilfiler Str. 4. Vortrag: ,, Alt- Berliner Humor". Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 102/103. Vortrag: Geschichte der Arbeiterjugend". Südost R.- B.: Jugendheim Reichen berger Str. 66. Bortrag: Die russische Revolution von 1905". Wannsee: Schule Charlottenstraße. Vortrag: Rörperkultur". Falkenberg: Jugendheim Am Faltenberg 117. Arbeitsgemeinschaft: Sozialistische Erziehung in der SAJ.". Friedrichshagen: Jugendheim Scharnweberstr. 105. Bortrag: ferdinand Lassalle. Kaulsdorf: Schule Adolfstr. 25. Vortrag: Die Bedeutung des Sakenkreuzes". Wefter für Berlia und Umgegend. Milder, meist bewölft mit Regen fällen. Für Deutschland. 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Anläßlich des Heimganges unferes leben Teten fagen wir für die überaus Aahreiche Teilnahme, besonders der GPD., 36 Abt., dem Metallarbeiter verband, dem GesangvereinFriedrichs hait, den Freidenkern, den Kollegen u. Angestellten der Firma Wolfferts& Wittmer und den Mietern des Hauses Edertstr, 4, auf diesem Wege unferen besten Dant. 10/11 Marie Unglaube Baul Unglaube Marie Unglaube, geb. Rummer Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Graveure, 3ijeleure Achtung! Donnerstag, den 22. Oktober, nachm. 5 Uhr, in Ewalds Dereinshaus", Staliger Straße 126: Branchenversammlung der Graveure und Ziseleure. Tagesordnung: 1. Unsere bevor ftehende Reichstonferenz. 2 Branchen. angelegenheiten. 3. Berschiedenes. In dieser Versammlung milffen die zugesandten Fragebogen zurückgegeben werden. Die Ortsverwaltung. Garderobe für Damen und Herren Teilzahlung! Große Auswahl Gross Gr. Frankfurter Sir. 141, I Kastanien- Allee 103 Philharmonic 8 Uhr: Sinfonie Konzert des Philharm. Orch Dirig. Pref. Julius Prüwer Eroica- Sint.- Beethoven Sol.: Holst( Viol., esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im Vorwärts und trotzdem !! billig!! AR sid Mittwoch 21. Oktober 1925 2] Unterhaltung und Wissen Nach Amerika. 10 Bon Wilhelm Sollmann. Nächtlicher Sput. Unbestrittn gefängniskundige Leute wie der Präsident des Deutschen Reichstags urteilen:„ Lieber 30 Tage Gefängnis als drei Tage seekrant; lieber noch einmal ins Kittchen als noch so eine Ozeanfahrt!" Indes hat der Meergott seinen Lieblingen noch besondere Ueberraschungen aufgespart. Budenzauber auf Neptuns Art ist eine davon. Man liegt in schwerem Schlaf und träumt von einem Bett, das nicht Karussell fährt, sondern auf festem Boden steht. Plöglich ein Knall, ein Rauschen, ein Gießen und ein Schrei: der Sturm hat das runde Kabinenfenster aufgerissen. In Kubitmetern schwappt das Meerwasser in die Kabine. Der Seefrante, der eben noch glaubte, nicht stehen zu können, führt einen Heldenfampf, um den Atlantischen Ozean in seine Bahnen zurückzuweisen. Alarm! Rettung in Unterhosen auf den Flur. Heizer eilen herbei, um das verwässerte Boudoir auszuschöpfen. Das Fenster wird erfeßt, und gegen Morgen schon fann sich der Aufgescheuchte in die vorübergehend in ein Aquarium verwandelte Kabine zurückziehen. In der Frühe aber medt ihn der Schiffstrompeter mit der Ermunterung: Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht.... III. Klaffe und darunter. Die drüben in der III. Klasse sind von den Kajütenpassagieren durch ein Gitter geschieden. Vielleicht haben sie dadurch nicht viel verloren. Hinter dem Gitter ist jedenfalls mehr Leben als auf den Kajütendecks. Während man hier steif promeniert und nur allmählich das Getue einer wohltemperierten wärmeren Stimmung weicht, helfen sich die drüben schon von der ersten Stunde an über die doch für manche sehr schicksalsschwere Fahrt hinweg. Ein Gefangverein hat sich konstituiert. Sein Dirigent übt, als wolle er in Amerifa mit seinen Sängern eine Weltmeisterschaft erringen. Immer wieder sehnsuchtstiefe Melodien. Das deutsche Volkslied zieht mit der großen Liebe zur Heimat noch in ihren verstoßenden Kindern über das Weltmeer. Unter allen Deds aber lebt und arbeitet eine Welt für sich. Da ist die Menge Menschen, die für die schwimmende Bevölkerung einer Kleinstadt Nahrung verwaltet und bereitet, die reinigt und puzzt und ordnet und sorgt. Und tiefer noch das Herz des Schiffsfoloffes: der Maschinenraum Hilflos ist der rechnende und beobachtende Kapitän dort oben, rettungslos verloren sind all die ftolzen Damen und Herren auf den Decks, wenn nicht im glühheißen Maschinenraum und bei den Heizern, deren Arbeitshöhle wahrhaft eine Hölle ist, der letzte Mann seine Pflicht tut. Es ist wie in Staat und Gesellschaft. Die Genießenden kennen diese Welt nicht, aber sie ist da, und auf ihr ruht der ganze Menschheitsbau. Als wir wieder auf das Deck der dritten Klassen hinaufsteigen, empfängt uns dort ein eindrucksvolles Bild. Man hat unseren Genossen Löbe erkannt und begrüßt. Er steht mit seinem frohen Wanderburschengesicht zwischen den Auswanderern, ein Arbeiter wie sie. Einer stimmt an und Löbe singt mit allen:„ Sah ein Anab' ein Röslein stehn". Oben drängen sich die Amerikaner an die Geänder des Decks. Vielleicht läßt sie dies fleine Erlebnis mehr von einem neuen Deutschland ahnen als eine lange Reise durch das Reich: Ein deutscher Arbeiter, Präsident des Deutschen Reichstages, ohne Titel und Orden, schlicht wie alle, im Kreise deutscher Arbeiter und ein Lied auf den Lippen, das seines Volkes größter Sohn aus der Seele seines Landes und Boltes schuf. ( Fortsetzung folgt.) Der Bernstein. Bon Otto Behrens. Der Bernstein, deffen elektromagnetische Eigenschaften man schon vor Christi Geburt erkannte( erwärmt man ein Stückchen Bernstein durch Reiben, so zieht es Papierschnigel an) und dem die Elektrizität ihren Namen verdankt( Bernstein heißt auf griechisch Electron"), ist aus dem Harz von Nadelhölzern entstanden, die vor Millionen Jahren in üppigen Wäldern an der Stelle gediehen, wo sich heute der südliche Teil der deutschen Ostsee befindet. Meereseinbrüche zer und des Rheinlandes fanden, erfordert einen Aufwand von nahezu 6 Millionen Marf. Die Jahresförderung dürfte auf nahezu 500 000 Kilogramm Rohbernstein fommen, deren Wert mehr als 5 Millionen Mark beträgt. Die im staatlichen Bernsteinbau und seinen Neben: betrieben beschäftigte Arbeiterzahl beträgt zurzeit etwa 1000 ständige Arbeiter und 200 Hausgewerbetreibende, so das der Bergbau in dem sonst industriearmen Ostpreußen eine immerhin bemerkenswerte Arbeitsgelegenheit schafft. Dem preußischen Staat ist aus dem Bei triebe ein jährlicher Reingewinn von durchschnittlich 1-1% Millionen Marf erwachsen. Ist der Bernstein nun von den ihn anhaftenden Erdteilen be: freit, so wird die den Kern umgebende Berwitterungsrinde mit Hackmesser und Hobeleisen befreit. In rotierenden Trommeln werden dann alle etwa noch vorhandenen Fremdkörper vermittels Sand und Maßarbeit. جام „ Ist das Kleid für die Berolina am Halse nicht etwas eng? Sie wird darin faum Luft bekommen!" Was braucht sie Luft zu schnappen! Wenn nur die Aermel bequem genug sind, damit fie füchtig für uns arbeiten fann!" Wasser abgeschliffen, so daß der reine Stein nach Form, Größe und Farbe sortiert werden kann. Hierbei sei bemerkt, daß man im somit an Bielseitigkeit der Darstellung nichts zu wünschen übrig! Handel 250 verschiedene Sorten unterscheidet; der Bernstein läßt an die in- und ausländische Drechslerwarenindustrie abgesetzt. WähJe nachdem, wie sich die Stücke am besten eignen, werden sie rend man die runden Stücke zu Perlen verarbeitet, dienen die flacheren, größeren Plattenstücke zur Anfertigung von Bigarren- und Bigarettenspitzen oder Mundstücken zu Pfeifen und Spizen aus Holz, Meerschaum usw. Aus den angegebenen Produktionszahlen geht schon hervor, daß auch die Bernstein verarbeitende DrechslerwarenIndustrie einen bedeutenden Umfang. haben muß. Während Berlen und anderer Schmuck hauptsächlich in Danzig, Königsberg und Berlin hergestellt werden, hat die Zigarren, Zigaretten- und Pfeifenspizenfabrikation ihren Hauptfit im Thüringer Wald, wie in Tabarz, Schwarzhausen, Fischbach, Thal, Ruhla usw., wo die so genannte Hausindustrie heimisch ist, in der sich die ganze Familie tagaus, tagein mit nichts anderem als drehen, bohren, schleifen und polieren beschäftigt, und woselbst leider eine der krassesten Lohn drückereien zutage tritt! Ein bitterer Wermuttropfen, wenn man die schönen Gegenstände betrachtet und bedenkt, daß hier in der Tat manche Perle eine Träne bedeuten mag! ſtörten die Waldungen, während das Harz unzerfekt blieb und durch Die ersten fünf Roten im Roten Hause. Gletschertransporte der späteren Eiszeit in tonigen Sandschichten abgelagert murde. Diese Schichten, blaue Erde genannt, die heute den Gegenstand der bergmännischen Gewinnung des Bernsteins bilden, sind auf der ganzen Welt nur an einer einzigen Stelle, nämlich bei Palmniden, an der Ostseeküste, in der Nähe von Scönigsberg, hier allerdings in erheblicher Ausdehnung, erhalten geblieben. Aus ihr werden heute weitaus die größten Mengen des in den Handel kommenden Bernsteins gewonnen, wogegen wesentlich fleinere Mengen ebenfalls an den Küsten der Ostsee aus dem Meere gefischt werden. Während bei der primitiveren Methode des " Schöpfens" oder„ Stechens" die Fischer mit sogenannten„ Käschern", d. h. Sackneyen, in die See gehen und auch die Bernsteinstückchen aus dem am Strande angeschwemmten Seetang lesen, wird andererseits der Bernstein, wie bereits gesagt, durchweg bergmännisch, und zwar im Tagebau, gewonnen, wogegen der noch bis zum Jahre 1923 bestehende Tiefbau( Grubenbetrieb), wo die Bergleute in den, schon durch die unmittelbare Nähe des Meeres bedingten, wasser: triefenden Schächten fein beneidenswertes Dasein führten, eingestellt worden ist. # Beide Gewinnungsarten, also sowohl die bergmännische als auch die des Fischens bzw. Sammelns, betreibt der preußische Staat durch die von ihm gegründete Preußische Bergwerts und Hütten Aktiengesellschaft, 3weigniederlaffung Bernsteinwerfe Königsberg, nachdem das Nuznießungsrecht einer Königsberger Privatfirma, die ihre Monopolstellung auf dem Bernsteinmarkt in rüdsichtslosester Weise ausgenutzt hatte, durch gejeglichen Beschluß entzogen wurde. Bei Palmniden find nun heute zwei große, elektrisch angetriebene Eimerbagger mit einer täglichen Leistung von je 4000 Kubikmeter, von denen einer als Hoch, der andere als Tiefbagger in Funktion tritt, an der Arbeit, zunächst das etwa 30-40 Meter mächtige, aus Fliessanden, Mergel, Kies und Geröll bestehende Deckgebirge abzuräumen, um die darunter liegende, bis zu 6 Meter starfe, bernfieinführende blaue Erde freizulegen. Die erheblichen Anforde rungen, die der Abraum an die Leistungsfähigkeit der Bagger stellt, werden klar, wenn man bedenkt, daß jährlich etwa 2½ Millionen Kubikmeter Erde gefördert werden müssen. Die Gewinnung der blauen Erde selbst, die etwa 1 Kilogramm Bernstein in einer Tonne enthält, erfolgt durch sogenannte Löffelbagger von 2 Kubifmeter Inhalt. Das Baggergut wird in eiserne Wagen gestürzt und zur Wäsche gefahren, wo die Erde auf Rosten und Sieben durch kräftige Druckwasserstrahlen von den Bernsteinftüden gelöst wird. Während lettere auf diese Weise zurückgehalten werden, fließt die„ Trübe" ins Meer. Die technische Anlage des Tagebaues der Bernsteinwerfe, für die sich Borbilder in großen Braunfohlengruben Mitteldeutschlands Beilage des Vorwärts verloren ging, mußten wir jeden ,, Transportierten vor dem Aussteigen warnen, ein Hoch auf August Herold auszubringen, da er sonst verhaftet würde. Was wieder bei manchem Spießer ein so dummes Gesicht ob solcher Zumutung hervorrief, daß ringsum schallendes Gelächter die Quittung war. " Schließlich verbot die Polizei auch das wegen Beeinflussung und Belästigung der Wähler". Endlich sei noch eine Verhaftung erwähnt. Die Zettelausteiler standen auf dem Schulhof- von der Straße waren sie durch die Polizei vertrieben, als ein Maurer, von zwei Studenten direkt vom Bau geholt, aus einem ,, Landauer" stieg und ihm auf dem Schulhof als erster ein eilfertiger Antisemit entgegentrat, ihm mit voller Hand einen vorgeschobenen Stimmzettel ent= gegenhielt mit den Worten:„ Bitte, Herr Professor Bullenweber." Der Maurer schob so energisch die hingehaltene Hand zurück, daß alle Zettel in den Schmuz fielen, und en jegnete: Wir wullen teenen Weber, wir wullen en Tischler!" Alles lachte, die Studenten riefen entrüstet nach dem Schuhmann und dieser führte den Berbrecher ab. Seine Stimme ging tatsächlich veroren, weil er bis Schluß des Wahlaftes nicht entlassen war. Auch am Wahltisch gestalteten sich die Dinge manchmal tragitomisch. Die Stimmzettel wurden bei der öffentlichen Stimmabgabe nicht abgegeben, sondern der Name desjenigen, den man wählen wollte, mußte laut und deutlich genannt werden, wobei es vorfam, daß Geschäftsleute jüdischer Abkunft, die von einem guten Kunden" zum Wahltisch geschleppt waren, aus Angst, die Kundschaft einzubüßen, den Antisemiten wählten. Die Stimmenzahl der bei der Stichwahl Kandidierenden konnte bei der öffentlichen Stimmabgabe selbstverständlich jeden Augenblick festgestellt werden. Und am Nachmittag stand es um unseren Kandidaten recht schlecht. Aber je näher der Abend tam, desto höher ftiegen seine Chancen. Die Schlepper arbeiteten im Schweiße ihres Angesichts. Die Karossen der Antisemiten trabten hin und her. Aber immer größer mard die Zahl der Wähler, die, von zwei antisemitischen Transporteuren in die Mitte genommen, um sie vor jeder Beeinflussung zu schützen, und, an den Wahltisch geführt, auf die Frage des Wahlvorstehers: ,, Wen wählen Sie?", die Worte ertönen ließen: ,, August Herold!" Die Transporteure liefen blutrot an und verließen mit einem Fluch auf den Lippen das Wahllokal, um ein neues Opfer aufzu= suchen. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Breis. Dieses Schillersche Wort empfand wohl jeder Sozialdemokrat, der mitgearbeitet hatte, als der Wahlaft geschlossen und der Sieg August Herolds, des fünften sozialdemokratischen Stadtverordneten, verkündet wurde. Der Jubel war so unbeschreiblich und pflanzte sich mit Windeseile aus der engen Rüdersdorfer Straße über ganz Berlin und darüber hinaus fort. Keine Feder ist imstande, ihn zu schildern. Ich will nur hoffen, daß am 25. Oftober 1925, 42 Jahre später, die Genoffen einen gleichen Jubel erleben, wenn sie verkünden fönnen: Das rote Berlin leuchtet zu neuen Siegen der Sozialdemofratie in Deutschland, in der Welt voran! Wie Charles Darwin arbeitete. Als ein Vorbild geistiger Kraftötonomie, die auf eine tiefe Erfenntnis der eigenen Fähigkeiten und Anlagen gestüßt war, schildert Geh. Medizinalrat Dr. Richter in der Leipziger Illustrierten Zeitung" die Art, wie Charles Darwin sein Lebenswert mit äußerster Konsequenz verfolgte. Dabei glaubte Darwin selbst, in feinen Anlagen schwere Hemmungen für seine Arbeit zu haben. Von der Schule erklärte er, sie hätte als Mittel der Erziehung für ihn feine Bedeutung gehabt, er wäre während seines ganzen Lebens unfähig geblieben, die Schwierigkeiten der Erlernung irgend einer Sprache zu besiegen. Weiter sagte er von sich, er habe nicht die Schnelligkeit der Auffassung und die geistige Beweglichkeit wie viele andere, er fei nur ein sehr mittelmäßiger Kritiker und habe mir eine äußerst beschränkte Fähigkeit, einer längeren Reihe abstrakter Gedanken, wie in der Mathematik und der Metaphysif, zu folgen. Sein Gedächtnis sei zwar ausgedehnt, aber untergeordnet und ver behalten. Seine Kombinations- und Erfindungsgabe, sein gcsunder Menschenverstand und Urteil seien die eines mäßigen Advefaten oder Arztes. Und dieser Mann, der sich so wenig mit den Gaben des Geistes ausgerüstet wähnte, hat in 40 Jahren fleißigster Arbeit ein Lebenswert geschaffen, das das Antlig der ganzen Wissenschaft grundstürzend geändert hat. Dabei war er so schwach und leidend daß er in seinem einfachen Landhause nicht einmal seine Büchern beschäftigte er sich. Die Art seiner geistigen Arbeit war Freunde empfangen durfte. Nur mit seinem Garten und feinen im Roten Hause. worren, er fönne fich fein einfaches Datum merken und keinen Bers 1883er Reminizenzen von Adolph Hoffmann. ( Schluß.) Manchem so attackierten Wähler, der sicher, als er von Hause fortging, nicht daran dachte, einen Sozialdemokraten zu wählen, wurde die Notwendigkeit auf dem Wege zum Wahllokal durch die Hufe der Schuhmannspferde beigebracht. Und zu solchem Entschluß gehörte bei dem öffentlichen Wahlrecht für den Betreffenden immerhin allerlei. Berhaftungen und Sistierungen erfolgten an diesem Tage in Masse. Ein empörtes Wort über das Vorgehen der Berittenen oder auch nur ein Lachen über eine komische Situation, in welche ein besonders eifriger Blauer Kavallerist geriet, genügte, um festgenommen zu merden. Wurde doch ein Arbeiter verhaftet, der, als bei einem energischen Ritt ein Schußmannspferd mit dem Kopf in den Fleischer laden geriet, belustigt rief: ,, Der 3osse sucht im Wurschtfessel Erlösung von der Viecherci!" Es war ganz fklar, daß alle diese Dinge die Stimmung immer erregter werden ließen. Hier und da ertönten Hochrufe auf August Herold, auf den Kandidaten der Arbeiterpartei, welche Rufe jedesmal die zivile und uniformierte Polizei in rofierende Bewegung setzten. Erscholl gar ein hoch auf die verbotene Sozialdemokratie, dann wurde der Sturm auf den Attentäter durch die Blaue- Kavallerie verstärkt. Die Schlepper für Professor Bullenweber, darunter Studenten mit Couleurband, setzten mit Hochdruck und einem Wagenpart ein, wie es Berlin noch nicht gesehen hatte. Mit Kutschen und Droschten wurden die Wähler herangeholt. Wir gaben die Parole aus, es sollte, wer von unseren Wählern irgend Gelegenheit dazu habe, die Wagen benutzen. Das gab natürlich die ultigsten Situationen. Manche, die vielleicht ihr Leben lang noch in teiner Kutsche gefahren, sprangen vor dem Wahllokal freudig aus derselben mit dem Ruf: August Herold, spil leben!" Die begleitenden Kommilitonen standen dann mit nichts weniger als intelligenten Gesichtern da. Ihnen tam aber die Polizei zur Hilfe und führte den Hochrufer zur Bache. Da die Gefahr nicht ausgeschlossen mar, daß angebliche Schwierigkeiten bei Feststellung des Nationals als Vorwand dienen konnten, den Betreffenden dort zu behalten, wodurch seine Stimme die, daß er zunächst, wie die meisten Dichter, einen lückenhaften und unbestimmten Entwurf seiner Arbeiten machte. Offenbar sah er seinen Gedanken zunächst als Vision, wie alle grohen Finder war er Phantasiemensch, fein trockener Tatsachenflauber, für den man ihn halten wollte. Nach dem ersten Entwurf tam die Arbeit des Ordnens und Sichtens des Stoffes, auf die viel Zeit verwandt wurde. Darwin machie nun einen festeren turzen Entwurf in großen Ilmriffen auf zwei bis drei Seiten. Einige Worte, manchmal auch nur Tatsachen, die er im Kopfe trug. Dann wurde jeder Bunft dieser ein einziges, bezeichneten eine ganze Frage oder eine Reihe von Disposition durch Ausbau und Vermehrung des Materials bestimmter gestaltet, ehe die Ausarbeitung begann. So fonnte Darwin stets mehrere Themata gleichzeitig unter den Händen haben, und er hat in viezigjähriger Arbeit dreißig bis vierzig große Notizbücher, die etifettiert maren, mit Notizen, Abrissen und Detailarbeiten aller Art angefüllt. In den vielen Büchern, die er sich kaufte, legte er auf dem Buche an, die sich für seine Arbeiten eigneten; aus fremden Büchern der letzten leeren Seite ein genaues Verzeichnis der Tatsachen in machte er sich Auszüge. Mehr als zwei Stunden arbeitete er nicht hintereinander; danach ging er aus, um seine Alltagsgeschäfte zu besorgen, und wenn er zurückfam, jezte er sich wieder an die Arbeit. So war er imstande, sein riesiges Lebenswert auszuführen. Wie alle zarten Menschen, litt er sehr unter Kälte und Hize und auch im Hause trug er immer einen dicken Schal um den Nacken und große Bei der Arbeit erhitzte er sich leicht, und zog dann, wenn er nicht Stiefel, die innen mit Zeug gefüttert waren, über den Hausschuhen. nach Wunsch vorwäristam, den Ueberrod aus, den er auch im Hause meistens trug. Er war ein Frühaufsteher, und die Zeit zwischen 8 und 10 Uhr früh war seine beste Schaffenszeit. Nach halbstündiger Bause arbeitete er wieder bis 12 Uhr. B.im Diftieren brach er oft plöglich ab: Ich glaube, ich muß Schluß machen", und oft wiederholte er das Motto seines Lebens: Bir gelangen dazu, unsere Arbeit nach der minute zu meffen. " Körpergewicht und Gehirn. Als ertreme Beispiele des Verhältnisses von Gehirngewicht zu Körpergewicht nennen wir den Menschen und den Walfisch. Bei ersterem ist das Verhältnis 1: 43, bei legterem 1:25 000! Billige Angebote TIETZ Damen- Hemd Trägertorm, mit Stickerei garniert...... 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