Nr. 49942. Jahrg. Ausgabe A nr. 254 Bezugspreis: hentlich 70 Bfennig, monatli 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der Borwärts" mit ber Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied Jung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: .Cozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareile. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgebrudte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für amei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen fitr Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Donnerstag, den 22. Oktober 1925 Das Kabinett kann nicht beschließen. Es wartet auf den Beschluß Jeute fritt der Auswärtige Ausschuß des Reichstags zusommen. Die Delegierten von Locarno werden ihm Bericht erstatten: mur eines werden sie nicht sagen können, was immer hin von Belang wäre, wie nämlich die Regierung zu den Abmachungen steht, die von ihrem Reichstanzler und ihrem Reichsaußenminister getroffen worden sind. Wiederholt ist in der Presse die einmütige Billigung" dieser Abmachungen durch das Reichskabinett gemeldet worden, stets jedoch eilten die Meldungen den Tatsachen voraus. Jetzt ist es das Organ Stresemanns, die„ Tägliche Rundschau", Die versichert, auf Grund der bisher gepflogenen Aussprache sei an der einmütigen Billigung durch das Kabinett nicht zu zweifeln. Es scheine aber, daß von den Deutschnationalen Rüdfragen gestellt worden seien über Punkte, die noch der Klärung bedürfen. Nach dieser Darstellung, die von anderen Rechtsblättern bestätigt wird, weiß diese unglückliche Regierung noch nicht genau, mas fie will, weil die Deutschnationalen noch nicht genau wissen, was sie wollen. Das Kabinett tann feinen Beschluß fassen, weil einige seiner Mitglieder auf die Intruttionen warten, die sie von der Deutschnationalen Partei erhalten werden. Man stelle sich vor, zur Zeit der Beteiligung der Sozialdemokratie an der Reichsregierung hätte diese einen wichtigen Beschluß nicht fassen können, weil die sozialdemokratischen Minister auf die Entschließung der sozialdemokratischen Fraf tion gewartet hätten. Welcher Lärm hätte sich dann wohl über eine folche fozialdemokratische Nebenregierung" erhoben! Die de uffchnationale. Reichstagsfrattion, von der nach Lage der Umstände wenigstens für diese Regie rung alles abhängt, hat heute vormittag nur furz getagt und ift spät abends noch einmal zufammengetreten. Inzwischen hat es umständliche Verhandlungen zwischen dem Grafen Bestar pund Herrn Luther gegeben. Die den Deutschy nationalen nahestehende Bresse fündigte aber schon gestern abend an, daß zunächst an eine Beschlußfassung des Kabinetts und der Fraktion nicht zu denken" fei. Die Deutschnationale Partei leidet an einer Lähmung des Willens, und diese Krankheit überträgt sich auf die Reichsregierung! So wird das nationale" Führer ideal" durch das Verhalten des Kabinetts und seiner deutschnationalen Mitglieder in wahrhaft hervorragender Weise verwirklicht. Statt daß die berufenen Vertrauensmänner der Partei in der Regierung berufenen Vertrauensmänner der Partei in der Regierung wirklich die Führung übernehmen, zappeln sie hilflos hin und her und warten auf einen Mehrheitsbeschluß der Frattion der aber auch auf sich warten läßt. -W Dieser Zustand der Unschlüssigkeit findet auch in der deutschnationalen Presse sein Spiegelbild. Die Deutsche Tageszeitung", die vorgestern beinahe schon Ja gesagt hatte, schrie gestern wieder Nein, weil durch einen Kommentar der englischen Regierung zu den Verträgen alles wieder zer: schlagen" worden sei. Wir haben diesen englischen Kom mentar nicht abgedruckt, weil nichts darin stand, was nicht jedermann, der lesen fam, ohnehin schon in den Verträgen gelesen hat. Für die„ ,, Deutsche Tageszeitung" aber ist es eine neue Entdeckung, daß der Vertrag von Bersailles weiter besteht, und daß die Garantierung des status quo, der be stehenden Grenzen, einen Berzicht auf das Land bedeutet, das jenseits der Grenzen liegt. Gegenüber diesem englischen Standpunkt," deflamiert das Agrarierblatt, gibt es nur ein rundes und flares Nein!" Dabei wirft beruhigend, daß diefes ,, runde und flare Nein" nur dem englischen Standpunkt" und nicht den Verträgen felbst gilt, und daß zweitens als Verfasser Herr Paul Baeder zeichnet, der von den Dames- Gesetzen her als ein Meister des Umfalls bekannt ist. Deutschland, sagen Luther und Stresemann, hat in Locarno einen Erfolg errungen. Aber angesichts dieses Erfolges bieten die Regierung und die größte Regierungspartei" ein Bild erbarmungswürdiger hilflosigkeit. Sie suchen eine Umfallsformel. Endlose Beratungen der Deutschnationalen. Die im Laufe des Tages verschiedentlich abgefagte FrafDie im Laufe des Tages verschiedentlich abgesagte Frattionssihung der Deutsch nationalen begann am miffwoch abend gegen 8 Uhr. Seit drei Uhr nachmittags tagte bereits der Fraktionsvorstand. Wie die Telegraphen- Union erfährt, drehte sich die Aussprache im wesentlichen um die Bedenten gegen den West patt, fowie um die Tragweite der Zusagen der Alliierten hinsichtlich des Rheinlandes, die sich auf Grund der Beröffentlichung des franzöfischen Außenminifters über die Rüdwirkung im Westen erheblich verstärkt hatten. Auch die Besprechungen, die Dr. Luther im Laufe des Mittwoch vormittag und in den ersten Nachmittagsffunden mit den deutschnationalen Parteiführern Schiele und Graf Westarp gehabt hatte, galten vornehmlich diesen Bedenten, der Deutschnationalen. Um 12 Uhr nachts war die Beratung immer noch nicht beendet. wie wir hören, besteht die Absicht, vor der Beschlußfaffung erst noch die Borsigenden der deutschnationalen Landesverbände zu hören. Die Länderregierungen sagen ja! Und sprechen ihren Dank aus. Amtlich wird folgende Mitteilung veröffentlicht: Mittwoch vormittag traten die Staats- und Minister präsidenten der Länder mit den Mitgliedern der Reichsregierung unter Vorsiz des Reichskanzlers zu einer Aussprache über das Ergebnis der Ministerzufammenkunft von Locarno in der Reichskanzlei zusammen. Nach Berichterstattung durch den Reichskanzler und den Reichs minister des Auswärtigen fand ein eingehender Gedanken. austausch über die mit dem Wert von Locarno zusammenhängen den Fragen statt; insbesondere wurden die für die besetzten Gebiete zu erwartenden Rüd wirkungen ausführlich erörtert. Die Erschienenen sprachen den deutschen Delegier ten für die im Interesse der Sicherung des Weltfriedens und der Berständigung der Völker in Locarno getätigten Arbeiten ihren Dant aus, gaben dabei jedoch übereinstimmend der Ueberzeugung Ausdrud, daß das Vertragswerk erst dann als endgültig abgeschlossen angesehen werden könne, wenn, insbesondere in den besezten Gebieten, Maßnahmen erfolgten, die dem verkündeten Geist bes Friedens entsprächen und den berechtigten Er. wartungen bes deutschen Boltes Rechnung trügen. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3. Verständigung oder Kampf? Die Gemeindearbeiter wollen Verständigung. Die Bevölkerung Berlins erwartet, daß die Verhandlun gen vor dem Schlichter in dem Konflikt der Gemeindearbeiter führen. Niemand würde es verstehen, wenn die Städtischen mit den Gas- und Wasserwerfen zu einer Verständigung Werke, wenn der Magistrat sich weiter hartnädig weigern würden, den bescheidenen Forderungen der Gemeindearbeiter Rechnung zu tragen. Niemand würde es verstehen, wenn es wegen einer Lohnfumme, die weder für den Haushalt der Städtischen Werke, noch für den Haushalt der Stadt Berlin ins Gewicht fällt, die Arbeiterschaft schließlich gezwungen würde, zu den schärfften Maßnahmen des gewerkschaftlichen Kampfes zu greifen. Man mag zu den Forderungen, die diesem Konflikt zugrunde liegen, wie immer fich ftellen, niemand wird den Gemeindearbeitern bestreiten, daß sie ein höchst ma iz an Geduld und Berantwortungsbewußtsein gezeigt haben. Die Lohntarife find am 30. September sowohl für die Kämmereiarbeiter, als auch für die Gas-, Waffer- und Eleftrizitätsarbeiter abgelaufen. Seit vier Wochen be mühen sich die Vertreter der Gemeindearbeiter, zu einer Berständigung zu fommen. Seit vier Wochen stehen die Gemeindearbeiter Cewehr bei Fuß, in der Hoffnung, die Direftionen der Städtischen Werte, der magistrat würden schließlich begreifen, daß die Löhne, die sich teilweise unter den Nominallöhnen der Borkriegszeit befinden, bei der inzwischen eingetretenen Leuerung nicht ausreichend find. In dieser Hoffnung find die Gemeindearbeiter bisher getäuscht worden. In den direkten Verhandlungen haben sowohl der Magistrat als auch die Direktionen der Städtischen Danach haben also auch die deutschnationalen erfe jedes Entgegentommen abgelehnt. Der Regierungen- wie etwa die von Mecklenburg, Thü- Schiedspruch für die Kämmereiarbeiter, der eine in jeder Beringen, Braunschweig, Bayern den Delegierten für die Ber- feftfekte, wurde vom Magistrat abgelehnt. Der Schiedsden Delegierten für die Berziehung ungenügende Lohnerhöhung von 3 Pf. die Stunde ständigungsarbeit ihren Dant" ausgesprochen. fpruch für die Städtischen Werte verlängerte für einen Monat die jetzt gültigen Löhne und lehnte somit jede 2ohnerhöhung ab. Trotzdem haben die städtischen Arbeiter, obwohl inzwischen durch Urabstimmung mit erdrückender Mehrheit die Arbeitsniederlegung beschlossen wurde, im Interesse der Bevölkerung die Durchführung des Beschlusses immer wieder verzögert. Hätten diefe patentnationalen Ländervertreter auch einer Regierung Wirth Hermann Müller- Rathenau ihren Dank ausgesprochen, wenn diese einen Bertrag von gleichem Inhalt vorgelegt hätte? Das besetzte Gebiet bei Hindenburg. Beschwerde der Arbeiterschaft über die Reichsregierung Der Reichspräsident empfing am Mittwoch die Vertreter und Wünsche zu informieren. Als erster vertrat der rheinische des Rheinlandes, um sich persönlich über deren Ansichten Zentrumsmann Mönnich die Auffaffung der Zentrumspartei, die von dem Ausgang in Locarno einen pofitiveren Abschluß für das Rheinland erwartet habe. Der Gewerkschafter Thomas( Mainz) brachte eine ganze Reihe von Einzelbeschwerden vor und stellte, abgesehen von den all gemeinen Bedrückungen fest, daß erst in diesen Tagen wieder 154 Wohnungen von den Besatzungsbehörden angefordert worden sind. Der deutschnationale Abgeordnete Dryander blies natürlich in das Revanchehorn, ohne daß ihm Hindenburg besondere Aufmerksamkeit schenkte. Auch der bayerische Volksparteiler Beyersdörffer zeigte sich sehr wenig befriedigt, während der 3entrumsabgeordnete Kaas neben allen Enttäuschungen auch die positive Seite des Bertrages von Locarno" aufzuzeigen verfuchte. Das gleiche geschah durch den Wirtschaftler Luis Hagen, der mit der Wirtschaft von Locarno weitere Erleichterungen er Als Bertreter der freigewerffchaftlichen Arbeiterschaft des Rheinlandes kam der Genosse Dr. Meier Düffeldorf zu Wort. Er verwies auf den Geist von Locarno, der weiterhin die Richtschnur für alle politischen Handlungen der Reichsregierung bilden müsse und befaßte sich dann mit einer großen Zahl von Mißständen, die teilweise auch durch die Politik der Reichsregierung hervorgerufen worden find. Meier verwies u. a. darauf, daß an der deutsch- holländischen Grenze infolge der Bollgefeßgebung mehr als 5000 Arbeiter in Gefahr stehen, brotlos zu werden. Es handelt fich hauptsächlich um die Angestellten und Arbeiter der Marga rinefabriten. Die von ihnen zur Produktion benötigte holländische Milch ift durch den deutschen Zoll um 5 Pf. pro Liter verteuert worden. Alle Verhandlungen mit dem Finanzminister, wenigstens an der deutsch- holländischen Grenze den Milchzoll auf zuheben, verliefen bisher ergebnislos. Meier gedachte dann noch der Winzer im Mosel- und Nahetal, die ebenfalls unter der Politif der Reichsregierung bitter zu leiden haben. Er gab der Be fürchtung Ausdruck, daß die Separatisten diesen Umstand zu neuen Bühlereien benutzen könnten, und daß deshalb un bedingt für Abhilfe Sorge getragen werden müsse. Anschließend tam noch ein Bertreter der rheinischen Landwirtschaft und der christlichen Gewerkschaften zu Wort. Hindenburg antwortete durch Zwischenfragen nach jeder ein zelnen Erflärung der rheinischen Vertreter. Aus seinen Ausfüh rungen war zu entnehmen, daß er fest entschloffen ist, den Vertrag von Locarno" zu unterzeichnen und daß er von ihm eine Besserung ber jezigen Lage Deutschlands erwartet. Angriffe auf die Minister mies er zurüd. durchaus bewußt, welche Tragweite für die Bevölterung, für Die verantwortlichen Bertreter der Arbeiterschaft sind sich das gesamte Wirtschaftsleben eine Stillegung der folange noch die geringste Aussicht auf eine Einigung durch Städtischen Werte nach sich ziehen müßte. Sie haben, Berhandlungen besteht, es bisher abgelehnt, von dem Machtmittel der Arbeitsverweigerung Gebrauch zu machen. Der Polizeipräsident von Berlin hat sich bemüht, um die Kataftrophe einer Stillegung der Städtischen Werke zu verhindern, die Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Das Ergebnis dieser vereinten Bemühungen sind die Verhandlungen, die heute vor dem Schlichter stattfinden. Obgleich die Rote Fahne" aus alter Tradition den im Kampf befindlichen Arbeitern in den Rüden fällt, indem sie behauptet, daß die Forderungen der Gemeindearbeiter nur bewilligt werden könnten, wenn die Tarife für Gas, Waffer und Elektrizität um 50 Broz. erhöht würden, wissen felbstverständlich die Direktionen der Städtischen Werke, daß davon teine Rede sein tann. Die Städtischen Werke sind in der Lage, die bescheidene Forderung auf Erhöhung der Löhne von 10 Bf. pro Stunde voll zu gewähren, ohne daß irgendeine Tariferhöhung notwendig ist, ohne daß der Haushalt der Städtischen Werke dadurch irgendwie gefährdet wird. Der Widerstand der Städtischen Werke und des Magiftrats gegen die Lohnforderung der Gemeindearbeiter hat im wesentlichen zwei Ursachen: Die Städtischen Werke wollen den notwendigen technischen Ausbau und die Erweiterungsbauten nach wie vor aus laufenden Einnahmen bestreiten. Es handelt sich da nicht etwa um fleine Beträge, fondern um Riefensummen. Im laufenden Jahr haben z. B. die Gaswerte allein für 16 Millionen Erweiterungsbauten vorgenommen, die sonst nur aus Anleihemitteln bestritten wurden. Die Städtischen Werke-die Straßenbahn inbegriffen- fehen einen gewissen Ehrgeiz darein, aus laufenden Einnahmen Neuanlagen vorzunehmen, technisch die Betriebe zu vervollkommnen, ohne den Kapitalmarkt durch Anleiheversuche zu belasten. Dieser Ehrgeiz in Ehren. Er belastet aber nicht nur die Verbraucher, er geht vor allem auf Kosten der Arbeiterschaft. Die zweite Ursache des Widerstandes gegen die Lohnforderung der Arbeiterschaft ist die Furcht des Magistrats und der Städtischen Werke, mit der Bewilligung der Forderung, der Preissenfungsattion" der Regierung in die Quere zu kommen und gleichzeitig das Mißfallen der Unternehmerverbände zu erregen. Wir glauben, daß insbesondere das letzte Argument die st är ste Wirkung auf die Entscheidung des Magiftrats ausgeübt hat. Nun ist gerade biefes Argument hinfällig. Der Wochenlohn eines ungelernten Vollarbeiters in den höchsten Dienstalterszulagen beträgt gegenwärtig rund 33 Mk. Dazu kommt bei Ver- heirateten mit einem Kind eine Wochenzulage von 1,44 Mk. Bei den Gas- und Wasserarbeitern beträgt der Stundenlohn für Ungelernte 70 Pf., für Angelernte 76 und für Hand- werker 87 Pf. Ein einfacher Vergleich mit den Löhnen, die gegenwärtig im allgemeinen in der Privatindustrie gezahlt werden, ergibt, daß die städtischen Arbeiter teilweise ganz erheblich schlechter entlohnt werden, als ihre Kollegen in den Privatbetrieben. Auch wenn die geforderte Erhöhung der Löhne um 16 Pf. die Stunde eintritt, wird der Lohn der städtischen Ar- beiter sich noch unter den Löhnen befinden, die durchschnitt- lich in der Privatindustrie gezahlt werden. Wir erinnern noch- mals daran, daß zum Beispiel die Kohlenarbeiter in den Gaswerken einen Lohn von 75 Pf. die Stunde haben, während die Kohlenarbeiter der Privatbetriebe einen solchen von 98 Pf. beziehen. Auch wenn die Forderung auf Er- höhung des Lohnes um 16 Pf. bewilligt wird, würde somit der Lohn des Kohlenarbeiters in den städtischen Betrieben noch um 13 Pf. niedriger sein als im privaten Kohlenhandel. Auch wenn man die sonstigen bescheidenen Vergünstigungen, in deren Genuß sich die städtischen Arbeiter befinden, mit in Rechnung stellt, würde der tatsächliche Lohn noch hinter dem Lohn zurückbleiben, der in der Privatindustrie gezahlt wird. Da die Städtischen Werte immer wieder diese Vergün- stigungen herausstellen, unter denen sich insbesondere das Ruhegeld für alte Arbeiter befindet, weisen wir darauf hin, daß heute allein in den Gaswerken nahezu35Proz. weniger Arbeiter als vor dem Kriege be- fchästigt werden. Diese 35 Proz. sind während der letzten zwei Jahre infolge der technischen Verbesserungen abgebaut worden. So sieht es praktisch mit dem Ruhegeld und der an- geblich gesicherten Existenz der städtischen Arbeiter aus! Die Arbeiterschaft hat sich der Einsicht in die Wirtschaft- lichen Notwendigkeiten nicht verschlossen. Sie hat selbst bei diesem notwendigen Abbau mitgewirkt. Sie hat um so mehr das Recht, zu verlangen, daß auch die zuständigen Stellen sich der Einsicht in die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Ar- beiterschaft nicht verschließen. Nur so allein wird es möglich sein, die Beunruhigung zu bannen, die in die städtische Ar- beiterschaft durch das Verhalten des Magistrats hineinge- tragen wurde. Nur so wird es möglich sein, den Wirtschafts- frieden aufrechtzuerhalten und BerlinvoreinerKata- strophe zu bewahren. Der Gemeinde- und Staats- arbeiterverband hat in diesem Sinne unablässig sich bemüht und mehr als seine Pflicht getan. Mögen die Stellen, die jetzt die Verantwortung für die Aufrechterhaltung des Wirt- schaftsfriedens tragen, sich gleichfalls ihrer Pflicht be- wüßt fein!_ Offensive öes Reichslanöbunües. Ein neuer Kuhhandel in Sicht? Jedesmal wenn die Entscheidung über Fragen der aus» wärt igen Politik unter deutschnationaler Mitwirkung bevorsteht. droht der Landwirtschaft eine Katastrophe. Für den Dawes-Plan hat man so die Agrarzölle erhalten, und dieser Erfolg spornt an. Jetzt, wo die Entscheidung über den Sicherheitspakt bevorsteht, leitet der Reichslandbund unter dem Schlagwort»Bauer in Rot' einen Propagandafeldzug ein, der neue Subventionen des Reiches für die Landwirtschaft erreichen soll. Di« Agrarier wollen die von ihnen aufgenommenen Kredite nicht zurückzahlen und ver- langen außerdem Steuernachläfle. Der Reichslandbund hat nun an die Reichsregierung«in Telegramm gerichtet, in dem er dem Rschtskabinett dos Zeugnis ausstellt, es habe gegenüber der Wirtschaftskrise versagt, und in dem er oerlangt, man solle einen besonderen Ausschuß zur Linderung der Rot der Landwirtschaft einberufen. Das ganze Manöver ist durchsichtig. Die Deutschnationalen können nicht mehr ableugnen, daß der Pakt von Locaruo unter Mitwirkung ihrer Regierungsvertreter zustandegekommen ist. Die reaktionäre Demagogie rächt sich jetzt, und es ist daher ein gutes Mittel zur Bekämpfung der Opposition in den eigenen Reihen, wenn man jetzt der Landwirtschaft Zugeständnisse macht. Das Geschäft ist noch immer dankbar gewesen und es bestätigt sich, was in dem vom landwirtschaftlichen Verein in Ostritz gesungenen Liebe als neue Lebensweisheit der Agrarier angepriesen wird: Und drohen auch Gesetz und Staat. Der Landwirt weiß sich immer Rat: Man ist doch heut nicht mehr so dumm, Geht's vorne nicht, geht's hinten rum! Die bankerotte preisfenkungsaktion. Ein deutschnationalcs Geständnis. In der in Reustrelitz erscheinenden»Landeszeiwng' sinden wir (Rr. 243) in Form eines Inserats einen Aufruf des Mecklen- burg-Strelitzschen Ministeriums. Abteilung des Innern, gezeichnet Schwabe, der sich mit der Preisgestaltung be- fchästigt. In ihm heißt es u. a.:»Das Ministerium hat zu seinem Bedauern feststellen müssen, daß die Bestrebungen der Reichsregierung, die Preise, vor allem aber solche für Lebens- mittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs, auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben, von den Handels- und Gewerbe- treibenden in Mecklenburg-Strelitz gar nicht bzw. durchaus ungenügend unterstützt werden." Das ist ein sehr interesiantes Geständnis. Denn hier wird der Reichsregierung durch ein deutschnattonales Landesministerium bestätigt, daß ihre ganze Preissenkungsattion für die Katz' gewesen ist. Es wird offen zugegeben, daß der Handel sich um die Derbilligungsaktion der Reichsregierung gar nicht kümmert und an den übersetzten Preisen festhält. Aber der Schritt des Mecklenburg-Strelitzfchen Ministeriums hat auch seine Kehrseite. Wenn das Ministerium schon die Flucht in die Oeffentlichkeit ergriffen hat, muß ee seine Ursachen dafür haben. Umsonst stößt man wohlgeneigte Wähler nicht vor den Kopf. Alle Welt wird sich nun fragen, was die Abtellung des Innern im Meck- lenburg-Strelitzschen Ministerium eigentlich tun will, um die Preis- sentung der Reichsregierung zu forcieren. Der Aufruf der Re- gicrung enthäll in dieser Beziehung einen fast komisch klingenden Hinweis. Es heißt in ihm z. B., nachdem das Ministerium versichert hat,»gegen jede Uebersetzung der Preise mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln vorzugehen", wie folgt:»Das Ministerium er- wartet, daß die Handels- und Gewerbetreibenden von sich aus ihre Preise auf ein für die Bevölkerung erträgliches Maß bringen." Wir sind davon überzeugt, daß die Mecklenburg-Strelitzsche Geschäfts- welt diese stilistische Leistung des Ministeriums mit viel Behagen lesen und auch»zu den anderen legen wird". Die Bevölkerung von Mecklenburg- Strelitz wird also noch recht lang« auf die Erfolge der sagenhaften Preissentungsaktion warten müssen, wenn man sich nicht endlich entschließt, gegen den Wucher mit energischen Mitteln vorzugehen. verhältniswahlspsiem für fierztekammeen. Annahme ves sozialdemokratischen Antrags. Der von der sozialdemokratischen Fraktion des Landtages ein- gebrachte Antrag auf Einführung der Verhältniswahl für die Aerztekammern fand seinerzeit im Hauptausschuß eine erhebliche Mehrheit. Der Landtag überwies jedoch diesen Beschluß zur wiederHollen Beratung dem bevölkerungs- polllischen Ausschuß, weil die Auffassung der Aerztekammern, die von dem modernen Wahlrecht nichts wissen wollen, erst geklärt werden sollte. Die Gründe besonders auch der BerlinerAerzte- k a m m e r, die auch sonst durch ihr« reaktionäre Hallung. z. B. den Krankenkassen gegenüber, unrühmlich bekannt geworden ist, gingen im wesentlichen darauf hinaus, daß Vertreter anderer Wirtschaft- licher und standespolltischer Ansichten in der Sammer nichts zu suchen haben und daß das bisher beliebt« Kliquenwesen bei der Auf- stellung der Kandidaten sich„bewährt" habe. Der Bevölke- rungspolitische Ausschuß beschäftigte sich nun Mittwoch abend mit dieser Materie und beschloß bei voller Besetzung ein- mutig die Annahme des sozialdemokratischen An- t r a g e s. Die Aerztekammern werden sich nunmehr darauf einrichten müsien, daß bei den im nächsten Jahre bevorstehenden Wahlen Hechte in den Karpfenteich gelangen. Die Nemelwohlen eine Volksabstimmung gegen Litauen. Zllemel. 22. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Soeben ist das Resultat der Wahlen zum Memelländischen Landtag errechne: wor- den. Für die Einheitsfrontparteien sind 57 000 Stimmen insgesamt abgegeben worden. Dieser Stimmenzahl stehen nur3S77litauischeStiminen gegenüber und 1602 Stimmen der Kommunisten und einiger kleiner Splllterparteien. Bon den drei Einheitsfrontparteien hat die Sozialdemokratie des Memelgebietes mit 0993 Stimmen lehr gut abgeschnitten. Die Landwirtschaft erhiell 24 101 Stimmen und die Memelländische Volkspartei 23 372 Stimmen. Die Sitze werden sich in folgender Weise verteilen: Sozialdemokratie 5 Abgeordnete, Land- Wirtschaft 12, Volkspartei 11, so daß 28 Einheit-frontkandidaten in den Landtag einziehen. Der 29. und letzte Sitz wird den Bereinigten litauischen Bauernlisten zufallen. Alle anderen Parteien, darunter auch die Kommunisten, werden keinen einzigen Abgeord- neten in den Landtag entsenden können. Die Niederlage der Kommunisten in der Stadt Memel wie auf dem Lande ist un- geheuer groß. Auch die Sozialdemokratie hat in der Stadt Memel Stimmen verloren. Das liegt daran, daß die Fischer einen aus- sichtsreichen Kandidaten auf der Liste der Volkspartei stehen hatten. Auch die Beamten waren auf der Liste der Bolkspartei aussichtsreich vertreten. Diese Stimmen gingen der Sozialdemokratie verloren. Bei der letzten Stadtverordnetenwahl in Memel konnte sie, da sie einen Fischer und einen Lehrer an aussichtsreicher Stelle stehen Halle, eine größere Anzahl Stimmen erHollen. Trotzdem ist das Er- gebnis auch für die Sozialdemokratie des Memelgebietes ein über- aus günstiges. In verschiedenen Landstädtchen hat sie die absolute Mehrheit erhalten. Besonders trifft das für den Preis Pogegen zu. Diese Wahlen haben also bewiesen, daß sich die übergroße' Mehr- hell der Memellänoer gegen das von Kowno aus in das Memel- gebiet gebrachte litauische Regime wehrt. Die bisherigen litauischen Machthaber haben das Gebiet bis zur letzten Konsequenz ausgenutzt, so daß Handel und Wirtschaft völlig danieder- liege» und eine ungeheure Arbeitslosigkell im Gebiet herrscht. Alle diese Taten und Vergewaltigungen durch die Litauer haben die Memelländer derartig erbittert» daß das Wahlresultat einen solch ungeheurenSiegderdeutsch-memelländischen Par- teien bewirkte. Die wenigen lllauischcn Stimmen im Memelgobiet sind ein warnendes Beispiel in der politischen Geschichte, daß es immer ein Unrecht an einem Volk ist, wennn man es, ohneeineVolks- a b st i m m u n g zuzulassen, von seinem Mutterland« abtrennt. wie es durch den Friedensvertrag von Versailles geschehen ist. Heute ! laben die Memelländer die damals nicht erlaubte V o l k s a b- t i m m u n g durch diese Wahl ersetzt und damit der Welt gezeigt, daß sie die Sklavenfesseln nicht länger tragen wollen, die man ihnen seit 1923 willkürlich auferlegt hat. Sie wollen auf Grund der Autonomie ihr« Rechte in Anspruch nehmen, die ihnen bei der Verwaltung des Gebietes gewährleistet worden sind. Gott im �ungerftreik. Im Laufe des gestrigen Tages sst der Auslandsdelegation der Russischen Sozialdemokratischen Partei(Menschewicki) aus sicherer Quelle die Nachricht zugegangen, daß der sozialrevolutionäre Führer Götz, der im Juni 1922 bei dem bekannten Spitzelprozeß gegen die Parteileitung der SR. zunächst zum Tode verurteill worden war. später bedingt zu Gefängnis begnadigt wurde, in den H u n g e r- st r e i k getreten ist. Götz war vor längerer Zell bereits wieder auf freiem Fuß gesetzt, sodann aber wegen seines bekannten Protest» briefes gegen Fimmen abermals eingekerkert worden. Unablässig um seine Wiederfreilassnng kämpfend, hat Götz nun zu dem verzweifelten Mittel des Hungerstreits gegriffen und befindet sich bereits in kritischer Lage. Wir sind gespannt, wie sich die Bosschewsston. die sonst Zeter und Mordio schreien, wenn bürgerliche Regierungen in Europa einen in den Hungerstreik getretenen kommunistischen Gefangenen nicht sofort fressassen, in einem ähnlichen Falle verhallen werden, der ihre eigene Regierung betrifft. Bisher mögen die Moskauer Gewallhaber geglaubt haben, sie riskierten nicht» dabei. Goß ver- hungern zu lassen, da die Nachricht seines Berzweiflungsfchrlltcs Zwischen öen Schlachten. Musik-llmscho« von Kurl Singer. Während im Konzertleben bereits die Hauptschlachten geschlagen morden, wiegt sich die Oper noch in Ruhe. Durch den Zufall von Absagen und Umstellungen hört man in der Staatsoper dennoch Bemerkenswertes. Die zweiten und drille» laut verkündeten Be- setzungen oller Rollen in der„Afrikanerin" waren Scholl und Rauch. Nicht Günther, nicht Kirchner, nicht Krauß, kein namhafter deutscher Tenor beherrscht die Rolle des Boso de Gama. Ein erneuter Beweis für die Mumifizierung dieses Meyerbeer. Statt Meyerbeer also Straußens»Rosenkavalier". Keine Berlinerin zur Stelle für die Feldmarschallin. Margarete Siems, die erstmalig die Rolle in Dresden kreierte, ist immer noch eine vorzügliche Schauspielerin. Dos Leid der alternden Frau steht ihr an Stirn und Aug geschrieben. Nur die Stimme litt, und die Höhe klirrt schon wie Glas, das ja so leicht bricht wie Glück und Ruhm. Neben ihr erweckt Celia Rein- Harb Bewunderung, ein Oktavio von reizendster Natürlichkeit, Herz. lichkeit, stimmlicher und stilisttscher Qualität. Am anderen Abend »Salome" mit Absagen. Will man Strauß Richard mit Straub Johann oerwechseln und den Lebenden für die Hundertjahrfeier des Toten einschmuggeln?„Rosenkaoalier" wäre wienerisch durchpulst, kein schlechtes Denkmal für den Walzerkönig. Frau Komp war krank, Frau Strozzi erkrankte. So singt wieder ohne Probe ein Gast, der im Gedächtnis bleibt. Else Wühler mit einer wohl- gebildeten, leicht ansprechenden Sopranstimme, spielerisch gewandt und im Schlußnwnolog von packender Größe, dabei höchst musikalisch und sicher. Stach hat sich das Organ nicht dem großen Raum an- gepaßt, noch stört— im Schatten der Kemp— eine gewisse Bürger- lichkeit der Tanzszene. Aber einer so begabten jugendlichen lebendig und künstlerisch stufenden Künstlerin sollte sich Staats- oder Stadt- Oper nicht verschließen. Zwischen den Schlachten der üblichen Konkurrenten ragen hervor die ernsthafte Musikerin Ellen E p st e i n mit einem erwählten Programm vorklassischer Meister. Das Kammerorchester leitet Eduard Moritz, die Hochbegabung, pianisttscher Reife und letzter Spielkullur handbreit genäherte Lubka K o l e s s a; da» K l i n g l e r- Quartett, das an seinem ersten Abend in einem Haydnschen Opus die delikatesten Reize an Grazie, Geschmack, Beseelung und Humor darbieten: der Meisterspiele? Moriz Rosenthal, der zwar nicht mehr die kraftstrotzende Hand seiner jüngeren Jahre hat, nicht mehr die allerschmiecssamste Fingertechnik, dafür aber im Karneval von Schumann, in den Papillons und Strauß-Walzern eigener Kombi- natton so viel Elan, Feuer, innere Tanzbewegtheit, solchen Charme und so herzhafte Begeisterung beweist, daß der Jubel des angeregten. angesteckten Publiküins begreiflich ist. Das alles sst leichte Kost gegenüber der schweren Mahlzeit, die uns die Volksbühne Sonntag vorsetzte: Schönbergs»Lierrot Irnisire", von Stiedry, mit wirklich überlegener Kenntnis, zart und eindrucksvoll geleitet, von Frau Gutheil-S ch o d e r mit letzter Durch- geistigung vorgetragen, kaum mehr gesungen. Die Hörer quittierten teils mit Beifall für die hohe artistische Leistung, teils mit Schweigen der Ablehnung. Auch die Beifälligen, die nicht Musiker waren. stimmten wohl mehr der Darbietung als dem Dargebotenen zu(wie Briefe und Aussprachen beweisen). Es sst schwer, von Beethoven und Bruckner so schnell zu Schönbergs exponiertester Kunst des expvessionistsschen Ausdrucks hinzuschwingen. Uns allen fällt das schwer. Das kompositorische Geflecht an Gesst, Witz. Pointen wird dem Lesenden klarer, als dem Horchenden. Und das Kecke, Ironi- sierende, Lustbetoitte wird stärker aufgegriffen, als gerade die tiefe musikantische tragische Note. Aus Jahre hinaus wird dem, der Musik als Melodie zu erleben gewöhnt ist, dieser Zyklus von Melodramen als unerlcbbares, unerfühltes Experiment in die Ohren dringen. Die Seele bleibt still und wartet. Der Erzieher wird solch Experiment wiederholen wollen, der Kunstgenießer und einer der in den Sttm- mungen ganz naiver unverbildeter Arbeiter zu lesen gewohnt ist. möchte warnen. Und möchte in ein paar Iahren wieder den Warner warnen dürfen. Siegerin der Woche: Sonja Friedmann-Gramattä. Sie zeigt sich als Pianistin, Geigerin, Komponist. Und aus jedem Gebiet hat sie etwas zu sagen. Ihre Erfindungsgabe sst groß, aber noch nicht ganz frei, ganz gelockert, ganz eigen. Brahms und Chopin spielen ihr in die Phantasie hinein, atonale Aeußerlichkciten scheinen noch unausgelebt, das Unverbundene strafft ein energischer, ziel- bewußter Geist dennoch zu persönlicher Gestalt. Und wie spielt diese zarte Frau das alles! So, als spielte.es" aus ihr heraus, als sei nur zufällig Klavier oder Geige das Instrument, auf dem sie Aus- druck heraussprengt. Eine Musikamozone mit explosiven Sti:n- mungen geladen, mit Mühe dem schöpferischen Drang Wege suchend. Funken sprühen, die Dynamit will die Mitte hallen zwischen ruhigem Wellenschlag und Dynamit, der Flügel wird zu schwach unter dem Angriff dieser Hand. Was sie auch spielt— Wille und künstlerischer Schwung teilen sich mtt. Einen Kapellmeister könnte diese Russin abgeben, und die Buntheit ihrer Werke drängt zu einer komischen Fassung in größerer Form. Der genial! sch-wilden Frau sei ein Kranz des Sieges zugeworfen! ver Einzug der alkattischeu Skalue ins Alke Museum. Die aus Kunstgelehrten und Bildhauern zusammengesetzte Sachver. siöndigenkommission des Allen Museums hat den Ankauf der alt- aitsschen Statue einsttmmig gutgeheißen. Die von dem Bildhauer Marlin Schauß in einem Flugblatt aufgestellt« Behauptung der Fälschung dieser und anderer antiker Skulpturen der staatlichen Museen wurde abgewiesen. Die Statu« wird nunmehr von ihrem jetzigen Aufbewahrungsort in den arckMischen Saal des Allen Museums übergeführt und dsfinitiv aufgestellt werden, so daß sie in wenigen Wochen der allgemeinen Besichtigung zugänglich sein wird. Ja der Staatlichen Hochschule für Musik erklang H a y d n s ewig jung«„Schöpfung". Siegfried Och» unterstrich behaglich und in humorvoller Weis« das primitiv Malerische, das Progromma- tische dieser wahren Volksmusik. Welche Fülle von Komik gibt es bei solch einer Meisteraufführung des Werkes immer wieder im Orchester. Für einen„tondichtenden" Beschreib«? bietet der gute, so gar nicht alte Haydn doch einen wahren Katechismus des»guten Malens". Und es ist olleia schon ein Genuß, die Behaglichkeit und die vergnügte Ruhe eines für solche naive Musik eigentlich schon ver- lorenen oder— besser— zu„gebildeten" Publikums zu beobachten. In prachtvoller Laune stützen die Solisten Ochs' humorvolle Aus- legung: Albert Fischer, der in letzter Zeit Bielgehörte, der mtt dem„vor Freude brüllend steht der Löwe da" das Publikum schmun- zeln machte und gerade diesem Kernstück des Werkes in allen seinen Teilen das nur eben Mögliche in meisterhafter Darstellung gab: August Richter, der das erste Rezitativ des Schlußteiles besonders sein aufbaute, in der Tongebung aber scheinbar nicht immer aus festen Füßen stand: Amalie Merz- Tunner, die warn: und hin- gegeben besonders gegen den Schluß hin in Einzel« und Zwiegesang gestaltete. Der Chor war, wie stets bei Ochs, von einer Fülle der Schlagkraft und Disziplin in Haltung und Ton. Wollte bei den tiefen Holzbläsern des Philharmonischen Orchesters manch- mal etwas an Präzision fehlen, so ist das wohl auf das Konto„Voraufführung" zu fetzen. S. G. „Suufl-Verleih" in der Zurysreien. In der jetzt eröffneten Iuryfreien Kun st schau im Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof wird zum erstenmal Gelegenheit geboten, Kunst- werke zu leihen und, wenn später gewünscht, unter Anrechnung der Leihgebühr, durch Ratenzahlung zu erwerben. Di« in Frage kommenden Bilder sind mit einem K V»ersehen. Die Leihbedingungen kann man im Ausstellungsbureau erfahren.— Am Sonnabend, den 24. d. M., nachmittags 2 Uhr, findet eine Führung durch die Ausstellung statt. Prof. Sandkuhl, der Präsident der Iuryfreien, wird die Führung persönlich übernehmen. Im Anschluß daran wird dann Prof. Dosselt im Ausstellungscafc den versammelten Besuchern und Künstlern einen Vortrag über die Bestrebungen, den Kunstabsatz zu organisieren, hallen. Die Berliner Bildhauer Im Schaufenster. Die Berliner Bild- Hauervereinigung hat mtt dem Verband Berliner Spezialgeschäste «ine Vereinbarung getroffen, laut der die Geschäft« ihre Schau- fenster, zum Teil ganz, zum Teil wenigstens teilweise, für die Aus- stellung blldhauerischer Arbeiten zur Verfügung stellen. Dieser neu- artige Versuch, in den Hauptstraßen und in den besten Geschäften Verlins gute Kunst zu zeigen, soll von einem gerechten sozialen Empfinden gekettet werden und alle Künstler zeigen, die der Bild- Haueroereinigung angehören. Da die besten Plastiter Berlins mit- machen, wird das Uniernehmen gewiß auch künstlerisch Neues bringen. Der Beginn hat sich etwas hinausgeschoben: der 30. Oktober sst dafür in Aussicht genommen. Splelplo-'iwdi'nmg. Die sür Beate angrsehte Premier« von.Kopf oder Udler' im Komödienhau» muh wegen Erkrankung eines Dariteller» ant Freitag verschoben werden. Die für heute gelösten Karten Behalten KüUigkett. Volksbühne. Die Trstwissührunz von Hebbels»Indltb" im Theater am B ü l o w p l a tz ist für Donnerstag, den S. November festgesetzt worden. vi« Akademie der Künste eröffnet ibr« dieSjäbrig« Herbstausstellung am Sonnabend, den 24., mittags 12 Nbr. Sie umsaht Aquarelle. Gouachen. Pastelle, Zeichnungen, Graphik, sowie Werke der Bildhauertunst. Die Aus- stellung ist bereits am Sonnabend dem Publikum zugänglich und wird täglich von 10—5 Uhr geöffnet sein. Zm tesstug-Museum findet beut«, abends S Mr. ein« I»bann- Strauh» Feier statt. Georg Richard Kruse spricht über den Komponisten Mar- oaretc Bergh-Steingräber und äritz Sturm-Schühler fingen aus den Operetten, begleitet von Paul Li cht«» st ein. Oda ». Halten tanzt Lttauhfche Walzer. VI« parsser kouftgewerbeaiisstestinis wird, wie HandelSmtnister Ehanmet im Ministerrat mitteilte, am 7. November geschlossen werden. die Erörterung öes Manögtsprsblems „Wohlwolleudes Hinausschieben." London, 21. Oktober.(Eigener Drahtberichi.) Die Frage, ob Deutschland in Zukunft wieder unter die Mächte ein. treten soll, denen koloniale Besitzungen als„Treuhänder" übertragen weiden, wird in englischen politischen Kreisen ohne Zlnimosi- t ä t diskutiert. Nicmnnd vertritt beute noch die Ausfassung, daß Deutschland nicht sähig sei, Kolonialgebiete zu verwalten. Auf der anderen Seite ist man sich aber bewußt, daß die Frage nicht un- mittelbar aktuell ist, trotzdem man in gutnnterrichteten Kreisen viel von deutschen Aspirationen auf einen gewissen öko- nomisch schlecht bewirtschafteten holländischen Kolonialbesitz spricht. Da es sich hier aber weniger um einen Anspruch auf einen Kolonial- besitz als um das Recht der ökonomischen Bewirtschaftung(oder Ausdeutung'') handelt, so hat man dieses Problem nicht zum Gegenstand einer prinzipiellen Auseinandersetzung gemacht, und in den Zeitungen war davon bisher überhaupt noch nicht die Rede. Im übrigen kommt die Auffassung sowohl des Durchschnitts- engländers als der politisch interessierten Kreise vielleicht am klarsten aus den folgenden Ausführungen des immer gut unterrichteten diplomatischen Korrespondenten des„Daily Tele- graph" zum Ausdruck, der übrigens in den letzten Wochen mehr und mehr aus seiner journalistischen Anonymität herausgetreten ist und als Parlamentskandidat der Liberalen Partei feinen politischen Einfluß nicht nur als Journalist, sondern auch als politischer Redner auszuüben sticht. Professor Gerothwohl schreibt im„Daily Telegraph" über dieses Problem folgendes: „Was die Frage der Kolonialmandate betrifft, so wird Deutschland als ein mit allen Rechten eingesetztes Mitglied des Völkerbundrats natürlich das Recht besitzen, als ein möglicher M a n d a t s t r ä g e r zu fungieren. Aber aus rein praktischen Gründen dürfte die Frage für die nächste Zeit eine rein akademische sein, da es in diesem Augenblick keine verfügbaren Kolonial- Mandate gibt, noch solche voraussichtlich in nächster Zukunft geben wird. Die früheren deutschen Kolonien, über die Großbritannien oder einzelne Dominions das Mandatsrecht aus- üben, sind nicht britische, sondern„Empire-Mandate" und es wäre die Zustimmung der Mitglieder des Empire nötig, ehe ein derartiges Mandat zugunsten Deutschlands aufgegeben werden könnte. Ein solches Abkommen kann als höchst unwahr- scheinlich bezeichnet werden: aber auch wenn es zustandekäme, so ist es noch keineswegs ausgemacht, daß sich im Völkerbundrat die für die Uebertragung des Mandats an Deutschland notwendig« Stimmeneinhelligteit erzielen lassen würde, da der Bau oder die Ausdehnung einer Kriegsflotte die gewöhnliche Folgeerscheinung eines solchen Kolonialbesitzes zu sein pflegt." Der letzte Satz beweist, auf welcher Ebene in England, trotz aller scheinbaren wohlwollenden Neutralität, die Bedenken gegenüber der Frage eines deutschen Kolonialbesitzes liegen. Es sst klar, daß England nichts tun wird, was eine militärische Stärkung, insbesondere aber eine maritime Stärkung Deutschlands im Gefolge haben kann. England hat den Alpdruck, den ihm die deutsche Flotte vor dem Krieg bereitet hat, noch lange nicht vergessen. Darum herrscht in den politisch maßgebenden Kreisen die natürliche Neigung, dies Problem eines neuen deutschen Kolonialbesitzes wohlwollend hinauszuschieben. Die Wiederkehr einer Arbeiterregierung könnte in dieser Frag« für Deutschland unzweisel- Haft eine günstigere Basis schaffen, allerdings lediglich dann, wenn diese in einem höheren Maße, als das heute der Fall ist, davon über- zeugt werden könnt«, daß Deutschland mit seinem machtpolitischen Vorkriegsgewohnheite» endgültig gebrachen hat. Locorno war ein Anfang. Aber man gebe sich darüber keiner Täuschung hin. daß der unzweifelhafte Eindruck der Ehrlichkeit und des guten Willens, den die deutsche Delegation in Locnrno gemacht hat, noch lange nicht geeignet ist. da» tiefeingewurzelte Mißtrauen gegen de u t s ch«„Realpolitik"— die Engländer verwenden hierfür immer ironisch das deutsche Wort— auszurotten, insbesondere dann, wenn auch in Zukunft die Zeitungen Tag für Tag ihren er- staunten Lesern von militaristischen Demonstrationen, Brandreden von Cpgenerälen und Rachegesängen aus den Reihen der deutschen bürgerlichen Jugend zu berichten haben sollten. vie Räumung steht bevor! Paris, 21. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das französische Auswärtige Amt erklärt zu der von Dr. Stresemann am Dienstag den Vertretern der Rheinland« gemachten Mitteilung, daß die Kölner Zone spätestens bis zum 15. November geräumt sein werde, «in b e st i m m t e r Zeitpunkt sei in Locarno nicht vereinbart worden und könne auch jetzt noch nicht genannt werden, da die alliierten Regierungen den Bericht der Militärkontrollkommission über den Stand der deutschen Entwaffnung abwarten müßten. Man sei hier bereit, Deutschland in weitestem Maße Genugtuung zu geben, unter der Voraussetzung, daß auch Deutschland die von ihm übernommenen Verpslichtunizen erfülle. Es wird hinzugefügt, daß nach den vorliegenden Berichten Deutschland die Durchführung der ihm von der Botschastcrkonserenz gemachten Auflogen bereits sehr weit gefördert zu haben scheine. Paris, 2t. Oktober.(1ÖIB.) Zm verlause einer Konferenz, die heule abend unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten P a l v- l e v t in Anwesenheil des Außenminister» B r i a n d. des französischen Delegierten be! der Rheinlandkommifsion Tirard, des Befehlshabers der sranzosischen Befatzungelruppen, General Gull- laumat, des Generalstabschess des Marschalls Fach. General D c sli ck e r und des Chefs des Mllikärkablnctls des Kriegs- Ministeriums slailsand. wurdeu, wie havos meldet, die Berichts der Mililärkontcollkommisslon und der Stand der Erfüllung der E n l w a f s a u n g s b e st i m m u n g c n. wie sie die Lot- schasterkonserenz aufgestellt hat. geprüft. Es ist festgestellt worden. daß die deutsche Regierung in einer gewissen Anzahl von Punkten, insbesondere was die Zerstörung von Kriegsmaterial und -Werkzeugen betrifft, befriedigende Maßnahmen getroffen hat. Rückwirkung auf Gesterrsich uuö Ungarn. Paris, 21. Oktober.(EP.) Nach Meldungen Pariser Blätter aus London sollen Oe st erreich und Ungarn, in erster Linie aber Oesterreich, die bereits Mitglieder des Völkerbundes find und sich hinsichtlich ihrer Entwaffnung in gleicher Lage wie Deutschland befinden, dieselbe Behandlung verlangt haben, wie sie für das Deutsche Reich in Aussicht genommen sei. SkrApnski vor öem Ruswärtizen Ausschuß. Macschau, 21. Okt.(MTB.) Außenminister Graf Strzynski hielt heute mittag im Auswärtigen Ausschuß des polnischen Landtages sein erwartetes Exposä über das Ergebnis der Konferenz von Locarno. Einleitend erörterte er die Bedeutung des Rhein- Paktes für Polen.„Es erhebt sich jetzt die wichtige Frage," so führte der Minister aus,„ob dieser Pakt nicht eiue eiserne Barriere bildet, die in Zukunft Frankreich vom übrigen Europa trennt, und ob Frankreich das Recht hat, uns zu Hilfe zu kommen. Der Pakt sagt ja, denn auf der Grniidlog« des Art.- lö der Bölkerbundssatzung kann Frankreich für den Fall, daß Polen von Deutschland angegriffen wird, uns zu Hilfe kommen. Was das neue polnifch-französische Bündnis an- betrifft, so muß gesagt werden, daß es die früher abgeschlossenen Verträge nicht annulliert, bringt es doch ausdrücklich zur Kenntnis der anderen Staaten, daß Frankreich verpflichtet ist, einem angegriffenen Polen Hilfe und Beistand zu leisten. Es ist dies eine klarere Formulierung als im früheren Bündnisvertrage. Die Aufgabe des deutsch-polnischen Schiedsoer- träges Ist, alle Rechtsstreitigkeiten durch obligatorisch« Schieds- gerichtsbarkeit, alle materiellen Interessengegensätze durch ein nicht verpflichtendes Schiedsverfahren aus dem Wege zu räumen. Es ist klar, daß Rechte, die sich aus bestehenden Verträgen ergeben, wie z. B. der Besitz eines Landslrlches. bei diesem Versahren nicht zur Diskussion gesiellk werden können, denn die internationalen Tribunale sind für Abänderungen der bestehenden Verträge nicht zu- ständig, und auch das Schlichtungsverfahren kann nich��pr Aenderung eine« grundlegenden Rechtes irgendeines Staates ohne beiderseitige Zustimmung führen. Es wird viel gefragt, wer in Locarno gesiegt hat und wer dort unterlegen ist. Diese FragesteLung ist schief:. R i e � manh fuhr nach Locarno, um irgend jemand zu besiegen. Es wäre Zelt, die Menschlichkell lernte, daß man das wohl des einen Staates nicht auf das Unheil des anderen gründen kann. Wir fanden in Locarno volles Verständnis für unseren Stand- Punkt bei E h a m b e r l a i n. Wir erreichten außerdem die Vor- stärkung unseres Bündnisses mit Frankreich. Jeder Franzose wird von nun an wissen, daß dieses unser Bündnis die große F est e r- probe der Friedensdistufsion bestanden hat. Die Bor- stellung ist mittelalterlich: das Bündnis, das sichnur auf dem Schlachtfeld« bewährt. Die Friedensdiskussion war notwendig, um von vornherein den französischen Soldaten zu überzeugen, daß die verantwortlichen Männer stets alles tun, um einen Krieg zu verhindern. Sicherlich sind die in Locarno abgeschlossenen Derträge noch, nicht vollkommen, doch sind sie ja auch nur ein Ausgangspunkt. und ein Wegweiser für die zukünftige Zlrbeit. In Locarno wurde eine politische und moralische Festung errichtet, die zur Vermehrung der Sicherheit des polnischen Staates beiträgt." nicht bekannt werden würde. Jetzt werden sie aber einen Entschluß fassen müssen. Die Auslandsdclegation der Menschewicki hat sofort dafür ge. sorgt, daß das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-In- ternationale benachrichtigt wurde, ebenso der belgische Außen- minister, Genosse Vandervclde, der bekanntlich einer der Ber- leidiger von Götz in dem Moskauer Prozeß war. Ebenso sind selbstverständlich auch die Auslanddclegationen der Sozialrevolutionäre in Prag und Paris verständigt worden. Die Ausländsanleihe der Stadt Serlin. Ter Magistrat gegen koulniuuistischen Schwindel. Zu der von uns im letzten Abendblatt behandelten Tataren- Meldung des Kommunistenblattes über das„bankerotte Berlin" gibt der Magistrat folgende Erklärung heraus: „Heber die Verhandlungen des Städtischen Haushaltsausschilsses wegen der Anleihe für die Elektrizitätswerke hat die„Rote Fahne" in sensationeller Ausmachung ein« Darstellung gebracht, die in d e n w i ch t i g st e n Teilen falsch ist und irreführt. Weder der Magistrat noch der Kämmerer haben eine Steigerung der Werks- tarife empfohlen. Sie haben im Gegenteil es für unerträglich erklärt, die großen Baukosten des Rummels- burger Werkes aus erhöhten Tarifen aufzu- bringen, und sind deshalb für die Ausnahm« der Anleihe ein- getreten. Aus Werksüberschüsscn sind weder Berwaltungs- noch Polizeikosten bezahlt worden. Die Erträge der Werke müssen vielmehr schon jetzt so sehr für die Perbesserung der Anlagen in Anspruch genommen werden, daß sie den Steuer- Haushalt nicht so, wie beim Haushalt vorgesehen, entlasten können. Die Baugelder für Wohnbauten sind fortlausend diesem Zweck zugeführt worden. Im ersten Halbsahr des Rechnungsjahres sind an Hauszinssteuern für Neubauten 40 100 000 M. eingegangen und 39 400 000 M. an die Wohnungssürsorgegesellschaft weiterge- geben. Das Ergebnis der amerikanischen Anleihe ist soeben erst der Oesfentlichkeit mitgeteilt worden. Auch die Bedingungen der Schweizer Anleihe sind bekanntgegeben. Es erübrigt sich deshalb eine Richtigstellung der falschen Zahlen und Behaup- t u n g e n, welche die„Rote Fahne" hierzu bringt." galtet aus! ZyiuSko der Cohmannschen Zeugen. München, 21. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In der Mitt- wochverhandluna des Dolchstoß- Prozesses verkündet der Vorsitzende zunächst die Ablehnung des Gesuchs der beklagten Partei, den Sachverständigen Oberst a. D. Jochim als befangen nicht zuzulassen, da Jochim als Oberquartiermeister der 17. Armee nicht für die operativen und taktischen Vorgänge in der Armee verantwortlich sei. Dann wird in der Zeugenvernehmung fortgefahren, und zwar mit Fritz v. M a n t h e y, ebenfalls ein ehemaliger Oberst, der im ersten Dolchstoßhest mit einem Artikel vertreten ist. Sein« Auesagen stützten sich einmal aus seine Wahrnehmungen in den L a z a r e t- t e n, in denen er sich während des Jahres 1917 bis Juli 1918 als Schwerkranker aufgehalten hat und wo er aus Mitteilungen einer Krankenschwester und eine» Sanikätssoldalen Frfuhr, daß von den in den Lazaretten untergebrachten Soldaten vielfach kein Wille zur Gesundung mehr vorhanden war(!). Ein Lazarettarzt berichtete ihm auch, daß manche Leute sich selbst Krank- heilen künstlich beigebracht hätten. Auch fiel ihm aus, daß die kranken Soldaten keine Neigung hatten, seine über harmlose Themata gehaltenen Vorträge zu besuchen(!). Als er dann am 20. Juli 1918 Chef des Gardekorps m Berlin wurde, teilte ihm lun Borgänger mit, daß die Güte der Truppe bereits gelitten Hätte, daß auch dt« Haltung der Bevölkerung gegenüber den Ossi» ziere» eine andere als früher geworden wäre, will der Zeuge daraus schließen, daß ihm einmal eine S ch a f f n e r t n auf der elektrischen Straßenbahn m unehrnbietiger Weise entgegengekommen sei. Wäh- rend seiner Tätigkeit als Eh ei des Stabes bei dem Gardekorps erhielt er auch die Mitteilung des Berliner Polizeipräsidenten, daß Anfang Ottober die Zahl der Fahnenflüchtigen in Berlin allein sich auf 40 000 bis 50000 beziffert habe. Konkrete Tatsachen, daß für die behauptete Unterwühwng des Frontgeistes die Sozioldemv- kratie die Schuld trage, wußte auch dieser Zeuge nicht a n z u- geben. Es ist lediglich seine Auffassung, daß. wenn der„vorwärts" in den letzten Monaten des Krieges täglich in groszcn Oettern die Ucberschrist gehabt hätte: Kalkei aus!", dann der Dolchstoß unterblieben wäre(!>). Im übrigen hatte man von einem großen Teil dieser merkwürdigen Zeugenaussage den Eindruck einer maßlosen Selbstbeweihräucherung. Das konnte man vor allem aus dea Schlußwort schließen:„Zch hoffe, daß meine Heuligen Ausführungen dem deutschen Volt den Weg zeigen werden, den es zu �wandeln hat, wenn nicht die Geschichte über es hinweggehen soll." Der Verteidiger Hirsch berg versuchte, auch von diesem Zeugen eine klare Definition des Begriffs Dolchstoß zu erholten. Er bekam aber nur die Antwort, daß man unter Dolchstoß die Unterbindung der Krästezufuhr an das Heer zu verstehen habe. Schließlich behauptete dieser Stabsoffizier der Garde noch unter ausdrücklichem Hinweis auf seinen Eid, daß es im Großen General st ab niemals eine Kriegspartei gegeben habe(!). Dann marschiert einer der Hauptzeugen des Klägers Eoßmann aus, der Vizeadmiral v. Trotha, der von 1917 an Chef der Hochseestreitkräfte war. Der mehr als dreistündige Vortrag dieses Zeugen machte es zur absoluten Gewißheit, daß der Hauptzweck dieser merkwürdigen Zeugcnmethodc darin besteht, durch ganz aus- führliche Darstellung von Dingen und Tatsachen, die mit dem Prozeßstofs nur in ganz losem Zusammenhang stehen. Reden zum Fenster hinaus zu halten zu dem Zweck, politische Wir- kungon zu erzielen. So erzählte Admiral v. Trotha ganz eingehend über die Erziehungsmethode der deutschen Marine im Vergleich zur englischen, über die Vereinsamung und die Ernährungsverhält- njsse auf den Kriegsschiffen vor dem Kriege und tausend andere Einzelheiten. Auch seine wiederholt demonstrierten Urteile über die Kampfkraft der deutschen Flotte im Vergleich zur englischen hatten mit der Sache kaum etwas zu tun. Er bekannte sich auch von neuem als überzeugter Anhänger des rücksichtslosen U-Boot- Krieges, der, konsequent durchgeführt. Deutschland nach seiner Meinung unbedingt den Sieg gebracht hätte. Beweise für diese Ausfassung konnte der Zeuge allerdings nicht anführen. Als ein Hauptzug seiner ganzen Darstellung war ganz deutlich die Derteidigung der Tirpitzschen S e e k r i e g s p o l l t i t zu erkennen. Der auf Mittwoch geladene Zeuge Admiral v. Lsvetzow hat sich telegraphisch entschuldigt. Es ist fraglich, ob er überhaupt noch ver- nommen wird.— Nächste Sitzung: Donnerstag. Der Generaldirektor de» Verlage» der.Deutsche« Tageszeitung Tsckermat, Ist Mittwoch nachmittag im Atter von 62 Jahren an Gehirnschlag plötzlich verstorben. Er war BorftandSimiglied der Arbeitgebervereinigung für da« deut'che geituna«gewerbe und Bor- sitzender de» Krei«oereinS Berlin im verein der Deutschen Zeitung«» Verleger. keine Elnheiksfron« der Venlschen in der Tschechoslowakei. Der Plan der deuischcn bürgerlichen Parteien, tn der Tichechoilowakei für die bevorstehenden Parlamentswehlen eine Einheitsfront mtt einer gemeinsamen Liste herzustellen, ist endgültig gescheirert. Die deutsche Sozialdemokratie der Tschechoslowakei hat von vornherein die Teilnahme an dieser Einheitsfront abgelehnt. Zrankreichs Zinanzforgen. Ablehnung deS amerikanische« Vorschlags. Pari«. 21. Oktober.(Eigener Drohtbericht.) Di« französische Regierung soll noch eingehenden Beratungen zu dem Entschluß ge- kommen sein, den von der amerikanischen Regierung ge- machten Vorschlag einer aus fünf Jahr« beschränkten v o r l ä u- figen Regelung der französischen Schulden an die Dereinigten Staaten abzulehnen und das Parlament nicht damit zu be- fassen. Gleichzeitig ist Finanzminister C a i l l a u x beauftragt wo» den, neue Vorschläge auszuarbeiten, die sobald als möglich der amerikanischen Regierung unterbreitet werden sollen, damit die Ver- Handlungen keine Unterbrechung erfahren. Erhöhung deS Notenumlaufs? Paris. 21. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Ungeachtet des Dementis, das das Finanzministerium den in der Pariser Presse über die neuen Pläne Caillaux' erschienenen Mitteilungen entgegen- setzt, hall der..Pari« Soir" die von ihm gemachte Mitteilung auf- recht, daß Caillaux u. a. eine neue sehr beträchtliche Erhöhung des Notenumlaufs in Aussicht genommen habe. Das Blatt nennt die in der Tat ungeheure Ziffer von 9 Milliarden Frank, wodurch die Notenflut auf 62 Milliarden steigen würde gegen 41 Milliarden zu Beginn dieses Jahres. der öaitanzwischenfall. Ueberstürztes Ultimatum Griechenlands. Athen. 21. Oktober.(MTB.) DiegriechischeRegierung hat anläßlich des Zwischenfalls bei Demirkäpu an die bulga» rische Regierung ein aus 48 Stunden befristetes Ultimatum gerichtet, in welchem sie eine Entschädigung von 2 Millio- nen Frank, die Uebermlltlung einer Erklärung de» Bedauern» und die Bestrafung der verantwortlichen Offiziere fordert. Ruhiger bulgarischer Vorschlag. Sofia, 21. Oktober.(MTB.) Zu dem bereits' gemeldeten Zwischenfall an der bulgarisch-griechischen Grenze meldet die A u l g a- rische Telegraphenagentur: Am 19. Oktober ereignete sich an der bulgarisch-griechischen Grenze in der Nähe von Demirkopu infolge des Uebertritts eines griechischen Soldaten auf bulgarisches Gebiet ein Zwischenfall. Der griechisch« Soldat gab aus.einen bulgarischen Wachtposten einen Gewehrschuß ab. worauf dieser in rechtmäßiger Verteidigung den griechischen Soldaten erschoß, dessen Leichnam auf bulgarischem Gebiete verblieb. Hierauf entwickelle sich ein I n s a n t e r i e f e u e r, das bis gestern abend andauerte, zu welchem Zeitpunkte es einem Offizier des buk- garischen Abschnitts gelang, mit dem griechischen Kommandeur in Demirhissa in Verbindung zu treten, um den Vorfall zu untersuchen. Die bulgarische Regierung hat nunmehr der griechischen Regierung den B o r s ch l a g gemacht, sofort eine Untersuchung einzuleiten, um die Verantwortlichkeit für den Zwischenfall festzustellen Ter Vormarsch gegen Bulgarien beginnt 1 Athen. 21. Oktober.(TU.) ver Oberbefehlshaber der grle- chkfche« Armee hat den Grenztruppe« befohlen, die bulgarische Grenze zu überschreiten und die Stadl Petritsch. den Mikkclpunkk der nalionalen Bewegung Mazedonien»» zu besehen. Petritsch liegt in der Eüdwestecke Bulgarien«, unweit der Stadt Strumitzo, die als einziger Rest des«igenllichen Mazedonien den Bulgaren nach dem zweiten Balkantrieg verblieben war, am Ende des Wellkriegss aber mll Gebiet an Südstawien abgetreten werden mußte. Gleichzeitig verloren die Bulgaren dos Stück von Thrazien und der ägäischen Küste(Hafen Kawala), das ihnen 1913 gleichfalls zugestanden war. Die Dreiländerecke bei Petritsch ist wohl her empfindlichste Punkt des mazedonischen Problems. Die heutige Teilung Mazedoniens und Weftthraziens ist national insofern ün- gerecht', als nur gewisse Küstenstädte griechisch sind, während die Landbevölkerung südslawisch im weitesten Sinn genannt werden kann. Eine Lücke im Betriebsrätegesetz? Schindludertreiben der Berlin- Karlsruher Industriewerke. Wie wir in Nr. 488 des„ Borwärts" berichtet haben, hat das| herigen Betriebsrats sowie die Arbeiter, die auf die gewert. Gemerbegericht in einer Klage gegen die Berlin Karlsruher schaftliche Borschlagsliste gesetzt werden, entlassen werden Industriemerte entschieden, daß der am 19. September als würden, ohne daß fie dagegen den Rechtsweg beschreiten gewählt proflamierte Betriebsrat der genannten Firma fo. tönnten. Auch anläßlich der vorigen Wahl seien ja die von lange zu Recht besteht, bis die Wahl infolge einer Anfechtungs- der Ge wertschaft vorgeschlagenen Kandidaten flage der Firma für ungültig erflärt werden sollte. Eine Woche nach dieser Entscheidung verhandelte dasselbe Ge richt( Rammer 7, Borsitzender Magistratsrat SchuIB) über die An fechtungsflage, welche die Firma damit begründete, daß der Wahlvorst and formale Verstöße gegen die Wahlordung be gangen habe. Der die Sache des Beklagten führende Bertreter des Metallarbeiterverbandes führte die Verstöße auf das Berschulden der Firma zurück, die dem Wahlvorstand die Unterlagen zur Borbereitung der Wahl vorenthalten habe. Nach längerer Berhandlung erflärte das Gericht die Wahl des Betriebsrats für ungültig, weil es formale Berstöße gegen die Wahlordnung für erwiesen anfah, die, auch wenn fie zum Teil von der Firma verschuldet wären, zur Ungültigkeitserflärung der Wahl führen müßten. Für diesen Fall hatte der Vertreter des Metallarbeiterver, bandes beantragt, das Gericht möge auf Grund von§ 43 Abs. 2 BRG. einen vorläufigen Betriebsrat einseßen, der bis zur Neuwahl zu fungieren habe. Das Gericht erflärte aber, es fönne zu seinem Bedauern diesem Antrage nicht stattgeben, da sich§ 43 Abs. 2 ausdrücklich auf den Fall des§ 41 beziehe, also auf eine vom Arbeitsgericht beschlossene Auflösung des Betriebsrats wegen Berlegung seiner gesetzlichen Pflichten. Für den Fall der Ungültigkeitserklärung der Wahl biete das BRG. feine Handhabe zur Einsetzung eines vorläufigen Betriebsrats. In dieser Hinsicht enthalte das Gefes eine Lücke, die aus. zufüllen das Gericht nicht befugt sei. Nun sind also die Berlin- Karlsruher Industriewerke wieder ohne Betriebsraf. Denn auch der Direttor der Firma behauptete, daß er drei Bierteljahr ohne Betriesrat mit den Arbeitern ganz gut ausgefommen ist, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß es in dieser Zeit den entlassenen, selbst offenbar gemaßregelten Arbeitern nicht möglich gewesen ist, ihre Entlassung durch Einspruch beim Betriebsrat feiner vorhanden war und durch Klage beim Gemerbe gericht anzufechten. Mit Recht sprach deshalb der Bertreter des Metallarbeiterverbandes die Befürchtung aus, daß jetzt die Mitglieder des bisUrabftimmung bei der Hochbahn. meil Das Fahrpersonal der Hochbahn hat mit großer Mehrheit den Schiedsipruch abgelehnt, wonach der bisherige Manteltarifvertrag um ein volles Jahr, bis 31. Oftober 1926, verlängert werden sollte. Die Klavierarbeiter vor der Entscheidung. Nachdem am Mittwoch der vorigen Woche eine Berständigung über die Urlaubsbestimmungen dahin erzielt wurde, daß die bisher in den Branchen bestandene Urlaubsregelung in den neuen Vertrag restlos übernommen wird, fanden die direkten Verhandlungen zwischen den Parteien ihren Abschluß. Es wurde schließlich vereinbart, daß die noch übrig gebliebenen Streitfragen einem von den Parteien einzufegenden Schiedsgericht übertragen werden sollen. Die von dem Schiedsgericht ausgearbeiteten Bergleichsvorschläge follen den Mitgliedern zur Entscheidung unterbreitet werden. Dieses Schiedsgericht tagte am Montag und hat nach neunstündiger Berhandlung die nachstehenden Bergleichsvorschläge aus gearbeitet: 1. Arbeitszeit: Die regelmäßige tarifliche Arbeitszeit mit Ausschluß der Baufen beträgt möchentlich 48 Stunden. Beginn und Ende der täglichen regelmäßigen Arbeitszeit somie die Arbeitspausen find betrieblich, jedoch einheitlich festzusetzen. An den einzelnen Werktagen darf die Arbeitszeit nicht vor 7 Uhr morgens beginnen und nicht nach 5 Uhr nachmittags enden. 2. Ueberstunden: Ueberstunden sind in dringenden Fällen im Einvernehmen mit der gefeglichen Betriebsvertretung zufäffig. Aus Ueberstunden gelten die ersten beiden Stunden nach Beendigung der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit; jede weitere Ueberstunde gilt als Nachtarbeit. Für Ueberstunden wird ein Zuschlag von 25 Broz., für Nacht arbeit 50 Proz. des jeweiligen Stundenlohnes gezahlt. 3. 2phnabfommen: Der Tariflohn eines Facharbeiters über 20 Jahre beträgt 1,03 m. Die Tariflöhne aller übrigen Gruppen regeln sich nach dem unten angegebenen Schlüssel. Ein Rechtsanspruch auf die durch dieses Lohnabkommen eingetretene Erhöhung der Tariflöhne ist nur bis zur Höhe des neuen Tariflohnes gegeben. Die Maschinenarbeiter der Pianoindustrie, die bisher ihrer qualifizierten Leistung wegen einen höheren als den Tariflohn erhalten haben, erhalten den sich aus der vorstehenden Erhöhung der Tariflöhne ergebenden Zuschlag. Eine Erhöhung der bisher geltenden Affordlöhne findet nicht statt. Winterulster Herrenuister Winieruister fofort nach Bekanntgabe der Liste entlassen worden. Das sei nur ein Zufall gewesen, behauptete der Vertreter Damals hätten 300 Arbeiter wegen Arbeitsmangel der Firma. entlaffen werden müssen und unter diesen hätten sich zufällig die Betriebsratskandidaten befunden. Der Vertreter des Metallarbeiterverbandes entgegnete, der 3 fall" merde wohl auch jezt wieder eintreffen, denn die Firma wolle offenbar einen Betriebsrat aus den Reihen der von ihr begünstigten Arbeiter haben. Nach unserer Meinung hat das Gericht ausschließlich den Buchstaben des§ 43 Abs. 2 berücksichtigt, aber nicht dem Geist des Betriebsrätegefeges Rechnung getragen.§ 43 Abs. 2 läßt doch deutlich erkennen, daß es der Wille des Gesetzgebers war, den Arbeitnehmern in jedem Falle eine gefeßliche Betriebsvertretung zu sichern. Warum hätte er denn auch einen Unterschied haben machen wollen zwischen dem Zustand, der durch die Auflösung des Betriebsrats und dem, der durch die Ungültigteitserflärung der Wahl eintritt. Beides tomat doch in der Sache auf dasselbe hinaus. Wer sich nicht ausschließlich an den Buchstaben hält, der wird hier keine Lücke im BRG. finden. Was der Vertreter des Metallarbeiterverban des vorausgesehen hat, ist prompt eingetreten. Unmittelbar nach der Ungültigkeitserklärung der Wahl durch das Gericht wurden zwei Mitglieder des bisherigen Betriebsrats wegen Arbeitsmangel" entlassen. Auch in diesem Falle hat sich also der Sufall" genau zur rechten Zeit eingestellt. Die öffentliche Töpferversammlung am Mittwoch vormittag im Gewertschaftshaus nahm zu dem Angebot der Unternehmer Stellung und beschloß nach einer regen Diskussion, das Angebot anzu nehmen. Sie beauftragte die Lohnfommission, sofort mit den Unternehmern Rücksprache zu nehmen, den Ablaufstermin des Abtommens auf den 31. März festzusetzen und dann das Abkommen zu unterzeichnen. Die Versammlung beschloß dann, aus Mitgliedern des Baugewerksbundes und des Lokalvereins Berliner Töpfer eine Kom mission zu bilden, die durch gegenseitige Aussprache versuchen soll, die Grundlage für eine Einigung der beiden Organi= fationen zu schaffen. Dieser Antrag ist zu begrüßen, da gerade diese Lohnbewegung wiederum gezeigt hat, wie notwendig der einheitliche gewerkschaftliche Zusammenschluß ist. " Der Straßenbahnerstreit in Frankfurt a. M. Während die Tu berichtet, daß fic zahlreiche Arbeits. willige am Mittwoch zu den Betriebsbahnhöfen begaben, wo jedoch Streifende in großer Zahl eine drohende Haltung einnahmen," teilt WTB. mit: Die Zahl der Arbeitswilligen ist so gering, daß selbst ein Teilbetrieb nicht hätte durchgeführt werden können." Trogdem die Straßenbahndirektion allen Streifenden in einem Aufruf am Dienstag die Entlassung an drohte, wenn sie am Mittwoch die Arbeit nicht aufnehmen, geht der Streif weiter. Die Straßenbahner in Rheinland- Westfalen. Effen, 21. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die drei Straßenbahnerorganisationen veröffentlichen folgenden Aufruf:" Seit 2% Monaten befinden sich die Straßenbahner von Rheinland und Westfalen in einer Lohnbewegung. Am 14. September wurde dann nach mehrmaligen Verhandlungen ein Schiedsspruch gefällt, Der eine Lohnerhöhung von 5 Pf. in der Spize vorsah. Die Arbeitgeber lehnten diefen Schiedsspruch ab, die Arbeitnehmer nahmen ihn trop großer Bedenken an. Das Reichsarbeitsministerium lehnte die beantragte Verbindlichkeitserklärung ab und verwies die Parteien nochmals auf den Berhandlungsweg. Die neuen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband der Straßenbahnen fanden am 19. Oktober in Effen statt. Trotzdem die Vertreter der Arbeitnehmer zu weitgehenden Zugeständnissen bereit waren, mußten die Verhandlungen ständigung nicht wollte. Der Arbeitgeberverband machte ein Angebot von 2 f. ab 15. Oftober und einen weiteren Pfennig ab 15. November, trozdem er in der Schlichtungsfizung am 14. September bereits 3 Bf. ab 15. September anDa nun alle Verhandlungsmöglich. geboten hatte. feiten erschöpft sind, werden die Straßenbahner in allen Städten hierzu Stellung nehmen, und es ist mit positiver Bestimmtheit damit zu rechnen, daß es in den nächsten Tagen zu Arbeitseinstellungen bei den Straßenbahnern fommen muß. Die Berantwortung für einen Straßenbahnerstreit in Rheinland und Bestfalen trifft einzig und allein den Arbeitgeberverband, da dieser zu einem annehmbaren Abschluß eines Lohnabkommens nicht bereit mar." Damit nicht genug! Zur Vornahme der Neuwahl einescheitern, weil der Arbeitgeberverband die Ver. Betriebsrats wurde am Dienstag ein Wahlvorstand gebildet. Auch die Mitglieder diefes Wahlvorftandes wurden am Mittwoch, fofort nachdem ihre Namen befannt waren, entlaffen. An der Spitze dieser arbeiter und gemerfschaftsfeindlichen Firma steht als Generaldirektor der ehemalige General v. Gontard. Die neuerdings Entlassenen können gegen ihre durchaus unberechtigte Entlassung nichts unternehmen, da ein Be triebsrat fehlt, deffen Wahl die Berlin- Karlsruher Industriewerfe mit allen mitteln zu verhindern sucht. Dieses verwerf. liche und gefezwidrige Treiben muß öffentlich gebrandmarkt werden. Die Mindest löhne bleiben wie bisher 8 Proz. niedriger wie die Durchschnittslöhne. Die Altersstaffeln sowie der bisherige Schlüssel bleiben unver ändert. Bezüglich der Entschädigungsfähe der Lehrlinge wird gewährt: im ersten Lehrjahr im zweiten Lehrjahr im dritten Lehrjahr. im vierten Lehrjahr . 10 Proz. 18 25 38 des vertraglichen Durchschnittlohnes der Facharbeiter über 20 Jahre. Mit diesen Vergleichsvorschlägen liegt nunmehr das Gesamtverhandlungsergebnis vor. Die Berliner Musikinstrumentenarbeiter werden in einer heute abend in der Neuen Belt" stattfindenden Versammlung zu entscheiden haben, ob auf der vor. liegenden Grundlage der Tarifvertrag abgeschlossen werden soll oder ob der Kampf um die nicht erreichte 46stündige Arbeitszeit jetzt aufzunehmen ist. Lohnbewegung im Fuhrgewerbe. Deutscher Baugewerksbund. Jachgruppe der Töpfer. Der Stundenlohn der Ofenießer beträgt ab 17. Ottober 1,50 Mart, im Alford 135 Broz. des Tarifes. Diefe Bereinbarung gilt bis zum 31. März 1926. Die Arbeit wird heute Donnerstag wieder aufgenommen. Achtung, Bauarbeiter! Die Baustelle der Firma Wah u Freytag, Kraftwert Rummelsburg, ist wegen Lohn differenzen der Betonbilfearbeiter gesperrt. Deutscher Baugetverksbund, Baugewerkschaft Berlin. Achtung, Zimmerer! Die bei der Firma BayB& Freytag bestandenen Differenzen find durch Verhandlungen beigelegt. Die Arbeit ist am 20. Ottober bereits aufgenommen; bie Sperre für gimmerer ist somit aufgeboben. Bentralverband der Zimmerer, .3ahlstelle Berlin und Umgegend. Muffinftrumentenarbeiter. Sente, Donnerstag, nachmittag 3 Uhr in ber Reuen Welt, Salen beschäftigten Miinliebez. 1. Das Ergebnis der Vertragsverhandlungen. 2. Euticheibung über Streit aber Arbeit. Zutritt haben uur Mitglieder des Deutschen Holzarbeiterverbandes unter Borlegung des Mit gliedsbuches. Die Ortsverwaltung. Gewerkschaft Deutscher Wolfslehrer, Brovinzialverband Berlin. Freitag, den Ottober, 8 Uhr, im ftaatlichen Friedrich- Wilhelm- Gymnasium, Rochftr. 23, Bortrag von Herrn Brofeffor Meffer: Der fonzentrische Unterricht". Eintritt frei. Gäfte willkommen. Die im Schwer und Leichtfuhrmertsgewerbe Beschäftigten beibe 108/114, im Gartenfaal Branchenversammlung aller in ber Industrie hatten den Deutschen Berfehrsbund beauftragt, das bis zum 30. Oktober gültige Lohnabkommen zu fündigen und eine Er höhung der Wochenlöhne um 10 Broz. zu fordern. Die Fuhrherrninnung hat daraufhin geantwortet, daß sie von der Kündigung fehr überrascht sei, da die gegenwärtig gezahlten. Löhne an der Spize ähnlicher Gewerbe ständen und überdies ein allseitiger Preisabbau gefordert wird. Sie lehnte die Forderung fowie Berhandlungen hierüber mit der Lohnfommiffion als wedlos ab und schrieb:„ Wir wären berechtigt, um der gesamten schwierigen wirtschaftlichen Lage Rechnung zu tragen, an einen Abbau der Löhne heranzugehen, erflären uns jedoch ent gegenkommend bereit, das gegenwärtige Lohnabkommen bis zum 31. Dezember 1925 zu verlängern." " teilen und hat den Schlichtungsausschuß angerufen. Der Verkehrsbund kann die Auffassung der Unternehmer nicht Einigung im Töpfergewerbe. In den Berhandlungen zwischen den Bertretern der TöpferAchtung! Die Belegschaft der Eifengießerei der Firma Jachmann, Borfig walte, jekt heute, Donnerstag, noch aus. Bersammlung und Lohnzahlung nachmittags 5 Uhr in der Kantine des Betriebsvates. Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Caternus; Verantwortlich für Politif: Gewerkschaftsbewegung: Fricbz. Ektorn; Feuilleton: K. S. Döfcher; Lofales und Conftiges: rih Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Barwärts Berlag G, m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin E. 68, Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". wir zu unseren Ab 1. Oktober 1925 verken Engrospreisen Herren- und Damenstoffe | innung und der Lohntommission ist es trotz mehrstündiger Berhandlung nicht gelungen, die aufgestellten Forderungen von 1,60 m. Lohn und Herauffezung der Affordbasis auf 160 Proz. durchzusetzen. Die Unternehmervertreter erflärten sich nur bereit zu einer Erhöhung des Lohnes auf 1,50 M. und zur Herauffeßung der Affordbafis auf 135 Broz. Lohn und herauffezung der Affordbafis auf 160 Broz, burcTuchhaus auch an Privatkundschaft Ehrig& Ticke Akt.- GCS., Leipziger Straße 104, I. 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Elgene Kleiderwerke und Gummimante tabrik Berlin, nur Chausseestraße 29/30 Unsere Maßschelderel emplicalt san besonders Nr. 49942.Jahrgang Ver 1. Beilage des Vorwärts Kohlen größte Berliner Die Kommunalisierungsbestrebungen der Sozialdemokratie in den Stadtverwaltungen werden heute genau noch so wie vor Jahr zehnten von den gesamten bürgerlichen Parteien bekämpft. Als Hauptargument führen die Vertreter der freien" Wirtschaft an, daß kommunalisierte Betriebe, Werke und Unternehmungen im Kampf gegen die Konkurrenz zu schwerfällig seien und daß fie deshalb im„, freien Spiel der Kräfte" unterliegen müßten. Abgesehen von den im Besitz der Stadt befindlichen Gas, Wasser- und Elektrizitätswerken, deren Erfolge und Geschäftsgebarung eigentlich schon längst der bürgerlichen Beweisführung das Wasser abge schnitten" haben sollten( wir erinnern nur an die mangelhafte Betriebsführung und die hohen Preise der Charlottenburger Wasser werke!), ist die Berliner Brennstoffgefellschaft m. b. H." ein Musterbeispiel dafür, daß stadtlich betriebene Unternehmen durchaus lebensfähig sind, wenn sie mur richtig geleitet werden. Eine Inflationsgründung". " Schon vor dem Kriege hatte die Stadt Berlin eine Dienststelle eingerichtet, die die Aufgabe hatte, die Kämmereibetriebe, also nicht werbende Betriebe wie Krankenhäuser, Schulen und die Verwaltungsgebäude mit Brenn- und Heizmaterialien zu versorgen. Die Leitung hatten Beamte der Stadt, die Verwaltung geschah rein administrativ. Als im Juli 1922 der Betrieb immer schwieriger murde, faßten die städtischen Körperschaften den Beschluß, diese Materiallieferungsstelle auf eigene Füße zu stellen, d. h. sie nach faufmännischen Gesichtspunkten verwalten zu lassen. Berliner Brennstoffgesellschaft wurde als G. m. b. 5. aufgezogen, ein Betriebskapital gegeben und eine Geschäftsleitung bestellt. Was aus dem Vorhandenen gemacht wurde und wie diese Gesellschaft, die in allen ihren Teilen städtisches Eigentum war und geblieben ist, heute noch zum Vorteil der Gesamtbevölkerung funktioniert, soll im Folgenden gesagt werden. Der größte Kohlenlieferungsbetrieb. Die neue Es gibt weder in Berlin noch in Deutschland ein Unternehmen der Branche von der gleichen Ausdehnung der Berliner Brennstoffgesellschaft m. b. 5. Ueber ganz Groß- Berlin verteilt, von Tegel bis Mariendorf, von Charlottenburg bis Adlershof und Friedrichshagen und im Stadtinnern selbst, liegen etwa 20 Kohlenplähe der Gesellschaft. Alle sind mit den modernsten Maschinen für die Holzzerkleinerung ausgestattet. Wenn die großen Bandsägen freischen und die kraftbetriebene Hadmaschine mit fräftigem Tadtad die Kloben spaltet, zieht jeder unwillkürlich den Vergleich mit den vielen, vielen Zwergbetrieben, die mit dem Hundefuhrwert und mit Handjäge, Art und Beil, mühselig die Brennmaterialien heran60] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristenjen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) „ Sinn ist ein Menschenausdruck. Die Welt ist viel, viel größer, kannst du das nicht begreifen? Würde das nicht eine pauvre Erde fein, wenn sie bloß eine Art Vorschule wäre, bevor du in den Himmel oder das Karma versetzt würdest, oder nein, ich fann dich nicht begreifen! Kannst du das denn nicht verstehen?" Ja aber die Gerechtigkeit!" Nun hör' aber bloß auf! Geh auf die Bolkshochschule oder zur Kirche! Da fennt man die Gerechtigkeit. Die kennen so vieles. Oder geh zu dem Zigarrenroller! Geh zu ihm zurück! Er tennt das Ganze! Sie vereinen Zeit und Ewigkeit in ihrem Gehirn, das kann ich, verdammt noch mal, nicht." Er unterstrich sein ,, verdammt noch mal" und stand ärgerlich auf. ,, Du bist nicht weiter unterhaltlich!" bemerkte er. Ich würde gern mit ihm über etwas ganz anderes gesprochen haben; doch er fühlte sich zu wohl in feiner Ueber Tegenheit, nahm ein Buch von seinem Regal und fing an zu lefen. Sonst pflegte ich auf mein eigenes Zimmer zu gehen, wenn ich ihn langweilte; doch da innen wartete ein härterer Kampf auf mich, da hingen meine Malereien. Es waren eine Anzahl sehr moderner Bilder; doch ich hatte sie eines Tages taffiert, als ich entdeckte, daß sie nur der Abklatsch einer Kunstausstellung waren, die ich besucht hatte. Richard hatte bloß gesagt:„ Na, das ist ja schön!" Nun hingen nur drei Bilder dort. Ein Stilleben und zwei Landschaften. Aber heute morgen war ich wütend auf fie geworden. Sie glichen Raavads, hatte ich bemerkt. Sollten die nun auch tassiert werden? " Du, Richard! Da ist etwas, was ich nicht verstehen fann. Weshalb male ich in Flächen? Ja, das ist ja wohl die richtige Art, aber trotzdem-man muß es doch von sich. felbft malen." Wer sagt denn, daß es richtig ist, in Flächen zu malen?" antwortete er nedend und sah von seinem Buche auf. " Ja aber, du mußt mir helfen!" sagte ich müde. Ich fühlte einen heißen Drud im Gehirn. " Das fann ich nicht." " Richard, warum weichst du mir grade jetzt aus. Ich fann nicht allein damit fertig werden." " Du bist der, welcher ausweicht, Verehrtester. Damit mußt du allein fertig werden. Ich habe gar nicht gesagt, es haden ERK. schaffen und verarbeiten. Bei unserer städtischen Gesellschaft ist alles nach modern- großzügigen Gefichtspunkten eingerichtet und geleitet. Wie sollte auch sonst ein Umsatz von dreihunderttausend Tonnen Kohlen und Kohlenprodukten aller Arten erzielt und bewältigt werden? 300 000 Tonnen kohlen find 6 Millionen Zentner bedenke dabei, daß dein Wintervorrat felten 20 Zentner Breß fohlen übersteigt. Sechshundert Güterzüge zu je 50 Wagen( die Stadtbahn fährt mit zehn Wagen!) müßten zur Beförderung dieser Menge zusammengestellt werden und wenn man das Jahr zu 300 Arbeitstagen rechnet, so find täglich 100 Güterwagen, wovon jeder 200 Zentner Kohlen trägt, zu verarbeiten gewefen. Das hat die städtische Gesellschaft mit einer durchschnittlichen Arbeiterzahl von etwa 280 Köpfen bewältigt; in den Bureaus arbeiten 68 Angestellte. Die 30 000 Kubikmeter Brennholz, die verkauft wurden, sind auch eine erfleckliche Menge. Der Geldumlauf betrug über schäftsunternehmen in Berlin hatte in derselben Zeit kaum den 10 Millionen Mart im Jahre 1924. Das größte gleichartige Gevierten Teil des Kohlenumsatzes. Das An- und Abfahren der Kohlen besorgen 35 eigene Gespanne, zu denen im Herbst und Winter noch ebensoviel Lohnfuhrwerfe hinzukommen. Zwei große Laustautos mit Kippvorrichtungen und ein eisernes Pferd vervollständigen den Fuhrpart, sie versorgen die weitergelegenen Steller. 3 FEL Ein Waschraum auf dem Kohlenplatz. wäre richtig, in Flächen zu malen. Richtig? Klumpen sind auch gut! Das mußt du doch wirklich selbst herausfühlen tommen!" Er war verdrießlich. Ich verstand nicht, weshalb? Im Anfang, als ich urgenial über Kunst und hektisch über mich selbst und meine Erlebnisse gesprochen hatte, hatte er mir die Kunst erflärt, hatte lange Vorträge darüber gehalten und über Lebensanschauung gesprochen und ich hatte hungrig das Gange in mich aufgenommen. Pflichtschuldigst hatte ich zum Dank einige Urgenialitäten geliefert oder einige verdrehte Streiche vollführt, die er seinen Freunden wiedererzählen fonnte. Aber jetzt, wo ich ernsthaft den Problemen auf den Grund gehen wollte, wurde er verdrießlich. Ich zog mich auf mein Zimmer zurück. Nein, Richard war kein Freund. Ich verstand nicht, was er war. Unverzüglich ging ich zu meinen Bildern an der Wand und nahm sie herunter. Sie sollten mit all den anderen Malereien zusammen aufgestapelt werden. Ich besah sie mir ein bißchen. Sie waren häßlich. Aber Raavads waren auch häßlich, und alle die, die Richard auf der Ausstellung be wundert hatte, waren ebenfalls häßlich. Weshalb hatte ich das nicht früher gesehen? Aber war ich es Richard nicht schuldig, dabei zu bleiben? Wenn er an mich glaubte, war es wohl meine Pflicht, zu malen; doch glaubte er denn an mich? Ja aber, warum ließ er mich sonst bei sich wohnen? Die Bilder waren häßlich! Und ich war fein Künstler! Es war eine Lüge, an die ich selber geglaubt hatte! Ich war fein Rünstler! Was half es auch, daß ich versuchte, eine Spur bis tief in die Vergangenheit zurückzufinden? Raavad glaubte an sich. Er fonnte gar nicht anders malen. Richard glaubte an ihn. Er konnte es genießen. Börgejen glaubte gewiß auch an ihn, er kaufte jedenfalls Raavads Bilder. Aber er taufte ja auch meine. Und Richard lächelte, als ob er mir Glück zu dem Schwindel wünschen wollte, jedesmal, wo Börgesen mir ein Zehntronenstüd zusteckte. Börgesen schielte stets zu Richard hin, bevor er sein Urteil abgab, und er sprach stets zögernd, als ob er fich fürchtete, eine Dummheit zu sagen. Ja, Raavad hatte Recht. Er war ein Idiot, der kaufte, was er nicht verstand. Und ich, der malte, was er nicht verstand? War ich ein Schwindler oder ein Idiot? Was war ich? Ja, Börgesen und ich waren das Publikum und die Kunst. wo blieb die bei mir? War es ihr wie all' dem anderen gegangen? Konnte ich mir selber einbilden, daß ich ein Christ wäre oder ein Theosoph oder daß ich Klara liebte? Hatte ich es mir jemals eingebildet? | Ich konnte feinen Ausweg finden. Je mehr ich darüber nachdachte, je verwickelter wurde es. Donnerstag, 22. Oktober 1925 Den Ausbau der hygienischen Einrichtungen hat sich die Leitung der Gesellschaft besonders angelegen sein lassen. Bei der start schmuzenden Arbeit, die bei jeder Witterung geleistet werden muß, haben die Arbeiter ein Anrecht auf besonderen sanitären Schutz und er ist ihnen nach der Möglichkeit der zur Verfügung stehenden Mittel gern gewährt worden. Auf den größeren Plähen ist eine Brausebadeeinrichtung vorhanden. Der Heizfejfel erwärmt gleichzeitig den Arbeiteraufenthaltsraum. Auf den Plätzen am Urban- Hafen, in der Sellerstraße und am Stralauer Plaz sind diese Reinigungsanlagen in geradezu musterhafter Weise ausgebaut. Koch- und Wärmevorrichtungen, elektrisch betrieben, geben den Arbeitern Gelegenheit, mitgebrachtes Essen fertig zu machen. Bei diesen den Arbeitern gebotenen Wohlfahrtseinrichtungen hat sich gezeigt, daß sie gern in Anspruch genommen werden und daß die Behauptung der Unternehmer, die Arbeiterschaft ließe solche Einrichtungen unbeachtet, leeres Geschwät sind. In dem Augenblid, wo Wohlfahrtseinrichtungen wirklich zwedentsprechend sind, werden sie auch benutzt. Selbstverständlich werden die Arbeiter nur durch die Vermittlung des Arbeitsnachweises eingestellt und nach den mit dem Berkehrsbund ver einbarten Tarifen entlohnt. Die Beziehungen zwischen Geschäftsleitung und Arbeitern und Angestellten sind gut. Am Stralauer Plaz ist eine Betriebswerkstatt eingerichtet, die Reparaturen und selbst Neubauten von Wagen und sonstigen Geräten für die Gesellschaft vornimmt. Stellmacher. Tischler, Schlosser, Schmiede und Maler arbeiten an den modernsten Maschinen und stellen jede Arbeit billiger her, als es der Kundenbetrieb tann. Kommunalbetriebe Musterbetriebe! Nun aber die andere, wirtschaftliche Seite der Frage: Kommunaler oder Privatbetrieb. Die Stadt Berlin hat dadurch, daß sie die Belieferung ihrer Dienststellen, der öffentlichen Anstalten und Betriebe mit Heiz- und Brennmaterial durch die stadteigene Brennstoffgesellschaft vornehmen ließ, graße Ersparnisse gemacht. Zu dem gewährleistete die Gesellschaft eine sachgemäße, gute und pünktliche Abfuhr. Der Gesellschaft ist ferner die Belieferung der Rentner- und Woh! fahrtsunterstützungsempfänger übertragen. Auch hier haben sich sowohl für die Stadt, als auch für die Belieferten nur Vorteile ergeben. Im Verkehr mit der Privatkundschaft hat sich zweifelsfrei und buchmäßig nachweisbar die volle Konkurrenzfähigkeit der Gesellschaft herausgestellt; im übrigen ist das Verhältnis zu dem privaten Kohlenhandel ein durchaus gutes. Sie arbeitet ohne jeden Zuschuß der Stadt, hat bisher stets eine glänzende Bilanz gehabt und ist ohne den großen Repräsentationsapparat und ohne die Repräsentations angestellten ausgekommen, die ähnliche Privatbetriebe unterhalten. Die Behauptung von der„ Notwendig. feit der Initiative des Privattapitals" ist von der Berliner Brennstoffgesellschaft widerlegt. Die Erfolge der Gesellschaft zeigen aber auch, daß große Betriebe mit technisch vollkommenen Einrichtungen und unter der notwendigen richtigen Leitung leistungsfähiger find, als Kleinbetriebe. Der städtische Brennstoffgroßbetrieb, die Berliner Brennstoffgesellschaft m. b. H., hat bisher alle Einwände der Privattapitalisten und ihrer Beauftragten in der Stadtverordnetenver fammlung glänzend abgefertigt. Die Erfüllbarkeit der kommunalpolitischen Forderungen der Sozialdemokratie ist bewiesen. Auf diesem Wege fortzuschreiten, ist die Absicht unserer Partei auch im neuen Stadtverordnetenparlament. Diese Absicht verwirklichen zu helfen, liegt im Interesse aller Einwohner Berlins, und so muß jeder am 25. Oftober Sozialdemokraten wählen. Die enttäuschten Rechtswähler. In einem sehr belanglosen Flugblatt der Deutschen Boltspartei heißt es: Weite Kreise der Wählerschaft beherrsche das Gefühl der Enttäuschung darüber, daß ihnen von politischen Parteien lockende Versprechungen gemacht wurden, auf deren Erfüllung fie vergeblich warten mußten." Aha! Geht ihnen doch noch Erkenntnis auf? Dieser Lanzenstich nach der deutschnationalen Bruderseite hin, der die EntAber ich war tein Künstler! Das begriff ich. Ich legte mich auf den Divan, warm und schwindlich. Ein heftiger Kopfschmerz quälte mich. Jeder Schmerz drückte von ihnen und wollte sich gleichsam seinen Weg durch die Nähte des Gehirns heraus bahnen. Es flingelte und ich hörte eine weibliche Stimme. Es lief mir kalt den Rücken herunter und ich warf mich auf dem Divan hin und her. Weshalb mußte sie jetzt kommen? Weshalb grade jezt? Ich kannte die Stimme ja! Ich mußte, wer das war! Das war sie, die blonde Dame aus der Bredgade, Fräulein Vibeke Dreyer. Ich war ihr einmal vorgestellt worden. „ Das ist mein Hausgenie- und das ist Fräulein Bibeke Dreyer!" hatte Richard in einem Tone gefagt, als ob er seinen Privatclown vorstellte. Ich hatte sofort angefangen, meine Rolle zu spielen. Das war meine Art, die Miete zu bezahlen. " Freut mich dynamisch!" hatte ich geantwortet und michh verlegen zurückgezogen. Aber heute wollte ich nicht den Hanswurst spielen! Keine Grimassen oder Schminke oder raschelnde Lumpen fonnten perbergen, daß ich nacend war. Und ihr gegenüber wollte ich auch nicht mehr den Clown machen und ich wollte überhaupt nicht zum Vorschein kommen. „ Wie geht es deinem Maler?" hörte ich sie fragen. Ihre Stimme hatte einen sanften Klang. Alle kleinen Worte sangen so wunderbar in ihrem Munde. ,, Er fängt an langweilig zu werden!" war Richards Antwort. " Hat er nicht wieder irgend etwas Berrücktes angestellt? Es muß doch urfomisch sein, ihn bei sich zu haben. Ach, der Einfall mit dem Schlips, den du mir erzählt hast, besinnst du dich nicht darauf, als er einen durchgeschnittenen Pfirsich fah, und darauf den Schlips so braun wie den Stein malte, und den oberen Teil der Weste pfirsichfarben sagte er doch gleich dabei?" ach du, was Sie lachten beide. Ihr Gelächter mar frei. Es strömte ohne Hemmungen aus Sinn und Mund. Mir war, als ob ich sehen konnte, wie sie die Hände an die Brust preßte, um es zurückzuhalten. Sie hatte wohl die dünne, weiße Bluse an, und den blauen Rod mit den Trägern über den Schultern. Sie war so schmal über den Schultern und so üppig über den Hüften. Ja, ich wußte viel von ihr. Ich fannte auch ihre Hände, ihre Finger, die unnatürlich gelentig waren und ihre breiten Nägel. Die Hände paßten nicht zu ihr, hatte ich in dem furzen Augenblick gedacht, wo ich ihr vorgestellt worden war und dabei die dummen Worte gesagt: Freue mich dynamisch! Freue mich dynamisch!" ( Fortsetzung folgt.) täuschten in die eigene Koppel treiben foll, ft jedoch ein Luftftob. I rats, an fünfter Stelle ein Mufiter, wahrscheinlich ein Bruder Denn den volksparteilichen Mannen ist( von 10 Scheckt schwer von Nummer drei. Es folgt ein Regierungsoberin pettor, gewichtiger Generaldirektoren abgesehen) über die jämmerliche ein Ingenieur, ein Arbeiter und ein Kaufmann. Unter Politik ihrer Partei ebenso übel zumute, wie den noch schwarz- den Bezirkswahlvorschlägen tritt diese Partei außerdem noch mit weißroteren Militäranwärtern hinsichtlich der Auswertungs- und einem Musiker und einem Arbeiter auf den Plan. Erfüllungsverräter". Das werden fie sich am 25. Oftober von den Berliner Wählern wohl recht deutlich sagen lassen müssen.. Tragödien der Leidenschaft. Die Ehefrau erwürgt. Die Geliebte erschossen. Wiederum find es zwei Kapitalverbrechen, und zwar Frauenmorde, die nor den beiden gegenwärtig' tagenden Schwurgerichten des Landgerichts I und II zur Verhandlung gelangten. Beide endeten aber mit einer ganz verschieden gelagerten Auffassung der Schwurgerichte. In dem einen Falle wurden die mildernden Um stände versagt, in dem anderen zugebilligt. Beide Fälle zeigten eine gewisse Uebereinstimmung mit den Verhandlungen am Montag vor demselben Schwurgericht, bei denen es sich auch um die Tötung der Ehefrauen handelte. Dort wurde jedoch der eine Angeklagte, Dr. Schreiber, vom Schwurgericht III sehr milde beurteilt, während das Schwurgericht I auf eine zehnjährige Zucht hausstrafe erkannte. Diesmal war es umgefehrt. In dem einen Falle, der die Geschworenen des Landgerichts III unter Borsiz des Landgerichtsdirektors Bombe beschäftigte, war der Zuträger Albert Kanz aus Weißensee wegen Mordes angeflagt. Er hat am 25. Mai seine Ehefrau erwürgt und die Leiche dann mit einer Schlinge um den Hals aufgehängt, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Dahin ging auch seine Anzeige, als er nach der Tat bei der Polizei erschien. Stanz war in zweiter Ehe verheiratet, hatte aber für die erste Frau und deren Kinder zu forgen. Mit der zweiten Frau lebte er auch schlecht. Sie soll ihm die eheliche Gemeinschaft verweigert haben, und es fam deshalb wiederholt zu Auseinandersetzungen, in deren Berlauf Kanz seine Frau mit dem Tode bedrohte. Der Angeflagte behaup tete, daß er die Tat im Rauschzustand und in Geistes. verwirrung verübt habe. Auch im Gefängnis hat er einen Tobsuchtsanfall gehabt. Nach dem Gutachten von Sanitätsrat Dr. Leppmann hat er jedoch damit Theater gespielt. Die Anflage lautete auf Mord, und der Staatsanwalt hatte auch die Todesftrafe beantragt. Das Schwurgericht hatte aber Bedenten, einen planmäßig vorbereiteten Mord mit Sicherheit anzunehmen, es 2421 Wahllokale. Für Lifte 1. 2421 Wahllokale sind dazu bestimmt, am nächsten Sonntag als Schlachtfelder der Entscheidung um das Wohl der Berliner Be völkerung zu dienen. 1200-1500 Wähler haben so Gelegenheit, fich in je einem Wahllokal ein Stelldichein zu geben.„ Keiner darf fehlen!" ist die Parole. Und der Wahlvorstand, der sich jedesmal aus einem von den Behörden bestimmten Wahlvorsteher und seinem Stellvertreter sowie aus 3-6 Beisitzern zusammensetzt, darf nicht zur Ruhe kommen. 20 000 Berliner arbeiten an diesem Tage ehrenamtlich für ihre Mitbürger, 20 000 Berliner wohl jeder Gesinnung und jeder Wahlsehnsucht, denn es wird selbstverständlich Wert darauf und jeder Wahlsehnsucht, denn es wird selbstverständlich Wert darauf gelegt, daß der Stab der Beisitzer sich aus Angehörigen verschie denſter Parteien refrutiert. Von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends herrscht hoffentlich reger Betrieb in den Lokalen. Jeder erhält in einem Umschlag zwei Stimmzettel: einen weißen für die Stadtverordneten- und einen grünen für die Bezirksverordnetenwahlen; auf jedem ist die im Kreise anzutreuzende Ciffe 1 an der Spike. Vor 9 Uhr abends werden auf dem Hauptwahlamt die ersten Ergebnisse nicht eingelaufen sein; ausgezählt wird in den Wahllokalen selbst, die weitere Sammlung geschieht auf den Bezirkswahlämtern, die dann ihrerseits die Ergebnisse nach dem Hauptwahlamt im Rathaus melden. Rund 2,9 millionen ftimmberechtigte Wähler find in der Lage, Geschichte zu machen. Freilich nur die Geschichte der Stadt Berlin, aber dies ist zum großen Teil die Geschichte ihres eigenen Wohlergehens. Dieser Erkenntnis werden sich die Freunde unserer Sache noch weniger verschließen els sonst. Genau wissen sie, daß nicht Ruhen, sondern Wählen die erfte Bürgerpflicht ist. Cifte 1 das ist sehr leicht zu merken. hielt vielmehr die Möglichkeit für gegeben, daß der Angeklagte, Wahl der en, daß der Angetlagte, Wahl der Stadtverordneten 1925 der ein sehr jähzorniger Mensch ist, seine Frau in der Erregung, nachdem es zwischen beiden zuin Kampf gekommen war, getötet hätte. Mildernde Umstände fonnte das Gericht dem Angeklagten aber nicht zubilligen. Er wurde wegen vollendeten Totschlages zu 12 Jahren 3uchthaus und zehnjährigem Ehrverlust verurteilt. Weil sie ihm die Treue nicht gehalten, hatte der Schloffer Mar Haegele, ein verfrüppelter Mensch, feine Geliebte, die Zeitungsausträgerin Margarete Karnaz erschossen. Er ist des Mordes angeflagt und mußte sich vor den Geschworenen des Landgerichts I verantworten. Schon in seiner ersten Ehe hatte Haegele Unglüd. Die Frau betrog ihn, und schließlich trennten sich beide. Dann lerni er die Karnaz tennen, ein junges, lebensluftiges Mädchen, dem er feine ganze Liebe schenkt. Er hilft ihr die Zeitungen austragen, macht Wege für sie, ohne der Schmerzen zu achten, die ihm der lahme Fuß oft genug verursacht. Sie fahren gemeinsam über Land, um billige Lebensmittel zu besorgen, er malt ihr die Küche neu ous, furz, er tut, was er ihr am den Augen abfehen fann. Eine Reitlang geht auch alles gut, fie leben glüdlich und zufrieden. 211s aber die Karnak merft, daß sie auch noch anderen Männern gefällt, ist das Glück des armen Schloffers dahin. Wegen seines leidenden Zustandes findet er nur schwer und oft nur für kürzere Zeit Arbeit. Das, was er seinem Mädel an Zerstreuungen verschaffen kann, ist mehr als bescheiden. Und so beginnt für ihn cine schwere und neue Leidenszeit. Um seiner Geliebten zum Weihnachtsfest noch einmal eine Freude zu machen, taufte er von seinem legten Gelde zwei Karten für den 3irtus. Und als der Tag fam, stand er einsam und verlassen vor dem Zirkus, sie hatte ihn versetzt! Noch zweimal sprach er dann mit ihr. Dann fah er ein, daß das Mädchen für ihn verloren war. Nach einer schlaflosen und verzweifelten Nacht, ruhelos von Lokal zu Lokal ziehend, hat er sie dann am Morgen vor der Haustür erwartet und in finnlofer Eifersucht zweimal auf fie geschossen. Beide Kugeln waren tödlich. Der Staatsanwalt verkennt die traurige Lage des Angeklagten nicht. läßt auch die Anklage wegen Mordes fallen. Aber sonst will er nichts von Milde wissen. Das Gericht aber verkündete nach furzer Beratung folgendes Urteil: Die Anklage wegen Mordes wird nicht aufrecht erhalten, der Angeklagte wird wegen Totfchlags unter zu billigung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt, davon werden ihm neun Monate der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt angerechnet. Haegele hat milde Richter gefunden! Folgenschwerer Autozufammenstoß. Zwei Personen schwer, zwei leichter verletzt. In Charlottenburg, in der Kant Ecke Wilmersdorfer Straße, ereignete fich am Mittwoch in der sechsten Nachmittagsstunde ein schwerer Autozufammenstoß. Ein Brivatauto fuhr mit einer Autobrofchte zusammen, so daß die Droschte auf dem schlüpfrigen Boden ins Schleudern fam und auf den Bürgersteig geworfen wurde. Einige gerade vorübergehende Personen, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen fonnten, wurden von der Droschte erfaßt und teils schwer, teils leichter verlegt. Beide Autos wurden stark beschädigt. Die Schuldfrage ist noch nicht geflärt. Die Namen der Verletzten find: Monteur Georg Rubelar, 29 Jahce cft, Charlottenburg, Havelsir. 13, schwerer Rippenbruch( Kranten haus Westend), deffen Ehefrau Lucie, Quetschungen und Haut abschürfungen, deren vierjähriges Töchterchen Ingeborg, gleichfalls Hautabschürfungen und Quetschungen, Elektrotechniker Franz Horn, Klausthaler Str. 10, schwere innere Quetschungen ( Krankenhaus Westend). Frau Kubelar und Kind konnten nach Anlegung von Rotverbänden auf der naheliegenden Wache des Städtischen Rettungsamtes nach Hause entlassen werden. Aus Hitlers Kinderstube. Das Münchener Radaublättchen der Nationalsozialisten( Hitler Garnitur) bringt lehthin eine Meldung aus Herford, in der es heißt, daß nach der ersten Versammlung die Bölkischen Mannen be chloffen hätten, ihrer Erneuerungspoefie folgenden Vers einzuver leiben: Wir von der roten Erbe, dem Lande Wittekinds und Leut', find, was auch kommen möge, und bleiben Hitler- Leut'." Beiter heißt es:„ Wir werden dies Gelübde in alle Zukunft als legten Bers unseres Kampfliedes stehend fingen. Heil!" " Stehend, bis in alle 3ufumft--Möge Teut ihren Fußgelenken gnädig sein. Nach dieser Brobe läßt sich ermeffen, wie verheerend es in den Köpfen der Edelinge aussehen muß. Heil! Tie Deutsche Arbeitnehmerpartei. Diese funkelnagelneue Bartei" hat zur Stadtverordnetenwahl in Groß- Berlin insgesamt 14 Kandidaten aufgebracht. An der Spitze steht ein Bertreter, an neunter Stelle feine Che frau. An zweiter Stelle steht ein Eisenbahnschaffner, an dritter und zwölfter Stelle je ein Telegraphen Betriebsaffiftent, an vierter Stelle eine Hausfrau, und zwar die Ehe= rau des au sechster Stelle stehenden Regierungs- und Bau2 Berliner Wahlkreis.. 1 Sozialdemokratische Partei Deutschlands 10 Deutschnationale Volkspartei 2 O Deutsche Volkspartei 30 Kommunistische Partei 40 Deutschdemokratische Partei 3 4 5 u. f. f. 50 Wo wählen die Infaffen von Anstalten? Bei den am 25. Oktober zu vollziehenden Wahlen der Stadtverordneten und der Bezirksverordneten haben die Wahlberechtigten ihre Stimme da abzugeben, wo sie in der Wählerliste stehen, d. h. aufstellung hatten. Insassen von Krantenhäusern und da, wo sie ihre Wohnung haben oder zurzeit der Wählerlisten= Anstaltsaufenthalt für die Dauer der Krankheit handelt, in der Regel anderen heilanstalten werden, weil es sich ja nur um einen bei ihrem Eintritt in die Anstalt ihre Wohnung nicht aufgegeben haben, so daß sie nicht im Bezirt der Anstalt in die Wählerliste aufgenommen worden sind. Dagegen fönnen Infaffen von Siechen= häusern und anderen Altersheimen als dauernde Bewohner dieser Anstalten gelten, so daß sie hier auch in der Wähler liste stehen müffen und hier ihr Wahlrecht auszuüben haben. Die Einrichtung, daß durch besondere Wahlscheine die Ausübung des Wahlrechtes in einem anderen als dem Wohnbezirk zugelassen wird, ist für die Stadtverordneten- und Bezirksverordnetenwahlen unterblieben. Die Stadtverordnetenwahlen find für ganz Berlin gemeinfam, aber die gleichzeitig mit ihnen in demselben Wahlakt zu vollziehenden Bezirksverordnetenwahlen sind je nach dem Wohnbezirt der Wahlberechtigten verschieden, so daß die Uebertragung eines Wähler nach einem anderen Bezirk zu Verwirrungen führen tönnte. Wahlscheine dürfen allerdings auch für die Stadtverordnetenund Bezirksverordnetenwahlen ausgefertigt werden, aber hier gelten sie für den Wohnbezirk und sie werden denjenigen Wahlberechtigten ausgefertigt, die als nicht in die Listen Aufgenommene die EinSpruch erst nach Schluß der Wählerliste als berechtigt anerkannt spruchsfrist ohne ihr Verschulden versäumt haben oder deren Gin worden ist. Krankenhausinjassen, die in der Wählerliste ihres Wohnbezirtes stehen, werden ihr Wahlrecht nur dort ausüben tönnen und mur dann, wenn sie nicht mehr an das Bett oder an das Zimmer gefesselt sind. Die Einrichtung eines fliegenden Wahlbureaus mit einem von Bett zu Bett gehenden Wahlvorstand ist um fo schwerer möglich, da die Infaffen eines Krankenhauses und vielleicht schon eines Saales zu zwanzig verschiedenen Berwaltungs wissen, nur für die Charité und für das Birchowkrankenhaus ein bezirken gehören könnten. Besondere Wahlbureaus sind, soviel wir gerichtet, weil die Zahl der wirklichen Bewohner dieser Anstalten, des Beamten und Pflegepersonals, sehr groß ist. Für die Bette [ ägerigen unter den Kranten wird, fürchten wir, die Ausübung ihres Wahlrechts oft sehr schwer oder ganz unmöglich sein. Mo es aber einem solchen Kranten doch möglich ist, aufzustehen und Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 22. Oktober. 11 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman, 7 Uhr abends: HansSiegfried Hartmann: Quellen der Kraft. 2. Vortrag. Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Obering. Wasser und Wärme". 7.30 Uhr abends: Forschungsreisender Dr. Artur Berger: Wie wilde Völker jagen. 8 Uhr abends: Vortrag zum Sendespiel Waldmeister" am 23. Oktober. 8.30 Uhr abends: Orchesterabend. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. Unter Mitwirkung von Hans Bassermann, Violine. 1. Rauß: Sommeridylle. Munter im Volkston. 2. Juon: Violinkonzert Nr. 2 in A- Dur op. 49. Allegro moderato Elegie( Andantino) Allegro non troppo für einige Zeit die Anstalt zu verlassen, da sollten Gesunde es für ihre Pflicht halten, die Begleitung und den Transport zu übernehmen. Zuschlag für Minderbemittelte. Was im Zeichen des Preisabbaues möglich ist! Eine westdeutsche Einzelhandelsfirma hat sich erdreistet, seit dreißig Jahren bedruckte Baumwollstoffe wie Kattun und ähnliche Baren mit einem Handelszuschlag von 3-15 Pro 3. zu verkaufen. Das hat ihr früher niemand übel genommen. Jetzt aber, im Zeichen des Preisabbaues, verlangt der Verband der Grofsisten, daß zu dem Fabrifpreis ein Großhandelslag von 24 Broz, und außerdem noch ein Kleinhandels zuschlag von 20-25 Pro 3. erhoben wird. Wie nun die Seiten heute sind, gibt es auch manche Firmen, die zahlungsunfähig werden und daher ihre Warenbestände weit unter Breis verkaufen. Es ist nicht mehr als begründet, wenn die Einzelhändler diese Gelegenheit, ihre Kundschaft billig zu versorgen, aufgreifen und nun ebenfalls die Ware unter dem normalen Fabrifpreis abstoßen. Das hat unsere Firma nun getan. Der Erfolg ist, daß die Lieferanten Gesellschaft für Baumwollindustrie A.-G. Ludwig und Gustav ihr die Lieferung zu sperren drohen und daß außerdem die Cramer in Hilden( Rheinland) eine Klage einreichen, die den Einzelhändler für alle Schäden hajtbar machen soll, soweit sie aus dem Verkauf unter dem Mindestverkaufspreise entstehen und die sie obendrein mit einer Strafe bedroht, wenn sie fich fünftig wieder erlaubt, billiger zu sein als es die Lieferanten haben wollen. Die flagende Firma beruft sich darauf, daß ihre Waren Saisonartikel sind, weil sie sich besonders für weibliche Sommerkleidung eignen. Die Waren werden deshalb in der ersten Jahreshälfte besonders von der minderbemittelten Bebölferung in ausgiebigftem Maße getauft". Das steht in der Klagebegründung. Also es soll verboten sein, den Bedarf der minderIn diesen Kreis gehört Dein Kreuz! bemittelten Boltstreise bei günstiger Gelegenheit billig zu decken. Der Einzelhandel selbst lehnt sich gegen die unbillige Forderung auf, die hier an ihn gestellt wird. Und der Verbraucher wundert sich, weshalb gerade die dringend benötigten Bekleidungswaren einfacher Qualität durchaus so teuer sein müssen. Wir hoffen, daß das Reichswirtschaftsministerium hier denn doch ein Wort mitspricht. Volksparteilicher Antisemitismus. Die Deutsche Boltspartei ist tief getränkt, daß wir den Antifemitismus eines ihrer Wahlflugblätter festgenagelt haben. Sie schickt uns deshalb einen fein in raffereiner Fratturschrift getätigten Brief mit einer Berichtigung unter Hinweis auf§ 11 des Pressegeseges. Dieser Hinweis erschüttert uns ja nun sehr wenig, denn dann müßte die Volkspartei erst einmal lernen, eine Berichtigung nach den Vorschriften des Gefeßes aufzufezen. Der Justizrat Hallensleben, der Mann mit der foftbaren Unterschrift( anfangs 320 000 m., schließlich nur noch 19 000 Mart!) wird sicher bereit sein, unentgeltlich und unter Verzicht auf jedes Honorar die nötigen juristischen Belehrungen zu er teilen. Wir wollen aber nicht so sein und tun der Boltspartei den Gefallen. Ihre Berichtigung lautet folgendermaßen: In der Sonntagsnummer vom 18. Oftober 1925 bringt der Vorwärts" auf der ersten Seite der ersten Beilage unter der Ueberschrift: Wie sie verleumden, ein schmugiges Madh= wert der Boltspartei eine Kritik einer Wahlzeitung der Deutschen Volkspartei. In dieser Kritit ist folgender Saß enthalten: Den Demotraten werden Bilder gewid. met, deren Antisemitismus gerade für die Boltspartei, die Partei des Herrn Dr. Calpari, besonders pitant ist." Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß die Bilder, die den Demokraten gewidmet find, mit Antisemitismus nichts zu tun haben, da die Bolkspartei den Antisemitismus ablehnt." Dazu wäre zu sagen, daß man über den Geschmad nicht ftreiten fann. Die Nächstbeteiligten, die Demotraten, haben jedenfalls die ihnen gewidmeten Bilder, genau wie wir, als antisemitische Hegereien aufgefaßt. Bielleicht bilden die Renommierjuden der Volkspartei ein besonderes Kellegium, um diese Streitfrage zu entscheiden. Wir fürchten, die Herren werden sich unserem Urteil anschließen müssen, wenn auch Dr. Caspari aus begreiflichen Gründen jeden Antisemitismus in der Boltspartei abschwört. Jeht machen sie es mit Alkohol! Der Deutschen Volkspartei geht es sehr schlecht. So schlecht anscheinend schon, daß sie sich gezwungen sieht, sich nur noch poetisch ans Publikum zu wenden. Die Profa dieser Bolts" partei war auch zu fläglich, als daß man mit dieser Branche noch imponieren fönnte. An den Litfaßsäulen klebt ein komisches Plakat. Irgendeine ominöse, geisterhaft dünne Hand gießt in ein Glas gelbliche Flüssigkeit. Unter Boltspartei."(!) Ein folossaler Umschwung also. Das be diesem truntfesten Abziehbild liest man die goldenen Worte: Klaren Wein schenft euch ein allein die Deutschche deutet: Die Bolksparteiler wollen reumütig all den gehäuften Schmierpropaganbablättern, in verlogenen Zeitungsartikeln und in Schwindel, den sie in turbulenten Versammlungen, in illustrierten Schmierpropaganbablättern, in verlogenen Zeitungsartikeln und in demagogischen Fensterreden angesammelt haben, abbauen. biblisches Zitat lautet bekanntlich:" Im Himmel ist mehr Freude über einen Sünder, denn über 99 Gerechte."" Bolt, vergib uns, Ein wir haben gefündigt!" Sie wollen die trübe" Schlammflut ihrer Gefahr erheblich, daß diese Reinigungsarbeit zu umfangreich ist, um Propagandaproduktion in klaren Wein ummigen. Allerdings ist die vor dem 25. Oftober beendet zu sein. PIXAVON PIXAVON ( Hans Bassermann). 3. Frickhoeffer: Sinfonische Improvisationen Waschungen mit Pixavon über ein eigenes Thema( Uraufführung). Thema: Andante poco largamente Tempo die Marcia funèbro- Animato di molto grazioso- An- regen die Kopfhaut in erstaunlicher Weise an. Vivo Allegretto amabile Allegro risoluto Finale. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetter- Die Haare werden weich und geschmeidig, die natürliche dienst. Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. 10.30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik. Schönheit und Farbe des Haares kommen voll zur Geltung dante sostenuto Adagio Die Frauen rühren sich. # Der Bezirk Prenzlauer Berg veranstaltete am geftrigen Abend eine start besuchte Frauenfundgebung im Saale bes Ledigenheims in der Bappelallee. Die Reichstagsabgeordnete Ge noffin Clara Bohm Schuch hob die Bedeutung dieser Stadtverordnetenwahlen hervor und geißelte die Politit der Deutschnatio nalen und der Deutschen Volkspartei, die vor dem 7. Dezember ihrer Wählerschaft große Bersprechungen gemacht haben, um nach der Reichstagswahl die errungene Machtstellung nur im Interesse der befizenden Kreise auszunuzen. Es sei hier nur an die 3011 politit erinnert, die nichts weiter darstellt als eine unerhörte Belastung der arbeitenden Schichten. Die rechten Parteien sehen die Stadtverordnetenwahlen als einen Prüfstein ihrer Politit an. Unsere Aufgabe muß es daher sein, immer wieder aufklärend zu wirken, damit den Herren der Rechten am 25. Oktober gründlich heimgezahlt wird. Im weiteren Verlauf ihrer Ausführungen fam die Rednerin auf die Eingemeindung Groß- Berlins zu sprechen. Damals waren es die Sozialdemokraten, die das Wert der Einheitsgemeinde trotz aller Hemmnisse der Bürgerlichen schufen. Wollen wir weiter tommen, so muß die Sozialdemokratie im Roten Haus verstärkt werden, wozu der 25. Oktober Gelegenheit bietet. Wollen wir die fürchterlichen Zustände auf dem Gebiete der Wohnungsnot abstellen, wollen wir die Krankenfürsorge, das gesamte Wohlfahrts: wefen und die Jugendfürsorge weiter ausbauen und für unsere Kinder eine freie Schule schaffen, so müssen wir am 25. Oftober der Lifte der Sozialdemokratischen Partei zum Siege verhelfen. Im Artushof im Tiergarten sprach gestern abend die Landtagsabgeordnete Genoffin Dr. Begicheiber- 3iegler. Ihre kurzen Ausführungen, ihr Temperament, rissen die Versammlung mit. Die Wahl am Sonntag ist dafür entscheidend, wie sich die Zu funft gestalten wird, denn diese Wahl ist nicht nur wichtig für Berlin, sie zeigt auch, ob sich in Deutschland die Verhältnisse ändern werden, ob auch hier der gesunde Sinn ſiegen wird. Jeder Einsichtige muß heute erkennen, wohin die Mißwirtschaft der Nationalisten geführt hat, daß auch nicht das geringste Anzeichen einer Besserung irgendwo zu sehen ist. Von der versprochenen Preisfentung ist nichts zu merten, jede Frau, die heute einfaufen geht, erlebt bies am eigenen Leibe. Alle anderen Bersprechungen sind ebenfalls in den Wind getan, überall nur Enttäuschungen. Immer wieder, in allen sozialen Fragen, zeigt fich das unsoziale Berhalten der Rechtsparteien, gleich gültig, ob es sich um Zoll, Steuer, Mieter- oder Aufwertungsfragen handelt. Man arbeitet nur für das Großfapital, für den Besitz. Die Besitzlofen müssen auch ihr Leytes hingeben. Was der Berliner Bevölkerung droht, wenn wieder eine bürgerliche Mehr. heit zustande kommen sollte, zeigen vor allem die Bemühungen der Rechten um den Abbau des Mieterschutzgesetzes. Schon heute wissen viele überhaupt nicht, woher sie das Geld für ihren Lebensunterhalt hernehmen werden, aber die Gegenwart bedeutet eine gute Zeit, verglichen mit denen, die fommen werden. Rettung vor dem drohenden Elend bringen nur die Sozialdemokraten. Einen unerwartet luffigen Verlauf nahm eine von den Deutsch nationalen einberufene Wählerversammlung in Zehlendorf. Die Referentin, die fich ihr fommunalpolitisches Biffen offenbar aus der fläglichen Weisheit des Lokalanzeigers" aufgeflaubt hat, versagte vollkommen. Dafür sprangen nun unsere Genossen Stadto. Draemert, die Bezirksverordneten Holz und Flörke und Stadtrat Matern ein und steckten den erstaunten Nationalen einige Lichter an. Die deutsch nationale Bahlversammlung Schloß mit einem hoch auf die Sozialdemokratie. Als unsere Freunde geschlossen das Lotal verließen, blieben die gesamten Deutschnationalen, ein Bäckerdugend und eine Statrunde, zurüd. Die anderen hatten sich nach und nach, vollkommen fassungslos, daß fo etwas in Zehlendorf passieren fonnte, verfrümelt. Bezir? sbildungsausfchuß Groß- Berlin. Sonntag, den 25. Dober, pinktlich 3, Uhr nachmittags, im großen Saal der Philharmonie, Erste Veranstaltung für internationale Bollstänge und Bolfslieber. Eintrittskarten zum Preise von 1,20 M. pro Stüd find in ben bekannten Berlaufsstellen und am Tage der Veranstaltung am Eingang des Saales zu baben. Karten für die Städtische Oper zu er mäßigten Preisen im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstraße 3, 2. of II, Zimmer 8. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berfins. Die Karten zur Broletarischen Feierstunde im Großen Schauspielhaus am 8. November, sind bis zum 25. Dftober im Bezirksbildungsausschuß für die einzelnen Gruppen zu bestellen. Später eingehende Bestellungen tönnen nicht berüdfichtigt werden. Ausweis mitbringen. Schwere Explosion in einer Pulverfabrik. Walsrode( Hannover), 21. Dftober.( TU.) In der Abteilung Hahmoor der Schwarzpulberfabrit Bomlies explodierten gestern nachmittag gegen 1 Uhr furz hinter einander bier von den neuen Pulverwerken der Abteilung sowie drei Ablagerfeller. Durch die Explosion wurden zwei Perionen getötet, bon denen eine durch einen über 200 Meter weit fortgeschleuderten Stein getroffen wurde. Außerdem wurden noch eine Frau, zwei Kinder und drei weitere Personen in einem benachbarten Wohnbaufe so erheblich verlegt, daß sie ins Krankenhaus Walsrode übergeführt werden mußten. Lebensgefahr besteht nicht. Ein böhmischer Haarmann. Reichenberg i. B., 21. Dttober.( Eigener Bericht). In der nabe der tächsischen Grenze gelegenen Gemeinde Weißbach bei Friedland hatten die Gastwirteleute Strauſe ihren 13jährigen Jungen in ein tschechisches Dorf gefchickt, damit er die Sprache erleine. Seit 24. September war der Knabe verschwunden. Jest fand man seine Leiche und stellte fest, daß er erdrosselt wurde. Bulegt war er mit dem Kutscher Hruschta gefeben worden, Wähler- Kundgebungen. Heute, Donnerstag, 22. Oktober, abends 7% Uhr: Prenzlauer Berg( 29. Abt.): Schulaula Senefelderstr. 6. Friedrichshain( 35. Abt.): Schulaula Samariterſtr. 20. ( 37. Abt.): Schulaula Hausburgstr. 20. Kreuzberg( 46. Abt.): Schulaula Stalizer Str. 55/56. Dahlem: Schilling, Königin- Luife- Str. 42. Steglitz: Gymnasium, Heesestraße. Marienfelde: Zweig, Berliner Straße 114. Tempelhof: Aula Realgymnasium, Kaiserin- Augusta- Straße. Brit- Budow: Turnhalle in Buckow. Baumschulenweg, Lyzeum, Baumschulenstraße. Köpenid: Stadttheater, Friedrichstr. 6. Karlshorst: Fürstenhaus, Treskom- Allee 92. Biesdorf: Schillerfäle, Königstraße 120. Hohenschönhausen: Schulaula Röderstraße. Blankenburg: Klug, Dorfstraße 2. Reinickendorf: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 104. Hermsdorf- Waidmannsluft- Lübars:" Bellevue", am Bahnhof Redner: Breuer, Beffen, Ewald, Edhardt, Gutschmidt, Harnisch, Hoffmann, Hermes, Haß, Horlik, Dr. Kawerau, Krause, Dr. Löwenstein, Litfe, Lempert, Rogah, Reuter, Dr. Röder, Schneider, Schlichting, Urich, Dr. Hildegard Wegscheider. Hermsdorf. Donnerstag, den 22. Oktober: Kreuzberg: Nachmittags 4% Uhr Deffentliche Versammlung aller Arbeiter, Angestellten und Beamten des Bezirksamts Kreuzberg im Bezirksversammlungsfaal, Dordstraße 11. Friedrichshain: Abends 7% Uhr Deffentliche Bersammlung Referent: Genoffe Stadtrat a. D. Poetsch. aller im Bezirksamt Friedrichshain beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeiter in Schmidts Festsälen, Fruchts Straße 36a. Referent: Stadtv. R. Rohde. Tagesordnung in beiden Bersammlungen: Welche Vorteile bietet eine fozialdemokratische Mehrheit im Stadtparlament den Beamten, Angestellten und Arbeitern?" Freitag, den 23. Oktober, abends 7% Uhr: mitte: Musikersäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tiergarten: Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 23. Nationalhof, Bülowstraße 37. Wedding: Pharusfäle, Müllerstraße 142. Bazenhofer, Chauffeestraße 64.- Schiller- Lyzeum, Pant. Ede Böttcherstraße. Prenzlauer Berg: Schulaula Greifenhagener Straße 20. Schulaula Basteurstraße 44. Friedrichshain: Königsbant, Große Frankfurter Straße 117. rufala aber galt weit und breit zwar als verfchloffener Sonderling. aber Ehreumann. In Wahrheit war er ein Zuchthäusler, der wegen Raub, Einbruch und Schändung des eigenen Mädchens schwere Strafen erhalten hatte. Wie jetzt an den Tag tam, hat ruichta ieit langer Zeit Kinder beiderlei Geschlechtes angelodt und sie in bestialischer Weise geschändet. Auch der Bube, der sich dem Suticher angefreundet hatte, war sein Opfer. Aus Furcht Mörder wurde verhaftet, als er sich in ein Spital aufnehmen ließ. vor der Entdeckung dürfte er dann ermordet worden sein. Der Sport. Rennen zu Mariendorf am Mittwoch, den 21. Oktober. 1. Rennen. 1. Denkmünze( 6. Lautenberger), 2. Dcean Girl( Ch. Mills), 3. Notula( F. Bahr), Toto: 60:10. Blat: 26, 27, 55: 10, Ferner liefen: Zepter Mobifaner, Alexander H., Etatshöferin, Lottie Anvil, Ditbant, Sonntagspring, Drdensjäger, Alarich, Morgentau, Hellina, Mantua, Aprillis, Konful. 2. Nennen. 1. Erasmus( CH. Mins), 2. Manrico( E. Treuherz), 3. Frida Magowan( Großmann). Toto: 22: 10. Blat: 14, 13, 20: 10. Berner liesen: Lindenbummler, Magowan jun.. Möglich, Stafimir. 3. Rennen. 1. Flora Bingen( E. Riefe), 2. Wainsca( J. Korzenid), 3. Quera( Sablin). Toto: 118: 10. Blag: 30, 29, 31: 10. Ferner liefen: Unheil, Seffries jun., Erst. Wolfersom, staßbach, Odessa, Harry W., Fistus, Flieger I, Sybill, Gassenmädel. Charlottenburg: Hohenzollern- Festfäle, Berliner Straße 105. Spandau: Jubiläums- Turnhalle, Ecke Astanterring und Morißstraße. Siemensstadt: Masand, Nonnendamm- Allee. Staaten: Wolff, Spandauer Straße. Wilmersdorf: BViktoriagarten, Wilhelmsaue. Wannsee: Reichsadler, Königstraße 27. Schöneberg: Chamissoschule, Barbarossaplah. Canfwig: Realgymnasium, Kaulbachstraße. Friedenau: Bürgersaal, Rathaus am Lauterplatz. Lichterfelde: Oberrealschule, Ringstraße. Mariendorf: Graßl, Chauffeestraße 303. Tempelhof: Kurfürst, Dorfstraße Ecke Berliner Straße.( Beamtenversammlung.) Neukölln: Wintergarten( Schultheiß), Hasenheide 22. Brit: Gesellschaftshaus, Chauffeestraße 96. Rudow: Heinze, Juliuspart. Adlershof: Wöllstein, Bismarckstraße 73. Niederschöneweide: Aula Mädchenschule, Berliner Straße 31. Johannisthal: Bürgergarten, Parfstraße 26. Treptow: Niekschke, Am Treptower Part 26. Eichwalde: Witte, Kaiser- Friedrich- Straße 1. Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Grünau: Restaurant Jägerhaus. Lichtenberg: Cecilien- Lyzeum, Rathausstraße. Mahlsdorf: Anders, Bahnhofstraße. Kaulsdorf: Schule, Adolfstraße 26. Weißensee: Stadthalle, Pistoriusstraße 17. liederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Pankow: Linder, Breite Straße 32. Bankow: Linder, Breite Straße 32. Reinickendorf: Schüßenhaus, Residenzstraße 1. Buch: Göpfert, am Bahnhof. Tegel: Strandschloß. Redner: Aufhäuser, Erwin Barth, Bublih, Brüdner, Rob. Breuer, Brolat, Clajus, Dittmer, Edhardt, Dr. Friedländer, Henke, Hermes, Haß, Dr. Herz, Krause, Kohte, Dr. Kawerau, Faffenberg, Dr. Fabian, Gutschmidt, Händel, Ad. Hoffmann, Erna Kreffe, Käming, Kuttner, Künstler, Klodt, Kreuziger, Leid, Canda, Ciffe, Cempert, Dr. Lohmann, Lüdemann, Dr. Levi, Otto Meier, Mieli, Dr. Moses, Poetsch, Pfannkuch, Dr. Roeder, Rohde, Reuter, Rosemann, Reimann, Lisbeth Riedger, Adele Schreiber, Stelling, Karl Schneider, Else Scheibenhuber, Dr. Treitel, Minna Todenhagen, Thurm, Urich, Weis, Dr. Weinberg, Wermuth, Clara Weyl, Zubeil. Tagesordnung: „ Eine ernste Mahnung in letter Stunde.- Stärkt den Einfluß der Sozialdemokratie in der Gemeinde Berlin. Wählt am Sonntag Sozialdemokraten." Jugendveranstaltungen. -UVA B.- B.- Sigung beute 7% Uhr im Gekretariat, Linbenftr. 3. im Großen Schauspielhaus find Rarten num ermäktaten Breile su baben. Mitglieder! Rur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, den 8. November, Achtung, Abteilungsleiter! Gorgt dafür, bak bie noch ausstehenden Wander. fparmarten abgerechnet oder dem Getretariat zurüdgegeben werden. Heute, Donnerstag, den 22. Oktober, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Borirag: CutwidlungsIchre". Schönhauser Vorstadt 1: Schule 3bfenft. 17, Bortvag: Das neue Sayulgefeh". Sübweft: Der Heimabend fällt aus. Beteiligung an ber Frauenveranstaltung der Bartei im Sikunasfaat des Bezirksamts Rreuzberg. Bordstr. 11. Beginn pünktlich 8 Uhr. Schmargendorf: Rathaus, Berbaer Plak. Vortrag: Sermann Löns". Lichterfelbe: Jugendheim Albrechtstr. 14a. Bortrag: Reformtleidung". Werbebezirk Neukölln: Jugendheim Canner Straße. Ueben zur Revolutionsfeier. Alle müffen erfcheinen, ** Für die Borlesung des Arbeiterdichiers Heinrich Lersch aus eigenen Werken am Sonntag, 1. November, 8 Uhr, in der Aula des Andreas Realgymnafiums, Roppenstr. 76( nahe Schlesischem Bahnhof), find für Mitglieder der SAJ. Karten zum Preise von 25 Pf. im Jugendsekretariat zu haben, Briefkasten der Redaktion. Jacob. Der Austritt muß zu Protokoll bes Gerichtsschreibers bes Amisgerichts erklärt werden.- M. S., Johinnisthal Der Bermieter hat in der Beit vom 1. bis 10. Februar und vom 1. bis 10. August jeden Jahres der Mietervertretung oder, wenn eine solche nicht besteht, den Mietern auf deren Berlangen bie Berwendung der Gelder für laufende Instandsehungsarbeiten nachzuweisen, E. S. 4. Auf Rautionen, die seinerzeit bei den Gaswerken fonne( v. Sofobl). Zofo: 211: 10. Blag: 30, 14, 18: 10. Ferner liefen: 4. Rennen. 1, Fenelon( F.Brandt), 2. Handfest( A.Rüdert), 3. Höhen- hinterlegt wurden, finden die Aufwertungsvorschriften teine Anwendung, viel. Binnie, Kammersänger, Blaumeise, Mädel, Verdun, Lenz I, Tajna, Klud. 5. Rennen. 1. Edith Worthy( Hedert), 2. Colonel Bosworth( Ch.mins), 8. Trotteur( Th. Reiter). Toto: 52:10. Plat: 13, 11: 10. Ferner llefen: The Great Midwost, Stittyschor, Doritha. 6. Menne it. 1. The Stitty( H. Grube), 2. Langemann( 3. Mills), 3. Marne( Herm. Schleusener). Zoto: 44: 10. Plat: 17, 18, 14: 10 Ferner liefen: Drelije Anvil, Dichtung, Benus bisq., Hersteller. 7. Rennen. 1. Karneval( 3. Mills), 2. Frechheit(. Grube), 8. Johannistäfer( Großmann). Toto: 107: 10. Blas: 19, 15, 19: 10. Ferner liefen: Lilac, Ludmill I, Hauptmann, Heidemann, Simpel, Zell, Billy I, Della, Crassus. 8. Rennen. 1. Flora Bingen( E. Rieke), 2. Wainsca( 3. Korzenid), liefen: Stammerjänger, Unbeil, Duera, Fenelon, Mädel, Handseft, Sybill. 3. Höhensonne( v. Eotobl). Toto: 60: 10. Play: 21, 14, 24:10. Ferner 9. Rennen. 1. Good Boy(. Grube), 2. Königsadler( G. Lauten berger), 3. Barmaid( F. Schmidt). Toto: 19: 10. Drei liefen. mehr greift ihnen gegenüber die indviduelle Aufwertung burch Urteil des ordentlichen Gerichts Plak, sofern eine aütliche Berständigung nicht möglich ist. Klage ift gegen die Städtischen Gaswerte, Attiengesellschaft, zu richten, A. V. C. 3. 1. Ihre Erben, d. h. Ihre Frau und Kinder. 2. und 8. Fragen Sie bei der Industrie- und Sandelskammer in Berlin an, M. T., Reukölln. 1. Ja. 2. Nein. 100 Broz.§ 63 bes Aufwertungsgefeges findet nur bei erfolgt aber nach den allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechts, wenn Bermögensanlagen Anwendung, wozu auch Darlehen gehören. Die Aufwertung es fich um Gefälligkeitsdarlehen handelt, TOY . 28. 36. 1. und 2. Darin kann man unter Umständen einen unlauteren Wettbewerb erblicken. 3. Die Firma muß in das Handelsregister eingetragen werden.- 2. 46. Die Benennung eines Bormundes durch den Bater ist nur dann aufäffig, wenn ihm zur Reit feines Todes die elterliche Gewalt über bas Rind auftebt. 2, Die Benennung des Vormundes erfolgt durch Testwillige Verfügung. Wetter für Berlin und Umgegend. Meist bewölkt und sehr mild. Noch einzelne leichte Regenfälle bet frischen südwestlichen Winden. land. In Nord- und Mitteldeutschland vielfach Regen, auch im Nordosten Für Deutschlangfame Zemperaturzunahme. 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Co., Kommanditgesellschaft auf Aftien, gestützt auf seine in einer blendenden und sehr vorsichtigen" Goldbilanz entwickelten Konzernmacht, daß der Sichel Konzern ins Ausland gehen werde, wenn die Doppelbesteuerung seiner Gesellschaft aufrechterhalten werde. Seine stolze Drohung fand allseitige Beachtung. Er sprach die Zuversicht aus, daß die Aktionäre gute Dividenden erwarten fönnen. Der Geschäftsbericht vom 14. Oktober 1925, unterzeichnet von demselben Dr. Ganz, gibt eine Bilanz für das Jahr 1924/25, nach der das gesamte Attientapital verloren ist. Der Sichel- Konzern, vor zehn Monaten noch ein scheinbar durchaus lebensfähiger Komplex non 7 Eisenhandelsgesellschaften, 10 Eisenverarbeiterwerken, 7 Rohlen- und Delfirmen, einer Schiffahrts- und einer Banffirma ( Weftbank, Frankfurt a. M.) ist als Konzern eine Leiche. Noch etwas früher hatte das Schicksal die A. G. für Industriewerte Luzern( die Holdinggesellschaft des Sichel- Konzerns für die Auslandsunternehmungen, furz" Agfi" genannt) ereilt, die heute in Liquidation steht. Bon beiden Gesellschaften gehört heute den Aftionären nichts; die Bant und warengläubiger, die für den Sichel- Konzern am 9. September dem Antrag auf Gefchäftsaufsicht zugestimmt haben, müssen aus der Konzernmaffe fich Bezahlung für ihre Forderungen zu schaffen suchen. Der Werdegang des Konzerns. Die Geschichte des Sichel- Konzerns und feines Zusammenbruchs hat sich aus mehrfachen Gründen der Kenntnis der Deffentlichkeit und der Arbeiterschaft mehr entzogen als die der anderen Inflationsfonzerne. Sein Ausgangsgebiet war der Eisenhandel. Als Eisenhandelsfirma existierte die Sichel u. Co. seit über 100 Jahren; fie machte gute Geschäfte, fiel aber in der Deffentlichkeit weniger auf als etwa Stinnes oder Stumm. Sein Hauptarbeitsgebiet war der Westen Deutschlands( Rheinprovinz, Baden). Er hatte eine Mittlerftellung zwischen den Eisenverbrauchern Westdeutsch lands und der Lothringisch- luxemburgischen Eisen- und Stahl erzeugung. Seine Ausdehnung vollzog er in der Hauptsache nicht mie Stinnes in der Zeit der Hochinflation, sondern früher in der Nachkriegszeit. Zudem verlegte er die Dachgesellschaft für die durch den Kriegsausgang ins französische Zollgebiet gekommenen lothringisch- luxemburgischen Interessen in die Schweiz. Die sehr tomplizierten Finanztransaktionen dabei. erschwerten die Kontrolle der Deffentlichkeit. Die innere Geschichte des Konzerns ist aber dieselbe wie die des Stinnes- Konzerns: eine unverständige Ausdehnung auf Eachwerte aller Art, die die unvernünftige Idee der Angliederung von Verbrauchern bald erstickte, und eine ungeschickte Lei tung in der schwierigen Zeit nach der Stabilisierung der Währung, die zur Hochhaltung des Konzernrenommees ihre in Schwierigkeiten geratenen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften mit schweren Berluften durchschleppte und den Anschluß an die notwendige Abstoßung von Beteiligungen versäumte. Berpflichtungen und Verluste bei der Luzerner Dachgesellschaft tamen hinzu. Allerdings fehlte es auch nicht an unverschuldeten Momenten bei der rapiden Herausbildung der Zahlungsunfähigkeit. Die Eisenhandelsgesellschaften, deren Erträgnisse den Konzern hätten sanieren müssen und die tatsächlich steigende Monatsumsätze in den drei Halbjahren 1924 und 1925 hatten( ron 900 000 auf über 2 Millionen Mark), famen durch das Scheitern der deutsch- französischen Handels vertragsverhandlungen in Schwierigkeiten. Es mußte in bar gekauft und bezahlt werden, was sonst in Konfignationsläger gegangen wäre. Als die" Agfi"( Luzern) in Schwierigkeiten tam, zogen die Großbanten ihre Aufsichtsräte aus dem SichelKonzern heraus, die Kredite wurden gekündigt, die Lieferanten verlangten Bezahlung. Die Konzernkrise, die seit dem Beginn der Stinnes- Stügung alle Inflationstonzerne bedroht erscheinen ließen, gab den Rest. Die Zusammenbruchbilanz. Die Bilanz des Sichel- Konzerns zum 30. Juni 1925( es lag früher eine etwas günstigere Bilanz für die Eröffnung der Geschäftsaufsicht zum 31. August vor) ist schon als Liquidations. bilanz aufgemacht. Sie weist gegenüber der GoldmarkeröffZunahme des deutschen Kraftverkehrs. Die Zahlen, die das Statistische Reichsamt über den Beft and an Kraftfahrzeugen in Deutschland am 1. Juli dieses Jahres veröffentlicht, lassen feinen Zweifel, daß Deutschland seinen Bertehr immer stärker motorisiert. Während im Jahre 1914 im ganzen rund 84 700 Krafträder, Personen- und Lastwagen gezählt wurden, waren es am 1. Juli 1925 nicht weniger als rund 425 800. Auf ein Kraftfahrzeug entfielen 1914 750, 1925 nur mehr 147 Einwohner. Die Gesamtzahl der Kraftfahrzeuge hat sich also reichlich verfünffacht. Charakteristischerweise entfällt das Hauptwachstum auf die letzten beiden Jahre der Inflation und das erste Jahr der Stabilisierung. In den 8 Jahren von 1914 bis 1922 stieg nämlich die Gesamtzahl der Kraftfahrzeuge nur knapp auf das Doppelte, von 84 700 auf 165 700; wobei sicher die Sonderanschaffungen für Kriegszwecke den Hauptanteil an der Vermehrung beitrugen. In den drei Jahren 1923 bis 1925 dagegen stiegen die Zahlen von 165 700 auf 425 800, was ein um reichlich das dreifache schnelleres Wachs= tum bedeutet. Am stärksten ist dabei der Gebrauch der Motorräder( Großkrafträder) gestiegen. Er hat sich seit 1914 mit heute 161 500 Stück verachtfacht, im Lauf der letzten 3 Jahre mehr als vervierfacht. Wahrscheinlich der deutlichste Ausdruck für die Auswirkungen sowohl der Inflation bei den kauffähigen Kreisen der Landwirtschaft als der Bemühungen der kleineren Leute der Großstadt, vom Segen des Autos auch etwas zu haben. Der Gebrauch eigentlicher Brivatpersonenwagen zeigt eine geringere 3u nahme. Nicht ganz vervierfacht gegenüber 1914, ift er mit 157 800 Bagen gegenüber 1922 mehr als verdoppelt. Die Droschten und Autobusse im öffentlichen Verkehr blieben von 1914 bis 1924 fast stabil. Ihre Zahl stieg in den 10 Jahren von 7700 auf nur 9300, um aber im Jahre 1924/25 auf einmal einen mächtigen Sprung auf 14 000 zu machen. Nur die Personenautomobile der Behörden ( Bost, Heer, Marine, Polizei, Gemeinden) schneiden in der Statistik schlecht ab. Offenbar durch den Krieg gefördert, zeigt das Jahr 1922 noch eine Zunahme gegenüber 1914 von 1258 auf 3821, um 1923 und 1924 auf 3000 zurückzugehen. Aber auch für sie brachte der 1. Juli 1925 eine Bestandsvermehrung auf faft 3800 Stüd Für den Last kraftwagengebrauch machten die Kriegsgewinne der Industrie die große Konjunktur. Bis 1922 stieg ihre Ein einziger Posten aus der Goldbilanz ist er= halten, sogar durch Zubauten für das Bureauhaus in Frankfurt etwas erhöht: der Grund- und Hausbesig mit 735 000 m.( in der Goldbilanz 500 000 m.). Die Effekten und Beteiligungen, der Hauptbesig der Gesellschaft, im Vorjahr mit 22,54 mill. M. bemertet, zeigen eine Berlust abschreibung von 12,62 Mill. Die Gesamtdifferenz beträgt fogar 15,19 Mill. Der Unterschied von 2,57 Mill, dürfte sich aus den Verkäufen von Beteiligungen erPlären, die inzwischen vorgenommen wurden( 2 Eisenverarbeitungs-, die Del-, die Westbankbeteiligung und einige kleinere). Bei den ausstehenden Forderungen des Konzerns wurden 4,8 mill Berlust abschreibungen vorgenommen, insbesondere bei den Eisenhandelsgesellschaften und Chem. Fabrit für Hüttenprodukte A.-G., Düsseldorf- Oberkaffel. Aber nicht nur die Aktiven sind zufammengeschmolzen, die Passiven sind erhöht. Aus den geleisteten Bürgschaften wird eine Inanspruchnahme von 1,1 Mill erwartet, die als Schulden zu bewerten sind. Ein neues Konto Darlehen mit 1,36 Mill. ist erschienen und endlich mußten 3,25 mill. Forderungen an die Luzerner Gesellschaft als zweifelhaft unter die Passiven aufgenommen werden. So stehen 10,2 Mill. Attiven 31,7 mill. Paffiven gegenüber, was einem Berluft von 21,5 mill. gleichkommt oder dem Verlust des gesamten Aktienkapitals von 20 Mill. und des größeren Teiles der Reserven von 2 Mill Die Bilanz ist zweifellos fehr pessimistisch, wie es bei einer Liquidationsbilanz, die die Auflösung des Geschäfts und den Verfauf der Aktiven vorfehen muß, natürlich ist. Die Millionenforderung an Luzern trägt voll zum Verlust bei. Vielleicht holt der Sichel- Ronzern aus der Liquidationsmasse der Agfi, bei der er Gläubiger ist, noch etwas heraus. Der mögliche Verkaufswert der Eisenhandelsgesellschaften( für die sich französisch- luxemburgische Kreise interessieren sollen) fann höher sein, als er in den Beteili gungen bewertet ist. So fönnten die Attionäre noch Hoffnungen haben. Aber der Hauptposten der Aktiven sind doch Industrie. beteiligungen. Auf ihm haben aber die Gläubiger die Hand, und man weiß aus dem Fall Stinnes, wie schwer Effektenpakete mit Gewinn zu verkaufen sind. Lehren des Zusammenbruchs. Es ist bedauerlich, daß nicht auch im Fall Stinnes eine solche Bilanz erstellt zu werden brauchte.( Das Haus Stinnes war G. m. b. 5.) Die Abschlußbilanz bei Stinnes hätte zur Klarstellung der Vorgänge mehr beigetragen, als noch so viele Vermutungen der Deffentlichkeit und Kommuniqués der Banten. Man muß daher das Bilanzbild des Sichel- Konzerns begrüßen als wichtige Aufflärung über das Ausmaß und das Tempo, in welchen bei den Inflationskonzernen die Zerstörung von Kapitalmerten erfolgt. Noch im Juli bestand nicht nur im Sichel- Konzern, sondern auch in der Deffentlichkeit die größte 3uversicht über das Schicksal des Konzerns. Ein führendes Handelsblatt Westdeutschlands berichtete, daß der Sichel- Konzern fo fest stehe, daß er für den Verfauf seiner Beteiligungen die beste 3eit abwarten fönne. Anfang September versprach die Verwaltung den Aktionären noch bestimmt die Erhaltung des Aktienkapitals. Heute wird das Kapital als verloren erflärt. Der Sichel- Konzern wird nicht geft übt werden. Im Gegen faz zu Stinnes, Stumm und den anderen war er unvorsichtig genug, einmal eine Dachgesellschaft nach Schweizer Recht und in Schweizer Währung zu befizen, die die deutsche Währung nichts angeht, zum anderen teine turzfristigen Dollar- oder Pfund. schulden zu haben, die allein der Kredit der deutschen Baluta zu fürchten hat. So wird sein Schicksal ausschließlich den Gläu bigern überlassen sein. Auch dieser Unterschied gegenüber den anderen Konzernen ist für die Deffentlichkeit wichtig. Läßt er doch über alle Zerstörung von Kapitalwerten hinaus die Belastung erkennen, die die Inflationskonzerne unserer ehemals so viel gepriesenen Wirtschaftsführer nicht nur für die Volkswirtschaft, sondern auch das Vertrauen des Auslandes in die Kreditwürdigkeit der deutschen Wirtschaft und in die Zukunft der deutschen Valuta bedeuten. K- t. Zahl von rund 9000 auf 43 500. Die beiden Inflationsjahre brachten eine Steigerung auf 60 600. Das Fieber der Rationalisierung des letzten Jahres ließ die 3iffer auf 80 200 hinaufgehen. Brozentual die größte Steigerung zeigten dabei die kleinen Lastkraftwagen bis 2000 kg Eigengewicht, die sich seit 1922 auf das Dreifache erhöht haben ( 26 400). Der Hauptanteil dürfte wohl auf die fleinen billigen Lieferwagen davon fallen. Das Transportgewerbe, die Handels- und Gewerbebetriebe steigerten ihren Anteil von 1922 bis 1925 von 29 300 auf 45 200, Langsam in den legten 3 Jahren( von 1300 auf 2200), aber enorm gegen 1914 ist die Ziffer der Lastkraftwagen in den forst- und landwirtschaftlichen Betrieben gestiegen. Mit 2230 im Jahre 1925 ist sie gegenüber 76 im Jahre 1914 verbreißigfacht. Ein durchaus erfreuliches Zeichen, wenn diese Steigerung nicht, wie die Statistik deutlich erkennen läßt, mit den Inflationsgewinnen der Landwirtschaft erkauft worden wäre. Abgerundet wird das Bild durch jenen Kraftwagenverkehr, der im allgemeinen Interesse erfolgt. Die Feuerlösch- und Straßen reinigungswagen erfuhren von 1922 bis 1925 eine Steige rung von 1278 auf 8290 Stüd, was eine sehr kostspielige, sicher aber, auch für die Industrie, nicht nur für die Deffentlichkeit eine sehr nüßliche Sache war. Donnerstag, 22. Oktober 1925 es bedeutet, wenn die USA. als das typische Land des Autos immer zitiert werden. Die deutsche Ziffer mit 256 000( 193 000) verschwindet demgegenüber vollständig. Während die Vereinigten Staaten auf 6 Menschen einen Kraftwagen zählen, sind es bei uns 244. Auch gegenüber dem Weltdurchschnitt mit 84 auf einen Wagen bleiben wir noch weit zurüd. Amerifa am nächsten stehen Kanada mit 14, Neuseeland mit 18, Australien mit 27 Perfonen auf ein Auto. In größeren Abständen folgen dann England mit 60, Frankreich mit 71, Argentinien mit 75 und Schweden mit 95. Erst an zehnter Stelle kommt Deutschland. Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auch davon abhängig ist, daß Man fann verschiedener Meinung sein, ob die Leistungs- und Deutschland mit der Zeit der einzelnen und der Massen sparsamer umzugehen lernt. Die heutige Ueberlegenheit vieler unserer Ronkurrenten auf dem Weltmarkt dürfte aber nicht zum menigsten in der größeren Detonomie beruhen, die ihr ausgedehnter Kraftwagengebrauch der Zeitanwendung ihrer Bevölkerung bringt. Ob es da vernünftig war, nur um eine Industrie zu schützen, die Verforgung Deutschlands mit Kraftwagen durch 3ölle zu verteuern, muß man daher sehr bezweifeln. Verschiedenartige Valutanöte. Mißerfolg der französischen Sanierungsanleihe. Wie uns ein Eigenbericht aus Paris meldet, ist die Zeichnung auf die im Juli aufgelegte französische Konsolidierungsanleihe, deren Frist zweimal verlängert worden war, am Dienstag früh geschloffen worden. Der Paris Soir" meldet num, daß Caillang das Ergebnis der Zeichnung auf rund 6 Milliarden beziffert hat. Nach den von Caillaug seinerzeit im Barlament gegebenen Erklärungen soll diese Anleihe, die mit einer Garantie gegen eine weitere Verschlechterung verbunden ist, dazu dienen, die schwebenden Schulden Frankreichs zu konsolidieren. Sie belaufen fich unter Ausschluß der Schatzobligationen mit drei und fünfjähriger Laufzeit auf rund 70 milliarden. Wenn man auch in den der Regierung naheftehenden Kreisen nicht mit einem solchen Ergebnis gerechnet hatte, so wurde damals doch gehofft, auf diese Weise etwa 60 bis 70 Broz. der täglich fälligen Berbindlichkeiten des Staates, also 40 bis 45 milliarden, damit erzielen zu fönnen. Das tatsächliche Ergebnis steht dazu in einem fläglichen Mißverhältnis und stellt ein neues Fiasto der Caillaurichen Finanzpolitik dar, wie es eklatanter faum gedacht werden kann. Für die deutsche Industrie ist die Unsicherheit, die auf der französischen Währung lastet und die sich nach dem Scheitern der Sanierungsanleihe verschärfen muß, von schwerem Nachteil Die französische Balutakonkurrenz war unfern Hochschutzöllnern seit langem ein willkommener Vorwand für die Verfolgung ihrer eigensüchtigen Interessen. Dänemark befürchtet einen zu hohen Kronenkurs. Ministerpräsident Cenoffe Stauning legte am Dienstag den neuen Balutastabilisierungsplan im dänischen Reichstag vor. Der Plan brachte eine große Ueberraschung insofern, als die Nationalbant nicht mit der Kronenfteige rung mitgehen will, sondern sich nur verpflichtet, eventuell einen Kronenkurs von 86 Goldören zu halten, während der gegenwärtige Bärfenfurs 92 bis 93 Goldöre beträgt. Dazu verlangt die Nationalbank einen neuen Baluta Unterstüßungsfonds lehnt weiter ab, die Krone auf Bari zu bringen und meint, daß das und eine Erweiterung der staatlichen Garantie für die Krone. Sie erst im Berlauf langer Jahre geschehen könnte. Dies pessimistische Haltung deckt mit einem Schlage die ganze wirtschaftsgefährdende Künstlichkeit der Kronenhausse dieses Sommers in Dänemark auf, dte fich u. a. auch in einer lleberteuerung mancher Nahrungsmittel, wie Butter ausgewirkt hat, wie wir fie, viel von Dänemark beziehen. Die Fortsetzung der Eisentrustverhandlungen. Gestern, Mittwoch, fanden in Berlin zwischen den Leitern der beteiligten Konzerne weitere Besprechungen über die Bildung eines rheinisch- mestfälischen Eisentrusts statt. Auch diesmal fam es noch nicht zu einem endgültigen Abschluß. Es wurde vielmehr die Bildung einer Studien- Gesellschaft beschlossen mit einem Aktienkapital von 50000 m., um die Einzelheiten zu prüfen. Hauptsächlich wird es sich darum handeln, Füh lung mit den Regierungsfreisen zu nehmen wegen der Steuerfrage, aber auch etwaige noch bestehende Differenzen zwischen den Interessenten durch eingehende und fortgefeßte Berhandlungen zu beseitigen. Wie verlautet, soll die Studien- Gesellschaft den Namen„ Ber. einigte Stahlwerte A.-G." erhalten. Konturfe und Geschäftsauffichten. Wie nach der Berschärfung war, haben sich die Konkursanmeldungen und Geschäftsaufsichten der Kapital und Kreditkrise in den letzten Monaten zu erwarten im Monat September ziemlich beträchtlich erhöht. Die Konturse stiegen auf 914 gegen 751 im Auguft und 797 im Juli. Die Geschäftsaufsichten vermehrten sich auf 459 gegen 379 bzw. 375. Die Konkurse haben damit den Monatsdurchschnitt der Borkriegsjahre nicht unerheblich überschritten, eine Tatsache, die man ohne falsche Sentimentalität begrüßen darf. Die Einzelfirmen sind auch diesmal am stärtsten beteiligt. Immerhin nimmt die Zahl ihr Anteil vom Juli bis zum August von 200 auf 238, bei den der beteiligten Kapitalgesellschaften ständig zu. Bei den Konkursen ist Geschäftsaufsichten sogar von 95 auf 145 gestiegen; davon Aktiengesellschaften von 24 auf 47. Bedauerlich ist, daß bei den unter Geschäftsaufsicht stehenden Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b. H. die den Geschäftsaufsichtsbehörden ja bekannten Ber= In der Berteilung auf die einzelnen Gebietsteile Deutschlands werden, was zweifellos ein wichtiger Beitrag zur Durchleuchtung mögens und Schuldensummen nicht angegeben zeigen sich sehr große Unterschiede. Die stärkste Motorisierung des der gegenwärtigen Wirtschaftslage wäre. In der Verteilung Berkehrs zeigt nicht Berlin, sondern Hamburg mit 106 Personen auf die einzelnen Gewerbezweige ſteht der Marender Bevölkerung auf ein Kraftfahrzeug. Ihm folgt Berlin mit 109, handel mit 424 Konkursen den anderen immer noch voran. Bremen mit 116, das Rheinland mit 117 und der Freistaat Sachsen Anteil ist aber relativ stabil geblieben, während der Anteil ber mit 118. Relativ am schmächsten ist sie in Oberschlesien erfolgt, wo Industrie mit 378 Stonturfen beträchtlich gewachsen ist. Bei den 403 Bersonen auf ein Kraftfahrzeug fommen, worauf Ostpreußen Geschäftsaufsichten hat die Industrie mit 220 den Warenhandel mit mit 316 und Bosen- Westpreußen mit 244 Personen folgen. Be183 überholt. Auch zwei bergbauliche Gewerkschaften sind diesmal unter den Konkursen. dauerlich an der Statistik ist, daß die kleinen Personenwagen, deren noch die Landwirtschaft. Doch wird sich das Bild wahrscheinlich im Am niedrigsten beteiligt ist immer Gebrauchsziffern die Einbürgerung des Autos als Boltsfahr. Laufe des Winters, menn ein großer Teil der Landwirt zeug erkennen lassen könnten, nicht getrennt aufgeführt werden. schaftstrebite zu zahlen sein wird, wahrscheinlich ändern. Für So erfreulich dieses Bild des Kraftverkehrs in Deutschland scheint, die tommenden Monate muß man überhaupt mit einem steilen so sehr ist die Verwirklichung des Time is Money"( 3eit ist Geld) Ansteigen der Konfurs- und Geschäftsaufsichtsturve rechnen, wobei in Deutschland hinter den meisten anderen Ländern noch zurück. die Konkurse noch stärker zunehmen werden. Für die Den Welt best and an Personen- und Laftkraftwagen( ohne Kraftbungen berichtet, was für den ganzen Oktober mehr als eine Verto berhälfte mit jeg igen von 1185 Rontursamel: räder) schätzt man 1925 auf 21,4 Millionen( 1924 18,1 Millionen) dreifachung der Septemberzahlen bedeuten würde. Dabei dürften davon fallen auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika allein allerdings viele Anträge sich befinden, bei denen eine Eröffnung 17,7( 15,1) Millionen. Erst dieje Ziffer läßt jo recht erkennen, was des Verfahrens wegen Mangels an Bermögensmajje unterbleibt. " Sein Klassenjustiz oder nicht? lis Instizdebatte im Landtag. Der Landtag trat gestern in die erste Beratung der Novelle| einseitige Justiz. Auf Grund unzähliger Urteile sind wir gezwungen, zum Preußischen Ausführungsgefeß zum Finanzausgleichs. gesez ein, das den Staatsrat in seinem letzten Sigungsabschnitt beschäftigt hat. Finanzminister Dr. Höpfer- Aschoff erklärt: Die Vorwürfe der Wirtschaft, daß der Wirtschaft zuviel Steuern entzogen würden, fcien für 1924 nicht unberechtigt. Es sei grundsäglich falsch, aus der Wirtschaft mehr als den notwendigen Bedarf herauszuziehen und die Mehrerträge hiernach wieder der Wirtschaft in Form von Zuschüssen und Krediten zuzuführen. Im Jahre 1925 hätten die Zölle und Verbrauchssteuern den Voranschlag überschritten, die Vermögenssteuer sei aber hinter dem Voranschlag zurückgeblieben, weil die Zahlungstermine am 15. Mai und 15. August aufgehoben worden seien. Die lle bermeifungssteuern feien für Preußen von der allergrößten Bedeutung. Er müsse anerkennen, daß in weiten Beamtenfreisen Not herrsche, aber die Staatsfinanzen zwängen ihn zur äußersten Sparsamfeit auf allen Gebieten. In zwischen seien für Unterstützungen und Notstandsbeihilfen vermehrte Mittel zur Verfügung gestellt worden, die Rückzahlung der Vorschüsse sei erleichtert worden. Das Reich habe das Auffommen der Einkommen- und Körperschaftssteuer für 1925 mit zwei Milliarden in den Boranschlag eingestellt, die preußische Finanzverwaltung rechne aber mit einem Aufkommen von 2250 Millionen. Die Mehr eingänge bei der Einkommen- und Körperschaftssteuer feien also in dem berichtigten Haushaltsplan bereits berücksichtigt und stellten feine Reserve dar; es sei nicht zu erwarten, daß der Fehlbetrag eine wesentliche Verminderung erfahren werde. Die Finanzverwaltung müsse daher die Ueberschüsse des Vorjahres in diesem Jahr verbrauchen und tomme in Gefahr, am 1. April 1926 ohne jeden Betriebsfonds zu sein. Durch die Novelle zum Reichsfinanzausgleichsgesetz werde der Anteil der Länder und Gemeinden an der Einkommen und Körperschaftssteuer vom 1. Oftober 1925 ab von 90 auf 75 Proz. ermäßigt, der Anteil an der Umsatzsteuer von 20 auf 35 Proz. erhöht. Da das Land und die Gemeinden an der Einkommen- und Körperschaftssteuer zunächst je mit der Hälfte, an der Umsatzsteuer aber der Staat mit zwei Fünfteln und die Gemeinden mit drei Fünfteln beteiligt seien, so fomme das Mehr an 11mfaß steuer in verstärktem Maße den Gemeinden zugute. Dies sei mit der Lage der Staatsfinanzen nicht ver einbar, und darum schlage der vorliegende Entwurf vor, das Land und die Gemeinden auch bei der Umsatzsteuer je mit der Hälfte zu beteiligen. Der Staat verzichte dafür zugunsten der Gemeinden auf die Gebühren der Auftragsverwaltung. Im übrigen regle der Entwurf den Ausgleich unter den Gemeinden selbst. Abg. Hirsch( Soz.): Die Hilfsaktion zugunsten der unteren Beamten, von der der Herr Finanzminister uns soeben Mitteilung machte, be= friedigt meine Freunde in feiner Weise.( Sehr richtig bei den Soz.) Gemiß, wir verkennen nicht, daß die Finanzlage des Staates feineswegs gut ist. Aber darunter dürfen doch die unteren Beamten nicht in der Weise leiden, wie das heute der Fall ist. Wir be= dauern auf das lebhafteste, daß die Regierung dem, jo viel ich weiß, einstimmig gefaßten Beschluß des Hauptausschusses auf Gewährung einer Zulage an die Beamten der unteren Gruppen feine Folge geleistet hat. Wir behalten uns vor, in allernächster Zeit entsprechende Anträge zu stellen. Es ist bedauerlich, daß es auch jetzt noch nicht möglich ist, den Finanzausgleich endgültig zu regeln. Auf die Dauer ist es ein ganz unhaltbarer Zustand, daß eine Berordnung oder ein Ge sez fortwährend durch neue Verordnungen und neue Geseze ergänzt wird. Nun liegt wieder eine neue Aenderung vor. Die Borlage, die uns augenblicklich beschäftigt, ist wiederum auf furze Zeit be fristet, so daß wir uns bald aufs neue mit der Materie werden be schäftigen müssen. Wir haben gegen die Vorlage zur Aenderung des preußischen Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichsgefeß verschieden schwere Bedenken. Die Vorlage bedeutet eine weitere Schwächung der Finanztraft der Gemeinden, insbesondere der großen Städte. Und sie bedeutet weiter einen neuen Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden. Die Finanzlage der Gemeinden mögen einige Zahlen illustrieren: Berlin muß, wenn es einigermaßen seinen Aufgaben gerecht werden will, mit einer Steuereinnahme von 25 Millionen M. pro Monat rechnen. Diese Einnahme ist auch bis zum August erreicht worden; im September jedoch trat ein Rüdgang bis auf rund 14 Millionen ein. Aehnlich liegen die Dinge in anderen Städten. Vor kurzem ist eine sehr interessante Abhandlung des Stadttämmerers von Effen über die Verhältnisse der Gemeinden im rheinisch- westfälischen Industriegebiet erschienen. Der Stadttämemrer weist in einer Statistit, die sich auf 67 Gemeinden des Industriegebiets bezieht, nach, daß die Höhe des ungedeckten Fehlbetrages auf den Kopf des Einwohners im Jahre 1925 5,96 M. gegen 0,06 im Jahre 1914 befrug. Charakteristisch ist es, daß von den gesamten Nettoausgaben nach dem Haushaltsplan für 1925 auf 3 wangsausgaben der Ge meinden nicht weniger als 95,78 Proz. entfallen, auf frei= millige Ausgaben nur 4,22 Broz. Bon diesen Zwangsausgaben entfallen auf die in den Gemeinden seit 1914 übertragenen neuen Wohlfahrtsausgaben 13,58 Proz., auf 3uschußbedarf für Wohlfahrtspflege 20,52 Proz. und auf Zuschußbedarf für Schulen 30,07 Proz. Man sieht also, daß die Ausgaben der Gemeinden für fulturelle Zwede gestiegen sind, und wenn man den Gemeinden Sparsamkeit predigt, diese dann eigentlich nur auf Kosten der sozialen Aufgaben vor sich gehen müßte. Wir erwarten, daß das nicht die Absicht der Regierung ist. Bir bedauern ferner, daß in der Vorlage von einer endgültigen Regelung der Hauszinssteuer keine Rede ist. Die Hauszinssteuer ist die antifozialste Steuer, und ihre teilweise Bermertung zur Deckung des Finanzbedarfs kann auf die Dauer nicht geduldet werden.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Vorlage wird an den Hauptausschuß überwiesen. Die zweite Beratung des Haushalts des Justizministeriums wird fortgesetzt. Berichterstatter Abg. Dr. Grzamek( Dem.) führt u. a. an, daß der Ausschuß die sofortige Einbringung eines preußischen Irrengesetes verlangt habe. Dor Parteinachrichten Stufenbungen für diese Rubrik find Berlin 68. 6. 2indenftraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, an richten. Achtung! Die Abteilungen Wannsee und Buch werden aufgefordert, fofort die bestellten Einladezettel für die Freitagskundgebung im Gefretariat ab. zuholen. 1. Kreis Mitte. Die Ordner treffen fich am Freitag, den 23. Oktober, 6% Uhr, vollzählig in den Musikerfälen, Raiser- Wilhelm- Str. 31. 7. Kreis Charlottenburg. Die Genofsinnen, welche sich an der Auto- Propa. gandafahrt in Charlottenburg beteiligen wollen, treffen fich Freitag, den 23. Ottober, nachmittags pünktlich 1 Uhr, im Jugendheim Rosinenftr. 4. 14. Rreis Reukölln. Sämtliche Abteilungen müssen sofort dem Gekretariat ihr RentralwahПotal mit Telephon angeben. 17. Rreis Lichtenberg. Abt. 114-119. Donnerstag, den 22. Oktober, Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. 20. Kreis Reinidendorf. Reinidendorf- Dft, Rosenthal, Wittenau, Baidmannsluft, Lübars, Hermsdorf: Freitag, den 23. Oftober, 7% Uhr, im Lotat Schützenhaus, Reinidendorf- Oft, Residensstr. 1/2, öffentliche Wahlkund gebung. Tegel, Borfigwalbe, Reinidendorf- West: Freitag, den 23. Of. tober, 7 Uhr, im Lokal Strandschloß. Tegel, öffentliche Wahlkundgebung. Arbeiterwohlfahrt. Am Donnerstag, den 22. Oktober, 8 Uhr, Lichtbildervortrag über: ,, Rulturaufgaben der Arbeiterwohlfahrt"( Referentin: Minna Todenhagen) im großen Sigungsfaal des Bezirksamts Kreuzberg, Dordstraße 11. Eintritt frei. Gäste willkommen. Sämtliche Mitarbeiter in den Wohlfahrtskommissionen find zur Teilnahme verpflichtet. Heute, Donnerstag, den 22. Oktober: 9. Abt. Nachm. 5 Uhr von Hübner, Wilsnader Str. 34, aus wichtige Handgeftelverbreitung. Alle Genoffinnen und Genossen nehmen an der legten öffentlichen Kreiswählerversammlung am Freitag, den 23. Oktober, -6% Uhr, in der Wiclefstraße teil. 33. Abt. Vereinigung für Schul- und Erziehungsfragen. 8 Uhr in der Aula der 220. Gemeindeschule, Naglerstr. 3( an der Warschauer Bride), Bortrag ilber: Die Gefahren des Reichsschulgesetzes für die Schule und ihre Lehrer". Vortragender: Lehrer Höpner. von einer monarchistisch republiffeindlichen Recht. [ prechung zu reden.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wohl find die Richter unabsehbar, aber sie sind doch versehbar, und es wird durchaus nicht schaden, wenn das Justizministerium gegen die bewußten Gegner der Republik mit dem Mittel der Ber= fegung vorginge.( Buruf rechts: Geht nicht!) Sie werden mir nicht einreden wollen, daß man nicht einen Richter am selben Orte einfach in das Grundbuchamt versezen kann. Das ist sehr wohl möglich. Wir haben wieder einmal eine lange Reihe von Urteilen zum Vortrag zu bringen, die deutlich zeigen, wie start repu bliffeindlich unser Richtertum eingestellt ist. Der deutschvölkische Fraktionssekretär Fahrenhorst wird für die Beleidigung der Far bender Republiter erklärte:„ Reißt ihn herunter, den Fezen der Republit Schwarz- Rot- Mostrich" dem Gericht in Quedlinburg zu 300 Mart Geldstrafe nerurteilt. Unser Parteifreund Bertholz in Zeit wird angeklagt, gegen den Stahlhelm gehezt zu haben. Obwohl fünf Versammlungsbesucher Berkholz fast völlig entlasten, wird dieser trotzdem, und zwar zu einem Monat Gefängnis, verurteilt.( Hört, hört! bei den SozialIn Frankfurt a. M. murde ein Deutsch. demokraten.) Dölfischer, der verächtlich Dom Reichspräsidenten bert sprach und ihn am Galgen aufgefnüpft missen wollte, frei gesprochen, und zwar mit der Begründung, daß der genaue Wortlaut der Beleidigung von feinem Zeugen mit Sicherheit habe festgestellt werden können.( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) In Bantom tut sich ein Richter dadurch hervor, daß jeder, der mit dem Reichsbannerabzeichen oder mit den Farben der Republifim Knopfloch den Gerichtssaal betritt, angehaucht und aufgefordert wird, das„ Vereinsabzeichen Schwarz- Rot- Gold zu entfernen.( hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) In HannoverMünden verlangte der Richter gleichfalls die Entfernung der Reichs bannerabzeichen. Die Kreise der Rechtsparteien, die sich als Bildungsträger bezeichnen, sprechen mit Vorliebe von den Farben des Reichs Röntgental, Repernid, Gawanebed. 8 Uhr zahlabend bei Basener, Röntgenin Ausdrücken wie Schwarz Rot Mostrich. Der Greifs walder Universitätsprofessor Dr. Bahlen, der wegen dieser Ausdrudsweise angeflagt war, wurde freigesprochen, und zwar mit der Begründung, daß eine Vereinigung, die die Farben der Republik in ihren Namen aufgenommen hat, damit noch fein Patent auf diese Farben erhält und selbstverständlich auch nicht unter das Republikschutzgesetz fällt.( Hört, hört! links.) Charakteristisch ist, daß der Professor selbst nicht geltend gemacht hat, er habe die Farben des Reichs banners beschimpft; das hat ihm erst das Gericht förmlich unterstellt; es hat gesagt: Sie haben doch damit die Farben des Reichsbanners und nicht die Reichsfarben gemeint.( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) In Gleiwit macht der Borsigende des Amtsgerichts, Amtsgerichtsrat Neumann, gelegentlich einer Berhandlung gegenüber einem Kläger folgende Aeußerung: „ Ja, mein Herr, diese Rechtsprechung fönnen Sie in dem heutigen Schwarzrotgold- Preußen nicht verlangen, gehen Sie zu Severing, folange er noch im Amte ist. Bielleicht kann diefer Herr Ihnen besseren Bescheid geben." Charlottenburg. 54. Abt. 5. Gruppe. 7% Uhr bei Bilhnemann, SelmholsStraße 39, Rahlabend. Tagesordnung: 1. Bortrag des Obergewerbelehrers Berndt. 2. Wahlarbeiten. 58. Abt. 7 Uhr beim Genossen Matschke, Liegenburger Ede Meineckestraße, Bersammlung für den 12. Bezirk.„ Ein Tekter Appell". Referent: Genosse Dr. Ramerau. 73. Abt. Schmargendorf. 7. Uhr in der Gemeindeschule Mitgliedernerfamm Tuna. Wahlarbeiten. Freitag, den 23. und Sonnabend, den 24. Of tober, 6 Uhr, Sammeln bei Bahr aur Flugblattverbreitung. Gonntag, den 25. Oktober, treffen sich alle nicht eingeteilten Genoffen normittags 9 Uhr bei Bahr. 89. Abt. Reukölln. Die für heute angefeßte Funktionärversammlung findet nicht statt. 116. bt. Achtenberg. 7½ Uhr im Lotal Morr, Neure Bahnhofstr. 28, Funktionärversammlung. Erscheinen ist dringend notwendig. tal. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Genoffinnen und Genoffen ist Pflicht. Morgen, Freitag, den 23. Oftober: 27. Abt. Die Genoffen beteiligen fich an der Rundgebung im Lebigenheim. 32. Abt. Ab 5 Uhr Berbreitung des illustrierten Kreisflugblattes von den Gruppenlokalen aus. Es ist Pflicht aller Genoffen, fich zu beteiligen. 33. Abt. Nachmittags 3 Uhr Extra- Flugblattverbreitung bei Lojad, Beymestraße 8, und bei Rienik, Simon- Dach- Str. 24. Es müssen alle Genossinnen und Genossen erscheinen. 35. Abt. Die Ab 5 Uhr Flugblätter abholen bei Peter, Echreinerftr. 36. Genossen treffen sich um 6 Uhr in den Rahlabendlokalen. Am Sonntag, den 25. Oftober, treffen fich sämtliche Genossen bei Neumann, Samariterftraße 12. 37. Abt. Nachmittags 4 Uhr ab Flugblattnerbreitung für den 1. bis 3. Bezirk von Geiffert, Hausburgstr. 2.4. bis 6. Bezirk von Röhler, Matternftraße 14. 38. Abt. Ab nachmittags 5 Uhr treffen fich fämtliche Genoffen und Genoffinnen in ihren Zahlabendlokalen zur Empfangnahme von michtigem Wahlmaterial. 41. bt. Nachmittags 5% Uhr empfangen die Gruppenleiter bei Schult die Flugblätter. Ab 6 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen: Simon, Belle- Alliance- Str. 30; Echuster, Chamissoplas 4; Luge, Bergmanne straße 93; Mende, Gneisenauftr. 6. 44. Abt. Ab 4½ Uhr treffen sich fämtliche Genoffinnen und Genoffen aur Sandzettelverbreitung bei Eiffert, Oranien str. 196. Bezirksführer Flugblätter abholen. 80. Abt. Schöneberg. Abends 7 Uhr reflofe Beteiligung aller Mitglieder an der öffentlichen Versammlung im Bürgersoal, Rathaus Friedenau. Sonnabend. den 24. Oktober, von 5 Uhr ab Wahlarheiten bei Gürlich. Alle verpflichteten Wahlhelfer müssen cridheinen. 90. Abt. Neukölln. Ah 5 Uhr bei Schittler, Weichselstr. 5, Ausgabe der Flugblätter und des Wahlmaterials an die Bezirke. 124a Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr bei Diek. Uhlandstraße, Funktionärversammlung. 7 Uhr im Breußischen Landtag, Bring Albrecht Straße. Borttag über: 20Grundfäke fozialistischer Erziehung" Referente Dr. Löwenftein. Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danaiger Str. 62. Bortrag des Genoffen Otto Bach. Charlottenburg: Jugendheim Rofinen ftraße 4, v. I. Heute 8 Uhr: Genosse Criedemann: Frank und Liebs fnecht". Gruppe Pankow: pünktlich 8 Uhr im Jugendheim Breite Strake 32 wichtige Zusammenkunft. Einteilung der Wahlarbeiten. Fitr den Abend Bücher und Instrumente nicht vergeffen. Freitag, den 23. Of tober, gefchloffene Beteiligung bei Lindner. Werbt für die Wahl!. Gruppe Friedrichshain: 7 Uhr im Jugendheim Tilsiter Str. 4. Vortrag: ,, Außenpolitische Revue". Referent: Dr. Obermont.. Gruppe Treptow: 7 Uhr im Jugendheim Elsenstr. 3. Bortrag: Die Reichsverfassung". Gruppe Reukölln I und II: Freitag, den 23. Oftober, 7 Uhr, im Jugendheim Rogatstr. 11/12 Referat über: Entmidlung des Barteiprogramms". Referent: Erwin Marquardt. ( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Solche Richter fönnen nicht objektiv sein. Der Amisrichter Dr. Beinert in Wernigerode hielt auf dem Broden am 1. April 1925 eine Rede zur Bismard- Feier, in der er Erzberger einen Halunfen nannte, wię ihn die Sonne nur selten beschienen habe. Die Rede Dr. Beinerts ist ein wahres Monstrum von Gehässigkeit und Fanatismus gegen alles Republikanische. Der Oberreichsanmalt hat ein Einschreiten abgelehnt, und zwar mit der Begründung, die in Frage Jungsosialisten. Nächste Gesamtveranstaltung am Montag, den 28. Oktober stehende Rede enthalte einen strafbaren Tatbestand nicht.( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Niemand von uns fann glauben, daß Dr. Beinert in der Lage ist, objektiv zu urteilen. Dr. Beinert bringt es auch fertig, vollkommen antisemitisch ge. haltene Urteilsbegründungen zu liefern. In DeutschKrone hatte unser Parteifreund Stolt die Behauptung aufgestellt, daß verschiedene Großagrarier während des Krieges reflamiert wor den sind; er zählte 15 namentlich auf. Auf Veranlassung des Staatsanwalts erheben andere, die nicht genannt wurden, Anklage, und Stolt wird zu 50 Mart verurteilt, wobei man ihm unterstellt, er habe die Kläger als Drüdeberger bezeichnen wollen. Man stellt also einfach die Dinge auf den Kopf. Im Dorse Böningen Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Schöneberg Friedenau: In den nächsten ( Kreis Lychom) soll eine Wahlfälschung zugunsten der Demo. fraten stattgefunden haben. Hier wird der Betreffende zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. In Aurich ein ähnlicher Fall: Da werden ein Gemeindevorsteher und ein Lehrer angeklagt. die Wahlfälschungen zugunsten der Rechtsparteien verübt zu haben. Sie werden zu 200 mart Geldstrafe verurteilt. Angesichts solcher Borgänge fönnen die Rechtsparteien mit Engelszungen reden, sie werden das Bolf nicht glauben machen fönnen, daß wir noch eine objektive Rechtsprechung haben. ( Sehr wahr! lints.) Abg. Lüdide( Dnat.) kritisiert die Verordnung über die Abände rung des Gerichtsverfahrens vom 4. Januar 1924 und fordert Ein mirkung auf die Reichsregierung, eine anderweitige Regelung her. beizuführen. Staatssekretär Fritze( vom preußischen Justizministerium) äußert sich dann zu der Ernennung Kroners zum Oberverwaltungsgerichtsrat dahin, daß dadurch ein Disziplinarverfahren nicht abgewendet werden konnte, weil ein solches gegen Kroner gar nicht schwebte. Ueber die Einführung der Revision in Ehe fachen seien bereits Erwägungen im Gange. Das Barmat- Verfahren werde jetzt mit allem Ernst und aller Gründlichkeit bearbeitet; vorher sei das nicht in allen Punkten der Fall gewesen. Was die Vorwürfe gegen die Richter im allgemeinen angehe, sei der Standpunkt des Justizministeriums der, daß die richterlichen Beamten und die der Staatsanwaltschaft sich auch äußerlich so verhalten müßten, daß das Vertrauen zu ihnen nicht geschädigt werde. Vor allem dürfe eine politische Einstellung nicht irgendwie einen Einfluß ausüben. Diese Ansicht hätte auch der Preußische Richterverein als maßgebend anerkannt. In Beantwortung einer Großen Anfrage der Sozialdemokraten über die Aufhebung des Verbots des Bortumliedes durch den Amtsgerichtsrat v. Steuber erklärt der Staatssekretär, daß der Generalstaatsanwalt in Celle angewiesen worden sei, ein Disziplinarverfahren gegen den Richter einzuleiten, dieses aber von den zuständigen Instanzen abgeschütte Unabhängigkeit der Richter müßten unter allen Umständen gewiesen worden sei. Abg. Brüdner( Soz.) eröffnet die allgemeine Aussprache mit der Erklärung, daß die So zialdemokraten dringend die Durchführung der sogen. fleinen Justizreform fordern. Dann mendet sich der Redner gegen die Abg. Dr. Oppenhoff( 3.) betont daß seine Partei der Ansicht der Linken über eine Boreingenommenheit der Richter gegen das neue Regime ausschlaggebenden Wert nicht beimessen fönnte. Abg. Eichhoff( D. Bp.): Angriffe auf die verfassungsrechtlich unterbleiben. Abg. Obusch( Komm.) verlangt volle Amnestie. Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 12 Uhr, wo die Beiterberatung stattfinden und die Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen den Innenminister Severing vorgenommen werden soll. Schluß gegen 47 Uhr. Tagen werden die Mitgliedskarten von den Unterlassierern zweds Ron trolle abgeholt. Es wird gebeten, die Ratten bereitzuhalten und auszuhändigen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Areuzberg. Jungmannschaft Do., b. 22., 7 Uhr, bei Lier, Naunyn firaße 9, Rufammenfunft, nachher Badeabend. Tempelhof. Do., d. 22., 7½ Uhr, Antreten Boftamt Tempelhof zim Saalschuk. Fr., d. 25., 7 Uhr, Antreten Burggrafen. Ede Chauffeestraße in Mariendorf zum Saal. fchuk. Lichtenberg nebft Untergruppen. Do., d. 22., Fr., b. 23., 60., d. 24., 7 Uhr, haben sich fämtliche Kameraden zweds Einteilung bei Krüger cingu finden. Mitte. Fr., d. 23., 7 Uhr, Saalfchus Mufilerfäle, Raiser Wilhelm. Strake. Deutscher Esperantobund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, den 23. Oktober, 8 Uhr, Ronditorei Dobrin, Hadescher Markt, Uebungsabend., Gäste willkommen. Berband Boltsgesundheit, Ortsverein Berlin. Donnerstag, den 22, Oktober, 8 Uhr, in der Schule Jfflandstr. 9/11( Nähe Jannowigbrüde) fpricht Genosin Dr. Räthe Held über: ,, Krankheiten und Ehe". Am Freitag, den 23. Oktober, im Jugendheim Goklerftr. 61 Diskussionsabend der Jugendgruppe über Astrologie. Einleitung Mag Johannsen. Freie Bereinigung von Sternfreunden, Berlin. Sonnabend, ben 24. Or. tober, 8 Uhr, Bersammlung im Berliner Rindi", Aurfürfiendamm 101, Borstandes. 2. Bortrag des Borsigenden: Beranschaulichung des Größen1. Gaal links. 1. Bericht über das verfloffene Vereinsjahr und Wahl des verhältnisses und Entfernungen der Himmelstörper nach verkleinertem Maßftabe. Einführung von Gästen gestattet. Freie Schulgemeinde, Berlin- Tiergarten. Die Generalversammlung findet nicht am 26. Oktober, fondern am 2. November in den Arminiushallen, Bremer Straße, statt. Die Mitglieder, die noch nicht im Befit der Zeitung ..Freiweltliche Gdle" find, wollen sich an Löchert, Gidingenstr. 4, Quers. gebäude 4 Trp., oder an die Rahlstelle wenden. Arbeiter- Rabio- Klub, Ortsgruppe Webbing. Lotal B. Marzahn, Berlin R 65, Utrechter Str. 29. Beginn pünktlich 28 Uhr. Borträge: Einführung in den Bau von Radiogeräten", Die Herstellung von Radioempfangsröhren". Gäfte willkommen. Berein Sozialistischer Aerzte. Mitgliederversammlung Freitag, den 23. Dt. tober, 8 Uhr pünktlich, im Bahnärztchaus, Billowstr. 104. Fortfehung der Distuffion: Der Deutsche Aerztetag und die Schwangerschaftsunterbrechung" Gäste willkommen. Berein der Freibenber für Feuerbestattung. 11. Bezirk Schöneberg- Friebenau. Der Unterricht zur Vorbereitung der Jugendweihe nimmt seine Fortsekuna; Kinder von 12 Jahren tönnen fich melden. Der Unterricht findet jeden Freitag von 4 bis 26 Uhr nachmittags in der 11. Gemeindeschule, Feurigstr. 57, ftatt. Arbeitersport. Touristenverein Die Raturfreunde"( Rentrale Bien), bt. Charlottenbu... Freitag, ben 23. Oftober, im Seim Saefelerfte 16b( Westenb). Vortrag über bas Thema: Mensch und Religion". Gäste willkommen. Am 25. Oktober wegen der Stadtverordnetenwahl teine Wanderung. Arbeiter Radfahrer- Bund, Solidarität, Ortsgruppe Berlin und Umgegend. Sonntag, den 25. Oktober, beteiligen fich sämtliche Bundesgenoffen in, ihren Bezirken an der Wahlarbeit. Freitag, den 23. Oktober, Generalversamm lung Schwedter Str. 23/24, 7 Uhr, bei Büttner, Donnerstag, den 29. Oftober, 7 Uhr, Fahrmarte, Rungestr. 17 bei Bölter. Nierenkranke und Gichtiker! Kaffee Hag- Probierstube Berlin, Kurfürstendamm 26 a Euer Getränk ist Kaffee Hag Donnerstag 22. Oktober 1925 Unterhaltung und Wissen Im Karusell der Arbeit. Bon Kuni Tremel- Eggert. So gern wie den Zipfelsdieter haben die Oberselbiger noch feinen begraben. Oberselbitz ist ein wunderschön gelegener Marktflecken am Obermain, uralt und malerisch liegt er, wenn man bahnaufwärts fährt, links drüben auf der Sonnenseite. Und fast so alt, wie der Name Oberselbig, tst in Oberselbiz der Name der Familie Zipfel. Die Zipfel hängen in Oberfelbig überall heraus, sie stehen durch ein paar Jahrhunderte in allen Standesamtsregistern und Kirchenbüchern, der Name Zipfel ist mit stolzem Schwung ins Erz der großen Kirchenglode gegraben, wie er ebenso jeden Sonntag von der Kanzel tönt, wenn der Pfarrer den für Zeit und Ewigkeit gestifteten Mariendreißiger für die verstorbenen Mitglieder der Familie Zipfel verkündigt. Da der Mariendreißigerstiftung drei große Aleder erster Bonität anhängen, so ist anzunehmen, daß der Name Zipfel in Oberselbig in absehbarer Zeit faum erlischt. Er würde auch ohne diese stolze Kirchenstiftung nicht vergessen, denn die Zipfels gehören zu den Leuten, von denen man spricht, sie gehören gewissermaßen mit auf den Präsentierteller der Marktgemeinde Oberselbig. Der Zipfelsdieter war der reichste Bauer von Oberselbig, beisen Bevölkerung aus Bauern, Bäuerlein und Handwerkern besteht. Die Zipfel waren von jeher„ Genaue" gewesen, aver der Dieter schabte niciß Gott mit den Haaren die Haut herunter. Sie waren ja nur darum so groß geworden, weil sie das Kleine zusammenhielten und Großvater und Vater hatten es weitervererbt. Es gab zum Frühftück und Halberabend bei den Zipfels nichts anderes als weißen Käse, einen Laib Brot und Dünnbier, für Knechte, Mägde und Taglöhner und für die Söhne und Töchter der Familie gab es jedenfalls nichts anderes. Trogdem befamen die Zipfel eher Taglöhner wie die fleinen Bauern, wenn die gleich Preßsack und geräuchertes Fleisch 3um Vesper gaben, warum ja warum? Fragt sie, die Taglöhner, sie missen die Antwort selber nicht, missen nicht, daß sie es mit einem gewissen Stolz sagen, daß sie diese ganze Woche beim Zipfelsdieter mit schneiden" müßten und daß sie deshalb beim besten Willen niemand anders aushelfen könnten. So ging es mit allen Leuten in Oberfelbig, Schuster und Schneider, Schlosser und Schmied, alle bedienten sie den Zipfelsdieter zuerst, obwohl er ihnen fein gutes Bort gab und schlechter zahlte als alle andern. Ja, der Frosch friecht ins Maul der Schlange,.mird gefressen und hüpft doch nicht davon. Alle dienten im Grunde genommen dem Dieter, der Schuster traute sich nicht seine höchsten Preise auf die Rechnung zu sehen und der Schmied schweißte nochmal zu sammen und sagte nichts, wenn der Dieter nur einmal bezahlte, was zweimal, brach. denn Der Dieter hätte also ein glücklicher Mann sein müssen, denn er hatte ein stilles braves Beib und sieben gesunde Kinder, aber er hatte mit dieser einen und diesen sieben einen achtfachen Verdruß, was alle andern taten, ohne zu denken und zu murren, taten die Zipfelsfinder nicht. Das heißt, sie arbeiteten schon, der Dieter xiß ihnen ja um vier Uhr in der Frühe die marmen Bir deden weg und schüttete ihnen, wenn das noch nicht half, faltes Waffer über die Köpfe, riß Türen und Fenster auf und fluchte, daß schon jedem das Schlafen verging, aber er spürte es bis ins Blut hinein, fie bewegten sich nur unter seinem 3wang, Arbeit war das nicht. Wie sollte es werden, wenn er einmal nimmer war. Er schnaufte, wenn er das dachte und hätte am liebsten, bei der Frau engefangen, jedes einzelne windelweich geschlagen. NEU WAHL Zum 25. Oktober. Fauft I. Teil. Bergeblich stemmst du dich entgegen, Die Neuwahl will zum Tor hinein Und wird dich von dem Plaße fegen. Das Bolt will wieder frei sich regen Und Herr im roten Hause sein. Adern, Säen, Jahr und ihr Leben hieß, wie das des Dieters Mähen, Binden, Einfahren, Dreschen, jahraus, jahrein. Und dann kam ein Herbsttag, an dem die Morgennebel noch brauten, an dem aber des Dieters Stimme zwischen alle fuhr, wie ein Gewitter. Jeder, der zwei Hände hatte, schulterte den Rechen und als kaum die Sonne durchfam, breiteten sie das Grummel auf die fahlen Wiesen, in denen die blaßvioletten Herbstzeitlosen standen ohne Zahl. Sogar die Mutter mußte heute mit, obwohl ein Sams tag war und das Haus voll Arbeit. Und als sich die grauen Dämmerschleier über die leeren Wiesen legten, sprang der Dieter vom letzten Fuder Heu, schwankte und brach zusammen. Als sie ihn heimfuhren lang ausgestreckt auf dem klappernden Leitermagen, standen die Leute in den Gassen und sahen dem Fuhr. mert nach, mortlos. Und so still war es auch im Hause des toten Dieter. Niemand sprach jeder ging herum und mußte nicht was er tun sollte und dann liefen doch all ihre Gedanken einen Weg des Dieters Weg. Das, woran feines seiner Kinder nur einen Augenblick gedacht er war tot. Was war nun? oder geglaubt, war eingetreten un wahr nichts mehr. In den Wirtshäusern sprachen die Männer vom Dieter. Was hatte er nun, mas war nun? Nichts! Zu was hatte er so geschafft? Was hatte er von seinem Leben? Nichts! Im allgemeinen, wenn einer stirbt, weinen die Menschen- die Leute erzählten sich, daß die Frau und die Kinder trockene Augen hätten! Es war unheimlich. Warum meinten sie nicht wenigstens aus Anstand? Taten dem Dieter zu haben, wie man Mitleid mit jedem hat, der sterben mußte, ohne daran zu denken, daß es einem auch bevorsteht. Sie fanden sich schwer zurecht, nein gar nicht. Die Frau war schuld. Sollte man's glauben, daß ein Mensch an ciner Dummheit fein ganzes Leben lang zu büßen hatte? Er hat fich in fie vergafft, wie er jung war und unerfahren und da sie Geld hatte, hat sein Bater nachgegeben. Der Dummfopf! Einsperren hätte er ihn sollen, am besten mit einer, die ins Zeug paßte, mie man einen widerspenstigen Täuber mit einer passenden Täubio, als ob sie meinten. Ein Teil Oberselbiger fing an Mitleid mit einsperrt, bis er ob aus Zuneigung oder Langeweile, das ist gleich, an zu gurren und zu trommeln fängt. Gefund ist sie, sagte der Alte und Geld hat sie auch und daß sie eine Feinere ist, wird schließlich nichts schaden, du haft ja Knechte und Mägde fürs Feld, läßt die Frau im Haus. Gefund war fie, fieben Kinder hat er, aber jedes schlug nach ihr. Keiner seiner drei Buben hat den breiten 3ipfelschädel mit den scharfen hellgrauen blondüberbuschten Augen, alle sind sie dunkel und braunhäutig und die vier Mädchen sind ebenso. Von Baterliebe war in ihrem Herzen teine Spur und wenn sich der Dieter über ihre Faulheit und Bockbeinigkeit beklagte, dann preßten sie die Lippen aufeinander und gingen. Nur der Aelteste, der Wilhelm, hat einmal geredet und das ist ihm übel bekommen. Der Dieter hat ihm die Sense beim Getreidemähen aus der Hand gerissen und ihm die Breite der Mahd verdoppelt, wobei er über das schmale Säumchen hämte, das er nahm. Dann fragte er ihn, ob er dente, daß die andern, wenn er einst Bauer sei, die Spur breiter nähmen als er? Der Wilhelm, dem der Zorn in den Kopf fuhr, traute sich Antwort zu geben. Er sagte, er sei erst siebzehn und mit jedem Jahr tönne er ja zehn Zentimeter zugeben, da gäbe es eine Dretmeterbreite, bis er einmal ans Ruder komme. Im nächsten Augenblid blinkte etwas Silberhelles sausend durch die Luft. Der Wilhelm hatte sich gebückt und den Wetzstein aufgehoben und so begriff er zuerst nicht, warum die andern mit Augen voller Entsetzen daftanden, die Weiber mit ihren Armen voll Aehren, die Mähter mit schlaffen Händen, denen die Sensen entfielen. Wie der Wilhelm aber auf seinen Bater sah, wußte er, daß eben der Wetzstein oder ein höherer Wille durch ihn, ein schweres Unglüc verhütete. Berachtung umspielte seinen zuckenden Mund und seine dunklen Folgsamsein ans Ganze war, sie sahen nur das nichts. Gingen zu Sie erkannten nicht, daß des Dieters Leben ein triebhaftes seiner Beerdigung und warteten vergebens, daß seine Kinder meinten. Drei Monate nach seinem Tode heiratete die älteste Tochter ein Jahr später waren alle aus dem Haus, die Mutter allein. Sie verpachtete die Felder an fremde Leute, die von vorne anfingen, wie die sieben Kinder des Dieters, ganz von vorne. Ihre Mutter aber ging mit stillem Gesicht in die Mariendreißiger für die verlebten Mitglieder der Familie Zipfel. In ihrem all ihre Kinder schrieben gut. Sie waren Herzen war Friede froh und voll Zukunftsglauben, jedes wollte die Mutter bei sich von dem sie haben Sie aber blieb in dem großen alten Haus Bipfeldieters Stuben wohten, hatten die stille Frau alle gern. einen Teil abvermieten mußte. Die Kinder der Arbeiter, die in des Zwischendrein fuhr sie ein paar Wochen fort, dann kam sie wieder und pflegte ihre Gräber. Und an Ostern oder Pfingsten oder Weihnachten bekam auch sie manchmal Besuch. Dann guckten die Leute im Ort und sagten, eines von des Dieters Kindern ist da. Sie sagten des Dieters Kinder! Wie feltjam! Und waren sie's nicht? Daß sie neu anfingen war es nicht recht, wo sie des Alten müde waren? Dem Dieter würde es nicht passen aber unsere Zeit braucht Dieterskinder die anfangen neu anfangen mitzutun im Karussell der Arbeit. Augen auf den Bater richtend, ſagte er feft ,:„ Was du biſt, will ich Aus der Kulturgeschichte des Heizens. nie werden. Das wollte ich dir noch sagen." „ Undankbarer Lausbub", schrie der Dieter auf, da tönte nochmal die junge furchtlose Stimme übers Feld, so daß es jeder Knecht und jeder Taglöhner verstand:„ Soll ich dir dankbar sein, daß du mich in die Welt gesetzt? Bis der Alte sich umfah, war der Wilhelm schon drüben auf der Landstraße, mie aber der Dieter den andern Morgen in die Bubenfammer polterte, da war das Bett des Wilhelm leer und blieb es auch. In einem Städtchen, acht Stunden mainabwärts, soll er bei cinem Meister das Schreinerhandwerk lernen, so erzählen sich die Leute untereinander, und seiner Mutter schrieb er, daß er anfange ein froher und glücklicher Mensch zu werden. Seine Geschwister aber fagten ihrer Mutter, die ihnen seufzend des Jungen Brief hinlegte, daß sie den Wilhelm beneideten. Aber fortzulaufen, wie der Wilhelm, traute fich feins, fo gingen fie mit, rundherum durchs Der Herbst zeigt uns allmählich ein unfreundlicheres Gesicht, so daß wir mehr und mehr ans Heizen denken müssen. Wer da einfach den Hebel der Zentralheizung einstellt, hat es gewiß gut; aber gar mancher erfreut sich auch an dem luftig prasselnden Feuer im Ofen, der seit so langer Zeit Mittelpunkt und Seele des deutschen Hauses gewesen ist. Die Feuerstelle, die heute ja in die Küche verlegt und von den Heizanlagen getrennt ist, gehört zu den wichtigsten Elementen der Kulturgeschichte, ist die Urzelle der Häuslichkeit, aus der Heim und Wohnung erblühten, und galt in alter Zeit für heilig. So beginnt die Kulturgeschichte des Heizens mit den Uranfängen der Menschheit, und man hat in den Heizanlagen ein sehr bezeichnendes Merkmal für die Hausformen der einzelnen Kulturkreise und Völker erfannt. Im Altertum besaß die Heizung freilich nicht die Bedeutung, die sie später in der nordischen Kultur erlangte. Die Brennpunkte der Geschichte lagen damals in südlicheren Ländern, deren warmes Klima nicht so gebieterisch wie bei uns die Menschen Beilage des Vorwärts سپر Faust II. Teil. Und wer nicht hört, der muß es spüren, Bergeblich ist dein Widerstand. Die Fauft bezahlt dich nach Gebühren Und ichlägt famt deinen falschen Schwüren Am Tag der Wahl dich in den Sand. .. zwang, wirksamen Schutz gegen die Kälte zu suchen. In den ältesten Wohnungen der Menschen brannte das Feuer auf einer Steinplatte und diente zugleich der Zubereitung der Speisen wie der Die Aegypter, die so viele technische Fortschritte in Erwärmung. die Geschichte einführten, dürften wohl auch die Erfinder des fens fein, aber sie benutzten Defen nur zur Fabrikation, und so ist es während des ganzen Altertums geblieben. Zimmeröfen, die zur Heizung dienten, sind weder bei den Griechen noch bei den Römern nachgewiesen. Auch der Schornstein war den Alten unbe fannt. Da sich die Räume des antiken Hauses auf 2 Höfen öffneten, so tann man sich vorstellen, wie sehr der antike Mensch bei dem Mangel an Heizungsvorrichtungen im Winter fror. Er suchte sich durch warme Kleidung zu schützen, griff aber auch gern zu dem Mittel des innerlichen Einheizens". Zum Schuß gegen Kälte dienten sodann den alten Römern, wie noch heute den Italienern, tragbare Feuerbecken und Kohlenpfannen, von denen eine große Anzahl in Bompeji gefunden worden ist. In der römischen Stailer zeit entwidelte fich schon eine richtige 3entralheizung, aber nur für Badeanlagen. Der Erfinder dieser Leitung von heißem Wasserdampf durch hohle Fußböden und Wände soll ein Zeitgenosse des Cicero, C. Sergius Drata, gewesen sein. Die Römer brachten als Eroberer diese Heizform in den kalten Norden mit, aber dort hat sich das Heizwesen ganz selbständig entwickelt. Die drei Urtypen des europäischen Hauses, mie sie noch heute in den Formen des Bauernhauses durchschimmern, schieden fich durch die Anlage des Herdes. Da gab es das vielfach im flami schen Often übliche Herdhaus", so genannt nach dem offenen Herd, dann das„ Kaminhaus" der romanischen Länder und das deutsche Ofenhaus". Diese deutsche Hausform zeigt als fulturgeschichtlich wichtigstes Element den Ofen, der in Urzeiten wohl aus Ruten und Lehm und erst später aus Steinen aufgerichtet wurde. Dieser primitive urgermanische Ofen wurde dann nach der Völkerwanderung durch den römischen Kachelofen ersetzt, der bei den Römern nur zum Ziegelbrennen, Glasschmelzen usw. diente und von den Germanen zuerst für Heizzwecke benutzt wurde. Bir finden zum ersten Male einen solchen Kachelofen als Heizkörper einer Wohnung bei den Langobarden im 8. nachchriftlichen Jahrhundert erwähnt. Aus dem Ofen entsteht der Mittelpunkt des deutschen Hauses, die Stube, wie auch aus der sprachlichen Ableitung des Wortes Stube von dem lateinischen ,, estufa" Dfen zu erkennen ist. Der Ofen bleibt dann in der deutschen Geschichte die Seele der Stube; um ihn herum spielt sich das ganze häusliche Leben ab. Der alte Kachelofen ist stets von außen geheizt worden, von dem angrenzenden Raum aus, von der Küche oder vom Flur. Dies mußte so lange geschehen, als der Ofen keinen Rauchabzug im Schornstein hatte, und Schornsteine gab es im frühen Mittelalter noch nicht. Der Schornstein soll im 12. Jahrhundert in England erfunden worden sein und hängt jedenfalls mit der Anlage des Kamins zusammen, der in der Zeit der ritterlichen Kultur, also im hohen Mittelalter, als Heizvorrichtung Mode wurde. Die Feuerstätte wurde in den romaihr auf dem Dach ein Türmchen an, durch das der Rauch Abzug nischen Herdhäusern immer umfangreicher, und so brachte man über erhielt. Um Raum zu gewinnen, verlegte man dann den Herd von der Mitte des Zimmers an eine Seitenwand und brachte zur 2b= führung des Rauches eine schräg aufwärts führende Deffnung, eine Art Schlot, an. Auf diese Weise ist der Kamin entstanden, der auch in den Ritterburgen des Mittelalters in Deutschland beliebt war, aber doch nur eine falte Pracht blieb, die dem wärmebedürftigen Deutschen nicht genügte. Bürger und Bauern hielten an dem Kachelofen fest, der dann seit dem 15. Jahrhundert immer häufiger mit dem durch die Kaminanlagen befannt gewordenen Schornstein verbunden wurde. Neben den Kachelofen tritt im 17. Jahrhundert der Eisenofen, der sich daraus entwickelte, daß zunächst in Norddeutschland die Heizkästen der Kachelöfen zur Verstärkung innen mit Eisenplatten ausgelegt wurden. Erst mit dem Aufschwung der Naturwissenschaften und Technik ist dann in unserer Zeit eine neue Wissenschaft der Heizkunde entstanden, die uns die vielen Formen der Sparöfen und als eine Wiedergeburt der Antife Zentralheizung bescherte. die Bom Erfinder Zufall. So Großes auch der Menschengeist ge= leistet hat, ihm würden doch viele wichtige Dinge verschlossen geblieben sein, wenn ihm nicht jene gewaltige Macht zu Hilfe gekommen wäre, die wir Zufall nennen. Eine englische Wochenschrift stellt eine Anzahl Erfindungen zusammen, bei denen der Zufall entscheidend mitwirfte. Der zugespitzte Spaten wurde von einem Erdarbeiter erdacht, der die Ecken des bis dahin gebrauchten gewöhnlichen Spatens abschliff, als er in sehr hartem Lehm grub. Der Brand einer Stärktefabrik an den Ufern des Liffey- Flusses enthüllte zuerst die Klebfähigkeit gebrannter Stärke, die mit Wasser, vermischt ist, und führte so zur Herstellung eines neuen und billigen Gummis. Ein Kind spielte mit einer Flasche ohne Boden, als sein Bruder, ein Schweizer Zufällig Mechaniter, mit einer Petroleumlampe experimentierte. setzte er die Flasche über die Flamme und erfand dadurch den Lampenzylinder. Ein Nürnberger Glasschleifer ließ durch Zufall etwas Säure auf seine Brillengläser fallen und erkannte dadurch die Methode, auf Glas zu äzen. Ein Besucher des amerikanischen Yellowstone- Barts stolperte über ein totes Pferd. Das Tier, das schon sehr lange Zeit hier lag, war ganz frisch geblieben. Der Mann fand bei näherer Untersuchung, daß es mit Boray bedeckt war, den man bisher nur zum Stärken der Wäsche verwendet hatte. Auf Grund dieser Beobachtung wurde nun der Borag zu einem überaus wichtigen Konservierungsmittel. Oft erzählt ist die Geschichte von den Kindern eines holländischen Brillenschleifers, die im Spiel zwei geschliffene Gläser zusammenhielten und damit den Anlaß zur Er findung des Fernrohrs gaben. Der Zufall hat auch Senefelder bei Theater Lichtfpiele fw. Volks bühne 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig Morgen 8 Uhr: Wer weint um Juckenack? Staats- Theater Opernhaus 7% U.: Mona Lisa Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr: Zar und Zimmermann Schauspielhaus 8 Uhr.: Peer Gynt Schiller Theater 8 Uhr: Weihnachtseinkäufe- Liebelei Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Carmen Abonnem.- Turnus 4 Deutsches Theater 7 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund Kammerspiele 8 Uhr: Parable will nicht heiraten von Jerome K. Jerome Die Komödie der Erfindung der Lithographie geholfen. Eines Tages, als er einen Stein, um darauf zu äzen, glatt schliff, bat ihn seine Mutter, schnell einmal die Wäsche für die wartende Wäscherin aufzuschreiben. Da er fein Papier zur Hand hatte, schrieb er die Wäscheliste mit Tinte auf den Stein. Als er dann einige Tage später die Schrift wegbringen wollte, tam er auf den Gedanken, fie mit Säure wegzu ägen und entdeckte zu seiner Verwunderung, daß die Schrift stehen blieb. Dies führte ihn auf das Verfahren der Hochägung und dann auf die Lithographie. Durch einen glücklichen Zufall legte Alfred Nobel den Grund zu dem Riefenvermögen, das er später erwarb. Er war in der Nitroglyzerinfabrit seines Vaters tätig, als er 1867 fand, daß eine Rifte ein Loch hatte und sich etwas von dem NitroP. Simmel Der alte Jan, der mind'ge Tropf, Jst stets der Köchin auf den Hacken, Nicht weil sie einen Bubikopf, Nein, weil sie tut mit Landbu backen. Kauft Landbu- Margarine, lest Landbu- Männchens Abenteuer, die neue spannende Halbmonatsschrift Kurfürstendamm 207 Generalvertreter Burghardt& Bohne, Berlin, Landsberger Str. 95 8 Unr Gesellschaft v John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Berliner Theater Gastspiele des Moskauer Künstler- Th. Musikal. Bühne unt Ltg.d. Gründ. u. Hauptreg. 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