Tit. 501 ♦ 42. Jahtg. Jimgabe A Nr. 255 Bezugspreis? Wöchenllick 70 Pfennig, monaMt 8,— Stidjsmatf ootous wSIbai. Unter flceiubanO für Semfdilaita. Damill. Saar, und Mcmelaediel. Oesterreich. Litauen. Luiemdurs «LO Zieichsmark. für das llbrise Llusland S.-0 Reichsmark uro Monat. Der»Sortvarts� mit der Sonntag»» beilane.Boll und ZZeif mit»Sied» luna und Uleinaarten' sowie der ZZeilage �Interbaltuna und Bissen' und ssrauenbeilage»iZrauen stimme' erscheint wocheniSalich zweimal, Sonutaa» und Montag» einmal. Teleoramm-Adresse: »Sozieldemokrat Beel!»' Morgenausgabe Devlinev VolKsvlatt �10 Pksnnis) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. «eile SS Pfennig. Reslamc»«Ue 8.— Reichsmark,„flleinc Rn«i«t»' da- fettgedruckte Wort 28 Pfennig auläfli« zwei fettgedruckte Worte!, jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort 18 Pfennig. lede» weitere Wort 18 Pfennig. Worte über 15 Buch- Kaden güblen für groei Worte. 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Die Gruppe wird s o s o r t i g e Er- örlerung vor der Abstimmung über irgendein Finanzprojekl fordern. In den schon sehr belebten Wandelgängen der Sammer ist das chaupttheina der Diskuffion die finanzielle Situation und die der Regierung zugeschriebenen Sanierungsprojekt«. Es' steht außer Zweifel, daß der Regierung angesichts der k r i t i s ch»n S i i u a. t i o n, infolge des Mißerfolges der Konsolidierungs- a n l« i h e keine andere Wahl bleiben wird, als zunächst ein« neue Erhöhung des Notenumlaufs zur„Einlösung" der in den nächsten Wochen fällig werdenden Milliarden. Selbst eine Kapi- talabgab« würde erst in Monaten die Mittel erbringen, deren man in den nächsten Tagen und Wochen bedarf. Für die Linksparteien ist die entscheidende Frag«, welche Garantien die Regierung dafür zu bieten in der Lage ist, daß diese neu« Inflation nicht nur wirklich die letzte ist, sondern auch durch entsprechende Heran- ziehungderBesitzenden voll kompensiert wird. Hier handelt es sich nicht nur um eine Frage des Programms, sondern zugleich um ein« Frage des persönsichen Vertrauens zu den für die Finanzgobarung Verantwortlichen, und es zeigt sich mehr und mehr, daß C a i l l a u x dieses Vertrauen auf der Linken nicht mehr besitzt. Das Gerücht, daß Eaillaux noch vor dem Zusammentritt des Parlaments zurücktreten werde, wird neuerdings von dessem persönlichen Freunde dementiert. Herr Eaillaux scheint demnach die Absicht zu haben, es auf eine Kraftprob« mit den Parteien der Linken ankommen zu lassen, deren Ausgang diesmal jedoch kaum zweiselhaft ist. Die Fukunst öcs Kartells. Nach dem Parteitag der Radikalen. ZluS Paris wird uns geschrieben: Der Parteitag der Radikalen in Nizza hat. wenn er auch nicht in dem erwarteten Umfang« zu einer restlosen Klärung der innenpolitischen Situation geführt hat, doch immerhin eine ausschlaggebend« Bedeutung über die künftige Orientierung der stärksten Fraktion der Linken gebracht. Sein Verlauf darf nicht nur als eine gewaltige Kundgebung zugunsten des Wiederzu» fammenschluffes des feit Sommer gesprengten Kartells, sondern auch gleichzeitig als eine offensicht'.ich« Verurteilung der (taillauxschen Finanzpolitik, die im Juli zur Spaltung der Linksparteien geführt hat, angesprochen werden. Di« Schoming, die der Parteitag der Person und der erprobten demokrtischen Ge- sinnung des persönlich anwesenden Mi Nisterpräsidenten schuldig zu sein glaubte und die vor allem H e r r i o t und die anderen Führer der Partei dazu bestinimt hat, von direkten Angriffen auf das Kabinett abzusehen, darf auf der anderen Seite nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Resolutionen und Beschlüsse, die der Partei- tag zu den aktuellen Problemen der Innenpolitik angenommen hat, eine unzweideutige Absage an die von der gegenwärtigen Regierung eingeschlagene politische Richtung bedeuten, namentUch in der fest Monaten im Bordergrund des politischen Kampfes stehen- den Frage der Sanierung der französischn Finanzen. Gegen den Widerspruch Eaillaux' und seiner auf dem äußersten rechten Flügel der Partei stehenden Anhänger Hai sich der Partei- tag erfreulicher Entschiedenheit zugunsten der von dem Finanz» minister des Kabinetts Painleves im Bunde mit der Reaktion be- kämpften Besteuerung des Vermögens ausgesprochen Al» im Juli die Kammer sich über einen von den Sozialisten gestellten Antrag auf Einführung einer Kapitalsabgabe zu entscheiden hatte, hat bekanntlich etwa nur die Hälfte der radikalen und radikal- sozialen Abgeordneten für die von den Sozialisten verlangte Matz- »ahme gestimmt, und das war einer der Hauptgründe gewesen, der den Parteitag der Sozialistischen Partei dazu bestimmt hat, die Kariellpolitik zu kündigen und in die Opposition abzuschwenken. Nachdem die radikalsozial« Partei sich nunmehr die sozialistische Forderung pffiziell zu«igen gemacht hat. dürsten die Hindernisse aus dem Weg peräumt sein, auf die die Bemühungen, die Linksparteien erneut zusammenzuschließen, gestoßen sind. Wenn auch die Sozialistisch« Partei zu der dadurch geschaffenen neuen Situgtipn noch, nicht offiziell Stellung genommen hat, so ist doch heute schon saum mehr ein Zweifel darüber möglich, daß sie die Gelegenheit, die gespaltene Einheitsfront wieder zu- sammenzuschweißen, nicht von der Hand weisen wird. Die Folgen dieser politischen Neugruppierung für das Ministerium Painlev« liegen auf der Hand. Ob es zu einer formellen Ka b i- n« t t s k r i s« kommen wird, oder ob Herr Painleve versuchen wird, ihr durch eine Umbildung seines Kabinetts zuvor zu kommen, ist eine Frage, auf die wohl erst die nächsten Tag« eine Antwort bringen können. Als sicher gilt jedenfalls heute, daß zum mindesten Herr Eaillaux aus dem gegenwärtigen Ministerium ausscheiden müßte, wenn dieses erneut auf das Vertrauen der Linken Anspruch erheben will. In den politischen Kreisen wird verschiedent- lich bereits von einem KonzentratÄonskabinett der Linken gesprochen, dem Painlevö, Briand und Herriot angehören und in dem die Führung der Finanzpolitik Herrn L o u ch e u r zufallen soll; doch handelt es sich hier einstweilen um Kombinationen, die zum mindesten als verfrüht erscheinen müssen. Vertrauensvotum für Severins. 229 gegen ISS!— Ter«bgeblitzte RechtSdlvck. Im Preußischen Landtag hat der mit großem Trara an- gekündigte Vorstoß der Rechtsparteien gegen den preußischen Innenminister mit einer Riesenblamage für sie geendet. Trotzdem sie fast den letzten Mann ihrer Frok- tionen zusammengetrommelt halten, wurden die volkspartei- lich-deutschnativnalen Mißtrauensanträge mit 220 gegen 158 Stimmen abgelehnt. 6 Zlbgeordnete— wahr- scheinlich Angehörige der Wirtschaftsportei— haben sich der Stimme enthalten, die Kommunisten gaben keine Stimmzettel ab, obwohl sie anwesend waren, beteiligten sich also überhaupt nicht._. Di« Regierungskoalition— Sozialdemckraten, Zentrum und Demokraten— stimmten geschloffen g e gen die De- monstrationsanträge und begkeiteten die Vertunoung ots Ab- stimmungsergebnisses mit stürnnschem Beisoll! Um die Blamage noch größer zu machen, beantragte nunmehr die Volk spartet gesonderte Abstimmung über das M i n i st e r g e h a l t. Wie erinnerlich, hotten die Kom° nnmisten erklärt, daß sie ihr Mißtrauen gegen das ganze System durch Verweigerung des Sehalts zum Ausdruck bringen würden. Daraus waren die Deutschnationalen sofort freudestrahlend aufgesprungen:„Machen wir, die Mißtrauens- obstimmung wird dadurch überflüssig, aber es ist doch schon, wenn wir mit den lieben Polschcwisten gemeinsam den Severing stürzen können, indem wir ihm sein(Bebalt sperren. Das Ganze war ein noch größerer Schwindel, als die Mißtrauenskomödie. Die Dcutschnationalen hatten ihren Mißtrauensantrag überhaupt erst eingebracht, nachdem sie mit den Kommunisten sich verständigt hotten, daß diese ihn an- nehmen Helsen würden. Um so enttäuschter waren sie dann. als ihnen Pieck die neueste Ekki-Weisheit auseinandersetzte, daß die revolutionären Dolschewisten mit der reaktionären Junker- Partei nur gemeinsam das Ministergehalt verweigern, nicht ober gemeinsam das Vertrauen für den Minister entziehen könnten. Immerhin blieb ja noch die Volkspartei Stresemanns in ihrer preußischen Abart. Die war ja sicher. Die hatte nicht nur«inen eigenen Mißtrauenantrag eingebracht, sondern war ja nach Leidigs Erklärung auch sonst sehr geladen! Aber da ergab sich dos Resultat der Abstimmung: mit 82 Stimmen Mehrheit war der Mißtrauensantrag abgeg- schlagen. Prompt kommt der Antrag auf Sonderabstimmung über das Mimstergehalt. Und nun läßt sogar die Partei des Herrn Leidig, der plötzlich sehr wehleidig geworden war. ihren rechten Rachbarn im Stich. Bei dieser Abstimmung« n t» hieltsichdievolksparteiderStimme, weil, wie Campe erklärte, die politisch« Entscheidung ja schon ge- fallen sei und der neue Antrag nur noch ein« Geste darstelle! So blieben Deutsch nationale und Russisch nationale allein auf weiter Flur. Rur Herr Pinkerneil von der Leidig- Partei stimmte noch mit den Dolschewisten und den Junkern... Die Lage ist also diese: Deutschnationale. Volkspartei und vermieden. In beiden Fällen bandelte es sich nur um eine „Geste". Das eine Mal verhinderten die Kommunisten, das andere Mal die Volkspartei ein« klare Entscheidung. Man kann nur annehmen, daß beiden gemeinsam die Angst oor Neuwahlen in den Gliedern steckt. Sie suchen noch außen den Schein zu wahren, als ob sie schärfste Opposition machten, in Wirklichkeit aber haben sie Furcht vor der eigenen Courage. Sie wissen wohl warum. Und der 25. Oktober wird ihnen in Berlin wie in Baden dieses Wissen noch verstärken! Wähler von Groh-Berlin! Am nächsten Sonntag werdet Zhr Gericht hallen über die deukschnationaken Volksbek rüger und ihre nalionalliberolea Helfershelfer! Wahltag sei Gerichtstag! Nein!- Mo: Jal Die Minister find schon umgefallen, die andere« werde» folgen. In einem polltischen Kreis, der die Anhänger aller poli- tischen Parteien in sich vereinigte, fiel über den neuesten Be- schluß der deutschnationalen Reichstagsfraktion das witzige Wort:„Richtkenner könnten ihn bedenklich finden."„Wir aber sind alle Kenner!" tönte darauf die Antwort, von fröh- lichem Gelächter begleitet. In der Tat, wir sind alle Kenner! Wir erlebten es, wie Herr H e r g t am 28. August 1924 erklärte:„Hier stehe ich, ich kann nicht anders", und am 29. Slugust 1924 konnte er doch anders. Ja, an diesem 29. August selbst, bei der Ab- stimmung über die Dawes-Gesetze, hielten 51 dcutschnationale Abgeordnete die rote Neinkarte in der einen Hand, während sie mit der anderen die weiße Jakarte abgaben. Was kann es also bedeuten, wenn die Deutschnationalen in ihrer neuesten Erklärung die rote Neinkarte schwenken— was kann es anderes bedeuten, als daß die weiße Jakarte schon bereitliegt, mit der sie für den Vertrag von L o c a r wo stimmen werden! Was wir am Donnerstag, den 22. Oktober, erlebten, war nichts als eine Wiederholung des Spiels vom 29. August. Die Deutschnationalen werden nicht umfallen, sie sind es schon, allerdings nicht im Auswärtigen Ausschuß, sondern im Ka- binett. WTB. verkündete am Donnerstag:„Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister werden in der Donnerstags- sitzung des Auswärtigen Ausschusses die Stellungnahme derReichsregierung vertreten." Was diese Er- klärung bedeutet, geht aus einem Vorkommnis im Aus- wärtigen Ausschuß hervor, das nicht mehr unter den Schuß des Geheimnisses fallen kann, nachdem die deutschnationale „Deutsche Tageszeitung" darüber, allerdings in entstellter Form berichtet hat. In Wirtlichkeit trug sich folgendes zu: Genosse B.r e i t s ch e i d stellte an Herrn Stresemann die Frage» in wessen Nomen er gesprochen habe, ob im Namen der Delegation für Locarno oder im Namen des gesamten Reichs» kabinetts. Er fragte weiter, ob Herr Schiele und die übrigen deutschnationalen Minister den Standpunkt Stresc- mann? teilten oder den ihm diametral entgegengesetzten des Grafen Westarp. Daraufhin gab der Reichskanzler Dr. Luther durch einen Zwischenruf wörtlich folgende Er- klärung ab: Der Herr Außenminister hat aus Grund eine» einstimmig«« kabioeltsbeschlusses berichtet. Herr Stresemann war also vom Kabinett e i n st i m m i g bevollmächtigt, die Erklärungen abzugeben, die er im Aus- wärtigen Ausschuß abgegeben hat. Dos Kabinett hat sich e i n st i m m i g— unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten v. Hindenburg— zu den Vereinbarungen bekannt, die Luther und Stresemann in Locarno getroffen haben. Schiele, Schlieben, Neuhaus, Kanitz haben sich einmütig hinter Luther und Stresemann gestellt. Herr Schiele war bis zu seinem Eintritt in die Re- gierung Vorsitzender der deutschnationaien Reichstagsfraktion. Die drei anderen Minister sind Vertrauensmänner der Deutschnationalen Partei. Aus den Erklärungen der Rechts- presse selbst geht hervor, daß das Kabinett zu keinem Be- schluß über Locarno kommen konnte, weil es auf die Eni- icheidung der deutschnationalen Reichstagsfraktion wartete. Am Mittwoch abend tagte diese Fraktion, und am Donners- tag morgen billigten Schiele, Schlieben, Neuhaus, Kanitz einmütig die Abmachungen von Locarno, stellten sie sich einmütig hinter Luther und Stresemann. Zugleich hat die deutschnationale Reichstagsfraktion jene Erklärung be- schlössen, die für„Richtkenner" bedenklich aussieht, weil sie wie ein Derdammungsurteil über Locarno aussieht und dabei alle Hintertüren offenläßt. as ist geschehen? Es ist unter Anpassung an die ver- änderten Umstände genau dasselbe Taschenspielerstück aus- geführt worden wie am 29. August vorigen Jahres. Bis zu dem Augenblick der allerletzten Entscheidung schwingt man die rote Neinkarte, im letzten Bruchteil der Sekunde, der noch übrig bleibt, wechselt man die Farbe. Der Augendsick der Ab- stimmung im R e i ch s t a g ist ja noch nicht da. also kann die deutschnationale Fraktion noch den wilden Mann spielen. Im Kabinett war die Entscheidung nicht mehr aufzuhalten— da fielen die vier Deutschnationalen um wie ein Mann. Scheinbar ist nun die Situation so: Die deutschnatio- nalen Minister sind von ihrer Fraktion desavouiert. Minister und Abgeordnete stehen scheinbar in zwei verschiedenen Lagern. Die Minister sagen Ja, haben schon Ja gesagt, die Abgeordneten tun so,' als sagten sie Nein. Das ist Theater, schlechtes Theater! Das ist ein Stück, das schon einmal durch- gefallen ist. Die deutschnationale Fraktion„erklärt schon setzt, daß sie keinem Vertrag zustimmen wird, der den deutschen Lebens- Notwendigkeiten nicht gerecht wird und insbesondere einen Verzicht auf deutsches Land und Volk nicht ausschließt". Also ist der Vertrag, wie er in Locarno pera- phiert wurde, ein vertrag, der den Lebensnotwendigtelte« des deutschen Volkes nicht gerecht wird und der einen Ver- zicht auf deutsches Land enthält? Aber diesem so gekenn- �ichneten Benrag haben die deutschnationalen Führer im Kabinett— mit Ermächtigung der Fraktion— schon ihren Segen gegeben. Die anderen werden folgen, sobald die Reihe an ihnen ist, abzustimmen, sobald es für sie heißt: „Vogel friß oder stirb!" Die Deutschnationalen tun jetzt so, als verlangten sie neue Verhandlungen. Aber, so kindisch sie auch sind, s o kindisch sind sie doch nicht, daß sie neue Verhandlungen für möglich halten könnten. Die Verträge enthalten, wie sie wissen, die Klausel„ne vgxietur", i». h.„es darf nichts geändert werden". Luther und Stresemann haben sich in Locarno der anderen Seite gegenüber verpflichtet, für die Verträge, so wie sie sind, einzutreten, wie das Chamber- lain, Briand und Vanderoelde in ihren Ländern gleichfalls tun werden. Sie würden wortbrüchig werden, wenn sie anders handeln wollten; neue Verhandlungen würden gar nicht zu standekommen, schon das offiziell geäußerte Verlangen nach ihnen würde alles zerschlagen. Tatsächlich denken Luther und Stresemann nicht einmal im Traume daran, der unsinnigen Forderung der Deutschnatio- nalen nachzukommen. Sie lehnen sie ab und befinden sich damit wiederum im Einvernehmen mit den deutschnationalen Ministern Schiele, Schlichen, Neuhaus und Kanitz! Es sind eben nur Schein forderungen, dazu bestimmt, denen, die nicht alle werden, Sand in die Augen zu streuen.„Man so duhn", sagt man in Berlin. Die Ueberwindung des politischen Gauklertums, das sich deutschnationale Posttik nennt, ist eine Angelegenheit nicht nur der Moral, sondern auch der Intelligenz. Wenn die Deutsch» nationalen schließlich doch für Locarno stimmen werden, dann sollte, denken wir, wenn nicht für alle, so doch für Millionen der Zeitpunkt gekommen sein, an dem sie anfangen zu be- greifen. Der Vertrag von Locarno wird angenommen werden. Die Deutschnationalen aber werden daran zugrunde gehen, daß sie die Dummheit der Menschen überschätzt haben. Westarps Wähler. Der Landesverband Potsdam II der Deutschnationalen Volks- partei faßt« in seiner gestrigen Sitzung folgende Entschließung: Der Vertrag von Locarno mit seinem Verzicht aus beut- s ch c s Land im Paragraphen 1, seiner Verewigung des Ver- sailler Diktats und des Londoner Paktes im Paragraphen K, seiner Preisgabe des deutschen Ostens durch die Schieds- vertrage, seinem hattlosen Versprechen für den Westen, ist, zumal bei seiner tatsächlichen Unkündbarkeit, für den Landesverband Potsdam ll der Deutschnationalen Dolkspartei gerade In allen diesen Hauptpunkten völlig unannehmbar. Der Landesverband fordert deshalb vom Parteivorstand, den Landes- verbandsvorfitzenden und der Reichstagsfraktion die rückhalt- lose Ablehnung dieses oder eines ähnlichen Ver- träges im vollen Bewußtsein für alle Folgen, die hinsichtlich des Bestandes der gegenwärtigen Reichsregierung daraus entstehen. Die Volkspartei mißbilligt Republikaner. Vorstotz der Volkspartei gegen ihren Darmstädter Bürgermeister. Darmfladt, 22. Oktober.(Eigener DrnbtSericht.) In Darmstadt -ist es zwischen der Deutschen Volkspartei und dem Ober- bürgermeister Dr. Glässing. der Mitglied der Volkspartei ist, zu einem schweren Zerwürfnis gekommen. Die Partei hat dem Oberbürgermeister in einem offenen Schreiben ihr Mißtrauen ,zmn Ausdruck gebracht. Der Oberbürgermeister antwortete ebenfalls in einem offenen Brief. In ihm wies er u. a. darauf hin, daß dr die Interessen der Stadt und nicht die seiner Partei wahr- zunehmen habe. Die Deutsche Volkspartei begründet nunmehr ihr Mißtrauensvotum in einem offenen Antwortschreiben wie folgt: die Erhebung. von Haus Kafka. In einem ausändischcn Kino war Festoeranstalmng— ein hochpatriotischer Film wurde vorgeführt. Mitten drin erschien plötzlich das Bild des Königs auf der Leinewand. Sein Schnurr- bart glänzte vor Würde und Kriegslust und all die vielen Orden auf serner Brust, mit denen er von seinen Berusskollegen geschmückt worden war und andere, die— seiner außerordentlichen Verdienste wegen— er sich selber verliehen hotte, glänzten ordentlich mit. Eine glänzende, eine— wie der technische Ausdruck lautet—, eine erlauchte Erscheinung aus der breiten Projektionsfläche, etwas flächig, natürlich— dos schadete aber den in der Mitte sitzenden Leuten nichts. Bloß, wenn man sie schief, d. h. von der Seite ansah, sagen wir von der äußerste« Linken, kam sie in eine etwas kuriose, etwas seltsam verzerrte Beleuchtung. Doch davon wollen wir später reden. Die Kinokapelle begann sofort den Königsmarsch zu intonieren. Es war ein erhebender Augenblick. Die Gesamtheit der anwesen- den Untertanen erhob sich denn ouch von ihren Sitzen. Da sich ober darunter auch die auf der Galerie miterhoben, das richtige Volk, das sich mit seine,, Einkünften keinen feinen Sitz dort unten zu Füßen der glänzenden Erscheinung leisten konnte, geschah etwas Peinliches: sie gerieten selber in den glänzenden Lichtkreis des Projektionsapparates, so daß von der Lcinewand das dort befind- liche Bild ougenblicks verschwand und statt dessen, riesengroß, fast dräuend, die schwarzen Schatten von Arbeiterköpfcn erschienen. Das war nicht der Zweck der Uebung. Einige setzten sich sofort wieder erschrocken nieder.„Aufstehen!" schrie ein Offizier.„Niedersetzen!" schrie der Kinoopcrateur.„Höhö" antworteten einige schlechte Untertanen.„Ihr beide scheint die Smatinn noch nicht zu verstehen." Ihr seelischer Zustand war ein- fach: sie freuten sich. Die guten Untertanen dagegen waren in einem komplizierten Dilemma: Blieben sie stehen— ja. dann war es ja gar nicht mehr nötig, stehen zu bleiben, denn das Bild des Königs war dann nicht mehr vorhanden. Setzten sie sich aber des- halb nieder, dann war es Untcrtanengebot, sich sofort zu erheben: denn sofort erschien wieder das Bild des würdigen und kriegerischen Königs. Was um Himmelswillen sollten sie in dieser Zwickmühle anfangen? Im Parterre sahen zwei Deputierte der Königspartei. Der eine war Idealist. Er sagte:„Ich sehe keine Silhouetten von Ar- beiterköpfen, Ich sehe kein Volk. Ich sehe einfach nichts. Ich sehe, ganz wie vorher, immer nur das Bild des Königs vor mir."— „Nein", sagte sein Freund, der praktischer dachte,„so kann man das Problem nicht lösen. Das Problem steckt in dem völlig sinnwidrigen Brauch, daß sich dos Volk zum Zeichen der Verehrung just erheben muß. Erheben! Es ist immer gefährlich, wenn das Voll „Wir erinnern Sie daran, daß wir schon vor längerer Zeit an- läßlich Ihrer Bemühungen, in der Stadtverordnetenversckmmlung einen Platz der Republik durchzusetzen, in einer sehr ernsten Aussprache den politischen Gegensatz zu Ihnen seststelleir mußten. Sie haben sich damals zwar darauf berufen, daß andere Ober- bürgermeister, die der Deutschen Bolkspartei angehören, in ähnlicher Weise vorgegangen sind. Nun haben Sie neuerdings den Gegen- satz auf das schärfste öffentlich hervortreten lassen, daß Sie gegen- über sozialdemokratischen Angriffen wegen Nichtbeteiligung der Stadtverwaltung an der Reichsbannertagung in Darmstadt sich ausdrücklich entschuldigen zu müssen geglaubt haben, und zwar in einer Weise, die Ihr Ansehen in weitesten Kreisen der Bevölkerung untergraben hat. Ein solches Verhalten des Ober- bürgermeisters, der aus unseren Reihen hervorgegangen ist, vermögen wir nicht mehr zu decken, und haben Ihnen deshalb zur Vermci- dung schädigender Rückwirkungen auf uns selbst unsere M i ß b i l l i- gung ausgesprochen." Eberts Grabmal. Enthüllung am Zt. Oktober. Nach einer bei der Stadtverwallung in Heidelberg eingegange- nen Mitteilung des Bureaus des Reichspräsidenten soll das Grab- mal Friedrich Eberls der Obhut der Stadt Heidel- berg nicht am 1. November, sondern bereits am ZI. Oktober übergeben werden, allerdings unter der Nor- aussetzung, daß bis dahin die Arbeiten beendigt sind. Bis zur Stunde steht noch nicht fest, w e r an der Feier im Auftrage der Reichsregierung teilnehmen wird. Bisher ist nach der „Vosi. Ztg." nur bekannt, daß Frau Luise Ebert und ihre Kinder bei der Uebergabe zugegen sein werden. Trothas Erinnerungen. Getrübt und ungenau. Zu der Aussage des Admirals v. Trotha im Münchener Dolch- stoßprozeß tellt uns Genosse K u t t n e r mit: „Herr Admiral von Trotha hat über eine Unterredung aus- gesagt, die er im November 1918 in der Redaktion des„Vorwärts" mit mir über den Sinn des letzten Flottenvorstoßes gehabt habe. Da ich in derselben Sache als Zeuge geladen bin, so will ich mich zu der Darstellung des Herrn Admiral o. Trotha fach- lich einstweilen nicht äußern. Trifft der Bericht zu, so hat Herr v. Trotha selber zugegeben, daß seine Erinnerungen an dieser Unterredung bereits verblaßt und ungenau sind. Meine Erinnerung ist noch sehr fest und wird durch gewisse urkundliche Belege unterstützt. Ich werde nicht verfehlen, den Inhalt der Unterredung nach meiner genaueren Erinnerung dem Gericht vorzutragen und kann vorläufig nur davor warnen, aus der einseitigen und ungenauen Darstellung des Herrn Admirals v. Trotha irgendwelche Schlüsse auf den tatsächlichen Her- gang der Unterredung zu ziehen." Cohmanns Zeuge«. München, 22. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Berliner Landgerichtsrat D o b r i n g führte im Coßmannprozeß weiter aus: Mit der gleichen Sicherheit, mit der ich sagen kann, daß die Sozial- demokratie gegen die Meuterei war, muß ich behauplen, daß olles. was vorgekommen ist, zurückzuführen ist auf Leute, die sich als An- Hänger der USP. bekannten. Der Kopf der Organisation war, wenigstens nach der Angabe des Matrosen Reichpietsch, im Fraktion?- zimmer der USP. im Reichstag, die Abgeordnelen Dittmann, Haase, Ledebour und Vogtherr. Der kritische Punkt, um den sich die ganze Sache drehte, war die Konferenz von Stockholm am IS. August 1917. Der Zeuge schildert dann ausführlich den Verlauf der Meuterei auf den Schiffen„Prinzregent Luitpold",„Westfalen",„Friedrich der Große" und die Tätigkeit der„Rädelsführer" R e i ch p i s t s ch, Köwes, Sachse und Beckers. Letzterer hat in seiner Aussage erklärt, daß sie entschlossen waren, das, was sie als den Willen der USP. kannten, mit Gewalt durchzusetzen, nämlich die sofortige Herbeiführung eines Friedens ohne Annexionen und Kriegsentschädigung.„Nach meiner heutigen Auffassung haben die überhaupt sichtbar wird. Es ist am gefährlichsten, wenn der Kopf des Volkes oben ist. Die orientalischen Könige sahen ihn viel lieber vor sich im Staub liegen. Die schreckliche Situation da im Kino hätte sich erspart, wäre dieser Brauch auch hierzulande üblich. Ich werde demnächst einen diesbezüglichen Antrag stellen." Aber selbst diese Aussicht konnte die Situation für den Moment nicht lösen. Einzig und allein der Königssilm selber, der unaufhalt- sam weiterrollte, seinem Ende zu, um dann der Komödie„Jack, der Abenteurer" Platz zu machen. Die„gefährliche' Silöung. Von Dr. Alfred K o r a ch. Ein ganz merkwürdiger bevölkerungspolitischer Sachverständiger und Schulpolitiker in einer Person ist zweifellos der Leipziger Hygieneprofessor Kruse. Er äußerte sich vor kurzem zur Frage der„Fortpflanzung der Tüchtigen" aus einer Tagung ia Bonn in folgender Weise: Eine Forlpflanzung der Tüchtigen sei heute besonder» nötig. well feststehe, daß gerade sie dem Zuge der Welt nach künstlicher Geburtenbeschränkung am meisten nachzugeben pflegten. Neben der Frühehe empfahl nun Herr Kruse, man möge„st a n d e s- gemäße Kinde rzulagen trotz der heute bestehenden Sucht zur Gleichmacherei bewilligen". Offenbar hält er die Ge- Währung derartiger Zulagen für die Arbeiter, Angestellten und die Beomien der umeren Besoldungsgruppen nicht für erforderlich.� Es kommt aber noch besser. Herr Kruse meint:„Diese Förde- rung der Tüchtigen darf aber nicht, wozu heute große Neigung be- steht, zur künstlichen Züchtung eines gebildeten Proletariats ausarten." Diese Sätze sind offenbar gedacht als Aufschrift für die Pforte der„freien Bahn der Tüchtigen",„wie Herr Professor Kruse sie auffaßt", erdacht nach dem alten zaristischen Grundsatz von der Gefährlichkeit der Bildung! Dann heißt es aber in den Kruseschcn Leitsätzen weiter:„Gewiß enthalten auch die ungebildeten Klassen viele wertvolle Anlagen, ihre Entwicklung soll man unterstützen. Wenn man aber alles, was über dem Durchschnitt steht, von den Volksschulen auf die höheren Schulen schickt, erschöpft man nur die Kraft, die in den Massen steckt." Die breiten Mafien nannte man bisher Arbeiter. Angestellte, Bauern oder auch kurzweg Proletariat. Herr Professor Kruse nenm sie„die u n g e b i l d e t e n K l a s s e n". Für dies« freundliche Bezeichnung ist das Proletariat Herrn Kruse nicht gerade zu Dank verpflichtet. Was die Volksschullehrerschast zu dieser Aeußeruna sagt, muß man abwarten. Hossenllich belehrt sie Herrn Kruse, daß es im deutschen Reich keine Analphabeten gibt, und nimmt die Gelegenheit wahr, auf die Güte der deutschen Volksschule hinzu- weisen, die ja von den ungebildeten Klassen" besucht zu werden pflegt. Vielleicht hört Herr Kruse dann auch wieder einmal die schöne Geschichte, wie der preußische Dolksschullehrer den Krieg 1870/71 gewann. Dann wird er vielleicht seine Meinung über die „Unbildung" der Arbetterbevölkerung nachträglich ändern. An politischer Bildung und Schulung werden sich bestimmt viele genannten Abgeordneten der USP., zu denen sich noch Frau Zieh gesellte, die ganze Meuterei vielleicht nicht inauguriert, aber in jeder Weise beeinflußt und gefördert. Auch der Redakteur der.Leipziger Volkszeitung" Herr« ist damals stark hervorgetreten."— Das Gerichtsverfahren gegen die Meuterer endete bekanntlich mit der Erschieß img von Reichpietsch und Köwes, die anderen Angeklagten er- hielten zusammen über 200 Jahre Zuchthaus. Auf eine Frage des R.-A. Pestalozza, warum gegen DIlkmann und Genossen durch den Obermchs- anwait nicht wegen Landesverrat vorgegangen wurde, erklärt der Zeuge: Das Marinegericht oersuchte diese Anklage zu er- wirken, ist aber aus politischen Gründen nicht durchgedrungen. Der Oberreichsanwalt sagte, daß er nur im Auftrage des Staatssekretärs des Reichsjustizamtes handeln könne, und dieser Auftrag erfolgic niemal. Nach einer nachträglichen Untersuchung äußerte der Ober- reichsanwalt: Der äuße.e Tatbestand von Landesverrat sei Zweifel- los gegeben, für den inneren Tatbestand könne er aber Zwingendes nicht nachweisen. Jedenfalls sei die moralische Mitschuld der UsP.- Abgeordneten gegeben. Der Zeuge zitierte dann aus einem Protokoll einer Sitzung des Reichskanzlers mit einer Reil)« von Abgeordneten(22. August 1917) verschiedene Einzelheiten. Der Abgeordnete Ebert sagt« damals, jeder Versuch, die Landesverteidigung zu stören oder zu schwächen, sei nicht billigenswert. Da auch Admiral von Trotha bei dieser Sitzung im Reichskanzlerpalais anwesend war, wurde er nochmals aufgerufen und erklärte, daß er in jener Sitzung gesehen habe, w:s die führenden Persönlichkeiten der Sozialdemokratie zwar soschnell wie möglich den Frieden wollten, wie jeder andere auch, daß sie aber gleichzeitig den Widerstand des deutschen Volkes in der heiligen Verteidig�ig des Vaterlandes zur vollen Geltung gebracht haben wollten. � � � R.-A. Pestalozza: Sind dem Zeugen Tatsachen über den Umfang der USP.-Organisation in der Marine 1917 bekannt? Zeuge D o b r i n g: Alst Sicherheit kann ich nichts angeben. Soviel ich mich erinnere, kommen 12 000 bis 14 000 Mann in Frage. P e st a l o z z a: In dem Magdeburger Rothardt-Prozeß hat der Abgeordnete D i l t- mann als Zeuge erklärt, daß er nie an der Meuterei in der Flotte teilgenommen habe. Ich beantrage deshalb, den Abg. Dittmann als Zeugen zu bitten und ihn zu lad eil.. Als nächster Zeuge wird dann der ehemalige Kontreadmiral Heinrich vernommen, der von 1916 bis zum Schluß des Krieges Chef der gesamten Torpedostreitkräfte war. Er erklärte ausdrücklich unter seinem Eid, daß er in seinem Befehlsbereich bis zum Kriegs- ende niemals ein« Mißstimmung erlebt habe und daß auch die mUi- tärischen Leistungen seiner Truppe bis zum Schluß sich in auf- steigender Kurve gelitten hätten. Gerüchtweise sei ihm osler Mit- teilung von Unterwühlung der Marine durch gewisse politische Pgr- teien gemacht worden und er habe die Ueberzeugung, daß diese Wühlarbeit planmäßig und von langer Hand vorbereitet worden war. Er für seine Person hatte diese Dinge für absolute Wahrheik, aber beweisen könne er sie nicht. Einzelheiten über Sabotage und Meuterei erzählte dann der Zeuge aus den letzten Tagen des Oktober, wo bekanntlich die Mannschaften der Schiffe „Tann",„Dersslinger".„Markgras".„Kronprinz" und„Thüringen" sich weigerten, zu dem-beabsichtigten Vorstoß in den Kanal aus- zufahren.... Wes Geistes Kind dieser Zeuge ist, guig mit aller Deutlichkeit aus der Beantwortung von Fragen des Verteidigers hervor. Er erklärte unter seinem Eid, daß nach seiner Kenntnis Scheidemann und seine Darlei im Zuii 1913 die Knegskrediie verweigert hätten.(I!). Auf Vorhalt schränkte er sein- Aussage dann dahin ein, daß Scheide- mann damals jedenjalls eine Hetzrede gegen die Kriegstredite ge- halten habe; ob er gegen sie gestimmt habe, wisse er nicht mehr genau. Da seine weiteren Aussagen stets eine deutliche Spitze gegen die Sozialdemokraten enthalten, fragt ihn Dr. H i r s ch b e r g. ob er denn keinen politischen Unterschied zwischen Scheldemann und Liebknecht kenne. Darauf erklärte der Herr KoMreadmirol:„Glei-yc Brüder, gleiche. Kappen! Scheidemann ist gleich Liebknecht!" Am Schluß wußte dieser.?lolieosührer nicht einmal, von wem das sofortige verlangen nach ltzafseastillfland am 29. September 19l3 ausgegangen war, ob von der Obersten Heeresleitung oder von der Reichsregicrung. Noch seiner Meinung habe dieses Angebot an die Feinde auf die Haltung der Truppe und der Marine auch gar keinen Einfluß ausgeübt? Nächste Sitzung Freitag._ Katharina v. Oheimb, die frühere volksparieiliche Abgeordnete ist der WirtfchaftSpartei beigetreten. Tausend« von Arbeitern mit zahlreichen Profefioren messen können! Weiter sei bemerkt, daß kein vernünftiger Kuttrn Politiker jemals verlangt hat. einen übermäßig großen Teil der Schüler auf die höheren Lehranstalten zu schicken. Heutzutage hoben aber immer noch zahlreiche hochbegabte Schüler, die aus der Arbeiter» klafie stammen, keine„Freiheit des Zutritts" zu den höheren Schulen. Dieses schreiende Unrecht der Jetztzeit gilt es zu beseitigen. Wenn demgegenüber Herr Professor Kruse davon spricht, man strebe danack), alles,„was über dem Durchschnitt ist", auf die höheren Schulen zu schicken(offenbar denkt er an sozialdemokrattsche Kreise), so kann man darauf nur antworten: Herr Kruse kennt die heutigen Verhältnisse auf diesem Gebiete vermutlich gar nicht ge- nügend: seine Aeußerungen hierzu sind jedenfalls nicht gerade„über dem Durchschnitt". Dieser Umstand bildet ja aber kein Hindernis dafür, daß der Reichsinneimiinittsr, Herr Schiele, einen so werbekräftigen Mann wie Herrn Professor Kruse als Mitarbeiter für die weitere Aus- gestnllung des herrlichen neuen Aeichsichulgesetzentwurfs gewinnt. Warum auch nicht? Wäre Herr Professor Kruse überdies weiter entfernt von der Attersgrenze, als er es ist, und seines Zeichens nicht Arzt, sondern Pädagoge, so würde er sicherlich nach dem Geschmack der Reaktion auch einen samosen Berliner Stadt- s ch u l r o t abgeben........ Gesellschaft ehemaliger politischer Gefangener. Die große Um- wälzung in Rußland brachte mit dem Sturz des Zarismus zahlreickicn Gefangenen die Freiheit, die wegen revowtionärer Umtriebe ein- gekerkert waren. Diese ehemaligen Gefangenen haben eine Gesell- schaft gegründet, die jetzt in dem Sowjetstaat mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Bor kurzem hat sich dieser Verband veranlaßt gesehen, eine genaue Sichttmg der Mitglieder vorzunehmen, da der Verdacht bestand, daß auch Verbrecher sich der Gesellschaft unter der Vorspiegelung angeschlossen hatten, daß sie wegen politischer Ver- gehen eingekerkert bzw. nach Sibirien verbannt gewesen wären, während es sich tatsächlich um gewöhnliche Kriminaloerbrechen ge- handett hotte. Auf Grund dieser Untersuchung sind 791 Personen aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden, die zwar keineswegs alle Kriminaloerbrechen begangen. hatten, aber doch aus verschiedenen Gründen als ungeeignet zur Mitgliedschaft befunden wurden. Zu diesen gehörten u. a. 170 Personen, die seinerzeit Begnadigungsgesuche an die Zarenregierung gerichtet hatten. Es verbleiben nun- mehr in dem Verband« 1620 Personen. Diese haben zusammen 10 036 Jahre in Gefängnissen bzw. in den Bergwerken Sibiriens verbracht. Die Gesellschaft will jetzt ein Museum gründen, in wel. cbem das Leben der Sträflinge in der sibirischen Verbannung durch Bilder, Dokumente usw. dargestellt werden soll. Dle Z«b«m».Zlravtz.5eIer in der S t S d t i s ch e n O V e r am 24. d. TO. erhält eine besondere Anziebungelraft durch die Mitwirtung der Kammer- sävgerin Elisabeth Schumann- Wien, die siir die erkrankte Frau Claire Dur eingesprungen ist und die Rolle der Adele fingen wird. Eine Screicherung erfäbrt da« Piagramm durch die endgültige Zuiaae von Lucie Kieselhausen- Wien, die den„Plauen- Donau- Walzer' tanzen wird. Die Galerie). ilasper, Kurfürfienbamm 233, eröffnet eine AuZfellung von Gemälden von Lore Feldberg- Hamburg. Außerdem tverden Leichuuoge» deutsch er Smprejstonijte» gezeigt. Der autonome Generalzolltarif. Tie fvzialpolitische Gefrierfleischfrage. Die Bearbeitung des umfangreichen Zolltarifwerkes, das über lM> Positionen enthalten wird, schreitet nur sehr langsam vor- wärts. Wie der Reichsdienst der deutschen Presse erfährt, gehen die Verhandlungen mit den Jntercsienverbänden nicht so voran, wie es gewünscht werden müßte. Es wird daher daran gezweifelt, ob es möglich sein wird, das endgültige Zolltarifgesch so rechtzeitig abzuschließen, daß«s bis 31. Juli 1V27. bis zu dem Tage also, an dem die Zolltarifnovelle außer Kraft tritt, parlamentarisch erledigt ist. Man rechnet daher mit einer Verlängerung der Geltungsdauer der im Sommer verabschiedeten Zollvorlage Auf Grund statistischer Feststellungen hat der Reichstag ein zollfreies Cinfuhrkontingent von 90 000 Tonnen Gefrierfleisch bewilligt. Es hat sich nun herausgestellt, daß diese Menge für den deutschen Bedarf nicht zureicht. Es liegen bisher schon Anträge auf Einfuhr von über 200 000 Tonnen vor, wobei die beantragenden Firmen nachweisen können, daß sie Im Vorjatre schon ähnlich? wie die jetzt nachgesuchten Mengen eingeführt haben. Da aber die Grenze von 90 000 Tonnen gesetzt ist, werden nur Teile des deutschen Gefriersleischbedarses gedeckt werden können. Defizit im ThürinDer Etat. Tie j?inanzwirtschaft der OrdnungSbundregicrung. Weimar, 22. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Dem t h ü r i n g i< fchen Landtag ist dieser Tage der chaushaltsp'an für 192S zu- gegangen. Danach beziffern sich die gesamten ordentlichen Aus- gaben des Landes Thüringen im Voranschlag auf 113,56 Millionen gegen 95,87 Millionen im Jahre 1924. Das bedeutet eine Steige- rung der Ausgaben um 19,69 Millionen. Im außerordentlichen Haushaltsplan sind 15 684 Millionen eingesetzt. Die Steigerung der Ausgaben hat ihren Grund im Mehrbedarf für per- sönliche Ausgaben. Dabei brachte der Beamten- a b b a u in Thüringen den Wegfall von 778 Beamte und 675 An- gestellten. Das macht unter Berücksichtigung der Pensionskosten eine Ersparnis von 2,7 Millionen Mark. Eine Forderung des Innenministers, die Landespolizei von 1200 auf 1300 Beamte zu er- höhen, wurde fallen gelassen. Mit der Durchführung der Auf- Wertung in Thüringen sind 40 nicht planmäßige Beamte beschäftigt. Auch die Einnahmen weisen durchweg eine erhebliche Steige- rung auf. Trotzdem reichen jedoch die veranschlagten Einnahmen nicht zur Deckung der Ausgaben aus. Die gesamten Staats- einnahmen sind auf 102 517 Millionen veranschlagt. Hiervon cnt- fallen 57 799 Millionen auf Steuern, und zwar 32 549 Millionen auf den Landesteil an den Reichssteuern, 24 500 Millionen auf die Landessteuern und 750 000 M. auf die Zuschläge zur Grund- rrwerbssteuer. Da es bisher Thüringen noch nicht gelungen ist, zu erträglichen Bedingungen Anleihen aufzunehmen, sind die außer- ordentlichen Ausgaben bis jetzt zum größten Teil ans laufenden Einnahmen bestritten worden. Das hat dazu geführt, daß die ordentlichen Betriebsmittel der Landeshauptkass« fast er- schöpft sind und die geordnete Fortführung der Finanzwirtschaft des Staates sehr erschwert ist. Berufskrankheiten und Unfallverficherung. Welche Berufskrankheiten werden von der Unfall- Versicherung erfasit? Wir haben leider noch immer kein großes Sozialversicherungs- gefetz, in dem alle sozialpolitischen Gesetze einheitlich, wohlgeglicdcrt und übersichtlich zusammengefaßt waren. Die Reichsversicherungs« Pffimmg, die ein solches Werk sein sollte, mußte unter dem Zwa»g der Kriegs» und. Nachkriegsverhältnisio immer wieder umgestellt werden. Die Unmasse neuer Gesetze und Derordmmgen ist kaum nach für d?.n Fachmann zu überblicken. Da? Arbeiter, der sich nicht einem Fachstudium seiner sozial- politischen Rechte und Pflichten widmen kann, versäumt es nicht selten, sein« Ansprüche bei den verschiedenen Versicherungsträgern geltend zu machen, well er die Gesetze nicht genügend kennt. Besonders gilt das für gesetzliche Bestimmungen, die nur einen kleineren Personen kreis umfassen, oder die noch nicht sehr lange in Kraft sind. Beides trifft zu bei der seit 1. Juli dieses Jahres erfolgten Ausdehnung der Unfalloersicherung auf einen Tell der gewerblichen Berufskrankheiten. Es handelt sich dabei um folgende Berufskrankheiten: 1. Erkrankungen durch Blei oder fein« Verbindungen. 2. Erkrankungen durch Phosphor, 3. Erkrankungen durch Oueckfilber oder fein« Derbindungen, 4. Erkrankungen durch Arfan oder feine Verbindungen, S. Erkrankungen durch Benzar oder lein« Homologen. Er- krankungen durch Nitro- und Amidoverbindungen der aromatischen �6. Erkrankungen durch Schwefelkohlenstoff, 7. Erkrankungen an Hautkrebs durch Ruß. Paraffin, Teer. Anthrazen, Pech und oerwandte Stoffe,. 8. Grauer Star bei Glasmachern, 9. Erkrankungen durch Röntgenstrahlen und andere strahlende Energie, 10. Wurmkrankhcst der Bergleute, 11. Schneeberger Lungenkrankheit, Außerdem wurden nach der geltenden Rechtsprechung seither schon von der Unfallversicherung erfaßt: 1. Milzbrand, 2. Rauschbrand. 3. Rotz, 4. die Strahlenpilztrantheit. � 5. die sogenannt« Caissonkrankhest, das sind Schädigungen, in« durch die Einwirkung hohen Luftdrucks oder durch den Wechsel des Luitdrucks bei und nach der Arbeit in sogenannten Taucherglocken oder dergleichen entstehen,,.....,,. 6. Infektionskrankheiten, z. 2. Syphll.subertragung be. Glas- 7. Vergiftungen infolge einmaliger oder kurzdauernder Ein- atmung giftiger Gase, B. die sogenannte Kwotengaskranthett. Au« der großen Zahl der gewerblichen BeimfskrankheUen sind auch nach den neuen Bestimmungen nur die allerwichtigsten aus- gesondert. Den Kreis der Berufskrankheiten wesentlich weiter zu Ziehen, für die von den Berufsgenossenschaften Unterstützungen zu leisten sind, muß das Bestreben der Arbeiterschaft und ihrer Ver- lreter sein. Nicht nur wegen der höheren Unterstützungen, die den Opfern ihrer Berufsarbeit ausgezahlt wird, ist die Einbeziehung in die Unfallversicherung wichtig. Von großer Bedeutung ist da- neben auch die sogenannt« Uebergangsrente, die es den erkrankten Arbeitern erleichtern soll, einen weniger gesundheitsschäd- lichen Beruf zu ergreifen. Die Regierung von Lhcsia gehorcht England nicht. Der englisibe Bevollmächtigie hat die Regierung in Lhasia eriucht, die Berbaftung der aus der Mongolei in Tibet eingetroffenen vier russischen Propagandisten zu veranlasien. Die tibetanische Re- gierung hat daS englische Ersuchen abgelehnt. Zu der Ermordung de» lttanischen diplomatischen Kuriers in Rußland wird bekannt, daß dieser eine groß« Summe in Dollar-' und Psundnoten bei sich hatte, die bei der Leich« nicht gefunden wurden. Es scheint also ein Raubmord vorzuliegen und die Sowjet- Polizei soll da« Lugpersonal verhaftet haben. Der mazeöonijche Konflikt. Alliierte Vermittlnng in Athen. Athen, 22. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Außenminister R e N d i s hat seine Demission eingereicht, die Ministerpräsident Pangalos annahm. An die Stelle Rendis' tritt der bisherige Kriegs- minister. Es verlautet, daß Rendis mit der Festsetzung der Neu- wählen auf den 7. März 1926 nicht einverstanden ist. In Wirklich- keit aber dürfte der Rücktritt mit derAktiongegenBulgorien im Zusammenhang stehen, die in England und Frankreich große Mißstimmung hervorgerufen hat. Infolge der ultimativen For> derungen, die Rendis stellte, sprachen am Donnerstag der b r it i s ch e und der französische Gesandte bei der Regierung vor. Der Erfolg war, daß das b e f r i st e t« Ultimatum aufgehoben wurde. Man erwartet jetzt eine umgehende Antwort der bulgarischen Regierung. England denkt nicht an Krieg. London, 22. Oktober.(TU.) Das britische Außenministerium veröffenilicht eine Erklärung, daß es in keiner Weise am griechisckz-bulgarischen Grenzkonflikt interessiert sei. Das Außen- Ministerium ist der Ansicht, daß keine der beiden Mächte über die für einen Krieg notwendigen Mittel verfüge, und daß die An- gclegenheit in mehreren Tagen auf friedlichem Wege ge- regelt werde. Lulgarische Anklage gegen Hrlechsnlanö. Das Preßbureau der Bulgarischen Gesandtschaft in Berlin teilt auf Grund der bisher aus Sofia eingetroffenen Meldungen über den Grenzzwischenfall zwischen Bulgarien und Griechenland folgendes mit: Sofort nach der Tötung des griechischen Soldaten auf bulgarifchem Gebiet, haben die Bewegungen und Konzentrie- rungcn größerer griechischer Streitkräfte, die, wie aus allem erficht- lich, schon in Vereitschaft gehalten waren, stattgefunden. Nach einer Beschießung von griechischer Seite, welcher die Bulgaren vergebens sich bemühten ein Ende zu machen, haben bedeutende griechische Kräste, mit Artillerie versehen, wa« in diesen Gebirgsgegenden sehr ausfallend ist, von allen Seiten die bulgarischen Grenzposten 9, 10 und 11 angegriffen, besetzt und sind dann in das bulgarische Territorium eingedrungen. Dabei wurden fünf bulgarische Soldaten getötet. Die bul- garische Stadt P e t r i t s ch ist schon von griechischer Artillerie b e- schössen worden. Das Vorhandensein so großer griechischer Mili- tärkräfte an der Grenze und deren Eindringen in das bulgarische Der Zall Naksfi. Lteuauflage des Weisien Terrors in Ungarn? Aus Budapest wird gemeldet, daß das standgerichtliche Verfahren gegen den Moskauer Sendling R a k o s i und sein« Genossen begonnen hat. Dies« Nachricht kommt überraschend, nachdem erst vor wenigen Tagen beruhigendere Meldungen über das Schicksal der Verhafteten verbreitet worden waren. Die Geheimnistuerei und die auffällige Eile der ungarischen Behörden müssen allerdings d-n Verdacht verstärken, daß es sich bei dem ganzen„Gerichtsverfahren" um eine I u�t i z i o m ö d i e handelt und daß das Todesurteil schon fix und fertig ist. Mathias Rakosi war während der kommunistischen Episode in Ungarn stellvertretender Volksdeaustragter für Handelsangelegen- hosten und hat als solcher eln« absolut unbedeutonda Rolle gespielt. Er vermochte rechtzeitig zu flüchten und mar in den folgenden Jahren an verschiedenen kommunistischen Aktionen beteiligt, har sich ober von ungarischen Angelegenheiten ferngehalten. Um so große- res Aufsehen erregte es, als ihn die Budapester Polizei Mitte von- gen Monats plötzlich auf offener Straße verhaftete. Die Komintern hatte ihn illegal nach Ungarn gesandt, um den linken Flügel der ungarischen Arbeiterschaft agitatorisch im Sinne Moskaus zu besir- flussen, ober alsbald nach seiner Ankunft siel er in der Hände der wohlinformierten Polizei. Die Festnahme sstakosis wurde zu einer Staatsaktion größten Stiles aufgebguscht. Man veranstaltete ein Kessestreibeu aus alle Personen, mit denen Rakosi während seines kurzen Budapester Aufenthaltes auch nur zwei Worte gewechselt haste: man verhaftete Hals über Kops alle prominenten Mitglieder der Bogi-Partei, einer kleinen linkosozialistischen Gruppe, die mit den Kommunisten gar nichts zu tun hat: man orakelte über das Bestehen eines grauenhaften bolsche- wlstischen Komplotts, das nur durch die fabelhafte Tüchtigkeit der Polizei aufgedeckt und verhindert worden sei. Die ganze Oeffent- lichkeit sollte!n eine neue Terrorstimmung hineingehetzt werden. Die offenkundigsten Lügen sind allerdings bald entlarvt worden. Eine angebliche kommunistische Konferenz in Wien, in der Bela Kun per- sönlich die Vorbereitungen für den neuen Umsturz geleitet haben soll, ist inzwischen von der Wiener Polizei als hahnebüchensr S ch w i n- d e l festgestellt. Der in Budapest verhaftet« jugendl'cke V a l o g h, den man zuerst als Sekretär und Vertrauensmann Bclo Kuns de- zeichnet hatte, mußte fchon nach wenigen Tagen auf freien Fuß ge- fetzt werden, da er Nachweisen konnte, daß er nicht das geringste mit der Sache zu tun gehabt hat. Und trotz eifrigstem Forschen und kolossalstem Aufwand konnte die Budapester Polizei kein ein- ziges Waffenlager. keine einzige Geheim- d r ii ck s r e i, nichts— aber auch gar nichts entdecken, das Bestehen eines Komplottes zu beweisen. Es handelte sich eben bei der Buda- pester Reise Rakosis um keine Putschoorbereitung, sondern um den Versuch, linksrodikale Propaganda zu treiben— ein versuch, der gar nicht zur Ausführung gelangen konnte, da der Moskauer Emissär schon so bald verhaftet wurde. Zwei Budapester Zeitungen—„Nepszova'(sozialdemokratisch) und„Diläg"(bürgerlich) haben genau« Berichte über schwere Mißha ndlunge« der Berhafteten gebracht. Die ungarische Regierung hat nicht etwa diese Meldungen auf ihre Richtigkeit nachgeprüft, sondern gegen die beiden Blätter wegen„Schmähung der ungarischen Nation"(!) ein Strafoerfohren eingeleitet. Der Vertreter einer ausländischen Zeitung, der sich von dem Be- finden der Gefangenen persönlich überzeugen wollte, wurde von der G«fäii.gnisverwalti:ng in plumper Weife getäuscht, indem man ihm— der der unoarischen Sprache nicht mächtig ist— Häftlinge vorführte, die vor vier Monaten in einer ganz anderen Angelegenheit festgenommen worden waren! Die Tatsache, daß mehrere Kommu- nisten im Gefängnis in einen Hunger st reit eingetreten sind, ist wohl eine Bekräftigung der Meldungen van den schweren Mißhand- langen, denen die Gefangenen ausgesetzt sind. Nakosi und Genossen sollen nunmehr stand gerichtlich wegen Aufruhr abgeurteilt werden. Im Falle der Schuldigsprechung kenn nur das Todesurteil gefällt werden, das binnen kürze- ft e r F r i st zu v o l l st r e ck e n ist. Gegen«inen solchen Justizmard muß von vornherein schärfster Protest eingelegt werden. Die Horth�-Regierung, die ihre Entstehung selbst der brutalen� Gewalt verdankt, hat am a l l e r w e n I g st« n das Recht, sich über die Empörung der von ihr unterdrückten Dolksmassen zu beklagen, selbst Gebiet zusammen mit dem Umstände, daß die griechische Regierung den dreimal wiederholten Vorschlag der bulgarischen Regierung aus Einsetzung einer Untersuchungskommiflion ostentativ u n b« a n t- wartet gelassen hat, ergibt die Feststellung, daß wir es in diesem Falle mit einem von griechischer Seite lang« vorbereiteten � kt 9 r i f f zu tun haben. Die griechische Darstellung. Athen, 22. Oktober.(Agence d'Athänes.) Die der bulgarischen Gesandtschaft in Athen überreichte Verbalnote der griechischen Regierung wurde auch dem griechischen Geschäftsträger in Sofia gesandt, der sie der bulgarischen Regierung aushändigen wird. Die Note beginnt mit einer Darstellung des Grenzzwischenfalles. Danach griffen am 19. Oktober um 2 Uhr nachmittags bulgarische Truppen den griechischen Grenzposten Nr. 69 im Gebiet von Demir Hissar an und töteten die griechische Schildwache. Da aus der ganzen Linie vom Posten 67 bis zum Posten 69 geschossen wurde, begab sich der Hauptmann der griechischen Deckungskompagme sofort nach vorn und befahl, das Feuer einzustellen, was unoer- züglich geschah. Als sich aber der Hauptmann mit einer weißen Fahne den bulgarischen Posten näherte, um sich mit den Ofsizieren zu verständigen, wurde er erschossen. Dos Feuer dauerte dann bis zum Abend an. Di« Bulgaren zogen ein Bataillon heran» das mst Maschinengewehren versehen war, und besetzten die Höhen, die die griechischen Stellungen beherrschten. Das grie- chische Blockhaus Nr. 69 wurde von ihnen eingenommen. In der Nacht zum 20. gelang es den inzwischen verstärkten griechischen Posten, alle verlorenen Stellungen mit Ausnahme des Blockhauses zurückzuerobern. Die Note weist dann darauf hin, daß sich bulgarischeTruppennochjetztausgriechischemGe« biet aufhalten: der griechische Oberkommandierende habe Befehl erhalten, dem Einbruch der Bulgaren Einhalt zu tu» und alle Maß- nahmen zu ergrcisen, die ihm zur Sicherung des nationalen Gebiets geeignet erscheinen. Die griechische Regierung könne, ohne die nationale Würde preiszugeben, bei einem solchen unprovozierten Angriff nicht gleichgültig bleiben und verlange von der bulgarischen Regierung, daß sie ihr B e d a u e r n offiziell ausspreche, die Schuldigen be st rase und den Familien der Opser eine E n t s ch ä d i- gung von 6 Millionen Drachmen zahle. wenn diese Empörung in einigen kleinen Kreisen die Form roman- tischer Verschwörungcoersuche angenommen haben sollte. Sie hat auf keinen Fall ein Recht, mit Todesurteilen gegen Personen vorzu- gehen, deren„Verbrechen" im schlimmsten Fall darin besteht, ver- boten« Propaganda versucht zu haben. Der ungarische Unierrichisminister Graf Kuno Klebelsberg ist in diesen Tagen in einer luliurellen Miffion in V e r l i n. E» muß ihm gesagt werden, daß das Kulturniveau eines Staates nach seinen politischen und rechtlichen Verhältnissen zu be- urteilen ist. Die ungarische Regierung wird nicht müde, zu erklären, daß der Weiße Terror in Ungarn eine überwundene Erscheinung sei. Gefangeiienmißhandlirngen, Tendenzprozesse und Schreckensurteile vertragen sich mit dieser Behauptung sehr schlecht. Wenn die unga» rische» Regierungsorgaite Wert darauf legen, als Kultur- f a k t o r s n angesehen zu werden, so dürfen sie isir« Worte nicht durch ihre Taten Lügen strafen lassen. Der Fall Rakosi wird ein Prüf st ein dafür sein, wie weit die angebliche Konsosi- dierung der int-erpolitiichen Verhältnisse Ungarns in Wirklichkeit vor- geschritten ist. Wir hoffen, daß Gros Klebalsberg von dieser Auffassung der öffentlichen Meinung des republikanischen Deurschlr.nd Kenntnis nimmt und sie nach seiner Heimat meldet. Die verskiavung Süötirols. Wo bleibt der völkerkundliche Minderheitenschutz? Di« Faschisten haben in Bozen zuerst das sozialdemokratische Tazblatt„V o l k s r e ch t" ums Leben gebracht, wobei die Behörden Schmiere standen. Jetzt hat der Präsekt die Zeitung„Lands- mann" wegen ihrer Berteidigung des Deutschtums verboten. Nun stellen auch die„I o z e n e r N a ch r i ch t e n" nach ZZjährigem De- stehen mit folgender Begründung ihr Erscheinen ein: „Soll eine Bolkszeitung ihre Aufgabe erfüllen können, so müssen ihre Nummern auch wirklich an die Bezieher gelangen. Ihr Inhalt muß von der Leserschaft versolgt werden können, und es muß ihr möglich sein, der Dolmetscher der Anliegen, Wünsche, Ge- fühle und Rechte der Bevölkerung zu sein. Die Enlwicklung der Dinge hat gezeigt, daß diese Bedingungen für unser Blatt kaum mehr vorhanden sind bzm daß Hindernisse am Werke sind, die es kaum mehr möglich machen, die Leserschaft zufrieden- zustellen. Diese Tatsache Hai bei den H-eransgebern den Entschluß reifen lassen, das Blott, welches sie mit großen materiellen Opfern, verteilt auf wenige Schultern, bis heute durchgehallen haben, mit dem heutigen Tage einzustellen" So erscheint letzt in Südtirol vorläufig keine groß» Z e i- t u n g Mehr in deutscher Sprache. Die italienischen Bc- Hörden haben auch den Gebrauch der deutsck*m Ortsnamen verboten, und die„Bvzenor Nachrichten" waren zweimal beschlagnahmt worden, weil sie sich dieser Verfügung nicht unterzogen und die italienischen Ortsnamen nicht angewendet hatten. KZ)D.-K!aselieS. Jetzt auf dem französischen KP.«Tag. Parls, 22. Okiober.(WTB.) Die kommunistische Partei Frank» reichs htell in diesen Tagen in Jory ihren Parteitag ab. In der Schlußsitzung erschien ein nichtgenannter deutscher Delegierter. Er sprach von einer Krise, die die kommunistische Partei in Deutschland jetzt durchmache, In der Partei zeineten sich vier Strömungen ab: die äußerste Linke, die die Einheitsfront ab» lehne, di» Gruppe Ruth Fischer, deren Form nichtsehr klar sei, die Gruppe Thaelmann, die die Mehrheit bilde und der � rechts stehend« Flügel. 75 Proz. der eingeschriebenen Mitglieder ständen hinter der Mehrheit Thaelmann. Kein Proletariat habe s o viel Verrat erdulden müssen, wie das deutsche. D i e Arbeiter, di« so oft an die unmittelbar bevorstehende Revolution ge- glaubt hätten, seien gezwungen worden, in dem Augenblick, in dem sie kämpfen wollten, zurückzuweisen. Sie befürchteten also immer, daß man sie von Neuem verlassen werde. ver ueue esiländische Außenminister ist der bisherige Gesandte in Moskau, Birk. Seine Ernennung wird al« ein Annäherung«- versuch an Rußland angesehen. Mexiko den Mexikanern! Der mexikanische Senat hat die Aende- rung des Veriasiungsartikels 27 in erster Lesung angenommen. Danach müssen alle Fremden, die in Mexiko Eigentum besitzen, binnen drei Jabren mcxikonisibe Stoatsbüiger werden, widriger- falls ihr Eigentum dctstaatliwt wird. Davon würden beiondrrS die Amerikaner als Eigentümer der großen Petroleum» selber betroffen werde». Gewerkschaftsbewegung Die„ vergessenen" Beifizer. Noch teine Entscheidung für die Gemeindearbeiter. Bie wir bereits mitgeteilt haben, fanden gestern vor dem Schlichter Verhandlungen statt, um eine Verständigung in dem Konflift der Berliner Gemeindearbeiter herbeizuführen. Soweit die Rämmereiarbeiter in Frage kommen, handelte es sich darum, den vom tariflichen Schiedsamt gefällten Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung von 3 Pf. die Stunde vorsah, für verbindlich zu erflären. Der Schlichter hat sich die Stellungnahme dazu bis Montag vorbehalten. Zu den Verhandlungen über den Konflikt der Gas- und asserarbeiter war außer den Bertretern der Direktionen der Kämmerer, Dr. Karding, erschienen. Merkwürdigerweise hatten die Direktionen jedoch vergessen, für das zu bildende Schiedsgericht Beisiger zu bestimmen. Sie erklärten sich auch außerstande, im legten Augenblid noch Beisiger aufzutreiben. Die Verhandlungen mußten also vertagt werden. Das Schiedsgericht wird am Sonnabend zusammentreten. Die Obleutekonferenz der Gas- und Wafferarbeiter, die gestern abend Stellung nahmen zu dieser neuen Verschleppung durch die Direktionen, befchloffen, mit der Proflamierung des Streifs bis nach der Tagung des Schiedsgerichts zu warten. Die Reichstonferenz beauftragte die örtlichen Fachgruppen in| dem gibt es noch eine große Zahl von Beschäftigten in der Schuh Gera, Breslau, Leipzig, Köln, Hannover, Dresden und Stettin, je industrie und im Handwerf, die der Organisation fernstehen. Diese einen Bertreter in den Reichsausschuß zur beratenden Unter- zu erfassen muß Aufgabe der nächsten Zeit sein. Laut Reichstarif stügung des Verbandsvorstandes zu delegieren. In einen Untervertrag für die Schuhindustrie ist das Höchstmaß der regelmäßigen ausschuß der Lagerhalter werden Berlin, Frankfurt a. M. täglichen Arbeitszeit 8% Stunden, wöchentlich 48 Stunden. Der Beschluß, daß in den Berliner Betrieben die tägliche Arbeitszeit und Nürnberg einen Vertreter enisenden. 84 Stunden nicht überschreiten darf, ist fast restlos durchgeführt und muß auch in den wenigen noch vorhandenen Betrieben, in denen noch 8% Stunden täglich gearbeitet wird, zur Annahme gelangen. Lange Berlin hielt einen Bortrag über die Stellung der Genossenschaften im Wirtschaftsleben. Zum Schluß fand eine kurze Aussprache über die Pensionstasse des Zen tralverbandes deutscher Konsumvereine statt, beren segensreiche Bir. fung anerkannt wurde.. Der Magistrat Berlin als Rechtsbenger. Bom Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner wird uns geschrieben: Die ehemalige Stadt Charlottenburg hat ihren Feuerwehrleuten in einer Ruhegehaltsordnung vom Jahre 1914 Anspruch auf ein lebenslängliches Rubegehalt zugesichert. Die Bedin gungen waren diefelben wie für die Beamten. Die Berechnung erfolgte nach den für Beamte geltenden Grundsägen aus dem Diensteinkommen. Als Diensteintommen ist ausdrücklich das etatmäßige Einkommen bezeichnet. Die Reichshauptstadt Berlin aber, die als Rechtsnachfol gerin der Stadt Charlottenburg die Pflicht hätte, jenen Feuerwehrleuten, die im Dienste der Stadt Charlottenburg dienstunfähig geworden sind, dieses Ruhegehalt zu zahlen, behandelt die Feuer mehrleute der ehemaligen Stadt Charlottenburg so, als ob fie feinen Anspruch auf, Ruhegehalt gehabt hätten. Obwohl§ 1 des Gemeindebeschlusses vom 15. Januar 1922 ausdrücklich bestimmt, daß der Beschluß nur für diejenigen gilt, die ohne Ruhegehaltsberech tigung" im Dienste der Stadt stehen und obwohl die„ Ruhegehalts ordnung" der alten Stadt Charlottenburg ausdrücklich von einem Anspruch auf ein lebenslängliches Ruhegehalt" spricht, legen nach geordnete Personen den Gemeindebeschluß dahin aus, daß er für alle diejenigen gilt, die feinen Anspruch auf Beamtenpension" haben. Damit haben die Gas- und Wasserarbeiter ein Höchst ma Damit haben die Gas- und Wasserarbeiter ein höchstmaß von Berantwortlich feit gezeigt, das erfreulich absticht von dem unqualifizierbaren Berhalten der Direktionen der Gas- und Wasserwerke. Man hat den Eindrud, daß es den Direktionen der Gas- und Wasserwerke darauf anfommt, unmittelbar vor Dem Feuerwehrmann, der Leben und Gesundheit in den besten den Stadtverordnetenwahlen einen Streit der Mannesjahren im Dienste der Allgemeinheit geopfert hat, fann Gas- und Wasserarbeiter heraufzubeschwören. man also zumuten, daß er sich zufrieden gibt, wenn ihm das RuheAuch das Verhalten des Magistrats läßt einen gleichen Berdacht aufgehalt von 150 m. um monatlich 50 m. gefürzt wird. Doch Empfinden und gar soziales Empfinden braucht ein höherer kommen. In wessen Interesse diese Politik betrieben wird, liegt auf Berwaltungsbeamter wohl nicht. Die Hauptsache ist, daß es BaraDie Obleute der Gas- und Wasserwerke sind flugerweise nicht graphen gibt, die man anwenden kann und solche, die man nicht anwenden muß. Dann kann man Menschen schon so drangfalieren, in die ihnen gelegte Falle gegangen. Die städtischen Arbeiter und daß sie zur Verzweiflung tommen. An die Bergeltung aber denfen mit ihnen die gesamte arbeitende Bevölkerung Berlins werden aus diese Menschen nicht. Daran aber werden die anderen denten diesem Verhalten am Sonntag die notwendigen Schluß müssen. Sie werden am nächsten Sonntag SPD. wählen. folgerungen ziehen. der Hand. Der Parkettlegerstreik beendet. Ein derartiges Verhalten des Magistrats und der Direktionen der Gas- und Wasserwerke ist nur möglich, weil sich beide auf eine Nach 5, Wochen Streit haben gestern die Parkettleger die bürgerliche Stadtverordnetenmehrheit stüßen Arbeit wieder aufgenommen. Durch den Schlichtungsausschuß fönnen. Wenn die Kommunisten sich auch im letzten Augenblick bewaren von Amts wegen die Barteien zu einer Berhandlung geladen morden. mühen, dem Magistrat und der bürgerlichen StadtverordnetenjehrBei dieser Verhandlung zeigte es sich bald, daß die heit zu Hilfe zu kommen, so wird, dessen sind wir sicher, die bürger- Widerstände auf beiden Seiten noch recht groß waren und eine fiche Stadtverordnetenmehrheit am fommenden Sonntag ihrem Nach mehrftündigen Berhandlungen wurde aber ein Schiedsspruch Einigung zwischen den Barteien nicht zustande kommen fonnte. Schidial nicht entgehen. Dann wird dieses Schindluder gefällt, der den Minimalstundenlohn für die Berliner Barlettbranche treiben mit den städtischen Arbeitern auch ein Ende haben! auf 1,55 2. festgesezt. Reichskonferenz der Genossenschaftsangestellten. 1inter Damit ist eine Stundenlohnerhöhung um 11 Proz. eingetreten. Entsprechend dieser Erhöhung sind auch im Durchschnitt die ein zelnen Bofitionen der Affordgrundtage erhöht worden. nehmer sowohl wie Arbeiter haben diefen Schiedsspruch augestimmt. Somit ist der Lohnkampf für das Parkettgewerbe, wie Eingangs gesagt, erfolgreich beendet. Zur Lage in der Berliner Schuhmacherei. Der Zentralverband der Angestellten hielt diese Woche in Magdeburg eine Reichskonferenz der Genossenschaftsangestellten ab. Die Konferenz, die der Verbandsvorsitzende Urban Beriin leitete, war von 29 Delegierten sowie Vertretern des Reichsfachausschusses, des Berbandsvorstandes und zahlreichen Gästen besucht. Lähner Berlin berichtete über die Tätigkeit des Zentralver bandes der Angestellten auf dem Gebiete der Gestaltung der Ge Die Quartalsversammlung der Berliner Schuhmacher ain halis und Arbeitsverhältnisse in den Konjumvereinen 20. Oftober nahm den Kassen- und Geschäftsbericht für das 3. Quarund ähnlichen Genossenschaften. Der Zentralverband der Ange- tal entgegen. Aus den Ausführungen der Referenten Hörk und ftellten hat mit fast allen Genossenschaften des Zentralverbandes Böhler ging hervor, daß in der Schuhindustrie wie auch im deutscher Konjumpereine Tarifverträge geschlossen, in denen Maßgewerbe seit mehreren Monaten eine ungünstige die Lohnverhältnisse örtlich geregelt sind. Die sonstigen Arbeitsper Geschäftslage herrscht. Betriebseinschränkungen, Stillegungen hältnisse werden durch Rahmentarifverträge geregelt. Nach einer und Konturse häufen sich immer mehr. Arbeiterentla funlängeren Aussprache forderte die Konfern in einer Entschließung gen find in großem Umfange vorgenommen; in vielen Be1. a. für die Lagerhalter der Konsumvereine eine feste Mantovertrieben ist die Arbeitszeit verfürzt. Die Zahl der Argütung als Ausgleich für die Verluste durch Warenschwund usw., beitslofen beträgt zurzeit rund 1000 bei einer Gesamt ferner die Anstellung der hauptamtlich tätigen Lagerhalter gegen arbeiterzahl von zirta 7000. Der Mitgliederstand der festes Gehalt und nicht nur gegen Umfagprovision und schließ- Bahlstelle Berlin ist troß diefer ungünstigen wirtschaftlichen Berlich die Aufwertung der von den Lagerhaltern gestellten Rautionen. hältnisse auf 4728 gegen 4454 im 2. Quartal 1925 gestiegen. TroßA.Wertheim Billige Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Frisches Fleisch Kalbskamm und Brust Kalbskeule Pfund 80 Pf. u. Rücken, ganz u. geteilt, Pfd. 90 Pf. Hammel- Vorderfielsch, Pfd. 80 pf. 115 Schweinebauch Blatt, Pid. Rücken u. Schweineschinken Pfund 120 Kaßler Rippspeer Pfund Liesen Kamm 130 Pfund 115 Gehacktes... Pfund 80 pt. . Prima Gefrierfleisch Rinderkamm Rot-, Wirsing-, 4pi. Welßkohl, holländ., Piund Pland Kürbis..... Pland 4pt. Mohrrüben was 5 pr. Rübchen märk, Pfund 5p. Zwiebeln... Pfund 8Pt. Sellerie Knollen 25Pf. Plund und Brost Pfund 60PT. Kochäpfel Pd 10P. Eẞäpfel rote, Pfund 12 PL Goldparmänen 18P. Renette Harberts 20PL. Goldtrauben Pfd. 28pf. 120 Piund Kiste ca. 3 Pfund... Blumenkohl Kopf 30 Bananen.. Pfund 38 pt. von an Ernste Lohnbewegungen im Rhein- Main- Gebiet. Mainz, 22. Oftober.( M15.). In der chemischen Industrie des rheinisch- mainischen Wirtschaftsgebietes find neue Lohnbewegungen im Gange, die ernite Formen angenommen haben, da die zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Frankfurt a. M. geführten Verhandlungen ergebnislos geblieben sind. Die Gewerkschaften haben einen Aktionsausschus eingefekt, der gegebenenfalls die Arbeiter zum Streit aufrufen fon, der dann in den Städten Mainz, Biesbaden, Frankfurt, Gießen und Rassel etwa 32 000 Arbeiter umfassen würde. Verbesserte Angestelltenversicherung im Saargebiet. Saarbrüden, 22. Oftober.( Mib.) Die Regierungsfommission hat die Leistungen der Angestelltenversicherung rückwirkend vom 17. Ottober erhöht und die Beiträge ab 1. Oftober ermäßigt. Gleichzeitig find aud Bestimmungen über die sogen. Wander versicherung getroffen worden. Bersicherungspflichtig sind ab 1. Dtober alle Angestellten mit einem Monatsverdienst von 1500 Frant oder jährlich 18 000 Frant. Wer infolge der bisherigen niedrigeren Bersicherungsgrenze ausgeschieden war und sich nicht freiwillig weiterverfichert hat, erhält die früheren Beiträge ohne weiteres wieder angerechnet. Aus den Metalbetrieben sind vom Schriftgießerstreit no nicht alle Streitfammelliften zurüdgefommen. Die Abrechnung muß unverzüglich erfolgen und zwar bei dem Kassierer Ernst Franke im DMV. oder bei Jahnke, Zimmer 4, abends bis 7 lbr, oder aber bei dem Vertrauensmann Seßkorn. Bris, Johnstr. 75. Auch leere Listen find zurüd zugeben. Es find no 43 im DMV. organisierte Kollegen, die bei dem Streit auf der Strede blieben. Den Kollegen, die die Streifenden unterstützten, besten Dank! Die Vertrauensleute. Der Restaurateur Hoppe, Kotfbufer Damm 22, schickt uns zu unserer Notiz in der Morgenausgabe vom 10. Oftober eine Erwiderung in der es insbesondere heißt:„ Die Beschuldigungen, daß meine Frau und ich organisierte Arbeiter beschimpft haben, muß ich auf das allerentschiedenste zurückweifen; ebenso die Behauptung, daß ich gern auf Arbeiter als Gäste verzichte. Jeder, der mein Lokal und auch mich fennt, weiß, daß mir ein Arbeiter ein ebenso gern gesehener Gast ist, wie Leute aus anderen Ständen und BeHufenbed protestieren enetschieden dagegen, Beschimpfungen gegen rufen. Die bei mir beschäftigten Kellner Wichmann, Bulian und organisierte Arbeiter ausgesprochen zu haben. Daß ich Verbandsvertretern mein Lofal veerboten habe, ist unwahr. Wenn aber die Herren nicht den Weg der höflichen Aussprache gehen fönnen, fondern mit Drohungen und Beleidigungen Ziele erreichen wollen, brauchen diese sich nicht zu wundern, daß aus einem Paulus ein Saulus mird." Bom Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Caféangestellten wird uns dazu mitgeteilt, daß die von uns wiedergegebene Notiz in allen Einzelheiten aufrechterhalten wird. Achtung, 39. Muffinftrumentenarbeiter! Freitag nachmittag 414-6 Uhr im Reidenberger Sof, Reichenberger Str. 147, Ausgabe von Bahlmaterial. Jeder Betrieb muß belegt werden. Der Werbeausschuh. Graphisches Gewerbe. Die Nr. 17 des Rämpfers" ift erschienen uns täglich von früh 8 Uhr ab im Graphischen Vereinshaus( Henning), Alexanbrinenstraße 44, abzuholen Bir erwarten, daß diese zweite Bahlnummer von affen Betrieben abgeholt wird. Der Werbeausichus. Berantwortlich für Bolitik: Gemertimeftsbewegung: Friedr. Estorn: Feuilleton: R. 8. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Rarftöbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts. Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwäris- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Ernst Reutes; Wirtschaft: Artur Sateruus; Freitag und Sonnabend sowelt Vorrat Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Lebensmittel Heringe große frische 4 Pid. 95 Pl. Schellfische 28PL. Kabeljau zische 30 PL Rotbarse ganze Fische, Pfund Pfund ohne Kop 30 pt. Pfund Leb. Karpfen Plund 130 Bücklinge 45 PT. fette, Plund Schellfische Pid. 38 Pt. Flundern Ahlbecker ( Ries.), Pid. 78 PL Welzengrieß 22Pt. Piund Haferflocken Pid. 22 Pf. Auszug- Mehlpid. 23PL Backobst gemischt 52 Pt. Pfund Aprikosen neue, Pland 120 Junge Schoten Dose mittelf., m. Karotten Stück Bismarckkranz 50PI. Mandelkranz st. 50 Pt. Brezeln... Stuck 50Pf. Kuchen( Steel) gefüllt, Stick 50PT. Mohnstang. Stick 50 PL Konserven 1/1 90 Pf. Bruchspargel ohne 1M 195 Köple Landleberwurst 25 Steinpilze bayr. Art 1M 185 und Fleischwurst, Pfund Grobe Mettwurst. u. Gefüllter Schinken, Plund 140 Felne Leberwurst 165 und Filetwurst, Plund Zervelatwurst und Salamfwurst, Holstein., Pld. Schinkenspeck ca, 1- Pfund- Stücke, Pfund Mausschinken ea. 2 Pfund, Piand Tilsiterkäse 65 Pl. 65 Pl, vellett Camembert 195 2M 110 Apfelmus Mirabellen 72 Pl. 145 Dose n Saure Kirschen ohne Steine 195 Konfitüre Eimer 2 Ptd. 5 Pfd. Orange, Glas 60 Pt. 115 270 5- Pid.- Eimer 20 Konfitüre Aprod- Eimer 360 Gelee Johannis- 65 Pl. Eimer beer, Glas 5- Ptd.- 320 Rindfleisch ohne Knochen 125 Südwein 2- Pfund- Dose Preise für Flasche einschließl. Stener ohne Glas Tarragona rot, sus 130 gute Qualifät extra( Salv. 160 Tarragona Cervera Valencia) wein, Tokayer. Samos- Muskat insußer 195 Inselwein Muskateller- Auslese würziger spanischer Wein lohfarben alt Douro Portwein 210 2 M Sherry( Marquis Merito Jerez) 250 Insel Madeira Funchal 280 Jamaica- Rum- Verschnitt ( Abudarham 210 Ruster Gold Stärkungs- 145 Malaga golden oder dunkel 175 195 Montagne span. Rotwein.. 1M 1921 Barsac weiß.Bordeaux 2 M 40 Vol. Prozent.... 320 Batavia- Arrak- Verschn. 1921 Sauternes 310 * 40 Vol. Prozent.... 380 Weinbrand- Verschnitt mide, vorzügliche Qualität 275 vollett, Schachtel 33p. Kuhkäse.. Pland 78pt Pland 78pt Goudakäsen 78 PL. Schweizerkäse finn. Pid. 1.40, dän. Píd. Jeden Freitag und Sonnabend billiger Verkauf 125 sehr süßer, weißer Bordeaux Im Wintergarten Leipziger Straße ObstAusstellung Naturbutter pund 10 08 Tafelbutter Pfund 115 Dän. Butter Pfund 128 Suppenhühner holländische, frisch geschlachtel, itd. 1,40 115 Gänseu. Hasen billigst Kaffee Plund von frisch gebrannt 26º460 Zucker 2rid 63 PI. Schokolade 30 Pi. Gut Deutsch 2 Ti.à 50 Gr. Schmelz 2TH.& 80 Gr. 30 Pf. Bitter 40 pt. Kakao " Saturn", stark entölt, L. Paket. 80PL Winteräpfe! Landsborg, Reactie Goldrezeite, Gold- 45 Pt. parmine.. Pfund Celltu. a. mehr Originalldiste ca 1250 36 Ptand Inhalt Winterkartoffeln Zentner 295 Zusendung la Groß- Berlin pro Zentner 50 Pi, mehr inkl. Sack Reste u. Abschnitte Nr. 507 � 42.�ahrgasg Freitag, 25. Oktober 1925 Seit 1918 wählen in Deutschland die Frauen wie die Männer. Über wie es mit Dingen geht, die einem mühelos in den Schoß sollen, so geht es auch mit dem Wahlrecht der Frauen. Sehr viele wissen noch heute nichts Rechtes damit anzufangen. Und würde nicht für jede Wohl Stimmung gemacht, die schließlich auch die Frauen ins Wahlsieber hincinrcißt, sehr viele Frauen gingen über- Haupt nicht zur Wahl. So ist es schon bei der Reichstags- und Landtagswahl. Bei den Stadtverordnetenwahlen ist es noch ärger. Degreiflich, wenn die Frau Generaldireltor, die Frau Oberkirchen- rat nicht zum Wählen gingen. Wenn man 1? VOD und 20 000 Mark im Jahre zu verzehren hat, braucht es einen nicht zu drücken, wie regiert wird im Staat und in der Stadt. Die gehen aber hin, weil die.Roten" da sind, die ihrem Wohlleben aus Kosten anderer nicht ..grün" sind. Unbegreiklich ober, wenn Arbeiter-, Angestellten- und Lcamtenfrouen, deren Männer»ms Leben kämpfen müsien, Mütter und Töchter von ihnen, die sich abgerackert haben oder selbst im Erwerbskampf stehen, nicht wissen, warum, und nicht wissen, w i e sie wählen sollen. Die Frauen sinü hauptträger üer Vöhl. Eine olle Beamtcnhousfrou mit gesundem Menschenverstand sagte einmal als sie geiragt wurde, wie sie wählen wird:.Zn meinem Marktkorb trag ich jeden Tag den Stimmzettel heim!" Jeder Beamte, Angestellte und Arbeiter, jeder Handwerker und Kleingewerbetreibende könnte ebenso sagen: In meinem Geholt, meiner Lohntüte, meinen Einnahmen steckt mein Stimmzettel. Und damit ist der Nagel auf den Kopf getroffen. In der kapitalistischen Ge- sellschost, in der wir leben, der miserabelsten aller Welten, ist das gute Herz tatsächlich der schlechteste Berater, den man sich denken kann. Wer init dem Herzen statt mit der Lohntüte wählt, kommt unter die Räder. Denn der Herr in dieser Welt, der Kapitalist. wählt mit seinem Hauptbuch. Und in diesem Hauptbuch ist der Ar- beiter, der Angestellte, der Beamte, der Handwerker, der Händler ein Kuli, der niemals wenig genug kosten kann. Gegen das Hauptbuch des Kapitalisten kann e» für Frauen. Witwen, Töchter und Mütter werk. tätiger Männer nur den Stimmzettel der Lohntüte, des Gehalts, de» Marktkorbs und de» Ausgabenbuchs geben. Und heut« mehr als je, nachdem die Inflation so furchtbare Locher in jeden Haushalt gerissen hat. die keine noch so große Sparsamkeit ausfüllen kann: nachdem auf den Zollraub hin, der alles so furchtbar verteuert hat, die Recht»- regierung den großen Herren hilft, die Hand noch fester auf der Tasche zu holten. Was nun für die Wahlen in dieser miserablen kapi- talistischen Welt überhaupt gilt, das gilt für die Stadtverordneten- wählen in Groß-Berlin ganz besonders. Gerade die Hausfrauen gehen die Berliner Stadtwahlen am meisten an. Biel mehr als die Männer. Denn die Herrschaft im' Berliner Stadtparlament entscheidet darüber, ob die Diermillionenstadt Berlin zum Ruhen der Familien oder zum Ruhen der Industrie und der hausbesiher regiert werden soll. Ueber 550 Millionen Mark gibt Groß-Berlin jährlich aus. Fast eine Million Haushaltungen gibt es in Berlin. Neun Zehntel sind Haushaltungen von Arbeitern, Angestellten, Beamten und Kleingewerbetreibenden. Für jeden Haushalt können von der Stadtverwaltung im Durchschnitt 500 M. verwendet werden. Das ist fast die Hälfte von dem, was sehr viele Arbeiter jährlich nach Hause bringen. Den Industriellen und den Hausbefigern ist es selbstverständlich, daß sie möglichst viel von den Stadtausgoben in ihre Taschen leiten. Möglichst wenig soll die Stadt in eigenen Werken ausführen, herstellen, bauen lassen. Ebenso selbstverständlich ist es ihnen, daß sie möglichst wenig an Steuern dazu beitragen. Möglichst viel von dem, was die Stadt leistet, soll von den arbeitenden Masten bezahlt werden. Darum führen die Kapitalisten, Industriell«, Großkauslcute und Hausbesitzer den Kampf. Bor dem Kriege hatten sie es eipfach. Kaiser Wilhelm von Doorn wollte keine rote Residenz. So blieben die Hausfrauen rechtlos. Die Millionen werktätiger Männer Berlins blieben Wähler dritter Klasse, politische Kulis, wie sie wirtschaftliche Kulis waren. Das brachte den In- dustriellen, Großkaufleulen, Hausbesitzern von selbst die Macht. Das Ende der Monarchie befreite die werktätigen Männer aus ihrer Dariastellung, die Frauen aus ihrer politischen Rechtlosigkeit und Hörigkeit. Berlin wurde rot. Die Reichshauptstadt wurde das, was sie in einem Staat mit 00 Droz. werktätiger Bevölkerung «erden mußte: die von der werktätigen Bevölkerung geleitete Haupt- stadt eines werktätigen Bolkcs. Groß-Berlin wurde geschaffen. Die Million werktätiger Familien Berlins, durch ihr Zusammenleben ebenso eine Einheit des Haushaltcns wie eine Einheit der Arbeit, sollte auch eine Einheit der Verwaltung haben, die den Nöten der werktätigen Massen ebenso selbstverständlich und großzügig dient, wie sie sie sporsam und wirtschaftlich löst. Der Sladthaushalt soll nur ein zweiter, der Gesamlhaushalt aller Familien sein. Das war der große erhebende Sinn der roten Fahne über den Rathäusern Berlins, als 1920 von den gewählten Vertretern der werktätigen Masten die Einheitsgemeinde Groß-Berlin geschaffen wurde. Dieser Gesamchaushalt, an dem jeder Familienhausholl seinen Halt, seine Ergänzung und Erweiterung finden sollle, sollte so reichlich aus- gestattet sein und so sparsam wirtschaften, als wenn die beste Haus- stau Berlin» zur Oberbürgermcisterin gewählt worden wäre. !>c macht, sondern auch die Wohnviertel und Wohnstädte von den In- dustrie- und Geschäftsvierteln allmählich trennt. Eine Vorsorge gegen unverschuldete Arbeits-, Wohnunas-, Obdachlosigkeit und Armut, die nicht an jedem Pfennig knausert und die demütigend? Wohlfahrtspflege von heute zu einer vorbeugenden macht und die Diktatur der unverschämten über die verschämten Armen beendigt. Eine Schule für das heranwachsende werktätige Geschlecht, die mit dem kapitalistischen Bildungsmonopol nicht nur dem Buchstoben nach, fanden: tatsächlich Schluß macht, die nicht durch hohes Schul- oeld und teure Lernmittel die schöpferischen Kräfte des werktätigen Volkes systematisch verkommen läßt. Eine Lehrerschaft und c«ne Schulpflege, deren Amt nicht am Klassenzimmer und am Schalter zu Ende ist, sondern mit den Kindern und dem Hause der Eltern verwächst, bis Gesundheit und Glück des Kindes gesichert sind. Eine städtische Schwangeren-, kranken-, Kleinkinderfürforge, die den arbeitenden Frauen die Mutterschaft, das Kranksein, das Arbeiten- müssen nicht zur Hölle macht, weil entweder der Verdienst ausfällt oder der Hunger Küchenmeister wird. Das olles geht zu tiefft die Hausfrauen an. Ob sie es sind, ob sie es waren oder ob sie es erst werden wollen. Das alles schlägt im Einnahmen- und Ausgabenbuch des werktätigen Volkes zu Buch. Für das alles war die rote Fahne über den Berliner Rathäusern van 1S20 ein verheißungsvalles Symbol. Unendlich sind die Möglichkeiten, durch großzügige technische Schöpfertaten auch den werktätigen Masten die Wohltat Das unbegreifliche Ich. Y7) Geschichte einer Lugend. Roman von Tom krislensea. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) „Nun stehle ich unserem Herrgott die Pfirsich«, sagte er!" grinste Richard lochend.„Aber wir können ja hereingehen und uns das Tier besehen." Ich hörte die Tür gehen und drehte mich auf die Seite, den Kopf gegen die Wand. Ihre schnellen Schritte tönten in der danebenliegenden Stube. „Er schläft!" /rief sie und steckte den Kopf herein; doch ich stand auf. Ich konnte nicht anders. Im Türrahmen sah ich ihr Gesicht mit dem schweren, gelben Haar und den kalten, blauen Augen. Ihre Haut war durchsichtig und von mattem Glanz: doch wenn sie lächelte, schien ein« Goldplombe allzu stark hervor: und ich konnte auf den Einsall kommen, daß ihr ganzes Gesicht künstlich wäre. „Nein, ich schlafe nicht!" antwortete ich, ohne Raavads Tonfall in der Stimme. Ich sprach höflich und erhob mich galant. Das Lächeln verschwand, und ich sah nun, daß ihre Augen immer kglt stein mußten. „Sie haben sich aber mal verbessert, Sie sind ja ein richtiger Mensch geworden!" bemerkte sie. „Ja, ich habe es über, immer Raavad nachzumachen!" sagte ich und wollte sie wie ein Mensch den anderen ansehen: doch im selben Augenblick wurde es mir klar, daß ich Richards kultivierte Sprache nachmachte, und ich sank wieder auf den Divan. Richard kam herein. Sein Blick war stechend und es lag eine tiefe, verdrießliche Falte um seinen Mund. „Dein Hausgenic hat einen menschlichen Durchbruch be- kommen!" lachte Fräulein Drcyer. „Ja, ich höre es. Er ist grenzenlos langweilig geworden." Wieder tönte ihr Lachen. Ich verstand nicht, daß es so frei klingen konnte. Es war ja böse gegen mich. Ich konnte die Augen nicht von ihrer Gestalt lasten. Da waren die Füße und die schlanken, sicheren Bein«. Sie waren es, die ich das erstemal in der Bredgado gesehen hotte. „Er ist entzückte von dir, Bibeke, du hast eine neue Er- oberung gemacht," bemerkte Richard, und sie trat sofort«inen Schritt zurück: doch min ruhten ihre Augen in meinen, blau und unergründlich. War sie neugierig? Wollte sie mich «ecken, reizen? Ich wandte den Blick fort und sagte: „Ich kenne Sie gut von der Bredgade her." „Was, Sie kennen mich? Hast du das gehört?" lachte sie. Richard zuckte die Schultern. Er kramte in meinen Ma- lereien herum, die alle mit der Rückseite noch außen standen. „Was," rief er plötzlich,„hast du jetzt auch deine Raavad- Plagiate kassiert?" „Weshalb hast du das nicht früher gesagt!" rief ich mit überlauter Stimme. Ich vergaß Fräulein Dreyer und sprang auf. „Na, na, was ist denn mit dir los?" antwortete er und starrte mir grade ins Gesicht,„bist du nun so langweilig ge- worden, daß du auch deine Tolentlosigkeit entdeckt hast?" Fräulein Dreyer lachte:„Nein, das ist zu komisch!" Ich schüttelte den Kopf wie ein Stier, der nicht weiß, wen er aufspießen soll: doch dann besänftigte ich mich und sagte: „Ja. aber weshalb hast du mir dann geholfen? Weshalb bist du so gut zu mir gewesen?" „Gut? Du. Bibeke, hast du dies« Charakteristik von mir gehört, ja?" fragte er ironisch. Sie schüttelte mit dem Kopf, so daß die Haare ihr wild um den Kopf standen. Sie hatte Tränen in den Augen vor Lachen, und sie stöhnte mit halberstickter Stimme ein„Nein!" Ich trat zu ihr hin.„Sie— sagte ich. schüttelte den Kopf, ging weiter zum Divan hin und legte mich. Nein, ich wollte mich ihnen nicht geben! Warum auch sollte ich mich diesen Menschen ausliefern? „Macht, daß ihr wegkommt!" sagte ich laut der Wand zugekehrt. „Er wirft mich aus meinem eigenen Haus heraus, hahal Da hast du es, Bibeke, laß niemals einen Proleten über deine Schwelle kommen!" „Er ist wohl verrückt geworden!" antwortete sie mit einer gewissen Schärfe in der Stimme. Sie gingen hinaus und schlössen die Tür hinter sich. Ich blieb liegen. Hin und wieder fing ich einen Satz auf. „Zum Mittagessen wird er schon wieder versöhnt sein!" sagte Richard. Sie lachte. Etwas später hörte ich noch mehr. „Ist er denn vollständig talentlos?" fragte sie. „Ja, selbstverständlich. Es war ein glücklicher Fund, den Raavad da gemocht hatte, es war alles nur um Börgesen mit seiner Quotscherei über Primitivität zu necken. Ich konnte mir doch solchen Fund nicht entgehen lassen." „Das war aber doch schlecht von dir!" „Die Art Leute haben ein dickes Fell." Ich blieb immer noch liegen. Ich hörte, wie sie zu einem Spaziergang fortgingen, zurückkamen und aßen. Ich blieb ständig liegen. Es dunkelte und ich wartete daraus, daß Fräulein Dreyer flehen würde, denn ich wollte eine endgüllige Auseinander- fetzung mit Richard haben. Ich wollte herausbekommen, was es mit der Rederei, daß er einen privaten Hausclown bei sich habe, auf sich hatte, und ich wollte seine Bosheit ein Plagiat nach Raavad nennen, das war meine Absicht. Ich wollte es ihm direkt ins Gesicht schleudern und ihn mitten in sein Selbst- bewußtsein treffen! Was war er denn eigentlich? Der Sohn eines reichen Daters. das war alles! Aber einmal hörte ich sie lache». Sie war noch nicht gegangen. Es mußte spät sein. Er mußte sie erst noch Hause kegleiten, so spät war es. Da hörte ich einen Laut, als ob bloße Füße drinnen über den Boden gingen. Ich erhob mich erschreckt und lauschte. Ja, da fielen ein paar Sachen von einem Stuhl herunter. „Liebster!" sagte sie drinnan. Nein, nein! Lag ich wieder in meinem Zimmer neben Samuelsens? Mußte ich wieder erleben, daß Klara, meine Bibeke, für zwei Kronen bei ihm log, während ich hinter einer verschlossenen Tür lauschte und heiß wurde? War ich bloß von dem einen Limmer in das andere geflüchtet? Wiederholte sich alles noch einmal? Ich wurde plötzlich von einem Ueberdruß mit mir selbst gepackt. Immer war ich zu schwach und wurde in die ver kehrte Kommer gestoßen: doch ich war selber schuld daran. Das Leben war vielseitig. Bloß in mein eigenes, verdammtes Ich warf das Leben stets dasselbe Spiegelbild! Bloß in mir waren die Wiederholungen! Ich konnte nicht vortreten und das Leben bei der Kehle packen und auf die Knie zwingen. Nur durch das Lachen hatte ich einst vor langer Zeit einige Jungen— wie hießen sie doch gleich— besiegt. Aber wo war meine Sicherheit ge- blieben? Wo war das Gefiihl, das ich einmal gehabt hatte, daß ich mit zehn Jahren entdecken würde, ich wäre Jesus Christus? Alles wollte ich sein, nur nicht ich selbst. Ich sah keinen Holt. Ich kannte keinen, der mir helfen konnte! Immerzu war ich von Ort zu Ort gezage» und davon war ich einsam geworden. Keine Spur deutete darauf, welch»» Weg ich zu meinem Ich einschlagen sollte, oder vielmehr, es waren ihrer zu viele. Jedesmal, wenn ich scharf zusah, fand ich einen neuen: jedoch ich konnte bloß nicht darauf vorwärts kommen. Ich mußte springen! Jetzt wurde eine Tür geöffnet. Ich hörte sie draußen aus dem Korridor ihre Sachen anziehen und die Treppe hin- unter gehen. Sie schwiegen beide.(Fortsetzung folgt.) Genossinnen! Die„Wählerin" ist in den Abholestellen. eines gesunden und bequemen Wanslebens zu verschaffen: Fernheizung durch die ganze Stadt, wie wir heute Fernwasser, Ferngas, Fernlicht schon haben. Warmes Wasser in jedem Hause, Antennen aus jedem Hause, Radio in jeder Wohnung und was alles durch das Radio, wenn es dem Gemeinwohl systematisch dienstbar gemacht wird, gelernt und genossen werden kann. Alles das in die Tat um- gesetzt oder in Angriff genommen, würde für den Haushalt solche Ersoarnisse und für das Familienleben der Werktätigen solche Be> reicherungen bedeuten, daß nicht nur die furchtbaren Wunden der Kriegs- und Inflationszeit schnell geheilt, sondern in aller Zukunft selbst ein kleiner Verdienst viel größere Früchte bringen würde. Kapital oüer Volk l Don neuem stehen die Hausfrauen Berlins vor der Entscheidung, ob sie das Interesse ihres Haushalts, das Glück ihrer Familien zum Siege führen wollen, wie es sich für eine Republik gehört, oder das Herrschasls- und Ausbeutungsinteresse der Industriellen, Großkauf- leute und Hausbesitzer, was nur eine neue monarchische Knecht- schaft ohne Monarchen bedeuten würde. Von neuem sind die Haus- frauen vor die Frage gestellt, ob das Ausgabenbuch des werktätigen Volkes oder das Hauptbuch des Kapitalisten über Groß-Berlin regieren soll. Vier Parteiblöcke kämpfen heute um die Stimmen der werktätigen Männer Berlins und ihrer Frauen, Töchter, Mütter. Der reaktionäre Rechtsblock der Deutschnationalen und de» Deutschen„Volks"partei: in seinen Geheimkonventikeln schlägt er brutal das Hauptbuch der Kapitalistenklasse auf. Seine bezahlten Sendlinge aber schickt er zum Gimpelfang in die Massen mit der Sehnsucht nach dem Kaiser und der„guten alten Zeit*, mit frommem Augenaufschlag, aber die Silberlinge des Judas in den Händen. Der B l o ck d e r„goldenen Mitte", der Lauen und Aengst- lichen, der Kirche und der Demokratie, des Wunsches, aber nicht der Tat: was sie mit dem Munde und den Wünschen ihres Herzens versprechen, nehmen und zerstören sie durch ihre Unentschlossenheit und Wankelmlltigkeit. Auf der anderen Seite die K o m m u- nisten: zorn- und racheglühend, aber unfähig und lebensfremd, selbst bis zum Verrat der werktätigen Massen! Und endlich zwischen diesen Blöcken der Torheit, der Lauheit und der Nieder- tracht die Partei des werktätigen Volkes selbst, die deutsche Sozialdemokratie, die nichts und niemandem dient, als dem hohen Ziel werktätiger freier Gemeinschaft des Volkes und nur siegen will, um unter diesem Zeichen zu schaffen und zu gestalten. Hausfrauen, wählt sozialdemokratisch, die Liste 1! Die deutsche Sozialdemokratie ist es allein, die weiß und will, was die werktätigen Massen, die Hausfrauen, Mütter und Töchter ersehnen und verlangen: daß das Leben nicht zur Arbeit, sondern die Arbeit zum Leben da ist. Daß die Konsumenten und der Haushalt des Volkes nicht für die Industriellen und Unternehmer, sondern die , Industrie für den Volkshaushalt da sein soll. Daß wir nicht haus- halten und kaufen, damit produziert wird, sondern daß produziert werden soll, um immer besser und billiger zu kaufen, um immer reichlicher unseren Haushalt führen, immer mehr unseres Lebens froh sein zu können. Daß der Staat kein Instrument der Reichen, »atten und Herrschaftswilligen, sondern der Diener, der Freund teiner Burger sein soll, und das Glück der Familien, im Wandel der Geschlechter, im Zusammenleben der Völker sein Ziel. Daß endlich eine Stadtverwaltung nichts anderes fein darf als der zweite, nur allen gemeinsame Familienhaushalt, der für alle das leistet und ubernimmt, was die einzelne Familie, die einzelne Hausfrau nicht leisten und nur teurer leisten könnte. Von diesen großen Selbstverständlichkeiten wissen die anderen Parteien nichts und können sie nichts wissen. Das kann nur eine Partei, deren Führer und Führerinnen den Schuh selbst tragen, der die werktätigen Massen drückt. Das sollten aber auch am besten und tiefsten die Hausfrauen wissen und fühlen, auf denen die ganze Last des Haushalts, die ganzen Sorgen des bitteren Alltags am schwersten ruhen. Mögen die Frauen Berlins darum am 25. Oktober beweisen, daß sie der Verantwortung auch wirklich bewußt sind, die für das Glück ihrer Familie auf"Ihnen ruht. fiuf öem Höhepunkt. Der Wahlkampf hat auf der ganzen Linie mit Energie eingesetzt. Ein Regen von bedrucktem Papier ergießt sich aus den wehrlosen Berliner, der dem großen Anpreisungspanorama mit leiser Verzweif- lung gegenübersteht. Eine gewisse Wahlmüdigkeit ist bei den natio- nalistischen Parteien, die durch eine Politik des beispiellosen Betruges das Vertrauen auch ihrer Unentwegtesten schwer erschüttert haben, zweifellos festzustellen: sie selber rechnen mit erheblicher Stimmen- enthaltung. Aus einmal wollen sie alle die treuesten Freunde des Volkes sein: Es gibt keinen Zoll mehr, der dem Deutschen die not- wendigsten Lebensmittel unerträglich verteuert, die Arbeitslosigkeit unheimlich vermehrt und den Agrariern Profite schafft. Im Hand- umdrehen ist alles eitel Lust und Harmonie. Diese Rattenfänger schwarzweißrötlicher Eouleur, die mit der Dummheit des Volkes und seiner Vergeßlichkeit rechnen, sollten sich doch keinen Illusionen hingeben. So leicht vergißt sich's nicht. Die Quittung wird den Vogel-Strauß-Taktlkern der Rechten der kommende Wahlsonntag prä- sentieren. Eine besonders wirl�ingsoolle Propaganda, die die Be- ochtung vieler Tausende fand, war ein Propagandaauto der Sozialdemokratie, das, durch elektrische Lampen reich de- leuchtet, in zahlreichen Plakaten aufforderte, am 25. Oktober die Partei des Volkes, die Sozialdemokratie, zu wählen. Besonders in den Vierteln der Arbeit wurde der Propagandawagen lebhaft durch laute Zurufe begrüßt. Es gilt in den wenigen Tagen, die uns noch von der Wahl trennen, mit allerEnergiefürdenSieg der Sozialdemokratischen Liste zu werden. Unwissende aufzuklären und der vergiftenden Lügenpropaganda der Zollräuber einen ehernen Riegel vorzuschieben. Dann ist der sozialistischen Sache der Sieg gewi� Unerhörte Lebensmittclverfälschungen. „Prima Brüh- und Bratwurst, garantiert aus reinem Fleisch hergestellt," wird auf verschiedenen Wochenmärkten von Händlern zum Derkauf gestellt. Beamte der Rahrungsmittelkontrolle in Zivil haben nun von mehreren Verkäufern dieser Wurst Proben ent- nommen, und bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß in mehreren Fällen diese„Prima Wurst" mit einem Zusatz von gequetsckiten Kartoffeln oder von Kartoffelmehl bis zu 50 Prozent oerfälscht worden war. Dabei war diese Wurst nicht etwa billiger als diejenige, die von den Schlächtern zum Berlüuf gebracht wird und die aus reinem Fleisch besteht. In allen Fällen, in denen ein hoher Prozentsatz von Kartoffeln und Kar- toiselmehl bei der Wurst festgestellt worden ist. wird gegen die Hanl:'? wegen Betrug vorgegangen werden. Man sollte ihnen aber auch die Handelserlaubnis entziehen. .tü. Griff in die Armenkasse. Zu unseren Meldungen(in Rr. l7Z und in Nr. 478) über einen wegen Unterschlagung von Armengeldern veruriellten Wohlstrhrtstommissionsoorsteher des Verwaltungsbezirk Wedding bittet uns der die Wohlfahrt«» kommission 212 A leitende Vorsteher Alfred Weimann (früher Prinzenallee 13, jetzt Prinzenallee 81 wohnhaft) um die Feststellung, daß nicht er jener Dorsteher ist. Wir hatten bereits in Nr. 478 mitgeteilt, daß es sich um einen Vorsteher W e i h m a n n handelt, der die Wohlsahrtskommission 202 A leitet; eine Verwechselung war also wohl nicht mehr möglich. Wahlrecht— Wahlpflicht. Für Liste I. Am Sonntag entscheidet sich das Schicksal der Großgemeinde B e r%n für die nächsten vier Jahre. Das Wahlrecht zur Stadtver- ordnqtenoerfammlung ist allen Männern und Frauen, die am WahUage 2 0 Jahre alt sind und seit 6 Monaten in dem Gememdebezirk Berlin wohnen, gegeben; es auszuüben ihre Pflicht. Beschränkt euch nicht daraus, selbst wählen zu gehen, holt alle eure Bekannten und Freunde heran, damit sie ihr Wahlrecht nicht ungenutzt lassen. Die wahlzeik ist festgesetzt von g Uhr morgen« bis 0 Uhr abends. Es ist gut, möglichst früh sein Wahlrecht auszuüben. Jeder Wähler kann sein Wahlrecht nur in einem, und zwar in dem für Ihn zuständigen Abstimmungsbezirk(Wahllokal) ausüben. Stadtverordnete und Bezirksverordnete werden diesmal in einem Wahlgange gewählt. Die Wahlhand- lung ist öffentlich. Tie sozialdemokratische Liste ist die Liste 1. Der Abstimmungszettel sieht so aus: Wahl öerStaütveroröneten1y25 .... Berliner Wahlkreis. die rasenden Spießer. Der„Lokal-Aozeiger" macht Schauerkolporlage. Die Wahlschrecken scheinen dem„Lokal-Anzeiger* arg auf die Nerven gegangen zu sein. Die bürgerliche Wahlmüdigkeit, die kom- nmnalen Sünden des Reaktionsblocks haben die Stimmung merklich herabgesetzt. So muß irgend ein Husson-Säugling einspringen, um auf der ersten Seite des ehrenwerten Organs eine heiße Schlacht gegen die rotenJugendentsittlicher. gegen P a u l s e n und Löwen st ein zu schlagen. In diesem von Entstellungen und Verleumdungen starrenden Artikel wird von der Seelen- Vergiftung durch die rote Springflut, von gelockerter Zucht und er- schütterter Autorität gesprochen, und alles klingt so ehrenwürdig- spießig oerkalkt, daß man meint, einen pensionierten Studienrat wilhelminischster Prägung flüstern zu hören. Zlm Schluß des Elaborats, das in verwerflichster Weise an die feigsten Instinkte des guten Bürgers appelliert, heißt es: „Um die Seelen eurer Kinder geht's. Wer will sie verkaufen?" Dos sagen wir auch! Es geht umdieSeelenderKinder des arbeitenden Volkes. Es geht darum, daß der Nachwuchs der Bevölkerung, daß das Kind des Arbeiters, des Angestellten, des Beamten nicht systematisch verdummt wird, daß nicht seine wert- vollsten Anlagen erstickt und verschüttet werden in dem unseligen Programm ödester Nivellierung, mit dem die Schule der Bourgeoisie die aufsteigenden Kräfte aus der Tiefe bewußt hemmen will. Es rtes Rundfunkprogramm. Freitag, den 2i. Oktober. AnOer dem üblichen Tegeeprogramin: 4.30—6 Uhr abends: Ana Opern I.ortzings(geb. 23. 10. 1801). 1. Ouvertüre zu.Der Wildsohätz'1(Orchester). 9.») Vater, Matter ans„Undine", b) War einst ein junger Springsinsteid aus .Der Wafienaobmied'(Waldemar Henke von der Beriiner Staatsoper, Tenor). 3. a) Arie des Bürgermoisters aus.Zar und Zimmermann1', b) Auch ich war ein Jüngling, Died des L tadinger aus .Der Waftenschmied*(Peter Lordmann. Baß). 4. a) Bin ein sebliohtes Kind vom Lande ans.Der Wildschütz", b) Wir alle sind in Angst und Kot aus.Der Waffensohmied"(Lia Faidauer, Sopran). 5. Potpourri aus.Regina'(Orchester) 6. a) Darf ich wohl den Worten trauen, aus.Zar und Zimmermann", b) Du bist ein arbeitsamer Mensch aus.Der WaSonsobmied*, e) Im Wein ist Wahrheit aus.Undine'(Waldemar Henke und Peter Lordmann). 7. Ouvertüre zu.Undine"(Orchester). 8. a) Mein Weib, mein teures Weib aus«Der Wildschütz" b) Darf eine niedre Magd es wagen aus.Zar und Zimmermann"(Lia Fuldauer und Waldemar Henke). Kleines Berliner Funkorchester. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 6 45 Uhr abends: Dr. Paul Hirsch-Mamroth:«Vom guten Appetit und seinen schlechten Folgen".(Eine ärztliche Plauderei). 7.20 Uhr abends; Hans-Bredow- Sehale(Bildungskurse). Abteilung Literatur. Theodor Kappstein:.Deutsche Dichter und Denker". 3. Vortrag;.Friedrich von Schiller".(3. Teil). 8 Uhr abends: Sendespicle Abteilung Operette. Leitung: Cornelia Bronsgeest. Spielzeit 1925/26. 9. 1 eranstaltung. Zum 100. Oeburtstage von Johann Strauß(25. Oktober)..Waldmeister", Operette m drei Teilen von Johann Strauß. Für den Kundfunk eingerichtet von Cornelia Bronsgeest. Dirigent: Bruno Seidler-Winkler. Pauline, Süngerin der Dresdener Oper: Hussa-Greve; Botho von Wandt: Bernhard Bötel; Chistof Heffele, Amtshauptm&nn: Gerhard Pechner; Malvine, seine Frau: Grate Liebreich; Fresa. deren Tochter: Else d'Heureuse: Tymoleon von Genus. Oberforstrat und Direktor der königlichen Forstakademie: Robert Koppel; Erasmus Friedrieh Müller. Prof. der Botanik; Karl Platen; Jeanne, Gesellschaftsdame der Panline: Pepi Zampa: Schultheiß Danner: Bernhard Köhler; Martin Oberkneont in der Waldmühle; Wilhelm Köppner. Diener, Stubenmhdchen ha» Haff eis, Paulines Freundinnen, Forstelovcn. Der erste Teil spielt in einer Waldmühle, der zweite und dritte Teil im Hause des Amtahauptraanns. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. gilt, unsere Kinder vor dem seelenmordenden System der Religions- beamten, die die Söhne und Töchter der Werktätigen zu Ausge- beuteten in ihren„Bekenntnisschulen"„erziehen" wollen, zu de- wahren. Darum geht am 25. Oktober unser Schulwahlkamp?. Und wir wissen, daß diesem Kamps um die freie, sarlschrillliche Schule die Sympathien aller Einsichligen gehören. Mit Sem Hängegerüst in Sie Tiefe. Furchtbares Lauunglück iu Leukölln. Vor wenigen Wochen ereignete sich/ wie erinnerlich fein wird, in der W i e s« n st r a ß e im Norden Berlins ein schweres Bau- Unglück: ein Hängegerüst stürzte herab und zwei Maurer wurden lebensgefährlich verletzt. Nun wird schon wieder ein ähnliches schweres Unglück gemeldet, das sich am Donnerstag nachmittag gegen 3 Uhr in Neukölln, Weisestraße 33, ereignete. Auch hier stürzte»in Hängegerüst plötzlich aus dem vierten Stock in die Tiefe und riß zwei Dachdecker mit sich hinab. Der Dach- decker Anton Löffler aus Neukölln, Karlsgartenstraße 16, ver- starb infolge der schweren Verletzungen, die er bei dem Sturz er- litten hatte, bereits auf dem Transport nach dem Krankenhaus. Sein Arbeitskollege, der Dachdecker Paul Howarka, Neukölln, Leine- In diesen Kreis gehört Dein Kreuz I straße 2, erlitt schwere innere Verletzungen und mehrer« Knochen- brüch« und wurde in bedenklichem Zustande von einem Wagen des Städtischen Retwngsamtes In das Buckower Krankenhaus einge- liefert. Die fortwährenden schweren Bauunfälle könnten zu dem Schluß Anlaß geben, daß die baupolizeiliche Kon- trolle der Baugerüste nicht in der strengen Weise durch- geführt wird, die notwendig ist. um das an sich ständig schwer ge- fährdete Leben der Bauarbeiter wirtsam zu schützen. Z. B. können — auf der anderen Seite— die vielen Kleinsiedler ein Lied davon singen, wie scharf und unnachsichtig die Baupolizei ihnen gegenüber bei harmlosen Wohnlauben- und Stallbauten ist. Ausstellung für Wohnungsbau. Die gemeinnützige Wohnungsfürsorge. Gesellschaft Berlin oeranstattet jetzt eine kleine Ausstellung, um ein« Uebersicht über die bisher mit Hilfe der Hauszinssteuer fertiggestellten Woh- nungsbauten und auch über einen Teil der mit Hauszinssteuerhypo- theken noch zu brechenden neuen Bauvorhaben zu geben. Nicht selber zu bauen, sondern den Wohnungsbau durch Beschaffung von Hypotheken aus der Hauszinssteuer zu fördern, ist Zweck und Aus- gäbe der Wohnungsfürsorge-Gesellschaft. Diese Ausstellueng, die im Berliner Stadthaus(Eingang Kloster- straße, Saal 339) untergebracht ist, zeigt an Grundrissen und Lage- Plänen, an Modellen und Ansichten fertiger Siedlungen oder Einzel- bauten, was von Genossenschaften und gemein- nützigen Baugesellschaften und auch von pri- vaten Unternehmern geleistet wurde oder für die n ä ch st e Z« i t a e p l a n t i st. Die Wohnungsfürsorge-Gesellschast hat neben der Hopothekenbeschafsung auch die sachkundige Bau- beratung zu ihrer Aufgabe gemacht, um zur Verbesserung des gesamten Wohnungsbauwesens beigetragen. Mit welchem Erfolg sie sich um die Lösung dieser Aufgabe bemüht, davon gibt die Aus- stellung manche Probe. Die Gejellschaft läßt kein« Seitenflügel oder Quergebäude zu, sondern Randbebauung großer Baugelände, deren Inneres als Grünfläche freibleiben muß. Bei der schlichten Feier, mit der am Donnerstag die Ausstellung eröffnet wurde, beklagte der an der Spitze der Wöhnungsfürlorge-Gesellschast stehende Direktor Schallenberger, daß nur ein geringer Teil des Hauszinssteuerauf- kommens dem Neubaufonds zugeführt werden darf. Den Bestrebun- en, einen möglichst großen Teil der Hauszinssteuer für allgemeine swecke des Reichs, des Staates und der Gemeinde vorzubehalten, müsse entgegengetreten werden, sonst könne man dem Wohnung-- Mangel nicht abhelfen. Weil auch bei Gewährung einer Hauszins- steuerhypothek immer noch sehr erhebliche Beträge aus eigenen Mitteln beschafft werden müssen, kann diese Wohnungssürsorge den Mittellosen kaum zugute kommen. � Hier hat die Stadt durch Her- aab« eines besonderen Zuschußfonds eingegriffen, um auch in solchen Fällen den Wohnungsbau noch zu ermöglichen. Im ganzen sind bis zum Frühjahr 1925 10 050 Wohnungen finanziert worden, darunter 49 Proz. Hochbauten(4 oder 5 Stockwerke), 28 Proz. Mittel- bauten(bis zu 3 Stockwerken) und nur 23 Proz. Flachbauten. Da der Bedarf an neuen Wohnungen in Berlin immer noch auf 100 000 geschätzt wird, so bedeuten 10 000 Woh- nungen eine leider sehr geringe Milderung des Wohnungsmangels. Man sieht, wie berechtigt die Forderung ist, daß der Hauszinssteuer- ertrag in weitestem Maße wirtlich für den Wohnungebau verwendet wird. Die Ausstellung ist geöffnet vom 23. Oktober bis zum 1. No- vember täglich von 9—4 Uhr. Dieser alte, oft angerweifelte Rat ist auch heute noch weise und gut, nur muß die Frau ihrem Ehemann stets begehrenswert erscheinen. Siel darf ihr fleußeres, vor allem ihren I schönsten Schmudc, das Haar, nldü vernachlässigen. Ein wohlgepflegtes. leuchtendes Haar verleiht auch einem minder schönen Antlitz unendlichen Liebreiz, ünd wie leicht ist heutzutage die Pflege dieses natür. lichen Kleinodes: man wäscht es wöchentlich einmal mit dem idealen Kopfwaschmitlel„Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" und hat so die Garantie, die beste Haarpflege auszuüben. Millionen verdanken diesem Präparat die herrliehe Fülle ihres Haares. Verlangen Sie daher beim Kauf nur dieses Fabrikat, kurz gesagt»Sehwarzkopf Schaumpon* ZZZZZ Der Segen Groß- Berlins. Aus dem Verwaltungsbezirk Köpenid. ganz * ,, Los von Berlin!" und Nieder mit der sozialistischen Mißwirtschaft!" das waren die ständigen Fanfaren, die in den ersten Jahren des neuen Berlin von den bürgerlichen Hauptschreiern St e in und Mier in fast jeder Bezirksverordnetenfizung ertönten. Jetzt ist es davon bis in den äußersten Winkel des Bezirks still still geworden. Das sozialistische Bezirksamt" und an seiner Spize als Bürgermeister Genosse Rohl haben durch tatkräftiges Wirken bewiesen, daß nur der Anschluß an Groß- Berlin die Entfaltung der vielen fleinen früheren Gemeinden wirksam fördern und zukunftssicher gestalten konnte. Die größten Aufwendungen muß der Bezirk machen für den durch die kleinbürgerliche Verwaltung einzelner Gemeinden bis zur Eingemeindung rückständigen Ausbau bei Tief- und Hochbauver= waltung, Wohlfahrtspflege und sonstigen allgemeinen Fürsorge. In Verbindung damit steht die Durchführung der Kanalisation in den noch nicht dem Kanalisationsnet angeschlossenen Ortsteilen des Bezirks. Auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege ist zu verzeichnen, daß in der Sozialrentnerfürsorge Anfang 1922 745 Personen, Anfang 1923 757, Anfang 1924 1020 und zurzeit 1132 Personen unterstügt wurden, die im Rechnungsjahr 1924 für Unterftügungen aufgewendete Summe beträgt rund 230 500 m. In der Kleinrentnerfürforge, die seit April 1922 besteht, wurden 1922 26, 1923 53, 1924 355 und zurzeit 432 Bersonen unterstützt; die im Rechnungsjahr 1924 dafür aufgewendete Summe stellt sich auf rund 95 000 M. In der Kriegsfürsorge wurden 1098 Kriegsbeschädigte, 527 Kriegermitmen, 38 Kriegervoll, 717 Kriegerhalbwaisen und 127 Elternpaare unterstüẞt. In Köpenick wurde ein Obdach und in Friedrichshagen eine Wärmehalle eingerichtet, die stark henußt waren; die für den Bezirk feit November 1922 eingeführte Boltsspeisung verausgabte im Tagesdurchschnitt 60 Bortionen. Die Einrichtung des Arbeitsnachweises, einer Berufsberatungsstelle in Verbindung mit dem Jugendamt, der Ausbau des Rindergartens, des Altersheims und insbefondere die Webernahme des früheren Kreistrantenhauses in die Berwaltung des Bezirks find Marksteine auf dem Gebiet der Für forge im Bezirt durch das fozialistische" Bezirksamt. Auch auf bem Gebiet der Schule, auf dem vordem viel verabsäumt worden ift, find dank der Tätigkeit des Bürgermeisters Rohl Fortschritte zu verzeichnen. Der erwähnte Neubau des Lyzeums in Friedrichs hagen, der Dorotheenschule in Köpenid, einer Gemeindeschule für die Ortsteile Rahnsdorf, Wilhelmshagen, Heffenwinkel find in Ausführung resp. Vorarbeit genommen. Verschiedene andere notwendige und wichtige Pläne von Schul- und Turnhallen neubauten, Anlage von Schulgärten und Spielplägen harren der Bearbeitung, da gerade auf diesem Gebiete der Bezirk als der vernachläffigste aller Berliner Bezirke anzusprechen ist. Außerdem waren im Voranschlag für 1925 als dringend notwendige Arbeiten der Bau einer Stadthalle mit Bibliothet und Lesehalle, der Erweiterungsbau des Berwaltungsgebäudes in Köpenid, der Bau von Warmwasserbadeanstalten in Köpenid, Friedrichshagen und Grünau, umfangreiche Neupflasterungen von sehr im argen liegenden Straßen des Bezirks gefordert. Bürgerliche und Kommunisten aber lehnten in freuer Gemeinschaft nicht nur dies, sondern überhaupt alles für den Bezirk Geforderte ab. Die Wählerschaft des Bezirks mag am 25 Oktober entfcheiden, wer die Intereffen des Bezirks vertreten und gefördert hat, wis, die wir auf Erfolge verweifen fönnen oder die bürgerlich- fommuniffifchen Neinfager. Die Antwort tann nicht schwer fallen. Daher forge jeder für eine Stärkung unserer Stellung im Stadt. und Bezirksparlament. Wahlpropaganda. In einem Bereinslofal tagt eine Bersammlung, die sich mit den Mißständen im Berliner Wohnungsbau ausein. andersetzt. Der Bortragende hat erklärt, die Versammlung sei unpolitisch und er bitte, daß in der Diskussion feine Barteipropaganda betrieben werde. 3wei Diskussionsredner halten sich an diese Bitte, der Abend scheint friedlich enden zu wollen. Aber an einem Tisch, dicht an der Bühne, fizt ein Mann im Schmude eines braunen Bollbarts, mit einem bescheidenen Lodenmantel bekleidet. Er teilt feine Aufmerksamkeit zwischen den Rednern und dem Glase Bier auf dem Tisch. Hin und wieder schüttelt er den Kopf oder nicht zustimmend, dann beginnt er unruhig auf seinem Siz herumzu rutschen, er fämpft mit einem schweren Entschluß, schließlich meldet er sich zum Wort. Mit biederen Schritten stampft er auf das Rednerpult, noch schnell fäubert er feinen Bart vom Bierschaum. Jeder fann jetzt beobachten, daß er ein echt deutsches Jägerhemd trägt. Er beginnt zu sprechen. Schwer entringen sich die Worte feinem Bollbart. In seiner Stimme schwingt Rührung. Ja, überall figen Ausländer, fein wahrer Deutscher findet eine Wohnung, da gegen die anderen, die aus Palästina und Galizien tommen... in feinen Augen schimmern Tränen, die Stimme stockt, er reißt sich das Jackett auf und schlägt mit der Faust dröhnend auf seine Brust: Ich bin ein deutscher Mann!" orgelt dazu sein Baß. Dann verstummt er und blickt sich hilflos um. Einige Unbarmherzige lachen und schreien Knüppel- Kunze!" Bei diesen Worten leuchten die Augen des Berstummten auf. Kunze, ja, das ist der Mann!" schreit er. Dann stodt er wieder. Der Bersammlungsleiter braucht ihm nicht das Wort zu entziehen, dem Vollbärtigen fällt doch nichts mehr ein! Er windet sich vom Rednerpult her unter, wirft giftige Blicke, droht mit den Fäusten und sinkt auf feinem Stuhl in Bergessenheit. Unverständliche Worte murmelnd berläßt er bald darauf den Saal. Auflösung des Gutsbezirks Seegefeld. Nach endlosen Berhandlungen mit den zuständigen Behörden, bzw. Meinungsaustausch der Einwohnerschaft untereinander, ist nunmehr von der Behörde eine Abſtimmung über die Zukunft des Gutsbezirts Seegefeld am Sonnabend, den 24. bzw. Sonntag, den 25. Ottober 1925 festgelegt. Die Gutseinwohnerschaft soll felbft darüber entscheiden, ob sie eine eigene Gemeinde, oder durch Anschluß an Faltensee eine leistungsfähige Einheitsgemeinde bilden wollen. Stimmberechtigt sind alle im Gutsbezirk Gemeldeten vom 18. Lebensjahre ab, fomie die Forensen, d. h. auch die Grund. ftüdsbefizer des Gutsbezirfs, die nicht im Gutsbezirt, fondern auswärts, z. B. in Berlin oder wo anders mohnen. Lettere haben ihren zugesandten Stimmzettel späte= stens bis Sonntag, den 25. Oftober 1925 bei der Guts Derwaltung einzusenden, falls er nicht persönlich am Abstimmungsort abgegeben wird. Die örtliche Wahl findet am Sonnabend, den 24. Oftober, von 3 bis 6 Uhr nachmittags und Sonntag, den 25. Oftober, von 9 bis 5 Uhr in den Wahllofalen von Beier, Borfigstraße 83 und Fr. Lübke, Neufinfenfrug, Bismardstr. 11, statt. zu bemerken ist, daß bei der übergroßen Mehrzahl der Gutseinwohner fich die Erkenntnis durchgerungen hat, daß nur die Bildung einer Einheitsgemeinde mit Faltensee bei dieser Wahl in Frage kommen fann. Das entspricht auch der einzig praktischen Auffaffung eines jeden fachverständigen Kommunalpolitikers. Diesen Standpunkt müssen auch die Siedler einnehmen. Sie wissen am STADT BEILAGEE RK DES VORWARTS besten, welche Forderungen und Wünsche nicht nur berücksichtigt, sondern auch zur Durchführung gelangen müssen, um das Biel zu Parteinachrichten erreichen, welches sie sich gesteckt haben. Dazu gehört aber eine leiftungsfähige Gemeinde. Sie wird zur Möglichkeit in dem Anschluß des Gutsbezirts Seegefeld an die Gemeinde Falkensee. Darum beantworten alle Stimmberechtigten die Frage mit" Ja". Wähler- Kundgebungen Freitag, den 23. Oktober, abends 7%, Uhr: Mitte: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tiergarten: Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 23. Wedding: Pharusfäle, Müllerstraße 142. Nationalhof, Bülowstraße 37. Bazzenhofer, Chausseestraße 64.- Schiller- Lyzeum, Pant- Ede Böttcherstraße. Prenzlauer Berg: Schulaula Greifenhagener Straße 20.Schulaula Pasteurstraße 44. Friedrichshain: Königsbant, Große Frankfurter Straße 117. Charlottenburg: Hohenzollern- Festsäle, Berliner Straße 105. Spandau: Jubiläums- Turnhalle, Ede Askanierring und Morißstraße. Siemensstadt: Masand, Nomnendamm- Allee. Staaten: Wolff, Spandauer Straße. Wilmersdorf: Viktoriagarten, Wilhelmsaue. Wannsee: Reichsadler, Königstraße 27. Schöneberg: Chamissoschule, Barbarossaplatz. Friedenau: Bürgersaal, Rathaus am Lauterplatz. Lantwig: Realgymnasium, Raulbachstraße. Lichterfelde: Oberrealschule, Ringstraße. Mariendorf: Graßl, Chauffeestraße 303. Tempelhof: Kurfürst, Dorfstraße Ede Berliner Straße.( Be amtenversammlung.) Neukölln: Wintergarten( Schultheiß), Hasenheide 22. Brih: Gesellschaftshaus, Chauffeestraße 96. Rudow: Heinze, Juliuspart. Niederschöneweide: Aula Mädchenschule, Berliner Straße 31. Adlershof: Wöllstein, Bismardstraße 73. Johannisthal: Bürgergarten, Parfstraße 26. Treptow: Nietzschte, Am Treptower Bart 26. Eichwalde: Witte, Kaiser- Friedrich- Straße 1. Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Grünau: Restaurant Jägerhaus. Lichtenberg: Cecilien- Lyzeum, Rathausstraße. Mahlsdorf: Anders, Bahnhofstraße. Kaulsdorf: Schule, Adolfstraße 26. Weißensee: Stadthalle, Pistoriusstraße 17. Bankow: Linder, Breite Straße 32. tiederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Buch: Göpfert, am Bahnhof. Reinickendorf: Schüßenhaus, Residenzstraße 1. Tegel: Strandschloß. Redner: Aufhäuser, Erwin Barth, Bublih, Brüdner, Rob. Breuer, Brolat, Clajus, Dittmer, Edhardt, Dr. Friedländer, Falkenberg, Gutschmidt, Händel, Ad. Hoffmann, Hente, Hermes, Haß, Dr. Herz, Kraufe, Kokke, Dr. Kawerau, Erna Kresse, Kaming, Ruffner, Künstler, Klodt, Kreuziger, Leid, Landa, Litfe, Lempert, Dr. Lohmann, Lüdemann, Otto Meier, Mielih. Peters, Poetisch, Pfannkuch), Dr. Roeder, Rohde, Reuter, Rosemann, Reimann, Lisbeth Riedger, Ruben, Adele Schreiber, Stelling, Karl Schneider, Else Scheibenhuber, Dr. Treifel, Minna Todenhagen, Thurm, Urich, Wels, Dr. Weinberg, Wermuth, Clara Weyl, Zubeil. Tagesordnung: ,, Eine ernste Mahnung in letzter Stunde." Sonnabend, den 24. Oktober, abends 7% Uhr: Schöneberg: Lindenhof( Siedlung), Ledigenheim Haselhorst: Sporthaus. Haselhorst: Sporthaus. Gatow: Zur Linde"( Inh. W. Krause). Cladow: Lokal Hans Bäuermann. Lichtenrade: Stieler, am Dorfteich. Bohnsdorf: Bierbach, Bahnhofstraße. Biesdorf- Süd: Dieze, Köpenider Straße. Buchholz: Rossad, Hauptstraße 72. arow: Lotal Sufom, Dorfstraße. Borfigwalde: Borsigwalder Festfäle, Spandauer Straße. Redner: Fechner, Hermes, Dr. Herz, Kreuziger, Kubig, Dr. Löwenstein, Peters, Thiele, Urich, Dr. Weyl. Tagesordnung: ,, Halfef am Sonntag Abrechnung!" „ Es lebe das fozialdemokratische Berlin." Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, ** für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts. zu richten. 5. Kreis Friedrichshain. Die allgemeine Flugblattverbreitung für GroßBerlin findet für den Kreis Friedrichshain nicht statt. 7. Areis Charlottenburg. Genossen und Genoffinnen, die sich an der Fahrt des Propagandaautos beteiligen wollen, treffen sich Freitag und Sonn abend, nachmittags 1 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4. Charlottenburg. Sonnabend, den 24. Oktober, abends 6 Uhr, Treffpunkt am Bahnhof Charlottenburg, Stuttgarter Plak, zum Bro pagandauinzug mit Mufit, Transparenten, Fahnen, Plakaten und Fadeln. 20. Kreis Reinidendorf. Sämtliche Abteilungen beteiligen fich an der am Sonnabend, den 24. Oktober, 7% Uhr, in den Borsigwalder Festfälen, Borfigwalde, Spandauer Ede Conradstraße, stattfindenden öffentlichen Wahlversammlung. 85. Abt. Tempelhof. Heute, Freitag, den 23. Oftober, 28 Uhr, öffentliche Rundgebung der Beamten zum 25. Oftober im Saal bes ,, Kurfürsten", Dorfstraße.' Ministerialrat a. D. Faltenberg spricht. Heute, Freitag, den 23. Oktober: 21. bt. 7 Uhr treffen fich die Genossen in den Pharus sälen zur BersammTung. Am Sonnabend, den 24. Ottober, nach der Flugblattverbreitung, 7 Uhr, Funktionärversammlung bei Kroll, Utrechter Str. 21. Das Propagandamaterial ist sofort von Kroll, Utrechter Str. 21, abzuholen. 38. Abt. B. R. 6,30 Königsbank. 40. Abt. 7% Uhr bei Reufner, Sagelberger Str. 20a, Susammenkunft aller Genoffinnen und Genoffen, welche bei der Wahlarbeit helfen wollen. 43. bt. 7 Uhr Extrazahlabend für den 123., 124. und 130. Bezirk bei Reim, Urbanstr. 29. 45. Abt. 7% Uhr bei Wienziers, Reichenberger Str. 104, Funktionärverfamm. Iung. Sonnabend, den 24. Oktober, Flugblattverbreitung von den Gruppen lokalen aus. 47. Abt. 7% Uhr bei Schweifhardt, Köpenider Str. 166, Funktionärversamm Tung. Sonnabend, den 24. Oktober, 5 Uhr, Flugblattverbreitung bei Giedentopf, Mustauer Str. 35. Ein Damenschirm gefunden im Lokal von Behrendt, Manteuffelftr. 95. Dortfelbft abzuholen. 56. Abt. Charlottenburg. Die am Sonnabend zur Verbreitung gelangenden Flugblätter ffönnen bereits heute abend abgeholt werden.-1. und 3. Gruppe bei Liersch, Rantstr. 62. 2. Gruppe: Judowiad, Solgendorffftraße 20. 84. Abt. 2antwig. Alle Barteigenoffen beteiligen fidh reftlos an der Wähler. fundgebung im Realammnaftum und sorgen filr quten Besuch. 95. Abt. Reukölln. Nach der Kundaebung oder am Sonnabend von 5 Uhr ab Flugblätter abholen von Röseler, Steinmenftr. 46. Zur Verbreitung alles einladen. Sonnabend, den 24. Otober, 7% Uhr, bei Röleler, Steinmekftr. 46, Borstandssitung. 128./130. Abt. Bankow und Heinersdorf. 7% Uhr öffentliche Versammlung bei Lindner, Breite Straße. Die Funktionäre treffen sich eine Viertelstunde vorher. 141. Abt. Rosenthal. Flugblätter beim Genoffen Dehmel in Empfang nehmen. Wegen der Fahnenverteilung an die Schultinder treffen fich die Genoffinnen Sonnabend, den 24. Oktober. vormittag 10% Uhr, bei der Genoffin Dehmel Sonnabend, den 24. Oftober, 7 Uhr, bei Möller, am Bahnhof, Mitgliederversammlung. Jebe Genoffin und jeder Genoffe müssen erscheinen. Morgen, Sonnabend, den 24. Oftober: 2. Abt. 5% Uhr treffen fich die Mitglieder und beren Frauen am RaiserFranz- Grenadier- Blak zum actelzug mit Mufit. 3. Abt. Treffpunkt zum adelaug 5% Uhr am Raifer- Franz- Grenadier- Blah. 4. Abt. Treffpunkt zum Fadelana 5 Uhr am Raifer- Franz- Grenadier- Blak. 1., 6. und 7. Abt. Sämtliche Genoffinnen und Genoffen fammeln fich 6 Uhr am Roppenplag, Ede Linienstraße, aum Fadelzug mit Mufit. 8. Abt. Treffpunkt zur Wahldemonstration 5% Uhr Dennemikplak, Ede Alvenslebenstraße, mit Mufit und Fadeln. 9. Abt. 4 Uhr lehte Flugblattverbreitung bei Sübner, Wilsnader Str. 84. Es beteiligt fich auch die Jugend daran. 11. Abt. Bon 5 Uhr ab Fluablattverbreitung von Berger, Bevekomftr. 21, aus. 13. Abt. Bon 4 Uhr ab Flugblattverbreitung von der Vorwärtsspedition, Wilhelmshavener Str. 48, aus. 20. Abt. Ab 4 Uhr Ausgabe der Flugblätter bei Fritsch. Sonntag, dent 25. Oktober, treffen sich alle Genoffen vormittags 8 Uhr in ihren Bezirks. YoBalen. 24. Abt. Ah 5 Uhr Flugblattverbreitung von den Gruppenlofalen aus. Abends 7 Uhr pilnftlich außerordentlicher Rahlabend. 25. Abt. Von 5 Uhr ab bei Gott, Aniprodestraße, Flugblattverbreitung. Ebenda um 7 Uhr Taffen sich alle Barteigenoffen zur Wahlarbeit eintragen. 27. Abt. 6 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lofoten aus. 31. Abt. Nachmittags Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. 39, Abt. Flugblätter file Sonnabend find heute, Freitag, beim Genoffen Lucht, Lindenstr. 2, abzuholen. 41. Abt. 5 Uhr bei Schufter, am Chamiffoplak, Treffpunkt für alle Mitglieder mit Angehörigen zum Werbeumaug. Fadeln bei Schuster erhältlich. Ar beiterjugend und Reichsbannerkameraden sammeln fich um 5 Uhr an der gleichen Stelle. 44. Abt. 5 Uhr Treffpunkt aur Flugblattverbreitung: Stadtbezirk 79 bet Bogel, Briger Str. 42. 80., 81. bei Gloger, Adalbertftr. 5. 84. bei Gemmeder, Naunynstr. 28. 85., 89. bei Eiffert, Oranienftr. 196. 87. bei Gehnebold, Admiralstr. 5. 88. bei Jacob, Rottbufer Str. 2, Sof 1 II. 90. bei Strukte, Mariannenftr. 17, v. II. 91. bei Nagel, Manteuffelfre. 47. 92. bei Melchert, Manteuffelftr. 62, Querab. I. Charlottenburg. 52. Abt. Bur Flugblattverbreitung treffen fich die Genoffen nachmittags von 3 Uhr ab bei Bade, Raiserin- Augusta- Allee 52. 6 Uhr Treffpunkt zur Demonftration Stuttgarter Blas. Am Sonntag, den 25. Oktober, treffen sich alle Genoffen vormittags 8 Uhr bei Bade zur Wahlarbeit. 54. Abt. 5 2hr Flugblattverbreitung. Am Sonntag, den 25, Oktober, finden fich fämtliche Genoffen und Wahlhelfer morgens 8 Uhr in den Gruppenlokalen ein. 5. Gruppe: Bühnemann, Selm both ftraße. 6. Gruppe: Jugendheim Rosinenstr. 4.-7. Gruppe: Bogel, Spreeftr. 8. 57. Abt. 4-6 Uhr Flugblattverbreitung. 1. Gruppe: Arndt, Rantstr. 51. 2. Gruppe: Thunad, Wielandstr. 4. Um 6 Uhr Treffen zum Propagandaumaug am Stuttgarter Blak, Bahnhof CharLottenburg. Schöneberg. 78. Abt. 5% Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Um rege Beteiligung wird dringend ersucht. Am Sonn tag, den 25. Oftober, frilh 8 Uhr, treffen sich fämtliche Genoffen und Wahlhelfer bei Wandtke, Bahnftr, 25, und bei Rosenthal, Chersftr. 66. 79. Abt. Bon 4 Uhr ab Flugblattverbreitung von Groß. Sedanstraße, und den Rahlabendlokalen der Bezirke aus. Alle Genoffinnen und Genossen milffen restlos erscheinen. 81. Abt. Friebenau. Bon 5 Uhr ab flugblattverbreitung bei Alabe, Handjernstr. 60/61, 82. Abt. Steglik. 6% Uhr Treffpunkt Marktplak, Düppelstraße. Umaug burch Stealik. Erscheinen aller Genossen Pflicht. 85. Abt. Tempelhof. Alle Genoffen treffen fich 6 Uhr in der Linde", Werder Ede Friedrich- Rarl- Straße zum Wahlumzug. Der Umzug findet Fadeln und Mufit ftatt. folger. Herabergstr. 12, bie Flugblätter und das legte Wahlmaterial ab. In einer Beamtenversammlung des Bezirksamts Kreuzberg mit den Bon& Uhr ab hofen die Bezirksführer von Sebel Nach sprach Genosse Stadtrat a. D. Poezich. Die gewaltige Beamten schar hat, so führte der Redner aus, auch eine ganze Anzahl Ber. fönlichkeiten unter sich, die selten wissen, was sie eigentlich mollen. Nicht wenige denten noch immer an ihren ehemaligen Brotgeber und wiffen nicht, daß es heute bie Sozialdemotrate it. Die echten holländischen ist, die sie schüßt. Diese hat im Kampf für die Republik ihnen Vorteile geschaffen, die sie ausnügen follten. Statt gegen Juden und Borgesetzte zu heben, müßten fie fachliche Arbeit leisten für das Beamtenrätegefeß, müffen fagen, mas fie wollen, damit die Partei fich noch mehr als bisher für ihre Ansprüche einsetzen kann. gibt viel zu viele Eigenbrötler unter den Beamten. Sie alle mürben viel erreichen, wenn sie in der SPD, sich zusammenfänden. Der 25. Oftober ist die nächste Gelegenheit. Es Jubiläen. Am 20. Ottober feierte der Hausverwalter Eduard Ruglin, Sochstädterstr. 1, mit feiner Chefrau Anna, geb. Jacobi, das Fest der Gilber hochzeit. Am 27. Oktober 1925 feiert unfer alter Barteigenosse August Daene mit feiner Frau das Fest der golbenen Sodheit. August Dachne ist einer der Alten in der sozialistischen Arbeiterbewegung. Schon in den 70er Jahren war er Anhänger der Partei, und manches Baket aufflärender Schriften ging durch seine Hände. Viele Jahre war er Borfikender der Orts. trantentaffe für das Maurergewerbe zu Berlin. Geines fegensreichen Wirkens werden sich viele Genossen gern erinnern. Weffer für Berlin und Umgegend. Weiterhin mild, meist bewölkt, mit Regenfällen. Für Deutschland. In ganz Deutschland sehr milde, im Norden regnerisch. POLAK ajp PUDDINGE Dem Kinde stillst du jedes Weh, Gibst du ihm Pudding ATP - 4.6 The batterbreitung son ben bekannten Zolafen aus. Die Bezirtsführer fönnen von 3 Uhr ab bie Flugblätter von Günther abholen. 8 Uhr Sigung mit den Bezirksführern bei Schröder, Steinmegftr. 52. Erscheinen iit Pflicht. Zichtenberg. 115. abt. 5 Uhr Treffpunkt der Genossen in ihren Rahlabend. Lokalen. Bollzähliges Erscheinen notwenidg. 117. Abt. Ab 5% Uhr michtige Flugblattverbreitung von Krüger, Türrschmidtstr. 33, und Klofe, Eitel Ede Rupprechtftraße, aus. 8 Uhr Extrazahlabend bei Klose. Außer bem bei Gundlach, Kant- Ede Leffingstraße. 119. Abt. 5 Uhr Flugblattverbreitung von Nene, Möllendorfftr. 43. 128./130, bt. Bankow und Heinersdorf. Achtung, Gruppenführer!! An. gemeine Flugblätter 4 Uhr bei Rißmann abholen. Bünktlich 6 Uhr Anizeten aller Genossen und Genofsinnen auf dem Marktplatz zum Umzug mit Musik und Fadeln. Nach dem Umzug kurze Besprechung der Parteigenoffen im Türkischen Belt", Breite Straße. Jungfozialisten. Gruppe Mitte: Der Gruppenabend fällt aus. Dafilr Be teiligung an der Rundgebung der Partei. Gruppe Zankwik: Der angefekte Seimabend fällt aus. Dafür reftlofe Beteiligung an der öffentlichen Wahlfundgebung der Bartei. Gruppe Reinickendorf: Die Mite glieder beteiligen fich an den Wahlarbeiten in ihren zuständigen Abteilungen. Am Montag, den 26. Oktober, fällt der Gruppenabend aus. Dafile Beteiligung an der Gesamtveranstaltung der Jungfozialisien im Breußischen Landtag, Prinz- Albrecht- Straße 5. Theater Lichtfpiele ufw. Groffes Schauspielhaus SONNTAGS: 2 Verstellungen Norden 2951/53. nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen. Für Dich! Volks bühne Die große Chareil- Revue( 300 Mitwirkende) tägl. 8%, Uhr 8 Uhr: Wer weint um Juckenack? Morgen 7%, Uhr. Hamlet Preise der Plätze: Parkett M. 5.- Balkon M. 4.-, 1. Rang M. 8- 2. Rang M. 1.50, Logen und Klubsessel M. 7-12 3. Rarg M. 0.75 Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen. Dir. A. Hellmer Lessing- Th. Staats- Theater Gier unter Ulmen Komische Opernhaus 8 Uhr: Der fliegende Holländer. Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr: Mignon Schauspielhaus 8 Uhr. Hannibal von O'Neill Gerde Müller Wegener, Müthel Sonntg.nchm.3% Biberpelz zu halb. Preisen U. Kleines Th. Letzte Vorstellungen! Schiller Theater Hochzeitstage 8 Uhr: Weihnachtseinkäufe Liebelei Schauspiel von Geraldy Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Der Troubadour Abonnem.- Turnus 4 Deutsches Theater 7 Uhr: Der Sonntag nchm. 4: D.schöneMelusine zu halb. Preisen Th. am Schiffbauerdamm ( Neues Operettenhaus) 8: Lady Fanny und die Dienstbotenfrage Täglich 8, Uhr: HALLER Kreidekreis REVUE von Klabund Theater im Kammerspiele Admiralspalast 8 Uhr: Parable will..ACHTUNG! nicht heiraten WELLE 505!" von Jerome K. Jerome Die Komödie. Rang von 2 Mk. Parkett von 4 Mk. 81 Oper Dir.: James Klein 814 Größte Revue der Weit Von " ADIS Z bis Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Parkett 6.- M. Preise 2. bis 12.- M. ( Logen 15.- M.) 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Hollendorfpl. re Hohelt 8 Uhr: Die hellblauen Schwestern Residenz- Th. Die neue KünneckeNeves Operette am Theater o Täglich 8 10 Uhr. Olly- Polly Operette von Kollo Erna Nitter Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Deutsches Künstler- Theater Tägl. 38 Uhr: Gastspiel 8 Uhr: Circes Heirat Trude Hesterberg Oskar Sabo Adolphe Engers André Mattoni Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Lotte Neumann Erná Ufa- Ballett, Leitung: Alexander Oumansky Wochentags 5, 7, 9 Uhr. Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr. Preise 1.50 bis 5.Tel. Bestellung Holidf. 62, 1397, 5280, 5281 Vorverkauf für 3 Tage im Voraus täglich ab 11 Uhr anunterbrochen. Elite- Sänger Kottbuser Str. 6 Tel. Mpl. 160 77. Tägi.SUhr, auch Sonntag nach m 3 Uhr( zu halben Preisen U. a. Wandelndes Glüc 59. L Genofftunen, bie ,, Wählerin" liegt beim Genoffen Sucht, Lindenstr. 2, sur Abholung bereit. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 28. Abt. Am Mittwoch, den 21. Oktober, verstarb unser Genoffe Otto Gaier, Brenzlauer Allee 23. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Oftober, nachmittags 12% Uhr, in Friedrichsfelde statt. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianstr. 37/38. Sof 2 Tz. Gauvorstand. Go., d. 24., und Sonntag, d. 25., beteiligen fich die Rameraben an den Wahlarbeiten ihrer Parteien. Sonderver anstaltungen des Reichsbanners finden nicht fiatt. Tiergarten. Freitag D. 23., Uhr, Saalschuß Moabiter Gesellschaftshaus. Go., d. 24., 64 Uhr, Hindung der Bahlresultate. Erevisw. Go., d. 24., 14 Uhr Mitgliedese bersammlung bei Dettinger, Elfenftr. 100. Beißenfee. Sonntag, p. 25., pormittags 8 Uhr, fämtliche Radfahrer ohne Bannerfleidung bei Gallas. Reinickendorf. Go., b. 24., 7 Uhr. Antreten fämtlicher Untergruppen in den Borfigwalder Festfälen, Spandauer Ede Conradfiraße zum Saalichuk. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Bosen, Groß- Berlin. 4. Stiftungsfeit am Sonnabend, den 24. Oftober, 8 Uhr, im Neuen Gaal der ,, Reuer Belt", Hafenheide. Berliner Arbeiter- Schaclub. Die 3. Runde im Meisterturnier sekt fich wie folgt zusammen: Rauch- Grothe, Deutschmann- Bahlow, Schildberg- Bogt, Schwenke Rubiczed. Im Rebenturnier: Linke- Grumom, Gronau- Henneberg, Seidel- Schwenger, Raputan- Haafe. Gespielt wird am Sompaberid, den 24. Oktober. bei Ewald, Gtaliger Gir. 126. Die Mannfdaftskämpfe, die am Gonntag, den 25. Oktober, angefeht waren, fallen der Wahl wegen dus. Arbeitersport. Kriminalgericht. Propagandamarsch mit Fahnen. Rameradschaft Best 6 Uhr so eingeschränkt, daß die kleinen Mitteilungen der ArbeitersportMagdeburger Vlas. Sonntag, d. 25., Gesellschaftsabend bei Bernide, Bots Damer Str. 39. Karten bei Redler, Stegliger Str. 64, Surfürft 1965. Ber11904 Ind Charley's Tante Wegen des Riesenerfolges! 2. Woche! Ufa- Theater Turmstraße Ufa- Palast Königstadt Wochentags 7 U. 9 Ubr Sonntags 9 Uhr 1. Woche! Ufa Theater Nollendorfplatz 9 Wochentags Vorste lungen 9 Uhr Sonntags Vorstellungen 7 9 Chr Eintrittspreise von 1 Mark bis 3 Mark Sie wollen fröhliche Stunden t THA verieben? Sie wollen lachen? Theat. d.Westens Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Gastsp. Hubert Marischka Der Orlow SU. Theater 8U. in der Klosterstr. 43 Fr. WarrensGewerb. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Großer Solotell u. Winzer.est am Rhein Nau! Tägl. 8 Uhr Nen! Die Frau Paul Heidemann Reichshallen- Theater im gefährl. Alter Josefine Dora Baselt, Metelka Sonntg nehm.3% Kleine Preise! Im weißen Röß'l Theater in der Fritzi Massary: Kommandant.Str. Die Teresina 8 Uhr: Allabendlich 8 Uhru. Sonntag nachm. 3 Ohr Vorher das bante Programm Steffiner Sänger Marlin Live Arthur Wright Nachm. halbe Preise! Circus Dönhoff- Brett'i: Busch Familien Varleté. Anfang 8 Uhr Sonntags 5 Uhr. Tägl. 71. Stg. a. 3 U Lustspielhaus Anneliese Rennen zu Karlshorst 8 Uhr von Dessau Die gr. Sensation! Fliegend. Torpedo Russ. 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Wie das in solchen Fällen Sitte ist, treten nun auch die amtlichen Vertretungen der Landwir tschaft auf, um für diese po- litische Aktion mit sachlichem Material die notwendige Stimmung zu niachen. So hat sich die preußische Haupt- Landwirtschaftskammer als Spitzenorganisation der preußischen Landwirtschaftskammern bereits mit den aktuellen Fragen befaßt, und gestern berief der Deutsche Landwirtschaftsrat die Vertreter der Tages. und Fachpresse zu einer Besprechung, in der ausführlich über die Lage der Landwirtschaft geredet und wenig gesagt wurde. Die Beurteilung der Ernte. Präsident Dr. Brandes erklärte, daß die diesjährige Ernte nicht voll den Erwartungen entspreche, die man nach den Augustschätzungen gehegt habe. Eine Rekordernte komme nicht mehr in Betracht. In einzelnen Gegenden seien durch die Nässe Schädi- gungen eingetreten. Die Ernte von Roggen ist als etwas über mittel zu bezeichnen, die von Weizen mindestens ebensogut. Schlecht sei die Haferernte. Die Hackfruchternte stehe noch nicht genau fest: die Kartoffelernte sei mittelmäßig oder noch besser, die Rübenernte jedoch ist noch nicht klar zu übersehen. Die Schwierigkeiten der Landwirtschaft rührten daher, daß man in den vorangegangenen Jahren große kurzfristige Kredite ein- gegangen sei, die nur durch den Ertrag mehrerer aus einander folgen- der Rekordernten abgedeckt werden könnten. Anderenfalls fei die Umwandlung der kurzfristigen in langfristig« Hypotheken- sch u l>e n notwendig, womit die Rentenbank mit ihrer MXI-Mil- lienen-Mark-Anleihe den Anfang gemacht habe. Es sei unmöglich, die Kredite zwangsweise einzutreiben, weil sonst zahlreiche Landwirte durch den Sturz der Güterpreise niiniert werden würden. Es käme daraus an, die Zahl der Zusammenbrüche, von denen viel« ohnehin erfolgen würden, auf das im Interesse der Gesamtwirtschast gebotene Maß zu beschränken. Die Versorgungsplage. Oekonomierat K e i s e r gab nun eine ausführliche Schilderung der Lebensmittelversorgung, insbesondere auch bei Fleisch und anderen tierischen Produkten. Es fehle weder an Brotgetreide noch an Milch noch auch direkt an Fleisch. Ueberall aber bepor- zuge der Verbrauch die qualitativ hochstehenden Produkte, während Kartoffeln und Roggen weniger oerbraucht würden, so daß bei Kartoffeln sogar Versorgungsschwierigkeiten nach Eintriit des Frostes zu befürchten feien. Die ipreisabbouaktion der Rcichsreglerung habe Fiasko erlitten: nur die Lebensmittelpreis« seien etwas gefallen, daneben noch die für Häute und Lcder, sonst aber sind sich die Preise gleich geblieben. Wenn dos der Ver- braucher nicht so spüre, so liege das daran, daß die Preisspanne zwischen Erzeuger und Kleinhandelspreis außer- ordentlich hoch fei. Für diese Entwicklung gab der Redner eine ganze Reihe von Beispielen. Er stellte fest, daß infolge der Preis- fenkung für Lebensmittel beim Erzeuger unter Hochhaltung der Preise für andere Waren die sogenannte Preisschere bereit« wieder offen sei. Das Gesamtbild faßte er folgendermaßen zusammen: Ausreichendes Angebot fast auf der ganzen Linie. Niedere Erzeugerpreise, ober starke Verteuerung des verteilungsprozefses wegen Kapitalmangel und Zersplitterung der Kräfte. Mißoer- hältnis zwischen den Preisen der Lebensmittel und allen übrigen Bedarfsgegenständen. Nötig ist vor ollem Abbau der Zinsen und . Steuern und Verminderung der an der Verteilung beteiligten Stellen. Dr. Schindler referiert« darauf über die P r e i s g e st a l- tung und Weltversorgung in Getreide. Er gab einen allgemeinen Ueberblick über die Marktlage, die infolge der günstigen Ernte auf der nördlichen Erdhälstc rückläufige Preise zeige, doch steht der Bedarf der südlichen Erdhälft« noch nicht fest. Daher hat in der Preisgestaltung der letzten Zeit eine starke N e r v s i t S t Platz gegriffen. Interessant ist, was der Redner über die Bcurtei- lung der Aussichten in der Nachfrage von Getreide sagte: Größte Unklarheit besteht auf der Nachfrageseite. Hier weiß nmn nur, daß die Zuschußgebiete allenthalben gute Ernten erzielt haben und durchweg weit geringere Jmportbedürs- nisse in diesem Jahre geltendmachen werden, als es im Vorjahre der Fall war. Andererseits darf man nicht außer acht lassen, daß der Umfang der Importe dieser Gebiete im wesentlichen davon abhängt, ob Ihre finanzielle Kauskrast eine Besserung der Lebens- hallung ermöglicht oder nicht. Bleibt die Kaufkraft weiterhin so niedrig, wie sie in den letzten Jahren so- wohl in Mitteleuropa, wie auch in den west- und nordeuropäischen, gleichfalls in finanziellen oder in Währungsschwieriegkeiten be- findlichen Staaten gewesen ist, so kann auch nicht mit an- nähernd der gleichen Aufnahmefähigkeit wie im letzten Jahr gerechnet werden. Das Moment der Steigerung der Kaufkraft ist jedoch derart, daß es sich augenblicklich der Beurtei- lung eines Marktbeobachtors entzieht, es hängt vielmehr eng zu- sammen mit den wirtschafts- und allgemeinpolitischen Problemen, die gegenwärtig den Hauptarbeitsgegenstand der hohen Politik bilden. » Uns will scheinen, als ob die Darstellung der Eruteverhältnisse in Deutschland mit Rücksicht auf den Zweck, den die Ausführungen verfolgten, recht schwarz gefärbt ist. Man hat sich im Land- wirtschaftsrat große Mühe damit gemacht, die Forderungen der Großagrarier sachlich zu begründen, im Gegensatz zum Reichs- landbund. der lediglich mit geschwollenen Redensarten arbeitet. Wenn aber zum Beispiel behauptet wurde, daß die Zölle sich nicht auf dem Getreidemarkt auswirkten, und wenn man dafür Zahlen zu belegen suchte, so war dabei nichi genügend der Ll u a l i t ä t s- unterschied des ausländischen und des deutschen Weizens be- rücksicht. Wir haben dieses Jahr eine weit über dem Durchschnitt stehende Ernte und die amtliche deutsche Enckestatistik, die den agra- rischen Darstellungen immer zugrunde gelegt wird, gibt sicherlich die Erntezahlen eher noch wesentlich zu niedrig als zu hoch an. In Wirklichkeit dürsten wir von den durchschnittlichen Vor- kriegsergebnissen nicht mehr wesentlich zurück- bleiben, wie auch des näheren an dieser Stell« bereits ausge- führt worden ist. Wenn dem aber so ist, so muß die deutsche Land- Wirtschaft veranlaßt werden, ihre Kredite noch Möglich- keit zurückzuzahlen, und Ausnahmen dürfen nur dort gemacht werden, wo wirklich schwere Nachteile für die Produktion bei einer sofortigen Rückzahlung zu befürchten sind. Das werden wahrscheinlich nur Einzelfälle sein, von denen bei der bekannten Klagesucht der deutschen Agrarier die meisten einer außerordentlich scharfen Nachprüfung bedürfen. Im übrigen ergaben die Aus- führungen der Referenten, wie fehlerhaft die Politik der Laadwirtschast gewesen ist, als sie den I n d u st r i e z ö l l e n zustimmten. Die In- dustriezölle wirken sich, dank der Kartellmacht, vollständig aus und verhindern einen Abbau der Preise. Die Preise für Agrarprodukte sind aber trotz des Zollschutzes von den Schwankungen am Welt- markt in hohem Maße abhängig, und es ist daher kein Wunder. daß bei der augenblicklichen Depression des Weltmarktes sich das Verhältnis der deutschen zollgeschützten Agrarpreise zu den noch wirksamer zollgeschützten Industriepreisen für die Landwirtschast nachteilig gestalten mußte. Für die industrielle Ueberteuerung tragen die deutschen Agrarier mit ihrer Zustimmung zum Zollgeseh die volle Verantwortung. Sie haben kein Recht, sich über die Preisschere zu beschweren, nachdem sie selbst den Abbau der Industriepreise verhindern halfen. Wenn nun Dr. Schindler mit besonderem Nachdruck darauf hin- wies, daß die Gestaltung des Absatzes am Weltmarkt in hohem Maße von der Kaufkraft der Industriestaaten abhänge, so kann man sich nur darüber wundern, daß diese Weisheit nicht ebenfalls bei den Zollberatungen von der Landwirtschaft für Deutsch- land vertreten worden ist. Dann nämlich hätten sie gegen den lückenlosen Schutzzoll gestimmt, dessen Nachteile sie jetzt selbst zu spüren bekommen, dessen Schädigungen aber noch mehr die Verbraucher zu tragen haben, die ja die Kunden der Landwirt- schaft sind. Diese darf sich dann nicht darüber wundern, wenn die Kaufkraft der deutschen Konsumenten bei überteuerten Preisen für Jndustriefabrikate nicht dazu ausreicht, den Konsum auch an Agrarerzeugnissen wesentlich zu steigern, und es ist dann nicht erstaunlich, wenn gerade der Absatz an hochwertigen Pro- dukten darunter leidet und wenn zum Beispiel an Milch oftmals ein Ueberfluß zutage tritt, während Tausende von Arbeiterkindern nicht damit versorgt werden können. Es ist immerhin von Interesse, die Gedankengänge zu kennen, mit denen die Agrarier ihre neuen Ansprüche auf Hilfeleistung des Reiches begründen. Wir würden aber wesentlich weiterkommen, wenn die Agrarier auch der Fehler gedenken würden, die sie selbst in ihrer Wirtschaftspolitik durch die wahllose Vergebung landwirtschaftlicher Kredite und durch die künstliche Verteuerung der Jndustriefabrikate zum Schaden ihres Standes gemacht haben. Das jedoch verbietet ihnen die po- litische Befangenheit ihrer reaktionären Führer. Schwere Krise im Solinger Inüuftrlebezirk. In der Metallindustrie des Solinger Industriebezirks breitet sich ein« schwer« Krise mit unheimlicher Schnelligkeit aus. Zwar ist die Zahl der unterstützten Vollerwerbslosen noch verhältnismäßig gering (in der vorigen Woche 675 mit 1160 Familienangehörigen), aber man weiß ja, wie die Vorschriften über die Wirksamkeit der Erwerbs- Fofenfürsorge die Zahlen der Unterstützten willkürlich drücken. Da- gegen ist die Ausbreitung der Kurzarbeit, die schon eine allgemeine Erscheinung geworden Ist, ein richtigerer Maßstab für den Umfang der Krise. Seit ztbei bis drei Wochen hat insbesondere die Zahl der großen Fabrikbetriebe stark zugenommen, die Kurz- arbeit einführten. Jetzt hat ouch die weltbekannte Firma H e N ck« l» (Zwillingswerk), die noch in der Fertigstellung eines großen Er- Weiterungsbaues begriffen ist, Kurzarbeit eingeführt. Es handelt sich bei sämtlichen Zweigen dieser Industrie(Solinger Stahlwaren, Fohrradteile, Schirmgestelle) um ausgesprochene Exportfabrikationen. Die eigentliche Stahlwarenindustrie z. B. muß 75—60 Proz. ihrer Produktion ins Ausland verkaufen.. Es liegt deshalb nah«, die Gründe für die Krise überwiegend im Exportgeschäft zu suchen. Gerade die gegenwärtige Verschärfung der Krise läßt aber erkennen, daß auch der Ausfall im Iiflands- geschäst ein« große Bedeutung hat. In den letzten Monaten vor Weihnachten war die Industrie immer stärker als im Jahresdurch- schnitt für deutsche Besteller beschäftigt. Sie muß aber in diesem Jahr« auf die inländischen Weihnachtsaufträg« größtenteils ver- zichten. Die Solinger Industrie- und Handelskammer schließt au» dem Stand des Inlandsgeschäftes:„Die Kaufkraft der Bevölker ring geht offensichtlich immer mehr zu- r ü ct." Die Krise, wie sie im Verhältnis von Auftrogsmcngc und Arbeiterzahl zum Ausdruck kommt, ist schließlich in ihrer Schärfe auch dadurch milbestimmt, daß die Intensität der Arbeit erheblich zugenommen hat. Für qualitativ geringwertigere Waren konnte in größerem Umfang« Maschinenarbeit eingeführt werden. Aber auch aus den Kreisen der Heimarbeiter(qualifizierte Handarbeiter) ist festzustellen, daß sie heute wesentlich intensiver.arbeiten, als vor dem Kriege. Die Ausfuhr der Schirmgestellindustri« ist auf etwa zwei Fünftel ihres Borkriegsmnfanges zusammengeschrumpft. Trotz- dem kann man hier nicht von einer akuten Krise sprechen. Die In- dustrie hat ihrer Produktion engere Grenzen gezogen und ist in deren Bereich knapp ausreichend beschäftigt. Für die Industrie der F a h r r a d t e i l e ist die üblich« Herbstflaute emgetereten. Daß diese Veranlassung für Kurzarbeit gibt, ist ein Zeichen der Kapital- und Kreditnot, die in allen Zweigen der Solinger Industrie zu finden ist. Der teure Kredit(19 Proz. pro Jahr für ftreditnahms bei den Solinger Banken) macht manches Geschäft unmöglich, auch wenn an sich Kredit zu bekommen wäre. In dieser Beziehung ist der Solinger Industrie wenig Möglichkeit zur Abhilfe gegeben, weil sie stark zersplittert und für groß«' und billige Kreditabschlüss« nicht geeignet ist. Die Skeuerforderungen des ZNoniaalrust». Solingen, 22. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der Montan. trust ist eine endgültig beschlossene Sache. Ueber die Anteile der einzelnen Beteiligten ist eine Einigung erzielt worden in der Weise, daß auf die Werke der Rhein-Elbe-Union 38 Proz., auf Thyssen und auf Phönix je 26 Proz. und aus die Rheinischen Stahlwerte 19 Proz. entfallen. Die Rheinischen Stahl- werke behalten ihren Thyssenbesitz, weil dieser der Versorgung der Badischen Anilin- und Sodasabrit dient, die 35 Proz. des Kapitals von Rheinstahl besitzt. Der endgülttge Abschluß verzögert sich lediglich noch, weil der Montantrust vom Reich eine steuerliche Vorzugsbehand- lung verlangt. Wie die„Essener Bergwerks-Zeitung" mitteilt, haben sich die maßgebenden Herren des Trusts an die Deutsche Volksportei gewandt mit dem Verlangen, dafür zu sorgen, daß die Fusionssteuer ausgehoben wird. Die Volks- Partei hat diese Forderung abgelehnt mit der Begründung, daß man damit die Forderungen der Sozialdemokratie auf Ermäßigung der Lohn- und Umsatz st euer provozieren würde. Nunmehr sollen die von den Trustfirmen als Studiengesellschast gegründeten Vereinigten Stahlwerke Aktiengesellschaft mit den Steuerbehörden über ganz außerordentliche Ermäßigungen der Fusionssteuer für den Trust verhandeln. Der Vorgang ist sowohl für die Anmaßung der Montanherren gegenüber der Staatsgewall wie auch für ihr Ver- hältnis zur Deutschen Volkspartei bezeichnend. 12 Millionen Mark lleberschuß. Solingen, 22. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das Eisen» und Stahlwerk Hoesch und der Köln-Neuessener Bergwerksverein, die miteinander in Interessengemeinschaft stehen, haben im vergangenen Geschäftsjahr einen Ueberschuß von 12 399 217 Mark erzielt, wie in den heutigen Aufiichtsrats- sitzungen mitgeteilt wurde. Aus diesem Betrage wird jedoch keine Dividende verteilt; es werden insgesamt 10,7 Millionen Mark für Abschreibungen verwendet und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen. Obwohl die beiden Firmen keine Dividende verteilen, beweist doch die Höhe der Abschreibungen, die verhältnismäßig sehr hoch bemessen sind, daß ein günstiges Betriebsresultat erzielt werden konnte. Wie so manche Abschlüsse aus der rheinisch- westfälischen Schwereisenindustrie, zeigen auch diese Abschlüsse wieder, daß es der Industrie nicht so schlecht geht, wie sie gern wahr haben möchte Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 21. Oktober berechnete Groß- Handelsindexziffer des Statistischen Reichsamt, ist gegen- über dem Stande vom 14. Oktober(125,1) um 1,4 Proz. auf 123,3 zurückgegangen. Gesunken sind die Preise für Kartoffeln, Butter, Schmalz, Zucker. Fleisch, Hopfen, Benzin und Maschinenöl. Höher lagen die Preise für Milch, Baumwollgarn und die meisten Textilrohstoff«. Von den Hauptgruppen haben die Agrar- erzeugnisse von 121.1 aus 117.7 oder um 2B Proz. nachgegeben, während die Jndustrieswffe von 132,8 auf 133,8 oder um OB Proz. anzogen. Kahnkonzern und Berliner Psandbrlefamt. Daß die im Hypo- chekengeschäft arbeitenden gemeinwirtschaftlichen Banken bei der ungenügenden Kapitalbildung in Deutschland ihre Not haben, dari um der Mündelsicherkeit der Pfandbrief« willen die Banken nicht zu Geschäften verleiten, die nicht absolut sicher sind. Die Berliner Pfandbriefbcmk scheint diesen Grundsatz wenigstens in der Zeit, in der es feine Hypothekengeschäfte mit dem Kahnkonzern machte, nicht genügend beobachtet zu haben. Wie gemeldet wird, hat es drei Firmen des Kahnkonzerns(Stockmotorpflug— R i l e s— R i e b e) in einer Zeit, als im ganzen nur 14,68 Goldpfandbriefe von ihr umliefen, davon 6�4 Millionen Pfandbriefe gegen eine Hypothek auf deren Liegenschaften gegeben. Di« drei Firmen haben die Pfandbriefe bei ihren Banken zu SO Proz. lombardiert. Von diesen Banken sollen jetzt, nachdem die einjährige. Sperrfrist abge- laufen ist, mehrere Hunderttausend Mark aus der Börse verkauft worden sein, was bei den 8prozentig«u Pfandbriefen des Berliner Pfandbriefamts zu einer Kurssenkung von 2 Proz. geführt hat. Das Pfandbriefamt war m. a. W. nicht in der Lage, das Angebot ihrer Pfandbriefe aufzunehmen. 2 Proz. sind bei mündelsicheren Pfand- briefen eine schwere Belastung für dos Vertrauen der Sparer. Die Mündelsicherheit ist natürlich nicht in Frage gestellt, aber der Sinn der Mündelsicherheit ist ja gerade ein fester Kurs. Der Fall zeigt, wie vorsichtig bei der heutigen unsicheren Ertragslage der Industrie, wo der Schätzungs- oder Bilanzwert von Liegenschaften und Ge- bänden absolut nichts für deren Dauerwert besagen, die Pfandbrief- danken mit der Gewährung von Jndustriehypvtheken sein müssen. Zur Beunruhigung über die Sicherheit von Äokdpfondbriefen liegt hier natürlich kein Anlaß vor. Einmal ist der Kurs schon wieder um 1 Proz. gestiegen. Zum anderen machen die Industriehypotheken bei der Berliner Pfandbriefbank heute nur V« aus. Zudem liegt der Fall der Gewährung dieser Hypotheken weit zurück, und es hastet für die Pfandbriefe nicht nur das Pfandbriefamt selbst, sondern auch die Stadt Berlin. Das aus den Erfahrungen beim Kahnkonzern sich ergebende Mementv muß aber beachtet werden. Zwangssyndikale in der Zigarettenindustrie? Angesichts der durch die katastrophale Uederproduktion in der Zigaretlenindustrie geschaffenen Lage hatten vor einigen Monaten die mittleren und kleineren Fabriken der Zigarettenindustrie die Idee einer Zwangs- weisen Kontingentierung der Zigarettenproduk- t i o n und der Tabakeinfuhr propagiert. Die Verhandlungen. die nach dieser Rechtung hin geführt wurden, scheiterten daran, daß die großen maßgebenden Fabriken, besonders die Konzernfabriken, diesen Plänen ablehnend gegenüberstanden. Nun ist neuerdings die Idee eines Zwangssyndikates für die Zigarettenindustrie in der Oeffentlichkeit aufgetaucht und man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß hinter diesen Zwangsfyndikaten wiederum die kleineren und mittleren Fabriken stehen. Es ist sogar in Presse- Veröffentlichungen zu dieser Frage von Verhandlungen zur Bildung eines Zwangssyndikotes die Rede gewesen. Nach unseren Insorma- tionen haben Verhandlungen nicht stattgeftmden. Die niaßgebenden Zigarettenfabriken, die Konzernfabriken, sind der Ansicht, daß nichts verkehrter wäre als zurzeit«in Zwangssyndikat zu bilden, da dies nur dazu führen würde, völlig unrentable und deshalb jeder Existenzberechtigung entbehrende Betriebe künstlich am Leben zu erhalten. Im Zusammenhang mit diesen salschcn Nachrichten sind Meldungen in der Oeffentlichkeit erschienen, daß nach Deutschland zuviel Tabak hereinkomme, der nicht verarbeitet werden könne und deshalb oerderbe. Nach den uns zuteil gewor- denen Auskünften entbehren diese Meldungen jeder tatsächlichen Grundlage. Die größeren Zigarettenfabriken, welche den Tabak direkt aus dem Orient beim Tabakbauern kaufen, werden sich hüten, mehr Tabak herinzunehmen, als sie zu verarbeiten in der Lage sind. Sie müssen ihre Einkäufe ja bar bezahlen. Glaubt aber semand, daß Tabakhändler Tabak nach Deutschland hereinnehmen, für den sie keine Absatzaussichten haben? Die Entwicklung wird später von selbst wohl zum Syndikat der großen Firmen, zum Monopol führe,.. Die Bereinigung der Industrie von unrentablen Betrieben ist not- wendig. Sorge zu tragen wäre dafür, daß ein solches Monopol nicht ausschließlich von Privatinteressenten beherrscht wird. Staatliche Bücherrevisoren in Rußland. Durch ein soeben veröffentlichte« Dekret der Sowjetregierung wird in Rußland da» Institut der staatlichen Bücherrevisoren geschaffen. Die Aufgaben de» Institut» sind die Revision der JahreS- und LiquidottonS- bilanzen der zur Publizität verpflichteten Behörden und Unter- nehmungen(darunter auch KonzessionSfirmcn und gemischte Ge- sellichafieni. die Erstattung von Gutachten über alle Fragen der Rechnungeführung usw. Die Mitglieder deS Instituts erhallen das ausschließlich« Recht, auf Antrag der staatlichen Organe Gutachte» über alle Frage» der»echnrmgSfüHrrmg mb Buchhaltung z««statten. Das Mißtrauensvotum abgelehnt. Mit 220 gegen 158 Stimmen Die heutige Rechtssicherheit ist ungenügend; schon der Zusammen schluß solcher Feme androhenden Organisationen muß unter Strafe gestellt werden. Das Reichsbanner Schwarz Rot- Gold ist viele Jahre später als Stahlhelm, Jungdo usw. als Abwehrin strument gegründet worden. Der Respekt vor der Justiz muß Fortsetzung der Justizdebatte im Landtag. flöten gehen, wenn, wie im Striegauer Prozeß, der Richter Der Landtag stimmte gestern nach 2 Uhr über das deutsch-| daß Richter, bei denen, wie bei Kroner, das Rechtsgefühl durchnationale Mißtrauensvotum gegen Severing ab. Die kommunisten sind zwar vollzählig im Saale, geben aber feine Stimmfarten ab. Die Mehrheit der Wirtschaftlichen Vereinigung stimmt für den Mißtrauensantrag, während die Minderheit gelbe Stimmenthaltungskarten abgibt. Präsident Bartels verkündet dann als Ergebnis der Abstimmung, daß im ganzen 334 Stimmfarten abgegeben sind, der Landtag also beschlußfähig ist. Für den Mißtrauensanfrag find 158, dagegen 220 Stimmen abgegeben worden. Weiter find 6 Stimmenthaltungsfarten abgegeben worden. Die Ablehnung des Mißtrauensanfrages wird von der Linfen mit lautem Beifall aufgenommen, der sich durch Händeklatschen verstärkt, als von der rechten Seite gezischt und gerufen wird:„ Das nächste Mal!" Zum ersten Titel der dauernden Ausgaben( Ministe rium, Besoldungen) beantragt Abg. Dallmer( Drat.) getrennte Abstimmung über das Ministergehalt. Präsident Bartels erklärt diesen Antrag für ungewöhnlich und stellt dem Landtag die Entscheidung anheim. Abg. Dr. v. Campe( D. Vp.): Solche Teilungen sind oft beantragt worden. Wir halten den Antrag Dallmer durchaus für zulässig. Zur Abstimmung selbst habe ich folgende Erklärung abzugeben: Nach der Ueberzeugung meiner politischen Freunde ist mit Der Abstimmung über das Mißtrauensvotum die politische Entscheidung gefallen. Nachdem sie gefallen ist, würde eine Abstimmung über das Gehalt lediglich eine Geste sein, die genau dasselbe Rejultat ergeben würde. Unter diesen Umständen werden wir uns bei der Abstimmung der Stimme enthalten( Lachen links) und behalten uns die Stellungnahme für die dritte Lesung vor. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten entscheidet der Landtag für Trennung der Abstimmung gemäß dem Antrag Dallmer. Für das Miniftergehalt erheben fich die Sozialdemokraten, Die Demokraten, das Zentrum und einige Wirtschaftsparteller. Gegenprobe ergibt die Bewilligung des Ministergehalts gegen Deuticnationale und Kommunisten bei Stimmenthaltung der Deutschen Bolkspartei. Die Anträge des Hauptausschusses zur Verwaltung des Innern und zu den Angelegenheiten der Polizei werden angenommen. In der wieder aufgenommenen allgemeinen Besprechung zum Justizhaushalt setzt sich Abg. Haase- Liegnig( Wirtsch. Vg.) dafür ein, daß in der Frage der Behandlung der Aufmertungsanträge die Gebührenfrei heit auch auf hypothefen ausgedehnt werde. Dann wird vom Regierungstische eine Darstellung über die Neuordnung des Prüfungswesens gegeben. Danach erstreckt sich die Referendarprüfung jetzt auf zwei Tage. Bei der großen Staatsprüfung sei die Relation beseitigt; an ihre Stelle sei Die praktische Arbeit getreten. Es müsse z. B. ein Urteil auf Grund von Aften angefertigt werden. Abg. Dr. Körner( völf.) teilt unter lebhaftem Hört! Hört! seiner Parteijreunde mit, daß er vom Staatssekretär Frize vom Justizministerium wegen Aeußerungen, die er als Abgeordneter gegen den Minister getan hat, in seiner Stellung als Beamter zur Verantwortung gezogen worden sei. Das vertrage sich nicht mit der Immunität. Staatssekretär Frige erwidert darauf, daß eine Verständigung mit Dr. Körner ausgeschloffen jei. Hierauf erklärte der Staatssekretär des Preußischen Staatsministeriums Dr. Weismann: Die im Disziplinarverfahren gegen den jezigen Oberlandesgerichtsrat Dr. Gutjahr aufgestellte Behauptung, ich hätte perfucht, Herrn Gutjahr, der damals die Sache Stlarz bei der Staatsanwaltschaft bearbeitete, durch Angebot einer hohen Geldsumme zu bestechen, damit er das Verfahren gegen Sklarz einstelle, ist ebenso unsinnig wie unwahr. Ich habe als Staatskommissar für die öffentliche Ordnung lediglich im Einverständnis mit dem Justizministerium Gutjahr auseinander gesetzt, daß die öffentliche Sicherheit, die durch den Fall Silarz und die damit zusammenhängende leidenschaftliche politische Bekämpfung einzelner namhafter Politiker erheblich gefährdet sei, dringend verlange, daß endlich der Fall zu Ende geführt würde. Abg. Kuffner( Soz.): Selbst ein so rechtsstehender Mann wie der frühere bayerische Minister Schwener hat die bedenkliche Erschütterung des Bertrauens in die deutsche Rechtspflege fonstatieren müssen. Der Krebsschaden liegt darin, daß vom Richter in gewissen Kreisen, auch bricht, verdammt. Auf diese Art wird mit der richterlichen Unabhängigkeit der schlimmste Mißbrauch getricben. Der Ansturm gegen parlamentarische Untersuchungsausschüsse begann mit dem Moment, wo diese Ausschüsse auch auf gewisse Mängel in der Rechtspflege stießen und die Deffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht wurde. Wenn wir sehen, daß die Kritik immer da einsetzt, wo ein Richter das Magdeburger Urteil kritisiert, daß er aber schweigt, wenn ein völkischer Staatsanwalt fich Uebergriffe erlaubt, so geht doch schon daraus hervor, wie wenig Wert die Selbstbescheinigungen der Richter befizen. Wir hören gestern und heute, daß jede Beeinflussung der Staatsanwaltschaft durch das Justizministerium auszuschalten sei. Wenn das von seiten der Parteien erflärt wird, die das alte System vertreten, so liegt darin die ungeheuerlichste Heuchelei. Unter dem alten Regime mußte die Staatsanwaltschaft ihre Schriftsäße und Anträge dem Justizministerium vorlegen. Wehe dem Staatsanwalt, der eine Korrektur des Justizministeriums abgelehnt hätte, der auch nur hätte durchblicken lassen, daß es sich nicht um seine eigene Ansicht handele. Für dieses System haben damals die Herren auf der Rechten kein Wort der Verurteilung gefunden. Heute müssen wir erleben, daß zwei junge, grüne Staatsanwaltsassessoren monatelang dem Justizminister auf der Nase herumtanzen fonnten. Der Untersuchungsausschuß hat ja darüber sein Urteil gefällt, er hat festgestellt, daß die Angriffe der Herren Bacmeister und Leo. pold völlig ungerechtfertigt waren und ferner, daß diese unwahren Tatsachen den beiden Herren von den beiden Assessoren mitgeteilt worden sind. Das ist doch ein ziemlich starkes Stück, das hätte einmal ein Assessor von der Staatsanwaltschaft unter dem alten Eystem wagen sollen! Der Ausschuß hat auch festgestellt, daß die Herren Leopold und Bacmeister vollkommen im Unrecht sind und das ist festgestellt worden mit Zustimmung auch der Deutschnationalen. Herr Bacmeister erblickt aber darin ein völliges Versagen der nationalen Opposition. Der Staatsanwaltschaftsaffeffor Kußmann hat vor dem Ausschuß erklärt, er sei durchaus unpolitisch, aber sei ein deutscher Mann und ein Preuße. Un demselben Tage, wo er das im Ausschuß erklärte, erschien von ihm im deutschnationalen„ Tag" ein Artikel, in dem u. a. der Satz zu lesen ist: „ Hindenburg- Deutschland macht teine Spritschiebungen." An dieser Probe fönnen Sie sich vorstellen, wie der Mann redet, wenn er politische Prozesse führt. Ich will mich nicht näher verbreiten über Dinge, die am 11. November Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens gegen Herrn Kußmann sein werden. Ich will nur erwähnen, daß es sich bei der bei Kußmann vorgenommenen Hausjuchung um recht schwere Bergehen gehandelt hat, wegen deren er angeschuldigt wird, und daß es also reichlich tendenziös ist, wenn man der Kriminalpolizei aus ihrem Bergehen einen Vorwurf macht. Ich werfe Herrn Kußmann vor, daß er in der Barmat- Sache, wo er in seinem Amf als Staatsanwalt unparteiisch vorzugehen hatte, Berbindungen angeknüpft hat mit einem deutschnationalen Bureau, diefem Informationen gab und andererseits den Jnhaber dieses Bureaus mit Aufträgen verfah. einen Reichsbannermann, der aussagt, ein Stahlhelmer habe einen Gummifnüppel hervorgezogen, sofort mit den Worten unterbricht: Wie können Sie das behaupten? Es kann ja auch eine Flöte gewesen sein."( Heiterfeit und Beifall.) Abg. Dr. Deerberg( Dnat.) behauptet, daß diejenigen, die das Magdeburger Urteil angreifen, es fast alle nicht gelesen hätten. Das Urteil habe keine Animosität gegen den früheren Reichs. präsidenten gezeigt. Objektiv mußte das Magdeburger Gericht zum Tatbestand des Landesverrats kommen.( Widerspruch links.) Abg. Dr. Schwering( 3.) bezeichnet es als Mißgriff der Verwaltung, zmei fo junge Verwaltungsbeamte wie Kußmann und Caspari mit einer so schwierigen Angelegenheit wie der Barmat- Affäre zu betrauen. Die Drahtzieher, die die politischen Kinder Kußmann und Caspari lenkten, hätten sich natürlich zurüdgezogen. Die vorgefeßten Stellen im Falle Kußmann- Caspari seien aber einwandfrei vorgegangen. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Stendel( D. Vp.) wird gegen 6% Uhr die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr vertagt. Jugendveranstaltungen. Mitglieder! Zur Proletarischen Feierftunde am Sonntag, den 8. November, im Großen Schauspielhaus find Karten zum ermäßigten Breise zu haben. Achtung, Abteilungsleiter! Sorat dafür, daß die noch ausstehenden Wander fparmarten abgerechnet oder dem Gekretariat zurüdgegeben werden. Achtung, Abteilungstaffierer! Seute, Freitag, von 5-7 Uhr, Abrechnung der Beitragsmarken. Heute, Freitag, den 23. Oktober, abends 7% Uhr: Norb Moabit I: Schule Giemensstr. 20. Bortrag: ,, Das Bolkslied". oft I: Jugendheim Neue Rönigftr. 21. Dichterabend: Gerhart Sauptmann". Rordoft II: Jugendheim Danziger Str. 63. Bortrag: Die Brügelstrafe als Methode bürgerlicher Erziehung". Rosenthaler Borstadt: Landgemeindehaus, Sophienstr. 21. Vortrag: 1848-1870". Often Str.- B.: Jugendheim GoßlerStraße 61. Vortrag: Jugendwohlfahrtsgesek". Süboft R.- B.: Jugendheim Mariannenufer la. Bortrag: Warum SAJ.?" Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Vortrag: Broletarische Jugendbewegung". Halensee: Schule Joachim Friedrich- Str. 35. Vortrag: ,, Bub und Mädel". Steglig II: Bortrag: Jugendheim Holsteinische Str. 13. Arbeiterdienstpflicht". NeuFölln I: Sugendheim Bergstr. 29. Bortrag: Sozialistische Außenpolitit". Neukölln II: Jugendheim Rogatstr. 53. Vortrag: Die russische Arbeiterbewegung". Baumschulenweg: Jugendheim Ernststr. 16. Einführungsabend. Falkenberg: Am Falkenberg 117. Frig- Reuter- Abend. Jugendhaus in der Geidelstraße. 10- Minuten- Referate. Bahnhofstr. 15. Bortrag:„ Kulturpolitisches aus Banern". heim Grünauer Str. 5. Bortrag: Die Geschichte der Arbeiterjugend". Brig: Rathaus, Chauffecftr. 148. Die Abteilungsabende sind nicht mehr Dienstags, sondern Freitags. Heute Unterhaltungsabend. 1 Reinidendorf- Weft: Tenel: Jugendheim Köpenid: JugendBildau. Sonnabend, den 24. Oktober, 7% Uhr, Schule. Der Film vom Samburger Jugendtag. Eintritt 50 Vf. Werbebezirk Teltowkanal. Beginn des Bildungsfurfus Montag, den 26. Oktober, 28 Uhr, Schule Ringstraße, Steglig. Thema:„ Wirtschaft und Kultur". Referent: Gen. Abraham. Geschäftliche Mitteilungen. Bei der herrschenden Geldknappheit ist es für viele eine Notwendigkeit, nicht sofort alles bar, sondern allmählich zu zahlen. Auf dieser Grundlage liefert bei fleinster An- und Abzahlung zu billigsten Breisen die eleganteite Serren und Damenbekleidung das bekannte Zentral- Garderobenhaus, Bein. meisterstr. 3; es empfiehlt sich daher, dort den Bedarf zu deden, und jeder wird zufrieden sein. Was hätte die Rechte dazu gefagt, wenn ein Mitglied des repu blikanischen Richterbundes etwa zum Vorwärts" gelaufen wäre? Der dadurch erzeugte Standal hätte für die Herren auf drei Jahre ausgereicht. Noch nicht bekannt in der Deffentlichkeit wird sein, daß Herr Caspari in einer Unterredung mit dem Oberstaatsanwalt Botho diesen ersucht hat, die Untersuchung auf gewisse Fälle bei den deutfchen Werfen auszudehnen. Als der Oberstaatsanwalt das ablehnte, Mischungen diefer Marke in höheren Preislagen find durch ihre Qualität und meinte Herr Caspari: Man wird Sie zwingen, Herr Oberffaatsanwalt, man braucht Material zur Abrundung des politischen Bildes. In diesem Zusammenhange erwähne ich, was die Herren von der DVP. interessieren dürfte, daß ein gemisser Leifauf ein großes Aftenmaterial dem Bureau Knoll, den Kommunisten, auch den Deutschnationalen zum Kauf anbot; in diesen Akten befinden sich handschriftliche Notizen, dahin lautend, daß hier be senders schwer belastendes Material gegen Dr. Strese mann vorliege, der einen auffälligen Verkehr mit dem General Nollet pflegte und der sich vor dem Reichswirtschaftsgericht lebhaft für die Schiebergeschäfte des Herrn Litwin einsetzte.( Lebhaftes Hört! hört!) Ich glaube kein Wort davon; aber ich hebe hervor, daß man das Material zur Abrundung des politischen Bildes brauchte; wie wird Ihnen, Herr Stendel?( Große Heiterfeit.) Diese Aften hat Herr Caspari beschlagnamt und sich darüber auch im Ausschuß geäußert. Im übrigen ist ja die Sache nunmehr reif für den Man fann für eine Sache noch so wenig Geld ausgeben und fie unter Umständen doch zu teuer bezahlen. So kann es der Hausfrau mit Tees er gehen, deren Herkunft sie nicht fennt. Sie wird deshalb gut tun, nur die Tres zu kaufen, die in jeder Mischung nicht nur gut, sondern auch unbedingt preiswürdig sind. Dies trifft besonders bei dem Tee Marie Teekanne" au. Hinter jedem Teepatet von Tee der Marke Teekanne" steht als Garantie der jahrzehntealte Ruf diefer bekannten Teemarle Deutschlands. Auch die Ausgiebigkeit im Gebrauch noch immer billiger als Tees obffurer, Serkunft. Eine erfreuliche Nachricht für alle Sausfrauen ist die Preisherablegung für Lur- Seifenfloden der Gunlicht- Gesellschaft A.-G. Dieses Edelerzeugnis ber deutschen Geisenindustrie hat in überraschend turzer Reit Eingang in alle Kreise der Bevölkerung gefunden und wird nicht nur vom einschläoinen Handel, fondern auch von führenden Damen der Hausfrauenbewegung als auch von den Lieferanten der verschiedensten Zweige der Textilbranche empfohlen. M. SCHULMEISTER MSchulmeister Pobed Hochbahnstation Kottbuser Tor Mollige Winter- Mäntel Mk. 49. 54.-, 60.-, 70.-, 80.-, 100.Mollige Jünglings- Mäntel Mk. 29., 34.-, 38.-, 41.-, 50.-, 60.in Richtertreisen, mehr Korrektheit als Rechtsgefühl verlangt wird, Strafrichter geworden. Täglich hören wir von neuen Fememorden. Sportpelze v. 150.-, Gehpelze v.225.Billige Kaffee frisch gebrannt, 240, Pfund von an Malzkaffee1- Ftd.- Paket 28Pf. Gebrannte Gersie glasiert........ Pfund 23Pf. Krümelschokolade Pfund 85Pf. Margarine... Pfund 60Pf. Kokosfett 1- Pfd.- Tafel 70Pf. , Doss Lebensmittel LETZ Wurstwaren Hausm.- Sülze Pfund 48Pt. Rot.-u. Leberw. Pta.65Pt. Knoblauchsw. Pfund 120 Hausm.- Leberw. Pfd.120 Jagdwurst.... Pfand 150 ff. Leberwurst Plund 150 Mettw. n. Braunsch, Art, Pid. 150 Teewurst... Pfand 180 Zervelat u. Salami bolst. 190 11, Dose Gemüse- u. Obstkonserven Stangenspargel dann 290 Junge Erbsen mittel 90P. Stangenspargel mittel 335 Junge Erbsen tein... 158 Stangenspargelstark 355 Kaisererbsen........ 240 Brechspargel dann... 198 Wachsbohnen..... 75Pf. Brechspargelmittel.. 268 Pflaumen in Essig u. Zuck. 80Pf. Brechspargel stark... 298 Mirabellen......... 150 Gem.Gemüse 87Pt. Aprikosen ganze Früchte. 135 Gem.Gemüse mittel.. 122 Reineclauden........ 175 Gem.Gemüse sehr fein 235 Pfirsiche ganze Früchte 165 *****. Pflaumen-. Reineclaud.-, Orang.- Konf. Eimer ca. 2 Pid. 1,15 Erdbeer-, Himbeer-, Aprikosen- Konf. Eimer ca. 2 Pid. 1,55 In unferer Konfitürenabteilung: Likörbohnen Keksmischung.. Pfand 130 ..Pfund Pf. 100g, Schokoladengebäck ........ Pfand 130 Vollmilchschokolade Tafel 3 Tafeln 110 Nürnberg. Schokoladenprinten.170 an Wild u. Geflügel Gänse oderbr., Pid. v. 120 Gänsestückenfl. Prd. 110 Gänsekeulen.... Pfd. 185 Gänseklein m. Mag. Stück 180 Gänsehautfett... Ptd. 180 Wildschweinsblatt... Pra. 120 Wildschweinsrücken Pra. 130 Wildschweinskeule..Pra. 140 Kaninchen gestr., Pfd. 95Pt. Flandern grosse Pfd. 262 50PL. Fettbücklinge Pfund 45Pf. Sprotten Pfund 55Pf. ******* Grüne Heringe Prd. 18Pt. Seelachs frisch, o. K., 1.g. Pfd. 26pt frisch Schellfisch grosse Pr. 32P Pfd. H Mengenabgabe vorbehalten Obst u. Gemüse Kürbis... Pfund 3Pf. Weisskohl.... Pfund 3Pf. Wirsingkohl... Pfund 4Pf. Rotkohl... Pfund 4Pt. Möhren gew...... Pfund 5Pf. Kochäpfel Pfund 9Pf. Himbeeräpfel Pfand 15Pt. Goldparmänen 2 Pid. 35P. Gravensteiner Ptd. 45Pf. Frisches Fleisch Kalbskamm......... Pfund 80P. Schweineschinken.... Pfand 115 Kalbsrücken Kalbskeulen Hammelfleisch ******* Hammelkeulen... Ptd. Pfand 80P. Schweineschulterblatt Pa. 115 Pfund 96P. Schweinerücken Pfund 120 Pfund ****. 76Pt. Kasseler Kasseler. Pfund Pfund 130 Pfand 95Pt. Eisbein mit Spitzbein....... Pfund 70Pf. Schweineköpfe get 50P. Liesen Backe... Pfd. o.Knoch Plund Pa. Ochsenschmorfl. 120 Rinderrouladen Suppenfleisch gefroren, Pfund 56P. Ochsenbacken Peteren. Schmorfleische Knochen 86P. Gehacktes gefroren, Pfund Pfund 125 Pfund 120 gefroren, fett ***** Pfund 54Pf. Pfund 76Pt. Leichtverderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Kolonialwaren Weizenmehl..Pfund 19pt. Bruchreis..... Pfand 19Pf. Haferflocken Pfund 24Pt. Viktoria Erbsen Pid. 20Pt. Hartgriess... Pfand 25Pf. Schnittnudeln Pra. 25Pt. Fadennudeln Pfund 33Pt. Makkaroni.... Pfund 36Pf. Eier- Stückenmakk, Prd. 42 Pf. Camembert Tegernseeer, vollfett..Schtl. 35Pf. Edamer Pfund 115 Prima Tilsiter vollfett.......... Pfund 115 Bayrischer Schweizer Pfund 160 Rindertalg.... Pfund 70PL Dän. Tafelbutter -Plund- Stück 120 Besonders Tischweine billige Flaschen weinpreise ohne Steuer und Flasche 1923er Oberhaardter Maikammerer FL 70Pt., 10 F1-6,50 1923er St. Martiner Schlossberg...., FI.90Pf., 10F1.8,50 1921er Oberhaardter Maikammerer..FL.1,25 10F1.12,00 1921er St. Martiner 1921er Alsterweilerer Letten 1922er Königsbacher Mühlberg FI, 1,50 10F114,00 .. FI.1,60 10F1.15,00 Naturgewäcas: Winzergemeinschaft..... 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Nur nicht verblüffen lassen! Diese Mahnung richtet man an sich selbst, wenn bei der Einfahrt in New York aus den Höhen des Gebirges der Wolfenkrazer das Staunen Gewalt über einen geminnen will. Nur nicht verblüffen lassen, wenn Stunde für Stunde in New York und dann landeinwärts Eindrücke so massenhaft und fo groß sich häufen, daß die Erinnerung an Europa fast versinkt. Irgendwo müssen diese blendenden Lichttegel schwere Schatten werfen. Man wird sie suchen und finden und einstweilen nur schildern, was man einigermaßen flar übersehen kann, auch schon nach einem Aufenthalt von Wochen. Als ich kurz vor meiner Abreise in Deutschland spät nachts aus einer Bersammlung fam, hatten mir Freunde für den weiten Heimweg ein Aufo verschafft. Sie ließen es in einer Seitenstraße halten, ,, damit es nicht so auffällt". Denn bei uns gilt das Autofahren als eine Angelegenheit des Bourgeois und Schiebers. In Washington steuert das Tippfräulein ihr eigenes Auto, und es wundert sich darüber so wenig jemand wie über die Hausfrau, die mit Taschen und Körben nach dem Markte fährt und ihre Sprößlinge bis zum Säugling herab im Auto läßt, während sie in der Halle Fleisch und Gemüse fauft. In dieser Stadt von 480 000 Einwohnern, von denen mehr als ein Biertel Farbige sind, gibt es 85 000 2utomobile. Welche der belebteren Straßen man auch betreten mag, immer geht man durch ein endloses Spalier von Autos. Jedes Amt, jedes große Geschäftshaus ist garniert von hunderten Autos, in denen Aingestellte und Arbeiter zum Dienste gekommen sind; der Portier so gut wie der Direktor, menn auch selbstverständlich der Wagen des Nur einen viel billiger und primitiver ist als der des anderen. wenige Garagen gibt es. Die Autos bleiben Tag und Nacht auf den Straßen stehen. Diebstahl ist nur selten, zumal bei den billi geren Wagen. Zudem ist fast jeder so versichert, daß der gestohlene Wagen sofort durch einen neuen ersetzt wird. Was dem Europäer cuffällt, ist der äußerlich unsaubere Bustand auch neuerer Wagen. Dem Amerikaner, der in den meisten Fällen sein eigener Chauffeur ift, fällt es nicht ein, sich täglich mit dem Waschen, Bürsten und Wischen des Wagens aufzuhalten. Er säubert die Polster und überläßt das Abspülen der Karosserie und Räder dem Regen. Schöner. merden die Wagen dadurch nicht, aber da fie nicht Lurusgefährte find, sondern Verkehrs- und Arbeitsmittel, so legt man auf Blinken und Blizen feinen Wert. Ab und zu lassen wohlhabendere und verwöhntere Leute ihren Wagen für 2 Dollar reinigen. Das Netz der Autostraßen umfaßt viele Zehntausende Kilometer. Einer der großen Autowege führt quer durch den ganzen Kontinent von New York nach San Frincisco. Jede Autostraße ist glatt wie die Linden" oder die Friedrich- Ebert- Straße in Berlin. Auch weit von den großen Städten sind diese Straßen von Personenund Lastautos belebt. Ab und zu liegt seitwärts ein von Grün überwucherter Bagen, der sein Leben unterwegs ausgehaucht hat. Der Befizer hat ihn stehen lassen, wo er stehen blieb. Die Anzahlung für den neuen Wagen war vielleicht geringer, als die Reparaturfosten für den alten gewesen wären. Man fauft einen ganz guten Wagen mit einer Anzahlung von 50 Dollar und zahlt monatlich 50 oder 100 Dollar ab. Der Aufschlag gegenüber der Barzahlung ist nicht beträchtlich. Bei den billigen Preisen für Autos sieht man Motorräder nur selten; am meisten noch bei der Polizei, deren Kontrollbeamte auf den Autostraßen in verblüffender Sicherheit mit Expreßzuggeschwindigkeit dayinsausen. Warum die Motorräder in Amerita nicht ein Donnerwetter mit Kanonenschüssen, Bollen und Gestank wie bei uns verursachen, sondern vergleichsweise geräuschlos fahren, ist eines der vielen technischen Rätsel, die man dem Laien aufgibt, der hier so vieles sieht, was in Europa angeblich unmög lich" ist. Dahin gehört auch, daß man tausend Autos begegnen fann, ohne daß eins tutet, hupt, heult, schreit, freischt, quaft, brüllt, trom: petet oder sonstigen lärmenden Unfug treibt, mit dem man Tag und Nacht in unseren Städten und Dörfern die Nerven quält. Behn tausend Autos auf dem Broadway in New Yorf machen nicht halb soviel Lärm wie zehn Autos und zwei Motorräder in irgendeinem Neste daheim. Ein Trillerpfiff des Verkehrspolizisten, das Aufleuchten eines Signals, und die ganze endlose Karawane hält geräuschlos, um sich dann ebenso lautlos wieder in Bewegung zu setzen. -= ก 25. OKTOBER 20 Männer braucht das neue Berlin, aber keine Umfallmänner." einmal in Deutschland im Auto nach einer Versammlung fahren nuß, wird man mich für einen Prozen halten, und etwelcher Kommunist oder andere Spießer wird mir flerzumachen suchen, daß die Revolution fich nur im Tempo des Fußmarsches oder der Posttutsche vollziehen darf und der technische Fortschritt eine bourgeoise Angelegenheit ist. Im Ernst: in Deutschland ist das Automobil ein Lugusgegenstand, ein Vorrecht der Reichen, in Nordamerita ein selbstverständ> liches Verkehrsmittel auch für das Proletariat. Moderne Magier. Außerhalb der Stadt gibt der Fahrer nur an Kurven sein Zeichen. Dabei fällt auf, daß der Eisenbahnverkehr anscheinend keine Barrieren fennt. Man braucht nicht fünf Minuten vor geschlossener Schranke zu warten, bis der Zug von der nächsten Station herangerollt ist. Man hört ihn rattern, hört das Pfeifen, das er in der Nähe des Ueberganges ertönen läßt, und weiß auch ohne Bahnmärter und Warnungstafel, daß es zweckmäßig ist, dem Zuge nicht gerade auf den Schienen zu begegnen. Uebrigens unterliegt jeder Autofahrer einer strengen Prüfung, und die Strafen für Bergehen gegen die Fußgänger find hart. Gemiß sind die Verkehrsunfälle sehr zahlreich, aber wer wird es anders erwarten bei solcher Ausdehnung des Automejens? Jedenfalls hat noch immer der Fußgänger das größere Recht. Jedes Auto hat zu halten, bis man bei der Straßenbahn ein und ausgestiegen ist eine Borschrift, die man bei uns nur in wenigen Städten fennt. In der Nähe der Schulen ist in großen Lettern den Autofahrern besondere Vorsicht eingeschärft. llebel würde es ihm ergehen, wenn er auf die Kinder nicht gebührende Rücksicht nehmen würde. Das Auto muß Rücksicht auf die Kinder nehmen, nicht etwa die Kinder Rücksicht auf das Auto. O wandern, o wandern...! Das Auto ist feines Wanderers Freund. Oder fann er sich doch mit ihm versöhnen? In diesem Lande wohl, denn Staubwolfen sieht man auf so präparierten Straßen nicht. Zudem fährt der Wanderer ja meistens selbst. Weit trägt ihn das Auto hinaus. Dann läßt er es im tiefen Walde stehen, lagert sich oder geht und steigt, so weit er mag, und kehrt abends nach seinem Wagen zurüd. Ueberall in den großen Parts sieht man Familienausflüge im Auto, das Allerjüngste in einer Art Hängematte unter die Wagendecke gespannt. Und endlich: das Liebeslied im Surren des Motors. Baare und Pärchen fahren Sonntags oder abends hinaus, und wo man bei uns die Liebenden zärtlich umschlungen auf einsamen Wegen und auf harten Bänken fieht, futschieren sie hier zu Lande weich und sanft, er oder sie am Steuer, im Schuße des Autos dahin, soweit Benzin und Liebe reichen.schwinden und dafür Kaninchen erscheinen lassen, im Zylinder einen Gemiß, es gibt allzuviele arme Teufel auch in Amerita, die sich felbst die billigste„ Car" nicht leisten können, obwohl alte Wagen schon für 50, ja für 20 und noch weniger Dollar zu haben find. Bu denen, die ihre Autosehnsucht mit Dollars nur schwer befriedigen fönnen, gehören zahlreiche Studenten. Aber manche von ihnen wiffen sich zu helfen. Sie suchen die vielen an den Autostraßen marode gebliebenen Wagen nach brauchbaren Teilen ab, montieren sich ein Gestell mit Motor zusammen, bauen aus irgendwelchen Ristenbrettern einen Rasten darauf und fahren los. Ab und zu begegnet man solchen abenteuerlichen Autos. Schön sind sie nicht, aber fie fahren, und das ist die Hauptsache. Die Organisation des Autowesens, die Tankstationen und die Versicherungssysteme sind in den wenigen Jahren des großen Auto verkehrs beinahe lückenlos ausgebaut worden. Die Sicherung der Mitglieder des großen amerikanischen Autoverbandes geht so weit, daß jedes Mitglied, dessen Auto meitab im Felde oder Walde verfagt, die nächste, Tag und Nacht geöffnete Geschäftsstelle des Verbandes anruft und von ihr sofort ein Auto zur Hilfe erhält. Diesen Bericht, den ich eben geschrieben habe, nimmt aus der fleinen ländlichen Gaststube, deren Wirtstische mit Blumen geschmückt sind, ein Landbriefträger im Auto mit nach der Stadt. Ich sehe dem Postbeamten sinnend nach. Wenn ich demnächst wieder n f mit seinen Zauberkunststücken die Marabuts zu überbieten und ihre Autorität bei den Eingeborenen zu brechen, die sich von ihnen zu Aufständen anstacheln ließen. Nach Houdin nannte sich Weiß: Houdini. Ein Zeitgenosse und Konkurrent Houdins war Bosco, der als napoleonischer Soldat in Rußland gefangen murde, in Sibirien als Gefangener mit Zaubereien debütierte, dann nach seiner Freiloffung Asien und Europa kreuz und quer durchzog und 1863 in Dresden gestorben ist. Eine der originellsten Erscheinungen am magischen Himmel ist Alexander", 1819 in Münster als Alexander wie Heimbürger geboren und 1909 dort als steinreicher Mann übrigens viele dieser Magier Von ihm erzählt gestorben. Saltarino einen ganz fabelhaften Trid: Er zündete 10 000 Wachsferzen auf einmal an!( Wobei er die erst Jahrzehnte danach praktisch entdeckte" Elektrizität benutzt haben soll.) Alexander arbeitete besonders gern in Nord- und Südamerika. Es war im Jahre 1905 an der Museumsbrücke in Berlin. Eine Menschenansammlung, die dort normalerweise nichts zu suchen hatte, wartete auf irgend etwas, das nicht kommen wollte. Dann aber kam Man kann das gewaltige Gebiet der schwarzen Kunst in einige es doch, und zwar in Gestalt einer Droschke, in der zwei Männer engere Bereiche einteilen. Da sind zunächst die Manipulatoren, die faßen, zwischen denen sich ein Individuum befand, das nur mit einer mit Spielfarten arbeiten, Blumen, Münzen, Eier und andere fleinere Badehose befleidet war. Das seltsame Trio wurde von den Ver- Gegenstände verschwinden und wiedererscheinen lassen, daß einem sammelten mit lautem Hallo empfangen, der Nackte in eine Zwangs- die Augen übergehen. Die Fingerfertigkeit dieser Scheldon, Baini, jade geſtedt, von echten Schuhleuten mit echten Polizeifeffeln ge- Hansen, Sealtiel ist fabelhaft. Bei der Eleganz dieser Vorführungen fesselt und so in die Spree geworfen. Nach drei Minuten tauchte vergißt der Zuschauer allzu oft, welches unermüdliche Training darin er wieder auf, aller Bande ledig, die Zwangsjacke luftig im Arme steckt. Jahrelange Uebung nur garantiert, daß jeder Trick sofort schwenkend. Es war Harry Houdini, der Mann, den nichts fesseln gut herauskommt; und das muß heute bei einem guten Manipulator fann". Wie A. H. Kober in seinem Buch„ Die große Nummer" er- der Fall sein, denn er gibt nicht mehr wie einst die Bellachini und zählt, wurde Houdini als Sohn einfacher Leute, die den bürgerlichen Bosco eine abendfüllende Vorstellung, sondern ist nur eine ProNamen Weiß führten, im Jahre 1874 in Budapest geboren, tam als grammnummer auf dem Barieté. Die Illusionisten" arbeiten Kind schon nach den Vereinigten Staaten, debütierte als Neunjähriger mit einem größeren Aufwand als die reinen Fingerfünstler. Sie Die in einem Wanderzirkus, wurde Mechaniker, dann Clown, Mario- find die Erben der einst berühmten„ Schwarzen Kabinette". nettenspieler, Bauchredner, schließlich Zauberkünstler, wurde berühmt Mellini, Uferini, Thorn sind unserer Generation flassische Illufioals Entfesselungskünstler, macht jetzt in Amerika Sensation als Anti- nisten gewesen, sie erfanden die Schwebende Jungfrau", den„ Indispiritist und ist der größte Showman" der Gegenwart, nicht nur schen Wunderforb", den" Blauen Salon" und ähnliche geheimniswegen der Eigenart seiner Produktionen, sondern weil er sie am volle Schönheiten. Aus Amerifa und England fommen jetzt die besten verkauft", weil er der unerreichte meister der Aufmachung, Illusionisten mit der ganz großen Aufmachung, de Bière z. B. und der Reklame ist. Mit Houdini," so schreibt Kober, fommen wir Carmo, der zu seiner Arbeit vierzig Personen und ein Dugend auf das interessante, ungeheuer weite Gebiet der Illusionen, der Tiere( Elefant, Tiger darunter) gebraucht. Im Grunde aber sind Tricks, der Bauberei und Magie, deren Wunder die Phantasie des diese mit Versenkungen, Kaschierungen, Spiegelungen und anderen Publikums bei den sagenumsponnenen Fatiren am Ganges ver- technisch- mechanischen Hilfsmitteln arbeitenden Atte auch nichts mutet, während es real von ihnen Kenntnis nimmt auf den Jahr anderes als die alten Verschwinde- und Schwebetricks der Thorn, märkten und Rummelplätzen. Das ist das unbegrenzte Feld, auf Epstein, Basch, Kaßner, Delaunés Zur Ausführung dieser Tricks dem sich die Kartenmanipulatoren tummeln, die Männer, die aus gehört sehr viel manuelle Geschicklichkeit, Auffassungs- und Komeiner leeren Tüte Blumen wachsen lassen, schwebende Jungfrauen binationsgabe, fräftige Muskeln, ein biegsamer Körper, Sinn für beschwören, aus der Kiste fliehen, Damen zersägen, Uhren ver- Technik und Mechanik und ein heller Kopf, der für die schwarze Kunst das A und O bedeutet. Was im besonderen die Tricks von Eierkuchen backen, aus der Luft die jeweilige Nationalfahne holen, Houdini betrifft, mit dem wir diesen kleinen Ueberblick eröffnet sie in einen Revolver stopfen, abfeuern und aus der Zielscheibe eine haben, so werden sie nicht nur von ihm, sondern auch von allen Ente mit dem Eierfuchen im Munde herausziehen. Für uns Deutsche Artisten, die jemals mit ihm gearbeitet haben, streng geheim geist der Name Bellachini der Inbegriff aller Zauberei. Er hieß eigenthalten. Es gibt eben eine unerschütterliche Solidarität der Magier. lich Berlach und wurde 1828 in Ligotta in Polen als Sohn eines Bezeichnend hierfür ist die folgende Geschichte, die Kober erzählt: Gastwirts geboren, tummelte sich in Europa und Amerika umher Houdini war in Essen engagiert und wurde auf der Bahn von dem und wurde in der Schule wandernder Gaukler der durch seine Ge- Artisten X. erwartet, der ihn von Amerika her seit langem fannte Um 6 Uhr schicklichkeit und durch seine unfreiwillig komischen Phrasen berühmte und an seiner neuen Arbeitsstätte einführen wollte. Bauberfönig. hat vielleicht zufällig einer der erhabenen An- früh kam der Zug an. X. hatte das eiserne Gittertor zu der Bension, wesenden ein reines Taschentuch bei sich?" soll er bei einer Privatin der er wohnte, auf Anraten des Wirtes wieder abgeschlossen und soiree vor einer fürstlichen Gesellschaft gefragt haben. Dieser wirkden Schlüssel so weit in den Garten geworfen, daß ihn niemand von liche echte Original- Bellachini" starb 1885 zu Parchim in Meckiender Straße her erreichen fonnte. Um 8 Uhr wurde das Tor geburg. Heute gibt es etwa 60 Bellachinis, deren jeder behauptet, öffnet, so lange sollten X. und Houdini auf dem Bahnhof bleiben. „ der echte" zu sein. So schreibt Paul Scheldon, selber ein großer Das paßt mir nicht," sagte Houdini, als er die Geschichte hörte, ,, Natürlich." Magier, in seiner Magischen Revue", die er in einer Fachzeitschrift hat das Tor ein Schlüsselloch?" ,, Dann kommen erscheinen läßt, und der es wissen muß. wir auch hinein." Sie gingen also los, famen vor der verschlossenen Tür an, die Houdini einen Augenblick betrachtete: Moment, bitte, warte mal." X. drehte sich um, und ein paar Gefunden später mar das Schloß geöffnet. So erzählte mir Herr X. Ich drehte mich einen Augenblick um" d. h. der artistische Anstand erfordert, dak man einem Kollegen seine Tricks nicht ablauscht. Das ist für mic eigentlich das Magischste an diesen Magiern." Signor Saltarino nennt als ältesten Zauberkünstler Cagliostro. Sein Freund soll der Automatenmechaniker Torrini gewesen sein. Dessen Apparate brachte Robert Houdin( 1805-1871) wieder in Ordnung. Dieser Houdin erzauberte sich die höchsten Auszeichnungen, und er wurde sogar zu einer politischen Mission ausersehen: die französische Regierung schickte ihn nach Algier, um dort " Jandorf Billiger Freitag und bei Sonnabend Strickwolle graumeliert und schwaiz, gute Qualität, ca. 50- Gramm- Docke Herren- Hosenig, mit Überschlag, 3 Größen wollHerren- Hemden haltig, mit Doppelbrust, 3 Größen. Einsatzhemden für 45. Kindergarnituren 295 Veloutine Wolle, Mütze und Schal 225 Oberhemden geh. durchgeh. Perkal, neue Muster, 1 weicher u.1 steif. 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TEEKANNE Rot gehaltvoll, aromatisch, die reine Indo- CeylonTeemischung feinster Auslese, bei leichtem Aufguss ohne, bei kraftigem mit Sahne zu empfehlen Wir erfüllen die schmerzliche Pflicht, bekanntzugeben, daß am 21. Oftober, früh 7 Uhr, nach langem, mit großer Gebulb eriragenem Beiden mein lieber Gatte, mein Sohn, unser Brader und Schwager. Redakteur Otto Gaier im Alter von 40 Jahren die Augen tile immer gefchloffen hat. In tiefem Schmerz die Gattin Aenne Gaier und Angehörige. Berlin, 22, 10. 1925, Prenzlauer Allee Beerdigung Sonnabend, 24. Oftober, nachi. 12% Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes Friedrichsfelde. Am 21. Oftober starb nach langem, schwerem Leiden der Redakteur unferes Fachblattes Der Fleischer", Kollege Otto Gaier Alle, bie ihn fennen lernten, mußten fein vertrauensvolles Wesen zu schäßen. Ein getreues Andenken bleibt ihm gesichert! Zentralverband der Fleischer u. B. D. Hauptverwaltung. Rebaition. Die Beerdigung findet am Sonnabend, 24 Ottober, nachm. 128, Uhr, von der Leichenhalle des 8entral friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Am 21. Oktober verstarb unser Genoffe 1342b Otto Gaier Brenzlauer Allee 23. Beerdigung am Sonnabend, nachm. 12% Uhr, in Friedrichsfelde. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand der 28. Abteilung. Nach schwerem, aber mit Gedulo er tragenem Leiden verstarb am 20 D tober, abends. unfer lieber Rollege Moritz Pessarra aus Atutta im vollendeten 68. Cebens jahre. 1316b Der Berstorbene gehörte über 20 Jahre dem Geschäft an und hat es während dieser Zeit verstanden, die Buneigung feiner Mitarbeiter burch Tein echt follegiales Berhalten und burch seinen natürlichen Humor zu gewinnen Ein treues Andenken werden ihm bewahren Die Kollegen der Nordd. Buchdruckerei, Berlin. Die Einäicherung findet am Gonn abend, ben 24, d. M., nachm, 3%, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße ftatt. Erweiterter Girocffcktenverkehr. Der jetzige Effektenverkehr ist wegen des geringen Nennwerts fast sämtlicher auf Reichsmark umgestellten Aktien und der geringen Durchschnittshöhe der meisten Börsenaufträge für uns mit so großen Unkosten verki üpft, daß eine erhebliche Erhöhung der Depot- und Effektenkommissionsgebühren unumgänglich wird, wenn die gegenwärtige Handhabung des Verwahrungs- und Lieferungsgeschäfts beibehalten wird. Um unserer Kundschaft diese Gebührenerhöhung zu ersparen. beabsichtigen wir in Uebereinstimmung mit den maßgeblichen öffentlich- rechtlichen und den übrigen privatrechtlichen Kreditinstituten, die Aktiendepots unserer Kundschaft, späterhin auch die sich hierfür eignenden festverzinslichen Wertpapiere unserer Kundschaft, in einheitlichen Sammeldepots bei der Bank des Berliner Kassen- Vereins zu vereinigen. Hierdurch würde die Einzelverwahrung und bei An- und Verkäufen von Wertpapieren die kostspielige Lieferung effektiver Stücke vermieden, und es würden Ueberweisungen mittels des Effektenscheks an deren Stelle gesetzt werden. Der Effektenverkehr würde sich damit stückelos abwickeln. Bezüglich der in das Sammeldepot aufgenommenen Wertpapiere können wir demzufolge in Zukunft nicht mehr die Verpflichtung übernehmen, einem jeden unserer Geschäftsfreunde gerade diejenigen Nummern zur Verfügung zu stellen, die er uns eingeliefert hat oder die wir für ihn angeschafft haben. Eine Beeinträchtigung der Sicherheit ist für unsere Geschäftsfreunde hiermit jedoch nicht verbunden; denn diese Wertpapiere werden mit der Vereinigung im Sammeldepot des Kassen- Vereins nicht etwa unser Eigentum oder Eigentum des KassenVereins und haften daher auch nach wie vor nicht für unsere Verbindlichkeiten oder etwa die des KassenVereins. Vielmehr verbleibt das Eigentum an den Wertpapieren jedem unserer Kunden, wenn auch nicht, wie bisher, als Sondereigentum an den einzelnen Stücken selbst, sondern als Miteigentum an der Gesamtheit der im Sammeldepot vereinigten Wertpapiere ein und derselben Gattung. Für die Erfüllung der dem KassenVerein aus dem Verwahrungsverhältnis obliegenden Pflichten stehen wir unseren Geschäftsfreunden gegenüber ein. Auch die übrigen die Wertpapiere betreffenden Rechte unserer Kundschaft, z. B. hinsichtlich des Dividendenbezuges, der Ausübung von Bezugsrechten, der Vertretung der Aktien in der Generalversammlung, der Verpfändbarkeit der Werte usw. bleiben unverändert bestehen. Für alle Wertpapiere, welche nicht den deutschen Stempel oder welche einen ausländischen Stempel tragen, für die nicht vollgezahlten Versicherungsaktien und für alle verlosbaren Wertpapiere verbleibt es bei dem bisherigen Zustand. Wir richten an unsere Kundschaft die Bitte, sich mit der Vereinigung ihrer bei uns ruhenden Wertpapiere im Sammeldepot der Bank des Berliner Kassen- Vereins einverstanden zu erklären, da die Beibehaltung des jetzigen Zustandes die Berechnung erhöhter Depotgebühren und Effektenkommissionsgebühren erforderlich machen würde. Berliner Handels- Gesellschaft S. Bleichröder Commerz- u. Privat- Bank Aktiengesellschaft Darmstädter und Nationalbank K. a. A. Delbrück Schickler& Co. Deutsche Bank Direction der Disconto- Gesellschaft Dresdner Bank J. Dreyfus& Co. Hardy& Co., G. m. b. H. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank Hirschfleisch Pid. 0.80.1M. Verkäufe 9 400 2.95 855 3.45 3.95 Musikinstrumente Neikzeuge( Richter- Präzision), Sicher] Leihhaus, Reinickendorferstraße 105,| heits- Goldfillfederhalter. 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