Abendausgabe Nr. 502 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 249 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redatfion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig 23. Oktober 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Beclag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Berliner, rührt Euch! Am nächsten Sonntag soll die Entscheidung für vier Jahre fallen: Soll die Weltstadt Berlin verwaltet werden nach dem Rezept, das für Krähwinkel paffen mag oder nach großen sozialen Gesichts punkten, die dem Fortschritt die Bahn öffnet? Die Landtagswahlen in Baden. Abrechnung mit dem Rechtskurs. Aus Baden wird uns geschrieben: Wer das erstere will, wird die Vertretung des Privatkapitals, die Deutschnationalen und die Volks- deshalb dem Ausfall der badischen Landtags- wie der Großpartei wählen. Wer aber den sozialen Fortschritt in der größten Gemeinde des deutschen Reiches erstrebt, der wählt am 25. Oktober die Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei! Die Sihung des Auswärtigen Auschusses. Falschmeldungen und Indiskretionen. Die Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses sind nach der Verfassung vertraulich. Troßdem folgt jeder seiner Gigungen ein ganzer Schwarm von Falschmeldungen und Indiskretionen. Das Tollste leistet sich diesmal Hugenbergs ,, Tag", der in fetten Lettern meldet, es feien neue Berhandlungen notwendig geworden, der Auswärtige Ausschuß fordere vertragsmäßige Sicherung der durch die Entente. Davon ist fein Wort wahr. Der einzige Redner, dessen im übrigen sehr diplomatisch abgewogenen Worte nach dieser Richtung gingen, war Graf West ar p. Die Regierung vertrat den selbstverständlichen Standpunkt, daß die bekannte Silaufel ne varietur" neue Verhandlungen ausschließe. Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, daß ihr der Ausschuß. der übrigens feine Beschlüsse faßte, darin zustimmte. Rüdwirtungen " Jedermann in Deutschland wünscht, daß die Rückwir fungen" so rasch und umfassend wie möglich eintreten. Und ginge es nach den Sozialisten der beteiligten Länder, so müßte Der ganze Befagungsunfug von heute auf morgen ver schwinden. Im Ausschuß aber ist von berufener Stelle Darauf hingewiesen worden, daß die Rückwirkungen" zwar schon vor dem 1. Dezember anfangen fönnten sichtbar zu merden, daß aber ihr Gesamtablauf eine viel längere Zeit erfordern werde. Daraus folgt, daß die Zustimmung zum Ver trag nicht von dem Maß dessen abhängig gemacht werden fann, was bis zum 1. Dezember an Rückwirkungen sichtbar geworden ist, sondern von dem Maß des Vertrauens, das man in den neuen Vertrag, die neuen Verhältnisse und ihre logischen Konsequenzen für das besezte Gebiet ſetzt. Mit dem Abschluß des Bertrags soll diese Entwicklung nicht schon abgeschlossen sein, sondern erst beginnen. Und darum ist es falsch, von Rückwirkungen so zu sprechen, als ob sie als Ganzes für das Zustandekommen des Vertrags Borausfegungen wären. " gegen bar abhandeln zu laffen. Beweis: Das Verhalten der Deutschnationalen bei der Entscheidung über die Dawes- Berträge. Vor der entscheidenden Abstimmung waren die Dames: Berträge für sie das zweite Versailles", eine schmachvolle Angelegenheit, der man grundfäßlich die Zustimmung verweigern mußte. Ale fie aber schriftliche Zusicherungen über ihre Aufnahme in die Reichsregierung und damit über die Einführung von Schutzöllen erhielten, befannen sie sich eines anderen. Auf dieses Papierchen hin gaben sie ihre Grundsätze preis. Der Preis, den fie für ihre Zustimmung zu jenem zweiten Bersailles" erhielten, war reichlich hoch. Jetzt handeln sie um ihre Zustimmung zu dem dritten Ver= failles" des Nie- wieder- Krieg- Vertrages, der den aber maligen Verzicht auf Eisaß- Lothringen einschließt. Es gelüftet sie danach, wieder umzufallen und sich dafür wieder hoch bezahlen zu lassen. Diese Absicht wird etwas zu deutlich in einer Betrachtung der Deutschen Tageszeitung" zu dem Ergebnis der Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen Severing im Breußischen Landtag bekannt gegeben. Dort heißt es: So lange die Möglichkeit naheliegt, daß dort die gegen. märtige Regierungstoalition an Meinungsverschieben heiten in der Außenpolitit zusammenbricht, ist fchwerlich an eine Annäherung zwischen Deutschnationalen und Sentrum in Breußen zu denken. Die preußische Regierungsfrage wird also zunächst ruhen, bis die Einwirkung der Abmachungen wird also zunächst ruhen, bis die Einwirtung der Abmachungen von Locarno auf die parlamentarische Lage im Reichs. tage feststeht; was freilich vielleicht schon sehr bald der Fall fein tann. Der positive oder negative Charakter dieser Einmirfung fein tann. Der positive oder negative Charakter dieser Einwirkung aber wird auch von erheblicher Bedeutung dafür sein, wie sich na ch der Klärung der Situation im Reich die Lage in Preußen der Klärung der Situation im Reich die Lage in Preußen weiter entwidelt. Herr Paul Baecker, der Verfasser des Artikels, hat vielleicht gemeint, daß seine vorsichtige, absichtlich etwas dunkel gehaltene Fassung nur den Eingeweihten verständlich sein würde. Aber die Kenner der deutschnationalen Taktik verstehen sehr gut, daß ein neues Handelsgeschäft beabsichtigt ist. Die Deutschnationalen möchten, da sie auf Grund der Mehrerzwingen können, und nach einer etwaigen Neuwahl noch heitsverhältnisse den Eintritt in die Preußenregierung nicht weniger denn jetzt, sich die Teilnahme an der Preußenregie rung erschleichen, erfchachern, erpressen. Ein solches Handelsgeschäft dürfte ihnen etwas schwerer fallen als feinerzeit das Geschäft mit Herrn Stresemann, das ihnen den Eintritt in die Reichsregierung und die Schutzölle gebracht hat. Denn darüber werden sie sich wohl selbst klar sein: In die Breußenregierung fommen sie nicht, ohne das Fegefeuer der Volksbefragung durchschritten zu haben. Dann aber In der Breffe finden sich auch Mitteilungen darüber, welche Stellung Herr Stresemann zur Frage des Berzichts gesagt, der Patt enthalte nichts als einen Verzicht auf Anauf Elsaß- Lothringen eingenommen hat. Herr Stresemann habe griffstriege und aggressive Gewaltanwendung, er beschränke aber in keiner Weise das Selbstbestimmungsrecht der Bölker. Herr Stresemann hat in der Tat etwas ähnliches gesagt, und ungefähr so stimmt es ja auch. Der Baft bedeutet allerdings nicht nur den Verzicht auf Revanchetrieg und Eroberung, sondern auch den Verzicht auf eine Unterstützung von Lostrennungsversuchen. Beispielsweise wäre es ein glatter Vertragsbruch, wenn Frankreich nach Abschluß des Vertrags Lostrennungsbestrebungen im Rheinland weiter erst recht nicht. fördern wollte. Dasselbe märe es, wenn eine deutsche Regie- d rung irgend eine gleichgerichtete Bewegung jenseits der Grenze unterstützte. Will man sich ganz genau ausdrücken, so muß man sagen: Der Vertrag bedeutet insofern nicht einen Verzicht auf ElfaßLothringen, als Deutschland das Recht bleibt, dieses Land anzunehmen, wenn es Frankreich einmal mit Zustimmung seiner Bevölkerung an Deutschland abzutreten geneigt wäre. So lange aber Frankreich auf dem Standpunkt steht, daß es Elsaß- Lothringen ohne einen verlorenen Krieg nicht herausgibt, bleibt es eben beim Verzicht. Ein Opfer tann aber und darin glauben wir wieder mit den maßgebenden Stellen ganz übereinzustimmen in dem Vertrag nicht erblickt werden, denn es ist fein Opfer, auf etwas zu verzichten, was man sowieso nicht haben kann. Im übrigen wäre es besser, die Verhandlungen des Aus wärtigen Ausschusses öffentlich zu führen, wenn man sie nicht vor Indiskretionen und Falschmeldungen schützen fann. Preußen für Locarno! Ein neues deutschnationales Handelsgeschäft beabsichtigt. " Deutsch sein, heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun" das ist das Wort, das die Führer der Deutschnationalen im Munde zu führen pflegen. Aber deutsch sein, heißt noch nicht. deutschnational sein. Deutsch national sein, heißt, eine Sache nicht um ihrer selbst willen, sondern nur gegen Bezahlung tun, versteht sich, gegen jeweils höchste Bezahlung. Die Deutschnationalen besigen politische Grundsätze, aber nicht zu dem zwed, sie anzuwenden, sondern nur dazu, sie sich Vor dem Rücktritt Caillaux? Die Krifengerüchte erhalten fich. Paris, 23. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Das Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritt Caillaur' hat neue Nahrung erhalten durch eine neue Konferenz, die am Donnerstagabend Ministerpräsident Painlevé mit dem Finizminister gehabt hat. Diese Aussprache, die nicht weniger als drei Stunden dauerte, hat ausschließlich der Erörterung der finanziellen Sanierung und dem Programm Caillaug' gegolten. Der Quotidien" glaubt zu wissen, daß es zwischen Painlevé und Caillaug darüber zu sehr tief gehenden Meinungsverschiedenheiten gekommen sei. Unter diesen Umständen sieht man dem Ministerrat am Freitag mit großer Spannung entgegen, und ein Teil der Morgenblätter gibt der Vermutung Ausdrud, daß, wenn es nicht gelänge, die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken, Caillaug viel leicht schon heute seine Demiffion geben werde. Auch von der Möglich feit eines Rücktritts des gesamten Kabinetts ift verschiedentlich die Rede. Der mazedonische Grenzkampf. Bulgarien nimmt das Ultimatum an? London, 23. Oftober.( UB.)„ Daily Expreß" meldet aus Athen, der bulgarische Gesandte habe dem Ministerpräsidenten Gene ral Bangalos mitgeteilt, die bulgarische Regierung nehme die Bedingungen des griechischen Ultimatums an, d. h. erstens offizielle Entschuldigung für die Angriffe auf den griechischen Grenzposten, zweitens Bestrafung der Schuldigen, drittens Bezahlung einer Entschädigung von 20 000 Pfund. der erste größere Wahlkörper in Deutschland sein, der nach der Der Freistaat Baden wird mit der Stadt Berlin Entscheidung von Locarno zu einer Kundgebung seines politischen Willens berufen ist. Und es ist begreiflich, daß man Berliner Gemeindewahlen in den weitesten Kreisen des Reiches mit Spannung entgegensieht. Es wird sich dabei zudem um die Feststellung handeln, inwieweit im Reiche die großen innerpolitischen Entscheidungen und schweren Kämpfe der feit der Hindenburg- Wahl verflossenen sechs Monate, die Entlarvung des deutschnationalen Erfüllungs- und Aufwertungsschwindels, der Steuer- und Zollpolitik der Rechtsparteien und des Zentrums, die Behandlung der Beamtenforderungen usw., die politische Einstellung der Wählerschaft beeinflußt und zu einer Veränderung des Stärkeverhältnisses der Parteien geführt haben. tik im badischen Landtagswahlkampf eine entscheidende Rolle Es ist erklärlich, daß nach Lage der Dinge die Reichspoligespielt hat. Sehr zum Leidwesen freilich der Rechtsblöckler und Bentrums. Daß die Sozialdemokratie deren brünstiges Flehen nicht erhörte, das, was in Berlin geschah", doch aus dem badifchen Wahlkampf hübsch herauszulassen, ist begreiflich. Und die Rechtser sind denn auch in den letzten Wochen in Baden gehörig mit den Ruten gezüchtigt worden, die sie im Reiche für das Volk gebunden hatten. Aber auch dem Zentrum bekam seine Hollpolitik vom Hochsommer sehr übel. Die Warnung durch den Austritt Dr. Wirths aus noch zur rechten Zeit. Längst hatte man gemerkt, daß es der dem Reichstagszentrum fam für die badischen Wahlen gerade Bentrumsleitung im Musterländle" in der Koalitionsgefellschaft mit der Sozialdemokratie nicht mehr recht wohl war, und daß sie, wie im Reiche unter dem Einfluß der Herold, Stegerwald usw., nach rechts drängte. 3um mindesten, um neben der Sozialdemokratie auch noch die Deutsche fo= genannte Boltspartei in die Regierung mit hineinzu bekommen.„ Deckung nach der protestantischen Seite hin" chefs, des Freiburger Prälaten Dr. Schofer. Wer die nennt man das im politischen Jargon des badischen ZentrumsDeutsche Boltspartei aber, von Berlin her, etwas berartigen großen Koalitions"-Experiment zunächst hergab, sie genauer fennt, der weiß, daß, menn sie sich auch zu einem demit ohne jeden 3weifel den Hintergedanken verband, so rasch als möglich die Deutsch nationalen hinter sich herzuziehen. Und daß die Sozialdemokratie in demfelben Augenblid zur linken Tür der Koalitionsstube hinausgehen würde, in dem zur rechten die Mampisten hereinfämen, darüber kann doch wohl weder in Baden noch außerhalb jemand im Zweifel sein. Es drohte unter folchen Umständen der politischen Zukunft unseres Landes immerhin eine gewiffe Gefahr. Die Art nun, wie das Gros der badischen Zentrumsanhänger auf den demonstrativen Schritt Dr. Wirths reagierte, und die„ Fraktur", in der sie auf der genannten Offenburger Tagung der in denen die sozialistische Presse des Landes auf Klarheit über Barteileitung ihre Meinung unter die Augen hielt, hat diese Gefahr sichtlich gemildert. Gerade in den allerletzten Tagen, die Bläne des Zentrums hinsichtlich seiner Stellung zur Regierungsfrage nach den Neuwahlen drängte, ist ein deutlicher Umschwung in den Intentionen Dr. Schofers offenbar geworden. Er faßte die Sozialdemokratie jüngst in der großen politischen und tattischen Kundgebung, zu der er sich den mit auffällig zarten Händen an, während er den politischen Nibelungensaal des hiesigen Rosengarten ausgewählt hatte, mit auffällig zarten Händen an, während er den politischen Nachfahren der alten badischen Nationalliberalen, die sich jetzt in der Curtius- Partei zusammengefunden haben, rechte bittere und wenig versprechende Wahrheiten fagte. Vielleicht hat ihn dazu im allerletzten Augenblid auch noch der auffällig schlechte Besuch der Versammlung bestimmt, aus dem der Zentrums chef, wie aus den oben erwähnten Vorgängen in Offenburg, folgsam an der Hand hat, wenn er von der Wirth in die gemerkt haben mag, daß er seine Anhänger nicht mehr so Fehrenbach- Linie der Reichspolitik einschwenken wollte. Koalitionsparteien in Baden freilich: die bürgerlichen Ein schwache Seite hat die Rechnung der Weimarer Demokraten, die im Lande von Wahl zu Wahl weniger nach einem Ersatz zwingen. Bringt uns der 25. Oktober gar werden und dadurch das Zentrum immer wieder zur Umschau nach einem Ersatz zwingen. Bringt uns der 25. Oktober gar fratische Fraktion in den Landtag- zuletzt waren es sieben eine erheblich stärkere deutsch- volksparteiliche als deutsch- demoDemokraten und fünf Volksparteiler, so wird die Versuchung im Lande, in die Koalition hereinzunehmen, zweifellos eine im Zentrum, nun die Curtius- Leute, als die drittstärkste Partei erhebliche Verstärkung erfahren. Und daß die letztere die Aufforderung zum Eintritt in die Regierung nach dem 25. Oftober erwartet, das geht schon aus dem Umstand hervor, daß sie die Einladung von rechts, von den Deutschnationalen her, mit in den Badischen Rechtsblod" einzutreten, den diese mit dem Landbund gebildet haben, ohne langes Besinnen abgelehnt hat. Die Boltsparteiler haben Regierung auch für das Zentrum eine zu starke moralische fich offenbar gesagt, daß ein folcher Rechtsgroßblock in der Belastung wäre, und so zogen sie es vor, sich das deutschnational- bündlerische Gewicht vom Hals zu halten, um sich der Schofer- Partei nach der Wahl in ihrer ganzen nationalliberalen Reinheit" zur Aufnahme in die Regierung präsentieren zu Lönnen. Wie im Falle der Bereitwilligkeit des Zentrmns,ens mit der Sozialdemokratie in der Regierung durchaus nicht einheitlich: es gibt unter ihnen warme Befürworter und starke Gegner. Der Um- stand aber, daß gerade an den Spitzenstellen der volks- parteilichen Wahlvorschlagslisten, also dort, wo die Wahl- aussichten am günstigsten sind, schroffe Gegner der Sozial- demokratic stehen, Leute, wie der Freiburger Oberstaatsanwalt O b k i r ch e r, die in aller Form den Hinauswurf Remmeles aus dem Innenministerium be- treiben und sich in ihrer ganzen Einstellung von den Deutsch- nationalen nur wenig unterscheiden,— dieser Umstand scheint dafür zu sprechen, daß es zu schweren Komplikationen kommeil würde, wenn das Zentrum nach dem 25. Oktober auf eine Neuordnung der Dinge in der Regie- rungsfrage drängen sollte. Die Arbeiterschaft unseres Landes ist sich dessen bewußt, daß die sicherste Gewähr für die Fortsetzung des streng republi- kanisch und entschieden sozial gerichteten Kurfes, den das offizielle Baden seit 1919 steuerte, �ne starte Sozialdemokratie ist, eine s o starke Sozialdemokratie, daß ohne sie an ein rcibungs- und rückschlaaloses Regieren, wie es die letzten sechs Jahre im Lande ermöglichten, nicht zu denken ist. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, werden wir dieses Ziel am 25. Oktober auch erreichen. Ueber 34 Sitze verfügte in dem letzten Landtag das Zentrum, 21 gehörten der Sozial- demokratie, dazu die 7 Demokraten, das sind für die Wei- marer Koalition nicht weniger als S2 von insgesamt SS, also ziemlich genau eine Dreiviertelmehrheit. Rechts davon standen 5 Volksparteiler, 7 Deutschnationale, 8 Landbund- und Hausbesitzervertreter, und 4 Kommunisten. Es besteht die Aussicht, durch eine Vermehrung der sozialistischen Mandate um 2 bis 3 bei gleichzeitiger Schwächung der Zentrumsfraktion um dieselbe Zahl das Gewicht unseres moralischen Einflusses in der alten Koalition derart zu verstärken, daß gegen unseren Willen die Hereinnahme der Volkspartei in die Regierung vom Zentrum nicht forciert wird. Rein zahlenmäßig wird auch im neuen Landtag die Möglichkeit der Aufrecht- «rhaltung der Weimarer Koalition unter allen Umständen bestehen. Wir hoffen von den badischen Wahlen aber mehr: sie sollen zu einer derart deutlichen und eindrucks- vollen Bekundung des republikanischen Volks- willens und der Ablehnung des Berliner Rechtskurses werden, daß sie auch auf das, was künftig im Reiche geschieht, nicht ohne günstigen Einfluß bleiben. Deutfthnationale Gewissensnöte. „Völkischer Reichsausschuh" der Teutschuatiouale« gegeu die Parteiführung. Während die deutschnationale Reichstagsfraktion eine Entschließung faßt, die so aussieht, alsob ihre Verfasser das Werk von Locarno in Grund und Boden verdammen wollten, zieht der sogenannte„Völkische Reichsausschuß der deutschnationalen Partei" ganz scharfe Register auf. Dieser Ausschuß, eingesetzt, um die Konkurrenz der Graefe-Hitler- Ludendorff einzudämmen und die deutschnationale Juden- feindschaft trotz Quaatz rein und unverfälscht zu erhalten— dieser Ausschuß veröffentlicht über den Pakt von Lo- c a r n o eine umfangreiche Resolution, der wir diese Sätze ent- nehmen: 1. Der Widerruf der deutschen Schuld am Kriege ist von den �eindmächten nicht anerkannt worden. Die Antworten der Alliierten haben die Beschuldigung vielmehr ausdrücklich ausrecht erhallen. Die Abmachungen von Locarno nehmen außerdem mehrfach bezug auf den Vertrag von Versailles, der sich auf der Kriegsschuldlüge auf- baut. Somit ist die von der deutschen Regierung aufgestellte Vor- oussetzung für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund nicht erfüllt. Woran erkennt man ihn! Von Paul Gutmann. Mitunter ist einem zumute, als verstünde man die Welt nicht mehr. Das Grausen packt einen, wenn, wie Schopenhauer sich aus- drückt und wie es oft der Fall ist, der Satz vom zureichenden Grund eine scheinbare Ausnahme erfährt. So dieser Tage, als man in der Zestung las, daß ein polnischer Arbeiter für das gleiche Delikt: Totschlag an der Geliebten oder Ehestau, das einem akademisch ge- bildeten Mann drei und einhalb Jahre Gefängnis eingebracht hat, zu zehn und einhalb Iahren Zuchthaus oerurteilt worden ist. Der Arbeiter hatte die Tak reumütig bekannt, während der Doktor und ehemalige Offizier sein Opfer in kaltblütiger, raffinierter Weise mumi- fiziert und versteckt hatte. Die beiden Täter gehören nach den er- gangenen Gerichtsurteilen offenbar zwei verschiedenen Welten an und mußten demnach verschieden verurteilt werden. Als ich auf dem Wege durch die Stadt über dies« unbegreifliche Verschiedenheit noch kopsschüttelnd nachsann, fiel mein Blick auf das Schild eines Stiefelputzers:„Am Schuhwerk erkennt man den Menschen." Im Märchen ereignet es sich bisweilen, daß die Stimme eines Geistes in tiefer Wirrnis eine plötzliche Erleuchtung bewirkt. Die Griechen der Verfallzeit hörten aus dem Nichts eine Stimme: „Der große Pan ist tot", und nun wußten fi«, daß ihre antike Herrlich- keit zu Ende fei. Aehnlich wirkte dieses Schild auf mich. Alles, was ich bisher geglaubt hatte, war offenbar Unwissenheit gewesen. Wie hatte ich mich gemartert, um über das Problem des Menschtums Klarheit zu gewinnen. Wie einfach lagen doch in Wirklichkeit die Dinge! Kürzlich las ich an allen Ecken und Enden den Satz:„Der Hut machts." Aber das erschien mir in meiner emgewurzellen Step- fis nicht richtig: denn ich hatte viele Ehrenmänner gekannt, unter deren hohen Hüten die niedrigsten Gedanken wohnten. Hier jedoch, aus dem Schild des einfachen Stiefelputzers, schien mir plötzlich jene Volksstimme zu reden, die bekanntlich Gottes Stimme ist. „Am Schuhwerk erkennt man den Menschen." Woran sollte man ih« auch sonst erkennen? Die größten Lumpen heucheln Nächsten- liebe, wenn es um ihren Vorteil geht, die ärgsten Verräter täuschen Vaterlandslieb« vor, Lustspiele und Trauerspiele handeln fast von nichts anderem als von der Unmöglichkeit, feine Mitmenschen recht- zeitig zu erkennen. Hat man aber einmal den Faden gefunden, der einen im Labyrinth des Lebens zurechtweist, so ist alle Gedanken- qual überflüssig. Ein Blick auf die Fußbekleidung zeigt einem, woran man fft.„Zeigen Sie Ihre Stiefel!" wird in Zukunft der Richter dem Angeklagten sagen mästen. Es wird sich ja dann zeigen, ob es die feinen Chevreaufchuhe sind, die ins Gefängnis oder gar zur Freiheit führen oder die ausgetretenen und verwahrlosten Rinds- tedernen, auf die Zuchthaus steht. Wir werden uns in Zukunft vor einem Menschen, der schiefe Absäge trägt, mehr hüten als vor einem. der wls belogen hat. Leute mit Lackschuhen untadeligster Form 2. Artikel 1 des Westpaktes garantiert den Statu, quo und die Unverlehlichkeit der Wesigrenzen gemäß dem Vertrag von Versailles. Eine K ü n d i g u n g ist für Deutschland nach der Fastung des Artikels 8 praktisch ausgeschlossen. Der Westpakt läuft also in seiner Auswirkung auf einen Verzicht auf deutsches Land aus. Es wird ein Spiel mit Worten getrieben, das über den Sinn hinwegtäuschen soll.... 3. Nach der Erklärung zum Artikel 16 der Bölkerbundssatzung bleibt die Entscheidung über die militärische Leistung Deutsch- lands im Fall von Verwicklungen und darüber, welches„Maß mit der militärischen Lage verträglich ist und einer geographischen Lage Rechnung trägt", nicht der deutschen Regierung in pflichtmäßigem Ermesten gegenüber dem deutschen Volke überlasten, sondern liegt bei den Alliierten. Die Gefährlichkeit des Artikels 16 ist sonach für Deutschland nicht beseitigt.... 4. Die hinsichtlich des Rheinlandes und des gesamten besetzten Gebietes von Deutschland aufgestellten Voraus- setzungen sind nicht erfüllt, sondern werden nur noch als zu erhoffende„Rückwirkungen" bezeichnet. Nicht einmal die Räumung der Kölner Zone, auf die wir feit dem 16. Januar 1925 rechtlichen Anspruch haben, ist gesichert, geschweige denn, daß sie sofort erfolgt. Die deutsche Delegation hat sich wiederum in ein« Lage drängen lassen, in der sie genötigt war, die deutschen Leishxn- gen, nicht aber die Gegenleistungen der Entente festzusetzen. Ueber diese sind keine bindenden Abmachungen getroffen worden. Münd- liche Zusagen sind nach den Erfahrungen der letzten Jahre wertlos. 5. Die Schiedsverträge mit Polen und der Tschecho- slowakei sind nicht geeignet, über die Tatsachen hinwegzutäuschen, daß auch die Ostgrenzen garantiert werden sollen.... Der völkische Reichsausschuß sieht daher die von der Deutsch- nationalen Reichstagsfraktion aufgestellten Voraussetzungen nicht als erfüllt an. Das Ergebnis von Locarno raubt, wenn es Rechts- kraft erlangt, dem deutschen Volke die Möglichkeit selbständiger Außenpolitik und bedeutet völkische Selb st aufgab«. Der völkische Reichsausschuß fordert von Parteileitung und Reichstags- fraktion die sofortige Ablehnung der Verträge von Locarno im ganzen, da die ne vzrietur-jftausel Aenderungen ausschließt. Man kann, wenn man diese Entschließung gelesen hat, nicht mehr daran zweifeln, daß die Deutschnationalen die volle Tragweite des Vertrags von Locarno ken- nen. Sie wissen, daß das Inkrafttreten dieses Ver- träges eine völlige Wendung in der Be- ziehung der Staaten zu einander bedeuten werde. Sie wissen, daß nach Jnkraftreten dieses Vertrages ihr Säbelrasseln und ihre Revancheideen aufhören, daß sie Außen- Politik auf dem Boden völlig friedlicher Verständigung treiben müßten, daß über die Grenzen des gegenwärtigen Deutschlands hinaus gemeinsame Interessen der beteiligten Länder und damit Europas zu pflegen sind. Diese geschichtliche und zukunftsträchtige Bedeutung des Nie-wieder-Krieg-Vertrages von Locarno ist den Deutschnationalen in voller Tragweite bekannt. Es sind Beauftragte ihrer Regierung gewesen, die diesen Vertrag „paraphiert" haben. Sie werden deshalb Mann für Mann für den Vertrag stimmen. Sie.werden nach Kanossa gehen, trotz ihres völkischen Reichsausschusses! Sie werden mit allen Mitteln suchen, an der Regierung zu bleiben! Diesem Zweck wird alles untergeordnet! ßememorüe und Reichswehr. Ueber die Ermordung des Schützen Pnnnier berichtet die Korr«- spondenz BL. folgende weitere Einzelheiten: „Pannier, der bekanntlich Schütze in der Maschinengewehr- abteilung des schwarzen Regiments v. Senden war, hatte aus dem Benehmen seiner Vorgesetzten und Kameraden den Verdacht geschöpft, daß man etwas mit"ihm vorhabe. Er beschaffte sich daher Zivil- Neider und verließ heimlich die Unterkunft der Formation in Döberitz, um sich in die elterliche Wohnung in Berlin zu begeben. Einige Tage später erschien dort ein Oberfeldwebel und ein Gefreiter des Regiments v. Senden mit dem angeblichen Auf- trag, Pannier wegen Verdachts des Landesverrats zu verhaften. Eingeschüchtert ging der junge Mann zunächst auch gutwillig mit. werden wir mit verdienter Auszeichnung behandeln, während ein Individuum, sei es ein Dichter oder sonst ein Märtyrer, mit kotigen Tretern unserer Mißachtung sicher sein kann. Armut und Unbildung, die zu dem unästhetischen Anblick eines verwahrlosten Schuhwerks führen, sind naturgemäß schlimmere Vergehen als die raffiniertesten Laster eines elegant Beschuhten. Wir leben in einer Zeit, wo der gute Schein alles und das Wesen nichts ist. Putzen wir also unsere Schuhe auf Hochglanz und nehmen wir uns vor den Kotsprigern in Acht, die unserem sozialen Ansehen Schaden zufügen könnten. Schlesiens zweite Großsiaöt. Eine neu« schlesische Großstadt ist im Werden begriffen, die im Grunde genommen jetzt schon vorhanden ist und nur noch der kom- munalen Zusammenfassung zu einer einzigen Gemeinde bedarf. Es ist die Kohlenstadt Waldenburg i. Schl. Der Mittelpunkt des Waldenburger und Niederschlesischen Steinkohlenreviers. Von Anbeginn ist die Stadt Waldenburg der tonangebende Ort dieses stark bevölkerten Reviers gewesen. Unmittelbar anschließend entwickelten sich die großen Jndustriedörfer Ober-Waldenburg und Dittersbach. Altwasser und Sandberg, ein Stück nur entfernt von der Stadt die Jndustriedörfer Nieder- und Ober-Hermsdorf, Fellhammer, Nieder- und Ober-Salzbrunn und hierzu kommt noch die Kohlenstadt Gottes- berg mit dem benachbarten Grubenort Rothenbach, kommt ferner das weitbekannte Hals- und Kehltopfbad Salzbrunn. Alle diese Orte zusammen bilden das Waldenburger Revier, fast alle hängen unter- einander oder mit dem Zentralort Waldenburg zusammen und stehen in lebhafter Verbindung durch zwei lange, an den„Vierhäusern" in Waldenburg sich kreuzende Straßenbahnlinien, durch zwei Reichs- bahnlinien, die in großen Schleifen mit einer ganzen Anzahl von Bahnhöfen das Revier durchziehen und demnächst auch durch eine Autobuslinie. Waldenburg zählt jetzt mit den in feiner Rachbarschast gelegenen Orten, die als seine Vororte anzusehen sind, rund 150 000 Einwohner. Den Hauptteil dieser bedeutenden Bevölkerungsmasse stellt der Steinkohlenbergbau, der seine Belegschaften, mit Ein- schluh jener vom angrenzenden Neuroder Bezirk von 27 000 im Jahre 1913 auf 44 000 im Jahre 1922 vermehrte. Seitdem Ist dies« Zahl aber noch erheblich gewachsen, denn die Neuanlagen von Schächten schreitet dauernd fort: ebenso erweitern sich diese Werk« von Jahr zu Jahr durch Angliederung von Kokereien und anderen Anlagen zur Verwertung der Nebenprodukte der Steinkohle. Daneben besitzt dieser niederschlesische Industriebezirt auch noch eine umfangreiche Indu- strie: besonders stark vertreten ist die Porzellan-, Glas-, Textil-, Metall- und chemische Industrie, von denen besonders die erster« Weltruf besitzt. Diese Industrien beschäftigen allein im Kreis« Walden- bürg rund 20 000 Arbeitskräste. Es kommt noch hinzu, daß in größter Nähe Groß-Waldenburgs �ie Uhren- und Leinenindustriestadt Frei- bürg, sowie das industriereiche Bad Charlottenbrunn liegen, die durch- aus zum Groß-Waldenburger Wirtschaftsbereich gehören. Die neue Großstadt Waldenburg, die in absehbar naher Zeit auf den Plan treten wird, faktisch aber heute schon vorhanden ist, wird in Schlesien unmittelbar nach Breslau, also auch vor der bisher zweit- größten Stadt Schlesiens, vor Görlitz, rangiere«. Das Waldenburger I rief dann ober beim Transport durch die Straßen Berlins einen Verkehrsschutzmann um Hilje an. Der Polizist hielt die beiden Soldaten mit ihrem„Häftling" an und transportierte alle drei trotz des heftigen Protestes des Oberfeldwebels zur Wache. hier stellte es sich heraus, daß der Oberfeldwebel und der Gefreite i.n Besitze ordnungsgemäßer Ausweise der 3. Division waren. Ge- mäß bestehender Vorschriften benachrichtigte daraufhin die Polizei- wache das Wehrkreiskommando III in der Kur» fürstenftraße und erhielt von dort die Weisung, die drei beim Wehrkreiskommando abzuliefern. Ein Schutzpolizist führte diesen Auftrag aus und übergab Pannier mit seinen Begleitern einem Offizier in dem betreffenden Kommando, an den man ihn gewiesen. hatte. Dieser Offizier war kein anderer als Oberleutnant Schulz, der sich bei der genannten Behörde als Leiter der Arbeits- kommandos betätigte. Schulz sorgte für schleunigen Abtransport Panniers nach Döberitz, und wenige Tage später war der Fememord an dem Schützen vollzogen." Die„Vossische Zeitung" veröffentlicht in dieser Angelegenheit übrigens die Zuschrift eines, ehemaligen Offiziers, der einer Abtei- lung Oberleutnants Schulz zugeteilt war. Dieser Ofsizier hat schon im Oktober 1923 das Wehrkreiskommando III vor der gefährlichen Person des Oberleutnants Schulz gewarnt. Ver- geblich l Man fertigte den Warner mit den Worten ab:„Es liegt kein Grund zu Besorgnissen vor", und Schulz konnte seine Tätigkeit als Organisator von Fememorden und Putschen fortsetzen! Richtergeift. Ein Einspruch des Preustischen Richtervereins. Der Preußische Richterverein läßt zur Ernennung bei Genossen K r o n e r zum Oberverwaltuugsgerichtsrat eine längere Erklärung los, die mit folgenem Protest schließt: Die preußischen Richter erheben zur Wahrung der Rechts- pflege und des Rechts, im Interesse des Volksganzen und des Staatswohles gegen die Ernennung Kroners zum Oberverwallungsgerichtsrat ernsten Widerspruch. Die Erklärung kennzeichnet den Geist, der den Richtervcrein beherrscht. Wo blieb der Richterverein, als das skandalöse Urtell im Magdeburger Prozeß eine spontane Bewegung auslöste, der auch Reichsregisrung und Reichspräsidium Rechnung trugen, indem sie durch einen demonstrativen Besuch beim Reichspräsidenten Ebert zum Ausdruck brachten, daß sie sich mit dem Urteil nicht identifizieren? Wo blieb der Verein, als sich eines seiner Mitglieder, Herr B e i n e r t, die unglaublichsten Angriffe auf Staat und Regie- rung erlaubte, wo blieb er, als ein Hamburger Einzel- r i ch t e r ein Urteil fällte, das selbst vom Zentrum als Kulturkampf- justiz bezeichnet wurde, wo blieb er bei den zahlreichen Tendenz- urteilen gegen das republikanische Reichsbonner? Wenn dem Preußischen Richterverein wirklich die„Wahrung der Rechtspflege und des Rechts im Interesse des Volksganzen und des Staatswohles" am Herzen läge, dann hätte er allen Anlaß, gegen die Voreingenommenheit einer ganzen Anzahl seiner Mit- glieder«inzuschreiten und dafür zu sorgen, daß die Gerichte und ihre Organe nicht in einem Sinne Recht sprechen, der nicht nur dem Geiste der Reichsoerfassung und der Republik Hohn spricht, sondern auch gegen die Grundbegriffe einer ob- jektiven Rechtsprechung verstößt. So lange sich der Preußische Richterverein mst dieser Art Rechtsprechung identifiziert, sehst ihm jede Berechtigung, im Namen des Volksganzen und oes Staatswohls zu sprechen und sein Protest zeigt nur, daß der Innen- minsster Recht daran hat, einen Mann zum Oberverwaltungsgerichts- rat zu ernennen, der sich mit Leidenschaft gegen eine Rechtsprechung wendet, die man nicht anders als schwarzweißroteK lassen- justiz bezeichnen kann. Alacdonald auf dem Wege nach Verlin. Bei seiner gestrigen Ankunft in Prag wurde Macdonald von dem Vertreter des Präfi, denten der Republik und verschiedenen anderen hohen Staats- beamten auf dem Bahnhofe empfa-'gen. Macdonald begab sick, nach einer Begrüßungsansprache sos/'»" zum Hradschin. Heute abend ist Macdonald Gast des englischen Gesandten. Sonnabend abend wird er nach Berlin Weiterreisen. Der polnische Aufslands- kriegerverein möchte gern auch in Deutsch-Oberschlesien verbreitet sein. Präsident C a l o n d e r hat aber jetzt entschieden, daß die deutsch-oberfchlesischen Behörden die Zuge- Hörigkeit zu diesem Verein mst Recht verbieten, somit auch ver- folgen können. Revier weist bereits jetzt eine musterhafte Gcbirgsquellwasserver- sorgung eine ebenso großartige Elektrizitäts- und Gasversorgung auf. Waldenburg selbst besitzt umfangreiche, wohlgeplegt« Bergparkanla- gen, ein hervorragendes sinfonisches Orchester und wird sich demnächst für 1 Million Mark eine Stadthalle bauen. In weiterer Aussicht sind der Bau eines Stadttheaters und eines Krematoriums. Die Operelte des Aloskauer künstlerlhealers. Das Gossspiel der Moskauer im Berliner Theater brachte als dritte Gabe L e c o c q s oltbekanntc Operette die„Tochter de r Madame A n g o t". Da sie in Berlin gleichzeitig im Metropol gegeben wird, lassen sich interessante Vergleiche ziehen. In Deutschland ist sie immer noch die Operette: Musik, Ausstattung, großer Chor sind die Haupt- sache. Das Künstlertheater legt das Hauptgewicht auf die schau- spielerische Darstellung. Es macht aus der Operette ein Schau- spiel mit Musik. Da es keine neue dramatische Kunst vorfindet und traditionell gebunden ist, will es die alte wenigstens in neuer Form geben. Aber da es mit der revolutionären Grundstimmung rechnen muß, modelt es den Text nach dieser Richtung. Der Straßensänger Ange Pitou wird zum Helden und nach ihm wird die Opererr» um- genannt. Die Verspottung des konterreooluttonären Direktoriums von 1797 wird zur politischen Lcitidee und aus dem heiteren Spiel wird eine ernste Affäre. Sei es! Die Operette verliert, obwohl die Musik geschont wird,— ober die dramatische Ausgestaltung gewinnt, die Schürzung des Konflikts wird anschaulich gesteigert, aus den singenden Puppen werden Menschen. Vor allem wird der Chor individualisiert. Jede Figur sst herausgearbeitet, jede bedeutet etwas l>nd greift lebendig ein. Keine Massenwirkung, aber das Pariser Kleinbürgertum wird höchst lebendig. Der Regisseur N e m i r o- witsch. Dantschenko stellt Bühnenbilder hin, die im Gedächtnis haften und baut in den Aktschlüssen, wo alles zum lebenden Bild erstarrt, prachtvoll durchkomponierte Gnippen. Kupferstiche der Zeit haben ihn angeregt und getreulich schafft er sie nach. Die historische Treue in allem Anschaulichen ist gewahrt, ein konservatives Prinzip herrscht vor. Aber der Geist ist revolutioniert. Lohnt sich das bei einer Operette, deren spezifische Qualitäten dabei zu kurz kommen? Es liegt hier eine notwendige Anpassung an das neue Regime in Rußland vor, das die künstlerische Weiterarbeit ermöglichte. Poli- tische und selbst wirtschaftliche Revolutionen zeugen noch nicht alsbald eine neue Kunst, wenn sie auch die Sehnsucht danach erwecken. Aus der reizenden kleinen Blumenhändlerin machte die K e- m a r s k a i a eine ernste Tochter des Volkes, und I. W e l i k a n o f f kann als Straßensänger unseren Tenören zeigen, wie man diese Operettenrolle vermenschlichen kann. Ganz großes Format zeigte die B a k l a n o w a als Schauspielerin Lange. Prachtvoll ist die Einzelarbeit in der Herausarbeitung der Masken bei den Repräsentanten des Direktoriums(besonders des fuchsnasigen Polizisten Louchard)!— Das Verdienst der Russen bleibt, altes Stagnierendes in neuen Fluß gebracht zu haben.— r. Vorträge. Am Sonnabend, den 24. Oktober, 8 Uhr. spricht im Zentral- wstitut für Erziehung und Unterricht, Proseflor August Messer über„Der ethische Idealismus" und eröffnet damit die ZZortragSreihe der ComeniuS-cSelellschaft. volkol ederabevd. Am 24.. abends 8 Uhr. werden im Meisierfaal, Kötbener Straffe. Milli Ziole.(ehemals Staatsopert und Maria Menoni, am Flügel begleitet von Edith Heller, altdeutsche Volksballade» sowie Stücke aus»Des Knabe« Wunderhorn" zum Bortrag bringen. Justizetat im Landtag. Völkische Lügen unter dem Schuh der Immunität. Bei Beginn der heutigen Sigung des Landtags benutzte der völkische Abg. Gieseler den Schuß der Immunität, um noch einmal seine Beschuldigungen gegen den Wohlfahrtsminister Hirtfiefer zu wiederholen, wonach der Minister in Wien in Gesellschaft von Freudenmädchen gesehen worden sei. Herr Gieseler behauptete, daß er seine Mitteilungen nicht von Spizeln, sondern von ehrenwerten und angesehenen Wiener Männern habe, die ihm ausdrücklich den Sachverhalt so bestätigt hätten, wie er ihn vorgetragen habe. Statt nun in der Deffentlichkeit seine Beschuldigungen gegen den Minister zu wiederholen, damit man auch die ehren werten Männer aus Wien" fennenlerne, verlangfe Herr Gieseler allen Ernstes, der Minister solle die in der Abwehr auf die Beschuldigungen gefallenen, angeblich beleidigenden, Aeußerungen außerhalb des Hauses noch einmal machen, damit er den Minister gerichtlich belangen fönne! Ohne Aussprache wurde in einer Reihe von Fällen die Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten versagt. Dem Ausschuß überwiesen wurde der Gesezentwurf über die Vereinigung der Landgemeinde Campe mit der Stadt Stade. Darauf wird die allgemeine Aussprache zum Justizhaushaft fortgesetzt. Abg. Menzel- Halle( Komm.) bringt eine Reihe von Beschwerden über die Behandlung von politischen Gefangenen vor und erklärt, daß die Zahl der unteren Beamten in den Gefängnissen nicht groß genug fei. Staatsfefretär Frige erklärte, daß die Frage der politischen Straftat in dem neuen Strafgesehbuch eine neue Regelung finden werde. Das Justizministerium bemühe sich ernstlich, die Mängel im Strafvollzug zu beseitigen. Ein anderer Vertreter des Justizministeriums gab eine eingehende Darstellung des Falles Elsel in Hirschberg in Schlesien, dessen Begnadigung der Landtag empfohlen hatte. Das Ministerium fönne sich der Auffassung des Rechtsausschusses, daß eine Begnadigung notwendig sei, nicht anschließen. Abg. Grzymef( Dem.) verlangt eine Aenderung in der Berfonalpolitik beim Untersuchungsverfahren. Es werden häufig junge Assessoren, die nicht die geringste Erfahrung besitzen, mit der Leitung der schwierigsten Unternehmungen beauftragt. Die Staatsanwalt schaft laffe vielfach in den Verhandlungen ganz andere Beamte auftreten, als die die Untersuchung geführt hatten. Die allerschlechtesten Staatsanwälte und Richter feien die sogenannten schneidigen Herren". Die Beratung geht weiter. Der Landtag wird sich heute bis Mittwoch nächster Woche vertagen. * Eine neue Niederlage erlitten heute die Rechtsparteien im Verfassungsausschuß des Landtags. Es lag ein Antrag von Campe( Dopt.) vor, wonach der Art. 45, Saz 1 der preußischen Berfaffung dahin zu verstehen sei, daß nach jeder Neuwahl des Landtages auch eine Neuwahl des Ministerpräsidenten erforderlich fei. Nach längerer Aussprache wurde der Antrag gegen die Deutsche Bolkspartei und die Deutschnationalen abgelehnt. " In der Sizung des Verfassungsausschuffes gedachte der Borfizende Gräf Anflam des verstorbenen Mitglieds des Landtags Prof. Dr. Preuß. Er hob seine Berdienste als Universitätslehrer, dessen Schüler er selbst gewesen, als Parlamentarier, als Mitarbeiter im Verfassungsausschuß und besonders als Mensch und freundlicher Berater in allen wichtigen Angelegenheiten hervor. Die revolutionäre Phrase. Gewehre und Stimmzettel. In der Roten Fahne" wird unter dem Namen von Thäl mann ein Aufsatz über„ Die Lehren des Hamburger Aufstands" veröffentlicht. Der Aufsatz ist eine Aneinanderreihung von revolutionären Phrasen.„ Revolutionäre Situation, zum Gemehr greifen, die Ehre ist gerettet durch die Hamburger Preisfechter der Arbeiterklasse, der Hamburger Aufstand war eine Probe auf die zweite Revolution, es lebee der neue Hamburger aufstand von ungleich größerem Ausmaß." Die revolutionäre Phrase soll bei den gläubigen Kommunisten den Glauben hervorrufen, daß die befohlene neue Tattit unmittelbare Aufstandsvorbereitung sei. Je entschiedener die KBD. von Moskau auf die Tatsache eingestellt wird, daß die illusionären Hoffnungen auf boischewistischem Umsturz in Deutschland vorbei sind, um so fräftiger wird der Nebel der revolutionären Phrase angewandt die feiner ihrer Fabrikanten felbft glaubt, ausgenommen ihr Werkzeug Thälmann, denn was der alles glaubt, ist erstaunlich. Die Lehren des Hamburger Aufstandes, die man in Mostau zieht, lauten nicht: das Gewehr ergreift! Ein Zufall ist es ein Zufall? hat sie bildlich zum Ausdruck gebracht. Auf der ersten Seite der Roten Fahne" liest man unter der Schlagzeile: Die Lehren des Hamburger Aufstandes: Deine Stimme gehört der KPD." Die kommunistischen Auguren lächeln: je fräftiger wir vom Gewehr reden, um so besser bleiben unsere Leute vielleicht beim Stimmzettel. Es lebe die revolutionäre Phrase vom Gewehr aber um Gottes willen keine Gewehre, sondern Stimmzettel! Die Rückwirkungen von Locarno. Deutsche Note über die Entwaffnung. Der deutsche Botschafter in Paris überreicht morgen der franzöfifchen Regierung eine Note, in der sie die letzte allierte Note über die Durchführung der Entwaffnung beantwortet. Die deutsche Note stellt nicht mehr als die geschäftliche Grundlage für die Befprechung mit Briand dar. Es besteht auch in amtlichen deutschen Kreifen fein Zweifel darüber, daß sich Briand für die großzügige Erledigung der noch bestehenden unwesentlichen Meinungsverfchiedenheiten einsetzen wird. Briand wird der Zusicherungen eingedent sein, die er der deutschen Delegation über die Erledigung der Entwaffnungsnote im Geifte Locarnos gemacht hat. Immerhin macht sich, wie auch aus den Pariser Pressestimmen hervorgeht, der Widerstand der Militärs bereits bemerkbar. Wenn die Deutschnationalen gegen ihre eigene Regierung weiterhin eine Oppofition treiben, die den Locarno- Bertrag in den Augen Frankreichs entwertet, dann werden sie im Verein mit den Militärs und den Nationaliffen Frankreichs die deutsch- französische Verständigung über die Entwaffnung und die Kölner Räumung erschweren. Der Kriegsbegriff Alliierte" soll verschwinden! Condon, 23. Oktober.( WTB.) Unter der Ueberschrift ,, Ein neues Kapitel in der Diplomatie" veröffentlicht ,, Manchester Guardian" einen Artikel seines Sonderberichterstatters, in dem es heißt: Die Ansicht, daß die psychologische Wirkung der Verträge von Locarno von größerer Bedeutung ist, als die technischen Einzelheiten, breitet sich immer weiter aus, und zwar nicht nur bei den Teilnehmern an der Konferenz in Locarno, sondern auch sonst. Der beste Beweis hierfür, daß sich die diplomatischen Kreise bereits eine Woche nach der Paraphierung, und zwar vielleicht etwas verfrüht, fragen, wie lange es nun noch dauern werde, bis auch Rußland in den Völkerbund eintritt. , 211iterte" ist jetzt aus dem Wörterbuch der europäischen Nach friegsdiplomatie aus gemerzt worden und wird in den diplomatischen Noten nie wieder erscheinen, Das Wort Einberufung des Völkerbundsrates. Wegen des griechisch- bulgarischen Konfliktes. Genf, 23. Oftober.( T11.) Heute um 9 Uhr vormittags lief im Völkerbundsekretariat eine telegraphische Note der bulgarischen Regierung ein, die um Intervention des Bölkerbundrats auf Grund der§§ 10 und 11 des Völkerbundpaktes für den griechisch- bulgarischen Zwischenfall ersucht. Sir Eric Drum mond setzte sich sofort mit dem Vorsitzenden des Völkerbundrats Briand in Paris telephonisch in Verbindung. Es murde beschlossen, eine außerordentliche Ratssitzung für Montag, den 26. Ottober, 4 Uhr 30 nachmittags nach Paris einzuberufen und alle Ratsmitglieder hierzu unverzüglich einzuladen. Die bulgarische Note gibt eine eingehende Darstellung der am 19. Oktober um 3 Uhr nachmittags erfolgte Grenzverlegung bei Demir Kopu durch die Griechen. Als Beweis dafür, daß die Griechen die Schuld an dem Zwischenfall tragen, weist die Note darauf hin, daß der erste Tote auf bulgari schem Boden fiel. Griechenlands, friedliche Absichten". vermied. Athen, 23. Oktober.( WTB.) Wie amtliche Kreise mitteilen, hat die griechische Regierung, sowohl durch ihre diplomatischen Vertreter im Auslande als in Besprechungen mit den Vertretern der Mächte in Athen ihre friedlichen Absichten betont, die sie übrigens dadurch bewies, daß sie ihren Schritten bei der bulgarischen Regierung den Charakter eines Ultimatums zu geben Sie ist nach wie vor dazu bereit, einer friedlichen Lösung zuzustimmen, unter der Bedingung, daß ihr Ansehen durch die verlangte Genugtuung und die Zahlung eines Schaden ersages, worauf sie zu bestehen entschlossen ist, gewährleistet werde. Derselbe Standpunkt wurde dem bulgarischen Geschäftsträger in Athen flargelegt, dem außerdem erklärt wurde, daß vor der Ausführung der in der griechischen Note enthaltenen Bedingungen und der Räumung des von den Bulgaren besetzten griechischen Postens jede Erörterung unnötig sei.(!) Eine Eigenmächtigkeit des griechischen Militärs? Athen, 23. Oktober.( WTB.) Der Oberbefehlshaber der griechischen Armee in Mazedonien telegraphierte: ,, Da die Bulgaren in der Gegend von Demir Hissar auf griechischem Gebiet standen, wurde ich, um die großen Verluste zu vermeiden, die ein Frontalangriff nach sich gezogen hätte, sowie aus anderen strategischen Gründen dazu gezwungen, meine Kräfte bis Petritsch und nördlich von Kula vorzuschieben, was die Bulgaren nötigte, das griechische Gebiet zu räumen." Die griechische Re gierung erteilte darauf den strengen Befehl, den Vormarsch der Truppen einzustellen, falls die Bulgaren teinen neuen Angriff unternehmen. Das Nürnberger Schöffengericht verurteilte einen Wacht. meister der Landespolizei, der die schwarzrotgoldene Reichsfahne von einem Schulhaufe, in dem Landespolizei unterge bracht war, herabriß und verbrannte, zu der lächerlichen Strafe von 200 Mart. Die Wahlkundgebung der Frauenwelt". Am Mittwochabend strömten Scharen von Besuchern zu der für die Leserinnen und Freunde der Frauenwelt" veranstalteten Abendfeier im Saalbau Friedrichshain. Der mit Fahnen und Bannern schön geschmückte Saal bot einen anheimelnden Anblid. Genossin Todenhagen wies einleitend auf den doppelten 3wed des Abends hin: Genuß und Beschäftigung mit dem Wichtigsten, das uns bevorstehe, der Stadtverordnetenwahl. Dann lauschte alles atemlos den weichen Celloflängen. Arnim Liebermann brachte, begleitet von Fräulein Elli Brandenburg, meisterhaft einige Stücke zum Vortrag. Genoffin Stadträtin Weyl zeigte in ihrer Ansprache den großen Aufgabenfreis der Gemeindearbeit. Die Gemeinde vermag preisregulierend zu wirken. Ihr obliegt die Durchführung der Wohlfahrtsgefeze. Von ihrer Einstellung hängt es ab, ob Ünterftügung erst im letzten Augenblick gegeben wird, wenn es meist schon zu spät ist, oder ob vorbeugende Fürsorge getrieben wird. In ihrer Hand liegt es, ob Hilfe als Gna de bewertet wird oder ob ein Anspruch darauf besteht. An Beispielen wies Genoffin Weyl nach, wie unsere Genossen in vorbildlichem Sinne in der Gemeinde zu wirken versucht hätten und wie ihre Bemühungen teilweise von Erfolg gekrönt waren, teils an der Einsichtslosigkeit der Bürgerlichen scheiterten. Es gelang uns, verschiedene Vorteile für die Bevölkerung zu erreichen. Die Borauszahlung bei der Krankenhausaufnahme wurde abgeschafft. Die Wöchnerinnenbetten wurden vermehrt. Die ersten 14 Tage nach der Entbindung braucht die Mutter keine Verpflegungsfosten für den Säugling mehr zu zahlen. Die Säße für Kinder mit Geschlechtskrankheiten und Kinderfrankheiten sind ermäßigt. Dagegen gelang es nicht, ausreichende Mittel für Kindergärten und horte zu erlangen und des Wohnungselends Herr zu werden. Auch gelang es leider nicht, den mit Hilfe der Kommunisten durch geführten Abbau des sozialdemokratischen Schuldezernenten Baulsen zu verhindern. Gen. Weŋl mies dann noch empört die Wahllüge der Bürgerlichen zurück, die behaupten, die Genoffin Weyl schicke die Waisenkinder in Nachtcafés fammeln. Sie forderte die Frauen auf, daran zu denken, daß sie in erster Linie für ihre Kinder wählen, deren Zukunft sie durch jede Wahl bestimmen. Stürmischer Beifall antwortete den fesselnden Ausführungen. Spielgemeinschaft der Jungsozialisten brachte dann 2 Szenen aus Tollers, Wandlung" zur Aufführung, die die Zuschauer so in Bann zwangen, daß die Grenzen zwischen Darstellern und Publikum schwanden und der ganze Saal zu einer Erlebensgemeinschaft verschmolz. In prachtvoller Stimmung schloß die Feier mit dem Gesang der Internationale. Gräfin v. Bothmer im grünen Wagen. Die Gräfin v. Both mer ist mun zum ersten Male aus dem Gefängnis in der Lindenstraße in Botsdam dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Frau v. Bothmer bestieg in der Lindenstraße den Grünen Wagen und wurde von dort zum Land gericht nach der Kaiser- Wilhelm- Straße gebracht, um dem Richter vorgeführt zu werden. Der Rüdtransport geschah auf demselben Wege. Heute vormittag sollte die Untersuchungsgefangene ihre erste Freistunde auf dem Gefängnishof machen. Die Gräfin weigerte sich entrüftet, als ihr gesagt wurde, daß sie mit mehreren anderen weiblichen Gefangenen gehen müsse. Sie verblieb daher lieber in ihrer Zelle. Außer durch ihren Hausarzt ist die Gräfin durch den zuständigen Gerichtsarzt von Potsdam untersucht worden. Sie ist durchaus haftfähig. Das ,, Seil des Todes". ftellung ein schwerer Unfall der Artisten Kuri Salley und Im Zirkus Busch ereignete sich bei der gestrigen Abendvor Bertoem, die allabendlich in ihrem Sensationsatt„ Seil des odes" auftreten. Bei der Ausführung ihrer Todesfensation, die darin besteht, ein Geil zu durchschießen, damit die Brüde fällt, worüber sie mit ihren Fahrrädern in die Tiefe faufen, versagte die Zündung der Pistolen. Noch im Stürzen gelang es ihnen aber, das Seil zu durchschießen. Es war aber schon zu spät und beide Artisten stürzten ab. Sallen erlitt einen schweren Oberschentelbruch und Knieperlegungen. Er wurde durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes in die Universitätsklinik eingeliefert. Berto em tam mit leichteren Berlegungen bavon. Die„ Vorstrafe". Ein Kriegsabenteuer und feine Folgen. Als deutscher Soldat machte P. den Feldzug gegen Rußland mit. Im Kriegsgetümmel wurde er von seinem Truppenteil getrennt. Er bemühte sich, ihn wieder aufzufinden. Aber weit und breit war weder Freund noch Feind zu sehen. Auf seinem einsamen Marsch fam P. hungrig und erschöpft in ein vom Kriegslärm verschontes litauisches Dorf. In einem Bauernhause fand er Aufnahme und Pflege. Die Tochter des Hauses, ein hübsches junges Mädchen, be mühte sich besonders um das Wohl des Gastes und so fam es, daß, sich zwischen den beiden jungen Leuten ein Liebesverhältnis entspann. Das Mädchen wollte nichts davon wissen, daß der Geliebte seinen In dem Kampf zwischen Liebe und Pflicht siegte schließlich, wie so oft Truppenteil aufsuche. Sie überredete ihn, im Dorfe zu bleiben. im Leben, die Liebe. das Vertrauen der Einwohner in so hohem Grade, daß sie ihn zum P. blieb im Dorfe. Er wurde dort bald heimisch und gewann Bojwoden( Ortsvorsteher) machten. Einundeinhalbes Jahr währte das litauische Dorfidyll ohne jede Störung. Dann zog ein deutscher Truppenteil durch das Dorf. P. wurde unter dem Berdacht der Spionage festgenommen. Bei dieser Gelegenheit machte er, uni seine Fahnenflucht zu verdecken, unwahre Angaben über seine Person, verwickelte sich aber dabei derart, daß ihm die Todesstrafe als Spion drohte. Um sein Leben zu retten, wählte er das fleinere Uebel. Cr gab sich zu erkennen und wurde nun wegen Fahnenflucht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Als P. ein Biertel jahr feiner Etrafe abgesessen hatte, brach in Deutschland die Revo fution aus. Es tam der Erlaz der Boltsbeauftragten, der die Fahnenflüchtigen für straffrei erflärte. P. kehrte wieder in die Freiheit zurück und fand bald darauf eine Stellung als Gemeindearbeiter und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Tempelhof. Nach der Schaffung der Einheitsgemeinde GroßBerlin wurde P. im Angestelltenverhältnis als Feuerwehrmann übernommen. Als ihm bei dieser Gelegenheit die Frage nach etwaigen Vorstrafen vorgelegt wurde, erklärte er, er sei nicht bestraft. Er handelte dabei in dem in Boltskreisen weitverbreiteten Glauben, daß eine durch Amnestie erlassene Strafe nicht mehr als Strafe gelte. Vor kurzem sollte nun B. als Feuerwehr mann in das Beamtenverhältnis übergeführt werden. Aus diesem Anlaß erkundigte sich die zuständige Stelle des Magistrats an amtlicher Stelle nach dem Vorleben des P. und nun wurde seine Ben Diese Strafe ftrafung wegen Fahnenflucht bekannt. und der Umstand, daß P. bei seiner Uebernahme in die Berliner Feuerwehr die Vorstrafe nicht angegeben, also unwahie Angaben über seine Person gemacht hatte, nahm der Magistrat zum Anlaß, die Stellung des P., der sich fast sieben Jahre im Gemeinde. dienst einwandfrei geführt hatte, zum 31. Dezem ber d. J. zu fündigen. Der Angestelltenrat erhob beim Gewerbegericht Einspruch gegen die Kündigung mit dem Erfolg, daß die Kammer 7 unter Borsiz des Magistratsrats Schulz den Magistrat verurteilte, B. als Feuerwehrmann weiter zu beschäf tigen, oder ihm eine Entschädigung von 1230 m. zu zahlen. Die Urteilsbegründung fagt: Die rein politischen Momente, die bei dieser Angelegenheit mitspielen, scheiden für das Gericht aus. Es handelt sich um die Frage, ob der Kläger die Beklagte absichtlich getäuscht hat. Diese Frage hat das Gericht verneint. Mindestens ist dem Kläger eine Absicht der Täuschung nicht nach zuweisen. Nachdem ihm durch den Eriaß der Boltsbeauftragten die Strafe erlassen war, fonnte er des guten Glaubens sein, er brauche auf eine Frage nach seinen Borstrafen diese Strafe nicht anzugeben. Wenn die Strafe unmittelbar nach der Einstellung des Klägers in die Feuerwehr der Verwaltung bekannt geworden wäre, dann hätte sich eine Entlassung vielleicht damit rechtfertigen lassen, daß man fagte, fein Vorleben beweise, daß er nicht die Nerven habe, um als Feuerwehrmann in Gefahr auszuhalten. Dieser Grund fönne aber nicht mehr geltend gemacht werden, nachdem sich der Kläger, der fast sieben Jahre im Dienst der Gemeinde steht, keine Verfehlung hat zufchulden kommen lassen, und durch seine Tätigkeit bewiesen hatid daß er die Nerven hat, um den Anforderungen, die an einen Feuer mehrmann gestellt werden, zu genügen. Zum Selbstmord der Pflegerin Gaffe. Was geht in Buch vor? gi Zu dem Selbstmord. der Pflegerin Lina Gasse aus der Irren anstalt Buch, über den wir in der Sonntagsausgabe des„ Vorwärts" berichteten, wird uns vom Verband, der Gemeinde- und Staatsanſtalt Buch eine Pflegerin aus denselben Gründen das Leben ge arbeiter mitgeteilt: Schon im Jahre 1921 hat sich in der Pflege Pflegerin Gasse Anlaß zu ihrem unseligen Schritt gewesen sind. nommen, die auch nach den hinterlassenen Aufzeichnungen für die Schon damals scheint die Oberpflegerin R. das ihr unterstellte Personal in nicht gerade vorschriftsmäßiger Weise, um feinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, behandelt zu haben und auch im vorliegenden Fall hat sich die Pflegerin G. des öfteren ihren Kollegin nen gegenüber über die Oberpflegerin beschwert. Die Ermittlungen, die der Betriebsrat durch seinen stellvertretenden Vorsitzenden zur Aufklärung der Angelegenheit vornehmen ließ, haben zwar nach den vorliegenden Vernehmungsprotokollen den Nachweis erbracht, daß die Oberpflege rin ebenso wie auch der Oberarzt der betreffenden Station der Pflegerin G. ständig Schwierigkeiten machten. Die Anstaltsleitung hat aber bisher nicht die nötigen Schlußfolgerungen gezogen und die betreffenden Vorgesetzten zur Rechenschaft gezogen, sondern sie hat den stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden am Donnerstag fristlos entlassen. Wie die Verwaltung diese Entlassung mit dem Betriebsrätegesez, das für die Beurteilung der Stellungnahme des Betriebsrates und seines Borfizenden lediglich in Frage fommt, in Einklang bringen will, er scheint einigermaßen unverständlich. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende( der erste Borsigende ist zurzeit in Urlaub) foll, worauf sich die Verwaltung besonders beruft, für die Mitteilungen im Borwärts" und in der Roten Fahne", die auf den Selbstmord der Pflegerin G. Bezug nahmen, der Verwaltung gegenüber verantwort lich fein. Nach den angestellten Ermittlungen und nach dem vorliegenden amtlichen Material hat der Betriebsratsvorsitzende immer nur im Auftrage des Betriebsrats gehandelt. Das Vorgehen der Anstaltsverwaltung erweckt aber durchaus den Anschein, als wenn sie sich in bezug auf das Verhalten des Vorsitzenden in seiner Eigenschaft als Beauftragter des Betriebsrats volltommen darüber klar ist, daß Einwände nicht zu erheben sind. In allen schriftlichen Mitteilungen hat man sich nämlich stets an den Pfleger" M. gewandt. Wenn dieser deshalb die Auskunft verweigert hat, so hat er durchaus richtig gehandelt. Die Berwaltung hat es auch nicht einmal für nötig gehalten, sich bei der Beerdigung vertreten zu lassen, was besonders von den Angehörigen der Berschiedenen bitter empfunden wurde. " den zuständigen Magistratsstellen bereits eingeleitet ist, die notIm übrigen wird die Untersuchung der Angelegenheit, die von wendige Klarheit nicht nur über das Verhalten des Betriebsratsvor fizenden als Beauftragter seiner Körperschaft, sondern auch über die Vorgänge und über das Betragen der Vorgesezten dem Ausschlaggebende in der ganzen Angelegenheit. Die DeffentPflegepersonal gegenüber bringen. Das ist das Wichtigste und lichkeit hat durchaus ein Interesse daran, zu erfahren, ob es nötig war, daß die Angestellten durch die Behandlung der Borgesetzten in den Tod getrieben werden mußten. Sechs Berglente tödlich verunglückt. Dortmund, 22. Oftober.( TU.) Heute morgen gegen 5 Uhr ver unglückten auf der Schachtanlage Germania I/ IV in Marten bei Dortmund, 6 Bergleute tödlich. Sie hatten an einem Geil rerbotswidrig einen Bildschacht befahren, wobei das Seil riß. Sämt liche Berunglückten stammen aus Marten. Bon ihnen waren drei verheiratet und brei ledig. Gewerkschaftsbewegung Weiter geht der Arbeitgeberverband für das Berliner Zeitungs Merrheim gestorben. Paris, 23. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige Generalsekretär des französischen Metallarbeiterverbandes, Merrheim, einer der Vorfämpfer der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich, ist am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben. Der franzöfifche Gewerkschaftsbund widmet dem Verstorbenen im Peuple" einen warmempfundenen Nachruf, in dem hervorgehoben wird, daß Merrheim fein ganzes Leben lang ein Beispiel unermüdficher Arbeit und anerkannter Selbstlosigkeit gegeben habe. ** Merrheim war der beste Kopf der französischen Gewerkschaftsbewegung der letzten 25 Jahre. Er kam von der sozialistischen Partei, schwenkte dann, wie fast alle Gewerkschafter Frankreichs, zu den Anarcho- Syndikalisten hinüber, deren Auffassung er mit ebensoviel Talent wie Leidenschaftlichkeit verfocht. Merrheim war aber einer der ersten, der die Schwächen des Syndikalismus erkannte. Er bemühte sich, diese Schwächen auszu merzen und gab, zunächst wohl uneingestanden, nach und nach die Grundsätze des Anarcho- Syndikalismus preis. Der französische Metallarbeiterverband war einer der ersten, der nach dem Vorbilde der deutschen Gewerkschaften sich umgestaltete, geregelte Streit- und Ar beitslosenunterstützung einführte und auch die Verwaltung umge staltete. Die größte Bedeutung kommt Merrheim als Wirtschaftspolitifer zu. Mit einem außerordentlichen Fleiße und unermüdlicher Arbeitskraft hat er die wirtschaftlichen Zusammenhänge insbesondere der Metallindustrie studiert. Außer einer Anzahl von Artikeln, veröffentlichte er ein umfangreiches Wert über die Metallindustrie, sowie eine Reihe fleinerer Broschüren über das Taylorfnftem usw. Merrheim war bei alledem nichtsweniger als ein Nurgewerkschafter. Er hat seine Aufmerksamkeit ganz besonders den internationalen politischen Vorgängen gewidmet. Als der Krieg ausbrach und fast alle Syndikalisten unter dem urgeheuren Druck der deutschen Kriegserklärung und der Verlegung der Neutralität Belgiens durch Deutschland ins patriotische Lager abschwenkten, blieb Merrheim standhaft. Er wurde das geistige Haupt der linken Oppofition innerhalb der Gewerkschaften und ist unter Einsegung feines Lebens, mit Bourderon zur bekannten Konferenz von Zimmerwald gefahren. Seinem Einfluß ist es wesentlich zu danken, daß dann innerhalb der französischen Gewerkschaften schließlich ein Ausgleich auf einer mittleren Linie zustande tam, bevor noch die bolschewistische Zersehungsarbeit einsetzte. Merrheim war es auch, der am flarsten die Gefahr voraussah, die der Arbeiterbewegung von Moskau drohte. Mit der ihm eigenen Leidenschaft studierte er nunmehr das russische Problem und die bolschewistischen Methoden. Vielleicht wäre der franzöfifchen Gewerkschaftsbewegung die Spaltung erspart geblieben, wenn Merr heim nicht schon von der unerbittlichen Krankheit erfaßt gewesen wäre und mit voller Kraft den bolschewistischen Phrasennebel durch leuchten hätte fönnen. Wir grüßen den toen Kamper und sprechen den französischen Gewerkschaften unser tiefstes Beileid aus. Unbefriedigender Schiedsspruch. Für die städtischen Elektrizitätswerke. Bei den heutigen Schiedsverhandlungen wurde nachstehender Schiedsspruch gefällt: Die bestehenden Lohnfähe werden mit Wirkung ab 5. Oktober um je 3 Pf. pro Stunde erhöht. Der Schiedsspruch hat Geltung bis zum 31. Dezember 1925 und fann mit 14tägiger Frift gekündigt werden. Erfolgt feine Kündigung, so verlängert sich die Geltungsdauer um je vier Wochen. Nach den bestehenden tariflichen Bestimmungen ist der Spruch endgültig für beide Parteien bindend. Für die privaten Elektrizitätswerke wurde am Dienstag ein Schiedsspruch gefällt, der eine allgemeine Cohnerhöhung von fünf Pfennig vorsieht. Der Machtkampf gegen die Angestellten. Der Tarifvertrag, den sich die Angestellten durch den Zusammenschluß in ihrer Berufsgewerkschaft errungen haben, ist besonders in neuerer Zeit vielfachen Anfeindungen ausgesetzt. Man geht sogar bazu über, die Entscheidungen behördlicher Schlichtungsstellen zu mißachten, verbindlich erklärte Schiedssprüche auf dem Rechtswege anzufechten. So hat der Verband Berliner Metallindustrieller gegen einen verbindlich erklärten Schiedsspruch Feststellungsklage erhoben, well angeblich Borschriften des Berfahrens verfekt worden find. I des Jahres 1927 zu sehen, d. H., auf dieser Konferenz die Frage der gewertschaftlichen Freiheit zu behandeln, und eventuell eine diesbezügliche Konvention aufzustellen. gewerbe, der den Angestelltenverbänden die Attivlegitimation zum Abschluß von Tarifverträgen bestreitet. Ohne Rücksicht auf den Ausgang dieser schwebenden Prozesse werden die Angestellten in ihrem wirtschaftlichen Intereffe sich um so fefter in ihre gewerkschaftliche Organisation eingliedern müssen, weil sie sich das Recht der Mitbestimmung an der Gestaltung ihrer Eristenz nicht verfümmern oder gar nehmen lassen dürfen. Aber nicht nur in Berlin, auch an ande ren Plägen Deutschlands zeigen sich die gleichen Schwierigkeiten. So schwebt z. B. in Mannheim seit Mitte Auguft ein Verfahren um Erhöhung der Gehälter. Der Landesschlichter machte den Parteien einen Bergleichsvorschlag auf eine Erhöhung der Gehälter um 10 Proz. ab 16. August bis 31. Oftober und verwies auf den Weg der direkten Verhandlung. Die Angestellten nahmen den Vorschlag an, die Unternehmer lehnten ihn ab. Nach Anruf der amtlichen Schlichtungsstelle regten nunmehr die Unternehmer eine Berhandung zwischen den Parteien an, aber nur, um den Angestellten nahe zulegen, ihre Forderungen zurückzuziehen. Die Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß flog auf. Man einigte sich dann auf eine freiwillige Schlichtungsstelle, die die Septemberforderungen regein sollte. Hier wurde ein Spruch gefällt, der eine Erhöhung der Gehälter um 8 Broz. für die Zeit vom 1. September bis 31. Dezember 1925 feſtſezte. Während die Angestellten den Spruch annahmen, erflärten die Arbeitgeber, daß sie ihn ablehnen würden. Wenn so mit den Angestellten umgesprungen wird, darf man sich über ihre zunehmende Erbitterung nicht wundern. Sie ziehen aus diesen Vorgängen die Lehre, daß die Auffassung des Zentralverbandes der Angestellten die richtige ist, durch Stärkung der gewerkschaftlichen Organisation die Grundlage zu fchaffen, um das, was die Arbeitgeber freiwillig zu geben sich weigern, nötigenfalls auf dem Wege gewertschaftlichen Rampfes zu erobern. Die Musikinstrumentenmacher nehmen an. Eine überfüllte Versammlung der Musikinstrumentenarbeiter nahm gestern abend in der Neuen Welt" Stellung zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungen. in unserer gestrigen Morgenausgabe mitgeteilt haben. Trotzdem sich Boese gab den Inhalt des Vertrages bekannt, den wir schon alle Diskussionsredner gegen die Annahme des Tarifvertrages in der vorliegenden Fassung aussprachen, ergab die geheime Abstimmung jedoch mit einer schwachen Mehrheit die Annahme. Das in den Tarifvertrag aufgenommene Lohnabkommen läuft bis zum 15. Februar 1926. Die Geltungsdauer des eigentlichen Tarifvertrages muß noch vereinbart werden. Im übrigen steht die Entscheidung der Unternehmer noch aus. Schiedsspruch für die Meierei Bolle. Der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin hat gestern folgenden Schiedsspruch verkündet: Gruppe I, Handwerker, 45 M.; Gruppe II, Tourentutscher, 42 M.; Gruppe IIIa, Transportarbeiter( schwere Arbeit), 41 m.; Gruppe IIIb, Transportarbeiter( leichte Arbeit), 38 M.; Gruppe IVa, Frauen( schwere Arbeit), 30 M.; Gruppe IVb, Frauen( leichte Arbeit), 27 M.; Gruppe V, Jugendliche, a) männlich 15-16 Jahre 18 m., 17-18 Jahre 21 m., 19-20 Jahre 24 M., b) weiblich 15-16 Jahre 16 m., 17-18 Jahre 18 M., 19-20 Jahre 21 m. Der Lohnvertrag soll gelten vom 16. Oftober bis zum 31. Dezember 1925. Die Erklärungsfrist ist auf den 29. Oktober festgefeßt. Der Schiedsspruch wurde ohne die Stimmen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisiger durch den Vorsigenden allein gefällt. Bei den Verhandlungen hat der Vertreter der Meierei Bolle, Assessor Wehrhahn, folgende Erklärung abgegeben: Bei den Berhandlungen im Reichswirtschaftsministerium zur Verminderung der Handelsspanne habe er auf die schwebende Lohnbewegung der der Handelsspanne verhindere. Die Bertreter des ReichswirtschaftsArbeitnehmer der Meierei Bolle hingewiesen, die die Herabjegung ministeriums haben aber darauf erklärt, daß die Regierung die Schlichter angewiesen hätte, teine Cohnerhöhungen zu gewähren! Der Schiedsspruch zeigt jedenfalls die Auswirkung der Anweisungen der Luther- Regierung. Ein Ueberläufer. Der bisher beim Zentralverband der Angestellten als Reichsfachgruppenleiter für die Fachgruppe Versicherungsangestellte tätig ge= wesene Gustav von Tein hatte sich von dem Allgemeinen Verband der Versicherungsangestellten eine Stellung anbieten lassen. Ehe er der Angestellten Forderungen, die mit einer Gehaltszulage sich über dieses Angebot entschied, stellte er an den Zentralverband verbunden waren. Als ihm diese nicht voll zugesichert werden konnten, weil seine Fähigkeiten mit seinen Forderungen nicht in Einflang zu bringen waren, nahm er das Angebot des Allgemeinen Verbandes der Versicherungsangestellten an. Bisher hatte v. Tein den Verband, in dessen Dienst er nun getreten ist, als eine den Interessen der Versicherungsangestellten schädliche Zersplitterungsorganisation befämpft. Die freigewertschaftliche Angestelltenbewegung verliert an diesem Ueberläufer nichts. Borschußzahlung an städtische Arbeiter, Angestellten und Beamten. Auf vielfache zu uns gelangte Anfragen wegen der Auswirkung des sozialdemokratischen von der Stadtverordnetenversammlung angenommenen Antrages, betreffend die Zahlung von Vorschüssen an die Angestellten, Beamten und Arbeiter der Stadt Berlin, teilen wir nach einer von uns gemachten Feststellung mit, daß der Magistrat Berlin bisher noch nicht endgültig in dieser Frage entscheiden konnte. Sobald dies geschehen ist, werden wir genauere Mitteilungen machen. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortsfartell Berlin. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friede. Ekkorn; Feuilleton: K. H. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Sealplüschmäntel nur erstkl. Qualitäten auf Damassé von 95.- Mk. an Voll- u. 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Auf der in Genf abgehaltenen Sigung des Berwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes lenfte Genosse Dubegeeft, Sefretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, im Namen der Arbeitergruppe im Zusammenhang mit der für alle Länder durchgeführten Erhebung über das Brinzip der ge. Auf Teilzahlung! wertschaftlichen Freiheit die Aufmerksamkeit des Rates auf das ungefeßliche Verhalten der italienischen Regierung gegenüber den freien Gewerkschaften sowie auf den fürzlich in Italien zwischen der Unternehmer- Föderation und den faschistischen Gewerkschaften abgeschlossenen Vertrag hin, der die Berlegung der gewertschaftlichen Freiheit und die Erteilung eines gewerkschaftlichen Organisationsmonopols an die faschistischen Organisationen bedeutet. Es wurde mit großer Stimmenmehrheit beschlossen, diesen Buntt auf die Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenz Sind Sie nicht Kleine Anzahlung! * Bequeme Abzahlung! 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Selbst die Berliner Rathausdemokraten, die in Berlin alles getan In einer start besuchten Versammlung im Stadttheater zu Köpehaben, um das Vertrauen zu ihnen zu zerstören, singen ergreifende nic sprach Genosse Reuter über die Bedeutung der beArien in der Hoffnung, das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen. vorstehenden Wahlen. Von der Auswirkung der Wahlen Auf ihrem Propagandazettel versprechen die Rathausdemokraten auf die allgemeine Politit ausgehend, zeichnete er die Lage, wie sie alles, was ein Menschenherz erfreuen kann. Weder der Bürgerblock fich seit der Bildung von Groß- Berlin im kommunalen Leben hernoch ein sozialistisch- kommunistischer Block sei das Ideal, sondern eine ausgestellt hat. Die Sabotage der bürgerlichen Bar: gemeinsame Arbeit der„ Parteien der Mitte". Die Rathausdemo- teien und die Rabaustellung der Kommunisten auf fraten hätten bereits dieses Ideal verwirklicht, sie allein hätten den fonnte nur durch unsere zielsichere Arbeit im Stadtpareine Zerschlagung des Groß- Berliner Gemeinwesens hinarbeitend, städtischen Haushalt bei Anwendung strengster Sparsamkeit im Gleich lament gebrochen werden. Eine Verstärkung unserer Position durch gewicht gehalten, die städtischen Werke saniert, die Verwaltung von die Wahlen am tommenden Sonntag ve ürge allein die ruhige überflüssigen Kräften befreit, das städtische Bildungswesen vor neuen Fortentwicklung von Groß- Berlin. Deshe müsse jeder ernsthaft und gefährlichen Experimenten bewahrt und viele andere gefähr- um das Allgemeinwohl Besorgte am Wahltage die Liste 1 wählen. um das Allgemeinwohl Besorgte am Wahltage die Liste 1 wählen. lichen Dinge verhindert. Ausgerechnet ihnen allein sei es zu danken, Starfer Beifall zeugte von den durchschlagenden Worten des Refebaß die Berliner Stadtverwaltung nicht dem Beispiel der Rechtsrenten. In der Diskussion sprach ein fommunistischer Phantast. der in dem Sicherheitspaft von Locarno ein„ Kriegsablommen gegen regierung im Reiche gefolgt sei. Immer hätten die Demofraten. gegen die Steuergesetzgebung und gegen die Zollgesetze gekämpft. Es Sowjetrußland" erkannte, von der kommunalen Bedeutung der Bahl aber nichts zu sagen wußte. Mit einem Hoch auf die Sozialfei nicht ihre Schuld, daß sie nicht durchgekommen wären. demokratie konnte die ausdrucksvolle Versammlung geschlessen Ja, das sind markige, fernige Worte von edler Männlichkeit, von Anmut und Würde, sie zeigen Rückgrat, das sich nicht beugt. Aber leiden stehen diese Männerworte nur auf dem Papier. Unsere Rathausdemokraten scheinen über ein schlechtes Gedächtnis zu verfügen; aus Reklamegründen haben sie ergessen, daß sie sich im Berliner Stadtparlament felten von ihren Rechtskollegen unterschieden und oft genug die getreuesten Hüter der Reaktion waren. Uebersetzt man die flingenden Versprechungen der Rathaus. bemotraten in richtiges Deutsch, dann nehmen sie sich ungefähr folgendermaßen aus: Demokratisches Deutsch. Die städtische Berwaltung von überflüffigen und ungeeigneten Kräften befreien. Das städtische Bildungswesen bor neuen und gefährlichen Experimenten bewahren. Die Lebensfähigkeit des Städtischen Hausbesikes unter fchwierigen Berhältnissen sicherftellen und gleichzeitig die notwendigen Belange der Mieter berücksichtigen. Der Privatwirtschaft alle Freiheit der Betätigung gewähren. Richtiges Deutsch. Rücksichtslos für den Perfonalabbau eintreten. Jeden schulpolitischen Fortschritt im Keime erstiden. ( nicht zu übersetzen!) Die Waren auf Kosten der Verbraucher, insbesondere der ärmeren Bevölkerung zu verfeuern. Die lehten Reste einer un- Die städtischen Betriebe der fruchtbaren Kommunalisierung Privatwirtschaft ausliefern, denn und Zwangswirtschaft zu be- die billigen Gas-, Eleffrizifeitigen. täts- und Waffertarife hindern die Privatwirtschaft, der Bevölkerung das Fell über die Ohren zu ziehen. Die Berliner Bevölkerung wird aus der hier wiedergegebenen Nebersetzung die richtigen Schlüsse zu ziehen wissen und 25. Oftober die einzig wahren Demokraten, nämlich Sozialdemofraten, wählen. Alle Stimmen gehören der Liste 1. ,, Nationale" Wegelagerer. am Welche Früchte die planmäßige Verhegung der nationalistischen Jugend durch Presse, Schule und Partei zeitigt, haben wir zur Genüge tennen gelernt. Ein neues drastisches Beispiel dieser Berrohung ist der Ueberfall eines 15jährigen Burschen, der am Mittwoch abend einen 47jährigen Mann mit einem Totschläger überfiel. Einige Neuköllner Parteigenossen haben als Wahlpropa ganda für den kommenden Sonntag rote Käften an ihren Wohnungsfenstern befestigt, in denen, mit kleinen elektrischen Birnen beleuchtet, zu lesen ist: ,, ählt sozialdemokratisch!" Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren leisteten sich nun das Vergnügen, diese Kästen mit Dreck und Steinen zu bewerfen. Als einer dieser Strolche, der fünfzehnjährige Rothe, Schinfeftr. 12 wohnhaft, am Donnerstag abend auf frischer Tat ertappt und zur Rede gestellt wurde, zag der Rowdy einen Totschläger und verlegte einen 47jährigen Genoffen so erheblich an der Stirn, daß er einen Arzt aufsuchen mußte. Der 15jährige Wegelagerer würde der Wache zugeführt. Hoch klingt das Lied von der braven Frau! Die Ehefrau bes Arztes Dr. Klein, Frau Klein geb. Müldaur, in BerlinSchlachtensee, Adalbertstr. 35 wohnhaft, hat am 20. Juli 1925 das Hausmädchen Martha Madaus in der Krummen Lante bom Tode des Ertrinkens gerettet. Der Polizeipräsident bringt Lottimen Freitag, 23. Oktober 192 lich werden hierin die„ SPD.- Berräter" mal wieder richtig„ entlarot". An allem, was im 12. Bezirk getan, bzw. nicht getan worden ist, sind die bösen Sozialdemokraten schuld. Es muß aber daran erinnert werden, daß seinerzeit der einzige Bertreter der KP D., der in der Bezirksversammlung in Ermangelung eigener Gedanken und eigener Iniative immer treu und brav mit uns stimmte, unter jubelnden Beifall und Händeklatschen der Rechten erflärte, daß er seine Zustimmung zum Abbau unseres Flugblatt behauptet, Bürgerliche und SPD. hätten entgegen den Genossen Aßmann gab. Unter anderem wird dann in dem Richtlinien des Magistrats vor einigen Jahren einem deutschnatio nalen Bezirksverordneten Aufträge erteilt. Diese gräßliche Begevenheit, die sich aber bereits im Jahr 1921 zugetragen haben soll, hätte demnach der treue biedere KPD.- Mann vier Jahre lang in seinem Busen verwahrt, feinem Menschen ein Wort davon verraten und weder einen Antrag noch eine Anfrage in der Bezirksversammlung eingebracht. Als Entschuldigung fönnte er allerdings geltend machen, und diese Behauptung wäre nicht zu widerlegen, daß er nur selten die Bezirksversammlung besucht hat, um dann jedesmal vorzeitig wieder zu verschwinden. Der Bezirksverordnete Klose scheint nach Angabe des Flugblatts eine ganz besondere Nummer zu sein. Soll er es doch im Jahre 1921 fertig gebracht haben, dem Bezirksamt Steglitz zu bescheinigen, daß es die anläßlich des damaligen Gemeindearbeiterstreits entlassenen Arbeiter zu Recht aufs Pflaster geworfen habe. Nun stehen 35 Bürgerlichen sammensetzung des Bezirksamts. Und da will jemand im Ernst be10 Sozialdemokraten gegenüber, danach ist auch die ZuIn einer sehr gut besuchten Wählerversammlung, in der fast haupten, die Sozialdemokratie sei an der Entlassung schuld? Die ausschließlich Arbeiter und Beamte des Bezirks Friedrichs- Anspruch nehmen, daß durch ihr Eingreifen ein Teil der Entlassenen hain anwesend waren, referierte Bezirksverordneter Genosse Nohde. Er geißelte scharf das voltsfeindliche Verhal 4 Jahren hat die SPD. Frattion dauernd im schärfsten wieder eingestellt wurde. Eins ist festzustellen: in den verflossenen ten der Bürgerlichen sowohl in der Reichs- als auch in der Kommunalpolitik. Für sie gibt es nur eine Parole: Alles für Rampf mit den Bürgerlichen gelegen und zwar ohne die Unterstützung der KPD. In ihrer Angst vor der den Besiz, nichts für die Armen und Bedrängten. Diese arbeiterfeindliche Bolitit zeige sich auch jetzt wieder, wo stäb gerechten Strafe schreden also die Kommunisten nicht tische Arbeiter seit Wochen ohne Erfolg um ein paar Pfennige Lohndavor zurück, noch in den letzten Stunden vor der Wahi die erhöhung fämpfen. Der bürgerliche Magistrat hat sich entschieden Sozialdemokratie in der gemeinsten Weise zu verleumden, um gegen jede Lohnerhöhung erklärt. Trozdem wagen die Bürgerlichen die Wähler irrezuführen. Sie wollen wieder Dumme fangen. Aber diesmal gelingt es nicht. Die Werftätigen treten diesmal auch in noch um die Stimmen der Arbeiter, Angestellten und Beamten in infamer Demagogie zu werben. Der 25. Oftober wird den Volks- Steglik für die Liste der Sozialdemokratischen Partei betrügern zeigen, daß das arbeitende Volt Berlins seine wahren ein. Die Kommunisten sind erkannt, tein Mensch nimmt mehr non Helfer erkannt hat, indem es der Liste 1 zum Siege verhilft. Die ihnen Notiz. Berjammlung war einmütig von dem Willen getragen, einzig und allein der Sozialdemokratischen Partei die Stimme zu geben. Einige Diskussionsredner traten gleichfalls für die Partei der pofitiven Arbeit, für die Sozialdemokratische Partei ein. werden. Kehraus in den Bezirken. 15. Bezirk Treptow. In der letzten Bezirksversammlung vom 21. Oftober wurde ein Antrag unserer Frattion, für den Ortsteil Johannisthal ein neues Gemeindeschulhaus zu errichten, durch den Genossen Lehner eingehend begründet. Die Bevölkerung des Bezirks versteht es nicht, daß von der Rechten in der vergangenen Sigung die Dringlichkeit dieses Antrages angezweifelt wurde. Stadtrat Sprecht( Rechte) glaubt infolge der Wahlbewegung seinen ablehnenedn Standpunkt vertreten zu sollen. Genosse Lehmann stellte die Politik der Rechtsfraktionen ins rechte Licht. Eine Anfrage der KPD. und die folgende Debatte beleuchtete die Zustände in einigen Kindererholungsheimen, besonders in bayerischen Heimen. Nach Erledigung einiger fachlicher Borlagen des Bezirksamtes wurden die infolge der Wahlbewegung von den Kommunisten gestellten Anträge behandelt. In einer Anfrage münschte die KPD. Auskunft, aus welchem Grunde eine Antitriegskundgebung des Internationalen Bundes besteuert werden sollte. Die Anfrage wurde durch den deutschnationalen Stadtrat Dr. Sporleder beantwortet, jenem Herrn, dessen Abbau die Kommunisten seinerzeit verhinderten und dafür, wie fie in öffentlicher Sigung erflärten, lieber einen Sozial: demokraten abbauten. In der folgenden Debatte griff ein fommunistischer Redner Dr. Sporleder scharf an und betonte unter anderem, daß sie heute ihre damalige Stellungnahme in der Frage des Abbaues bedauerten.( Das kommt reichlich spät und ist jetzt auch zwecklos. D. Red.) In seiner Erwiderung versuchte Dr. Sporleder die Bezirksversammlung herauszufordern und verließ während seiner Ausführungen, als er merkte, daß die gesamte Bersammlung ihren Unwillen über derartige Ausführungen fund tun wollte, den Sizungsfaal. Ein kommunistischer Antrag wünschte Genosse Neumann mußte der KPD. vorhalten, daß sie diesen Maßnahmen zur Abwendung der Not bei Erwerbslosigkeit. Unfer Antrag heute zum sechsten Male stellten, jedoch jedesmal unseren Stadtverordnetenversammlung einzubringen. Gemäß in zuständigkeitshalber der unserem Vorschlag wurde der Antrag einstimmig einem Ausschuß überwiesen. Unsere Fraftion wünschte Auskunft, ob das hof bald für Laubenkolonisten aufgeteilt werde. Die AnGelände zwischen Niederschöneweide und Ablersfrage wurde durch den Genossen Stadtrat Rißner beantwortet. Bezirksverordnetenvorsteher Genosse Strieder wies darauf hin, daß dies wahrscheinlich die lette Sigung der Bersammlung sei und dankte für die geleistete Arbeit. Rat nicht ihn 12. Bezirk- Stegilih. Die Kommunisten haben für den 12. Verwaltungsbezirk eine Wählerzeitung, betitelt" Der Rote Morgen", herausgegeben. NatürAchtung, Arbeitslose! Morgen, Sonnat end, mittags von 12 bis 2 Uhr, werden Genoffen zur Berteilung des Vorwärts" benötigt. Meldung von 11 Uhr mittags Lindenstraße 3, 1. Hof links parterre. Mitgliedsbuch mitbringen. „ Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Die verlorenen Fahrscheine. Dem Straßenbahnschaffner Man= they wurde am 19. d. M., 7% hr abends, auf Linie 41 im Tries magen ein brauner Leinwandbeutel, enthaltend 500 Fahrscheine für Erwachsene und 250 dgl. für Kinder sowie eine Rolle 10- PfennigStücke zu 5 M. entwendet. Der betreffende Herr, welcher an der Hausotterstraße in Reinickendorf ausstieg, wird gebeten, die Sachen abzugeben, da der Schaffner erfaßpflichtig ist, und zwar an Straßenbahnhof I, Reinickendorf, Bankower Allee. Falls es nicht gelingt, die Fahrscheine wiederzuerhalten, droht dem Schaffner die Entlassun. 121 Millionen Berliner auf Rädern. Im Groß- Berliner Berfehr wurden im Monat September 121,1 millionen Berfonen befördert, und zwar 32,6 mit den Stadt, Ring- und Borortbahnen, 68,7 mit der Straßenbahn, 13 mit der Hoch- und Untergrundbahn und 6,8 mit Autobussen. Während der Verkehr der Stadtbahn von 36 auf 32,6 8 urüdgegangen ist, weisen alle übrigen Verkehrsmittel eine starte Zunahme auf. Frauen betrieben wurde, hat jetzt ein noch unbekannter Mann überDie Spezialität, fleine Kinder zu berauben, die früher nur von nommen. Er treibt sich im Friedrichshain und dessen Umspiegelt ihnen vor, daß die Ringe ein Ohrleiden verursachen, nimmt gebung uniher, spricht fleine Mädchen an, die Ohrringe tragen, fie ihnen aus den Ohren und verschwindet damit, bevor noch die verduzten Kinder recht wissen, was geschehen ist. Die Eltern werden gut tun, die Kleinen vor dem Mann zu warnen. Die Staatlichen Museen find am Wahltag, dem 25. Oftober, wie folgt geöffnet: Schloßmuseum 11-2 Uhr, Altes und Neues Sammlung für deutsche Volkskunde und Zeughaus 12-8 Uhr. Museum, Kaiser- Friedrich- Museum, Museum Prinz- Albrecht- Str. 7, Das Museum für Völkerkunde ist wegen Umzugs bis auf weiteres ganz geschlossen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 74. Abt. Zehlendorf. Heute Freitag Abend, Abholung des Wahlmaterials. Sonntag Abend treffen fich alle Genoffen und Genoffinnen im Zentralwahlbüro, Lokal Mickley, Botsdamer Str. 25. Jungsozialisten. Gruppe Norden. Der Gruppenabend fällt aus. Dafür Beteiligung an den Rungebungen der Partei. Morgen Sonnabend Flugblattverbreitung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 46. Abt. Unser Genosse Willi Rintisch, Cuvryftr. 24, ist verstorben. Beerdigung Rege Beteiligung erwünscht. morgen Sonnabend nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Jakobitirchhof, Hermannstr Unter und Paletots reich fortiert in allen Farben und Formen Preiswert in unferen anerkannt guten Qualitäten sbs Herren- Ulster Marengo- Cheviot, moderne Form 5300 mit Gurt. Reinwollener Marengo- Cheviot, 7100 sehr strapazierfähig Dunkelbrauner reinwollener Che- 8500 viot, cinfarbig und gemustert Prima Marengo- Cheviot, besonders dauerhafte Qualität Winter- Paletots Marengo- Cheviot, zweirethig, 6500 mit Samtkragen. Marengo- Melton- Chev., zweirel- 8500 hig, eleg. Form mit Samtkragen la Melton in marengo und schwarz, auf Satinella und Steppfutter € 9500 140.Bester Marengo- Cheviot, ele- 11000 gante Ausführung. 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