Ur. 142. Erscheint täglich aichev Montag». Preis pränumerando: Bicriel- jährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mk., wöchentlich 26 Psg. frei lu'ä Hans. Einzelne Nummer s Psg. Sonntags-Nummer mit tlluslr. Sonntags-Beilage„Nene Well" lo Pfg. Post-Abonnemeut! s.ZOMt.proQnartal. Unter Kreuz- band: Dentschlaud u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland sMk.pr.Monai. Singetr. in der Post-Zeitungs- Preisliste für 1395 unter Sir. 7ia8. 12. Jahrg. Insertions-Gebübr beträgt für die sünfgespaltene Petitzetle oder deren Nanin 40 Psg., für Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Tonn- und Festlagen bis d Uhr Vor- inillags geöffnet. Lrriisprcchrr: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Ad reffe: „Koiialdrmsitrat Kcrlin!' VolKsbkatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZiedciKtion: LV.lS. ZZeutö-Strak- 2. Hrpeditiou: 8V. l9, Beuth-Straße 3. Aus der Kommission über dos neue englische Fodrikgesetz. London, den 15. Juni 1895. Die Koinmissionöberathllngen über die Nsquith'sche Fabrik- gesetz-Novelle ziehen sich sehr in die Länge. Schritt snr Schritt oder Punkt sür Punkt»lachen die Gegner der Vorlage— die sich nicht immer nur aus Fabrikanten und Frauenrechtlerinnen zusanimensetzen— derselben den Boden streitig, während, wie ich schon neulich schrieb, von feiten der organisirten Arbeiter nicht halb so viel Eiser für die Verwirklichung der Schutzbcstiunnungcn des Gesetzes entwickelt wird. Diese sträfliche Indolenz wird, wie ich sehe, auch in der neuesten Nuunner der„Cotton Factory Times" scharf gerügt. Das Organ der englischen Banunvoll- Arbeiter schreibt, die Konnnissionsverhandlungen seien nach und nach zur reinen Farce entartet. Die Vorlage sei alles in allem das beste Gesetz sür Arbeiter, das noch je eine lliegiernng ein- gebracht habe, und wenn sie zu Fall gebracht oder verwässert würde, so hätten die Arbeiter niemand anderes dafür zu danken als sich selbst. Es ist in der That auffällig, wie passiv sich, von wenigen lobenswerthen Ausnahmen abgesehen, die Trade Unions mit bezug ans das Schicksal der Vorlage verhalten. Hier und da regen sich die von einem bestimmten Abschnitt Betroffenen und veranstalten Versammlungen oder Deputationen zu gunsten ihrer Forderungen, aber von einer Agitation sür das Gesetz als ganzes und seine Prinzipien ist keine Rede. Ilm Donnerstag hat das Parlamentarische Gewerkschaftskomitee über die Angelegen- heit berathen und u. a. die Versendung eines Zirkulars an alle Trade Unions des Landes beschlossen, worin dieselben aufgefordert werden sollen, durch Abhaltung von Versammlungen und ihnen sonst zur Verfügung stehende Mittel die Position derer zu stärken, welche die Vorschriften des Entwurfs verschärst und nicht abgeschwächt zu sehen wünschen. Der Beschluß ist nur zu loben, noch besser aber wäre es gewesen, er wäre etwas früher erfolgt. Ehe das Zirkular seine Wirkungen erzielt, wird das Schicksal der Vorlage entschieden sein. Bei dieser lässigen Haltung auf feiten der Arbeiter und ihrer Anwälte— die sozialistische Presse beschränkt sich auf gelegent- liche kritisirende Bemerkungen über das Gesetz und die Haltung der Parteien demselben gegenüber— kann es nicht wunder nehmen, daß in der Kommission allerhand Umsälle zu verzeichnen sind. Herr Asqnith selbst hat verschiedenen Deputationen von Fabrikanten, die für ihre Industrien Abschwächungen oder gänz- liche Zurücknahme bestimmter Paragraphen verlangten, weitgehende Zusagen gemacht, und auch Herr Mundella, der, wo Fragen des Arbeiterschutzes i» betracht gekommen, sich bisher immer recht taktfest gehalten, ist, nachdem er in den ersten Sitzungen der Kommission durchaus in diesem Sinne gestimmt und gesprochen, jüngst in der Frage der Nachtarbeit der jugendlichen Arbeiter einen großen Schritt zurückgewichen. Das Fabrikgesetz, wie es jetzt steht, verbietet die Nachlarbeit aller Arbeiter unter 18 Jahren, außer in Glashütten, Hochöfen, Walzwerken, Papierfabriken und Druckereien, wo Knaben, die die Iseuillekon. lNa chdrmk verdoten.s Kerlwer Marztage. 48 Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. Wie jubelte unser Tauzbär über den„großen, er- babcnen, ja heiligen Augeilblick", in dem er zum ersten Male hatte Probe tanzen dürfen.— Probe tanzen in diesem selben Gebäude, vor dessen Fenstern tags zuvor das unschuldige Blut der Kinder des Volkes vergossen worden... „Wir halten uns überzeugt, daß dieselbe Begeisterung unsere Mitbürger ergreifen wird, von tvelcher auch die Abgeordneten an den König ergriffen waren— also hieß es iil der Bekanntmachung des tanzenden Bären, in dessen Namen der Oberbürgermeister, Bürgermeister und Rath der königlichen Ncsidcuzen über die Audienz beim Könige der Bürgerschaft Mittheilnng machten. Und um nun dieser Begeisterung ein wenig nachzuhelfen, erließen Gouverneur und Polizeipräsident derselben königlichen Residenzen eine Bekanntmachung, in der die Bürger in gransam nüchternen Worten ans neue Thaten der bewaffneten Macht vorbereitet und gewissermaßen der Uebergang vom Honigbrot zu den Prügeln eingeleitet wurde... ... Und dem ersten Akt des Dramas folgte der ziveite. Ter sonnenhelle Dienstag war„ruhig verlaufen". Wie immer hatte das Volk von Berlin in den Fabriken und Werkstätten seine Arbeit verrichtet. Aber seine Gedanken weilten bei den blutigen Ereignissen vom Tage zuvor, und mit düsterer Miene fragte es sich:„Was wird das Heute uns bringen?" Es flnthcte nach Feierabend hinaus ans die Straßen und Plätze, und wie gestern so lvar auch heut wieder das altersgraue, breitspurige Gebäude an der Mittelsprce das Ziel seiner Wanderung.„Ruhig und ohne jcdivede Exzesse zog es die Straße ans und ab," berichtete ein unparteiischer Aiigcitzenge, und nur ein scharfer Beobachter hätte bemerken können, wie um den Mund sich ein härterer Zug gelagert sechste Elementarschnlklasse absolvirt haben, schon mit II Jahren, und bedingungslos mit 11 Jahre» zur Nachtarbeit zugelassen werden. Tie Asquith'sche Vorlage wollte die Altersgrenze hier auf das zurückgelegte 16. Jahr erhöhen und dagegen haben sich die Fabrikanten dieser Geschäftszweige aufgelehnt. Einer Deputation der Glasiudustriellcn, die, wie es scheint, in diesem Punkt von ihren Arbeitern unterstützt werden, hatte Herr fftsqiiith zuerst Berücksichtigung der Wünsche versprochen und darauf waren die anderen gekoiumc» und hatten erklärt, auch bei ihnen sei es unmöglich, aus die Nachtarbeit der Knabe» zu verzichten, die zudem eine wahre Wvhlthat sür die Knaben sei. Einflußreiche' liberale Fabrikanten machten die Agitation mit, und einer derselben, Sir I. Joicey, Abgeordneter für eine» Wahlkreis der Grasschaft Durham, ließ in dein ihm gehörige» „Newcastler Daily Leader" erkläre», wenn das Haus der Ge- meinen i» diesen Punkten nicht Raison annehme und den Ve- dürfnissen der„Industrie" Nücksicht trage, würde man noch Gott danken müssen, daß es ein Hans der Lords gebe. TaS Organ für Sozialresorm und gemäßigten„Kollektivismus", das„Daily Chrouicle", schlug über diese Erklärung großen Lärm, aber der Neivcafller Liberalismus hat gesiegt. Am Dienstag gab Herr Nsquith in der Kommisssion, nachdem er eine Rede zur Vertheidiguug seines ursprünglichen Standpunktes vom Stapel gelassen, aus der ganzen Linie nach, mit dem einzigen Vorbehalt, daß 14 Jahre unter allen Umständen die Minimalgrenze bilde» und ihm das Recht zustehen solle, für die Nachtarbeit der Knaben von 14 bis 16 Jahren spezielle Vorschriften zu aiasse». Außer dem Gros der Konservativen, deren Haupivertrclcr, der frühere Sekretär des Junerii, Matthews, alles halte beim alten lassen wollen, stimmte» sür diesen Kompromiß beinahe die Hülste der Liberalen, darunter Herr M n n d e l l a und der Berg- arbeitersührer und Theilnehnier an der Berliner Arbeiterschntz- Konferenz Thomas Burt. Ebenso der eine der Bevoll- mächtigten an der Berliner Konferenz, Sir W. H o u l d s w o r t h (konservativ), während der andere Vevollmächtigte, Sir John Gorst, bei der Abstimmung fehlte. Inzwischen hat Herr Gorst, der bei den Konservativen die äußerste Linke vertritt, die Erklärung abgegeben, daß er die Absicht hatte, gegen de» Kompromiß zu stimmen. Im ganzen hielten 14 Mitglieder— meist Radikale— gegen 40 an der Heraussetznng der Altersgrenze auf das beendete 16. Lebensjahr fest, Austin, Vertreter der Arbeiter Irlands, John B u r n s und H. B r o a d h u r st unter ihnen. Ans die Behauptung, daß die Nachtarbeit den Knaben nichts schade— der Ex-Radikale Chamberlain verstieg sich sogar zu der Vc- Hauptimg, daß die Nachtarbeit die gesündeste Arbeit sei— erwiderte Vurns:„Ich gebe selten etwas auf die Aeußerungen von Militärs über Fragen allgemeiner Statur, aber ich nehme davon den Ausspruch über Napoleons Muth um 2 Uhr nachts ans. Napoleon wußte, worüber er sprach. Die Lebenskräste sind als- dann auf ihrem Tiesstand, und Jungen in ihrem Wachsthum, sowie erwachsene Leute sollten da im Bett sein." Besser verlief die Sitzung am letzten Donnerstag. Der wichtigste Punkt, der da zur Verhandlung kam. war eine Be- stimmmig, die den Unternehmern gegen Strafe verbietet, Frauen und jugendlichen Arbeitern»ach Erledigung ihrer Arbeit in der Fabrik hatte, und in den Augen es trotziger blitzte als sonst, und die Fäuste sich unwillkürlich schloffen. Und ruhig und ohne Exzesse wären diese ernsten, grollenden Massen in ihre Viertel zurnckgefluthet, wenn nicht die Umstürzler vom Tage zuvor aufs neue ihren finsteren Anschlag ins Werk gesetzt halten. Als die Sonne zur Rüste gegängelt war und abendliches Dunkel dem lichtscheuen Werke des blitzenden Stahls die Pfade geebnet hatte— siehe, da rückte wieder die waffenstarrende, fühllose Menschenmaschine ans den Kasernen vor, und Pallasch und Lanze, Vajonnct und Kolbe», Degen und Plenipe trieften alsbald vom Blntc unschuldiger Männer, Frauen und Kinder. Allen voran stürzten die Kürassiere über die Wehrlosen her, zu zweien und dreien ans einen, und verwandelten das„Ebenbild Gottes", als das ihr Kate- chismus sie den Menschen betrachten gelehrt hatte, in einen zuckenden Klunipe» blutigen Fleisches. Und dem Beispiel der Kürassiere folgten Dragoner und Ulanen, uiit lauten AugriffSfansarcn ging es heidi! hinein in die wogenden Masse», und hundertiveise brachen die Getroffenen zusammen in den dampfenden Lachen ihres Blutes. Gegen Mitternacht war die Umgebung dcS Schlosses wieder„gesäubert, die„Stühe und Ordnung" wieder her- gestellt"... „Ruhe und Ordnung" herrschte auf den mit blutigem Stahlbesen leer gefcgtcil Straßen. In den tanscnden von Häusern aber, in die das gehetzte Wild sich vor den Jägern geflüchtet hatte, da wogte ein ivildes Chaos von Schmerz und Empörung, von grimmiger Wuth und heißer Begierde nach Rache. Auf hundert Betten lagen hundert blutende Menschen— Menschen, die nicht wußten, wofür ibr Blut vergossen ivar, wofür ihre Frauen und Kinder zu Wittivcn und Waisen werden sollten. Jeder einzelne dieser Verwundeten, dieser Todtcn— denn auch Todte hatte dieses zweite Kesseltreiben vom Dienstag zu verzeichnen— predigte mit furchtbarer Beredsamkeit die ganze Grausamkeit des Geschehenen, und ganze Hänser, ganze Straßen und Viertel ver- nahmen die stumme Sprache, welche die bleichen Gesichter dieser unschuldigen Blutzengen redeten. Arbeit zur Fertigstellung mit nach Haus zu geben. Auch hiergegen rannten die Konservativen und liberalen Uniouistcn Sturm. Diesma aber rctlete ein Fabrikant die Situation. HerrBarran, liberaler Slbgcordiicter sür einen Wahlkreis in Aorkshire, der eine Fabrik von Bekicidungsgegenständen in Leeds betreibt, erklärte, er kenne keine widerlichere Form von Schivitzarbeit, als diese Hausarbeit »ach gelhauer Arbeit in der Fabrik. Bei ihm werde acht und ein viertel Stunden täglich gearbeitet, und das sei nach seiner Ansicht ganz genug. Der Passus ging mit 27 gegen 13 Stimme» durch. Wollen sehen, ob er im Plenum eben so viel Glück hat. Im ganzen zeigt sich bei diesen Berathungen wieder, wie falsch die Anschauung ist, der man selbst bei hiesigen Sozialisten noch oft begegnet, daß die Liberalen das Fabrikanten-, die Konservativen das Landlord-Juteresse darstelle». Wohl sind die meisten der Landlords bei de» Konservativen und werden es bleiben, aber ebenso sind auch die meisten der Fabrikanten im konservativen Lager. Und immer mehr von solchen schlagen sich aus dem liberalen Lager zn ihnen. Wir haben oben gesehen, aus welchem To» einer der maßgebenden Führer der liberalen Fabrikanten von Dnrham und Northuwberland pfiff. Newcastle, die zivischen Viesen beiden Grafschafteii gelegene Industriestadt, spielt heute die Rolle, die vor 50 Jahren Manchester spielte. Man spricht heute von der Newcastlerei, wie man ehedem vom Manchcsterlhum sprach. Der Unterschied ist blos, daß die Sir James Joicey und Genossen bei ihrer Opposition gegen die Aus- dehnnng des Arbciterschutzcs eine große Sektion der Arbeiter jencS Distrikts für sich haben. Einen bezeichnende» Gradmesser sür den Umfang, den der Auszug der Gcldsäcke aus dem Lager der liberalen Partei an- genomlue», liefert die Thatsache, daß der hiesige nationale Klub der Liberalen, der Zentral- Sammelpunkt der Partei, in großen Fiuanzuöthen sich befindet. Eingeweihten war dies längst bekannt, und vorige» Sonntag hat es ein Schreckcnskiud des Londoner Radikalismus,„Reynold's News- paper„", ui-bi et ovbi verkündet. Der Klub, dem Liberale aller Schatlirungeu und selbst bekannte Sozialdemokraten angehören, droht zu krachen, wen» sich seine Milgliederzahl nicht um mehrere Hunderte hebt. Aber woher nehmen?— Ich bin ersucht worden, deutsche Bauhandwerker vor Zuzug nach London dringend z» warne». Der Streik, bezw. Lcckont, der im Mai drohte, ist bis jetzt noch nicht aus- gebrochen, aber die Situation ist aufs äußerste g c> spannt und jeder Tag kann zum offenen Kamps führen. Die Unternehmer haben einen vor zwei Jahre» mit den organisirten Arbeitern geschlossene» Kompromiß gekündigt, haben aber noch nicht geivagt, der Kündigung die That folgen zu lassen, und die organisirten Arbeiter habe» die Kündigung nicht mit dem Ausstand beantwortet, weil ohnehin massenhaft Mitglieder ihrer Sektionen arbeitslos sind und sie die Verantwortung sür den Kampf und das mit ihm verbundene Elend nicht den Unternehmern abnehmen wollen. Eine zeitlang geht dies gegenseitige Zu- warten, ans die Dauer ist es aber unhaltbar, der kleinste Zwischen- fall kann die Flamme zum aufschlagen bringen, und auf jeden Fall muß die Streitsrage, die eine Lebensfrage der Organi- sationcn ist, ausgesochte» werde». Immer entsetzlicher, immer schauerlicher erschien das Unglaubliche, dem man gegenüberstand. Konnte man gestern noch annehmen, daß es sich bei dem ersten blutigen lieber- fall voiit. 13. nur um eine einmalige„Probe" handelte, um einen„Zufall" oder wie sonst man es nennen tvollte, so war es nun vor aller Welt offenbar, daß Plan und Me- thode in diesen Metzeleien lag, und daß morgen dasselbe, wenn nicht schlimmeres zn erwarten stand, wie heut. Ja, in der That, noch schlimmeres: denn noch hatte» sie erst gehauen und gestochen, noch war kein Pulver verknallt, kein Schuß gefallen, und Flinte und Kanonen harrten mit Ungeduld, um theil zu nehmen an der blutigen Arbeit. Man hatte am Abend den König in die Oper fahren sehen, und nach der Oper nach Potsdam. Er hatte Gäste atts Mecklenburg, die unterhaltcn sein wollten, und deren Nachtruhe durch das Geschrei des Berliner Pöbels nicht gestört werden durste. Der Prinz von Preußen aber, der Kommandeur der Garden, war in Berlin geblieben... Schlaflos hatte das Volk von Verlin die Nacht bis zum Morgengrauen verbracht— da erst senkte sich dumpfer, schiverer Schlummer ans die ermüdeten Lider. Unruhige Träume erregte» sein fieberndes Hirn, es sah sich bereits im heißen 5kanipfe mit seinen Beleidigern. „Waffen! Waffen!" tönte es ihm immer lauter und lauter in den Ohren. Noch hatte es die Hand nicht gegen den Feind erhoben, noch hatte es sich wehrlos niedermetzeln lassen nnd die bru- tale Gcivaltthat nur mit dem gellenden Schrei der Ent- rüstllng beantivortet. Nim aber, da es sich vom Lager erhob, wußte es, daß es nicht mit seinen Kehlen allein, sondert» mit seinem ganzen Wesen, seiner ganzen Existenz, seiner ganzen Kraft Protest iren mußte, wenn es nicht die Achtung der Welt nnd vor allem seine Selbstachtung verlieren wollte. „Waffen! Waffen!" flüsterte es ringsum in den Lüften, wie eine Eingebung unsichtbarer Geister. Und immer eifriger suchten die Äugen nach der Wehr, mit der sich die Faust zum Widerstand rüsten könnte. (Fortsetzung fo'gt.) f Höchberg. Heute sind eZ zehn Jahre, daß Karl Höchberg, einer unserer idealsten und opferbereitesten Genossen, für immer die Augen ge- schlössen hat. Einer reichen Frankfurter Kaufinannssamilie ent- stammend, schloß sich der Verstorbene schon im jugendlichen Alter der sozialdemokratischen Partei an. für welche er, bis kurze Zeit vor seinem Tode, geistig und materiell in nnfopsernster Weise thätig war, dabei es aber immer ängstlich meidend, irgendwie an die Oeffentlichkeit zu treten, oder nach einer führenden Stellung zu streben. Karl Höchberg, den nur sein hochentwickelter Gerechtigkeits- sinn in die Reihen unserer Partei geführt hat, er glaubte an die Möglichkeit, durch Belehrung und den Appell an das Ge- rechtigkeitsgefühl namhafte Kreise der herrschenden Klassen für den Sozialismus gewinnen zu können. In diesem Bestreben, in den Kreise» der Gebildete» Propaganda für den Sozialismus zu machen, förderte Höchberg bereits vor dem Inkrafttreten des Sozialistengesetzes aufs eifrigste das Projekt einer Wissenschaft- lichen Zeitschrift. Als dieselbe in Gestalt der„Zukunft" 1877 er- schien, trug Höchberg die Einführungskosten für das Unternehmen, wie er demselben auch bis zum sozialistengesetzlichen Verbot seine ganze Arbeitskraft widmete. Später unter dem Sozialistengesetz verfolgte der Verstorbene den gleichen Zweck einmal durch die im Frühjahr 1879 an einein Tage erfolgte Versendung von 10 000 Exemplaren von Schäffle's „Q'.iintessenz des Sozialismus" an Lehrer, Aerzte, Juristen ec. und dann durch die Herausgabe des„Jahrbuch für Sozialwissen- fchaft und Sozialpolitik",„Staatswirthschaftliche Abhandlungen" und die„Wirlhschaftspolitische Korrespondenz". Aber über diese Versuche, in den Kreisen der Gebildeten für den Sozialismus zu wirken, vergaß Höchberg die Agitation unter den Proletarierinassen nicht. Höchberg hatte die Mittel zur Ein- richtung der Assoziations-Bnchdruckerei gegeben, in der die „Berliner Freie Presse" und später die„Zukunft" hergestellt wurde. Als aber infolge des Schandgesetzes vom Oktober 1873 das Erscheinen eines sozialdemokratischen Parteiblattes in Deutschland unmöglich gemacht war, betheiligte sich H. an der Gründung des „Sozialdemokrat", dessen Defizit er tragen half, so lange unser sozialistengesetzliches Zentral- Organ ein t solches machte. Höchberg stellte auch die Mittel zur Verfügung, um die Agitationsrcise Fritzsche- Viereck nach Amerika zu er- möglichen. Alle diese Opfer und noch viel mehr wurden von Höchberg in der uneigennützigsten Weise gebracht, ohne jemals auch nur den Versuch einer maßgebenden persönlichen Einwirkung, sei es auf die Gesammtpartei oder auf einzelne Institute derselben zu machen. Noch jung an Jahren— Höchberg war 18ö3 gebore», er ist also nur 32 Jahre alt geworden— wurde derselbe das Opfer einer tückischen Krankheit, Schwindsucht, welche ihn schon während der letzten Jahre seines Lebens genöthigt hatte, sich mehr und mehr zu schonen und jeder aufreibenden Thätigkeit ferne zu bleiben. Die deutschen Proletarier aber werden dem frühe Dahin- geschiedenen ein treues Andenken bewahren und nicht vergessen, daß in den schlimmsten Perioden der Sozialistenverfolgung unter dem Schandgesetze, Karl Höchberg immer am Platze war, wo es galt, mit geistigen und materiellen Mitteln unsere Position zu vertheidigen oder zum Angriff auf den Gegner überzugehen. Ehre seinem Andenken! PolikiMo MebeHMlk. Berlin, 20. Juni. Der Kaiser hat in seiner Hamburger Tischrede eine benierkeuswerthe Aeußcrung über den Frieden gethan. So erfreulich dies ist, so eigenthümlich erscheint es, daß er die Kriegs schiffe als F r i e d e n s symbole bezeichnet. Schon deshalb verdient sie späteren Geschlechtern erhalten zu werden. Die betreffende Stelle lautet: „Wir vereinigen zwei Meere; ansfdas Meer lenken sich unsere Gedanken, das Meer— das Sinnbild der Ewigkeit. Meere trennen nicht, Meere verbinden; die verbindenden Meere werden verbunden durch dieses neue Glied zum Segen und Frieden der Völker. Tie erzgepanzerte Macht, die versammelt ist ans dem Kieler Hasen, soll zu gleicher Zeit ein Sinnbild des Friedens sein, des Zusammenwirkens aller europäischen Kulturvölker zur Hoch- Haltung und Aufrechterhaltung der euro- p ä i s ch e n K u l t u r m i s s i o n. Haben wir einen Blick geivorfen auf das ewige Meer, so werfen wir einen Blick auf das Meer der Völker. Aller Völker Herzen richten sich hierher mit fragendem Blick. Sie erheischen und wünschen den Frieden. Im Frieden nur kann Welthandel sich entwickeln, im Frieden nur kann er gedeihen, und Frieden werden und wollen wir aufrecht er- halle n." Die Worte lassen nur d i e Deutung zu, daß eine ge- meinsame Aktion Europa'» gegen die drohende Konkurrenz Ostasiens in den Kreis der Erwägungen gezogen wird. Hierzu bedarf es aber wahrlich nicht der die Volkskraft aussatigenden stehenden Heere. Diese sind unnöthig. Wollen„aller Völker Herzen" den Frieden, dann ist die Zeit für die allgemeine Abrüstung gekommen. Wenn die nächste Militärvorlage dein Reichstage vorgelegt werden wird, dann wird freilich eine andere Melodie ertönen. Ten frohen Festen der Fürsten werden saure Wochen des Volkes folgen. Den gedankenlosen Schmeichlern, die das„Kktiserwort": Das Kaiserreich ist der Friede! verzückt unter Purzelbäumen, als„Anfang einer neuen Aera" begrüßten, wollen wir blos eine Thatsache ins Gedächtniß rufen— nämlich, daß genau daffclbe„Kaiserwort" schon einmal erklungen ist, und zwar aus dem Mtinde des f r a n z ö s i s ch e n Staatssireichskaisers, Napoleon's des Kleinen, der vor jetzt mehr als 40 Jahren mit seinem famosen:„I/Enixire c'est laPaix— das Kaisesr- r�e i ch i st d e r F r i e d e", den Völkern eine„neue Aera" an- kündigte. Die„neue Aera" entpuppte sich bald. Nach wenigen Jahren kam der Krimkrieg, dann der italienische Krieg, nach dem verunglückten mexikanischen Raubzug end- lich der Krieg mit Deutschland, der über die zwei vor- nehmsten Kulturvölker des Festlandes von Europa unsagbares Elend gebracht hat und eine, leider noch nicht ver- siegte Qrielle der Knechtschaft, Verderbuiß und Rohheit geworden ist.— Neichstags-Nachwahl in Colberg-Cöslin. Bei der am 18. d. M. im Reichstags- Mahlkreise Cöslin, Colbcrg- Cörlin, Bublitz stattgehabten Ersatzwahl erhielten Gerlach(k.) 7087, Benoit(srs. Vg.) 4063, Lötz(Soz.) 2418 und Paasch (Antisem.) 1532 Stimmen. Demnach muß eine Stichivahl zwischen dem Kandidaten der konservativen Partei und dem der freisinnigen Vereinigung stattfinden. Voraussichtlich wird der Konservative, dein die antisemitischen Stiinmen zufallen dürften, siegen. Unsere Genossen werden sich wohl ihrer Stimme enthalten. Wie das Resultat auch ausfallen mag, lange ivird der Sieger nicht im Reichstage sitzen, da die zahlreichen Wahlunregel- Mäßigkeiten zur Ungiltigkeitserklärung führen müssen. Abgesehen von den Antisemiten, die zum ersten Male in dem Wahlkreise auftraten, haben alle Parteien einen Rückgang der Stimmen zu verzeichnen. Der- selbe beträgt bei den Konservativen 877, bei der frei- sinnigen Vereinigung 010 und bei der Sozialdemokratie 208 Stimmen. Auf je 1000 am 15. Juni 1893 abgegebene Stimmen kamen bei der Nachwahl bei den Konservativen 877, bei der Freisinnigen Vereinigung 884, bei den Sozialdemokraten 921 Stimme n. Demnach ist trotz aller Verfolgungen für unsere Partei das Wahl- refultat das weitaus günstigste.— Zur Geschäftslage im Landtage berichten bürger- liche Blätter das folgende: Die Aussichten für eine Einigung der Majorität des Ab- geordnetenhauses über das Stempelstener-Gesetz haben sich so gestaltet, daß die dritte Lesung voraussichllich schon am Mittwoch statlfinden kann. Vorher wäre noch die Mellage-Jnterpellation zu erledigen. Unter diesen Umständen, meint die„Post", sei zu hoffen, daß noch in der nächsten Woche Zeit für die zweite Be- rathung der einen oder anderen aus den Kommissionen ge- kommenen Vorlagen bleibt. Den Neigen im Juli scheint die Interpellation Rintelen(nrissio canonica) eröffnen zu sollen. Anscheinend gehört zu den Vorlagen, betreffs deren auf ein positives Ergebniß gerechnet wird, diejenige wegen der Ver- pflcgungsstationen nicht mehr. Für die Wiederaufnahme der Plenarberathungen des Herrenhauses ist dem Vernehmen nach der 9. Juli in Aussicht genommen. Es dürfte daher der Schluß des Landtages sich schwerlich vor Sonnabend, dem 13. Juli, herbeiführen lassen.— Zur preußischen Fiuauzlage kündigen die„Verl. Pol. Nachr." eine weitere V e r b e s s e r u n g seit den letzten Mitlhei- lungen des Finanzministers an. Dieser hatte in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 17. Januar d. I. angegeben, da» der Fehlbetrag, der im Etat für 1894/93 mit rund 38 Millionen veranschlagt war, sich voraussichtlich auf 14 bis 20 Millionen Mark vermindern würde. Die seitdem zu machenden Wahr- nehmuugen finanzieller Art berechtigen zu der Hoffnung, dap die Wirklichkeit nicht nur hinter den günstigen Annahmen des Mi- nisters zurückgeblieben sein, sondern sie noch um etwas über- troffen haben wird. Man sieht, dan es auch ganz gut ohne Tabak- und Bier- steuer geht. Die Reichs- und Staatseinnahmen zerstören die Grundlage der Steuerpolitik der Miquel und Posadowsky.— Zur Reise ins Jnuungslaud schreiben die„Berliner Politischen Nachrichten": Die für Mitte Juni in Aussicht genommene Reise von Kommissaren des Reichsamts des Innern und des preußischen Handelsministeriums nach Oesterreich zum Zwecke der Prüfung der Wirkungen der dortigen Handwerker-Gesetzgebung, insbesondere der Zwangsorganisation der Handwerker, hat um kurze Zeit ver- schoben werden müssen, weil zunächst noch einige dringliche Ver- Handlungen mit Kommissarien anderer Ressorts zu erledigen waren. Die Naivetät der Jnnnngsbrüder kommt in den Hoffnungen, die sich an diese Reise knüpfen, zum Ausdruck.— Tie Nevisio» der Städte-Ordnuug wurde auf dem Provinzialverbandstag der hannoverschen Bürgcrvereine berathe». Mit starker Zweidrittelmajorität wurden dort folgende Anträge zum Beschlüsse erhoben: „1. den Provinzialvorftand zu ermächtigen, die erforderlichen Schritte zu thun, um höheren Ortes eine Städteverfassung in der Provinz Hannover zur Einführung gelangen zu lassen, in deren Bestimmungen das Recht der Selbstverwaltung in allen städtischen Angelegenheiten, sowie das gleiche allgemeine Wahl- recht mit geheimer Abstimmung bei allen Wahlen zu städti- scheu Ehrenämtern zur uneingeschränkten Geltung komme; 2. daß einer Kommission, bestehend aus dem zeitweiligen Vor- stände des ProvinzialverbandeS und den Referenten in der heutigen Sitzung, die Ausarbeitung einer Vorlage übertragen werden solle." In Sachsen würde man derartige Beschlüsse als offenen Um- stürz brandmarken. So sehr die hannoverschen Bürgervereine ihre Beschlüsse ehren, so traurig ist es, daß sie mit derartigen Reformideen in Preußen blos als merkwürdige Ausnahme da- stehen.— regent von Bayern, der König von Sachsen oder Württeinbcrg, der Großherzog von Baden oder sonst ein bekanntes gekröntes Haupt in Begleitung respektvoller Zivilpersonen die vor der Wohnung haltende Equipage bestieg, dann brach die Menge in wohltemperirte Hochrufe aus und es wurden wohl auch einige Hüte geschwenkt, aber diese Begeisterungsausbrüche machten doch einen ziemlich dilettantischen Eindruck. Es fehlt den republika- irischen Hamburgern offenbar noch an der nöthigen Schulung und Disziplin im Hurrahrufe»." So ivenig das Publikum auf den Fürstenbesuch eingeübt war, so sehr schien die Polizei sich darauf gerüstet zu haben. Ganz im Berliner Stil läßt sich der„Lokal-Anzeiger" von der Abendfeier berichten: „Später, nachdem sich der Himmel wieder aufgeklärt hatte, entstand vor dem Rathhause, auf welchem um 6>/e Uhr die Karserstandarte aufgehißt war, ein so furchtbares Gedränge, daß die reitenden Schutzleute wiederholt i n' s Publik» m hineinreiten mußten, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Einige Personen erlitten Verletzungen; auch wurdet» mehrere Verhaftungen vorgenommen." In der Rede, die der Kaiser nach dem Gewitter auf dem Bankett hielt, äußerte er sich über den ihin gewordenen Empfang in folgenden Worten:„Der Geist, der mir entgegenschlug,»var kein gemachter, kein gewöhnlicher. Gleich einer Windsbraut schallte mir der Jubel der Stadt entgegen." Näheres über die Kaiserrede finden die Leser übrigens im politischen Theil des Blattes verzeichnet. Mit tantenhafter Freude schildert die„Voss. Ztg." eine der Aufgaben,»velche die Söhne des Kaisers aus den, Fest zu erfüllen hatten:„Ein jeder von ihnen reichte»nit tadelloser Ver- b e u g u n g den Herren Bürgermeistern und Senatoren die Hand." Das Hamburger„Echo" äußert sich am Schluß einer Be- trachtung des Festrnminels von» Mithvoch: Hat Hamburg soviel überflüssiges Geld, daß es nicht inehr weiß, wohin damit? Ist das Defizitloch durch die„sechs Ein- heilen" derartig gestopft, daß man Aussicht hat, bald wieder von den„Ueberschüssen früherer Jahre" zehren zu können?— Sticht? von alledem! Jnnner nnd immer»vieder»vird aus„finanziellen Nöthen" die Anssnhrnng dringend nothivendiger Arbeiten aufge- schoben.sürbuntes Gepränge aber, das einige Stunde»» der Schaulust dient, werde» ohne Sträuben Hunderttausende dem Sleuersäckel entuoinmen,»veil die Entfaltung eines solchen Poinpes den „nationalen Stolz" der herrschende» Kreise kitzelt. Das eine Gute aber hat dieser Pomp, daß er den von» patriotischen De- lirium nicht Ergriffenen klar macht, daß eine»müberbrückbare Kluft die herrschenden Kreise und ihren Anhang von» Kern des Volkes trennt, daß die herrschenden Kreise all' und jede Fühlung »nit dein Volke verloren haben und daß das Volk nur zu seinem Rechte kommen kann, wenn es danach strebt, den herrschenden Kreisen die Zügel aus der Hand zu ivinden. Um 11 Uhr abends fuhr der Kaiser vom Hamburger Hafen nach Brunsbüttel. Ueber die Ankunft in den Nord-Ostsee- Kanal berichten zivei offiziöse Depeschen: Brunsbüttel, 20. Juni. Die„Hohenzollern", mit Sr. Majestät den» Kaiser»lnd de» Fürstlichkeilen an Bord, passirte nm 33/4 Uhr die festlich geschmückte Westschleuse unter brausende», Hochrufen der K r i e g e r v e r e i n e, der Schulen und eines vielhundertköpsigei» Piiblikmns. Um 4 Uhr zeeschnilt die„Hohen- zoll«»»" die über den Kanal gespannte Schnur, worauf das Kou der Uordostsee-Kaual-Feier. AuS Hamburg erhalten»vir vom Mittwoch Abend noch folgendes Stiininungsbild: Nachdem der ftaisertag in der seiner Majestät allergetrenesten Patrizierrepublik Hamburg ohne jeden Zivischenfall verlaufen ist, dürfte es sicherlich die Leser des„Vorwärts" inleressiren, zu erfahren, wie mit dem zunehmenden patriotischen Festesdelirium zilgleich auch die Vorsicht der Hamburger Polizeibehörde ge- stiegen war. Diese Attentatsriecherei doknmentirte sich zuerst in den unglaublichsten Absperrungen, wie solche selbst Berlin kaniii noch erlebt hat. Da war z. B. für den heutigen Tag von »nittags 12 Uhr bis nachts 12 Uhr jeder Verkehr von Droschken, Equipagen, Straßenbahnen in der Innenstadt völlig untersagt, ja sogar dre Eisen bahnzüge dursten in jener Zeit nicht auf dem Dainmthor-Bahnhofe anhaltrn, sondern mußten ohne Allfenlhalt diese für den gesammten Stadtverkehr wichtigste Station überschlagen. Was ein derartiges Verkehrs- verbot für das geschäftliche Leben einer Handelsstadt wie Hmn- bürg zu bedeuten hat, bedarf wohl keiner Erörterung. In harinonischem Einklänge mit dieser Straßen- und Bahn- Hofssperre wurden auch die Wasserwege auf der Alster und Elbe dem Verkehr entzogen und so ganze Landstriche von der Schiffs- Verbindung mit Hanckmrg abgeschnitten. Ja die Hamburger Polizeileitu, ig übertraf ihre Berliner Kollegin noch, indem sie sogar den aus der Elbe liegenden Privatdampfern ausdrücklich nahelegte, während bestiinmter Stunden»ur»nit Koaks zu heizen, damit nicht diese oder jene erlauchte Nase in die Berührung mit einem Kohlenstäubchen geralhe. Und das alles i» einer Stadt, die mit gutem Rechte seit lange als die eigentliche Hochburg der Sozialdemokratie betrachtet wird. Roch klarer zeigte sich die Furcht vor der Sozialdeinokratie resp. die Stimmung gegen deren An- Hanger beim Engagement der L o h n k e l l n e r, welche die Ehre ge, neben_ sollte», beim Bankett im Raihhanse aufzuwarten. Selbstverständlich»vurden nur diejenigen hierzu für»vürdig er- achtet, welche»veder politisch„och gewerkschaftlich organisirt sind,»ind diese Ausenvählten wurden dann nieh- rere Tage lang zum höfischen Dienst dresstrt, d. h. sie»vurden angelernt, in Sniehosen und ähnlichem Flilter heruinzlistolziren und sich höfisch zu bewegen— alles zusanimen für 13 M., denn auf Trinkgelder haben sie hier kaum zu rechnen. Damit sich aber unter diese dienstbare» Geister nicht etwa ein Unbejiigler einschleiche, wurde» sie sännutlich— natürlich auf Staatskosten— m 1 ap h i r t, sie mußten ihr Photogramm ailf dem , �1.-.l''ö e l" fr 0 S e>» zum Zeichen, daß sie ungesährlich sind und höchstens Champagiierpfropfen knallen lassen. Photographirt wurden auch sainmtliche anderen beim Rathsschniaiise benöthigten r,Ü m1' ,ute � kie Tilpezirer, welche übrigens den seltene»» Borzug genossen, auf den» Verbrecherstuhl von» Kriminal- apparat photographirt zu»verde». Gerade die Tapezirer könne» nicht ge>iug de» sin,»igen Gedanken preisen, ein erst im Roh- bau fertige» ll»d frühestens in zivei Jahren beziehbares Rath- bans mit zehn taufenden von Metern Stoff anszudrapiren resp. in einen Potemkin lchen Speisesaal zu verwandeln»nit den» ge- ringen Kostenausivand von einem Viertelmilliönchen Reichs- n,a,.~ SniijS drei Stunden: ein klassisches Seitenstück zu der Alsterinsel und der cäsarische» Brücke zwischen Bajae und Pntroli. Besagte Alsterinsel»vurde übrigens auch von der Polizei seit Wochen zum größten Amüsement der Hain- burger Arbeilerschnst nufs peinlichste übenvacht, und war es auch»virklich gelungen zu beobachten,»vis die Herren Konstabler die einen von rechts nach links, die andern von links nach rechts um die Möl und aus der Möl herumpatronillirten und so stets in Gefahrj geriethen, von» Schwindel erfaßt zu»verde». Das Sümmchen von einer halben Million Mark für dieses Jnselspielzeug ist ja natürlich auch reiniveg ins Wasser geivorfen, da bis zu»n 1. Juli die geliehenen Dekorationsstücke, Möbel»c. abgeliefert fein müssen und dann auch die Insel abgetragen wird.— Na, Hamburg und im spezielle» die herrliche Alfter verliert dabei nichts— weder in landschaftlicher, noch in künstlerischer Be- ziehung. Denn das»virklich Schöne an den» gaiizeu Machiverk ist die feenhafte Beleuchtung, während die Insel selbst mit ihre» Bauten, Grölten, Pflanzungen geradezu lächerlich wirkt. Zum Schluß noch für alle darbende» und sich nur mühsam vor dem Verhungern schützenden Arbeiter die frohe Kunde, daß das Kouvert ohne Wein lumpige 75 M.(sage nnd schreibe fünf- undsiebenzig Mark) kostete— macht bei ca. 800 Mitessern nur 60 000 M. Ebenso ge>vähren auch die vor jeden» Kouvert in der Runde aufgestellle» 14(d. h. vierzehn) verschieden gefärbten und geformten Weingläser die Beruhigung, daß die Herren auch nicht zu verdursten brauchen. Prosit die Mahlzeil!! Angesichts solcher Bedürsnißlosigkeit mögen fortan die Klagen der unzu- friedenen und begehrlichen Hamburger Arbeitslosen,»velche für ganze zwei Mark dem Staate Hamburg Nolhstandsarbeiten d. h. nölhige Applanier-Arbeilen in einer fast zivölsstündigen Arbeitszeit verrichteten, verstummen!! Denn»ver es bis jetzt noch nicht geivnßt, dem»vird es jetzt durch die Hamburg-Kieler Feste anfs klarste vor Auge» geführt, daß»vir in der besten der Welten leben. « �« Der Himmel war dem Hamburger„Kaisertage" nicht günstig. Zum Leidwesen der Patrioten regnete es fast den ganzen Tag Bindfaden, und vor Beendigung der Galafahrt brach ein furcht- barer Geivittersturm aus, vor»velchem die Menschen aicseinander- stoben. Aber ein bischen„Zkaiserivetter" konnte der offizivseTelegraph doch retten,„denn kurz nach dem Eintreffen Sr. Majestät des Kaisers auf der Alsterinsel börte plötzlich der Regen auf. Die Be- leuchtnng verlief auf's herrlichste, die Loinbardbrücke zeigte nie gesehene Feuereffekte und das ganze Feneriverk»var»vider alles Erwarten durch das Wetter fast gar nicht beeinträchtigt. Es übertraf alles ans dem Alsterbecken in dieser Hinsicht bisher ge- sehene. Se. Majestät verließ um I0Vs Uhr abends die Insel nnd begab sich unter braltsenden, begeisterten Kundgebungen nach der Laudungsbrücke von St. Pauli. Neberall»vird der herrliche Verlauf des Festtages als unübertrefflich bezeichnet." Im Hochrufen hat der trockene Hamburger Spießbürger auch sonst sich anscheinend,»venu auch ohne ivesentlichen Erfolg, einige Nebung anzueignen versucht. In den» Bericht eines hiesigen Blattes »vird das Gebahren der Zuschauer»vie folgt geschildert: „Der bescheivenste vorübersahrende Schissskapitäi» wurde ebenso lebhaft begrüßt»vie der französische Botschafter Herbette, der, ganz im Gegensatz zu der Pariser Boulevardpresse, die Grüße des deutschen Publikums mit ausgesuchter Höflichkeit er- »viderte. Besonderen Beifalls erfreuten sich die Arbeiter der „Hamburger Straßen-Reinigung", die eben noch den Weg für den Kaiser mit Sand bestreut hatten. Die»vackeren Arbeiter nahmen diese liebenswürdige Huldigung mit schniunzelnden» Lächeln entgegen." Und an anderer Stelle berichtet dies Blatt,„Das Kleine Journal" über die hamburgische Begeisterung:„Wen» der Prinz-; 5;rt8 Organ des Chren-Vaare ertheilt dem Reichs- gewichte eine gute Zensur wegen seines neuesten Urtheils über den Boykott. Wir können es nicht vercinlworten, unseren Lesern die Eingangs- und Schlußzeilen der Betrachtungen der „Rheinisch-westfalischen Zeitung" vorzuenthalten. Ein Kommentar zu denselben erübrigt sich, sprechen sie doch für sich selbst: „Was der gesunde Menschenverstand schon längst wußte, hat nunmehr auch das Reichsgericht durch eine Entscheidung vom 14. Juni 1835 festgestellt. Nichts hat den sozialrevolutionären Uebermuth so üppig ins Kraut schießen lassen, wie der Umstand, daß bei An- . nähme des Aus n a h in e g e s e tz es gegen die Unter nehm er- welches man sonst auch Gewerbe-Ordnungs-Novelle von 18S1 nennt, die einzige Bestimmung fallen gelassen wurde, welche in der Vorlage bestimmt war, eine Art von Gegengewicht zu bieten, indem dem Mißbrauche des Koalitions- rechtes ein Riegel vorgeschoben werden sollte." „Anch dieses Reichsgerichts-Erkenntniß ist ein Beweis, daß ans den Gebieten der Ver- w a l t u n g« ii d' R e ch t s p r e di ii ii g das zu erreichen ist, was die Caprivi'sche Umsturzvorlage besten Falles hätte erreichen können, sogar nod)mehr; denn einer der größten Mängel dieser Vorlage war es, daß sie derartige Ausgeburten der Koalitionsfreiheit vollständig unbeachtet ließ." Nächstens wird die nationalliberale Presse vorschlagen, das Gesetzgebnngsrecht vom Reichstag auf das Reichsgericht zu über- tragen.— Werdet katholisch! Dies muß bald den evangelischen Pastoren zugerufen werden, da sie wegen jeder ihren Oberen nid)t genehmen Aeußerungen Maßregelung zu erwarten haben. ' Der neueste Fall ist die Enthebung des Rostocker Pastors Müller aus dem Amte, weil er sich in einem Vortrage in Berlin für die Feuerbestattung ausgesprochen hat.— Zur Frage der Staatsaufsicht über die Privat-Jrrcn- anstaltcn wird die„Brest. Ztg." von sachverständiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß die Regierung in Minden der v. Bodelschivingh'schen Anstalt bei Bielefeld gegenüber lange Jahre ein Verhalten beobachtete, das mit den bestehenden Gesetzen und zuletzt besonders mit der Ministerial- Verfügung vom IS. Januar 1888 schwer in Einklang zu bringen ist. Der Regierungs- und Medinalrath Dr. Aap- mnnd in Minden habe dem Medizinalrath Dr. Siemens in Lauenburg brieflich mitgetheilt,„daß die v. Bodelscknvingh'sche Anstalt erst seit dem Erlaß einer Regierungs-Prästdial-Verfügung vom 14. Juli 18S1 von dem Medizinalrath revidirt worden ist, vorher jedoch nicht". Es sollte zu erwarten sein, daß nach den Ergebnissen des Alexianer- Prozesses auch die Bodelschwingh'sche Anstalt einer ganz genauen und häufigen Inspektion unterworfen wird. Eni- sprechen doch schon, von allem anderen abgesehen, die dort üblichen therapenthischen Methoden nicht dem heutigen Stande der Psychiatrie.— Das Ministerium Windischgrätz ist nun end- g i l t i g zurückgetreten. Bios der Vertrauensmann der Polen Jaworski und der Landesvertheidigungsminister bleiben deni neuen Kabinete als Minister ohne Portefeuille erhalten. An stelle des abgetretenen fast rein parlamenta- rischen Kabinets tritt ein reines Beamtenkabinet. Es soll als Geschäftsministerium bis zur Lösung der Krisis die dringendsten parlamentarischen Arbeiten wie den Etat zur Erledigung bringen und das Stillestehen der Staats- Maschinerie verhindern. Diese Absicht findest auch darin ihren Ausdruck, daß das Ministerpräsidium und die Ministerien des Ackerbaues, des Unterrichts, des Handels und der Justiz nicht mit„Ministern", sondern blos mit„Leitern der betr. Ministerien" besetzt wurden. Ueber .ststese Leiter ist nicht viel zu sagen, sie sind höhere Vermal- tungsbeamte ohne politische Vergangenheit und allem An- scheine nach auch ohne jede politische Zukunft. Blos zwei Minister sind ernannt worden, ein Minister des Innern, der zugleich Leiter des Minifterpräsidiums geworden ist und stolze Kaiserschiff die Kanalfahrt begann. Das Wetter ist -herrlich. Die den Kanal begleilenden Höhenzüge prangen im -schönsten Flaggen- und Guirlandenschmucke. Die„Hohenzollcrn" passirte wohlbehalten Burgdithmarschen. Der„Kaiseradler" passirte die Brunsbütleler Scksteuse um 4�/4,„Kaiser Wilhelm II." um 4"/2 Uhr. Grünenthal. 20. Juni. Die kaiserliche Jacht„Hohen- zollern" passirte heute früh 6 Uhr 15 Min. wohlbehalten die Hochbrücke bei Grünenthal. »*' i « Aus Kiel wird uns von nnserm dortigen Korrespondenten unter dem 20. d. M. geschrieben: Als ich gestern am Nord- Ostsee- Kanal einen Schleswiger Husaren, der etwas abseits von seiner Truppe stand, nach seiner resp. nach der Anwesenheit seiner Kameraden mich erkundigte, erhielt ich zur Antwort:„Wir sind gekommen, um den Kanal fertig zu machen." Und der Mann halte nicht ganz unrecht, denn die Erbauer scheinen nur ihr Augenmerk auf den Kanal selbst und die Schiffbarkeit desselben gelenkt zu haben, weniger aber darauf, daß preußische Kavallerie längs der Ufer attakkiren soll. So mußten denn diese Mannschaften Späten nehmen und selbst sich damit ihre Wege ebnen. Jetzt nun ist die Absperrung voll- endet, 54 Meter von der Wafferkanle steht die Postenkette und noch einmal so weit dahinter dos Volk. Doch wenn man von Militär spricht, so denkt man dabei auch an die Artillerie, sie ist nicht vergessen, an den Eisenbahnbrücken hat sie abgeprotzt. Aber allzu scharf macht schartig; brüstet man sich stets mit seiner Macht und provozirt in der Abwesenheit den Freund, so vergißt es derselbe nicht so leicht. Auf dem räumlich größten deutschen Kriegsschiffe„Mars" war vorgestern gegenseitige Vorstellung der Admirale. Mit Trommelschlag und Ehrenpräsentalion wurde der französisdie Admiral empfangen, wie über- Haupt die Franzosen sich von säini»tlid>eii Nationen der größten Aufmerksamkeit erfreuen. Mag die Begrüßung der Admirale nun eine herzliche gewesen sein, den Mannschaften war es nidch vergönnt, beurlaubt auf einige Stunden ans Land zu gehen. Sämmtlickie andere Nationen lassen sich von den Deutsck)?» be- wirthen, und trotz des babylonischen Sprachengewirrs ist der Verkehr ein sehr animirler. Wenn die Franzosen eine Ausnahme machen, so mögen sie dabei mit recht denken: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn ihm der böse Nachbar nicht gefällt. Konnten die französischen Arbeiter ihren deutschen Kameraden in wirklich ausrichtiger Weise die Bruderhand reichen, so müssen die Regierungen resp. deren Ver- tretungen gezwungen werden, desgleichen zu thun. Inzwischen hat sich das Aussehen der Stadt Kiel gewaltig verändert. Festlich gesd)inückte Straßen, einen nur noch für Lust- dampser bestimmten Hafen und ungezählte Fremde, die sich von den brotlos gewordenen Arbeitern deutlich unterscheiden. Gleich Hamburg, müssen auch hier diejenigen Arbeiter, denen man die Maifeier verbietet, zwei und mehr Tage zusehen, wie die Bour- gcoisie den Arbeitersdpveiß verpraßt. Hat man für Dekorationen und die ausgewähltesten Speisen und Getränke Sorge getragen, an die durch Hafensperre und Einstellung des Güterverkehrs in Roth gerathenen Arbeiter denkt man nicht, sie sind nicht nur über- flüssig, sondern ihr Anblick ist dem eckzten Bourgeois un- angenehm. Aber es giebt auch noch Männer, die sich trotz allen Fest- trubels nicht berauschen lassen und die praktische Seite im Auge behalten. Bei ihnen erregt der Ausbau einiger Privaltribüncn schwere Bedenken, indem sie die Tragsicherheit bezweifeln. Ebenso ein Finanzininister. Der erstere ist der bisherige nieder- österreichische Statthalter, der aus einer protestantischen Welfenfamilie stammende Gras Erich Kielmamisegg. Der- selbe hat im niederösterrcichischen Landtage und als der der Wiener Gcmeiiideverwaltniig vorgesetzter Beamter so manchen Strauß mit den Antisemiten auszukämpfen gehabt und wird deshalb, wie das ganze Ministerium, von den„Libe- ralen" mit Jubel begrüßt. Politisch ist er als Vertrauens- mauii und Werkzeug des Kaisers zu betrachten. Auf den Luxus einer eigenen politischen Meinimg hat er niemals An- spruch gemacht. Der neue Finanzminister Böhm von Bawerk war früher Beamter, nachher Universitätsprofessor, später wieder Beamter. Er hat niemals eine politische Ansicht geäußert. Wenn ihn die„Vossische Zeitung" als Sozialpolitiker charakterisirt, so hat sie ihm bitter Unrecht gethan. Obgleich er neun Jahre lang Nationalökonomie an der Jnnsbrncker Universität vorgetragen hat und zahl- reiche nationalökonomische Werke publizirte, so hat er niemals sich mit sozialpolitischen Fragen be- faßt. Seine famosen Theorien über das Kapital mit der obligaten Vernichtung von Marx haben in der „Neuen Zeit" gebührende Würdigung gefunden, auf die zu antworten Herr Böhm-Bawerk nicht in der Lage war. Zu der uns ani meisten interessirenden Frage, der Wahlreform, will das neue Kabiuet nicht Stellimg nehmen. Es will die Lösimg der Frage seinen Nachfolgern über- lassen. Ob es dies kann, wird die nächste Zukunft lehren.— „Das kosakische Frankreich"— so betitelt unser fran- zösisdzer Genosse E d o n a r d Vaillont einen Leitartikel der „Petite Republique", in welchem er das Lächerliche und Sdimach- volle der chauvinistischen Weltkriecherei vor Rußland an den Pranger stellt.„Napoleon I.— so beginnt Vaillant— sagte, daß Ende dieses Jahrhunderts Europa republikanisd) oder kosakisch sein werde. Nim, die Prophezeiung hat sich erfüllt. Dank dem herrschende» OpportunislMis konnten wir noch nicht zur Republik gelangen; aber die Kosaken sind unsere Herren ge- worden, sie befehlen uns, und Frankreick) ist die unterthänige Dienerin des Zaren." Tie französischen Chanvinisteii sind zwar an sich nicht ver- ächtlicher als die deutschen, und zum französisichen Wettkriechen vor„Väterchen" gehört keine größere Niederträchtigkeit als zum deutschen— aber unsere deutschen Chauvinisten sind durch die Bank Anhänger des Älbsolutismus und Feinde der Demokratie— sie begehen also bei ihrer Bauchrntscherei vor dem Zarenthum ivenigstens keinen Prinzipieiiverrath, während die französischen Wettkriecher sich Demokraten und Republikaner nennen, und folg- lich mit ihrer Wettkriecherei sich entweder einer abscheulichen Heuchelei oder eines abscheulichen Prinzipienverraths schuldig machen. Im übrigen ist diese ganze„Frage" des russisch-französischcn Bündnisses die reine Kannegießer-Frage. Was verschlägt es uns, wenn es in Frankreich und in Rußland wirklich Komödianten gegeben hätte, die„ein Blatt Papier" durch Aufkritzlung eines „Vertrags" makulirten? Wir können niemanden hindern, solche Scherze zu treiben; allein wir wären Narren, wollten wir sie ernst nehmen. Als Caprivi die letzte Mi- litärvorlage mit dem famosen Trugsatz begründete: wir müßten uns für den„5k r i e g mit z w e i F r o n t e n" bereit halten, lieferten wir den Nad)weis, daß Frankreich ohne Ruß- land nntcr Umständen uns militärisch gefährlicher werden kann, als Frankreich mit Rußland. Und zwar deshalb, weil im letzleren Fall das Britische Reich gezwungen wäre, auf unsere Seite zu treten und uns dadurch die Herrschaft über das Meer zu sichern, was im nächsten Krieg, wo die Ernährung der Millionen- Armeen und der im Krieg befindlichen Völker das Hauptproblem sein wird, den Ausschlag geben muß. Frankreich kann so wenig wie Deutschland ohne überseeische Zufuhr von Brotstoffen leben. Diese Zufuhr kann aber Frankreich allein, mit seiner der unserigen überlegenen Flotte uns zum großen Theil abschneiden, während umgekehrt, erregt Aufsehen der Fcstsaal, wo die fcstlid)e Bewirthung der Gäste stattfinden soll. Nicht etwa ein gewöhnlicher Saal ist hier errichtet, sondern ein auf dem Lande liegendes ungeheures Schiff, mit Masten, Naaen und vollständiger Takelage. Der Volksmund hat diesen Bau das Schiff aus der Liinebnrger Haide getauft. Doch zurück zum Kanal. Ist derselbe finanziell rentabel, können Schiffe denselben mit eigener Kraft passiren und drittens können überhaupt alle Schiffe den Kanal benutzen? Die erste und letzte Frage muß verneinl werden, da die Gebühren zu hoch sind, und dann zur Beantwortung der letzten Frage: es giebt Schiffe, die länger sind, als die erbauten Schleusen! Heut werden alle Schiffe den Kanal mit eigener Kraft passieren, und da der schwere, tiesgehende Panzer erster Klasse „Wörth", entgegen dem ursprünglich festgestellten Programm, an der Durchfahrt nicht theilnimint, so werden wohl die von Schleppdampfern begleiteten l«ick>t lenkbaren Schiffe heut glatt durchkommen. Tod) soviel sieht fest, hätte man die zum Fest bestimmten WU Millionen verwandt, inii die Biegungen zu ver- ringern, so wäre dies für das gesammte Bauwerk sehr vortheil- hast gewesen. Heute Nacht kamen die Journalisten von Hamburg in statt- lidzer Zahl mittels Extrazuges hier an. Seitens des Reiches ist diesen Herren, welche wohl durdzweg auf gute bürgerliche Gesinnung geaicht sind, bekanntlich ein Dampfer zur Verfügung gestellt, mittels dessen sie den Hafen durchqueren und an den Feierlichkeiten theilnehmen können. Sie werden ihr Entzücken kund geben und die Großartigkeit bewundern. Ob aber auch wöhl einem einfällt, daß wir Deutsche jährlich die hier in acht Jahren verbrauchte Summe von 158 Millionen Mark für Militärzwccke ausgeben? Der Verkehr zu den Dampfern ist ein ungeheurer, in Kiel noch nie gesehener. Sänuntliche Schiffe, Kriegs- wie Handels- sdiiffe, sind festlich beflaggt. Abends findet Feuerwerk und Be- leuchtung der Ufer statt. Tie amerikanisdien Kriegsschiffe haben 8000 Dollars für das an Bord ihrer Sdsiffe abzubrennende Feuerwerk ausgegeben. Mögen Unglückssälle vermieden werden, und möge serner die bei Ankunft vesKaiserfchiffes veranstaltete Kanonade ämmtlicher Schiffs den in nnd)stcr Nähe des Hafens zahlreich belegenen, zum großen Theil Schwerkranken der Akademisdien Heilanstalten nicht allzu sehr zum Sdiaden gereichen und den Heilprozeß beeinflussen. Das Wetter ist Herrlid). In der letzten Nadit wurde ein in einem öffentlichen Vordell wohnhaftes Frauenzimmer von einem Zivilisten durch Messer- stiche schwer, wenn nicht gar lebensgefährlich verletzt. Die militärisch besetzte SanilätSivache leistete der Verwundeten Hilfe und sorgte für Uebersührung nad) dem Krankenhanse. Wettere Telegramme melden, daß die Jacht„Hohenzollern" um 9 Uhr 10 Minuten Rendsburg passirt ist; ihr folgten in enlsprechendcr Entfernung die anderen 22 Schiffe. Ein Privat- telegrainm aus Kiel berid>tet uns von dem in der Stadt kur- firenden Gerücht, daß der Schiielldainpfer„Kaiser Wilhelm II" vom Bremer Lloyd sid) festgefahren habe. Um 12 Uhr 45 Mi- nuten mittags ist die„Hohenzollern", wie ans Holtenau tele- lphirt wird, ans der Sdfleuse in den Hafen gefahren. Damit der Kanal eröffnet. Eine hübsche Illustration des Kaiserwortes, daß wir im Zeichen des Verkehrs leben, bildet das folgende Wolff'sd)« Telegramm aus Kiel: Tie Schwester Ihrer Majestät der Kaiserin, Prinzessin Marie von Schleswig, ist 12 Uhr 30 Minnten mittags hier ein- getroffen: der Zug hatte bei Levensau wegen des Passirens S. M. Jacht„Hohenzollern" zwei Stunden Ausent- halt. wenn England durch die Parteinahme Rußlands zum Krieg mit Frankreich auf unsere Seite gedrängt wird, wir in der Lage wären, uns nach Bedarf zu proviantiren und Frankreich die ganze Zufuhr von Brotstoffen abzuschneiden. Also verschone man uns mit dem deutsch-französischen Kanne- gicßerei von der„russisch-französischen Allianz!"— Nichts gelernt und uichts vergesse». Die„National- Zeitung"(der wir den in vorstehender Notiz erwähnten Leit- artikel'der„Petite Räpublique" zu sorgsamer Lektüre einpfehleii) faselt heut wieder, bei der internationalen Verbrüderung mit den französischen Sozialisten sei den deutschen Sozialisten„nidst die Stelle des Löwen" zugefallen. Genau dasselbe ist im Pariser „Temps" zu lesen, nur daß er besseres Französisd) schreibt, als die„National-Zeitung" Deutsch, und— daß dort die Rolle der französischen Sozialisten von deutschen gespielt wird. Immer die alten, kindischen Wippd)eii. Und da sollte man noch an der „Elitartuiig" des Bourgeoishirns zweifeln?— Das Maulkorbgesetz für das italienische Parlament ließ Crispi durch den Kammerpräsidenten sdzon gleich nach Zu» sammentritt der Abgeordnetenkamnier als(freilich blos für ihn) unbedingt nöthig ankündigen. Run sudst Crispi die Beschränkung der parlauientarischen Redefreiheit durch den Verlauf der gestrigen Parlamentssitzuiig zu begründen. In derselben hat er anläßlich der Ankündigung einer am25.d.M. zu erlassenden A m n e st i e die de Felice, Vosco Varbato geschmäht, was natur- gemäß große Erregung bei der Opposition hervorrief. Dies be- nutzten einige handfeste Crispiknechte, den repilblikanischen Ab- geordneten für Mailand, de Andreis, zu Bode» zu schlagen und nachher noch mit den Fäusten zu bearbeiten. Es gehört schon die Stirn eines Crispi dazu, diese Vorgänge zum Anlaß zu nehmen, um die Opposition mundtodt zu machen. Heute soll noch ein hierauf bezüglicher Antrag zur Verhandlung kommen.— Die Bildung eines norwegischen Ministeriums ist so lange unmöglich, so lange der König auf dem Gedanken beharrt, die Minister nicht der Majorität des Parlaments zu entnehmen. Alle Versuche, ein Koalitionskabinet zu bilden, sind gescheitert. Es wird dem Könige nun bald nichts anderes übrig bleiben, als nachzugeben.— �•_ Patleinaiftvldifew. Achtung, Parteigenossen CharlottenburgS! Sonntag, den 23. Juni, iiachmiltags 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn Beyer, Wallstraße SO. eine Versammlung des polnischen Arbeiter-Bildungsvereins„Prawda" („Wahrheit") statt. Genossen! Der gute Besuch der letzten Ver- sammlung hat uns gezeigt, daß Ihr die Bedeutung der Agitation unter den Polen erkannt habt; thut auch diesmal Eure Pflicht, agitirt unter Euren Bekannten und Arbeitskollegen polnischer Rationalität für diese Versammluiig. Die polnisch redenden Genossen bitten wir, sich uns zur Verfügung zu stellen. Viel haben wir in der letzten Versammlung erreicht— bald werden auch die anfänglichen Gegner unter den polnischen Arbeitern ganz für unsere Sache gewonnen sein. Der Vorstand des polni- scheu Arbeiter-Bildungsvereins„Prawda". I. A.: Otto Steinbart. Von der Agitation. Reichstags- Abgeordneier Bueb beginnt am 25. Juni eine größere Agitatioustour durch Baden. In Lübeck haben die B ü r g e r s ch a f t s w a h l e n be- gönnen. Bei der am 13. Juni vorgenommenen Wahl im vierten Bezirk, wo es sich um für uns ungünstige Distrikte, um das Johannis- Quartier und um die Vorstadt St. Jürgen, handelte, erhielten unsere Kandidaten doch 103-189, die gewählten Kan- didaten der Gegner 358—007 Stimmen. Die Wahlbetheiligung war so stark wie nie zuvor. Bon 1200 Wahlberechtigten stimmten 391, also fast 75 Prozent. Unsere Stimmenzahlen bedeuten— wie der„Lübecker Volksbote" sagt— einen Erfolg, der höher anzuschlagen ist, als derjenige der anderen Parteien. Während die anderen Parteien Zugang hatten von Hinz und Kunz, waren wir lediglich auf unsere eigene Kraft angewiesen. Am 21. Juni wird im ersten Bezirk, am 25. Juni im dritten gewählt. AnS Mannheim berichtet die„Volksstimme": Der sozial» demokratische Verein beschloß in einer von mehreren Hunderten besuchten Moiiatsversaminlung einstimniig, als Kandidaten für den Landtag die Genossen Dreesbach und Geis der demnächst stattfindenden öffentlichen Parteiversanimlung vorzuschlagen. Ans Strafiburg i. E. wird uns mitgetheilt, daß der Klub Vorwärts gegen die vom Gemeindcrath beschlossene Verweigerung der Markthalle zur Bebelversammlung Beschwerde führt. Da städtische Lokale schon zu politischen Versammlungen anderer Par- teien hergegeben worden sind, darf man immerhin gespannt sein, wie der Entscheid der höheren Behörden lauten wird. Bemerkt sei noch, daß dieselbe Markthalle, die uns verweigert worden ist, bald nachher einem Kriegervereiii zu einer Fahnenweihe überlaflen wurde.„Technische" Bedenken können also nicht als Ursache der Ablehnung unseres Gesuchs angegeben werden. Geistlicher Boykott. In Pasing bei München wurde vom Wahlvereiii eine Kommission beauftragt, mit dem Brauerei- besitzer G r u b e r wegen Ueberlassnng seines Lokals zu den Zu- fammenkünften unserer Genossen zu verhandeln. Der Mann er- klärte jedoch der Kommission, es sei ihm absolut unmöglich, seine Lokale der Partei zur Verfügung zu stellen, da der Pfarrer ihm schon verschiedene Male gedroht habe, daß, falls er feine Lokalitäten an uns abgebe, ihm die Kundschaft vom Kloster und Distriktsasyl entzogen werde, was für die Brauerei eine Mindercinnahnie von monatlich 1000 M. bedeute. Man sieht, die occlesia militans versteht das Boykotliren nicht minder gut als ihr weltlicher Genosse, der Militarismus; und da will man im Ernst den Arbeitern verargen, wenn sie sich durch den Boykott ihrer Haut wehren? Polizeilich, Gerichtliches ec. — Der Parteigenosse Reinhard Hei mann in Dres» den ist am Dienstag aus der dortigen Gefangenenanstalt ent- lassen worden, wo er wegen Veröffentlichung von Boykottaufrufen gegen das Dresdener Waldschlößchen 4Vz Monate zubringen mußte. — In Rostock hatte der Parteigenosse Schörner beim Pfingstmarkt an das Publikum Zettel verlheilt, worin gebeten war, das von unserer Partei wegen Lokalverweigerung boykottirte Tivoli nicht zu besuchen. Dafür sandte ihm die Polizei ein Strafmandat über 32 M. oder 5 Tage Haft, weil er durch die Vertheilung groben Unfug verübt habe. Schörner will dagegen gerichtliche Entscheidiiiig beantragen. — Gegen den Parleigenosscn O e r t e l in Nürnberg ist An- klage wegen angeblicher Beleidigung des dortigen Magistrats erhoben. Oertel's Kritik des geplanten städtischen Arbeits-Nach- weises hat bei den Stadthäuptern so verschnupft. — In Trieft ist der Redakteur D o n a t i, vom sozialisti- scheu„Lavoratore"(Arbeiter), nach Italien ausgewiesen worden. Soziale Die Errichtung einer grosteu Lungenheilanstalt wird von der Versicherungsanstalt für das Groß- herzogthum Baden geplant, weil ihr viel mehr Aufnahme- gesuche lungenkranker Arbeiter vorliegen, als Plätze in den Heilanstalten frei find. Hoffentlich führt die Versicherungs- anstatt ihren nützlichen Plan auch durch. Im übrigen sei be- merkt, daß es Pflicht des Staates ist. dafür zu sorgen, daß den Luilgenerkranknngcii der Arbeiter nach Möglichkeit vor- gebeugt wird. Der Achtstundentag ist, neben anderem, auch hierin von großer Bedeutung. Die Tchafsuug eitteS städtische» Arbeitsamts steht auch t» Leipzig in Aussicht. Der Magistrat soll schon bestimmte Aorschläge sormulirt haben und diese nächstens den, Gewerbe- Bericht zur Begutachtung vorlegen wollen. Als Termin des Beginns der städtischen Arbeitsvermittelung sei der 1. Oktober d. I. angenommen, lieber das Projekt hat jedoch noch das Stadl- verordnetenkollegium zu entscheiden. GetvevKIlstKsNilhes. Die Töpfer Berlins wenden sich in einem Flugblatt, Extra-Ausgabe des Fachorgans der Töpfer, an ihre Berufs- genossen, um ihnen nochmals die Ursache und Bedeutung der Arbeitseinstellilng darzulegen. Wie bekannt, handelt es sich um die Abwehr einer Lohnreduklion von 10 pCt. und einer Verlängerung der Arbeitszeit. Die Arbeiter haben bereits infolge ihres gemein- samen Handelns einige Erfolgs erzielt und steht zu erwarten, wenn sie einig und geschlossen in ihrem Kampf ausharren, daß sie die arbeiterfeindlichen Absichten der Jnnungshelden zu schänden machen. Vor allen Dingen ist natürlich erforderlich, daß der Zuzug ferngehalten wird und für die Unterstützung der Streikenden die zur Ausgabe gelangten Strcikmarken regen Absatz finden. Der Betrag dafür ist an den Hauplkassirer Otto Greiner, Berlin, Köpcnickerstr. 100, einzusenden. An den Orlen, wo sich keine Zahlstellen befinden, können die Mitglieder die Streikmarken von Kaulich, Berlin, Rosen thaler- st r a ß e 57, beziehen. Achtung, Bergoldcr k Der Streik in der G o l d l e i st e n- Fabrik von B. Groß in Leipzig-Reudnitz dauert unverändert fort. Es sind nur noch 5 Kolleginnen zu unterstützen. Außerdem bezieht er fertige Leisten aus Berlin und Fürth. Zuzug ist bis jetzt noch nicht wieder zu verzeichnen gewesen. Es wird gebeten, solchen auch weiter strengstens fernzuhalten. Alle Anfragen und Sendungen sind zu richten an E m i l S t r u ß, Bertrauensmann, Leipzig- Anger, Crottendorferstr. 3. Die Stnckateure werden ersucht, den Zuzug nach Dresden fernzuhalten, da die Meister drohen, die Gehilsen auszusperren, wenn sie nicht anstatt S Stunden wieder 10 Stunden arbeiten wollen. Die Orgauisatiottttt der deutsche» Handschuhntacher, Gerber, Färber und verwandter Berufögenossen werden von de» Mailänder Arbeitern dieser Branchen, die einen Streik gegen die dortige Firma M a g g i o n i auszufechten haben, aufs dringend st e um finanzielle Unter- st ü tz u n g e r s u ch t. In Mailand wird von einem siegreichen Ausgange des Streiks eine bedeutende Förderung der dortige» Arbeiterbewegung erhofft. Das Gesuch ist vom Brüsseler Sekretariat des Allgemeinen Handschuhmacher-Verbandes unter- stützt. Sendungen sind zu richten an Serngeri Pietro, Corso Vercelli Rr. 14 in Mailand in Italien. Der Manrerstreik in Flensburg hat, wie dem„Ham- burger Echo" geschrieben wird, bisher einen günstigen Verlauf genonnnen. Die Zahl der Streikenden beträgt 150, Streikbrecher sind ungefähr 30 vorhanden. Kennzeichnend ist, daß die Innung in allen Zeitungen Gesellen zu 45 Pf. Stundenlohn und den in Flensburg üblichen Akkordpreisen sucht, während sie diese Be- dingungen den organisirten Maurern nicht zugestehen will. Da die Gesuche um Arbeiter in den Zeitungen, wie es scheint, nichts fruchten, so hat man zwei Jnnungsgrößen eigens zu dem Zweck auf Reisen geschickt, um billige Arbeitskräfte für Flensburg an- zuwerben; die beide» Herren haben schon verschiedene Städte Norddeutschlands heimgesucht, doch die versprochene Wagenladung Streikbrecher ist bis jetzt immer noch ausgeblieben. Hoffen wir, daß die Herren überall gehörig abblitzen, wie es ihnen nach einer Zuschrift an den„Grundstein" in Barby passirt sein soll.— Zuzug von Maurer» ist noch fernzuhalten von K e l l i n g h u s e n, O l,d e n b u r g und Langenbielau(Schlesien). I» Wilster in Holstein haben, wie die Tischler, so jetzt auch die Stellmacher ihre Forderungen nach dreiwöchentlichem Lohnkampf durchgesetzt. Da die Sperre über die Werkstätten streng durchgeführt wurde, sahen sich die Meister genöthigt, den Forderungen nachzugeben und die lO'/s stündige Arbeitszeit von 6—6 Uhr, inkl.]/4 Stunde Frühstück. Vi Stunde Vesper und eine Stunde Mittag, zu bewilligen. Auch dieser Erfolg beweist rvieder, daß die Arbeiter so nianches erreichen können, wenn sie nur untereinander einig sind und fest zur Organisation stehen. Der Weberstreik bei Schmitz u. D e ck e r s in Aachen ist auf grund folgender Vereinbarung beendet: Der neue Lohn- tarif wird in der vereinbarten Form ausgearbeitet und mit dem 13. Juli er. in kraft treten. Die bisherige Löhnungsweise sowie die bisher gezahlten Preise bleiben bis dahin bestehe». Die Arbeitszeit soll bis zur Einführung des neuen Tarises folgender- maßen festgesetzt sein: Die Ueberarbeit fällt weg, statt dessen wird die ortsübliche Arbeitszeit eingeführt. Weiler verpflichtet sich die Firma, keinen der ausständig gewesene» Arbeiter ohne genügende Ursache innerhalb der nächsten 2 Monate zu entlasse». I« Karlsruhe haben die Maler über folgende Werk- stellen die Sperre verhängt: Gebrüder Durand, Grenzstraße; Walter, Leopoldstraße; Pallmer, Wilhelmstraße; Kindler, Fasanenstraße; Schweitzer, Akademiestraße; Dieber, Schützen- straße. I» Graz sind in der Glashütte von H a n i s ch u. Hilde- b r a n d Differenzen ausgebrochen, die die Glasarbeiter veran- lassen, die auswärtigen Kamerade» vor Zuzug zu warnen. Die Posamenter Basels habe» bis auf die der Bischer'- scheu Fabrik sämmtlich die Arbeit niedergelegt. Auch die in Grenzach, Lörrach und St. Ludwig gelegenen Zweig- fabriken der Basler Unternehmer sind von dem Ausstand be- troffen. Jnsgesammt mögen 2800 Posainenter streiken. Daß die Posamenter Deutschlands die Pflicht haben, den Zuzug nach Basel aufs strengste zu verhüten, versteht sich von selbst. VevsÄmmUmaen; Eine außerordentliche Generalversanimliing d e s sozial- demokratischen Wahlvereins für den 2. Wahlkreis war vom Vorstande desselben zun, 19. Juni nach der Bockbrauerei zu dem Zwecke einberufe» worden, sich mit dem er- neuten Autrage auf R e o r g a n i s a t i o n des Vereins zu beschäftigen. Vor Eintritt in diesen, für die Einberufung der Versammlung maßgebend gewesenen Punkt der Tagesordnung hielt Genosse August Bebel ein Referat, das er de» neuesten Kieler Vorgängen und der Situation in Ostasien widmete. Leicht- fertig wäre es. meint Siedner, Vorgänge wie das gcmeinschaft- liche, demonstrative Einlausen der russischen und französischen Schiffe, die zur Theilnahme an den Feierlichkeiten gelegentlich der Eröffnung des Nord-Oslsee-Kanals bestimmt seien, unbeachtet zu lassen. Wenn auch die Thalsache an sich nicht von allzu großer Bedeutung sei, werde sie doch bedeutungsvoll mit bczug auf das, ivas vorangegangen sei. Dabei verweist Redner auf den chauvinistischen Rummel, der infolge der Einladung Frarckreichs zur Theilnahme an den„Holtenaucr Tagen" in der Republik ausbrach und sich noch verstärkte bei der Annahme der Einladung Deutschlands, welche Frankreich bei einer internationalen Feierlichkeit seinerseits habe berücksichtigen müssen, wollte es nicht das Nachbarreich grob brüskire». Diese russisch-französische Demonstration in Kiel sei ein charakteristisches Gegenstück zu dem chauvinistischen Tamtam, der beim Zusammentreten Frankreichs, Teutschlands und Rußlands zu der gemeinsamen Aktion in Ost-Asien so rührig ge- schlagen wurde. Bedauerlich sei, daß sich daran Männer betheiligten, die man gewohnt gewesen sei. zu den unseren zu rechnen. Habe doch Milleraud bei der von Chau- vinismus durchtränkten Interpellation in der Kammer das große Wort geführt. Redner bedauert sehr, daß die Parteipresse nicht für Ausklärung darüber gesorgt habe. daß unter den fünfzig Sozialisten, welche nach gang und gäber Anualmie im französi- scheu Parlament sitzen sollen, eine ganze Anzahl Leute sich befänden, die wir in Deutschland als Sozialdemokraten anzu- erkennen nicht in der Lage wären. Von viel größerer Be- deutüng wie die Vorgänge in Kiel sei das Zusammen- gehen Frankreichs, Deutschlands und Rußlands beim Ausgang des japanisch-chinesischen Krieges für die zukünftige Konstellation der Verhältnisse in der ganzen Kulturwelt. Redner unterzieht sich der Aufgabe, das im einzelnen zu begründen. Unter An- wcndung von Zahlen, und indem er auf den geradezu kolossalen Reichthuni Chinas an natürlichen Rohstoffen(besonders Kohle, Gold, Blei, Eisen und sonstige Mineralien) verweist, und sein jetziges Kulturleben einer eingehenden Schilderung unterwirft, legt er dar, welch ungeheuren Vortheil das ganze westeuropäische industrielle Erwerbs- und das Handelsleben von einer Er- schließung Chinas haben würde, wie sie durch die zwischen China und Japan verabredeten Friedens- Bedingungen ermöglicht sei. England, Frankreich und besonders auch Deutsch- land könnten bei einer solche» Erschließung auf eine ProsperitätS- epoche rechnen, wie sie heute bei den augenblicklichen Absatzgebieten nicht niehr denkbar sei. Allerdings wäre ein späterer Rückschlag unvermeidlich. Wie Japan und Indien bereits und zum lheit ganz achtbare Konkurrenten europäischer Staaten auf dem Welt- markte geworden seien, nachdenr sich bei ihnen europäisches Leben und Treiben, besonders hinsichtlich der Produktion entwickelt hatte, so würde es China bei seinem Materialreichthum und Nachahmungs- trieb seiner Bevölkerung schließlich auch dahin bringen. Redner erörtert dann näher die Einmischung der drei alliirten Staaten in die japanisch-chinesischen Abmachungen, wobei er die Meinung ausspricht, Deutschland und Frankreich hätten sich von Rußland über die Ohren hauen lassen. Deutschland hätte direkt gegen sein Interesse gehandelt, wenn es eine auf Jahre hinaus nicht überbrückbare Spannung zwischen sich und einer Macht erzengte, auf die es sich in Ost-Asien stützen konnte; einer solchen Stütze bedürfe es dort aber zur Wahrung seiner maritimen und sonstigen Interessen. Es habe vielleicht gehofft, von China Handels- Bedingungen zugestanden zu erhalte», die ihni Japan nicht gewähren würde. Wie stehe es denn mit diesen Hoffnungen? Rußland, das einzig und allein ein Interesse, und zwar ein sehr großes daran gehabt, bestimmte Friedens» bedingungen rückgängig zu macheu, welche Japan eine außer- ordentliche industrielle Macht verliehen hätten, dieses Rußland habe hinter dem Rücke» seiner damaligen Alliirten Schritte ge- than, von denen man annehmen dürfe, daß sie die von unserer Regierung gehegten Hoffnungen zu Wasser werden lassen. Ob- gleich die in Peking getroffenen russisch-chinesische» Abmachungen nicht genau bekannt seien, gehe die Annahme wohl nicht fehl, China habe für die russischerseits übernommene Garantie der Beschaffung von 320 Millionen Mark Rußland zugestanden, seine große sibirische Bahn durch chinesisches Gebiet zu führen, und ferner, daß Ruß- land ein eisfreier Hasen auf Korea freigegeben werde und ihm ermöglicht sei, seine sibirische Bahn bis dorthin zu leiten. Tic Dinge lägen nun so: Wird China das erwünschte Absatzgebiet für Deutschland und andere westeuropäische Staaten, so wird i» diesem ein plötzlicher industrieller Ausschwung die Folge sein, den in verhältnißmäßig kurzer Zeit, infolge der zu erwartenden industriellen und kommerziellen Entwicklung China?, ei» um so verhängnißvollerer Rückschlag ablösen wird. Auf der anderen Seite rvürde der momentane Aufschwung dahin wirken, die Technik und die Organisation der Arbeil ins Ungemessene zu vervollkommnen, daher als weitere Folge dann: Taö neue Absatzgebiet verloren, das beschränkte alte aber zur Verfügung. Sollte aber die Eröffnung Chinas hintangehalten werde» und es dazu kommen, daß Ruß- land in Ost-Asien die erste Geige spielt, daß China ohne russischen Rath nichts thut und deshalb ans dem erträumten Absatz nichts wird, daß außerdem der russische Einfluß dafür sorgt, den deut- scheu und sonstigen westeuropäischen Handel von China möglichst fernzuhalten u. f. w., so werde sich dieser Protektionismus sogar von vornherein rückwirkend fühlbar inachen, da die Slbsatzgebiete auf dem Weltmärkte so spärlich sind. Die Sozialdemokratie besitzt die jtröstliche Gewißheit, daß auf jeden Fall, mögen sich die Dinjje entwickeln, wie sie wollen, die bürgerliche Gesell- schaft mit icdem Tage unfähiger werden wird, und daß der Sozialisnms den Vortheil davon haben werde, maßgebenden Einfluß auf die politische und wirthschastliche Entwickclung zu behalten.(Lehaster Beifall.) Dem Vortrag folgte als zweiter Berathungsgegenstaud eine lange und animirte Diskussion über die schon wiederholt be- handelte Frage der Reorganisation des Wahlvereins. Der wesentliche Streitpunkt war die Frage, ob der Verein aus seiner Mitte 64 Bczirksführer ernennen und alle Halbjahre in öffentlicher Versammlung wählen solle. jBei der Abstimmung wurden diese Vorschläge des neuen Statuten- Entwurfs mit zirka 160 gegen zirka 120 Stimmen abgelehnt. Ein Thcil der Mitglieder glaubte mit der Ablehnung dieses wesentlichsten Punktes des gieorganisations- entwurses sei die ganze Frage der Reorganisation abgelehnt, ein anderer Thcil dagegen nahm a»— und dahin war auch die Begründung der Zlblehnung durch Gen. Fischer gegangen— die übrigen Bestimniungen seien im Prinzip nicht angefochten, weil wesentliche Einwendungen dagegen kaum zu niachcn und es allmälig höchste Zeit sei, diese leidige Streitfrage durch gegen- seilige Verständigung zu begraben. In der nach der Abstimmung entstandenen allgemeinen Auseinandersetzung über dieses Miß- verstänkniß schloß der Vorsitzende nach>/sl Uhr die Versamm- lung, so daß über die weiteren Punkte eine nächste Versammlung entscheiden muß. Zwecks Vetichtetstattung über die L>ui« des Streiks tagte am Mittwoch'Abend in Niest's Salon, Weberstr. 17, eine von etwa 600 Personen besuchte Versammlung der Töpfer und B e r u f s g c n o s s e n. T h i e m e konstatirte mit Besrie- dignng, daß dem Beschluß der letzten Versammlung,„überall da, wo der bestehende Lohntaris nicht in allen Positionen bezahlt wird und wo die betreffenden Arbeitgeber sich nicht schriftlich verpflichten, denselben bis zum 31. Dezember 1896 innezuhalten", seitens der Kollegenschasl mit ganz geringen Ausnahmen strikte nachgekommen wird. Es befinden sich insgesainmt 407 Töpfer IM Ausstand; davon haben 316 die Arbeit nieder- gelegt, 91 sind im Arbeitsnachweis als arbeitslos eingezeichnet gewesen und die übrigen hatten von verschiedenen Arbeitgebern Arbeit zugesichert erhallen, die sie aber, in Rücksicht auf den Be- schluß der letzten Versammlung, nicht aufgenommen haben. Von den Ausständigen sind 244 verheirathet(mit 363 Kindern) und 163 ledig. Der Redner ermahnte die Ausstäiidigeu namens der Kommission, das sogenannte„Umschauen nach Arbeit" unter allen Umständen zu unterlassen und die Arbeitsvermittelung nur der Kommission zu übertragen. Daß die Situation des Streiks eine günstige ist, beweise die Thatsache, daß von den Firmen, welche sich der Innung gegenüber verpflichtet hatten, deren Ouartalsversammlungs- Beschluß vom 29.'April d. I. nachzukommen, bereits 24 Firmen der Kommission gegenüber nunmehr die Erklärung abgegeben haben, daß sie den Lohntarif der Töpfer anerkennen und bis zum 31. Dezemher 1896 ausrecht erhalten wollen. Unter diesen Firmeninhabern befinden sich auch bereits einige Jnnungsmeister. Zum Schluß bemerkte der Bericht- erstatter: Die Kollegen hätten keine Ursache zu verzagen, mora- lische und pekuniäre Unterstützung sei ihnen von den übrigen Vaugewerbcn, besonders den Putzern, schon zugesichert.(Bravo.) — Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft; die meisten SIedner sprachen sich dafür aus, überall da, wo sich die Arbeit- geber bereit erklären, den Lohntaris der Töpfer Berlins und der Umgegend wieder anzuerkennen, unter allen Umständen aus eine Unl'erfchrifl der Arbeitgeber zu bestehen uud sich nicht durch „Ehrenwörter" abspeisen zu lassen, weil diese den Herren wohl- seil wie Brombeeren sind und mau früher sehr üble Er- fahrungen damit gemacht habe.— Ziemlich einstimmig wurde die Kommission beauftragt, die Beschlüsse der letzten Ver- sammlung(siehe Bericht in Nr. 136 des„Vorwärts" voni Freitag, den 14. Juni), strikte zur Durchführung zu bringen und bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern genau danach zu verfahren bczw. daran sestzuhalteii. Nach eingehender Begründung durch D a u d e r t und kurzer Debatte fand auch folgende Siesolution einstimmig Annahme: „Da in letzter Zeit von feiten der Kollegen vielfach gegen den Achtstundentag verstoßen wurde, beschließt die zc. Versammlung, aufs strengste dafür einzutreten, daß derselbe aufs genaueste, wie bisher, von morgens 7V2 Uhr bis 5 Uhr abends inne gehalten wird, was umsomehr erforderlich ist, als die Arbeitsgelegenheit sich bedeutend verringert hat und es nur hierdurch möglich wird, einen erheblichen Theil der Arheitslosen unter- zubringen."— Hierauf wurde in eine Berathung der Uiiterstützungssrage eingetreten. Thieme sprach sich dahin aus. für die erste Woche keine Unterstützung zu zahlen. Mißbilligend hob er hervor, daß viele arbeitende Kollegen bezüglich Ab- lieferung der 10 pCt. die Resolution wohl nicht verstehen w o l l t e n, denn insgesainmt seien am IS. Juni— entgegen dem Beschlüsse— nur 453 M. Prozentgelder abgeliefert worden, nach Berechnung der Kommission hätten zirka 1800 M. einlanfen müssen, hoffentlich würde das Versäumte nachgeholt. Folgender Antrag T h i e m e's fand Annahme: I. Die Streikenden verzichten für die erste Woche auf Gelduiiterstützung. 2. Der Kommission werden die baaren Auslagen bewilligt. 3. Die Regelung resp. Festsetzuiig der Unterstützung erfolgt in einer Anfang nächster Woche stattfindenden öffentlichen Versammlung. Behufs Stcllniiguahme zur Erhöhung des Lohnes bezw. Verkürzung der Arbeitszeit fand am 19. d. M. eine öffentliche M a u r e r v e r s a m m l u n g statt, deren Besuch indessen keineswegs der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprach. Demzufolge war Vertrauensmann Kater der Meinung, daß man sich vorerst darauf beschränken solle, die hervorragendsten Mißstände aus den Bauten ans Licht zu ziehen und das andere späteren Versammlungen zu überlassen. Den Vertrauensmännern sei allerdings wenigMaterial zugegangen, doch seien es hauptsächlich die städtischen und Staatsbauten, über welche Klage geführt werde, insbesondere über lange Arbeitszeit. Gerade diese Bauten müßten in erster Linie veranlaßt werde», geordnete Verhältnisse zu fchaffen. Die Zustände auf den Privatbauten spotteten viel- fach jeder Beschreibung und seien die Maurer gezwungen, zur Abstellung der herrschenden Dtißstäude falle Hebel in Bewegung zu setzen. Geregelte Arbeitszeit existire überhaupt nicht, die Lohn- Verhältnisse seien traurige, die Behandlung eine schmachvolle, die sanitären Verhältnisse aller Beschreibung spottend. Bezeich- nend für die herrschenden Verhältnisse war die Mittheilung, nach welcher auf dein Bau Skalitzerstr. 30/31 die Maurer bis zur ersten Etage ohne Lohn arbeiten und erst nach erfolgter Balken- läge Geld erhalten sollen. Dieser Fall stehe nicht vereinzelt da. Auf den städtischen Bauten werde es immer mehr Mode, die besseren Arbeiten in Akkord zu vergeben, was entschieden zu ver- werfen sei. Wenn das so weiter ginge, müsse das ganze Maurer- Handwerk zu gründe gehen. Nothwendig sei es, daß die öffentliche Meinung über derartige Zustände ein Urtheil spreche. Der unzureichende Besuch der Versammlung wurde vielfach auf die lange Arbeitszeit und die damit verbundene Anstrengung zurückgeführt. Wie Fiedler mittheilte, ging bei dem Bau der Kurfürstenbrücke das Gebot, täglich 12 Stunden zu arbeilen, von dem leitenden st ä d t i s ch e n B a u m e i st e r aus. Thatsächlich werde heute auf den Baute» gearbeitet, geschuftet, so lange es hell sei, die Bauten würden gewaltsam in die Höhe getrieben, auf die Maurer nehme niemand Rücksicht. Verschiedene Redner gaben weiter ihre auf Bauten gesammelten Erfahrungen zum besten, die dem Vorgeführten durchaus entsprachen. Dem Sub- inissiousivesen wurde viel Schuld an den herrschenden Mißständen beigemessen, nicht minder auch den Zwistigkeiten unter der Kollegenfchaft. Diese müßten entschieden verschwinde». Man könne sich wohl getrennt organisiren, müffe aber vereint schlagen. Jetzt mache das Unternehmerthum was es wolle. Au der evangelischen Garnisonkirche wurden nur 47 Pf. Stundenlohn gezahlt, an anderen Stellen nur 43 Pf. und darunter. Sogar an Sonn- und Feiertagen werde auf Staatsbauten gearbeitet. Empfohlen wurde das System der Baudeputircken, wie es die Zimmerleute jetzt eingerichtet haben, ein that- sächliches Material zu gewinnen und veröffentlichen zu können. Die Versammlung gelangte zu dem Beschlüsse, aus allen Bauten Vcrtrauenspersonen zu ernenne», welche den Vertrauensmännern Situationsberichte zu erstatten haben, die später veröffentlicht werden sollen, sowie in der zur Tagesordnung stehenden Frage weitere Versammlungen statlsinden zu lassen. Zur Besprechung gelangte ferner der seinerzeit von einer Versammlung im Norden gestellte Antrag, betreffend die Ausgabe statistischer Fragebogen. Die Vertrauensmänner haben sich mit diesem Antrage beschäftigt. glaubten aber in dieser Frage einen Majoritätsbeschluß der Maurer Berlins herbeiführen zu sollen. Die Versammlung sprach sich gegen diesen Antrag aus. Veiresrheni Wolff's Telegrapheu-Bnreau. Rendsburg, 20. Juni. Der russische Aviso„Grosjastschi" passirte hier, mit erheblicher Verspätung, um 4 Uhr 30 Minuten. von dem Kanaldauipser„Danzig" geschleppt. Das Schiff scheint Havarie gehabt zu haben. Der spanische Aviso„MarqueS de la Ensenada" passirte rechtzeitig. Die schwedische„Edda" folgte dicht auf„Grosjastschi". 5liel, 20. Juni. Ein längeres Ausbleiben des Lloyd- dampfers„Kaiser Wilhelm" erregte auf dem Preßschiffe und den übrigen Znschauerschiffen einiges Aussehen; es cheint sich dies zedoch dahin aufzuklären, daß der Panzer sich kurze Zeit fest gefahren hatte aber alsbald wieder fiott geworden ist. Im übrigen erbrachte die rasche Durchfahrt der großen Schiffskolosse den vollständigsten Beweis für die außerordentliche Leistungsfähigkeit des Kanals nach allen Richtungen. Wien. 20. Juni. Abgeordnetenhaus. Der neuernannte Ministerpräsident Graf Kielniansegg giebt bei Beginn der Sitzung die nachfolgende Erklärung ab: Das neue Ministerium hat die Aufgabe, die laufenden Geschäfte bis zur Konstituirnng eines definitiven Kabinets zu führen, hiernach ist vor allein der geregelte Gang des Staatshaushaltes sicher zu stellen. Der Ministerpräsident bittet daher, die Regierung bei Erfüllung ihrer schwierigen Ausgabe im allgemeinen Staatsiutcresse wohlwollend unterstützen zu wollen.(Lebhafter Beifall.) Ter Abg. Herold stellt den An- trag, sie Sitzung abzubrechen und in der nächsten Sitzung die Debatte über die Erklärung einzuleiten. Der Präsident erwidert, angesichts der Erklärungen des Vorsitzenden im Ministerrathe und der Nolhwendigkeit der Stellungnahme der verschiedenen Gruppe» des Hauses schließe er die Sitzung und beraume die nächste Sitzung auf morgen an. Der Autrag Herold wurde abgelehnt. Ron», 20. Juni. Cibrario und Genossen bringen einen An- trag ein, welcher thunlichste Verschärfung der Disziplinar» beslimmiinge» der Geschäftsordnung verlangt, wonach ruhe- körende Deputirre auf einen bis auf zehn Tage ausgeschlossen werden können. Dieser Antrag wird niit allgemeiner Zustimmung der Gcschäflsvrdnnngs-Kommission überwiesen, welche demnächst berichte» wird. Sodann wird die Sitzung geschlossen. Pavia, 20. Juni. Infolge eine- Cyclons stürzte die Portica in Cortcolvna ein und begrub mehrere Personen unter ihren Trümmern. Bisher konnten 3 Todte und einige Verwundete hervorgezogen werden. Verantwortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Padiug m Berlin, i>W., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilaße. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Bollsblatt. Ztr. 142. Freitag, de» 21. I»ni 1893. 12. Jahrg. Nmmmmnles. Stadtverordneten- Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, den 2l>. I u u i 1835, nachmittags 5 Uhr. In einem Schreiben vom Reichstag wird mitgetheilt, daß der Reichstag die Eingabe der Stadtverordneten-Versamm- lnng gegen die U m st n r z v o r l a g e durch die Beschlußfassung über diese für erledigt erklärt hat. Dem Senior der Stadtverordneten- Versammlung Reiß sollen durch eine Adresse die Glückwünsche der Versammlung zu keinem 30. Geburtstage am LI. d. M. ausgesprochen werden, da derselbe zur Zeit nicht in Berlin weilt. Tie � ans Verlangen des Oberpräsidenten umgestaltete U m s a tz stener-Ordnung ist nunmehr von den zuständigen Ministerien genehmigt worden. Die Versammlung nimmt davon Kenntlich. Zu der Vorlage, betreffend die Pflasterung der V o ß st r a ß e mit geräuschlosem Pflaster, liegt ein Antrag der Stadtvv. Wernau und Genossen vor, den Preis der Asphaltirungsarbeiten auf 13 M. pro Quadratmeter festzusetzen. Stadlv. Wernau begründet diesen Antrag damit, daß die Voßstraße einen sehr geringen Verkehr habe, die Asphaltirungs- gesellichast daher, die für 20 Jahre zur Unterhaltung des Pflasters verpflichtet sei, nur sehr geringe Unterhaltungskosten haben werde, daß durch den geringeren Preis die Arbeit schlechter ausfallen wurde und daß die Arbeitslöhne gedrückt werden würden, be- furchte er nicht. Die AsphaltgcseÜschast habe eigene Asphalt- gruben und werde um so weniger schlechten Asphalt liefern, als sie za die Straße 20 Jahre lang zn unterhalten habe. Eine Lvhnrednktion werde nicht eintreten. Stadtrath Voigt: Es ist mit der Asphaltgesellschaft nicht über jede einzelne Straße ein Vertrag geschlossen, es besteht ein genereller Vertrag für alle Arbeiten in der Stadt, von dem keine Ausnahme für eine einzelne Straße gemacht werden kann. Sowohl der Antrag Wernau wie die Vorlage selbst werden abgelehnt. Der endgiltigen Vergebung der elektrischen Bahn nach Treptow an die Firma Siemens u. Halske haben sich rnloscrn Schwierigkeiten entgegengestellt, als die Gemeinde Treptow nachträglich von der Firma die Pflasterung der Loh- muhlenstraße, die Fortführung der Bahn durch die Köpenicker �.andstraße bis zur Park-Allee und durch diese bis zur Ecke der Reuen Krug.Allee, die Verbreiterung der Köpenicker Landstraße um drei Meter und anderes mehr gefordert hat. Die Firma hat die Vermittelung des Magistrats angerufen und die Verhandlungen schweben noch, da aber Treptow keinesfalls die Regulirung des Lohmühlenwegcs übernehmen kann und der Magistrat als Adjazent ohnehin beitragspflichtig ist, so soll von Stadtwegen die Bewilligung eines Beitrags bis zur Höhe von LI 500 M. zu den Kosten der Regulirung erfolgen. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Den nachträglichen Antrag der Firma Siemens und Halske, ihr die Fortführung der elektrischen Bahn nach Treptow vom Wasserthorbecken bis zur Behrenstraßc �zn gestatten und die Bc- triebsgenehmigung auf 40 Jahre, mindestens aber bis 1311 zu erlheilen, hat bekanntlich die Vcrkchrsdeputation nur soweit gutgeheißen, daß ein Engagement für jbie Betriebsgenehmigung über den Schluß der Ausstellung von 1836 hinaus nicht ein- gegangen werden soll. Der Magistrat beantragt dagegen bei der Versammlung, die Genehmigung bis 1311 zn erlheilen. Stadlv. Ja codi: Tie Begründung der Vorlage nöthigt uns nicht, von dem Beschlüsse der gemischten Deputation abzu- gehen. Die Stadt werde von dieser Strecke keinen Vor theil haben, im günstigsten Fall werde fle 4 pCt. der Bruttoeinnahme er- hallen, die Große Berliner Pferdccisenbahugesellschaft wolle für dieselbe Strecke das doppelte zahlen. Bei dem Ablauf des Ver- träges 1911 soll die Stadt die vorhandenen Anlagen zum Taxwerth übernehmen müssen. Das ist eine völlig falsche � Bedingung, die wir nicht annehmen können. Wenn die Pferdebahnen allgemein in elektrische umgewandelt werden, kann diese neue Konzession leicht dieser Umwandlung Schwierigkeiten machen, die wir heute gar nicht ermessen können. So wichtig erscheint mir die Linie vom Wasserthorbecken vis zur Bchrcnstraße überhaupt nicht. Ob die elektrische Bahn von Siemens u. Halske nach der Ausstellung rechtzeitig fertig werde, ist noch zweifelhast. Die anderen projektirten Verkehrsmittel werden vollkommen genügen. ■och bitte die Vorlage abzulehne». Stadw. Frentzel beantragt, die Vorlage nur unter den selben Bedingungen anzunehmen, unter welchen der Firnia Siemens u. Halste die Linie Wasserlhor— Ausstellung genehmigt worden ist, d. h. nur bis zum Schluß der Ansstellling. Stadtv. S p i» o l a spricht sich für den Antrag Frentzel aus; es sollte endlich eiinnal ein Versuch mit der niiterirbischen Strom- zufuhrung gemacht werden. Die oberirdische Stroinzusührung, welche die Pferdeeisenbahn-Gesellschast vorhabe, sei für die Stadt ganz ungeeignet. Stadlv. Singer: Ich habe nichts gegen den Antrag Frentzel, wenn die Firma Siemens u. Halske davon Gebrauch machen will. Diese vertritt den Standpunkt der Privatgesellschaft, die möglichst viel verdienen will(Heiterkeit), das nehme ich nicht übel, es ist ja Geschäft. Aber wir brauchen nicht das Objekt für diese Neigung der Firnia abgebe». Der Konzession vom Wasserthorbecken nach Treptow hat die Firma nur zugestimmt, weil sie glaubte, daß sie die einzige elektrische Bahn zur Aus- stklluiig habe» würde, und deshalb hoffte, damit außer» ordeiitlich gute Geschäste zn mache». Wir habe» der Firma nicht das Recht zu diesem Glauben gegeben und ihr noch viel weniger ei» Monopol auf diese Linie'gegeben. Jetzt sind zwei weitere elektrische Linicn zur Ausstellung kouzessioiiirt und nun kommt Siemens n. Halske nnd sagt: Jetzt ist die Linie un- rentabel; um sie rentabel zu machen, müßt Ihr sie mir bis in die Stadt verlängern. und zwar auf 40 Jahre oder mindestens bis I9II! Für die kurze Zeit wird ja die Firma mit der Linie Wasserthorbecken bis Behrensiraße keine Geschäfte»lachen, aber wen» sie darauf eingehen will, habe ich nichts dagegen. Wir solle» eben alles lhun, um möglichst viel Verkehrswege nach der Ausstellung zu schaffen. Aber wir be- zahlen diese Linie nach der Ausstellung nicht damit, daß ma» sich bis 1811 bindet. Wir sind dabei, das Verkehrswesen generell zu regeln, nnd diese eine einzelne Konzession würde ein Loch i» unsere Absichten stoßen. Es ist bedauerlich, daß eine Firma, die niit der Stadt Geschäfte machen will, das nicht selbst einsieht. Rtit der oberirdischen Stromzuführung sind, abgesehen von dem unschönen Anblick, große Gefahren verbunden, wir müßten also die Straßen init Drahtnetzen überspannen. Aber die Frage der unterirdischen Leitung kann auch ohne diese Linie eiilschieden werden. Die Pferde- Eisenbahn- Gesellschaft hat sich ebenfalls verpflichtet, einen Theil der AuZstellungslinien mit unterirdischer Leitung zu versehen. Es ist sonst nicht meine Sache, die Polizei an- zurufen(Heiterkeit), aber ich hoffe, das Polizeipräsidium wird vernünftig genug sein, der übermäßigen Aus- dehnung der oberirdischen Leitung einen Riegel vorzuschieben. Es ist nichts weiter als eine Geldfrage, und wenn ich eine Kon- zession crtheilen soll und es sich darum handelt, ob die Aktionäre � 2 oder 3 pCt. weniger haben sollen, so ziehe ich die gefahrlose unterirdische Leitniig vor. Die Magistratsvorlage ist nicht das Produkt einer so eingehenden Ueberlegung, wie es nöthig wäre; sie steht im Widerspruch mit dem Beschluß der Verkehrsdeputation. Wie kann man verlangen, daß diese Vorlage, die so aus dem Handgelenk von Siemens u. Halske an de» Magistrat gerichtet ist, nachdem sie von der Verkehrs- deputation abgelehnt ist, vier Tage später von der Stadt- verordiieten-Versaminlung angenomnie» werden soll? Die Ver- sainmlung wird nicht gewillt sein, die Verhandlungen der Verkehrs- deputation über den Haufen zu werfe». Lehnen Sie die Vor- läge ab oder nehmen Sie»'.einetwegen den Antrag Frentzel a», wenn es auch eigentlich nicht unserer Stellung würdig ist, der Firma niit solchem Vorschlag eutgenzukomnien. Stadtrath Böhm: Siach unserem Vertrage können wir nicht auf die Gesellschaft direkt einwirken, in der Konkurrenz, die ivir hier zulasse», liegt aber ein großer Antrieb für die Pferde- bahngesellschast, sich die neueren Erfindunge» mehr zn nutze zu machen. Ich empfehle in erster Linie die Annahme der Ma- gistratsvorlage, und wen» es nicht anders ist, wenigstens die Aniiahine des Antrags Frentzel. Stadtv. D i n s e: Siemens n. Halske wollen nur die Aus- stellung benütze», lim für sich Vortheile zn erzwingen. Er bitte Ulli Annahme des Antrages Frentzel. In diesem Antrag müsse aber noch hinzugefügt werde», daß die Konzessionsbestimmung fortfalle, daß niit Ablauf des Vertrages die Anlagen von der Stadt zum Taxwerth zn übernehmen seien. Nnchdei» sich der Stadlv. F r e n tz e l hiermit einverstanden erklärt hat, wird der Antrag Frentzel angenommen. Vom Stadtv. V i r ch o w und 46 Mitgliedern der drei größeren Fraktionen ist folgender Antrag unterm 13. Juni eingebracht worden: Die Vcrsanimlung beschließt, den Magistrat um Auskunst darüber zu ersuchen, 1. ob es richtig ist, daß durch Verfügitiig des Provinzial Schulkollegiums die Anordnung getroffen ist, daß a) jüdische Lehrer und Lehrerinnen an den hiesigen G e»i e i n d e s ch u I e n nur nach Maßgabe des Bedürfnisses des jüdischen Religionsunterrichtes in Zukunft angestellt werden und hauptsächlich ihre Lehv lhätigkeit im jüdischen Religioiisnuterricht ausüben sollen, daß ferner die Verivendung jüdischer Lehrkräfte zur anshilfsweiscn Vertretung an den Genieindeschule» auf die Erlheilung des jüdischen Religionsunterrichts beschränkt wer- de» soll, 2. ob nnd ivelche Maßnahmen, im Falle die erwähnten An ordnuiigen des Provinzial-Schulkollegiums wirklich erlassen sind, der Magistrat getroffen hat,'bezw. ergreifen wird, um den in derartigen Anordnungen enthaltenen Ver- kümliierunge» des kommunalen Vokationsrechts und Verletzungen der verfassungs- und geschinäßigen Gleich berechtignng der Konfessionen entgegenzutreten. Stadtv. V i r ch o w: Die Stadtverordneten-Versammlung hat immer an der Auffassung festgehalten, daß die Religio» nicht trennen, sondern vereinigen soll. Das Provinzial Schnlkollegium und das Kultusministerium haben allmälig ihre Anschauung geändert. Die religiöse» Fragen sollen jetzt auch in das übrige Leben eingreifen. Ich >vill nicht eingehen auf die häßlichen Vorgänge, die der Anti- semitisnlus gezeitigt hat. Ter Antisemitismus hat in letzter Zeit in Berlin inimer mehr Fortschritte gemacht und wir sehen gewisse Spuren davon selbst in die Behörden eindringen. Selbst aus den Kreisen unserer Lehrer trete» Elemente auf diese Bahn. Wenn wir auch im Provinzial- Schillkollegium nicht eine antisemitische Instanz sehen uiüffen, so muß doch jeder srühzeitig vor seiner Thür kehren, ivcini er nicht die Gefahren lansen soll, welche diese Seuche mit sich bringt.(Zustimmnng.) Wir wollen eine allgemeine menschliche Erziehung, nicht mit Rücksicht auf Konfessionen. Kommt das Provinzial-Schulkollegiuiii i» der That auf de» Gedanken zurück, daß es nichts mehr in der Schule gebe» soll, was nicht religiös gefärbt und angehaucht ist? Wa kann es schaden, weil» eine jüdische Lehrerin Unterricht im Lesen, Schreiben oder Rechnen giebt?(Zustiiiimung.) Das sind doch nicht Dinge, die nothivendigerweise einen religiösen Anstrich haben müssen, die vielmehr ganz objektiv behandelt werden könne». Ich habe Schriftstücke von jüdischen Lehrerinnen bekomme», die schon längere Zeit im Amte sind»nd sich nun in den Stellunge» bedroht sehen, in denen sie sich zahlreiche Anerkennungen erworben haben. Wir ivollen die jüdischen Lehrerinne» nicht zu Lehrerinnen der christlichen Religion machen. Wenn sich ein solcher Fall zugetragen hat, so war es ans Mist verständniß oder ans Mißgeschick. Man sieht in der Religion ein pädagogisches Mittel und schiebt sie in jeden Unterricht hin ein, der Unterricht soll aber nur sachlich und objektiv geleitet werden. Ich hoffe, daß es nicht gelingen wird, die humane Form, in der bei uns bisher der Schulunterricht gehandhabt wird, zu unterdrücken zu gnnsten eines klein- lichen und neidischen Konfessionalisuius. Das liegt außer halb des Geistes unserer Bevölkerung.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Stadtschulrath Bertram: Die Gemeindcschulen sind mit gewissen Ansnahinen reine Anstalten der politischen Gemeinde. Nur vier davon können als spezisisch evangelisch-kon- sessionell angesehen werden. Einige von der Hedwigs- Kirche nbernoniuiene Schulen gellen als konfessionell katholisch. An allen anderen können nach Genehmigung des Ministers von 1875 Lehrer ohne Rücksicht auf die Konfession berufen werden(Hört! Hört!). Die jüdischen Mitbürger wünschen keine Trennung ihrer Kinder von den übrigen, und das entspricht den Anschaunngen der überwiegenden Mehrheit unserer christliche» Mitbürger, und daher sind onch jüdische Lehrer und Lehrerinnen als ordentliche Lehrer bezw. Lehrerinne» berufen, d. h. zur Führung einer Klasse. Es sind bei der Bestätigung Bedenken aufgetreten, ob die Zahl der jüdischen Lehrerinnen der Anzahl der jüdischen Be- völkerung entspricht, aber es ist uns bisher eine Bestätigung nicht versagt worden. Erst seit dem Oktober v. I. wurde von uns ein statistischer Nachweis des Bedürfnisses an jüdischen Lehr- kräfteu verlangt, nnd wir habe» uns bemüht, diesen Nachweis zn führen. Das Verlangen solcher statistischen Stachweise läßt erkennen und besürchten, daß eine neue Richtung im Provinzial- Schillkollegium eingeschlagen wird. Wir haben dein Provinzial- Schnlkollegium unsere Grundsätze an- läßlich des einen Spezialfalles dargelegt und müssen nun , veiter abwarten. Linn soll eine jüdische Lehrerin christlichen Rcligionsnuterricht ertheilt haben. Das ist geschehen, als an der betreffenden Schule 9 Lehrkräfte wegen der Influenza fehlten. Die Lehrerin hat den Sieklor gefragt, ob sie den biblischen Meniorir- stoff repetiren dürfe, nnd der Rektor hat ihr nicht abgerathen. Dieser Fall kann ja die Lieligionsgemeinschast verletzen, aber all- gemeine Schlüsse darf man daraus nicht ziehen. Ein früherer ähnlicher Fall ist vom damaligen Minister v. Puttkamer nicht beanstandet worden. Die Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums, daß jüdische Lehrerinnen nur soweit angestellt werde» sollen, als der jüdische Religionsnnterricht es erfordert, muß ja ausgeführt werden. Eine Reinonstration dagegen wäre augenblicklich unziveckmäßig, auch an höherer Stelle würden wir damit keinen Erfolg haben. Stadtv. P r e tz e l: Ich stehe auf einem anderen Standpunkt (Heiterkeit). Eine große Anzahl der Berliner Bürger steht der Per- fügnng des Provinzial-Schulkollegiums sehrsympathisch gegenüber. Unsere Schulen sind doch auch Erziehungsanstalten. Tie Eltern der Volksschüler dürfen verlangen, daß ihre Kinder von christ- lichen Lehrern unterrichtet werden, sie dürsen nicht gezwungen werden, sie von jüdischen Lehrern unterrichten zu lassen. Die Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums ist durchaus gerechtfertigt. Was hindert uns denn, besondere jüdische Schulen einzurichten. Dagegen hätte ich nichts ein- zuwenden.(Stuf: Sic werden Direktor I-- Heiterkeit.) Die staatliche Schulbehörde wird schon für die christliche Erziehung unserer Kinder sorgen.(Ironischer Beifall.) Stadtschulralh Bertram erwidert, daß mit der bisherigen Methode der Vereinigung verschiedener Konsessionen sehr gute Resultate erzielt worden seien. Den konfessionellen Ansprüchen wird vollkommen Rechnung getragen. Stadtv. V o g l h e r r: Die Richtung des Provinzial- Schul- kollcginms geht dahin, das innere Schulivesen in direkt einseitigem Geiste zu bilden nnd auszuüben. Dieser einseitige Geist hat sich an das einzelne Vorkommniß angeklamuiert. Nieinaild wird anders denken, als daß der betreffende Rektor Takt genug hätte haben sollen, den Fall nicht so zum Austrag konimen zn lasse», und daß die Lehrerin Takt nnd Muth hätte haben sollen, einen solchenAustrag abzulehnen.(Sehr richtig!) Das hat nun der reaktionären Seite Anlaß gegeben, auf eine angebliche offene Wniide hin» zuweisen. Das öffentliche Schulwesen in Preußen soll einseitig schablonisirt werden. Magistrat und Stadtverordnete hätten im Sinne großer Kreise der Bevölkerung gehandelt, irenn sie diesem Bestreben schon früher Anfnierksamkeit geschenkt hätten. Man will den christlichen Geist rein nndziveifelsohneerhalten, indem man den jüdischen Einfluß möglichst fern hält. Mit Simultan- und konfessionslosen Schnleinrichtungen ist es noch nicht gethan, es kommt auch aus die Lehrmittel an. Es>vird christliches Schreiben, christliches Lese», christlicher Geschichtsunterricht getrieben in der Slbsicht, zivischen de» Zeilen lesen und lernen zu lassen. Herr Pretzel begrüßt natürlich die Richtung des Provinzial- Schnlkollegiums sympathisch, er steht auf den Standpunkt, daß das Schul- und Erziehungsweseii überhaupt nur xar ordre dn rnulti geregelt werden dürfe nnd daß die Bevölkerung sich jedes Einflusses darauf berauben soll. Hätte Herr Pretzel die nöthige Unbefangenheit, dann sähe er, daß der Zweck der Erziehung in streng religiös jüdischer Erziehung ebenso erreicht wird, wie in streng christlicher. Ich bin von beiden nicht sonderlich erbaut, denn sie taugen alle beide nicht viel.(Heiterkeit.) Erschöpft wird diese Frage nur dadurch, daß man prinzipiell erörtert, woher alle diese" Mißhclligkeite» komme». Gegen solche Vorkolinnnisse und solchen Gewissenszwang, sowohl den des Herr» Pretzel wie de», welchen meine Genossen oft empfinde», giebt es nur ein einfaches Mittel: Die Schule von der �Er- lheilung des Religionsuulerrichts überhaupt zu entbinden(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), ivie es in anderen, allerdings bei weitem nicht so knllivirten Ländern wie Deutschland ist. Ich wünschte, daß der Magistrat bei geeigneten Gelegenheiten die bclreffenden Instanzen darauf hinweist, daß solche Mißhelligkeite» durch diesen Schritt am besten und einträglichsten beseitigt würden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. C a ssel: Der Standpunkt des Magistrats nnd der Antragsteller deckt sich mit unseren Gesetzen und unserer Verfassung. Ich bestreite dem Stadtverordneten Pretzel, daß die jüdische Bevölkerung anders erzogen wird, als die christliche; sie hat im Kriege Probe» ihres Patriotismus gegeben.(Beifall.) Damit ist der Antrag erledigt. Schluß gegen S'/i Uhr. lokales� Zur Lokalliste. Ten Parteigenosse» von Verl!» und Um- gebung nuterbreiten wir folgende Nachricht zur drin g e n d e n Beachtung: Das Lokal der Willwe Meyer in Beelitz- Hof, welches bislang allsonntäglich im„Vorwärts" annoncirt war, sollte für den sozialdemokratische» Wahlverein für den ersten Berliner ReichstagS-Wahlkreises zur Abhallnug eines Sonimer- festes gemiethet werden. Jedoch v e r iv e i g e r t e die Wittwe Meyer die Hergabe ihrer Räumlichkeiten, angeblich weil die zu haltende Festrede als politische Versalnmlung an» gemeldet iverden sollte. Frau Wittwe Meyer erklärte, daß sie die Lokalitäten hierzu nicht hergeben könnte, weil diese den Charlottenburger Wasserwerken gehörten. Das Lokal der Wittwe Meyer in B e e l i tz h o f i st somit für die g e s a m m t e Arbeiterschaft als gesperrt zu b c- trachten. Im Austrage der Lokalkomniission: C. Scholz, R. Halsler, L. Znake. Zur Bewegung der KonfektioiiSarbeiter. Wir brachten gestern eine Notiz, laut der eine Fachzeilung Fragebogen an die Konjektions-Unternchmer gesandt haben sollte, auS deren Beant- wortnng sich ergeben muft, welches Maß sozialpolitischen Ver- ständnisses de» Unternehmern innewohnt. Jrrthünilich war der ..Manufakturist", ein in Hannover erscheinendes älteres Blatt, als Veranstalter dieser Enquete angegeben, es handelt sich aber um den„Berliner Manufaktnrist", der auch die von u»S f. Z. veröffenllichtc» Interviews mit den größten hiesigen Dauien- Konfeklionshäusern gebracht hat. Ter Nüsse Konow wurde heute dem Untersuchungsrichter wegen des Deliktes der Falschmeldung vorgeführt und von diesem entlassen. Ten Biömarckbazar in der Leipzigerstraße, der anscheincnd sehr schlechte Geschäfte macht, versendet an die Rektoren der Gemeindeschule» ei» Schreiben, in welchem angekündigt wird, daß Schüler in Begleitung ihrer Lehrer klasscnweise für 10 Pfg. Entree Zutritt haben. Tic Eltern der Gemeindeschüler werden sich hüten, hierfür ihren sauer verdienten Nickel zu opfern. DaS Nlexianer-Kloster in Wcificusce wurde vorgestern durch den Geh. Medizinalralh Kanzoiv aus Potsdam i» Be- gleilung des zuständigen Krcisphysikus im Austrag des Re- giernngspräsidenten einer Revision unterzogen. Die Revision ist, wie gemeldet wird, besriedigend ausgefallen, da die Anstalt allen modernen hygienischen Ansorderungen entspreche. Prostitution. In der ofsiziösen„Nordd. Allg. Ztg." finden wir folgendes Inserat:„Freiherr, 30 Jahre, sol., a. f. anges. alladl. Famil., i. hervorragender Positiv», mit Uniform, Tiieln il. Orden, vornehme Erscheinung, mit weltmännischen Allüren. von vielseit. Bildung, momentan in Schlesien auf d. Lande, f. zw. Heir. chr. jg. Dame(ebie, liebensw. und mit Verinög. nicht unter 300 000 M.) kenn. z. lern. Gciv. Vermittl. unberücksichtigt. Offert, unter J. L. 3422 an die Exped. des„Berliner Tage- blaltcs", Berlin 8�.. erbet." Zn der gestern von Herrn Härtel veröffentlichte» Sprech- saaluotiz, betr. die Verhältnisse in der Allg. Ortskasse, schreibt uns unser Gewährsmann, daß er i» jener Notiz eine Verdüchti- gung nicht hat finden können, daß sie im Gegentheil den That- fache» vollständig entspricht, wie jeder, der mit der Kasse zn IJjiui hat, sehr gut weiß. Im übrigen ist er sehr gern bereit, zu leisten" � Vorstandes der Kasse zum 3. Juli Folge ... 93*öubftätle tu der Köpeuickerstraße ist vor- lausig die Sudfront zum Beginn der Aufräumungsarbeiten frei- gegeben behufs Aufsuchung des Geldschrankes der Firma Lewin und Strich, der unter den Trümmerhaufen begraben liegt. Da dieser Geldschrank, in welchem sich für 200 000 M. Werlhpapiere sowte Gold- und Silbersachen befinden, vermuthlich bei dem Ein- l."�, der Balkenlagen und des Daches in den Keller gefallen, so ist Auesicht vorhanden, daß der Inhalt des eisernen Spindes durch die enorme Hitze nicht gelitten haben wird. Gester» Abend ,st das noch stehende Mauerwerk durch Mann. schasten des Elsenbahn-Negiinents gesprengt worden: da die Einsturzgefahr eine sehr bedeutende, war vorher die Pastage um den niedergebrannten Speicher für Lastfuhrwerk polizeilich gesperrt. Die Nuiue wird übrigens noch immer durch eine aus vier Mann bestehende Brandivache beobachtet, die je nach Bedarf ans zivei Schläuche» auf die noch immer glimmenden Trümmermassen Wasser geben. Die Aufräumungsarbeiten, welche seitens der Feuerkomniission durch die Arbeiter der Firma Lewin u. Strich beginnen werden, dürsten ca. 14 Tage in Anspruch nehme». Uebrigens ist ein großer Theil der Lumpen noch brauch- bar und wird sich der Brandschaden hierdurch um ca. 140 000 M. verringern; immechi» wird aber der Schaden 620 000 M. betragen. Bo» der bürgerlichen Ehe. Traurige Verhältnisse haben eine Krankenivärterin einer hiesigen Anstalt zu einem Selbstmord- versuche getrieben. Es handelt sich um die 2öjährige Frau eines Bautechnikers M. aus Dortmund. Der Techniker hat die Frau gegen den Willen seines Vaters, eines Oberförsters, geheirathet. Da der Vater erklärte, ihn enterben zu wollen, wenn er seine Frau in die Familie einführe, so lebten die Eheleute getrennt(!) und Frau M. war seit 6 Monaten hier in Berlin als Kranken- Wärterin thätig. Vor einigen Tagen hatte sie ihren Mann be- sucht. Als sie am Donnerstag früh den Nachtdienst beendet hatte, nahm sie Morphium, um sich zu tödten. Sie liegt an der Ver- giftung schwer darnieder, und es ist sehr zweifelhast, ob die Kunst der Aerzte sie wird am Leben erhalten können. Eine neue Illustration der bekannten Thalsachc, daß die schmutzigste Geld- Heirath in bürgerlichen Kreisen zum theil für respektabler gilt, als eine aus idealen Motiven geschlossene Ehe. Man begreift, warum das Institut der Ehe holdschützend mit Umsturzparagraphen umgeben werden sollte. Ju die Jrrcuabtheilnug der hiesigen Charitee sind gestern. Mittwoch, nicht weniger als 12 Personen eingeliefert worden, darunter 9 Kranke, die an Krämpfen litten, und 6 Deliranten. Zu diesen letzteren gehört u. a. die 7Sjährige Baumeisterswittwe Lina v. M., die sich ohne Wohnung in Berlin aufhält und um 4 Uhr nachniittags am Oranienburger Thor aufgefunden wurde. Nachher fand man auch ihre Schnapsflasche noch bei ihr vor. Ein Riese, der Dinkaneger Mobro aus dem Süden, be- findet sich gegenwärtig als Kranker in der Charitee; er leidet an einer Vereiterung der Achseldrüsen. Ter Neger ist mindestens 7 Fuß lang und hat überhaupt so enorme Körpermaße, daß man im Krankenhause keine Sachen vorräthig hatte, die ihm paßten. Besonders haperte es mit den Strümpfe». Nicht ein einziges paar Strümpfe ließ sich für die außerordentlich großen Füße passend mache», so daß man sich entschließen mußte, ganz neue eigens für den Sudanesen zu stricken. Im Anfange war der Fremdling im Krankenhause sehr ängstlich, jetzt ist er aber zu- traulich geworden, und es gefällt ihm in der Anstalt sehr gut. Die Nachricht von einer cntsetslichcn Vlutthat, welche sich am Donnerstag Abend, kurz nach 6 Uhr, in dem Hause Cchwedenstr. 12a, hart an der Reinickendorfer Grenze belegen, ereignet hat, verbreitete sich mit Windeseile in den nördlichen Etadltheilen und hat unter der dortige» Archeiterbevölkerung eine ungemeine Aufregung hervorgerufen. Der Lackirer Willi Kühne, in dem Hause Schwedensiraße 15 a wohnhaft, lebte mit seiner Ehefrau Louise in eivigcr Fehde. Am Sonnabend letzter Woche hatte nun die Frau Kühne von ihrem Ehemanne eine körperliche Mißhandlung erlitten, sich am Mittwoch darüber von einem Arzte auf dem Gesundbrunnen ein ärztliches Attest ausstellen lassen und anderen Hausbewohnern gegenüber geäußert, daß sie, der fortgesetzten groben Mißhandlungen ivegen, unter denen sie dulden müsse, ihrem Mann mit der Wirlhschasl ausrücken und gleich- zeitig die Ehescheidungsklage einbringen würde. Davon hatte der Mann erfahren. Er kehrte gegen 6 Uhr in seine Wohnung zurück, wozu er sich Einrennen der Küchen- thür Eingang verschafft hatte. Frau Kühne saß aus dem Küchenfensterbrett als der Ehemann die Thür zer> trümmerte, auf die Frau losging und sei,>vie ich deutlich ge- habe, aus den Fenster hinauswarf. Nachdem sich der Ehemann nach seinem Opfer, das auf den Hof blutüberströmt lag, hinab und verschloß die Küchensenster. Die Frau Kühne ist lebensgefährlich schwer verletzt nach dem katholischen Krankenhause geschafft worden. Der Ehemann Kühne aber ivurde wegen Mord- Versuchs festgenomme» und zur Wache des 9. Polizeireviers in der Grünthalerstraße übergeführt. Erhängt hat sich Donnerstag früh uni 6 Uhr in Groß- Lichterfelde der 28jährige Arbeiter Fischer, der bei der elektrischen Bahn beschäftigt war. Fischer hatte bisher auf der Strecke Reinigungsarbeiten verrichtet. Da er aber draußen nicht inehr zu verwende» war. so sollte er im Innendienste, beim Wagen- waschen und dergleichen, beschäftigt werden. Der Mann nahm sich diese Versetzung so sehr zu Herzen, daß er nicht länger mehr leben wollte. Dreimal schon halte man seine Absicht, sich zu er- hängen, vereitelt, indem man ihm den Strick wegnahm. Heute früh hat er sie dennoch ausgeführt. In seiner Bude an der Ecke der Potsdamer- und Bellevuestraße fand man ihn als Leiche auf. Polizeibericht. Am 19. d. M. nachniittags wurde ein Ar- heiter in seiner Wohnung in der Kulmstraße erhängt aufgefunden. — In der Brunnenstraße gericlh abends ein Arbeiter unter die Räder eines Möbelwagens und wurde schwer verletzt.— Im Laufe des Tages fanden zwei unbedeutende Brände statt. Wetter-Prognose für Freitag, Ll. Juni 189». Vielfach heiteres, zeitweise wolkiges, sehr warmes Wetter mit müßigen südöstlichen Winden und etwas Neigung zur Ge- witterbildung. Berliner Wetterbureau. TlxeQkev. Das Natioualtheatcr, das immer dabei ist, die Zeit bei der Stirnlocke zu fassen, durfte natürlich auch die Mariabergcr Ereignisse nicht vorüber gehen lassen, ohne sie gehörig aus- zuschlachten. In einem, wenn wir nicht irren, schon früher einmal dem Publikum servirten Schauerslück„Im Jrrenhause", ist dies denn auch mit einer Forsche geschehen, die womöglich noch den geschundenen Raubritter hinter sich läßt und so ziemlich alles bietet, tvas im Nahmen des dramatisirten Kolportageromans an fürchterlichen Bosheiten und Schreckensthaten auszusinnen ist. Das Stück trieft förmlich von Gräuelthaten und Schauerlichkeiten und das Publikum, das sich dies Ragout darbieten läßt, ist an- scheinend andächtig bei der Sache. Es fletscht in gerechtem Zorn die Zähne ob der Schandthaten, die da in den Jrrcnzellen be- gangen werden und freut sich unbändig, ivenn die waltende Gerechtigkeit am Schluß des Stückes sämmtliche Bösewichter eines fürchterlichen Todes sterben läßt.. Auch diese Erscheinung bekundet in beredter Sprache den tiefen Kulturstand, in der die preußische Volksschule ihre Schüler läßt; zugleich mag sie aber auch den Verkündern einer freien, gesitteten Weltanschauung einen Fingerzeig geben, daß noch unendlich viel zu thun ist, um das Empfinden für das Edle und Schöne namentlich in kleinbürger- lichen Volksschichten zu wecken. AuS der Naturgeschichte einer Reihe berufener Kämpfer für Ordnung, Religion und Sitte wurden gestern vor der IX. Strafkammer hiesigen Landgerichts I einige Kapitel ver- handelt, die den Ausschluß der Oeffcntlichkeil während der Ver- Handlung nothwendig machten. Wegen schwerer und einfacher Kuppelei hatten sich zu verantworten: die Wittwe Wilhelmine Marie Weiß, der Töpfer Paul L e m i s, Frau Rosalie Karoline Lewis, die Wittwe Dorothea Marie T r e n k h o r st, der Kaufmann Albert Max Bühring und dessen Ehefrau Karoline Bühring. Es handelt sich um das Treiben in seinen Absteigequartieren, die die Angeklagten in der Dorolheenstraße, der Maurer- und der Taubenstraße unterhielten. Die Angeklagten sollen der seineren zahlungsfähigen Gesellschaft Gelegenheit ge- geben haben, in ihre» vornehm eingerichteten Quartieren Zusammen- künste mit weiblichen Personen, nicht nur solchen, die der Lebe- weit angehören, abzuhalten. Es soll in diesen Höhlen des Lasters außerordentlich„hoch" hergegangen sein. Unter den Belastungszeugen befanden sich drei Töchter der Angeklagte» Weiß, welche jedoch ihr Zcugniß verweigerten, ebenso war eine Pflegetochter der Lemiö'sche» Eheleute als Zeugin geladen, wurde aber nicht vereidigt. In dem nach sechsstündiger Ver- Handlung verkündeten Urtheil wurde der Thatbestand wie folgt skizzirt: Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme ist die An- geklagte Weiß überführt, ihre 4 Töchter der Reihe nach zu un- sittlichen Zivecken zu der Frau Lewis geführt zu haben, in zwei Fällen sogar Töchter, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. Sie hat mit der Lewis gemeinschaftlich gehandelt und ist deshalb zu 2 I a h r e n Zuchthaus und 5 Jahren Ehr- verlust verurlheilt. Frau L e in i s ist der Kuppelei im Sinne des Z 1763 des St.-G.-B. in der Verleitung zum Meineide für schuldig be- funden und zu vierJahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurtheilt worden. Dein Ehemann Lewis wurde geglaubt, daß er anfangs von dem Treiben seiner Ehefrau keine Kenntniß gehabt habe, nach Ansicht des Gerichts hätte er aber diese Kenntniß infolge des in der Wohnung sich entwickelnden Treibens bald erhallen müssen. Er wurde zu d r e i M o n a t e n Gcsängniß unter Anrechnung von 2 Monate», Frau Trenk- h o r st zu sechs Monaten unter Anrechnung von drei Monaten, Frau Bühring zu drei Monaten ver- urtheilt. Der Angeklagte Ehemann Bühring wurde frei- gesprochen. Von den Lebemännern, welchen das Mädchenfleisch zugeführt wurde, verlautete nichts; diese bleiben nach wie vor Ehren- inänner und kämpfen weiter für Ordnung, Religion und Sitte wider die Parteien des Umsturzes. Die Untersuchung Wider den„Bauquicr" Joseph Scholl aus Nicder-Echöichausen ist nunmehr zum Abschluß ge- langt. Es sind gegen Scholl drei verschiedene, von einander ge- trennte Anklagen erhoben worden, von denen jede einzelne ganze und sehr ausgedehnte Reihen von strafbaren Handlungen um- faßt. Jede dieser drei Anklageschristen umfaßt hundert und mehr Folioseiten. Gegen Scholl liegen mehr als 2009 Fälle des Be- truges>md der Unterschlagung vor. VersÄmmUtuge«� Ter allgeuleine Arbeiter- und Arbeiteriuneu-Berei« hielt am 17. d. M. bei Röllig, Neue Friedrichstraße 44, seine Monatsversammlung ab. In berselbeu sprach Genosse Dr. Bern- stein über Geisteskrankheiten. Ter Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen. Diskussion fand nicht statt. Außerdem wurden noch einige Vereiussachen erledigt. Schmargendorf. Am 18. Juni hielt der„Arbeit er-Bildungs- verein sür Schmargendorf und Umgegend" seine regelmäßige 14tägige Mitglieder-Versammlung ab. Tie Versammlung, welche sehr zahlreich besucht war, nahm den Bericht des Kassirers Kirchner entgegen, der einen Kassenbestand von 40,23 M. aufweist. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Mitglieder auf, recht zahlreich zum 4. Stistungssest des Vereins, welches am 22. Juni im„Wirlhshaus Schmargendorf" stattfindet, zu er- scheinen. Kosiatdewoliratikchl»! Asitations-Uirrin für den N-ichstag«. Wahlürri» KtralluKd-ZrnmIixrg-lliigl». Jeden Freitag nach dem Ib.: tUereinsversaminlung bei Linie, Jüdenstr. es. Aufnahme neuer Milglteder. Bezahlung der Beiträge. Frei.�ligiök««rineiode. Sonntag, den 23. Juni, vormittag» s;; Uhr, Rofen thalersir. SS; Aorlraa des Herrn Tr. Bruno Wille über: Die wrundläye der Gemeinde. Um lo! Uhr vormittags ebendaselbst: Bortrag des Frl. Ida Altinann: Die Jesulien in der Erziehung, Saniaritrrlixrsu» der Arbeiter und Arbeiterinnen. Freitag, den Si. Juni, abends sft Uhr, bei Lenz. Alte Jalobstr. oo: Borstandssitznng. Turnverein Fichte(Mitglied des deutschen Arbeiter-TurnerbundeSI. Die vierte Männer-Adtheilung turnt jeden Dienstag und Freirag i» der Sc- metndeschul-Turnhalle Stephanstr. 3. Mitglieder werden an jedem Turuabend aufgenommen. Arbriter-Kildxngakchxle. Freitag, Abend? von Ubr: Lektüre. SÜ— 10� Uhr: Nord-Schule, Müllerstrahe 179 a: Ecschichle(neuesic). Südost- Schule. Waldemarstr. U: Deutsch(Literatur.) Bei allen Unter- richtgsächern werden neue Theilnehnier, Damen und Herren, jeder Zeit aus- genommen, Vevittisickikes. Tie mecklenburgische» Schulzustäude und der Klaffen- egoismus der Agrarier werden durch folgende Mittheilung der„Rostocker Zeitung" nett illustrirt:„Durch Uebertritt in den Dominial-Schuldienst wurde zu Michaelis eine wissenschaftliche Schulstelle erledigt. Als der bisherige Inhaber die Stelle antrat, hatte er als Vorgänger einen von zenen Pädagogen der grauen Vorzeit, wie solche jetzt kaum noch zu finden sein dürsten. Dieser alte Herr war seiner Aufgabe in bezug auf Volksbildung in der Weise nachgekommen, daß er den Kindern einen Kalender von Anfang bis Ende erklärte. War ein Kalendarium absolvirt und einige Male repetirt, so ging er an einen Stapel von Zeitungen, welche nllmmernweise durchgenommen wurden. Als darauf der Pädagoge der Neuzeit auf eine ganz andere Weise die Jugend zu bilden begann und die Eltern schon ihrer Freude darüber Ausdruck gaben, wurde der Lehrer vom Schulpatron angewiesen, die Kinder nicht so allseitig bilden zu wollen, da er später Leute znin Dungstreuen haben müsse— und Kündigung droht dem Zuwiderhandelnden." Prcsipolemik mit Pistole».„Wenn die Gründe fehlen, fahr init dem Pistol dazwischen", dies scheint ein Grundsatz bei de» Konservativen werden zu wollen. Wenigstens läßt die folgende Meldung der„Vossischen Zeitung" aus Köslin darauf schließen: Nach Meldung der„Kösl. Ztg." hat der Nedakteur der konservativen„Kolb. Volks-Ztg." Göbel, dem Reichstags-Abgeord- neten Dr. Pachnicke eine Forderung ans Pistolen zugesandt, weil dieser einige voir der„Kolb. Volks-Ztg." gebrachte Artikel über die Reichstags wähl überaus scharf kritisirt hatte und sich zu einer Zurücknahme seiner Aeußerungen nicht verstehen wollte. Die Autwort Dr. Pachnicke's stehe noch aus. Texns-Jack und die Grazer Arbeiter. Aus Graz wird telegraphirt: Nach der gestrige» Vorstellung im Zirkus ivurde gegen die amerikanische Neitertruppe Texas-Jack, als sie das Zirkusgedäude verlassen wollte, von mehreren hundert dort versammelten Arbeitern ein förmlicher Steinhagel eröffnet. Die Polizei mußte mit gezogenem Säbel der Trnppe den Ausweg bahnen. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vor- genommen."— Texas- Jack halte sich gelegentlich der letzten großen Arbeiterdemonstralio» im Wiener Prater im Lassowersen geübt. Er hat Arbeiter, die vor der Polizei flüchtete», auf die- selbe Weise gefaugcn, wie man in den Prärien die wilden Pferde einfängt. Dieser freiwilligen und eigenartigen Polizeileistung verdankt er die Kundgebung der Grazer Arbeiter.— Explosion. Aus Turin wird telegraphirt: Nach Mcl- düngen aus Avigliano fand daselbst in einem Etablissement sür Wurfgeschosse eine Explosion statt, durch welche sieben Arbeiter, darunter sechs schwer, verwundet wurden. In Briissel ging Mittivoch Abend ein furchtbares Gewitter nieder. Der Vlitz schlug mehrere Male ein und verursachte be- deutenden Schaden. Im Vaudeville-Theatcr, sowie in mehreren anderen Lokalitäten erlosch plötzlich nach einem heftigen Blitz- schlag die elektrische Beleuchtung. Eingelanscue Drnckschpiftett. zier Soztaldrxiolirxt. Zentral-Wcchcndlatt der sozialdemokratischen Partes Teuischlavds(Expedilion in Berlin SW., Beuthstraße 3). Inhalt der Nr. 2ö: Wochenschau.— Die Kreuz-Zettung und da» all- »emeine Wahlrecht.— Wahlnachllänge au» Italien.— Au« Pommern.— Tie Silllichkett aus dem Lande.— Parteinachrichten.— Dodtenltste.— Literarische». Polizei- und preußische Eisenbahn-Verwallunq.— Paragraph 130.— Tie LandlagSwahlen in Sachse».— Neichlhum und Armulh in England.— Uebcr die Lage der ZtegeiarbeÜer in Lemberg(GaiizienZ.— Einiges aus der Handschuhbranche.— Zwei Geiner.— Der Rordostsee- Kanal.— Aibeileroraanisationc».— Papteinachrichlen.— Wie man un» behandelt. — Vermischtes.— Berzeichniß der sranzösischen Parteiprcsse. Soziair prnrio. Zentralblait für Sozialpolitit. Tie unter diesem Titel seit dem l. April erscheinende gemeinsame neue Folge des„Cozialpolitiichen Zcntraiblatls" und der„Blätter für soziale Prapis"(Berlin, Carl Hkyiuann's Verlag) enthalten in ihrer neuesten Ä!r.»7 folgende leitende Aussähe: Die Jrrenpflege am Rhein und die Jrrenfürsorge als Eeaenstand der Eozialpoltlit. Bon Irr. meä. H. Kurella.— Soziale Kämpfe im Wiener Bürgerthum. Von Dr. H. Friedjung.— Aus dem Notizentheil heben wir hervor: Behördliche Warnung vor Agenturen zur Beschaffung von Landarbeilerinnen.— Elädtische Regie in Senf.— Badepläye als Semeindepsticht in Sachse».— Schweizerische Schnciderbewegung gegen Hausindustrie.— Arbeiierinnen- schuh in der Schweiz. Von D. Zinner.— Verbot der Beherbergung durch Elellcnvermitilcr in Hamburg.— WohnungSenquetc in Baden.— Wohnung«- frage und Aimcnpflege in Franlsurt a. M.— Verbesserung der Bau- genossenschaftS-Sesehe in England.— Bäckerlurse in München. VviekKftkfctt vsv Medakktou. Wir biten bei jeder Anfrage eine Shissr«(Zwei Buchstaben oder«ine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erlheilt werden soll. Montag. Dien st ag, Donner st ag und Freitag ivird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheill. M. F. Auch die österreichische Post befördert das Blatt. Th. Wenden Sie sich an Frau Davit, Eisenbahn- straße 22, 3 Tr., oder Frau Dolz, Bergstr. 79, vorn Keller. R. W. 100. 39. Januar 1890. R., London. Wenden Sie sich an die Berliner Gewcrk- schaftS-Kommission. Adresse: R. Millarg, Berlin, Grenadier- straße 10, vorn I. Etage. Sumatra, S. O. Ist uns unbekannt. I.Ager von Rathenower Brillen und Pinceuez. MUM?» Lribbindr». Uabelbaudageu» Znopeusorien, 0B& illlJVliUUv* j Ceradelsaltrv, orthopädische llloschturt», ltiinstliche Arme und Keine. Mast- Kidrts, darin- und Porfall- Kandagen, Stech- tudtcn, Urinhaltrr, Klpsticr und Muttrrfpriheir, Kltisopomp, Irrigator, Iuhalationo-Apparatc, Luft- und Zvajfrrkistc», Gummistriimpfe, Kettunter- laarn etc. empfehlen zu soliden Preisen Mit pr k* riilT Berlisi 8°, Prmzenstraße 42, part. l. W VlLv«» MF* Für Damen: Damenbediennng."Tigz ■MF" tlief«ra»te>r fiinitntlicher Grt«» und freie» Htlfs-Kraukenliasfeu."Wfä tMF" Eigene Werkstatt im Hanse. Angehörige von Kassenmitgliedeni erhalten Preisermässignng. 23948' Rohtalmk. Grösste Answalil! Billigste Preise D Lager In Formen, Bockfagous.> Heinrich Franck, |tr. 185, Krunnenstraste Ztr. 185. 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Heinrich Heine. Ein Modell. National» Theater. Im Irrem hause. Theater Unter den Linde»». Miß Helyelt. Ziziollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Friedr.- Wilhelmaädtischer park Großer Ulk»Abend. Berlin amü- sirt sich. iller-Iiiester. (VsIInen-l'tiestee'.) Freilas: Dir Kochiritoreile.— Llattcrsucht. Konnabend: Dir Kochkritareise.— Flatterjucht. iislionsl'ljiester. Große Frankfurterstraße 132. Heute zum 4. Male: Im Ivrenhause. Sensations-Schauspiel m»t Melodramen in 5 Alten und 9 Bildern von H. B. Regie: Max Samst. 1. Bild: Zwei Hallunken. 2. Bild: Ein tiefes Geheimniß. 3. Bild: Der Rächer. 4. Bild: Die Geheimnisse des Irren- Hauses. S. Bild: Ein Verräther. c>. Bild: Der Plan des Teufels. 7. Bild: Die Tochter des Verbrechers. 8. Bild: Der Giftmord. 9. Bild: Der Flammentod Morgen: Dieselbe Vorstellung. UstionsItKeste»»- Garten: Großes Konzert u. Spezialitäten-Vorstellung. Alle 5 Barrisons. Ein Modell. Fernand's Ehekontrakt. Kasseuöffnnng 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 20 Pf. Reservirter Platz 40 Pf. Sonntag. 23. Juni, nachm. 2Vs Uhr: Opern-Vorstellung Der Troubadour von Verdi. Viotoria-lkaukrei LühoWstrafze 111—118 Täglich außer Sonnabends Karten resp. Saal: Zoiree der altbeliebte»» Stettiner er (Keysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. und Familien- billets für 8 Personen giltig 1 M. (siehe Plakate). Grosses Hnrtror-progra»«»»». Nach der Soiree: Vanzkräiiachsii. Urania Anstalt tür volksthümliche Naturkunde. Am LandesAusstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr» Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Friedrich-Wilheimstädtischerj Concert-Park 25/26 Chausseestraße 25/26. Grosser Ulk-Abend. Berlin amüsirt sich. Burlesque von Leo Herzherg u. Arthur Frankel. Das Sommergarten-Programni ohne Pause. Unsere Sterne'Äi Allgemeine Ausstellung für Sport, Spiel und Turnen. Berlin, Altes Reichstagsgebäude, Leipzigerstraße 4. Freitag, den 31. Juni geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Eintritt 50 Pf. mit interessantem Führerbuch. Binder 25 Pf. Abends 8 Uhr: Vortrag des Herrn Ingenieurs Lilienthal über:„Die Fliegekunst als ein Zweig des Turnens" mit Vorführung des Flugapparats. KeickskaHsn. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal): Täglich: KuliloristisA Toiree Nftl'rll'eutsc,,en Guartett- RUi U u. Goiiplet-Sängep Anfang 8 ühr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags; Anfang 7 Uhr. �Ter sanfte Heimilh. �na"� Mariaberg/ W. Noack's Sommer-Theater9 Kruunknstr. 16. Täglich: Concert, Theater- u. Spezialitäten-Vorstellung. Die goldene Insel. Ausstattungs-Operette v. Anton Arno. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag Im Saale: GrOSSer Ball. Volksgarten (ehem. Weimann's Volksgarten) G«su»dbru»»»r»r. Kadstr. 66. Direktion: Max Samst. Täglich: Gr. Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Alle 5 Barrisons. Auftreten des urkom. Vilh. Fröbel u. des beliebt. Franz Heska. Kerlin bei Pacht. Kassenöffnung 5 Uhr. Ansang 6 Uhr. Entree 20 Pf. Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug(lurcli die Luft! Bestrafte weililiche Eitelkeit. Passage- Panspticum. Täglich: Rettung aus Peueesgesalir durch die Feaemch' Kaufmann's Variete. Königsir., Kolonnaden. Täglich: Humoristischer Abendf der ISeumann- Blieanchen's Leipziger Sauger. Neumann, Wilh. Woltf, j Horväth, Gipner, Lemke, I Feldow und Ledermanu.! [=. Anf.8 Uhr. Entree 30 Pf. f Der Floh! (La Puce.) Posse von Wilh. Wolff. Stürinischer Beifall. ßZlM' Et is xnnr piepe»» 1 Aktien-Brauerei Friedrichshain (Königothor). Heute Freitag: Grosses Mlitär- Erei-Konzert. Programm unentgeltlich. Eislpinden.B!�...!/ > owie Milchgesohätts-Vtensilien. lordan, Kleine plaelluvstv. 38. Kesangverein Freya 1 gemischter Chor, Mitglied des Arb.-Säng.-Bundes. Am Dienstag, den 18. d. M. verstarb nach schwerem Leiden unser braver Genosse und lieber Sangesbruder, der Schuhmacher Mibert Henztes Wir�betrauern in ihm eines unserer ältesten Mitglieder, der in guten und bösen Tagen treu zu dem Verein ge- halten, und während der vielen Jahre sich die Achtung aller erworben hat. Wir werden allezeit seiner in Liebe gedenken. 153/13 I. A.: Der Vorstand. Todes-Anzeige. Theile hierdurch allen Freunden und Bekannten mit, daß meine liebe Frau Bertka Lutterbüse, geb. Keyne, ain 19. Juni, mittags 12 Uhr, nach schlverem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag um 3 Uhr von der Leichen- Halle des St. Markus-Kirchhofes in Wilhelmsberg statt. Dies zeigen hiermit an Her trauernde Gatte nebst Mutter und Geschwister. Sie gelft los, sie Vusezeit! Volks-Badeanstalt Rixdorf, Canner Chaussee. Der Unterzeichnete empfiehlt den ge- ehrten Einivohnern von lltixdorf und Umgegend seine renovirte Badeanstalt für Herren und Damen mit Schwimm- bassin. 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Gobeliu, Woq nette und Plüsch sowie Kattel- laschen spottbillig. J. Adler Teppicfefalnik SMiMttsirÄ Ar. 30, Tis-ii-vis dem Rathhause._ für Brautleute: Im Möbelspeicher Neue Königstr. 59, vorn I., sollen über 100 Wirthschastseinrichtungen, kurze Zeit verliehen gewesene n. neue Möbel spottbillig verkauft werden. Ganze Einrichtungen 100, 150, 200—1000 M. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung."Kleiderspinden 15, Rüchen spinden, Kommoden 12, Sophas l5M., Bettstellen mit Sprungfeder- Matratzen 13, Nußbaum-Kleiderspinden 30, Stühle 3 Mark, Hochseine Muschelkleiderspiuden 40, Plüschgarnituren 60 Mark, Herren- schreibtische, Damenschreibtische 30, Cylinderbnreaus, Schreiosekretäre 15 Mark, Garderobeuspinden, Paneel- sophas 75, Büffet?, Trumeaus 65 M., Betten, Couliffentische, alles spott- billig. Auch einzelne Gegenstände werden zu Engrospreisen verkauft. 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Jedem Genossen, der seinen Bedarf Sominer-Poletots, pötsten, Jag»»et«, Hofe»», Mesten, Hüte»», Stiefeln»e., ferner Kette», pliifche, Waschkessel, Koffer, Schirme billig und gut kaufen will, empfehle mein reichhaltiges Lager in all u.»»eu. M. Mepglen, Schneidermeister und Parthiewaaren- Händler, m Skalitzerstraße M. Kestestimgr»»«ach Maatz»verde»« gl»l und billig ausgeführt. Bitte sehr, recht genau ans Namen und Hausnummer zu achten. Chausseostr. 55 Bj Amt III 6917. Empfehle alte» Egsfes Mordhäuser Ltr.-FlaschelM. Ii 5 Fl. 4,80 M. Liköre, Cognac, Rum, Ungarwein etc. ophastoff- Keste_ in Pips, Dainnst, Crspe, Phantasie, Gobelin und piilfch spottbillig___* Proben frank»!"WE in allen Qualitäten zu Fabrikpreisen. AllsttßHt' Eniii Lefevre, oSÜÄ, 158. !! Teppiche!! Eine große Partie Teppiche mit kleinen Farbenfehlern zu spottbilligen Preisen. Größe 138X200 am— 8,�, 5-, 8.°°M. „ 170X250„=5,76,11,60,13,60„ „ 200X300„=8,60,13-,17-„ fortietHi""tta"fÄo8StM Stepinf«■trilx'So'S das Stück 5,50 M. 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An» Friedrichshaw. Täglich: Theater. Spezialitäten. Miiz 30 Ptg. Ball. Volksbelustigungen aller Art. Für die Wochentage ist das Etablissement mit Torstellung und Tanz an Vereine zu vergeben. " Ostbalm«Park Rildersdorferstr. 71. Am KOetriner Platz, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Regie; R. Hintsche. Garten Conrert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlons. Kafferstüche 3 blo 5 plir.— Entree SO Pf. Volltvbelustlgungen jeder Art. 4 Kegelbahnen zur KerfLgung. Gute Ktere. ausgezeichnet» Küche zu soltden preisen. Werkzeuge. SHF* Spezialität fUr Bauhastdwerker, Zimmerer, Tischler, Schlosser, Schmiede, Klempner. «f. Allner, Mulackstr. Ä4, Ecke Gormamistraße. Erdheer-Bowle Pfirsich-Bowle frisch, ausgezeichnet k Flasche 60 Pf. inkl., 10 Fl. Mk. 5,50. Johannioberrivei»», herb, Fl. 60 Ps. Drsertwein, süß, Fl. 75 Pf. Stachelbeer»»»»!»», ganz vorzüglich, Flasche M. 1,—. 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SB Täglich Konzert, Säle und Vereinszimmer noch für mehrer-aute vorher, der Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Uertrauensmanner- Versammlung sämmtlicher Bezirke Motttrtg. 84. Juni, aliends 8 Uhr, bei NSllig, Neue Friedrichstr. 4i. Tagesordnung: Die Lohn» und Arbeitsverhältnisse der Berliner Holz- arbeiter. Verbandsangelegenheiten. Vertrauensmännerkartc und Mitgliedsbuch legitimirt. VezirKs-Vorfmumlmrg für H/fnshif nm Konntag, de» 83. Juni, vormittag« lOVe Uhr, |Ul XUUctUII bei Lange, Stromstr. 28. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen SssLkndsvk über Freimaurer- thum. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beisitzers und Schriftführers. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. '<4* Parquetbodenleger. Montag, 84. Juni, adends 8 Uhr, bei Schöning, Stallschreiberstr. 29. UV" Vertkttnnrluttg."Vi Tagesordnung: Vortrag über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Diskussion. Verschiedenes. Heute Abend: Sitzung der Ortsverwaltung bei Schöning, Stallschreiberstr. 29. Montag» d««r 89. Juli, findet in der Rlenen Welt, Hasenhaide, ein Sommerfest statt. Billets ä 25 Pf. sind auf allen Zahlstellen des Verbandes sowie bei den Vorstaudsinitgliedern zu haben. 2l2/9_______ Die Grtsrrwaltung. Arbeiter-Bildungsschule. Freitag, den 81. Juni, abends s'/e Uhr: Krosse ötteutlielik Versammllmg bei Henbe, Naunynstr. 27. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. med. Gustav Hey manu über:„Das Kaden in kranke« und gesunde« Tagen". 2. Diskussion. Um zahlreicheil Besuch bittet vor Einberufer. Achtung! 4. BerlimRelWMMreiS. Sonntag, den 23. Juni 1895: Großes sozialdemokratisches Achtung! Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, de« 84. d. M., abends 8 Uhr, im Urreinshano Süd»&ft, Waldemarstr. 75. Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 205/19 1. Abrechnung der Lohnko««missioir. 2. Bericht des Delegirten der Geiv-erkschaftskommission und Neuwahl desselben. 3. Verschiedenes. Kollegen! Allen Nörgeleien vorzubeugen, ist es Eure Pflicht, zahlreich zu erscheinen, um Euch über die Verwendung Eurer materiell gebrachten Opfer zu überzeugen. Hie Lahnkommission. Achtung! Achtung! Getmiletröger und Ssieichemrbeiter. Sonnabend» de« 88. Juni, abend« 8 Uhr, im Lokale des Herrn Hensel, Invalidenstrake Ur. 1; iS= Geffentliche Uersatnmlnng � aller in der Getreidebranche beschäftigten Personen. 137/10 Der Uertrauenoman«: Karl Peetz, Siralsunderstr. 44. Zeiltralverblniii iiet Vrailer n. rem. Berllssgellvjseil. Urovi»? Hrandrubnrg. Iweigverel« Kerlin. Sonnabend, den 22. dnnl ISSS, abends präzise 3 Glir: M�Monrrks Versammlung?« in Nieft's Festsälen, Weberstr. 17. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der Delegirten. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 1689b M. Die Versammlung wird präzis« 8 Uhr eröffnet, ohne Nücksicht auf die Anzahl der anwesenden Mitglieder. Der Korstand. 8pree-U?eI UsWkebMdrts- keselkedskt ..8terr. Zu dem am Sonntag, den 23. Juni, in Friedrichs- Hagen stattfindenden Sommerfest fahren unsere Dampfer ab Gate Alsen(Sachse's Wellenbad) von des morgens 7 Uhr bis vormittags Ii Uhr.— Rückfahrt ab Müggel- schloss liva Uhr abends der erste Dampfer. Fahrpreis pro Person einfache Fahrt 30 Pf. Kinder 15 Pf. Hin- und Rückfahrtscheine werden nicht ausgegeben. 27698* 0!« Direktion. CFreund's Inselgarten auf schalten jc. mein idnllisch gelegenes LokalzuSoinmerailsflügen. vampker- Prnhstnchs-Haltestelle. Bei Krem- fern wird Brückenzurückgang vergütet Hanekers Ablage, EP|ei'®|e®iaÄ Wald. Wasser und dicht an der Station gelegen, empfiehlt sich zu Aus- flügen ec. Kaifeküche. Gute Speisen und Getränke. Ausspannung. MünnPkPhlim bei Friedrichsbagen, mllUyCldt'liiUdd direkt am Müggelsee gelegen. WchS Likal d« dtt SbnsM.»SANS» ff. Speisen und Getränke?n soliden Preise»."*i Vereinen it. Gesellschaften gewähre bei vorheriger Bestellung ermäßigte Preise und vergebe «inen Theil meines Lokals auch an Sonntagen. Bestellungen nehme durch �ernspr. Amt Köpenick No. 32 entgegen. Um allen Ansprüchen genügen zu können, "i leitine Anmeldung. Heu: Dampfläbrel Hochachtungsvoll Paul Zibolsky. im Hüggelschlösscheu in Friedrichshagen, unter Mitwirkung des Arbeiter-Sängerbuudes, der Arbeiter-Bildungsschule sowie von Mitgliedern der Freien Volksbühne. Grosses Doppel-Concert ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker Berlins. litoKenpange. Volksbelustigungen. Theatralische Auftübrungen. Zur Aufführung gelangen: — Byzanz. ��=— Erbauliche, lebenswahre Darstellungen aus dem Kulturleben der alten byzantinischen Zeit. Unter Mitwirkung _ von 100 Personen. Geschichtlich treue Kostüme und Dekorationen._ Bnudea« Heinrich aus Nlariaherg. Große humoristisch-satirische Darstellungen aus der Gegenwart. Großes Schauturnen Große Ruder-Regatta, des Tupowercilis„Fichte",_,, veranstaltet vom Mitgl. des Brand. Arb.-Turner-B. I? u I u 1? jjw OP¥i aviS■ Kindervelnstignugen(Kasperle-Theater). Spiele siir Kinder. Lücher- uiiä Lilder-VerloosunK. Die Kaffee-Küche ist während des ganzen Tages geöffnet.'•S Im Sonle vou früh an: Ansüllg des CoueertS früh 8 Uhr. Billet 25 Pf., Mimlige UebeMrt gratis. Fnhrgrlegrnheit: Von allen Stationen der Stadt- und Ringbahn, vampfer- Gesellscbalt „Slorn", Abfahrt von Kailee Alsen vor dem Schlesischen Thor von früh 7 bis mittags 11 Uhr halbstündlich. Abends Abfahrt 11 Uhr.— Billet für Erwachsene 30 Flg., Kinder über 6 dabre 15 Flg. pro Fahrt.— Kremser-Abfahrt von früh 7 Uhr ab Schlesisches Thor. Ans dem Festplahe: Verkauf im Wurst, Schinken, warmen Würsten stme Backwaaren iW z» Ladenpreisen. MMM»» JA* I 1 rt 4 sind in allen Zahlstellen der„Freie» Uolksbühue" und Arbeiter-Silbungs- »t tr A-F schule, sowie in allen«rit Plakate» belegten Hmrbluttgr» zu haben. Es wird dringend gebeten, das Billet ßchlUoV ä» tragen!! Da für Hin- und Rückfahrt in jeder Hinsicht Sorge getragen ist, ersuchen um zahlreiche Betheiligung 291/11 Die Vertranenspersonen. 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Juni,»achmittags 3 Uhr, veranstaltet das Sckillor- Theater, Wallner- Theaterstraße 35, für die Mitglieder der Ueurn freien Uolksbähne(1. und 2. Abtheilung zusammen) eine öffentliche UorsteUung und zwar auf vielseitigen Wunsch: Dev MeinetdbÄuev. V o l k s st ü ck von Ludwig?l n z e n g r u b e r, ivozu unsere Mitglieder gegen Zahlung de-.Juni-Beitrages von 60 Pf. und Gäste für 80 Pf. Zutritt haben. MF" Eintritt zum Garten- Konzert frei! Verlheilung der Plätze wie gewöhnlich durch Verloosung. Grdenllich« Uereins-Uorstellungr» werden der verhängten polizeilichen Zensur wegen vorläufig nicht mehr veranstaltet. Somttag, 30. In«!, von morgens 8 Uhr ab: Gr. Maid- n. Majfer-Fest im Kilüggelschloss-k'nicelnichshsgen. Killet» ä 80 pf. in allen Zahlstellen und den mit Plakaten belegten Geschäften. s6S/7j ver Vorstand. Ikernspreclier Amt? Zlllho. i>er Mllsiklllltnlllielitcll-Arheiter. Sonnabend, de» 83. Anni, abends 8'/s Uhr, im Lokale des Herrn Witaiel, Ackerstraße 145, gegenüber der Markthalle Versummiuug für den Norden. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Otto Steinbarth von der Arbeiter-Bildnngsschule über:„Tie Konsumvereine als Kampfmittel des Proletariats." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. 205/9 Montag, den 15. Juli, in der„Neuen Welt", Hasetlhnide: Großes Sommer-Fest bestehend in Kon-erl, Gesangsvorträgen, Lebendes Bild, Spezialitäten» Vorstellung und Feuerwerk. Kinderbelustigungen aller Art.— Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Im großen Saale: BALL."WL Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Anfang 4 Uhr. Bitlets ä 30 Pf. sind im Verkehrslokal A. Böker, Naunynstr. 78. sowie bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. Der Vorstand. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW., Beuthstraße 2.