Abendausgabe Nr. 506+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 251 10 Pfennig 26. Oktober 1925 = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhaff 292-29% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt Beclag und Anzeigenabteilung: Sefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 202-29% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Des Bürgerblocks Ende. Starke Linksmehrheit.- Volkspartei Volkspartei erledigt. Nach den letzten Zählungen, die ganz Groß- Berlin mit Ausnahme von zwei fleinen Wahlbezirlen umfaffen, ergab die Stadtverordnetenwahl folgendes Bild: SPD.. Deutschnatt. N Deutsche Bp.. APD.. Demokraten Wirtsch. Partei Zentrum usp. 4 Deutschvölkische Deutschsoziale • Ev. Gemeinschaftsbund Rest zersplittert. 589 703 370 604 104 809 332 109 166 896 71 062 61 271 24426 26 411 25 193 1 669 Die abgegebenen Stimmen verteilen fich auf die einzelnen Parteien bei der Stadtverordnetenwahl 1925 im Vergleich zur Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924: SPD. Deutschnatl. Deutsche Bp. KPD.. Demokraten. Wirtschaftspartei Zentrum. usp.. Deutschvölkische Deutschsoziale Evang. Gemeinschaftsbund 25. Ott. 25 7. Dez. 24 in% 6,5 in% 32,7 30,3 20,6 23,9 5,9 18,5 16,3 9,2 19,9 3,9 3,4 3.4 3,9 1,3 0,6 1.4 2,0 1,4 1,6 0,9 Mandatsverteilung. Nach den bisher vorliegenden Ergebniffen. 1. SPD.. 74 2. Deutschnall. 47 3. Deutsche Bp. 13 4. KPD. 42 5. Demokraten 21 6. Wirtsch. Partei. 9 7. Zentrum 7 8. Usp.. 3 9. Deutschvölkische 3 3 10. Deutschsoziale 11. Ev. Gemeinschaftsbund 2 225 Niederlage des Bürgerblods, entscheidender, nicht wieder einzuholender Rückgang der bürgerlichen Parteien: das ist das auffallendste Charakteristikum der gestrigen Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung. Der Rud nach links ist so eindeutig zum Ausdrud ge fommen, daß in Zukunft niemand mehr daran wird zweifeln fönnen, daß in Berlin die Arbeiterschaft ausschlaggebender politischer Faktor ist. Die Gegenüberstellung der geftrigen Wahlen mit den beiden letzten Reichstagswahlen zeigt diese Entwicklung deutlich. Bei der Reichstagswahl vom 4. Mai 1924 betrug der Prozentsaz der für die Arbeiterparteien abgegebenen Stimmen nur 40,9 Proz Schon bei der Wahl am 7. Dezember stieg er trotz des Rüd ganges der KPD. infolge des starten Anwachsens der Sozialdemokratie auf 47,2 Pro3. Heute ist die Mehrheit auf seiten der Arbeiterschaft eine so st arte, daß dieser Linksrud das alles überragende Moment zur Beurteilung des gestrigen Wahlergebnisses darstellt. Am auffälligsten äußert sich diese Entwicklung in dem Rückgang der Rechts parteien. Am 4. Mai 1924 waren die Deutschnationalen in Groß- Berlin noch die stärkste Bartei! Am 7. Dezember werden sie bereits von der Sozialdemokratie wieder weit überflügelt, und jetzt haben sie schon nicht viel mehr als die Hälfte der sozialdemokratischen Stimmen. Doch noch viel fatastrophaier ist der Rückgang der Deutschen Volkspartei. Bon 186 000 Stimmen im Mai 1924 gehen fie im Dezember auf 149 000 Stimmen zurüd, und jetzt überschreiten sie mit Mühe und Not nur gerade 100 000 Stimmen. Sie finken dadurch zu der Bedeutung der kleinen Splitterparteien herunter, ihre Rolle in der neuen Stadtverordnetenversammlung übernimmt die Demokratische Fraktion. Der Linksrud ist ausgesprochen auf Kosten der Rechtsparteien gegangen. Die Wählermassen, die diesen Barteien in den Jahren der Inflation zugeftrömt waren, haben inzwischen erfahren, was es mit der Wirksamkeit dieser Bolts" parteien auf sich hat. Berlin besinnt sich wieder auf fich selber. Wahlbetrug und Demagogie verlieren ihre Wirk famkeit. Die foziale Struktur der Bevölkerung kommt auch im Wahlergebnis immer mehr zum Ausdruck. Berlin wird immer eine Lintsmehrheit haben, und das Bürgertum wird fich mit dieser Tatsache abfinden müssen. Geradezu grotest wirkt nach diesem Wahlergebnis die Erinnerung daran, daß die Volksparteiler noch turz vor Toresschluß ihren famosen Herrn Benete auf den Poften des Stadtschulrats für GroßDeutschnationaler Rückgang. Berlin erheben wollten. Die ehrgeizigen Aspirationen dieser Herrschaften sind, wie wir hoffen, ein für allemal erledigt. Auf der anderen Seite steht eine unzweifelhafte Arbeitermajorität, deren Arbeitsunfähigkeit als geschloffene einheitliche politische Macht leider bei dem Charafter der Kommunistischen Partei vorläufig noch mehr als frag lich ist. Selbstverständlich hat die Sozialdemokratie das größte Intereffe daran, auch die Kommunisten zu praktischer Gemeindearbeit heranzuziehen. Viel zu groß ist das Interesse der gefamten Arbeiterschaft an der Berliner Kommunalpolitit, als daß nicht jeder Bersuch gewagt werden müßte, dieses Interesse auch politisch zur Geltung zu bringen. Trotz Etti- Brief und anbefohlener Rechtsschwenkung wird aber jeder ein großes Fragezeichen hinter. die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der KPD. machen. Die Erfahrung wird uns sehr bald lehren, ob wir uns wider Erwarten in ihnen getäuscht haben sollten. Die Kommunisten haben sich besser behauptet, als wie sie selber angenommen haben. Ihr Rückgang, der von der Maiwahl des vergangenen Jahres bis zur Dezemberwahl Man fann leider faum die Hoffnung hegen, daß diese Tatsache ein direkt fatastrophaler war, ist zum Stillstand gekommen. die Entwicklung zur Vernunft in der KPD. fördert. Sozialdemokratie und den Rückgang der Rechtsparteien. Es erhielten an Stimmen: SPD. 6283, Gemeinschaftliche Liste der Rechtsparteien 7517, Mieter 1666, Rommunisten 925, Zentrum 576, Demokraten 764. Das neue Stadtparlament besteht danach aus Demokraten 2( 0), 3entrum 1( 0), Sozialbemofraten 13( 9), Rommunisten 2 ( 1), Arbeitsgemeinschaft 16( 21), Mieter 4( 7). Die badischen Landtagswahlen. Allgemeiner Stimmenverluftam größten bei den Dentschnationalen. Karlsruhe, 26. Oftober.( Eigener Drahfbericht.) Das vorläufige amtliche Wahlergebnis in Baden ist folgendes: Zentrum 283 404( am 7. Dezember 1924: 342 698), Demokraten 66 842( 92 535), Deutsche Volkspartei 72 882( 97 719), Wirtschaftliche Bereinigung 22 858( 16 697), Aufwertungspartei 4 176(-), Nationalsozialisten 8 896( 19 160), Sozialdemokraten 160 553 ( 198 593),„ Rechtsblod", d. h. Deutschnationale und Landbund 93 727 ( 147 697)." Kommunisten 47 304( 64 952), Deutvölkische Freihells gegeben 770 041 Stimmen gegenüber 996 627 in der letzten Reichs( 147 697). Kommunisten 47 304( 64 952), Deutvölkische Freiheitsbewegung 6 590( 3 405), Pächterverband 2 829. Insgesamt abtagswahl. Un Abgeordneten find gewählt: Zentrum 28( 34), Sozialdemofraten 16( 21), Demokraten 6( 7), Rechtsblod 9( 15), Deutsche Volkspartei 7( 5), Wirtschaftliche Vereinigung 2( 1), Rommuniffen 4( 4). Einzelergebnisse. Der Sozialdemokratie ist es gewiß gelungen, ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl vom Dezember 1924 zu steigern. Aber diese Steigerung entspricht nicht den Er. martungen, die die Partei nach dem Verlauf des Wahltampfes hegen durfte. Gewiß die Sozialdemokratie ist auch in Berlin wieder auf dem Marsch. Die nationalistische Hochflut ebbt weiter ab. Aber in eine Stadt mie Berlin fann Karlsruhe: Zentrum 14 720( 17 364), Demokraten 6470 die Sozialdemokratie nicht eher mit sich zufrieden fein, bis sie( 8805), Deutsche Boltspartei 14 848( 18987), Wirtschaftliche Bereinidie Mehrheit erobert, die ihr als die Partei der Argung 2647( 2299), Aufmertungspartei 402( 283), Nationalsozialisten beiterschaft zukommt. Die verhältnismäßige Stärke der RD. 1660( 2408), Sozialdemokraten 26 207( 28 555), Rechtsbind geigt, eine mie ftarte politische Erziehungsarbeit in Berlin 10 456( 17 507), Rommunisten 5474( 7584), Deutschpölfische 1272 von uns noch geleistet werden muß, ehe das Zentrum der ( 935), Bächterverband 111. Republik über eine zuverlässige republikanische und sozialistische Mehrheit verfügt. Die Schwierigteiten der neuen Parteiverhältniffe werden sich im Rathaus sehr bald zeigen. Schon die Berhand lungen über den neuen Berliner Etat werden die Probe aufs Exempel dafür sein, ob das Anwachsen der Arbeiterstimmen im Interesse der Arbeiterschaft auch wirklich ausgewertet werden kann. Die geftrige Wahl ist gewiß ein Fortschritt, aber ein ungenügender. Angespannteste Arbeit wird geleistet werden müssen, um diesen ersten Erfolg so auszubauen, daß bei einer neuen Wahl der endgültige Sieg ficher iſt. Stadtverordnetenwahlen in Landsberga.W. Aufstieg der Sozialdemokratie. Landsberg a. d. W., 26. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Hier erfolgten am Sonntag die Neumahlen zum Stadtverordne tenkollegium. Das Ergebnis zeigt den Aufstieg der Mannheim: Zentrum 21 357( 26 156), Demokraten 9405( 13 366), Deutsche Volkspartei 17 403( 21 454), Wirtschaftliche Bereinigung 4325( 3387), Aufwertungspartei 1543( 1058), Nationalsozialisten 1600( 3430), Sozialdemokraten 38 232( 45 422), Rechtsblod 7004( 10 417), Rommunisten 14 935( 18 400), Deutschvölkische 603 ( 44), Bächterverband 130. Deutsche Volkspartei 3678( 6093), Wirtschaftliche Bereinigung 2753 Freiburg: Zentrum 19 588( 25 376), Demofraten 3356( 5759), ( 2469). Aufwertungspartei 378, Nationalsozialisten 249( 607), Rommunisten 1331( 2952), Deutschvöltische 387( 128). BächterSozialdemokraten 8291( 11128), Rechtsblod 4796( 7836), verband 416. Der neue Landtag tritt bald zusammen. Nach der badischen Verfassung tritt der neugewählte Landtag spätestens zehn Tage nach der Wahl zusammen, somit spätestens am 4. Rovember. Eine der ersten Handlungen des Land. tages ist die Wahl der Regierung. Ministerrat über die Krise. Reichstagswahlen in Sicht. Heute mittag 12 Uhr begann eine Besprechung der Reichsminister. Der Reichskanzler teilte mit, daß die anwesenden Kabinettsmitglieder Schiele, Neuhaus und Schlieben ihre Demission eingereicht hätten. Daraufhin verabschiedeten sich diese drei Herren vom Kabinett. Danach trat ein Miniffertat zufammen. Man wird damit rechnen können, daß das kabinett nicht beabsichtigt, seinen Gesamtrücktritt zu erklären, sondern vielmehr seine Aufgabe darin fieht, die außenpolitischen Arbeiten fortzusehen und dem Reichstag rechtzeitig vor dem 1. Dezember das Gesamtergebnis diefer 2rbeit zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Der Reichskanzler wird sich nach Beendigung der Minifterfihung zum Reichspräsidenten begeben, um ihm Bericht zu erstatten. Nicht viel mehr als die Hälfte der deutschnationalen Reichstagsfrattion hatte sich gestern nach Berlin bemüht, um in einer Frage, die nicht nur für die eigene Partei, sondern für das ganze Bolf von außerordentlicher Bedeutung ist, ihre Entscheidung zu fällen. Die ungefähr 60 Mitglieder des offiziellen Fraktionsberichts sind sicher weniger als 60. Das heißt, daß mehr als 50 deutschnationale Abgeordnete es nicht für nötig gehalten haben, nach Berlin zu fommen, um an dieser bedeutungsvollen Entscheidung mitzuwirken. Trotzdem wird man die Lage vom Standpunkt der Rechtsfoalition aus als nicht wiederherstellbar betrachten müssen. war ist die deutschnationale Politik ein Feld der unbegrenzten Möglichkeiten, aber daß sich die Fraktion nach allem Borangegangenen schließlich dennoch für Locarno entscheiden tönnte, ift einstweilen nur eine Idee für Humoristen. Auch Herrn D. Hindenburg dürfte es nicht mehr gelingen, die ZuStimmung der Deutschnationalen zu der Politik zu gewinnen, ber er selber zugestimmt hat. Wo der See der nationalistischen Demagogie rast, ist auch der Retter" machtlos. Wie der Zustand außen- und innenpolitischer Berwirrung, der durch den deutschnationalen Kopfsprung herbeigeführt wor den ist, wieder beendet werden soll, ist vorläufig ein ungelöstes Rätsel. Ein Troft bleibt, daß das Reich, dant der Stabili. tät der Regierungsverhältnisse in Breußen, schon so manche Krise überstanden hat. Man stelle sich aber vor, den wiederholten Bemühungen der Rechtsparteien märe es gelungen, das verhaßte System Severing" zu beseitigen dann allerdings wäre der Kladderadatsch fertig! Wie immer sich nun die Krise im Reich weiter entwickeln mag, jedenfalls ist die Auflösung des Reichstags in unmittelbare Nähe gerückt. Dem Volt wird Gelegenheit ges geben werden zu entscheiden, ob es auf der betretenen Bahn einer Berständigung mit seinen Nachbarvölkern verharren mill oder ob es den Selbstmord durch eine illufionäre Revanche friegspolitik vorzieht. Deutschnationale und Kommu nisten werden dann wieder in gemeinsamer Front kämpfen und gemeinsam geschlagen werden. Sigung des sozialdemokratischen Fraktionsvorstandes. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion tritt Mittwoch nachmittag 3 Uhr zu einer Sigung zusammen. die diktatur von Mostan. Statt der Demokratie in der Partei— schärfste persön- liche Diktatur. Di- russische Exekutive der Kommumstischen Jnternatio- fiole in Moskau hat im Kampf gegen die frühere deutsche linke Zentralleimng der KPD., Ruth Fischer und M o s l o w, das Schlagwort von der Demokratie innerhalb der Partei in die kommunistischen Mit- gliedschasten geworfen. Sie hat die nunmehr abgesägte Parteiführung der Ausübung einer rein persönlichen Diktatur, eines mechanischen Drucks von oben auf die Mitgliedschaften beschuldigt. Aber das Schlagwort von der Demokratie innerhalb der Partei war nur ein Kampfmittel. Es war nicht ernst gemeint. Wer in der Kommunistischen Partei geglaubt haben sollte, daß er minmehr frei seine Meinung sagen dürfe, wird heute schon eines Besseren belehrt. Der Berliner Zentral- v o r st a n d stellt in einer am 23. Oktober angenommenen Resolution die These auf, daß die demnächst stattfindende Parteikonferenz der KPD. den A b s chl u ß der bis- herigen Parteidiskuffion bilde. Diese Parteidiskussion ist also sch o n zu Ende. Nur war sie sehr einseitig. Die russische Exekutive und ihre Kreaturen haben in endlosen Aussätzen und Reden ihre Ansichten vertreten. Wer immer gegen sie eine andere Ansicht zu äußern wagte, wurde aufs Maul geschlagen. In der Praxis sah die Demokratie innerhalb der Partei folgendermaßen aus: Willkürlich zusammengesetzten Organisationskörpern wur» den in Berlin die Beschlußrechte der bisherigen Organisation?- kärper übertragen, um eine der russischen Exekutive genehme Entscheidung durchzusetzen. Jede Publikation der Verteidigungsrede von Ruth Fischer in Moskau wurde unterdrückt. Als die An- gegriffenen im Berliner Funktionärorgan„Der Funke" in mehreren Artikeln ihre Ansichten darlegten, wurde dies Vor- gehen mit einem Bannfluch belegt, weil nicht zugleich die Gegenargumente der Exekutive veröffentlicht wurden. Ein einziger in der Kommunistischen Partei hat den Versuch gemacht, wirklich und freimütig und politisch zu dis- kurieren, R e i n h o l d S ch ö n l a n k. Dieser Versuch, von der angeblich gewährten Demokratie in der Partei Gebrauch zu machen» wurde von der Zentrale der Kommunistischen Partei sofort mit dem Ausschluß beantwortet und S ch ö n la n k als Agent einer gegnerischen Partei in den Reihen der Kommunistischen Partei bezeichnet, der die theo- relischen Grundlagen für die Liquidierung der Kommunisti- sehen Partei schassen und die Partei in das Lager des Re- formisnuis führen wolle. In der Sitzung der Zentrale hat als einziger der Kom- munist Schol'em nicht für den Ausschluß von 'S ch L n l a n k gestimmt. Daraufhin hat der Berliner Zsntraloorstand folgende Resolution gegen ihn gefaßt: „Der Fall Schönlenk hat gezeigt, daß liquidatorisch«, rechte Gefahren bestehen. Das ZK. hat auf den menlchewistischen Vorstoß Schön- lanls mit dessen sofortigem Ausschluß geantwortet. Die Mitgliedschaft verurteilt aufs schärfste das schwankende Verhalten des Genossen Scholem, der gegen den Ausschluß Schönlanks Stellung nahm und sich bei der Abstimmung im ZK. als einziger der Stimme enthielt. Dadurch bewies Genosse Scholem, daß er liouidatorische Tendenzen in der Partei dulden will." Es darf also selbst in den Zentralsitzungen der Kommu- nistischen Partei nur so abgestimmt werden, wie es den Mos- kauer Befehlen entspricht. Am besten beleuchtet wird jedoch die Demokratie inner- halb der Partei durch den Beschluß des Berliner Zentralvor- standes, die Plattform von Ruth Fischer, die sie der Reichspartei konferenz vorlegen wollte, nicht zu veröffentlichen. Die Demokratie in der Partei besteht also darin, daß die Gegner der russischen Exekutive in Moskau nach allen Regeln der Kunst mundio! gemacht werden. Die Kommunistische Partei besitzt eine Reihe von Ab- geordneten im Parlame n t. Diese Abgeordneten könnten die Demokratie so auffassen, daß sie ihren Wählern über ihre Tätigkeit Rechenschaft oblegen und ihre Parlamenlstätigkeit nach den Beschlüssen ihrer Wähler regeln dürften. Um diesem Irrtum vorzubeugen, hat die Zentrale der 5ioinmunistischen Partei folgenden Beschluß über die Kontrolle der Parlamentsabgeordneten gefaßt: „1. Das Zentralkomitee erinnert an die Bestimmungen der 21 Bedingungen über die Aufnahme in die Komintern, der Statuten der KI. und der KPD. bezüglich der strengsten organisatorischen und politischen Unterordnung der Parlamentsfraktion unter das ZK. der Partei. 2. Diese Bestimmungen sind strenger als bisher in An» Wendung zn bringen. 3. Die Reichstags- und Landtagsabgeordneten der Partei dürfen nur mit Genehmigung des P o l s ek r et a riat s der Partei in den Bezirken tätig sein." Dieser Beschluß macht die kommunistischen Abgeordneten im Reichstag wie in den Landtagen zu Marionetten in der chand der Führung der russischen Exekutive in Moskau. Die Zentrale der Kommunistischen Partei hat oersichert, daß sie keinen politischen Schritt unternehmen werde, ohne sich vorher mit der Erekutioe und der Leitung der russischen Kommu- nistischen Partei verständigt zu haben. Die Abgeordneten werden durch diesen Beschluß auf das strengste an die Befehle der Zentrale, d. h. also an die Befehle von S i n o w j e w und B u ch a r i n gebunden. Die kommunistischen Abgeordneten bringen im Parka» ment nicht die politische Willensrichtung der Wähler zum Ausdruck, sondern den Willen der beiden Diktatoren von Moskau. Wohl noch niemals haben zwei Männer einen zahlenmäßig so starken Einfluß in dem Parlament eines anderen Landes besessen, wie S i n o w j e w und B u ch a r i n im Deutschen Reichstag und in den deutschen Landtagen. Die angebliche Demokratie innerhalb der Kcmnnumstischen Partei ist nichts anderes als die schärfste persönliche Diktat urvon S'nowjew, dem Vorsitzenden der Mos- kauer Exekutive der Kommunistischen Internationale und von B u ch a r i n, dem Vorsitzenden der russischen Kommunistischen Partei. Der„neue Kurs" der Kommunisten besteht in der vollständigen Unterwerfung unter die Willkür der Moskauer Diktatoren. Die üeutscbe �brüstunasnote. Ein Bericht der Militär-Kontrollkommiffio«. Die sogenannte Botschafterkonferenz in Paris, d. h. die Vertreter der Ententegroßmächte, treten am Dienstag früh zur Prüfung der deutschen Abrüswngsnote zusammen. Dazu ist ein Bericht des Ge- nerals Walch eingegangen, worin laut einer Havasmeldung aus London, stehen soll: Mit der Ausführung der Abrüswngsbestimmungen sei be- gönnen worden. So sei z. B. in den K r u p p werken das Material zerstört, das zur Herstellung der„Dicken Bertha" gedient habe. Andere Abgill>erungsn seien noch lange nicht soweit fortge» schritten. Am wichkigsten scheine den Alliierken Punkt 1 über die voll» machten des Generals von Seeckt. Es werde festgestellt, daß General o. Seeckt nicht nur Oberkom- luandierender sei, sondern auch die Ernennung der Offi» zieredes General st abes vornehme. Die Regelung dieser Frage sei für die deutsche Regierung besonders schwer, doch be- anspruche sie vom a l l i e r t e n Standpunkt aus größere Bedeutung als alle anderen Punkte. Das Oberkommando und die Organisierung des Gcneralstabes, sowie die Ernennung der Offiziere müsse künftig wieder dem Wehrmini st er unterstellt werden. Außerdem müßten die Bureauoffiziers und technischen Offiziere des Generalstabes zu einer einzigen Kategorie vereinigt werden. Immer- hin seien durch die Verhandlungen zwischen General Walch und den zuständigen Stellen gewisse Fortschritte erzielt worden. Die grüne Lampe. Bon K n u l p. Heute habe ich zum ersten Male die grüne Lampe angezündet. Es ist eine Petroleumlampe mit blinkendem Messingständer und grünem Glasschirm. Ich nenne sie immer nur„die grüne Lampe". Wenn ich sie zum ersten Male angezündet habe, dann weiß ich: der Winter hat begonnen! Holz und Kohlen kommen in den Ofen, die Borhänge werden vor die Fenster gezogen, die Bücher, die schon lange daraus warten, in die Hand genommen zu werden, zurecht- gelegt und die Arbeit beginnt. Ich lese— ich lerne— ich schreibe— Praktisches— Müßiges— wie es gerade kommt—, wie ich es gerade will. Die grüne Lampe wirft ihren goldgelben und warmen Schein über melns Hände. Sonst ist das Zimmer ganz in Dunkel getaucht. Rur mein Kopf ist in das Licht gerückt. Ganz in das Licht der grünen Lampe. Wie meine Hoffnung— sie steht im Licht! Der Winter ist der Sommer meiner Arbeit: da reifen und fallen die Früchte. Mag draußen der Schnee lautlos und endlos niedergeben und die Welt weih und totenstarr aussehen— ich habe die Fenster gsschlojsen, die Vorhänge zugezogen und die grüne Lampe ange- zündet. Während draußen so mancher zum Winterschlaf geht, bin ich zum Leben erwacht. Zum Arbeiten, Schassen, Ringen, Kämpfen! Ich habe die Lampe der Hoffnung angezündet und bin wie auf einem einsamen Schisf, das durch die Nacht fährt; die grüne Lampe am Bug und vor sich Sturm und Unendlichkeit.., Strauß-Zeier. Die erste fand als Festvorstellung des„R e i ch s v e r b a n d s s deutscher Presse" statt. Die Städtische Oper hatte ihr Haus hergegeben, der zweite Akt der„Fledermaus" war unter T i e t j e n s Regie und Bruno Walters Leitung der künsllerische Mittelpunkt. Die«Stimmung des Hauses, in der sich wie üblich die Minister mit der Presse und der eleganten Welt ein Stelldichein gaben, war eine gute. Sie wäre in einem kleineren Räume, und wenn man die„Fledermaus" von ihrer Exposition an zu Gehör gebrocht hätte, noch intimer gewesen. Jubel brach los, als Walter mit wirklich delikatem Empfinden, aus dem Geist des alten Wien heraus einen Walzer als Einlage dirigierte, gleich als wenn Lohann Strauß in Andacht gefeiert werden sollte, und als Lucie Kiesel- hausen als später Gast des Prinzen Oriowsly einen Walzer schwebenNei'bt« n?te. Um die Auffüh'-img bemüMm sich �-sonders Elisabeth Schumann, Emmy Sturm, Frau Letten- Sari, sowie Tauber und Z a d o r. Die zweite Feier in der S t a a t s o p e r. Zum erstenmal „Z i g e u n e r b a r o n". Es darf gesagt werden, daß in solcher Reinheit und Lust, in solcher technischen Vollendung ein Orchester niemals die Musik dieses genialen stücks exekutiert hat. Berantwori- sich f> diesen Abend ist Erich Kleiber. Schon als er die Ouvertüre begann/ merkte man. daß er alle Allüren de« denkenden Musiker» beiseite gelassen hatte. Das heißt nicht, daß er sich irgend. wie versehen hätte, sondern er dirigierte aus der Fülle eines lust- vollen Musikantenherzens heraus, völlig berauscht von der Schön- heit der Rhythmen und Melodien, selbst begeistert und dadurch be- geisternd. Niemals noch sah ich Kleiber in solcher lebhasten Ver- fassling, und es kam der Ausführung noch besonders zugute, daß er eben ein Wiener ist und die Tradition wie die Sinnlichkeit wienerischer Musik erbmäßig in sich trägt. Im Gegensatz zu Bruno Waller fehlt ihm die Abklärung des Alters, die aber der Mischung von österreichischen und ungarischen Melodien nur unzuträglich gewesen wäre. Die Aussllbrung hatte ciwas geradezu anregend und auf- regend Frohes an sich. Das ist das Höchste und Schönste, was man zu ihrer Ehre sagen kann. Dieser„Zigeunerbaron" wird alle Er- folge, der Smatsopcr in den Schatten stellen. Wenn es einer Reha. bllitierung des oftmals so intellektuell musizierenden Kleiber bedarf, so ist sie hier gegeben. Ein herrlicher Musikant! Die Bühnenbilder von Aravantinos waren still und romantisch, das letzte Wiener Bild bezaubernd in der Idylle eines Wien von ISöl). Bon den Darstellern seien in gleicher Anerkennung genannt Richard Tauber als außerordentlich beweglicher und eindringlich spielender Emigrant, Leo S ch ü tz e n d o r f in der vielbcwährten komischen Rolle des Schweinezüchters, L i o l e t t a de Strozzi in der sinnlich-beionten Wiedergabe ihrer Zigeuner- lieder, Margarete Arndt-Ober als scharf charakterisierende Zigeunerin. Als das Finale des zweiten Aktes in seiner lied- und marschmäßigen Meisterkontrapunktik aufrauschte, da war das erreicht, was nicht alltäglich ist: Berlin schien mit dem Herzen von einigen tausend Menschen dem Wiener Herzen von Johann Strauß zuzujubeln.____ K. S. Andersen- Matinee im Schauspielhaus. Es war eine Morgen- feier, die dem Märchendichter Andersen gerecht wurde. Ein wunder- voll zusommengesetzes Programm, das nur einmal von Gertrud Bindernagel eigenmächtig durchbrochen wurde, indem sie eine Arie aus„Fidclio" einfügte. Der Zauber der Andcrsenschen Märchen- stimmung wird so in einer Weise unterbrochen, die taktlos gegenüber Andersen und Beethoven zugleich war. Ihre schöne Stimme, konnte mit dieser Eigenwilligkeit nicht versöhnen. Die einleitende Ansprache hielt Herbert Eulenberg, der mit feinem Nachsühlen ein Märchen vom kleinen Andersen und einem Storch erzählte. Odense, die Heimatstadt des Dichters, und die verträumte Jugend des mi< rnosenhaflen Knaben wurden lebendig.„Den einen nichts, den anderen viel, ein Märchenerzähler, nur ein Dichter"— das war die Prophezeiung, die er als letzte Worte durch seinen Storch dem zum Jüngling gewordenen Knaben sagen ließ. Dann sagte ein Kind ein paar Verse auf, die ein Dank dem Mörchendichter und ein Dank seinem Volke waren, das sich der hungernden deutschen Kind«? in ihrer schwersten Zeit angenommen. Wundervoll, wie dann Mar- garete Schön„die Prinzessin auf der Erbse" und das trotz aller Weichheit bitterböse Märchen vom„Wassertropfen" las. Auch die Wiedergabe des„Standfesten Zinnsoldaten" durch Lucie Mann- heim und der„Nachtigall" durch Arthur Krauhneck war ganz mit Andersenscham Geist erfüllt. Gertrud Binder- nagel sang vier kleine Airdersan-Lieder nach Musik von R. Schu- mann und Grieg. Die Margenseier war so alles in allem eine w'rt» liche Feierstunde, die nachdenklich und erfreut zugleich macht und groß und klein in ihren Bann zog. L. Sch. Außerdem wisse man, daß General o. Seeckt gewisser Amtsbefug» nisfe nur durch ein besonderes Gesetz entkleider werden könne. Die deutsche Note werde in Paris und London als be, f r i e d i g e n d angesehen. Man sei deshalb der Ansicht, daß die Rachprüfung der begonnenen Adrüsiungsmahnahmen er- lauben werde, einen Anfang mit den Erleichterungen des Lesatzungsregln.es zu machen, die Deutschland in Locarno versprochen wurden. Es fei allerdings nicht möglich, beim gegenwärtigen Stand der Dinge ein Datum für die Räumung Kölns anzugeben. Die Engländer könnten eurerseits Köln nicht verlassen, bevor nicht gewisse französisch« Truppenabteilungen aus Wiesbaden abgerückt seien, anderer- seits seien Abänderungen in der Einrichtung der Kasernen in der zweiten und dritten Rheinlandzone notwendig, damit Platz geschaffen werde. Die Umwandlung in der zivilen und juristischen Per- waltung des besetzten Gebietes, die Deutichland zugestanden werden konnten, setzten eine vpllständige Neuorganisation voraus. In diesem Zusammenhang gelle es zu entscheiden, welche Vergehen in die Kompetenz der Zivil- und der Kriegsgerichte fielen und ob gewisse gemeine Rechtsvergehen wie Diebstähle, Gewall- tätigkeiten usw. von anderen Gerichten abgeurteill werden sollten, als von denen, die bisher zuständig waren, wobei ein« mögliche Heranziehung deutscher Behörden zu berücksichtigen sei. Wettere Milderungen des Vesatzungsregimes bezögen sich auf die Aufhebung gewisser Verkehrsoorschriften_ wie Pässen, Erlaubnisscheinen usw. Man sehe also, heißt es zum Schluß der Havasnot«, daß die Aenderungen des Regimes alle recht kom- pliziert seien und daß man nicht wisse, welche Zeit die Aus- führung in Anspruch nehmen werde. Deshalb sei es nicht möglich, ein Datum für die Umgruppierung der Truppen und die Räumung Kölns anzugeben, besonders wenn man berücksichtige, daß der eng- tische Generalstab ursprünglich eine Kündigung von vier Mo» naten gefordert habe. London, 2ö. Oktober.(WTB.)„Daily Expreß" läßt sich au» Köln melden: Es besteht für dieses Jahr keine Aussicht auf Räumung des Kölner Brückenkopfes. Eine Er- kundung des Wiesbadener Gebiets, in das die Besatzung übersiedeln soll, werde wahrscheinlich diese Woche beginnen. Beabsichtigt sst, daß, wenn der Locarnopakt im Dezember unterzeichnet wor- den ist, die Räumung Mitte Januar beginnen zu lassen. Gleichzettig werde eine große Verminderung in der Stärke des brttischen Besatzungsheeres mcht vorgenommen werden, da es bereits unter der im Versailler Vertrag festgelegten Stärke sich bewege. Caillaux gcg»n Vermögensabgabe. Paris, 26. Oktober,(ffifiener Drahtbericht.) Der sranzösisch» Finanzminister C a i l l a u x hat sich iy einer am Sonntag in seinem Wahlbezirk gehaltenen Rede ganz entschieden gegen die von den So- zialisten und Radikalsozialen verlangte Bermögensabgabe aus- gesprochen und sich aus'diese Weise in einen offenen Gegensatz zu dem Linkskartell gestellt. Während P a i n l e o e in seiner am Sonntag gehaltenen Ansprache zwei Wege zur Lösung der schwebenden Finanzkrije als möglich bezeichnet und die Entscheidung dem Montag-Ministerrat vorbehalten hat, sprach sich Caillaux. ohne den InHall seiner Finanzxläne bekanntzugeben, nur für die eine der beiden Möglichkeiten aus. Er wies daiauf bin, daß anläßiich des Verfalls der hohen Betrage von Schatzscheinen ihm sich die Möglichkeit geboten habe, zü ctnet zwangsweisen„K o s o l i- dierung"'dieser ischatzschetnc zu schreiten. Er habe ledoch diesen Weg, der eine Ablehnung der vom Staate übernommenen Verpflich- tungen bedeutet hätte, ablehnen müssen.- Ebenso müsse er auch die von den Sozialisten. norgeschenc Vermögensabgabe ab- lehnen. Die Erfahrungen, die man damit im Lluslonde gemacht habe, hätten gezeigt, daß.die Vermögensabgabe überall, wo man sie durchzuführen versucht. Habe, kläglich gescheitert sei und überall Ruin und Verfall hinter sich gelassen höbe. Auch habe er bemerkt, daß diese sozialistischen Gedankengange merkwürdigerweise eine Unterstützung bei den Mächtigen der Finanz fänden, und das müsse noch das Mißtrauen gegen die Kapitdlabgabe steigern. Denn die Finanz« macht hege die Hoffnung, aus der durch die Kapllalabgabe hervor- gerufenen Verwirrung in der ganze» Wirtschaft Kapital zu schlagen. Caillaux erklärte sich dann als Anhänger der demokratischen Finanz- gesetzgebung, die neben einer progressiven Einkommensteuer und Luxussteucrn auch eine strikte Oekonomie der Ausgaben einbegreife. Rur auf diese Weise werde man, so erklärte er, die gegenwärtigen Schwierigkellen überwinden können. Der Weg sei jedoch weit, Zeitz Ausdauer, Methode und Vertrauen den Regierenden sei die Formel..... Die Posse„Stall Levy mit Ppsilon" von Anton Herrn- feld, deren Erstausführung am Sonnabend im Herrnfeld- Theater(früheren Intimen Theater) stattfand, sst eine der üb» lichen Herrnfeldiaden. Der hervorragend geschäftsuntüchtige Herr Kratki hat einen Rennstall gekauft, versteht aber nichts von Pferden. Da er die«ache, die ihm heillos über den Kopf wächst, vor seiner Frau verbergen will und bei diesen Versuchen die ungeschicktesten Ausreden macht, gerät er in den Verdacht, verrückt geworden zu sein. An seiner Stelle kommt aber infolge einer Personenoer- wechslung sein Freund ius Irrenhaus. Dos dadurch entstehende unentwirrbare Durcheinanid-r gibt den Anlaß zu einigen luftigen Szenen.— Die Theaterdirektion halte außer der Theaterkritik auch die Sportredaktion geladen. Richtiger wäre gewesen, den Referenten für Aittiquttäten zur Vorstellung zu bitten. Der hätte sich gefreut, ein Kunstprodukt iu etwas veränderter Form wiederzufinden, das schon vor vielen vielen Jahren verschollen schien. Die eigentliche Possenidee, die Intcrnierung eines ahnungslosen Gesunden im Irren- Haus, hat nämlich das alte Herrnfeld-Theatsr schon vor langer Zeit aufs Tapet gebracht. Der Theaterkrktiker seinerseits kann nichts wetter Wn, als die Fessstellung machen, daß sich das Publikum aufs beste amüsiert, auch wenn die Witze noch so ausdauernd breitaetreten werden, und daß Herr Anton Herrnfeld regelmäßig de» größten Lacherfolg erzielt, wenn er feine Rotte in einem abenteuer. lichen Dialekt herausstottert. Das Wort„Rennstallbesitzer" spricht er Rinnstullbeefiezerr" aus und sagt ganz verwundert, wenn ihn einer nicht versteht-„Jich sprrich buch ganz duttlich." Dgr. Essener medizinische Woche. Die von der Rotgemeinschast der Deutschen Wissenschaft auf Anregung der Gewerkschaften veranstaltete E s s e n e r W o ch e, die es sich zum Ziele setzt, die medizinische Wissenschaft und das werktätige Volk einander näher zu bringen und der Arbeiterschaft einen Ueberblick über den gegen- wärtigen Stand der medizinischen Forschung zu geben, ist am Sonn- tag eröffnet worden. Im großen Saal der Kaupenhöhe hatte sich zum ersten Vortrag eine große Teilnehmerzahl.. besonders aus Ge- werkschaftstreisen, eingefunden. Oberbürgermeister Bracht begrüßte dr« Veranstaltung immens der Stadl. Er gab zunächst sein Be- dauern über das durch die politische Lage veranlaßte Fernbleibe» des Reichskanzlers Dr. Luther Ausdruck und richtete dann Worte der Begrüßung an den Präsidenten der Ro'gemainschaft, Staats- minister a. D. Dr. Schmidt- Ott, an den Regierungspräsidenten Bergcmann(Düsseldorf), an die Sekreräre der Gewerkschaften und an den Redner des Tages. Geheimrat Bier tBerlint. Dr. Schmidt- Ott, der alsdann das Wort nahm, sprach kurz über dte Ziele der Rotgemeinschast der deutschen Wissenschait, nämlich: planmäßige Arbeit am W'eberaufbau und an der Gesundung des deutschen Volkes, besonders der arbeitenden Schichten. Danach referierte G e. heimrat Bier über„Die Bsdeutung der Leibesübungen für dl« Verhütung der Tuberkulose". vo�sbühue. Am �snilerstaa, den??.. abends 8 Uhr, ließ Mar Halde aui Einladung der Volksbü.ne im Rittersaal der Oper am KönigSPlatz auS i einen Serjcn aar. XBie man Affen särgtz wird am 2L, 7 Ndr atzendS. in der Urania, Taubeniiratze 48, 4S, Herr Dr. üutz Sf e d antätzlich seine» Bari rage» über .Die abefstnisch« Aiersavgezpedttüm' deS Berliner Zoologischen EaUen» «zähle». Elise Bartels Sonntag abend verstarb an den Folgen einer Unterleibsoperation in der Privatflinit von Prof. Straßmann in Berlin unsere Genoffin Elise Bartels, Reichstagsabgeordnete für den Wahlfreis Süd- Hannover- Braunschweig. Im Jahre 1880 in Hildesheim geboren, lernte sie schon in jungen Jahren als Fabritarbeiterin das Elend des Proletarierdaseins fennen. Frühzeitig sozialistischen Ideen zugängig, war die Verstorbene seit 1908 in der Partei besonders tätig. Auch die Jugendbewegung und die Gewerkschaftsbewegung fanden in ihr eine tatkräftige Förderin. Im Jahre 1919 wurde sie in ihrer Heimatstadt als Bürgervorsteherin( Stadtverordnete) gewählt. Ihre große, sympathische Erscheinung erregte allgemeine Aufmerksamkeit; ihr liebenswürdiger Umgang mit allen ihr nahe stehenden Personen verschuf ihr weit über die Kreise unserer Partei hinaus Freunde und Anhänger. Eine gute Agitationsgabe und eine starte Ueberzeugungstreue machten sie zu einer Kämpferin für die Frauen und die Parteibewegung überhaupt. Besonders der Bezirk Hannover verliert durch ihr Ableben eine der tüchtigsten Agitatoren. Nach dem Tode des Genoffen Riede in Braunschweig wurde bie Genoffin Bartels im August 1922 als Nachfolgerin in den Reichs. tag berufen. Nach der Wahlschlacht. Die Bautenschläge der Propaganda ruhen. Die heroischen Ge fänge der Schwarzweißroten sind verrauscht und die Reste des unverfälschten Nationalgeistes, als da sind: Lysolflaschenscherben und Pflastersteine, gelten heute schon nicht mehr als interessant. Am frühen Morgen waren die Männer des großen Aufräumens mit Säden in Tätigkeit, um den Asphalt von dem größten Papierschlamm zu säubern. Es ist eine Atempause vor neuen schweren Kämpfen. Noch ist die Wahlsituation nicht völlig geklärt und die Frage der Die große Alltagsmaschinerie beginnt wieder in Aftion zu treten. stabilen Majorität nicht reif zur Diskussion. Fest steht nur eins: nämlich, daß der Bürgerblock auseinandergesprengt ist. Und über das müssen wir uns flar werden: Mit verdoppelter, mit verdreifachter Rührigkeit gilt es zu arbeiten für die Sache des Volkes, die die Sache der weitaus stärksten Partei, der Sozialdemokratie, ift. Ueber die Trümmer der nationalistischen Quertreiberfrattion hinweg muß die Sozialdemokratie zu weiteren Siegen schreiten. Wahlkuverts mit der Königsfrone. In zwei Wahllokalen des Wahlbezirks Treptow Ropenid, und zwar in der Gräßstraße Ece Bouchéstr. und in der Kiefholz straße Ede Bouchéstraße trugen bei der gestrigen Stadtverordneten wahl, wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, die Wahlfuverts noch den alten preußischen Adler mit Die Partei wird ihrer stets ehrend gedenften! der Rönigstrone. Als unser Gewährsmann den Vorsteher darauf aufmerksam machte, bestätigte dieser die Feststellung und beMs ihr Nachfolger tritt der Genoffe Otto Grote wohl, früher merkte dazu noch, daß es teine alten Umschläge wären. Kultusminister in Braunschweig, in den Reichstag ein. Gegen die großkapitalistische Finanzpolitik. Forderungen des Allg. Deutschen Beamtenbundes. Die Vertretertonferenz der Landes- und Provinzausschüsse des Allgemeinen Deutschen Beamten bundes, die am 24. und 25. Oktober tagte, stellt nach eingehender Aussprache über die wirtschaftliche und besoldungspolitische Lage folgendes fest: I. In weitesten Kreisen der Beamtenschaft, auch soweit sie nicht dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund angehört, hat sich auf Grund der jüngsten wirtschafts, steuer und lohnpolitischen Vorgänge die Erkenntnis durchgefeßt, daß der auf der Arbeitnehmer. schaft lastende unerträgliche Drud eine Folge der Machtstellung ist, die sich das Industrie- und Finanztapital in Politit und Wirtschaft troz Republik und Demokratie zu verschaffen gewußt hat. Auch die Haltung, die die Reichsregierung geführt vom Reichsfinanzminifter, getragen von den Mehrheitsparteien des Reichs. tages, unterstüßt von der kapitalisierten Reichsbahngesellschaft sowie maßgebenden Selbstverwaltungsförperschaften einnimmt, ist ein unmittelbarer Ausdruck des Einflusses dieser tapitalistischen Mächte. Ferner ist erwiesenermaßen der wirtschaftliche Niedergang der Beamten und der Arbeiter in öffentlichen Betrieben aufs stärtste gefördert worden durch die von der Reichsregierung- leider mit Zustimmung des Deutschen Beamtenbundes- durchgesetzte Trennung der Besoldungspolitik non der Lohnpolitik. Angesichts dieser Tatsachen ist die Konferenz der Ueberzeugung, daß das nicht mehr zu überbietende wirtschaftliche Elend der öffent lichen Arbeitnehmer, insbesondere der Beamten in den gering be foldeten Gruppen, nur unter der Boraussetzung behoben werden fann, daß die durch die Gemeinsamkeit der Interessen gebotene Einheitsfront der öffentlichen Arbeiter, Ancestellten und Beamten wieder hergestellt wird. II. Die durch die systematische Niedrighaltung der Gehälter und Löhne für die Arbeitnehmer geschaffene Lage ist aufs äußerste verschärft morden durch die Politik, die Reichsregierung und Reichstagsmehrheit in Steuer, 3011 und Wirtschaftsfragen be trieben haben. Ohne sachlichen Zwang, vielmehr lediglich in ein feitiger Berüchtigung der tapitalistischen Wirtschaftsintereffen, find die Hauptlasten der aus dem Londoner Abkommen sich ergebenden Reparationsverpflichtungen auf die Schultern der ohnedies durch Kriegs- und Inflationsfolgen aufs schwerste betroffenen wirt schaftlich und sozial schwachen Schichten des deutschen Volkes auf die Arbeiter, Angestellten und Beamten gelegt worden. Bom Deutschen Reichstag, deffen Mehrheit für diese Politik verantwortlich ist, verlangt die Beamtenschaft deshalb, daß er mit der vom Reichsfinanzminister betriebenen Besoldungs- und Lohnpolitik endlich Schluß macht. Im vergangenen Jahre wurden die berechtigten Wünsche der Beamtenschaft mit dem Hinweis auf die schlechte Finanzlage des Reiches abgelehnt; gleichwohl brachte dieses Etatsjahr einen Ueberschuß von mehr als 2 Milliarden. Auch jetzt wieder begründet der Reichsfinanzminister die Verweigerung jeder Angleichung der Gehälter an die gestiegene Teuerung mit dem Hinweis auf die angeblich schlechte Finanzlage des Reiches, obwohl die Steuereingänge trotz des Defizits bei den Besißsteuern schon wieder einen Ueberschuß non mehreren hundert Millionen ausweisen. Nach Ansicht der Konferenz steht der Reichstag jezt vor der Frage, ob wiederum diese Ueberschüsse auf indirektem Wege als Entschädigungen, Kredite ufm. für die„ Wirtschaft“ verschwinden sollen, oder ob diese auf Grund der Steuerleistungen der breiten Masse verfügbaren Mittel den Beamten, Angestellten und Arbeitern des Reiches, der Länder und der Gemeinden als einen erheblichen Teil der die Wirtschaft tragenden Kreise durch eine angemessene Erhöhung ihres Lohn niveaus zugeführt werden sollen. Die Konferenz fordert deshalb vom Reichstag, daß er die vom Reichsfinanzminister verweigerte Anpaffung der Beamtengehälter an die Leuerung durch eine ausreichende Erhöhung der Beamtenbezüge sofort nach seinem Zusammentritt von sich aus beschließt. Völkische Revolverhelden. Schwere Ausschreitungen in Köln. Köln, 26. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Am Samstag abend kam es in Köln nach einer von den Deutschvölkischen einberufenen Versammlung zu schweren Zusammenstößen zwischen Böltischen, Reichsbannerleuten und Roten Fronttämpfern. Die aus allen Teilen des Rheinlandes nach Köln zusammengezogenen völkischen Trupps versuchten nach ihrer Bersammlung einen Demonstrationszug zu formieren, woran fie durch Schuhpolizeibeamte gehindert wurden. Die völkischen Jünglinge versuchten sich gegen die Schutzpolizeibeamten zur Behr zu fehen und belästigten dabei auch Reichsbannerleute und Mitglieder des Roten Fronttämpferbundes, die der Versammlung beiwohnen wollten, aber feinen Einlaß fanden, weil die Bölkischen unter sich fein wollten. Es entstanden schwere Schlägereien, in derem Verlauf eine große Anzahl Wölfischer verhaftet wurde. Bei Ihnen wurden Revolver, Schlagringe und Gummifnüppel vorgefunden. Der Dolffoß vor Gericht. In dem Artikel des Genossen Dittmann über die Dolchstoßfrage in der letzten Nummer unseres Blattes ist durch ein Bersehen eine Unflarheit entstanden. Auch diefenigen Stellen des Ebert- 3itats, die dort nur gesperrt gelegt find, hätten wie aufmerksame Leser bereits bemerkt haben werden nach der dem Zitat folgenden Erläuterung in feffer Schriff gesetzt werden müssen. Gegen die Diftatur der Unmündigen. Wie wir bereits im Morgenblatt mitrilten, haben sich am Bahisonntag auf dem Kurfürstendamm unerhörte Stan. dalszenen abgespielt. Die wildgewordenen Sprößlinge schwarzweiß Holzlatten und Teschings ihrer Jugendlust" fronten, beginnen, so roter Eltern, die hier unter barbarischem Geschrei, Fähnchenflimbim, grotest es flingt, Berlin zum Gespött der Welt zu machen. Diese entfesselte Wildmeftromantik der Minderjährigen fpettafelte fich zu einem Schauspiel aus, das einfach einer Weltstadtunwürdig ist. Es scheint wirklich unerläßlich, daß die Polizei die wüste nationalistische Propaganda des Wahltages auf listen ihre Minderjährigen auf das Publikum loslassen, so haben die ein erträgliches Maß einsräntt. Wenn die Nationa Behörden die Pflicht, die verrohten Jüngelchen zur Raison zu bringen. Sonst müßten die Erwachsenen zur Selbsthilfe greifen. Charakteristisch dafür, wer die Urheber der widerlichen Strawalle waren, die sich ja vornehmlich im Westen abspielten, ist der von uns in der Morgenausgabe miedergegebene Bolizei bericht, der von 216 verhafteten Rechtsparteilern und 109 fiftierten Mitgliedern der Linksparteien( lies: Kommunisten) spricht. Zu dem Wahlzwischenfall in Nitolassee, den wir in der Montag ausgabe schilderten, teilt uns der Handlungsgehilfe Herr Kempf mit, daß er und nicht, wie berichtet, sein Vater, der Betriebsleiter der Charlottenburger Wassermerfe, Beisitzer im Wahlbureau gewesen ist. Herr Kempf hat den stellvertretenden Wahlvorsteher bei der Berdie Mitteilung, daß er nicht Angehöriger der schwarzweißroten weisung unseres Genossen nicht assistiert, und er legt auch Wert auf Parteien ist. Unter falschem Verdacht. Ein früherer Einbruch der Tempelhofer Kaffenräuber. Erst vor Gericht gelang es, die richtigen Schuldigen eines im letzten Sommer verübten Kasseneinbruches aufzudecken, und es ergab fich, daß auch dieses Verbrechen auf das Konto der Tempelhofer Rassenräuber zu verbuchen ist, die den großen Einbruch in die Stadt fasse in Tempelhof verübt haben. Vor dem Schöffengericht Mitte war der Arbeiter Mitulla und flagt, wobei fie 5000 Mart erbeutet haben sollten. Eine überraschende wegen Beihilfe der Arbeiter Koch des Geldschranfeinbruches angePolizei. Es fonnte festgestellt werden, daß die Täter nicht Wendung brachten aber die neuesten Ermittlungen der die Angetlagten, sondern die Tempelhofer Stadt faffenräuber waren. Auf die dem Gericht gemachten Eröffnungen ließ Amtsgerichtsrat Dr. Neumann den an dem Tempelhofer Raffeneinbruch mitbeteiligten Schulze aus der Untersuchungshaft vorführen. Dieser gab auch unumwunden zu, daß der unter An= flage stehende Kasseneinbruch von ihm, Pawlat, fämtlich auch in die Tempelhofer Affäre mitverwickelt sind, ausgeführt Fechner und einem vierten mitverschworenen, die worden sei. Die jetzigen Angeklagten erklärten, Schulze gar nicht zu fennen. Er gab auch eine eingehende Schilderung, wie die Tat vorbereitet worden sei. Angesichts dieser Sachlage fam das Schöffengericht zu einer Freisprechung der beiden jegigen Angetlagten. Gegen die Tempelhofer Räuber wird die Staatsanwaltschaft nunmehr eine neue Anklage erheben. Die Verteidiger brachten bei dem Gericht einen Antrag ein, Mitulla für die unschuldig erlittene dreimonatige Untersuchungshaft eine Entschädigung auszuzahlen. Ueber diesen Beschluß wird das Gericht später zu entscheiden haben. Zum Naubüberfall in der Bayreuther Straße. Wie seinerzeit berichtet wurde, verübte in der Nacht zum 21. d. M. ein junger Mann einen Raubüberfall auf die Zofe der Schauspielerin Böcklin in deren Wohnung in der Bayreuther Str. 21, geleiteten Nachforschungen ergaben, daß als Täter nur ein gewiffer wobei er ihr 1500 Marf raubte, mit denen er entfam. Die ein nicht Hugo Bartsch faßte, io stieß man doch auf einen Mann namens Hugo Bartsch in Frage fommen fonnte. Wenn man auch noch Wölfer, der sich nach Hugo" erfundigte. Man nahm ihn fest und Bölfer stellte für die fragliche Nacht ein Alibi auf, deffen Nachprüfung für ihn so ungünstig ausfiel, daß er zu einem Geständnis ge. zwungen wurde. Wie er sagt, traf er sich am Montag abend mit feinem Freunde, der ihn in sein Vorhaben einweihte. Sie begaben und sein komplice führte ben Raub aus. In den frühen Morgen sich zusammen nach der Bayreuther Straße. Völker stand Schmiere", stunden trennte er sich dann von seinem Freunde und fah ihn bisher nicht wieder. Berkauf von Alkohol an Jugendliche. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß in Gastwirtschaften an jugendliche Personen unter 16 Jahren Trinkbranntwein werden, so daß oft solche junge Burschen auf der Straße betrunten und Zigaretten zum fofortigen Genuß abgegeben herumlaufen. Die Beamten der Jugendfürsorge sowie die Polizei sind jetzt angewiesen worden, unnachsichtlich diejenigen Gastwirte, die die Verordnung, betreffend den Verkauf von Trinkbranntwein und Zigaretten an jugendliche Personen übertreten, ur Anzeige zu bringen, damit deren Bestrafung oder gar Ronzeffionsentziehung erfolgen tann. Neue Fernsprechämter im Berliner Often. Bekanntlich schließt sich die Reichspost der Bildung der Einheitsgemeinde Groß- Berlin nur sehr zögernd an. In den weiter abgelegenen Vororten herrschen zum Teil noch postalische Zustände, die auf alles andere, als auf Bugehörigkeit zu Groß- Berlin schließen laffen. Am meisten haben darunter wohl der Berliner Often und eine Reihe von Gemeinden im 16. Berwaltungsbezir? Köpenick zu leiden. und So find Schmödwig, Wilhelmshagen effenwintet immer noch nicht an das Groß- Berliner Fernsprechnet angeschlossen. Diese Drte werden noch von Eichwalde und Ertner bedient. Der Magistrat Berlin und das Köpenider Bezirksamt bemühen sich seit langem, hier einen Wandel durchzusehen. Jest ft es in Berhandlungen mit dem Reichspostminiſteríum gelungen, die grundsägliche Zustimmung der Reichspostverwaltung zur Anlage zweier neuer automatischer Fernsprechämter in Schmödwig und in Rahnsdorf zu erhalten. Diese neuen Fernsprechämter follen in den Jahren 1926 und 1927 errichtet und in Betrieb genommen werden. Allerdings besteht die Postverwaltung darauf, daß die Stadt Berlin zur Anlage dieser Aemter einen beträchtlichen Zuschuß leistet, über dessen Höhe noch verhandelt wird. Die neue Stadtverordnetenversammlung wird bald Gelegenheit haben, sich mit dieser Frage zu beschäftigen und im Interesse der in Frage tommenden östlichen Vorortgemeinden die nötigen Beschlüsse zu faffen. Der Raubüberfall in Steglik. Der Raubüberfall, der am Sonnabend mittag in der Küsterei auf die Kirchnerin Elisabeth Werner verübt wurde, ist nach den der Matthäuskirche in der Rotenburgstraße zu Steglig weiteren Feststellungen der Stegliger Kriminalpolizei planmäßig vorbekannte Frau. Nach Gelingen des Raubes wurde der Täter draußen bereitet gewesen. Mitgewirkt hat mit dem Räuber eine noch un von dieser weiblichen Person empfangen, die sein Fahrrad gehalten hatte. Sie selbst hatte auch ein Rad. Beide fuhren nun über einen Bürgersteig auf den Fahrdamm der Schloßstraße. Dieser ungewöhn Friedhofsweg und an dessen Ausgang ohne abzusteigen über den liche Vorgang muß von vielen Leuten beobachtet worden sein. Mitteilungen hierzu an das Raubdezernat im Berliner Polizeipräsidium. Gedeckte Tische und Handarbeiten. " Auch die Hausfrau, die nur über tnappe mittel verfügt, wird von der Ausstellung, Gedeckte Tische", die das Leinenund Wäschegeschäft F. V. Grünfeld in der Leipziger Straße in diesen Tagen veranstaltet, manche Anregung für den festtäglichen Tisch im eigenen Heim mitnehmen. Wie föstlich iſt z. B. der unendlich gemütliche Großmutters. Geburtstagstisch". Reizvoll zeigt sich auch der Tisch Konfetti", originell in seinem wohlfeilen Schmud: Papierschlangen und Konfettischnitzel, neben gibt es dann andere Tische mit strahlendem Kristall und tostübertrönt von einigen Beerenzweigen in einer bizarren Base. Dabaren Blüten, an denen sich auch das Auge dessen erfreut, der sie nicht in sein Heim verpflanzen kann. Aber gerade ein Vergleich der einzelnen Tische untereinander beweist, daß nicht die Kostbarkeit Geschmacksrichtung), sondern die Art der Anordnung die Schönheit ( ein Jagdfisch" mit richem Pflanzenschmuck und ausgestopfter Eule erinnert fogar wohl unliebsam an eine länost überwundene des gedeckten Tisches ausmacht. Hausfrau en wendet, gibt es im Kaufhaus des Westens. Eine Ausstellung Handarbeiten, die sich ebenfalls an die Ein lustiges, fünstlerisch geschmücktes Schaufenster lädt zur Besichti gung ein. Wer der Aufforderung Folge leistet und die Handarbeitsabteilung betritt, steht überrascht in einer Fülle der Dinge und einem Durcheinander der Farben, aus dem er sich erst langsam zurechtfindet. Eine übermütige Stimmung geht von dem Ganzen aus, noch ehe man sich den Einzelheiten zuwandte. Das Gesamtbild wird yon zahlreichen, mit bunter Wolle umkleideten Pfeilern beherrscht, die wie parodistische Nachahmungen von Tropfsteinhöhlen wirken. Um fie herum gruppiert sich der Aufbau von fertigen HandMaterial zu den verschiedensten Techniken. Liebenswürdige Verkäufearbeiten und Handarbeitsvorlagen, häuft sich das rinnen demonstrieren gleichzeitig die richtige Ausführung der betreffenden Arbeit. Wer dann endlich, des Schauens müde, sich wieder heimwendet, versäumt nicht, noch einen letzten Blick auf die gelungenen, lebensgroßen Wollplastiken zu werfen, die eine Dame in Weiß im Renntierschlitten und eine Bäuerin inmitten von mit Wollobst gefüllten Körben darstellen. Ein aufregender Borfall spielte sich in der vergangenen Nacht auf dem Grundstück Ackerstraße 8 ab. Hier wohnt im ersten Stod an einem gemeinsamen Flur eine 41 Jahre alte Frau Jo sephine Latthoff, deren Mann im Krantenhause liegt. In der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr trat ein unbe= fannter Mann die die Füllung ihrer Tür ein und kam mit gezogenem Revolver in ihre Stube. In ihrer Angst Birbelsäulenbruch und anderen schweren Verlegungen hilflos liegen. sprang die Frau aus dem Fenster und blieb mit einem Der Eindringling ergriff jetzt die Flucht und entfam. Kriminalbeamte des 17. Reviers brachten die Schwerverletzte nach dem Krankenhaus und nahmen sofort die Ermittlungen auf, die bisher noch erfolglos waren. Einen intereffanten Einblick in die Damenschuhfabrikation gestattete eine Besichtigung der Leiser- Schuhfabrik in der recht erstaunliche Dinge in Bezug auf die Vielseitigkeit und OrganiGroßen Frankfurter Straße. Es gab dann auch hier für den Laien sation des Betriebes zu sehen. Durch die Inbetriebnahme von amerikanischen Maschinen verlassen monatlich bis zu 15 000 Paar Schuhe die Fabrit. Aber auch in der Schuhfabrikation erweist sich in manchen Uebergangsstadien noch die Handarbeit unerläßlich, und so muß wiederholt die Hand des geschickten Schuhmachers eingreifen. Wenn man erfährt, daß zirka 2. Millionen Käufer jährlich ihren Bedarf bei Leiser eindecken, so geht aus dieser Zahl allein die gewaltige Ausdehnung des Betriebes hervor. Schwerer Betriebsunfall. Die bei der Firma Karl Hartmann, Große Frantfurter Str. 44, befchäftigte 18 Jahre alte Arbeiterin Elise Dertel aus der Palisadenstr. 41 kam mit der rechten Hand in die von ihr zu bedienende Stanzmaschine. gequetit. Ein Wagen des Städtischen Rettungsamtes forgte Der Bedauernswerten wurden sämtliche Finger total abFriedrichshain. Es muß sofort festgestellt werden, ob die Maschine für die Ueberführung der Berlegten in das Krankenhaus am eine Schuhvorrichtung gehabt hat. Kinderwoche bei A. Wertheim. Die Firma A. Wertheim veranstaltet in ihren Geschäftshäusern Leipziger Straße, Rosenthaler Straße, Moripplas und Königstraße was die kleinen und größeren Kinder brauchen können, iſt in reicheine große Kinderwoche. Vom Hut bis zum Schuh, alles haltiger Auswahl und zu billigen Preisen vorhanden. Auch Schreibhefte und Schulmappen und was sonst noch für die Schule benötigt wird, ist nicht vergessen worden. 9 Der Erfolg des Hellseherprozesses. Der in dem Bernburger Hellieherprozeß freigesprochene Lehrer Drost wurde vom Berliner Imprefario für eine internationale VortragsBerlin unter hinzuziehung der Behörden, der Presse und Getournee verpflichtet. Der erste Vortrag soll demnächst in lehrtenwelt stattfinden. Typographia Aus ganz besonderen Umständen werben alle Sänger gebeten, am Dienstag, pünktlich 8 Uhr, in der Uebungsstunde zu Der Borstand. erscheinen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 74. Abt. Zehlendorf. Die für Dienstag, den 27. Oftober angefegte Funktionärversammlung fällt aus und findet am Freitag, den 30 Oktober, abends 8 Uhr bei Micklen statt. 82. Abt. Steglig. Die Karten für den Kursus über Schul- und Erziehungsfragen, abgehalten durch Gen. Kreuziger, find beim Gen. Reichelt, Jahnstr. 25 a ist Empfang zu nehmen. Diese Arbeitsgemeinschaft findet ftatt in der 1. Gemeindefchule, Ringstraße, erstmalig am Freitag, den 30. Oftober abds. 7 Uhr. 124. bt. Mahlsdorf. Heute feiert Genosse Wilhelm Kurz feinen 74. Geburtstag. Schon als Lefer der Freien Bresse wirkte er für die Partei im alten Berlin und noch heute als 74 jähriger trägt er in Wind und Wetter, in Sturm und Regen, den„ Borwärts" den Lefern zu. Die Mahlsdorfer Parteigenossen bringen ihm die herzlichften Glückwünsche entgegen. Frauenveranstaltung. 42. bt. Seute Montag abends 7%, Uhr bei Höhlie, Bergmannstr. 69, Referat der Gen. Minna Tobenhagen über: Kulturibee im Sozialismus“. Alle Genofsinnen müssen erscheinen. Gewerkschaftsbewegung Der Kämmereiarbeiter- Schiedsspruch verbindlich. In der Lohnstreitsache der Kämmereiarbeiter der Stadt Berlin, vertreten durch den Verband der Gemeinde und Staatsarbeiter, gegen den Magistrat Berlins, hat der Schlichter für den Bezirk Groß- Berlin den Schiedsspruch der Oberschiedsstelle am 24. Oftober 1925 für verbindlich erklärt. Damit erhöhen sich die Löhne der ungelernten und ange: lernten Arbeiter und Handwerker ab 8. Oftober um drei Pf. für die Stunde. Arbeiterinnen der Lohngruppe 1 und 2 erhalten zwei Pf., der Lohngruppe 3 drei Pf. Stundenzulage. Die Frauen- und Kinderzulage mit je 3 Pf. pro Stunde bleibt bestehen. Die Spihenlöhne der ungelernten Arbeiter betragen damit 72 Bf., der angefernten 76 Bf., der angelernten mit besonderer Tätigkeit 85 Pf., der Handwerker 92 Pf. für die Stunde. Ungelernte Arbeiterinnen 53 Bf., angelernte 59 Bf., qualifizierte 69 Pf. Das Lohnabkommen ist unbefristet. Bolle lehnt den Schiedsspruch ab. Der Lohnschiedsspruch, der am Donnerstag für die Arbeiter der Meierei Bolle gefällt wurde, ist von der Firma abgelehnt worden. In den Betrieben der Meierei findet heute und morgen eine Urabstimmung über Annahme des Schiedsspruches oder Streit statt. Bei der Entrüstung, die in den Betrieberi megen der unverständlichen Haltung der Firma herrscht, ist aller Voraussicht nach mit einem Streitbeschluß zu rechnen. Der Streit im Kohlengroßhandel. Der am Sonnabend von den Funktionären beschlossene Streit im Kohlengroßhandel hat heute morgen in vollem Umfange eingesezt. Außer 10 Firmen, die die Forderungen der Arbeiter be milligt haben und nicht bestreift werden, wird auch der Betrieb der Berliner Brennstoff- Gesellschaft nicht bestreift. Die Gesellschaft verfügt über 25 Kohlenpläge und ist mit ungefähr 350 Arbeitern in der Lage, die Versorgung der Bädereien, Krankenhäuser, Behörden und ähnlicher öffentlicher Anstalten mit Brennmaterial aufrechtzuerhalten. In den bestreiften Betrieben werden die Not standsarbeiten, mie Pferdepflege, Bewachung der Bläze u. dgl., ausgeführt. Der Deutsche Bertehrsbund ist nach wie vor bereit, bei den Firmen, die ihm die Anerkennung der Forderungen der Arbeiter mitteilen, die Arbeit wieder aufnehmen zu lassen. Streif der Kaliberdreher bei Weber. Die Firma Richard Weber u. Co. G. m. b. H., Werkzeugfabrit, Berlin SO, Rottbusser Ufer 41, will die Löhne ihrer Arbeiter fürzen. Die bisher gezahlten Löhne für Facharbeiter mie für ungelernte Arbeiter entsprachen noch nicht einmal dem Durch schnittsniveau, das in der Berliner Metallindustrie üblich ist. Troßdem versucht jetzt die Firma die Löhne in rigoroser Weise abzubauen, und zwar fängt sie bei den bestqualifizierten Kräften, den Kaliberdrehern, damit an, indem sie ihnen stillschweigend Atfordfarten mit Breisen, die um 10 Broz. gegen die bisher gezahlten reduziert sind, in die Hand drückte, ohne die gefeßliche Bertretung der Arbeiterschaft, den Arbeiterrat, zu Rate zu ziehen oder ihn in Kenntnis zu sehen. Auf den Protest der Arbeiter gegen diesen Abzug erklärte die Betriebsleitung, daß fie infolge mangelnder Aufträge nicht in der Lage sei, die Abteilung Kaliberbau voll zu beschäftigen, doch würde fie bei einem 10proz. Lohnabzug die Produktion weitergehen lassen und auf Lager legen. Eine von den Arbeitern in Verbindung mit dem DMV. angeregte Verhandlung beim VBMV. ergab teine Klärung, da die Firma durch ihren Betriebsleiter erflären ließ, fie fet infolge falscher Kaltulation gezwungen, die Löhne herabzusehen. Als darauf die Dreher bei der Geschäftsleitung vorstellig wurden mit dem Vorschlage, sich unter Anerkennung der gegenwärtigen mißlichen Geschäftslage mit dem Abbau einverstanden zu erflären, wenn ihnen bestimmte Arbeiten an den Gewindefalibern, die von ungelernten Kräften ausgeführt werden könnten, abgenommen würden, hielt die Geschäftsleitung diesen Vorschlag für sehr gut und sagte auch für den nächsten Vormittag eine Prüfung der Arbeitsmethode im Betriebe selbst zu, erklärte aber mit Nachdruck, daß es ihr nicht darauf ankomme, die Produktion zu verbessern und zu heben, sondern darauf, die wöchentlich auszuzahlende Lohnfumme zu verringern. Der angekündigte Besuch der Geschäftsleitung blieb aus, und so sahen sich die Arbeiter gezwungen, am 10. Oktober in den Streit zu treten. Die Kaliberdreher hatten vor dem Abzug einen durchschnittlichen Berdienst von 1,43 M. pro Stunde, was in Anbetracht der nervenaufreibenden Arbeit( es müssen Maße von 0,002-0,03 millimeter genau eingehalten werden) fein ausreichendes Aequivalent für die aufgebrachte Nervenleistung darstellt. Der Vorgang zeigt, wie die Unternehmer versuchen, eintretende Verluste, die teils ihre Ursache in der gegenwärtigen flauen Geschäftslage haben, teils aber auch, wie hier, auf falscher Kallu lation beruhen, auf die Arbeiter abzuwälzen und selbst technische Verbesserungen zur Berringerung der Untoften ablehnen. Eine von der Belegschaft des Betriebes gut besuchte Betriebs= versammlung am 22. Oftober brachte ihre Auffassung in einer einstimmig angenommenen Refolution zum Ausdruck: Die Versammelten erklären, daß der Streit der Kaliberdreher vermieden werden konnte, ohne die Profitquote der Firma Weber u. Co. zu schmälern, wenn nicht die deutschen Unternehmer die Wirtschaft mit langer Arbeitszeit und niedrigen Löhnen aufrechtzuerhalten fuchten. Deutsches Theater Großes Schauspielhaus SONNTAGS: 2 Vorstellungen 7% Uhr: Der Kreidekreis von Klab und Kammerspiele 8 Uhr: Parable will nicht heiraten von Jerome K. Jerome Norden 2951/53. nachm. 3 Uhr zu ermäßigten Preisen. Für Dich! Die große Charell- Revue( 300 Mitwirkende) tägl. 8%, Uhr Preise der Plätze: Parkett M. 5.- Balkon M. 4.1. Rang M. 3.- 2. Rang M. 1.50, Logen und KlubBessel M. 7-12 8. Rarg M. 0.75 Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen. 7017 CARTEN Little Tich Englischer ExcentricKomiker Die Komödie Amarantina, der Stern Sevillas sowie der große Oktober- Spielplan! Sonntags nachm. 3% U. halbe Preise Rauchen gestattet Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Ariadne auf Naxos ( Erstaufführung) Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'i: Familien Varieté. Anfang 8 Ubr Sonntags 51% Uhr. Berliner Ulk- Trio Abonnem.- Turnus il Neukölln, Die Bersammelten protestierten gegen derartig verkehrte Birt schaftsmethoden und Machtgelüfte eines übermächtigen Unternehmertums und verpflichteten sich, die noch Fernstehenden dem Deutschen Metallarbeiterverband zuzuführen, um der geschlossenen Front der Arbeitgeber in den bevorstehenden Wirtschaftskämpfen gerüstet gegenüberzutreten. Verstärkte Einheitsfront! Milwaukee, 26. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Holzarbeiterverband, die zweitgrößte amerikanische Gewerkschaft, beschloß gelegentlich der Anwesenheit des Zentralvorfizenden des Deutschen Holzarbeiterverbandes, Genossen Tarnow, feinen Anschluß an die Internationale Union der Holzarbeiter. Der Union gehören nunmehr die Organisationen der Holzarbeiter aus 20 Ländern an, die nahezu 750 000 Mitglieder umfaffen dürfte. Lohnbewegungen in der Chemie. In Bayern und im Rhein- Main- Gebiet. Die Streifleitung des Fabrifarbeiterverbandes berichtet uns: Die abgelaufenen Lohnverträge in der chemischen Industrie gaben Veranlassung, neue Lohnforderungen zu stellen. In den mittel- und norddeutschen Bezirfen fonnten annehmbare Lohnerhöhungen er reicht werden. Für die drei Lohnbezirfe: Bayern, Rhein- MainGebiet und Baden- Pfalz lehnten die Unternehmer sämtliche Forderungen ab. In Bayern und im Rhein- Main- Gebiet traten die Arbeiter einer Anzahl Betriebe in den Streit, was die Unternehmer mit Aussperrungsdrohung beantworteten. In Bayern ist die Aussperrung bereits teilweise durchgeführt, im Rhein- Main- Gebiet steht sie bevor. Während in Bayern bis Sonnabend, den 24. Oftober, rund 7200 Arbeiter vom Streif und von der Aussperrung betroffen waren, sind an diesem Tage im Rhein- Main- Gebiet 6200 Arbeiter in den Streit getreten. Der Rhein- Maingau ist einer der wichtigsten Be zirke in der chemischen Industrie, da hier der Siz großer Werte ist und der neue Anilintrust ebenfalls in Frankfurt a. M. seinen Siz nimmt. In diesem Bezirk stehen rund 29 000 Arbeiter unter dem Bertrag der chemischen Industrie. Eine Reihe Arbeitgeber steht außerhalb des Unternehmerverbandes und dürfte sich dem Aussperrungsbeschluß nicht fügen. Bei Durchführung der Aussperrung fann sich aus diesem Grunde die Zahl der an der Bewegung beteiligten Arbeiter bis auf rund 20 000 erstrecken. Arbeitskämpfe im 1. Halbjahr in Bayern. München, 24. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Aus einer Zufammenstellung des Statistischen Landesamts ist zu ersehen, daß Bahl und Umfang der Arbeitseinstellungen in Bayern im ersten Halbjahr 1925 wesentlich abgenommen haben gegenüber der gleichen Beit des Jahres 1924. Wurden damals 115 Arbeitseinstellungen mit 110 131 davon Betroffenen gezählt, so find es jetzt nur 80 Arbeitseinstellungen mit 30 640 Arbeitern. 80 Arbeitseinstellungen verfallen in 75 Streifs rein wirtschaftlicher Natur und 5 Aussperrungen. In 67 Fällen handelte es sich ausschließlich um die Forderung nach Erhöhung des Arbeitslohnes. Dabei hatten die Arbeiter in 11 Fällen vollen Erfolg, in 38 teilweisen und in 18 Fällen feinen Erfolg. Bei den 5 Aussperrungen fonnten die Arbeitgeber in 3 Fällen ihren Willen durchsetzen. Gegen den Abban der Knappschaftsversicherung. Die Verbände des Allgemeinen freien Angestelltenbundes: der Bund der technischen Angestellten und Beamten, der Deutsche Wertmeisterverband und der Zentralverband der Angestellten halten am 8. November eine Angestellten eltesten tonferenz der Brandenburger Knappschaft in Senftenberg ab, die sich mit den geplanten Berschlechterungen des Reichsknappschaftsgefeges beschäftigen soll. Meikinger- Schiedsspruch in der Textilindustrie. Aus Hannover wird uns geschrieben: Die Textilarbeiterschaft von Hannover- Braunschweig forderte, die bisherigen Löhne einer den Zeitverhältnissen entsprechenden Aenderung zu unterziehen. Die Arbeitgeber lehnten jedes Entgegenkommen a b. Der Schlichtungsausschuß Hannover, der von den Arbeitgebern angerufen wurde, fällte am 16. Oftober einen Spruch, Pfg. für Männer und 39,4 Bfg für Frauen pro Stunde vorsah. Die Löhne in den Ortsklassen 2, 3 und 4 sollten bestehen bleiben, nur die Frauenlohnjähe wollte man eine Kleinigkeit aufbeffern. Die Löhne betragen in diesen Klassen: Ortslohntlasse 2: Männer 51,9, Frauen 36,3, 49,8, 34,8, 47,7, 33,3. " 3: 4: " " Der Spruch wurde von der Arbeiterschaft ein. stimmig abgelehnt. Es ist damit zu rechnen, daß in den nächsten Tagen in den verschiedensten Orten des Tarifgebietes die Kündigungen eingereicht werden. Das Wirtschaftsleben von Hannover und Braunschweig wird durch die schroffe Ablehnung der Ar. beitgeber und des einzigartigen Spruches des Schlichtungsausschusses Hannover schwere Erschütterungen erfahren. Deutsche Studienkommission in England. Condon, 26. Oktober.( TU.) In England ist eine deutsche, aus Beamten und Industrievertretern zusammengesezte Kommission eingetroffen, die die Einrichtungen des englischen Arbeitsministeriums studieren wird. Ganz besondere Aufmerksamkeit wird sie der englischen Arbeitslosenversiche rung beimessen. Rontor bedarf JUERGENS Alexanderplatz Elite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl. 160 77. Tägl.8Uhr, auch Sonntag nachm. 3 Uhr( zu halben Preisen). U.& Wandelndes Glück Großer Solotell u. Winzeriest am Rhein Bet fmmerem aderaus störendem Sout Dat Berr Dr. med. m in B. mit Obermeyer's Medizinal Serba- Seife einen ebenso schnellen wie vollständ. Erfolg erzielt. 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Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und billig! Wirtschaft Die Leuchtkörperindustrie im Jahre 1924. Die Glühlampen- und Gasstrumpfinduftrie ist eine aus. gesprochene Berliner Industrie. Von den 103 Betrieben Deutschlands, die sich mit der Herstellung dieser Leuchtmittel befassen, befinden sich 54, also über die Hälfte in Berlin. Den erzeugten Mengen nach werden aber 86 Proz. sämtlicher in Deutschland erzeugten elektrischen und Gasglühförper in Groß- Berlin hergestellt. Die Beleuchtungsmittelindustrie gehört zu den wenigen Induftrien, über deren Produktions- und Absatziffern die Deffentlich. teit etwas erfährt. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht soeben die Ziffern für die Produktion des Jahres 1924, wie sie sich aus den Einzahlungen für die Beleuchtungsmittelsteuer ergeben. Danach ist auch für diese Industrie die Stabilisierung der Wäh= rung nicht ohne Einfluß geblieben. Die Gesamtproduktion von Glühlampen, die im Jahre 1923 85,7 Millionen Stück betrug, ist im Jahre 1924 auf 71,5 Millionen zurüdgegangen. Die scharfe Kalkulation, die die stabile Währung verlangt, die Erstarfung der Auslandskonkurrenz durch den Krieg, haben das Ausland in der Selbstversorgung starter werden lassen. Außerdem fällt der früher sehr starte Käufer Rußland noch immer aus. Der Rückgang der Ausfuhr ist das Kennzeichnende der Entwicklung, wie sich aus dem Verhältnis der versteuerten und der nicht versteuerten Erzeugung ergibt. Nur der Anteil des steuerfreien Exports ist gesunken. Dagegen ist der Inlandsverbrauch ganz be deutend, von 26,3 auf 42,6 millionen Stück gestiegen. Die Gründe dafür führt das Statistische Reichsamt in treffender Weise selber an: die starke Wiederaufnahme der Reklamebeleuch tung, wie sie die scharfe Konkurrenz nach der Stabilisierung wieder erzwungen hat und wie sie jeder Berliner täglich selbst beobachten fann, die Verbesserung der Straßen- und Treppenbeleuchtung und endlich die Rückkehr von der in der Inflationszeit vielfach wieder hervorgeholten Betroleumlampe zum elektrischen Die Steigerung des Inlandsverbrauchs an Glühfadenlampen betrug nicht weniger als 62 Proz. Strom. Sie Aber auch der Verbrauch an Glühförpern für Gaslampen profitierte von dem Ende der Inflation und den neuen Berhältnissen. Auch hier stieg der Inlandsverbrauch sehr erheblich, und zwar um 56 Broz. Im Unterschied zur Glühlampenfabrikation wies die Produftion von Gas glühförpern teinen Rückgang auf. blieb mit 45,65 gegen 46,80 millionen Stück gegenüber dem Vorjahr fast stabil, so daß das Inland das aufnahm, was beim Export ausfallen mußte. Der Export selbst ging von 35,40 auf 29,12 Milfionen Stück zurück. In Spezialitäten, die aber wertmäßig nicht zu sehr ins Gewicht fallen, wurde beffer abgeschnitten. So mit Quecksilberdampfund ähnlichen Lampen, bei denen sich die Produktion mit 4192 Stüd und der Export mit 992 Stüd reichlich verdoppelte. Die Er zeugung von Brennstiften zu elektrischen Bogenlampen erhöhte fich etwas gegenüber 1923( auf 715 806 kg), der Export ging leicht Die Beleuchtungsauf 549 265( gegen 580 409) kg zurüď. mittelsteuer erbrachte im ganzen einen Ertrag von 6,78 Millionen Mart. Die 3ölle find für die deutsche Leuchtmittelindustrie nicht von entscheidender Bedeutung. entscheidender Bedeutung. Der Glühlampenzoll von 80 m. pro 100 kg ist derselbe wie in der Borkriegszeit, der für Gasglühlichtförper ist mit 240 m. pro 100 kg verdoppelt. Die Gasglühförperindustrie hat die Verdoppelung der Zölle auch sofort durch Era höhung der Inlandspreise ausgenügt und hofft wahr scheinlich, den Export durch die Inlandspreiserhöhung forcieren zu fönnen. Auf der anderen Seite haben viele Bezugsländer mit Eigen. produktion die Einfuhrzölle erhöht. Immerhin bietet die starke internationale Bertrust ung der Beleuchtungsmittel den Produzenten für die Zollbelastung einen gewissen finanziellen Ausgleich, den es allerdings für den Konsumenten der verschiedenen Zollvaterländer nicht gibt. Aus der Partei. Warnung. Gegen zwei Berlagsunternehmungen, die Deutsche wirtschaftspolitische Gesellschaft", Berlin W 35, Lüzowstr. 8( Inhaber Karl Erdmann), und die Neue Gesellschaft" G. m. b. H.. Berlin Hessenwinkel( Inhaber Albert Baumeister) besteht der dringende Verdacht, daß sie zu partei- und gewerkschaftsschädigenden Zwecken mißbraucht werden. Die Parteiinstanzen sind zurzeit damit befchäftigt, gewiffe Beziehungen dieser Berlage, die ihren Mitarbeitern verborgen geblieben find, aufzutlären. Ueber das Ergebnis dieser Prüfung wird noch berichtet werden. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn: Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3. Getragene Serrengarderobe, tadellos erhalten, Gelegenheitsläufe in Belz Berliner Elektriker- Anbaus obiegel, Chaufetrafe 7.6 Genossenschaft Monatsgarderobe, Lothringerstraße 56. Bon angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe eine Treppe, Rofenthalerplag. Millionären, Aerzten, Anwälten furze Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Beit getragene Ravaliergarderobe, fabelFernsprecher: Norden 1198 haft billige Breife. 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