Nr. 507 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 259 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monaffid 8. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Westerreich, Sitauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit Giebe Jung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: -Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. aeile 80 Bfennig. Reklamezeils 5,- Reichsmart. Aleine Anzeigen" bas fetigedrudte Bort 25 Pfennig ( aulaffia zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Bfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Amflich wird mitgeteilt: Das Reichstabinett hat seine heute mittag begonnenen Beratungen am Abend fortgefeht und ist zu folgender Stellungnahme gelangt: Das Reichskabinett betrachtet es als feine ferbstverständ. lige politische Pflicht, auf dem in Locarno begonnenen Wege fortzuschreiten, um dem Reichstag rechtzeitig vor dem 1. Dezember, dem Tage, der für die Zeichnung des in Locarno paraphletten Bertrages vorgesehen ist, ein Gesamtergebnis. zur Beschlußfaffung unterbreiten zu können. Aus diefer Erwägung erachtet es das Reichskabinett für geboten, von einer Demiffion abzusehen und die Reichsgeschäfte weiterzuführen. Der Reichskanzler, der im Laufe des Nachmittags Vertreter der Reichstagsfraktionen empfangen hatte, hat dem Herrn Reichspräfioenten über die politische Lage Bortrag erstattet und zugleich feine Borschläge wegen der zukünffigen Gestaltung des Reichskabinetts unterbreitet. Der Herr Reichspräsident hat die Enflaffungsgesuche der Herren Reichsminister Neuhaus, Schiele und v. Schlieben genehmigt und hat, unfer Billigung der Fortführung der Reichsgeschäfte durch das jezige Kabinett, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers der Finanzen den Reidyskanzler Dr. Enfher, des Reichsministers des Innern den Reichswehrminiffer Dr. Geßler und des Reichswirtschaftsministers den Reichsverkehrsminister Dr. Krohne beauftragt. Was wird aus dem Bertragswert von Locarno, das die europäischen Völker einander näher bringen foll? Wird der Reichstag es ratifizieren, nachdem die stärkste Regierungspartei ihr ,, Unannehmbar" verkündet hat und aus der Regierung aus geschieden ist? Das ist die erste Frage, die mit uns das deutsche Bolt und die ganze Welt stellt. Sie bezeichnet die große Berantwortung der amtlichen Führung der deutschen Politik wie der Parteien, die nun über die von den Deutschnationalen heraufbeschworene Krise beraten. Die zweite Frage ist: Was wird die Regierung tun? Darauf lautet die Antwort nach dem Gang der Ver handlungen des heutigen Tages: sie wird abwarten. Sie wird ihre außenpolitische Arbeit fortsetzen, um schließlich noch vor dem für die Unterzeichnung in London festgesetzten Tenin eine Beschlußfassung im Reichstag herbeizuführen. Sie hat dafür und damit auch materiell für das Ergebnis die Zustimmung des Reichspräsidenten. Sie hofft, an einem späteren Zeitpunkt im Reichstag eine Mehrheit für die Berträge zu erhalten. Was kann sie hoffen? von Locarno Die Deutschnationalen haben einen Beschluß gefaßt, den feine Partei ohne schwerste innere Krise wieder umftoßen fönnte. Trotzdem hofft man zum mindesten in den Kreisen des Außenministers, daß ein Teil der Deutschnationalen sich von dem Fraktionsbeschluß trennen werde, oder, wie die Lägliche Rundschau" schreibt: Man darf indessen die Hoffnung nicht aufgeben, daß in den nächsten Wochen auch innerhalb der Deutsch nationa. len Partei teilweise noch eine Sinnesänderung eintritt." nationalen. Das ist die Hoffnung auf eine Spaltung der Deutsch Die andere Hoffnung ist, daß die Parteien der Linken dem Friedenswert von Locarno eine Mehrheit geben würden. Die Regierung, die durch die Verantwortungslosigkeit der stärksten Regierungspartei ihre gesamte außenpolitische Arbeit bedroht sieht, hofft auf das Verantwortungsbewußtsein der Linken. Die Parteien der Linken und vor allem die Sozialdemokratische Partei haben seit dem Bestehen der Republik Beweise genug für ihr Verantwortungsbewußtsein gegeben. Sie haben die großen nationalen Interessen der Sicherung des Friedens für Deutschland bei allen großen politischen Ent scheidungen vorangestellt. Das staatliche Verantwortungsgefühl der Linfen ist die wesentlichste politische Tatsache der Geschichte der jungen deutschen Republik. Die Regierung, die jezt ihre Hoffnungen auf diese Tat fache aufbaut, hat dafür die Linfe- und im befondern die Sozialdemokratische Partei von der Mitarbeit an den großen inneren Gesezgebungsarbeiten des letzten Jahres aus geschlossen. Sie hat mit einer Parteifonstellation gearbeitet, deren Kern die Deutschnationalen bildeten, deren Bolitit sich non jedem staatlichen Berantwortungsbewußtsein weit entfernt gehalten hat. Dafür ist diese Parteifonstellation auch als der Blod der staatsbejahenden Parteien" bezeichnet worden. Die Lage Deutschlands nach dem Kriege hat in der Außenpolitit von allen Parteien erhöhtes Berantwortungsbewußt fein gefordert. Die Deutschnationalen haben es vorgezogen, die Berantwortung den anderen zu überlassen und die Rolle der nationalen Opposition" zu spielen. Auch eine wirkliche nationale Opposition fann von hohem Berantwortungsbewußtsein getragen sein; man weiß, wie Rathenau darüber Das Berliner Endergebnis. Amtlich wird gemeldet: Die Zahl der Wahlberechtigten beträgt 2935 908, abgegebene Wahlscheine 124, Zahl der ungültigen Stimmen 16 658, 3ahl der gültigen Stimmen 1853 115. Der Wahlquotient ist 8 236. Bon den gültigen Stimmen haben erhalten: 1. Sozialdemokratische Partei 604 704. 2. Deutschnationale Bollspartei 385 326. 3. Deutsche Bolfspartei 111 432. 4. Kommunistische Partei 347 382. 5. Deutschdemokratische Partei 171 961. 6. Deutsche Wirtschaftspartei 73 264. 7. Zentrumspartei 63 265. 8. Unabhängige Sozialdemokratische Partei 24 60S. 9. Deutsch- Böltische Freiheitspartei 27 534. 10. Deutschsoziale Partei 25 200. 13. Deutschnafionaler Bund der 11. Evangelischer Gemeinschaftsbund 17 161. 12. Die Arbeiterpartei 627. Hauswirte 147.Hauswirte 147.- 14. Der Sparerbund 4 101.- 15. Nafional liberale Reichspartei 1309.liberale Reichspartei 1309.- 16. Deutsche Mittelstandspartei 2 479. 16. Deutsche Mittelstandspartei 2 479. 17. Deutsche Arbeitnehmerpartei 554.- 18. Nationale Wirtschaft liche Vereinigung 648.- 19. Entschiedene Demokraten 164.20. Partei für Mieterschuh und Bodenreformer 1249. ( Siehe auch 3. Seite.) urteilte. Die Grenze einer von Berantwortungsbewußtsein getragenen nationalen Opposition wird überschritten, wenn sie um der Opposition willen entscheidende, im nationalen Intereffe liegende Fortschritte gefährdet. Die deutschnationale Oppofition unter Helfferichs Führung hat diese Grenze immer wieder überschritten. Sie wird nicht erstaunt sein, daß uns dabei eine bittere Empfindung überkommt. Die Situation wird der vom Jahre 1923 immer ähnlicher. Damals hatte die Regierung Cuno, deren politischer Berater Helfferich war, die deutsche Politit in die Katastrophe am Ende des Ruhrkampfes hineingeführt. Als der Zusammenbruch da war, blieb als einziger Ausweg der Appell an das staatliche Berantwortungsbemustsein der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratie hat sich der Berantwortung nicht entzogen. Sie trat in die Große Koalition ein. Nach wenigen Wochen schon, nachdem das Schlimmste abgewendet, der gefährlichste Krisenpunti mit gierung wieder herausgedrängt. Es waren die Führer der ihrer Hilfe überschritten worden war, wurde sie aus der Re Regierung Luther, die diese Wendung herbeiführten und die Schwenkung zum Rechtsturs einleiteten. Erziehung der Deutschnationaien zum staatlichen Verantwortungsbewußtsein? Zunächst scheinen uns die Führer der Regierung Luther selbst dieser Erziehung bedürftig. Sie müssen lernen, daß die Deutschnationalen nicht mit den Methoden ihrer blen politischen Geschäfte erzogen werden können. Für die Billigung des Vertragswerts von Locarno ist im deutschen Bolte unzweifelhaft eine große Mehrheit vorhanden. Eine Regierung, die sich auf diese Mehrheit stühen will, fann nicht gegen diese Mehrheit gemeinsame Sache mit den Deutsch nationalen in den wichtigsten inmenpolitischen Fragen machen. Soll der Wille diefer Mehrheit durchgesetzt werden, so muß sie selbst zur Entscheidung aufgerufen werden. So muß den Deutschnationalen flar gemacht werden, daß sie sich nicht mur in politischer Isolierung von der Mehrheit des deutschen losen Gefährdung der nationalen Interessen selbst einen Volkes befinden, sondern daß sie mit ihrer verantwortungsKordon der moralischen Isolierung um sich ziehen. Das scheint uns entschieden die bessere Erziehungsmethode zu sein. Wenn die Regierung Luther hofft, daß die Sozialdemokratie ihr helfen würde, den Deutschnationalen ein paar Wochen Ferien von der Verantwortung zu geben, so ist sie sehr im Irrtum. Besprechungen beim Reichskanzler. Die Auffaffung der sozialdemokratischen Vertreter. Der Reichstanzler lub im Laufe des Montagnachmittag Vertreter der sozialdemokratischen Frattion zu einer Besprechung über die politische Situation ein, die durch die Demission der deutschnationalen Minister entstanden ist. Bei der Unterredung, an der die Genossen Hermann Müller, Wels und Hilferbing teilnahmen, teilte der Reichskanzler seine Absicht mit, Don der Gesamtdemission des Kabinetts abzusehen und auch teine Ergänzung der Regierung vorzunehmen. mit der Führung der erledigten Refforts sollen Mitglieder des Kabinetts beauftragt werden. Die Erziehung der Deutschnationalen zum Berantwortungsbewußtsein mag gewiß eine große politische Auf gabe sein, aber die Regierung Luther war alles andere als eine Erziehungsanstalt für so schwach mit Verantwortungsbewußtsein begabte Politifer wie die Deutschnationalen. Sie hat die Deutschnationalen auf die Verantwortung locken wollen, indem sie ihnen die oppositionelle Haltung in außen politischen Fragen abkaufte durch die Einbeziehung in die Regierung, durch die entschiedene Rechtsschwenkung des Kurses in der Innenpolitit wie in der Wirtschaftspolitit. Statt zu erziehen, hat sie mit den Erziehungsbedürftigen üble Handelsgeschäfte gemacht, die mit dem Wesen eines normalen und anständigen parlamentarischen Kompromisses nichts mehr zu tun haben. Wenn den Führern der Regierung Luther die Erziehung der Deutschnationalen zum Verantwortungsbewußt- zialdemokratischen Reichstagsfraktion für Mittwoch einberufen set. sein als politische Aufgabe vorgefchwebt hat, so haben sie gehandelt wie Leute, die mit Opfern einen Erpresser zur Moral zu erziehen versuchen. Ist eine Regierung, die mit Zollgeschenken um Berantwortung gegenüber dem eigenen Bolle fchachert, ein geeigneter Erzieher? Die Regierung Luther hat von den Deutschnátionalen ihren Fußtritt dahin. Die Deutschnationalen haben sich gestellt, als ob sie auf dem Wege der Befehrung wären, um die Gegengeschente zu sichern. So, wie die Kreuzzeitung" gestern abend in einem mehr als offenherzigen Artikel schrieb: " Bielleicht wird man jetzt zugeben müssen, daß die Deutschnationalen schon beffer damals aus der Regierung aus ge treten wären, andererseits aber wird man dem entgegen halten tönnen, daß das ganze Wert der inner politi. schen Gefeßgebung, das äußerst dringend war, sonst nicht hätte erledigt werden fönnen." Das also find nun die Resultate, die die Regierung Luther mit ihren Methoden der Erziehung an den Deutschnationalen erzielt hat! Jeht, nachdem sich der Schaden befehen läßt, feßt sie ihre Hoffnungen auf das Verantwortungsbewußt sein der Linken. Sobald sich die endgültige Gestaltung der sogenannten Rückwirfungen des Vertrages von Locarno übersehen ließen, würde die Regierung endgültig zur Rafifizierung des Vertrages Stellung nehmen und die Entscheidung des Reichstages herbeiführen. Um die Rückwirkungen abwarten zu können, hält der Reichskanzler eine frühere Einberufung des Reichstages nicht für angezeigt. Unsere Vertreter verwiesen darauf, daß der Borstand der SoFrüher sei eine definitive Stellungnahme nicht möglich. Sie ließen aber dem Reichskanzler teinen 3 weifel an ihrer Auffassung, daß die Sozialdemokratie nicht daran denken könne, die Deutschnationalen aus der Verantwortung in diefem Reichstag zu entlaffen. Wenn die Deutschnationalen den Bertrag ablehnen, würde nur übrig bleiben, das Bolt felbft entscheiden zu laffen und den Reichstag aufzulösen. Stresemann über die Krise. " Kopenhagen, 26. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Berliner Korrespondent des Politiken" hatte am Sonntag nachmittag nach dem Rücktritt der deutschnationalen Minister eine Unterredung mit dem Reichsaußenminister. Stresemann erklärte wiederholt und fategorisch, daß der Vertrag von Locarno" auf jeden Fall von Deutschland ratifiziert werde. Selbst wenn der gegenwärtige Reichstag den Vertrag nicht annehmen sollte, würde die Regierung Luther- Stresemann am 1. Dezember unterzeichnen. Man würde in diesem Falle neu wählen lassen und dann würde der neue Reichstag den Vertrag genehmigen. Er ließ aber auch die Möglichkeit offen, daß man ohne Auflösung zum Ziel fommen werde fm anüerer Dolchstoß. Bayerisches Echo der Regierungskrise. München, 2S. Okwber.(Eigener Drahtbericht.) Mit Ausnahme des deutschnationalen Parteibialtcs wird hier die Entlcheidung der Deutschnationalen entschieden verurteilt. Das Organ der bayerischen Regierung, die„Staatszeitung", spricht von einer gewagten Politik,„weil sie durch das Herbeiführen einer Regierungs. krise im gegenwärtigen Augenblick die leisen Anfänge zu einer Konsolidierung der europäischen Lage, die durch den Sicherheits- pakt und die Verhandlungen von Locarno zweifellos herbeigeführt wurden, wieder vernichtet und damit die ganze Welt, nicht nur die Alliierten, zu neuem Mißtrauen Deutschland gegenüber nötigten. Nicht minder gewagt ist es. wenn man in einer Zeit. in der die Wirtschaftskrise auf das höchste gestiegen ist und die Teuerung die Massen lebhaft bewege, die Regierung womöglich in die Zwangslage versetze, Neuwahlen auszuschreiben". In außerordentlicher Erregung versetzte sich beim Eintreffen der deutschnationalen Entscheidung am Sonntag abend der gerade zu seiner Schlußsitzung versammelte Landcsparteitag der Deutschen Volkspartei. Diese Erregung äußerte sich in der Erklärung, daß die Hallung der Deutschnationalen„ein neuer Dolchstoß in den Rücken des deutschen Volkes" dar- stelle,«in Urteil, das sich der ganze Parteitag unter Anwesenheit des Staatssekretärs Kempks und des Abg. Gcheimrat K � h l zu eigen machte. Schwermöustrielle Setlemmun�en. Nngst um Locarno. Essen, 25. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die rheinisch- westfälische Schwerindustrie ist von der durch die Deutsch- nationale Partei provozierten Rezicrungstris« äußerst unan- genehm überrascht. Sie befürchtet unangenehme Wirtschaft- liche Rückwirkungen infolge der Gefährdung der ausländischen Jndustriekreditverinrndlungen. Man glaubt serner, daß durch die Reglerungskrise auch eine weitere Verzögerung des Rhein-Ruhr- Trusts bedingt wird, da die Behandlung der für den Industrie- zusammenschluh hochwichtigen Steuerfroge jetzt wieder auf Wochen verschleppt werde. Die Behandlung der Steuersrage durch die Reichsregiening fei infolge der sehr entgegenkommen- den Haltung Luthers und Stresemanns bereits weit gediehen. Von einer neuen Regierung, die vielleicht mehr links orientiert sei, könne das von dein bisherigen Reichskabinett gezeigte Entgegen- kommen dagegen nicht erwartet werden. Recht bezeichnend für den Katzenjammer in den Kreisen der Schwerindustrie ist die Haltung der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung". Solange mit dem bestimmten Ilmfall der deutschnationa- l n Reichstagsfraktion gerechnet werden kannte, wußte das Blatt seine Kritik am Verhandlungswcrk von Locarno nicht scharf genug einzustellen. Jetzt beeilt es sich, zum Ausgleich und zu einer Behebung der Krise zu raten, indem es schreibt: „Schneller als zu erwarten, ist dieser Beschluß gefaßt worden. Sicher ist er ais Zeichen lebhaften nationalen Verantwortungs- gesühls zu werten. Verständlich ist die Schnelligkeit, mit der dieser endgültige Beschluß gefaßt wurde aber nur dann, wenn tatsächlich feststeht, daß außer den in den Paktentwürfen niedergelegten Ver- einborungen in Locarno nichts erreicht worden ist. Ob dies der Fall ist oder ob tatsächlich die bisher laut gewordenen Erklärungen � Ariands und Chamberlains nur als Beruhigungsreden für die öffentliche Meinung Frankreichs und Englands anzusprechen sind. denen im Hintergrunb weitere mündliche Zugeständ- niss« an die deutsche Delegation enigegnstehen, wirb sich in den; nächsten Stunden entscheiden müsien. Denn es ist jetzt durch den! Rücktrillsbeschluß der deutschnationalen Reichsminister der letzte Termin lür die deutsche Delegation gekommen. Zusagen, die sie in Locarno etwa von England und Frankreich mündlich erhielt, den Führern der Parteien, wenn auch vertraulich, bekanntzugeben, und dadurch eine Beilegung der Krise herbeizuführen. oder aber— endgültig anzuerkennen, daß garantiert« Zu- sagen der Gegenparteien in Locarno nicht gemacht worden sind, daß also das Ergebais der Verhandlungen von Locarno einen beut- jchen Mißerfolg bedeutet, wodurch allerdings der deutschnationale Unser neuer Roman. Elara Biebig hat auf unsere Bitte chrem neuen Roman, i« heute bei uns zu erscheinen beginnt,«in paar Geleitzeilen vor- »ngeschickt: „Sie wünschen, daß ich dem Abdruck meines Romans ein paar einführende Worte vorausschicke, damit Ihre Leser wissen, was ihrer wartet. Ich kann dos wohl verstehen. Berstehen, daß Sie sie nicht mit einem Werk gewissermaßen überfallen wollen, da» an ihr innerstes Herz greifen, sie in den tiefsten Tiefen ihres menschlichen Empfindens aufrütteln soll. Ja, ich schildere in meiner„Passion" eine» armen schuldlosen Menschenkindes Leidensweg, der ohne gleichen scheint und doch der Leidensweg vieler Tausender ist. Ich habe es gewagt, hier von einer Krankheit zu sprechen, über die ein« konventionelle Moral den Schleier der Prüderie deckt. Dadurch ist sie zu einem sozialen Problem nicht nur unseres Volkes, sondern der ganzen Welt geworden. Zur Lösung dieses Problems sind von privaten Stellen erst schüchterne Versuche gemacht worden, während die sozialen Folgen der Tuberkulose seit langem vom Lande bekämpft werden. Beide Krankhelten sind nicht nur von ärzilichen, sondern auch von sozialen Gesichtspunkten zu betrachten, denn Jahr für Jahr fordert die Syphilis nicht viel weniger Opfer als die Tuberkulose und ebenso Unschuldige. Den Weg eines solch unschuldigen Opfers der„Sünden der Väter", wie man zu sagen»siegt, verfolge ich in meinem Roman und hoffe, es ist mir gelungen, die Sünden dabei aufzudecken, die die Allgemeinheit an ihnen begeht. Nicht die Geschichte eines kranken Menschen habe ich geschrieben, sondern die Geschichte eines kranken Volkes. Möge sie ein wenig dazu helfen, daß es gesundet!" Das Ense See Dame. Don Friederike Umlauft. Wir erleben es täglich, daß es Menschen gibt, die für Welt- geschehniss« umwälzendster Art taub und blind geblieben sind und in ihren verstaubten Rüstkammern weiter vegetieren wie Motten in alten zerfressenen Pelzen. So stimmt eine„Zarte Dame" in Nr. 506 de»„Berliner Tageblatts" eine„Große Klage" an über das Ver- schwinden der Dam«. Sie schreibt unter anderem:„Der heutige Welt- geist negiert, bezweifelt, ignoriert, profaniert und brutalisiert die Dam«... eine ideal umwobene Erscheiming, in der man gleichsam den Begriff der Königin in jedes Weib übertrug." Wenn man sich dos Ideal der Dcrfasserin jenes Artikels zu eigen machen wollte, so wäre der Tod der Dame als großer Sieg der Menschlichkeit zu be- zeichnen. Denn jene„Dame", eine Drohne, da, Luxusprodnkt der herrschenden Schicht, liebäugelte w vergangenen Zeiten mit allen Beschluß seine Rechtfertigung erfahre» würde. Der devtschnatwnal« Beschluß muß den Verhandlungspartnern jenseits de» Rhein«? und an der Themse mit aller Klarheit zu oerstehen geben, daß es höchste Zeit ist, sich über die Deutschland zu machenden Konzessionen schlüssig zu werden oder sie, salls sie in Locarno zugesagt worden sein sollten, schleunigst in die Tat umzusetzen." Es scheint, daß die„R h e i n i s ch- W e st f S l i s ch e Z e i t u n g" seit mehr als acht Tagen in einen tiefen Schlaf oerfallen ist. Luther und Stresemann haben wiederholt erklärt, daß garantierte Zugeständnisse nicht gemacht worden sind, und soweit unverbindliche Erklärungen der alliierten Minister gemacht wurden, sind darüber nicht nur die Parteiführer, sondern auch die Delegier- ten aus dem Rheinlande unterrichtet worden! Alles das hat das Organ der Schwerindustrie verschlasen! Die Verstänüigung über Sie Räumung. Köln z« Jahresanfang wahrscheinlich frei. L o a d o n. 26. Oktober.(WTB.) ver-mkllche englisch« Funk. dienst meldet: Die Nachricht, daß der Oberkommaadierende der englischen Slreilkräfle in Köln angewiesen worden ist, beschleuaigle Vorkehrungen für die Räumung dieser Stadl zu treffen, hat hier ollgemeinen Beifall gesunden. Die Bewirkung der Räumung erfordert naturgemäß einige Zeil, aber wenn nichts Unvorhergesehene» einkritk. kann damil gerechnet werden, daß die Räumung zu Anfang de» ueneo Jahres durchgeführt sein wird. Da die Rheinlandsbesetzuag eine Angelegenheit der AlMerlea ist. wird sich Enzland auch weiterhin daran beteiligen. Die im Rheinland verbleibenden Truppen sollen in die Gegend von Mes- baden verlegt werden, wo mau sie aeben den französischen unter. zubringen hofft. Aber die Botschafterkonferenz entscheidet. London, 26. Oktober.(WTB.) Wie Reuter erfährt, kann, be- vor nicht die B o t s ch a f t e r k o n f e r e n z, die morgen in Paris zusammentritt, ihre Beratungen über die Entwaffnung Deutschlands und die letzte deutsche Not« abgeschlossen hat und bevor nicht das ordentliche Verfahren zu Ende geführt ist, irgendeine endgültige Entscheidung über den Zeitpunkt der Räumung der Kölner Zone nicht gefällt werden. Chamberlain auch wegen der Entwaffnung in Paris. Paris. 26. Oktober.(TU.) Der Besuch Chamberlain» in Paris wird nicht nur seiner Teilnahme an der heut« nachmittag statt- sindendcn Sitzung des Völkerbundsrctes gelten, sondern auch zu einer Aussprache mit Briand über die auf die deutsch« Entwaff- nungsnote zu erteilende Antwort Gelegenheit geben. Die Do!chftoß!üge in höchster Not. General v. Kühl gibt sie preis— Kuttner rechnet mit Cosimanu ab. München, 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Ixn Dolchstoß- prozeß kam am Montag der letzte Zeuge des Klägers Coßmann zu Wort, der seine Aussagen zugleich vermischte mit einem Gutachten als Sachverständiger: General a. D. Hermann von Kühl, der während des ganzen Krieges Generalstabschef der Armee Kronprinz Rupprecht von Bayern war und bekannt geworden ist durch seine ausführliche Denkschrift für den parlamentarischen Untersuchungsausschuß. Seine mehrstündigen Ausführungen ließen ihn als einen Anhänger der Dolchstoßlegende von ganz besonderet Eigenart erkennen, da er auf Grund seiner genauen Kenntis der Lage an der Front den Vorwurf des Dolchstoßes in den Rücken des Heeres nur gelten lassen will mit Bezug auf die Revolution vom 7. November, die nach seiner Ansicht den deutschen Streitkräften die Möglichkeit des Weiter- kämpfens genommen hat. Wohlgemerkt: die Möglichkeit des Weiterkämpfens, nicht aber etwa die des Sieges; denn der Sieg war nach seiner Anstchl seil dem Schcikern der deutschen Alärzoffeusive tSIS für Deulschlaud unmöglich mehr zu erringen. Zusammengedrängt erklärte der General folgendes: Wir können nicht behaupten, daß wir den Krieg lediglich durch die Unterwühlung des Heeres verloren hätten. Es mußte naturgemäß Institutionen, welche spätere Revolutionen zu befestigen bestrebt waren. Jenes Ideal der Dam« entspringt der ritterlichen Romantik. Auch heute ist es noch die sogenannte Dame, die berechtigt zu sein glaubt, auf den arbeitenden Menschen herabzusehen, die ihre Söhn« zu einem falschen Ehrbegriff und Heldentum erzieht und die mit Schuld ist an der unsozialen Einstellung unserer bürgerlichen Jugend. Wir Frauen, die wir gottlob die Dame in jenem Sinn überwunden haben, erziehen unsere Töchter so. daß ihnen die Arbeit etwas Selbst- verständliches ist uild man von ihnen hoffen darf, daß sie einmal die Mütter einer körperlich und seelisch gesunden Generation werden. Hatte eine„Dame" im Jahr 1918 Verstand, soziales Empfinden und wahre Würde, d. h. war es chr lästig, den anderen zur Last zu fallen, dann bestand sie, durch schwere Rot sich hindurchringend, die Prüfung. Man kennt sie in Scharen, ehemals elegante Ge- nießerinnen, heute mitten im praktischen Erwerb stehend. Ihre Sinne, für das Menschliche geschärft, haben auch zu Natur und Kunst eine tiefere Beziehung gefunden. Wenn die Verfasserin ein Loblied auf einen modernen Leichnam anstimmen würde, so möchte es noch hingehen. Die schärffte Zurechtweisung erfordert aber die tolldreiste und unverantwortliche Behauptung, daß heute an Stelle ddr Dam« die Dirne getreten sei.„Die Dirne sitzt heute am Putztisch, den die Dame verlassen hat, sie sitzt an der Stelle der Dame im Wagen, im Salon, im Theater... Die Dirne versucht sich heute als Braut und Gattm, Herrin des Hauses, ja selbst Mutter manchmal— im Aeußeren oft fast nicht zu unterscheiden von der Dame, und dennoch, wenn auch noch so gut oerborgen hinter ihrer Maske, unverkennbar mrd unverleugbar gezeichnet mst dem Mal ihrer Art." Es geht nicht an, daß solche Dinge in einer weitverbreiteten, demokratischen, republikanischen Zestung von uns Frauen gesagt werden können, ohne uns zu berechtigtem Protest herauszufordern. Literarische Zufallsspiele. Wie Samen, der, durch Zufall vom Wind auf eine öde Insel getragen, dort Pflanzen entstehen läßt, so werden auch geistig« Anregungen verstreut, die dann plötzlich ein großes Kunstwert erblühen lassen. Für diese Erscheinung führt Frig Adolf Hünich in einem Aufsatz der Leipziger„Illustrierten Zeitung" zwei be- zeichnende, wenig bekannte Beispiele an. Am Dienstag, den 17. August 1847, ersckien in der„Leipziger Zestung" die folgende Notiz:„Leipzig, 16. August. Heute fand man in der Nähe von Neusellerhausen die Leichname eines Jünglings und eines jungen Mädchens, die beide durch einen Pistolenschuß getötet worden waren. Man vermutet, daß der junge Mann zuvörderst das Mädchen und dann sich selbst getötet, und die Ursache dieser schrecklichen Tat unglückliche Liebe gewesen sein möge." Am 2. September gab dann das„Leipziger Kreisblatt" Näheres bekannt; unterdessen war aber die Kunde von der Begebenheit schon in die Ferne gedrungen, und am I. September konnten die Züricher in ihrer„Frestagszeitung" unter der Rubrik Sachsen lesen:„Im Dorf Altsellerhausen bei Leipzig liebten sich ein Jüngling von neunzehn Jahren und ein Mädchen von siebzehn Iahren, beide Kinder armer Leute, die aber sehr vieles dazu kommen, mn Deutschland zu Fall zn bringen. I» erster Linie steht hier die Blockade, nachdem da» deutsche Volt bis an die äußerste Grenze seiner Leistungssähigkeit gegangen war. Dann fehlte unserem stark erschöpften Heere der Ersatz. Wir find dann ferner der großen lleberlegenhdl der Ealenle unierlegen, nachdem die Amerikaner schuellec, als wir angenommen hallen, aus dem Felde erschienen sind. Bon großem Einstuß war schließlich der Z u s a m m e n b r u ch Bulgariens, der Türkei und die völlige E r i ch ö p s u n g Oest'erreich-Ungarns. Wie weit militärische Fehler der Obersten Heeresleitung an dem verlorenen Krieg schuld haben, will ich nicht erörtern, beliaupte aber, daß die Oberste Heeresleitung das Menschenmögliche geleistet hat. Wir waren im Sommer 1918 mit unserem Ersatz so ziemlich zu Ende. Wir mußten Divisionen auflösen und die Mannschaftsstärken der Kompagnien verringern. Hier liegt mit der Hauptgrund der Niederlage. Dieser Mangel kam von den außerordentlichen Ver- lusten in den Sommerschlachten 1918. Wir haben in der Zest von Januar 1918 bis zum Wassenstillstand an Toten und Verwundeten etwa 420 000 Mann verloren und in derselben Zeit an Gefangenen und Vermißten 340 000. Die letzte ungeheure Zahl ist zuruckzu- führen auf die große Zahl der Fahnenslüchtigen, lleberläufer und Drückeberger. In den Bahnhöfen der Etappe lungerten viele Zchn- tausende herum, meist Leute aus dem Urlaub, an die sich in der Heimat der zersetzende Einfluß herangemacht hatte. Gewiß ist zuzu- geben, daß sich die Gesamtlage Deutschlands im Sommer 1913 außerordentlich verschlechtert haste. Auch muß zuge- geben werden, daß unsere Betriebsstoffe für die Fliegerwafse und lür die Kraftwagen sehr knapp waren, nachdem wir nicht mehr über Rumänien verfügen konnten. Die Behauptung läßt sich also nicht aufrechterhallen, daß lediglich der Dolchstoß uns die Frucht des Sieges genommen hat. Aber die pazifistische und revolutionäre Unterwühlung unseres Heeres hat zum Zusammenbruch ganz wesentlich beigetragen. Am 10. November war milikörisch alles für Deutschland verloren. Es war nicht mehr möglich, den Krieg weiterzuiühren. Ich bin der Kien Ueberzeugung, daß es möglich gewesen wäre, ohne Revolution n Krieg weiksrzuführeu, freilich nicht um zu siegen. sondern um die Bedingungen zu mildern, unter denen uns der Friede bevorstand. Wir haben seit Sommer 1918 niemals mehr an einen Sieg gedacht.(!) Das Wort vom Dolchstoß in dem vielgebrauchten Sinn, als ob die Heimat dem siegreichen Heer in den Rücken gefallen sei und als ob nur dadurch der Krieg ver- loren worden wäre, trifft also nach meiner Ansicht nicht zu. Wir sind aus vielen Gründen unterlegen. Nach dem Vortrag des Generals stellte der Verteidiger Hirsch- berg eine Reihe von Fragen. Bon den Antworten ist u. a. inter- essant, daß die vielgerühmten Ausnahmestellungen hinter der Maos nach den verlorenen Schlachten im Juli und August 1918 noch gar nicht gebaut, sondern nur ausgesucht und pro- j e k t i e r t waren. Es ist also durchaus zweifelhast, ob das Fest- halten dieser Stellungen überhaupt gelungen wäre. Dann kam der erste Zeuge des Beklagten, und zwar der Genosse kuliner, zu Wort. Auf Grund seiner persönlichen Erleb- nisse als einfacher Soidai an der Front und später dann als Redak- teuer der jozialdemotratlschen„Feldpost", wo tausende und aber- tausende Briefe von Frontsoldaten durch seine Hände gingen, haste Genosse Kuttner nach Angabe des Gerichtsvorsitzenden die Aufgabe. zunächst seine selten große Kenntnis von der Stimmung an der Front, d. h. von den vorherrschenden Mißständen, wiederzugeben. Der Zeuge kam dieser Aufgabe mit außerordent- licher Gewissenhaftigkeit nach und haste dabei trotz seiner schweren Angriffe auf gewisse Teile des Offizierkorps das Ohr des pan- zen Gerichtssaales für sich. Er bracbte eine beinahe i.müber- schbare Zahl von Beisvielen über die Wißstimmung betr. Gr» nährrmg, schlechtes vuartier, Soldcstemnißhandlungen usw. und stützte sich dabei meist auf Originaldokumente. Er schloß diesen Teil seiner Ausführungen mit dem Satz:„Wenn man mit dem Schlagwort „Doichttoß" von hinten" operiert, so scheint mir hier ein Messer wirksam gawesen zu' sein, an dem sich Korkzieher für die Sektflaschen und Büchsenöffner befunden haben." Im zweiten Teil seiner Zeugenaussage haste sich Genosse Kutt- ner in einer kritischen Würdigung einzelner Fälschungen in den Coßmonn-Heften zu äußern. Auch hier gelang es ihm, an der Hand seines eigenen rerchhalligen Materials den Veröffentlichungen Coß- manns das wissenschaftliche Mäntelchen wegzureißen und sie als demagogische Verdrehungen und Halbheiten zu charakterisieren. Am Schluß nahm Kuttner sich noch den Admiral von Trotha vor. in einer tödlichen Feindschaft lebten und nicht in eine Vereinigung des Paares willigen wollten. Am 13. August begaben sich die Verliebten in eine Wirtschaft, wo sich arme Leute vergnügen, tanzten daselbst bis nachts l Uhr und entfernten sich hierauf. Am Morgen fand man die Leichen beider Liebenden auf dem Felde liegen: sie hatten sich durch den Kopf c>eschossen." Ein Schweizer Dichter las diesen Bericht; er wurzelte m seinem Herzen, und nachdem er erst versucht hatte, di« Geschichte in einem kleinen episcken Gedicht zu gestalten, entstand Gottsried Kellers schönste Novelle„Romeo und Julia auf dem Dorfe". Am 3. Juni 1821 erstach der 41 Jahre alte Friseur Johann Christian Woyzeck die 46jährige Witwe des Chirurgen Woolt in dem Hauseingang zu ihrer Wohnung in der Sandgosse zu Leipzig. Da über die Zurechnungsfähigkeit des Mörders Zweifel auftauchten, entspann sich eine langjährige Untersuchung, bis schließlich Woyzeck doch des Mordes für schuldig erklärt und am 27. August 1824 das Todesurteil auf dem Marktplatz zu Leipzig mit dem Schwert voll- streckt wurde. Das gerichtsärzlliche Gutachten, das 1824 und 1826 in Henkes„Zeitschrift für Staatsarzneikunde" veröffentlicht wurde, beschäftigte die wissenschaftlichen Kreise und kam auch einem jungen Studenten der Naturwissenschaften in Darmstadt zu Gesicht. Sein Genie schuf aus dem Stoff ein Drama, das zwar Bruchstück geblieben ist, aber zu den großartigsten dramatischen Werken unseres Schrifttums gehört: Georg Büchners„Wozzeck". Weitere Erfolge des„Aulog'ro". Der spanische Ingenieur Juan della Cierva hat sein« Flugversuche mit dem Autogiro in Farnborough iortaesetzt. Dabei lölie der Apparat mehrere der vom Luftfahrtsministerium gestzlltcn Aufgaben, die eine Landung auf Gebäudedächern und Schiffsdecks selbst bei schlechtem Wester für eine nahe Zukunft voraussehen lassen. Aus den Versuchen ergab sich, daß der Autogiro zwar nicht senkrecht abfliegen kann, aber mit einem Raum von 50 bis 90 Meter auskommt. Wie der Erfinder behauptet, ist dieser Raum auch nur für die zu den Versuchen be- nutzte Modellmaschine erforderlich, während eine große Maschine einige 20 Meter benötigen würde. Der Abstieg und di« Landung erfolgten dagegen vertikal, wobei sich der Apparat ohne jede Er- schütterung hinsetzte, wie etwa ein Bogel. Der den Dersuchsapparat vorführende Flieger, Hauptmann Courtney, erklärt«, daß»räch seiner Meinung die Erfindung ein« glänzend« Zukunft habe. Die Skrauß.Feiern in Deulschöflerreich. In ganz Oesterreich fanden am Sonntag große»trauß-Feiern statt. Vom jrühen Morgen bis in die späten Abendstunden herrschte überall reges Leben. Den Höhe- punkt der Feierlichkeiten in Wien bildete die große Huldigungsfeier vor dem Strauß-Denkmal im Stadtpark. Hierzu war das ganz« offizielle Oesterreich mst dem Bundespräsidenten Hainisch an der Spitze erschienen. Bundespräsident Hainisch sagte in seiner Ansprache. daß es ihm unerklärlich sei. wie eine wilde Trommelmusit die schönen Wiener Walzer von Strauß habe oertreiben können. Der dänische Henker wird abgebaut. Die dänische Regierung hat ihrem Henker mit halbjähriger Frist gekündigt, da seit Iahren der Mann arbeitslos war und nur noch sein(Behalt einstrich. In Dänemark hat seit 20 Jahren keine Hinrichtung mehr stattgesunden. obwohl die Todesstrafe offiziell noch nicht abgeschasst ist. Nach öer Herlin Der Katzenjammer Die Lektüre der Rschtsblätter nach dem Kamps um die Berliner Stadtverordnetenversammlung muß eigentlich jedem ungetrübte Heiterkeit bereiten. Die größten Schreier, die den Mund gar nicht voll genug nehmen konnten, sind sehr, sehr kleinlaut geworden. In ihrer Lerzweiflung be- quemt sich z. V. die„D. A. Z." sogar dazu, zuzugestehen, daß an der Niederlage der Bolkspartei, die nicht weniger als 22 von 35 Mandaten eingebüßt hat, auch die Führung der Bolkspartei im Rathaus schuld sei, und sie bemerkt in diesem Zusammenhang, daß„die Mangelhaftigkeit dieser Führung viel bemerkt und oft festgestellt worden" sei. Wir können uns nicht erinnern, in der„D. 21. Z." oder in einem anderen volksparteilichen Blatt jemals einen gleichen Hinweis gelesen zu haben, und wir glauben auch nicht, daß die „D. A. Z." etwa auf den„Vorwärts" anspielen will, der immer wieder betont hat, wie verhängnisvoll die beschränkte und doktrinäre Haltung der beiden Hauptsprecher der Volkspartei im Rathaus in den letzten vi» Jahren gewesen ist. Die„Männer mit dem weiten Blick" und mit dem hohen, gutgebügelten Stehkragen, voller Arroganz, Juristendünkel und Hochnäsigkeit haben das A und O ihrer Politik darin gesehen, gegen die Sozialdemokratie eine kom» pakte Majoritätsbildung zustande zu bringen. Gerade die beiden volksparteilichen Führer haben immer wieder in Wort und Schrift auf die Notwendigkeit des Gegensatzes zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft hingewiesen, haben in der arrogantesten Weise das Privileg verantwortlicher Politik f ü r s i ch in Anspruch nehmen wollen, trotzdem sie in Wirklich- leit, nur wie weiland Don Quichotte einen lächersichen Kampf gegen Windmühlenflügel führten. Die Volksparteiler sind nicht nur äußerlich die Be- siegten des Berliner Wahlkampfes. Auf der Strecke geblieben sind nicht nur 22 Männer mit„weitem Blick", auf der Strecke geblieben ist vielmehr die„J d e e", um deretwillen die Ritter der Volkspartei zu fechten vorgaben. Der Bürgerblock ist auch nicht an irgendwelchen Zufälligkeiten der momentanen Wahl- konstellation gescheitert. Er ist gescheitert, well er überhaupt in Berlin eine Utopie und eine politische Sinnlosigkeit ersten Ranges ist. Berlin ist eine Arbej,terstadt und wird in seiner Stadtverordnetenversammlung infolgedessen immer eine proletarische Mehrheit haben. Der Sieg des Bürgertums im Oktober 1921 ist nur aus den besonderen Verhältnissen der Inflationszeit und der damaligen ungewöhn- lichen Zersplitterung der Arbeiterschast zu erklären. Die Ent- Wicklung, die über die Entscheidungen bei den letzten Reichs- tagswahlen schließlich zu dem jetzigen Wahlsieg der Arbeiter- schaft geführt hat, ist eine durchaus organische und natur- gemäße gewesen. Wer so gerne sich seines„weiten Blickes" rühmt, täte gut, nach seiner vernichtenden Niederlage e n d- l i ch die Wurzeln dieser Niederlage zu begreifen, über sie nach- zudenken und die entsprechenden Schlüsse daraus zu ziehen. Die Wahl vom Sonntag hat die Sozialdemokratie wieder nach allen Irrungen und Wirrungen der letzten Jahre nicht nur zur weitaus stärksten Fraktion gemacht, sondern ihr auch die entscheidende Position un Berliner Rathaus ein- geräumt. Die Sozialdemokratie hat in den letzten Jahren bewiesen, daß sie die Verantwortung für die Entwicklung der Berliner Gemeinde übernehmen wlll. Sie hat diesen Willett unter den schwierigsten und ungünstigsten Verhältnissen schließlich mit steigendem Erfolg ig die Tat umgesetzt. Es ist unausbleiblich, daß sie gerade nach dem Wahlergebnis des Sonntags nun erst recht chren Willen zu verantworllicher Gestaltung der Berliner Kommunalverhältnisie bekundet. Das nicht sehr geistvolle Rätselraten der Bllrgerblockpresse über die künftige Entwicklung und die kommenden Parteibeziehungen im Roten Hause zeigt immer wieder di.e e r st a u n l i ch e B e» s ch r ä n k t h e i t weiter Kreise des Bürgertums. Selbstver- ständlich wird die Sozialdemokratie in der neuen Stadwer- ordnetenoersammlung mit allen Parteien zusammenarbeiten, die bereit sind, Berlins Entwicklung zu fördern. Selbstver- ständlich wird irgendeine Entscheidung o h n e die Sozialdemo- kratie nicht möglich sein. Bei ihr liegt der Schlüssel für die künftige Entwicklung. Jeder, der auf diese Entwicklung Einfluß zu gewinnen wünscht, wird mit der Sozialdemokratie rechnen und ibrer Auffassung in entscheidenden Punkten sich anschließen müsien. Dabei wird niemand mehr verkennen können, daß dem Willen der Wählerschaft in mehr wie einer Beziehung Rech- nung getragen werden muß. Die Sprache der Wahlziffern zeigt deutlich den Protest der Sßolksmasfen gegen die reaktionäre er wahlsthlacht. des Bürgerblocks. Wirtschaftspolitik der Rechtsregierung, gegen die ungebührliche Steuerbelastung und nicht zum wenigsten gegen die gewalt- same, wirtschaftlich unverantwortliche und kurzsichtige Nied- righaltung des Lebensniveaus der Arbeiter- schaft. Nichts hat so sehr verbitternd gewirkt, wie das wochenlange Feilschen um Pfennige bei den Lohnbewegungen der Arbeiterschast, die mit Ingrimm sehen mußte, daß ein, dank der kommunistischen Taktik sozialistenrein gewordener Magistrat durchaus am Strange der Privatunternehmer zog. Die wirtschaftsreaktionäre Haltung der bürger- lichen Parteien hat eben so sehr aufreizend gewirkt wie das trottelhaste Bramarbasieren abgetakelter Generäle. 2IIIzu scharf macht schartig. Das Scharfmache rtum findet seine natür- liehe Reaktion und auch in dieser Beziehung ist die Sprache der Wahlen mehr wie deutlich. Die Sozialdemokratie wird und muß die Ehance, die ihr durch die Wahlen gegeben ist, mit aller Kraft ausnutzen. Auch die bürgerlichen Parteien sollten sich überlegen, ob sie nicht einen guten Tell ihrer Niederlage ihrer eigenen Haltung in diesen Fragen zuzuschreiben haben und ob sie nicht besser tun, auch hieraus eine Lehre für die Zukunft zu ziehen. Die Kommunisten haben vor der Wahl unter deutlichem Bruch mit ihrer bisherigen Taktik versichert, daß sie sich b e s- se r n werden, daß sie bereit sein wollen, sich auf den Boden der Tatsachen zu stellen und von da aus„praktische Arbeiterpolitik" zu treiben. Die Sozialdemokratie hat nicht die geringste Veranlassung, ihnen dazu nicht sofort heute und morgen jede Möglichkeit zu geben und zu hoffen, daß die Kommunisten von solcher Möglichkeit den denkbar besten Gebrauch machen. Nichts würde mehr im Interesse der Llrbeiterschaft und auch Berlins liegen, als ein wirklicher Wandel der kommunistischen Taktik, wenn er von Dauer und Stetigkeit wäre Unsere Zweifel in solchem Wandel zu be- heben, wird Sache der K o m m u n i st e n selber sein. Es hat wenig Sinn, jetzt zu prophezeien, oder zu sagen, was wir befürchten. Die Sozialdemokratie weiß, was sie will und sie wird sieb von niemandem von ihrem Wege abdrängen lassen. die neue Staötverorönetenfraktion. Auf(Bnind des bisherigen Wahlergebnisses können folgende(5e- nassen als gewählt angesehen werden: 1. kreis Mille: Dr. W e y l, Siegbert L ö w y, Paul Harsch, Adolf H o s f m a n n sen. 2. Kreis Tiergarken: Karl B u b l i tz, Hermann C l a j u s, Alfred P o e r s ch, Dr. Kälhe Frankenthal. Z. kreis Wcdding: Fritz Brolat, Wilhelmine Weide, Mar II r i ch, Walter R i e ck, Bruno Krause, Fritz D r e w s, Custao B l a s ch z i k. 4. kreis Prenzlauer Berg: Theodor Fischer, Helene Schmitz, Max Kemnitz, ivtar Kreuziger. Adolf D ö h n e r t. Georg M aderholz, Lisbeth Zern. S. kreis Friedrichshaln: Michael K a y s e r. Agnes Fahren. w a l d, Christian G u t e k u n st, Karl K l i n g l« r, Martha Hoppe. <5. kreis kreu)öerg: Fritz Z u b e i l, Hermann Schweickardt, Dr. Witte. Gustav Häußer. Dr. Richard Loh mann. Lisbeth R i e d g e r. Otto Z ö p f e l. Heinrich Schröder. 7. kreis Charlolienburg: Albert Horlitz, Otto Schmidt» Dr. K a w e r a u, Johanna Kühn. 8. kreis Spandau: Mar Schulze. Fritz Kranz. S. Kreis Wilmersdorf: Georg Oppel. lfl. kreis Zehlendors-Sleglitz-Tem pclhos: Friedrich Vinte, Otto Klose. Richard Draemert. ll. kreis Schöneberg: Franz Czeminski, Georg Wendt. Erich F l a t a u. 12. Srels Ztenkölln: Hermann Harnisch. Franz Gut» s ch m i d t. Anna B o r m a n n, Kurt Gärtner. August Händel. Max F e ch n e r. 1Z. kreis Trepkow-Köpenick: Wilhelm Ret mann, Fritz W o i k, Wilhelm Strieder. 14. kreis Lichleuberg: Fritz Thurm, Gustav Tempel, Ernst Arndt. 15. kreis Weißensee-Pankow-Relnickendors: Hermann A m- b e r g, August Schmidt, Ludwig H o d a p p, Heinrich Schäfer. * Skadkllsle: Hugo H e i m a n n, Johannes Haß. Ernst Reuter, Richard K r i l l e, Minna Todenhagen, Theodor Glocke. Robert Rohde, Siegfried Weinberg. Georg Rogatz. Dr. W y g o d c z i n s k y.(?) der bekanniNch in seiner Zeugenaussage versucht hat, seinem Desuch in der Redaktion des„Vorwärts" im November 1918 einen ganz anderen Sinn zu unterlegen. Kuttner, der seinerzeit die Unter- redung mit Herrn von Trotha geführt hat, wies überzeugend nach, daß der Admiral damals den beabsichtigten Flottenvorstoß nur als Entlafluag für die Westfront verstanden wissen wollte, während er heute behauptet, daß es sich lehr wohl um eine Entscheidungsschlacht mit der englischen Flotte gehandelt hat. und zwar hinter dem Rücken der Reichsregierung. Mit außerordentlicher Wirkung schloß Kuttner:„Wenn man von einer Marincmeuterei redet, so muß man es sich immer überlegen, daß die Weuterei begonnen Hai bei der Leitung der Warine und e r st dann auf die Mannschaft übergegriffen hat." Kuttncr soll am Dienstag noch einem eingehenden Kreuzverhör des Coßmannfchen Anwalts unterworfen werden. Dann kommen als Zeugen die Genossen Wels und Landsberg. öaöifther Kurs. Nach de» Neuwahlen. Karlsruhe, 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Form der künftigen Regierungskoalition steht jetzt im Mittelpunkt der Crörte- rungsn. Das Frciburger Zentrumsblatt, die„T a g e s p o st", be- merkt:„Das badische Volk hat sich in erdrückender Mehrheit für die Fortführung der bisherigen Koalitionspolitik(Zentrum, Sozialdemo- kraten, Demokraten) ausgesprochen." Der sozialdemokratische Karls. ruher„Volksfreund" erklärt:«Nach dem Ausfall der Wahl kann die alte Koalition wiederkehren." Die volksparteiliche„D a- d i s ch e Presse" tritt dagegen mit folgender Lockung an das Zcn- trum heran:„Der Führer des Zentrums, Dr. Schofer, wird sich er> klären müssen, ob er mit der Volkspartei oder mitder Sozialdemokratie regieren will. In elfterem Fall könnte man dem Zentrum den Posten des Staatspräsidenten auf die nächsten vier Jahre überlassen. Bisher trat alljährlich ein Wechsel zwischen den Koalitionsparteien ein." vor öem Rücktritt j)amlev6sZ Tie Caillaux-Krise dauert an— Briands Koutpromitz- versuche gescheitert. pari». 26. Okiober.(Eigener Drahiberichl.) Die Lösung der französischen ZRinisterkrife, die allgemein für Wonlag erwartet wurde, ist auf Dicuslag oder Mittwoch verschobeo worden. Der kablnekisral befchäfligle sich am Mouiag vormillag ein- gehend mik den Finanzplänen Eaillaux'. Die Aus- spräche darüber Hai so viel Zeil iu Anspruch genommen, daß der für 1l Uhr angesagie Kablneklsral unier Vorsitz der Präsidenten der Republik abgesagt werden muhte. Da Außenminister V r i a n d durch die Sitzung des Völkerbundsrais und auch der Präsident der Republik durch andere verpflichluagcn verhindert waren, konnte der Kabinetlsrai auch am Rachmiliag nicht stattfinden. Die polttifche Krise Hai dadurch allerdings keine wesentliche Aenderung erfahren. Die von vriand unlernommenen Vcr- suche, ein Kompromiß zwischen paialeoS und Eaillaux herbei- zuführen, sind, wie wir hören, gescheiiert. paialevä und mit ihm die Mehrhett des Sabiuells ist nach wie vor der Auffassung. daß die Regierung den Forderungen der Mehrheit des Kartells auf Einführung einer Vermögensabgabe Rechnung tragen muß, während Eaillaux sich dieser Forderung unverändcrk enlgegenstellt. ,-„Der Meinunzsunielschied zwischen dem Zinanzminister und der Mehrheit feiner Kollegen." schreibi der„Paris Soir",„besteht we'.icr. Man kann sogar sagen, daß die Rede Eaillaux' am Sonniag ihn noch oerschär fi hak. Die Unterredung, die pain- lev£ am Moukag vormillag mit Eaillaux und vriand Halle, führte zu keiner Einigung. Am Dienstag vormillag wird nach dem Ausgang des K-lbincltsrais höchstwahrscheinlich der Gesamt» rückiritk des Kabinett» dem präsidenle« der Republik überreicht werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Präsident nach den übliche« veralungeu wiederum paiuleö« mik der Sabineltz- bttdung betrauen wird." Manöver gegen den 5?rank. Paris. 28. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Im Kabinettsrat hat Finanzminister Eaillaux am Montag vormittag bekannt- gegeben, daß nach Nachrichten, die im Außenmimsterium eingetroffen sind, französische Spekulanten im Auslande er- hebliche Käufe fremder Devisen getätigt haben. Es wurde deshalb be- schlössen, daß die zuständigen Stellen zur Unterdrückung der Spekula- tion die erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Die Nachricht von diesem Beschluß des Kahinettsrats hat einen günstigen Ein- sluß auf die Haltung des Frankkurses ausgeübt, dessen rapides Sinken jäh unterbrochen worden ist. Das Pfund, das am Montag früh bereits mit 121,50 notierte, ging auf 115 zurück: der Dollar ist ebenfalls von 25 aus 23,75 zurückgegangen. Der Solkankonflikt vor öem Völkerbuvö. Die Pariser Sitzung des Rates. Paris. 26. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Unter Vorsitz des französischen Außenministers Vriand ist am Montag nachmittags um 5 Uhr der V ö l t« rb u n d s r a t in Paris zu einer außer- ordentlichen Sitzung zusammengetreten, um den griechisch-bulgarischen Konflikt beizulegen. Sämtliche Mitglieder des Rates, mit Ausnahme des tschechoslowakischen Außenministers Venesch, sind zu dieser Sitzung nach Paris gekommen: auch der Sekretär des Völkerbundes, Str Drummond. ist in Begleitung einer Anzahl von Mitarbeitern in Paris eingetroffen. Die beiden streitenden Mächte norden vor dem Rat durch ihre Ge- sandten tn Paris oertreten. Der öffentlichen Sitzung des Rates ging eine vertrauliche Besprechung der Ratsmttglieder unter Aus- schluß der Vertreter Bulgariens und Griechenlands vorauf. Beide Seiten beteuern Unschuld. pari». 26. Oktober.(EP.) Die heutige Sitzung des Völker- bundsrates für die Beilegung des griechisch-bulgarischen Zwischen- falls ist mit cinstündiper Verspätung erst um 6 Uhr abends e r- öffnet worden. Infolge des regnerischen und naßkalten Wetters hatten sich nur wenige Neugierige vor dem Quai d'Orsay eingefunden. so daß die Ankunft der verschiedenen Delegierten ziemlich ungestört oerlies. Die Sitzung fand im Uhrensaale, der durch die Pariser Friedenskonferenz bekannt ist, statt. Es war bcmerkens- wert, daß die I o u r n a l i st e n sich beim Erscheinen Chamberlains im Sitzungesaal einmütig erhoben, anscheinend, um dem englischen Delegierten in Locarno ihre Achtung zu erweisen. Die Sitzung wurde ohne lange Einleiwng durch Vriand für eröffnet erklärt. Zunächst wurde die offizielle Korre- s p o n d e n z, die bisher in der Angelegenheit ausgetauscht worden ist. verlesen. Die griechische und die bulgarische Regierung werfen sich darin gegenseitig die Schuld an dem Grenzzwischenfall vor und beteuern ihre Unschuld. Die Sitzung stand in der Folge ebenfalls im Zeichen dergeaenseitigenBeschuldigungen. Der Völkerbundsrat beschloß zunächst auf Dorschlag des spam- schen Delegierten Quinones de Leon, an Vriand ein Donk- schreiben für dessen rnsche Jnitiatioe in der Angelegenheit zu richten. Dann kam eine Rote der bulgarischen Regie- r u n g zur Verlesung, in der der Tatbestand geschildert und fest- gestellt wird, daß die Angelegenheit jetzt der Entscheidung des Völkerbundes untersteht. In Anbetracht der Unschuldsbeteue- rungen der beiden Regierungen werden der bulgarische und der griechische Delegierte aufgefordert, sich zu äußern und insbesondere zu sagen, in welchem Maße die beiden Regie- rungen der Aufforderung Briands, die Feindseligkeiten einzustellen und die Truppen hinter die Grenze zurück- zuziehen, Folge geleistet haben. Die Erreichung dieses Zieles wird als dringend bezeichnet, während die Festsetzung des Tatbe stände? einstweilen aufgeschoben werden könne. Der bulgarische Delegierte Marow dankte zunächst dem Völker- bund dafür, daß er sich des Konflikts angenommen habe und wiederhatte dann im großen und ganzen den Inhalt der bulga- rischen Rote an den Völkerbund über den Konflikt. Auch der griechische Delegiert« ging in seiner Erwiderung kaum über den Rahmen der ofsiziellen Korrespondenz hinaus. Der Völkerbunds- rat beschloß dann, eine halbstündige Geheimsitzung ab- zuhatten, worauf die Journalisten den Saal verließen. Die Entscheidung des völkerbonürats. P a r i s. 26. Okiober.(MTV.) 3« der E a 1 s ch e 1 d n n g de» Völkerbundrais über den griechisch-bulgarischen Grenzzwischenfall werden die verlrelcr der beiden Regierungen ausgesorderi, die notwendigen Maßnohmen zu trcssen. daß die militärischen Operationen eingestellt werden und die Truppen sich hinler die Grenze zurückziehen. Die Vertreter beider Regierungen haben binnen 24 Stunde n mltzutcllea. daß die bulgarische und griechische Regierung Befehl gegeben haben, daß ihre Truppen sich bedingungslos hinter die Grenze zurückziehen, daß dieser Beschluß binnen 60 Stunden durchgeführt wird und samt- liche Feindseligkeiten eingestellt sind. Der bulgarische Vertreter nahm diesen Vorschlag bedingungslos an. der griechische erklärte: er fühle sich veepfllchkek. seiner Regierung Bericht zu erstatten, die. wie er hinzufügte, sich s i ch e r nach dieser Entscheidung richten werde. RumänZsthe Vermittlung in fithen augenommen. Athen. 26. Oktober.(Meldung der Agence d'Athene».) Der rumänische Gesandle hakte heute mit dem Ministerpräsi- deuten p a a g a l o s eine Unterredung, in der er im Ramen seiner Regierung und aus Ersuchen der bulgarischen Regie- rung die Räumung des bulgarischen Gebiete» durch die griechi- schen Truppen anregle, um der Gefahr neuer Zwischenfälle zu be- gegnen. Bei voller Anerkennung der Berechtigung des griechischen Vorgehens, das eine Folge der forkwährendeu Herausforderung der Komitalschis fei, deren Urheber der Völkerbund feststellen follie. er- suchte der Gesandte die griechische Regierung, au» Ehrerble- lung für den Völkerbund die Berufung an diesen anzu- nehmen unier der Voraussetzung, daß das bulgarische Gebiet ge- räumt werde, wenn die Bulgaren den von ihnen besetzten Posten ihrerseits geräumt hätten. Da die griechische Regierung sich jedem Versuch, den Frieden zu sichern, anzuschließen wünscht, nahm sie den rumäa. Ischen Vorschlag unter folgenden gemeinsam verab- redeten Bedingungen an: 1. Ein griechischer und ein bulgarischer Generalsiabsofsizier werden sich morgen um 4 Uhr nach- mltlags nach Demir Kapu begeben, um die griechischen Grenzwachen auf ihre Posten zu führen. 2. Sodann werden die griechischen Truppen, die auf dem bulgarischen Gebiet um kula stehen, den Rückzug anlrelea und so schnell wie möglich zu Ende führen. Z. Während dieses Rückzuges werden die bulgarischen Truppen ihr Gebiet nicht wieder besehen, bis die Griechen hinter ihre Grenzlinie zurück- gegangen sind._ Fortgang der Handel-werlragsverhandlungen mit Frankreich? Der französische Handelsminister Chaumet hat am Montag vormittag dem Vorsitzenden der deutschen Handelsvertragsdelegation, Staats- selretär Trendelenburg, die französischen Gegenvorschläge aus die legten deutschen Angebote und Forderungen überreichen lassen. Beide Schriftstücke sollen als Grundlage für die in Aussicht genommenen mündlichen Verhandlungen zwischen der französischen und deutschen Delegation dienen. Gewerkschaftsbewegung Die Gewerkschaften und das Rote Haus. Der Borstand des Berliner Ortsausschusses des ADGB. hat nicht Don ungefähr die Berliner Arbeiterschaft aufgefordert, zum 25. Dr. tober zu rüsten und der Sozialdemokratie ihre Stimme zu geben. ( Uebrigens haben auch Vorstände fommunistisch geleiteter Ortsverwaltungen dasselbe für ihre Partei getan, obwohl sich die„ Rote Fahne vorher über diese Berlegung der politischen Neutralität fünstlich aufgeregt hatte.) Die Berliner Gewerkschaften wissen ein Lied zu fingen von der großen Bedeutung Berlins als Unter nehmer und Bergeber von Arbeiten Es interessiert feineswegs nur die in den städtischen Berten oder direkt bei der Stadt beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten, wie die Arbeitsverhältnisse sind. Diese Arbeitsverhältnisse haben eine Rüdwirtung auch auf die Privat betriebe. Offentliche Betriebe sollen Musterbetriebe sein, nicht allein in technischer Beziehung, sondern auch in sozialpolitischer Hin ficht. Deffentliche Betriebe follen 55 chstleistungen vollbringen, nicht allein in produttiver Beziehung, sondern auch in der Bezahlung ihrer Arbeiterschaft und in den sonstigen Arbeitsbedingungen. " Eine Stadt wie Berlin, die nicht allein die Reichshauptstadt ist, nicht nur eine Stadt des Lurus, eine Weltstadt", die noch mehr und vor allem eine große Industriestadt, die die größte Industriestadt Deutschlands ist, hat besondere Aufgaben und Pflichten gegenüber der Arbeiterschaft. Eine Stadt von mehr als vier Millionen Einwohnern, die größte Stadt des europäischen Festlandes, hat insbesondere nach dem erzwungenen Stillstand während des Krieges und der Inflation Riefenaufgaben zu bewältigen, die sich praktisch auswirken in Riesenarbeiten, um die öffentlichen Verkehrswege und Berfehrsmittel wieder auf die Höhe zu bringen, um die städtischen Merte den gesteigerten Bedürfnissen anzupassen. Hier ist die Stadt entweder Unternehmer, wenn sie die Bauten in eigener Regie aus. führt, oder Auftraggeber, wenn sie sie von Dritten ausführen läßt. In allen diesen Fällen wird der Geist, der in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat herrscht, auf die Arbeitsbedingun gen, auf etwaige Arbeitskonflitte nicht unwesentlich einwirken. Dieser Geist engherzigen Bureautratentums und furzsichtiger Unternehmerinteressen, der in den letzten Jahren in der Stadtverordnetenversammlung vorherrschte und bann vergessen wir es nicht! mit Hilfe der Kommunisten im Magistrat ausschlaggebend wurde, diefer arbeiterfeindliche Geist hat am Sonntag eine Niederlage erlitten. Ein rechts stehendes Blatt malt bereits die tommende rote Herrschaft" an die Band, indem es von schrankenlosen Lohnerhöhungen und„ rüd fichtslosen Streitüberfällen" fabuliert. Nichts widerlegt schlagender diese Märchen als der Konflikt in den Gas- und Wasserwerfen, den die Belegschaft immer wieder auf friedlichem Wege beizulegen versuchte, allen Ablehnungen und Verschleppungen zum Troß, nur um die Bevölkerung vor einer Ratastrophe zu bewahren. Wir hätten gewünscht, daß Stadtverordnetenversammlung, Magistrat und Direftionen immer vom gleichen Geist beseelt gewesen wären. mit dem Arbeitsverhältnis in Berbindung stehende Streifigfeiten, insbesondere aus dem Erfindervertrag und in der Seeschiffahrt, Ein beziehung des Arbeitsstrafrechtes auf Berlegungen von Arbeitsschutzbestimmungen. 2. Aufbau der Arbeitsgerichte als Sondergerichte, in der untersten Instanz durch Ausbau der bestehenden Gewerbe- und Kaufmannsgerichte, in der zweiten Instanz durch Anlehnung an die Oberlandesgerichte, unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Gesichtspunkte. 3. Bekämpfung eines Monopols der ordentlichen Richter auf die Posten der Vorsitzenden. 4. Weitgehende Mitwirtung paritätischer Aus. schüsse bei den auffichtsführenden Landesbehörden, insbesondere bei der Bestellung der Borfizenden und der Handhabung der Dienst aufficht. Mitbestimmung der Beifizerausschüsse in allen Instanzen der Arbeitsgerichtsbarkeit. 5. Erhöhung der Zahl der Laienrichter auf je zwei in erster und zweiter, je drei in der obersten Instanz. 6. Anerkennung der Gewerkschaften als der berufenen Bertretung der Arbeitnehmerschaft, Ablehnung von Versuchen, die Belegschaften als parteifähig anzuerkennen und ihnen oder gar dem einzelnen Arbeitnehmer das Recht zur Vereinbarung des Ausschluffes der ordentlichen Gerichtsbarkeit zu verleihen. Parteifähigkeit der Betriebsvertretungen in Streitigkeiten aus dem Betriebsrätegesetz. Beschränkung des Rechts zur Parteivertretung auf Mitglieder und Angestellte wirtschaftlicher Bereinigungen. 7. Herabsehung der Kosten der zweiten und dritten Instanz auf die der ersten. Zulassung der Revision bei Entlassungsstreitigkeiten aus dem Betriebsrätegesez. Der Konflikt in den städtischen Werken. Die Funktionäre der Gas- und Wafferwerfe haben sich gefiern in einer Berfammlung mit dem Beschluß der Obleute befaßt, der dahingeht, den Schiedsspruch einer Urabstimmung der Beleg Lehnung des Schiedsspruces, d. b. den Streit zu empfehlen. schaft zu unterbreiten und gleichzeitig der Belegichaft die Ab. Nach furzer Debatte sind die Funktionäre diesem Beschluß der Obmanner vollinbaltlich beigetreten. Es findet nunmehr eine Urabstimmung statt, die bis Freitag abend beendet sein muß. Die Funktionäre bätten fich wahricheinlich mit dem Schiedsfpruch abgefunden, wenn nicht die lange Geltungsdauer damit verbunden wäre, die um so unerträglicher, als die ausgesprochene 2ohnerhöhung nur eine sehr geringfügige ift. Rein Streit im Möbeltransportgewerbe. Im den Streit im Möbeltransportgewerbe zu verhindern, Tud der Schlichter beide Parteien gestern au einer nochmaligen Verhandlung. Es wurde schließlich vereinbart, daß der Schlichter einen für beide Parteien verbindlichen Schiedsspruch fällen foll. Der Schiedsspruch erging dahin, daß der auerst gefällte Schieds. spruch, der die Löhne von 48,50 m. auf 53 m. die Woche erhöhte und den die Unternehmer abgelehnt hatten, nunmehr verbindlich in Kraft tritt. Damit ist der Streif, den die Arbeiterschaft bereits beschlossen hatte, aus der Welt geschafft. Zum Streit im Kohiengroßhandel. Wie uns vom Deutschen Befehrebund mitgeteilt wird, baben Gewiß ging es während der ersten Jahre, die dem Krieg weitere fünf Firmen die Forderungen der Arbeiterschaft bewilligt, felgien, manchmal bunt her in den Gemeindebetrieben. Aber diese fodag die Anzahl der Firmen, bei denen die Arbeit wieder aufgeunvermeidlichen Rückwirkungen des Stahlbades" find übernommen ist, gegenwärtig 15 beträgt. Es wird außerdem darauf munden. Wenn die Arbeiterschaft sich ihrer Pflichten durchaus hingewiefen, daß die Arbeit in der Berliner Brennstoffgesellschaft bewußt ist, so ist sie auch berechtigt, zu verlangen, daß Berlin im ununterbrochen weiter gebt. Alle Unternehmungen, die zur Auffozialen Geiste verwaltet wird. rechterhaltung ihrer Betriebe Kehlen brauchen, tönnen sich an die Berliner Brennstoffgesellschaft wenben, die als Rotftandsbetrieb funktioniert. Ob das möglich sein wird, das wird allerdings wesentlich von der Haltung der Kommunist en abhängen. Die Arbeiterschaft meiß, daß einer Gemeinde rechtliche und finanzielle Grenzen gezogen find, die man nicht durch demagogische Anträge aufhebt. Aber innerhalb dieser Grenzen das ist es, was die Gewerkschaften von der neuen Mehrheit erwarten muß eine Politit des sozialen Fortschritts getrieben werden. AFA- Bundesausschuß und Arbeitsgerichtsgeseh. Der am gestrigen Montag im Industriebeamtenhans tagende AfA.Bundesausschuß, besetzt von den Bertretern aller freigewerkschaftlichen Angestelltenorganisationen, befchäftigte sich nach der Entgegennahme des Geschäftsberichts und nach der Berabschiedung einer Geschäftsordnung des Bundesvorstandes zunächst mit dem Entwurf eines Arbeitsgerichts. gefezes. Nach einem Referat des Butap- Borstandsmitgliedes Dr. Pfirrmann über den Entwurf und einer anschließenden ausführlichen Diskussion wurde die folgende Refolution angenommen: Das von der Reichsverfassung versprochene und von den freien Gewerkschaften geforderte einheitliche Arbeitsrecht verlangt auch eine einheitliche Arbeitsgerichtsbarkeit als Teil einer allgemeinen Arbeitsbehörde auf der Grundlage der Selbstver waltung und der maßgebenden Mitwirtung der Arbeitnehmer. Der gegenwärtige 3ustand der Arbeitsgerichtsbarkeit ist unerträglich geworden. Die 3ersplitterung in Gewerbe und Raufmannsgerichte, Innungsgerichte, Arbeitsrechtliche Kammern der Schlichtungsausschüsse, Berggewerbegerichte und Ordentliche Gerichte muß unter allen Umständen durch eine ein heitliche, dem Wesen des Arbeitsrechts entsprechende Arbeitsgerichtsbarkeit ersetzt werden. Der vorläufige Entwurf eines Arbeitsgerichtsgefeßes weist noch eine Reihe von grundlegenden Mängeln auf, ohne deren Beseitigung er den freien Gewerkschaften nicht annehmbar erscheint. Der Raub der Freizügigkeit der Arbeiter. Verstößt nicht gegen die guten Sitten. 3mei Arbeiter flagen vor dem Gewerbegericht. Die Kläger haben das Arbeitsverhältnis felbft gelöst, um bei anderen Firmen besser bezahlte Arbeit zu erhalten, sind aber von diesen nicht ein gestellt bzw. nach Antritt der Arbeit entlassen worden. Dies ist nach Behauptung der Kläger auf das Verhalten der Firma zurückzuführen, bei der sie bis dahin beschäftigt waren und die gemäß einer Vereinbarung des VBMI. vom 23. März 1924 nicht die Erlaubnis erteilte, daß die Kläger bei den genannten zum BBMJ. gehörenden Firmen eingestellt würden. Sie machen die alte Firma für den ihnen hierdurch entstandenen Schaden verant mortlich und verlangen Zahlung des ihnen entgangenen Lohnes. Die Klage wird abgewiesen. Aus den Gründen: Der Einwand der Unzuständigkeit des Gerichts fann nicht durch greifen. Wenn die Beklagte von den Berbandsfirmen des BBMI. verlangte, daß die bei ihr ausgeschiedenen Kläger nicht von ihnen beschäftigt würden, so ist hierin eine Auskunft über das frühere Arbeitsverhältnis der Kläger enthalten. Das Wort Auskunft im Sinn des§ 4 3iff. 3 GGG. ist im weiteren Sinne zu fassen und nicht, wie die Beflagte meint, lediglich ein Urteil über die Art und Dauer der Beschäftigung sowie Führung und Leistungen des Arbeitnehmers. Der Schadenersazanspruch der Kläger ftützt sich darauf, daß die Beklagte von den Verbandsfirmen des BBMI. verlangt hat, die Kläger nicht einzustellen bzw. nicht weiter zu be häftigen. Wenn den Klägern hierdurch ein Schaden entstanden ift, so ist er durch die Maßnahme der Betlagten veranlaßt worden und steht hiermit im ursächlichen zusammen hang. zu den früheren Bedingungen weiterzubefchäftigen, fo fann in ihrem Verhalten fein Verstoß gegen die guten Sitten erblidt merden. Ebenso wenig fann von einer Schifane im Sinne§ 226 BGB. die Rede sein, da nicht ersichtlich ist, daß die Beklagte den Einspruch gegen die Beschäftigung der Kläger nur zu dem Zwede erhoben hat, um ihnen Schaden zuzufügen. Wir bemerken zunächst, daß dieses Urteil der Praxis der Rechtsprechung entspricht. Es wird den Unternehmer wie den Arbeiterorganisationen das Recht zugesprochen, durch Beschluß ihren Mitgliedern die Annahme von Arbeit bzw. die Einstellung von Arbeitern zu untersagen. Soweit es sich um Rampfmaßnahmen handelt, ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn eine Organisation zur Erzwingung gewisser Arbeitsbedingungen ihren Mitgliedern gewisse Vorschriften macht, so ist das durchaus berechtigt, wenn es auch sicher ist, daß den Unternehmer eine solche Maßnahme in der Regel weniger empfindlich trifft als den Arbeiter. Aber hier handelt es sich nicht um eine für eine bestimmte 3eit, bis zur Erreichung eines bestimmten Zieles vor genommene Maßnahme, sondern um einen allgemeinen Beschluß von unbegrenzter Dauer, wonach praktisch ein Arbeiter nur dann seine Arbeitsstelle wechseln darf, wenn ihm sein Unternehmer dazu die Erlaubnis gibt. Ein derartiger Zwang wäre nach unserer Auffassung auch unzulässig, wenn eine Arbeiter. organisation ihren Mitgliedern ganz allgemein verbieten würde, ohne ihre Zustimmung irgendwie ihre Arbeitsstelle zu wechseln. Ein Arbeiter fann aus ganz anderen Gründen als den eines höheren Lohnes den Wunsch haben, seine Stelle zu mechseln. Die Entfernung seiner Wohnung von seiner Arbeitsstelle, Unzuträglichfeiten mit Kollegen oder dem. Meister usw. fönnen ihn veranlassen, feine Stelle zu wechseln. Der Unternehmer tann aber den Wunsch haben, den Arbeiter zu behalten. Es würde zu unmöglichen Zuständen führen, wenn in allen diefen oder ähnlichen Fällen dem Arbeiter das freie Verfügungsrecht genommen wäre, feine Arbeitsstelle zu wechseln. Hier ist, da die Jurisprudenz veragt, eine Gesetzesänderung dringend notwendig. Die Bettelpfennige für die Ruhrkämpfer. Ueber die Bedingungen für einmalige 3uwendungen an Arbeitnehmer des befeßten Gebietes wird amtlich folgendes mitgeteilt: 3umendungen werden an Bersonen gewährt, die im Jahre 1924 durch Arbeitslosigkeit entweder als Arbeiter nom 40 Arbeitstagen, oder als Angestellte vom 1. Januar bis zum 1. Januar bis zum 31. Mai einen Dienstausfall von insgesamt 30. September einen Verdienstausfall von insgesamt 40 Arbeitstagen erlitten und hierfür Erwerbslosenunterstügung bezogen haben, oder im Bergbau als Arbeiter oder Angestellte vom 1. Januar bis zum 30. April einen Berdienstausfall von insgesamt 30 Arbeitstagen erlitten und hierfür Erwerbslosenunterstützung bezogen haben, oder in dieser Zeit durch Einlegung von Feierschichten einen Verdienstaus fall von 30 Arbeitstagen erlitten haben. Außerdem müssen diese Berfonen wegen Arbeitslosigkeit vom 1. Juli bis zum 30. September 1925 Erwerbslosenunterstützung bezogen haben; bei Arbeitnehmern des Bergbaues genügt eine Arbeitslosigkeit in der Zeit vom 1. Auguſt bis zum 30. September 1925, wenn sie außerdem in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Juli 1925 einen Berdienstausfall durch nindestens 30 Feierschichten erlitten haben; ferner müssen sie mindestens einen Abfömmling, einen erwerbsunfähigen Elternteil oder sonstige Familienangehörige unterhalten, mit denen sie in häuslicher Gemeinschaft leben. Die Zuwendung fann nur erhalten, wer während der für das Jahr 1924 bestimmten Fristen und wieder am 1. Oftober 1925 feinen gewöhnlichen Aufenthalt innerhalb des besetzten Gebietes einschließlich der seit dem 15. August 1924 geräumten Bezirke gehabt hat. Der Grundbetrag der Zuwendung beträgt 80 RM. und erhöht fich für jeden Angehörigen, dem in häuslicher Gemeinschaft unterhalt gewährt wird, um 10 RM.- Die Bewilligung der Zuwendung, auf die ein Rechtsanspruch nicht besteht, erfolgt durch die Bezirksfürsorgeverbände, die allein in der Lage sind, weitere Ausfünfte zu geben. Eingaben an die Zentralbehörden bringen Verzögerungen. Ergebnislose Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau. Effen, 26. Dfiober.( Eigener Drahtbericht.) Ain Montag, den 26. Oftober, fanden in Essen Verhandlungen zwischen den Vertretern des Bergbaues und der Gewerkschaften über die Lohnforderungen den Bergarbeiter in Höhe von 50 Broz. statt. Trozdem die Verteuerung der Lebenshaltungskosten seit der letzten Lohnforderung im April durch die Steigerung der Lebenshaltungsinderziffer erwiesen ist, fam es infolge der ablehnenden Haltung der Unternehmer zu feiner Verständigung zwischen den Parteien. Die Gewerkschaften Berhandlungen beim Schlichter stattfinden werden. werden die behördliche Schlichtungsstelle anrufen, so daß die nächsten Streit der Bremer Banarbeiter. Bremen, 26. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Im Bremer Baugewerbe wird bei einigen größeren Baufirmen seit Sonnabend gestreift. Die Ursache ist die Weigerung der Unternehmer, mit dem Baugewerbund über eine Erhöhung der völlig unzulänglichen, durch Schiedsspruch festgesetzten Bauarbeiterlöhne zu verhandeln. Eine am Sonntag abgehaltene Bauarbeiterversammlung beschloß, die Stampfmaßnahmen ab Mittwoch zu verschärfen, falls sich die Unternehmer nicht zu Verhandlungen bereit erklären sollten. Der Streit in der Lichtenberger Wollfabrit A.-G. ist zur Zu friedenheit der Arbeiter beendet worden. Die Arbeit wurde am Sonnabend in vollem Umfange wieder aufgenommen. Drtsausschus bes DGB., Teltow. Mittwoch abend 7 Uhr bei Rekler, Rehlendorfer Straße, Plenarsigung des Orisausschusses Teltow und Umgegend. Berbandsbuch ist mitzubringen. Deutscher Bertmeisterverband, Bezirk 10. In Nummer 43 unferer Fachzeit. fchrift Der Wertmeister" eriolate eine Bekanntmachung über den Rurfus in der Urania betr. Starkstromtechnik, der am 26. November beginnen foll. Diese Notis ift unrichtig Der Rurfus beginnt am Donnerstag, den 29. Oktober. Geschäftsstelle Berlin. Berantwortlich für Bolitif: Eunst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Chlorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Es entsteht nun die Frage, ob die Beklagte durch ihr Berhalten gegen die guten Sitten im Sinne des§ 826 BGB. verstoßen hat. Dies ist zu verneinen. Als Mitglied des BBMI. war die Betlagte berechtigt, auf Grund des Beschlusses vom 26. März 1924 gegen die Beschäftigung der Kläger bei anderen Verbandsfirmen Einspruch zu erheben. Durch diesen Beschluß ist es den Mitgliedsfirmen des BBMI. mit Birtung vom 27. März 1924 Berlan: Vorwärts- Verlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Derboten, gewerbliche Arbeitnehmer einzustellen, die nach dem 23. März 1924 aus einem anderen dem BBMI. angeschlossenen firma, bei der der betreffende Arbeitnehmer nach dem 23. März stimmung gibt. Die AfA- Bundesausschußsizung beauftragt deshalb die Bertreter des Af- Bundes im Vorläufigen Reichswirtschafts. rat und im Reichstag, für die Durchfegung folgender Mindeft- Betriebe ausgeschieden sind, es sei denn, daß die Mitglieds. forderungen einzutreten 1. Lückenlose Ausdehnung der Arbeitsgerichtsbarkeit auf alle Dom& inst Tabletten In allen Apothefen u Drogerien Mt. 1für Sänger, Sportsleute, Raucher 1924 beschäftigt war, auf Rückfrage ausdrücklich ihre 3 Der Beschluß verstößt aber nicht gegen die guten Sitten, denn er stellt eine zuläffige wirtschaftliche Schuhmaß= nahme bar, durch die das Abwandern von Arbeitern in andere Betriebe zweds Erlangung höherer Löhne verhindert merden soll. Da die Beklagte sich ferner bereit erklärt hat, die Kläger und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". zu unseren Ab 1. Oktober 1925 verkaufen wir Engrospreisen Herren- und Damenstoffe auch an Privatkundschaft Tuchhaus Ehrig& Tiede Akt.- Ges., Leipziger Straße 104, I. Stock( kein Laden) Geschäftszeit 9-7 Uhr. Auf Wunsch Zahlungserleichterung. MAGGIS SUPPEN: Für die Herstellung guter Suppen gibt es viele Rezepte. Und doch verursacht ihre Auswahl häufig Kopfzerbrechen, weil ihre Zubereitung meist mühevoll und zeitraubend ist. Die erfahrene Hausfrau weiß sich aber zu helfen: Aus MAGGIS Suppenwürfeln bereitet sie ohne langes Zurichten, nur durch Kochen mit Wasser, feine Suppen in reicher Abwechslung. MAGGIS Suppen( 1 Würfel für 2 Teller 13 Pfg.) sind überall erhältlich. Erbs 2Teller Nr. 507 ♦ 42.?ahrgakg 1. Seilage öes Vorwärts vkenstag, 27. Oktober 1H25 Da» Smertw der Kuppler und Kupplerinnen ist[0 alt, wie die Prostitution selber. Jemehr sich der Mensch von der Natur entfernte, semehr dt« Neligionen sein Denke» und Fühlen tu«ine starre, lebensabgewandte Schablone preßten— um so häßlicher und unsauberer wurde die Prostitution. War da» schon so im Mittel- alter, wo die Obrigkeit die.Frauenhäuser' kontrollierte, den Pro. stituierten Zunftordnungen' gab, sie unter Etortmeister und Gaukler stellte und ihnen.Gefälle', d. h. Steuern abnahm, so mußten diese Zustände zu einer Misere ohnegleichen werden, mit dem riesenhaften Anwachsen der Städte und ihrer Einwohnerzahl. Und vollends grauenhaft wurden sie nach dem großen Völkermorden, das die Frauen vereinsamte, ihnen mit dem Mann Brot und Per» dienst nahm und das in seinen Folgewirkungen die allgemeine Moral tief unter das Niveau drückte... Und mit dieser für die Volksseele so verderblichen Steigerung der Prostiwtion kam eine schreckenerregende Erhöhung der Krankheitsziffern. verfehlte Maßnahmen. Man kann nicht sagen, daß die Gesetzgeber und Obrigkeiten unserer Zeit auch nur ernsthast nachgedacht hätten über die Maß- nahmen, die zu ergreifen wären, gegenüber dieser immer wachsenden Gefahr. Die von der Sozialdemokratie so dringend befürworteten Vorschläge, die eine allgemeine Anzeige- und heilungspslichl für die Gejchlechlskranken verlangten, wurden abgelehnt. Nach wie vor kann der Verseuchte seine Mitmenschen und sich selber schädigen, wie es ihm bshagt. Die bürgerliche Gesellschaft in sozialer Hinsicht kurzsichtig, wie stets, glaubte mit den vorhandenen Mitteln die Vesitzendsn auch ohne allgemeine Aktion schützen zu können. Für die nicht" besitzenden Klassen wurden öffentliche Beratungsstellen und Ambulatorien errichtet, die doe>' niemals imstande sind, das Uebel von Grund aus zu erfassen. Geschah denn nun wenigsten« das Nötigste, um die Prostituierten, die Träger und Verbreiterinnen der Gefchlechlstrankheiten, hinreichend zu überwachen?— Ganz im Geaenicil! Was behördlicherseits geschieht, und nach den heutigen Vestimmungen geschehen kann, wird der venerischen Ansteckung nur verinqen Abbruch tun. Was hilft es, die fünf- oder sechstausend in Berlin reglementierten Frauen zu untersuchen und ihnen die„Sitte' auf den Hals zu hetzen, d. h sie an der Frequenz bestimmter Straßenzüge zu hindern, ihnen das Zusammengehen und-stehen, das Sprechen miteinander auf der Straße zu verbieten etc.— wenn mehr als dreißiatausend(die Zahl entspricht einer Schätzung, kann aber sein und ist wahrscheinlich viel höher!) Mädchen und Frauen beimliche Prostitution treiben, von denen weitaus die meisten jeder ärztlichen Kontrolle entbehren! halb- und Ganzprostitution. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen einer Halb- und Ganz- prostilufton. Was die letzte anbelangt, so gibt e» außer den Reglementierten eine überwiegende Zahl von Frauen, die«» verstehen. sich der behördlichen Ueberwachung längere oder kürzere Zeit zu entziehen. Diese bevölkern die Cafös und Konditoreien, ebenso die össentlichen Vergnügungs- und Tanzlotale. Manche von ihnen be- suchen nur Theater, Varietes und Kinos: während wieder andere buchstäblich der.Venu, vulxivas-s'(der umherstreifenden Liebe) huldigen. Und diese sogenannten„Rcisedirnen' sind die gefährlichsten. Diese Reisedirnen sind zu 30 Prozent und mehr krank. Solche Reisedirnen gibt es in groger Zahl, sie sind natürlich über das ganze Land oerbreitet und ihre tatsächliche Menge ist schwer abzuschätzen. Sie hallen sich sellen länger in einer Stadt auf, als bis sie sich melden müssen. Irgend eine Wirtin findet sich immer, die sie kurze Zeit beherbergt und sich dafür doppelt bezahlen läßt. Oft haben sie gar keine Wohnung: begleiten entweder des Nachts ihren Kavalier ins Hotel oder nächtigen bei einer anderen Prostituierten. So sind sie. auch beim Anknüpfen von Bekanntschaften auf der Straße oder sonstwo, äußerst vorsichtig, nur schwer zu fassen. Bleiben sie eine Zeitlang in den großen Städten, so wechseln sie hier dauernd ihr Quartier. Und sie reisen aus verschiedenen Gründen. Einmal scheinen manche von ihnen an demselben Wanderbetrieb zu leiden, der die.Kunden', ehemalige Handwerksburschen und Vagabunden. so ruhelos durch die Lande treibt: dan» haben sie heraus- gefunden, daß aus Märkten, Messen, Ausstellungen usw. ein besseres Geschäft zu machen ist: in der Hauptsache aber wissen sie, daß sie krank sind und wollen nicht ins Krankenhaus, wo eine langwierige, anstrengende und zeitraubende Kur ihrer harrt. Lieber vergiften sie so und so viele Männer, die dann ihrerseits das Gift weiter, in die Familie und sonstwohin tragen. Von den Prostituierten selbst und auch wohl im urteklslosen Publikum wird viel über die Sittenpolizei geklagt und spektakelt. Und es sind gewiß auch nicht die zartesten Seelen, die geneigt sind, auf dies trotzalledem tiefbeklagenswerte Menschenwild Jagd zu machen. So lange wir aber in dieser wilden, vom Götzen Mammon gepeltschcn Welt leben, so lange die kapitalistisch eingestellte Gemeinschaft die Prostitution unvermeidlich macht, so lange ist die.Sitte' und die Sittenkontrolle eine staroe Notwendigkeit. Und die Männer, die sie ausüben, verdienen— wenn anders sie sich im Nahmen ihrer Be- fugnisse halten und nutzlose Härten vermeiden— statt Schmähung Dank und Anerkennung. Hans Hyan. Ee maß betrügen. Der Alaun mit der fixen Idee. In Gefängniskleidung wußte der Sausmann L. auf der Anklagebank Platz nehmen. Sein« blasse Gesichtsfarbe, das m»- ruhige nervöse Benehmen verrieten einen Menschen, den innere Krankheit und lange Hast an den Rand des Abgrundes gebracht hatten. Noch nicht allzu lange liegt eine dreijährige Gefängnisstros« hinter Ihm, zurzeit verbüßt er wieder eine und mußte sich jetzt er- neut vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen fortgesetzten Rückfollbetruge's vorantworten. Sein Vater war Hauptlchrer. Weder die nie verjagende Hilfe der Mutter, noch die vielleicht etwas zu strenge Erziehung seines Vater» vermochten den Jungen auf den rechten Weg zu bringen. Ernste Krankheiten in der frühesten Jugend haben seine freie Wiliensbestimmung sehr beeinträchtigt. Hemmungen gegen die Lockungen des Lebens kannte er nicht, und als die erste Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe bei ihm ausgesprochen wurde, er sich nicht mehr zurückfand, sah er in sich selbst nur noch ein Opfer seiner ständigen Not. Erfolgten Beurlaubungen aus der Strafhaft wegen seiner schwächlichen Gesundhell, wies B. alle Wege, die man ihm zu ehrlicher Arbeit ebnen wollte, von sich. Ständig glaubte der Angeklagte ausgenutzt und auf eine Stelle gedrängt zu werden, die er nie und nimmer bei seinem leidenden Zustand ausfüllen könne. Und so wandte er sich in der kurzen Zell seiner Freiheit stete neuen Betrügereien zu, wunderte sich, wenn er wieder ein» gesteckt wurde und machte jetzt nun den Staat dafür verantwortlich, der ihn nur ganz allein durch seine Rechtsmaßnahmen auf diesen Weg gebracht hätte. Bei seiner letzten Entlassung aus dem Gc- fängnis, die auch wieder der Krankhell wegen erfolgte, Hot er sich die Adressen von Fachzeitschristen besorgt und verschiedene Medi- ziner und Juristen lim die fälligen Bezugsgelder betrogen, in Ge- samthöhe von ungefähr 433 Mark. Der Sachverständige, der B. im Irrenhaus genau beobachtet hat, hält ihn nicht für geisteskrank im Sinne de»§ 61. muß aber in dem Angeklagten einen geistig minderwertigen M'e n s ch e n sehen, der jede Beherrschung über sich selbst verloren Hobe. Mit Vernunft sei bei B. nichts mehr zu erveichen. Daß er in jeder angebotenen Arbeit immer nur eine unrechtmäßige Ausnutzung seiner Person sehe, sei bei ihm scbon zur fixen Idee geworden. Der Staatsanwalt beantragte eine Zucht- Haus strafe von einem Jahre. Zum letzten Wort ver- stattet, hielt B. mit oft von Tränen erstickter Stimme eine schwung- volle Verteidigungsrede. Er schloß mit den Marten:„Wessen Ver- brechen sind größer, die meinigen, die ick) immer nur aus Not be- gehe, oder die des Staates, der mich immer wieder einsperrt?'— Das Gericht trug der Minderwertigkeit des Angeklagten Rechnung, berücksichtigte auch eine gewisse Notlage und ließ noch einmal II Die Passion. Roman von Clara Bicbig. 1. Der Gutsherr von Kleln-Bukowitz, Hermann Bcrndorff. ging mit großen Schritten in dem saalartigen Zimmer zu ebener Erde auf und ab. Seine langen Schaftstiefel, die er sich eben angezogen hatte, um draußen durch die aufgeweichten Aecker zu trapsen, knarrten: die Lodenjoppe, die er morgens immer trug, hatte er aufgerissen, seine breite Brust keuchte, als wäre ihr das Atmen gehemmt. Die ganze mächtige Ge- statt zitterte vor Erregung. „Schon wieder Aerger mit dem Bengel! Lieber hundert Gäule ausziehen, als einen einzigen Sohn. Verfluchte Zucht!" Er schlug mit der Faust heftig auf den runden Tisch, hinter dem die Dame saß, einen Brief in der Hand, und sich die Tränen wischte, die sie nicht zu unterdrücken vermochte. „Aber Hertmann, ich bitte dich!" Ihre klagende Stimme hatte einen kleinen gereizten Unterton:„Du nimmst wirklich wenig Rücksicht. Mein Golt. wie hast du mich erschreckt!" „Wer ninimt denn Rücksicht auf mich? Dein Sohn am allerwenigsten. Er weiß doch, daß unsere Verhaltnisse nicht glänzend sind, daß er zusehen muß. mir bald von der Tasche zu kommen. Zlber er—?! Ein Windhund. Ist es nicht un- erhört, daß er nun nochmal vom Abiturium zurückgestellt werden soll?! Sitzt zwei Jahre in Prima, ein langer ausge- wachsener Kerl— zwanzig Jahre, sage und schreibe zwanzig Jahre— ist so blau ums Kinn, wie der Edle von Mielczynski auf Mieleczyn, und kann noch nicht das bißchen Examen machen!" „Das bißchen Examen?" wiederholte sie.„Was du dir denkst! Das Abiturienteneramen ist das schwierigste Examen von all denen, die er im snäteren Leben noch zu machen hat." „Ach was. Blödsinn!" Der unwirsche Ton des Mannes wurde noch unwirscher, eine jähe Zornwclle stieg ihm rot in die Stirn, er ballte die Fäuste:„Ich bin wütend, wütend. Muß man sich diesen Wisch von dem vertrockneten Schulmeister, dieser Mumie von'nem Menschen gefallen lassen! „Zu viel Zigaretten geraucht, dem weiblichen Geschlecht leider zu viel Beachtung geschenkt"— lies doch mal vor, was der Esel von Direktor darüber schreibt!" „Ach nein," sagte sie und steckte den Brief in die Tasche. „Was willst du dich nochmals darüber aufregen, das wissen wir ja selber, daß Wanfried ein bißchen flott ist. Ader von wem hat er das? Von mir nicht." Trotz ihres betränten Ge- sichtes kam ihr ein ganz leis wehmütiges Lächeln.„Bist du nicht auch einmal flott gewesen?" „Das ist keine Entschuldigung. Aber du hast den Bengel ja eben immer entschuldigt, ihn verzogen in einer Weise— „mein lieber Sohn, mein Sähnchen"— na, da haben wir's ja nun!" Der Zorn flammte wieder hell auf.„Ich sage dir, wenn der Junge nicht bald macht, daß er von der Schule runter kommt, ich haue ihm alle Knochen kaputt. Hier soll er sich dann nicht mehr sehen lassen, ich schmeiße ihn raus. Und das werde ich ihm auch sagen— jetzt gleich— ich fahre hin." „Ach nein, lieber nicht!" Sie sprang auf und hing sich an ihn: ihre zarte Gestalt war wie eine spärliche Ranke, die sich vergebens um einen mächtigen Stamm zu ranken versucht. „Fahre" jetzt nicht. Hermann, ein andermal— später! Die weite Fahrt— du bist jetzt auch viel zu aufgeregt. Du kennst doch Manfred, er läßt sich nichts sagen, es gibt eine Szene— wozu?!" „Ich fahre. Ich ersticke!" Er ächzte.„Mich rührt der Schlag, wenn ich dem Lümmel jetzt nicht gleich eins auswische. Der alte Wilkowski ist auch so ein Schlapijeh, der sich ihm nichts zu sagen getraut. Konnte der nicht besser aufpassen? Er hat ihm doch früher das Abc beigebracht, warum denn jetzt nichts? Mußte der uns nicht wenigstens schreiben:.Der Manfred faulenzt?' Ra, aber ich werde dem auch einheizen. Keinen Pfennig bezahle ich mehr für die Pension bei ihm, ich bringe den Vengel wo anders unter." „Aber nicht so billig," mahnte sie.„Wilkowski ist sehr bescheiden in seinen Ansprüchen. Und es wird so gut da für Manfred gesorgt. Ach Hermann, Hermännchen!" Sie ver- suchte ihn nochmals zu bitten, sie streichelte dabei mit ihren beiden dünnen Händen nervös an seinem Ioppenärmel herauf und herunter:„Laß das Fahren in der ersten Wut. Tu's mir zuliebe! Ich ängstige mich." „Unsinn, Blödsinn, ängstigen— warum?" Er ging in die nebenanliegende Stube und kam sogleich mit Mantel, Mütze und Peitsche zurück.„Ich werde dann auch mal zum Doktor mit herangehen, ihn fragen, warum ich immer gleich so verdammt kurzatmig bin." Er stampfte auf.„Ich habe eben auch nichts wie Aerger, lauter Aerger. Es wird einem ganz schwindlich von all dem Aerger. Lege dich heute abend nur schon zu Bett, ich konune erst spät." Und damit ging er. Sie sah es ein, sie konnte ihn nicht zurückhalten. Daß er doch gleich so aufgeregt war! Das nahm immer mehr zu mit den Jahren. Und feit es so schwierig geworden war in der Landwirtschaft. Er war ja herzensgut, aber wenn ihni der Zorn zu Kopf stieg, zum Fürchten. Sie seufzte tief und hob beide Hände wie abwehrend. Daß er nur nicht mit dem Sohn zusammengeriet! Der war doch kein dummer Junge mehr, der sich alles gefallen ließ. Es war freilich sehr schade, daß Manfred nun wieder noch später als Student ins Leben hinauskam. Aber es konnte sich ja nur um ein halbes Jahr handeln. Jetzt ging es auf Ostern, wenn er diesmal nicht zum Abiturium zugelassen wurde, machte er es zu Michaeli. Dann war es ohnehin für Berlin die bessere Zeit; der Sommer war nicht angenehm in der heißen Stadt. Und damit tröstete sie sich. Sie las auch noch einmal den Brief, den der Junge, der alle Tage die Post von der Post- Hilfsstelle im Knig holen ging, heute morgen mitgebracht hatte. Der Brief, den der Direktor des Gymnasiums aus der Kreisstadt schrieb,, war sehr höflich gehalten, sehr schonsam, man merkte es ihm an, daß es dem Schreiber höchst peinlich war, den Eltern— angesehenen Besitzern der Umgegend— Unangenehmes eröffnen zu müssen. Aber wenn man dem jungen Mann wohlwollte, hielt man es für seine Pflicht, sah sich leider genötigt, mußte sich nach längerer Ueberlegnng zu der Erkenntnis durchringen, daß trotz aller un-weifelhäften Begabung die Reife, die zu dieser wichtigen Prüfung un- erläßlich, auch dieses Mal noch nicht vorhanden, oder vielleicht zurzeit abhanden gekommen war. Und nun kam der Stich mit den Zigaretten und dem weiblichen Geschlecht. Was hatte denn Manfred getan, was war denn weiter Schlimmes dabei? Die Mutter hob die Blicke von dem Brief und ließ sie verloren durch die bunten Scheiben der Glastür hinaus in den Garten gleiten, der noch ganz tot lag. Aber das Bunt der Türe zauberte ihn lebendig. Durch die gelbe Scheibe gesehen, lag er in warmes Sonnenlicht geraucht, und durch die grüne schimmerten alle Sträucher, alle Bäume wie in hoffnungsvoller Frühlingsentfaltung. Das liebte Malvine Berndorff. Sie hatte solch bunte Türe einst bei Gutsnachbarn gesehen, und da sie kränkelte und bei den langen rauben Wintern oft wochenlang das Zimmer nicht verlassen durfte, verschönte ihr ihre„Fata Morgana", wie sie die Glastür nannte, das eintönige Grau der Umgebung. Besonders als Manfred nicht mehr da war.(Fortsetzung folgt.) milbernbe Umftänbe walten. Das Urtell lautete megen fortge. g feßten Rüdfallbetruges auf acht Monate Gefang anscheinend befinnungslos in einem zweiten Bett. Die mertwilr Parteinachrichten nis. Nachdem sich B. vorsichtig vergewiffert hatte, daß der Staatsanwalt teine Berufung einlegt, verzichtete auch er auf alle Rechtsmittel und nahm die Strafe sofort an! Umgestaltung der„ Linden"? Bor ungefähr dreißig Jahren tauchte ein Projekt auf, die Linden einheitlich umzubauen. Schon damals erkannte man die Notwendigkeit, die Straßentreuzung 2inden- Friedrich straße umzugestalten, das Projeft rechnete mit einer bedeutenden Berbreiterung der Friedrichstraße zwischen Behren- und Dorotheen straße und sah an Stelle der Eckhäuser Anlagen vor. Augenblicklich nun ist dieses ganze Bauproblem wiederum höchst aktuell geworden. Immer mehr tritt heute an die Städte die Notwendig feit heran, einen systematischen Stadtbauplan zu schaffen und sich zu entscheiden, ob die alten Straßen ihren Charakter beibehalten oder von Grund auf umgestaltet werden sollen. Durch die Raumnot gedrängt, werden Aufstockungen vorgenommen, die vielfach weder Rücksicht auf das Straßenbild noch auf die Architektur des Hauses nehmen, die in manchen Fällen sogar das Bild der Straßen gefährden. Die Linden zeigen heute ein verwirrtes Häuserbild, so ziem lich alle Stile geben sich hier ein trauliches Stelldichein, die Höhe der Häuser ist verschieden, die Architektur kann die merkwürdigsten Entgleisungen aufweisen, aber eins hat man bis jetzt im Grunde gewahrt: der Hauptatzent ruht auf dem Pariser und Opern. play, die kühnften Experimente haben hierin feine Verschiebung zuwege gebracht. Allerdings stellte der progige Bau der Staatsbibliothet die Universität in den Schatten, aber er bedeutet feine Gefahr für den Opernplay, der noch heute als prachtvoller Abschluß der Linden" angesehen werden tann. Anders dagegen verhält es sich mit dem aufgeftodten Gebäude der Diskontoge. fellschaft Ede Charlottenstraße. Dieses Unternehmen zeigt, daß bas ganze Gleichgewicht verloren wäre, wenn vielleicht alle Häuser der Linden" aufgestockt werden würden. Schon heute verliert der Gendarmenmarkt von der Markgrafenstraße aus gesehen durch die Kulisse der Diskontoban? an Wirkung. Bon diesen Erwägungen ausgehend und geleitet von dem Wunsche, der Hauptstraße Berlins ein einheitliches Gepräge zu geben, hat der Kunstverlag Ernst Wasmuth A.-G. einen Wett= bewerb veranstaltet unter dem Titel: Wie soll Berlins Hauptstraße Unter den Linden sich im Laufe des 20. Jahrhunderts gestalten?" Die Brojekte sind seit Sonnabend in den oberen Geschäfts. räumen zur Besichtigung ausgestellt. An fich sollte dieser Wettbewerb hauptsächlich Anregungen geben, an die Ausführung ist heute überhaupt nicht zu denken, da sie Summen erfordern würde, die augenblicklich unmöglich aufgebracht werden können. Manche Wettbewerber haben sich die Angelegenheit außerordentlich verein facht. Ohne daran zu denken, daß eine Straße nur ein Teil einer Stadt ist und ohne darauf Rücksicht zu nehmen, daß der Opernplatz und der Pariser Blaz unter allen Umständen in ihrer Wirkung erhalten bleiben müssen, haben sie die ganzen Linden" mit Wol. fentragern befegt, die jede Konkurrenz mit der New Yorker City auf Manhattan aufnehmen können, dabei haben sie vergessen, daß Manhattan Granitboden hat, während Berlin auf märkischem Sand gebaut ist. Beachtung dagegen verdienen die Entwürfe des erften und zweiten Preisträgers, die auch feine restlose Lösung des Broblems bedeuten, aber immerhin distutierbar sind. Der Holländer van Eesteran Saag geht von der richtigen Erwägung aus, daß Hochbauten, die dicht an der Straße liegen, das Biertel an der Oper um ben legten Rest von Wirkung bringen würden. Die repräfentativen öffentlichen Gebäude verschwänden einfach vor modernen Monumentalgebäuden, deshalb behält er an der Straße has vierstödige Haus bei und erhöht es allmählich nach der Behrenund Mittelstraße zu. Nur zwei starke Atzente hat er in das Straßen bild gesetzt: einen 30stödigen Bolfenkrazer Ede Friedrichstraße und einen 20ftöckigen an dem Pariser Plaz auf die gegenüber liegenden Straßenfeite, wodurch das Straßenbild im Gleichgewicht bleibt. Zwischen Friedrich und Wilhelmstraße erhebt sich auf jeder Straßenseite ein einziger ungeheurer Häuserblock. den Den zweiten Preis erhielt der Entwurf der Berliner Architekten Wolf und Lange. Er sieht von Hochhäusern ab. Die Gebäude find vier stökig und ihr Stil erinnert an den der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Wert ist nur gelegt worden auf ein ruhiges, gleichförmiges und monumentales Straßenbild. Interessant bleibt es, daß beide Architekten die Bürgersteige überdacht haben in der Art der Lauben, die aus nord- und ostdeutschen Städten befannt sind. Einen zweiten Preis erhielt gleichfalls der Ent murf des Dr. Ing. Baul 3 uder, der sich hauptsächlich mit der Umgestaltung des Opernplates befaßt. Buder sieht es als dringendste baukünftlerische Aufgabe Berlins an, dem Franz- Josef Plaß eine geschlossene, einheitliche Wirkung zu geben. Den Play zwischen Oper und alter Bibliothet umfaßt er mit Arfaden, ver längert die Oper über das Bühnenhaus hinaus und rückt die Hedwigskirche hinter das Kronprinzenpalais, dadurch glaubt er zu einer geschlossenen Raumwirtung zu gelangen und die Hedwigskirche, die heute durch den aufgestockten Bau der Dresdner Bant erdrückt wird, zu ihrer alten Wirkung zu verhelfen. Daneben gibt es eine Reihe merkwürdiger Entwürfe. Einer 3. B. überbaut die Friedrichstraße mit Hochhäusern, ein anderer macht aus dem Universitätsgebäude einen Wolfentrager und erhöht, um einen Ausgleich zu finden, das Bühnenhaus der Oper, das heute bereits zu hoch erscheint, beinahe um das Doppelte Stilerperimente, die, wenn nichts anders, so doch wenigstens eine fühne Phantasie verraten. Die Ausstellung zeigt vor allem, daß das Problem der Modernifierung der Linden" nur sehr schwer zu lösen ist und daß es vielleicht das beste wäre, die Straße wie sie ist, zu lassen. Mord oder Unglücksfall? Die Aufklärung eines rätselhaften Todesfalles beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. Am Montagvormittag gegen 10 Uhr wurde der 38 Jahre alte Arbeiter Adolf Wentopf in seiner Wohnfüche im Hause Balisadenstr. 17 tot aufgefunden. Der Mann hatte diese Behausung mit seiner Ehefrau, der 28jährigen Amalie Bentopf, inne. Wentopf, der seiner in der Nähe von 3offen wohnenden Mutter bei den Landarbeiten zu helfen pflegt, war am Sonntag dort nicht erschienen und hatte über sein Ausbleiben auch feine Mittellung gemacht. Daraufhin erschien die Mutter in seiner Wohnung. Sie fand den Mann auf dem Fußboden zwischen dem Bett und dem Fenster liegen. Er war nur mit leberzeug bekleidet und schien aus dem Bett aufgestanden zu sein, um das Fenster ffnen. Dabel muß er tot umgefunten jeln. Seine Fran lag bigen Umstände bei der Auffindung des Ehepaares veranlaßten die Polizei, die Mordfommission zu alarmieren. Die Ehefrau sagte aus, daß sie erst am Sonntagnachmittag erwacht sei. Sie habe fich fehr unwohl gefühlt. Als fie ihren Mann in der Nähe des Fensters regungslos auf dem Fußboden liegen sah, habe sie ihn ange rufen. Ihr sei wieder schwindlig geworden. Erst bei der Ankunft der Schwiegermutter habe sie erfahen, daß ihr Mann tot sei. Die Beamten der Mordkommission fanden am Fußboden der Wohnküche feuchte Spuren, die darauf schließen laffen, daß die Dielen furz vor her aufgewischt worden sind. Der Gashahn war geschlossen, doch gibt Frau Bentopf an, daß er seit einiger Zeit undicht geweſen ſei. Sie nimmt an, daß ihr eigener tiefer und andauernder Schlaf darauf zurückzuführen sei, daß sie von ihrem Mann vielleicht berauschende Getränke erhalten habe. Die Leiche des Mannes wurde beschlagnahmt. Die Obduktion wird ergeben, ob er eines natürlichen Todes gestorben ist oder ob ein Verbrechen vorliegt. Wieder eine Familientragödie. Der Vater und zwei Töchter mit Gas vergiftet. Eine Tragödie aus verübter Schuld hat fich gestern im Hause Mittenwalder Straße 56a abgespielt. Zwei Schwestern M. waren auf dem Dreifaltigteits. tirchhof in der Bergmannstraße ertappt morden, als sie aus der Tasche einer Frau den Inhalt gestohlen hatten. Die ältere, erft 22 Jahre alte Charlotte M. hatte zu gestern eine Vorladung zu ihrer Bernehmung bei der Kriminalpolizei erhalten. Im Laufe des Bormittags wurden Hausgenossen auf die Wohnung in der mittenwalder Str. 56 a durch Gasgeruch aufmerffam. Kriminalbeamte des zuständigen Reviers fanden beide mädchen und ihren Bater, den ehemaligen Omnibusschaffner Auguft M., ot auf. Sie hatten Abschiedsbriefe geschrieben und fich dann mit Gas vergiftet. Wie festgestellt wurde, find die Mädchen burch eine verhängnisvolle Freundschaft auf die schiefe Ebene gekommen. Die Aeltere, Charlotte, hatte ein Mädchen tennen gelernt, das mit seinem Freunde auf den Friedhöfen stahl. Durch diese Freundin ließ sich Charlotte M. ebenfalls zu Diebstählen ver. leiten. Der größte Teil der angezeigten Diebstähle mag wohl von dem Bärchen ausgeführt worden sein, das jetzt noch von der Kriminalpolizei gesucht wird. Der Prozeß gegen die Gräfin Bothmer. Die Berteidiger der Gräfin Bothmer dringen bei dem Potsdamer Gericht barauf, daß die Straffache am 5. November spätestens berhandelt wird. Es entspricht dies dem Wunsche der Gräfin, die auch in der Haft immer ihre Inschuld beteuert. Sie möchte die Untersuchungshaft damit beenden. Die in- und ausländische Bresse bemüht sich um Eintrittskarten zur Verbandlung. Es liegen Anfragen aus Baris, Budapest, Stodholm, Wien und Prag vor. Einsendungen für diese Rubrik sind Serlis SB. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 5. Kreis. Dienstag, 27. Oktober, 7% Uhr, Rurfus der Genoffin Burm bei Rofin, Röpenider Str. 19. 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, den 28. Oktober, Uhr, Sigung des engeren Borstandes mit allen Abteilungsführern und den Raffierern der Abteilungen 69 bis 72. Heute, Dienstag, den 27. Oktober: 41. t. Die Genossen ber 3. unb 4. Gruppe treffen sich heute abenb 5% Uhr bei Schuster aur Teilnahme an der Einäscherungsfeier des verftorbenen Genossen Engel. 82. Abt. Steglik. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Nachmittags von von 4-6 Uhr Spiele der Rinder im Jugendheim Albrechtstraße. Jungfozialisten. Gruppe Süben: 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Forifegung der Arbeitsgemeinschaft Die Wirtschaft in der foziologischen Bhraseologie". Morgen, Mittwoch, den 28. Oktober: a. t. 7% Uhr Rablabende bei Schula, Stallschreibertr. 29, unb Strüger, Engelufer 23. 18. Abt. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Artushof, Berleberger Straße, Bortong: Die gegenwärtige Situation". Referent Otto Meier, M. d. L. Distuffion und Berschiedenes. Die Mitglieder der Nachbarabteilungen find hierzu freundlichst eingeladen. 15. 6. 7 Uhr bei Goldberg, Binetaplas 7, Mitgliederversammlung. Bor toag: Das Heidelberger Parteiprogramm". Referent Genoffe Ruben. 18. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Miller, Uferftr. 12. Bortrag: Stadtverordnetenwahl und ihre Auswirtrag". Referent Paul Judrian. 21. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Schrader- Haus, Malplaquet ftraße 14-16. Bortrag: Unsere Stellung aum Staat". Referent Ge noffe Landa. 22. bt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Schola, Fehmarnstr. 1 25. st. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Saalbau Friedrichshain, Aleiner Saal. Vortrag: Die Jnternationale". Referent Genoffe Eckhardt. 28. Abt. Am Mittwoch fällt die Abteilungsverfammlung aus. 30. bt. 7 Uhr Rahlabend bei Bohit, Stargarder, Ede 2nchener Straße. 32. bt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36. Bortrag: Das Heidelberger Parteiprogramm". Referent Karl Litte. 34. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung in den Comeniusfälen, Memeler Straße 67. Bortrag: ,, Das Reichsschlgefeh". Referent Sans Wonmod. Die Sammelliften zur Stabtverordnetenwahl müffen unbedingt am Mitt woch beim Eenoffen Kramer abgerechnet werden. 36. 6. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Stvaßmannstr. 6, Bortoag: ,, Außenpolitische Sage, und Locarno". Referent Victor Schiff. 37. bt. 7% Uhr Abteilungsversammlung in der Bazenhofer Brauerei, Bands berger Allee 24-26. Tagesordnung: Wahl der Abteilungsleitung. Die Bezirksführer Tagen ein. Die Funktionäre müssen bereits um 7 Uhr pünkt lich anwesend fein. 38. bt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in Emibts Gesellschaftshaus, Frucht traße 36a, Bortrag: Der Reichsschlgefchentwurf". Referent Genoffe Bendide. Sämtliche Sammellisten find abzurechnen. 39. t. 714 Uhr Mitgliederversammlung in der Juristischen Sprechstunde, Lindenftr. 3, 1. Sof. Vortrag: Die politische Lage". Steferent Eduard Rachert, M. d. L. 45. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula forner, Ede Reichenberger Straße. Vortrag: Der Marseiller Rongtek". Referent Frana Riinftler. Bericht vom Familienabend und der Funktiondeversamm hrng. Berschiedenes. 46. bt. 7% Uhr 8ahlabend bei Eichbola. Cuproftr. 23, unb Balentin, GBe Tiger Str. 72. Die alte Stadtverordnetenversammlung darf bis zum Zusam mentritt der neuen noch tagen, fie wird aber nur noch Angelegen Charlottenburg. 55. 6. 7% Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 2, Mil heiten erledigen, die fich nicht aufschieben lassen. In dieser Woche hat sie ihre Sigung nicht am Dienstag, wie zunächst beabsichtigt war, sondern am Donnerstag um 6 Ühr. Der frühere Stadtverordnetenvorsteher Michelet, Ehrenbürger von Berlin, vollendete gestern sein 90. Lebensjahr. Michelet wurde zum Vorsteher der Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt nach dem Tode des alten Fortschrittsmannes Langerhans, ber lange Zeit diefes Amt innegehabt hatte. Als nach der Revo lution das Dreiflaffenunrecht der Gemeindewahlen beseitigt wurde, verschwand Herr Michelet aus der Stadtverordnetenverfammlung. Gestern erschienen bei ihm als Geburtstaagratulanten viele Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, darunter Oberbürgermeister Boß und Stadtverordnetenvorsteher Haß. Woche lommen zum Verkauf lebendfrische Ditseeborsche bro Blund 20 Big. Billige Fischfage. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag biefer und frischeintreffende Ditseeschollen, die breiswert abgegeben werden. Die Berkaufsstellen sind durch Plakate fenntlich gemacht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markthallen und auf den Wochenmärkten. Furchtbarer Sturm in Amerika. Zahlreiche Tote. New York, 26. Dftober.( Eigener Drabtbericht.) Am Sonntag wütete ein furchtbarer Sturm in den Süd- und Weststaaten von Nordamerika. In den Bezirken Alabama und Troy nahm der Sturm Tornadocharakter an. Insgesamt 16 Personen find in diesen Staaten durch das Unwetter getötet worden. mehr als 50 wurden verletzt. In einer Vorstadt von New York stürzten drei Häufer ein, in New York selbst find drei Todesopfer zu beklagen. Biele hundert Perionen find obdachlos geworden. Auch die Schiffe im Hafen von New York haben schweren Schaden gelitten, felbst die großen Dzeandampfer sind teilweise erheblich beschädigt worden. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 27. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 5.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: Inhaltsangabe und Personenverzeichnis zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 7 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper. Spielzeit 1925/26. 5. Uebertragung. Der Zigeunerbaron", Operette in drei Akten. Musik von Johann Strauß. Graf Peter Homonay, Obergespan des Temeser Komitates; Conte Carnero, königlicher Kommissär; Sándor Barinkay, ein junger Emigrant; Kálman Zsupán. Schweinezüchter im Banate; Arsena, seine Tochter: Mirabella, Erzieherin im Hause Zsupáns; Ottokar, ihr Sohn; Czipra, Zigeunerin; Saffi, Zigeunermädchen; Pali, Jószi, Ferko, Mihály, Jancsi. Zigeuner; Der Bürgermeister von Wien; ein Herold; Seppl, Laternenbub; Miksa, Schiffsknecht; ein Zigeunerknabe; Irma, Teresi, Aranka, Katicza, Julesa, Etelka, Jolán, Ilka, Arsenas Freundinnen; Istvan. Zsupáns Knecht; Gyuri, Imse, Tamás. Kalmán, Matyas, Dénes, Márton, András, junge Osikose. Schiffsknechte, Zigeuner, Zigeunerinnen und Zigeunerkinder, Trabanten, Grenadiere, Tambours, Husaren, Marketenderinnen, Pagen, Hofherren, Hofdamen, Ratsherren, Volk usw. Ort der Handlung: I. Akt: Im Temeser Banate; II. Akt: In einem Zigeunerdorfe ebendaselbst; III. Akt: In Wien. Zeit der Handlung: Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater und Filmdienst 10.30 Uhr abends: Winke für Funkbastler( Geh. Rat Albrecht). gliederversammlung. Bortvag: Das Ergebnis der Stadtverordnetenwah!". Referent Robert Breuer. 56. t. 7% Uhr Abteilungsversammlung bei Jostowski, Solhendorffite. 20. 57. Abt. 7 Uhr Mitgliederver fammlung bei Thunad, Wielandstr. 4. Borttag: Bernunft und Politik, ber Verfall der radikalen Barteien". Referent Regierungsvat Dr. Alfred Beier. 77. Abt. Schöneberg. 7% Uhr Mitgliederverfamming bel Bill, Martin Luther- Str. 69. Alle Parteimitglieber müffen erscheinen. 81. Abt. Friebenan 7 Uhr Mitgliederversammlung im Rathaus Friebenant, Raisfeller, Gesellschaftszimmer. Bortvog: Wirtschaft und Sozialpolitit der Rechtsregierung". Referent Bernhard Göring. 90. Abt. Reukölln. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Jdeal- Rafino, BeichselStraße 8. Bortrag: Was Tehren uns die Tenten Stadtverordnetenwahlen?" Referent Genoffe Buttkamer. 123. Abt. Raulsborf. 8 Uhr bei Sübner, Wilhelmstraße, Funktionärverfamm Iuna. Bichtige Tagesordnung. Alle Funktionäre müssen unbedingt er fcheinen. Bentzalansschuß fozialdemokratischer Elternbeiräte Berlins. Donnerstag, best 29. Ottober, abends 6 Uhr, gemeinsame Sikung mit den Josialdemokratifchen Lehrern im Bezirksamt Kreuzberg, Dordftr. 11. Alle Obleute miſſen erfcheinen. Sungjozialisten und Arbeiterjugend Reun. Donnerstag, ben 20. Ottober, abends 7% Uhr, Versammlung in der Aula des Engeums, Berliner Str. 10, Borttag: Erziehung und Sozialismus". Referent Dr. 28menffein. Sosia liftische Elternbeiräte und interefferte Genoffen sind hierau eingeladen. Det Baflelabend fällt aus. Neukölln, Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Ausbildungskurse für Selfer: 1 6 piel und Tanz: Montags 8-10 Uhr abends. Leiter Genoffe Reichert. Beginn Montag, 2. Nopember, in der Turnhalle Schule Richardplas( Turnkleidung). 2. Basteln und Bauen: Mittwochs 8-10 Uhr. Leiter Genoffe Bitbauer. Beginn Mittwoch, 4. Roventber, in der Werkstätte Schule Mariendorfer Weg. 3. Selfer und Kinder: Donnerstags 8-10 Uhr. Leiter Genoffe Neumann. Beginn Donnerstag, 5. November, in der Barade Ganghoferstr. 9. Anmeldungen: 1. bei Mara Löwenstein, Gengerite. 3; 2. im Parteibureau Nedarstr. 8; 3. bei den Beitern. Spielnachmittage ber Kindergruppen: 1. Schule Mariendorfer Weg: Montag. Mittwoch, Freitag 4-7 Uhr. Beginn 26. Oftober. 2. Schule Leffingstraße: MonBergfir. 29: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 25-7 Uhr. 4. Gdule tag. Mittwoch. Donnerstag 164 67 Uhr. Beginn 2. November. 3. Jugendheim Serhbergplak: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag 47 Uhr. Beginn 2. November. 5. Gemeindeschule Kaiser- Friedrich- Str. 4: Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag 14-17 Uhr. Beginn 2. November. 6. Schule Schubomastraße: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 5-7 Uhr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation. 41. Abt. Unfer Genoffe Engel, RIödenftr. 8, ift verstorben. Einäsche runa heute, Diensbag, abends 7 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung wird erwarten. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Bezirksgruppe der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Schrer und Lehrerinnen Deutschlands. Sigung am Donnerstag, den 29. Oktober, abends 6 Uhr, im Gigungsfaal der Bezirksverordneten Kreuzberg, Yordstr. 11. Bortrag des Magistratsoberschulrats Genoffen Rndahl: Der Ausbau der Bolks fdule". Die foaialdemokratischen Elternbeiratsmitglieder werben hiermit ebenfalls eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. 7 " Bund entschiedener Echulreformer. Dienstag, den 27. Oftober, abends Uhr, öffentliche Versammlung im Werner- Siemens- Realgymnafium, Bohenftaufenstr. 47. Rabbiner Dr. M. Wiener- Stettin spricht über Bollscharakter und Bersönlichkeit", Univerfitätsprofeffor Dr. Messer- Gießen über Jugendbewegung und Schulreform". Aussprache. Unto stenbeitrag. Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. 5. republikanischer Abend am Mittwoch, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, im Restaurant Simburg, Ede Charlotten- und Simmerstraße. Referat des Herrn Brof. Deftreich über Repu blik und Schule". Entschiedene Republikaner aller Parteien und Bünde will tommen. Urbeiter- Radio- Klub. Gruppe Schöneberg: Donnerstag, den 29. Oktober, 8 Uhr, Versammlung aller Mitglieder und werttätigen Radiofreunde bei otras, Gedanstr. 53. Bastelabend und Morfeturfus für Anfänger. Gäste willTommen. Arbeiter- Stenographen Berein 2ichtenberg. Am Mittwoch, ben 4. November, findet im Jugendheim Vartaue 10 ein großer Filmportrag, verbunden mit Mufit, Rezitationen usw., ftatt. Interessenten willkommen. Eintritt frei. Die Anziehungsfraft des Schaufensters wächst mit Menge und Güte der aufgewendeten Beleuchtung. Jeder Ladenbesitzer follte beachten, wie durch reichliche und blendungsfreie Beleuchtung die Kaufluff angeregt wird. Die Lichthefte Licht todt Leute" und„ Licht als Helfer beim Verkauf" find bei Elektrizitätswerten, Osram Bertaufstellen und anderen Elettro Fachgeschäften zum Preise von je 25 Pf. erhältlich. OSRAM 6 Dienstag 27. Oktober ty2S Unterhaltung unö jtVissen öeilage Ües vorwärts Um einen Augenblick. Von Jens Lornsen. Landrichter Emens schaute aufmerksam auf die Angeklagte, die ein Gerichtsdiener auf ihren Platz geleitet«. Die Geschworenen setzten sich, die Unruhe im Saal wich langsam einer gespannten Neugier. Ewens suchte einen bekannten Zug im Gesicht der jungen Frau. Er fand ihn bald, sie stand tn einem Sonnenstreis, er konnte jede» Spiel der Haut erkennen. Es war wirtlich die kleine channa Etteling, die nun als Frau Wall vor ihrem Richter stand. Ein Zweifel war nicht mehr möglich. Ablehnen— dachte Ewens im ersten Augenblick. Unsinn— sagt« er sich dann. Wie käme er darauf? Was vor zwölf Jahren, beinah in der Kindheit gewesen war, ging keinem an. War ja auch nur erbärmlich einseitig gewesen— eine Tanzstundenbekanntschaft, die er von fern verehrt hatte, er, der Ungeschickte, Zurückhaltende. Was wußte Hanna EUeling noch von dem Primaner, der ein paar Jahre auf die Schule chrer Heimatstadt ging, sie von fern errötend gegrüßt hatte, und drei- oder viermal mit ihr einen Polka gesprungen hatte. Ewens hatte seinen Gleichmut wiedergefunden. Fast neugierig sah er aus die Angeklagte. Wirtlich, sie hatte gehalten, was sie damals als Sechzehnjährige versprochen hatte. Die Zeitungen hatten schon davon geschrieben, von der anmutigen Mörderin,— ja, Mörderin hatten sie geschrieben, obgleich der Tatbestand durchaus nicht völlig geklärt war. Man mußte nach den Akten wohl Tot- schlag oder einen Zustand krankhafter Ueberreizung annehmen, auch trotz der ausdrücklichen Erklärung der Angeklagten, die wiederholt niedergelegt hatte, sie hätte mit Vorbedacht und ohne Erregung ge- handelt. Ewens tonnte sich eines leichten Grauens nicht erwehren. All seine männlich-ritterlichen Empfindungen sträubten sich dagegen, an die Folgen seine« Urteils zu denken. Wie oft schien ihm die viel- jährig« Haft das grausamst« Martyrium des geistigen Menschen, am furchtbarsten ober für die Jugend einer Frau. Fünf, zehn Jahr» würden wohl fallen. Vielleicht würden mildernde Umstände gesunden, würde etwa» abgelassen. Die Mentalität des Weibes ließ sich ja am wenigsten durch ihr eigenes Gehirn messen. Was sie Ruhe und Vorbedacht nannte, war vielleicht gerade eine Sinnlosigkeit, die ihr jede Beherrschtheit außer der der Glieder genommen hatte. Die ganzen Umstände sprachen zu ihren Gunsten, wenn auch nicht zu ihrer Rechtfertigung. Sie hatte gewußt, daß ihr Mann sie, Hanna Etteling, in ihrem eigenen Hause betrog, wenige Wochen nach ihrer Eheschließung und nicht mtt einer allein. Sie hatte bald gewußt, daß jener, der sie mit allen Mitteln seiner Lebensreise für sich eingenommen hatte, sie nach kürzester Frist kaum anders als eine seiner Kokotten würdigte. Ein paar Monate hatte sie's ausgehalten, dann war sie nieder- gebrochen, war der Entschluß gekommen, der zugleich der Abschluß von Hanna Etteling? Jugend war. In Verzweiflung und Eni- täuschung hatte sie zum Revolver gegrisfen und ihn erschosien. Den Täter erschossen. Sonderbar,— dachte Ewens plötzlich, — daß sie nicht mehr den Mut gehabt hatte, die Waffe noch gegen sich selbst zu richten. Ei« wußte doch, was ihr bevorstand. Da» Verhör hatte begonnen. Hanna EUeling stand aufrecht am Holzgitter und erzählte mit klaren Worten. So unumwunden wie damals, als sie das erstemal nach der Tat oerhört wurde. Kollege Marx hatte davon«rzähtt. Der Sonnenschein spielte in den Saal, die Staubröhren drehten sich langsam wie ewige Gewinde von den Fenstern zu Boden. Ewens spielte mit dem Bleistift, er gab sich den Anschein über- legener Ruhe. Und doch fühlte er sich verstört durch die Worte der Angestellten. Seltsam, dachte er, hättest du sie durch einen Zufall später einmal wiedergesehen, wer weiß, ob nicht euer beider Leben eine andere Richtung genommen hätte. Er lächelte fast, mußte wieder an seine beinah närrische Schülerleidenschaft denken und fühlte sich in ihr befangen. Die Erinnerung an die erste, noch fast knabenhafte Neigung weckte eine zwiespältige Ritterlichkeit. Die gemeinsamen Stunden von einst wurden lebhafter, er erkannte Hannas schnelle und rasche Bewegungen, die er damals auf einem Schülerausflug im Sommer bewundert und geliebt hatte. lind er muhte sich plötzlich vorstellen, daß er nach dieser Verhandlung, die über das Leben der Frau entschied, selbst frei einhergehen würde, am Abend vielleicht zum Skat, morgen zum Theater. Und daß diese stärkste Verkörperung weiblichen Lebens, die er je gesehen hatte, in ihre Zelle zurückkehren würde, ohne Freiheit, ohne Be- wegung, die ihr Ureigenstens war. Auf fünf, zehn Jahre,— immer aus eine Spanne Zeit, die sie töten würde. Der Gedanke schlug ihn körperlich, selten war ihm die Emp- findung des gebundenen Willens so abgründig erschienen. Die Sonne siel über Tische und Aktenbündel, über die grauen Köpis der Geschworenen und über 5)anna Etteling. Und einen Augenblick sah er, wie sie mitten im Wort ausseufzte und in die Sonne schaute. Ein Mitleid mit ihrer Bewegung durchzuckte Ewens. Sein Blick blieb auf ihrem Antlitz, in dem�sich jetzt, während sie lebhafter sprach, all ihr« Leidenschofttichkeit ausdrückte. Ewens Mienen wurden strenger, er zürnte über seine kindliche Cmpsindsamkett, wollte nur Richter bleiben. Und doch blieb eine Bitterkeit gegen das Unabwendbare, daß diese Frau, an deren Schönheit die Welt Freude hätte haben sollen, die die Freud« kaum erst gegeben hatte, nun in der Zelle sterben mußte. Eine unfahliche Verschwendung gegen die Schöpfung dünkte es ihn.-in« Unnatur. Mochte man sie rasch zerstören, wenn sie nicht sein durste, aber sie verdorren zu lasten, schien ihm Unrecht gegen Gott. Der alte schwerhörige Senatspräsident, der die Verhandlung führte, hott« die AngeNogte aus der Brüstung dichter vor den Tisch treten lassen. Er horchte mit offenem Mund, die Hand an der Ohr- muschel. .Ich verstand ja nicht, damit umzugehen,' erklärte sie,„sonst wäre alles anders gekommen Ich hatte erst fünf Patronen in den Revolver geladen, die wohl zu Nein waren. Nur weil ich keine mehr davon hatte, habe ich noch eine aus der anderen Schachtel mit dem richtigen Kaliber genommen. Die war gut und lag zu oberft, so daß der erste Schuh losgegangen ist, nachher hat der Revolver oersagt.' „Sie wollten also noch einmal schießen?' „Ja, natürlich!' „Aber Sie mußten doch merken, daß schon der erste Schuß tödlich war Wohin haben Sie den Revolver nachher gerichtet?' „Gegen mich.' Eine Bewegung war durch den Zuhörerraum gegangen. Ewens nickte, fast etwas befreit. Genau so hatte er es sich gedacht. „Es war mein Wille, gleich nach ihm zu sterben. Aber bevor ich begriff, warum der Schuh versagte, kamen die Leute und ent- wafsneten mich. Ewens lehnte sich zufrieden zurück. Also doch,— sie hatte die Zellengruft vermeiden wollen. Kollege Felix, der neben Ihm saß, hatte den Revolver in die Hand genommen und prüfte die Kaliber, es war wohl, um den anderen die Behauptung der Angeklagten zu erklären. Er war ein die große pleite. »Das Vlaue vom Himmel versprachen wir steis. Der Wähler, der glaubt's und ganz wunderbar geht's! Wir sitzen bequem, denn er zieht uns den Karren. Versprechungen halten? Man hält ihn— zum Marren!" „Verteufelt l Der Wähler, er wlll nicht mehr zleha. Er läßt un» im Stich in dem bSsen Berlin. was machen wir bloh? Da» Vertrauen ist weg! Der Karren fällt um. und wir sitzen im Dreck." großer Jäger und Wasfenkenner.— Er legte ihn vor sich hin, spielte nervös mtt seinen Händen, griff wieder zur Waffe und ent- lud sie. Ewens folgte ihm mit den Augen. Er war in einer Erregung, über die er sich keine Rechenschaft geben tonnte. Der Gedanke an die langsame Zerstörung der Schönhett der Frau vor ihm peinigte ihn wie eine große Gottlosigkeit. Wenn jetzt Felix den Revolver wieder füllen würde,— dachte er plötzlich, hätte Hanna nahe, was sie damals nicht mehr erreichte. Seltsam, Felix schien den gleichen Gedanken zu haben. Oder nein, der Vorsitzende hatte ihn aufgefordert, vorsichtig die Lage der Pa- tronen wieder herzustellen, so wie sie bei dem Verbrechen gelegen haben sollten. Man hatte Zweifel über die Ladefähigkeit. Jetzt füllt« Felix die fünf unbrauchbaren ein, auch die Angeklagte sah genau zu und bestätigte die Lage durch ein eigensinniges Kopfnicken. Und jetzt schob Felix eine sechste Patrone darübdr, schloß die Kammer und schob die Waffe vorsichtig auf den Tisch zu Ewens hinüber. „Wie unvorsichtig!' hatte der sagen wollen, aber der Gedanke, was Hanna Etteling wohl jetzt mit dem Revolver tun würde, war rascher. Er maß wie prüfend den Abstand, der sie von der Waffe trennte, zögerte eine Sekunde, ehe er den Revolver in die Hand nahm. Ein Schatten, ein paar Schreie störten ihn auf. Er hob se- kundenlang den Blick. Ja.— da kam Hann«, wollte die Waffe haben, genau wie er sich's vorgestellt hatte. Cr zögette, fuhr auf wie aus einem Schlaf. Im nächsten Augenblick packte er zu, aber er schlug mit der Hand schallend auf den leeren Tisch. Cr sah nur einen funkelnden, frohlockenden Blick der Frau, den geschwungenen Arm mit der Waffe. Dann siel der Schuß. --„Meine Herren,' sagte der alte Direktor klagend,„ich fürchte, man wird uns eine große Unvorsichtigkeit vorwerfen. Aber wer hätte mit einer derartigen Möglichkeit gerechnet.' »Ich nicht,' stotterte Ewens. Konjunktivitis. Von Otto Ernst Hesse. Konjunktivitis nennt der Arzt eine bestimmte Erkrankung der Bindehaut des Auges. In der Zeit der Kohlennot, als die Gewässer der Schwimmanstalten nicht jene Sauberkeit aufweisen lonnten, die sie eigentlich hätten haben müssen, hat sich diese Bindehautentzündung merkwürdigerweise sehr verbreitet. D"rch Desinsizierung des Wassers mit Chlorgas ist es schließlich gelungen, den geheimnisvollen Bakterien, die die Schwimmbadkonjunttivitis erregen, abzutöten. Der„Verband der Schwimmbadgelchädigten'— das gibt es wirk- lich!— wird sich also nach Abwicklung der noch schwebenden Prozeste bald in Nichts auslösen können. Die Konjunktivitis wird also wieder aus einer sozialen zu einer rein medizinischen Angelegenheit. Da es aber jeden echten deutschen Mann schmerzen muß, wenn ein Derein aufgelöst wird, so sei der Vorschlag zur Gründung eines neuen Verbandes von Leuten, die von einer Konjunktivitis anderer Art befallen sind, hiermit der Oeffentlichkeit unterbreitet. Die Konjunktivitis allerdings, die wir „im Auge haben', hat nichts mtt Schwimmbädern zu tun, ist über- Haupt keine Krankheit oder etwas Negatives und Auszurottendes, sondern vielmehr etwas höchst Positives und der Pflege Bedürftiges. Sie ist nicht so sehr eine Tatsache— leider!— als vielmehr eine Forderung. Eine Forderung an alle, die schreiben und schreiben wollen. Wir sprechen von denen, die den deutschen Konjunktiv anwenden oder nicht anwenden. Ich löge, gestünde ich nicht von vornherein, mein Stil neige zu einer einigermaßen richtigen Verwendung des Konjunktivs. Wie klingt das?... Fremdartig. Aber es ist richtiges Deutsch. Richtiger und bester jedenfalls, als wenn man sprächei Ich würde lügen, würde ich nicht zugeben, daß mein Stil zur richtigen Verwendung des Konjunktivs neigt. Mit„hätte' und .würde' hat man den alten würdigen Konjunktivus so ziemlich schon aus unserer Gebrauchssprache vertrieben. Diese Gebrauchs- sprach« ist in ihrer Entwicklung zu Kadewe, Mitropa und Bezett nicht aufzuhalten und soll auch nicht aufgehalten werden. Aber wir haben ein Recht, uns neben dieser Zivilisationsverständigung so etwas wie eine Sprache, aus der sich Musik machen läßt, zu wahren. Wir sind schon arm genug. Der Grieche hatte neben dem Konjunktiv noch einen Optativ, eine eigene grammatische Form. um Wünsche auszudrücken. Glückliches Griechenland, in dem es so viel zu wünschen gab, daß man ein besonderes Sprachregister dafür schaffen mußte! Gewiß ist es ein metaphysisches Schicksal, daß uns diese Wunschform Im Norden verlorengegangen Ist. Wir sind mit, unseren Anforderungen an das Dasein bescheiden geworden und kämpfen ihm das, was wir wünschen, mühsam ab. Der Optativ ist uns endgültig verloren. Der Konjunktiv steht aus dem Aus- sterbeetat. Seien wir trotz Demokratie und Republik hier ein wenig Romantiker! Pflegen wir den armen Moribunden, um uns im Stil Thomas Manns auszudrücken, dem übrigens gern das Ehren- kreuz des Ordens zur Konjunktivitis verliehen sei. Der alle Mann aus Indogermanien, der Herr Konjunktiv, soll noch etwa» unter uns weilen, bis Radio und andere neue teuflische Erfindungen alle Sprache überflüssig gemacht haben. Ich genösse einer großen Freude, vollzöge eine möglichst große Schar von Stilisten den heimlichen Eintritt in den Orden zur Kon- junktivitis, damit er Einfluß gewänne. Oder heißt es gewinne? Mre Sein Kind nicht in Versuchung. Eine Erzieh trngserfdhrung. Wieviel Kummer bereitet den Eltern die Entdeckung, daß ihr Kind lügt-, kaum«in Kindersehler ist ja so schwer zu bekämpfen wie dieser, und daher werden wirklich treffende Ratschläge gewiß für viele bekümmert« Erzieher eine Wohltat sein. Sie sind zu finden in dem soeben im Auftrag« der„Deutschen Gesellschaft zur Förde- rung häuslicher Erzieyung' herausgegebenen Buch„Vorträge für Eltern", in denen Oberstudiendirektor Dr. I. Prüfer wertvolle Er- ziehungserfahrungen aus der Kinderstube niederlegt. Das nach- stehend daraus entnommene Erlebnis, das einen besonderen Fall, in dem die Mutter selbst nicht frei von Schuld zu sprechen war. berichtet, dürste viele Eltern nachdenklich stimmen. „Nach einem Vortrag über Kinderlügen kam einmal eine Mutter zu mir und fragte, ob folgendes Vergehen ihres zehnjährigen Kindes noch als„Notlüge' anzusprechen sei: Am letzten Schultag vor den Herbstferien war das Kind heimgekommen und hatte schweigend seinen Ranzen aus den Korridortisch gelegt. Die Mutter merkte sofort, daß etwas nicht in Ordnung sei, sagte aber nichts. Das Kind ging still ins Zimmer. Da sonst an diesem Tage die Kinder Zensuren mit au» der Schule brachten, brachte die Mutter das ausfällige Betragen de» Kindes mll der Zensurenverteilung in Zusammenhang und durchsucht« den Ranzen. Richtig fand sie daritt die Zensur. Sie war schlechter als sonst. Nachdem sie die Zensur wieder in den Ranzen getan hatte, ging sie zu dem Kinde in die Stube und fragte, ob sie denn heute keine Zensuren erhalten hätten. Das Kind verneinte und fügte hinzu, es wäre gesagt worden, die Zensuren gäbe es diesmal erst nach den Ferien. Die Mutter aitt- wortcte, da wolle sie doch einmal zur Ursel(ein Kind aus der Nach- barschaft) schicken und fragen lassen, ob die auch keine Zensuren be- kommen hätte. Daraus erwiderte das Mädchen, Ursel ginge doch in eine andere Klasse, die hätten Zensuren bekommen, nur ihre Klasse nicht, weil die Lehrerin krank sei.— Die Mutter grämte sich schreck- lich über die Lügen ihrer Tochter und wußte nicht, was sie tun sotlle.— Als abends der Vater heimkam, weihte sie ihn in alles ein, und nun wiederholte sich das Verhör. Das Kind blieb bei seinem Leugnen. Als man es überzeugen wollte und den Ranzen durch- suchte, war die Zensur darin nicht mehr zu finden.— Erneute Aufregung! Drohungen! Schlägel Tränen usw.! Endlich gestand die Kleine, daß sie die Zensur auf der Diele hinter die Garderobe ver- steckt hätte.— Ich mußte der Mutter sagen, daß sie sehr töricht ge- handelt hätte und an dem ganzen Auftritt schuld sei. Heimlich nach- sehen, wie sich etwas verhält und dann tun. als wisse man nichts, ist ganz verkehrt Dazu die gefährliche Ausfragerei! Wenn man von einem Vergehen des Kindes bereits Kenntnis hat, sage man es ihm auf den Kopf zu. Man wird aus diese Weise manche Kindcrlüge verhindern.'_ klassische Kasten. Friedrich Rückert hat mit feinem Verse:«Der Hund ist ein geborener Knecht/ und was du tust, das ist ihm recht, I die Katze ist ein freies Tier,/ sie spielt mit dir, nicht du mit ihr' eine tiefere Wahrhell getroffen, als er vielleicht selbst ge- wüßt hat. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Katzen in de? Geschichte, denen man einen sllr Tiere ungewöhnlichen Respekt ent- gegengebracht hat. Bekannt ist die Kriegslist, die die Perser in der Schlacht bei Pelusiuin im Jahre 525 v. Ehr. anwandten: da sie wußten, daß die Aegypter die Katzen als heilige Tiere betrachteten, nahmen die vordersten persischen Schlachtreihen lebende Katzen und hielten sie wie Schilde vor sich. Tatsächlich wagten die Aegypter nicht, ihre Pfeile abzuschießen, und die Schlacht endete für sie mit einer furchtbaren Niederlage.— Von dem Propheten Mohammed erzählt man, daß er. als einst eine Katze auf einem Zipfel seines Mantels schlief und die Stunde kam, daß der Prophet zum Gebet gehen mußte, er, um die Katze nicht zu stören, den Zipfel seines Mantels abschnitt.— Danie besaß eine Katze, die er so abgerichtet hatte, daß sie ihm. wenn er speiste oder las, mit den Pfoten einen kleinen Leuchter hielt. Eines Tages behauptete er seinem Freund« Cetto gegenüber, kunstvolle Dressur könne die Natur überwinden. Eetto bestritt dies und bat Dante, ihm die Katze mit dem Leuchter vorzuführen Jedoch nahm Cetto ein Gefäß mit. in das er einige Mäuse etngesperrt hatte, die er entspringen ließ, als die Katze gerade dabei war, ihr Kunststück zu machen. Kaum hatte sie die Mäuse erblickt, da ließ sie da» Licht fallen und lief ihnen nach, worauf Dante sich geschlagen geben mußte.— Uebrigens will der bekannte Lustspieldichter Ierome K. Ierome herausgefunden haben, daß Katzen Unbekannten gegenüber zunächst per„Sie" bleiben, während Hunde sich sofort mit jedem Fremden auf den Duzfuß stellen. Das Magnet-Auto. Nichts ist für den Automobilisten verdrieß- licher, als wenn ein tückischer Nagel, der irgendwo auf der Land- straße auf ihn lauert, seine Bereifung zuschandcn macht. Abgesehen von dem Zeitverlust, den ein Unfall dieser Art verursacht, ist er auch sehr kostspielig, denn Autobereifungen sind teuer, und wenn sie auch zur Not repariert werden können, so werden sie doch nie wieder so gut wie früher. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, befahren in Amerika letzt neuartige Speziolautos die wichtigsten Autostraßen. 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Auseinandersetzungen in den landwirtschaftlichen Genossenschaften. Die scharfen fachlichen Gegenfäße zwischen Großgrundbesig und Bauernschaft drängen immer mehr zum Austrag. Die Großagrarier möchten den größten Teil der öffentlichen Kredite für sich selbst in Anspruch nehmen. Darüber ist es zu einem Konflikt zwischen den Großgrundbesizern und den Bauern auf einem Gebiete ge den Großgrundbesizern und den Bauern auf einem Gebiete ge kommen, dessen sich der politisch eingestellte Reichslandbund bisher zum Nachteil des gesamten Genossenschaftswesens zu bemächtigen versucht hat. Der Verbandsdirektor des Verbandes Landwirtschaftlicher Genossenschaften, Herr Dr. v. Altrock, hat nämlich, wie die Konjunktur- Korrespondenz mitteilt, in einer Eingabe an den Präsidenten der Preußenfaffe, an den preußischen Landwirtschaftsminister und an den Reichsernährungsminister darauf hingewiesen, daß in Auswirkung des Gesezes über die Deutsche Renten. banttreditanstalt eine unerfreuliche Gründertätig. feit im ländlichen Kreditwesen eingesetzt habe und daß infolgedessen die Beurteilung der Kreditfähigkeit und würdigkeit der kreditsuchenden Landwirte in hohem Grade erschwert werde und die bestehenden Genossenschaften dadurch schließlich schwer gefährdet werden müssen. Es wird auf die Dauer nicht möglich sein, im Falle weiterer 3ersplitterung so kleine Genossenschaftsbildungen, haiten. Dr. v. Altrock ersucht deshalb die genannten Stellen, den im Deutschen Bauernbund und im Reichsverband Landwirtschaftlicher Kleinbetriebe zufammenge schlossenen Klein- und Mittelbetrieben bzw. deren Kreditinstituten nur dann und soweit Darlehen zur Verfügung zu stellen, als dafür wirklich im Einzelfalle ein Bedürfnis besteht, was für Neugründungen in solchen Orten verneint werden müsse, in denen bereits ländliche Kreditgenossenschaften bestehen oder die in solche schon einbezogen sind. Zu diesem Vorstoß Dr. v. Altrocks nimmt der Deutsche Bauern. bund in einer Zuſchrift an die Eingangs erwähnten Kreditinstitute und Ministerien Stellung. Darin wird darauf hingewiesen, daß die Weiterentwicklung des Genossenschaftswesens innerhalb des Deutschen Bauernbundes mit dem Gesetz über die Rentenbankkreditanstalt nichts zu tun habe. Dienstag, 27. Oktober 1925 In rechnung und Ausschüttung täuschender Gewinne verzichtet. beiden Fällen wurden die kleinen Reingewinne( 10 900 und 7 700 M.) auf das nächste Jahr vorgetragen. Die Schwierigkeiten, in die der Kahn- Konzern durch die Pumpwirtschaft des Staates gegenüber der Landwirtschaft gekommen ist, berühren hier also Werke, die auf gutem Fundament ruhen. Ein Beispiel dafür, wie scheinbar den Intereffen der Belegschaft sehr fernliegende Dinge, wie die staatliche Kreditgewährung an die Landwirtschaft eine Rückwirkung auf die Arbeiterschaft haben. Das ist eine Mahnung, noch mehr als bisher die Zusammenhänge zwischen der großen Politik und den Borgängen in den Verwaltungen der Betriebe aufmerksam zu verfolgen. gestellten Kredite seien zum wesentlichsten Teile dem größeren Besit zugeflossen. Diese Kredite liegen nun in er heblichem Umfange vollkommen fest und werden auch für die nächste Zeit nicht liquide zu gestalten sein. Bei Eintritt der ersten Rückzahlungstermine haben sich die meisten Genossenschaften zunächst damit geholfen, daß sie mit allen Mitteln die kleineren Der Sichel- Konzern hat sein Verwaltungsgebäude in Frant. Kredite aus bäuerlichen Kreisen zurückzogen, um furt a. M. an die Höchster Farbwerke verkauft. Wie es heißt, soll in fo ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Jegt jei dem Verwaltungsgebäude die Zentralverwaltung des neuen Farbenkonzerns werden. man fast allgemein dazu übergegangen, den fleinbäuerlichen Be fibern den Kredit überhaupt zu sperren, um so lange als möglich den größeren Kreditnehmer, der erklärt, nennenswerte Summen nicht zurückzahlen zu können, zu schonen. Daher tomme die starke Misstimmung gegenüber den Verbänden und daher tomme auch das Bestreben dieser Verbände, mit allen Mitteln eine Konkurrenz in bäuerlichen Kreisen gerade in dieser 3eit zu unterbinden. Der ganze Streit ist außerordentlich lehrreich. Er zeigt, daß die angeblich fo bauernfreundlichen Großagrarier nicht daran denten, auf die politisch und wirtschaftlich anders eingestellten Mitglieder der bäuerlichen Organisation irgendwelche Rücksicht zu nehmen. Wenn der Reichslandbund jetzt Kundgebungen mit der Barole„ Bauern in Nat" veranstaltet, so ist das also nichts als eine Geste der unwahrhaftigkeit. Denn nicht dem Bauern soll die Fürsorge der großen Landwirtschafts. crganisationen, sondern mur der fleinen Rafte der Großbesiger, deren Einfluß die Klein- und Mittelbetriebe sich mit Recht zu entziehen suchen, da sie davon doch nur den Schaden haben. Ueber die jetzt mit der Reichsregierung schwebenden Kredit. verhandlungen der Landwirtschaft wird amtlich mitgeteilt: Die immer schwieriger werdende Kreditlage der deut [ chen Landwirtschaft, namentlich in einzelnen durch besondere Ungunst der vorjährigen und der diesjährigen Ernte sowie der Absatzverhältnisse betroffenen Bezirken, bildete den Gegenstand einer erneuten Verhandlung, zu der der Reichsminister Graf teilen unter Hinzuziehung von Vertretern der zentralen Kreditvon Kanizz Vertreter der Landwirtschaft aus verschiedenen Landes institute am 23. Oktober empfangen hatte. Aus den einzelnen Gebieten wurde sehr eingehendes Material über den Umfang der laufenden Berbindlichkeiten und über die z. 3t. sehr beschränkte Verwertungsmöglichkeit der diesjährigen Ernte vorgelegt. Von den Kreditinstituten wurde bei einer Reihe von Kreditgruppen die Möglichkeit gewiffer Erleichterungen, auch über das allgemein bisher zugestandene Maß hinaus, in Aussicht gestellt, menn auch fein Zweifel darüber gelassen werden konnte, daß selbst in denjenigen Bezirken, die jetzt zwei Jahre hintereinander von ausnehmsweise schweren Wetterschäden getroffen worden sind, ein gewisses Maß von Abzahlung gewährleistet sein muß. Anderer. seits wurde von landwirtschaftlicher Seite besonderer Wert darauf gelegt, daß die Kreditfrage nicht als alleinstehendes Problem, sondern im engsten Zusammenhang mit der Absazkrisis und den steuerlichen Verpflichtungen verhandelt werden müßte. Seitens der an der Be Preußens wurde eine weitere Erörterung über die in den Notge. bieten seit dem Sommer entstandenen Steuerrückstände zugesagt. Es wurde festgestellt, daß das Verfahren einer näheren Aussprache über die Kreditlage zwischen dem Reich, den zentralen Kreditinstituten und der Landwirtschaft sich durchaus bewährt hat und in weiteren Besprechungen fortgesezt werden soll. Barentredite werden von der Organisation schon seit mehr als 8 Jahren vermittelt. Personalkredite werden seit Früh jahr d. 3. vermittelt und gegeben, also längere Zeit vor Infrafttreten des Rentenbank kreditgesezes., Gerade bei der heutigen wirtschaftlichen Lage und der Ueberspannung der Vermittlungsgebühren werde eine gesunde gegenseitige Konkurrenz der gesamten Landwirtschaft den allergrößten Vorteil bringen. Es stehe fest, daß die Rentenbankkredite durch den Verband des Herrn Dr. v. Altrock an den letzten Kreditnehmer selten unter 14 bis 15 Proz. Jahreszinsen herankommen, während die vom Deutschen Bauernbund vermittelten Rentenbankkredite dem legten Kreditnehmer wirklich nur 12 Proz. tosten. Eine Monopolstellung der großen Verbände würde darauf hinauslaufen, daß die diesen Berbänden nicht angeschlossenen Kreise von jeder kreditmöglichkeit absichtlich ausgeschloffen und gezwungen würden, gegen ihre Ueber- sprechung beteiligten Finanzministerien des Reiches und zeugung diesen Verbänden beizutreten. Es tönne nicht bestritten werden, daß ein großer Teil der bäuerlichen Bevölkerung zurzeit den großen Genossenschaftsverbänden ziemlich unfreundlich gegenübersteht, eine Haltung, die sich in den kommenden Monaten höchstwahrscheinlich weiter verschärfen werde. Die den großen Genossenschaftsverbänden nach der Stabilisierung zur Verfügung Konsumgenossenschaften im Kampfe um den Preis- Warenbestände, Forderungen, Bantguthaben, Kaffenbestände und abbau. Bei ihrem Kampf um die Möglichkeit einer Preissenfung stießen die im Zentralverband deutscher Konsumvereine zusammengeschlossenen Verbraucherorganisationen bei ihren Be mühungen, zum Preisabbau beizutragen, bekanntlich auf den starten Widerstand einiger Kartelle, die die Genossenschaften nicht als Groß handelsorganisation zulassen wollten. Der Streit mit der Bereini gung deutscher Steingutfabriken, über den wir seinerzeit berichtet haben, hat man zugunsten der Genossenschaften geendet. Auf das Einschreiten des Reichswirtschaftsministeriums hin hat dieses Kartell die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine als Groß handelsfirma anerkannt und ist damit endlich die Mög lichkeit zugestanden, zu den gleichen Bedingungen wie der Privat handel ihre Waren zu beziehen. Wechsel( zufammen 2,03 Mill.) zur Deckung. Die Bilanz iſt ziemlich angespannt, und es ist durchaus nicht erfreulich, daß die heute unvermeidliche Borgwirtschaft in folge der hohen Bankzinsen mit der Berteuerung der abgegebenen Baren bezahlt werden muß. Zudem hat die Bekleidungsgesellschaft teineswegs geringe Geschäftsuntosten gehabt, wie das Handlungsunfostentonto der Gewinn- und Verlustrechnung mit 977 000 m. beweist. Dennoch schließt die Gesellschaft mit einem ganz beträchtlichen Ueberschuß ab. Es wurde nicht nur ein offener Gewinn von 61 500 M.( 20 Proz. des Aktienfapitals) erzielt, sondern auch eine Rückstattung von 24 500 m. 3ur Erweiterung der Geschäftsräume. Aus dem Ueberschuß erhalten die beteiligten Berbände eine Dividende von 10 Broz. Der Reserve fonds wird mit 31 800 m. auf reichlich 90 000 m. oder fast ein Drittel des Aktienkapitals erhöht. Soweit Hingegen sträuben sich noch manche Kreise gegen eine loyale die Ziffern vergleichbar sind, ergab fich für Dezember 1924 der Durchführung der mit dem Reichswirtschaftsminister getroffenen Ab- vierfache Umfag gegen den gleichen Monat des Vorjahres. rede, die dahin geht, daß die Genossenschaften ihre Kohlen an die Die ersten beiden Monate 1925 brachten eine Berdreifachung der Verbraucher billiger abgeben dürfen, als es die Händler. Umfäße gegen die entsprechenden Monate des Vorjahres. Der Abvereinigungen vorschreiben. In Bünde in Westfalen mußte der Konsumverein die Erfahrung machen, daß ihm vom Großhandel die fat an Beamte in der Provinz hat sich im Februar dieses Jahres auf das Zehnfache des gleichen Monats des Vorjahres erhöht. seit langem bestellten Kohlen nur in jo fleinen Mengen ge Gewiß fönnen die privaten Unternehmungen diesen Umfäßen gegen liefert werden, daß die Genossenschaft ihre Mitglieder nicht recht über darauf hinweisen, daß die Selbsthilfeorganisationen der Be zeitig versorgen tann. Das Berhalten der Lieferantenfirma ist um so erstaunlicher, als ja bekanntlich der Kohlenbergbau immer über amtenschaft ihnen Kundschaft wegnehmen. Es ist aber kein Zweifel, feine Absatzforgen stöhnt und eigentlich zufrieden sein müßte, daß daß das nur möglich ist, weil die Beamten bei ihren Selbsthilfe er neue Kunden findet. Auch in diesem Falle haben die Genossen organisationen besser fahren als beim privaten Kaufmann; und die Klagen der privatfapitalistischen Unternehmungen unterschaften an den Reichswirtschaftsminister appelliert. streichen nur, daß die vielfachen Zusammenbrüche nicht auf an sich zu geringe Verdienste, sondern auf die Fehlorganisation des Handels Bekleidungsgesellschaft für deutsche Beamte AG. Zur Falschorganisation des privaten Handels. Das privatkapitalistische Industrie- und Handelsgewerbe tann fich nicht genug tun mit Klagen über die wirtschafts. drosselnde Wirkung der Steuer-, Sozial- und Lohnlasten. Die Bekleidungsgesellschaft für deutsche Beamte G.-G. Berlin, ein genossenschaftliches Unternehmen mehrerer Postbeamtenverbände in der Form einer Aktiengesellschaft gibt den schlüffigen Beweis dafür, daß der Grund dieser Klagen in der Fehlorganisation der Industrie und des Handels selbst liegen muß, nicht aber in den angeführten äußeren Belastungen liegen fann. Nicht 1/10 des Aktienkapitals, was von der privaten Industrie schon immer als unerträgliche Belastung hingestellt wird, fast/ des Aktienfapitals erscheint bei der Bekleidungsgesellschaft für deutsche Be amte A.-G. auf dem Steuerkonto der Gewinn und Verlustrechnung. Genau wie bei den privaten Handelsbetrieben, die schlechte Lage der Käufer, haben hier die schlechten Gehälter ber Beamten zu einem starten Borggeschäft geführt, das mit teuren Bankkrediten durchgehalten werden muß. Die Bilanz weist Bankschulden von fast 800 000 m. aus und Schulden in dreifacher Höhe der Goldbilanz( 1,27 gegen 0,40 min.). In der Gewinn- und Verlustrechnung erscheinen rund 63.000 m. für Zinsen und rund 47 500 m. Wechselspesen. Barengläubiger und Bankschulden zusammen mit 1,88 mill. verlangen fast die gesamten Bollständige Sanierung beim Kahn- Konzern. Die Sanierung des Kahn- Konzerns ist bis auf das Einverständnis seitens eines öffentlichen Berliner Instituts, das noch formale Bedenken erhebt, beendet. Die Finanzgläubiger haben sich verpflichtet, die vorläufige Entwicklung abzuwarten. Durch die Revisions- und Treuhand A.-G. ist ein weiterer Kredit von 3 Mill. RM. gewährt worden, für einen Pleineren Teil hat die AEG. Ausfallbürgschaft übernommen. Ein 40- Millionen- Auftrag für die Auguft- Thyssen- Hütte. Bie die Köln. Volisztg." meldet, find am vergangenen Sonnabend Verhandlungen zum Abschluß gekommen, die der August- ThyssenHütte( Mülheim) einen Auslandsauftrag über etwa 40 millionen sicherten. Der Auftrag besteht in der Lieferung von Wasserrohrleitungen nach Airila. Er ist vom Handelsvertreter der August- Thyssen- Hütte in London vermittelt worden und sichert bem Wert eine Beschäftigungsmöglichkeit für etwa acht Monate. Die Lieferung des Rohmaterials ist dem Hauptwert der Hütte in Samborn in Auftrag gegeben. Aus der Schokoladenindustrie. Im Gegensatz zu vielen Klagen Gebrüder Stollwerd A.-G. in Köln mit, daß sie ihre Arbeiterzahl über schleppenden Geschäftsgang mancher Industriezweige teilt die feit dem 1. September um nicht weniger als 1100 Mann vermehren fonnte, was auf einen recht guten Absatz schließen läßt. Russische Aufträge an deutsche Großhandelsfirmen. In den letzten Wochen wurden nach der„ Konjunktur- Korrespondenz" bei deutschen Metallhandelsfirmen für 10 mill. M. Metalle an= gekauft, und zwar verteilen sich die Aufträge auf die Firmen Aron Hirsch, Metallgesellschaft, Allgemeine Erz- und Metallhandelsgesellschaft, Lissauer, Baer Sondheimer und Karl Sieberg. Ferner erhielt die Eisengroshandlung Otto Wolf in den letzten Tagen einen Auftrag auf Lieferung von Dachblechen im Umfange von 2 Mill. M., bei deffen Ausführung fie als Händlerfirma fungiert, da ein großer Teil dieser Lieferungen von Werken ausgeführt wird, die nicht zum Wolf- Konzern gehören. Der gleichen Firma wurde noch ein Auftrag auf Bohrrohre im Werte von 2½ Mill. M. erteilt. Schließlich faufte die Handelsvertretung von der Berliner Papiergroßhandlung G. 2. Cahen noch für 4 mill. m. Papier. Konfignationsläger deutscher Firmen in Rußland. In der ersten Oktoberhälfte sind zwischen der Berliner Sowjethandelsvertretung und einer Reihe bekannter deutscher Firmen 32 Konsignationsverträge im Gesamtbetrage von 15 Millionen Mark abgeschlossen worden. Die Verträge bedürfen noch der Bestätigung der zuständigen Regierungsstellen in Moskau. Außerdem wird zurzeit mit zahlreichen anderen deutschen Firmen über den Abschluß von Konfignationsverträgen verhandelt. Wie der Außenhandelsfommissar Kraffin dieser Tage in der Sowjetpreffe ausführte, soll diese Geschäftsart besonders gepflegt werden, da sie hinsichtlich der Kredite besondere Borteile bietet. Die abgeschlossenen Konfignationsverträge beziehen sich auf die Lieferung von Wertbänken, Drehbänken für die metallverarbeitende und holzverarbeitende Industrie, Werkzeugen und Werkzeugmaschinen somie deren Ersatzteile. Die Vertragsbedingungen sehen Kredite von sechs bis acht Monaten vor. 15 000 Tonnen Röhrenauftrag für Thyssen. Wie gemeldet und inzwischen bestätigt worden ist, hat die Firma Thyssen auf Grund einer Bewerbung bei südafrikanischen Ausschreibungen einen Auftrag auf die Lieferung von 15 000 Tonnen Röhren erhalten. An unsere Leser! Der Ausgang der Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenverfammlung zeigt, wie notwendig die Verbreitung der Arbeiterpreffe und des„ Borwärts" ist, damit wir immer weitere Kreise für die sozialistische Bewegung erfaffen und gewinnen. Schon steht die Arbeiterschaft wieder vor neuen Kämpfen. Reichstagsauflösung, die vor der Tür sieht, muß dem Vorwärts" Tausende und aber Tausende neuer Leser zuführen. In der heutigen Nummer beginnen wir mit dem Abdruck eines neuen Romans: „ Die Passion" von Clara Biebig. Cin Wert von feinster Beobachtung und tiefer psychologischer Wirkung! Das Wert einer Dichterin, die mehr als einmal in ihrer vornehm- schlichten Gestaltungskraft das Leben der arbeitenden Menschen für arbeitende Menschen dargestellt hat und deren Name gerade in lang hat. der sozialempfindenden Bevölkerung einen guten Die Gelegenheit ist günftig! Genossen, denkt daran, daß jeder neue Ceser des„ Vorwärts" gleichzeitig ein neuer Milfämpfer für die Bartei ist! Darum: und auf die durch die Preisstellung abgeschreckte Käuferschaft zurück Werbt neue Leser für den„ Vorwärts"! zuführen sind. Riebe- Wert A.-G. und Deutsche Niles- Werte 2.-G. Berlin. Neben der Stod- Motorpflug- A.- G., deren Wechselforderungen an die Landwirtschaft den ganzen Rahn- Konzern in augenblicklich durch eine Stüßungsaftion wieder behobene Zahlungsschwierigkeiten gebracht haben, sind die Riebe Wert A.-G. und die Deutsche Niles Werte 2.-G. mit 4,01 und 2,82 Millionen Mark Aftienfapital die bedeutendsten Unternehmungen des Konzerns. Das Schicksal der beiden Werke ist auch bedeutsam für die Bere liner Arbeiterschaft, die den beiden Werfen eine beträchtliche Belegschaft stellt. Die Bilanzen der beiden Werte lassen nun schon für Ende 1924 eine beträchtliche finanzielle Anspannung erkennen. Maschinen- und Werkzeugfonto flossen offenbar nicht aus Betriebs Die Zugänge auf dem Fabril, gewinnen, fondern aus Beleihung von je 1,39 millionen Mark Goldpfandbriefen bei den Banken aus einer hypothet, die beim Berliner Pfandbriefamt auf jedes der beiden Werte erreicht wurde. Bei beiden Unternehmungen lagen die Außenstände am 31. Dezember 1924 tiefer als die Schulden. Es müssen Teile der Rohstoff, Halb- und Fertigfabrifatläger hinzugenommen werden, um für die laufenden Schulden den Ausgleich zu schaffen. Auf der anderen Seite scheint die Verwaltung auf forgfältige Führung der Geschäfte bedacht zu sein. Bei beiden Unternehmungen wurden A b schreibungen im angemessenen Verhältnis vorgenommen und in richtiger Erkenntnis der schwierigen Wirtschaftslage auf die ErNachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„ Borwärts", Berlin SW 68, LindenStraße 3, einzusenden. Ich abonniere den Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage Boll und Zeit" und den Beilagen Interhaltung und Wissen"," Aus der Filmwelt", " Kinderfreund" und Frauenstimme" in Groß Berlin täglich zweimal frei ins Haus. ( Monatlich 3 Goldmart, wöchentlich 70 Goldpfennig.) Name Wohnung Dorn bei -Straße Nr.. Sof Quergeb. Seitenfl. Tr. lints - rechts Arbeiter Sport Sportabende. Am Sonntag standen sich auf Einladung von SC. Nordwest" bie Hebermannschaften von Berlin und Forst in einem Wetttampf gegenüber, den Berlin mit 247,6 zu 233,5 Punkten gewinnen tonnte. In der Nordwest- Mannschaft zeigte ein jeber fein Bestes, denen die Forster Mannschaften nicht das nötige entgegenießen fonnten. der werktätigen Bevölkerung das Schachspiel zu verbreitern, veran staltet die Abteilung Often einen Kursus für Anfänger und Fortgeschrittene. Beginn in obigem Klubheim am 27. Oktober 1925, 8 Uhr abends. Juternationales Wintersportfest in Oberwiesental Am 20. und 21. Februar 1926 veranstaltet der Deutsche Arbeiter. fchaften im Wintersport. Neben der Beteiligung der Sport genossen aus Bayern, dem Schwarzwald, Thüringen und Riesen gebirge wird auch mit der Teilnahme der Tschechoslowakei, Defter. reichs und Finnlands gerechnet, so daß die Veranstaltung einen internationalen Charakter trägt. Die Wettkämpfe bestehen in Sti. Langlauf, Sprung und Mannschaftslaufen für Sportler, Jugendliche, Schüler und Sportlerinnen, sowie Rodeln. Im Ringen gab es einen Städtekampf zwischen Eiche"-Ebersportbund in Oberwiesental im Erzgebirge die Bundesmeister walde und Nordwest". Auch hier fonnte man interessante Stämpfe sehen, bei denen der Kollege Aderhold jeine Ringfähigkeit besonders unter Beweis ftellte. Für Nordwest fiegten folgende Ringer: Engelhardt, Schinkowski, Aderhold und Ragtowski. Für Eberswalde fonnte nur Jaftrenfti einen Sieg erringen, und zwei Rämpfe blieben unentschieden. Infolgedessen blieb auch hier Berlin mit 5 zu 2 Punkten Sieger. Hauptreferate auf dem Pariser Kongreß. Bei dem Ende Oktober in Paris stattfindenden internationalen Arbeitersportgongreß wird Gen. Bildung. Deutschland über die moralische und finanzielle Bilanz der Frankfurter Olympiade und Gen. Benedig über die technische Organisation der nächsten Olympiade und die Schaffung internationaler Regeln referieren. Der Internationale Sekretär, Devlieger. Belgien, wird Fragen des internationalen Bureaus und der Einheit der Arbeiter portbewegung behandeln, Gen. Bridour. Belgien Vor fchläge zur Reorganisation des Internationalen Bureaus vorbringen. Daneben werden die Anregungen und Borschläge der einzelnen Länderverbände behandelt werden. Sport. Ein neuer Golfplak in Wannsee. Im Forst bei Wannsee hat sich der Golf. und Landklub Berlin" einen neuen Spielplaß geschaffen. Auf einem Stück Ded land ist nach umfangreichen Erdarbeiten geradezu Mustergültiges entstanden. Der Klub, dem sein alter Platz in Westend längst nicht mehr genügte, ging von dem Bestreben aus, feinen Mitgliedern nicht nur eine ersttlaffige Spielmöglichkeit zu bieten, sondern er will auch dafür sorgen, daß besonders zum Wochenende gute Erholung in freier schöner Natur möglich ist. Ein herrliches Klubhaus mit allem Romfort und Uebernachtungsgelegenheit ist dicht an der Straße errichtet worden; es paßt sich außerordentlich gut der natürlichen Landschaft an. Der Präsident des Klubs, Direttor Gutmann, betonte bei einer Besichtigung die Absicht des Klubs, den Golfsport, der teine größeren Untosten verursache als andere Landsportarten, in Deutschland populär zu machen. So weit, so gut. Nur wird dem größten Teil der sportliebenden Bevölkerung die Mitgliedschaft in einer jo erfttlaffig- vornehm aufgezogenen Vereinigung, wie es der Golftlub ist, finanziell unmöglich sein. Direttor Gutmann weiß das natürlich, deshalb appellierte er auch an die Stadt Berlin und forderte von dieser Seite die Errichtung von Golfspielplägen. Ein Wunsch, dem wir uns nur anschließen können. Rennen zu Mariendorf am Montag, den 26. Offober. 1. Rennen 1. Franlet( M. Ringius), 2. Ingrid Halle( J. Mills), 3. Kurfürst(. Schröder). Toto: 20: 10. Blag: 16, 16, 40: 10. Ferner liefen: Möglich, Die Lezte, Konstanz, Baron Silvester, Effi, Freiberg, Flam berg, Cuento, Beinbrand, Hildburg. 2. Rennett. 1. Miger( Swipe), 2. Corena Me. Kinney( Lichtenfeld), & Earl Allegander( F. Schmidt). Loto: 35: 10. Blat: 23, 27, 18: 10. Ferner liesen: Brinzessin Etawah, Katzbach, Drelise Anvil, Meiſter B., Thellealand, Lodung, Burmida, Marne disq., Lumpi, Winnie. Schleusener), 8. Blaumeije( G. Lautenberger). Toto: 30:10. Blag: 20, 1. Feuerwehr( Jaug jun.), 2. Margot I( Hermann 21, 93: 10. Ferner liefen: Heiderole V., Dompfaff I, Amorette disq., Heidepring I, Cobra, Rammerfänger, Alpenfeg, Della, Sybill, Verdun. 3. Rennes. Die sportliche Bereinigung Nordost hatte am Sonnabend in ihrer Sporthalle ein ausverkauftes Haus. Der gebotene Sport war auf der ganzen Linie hervorragend. Der Veranstalter fonnte recht beachtenswerte Erfolge im Jiu- Jitsu, Ringen und Bogen er zielen. Im Jiu- Jitsu trennten sich die Jugendlichen Jofiel ( Johannishal) und Knoop( Nordoft) unentschieden. Der Techniker Wolf( Nordost) brauchte nur 4,15 Minuten, um den zähen Beranta ( Neukölln) durch Armhehel unschädlich zu machen. Der deutsche Leichtgewichtsmeister B. Krawczat warf den Neuköllner Meister Dochow bereits in 3,8 Minuten durch Armbebel. Nach 4,27 Minuten setzte Lups eine Mierenschere mit Strangulation von rückwärts an, aus der es tein Entrinnen für Angermüller mehr gab. Lups war der technisch und förperlich besser Borbereitete. 3m Ringen gab es ebenfalls mehrere spannende Begegnungen. Die Jugendlichen Lindner( Boran) und Rajporowitz trennten sich nach flottem Rampfe Arbeiter- Turn- und Sporfbund 1. Kreis, Berlin- Brandenburg.( Saus fun.). Toto: 99:10. Blag: 21, 16: 10. Ferner lief: Aqua viva. unentschieden. Richter( Nordost) warf Luftig( Röpenid) schon in 47 Sefunden durch Nackenhebel. Stange Mordoft) siegte über Kutlit( Roter Stern) in 2,52 Minuten. Im Bogen trennten sich die beiden Jugendlichen Gohr( Nordost) und Rohde( Nordost) unentschieden. Alsdann erteilte in einem Trainingskampfe der vor. zügliche Kräfer( Nordost, 108) dem ziemlich schlecht trainiert scheinenden Luckstädt( Siegfried, 133) trop der Gewichtsdifferenz von 25 Bfund anschaulichen Bogunterricht. Kräfers Arbeit war direkt bestechend. Refordleiffungen im Regelsport. Die Meisterschaftstämpfe der Gruppe A des Freten Regler bundes über 200 Rugeln zeitigten einige Höchstleistungen. An der Epiße liegen drei Mitglieder des Klubs Bözom": Fr. Ulrich mit 1490, Schumann mit 1484 und Herzog mit 1481 Holz. Die drei besten Rlubs find Bözow"( Bundesmeister für 1926),„ Alt. Stamm 13" und" Sorgenfrei" mit 7311, 7178 und 7169 Holz, ge morfen von den fünf Besten eines jeden Klubs. Die Interessanten Rämpfe finden jeden Sonntag in Spandau, Hamburger Straße 14, statt. In einem Herausforderungskampf über 1000 Rugeln im Sufe land" murden neue Refordleistungen aufgestellt. Es siegte henne. berg( Klub„ Sechs Kalte") mit 7653( 1) über Herzog( Klub Bögow") mit 7598 Holz. Das zahlreich erschienene Bublifum spendete den beiden beliebten Stehern spontanen Beifall. Die Leistungen verdienen volle Anerkennung und find solchen auf dem Gebiete der Schwerathletit ebenbürtig, zumal die beiden Meister über 45 Jahre alt find. Wie uns gemeldet wird, will Herzog seinen Bezminger zu einem Revanchefampf über 1500 Kugeln herausfordern. Die Resultate des vorigen Tages waren folgende: Klub Bogom" 7317, Luft. Brd. Weft 7113 und Geselligkeit" 7110 Holz. Die besten Einzelleistungen lieferten drei Mitglieder des Klubs Bögom": Fr. Ulrich 1491(!), Schumann 1484 und Herzog 1481 Holz. Die Rämpfe finden bis auf weiteres jeden Sonntag in Spandau, Hamburger Str. 14, statt; der Siegespreis besteht in einer vom Oberbürgermeister Bäß gestifteten Ehrenplafette. Neue Turnabteilungen, Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin hat folgende neue Turnabteilungen eingerichtet: Bezirt Rosen. thal, Turnhalle Kastanienallee, Männer, Turnerinnen und Jugendliche: Mittwoch 8-10 Uhr, Kinder: Mittwoch 6-8 Uhr. Bezirk Norden III, Turnhalle Putbuser Str. 22, Männer und Jugendliche: Dienstag und Freitag 8-10 Uhr, Jungmädchen: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr. Bezirt 3entrum, Turnhalle Gartenstr. 107a, Männer, Turnerinnen und Jugendliche: Montag und Donnerstag 8-10 Uhr. Bezirk Südosten. Die neueröffnete Knabenabteilung turnt Dienstag und Donnerstag 6-8 Uhr Turnhalle Reichenberger, Ede Forster Straße. Kartell- Candestonferenz für Brandenburg. Am Sonntag, den 22. November, vormittags 10 Uhr, findet in Berlin, Rathaus, Saal 63, 2. Stod, Eingang Jüdenstraße, eine Konferenz der Kartelle in der Provinz Brandenburg statt. Es nehmen daran auch die Kartelle der Laufiz teil. Tagesordnung: Gründung eines Provin zialfartells. Das Referat hat der Gen. Wildung übernommen. Jedes Kartell entfendet einen Delegierten. Wettkämpfe der Arbeiterschachspieler. Die Propagandaveranstaltung der Abteilung Often des Berliner Arbeiterschachtlubs war ein voller Erfolg. Das Klub heim, Rauter, Große Frankfurter Straße 10, ermies sich als zu flein, um die Zahl der Besucher zu fassen. Der mitteldeutsche Meister Bittor Schaffargit, der gegen 25 Mann fimultan spielte, tonnte an allen Brettern ben Sieg erringen. Auch der jugendliche Meister Spieler Rausch schnitt glänzend ab. Im Blindspiel stellten fich ihm acht Gegner. Das Resultat für Rausch war 7: 1: 0. Schachfreund Grothe, der 3 Partien blind gegen Beratende spielte, erzielte aus diesen 2% Punkte. Aus einem Blizturnier ging als Sieger Gramatitoff als Gaft hervor, 3meiter wurde Deutsch mann, Dritter Arthur Rohne. Im Bestreben, in weitesten Kreisen Willst du deinen Husten stillen, nimm Says Sodener Pastillen. Biomalz Sufolge der Brovingballandtagswahlen und der Gemeindewahlen muß der in der Kreisvatsfikung vom 11. Oktober zum 28./29. November nach Rathenow befchloffene außerordentliche Rreistag auf den 5. und 6. Dezember verlegt werden. Tagungslotal wird den Bereinen noch bekanntgegeben. Als Tagesordnung ift feftgelegt: 1. Sparten und Bezirkseinteilung( Ref. A. Buck). 2. Abschlußprotokoll des Kreisfestes Spanbau 1924. 3. Areisveranstaltungen 1926/1927. 4. Anträge. 5. Berfchiedenes. Anträge, welche dem Kreistag nee brudt vorgelegt werden follen, müffen bis spätestens 20. November beim Unteraeichneten eingereicht werden. Um eine Fahrtverbilligung zu erreichen, erfuchen wir die Bereine, deren Delegierten über Berlin fahren, sich bis zum 26. Novem ber an den Bundesgenossen Robert Dehlschläger, Berlin, Hochhädter Str. 10, zu wenden. Der Fahrpreis beträgt ermäßigt für Sin- und Radfahrt von Berlin nach Rathenow 3,60 M. und ist mit einzusenden. Der Kreisrat: M. Reichert. bettersport und Kulturkartell zichtenberg, 17. Berwaltungsbezirk. Mitt woch, ben 28. Oktober, Delegiertenfigung bei Wegener, Frankfurter Allee 236. Wichtige Tagesordnung. ATV. Pankow. Sonnabend, den 31. b. M., pünktlich 7% Uhr abends, im Bobal von Borstel, Mühlenstraße, Quartalsverfammlung. Turn- und Sportgenossen! un 20. November findet bas Altersriegen. Rufammenturnen in der Roppenfte. 75 ftatt. Alle Bundesgenoffen über 35 Jahre, gleich welcher Sparte, sind eingeladen. Die Neuköllner Rapelle wird zu den reiübungen spielen. Nach dem Turnen Sigung bei Oppermann, Rüftriner Blak 11( Oftbahnhof). Tagesordnung: Kritik der Altersriegenpartie. Neuwahl Turn- und Schwimmhalle au bauen. Das Turnen beginnt pünktlich um 8 Uhr. Jiu- Jitfn- Bereinigung Sohannisthal"( Rweigabteilung RD.. Freitag, ben 30. Ottober, abends 8 Uhr, im Barfrestaurant Boba, Johannisthal, Rampfder Altersriegenleitung. 3ft es möglich, uns Altersriegenturnern eine eigene abend. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Die Frauen- und Jungmädchenabteilung Depanstaltet am Sonntag, ben 1. November, nachmittags von 4-6 Uhr, in der Handwerkerschule, Wilmersdorfer Str. 166/67, ein öffentliches Schauturnen. Anschließend gemütliches Beisammensein im Bereinslokal Geelig. Rirch, Ede Grünstraße. Freunde und Gönner unseres Vereins find au beiden Beranftaltungen herzlich eingeladen. Berliner Schwimmverein Freiheit 1907", Mital. b. A.-L. u. So.-B. Die Uebungsstunden des Vereins finden regelmäßig Montags abends von 6-7 Uhr und Donnerstags abends von 7-8% Uhr( referniert) im Stadtbad Brenzlauer Berg. Oberberger Strake, ftatt. Sportklub ,, Zurich 02. Dienstag, den 27. Oftober, abends 7 Uhr, Anfang eines Siu- Jitfu- Anfängerfurfus in unseren Uebungsräumen. Rurfusdauer 6 Wochen. Anmeldungen jeden Dienstag und Freitag von 7-8% Uhr in der Turnhalle Röpenider Str. 2. " Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Wien). bt. Norben: Diens tag, den 27. Ottober, im Beim Sonnenburger Str. 20, Bortrag: ,, Arbeiter bichtung". Sonntag, den 1. November, Fahrt ab Gesundbrunnen 7% Uhr nach Erfner. Abt. Lichtenberg: Am Donnerstag, den 29. Oktober, im Jugendheim Bartaue 17, um 7% Uhr abends, Distuffionsabend. Gäste willkommen. Abt. Friedenau: Sonntag, den 1. November, Fahrt nach Meißners Sof. Treff. punkt 47 Uhr Bhf. Wilmersdorf Friedenau, von Gesundbrunnen Abfahrt 7.36 Uhr bis Hennigsdorf. Alle Genoffen der Abt. Friedenau beteiligen fich an dieser Fahrt, da für unsere Beranstaltung geübt werden foll.-Abt. Webbing: Dienstag, den 27. Oktober, im Heim Lütticher Str. 48, Gemischter Abend. Sonntag, den 1. November, Wanderung Ludwigsfelde- Elsbruch. Treffpunkt 7 Uhr Anhalter Bhf. Gäste willkommen. Athletik- Sport- Club. Die 14. Gründungsfeier der AGC. findet am Sonn tag, den 1. November, nachmittags 5 Uhr, bet Ritschte, Bittoriagarten, Am Treptower Bart, ftatt. Donnerstag, den 29. Oftober, Waldlauf Sadowa, Ab. lauf 8 Uhr Waldschänke. Rüftig- Borwärts 1913, Reukölln, fucht fir feine 1. und 2. Männer fowle für die 2 Sugendmannschaft einen Gegner auf beffem Sportplag. Schnellster Anruf Freitag abend zwischen 8-10% Uhr unter Neuföln 1636, fragen nach B. 8ier. 1. Rreis. Enrnersparte. Am 81. Oktober und 1. November finden in Berlin Borturnerftunden für das Frauen-, Rinder- und Männerturnen fatt. Alle Kreisvereine werben dazu ihre Turnwarte entfenden. Alle Turn- und Sportgenoffen, deren Wohnungsverhältniffe es geftatten, werden aufgefordert, einen Turner oder eine Turnerin aufzunehmen. Gewünschte Anmeldung von Quartieren find zu richten an Bundtle, Berlin 60, Faldensteinstr. 42. Athletik- Sport- Club. Geschäftsstelle: Sanns Rahn, Berlin ND 58, Marienburger Str. 47. Für die Wintermonate find folgende Trainingstage feftgelegt: Männer: Montag 8-10 Rathaushalle Treptow, Donnerstag 28 Fichtepla, Baumschulenweg, Waldlauf. Jugend: Donnerstag 8-10 Riefholaftr. 46. Schüler: Donnerstag 6-8 Riefholaftr. 46. Frauen: Donnerstag 8-10 Nieber wallftr. 12. Badeabend: Dienstag 8 Uhr Schillingbrüde. Sonntag 10 Uhr: Waldlauf Fichteplak, Baumschulenweg. Sodenabteilung: Spiele am 25. Of tober in Westend, 9-10% AGC. II gegen Charlottenburg II; 10%-12 AGC. I gegen Charlottenburg I.- Spiele der Handballabteilung: Jugend ASC. gegen Treptow 2,30 in Niederschöneweide, Männer ASC. gegen Frisch- Frei, 9 Uhr, Rieberfchönemeibe. Arbeiter- Turn- und Sportbund( 1. Kreis). Spiellente, 2. Bezirk. Am Sonntag, den 8. November, vorm. 9 Uhr, findet auf bem Sportplat am Schäferfee in Reinidendorf- Oft die Uebungsstunde der Spielmannszüge des 2. Bezirts ftatt. Sämtliche Rüge müffen vertreten fein, wenigftens burch ben Stabführer, den besten Hornisten und den beften Tambour. Sämtliche Dot handenen Stäbe und Notenbücher müssen aur Stelle fein. Hermann Schulze, Belten. Bezirksstabführer. Arbeiter Turn- und Sportbund. Spielmannszüge der Stadtgruppe Berlin. Sämtliche Spielmannszüge der Stadtgruppe nehmen an der Uebungsftunde der Spielleute des 2. Beairts am Sonntag, den 8. November, vormittags 9 Uhr, am Schäferfee in Reinidendorf( Fichteturnplas) teil. Stäbe und Rotenbücher müffen aur Stelle fein. Dehlschläger, Stabführer. Mustlabteilung ber Freien Turnerschaft Rentöln. Uebungsstunde jeben Donnerstag von 8%-10% Uhr bei Rarl Sain, Neukölln, Richard ftr. 85. Gäste, insbesondere Solabläser, willkommen. Wetter für Berlin und Umgegend. Bielfach belter, nur vorübergebend bewölkt. Temperatur weiterhin verhältnismäßig hoch. Für Deutschland. In Nordwestdeutschland Regen. Sonit troden und vielfach beiter. Ueberall mild. 4. Rennen. 1. Lebenstünstler( Ringius), 2. Duadrat( Ed Mills), & Frida Magowan( Großmann). Toto: 29: 10. Blat: 12, 10, 12: 10. Ferner liefen: Heroftrat, Der Befte, Belwin, Manrico. 5. Rennen. 1. Fels( J. Mills), 2. Erdmann( Sedert). 3. Joll 6. ennen. 1. Abteilung: 1. Jlona B.( Hr. Adler), 2. Ecft. Wolferfom( Kopprasch), 3. Barillia D.( A. Barnewiß). Toto: 77: 10. Blab: 41, 31, 42: 10. Ferner liefen: Duera, Baron Tregantle, Deutscher, Salome, Zeitgeist, Livius, Erzellenz, Brinzessin Studud. 2. Abteilung: 1. Unheil( B. Rösler), 2. Bainsca( F. Korzenid), 3. Maitönigin I( Haller). Toto: 53: 10. Flag: 21, 24, 84: 10. Ferner liefen: Lump, Gladiator, Handfest, Hauptmann, Eudora, Intereffent, Coer Maid, Ludwig. 7. Rennen. 1. Jobannistäfer( Großmann). Toto: 18: 10. Blaz: 14: 10. 1+. Starlata( Swiger). Toto: 14:10. Blag: 13:10. 3. Aber glaube( 3. Mins). Blas: 12: 10. Ferner liefen: Stalla Hart, Precious Baits, True For, Bildlaze, Angriff. Fürit 8. ennen. 1. Else B. I( M. Ringius), 2. Baron Batts jun.( 2. Lemzer), 3. Lenz I( Brzyrembel). Toto: 111: 10. Blag: 71, 40, 28: 10. Ferner liefen: Siegleicht, Morgensonne, Schwarzwaldmädel, Inge I, Zerraria, Belvedere, Etalshöjerin, Wing, Duallensohn, staffter, M. P., Hettie, Barmaid. Jugendveranstaltungen. Der Gymnaftifturfus unter Beitung der Genoffin Albrecht beginnt heute wieber püultlich abends 8 Uhr im Jugendheim Sindenfte,&. Die Arbeitsgemeinschaft Abraham findet heute, Dienstag, nicht im Jugendheim. fondern in der Schule& odit t. 13 ftatt. Heute, Dienstag, den 27. Oftober, abends 71 Uhr: Wedding- Nord: Schule Müllerstr. 48, Bortvag: Was ist Sozialismus?" Rarboft 1: Jugendheim Neue Königitr. 21, Ausfprache: Gruppenarbeit, Tages fragen" Rorbolt II: Jugendheim Danziger Str. 62, Vortrag: Was be beuret bas Reichsschulgefeh?" Schönhauser Borfiadt I: Schule Jbsenstr. 17, Bortvag: SAJ. und Kirche". Brenzlauer Borstadt: Schule Danziger Str. 23, Bortrag: Entstehung ber Religion". Gencfelber- Viertel: Schule Ebers walber Str. 10, Bortrag: Gitten und Gebräude orientalischer Bölker". Baltenplay: Funktionärkung. Schöneberg I: Jugendheim Rubens-, Ede Sauptstraße, Bortrag: Bub und Mädel". Mariendorf: Alte Schule, Dorse ftraße 7, Bortrag: Entstehung der Kriege 1866, 1870/71". Brig: Nat haus Chauffeeftr. 148, Bortrag: Die Jugendbewegung". Reinidendorf- Oft: Seebad, Refibenaftr. 46, Bortrag: Bas ft Bildung?" Bankow: Jugend beim Breite Str. 82( Eingang Finanzamt). Bortnag: Grundfägliche volts wirtschaftliche Fragen". Berbebegir! Reulan: Brobe zur Revolutionsfeier im Jugendheim Canner Stoaße. Die Seimabende der Abt. 3 und 5 fallen aus, dafür Donnerstag, ben 29. Oftober, in der Aula des Engeums, Berliner Str. 10, Werbebezirksver anstaltung. Dixin Das dankbare Seifenpulver Größte Ergiebigkeit und hervorragende Waschwirkung! Dixin ist für jedes Waschverfahren geeignet. Besonders vorteilhaft für Maschinenwäsche zu verwenden! Ohne Chlor. Gründliche Kräftigung und Auffrischung berfchafft das borzügliche, billige, wohlsmedende Biomala. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; leines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Straftgefühle tritt faft immer eine auffallende Befierung des Aussehens ein. Man f5It fi gerabeau berian at. Mit leinem andern Kräftigungsmittel fann man bessere Erfolge erzielen als Bas nehmen bie erste? Alle Erfahpräparate und Eisenmittel erzielen nicht die Wirkung, was Appetitanregung und Kräftigung anfangt, wie Biomals. In meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz be fonders aufrieden. Dr R. in Ch. Das von mir schon oft und mit gutem Errolge in der Bragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Rindern zugute fommen. Dr. med. 9. mit Biomalz Biomalz hat sich bei meiner Frau und beiben Söhnen vorzug lich bewährt. Dr. Frhr. n. Reu: Biomala- Gotolabe, je 100- Gramm- Tafel 60 Pf. und Biomala Bonbons, beltes Sinderungsmittel bel Susten und Heiserteit, vorzüglicher Geschmad, je Beutel 30 pl | Erhältlich in Apotheken, Drogenhandlungen und einschlägigen Geschäften. Breis einer Dale Biomala 1,90 Mart, mit Lecithin 5 Mart, mit Eifen( zur Stärkung für Blutarme und Bleichsüchtige) 2.20 Mart, mit Ralf extra( aur Stärkung für Lungenleibende) 2.50 Mark Drudschriften auf Wunsch umsonst und postfrei. Gebr. Batermann, Teltow- Berlin 10,