Menöausgabe Är. 50S ♦ 42. Jahrgang Ausgabe L Nr. 252 Vezvzsdedwzmlsni vnh«njffsntUTtif« finb in der Zürrgen-nsgab« onocaiben arbaltion: SD. 68, Cin&caflcabe 3 5crnfpter »«rl«zer:vornzörls-verlag Dn»i>H. verUn SD. LS, Lindensirohe 3 Zernsprecher! Dönhoff 291— 301 Zentralorgan der Sozialdemokrattfchen Partei Deutfchlanda Unterredung mit Macöonatö. Locarno ein Schritt.— Die Abrüstung das Ziel. Genosse Ramsay Macdonald gewährte heute morgen einem Mitglieds der Redaktion des.Vorwärts" eine Unterredung, in der er zur internationalen Pa.itik folgendes ausführte: Es gibt in östlichen Gebieten Europas, die Macdonald auf seiner Reise berührte, eine Reihe von Anhängern des Frieden-gedankens, die im Locarno-Vertroge eine teilweise Regelung nicht ohne Gefahren sehen. Teilweise Vereinbarungen bergen die Möglichkeit anderer Gruppierungen in sich. Statt das Ziel d�r allgemeinen Be- friedung zu erreichen, könnte so eine Teillösung gewisse Gefahren heraufbeschwören. Doch kann durch den Vertrag von Locarno ein Schritt in der richtigen Richtung gemocht werden, wenn er in dem Geiste ausgeführt wird, in dem ihm vorgearbeitet worden ist. Locarno hat eine lange Vorgeschichte, Ohne die Londoner Konferenz und ohne die Genfer Debatte über den Proto. kollentwurs der englischen Arbeiterregierung und des französischen Kabinetts Herriot wäre auch der Vertrag von Locarno nicht zustand« gekommen. Es besteht in manchen Kreisen die Tendenz, Locarno z» einer Parteiangelegenheit zu machen. Aber es ist ungerecht und falsch, so zu tun, als ob Locarno keine Vorgeschichte hätte und die europäische Friedensorganisation erst mit Locarno begänne. Das wichtigste Ergebnis von Locarno für Europa ist der Eintritt Deokschlands in den Völkerbund. Rur auf dies« Art kann Deutschland In die Gesellschaft der Völker wieder aufgenommen werden. Nicht vor dem Eintritt in den Völkerbund, sondern erst m i t dem Eintritt in den Bund eröffnet sich für Deutschland der Weg, sicli für die Lösung und. Klärung oller der Fragen einzusetzen, die ihm besonders am Herzen liegen müssen. Arbeitet Deutschland im Völkerbünde mit, der nicht nur eine Orga- nisation Europas, sondern der Welt darstellt, so kann man mit Zu- verficht erwarten, daß die günstige Atmosphäre erhalten und ge- verficht erwarten, daß die Atmosphäre vertrauensvoller Zusammen- arbeit für eine unabsehbare Zeit aufrechterhalten bleibt. Die Wirkung aus Rußland hängt vor allen Dingen von Rußland selbst ab. Die russische Regierung denkt immer, daß jede europäische Vereinbarung von Eng- land angestiftet und gegen Rußland gerichtet ist. Aber das ist ganz im Sinne einer nationalistischen Bourgcoisiepolitik gedacht. Friedlich« Verständigungen unter den europäischen Staaten richten sich keineswegs gegen Rußland. Es hängt nur von Rußland selbst ab. mit Europa mehr und mehr in Verbindung zu kommen, keine europäische Regierung betreib! den Sturz der gegenwärtigen russischen Regierung. Alle europäischen Staaten suchen wieder in gute Be- Ziehungen mit Rußland zu kommen; sie werden es Rußland über- lassen, für sein Heil selbst zu sorgen.— Die britische Arbeiterpartei hält an ihren alten Zielen in dieser und in anderer Hinsicht fest, Sie kämpft nach wie vor für die Befriedung Europas durch Gesamt- Vereinbarungen, wie sie im Genfer Protokoll niedergelegt waren. Die wichtigste Aufgabe der nächsten Zukunft wird die weilersührung der Enkwassnung sein. Das Protokoll der Konserenz von Locarno nimmt in nur sehr unbestimmten Worten auf die Entwaffnung Bezug. Es ist die große Aufgabe der Arbeiterparteien, hier anzupacken und dafür zu sorgen, daß baldmöglichst eine wohlvorbereitete Ent- wasfnungskonferenz vom Völkerbünde einberufen wird. Der Gedanke der Entwaffnungskonferenz sollte von der Sozia- listischen International« aufgenommen werden, und die sozialistischen Parteien aller Länder sollten als ihr wichtigstes nächstes internatio- nales Ziel die Durchführung der Entwaffnung aufstellen. Der Ver- sailler Vertrag hat nicht nur Deutschland, er hat auch den a n d e r e n Vertragsmächten Pflichten auferlegt, die innegehalten werden müssen. Deutschland hat einen Rechtsanspruch auf diese Entwaff- nung, da ihm der Versailler Vertrag seine Entwaffnung nur als ersten Schritt zu der allgemeinen Abrüstung auferlegte. Nebenwirkungen von Locarno. Begnadigung Hüben und drüben. Auf Grund einer Verständigung zwischen der deutschen Re- gierung und der Botschasterkonferenz haben die britische, die französische und die italienische Regierung der Begnadigung der vier deutschen Staatsangehörigen Dobra. Pytt- lick, Krömer und Malesko, die während der Besetzung von Oberschlesien verurteilt worden sind und sich bis jetzt noch in Haft befanden, zugestimmt. Eine entsprechende Maßnahme ist von deutscher Seite zugunsten einer gleichen Anzahl von französischen Gefangenen ausgesprochen worden, die von deutschen Gerichten wegen politischer Straftaten verurteilt worden waren. Sie haben nichts zu sagen. Stresemann schüttelt seine Freunde von recht« ab. London. 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der.Star" teilt v mit, daß der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n die alliierten Regierung in inosfizieller Form hat wissen lassen, daß die durch die Deutschnationalen verursachte Kabinettskrise die Ratifikation des Vertrages von Locarno nicht gefähr» den werde,___ Die Einweihung ües Ebert-Denkmals. ftiefjlcr und BrauuS alS Vertreter der ReichSregierung Am?l. Oktober wird das von Professor Peter Behrens ent- worfene Grabdenkmal für den verstorbenen R e i ch- p r ä s i- denten Ebert auf dem Friedhof in Heidelberg von der Reichs- regierung in feierlicher Handlung der Stadt Heidelberg übergeben werden.' Da der Reichskanzler verhindert ist, wird der dienstälteste Minister. Dr. Geßler, der zu dem Verstorbenen als dem Ober- befehlshaber der deutschen Wehrmacht besonders nahe dienstliche Be- zi-hungen hatte, die Reichsregierung vertreten. Als weiteres Mit- glied des Reichskabinetts wird sich der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns an den Feierlichkeiten beteiligen, serner wird der Staatssekretär beim Reichspräsidenten Dr. Meißner teilnehmen. Das HeMche Zentrum für wirth. Nack» rechts nicht nachgeben! varmstadt, 27. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Der am Sonn- tag abgehalten- Parteitag des hessischenZentrums nahm folgende Entschließung an: .Der Parteitag der hessischen Zentrumepartei erklärt sich mit der Politik der Reichs- und Landeszentrumsfraktion einverstanden. Er hält es für außerordentlich wichtig, klar und ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Zcntrumspartci nach wie vor eine Partei der Mitte ist und sein muß und weder nach rechts oder nach links davon abgewichen werden darf. Der Parteitag spricht auch dem Alt- reichskanzler Dr. Wirth sein volles Vertrauen aus. Der hessisch« Parteitag erwarter von dem Reichsparteitag, daß hier Wege gesunden werden, die den W i e d« re i n t r i t t Dr. W! r t h s in die Reichstagsfraktion ermöglichen. Vor allem muß bei der Be- Handlung der Locarno- Verträge darauf bestanden worden. haß die bewußt« außenpolltische Linie der Zentrumspart« keinem Standpunkt«, besonder» von rechts, gegenüber in irgend einem Punkt»erlasse» werden darf. Fern« ist e» die einstimmige Meinung des Parteitages, daß der d« m o- t r a t i s ch e und soziale Charakter der Partei unverbrüchlich und in jeder Situation gewahrt werden mv** Salkan vor dem Völkerbund. Griechen und Bulgaren sollen ihre Truppen zurückzicheu. Pari». 27. Oktober.(Eigener Draihbericht.) Der Völker- b u n d s r a t hat sich am Montag abend unter dem Vorsitz des Außen- minister» Briand im französischen Außenministerium zu einer außer- ordentlichen Sitzung verjammelt, um zu dem griechisch-bul- garischen Konflikt Stellung zu nehmen. Die Vertreter der streitenden Mächte sind ausgefordert worden, am Tisch des Rates Platz zu nehmen und Erklärungen über den schwebenden Konslik: abzugeben. Der Borsitzende des Rates hat daraufhin die Vertreter Bulgariens und Griechenlands befragt, ob ihre Regierungen der Aufforderung nach Zurückziehung ihrer Truppen hinter ihre Grenzen nachgekommen seien. Der Vertreter Bulgariens hat daraufhin er- klärt, daß die bulgarischen Trupp«: nie die griechische Grenze über- schritten hätten. Der Vertreter Griechenlands erklärte, daß die griechischen Truppen das bulgarische Gebiet räumen würden, sobald die Bulgaren die von ihnen auf griechischem Gebiet besetzten Posten ausgeben würden. Angesichts der widersprechenden Erklärungen vertagte sich der Völkerbundsrat auf eine Stunde. Er beschloß, daß sowohl Griechenland wie Bulgarien ihren Truppen innerhalb 24 Stunden den Befehl' zu geben haben, sich hinter ihre Grenzen zurückzuziehen. Innerhalb von 60 Stunden ist der Völker- bundsrat von der Ausführung dieses Befehls in Kenntnis zu setzen. Englische, französische und italienische Offiziere werden sich an die bulgarisch« und griechische Grenze begeben, um die Erfüllung dieses Befehls zu kontrollieren. Der Völkerbund hat einstimmig diesen Vorschlag angenommen. Der Vertreter Bulgariens hat sofort die Zustimmung seiner Regierung gegeben, während der Vertreter Griechenlands zwar kein» Einwendungen erhob, aber erklärte, daß er erst nach einer Rückfrage bei seiner Regierung seine Zustimmung geben könne. Hierauf wurde die Sitzung aus Dienstag vormittag 11 Uhr vertagt.» In Gnaden aufgenommen. In Rom wie in Moskau. Rom, 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Aus Anlaß des Jahrestages des Marsches auf Rom hat das jaschistische Direktorium den Abg. Barbiellini wieder in die Partei aufgenommen. Außerdem wurde der faschistische Parteisekretär von Rom Foschi, der während der Konferenz von Locarno wegen der Vorfälle in Florenz abge- setzt worden war, wieder in sein altes Amt eingeführt. Der De- schluß wird damit begründet, daß die beiden rehabilitierten Faschisten Disziplinoruniergcbenhcit gegenüber den Partei- gewaltigen bewiesen haben, Barbiellini war früher Faschistensührer in Piacenza. Bon diesem Amt wurde er infolge blutiger Zwischen- fälle nach dem Mord an dem kriegsoerlctzten Luerta aus der Partei ausgeschlossen. Journalisten unter dem Faschistenschwert. Rom. 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht) Die Regierung hat den Vor st and des römischen Presscvereins.der aus Antifaschisten bestand, aufgelöst und an dessen Ste?» drei faschistische Journalisten als Reg-erungskonunissare zu Geschästsleit«»«mannt- die falsche Rechnung. Was will die Regierung Luther? Es ist den Deutschnation-alen nicht sehr ernst mit der Lppo- ltion. Sie sind zwar mit Eklat aus der Regierung ausge- chieden und haben damit das Vertragswerk von Locarno ge- ährdet. Angesichts der matten Töne der deutschnationalen Presse muß man sich fragen, ob sie nicht insgeheim wünschen» daß das Vertragswerk von Locarno dennoch angenommen werde. Für diesen Fall werden sie dann wieder bereit sein, „Verantwortung" auf sich zu nehmen, so wie sie sie verstehen. In aller Unschuld rechnet der„L o l a l- A n z e i g e c" heute morgen vor, wie die Dinge sich weiter entwickein sollen. Er gesteht, daß die Zollgesetzgebung, der Rechts- kursin derJnnenpolitik und in der W i r t f ch a f t s- Politik zu große Werte für die Deutschnationalen wären, als daß sie für die Dauer aufgegeben werden könnten: „Alle Gründe der inneren Politik, alle Gründe der Wirtschaft mahnen gebieterisch, es beim Zusammen« arbeiten der bisherigen Regierungskoalition, so lacker sie war, zu belassen. Meinungsverschiedenheit besteht über den jetzigen Beschluß der Deutschnationalen. Mag man sich zu ihm stellen, wie immer— daß er aus heißer Sorge um Volk und Vater- land heroo. gegangen ist, das liegt zutage. Daß Reichskanzler Dr. Luther ebenso heiße Sorge mn Volk und Vatertaird trägt, wird ibm niemand bestreiten. Wobei man seine Person ganz ruhig wird als Exponenten für die Restkoalitton nehmen dürfen. Warum soll man sich dann nicht über diese sachliche Rielnungsverschiedcnheil hinweg. auch wenn sie bleiben sollte, doch die Hand zu neuer fruchtbarer Arbeit für das Ganze reichen? Die Weimarer Koalition hat das ja vor sechs Jahren der Rechten vorgemacht. Auch die Demokraten hielten das Friedens- diktat von Versailles für untragbar und schieden aus der Regierung aus, die eine Zeillang Zentrum und Sozialdemokratie allein bildeten. Man hielt den Demokraten die Tür zum Wiedereintritt in die Reichs- regierung weit geöffnet; tat das vom Standpunkte der Weimarer Koalition mis mit Recht, da trotz der Meinungsverschiedenheit in dieser für Deutschland doch nach ganz anders lobensentschcidenden Frage: Annahme oder Ablehnung des Versailler Friedens? die Ge- mcinsamteit der politischen Anschauungen in zahllosen anderen Fragen bestand. Will die bisherige Rcgierungskoalition törichter» engherziger, doktrinärer sein, als damals die von Wciniar?" Die Linksparteien sollen den Deutschiiaftnrnlen F er i e nl von der Verantwortung geben. Sie sollen dem Rumpskabinctt ihre Stimmen für die Unterzeichnung und die Ratifizierung des Vertrages von Locarno geben. Wenn dann die Rekonstruktion des Kabinetts erfolgen muß, werden die Herren Schiele, N e u h a u s und S ch l i e b e n mit ge- zcgenem Hut und freundlich lächelnder Miene sich als zurück- gekehrte Ferienreisend« und als Anwärter für die ihnen offen gelassenen Ministerstellen präsentieren. Ein smiberer Plan! Er ist fast noch schöner wie das famose Handelsgeschäft zwischen Strs'emann und den Deutsch-, nationalen über die Annahme der Dawes-Verträge. Der Reichstag wird bei seinem Zusammentritt vor einer ähnlichen Situation stehen, wie vor der Annahme der Dawes- Verträge. An sich ist im Volke wie auch im Reichstage eine große Mehrheit für die Annahme des Vertragswertes von Locarno vorhanden. Zwar unternimmt die„Kreuz-Zeitung" den Versuch, die Notwendigkeit eiistr Annahme des Vertrages mit verfassungsändernder Mehrhest zu konstruieren. Dieser Versuch ist ober nichts anderes als eine kleine Erpressung, Man will dem Rumpftabinett Luther die Uiicntbehrlichkeit der Deutschnationalen demonstrieren und damit neue Auknüpfun- gen für die Zukunft vorbereiten. Selbstverständlich ist keine Rede davon, daß es zur Annahme des Vertrages von Locarno einer verfassungsändernden Mehrheit bedürste. Die Stimmen der Linksparteien genügen durchaus, um eine Mehrheit für die Annahme des Vertrages zu sichern. Aber die Situation ist heute offener als damals vor der Annahme der Dawes-Verträge. Damals waren nur die äußeren Umrisse des Handelsgeschäftes bekannt, das die Deutsch- nationalen mit ihrer politisckien Verantwortlichkeit treiben wollten. Heute weiß jeder im deutschen Volk, was die Teil- nabme der Deutschnationalen an der Regierung für die Innen-» Politik, wie für die Wirtschaft, wie für die Lebenshaltung der breiten Massen des Voltes bedeutet. Die offene Srrackze des „Lokal-Anzeigers" beweist, daß dieser verhstingnisvolle Kurs fortgesetzt werden soll. Man kann annehmen, daß solche AI'- sichten auch beim Rumpstabinett Luther nickst ohne Gegenliebe bleiben. Es ist eine falsche Rechnung, wenn das Rumpskabinett Luther seine Hofsnungen darauf setzt, daß die Sozialdemo- kratie als stärkste Oppositionspartei bei der Durchführung dieser Pläne Hilssstellung leisten werde. Weiß die Regierung Luther, üb er Haupt. wassiewillundwelcheMöglichkeitensiehat? Reichskanzler Lu t h e r hat unter allen Umständen mit den Deutschnationalen regieren wollen. Er hat a u f d i e S t i m- m e n der Deutschnationalen für den Vertrag von Locarno gerechnet. Diese Rechnung war falsch. Jetzt rechnet der Reichskanzler Luther auf die S t i m- m«n der Sozialdemokratie, Man spielt in der Presse mit dem Gedanken des Eintritts der Sozialdemokratie in eine große Koalition in diesem Reichstag, ja sogar mit dem Gedanken des Eintritts der Sozialdemokraten in eine Regierung unter Luthers Führung. Diese Gedankengange sind unmöglich. Luthe? ist der Exponent des Rechtskurses. Er bat st4 V V» v„rt csts Reichskanzler die 3tichtfinicn der Politik bestimmt., m der Richtung der Zusammenarbeit mit den Deutschnationalen. Cr l>at mit diesen Richtlinien einen so völligen Bankrott erlitten, wie ihn nur eine Regierung immer erleiden kann. Und jetzt sollte die Sozialdemokratie Herrn Luther aus allen Verlegen- hciten Helsen, in die er sich selber hineingebracht hat? Wir nehmen an, daß bei allen falschen Rechnungen, die Luther jetzt anstellt, er diese falsche Rechnung selbst nicht anstellen wird. Nein, diese Rechimng auf die Unterstützung durch die Sozialdemokratie ist falsch. Die Sozialdemokratie will die AuflösungdesReichstags. Di« Auflösung aber will wieder die Regierung Luther nicht. Was will sie denn also? Mit welchen Möglichkeiten kann sie praktisch rechnen? Spaltung bei öen deutschnotlonalen. Wie der Reichsdienst der deutschen Presse erfährt, beschäftigt man sich in parlamentarischen Kreisen der Deutschen Volkspartei eingehend mit der Frage einer eventuellen Spaltung der Oeutschnationalen Partei. Man berechnet die Zahl der Abgeordneten, die bei einer solchen Absplitterung und der Bildung einer Art von„F r e i k o n s e r v a t i v e n' in Betracht kämen, auf etwa 35. Die Gerüchte erhalten Nahrung durch die Ber- mutung, dah die„K r e u z z e i t u n g* einer solchen Richtung nicht ablehnend gegenüberstehen würde, was sich demnächst auch Hinsicht- lich der Person des Chesredakteur« auswirken soll. k Die Krise öes Linkskartells. Eine gemeinsame Besprechung der Fraktionen. Paris. 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Fraktionen des Linkskartells versammelten sich am Dienstag vormittag. um über die politische Situation zu beraten. Diese Versammlung ist auf Antrag der S o z i a l i st e n zustande gekommen, die wie er- innerlich, eine Interpellation über die finanzielle Lage eingebracht haben. Angesichts der gespannten politischen Situation dürfte diese Besprechung von größter Bedeutung für den Ausgang der schweben- den Krise sein. Ra�kowki Sotsthaster in Paris. Er und Krassin tauschen. Paris, 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.).Die französische Regierung hat ihre Zustimmung zu der Ernennung des bisherigen russischen Botschafters in London Ratio wsti zum Bot- fchafter in Paris gegeben. Rakowski wird am Mittwoch vor- mittag hier eintreffen und am Abend desselben Tages bei einem Bankett zur Feier des Jahrestages der Anerkennung der Sowjet- republik durch die französische Regierung den Borsitz führen. Der bisherige russische Botschafter in Paris Krassin wird zum Nachfolger Rakowskis in London ernannt werden. Er wird seinen Posten an- creten. sobald der Beschluß der russischen Kommission zur Reorgani- sierung des Außenhandels vorliegt. vom Dolchstoß-prozeß. Tie Abg. Kuttner und Landsberg als Zeuge. München. 27. Oktober.(25 DZ.) In der heutigen Lerhandlung wurde die Vernehmung des Zeugen Erich Kuttner fortgesetzt. R..A. Pestalozza geht in inner Fragestellung auf die von dem Zeugen angeführten Le- schwerden der Soldaten über Behandlung, Verpflegung usw. durch das Ossizierkorps ein und stellt die Frage, ob der Zeuge die Be- schwerden, die ihm zugegangen seien, eingehend geprüft oder ohne weiteres als richtig unterstellt habe. Der Zeuge antwortet, das sei ihm unmöglich gewesen, da er sonst ein. ganzes Bureau mit IOWA». gestellten hätte einrichten müssen. Es gebe ein bestimmtes Maß von innerer Wahrscheinlichkeit, wenn er eine persönliche Absicht in den Beschwerden festgestellt habe, dann seien sie für ihn erledigt gewesen. R.-A. pestalozza weist dann auf die Aussage des Majors cu M a n t e n hin, der festgestellt habe, daß man an maßgebender Stelle allen Beschwerden nachgegangen sei, und daß bei eingehender Prüfung dieser Beschwerden nur eine einzige begründet gewesen sei. Der Zeuge steht aus dem Standpunkt, daß das sehr gut möglich sei. Er habe schon darauf hingewiesen, daß für die Besänoerde- Hamburger Muswanöererhallen. Von Heinrich Braune. Die»Veddel�, eine der von Hafenbecken zerschnittenen und von den Eisengerüsten der Brücken wirr überkreuzten Hamburger Elb- inseln, zeigt im Süden das typische Bild großstädtischen Bebauungs- geländes. An den yrasdurchwachsenen Straßenzeilen strecken(ich Hunderte von Kleingärten der Hamburger Arbeiterschaft, ilnd hin und wieder erheben sich über dem freien Feld die kahlen Quadern nüchterner Kasernenblocks. Mittendrin haben groß und breit die Auswandererhallen der Hapag» der Hamburg-Amerika-Linie ihren Platz gefunden. Irgendwie springen mehr oder weniger klare Ge° fühle und Gedankenreihen auf, liest man vom oorbeiratternden Zug aus an den grauen Planken in großen Lettern.Auswanderer- hallen�, oder, wie es jetzt heißt,„lleberseeheim". Irgendwie abenteuerliche, ins Weite schweifende Gedanken sind es, die auftauchen, in die sich andererseits wieder ein unbestimmtes Grauen vor un° bekanntem Los, vor der grausamen Macht einer fremden Welt ein- mischt. Ein bittersüßes Mitgefühl ist es, das jene Lettern wecken, eine sonderbare Anteilnahme am Schicksat der Unbekannten hinter jenen Planken. Hier ist der Ort, wo alle, djL die Kreise ihrer Heimat- lichen Umwelt verließen, aus allen Winkeln des Kontinents zusammenströmen, wo ihnen noch in den wenigen Tagen unruhiger, nervöser Erwartung eine Scheinheimat vorgegaukelt'wird, wo alle die zu einem letzten Aufenthalt auf dem Festland der alten Welt gezwungen werden, die sich bereits längst von ihm gelöst haben, deren Gedanken drüben in dichtem Urwald oder auf weiter Steppe Luftschlösser bauen. Diese Gedankenreihen, die jene großen Lettern wecken, bleiben auch vorherrschend, wenn man hinter die Mauern dieser Kolonie kommt. Alles erhalt durch sie eine eigentümliche Beleuchtung, seinen besonderen Stimmungswert. Dieses Ueberseeheim ist ein Dorf, eine Stadt für sich, mit Kirchen und Synagoge, mit eignem Kranken- Haus und Kino, Alleen und Plätzen, von Pavillons und Hotels begrenzt, in denen 5000 bis 6000 Personen Unterkunft sinden. Eine dratonische, aber vom Standpunkt der Hygiene notwendige und wertvolle Ordnung zwingt jeden Quorantancvflichtigcn, sich zunächst einer gründlichen Reinigung und ärztlichen Untersuchung zu unter- ziehen, bevor er in die eigentliche Kolonie übergeführt wird, wo er sich dann frei, ungehindert, Bürger dieser Stadt der Auswanderer, bewegt. Ein sonderbares Lebensmilieu entwickelt sich hier. In der großen Garküche für die'Angehörigen der mosaischen Konfession achtel ein Beamter des Rabbinats peinlich genau auf koschere Be- reitung der Speisen, und in den großen Sälen hocken zur Mittags- zeit Angehörige oller Nationen. In den Straßen zwischen den Pavillons spielen Kinder, schwarzlockige Juden und Slawen mit flachegelden Haaren, Serben und Rumänen. Ihre Sprachen sind einander fremd, aber im Spiel oereinigen sie sich zu friedlicher Ein- trncht und natürlicher Verständigung. Auf den Bänken vor den Pavillons sitzen Frauen in bunter Nationaltracht oder in unschein- bare Tücher gehüllt, in sich versunken, den weiten grenzenlosen Blick des Heimwehs in den Augen. Männer gehen unruhig hin und her, blicken, on die Bäume gelehnt, abwesend in das unbejangene Spiel der Kleinen. Die niedrigen Dächer der Pavillons überragt ein Turm«cit roten Ziegeln. Die evangelische und katholische Kirche. kührer eine gewisse Gefahr bestand, sich öffentlich zu beschweren. Der Zeuge ist der Meinung, daß die Ilkaniischasten mit der Wahrheit aus Furchk vor Strafe zurückhaltend gewesen seien. R.-A. Pesta- iozza erklärt, daß sich der Zeuge bewußt sein müsse, daß alle diese Fragen wohl lediglich auf der persönlichen Autorität seines Urteil? beruhten. Der Zeuge kuttner antwortet, daß er im Lause seiner Vernehmung in der Lage gewesen wäre, einen großen Teil seiner Behauptungen mit Originalen zu belegen. Auf die Frage, welchen Eindruck auf Grund der eingegangenen Beschwerden er von seinem Standpunkt vis vaterlondslieoender Mann gehabt hätte, antwortet Kuttncr, er habe den Eindruck gehabt, daß diese ZNißstände eine ungeheure Gefahr für das Bakerland dargestellt hätten. Das Verhältnis zwischen Ossizieren und Mann- schatten sei immer gespannter geworden, es sei nicht mehr möglich gewesen, den Kampfeemut aufrechtzuerhalten. Das positive Moment der Begeisterung für das Vaterland fei durch dos negative Moment der Verärgerung durch schlechte Behandlung und Verpflegung zer- stört worden. Der Zeuge erklärt weiter, daß er es für seine Pflicht erachtet habe, all diesen Gefahren, die für das Vaterland bestanden, entgegenzutreten, wenn ihm die Möglichkeit dafür zur Verfügung gestanden hätte. Aber jede öffentliche Kritik sei unmöglich gewesen, da die Vorzensur alle Nachrichten unterdrückt hätte, die sich mit den Berhällnissen an der kampssronl und in der Etappe beschästioten. Auf die Frage, ob dem Zeugen bekannt sei, daß die„Süd- deutschen Monatshefte" bereits in früheren Heften ähnliche Klagen in Aufsätzen behandelt hätten, wie sie der Zeuge hier vorgetragen habe, antwortet Kuttner, daß ihm lediglich bekannt sei, daß auch rechtsstehende Persönlichkeiten öffentlich Kritik über die von ihm gleicherweise angeführten Zustände geübt hätten. Auch von einer Eingabe, die Professor Eoßmann am 29. September 1918 dem bayerischen Kriegsministerium über die bewußte Unterdrückung der Wahrheit über die tage an der Front durch die Regierungsstellen eingereicht habe, Ist dem Volke nichts bekannt. R.-A. pestalozza ersucht daraus den Zeugen, bestimmte Angaben über Personen zu machen, die sich zwar Sozialdemokraten nannten, nach seinem Dafürhalten aber nicht aus demselben Standpunkt ständen wie der Zeuge selbst. Zeuge kuttner antwortet, man müsse hier zwei Gesichtspunkte unterscheiden: die Frage der Vaterlandsverteidigung und die Frage der K r i e g s k r« d i t e. Er gebe zu. daß bei dem größten Teil seiner Partei und auch bei ihm dies« beiden Fragen miteinander identisch gewesen wären.- Es habe sich ober eine Be- wegung innerhalb der Partei gegen die Kriegskredite bemerkbar gemacht. Es handle sich um die sich dann entwickelnde USP.» Richtung. Er, der Zeuge, halte es aber für völlig falsch, wenn man behaupten würde, daß diese Herren keine Vaterlandsverteidiger ge- wesen seien. Er selbst habe Kautsky, Haast, Ledebour usw. gekannt. Cr habe immer den Eindruck gehabt, daß die USP. den Gedanken der Landesverteidigung immer hochgehalten hätte. Be- züglich der Kriegskredite hätte sie aber auf einem anderen Standpunkte gestanden. Während die Mehrheitssozialisten nicht an den Optimismus der Obersten Heeresleitung glaubten, habe die USP. immer an die Möglichkeit ausgedehnter Eroberungen geglaubt. So sei denn innerhalb der USP. der Claude stark ge- worden, daß der Krieg nur noch um der Eroberungen willen geführt werde. Aus diesem Grunde hätte sie sich dnnn sortgesetzt gegen die Kriegskredite ausgesprochen. Im übrigen hätte sich zwischen der USP. und der SPD. bold«ine Feindschaft ent- wickelt, die ost genug in persönliche Gehässigkeiten ausgeartet sei. RA. pestalozza fragt: Ist dem Zeugen bekannt, daß namhafte Führer der USP. bewußt zum Vorstoß gearbeitet haben? Zeuge: Ich verweist auf meine gestrigen Ausführungen in dieser Beziehung, in der oft genug der Name Ledebour gefallen ist. Ledebour ist aber sicher ein größerer Patriot gewesen als mancher andere. Ich selbst habe das Verhallen der USP. immer verurteilt. Ich glaube aber, daß die USP. die große Gefahr ihres Verhaltens nicht erkannt hat. Nicht zuletzt habe das Verhallen der Alldeutschen schließlich zum Zusammenbruch cm Jahre 1918 geführt. R.-A. Dr. Hlrfchberg legte Vorwahrung gegen diese Art der Befragung des Zeugen ein. Es entspann sich eine Auseinander- sttzung zwischen den beiden Parteien. R.-A. Graf pestalozza er- klärte, daß er noch lange nicht fertig sei, da der Zeuge noch kein Wort darüber gesprochen habe, ob er ein eigenes Wissen darüber habe, daß eine bestimmte Vorbereitung zum Um- stürz innerhalb des Heeres und der Marine bestanden habe. Der Präsident gab daraufhin die weitere Befragung des Zeugen zu. Genosse kullner erklärte sodann, daß in Berlin eine Kommission der revolutionären Obleute bestanden habe, an der«» Spitze der Die ewige Lampe dort glüht �rot aus dem Dämmer des Schisses. In der Nähe erhebt sich die Synagoge. Hinten sitzt irgendwo ein alter Jude und murmelt, über große Bücher gebeugt, uralte Gebete in heiliger Sprache. Rhythmisch pendelt der greise Kops beim Lesen von einer Seite zur anderen. Von draußen dringt das laute Rufen der Kinder herein, von dem Platz, wo Sonntags oder vor der Abfahrt der Dampfer sich alles versammell und die Schiffs- kapelle, die hier die letzten schweren Stunden durch lustige Weisen übertönt. Gegenwärtig sind nur wenige Hundert Austponderer hier anwesend. Die strengen Einwanderungsgesetze der Vereinigten Staaten beschränken ihre Zahl außerordentlich. Aber überall aus dem Kon- tinent kämpfen noch viele, denen die Heimat keine Erfüllung ihrer bescheidenen Wünscye und kargen Hoffnungen geben konnte, mit der letzten schweren Entscheidung, die der Anschluß bedeutet an den großen Strom der modernen Völkerwanderung, in dem Glauben, daß drüben eine neu«, möglichst bessere und glücklichere Existenz winke. Hier die Auswandererhallen werden der letzte Aufenthalt auf europäischem Boden sein, und für viele wohl die letzten Tage geordneter Zivilisation und Menschenwürdigkeit überhaupt! „Steppe und pußla". Unser Bezirksbildungsaus- s ch u ß hat für sein Winterprogramm die sehr glückliche Idee sie- habt, internationale Dolkstänze und Lieder in einer Reihe von Sonntagsveranstaltungen vorzusühren. Im großen Saal der Philharmonie sinden sie statt. T« r p i s, der Ballettmeister der Staatsoper, arrangiert sie. Die erste brachte Tänze und Lieder der Steppe und Pußta. Vornehmlich Tänze. Ungarische, polnjsche, rumänische, kroatische, russische und Zigcuner-Reigen-, Paar- und Einzeltänze. Upd zwar nicht in exakten Kopien, sondern gesehen durch das Temperament von Max Terpis. Also eigentlich moderne Tänze nach volkstümlichen ungarischen, polnischen, russischen usw. Motiven. Uebersetzungen alter fremder Volkstänze in das Deutsch der neuen körperrhythmischen Kunst. Ich fürchte zwar nicht, daß unser Publikum unfähig wäre, die echten Tänze mitzuerleben, denn im Tanz spielen Zeit und Rasse nicht die Rolle, die sie etwa in der Poesie oder in den bildenden Künsten spielen. Der Tanz spricht eine allgemeine Sprache, die allen Völkern und Epochen ver- ständlich ist. Aber das Kopieren ist nicht Sache jedes schafsenden Künstlers. Und wem der Tanz Ausdruck persönlichen seelischen Er- lebens ist. der kann fremde Tanzschöpfungen nur als Stoff und Motiv für eigenes Gestalten nützen. Jedenfalls wirkten diese „Uebortragungen", die Terpis mit dem Ensemble und einigen ersten Solisten der Staatsoper vorführte, nicht wie Kunst aus zweiter Hand, sondern sie rissen das Publikum hin mit der elementaren Wucht ursprünglicher Schöpfungen. Elisabeth Grube(Un- garischer Tanz), Harald Kreutzberg(Tartarischer Tanz), Dorothea Albu(Russische Tänze), D a i s y Spieß(Grusini- scher Tanz) und R u th Markus(Polnische Mazurka) wären be- sonders zu nennen. Terpis selber konnte als Tänzer leider nicht mit- wirken. Die weiteren Veranstaltungen sollen orientalische(6. De- zember), amerikanische(17. Januar) und deutsche Tänze(7. März) bringen. Vielleicht läßt es sich ermöglichen, daß in Zukunft die Szene ein wenig stimmungsvoller ausgestattet wird. Das herbstlich dürre Bäumchen, das am Sonntag als einsame Zierde aus dem Podium trauerte, wirkte gar zu power. I. S. viskgcmannte Emil Barth gestanden Hab«. Dem Zeugen sei bekannt, daß namentlich Emil Borth auf die Revoduion hingearbeitet habe, ihm sei aber auch bekannt, daß an dem Ausbruch der Revolutton in Berlin die Barth-Liebknecht-Gruppe völlig unbeteiligc gewesen sei. Sie hatte beschlossen, am 4. November loszuschlagen. Ledebour Hot aber das Losschlagen verhindert. Daraufhin sei als nächster Termin zum Losschlagen der 11. November bestimmt worden. Aber bereits am 8. November seien in vielen deutschen Großstädten die Kämpfe im Gange gewesen, die mit der Ausrufung der Republik endeten. R.-A. Pestalozza steltt dann fest, daß er den Eindruck gewonnen habe, daß der Zeuge Kuttner nichts von den revolutionären Be- wegungen gewußt habe. Auch Dr. Hirfchborg greift ein und ver- wahrt sich gegen die Art der Fragestellung durch die Gegenpartei. Der Zeuge Kuttner erklärt, er habe als Zeuge ausgesagt, was er wisse. Auf einige Fragen des Klägers, Professor Eoßmann, ver- wahrt sich der Zeuge dagegen, daß ihm Aeußerungen unterstellt werden, die er nie getan habe. Die Auseinandersttzung zwischen den Parteien und dem Vorsitzenden wie auch dem zeugen über die Wahrung der beiderseitigen Rechte nahmen lebhaste Formen on. so daß sich der Präsident gezwungen sah, die Befragung des Zeugen für beendet zu erklären. Zeuge Admiral v. Trotha hält gegenüber der Darstellung des Zeugen Kuttner seine Schilderung über den Verlaus der Unterredung mit Kutttcer in der Redaktion des„Vorwärts" aufrecht. Nschdem der zunächst geladene Zeuge Wels noch nicht eingetroffen ist, wird der Reichstagsabgeordnete Landsberg-Berlin als Zeuge vernommen. Cr gibt eine Schilderung der Haltung seiner Partei im Kriege, wobei er u. a. ausführte: Wenn ein Volt wie das deutsche, vier Jahre lang gegen die ganze Wett im Felde stand, abgeschnitten vom Ozean und den schwersten Entbehrungen aus- gesetzt, die sich so ziemlich auf alles erstreckten, was zum Leben notwendig ist, dann könne man sich nur wundern, daß es überhaupt vier Jahre lang ausgehalten hat. Ich glaube nicht, daß man nach irgendwelchen anderen Ursachen dos Zusammenbruches suchen darf. Während des Krieges ist auch von keiner Seite die Behauptung aufgetaucht, daß irgendeine Richtm-« am Werke sei, einen Zusammenbruch herbeizuführen. Trotzdem muß ich offen gestehen, daß ich diesen Angriff erwartet habe, und ich kann mich auf eine Rede beziehen, die ich selbst in einer Frat» tionssitzung meine« Partei kurz vor dem Zusammenbruch gehollen habe. Es wurde uns damals mitgeteilt, daß sich in allen Teilen des Reiches der Ruf nach Friede um jeden Preis erhob. Ich habe gewarnt, darauf zu hören, und habe erklärt, wir würden es zu büßen haben, denn ich sei überzeugt, daß dieselben Leme, die damals von uns den Frieden verlangten, wenn sie erst die Be- dingungen und Auswirkungen des Friedens kennen gelernt hatten. uns den Vorwurf machen würden, daß wir daran schuld seien. Für mich ist diese Dolchstoßlegende derselbe Vorwurf, den die Franzosen 1370/71 ihren Generalen machten, sie hätten ihr Vaterland an Deutschland verkausl. Während des Krieges hat man der Sozialdemokratie nicht nur keinen Vorwurf gemacht, sondern man hat sich ihrer in weitgehendem Maße bedient. Wan hat sogar Reichstagsabzeordnete zu den Soldaten sprechen lassen, um ihre Stimmung zu beeinflussen. So sollte ich noch am 8. November per Auto zu den Marine- Mannschaften gebracht werden, um sie zu beruhigen. Ich habe iii den Zeitungen gelesen, daß hier erklärt worden ist, die Meuterei bei der Marine habe zum Anlaß gehabt, daß die Flotte auslaufen und sich noch einmal zum Kampfe gegen England stellen solle. Ich erinnere mich auf das bestimmteste, daß mir vom damaligen Chef des Reiche- marineamts, Herrn Ritter v. Mann, versichert worden ist, best die Meuterei auf einem Irrtum der Leute beruhe. Es f i kein Gedanke gewesen, ihnen das sinnlose Auslaufen zuzumuten. E? hätte ja gar keinen Zweck gehabt, nochmals eine Seeschlacht auszu- nehmen. Der Zeuge fährt fort: Ich stel>e der Dolchstoßlep-.cde nicht mit Entrüstung, sondern mit Trauer gege.'. über, weil ich überzeugt bcn. daß die Dergistting der politischen Atmosphäre, die durch diesen Vorwurf bewirkt wurde, nicht so leicht bescttigt werden kann. Der Belagerungszustand in Bulgarien, der am Tag nach dem Attentat in der Kathedrale St. Wedilia verkündet wurde, ist ticin aufgehoben worden. Ob das nicht mir ein Formsache, die an der Weißen Terrorherrschast nichts ändert, wird sich bold zeigen. Bei der Präsidenlschaslswahl in Chile soll Sonor Figucroa mit groger Mehrheit gewählt sein. Der Kamps um das Warburger Kunsthans. Aus Hessen wiid uns geschrieben: Die Universität Marburg feiert 1927 chr 400jährige? Bestehen, Aus diesem Anlaß wurde in der Provinz Hessen-Nassau eine Sammlung unter Kommunen und Privaten veranstaltet, deren Ergebnis zum Bau eines Kun st Hauses, das der Universität anzugliedern sein würde. Verwendung sinden soll. Inzwischen ist das Geld beisammen: rund ein« Million Mark sind ausgebrochi worden. Die praktische Ausführung des Lorhabens könnte also bc- ginnen. Nun aber erhebt das preußische Finanzministe- r i u m Anspruch aus Planung und Ausführung des Baues, der ein Kun st denk mal unserer Zeit sein muß. Die Provinz hin- siegen fordert den freien Wettbewerb aller schaffende» und schöpferischen Kräfte der Bauwelt. Der Arbeitsausschuß der Uni- versität Marburg, der Oberpräsident der Provinz. Dr. Schwan- der, die Stadtverordnetenversammlungen und Magistrate Hessen- Nassaus, um nur Kassel zu nennen, der Bund deutscher Architekten, kurz gejagt, alle Instanzen der Provinz, die ein starkes Heimat- liches Interesse an der Jubiläumsgabe haben, fordern diesen freien Wettbewerb, gegen den das Finanzministerium sich mit Händen und Füßen sträubt. Warum? Das Ministerium begründet seine Haltung damit, daß es später die Unterhaltunozkosten für den Lau zu tragen hätte und daher nur allein am Bau interessiert sein könnte. Die Unterhaltungskosten ober entstehen aus alle Fälle, gleichviel. wer das Gebäude errichtet. Ferner wird behauptet, die Beamten des Ressorts„Bauobteilung" arbeiten schon seit Jahresfrist an ts>n Entwurf, der zur Begutachtung der Akademie des Bauwesens voc- gelegt werden sollte. Bis heute aber ist der Entwurf noch nicht vorgelegt worden, obwohl die Behauptung schon einige Monate zurückreicht. Das Verholten des Finanz- Ministeriums hat bereits bedenttiche Folgen gehabt. Unter den Stiftern macht sich'' ein« tiefe Mißstimmung bemerkbar und man hört bereits von Leuten, die willens sind, ihre Stiftung rück- gangig zu machen, weil die Behandlung, die der ganzen An- gelcgenheit in Berlin zuteil wird, den berechtigten Fordeniugen der Einwohner und der Baukünftlcr durchaus nicht entspricht. Was den freien Wettbewerb um den Entwurf angeht, sei noch bemerlt, daß es jedem Beamten der Bauabteilung natürlich freisteht, sich zu be- teiligen. Auch die Frage der Bauausführung soll durchaus kein Streitgegenstand sein. Es handelt sich hier nur um den Entwurf zu dem Kunsthaus. Das Finanzministerrnm mag sich darauf gefaßt machen, daß auch die Landtagsabgcordneten des Hessen- nassauischen Wahlkreises, die bereits über den Gang aller bisher gepflogenen Verhandlungen unterrichtet sind, keine Schritte unversucht lassen, um der Provinz zum Recht zu verhelfen. Zm verein für venljches Kunstgewerbe(bricht Mittwoch, den 28., Kapellmeister Dr. Max BurkbardI, Sellin, über, D a« Crchelter u» b leine Instrumentation', mit musitalischen EriZuterlingen. Der Bortraa findet im Hörsaale de» alten Kunttaewerbe-Museum», .Prlnz-Albrechl-Strahe 7», statt. S-g'nn pünkil-ch 8 llbr abend» COiliitl». arten am saaleinganze.— Da» Winterpiorramm 1925/28 de» Ne.e roivb aus Anruf durch Fernsprecher, Llltzow 4087, kostenfrei durch die Ge- schäsisslcllc zugesandt. Splehilan-Aeiderung. In der Städtitchen Oper wird am Sonntag, de« 1. November, 7'/, Uhr(Turnu» IZ.Diegledermau»' gegebe». Die S'adtvdpordnetenwahfen in Berlin MMsmwMKM soziale Semin- Ariel sthafis- Ssr.d ZI Seeisch- i7 A ßflkische oaziai- Ssvfsch- ßsiifsch: fammo- Sem- f/.S.P. demokrekn rsiwreie i/aiksjjdrki msfsn krafen X" Die Sladtrierocdneicnwohlen haben der Viermillioncngcmeinde an Stelle der bisherigen bürgerlichen Mehrheit eine sozialdemokratisch- kominunistische Mehrheit gebracht. Don den bürgerliche» Parteien hat besonders die Deutsche Dolks- parle! einen tataskropholen Rückgang(von Z5 aus 14 Mandate) zu verzeichnen. Unsere Slatislii gibt eine Gegenüberstellung der Mandatsergebnisse bei den Wahlen von 132! und 1325. wobei zu berücksichiigen ist. dah 1321 die SPD. und USP2. noch getrennt wählten. Die Wahlbeteiligung war diesmal nur schwach: über 1 Million Wähler gingen nicht zur Urne. Nach einer Mitteilung des Städtischen Wahlamts bei Redaktionsschluß verteilen sich die Stadtverordnetensthe ans die einzelnen Fraktionen folgendermaßen: Sozialdemokraten in den Bezirken öS, Sladtliste S. zusammen 73: Deutschnationale 4g bzw. 7. zusammen 47: Deutsche Dolkspartei? bzw. 7. zusammen 14: Kommunistische Partei 35 bzw. 8, zusammen 43; Demokratische Partei 12 bzw. 3. zusammen 21; wirtschasls- parte! nur auf der Stadtliste 10: Zentrum ebenfalls nur Stadtliste 8, Unabhängige 1. Dölkische 3. Deutsch- soziale 3, Evangelische 2. Insgesamt sind also 153 Stadtverordnete in den Bezirken und Kö aus Grund der S l c d>- listen gewählt. die Abstimmung in öen öezirken. Entwicklung. Wir sprechen gern vom Zeitalter der.technischen Superlative". in dem wir uns befinden. Was man so gern„rasende Entwicklung" nennt, ist jedoch schließlich nur der Ausdruck unseres Lebensstils, dessen Tempo sich, dies nicht nur speziell genommen, vervielfacht hat. Wenn die Architekten des Lahres 1S25 von gigantischen Ueber- sührungen, Tunnelbauten, Wolkenkratzerprojetten sprechen»nd Ber- lins Elektrisierung in des Wortes wahrster Bedeutung in fast be- «ngstigender Ernsthaftigkeit diskutieren, so ist dieser kühne„Amcri- kamsmus" doch nur eine Bedürfnisdemonstration der Zeit, die wir nicht erarbeitet haben, sondern die uns als Zwang in den Schoß siel. Wir haben sehr kühne und wackere Männer gehört, die uns den Potsdamer Plag in fast phantastischer Verbrämung aus dern Papier zeigten, mit Bogenüberführungen, mit Fußgängerbrücken und mit einer idealen Straßenbahn, die nicht eine halbe Stunde auf die Passierfreiheit wartet. Kluge Leute sahen förmlich die Quadersteine in den chimmel wachsen und träumten von einer Revue imposanter Wolkenkratzer, die New Parks Längenmaß sozusagen in den Schatten stellen sollten. Was haben wir alles fest der Revolu- tion projektiert, und wieviel Zeit wurde in hitziger Casthausdis- k. ssion verloren. Manches verwässerte natürlich das schmale Budget der wirtschasllich unerträglichen Zeit und der Besitz, der für das Uebsl flüssigste, wenn es seinen Bedürfnissen entgegenkommt. Geld in Füll« übrig hat. versogt immer da. wo er der Allgemeinheit Förderndes fundieren kann. Wir wollen es doch einmal recht beut- lich sagen. Die„Ideenerfüllthelt" Berliner Architettur-Projekte. macher bekommt mit der Zeit etwas peinlich Lächerliches, wenn wir sahen, daß w i r die Worte, andere die Taten machen. Es sei nur auf das chamburger Hochhaus mit seinen kühnen architekto- vischen Experiineiüen. auf Frankfurt a. M. und Köln hin. gewiesen, um zu beweisen, daß in der Provinz Krast und Aus. führung und in Berlin leider nur zu oft das große Mundwerk ist. Es ist notwendig, sich selbst ven Zeit zu Zeit solche bittere Wahr- heilen zu sagen. Selbstzufriedenheit allein macht es nicht. Wir müssen verlernen, mit einem heiteren und einem nassen Auge auf die„Niederungen" des„Provinzialismus" herunterzuschauen. Leistung ist alles, ob sie nun in Berlin oder Kötzschenbroda geschieht. Und darauf allein sollten wir uns einstellen. kinüesmorü einer geistesgestörten Mutter. Die Täterin bereits verhastet. Die 22 Jahre alte Arbeiterin Margot Jahnke in Berlin- Rudow, die bis gestern mit ihrem Freund, dem 21 Jahre allen Ewald P.,'Ol der Wißmanizstraßc 50a in Rudow zusammen wohnte und Ibln die Wirtscha?l führte, ist wegen Kindesmordcs vcr- hastet worden. Dos Mädchen ist, wie festgestellt wurde, geistig nicht ganz normal. Aus dem Verhältnis mit dem jungen Mann ging vor neun Wochen ein Kind hervor, mit dem die Mutter in der gemeinsamen Wohnung blieb. Nachdem P. gestern morgen nach seiner Arbeits- stelle gegangen war, sah man das Mädchen gegen 9 Uhr das Haus verlassen. Als nun P. abends von der Arbeit heimkehrte, fand er das Kind tot im Bette liegen. Die Mutter hatte es m I t einem Selbstbinder erdrosselt, dann verschiedene Sachen zusammengepackt und die Wohnung verlassen. Die Kriminalpolizei vennutete,' daß das Mädchen zu seiner Mutter in der Wilsnacker Straße gegangen sei. Diese Annahme bestätigte sich. Beamte nahmen das Mädchen heute früh in der Wohnung der Mutter fest. Sie wird dem Amtsgericht Neukölln vorgeführt und z u n ä ch st a u f ihren Geisteszustand untersucht werden. Wahrscheinlich hat sie in einem Anfall von Geistesgestörtheit gehandelt. Tie Fertigstellung der Berliner Schnellbahnbauten. Wie wir erfahren, ist mit der Fertigstellung der zurzeit im Bau befindlichen Schnellbahnen, der Verlängerungen der Nordsüdbahn nach Neukölln und bis zum Tempelhoser Feld e r st für Februar des kommenden Jahres zu rechnen. Zu diesem Termin dürfte voraussichtlich die Neuköllner Strecke über den Hermannplatz hinaus bis zum Rathaus in Neukölln in Betrieb genommen werden, während von der am Bahnhos Belle- Alliance-Straße abzweigenden Linie der Bahnhof Dreibund- Straße eröffnet werden wird. Weuerkampf zwischen Kriminalbeamten und Einbrechern. Gestern abend gegen 8 Uhr kam es in der Langestroße zwischen Kriminalbeamten und einem Einbrecher zu einem jzeuerkamps, bei dem der Einbrecher schwer verletzt wurde, so daß er in ein Kranken» haus gebracht werden mußte. Der Kriminalkommisiar Dr. Annuschat und seine Beamten hatten in Erfahrung gebracht, daß einer der Einbrecher, die am 9. Oktober in Nowawss bei einem Einbruch in ein Zigarrengeschäft in der Uhlandstraße von Polizeibeamten über- roscht worden und mit ihnen in ein Feuergesecht gekommen waren, in einem Lokal Ecke Koppen- und Langestraße zu oerkehren pflegte. Di« Beamten holten den Mann aus dem dichtbesetzten Lokal heran». Zuerst ging er anscheinend auch gutwillig mit. In der Langestraße jedoch riß er sich plötzlich los, Holl« eine Waffe aus der Tasche und drang auf Dr. Annuschat ein, der auf den Ein- brecher schoß, worauf dieser zusammenbrach. Eine große Anzahl Leute, die aus dem Lokal herausgekommen waren, um den Ber- brecher abführen zu sehen, nahmen jetzt gegen die Kri- m i n o l b e a m t e n Stellung. Diese sorgten für die lieber- führung des Schwerverletzten nach dem Staatskrankenhaus in der Scharnhorststraße. Hier wurde ein aus dem Feuerkampf herrührender Bauchschuß ermittelt, ferner aber auch noch eine ziemlich frische Schußwunde im Oberarm, die der Verbrecher, der ein ge- wisser Franz Schrey aus Gelsenkirchen sein soll, bei einem Einbruch in Nowawes erhalten haben soll. Die erste Probe aufs Cxempel. Im Berliner Rathaus tagte heute vormittag die gemischte Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten über den Erwerb der Hochbahn. Bekanntlich hat nach dem Kon- zessionsvertrage aus dem Jahre 1897 die Stadt erstmalig am 5. November 1925 das Recht, ihre Absicht, die Hochbahn am 5. November 1927 zu erwerben, anzukündigen. Macht sie von diesem Rechte Gebrauch und erklärt sie heute ihre Absicht, die Hochbahn anzu- kaufen, dann ist diese Erklärung rechtsverbindlich und kann nicht rückgängig gemacht werden. Der Kausprers richtet sich dann nach den Bestimmungen des Vertrages, der für heutige Ver- hältnisse überhaupt vollkommen undivkutabcl ist. Selbst für die Zell des Vertragsabschlusses' ist es ein starke» Stück, daß die damals regierenden liberalen un6 freisinnigen Stadtvätcr einen solchen Halsabschneidero»ttrag unterzeichnen konnten. der es geradezu darauf absieht, die Hochbahn für immer in Besitz der privaten Gesellschaft zu lassen. Schon vor Monaten herrschte deswegen in der gemischten Deputation Uebereinstimmung darüber, daß auf Grund dieses Vertrages unter den heut! i Verhältnissen ein Ankauf der Hochbahn gar nicht in Frage kommen könne. Der heutigen Sitzung wurde deshalb allgemein nur formelle Be- deutung beigemessen. Zum allgemeinen Erstaunen verlangte aber der Kommunist S t o l t, daß die Stadt sich zum Ankauf der Hoch- bahn bereit erklären soll. Ofsenbar hat Herr Statt so großes Zu- trauen in die deutsche Rechtsprechung, daß er eine wesent- liche Aerbesserung des Vertrages und eine Auslegung zugunsten der Stadt von den Gerichten erwartet. Der neue Kurs der KPD. scheint offenbar darin zu bestehen, daß man der Sozialdemokratie zutraut, alle möglichen Phantastereien mitzumachen, deren Kosten dann die Sozialdemokratie und die Berliner Be- völkerung zu tragen hätten. Auf diese Aussicht verzichten wir dankend. Die KPD. wird sich schon bemühen müssen, etwas mehr dem Erdboden nahezukommen, wenn sie mit Crsolg im Roten Haus Politik betreiben will. Pelze für's Volk. „Die Nutznießung der Kleintierfelle muß dem Erzeuger zugute kommen!" Dieses Wollen findet seine werbende Unterstützung und seine praktische Durchführung in den Pelznähkursen für Züchtersrauen. Welche ungeahnten Verwendungsmöglichkeiten in den Kaninchenfellen stecken, sah man bei der Pelz- Modenschau des Verbandes Brandenburgischer F ra u e n g ru p p e n, die in der Brunncnstrahe, im Lokal von Oswald Berliner stattfand. Der Moderichtung von heute ent» sprechend präsentieren sich als neuestes Zuchtergebnis die E h i n ch i l l a- K a n i n ch e ii. Ihr Fell ähnelt wirklich dem der echten Chinchilla. Schwarzlah läßt sich hervorragend in Fuchsform als Pelz verwenden, Riesensilber ergeben Biberett, und andere Felle lassen sich wie Skunk« färben. Selbstverständlich werden auch viele Kaninchen, vornehmlich Hermelin, Angora und blaue Wiener natür- lich verarbeitet. Als Meisterwerke der Pelznähkunst waren Chaiselonguedecken ausgelegt. Eine dieser Decken wurde aus sechzig Fellen hergestellt. Hübsch machen sich auch P e l z k i s s e n, wobei erwähnt werden soll, daß manches Fußkissen ans lauter kleinen Abfällen angefertigt wurde. Geht ein krankes Kaninchen ein, so kann man nicht sein Fell, wohl aber noch das Leder zu Kappen usw. verwenden. Eingcfärbt sah man ferner nach, als Damenpelze verarbeitet, Ziegen und Hunde. Ein natur- färben verarbeiteter Hund nahm es, was die Schönheit anbelangt, unbedingt mit seiner wilden Vetternschaft Fuchs und Wolf auf. Ter religiöse Sozialismus zur gegenwärtigen Lage. Der Kreis der„Blätter für religiösen Sozialismus" veron- staltetc vom 18. bis 25. Oktober eine akademische Arbeits- wache in den Räumen der Deutschen Hochschule für Politik. Etwa 160 Altakademiter und Studenten aller Berusskreise hatten sich zur Teilnahme eingesunden, unter ihnen auch ein Anzahl Mitglieder der Vereinigung sozialdemokratischer Studenten von der Universität Berlin. Eröffnet wurde die Arbeftswoche durch eine kurze Ansprache des Genossen Karl Mennicke, Direktor des sozial-polit' scheu Seminars Berlin, in der er die Erschienenen herzlichst begrüßte und darauf hinwies, daß diese Tagung nicht den Charakter eines Kongresses habe, sondern, daß im wahrsten Sinne des Wortes akademische Arbeit geleistet werden solle. Ober- regierungsrat Dr. Hans Simons bewillkommte in Namen der Deutschen Hochschule für Politik die Teilnehmer mft dem Wunsche, daß auch diese Tagung dazu beitragen möge, über dos Technisch- Praktische hinaus politische Arbeit im wahren Sinne des Wortes zu leisten. Gesamtthema der Tagung war: Die gegenwärtige Lage und der religiöse Sozialismus. Am ersten Tage sprach Prof. Lic. Dr. Paul Tillich(Universität Marburg) über die geistige und religiöse Lage, wobei er ausgehend von der Entstehung des Kapitalismus und dem Geiste der bürgerlichen Gesellschaft die heutige geistig-seelische Notloge des Proletariat« kennzeichnete. Am nächsten Tage erörterte Prof. Dr. Eduard Heimann(Universität Hamburg) die volkswirtschaftliche Lage. Nach eingehenden wissenschaftlichen Betrachtungen des kapiialisüschen Wirtschaftssystems, des Klassenkampfes, der Inflation und Zollpolitik kam er zu dem Schluß, daß die heutige Wirts chastsiori» den sozialen Erfolg entbehrt. Die weltpolitische Lage be- leuchtete Dr. jur. Arnold Wolfers-Berlin, der die neuesten Pro- bleme: Sicherheitspakt, Völkerbund, Abrüstung und Pazifismus einer scharfen politisch-wissenschaftlichen Kritik unterzog. Regierungsrat Dr. Adolf Loewe(Statlstlsches Reichsamt Berlin) sprach über die weltwirtschaftliche Lage und am folgenden Tage Direktor Karl Mennicke über die innerpolitische Lage. Dos letzte Referat dieser Arbeitswoche hatte Dr. Alex Rüstow-Berlin übernommen, worin er die gesellschaftliche Lage erörterte. Den einzelnen Vorträgen schlasse-i sich eingehende Diskussionen an. Die Tagung fand ihren Abschluß durch eine würdevolle Feier in den Räumen des Lessing- Museums, wobei man sich über die weitere Arbeit verständigte. Be- sonders wertvoll für die A r b e i 1: e r s ch a s t ist die Arbeit dieses Kreises gerade dadurch, daß hier Menschen, die aus der bürgerlichen Sphäre'stammen, mit w i s s e n s ch a j t l i ch« m und seelichcm E r n st e die soziale Not des Proletariats sehen und yj ihnen kommen, um zu helfen. In diesem Sinne war auch das Wort von Professor Heimann zu verstehen:„In einer gottlosen Welt ist Gott am meisten mit denen, die ihn leugnen. Wo große Not ist, ist sicher auch Gott!" Sonutags-Sondcrzug»ach Haurburg. Am Sonntag, den 1. November, verkehrt, ausreichende B*- telligung vorausgesetzt, em Sonntagssonderzug 4- Klasse von Berlin nach Hamburg. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt bei ZZ'b Proz. Fahrpreisermäßigung von Berlin, Lehrter Bahnhos, 12.80 M. Fahrkarten werden auch von Spandau für 12,30 M. und von Nauen für 11,30 M. ausgegeben. Absahrt ab Berlin, Lehrter Bahnhof, 0,20 Ilhr vormittags, Ankunft in Hamburg 11,17 ilhr, ab Hamburg 0,53 Uhr nachmittags und an Berlin 12,30 nachts. An Ver- anstaltungen sind vorgesehen: Führungen durch Hamburg, Hafenrundfahrten, Besichtigung der H.isenanlagen und Werfte',. Führung durch Hagenbecks Tierpark, Mittagessen im Tierpark.— Der Fahrtartenverkauf beginnt am Mittwoch, den 28. Oktober, bei den Fahrkartenausgaben Lehrter Bahnhof, Schlesischer Bahnhof, Spandau, und Nauen, sowie bei folgenden Ausgabestellen des Mittel- europäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhöf, Bahnhos Friedrich- straße, Wertheim, Leipziger Straße. Kaufhaus des Westens, Hapag, Unter den Linden 8, Reisebnremi, unter den Linden 57/58. Ver ungeklärte Tod des Arbeiters Weykops aus der Palisaden- slraße 17 beschäftigt die Kriminalpolizei weiter. Eine Reihe von Zeugen wurde vernommen. Festgestellt wurde, daß die Ehevcr- hält nisse nicht besonder« gut waren und daß auch der erste Mann der Frau Wcykopf an einer Gasoergistung gestorben ist. Die Frau bestreitet im Kranketchause jede Schuld an dem Tode ihres Mannes. Beamte der Gasanstalt untersuchen heute die Gas- l e I t u n g in der Wohnung, um bestimmt festzustellen, ob sie dicht ist oder nicht. va» v»lk,bildungiamt«emickendors vcranstaltel nm Dienstag, ber 27. Oktober 1925, abends 7'/, llhr. in der Aula des Rcalgyninasiums ir "ieinickcndoil. Berncr Straße, ein Konzert des Mozart-Iiiizendchors. Zum Dorlrag gelangen vierstimmige Cbörc von Mozart, Weber, Mendel«,»?!,. Bartholdh n. a., iowic die Ballade für Sprcchchor„Der 0- ockeuziij: von Breslau", und heitere Deklamationen. Freiwilliger Tod für einen Ehebruch. Im dclitschböhmijchei, Grenzorte Lindenau bei Bäh misch- Zwickau hatte der Fellhändler Wazel, der in glücklicher Ehe lebte, sich doch in einer schwachen Stunde zu einem ehelichen Fehltritte verleiten lasse». Dafür hat er sich selbst eine furchtbare Strafe diktiert: er ging hin und erhängte sich. Ein flüchtiger Oberposksekretär. Der Oberpostsetretär Georg Schuch vom Postamt in D ü r e n ist seit Sonnabend morgen unter Mitnahme von 3 0 000 Reicb-mark flüchtig. Schuch, ein geborener Elsässer, ist im Vesiü eines französischen Reisepasses. See Partei. Die Destotlung unserer verstorbenen Genossin Eliie Barlell findet im Krematorium in Hannover statt. Die Leiche i»irk heute nachmittag von Berlin nach der Heimatstadt der Verstarb e-ien Hilde-heim, übergeführt. Die Leiche wird dort im Gewerklchaslchaut aufgebahrt. Am Donnerstag, um 4'4 Uhr, findet eine Gedenkfeiei statt. Der Parteivorstand"wird durch Genossin Iuchacz, du Reichstagsfraktion durch Genossin Bohm-Schuch vertreten sein tAewer�schastsbswesung �fTi'Sunüesausschuß und Neichswirtfthafisrat. Im»eiteren Verlauf der ZlfA-Bundesausfchußsitzung referierte er Butab-Geschästsführer Schweitzer über de» Entwurf eines Gesetzes über den endgültigen Reichswirtfchaftsral und den Entwurf zur Ausführung dieses Gesetzes. Die lebhafte Aussprache führte zur einstimmigen Annahme der nach� stehenden Entschließung: Der Bundesausschuß des Allgemeinen freien Angestelltenkundes hat in seiner«itzung vom 26. Oktober 1925 von dem wesentlichen Inhalt der Reserentenentwürse eines Gesetzes über den Reichswirtschaftsrat und eines Gesetzes zur Ausführung des Gesetzes über den Reichswirtschaftsrat Kenntnis genammen. Er bedauert, den Referentenentwürfen in der vorliegenden Fassung vor allem aus folgenden Gründen nicht seine Zustimmung geben zu können: 1. In den Referentenentwürfen ist mit keinem Wort von einer Aenderung des bestehenden Zustandes in der Unterstufe der ösfentlich-rechtlichen Wirtschaftsvertretungen, d. h. bei den I n d u- strie- und Handelskammern, den Handwerks- k a m m e r n und Landwirtschaftskammern, die Rede. Daraus muß der Schluß gezogen werden, daß die Regierung be- absichtigt, diese Kammern als reine Unkernehmerverkrekunge« weiterbestehen zu lassen. Diese Absicht ist mit dem Wortlaut und Sinn des Ar- tikels 165 der Reichsoerfassung, der die Arbeiter und Angestellten dazu beruft, gleichberechtigt mit den Unter- nehmen,„an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produk- tioen Kräfte mitzuwirken", unvereinbar. Sie fordert um so mehr zum Widerspruch heraus, als der V e r f a s s u n g s a ti s s ch u ß des Vorläufige» Reichswirtschaftsrates bereits Ende 1922 L e i t- sätze für die Umgestaltung dieser Kammern verabschiedet hat. Es muß deshalb gefordert werden, daß gleich- zeitig mit der Schaffung des endgültigen Reichswirtschofts- rates die Umgestaltung der bestehenden öffenllich-rechklichen Berussvertretungen im Sinne einer gleichberechtigten Mitwirkung der Arbeiter und Angestellten an der Lösung chrer Aufgaben vorgenommen wird. 2. Durch die Absicht, neben den Abteilungen der Unter- n e h m c r-(I) und der Arbeitnehmervertreter(II) noch zwei Abteilungen(III und IV), die zusammen mehr als ein Drittel der Mitglieder des endgültigen Reichswirtschaftsrates ümfasien sollen, an Stelle der im Vorläufigen Reichswirtschaftsrat bestehenden Abteilung III zu bilden, würde der Einfluß der Zlrbeitnehmer auf die gutachtlichen Entscheidungen des Neichswirt- Ichastsrates noch weiter beeinträchtigt als seicher. Dazu kommt, daß durch die beabsichtigte Zusammensetzung der küastigen Abteilung III die Parität im endgültigen Reichswirtschaftsrat entscheidend z u- Ungunsten der Arbeitnehmer durchbrochen würde. Es muß gefordert werden, daß es auch im endgültigen Reichs- wirtfchastsrat bei drei Abteilungen bleibt, daß die dritte Abteilung im Verhältnis zu den beiden anderen Abteilungen nicht stärker wird als sie im Varläufiaen Reichswirtschaftsrat ist, und daß sie eine Zusammensetzung erhält, die Gewähr dagegen bietet, daß die Parität zuungunsten der Arbeitnehmer verletzt wird. 3. Entschieden muß der aus den Refereiüeneiüwürsen erficht- lichen Absicht widersprochen werden, den endgültigen Reichs- wirtschaftsrat vollkommen an das Gängelband der Regierung zu nehmen. Diese Absicht tritt nicht nur in den Bestimmungen der M 31(Vorsitz in den Ausschüssen), 26(Bildung von Sonder- ausschüssen) und 39(Abhaltung gemeinsamer Atisschußsitzungen) zu- tage, sondern vor allem in den Bestimmungen über den Ausschuß zur Untersuchung tatsächlicher Verhältnisse auf wirtschasis- und sozialpolitischem Gebiet. Diese Bestimmungen in den Referenten- entwürfen müssen so geändert werden, daß die unabhängige und s e l b st ä n d i g e S t e l l u n g des Reichswirtschaftsrates gegen- über der Regierung gesichert erscheint. Was die Vertretung der Angestellten im endgültigen Reichswirtschaftsrat anlangt, so hat der Ausschuß Bedenken gegen die dehnbare und unklare B e st i m nr u n g des Referenten- entwurfes für das Ausfiihrungsgesetz. wonach sich unter den 11 Mitgliedern der Abteilung II„in angemessener Zahl" Vertreter der Angestellten befinden müssen. Es muß ge- fordert werden, daß den Angestellten eine solche Zahl von Per- t-etern im Gesetz gesichert wird, daß wenigstens die wichtigsten Verufsgruppen der Angestellten eine ständige Vertretung im Reichswirtschaftsrat bekommen. Der Bundesausschuh beauftragt den Bundesvorstand, diese Forderungen gegenüber der Regierung und dem Reichstag mit Nach- druck zu oertreten. Er ersucht die sreigewerkschostlicheu Angestellkenoer kreker im Verfassungsaasschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates darauf zu achten, daß diese Gesichtspunkte auch bei der Begutachtung der Referenten- entwürfe durch den Verfassungsausschuß berücksichtigt werden. Die Stellungnahme des AfA-Bundesausschusies zum Ar b e i t s- erichtsgesetz und zum endgültigen Reichswirt- ch a f t s r a t wird bei der Verabschiedung der Gesetze berücksichtigt werden müsien. Oer Streik im kohlengroßhanöel. Die Sohlenhändler wollen sich rcchkferligea. An den Eingängen zu den Kohlenplätzen prangte heute morgen ein Plakat folgenden Inhalts: „An die Arbeiter des Kohlenhandels! Trotzdem unsere Beauf- tragten in den Verhandlungen am 21. d. M. ihre Bereitwilligkeit zu weitgehenden Zugeständnissen des Spruches des Schlichtungs- ausschuiies vom 2. d. M. zum Ausdruck gebracht, und trotzdem der Schlichter noch nicht seinen Spruch gefällt hat, ist heute die Arbeit niedergelegt worden. In Anbetracht dessen, daß es sich hier um einen wilden Streit handelt, fordern wir hiermit die Arbeiter auf, die Arbeit unoer- zllglich auszunehmen und zwar zu den bisherigen Sätzen, bis eine rechtsgültige Regelung getroffen ist. Berlin, den 26. Oktober 1925. Verband der Berliner Kohlengroßhändler E. V." Dieser Schreckschuß hat die beabsichtigte Wirkung verfehlt. Die Reihen der Streikenden sind durch solche Kniffe nicht ins Wanken zu bringen. Die Kahlenarbcitcr und Kutscher wissen, daß ihnen der Lohn, der ihnen vom SchlichMngsausfchuß. vom 2. Oktober ab zugesprochen war, von den Untern eh m e r n v o r e n t- halten werden sollte. Wenn bei den Arbeitgebern die Bereit- Willigkeit, mit der sie hier prahlen, wirklich vorhanden wäre, dann hätten sie sich ohne weiteres bereit erklärt, die Lohnsätze a b 2. Oktober zu zahlen, zumal die Arbeitnehmer ihre Bereitwillig- keit erklärt haben, die Geltungsdauer des Vertrages um weitere zwei Wochen zu verlängern. Um die Sache der Arbeitgeber muß es schlecht bestellt sein, wenn sie zu solcheü fäulen Ausreden ihre Zu- flucht nehmen mülsen....... 25 Kohlenfirmen haben den Vertrag bereits a n e r- t a n n t. sa daß mit einer baldigen Beilegung des Kampfes auf der ganzen Linie zu rechnen ist.' Ter Tarifkonflikt bei der Hochbahn. Der Schlichter für Groh-Berkin,- Abg.- Wisiell, beschäftigte sich am gestrigen Montag mit dem A n.t r.a g d.e r. H o ch b a h n g c s e l!- s ch a s t auf V e r b i n d l i ch k e i t.s e r k! ä r u n g des vom Schl ch-. tungsausschuß gefällten Schiedsspruches über den Manteltarif für das Fahrpersonal. Nach Zlnhörung der beiden beteiligten Parteien behielt sich der Schlichter seine Entscheidung vor. Arbeitsniederlegung in der Likörfabrik Kahlbaum. Bom Verband der Lebensmittel- und Gctränkearbeiter wird uns mitgeteilt, daß die bei der Firma Kahlbouin beschäftigten Ar- beiter am heutigen Tage wegen Lohndifserenzen die Arbeit nieder- gelegt haben. Das alte Lohnabkommen hatte am 15. Oktober sein Ende erreicht. Ein vom Schlichtungsausschuß gefällter S ch i e d s- spruch ging dahin, daß ab I. November 1925 bis 23. Februar 1926 eine Lohnerhöhung van wöchentlich 1,59 M. eintreten soll. Die Streikenden finden diese Lohnzulage und die Dauer der Festsetzung den heutigen Verhältnissen nicht entsprechend. Weder zu einer Er- höhung der Löhne noch zu einer Verkürzung der Dauer des Lohn- obkommens war die Firma bereit. Tie AuSsperrungswut in der chemischen Industrie. Der Kampf in der chemischen Industrie nimmt gewaltige Dimensionen an. Der Arbeltgeberverband hat seine Drohung, den Streik mit einer'Aussperrung zu beantworten, in die Tot um- gesetzt und will durch diese Maßnahme erreichen, daß die Arbeiter des Frankfurter Bezirkes bis zum 31. März 1926 aufjedeLohn- erhöhung verzichten. Trotzdem bekanntlich in den weitaus meisten Bezirken der chemischen Industrie eine Lohnerhöhung von 5 bis 7 Pf. pro Stunde bewilligt wurde. Bisher hat der Arbeitgeberverband noch mit keinem Worte begründet, w e s» halb nun gerade für den Frankfurter und badischen Bezirk diese Lohnerhöhung nicht bewilligt werden könne. Soweit bis jetzt übersehen werden kann, werden im Lauf« der nächsten Tage in einer großen Anzahl Betriebe 15113 Ar- beiter, nach Ablauf der Kündigung, die in einer Anzahl Betriebe ausgesprochen ist, weitere 5699 Arbeiter ausgesperrt. Dazu kommt die Zahl der Streikenden von 6299, sodaß insgesamt im Verlause der nächsten Woche etwa 27 009 Arbeiter in den Kamps hineingezogen werden. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß den Arbeit- g e b e r n anscheinend bei ihrer Aktion nicht wohl zumute ist. Ein Teil sperrtüberhaupt nicht aus, ein anderer Teil k ü n- digtaufllTage, obwohl überhaupt keine Kündigung?- f r i st vereinbart, wohl dem Grundsatz« huldigend„Zeit gewonnen, ist alles gewonnen". Die Gewerkschaften werden sich durch das Vorgehen des Arbeit- ge�croerbandes nicht beirren lassen und sehen dem ohne Zweifel dait werdenden Kampfe mit Ruh« entgegen. Schiedsspruch im rheinischen Strastsnbahuerstreit. Dortmund, 26. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In der Ge- samtstreitigkeit der Straßenbahner Rheinlands und Westfalens wurde am Montag unter Vorsitz des stellvertretenden Schlichters folgender Schiedsspruch gefällt: i. Der bisherige Lohntaris wird bte zum 14. Oktober verlängert. 2. W 15. Oktober 1925 wird der Spitzenlohn um 4 Pf. je Stunde erhöht. Die übrigen Lohnsätze verändern sich in gleichem Verhältnis. 3. Die Zulage für Kassenschaisner und Fahrscheinausgeber wird ab 15. Oktober um 19 Pf. je Schicht erhöht. 1. Diese Regelung kann mit monatlicher Frist erstmalig zum 23. Februar 1926 gekündigt werden. 5. Die Arbeit wird in den bc- streikten Betrieben wieder aufgenommen unter Ausschaltung beider- seitiger Maßregelungen. 6. Die Erkläriingsfrist läuft bis zum 28. Oktober 1925.__ Ter Strahenbahnerstreik in Rheinland-Westfaleu. Esten. 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Eine Sitzung der Vertrauensleute aller beteiligten Organisationen der Straßendahn- angestellten nahm zu dem gefällten Schiedsspruchs Stellung. Die Versammlung beschloß mit Rücksicht auf das Verholten des Arbeit- geberoerbandes, der beim Schlichter eine Annahmefrist van 8 Tagen verlangte, die aber aus Drängen des Vertreters des Reichskommtl- sars auf den 28. Oktober festgesetzt wurde, den Kampf zumindest bis Mittwoch bzw. Donnerstag weiterzuführen. Lohnverhandlungen im Ruhrbergba«. Esten. 27. Oktober.(WTD.) Bei den gestrigen Verhandlungen wurde von den Bergarbeiterverbänden eine Lohnerhöhung um 15 Prozent beantragt. Wie angesichts der Notlage des Ruhr- bcrgbaues zu erwarten war, sind die Verhandlungen ergeb- n i s l o s verlaufen, da die Arbeitgeber erklärten, eine Lohn- erhöhung unter keinen Umständen bewilligen zu können. Die Berg- urbeiterverbände werden den Schlichter anrufen. Boraussichtlich werden die Schlichtungsverhandlungen am Donnerstag dieser Woche stattfinden._ Tie ScharfmaHerei in Hohenlimburg tobt weiter- Hohenlimburg. 27. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die er- hoffte Entspannung in der Metallindustrie ist leider nicht eingetreten. da trotz der Annahme des Schiedsspruches auch durch die Arbeit- geber die beteil'gten Firmen von jedem Arbeiter einen schrist- lichen Verzicht auf höhere Löhne vor Ausnahme der Arbeit verlangten, was von den Arbeitern aus prinzipiellen Gründen abgelehnt wurde. In verschiedenen Versammlungen wurde beschlossen, unter diesen Umständen die Arbeit bei den ursprünglich bestreikten Firmen nicht aufzunehmen. Rur einige kleinere Werke erklärten sich zur Wiedereinstellung der Ar- beiter bereit, ohne daran irgendwelche Bedingungen zu knüpfen. Wirtfthcljt von konsnmgenossenschnstlichen Zentralbetrleben. Die Umsätze der Großeinkaufs-Gesellschasi Deutscher Konsumvereine m. b. H., Hamburg, in den ersten neun Monaten des Jahres 1925 zeigen eine erfreuliche Vor- wärtsbewegung. Die Gesamtumsätze beziffern sich vom Januar/September 1925. 168 287 515,05 312. 1921■ 117 360 419,79. mithin ein Mehrumsatz von 49 921 995,26 M.— 81,87 Proz. An Erzeugnissen aus den eigenen Betrieben wurden in Warten umgesetzt: vom Januar/September 1925 für 25 994 914,78 21!. 1921„ 18 881758 46„ mithin ein Mehrumsatz von 6 299 256 82 M.— 32.88 Proz. Ein Vergleich mit den Umsätzen der jüngsten Zeit bestätigt die Tatsache, daß die Umsätze nicht nur zahlenmäßig, sondern auch den Mengen nach um ein Weseniliches ge stiegen sind. Wie die Ergebniste der verflossenen drei Vierteljahre 1925 im Vergleich zu 1921 ausweisen, bewegen sich die Umsätze in aufsteigender Linie, auch hinsichtlich der Fabrikate aus den eigenen Betrieben. Das Geschäftsergebnis der Verlagsgesellschaft deut» scher Konsumvereine, Hamburg, betrug in den Monaten Januar bis einschließlich September 1925 zusammen 54 78 39 1 M. gegen 1 151 258 M, in gleicher Zeit des Vorjahrs. An dem Gesamt- ergebnis waren beteiligt: die Druckerei- und Papierwarenfabrii mit 3 651 714 M,(2 223 516 M.), das Versicherungswesen mit 1785 743 M.(1894 795 M.) und das Elektrizitätswerk mit 11 478 M. (9497 M.). Die Gewerkschofllich- Genossenschaftliche verstcherungsoktien- gesellschast volkssürsorge in Hamburg kündet eine sehr beachtliche neue Leistung für ihre Versicherten an. Mit Genehmigung des Reichsaussichtsamts wirb die Volkssürsorge ihren Versicherten, so- fern für sie eine monatliche Prämie in der Bolksoersicherung von mindestens 2 M. entrichtet wird, ab 1. November 1925 ein» „Gratis- Unfallversicherung" auf den Todessall in gleicher Höhe gewähren, so daß ohne Zahlung irgendeiner Zu- satzprämie beim Tode infolge eines Unfalls stets die doppelte V e r s i ch r u n g s s u m m e zur Auszahlung gelangt.— Bei der Lebensversicherung wird ein? Mindestprämie zur Voraussetzung für die Sonderleistung der Volkssürsorge nicht gefordert. Sowohl in der Volks- als auch in der Lebensversichening wird die Höhe der Sonderleistung in jedem einzelnen Fall auf 3999 Reichsmark nach oben begrenzt sein.—'Auch diese neue Leistung der von Tag zu Tag wachsenden Volkssürsorge dürfte der erfolgreichen Werbearbeit ihrer Funktionäre allüberall zur Erreichung neuer Erfolge diene«. SetantoorHid) fflr Politik: Crnfl Prntet: Wirtschaft: Art»» Sattttuu; Geworkfchaftsbowcgunk: Z'lcdr. Ctttain; iypniriftei:: X. A. Dösch«: Lokales ueS _ Sonftincs: Rtili{taiflilt; Pnjeigcn: TI». Stocke: fanttlith in Berlin, Vorwiirtz.Perlgg K in. b. S., Berlin. Druck: JorivLrts-Buchdruckerei unt, Berlaa-aulialt Paul Sinx-r u. To,. Berlin LB. Lind-nftraft« 3. Mgm. örtsrnraieafelie M.-Mll'.mm. KM-Me Ms. Bekanntmachung! Auf Srunt, d«, WaKlausIchreiben, flie dl« Wahl der«lvritgeber. und Berfichertenvrrtreter»um Ausschuß unserer Xass, vom 21. September 1925 find seile.:» der Arbeitgeber zwei qltltixe und feilen« der Arkeilnrbmer nur ein «riHtiner Wchlnorfchlaa e:nar reicht worden. Der non Berrn Maurermeister Heinrich eingereichte Wohlvorschlag der Arbeitgeber hat die„Ordnungenummer 1' erhellen und beginnt mit dem Ramen: Heinrich, und endet mit dem Ramen: Schräder. Der von Herrn Xaufmonn Echtem- nl» eingereichte Wahlmrrschlaq der Arbeitgeber hat die„Ordnnngsnnmmer 2» erhalten und beginnt mit dem Ramen: Schiemenh, mrd endet mit dem Ramen: Schlnlaiidt. Di« deiden benannten Wohlvorfchläge der Arbeitgeber sowie der Wahl- Vorschlag der Arbeitnehmer, beginnend mit dem Ramen: Engelhardt, und endend mit dem Ramen: Ezimmeininks, entsprechen Ihrem gesamten Inhalt nach den Vorschriften der Wahlordnung und liegen in der Reit vom 24. Oktober 1925 d!»»um Wahltage im Kassen- lokal, Berlin-Wilmersdorf, Kaiserollee 173», 1 Treppe(Stonjlci). wocheutiigiich von 8>1 bi» 1 Uhr»ur Einsichtnahme au». Da seitens der wahlberechtigten Arbeitnehmer nur«in gülliger Wahl» »orlchlag. beginnend mit dem Ramen: Svgelhaedt. und endend mit dem Namen:«izimmerninkv. veriirgt. findet eine Eiimmabgade b»w. eine Wahl der Arbriti.ehnirr nicht statt, sondern es gelten die darin vorgetcktlagenen Beu-rrder als gewählte Bertreter der«erücherien»um Ausschuß(8 9 der Wahlordnung). Da seitens der Arbeitgeber»wei gültige W-bl-orschläqe vorliegen, muh die Wahl, wie ausgaschriehen. am Dienstag, den IN. N-vembee 1925, nachmittag» von 1—8 Uhr. im SViffcnlokal, B irlin-Bilmorsdork.«atferanee 173», 1 Treppe, Nattfinden. Dir machen nock besonders darauf aufmerksam, daß«e.möä 5 11 der Wohl. ordtiscg dos Wahlrecht nur in Person ausgrübt werden kann, dah weiter w-�rr wäbibrr noch wablberochtiat solche Arbeitgeber stirb, die mit der Rahtnng der zseiträgs im Rüchstande find. Im übrigen gelten die Bedimwungen der Sahung und Wahlordnung. Die Amtsperiode der qowählten Lertreter beginnt mit dem 1. Januar 1538 und endet mit de» 81. Devinbar 1929. Dar Torsiand der«llgemeinea Ortslravlenlcffc«erltn-Silnrerehors. Sst. Sngelhgrdt, Borßteud«. jft,»tew«««, Schtiftführ«. „FLOEfi-" Variete SAMf« Haoptitr. 144 täglich 8 Uhr II ierstklarsige Vai leti» Attraktloocol Pianos zur friste Ansbacher Str. I, FAp RiirffintmtraSe 3n riesiger jtaahll Hönstler-Iianiitiiren MMÜMM 6.50 DDni(e!Matfalt.-6arDitit18.75 liallislöfEi 5- IM.... 2.50 OetidedEen alle Preislagen Steppdecke!) 17.50 müiniiuiuslwii 22.73 16.- Ciiieiia-fliwapfletkea 3°.. 21.- leppicde 2x3 m t».. 50.00 LäDietStOtfe pro Meter von 7 09 an Vorleger...... von 6.00»n Alle Waren ohne Aufschlag: bciTell- zahlung— Lieferung bei An�ahlun Saasiskües fiarülnen- ma E&rhheisn&bags nnr fcnuci.u, Berzuunutr. 38 S/t Rugtfn sich vor Lach tn Sri der LtSture des RepuBlikaniscßtn W Hz Statt es LACHEN LINKS Das ahutllsta pelltlsci* WittHatt, im HümstltriscB tociwtrtigtt Ausführung .Jede Nummer Hostet 2o Pf- 23/ hnirhrn Sur&i die Botenfrauen des Vorwärts Kail" Küchen Sic! Teppit!ie,Tlseli- Gardindi nur bei uns im Spetialieschlft Sie werden kulant, aufs beste uno auSerordentlic i billig bedient. Eesmie AoswaOl erstkl. Fabrikate Ohne Aufschlag lef. wir die Ware» sofort bei Anrah- 'ung auf bequeme Ratesrahlung. Säc'üisdl.Sanü� 3. 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