Nr. 50942. Jahrg. Ausgabe A nr. 260 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monaffia 3, Reichsmart voraus zahlbaz. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb Tung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: .Gozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille aeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruďte Wort 25 Pfennig ( zulässig amet fettgedruckte. Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig. febes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Das von der Regierung Painlevé nach der Demission veröffentlichte& ommuniqué hat folgenden Wortlaut: „ Der kabinettsrat, der in seiner letzten Sigung mit der Prüfung des vom Finanzminister Caillaug ausgearbeiteten Sanie. rungsplanes begonnen hatte, hat diese Diskussion, die teine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern des Kabinetts zutage treten ließ, unterbrochen, um sich der politischen und parlamentarischen Lage, fo, wie jie in den verschiedenen Kundgebungen der Parteien zutage getreten ist, enzupassen. In der Ueberzeugung, daß die dringenden Unffrengunsen zum nationalen Ausgleich nicht unternommen werden können, ohne daß man in voraus die Gewißheit einer ftabilen Mehrheit hat, hat die Regierung einstimmig beschlossen, dem Präsidenten der Republik ihre Demission zu übermitteln." ist nicht unwahrscheinlich, daß Painlevé selbst, der persön lich das Vertrauen nicht nur der Radikalen, sondern auch der Dagegen dürften mehrere jezige Minister ausgefchifft werden, Sozialisten genießt, als Ministerpräsident bleiben wird. darunter natürlich Caillaur. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Nachrichten bewahrheiten, wonach Herriot in die neue Regierung Painlevé eintreten wird. Das wäre jedenfalls schwer einem Präsidenten der Deputiertenkammer zumuten, der wahre Sinn dieser Regierungsumbildung, aber man fann deren anzunehmen. Es wäre schon denkbar, daß Herriot die neue einen gewöhnlichen Ministerposten in dem Rabinett eines anRegierung übernimmt und sich Bainlevé mit einem Minister portefeuille begnügt, bzw. auf seinen früheren Posten als Kammerpräsident an Stelle Herriots zurückkehrt. Daß Bri and Briand nach seinem Erfolg von Locarno als Außenminister in der Andererseits wird an die sozialistische Partei wieder neuen Regierung bleiben wird, ist unzweifelhaft. einmal in afuter Form das Problem der Koalitionspolitik herantreten. Die Entwicklung der Krise. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Bauer in Not". Eine Schauftellung des Reichslandbundes. Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben: Der Reichslandbund veranstaltet heute im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses eine große Tagung und hat alle intereffierten Kreise dazu eingeladen. Der Zweck dieser Tagung Reichslandbund den Wahlspruch:„ Das Klappern gehört zum ist der, wieder einmal in aller Deffentlichkeit von der Not der Landwirtschaft zu reden. Man muß anerkennen, daß der Handwerk" sehr trefflich beherzigt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Not des Reichslandbundes. Seit der feinen geschäftlichen Unternehmungen in großen Schwierigfestigung der Währung befindet sich der Reichslandbund mit feiten. Der Reichslandbund war es, der in der fritischen Zeit im Jahre 1923 die von Helfferich propagierte Roggenwährung empfohlen hat. Daraus ist glücklicherweise im Interesse des deutschen Volkes nichts geworden, vielmehr tam es zur Einführung der Rentenmart. Die vom Reichslandbund beeinflußten Schichten gingen aber im Jahre 1923 dazu über, genrentenbriefen fit man nun fest. Diese ManipulaRoggenrentenbriefe auszustellen. Auf diesen Rogfionen haben wesentlich zu der Not des Reichslandbundes beigetragen. Nun heißt es wieder: Bater Staat, hilf der Landwirtschaft", d. h. dem Reichslandbund! Die Landwirte befinden sich in der gleichen kritischen Lage Not als eine besondere hinzustellen. Es fragt sich da zunächst, wie die gesamte deutsche Wirtschaft, aber sie verstehen es, ihre Der unmittelbare Anlaß zu der Demiffion der Regierung haben am Dienstag folgenden Berlauf genommen: Wie vereinParis, 27. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Ereignisse Painlevé liegt in dem Fehlschlag der Sanierungsbart, trat am Dienstag früh das Kabinett zu seiner letzten Sigung ob die Kredite auch produktiv permendet und zusammen. Noch vor Beginn des Kabinettsrats hatte Painlevé dauerte. Bainlevé foll, wie ter Baris Soir zu wissen glaubt, eine Zusammenkunft mit erriot, die etwa dreiviertel Stunden Herriot erklärt haben, daß er ihn für am geeignetsten dafür halte, die schwebende Krise zu lösen. Herriot soll darauf erwidert haben, des Kartells befize und habe ihn dringend ersucht, die Macht bei er sei der Ansicht, daß Painlevé nach wie vor das Bertrauen ubehalten. Im Anschluß an diese Besprechung fand der Kabinettsrat bienen, denjenigen Betriebsinhabern, die kurzfristige Wechsel nicht wahllos gegeben werden. Die Kredite dürfen nicht dazu dürfen nicht dazu Fälle die Existenz dieser Betriebe zu erhalten. Der Reichsweit über ihre Kraft in Anspruch genommen haben, auf alle landbund hat in früheren Jahren die freie Wirtschaft mit aller Entschiedenheit gefordert. In den Reden der Landbundführer der landwirtschaftlichen Betriebe beseitigen könne. Wer daim Reichstag hieß es, daß nur die freie Wirtschaft die Not mals für freie Wirtschaft eingetreten ist, muß nun logischerCaillaur in die Regierung ein und wurde von den weitesten Kreisen des franzöfifchen Bürgertums als der Retter begrüßt, der, dank seiner hervorragenden Kenntnisse der Finanz probleme, endlich den Ausweg aus der finanziellen Mifere, unter der der französische Frant und damit das ganze franzö fische Volk leidet, finden würde. Caillaug' Vorschläge trugen jedoch von der ersten Stunde an einen unsozialen Charakter und brachten ihn und die Regierung sehr bald in einen heftigen Gegensatz zu der fozialistischen erklärt wird, Briands Stellung als Bertreter Frankreichs in der weise auch mit in den Kauf nehmen, daß in der freien Wirtdes Kartells schien nahe und die Führer des Nationalen Blocks roitterten Morgenluft. Indessen erwies sich die Finanzpolitik Caillaug als ein Fehlschlag: ihr Kernstück, die neue Anleihe, mar trog wiederholter Berlängerung der Zeichnungsfristen ein Mißerfolg( fie brachte anstatt der erhofften 20 bis 30 Milliarden Papierfranken nur 6 Milliarden ein!); Caillaur' Reise nach Washington, von der man eine günstige Regelung des Schuldenproblems erhoffte, endete mit einer schweren Enttäuschung. Der Frant begann wieder zu sinken. Nach diesen Mißerfolgen mußte Caillaur' Nimbus um so schneller verblassen, als er außerordentlich selbstbemußt auf getreten war und namentlich alle sozialistischen Gegenvor schläge hochnäßig zurückgewiesen hatte. Caillaur, der seit jeher einen sehr diffizilen Charakter hat, fiel durch seinen Hochmut felbst seinen politischen Freunden auf die Nerven. Auf dem Radifalen- Kongreß in Nizza erfitt er eine schwere Niederlage, als er gegenüber erriot, der für die sozialistische Idee der Rapitalsabgabe eintrat, an der Ablehnung dieses Mittels festhielt. Bon diesem Augenblick an lag die Regierungskrise in der Luft. Dieser Beschluß des radikalen Kongresses in Nizza war jedoch weniger aus finanzpolitischen als aus allgemeinpolitischen Erwägungen entsprungen. Nicht weil sie überzeugte Anhänger der Kapitalsabgabe find, haben die meisten radikalen Kongreßdelegierten für Herriot und gegen Caillaur gestimmt, sondern weil in den Massen des franzöfischen Volles eine tiefe Sehnsucht nach der Wiederher stellung des Kartells der Linken und eine tiefe Abneigung gegen jedes Kompromiß mit den Männern des Nationalen Blocks herrschen. Caillaur' Person und seine Politik standen aber dem Wiederzusammenschluß der Linksparteien im Wege und hätten über furz oder lang zu einem endgültigen Bruch mit den Sozialisten und zu einem Ruck nach rechts geführt. statt, dessen Beschlüsse jedoch geheim gehalten wurden, um, wie om Dienstag vormittag abgehaltenen Sitzung des Völkerbundsrates om Dienstag vormittag abgehaltenen Sitzung des Völkerbundsrates Demission des Rabinetts dem Präsidenten der Republit überreicht. nicht in Frage zu ziehen. Am Nachmittag hat dann Painlevé die Doumergue hat daraufhin die üblichen Berufungen vorge nommen und die Präsidenten des Senats und der Kammer emp. fangen. Für 6 Uhr ist das Gesamtkabinett zu einer Besprechung mit dem Präsidenten der Republik eingeladen. fchaftlich gefund aufgebaut find. Es wird jetzt wieder propheschaft nur solche Betriebe dauernd bestehen können, die wirtDie Konkursstatistik verfolgt, wird jedoch darunter nur sehr zeit, daß viele Landwirte vor dem Konkurs stehen. Wer wenig Landwirte finden. Soll das Wirtschaftsleben in der freien Wirtschaft seinen geordneten Gang. gehen, dann muß auch für die Landwirtschaft gelten, daß was schlecht ist, fallen muß und nicht durch Kredite des Staates künstlich gestützt werden darf. In den Debatten über die nun errichtete Renten bank kreditanstalt wurde immer wieder betont, daß die Rentenbankkreditanstalt dazu dienen soll, die landwirt schaftliche Produktion zu fördern. Soll dieser gesunde Grundfat in der Praxis durchgeführt werden, dann dürfen auch Rentenbankkredite naturgemäß nur solchen Betrieben zu Paris, 27. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die am Dienstag abend bei dem Präsidenten der Republik stattgefundene Beratung der Mitglieder des zurückgetreienen Ministeriums Painlevé führte zu einem Ergebnis. Der Präsident der Republik wird des halb am Mittwoch seine Besprechungen fortsetzen. In den Wandel gängen der Kammer herrschte am Dienstag abend große Er regung. Man rechnet vielfach mit der Möglichkeit, daß Painlevé einen eventuellen Auftrag zur Neubildung der Regierung abgeführt werden, in denen alle Mittel und Wege versucht lehnen wird. Für diesen Fall wird Briand als Minister präsident am häufigsten genannt. Er dürfte der neuen Regierung in diesem oder jenem Amt bestimmt angehören. Italienischer Terror gegen die Presse. Mörderchef und Ministerpräsident. Aus Rom meldet BTB.: Der lombardische Bresse. außerordentliche Gigung ab, in welcher ebenso wie in verein hielt auf Berlangen seiner faschistischen Mitglieder eine Rom biejenige ausländische Bresse, die sich gerühmt habe, mussolini in Locarno gemieden zu haben, daran erinnert wird, daß Mussolini in Locarno nicht als Barteichef, sondern als italienischer Ministerpräsident erschienen sei. Die Verfamlung nahm einen stürmischen Berlauf; als deren Leiter 3 anni, ter Redakteur des Corriere della Sera", das Wort ergriff, ver. ließen die faschistischen Journalisten den Saal. Anscheinend haben sie die Absicht, sich mit Hilfe der Behörden, wie in Rom, der Leitung des Preffevereins zu bemächtigen.. Ueberhaupt war das Kabinett Bainlevé, das nicht ein einziges Mitglied der- Regierung Herriot enthielt, dafür aber gewisse Elemente, die deutlich nach rechts neigten, eine Kon- Die Erwägung, daß der Mordanstifter Mussolini nicht als zeffion an den Nationalen Blod. Dabei hatten bereits im Mai Mordanstifter, sondern als Regierungsoberhaupt Italiens nach und Juni die Wahlen zu den Generalräten und die Pariser Locarno gekommen sei, hat verschiedene, namentlich deutsche Bericht Gemeindewahlen deutlich bewiesen, daß die Mehrheit des erstatter bewogen, an seinem Breffeempfang teilzunehmen. Aber in Boltes gegen folche Konzeffionen und für die Fortführung der dem Fernbleiben der anderen lag eben der Protest gegen die Tat fiegreichen Kartellpolitik vom 11. Mai 1924 unverändert einfache, daß ein solcher Mensch, der sich mit Gewalt der Regierung tritt. Schon damals forderten die Sozialisten und der linte feines Landes bemächtigt hat und nur eine Minderheit seines Boltes Flügel der Radikalen die Regierung Painlevé auf, die Konje- vertritt, die unabhängige Bresse zu Hause drosselt und gleichzeitig quenzen aus diesem Botum des Volkes zu ziehen. die ausländische Presse zu seinem Sprachrohr zu benutzen verfucht. Ift es schon ein schlechter Wit, daß auf einer Friedenskonferenz, die auf internationalem Gebiet den Geist der Gewalt abschaffen und durch den Geist des Rechts ersehen will, ein Mann auftritt, der von der Gewalt und der Illegalität lebt, so war es ein selbstverständliches Gebot der Solidarität gegenüber der gefezwidrig und gewaltsam unterdrückten Presse Italiens, Muffolini in Locarno zu bontottieren. Im übrigen beweisen die jetzigen Auseinandersegungen, daß die Ohrfeige gefeffen hat. Die französische Kammer, die jetzt nach den Barlaments ferien wieder zusammentritt, hätte nun zu diesem Problem Stellung nehmen müffen. 3weifellos hätte fie, besonders nach den Mißerfolgen von Caillaur, die Umbildung der Regierung Painlevé im Sinne der Wiederherstellung des Linksfortells verlangt. Um dem nun vorzubeugen und eine parlamentarische Niederlage zu vermeiden, ist die Regierung noch am Vorabend der neuen Session zurüdgetreten. Es werden, um aus dem deutschen Boden den größtmöglichen Ernteertrag zu erzielen. Als aber bei maßgebenden Stellen auf diesen Grundsah hingewiesen wurde, erflärten Führer des Reichslandbundes, daß diese Aufgabe zu schwierig" fei.. Der Borwärts" berichtete am 23. Ottober 1925 über die neuen Klagen der Landwirtschaft, die vom Deutschen Landwirtschaftsrat den Vertretern der Tages- und Fachpreffe vorgetragen wurden. Von jenen Kreisen wurde richtet und dem dadurch verursachten großen Wißverhältnis auch über die starke Verteuerung des Verteilungsprozesses bezwischen den Preisen, die der landwirtschaftliche Produzent erhält und denen, die der Konsument bezahlen muß. Diese Kreisen genug betont. Wenn aber von Bertretern der VerTatsache wurde von den vom Reichslandbund beeinflußten braucherschaft an maßgebender Stelle im Reichswirtschaftsrat oder im Reichstag Borfchläge gemacht werden, um dieses Mißverhältnis zu beseitigen, dann haben die Führer der Landwirtschaft immer versagt. Von gewerkschaftlicher Seite gestellte Anträge wurden von den Landbundführern glatt abgelehnt. Wenn der Reichslandbund es für vorteilhaft hält, um die Hergabe von Krediten ganz besonders von staatlichen Stellen zu erzielen, dann wird dieses Mißverhältnis zwischen den Groß- und den Kleinhandelspreisen immer wieder vorgeholt. Nachher aber ist die Durchführung solcher schönen Grundsäge zu schwierig". Der wahre Grund ist der, daß die Deutschnationale Partei ihren Wählern aus dem Mittelstand nicht weh tun will. Es darf auch nicht vergessen werden, daß der Reichslandbund und die von ihm start beeinflußte Rechtspresse, ganz besonders die Preffe in ländlichen Gebieten, die Barmat- Heze. die so schmählich Schiffbruch gelitten hat, in den verflossenen Monaten, vortrefflich ausgenugt hat. Am 22. Ottober 1925 mies das Berliner Tageblatt" darauf hin, daß der Reichsland bund in seiner grenzenlosen Bescheidenheit dem Reichsverband der deutschen landwirtfchaftlichen Genoffenfchaften den Boriching_gemacht hat, lettere folle sämtliche Reichslandbundgenoffen schaften mit allen Einrichtungen, aber auch allen Schulden " übernehmen und solle für diese im völligen Zusammenbruch befindlichen Unternehmungen eine jährliche Gegen- leistung von 600 000 M. on die politische Spitze 'des Reichslandbundes abführen. Man kann Verständnis dafür haben, daß der Reichslandbund für die- jenigen seiner Genossenschaften, die noch gesund sind, einen entsprechenden Kaufpreis hahen will. Aber eine dauernde jährlich zu zahlende Abfindung dafür zu verlangen, das beweist doch, wie der Reichslandbund Geschäft und Politik so vortrefflich zu verbinden weiß. Dies alles wird natürlich den Reichslandbund und seine Presse nicht abhalten, zukünftig auch für die„Reinheit des politischen Lebens" einzutreten. In der letzten Zeit wurde auch berichtet, daß eines der Vorstandsmitglieder des Reichslandbundes, nämlich Herr S t u b b e n d 0 r s, in der Provinz Branden- bürg als deutschnationaler Reichstagsabgeordneter gewählt, seine Vorstandsämter in der Reichslandbund-Aktien-Gesell» schaft niedergelegt hat. Stubbendorf gehört zu denjenigen, die z. B. den in die Kottbuser Landbundaffäre verwickelten Herrn v. R a tz m e r finanziell gestützt hat. Herr v. Ratzmer hatte die Leitimg des gesamten Londbundkonzerns. Das sind Genossenschaften, die sich vorübergehend vom Reichs- landbund abgetrennt hatten, aber schließlich wieder zum Reichslandbund zurückgekehrt sind. Im Mai d. I. wurde im Haushaltsausschuß des Reichstages festgestellt, daß dieser Landbundkonzern einen Kredit von der Reichsgerreidestelle in Höhe von 1 Million Mark erhalten hatte mit dem Auftrag, Getreide einzukaufen. Es wurde aber nur für 290 000 M. Getreide geliefert und es verblieb eine R e st s ch u l d m Höhe von 710 000 M. Mit Mühe und Rot ist es gelungen, mit Hilfe des Reichslandbundcs die Hälfte dieser Restsumme zu decken. Ob die r e st l i ch e n 350 000 M. bis jetzt durch Herrn v. Ratzmer oder den Reichslandbund an die Reichsgctreidestelle zurückgezahlt sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls wird die Summe noch nicht zurück- gezahlt sein. Als zu jener Zeit der„Vorwärts" auf diese Mißstände aufmerksam machte, wußte die„Deutsche Tages- zeitung" darauf nichts weiter zu erwidern, als daß dieser ' Teutone 0. Ratzmer nur deshalb oerfolgt werde, weil er ein niationuler Mann sei. Stubbendorf war es ober auch, der seinen Freund D e u ß e n Mitte 1924 bevollmächtigte, nach Amerika zu reisen und einen Hundertmilllonenkredit locker zu machen zur Deckung der Schwierigkeiten in den Landbundgenossenschaften. Dieser Kredit ist schließlich durch Vereinbarung mit der Ren- tenbank bzw. der Rentenbankkreditanstalt z u st a n d e ge- kommen. Jener H-rr Dcußen bemüht sich nun darum, feine Provision zu erhalten, die bei einem Hundertmillionenobjekt nicht gering sein dürfte. Der Reichslandbund, der aus eigener Machtvollkommenheit diesen Auftrag an Herrn Deußen erteilt hat, lehnt es ab, die sehr hohen Kosten, besonders die Pro- vision zu bezahlen. Der Reichslandbund bemerkt in dieser Beziehung, er beanspruche keine Ausnahmestellung, verlange aber, daß ihm dieAnerkennungseinerIttitiative und des Erfolges in dieser Sache nicht ver- sagt werden könne, d. h. mit dürren Worten, daß er die Kostendeckung nun der Rentenbankkreditanstalt zu- schieben will Bemerkenswert ist in dieser Vollmachtserteilung an Herrn Deußen der Hinweis, daß die Mitglieder des Reichs- landbundes in den Landbundgenossenschaften mit u n b e- schränkter Nachschußpflicht zusammengeschlossen sind. Bekanntlich sind in den einzelnen Gebieten Deutschlands, wo die Landbundgenossenschaften in Schwierigkeiten geraten sind, die kleinen und mittleren Bauern in großer Aufregung, weil sie nun zu unbeschränkter Nachschußpflicht herangezogen werden und, wie aus unwidersprochen gebliebenen Presseäußerungen hervorgeht, die großen Grundbesitzer zu einem erheblichen Teil s i ch rechtzeitig als Mitglleder abgemeldet haben Bekanntlich werden die meisten Menschen erst durch Tatsdchen klug. Doch man kann nun annehmen, daß die Bauern nicht mehr für den Der Schulmeister im Grünen. Von Rudolf Zwetz. Zu.unserer" Zeit war der Klassenausslug ein Ereignis, das wochenlange Vorbereitungen verlangte. Einmal im Jahr, im Mai gewöhnlich. Ich sehe noch, wie mein Dater mit sorgenvoll gekrümm- tein Finger das Barometer beklopfte, den Papiertrinkbecher und die Holzschachtel mit kristallisierter Zitronensäure zurechtlegte— tagelang vm her. Heute weiß man: ein Tag im Grünen kann eine Woche Schul- stubenarbeit aufwiegen; so gehts mindestens einmal des Monats hinaus.� Kann, betone ich. Denn was man zu gewissen Zeiten in Werder beobachten konnte, Lehrer im Kreise aufgelöster Klassen. zeigt beschämend, was man hier und da aus der Klassenfahrt macht. Gewiß, der alte Professor mag mit seinen Primanern den um vermeidlichen Bierabend feiern und sich Prüfungsgeheimnisse abluchsen lassen. Doch es gibt auch Leute, die sich den erzieherischen Wert des Togesausflugs nicht verkümmern lassen wollen. Bürgerliche Eltern können sich freilich nur schwer entschließen, solchen Führern ihre Kinder zu vertrauen, die ohne Rücksicht auf Unfall- und Hastpslichtgefahr ihre Klasse mn Beginn der Wanderung in lauter selbständige Gruppen zerfallen lassen. Wir entsteigen in Potsdam dem Zuge. Run grade mal das alte sriderizianische Potsdam! Wer den.Geist von Potsdam" verstehen will, muß seinen Ursprung besuchen. Aber nicht Massen- Hordenzug mit Oberlchrerfinger und Vortrag. Freundeskreise haben sich gebildet, jeder sein ungefähres Marsch- ziel gesagt. Der Führer jeder Gruppe bekommt einen Marschzettel mit Vorschlägen, Fragen, Aufgaben zur Auswahl; Karten und Skizzenbücher sind reichlich vorhanden, und jeder weiß: Morgen Erwartet die Klasse Gruppenberichte. Um es gleich zu sagen: Aus diesen Berichten erfährt man selber mit' Staunen, wie diese zwölfjährigen Jungen, wenn sie nur erst mal zu beobachten wissen, Dinge sehen, an denen der geschichtswütige Fachführer glatt vorbeisi-ht; sie suchen sich schon selber das heraus. was ihnen zusagt. Alles Zechnische, vom Glockenspiel bis zum Dorfbackofen, zur Fähre und zur Futterst-'lle wird begierig aufgefaßt: jede Gruppe will am meisten gesehen haben. Und komisch: ohne Lehrer kommen sie manchmal sogar— u m s 0 n st in die Herrlichkeiten der„Königs- siadt" rein, wenn ein Diener Verständnis für Iungens hat. oder sie kriegen zurückgesetze Ansichtskartea geschenkt und Anekdoten er- zählt obendrein. Sie biedern sich mit Schupo und Militär. Förstern und Fährleuten an. lernen sich zurechtfinden und— die Menschen kennen., Gefahr, sagen Sic? Beim lieb ersetzen? O nein, die Berliner Jungen sind gic so vorsichtig wie dann, wenn sie allein sind. Wissen sie den erwachsenen Führer in der Nähe, der für alles verantwortlich ist, denken sie: Ach, der muß uns raus holen, wenn wir zu weil Reichslandbund, in dem die großen herrschen, so sehr begeistert sind. Die Sozialdemokratie hat wiederholt durch ihre Anträge bewiesen, daß sie bereit ist, der tatsächlichen Not in den lano- wirtschaftlichen Betrieben entgegenzutreten Wir müssen uns aber dagegen wenden, daß der Reichslandbund seine große Rot nun verallgemeinert, um damit wieder zu bluffen und die Allgemeinheit zu beeinflussen, daß ihm unter dem Bor- wand, die landwirtschaftliche Produktion sei gefährdet. aus seiner schweren Rot geholfen wird Wir wollen nicht noch daraus eingehen, daß unter der Rot der Landwirtschast auch hunderttausende von Landarbeitern leiden, die mit kärglichem Lohn abgefunden weichen und in ihrem Aufwärtsstreben ganz besonders durch den Reichslandbund gehindert werden. Vor kurzem erst wurde bekannt, daß in der Grenzmark, also in einem räum- lich begrenzten kleinen Gebiet, der Reichslandbund be- schlössen hat, nicht weniger als sechs gelbe Arbeitnehmersekretäre anzustellen und natür- lich auch aus der Kasse des Reichslandbuildes zu besolden. Es ist keine Gewähr dafür geboten, daß bewährte Kredite dazu verwendet werden, um die freigewcrkschaftliche Arbeiterbewegung unter den Landarbeitern zu bekämpfen. Auch dieser Um- stand muß ein Grund für die maßgebenden Instanzen sein, den Kreditgesuchen des Reichslandbundes gegenüber sehr vor» sichtig zu sein. Die heute stattfindende Tagung wird also bewußt unter einer falschen Flagge segeln. Denn es soll dabei nicht den Bauern oder den Landarbestern in ihrer großen Rot ge- Holsen werden, sondern die Klemme des Reichsland- bundes zu beseitigen ist der Zweck dieser T a g u n g. die in großer Aufmachung über die Bühne gehen soll. Wenn Mittel aus der Steuerleistung der Allgemeinheit verwendet werden, dann darf es nur in wahrem Volkswirt- s ch a f t l i ch e n Interesse geschehen. Daß dieser Grundsatz vom Reichslandbund beherzigt wird, ist nach den bisherigen Erfahrungen leider nicht zu erwarten. * Der Hansabund ist bei dem preußischen Handel», und Finanzministerum dagegen vorstellig geworden, daß die im Zu- sammenbruch stehenden Organisationen der Landbundge- nossenschaften in Verbindung mit dem Reichsverband der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der preußischen Zentral- genossenschastskasse mit Hilfe öffentlicher Gelder gestützt werden. Der Hansabund wendet sich insbesondere dagegen, daß die aus der Zcrmürbung der Steuerkraft der von ihm vertretenen Berufsstände gewonnenen Staatsmittel dazu oerwandt werden sollen, Fehlunternehmungen aus der Gründungsperiode der In- flotionszeit aufrechtzuerhalten. Dazu erfährt der„Soz. Pressedienst", daß bei dem Reichs» ernährungsminister Gras Könitz, den die Deutschnotionalen leider vergessen haben, mit aus der Regierung zu nehmen, eine Besprechung mit den Landbundführern stattgefunden hat. Gegenstand der Besprechungen waren abermals die geplanten Kredit st undungen. Es sollen durch das Ministerium ganz bestimmte Zusicherungen gemacht worden sein. Weiter wurden abermalige Stundungen der seit dem Sommer entstandenen Steuerrückstände in Aussicht gestellt. Wir haben Grund anzunehmen, daß die Zusicherungen des Grafen Könitz äußerst weit gehen. Grundsätzlich haben wir berests betont, daß natürlich dem Test der Landwirtschaft, der z. B. durch WetterschSden usw. in seiner Finanzkroft beengt ist, geholfen werden muß. Das wird vorzugsweise Aufgabe der Länder sein. Dagegen müssen die übrigen finanziellen Forderungen des Reichslandbunde«, schon im Interesse der Kreditpolitik der Landwirtschaft selbst, abgelehnt werden. Eigentümlich berühren auch die weiteren Zusicherungen auf steuerlichem Gebiet, die sehr wahrscheinlich in Fühlungnahme mit dem F�nanzministe- rium gemacht worden sind. Es geht nicht an. daß die breiten Massen der Bevölkerung durch den unerhört harten Lohnabzug und die Umsatzsteuer bis auf die Haut ausgesogen werden, während man den Großgrundbesitzern in fteigebigster Weis« Steuerstundungen zukommen läßt. schwimmen. Dann protzen sie kraftmeierhast mit ihrem Mute. Doch allein? Borsichtl Ich habe als verborgener Zuschauer Gruppen beobachtet, die allein waren, und über die naive Aengstlichkeit ge» lächelt, mit der sie da am Wasser hantierten. Dielleicht bringt dieser einfache Gedankengang unsere Arbeiter- eltern dazu, dem Führer zu vertrauen, der auf solche Weise zur Selbständigkeit zu erziehen sucht. Denn das ist gewiß: Solche Jungen werden im„Leben" mal ihren Mann stehen und schließlich auch als Staatsbürger selbständig denkende und handelnde Männer werden. „Slrtadne auf Raxos" wurde in de? Städtischen Oper zum ersten Male aufgeführt. Damit feierte Richard Strauß seinen Einzug in einem neuen Berliner Haus: wenn auch nicht mit dem großartigsten, so doch mit einem besonders reizvollen, im Stil aparten, auf Kammermusikton«ingestellten Werk. Nicht jedem wird es gleichmäßig gefallen, denn die vielen gesungenen Rezitative müssen eigentlich von musikantisch wohlerzogenen Ohren genossen werden, und alte Oper mischt sich nur knapp mit der Buffomusik der Nebenhandlung. Diese Oper, ein Unglückskind der Bühnen, hat ihre Schicksale. Mir scheint, daß die ursprüngliche Fassung die musikalisch gesättigste Form darstellte, daß in der jetzigen Zu. sammenziebung, in der Betonung des Ariadne-Stofss und Zurück- drängung der lustigen Partien manches wertvolle Musikdetail ver- loren gegangen ist. Bruno Walter läßt dieses tleine Orchester in zarten, klangseligen Pastelltönen aufklingen. Die hübsche, intime Innendekoration zusammen mit der flotten Regie T i dt j e n s und der Geigenzurückhaltung Walters lassen die akküstischen Schwierig» keilen spielend überwinden. Ebenso die vollendete Stimmkunst und das in allen Gliedern federnd» Spiel der I 0 0 g ü n. Auch Frau L e t t e n d 0 r f weiß unter guter Führung ihrer Ariadne Töne der Andacht, Stille, Feierlichkeit zu entlocken, während Maria S ch r e k e r den Gegensatz zwischen Ton und Roumfülle erst durch ein Außerordentliches an Spielfertigkeit, Intelligenz und beseelte Gestaltung wettmacht. Auffallend die Tenorstimme O e h in a n n t und das bezeichnende Spiel von Emil Ritsch und Anton Bau- m 0 n n. Die Ausführung wurde bejubelt. Die Städtische Oper dürste hier neben dem„Don Pasquale" bei Richard Strauß das Zugstück haben, wie die Staatsoper im„Zigeunerbaron" von Ja- dann Strauß. Man lasse ober«in Werk von zweistündiger Dauer statt um 7 erst um 8 Uhr beginnen. A. S. Da» neue deutsche Kabel Emden-Azoren. Unser« Kadelverbin- düngen mit Nordamerika, die durch den Krieg zerstört worden waren, werden jetzt wiederhergestellt. Nachdem es der Deutsch-AUantischen Telegraphen-Gesellschaft gelungen war, die portugiesische Erlaubnis für die Landung eines neuen deutschen Kabels auf den Azoren zu erlangen, ist jetzt, wie die»Elektrotechnische Zeitschrift" mitteilt, mit der Legung begonnen worden. Die Verbindung zwischen den Azoren und Nordamerika war schon 1924 durch ein amerikanisches Kabel hergestellt, diesem muß sich nun das neue deutsche Kabel anpassen, damit die ganze Strecke Emdcn-New Park einheitlich betrieben wird. Wie das amerikanische ist daher auch dos deutsche ein„Permallery- Kabel", so genannt, weil das Kabel mit Permallery umwickelt ist, einer Legierung aus Eisen und Nickel, die besonders günstige Strefemanns Partei orakelt« Ein Beschluß über Locarno und zur Regierungskrise. Partsioorstand und Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei haben gestern über die Ergebnisse von Lo- carno und die durch den Austritt der Deutsch- n a t i 0 n a l e n aus der Reichsregierung geschaffene Lage be- raten. Sie haben einstimmig eine Entschließung gesaßt. in der lang und breit auseinandergesetzt wird, in welchen Punkten das Vertvagswerk von Locarno mit den Ansichten der Volkspartei vereinbar fei, und in der es zum Schlüsse heißt: „Wenn der Vertrag von Locarno. wie es alle Beteiligten zum Ausdruck gebracht haben, ein Werk dauerirden Friedens sein soll, so muß dieser Friedenszustand sich aber auch im besetzten deutschen Gebiet auswirken. Das ganze Wert darf somit erst dann in Kraft treten, wenn nicht nur die alsbaldige Räumung der ersten Rheinlandzone unabhängig von der Bereini- gung der Entwaffnungsfrage sicher gestellt ist, sondern auch die be- teiligten Mächte den mündlichen Zusicherungen ihrer Delegationsführer entsprechend im übrigen besetzten Gebiet alsbald einen Zu- stand herbeiführen, der eine grundlegende Aenderung des Bs- satzungsrsgimes und den Anfang der endgültigen Räumung dar- stellt. Ohne solche entscheidenden Maßnahmen der Vertragsgegner kann der Deutsche Reichstag den Vertrag von Locarno nicht an- nehmen. Es ist Pflicht der politischen Organe des Reiches und Dolkss. mit allen Kräften auf solche Ergänzungen und sofortige Auswirkungen der Vereinbarungen von Locarno hinzu- arbeiten. Diese außenpolitische Aufgabe steht im Vordergrund. Ihre Erfüllung wird durch das verhalten der Deutschnotionalen Volksparlei g-sährdet. Statt mit uns und den anderen Parteisn an der Durchführung der von ihr selbst bisher verfolgtea Polilik mitzuarbeiten, hat sie kurz vor Erreichung des Ziels sich von der weitere» Mitwirkung selbst ausgeschallel. Für die außen- und innenpolitischen Folgen trägt sie die volle Verantwortung." Aus Zentrumskreisen hört der Reichsdienst der Deutschen Presse, daß der Austritt der Deutschna- t i 0 n a l e n aus dem Kabinett Luther auch für den bis- herigen Streit im Zentrum ein wichtiges neues Moment darstellt. Im wesentlichen beruhten doch die gegen- sätzlichen Auffassungen im Zentrum aus der Frage, ob es richtig war, sich am Kabinett Luther zu beteiligen oder nicht. Bisher stand in dieser Frage Behauptung gegen Behauptung; mmmchr aber baben, so wird in weiten Kreisen der Partei festgestellt, diejenigen Zentrumspolittkcr praktisch recht behalten, die mit dem Reichskanzler a. D. M a r x der Auffassung waren, daß gerade aus außenpoliti- fchen Gründen die Zusammenarbeit mit den Deutsch- �nationalen auf die Dauer unmöglich sein würde. Zweifellos l)at der Austritt der Deutschnationalen aus dem Kabinett mich den Fall Wirth in ein ganz neues Licht gerückt, und es wird erwartet, daß die kommende Auseinandersetzung auf dem Zentrumsparteitag nunmehr angesichts der politischen Entwicklung der letzten Tage eine weit größere Bedeutung erlangen wird. Um den Deutschnationalen ein Pslästerchen auf ihre Wun- den zu heften, jubiliert der„Völkische Beobachter" Hillers in München, daß der Rücktritt der Schiele-Schlieben-Neühaus ein Erfolg der Völkischen sei: .«Es steht außer Zweifel, daß die deutschnakioriale L eilung schließlich durch die Kräfte von unten, durch jene völkischen Kreise ihrer Wähler gezwungen wurde, das Steuer ihrer schmachvollen bisherigen Ersülluagspolilik herumzudrehen. Vor allem erblicken wir aber hier auch einen Erfolg unserer nationalsoziakistischeu Tätigkeit. Seit dem schmählichen Unifall am 29. August 1924 haben wir keinen Tag Ruhe gegeben und die ganze Erbärmlichkeit der deutschnalionaleo Haltung gegeißelt. Di« Furcht, jetzt die Partei nicht mehr halten zu können, hat den deutschnationalen Parlamen- tariarn Courage gemacht. Wollen wir uns keiner Täuschung hin- geben: au» den Za- und Netn-Sagern werden keine Männer»erden. sie müssen andere» Platz machen... Also selbst nach der großen Geste wird den Deutschnallo- nolen kein Glauben geschenkt und kein Pardon gegeben! Sie magnetische Eigenschaften besitzt. Dadurch wird die Telegraphier- geschwindigkeit ganz außerordentlich erhöht, und man wird aus dem neuen Kabel 1500 Buchstaben in der Minute geben können, weit mehr als auf den üblichen Landleitungen. Die Telegramme werden unmittelbar zwischen Deutschland und Amerika gewechselt, wobei die Station Horta aus den Azoren nur zur Ucbertragung dient. „Perichol." Mit der Aufführung des Offenbachschen Melodramas„Perichol" hat das Moskauer Künstler- t h e a t e r wiederum seine große Kunst, Spiel und Gesang zu einem einheitlichen Ganzen zu bringen, bewiesen. Das Textbuch ist aucy in diesem Fall von Galperin umgearbeitet worden.' Der politische Hintergrund des von den Spaniern besetzten Perus tritt stärker hervor. Der Stil in der Kunst der B a k l a n 0 w a, der kleinen Bänkelsängerin Perichol, die trotz der Lockungen des Vizekönigs ihrem Piquillo treu bleiben will, war von eigenartigem Reiz und von vollendeter Darstcllungskunst. Di« drei peruanischen Schwestern, scheinbar den Spaniern ergeben, in Wirklichkeit aber die Peruaner gegen den Vizetönig Don Andreas aufwiegelnd, wurden von den Damen Polosowa, Kemarskaja und Sadlukowa vor- züglich gesungen und dargestellt. Das Ganze sprühte von Frohsinn und Witz und angeregt durch die politische Umgebung von zeit- gemäßer Satire. H.H. Eine Begegnung mit Oscar wilde. Die große Sängerin R e l l i e M e l b 0, die jetzt ihre öffentliche Laufbahn beendet und nicht mehr auf der Bühne oder im Konzertsaal erscheinen will, schildert in ihrem soeben erschienenen Buch„Melodien und Erinnerungen" ihren Auf- stieg aus dem australischen Busch zur weltberühmten Primadonna. Unter ihren Erinnerungen an berühmt« Persönlichkeiten findet sich auch eine Erzählung von ihrer letzten Begegnung mit Oscar Wilde, als er nach seinem Sturz in Paris lebte.„Um die Ecke," so schreibt sie,„schlürfte ein großer, schäbig aussehender Mann, der Kragen hing ihm lose um den Hals, nnd in seinen Augen lag«in hündischer Blick. Ich woll« vorübergehen, als er mich ansprach.„Mme. Melba — Sie wisien nicht, wer ick, bin. Ich bin Oscar Wilde," sagte er. „und ich will eben etwas Furchtbares tun; ich will Sie um Geld bitten." Ich konnte kaum ertragen, wie er mich anblickte, nicht aus Abneigung, sondern aus Scham und Mitleid. Ich nahm alles, was ich in meiner Börse hatte— etwa 10 Louisdors—, und er nahm sie rasch, riß sie mir fast aus der Hand, stammelte ein Wort des Dankes und war fort. Ich habe ihn nie wiedergesehen." »einharbl�iofilplel I« Cesilug-Tdeater. Max Zkeinvardt ist von Direktor Hrllmer eingeladen worden, mit seiner Inszenierung der Panio- mime„Die grüne FlSte» im Leising-Tbeater.»u postieren. Die Auifübrungen werden vom 6. 6i« 12. November mit Ernst Matrav. Katla Eterna und Maria Solveg swilsinden. Heinrich Lersch liest Sonntag, t. November, abend« 8 Mr. in der Aula de« Andrea«. Realghmnasium«. AoppenNraf,« 76 fwibt Schief. Sabnhost 011« eigenen Werte». Karten im Vorvertaus lBrei« 50 Bf): Buch. Handlung Di«d, Lindenilrahe 2: Buibbandlung de« ADGB., ZSaltstrane 64;6ä: Landsgemeindebau«, Alte Schönhauser Str. 8. Ein« deutsche Sesellschast ifir Eingeborenen kund« bat sich au« der vor dem Kriege gegründeten Deutschen Kesellichast für Einqeborenenichufc ge- gründet. Sie will Kenntnisse über die Sage der Uebcrseei'cken Völker ver- breiten und vertiefen, ihre sanitären und WirlichastSveebälinisse iördern. Borst, ender ist Prof. Dr. D. Wesrermann, Schristsührer Dr. ManuSjeld in Berlin, werden sich weiter zu mehren haben gegen die Kräfte von unten", die man in demagogischer Weise aufgepäppelt hat und die jetzt dabei sind, andere Männer" an die Stelle der bisherigen zu segen! Keine Optantenausweisungen mehr. Beschluß der preußischen Regierung. Amtlich wird gemeldet: Die Katastrophe der Dolcstoßlügner. Der Zusammenbruch halb eingestanden, ganz vollendet! Nun hat der Münchener Dolchstoßprozeß, der zunächst nur| habe sehr verstimmend gewirkt. Diese Mißstimmung fei atich von eine recht unnüße Wiederholung eines alten Streits zu fein Bolitikern bestätigt worden, die heute in den Reihen der Rechten Nachdem in Polen in der Optantenpolitit ein Umschwung schien, doch seine Sensation und feine weitreichende Wirkung. zu suchen seien. So hätten die Herren J. M. Morig und Artur eingetreten ist, hat die preußische Regierung entsprechend unter der Bucht der Aussagen unseres Genoffen Lands: idler während des Krieges und nach der Revolution diese Berdem Beichluß des polnischen Ministerrates an die örtlichen Bes berg, die unsere Lefer an anderer Stelle finden, hat die hältnisse in Bort und Schrift veröffentlicht. Heute ständen sie aber hörden die Anweisung ergehen lassen, daß die in der jüngsten Zeit ihr Unrecht halb zugegeben. Es muß ein dramaGegenseite ein in der Prozeßgeschichte feltenes Ereignis auf feiten der Rechten. Der Zeuge verwahrte sich dagegen, daß als Repreffalie berigten Ausweifungsbefehle gegen er beabsichtige, seine Aussage zu verallgemeinern. Sicher fei aber, polnische Optanten unverzüglich rüdgängig gemachttischer Augenblick gewesen sein, als sich der Rechtsanwalt Coßmanns und der Süddeutschen Monatshefte", Graf Pesta 1033a, erhob, um zu erklären, der Vorwurf des Dolchstoßes richte fich in feiner Weise gegen die alte mehrheitsfozi as listische Partei, sondern ausschließlich gegen die frühere Unabhängige Sozialdemokratische Partei. werden. Fürsorgeverbesserung in Preußen. Sozialere Gestaltung.- Erhöhung der Säge für Klein. rentner usw. Die Bedeutung der Wochenfürforge. Durch Verordnung vom 3. Oktober d. 3. hat der preußische Minister für Boltswohlfahrt bestimmt, daß die Berwaltungs. organe der Bezirksfürsorgeverbände Richt- und Einkommenssäke festzusetzen haben. Der Minister gibt hierfür u. a. folgende Richtlinien bekannt: Da die Unterſtügungen in der Regel nur die notwendigsten Lebensbedürfnisse sicherstellen, bedeutet jede Steigerung der Lebenshaltungskosten für den Unterstügungsempfänger nicht nur eine empfindliche Einschränkung, sondern eine Gefährdung seiner Eristen3, wenn dem nicht durch eine Angleichung der Unterstüßungssäge alsbald entgegengewirkt wird. Die Unterſtügungsfäge fönnen nach den vorliegenden Berichten nicht überall als ausreichend angesehen werden. Infolge der Entlastung der Bezirksfürsorgeverbände durch verschiedene gesetzgeberische Maßnahmen sowie durch die Auswirkung der Aufwertungsgefeße tönnen die hierdurch freigewordenen und noch freiwerdenden Mittel, soweit die Sätze bisher unzureichend sind, zu einer allgemeinen Erhöhung der Unterstüßungsleiffungen, insbesondere für Kleinrentner, Sozialrentner und ihnen Gleichstehende verwendet werden. Infolge einer solchen Erhöhung werden bei einem Teil der Sozialrentner die Unterstützungen trog der eingetretenen Rentenerhöhungen überhaupt nicht oder nicht um den vollen Betrag gefürzt werden; damit wird auch dem verständ. lichen Unwillen in vielen Kreisen der Hilfsbedürftigen entgegen gemirft. Ferner follen Einkommensfäße festgesetzt werden, bei denen in der Regel mindestens die vollen Leistungen bei der Wochenfürsorge gewährt werden; ferner soll für die besonderen Bedürfnisse der Schwangerschaft und Entbindung mindestens das zur Verfügung stehen, was die Familienwochenhilfe gewähren würde. Bei der Festsetzung der Einkommensfäße soll auf den Familienstand der Wöchnerin gebührend Rücksicht genommen werden; die Einkommensfäge werden zweckmäßig nach dem Einkommen aus einem nicht zu lange zurückliegenden Beitraum, etwa dem legten Monat vor dem Eintritt des Pflegefalles, bemessen, da nach einem folchen die wirtschaftlichen Verhältnisse der Wöchnerin und ihrer Familie zur Zeit des Pflegefalles in der Regel zutreffend beurteilt werden können. Die hohe bevölterungspolitische Be deutung der Wochenfürsorge rechtfertigt einen leichteren Maßstab für die Beurteilung der Notwendigkeit von Hilfsmaß nahmen. Insbesondere wird froß Erreichung der Einkommensfäße Hilfe fchon dann zu gewähren FATE lein, wenn die für die Schwangere oder Wöchnerin und das neugeborene Rind erforderlichen Aufwendungen nicht ohne empfindliche Beeinträtigung der gewöhnlichen Lebens. haltung ermöglicht werben tönnen. Auch erscheint es gerechtfertigt, wenn die Erstattung der geleisteten Unterstügungen von der Wöchnerin, dem ehelichen Bater oder den sonstigen unterhalts. pflichtigen Berwandten nur in Ausnahmefällen gefordert wird. Um eine einigermaßen gleichmäßige Durchführung der Fürsorge zu erreichen, sollen fich die Bezirksfürsorgeverbände zweckmäßig mit den benachbarten Bezirksfürsorgeverbänden, in denen gleiche wirt schaftliche Verhältnisse bestehen, über die Festsetzung der Nicht- und Einkommensfäße ins Benehmen seßen. Inwieweit dabei der Landesfürsorgeverband zu beteiligen ist, muß den ört lichen Verhältnissen überlassen bleiben, Der Strafantrag im Nehring- Prozeß. Gefängnis für alle Angeklagten. Am Schluß seines Plädoyers beantragte der Staatsanwalt im Prozeß der Landes- Pfandbriefanstalt folgende Strafen: 1. Gegen den Angeklagten. Nehring wegen Bilanzfälschung 2 Monate Gefängnis, wegen Betruges durch Erschleichung der Tantiemen eine Geldstrafe von 2000 Dtart, megen llntreue zum Nachteil der LPA. eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten, wegen Beiseiteschaffung von Urtunden eine Gefängnisstrafe Don 2 Monaten. Von Ehrenstrafen bat der Staatsanwalt Abstand zu nehmen, da dem Angeklagten Nehring menschliches Mitgefühl nicht zu verjagen jei und weil er nicht aus un lauteren Motiven gehandelt habe. Ebenso sei nicht auf Berluft der Fähigkeit der Bekleidung öffentlicher Aemter zu erkennen, da Nehring felbft freiwillig auf Amt und Pension verzichtet habe. Die Gefängnisstrafen für Beiseileschaffung von Urfunden und für Bilanzfälschung feien gemäß dem Geldstrafengefeß durch 2000 m. Geld ftrafe für je 2 Monate Gefängnis zu ersehen. Hinsichtlich der Gefängnisstrafe von 9 Monaten empfehle er den Angeklagten Nehring dem Gericht zur bedingten Begnadigung. 2. Gegen den Angeklagten Cüders beantrage er megen Intreue im Falle Schappch 3 Monate Gefängnis, ebenfalls megen Bilanzfälschung und Urtundenbeseitigung je drei Monate Gefängnis, wegen des Beiruges durch Erschleichung der Tantieme eine Geldstrafe von 2000 Mart, wegen der Untreue zum Nachteil der LPA. eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Die Ge fängnisse für Lüders beantragte der Staatsanwalt auf eine Gefamtstrafe von 1 Jahr Gefängnis zufammenzuziehen, daneben aber die Geldstrafe pon 2000 Mart bestehen zu lassen, von einer Ehrenftrafe bat er trotz des gewissenlosen Berhaltens des Lüders abzu sehen, wohl aber beantragte er, ihm die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von 5 Jahren abzusprechen. Das ist ein Rüd zug aus der bisher mit allen Kräften perteidigten Hauptstellung in eine schlecht ausgebaute Reservestellung. Den einstigen Mitgliedern der mehrheitssozialistischen Partei liegt gewiß nichts daran, von den nationalistischen Dolch stoßhegern ein Ehrenzeugnis zu erhalten und in Gegensah zu ihren Parteigenossen gebracht zu werden, die von der USB. famen. Die Meinungsverschiedenheiten, die während des Krieges herrschten, sind bekannt, sie sind behoben. Darum fann in der ganzen Partei heute nur ein Gefühl der tiefen Genugtuung darüber herrschen, daß gestern in München eine der widerwärtigsten Geschichtslügen zum 3u sammenbrudy gekommen ist. Unseren politischen Gegnern ist sehr wenig an der Be hauptung gelegen, daß eine frühere Nichtung in der deutschen Arbeiterbewegung und daß einzelne Mitglieder der heutigen Sozialdemokratischen Partei während des Krieges eine Haltung eingenommen haben, die von ihrem Standpunkt aus tung ging dahin, daß die Sozialdemokratenschlecht als vaterlandsfeindlich" erscheinen mag. Nein, ihre Behauphin während des Krieges eine landesverräterische Haltung eingenommen und schließlich im November 1918" dem sieg reichen Heer den Dolch in den Rüden gestoßen hätten. daß die Mißstände mit jedem Kriegsjahre größer ge worden seien. Sodann geht der Zeuge dazu über, darzulegen, mie in der Heimat die Wahrheit unterdrüdt wurde. Als Journalist habe er Dinge erleben müssen, die ein besonderes Licht auf die Tätigkeit der Pressekonferenz werfe. Sa sei z. B. am 1. Mai 1917 in der Berliner Pressekonferenz mitgeteilt worden, daß die Meldung verbreitet worden wäre, England set nicht mehr in der Lage, auszuhalten. Auch sei in der Pressekonferenz der Presse der Rat infolge des Birtens der U- Boote länger als zwei Monate gegeben worden, dahin zu wirken, daß das Eingreifen der Ameritaner in den Krieg nicht von entscheidendem Einfluß auf den Ausgang des Krieges fei. Auch über die Zahl der in Frankreich befindlichen Amerikaner sollte nach dem Wunsche der Preffekonferenz nur mitgeteilt werden, daß fich lediglich 10 Divisionen amerikanischer Truppen auf dem Festlande befänden. Der Zeuge Kuttner erwähnt dann den Brief des ehemaligen deutschen Kronprinzen an Profeffor Zorn, in dem der kronprinz erklärt, daß er nach der Marnefchlacht schon den Krieg für verloren hielt. Damals, als dieser Brief veröffentlicht wurde, sei dem Kronprinzen von der Rechtspresse der Vorwurf gemacht worden, daß er jo zulagen mit der Revolution geliebäugelt habe. Der journalistische Vertrauensmann des Kronprinzen habe die Herren selber mit der Revolution pattiert hätten. von der Rechten darauf sehr deutlich daran erinnert, daß fie Der Zeuge verwies dann auf die Offiziersgelage hinter der Front und gab schließlich noch eine eingehende Schilderung seiner eines Briefes, den ein Marinesoldat feinem Bater gesandt habe, Unterredung mit Admiral v. Trotha. Auf Grund habe er, Kuttner, einen Artikel im Vorwärts" geschrieben:„ Wie miral v. Trotha zu ihm gekommen und habe erklärt, die Angaben in diesem Artitel feien vollständig unrichtig. Auf die Frage Kuttners, warum die Flotte am 28. Oftober ausgelaufen fei, habe erflärt, Trotha nur ausweichende Antworten gegeben, schließlich aber es tam." Am 16. November sei auf Grund dieses Artikels Addaß die Operation nur den 3wed haben sollte, den Rückzug der deutschen Armee in Flandern vom Wasser aus zu schühen. Eine Angriffsabficht habe Trotha entschieden in Abrede gestellt, wenn fich aber die englische Flolle gerade gezeigt haben würde, wäre es nötig geworden, einen Angriff zu unternehmen. Ueber die mun eingetretene Wendung wird in München Spießer mußte es eben bisher nicht anders, als daß gerade die nicht geringes Staunen herrschen. Denn der Münchener Mehrheitssozialisten, daß vor allem Ebert und Scheide mann die schlimmsten Landesverräter gewesen wären. Und den verstorbenen Reichspräsidenten und den mun erfährt er, daß alles, was im Heßfeldzug gegen lebenden Parteiführer vorgebracht wurde, Lüge gewesen ist. Kein rechtlich denkender Mensch, mag er auf welchem Diese Erklärung sei denn auch im Rahmen eines großen Ar. Parteiboden immer stehen, wird sich des Gefühls erwehren titels im Vorwärts" enthalten. Das sei ungefähr das Gegen. fönnen, daß hier schamloses Unrecht begangen worden, daßteil von dem, was Admiral v. Levehow und Herr v. Trotha heute Berleumdung bis zum äußersten getrieben, daß behaupten. ein Kampf mit vergifteten Waffen geführt worden ist. Dafür liefert die Ertlärung des Grafen Pestalozza den endgültigen, entscheidenden Beweis. Sie mag aus seinem Munde die Erklärung eines Ehrenmammes sein, der es ablehnt, fich mit einer bewußten Unwahrheit zu beschmutzen. Für die Richtung aber, zu deren Vertreter er sich in diesem Prozeß gemacht hat, ist sie das Geständnis ihrer strupellosen Unmahrhaftigteit und Ehrlosigteit " Als Beweis dafür, daß auch die Regierung über den beabsich figten Flottenvorstoß in Unkenntnis gehalten wurde, erfiärte der Zeuge, daß der ehemalige Staatsfefretär Scheidemann den Chefredakteur des Vorwärts" zu fidy bat und ihm mitteilte, die Matrosen feien verrüdt geworden, sie bildeten fich ein, daß eine große Schlacht geschlagen werden folle; es sei aber von der Marineleitung verfichert worden, daß daran fein wahres Wort fel Der Chefredakteur habe damals auf Scheidemanns Veranlaffung einen beruhigenden Artifel losgelaffen. Der Flottenvorfloß fet allo ohne Kenntnis der Regierung geplant worden. Der Zeuge streifte bann noch die damaligen Berhandlungen bezüglich des Beffen stillstandes. Es sei pon pornherein der große Fehler gemesen, Friedensverhandlungen abzuzielen. Als dann General dann bei der Marine der Plan entstanden, urch einen Vorstoß la v. Ludendorff mit den Forderungen nicht durdgedrungen war, fei den Kanal die Reichsregierung zur Aufgebung der in der Schwebe befindlichen Waffenftiüslandsverhandlungen zu zwingen. Der Beuge erflärt hierzu, daß sich damals die Marineleitung in offener Auf lehnung gegen die Reichsregierung befunden habe. Es sei die Marineleltung gewesen, die zuerst gemeutert habe, und diese gegangen. Das habe dann zu den Ereignissen der Oktober- und Meuterei der Marineleitung fei dann auf die Befagungen überNovembertage geführt. Man mag einigen vertaltten Admirälen, nach ihrer eigenen Selbſteinſchäzung deutsche Männer, die sich um Politik nicht fümmern", die eben nicht begriffen haben, was um fie her vorging, mildernde Umstände so piel man will zubie Berhandlungen auf einen Waffenstillstand statt aut gute halten. Der Dolch stoßhege als einem partei politischen Geschäftsunternehmen und den findigen Unternehmern tommen biefe mildernden Umstände nicht zugute. Sie sind durch die Erklärung ihres eigenen Anwalts im Mün chener Dolchstoßprozeß abgetan und moralisch erledigt. noch nachzutragen: Aus den Aussagen des Genossen Rutiner vom Montag ist sich in der Beilage. Da der Bb3.- Bericht in dem Teil, der über Der Bericht über den gestrigen Verhandlungsverlauf befindet Ergänzung der Aussage des Genoffen Auer folgen. Auer führte Eisner handelt, nur lückenhaft ist, lassen mir an dieser Stelle eine aus, daß nach seiner Auffassung und nach seiner Kenntnis Eisner mit dem Gelde nicht das geringste zu tun hatte, zumal er mäh.. rend der Zeit ihrer angeblichen Beraus pabung ja im Ge glaitweg behauptet, daß diese 164 Millionen Eisner aus dem fcindlichen Ausland zur herbeiführung der Revolution erhalten und ver mendet habe. Hier mies nun Dr. Hirschberg urkundlich nach, dak fich Cokmana nicht nur einer objektiven, fondern auch einer fubjettiven Geschichtsfällung bewußt schuldig gemacht habe. Denn einmal hat Cogmann menige Tage vor Erfdeinen feines Heftes in Zeltungen öffentlich aufgefordert, es möchten fich Ceute melden, die diele Sache auffiären könnten, da sie bisher noch vollständig dunkel Heftes in einem Briefwechiel zugegeben, daß eine Aufklärung über jei, und weiterhin hatte er einige Monate nach Erscheinen diefes die in den Affen des Zinifteriums gefundene Uuiffelfung noch in gar feiner Weise erfolgt lei. Troh dieser Kenntnis hat Cohmann bewußt mahrheitswidrig erhoben. aber im zweiten Dolchstosheft die schweren Anflagen gegen Cisner Genoffe Kuttner gibt zunächst an, daß er bei Kriegsausbruch mit Heilmann und Roste zufanumen Redakteur der Chemnitzer Boltsstimme" war. Heilmann und er stellten sich den Militärbehörden zur Verfügung. Der Zeuge Kutiner bat den musternden Militärarzt, der ihn für dienstuntauglich erklärt hatte, ihn für in Chemnitz bekannt und erregte um so mehr Aufschen, als der friegsverwendungsfähig zu erffären. Die Sache murde damals an der„ Chemnizer Allgemeinen Zeitung" tätige Reinhold Bulle einen Straßenbahnunfall zum Anlaß nahm, den Kriegsdienst zu vermeiden. K. wurde mehrfach verwundet und Ende 1916 Redakteur des Vorwärts" somie der Sozialfängnis gefeffen hat. Die Süddeutschen Monatshefte" haiten demokratischen Feldpost". In dieser Eigenschaft habe er Tausende Don 3uschriften aller Truppengaltungen erhalten, welche Klage führten über Mißstände. 3m Februar 1918 fand eine allgemeine Stimmungsforschung ffatt, bei der, soweit ihm bekannt fei, etwa 120 000 Beriefe von Kriegsteilnehmern zurüdgehalten und geöffnet wurden. Der positive Inhalt der Briefe an die Sozialdemokratifde Feldpost" offenbarte eine machfenbe Korruption in der Armee. Ein Briefschreiber hatte seine Beobachtungen bahin zu harren und durchhalten müsse bis zum Ende. Im übrigen sammengefaßt: Die Stimmung der Soldaten war so, daß man aus. mimmelten die Briefe von groben Schimpfereien über Mißstände und von Beschwerden, die im einzelnen wohl übertrieben sein fonnten, die aber doch in ihrer Uebereinstimmung ein erschütterndes Bild von tatsächlich vorhandenen Mißständen gab. Der Zeuge geht dann an hand von Buschriften, die ihm als Redakteur des„ Borwärts" aus der Front zugegangen waren, auf die Mißfälschung hatte Coßmann in seiner Bermirrung fein ort ftimmung ein, die mit der steigenden Entbehrung die Ausübung der Kommandogemalt verursacht habe. Ein jeder habe sich bemüht, auf Grund feines militärischen Postens persönliche Borteile zu erlangen und fich ein direktes Wohlleben zu schaffen. Aus Briefen habe er ferner den Eindrud gewonnen, daß es in den Etappen noch viel schlimmer gewefen fei als an der Front, und gerade dadurch, daß auch der Frontsoldat einmal in die Etappe tam, 3. Hinsichtlich der Angeklagten von Egdorf, von Karstedt sei die Erbitterung über das Wohlleben in der Etappe noch ge. und von Carlowitz beantragte Dr. Zimmermann, wegen Bewachsen. In einem Artikel im Borwärts babe er einmal truges und Untreue zum Nachteile der Landespfandbrief schwere Vorwürfe gegen das Offiziertorps erhoben. Er habe damit anstalt und des Herrn von 3izemiz gegen jeden, auf eine Gefängnis- bezmeden mollen, daß man gegen ihn vor aller Ceffentlichkeit ge. ffrafe von 1 Jahr 6 Monaten zu erkennen, wegen Untreue zum richtlich einschreite, um ihn zum Antritt des Wahrheitsbeweises Nachteil der Grundstücksgesellschaft auf 6 Monate Gefängnis. zu zwingen. Das Einschreiten gegen ihn sei aber abge. Diefe Strafen feien zusammenzuziehen zu einer Gesamtftrafe von lehnt worden mit der Begründung, man fönne es dem Artikel. 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis. Bei dem Angeklagten v. Carlowig schreiber nicht verbieten, den Wahrheitsbeweis anzutreten, und das sei die erlittene Untersuchungshaft voll anzuerkennen. Die Berhand- hätte dann in der Bevölkerung den größten Unwillen lung wurde dann auf Freitag früh 9 Uhr vertagt. hervorgerufen. Ferner sei es den Goldaten nicht möglich gewesen, in den Kantinen Zuschußnahrung zu laufen, da die Offiziere schon aufgekauft hatten. Auch über die Quartiere sei viel getfagt vorher auf Grund ihrer bedeutend höheren Löhnung das Lager morden. Die Bioniere seien in erster Linie zu Instandsetzungs arbeiten der Offizierquartiere benugt worden. Ueber die Behandlung der Mannschaften durch das Offiziertorps fei ebenfalls fchwerste Klage geführt worden, auch Mihhandlungen seien an der Tagesordnung gewesen. Auch Bei den Wahlen zum fanadischen Unterhaus wurden 581 b geordnete gewählt. Davon sind Konservative 239, Liberale 216, Brogreffiften 69, Unabhängige 36 und Arbeiterpartei, ein schließlich der Landarbeiter, 21. Vier Frauen sind gewählt. Die internationale Jolltonferenz in Pefing ist wegen der un getoisien politischen Lage auf unbestimmte Zeit vertagt worden. das von der krone nicht gehaltene Wahlrechtsversprechen Gegenüber diefem niederschmetternden Beweis der Geschichtsder Erwideruna. Mit dieser zweiten schweren Niederlage für die Doldtökler fchiok tie Dienstocfituna. Die Bossische Zeitung" berichtet über die Schlußbemertungen des Genossen Auer noch folgende Ausführungen: Wo waren denn am 7. und 8 und 9. November 1918 diejenigen, die jetzi DoldMünden niemand in die Wohnung aufzunehmen gewagt, und fo floß rufen? Den alten König und feine fchwertrante Frau hat in fchiften fie ihn nachts im Kraftwagen fort, wo er in den Graben fiel, so daß ein Bauer mit einer Suh tommen mußte, um den Wagen wieder aufzurichten. Ein Schloßherr bei Landshut aber erklärte, die Baffanten müßten weiter fahren, er tönne fie nicht aufnehmen." Entwaffnung und Kölnräumung. Beratung in Paris. Paris, 27. Dt: ober.( Eigener Drahtbericht.) Die Botschafterfonferens tagte Dienstag bormittag um 11 Uhr unter dem Vorfiz Jules Tambons etwa zwei Stunden. Marichal Foch nahm Entwaffnungenote vom 22. Oftober und befchloß, das an diefer Sigung teil. Man beschäftigte sich mit der dents en Interaliierte Militärtomitee zu erfuchen, einen Bericht zu erftatten. Die Botschafterkonferenz ist außerdem zur Prüfung der Maßnahmen geschritten, die zu ergreifen find, fobald die Näumung der Kölner Zone durch die aliierten Regierungen festgesetzt sein wird. Es wurde dabei insbesondere die neue Berteilung der Truppen im besegten Gebiet erörtert. Das Schlichtungswesen in Mißkredit. Stellungnahme der Berliner ADGB.-, AfA.- und ADB.- Vertreter. Die Feststellungen des Gemeinde und Staatsarbeiterver bandes haben nunmehr mit Bestimmtheit ergeben, daß die vom Bezirksamt ausdrüdlich zum Zwecke der Lohnzahlung gegebenen Gelder, für andere Zwecke verwendet worden sind. Die Organisation der Arbeiter hat die Leitung des Vereins Jugendheim e. V. nicht im Unflaren gelassen, daß, wenn die rüdständigen Löhne nicht in ganz kurzer Frist gezahlt Am Montag abend mar im Gewerkschaftshaus die erste geschnürt und Zwangstarife geschaffen, die selten den schwachen Ar. sind, sich die Gerichte mit der Angelegenheit zu befassen haben meinsame Bertreterversammlung der Drtsaus. beiterschichten zum Vorteil gereichen. Meist wird für schwach werden. füsse des ADG B., des AfA Bundes und des ADB. crganisierte Arbeitnehmergruppen eine Verbindlichkeitser Das Bezirksamt Charlottenburg aber müßte aus diesen Clemens Nörpel vom ADGB. hielt einen Vortrag über„ Die flärung nicht ausgesprochen, während sie über den kampf- Borkommnissen den Schluß ziehen, daß der Verein Jugendheim e. V. Lohn- und Gehaltspolitik der Behörden und des fähigen Organisationen wie ein Damoflesschwert nicht geeignet erscheint, Aufgaben zu erfüllen, die der StadtUnternehmertums". Er führte etwa folgendes aus: Die schwebt. Neuerdings gehen auch die Unternehmer dazu über, perwaltung zufallen. Es muß die Voltsspeisung selbst in Politik der regierenden Parteien war besonders in diesem Jahre ein Zwangstarife nicht anzuerkennen oder die Nichtigkeitsflage die Hand nehmen. Feldzug gegen die arbeitenden Klaffen, in dessen gegen sie zu erheben. Da diese Entscheidungen bis ans Reichsgericht Berlauf sich die Schlichtungsbehörden meist als Bergehen und bis zu 2 Jahren dauern, hat die Arbeitnehmerschaft auch bündete des Unternehmertums zeigten. Die Ueberein- bei solchen Zwangstarifen teinen augenblicklichen Rechtsanspruch stimmung des Reichsarbeitsministeriums mit den Unternehmern in auf seine Durchführung. Angesichts all dieser Tatsachen müssen die lohn und sozialpolitischen Dingen liegt flar zutage; die bekannte Gewertschaften wieder dazu übergehen Aftemnotiz hat diese Uebereinstimmung bligartig beleuchtet. Die gewundenen Erklärungen des Reichsarbeitsministers und des Herrn Dr. Sizler auf diese Aftennotiz find teine Entkräftigung, sondern eine Bestätigung der Richtigkeit ihres Inhalts. Die Ablehnung der Beamtenforderungen, die Entscheidungen der Schlichtungsinstanzen in den Streitigkeiten der Berliner Wertsarbeiter, der Bergarbeiter in Schlesien, der verschiedenen Tegtilarbeitergruppen und jetzt der chemischen Industrie im Frankfurter Bezirk zeigen nur zu deutlich, wie start die Uebereinstimmung der Regierung, Schlichtungsbehörden und Unternehmer ift. Durch diese Angelegenheit ist auch der§ 7 der Schfichtungsordnung betreffend Schlichterbesprechungen beim Reichsarbeitsministerium und der darauf folgenden Information der Schlichtungsausschußvorfizenden durch die Schlichter einer breiteren masse als bisher bekannt geworden. Ueber die Auswirkungen dieser In formationen auf die Schiedssprüche und Schlichtungsverhandlungen hat sich in den Kreisen der Gewerkschaften nur eine Meinung gebildet, die allerdings dem Schlichtungsgedanken nicht zuträglich ist. Die Braris der Schlichtungsausschüsse hat sich ja auch so ausgemirft, daß wir in Deutschland fein Schlichtungswesen, sondern einen behördlichen Lohnfeflsehungsapparat babert. Durch die Berbindlichkeitserklärungen wird weiter das Streifrecht der Arbeiter und Angestellten start eingeDie Ausbeutungsmethoden der Reichsbahn. Sie find unerträglich geworden. Uns wird geschrieben: Wir müssen uns immer wieder mit den Ausbeutungsmethoden, der unsozialen Behandlung, Nichteinhaltung der Unfallverhütungs. vorschriften und sozialhygienischen Einrichtungen der Reichsbahn. gesellschaft gegenüber ihrem Bersonal beschäftigen. Fortwährendes Experimentieren nach völlig falschen Gesichtspunkten der sogenannten wissenschaftlichen Betriebsführung hat, wie vorausgefagt, vielfach zur Betriebsanarchie geführt. Dies trifft insbesondere auf die Güterböden, Abfertigungen und Umladehallen der Reichsbahn Groß- Berlins zu. Jegliche Organisation der Arbeit ist den verantwortlichen Instanzen und auch den aufsichtsführenden Beamten fremd. Unter letzteren befinden sich vielfach zweifelhafte Elemente aus dem nationalsozialistischen Lager. die Schlichtungsinstanzen möglichst wenig zu beanspruchen. Die Unternehmer müssen wie in der Vorfriegszeit gezwungen werden, in freie Berhandlungen zu treten und sich nicht hinter den Schlich tungsinstanzen verstecken. Es muß wieder das freie Spiel der Kräfte eintreten. Gewiß fann das nicht von heute auf morgen ge ichehen. Von den 24 Millionen Arbeitnehmern Deutschlands find erst orgnisiert. Die restlichen Arbeiter müssen für die Organisationen ge etwa 7 Millionen gewerkschaftlich( nicht nur freigewerkschaftlich) wonnen werden, damit den Forderungen der Gewerkschaften Nachdrud verliehen werden kann. Doch auch schon heute fönnen die Gewerkschaften, die über eine absolut gute Organisation verfügen, von den Schlichtungsausschüssen abrüden und die Unternehmer an den Verhandlungstisch zwingen. So wie bisher fann es nicht weitergehen. Sonderunterstützung für arbeitslose Tabatarbeiter. Artikel Ill des Gesetzes über die Erhöhung der Bier- und Tabakssteuer vom 10. August d. Js. enthält Bestimmungen zugunsten der Hausgewerbetreibenden, der Angestellten und Arbeiter, die infolge dieses Gesetzes in der Zeit bis zum Inkrafttreten eines Arbeitslosenversicherungsgeseges nachweislich arbeitslos oder barf, laut Amtlichem Preußischen Pressedienst, nur den Tabak, durch Kurzarbeit geschädigt werden. Diese Sondermaßnahme arbeitern zugute fommen, deren Erwerbslosigkeit urjädlich auf die Erhöhung der Tabatsteuer durch obiges Gesetz zurüdzuführen ist. Was geht in den Deutschen Kraftfahrzeugwerken vor? Zu der von uns in der Nr. 496 am 20. Oftober gebrachten Bressenotiz wird uns vom 8entralverband der Ange stellten im Auftrage aller Af- Verbände mitgeteilt, daß diese nunmehr infolge der bewußten Verstöße gegen die geseglichen Bea ſtimmungen das Reichsarbeitsministerium angerufe haben. Sobald ein Ergebnis vorliegen sollte, werden wir den Angeftelltenrat hiervon in Kenntnis, feßen und die Ansehung einer Denn durch den emigen Gang zum Schlichtungsausschuß wird der Betriebsversammlung zur Berichterstattung veranlassen. Gedante des Klaffenfampfes in den Arbeitnehmern ertötet. Nachdem Steffelbauer vom ADB. die Lage der Be. amten beleuchtet und das Zusammenarbeiten der Arbeiterund Angestelltenorganisationen mit dem ADB. als zwingende Not wendigkeit betont hatte, sprachen in der Diskussion noch einige Ber bandsvertreter. Sie alle unterstrichen die Ausführungen des Referenten und brachten zum Ausdruck, daß sie alles daran fetzen merden, die Anregungen des Referenten zur Geltung zu bringen. Die Eisenbahner wollen nicht mehr und nicht weniger als eine zeitgemäße Arbeitszeit, anständigen Cohn, menschenwürdige Behandlung und volle Durchführung der Unfallvorschriften. Dies verlangt auch das Rangierpersonal Darum Eisenbahner, Arbeiter und Beamte, rafft Euch auf und werdet genau so hart wie die Verwaltung, und schließt Euch möglichst schnell in der führenden Organisation, dem Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands zusammen. Neue Verhandlungen im Rohlenarbeiterstreik. Der Verband der Berliner Kohlengroßhändler bemüht sich, den Kampf nach berühmten Mustern zu führen. Er hat an seine Mitglieder unterm 26. Oftober ein Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt: Jedes Mitglied, welches höhere Löhne, als der Lohntarif Teil II, Nachtrag E, porfieht, bewilligt, oder während des Straits Lieferungen ausgeführt wurden, wird in Strafe genommen. Die Strafe foll en Verbraucher ausführt, welche von einem zurzeit bestreiften Händler 100 Rentenmart je Arbeitstag und Kopf der Belegschaft betragen." die Forderungen der Arbeiter bewilligt haben, täglich steigt. GegenDas hindert allerdings nicht, daß die Anzahl der Firmen, die wärtig haben bereits 32 Firmen tie Forderungen bewilligt. Bielleicht sagen sich die Mitglieder, daß ihnen die angedrohte Konventionalftrafe nicht weiter gefährlich werden fann, da sie auf Renten mart lautet und die Währung des Deutschen Reiches, was den Herren vom Verband Berliner Kohlengroßhändler offenbar noch unbekannt ist, die Reichsmart ist. Da außerdem die Berliner Brennstoffgesellschaft die Säße des Schiedsspruchs bewilligt hat, arbeiten bereits ein Drittel der Kohlenarbeiter zu den neuen Bemit Kohlen besteht also nicht. Es dürfte sich nur noch um eine Frage von Tagen handeln, bis der Streif sozusagen sein natürliches Ende gefunden haben wird. Die im letzten Halbjahr zum Prinzip erhobene Steigerung des Tonnensolls neben einer völlig unzureichenden Entlohnung hat große Unzufriedenheit unter den Güterbödenarbeitern und auch unter den Bahnunterhaltungsarbeitern ausgelöst. Unter ständigen Gefahren von Leben und Gesundheit erfüllen die Güterbödenarbeiter ihre schmere Arbeit. Die Umlade. rampen befinden sich in einem trostlosen zustande. Des gleichen geht die Feuergutumladung auf ungebedten Rampen por sich. Die Hilfsmittel zum Bewegen der Güter, z. B. Karren, Brücken usw. find nicht nur in ungenügender Zahl vorhanden, sondern in völlig gebrauchsunfähigem Zustande. Die Fracht brieffontrolle wird nur der Form nach durchgeführt ( Anhalter Bahnhof, Potsdamer Bahnhof und Hamburg- Behrter Bahnhof), d. h. die Briefe werden nicht mehr abge strichen. Fehlsendungen, Gewichtsdifferenzen ufm. sind die Folgen, für die nur die Arbeiter verantwortlich gedingungen. Irgendeine Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung macht werden. Haussuchungen über Haussuchungen finden statt, denn fein anderer als der Arbeiter fann nach der Meinung der Verwaltung als Spizbube in Frage fommen. Die Güterböden selbst charakterisieren die Auswirkung der fapitalistischen Wirtschaftsweise. Die Speicher des Anhalter Bahnhofs find feit Monaten verstopft, meil der Potsdamer Güterbahnhof zeitweilig ganz still gelegt ift. Hinzu kommt die Auswirkung des widerfinnigen Personalabbaues. Bum zeitweiligen Ausgleich" hat man auf dem Stettiner Güterbahnhof 16 bis 17jährige Burschen, auf dem Anhalter Bahnhof Studenten usw. eingestellt. Der Zwed ist die Organisierung einer Streitbrechergarde neben Teno, Bahnschuh und Berfonalbetriebshilfe. Hierfür ist also genügend Geld vorhanden. Die Speicheranlagen des Anhalter Bahnhofs starren vor Schmug. Ratten und sonstiges Ungeziefer beherrschen das Feld. Die Unterkunftsräume des Personals sind mit einem Kuh stall zu vergleichen. Die Beleuchtung ist derartig mangelhaft, daß Gut und Personal dauernd in Gefahr stehen, ernsthaft Schaden zu erleiden. Vielfach fehlen Verbandstaften und Waschgelegenheiten! Die unbedingt erforderlichen Siggelegenheiten für das zur Frachtbriefkontrolle vorgesehene Bersonal find fortgenommen! Der Kasernenhofton, Denunzieren usw. sind die Neben erscheinungen, wie sie sich leider auch vielfach unter einer befonderen Gattung der Beamtenschaft mehr und mehr herausbilden. Unter diesem Drud find nunmehr die Güterbödenarbeiter am Ende ihrer Kraft angelangt, und es ist nicht nur verständlich, sondern völlig berechtigt, nunmehr genau nach der von der Eisenbahnverwaltung herausgegebenen Anordnung, d. h. genau nach Borschrift zu arbeiten, um ber fofortigen Entlassung oder hohen Gehaltsstrafen zu entgehen. Dies trifft auch für die Beamten zu. Eine Ausnahme macht der Obersekretär ha ase. Unter Androhung hoher Geldstrafen resp. Entlassung bestimmt diefer Deutschnationale, daß die Rollkutscher der Speditionsfirma Jakob u. Ballentin die Güter selbst vom Speicher herunternehmen. Nach der Amtsblattverfügung im Stüd 87 müßte dieser Beamte frist los entlassen werden. Was sagt das zuständige Amt, resp. die Direktion dazu? Zu diesen hahnebüchenen Zuständen haben die im Verkehrsbund organisierten Speditionsarbeiter fürzlich Stellung genommen und den Güterbödenarbeitern ihre volle Solidarität zu gefagt. Der stellvertretende Vorsitzende des Schlichtungsausschusses hat, wie uns mitgeteilt wird, nunmehr beide Parteien für heute zu neuen Verhandlungen geladen. Er will den Versuch machen, den Kampf so rasch wie möglich zu beenden. Schiedsspruch für das Schuhmachergewerbe. Die in den Betrieben der Mitglieder der Berliner Schubmader. innungen beschäftigten Arbeiter forderten Ende August eine Rohnerhöhung um 10 Bf. pro Stunde. Die Jnnungen lehnten eine Lohnzulage a b. Der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin fällte am 19. Oftober einen Schiedsspruch, wonach die bisherigen Tariflöhne vom 19. Oftober ab um 6 Broz. erhöht werden. Das Abkommen soll bis zum 31. März 1926 gelten. Die Urabstimmung bei Bolle. Starkes Anwachsen der Arbeitslosen. In der Zeit von Anfang bis Mitte Oftober ist die Zahl der Hauptunterſtüßungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge von 266 000 auf 298 000, d. h. um rund 12 Prozent gestiegen. Im einzelnen hat sich die Zahl der männlichen Hauptunterstüßungsstügungsempfänger von 22 000 auf 25 000 erhöht. Die Zahl der empfänger von 244 000 auf 272 000, die der weiblichen HauptunterBuschloesempfänger( unterſtügungsberechtigten Angehörigen von Hauptunterstützungsempfängern) ist von 325 000 auf 358 000 gestiegen. Ein leberläufer. Unter Bezugnahme auf die Notiz in Nr. 502 des Borwärts" Verbandes der Versicherungsangestellten von Tein eine Erwidevom 23. Oktober schickt uns das Vorstandsmitglied des Allgemeinen rung, in der er bestreitet, daß ihm finanzielle Vorteile zum Uebertritt bestimmt hätten. Er bestreitet weiter, vor der von ihm ausgesprochenen Kündigung mit dem ABB. verhandelt zu haben. Ein ihm vor Monaten gemachtes Angebot habe er damals ohne weiteres abgelehnt. Erst als feststand, daß ein weiteres Zusammenarbeiten mit dem 3d2. nicht mehr in Frage fäme, habe er auf das Angebot des AVV. zurückgegriffen. Der 3d2. habe sich ein abfälliges Urteil über seine Leistungsfähigkeit erst nach seinem Ausscheiden gebildet. Der Grund seines Ausscheidens aus dem 3d2. sei die Weigerung, den im Jahre 1919 abgeschlossenen Vereinigungsvertrag mit dem Verband der deutschen Versicherungsbeamten als noch zu Recht bestehend anzuerkennen. Als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des BdB. habe er nicht seine Hand dazu bieten fönnen, daß die Sonderrechte der Versicherungsangestellten beseitigt würden. Da der AVV. eine freie Gewertschaft sei, liege auch fein Gesinnungswechsel vor.. Wir wollen zu dieser Erklärung nur einige turze Bemerkungen machen. Ob der ABB. eine freie Gewerkschaft ist, wollen wir hier nicht untersuchen. Jedenfalls ist er eine Splitter organisation und führt somit zur Schwächung der Angestellten. I. war, wie er selbst schreibt, fünf Jahre Reichsfachgruppenleiter der Berficherungsangestellten im 3d. Als solcher wohnte er allen Vorftandssigungen bei und hatte in allen Fragen, die die Bersicherungsangestellten betreffen, auch das Stimmrecht. Während dieser fünf Jahre hat L. nicht bemerkt, daß der 3d2. seine Verpflichtung den Bersicherungsangestellten gegenüber nicht nachkomme, oder daß gar, wie er jetzt behauptet, ein Zusammenarbeiten nicht möglich sei. Wie wir uns aus dem Protokoll der letzten Borstandssigung des 3d2., an der T. teilgenommen hat, überzeugen fonnten, trifft es auch nicht zu, daß sich der Vorstand des 3d. erst nach dem Uebertritt von 2. ein abfälliges Urteil über deffen Leistungsfähigkeit gebildet habe. Mit diesen Feststellungen ist die Diskussion für uns geschlossen. Metall- Schiedsspruch für Hagen unannehmbar. Hagen, 27. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Die am 19. Dttober gefällten Schiedssprüche für die Hagen- Schwelmer Metallindustrie sind vom Christlichen Metallarbeiterverband abgelehnt worden. Die anderen Organisationen dürften sich dem aitschließen. Der Textilarbeiterkampf in Köln a. Rh. Köln, 27. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Kampf der Ver Kölner Tertilarbeiter dauert mit unverminderter Schärfe an. mittlungsversuche des Schlichters führten zu feinem Ergebnis. Die Arbeitgeber zeigen sich halsstarrig. In einem Teil der Betriebe wollen sie über die alten Löhne nicht hinausgehen, in anderen aber lediglich eine Lohnerhöhung von 1, 2 und 3 Pfennig gewähren. Dieses großmütige Angebot fand natürlich bei den Gewerkschaften fein Berständnis. Die Verhandlungen zerschlugen sich. Die Textilarbeiter fämpfen in bester Stimmung weiter. Bekanntlich ist auf Beschluß der Funktionäre über den Tegten Schiedsspruch für die Meierei Bolle eine Urabstimmung der Belegschaft vorgenommen worden. Die Abstimmung ergab awar mit erheblicher Mehrheit die Ablehnung des Schiedsspruchs; da jedoch die statutenmäßige Dreiviertelmehrheit nicht gang er reicht wurde, gilt praktisch der Schiedspruch als angenommen. Da andererseits die Firma Bolle den Schiedsspruch absicherung in England zu informieren. Sie besteht aus Bertretern des gelehnt hat, ist nunmehr vom Deutschen Verkehrsbund die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs beantragt worden. Sollte dieser Antrag abgelehnt werden, dann wäre allerdings ein offener Stampf zu befürchten. " Lohnwirtschaft in der Boltsspeisung Charlottenburg. Während in allen übrigen Bezirken Groß Berlins die Volksfpeisung von der Stadtverwaltung betrieben wird, hat man sie in Charlottenburg einem privaten Bohlfahrtsunternehmen". dem Berein Jugendheim e. B., Goethestr. 22. übertragen. Dieser Verein, der auch den Hausfrauenverein Charlottenburg" in fich schließt und dessen Borstand aus Damen der Gesellschaft" besteht, erhält vom Bezirksamt Charlottenburg zu den Löhnen der Airbeiter der Volksspeisung ganz erhebliche Zuschüsse. Trotzdem erhalten diese Arbeiter feit etwa drei Monaten nur Teilbeträge ihres Lohnes ausgezahlt, der ohnedies beschämend niedrig ist. Deutsche Studienkommission in England. Condon, 27. Ottoher.( WIB.) Gegenwärtig hält sich hier eine deutsche Studienfommission auf, um sich über die ArbeitslosenverReichsarbeitsministeriums, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer aller Richtungen. Die Kommission wird im Laufe der nächsten Tage eine Reihe von Arbeitsnachweisen in der englischen Provinz be= fichtigen, wobei sie von einem Beamten des englischen Arbeitsministeriums begleitet sein wird. Deutscher Wertmeisterverband, Bezirk X. Am Freitag, den 30. Dktober, abends 7 1hr, im Klubhaus, Ohmste. 2, allgemeine Bertmeisterversammlung der Metallindustrie. Erscheinen aller Bertmeister Ehrenfache. Achtung, Eisenbahner des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, Detsgruppe Berlin! Die bekannte Abteilungsversammlung für den Betrieb, in der der Genosse Hekler foridit, findet heute abend 7 Uhr im Böhmischen informieren. Brauhaus statt. Die Funktionäre werden ersucht, sämtliche Mitglieder zu Die Ortsverwaltung. Berantwortlich fülr Bolitik: Craft Reuter: Wirtschaft: Artur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R.$. Döfchez; Lokales und Conftiges: Frig Kerstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co Berlin E 68 Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Lindenitraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Stillende Mütter trinkt Kaffee Hag Kaffee Hag- Probierstube Berlin, Kurfürstendamm 26a denn er ist frei vom Nervengift Coffein! Sr. 50942.Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts DERZUCKER, Nährstoff Eine schwarze Biene auf goldenem Grunde grüßte vor einiger Zeit von Plakaten und Anschlagsäulen. Ihr Saugrüffel war auf eine unsichtbare Nahrung gesenkt, ihr Stachel hing, stets fampf bereit, lotrecht herunter, ihre drei Beinpaare sind zu einem lateinischen" M" umgestaltet. Sie sollte zur Zuderausstellung in Magdeburg einladen und uns schon im Bilde an den innigen Zusammen hang erinnern, den die fleißige Arbeit der Biene und der menschliche Budergenuß von jeher miteinander gehabt haben. Steigender Zuckergenuß. Die verschiedenen Zuckerarten sind durchweg für den Aufbau und die Erhaltung unseres Körpers von großer Wichtigkeit. Auch der Umstand, daß der Verbrauch seit dem Ende der 3wangs: mirtschaft und besonders seit dem Anfang des vorigen Jahres, also seit der Stabilisierung, in steiler Kurve ansteigt, beweist, daß ein ungeheures Verlangen nach diesem wichtigen Stoffe vorhanden ist. Glücklicherweise sind auch die Preise für den Zucker allmählich langsam heruntergegangen, so daß sie nicht wesentlich über den Friedenspreisen liegen. Nach dem großen und fühlbaren Mangel, Den der Krieg und seine Folgezeit mit fich gebracht hatten, ist es freudig zu begrüßen, daß hier eine, wenn auch geringe, Besserung eingetreten ist. Der Zuder ist für den Menschen zu einem unentbehrlichen Nahrungs- und Genußmittel geworden. Wir wissen, daß schon frühzeitig in der Geschichte der Menschheit Zuder genossen wurde, indem die natürlich vorkommenden, nicht bearbeiteten Formen, alfo der Honig verschiedener Insekten oder zuderhaltige Pflanzen gegessen wurden. So war z. B. in Indien das Zuckerrohr eine uralte Kulturpflanze. Und sprachlich ist es interessant, zu wissen, daß das Sanskrit mort sarkura" die Wurzel für die Bezeichnung des Zuckers in vielen anderen Sprachen geliefert hat. Dafür dienen uns das lateinische saccharum", das arabische" sukhar" und unser deutsches Bucker" als gute Beispiele. Der Zucker, den wir gewöhnlich zu uns nehmen, wird jetzt aus der Rübe hergestellt, seitdem man entdeckt hatte, daß diese sich bei weitem billiger verarbeiten läßt, als das tropische Zuckerrohr. Vergessen dürfen wir aber nicht, daß in chemischer Beziehung Rohrzucker und Rübenzucker genau dieselben Stoffe sind. Sie gehören zu der großen Gruppe der Kohlehydrate, die auf diem Gebiete der Ernährung von so ungeheurer Wichtigkeit find, da die pflanzlichen Nahrungsmittel überwiegend aus ihnen 2] Die Passion. Roman von Clara Biebig. Es war hart für sie gewesen, als man schon den Zehn jährigen weggeben mußte. Aber es ging doch nicht an, daß er noch länger zu Wilkowski in die Dorfschule ging, wo die Jungen fich prügelten, und Knaben und Mädchen zusammen auf einer Bant jaßen. Und mit den Gouvernanten war erst recht nichts gewesen. Die Frau runzelte die Stirn, wenn sie an diese Erfahrungen dachte. Die eine gab sich mit dem Inspektor ab, die andere sogar mit dem Pferdeknecht, die Dritte fofettierte mit dem Hausherrn, der doch auch nicht unempfänglich war, und in die vierte, taum zu glauben, verliebte sich der dumme kleine Zehnjährige schon. Da hatte man ihn denn in die Kreisstadt geben müssen. Es ging allen Eltern auf dem Lande nicht besser: wenn die Söhne etwas werden follen, nicht bloß Stoppelhopfer, dann muß man sie früh von Hause tun. Die Frau fah auf ihre blaugeäderten, feinen Hände nieder und feufzte: auch für sie war das Landleben nicht ohne Schmierigteiten gewefen. Eine Städterin sollte nicht aufs Land heiraten. Die Stadt, die Stadt, nach der behielt man immer die Sehnsucht; man hatte mehr Fühlung für die. Oh, wie angenehm waren ihre Jugendjahre in der Stadt Bosen gewesen! Auf ihrem ersten Ball, als ihre Jugend und ihre Schönheit bewundert wurden, da hätte sie es sich nicht träumen laffen, daß sie einmal einen anderen Mann als einen aus ihren Kreisen studiert, hochgebildet heiraten würde. Aber die Jahre waren vergangen, Vermögen war nicht da, so hatte sie denn doch den Besizer von Bukowitz genommen, den sie bei einer Freundin, die an einen Landpfarrer verheiratet war, fennen gelernt hatte. Nun war es aus mit der schönen Gefelligkeit, mit Theater und Konzerten. Aber wenn Manfred erst in Berlin war nach Berlin mußte er auf alle Fälle, dort studieren dann würde sie ja alles wieder haben, durch ihn mitgenießen. Wie schön! Traumverloren lächelnd sah die Frau durch die gelbe Scheibe da lag der verwilderte Garten, nicht mehr tot, nicht mehr grau, er lag im goldensten Sonnenglanz. Aber der Mann fuhr jetzt durch einen grauen Tag. Er raffelte durch Dorf Bukowitz, daß an der Straße spielende Kinder aufschreiend, und im verstreuten Mist scharrende Hühner aufgackernd in die Haustüren flüchteten. Nun war seine Feld mark zu Ende, und die von Groß- Bukowiz Butowiecz bestehen. Die Kohlehydrate gliedern sich in mehrere Arten, die durch ihren Aufbau voneinander verschieden sind. Die fompliziertesten von ihnen sind die Stärke, das Dextrin, das Glykogen und die Zellulose. Die weniger verwickelt gebauten Arten sind der Rohr und Rübenzucker, furzweg Zucker genannt, ferner der Milchzucker und der Malzzucker, während von den einfachsten Buderarten der Fruchtzucker und der Traubenzuder von Wichtigkeit sind. Kohlehydrate als Nahrung. Sollen uns diese Kohlehydrate als Nahrungsmittel dienen, so müssen die meisten von ihnen erst durch die Verdauung zur Vermendung im Organismus vorbereitet werden. Dafür beſitzt der Körper ganz bestimmte Stoffe, die sogenannten Fermente, die eine Zerlegung der fomplizierten Rohlehydrate in einfache Zuderarten vornehmen. Die Zellulose, die wir mit allen pflanzlichen Speisen zu uns nehmen, da sie die Zellwände und die Fasern bildet, fönnen wir nur zum fleinsten Teil verdauen, und zwar nur bei jungen Gemüsen, wo sie noch dünn und zart ist und daher unter Mitwirkung der im Darm vorhandenen Bakterien teilweise zur Auflösung gebracht werden kann. Im übrigen muß durch Kochen oder durch eine andere Zubereitungsart vorher eine Zerstörung der Zellmände bewirkt werden, damit die Verdauungsfäfte zu den im Innern befindlichen Stoffen Zutritt finden können. Die meisten Kohlehydrate nehmen wir in der Form von Stärke zu uns, und zwar als Mehl, Grieß, Graupen, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Rüben oder dergleichen. Bei der Zerkleinerung der Speisen im Munde wird zu gleicher Zeit eine Durchtränkung mit Speichel vorgenommen. Das im Speichel vorhandene Ferment zerlegt nun die Stärfe in Dextrin und Traubenzuder, wobei es selbst aber teine Veränderung erfährt. Auch im Magen wirkt das mit dem verschluckten Speisebrei vermengte Speichelferment noch weiterhin ein, und es findet auch dort noch ein Abbau statt. Weiter schreitet aber der Verdauungsprozeß erst im Dünndarm, wo nunmehr das im Saft der Bauchspeicheldrüse vorhandene Ferment seine Wirksamkeit entfaltet und die Stärke und das Dertrin zu Malzzucker verwendet. Da aber auch dieser noch nicht zur Aufnahme in den Organismus geeignet ist. muß noch einmal eine Veränderung eintreten. Diese besorgt ein drittes Ferment, nämlich das der Darmdrüsen, indem es den Malzzucker in den chemisch verhältnismäßig einfach gebauten Traubenzuder verwandelt. Dieser besitzt nun die Fähigkeit, durch die Darmstand am Meilenstein, denn da saß ein polnischer Herr begann. Gute Felder, viel ertragsfähiger als die seinen. Er warf einen zerstreuten Blick nach rechts und links. Das, was er sonst mit einer gewiffen Unruhe betrachtet hätte und mit einem leisen Schmerz war ihm etma der Nachbar schon vor mit der Bestellung?- das ließ ihn heute falt. Seine Gedanken waren schon ganz in der Kreisstadt. Was würde er da zu hören bekommen? Nichts Angenehmes. Er fannie folche Fahrten. Jedesmal hatte es damit geendet, daß er den Jungen in eine andere Pension steckte. War denn immer die Pension schuld gewesen? Zum Teil ja. In der einen hatte man die Butter, die Eier, die Kartoffeln, die Hammelfeulen, die er regelmäßig schickte, sich zu Gemüte geführt und den Jungen hungern laffen. In der anderen hatte niemand Zeit, fich um ihn zu fümmern, der Mann ging seinem Berufe nach, fich um ihn zu fümmern, der Mann ging seinem Berufe nach, die Frau hatte einen Haufen kleiner Kinder. In einer dritten waren feine Kinder und die Frau war Witwe, aber die Frau war noch nicht alt, fie fühlte wenigstens noch ganz jung. Und in einer vierten war es schmukig, Malvine war außer sich gewesen über die verwahrloste Stube und so Bension auf Pension Man hatte es wie ein Glück begrüßt, daß Wilfomsti, der lange Jahre die Dorfschule geleitet, und dessen tadellose Moralität man fo genau fannte, fich pensionieren liek. Er verzog in die Kreisstadt, der Tochter wegen, die sich ausbilden sollte im Schneidern. Wenn auch die alte Bil forsti tot war, die Tochter ersetzte die Hausfrau, es ging ordentlich zu da. Und nun war es auch da wieder nichts! Denn wie durfte Wilkowski es zugeben, daß der Bengel sich herumtrieb?! Keinen Hausschlüssel geben, ihn aussperren, wenn er nicht beizeiten da war, das hätte Wilkowski tun müssen. Aber der war eben schon alt und trottelig, lief noch dem Tode seiner Frau zu viel in die Messe und beichtete alle nafelang, wo er doch gewiß nichts Sündhaftes zu beichten hatte. Ob die Tochter auch so fromm war, wie der Alte? Sicher. Mädchen, das man felten zu Gesicht bekam. Er erinnerte sich nur flüchtig an ein ganz hübsches blondes Berflucht, verflucht!" Der Herr von Klein- Butowiß schimpfte in sich hinein und hieb dabei auf die Pferde, daß sie, wie scheu geworden, dahinraften und der Pferdejunge, der hinten im leichten Jagdwagen aussaß, sich anflammern mußte, um nicht herunterzufliegen. Eine tolle Fahrt. Die Grenze von Groß- Bufowig lag längst dahinten, andere Felder famen, Weiten, große Weiten, in denen aufgeschreckte Hasen in toller Furcht durch Acerfurchen flohen, obgleich fie mußten: Jagd ist vorbei. Luisenhof Wilhelmsau Klein- Swinia- Chraplewo- Schloß Pio Mittwoch, 28. Oktober 1925 wand hindurchtreten zu fönnen, und er wird nunmehr auf dem Wege der Blutbahn dem Gefamtorganismus zugeführt. Jezt kann der Körper ihn für seinen Stoffmechsel chemisch weiter verwerten. Dies geschieht, indem der Traubenzuder entweder im Berbrennungsprozeß der Lungen unter Wärmeentwicklung zu Sohlensäure verwandelt und mit der Atmungsluft ausgeschieden wird, oder indem er den arbeitenden Geweben des Körpers zur Ernährung ihrer Zellen zugeführt mird, oder indem er endlich nach erfolgter Ummandlung zu tierischer Stärte, dem fagenannten Glykogen, an bestimmten Stapelplägen, nämlich in der Leber und den Muskeln, aufbewahrt wird. Einen Teil unseres Zuckerbedarfs nehmen wir nun aber nicht in der Form der komplizierten Kohlehydrate, sondern als Rohroder Rübenzuder zu uns, indem wir Kuchen oder andere 크크 40 Kromer 599 Aus der zuckerlosen Zeit. Süßspeisen oder gezuderte Getränke verzehren. Auch dieser gewöhn liche Zucker ist nicht ohne weiteres für die Verwendung im Organis mus geeignet, und es muß auch hier erst durch die Einwirkung der Berdauungsfermente eine Umwandlung in einfache Zuderarten er. folgen. Ganz ähnlich liegt es bei dem Milch zucker, welcher mit der Mutter: oder mit der Kuhmilch in unseren Körper gelangt, und ebenso mit dem Fruchtzucker, welchen wir mit Obst, Honig und Marmelade zu uns nehmen. Diese letzten beiden treten aber an Menge und Bedeutung für die Ernährung den anderen Kohle: hydraten gegenüber zurück. Ganz verschieden von allen Zuckerarten sind dagegen in ihrem Aufbau die künstlichen Süßstoffe, von denen das Saccharin das Körpers feine Bedeutung und dienen lediglich zur bekannteste ist. Sie haben allerdings für die Ernährung des Geschmadsverbesserung. Das Saccharin hat uns in den Zeiten des Mangels als Ersatzmittel für den fehlenden Zucker dienen müssen. In den üblichen Mengen hat es sich als durchaus un tramfa. Borüber Gutshöfe, Dörfer, polnische Edelsize. Sie tauchten auf, tauchten unter, mit ihren Parfs wie umbuschte Insein im Meer der baumlosen Felder schwimmend. Jetzt Bald, mit seinen langen Streifen dunkelblaue Linien in die noch farblose Ebene ziehend. Hier und da ein See, in dessen Röhricht Enten quarrten und beim Beitschentnall rauschend cufflogen. Selten so etwas wie ein Hügel, aber dann sicher darauf ein Kapellchen oder das Holzgerüft eines trigonometrischen Turmes. Alles in flüchtigem Erfassen vorüber. Was brauchte Hermann Berndorff auch weiter groß hinzusehen, er fannte das ja alles, mußte genau, wem diese Gemarfung gehörte, wem jene, fannte sich aus mit der Ertragsfähigkeit dieser Kornbreiten und jener Rübenäder; das Land um ihn fraß diesmal nicht seine Blide, seine Gedanken, er jah und dachte heute nur in sich hinein. Und da war etwas, das tannte er noch nicht so genau wie die Gegend hier, das betrachtete er jegt mit ganz versunkenen, sich immer tiefer einbohrenden, nachdenklichen Blicken. Bis dahin hatte der Sohn ihm nur Aerger gemacht, aber nun war auf einmal eine Sorge daraus geworden, eine wirkliche Sorge, fast ebenso groß mie die Sorge, die ihm Klein- Bukowig machte. Man hätte doch vielleicht öfter nach dem Sohn sehen, ihn nicht so sehr sich selber überlassen sollen. Kann, darf man denn das bei einem so jungen Menschen?! Dem vollblütigen Mann schoß es beängstigend heiß in die Stirn. Er ächzte auf in einer plöglichen Ballung. Bei manchem Sohn konnte das ein Vater vielleicht tun, fie waren sich ja nicht alle gleich die Jungen, aber Manfred war nicht einer von denen. Der mußte auf Kandare ge= ritten werden ein Gaul, der leicht durchging. Im Brief des Direktors war etwas gemefen, das den Vater aufgeweckt hatte. Zigarettenrauchen, zu viel Interesse für das weibliche Geschlecht oder so ähnlich! Die Weiber, ja die Beiber, daß der Junge schon mit denen anfing, das war lebnisse der Jugend erinnerte sie standen plötzlich vor dem schlimm! Gerade, weil er sich jetzt auf einmal an manche Erlebnisse der Jugend erinnerte alternden Mann quoll etwas wie Angst um den Sohn in ihm auf. Er rang nach Luft und wurde fast blaurot vor erfchwertem Atmen. Auf alle Fälle mußte er mal mit dem Jungen sprechen. Es waren vielleicht ganz harmlose fleine Liebeleien, die nur der vertrocknete Schulmeister so wichtig nahm, aber gleichviel, der Junge hatte jetzt nur die Nase in seine Bücher zu stecken und nicht hinter Mädchen herzufchnüffeln. Gott sei Dank, daß die Kreisstadt so ein Nest war, trotz ihres Gymnasiums, ihrer Präparandenanstalt und ihres Seminars für fatholische Priester. Hier fam man gleich hinter alles, hier fonnte nichts weiter Bedentliches passieren, dem ( Forts. folgt.) man nicht sofort auf die Spur gekommen wäre. schSdkich erwiesen. Trotzdem sehnt sich wohl niemand nach ihm zurück, dem, besonders angenehm war sein Genuß nicht. Im übrigen wird es nur von Zuckerkranken gebraucht, denen der Gebrauch de» natürlichen Zuckers wegen der Störung ihres Stoffwechsels nicht erlaubt werden darf. Zaubererverein. In der reichhaltigen Sammlung Berliner Vereine gibt es auch einen Zaubereroercin. Es liegt im Wesen eines charakterfesten Zauberer», daß er Unfug anstiftet, eine Uebung. die aus Märchen- buchen, und Heldensagen reichlich bekannt ist, aber trotz des indischen Titels«Maja� ist der Berliner Zaubererverein vollkommen harmlos. er denkt nicht einmal daran, vielleicht den Reichskanzler in einen anderen Menschen zu verwandeln, der das Versprechen vom Preis- abbau wahr machen würde, nein, auch die Parteien, die der Zoll- vorläge zustimmten, können sich ruhigen Gewissens weiterhin übe? ihr soziales Verhalten freuen, ihnen droht von dieser Seite keine Gefahr. Der Zaubererverein will einfach„das gesunkene Interesse an der Zauberkraft im Kabarett oder Varitä heben", gewissermaßen die breiten Massen„aufwühlen", damit sie wieder einsehen, wie wichtig es ist, ein Taschentuch in einen Vogel zu verwandeln, und aus einer unwahrscheinlich dünnen Röhre ein Paar Kaninchen ans Tageslicht zu befördern. Der Vercinszauberer trägt wie jeder Ver» cinsmensch, der sich an die Oeffentlichkeit wagt, einen Frack. Ihm fehlen der wallende Bart, der böse Blick und die mit magischen Zeichen dekorierte Spitzmütze, die man heute nur noch bei großen Zauberern in Märchenopern findet, er spricht mehr oder minder witzig und besitzt nicht den leisesten Anklang an einen Finsterling. Sehr nett führt er kleine Kunststückchen vor, die seit Generationen bekannt sind, er Holl sich einen Herrn aus dem Publikum, dem natür- lich im entscheidenden Moment die Hosen rutschen und der das wichtigste Gesicht aufsetzt, das er in seiner Gaderobe findet: dann muß eine junge Dame aus die Bühne kommen. Die jung« Dame weiß vor Aufregung nicht, wie sie sitzen soll und lacht aus Berlegen- heit unentwegt, sie muß eine Tüte halten, aus der Ringe ver- schwinden, die sich nachher in einem Postpaket wiederfinden. Die Dereinsmitgliedcr erreichen einen hohen Grad der Begeisterung, der Vereinszaubcrer fühlt sich als Wann der Oeffentlichkeit und dankt gerührt mit wohlwollendein Lächeln. Dann wird getanzt und dabei vielleicht noch eine Verlobung gestiftet. Hoffentlich gelingt es dem Wirken des Vereins, aus dem Zauberer wieder eine Nummer" zu machen, die der Conferencier nur mit einer in Achtung ersterbenden Stimme ankündigt, eine Aufgabe, die des Schweißes der Edlen wert ist. Der»begehrte Kötiigsfohtt'. Ein Gaunerroman. Fast ebenso zahlreich wie seine angedichteten Titel und Würden find die Straftaten, die den„Schriftsteller" Werner Seil vor das Schöffengericht Berlin-Mitte führten. Wegen Diebstahls und zahlreicher Betrügereien hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage erhoben. Unter den, romantischen Deckmantel, ein illegitimer Sohn de» König» von Sachsen zu sein und als solcher den Titel eines Freihern von Cöllen-Wettin führen zu dürfen, suchte und fand er leider immer noch allzu bereitwillige Opfer. Ein hochbetagter Berliner Goldschmidt und mehrere Damen haben ihre Leichtgläubigkeit teuer bezahlen müssen, sie dursten der geheimnis- vollen„Königlichen Hoheit" erhebliche Summe» opfern.. Auch in der Verhandlung umgab sich der Angeklagte sofort mit einer phan- tastischen Wichtigkeit und suchte vor allen Dingen polittsche Momente In den Vordergrund aller seiner Handlungen zu stellen. Wiederholt sielen die Namen Erzberger und W i r t h. Mit den Mördern des ersteren hätte er mehrfach in Verbindung gestan- den. sei dann aber vollständig in das Lager der Bolschewisten abgeschwenkt. Rechts und links waren für den scheinbar sehr gerissenen Gauner aber weniger Operetionsfelder für seine p o l i t i- schen Anschauungen, sondern nur jeweilige Vorwände für seine betrügerischen Absichten. In der Beweisaufnahme ließ sich feststellen, daß er einige junge Damm geschädigt hat, die längere Zeit Privatsekretärinnen bei Erzberger und Wirth waren. Mit welch dreisten Mitteln der Angeklagte in anderen Fällen vor- gegangen ist, mag das nachfolgende Beispiel zeigm. Einer jungen Dame hatte er ein kleines Päckchen mit einem Geheimsiegel übergeben. Nach seinen Angaben befanden sich darin die Bestätigun- gen seiner geheimnisvollen Geburt, untrügliche Doku- inente, in welchen Beziehungen er zu dem König von Sachsen stünde. Das betreffende Fräulein glaubte fest an diese Märchen und betrachtete sich als Braut des Angeklagten, dm sie bestimmt heiraten wollte. Als eines Tages aber die Neugierde den Glauben über- wand, war die Enttäuschung groß— einstmals gestohlene Plaketten befanden sich in dem Beutelchen, aber kein Wort, keine Zeile meldete von einem Königssohn! Ueber die Möglichkeit einer solchen Leichtgläubigkeit befragt, konnte die Zeugin nur ant- Worten:„Ich standaanz unter seinem Einfluß!" Nun saßen dl« gläubigen Damen beschämt, gesenkten Hauptes auf der Zeugenbank und muhten zu ihrem großen Schrecken noch vernehmen, daß ihr„verwunschener Prinz" auch vom Staatsanwalt in Elberfeld dringend verlangt wird. Dort muh er sich wegm eines Sittlich- kettsoerbrechen» an einer Französin verantworten. Weil dem Angeklagten verschiedene Punkte der Beschuldigungen nicht so einwandfrei nachzuwiesen waren, daß er deswegen bestraft werdm konnte, blieben eigentlich nur drei Fälle von Betrug und Diebstahl übrig, die ihm eine immerhin noch gelinde Gefängnis- strafe von einem Jahr eintrugen. Schwere Strahenunfälle. Ein schwerer Unfall ereignete sich in den Nachmittagsstunden des gestrigen Tages in der Leipziger Straße am Dönhossplah. Der 19 Jahre alte Walter T e l m a r aus Neukölln, Kottbuser Damm 96, iuhr unglücklicherweise mit seinem Rad zwischen«inen Triebwagen der Straßenbahn 69 und einen Autobus der Linie 8 und wurde förmlich zerquetscht. Mit schweren inneren Verletzungen wurde T. in sehr bedenklichem Zustande in das Krankenhaus am Urban«in- geliefert.— Ein weiterer schwerer Straßenbahnunsall mit tödlichem Ausgange ereignete sich um Uhr nachmittags in der Köpenicker Straße. Dort wurde der 70 Jahre alte Albert Scheel, wohnhaft Köpenicker Straße 25 a, von einer größeren Z y k l o n e t t e über- fahren. Dem alten Mann wurden beide Beine abgefahren: bereits auf dem Transport nach dem Bethanien-Krankenhaus trat der T o d ein.— Am Kurfürstendamm Ecke Giesebrechtstraße wurde gegen 'A6 Uhr die 60 Jahre alte Pripatiere Frau Wolfs aus der Mommsen- straße 48 von einem Lastwagen überfahren. Die Verletzungen waren so schwerer Natur, daß die Verunglückte kurz nach ihrer Einliefe- rung im Krankenhau» Westend v e r st a r b.— Einen schweren Unfall erlitt der 29 Jahre alte Kaufmann Paul P r e u ß aus Hamburg. der sich erst seit gestern in Berlin befindet. Beim Ueberschreiten des Kursürstendamms wurde er von einem Kraftwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er sofort in das Westender Krankenhaus über- geführt werden mußte, wo er in bedenklichem Zustande dar- nicderliegt. Brandstiftung? Im dritten Stock des Hauses Mühlen- straße 60 brach gegen 2 Uhr nachmittags bei der Radio- T e l e p h o n A.-G. durch Wegwerfen eines Zigarettenrestes Feuer au». Beim Eintreffen der Feuerwehr hatten die Angestellten den Brand bereits gelöscht. Nach einer Stund« wurde die Feuerwehr erneut dorthin gerufen. Abermals war ein Brand in demselben Raum entstanden, der nach 10 Minuten von der Wehr gelöscht wurde. Der Schaden beträgt 3000 Mark. Er wird Brand- stiftung vermutet. Di« Ermittlungen sind im Gange. Serltas Schweizer Anleihe. Entscheidung in der Stadtverordnet enversamnUung. Der städtische Haushaltausschuß hat sich gestern nachmittag noch einmal mit Bettins Schweizer Anleihe befaßt, die bekanntlich im Betrage von 30 Millionen Franken von einem Züricher Bankkonsortium übernommen werden soll. Im Haushaltausschuß hatten bei der ersten Beratung dieser Anleihe alle Parteien an ver- schiedenen Einzelheiten der Anleihebedingungen Anstoß genom- men. Der Kämmerer war beauftragt worden, noch einmal zu ver- handeln und eine Abänderung der Bedingungen durchzusetzen. In der gestrigen Sitzung erstattete der Kämmerer über das Ergebnis seiner Bemühungen Bericht. Der Haushaltausschuß selber faßte keine Entschließung, doch kann auf Grund seiner gestrigen Verhandlungen als sicher angenommen werden, daß die Stadt- verordnetenversammlung am Donnerstag mit großer Mehrheit der Bürgschaftsübernahme der Stadt für diese Anleihe der Berliner Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft zustimmen wird. Nur die Kommunisten erklärten, daß sie prinzipiell der allen Stadtver- ordnetenversammlung nicht mehr das Recht zuerkennen könnten, einen solch wichtigen Beschluß zu fassen. Ihnen wurde entgegen- gehalten, daß der Bau des Rummelsburger Kraft- wertes unter allen Umständen sichergestellt werden müßte. Im übrigen hielt Herr v. Eynern— immer der gleiche— wie gewöhnlich zur Belehrung der unaufgeklärten Haushottausschußmitglieder eines seiner bei ihm üblichen volkswirtschaftlichen Kollegs. Großen Ein- druck pflegt er allerdings mit seinen Belehrungen nicht zu erzielen. Immerhin, mancher kann sich stundenlang reden hören, ohne daß es ihm zu viel wird. Es Ist ein Glück sür die geplagten Zeitgenosien, daß Herrn o. Eynerns Rolle in der neuen Stadtoerordnetenverfamm- lung erheblich ausgespielt sein wird. Berlins Schulkindergärten. Mehr als 600 Kinder io«rden im engeren Berlin jede» Jahr zu Ostern ihrer allgemeinen Schwäche wegen vom Schularzt zurückgestellt. Da dies« Kinder von ihrer Ausbildungszeit ein volles Jahr verlieren, hat man fett einigen Jahren den Versuch gemacht, ihr Ausfasiungsvermögen, Gedächtnis, Ueberlegen. ihre körperliche Kraft. Beweglichkeit und ihr Geschick in Schul» kindergärten zu entwickeln und zu heben, damit sie geistig, körperlich und sprachlich den Anforderungen gewachsen sind, die die unterste Schulklasse an die Anfänger stellt. Dem Beispiel« Ehar- lottenburgs ist das engere Berlin gefolgt, Indem es vor einigen Jahren drei solcher Schulkindergärten in Gemeinde- schulen versuchsweise einrichtete und nun, da die Erfolge als recht günstig bezeichnet werden konnten, vier weitere erössnen wird. Am 1. November werden folgende Schulkindergärten bestehen: 1. im Bezirk Prenzlauer Berg bei der 289. Gemeindeschule, Senefelder- straße 6(alt), 2. im Bezirk Prenzlauer Berg bei der 298. Gemeinde- schule, Scherenbergstr. 7(all), im Bezirk Wedding bei der 14. Ge- meindeschule, Antonstr. 10/15(all), 4. im Bezirk Mitte bei der 103. Gemeindeschul«. Ruppiner Str. 47(neu), 6. im Bezirk Tier- garten bei der 246. Gemeindeschule, Zwinglistr. 37(neu), 6. im De- zirk Friedrichshain bei der 282. Gemeindeschule Zellestr. 12(neu), 7. im Bezirk Kreuzberg bei der 191. Gemeindeschule, Görlitzer Str. 51 (neu). Jeder Schulkindergarten hat einen aus den benachbarten Gemeindeschulen bestehenden Einschulungsbezirk, doch werden, falls noch Platz vorhanden, auch entfernter wohnende Kinder, jedoch nur schulpflichtige und vom Schularzt zurückgestellte, aufgenommen. Die Schulkindergärten sind von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Falls der Schularzt nicht Bedenken erhebt, sind die Eltern geHallen, ihre Kinder regelmäßig zu schicken. Jeder Garten umfaßt nur etwa 25 Kinder, so daß eine Rücksichtnahme auf die Eigenart eines jeden Kindes gewährleistet ist._ Emilie Bäumler gestorbe«. Am 24. Oktober starb die vielen Parteimitgliedern wohlbekannte Genossin Emilie B ä u m l e r im Alter von 71 Jahren. Ihr ganzes Leben war ausgefüllt von dem Bestreben, der Sache des Proletariats zu dienen und in unserer Partei besonders die Frauenbewegung zu fördern. 1900 gründete sie in Schöneberg den Frauen, und Mädchenbildungsverein und führte ihn acht Jahre später geschlossen unserer Partei zu. Unermüdlich war die Entschlafen« für die örtliche Frauxnorganisation tätig und ihrer Pflichtreue war es in hohem Anteil zu danken, wenn dieselbe die furchtbaren Kriegs- jähre ungeschwächt überwinden tonnte. An der Seite ihres Lebens- gefährten, auch eines alten Kämpfers aus der Zeit des Sozialisten- gesetzes, teilte sie echtes Proletarierlos. Ihr Lebensmut aber wankte auch in schweren Tagen nicht und Alltagsleid konnte sie nicht hindern, >hre Arbeitskrast der Allgemeinheit zu widmen. Sie wird den Genossinnen und Genossen des Kreises Schöneberg- Friedenau ein gutes Vorbild bleiben. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 29. Oktober, nachmittag» 4X Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, statt. Die Ferienheimgenossenschaft. Ueber„Die Ferienheimgenossenschaft, ihr Zweck und Ziel" sprach kürzlich in der Aula der Weinmeisterstr. M. Scharf. Ein- leitend wies er auf die ungeheuren Fortschritte hin. den die Arbeiter- ferien gemacht haben. Die Zahlen des Metallarbeiteroerbandes zeigen eine Entwicklung von einigen Tausenden vor dem Kriege zu Millionen, die jetzt durch Tarisoerträge zu ihren, wenn auch noch zu kurze Ferien kommen. Der Lichtbildervortrag selbst, noch Das kunclfunkppoxrsmm. Mittwoch, den 28. Oktober. AnOer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Jugendbühne. Vortragsstande:„Wirbolchens ■Windfahrt", von Luise Gieß. Vorgetragen von Elisabeth r. Elka. 4.80—• Uhr nachm.: Dr. Jo Lhennann spricht über„Das enro- päische Drama von heute*. 3. Vortrag:„Frankreich*. 1. Albert — Birot 2. Apollinaire. Z. Barräs. 4. Claudel. 5. Duhamel. 6. Lenormand. 7. Romaine. 8. Vildrac. 9. Zimmer. Im Anschluß: I.„Der Verarmte*, ein Akt von Charles Vildrac. Für den Berliner Rundtunk ins Deutsche übertragen von Ernst Joseph. Personen: Toussaint: Altred Braun; Marie: Charlotte Hagenbrnch; Tibaut: Otto Kronburger: Mädchen: Hedda Forsten. 6.45 Uhr abends: Dr. med. Frits Streblow:„Hygiene der Heilung*. 1. Vortrag. „WSnneökonomie des Wohnhauses im allgemeinen*. 7.15 Uhr abends: Geh Reg.-Rat Dr. Max Paehler:„Die Versorgung der KriegsbeschSdigten*. 7.45 Uhr abends; Hans- Bredow- Schule (Bildungskurse). Abteilung Musikwissenschaft. Geh. Regierungsrat Prot. Dr. Max Friedlaender:„Das deutsche Volkslied*. 2. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Heiterer Abend. 1. a) r. Wittich; Konsert (Resa), b) Böhm: Schön Eischen(Wagemann), o) Hildaoh: Spatz und Spatzin(Meyer)(Charlotte Freyer, Sopran). 2. Rezitationen (Karl Zander). 3. James Rothstein: a) An Pepito de Sala y Salvador(Dichtung eines spanischen Kuhhirten, übersetzt von Hans Bethge), b) Der Schäfer(Goethe), c) Horn tu vier Lenz, Aus des Knaben Wunderhom, d) Bettlertanzlied, Aus des Knaben Wunderhorn(Roh. Koppel, Berlin). 4. G. Becce: a) Kotturno. b) Liebes- traura. c) Intermezzo lirico. d) Elegie(Aus der Musik zum Film „Der letzte Mann")(Kapelle Becce). 5. a) Löwe: Niemand hat's gesehn(Gruppe), b) Hildacb: Mein Liebster ist ein Weber(Keil), c) Dorn: Das Mädchen an den Mond(Boise)(Charlotte Freier). 6. Rezitationen(Karl Zander). 7. R. Friml: Aus der Operette „Rose-Marie": a) Ueber die Prärie, b) O Rose-Marie, ich lieb' dich, c) R. Nelson: Morgen nicht zu spät, mein Schatz, aus„Con- fetti", d) W. Rosen: Wenn ich keinen Dalles hätt'(Schwabach und Rosen)(Robort Koppel). 3. G. Becce: a) Serenata amoroso. b) Siciliana, e) Dickens; Du meines Lebens Sonnenschein, d) G. Becce: Liebestraura(aus der Musik zu dem in Kürze erscheinenden Film„TartnfTo")(Kapelle Becce). Am Flügel: Waldemar Liachowskz-, 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, 1 Theater und Filmdienet. Manuskript gelesen, zeigte Bilder einer Reise durch Thüringen und die Ferienheime der Genossenschaft. Die Lichtbilder waren mehr als düster, der Vortrag bis aus wenig Eigenes ein Gemenge von lyrischer Fremdenindustrie und Baedeker. Es ist schade, daß die Ver- anstalwng nicht besser vorbereitet war, denn Zweck und Ziel der Ferienheimgenossenschaft sind sehr begrüßenswert. Im Thüringer Wald, im Erzgebirge, bei Söllichau bestehen schon wundervolle Heime, wo für 6 0 Pfennig Unterkunst gewährt wird. Jetzt soll die Mark Brandenburg eine Reihe von Ferienheimen erhalten, damit kurzfristige Ferien nicht durch die weite Reise verloren gehen. Bis jetzt zähll die Genossenscheft etwa 5000 Mitglieder, die hauptsächlich dem Touristenvercin der Naturfreunde angehören. Daß durch Selbst- Hilfe der Arbeiterschaft Großes geschaffen werden kann, zeigten die thüringischen Heime. Je mehr der Gedanke des Verleben? der Arbeiterserien draußen in der Natur zur Tat wird, um so mehr wird auch die Genossenschaft ihr schönes und erstrebenswertes Ziel verfolgen können._ Das ,versehe«�. Unterschlagene Sparsassengelder. Wegen Amtsverbrechens wurde der Stadtsekretär D o i ck e aus Spandau vom Schöffengericht Wedding abgeurteilt.. Doicke war Gegenbuchführer bei der Städtischen Sparkasse in Tegel und hatte in den Jahren 1924/25 in 5 Fällen insgesamt 3 7 0 M. von den Geldem, die durch seine Hände gingen, unterschlagen. Zur Deckung der Unterschleife hatte er Belege und Register gesälscht. Als auf einer Kontokarte eine zu Unrecht erfolgte Abbuchung festgestellt wurde, stellte er es als„Versehe n" hin und veran- laßt« eine ihm bekannte Sparkassenkundin, ihm ihr Bück) auszu- händigen. Er machte dann mit Hilfe dieses Buches einen anderen falschen Abrechnungsvermerk. Erst als auf das Buch Geld abge- hoben werden sollte, kam auch dieser Betrug heraus. Die Ber- Handlung ergab auch die auffällig« Tatjach«, daß Voicke schon im Jahre 1922 wegen versuchten Diebstahls an Stelle einer Gefängnis- straf« von 100 Tagen zu einem entsprechenden Geldbetrag« ver- urteilt worden war. Diese Bestrafung war aber nicht zur Kenntnis seiner Dienstbehörde gekommen. Dos Schöffengericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu. weil ihn wirtschaftliche Notlage, hervorgerufen durch Krankheit in der Familie, zu den Straftaten veranlaßt hatte. Der Stadtsekretär wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteill und es wurde ihm auf 5 Jahre die De- sähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter abgesprochen. Mit Rücksicht auf die Schwere der Verfehlungen sprach sich das Gericht gegen jede Strafaussetzung aus. Der„Transportgriff". Zum dritten Male gelangte ein Vorgang, der sich nach einem Konzert de» italienischen Tenors G i g l i vor der Philharmonie ab- gespiell hatte, zu einer gerichtlichen Verhandlung. Zuerst war ein Geiger I. wegen Widerstandes angeklagt gewesen, aber in zweiter Instanz vor der Strafkammer freigesprochen worden. Nunmehr war der Spieß umgedreht worden und der Schutzpolueiwacht- meister Sachweh wegen Körperverletzung im Amt vor dem Schössen- gericht Mitte angeklagt worden. Vor der Philharmonie hatte sich seinerzeit ein« groß», Menschenmenge angesammell. die den Sänger sehen wollte. Die Polizei hatte einen Durchgang gebildel, damit die Konzertbesucher das Haus verlassen konnten. I. wurde mehrmals von Sachweh zurückgestoßen, wie er behauptete, weil die Menge nachdrängte, wie er behauptete, weil er sich vordrängte. I. will nun plötzlich ohne jeden Grund von dem Beamten am Arm gepackt worden sein. Der Arm sei ihm aus den Rücken gebogen worden und, mit dem Körper fast auf der Erde, habe er zur Wal e mitgehen müssen. Erst unterwegs habe der Beamte ihn losgelassen und er sei freiwillig mitgegangen. Als er dem Beamten sagte, er sei Geiger, und es mächte ihm nicht der Arm kaputtgemacht werden, habe er die Antwort erhalten, daß gehe ihm(dem Beamten)„einen Dreck" an. Der Polizeiwachtmeister bestritt diese Darstellung und will nur den üblichen Transportgrifs angewendet haben, um den Widerstand zu brechen. Iedensalls hatte I. am Arm von dem Griff blutunterlaufen« Stellen, was zu der gegenwärtigen Anklage gegen S. führte. Die Aussagen von Augenzeugen bei dem Vorfall au» dem Publikum und der Beamtenschaft widersprachen sich vollkommen. Eine Reihe von höheren Polizeiosfizieren, die als Sachverständig« vernommen wurden, bezeichneten den Transportgriff, bei dem der Arm des Sistierten auf den Rücken gezogen wird, als einen ganz harmlosen Vorgang. Di« Verletzungen sprächen dafür, daß Wider- stand geleistet worden sei. Nachdem den Beamten der Gebrauch der Waffe stark beschränkt worden sei, wäre der Transportgriff in der heutigen Zeit eiens der notwendsgsten und ungefährlichsten Hilss- mittel. Das Schöffengericht konnte nicht feststellen, ob der Polizei-, grifs in der vorliegenden Situation notwendig gewesen sei. Die Zeugenaussagen hätten sich derartig widersprochen, daß die objektive Wahrheit sich nicht feststellen ließe. Dem Angeklagten hätte nicht widerlegt werden können, daß er sich zu dem Polizeigriss berechtigt geglaubt habe, um einen Widerstand zu brechen, deshalb mußte er auf Kosten der Staatskasse freigesprochen werden. vi« unerwartete Sassenrevision. Der Gemeindeborsteher von Hoppegarlen, Karl Motte, ist, wie jetzt mitgeteilt wird, vor kurzem sowohl wegen sittlickier Verfehlungen als auch wegen der nidit einwandfreien Führung seiner Gc- schäfte als Gemeindevorsteher beurlaubt. Er war 1920 zum ersten besoldeten Gemeindevorsteher von Hoppegarten gewählt worden, wurde nach Besoldungsgruppe 9 bezahlt und erhielt eine Aufwandsentschädigung als Amtsvorsteher von 1500 Mark jährlich. Als er im Juli d. IS. auf Urlaub ging, wurde durch eine plötzliche Kassenreviston«in erhebliches Manko festgestellt. Auf Grund dieser und der bereit» oben genannten Verfehlungen ist jetzt das D i szi- plinarverfahren gegen ihn eröffnet worden. Selbstmord eine» Wächter». In der Markusstraße SO schoß sich der 66 Jahre alte Wächter Emil Stützen st ein eine Kugel in die rechte Schlöse. Er wurde durch da» RettungSamt nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er bereit» verstorben ist. Da» Motiv der Tat ist unbekannt. Gegen die starte Verunreinigung der Flußläuse. Die Berliner Wasserstraben werden in letzter Zeit stark durch Tierkadaver und faulende Obstreste verunreinigt. Die Straßenaussichtsbeamten sind deshalb angewiesen worden, gegen Personen, die die Flußläuie und sonstige Gewässer auf irgendeine Art verunreinigen, rück- fichtSloS einzuschreiten und sie zur Anzeige zu bringen. Anerreicht in antiseptischer Wirkung und Wohlgeschmack. Die Arbeiterbildungsschule. Neue Arbeitsgemeinschaften. Im Laufe dieser Woche beginnen im Rahmen der Unterrichtskurse des Arbeiter- Kultur- Kartells Groß- Berlin die Arbeitsgemeinschaften der Arbeiterbildungsschule. 1. 12. Kreis Steglih. Freitag, den 30. Oftober, abends 7% Uhr, in der 1. Gemeindeschule, Stegliz, Ringstr. 55: Im Kampf um die Schule." Lehrer: Genosse Kreuziger. " 2. 17. reis Kaulsdorf. Freitag, den 30. Oktober, abends 8 Uhr, Gemeindeschule Adolfstraße, Kaulsdorf: Grund lagen fozialistischer Erziehungsarbeit." Lehrer: Genosse Horlig. 3. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 2. November, abends 7 Uhr, im Jugendheim Charlottenburg, RofinenStraße 3: Geschichte der Arbeiterbewegung." Lehrer: Genosse Mo arquardt. 4. 20. Rreis Reinidendorf. Dienstag, den 3. No. vember, abends 8 Uhr, im Zeichensaal der 1. Gemeindeschule, Reinickendorf, Lindauer Straße( unmittelbar am Bezirksamt): ,, Sozialistische Theorien und sozialdemokratische Parteiprogramme." Lehrer: Genosse Kazenstein. Hörerfarten für die Arbeiterbildungsschule sowie Karten für sämtliche vom Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin und dem Arbeiter Kultur- Kartell Groß- Berlin getroffenen Veranstaltungen find zu haben bei allen Mitgliedern der Kreisvorstände und der Bildungsausschüsse, Zigarrengeschäft Horich, Engelufer 24/25, Tabafvertrieb Inselstr. 6, Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5, Wilhelm Schmidt, N., Tegeler Str. 31, Buchhandlung Borwärts, Lindenstr. 2, im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Zimmer 8, in allen Vorwärtsspeditionen. Benutzt die Bibliothek der Arbeiterbildungsschule! Die Bücherei der Arbeiterbildungsschule ist in erster Linie dazu bestimmt, den Teilnehmern an den Kursen der Arbeiter bildungsschule geeignete literarische Hilfsmittel an die Hand zu geben. Hervorragende Werke aus allen Wissensgebieten, die im Lehrplan berührt werden, wie Nationalötonomie, Geschichte, Theorie und Praris des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, Sozialpolitit, Kulturgeschichte, Philosophie und Psychologie find in Arbeiten bedeutender Fachgelehrter reichlich vertreten. Naturwissen schaft, Religionsfunde und Pädagogik find erst in letzter Zeit durch Neuanschaffungen wesentlich ergänzt worden. Außerdem enthält die Bibliothef eine reiche Sammlung von Werfen der schönen Literatur, darunter Meisterschöpfungen aller Völker und auch viele zeitgenössische Dichtungen von bleibendem Wert. Die Bibliothet soll nicht nur den in der Schule arbeitenden Genossen und Genossinnen zur Selbst- und Weiterbildung dienen, sondern sie steht ohne Unterschied allen zur Verfügung, die Freude an guter Literatur haben. Die Bücherei ist mit großen Opfern geschaffen und mit Liebe und Sorgfalt von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut worden, bis sie zu der heute über 10 000 Bände umfassenden Sammlung angewachsen ist. Sie erfüllt ihren Zweck erst dann vollkommen, wenn die, die materielle Opfer für dieses Wert gebracht haben, auch geiftig davon Besitz ergreifen. Ein guter Fang. Duetichung des Fußes babongetragen, bie feine Amputation wahr ſcheinlich machen. G. wurde nach dem Krankenhaus Besten Parteinachrichten übergeführt. vormittags 11 Uhr im Rathause, Saal 109, drei Treppen, Eingang Der Stadtwahlausschuß tritt am Freitag, den 30. Oktober, Jüdenstraße, zur Feststellung der auf die Kreiswahlvorschläge insgefamt entfallenen Stimmen und zur Ermittlung des Wahlquotienten zusammen. Am Donnerstag, den 5. November, mittags 12 Uhr, findet ebendort die Verteilung verordnetenfige durch den Wablausschuß statt Der Zutritt zu der auf die zugelassenen Stadtwahlvorschläge entfallenden Stadt diesen Sigungen steht den Wahlberechtigten offen. Tragödie eines Achtzehnjährigen. Aus Furcht vor Strafe, weil er nämlich seinen Eltern einen Ring entwendet hatte, erhängte sich der 18 Jahre alte Schlosser Kurt W. in der elterlichen Wohnung in der Stettiner Str. 12, als die Eltern abwefend waren. Als sie gegen 2 Uhr nachts heimfehrten, fanden sie ihren Sohn am Ofen hängend tot vor. Der von der Rettungsstelle sofort herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Städtische Dper: Karten zu ermäßigten Breisen für Freitag, den 30. Oftober Fledermaus"; Montag, den 2. November, Waffenschinied" und Dienstag, den 3. November, Ariadne auf Naros", im Bezirksbildungsausschuß. Lindenstr. 3, 2. Hof II, Zimmer 8. Das Bolfsbildungsamt Prenzlauer Berg veranstaltet am Freitag, den 30. Ditober, in der Aula der Königstädtischen Dberrealschule, Pasteurs ftraße 44/46, einen Vortragsabend. Herr Dr. Feliz Günther spricht Bom musikalisch Schönen". Der Vortrag wird erläutert durch Mufit und Gesang. Der Eintritt ist frei. Beginn 7, Uhr. auf weiteres aus. Typographia! Die Uebungsstunden Donnerstag vormittags fallen bis Norderney Festland. Kürzlich ging durch die Preffe die Nachricht, daß der Dammbau Festland- Sylt seiner Vollendung entgegengehe. Es mird interessieren, daß schon seit längerer Zeit ein Projekt: Da mm. bau Norderney- Festland die Gemüter der zunächst Interessierten bewegt. Schon vor dem Kriege wurde dies Problem einmal erörtert. Greifbare Gestalt gewann es allerdings erst in letter Zeit. Heftig wird für und auch gegen diesen Plan debattiert. Gegen ihn scheinen allerdings nur intereffierte Schiffahrtskreise zu sein, die es vielleicht schmerzlich empfinden, wenn die Reichseifenbahn die Beförderung der Reisenden nach Nordernen übernehmen würde. Der Dammbau ist gedacht östlich des Leuchtturms von Norderney nach dem Festlande, und zwar auf der Wasserscheide, wo sich die Fluten des Baltrumer und Norderneyer Seegats treffen, wo man bei Ebbe schon fast trockenen Fußes das Watt durchqueren fann. Der Deich müßte als Eisenbahndamm und als Autostraße benutzt werden können. Die Meinungen der Sachverständigen gehen darüber auseinander, ob ein einfacher Durchlaß für die Wattfchiffahrt genügt, oder aber ob eine Drehbrücke notwendig ist. Zum Anschluß an das Eisenbahnnetz tönnte die Strecke Leer- EmdenNorden benutzt werden, dagegen wird von anderer Seite gewünscht, durch eine neue Eisenbahnlinie Leer- Aurich- Norderney die wirtschaftliche Erschließung Ostfrieslands zu fördern, da im Innern Ostfrieslands noch große Moor- und Debländereien brach liegen, die man durch diese Eisenbahnlinie ertragfähig zu machen Frequenz des Bades bedeutend gehoben wird. Für die ErholungJuchenden würde die direkte Berbindung eine größere Bequemlich feit bedeuten. Ganz abgesehen von niedrigeren Lebensmittelpreisen, die durch die billigeren Frachtfäße bedingt wären, denn es ist ohne weiteres einleuchtend, daß die jeßige Dampferverbindung preisver teuernd wirkt. Bei durchgehenden Zügen nach Norderney würde auch den Minderbemittelten beffer Gelegenheit gegeben, die Schönheiten der Nordsee kennenzulernen. Nach der Festnahme der Tempelhofer Stadtlaffenhofft. Nordernen erwartet, daß durch den Eisenbahnanschluß die einbrecher find inzwischen von den Bebörden über 200000 W. Bargeld zurüdgebracht worden, etwa ein Viertel steht noch aus. Die Ermittlungen des Kommissars Bünger ergaben, daß der Schloffer Bruno Schulz, der Kaufmann Paul Bawlid und der Arbeiter Willy Fechner noch als Täter einer ganzen Reihe weiterer Geldicrantbiebstäble in Frage kommen, die in diesem Jahre in Berlin und Umgebung verübt wurden. Es ist demnach mit einer Anllage wegen zahl. reicher, bandenmäßig verübter Geldschrankeinbrüche zu rechnen. Dritte deutsche Spitzenmesse. Jie Arbeitsstelle zur Förderung deutscher Spigenfunft, Stid- und Strickereien E. B. hält zurzeit in den Festfälen des Zoologischen Gartens ihre dritte deutsche Spizenmesse ab. Für den flüchtigen Beschauer hat diese Veranstaltung ein doppeltes Gesicht: Einerseits erfreut sie durch die Fülle des Gebotenen, durch die zahlreichen Qualitätsabstufungen in Arbeit und Material, ohne daß man je auf minderwertiges stößt; andererseits wiederum ftimmt sie nachdenklich durch den Mangel an mirt= lich Neuem; nicht an neuen Techniken da diese doch meist mehr Modelaunen befriedigen als einen bleibenden Gewinn darstellen wohl aber an Entwürfen. Ganz selten sieht man etwa Klöppelmuster von funstgewerblichem Wert, und in der Fülle der sonstigen zur Schau gestellten Spigen fielen nur noch hauch feine Tüllarbeiten von besonderem Gepräge auf. Alles andere scheint die tausendste Wiederholung von neunhundertneunundneunzigmal Gesehenem zu sein, da die Mittel fehlen, um. befähigte Kunstgewerbler zu Neuentwürfen heranzuziehen. Daher ist es nicht meiter überraschend, daß man beispielsweise originelle Leinendurchbrucharbeiten eigentlich nur dort findet, mo fie eben ein anderes Boltstum ausbrüden: an den Ausstelltischen Sowjet- Ruß lands. Doch sieht man den meisten Dingen an, daß sie schnell gearbeitet wurden und in erster Linie für den Berkauf, nicht zum Selbstgebrauch bestimmt sind. Um die Spizenausstellung, die den Kern der Veranstaltung bildet, gruppieren sich dann tausend andere Dinge, die das Herz einer Frau erfreuen fönnen. Ein Empfang. Zum Empfang der im Leipziger Kommunisten prozeß nach langer Untersuchungshaft gestern abend 9 Uhr freigelaffenen 5 Kommunisten hatte die Polizei ein Aufgebot von etwa 120 Mann am Anhalter Bahnhof zusammengezogen und Absperrungen vorgenommen. Das Bublifum, das von nichts wußte, wurde erft dadurch aufmerksam. Abends 7 Uhr 19 Min. trafen die Kommunisten hier ein. Angehörige und einige Parteifreunde, die sich in der Bahnhofshalle befanden, warteten zuerst vergeblich auf die fünf singend aus dem Zug Steigenden, die von der Polizei zum Seitenausgang hinausgeleitet wurden. Außerhalb der Bannmeile des Bahnhofes versammelten sich die zum Empfang herbeigeeilten Bezirksgruppen und in geschlossenen Zügen zogen sie zum Blücher play. Dort wurden Ansprachen gehalten. Darauf zogen die einzelnen Gruppen in ihre Bezirke zurüd. Fernübertragung der Sendefpieloper Iphigenie in Aulis". Die am Sonnabend, den 31. d. Mis. aus Anlaß der Feier des Geburtstages der Funkstunde aur Darbietung gelangende Große Oper obigenie in Aulis" von Cristoph W. Glud wird von Berlin aus gleichzeitig auf die Sender Hamburg( Zwischensender Hannover und Bremen), Frantfurt a. M., Leipzig( 3wischenfender Dresden), Münster( Zwischensender Dortmund und Elber feld) und Königsberg übertragen. Das städtische Fernheizwerk in Neukölln ist auch in diesem Jahre in der Lage, sein Anschlußnet weiter auszudehnen. Das Bezirksamt wird die im Bau befindlichen Wohnhäuser an der Wildenbruch und Finowstraße fowie an der Ecke Weigandufer und Wildenbruchstraße an die Leitungen des Werts anschließen. Die Gebäude besigen rund 820 Meter Straßenfront und enthalten durchweg Kleinwohnungen, denen durch den Anschluß an das Fernheizwert auf billige Weise die großen Annehmlichkeiten der Sammelheizungen auteil werden. 3m Paternoster" verunglückt. Der 43 Jahre alte Stellmacher August Germish wollte den im Charlottenburger Raibaus befindlichen Paternoster benutzen, um bon dem dritten Stod nach Barterre binunter zu fahren. Bei dem Besteigen des Aufzuges trat er feil und wurde mit dem linken Fuß zwifchen die Steinwand und den Aufzug geflemmt. Zum Glüd war ber Unfall sogleich bemerkt worden, so daß der Aufzug zum halten gebracht und G. aus seiner qualvollen Lage befreit werden konnte. Außer einem Bruch des Beines hatte der Verunglüdte eine so starte Durch den Dammbau würde die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft der Insel verbessert und die in jedem Winter erschreckend hohe 3 ahl der Arbeitslosen vermindert, da dann die Möglichkeit bestände, auswärts, 3. B. in Emden, Beschäftigung an zunehmen, ohne die Wohnung aufgeben zu müssen. Hauseinsturz in Paris. Die Bewohner unter den Trümmern begraben. Paris, 27. Oftober( TU.). In Paris ist heute vormittag ein dreistödiges Haus eingestürzt. Sämtliche Bewohner liegen unter den Trümmern begraben. Feuerwehr und Truppenfommandos find mit den Rettungsarbeiten beschäftigt. Bisher sind mehrere Tote und Schwerverlette unter den Trümmern hervorgezogen worden. Wieviele noch unter den Trümmern liegen, ist noch nicht zu übersehen. Ein eigenartiger Unglüdsfall ereignete sich in einer Magdeburger Seifenfabrit. Das Pferd eines vorüberfahrenden Fur werfs ging durch und raste in die Garage der Seifenfabrit hinein. Dabei wurde ein Mann überfahren und leicht verlegt. In der Garage zerschlug das Pferd einige Ballons mit Schwefelsäure. Ein Chemiter wurde fo schwer verletzt, daß an seinem Auftommen gezweifelt wird. Der Kutscher erlitt einen Nervend of und zog sich eine Bergiftung durch Schwefeldämpfe zu; er hat die Sprache verloren. Ein neuer Rundfunksender in Königsberg. Nachdem die nötigen Mittel zur Aufstellung eines großen Rundfunksenders in Königsberg bewilligt worden sind, soll in allernächster Zeit mit dem Bau auf einem vom Königsberger Magistrat in Amalienau auf 30 Jahre gepaciteten Gelände begonnen werden. Der neue Sender ist 10 Kilowatt start. Nationalsozialiffen gegen die Zeppelin- Spende. Die Bollfigung des Münchener Stadtrates genehmigte mit allen gegen sieben Stimmen der Kommunisten und der Nationalsozialisten zur Zeppelin- Edener Spende einen Betrag von 10 000 Mart. München- Berlin in 3 Stunden. Ein Verkehrsflugzeug flog dieser Tage die Strecke Berlin- München, für die der Flugplan 4% Stunden vorsieht, in drei Stunden. Der Schnellzug braucht demgegenüber 11 Stunden. Eisenbahnfatastrophe in Amerita. Ein Schnellzug der St.Louis- San- Francisco- Eisenbahn entgleifte in der Nähe von Viktoria( Mississippi) und stürzte den Eisenbahndamm hinunter. 16 Personen wurden getötet, über 30 verwundet. Wirbelsturmfatastrophe im Persischen Golf. Bei einer Wirbelsturmfatastrophe im Berfischen Golf bei Bahrein und Hendscham find Hunderte pon Berlfischern ertrunken. Unmittel bar por Ausbruch des Wirbelstürmes wurden die Inseln Hendscham und Tamb von einem heftigen Seebeben heimgesucht. Gleichzeitig mit der durch das Seebeben hervorgerufenen Flutwelle segte der Wirbelsturm ein. Die britischen Kanonenboote, die die Perlfischerei im Golf überwachen, versuchten die Ertrintenden zu retten, mußten sich jedoch vor dem Sturm in den Windschutz der Inseln retten. Der Polizeichef von Moskau tödlich verunglückt. Der Chef der teilung des Moskauer Sowjets 3 ierul murde bei einem AutoMoskauer Polizei und stellvertretende Direktor der Wirtschaftsab. motilzusammenstoß auf der Bakuninstraße schwerverlegt und starb 24 Stunden später im Hospital. Zierul, ein Lette aus Kurland, hatte bereits an der Revolution von 1905 teilgenommen, wurde von der Barenregierung nach Sibirien verbannt und trat dann 1918 nach der bolichemistischen Revolution sogleich als sehr aftives Mitglied der Kommunistischen Partei hervor. Er organisierte die Zweigabteilung der Tscheka im Turkestan und war auch zeitweilig stellvertretender Kommissar des Innern in der Turkmenenrepublif. 1923 wurde er zum Chef von Moskau ernannt. Weller für Berlin und Umgegend. Fortdauernd mild, meist Betvöllt ohne erhebliche Niederschläge. Für Deutschland. Im Besten strichweise etwas Regen, überall mild. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Beatrissekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts. an richten Achtung! Folgende Abteilungen haben die Wahlresultate noch nicht ein. gefchidt: 7, 52, 53, 55, 56, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 83, 85, 86, 88, 102, 108, 111, 112, 124, 126, 127, 138, 141. ir bitten bas Bersäumte schnellstens nachzuholen. * 27 17. Areis Lichtenberg. Donnerstag, den 29. Oftober, 7% Uhr, im Gesangsaal des Cäcilien- Engeums, Rathausstraße, Frauenabend. Bortrag: Prole tegische Dichtungen". Referent Genoffe Franz Sauch. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Berlin- Mitte. Donnerstag, ben 29. Ofto. ber, pünktlich 8 Uhr, Werbeabend in der Aula Weinmeisterftr. 17-18. Genoffe Frig Schmidt berichtet ven feinen Erlebnissen in Sowjetrußland und wird bazu viele neue interessante Lichtbilder zeigen. Rarten zu 30 Bt. an der Abendbasse. Heute, Mittwoch, den 28. Oktober: 12. t. 714 Uhr bei Schmidt, Wiclefftt. 17, Funktionärversammlung. 20. bt. 7 Uhr bei Wende, Rolonieftr. 147, Abteilungsverfammlung. Bortong: ,, Die lekten Stadtverordnetenwahlen". Referent Genosse Ewald. 24. Abt. 7 Uhr im Altersheim( vom Bezirksamt Prenzlauer Berg) Danziger Straße, Baraden, Abteilungsversammlung. 36. Abt. Die Funktionäre werden ersucht, eine halbe Stunde vor Beginn der heutigen Bersammlung in der Schulaula Straßmannstr. 6 zu einer fehr wichtigen Besprechung anwesend zu sein. Morgen, Donnerstag, den 29. Oktober: 7½ Uhr bei Behrendt. Manteuffelitr. 95, Bortrag: Reich und kommune". Referent Stabtrat Bfeiffer. Jungsozialisten. Gruppen Mitte und Rorben: 8 Uhr in der Schule Gipsstr. 23a, Uebung zum Glasbrenner- Abend. * Ferienkolonie Schöneberg, Rindergruppe. Die Rinder werden gebeten, an der Einäscherungsfeier ihrer alien Freundin, Genoffin Bäumler, am Donnerstag, den 29. Oktober, teilzunehmen. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr am Neuen Rathaus, Rudolf- Wilde- Plak. Elternbeiräte. Am Donnerstag, den 29. Oktober, 6½ Uhr, im Eikungsfaal des Bezirksamts Kreuzberg, Vordftr. 11, Vortrag des Genossen Magistratsoberschulrat Nydahl über Der Ausbau der Berliner Boltsschule". 103. Abt. Oberschöneweide. 25 Jahre Mitglied der Partei ist heute der Genosse Baul Burgfchat. Seine frühere Tätigkeit als Raffierer, Borsigender und Gemeindeverordneter haben miz in bankbarer Erinnerung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 77. Abt. Schöneberg. Die Einäscherung unserer verstorbenen Genoffin Baumler erfolgt am Donnerstag, den 29. Ditober, nadmittags 4% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. 105. Abt. Adlershof. Unser Genoffe Otto Tarnow, Friedenstr. 21, ist verstorben. Einäfcherung am Donnerstag, den 29. Ottober, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungskaffierer! Seute von 5-7 Uhr Abrechnung der Beitragsmarken. Heute, Mittwoch, den 28. Oktober, abends 7½ Uhr: Webbing: Schule Ruheplak, Ede Antonftraße, Bortrag:„ Gemeinschafis erziehung". Selmholtplan: Schule Eberswalder Str. 10, Mitgliederper sammlung und Aussprache über Das Reichsbanner". Rosenthaler Bor. ftadt: Bortrag: Wilhelm Busch". Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 103, Mitgliederversammlung. Often( Vetersburger Biertel): Jugendheim Ebertn. straße 12, Bortrag: Bir und die Gewerkschaften". Warschaner Biertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4, Bortrag: Die Rinderfreundebewegung". Lant wik: Gemeindeschule Schulstraße, Bortrag: Arbeiterdichter". Wannsee: Schule Charlottenstraße, Mitgliederversammlung. Ertner: Boltsküche, Bor trag: Der Sicat und wir". Raulsdorf: Schule Adolfftr. 25, Bortrag: ,, SAJ. und feruelle Fragen". Buchholz: Vorstandssikung beim Genossen Winkler. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " Gefäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 37/38. Sof 2 Tr. Ortsgruppe Bohnsdorf: Heute abenb 8 Uhr Generalversammlung in Köpenick, Stadttheater. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 27. Oftober. 1. Rennen. 1. Mired Double(. Wolff), 2. Rossini( A.Hellebrandt), 3. Hedenstrauch( Gangwolf). Toto: 32:10. Blag: 17, 20, 18: 10. Ferner liefen: Pilatus, Blad Bell, Fegefeuer, Leander, Chin Chin, Kolumbus, Caracas, Livadia. 2. Rennen. 1. Stalliebling( Varga), 2. Maefioso( D. Schmidt), 3. Nimmerwahr( Huguenin). Toto: 70: 10. Blat: 15, 12, 16: 10. Ferner liefen: Flozbilde, Hilf Dir selbst, Brandmeister, Gerber, Pistole, Dfiris, Carlotta. 3. Rennett. 1. Meteor( M. Schmidt), 2. Marienburg( Haynes), 3. Dirndl( Barga). Toto: 123: 10. Blab: 51, 20, 57: 10. Ferner liesen: Maravedis, Tante Lotte, Maid, Gralsritter, Magnet, Fürst Emmo, Laufjunge, Raya. 4. Rennen. 1. Dlympier( D. Schmidt), 2. Prilep( Haynes), 3. Ban Robert( Bleuler). Toto: 32: 10. Plat: 29, 27, 24: 10. Ferner liefen: Patrizier, Marcellus. Bromo, Laugenichts, Labrador, Graburg, Kudlich, Frohsinn, Banter, Automedon. 5. Rennen. 1. Rheinmein( W. Tarras), 2. Maifahrt( Ungerer), 3. Indigo( D Samidt). Toto: 15:10. Plaz: 15, 25: 10. Ferner liefen: Impressionist, Diftator. 6. Menyen. 1. Aufbau( B. Ludwig). 2. Golblad( Barga), 3. Mirto ( Staudinger). Toto: 89: 10. Plaz: 30, 21, 151: 10. Ferner liefen: bel, Dlive, Radieschen, Herbert, Georgiritter, Froher Mut, Bittoria, Trianon, Fechter, Quilon, Milo. 7. Rennen. 1. Teifi( D. Schmidt). 2. Taiga( Schönfilch), 3. Rüstung ( Elflein). Toto: 121: 10. Blaz: 27, 17, 51:10. Ferner liefen: Transuse, Abendmind, Great Gala, Katastrophal, Barus, Gaudium, Eichlaze, Glashäger, Dbotrit, Roberta, Beleda. Neben feinem bekannten Puddingpulver empfiehlt jetzt penner das vorzügliche selbsttreibende Kuchenmehl mit feinstem Kuchengewürz 1 Pfund Paket für die hausbäckerei 55 Preiswert und bequem verwendbar. In allen Lebensmittelgeschäften erhältlich. nährmittelfabrik Julius Penner A. 6. Berlin- Schöneberg. Zusammenbruch der Dolchstoßlüge. Coßmann tritt den Rückzug an. zu, daß gegen die Mehrheitssozialdemokratische Partei ein Vorwurf nicht erhoben werden fann. Bon unserer Seite wird das als ein Eingeständnis zu unserer Behauptung der Fälschung hiftorischer Ereignisse aufgefaßt." Darauf wird die Befragung des Zeugen Landsberg fortgesetzt. Dieser führt weiter aus: Zu den Grundsätzen der Sozialdemokratie hat der Grundfah der Selbstverteidigung immer gehört. M München, 27. Oktober.( Bd3.) Reichstagsabgeordneter Landsberg- Berlin führte im weiteren Berlauf der gestrigen Sigung aus: Ich befürchte, daß die Ein. heitsfront, die mir in Deutschland noch einmal dringend brauchen werden, durch diesen Vorwurf verhindert wird. Es gab für die erdrückende Mehrheit der sozialdemokratischen Frattion gar feinen Meinungsunterschied. Es wurde immer betont: Wir haben nicht zu untersuchen, wie der Krieg herbeigeführt worden ist, sondern wir sind im Kriege, und wir müssen alles tun, um die Die Unabhängigen trennten sich von der Mehrheit, weil ihnen vorGefahr für unser Land zu beseitigen, und mir müssen jetzt vor aller Welt und namentlich im Interesse unserer ausziehenden Soldaten geworfen wurde, daß sie die alten Grundsätze preisgegeten und ver die vollkommene Einheit wahren." Das war die Beraten haben. Bezüglich des U Bootfrieges erklärte der Zeuge: deutung des 4. Auguft. Wenn es uns in diesen Zeiten gelungen ist, ir standen dem U- Bootkrieg jfeptisch gegenüber. Zuerst wurde die Feinde in Ost und West zurüdzudrängen und deutsches Land im der uneingeschränkte U- Bootfrieg von der Regierung abgelehnt. Auch mejentlichen vor der Invasion zu bewahren, so führe ich, das zurüd Helfferich sprach dagegen. Im Januar 1917 kam dann der Umschlag. auf die Begeisterung, die unsere Goldaten auf Grund des Eindruds helfferich sagte damals, daß die größte Aussicht vorhanden sei, empfangen: die ganze Heimat steht hinter uns! Die sozialdemoEngland durch den U- Bootkrieg zu vernichten. Ich erinnere mich fratische Reichstagsfrattion hat sich damals mit allen eines Ausspruches, den ich im Reichstage machte an dem Tage, als gegen 14 Stimmen entschlossen, die Kriegstredite zu bewilligen. Im der uneingeschränkte U- Bootkrieg beschlossen wurde. Ich sagte: Blenum trat ein Widerstand überhaupt nicht in die Erscheinung, und Diese Tat ist der Untergang Deutschlands." diejenigen, die zur Minderheit gehörten, haben nicht daran gedacht, das Baterland mehrlos zu machen. Was die Mehrheitssozialisten ron den Unabhängigen trennte, das war dic verschiedene Beurteilung der Lage Deutschlands. Wir wollten den Frieden der ehrlichen Verständigung, der uns ließ, mas wir hatten, und auch dem Gegner nichts nahn. Der Krieg nahm aber seinen Fortgang. Es war uns nicht gelungen, bezüglich der Friedenspolitik Einfluß zu erlangen. Die Massen fingen schließlich an, den Krieg mit ganz anderen Augen zu betrachten. Entbehrungen und furchtbare Verluste tamen hinzu, und all das wirkte auf die Maffen ein, und mir mußten unseren Einfluß mehr und mehr schwinden sehen. Aber wir sozialdemokratijchen Führer find der Ansicht gewesen, daß man popularität nur zu dem Zwede befiße, um sie aufs Spiel zu sehen. Die Sozialdemokraten sind jedes mal für die kriegstredite eingetreten. Unter der Regierung des Brinzen Mag von Baden wurden die Sozialdemokraten zum& in: tritt in die Regierung eingeladen. Es erhoben sich damals in den Reihen meiner Freunde warnende Stimmen, die jagten: Werfen wir uns nicht für die verlorene Sache in die Bresche, wir brauchen unsere Kräfte später! Ich sehe noch den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert; er fani von einer Besprechung mit der Reichsregierung, in der Major van dem Busche Mitteilung über die Sage an der Front gemacht hatte. Ebert fagte, diejenigen, die da fogen, es jei alles verloren, sprächen wie Spießer. Es ist der deutschen Sozialdemokratie unwürdig. Unser Baterland ist in Gefahr, und sie läßt sich nur dadurch beseitigen, wenn wir uns mit einsetzen. Wir müssen in die Regierung mit hinein". Die Mehrheit der Fraktion genehmigte dann den Beschluß. Ueber das wirken der Führer der USB. befragt, erklärt der Jeuge: Jch tenne nicht einen einzigen, dem ich zuulen möchte, daß er etwas getan hat, um die militärische Lage Deutschlands zu verschlechtern. Mir ist nichts von irgendeiner beterischen Tätigkeit der USP.- Führer betannt. Die Unabhängigen wollten feinesfalls für Annegionen fämpfen, das mar legten Endes der Schlüssel ihrer Politik. Ich glaube auch nicht, daß Dittmann eine Meuterei provoziert hat. Wenn id hier über Dittmanns Birten aussagen foll, so fann ich hier nur als Leumundszeuge auftreten. Ein Wendepunkt. Darauf gab Rechtsanwalt Pestalozza folgende grundfüßliche Erflärung ab: Die Süddeutschen Monatsheite haben in den beiden Dolchfloßheften injoweit, als sie den Inhalt und die Tendenz der dort veröffentlichten Artikel zu vertreten haben, in feiner Weise die Mehrheitssozialistische Partei als solche in ihrer vaterländischen Haltung angegriffen. Die von der Reaktion zu vertretenden Artikel geben flar zu erkennen, daß die USP. eine paterlands= feindliche Haltung cingenommen hatte. Dieler Vorwurf ist aber nicht gegen die Mehrheitssozialdemofra tische Partei erhoben worden. Ich möchte den Herrn Berteidiger der Gegenpartei der Bereinfachung halber ersuchen, daß er diejenigen Stellen, in denen die Mehrheitspartei angegriffen worden ift, hervorsucht. Es ist kein Eaz davon enthalten, daß sich die Mehrheitssozialdemokratie mit der USP im Sinne einer Schädigung der vaterländischen Interessen verbunden hat." Rechtsanwalt Dr. Hirschberg gab hierauf folgende Erklärung ab: Wir sind nunmehr an einem entscheidenden Punft des Dolchfioßprojeffes angelangt. Die Gegenseite stellt fest, daß das, was in den Büchern als Befchuldigungen gegen die Mehrheitssozialdemokratische Partei erhoben worden ist, nicht wahr ift. Die Gegenieife gibt damit Staatssetretär Capelle fagte damals:„ Sollte Amerita infolge des U- Bootkrieges sich am Ariege gegen Deutschland beteiligen, so haben wir uns nicht zu fürchten. Amerita ist militärisch eine null. Amerita hat wohl Menschenmaterial, aber keine Soldaten. 3u dem Vorwurf, der in den„ Süddeutschen Monatsheften" erhoben wird, erklärte der Zeuge Landsberg, daß an diesem Vorwurf fein Wort wahrsei. Die Sozialdemokratie sei doch in die Regierung eingetreten. Wie sollte sie dazu kommen, diese Regierung, in der fie selbst vertreten war, in die Luft zu sprengen? Hinsichtlich der Forderung nach Abdankung des Kaisers, die furz vor der Revolution von der Sozialdemokratie gestellt wurde, verweist der Beuge darauf, daß diese Forderung auf der allgemein bekanntge. worbenen Tatsache beruhte, daß Amerita, England und Frankreich jeden Frieden ablehnten, wenn nicht ein Wechsel in der obersten Spige erfolgte. Die Sozialdemokratie habe bei Nichterfüllung dieser Forderung gedroht, aus der Regierung auszuscheiden. Unrichtig sei aber, daß sozialdemokratische Führer im Weigerungsfalle mit der Revolution gedroht hätten. Da Zeuge Wels noch nicht eingetroffen ist und Abg. Scheidemann erst am 29. Oktober nach München fommen fann, wird zunächst der Zeuge Erhard Auer vernommen, der sich einleitend gegen den Borwurf verwahrt, daß der beklagte Redakteur Gruber in diesem Prozeß nur der Borgeschobene jei. Zu den Beröffentlichungen in den„ Süddeutschen Monatsheften" erklärt der Zeuge, daß der Sozialdemokratie durch diese Publikation bitteres Unrecht geschehen sei. Die Kränkung gene um so tiefer, als die Arbeit des Professors Coßmann in missenschaftlicher Aufmachung erschien, und es sich dabei nicht um eine Arbeit handele, die in der Haft der Redaktionstätigkeit in die Druckerei und zur Beröffentlichung gekommen sei. Man habe das Gefühl, daß mit dieser Arbeit die Träger und Verteidiger der heutigen Staatsform getroffen werden sollten. In der Erklärung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion vom 4. August 1914 steht der Saz:" Da machen mir mahr, was wir immer betont haben, wir laffen in der Stunde der Gefahr das heilige Baterland nicht im Stich. Diese Erklärung sei nicht aus Feigheit oder Spefulation gegeben worden, sondern aus der innersten Ueberzeugung heraus. Friz Ebert hat sich gegen das Unsinnige der verschiedentlich zur Berteilung gelangten Flugblätter gewandt und ausgeführt, in einer Zeit, in der die englischen Munitionsarbeiter auf Feier- und Sonntage verzichten, in der die ganze Welt mit äußerster Kraftanstrengung für die Entente Munition und Kriegsmaterial herstellt, in der alle feindlichen Staatsmänner grundsäglich jede Friedensbereitschaft ablehnen und unsere Söhne und Brüder an allen Fronten im furchtbarsten Trommelfeuer liegen: in dieser Zeit sollen die deutschen munitionsarbeiter streifen? Wäre das nicht Wahnsinn? Haase erklärte noch dazu: die fozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft und die Genossen haben mit der angeblichen Verbreitung von Flugblättern aus dem Auslande nichts zu fun. Auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Partei in Würzburg vom 14. bis 20. Ottober 1917 wurde nach dem vom Zeugen vorgelegten Protokoll die von der Reichstagsfraktion während der Kriegszeit vertretene Politif ausdrücklich gebilligt. Nach dem Brotokoll über die gemeinsame Sigung des Parteiausschusses und der Reichstagsfraktion berichtete Scheidemann damals über die politische Situation und erklärte zur Frage, ob Sozialdemokraten in eine zu bildende Regierung eintreten wollen, u. a.: die Situation ist so unfagbar schwer, daß uns höher als alle Parteiintereffen das Schidjal unseres Boltes, das Leben unserer Soldaten stehen muß, die draußen Tag für Tag gemordet werden. Auf Grund dieser Protokollauszüge verweist der Zeuge auf das Unsinnige des Vorwurfes, daß die Sozialdemokratie den Dolchstoß geführt und planmäßig auf die Revolution hingearbeitet habe. Der General Althoff habe die Gesamtverlufte Deutschlands auf 12 Millionen Mann geschätzt. Man darf sicher gehen, daß wohl mit der größte Teil der Verluste von der arbeitenden Bevölkerung getragen worden sei. Wenn nun behauptet mürde, die organisierte Arbeiterschaft habe den Dolchstoß verübt, so wäre das ja eine etlatante Leichenschändung. Der schwerste Bormurf gegen die Oberste Heeresleitung jei aus dem Grunde zu erheben, meil sie es unterlassen habe, einen möglichst schnellen Frieden herbeizuführen. Reichsfanzler Michaelis habe geradezu den Berständigungsfrieden hintertrieben, weil er nicht zugeben fonnte, daß angefichts des im gleichen Jahre stattfindenden protestantischen Jahresfestes ein Verständigungsfrieden auf Grund der vermittelnden Tätigkeit des Papstes zustande tam. Der Zeuge trat dann der Meinung entgegen, daß die Lebensmittelnot allein die Mannschaften zermürbt hätte. Gewiß hätten auch die Verhältnisse in der deutschen Industrie vielfach Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben. Auch Die Arbeiter hätten gewußt, dah Stahl und Eisen ins Ausland gingen, während an der Front feine Munition vorhanden war. Auch sei er in der Lage, über die Stimmung im Heere zu berichten. Er habe Tausende von Beschwerdebriefen erhalten, die sich auf schlechte Ernährung, schlechte Behandlung usw. bezögen. Die Widerspruch bei den Sozialdemokraten hervorgerufen. Auf der andern Seite hätten sie aber auch unsere Kriegsgegner zu verschärftem Widerstand angespornt. Der Zeuge erklärt, daß er sich gegen einen Waffenstillstand ausgesprochen habe mif der Begründung, daß das Revolution bedeute. Es würde niemals möglich sein, nach Ablauf des Waffenstillstandes die Waffen wieder zu erheben, und daß der Waffenstillstand das Ende Deutschlands bedeuten würde. Als man ihn gefragt habe, was er denn vorschlagen würde, habe er geantwortet, er würde ein Friedensangebot hinaussenden. Der Zeuge wandte sich dann den sogenannten Streifhezzereien der Sozialdemokraten zu und erflärte, wenn die Sozialdemokraten einen Streit während der Kriegsjahre gewollt hätten, dann wäre er auch durchgeführt worden, aber die Sozialdemokratie sei immer gegen den Streit gewesen, weil sie es als ein Unglück für das Baterland betrachtete, wenn alles stillgelegt würde. Durch die Treibereien der Annegionisten und durch das Unverständnis der Heeresleitung fei eine attive Friedenspolitik unmöglich gemacht worden. Nach dem Dafürhalten des Zeugen seien das alles die Hauptursachen des Zusammenbruches gewesen. Man habe die Sozialdemokraten oft gefragt, marum sie den Zusammenbruch nicht nerhindert haben. Die Welle der Zerstörung jei aber schon zu nahe und unaufhaltbar gewesen. Das sei der beste Beweis dafür, daß die Welle nicht fünftlich gemacht worden ist. Für die Sozialdemo fraten sei es für die Zukunft die Hauptsache gewesen, Deutschland vor dem Bolschemismus zu bewahren, und das sei den Sozialdemokraten gelungen. R.-A. Dr. Hirschberg beantragte daraufhin die Verlejung finanziellen Grundlagen der Revolution beschäftigt. eines Abschnittes aus den Dolch stoßheften, der sich mit den In diesem Auffah heißt es, daß ſich im im Nachlaß Eisners im Stückzahl und Summe der vom 25. September bis 16. November bayerischen Ministerium des Aeußern ein Schriftstück fand, das die Zeit nicht weniger als 164 727 000 art ausgegeben. 1918 ausgestellten Schecks darstellt. Eisner habe in der angegebenen der Aufzeichnung über 164 Millionen wisse er nichts zu befunden. Der Zeuge Auer erflärte: Ueber den Ursprung der Liste mit Zeit feine Behörde gab, die über 164 Millionen verfügen fonnte. Eisner habe nie Geld gehabt und es stehe fest, daß es zur damaligen Die einzigste Stelle, die dies machen fonnte, sei die Militärbehörde gewesen. Nach der Ueberzeugung Auers fönne diese Liste nur aus dem Kriegsministerium stammen. Von militärischer Seite seien wiederholt Gelder zur Propaganda im neutralen Auslande ausgegeben worden. Die Berhandlung wird auf Mittwoch vormittag 9 Uhr vertagt. Mufilaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andieasstr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. 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Jm Durchschnitt des Jahrfünfts 1909/13 wurden auf der nördlichen Erdhälfte 91,5 Millionen Tonnen Weizen und 43,1 Millionen Tonnen Roggen geerntet, zusammen 134,6 millionen Tonnen. Für das Jahr 1925 lauten die neuesten Schätzungen auf 95,6 Millionen Tonnen Weizen und 44,5 Millionen Tonnen Roggen, zusammen 140,1 Millionen Tonnen. Die geringfügige Steigerung bleibt hinter der Bevölkerungsvermehrung zweifellos weit zurüd, wenn sich für lettere auch zuverlässiges vergleichsfähiges Zahlenmaterial nicht beibringen läßt. Im einzelnen ist zu bemerken, daß Europa ohne Rußland in diesem Jahre 35 Millionen Tonnen Weizen und 21,9 Millionen Tonnen Roggen erntete gegen 35,8 Millionen und 23,4 Millionen Tonnen im Jahrfünft 1909/13. Europa ist also an dem vorstehend deutlich gemachten Ernteplus nicht beteiligt. Dies ist vielleicht ganz und gar durch Nordamerika veranlaßt, das 1909/13 durch schnittlich 24,2 Millionen Tonnen Weizen und 1 Million Tonnen Roggen( zusammen 25,2 Millionen Tonnen) erntete und in diesem Jahre 29,7 Millionen Tonnen Weizen und 1,7 Millionen Tonnen Roggen( zufammen 31,4 Millionen Tonnen). In die Schäßung der Gesamternte der nördlichen Erdhälfte ist für dieses Jahr Rußland mit 18 Millionen Tonnen Weizen und 20,8 Millionen Tonnen Roggen aufgenommen. Das bedeutet, daß die Ernte Räterußlands in diesem Jahre für beide Brotfrüchte zusammen erheblich über dem Durchschnitt der Jahre 1909/13( 18,6 millionen Tonnen Weizen und 18,7 Millionen Tonnen Roggen) liegen soll. Die Zuverlässigkeit dieser ruffischen Schäßung wird mit gutem Recht bezweifelt. Gegenüber dem Vorjahre stellt sich der Erntevergleich günstiger. Für das Jahr 1924 wird die Weizenernte der nördlichen Erdhälfte nur mit 82,2 Millionen und die Roggenernte mit 34,7 millicnen Tonnen angegeben. Das Einzelverhältnis stellt sich zwischen 1924 und 1925 in Millionen wie folgt: Europa. Nordamerika Europ. Räterußland Asien. Nordafrika. Weizen Roggen 1924 1925 21,9 1924 1925 27,7 35,0 15,2 30,9 29,7 2,0 10,4 18,0 17,6 1,7 20,8 10,8 9,9 2,3 2,9 I als 1913) und für Roggen 134,05 Cents( 113 Broz. mehr als 1913) blieb. Die Preisentwicklung Chikagos hat in dieser Zeit mehr oder weniger auch die Preise der übrigen Weltmärkte bestimmt. Seitdem haben sich die Preise in Chikago wie folgt entwickelt: Weizen 1925 1. Halbjahr Juli August September. Preis je Proz. mehr Bushel als 1913 Roggen Preis je Proz. mehr Bushel als 1913 134,05 170,70 90 113 . 152,60 70 95,95 52 159,75 78 102,40 63 65 84,25 34 57 80,65 28 148,35 141,30 1, bis 24. Oftober Die Abwärtsbewegung der Preise ist inzwischen zum Stillstand gekommen und ins Gegenteil umgeschlagen. Am 3. Oktober hat der Weizen in Chitago mit 134 Cents je Bushel seinen tiefsten Stand erreicht, nachdem der Roggen schon am 26. September bei einem solchen von 73% Cents angelangt war. Nach manchen Preisschwankungen galt der Weizen am 24. Oftober in Chitago 1423/8 Cents und Roggen 80% Cents je Bushel. Zwischendurch erreichte höhere Preise konnten nicht gehalten werden. Rüdwirkungen auf Deutschland. Die im ganzen rückläufige Preisbewegung seit Januar war durch allmählich gewichtiger werdende, weniger pessimistische Ansichten über den Grad der für Mai bis Juli erwarteten akuten Getreideknappheit gefördert und setzte sich fort unter dem Einfluß der günstigen Nachrichten über die wachsende und jetzt eingebrachte Ernte der nördlichen Erdhälfte. In den Bereinigten Staaten haben wegen deren eigener ungünstiger diesjähriger Ernte diese Nachrichten nicht ihre volle Wirkung getan. Die Abwärtsbewegung der Preise blieb dort längere Zeit gehemmt, und maßgebend wurden infolgedessen für den Weltmarkt andere Großhandelsplätze( z. B. Winnipeg in Kanada), die billigere Preise notierten. Wie das nicht selten geht in der fapitalistischen Wirtschaft, erzeugten rücläufige Preise weitere Rüdgänge gewissermaßen aus sich selbst. Sie veranlaßten überstürztes Angebot der Produzenten aus der Befürchtung, später noch niedrigere Preise zu bekommen, und sie veranlaßten Zurückhaltung der Käufer in der Hoffnung, später noch billiger anzukommen. Von überallher wird gemeldet, daß Händler und Mühlen immer noch nur die notwendigsten Posten kaufen und nur geringe Borräte halten. Die Entwicklung der Ernten seit Workriegszeiten zwingt zum regierung hat ein sehr starkes Finanzbedürfnis; fie muß, um die Rückschluß auf wesentliche Veränderungen des Konfums. Im allgemeinen Pro- Kopf- Berhältnis, das aber nur ein rohes Bild gibt, zeigt sich ein starker Rüdgang des Brotgetreideverbrauchs. Wir wissen, daß davon hauptsächlich Europa betroffen war, das nach schweren Entbehrungsjahren erst seit dem vorigen Jahre wieder eine Zunahme des Brottonjums zeigte. Soweit Deutschland in Be tracht kommt, ist aber inzwischen wieder eine Abnahme des Brotfonfums eingetreten. Typische Reihenbeobachtungen aus dem industriellen Westen des Reiches erweisen diese Tatsache deutlich genug. Der Brotgetreideverbrauch in Ostasien zeigt die entgegengesetzte Tendenz. Es ist von vielen Beobachtern darauf aufmerksam gemacht worden, daß insbesondere in China in der jüngsten Bergangenheit eine starte Ausweitung des Weizenverbrauchs eingetreten ist. Dafür sprechen auch die Verschiffungszahlen für Weizen von dem größten pazifischen Hafen Kanadas, Bancouver, nach dem fernen Often". Diese betrugen von 1921 bis 1924 in tausend Bushels: 359, 3648, 5753 und 13 534. Preise und Spekulation. Die schlechte Ernte des vergangenen Jahres in Berbindung mit der erwähnten Besserung der Kauftraft Europas hat Veranlassung zu den tollsten Spetulationsmanövern gegeben, die ihren Gipfelpunkt an der Börse von Chikago fanden. Für den Umfang dieser spekulativen Machenschaften ist charakteristisch, daß im ersten Quartal 1925 an den Getreidemärkten der Bereinigten Staaten siebenmal soviel Weizen„ gehandelt" worden ist, als die gesamte Weizenernte des Landes im Jahre 1924 befrug. Mit dringenden Angeboten waren seit der neuen Ernte befonders Rußland, Polen und Deutschland am Markte. Die SowjetErnte überhaupt aus den Händen der Bauern übernehmen zu fönnen, die Einfuhr wichtiger Bedarfsartikel forcieren und suchte sich die Mittel dafür durch schnelle Ausfuhr der zunächst erlangten Getreidemengen und durch Verkäufe, auf die sie sich Vorschüsse zahlen ließ, zu sichern. Polen ist auf die Getreideausfuhr angewiesen, um die Währung halten zu können, deren Erschütterung auch den GeGetreidehandel wegen der zu erlangenden wertbeständigen Devisen sehr exportfreudig machte. Die deutsche Landwirtschaft wie auch der deutsche Getreide handel suchte im Export die Möglichkeit, die Ernte zu mobilisieren, um zu barem Gelde zu kommen. Diese Exportbedürfnisse standen in scharfer Konkurrenz miteinander und haben die Preise nicht wenig verdorben". Es blieb der Sowjetregierung vorbehalten, aus dem Gegeneinanderwirken der Konkurrenten ein Miteinander zu machen. Es ist unwidersprochen, daß Tschitscherin in Warschau mit dem polnischen Ackerbauministerium ein Abkommen über den ruffischen und polnischen Getreiderport geschlossen hat, durch das die Absatz märkte in eine ruffische und eine polnische Einflußsphäre geteilt wurden, innerhalb deren sich die Russen und Polen feine Konfurrenz machen. Der Abschluß des deutsch- russischen Kreditvertrages diente einem ähnlichen Zwed. Nach der bekannten Erklärung des Leiters „ durch die Konjunktur auf dem Getreidemarkt begründet", und zwar der russischen Handelsvertretung in Deutschland ist dieser Abschluß deshalb, weil die Verhältnisse auf dem internationalen Getreidemarkt Rußland angeblich zwingen, das Getreide vorderhand zurückzuhalten". Diese russisch- polnisch- deutsche Allianz hat schon einen Teil ihrer Wirkung getan. Der erwähnte Umschlag der Breisbewegung, an den die seitdem wieder einflußreichste Börse von Chikago jofort stellt sich diese Wirkung wie folgt dar. Er foftete im Oktober: Mittwoch, 28. Oktober 1925 Schon tauchen Andeutungen auf, daß sich in den Vereinigten Staaten wieder ein kleiner Corner"( Spekulationsring) bildet. Gewisse Maßnahmen des Ackerbauministeriums der Vereinigten Staaten deuten darauf hin, daß man dort eine derartige Entwicklung nicht ungern sehen würde. Inzwischen mehren sich die Meldungen, daß die Sowjetregierung Schwierigkeiten hat, die Ernte in der beabsichtigten Weise für die Ausfuhr zu erfassen. Sie war bereits gezwungen, für den Getreideerport gemietete Schiffe abzubestellen. Das führte auch dazu, sich kritischer zu den russischen Ernteschäzungen einzustellen. Unter solchen Umständen ist jede Voraussage über die Entwicklung des internationalen Getreidemarftes unsicher, wie der Markt selbst. Joh. Kregen. Zu den Klagen der Schwerindustrie. Friedensdividende bei den van- der- Zypen- Werken. Schon der Abschluß der Kloedner- Gruppe, über den wir feinerzeit berichteten, hat gezeigt, daß man bei der Beurteilung der Lage der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie( abgesehen von den reinen Bechen) scharf zwei Gruppen unterscheiden muß. Die eine, die von ihrer Rohstoffbafts aus eine weitgreifende Ausdehnungspolitik getrieben hat und dadurch nach der Währungsstabilisierung in große Schwierigkeiten fam. 3u ihr gehören Stinnes- Konzern, Lothringengruppe, Rombacherhütte, StummKonzern. Die andere, die auch alle Umstellungsschwierigkeiten tennen lernte, aber durch vorsichtige Beschränkung auf ihr altes Arbeitsgebiet und durch vorausschauende Geschäftspolitik ihre Werke vor Erschütterungen zu bewahren mußte, die die Unabhängigkeit und den Bestand gefährden. Zu ihr gehören Kloedner, Hoesch, Thyssen, Krupp. Von der zweiten Gruppe liegt bisher nur der Abschluß der Kloedner- Gruppe vor, die zwar feine Dividende verteilt, aber beträchtliche Gewinne erzielt hat, die in den Werten selbst Verwendung fanden. Einen neuen und sehr wichtigen Beitrag zu der von uns immer vertretenen Ansicht, daß die heutigen Schwierigkeiten vieler montaner Großunternehmungen hauptsächlich in der unfähigen und furzsichtigen Wirtschaftsführung ihrer Beiter ihren Grund haben, lieferte die alte Bereinigte Stahlwerte van der 3ppen und Wisse ner Eisenhütten A.-G. Köln Deuh, die soeben ihren Geschäftsbericht für 1924 veröffentlicht. Auch auf diesen Werten lastete die schlechte Konjunktur sehr schwer. Von den vier Hochöfen waren meistens nur zwei, nur gelegentlich war ein, dritter im Betrieb. Die Syndikatsaufträge brachten auch hier jenen Rüdgang, der in der Weltüberproduktion und der teilweisen Konkurrenzunfähigkeit der deutschen Werte seinen Grund hat. Die Stahl-, Walz- und Hammerwerfe Deut, in den Vorfriegsbilanzen der beste Anlagenwert der Gesellschaft, hatten großenteils, mit durch das Fehlen der Reichs= bahnaufträge, eine sehr schlechte Beschäftigung. Nur von dem Blechwalzwert Wissen, das in 20 Walzenstraßen Weiß- und Feinbleche herstellt, wird ein guter Geschäftsgang berichtet. Im Jamiar d. 3. wurde der höchste bisher erreichte Versand verzeichnet. Dennoch schließt das Wert sein Geschäftsjahr mit einer Friedensdividende von 10 Pro 3. ab( 1911/13: 12, 12, 8 Proz.). Bei der Festsetzung dieser in der Montanindustrie bisher ungewohnten Dividende mögen vielleicht besondere Gründe mitgespielt haben. Ban der 3ppen ist mit den Rheinischen Stahlmerken durch eine Interessengemeinschaft mit dem PhönigRonzern als Großattionär verbunden( der PhönigKonzern befigt 80 Broz. der Aktien). Die van- der- 3ypen- Dividende follte möglicherweise die Gewinnquote erhöhen helfen, die Rheinstahl und Phönig bei dem neuen Montantrust erreichen wollten. Nichtsdestoweniger beweist die Bilanz, daß die Dividende durch die Betriebsergebnisse durchaus gerechtfertigt ist. Daran kann auch die Vorstandsbemerkung im Geschäftsbericht nichts ändern, daß ein Vergleich des günstigen Abschlusses der Zypen- Werke mit anderen Hüttenwerken nicht ohne weiteres möglich sei, weil das Unternehmen Spezialerzeugnisse herstelle. Im technischen Aufbau, in der Hauptproduktion unterscheidet fich van der Zypen nicht so wesentlich von anderen Montankombinationen. Höchstens großen Werken gegenüber iſt, in der Größe, was aber eher ein Nachteil als ein Vorteil den Nach Abzug sämtlicher Betriebs- und Geschäftsuntosten verbleibt ein Rohgewinn von 2,79 mill. M., der nach 1,01 Mill. M. Abschreibungen einen Reingewinn von 1,78 Mill. läßt. Aus diesem werden 10 Proz. Dividende auf das dividenden22,2 Mill. gegenüber 17 mill. 1913). Der Aufsichtsrat erhält berechtigte Kapital von 16,2 Mill. ausgeschüttet( Gesamtkapital Spekulation erreichte der Weizen an der Börse von Chitago am angefnüpft hat, ist nicht zum wenigften ihr gedankt. Für Weizen 108 000 m. Runb 48 000 m. mwerben auf neue Rechnung vorge 28. Januar 1925 einen höchsten Preis von 205 Cents je Bushel ( 118 Broz. mehr, als er im Durchschnitt des Jahres 1913 an der= selben Börse gekostet hatte) und der Roggen 181 Cents je Bushel ( 187 Proz. mehr als 1913). In der Folge ist zwar ein Abbau dieser Refordpreise geschehen, aber es ist eine recht ansehnliche Preishöhe geblieben, so daß der Durchschnittspreis des ersten Halbjahres 1925 on der Chikagoer Börse für Weizen 170,7 Cents( 90 Proz. mehr Nem York( Cents je Bushel) Chikago Winnipeg dito dito . niedrigst höchst am 24. Dft. 146 . . 16718 1635/8 134 116 1471 1423/8 1233/8 11,60 12,50 564 603 12318 12,25 60112 Buenos Aires( Befos je Doppelstr.) London( Manitoba I, Bence je 480 engl. Pfund). tragen. Die Abschreibungen mit 1,01 mill. scheinen zwar gegenüber einem Anlagewert in der Goldbilanz von 18,75 Mill. niedrig ( zirka 6 Proz. auf Bergmerte, je 10 Broz. auf Hochöfen und Stahlwerte, 8 Broz. auf die Blechwalzwerke). Aber diese Anlagen sind weit unter ihrem Wert angesetzt( die Stahlwerte Deuz z. B. mit 1,75 gegen 8,24 Mill. 1913), und die zu erwartende Besserung der Konjunktur rechtfertigt durchaus die AufOVERSTOLZ H N GRUS NEUERBURG ORD 70% mazedonische und 30% Kleinaftatifihe Dabate enthält unfere Overftolz- Zigarette.Der Fachmann bezeichnet diefe Mischung als echt, denn es sind ihr weder bulgarische oder altgriechische noch sonstige, unedle" Provenienzen bei gemischt. Auch der Raucher erkennt die in dieser Preislage OVERSTOLZ ungewöhnliche Qualität. Sonst wäre Overstols nicht die meiftgerauchte 5- Pfennig Jigarette Deutschlands. * nach wie vor 50fg.* 40 OVERSTOLZ fönnen, wenn er seine Gewinne nicht fapitalisiert und das Gold fapital weniger hoch angesetzt hätte. Schiebung großer Abschreibungen auf später. Dafür scheint die Ge-| dividende, wie fie der Kloedner- Konzern ebenfalls hätte verteilen sellschaft sich aber durchaus von spesenfressenden Kredit inanspruchnahmen freigehalten zu haben. Bant schulden sind überhaupt nicht aufgeführt. Eigene Afzepte sind nur mehr mit 327 498 m. gegenüber 4,82 Mill. im Vorjahr ausge= wiesen. Die Warenschuldner( 7,63 gegen 6,77 Mill.) find fast ebenso start gestiegen wie die Gläubiror( 4,16 gegen 2,68 Mill.). Die Waren vorräte haben sich mit 5,33 gegen 2,8 mill. fa ft verdoppelt. Dabei ist anzunehmen, daß diese Vorräte beträchtlich unterbewertet sind, wie sich aus der Höhe des Waren bestandes von 1913 vermuten läßt, der damals bei geringerem Bertsumfang schon 5,07 Mill. betrug. Es handelt sich also bei der van der Zypen keineswegs um eine„ Paradedividende" für die Montantrustverhandlungen, sondern um eine normale Geschäfts4 Pf | Der Geschäftsabschluß der van- der- 3ypen- Werke ist also ein neuer Beweis dafür, daß die Lage der Schwerindustrie nur teilweise und zeitweise als ungünstig anzusehen war. Teilweise, soweit Inflationskonzerne in Frage kamen, die sich ihre schlechte Lage selbst zuzuschreiben haben. Zeitweise insofern, als auch für die übrigen Konzerne die Währungsstabilisierung erhebliche Umstellungskosten brachte. Diese aber teilten sie mit der gesamten übrigen deutschen Industrie. Soweit die Welt konjunkturlage die Ursache besonderer Schwierigkeiten wurde, hat kein Kapitalist ein Recht, sich darüber zu beschweren; denn das gehört nun einmal zum Geschäft. MOSLEM Sind wieder überall erhältlich Er und ROBLEM Lebensfreude Du JH follen Wanderungen Dir geben. Fühlst Du Dich aber hinter Der wie zerschlagen, dann war Deine Wanderung nur eine Schädliche Strapaze. Woher tommt es, daß.Er", der Aufbaufalagenteßer, fröblich über Stod und Stein wandert und dabei vollen Gewinn an Lebensfreude und Körperfrische hat? Die täglichen Heinen Prisen Dr. Schröders Aufbaufalz machen es. Dir fehlt daber unes täglich 2x1 Prise AufbauSalz = 1 ganzes Leben Jugend! 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Gründerin des Frauen- u Mädchen. bildungsvereins Schöneberg, widmete fie ihr Leben in vo bildlicher Hingebung der Sache des Proletariats Wir werden ihrer stets in Treue 102 12 gedenken Die Genoffinnen und Genossen des 11. Kreises Schöneberg Friedenau. Die Einäscherung findet morgen, Donnerstag, nachmittags 42 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, statt K- r. Die Einer gründlichen Sanierungsaffion muß sich die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrit A.-G. in Düsseldorf unterziehen. Nach den jetzt mit den Banten abgeschlossenen Verhandlungen wird eine zusammenlegung des Aktiens fapitals im Verhältnis von 3: 1 nämlich von 18 auf werden durch die Ausgabe von 6 Millionen Mark Aktien, so daß 6 Millionen vorgeschlagen, und es soll dann neues Kapital beschafft dann das Aktienkapital 12 Millionen Mark betragen wird. Gesellschaft begründet die Sanierungsaktion mit der ungünstigen Geschäftslage des letzten Jahres, das auf die umfangreichen Betriebsstillegungen zurückzuführen ist. Durch die Transaktion werden der Gesellschaft ausreichende Mittel zugeführt, um mit Erfolg ihr verkleinertes Fabrikationsprogramm weiter führen zu können. Die Betriebsstillegungen sind erforderlich geworden mit Rücksicht auf die durch verschiedene Gründe hervorgerufenen Absatzschwierigkeiten. UND WENN EINMAL DAS GELD NICHT REICHT, KAUFT MAN BEI FEDERLEICHT 20% RABATI auf die geleistete Anzahlung werden dem Vorzeiger dieses Inserates in allen unseren Abteilungen sofort qutqeschrieben. DAMEN AUF KLEIDUNG KREDIT PELZE KREDIT PUR DAMEN AUF HERREN feder BRUNNENSTRASSE 1 AVIOLE idial ai FRANKFURTER ALLEE 350. KOTTBUSER DAMM 103. CHARL SCHARRENSTR 5. MITGLIED DES REICHSVERBANDES DES KREDITGEBENDEN EINZELHANDELS Unserem lieben Genoffen ZAHLUNGSDeutscher Metallarbeiter- Verband Hermann Bernstein und Frau, ERLEICHTERUNG ung! Gefenheimer Str. 12, zum 25 jähr. Chejubiläum die herzlichsten Glückwünsche. Die Genoffen der 57. Abt. 77. Abteilung( Schöneberg). Am Sonnabendnachmittag 21/2 Uhr verstarb nach langem Leiden im 71. Lebensjahre unsere treue Bortämpferin, die Genossin Emilic Baumler Berlin- Schöneberg, Meininger Str 8. Shre langjährige, aufopferndeTätig feit innerhalb der Organisation wird uns ftets in dankbarer Erinnerung bleiben. Ehre ihrem Andenken. Die Einäscherung findet morgen Donnerstag, nachmittags 4/2 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, statt. Rege Beteiligung erwartet Der Abteilungsvorstand. Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Lieferung schon nach Einlösung der 1. Rate. STANDARDQUALITATS- P DEMUSIN PIANO- FABRIK BERLIN O 27 BLUMENSTASSE Nr. 70 Verlangen Sie sofort kostenlos „ PIANO"-Offerte Katalog mit Zahlungsbedingungen. Inferieren bringt ERFOLG! Billig verkauft mit kleinen Raten Möbel jeder Art Teilzahlung oder bar Möbel- Gross Große Frankfurter Straße 141 Kastanienallee 103( a. d. 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Vierzehn Tage war die ganze Belegschaft schon gekündigt, die arbcitsgeseglichen Formalitäten waren erfüllt. Wenn kein Wunder gcs6»ah, muht« das Werk stillgelegt werden, eine lodernd« Flamme der Arbeit mehr auf dem Altar der Arbeit erlöschen. Ob für lange? Ob für immer?— Nichts Ueberraschendes für die Leute— man hatte es längst kommen sehen. Auch nichts Neues— es war ja überall dasselbe, im nächsten Ilmkreis, im Lande, auf der ganzen Welt. Kein Trost für einen, den es traf, auch kein« Hoffnung. Die große Mrtschastskris«, das mangelnde Kopital, die allgemeine Blutleere zerstörten den Wirt- schaftskörper. Sturmvögel umkreisten seit langem das Werk, Boten des nahenden Unheils, des kommenden Zusammenbruchs. Mit un» pünktlichen Lohnzahlungen setzte es ein. Abzüge und Lohnstreitig- leiten zwischen Leitung und Belegschaft waren an der Tagesordnung. Schleppender und schleppender wurde der Geschäftsgang, immer weniger Rohmaterial, immer schlechteres kam ein, schließlich blieb es ganz aus. Der Betrieb zehrt« von der Substanz, unproduktiv« Arbeit wurde geleistet. Die Arbeitsdisziplin, der Stolz des Werkes, bröckelte sichtbar ab. Offerten blieben aus, neu«, fremd« Gesichter tauchten in den Anmelde- und Wartezimmern auf. Jeder nahende Ultimo erzeugte fieberhaft« Unruhe. Ob wohl Geld einkommen wird? war stets die Frage oller. Dispositionen wurden in einem Atem gegeben und widerrufen, vi« Lager leerten sich, kein Zugang ergänzte sie. Arbestsunlust machte sich allenthalben breit, ergriff den alten Stamm. Konferenzen in den Prioatkontoren der Leitung jagten ein- ander. Unerfreuliches fand seinen Weg durch gepolsterte Türen. Hinter der ausgehenden War« her lief der Bote mit quittierter Rechnung. Die Lieferanten drängten, die Kunden lärmten, die Banken stöhnten und schickten Kontoauszug über Kontoauszug. Aufgeregt« Telephongespräche und lebhaste Auseinandersetzungen erfüllten di« sonst so stillen Kontore und drangen in di« Hallen, in die Werkstätten, in di« Arbeitssäl«. Kein Wunder geschah— di« Zeit des Werkes hatt« sich erfüllt. ,.. Letzte Löhnung, letzt« Schicht!... Roch klappern die Schreibmaschinen in den Kontoren, rascheln Papiere, kritzeln Federn. Die Unterschriftemnappe wandert wie immer ins Prioatkontor, die letzt« Post ist fertig. Draußen überm Hof dröhnen die Maschinen, fauchen die Ventile, strömt der Dampf und singen die Motoren das Lied der Arbeit und das Abschiedslied: schwer und schwarz entquillt der Rauch dem Schornstein, senkt sich wie eine Trauerfahl»« über das Fabritgelände. ... Als erster verläßt der Chef di« Bureauräume, wortlos, stumm nickend, fröstelnd in seinen Mantel gehüllt:«n Junge schließt die Türe hinter ihm. Dann schwirren holblaute Gespräche, Wortfetzen durchbrechen die drückend« Stille:„Was jetzt werden soll? Ja, wenn ich das wüßt«... Die sichern haben schon recht gehabt, als si« gingen vor zwei Monaten.., wenn auch nicht viel, ober sie sitzen warm... Na. und die klein« Vüll«r? Di« hat auch gewußt, wo sie bleibt... Ich? Ich werde mit einem Freund zusaminengehn, der hat sich da ganz nett eingerichtet... Was ich mache? Kunst- stück! Stempeln, stempeln, immer stempeln, so lang es geht: dann Arbeitsnachweis und so... Was? Adressen schreiben? Schon faul, so was di« letzt« O«lung... Bin n«ugi«rig, wann die Ära drankommt, auch Begräbnis erster Klosie... Meine armen Gören, meine arme krank« Frau! Und ich zu alt. zu alt... Kopf hoch, mein Lieber, noch ist Polen nicht verloren... Warum denn weinen, wenn man auseinander geht, summt ein Unbekümmerter— dann klappen Pultdeckel, klirren Schlüsiel, Kästen über Schreib- Maschinen schließen sich knallend, Moppenschlösier knacken und einer nach dem andern verschwindet aus den weiten Räumen, scheu— •(•brückt. Ad«!— Gähnende Leer« bleibt zurück. ..... Letzt« Schicht! Früher als sonst rüstet der Betrieb zum Feierabend. Ein Antrieb nach dem andern wird ausgeschaltet, eine Maschine nach der andern kommt zum Stehen, ein« Scheibe nach der andren macht di« letzt«, halbe, viertel Drehung, die Riemen fallen klatschend, ein« Stimme nach der andern verschwindet aus dem lärmenden Konzert der Arbeit: nur des Basies Grundgewolt. die großen Antriebsrvellen drehn sich blitzend, nrmmenniid und brummen den kleineren Kameraden spöttisch zu: Schon so müd? Schon so müd? Was sind da, für Kerle... Die Motoren knattern noch einmal ärgerlich— das Riesenschwungrad saust wie sonst! ... Ein Mann nach dem andern legt sein Handwerkzeug bei Seite, einer achtlos und gleichgültig, der andere mit der Sorgfalt jahrzehntelanger Uebung, fleischgewordener Gewohnheit: wie unbe- wüßt streicht mancher noch mit raicher Hand liebkosend über di« ihm liebgeworden« Maschin«— Abschied vom Freund und vom Er- nährer. Dann suchen sie di« Waschräume auf, wechseln die Kleidung, packen ihr« Sachen zum schweißgetränkten Bündel und treten Mann für Mann zur Löhnung an und zum Empfang ihrer Papiere.— Das Heer der Arbeitslosen ösfnet seine Reihen. Im Kesielhaus stehen die Maschinisten vor den Kesieln und prüfen Wosierstand und Manometer ganz wie sonst— zum letzten Mal«: die Feuerleute reißen die schon ersterbenden Gluten ausein- nnder'— ein Hebelruck und durch di« weiten Arbeitsräume geht ein Zittern, das schnell erstirbt, dem ties« Still« folgt— das Herz der Arbeit steht. Und die Sirene gellt— heiser und bang— den Tod des Werkes in die Welt. Sprien unö seine kllärchenstaöt. Don Romi. In Syrien und in Damaskus selbst, seiner zauberhaften Haupt- stadt, knallen die Gewehr«. Frankreich, das schon seit Napoleons Zeiten seine Fänge nach diesem herrlil�n Borgland ausgestreckt, führt einen schweren Kampf mit den chnstlichen und mohammedanischen Arabern. Syrien zu besuchen(wie etwa Aegypten oder Japan), log nicht im Zuge der Mode, und so kennen es nur ver- holtnismäßig wenige Europäer. Und doch birgt es eine Füll« von Sehenswertem und von Schönheiten. Schon sein Hafen Bairut liegt prachtvoll zwischen Berg und See. Und min steigt die L'- banonbahn empor zwischen einer geradezu üppigen Vegetation von Palmen und blühenden Fruchtgärten. Immer neu« Ausblicke auf dos langsam zurückweichende, tiefblaue Meer und aus die schnee- bedeckten Kuppen des Libanon und Antilibanon bietet diese herrliche, überaus gut gebaute und komfortable Bahn. Dann die große Einöde weiter, hochgelegener Bergtäler. Nur Hirten hausen hier. Zwar die berühmte Libanon-Zeder findet man nicht mehr. Man hat sie bis auf wenige Eremplare vertilgt. Ueber Rojok(wir tauften sie die Hammel- station) nach Baolbek mit den berühmten Ruinen de, Sonnen- tempels, dm größten des Altertums, mit den höchsten Säulen, in die sich die Nachfolger Mohammeds einbauten und einnisteten. Wie konnte die primitive Technik des Altertums solche Säulen aufrichten?! Dan geht es abwärts in weite Täler und durch wieder engere inmitten gelber Felswände. Eine biblisch anmutende Landschaft, mit biblischen, wasserschöpfenden, halboerschleierten Frauen. Und endlich Damaskus, die orientalischste der Großstädte des näheren Orients. Preis und Lob dir, du märchenhafte— du hast mir den Glauben an„Tausendundeine Nacht" und die Echtheit Reinhardt- scher Inszenierungen(„Sumerun") wiedergegeben! Liegt da nicht der Kalif Harun ol Raschid eben um die Ecke? Dagegen sind Kairo und Konstantinopel onentalisierte Europäerstädte. Dies ist endlich der unverfälscht« Orient mit seinen malerischen Gassen und Gäßchen, mit seinem Geschrei und Getöse(zuweilen auch seinem Schmutz und seinen Gerüchen), mit bepackten Kameltarawanen und dito Eseln, vor denen man sich eng an die Hauswand schmiegen muß. um nicht mitgerissen zu werden. Man blickt in traumhafte Höfe mit rauschen- Die Unterernährten öes Weltkrieges. „Generalstabtoffiziere. Redakteure. Geheimräte sind die Sachverständigen und Zeugen im Münchener volchstoßprozeh. An» lädt man nicht! Und wir haben doch auch nichts vergessen!" den Springbrunnen und Säulengängen ringsumher, bald in«ine malerisch- schmutzige Karamanserei. in der die Dromedare schreiend logern. Vor den kleinen Cases— alle Typen Asiens und Afrikas sind vertreten— hocken die bunt oder weißgekleideten Turban- »röger auf Matten oder niedrigen Sesseln und rauchen ihre Wasser- pfeife oder Zigarette, schweigsam dem Kif, dem süßen Nichtstun, hingegeben. Dos Land ist fruchtbar, der OrieMale genügsam— er braucht nicht viel. Neben dem Notionalstolz des Arabers ist dies wohl einer der Gründe, daß Syrien sich so schwer europäischen Händen und ihrer Tatkraft unterwirft. Wer arbestet hier gern?I Die Männer am wenigsten. Orient! Natürlich trieben wir uns oft und lange in den riesigen Lasar- Hollen und-strahen umher, wo alles nach Handwerken und Gewerken geordnet ist. Denn Damaskus ist eine große Handelsstadt. Afrika »nd Arabien treffen sich dort. Man kann wundervoll« Teppiche kaufen, prächtig eingelegte Tische, Stickereien und Juwelen, aber auch den größten Europäerkitsch und Schund. Viele dieser„Do- maszener�klingen dürften in Solingen oder Manchester zur Welt gekommen sein, wie di« Ambraketten und unechten Perlen in Böhmen. Man kauft im allgemeinen billig. Freilich, in einer„Fabrik", einems kunstgewerblichen Großbetrieb, wo gehämmerte und getriebene Messinawaren und Intarsienmobel hergestellt wurden, entdeckten wir die beschämend« Ursache dieser Billigkeit. Hauptsächlich führten Kinder bis z»— fünfjährigen herab, das Einhämmern der Ber- zierungen(ost mit Silberdraht umrandet) aus. Vor den» Kriege betrug der Lohn bis— man staune— zu 20 und 30 Pfennige herunter, nicht pro Stund«, sondern pro Tag. Ob es jetzt besser ist? Freilich leben diese Menschen von«inigen Gurken und Zwiebeln zu ihrem Brot und versüßen es mit einheimischen Orangen, Datteln und Feigen. Wird Frankreich das bessern? Europas Einfluß ist auch sonst nicht immer von Segen für dies Land und Vrlk. Früher. erzählte man mir, führte jeder Arbeiter„sein" Stück nach eigenem Ermessen aus und bedeckte es mit Ornamenten seiner eigenen Erfindung(wie einst die Hondwerkerkünstler in Augsburg und Nürn- berg). Bei einzelnen Prunkstücken ist das noch jetzt der Fall: im allgemeinen aber kommen die Messingplatten und Formen aus— Europa und werden in Damaskus mit schablonenhaften orientalischen Verzierungen versehen. Dieser Großbetrieb hat auch dort fast olles an sich gerissen und die meisten Kleinbetriebe und Handwerker ver- drängt. Auch Teppichfobriken besuchten wir. di« freilich, nach alten Mustern und pflanzengefärbten Wollen und Seiden, noch prachtvolle Stücke herstellen, an denen viele Monate, zuweilen Jahre, mit der Hand geknüpft wird. Hier sind fast nur Frauen und Mädchen tätig. Altererbt« Tradition spricht da mit und die feiner« Hand der Frau. Aber selbst diese„Äunstgewerblerinnen* werden sehr schlecht bezahlt. Die Türkei hatte hier vor dem Krieg« eine riesige Militärmacht vereinigt, die in großen Kasernen außerhalb der Stadt lagerte. Diese Gebäude sind es wohl, von deren Beschießung und Bekämpfung die Depeschen melden. Wie jammerschade wäre es, wenn dies« von allen Orientzaubern umglänzte Innenstadt mit ihren alten Moscheen (Johannes des Täufers Haupt ist in einer begraben und ruht in einem kleinen prachtvollen Kuppelbau inmitten der„Großen Moschee"), wenn di.es auch nur teilweise von Fliegerbomben und Geschützen zerstört würde! Umringt ist diese märchenhaste Stadt, die auch von altein- gesessenen syrischen Christen bewohnt wird(Paulus, der Apostel, fand hier den„Weg nach Damaskus"), von großen, prächtigen Gärten, Palmenhainen und wohlbewässerten Gemüse- und Obst- plantagen. Dahinter kommt dann die steinige Wüste und sonnenheihe Ebene— der Weg nach Palästina und Arabien. Wer dich je sah, du prächtige Kalisenstadt(von Bagdad zogen sich diese Sultane später nach dieser neuen Hauptstadt), du Perle des Orients, die jeder Muselmann liebt, und die zu besuchen für ihn verdienstlich ist(zumal, wenn es nach Mekka geht), der wird deiner nie vsrgessen. Die„Sieben Steinhäuser�. Die„S iebcnSteinhäuser" in der Lüneburger Heide (im Kreise Fallingbostel) sind eins der gewaltigsten und ehrwürdig- stcn Denkmäler aus vorgeschichtlicher Zeit. Es gibt zwar größere Steinsetzungen an anderen Stellen, aber die Art der Häufung der Gräber an dieser Stelle ist doch einzigartig. Bekanntlich sind von den sieben Steinhäusern zwei zum Zwecke von Landstraßenbauten zerstört worden, so daß nur noch fünf erhalten sind, die weitab von ollen größeren menschlichen Siedlungen in tiefster Still« und Verborgenheit auf einem Heidehügel ruhen den man seinerzeit mit Kiefern aufgeforstet hat. Die„Sieben Steinhäuser" haben neuer- dings wiederum dos Interesse der Archäologen gefunden, und es ist der erste Direktor des Provinzialmuseums zu Hannover, der Landes- archäologe Dr. Jacob-Friefen gewesen, der sein besonderes Augen- merk diesen Hünengräbern zugewandt hat. Man dachte an neue Ausgrabungen, sah aber bald, daß hierfür nur noch e i n Grob in Betracht kam, das an sich am besten erhalten und in seinein Innern fast ganz mit Sand angefüllt war. Diese Steinkammer ist dann schließlich geöffnet worden. lieber das ganze Ergebnis der Nachforschungen und Grabungen teilt nun Dr. Iacob-Friesen in einem Büchlein„Die sieben Stein- Häuser im Kreise Fallingbostel" u. a. folgendes mit:„Auf dem Boden der Kammer fanden wir drei große Knochenhaufen,«inen in der Mitte, ungefähr dem Eingang vorgelagert, den anderen in der linken und den dritten in der rechten Hälfte der Kammer. Schon der erste Blick auf diese Knochenhaufen zeigte, daß es sich hier nicht um Beisetzungen handelte, die noch in ihrer ursprünglichen Lagerung erhalten waren, sondern daß es wirr zusammengeschobene Knochen- Haufen waren, deren einzelne Bestandteil« immer verschiedenen Individuen angehörten. Diese Beobachtung darf uns nicht stützig machen, denn ähnliches haben wir auch in skandinavischen Gräbern festgestellt. Diese Steinkammern»varen eben Erbbegräbnisse, und wenn man sie wieder öffnetg. um neue Bestattungen vovzu- nehmen, schob man eben die Knochen der früheren Bestattungen auf einen Haufen zusammen. So entstanden große Knochenlager, von denen das im rechten Teil der Kammer befindliche allein die Bruchstücke von mindestens 18 Schädeln enthielt. Ein Ueberblick über das Knochenmaterial wird natürlich, wenn es in solchen Hausen und nicht in der ursprünglichen Lagerung gesunden wich, außerordentlich erschwert. Wir haben aber sorgfältig alle einzelnen Knochenteile geborgen, und es wird der Geschicklichkeit unserer Prä- paratoren wohl gelingen, das Material so zu rekonstruieren, daß es für wissenschaftlich« Untersuchungen brauchbar wird. Die einzige Bei- gäbe roar«in Feuersteinmesserchen am Unken Knochenhausen. Nach- dem diese drei unteren Knochenhausen angelegt waren,, muß man. die Kammer mit Sand angefüllt haben, um auf dieser etwa 20 bis 28 Zentimeter starken Sandschicht wiederum Bestattungen aufzubringen. Hier fanden wir in einer Tiefe von 120 bis 140 Zentimeter in drei kleineren, nicht so wirren Hausen, links, in der. Mitte und rechts wiederum Skelettreste. In dieser Schicht trat nun eine ganze Reih« von Funden auf. Die Scherben eines großen unverzierten, außen gerauhten Tongefäßes fanden sich über eine große Fläche verstreut. Dieses Gefäß war demnach absichtlich zerschlagen und Oskar Montelins, der in schwedischen Gräbern ähnliche Beobachtun- gen machte, glaubt, daß die Tongefäße beim Leichenschmaus ge- braucht und dann zertrümmert wurden." Außerdem wurden mehrere weitere Gefäß« und Gefäßscherben sowie einige FeuersteiniNesser gefunden, des iveiteren merkwürdigerweise auch ein Branzeqegen- stand, nämlich ein Bronzeband van etwa V/t Zentimeter Breite und 1 Millimeter Stärke. Es lag neben einigen wenigen verbrann- ten Knochenstückchen. Diese Sachen sind zweifellos erst in einer viel späteren Zeit beigelegt worden. Im ganzen saßt Dr. Jacvb-Fricsen das Ergebnis in den Worten zusammen:„So brachte dieses eine Steingrab Fund«, die für die Urgeschichte Niedersachsens van größter Bedeutung sind und deren Wert' dadurch noch erhöht wird, daß npr zum ersten Male in Niedersachssn Skelettmaierial aus den Riesen- steingräbern bergen konnten, das für die Rassenförfchung zweifellos von größter Bedeutung sein wird. H. W. Vorgeschichtliche Amerikaner. Di« wissenschosiliche Forschung hat über die Vorgeschichte des Amerikaners bis jetzt noch nicht allzu viel Tatsachenmaterial zutage fördern können. Es bedeutet des- halb«inen wichtigen Fortschritt, daß man in Trenton am Delaware- sluß einen Fundart entdeckt hat, der ja manche neuen Ausschlüsse über das Alter des Menschen aus dem amerikanischen Kontinent bietet. Daß dt« Emwanderung der ältesten Bewohner Amerikas auf dem Wege über die Beyringstraße von Asien her erfolgte, worauf die Verbreitung noch Nord uird Süd stattfand, kann heute als Tatsache gelten. Es hat sich aber bis jetzt noch nicht feststellen lassen, zu welcher Zeit diese Emwanderung vor sich ging. Nun hat man zwar an vielen Orten im Norden Amerikas Reste mensch- licher Skelette gefunden. koi»nt« an ihnen aber kein sehr hohes geologisches Alter erkennen, überhaupt boten sie keinen sicheren An- Haltspunkt für eine evakte Zeitbestimmung. Besseren Ausschluß gaben dagegen die Funde-von Trenton, die vor allem Reste istr Lenape-Jndioner umfaßten. In der durchforschten Erdschicht fanden sich außer Geräten, die aus geschlagenem Qliarzit und Argitit her- gestellt waren, auch fossil« Reste des Moschusochsen. Daraus läßt sich schließen, daß es sich hier um eine aus der Eiszeit stammende Ablagerung handelt. Auch in der unter dieser Ablagerung liegen- den Erdschicht fand man noch roh behauen« Geräte aus Quarz und Ouarzit. Diese Funde haben also in erster Linie die Tatsache er- wiesen, daß Amerika schon vor Beginn der geologischen Jetztzeit von Menschen bewohnt roar. Was die Zeit der Einwanderimg aus Asien her betrisstz so oertritt die Forschung zum Teil die Annahme, daß erst in der letzten Nacheiszeit die Menschen den amerikanischen Kontinent zu bevölkern begannen, zum Teil nimmt sie an, daß die Einwanderung im Verlauf einer wannen Zwischenzeit erfolgte.- Auch in Südamerika fanden sich Spuren und Reste, die ver- mutlich von fossilen Menschen stammten, und zwar namentlich in Argentinien, doch weisen diese Reste die gleichen Merkmale auf, die dem Gegenwartsmenschen eigen sind. Dann fand man auch in Patvgonien aus Stein behanen« Geräte von paläolithischer Form, allein auch von ihnen läßt sich nicht genau feststellen, aus welcher Zeit sie herrühren. Aus den bisherigen Feststellungen kann man aber jedenfalls den sicheren Schluß ziehen, daß die Menschen auch nach Südamerika schon in einer ziemlich frühen Erdepoche ein- wanderten, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach erst im Quartär, und zwar zu der Zeit, als Mastodon und Wildpferd lebten. Als Weg von Norden noch Süden diente diesen ältesten Bewohnern des aweri- konischen Kontinents zweifellos die mittelamerikanische Landbrücke. Di« älteste Siedlung Bayern». Nicht weit von einem der neuesten Kulturwerke Bayerns liegt auch die ästest« bayerisch« Sied- lung. di« bisher gesunden worden ist. Dicht beim Walchenseewerk im sogenannten Altjochwinkel zwischen Kochelse« und Herzogsstand erhebt sich ein bewaldeter etwa 100 Meter hoher Hügel. Rings Up» ihn zieht sich ein Steinwall, der heute noch zum größten Teil erhalten ist. Dann lausen in konzentrischen Halbkreisen, die sich gegen die Spitze des Hügels zu immer mehr verengen, noch mehrere Wälle, nur durch Zugange unterbrochen. Di« ebene Fläch« auf der Spitze war die letzte Berteidigungs- und Zufluchtstätte in Zeiten des Kampfes, auch wohl Versammlungsstätte. Am äußeren Wall lagen stufenförmig angelegt die Wohnstätten. Außerhalb des Burg- bereiches wurden Urnenlager, also Begräbnisstätten gefunden. Innerhalb der Siedlung selbst aber ebensalls Knochenreste. Stein- waffen und Bronzegerate. Die Siedlung dürste in» zweite Jahr- tausend». Chr. zu oerlegen sein, t TOTSCHET WERNE MARKE GOLDSTÜC SWEINBRENNERZIEN Stück A. Hanai REINER WEINBRAND Boldſtück Deutscher Weinbrand Stück Ritöre Theater, Lichtspiele usw. Volks bühne Theat. d. Westens 8 Uhr: Das große Der Kaufmann Operettenhaus von Venedig Morgen 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig Staats- Theater Opernhaus Tägl. 8 Uhr: Gastsp. Hubert Neves Theater am Dir. A. Hellmer SU. Lessing- Th Gier unter Ulmen von O'Neill Gerde Müller Wegener, Müthel BU. Kleines Th Letzte Vorstellungen! 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Herrnfeld Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: lu. Ferd. Grünecker Komische Heilige Ente Oper Abonnem.- Turnus 1 Deutsches Theater 72 Uhr: Der 81 Dir.: James Klein 814 GrößteRevue der Welt Kreidekreis von von Klabund Kammerspiele 8 Uhr: Parable will nicht heiraten von Jerome K. Jerome Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Uhr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Berliner Theater Gastspiele des Moskauer Künstler- Th. Musikal. Bühne Letzte Woche! Mittwoch 8 Ubr: " ADIS Z bis Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Parkett 6.- M. Preise 2. bis 12.- M. ( Logen 15.- M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet WINT DORTEN 8 Ange Piton Little Tich Englischer Excentric( Die Tochter der Mad. Angot) 8 Uhr: Circes Heirat Trude Hesterberg Oskar Sabo Adolphe Engers André Mattoni Thalia- Th. 8 Uhr: 1/2 6 nur 50 Pfg. 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Reichsdeutscher, seit zwei Jahren Chefredakteur eines Parteiblattes im Auslande und Korrespondent ausländischer Parteizeitungen, 8 Jahre im Beruf, 11 in der Partei, 6 Semester Volkswirtschaft und Germanistik, 3 Theatergeschichte und Bühnenkunst, Sprachkenntnisse, Leitartikler, Feuilletonist, Kritiker, auf allen Redaktionsgebieten firm, mit erstklassigen Referenzen führender Parteigenossen, sucht neuen Wirkungskreis( evtl. auch Ausland), da voraussichtlich Landesverweisung erfolgt. Antritt jederzeit nach, Arbeiterpresse"-Bedingungen. Angebote unter D. 50 an die Hauptexpedition des ,, Vor wärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3.